Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt v?nf<?EnAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Taßblatt I" C. Wittich, ErsrhVindJLR^n^ z - Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 112 ÄeffiWe Äeueße Tta^ri^ten Mittwoch, 8. November 1950 Redaktion: Darmstadter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Bundesregierung beabsichtigt den Konsum zu beschränken

Bonn, 7. November (dpa) Die Bevölkerung der Bundesrepublik wird in den nächsten Monaten mit konsumeinschränkenden Maßnahmen der Bundesregierung zu rechnen haben. Die Bundesregierung ist zu einer Politik der Konsumbeschränkung gezwungen, um die ernste Situation der Devisenzahlungsbilanz überwinden zu können. Der Grundsatz der Liberalisierung soll jedoch nicht aufgegeben werden.

Wie ein Sprecher des Ministeriums für die europäische Marshallplanhilfe in Bonn erklärte, wird die Konsumbeschränkung durch indirekte Maßnahmen erfolgen, vor allem voraussichtlich d*urch eine Besteuerung des Luxusverbrauchs. Neben einer Einengung des inländischen Konsums zugunsten der Kapitalbildung soll auch der Konsum von Importgütern eingedämmt werden. Es ist jedoch nicht vorgesehen, die Importe nach Menge und Art zu begrenzen, weil die Bundesregierung der Ansicht ist, daß die Liberalisierung im Interesse der gesamteuropäischen Gesundung und des deutschen Exports fortgesetzt werden muß. Die Bundesregierung vertritt lediglich die Ansicht, daß ein armes Land nicht über seine Verhältnisse importieren kann.

Außerdem wird die Organisation zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der auch die Bundesrepublik angehört, voraussichtlich am 24. November in Paris Beschlüsse über kollektive Bewirtschaftungsmaßnahmen treffen.

Wie verlautet, sollen dabei folgende Rohstoffe in allen Marshallplanländern, also auch in der Bundesrepublik, generell bewirtschaftet werden: Koks und Kokskohle, Schrott. Eisenerze und Manganerze, Kupfer, Zink, Zinn und Aluminium, Weißbleche, Textilfasern, Schwefel, Gummi und Rohmaterialien für die Produktion von synthetischem Gummi, Holz, Zellulose und Hartfasern, Zement; Rohhäute und Felle. Verteidigungsminister Mochs überein, daß deutsche Einheiten nur bis zu Bataillonsstärke gebildet werden sollen.“

Adenauer bei Francçois-Ponrcet

Bonn, 7. November, (dpa) Oberkommissar Francois-Poncet unterrichtete am Dienstagmorgen Bundeskanzler Dr. Adenauer in Bonn über seine Besprechung^ i mit der französischen Regierung in Paris. Nach einem einstündigen Gespräch im Hause der französischen Verbindungsstelle erklärte der Bundeskanzler, Ministerpräsident Pleven habe den Oberkommissar beauftragt, der Bundesregierung den französischen Regierungsvorschlag über einen deutschen Verteidigungsbeitrag eingehend zu erläutern. „Ich bin mit dem Gespräch zufrieden“, sagte Dr. Adenauer.

Tito stellt sich um

Neuyork, 7. November. (AP.) Marschall Tito hat in einem Interview mit der Neuyorker Times erklärt, Jugoslawien würde fest hinter den Beschlüssen der Vereinten Nationen stehen, wenn sich aus dem Koreakrieg ein Kampf zwischen den Vereinigten Staaten und dem kommunistischen China ergeben sollte.

Moch soll gehen

Eine Forderung französischer Abgeordneter

Paris, 7. November, (dpa) Mehrere radikalsozialistische Abgeordnete haben Ministerpräsident Pleven aufgefordert, Verteidigungsminister Moch aus dem Kabinett zu entfernen. Mochs unnachgiebige Haltung in der Frage des deutschen Verteidigungsbeitrags war vorher bereits von Regierungsseite kritisiert worden.

Ein Sprecher des französischen Außenministeriums hatte erklärt: „Die Regierung stimmt nicht mit der Erklärung

Spanische Forderung auf Wiedergutmachung der Isolierung

Madrid, 7. November, (dpa) Der spanische Außenminister Artajo erklärte, Spanien habe ein Recht auf Wiedergutmachung des Schadens, den es durch seine Isolierung in den vergangenen vier Jahren erlitten habe.

Geheimkonferenz

Sea Island (Georgia), 7. November (dpa) Eine wichtige Geheimkonferenz über die amerikanische Rüstung hat in den letzten drei Tagen in Sea Island stattgefunden. Führende amerikanische Geschäftsleute und Regierungsvertreter nahmen an ihr teil. Ziel der Beratungen war, die notwendigen Maßnahmen vorzubereiten, durch die Erschütterungen des amerikanischen Wirtschaftslebens infolge der verstärkten Rüstung verhindert werden sollen.

Moskau feiert Oktober-Revolution

Große Parade auf dem Roten Platz vor hohen Sowjetfunktionären

Moskau, 7. November, (dpa) Mit einer großen Parade auf dem Roten Platz, die von Marschall Budjonny abgenommen wurde, begannen am Dienstag die Feiern zum 33. Jahrestag der Oktoberrevolution in der Sowjetunion.

In einer kurzen Ansprache erklärte Budjonny, die „anglo-amerikanischen Imperialisten“ seien von der Vorbereitung von Aggressionshandlungen zu direkten Angriffen übergegangen. Die „ungerechtfertigte Intervention“ in Korea sei der Beweis dafür.

Die Parade dauerte etw« eine Stunde. Sie begann pünktlich um zehn Uhr, als Marschall Budjonny aus einem Kreml-Tor ritt.

' Von den prominenten Persönlichkeiten der Sowjetunion waren die Politbüro-Mitglieder und Minister Mikojan, Molotow, Andrejew, Kaganowitsch, Kruschtschew und Kossygin sowie Staatspräsident Schwernik,ferner die Marschälle Woroschilow, Bulganin und Wassilewski zugegen. Vom Diplomatischen Korps erschienen auch die Botschafter der drei Westmächte. Stalin erhielt aus den Volksdemokratien Glückwunschbotschaften. Für die Sowjetzonenrepublik gratulierte Otto Grotewohl.

Zusammenarbeit möglich

Eine Rede Bulganins

Moskau, 7. November, (dpa) Marschall Bulganin erklärte, die sowjetischen Wissenschaftler hätten die Geheimnisse der Atomenergie gemeistert.

Er sagte dann, Stalin habe bereits früher erklärt, das Bestehen verschiedener politischer Systeme schließe eine Zusammenarbeit der Nationen und vor allem mit den Vereinigten Staaten nicht aus.

Ruhe vor dem Sturm?

Rätselhafte Truppenbewegungen der Kommunisten in Nordkorea

Söul., 7. November. (AP./dpa) Nach zweitägigen schweren Kämpfen im Chongchon-Brückenkopf in Nordwestkorea ist am Dienstag überraschend Ruhe eingetreten. Mehrere rotchinesische Einheiten sind aus der Kampflinie zurückgezogen worden. Auch in Nordostkorea hat der Widerstand der rotchinesischen Verbände plötzlich nachgelassen. An den anderen Fronten herrscht ebenfalls eine seltsame Stille.

Die seit Tagen erwartete große Offensive der Kommunisten, auf die die gesamten Vorbereitungen des Feindes hingedeutet hatten, ist bisher nicht losgebrochen. Südkoreanische Patrouillen drangen in der Nacht ohne Feindberührung in die Ortschaft Won-Ni am Chongchon ein. Hinter der kommunistischen Front wurden starke und anhaltende Truppenbewegungen beobachtet. Es steht jedoch nicht fest, ob es sich um Umgruppierungen oder Absetzbewegungen handelt.

Amerikanische und britische Truppen sind am Dienstagabend im Raum von Pakchon nach vorbereitenden Luftangriffen innerhalb des Chongchon-Brückenkopfes zum Angriff übergegangen und hatten Geländegewinne bis zu vier Kilometer erzielt. In Nordostkorea setzen amerikanische und südkoreanische Truppen ihren Vormarsch weiter fort. Widerstand des Feindes östlich von Kilchu wurde gebrochen. Nördlich Pungsan rükken die Vorauseinheiten der siebten amerikanischen Infanterie-Division weiter auf die mandschurische Grenze zu. Der Winter hat in diesem Teil des Landes in voller Wucht eingesetzt und behindert die Aktionen dei' amerikanischen Truppen.

Südlich des Changjin-Stausees kämpft sich die erste Marinedivision gegen harten feindlichen Widerstand weiter nach Norden vor. In diesem Abschnitt wurden in den letzten Tagen über 1 500 gefallene Kommunisten gezählt.

Sechzehn amerikanische Mustang-Jäger sind am Dienstag über der Grenzstadt Sinuiju mit modernsten Düsenjägern sowjetischer Bauart vom Typ Mig-15 in einen über zweistündigen Luftkampf, den längsten des Koreakrieges, verwikkelt worden. Auf amerikanischer Seite entstanden keine Verluste an Maschinen. Drei gegnerische Flugzeuge wurden beschädigt.

üie Gesamtstärke der auf nordkoreanischem Gebiet stehenden rotchinesischen Verbände wird von amerikanischen Sicherheitsoffizieren auf 60 000 Mann geschätzt.

Partisanentätigkeit im rückwärtigen Gebiet ist wieder stärker geworden. Ein amerikanischer Nachschubtransport wurde dreißig Kilometer nördlich von Pyongyang von Partisanen angegriffen und vernichtet.


Die Ho Tschi-minh-Truppen haben sich der Hauptstadt Hanoi in Indochina auf etwa 35 km genähert. Das Bild zeigt eine Geschäftsstraße in Hanoi Foto: Seeger
Die Ho Tschi-minh-Truppen haben sich der Hauptstadt Hanoi in Indochina auf etwa 35 km genähert. Das Bild zeigt eine Geschäftsstraße in Hanoi Foto: Seeger

In amerikanischer Uniform

Koreafront, 7. November, (dpa) Nord¬ ^oieanische Soldaten in amerikanischer Uniform haben den Versuch gemacht, sich durch die britischen Frontlinien in Nordkorea hindurchzuschleichen. An Leichen gefallener Nordkoreaner wurden amerikanische Uniformen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände festgestellt.

Dreihundert Jäger

Tokio, 7. November (dpa). Militärische Sachverständige in Tokio erklärten am Dienstag, daß die chinesischen Kommunisten etwa dreihundert Jagdflugzeuge zum Einsatz in Nordkorea bereitgestellt hätten.

„Chinesische Freiwillige“

Peking, 7. November, (dpa) Der Sender Peking meldete am Dienstag, daß dreitausend chinesische Freiwillige an der Seite der nordkoreanischen Streitkräfte kämpfen. Es handele sich um „Arbeiter und Bauern“, die sich freiwillig zum Kampf gegen die Amerikaner gemeldet hätten, um ihre Heimat zu verteidigen. Weitere zehntausend chinesische Freiwillige stünden am Nordufer des Jaluflusses bereit, nach Korea einzumarschieren.

Enger schnallen

F. C. Das Loch in der deutschen Zahlungsbilanz ist nicht nur eine Angelegenheit von Bundesbankdirektoren und Importeuren. Die gesamte westdeutsche Bevölkerung wird in der nächsten Zeit die Folgen der Lücken verspüren, die in der deutschen Zahlungsbilanz entstanden sind.

Wurzel des Übels sind die Koreakrise und die Aufrüstung der Westmächte. Unter ihren Ausstrahlungen ist auch die deutsche Wirtschaft auf erhöhte Touren gekommen. Diese Entwicklung hat große Einfuhren, insbesondere an Rohstoffen ausgelöst. Wie sollte die Bundesrepublik auf die Dauer die Mittel für die im Preise stark verteuerten Rohstoffe, Halbfabrikate und Lebensmittel aufbringen?

Die Lieferungen im Rahmen des Marshall-Planes hatten die Vereinigten Staaten stark abgebaut. Die Erlöse aus der Ausfuhr reichen nicht aus, um unsere Einfuhren zu bezahlen. Der der Bundesrepublik bei der Gründung der europäischen Zahlungsunion eingeräumte Kredit von 320 Millionen Dollar schmolz unter solchen Verhältnissen schnell dahin. Aber noch aus anderen Gründen ist unsere Zahlungsbilanz aus dem Gleichgewicht geraten. Die Bundesrepublik als verarmtes Land muß ihre Einfuhren bar bezahlen. Die Abnehmer ihrer Fertigerzeugnisse nehmen aber Zahlungsziele bis zu fünf Jahren in Anspruch.

Die Bank deutscher Länder hat mit der Diskonterhöhung, der Wechsel-Kontingentierung und anderen Maßnahmen verschiedene Zangen angesetzt, um die aus den Fugen geratene Zahlungsbilanz zurechtzubiegen. Trotz aller Bekenntnisse zum Grundsatz der Liberalisierung muß die Bundesregierung unter solchen Umständen die Einfuhren in einem gewissen Rahmen beschränken. Auch andere Umstände zwingen sie dazu. Die Vereinigten Staaten haben eine Liste von Rohstoffen vorgelegt, die in allen Teilnehmerländern des Marshall-Planes Verwendungsbeschränkungen unterworfen werden sollen.

Die Aufrüstung ist der Urgrund dieser Einschränkung im zivilen Verbrauch. Auch die Bundesregierung wird sich ihr nicht entziehen können. Sie wird nach Erklärungen aus Bonn nicht zur Zwangswirtschaft greifen. Aber sie wird durch indirekte Maßnahmen den Verbrauch beschränken. Eine Besteuerung des Luxusverbrauchs und eine Einschränkung nicht notwendiger Einfuhren dürften die tragenden Maßnahmen werden. Sie werden uns alle zwingen, den Gürtel enger zu schnallen.

Finanzpolitik im Bundestag

Aus Kreisen des Bundestages wird uns geschrieben:

In der Woche vom 5. bis 11. November wird der Bundeshaushalt beraten. Es wird dabei nicht mehr verborgen bleiben können, daß der Haushalt kritischer ist, als man annahm, und daß dieser Zustand gerade durch ein kürzlich verabschiedetes Gesetz offen sichtbar geworden ist.

Das Bundes-Ver so r gun gs gesetz

Der Bundestag hat kürzlich das Bundes-Versorgungsgesetz in einer Form verabschiedet, die weit über den Rahmen der ursprünglichen Vorlage hinausgeht. Es wurden nämlich zunächst an dem ursprünglichen Entwurf Änderungen vorgenommen, denen die Regierung zugestimmt hatte, ohne daß für die Mehrkosten eine Deckung sichtbar war. Über diese Änderungen hinaus hat der Bundestag zuletzt in das Gesetz weitere für die Kriegsopfer günstigere Regelungen und dazu noch die Einbeziehung Berlins aufgenommen. Über die durch alle diese Änderungen sich ergebende finanzielle Mehrbelastung werden nun die verschiedensten Zahlen genannt. Man beziffert sie mit rund 270 Mill. DM, aber es gibt auch Stimmen, die unter Einrechnung sämtlicher von Anfang an erfolgten Änderungen sogar von 690 Mill. DM sprechen.

Es muß hier gesagt werden, dgß alle bisher genannten Zahlen auf sehr ungewissen Schätzungen beruhen, daß zum Teil noch keinerlei Vorstellungen über den Finanzbedarf für eine große Zahl von Versorgungsfällen bestehen, und daß auch über die Entlastung anderer Etatposten durch die neugeregelte Versorgung das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Ganz sicher ist aber, daß ein hoher Finanzbedarf zunächst einmal ohne Dekkung in den Haushalt eingeht. Damit wird dieser nun auch auf dem Papier unausgeglichen. Denn der bisher behauptete Gleichgewichtszustand war nur theoretisch und setzte unter anderem Einsparungen voraus, die noch nicht gemacht waren. Die Haushaltslage ist damit aber in eine beängstigende Richtung gedrängt worden, denn das Bundes-Versorgungsgesetz wird sicher nicht ohne Einfluß auf andere kostspielige Gesetze bleiben. Vor der Tür steht das Gesetz nach Art. 131 des Grundgesetzes. Nach der Bewilligungsfreudigkeit des Bundestages im Falle des Bundes - Versorgungsgesetzes wird man dabei kaum sparsamer vorgehen können. Schließlich wird auch die Polizei in der ihr zugedachten Rolle noch viel Geld kosten. Das sind aber nur diejenigen Posten, die sich jetzt schon genügend deutlich erkennen lassen.

