Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Dar ms tad t, Rheinstraße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 113 Jieuefte Jiac^nWen Donnerstag, 9. November 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 39 25. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

„So stark wie Rußland werden!“

Die außenpolitische Erklärung Adenauers vor dem Bundestag

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 8. November. Die Bundesregierung hat sich in einer Entschließung, die Bundeskanzler Dr. Adenauer Mittwoch mittag im Bundestag verlas, dafür entschieden, daß die Bundesrepublik Deutschland, wenn sie von den westlichen Mächten dazu aufgefordert wird, bereit sein muß, einen angemessenen Beitrag zum Aufbau einer westlichen Abwehrfront zu leisten, „und zwar um ihren Fortbestand, die Freiheit ihrer Bewohner und die Weitergeltung der westlichen Kulturideale zu sichern“.

Deutschland hat die Leistung eines Beitrages aber davon abhängig gemacht, daß Deutschland in der Abwehrfront die volle Gleichberechtigung mit den übrigen an ihr teilnehmenden Partnern erhält, und daß die Stärke der Abwehrfront genügt, um jede sowjetische Aggression unmöglich zu machen.

Die achtstündige Debatte im Anschluß an die Erklärung des Bundeskanzlers hat nicht dazu beitragen können, die bekannten Gegensätze zwischen der Bundesregierung und der sozialdemokratischen Opposition zu überbrücken. Eher sind diese Gegensätze noch schärfer zutage getreten. Dabei dürfte sich die Opposition klar geworden sein, daß sich die Bundesregierung nicht von ihr abhängig fühlt, was eine Zeitlang der Fall zu sein schien, als von sozialdemokratischer Seite behauptet wurde, die Westalliierten würden sieh nicht damit begnügen, wenn nur eine knappe Mehrheit im Bundestag den deutschen Beitrag beschließen würde. Der Bundeskanzler betonte nicht umsonst, daß die Aufstellung deutscher Truppenkontingente keinen verfassungsändernderi Charakter habe, und daß ein entsprechendes Gesetz vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen werden könnte.

Dementsprechend war die Reaktion Dr. Schumachers auf die Regierungsentschließung ungewöhnlich heftig. Mit keiner Silbe habe ihm der Kanzler in der Unterredung am Vortage von einer solchen Entschließung Kenntnis gegeben. Diese Entschließung sei der Bruch aller Versprechungen. (Ausführlicher Bericht siehe Seite 2.)

Positiv aufgenommen

Paris, 8. November, (dpa) Die erste Re¬ aktion maßgebender Vertreter des französischen Außenministeriums auf die außenpolitische Erklärung des Bundeskanzlers am Mittwoch war durchaus positiv. Vor allem wurden die Stellen in der Rede Dr. Adenauers mit Genugtuung verzeichnet, die erkennen ließen, daß die deutschen Befürchtungen geschwunden seien, der Pleven-Vor schlag enthalte Diskriminierungen und die Bundesrepublik würde im Rahmen einer zukünftigen Armee nicht völlige Gleichberechtigung eingeräumt erhalten.

Schwerin-Stab aufgelöst

Bonn, 8. November, (dpa) Der Beauftragte der Bundesregierung für die Unterbringung der alliierten Besatzungstruppen, Blank, hat die bisherige Dienststelle des früheren militärischen Beraters der Bundesregierung, Graf Schwerin, aufgelöst. Bundeskanzler Dr. Adenauer hatte den Grafen Schwerin bereits kürzlich aus seinem Amte entlassen.

Pleven sucht Kompromiß

London, 8. November, (dpa). Der französische Ministerpräsident Pleven bemüht sich, gegenwärtig, zwischen den abweichenden amerikanischen und französischen Ansichten zur Frage des deutschen Verteidigungsbeitrags eine Kompromißlösung zu finden, teilt der Pariser Korrespondent des konservativen britischen Daily Telegraph seinem Blatt mit. Er fügt hinzu, französische Regierungsvertreter seien überzeugt, daß ein Kompromiß erzielt wird. Die Franzosen sind jetzt geneigt, deutsche Einheiten zuzugestehen, deren zahlenmäßige Stärke zwischen einem Regiment und einer Division liegen soll.

Nicht nur über Deutschland

Frankreichs Meinung zum Sowjet-Plan

Paris, 8. November (dpa). Die französische Regierung ist der Ansicht, daß eine Viermächte-Konferenz sich nicht nur auf das Deutschlandproblem beschränken, sondern alle Meinungsverschiedenheiten, die zur Zeit zwischen den Nationen stehen, umfassen sollte. Dies erklärte am Mittwoch ein Sprecher der französischen Regierung.

Wyschinski für Annäherung

Washington, 8. November. (AP.) Der sowjetische Außenminister Wyschinski hat am Dienstagabend in Washington erklärt, er glaube nicht, daß rotchinesische Truppen in Korea im Kampf ständen, es könne sich „nur um einige Freiwillige“ handeln.

Er brachte ferner die Hoffnung zum Ausdruck, daß sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion um des Friedens willen wieder einander annähern würden.

Sowjets wieder aktiv

Tokio, 8. November, (dpa) Völlig unerwartet nahm die Sowjetdelegation am Mittwoch zum erstenmal seit März wieder an einer Sitzung des alliierten Rates für Japan teil.

Wahlsieg um Haaresbreite

Nur ganz knapper Vorsprung der Demokraten in Amerika

Neuyork, 8. November, (dpa) Nur um Haaresbreite ist es der demokratischen Regierungspartei der Vereinigten Staaten bei den Wahlen am Dienstag gelungen, vor der überraschend starken republikanischen Opposition die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses zu behalten. Fest steht, daß die Demokraten künftig mit weit größeren Schwierigkeiten zu rechnen haben werden, um ihren innen- und außenpolitischen Kurs fortzuführen und neue Programme durchzusetzen.

Die geringstmögliche Mehrheit haben die Demokraten im Senat erzielt, wo 36 Sitze neu gewählt wurden. Von den 96 Senatssitzen nehmen die Demokraten nach dem Ergebnis der Dienstagwahl 49 und die Republikaner 47 ein. Fünf Senatssitze haben die Demokraten damit an die Republikaner verloren.

Bei den 435 Sitzen des Repräsentantenhauses liegen die Republikaner zwar weiter hinter den Demokraten zurück als im Senat, haben aber auch hier ihre Position merklich verbessern können. Nach dem letzten Stand wurden 220 Demokraten und 174 Republikaner ins neue Haus gewählt. Im letzten Repräsentantenhaus betrug das Verhältnis 264 Demokraten gegenüber 170 Republikanern. Ins Gewicht fällt, daß die Republikaner bei ihren neugewonnenen Sitzen im Senat starke Lücken in die Führerschaft der demokratischen Senatoren gerissen haben. Sie entthronten einige der bedeutendsten demokratischen Senatoren

Acheson bleibt

Washington, 8. November, (dpa) Der amerikanische Außenminister Acheson erklärte am Mittwoch, er habe nicht die Absicht, auf Grund der Wahlergebnisse von seinem Posten als Außenminister zurückzutreten. Er wies damit gleichzitig den Bericht des amerikanischen Kommentators Pearson zurück, in dem behauptet worden war, daß Präsident Truman den Oberrichter Carl Vinson zum neuen Außenminister ernennen wolle

Vor neuer Offenstve um Chongchon?

Die Amerikaner verhängen zeitweilige Nachrichtensperre

Tokio, 8. November. (AP./dpa) Eine große kommunistische Fahrzeugkolonne befindet sich nach Berichten der Luftaufklärung der Vereinten Nationen gegenwärtig im Anmarsch auf die Chongchon-Front. Auch die UN-Truppen ziehen Verstärkungen heran. Militärische Beobachter glauben, daß eine schwere Schlacht an der Chongchon-Linie unmittelbar bevorsteht.

Die kommunistische Kolonne wird als die stärkste bezeichnet, die seit Beginn des Korea-Krieges beobachtet wurde. Sie soll sich aus rund siebenhundert Fahrzeugen zusammensetzen. Auch unmittelbar nördlich des Jalu-Flusses auf mandschurischem Gebiet wurden umfangreiche Nachschubbewegungen von Mannschaft und Material festgestellt, die darauf schließen lassen, daß auf chinesischer Seite weitere Verstärkungen für die koreanischen Truppen geplant sind.

Amerikanische Abwehroffiziere haben am Mittwoch eine völlige Nachrichtensperre für das Gebiet zwischen dem Jalu-Fluß und der Front in Nordwestkorea verhängt.

Sie versicherten jedoch, daß es sich nur um eine vorübergehende Maßnahme handele. Die Beantwortung von Fragen über die Absichten der Kommunisten wurde von den Offizieren abgelehnt.

An allen Fronten Koreas befinden sich zur Zeit jedoch die UN-Truppen bei nachlassendem feindlichen Widerstand wieder auf dem Vormarsch. Australische Truppen haben in der Nacht die Stadt Pakc ho n. im nördlichen Punkt des Chongchon - Brückenkopfes, besetzt. Der Brückenkopf über den Chongchon konnte an allen Stellen erweitert werden. Die nördlich Ha m - hung kämpfenden Truppen der ersten amerikanischen Marinedivision haben eine wichtige Höhe besetzt, die eine Kontrolle über den Staudamm von Chan gj i n zuläßt. Der nachlassende Widerstand des Gegners wird jedoch nach wie vor vorsichtig beurteilt. Ueber die Absichten der Kommunisten ist nichts bekannt.

Gleichzeitig mit dem Vorrücken der UN-Truppen im Chongchon-Brückenkopf haben über sechshundert Super-Festungen und Schlachtflieger der Vereinten Nationen am Mittwoch im zweitgrößten Lufteinsatz des Koreakrieges strategische Ziele in ganz Nordwestkorea mit Bomben und Bordwaffenfeuer belegt.

Sechzig Super-Festungen warfen rund sechshundert Tonnen Bomben, darunter 85 000 Brandbomben auf die Grenzstadt Sinu ij u ab. Die koreanische Seite jeder Brücke über den Grenzfluß Ja 1 u wurde mit Bomben belegt. Bei Luftkämpfen über Sinuiju wurde erstmalig ein feindlicher Düsenjäger von modernster sowietischer Bauart von einem amerikanischen Düsenjäger abgeschossen.

Zur Unterstützung der UN-Truppen sind in Pusan und Won sa n die 3. amerikanische Infanterie-Division, die 29. britische Brigade und Vorausabteilungen des kanadischen Truppenkontingentes an Land gegangen.


Die sterblichen Ueberreste G. B. Shaws sind Im „Golders Green“ Krematorium eingeäschert worden. Der Einsegnung ging eine Trauerfeierlichkeit voraus, an der nur wenige Verwandte und Freunde des Dichters teilnahmen. Auf Shaws Wunsch lagen keine Blumen auf seinem Sarg und im Krematorium Foto: United Press
Die sterblichen Ueberreste G. B. Shaws sind Im „Golders Green“ Krematorium eingeäschert worden. Der Einsegnung ging eine Trauerfeierlichkeit voraus, an der nur wenige Verwandte und Freunde des Dichters teilnahmen. Auf Shaws Wunsch lagen keine Blumen auf seinem Sarg und im Krematorium Foto: United Press

Zusicherungen an Peking

Lake Success. 8. November. (AP.) Der Korea-Ausschuß der Vereinten Nationen hat eine Entscheidung gebilligt, die dem kommunistischen China zusichert, daß seine Grenze mit Korea von den Vereinten-Nationen-Streitkräften respektiert werden wird.

Knappe Mehrheit

*** Es gibt kaum noch ein größeres politisches Ereignis, das für sich allein betrachtet werden kann. Die Welt ist zusammengeschrumpft, und alles, was auf ihr geschieht, wird durch Vorgänge beeinflußt, die sich vielleicht in einem ganz anderen Erdteil abspielen. Der Zwischenfall an der mandschurischen Grenze hat den Zusammentritt des Sicherheitsrates bedingt, dessen Ergebnis in dem Augenblick, da diese Zeilen kurz, vor Redaktionsschluß geschrieben werden, noch nicht vorliegt. Der Krieg in Korea stand als drohender Schatten im Saale des Bundestages bei der außenpolitischen Aussprache. Der Krieg in Korea hat die Kongreßwahlen in den Vereinigten Staaten stark beeinflußt.

Die Wahlergebnisse, die nunmehr vorliegen, zeigen eindeutig, daß die Regierungspolitik nicht mehr von der übergroßen Mehrzahl der amerikanischen Wähler gebilligt wird. Die Demokraten haben zwar im Senat wie im Repräsentantenhaus eine knappe Mehrheit der Sitze behalten. Die republikanische Opposition hat jedoch einen überraschenden Mandatsgewinn zu verzeichnen. Präsident Truman sieht sich damit zwar nicht einer entscheidenden Opposition gegenüber, er wird jedoch mit größeren Schwierigkeiten als bisher rechnen müssen, wenn er seine Pläne verwirklichen will. Es ist nicht allein der demokratische Mandatsverlust, der seine Stellung schwieriger macht. Sehr einflußreiche Demokraten mußten ihren Sitz im Kongreß aufgeben. Statt ihrer sind sehr einflußreiche Republikaner dort eingezogen, darunter Trumans mutmaßlicher Gegenkandidat bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren, der Senator Robert A. Taft.

Wir haben bei einer Vorschau auf die Kongreßwahlen darauf hingewiesen, daß ein Sieg der Republikaner weitgehende Rückwirkungen auf die Verteidigungspläne für Europa haben könnte. Die Republikaner haben zwar nicht gesiegt, aber es ist dennoch anzunehmen, daß ihr verstärkter Einfluß sich auch bei der amerikanischen Stellungnahme zu europäischen Fragen bemerkbar machen wird.

Das Thema der Bundestagsdebatte

Von Paul Sethe

Als die ersten Aufforderungen aus Amerika nach Deutschland herüberkamen, wieder die Waffen zu tragen, waren die Amerikaner überrascht über die kühle Aufnahme, die ihr Vorschlag in der öffentlichen Meinung unseres Landes fand. Heute wird man sagen können, daß in dieser deutschen Haltung ein Beweis politischer Reife lag. Vor Jahr und Tag hatten bereits einzelne Deutsche öffentlich ihre Neigung gezeigt, im Falle des Anwachsens der östlichen Drohung wieder zu den Waffen zu greifen. Das hatte einen Sturm der Entrüstung bei unserem westlichen Nachbarn, aber zum Teil auch in den angelsächsischen Ländern hervorgerufen. Ein Land, dem man so lange eine Leidenschaft für den Militarismus vorgeworfen hat, muß in dieser heiklen Frage besonders zurückhaltend sein, wenn es nicht neues Mißtrauen erregen will. Außerdem wurde erst durch die deutsche Kühle den Alliierten vollkommen deutlich, daß sie seit 1945 einige psychologische Verheerungen in Deutschland angerichtet hatten und daß es hier etwas zu reparieren galt.

Veränderungen

Aber seit dem Spätsommer ist sichtbar geworden, daß in der Welt Veränderungen vor sich gehen, die ein erneutes Nachdenken erfordern. So möchten wir auch auf Grund mancher Gespräche annehmen, daß bei manchen Deutschen aus dem entschiedenen ein bedingtes Nein geworden ist. Was freilich in der Abneigung gegen das Waffentragen aus der Erfahrung zweier blutiger Kriege herrührte, wird bleiben und soll auch bleiben. Die Erinnerung an den Tod und die Verstümmelung so vieler Kameraden, Gatten, Söhne; der Anblick der zerstörten Häuser; die Furcht der Jugend vor dem Zeitverlust durch den Militärdienst; das alles sind heilsame Empfindungen. Weder wir noch die Welt können es wünschen, daß in Deutschland noch einmal eine Richtung auf kommt, die im Kriege das „Stahlbad“ sieht. Diese Elemente also der kritischen Haltung, geboren aus bitteren Leiden, werden nicht verkümmern dürfen. Anders ist es mit jenem Gefühl der Ablehnung, das die Alliierten durch ihre Besatzungspolitik seit 1945 selbst geschaffen haben. Hier vollzieht sich eine Wandlung. Jenseits unserer Grenzen hat ein Begreifen für die Erfordernisse der Stunde begonnen.

Gleichberechtigung

Im vergangenen Jahre hat ein westdeutscher Bundesminister die ersten Fühler der Amerikaner mit der noch immer unübertroffenen Formulierung beantwortet, daß nur freie Menschen Waffen tragen sollten. Heute ist die in diesem Satz ausgedrückte Forderung nahe daran, verwirklicht zu werden. Noch sind wir mitten im Strome der Entwicklung, aber alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Behandlung Deutschlands als eines Volkes zweiten und dritten Ranges sich dem Ende nähert. Die Gleichberechtigung unseres Landes scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Wir werden Botschafter haben wie andere Mächte auch, die Produktionsbeschränkungen werden fallen, wir werden in den übernationalen Körperschaften und auch im europäischen Generalstab vertreten sein (oder wir werden nicht mitmachen). Vielleicht werden die Alliierten dies noch nicht alles im gleichen Augenblick zugestehen, in dem sie uns zur Wiederbewaffnung auffordern. Besonders schwierig bleibt immer noch die Frage des Umfanges der Verteidigung an der sowjetischen Zonengrenze. Von deutscher Seite ist stets wieder darauf hingewiesen worden, daß es gefährlich sei, deutsche Divisionen aufzubauen, wenn die alliierten Truppen in Europa in der bescheidenen Stärke wie bisher blieben; das könne den deutschen Truppen unter Umständen nur die Rolle einer sich aufopfernden Nachhut und dem deutschen Land die Rolle eines neuen Kriegsschauplatzes zuweisen. Aber die ständigen Hinweise der deutschen öffentlichen Meinung wie der Bundesregierung sind keineswegs ohne Wirkung geblieben. Unterstützt durch die eindrucksvollen Erfahrungen aus Korea, hat sich vornehmlich in den Vereinigten Staaten, aber auch in den übrigen westeuropäischen Ländern die Ueberzeugung durchgesetzt, daß man selber seine Rüstung vervielfachen und davon einen großen Teil an die Elbe schicken müsse. Die amerikanische Wirtschaft hat sich mit Entschlossenheit auf Rüstungen umgestellt. Hunderttausende von jungen Amerikanern sind eingezogen worden. Die ersten Verstärkungen sind in Deutschland eingetroffen, weitere werden folgen. In einigen Monaten wird die Verteidigungslinie in Deutschland viel fester sein als bisher. Man möchte wünschen, sie werde noch fester. Aber man muß zugeben, daß die Amerikaner das tun, was sie zu tun vermögen.

Ein Risiko bleibt, und das sollte man nicht verschleiern. Die Dinge sind ernst, es ist nicht erlaubt, uns selbst und andere zu belügen. Die Frage ist nur, ob das Risiko geringer wäre, wenn die Abwehrbereitschaft Europas nicht zustande käme.

Aufschlußreiche Anekdote

In den letzten Wochen hat eine neue Ueberlegung Gewicht erhalten, die sich in einer Anekdote aus Washington verdichtet. Danach ist ein deutscher Gast vom Präsidenten Truman über die Meinung Deutschlands zur Wiederbewaffnung gefragt worden; der Gast habe — mit Recht — gesagt, die Neigung sei sehr gering; darauf sei Truman böse geworden und habe gerufen: „Glaubt Ihr denn, wir ließen unsere Jungens allein für Euch kämpfen? Ihr Einfaltspinsel...“ Und Truman habe zornig das Zimmer verlassen. Wir können die Richtigkeit dieser Anekdote nicht verbürgen, aber sie enthält einige Elemente einer inneren Wahrheit und Wirklichkeitswiderspiegelung. Da ist die uns nicht mehr ungewohnte Abneigung, anzuerkennen, daß man selber einiges dazu getan hat, einen Zustand herbeizuführen, den man heute bedauert. Da ist aber auf der anderen Seite die Gefahr, daß Amerika sich von Europa abwendet. Es mag manche Deutsche geben, die hier unmutig werden und von der Notwendigkeit einer vollkommen selbständigen deutschen Politik sprechen. Wir würden darin einen Beweis von Weltfremdheit sehen. Amerika ist das einzige Land, das genügend seelische Möglichkeiten in sich trägt, alte Ressentiments aus der Kriegszeit schon bald zu überwinden und zu einer inneren Haltung der Bundesgenossenschaft zu kommen. Man stößt die Möglichkeit einer solchen Freundschaft nicht leicht von sich.

Die deutsche parlamentarische Opposition hat sich in den letzten Wochen ein Verdienst dadurch erworben, daß sie das Gewissen der Welt weiter geschärft und das Bewußtsein von den europäischen Notwendigkeiten verstärkt hat. Aber diese Aufgabe scheint nun erfüllt. Es ist geschehen, was geschehen konnte. Daraus gilt es, die Folgerungen zu ziehen. Von der Opposition wird so wenig wie von uns anderen Deutschen Begeisterung für die Wiederbewaffnung erwartet, sondern nichts als nüchterner Blick. Politische Tätigkeit ist meistens nicht die Erlangung eines Idealgutes, sondern die Wahl des kleineren von zwei Uebeln. Das ist die große Lehre aller Staatsmannskunst, vor der sich heute die Deutschen bewähren sollen.

Das Problem China

vor dem Weltsicherheitsrat

(Letzte Meldung) Neuyork, 8. November, (dpa) Der Sicherheitsrat trat am Mittwochnachmittag zu der Sondersitzung zusammen, die von der amerikanischen Delegation gefordert worden war, um das Eingreifen Chinas in den Koreakonflikt zu erörtern. Den Vorsitz führt der jugoslawische Delegierte Bebler.

Nach einem längeren Wortgeplänkel zwischen dem jugoslawischen Vorsitzenden Bebler und dem Sowjetdelegierten Malik erklärte dieser, er sei gegen die Erörterung des Berichts General Mac Arthurs, in dem den Vereinten Nationen das Eingreifen chinesischer Truppen in Korea zur Kenntnis gebracht wurde.

Malik erklärte weiter, ebenso wie die Sicherheitsratsbeschlüsse zum Koreaproblem rechtswidrig seien, sei auch die Funktion General Mac Arthurs als Oberkommandierender der UN-Streitkräfte illegal.

Als nach den Ausführungen Maliks über die Tagesordnung abgestimmt wurde, sprach sich nur Malik dagegen aus. Ein Vertreter Südkoreas wurde zur Teilnahme an den Diskussionen aufgefordert. Malik verlangte, auch einen Vertreter der Volksrepublik China hinzuzuziehen.

Hanoi ernsthaft bedroht

Paris, 8. November, (dpa) Hanoi ist ernsthaft bedroht. Obwohl bisher noch keine Kämpfe in größerem Ausmaß stattgefunden haben, befinden sich die Verteidigungsstellungen der französischen Truppen nur noch dreißig Kilometer nördlich, westlich und südlich der Landeshauptstadt Tonkins.

Der Bevölkerung im Delta des Roten Flusses hat sich eine von Vietminh-Agenten geschürte starke Unruhe bemächtigt. Die Reisernte ist in vollem Gange. Ho Tschi-minh scheint die Absicht zu haben. sich entweder der Reisemte dieses Jahres zu bemächtigen oder, wenn dies nicht möglich sein sollte, sie zu zerstören. Die Bevölkerung von Hanoi habe, soweit sie nicht versteckt mit den Vietminh sympathisiere, ihre Habseligkeiten gepackt, um bei dem ersten Alarmsignal nach dem Hafen Haiphong zu fliehen.

Nierzehntausend Flugzenge

Washington, 8. November. (AP.) Sowjetrußland verfügt nach Schätzungen der amerikanischen Marine über 14 000 Frontflugzeuge in aktivem Dienst. Tn diesen Zahlen sind die Marineflugzeuge, die Reserven und die nicht für strategische Zwecke vorgesehenen Maschinen nicht enthalten.

Kommunisten verhaftet

Friedenskundgebung in Havanna aufgelöst

Havanna (Kuba), 8. November. (AP.) Eine kommunistische „Friedenskundgebung“ wurde am Dienstagabend in Havanna durch überraschenden Zugriff der Polizei aufgelöst und 157 Kommunisten verhaftet. Unter den Festgenommenen befinden sich der Vorsitzende des lateinamerikanischen Gewerkschaftsverbandes, Toledano, sowie prominente mexikanische und kubanische Politiker des linken Flügels.

Industrie und Gewerkschaft

Köln, 8. November, (dpa) „Die Gewerkschaften haben kein Recht mehr, sich uns gegenüber als Sozialpartner aufzuspielen“, erklärte der zweite Vizepräsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Otto Vogel. Sie seien nicht fähig gewesen, die marxistische Politik und damit den Klassenkampf zu vergessen. „Sie haben es nicht fertiggebracht, wirkliche Treuhänder der Arbeiter und damit auch unsere Treuhänder zu werden. Sie streben nach einer totalen Macht, die das ganze Volk — Arbeitgeber und Arbeitnehmer — unterdrückt. Es war von jeher die Demagogie von Machthabern, daß sie dem Volk vorlogen: Eure Interessen haben wir auf unsere Fahnen geschrieben.“ Erst hinterher stelle man fest, daß es um die eigenen Interessen ging. Die Machtansprüche der Gewerkschaften im Mitbestimmungsrecht seien nur mit den Forderungen zur Zeit Hitlers und Leys zu vergleichen.

Vogel forderte die Unternehmer auf, mit dem eigenen Gewinnstreben vernünftig hauszuhalten. „Verdient nur soviel, wie esl unbedingt notwendig ist. Mit hohen Preisen kann man ein großes Bankkonto gewinnen. Aber wir stehen heute vor der Alternative, mit einem kleinen Bankkonto frei spazieren zu gehen oder mit einem großen, Bankkonto aufgehängt zu baumeln.“

Krankenversicherung

Ihre Umbildung ist beabsichtigt

Bonn, 8. November, (dpa) Das Bundesarbeitsministerium und der Deutsche Aerzte-Bund haben die Notwendigkeit einer Umgestaltung der sozialen Krankenversicherungen anerkannt. Als Grund wird auf die gestiegenen Unkosten hingewiesen, die eine ausreichende ärztliche Versorgüng der Versicherten aus der Kasse empfindlich bedrohen.

Für neunzig Tage verboten

Frankfurt Main, 8. November, (dpa) Die in Bayern erscheinende Zeitschrift „Sudetendeutscher Heimatdienst“ wurde vom amerikanischen Oberkommissariat für 90 Tage verboten. In der Begründung heißt es, die Zeitschrift habe seit einiger Zeit die nationalsozialistische Weltanschauung in Wort und Bild verherrlicht.

Grotewohl beauftragt

Berlin, 8. November (dpa). Auf der konstituierenden Sitzung der neuen Volkskammer der Sowjetzonenrepublik wurde der bisherige Ministerpräsident Grotewohl von der Sozialistischen Einheitspartei wieder mit der Bildung der Regierung beauftragt.

Die Bonner außenpolitische Debatte

Die Reden des Bundeskanzlers und Dr. Schumachers

Bonn, 8. November, (dpa) In der Regierungserklärung zur Sicherheitsfrage betonte Bundeskanzler Dr. Adenauer, daß die Bundesrepublik Deutschland bereit sein müsse, einen angemessenen Beitrag zum Aufbau einer westlichen Abwehrfront gegen eine sowjetische Aggression zu leisten, wenn sie von den Westmächten dazu aufgefordert werde. »

Voraussetzung dafür sei aber die völlige Gleichberechtigung Deutschlands in dieser Abwehrfront mit den übrigen an ihr teilnehmenden Mächten. Außerdem müsse die Abwehrfront stark genug sein, um jede sowjetische Aggression unmöglich zu machen.

Im Pleven-Plan erblickt die Bundesregierung nach den Worten des Kanzlers einen wertvollen Beitrag zur Integration Europas. Die internationale Spannung müsse aber schneller beigelegt werden, als dies durch den Pleven-Plan möglich sei. Deshalb seien Verhandlungen mit der Sowjetunion erforderlich, die aber nur dann Erfolg haben könnten, wenn die Westmächte mindestens so stark wie Sowjetrußland seien.

Kein deutsches Angebot

Der Kanzler wies erneut darauf hin, daß ein deutscher Beitrag zur Sicherheit bisher nicht verlangt und von deutscher Seite auch nicht angeboten worden sei. Er solle von deutscher Seite auch nicht angeboten werden. Es könne aber nicht zugelassen werden, daß durch Reden unverantwortlicher Stellen die Westmächte daran verhindert würden, diese Frage zu stellen. Wenn Deutschland zu einer Beteiligung an einer Abwehrfront aufgefordert würde, dann müsse eins vorausgeschickt werden: „Es ist ganz klar, daß Voraussetzung für jeden Widerstand Deutschlands gegen irgendeine Aggression die Herbeiführung möglichst guter und ausgeglichener sozialer Verhältnisse im Innern ist.“ Wenn aber die Westmächte Opfer für eine Abwehrfront brächten, dann sei es für jeden Deutschen eine zwingende Pflicht, seine Heimat zu verteidigen.

möglich sei. Das Ziel müsse sein, eine europäische Armee zu schaffen, ander auch England teilnehme. Auf dem Wege einer solchen Abwehrfront sei auch „die Wiedervereinigung mit unseren deutschen Brüdern und Schwestern in der Sowjetzone zu erreichen“.

Neuwahlen rechtlich unhaltbar

Der Bundeskanzler wies dann die Forderung der Sozialdemokraten nach Bundestags-Neuwahlen als rechtlich unhaltbar zurück. Der Bundestag habe für vier Jahre das Recht und die Pflicht, seine Aufgaben auch dann zu erfüllen, wenn sie vorher nicht erkennbar waren. Das Grundgesetz erlaube keine Selbstauflösung. Im Einvernehmen mit der SPD sei zwar eine Bestimmung aufgenommen worden, die sich gegen einen Angriffskrieg ausspreche und der Artikel, daß niemand gegen sein Gewissen gezwungen werden könne, Waffen zu tragen. Dem Bund sei aber auch das Recht zugestanden worden, zur Wahrung des Friedens einem System der kollektiven Sicherheit beitreten zu können. „Aus allen Bestimmungen geht ganz unzweideutig hervor, daß die Entscheidung über einen militärischen Beitrag das Wesen der Bundesrepublik nicht von Grund auf verändert.“

Die westliche Welt und als ein Teil von ihr die Bundesrepublik, befinde sich in einer wahrhaft großen Gefahr., In dieser Schicksalsgemeinschaft werde das deutsche Volk jede Anstrengung machen, um den Frieden zu bewahren. Die westliche Welt könne nur dann erfolgreich mit der Sowjetunion verhandeln, wenn sie ihre Verteidigung einheitlich organisiere. Die Kräfte dazu reichten — darüber seien sich die Westmächte einig — aber nur dann aus, wenn auch Deutschland seinen Beitrag dazu leiste. Das deutsche Volk könne sich davon nicht ausschließen.