Keine De c kun gs m ö glich ke i ten

Der Finanzminister hat die Belastungen des Haushaltes durch das Bundes-Versorgungsgesetz hingenommen. Einen Einspruch, zu dem er sicherlich befugt gewesen wäre, hat er nicht erhoben. Er hat damit im Ergebnis das Parlament in die Lage gedrängt, die Mittel zur Deckung des durch die Bewilligungsfreudigkeit hervorgerufenen Finanzbedarfs selbst zu suchen oder, sofern dieses Suchen erfolglos bleibt, sich seinen Deckungsvorschlägen zu fügen. Diese Lage muß die Finanzpolitik künftig maßgeblich bestimmen. Als erste Deckungsmaßnahmen wurden bereits die Treibstoffsteuer und die Autobahnbenutzungsgebühr angekündigt. Wenn die pessimistischen Schätzungen über die daraus zu erwartenden Erträge und die pessimistischen Schätzungen über den Finanzbedarf aus dem Bundesversorgungsgesetz stimmen, genügen auch diese Maßnahmen nicht, um den vorher bestehenden, wenigstens angenommenen Gleichgewichtszustand des Haushaltes wieder herzustellcn. Keinerlei Vorstellungen bestehen aber bisher darüber, wie weitere Fehlbeträge ausgeglichen werden können. Neue Deckungsmöglichkeiten müssen gefunden werden, aber sie werden, wenn die Anzeichen nicht trügen, immer wieder in neuen Steuern bestehen.

Nicht mehr abschätzbar

Dabei sind die jetzt sichtbaren Belastungen immerhin noch einigermaßen abschätzbar. Nicht mehr abschätzbar aber sind andere Finanzlasten, die geradezu zwangsläufig auf uns zuzukommen scheinen, nämlich die Beiträge zur Verteidigung der westlichen Welt. Niemand kann sagen, in welchen Größenordnungen sie sich überhaupt bewegen werden. Es kann heute dementsprechend auch noch keine Vorstellungen über ihre Finanzierung geben. Nun wurden dem Bundesfinanzminister vor kurzem einige Hinweise darüber gegeben, wie man in den Vereinigten Staaten das gleiche Problem gelöst hat. Sie stehen wohl in enger Beziehung zu früheren Hinweisen, daß andere Staaten 10 Prozent ihres Sozialproduktes der Rüstung zuführen. So hat man denn diesmal eine Reihe von Steuererhöhungen aufgezählt und dazu noch völlig vorurteilsfrei sehr drastische Maßnahmen der Kreditschöpfung. Die Steuererhöhungen bewegen sich jedoch genau in dem Rahmen, der der Steuerpolitik der Bundesregierung zuwiderläuft; sie betreffen nämlich die Körperschafts-, Einkommen- und Lohnsteuer. Diese sogenannten Informationen — sie wurden ausdrücklich nicht als Empfehlungen bezeichnet — haben sofort eine Antwort des Bundeswirtschaftsministers hervorgerufen, der sich ausdrücklich gegen eine Aenderung des Einkommensteuergesetzes ausgesprochen hat. Er hat andererseits nicht verschwiegen, daß die auf uns zukommenden Aufgaben irgendwelche Steuererhöhungen verlangen werden.

Hoffnungen schwinden

Als Ergebnis dieser Entwicklung ist festzustellen, daß gerade die Bewilligungsfreudigkeit des Parlaments die Stellung des Finanzministers unvorstellbar gestärkt hat. Das wird zur Folge haben, daß seine Meinung gerade in Fragen der Steuerhöhe allein maßgeblich bleiben wird. Am deutlichsten wird das in den Fällen werden, in denen das Parlament selbst im Sinne einer Steuersenkung aktiv geworden ist, z. B. insbesondere in der Frage der Verbrauchsbesteuerung. Bekanntlich geht seit langer Zeit das Tauziehen zwischen Finanzministerium und Bundestag wegen der Senkung vder Steuer für Tabak, Kaffee und TeOarallel dazu läuft der Streit um die" Schaumweinsteuer. Während noch vor kurzem eine gewisse Nachgiebigkeit des Finanz ministeriums den Wünschen des Äflaments gegenüber in diesen Fragen 'festgestellt werden konnte, hat sich in den letzten Tagen die Haltung merklich versteift. Als erstes Ergebnis liegt bereits eine neue Absage des Finanzministeriums in der Frage der Schaumweinsteuersenkung vor.

Scheidender Landtag

J. Sch. Wenn heute der Hessische Landtag zu seiner letzten Sitzung vor den Neuwahlen am 19. November zusammentritt, kann er auf eine arbeitsreiche Legislaturperiode von vier Jahren zurückblicken. Er hat eine stattliche Anzahl von Gesetzen, Anträgen und Anfragen in vielen Plenar- und Ausschußsitzungen bearbeitet und entscheidend dazu beigetragen, das Land Hessen aus dem Chaos nach Kriegsende herauszuführen. Das soll man heute nicht vergessen, sondern sich im Gegenteil vergegenwärtigen, wie damals alles war und wie nur allmählich die ungezählten Schwierigkeiten, die auf allen Gebieten auftraten, beseitigt oder bekämpft werden konnten.

Sicher sind auch manche Fehler gemacht worden. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn Menschen versuchen, ein am Boden liegendes Volk und ein zum Teil zerstörtes Land wieder aufzurichten! Jedoch darf man nicht verkennen, daß die einzelnen Abgeordneten ebenso wie die von ihnen beauftragte Regierung mit dem besten Willen in zeitraubender Arbeit erfolgreich bemüht gewesen sind, dem Lande Hessen und Deutschland zu dienen. Die parteipolitischen Gegensätze haben mitunter eine größere Rolle gespielt, als es den Gesamtinteressen bisweilen dienlich war. Aber hier in Hessen wie überall in Westdeutschland mußten nach langen Jahren der Diktatur die demokratischen Spielregeln wieder neu belebt werden; die jüngere Generation hatte sie kaum kennengelernt und war daher genötigt, sich mit ihnen erst einmal vertraut zu machen.

Ein demokratisches Staatswesen lebt nur in der Atmosphäre der mutigen, aber der sachlichen und aufbauenden Kritik. Dieser Gedanken müssen sich heute vor allem diejenigen ständig bewußt sein, die in dem begonnenen Wahlkampf überall im Lande auftreten und um die Stimmen der Wähler werben. Jeder hat das Recht, ja die Pflicht, den Landtag und die Regierung einer eingehenden Kritik zu unterziehen und Vorschläge zu unterbreiten, wie es besser gemacht werden kann. Aber die Tatsachen muß man stehen lassen; denn sie sind heilig. Persönliche Verunglimpfungen oder Zweifel an der guten Gesinnung des politischen Gegners sollten ebenfalls unterbleiben. Wie immer die Wahl ausfällt, auch nach dem 19. November müssen die Parteien in irgendeiner Koalition zusammenarbeiten. Sie würde aber erschwert, wenn im Wahlkampf sich Vorfälle ereignen, die man nicht fair nennen kann und die niemand gegenüber den Tatsachen und vor seinem Gewissen zu verantworten vermag.

Wer sachlich urteilt, wird bei aller Kritik dem scheidenden Landtag und der Regierung Stock Anerkennung und Dank nicht versagen. Der neue Landtag und die neue Regierung werden Aufgaben genug vorfinden, bei deren Lösung sich ihr guter Wille und ihr Können ebenfalls bewähren müssen.

Besoldungsreform

Beamtengehälter sollen erhöht werden

Bonn, 7. November. (AP.) Das Bundesfinanzministerium bereitet gegenwärtig eine Erhöhung der Beamtengehälter im Rahmen einer Besoldungsreform vor. Eine Erhöhung wird jedoch kaum noch in diesem Jahre zu erwarten sein.

„Hauptamt Lastenausgleich“

Bonn, 7. November. (AP.) Der Arbeitsstab des Bundesrates für den Lastenausgleich hat sich für die Errichtung eines „Hauptamtes für den Lastenausgleich“ als zentrale Bundesoberbehörde beim Bundesfinanzministerium ausgesprochen.

Heute Abschied vom bisherigen Landtag

Noch acht Gesetzentwürfe in der Plenarsitzung / Abschluß-Bericht des Landtagspräsidenten

Wiesbaden, 7. November 1950. (Eigener Bericht.) Der am 1. Dezember 1946 gewählte Hessische Landtag wird heute, Mittwoch, zu seiner 91. und letzten Sitzung vor Ablauf seiner Legislaturperiode am 30. November zusammentreten.

Die Tagesordnung sieht neben einem Bericht des Landtagspräsidenten Otto Witte und einer kurzen Regierungserklärung, die an Stelle des noch immer erkrankten Ministerpräsidenten Christian Stock dessen Stellvertreter, Finanzminister Dr. Hilpert, abgeben wird, noch die Verabschiedung von acht Gesetzentwürfen vor. Dazu gehören das Schußwaffengesetz, das Gesetz über die Freistellung von Betriebsratsmitgliedern für Betriebsratslehrgänge sowie das über die Angleichung der Beamtengehälter mit einem Grundgehalt von 350 DM an die derzeitigen Vergütungen der Angestellten.

Das Schlußwort wird nach dem Tode des Alterspräsidenten, Jakob Husch (CDU), der Wiesbadener Abgeordnete der Freien Demokraten Heinrich Glücklich sprechen.

Bis zum Zusammentritt des neugewählten Landtags werden auf Grund des Artikels 85 der Hessischen Verfassung der Präsident und die stellvertretenden Präsidenten der derzeitigen Volksvertretung die Geschäfte fortführen.

Der bisherige Landtag

Der 1946 nach dem Verhältniswahlrecht gewählte Landtag bestand aus 90 Abgeordneten, und zwar 38 der SPD, 28 der CDU, 14 der FDP und 10 der KPD. Am 7. Januar 1947 hatte Ministerpräsident Stock eine Regierung gebildet, die sich aus je 4 SPD- und 4 CDU-Ministern zusammensetzte. Aus Sparsamkeitsgründen und im Zuge einer’ 1949 eingeleiteten Verwaltungsreform waren dann die acht Ministerien auf vier verringert bzw. zusammengelegt worden.

Ueber die gesetzgeberische Arbeit des ersten Hessischen Landtags wird Landtagspräsident Witte in der Mittwoch-Plenarsitzung einen kurzen Rechenschaftsbericht geben. In 91 Plenar- und 566 Arbeitsausschußsitzungen wurden insgesamt 273 Gesetzentwürfe, 907 Anträge, 100 Große und 281 Kleine Anfragen, 790 Ausschußberichte und 42 sonstige Vorlagen sowie 1052 aus der hessischen Bevölkerung eingebrachte Petitionen behandelt.

186 Gesetze verabschiedet

Die insgesamt vom Plenum .verabschiedeten 186 Gesetze sind ein Spiegelbild des Wiederaufstiegs Hessens nach dem Zusammenbruch. Von den ersten, an die Not der Zeit gebundenen Gesetzen, wie die Sicherstellung der Ernte und des Brennholzbedarfs sowie die eventüell notwendige Arbeitsverpflichtung, kam man mit der Normalisierung der Verhältnisse langsam zu der eigentlichen gesetzgeberischen Arbeit. Von den sozialen Gesetzen sind besonders zu nennen: das Urlaubsgesetz, das jedem Arbeitnehmer in Hessen einen? vierzehntägigen Jahresurlaub zusichert, sowie das Betriebsrätegesetz und das Gesetz über die Unterrichtsgeld- und Lernmittelfreiheit.

An der großen Zahl der Ausschußberatungen war der Haushaltsausschuß mit 112 sowie der Sozialpolitische Ausschuß mit 94 Sitzungen beteiligt.

15 Millionen DM Defizit

Hessischer Staatshaushalt im Oktober

Wiesbaden, 7. November. (Eigener Bericht.) Der hessische Staatshaushalt hat im Oktober bei vorläufigen Einnahmen von insgesamt 49,5 Millionen DM und Gesamt¬ •ausgaben von rund 64,4 Millionen DM ein Defizit von rund 15 Millionen DM aufzuweisen.

Bei den Besitz- und Verkehrssteuern machte das Einkommen an Lohnsteuern 14,8 Millionen, an veranlagten Einkommensteuern 7 Millionen und an Körperschaftskteuern 4,7 Millionen DM aus. Die Gesamtausgaben enthalten 8,3 Millionen Interessenquote für den Bund und eine Million DM als Finanzhilfe für Schleswig-Holstein.

Gegen Verkehrsstener-Geset

Beschluß des hessischen Kabinetts

Wiesbaden, 7. November. (Eigener Bericht.) Das hessische Kabinett bezchloß am Dienstag, sich im Bundesrat gegen die beabsichtigte Einführung des Verkehrssteuergesetzes, das eine Erhöhung des Treibstoffpreises und die Einführung einer Autobahnabgabe vorsieht, auszusprechen. Die Landesregierung vertritt dabei den Standpunkt, daß nicht die Einführung neuer Steuern, sondern eine gesamte Neuordnung des Steuerwesens der gegenwärtig schwierigen Situation gerecht werden kann.

Ferner soll der hessische Vertreter im Bundesrat dafür eintreten, daß das Bundesversorgüngsgesetz schnellstens verabschiedet wird.

Die Bundesregierung hat die Stadt Köln endgültig zum Sitz des neuen Amtes für Verfassungsschutz bestimmt.

Gefahruoller Rückzug in Indochina

Weitere Stützpunkte aufgegeben / Nun auch Kämpfe in Annam

Saigon, 7. November. (AP.) Die auf dem Rückzug befindliche französische Garnison der Grenzfestung Laokay hat die ersten 50 Kilometer ihres Rückmarsches nach Südwesten unter Einbuße ihres Aufklärungsverbandes zurückgelegt und hat quer durch die Berggegend des Thai-Stammes hindurch in Stärke von 1200 Mann Binhlu erreicht.

Ein französischer Sprecher gab die Evakuierung einer Reihe von Verteidigungsstüt^punkten in der hügeligen Gegend um Haobinh herum. 50 Kilometer südwestlich von Hanoi, bekannt. Sämtliche Einheiten sind bei den französischen Linien im Flachland des Deltas des Roten Flusses eingetroffen.

In Mittelannam und im Weichbild des Hafens Tourane ist es zu heftigen Gefechten zwischen französischen Streitkräften und Vietminh-Verbänden gekommen. Nach Ansicht französischer militärischer Stellen hat die Tätigkeit der Vietminh-Aufständischen in Annam das Ziel, möglichst umfangreiche französischer Streitkräfte zu binden, um zu verhindern, daß sie zur Verstärkung der französischen Armee für die bevorstehende Schlacht um das Tonkin-Delta nach Norden entsandt werden.

Paris entläßt die kommunistischen Bezirksbürgermeister

Paris, 7. November, (dpa) Die französische Regierung hat, wie das Innenministerium am Montagabend bekanntgab, die vier Bürgermeister sowie 29 stellvertretende Bürgermeister des Bezirks Paris, die Kommunisten sind, aus ihren Aemtern entlassen.

Debatte über die Polizei

Lehr beantwortet sozialdemokratische Interpellation

Bonn, 7. November. (AP.) Die sozialdemokratische Fraktion hat am Dienstag die Bundesregierung zu Beginn der Bundestagsdebatte über die westdeutsche Bereitschaftspolizei aufgefordert, endlich bekanntzugeben, was wirklich geplant sei.

Dr. Menzel als Sprecher der Sozialdemokraten fragte, warum die Vergrößerung und Umorganisation der Polizei zur Stärkung der inneren Sicherheit mit dem Problem der Remilitarisierung verknüpft worden sei. Der Bundespressechef habe öffentlich erklärt, man wolle eine Schutzmacht schaffen, die keine polizeilichen Befugnisse haben solle. Später habe der Bundeskanzler angedeutet, es müsse die Verstärkung der Polizei auf 30 000 Mann in Angriff genommen werden. Die Bundesregierung habe übersehen, daß Polizei nicht Militär sei.

Menzel befaßte sich sodann mit Artikel 91 des Grundgesetzes, der bestimmt, daß bei Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die demokratische Grundordnung des Bundes dieser Polizeikräfte der Länder anfordern könne. Die Bundesregierung habe versucht, diesen Artikel „gummiartig“ auszudehnen.

Eintausend Polizisten würden 10 Millionen Mark kosten. 30 000 Beamte danach 300 Millionen Mark. Menzel forderte, genau zu überlegen, ehe solche Beträge ausgegeben würden. Wenn die Länder 80 Prozent und der Bund 20 Prozent der Kosten zu tragen hätten, wie es das Vertragswerk zwischen Bundesregierung und Ländern vorsehe, so sei dies für die Länder unmöglich. Nach der Rede Dr. Menzels ergriff Bundesinnenminister Dr. Robert Lehr das Wort zur Entgegnung. Er erklärte, er habe es vom Beginn seiner Tätigkeit an für seine erste Aufgabe gehalten, das Mißtrauen über die Polizeifrage zu beseitigen. Er sei sich mit dem Bundeskanzler einig, daß zwischen der Polizeifrage und der Frage einer eventuellen Militarisierung eine klare Grenze zu ziehen sei. Die Bundesregierung habe sich angesichts der Zuspitzung der politischen Lage verpflichtet gefühlt, auf rasche Inkraftsetzung des Artikels 91 zu drängen. Der Bundeskanzler habe daher nach Beratung mit den Ländern die Oberkommission gebeten, alle Beschränkungen des Rechtes der Länder, ihre Polizei zu organisieren, aufzuheben.

Ueber diese Maßnahmen hinaus seien auf Bundesebene keine Maßnahmen zur Verstärkung der Polizei getroffen worden. Im Interesse der Beschleunigung der Ausbildung seien frühere Polizeioffiziere, die sich beworben hatten, nach Traunstein und Hannoversch-Münden entsandt worden. Es handele sich dabei jedoch nicht um eine Rekrutierung.

Der Bundesinnenminister erklärte ferner, die Bundesregierung beabsichtige, „zum Schutz führender politischer Persönlichkeiten eine mit Kriminalbeamten durchsetzte kleine Polizeieinheit aufzüstellen.“ Es sei inzwischen Klarheit darüber geschaffen worden, daß die Auswahl dieser Kräfte zu den Belangen des Innenministers gehöre und daß diese Einheit dem Innenministerium unterstellt wird.

Bruderrat für Niemöller

Düsseldorf, 7. November. (AP.) Der Bruderrat der evangelischen Kirche des Rheinlandes stellt sich in einer Erklärung hinter Kirchenpräsident Niemöller.

Der Bruderrat richtet an die Leitung der Evangelischen Kirche Deutschlands die Frage, warum sie Niemöller allein lasse, wenn er eine Verständigung zwischen Ost und West fordere und die Aufgabe Deutschlands darin sehe, nicht Schlachtfeld, sondern Brücke zwischen beiden Machtgruppen zu sein.

Stimmen der Anderen

Rotchinas Einmischung

Die Frage, ob die chinesische Intervention in Korea zu einer ernsten Wendung in der weltpolitischen Lage führen wird, beschäftigt die Schweizer Presse eingehend.

Die „Basler Nachrichten" schreiben:

„In den westlichen Hauptstädten kann man immer noch ein Widerstreben der offiziellen Kreise feststellen, daran zu glauben, daß das kommunistische China in großem Ausmaß in Korea zu intervenieren und damit den Konflikt auszuweiten beabsichtigt. Es ist durchaus möglich, daß die tatsächlichen Ereignisse in naher Zukunft dieser eher optimistischen Interpretation den Todesstoß versetzen und daß sich herausstellt, daß China einen offenen Konflikt mit Amerika zu riskieren gewillt ist. Sollte das der Fall sein, so würde dadurch eine völlig neue Lage geschaffen, die als gefährlich charakterisiert werden müßte. Sollten die Chinesen über ein gewisses Maß — das in westlichen Kreisen nicht genau umschrieben wird — hinäusgehen, so würden dadurch die Chancen einer Lokalisierung des Konflikts in Korea herabgemindert, was wiederum unübersehbare Folgen hinsichtlich der gesamten internationalen Lage haben müßte,“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ erklärt:

„Es ist eine Besonderheit des kalten Krieges, der ja eine Erfindung des Atomzeitalters ist, daß seine Temperatur erheblich gesteigert werden kann, ohne daß deshalb schon die Gefahrenzone erreicht wird, in der die Kettenreaktion einsetzt, die dann in atemberaubender Schnelligkeit zur alles zerstörenden Explosion führt. So ist es denkbar, daß auch das Eingreifen der Armeen des kommunistischen China noch nicht in den Krieg führt. Aber das Gespenst des dritten Weltkriegs dfhebt sich plötzlich weit drohender als je im Hintergrund des erbitterten Kampfes der Propaganda, der Politik und der Waffen, der in Ostasien wie in Westeuropa von den kommunistischen Machthabern entfesselt worden ist. Wenn man auch Moskau und Peking einräumt, daß sie nicht, oder gegenwärtig noch nicht, absichtlich auf die Entfesselung eines allgemeinen Krieges hinsteuern, so erhebt sich doch die Frage, ob sie nicht gerade jetzt im Begriffe stehen, die kalte Kriegsführung um so viel zu weit zu treiben, daß der Rückzug plötzlich verschlossen ist.“

115 000 Ostflüchtlinge

Berlin, 7. November, (dpa) 114 857 Flüchtlinge aus dem sowjetischen Besatzungsgebiet sind in diesem Jahr bis zum 15. Oktober in die Bundesrepublik gekommen.

Bergungsversurche eingestellt

Chamonix, 7. November, (dpa) Die Bemühungen um die Bergung des indischen Verkehrsflugzeuges, das am Freitag in der Nähe des Montblanc-Gipfels abgestürzt war, sind nach Mitteilung der alpinen Rettungsstelle Chamonix auf unbestimmte Zeit eingestellt worden. Ein Bergführer, der mit einem Rettungskommando unterwegs war, um das Flugzeugwrack zu erreichen, war am Montag in einer Lawine umgekommen.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

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Die Wochen verstrichen. Und wieder wehte der Frühling blütenduftend durch Paris und lud zur Fahrt aufs Land ein. Aber die Praslin folgten dieser Lockung nicht wie sonst; denn im April sollte der Herzog seinen Sitz in der Pairskammer einnehmen. Den ganzen Winter über hatte er sich mit politischen Fragen beschäftigt und mehr Zeit als je am Hof verbracht. Er war stets ein besonderer Günstling des Königs gewesen, der sich immer stärker auf die jüngeren Mitglieder des Adels stützte, seitdem er sich der wachsenden Unzufriedenheit im Lande bewußt geworden war. Henriette empfand dies neue Interesse des Herzogs an Dingen, die sein Privatleben nicht berührten, als eine Erleichterung, obwohl sie nach wie vor Louis Philippe und seine Politik nicht zu billigen vermochte. Einer jener Frühlingstage sollte ihr unvergeßlich bleiben, weil sie ihn in seiner Gesellschaft verbringen durfte; eine freundliche Vorsehung schenkte ihn ihr, ohne daß Henriette vorher mit dieser Möglichkeit hätte rechnen können. Sie hatte Berthe und Raynald versprochen, mit ihnen am ersten schönen Sonnabend im April- nach Versailles zu fahren, und als dieser Tag kam und sie gerade in den Wagen einstiegen, erschien unerwartet der Herzog und erklärte, sich dem Ausflug anschließen zu wollen. Er war glänzender Laune, und als die Stadt hinter ihnen lag, befanden sich alle in bester Stimmung. In Versailles angelangt, machten sie sich zu viert auf die Suche nach einem geeigneten Platz, wo sie sich lagern und ihr mitgebrachtes Essen verzehren könnten. Das Schloß selbst beeindruckte die Kinder überhaupt nicht; die Springbrunnen waren nicht in Betrieb, und sie wollten etwas anderes sehen. Sie wollten sich das Dörfchen der Marie Antoinette ansehen mit seinen strohgedeckten Häuschen und den Scheunen und den verfallenen Taubenschlägen. Auch mußten sie unbedingt die geheimnisvolle Felsengrotte untersuchen, die einstmals dem Liebesgott geweiht gewesen war, und hatten es sich in den Kopf gesetzt, das Mittagsmahl am Fischteich einzunehmen, unweit von dem kleinen Bach, der einer Königin zur Freude dorthin geleitet worden war und der immer noch zwischen künstlich aufgebauten Felsen, die nun mit dem Moos eines halben Jahrhunderts bedeckt waren, munter dahinrann.

„Hier, hier ist es!“ riefen die Kinder aus, als sie das rührend romantische kleine Dorf entdeckten. „Sieh mal, Papa, das da drüben war gewiß die Mühle. Sehen Sie doch nur, Mademoiselle, wie der Bach den kleinen Wasserfall hinunterstürzt.“

Ihr Entzücken über diese verlassene Miniaturwelt wirkte ansteckend. Henriette meinte bei sich, daß selbst Marie Antoinette sich über diese Begeisterung gefreut haben würde, die ihr Lieblingsspielzeug so viele Jahre später noch auslöste. Sie blieb mit dem Eßkorb zurück, während die anderen dem Lauf des Baches nachforschten, um die versteckte Grotte ausfindig zu machen. Henriette breitete die Wagendecke über die Stufen eines der kleinen Bauernhäuser und, sich darauf niederlassend, überließ sie sich dem melancholischen Reiz dieses Erdenfleckchens.

Später beim Essen sprachen die vier über jene unglückselige Königin. Sie schien ihnen allen merkwürdig gegenwärtig, als wäre sie heute ihre Gastgeberin.

„Es muß Spaß gemacht haben, in dem Teich zu angeln“, meinte Raynald. „Ich wünschte, ich hätte meine Angel mit, um es auszuprobieren."

„Ob Marie Antoinette hier wohl auch gefischt hat?“ fügte Berthe hinzu.

„Ich glaube schon“, sagte der Herzog. „Jedenfalls wird das behauptet. Aber sie spielte nur, daß sie die Fische fangen wollte; wenn einer anbiß, dann ließ sie ihn wieder zurückwerfen. Sie besaß ein so empfindsames Herz.“

„Aber warum hat man sie denn getötet, Papa?“

Statt einer Antwort zuckte der Herzog nur die Achseln.

„Ja, warum denn nur Mademoiselle?“ beharrte Raynald.

„Nun, das Volk war arm und hungrig und dachte, der König und die Königin gäben zuviel Geld für sich aus. Es hat sehr viel gekostet, so ein kleines Dorf wie das hier zu bauen und außerdem noch all die Schlösser und Springbrunnen und schönen Gärten. Schließlich gehörte das Geld ja dem Volk, und das hatte es natürlich nicht sehr gern, arm und hungrig zu sein.“

„Aber das ist doch dumm — jeder kann doch nicht reich sein; ein paar arme Leute muß es doch geben, nicht wahr?“

Berthe tat die ganze Frage ab, indem sie den Vögeln eine Brotrinde zuwarf.

„Diese Frage wird dir Mademoiselle auch besser beantworten können als ich.“ Der Herzog lächelte Henriette verschmitzt zu. „Aber es freut mich doch, zu hören, daß Sie aus meinen Kindern keine von Ihren Republikanern gemacht haben.“

„Ich bezweifle, daß man aug Berthe irgend etwas anderes als eine Royalistin machen könnte“, erwiderte Henriette belustigt. „Ihre Wiegendecke muß aus Königspurpur gewesen sein. Sie würde sich mit Marie Antoinette gewiß gut verstanden haben.“

„Heutzutage schlägt man doch den Königen und Königinnen nicht mehr den Kopf ab, nicht wahr, Papa?“ erkundigte sich Raynald ein wenig ängstlich.

„Nein, wenigstens hat man es in letzter Zeit nicht mehr getan“, antwortete sein Vater. „Mehr läßt sich im Augenblick dazu nicht sagen.“

Nach dem Essen sprangen Berthe und Raynald d^von, um Blumen zu pflücken. Der Herzog streckte seine Beine aus und zündete sich eine Zigarre an, während Henriette Teller und Bestecke zusammenräumte. Keiner von beiden sprach. Die wohlige Zufriedenheit des Augenblicks machte Worte überflüssig. Schließlich brach er das Schweigen; er redete langsam zwischen den einzelnen Zügen und sah dabei zu den Kindern hin, die zwischen den knorrigen, alten Bäumen hin und her liefen.

„Eigentlich sonderbar“, sagte er, „daß wir uns an diesem Ort befinden. Ich wüßte gern, was Marie Antoinette wohl von den heutigen Besuchern in ihrem Klein-Trianon hält?“

„Nun, wahrscheinlich viel von Ihnen und Ihren Kindern, Monsieur. Aber mit mir dürfte sie nicht so ganz einverstanden sein, fürchte ich.“

„Warum glauben Sie das?“

„Weil sie mir und der Welt, der ich angehöre, mißtrauen würde, obwohl sie, bevor sie starb, manche Menschen und Dinge verstehen lernte, von denen sie sich früher nichts hatte träumen laäsen, die arme Seele!“

„Sie sind inkonsequent. Sie verachten alles das, was sie vertrat, und doch nennen Sie sie eine .arme Seele'.“

„Wenn ich sie so nenne, dann empfinde ich es auch so. Sie hat teuer bezahlen müssen, was sie zu spät begriffen hat.“

„Das müssen wir alle.“ Die alte Bitterkeit sprach nun wieder aus ihm.

„Wir alle müssen unsere Erfahrungen bezahlen, und dann ist es meistens zu spät, um sie verwerten zu können. Aber ich finde doch, die Sie ihr in einer Beziehung gar nicht so unähnlich sind: sie war sehr ehrgeizig, Mademoiselle Deluzy, und das sind Sie auch.“

„Ich war ebenfalls der Ansicht, ehrgeizig zu sein. Monsieur, aber jetzt bin ich dessen nicht mehr so sicher. Vielleicht war es nur eine Unzufriedenheit, die mich trieb. Man verwechselt das so leicht.“

„Und jetzt sind Sie nicht mehr unzufrieden?“

„Nur noch selten. Nur wenn ich “ Verwirrt brach sie ab und fuhr dann fort: „Manchmal ist es doch nicht so leicht, wenn man etwas ins Herz geschlossen hat, was einem nicht gehört.“

-Aber wenn man einmal etwas in sein Herz geschlossen hat, gehört es einem doch!“ (Fortsetzung foS

Wirtschaftsblatt

Erste Perlonfabrik

Hd. In Oberbruch bei Aachen ist die erste Perlon-Seidenfabrik Westdeutschlands als Unternehmen des Vereinigten Glanzstoffkonzerns in Betrieb genommen worden. Bisher hat der Konzern bei Obernburg. am Main Großversuche mit vollsynthetischer Perlonseideherstellung bei einer Tageserzeugung von 500 kg Perlonseidengarn durchgeführt. Die neue Fabrik in Oberbruch soll mit einer täglichen Kapazität von 2000 kg Garn arbeiten. .

Die Investitionen für die neue Fabrik haben sich auf rund 20 Millionen DM belaufen. Hiervon haben die Vereinigten Glanzstoff-Fabriken vier Millionen aufgebracht; der Rest ist durch fremde Kreditgeber aufgebracht worden. Auch ein ECA-Kredit stand zur Verfügung.

Es ist beabsichtigt, das Werk durch eine Perlonfaserfabrik zu erweitern. Hierfür sind jedoch rund 25 Millionen DM erforderlich, die noch nicht zur Verfügung stehen. Zugleich mit der Faserfabrik muß ein neues Kraftwerk gebaut werden. Die Perlonfaserproduktion wird zur Zeit auch von anderen Fabriken in der Bundesrepublik betrieben. Zum Beispiel stellt das Werk Dormagen der IG-Farbwerke beträchtliche Mengen Perlonfasern her. Auch Bobbingen hat die Perlonfaserproduktion seit einiger Zeit aufgenommen. Perlonseidengarn stellte bereits vor dem Krieg ein Werk der Ostzone her.

Der Generaldirektor der Vereinigten Glanzstoffabriken, Dr. Vitz, dessen Name das neue Perlonwerk in Oberbruch tragen wird, erklärte bei der Einweihung, daß er die Konkurrenz weiterer Fabriken durchaus begrüße. Deutschland müsse durch eine beschleunigte Entwicklung auf dem Gebiete der Perlonherstellung den Anschluß an die vollsynthetische Textilentwicklung in anderen Ländern finden. Im laufenden Jahr erwarten die Vereinigten Staaten eine Produktion von vierzig Millionen Kilogramm vollsynthetischer Fasern, im Jahre 1951 sogar von 55 Millionen Kilogramm.

TBC-Tilgung beim Rinderbestand

Kabinettsverordnung über Bekämpfung der Rinder-Tuberkulose

Durch Kabinettsverordnung wurde Dienstag in Hessen die 1940 im Reichsgebiet unterbrochene Bekämpfung der Rinder-Tuberkulose wieder aufgenommen. An die Stelle des früheren Ostertagschen Verfahrens, das sich als unbrauchbar erwies, tritt nun die Tuberkulin-Probe, bei der ein Extrakt von Tb-Bazillen unter die Haut der zu untersuchenden Tiere gespritzt wird.

Kranke Tiere erkennt man an der positiven Reaktion. Mit diesem Verfahren zur Tilgung der Rinder-Tbc arbeiten bereits die Vorzugsmilcherzeuger, über die das WT in der Samstagsausgabe berichtete, und eine Anzahl Landwirte aus privater Tatkraft. Nach dem gleichen Verfahren wird seit langem im Ausland gearbeitet.

Die Wichtigkeit der Tbc-Tilgung beim Rinderbestand ergibt sich aus der Tatsache. daß Tuberkulose die ansteckendste Krankheit dieser Tiere ist, gegen die sie hochempfindlich sind. Rinder-Tbc steckt den Menschen an. Menschen-Tbc schadet den Rindern jedoch nicht sehr, sie überwinden sie leicht. Da die Milch tockranker Kühe den Menschen, vor allem Kinder und Säuglinge sehr leicht mit Tbc infizieren kann, ist die Molkereiüberwachung und Pasteurisierung unerläßlich. In dies er Beziehung war Hessen führend.