Moskaus Vorschlag unannehmbar

Dr. Adenauer zeichnete dann die Machtentwicklung Sowjetrußlands in den letzten zehn Jahren auf und wies darauf hin, daß das sowjetische Vorgehen in den Ländern — Griechenland und Aserbeidschan — gestoppt worden sei, wo es auf erbitterten Widerstand stieß. Die sowjetische Machttendenz zeige sich auch in den Truppenkonzentrationen in der Sowjetzone, wo nach den Angaben des britischen Verteidigungsministers Shinwell über dreißig Divisionen feldmäßig ausgerüstet stationiert seien. Außerdem sei dort eine 70 000 bis 80 000 Mann starke Polizei aufgestellt worden, die einer Armee gleiche und in den nächsten zwei Jahren bis auf 300 000 Mann gebracht sein würde.

Es sei bezeichnend, daß in der Sowjetnote zur Einberufung einer Außenministerkonferenz nicht von der Sowjetzonenarmee, sondern nur von der sogenannten Remilitarisierung Westdeutschlands die Rede sei. Der entscheidende Bestandteil der Note, daß sich Vertreter Ost- und Westdeutschlands auf Grund der Prager Beschlüsse zur Bildung eines gesamtdeutschen konstituierenden Rates zusammensetzen sollen, sei für die Bundesrepublik völlig unannehmbar, „ehe das von uns wiederholt gestellte Verlangen auf Durchführung freier Wahlen in der Sowjetzone durchgeführt ist“. Er hoffe, daß eine Stellungnahme der Westmächte zu der Note nicht erfolgen wird, „ohne daß unsere Meinung darüber eingeholt und entsprechend beachtet wird. Denn es handelt sich dabei um unser Geschick und das Geschick des deutschen Volkes.“

Die sowjetische Note sei einer der bekannten Störversuche Sowjetrußlands, um jede Konsolidierung einer Abwehrfront gegen die sowjetische Aggression zu verhindern oder wesentlich zu verlangsamen.

Bei seinen Ausführungen zum Pleven-Plan betonte der Kanzler, daß dieser Plan nach den Versicherungen des französischen Oberkommissars FranQois-Poncet jede Diskriminierung Deutschlands ausschließe. „Wir wollen deswegen gern an der Beratung des Pleven-Planes mitarbeiten“. Allerdings glaube die Bundesregierung, daß die internationale Spannung schneller beigelegt werden müsse, als es durch den Pleven-Plan

Die Entschließung der Hundesregierung

Nach Abgabe seiner Regierungserklärung legte der Bundeskanzler dem Bundestag im Namen der Bundesregierung folgende Entschließung, vor:

„Die Bundesregierung erblickt in dem Pleven-Plan einen wertvollen Beitrag zur Integration Europas, die eines der vornehmsten Ziele ihrer Politik ist. Es ist die Meinung der Bundesregierung, daß die gegenwärtige internationale Spannung einer schnelleren Beilegung bedarf, als es durch den Pleven-Plan möglich ist. Sie ist der Auffassung, daß die allgemeine Befriedung auf dem Wege der Verhandlungen mit der Sowjetunion herbeigeführt werden muß.“ Dies werde aber nur dann zum Erfolg führen, wenn gegenüber der sowjetrussischen Drohung eine Abwehrfront der westeuropäischen Mächte aufgebaut wird, die mindestens ebenso stark ist, wie jene. Die Bundesregierung sei der Auffassung, daß die Bundesrepublik bereit sein müsse, wenn sie dazu aufgefordert würde, einen angemessenen Beitrag zur Bildung dieser Abwehrfront im Interesse ihres Fortbestandes, der Freiheit ihrer Bewohner und um der westlichen Zivilisation willen zu leisten. „Die Voraussetzung eines Beitrages ist die völlige Gleichberechtigung Deutschlands in dieser Abwehrfront mit den übrigen Mächten und ferner eine Stärke der Abwehrfront, die genügt, um jede russische Aggression unmöglich zu machen.“

Dr. Schumacher: Die Sozialdemokratie bleibt beim Nein

Als Sprecher der Opposition nahm Dr. Schumacher eingehend zur Regierungserklärung des Bundeskanzlers Stellung. Schumacher stellte fest, daß die Sozialdemokratie in ihren Diskussionen nie die Meinung vertreten habe, etwas an Leistung und Opfern zu verweigern, was die anderen tatsächlich im gleichen Umfange an Opfern tragen. Schumacher stellte aber zugleich fest, daß die SPD unter den heutigen Voraussetzungen, wie sie der Bundeskanzler definiert habe, zu diesen Bemühungen der Remilitarisierung nein sage. „Sie wird auch nein sagen, wenn die halben und matten Versprechungen der Alliierten für die nächsten Monate verwirklicht werden sollen. Sie wird erst ja sagen, wenn die unzweideutige Entscheidung für die internationale Solidarität der anderen Nationen mit der deutschen Nation durch militärische und politische Tatsachen geschaffen ist“.

Dr. Schumacßer setzte sich mit der grundsätzlichen Haltung der Alliierten in der Sicherheitsfrage, mit dem Pleven-Plan im einzelnen sowie mit den sozialen- und politischen Auswirkungen auseinander, die durch einen deutschen Beitrag zur Sicherheit nach seiner Ansicht gegeben sein würden. Er befaßte sich mit der Ansicht des Bundeskanzlers, daß diese Frage von dem jetzt amtierenden Bundestag gelöst werden könnte und beharrte dagegen auf der sozialdemokratischen Forderung nach Neuwahlen. Schumacher protestierte sehr scharf dagegen, daß der Bundeskanzler überraschend dem Bundestag eine Entschließung über einen deutschen Beitrag zur Sicherheitsfrage vorgelegt habe.

„Kein Geist der Aussöhnung"

Einleitend befaßte sich Schumacher mit den Neuyorker Beschlüssen und dem Pleven-Plan. Zu den Erläuterungen des Bundeskanzlers und der Regierungserklärung sagte er; „Wir sind erstaunt und nicht erfreut darüber, daß der Bundeskanzler die Erklärungen Plevens als eine Diskussionsgrundlage betrachtet.“ Der Geist des Pleven-Plans sei nicht der Geist der Aussöhnung. Schumacher widersprach auch der französischen Idee, den Schuman-Plan mit dem Pleven-Plan zu koppeln.

bereits als eine feststehende Tatsache. Ueber diesen Plan habe Dr. Adenauer bei der Besprechung mit ihm am Dienstag keine Silbe geäußert.

Dr. Schumacher polemisierte im einzelnen gegen die Einrichtung eines sogenannten Sicherheitsbeauftragten, bevor dafür nicht eine Etatstelle geschaffen worden sei. Mit Nachdruck hob er hervor, daß Deutschland nicht zum Vorfeld anderer Länder werden dürfe.

Es ist die Meinung der Sozialdemokratie: erst wenn die demokratischen Streitkräfte hier in Deutschland so stark sind, daß sie die Kraft haben, bei einem Angriff aus dem Osten durch den sofortigen Gegenstoß die Kriegsentscheidung abseits der deutschen Grenzen zu tragen, nur dann kann das deutsche Volk seinen militärischen Beitrag für die Verteidigung der Freiheit in der Welt leisten.

Für die Deutschen bestehe zudem die Notwendigkeit, die Schmälerung der eigenen Volkssubstanz zu berücksichtigen. Immer wieder stellte Schumacher fest, daß von deutscher Seite erst positiv gesprochen werden könnte, wenn nicht mit einem Rückzug der angelsächsischen Mächte zu rechnen sei. Denn das deutsche Schicksal sei eben doch das Schicksal der ersten Auseinandersetzung.

Wichtig für die innere und äußere Freiheit sei die soziale Fundierung der Demokratie. Diese Notwendigkeit schiene bei der Diskussion des Inlandes über die Rüstungskosten zum Teil auch vergessen zu werden. Schumacher verwies in diesem Zusammenhang auf die Lebenshaltung, die Steuerpolitik und den Lastenausgleich.

Verteidigungsgürtel Deutschland

Schumacher bedauerte es, daß der Bundeskanzler die Saarfrage nicht angeschnitten habe. „Man spricht jetzt auf französischer Seite von der Verleihung neuer'Souveränitätsrechte an der Saar .. , und die Diskussion geht bereits darüber, daß die Saarländer das Privileg genießen sollen, französische Soldaten zu werden."

Die internationale Sicherheit sei der Hauptkomplex, der zur Diskussion stehe. „Wir wollten die wirklichen Gegensätzlichkeiten in der Auffassung in den Vordergrund stellen. Man darf die Angst vor dem Osten nicht einspannen alseinPropagandainstrument für eine Militarisierung unter den heute gegebenen Voraussetzungen.“

Der Faktor der militärischen Stärke erhalte heute mehr denn je in der Vergangenheit seine Rechtfertigung nur als Instrument für die Wahrung des Friedens. Nach den amerikanischen Publikationen gehe die Diskussion darüber, daß die Landstreitkräfte von den Europäern gestellt werden sollten. Ohne modern bewaffnete militärische Landstreitkräfte der anderen Kontinente sei das Problem für uns Deutsche einfach aussichtslos bei den Diskussionen unseres Beitrages.

„Wir müssen wissen, daß Europa nicht der vorgeschobene Verteidigungsgürtel Amerikas, und Deutschland nicht sein kann der vorgeschobene Verteidigungsgürtel der anderen europäischen Staaten.“

Militärische Verteidigung sei nur auf der Grundlage der Gemeinsamkeit möglich. Schumacher warnte vor einer illusionistischen Betrachtung und forderte Realpolitik. Der Regierung und dem Bundeskanzler warf der Sprecher der Opposition vor, siebetrachten den militärischen Beitrag

Grundgesetz und Wehrverfassung

Die Besatzungskosten bezeichnete Schumacher nach Begriff und Inhalt als überholt. Wenn heute von alliierter. Seite gekränkt und empört eingewandt wird, die Deutschen würden nur 4,6 Milliarden Besatzungskosten zahlen und andere Völker würden einen sehr viel höheren Prozentsatz ihres Sozial- und Steueraufkommens für die Verteidigung verwenden. dann möchte ich sagen, diese isolierte Behandlung des Begriffes Besatzungskosten geht an den Dingen vorbei.

Schumacher sagte zum Schluß, für uns gäbe es keine Frage Freiheit oder Sklaverei. Für uns gäbe es nur die Frage der selbstverständlichen Solidarität der alliierten mit der deutschen Freiheit.

Würde Deutschland sich jetzt auf das Gebiet der Aufrüstung begeben, dann würde es das ganze politische und soziale Leben in der Bundesrepublik von Grund aus umgestalten.

Zu den Ausführungen des Kanzlers über das Grundgesetz stellte Schumacher fest, das Grundgesetz kenne keine Wehrverfassung. Wenn irgendeine Art von Wehrverfassung geschaffen werde, müsse die Verfassung geändert werden. Was sich jetzt entwickele, sei eine totale Umkehr gegenüber allen Linien, die das Grundgesetz gesetzlich fixiert habe. Schumacher lehnte die Legitimation des Bundestages für die jetzt diskutierte Frage grundsätzlich ab. Die Frage nach der Neuwahl sei eine politische Forderung. Sie konfrontiere die Bundesregierung mit der Frage, welchen Respekt sie vor dem Volke habe. Zu den Prager Beschlüssen richtete Schumacher an die Alliierten den Wunsch, sich auf nichts einzulassen und nicht einmal die Andeutung eine Einlassung zu zeigen.

Stimmen der Anderen

Vernachlässigte Verpflichtungen

Der Sozialdemokratische' Pressedienst schreibt:

„Mit dem 20. Oktober ist die Stimme Deutschlands, die über unsere Rundfunksender zur Ostzone sprach, wieder verstummt. Diese tägliche Ringsendung wurde vor fünf Wochen, anläßlich der Scheinwahlen vom 15. Oktober, ins Leben gerufen. Die Verpflichtung zu einem solchen Bekenntnis der Verbundenheit mit unseren Landsleuten unter sowjetischer Herrschaft bestand schdn seit jeher. Diese Verpflichtung besteht auch nach Schluß des kommunistischen Wahlschwindels unvermindert weiter. Die Flut von Zuschriften aus Ost und West, die in den letzten Tagen einging, als erkennbar wurde, daß die Sendung „Hier spricht Deutschland“ tatsächlich mit dem 20. Oktober enden würde, beweist, wie wichtig gerade diese Sendereihe dem Hörer jenseits der Zonengrenze ist.

Warum wollen unsere Sender dieses Mittel, für dessen Möglichkeit sie aus ihrem oft betonten Verantwortungsbewußtsein dankbar sein sollten, nicht nutzen? Der gegen die Ringsendungen von Rundfunkleuten vorgebrachte Einwand, dieses freiwillige Gemeinschaftswerk unabhängiger Partner könne die deutschen Sender in den Verdacht bringen, im Dienst einer gelenkten Gegenpropaganda zu stehen, ist zu absurd, als daß er ernsthafter Ueberlegung bedarf. Andererseits fällt es uns schwer zu glauben, daß die gleichen egoistischen Eifersüchteleien, die die Zusammenarbeit unserer Sender zum Schaden von Programm- und Rundfunkentwicklung immer wieder hemmen, sich selbst in einer so ernsten Frage, wie der der Entscheidung über gemeinsame Ostzonensendungen, auswirken. Die Pflege der deutschen Verbundenheit mit allen wirksamen Mitteln darf nicht an der Hauspolitik der Sender scheitern.“

Unsicherheit in Bonn

Da. Bonn, 8. Nov. (Eig. Drahtbericht.) In den Wandelgängen des Bundestages herrschte am Mittwochabend eine gewisse Unsicherheit wegen des Verlaufes der außenpolitischen Aussprache. Man hob mit Recht hervor, daß die Debatte trotz des Gegensatzes zwischen Regierung und Opposition die Übereinstimmung der großen Mehrheit in der moralischen Abwehrbereitschaft zum Ausdruck gebracht hat. Aber man warf auch die Frage auf, wie die Realisierung der Abwehr auf deutscher Seite vor sich gehen werde, wenn ein entsprechendes Gesetz mit nur knapper Mehrheit verabschiedet würde. Schließlich will niemand in Bonn, daß die deutschen Truppenkontingente nicht als Kontingente des ganzen deutschen Volkes, sondern von einem Teil des Volkes nur als Regierungskontingente betrachtet würden. Es wurde darauf hingewiesen, daß deshalb eine Ausdehnung der Befugnisse des Bundespräsidenten erforderlich sein würde und daß jedenfalls diese nur durch ein verfassungsänderndes Gesetz möglich gemacht werden könne.

Vor gemeinsamer Aussprache

Frankfurt, 8. November (H. R.) Ein amerikanischer Sprecher in Frankfurt erklärte am Mittwochabend, daß der Ausgang der Debatte im/Bundestag die Form bestimmen werde, in der die Atlantikpaktstaaten- Westdeutschland zu einer Teilnahme an der gemeinsamen Verteidigung einladen würden. Vor der Zusammenkunft der Verteidigungsminister gegen Ende dieses Monats sei eine offizielle Einladung allerdings nicht zu erwarten. In Kürze würden jedoch deutsch-alliierte Besprechungen über diese Frage stattfinden. 1

Student und Wiederbewaffnung

Eine Abstimmung im Bonner Forum

Da. Bonn, 8. November. (Eigener Drahtbericht.) Im parlamentarischen Forum der Bonner Studenten stimmten 305 Studenten gegen und nur 131 Studenten für den sofortigen Beginn militärischer Vorbereitungen.

Kein Diskussionsredner lehnte die Verteidigung Deutschlands im Sinne eines radikalen Pazifismus grundsätzlich ab. Die Niemöller-Thesen kamen überhaupt nicht zur Sprache und der einzige evangelische Theologie-Student, der in der Diskussion das Wort ergriff, erklärte sich sofort für sofortige Vorbereitungen.

Korgen der Landwirtschaft

Da. Bonn, 8. November. (Eigener Drahtbericht.) Zwei Interpellationen, die an der Spitze von dem Abgeordneten Horlacher (Christlich-Soziale Union) unterzeichnet sind, geben erneut einer in der Landwirtschaft herrschenden Beunruhigung Ausdruck. Die eine Interpellation richtet sich gegen die Fortführung der Liberalisierung bei der Landwirtschaft, deren „Fortführung gerade die bäuerliche Wirtschaft, wie die Milch- und Viehwirtschaft, insbesondere die Spezialkulturen der Landwirtschaft, wie Weinbau, Obstbau, Gemüsebau. Tabakbau usw. auf das schwerste treffen müsse.“ Die andere Interpellation betrifft die Soforthilfeabgabe, da für die Landwirtschaft am 20. November die Hälfte des Jahresbetrags fällig wird. Sie fragt, ob die Regierung bereit sei, für den Betrag, der über ein Viertel des Jahresbetrags hinausgehe, in der Regel Stundung bis auf weiteres zu gewähren.

Super-Rakete

Neuyork, 8. November. (AP.) Die amerikanischen Luftstreitkräfte arbeiten zur Zeit an einem neuen ferngelenkten Geschoß, das eine Geschwindigkeit von viertausend Stundenkilometern erreichen und eine Sprengladung von einer Tonne tragen soll.

Letzte Kitzung des Hessischen Landtags

Noch acht Gesetze verabschiedet / Die Schlußworte des Landtags Präsidenten

Wiesbaden, 8. November. (Eigener Bericht.) Der Hessische Landtag® trat am Mittwoch zu seiner 91. und zugleich letzten Plenarsitzung zusammen.

Zu Beginn der Vollversammlung gedachte das Plenum des kürzlich durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben gekommenen Alterspräsidenten Jakob Husch.

Nochmals Kampfabstimmung

Ueber den als erster Punkt zur endgültigen Verabschiedung anstehenden Gesetzentwurf über die Freistellung von Betriebsratsmitgliedern für Betriebsratslehrgänge mußte in Kampfabstimmung entschieden werden. Für die Regierungsvorlage entschieden sich 42 Abgeordnete der SPD, CDU und KPD, während 15 der FDP und CDU sich gegen das Gesetz aussprachen. Einige der CDU-Abgeordneten enthielten sich der Stimme. Das Gesetz bestimmt, daß Betriebsratsmitgliedern während ihrer Teilnahme an Lehrgängen anerkannter Gewerkschaften der Lohn weitergezahlt werden muß.

Gemeinsame Patent-Streitkammer

Ohne besondere Aussprache wurde dann das Fischereigesetz und das Gesetz über die besonderen Rechtsverhältnisse der Lehrer an wissenschaftlichen Hochschulen mit Stimmenmehrheit gebilligt. Einstimmige Zustimmung fand das Gesetz über den Abschluß eines Staatsvertrages zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen über die Errichtung einer gemeinsamen Patent-Streitkammer beim Landgericht Frankfurt.

Zinnkanns Schußwaffen-Gesetz

Gegen die Stimmen der Kommunisten billigte das Haus ferner das Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwanges bei Ausübung öffentlicher Gewalt (Schußwaffengesetz). In der vorausgegangenen, zum Teil äußerst lebhaften Debatte erklärte zunächst der Abgeordnete Metzger (SPD), daß dieses Gesetz nur von denen abgelehnt werden könne, die gegen einen demokratischen Staat seien. Wer aber von dem Staat erwarte, daß er die Rechte seiner Bürger sichere, der müsse dem Gesetz zustimmen.

Innenminister Zinnkann machte sich die Worte des Berichterstatters Dr. Kanka (CDU) zu eigen, daß das Gesetz „möglichst wenig Anwendung finden möge".

Zulagen für Beamte

Nach einem weiteren Beschluß der Vollversammlung erhalten Beamte des öffentlichen Dienstes des Landes Hessen mit einem Monatseinkommen bis zu 350 DM eine Sonderzulage von monatlich 20 DM. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird die Landesregierung ersucht, bei den Bundesorganen darauf hinzuwirken, daß die Bezüge der im Ruhestand lebenden Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes und derer Hinterbliebenen den erhöhten Lebenshaltungskosten angeglichen werden.

Weihnachtsbeihilfe erweitert

Der Empfehlung des sozial- und wirtschaftspolitischen sowie des Haushaltsausschusses folgend stimmte das Plenum dann einer Regelung zu, wonach die vom Bund gewährte Weihnachtsbeihilfe auf alle hilfsbedürftigen Personen in Hessen ausgedehnt wird. Die Einkünfte der Minderbemittelten dürfen allerdings die Einkommensgrenze von 70 DM für Alleinstehende und — gestaffelt — bi? 155 DM für Familien mit sechs und mehr Personen nicht überschreiten. Neben der Weihnachtsbeihilfe soll weiterhin allen Hilfsbedürftigen eine nicht anzurechnende Winterbeihilfe gewährt werden.

Die letzte Abstimmung' 35:36

Die offizielle Tagesordnung der 91. Plenarsitzung wurde schließlich mit einer Kampfabstimmung über den CDU-Antrag, der die Landesregierung aufforderte, keine handwerklichen Regiebetriebe in Hessen mehr zuzulassen, beschlossen. Mit 35 Stimmen der CDU und FDP gegen 36 Stimmen der SPD und KPD verfiel der Antrag der Ablehnung.

In wenigen Zeilen

Die brasilianischen Zeitungen haben wegen Papiermangel eine beträchtliche Kürzung ihrer Sonntagsausgaben angekündigt.

Amerikanische Wissenschaftler wollen in d/r australischen Wüste Raketenversuche durchführen.

Die Sicherheitsmaßnahmen für Präsident Truman wurden am Dienstag weiter verschärft.

Der frühere japanische Botschafter in London, Schigemitsu, der während des Krieges japanischer Außenminister war, ist begnadigt worden.

31 Tote und 27 Verletzte forderte ein schweres Omnibusunglück, das sich auf der japanischen Hauptinsel Schikuko ereignete.

Butter und Margarine sind nach zehnjähriger Rationierung in Dänemark wieder frei zu kaufen.

Großbritannien wird sein Generalkonsulat in Saigon (Indochina) in eine Gesandtschaft umwandeln.

Der Bremer Senat sprach sich für die vorgesehene Autobahnsteuer und Benzinpreiserhöhung aus.

Die „Volkskammer“ der Sowjetzone ist am Mittwoch in Ost-Berlin zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengetreten.

Bundesminister Hellwege (DP) hat sein Mandat im niedersächsischen Landtag niedergelegt.

Freiherr Elimar von Fürstenberg hat seinen Austritt aus der Bayernpartei erklärt und wird künftig dem Bundestag als unabhängiger Abgeordneter angehören.

Generalmajor W. H. A. Bishop wird Ende dieses Jahres sein Amt als Landeskommissar für Nordrhein - Westfalen aufgeben.

Das Befinden des Mitte Oktober mit einer leichten Lungenentzündung ins Krankenhaus eingelieferten Erzbischofs Dr. Bornewasser von Trier hat sich erheblich verschlechtert.

Witte: Gute Zusammenarbeit

in Anschluß an die Beendigung der offiziellen Tagesordnung gab dann Landtagspräsident Otto Witte einen Rückblick über die abgelaufene erste Wahlperiode. Er dankte den Mitgliedern des Landtags und der Regierung und stellte fest, daß trotz mancher Meinungsverschiedenheiten Legislative und Exekutive gut zusammengearbeitet hätten.

Dank des Ministerpräsidenten

In einem von Witte verlesenen Schreiben des noch immer erkrankten Ministerpräsidenten Stock erinnert dieser daran, daß es der Landtag „ermöglicht habe, eine für das ganze Bundesgebiet mustergültige, gesetzgeberische wie ökonomisch wirksame Arbeit zu leisten“. Nicht nur den Abgeordneten der Regierungskoalition, sondern auch denen der Opposition gebühre Dank, sofern die Einwände der letzteren zur Klärung des Stoffes beigetragen und dem Vorteil des Landes gedient hätten.

Dr. Hilpert: Aufbauarbeit

Finanzminister Dr. Hilpert betonte, daß für den Landtag 1946/50 das Ausmaß der Verantwortung ausschlaggebend war für dessen gesetzgeberische Arbeit. „Rückwärts betrachtet verlieren die Dinge sehr schnell; aber wer die Arbeit miterleben durfte, weiß, daß nicht nach Daten oder Zahlen gehandelt wurde.“ Die Aufbauarbeit des Hessischen Landtags sei deshalb besonders schwierig gewesen, weil „Hessen nicht nur als neuer Staat habe zusammenwachsen müssen, sondern auch weil das Land eine außerordentlich differenzierte Wirtschaftslage habe“. Die sozialpolitische Linie war das Primäre der Landespolitik, wenn ihr auch hinsichtlich der Erfüllung sehr enge Grenzen gesetzt sind.

Glücklich sprach das Schlußwort

Das nunmehr nach dem Tode des Alterspräsidenten Jakob Husch älteste Mitglied des Hessischen Landtags, der Wiesbadener Abgeordnete Heinrich Glücklich (FDP) sprach dann das Schlußwort. Nicht nur Pflichterfüllung sei zur Bewältigung der geleisteten Arbeit notwendig gewesen, sondern vieles habe nur infolge der Liebe zu Volk und Vaterland geleistet werden können. Die in den vier Jahren gemeinsamer Arbeit geschlossenen Freundschaften sollten auch für den kommenden Wahlkampf wirksam bleiben. Die yerschiedenen Wege der Parteien aben mündeten schließlich in einer Straße, djv „Deutschland“ heiße.

Gerüchte und Behauptungen

Erklärung des Landtagspräsidenten

Wiesbaden, 8. November. (Eigener Bericht.) Auf der Mittwoch-Plenarsitzung des Hessischen Landtags gab Landtagspräsident Witte eine Erklärung bekannt, die zu der Berichterstattung verschiedener hessischer Zeitungen über ein Schreiben des Bundes der Steuerzahler Hessen an den Landtag Stellung nimmt. Zunächst wird noch einmal festgestellt, daß die in dem Schreiben angeführten Gerüchte und Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen. Weiter wird mitgeteilt, daß auch die von dem Bund der Steuerzahler aufgestellte Behauptung, wonach das Material mit dem Präsidenten des Rechnungshofes des Landes Hessen eingehend besprochen worden sei, nicht der Wahrheit entspricht.

Zur Landtagswahl zugelassen

Landesausschuß bestätigt Wahllisten

Wiesbaden, 8. November. (Eigener Bericht.) Der am Mittwoch in Wiesbaden tagende Landesausschuß hat die Richtigkeit der vier Landesergänzungslisten der SPD, CDU, FDP und KPD bestätigt und sie für die kommende Landtagswahl zugelassen. Außer den vier bereits im ersten Landtag vertretenen großen Parteien werden noch die NDP in 5, die BVE (Block Vaterländische Einigung) in 2 Wahlkreisen (Wiesbaden und Frankfurt) und das „hessische Bauern- und Landvolk“ in einem Wahlkreis (Fulda) auftreten. Außerdem kandidieren im Wahlkreis 11 (Marburg und Dillenburg) die beiden Parteilosen, Rechtsanwalt Schneider und Dr. med. Stock. Der in diesem Wahlkreis für die NDP kandidierende Dr. Gibson hat erklärt, daß er mit dem Einverständnis Dr. Leuchtgens' seine Kandidatur aufrechterhalte.

Der Abschied

FS. Die gestrige Sitzung des Hessischen Landtags, die zugleich zur letzten Arbeitstagung der auseinaridergehenden Parlamentarier wurde, war von einer versöhnlichen, ja, beinahe freundschaftlichen Stimmung getragen. Selten klang das Haus von solch einmütigem Beifall wider, nicht oft wurden Hände mit dieser Herzlichkeit geschüttelt und Worte mit solch ehrlicher Wärme gesprochen. Es galt, Abschied zu nehmen — für manchen vielleicht für immer — von einer Stätte des gemeinsamen Wirkens. Es galt, einen Schlußstrich zu ziehen unter eine vierjährige Arbeit, deren Ergebnis sich keit ner, bei aller Gegensätzlichkeit der politischen Anschauung, zu schämen braucht.

Dieses Gefühl, eine positive Arbeit geleistet zu haben, klang auch aus den mit Ernst — und einem gewissen Stolz — erfüllten Abschiedsansprachen. Es hatte nichts mit Eigenlob zu tun, wenn die Sprecher des Parlaments und der Regierung die von „höchster Verantwortung getragenen Entscheidungen“ zitierte oder von der Regierung sprach, die sich glücklich schätzen könne, mit einem solchen Parlament zusammenarbeiten zu dürfen. Und es ging wie eine Welle menschlicher Wärme durch das Haus, als man des erkrankten Ministerpräsidenten Stock gedachte und diesem „liebenswürdigen, gütigen Menschen“ Dank sprach, daß er in seiner Regierung der sozialbetonten Linie den Vorrang gegeben hat.

Befremdend wirkte es, daß die Vertreter der äußersten Linken sich jeder Zustimmung und jedes Beifalls enthielten. Auch dann gaben sie nicht ihre Zurückhaltung auf, als Minister Dr. Hilpert den Humor im Parlamentsleben pries und für das ewig Menschliche angesichts einer politischen Gegnerschaft eine Lanze brach. „Warum schließen sich die Kommunisten nicht dem Beifall an, wenn alle anderen dem kranken Ministerpräsidenten Genesung wünschen?“ fragten 15jährige Schüler aus der Zuhörerreihe, die wegen guter Leistungen der Abschiedssitzung beiwohnen durften. Sie mögen wohl die Beschämung empfunden haben. Immerhin hatte sich auf dem linken Flügel doch eine Hand gerührt — als von dem Dank an die Arbeiter, -Garderoben- und Putzfrauen im Landtag die Rede war.

Keiner wurde ausgelassen bei den Dankes- und Anerkennungsworten. Alle mittelbar oder unmittelbar an der vierjährigen parlamentarischen Arbeit Beteiligten sollten ein gutes, versöhnlich gemeintes Abschiedswort hören. Nur einen Teil ließ man, öffenbar unbeabsichtigt, aus: den Mittler zur Oeffentlichkeit — die Presse. Aber wir nehmen dies nicht tragisch, sondern mit dem von Minister Hilpert gepriesenen Humor. Vielleicht ist die kleine Unterlassung auch darauf zurückzuführen,daß nach einer vor kurzem von dem Präsidenten — unverständlicherweise — erlassenen Verfügung die Abgeordneten nicht mehr für würdig befunden wurden, mit den Journalisten gemeinsam zu speisen. Allerdings muß zur Ehre der Mehrzahl der Volksvertreter gesagt werden, daß sie sich der Anziehungskraft der Presse auch auf diesem Parkett doch nicht immer entziehen konnten. Nichts für ungut!

Dr. Schacht wurde vernommen

als Zeuge im Falkenhausen-Prozeß

Brüssel, 8. November (AP.) Im Prozeß gegen den Generalobersten von Falkenhausen in ^Brüssel wurde der ehemalige Reichsbarkpräsident Schacht am Mittwoch als Zeuge vernommen. Schacht, der für die Verteidigung des Generalobersten aussagt, erklärte auf die Frage des Gerichtspräsidenten, ob er sich der Abneigung Falkenhausens gegenüber Hitler bewußt gewesen sei, diese Abneigung sei Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Falkenhausen gewesen. Falkenhausen habe Schacht im Jahre 1938 in sein Haus nach Dresden eingeladen und in Gegenwart seiner Frau mit Schacht gesprochen, wie Hitler gestürzt werden könnte.