Mit der neuen Kabinettsverordnung, die in der Gesundheitsabteilung des Innenministeriums. Veterinärverwaltung (Oberregierungsrat Schultz) vorbeireitet wurde, tritt die Tilgung tb-kranker Bestände in ein neues, entschlosseneres Stadium. Die Teilnahme der Milchviehbesitzer an dieser Aktion ist freiwillig. Die Untersuchung eines Tieres kostet 1.50 DM einschl. Tierarzthonorar und muß im Jahr zweimal vorgenommen werden. Wenn der Rinderbestand eines Besitzers vom Amtstierarzt als tbc-frei anerkannt werden kann, übernimmt der Staat die weiteren Untersuchungen kostenfrei. Der Milchversorgungsverband Frankfurt (Main) hat inzwischen beschlossen. alle seine Milchlieferanten dem Tuberkulin-Probe-Verfahren zu unterwerfen. Das Ziel ist, möglichst bald Milch von tb-freien Kühen in Flaschen auf den Markt zu bringen. Es ist zu hoffen, daß man auch in Wiesbaden den gleichen Weg beschreitet.

Schwierigkeiten ergeben sich bei starkem TB-Befall der Bestände. Schlachtung aller befallenen Tiere verbietet sich aus Gründen der Milchversorgung und der Erhaltung der Blutlinien. Da jedoch die Kälber tb-kranker Muttertiere tb-frei geboren werden (Giftschranke im Mutterleib), ist eine gesonderte Aufzucht möglich. Sie lohnt sich, da tb-freie Kühe wesentlich höheren Marktwert besitzen. Der einzelne Besitzer kann in fünf bis sieben Jahren tb-freie Bestände erzielen. Trotzdem ist mit mehr als einem Jahrzehnt zu rechnen, bis die Kabinettsverordnung sich voll ausgewirkt hat. 40 Prozent der 450 000 Milchkühe Hessens gelten als tb-krank.

Die Mittel zur Durchführung der Kabinettsverordnung wird Hessen, wenn eigene Mittel nicht ausreichen, aus dem Milchausgleichsfonds und vom Bund erhalten. Für 1951 werden voraussichtlich etwa 200 000 DM notwendig sein. Entschädigung wird gezahlt, sobald tbkranke Kühe, die Tb-Bazillen in die Milch ausscheiden, auf polizeiliche Anordnung getötet werden müssen.

Nochmals Steuerspitzel

Zu unserem Aufsatz „Spitzel für das Finanzamt“ schreibt uns der hessische Finanzminister Dr. Hilpert u. a.:

„Es trifft nicht zu, daß Steuerfahndungsbeamte Buchhalter von Firmen als Steuerspitzel verwenden. Es trifft für den Bereich der hessischen Steuerverwaltung ebensowenig zu, daß Belohnungen für die Aufdeckung von Steuervergehen gezahlt werden. Es sind hierfür selbstverständlich gar keine Mittel vorgesehen. In dem vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt verhandelten Fäll handelt es sich um einen Personenkreis, der des Schwarzhandels mit illegal eingeführten Schmuggelgütern dringend verdächtig ist. Die Firma, bei der der Angeklagte als Buchhalter angestelltwarjbeschä'ftigte im Innendienst nur diesen einen Angestellten, der sich unter dem Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung aus eigener Initiative zur Bezirkssteuerfahndungsstelle des Finanzamts Darmstadt begeben, hat, um durch eine Selbstanzeige nach § 410 AO für seine Person Straffreiheit zu erlangen. Es war die Pflicht des die Ermittlungen führenden Beamten, den Angaben des Buchhalters nachzugehen. Der in Beitracht kommende Personenkreis bedingte begreiflicherweise auch ein besonderes Verfahren, insbesondere eine streng vertrauliche Behandlung. Wie notwendig dies war, beweist die Tatsache, daß der Angeklagte trotz aller Vorsicht nach einiger Zeit von Unbekannten überfallen und so schwer verletzt wurde, daß er ins Stadtkrankenhaus eingeliefert werden mußte. Es sei nochmals ausdrücklich festgestellt, daß keine Steuerfahndungsstelle in Hessen über ein Spitzelsystem verfügt, noch von sich aus an Angestellte von Steuerpflichtigen herantritt, um diese zu Denunziationen ihrer Arbeitgeber, etwa gar gegen Zusicherung von Belohnungen, zu veranlassen. Keine Finanzverwaltung kann aber auf die Mitwirkung der Oeffentlichkeit in dem Sinne verzichten, daß nicht jeder Anzeige, soweit sie nicht offensichtlich unbegründet ist, nachgegangen wird im Interesse der Bekämpfung des die deutsche Wirtschaft schwer schädigenden Schmuggels, des illegalen Handels mit unversteuerten und unverzollten Waren und ähnlicher dunkler Geschäfte. Die Oeffentlichkeit hat deshalb allen Anlaß, den Steuerfahndungsdienst bei dieser Aufgabe zu unterstützen, um den seriösen Handel vor dieser Konkurrenz zu schützen,“

Börsenberichte

Bz. Trotz anfänglich größerer Verkäufe konnte sich die Börse bei geringen Einbußen von 0,5 bis 1 Punkt ziemlich behaupten.

Freie Devisenkurse

Bz. Am 7. November 1950 hörte man an der Frankfurter Börse folgende Devisenkurse im freien Verkehr: für den US-Dollar 5,15 bis 5,25 DM. für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holländischen Gulden 1,15 bis 1,25 DM. für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM. für die schwedische Krone 0,72 bis 0,78 DM, für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben sind für 1 DM-West 5 bis 5,20 Ostmark und für 5 Ostmark 1 DM-West geboten worden.

Luxussteuer und Spesenabgabe

Neue Gesetze im Finanzausschuß des Bundestages

-s. Bevor der augenblickliche Zustand scheinbarer Ruhe in den finanzpolitischen Beratungen eintrat, hat der Bundestag zwei große finanzpolitische Gesetze behandelt, aber bisher noch nicht zum Abschluß gebracht. Die ersten Beratungen des Gesetzes über die Besteuerung besonderen Aufwandes, des sog. Luxussteuergesetzes haben bereits die grundsätzlichen Ansichten der politischen Gruppen erkennen lassen. Das Gesetz wurde geradezu schonungslos zugrunde kritisiert.

Das war insofern bemerkenswert, als es außer der schon lange als unsinnig bezeichneten eigentlichen Luxussteuer immerhin auch noch die Spesenabgabe enthält, der eine gewisse Berechtigung keineswegs abgesprochen wurde. Aber auch diese Spesenabgabe wurde einer derart scharfen Kritik unterzogen, daß nur die der Regierung gewährte Nachsicht eine Ablehnung des Gesetzes in erster Lesung verhinderte.

Die weiteren Beratungen im Finanzausschuß setzten die eingeschlagene Richtung fort. Die Regierung hat zu dem Abschnitt über die Aufwandsteuer im wesentlichen nur gesagt, daß, wenn schon eine Luxussteuer eingeführt werden soll, die im Entwurf vorgesehene Form immerhin die zweckmäßigste sei. Der Finanzausschuß hat daraufhin den Abschnitt I über die Aufwandsteuer aus der Vorlage gestrichen.

Gegen die Spesenabgabe bestand von Anfang an keine prinzipiell feindliche Haltung. Die Angriffe richteten sich vielmehr gegen das im Gesetz vorgesehene Verfahren. Es wurde vorgeschlagen, den Sinn der Spesenabgabe durch eine zweckentsprechende Modifizierung des Einkommensteuerrechts zu erreichen. Der Finanzausschuß hat diesen Gedanken aufgegriffen. Ueber das genaue Verfahren bestehen allerdings nur Vermutungen. Sollte der Weg einer Durchführungsverordnung nicht gangbar sein, so bleibt wahrscheinlich- nur eine Aenderung des Einkommensteuergesetzes übrig, ein Verfahren, das im Prinzip auf gewisse Beschränkungen der Abzugsfähigkeit hinauslaufen würde. Jedenfalls ist das Finanzministerium beauftragt worden, diese Frage zunächst einmal zu untersuchen.

Das Branntweinmonopol

Zu gleicher Zeit hat dem Finanzausschuß das Gesetz über die Errichtung der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein vorgelegen. Er hat es fast zu Ende beraten. Bekanntlich wurde die ehemalige Reichsmonopolverwaltung nach Kriegsende von den Ländern verwaltet. Das neue Gesetz sieht einen Uebergang der Verwaltung selbst von den Ländern auf den Bund vor, nicht aber den Uebergang des Vermögens der Monopolverwaltung. Der Vermögensübergang soll vielmehr durch ein besonderes Gesetz über die Regelung des gesamten Finanzverwaltungsvermögens erfolgen.

Diese Taktik hat aber zu dem merkwürdigen Ergebnis geführt, daß der Regierungsentwurf des Monopolverwaltungsgesetzes zwar keine Uebernahme des Vermögens, wohl abef die Uebernahme der Verpflichtungen' der Ländermonopolverwaltungen enthielt, daß also zwar die Passiven, aber zunächst noch nicht die Aktiven auf den Bund übergehen sollten. Die rechtlichen Bedenken dagegen liegen auf der Hand. Man hat daher im Finanzausschuß als vorläufigen Ersatz für den Eigentumsübergang ein Verfügungsrecht über das Monopolverwaltungsvermögen in das Gesetz eingebaut.

Völlig neu gegenüber dem Regierungsentwurf ist die vom Finanzausschuß in das Gesetz aufgenommene Bestimmung über den Sitz der Bundesmonopolverwaltung. Die Bundesregierung hat die Bestimmung des Sitzes der Obersten Behörden als Angelegenheit der Exekutive bezeichnet. Sie hat bereits unter Ausnutzung dieser angenommenen Zuständigkeit die Stadt Bückeburg bestimmt. Diese Entscheidung hat nun aber eine Kontroverse mit starken Gruppen des Bundestages hervorgerufen. Der Finanzausschuß hat nun seinerseits die Bestimmung der Verfassung ausgenutzt und beschlossen, den Sitz im Gesetz selbst festzulegen. Welche Stadt dabei gewählt wird, ist noch unbekannt.

Höherer Kohlenpreis?

vwd Die deutsche Kohlenbergbauleitung (DKBL) hat beim Bundeswirtschaftsministerium eine Erhöhung der inländischen Kohlenpreise beantragt. Der Bergbau fordert jedoch nicht nur einen Ausgleich der neuen Belastung von rund 2 DM je Tonne verwertbarer Förderung, die sich aus der Lohnerhöhung von zehn Prozent ergibt, sondern auch eine Beseitigung des Durchschnittsverlustes von rund 3,45 DM je Tonne Förderung und eine stärkere Berücksichtigung der Abschreibungserfordernisse bei den Zechen.

In Fachkreisen rechnet man mit einer Kohlenpreiserhöhung im Inland von durchschnittlich mindestens 1,80 bis 2 DM je Tonne, über deren Auswirkung auf die deutsche Wirtschaft geteilte Meinungen bestehen. Es dürfte sich eine gewisse Belastung für die Energie- und Gaswirtschaft und voraussichtlich auch für die Eisen- und Stahlindustrie ergeben.

Feld, Hof und Garten

Pappelanbau - die beste Sparkasse

Nach 25 Jahren ist das Holz schlagreif

Jetzt im Herbst überlegt man sich, ob es sich nicht lohnt, diese oder jene Bäume neu zu pflanzen. Der Rückschlag im Obstabsatz, die ständig steigenden Aufwendungen für Schädlingsbekämpfung und Pflege der Obstkulturen wirken nicht gerade ermutigend in dieser Richtung, und man sollte schon den Rat eines erfahrenen und mit den besonderen Verhältnissen des Bodens und der Absatzbedingungen vertrauten Fachmann zu Rate ziehen, ehe man ein Obststück neu anlegt. Ob ein neugepflanzter Apfelbaum einmal eine Rente abwirft, vermag heute keiner mit Gewißheit zu sagen.

Von einer anderen Kultur kann man jedoch behaupten, daß sie mit geringstem Arbeitsaufwand und bei bescheidenen Ansprüchen an Boden und Klima einen sicheren Wertzuwachs bringt und die beste Sparkasse darstellt, die man sich überhaupt denken kann. Die Pappel wächst mit ungewöhnlicher Schnelligkeit und hat zudem ein Holz, das für viele Zwecke sehr begehrt ist. Wenn Buchen erst ein Gebüsch bilden und Fichten die ersten Bohnenstangen abgeben, sind Pappeln bereits nahezu schlagreif. Schon dünnere Stämme werden als Faserholz von der Papier- und Zellstoffindustrie gern aufgenommen, so daß im Alter von etwa zehn Jahren die erste Nutzung erfolgen kann. Noch die Aeste alter Stämme werden als Nutzholz verwertet. Das Holz ausgewachsener Bäume aber ist nahezu für alle Zwecke zu gebrauchen und besonders begehrt von Tischlern, in der Möbel- und Sperrholzindustrie, für Streichhölzer, Bottiche und Holzschuhe. Absatzschwierigkeiten wird es da nicht geben.

Während in der Vergangenheit die Pappel als ausgesprochener Niederungsbaum galt gibt es heute Züchtungen, die auf Berghöhen bis 700 Meter genau so gut gedeihen, wie an einem Flußlauf. Es gibt zahlreiche Sorten mit besonderen Eigenschaften, die sich auf nahezu allen Böden bewähren und die auch in Härte und Vci - arbeitungsfähigkeit des Holzes große Unterschiede aufweisen. Vom Anbau ausgeschlossen sind eigentlich nur die ausgesprochen flachgründigen Gebirgsböden. Die Pappel kann heute aber praktisch überall mit großem Nutzen angebaut werden Daß sie sich in Niederungen, an Bachen und Flußläufen besonders wohl fühlt und dort den größten Zuwachs aufweist, ist verständlich. Man hat daher irn vergangenen Jahr bei Nackenheim und Hamm in der Rheinebene Pflanzungen auf größeren Flächen angelegt.

Wer sich vergegenwärtigt, daß es am Niederrhein Höfe gibt, die ihre gesamte Pacht von dem Pappelholz bezahlen können, das so nebenbei an Wegrändern und Gräben anfällt, der wird sich fragen müssen, ob nicht auch hier weit größere Möglichkeiten bestehen, den Pappelanbau auszudehnen. Der Raum für hundert Pappeln findet sich überall, am Dorfrand, längs der Wege, auf Oedlandflächen und in den vielfach ungenutzten Winkeln, die Wege, Gräben und Böschungen abteilen. Das Pflanzen dieser 100 Pappeln kostet etwa 200 DM. Sie haben nach zwanzig Jahren einen Wert von mindestens 10 000 DM, nach fünfundzwanzig Jahren von 15 000 DM, erlauben aber bereits nach zehn Jahren Vornutzungen, die das Mehrfache der Pflanzkosten ausmachen.

Der Pappelanbau ist eine Angelegenheit, die sich manche Gemeinderäte sorgsam überlegen sollten. Aber auch der einzelne Bauer, ja jeder Hausbesitzer weiß Plätzchen, wo diese Kultur mit Erfolg zu betreiben wäre. Eines aber ist wichtig: Pappel ist nicht gleich Pappel. Der Ratschlag eines erfahrenen Forstmannes oder von Fachleuten der Pappelbaumschulen lohnt in jedem Falle, bevor man sich das Pflanzgut beschafft. Auch die Landwirtschaftsschulen geben gern Auskunft. on.

Leimringe jetzt anlegen !

Der Raupenfraß an den Obstbäumen durch den Frostnachtspanner ist im vergangenen Jahr stark gewesen, wo keine Leimringe angelegt waren. Wir müssen auch in diesem Jahr wieder mit einem starken Befall rechnen und, wo noch nicht geschehen, die Leimringe sofort anlegen.

Bekanntlich Übersommern die Puppen des Frostnachtspanners im Boden. Ende Oktober, Anfang November kommen die Frostnachtspanner nach oben. Weil die Weibchen keine Flügel haben, klettern sie am Stamm hoch, um ihre Eier an den Zweigen abzulegen. Um das Hochklettern der Weibchen zu verhindern, legen wir die Leimringe an.