Im weiteren Verlauf der Vernehmung sprach Schacht über einen im Jahre 1938 gegen das Hitlerregime geplanten Staatsstreich. Er habe sich 1938 mit maßgebenden Persönlichkeiten, darunter den Generalen von Witzleben, Beck und von Hassel in Verbindung gesetzt. Es sei ihm auch gelungen, von Witzleben zu überreden, Hitler verhaften und vor ein Gericht stellen zu lassen. Hitlers Münchener Erfolg über Daladier und Chamberlain habe seine Popularität in Deutschland aber derartig gesteigert, daß an eine Ausführung des Planes nicht mehr zu denken war.

Keine Ueberlebenden

auf dem Mont Blank

Chamonix, 8. November, (dpa) Bergführer, die das Wrack des kürzlich am T&ont Blank verunglückten indischen Verkehrsflugzeugs am Mittwoch erreichten, berichteten, daß alle 48 Insassen bei der Katastrophe ums Leben gekommen sein müssen. Die Maschine habe Feuer gefangen und sei explodiert. Wrackteile und Leichen lägen über ein weites Gebiet verstreut.

Staatspräsident für das Saargebiet

Vor einer Aenderung der Saarverfassung

Saarbrücken, 8. November. (Id) In einer Erklärung zur innen- und außenpolitischen Lage des Saarlandes kündigte Ministerpräsident Hoffmann in Saarbrücken vor dem Landtag eine Erweiterung oder Aenderung der Saarverfassung in gewissen Punkten an. Er berief sich dabei auf die Aeußerung des französischen Außenministers Schuman vor der französischen Nationalversammlung, daß sich das Saarstatut im Sinne einer größeren außenpolitischen Souveränität entwickeln könne.

Hoffmann wies darauf hin, daß die Selbständigkeit des Saarlandes auf die Dauer die Schaffung der Stelle eines Staatspräsidenten erforderlich mache. Außerdem müsse man in der Verfassung berücksichtigen, daß Frankreich im Prinzip bereit ist, die Vertretung bestimmter saarländischer Interessen im Ausland durch das Saarland selbst wahrnehmen zu lassen.

Abschließend betonte Hoffmann, es sei nach wie vor die Absicht seiner Regierung, mit der Bundesrepublik in ein ehrliches und ernsthaftes Gespräch zu kommen, damit das Saarland zu einem wirklichen Bindeglied zwischen Frankreich und Deutschland werde.

Hölle wo ist Dein Sieg !

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

59)

„Mag sein. Aber ich habe mich wohl falsch ausgedrückt. Ich meinte jucht etwas, sondern einen Menschen. ie sah auf und begegnete seinem Blick; aber vor dem Ausdruck in seinem Gesicht mußte sie die Augen wieder niederschlagen. „Es ist nicht dasselbe, eine Pflanze aufzuziehen, die man selbst gesät wie eine, an deren Entstehen man keinen' Anteil hat. Und gerade darin besteht ja das Los einer Erzieherin, Monsieur.“ Sie beugte sich vor uni einen Krumen von ihrem Rock zu klopfen, und lachte gezwungen, bevor sie wieder gefaßt weitersprechen konnte. „Aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich mich beklage — und am allerwenigsten heute; ich fühle mich hier sehr glücklich.“

Der Herzog lächelte.

„Ich glaube gar, Sie schwärmen noch mehr als ich für diesen Ort trotz all Ihrem weisen Gerede von Fortschrit und anderen Zeiten. Wissen Sie, Mademoiselle Deluzy, gerade eben mußte ich daran denken, ob nicht das Leben wie die Geschichte zwischen Zeiten des Aufruhrs auch seine ruhigen Stunden kennt?“

Er sprach ernst und seine Worte gingen ihr zu Herzen. Sie empfand sie so, als habe er ihr damit zu verstehen geben wollen, daß er sich mit seinem Schicksal abgefunden habe und nicht länger auf eine Besserung hoffte, außer vielleicht solchen kurzen Augenblicken wie diesen, in denen er von Vorwürfen und Forderungen frei sein durfte. Solche Ergebenheit rührte sie stets, ob sie ihr nun in einem Mann, einem Kind oder in einem Tier begegnete. Sie konnte es nicht ertragen, das Zugeständnis einer Niederlage in Augen zu lesen oder Schultern zu sehen, die sich unter der Last des Jochs beugten. Es war wohl besser für ihn, sich nicht gegen sein Schicksal aufzulehnen; und doch vermißte sie seinen alten rebellischen Geist.

„Hoffen wir“, hub er nach einer nachdenkfichen Pause wieder an, „daß wir beide, die wir hier an dem Glück von Marie Antoinette teilhaben dürfen, nicht auch ihr Elend erleiden müssen.“

„Oh, Monsieur, ich glaube, das kann ein anderer Mensch überhaupt nicht. Vielleicht ist das auch .der Grund, warum wir Schmerz und Kummer so leicht vergessen können, weil wir sie stets allein tragen müssen.“

Er wandte sich ihr zu und blickte sie aufmerksam an. „Sie haben recht“, sagte er. „Nur an unserem Glück können wir andere teilnehmen lassen; und so werde ich an das Glück der armen Königin immer so denken, wie ich mich dieser Stunde jetzt erinnern werde.“

„Wenn sie doch nur nicht vorüberginge!“ Sie seufzte.

„Sie wird so lange dauern, wie wir uns ihrer erinnern.“

Der Herzog erhob sich jäh und ging den Kindern nach. Henriette sah ihn über die sonnenbeschienene Wiese schreiten, und seine Worte klangen in ihr nach, weil sie so ganz anders gewesen waren als jene, die er sonst zu sprechen pflegte. Es sollte das letzte Mal sein, daß sie so zu ihm sprechen konnte — so ruhig und ungestört, ohne Furcht und Hemmung und ohne die Angst, belauscht zu werden.

Auf der langen Heimfahrt schwatzten die Kinder und hatten sich hunderterlei zu zeigen und zu erzählen; aber die Erwachsenen schwiegen. Sie kamen spät nach Hause; die Laternenanzünder machten gerade die Runde durch die Stadt, und die Fenster des Palais Praslin waren bereits erleuchtet. Als der Wagen in den Hof hineinratterte, sah Henriette eine hochgewachsene Gestalt aus der Haustür treten, und sie erkannte den schwarzgekleideten Abbe Gallard. Er blickte den Ankommenden entgegen, ohne jedoch Anstalten zu treffen, den Herzog und die Kinder zu begrüßen.

„Bonjour, mon pere!“ rief Raynald, als er - seiner gewahr wurde, und Berthe ■knickste.

„Doch wohl kaum mehr bonjour, meine Kinder“, erwiderte der Abbe ihren Gruß, „der Tag ist schon zu Ende gegangen. Ich hatte euch lange erwartet und hoffte, noch mit euch zu beten.“

„Nun, morgen ist doch auch ein Tag", murmelte Berthe ungeduldig. Henriette hoffte, der Abbö habe das nicht gehört. Es war schon schlimm genug, daß er sie alle zusammen von dem Ausflug hatte heimkommen sehen, auch ohne diese Ungezogenheit des ihr anvertrauten Mädchens. Der Herzog begrüßte den Beichtvater ziemlich flüchtig, dachte Henriette, als sie sich anschickte hineinzugehen. Unwillkürlich blickte sie zurück, und durch das schmiedeeiserne Gitter sah sie, daß der Abbe den Hof noch nicht verlassen hatte. Im Gegenteil, er wandte sich um und folgte ihnen in die Halle — aber nicht die Treppen hinauf. Statt dessen sah sie ihn seine Schritte zu den Räumen des Marschalls lenken. Seine weichbeschuhten Füße schienen über den marmornen Boden zu schleichen, und sein hagerer Körper in der dunklen Soutane bewegte sich gemessen, doch lauernd vorwärts wie eine Katze, die ungesehen auf einen heimlichen Raubzug ausgehen will. Einen Raubzug — ahnte Henriette —, dem sie zum Opfer fallen sollte.

ACHTZEHNTES KAPITEL

Es bedarf nur eines kleinen Funkens, um einen Sprengstoff zur Explosion zu bringen, und das Dynamit seelischer Spannungen bildet keine Ausnahme von dieser Regel. Sechs Jahre lang hatte die Spannung zwischen Henriette und der Herzogin sich nur mühsam zurückdrängen lassen, aber erst im Juni 1847 war der Augenblick gekommen, in dem der Damm brach.

Den Anstoß gab eine geringfügige häusliche Unstimmigkeit, obwohl Henriette schon seit ihrer Rückkehr von dem Ausflug nach Versailles vermutete, daß der alte Marschall und der Abbö sich gegen sie verbündet hatten. Lisette, eine der beiden Zofen der Töchter des Hauses, war die äußere Ursache; sie war Henriette bereits seit längerer Zeit ein Dorn im Auge gewesen. Den jungen Mädchen war sie zwar aufrichtig zugetan, vor allem Berthe; aber sie besaß eine aufreizende Selbstgefälligkeit, und sie schien sich ein Vergnügen daraus zu machen,, Henriettes Anweisungen in den Wind zu schlagen. Sie stammte aus Korsika und war die Tochter einer alten Dienerin der Sebastianis, und daher verband sie mit der Herzogin ein besonders starkes Gefühl der Zugehörigkeit. Lisette wußte sehr genau, daß sie bei ihrer Herrin einen Stein im Brett hatte; und dieses Bewußtsein verlieh ihr eine Sicherheit, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Unverschämtheit ausarten konnte. Henriette hatte schon mehr als einen Strauß mit ihr ausgefochten, aber bisher war die Unbotmäßigkeit des Mädchens nur unbedeutender Natur gewesen* wohl aufreibend und mitunter auch nicht ohne bedenklichen Einfluß auf die Disziplin der Kinder, jedoch einer Auseinandersetzung mit der Herzogin nicht wert.

Aber als Berthe sich mit einer leichten Gelbsucht zu Bett legen mußte und Lisette die Anordnungen des Arztes bezüglich der Diät einfach nicht befolgte, sah Henriette sich gezwungen, energisch einzuschreiten. Berthe war schon fast wieder ganz genesen, als sie unerklärlicherweise einen Rückfall erlitt. Der Arzt stand wie vor einem Rätsel, bis die Patientin zugab, sie habe Lisette überredet, ihr aus der Speisekammer verbotene Näschereien zu bringen. Der Arzt machte deshalb Henriette Vorwürfe’ und diese wiederum zog Lisette zur Verantwortung.

„Ach wo, ich werde doch nicht zusehen, wie mein armes junges Fräulein verhungert“, sagte Lisette unverfroren, „ich pfeife drauf, was Sie und der Doktor sagen; solange ifch hier bin. soll es zu essen bekommen, worum es mich bittet!“

„Dann dürften Sie wohl nicht mehr lange Gelegenheit haben, sich unseren Anweisungen zu widersetzen“, erwiderte Henriette, ohne den trotzigen Blick zu beachten, den ihr das Mädchen zuwarf, als sie das Zimmer verließ. (Fortsetzung folgt)

Wirtschaftsblatt

Zentral oder geteilt?

Soll bei der Reform der staatlichen Bankenaufsicht diese Überwachung durch die Länder erfolgen, oder soll sie auf ein Bundesamt übertragen werden? Diese Frage wird bei der Aussprache über eine Reform der Bankenaufsicht an erster Stelle erörtert. Entschieden werden kann sie allerdings erst nach dem Erlaß des Großbankengesetzes. Nachdem nun die Vorschläge für ein solches Gesetz vorliegen, wird die Frage der Zuständigkeit der Bankenaufsicht aktuell.

Großbanken, deren Geschäftsbereich sich über verschiedene Länder erstrekken — können wohl nur durch ein Bundesamt beaufsichtigt werden. Es dürfte für die beteiligten Länder nur sehr schwer sein ihre Arbeit so abzustimmen, daß ein genauer Überblick über die Geschäftstätigkeit dieser Banken besteht. Auch wird es im Einzelfall nicht leicht zu beantworten sein, ob die Federführung der Aufsicht dem Lande zu übertragen ist, in dem ein Institut seinen Sitz hat, oder dem Lande, bei dem der geschäftliche Schwerpunkt liegt. Insoweit wird man einem Bundesaufsichtsamt den Vorzug geben müssen.

Anders ist die Lage aber bei der großen Zahl kleiner und mittlerer Institute von oft nur örtlicher Bedeutung. Soll sich die Bankenaufsicht hier nicht allein auf die formale Überwachung der Normativbestimmung erstrecken, sondern soll sie auch den materiellen Inhalt der Geschäftstätigkeit der einzelnen Institute erfassen, so wird ohne eine sehr genaue Kenntnis der örtlichen Verhältnisse nicht auszukommen sein. Das ist aber nur einem Aufsichtsamt möglich, dessen Bezirk leicht zu übersehen ist. Die Argumente für eine föderative Bankenaufsicht entbehren deshalb nicht einer sachlichen Begründung. Liegt nicht die richtige Lösung in einer Bundesau^sicht mit föderativem Unterbau? Hier müßte dann das Bundesamt weisungsberechtigt gegenüber den bei den Ländern liegenden Aufsichtsämtern sein.

Zweifelhaft ist weiter die Aufspaltung der Bankenaufsicht zwischen dem Zentralbanksystem und der Staatsaufsicht. Sie muß nach Funktionen erfolgen. Die Kreditaufsicht dürfte, wie dies ja auch der Entwurf zu einem Bundesbankgesetz vorsieht, beim Zentralbanksystem zu liegen haben. Die Einhaltung der Bestimmungen des Kreditwesensgesetzes müßte jedoch von der staatlichen Bankenaufsicht überwacht werden.

Zweckmäßig erscheint es auch, daß die Aufsichtsbehörde in einem stärkeren Maße als bisher sich der Mitarbeit und des Rates der Wirtschaft bedient. Die Vorschläge, der Banl^enaufsichtsbehörde Beiräte aus allen Sparten des Kreditwesens beizuordnen, verdient deshalb Beachtung. Nur so kann die Behörde rechtzeitig auf vielleicht bedenkliche Entwicklungen bei einzelnen Kreditinstituten achten und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, bevor größere Schäden entstanden sind.

Besatzungskosten in der Debatte

Sind Einsparungen bis zu 1,5 Milliarden möglich?

K. Die Besatzungskosten werden, nachdem sie durch die alliierten Erklärungen über einen deutschen Verteidigungsbeitrag erneut aktuell geworden sind, auch in der außenpolitischen Parlamentsdebatte besprochen werden. Die Bundesregierung hat in den Erörterungen mit alliierten Experten immer wieder die Ansicht vertreten, daß sie die Besatzungskosten in ihrer derzeitigen Form und Höhe als überholt ansehe und diese in allgemeine Schutz- und Sicherungsausgaben umgewandelt wissen möchte. Im Wege freier Vereinbarungen müsse eine Verteilung der Lasten, die von der Bundesregierung allein nicht zu tragen seien, vorgenommen werden. Das Problem wird äußerst ernst genommen, da wachsender Steuerdruck die Lebenshaltung verschlechtern und die ungünstigste soziale und psychologische Vorbereitung für die Verteidigungsbereitschaft wäre.

Die Bundesregierung wird bei der großen Debatte aus Kreisen der Koalition unterstützt werden, da eine Gruppe namentlich jüngerer Abgeordneter gleichlautende Forderungen als Ersuchen an die Alliierten vorbringen will. Nach Ansicht dieser Kreise muß die Regierung diesem Thema mehr Beachtung als bisher widmen. Von den maßgebenden Experten in der deutschen Regierung sowie in den beteiligten Ressorts wird beanstandet, daß die Besatzungskosten nicht dem Schutzcharakter entsprechen und zu hoch sind.

Bisher fehle innerhalb der Besatzungskosten ein ordentlicher Haushaltsplan. Daher könnten die einzelnen Ausgabenposten nicht genau kontrolliert werden. Bisher mußten die Kosten lediglich global aufgeführt werden. Von einer genauen Haushaltsführung verspricht man sich eine Einsparung von 1 bis IV2 Mrd. DM.

Von deutscher Seite wird weiter nachdrücklich eine Aenderung der Auftragsvergebung im Bauwesen gefordert. Bei Vergebung von behördlichen Aufträgen ist es sonst üblich, einen Kostenvoranschlag anzufordern, der den Bauunternehmer und den Architekten festlegt. Bei den Besatzungsbauten ist eine direkte Kontrollmöglichkeit durch Nachkalkulation vorläufig nicht gegeben. Da aber das deutsche Architektenhonorar von der Baukostensumme mit abhängt, liegt es nahe, daß die Architekten auch an der Erhöhung der Kosten interessiert sind. Die Bundesregierung hat in jüngster Zeit immer wieder auf eine Aenderung gedrängt, ist jedoch auf eine äußerst kühle Reaktion der alliierten Experten gestoßen. Die deutschen Stellen glauben jedoch, bei einer Aenderung des Systems mehrere 100 Mill. DM einsparen zu können; bisher wurden für die Investitionen innerhalb des Bauetats 1 Milliarde DM veranschlagt.

Keine Lebensmittel aus EZU-Länd.

vwd Die Einfuhr von Ernährungsgütern aus EZU-Ländern wird vorläufig zurückgestellt. Von der Maßnahme werden Butter, Fleisch, Schlachtvieh und eine Reihe nicht lebenswichtiger Güter betroffen. Devisen werden voraussichtlich wieder zugeteilt werden, sobald es die Außenhandelsbilanz gestattet. Wie verlautet, äollen Ausschreibungen vorerst nur für Länder erfolgen, die nicht der europäischen Zahlungsunion angehören.

Berufsverkehr teurer?

Rätselraten um die Tariferhöhungen der Bundesbahn

Bei den derzeitigen Tariferwägungen der Bundesbahn stehen die Frachtsätze für Kohlentransporte nicht zur Debatte. Dr. Seebohm hat im Anschluß an die Verkehrsministerkonferenz in Stuttgart lediglich Erhöhungen bei den Zeitkarten des Berufsverkehrs, den Schülermonatskarten, einiger unter den Selbstkosten liegenden Erztarife, sowie von bestimmten, im Anhang zu den Düngemitteltarifen aufgeführten, „Keller-Tarifen“ angekündigt. Eine Erhöhung der Normalgütertarife wird jetzt ebenfalls erwogen. Man denkt hier neuerdings nicht mehr an eine lineare Erhöhung der Gütertarife, sondern die Erhöhung soll nach Entfernungen gestaffelt sein. Ein Vorschlag, der z. Z. vom Unterausschuß der Tarifkommission der Bundesbahn behandelt wird, sieht eine Erhöhung zwischen 55 Prozent bei Nahentfernungen und 6,4 Prozent bei weiteren Entfernungen vor. Bei der in Aussicht genommenen Erhöhung der Erz-Tarife werden insbesondere die bisher Salzgitter-Watenstedt gewährten Frachtvergünstigungen zumindest nicht mehr in dem gleichen Umfange aufrechterhalten werden.

Ueber das Ausmaß der Tariferhöhungen für den Berufs- und Schülerverkehr besteht ebenfalls noch keine endgültige Klarheit. Vor etwa Jahresfrist war von der Bundesbahn eine SOprozentige Erhöhung beantragt worden. Damals hatte der Bundesbahn-Beirat jedoch nur einer Erhöhung von 25 Prozent zugestimmt, aber auch diese Erhöhung war vom Verkehrsminister abgelchnt worden. Das Gutachten der amerikanischen Ingenieurfirma Codervale & Colpitt hat nun neuerdings eine 50prozentige Erhöhung verlangt. Minister Seebohm sprach in Stuttgart für diese Gruppen von einer Tariferhöhung von 10—15 Prozent.

Ueber den Termin des Inkrafttretens der neuen Tarife sind noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen. Fest steht nur, daß vor dem 1. Januar 1951 sie nicht in Kraft treten werden. •

vwd Die Tarifkommission und der Ausschuß der Verkehrsinteressenten beschlossen, die Krisenmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn bis zum 31. Dezember 1951 zu verlängern. Damit werden die im Januar 1950 eingeführten Krisenzu- und -abschläge bis zu dem genannten Termin beibehalten werden.

Höhere Umsatzsteuer für Kasfee erwogen

Hi. Wie in Bonn verlautet, dürfte im Rahmen der bereits angedeuteten konsumeinschränkenden Maßnahmen der Bundesregierung ein Umbau der Liberalisierungsliste von der OEEC in Paris der Bonner Bundesregierung anempfohlen werden. Es wird sich dabei in der Hauptsache um die Herausnahme von gewissen Luxuswaren handeln, wobei vor allem Kaffee in Frage kommt.

Zuständige Stellen in Bonn betonen, daß an eine Rationierung nicht gedacht werde und daß die Konsumeinschränkung sich vor allem auf nicht lebensnotwendige Lux'üswaren innerhalb der Liberalisierungsliste beziehen. Es sind Pläne im Gange, diese, als Luxuswaren anzusprechenden Nahrungsmittel wie Kaffee, Südfrüchte usw. dadurch zu verteuern, daß die Umsatzsteuer in irgendeiner Form für diese Waren erhöht werden soll. Man trägt sich mit dem Gedanken, eine sogenannte Negativliste aufzustellen, das heißt, die Dinge des täglichen Gebrauchs aus diesen Verteuerungsabsichten von vorneherein herauszunehmen.

In diesem Zusammenhang wird in Bonn darauf hingewiesen, daß in der Presse Meldungen veröffentlicht wurden, nach denen der Bundesarbeitsminister von der Möglichkeit gesprochen habe, daß im Winter mit einer Arbeitslosenzahl von vier Millionen zu rechnen sei. Der Bundesarbeitsminister erklärte demgegenüber, daß seiner persönlichen Auffassung nach im kommenden Winter die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik die Grenze von 1,5 Millionen nicht überschreiten werde.

Skonto in der Bauwirtschaft

w Der Bundeswirtschaftsminister hat ein Schreiben an sämtliche Bundesminister und an die für die Wirtschaft zuständigen Minister und Senatoren der Länder sowie an sonstige Spitzenbehörden zu der Frage der Skonto-Abzüge gerichtet. Darin heißt es u. a.:

„Skonto-Abzüge sind in der Bauwirtschaft nicht üblich. Sie sind unzulässig und widersprechen dem Sinne der Zwischenzinsberechnung, wenn sie bei Zahlungen erfolgen, die zum Fälligkeitszeitpunkt geleistet werden. In solchen Fällen bitte ich daher von einem Skonto-Abzug abzusehen. Im übrigen halte ich auch im Falle vorzeitig geleisteter Zahlungen Skonto-Abzüge nur dann für berechtigt, wenn sie zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer ausdrücklich vereinbart sind."

Kompensationsgeschäfte sollen wegen der angespannten Devisenlage in Zukunft nur noch in wesentlich eingeschränktem Maße möglich sein.

Inhaber beschlagnahmter deutscher Vermögen in der Schweiz und aus dem Land ausgewiesene Deutsche werden von der Int. Gem. der Betroffenen (Konstanz, Rheingutstraße 7) um Angaben über die festgehaltenen Privatguthaben gebeten.

Das Bundesgesetz für Heimkehrer sieht neben anderen Vergünstigungen einen besonderen Vollstreckungsschutz vor, den sowohl das Vollstreckungsgericht als auch der Gerichtsvollzieher gewähren.

Vier Hochöfen sollen in Salzgitter wieder aufgebaut werden, um die vorhandene Leistungskraft zu nutzen. Außerdem soll das Walzwerk wieder betrieben werden. Für die Stadt Watenstedt-Salzgitter hat der Bund als erste Rate der kommunalen Erstausstattung 9 Mill. DM bewilligt.

Die Aepfelernte beträgt im Bundesge¬ biet rund 1 Million Tonnen. Die Birnenernte wird auf 370 000 Tonnen und die Ernte an Pflaumen und Zwetschen auf rund 250 000 Tonnen geschätzt.

BH. Hüttenwerk Rheinhausen AG. Die Friedrich-Alfred-Hütte der Friedrich Krupp AG. in Essen, die aus dem Konzern herausgelöst und als Hüttenwerk Rheinhausen AG. neu gegründet wurde, legt die Bilanzen für das letzte RM-Geschäftsjahr (1. 10. 47 bis 20. 6. 48), für das erste verlängerte DM-Jahr (21. 6. 48 bis 30. 9. 59) und die DM-Eröffnungsbilanz vor. Das Unternehmen hatte auch noch in der ersten Zeit nach der Währungsreform unwirtschaftlich gearbeitet hat.

Unter anderem hat die Hütte erhebliche Beträge für Erneuerungen ausgegeben. Erst im Geschäftsjahr 1949z50 hat sie einen ECA-Kredit von 3.2 Millionen DM erhalten. Das Umlaufsvermögen hat sich von 34,23 Millionen RM auf 64,94 Millionen DM am 30. 9. 1949 erhöht. Die Verbesserung der Betriebsverhältnisse kommt darin zum Ausdruck, daß im zweiten Jahr im Durchschnitt drei Viertel der Kapazität ausgenutzt wurden. Es wird mitgeteilt, daß sich die Verhältnisse für das dritte Geschäftsjahr, das inzwischen am 30. 9. 50 abgelaufen ist, grundlegend gebessert haben. Auf der Hauptversammlung fanden die Geschäftsabschlüsse die einmütige Zustimmung. Stahltreuhänder Karl Barich wurde als Aufsichtsratsvorsitzer wiedergewählt.

hd. Industriekreditbank-AG„ Düssel¬ dorf. Auf der ordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf waren von 12 Millionen DM Grundkapital 2,57 Millionen vertreten. Die Regularien wurden einstimmig erledigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende. Dr. Ludwig Kastl, Nürnberg, teilte mit. daß das Institut beabsichtige, seine Grundlage durch eine entsprechende Kapitalerhöhung zu vergrößern. Kastl richtete einen Appell an die großen Industrieflrmen, eine Zeichnung des Kapitals nicht davon abhängig zu machen, daß sie selbst Kredite bekommen. Er wieß auf die derzeitigen Schwierigkeiten auf dem Kapitalmarkt hin und sagte, daß das Ausmaß der Kapitalerhöhung noch nicht feststehe. Dazu ist zu sagen, daß die Satzungen den Vorstand ermächtigen, das Grundkapital bis auf 18 Millionen DM zu erhöhen.

Was geht auf den Metallmärkten vor?

Ueberhöhte Preise mahnen zur Vorsicht

W Die Vertreter der westdeutschen Metallwirtschaft haben in Anwesenheit von Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums die Lage auf den Metallmärkten eingehend erörtert und die Maßnahmen diskutiert, die zu einer Ueberwindung der zur Zeit schwierigen Versorgungslage beitragen könnten. Die Produktion der Hütten kann in der bisherigen Höhe nur dann aufrechterhalten werden, so wurde festgestellt, wenn es gelingt, im gleichen Umfange wie bisher Alt- und Abfallmaterial zu beschaffen. Die Versorgung mit Erzen und Konzentration ist durch den Abschluß langfristiger Lieferverträge teilweise gesichert. Die Verminderung des aus inländischen Quellen zur Verfügung stehenden Alt- und Abfallmaterials würde jedoch möglicherweise zu dem Absinken der Erzeugung von Umschmelzmetallen führen.

Die unzureichende Metallversorgung muß durch kurzfristige Einfuhr von Vorstoffen, aber auch von Neumetallen und Abfällen ergänzt werden. Bewirtschaftungs- oder Lenkungsmaßnahmen werden abgelehnt. Jede Ansammlung von Metallbeständen, die nicht unbedingt benötigt werden, bedeutet zur Zeit bei den im übrigen überhöhten Preisen das Eingehen eines außerordentlichen Risikos.

Die Landwirtschaft wird von den Raiffeisen-Genossenschaften aufgefordert, den Futterbedarf für die Schweine aus der Kartoffelernte zu decken und das knappe und teuere Futtergetreide zu schonen.

Gleichberechtigung ist Voraussetzung

Tagung des Bundesverbandes der deutschen Industrie in Köln

H. R. Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Fritz Berg, forderte die volle Gleichberechtigung Deutschlands mit den übrigen westeuropäischen Staaten. Bevor diese Gleichberechtigung nicht geschaffen sei, könne niemand vom deutschen Volke Opfer verlangen. Berg sagte, der sittliche und soziale Imperativ des Abendlandes beruhe im Kern auf der Stabilität des Eigentums. Mit dem Eintritt Deutschlands in die abendländische Gemeinschaft müsse daher die deutsche Eigentumshoheit auf allen Gebieten wiederhergestellt werden. Vorwürfe gegen die Träger des Eigentums müßten von deutschen Gerichten untersucht und Eigentumsbeeinträchtigungen, wie zum Beispiel Entflechtung, vom deutschen Parlament behandelt werden.

Zur persönlichen Freiheit und persönlichen Ehre, die eine Lebensfrage der Demokratie bilde, führte Berg aus, daß noch zahlreiche Industrielle im Landsberger Gefängnis sind. Den Richtern, die diese Industriellen verurteilt haben, habe die ganze Kenntnis der Verhältnisse, unter denen wir vor 1945 lebten, gefehlt. Er könne diese Urteile nicht anerkennen und erhebe erneut die Forderung, die Verurteilten zu entlassen.

Auf dem Gebiete des geistigen Eigentums, so fügte Präsident Berg hinzu, verlangen wir die Rückgabe unserer Warenzeichen und Patente und.die Freiheit der Forschung. Berg wies dabei auf die Beschlagnahme deutschen Eigentums im neutralen Ausland hin, die völkerrechtlich nicht zulässig sei. Er warnte vor der Annahme, daß die Industrie über einen deutschen Beitrag zur europäischen Armee Freude empfinde, oder konjunkturelle Erwägungen anstelle. Die Geschichte habe bewiesen, daß Kriegsgewinne keinen Bestand haben. Die deutsche Industrie habe zum wenigsten ein Interesse daran, daß der mühsam erarbeitete Lebensstandard des deutschen Volkes wieder sinke. Trotzdem sei die Industrie bereit, Opfer für die europäische Gemeinschaft zu bringen. Ohne Gleichberechtigung müsse jedoch jede Gemeinschaft ein Torso bleiben. Dr. Berg sprach auf einer Kundgebung zum einjährigen Bestehen des Bundesverbandes der deutschen Industrie.

Härten des Rückerstattungs-Gesetzes

Da. Auch die offenkundigen Härten des alliierten Rückerstattungsgesetzes können von der Bundesregierung nicht gemildert werden. Der Bundesjustizminister erkennt das Vorliegen solcher Härten durchaus an. In zahlreichen Fällen können die vom Gesetz Betroffenen den Nachweis erbringen, daß sie die Gegenstände, die sie jetzt zurückerstatten müssen, von einem politisch oder rassisch Verfolgten auf seine Bitten hin erworben haben, daß sie unbedingt gutgläubig gewesen sind und einen angemessenen Kaufpreis entrichtet haben. Sie bleiben trotzdem zur Rückerstattung verpflichtet, auch ;penn ihre wirtschaftliche Existenz dadurch gefährdet wird.

Der Bundesjustizminister betont, die einzige Möglichkeit zu einer gerechten Regelung wäre, daß in Härtefällen der Bund und die Länder die Lasten der Wiedergutmachung übernehmen müßten. Die öffentliche Hand sei dazu aber nicht in der Lage.

Prämiennachf orderungen?