Zur Frage, warum im letzten Jahr trotz der Leimringe Raupenfraß durch den Frostnachtspanner aufgetreten ist, sei folgendes gesagt: Viele Bauern machen die Leimringe schon frühzeitig an. Wenn Ende Oktober, zur Zeit des Laubfalles windiges Wetter ist, dann wird das Laub an die Leimringe geweht. Dadurch bildet sich für die hochkletternden Weibchen des Frostnachtspanners eine Brücke über den Leim, so daß diese unbekümmert in' die Krone kommen, um ihre Eier an den Zweigen abzulegen. Man muß also die Leimringe ab und zu nachsehen und die angewehten Blätter wegnehmen. Es ist ferner auf folgendes zu achten:

Das Papier muß gut am Stamm anliegen. Der Leim muß gut klebfähig sein (keine alten Leimringe nehmen). Wo schon frühzeitig Leimringe angelegt wurden, ist zu empfehlen, Anfang November durch leichtes Ueberstreichen mit einer Spachtel den Leim aufzufrischen. Zweige, die bis auf den Boden hängen, müssen zurückgeschnitten werden, weil andernfalls die Frostnachtspannerweibchen nicht nur am Stamm, sondern auch an den Zweigen hochklettern. Bei Bäumen, die einen Pfahl haben, muß auch dieser beleimt werden.

In den vergangenen Jahren sind die ersten Frostnachtspannerweibchen an folgenden Tagen beobachtet worden: 1945 am 2. November, 1946 am 11. November, 1947 am 5. November, 1948 am 7. November, 1949 am 14. November.

Für diejenigen, die noch keine Leimringe angelegt haben, besagen diese Beobachtungen, daß es allerhöchste Zeit ist, diese Arbeiten auszuführen.

Besonders für den bäuerlichen Obstbau, wo die Spritzungen je nach Witterung zeitlich nicht immer richtig ausgeführt werden können, ist der Leimring trotz der üblichen Spritzungen zu empfehlen. Auch die Obstbäume im Hausgarten sollte man nicht vergessen.

In Obstgewannen, in denen ein außergewöhnlich starker Befall beobachtet wird, ist es notwendig, einen zweiten Leimring über dem ersten anzubringen. Schell

Der Schnitt der Obstgehölze beginnt. Entfernt werden alle trockenen und kranken Äste und Zweige und solche, die sich kreuzen und reiben. Es ist gut, jetzt schon zu schneiden, _ nicht erst dm Februar/März. Aller Saft kann in die Fruchtknospen gehen, der frühe Schnitt begünstigt die Entwicklung.

Das Abräumen der Beete von allen Gemüsen, die nicht über Winter im Freien bleiben, ist nötig. Alle nicht besetzten Beete werden umgegraben und in rauhen Schollen liegengelassen. Sie können mit Jauche gedüngt werden. Sie reichert den Boden mit Pflanzennährstoffen an, außerdem sind Humusteilchen darin enthalten.

Quittenanbau ist lohnend

Die Quitte ist im Großanbau wenig zu finden, dagegen in den Haus- und Kleingärten öfter vertreten. Man pflanzt sie meist für den eigenen Bedarf an. Da die Früchte auf den Märkten und bei der Konservenindustrie stets guten Absatz finden, kann manchem Obstbauer zu einer kleineren Pflanzung geraten werden.

An den Standort stellt der Baum ähnliche Ansprüche wie unsere edlen Birnensorten: nährstoffreichen, mäßig feuchten Boden in geschützter warmer Lage. Auf trockenem, nährstoffarmen und auch stark kalkhaltigen Böden bleiben sie im Wachstum zurück und bringen schlechte Erträge. Die Quitte ist selbst fruchtbar und leidet wegen der späten Blütezeit ganz selten unter Spätfrösten, so daß die Ernten regelmäßig und reich sind. Im 5. oder 6. Jahr nach der Pflanzung bringt der Baum den ersten Ertrag. Die Pflanzzeit ist der Herbst oder das Frühjahr. Der Baumabstand beträgt 4x4 m. Die Edelsorten werden in der Baumschule auf Quitte A oder auf Weißdorn veredelt und kommen meistens als Büsche oder Halbstämme in den Handel. Die Veredlung auf Weißdorn ist der Quitte A wegen der größeren Fruchtbarkeit vorzuziehen. Quittenhochstämme werden aus Rotdorn herangezogen, der auf Weißdorn veredelt wurde. Nach einem nicht zu strengen Aufbauschnitt in den ersten 4 Jahren beschränkt man sich später auf ein mäßiges Auslichten und Entfernung von abgestorbenen Aesten.

Bewährte reichtragende Sorten sind: 1. Portugiesische Birnquitte, zartfleischig, nicht anspruchsvoll. 2. Riesenquitte von Leskovac, sehr groß, bis 3 Pfd. schwer, apfelförmig. 3. Bereczkiquitte, sehr groß, birnförmig, goldgelb. 4. Champion, birnförmig, frühreif.

Bei guter Lagerung halten sich die Früchte bis Mitte Dezember. Krankheiten und Schädlinge findet man selten an der Quitte. W. W.

Die Verwertung der Quitte

Die Verwertung der Quitte ist vielseitig und wegen dem pikanten, eigenartigen Geschmack sind ihre Erzeugnisse sehr geschätzt. Einige kurze Rezepte sollen die Verwertungsmöglichkeiten zeigen:

Quittenmarmelade: 1 kg Früchte, an denen man Blüte, Stiel und Flaum entfernt hat, werden mit Schale und Kernhaus kleingeschnitten. in Liter Wasser weichgekocht und passiert. Man gewinnt 1 kg Mark, das mit 40 g Trockenpektln 1 Minute und nach einer Zugabe von 1 kg Zucker noch 10 Minuten gekocht wird. Durch den Zusatz des Saftes einer Zitrone wird der Geschmack verfeinert.

Quittengelee: Die reifen abgeriebenen Quitten werden gewaschen, klein geschnitten, mit Wasser bedeckt und weichgekocht. 1% kg des abgelaufenen Saftes werden mit der gleichen Menge Zucker 10 Minuten gekocht. Man schüttet eine kleine Flasche Opekta <230 g) zu und kocht noch 1 Minute auf.

Bei der Verwendung von unreifen Früchten läßt man den Zucker über Nacht sich im Saft lösen und kocht dann auf s/s ein.

Quitten paste (Quittenbrot): 500 g vorbereitete Quitten werden in Liter Wasser weichgekocht und passiert. Man erhält 500 g Mark, das mit 750 g Zucker 10 Minuten stark gekocht wird. Nachdem 115 g Opekta und der Saft einer Zitrone zugesetzt sind, läßt man 1 Minute aufkochen. Dieser Brei wird 1 cm dick auf ein mit Mandelöl bestrichenes Pergamentpapier gefüllt und muß 8 Tage in Stubenwärme trocknen. Dann schneidet man Würfel oder sticht Formen aus, wälzt sie in grobem Zucker und läßt sie einige Tage im Kühlen trocknen. Die Teilchen werden schichtweise in Pergamentpapier eingelegt und in einer Blechschachtel für den späteren Verbrauch aufbewahrt.

Weiter kann man die Quitte für Kompott, Saft und Likör verwenden. W. W.

Wohin mit dem Stroh?

Infolge der reichlichen Niederschläge in diesem Sommer ist die Strohernte sehr groß ausgefallen. Auf den Dreschplätzen der Gemeinden lagern riesige Mengen Stroh, die zu Futter- und Streuzwecken nicht benötigt werden. Verkaufsmöglichkeiten sind nur in geringem Umfange gegeben. In den Scheunen ist kaum Platz, um das „Klee'heu“ (Luzerne - heu) unterzubringen, s,o daß man nicht selten hört, daß es am besten wäre das Stroh zu verbrennen. Mancher Zentner Stroh und Kartoffellaub ist schon verbrannt worden. Und doch gibt es eine wertvolle Verwendung dieser organischen Massen für unsere Betriebe: Dis Verwandlung in Humusdünger und damit Nahrung für die Bodenbakterien, um so die Bodengare und Fruchtbarkeit unserer Aecker zu steigern. Zu diesem Zwecke wird das Stroh unter Zusatz von Stickstoff gründlich durchfeuchtet, aufgestapelt und festgetreten. Während der Verrottung muß der Stapel besonders am Rande gut feucht gehalten werden.

Je Doppelzentner Stroh werden etwa 250—300 Liter Wasser und 3,5 kg Kalkstickstoff oder 1,6 kg Harnstoff zugesetzt. Bei Zugabe von etwa 5 kg Thomasmehl und ebensoviel Kalisalz je Doppelzentner Stroh, die nicht unbedingt erforderlich ist, erhält man nach 3—4 Monaten Rotte einen „Kunstmist“, der ähnliche Wirkung und Verwendungsmöglichkeiten hat, wie der Stallmist.

In den arbeitsärmeren 'Wintermonaten läßt sich so die reichliche Strohemte wirklich gut für jeden Betrieb verwerten. h.B.

Kleine Winke und Ratschläge

Das Striegeln der Ziegen ist äußerst wichtig. Eine gute Fellpflege wirkt sich günstig auf die Milchmenge und den Geschmack der Milch aus. Man hat das wahre Wort geprägt „mit dem Striegel melken“.

Die Obstlagerräume müssen trocken und luftig gehalten werden. Die Temperatur soll nicht unter + 6 Grad C sinken. —ln einem Raum, in dem Obst aufbewahrt wird, dürfen weder Gemüse, Kartoffeln, Käse oder ähnliche Stoffe lagern. Verkrüppeltes Oost oder madige Früchte werden ausgemerzt. Das Obst muß laufend nachgesehen werden, was zu faulen beginnt, wird sofort entfernt. Eine faule Frucht kann den ganzen Bestand gefährden.

Feuilleton

Das Feuer muß sein!

VON PAUL FULBRECHT

Sie saß mit dem Strickzeug am Fenster und rechnete. Nicht laut, sondern in Gedanken überflog sie alle Posten des Lebens, die sich in Mark und Pfennig ausdrücken ließen. Die anderen zählte sie nicht. Nicht den strahlenden Morgen und nicht den leuchtenden Tag. Den Gesang der Vögel nicht, und auch nicht den Schlaf der Nacht, die Würze des Lebens.

Auch wenn sie mit ihrem Mann sprach, rechnete sie. Der saß am anderen Fenster und schnitzte ein Pferd, ein sich aufbäumendes Pferd. Es War erst halb fertig. Der Rumpf steckte noch im formlosen Holz, aber der freigelegte Kopf und die angedeutete Mähne des Tieres verrieten urwüchsigen Lebenswillen, feuriges Bewegen und kraftvolles Erheben.

„Wie lange reicht unsere Feuerung noch?“ fragte sie plötzlich.

„Für zwei Tage noch“, sagte er. „Eine lange Zeit.“

„Ich weiß nicht, womit ich dann kochen soll“, sagte sie. „Du mußt heute nacht gehen. Es ist finster genug.“

„Ja, es ist finster“, sagte der Mann. „Aber ich will Rat schaffen.“

Die Frau strickte emsig an dem Strickzeug. „Hast du auch schon daran gedacht, daß die Kinder Schuhzeug haben müssen?“

„Wenn das Pferd fertig ist, bekommen wir wieder dreißig Mark“, sagte er.

„Einundachtzig Mark kosten! die Schuhe“, drohte sie. „Sie müssen alle drei ein Paar haben.“

„Wir haben ja noch ’ das Fixum vom Verlag. Hundertachtzig Mark jeden Monat. Rechnest du die nicht?“ — „Sie zählen nicht viel. Wir sind fünf Personen. Es ist alles zu teuer geworden“, sagte sie.

„Es ist alle Tage dasselbe Lied“ sagte der Mann.

Sie strickte noch emsiger und sah auf die Uhr. Es war Abendbrotzeit.

Der Mann legte das Schnitzzeug fort, schob Papier und Spane in den kalten Herd und machte Feuer. „Nimm nicht so viel Späne“, sagte sie. — „Mit weniger gibt es keine Flamme", entgegnete er. „Wie soll sonst ein Feuer werden?“

„Es muß mit weniger gehen; wir müssen sparen“, trotzte sie.

„Natürlich sparen . . . aber das Feuer muß sein!“ sagte der Mann fest. „Es muß mit weniger gehen!“ — „Aber das Feuer muß sein!“

„Ich grüble und rechne Tag und Nacht und du ?" — „Das Feuer muß sein!“ — „Ja“, schrie sie, ich weiß, was du damit sagen willst; ich kenne deine Anspielungen schon . . .“

„Wie oft habe ich dich schon gebeten, in den entscheidenden Stunden unseres Lebens nicht an der Wahrheit vorbeizureden“, sagte der Mann.

Die Frau ging an den Herd, der Mann schlich an seinen Arbeitsplatz zurück. Er nahm das Messer und setzte es wieder am Holze an. Er atmete schwer, und seine Hände zitterten. Immer wieder packte ihn dieser erbitterte Hader des Alltags, daß er seine Arbeit, die sie kaum zählte, nicht verrichten konnte, daß ihr trotziges Schweigen im Zimmer sich lähmend auf seine Hände legte. Er warf das Messer fort und steckte sich eine Zigarette an. Als das Streichholz aufflammte wendete die Frau den Kopf. Der Mann spürte die Bewegung, die kein flüchtiges Herüberblicken, sondern wie ein drohendes Entsetzen war. Er tat aber, als merke er es nicht. Regungslos starrte er auf das brennende Streichholz in seiner Hand. Er fühlte den Blick der Frau wie einen lästigen Zwang. Jetzt ist ein Augenblick, dachte er, da sich das Leben an einem nichtigen Zufall entscheidet, der große Augenblick der Selbstbesinnung oder des dramatischen Ausbruchs. Der Mann blickte auf die Flamme vor sich, als hinge sein Leben von ihr ab. Er sah, wie schnell sie die kärgliche Zehrung des schmalen Holzstäbchens fraß . . . die wenigen Sekunden, die über Einsicht und Torheit entschieden.

Schon war die Flamme seinen Fingern so nahe, daß es ihn schmerzte. Schon war die Stube mit ihrem starren Schweigen zum Bersten gefüllt. Schon wappnete er sich gegen alle Worte des Wahnsinns und der Zerstörung, gegen alles Gift, das sie aus der Blindheit ihrer Seele für ihn bereit hielt ... da fühlte er ihren Blick von sich genommen, ihren Widerstand erlöschen, wie die Flamme in seiner Hand am verkohlenden Streichholz erlosch.

Als der Mann ruhig seine Zigarette rauchte, kamen die Kinder ins Haus gestürmt. „Hunger!" lärmten sie und umschwärmten die Mutter — die still noch ein paar Holzscheite auf das Feuer legte.

Montenegro - schwarze Berge

VON SASCHA

Adriablau schneidet wie ein kristallener Dolch ins karstige Gestein, schluchtet das Land, wie nur die Fjorde Norwegens oder Patagoniens es wagen. Schwimmen winzige Inseln darin, bewachsen mit den Menetekeln schweigsamer Zypressen, erinnernd an Böcklins Toteninsel. Tief im Einschnitt, dort wo das Wasser weiterzudringen nicht mehr die Kraft hat und im Schatten der Felsen der lichte Ton sonniger Meeresweite erstirbt, klettern zinnenbewehrte Mauern: die Hlyrersiedlung und Seeräuberburg Cataro (serbisch: Kotor). Ihr Anblick erklärt, weshalb einst das stolze Venetia es vorzog, den Piraten Montenegros Tribut zu zahlen, statt diesen Schlupfwinkel zu erobern. Und doch gleicht die Feste, gesehen von den Höhen der schwarzen Berge, einem Maulwurfshügel.

Nur eine einzige Straße steigt mit halsbrecherischen Schwüngen in diese Regionen des Adlerfluges. Die Zeiten unüberwindbaren Trutzes hinter massigem Fels sind vorüber^ Aus den gefürchteten Piraten wurden arme Bauern. Die Unbezwingbarkeit des Gesteins wird ihnen jetzt zum Verhängnis. Das Land ernährt seine Bewohner nicht. Mit den Händen tragen sie die Erde zusammen. In windgeschützten Winkeln haftet hier und dort ein so zusammengekratzter „Acker“. Verfallene Behausungen zeugen, daß ihre Bewohner des Lebenskampfes müde wurden und auswanderten. Das heißt, die Frauen schaffen die Arbeit nicht; denn ein echter montenegrinischer Mann hält es unter seiner Würde zu arbeiten. So geschieht es, daß die Montenegrinerin schnell verblüht.

Noch immer steht den Männern der Sinn nach der räuberischen und faulen Lebensweise vergangener Zeiten. Zwar tauschten sie die mit ziseliertem Silber reich verzierten Waffen längst gegen den Regenschirm, doch mit dem gleichen Stolz tragen sie dieses Utensil, auf ausgemergelten Eselchen reitend. Die Frau läuft hinterdrein, eine Bürde auf dem Kopf,-darin die kargen Erträgnisse ihrer Hände Arbeit zum Markte tragend. In der Schenke hocken die Herren der Schöpfung, aus Wasserpfeifen schmauchend, und ihrer Rede Fluß schwelgt in vergangenen Taten. Wehmütig gedenken sie ihres letzten Potentaten, des bauernschlauen Königs Nikita. Er hielt das Staatssäckel schuldenfrei, inderii er es verstand, an europäische Fürstenhäuser seine Töchter zu verheiraten. Indessen warten Eselchen und Frauen voll müder Geduld auf dem holprigen Straßenpflaster.