HR Unter Berufung auf den einschlägigen Obergerichtsbeschluß vom 21. 6. 1950 sind die Kraftfahrzeughalter zum großen Teil der Meinung, daß es zweckmäßig sei, die von den Versicherungsgesellschaften geforderten Prämienzahlungen zu verweigern. Bekanntlich verlangen die Gesellschaften, wenn die Prämie für den laufenden Versicherungszeitraum vor dem Inkrafttreten der letzten Prämienerhöhung in der Autoversicherung (23. 8.) gezahlt worden ist, eine dem Unterschied zwischen altem und neuem Tarif entsprechende Nachprämie. Wenngleich erwartet werden könnte, daß der Obergerichtsbeschluß, der die vorjährigen Prämiennachforderungen für unzulässig erklärte, auch auf die jüngst geforderten Nachzahlungen Anwendung finden müßte, so muß diese Frage doch noch erst entschieden werden. Die Ablehnung der Nachforderung dürfte daher, auch wenn beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Güterfernverkehr die Verweigerung empfiehlt, nicht anzuraten sein, dies schon deshalb nicht, weil sich bei nicht voll gezahlter Prämie in einem Schadensfälle Unzuträglichkeiten ergeben. Wer die Nachzahlung leistet, braucht sofern die Unrechtmäßigkeit der Erhebung in einem neuen Rechtsverfahren festgestellt wird um die Rückerstattung des zuviel gezahlten Betrages nicht besorgt zu sein.

Das deutsch-bulgarische Handelsab¬ kommen ist rückwirkend vom 1. Juli 1950 an in Kraft getreten. Das Abkommen läuft bis zum 31. März 1951 und sieht einen beiderseitigen Warenaustausch in Höhe von rund 11 Millionen Dollar (46,2 Millionen DM) vor.

120 Mill. Dollar-Kredit

(vwd) Die Geheimsitzung des Direktoriums der Europäischen Zahlungsunion (EZU), in der die prekäre deutsche Devisenbilanz zur Debatte stand, ging nach fast ununterbrochenen, dreitägigen Beratungen zu Ende. Wie verlautet, soll das Direktorium der EZU beabsichtigen, der Bundesregierung eine Umstellung ihrer Wirtschaftspolitik vorzusthlagen. Ferner soll der Bundesrepublik ein Sonderkredit von 120 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden.

Die beiden ausländischen Finanzsachverständigen Per Jacobsen und Alexander Cairncross sollen in ihrem Bericht über die Wirtschaftslage der Bundesrepublik festgestellt haben, daß die westdeutsche Zahlungsbilanz im Verlauf von drei bis fünf Monaten bereinigt werden kann. Die angespannte westdeutsche Deviseneinlage wird vor allem auf Ueberinvestitionen und auf mangelnde Kontrolle der Einfuhren zurückgeführt.

Hohe deutsche Exporte

AP. Die deutschen Exporte haben im dritten Quartal 1950 einen neuen Nachkriegshöchststand erreicht. Es wurden Waren und Rohstoffe im Gesamtwert von etwa 2 163 000 000 DM ausgeführt (44,6 Prozent mehr als im ersten Vierteljahr 1950). Zwischen Juli und September erreichten die Einfuhren die Gesamtsumme von etwa 2 813 580 000 DM. Das Dollardefizit im 3. Quartal betrug 311 241 000 DM.

Die Handelsbilanz mit den Mitgliedsländern der OEEC. hat sich verschlechtert. Das Exportdefizit betrug etwa 181 000 000 DM (zweites Quartal Ueberschuß von 71 400 000 DM).

Kohlenmangel bedroht Opel

AP. Bei den Adam-Opel-Werken in Rüsselsheim ist eine ernsthafte Kohlenverknappung eingetreten. Das Werk, in dem rund 20 000 Personen beschäftigt sind, könne mit den gegenwärtigen Kohlenvorräten seinen vollen Betrieb nur noch zwei Wochen aufrechterhalten. Im vergangenen . Monat hatten die Opel-Werke nur 50 Prozent der für den laufenden Betrieb notwendigen Kohle erhalten.

Noch keine Stillegungen

Die eingetretene Kohlenverknappung hat bisher in Rheinland-Pfalz zu keinen Betriebsstillegungen geführt. Nach den mit dem Beauftragten für die Regelung der inländischen Kohlenversorgung geführten Verhandlungen sei auch nicht damit zu rechnen, daß Betriebe infolge Kohlenmangels Feierschichten einlegen müßten, wenn ei auch nicht ganz ausgeschlossen erscheine, daß vorübergehend zu Kurzarbeit übergegangen werden müsse.

Gegen Tabakimporte

Sch. Die Inlandstabakernte 1950 ist im Bundesgebiet von hervorragender Güte. Die Pflanzer konnten daher berechtigte Hoffnungen auf einen befriedigenden Absatz und gute Preise haben. Jedoch ließen die ersten Tabakeinschreibungen bereits erkennen, daß mit bedenklichen Absatzschwierigkeiten zu rechnen ist. Das Interesse von Tabakhandel und -Industrie entsprach nicht den Erwartungen. Große Posten fanden überhaupt keine Käufer Die Schuld an diesen Verhältnissen wird in erster Linie dem Bundesfinanzminister zugeschrieben, der die, Tabaksteuerreform hinauszögert. Diese Unsicherheit wirkt sich störend und preisdrückend auf den Tabakmarkt aus.

Die Unsicherheit wird noch größer, da sich das Bundeswirtschaftsministerium bereit fand, 5 Millionen Dollar zum Einkauf von USA-Tabaken freizugeben. Um eine Katastrophe im Tabakbau zu verhindern, hat die „Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände des gewerblichen Qualitätstabakbaues“ in Karlsruhe namens aller gewerblichen Tabakpflanzer an eine Reihe von Bundesministern in Bonn gegen die unverständliche Freigabe der 5 Millionen Dollar zum Einkauf von Uebersee-Tabaken protestiert. Sie hat gefordert, die Einfuhren so lange einzuschränken bis die Inlands-Tabakernte 1950 preiswürdig abgesetzt ist.

Der Bremer Großindustrielle Carl F. W. Borgward begeht am 10. November seinen 60. Geburtstag. Borgward hat im Laufe von Jahrzehnten drei Automobilwerke in Bremen aufgebaut: die Carl-F. W. Borgward-GmbH., die Goliath-Werke-GmbH. und die Lloyd-Maschinenfabrik-GmbH. Diese drei Werke haben gegenwärtig zusammen 9450 Beschäftigte.

Börsenberichte

Bz. Zur Wochenmitte ergab sich an der Frankfurter Börse kein einheitliches Bild. Einige Spezialwerte waren gesucht. So Deutsche Tafelglas 120, Maschinenfabrik Hartmann-Offenbach mit 100, Lindes Eis bei 94 (je pl. 2), das gleiche gilt von Zellwolle-Aktien. Am Chemiemarkt Bemberg 80,50 (pl. 1,5), Degussa 77,75 (pl. 0,75), andererseits Metallgesellschaft 63,5 (— 1,5), Maschinenwerte — mit Ausnahme von BMW 34 (— 1), Daimler 58,25 (— 0,75), Lanz-Mannheim 57,25 (— 0,5) — waren gehalten. Etwas im Hintergrund standen Elektropapiere. Der Montanmarkt war ziemlich vernachlässigt. Im Freiverkehr Deutsche Waffen 27 (pl. 1).

Freie Devisenkurse

Bz. Am 8. November 1950 hörte man an der Frankfurter Börse folgende freie Devisenkurse: für den US-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holländischen Gulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,72 bis 0,78 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM.

Jn ^en Berliner Wechselstuben wurden £ur DM-West 5 bis 5,20 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten.

Auf der Stuttgarter Häuteauktion la¬ gen Kalbfelle 2 bis 3 Prozent über den letzten bayerischen Notierungen. Das Angebot fand glatte Aufnahme.

Darmstadt und Umgebung

Formulare, Formulare ...

HFL. Daß der Fragebogen eine uralte Erfindung ist, wurde zwar noch nicht wissenschaftlich einwandfrei erwiesen, aber die Raffinesse, mit der derartige Dokumente bis ins kleinste ausgeklügelt wurden, läßt auf eine jahrhundertealte Tradition schließen. Von dieser Sorte haben wir in den letzten Jahren mehr vorgesetzt bekommen, als wir beim besten Willen verdauen konnten — und wir waren willig, schon, weil uns nichts anderes übrig blieb.

Erst war es die arische Großmutter, die man sich schamvoll bei Bekannten auslieh, dann interessierte die politische Vergangenheit, die Höhe der Umsatzsteuer und die Zahl der Kaninchen im Stall. Dann aber wurde man genauer, ging bis ins einzelne, sozusagen ins mikrokopische, um den letzten verzuckenden Seelenregungen des armen Bürgers nachzuspüren. Dieses diente der Wissenschaft, das dem Finanzamt und jenes beschäftigte die Statistik, alles aber war nur darauf F abgestellt, dem zähneklappernden Opfer die Würmer aus der Nase zu ziehen.

Wenn man so überdenkt, was man mit uns die letzten Jahre über getrieben hat, dann erfaßt einen das große Heulen, dann kann man nur noch sagen: wir haben es satt, restlos, bis zur Halskrause, denn daß der Fragebogen eine uralte... (siehe oben).

Nun hat jemand eine neue Variante gefunden, eine raffinierte Variante. Es nutzte nichts mehr, zu wissen, welche ehelichen Verhältnisse man aufzuweisen hatte, wie groß man war und wie schwer. Man ging aufs Ganze, man wollte wissen, welche Automarke die Aerzte fuhren. Das ist absolut neu, das ist so neu, daß zu befürchten ist, daß die Aerztekammer auch noch auf den Gedanken kommt, anzufragen, warum ihre Mitglieder nicht mehr Patienten haben, zumal die Aerzte im Verhältnis zur Einwohnerzahl immer noch in der Minderheit sind. -st

„Form der direkten Demokratie ist notwendig“

Bessunger Nachbarschaft forderte Aenderung der Gemeindeordnung

Die Bessunger Nachbarschaft veranstaltete im Nachbarschaftsheim ihren zweiten Versamlungsabend. Dr. Schenk führte in seinen Begrüßungsworten aus, daß es an der Zeit sei, daß die Nachbarschaft sich auf sich selbst besinne. Dr. Luthardt begann seine Ausführungen mit der Frage, wo die Jugend bliebe. Die Nachbarschaftsbewegung wende sich insbesondere an die Jugend, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn in den nächsten Zusammenkünften eben diese Jugend stärker vertreten wäre. Die Nachbarschaftsbewegung sei im Begriff zu einem bedeutenden sozialen Faktor zu werden. Inzwischen habe man ein soziales Hilfswerk in Bessungen ins Leben gerufen, um die Idee der Nachbarschaft durch die Tat beweisen zu können. Gerade den alleinstehenden Witwen gelte es helfend unter die Arme zu greifen. Jeder habe die Pflicht, sich durch erhöhte Verantwortlichkeit der Freiheit in der Demokratie für würdig zu erweisen.

Dr. Luthardt führte ferner aus, daß die Bemühungen beim Rechtsamt der Stadt Darmstadt, die Fertigung und den Ausbau der Wormser Straße zu erreichen, von Erfolg gekrönt worden seien. Es sei anzuerkennen, daß die Stadtverwaltung in schnellster Zeit die notwendigen Schritte unternommen habe. Auch die Beleuchtung der Heidelberger Straße konnte erreicht werden.

Anschließend wurde eine Petition verlesen, die an den Landtagspräsidenten gerichtet ist. In ihr fordert die Bessunger Nachbarschaft, daß neben die indirekte Form der Verwaltungsdemokratie die direkte Form der Bürgerversammlung zu treten habe. Bei der Neufassung der hessischen Gemeindeordnung sei darauf zu achten, daß folgende Punkte gesetzlich verankert würden.

Die Städte und Gemeinden sollten nach ihren Wohngebieten auf geteilt werden, deren Stimmberechtigte sich zu einer Einwohnerversammlung zusammenzuschließen hätten. Zu diesen Versammlungen sollten die Gemeindeverwaltungen Vertreter entsenden, die ermächtigt seien, Auskünfte zu geben und Anregungen entgegenzunehmen. Vorläufig solle diese Einrichtung in je einer Dorfgemeinde, in einer Kleinstadt. Mittelstadt und in einem Ortsteil einer Großstadt versuchsweise eingeführt werden, um Erfahrungen zu sammeln und den Entwurf einer neuen Gemeindeordnung auszuarbeiten.

Die Damen Pfeiff, Trautmann und Wenner sowie die Herren Zander, Möller. Dr. Luthardt und Kreter wurden von den Anwesenden als vorläufige Ausschußmitglieder der Bessunger Nachbarschaft bestimmt, Dr. Luthardt zum Leiter der Bessunger Nachbarschaft und Dr. Schenck zum Ehrenpräsidenten gewählt. Die verlesene Petition wurde sodann mit großer Mehrheit angenommen. In der weiteren Debatte kamen nochmals die Mißstände in der Bessunger Knabenschule zur- Sprache, und gegen den hessischen Haushaltsplan wurde scharf Stellung genommen, indem die Ausgaben für Schul- und Unterrichtszwecke erst an 80. Stelle verzeichnet seien. K I -st.

Prof. Hans Hoffmann-Lederer

an die Werkkunstschule Darmstadt berufen

Professor Hoffmann-Lederer, Schüler von Itten, Klee und Schlemmer am Bauhaus Weimar, wurde 1945, noch unter amerikanischer Besatzung an die Hochschule für Baukunst und bildende Künste nach Weimar berufen mit dem Auftrag, die Hochschule im Geiste des Bauhauses neu mit aufzubauen. Ueber vier Jahre lang hat er sich eingesetzt, gegen zunehmenden Widerstand in diesem Geiste zu wirken und — zusammen mit gleichgesinnten Kollegen — die Nivellierung der Hochschule aufzuhalten. Die Zumutung eines „Lehr- und Lern-Solls“, dessen diktatorisch geforderte Erfüllung er vor seinem kunstpädagogischen Gewissen nicht mehr verantworten konnte, hat den Ausschlag gegeben für seinen Entschluß, sein Lehramt niederzulegen und die Sowjetzone zu verlassen. Dank dem Entgegenkommen der Stadt Darmstadt, die eine Berufung an die Werk-Kunstschule Mathildenhöhe bot, haben er und seine Gattin in Westdeutschland ein neues Wirkungsfeld gefunden.

Nun schreif ich mal an's „Tagblatt“

Wie früher bringt das „Tagblatt“ wieder regelmäßig rechtsberatende Beiträge. Alle Auskünfte, die unser Rechtsberater auf Anfragen unserer Leser erteilt, sind kostenlos und unverbindlich.

Der Rußland - Heimkehrer Schultze stellt fest, daß sich seine Ehefrau mit anderen Männern eingelassen hat. Er möchte sich scheiden lassen, hat aber kein Geld für die Prozeßkosten. Schultze bittet um Auskunft, wie ihm geholfen werden kann.

Auskunft:

Schultze kann „im Armenrecht“ klagen, wenn er nachweist, daß er arm ist und daß seine Ehescheidungsklage Aussicht auf Erfolg hat.

Zunächst muß Schultze also den Nachweis führen, daß er arm, d. h. daß er außerstande ist, ohne Beeinträchtigung des für ihn und seine Familie notwendigen Unterhalts die Kosten des Prozesses zu bestreiten. Zu diesem Zweck muß Schultze ein Armutszeugnis vorlegen (darüber siehe unten). Weiter muß Schultze nachweisen können, daß die von ihm beabsichtigte Ehescheidungsklage Aussicht auf Erfolg hat. Das bedeutet, es muß nach seinem Vorbringen, nach seinen Behauptungen in der Klage die Aussicht bestehen, daß Schultze mit seiner Scheidungsklage durchdringt.

Zunächst muß sich Schultze ein Armutszeugnis ausstellen lassen. Das Armutszeugnis ist ein von der zuständigen Bürgermeisterei ausgestelltes Zeugnis, ,in dem unter Angabe des Standes oder Gewerbes, der Vermögens- und Familienverhältnisse bescheinigt wird, daß Schultze zur Zahlung der Prozeßkosten außerstande ist.

Das Armutszeugnis allein gibt also noch nicht das Armenrecht. Schultze hat vielmehr erst dann das Armenrecht, wenn es ihm von dem Gericht, bei dem er Klage erheben muß, ausdrücklich bewilligt wird. Zu diesem Zweck muß Schultze vor oder in Verbindung mit der Scheidungsklage unter Vorlage des Armutszeugnisses ein Ar m enrechtsges u c h einreichen. Das Gesuch muß bei dem für die Ehescheidungsklage zuständigen Landgericht eingereicht werden. In dem Gesuch oder in der gleichzeitig eingereichten Scheidungsklage muß Schultze alle Gründe geltend machen, auf die er seine Scheidungsklage stützen will. Zu dem Armenrechtsgesuch des Schultze wird seine Ehefrau gehört, jedenfalls wird ihr Gelegenheit gegeben, dazu Stellung zu nehmen.

Wird dem Heimkehrer Schultze auf seinen Antrag hin das Armenrecht bewilligt, dann ist er einstweilen von Gerichts- und Anwaltskosten befreit und hat das Recht, daß ihm ein Gerichtsvollzieher und da, wo es vorgeschrieben ist, auch ein Rechtsanwalt zu seiner Vertretung beigeordnet wird. Das Recht auf Beiordnung eines Anwalts besteht nur da, wo Anwaltszwang herrscht, d. h. vor den höheren Gerichten. Dies gilt auch für die Ehescheidungsklage des Schultze. Ist Schultze nicht ganz vermögenslos, dann wird ihm das Ärmenrecht nur zu einem Bruchteil bewilligt C1* oder '/>).

Der beigeordnete Rechtsanwalt darf die Übernahme der Vertretung nicht ablehnen, er erhält seine Gebühren aus der Staatskasse.

Mit der Bewilligung des Armenrechts ist Schultze nicht endgültig und für alle Zeiten von der Zahlungspflicht befreit. Stellt sich nach Rechtskraft des Scheidungsurteils bei erneuter Prüfung seiner Vermögensverhältnisse heraus, daß Schultze zahlen kann, dann wird durch einen Nachzahlungsbeschluß des Gerichts angeordnet, daß Schultze die von ihm nach dem Urteil geschuldeten Kosten irt bestimmte« monatlichen Raten abträgt.

Das „DT“ stellt vor:

Ludwig Keil

Kandidat

der Kommunistischen Partei Deutschlands für den Wahlkreis £3 (Darmstadt-Stadt).

Nach Oppenheim brachte am Wochenende ein Omnibus die Mitglieder der Vereinigung alter Burschenschafter, Darmstadt. Die Teilnehmer besichtigten die Katharinenkirche, deren Westchor 1937 von Professor Meißner'und Professor Kleinlogel restauriert worden war. Gemeinsam mit dem Altmeister des Hessichen Weinbaues, Oberstudiendirektor Fu h r - Seeheim, besuchten dann die Burschenschafter unter Führung von Landwirtschaftsrat Hasselbach die Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau. t-s


Der Kandidat der KPD zur Hessischen Landtagswahl, Ludwig Keil, Schwerkriegsbeschädigter, gehörte seither bereits dem Hessischen Landtag an. Er erklärte, daß er sich als Opfer des ersten Weltkrieges besonders für den Kampf um die Erhaltung des Friedens einsetze.
Der Kandidat der KPD zur Hessischen Landtagswahl, Ludwig Keil, Schwerkriegsbeschädigter, gehörte seither bereits dem Hessischen Landtag an. Er erklärte, daß er sich als Opfer des ersten Weltkrieges besonders für den Kampf um die Erhaltung des Friedens einsetze.

Klettern die Preise? Bleiben die Löhne?

Gewerkschaftskundgebung in der Stadthalle / Der Oberbürgermeister berichtet aus dem Landtag

Die Stadthalle war am Mittwoch stark besetzt — ein Zeichen des Interesses für die brennende Lohnfrage —, als Landesvorsitzender Meißner in der Kundgebung der Gewerkschaft „O öffentliche Dienste, Transport und Verkehr“ über die Lohn- und Gehaltsverhältnisse in den öffentlichen Diensten sprach.

Der Redner ging, um Mißverständnisse zu vermeiden, zurück bis zum März 1950, in dem die jetzt laufende Lohnbewegung ihren Anfang nahm. Die sogenannten „Königsteiner“ Abmachungen besprechend, entwickelte Meißner Vergleiche zwischen dem Einkommen der Lohn- und Gehaltsempfänger und den Kosten der Lebenshaltung, berichtete auch von den schwierigen Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und der Arbeitgeberschaft. Die Gewerkschaften müßten eine Angleichung zwischen Preisen und Löhnen verlangen. Die Subventionen der Weizenimporte und die Folgen ihres Fortfalls sowie andere Probleme des Tages (Mieten!!! Preisbildung bei den Versorgungswerken!) zog der Referent in seinen Betrachtungen als wichtige Momente heran.

Die Länder und Kommunen geben an, bei ihren Defiziten nicht helfen zu können, ohne kulturelle Aufgaben und den Wohnungsbau stärkstens einschränken zu müssen. Die Bundesregierung kennt die Lage, kennt die Forderungen der Lohnempfänger, kennt den Emst der Situation und mufl nun handeln. Die Läge ist — so stellte der Referent fest — daß der Weg der Preissenkung der einzig gangbare ist. Aber wenn er nicht oder umgekehrt begangen wird, was wird dann?

Meißner wies auf die zahlreichen Schönheitsfehler der nun getroffenen Vereinbarungen hin und sprach die Befürchtung aus, daß nach den letzten Plänen — Benzinpreiserhöhung, Autobahnabgabe, Fortfall von Lohnsteuerusw*. Ermäßigungen — das Gegenteil einer Senkung der Lebenshaltungskosten eintreten würde. Die Gewerkschaft muß sich daher schon jetzt damit befassen, was nach dem 31. Januar 1951, dem Ablauf der befristeten Vereinbarungen geschehen soll. Endlich trat der Redner energisch für die Belange der beamteten Gehaltsempfänger ein.

Oberbürgermeister Metzger, der gerade aus der Landtagssitzung kam, berichtete kurz über die Annahme des Gesetzes über die Angleichung der Gehälter und fand die Zustimmung der Versammlung, als er in der Preis- und Lohnfrage ein planvolles Vorgehen den gegebenen Möglichkeiten entsprechend forderte. Der Oberbürgermeister streifte dann noch das Entnazifizierungsgesetz in Hessen. H.W.W

„Auf geparkten Lastzng aufgefahren“

Unter der Ueberschrift „In der Dunkelheit auf parkenden Lastzug aufgefahren“ sind in den Tageszeitungen im Abstand von wenigen Tagen immer wieder die gleichen Meldungen zu finden. Manchmal geht es mit Sachschaden ab, oftmals kostet es Menschenleben. Besonders auf der Autobahn wurden Lastzüge, die durch Motor- und Reifenschaden zum Anhalten gezwungen waren, schon oft nachfolgenden Fahrzeugen zum Verhängnis.

Die Hauptursache solcher Unfälle liegt vor allem darin, daß die Fahrer der nachfolgenden Kraftwagen während der Dunkelheit zu spät erkennen, daß die vor ihnen auftauchende Schlußbeleuchtung nicht von einem fahrenden, sondern von einem parkenden Kraftfahrzeug stammt.

Dieses Problem, wie man geparkte Kraftfahrzeuge auf der Landstraße als solche kennzeichnen könne, regte eine ganze Reihe von Vorschlägen an.

Dieser Tage unterbreitete uns Herr Philipp Höhl, Groß-Zimmern, der bei dem „Darmstädter Transport- und Verkehrs-Unternehmen“ angestellt ist, seine zum Patent angemeldeten Entwürfe . für Warnlampen.

Herr Höhl geht von dem Gedanken aus, daß durch seine geplanten Vorrichtungen die Warnung durch das Imitieren einer mit der Hand geschwenkten roten Lampe erfolgen soll. Seine Pendel-Schutzvorrichtung“ sieht den Anbau einer Art Scheibenwischermotors am hinteren Ende des Kraftwagens vor, der an langem Hebelarm eine rote Lampe beim Parken hin- und herschwenkt. Seine „ Leucht-Schutzvorrichtung“ imitiert durch das wechselweise Einschalten sechs nebeneinander angebrachter Rücklichter diese Schwenkbewegung und seine „ Blink-Schutzvorrichtung“ läßt durch das wechselweise automatische Einschalten von mehreren in Dreiecksform angeordneten roten Lichtern den Eindruck einer kreisförmigen Warnbewegung entstehen.

Da uns diese Vorschläge zur Kritik überlassen wurden, wollen wir auch nicht dam,it zurückhalten und vor allem die Notwendigkeit einer Warnvorrichtung für solche Zwecke bei der zunehmenden Motorisierung befürworten und anerkennen. Die von Herrn Höhl entworfenen Warnvorrichturigen dürften diesen Zweck durchaus erreichen. Doch müssen wir aus dieser Erfahrung über derartige Unfälle befürchten, daß solche technisch doch etwas komplizierten Anlagen sehr oft im nicht-betriebsfähigen Zustand sein werden, da es viele Kraftfahrer noch nicht einmal zuwege bringen, ihr einfaches rotes Rücklicht in Ordnung zu halten.

Wir sind der Ansicht, daß eine Warnvorrichtung für solche Zwecke gar nicht primitiv und narrensicher genug sein kann, denn es sind vor allem nachlässige Kraftfahrer, die ihr Fahrzeug unterwegs anhalten müssen, weil sie zu Hause nicht nach dem rechten sahen.

Wie wäre es, wenn man sich einen Rückstrahlstreifen, wie si? auf den Warnbaken vor unbewachten Bahnübergängen eingebaut sind, kaufe, auf einen vierkantigen Klotz aufschraube und diese Warnvorrichtung etwa 35 Meter hinter dem geparkten Kraftwagen auf die Fahrbahn in der Fluchtlinie der linken Fahrzeugkante lege. Ueber ein solches Warngerät kann der nachfolgende Kraftfahrer ruhig mal drüber weg fahren — übersehen kann er es nicht. Billig ist es außerdem. agt

Blumenmuster für Europa aus Darmstadt

Einbrennbare Abziehbilder für die Dekoration von Porzellan, Steingut und Glas / Ein guter Exportartikel

Keramischer Buntdruck, darunter kann sich der Laie nur wenig vorstellen, zählt heute noch zu den Spezialproduktionen, in welchen Deutschland unübertroffen und maßgebend zumindest für Europa geblieben ist.

Anfang des Jahres 1948 gründete Herr M. Walter Lehming in Darmstadt die Firma „DECORA“ (Kunstanstalt für .keramischen Buntdruck). Es ist der erste und einzige Betrieb dieser Art in Hessen. Als Experte auf diesem Spezialgebiet entwickelte er aus dem Nichts heraus, diese, jetzt bereits für den Export maßgebliche Produktionsstätte. Es gelang ihm nach und nach, Spezialkräfte, die aus Schlesien und dem Sudetenland in die Westzone geflüchtet waren, in den Produktionsprozeß einzugliedern. Diesen wertvollen Spezialkräften konnte Herr Lehming ohne jede Unterstützung bereits durch Erstellung eines Wohnhauses wieder ein Eigenheim in Seeheim a. d. B. schaffen.

Mehr als 80 Angestellte und Arbeiter

Durch seinen persönlichen Einsatz entwickelte sich dieses Flüchtlingsunternehmen so schnell, daß es heute bereits über 80 Arbeiter und Angestellte umfaßt. Es machte sich deshalb ein Fabrikneubau in Seeheim a. d. B. notwendig, der noch bis Ende dieses Jahres bezogen wird. Ein Rundgang durch diese Fabrik zeigt die interessanten Vorgänge der Produktion dieser einbrennbaren Abziehbilder. Das Geschirr, von dem wir täglich essen, die Vase, die wir unseren Freunden schenken, auch das Bierglas mit dem Firmennamen, all das wird zum großen Teil mit Hilfe des Abziehbildes dekoriert, wenn es sich nicht, allerdings in den seltensten Fällen, um ausgesprochene Handmalerei handelt. Dieses Abziehbilder-Verfahren ist im Laufe der letzten 50 Jahre so fein entwickelt worden, daß der Laie mechanische Qualitätsarbeit von der Handmalerei sehr oft nicht mehr unterscheiden kann.

Qualitätshochwertige Dekore — Prinzip

Vom handgemalten Entwurf, den häufig die Manufaktur beistellt, oder Herr Lehming selbst, werden die Lithos bis zu 25 Farbauszügen geschaffen. Im Flachdruckverfahren erfolgt dann der Druckprozeß auf gummiertem Spezialpapier, zum großen Teil in Form von Puderfarben. Besondere Abstaubmaschinen befreien dann diese Bogen immer wieder vom überflüssigen Farbstaub. Als letzter Druckgang erfolgt ein Firnisüberdruck auf diese Staubfarben, welche reliefartig auf dem Papier aufgetragen sind. Nach gründlicher Sortierung und Kontrolle gehen dann diese Buntdruckbogen nicht nur zur Weiterverarbeitung an die deutschen Porzellanfabriken, sondern werden zum großen Teil in die nordischen Länder, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien, Griechenland, Holland, Belgien und auch nach Finnland versandt. Qualitätshochwertige Dekore zu schaffen, gilt als Prinzip.

In den Manufakturen zerschneidet man dann diese Bogen in einzelne Zweige und Streuer, um diese dann mittels Abziehlack auf die glasierten Geschirre abzuziehen. Durch Temperaturen von 700 bis 800 Grad C erfolgt dann das Einbrennen dieser Metalloxydfarben, wodurch die in den Farben enthaltenen Flußmittel eine Verbindung mit der Glasur eingehen können.

Biskuit -Porzellan

Neben diesen Aufglasur-Abziehbildern werden aber auch Unterglasur-Bilder hergestellt, welche im Gegensatz zu den Aufglasur-Bildern auf den unglasierten Scherben, sogenanntes Biskuit-Porzellan, abgezogen, dann glasiert, bei ca. 1200 Grad C im Glattbrand, die besonders weichen, vollständig säurefesten Dekorationen erscheinen lassen.

Neben diesen Keramik-Dekorationen stellt die „DECORA“ auch Kaltabziehbilder für technische, gewerbliche und Reklamezwecke her. Als Neuheit wird nun auch der Druck im Reliefverfahren entwickelt. rw

Studenten nach USA

Die Regierung der Vereinigten s^aa*an von Amerika hat es einer Anzahl deutscher Studenten ermöglicht, im Rahmen des Austauschprbgramms des US-Oberkommissars für Deutschland im September 1951 für ein Jahr an Universitäten in den Vereinigten Staaten zu studieren. Die Kosten werden ausschließlich von der amerikanischen Regierung und verschiedenen privaten amerikanischen Stellen getragen.

Es ist natürlich unmöglich, jedem der daran interessiert ist, Gelegenheit zum Studium in den Vereinigten Staaten zu verschaffen. Es kann jedoch jeder, der sich dafür geeignet hält, ein Gesuch für die Teilnahme einreichen. Die Auswahl wird durch ein deutsch-amerikanisches Komitee im November und Dezember dieses Jahres getroffem Antragsformulare können beim örtlichen US Resident Officer angefordert werden.

Voraussetzungen:

1. Der Antragsteller muß zur Zeit an einer Hochschule oder Universität studieren oder während des letzten Jahres studiert haben oder die letzte Klasse eines Gymnasiums (oder einer ähnlichen Lehranstalt besuchen. Bewerber, die ihr Abitur nicht bis Sommer 1951 gemacht haben, können nicht berücksichtigt werden. Die Mehrzahl der Stellen ist für solche Kandidaten vorgesehen, die zur Zeit der Antragstellung noch nicht ihr viertes Semester beendet haben; jedoch sollen in beschränktem Umfang auch für fortgeschrittenere Studenten Stellen verfügbar sein. 2. Der Bewerber muß körperlich gesund sein. 3. Eine ausreichende Kenntnis der englichen Sprache ist wesentlich. 4. Die Mehrzahl der Stellen ist Studenten der sozialen und politischen Wissenschaften, Geschichte und der englischen Sprache vorbehalten. Für Studenten der Naturwissenschaften, der medizinischen und der Rechtsfakultäten sind die Studienmöglichkeiten innerhalb diesees Programms sehr beschränkt.

Anträge müssen umgehend ausgefüllt und bis spätestens 18. November 1950 dem örtlichen US Resident Office eingereicht werden.

Wie wird das Wetter?

Unbeständig

Voraussage: Am Donnerstag meist stark bewölkt und zeitweise Regen. Tageshöchsttemperatur 8 bis 10 Grad. Nachts kein Frost. Auffrischende südwestliche bis westliche Winde.



Wohin gehen wir heũte?

Landestheater: Orangerie: 19.00 Uhr „Don Carlos“, ein dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller. Ende gegen 22.30 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Lied des Orients“; Thalia: „Jetzt schlägt’s 13“; Belida: „Das Gesetz der Prärie“; Palast: „Polizeiinspektor Vargas“; Hansa: „Gold in New Frisco“. Amerikahaus, Schustergasse 18: 19.30 Uhr Lichtbildervortrag „Die Wunderwelt der Adria“. 14.30 und 17.00 Uhr Filmvorführungen. 15.00—16.00 Uhr Musik-Programm, Barber: „Adagio für Streicher“, 16.00 bis 17.00 Uhr AFN Symphony Orchestra. Volkshochschule, Lagerhausstr. 9: 19.30 Uhr Techn. Hochsch., Raum 167: „Darmstadt in Literatur und Kunst“, Günter M i - chel, „Kunst und Leben: Alexander Lichtbildern. Koch, ein Darmstädter Verleger“, mit Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3a: 10.00 bis 18.00 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“. Techn. Hochschule: 16.45—18.00 Uhr im großen Hörsaal des Zintl-Instituts erste Vorlesung über „Albrecht Dürer, Leben und Werk“ durch Prof. Dr. H. G. Evers. Nachbarschaftsheim: 16.30 Uhr „Königsteiner Puppenspieler".

Wir gratũlieren

80. Geburtstag: Frau Henriette Nottrott geb. Massa. Darmstadt, Heidelberger Str. 90. 72. Geburtstag: Herr Heinrich Frank, Darmstadt, Arheilger Straße 78.

Bei den Heimatuertriebenen im Hessisch-Starkenburgischen

Von Dr. Irene Steinsch

Wer zur Blütezeit durch die Felder geht, sieht in den kleinen Gärten außerhalb der Gemeinden Beete blühenden Mohns und weiß, daß hier Flüchtlinge wohnen, denn Sudetendeutsche wie die Volksdeutschen aus dem Südosten haben ihn mitgebracht. Und wer in manchen Orten Stühle findet, deren Sitz aus Stroh, Schilf oder Maisstroh geflochten ist, erkennt die Arbeit der Ungarndeutschen. Gestrickte bunte „Patschkerln“ an den Füßen auch der einheimischen Kinder lassen den Austausch mit den Menschen Südosteuropas feststellen. Geklöppelte Decken, holzgeschnitzte Teller und Kästchen, gute Drechslerarbeiten verraten den Sudetendeutschen. Manch schlesischer Eisenbahner tut auf den hessischen Bahnen Dienst, die harte Sprache der Ostpreußen und Balten mischt sich mit dem weichklingenden Hes-r sischen. Ueberrascht hört man Namen wie Schrauth, Faubel, Steitz unter den ungarndeutschen Heimatvertriebenen, weil ihre Ahnen vor 250 Jahren zu einem Teil auch aus dem „Hessen-Darmstädtischen“ nach Ungarn wanderten. Die Gemeinde Kistormäs in Ungarn bekam ihre deutschen Ansiedler im Jahre 1724 u. a. aus Wolfskehlen und Mosbach. Und in Bretten hat ein ungarndeutscher Lehrer mit dem Manumissionsscheine seiner Ahnen aus dem Jahre 1777 die Versicherung, jederzeit dorthin zurückkehren zu können, somit die älteste „Zuzugsgenehmigung“. Viele Fäden spannen sich vom „Darmstädtischen“ nach dem Südosten.

So wären manche Heimatvertriebenen gar keine Fremden im Lande. Und wenn sie sich sogar Siedlungen bauen, wie in Darmstadt z. 8., dann wachsen sie bald in die Gemeinde hinein. Die ungarndeutsche bäuerliche Nebenerwerbssiedlung St. Stefan in Griesheim bei Darmstadt mit ihren rund 400 Familien ist wieder ein“richtiges „schwäbisches“ Dorf, um das sich die dem Flugsand des ehemaligen Exerzierplatzes mühsam abgerungenen Felder reihen. Das Gemüse, das hier gezogen und in der Stadt verkauft wird, ist gut. — Am Stadtrand von Darmstadt entsteht die ungarndeutsche Bauhandwerkersiedlung, die Donausiedlung, mit insgesamt 100 Doppelhäusern. In fachlich gelenkter .Selbsthilfe erbauen die Handwerker in der Freizeit ihre Häuser, deren erste 19 Doppelhäuser am 8. Oktober 1950 bezogen wurden. — Benachbart bauen die Buchenländer zum dritten Male ihre „neue Heimat“, nachdem sie als Umsiedler aus dem Wartheland wieder vertrieben wurden.

Bei den jungen Leuten, die gemeinsam in der gleichen Arbeit stehen und zum Tanz gehen, noch mehr aber bei den Kindern, vermag man fast nicht mehr zu erkennen, ob man einen Hessen vor sich hat oder einen Vertriebenen.

Niemand, von diesen Heimatvertriebenen weiß, ob und wann er in seine Heimat wird zurückkehren können. So richtet sich jeder hier nach seiner Weise ein. Manche Veranstaltung der Heimatvertriebenen läßt den Reichtum ihres Kulturgutes ahnen, das sie aus dem Osten und Südosten mitbrachten, und das sie als Erbe ihrer Heimat mit besonderer Liebe pflegen.

Wer jedoch in die Täler des Odenwaldes hineinschaut und durch die kleinen, oft abgelegenen Dörfer wandert, fragt sich, wie denn die vielen Heimatvertriebenen hier leben können. Dicht besetzt sind die Häuser mit Menschen, kärglich oft der Boden, abgelegen vom Verkehr der Ort, so daß zur Arbeitsstätte ein langer Weg erforderlich ist.

Manch heimatvertriebenen Bauer sitzt wieder auf einem Auslaufhof, doch muß sich z. B. der Bauer aus dem Südosten sehr umstellen auf die Kleinlandwirtschaft und den wenig guten Boden. Die meisten der Heimatvertriebenen streben nach etwas Land und Vieh, am liebsten nach einem eigenen Haus.

Auffällig ist, daß gerade sie in vielen Gemeinden eifrig bauen und sich mit zähem Fleiß und großer Geschicklichkeit, zumeist mit Hilfe einiger fachkundiger Landsleute und unter Zuhilfenahme aller Familienglieder ihre Häuser aufrichten, wie sie es zu Hause auch taten. • Manche überwintern im Keller des eigenen Hauses, um bei günstigem Wetter mit frischem Mut weiterzuschaffen. Die meisten Kellergeschosse wurden , aus eigenen Mitteln, mühsam abgespart vom Lohn, gebaut.

Wenn einmal eine Wallfahrt stattflndet oder ein Heimattreffen, dann sieht man erst, wieviele Heimatvertriebene in den kleinen Odenwalddörfern wohnen, und wie stolz noch vielfach die Tracht getragen wird. Der sonntägliche Kirchgang wird gerade bei den bäuerlichen Vertriebenen, getreu dem Leben zu Hause, eingehalten, wenn auch mancher in seiner abgerissenen Kleidung sich schämt, mit den festtäglich gekleideten Kirchgängern ins Gotteshaus zu treten.

Unmerklich tauscht man sich aus in seiner Art, trotz mancher Reibereien des täglichen Lebens. Zwar arbeitet eine große Zahl der Heimatvertriebenen berufsfremd, die Jugend erstrebt jedoch eine ordentliche Ausbildung. Und mancher frühere Bauer, der heute als Hilfsarbeiter schafft, versäumt nicht, seinen Söhnen ein gute Lehre zu versorgen, weil sie nicht mehr als Ostarbeiterersatz leben sollen, sondern als vollwertige Glieder der Gemeinschaft, zu deren Gestaltung er sein redlich Teil beiträgt.

Gesundheitsausstellung und Jugend

Eine Diskussion im Hygiene-Lichthof

Im Hygiene-Lichthof in Darmstadt hatten sich gestern Aerzte. Pädagogen, Psychologen und Eltern eingefunden. Sie diskutierten unter Leitung von Dr. Kalies vom Untersuchungsamt für Infektionskrankheiten über die Möglichkeiten, den Einfluß der Gesundheitsausstellung auf die Jugend noch weiter wirksam werden zu lassen.

An der Diskussion nahmen auch der Leiter der Gesundheitsabteilung beim Regierungspräsidium, Dr. Freund, Dr. Strnad, Dr. Politsch, Fräulein Schiebelluth vom Stadtschulamt und verschiedene Rektoren teil.

In der Aussprache war man sich darüber im klaren, daß eine Führung durch die Ausstellung in einer Zeit, in der die Kinder durch Reklame und Filme schon so vielen Eindrücken ausgesetzt sind, keinen Dauererfolg zeitigen könne. Besonders schwierig sei die Erfassung des Personenkreises, der sich allgemeinen Gesundheitsmaßnahmen gegenüber ablehnend verhalte. Gefordert wurde Finanzierung und Organisation von Reklame auf dem Gebiet des Gesundheitswesens von höherer Stelle aus.

Man war sich darüber einig, daß der Wert der Ausstellung besonders in ihrer Beschränkung auf wenige, wesentliche Punkte und in der Klarheit der Darstellung liege. Empfohlen wurde weiter, Kontraste in Bildern aufzuzeigen und vom Bild zum Plastischen zu kommen. Farbfotos in den Schulen, Einbau der Gesundheitspflege in die Lehrpläne der Schule, Anlage von Röhrensystemen mit Auffangrinnen, die nur von Zeit zu Zeit angestellt werden können, statt teurer Waschanlagen, Einstellung von Schulschwestern und Durchführung eines Gesundheitsdienstes von der Schuljugend selbst sollten von den Behörden verlangt werden. t—s

„Wie alt bist Du dann?“ „Fimf Joar!“ „Net mechlich, so dreckig kann mer sich in fimf Joar goarnet mache!"

Ueber die „kulturelle Bedeutung der Sportbewegung“ spricht am Donnerstag, dem 16. November, Prof. Dr. Altrock, der Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Universität Frankfurt, um 20.00 Uhr, im Saal 163 der Technischen Hochschule. -st.



400 Bücher gespendet

für den Aufbau einer Stadtbücherei

Die für den Aufbau einer Stadtbücherei von den Schülerinnen der höheren Schulen und der Handelsschule in der Woche vom 23. bis 29. Oktober in Bensheim und den Vororten durchgeführte Büchersammlung hat zu einem sehr schönen Ergebnis geführt, ein Beweis dafür, daß die Bensheimer Bevölkerung für diese Einrichtung größtes Interesse zeigt. Soweit die Spenden bis jetzt schon durchgesehen und sortiert werden konnten, sind ungefähr 400 Bände eingegangen. Ein großer Teil der gestifteten Bücher muß allerdings noch einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, ehe hier entschieden werden kann, ob sich die Bände für die Bücherei eignen oder nicht. Die Stadtverwaltung hofft, bei der beabsichtigten Eröffnung ani 1. Dezember, über einen Bestand von etwa 1500 Bänden zu verfügen. Unter den Spenden ist zwar jede Art von Literatur, vom Unterhaltungsroman über Dichtung bis zur Fachliteratur, vertreten, trotzdem besteht noch manche Lücke, und Autoren wie etwa Droste-Hülshoff oder Adalbert Stifter sind noch sehr gesucht.

Besonders erfreut war die Stadtverwaltung über Werke wie das „Gänsemännchen“ von Wassermann, „Das römische Weltreich“ von Birt oder „Erlebtes Leben“ von Binding. HB

Kurze Meldungen aus der Stadt

Auf einen parkenden Lastwagen fuhr gestern auf der Autobahn bei Viernheim ein Lastzug. Es entstand Sachschaden.

Ein Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einem Lkw ereignete sich in den Abendstunden des» gestrigen Tages bei Kilometer 552 auf der Autobahn.

Auf ein© Zugmaschine fuhr am Mittwochvormittag ein amerikanischer Pkw Ecke Oppenheimer- und Bessungerstraße. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

Mit einer Gehirnerschütterung aufgefunden wurde in den gestrigen Abendstunden in der Kastanienallee an der Ludwigshöhe ein dreizehnjähriger Schüler aus Eberstadt. Er wurde bewußtlos in das Elisabethen-Stift eingeliefert. Ueber die Ursachen des Unfalls ist noch nichts bekannt.

Mit Kopfverletzungen, die er sich an einem Bau in der Heinrichstraße zugezogen hatte, wurde gestern nachmittag ein Pfungstädter Bauarbeiter in ein Darmstädter Krankenhaus eingeliefert.

Der vierte Beteiligte am letzen Auto¬ bahnunfall bei Kilometer 512, Dr. Steckeling, befindet sich, wie wir erfahren konnten, außer Lebensgefahr. Er fuhr in seinem Pkw. allein, während alle drei Insassen des entgegenkommenden Fahrzeuges ihren schweren Verletzungen erlagen. *

Der Deutsche Verband für Schwei߬ technik, Ortsverband Darmstadt, veranstaltet am Dienstag, dem 14. November, um 17.15 Uhr, im Amerikahaus einen Vortragsabend, bei dem Dr. Ing. Lipp, Sandbach i. 0., über das Thema „Oberflächenhärtung“ sprechen wird. *

Einen Lehrvortrag über Herd- und Ofenfragen für Angehörige des Eisenwaren - Fachhandels veranstaltet der Fachverband der Heiz- und Kochgeräteindustrie am Donnerstag, dem 9. November^ um 19.30 Uhr, im Hotel Knauf, Bleichstraße. Über das Thema wird Wärmeingenieur W. Otto Obst sprechen. *

Von seiner Biblotheksreise in den Vereinigten Staaten wird am Dienstag, 14. November, um 18 Uhr, Bibliotheks-Direktor Dr. Rasp in der Technischen Hochschule, Saal 163, berichten.

Vor der Straßenbahn scheute des Pfer¬ degespann eines Rollwagens der Darmstädter Speditionsfirma M., als das Fahrzeug gestern morgen die Ecke Feldberg- und Rheinstraße passierte. Der Kutscher stürzte vom Bock und die Pferde rannten mit dem führerlosen Wagen gegen einen Zaun. ,

Die Griesheimer Feuerwehr wurde am vergangenen Sonntag von Kreisbrandinspektor Pfaff, als Beauftragten des Landratsamtes, inspiziert. Die Uebungen zeigten einen guten Ausbildungsstand.

Ueber „Probleme des Staates Israel“ spricht im Rahmen der Evangelischen Akademie am Freitag, dem 10. November, um 19.30 Uhr, im Pauluskirchensaal Kreisdekan D. Hermann Maas- Heidelberg, der vor einiger Zeit auf Einladung des Staates Israel als bisher wohl einziger Deutscher eine Reise nach Palästina machte und dort als Gast der Regierung weilte.

Ein neuer Rettungslehrgang der DLRG beginnt am 14. November im Hallenschwimmbad. Anmeldungen können an der Kasse des Hallenschwimmbades erfolgen. *

Die Sport- und Kulturgemeinde Eber¬ stadt hält ihre nächste Mitgliederversammlung am Samstag, dem 11. November, 20.00 Uhr, im Gasthaus „Zur Eisenbahn“, Pfungstädter Straße, ab. +

Die Elferrat-Sitzung des Gesangvereins „Frohsinn“ Eberstadt findet am 11. November, 20.00 Uhr, im Gasthaus „Zum Bismarck“ statt.

Der Reit- und Fahrverein Griesheim startete Sonntagvormittag zu der traditionellen Fuchsjagd. Am Abend fand der Hubertustag bei geselligem Beisammensein einen gemütlichen Abschluß. msch.

Debattensalat bei der „Bessunger Nachbarschaft“

„... die Elternbeiräte sind doch nur die Büttel der Schulleiter...“ „... und dann sagte das Ministerium, daß wir mehr stänkern müßten, sonst könnten wir als Elternbeiräte doch nichts erreichen...“

„... der Kakao ist so schlecht, daß man ihn keinem Kind zumuten kann...“

. Die ausgegebenen Bonbons sind kein Ersatz für ein zweites Früstück ...“

i „... ich möchte als Zusatz betonen, daß ich vorhin nicht sagen wollte, daß im Prinzip alle Elternbeiräte die Büttel der Schulleiter sind ...“

Schreibt an Fritz Kninpelius

„Verkehrsampeln für Darmstadt“

Schönen Dank dem Polizeipräsidium für die prompte Stellungnahme, die wir im letzten „Knippeliuis“ am 2. November veröffentlichten! Aber: Die Sache bitte im Auge behalten, meine Herren! Denn da muß ich dem Briefischreiiber recht geben: Vor allem an der Ecke Rhein- und Neckarstraße wäre eine Verkehrsampel dringen ds t nötig. Nicht nur, weil es für den Verkehrsbeamten dort einfacher wäre, am Schalterknöpfchen herum zudrücken. anstatt stundenlang auf seinem Holzpodest Freiübungen zu machen, sondern weil man den Mann auf dem Holzkistchen dort oftmals überhaupt nicht seht. Nicht etwa, weil er nicht da wäre, sondern weil bei Sonnenuntergang die ' Sonne so die Rhainstraße herauf blendet, daß man, aus der Innenstadt kommend, den Verkehrsbeamten gar nicht sehen kann. Das ist ähnlich bei der Dunkelheit, denn der Polizist steht genau unter der Straßenlampe und ist dadurch auch verhältnismäßig unsichtbar. Aber fragen Sie mal diie Beamten dort, die wissen das selbst, daß sie oft nur schlecht zu sehen sind. Ein rotes Licht wäre dort das Ei des Kolumbus! Fritz Knippelius

Es gibt auch noch Fußgänger

Idi lese mit Interesse den Artikel in Nr. 73, Seite 6, über die Verkehrswoche und kann -man alles darin Gesagte rückhaltlos unterschreiben.

Doch möchte ich dabei auf einen Mißstand aufmerksam machen: An der Ecke Rhein- und Neckarstraße steht ein Verkehrspolizist, Und halte ich es für angebracht, diese Beamten dahin zu instruieren, daß es außer Autos und Straßenbahnen auch noch Fußgänger als Verkehrsteilnehmer gibt. Denn während diese Beamten ihr ganzes Augenmerk darauf richten, daß die vorbeikommenden Autos keine Schramme bekommen, ist ihnen die Gesundheit der Fußgänger anscheinend einerlei und ist es als ein Wunder zu bezeichnen,, daß an der betreffenden Ecke noch nichts passiert ist. Daß. ich als Großstädter genügend .Straßendisziplin besitze, wird mir niemand bestreiten wollen, denn wenn man, in Berlin die Friedrichstraße oder andere'Gefahrenpunkte entlang geht, bleibt man eben stehen, wenn rotes Licht in den Verkehrsampeln aufleuchtet und geht erst weiter, sobald grünes Licht kommt. Daß aber, wenn ich die Nekkarstraße noch nicht ganz überquert habe, die Autos schon freie Fahrt kriegen und anf'ahren, wie es mir letzthin ging, ist zweifellos falsch. Auch würde m. E. die Stationierung „richtiggehender“ Verkehrspolizisten an den übrigen Gefahrenecken der Rheinstraße, wie am Schloß und am Luisenplatz, angebracht sein.

Auch würde es sich empfehlen, wenn ab und zu mal ein Polizist in die St.- Siäphan-Siedlung käme, denn fast alle Radfahrer dort fahren bei Dunkelheit ohne Licht und benutzen den Bürgersteig, als wenn die Straße nicht breit genug wäre. Da es sich meist um jüngere Burschen handelt, würde das Erscheinen eines Polizisten sicher Wunder wirken, da man, wenn man die jungen Leute auf das Falsche ihres Handelns aufmerksam macht, nur Hohn und Spott erntet. W. S., Griesheim.

Das verriegelte Treppenhausfenster

Inzwischen sind uns eine ganze Reihe Briefe zu unserem Artikel vom 24. Oktober 1950 eingegangen, die zum Teil recht drastisch eine Reihe ähnlicher Fälle beschreiben und das Für und Wider aus dem Blickwinkel der Mieter, wie der Hausbesitzer beleuchteten.

Unser Artikel darf — und muß, leider Gottes — nur allgemein gewertet werden. Wir dürfen deshalb auch nicht in diese verschiedenen privatrechtlichen Mietverhältnisse mit all ihren persönlichen Umständen eingreifen. Wir wollen deshalb diesen Fall und seine Brüder als erledigt betrachten, allerdings nur für uns. Denn anscheinend sind viele Leute nicht gewillt, einen solchen Fall eines Tages stillschweigend zu den Akten zu legen und es einmal wieder mit der gegenseitigen Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zu versuchen.

Leute, Leute, macht ihr euch das Leben schwer! Euer Fritz Knippelius

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben

Seit den ersten Augusttagen 1950 läuft in einem an meine Wohnung angrenzenden Raum eine von der Nachbarfirma erstellte Maschine. Diese ruft derartige Erschütterungen und Geräusche hervor, daß Türen, Fenster, Geschirr, ja selbst der Fußboden und die Wände in dauernder Bewegung sind. Das Gebrumm ist so stark, daß die Kinder nicht einschlafen können und die Erwachsenen Kopfschmerzen bekommen. Die Maschine läuft täglich, außer sonntags von 7 bis 22 Uhr.

Die Firma wurde ersucht, Abhilfe zu schaffen, was sie auch zusagte, bis heute ist jedoch noch nichts geschehen. Im Laufe der nunmehr verflossenen 12 Wochen wurde die Ortsbehörde benachrichtigt, das Gewerbeaufsichtsamt, das Gesundheitsamt und der Verband der Kriegsbeschädigten. Erreicht wurde nichts. Wir verlangten lediglich. im Interesse unserer Gesundheit, daß die Maschine bis zur fachmännischen Beseitigung der Störungen um 20 Uhr abgestellt würde. Dieses Verlangen wurde abgelehnt mit der Begründung, wirtschaftliche Schädigung durch die Arbeitszeitverkürzung könne der Firma nicht zugemutet werden. Man lies sogar durchblicken, wir könnten ja ausziehen. Ob hier also Menschen zugrunde gehen spielt keine Rolle, Hauptsache, die Maschine läuft. Und die Behörde erwies sich als machtlos. Es war ihr nicht möglich, die Einhaltung der bestehenden Vorschriften durchzusetzen. Man schiebt es von einer Stelle zur anderen und hilft sich mit allen möglichen und unmöglichen Ausreden über alles hinweg.

Auch hier ist das Vertrauen in die menschliche Anständigkeit schwer erschüttert. Man kommt zu der Ueberzeugung, daß der wirtschaftlich Schwächere immer im Nachteil ist.

Ich bin Schwerkriegsbeschädigter und komme immer wieder zu der Ansicht, daß es wirklich anständige Menschen sehr wenige gibt. Ich bezweifle es noch, ob ihr Taxischofför in ihrem Bericht vom 25. 10. „Rühr mich nicht an“ zu den schlechtesten gehört. Wissen Sie wieviel Enttäuschungen er schon erlebt hat? A. R., Pfungstadt

Namen nennen!

In der Ausgabe vom 25. 10. Ihrer Zeitung bringen Sie mit Recht längere Ausführungen über das unmenschliche Verhalten eines Taxifahrers. Sie schreiben wörtlich: „Vor dem Forum der anständigen Menschen ist er für immer verurteilt.“ Soweit schön und gut. Nur haben Sie etwas sehr Wichtiges vergessen, das ich baldigst nachzuholen bitte, nämlich den vollen Namen dieses Scheusals zu nennen, damit überhaupt eine Distanzierung und Verurteilung durch das Publikum möglich ist.

In diesem Zusammenhang noch folgendes; In letzter Zeit haben Sie des öfteren von Sittlichkeitsdelikten gegenüber Jugendlichen und Kindern berichtet, aber jedesmal die Namen dieser Unholde schamhaft verschwiegen. Diese Haltung verstehe ich nicht. Ich gehe sogar noch weiter und frage: Weshalb bringen Sie keine Photos dieser Sittliichkeitsverbrecher in die Zeitung, damit die Oeffentlichkeit in der Lage ist, an der Aufdeckung solcher Vergehen mitzuarbe'iten.

Ihre Stellungnahme würde mich interessieren. H. L., Darmstadt

Die Reaktion auf das skandalöse Verhalten des Taxifahrers wird diesem gezeigt halben, welches Vergehen er gegen das menschliche Mitgefühl begangen hat. Wir möchten aber annehmen, daß er seinen Fehler eingesehen hat, denn er hat gegenüber den entsprechenden Vorhaltungen der Tageszeitungen nicht versucht, sich irgendwie zu rechtfertigen. Deshalb darf man wohl von einer Namensnennung absehen.

Die Namensnennung von Menschen, die sich vor Gericht zu verantworten haben, muß mit einem gewissen Taktgefühl erfolgen. Im allgemeinen werden betrunkene Kraftfahrer, die das Leben anderer Menschen gefährdeten und Sittlichkeitsverbrecher mit vollem Namen genannt. Aber oftmals werden Leute mit gleichem Namen oder Familienangehörige, die mit der Sache gar nichts zu tun haben, durch eine Namensnennung in ihrem Ansehen schwer geschädigt, so daß man „ab- und zugeben“ muß. Aber von Sittlichkeitsverbrechern auch noch Bilder in die Zeitung bringen, dazu ist uns, ehrlich gesagt, das Geld zu schade. Im übrigen würden solche Bilder mehr die Sensationslust der Leute befriedigen, als vor solchen Unholden warnen. Fritz Knippelius

Schützt die Kinder!

„Metalldieben wird es schwer gemacht“, diesen Abschnitt las ich soeben in meiner Zeitung vom 2. November und muß sagen, ich bin erstaunt, wie man Mittel und Wege finden kann, etwas abzustellen, das einem abzustellen wert erscheint. Kennkarte vorlegen, Nummern notieren, mit Geschäftsschließung drohen, kriminelle Prüfung der Bücher usw. Hierbei geht es um materielle Werte. Was mich bedrückt, und ich ihnen sagen möchte ist dies: Warum nimmt man es nicht ein bißchen schwerer, wenn „die Seele eines Kindes“ auf dem Spiele steht. Gesetze machen Männer. Richter sind Männer, die kaum ermessen können, welche seelischen Werte verloren gehen, wenn einem Kinde widerfahren muß, was heute an der Tagesordnung ist, nämlich Sittlichkeitsverbrechen.

Diese Delikte häufen sich. Wenn man dann in die Zeitung schaut, dann liest man So leichte Strafen, daß man sich die Haare raufen könnte.

Wir Mütter sollten zusammenstehen und dagegen angehen. Jede Mutter sollte sich fragen: was würdest du tun, wenn das dein Kind getroffen hätte. Oder denken andere Mütter nicht ähnlich wie ich? Frau Irene M., Darmstadt

Prinzipien!

In Württemberg: Ein Motorradfahrer auf großer Tour — Zeit: Sonntag mittags — rrrratsch, Kette reißt — Schmied im nächsten Dorf leistet mit Kettengliedern eines Fahrrads in beschwerlicher Arbeit „erste Hilfe“ — in der nächsten Stadt sofortige einwandfreie Reparatur möglich — Zeit: Sonntagnachmittag!!! — Prinzip: Entgegenkommen, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit.

In Darmstadt: Motorradfahrer auf kleiner Tour — Zeit: gewöhnlicher Werktag, 16.30 Uhr — pschschschsch, platt — Eine größere Fahrradhandlung mit guter Werkstatt kann sicher helfen? — „NEIN“ — „Warum nicht?“ — „Flicken grundsätzlich nur Fahrrad- und keine Leichtmotorradschläuche, nennen das Konsequenz . — zugegeben, an sich kein Unterschied — trotzdem: PRINZIP!!!“ — Prinzip: „Konsequenz und Prinzip“. Dr. H. W., Darmstadt.

„Notschrei vom Grohberg“

Am 16. Oktober d. J. hat eine Besichtigung der Siedlung Am Grohberg stattgefunden, um festzustellen, welche Mittel noch erforderlich sind, um die Siedlung fertigzustellen. Der „Notschrei vom Grohberg“ rennt also offene Türen ein, da die Abstellung der Mißstände von der Stadt schon vorher beabsichtigt war. Leider verfügt die Stadt nicht über unbeschränkte Mittel, um alle Wünsche auf einmal zu erfüllen. Sie hat daher zu Beginn des Winters 1949/50 zunächst den Auftrag gegeben, 31 Wohnungen zur Behebung dringender Notstände zu errichten. Die Wohnungen wurden bereits in den Monaten Februar bis April bezogen. Im Laufe des Sommers trockneten sie aus. so daß jetzt mit den Restarbeiten begonnen werden kann. In der gleichen Weise werden auch z. B. die in Eberstadt errichteten Wohnungen nach und nach fertiggestellt, so daß keine Rede davon sein kann, daß die Bewohner des Grohbergs als Menschen zweiter Klasse behandelt würden.