Doch immer, wenn es gilt, Feste zu feiern, erwacht das heiße Brigantenblut. Dann werden die alten Vorderlader hervorgeholt, und beim wilden stampfen im Kolo-Tanz wird martialisch in die Luft geschossen. Und ins Wolkengespinst um die schwarze Bergwelt webt der Pulverdampf heroische Gaukeleien. Durch einen Wolkenriß sieht man tief unter sich und fern im Sonnenlicht gleißend die traumblaue Weite der Adria. Schüler Tibor Serly fiel die Aufgabe zu, die Skizzen zu entziffern und die Partitur herzustellen.

William Primrose hat das alleinige Aufführungsrecht und hob das Konzert am 2. Dezember 1949 in Minneapolis (USA) aus der Taufe. Die drei Sätze zeigen den ausgereiften Meister, der spielerisch und konzertant seinen Persönlichkeitsstil mit einem virtuosen Gewand umkleidet. Das Werk mit seinen vielen volksmelodischen Themengruppen ist geistvoll und konzentriert gearbeitet und sehr leicht zugänglich. Ergreifende Lyrismen des Mittelsatzes und tiefe seelische Abgeklärtheit wechseln mit gedrungenen und klanggeladenen Phasen der übrigen Teile. Die Aufführung war auch in der Uebertragung durch den Funk von ungewöhnlichem Eindruck. G. I.





Ovationen für eine Klavier-Virtuosin

ZWEITES SYMPHONIE-KONZERT MIT MONIQUE DE LA BRUCHOLLERIE

Das 2. Symphonie-Konzert stand unter dem Zeichen des musikalischen Virtuosentums: im Werk und in der Ausführung. Wohl nur in seltenen Fällen wurde in Darmstadt ein Künstler durch solche Beifallsstürme ausgezeichnet, wie sie nach dem Tschaikowsky - b-moll - Klavierkonzert für Monique de la Bruchollerie aufbrausten.

Das Werk, das hart an der Grenze besserer Salonmusik vorbeijongliert, dessen Beurteilung sich seit seiner Entstehung nicht geändert hat, wird unter den Händen von Monique de la Bruchollerie zu einem mitreißenden Virtuosenstück, in dem alle banalen Einfälle abgeblendet werden und die Lust an der brillierenden Technik durch die Pianistin zum Dominieren gebracht wird. Dabei fehlt es der Bruchollerie keineswegs an Poesie. Im Gegenteil. Ihr Spiel ist von so subtiler und geläuterter Klarheit, ihre manuelle Technik so ausgereift, daß sie sich in jeder Phase der durchdachten und erfühlten Darstellung des Stückes anpaßt. Aber das geschieht mit Temperament, und der Dirigent hat seine Not, ihren Intentionen in der Orchesterbegleitung nachzukommen. Mit Charme und Grazie, mit natürlicher und burschikoser Anmut weiß Monique de la Bruchollerie auch äußerlich ihr Virtuosentum zu betonen, aber der Triumph der Beifallsovationen gilt doch allein ihren künstlerischen Qualitäten.

Virtuos hat auch Bohuslav Martinu seine Komposition angelegt. Leider war wieder der Titel im Programmheft unzureichend, da es sich hier um das „Doppelkonzert für zwei Streichorchester, Klavier und Pauken“ handelt. Das Klavier nimmt also durchaus konzertanten Charakter ein und hätte auch entsprechend herausgestellt werden müssen. Ansonsten ließ es aber Richard Kotz in der Interpretation an Lebendigkeit der musikalischen Leitung nicht fehlen. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf eine klangliche Expression, die der melodischen Folklore und der Mozartschen Instrumentation gut entgegenkam. Nur die rhythmischen Wechselfälle, die neben allen Klangreizen dem Ganzen den „modernen“ Charakter geben, hätte man sich mit stärkerer Artikulation hervorgehoben gewünscht. Im übrigen sollte man im Publikum von diesem Concerto grosso keine „Ideen* und keine „Wunschträume“ erwarten. Es ist Musik, die in einfacher Architektonik prägnante Gedanken in zeitgenössischer Harmonik mit äußerst musikantischer Technik auszudrücken versteht.

Der größte Gegensatz hierzu ist die „Pathetique“ von Tschaikowsky. Ein Pathos, das wirklich — trotz allem! — der Vergangenheit angehört. Im dritten Satz, dem Marsch, erschien mir schon immer das schön gelackte, in der Form vollendete, in der Konzeption sinnreich erdachte militärische Koppel, mit dem Spruch „Für Gott, König und . . .“. So brauste es 1870, so enthusiasmierte man sich 1914, so befahl es eine Weltanschauung 1939, die Führer statt König sagte, und so marschieren wir . . . Davor bewahre uns Gott, daß uns ein falsches Pathos wieder dahin bringt. Denn gegenüber Tschaikowsky stand damals schon Dostojewski. Das sollte uns zu denken geben.

Richard Kotz sei bei aller kühlen Zurückhaltung gedankt, daß er die pathetische Nuance sehr objektiv (besonders im zweiten Satz) aufgefaßt hat und die „Tschaikowsky-Renaissance“ dieses Konzerts nicht zum Festival einer musikalischen Mentalität hat auswachsen lassen. Er musizierte zwar mit Affekt, ohne aber Effekte herauszustreichen, und erntete daher mit dem Landestheater-Orchester den wohlverdienten Beifall. G. I.

Bela Bartok im Südwestfunk

In einer glanzvollen Aufführung brachte der SWF Baden-Baden unter Hans Rosbaud das nachgelassene Viola-Konzert Bartoks in Deutschland erstmals zur Wiedergabe. Solist war der berühmte Bratschist William Primrose, der mit bestechender Virtuosität und vollendeter Klanggebung das ihm gewidmete Konzert spielte.

Achtzehn Tage vor seinem Tode, am 8. September 1945, berichtete Bartok an William Primrose: „Ihr Violakonzert ist in der Skizze vollendet, so daß bloß noch die Partitur ausgeschrieben zu werden braucht. Wenn nichts dazwischen kommt, kann ich in 5—6 Wochen damit fertig sein.“ Diese Zeitspanne war Bartok nicht mehr vergönnt und seinem Freund und

Heimatnebeltag

VON HEINRICH LERSCH

Das ist es, was die kurzen Tage traurig [macht: Daß grau der Nebel alles überdacht. Daß meine Blicke, die zur Sonne gehn, Langsam nach innen, in die Seele seh’n. Und finden dort die Bilder alter Zeit Umhüllt vom Nebel der Vergangenheit: Weit, fern und still. Und nur die Sehn¬ [sucht wacht, Die diese kurzen Tage einsam macht...


Alexander Posch: Bildnis meiner Frau (1948) Der Neue Hessische Kunstverein zeigt zur Zeit zusammen mit dem Hessischen Landesmuseum eine Ausstellung von Werken Alexander Poschs. Obwohl ein Großteil des Schaffens dieses Darmstädter Malers durch den Krieg vernichtet wurde, vermittelt die Schau im Barocksaal des Landesmuseums doch einen Ueberblick über seinen künstlerischen Werdegang. Die Ausstellung ist bis zum 25. November geöffnet.
Alexander Posch: Bildnis meiner Frau (1948) Der Neue Hessische Kunstverein zeigt zur Zeit zusammen mit dem Hessischen Landesmuseum eine Ausstellung von Werken Alexander Poschs. Obwohl ein Großteil des Schaffens dieses Darmstädter Malers durch den Krieg vernichtet wurde, vermittelt die Schau im Barocksaal des Landesmuseums doch einen Ueberblick über seinen künstlerischen Werdegang. Die Ausstellung ist bis zum 25. November geöffnet.

Vom Sinn der Hauskonzerte

In einem Zeitalter der bürgerlichen Romantik gehörten Hauskonzerte ebenso zum guten Ton, wie man sich über Literatur zu unterhalten pflegte oder über die letzten gesellschaftlichen Ereignisse. Vielerorts dürften diese Veranstaltungen lediglich Selbstzweck gewesen sein, wo es weniger um die Pflege zeitgenössischer oder klassischer Musik ging, nicht darum, junge Künstler einem auserlesenen Kreis von Liebhabern vorzustellen, sondern darum, einen gesellschaftlichen Egoismus zu-befriedigen, der seine Wurzeln in einet übersteigerten Selbsteinschätzung hatte. Hauskonzerte waren das Zeichen ihrer Zeit, eine mißverstandene Sentimentalität des Bürgertums, die nur in den seltensten Fällen Anspruch auf eine wahre künstlerische Durchblutung erheben konnten und wollten. Das, was damals zum „guten Ton“ gehörte, was im letzten Reich mit den Vorzeichen einer national-völkischen Eigenart der arischen Rasse versehen wurde, die in Blockflötenkonzerten die Dynamik ihres Herrendaseins herzuleiten versuchte, muß heute unter einem gänzlich anderen Aspekt gesehen werden.

Heute kann niemand durch die Abhaltung von Hauskonzerten seinem gesellschaftlichen Ehrgeiz den Stempel aristokratischer Eleganz aufdrücken, er kann nur dem wahren Wesen der Kunst dienen, wenn er bereit ist, für diese Kunst Opfer zu bringen, wenn er überzeugt ist* daß das, was er unternimmt, einer höheren Wirklichkeit dienlich ist. Das Wesen der Kunst ist, sich mitzuteilen. Ihr diese Möglichkeit zu geben, sich als Kunstmäzee zu betätigen, setzt eine hohe Verantwortlichkeit voraus. Es ist nicht damit getan, einen Konzertflügel sein eigen zu nennen und eine Reihe von Stühlen, mehr noch, eine innere Verantwortung zu den Dingen mitzubringen, sie unter dein Gesichswinkel des Ewigkeitswertes künstlerischer Gestaltungskraft zu sehen. Nötiger denn je brauchen wir in unserer Zeit, die den musischen Dingen abhold ist, Dolmetscher des „Wahren, Schönen und Guten“, die selbstlos ihre Kräfte dafür einsetzen, daß den Menschen das geboten wird, was als Kunst der Ausdruck reinsten menschlichen Individualismus ist.

Es mag nicht viele dieser Idealisten geben, denen die Vermittlung künstlerischen Ausdrucksvermögens oberstes Anliegen ist. Aber diese wenigen mögen eine Handvoll anderer aufwiegen, denen es nur um die Zurschaustellung ihrer Persönlichkeitswerte geht. Was Herr K. Albrecht Buschbaum seit einem Jahr in seiner Darmstädter Atelierwohnung unternimmt, und was er zuvor über zwanzig Jahre lang in Berlin durchgeführt hat, mag als Versuch gewertet werden, den verlorengegangenen Kontakt zwischen der Materie der Kunst und den Zeitströmungen wieder herzustellen. In regelmäßigen Abständen veranstaltet er Hauskonzerte und Dichterlesungen, in denen junge Kräfte und Künstler zu Worte kommen, denen bisher der Zugang zum Forum der Oeffentlichkeit verwehrt war. Der selbstlose Einsatz seiner Künstlerpersönlichkeit sichert ihm hierin von vornherein einen Erfolg.

Im Vergleich zu einem Konzertsaal sind es nur wenige Gäste, die den Darbietungen folgen können, aber vielleicht liegt in der Beschränkung der Zahl die Möglichkeit, den Eindruck der künstlerischen Wiedergabe von Ton und Dichtung zu intensivieren, das Fluidum einer Innerlichkeit zwischen Hörer und Darsteller heraufzubeschwören, das der Aufnahmefähigkeit des Kunstwerkes zugute kommt. Es ist ein schwieriges Unterfangen, das viel Takt und Sicherheit in der Auswahl erfordert, aber es ist auch eine, Aufgabe, die, wenn sie ernst genommen wird, einen künstlerischen Menschen voll befriedigen kann. An Herrn K. Albrecht Buschbaum sieht man, daß er alle Voraussetzungen mitbringt, diese Hauskonzerte, wie überhaupt die regelmäßigen künstlerischen Veranstaltungen zu einem bleibenden Gewinn für seine Besucherschaft zu gestalten.

Das letzte Atelierkonzert brachte Lieder von Schubert, Wagner und Strauss, wie Arien von Verdi und Saint-Saens zu Gehör, die von Anna Maria Leinberger (Alt), Wilhelm Walter (Bariton) und Maria Lutz am Flügel vorgetragen wurden. hfl

Notizen

Bernard Shaw eingeäschert. Die sterblichen Ueberreste George Bernard Shaws sind am Montagnachmittag im Londoner Golders-Green-Krematorium eingeäschert worden. Der Trauerfeier wohnten nur einige Mitglieder der Familie und Freunde des Dichters bei.

Eine italienische Operntruppe unter Leitung von Oliviero de Fabritis ist zu einer Gastspielreise nach Deutschland abgereist. Die Gesellschaft plant „La Traviata“, „La Boheme“, den „Barbier von Sevilla“ und „Madame Butterfly“ in Stuttgart, Wiesbaden, Karlsruhe und Bremen aufzuführen.

Hans Albers plant 1951 ein Bühnenwerk Gerhart Hauptmanns zu verfilmen. Zur Wahl stehen „Florian Geyer“ oder „Fuhrmann Henschel“, jeweils als Farbtonfilm, u

Von Huelsen verstorben. Der langjährige Kurator der Marburger Universität, Geheimer Oberregierungsrat und Oberpräsident a. D. Dr. Emst von Huelsen, ist kurz vor Vollendung seines 75. Lebensjahres in Marburg verstorben. Dr. von Huelsen, der Ehrendoktor fast aller Fakultäten der Marburger Universität war, wurde vor einigen Wochen von der Marburger Universität mit der neugeschaffenen Würde eines Ehrendoktors der Religionswissenschaften ausgezeichnet. Von Huelsen übernahm im Jahre 1920 das Amt des Kurators der Universität. Der Verstorbene war auch Ehrenbürger der Stadt Marburg.

Prinz Rainer von Monaco hat einen Li¬ teraturpreis in Höhe von rund 10000 Mark gestiftet, der jährlich für das Gesamtwerk eines Dichters vergeben werden soll. Die Jury besteht aus Mitgliedern der Pariser Academie Francaise und der Academie Gcncourt, womit diese beiden rivalisierenden Institute zum erstenmal zusammenarbeiten. DAR

Von der Leinwand

PALAST: „Polizei-Inspektor Vargas.“ In seiner Villa wird der Großhändler Donald ermordet. Sechs Personen stehen unter dem Verdacht, den tödlichen Schuß abgegeben zu haben. Polizei-Inspektor Vargas gelingt es, den Schuldigen zu überführen und gleichzeitig einen langgesuchten Dieb festzunehmen. Dieser italienische Kriminalfilm bewegt sich in traditionellen Bahnen. Er gibt die Aufklärung des Falles immer hübsch stückchenweise und zuletzt erst den Täter. Wenn trotzdem die Spannung nicht den gewünschten Grad erreicht, so liegt das vielleicht an einigen zu stark zerdehnten Stellen, vielleicht auch an den manchmal fast ohne Zusammenhang nebeneinander gestellten Szenen. Gut wiedergegeben ist die Gestalt des Polizeiinspektors, der das gesamte Geschehen beherrscht, hinter dem die übrigen Darsteller stark zurücktreten, -n

Darmstadt und Umgebung

Oft sind es lange Wege ...

Mit „Lieber Heimkehrer! Trafen Sie im Gefangenenlager den Kriegsgefangenen...?“ fängt es an. Aber die Bitte um Auskunft über Schicksale der Vermißten wird nicht immer gleich in ihrer ganzen Tragweite erkannt. Der Suchdienst des Roten Kreuzes muß oft noch ein zweites-, ein diittesmal schreiben. Und wenn dann noch keine Antwort kommt, wird eia letzter Versuch gemacht: der Besuch'in der Wohnung des Heimkehrers.

Es ist nicht verwunderlich, daß diese Männer zurückhaltend sind und an all das grausame Geschehen in der Gefangenschaft nicht erinnert werden wollen! Aber der Gedanke, den Angehörigen ihrer unglücklichen Kameraden helfen zu können, läßt sie doch immer Einzelheiten nennen, die belanglos erscheinen mögen und dennoch den rechten Weg weisen können.

Hier ein Beispiel von Tausenden: Heimkehrer F. hatte nichts weiter als die Brieftasche eines namenlos im polnischen „Zuchthaus“ verstorbenen Kameraden. Der einzige Inhalt der abgegriffenen Tasche waren einige ebenso abgegriffene Fotos, die alle das gleiche Frauenbildnis darstellten. War es die Braut, war es die Frau des Toten? Wie und wo sollte man sie finden?

Ein kleiner Anhaltspunkt: auf der Rückseite eines der Bilder konnte man undeutlich den Namen der Stadt lesen, in der die Fotos hergestellt worden waren. Ein Ortsname, nichts weiter — und doch war nur hier der Hebel anzusetzen.