An der Rattenplage tragen die Bewohner des Grohbergs jedoch eine erhebliche Mitschuld. In Trümmerschutt allein finden die Ratten keine Lebensbedingungen. Zum Paradies für Ungeziefer wird die Gegend erst durch die Ablegung alter Matrazen, Sofas, Kinderwagen, Kartons, Lumpen, Asche Müll. Küchenabfälle und durch die Errichtung von Schuppen. Kleintierställen und dergleichen. Es geht nicht an. daß man solche Zustände erst schafft und wegen der unausbleiblichen Folgen der Stadtverwaltung Vorwürfe macht. Hier kann nur die Selbstdisziplin aller Interessenten helfen. Die systematische Vertilgung des Ungeziefers ist bereits durch das Amt für öffentliche Ordnung in die Wege geleitet, Schutt und Unrat werden geräumt. Es sollen auch einheitliche Schuppen und eine Waschküche geschaffen werden. Hoffentlich werden dann auch die vielen mißlichen Behelfsbauten verschwinden. Stadtbauverwaltung

Hilfe für die Ausgebombten

Sehr anzuerkennen ist der gute Wille der Stadt Heppenheim, den Ausgebombten bzw. Geschädigten durch Ausgabe von verbilligten Bedarfsartikeln zu helfen. Warum ist dies nicht in Darmstadt möglich? Oder nimmt man höheren Ortes hier an, wir wären alle so wohlbestallt, daß eine Hilfe überflüssig wäre? Als Leserin Ihres Blattes bitte ich Sie höflich, Fühlung nehmen zu wollen, warum uns Totalgeschädigten heute nach sechs Jahren keine Stelle etwas weitergeholfen hat. Woran mag dies liegen? S. 8., Darmstadt

Das liegt daran, daß in Darmstadt alles zerstört wurde, während in Heppenheim nur hie und da der Krieg seine fürchterlichen Auswirkungen zeigte. Wo soll man aber in Darmstadt, da fast jeder bombengeschädigt ist, mit einer Hilfe anfangen? In einer kleinen Stadt, in der aus der Zeit vor dem Kriege noch ein paar ungeschädigte Steuerzahler sitzen, ist es demnach bestimmt einfacher, Hilfe zu gewähren. Wollen wir uns nicht lieber freuen, daß wenigstens den Heppenheimer Geschädigten auf irgendeine Art geholfen werden kann, auch wenn es bei der wirtschaftlichen Lage Darmstadts unserer Stadtverwaltung in diesem Umfang nicht möglich ist? Ihr Fritz Knippelius

Wo seid Ihr Oberhesser?

Viele Vereine sind in letzter Zeit neu aufgestellt und bereits in vollem Wirken. Wo bleibt der Oberhesser Verein?

Nachdem viele Oberhesser in Darmstadt und Umgebung wohnen, wäre es eine dankbare Aufgabe, die schöne Tradition des Verbundenseins fortzusetzen. Karl Diegel Darmstadt, Kirchweg 39 Am Böllenfalltor

STARKENBURG

Stämme wurden zum Verhängnis

Am Dienstagabend fuhr auf der Straße Walldorf—Mörfelden ein Personenwagen auf ein mit Langholz beladenes Fahrzeug auf, das wegen Motorschaden an der Straße hielt. Der Fahrer des Personenwagens konnte nur noch im letzten Augenblick das parkende Fahrzeug sehen und bremsen. Trotzdem stieß er mit erheblicher Wucht gegen die weit herausragenden Stämme. Während der Fahrer mit leichten Verletzungen davonkam, wurde der Pkw schwer beschädigt. Der Langholzanhänger war vorschriftsmäßig beleuchtet. -Kb-

Zwangsweise Behandlung

Vier von den sechzehn in der Nacht zum Sonntag von der Kriminalpolizei bei einer überraschenden Groß - Razzia in zwei Lokalen in Lichtenberg und Nonrod vorläufig festgenommenen Mädchen mußten in zwangsweise Behandlung genommen werden, teilt die Kripo mit. Die Ermittlungen in diesem Kuppelei-Fall dauern noch an. wst

Die Brandursache:

Schadhafter Schornstein

Wie wir bereits in einer unserer letzten Ausgaben berichteten, brach am 6. November, gegen 9.15 Uhr, auf dem Heustock des Gutspächters H. E i n h o f f auf GutHohenau ein Feuer aus, wodurch der gesamte Heustock total und die darunter befindlichen Wirtschaftsräume zum Teil vernichtet wurden.

Der entstandene Gebäudeschaden dürfte nach dem Ergebnis der kriminalpolizeilichen Ermittlungen 15 000 bis 20 000 DM betragen. Es verbrannten etwa 500 Zentner Kleeheu. Außerdem erlitten die im Erdgeschoß lagernden 1100 Zentner Düngemittel Wasserschaden. Inwieweit sie noch verwendungsfähig sind, läßt sich augenblicklich noch nicht feststellen.

Wie durch Untersuchungen eines Beamten der Kriminalpolizei - Inspektion Darmstadt ermittelt wurde, ist die Ursache des Brandes auf einen schadhaften Schornstein zurückzuführen, der jahrelang außer Betrieb war und seit einigen Tagen wieder benutzt wurde, wst.

„Vertrauen und Verstäudnis ebnen den Weg“

Pressekonferenz mit Landrat Ritzert CDU-Kandidat zur Landtagswahl im Wahlkreis 45 (Dieburg)

er. Vor den Journalisten südhessischer Tageszeitungen sprach in einer Pressekonferenz der CDU-Kandidat zur Landtagswahl im Wahlkreis 45 — Dieburg — Landrat Karl Ritzert, über seine Ziele und politische Anschauung im Rahmen der heutigen Ereignisse und Zukunftsmöglichkeiten.

Auf unsere an den Kandidaten gerichtete Anfrage, weshalb er sich bei seinem fortgeschrittenen Alter nochmals einer erweiterten politischen Tätigkeit zur Verfügung stelle und was er von der Behauptung weiter Kreise halte, daß er der CDU, der er nicht als Mitglied angehöre, als „Strohmann mit Leistungsnachweis“ und „Stimmenfänger“ diene, entgegnete er:

„Mit Sorge und ernstesten Bedenken habe ich immer wieder feststellen müssen, daß vornehmlich die Jugend, aber auch das reifere Alter, eine Interessenlosigkeit und Müdigkeit gegenüber den Parteien an den Tag legt, die, hinsichtlich unserer Zukunft, beängstigend wirken. Da der Erfolg der bisherigen Aufklärung nicht groß war, ich selbst aber ein Mensch bin, der — solange noch ein Funken Leben in ihm ist — immer tätig sein wird, versuche ich alles daranzusetzen, um an der Aenderung dieser Zustände mitzuhelfen.“

Wenn man glaubt, bzw. jenen Glauben schenkt, die behaupten, daß ich nur als „Vorspann“ für diesen oder jenen gelte, so kann ich nur feststellen, daß man einerseits schlecht beraten ist, andererseits mich aber trotz der Kenntnis über meine Person mich zu wenig kennt. Ich denke nicht daran, im Falle meiner Wahl einem anderen das Feld zu überlassen, weil ich mir vollkommen über die Chance im klaren bin, die sich mit dieser Wahl mir und dem Kreis Dieburg bietet: die Möglichkeit der Sicherung eines Einflusses, der die Gewähr bietet, das bestmöglichste für meinen «Kreis herauszuholen und als Landrat mit günstigstem Nutzeffekt arbeiten zu können.“

Auf das Problem der Heimatvertriebenen eingehend bezeichnete Ritzert eine eventuell umsichgreifende Unzufriedenheit als eine Gefahr für das gesamte Staatsgefüge. Zur „inneren Sicherheit“ befragt, erklärte er, daß man mit noch so viel Polizeikräften nichts erreichen werde, wenn nicht im Volke das Verhältnis der Menschen zueinander wieder zu einem vertrauensvollen und brüderlichen wird. „Es wäre zu begrüßen“, erklärte der Landrat, „wenn man vor allem zu den Behörden mehr Vertrauen fassen würde und erkennen wollte, daß sie einzig und allein da sind, um zu helfen.“

Auf unsere Zwischenbemerkung, daß es hierbei wohl erforderlich sei, den Beamtenapparat von jenen zu säubern, die nicht nur das Ansehen der Behörden durch Unkenntnis, sondern auch durch mangelndes Verständnis für die Nöte des einzelnen schädigen, betonte der Kandidat, daß „wir es uns heute keineswegs leisten können, jene Menschen nutzlos auf der Straße liegen zu lassen, die dem Staate dienen könnten und auch wolle n.“

Im Verlaufe weiterer Fragen und Ausführungen erklärte der Landrat, daß seiner Ueberzeugung nach nicht eher in der Welt erträgliche Zustände eintreten würden, bis echtes christliches Empfinden in großen Teilen der Bevölkerung wieder Wirklichkeit geworden sei.

Den Paragraphen 41 der hessischen Verfassung streifend vertrat Ritzert voll und ganz die Einstellung der CDU. Allerdings sei es nicht an der Zeit, irgendwelche Experimente zu tätigen, sondern jegliche Planungen, die den Wünschen der Arbeitnehmerschaft gerecht werden sollen, müßten auch nach der volkswirtschaftlichen Seite und der Problematik Volkswirtschaft—Weltwirtschaft beleuchtet werden.

Den besonders bei den Bauernsöhnen bestehenden Materialismus bezeichnete Ritzert als drohende Gefahr. Ihr gelte es insofern entgegenzutreten, daß eine sorgfältige Aufklärung über den noch bevorstehenden Kampf der Landwirtschaft beim Zustandekommen der „Vereinigten Staaten von Europa“ und der damit verbundenen Aufhebung der Schutzzölle erfolgt, die es erforderlich macht, daß mit bester Ausbildung und Kenntnis der Lage ausgerüstete Landwirte vorhanden sein müssen, um dem Bauernstand das Gleichgewicht zu erhalten. Eine besser ausgenutzte Inanspruchnahme gebotener Fortbildungsmöglichkeiten für den bäuerlichen Nachwuchs hielt Landrat Ritzert für unbedingtes Gebot der Stunde.

Die Ziele seiner Arbeit im Kreis Dieburg legte der Kandidat in gleicher Weise dar, wie er sie bereits in seinem Beitrag zur Sonderbeilage unserer Zeitung am vergangenen Samstag unter dem Titel „Probleme und Erfolge im Landkreis Dieburg“ aufzeigte.

Was aũch interessiert:

In der Bensheimer Volkshochschule hält am kommenden Montag Studienrat Otto Arenhoevel seinen dritten Vortrag aus der Reihe „Klassische und moderne Erzählerkunst“. An diesem Abend wird die Novelle ..Die drei Falken“ von Werner Bengengruen gelesen und behandelt. HB

Dr. Hans Wagner spricht im Rahmen der Volkshochschule. Bensheim, über „Lebendige Demokratie — ein gelungener Versuch der moralischen Aufrüstung in Caux“ am Freitag. 17. November, um 20 Uhr. im Rathaussaal. HB

Studienrätin Eva Cramer wurde von der Odenwaldschule in Oberhambach bei Bensheim in das Lehrerkollegium des Rüssel,sheimer Realgymnasiums versetzt. -se

Auf der Hunde-Siegerausstellung in München wurde Herrn N. Fl es ch h u t, Lorsch, eine Plakette für erfolgreiche Züchterarbeit von dem Gründer der Rottweiler-Zucht überreicht. Die Rüde „Bellow vom Kocher“ erhielt bei der Ausstellung den 3. Siegerpreis. bl.

Der Kleintierzuchtverein Ernsthofen hält aus Anlaß seines 20jährigen Stiftungsfestes am 11. und 12. November seine diesjährige Rassegeflügelschau im Saale Roßmann ab. Unter einer Anzahl Preise, die Preisrichter Adam Daum, Eberstadt, an Einzeltiere verteilen wird, ist der von Edmund A. Stirn,Neuyork, gestiftete große Zuchtpreis für die beste Gesamtleistung von besonderem Wert. Zum Abschluß findet am Sonntag, dem 12 November, ein großer Festball statt, pr.

Auf der Straße Hüttenfeld—Neuschloß, kurz vor der Autobeahn, fuhr ein Lieferwagen aus Viernheim die Böschung hinab. Der Führerstand wurde schwer mitgenommen, der Fahrer und Beifahrei* verletzt. Der Wagen mußte abgeschleppt werden.

Im Trinkwasser von Seckmauern wurden bei einer bakteriologischen Untersuchung durch das Wasserwirtschaftsamt Darmstadt wiederum Darmbakterien festgestellt. Es wurde deshalb der Einwohnerschaft empfohlen, Trinkwasser nur in abgekochtem Zustand zu genießen.

Orgelbaumeister Gerhard Stumpf aus Höchst wurde von der amerikanischen Lesehalle Erbach für Freitag um 20.00 Uhr zu einem Vortrag über „Orgelbau und seine Geschichte“ gewonnen. Bei einem späteren Vortrag ist beabsichtigt, die alte Orgel der Erbacher Friedhofskapelle, die G. Stumpf zur Zeit überholt, vorzuspielen. -eh

Werner Bergengruen liest aus seinen Werken

Dichterlesung bei der Goethegesellschaft

Am kommenden Sonntag um 17 Uhr wird in der Turnhalle des Gymnasiums zu Bensheim der nicht nur in Deutschland, sondern ganz Europa bekannte Dichter Werner Bergengruen aus eigenen Werken lesen. Der Dichter kommt von einem Vortrag aus Heidelberg nach Bensheim, um die dortigen Verehrer seiner Kunst zu begrüßen.

Sowohl in einem freien literarischen Kreis als auch in der Vortragsreihe der Bensheimer Volkshochschule über „klassische und moderne Erzählungskunst“ hat das dichterische Werk Werner Bergengruens im vergangenen und in diesem Jahr lebendige, ernstliche und aufgeschlossene Teilnahme gefunden, daß der persönliche Besuch und Vortrag des verehrten Dichters für die Freunde seiner hohen, sinnbildtiefen und überzeitlichen Kunst eine mit innerer Spannung erwartete Erfüllung bedeuten wird. Freude erfüllt in Bensheim weite Kreise, einen Dichter persönlich kennen zu lernen, der den Sinn seines Dichtens darin findet, im Bereich der Kunst die Kluft zwischen Himmel und Erde zu schließen und ewige Ordnungen wieder sichtbar zu machen. ar

Mozartabend in Schaafheim

Den Auftakt zur geplanten Erwachsenenbildung in Schaafheim bildete ein Mozartabend im Saal der Kleinkinderschule. Professor Geißler gab einleitend einen Ueberblick über das Leben und Schaffen des Meisters. Anschließend folgten musikalische Darbietungen, interpretiert von Frau Geißler (am Flügel), Frau Pfannkuch (Blockflöte), Karl Engelmann 1. und Karl Breitfelder 2. Geige. Höhepunkt des auf hohem Niveau stehenden Konzertes war die Wiedergabe des Allegretto aus der A-dur-Sonate durch Frau Geißler am Flügel.

Im Dezember soll ein Bach-Abend veranstaltet werden. io.

Fremdenverkehrswerbung - zuerst bei den Grbachern

Zu geringes Interesse der Bevölkerung an der Arbeit des Verkehrs- und Verschönerungsvereins

Der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein der Kreisstadt Erbach e. V. hielt unter Vorsitz von Graf Alexander zu Erbach-Erbach am Dienstag im „Hirsch“ eine Werbe- und Aufklärungsversammlung ab, die unverständlicherweise sehr schlecht besucht war.

Alle Bemühungen der Kreis- und Stadtverwaltung Erbach, des Grafen, des Verkehrsvereins, des Öffentlichen Forums und nicht zuletzt der Presse konzentrieren sich seit mehr als einem Jahr auf die Hebung und Förderung des Fremdenverkehrs in der Kreisstadt Erbach und dem ganzen südlichen Odenwald. Natur und geschichtliche Entwicklung haben alle Voraussetzungen dazu geschaffen. Jeder Mensch, der zum erstenmal in diese reizvolle Gegend kommt, die sich ohne weiteres neben die schönsten Reisegebiete Deutschlands stellen kann, ist entzückt von der ursprünglichen Naturschönheit und der erholsamen Ruhe des Odenwaldes. Um so unverständlicher ist die Teilnahmslosigkeit eines großen Teils der Erbacher Bevölkerung gegenüber allen Fragen, die zur Intensivierung des Fremdenverkehrs beitragen könnten.

In zahlreichen Sitzungen des Verkehrsvereins und des öffentlichen Forums wurden wiederholt Vorschläge zur Verschönerung des Stadtbildes durch die Mithilfe jedes einzelnen Einwohners gemacht: Reinhaltung der Straßen, Blumenschmuck, Gastfreundlichkeit und Höflichkeit allen Besuchern der Stadt gegenüber, Dinge, die keinerlei Unkosten bereiten, aber die beste Empfehlung für die Kreisstadt darstellen können. Allen diesen fortgesetzten Bemühungen gegenüber verhält sich aber die Masse der Erbacher, selbst ein Großteil der Geschäftswelt, die in erster Linie am Fremdenverkehr interessiert sein sollte, völlig teilnahmslos.

Diese Feststellung mußte auch am Dienstagabend erneut getroffen werden, sowohl durch den ersten Vorsitzenden, Graf Alexander, wie durch den Schriftführer Bruno Kraft, als auch in der Diskussion durch Bürgermeister Volk und alle anderen, die zu den Fragen der Erbacher Fremdenverkehrswerbung etwas zu sagen hatten.

Die Berichte des Vorstandes ergaben einen Ueberblick über die mannigfachen Aufgaben, die trotz geringer finanzieller Mittel gelöst werden konnten. Der Fremdenverkehr des letzten Sommers hatte bereits eine bisher noch nie gekannte Höhe erreicht. Bürgermeister Volk sicherte weiterhin die Unterstützung der Stadt zu, stellte aber die Forderung, daß auch die Geschäftswelt, das ihrige zur Hebung des Fremdenverkehrs beitragen müsse. In der Aussprache, an der sich auch Pfarrer Moeseritz als Gast von Mossau beteiligte, wurden mancherlei wertvolle Anregungen gegeben.

In der sich anschließenden Hauptversammlung wurde auf Antrag des Stadtinspektors Stellwag beschlossen, den Vorstand bis zum Ablauf des Geschäftsjahres am 31. 3. 1951 amtieren zu lassen und erst dann die ordentliche Generalversammlung abzuhalten. Direktor E g n e r schlug in diesem Zusammenhang vor, aus Zweckmäßigkeitsgründen das Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr zusammenzulegen. -ch-

Ein Ort, dem es am Nötigsten fehlt

Groß-Rohrheims Gemeinderat ergreift die Initiative

Der Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sitzung, im kommenden Frühjahr im Zusammenhang mit der Erneuerung der Ortsdurchfahrt die Kanalisation des Dorfes in Angriff nehmen zu lassen.

Es sollen vorerst im Rahmen von Notstandsarbeiten die Rheinstraße und Kornstraße, zusammen etwa 1000 Meter, kanalisiert werden. Allerdings ist die Finanzierungsfrage noch nicht geklärt. Zunächst müssen ausführliche Kostenvoranschläge eingeholt werden. Mah rechnet mit einem größeren Zuschuß des Staates, wird aber außerdem noch Kredit aufnehmen müssen. Mit dem Bau der Anlage würde verschiedenen Uebelständen abgeholfen werden. Seit Jahren funktionierte in den meisten Straßen bei oft nur schwachem Regen der Wasserablauf in den Gossen nicht mehr, und zeitweise standen Straßen zentimetertief unter Wasser.

Außerdem würde den hygienischen Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung getragen. Jedenfalls ist zu begrüßen, daß man endlich den Mut zu diesem Projekt gefunden hat, und es wäre erfreulich, wenn in einigen Jahren das ganze Dorf kanalisiert wäre. Vielleicht würden sich dann auch die nötigen Geldmittel finden, um dem Ort eine Wasserleitung zu geben. Zählt doch Rohrheim zu den wenigen Dörfern des Riedes, die ohne Kanalisation, ohne Wasser und ohne Gas sind.

Der Entwurf zur Uebereignung des Sportplatzgeländes an den FC Alemannia wurde genehmigt, bedarf aber noch der gemeinsamen Beratung mit dem Vorstand des Vereins. Der Brennholzpreis wurde in der gleichen Höhe wie 1949z50 belassen.

Sämtlichen Vereinen des Dorfes wird in Zukunft bei kulturellen Veranstaltungen die Vergnügungssteuer erlassen. Die Anlage einer Dampfheizung in der Schule Beinstraße ist vorgesehen. Es sollen vorerst Kostenvoranschläge eingeholt werden. Ka-

Triebwagen für Berufsverkehr

In einem Antrag setzte sich Bürgermeister Dr. Lüdecke bei der Eisenbahndirektion Frankfurt für die Inbetriebnahme eines Triebwagens auf der Strecke zwischen dem Bahnhof Groß-Gerau/ Dornberg und dem Groß-Gerauer Lokalbahnhof ein.

Ein weiterer Antrag an die Frankfurter Eisenbahndirektion setzt sich für eine Schnellverbindung durch einen Triebwagen auf der Strecke Groß-Gerau — Frankfurt Hbf ein. Dieser Wagen soll über Mörfelden und Walldorf, dig als Haltepunkte vorgesehen sind, in durchgehender Fahrt nach Frankfurt a. M. geführt werden. Die Genehmigung dieser Anträge wäre für den Berufsverkehr von großer Bedeutung. -Kr-

Hoch über dem Walde - die Technik

Neuer Aussichtsturm auf dem Melibokus

Eine vom Gebietsausschuß Odenwald / Bergstraße / Neckartal einberufene Sitzung vereinigte am 7. November 1950 Vertreter der Anliegergemeinden des Melibokus, des Odenwaldklubs, der Forstverwaltung, des Verkehrsausschusses der Bergstraße und des Fernmeldetechnischen Zentralamtes Darmstadt zu einer Besprechung über die Errichtung eines neuen Turmes auf dem Melibokus.

Die Anregung dazu, die nach der Freigabe des Berggipfels durch die Amerikaner akut geworden ist, ging vom Fremdenverkehr und der Heimatpflege aus. Besonders aktiv beteiligte sidi die Bundespost an der Diskussion. Es' ist geplant. auf dem der Stadt Bensheim gehörenden Grund und Boden des alten Turmes, der 1944 gesprengt wurde, einen 40 Meter hohen Turm. 10 Meter im Quadrat, evtl, in achteckiger Form zu errichten. Ueber Waldhöhe, also etwa 24 Me-

ter. soll er eine Aussichtsfläche tragen, darüber eine Relais-Station für Dezimeter-Antennen im Femsehdienst, eine Station für den Landstraßenfunk vom fahrenden Auto ins Fernsprechnetz hinein und eine rote Hindernisbeleuchtung.

Die Kosten werden hauptsächlich von der Bundespost getragen. Interessierte Fremdenverkehrsstellen und Anliegergemeinden sollen Zuschüsse in Form von Beiträgen und Garantiesummen leisten. Von Seiten der Heimatpflege und Fremdenverkehrsbetreuung wird großer Wert auf eine bodenverbundene Bauart, möglichst in Naturstein, der auf und um den Melibokus reichlich vorhanden ist, gelegt. Auf jeden Fall soll Zement vermieden werden.

Die Rentabilität des Turmes und einer Gaststätte auf dem Melibokus steht nach den früheren Erfahrungen außer jedem Zweifel. Dem Wander- und Fährverkehr würde damit ein sowohl in baulicher wie landschaftlicher Beziehung überragendes Ausflugsziel geboten werden, ein Wahrzeichen für die ganze nördliche und mittlere Bergstraße. -f-

Heiterer Kulturabend in Weiterstadt

Der Ortsverband der Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen von Weiterstadt veranstaltet am kommenden Sonntig, 20 Uhr, im Gasthaus Schöneberger einen heiteren Kulturabend. Das Programm dieses Abends bestreitet die durch Radio Frankfurt bekannte Adalbert-Stifter-Gruppe. Der Reinerlös dieser Veranstaltung wird für eine Weihnachtsbescherung der Kriegerwitwen und Waisenkinder verwendet. He

Der Bauer muß fortschrittlicher werden!

Semesterbeginn bei der Groß-Umstädter Winterschule

Das Wintersemester 1950/51 der Landwirtschaftsschule in Groß-Umstadt wurde am Dienstag in Verbindung mit einer Sitzung des Kuratoriums eröffnet. In den beiden Klassen, Ober- und Unterstufe, nehmen 56 Jungen und 21 Mädchen am Unterricht teil, eine Zahl, die sich merkwürdigerweise trotz Einführung der Schulgeldfreiheit auch für die Landwirtschaftsschulen nicht erhöht hat.

Das damit erwiesene ungenügende Interesse der Bauernschaft an fachlichschulischer Fortbildung ihrer Söhne und Töchter wurde auch in den Ansprachen und Referaten bedauert. Direktor Schmitt begrüßte zunächst die Mitglieder des Kuratoriums und stellte als Lehrkräfte für das neue Semester Landwirtschaftsrat Knoke, Assessor Grönberg und die Damen Nentwig und v. Bosse vor, die als ständige Lehrkräfte an dem Institut tätig sind. Der Lehrkörper wird ergänzt durch! Obstbauinspektor Heese und Kreisveterinärrat Dr. Kiefer, die nur außerplanmäßig lehren.

Die in den letzten Wochen und Monaten, so führte Dir. Schmitt weiter aus, in vielen Gemeinden des Kreises durchgeführten persönlichen Besuche zur Werbung von Landwirtschaftsschülern hätten leider nicht den erwarteten Erfolg. Vor allem zeige sich die bäuerliche Jugend den Erfordernissen der Zeit nicht genügend aufgeschlossen. Sie ziehe augenblicklichen Verdienst dem Schulbesuch vor, ohne zu bedenken, daß sie, auf die Dauer gesehen, dadurch in Rückstand gerieten. Auf der Schule würde nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern durch die Gemeinsamkeit im Unterricht ein fruchtbarer Gedankenaustausch ermöglicht. Kreislandwirt Dressel (Groß-Zimmern) empfahl vor allem die Einführung der Fremdlehre, d. h. die Aneignung bäuerlicher Kenntnisse in einem andern als dem väterlichen Betrieb. In der Landwirtschaft gebe es zwar kein Lehrlingswesen wie beispielsweise im Handwerk, doch bringe der Austausch von Jungbauern und -bäuerinnen manchen Vorteil.

In der Sitzung des Kuratoriums erstattete Direktor Schmitt den Jahresbericht und meinte, es gelte nicht nur durch wirtschaftlichere Gestaltung der landwirtschaftlichen Betriebsführung im engeren Sinne produktiver, sondern vor allem auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu werden. Schließlich sei zu bedenken, daß bei einer Zusammenarbeit der westeuropäischen Staaten, die sich auf politischem, wirtschaftlichem und agrarpolitischem Gebiet aiszeichne, der deutsche Landwirt vor die Notwendigkeit gestellt werde, mit klimatisch günstiger liegenden Ländern unseres Kontinents gleichen Schritt zu halten. RG

Neubildung des Gewerkschafts-Kartells

Unter Vorsitz von Bezirkssekretär Meier. Darmstadt, fand im Saalbau zum „Weißen Roß“ in Groß-Gerau eine Sitzung aller Delegierten der einzelnen Industrie-Gewerkschaftsverbände statt. Zu Beginn der Tagung legte Meier in einem ausführlichen Referat den Zweck des Kartells dar. Bei der Vorstandswahl wurde Herr Croll zum ersten, Vorsitzenden. Herr Kleiner zum 2. Vorsitzenden und Herr Leiß zum Schriftführer gewählt. Weiterhin wurden die Herren Mörtel. Klein. Wacker und Schwab zu Beisitzern ernannt. Dem Wohnungsausschuß wurden Herr Mörtel und dem Fürsorgeausschuß Herr Diehl zugewiesen. -Kb-

Bad Königs Gemeindeväter berieten

Auf der umfangreichen Tagesordnung der letzten GemeindeSatssitzung utand zunächst die Verlegung der Kanalisation in der Oskar-Zimper- und Weiprechtstr. Es wurde in 'Erwägung gezogen, eventuell ein Teilstück der Jahnstraße ebenfalls zu kanalisieren. Mit den Anliegern vorgenannter Straßen fand bereits eine Besprechung statt. Der nächste Punkt behandelte die Instandsetzung des Mümlingbettes, die vom Wasserwirtschaftsamt Darmstadt als dringlich erachtet wurde. Der Gemeinderat vertrat die Auffassung, daß die zu diesen Arbeiten erforderlichen Mittel für die Instandsetzung des Kimbachbettes notwendiger seien.

Anschließend erörterten'die Gemeindevertreter die von der Turn- und Sportgemeinde vorgelegten Baupläne einer Turnhalle, die in mehreren Bauabschnitten errichtet werden soll. Nach der Bildung der Wahlkommission wurde einem Antrag mehrerer Bürger stattgegeben, eine verkehrsstörende Plakatsäule am Schloßplatz zu beseitigen. -hm-

Unsere Geburtstagskinder

85. Geburtstag: Frau Meta Jaeckel, Bensheim - Auerbach, Heidelberger Straße 28. 81. Geburtstag: Frau Dorothea Cesanne, Walldorf, Ludwigstraße 67. 80. Geburtstag: Herr Christian Trayser, Bensheim-Auerbach, Rodauer Straße 15. 77. Geburtstag: Herr Nikolaus Wahlig 111., Lorsch, Hügelstraße 2. 74. Geburtstag: Herr Bernhard Metz, Lorsch, Biengartenstraße 10. 74. Geburtstag: Herr Peter Best 1., Walldorf, Waldstraße 20. 71. Geburtstag: Herr Theodor Haupt, Wolfskehlen, Wilh.-Leuschner-Str. 11.

„Rummelzebouz! - Rummelzebouz!“

Jetzt geistert er durch die Gassen der Odenwalddörfer

Jede Jahreszeit hat in den Dörfern des hinteren Odenwaldes ihre besonderen, charakteristischen Merkmale. Einem der seltsamsten kann man gerade jetzt zur Zeit der Futterrübenernte in den Gassen der abgelegenen Gemeinden an frühen Abenden begegnen: dem „Rummelzebouz“.

Gespenstisch geistert er von Haus zu Haus, ein fahlleuchtender mächtiger1 Kopf mit schrecklicher Fratze; auf einer langen Stange tragen ihn Buben und Mädchen mit johlendem Geheul von Fenster zu Fenster, lassen ihn dumpf an die Scheiben pochen und so lange hin- und hertanzen, bis sie von erschreckten Hausbewohnern schimpfend davongejagt werden. Dann schlägt das Geheul in höhnisches Gelächter um.

Es ist ein uralter Brauch, der sich in diesem gruseligen Spiel von heute noch spiegelt. Wahrscheinlich geht er sogar auf alte heidnische Geisterbeschwörungen zurück. In manchen stillen Odenwalddörfern haben sich noch viele solcher alten Ueberlieferungen erhalten, wenn sie sich auch im Laufe der Zeit etwas gewandelt haben. Das kommt daher, daß die Alten das Wissen um diese geheimnisvollen Dinge nicht schriftlich niederlegten. Aus Scheu vor der Rache der Geister. So wurden diese Geschichten nur mündlich überliefert. Die gute alte Spinnstube bot dazu die beste Gelegenheit.

Auch der „Rummelzebouz“ hat sich so von Generation zu Generation bis in unsere aufgeklärte Zeit hinein gerettet. Jahr für Jahr taucht er immer wieder auf, wenn die ersten Erntewagen mit den großen und übermannskopfdicken Futterrüben eingefahren werden. Jeder rechte Bub angelt sich sofort mit Kennerblick die größte und bizarrste Rübe heraus und macht sich flugs in irgend einer stillen Ecke der Scheune oder sonstwo an die Arbeit. Etwa ein Viertel der Rübe wird als Deckel abgeschnitten. Der übrige Teil wird schön dünn ausgehöhlt, bis nur noch eine durchscheinende Wandung stehenbleibt.

Nun kommt die Hauptsache, die die ganze Phantasie und künstlerische Fertigkeit der kleinen Schnitzer erfordert: das Gesicht. Es soll ja eine möglichst furchterregende Fratze werden. Jeder Bub setzt seinen Ehrgeiz darein, den schrecklichsten „Bouz“ zu haben, wenn es ihm auch selbst bei der ganzen Geschichte etwas bang ums kleine Herz wird.

In die Höhlung wird dann eine Kerze gesetzt, der Deckel mit einem langen Nagel drehbar wieder auf der Laterne befestigt und der ganze Kopf auf eine lange Stange oder einen Besenstiel gesteckt. Mit Gebrüll geht es dann hinaus auf die Gasse. Das Gejaule gehört dazu. Es muß offenbar die eigene Furcht übertönen. Schließlich geistern diese seltsamen Gespensterköpfe ja überall aus dem Dunkel hervor, und letzten Endes ist der Träger des noch so grauenhaft grinsenden „Rummelzebouz“ auch nur ein Mensch.

Aber wie sehr den Einzelnen auch das Gruseln ankommt, pünktlich ist er jedes Jahr wieder da, der „Rummelzebouz“ und ist bei allem Schrecken, den er verbreitet, doch einer der ersten Boten nicht mehr allzuferner Weihnachtsfreuden. ch.



Zweihnndert Entenbraten aus Keeheim

Frische Eier und feiste St.-Martins-Gänse

Im Oberbeerbachertal, wo früher das Mühlrad klapperte, watscheln und tummeln sich jetzt auf den Teichen etwa zweihundert schneeweiße Enten und Gänse.

Das Wohnhaus der ehemaligen Mühle steht noch. Es gehörte dem verstorbenen Architekten Heinrich Strauch, der nur den Sommer über in Seeheim lebte. „Haus Waldeck“ ging nun in die Hände seines Neffen über, der den Besitz bereits seit 1939 verwaltetete. Das ausgedehnte Gelände, der Berg mit den vielen Obstbäumen und Reben, erfordert eine Menge Arbeit. Durch Geflügelzucht schaffte sich Joseph Strauch nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft die Lebensgrundlage: er ist Geflügelzüchter, Obstbauer, Landwirt und Mauerer zugleich. Aus eigener Kraft baute er alles auf. Vorbildlich steht das neue Hühnerhaus mit den frischgekalkten Wänden, den Sitzstangen und den vielen Legenestem.

Bei einem Gang durch das weite Gelände tauchen plötzlich zehn fette Enten auf. „Das sind die ,Geländekundigen‘“ sagte der Besitzer, „sie unternehmen größere Touren, und dort kommen die .Polizisten“, sie melden jeden Feind aus der Luft oder zu Lande“, fuhr er fort und zeigte auf den stolzen Truthahn und seine drei Frauen. Ein einziger Lockruf von Joseph Strauch genügte und die Tiere kamen aus allen Ecken, schnatterten und gackerten und wollten belohnt sein.

Im Haus „Waldeck“ erwartete uns ein neuer erfreulicher Anblick. Eine ganze Reihe zarter Peking-Enten lagen fein säuberlich gerupft abholbereit. Sie schienen so appetitlich, daß wir sie im Geiste bereits knusprig-braun vor uns sahen.

Auf die St.-Martins-Gänse ist Strauch besonders stolz. Es schien, als gehöre ihnen seine größte Sorgfalt. Zum Abschied sagte er: „Meine größte Freude ist die Zufriedenheit der Kundschaft.“ orh

Herbstkonzert in Traisa

Am Samstag veranstaltet die Gesangsabteilung der Kultur- und Sportgemeinde Traisa um 20 Uhr bei Scherer ihr diesjähriges Herbstkonzert. Der Chor unter der vorzüglichen Leitung seines Chormeisters Poth, Darmstadt, sieht seine Aufgabe darin, das deutsche Lied zu fördern , und so seinen Beitrag am kulturellen Leben in Traisa beizusteuern.

Die Mitwirkung namhafter Künstler sowie des Knabenchors sichern den Besuchern einige gemütliche Stunden. Gleichzeitig findet im Rahmen des Konzerts eine Ehrung verdienter Sänger der Abteilung statt.

Die Kandidaten des Wahlkreises 45 - Dieburg

Am vergangenen Samstag trat der Kreiswahlausschuß des Wahlkreises 45 — Dieburg — zur Prüfung und Beschlußfassung der eingereichten Kreiswahlvorschläge in öffentlicher Sitzung zusammen. Beim Kreiswahlleiter waren Wahlvorschläge von der SPD, CDU, FDP und KPD rechtzeitig und vollständig eingereicht worden und ergab die Prüfung keinerlei Beanstandungen, ‘so daß der Kreiswahlausschuß einstimmig beschloß, diese vier Kreiswahlvorschläge zuzulassen. Danach wird an die Wähler des Wahlkreises 45 — Dieburg — am 19. November 1950 nachstehender Stimmzettel ausgegeben:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 1. Wahlbewerber: Heinrich Ritzel, Oberregierungsrat a. D., Michelstadt Odw., Erbacher Straße 26; 2. Nachfolger: Franz Gruber, Kassenleiter, Eppertshausen, Nieder-Röder Straße 7.

2. Christlich-Demokratische Union, 1. Wahlbewerber: Dipl.-Ing. Karl Ritzert, Landrat des Landkr. Dieburg, Darmstadt, Steinbergweg 45; 2. Nachfolger Peter Keller, Kredsoberinspektor. Dieburg, Minnefelderseestraße 1.

3. Freie Demokratische Partei, 1. Wahlbewerber: Roland Eckerscham, Geschäftsführer;, Wiesbaden, Biebricher Allee 183; 2. Nachfolger Dr. Fritz Czermak, Rechtsanwalt, Büdingen, Bahnhofstraße 37.

4. Kommunistische Partei Deutschlands, 1. Wahlbewerber: Franz Adam Gondolf, Schreiner, Dieburg. Kettelerstraße 51; 2. Nachfolger Martin Reinhard, Bürgermeister, Groß-Zimmern, Darmstädter Straße Nummer 23. I -es-

Wanderer-Ehrungs-Pest

beim Odenwaldclub Babenhausen

Den Reigen der diesjährigen Winterveranstaltungen eröffnet am kommenden Samstag der Wanderclub „Berg auf“ mit seinem Dekorierungsfest im Hotel „Zum Löwen“.

Es werden dabei, wie alljährlich, jene Wanderer ausgezeichnet, die auch im abgelaufenen Jahre unentwegt in Treue zu den Gedanken der Heimat und des Wanderns gestanden haben.

Nadi der Ehrung wird in 3 Aufzügen die volkstümliche Komödie „Se. Durchlaucht“ von Josef Stoll auf geführt. Der Verfasser dieses originellen Odenwälder Volksstückes ist als Heimatdichter und Schriftsteller weit über seinen engeren Wirkungskreis hinaus bekannt.

Die Handlung des Stückes liegt in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg und zeigt, wie sich die „Großen“ eines kleinen Odenwalddörfchens bemühen, ihrer Gemeinde Geltung als Fremdenverkehrs- und Luftkurort Geltung zu verschaffen und so den Anschluß an die große Welt zu finden.

Zum Abschluß des Festes spielt Kapelle Lautz zu alten und neuen Tänzen auf. NB

Bach im Rathaussaal

Am Sonntag veranstaltet das Kammerorchester Bergstraße um 20 Uhr unter Mitwirkung zahlreicher Solisten im Rathaussaal in Bensheim ein Konzert mit Werken von Bach. Auf dem Programm stehen die Suite in h-moll, die Arie: „Liebster Jesu, mein Verlangen“ aus der Kantate Nr. 32, das Doppelquartett in d-moll, die Arie: „Ich folge dir gleichfalls“, aus der Johannespassion, und das Brandenburgische Konzert Nr. 4. Die Gesamtleitung hat Adam Rettig. Als Solisten wirken mit: Hildegard Linck (Sopran), M. Lettermann und Adam Rettig (Violine), W. Hafenreffer und E. von Davidson (Flöte) und Inge Schuster (Klavier). HB

Kreisfeuerwehrtag 1951 in Bad König

Die Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Erbach kamen am Sonntagvormittag zu einer Arbeitstagung im Hotel „Zum Schwanen“ in Reichelsheim unter Leitung von Kreisbrandinspektor K ü c h le r zusammen.

Bürgermeister Nicklas begrüßte es dankbar, daß die Tagurig ins Gersprenztal gelegt wurde. Regierungsrat Zörgiebel vom Landratsamt Erbach und Bürgermeister Pröhl, Bad Kö" Ig, nahmen als Gäste an der Tagung teil.

Aus der umfangreichen Tagesordnung ist der Beschluß zu erwähnen, den Kreisfeuerwehrtag 1951 nach Bad König zu verlegen, wo er am 3. Juni 1951 zusammen mit der 70-Jahr-Feier der Bad Königer Freiwilligen Feuerwehr begangen werden soll. Acht Mitglieder der Reichelsheimer Wehr erhielten für 50jährige Dienstzeit die Goldene Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes. Neben dem landeseigenen Tanklöschfahrzeug wurde noch eine neue Startvorrichtung für die Krafttragespritze TS 8 vorgeführt.

Nach der Mittagspause hielt Geschäftsführer Engemann, Wetzlar, einen lehrreichen Lichtbildervortrag der Arbeitsgemeinschaft für Ueberwachung elektrischer Anlagen auf dem Lande. -ch

Reisebüro für Zwingenberg

Auf Initiative des Bürgermeisters uhd des Verkehrsvereins wurden Schritte zur Eröffnung eines amtlichen, für den gesamten Reiseverkehr an der hessischen Bergstraße verantwortlichen Reisebüros in Zwingenberg unternommen. Man beabsichtigt dadurch, Zwingenberg wieder mehr in den allgemeinen Fremdenverkehr an der Bergstraße einzuschalten. HB

Wieder Omnibusverkehr von Bonsweiher nach Weinheim

Da die vor Jahren betriebene Omnibusverbindung von Heppenheim über die Juhöhe nach Mörlenbach seit ihrer Einstellung nicht wieder aufgenommen worden ist, mußten die Einwohner von Bonsweiher und Juhöhe einen drei bis sechs Kilometer langen Fußweg zurücklegen, ehe sie an die nächste Bahnstation Mörlenbach gelangten. Das wirkte sich besonders für die Arbeiterschaft, die vorwiegend in Birkenau und Weinheim beschäftigt ist, nachteilig aus, so daß die Zustimmung zur Errichtung wenigstens eines Linienverkehrs Bonsweiher —Weinheim, der täglich zweimal in beiden Richtungen läuft, zweifellos verständlich ist.

Bürgermeister Brecht, der diese Bemühungen ins Leben rief, erwarb sich damit den Dank vieler Bewohner dieses Gebietes. -r.

Entscheidende Beschlüsse ersforderlich

Bei der letzten Gemeinderatssitzung in Affolterbach, in deren Verlauf zahlreiche örtlich begrenzte th ?obleme behandelt wurden, erinnerte Beigeordneter Peter Heckmann die Räte an die Wahlversprechungen der einzelnen Parteien, die durchweg auf eine unverzügliche Verbesserung der Wohnungssohwierigkeiten hinausliefen. Seitdem sei so gut wie nichts geschehen; die Wohnungskommission sei von der Kreiswohnungsbehörde suspendiert worden, so daß sich auf diesem Sektor der Kommunalpolitik Mißstände entwickelt hätten, die nur noch durch rigorose Entschlüsse beseitigt werden könnten. Er schlage deshalb die unverzügliche Ausarbeitung eines Finanzierungsplanes für 8 bis 10 Wohnungen vor, die so rasch wie irgend möglich, gegebenenfalls m Form von ein oder zwei Häuserblöcken, criichtet werden sollen.

Die Gemeinderäte kamen überein, entsprechend den gegebenen Anregungn zu verfahren. -r

Das Beerfelder Forum arbeitet

Der erste Ausspracheabend des neugegründeten öffentlichen Bürgerforums Beerfelden im Saal der Gastwirtschaft „Zur Glocke“ hatte einen Erfolg, der selbst die kühnsten Erwartungen übertraf. Die Veranstaltung war von Männern und Frauen der Stadt sehr gut besucht. Nach dem Referat des Landtagsabgeordneten Georg Ackermann entwickelte sich über die Fortschrittsmöglichkeiten des Beerfelder Wirtschaftslebens eine lebhafte und ersprießliche Diskussion, die sich, bis Mitternacht ausdehnte.

Bei der Wahl des endgültigen Vorstandes ergaben sich einige Veränderungen. Ihm gehören jetzt Dr. Georg Schmukker, Walter Heidel, Pfarrer Georg Neff, Jakob Weber, Frau Antonie Hoffmann und die Herren Rosenkranz, Heinrich Preusser und Jakob S c h w ö b e 1 an. Der nächste Diskussionsabend am 27. November soll sich mit der Ausgestaltung der 50-Jahrfeier des Beerfelder „Gailsmaiks“ im kommenden Jahr beschäftigen. Als Referenten sind vorgesehen Bürgermeister Ackermann (Beerfelden) und Bürgermeister Siefert

Närrisches Zwingenberg

Am 11. 11. wird auch in Zwingenberg, gemäß der alten ^Tradition, die Karnevalszeit mit einer Prunksitzung im „Adlersaal“ beginnen. Im Zusammenwirken mit dem Verkehrsverein, den übrigen Ortsvereinen, der Stadtverwaltung und dem Bürgermeister' trifft der Zwingenberger Karnevalsverein gegenwärtig alle Vorbereitungen, um diese Eröffnungssitzung so großartig wie möglich aufzuziehen. Die Saalgestaltung hat Architekt Bücher übernommen, die baulichen Arbeiten führt die Zimmerei Wil c h aus, für die entsprechende Beleuchtung sorgt das Elektrogeschäft Christian Gerhard. HB

Wiederverwendung ehemaliger Polizeibeamter

Der Hessische Polizeibeamtenverband im Deutschen Beamtenbund beabsichtigt, einen Kreisverband Darmstadt-Stadt, Darmstadt-Land und Bergstraße zu gründen. In dem Verband sollen neben den aktiven Polizeibeamten auch die ehemaligen Berufsbeamten der Schutzpolizei (staatliche und kommunale Polizei) sowie Gendarmerie erfaßt werden, die eine Wiederverwendung im Polizeidienst anstreben. DT

Schlachtviehmarkt Darmstadt

Marktbericht vorn 7. November 1950

Auftrieb: 100 Großvieh (30 Ochsen, 3 Bullen, 29 Kühe und 38 Färsen), 89 Kälber, 504 Schweine, 73 Schafe. Marktverlauf: Großvieh und Kälber ruhig. Schweine lebhaft später abflauend. Schafe schleppend. Ueberstand 6 Großvieh und 20 Schweine. Fleischmarkt: 7 Tonnen Inlandfleisch und 3,6 Tonnen Importe (Dänemark). Preise (in Dpf. je 500 gr Lebendgewicht): Ochsen aa 82 bis 85, a 74 bis 82, Kühe aa 72 bis 76, a 57 bis 70, b 52 bis 70, c 50 bis 58, Färsen aa 82 bis 89, a 75 bis 84, Kälber a 120 bis 135, b 110 bis 125, c 85 bis 110, d 60 bis 82, Schweine (Durchschnittspreis 150) a, bl, b 2 150 bis 152, c 149 bis 151, d 148 bis 150, g 1 132 bis 142, Hammel a 60 bis 65, b 53 bis 55, Schafe a 50 bis 55. b 32 bis 45, Qualität: Großvieh, Schweine und Hammel gut, Kälber und Schafe mittel.

Veberstand bei schleppendem Geschäft

Auf dem Beerfelder November-Schweinemarkt standen am Montag rund 140 Ferkel und Läufer. Die Preise lagen ziemlich hoch. Für Sechswochenferkel wurden 35 bis 55 DM, für mittlere Läufer bis zu 85 DM verlangt. Bei schleppendem Geschäft blieb ein Ueberstand von mehr als der Hälfte des Auftriebs. -ch

Der SPORT

Abschlußprüfungen für Stuttgart

in Ludwigshafen: Süddeutschland — Rhein. land-Pfalz (Samstag); in Frankfurt: Süddeutschland — Westdeutschland (Sonntag).

Im neuausgebauten Ludwigshafener Stadion messen eine Vertretung des Südens und die. Auswahl von Rheinland-Pfalz ihre Kräfte. Beide Mannschaften sind außerordentlich stark aufgestellt. Der Südwesten wird vertreten von: Jahn (Neuendorf); Voigtmann (Neuendorf), Kohlmeyer (FC Kaiserslautern); Laag (FK Pirmasens), Liebrich II (FC Kaiserslautern), Miltz (Neuendorf); Lipponer (Phönix Ludwigshafen), Fritz und Otmar Walter (FC Kaiserslautern), Blankenberger (Wormatia), Müller (Wormatia).

Diesem Aufgebot tritt der Süden in folgender Formation gegenüber: Fischer (1. FC Nürnberg); Retter (Vfß Stuttgart), Plawky (Fürth); Kupfer (Schweinfurt), Keuerleber (VfR Mannheim), Baumann (1. FC Nürnberg); Läpple (Vfß Stuttgart), Balogh (VfL Neckarau), Lehmann (Vfß Mühlburg), Langlotz (VfR Mannheim), de la Vigne (VfR Mannheim).

Tags darauf stehen sich im Frankfurter Stadion folgende Mannschaften gegenüber: Süddeutschland: Höger (Fürth); Knoll (Fürth), Picard (Offenbacher Kickers); Dannenmeier (Vfß Mühlburg), Gärtner (Vfß Mühlburg), Barufka (Vfß Stuttgart); Kaufhold (Offenbacher Kickers), Morlock (1. FC Nürnberg), Schade (Fürth), Herrmann (FSV Frankfurt), Blessing (Vfß Stuttgart). Westdeutschland: Turek (Fortuna Düsseldorf); Lesch (Preußen Münster), Graf (FC Köln); Mebus (Benrath), Matzkowski (Schalke 04), Röhrig (FC Köln); Klodt (Schalke 04), Rachuba (Preußen Münster), Hetzel (Meiderich), Islacker (Rheydt), Schäfer (FC Köln).

Beide Spiele sind die letzten Prüfungen für zahlreiche Kandidaten der Stuttgarter Ländermannschaft. Nach dem Frankfurter Kampf wird Herberger die Namen bekanntgeben, die für das Länderspiel gegen die Schweiz endgültig in Frage kommen.

Wieder neuer Rekord

Herbert Klein schwamm Europa-Bestzeit

Bei seinem zweiten Start in Schweden gelang es dem Münchener Europameister Herbert Klein, seinen eigenen Europarekord über 200 m Brust von 2:32,5 auf 2:31,8 Minuten zu verbessern. Die Zwischenzeiten waren: 50 m 32,7 Sek., 100 m 1:10,7 Min. und 150 m 1:51 Min.

FSV im Pech

Der FSV Frankfurt ist in dieser Punktspielserie, in der er bisher im ersten Tabellendrittel zu finden war, von besonderem Pech verfolgt. Nach einer Reihe von Verletzungen — elf Spieler — brach sich im Spiel gegen Offenbach Nold das Nasenbein. Beim letzten Training erlitt Rado einen Bruch des linken Wadenbeins

Spannende Kämpfe in der Basketball-Oberliga

In Darmstadt, Bad Homburg, Gießen und Karlsruhe liefern sich die Spitzenreiter und die Tabellenletzten harte Kämpfe, die die Placierung in der Vorrunde bestimmen werden. Werfen wir kurz einen Blick auf die jetzige Tabelle.

In Darmstadt wird am Sartistag, 20 Uhr, in der Quatermaster-School die Entscheidung fallen. Hier steht unser Verein gegen den Tabellenersten TB Heidelberg. Beide Mannschaften zählen seit Jahren zu den besten im Bundesgebiet, und jedes Jahr erwarten die Basketballfreunde mit Spannung dieses Treffen. Bis jetzt gelang es erst einmal innerhalb von 3 Jahren dem Club, Heidelberg in einem mörderischen Kampfe von iVi Stunden niederzuringen.

Die Gästemannschaft setzt sich aus Studenten und 2 Amerikanern zusammen, die die Hauptstützen sind und der Mannschaft eine ungeheure Schlagkraft und Gefährlichkeit geben. Die Darmstädter verzichten auf Ausländer und wollen mit ihrer alten kampferprobten Mannschaft spielen.

In Karlsruhe beim Basketballclub ist der VfL Kreuznach zu Gast, der wahrscheinlich sehr leicht hier zu einem Siege kommen dürfte. Der TV Heidelberg spielt am Samstag in Bad Homburg gegen die TG und am Sonntag in Gießen gegen den MTV. Bei beiden Spielen wird der TV Heidelberg die Oberhand behalten, da auch er ebenfalls mit 2 Amerikanern in der Mannschaft spielt.

Alles in allem: dieser Spieltag hat es in sich, und sollte sich nicht ein Verein als Favoritenschreck entpuppen, so kämpfen nur noch die beiden Heidelberger Vereine und der BC Darmstadt um den Titel. St.

TB Heidelberg 3 6:0
147:89 BC Darmstadt 3 4:2
123:108 TV Heidelberg 3 4:2
133:121 MTV Gießen 3 4:2
69:21 VfL Bad Kreuznach 4 4:4
130:119 TG Bad Homburg 3 0:6
58:104 BC Karlsruhe 3 0:6
77:125

Handball bringt Pokal-Endspiel

Im Handball richtet sich die Aufmerksamkeit am Wochenende auf das Endspiel um den Bundespokal des Deutschen Handballbundes zwischen den Mannschaften von Süddeutschland und Norddeutschland in Kassel. Punktekämpfe im vollen Umfang werden nur in den Kreisklassen durchgeführt. VfR und Kostheim nutzen die Gelegenheit aus, um bereits am Samstag ein Freundschaftsspiel zu bestreiten.

Der Deutsche Handball-Pokal wird zum viertenmal ausgespielt. Von den beiden Teilnehmern am Endspiel in Kassel errang Norddeutschland 1947 den Titel, während Süddeutschland 1948 und 1949 Pokalsieger wurde. Der Süden hatte es diesmal leicht, um mit einem 21:4-Sieg über den Südwesten ins Finale zu kommen. Norddeutschland schlug vorher den Westen mit 17:13. Der Ausgang des Endspieles ist offen. Es werden folgende Mannschaften aufgeboten:

Süddeutschland: Thome (TV Rot); Wintterlin (Dietzenbach), Bernhard (München); Kern (Dietzenbach), Jüllich (Birkenau), urbainz (Stuttgart); Schäfer (Darmstadt), Spahr (Schnaitheim), B. Kempa (Göppingen), Sutter (Harleshausen), Möhler (Nürnberg).

Norddeutschland: Heesch (Polizei Kiel); Sievers (THW Kiel), Kuhn (Polizei Kiel); Weist (Polizei Hamburg), Vick (Polizei Hambürg), Podolske (THW Kiel); Wanke (Polizei Hamburg), Rohwer (THW Kiel), Thielecke (Hamburger SV), Dahlinger (THW Kiel), Ochs (THW Kiel).

Verbandsliga, Gruppe Süd SV Gelnhausen—Eintracht Mombach

In der einzigen Begegnung der Verbandsliga reist Mombach nach Gelnhausen und will die Chance wahrnehmen, durch einen Sieg drei Stufen höher zu rücken. Ein Gästeerfolg ist nicht ausgeschlossen. Die Gruppenliga pausiert ganz.

In Groß-Umstadt tritt am Samstag, 11. 11., 18.30 Uhr, im Frankfurter Hof der Kreisspielausschuß des Handballkreises Dieburg zusammen. nb.

Favoriten gehen in Front

Im Münchener Sechstagerennen gingen in der Nacht auf Mittwoch die Favoriten in Front. Bei der ersten Wertung eroberten sich Arnold / Ludwig Hörmann die Führung. Knapp eine Stunde später rückten die beiden belgischen und französischen Mannschaften van der Meerschaut Dekuysscher und Seres /Le Nizerhy zur Spitze auf.

Zwischen der ersten Wertung um 04 Uhr und der Nachmittagswertung am Mittwoch verlief das Rennen ohne besondere Ereignisse. Nach der ersten Nachmittagswertung setzten Mlady-Rühl eine Jagd in Gang, bei der es der Mannschaft gelang, eine Runde aufzuholen. Während der Spurts stürzte der junge Kölner Jean Schorn. Das Rennen wurde für ihn für zehn Minuten neutralisiert. Schorn trug jedoch nur geringe Prellungen davon und fuhr anschließend weiter.

Eishockeymeister enttäuschte

In München trafen sich die Eishockeymeister von Deutschland und der Schweiz im ersten Kräftemessen dieses Jahres, das eindeutig zugunsten des HC Davos ausfiel. Der SC Rießersee konnte nur im mittleren Drittel den Gästen ein ebenbürtiges Spiel liefern und unterlag mit 3:9 (1:4, 2:3, 0:2)

Das für Sonntag vorgesehene Freundschaftstreffen zwischen dem SV 98 Darmstadt und Göttingen 05 ist abgesagt worden.

Neue Filme in Darmstadt


TARZAN UND DIE AMAZONEN Mitten im afrikanischen Urwald liegt Palmyra, die Stadt der Amazonen. Von ihrem sagenhaften Reichtum angelockt, schlägt sich eine Expedition nach dieser Stadt durch. Es kommt zu Kämpfen zwischen den Amazonen und den Expeditionsteilnehmern, die gefangengenommen werden und getötet werden sollen. Zwischen den Parteien steht Tarzan, überall eingreifend und der Sache des Guten zum Sieg verhelfend. Ein richtiger Abenteuerfilm, eine Fortsetzung der Tarzan-Serie, die überall viele Freunde hat. (Im Hansa.) Foto: RKO
TARZAN UND DIE AMAZONEN Mitten im afrikanischen Urwald liegt Palmyra, die Stadt der Amazonen. Von ihrem sagenhaften Reichtum angelockt, schlägt sich eine Expedition nach dieser Stadt durch. Es kommt zu Kämpfen zwischen den Amazonen und den Expeditionsteilnehmern, die gefangengenommen werden und getötet werden sollen. Zwischen den Parteien steht Tarzan, überall eingreifend und der Sache des Guten zum Sieg verhelfend. Ein richtiger Abenteuerfilm, eine Fortsetzung der Tarzan-Serie, die überall viele Freunde hat. (Im Hansa.) Foto: RKO

LIED DES ORIENTS Eine Episode aus dem Leben Rimsky-Korsakoffs, des russischen Komponisten, steht im Mittelpunkt der Handlung. Als Kadett macht er auf einem Schulschiff eine Weltreise mit und lernt in einem marokkanischen Hafen Cara kennen, eine Tänzerin, die in einem Cafe auftritt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber das Schiff fährt weiter, die beiden werden wieder getrennt. Erst in Petersburg erleben sie das glückliche Finale. Den Film durchziehen die Melodien Rimsky-Korsakoffs. (Im Union.) Foto: Univ. Intern.
LIED DES ORIENTS Eine Episode aus dem Leben Rimsky-Korsakoffs, des russischen Komponisten, steht im Mittelpunkt der Handlung. Als Kadett macht er auf einem Schulschiff eine Weltreise mit und lernt in einem marokkanischen Hafen Cara kennen, eine Tänzerin, die in einem Cafe auftritt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber das Schiff fährt weiter, die beiden werden wieder getrennt. Erst in Petersburg erleben sie das glückliche Finale. Den Film durchziehen die Melodien Rimsky-Korsakoffs. (Im Union.) Foto: Univ. Intern.

DIE STUNDE DER VERGELTUNG Der Sohn des Grafen von Monte Christo gerät in eine Verschwörung gegen den Diktator Lanen, der über das Großherzogtum Lichtenburg herrscht und die rechtmäßige Großherzogin zur Heirat zwingen will. Spannende Abenteuer, Verfolgungen, Gefechte, geheimnisvolle Versammlungen der Verschwörer, glänzende Feste, Zweikämpfe, Liebesszenen geben dem Film eine romantische Atmosphäre, wie wir sie von anderen Filmen im „Dumas-Stil“ kennen. Natürlich wendet sich letzten Endes alles zum Guten. (Im Belida.) Foto: Small-Dietz-Film
DIE STUNDE DER VERGELTUNG Der Sohn des Grafen von Monte Christo gerät in eine Verschwörung gegen den Diktator Lanen, der über das Großherzogtum Lichtenburg herrscht und die rechtmäßige Großherzogin zur Heirat zwingen will. Spannende Abenteuer, Verfolgungen, Gefechte, geheimnisvolle Versammlungen der Verschwörer, glänzende Feste, Zweikämpfe, Liebesszenen geben dem Film eine romantische Atmosphäre, wie wir sie von anderen Filmen im „Dumas-Stil“ kennen. Natürlich wendet sich letzten Endes alles zum Guten. (Im Belida.) Foto: Small-Dietz-Film

Alarm im Lateinischen Viertel

Ein vorbereiteter „spontaner“ Tumult und seine Folgen

Es glaube keiner, südländisches Temperament und italienische Theaterbesessenheit gedeihe nur im sonnigen Lande jenseits der Alpen. Diese unerläßlichen Requisiten jedes echten Italieners sind auch in der Bowerstreet, der neonbeleuchteten Prachtstraße des Neuyorker italienischen Viertels wie in seinen engen düsteren Gäßchen heimisch, in denen der Geruch von Zwiebeln und das Geschrei von Kindern durch die offenen Holztüren dringt. Und bisweilen wird von dort den geschäftigen Neuyorkem ein Sensatiönchen serviert, das eine lachende Atempause oder selbst zwei rechtfertigt.

Joe Mankiewicz drehte seinen berühmten Film um das Schicksal einer nach Amerika eingewanderten italienischen Familie, den 20th-Century-Fox-Film „Blutsfeindschaft“, zum großen Teil im italienischen Viertel von Neuyork. Zu einer Massenszene um den Bankskandal seines '"Helden Gino Monetti brauchte er eine Menge typischer Italiener. Das war kein Problem; die rückten gleich straßenweise an. Mankiewicz hockte sich auf ein eilig aufgeschlagenes Gerüst und regierte die Massen. Edward G. Robinson holte als Gino Monetti mit weiter Gebärde zu einer beruhigenden Ansprache an das aufgeregte Volk aus, als er von den drei vom italienischen Theater verpflichteten Schauspielern drehbuchgemäß am Kragen gepackt wurde und unter den Worten „Wucherer! Erpresser!“ mitten in der Menge landete.

Der vorbereitete Tumult erhob sich. Die mitspielenden Italiener hatte das Theaterfieber gepackt; wahrscheinlich waren auch die Anweisungen des Regisseurs etwas zu knapp gewesen, als er den Laien erklärte, sie sollten für Lärm und Getümmel sorgen. „Halunke ^brüllte ein Baß. Mankiewicz fuhr herum: das stand nicht im Drehbuch. „Schuft, elendiger!“ kreischte ein Tenor, und mit vielstimmigem Geheul stürmte die Menge zum Angriff auf den unglückseligen Mittelpunkt vor. Der verdutzte Monetti-Robdnson hatte nicht eine drohend erhobene Hand vor der Nase, sondern. Dutzende von geballten Fäusten fuchtelten ihm um die Ohren. Der Kreis von Menschenleibem preßte sich wie eine Stahlklammer um ihn.

Das war zu viel.