Die Stadt lag im polnisch besetzten Gebiet. Ein Brief an die Zonenzentrale des Suchdienstes in Hamburg: „Bitte schicken Sie uns umgehend Namen und Anschriften von Personen, die früher in N. gewohnt haben...“

Binnen 10 Tagen lag eine Liste von 8 Anschriften vor. Nach längerem Ueberiegen entscheidet sich die Sachbearbeiterin des Suchdienstes für Frl. M. Ihr schickt sie die Bilder. Binnen Wochenfrist kommt die Antwort von einem Arzt, den Frl. M. indessen geehelicht hatte: „... ich war 20 Jahre Arzt in N„ aber ich vermag das Bild nicht zu identifizieren ... schreiben Sie aber an Herrn Lehrer P.“

Ein Brief an Lehrer P. Die Bilder wandern mit. Herr P. führt die Anschriftenkartei seiner Landsleute aus N. Sein Antwortschreiben führte ans Ziel: „Die Sache konnte schnell geklärt werden. Es handelt sich um die Gattin des vermißten W. H.... Ihre Anschrift lautet:..

Zwei Schreiben treten die letzte, entscheidende Reise an: An Frau H. (mit Brieftasche und Bildern) und an den Heimkehrer F.

„Wie ich Ihnen danke! Es ist die Brieftasche meines unglücklichen Mannes! Nun habe ich endlich Gewißheit über das Schicksal... Mit Herrn F. stehe ich in Verbindung ...“ Mit diesem Briefe schließen sich die Akten des Suchdienstes über den Fall H.

230 Tage und 8 Briefe waren zur Klärung erforderlich. Ein Fall unter vielen tausend andern!

Der Suchdienst des Roten Kreuzes bittet immer wieder: Liebe Heimkehrer, auch mit den geringsten Zeichen und Bemerkungen könnt Ihr uns helfen...! Auch wenn es ein langer Weg wird.

An einen Baum gefahren

Polizeiwachtmeister wegen fahrlässiger Tötung und Uebertretung verurteilt

Der tragische Verkehrsunfall, der sich am 15. August gegen 4.30 Uhr in der Darmstädter Straße in Eberstadt ereignete und den Tod des Maurermeisters H. zur Folge hatte, stand gestern im Mittelpunkt einer Gerichtsverhandlung. Am Steuer des amerikanischen Personenwagens, der damals in voller Wucht gegen einen Baum rannte, saß der 36jährige Polizeiwachtmeister Karl L. aus Darmstadt, der Angeklagte des Prozesses. Er war seinerzeit bei dem Unglück selbst erheblich verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt leitete gegen ihn ein Strafverfahren ein, weil er nach ihrer Ansicht im betrunkenen und übermüdeten Zustand und entgegen seiner Dienstvorschriften während seines Streifendienstes den Wagen gefahren sowie fahrlässig den Tod seines Mitfahrers verschuldet hat.

In dem Untersuchungsbefund des Arztes bei der Blutentnahme nach dem Unfall wurde festgestellt, daß L. unter Alkohol stand. In der gestrigen Beweisaufnahme gab er zu, während des Dienstes getrunken zu haben und den angetrunkenen, bei dem Unfall schwer verletzten und später verstorbenen Maurermeister H. im Wagen seines zukünftigen Schwagers mitgenommen zu haben. Durch das Verhalten des Verstorbenen während der Fahrt sei auch der Unfall zustandegekommen. Die Geschwindigkeit des Wagens betrug 50 bis 55 Stundenkilometer.

Nach mehrstündiger Verhandlung verurteilte das Bezirksschöffengericht den angeklagten Polizeiwachtmeister wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit Uebertretung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. wst.

Luftschiffkapitün Max Bruß

spricht im Zintl-Institut

Die Segelfliegergruppe Darmstadt hat den bekannten Luftschiffkapitän Max Pruß, den ehemaligen Kommandanten eines Luftschiffes zu einem Lichtbild- und Filmvortrag nach Darmstadt eingeladen.

Max Pruß, einer der bewährtesten Führer von Zeppelinluftschiffen, wohnt heute in Neu-Isenburg. Er bringt am Donnerstag, dem 9. November um 20 Uhr im großen Hörsaal des Zintl-Institutes der Technischen Hochschule Darmstadt einen ausführlichen Bericht über seine zahlreichen Fahrten.

Da der Vortragende weit über 2 Millionen Fahrtenkilometer in alle Teile der Welt zurücklegte, dabei den Atlantik 169 mal überquerte, ist mit einem äußerst interessanten Vortrag zu rechnen. •

Er unterschlug 1744 DM

Wegen Unterschlagung und Untreue erhielt gestern der 47 jährige Wilhelm W. aus Darmstadt vom Schöffengericht Darmstadt vier Monate Gefängnis und 200 DM Geldstrafe. Als eingesetzter Hausmeister eines bahneigenen Wohnblocks in der Michaelisstraße hatte er 1744 DM Mietgelder unterschlagen, die er jeweils am Ende eines jeden Monats bei den einzelnen Mietern zu kassieren und an die Bahnkasse abzuliefern hatte. Der Angeklagte, ein Opfer schlechter häuslicher Verhältnisse und der heutigen schweren Lebenshaltung, hat sich von Anfang an bemüht, der Bahn den Schaden wieder zu ersetzen. In einem früheren Verfahren war er wegen schwerer Amtsunterschlagung zu sechs Monaten verurteilt worden. wst.

Griesheimer Sänger wollen feiern

Die beiden ältesten Griesheimer Gesangvereine „Frohsinn“ (80 Sänger und Sängerinnen) Chorleiter A. Simmermacher jun. und der MGV. „Sängerbund Germania“ (120 Sänger), Chorleiter Martin Carl, können im nächsten Jahr auf ein 70jähriges Bestehen zurückblicken. Beide Vereine wollen dieses Jubiläum in Form eines größeren Sängerfestes gemeinsam begehen. Als Festtage «sind der 7., 8. und 9. Juli 1951 in Aussicht genommen. Das Festprogramm ist bereits zusammengestellt. Ein für Anfang Februar vorgesehener Delegiertentag soll die endgültige Gestaltung des Festes festlegen. _

Der MGV. „Sängerbund Germania“ will bei diesem Fest die Weihe einer neuen Vereinsfahne vornehmen, da der Verein seine beiden alten Fahnen infolge Kriegseinwirkung verloren hat.

Bereits am 25. Februar 1951 wird der Gesangverein „Frohsinn“ und an Ostern der MGV. „Sängerbund Germania“ mit je einem Jubiläumskonzert vor die Oeffentlichkeit treten.

Zugunsten des Nachbarschaftsheimes spielen die „Königsteiner Puppenspieler“ am Donnerstag, dem 9. November, um 15.30 Uhr, im Nachbarschaftsheim für die Kinder.

Einkehr im Eberstädter „Ochsen“

Schon Goethe hielt es so ...

Im 18. und 19. Jahrhundert waren Eberstadt und Langen die Orte, in denen die Frachtfuhrleute auf ihren Fahrten nach Frankfurt Station machten. In dem langgestreckten, einstöckigen Gebäude in der Heidelberger Straße gegenüber dem Samengeschäft Traser befand sich seit 1754 — das Datum steht heute noch über dem Toreingang — das Gasthaus „Zum Ochsen“. Ueber ein Jahrhundert lang

sollen dort täglich etwa 20 Pferdekutschen oder Fuhrwerke in den bis heute erhaltenen Toreingang hereingefahren sein. Dann fuhren sie zum anderen heraus, der ebenfalls noch sichtbar ist, aber bedauerlicherweise, das alte Bild zerstörend, zugemauert wurde. Eine Fuhrwerk-Werkstätte führte alle notwendigen Reparaturen an den Wagen aus. An den großen Hof der Gastwirtschaft hinter dem Hause grenzten die Stallungen zum Unterbringen der Pferde für die Nacht, während die Fuhrherren sich in den Zimmern des Vorderhauses aufs Ohr legten.

Auf seiner Reise nach Italien hat auch Goethe, wie die Ueberlieferung berichtet, im Gasthaus „Zum Ochsen“ Einkehr gehalten und dort übernachtet. Auf einem Spaziergang in dem vier Morgen großen Garten, der zum Gasthaus gehörte und sich hinter den Stallungen ausdehnte, soll er sich an der herrlichen Aussicht auf den Frankenstein begeistert haben.

Wie das Wappen mit Faß und zwei Schaufeln über dem Toreingang andeutet, waren in dem Gebäude auch eine Brauerei und eine Brennerei. Das Gasthaus „Zum Ochsen“ war von 1754 an im Besitz der Familie Wolf, bis eines Tages Herr Klewe, der aus Norddeutschland nach Eberstadt kam, den letzten Nachkommen dieser Familie heiratete. So wurde ■ das Gasthaus Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in ein Privathaus des Besitzers der Papierfabrik Klewe und Uhde, wie die Firma nach einem Kompagnon des Herrn Klewe damals noch hieß, verwandelt. Später kam das Haus in andere Hände und heißt nur noch bei den Eberstädtern das Klewehaus. Alte Eberstädter Einwohner wissen noch von einem Faktotum, der „Ochsenlies“, zu erzählen, die um die Jahrhundertwende gestorben ist. Sie war schon beim Ochsenwirt in Stellung und diente später noch beim Papierfabrikbesitzer Klewe.



Kursbuch füralle Verkehrsmittel

in Odenwald, Ried und Bergstraße

Im Zusammenwirken mit allen Verkehrsverbänden und -vereinen unseres Gebietes hat der Verlag „Verkehrs- und Wirtschaftsarchiv, Darmstadt“ ein Kursbuch für alle Eisenbahnen, Kleinbahnen und Omnibusse an der Bergstraße, im Odenwald und im Ried herausgegeben.

Das neue Kursbuch enthält alle Fahrpläne nach dem Stande vom 15. Oktober 1950. Auf 56 Seiten zum Preise von DM —,85 bringt es in klarer Gliederung nach einem großen Ortsregister auch die Abfahrtszeiten der D- und Eilzüge ab Mannheim und Heidelberg. Das Kursbuch ist in allen Buchhandlungen erhältlich.

Mit gutem Beispiel voran

Zu einer kleinen Nachfeier waren ge'stern morgen bei der Firma Kattier anläßlich ihrer Neueröffnung namhafte Vertreter der Stadt und des Einzelhandels erschienen. Nach einem herzlichen Empfang schilderte Herr Kattier noch einmal die Geschichte seines Hauses von der Gründung, über den Zusammenbruch bis zum Wiederaufbau. (Wir weisen darauf hin, daß wir darüber in unserer Montag-Ausgabe ausführlich berichtet haben.) Trotz der flüssigen, geistvoll pointierten Rede war zu erkennen, daß der Aufbau doch nicht so leicht gewesen war, wie es — wenn man ihn von der Grundsteinlegung an verfolgte — den Anschein hatte. Oberbürgermeister Metzger machte in diesem Zusammenhang lächelnd die Bemerkung, daß man mit Kompromissen auch ein gutes Stück weiterkommen würde, was ja der Bau Kattier beweise, der sicher vielen anderen Bauherrn in Zukunft beispielgebend sein könne. Interessant schienen uns noch die Ausführungen von Dr. Hummel, dem Vertreter des Einzelhandels. Er erklärte nämlich, daß in der Innenstadt seit 1945 bis heute insgesamt etwa 180 Einzelhandelsgeschäfte mit rund 470 Schaufenstern neu eröffnet hätten. In dieser Statistik sind nicht die Neueröffnungen in den Außenbezirken enthalten. r/DT

In des Stadt notiert

Die Schaufensteranlagen, Portale und Türen für die Geschäftsräume der Firmen Kattier und Philippi in der Rheinstraße bauten nicht, wie auf Seite 8 unserer Ausgabe vom 6. November zu lesen war, eine Firma Peter & Schanz, sondern die Firma Peter & Schauss, Frankfurt am Main.

Der Ordinarius für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule, Professor Dr. H. G. Evers, hält im Wintersemester 1950/51 eine Vorlesung über „Albrecht Dürer, Leben und Werk“. Die Vorlesung findet jeweils Donnerstag nachmitta'gs 16.45 bis 18.00 Uhr im großen Hörsaal des Zintl-Instituts statt. Erste Vorlesung: Donnerstag, den 9. 11., 16.45 Uhr.

Die nächste Orgelfeierstunde findet nicht, wie ursprünglich vorgesehen, heute abend, sondern erst am kommenden Mittwoch, dem 15. November, um 20.00 Uhr, in der Stadtkirche statt. Prof. Bor n - g ä s se r wird Werke von Bach und Reger spielen. *

Zu einem Zusammenstoß kam es gestern morgen auf der Kreuzung Donnersberg- und Bessunger Straße zwischen einem amerikanischen Pkw. und einem Radfahrer. Bei dem Sturz verletzte sich der Radfahrer so schwer, daß er in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden mußte. dt

Wer den Pfennig nicht ehrt, baut sich kein Haus

Wenn man in den letzten Tagen durch Arheilgen kam, konnte man gerade noch sehen, wie die letzten Gerüststangen von dem Neubau der Vereinsbank entfernt wurden. Damit ist ein, seit langem angestrebtes, durch mancherlei schwerwiegende Umstände immer wieder hinausgeschobenes Ereignis Wirklichkeit geworden. Das älteste Bankinstitut am Ort hat endlich einen großzügigen und würdigen Rahmen gefunden.

Die erste Bauabsicht der Spar- und Darlehnskasse, die die Rechtsvorgängerin der Vereinsbank ist, reicht in das Jahr 1913 zurück und wurde durch den ersten Weltkrieg ebenso vereitelt wie das zweite Bauvorhaben durch den zweiten. Nach einem Entwurf von Architekt Phil. Benz und unter der Bauleitung der Firma Adam Kramer wurde der Neubau nun durchgeführt, um alsbald ewa Mitte des Monats seinem neuen Zweck zugeführt zu werden. Die gesamte innere und äußere Ausstattung des Gebäudes wurde von ausschließlich ortsansässigen Handwerkern und Arbeitern durchgeführt. Damit verwirklicht der Auftraggeber seinen seit 85 Jahren gehegten Grundsatz, in jeder Hinsicht ein speziell für die Arheiliger gemeinnütziges Institut zu sein.

Der Aufstieg, den die Vereinsbank im Lufe ihres Bestehens gemacht hat, spiegelt das Vertrauen, das sie bei der Arheiliger Bevölkerung genießt. Die Zahl ihrer Mitglieder beläuft sich heute auf 800, während insgesamt 7500 Spar- und Girokonten unterhalten werden. Dementsprechend hat sich der Umsatz ständig aufwärts entwickelt. Betrug er im Jahre 1938 etwa 18—19 Millionen, so ist er jetzt bei 50 Millionen angelangt. Neben ihren Sparern berät die Vereinsbank wie jedes andere Bankinstitut ihre Kunden in allen Hypotheken-, Börsen- und Außenhandelsgeschäften. Kä

Känigin von Schweden

in Jugenheim geboren

Nach dem Tode des betagten König Gustav V. von Schweden hat am 30. Oktober der schwedische Kronprinz als König Gustav VI. Adolf im 68. Lebensjahr den Thron bestiegen. Seine Gemahlin, die neue Königin von Schweden, wurde — was nur wenigen Lesern bekannt sein dürfte — im Jahre 1889 als Prinzessin Luise von Battenberg auf dem Heiligenberg in Jugenheim geboren. Sie kam schon früh mit ihren Eltern nach England, wo die Familie bekanntlich während des ersten Weltkrieges in Anbetracht des allgemeinen Deutschenhasses den Namen Mountbatten annahm. Als Louise Princess of Mountbatten heiratete sie im Jahre 1923 den schwedischen Thronfolger und steht heute im 61. Lebensjahre.

Im ersten Weltkrieg betätigte sie sich, schon immer im Dienste karitativer Organisationnen stehend, auch als Krankenschwester und weilte mehrmals auf den Schlachtfeldern in Frankreich.

Die Familie der Battenberger ist durch den heutigen Herzog von Edinburgh, der mit der englischen Thronfolgerin verheiratet ist, besonders eng mit der englischen Königsfamilie verknüpft. Die Battenberger sind eine der sehr seltenen fürstlichen Familien, die in den letzten Jahrzehnten des allgemeinen Abstiegs des Adels im Gegensatz dazu in der ersten Reihe der noch bestehenden europäischen Fürstenhöfe erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Der letzte englische Vizekönig von Indien, Earl Mountbatten of Burma, ist gleichfalls ein Angehöriger dieses Geschlechts. Er weilte vor einiger Zeit zu Besuch an der Bergstraße. ca

Sie sind nicht böse, nicht gemein, aber primitiv

Auf den Spuren zweier bettelnder Kinder

Wir brachten sie auf die Polizeiwache, wo zu unserem Erstaunen die Beiden ebenso bekannt waren wie ihnen das Revierbänkchen vertraut zu sein schien. Ohne jede Anteilnahme, mit stumpfsinnigem Blick, gaben sie stereotype Antworten auf offenbar gewohnte Fragen. Wir gewannen den Eindruck, daß es sich um Sprößlinge einer assozialen Familie handelte, die von zu Hause geradezu zum Betteln ausgeschickt und womöglich verprügelt wurden, wenn sie nichts heimbrachten.