Robinson begann sich zu wehren, seine Kollegen versuchten, die Menge zurückzudrängen, Mankiewicz brüllte verzweifelt durch die Flüstertüte, der Kameramann hielt sich an der Kurbel fest und wußte nicht, ob er lachen oder fliehen solfite. Die „Statisten“ hatten Verstärkung bekommen, aus allen Seitenstraßen strömten ihre Landsmänner jetzt herbei und beteiligten sich mit lebhaftem Interesse und wildem Geschrei an dem allgemeinen Kampf. Mankiewicz hatte längst seinen schwankenden Thron aufgeben müssen, und eine Frauenstimme schrie: „Polizei!“

Als die auch wirklich auf dem Schlachtplan erschien, war aus der „tumultuarischen Massenszene“ ein mit südländischem Feuer geführter Faustkampf aller gegen alle geworden. Aber so schnell sich die Gemüter erhitzt hatten, so schnell kühlte sie das bedrohliche Geheul der Sirenen wieder ab. Eine feierliche Stille breitete sich plötzlich aus, und unter verbeulten Hüten blickten verlegene Augen auf die verstümmelte Krawatte des Gegners; mit Schulbubengesichtern ließen die hitzigen Kämpen das donnernde Gebrüll des erbosten Regisseurs über sich ergehen.

Neuyork aber lachte, als es an diesem Tage die Nachmittagszeitung in den Händen hielt.

Stellt den Ozean ab!

Der Regisseur Michael Curtiz hat ein ungestümes Temperament, das des öfteren mit ihm durchgeht. Er ist es gewohnt, daß während der Aufnahmen im Atelier allen seinen Sonderwünschen Rechnung getragen wird, und die verantwortlichen Kulissenschieber, Beleuchter und Geräuschexperten haben alle Hände voll zu tun, um Meereswellen zu glätten, die richtigen Windstärken zu produzieren und Regen und Sonnenschein in den von Michael Curtiz gewünschten Dosen zu verabfolgen. Im Atelier also ist der Regisseur Herr über die Elemente und wehe, wenn sich ihm etwas entgegenstellt. Aber . . .

Anläßlich der Aufnahmen zu „Der Mann ihrer Träume“ wurde eine Szene im Freien an der Mole in Ocean Pare gedreht. Der Wellengang des Ozeans übertönte den Dialog zwischen Doris Day und Kirk Douglas. Michael Curtiz wurde immer nervöser. Schließlich sprang er von seinem Stuhl auf und schrie: „Wird denn nicht endlich jemand den Ozean abstellen!?“

Das Beste vom Besten

Charles Laughton, der große Charakterdarsteller, dem wir demnächst „Unter schwarzer Flagge“ wieder begegnen, ist unter seinen Freunden nicht nur als ein Gourmand von beispiellosem Appetit, sondern auch als ein berühmter Gourmet bekannt, der mit Geschick und Genuß selbst den Kochlöffel schwingt. Zu den größten Auszeichnungen gehört es, von ihm zu einem selbstbereiteten Essen emgeladen zu werden. Sein Stolz auf seine Kochkünste ist so groß, daß er sich zu der Formulierung verstieg, in einer Soße von Laughton würde jeder seiner Gäste „mit Wonne seinen eigenen Vater verzehren“.

70 000 Dollar für — Wasser

Für die Dreharbeiten zu dem Farbfilm der Centfox „Die schwarze Rose“ mußten 70 000 Dollar allein für die Beschaffung des nötigen Wassers ausgegeben werden, ohne das die großen Szenen in der Wüste nicht hätten gedreht werden können.

Keine Orson-Welles-Filme mehr

Der Wirtschaftsverband der Filmtheaterbesitzer von Rheinhessen hat, wie sein Vorsitzender Hans Mühlberg, Mainz, mitteilt. am Dienstag auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, aus Protest gegen die Aeußerungen des amerikanischen Schauspielers Orson Welles über Deutschland zunächst keine Filme mehr zu zeigen, in denen Welles mitwirkt. Gleichzeitig wurde vom Verband ein Antrag an den Verband der Filmverleiher gerichtet, schon abgeschlossene Verträge für - Welles-Filme rückgängig zu machen.

Die Filmtheaterbesitzer in Südbaden und Württemberg-Hohenzollern beabsichtigen bisher keinen Boykott Orson Welles. Sie sind der Ansicht, daß er in seinen Filmen Künstler ist, seine Privatmeinung über Deutschland sei in diesem Zusammenhang uninteressant, zumal er keine maßgebliche Persönlichkeit sei. Seine beleidigenden Aeußerungen zeigten letzten Endes nur, daß seine charakterlichen Qualitäten „keinen Schuß Pulver wert“ seien.

Aus vielen Städten des britischen Besatzungsgebietes erhält das Holzmindener Lichtspieltheater „Die Schauburg“, das als erstes in Niedersachsen aus Protest gegen die von Orson Welles in ausländischen Zeitschriften veröffentlichten Verleumdungen des deutschen Volkes beschloß, künftig keinen Otson-Welles-Film mehr zu zeigen, täglich Zuschriften, in denen diese Maßnahme begrüßt wird. Inzwischen hat auch das Holzmindener Lichtspieltheater „Union“ den Orson-Welles-Film „Die schwarze Rose“ vom Programm abgesetzt und will ihn erst wieder aufnehmen, wenn sich Orson Welles öffentlich vor dem deutschen Volk entschuldigt hat.

Die Haltung des ersten Vorsitzenden des norddeutschen Film wirtschaftsverbandes. Will (Hannover), auf der Göttinger Tagung — Will hatte am Montag erklärt, der „Fall Orson Welles sei zu Demonstrationen nicht geeignet“ — wird von der Schauburg als „unverständlich“ bezeichnet. Es wäre nach Ansicht der Vertreter des Filmtheaters die Pflicht des Vorsitzenden des Filmwirtschaftsverbandes gewesen, gegen die von Welles veröffentlichten „Verleumdungen“ öffentlich Einspruch zu erheben, da die Filmtheater „nicht die Interessen des Wirtschaftsverbandes, sondern die des deutschen Volkes wahrzunehmen hätten.

Centfox contra Orson Welles

Die amerikanische Filmgesellschaft 20th Century-Fox, die kürzlich den. Film „In den Klauen des Borgia“ mit Orson Welles in einer Hauptrolle auch in Deutschland herausgebracht hat, distanziert sich aufs schärfste von dem Pamphlet, das Welles in der Zeitschrift „Paris Dimanche“ veröffentlicht hat. Sie ist empört über die leichtfertige und oberflächliche Art, mit der hier über ein ganzes Volk abgeurteilt wird. 20th Century-Fox legt besonderen Wert auf die Feststellung, daß Orson Welles nicht in festem Vertragsverhältnis von ihr engagiert ist, sondern nur in zwei Filmen vorübergehend bei ihr tätig war.

Nichts für Frauen

-Während der Aufnahmen zu dem Kriminalfilm „Zur roten Laterne“ unterhielten sich Darsteller und Aufnahmestab während einer Pause auch über Kriminalromane und deren Autoren. „Wie kommt es eigentlich, daß es immer nur Männer sind, die diese tollen Geschichten erfinden?“ fragte Simone Signoret, die jugendliche Hauptdarstellerin des Films. „Weil Frauen das Geheimnis der Lösung und Entlarvung unmöglich bis zur letzten Seite für sich behalten können“, entgegnete trocken ihr Film-Komplice Paul Meurisse.


EKSTASE Eine junge Frau heiratet einen alten Mann, wahrscheinlich nur deshalb, um ihrem Vater einen Gefallen zu tun. Aber das Leben ist stärker, und ihr ganzes Frauentum verlangt die letzte Erfüllung in einer großen Liebe. Alle Widerstände, konventionellen Bindungen und gesellschaftlichen Rücksichten durchbricht sie in ihrem vom Herzen gelenkten höchsten Wunsch. Sie erzwingt sich ihr Glück. Ein Film mit Hedy Lamarr in der Hauptrolle, der wegen seines Themas und der Art der Lösung stark diskutiert wurde. (Im Palast.) Foto: Regina-Film
EKSTASE Eine junge Frau heiratet einen alten Mann, wahrscheinlich nur deshalb, um ihrem Vater einen Gefallen zu tun. Aber das Leben ist stärker, und ihr ganzes Frauentum verlangt die letzte Erfüllung in einer großen Liebe. Alle Widerstände, konventionellen Bindungen und gesellschaftlichen Rücksichten durchbricht sie in ihrem vom Herzen gelenkten höchsten Wunsch. Sie erzwingt sich ihr Glück. Ein Film mit Hedy Lamarr in der Hauptrolle, der wegen seines Themas und der Art der Lösung stark diskutiert wurde. (Im Palast.) Foto: Regina-Film

JETZT SCHLÄGT’S 13 Zwei hochherrschaftliche Diener, Mißtrauen auf beiden Seiten. Der eine ist gerade entlassen worden, der andere übernimmt seine Stelle. Ein Mörder wird steckbrieflich gesucht, und jeder hält den anderen für den Gesuchten. Der tolle Wirbel gegenseitiger Verdächtigungen erreicht seinen Höhepunkt, als ein in der Nacht ankommender Verleger für den Komplicen des Mörders gehalten wird. Ein Lustspielfilm mit Hans Moser, Theo Lingen, Susi Nikoletti, Gusti Wolf, Josef Meinrad. (Im Thalia.) Foto: Helios/Herzog-Film
JETZT SCHLÄGT’S 13 Zwei hochherrschaftliche Diener, Mißtrauen auf beiden Seiten. Der eine ist gerade entlassen worden, der andere übernimmt seine Stelle. Ein Mörder wird steckbrieflich gesucht, und jeder hält den anderen für den Gesuchten. Der tolle Wirbel gegenseitiger Verdächtigungen erreicht seinen Höhepunkt, als ein in der Nacht ankommender Verleger für den Komplicen des Mörders gehalten wird. Ein Lustspielfilm mit Hans Moser, Theo Lingen, Susi Nikoletti, Gusti Wolf, Josef Meinrad. (Im Thalia.) Foto: Helios/Herzog-Film

Deutsche Filme unter dem Hammer

In Wiesbaden kann man sich Ilse Werner ersteigern

Wenn man. kapitalkräftig genug ist, kann man sich vielleicht in den nächsten Monaten seinen Lieblingsfilm ersteigern: Am 15. November werden erstmalig „ehemalige reichseigene“ Filme in Wiesbaden unter den Hammer kommen. Es handelt sich um sieben Ufa-Filme, einen Terra-Film und einen Berlin-Film aus den Jahren 1Ö35 bis 1943. Dies ist eine der Folgen der von alliierter Seite erlassenen „lex Ufa“. Der älteste (und vielleicht bekannteste) Film ist der 1935 von dem so tragisch geendeten Herbert Selpin gedrehte Ufa-Streifen „Der grüne DominoJ“ mit Brigitte Horney und Carl Ludwig Diehl. Der wertvollste Film ist wohl das 1938 entstandene Werk des gleichsam verstorbenen, bedeutenden Regisseurs Werner Hochbaum „Ein Mädchen geht an Land“ mit Elisabeth Flikkenschildt, in dem ein Vorstoß in künstlerisches Neuland versucht wurde. Die übrigen fünf Ufa-Filme sind leichte Unterhaltungsware: „Inkognito“ mit Gustav Fröhlich und Hansi Knoteck (Jahrgang 1936), „Drei Väter um Anna“ mit Ilse Werner und Hans Stüwe (1939), „Ich bin gleich wieder da“ mit Paul Klinger und Mady Rahl (1939), Josef von Bakys „Der Kleinstadtpoet“ mit Paul Kemp, Wilfried Seyferth und Hilde Hildebrand (1940) und die Zerlett-Komödie „Liebesbriefe“ mit Käthe Haack, Hermann Thimig und Paul Hubschmid — jetzt Hollywoodstar Paul Christian — (1943). Bei dem Terra-Film handelt es sich um die 1938 entstandene Kriminalkomödie „Nanu, Sie kennen Korff' noch nicht?“ mit Heinz Rühmann und der großen Agnes Straub, die nun auch schon ein Jahrzehnt nicht mehr unter uns weilt, in einer ihrer wenigen Filmrollen und der Berlin-Film ist Theo Lingens 1942 gedrehte „Liebeskomödie“ mit Magda Schneider, Johannes Riemann und der drei Jahre später von Bomben zerrissenen Lizzi Waldmüller.

Auch Filme unter dem Hammer haben ihre Schicksale, überleben sie doch oft jene, die sie gestalteten. Ob man davon etwas verspüren wird, wenn es in Wiesbaden heißt: „Zum ersten — zum zweiten — und zum dritten?"

Neue Filme

THALIA: „Jetzt schlägt’s 13“. Die Platte, die uns E. V. Emo in Idee und Ausführung serviert, ist alt, zerkratzt, daß einem ihr Ablaufen Schmerzen bereitet. Um Theo Lingen und Hans Moser spinnt sich ein typisch wienerisches, burleskes, weltfremdes Treiben mit einem zaghaften Schuß Sentimentalität. Man weiß nicht recht, was man von der harmlosen, beinahe banalen Geschichte zu halten hat. Man schaut sich schüchtern im Kinoraum um, lächelt zerknirscht und freut sich heimlich über die dann und wann aufflackernden maschinengewehrartigen Lachsalven der Zuschauer, ohne indessen das Gefühl loszuwerden, daß die Zuschauer bestimmt nicht sicher wissen, über was und warum sie eigentlich lachen mußten. -zr-

UNION: „Lied des Orients“. Dieses Lied des Orients stammt von Rimsky-Korsakoff und heißt wahlweise „Scheherazade“, „Lied über Indien“, „Caprice Espagnol“, „Fandango“, „Bienenflug“ oder „Hymne an die Sonne“. Dieses Lied des Orients singt Karl Kullmann, der früher an der Staatsoper Berlin und zuletzt an der Metropolitan tätig war. Dieses verzaubernde Lied des Orients schließlich ist' verkörpert in der ganzen Schönheit Yvonne de Carlos, jener Tänzerin Cara, die in zweifelhaften Lokalen auftritt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, durch die Rimsky Korsakoff (Jean Pierre Aumont) zu seinen Kompositionen angeregt wird.

Die Verbindung von Musik, Tanz und Handlung ist geschickt gelöst. Die Farben sind echt. Die Kamera bleibt im Altbewährten und an die Schauspieler werden von Drehbuchautor und Regisseur Walter Reisch keine allzugroßen Anforderungen gestellt. hn

Notizen vom Film

Renzo Rossellini, der Bruder von Roberto Rossellini, dem Gatten Ingrid Bergmans, komponiert die Musik zu dem deutsch-italienischen Gemeinschaftsfilm „C am or r a“, von dem auch eine englische Fassung gedreht wird.

Robert Flaherty, der Schöpfer der Welterfolge „Männer von Aran“ (erscheint in Kürze wieder in Deutschland), „Nanuk, der Eskimo“, „Louisiana-Legende“ nud „Tabu“, erhielt die Würde eines Ehrendoktors der Universität Michigan verliehen.

Ein Film über Max Reinhardt

Gottfried Reinhardt, der Sohn Max Reinhardts, plant einen Film über das Leben seines Vaters. Gottfried Reinhardt ist einer der bekanntesten Produzenten der Metro-Goldwyn-Mayer und will für die Hauptrolle dieses Filmes Edward G. Robinson verpflichten.

Wer will unter die Soldaten...

Marlene Dietrich — Ritter der Ehrenlegion

Ursprünglich wollte sie ihre Wäsche nur an der Siegfriedlinie auf hängen; als zart-seidenes Dankeszeichen geglückter Premieren in Old-Germany und als leissensiblen Gruß an die Barbaren bei der Ufa. Der Waschtag bekam dann aber einen anderen Termin, und so kam sie erst später zu einer Feldbühne in den frontnahen Raum, wo sie mangels Masse das feminine Element vertrat und den anderen die Lust des Lebens einhauchte. Per pedes, kniefrei mit neckisch hervorlugender Bembergseide, geahntem Zwikkel und dem Lied von den Motten, die ums Licht tanzen alldieweilen es draußen dunkel ist. Das war der große Nachtgesang aus dem „Blauen Engel“, der ihr in gleich großem Maße Ruhm, Anhänglichkeit, Geld und außerdem das Monopol des ersten „Singenden Pferdes“ brachte. Noch niemand konnte zu der Zeit so schön in Deutschland röhren (Langbewimperte Augen zu, Schönheitspflästerchen, Fächer, und dann wie im nächtlichen Forst!).

Mit dem Taufwasser teutonisch-germanischer Erfolge entwetzte sie über den Teich, um später besagte Siegfriedlinien-Wäsche zu spülen. Das gab dann einen Orden: Gekreuzte Beine mit Eichenlaub und Seax-appeal. Nun ist sie gar ein Ritter geworden. Es läßt sich nicht mehr verheimlichen, daß die Jungfrau von Orleans ein Waisenkind gegen den militanten Geist der Marlene ist. Nur ließ sich die von Orleans lieber auf dem Scheiterhaufen verbrennen, als, wie es Marlene Dietrich versuchte, die eigenen Reihen anzukokeln. SG

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Weiterstadt. - Am kommenden Samstag hält der hiesige Karnevalverein seine Eröffnungssitzung bei Gastwirt Rieß ab. He

Bickenbach. Ministerpräsident Stock spricht am 11. November in einer Wählerversammlung der SPD. hl.

Bickenbach. Kürzlich fand durch mehrere Gemeinderäte sowie den beauftragten Architekten Müller aus Jugenheim eine Besichtigung des für den geplanten Turnhallenneubau vorgesehenen Geländes statt.

Messel. — Der Gemeinderat übernahm für ein Darlehen der Stadt- und Kreis- Sparkasse Darmstadt an die Teilnehmergemeinschaft Messel (Feldbereinigung) eine Bürgschaft in Höhe von 30 000 DM. — Die Ausführung eines Entwurfes für den vorgesehenen Schulhauserweiterungsbau wurde Architekt F ä't h , Mess*l, übertragen. es.

DIEBURG

Dieburg. Der Dieburger Karnevalverein eröffnet die Saison am 11. 11. in der „Ludwigshalle“. Der bewährte Präsident Ernst Geisler wird den Vorsitz führen. Für Januar sind eine große Damen- und Herrensitzung und eine Fremdensitzung geplant. rfd Münster. Zu Vorbesprechungen über eüne gemeinsame Geburtstagsfeier trafen sich am Sonntag die Jahrgänge 1880 und 1905 in verschiedenen Lokalen.

Babenhausen. - Der Reit- und Fahrverein „Vorder Odenwald“ hielt seine traditionelle Hubertusjagd auf den Eppertshäuser Wiesen ab. Master August Bludau gab nach Erläuterungen das Jagdfeld frei. 25 Brüche konnte Frau Schöberl zum Schluß der Jagd auf dem Hälaliplatz verteilen. NB

ERBACH

Seckmauern. Die Gemeinde konnte am vergangenen Sonntag drei neue Kirchenglocken weihen. Bereits am Samstag wurden sie durch die festlich geschmückten Straßen eingeholt. Ijire Weihe erfolgte durch einen Geistlichen des Klosters Engelsberg. -hm-

Hainstadt. Die Gemeinde erteilte der Ernst-Ludwig-Heilstätte die Genehmigung, in der Gemarkung nach Wasser zu bohren. -hm-

Sandbach. Zwei neue Wohnblocks mit 24 Dreizimmerwohnungen konnten in der letzten Woche bezogen werden. -hm-

BERGSTRASSE

Bensheim. Ab kommenden Freitag bleibt das „Haus der Jugend“ für längere Zeit geschlossen. Da das Haus wieder von amerikanischen Truppeneinheiten belegt werden soll, wird der GYA-Klub voraussichtlich in die früher Kaisersche Villa zwischen Bensheim und Auerbach umziehen.

Bensheim. Im Zeitungskiosk Schermer in Bensheim und der Buchhandlung Klose in Auerbach wurden amtliche Verkaufsstellen für Postwertzeichen aller Art eingerichtet. HB

Biblis. Der Männergesangverein „Frohsinn“ veranstaltete kürzlich im „Weißen Löwen“ einen Bunten Abend, an dessem Gelingen Fräulein Hildebrand und Herr Seib mit Duetten und Solovorträgen aus Opern und Operetten großen Anteil hatten. Ka.

Groß-Rohrheim. Im Rathaus führt der Kreisbauemverband am Samstag von 8 bis 13 Uhr eine Beratungs stunde durch, in der der Kreisgeschäftsführer Auskunft in allen einschlägigen Fragen gibt. Ka.

Lorsch. Der Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbund beginnt demnächst mit Rollschuhsport. el.

Heute ist nach langer Krankheit unsere liebe Schwiegermutter I und Großmutter, Frau Anna Brusius geb. Wolf im Alter von 84 Jahren sanft entschlafen. In tiefer Trauer: Tilly Brusius geb. Schuldt Lolo Brusius geb. Brill Anneli Brusius Brigitte Brusius Ilse Brusius Darmstadt (Kranichsteiner Straße 59), 8. November 1950 Die Beerdigung findet am Freitag, dem 10. November 1950, um 14.30 Uhr auf g dem alten Friedhof, Nieder-Ramstädter Straße, statt.

1 Statt Karteni Für die zahlreichen Beweise herzlicher Anteilnahme beim Heimgange unserer lieben Mutter, Frau Marie Geyer Wwe. geb. Keller sagen wir herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Waschenbach, im November 1950

glinillUllinilllinillllllllllllllllllllim^ | dehtung! d^Mmbtädiet! | Heute Donnerstag abend 20 Uhr | | Großkundgebung | | der Freien Demokratischen Partei in der § STADTHALLE S Es sprechen: August M. Euler "Vorsitzender der FDP in Hessen Prof. Dr. Ziegler | Vorsitzender des Landesverbandes = S der Fliegergeschädigten E = Einlaß ab 19.15 Uhr. Am Schlüsse Strafjenbahnver¬ = bindungen nach allen Richtungen = = = iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim

Bestattungen am Donnerstag, dem 9. Nov. 1950 Beerdigung: 15.15 Schuster, Pauline, Dornheimer Weg 36 1., 82 Jahre

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Amtliche Bekanntmachungen Schlachthof (Freibank) Freitag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 101—350, Samstag kein Verkauf.

öffentliche Bekanntmachung In den beiden öffentlichen Sitzungen der Kreiswahlausschüsse für die Wahlkreise 47 und 48 am Samstag, dem 4, November 1950, wurden folgende Kreiswahlvorschläge für die Landtagswahl am 19. 11. 1950 als den gesetzlichen Vorschriften entsprechend fest¬ gestellt und zugelassen: A. Für den Wahlkreis 47: 1. Wahlvorschlag der SPD: Wahlbewerber: Müller, Johann, geboren am 14. 1. 1908 in Viernheim, kaufmännischer Angestellter, Viernheim, Karl- Marx-Straße 1 Nachfolger: Ferbert, Jakob, geboren am 5. 1. 1889 in Hof¬ heim. Bürgermeister, Hofheim, Wilhelm-Leuschner-Straße 2 2. Wohlvorschlag der CDU: Wahlbewerber: Dr. Wagner, Hans, geboren am 5. 5. 1915 in Nieder-Liebersbach, Studienassessor, Heppenheim, Friedrich- Ebert-Straße 33 Nachfolger: Neumann, Hermann, geboren am 30. 4. 1901 in Hannover, Betriebsleiter, Viernheim, Mannheimer Str. 65 3. Wahlvorschlag der FDP: Wahlbewerber: Kalusche, Bruno, geboren am 2. 9. 1922 in Wiesbaden-Schierstein, Kaufmann, Bürstadt, Nibelungen¬ straße 91 Nachfolger: Roos, Henri, geboren am 21. 7. 1917 in Suisse, Kaufmann. Heppenheim. Niedermühlstraße 41 4. Wahlvorschlag der KPD: Wahlbewerber: Eichhorn, Karl-Otto, geboren am 27. 12. 1907 in Roxheim, Müller, Hofheim, Beinstraße 20 Nachfolger: Bjjttner, Hedwig, geboren am 7. 9. 1913 in Neustadt, Hausfrau, Bensheim, Darmstädter Straße 45 B. Für den Wa,hlkreis 48: 1. Wahlvorschlag der SPD: Wahlbewerber: Schmitt, Adam, geboren am 7. 7. 1904 in Rimbach, Brunnengasse 23 Nachfolger: Hebel, Günter, geboren am 17. 1. 1925 in Essen. Ingenieur. Reichenbach. Knodenerstraße 8 2. Wohlvorschlag der CDU: Wahlbewerber: Günderoth. Adam, geboren am 12. 9. 1893 in Lampertheim, Bürgermeister, Lampertheim, Riesengasse 19 Nachfolger: Fischer-Defoy, Wolfgang, geboren am 3. 1. 1914 in Dresden, Landwirt, Hochstädten, Hauptstraße 9 3. Wahlvorschlag der FDP: Wahlbewerber: Dr. Kaul, Alexander, geboren am 4. 7. 1901 in Hameln, Volks- und Betriebswirt, Bensheim, Parkstr. 1 Nachfolger: Schäfer, Adam VI., geboren am 18. 1. 1896 in Kreidach, Kaufmann. Rimbach. Bismarckstraße 7 4. Wahlvorschlag der KPD: Wahlbewerber: Zeiss. Jakob, geboren am 29. 10. 1886 in Lambsheim. Invalidenrentner, Fürth/Odenw., Kröckelbacher Straße 20 Nachfolger: Kindinger, Jakob, geboren am 5. 7. 1905 in Reichenbach, Straßenmeister, Bensheim, Sandstraße 39 Heppenheim, den 4. November 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße als Kreiswahlleiter der Wahlkreise 47 und 48: Dengler

Bekanntmachung Vor Eintritt der kälteren Jahreszeit sind die zum Schutze der Wasserleitungen, Wassermesser, Klosetteinrichtungen usw. erfor¬ derlichen Maßnahmen gegen Frost zu treffen. Besonders ist darauf zu achten, daß freiliegende Wasserleitungen in Gärten usw. rechtzeitig abgestellt, entleert oder durch Umwickeln mit Stroh vor dem Einfrieren gesichert werden. Ebenso müssen gegen Kälte ungeschützte Hausleitungen abgestellt und entleert werden; das Abstellen des Wassers allein ist zwecklos. Den Bürgermeistern wird empfohlen, die Bevölkerung durch ortsübliche Bekannt¬ machung hierauf hinzuweisen und wegen der gemeindlichen An¬ lagen die erforderlichen Maßnahmen anzuordnen. Heppenheim, den 3. November 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße

Bekanntmachung Antrag des Tonwerks Pfungstadt, Jahn & Co. KG, auf Genehmigung zur Errichtung einer Kanaltrockenanlage Das Tonwerk Pfungstadt, Jahn & Jo. KG, Pfungstadt, Hahner Straße 41, Flur 3, Flurstück Nr. 32, hat gern § 25 GO Antrag auf Genehmigung zur Erweiterung ihres Ziegeleibetriebs durch den Neubau einer Kanaltrockenanlage gestellt. Es wird hiermit auf¬ gefordert. etwaige Einwände gegen diesen Antrag binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde, Darmstadt, Wi'lhelminen¬ straße 34, Zimmer 10, wo auch die Beschreibungen und Pläne ein¬ gesehen werden können, während der Dienststunden schriftl. oder zu Protokoll vorzubringen. Nach Ablauf der angegebenen Frist können Einwände nicht mehr geltend gemacht werden. Darmstadt, den 3. November 1950 Der Landrat des Landkreises Darmstadt ■ Ordnungsamt I. V. Sch«n Bekanntmachung Gemäß § 31 Wahlordnung wird hiermit veröffentlicht, daß die Hessische Landesregierung auf Grund des § 1 Landtagswahlgesetz durch Verordnung vom 6. Oktober 1950 den 19. November 195(1 als Wahltag für die Wahl zum zweiten Hessischen Landtag fest¬ gesetzt hat. Der Kreiswahllelter des Wahlkreises 44 (Darmstadt-Land): Wink, Landrat Gebrüder Roeder Aktiengesellschaft, Darmstadt Die Aktionäre unserer Gesellschaft werden hiermit zu der am 15. Dezember 1950, 11 Uhr, in dem Sitzungssaal der Gesellschaft stattfindenden ordentlichen Hauptversammlung eingeladen. Tagesordnung 1. Vorlage des Geschäftsberichts und des festgestellten Jahres¬ abschlusses für 1949 mit dem Bericht des Aufsichtsrats. 2. Bechlußfassung über den Reingewinn. 3. Beschlußfassung über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrats. 4. Wahlen zum Aufsichtsrat. 5. Wahl des Wirtschaftsprüfers für das Geschäftsjahr 1950. Aktionäre, die über Aktien mit Lieferbarkeitsbescheinigungen ver¬ fügen, sind zur Teilnahme an der Hauptversammlung und zur Aus¬ übung des Stimmrechts berechtigt, wenn sie ihre mit Lieferbar¬ keitsbescheinigungen versehenen Aktien bei de,r Gesellschaft, bei einer der untenbezeichneten Stellen, bei einem deutschen Notar oder bei einer Wertpapiersammelbank spätestens am 12. Dezember 1950 hinterlegen. Im Falle der Hinterlegung der Aktien bei einem Notar oder der Wertpapiersammelbank ist die Bescheinigung des Notars oder der Wertpapiersammelbank über die Hinterlegung in Urschrift oder in beglaubigter Abschrift spätestens am 13. De¬ zember 1950 bei der Gesellschaft einzureichen. Inhaber von Aktien, die nach § 3 des Wertpapierbereinigungs¬ gesetzes kraftlos geworden sind, werden zur Teilnahme an der Hauptversammlung und zur Ausübung des Stimmrechts zugelassen, wenn sie sich spätestens am 1. Dezember 1950 gemäß §§ 4 ff des Gesetzes über die Ausübung von Mitgliedschaftsrechten aus Aktien während der Wertpapierbereinigung vom 9. Oktober 1950 (BGBI. S. 690) bei dem Vorstand der Gesellschaft unmittelbar oder durch Vermittlung einer Hinterlegungsstelle anmelden Und gleichzeitig den Ausweis als Aktionär erbringen. Hinterlegungsstellen sind: Hessische Bank, Filiale Darmstadt; Hessische Bank, Filiale Frankfurt/M. Darmstadt, den 7. November 1950 Dr. Willi Bernauer — Hans Roeder Zwangsversteigerung Es werden öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert: Um 10 Uhr in Darmstadt, Pfandkammer - Amtsgericht - Seit.-Eing.: 1 Bücherständer, 1 Bücherschrank, 1 Kommode; anschließend im Stadtbezirk: 2 cbm Buchenlangholz (geschnitten). Bieter hierfür um 10 Uhr an der Pfandkammer, Amtsgericht. Um 12 Uhr in Arheilgen: 1 Chromanlage (best. aus 3 Behältern und Chrombad), 1 Radio, 1 Maschinenschraubstock. 1 Schreibmaschine, 1 Schwein (ca. 60 kg) und 4 Legehühner. Bieter am Rathaus um 12 Uhr. Um 13.30 Uhr in Wixhausen: 1 Posten Schuhe und MSbel. Bieter um 13.30 Uhr vor dem Bahnhof. Illas, Obergerichtsvollzleher, Darmstadt

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