Das Bild, das uns späterhin die Fürsorgerin von den Familienverhältnissen der Kinder entwarf, fügte als wesentlich neues Moment die Tatsache hinzu, daß zumindest ein Elternteil minderbegabt, wenn nicht gar schwachsinnig sei. In diesem Fall gewannen die ungeordneten, schlampigen Zustände ihre wesentliche Erklärung aus einem psychisch bedingten Nicht-anders-können und Gehemmtsein, das, bei völliger Invalidität des Vaters, durch die wirtschaftliche Notlage noch gesteigert wird. Die Kinder ihrerseits, fünf an der Zahl, mußten bis auf eins in die Hilfsschule überwiesen werden, ein Umstand, der ihre unglückselige Erbanlage auf das Traurigste bestätigt. Für die Fürsorge aber erhob sich daraus das Problem, ob bei so schlechten Voraussetzungen eine mögliche Heimerziehung überhaupt Erfolg versprechen könne, d. h. ob bei der zwangsläufigen Begrenztheit der öffentlichen Mittel man nicht dazu verpflichtet sei, das Geld sinnvoller anzuwenden. Die Bedenken der Schulleitung gingen in derselben Richtung, wenngleich man hier der Schädigung durch das Milieu eine mindestens ebenso große Wirkung zuschrieb als der natürlichen Veranlagung.

1 Was wir vorfa.nden, erschütterte durch seine Simplizität und '‘Mittelmäßigkeitl. Ein gutmütiger, etwas großsprecherischer, Vater war — während die Frau im Stundenlohn auswärts putzte —gerade damit beschäftigt, einen nahezu leeren Raum, in dem vier Betten das einzige Mobilar bildeten, aufzuwaschen. Unsere beiden Freunde waren angeblich in der Schule. Auf dem Küchentisch stand ein Topf mit Pellkartoffeln. Ein kleiner Junge hing dem Vater am Bein. Ein schwachsinniges Mädchen starrte uns aus blöden Augen offenen Mundes an. Der Mann gab freundlich geschwätzig Auskunft. Wir fanden keine Spur von der Bosheit und niederträchtigen Gemeinheit, die wir hier vermutet hatten. Es schien vielmehr nach Kenntnis des Milieus völlig unwahrscheinlich, daß der Vater seine Kinder übermäßig verprügelte.

Was ergibt sich? Zwei Menschen, deren geistige Beschränktheit keiner tieferen Einsicht fähig ist, lassen aus Unvermögen ihre nicht minder beschränkten Kinder verkommen und verwahrlosen. Sie schicken sie zum betteln in die Stadt und freuen sich allesamt, wenn der Erfolg lohnend war. Sie sind nicht böse, nicht gemein, nicht verkommen, aber primitiv, schlau und schlampig. Am Rand der menschlichen Gesellschaft leben sie, ohne ihr zu nutzen, aber auch ohne sie direkt zu gefährden. Stattdessen wählen sie, von jeher die materielle Not im Nacken, einfach den Weg des geringsten Widerstandes. Niemand ist für sie verantwortlich. Keine Kompetenz reicht bis zu ihnen. Sie stehen am Rande der sozialen Ordnung. kä


Foto: Hilde Roth Der Fall, den wir bis ins einzelne untersuchten, warf eine vielschichtige Problematik auf: Zwei Kinder im schulpflichtigen Alter trieben das Gewerbe des Bettelns mit erstaunlicher Virtuosität. Sie belagerten Parkplätze und Lebensmittelgeschäfte in der gewiß schlauen Ueberlegung, daß Autobesitzer immer Geld und Lebensmittel einkaufende Hausfrauen meistens Mitleid mit hungernden Kindern haben. Wir sahen aber nicht, daß sich die beiden je ein Brötchen oder sonst etwas Eßbares kauften. Statt dessen verstauten sie mit einem Anflug kindlichen Eifers und Triumphs die erbettelten Zehner in ihren unergründlichen Hosentaschen.
Foto: Hilde Roth Der Fall, den wir bis ins einzelne untersuchten, warf eine vielschichtige Problematik auf: Zwei Kinder im schulpflichtigen Alter trieben das Gewerbe des Bettelns mit erstaunlicher Virtuosität. Sie belagerten Parkplätze und Lebensmittelgeschäfte in der gewiß schlauen Ueberlegung, daß Autobesitzer immer Geld und Lebensmittel einkaufende Hausfrauen meistens Mitleid mit hungernden Kindern haben. Wir sahen aber nicht, daß sich die beiden je ein Brötchen oder sonst etwas Eßbares kauften. Statt dessen verstauten sie mit einem Anflug kindlichen Eifers und Triumphs die erbettelten Zehner in ihren unergründlichen Hosentaschen.

Wie wird das Wetter?

Leichter Nachtfrost

Vorhersage: Am Mittwoch zeitweise aufgelockerte Bewölkung, trocken. Mittagstemperaturen um 5 Grad. Nächtliche Tiefstwerte um 0 Grad oder etwas unter 0 Grad. Schwache Winde. Weitere Aussichten: Frühnebel, trocken, wenig Temperatur-Aenderung.



Wohin gehen wir heũte?

Landestheater: Orangerie: 19.30 Uhr „Maß für Maß“, Schauspiel von William Shakespeare, Ende gegen 22.00 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Das Lied des Orients“; Thalia: „Jetzt schlägt's 13“; Belida: „Das Gesetz der Prärie“; Palast:» „Polizeiinspektor Vargaä“; Hansa: „Gold in New Fresco“. Auditorium des Amerikahauses (Krone): 17.45 Uhr Filmvorführungen „Musik in Amerika“, „Mammutbäume“ und Farbfilm „Die Geschichte vom Mais“. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3a: 15.00 bis 20.00 Uhr Ausstellung „Gesundes Leben“. 17.30 Uhr Gespräch: „Aerzte und Pädagogen unterhalten sich über den Hygiene-Lichthof“.

STARKENBURG

Verwerfliches Geschäftsgebahren

Verschuldeter Lebensmittelhändler

Wegen Betrugs verurteilte gestern das Bezirksschöffengericht in Darmstadt den 63jährigen Lebensmittelhändler Otto H. aus Langen zu vier Monaten Gefängnis.

H.. der seit einiger Zeit in Langen ein Geschäft besitzt, ist seit 1948 immer stärker mit seinen Zahlungsverpflichtungen in Verzug gekommen und seit Ende 1949 in zunehmenden Maße verschuldet.

Aus diesem Grunde übereignete er seine gesamte Ladeneinrichtung als Sicherheit der Firma Edeka in Frankfurt. Trotz dieser Tatsache „übereignete“ er seiner Vermieterin aus dem gleichen Anlaß für rückständige Mietschulden einige dieser bereits .vergebenen Einrichtungsgegenstände. Auch mit einem anderen Gläubiger, dem er noch einige tausend DM zu geben hatte, schloß er einen Sicherungsübereignungsvertrag ab, indem er verschiedene Gegenstände fälschlicherweise noch als sein Eigentum bezeichnete. Schließlich schädigte er einen Kaufmann in Urberach um annähernd 1500 DM. die ihm dieser als Darlehen überlassen hatte. wst.

Freitod in der Mümling?

Seit Samstagabend wird eine Einwohnerin aus Lützel-Wiebelsbach vermißt. Es handelt sich um Frau Raab, die schon längere Zeit Selbstmordabsichten geäußert hatte. Polizeiliche Ermittlungen haben ergeben, daß die Betreffende sehr wahrscheinlich den Freitod in der Mümling bei Neustadt gesucht hat. Eine sofort eingeleitete Suchaktion, bei der Spuren im Schlamm entdeckt wurden, blieb bisher erfolglos. -hm-

Vom Lastzug überfahren

In K e 1 s te r b a c h fühl’ ein 19jähriges Mädchen aus Frankfurt-Schwanheim an der gefährlichen Kreuzung Bergstraße— Rüsselsheimer Straße mit dem Fahrrad gegen einen Lastzug und kam mit einem Bein unter ein Hinterrad des Anhängers. Mit schweren Verletzungen wurde das Mädchen in das Höchster Stadtkrankenhaus eingeliefert. -Kb-

Auf Barrikaden treffen wir uns wieder?

Erregte Debatten im Pfungstädter Gemeinderat in Wohnungsfragen

Anläßlich der Gemeinderatssitzung am Montagabend verpflichtete Bürgermeister Jäger Frau Maria Zöller und Walter Kämmerer als Gemeinderäte, nachdem Wilh. Klemenz und Christof Schulz ihr Amt niedergelegt hatten.

Auf den Antrag der Heag, bei der bevorstehenden Aufstellung einer Wartehalle vor der Brauerei Hildebrandt die Hälfte der Kosten von der Gemeinde zu tragen, wurde vorgeschlagen, sich nicht daran zu beteiligen, dafür aber die Ausbesserung der Eberstädter Straße zur Schonung der Heag-Busse vorzunehmen. Eine Ueberdachung der Haltestelle an der Post wurde ebenfalls in Erwägung gezogen.

Auf Grund einer Unterredung zwischen dem Bürgermeister, dem Kreisvorsitzenden der Heimatvertriebenen, Winterstein, und Min.-Rat Wenzel Jaks c h , wird letzterer nach Pfungstadt kommen, um sich von den Industrialisierungsmöglichkeiten des Munageländes zu überzeugen und dessen Einbeziehung in den IJessenplan zu beraten. Ueber die Kauf-Finanzierung soll noch verhandelt werden.

Auf Antrag des KPD-Vorsitzenden, wie sich der Gemeinderat zu den beabsichtigten und bevorstehenden Entlassungen kommunistischer Parteiangehöriger aus dem öffentlichen Dienst stelle, betonte die SPD-Fraktion, daß die Gemeinde Pfungstadt keinerlei Entlassungen einer politischen Gesinnung wögen vornehmen werde. Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt.

Längere Zeit nahm das strittige Thema über organisatorische Fragen der Brennholzversorgung in Anspruch. Lebhafte Einwendungen wurden hierbei gegen Verkauf und Verteilung durch die ortsansässigen Händler gemacht. Teilweise vertrat man den Standnunkt, daß infolge der sozialen Notlage größerer Teile der Bevölkerung derartige Grundstoffe nur von den Gemeinden verkauf und verteilt werden sollten. Eine Einigung kam dahingehend zustande, daß die Händler das Holz von der Gemeinde käuflich übernehmen und je Person 1 Zentner verkaufen. Scheine dafür sollen von der Verwaltung nach Bekanntmachung ausgegeben werden.

Ein Antrag der SPD-Fraktion und Zusatzantrag der KPD auf Gewährung von Winterbeihilfen an die minderbemittelte Bevölkerung, wurde dahingehend angenommen, daß an alleinstehende Personen 15 DM, an zwei Personen 20 DM, an drei Personen 25 DM und an vier und mehr Personen 30 DM Beihilfe gezahlt werden sollen, wobei d^s jeweilige Einkommen maßgebend ist.

Zu erregten Debatten kam es bei der Behandlung der Wohnungsfragen. Der bisherige Wohnungsausschuß hatte die weitere Mitarbeit abgelehnt und Bürgermeister Jäger erklärte, daß er leider seit drei Wochen für diese Fragen allein verantwortlich sei und um Bildung eines neuen Ausschusses bitte. „Schon einmal haben wir 1932 eine kleine Revolution in Pfungstadt entfacht“, äußerte der SPD-Abgeordnete Crößmann. „wir werden unsere Rechte mit allen Mitteln verteidigen und wenn es über die Barrikaden sein muß!“ Als Gewerkschaftsvertreter lehnte er jegliche Mitarbeit in neu zu bildenden Ausschüssen ab, da man sich seiner Meinung nach grundsätzlich von der bisher gehandhabten Wohnun'ispolitik distanzieren wolle und müsse. Sämtliche übrigen Gemeinderatsmitglieder kamen allerdings übereinstimmend zu dem Entschluß, eine neue den Bürgermeister unterstützende Körperschaft zu bilden. Scg.

Alte hessische Tradition in der Kirche Eschollbrückens

Eine gute hessische Tradition nannte Dekan Balz das Zusammentreffen von Kirchweihfest und Reformationstag in seiner Festpredigt, die er anläßlich des Festgottesdienstes in der Eschollb r ü c k e r Kirche hielt. In Hessen sei es vor Jahrhunderten üblich gewesen, Kirchweihfest und Reformationstag gemeinsam zu begehen. Zu der Feierstunde, in der sich die Kirchö nach ihrer Wiederherstellung in einem hellen und lichten Gewand zeigt, sang erstmals der neue Singkreis überraschend gut unter Frau Hechler. Die Liturgie hielt Gemeindepfarrer Dr. Uhrig. +

Was aũch interessiert:

Die Zweite Strafkammer des Landgerichts Darmstadt eröffnete gestern morgen unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Zimmermann eine zweitägige Hauptverhandlung gegen Ernst J. aus Bürstadt. Der Angeschuldigte hat sich wegen mehrerer Betrugsfälle und anderer Delikte zu verantworten. Im Laufe des heutigen Tages werden noch eine Reihe von Zeugen zu dem umfangreichen und komplizierten Strafkomplex gehört. wst.

Der Deutsche Schäferhundeverein, Ortsgruppe „Oberzent“, veranstaltet heute um 20.30 Uhr im „Felsenkeller“ in Beerfelden eine außerordentliche Mitgliederversammlung, an der auch Gäste teilnehmen können. -ch

Der Zither-Club Michelstadt, der schon vor dem Kriege bestanden hatte und mit zahlreichen Konzerten an die Oeffentlichkeit getreten war, wurde unter Leitung von Friedrich Köbler wieder ins Leben gerufen. Im „Goldenen Stern“ finden jeden Donnerstag Uebungs^tunden statt. -ch

Mehr Aufgeschlossenheit und Perständnis

Versammlung der Flüchtlinge und Fliegergeschädigten in Pfaffen-Beerfurth

Am Sonntag fand eine Versammlung der Flüchtlinge und Fliegergeschädigten im Gasthaus „Zur Post“ in Pfaffen-Beerfurth statt.

Vom Kreisverband der Heimatvertriebenen und Fliegergeschädigten für den Kreis Erbach erschienen die Herren Z e m a n n und Jakobs, die über Sorgen und Nöte der Flüchtlinge und Fliegergeschädigten sprachen. Sie zeigten Wege auf, die zu einer Besserung der Verhältnisse führen müßten und gaben Richtlinien für die Arbeit der Flüchtlingsvertrauensmänner. Die Flüchtling^ seien bestrebt, sich der Lebensgemeinschaft der Ortseinheimischen anzupassen, jedoch sei oft mehr Aufgeschlossenheit und Verständnis für die sozialen Fragen der Flüchtlinge und Fliegergeschädigten von Seiten der einheimischen Bevölkerung und der Gemeindeverwaltungen vonnöten.

Flüchtlingsobmann Tietz sprach über örtliche Schwierigkeiten der Ortsgruppe. Die Zahl der Mitglieder sei auf ein Minimum herabgesunken, was darauf weise, daß in Flüchtlingskreisen der Glaube an eine bessere Zukunft einem Gefühl der Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit Platz zu machen beginne.

tme iNeugrunaung der Ortsgruppe wurde beschlossen. Gefordert wurde ferner größere Berücksichtigung der Belange der Flüchtlinge im Gemeindeleben und Tagung des Gemeinderates in der Oeffentlichkeit, wozu jeweils eine Abordnung aus Flüchtlingen und Fliegergeschädigten entsandt werden solle. Das System der Tagung hinter verschlossener Tür fand allseitige Ablehnung. Nur so sei es möglich, den gerechten Forderungen und Wünschen der Flüchtlinge und Fliegergeschädigten Durchschlagskraft zu verleihen.

In der freien Aussprache wurde mit scharfen Worten Kritik an dem Wohnungs- und Siedlungswesen der Gemeinde geübt. Bis jetzt sei kaum etwas geschehen. Von den für Wohnungs- und Siedlungszwecken aufgekauften 3500 qm Bauland sei bis heute noch keine einzige Baustelle an Siedler vergeben worden — trotz aller Beschlüsse des Gemeinderates und Versprechungen in der letzten Bürgerversammlung. -ter.

„Radsport wird zum Polkssport“

Radfahrverein „Frisch Auf“, Groß-Zimmern, feiert 30jähriges Bestehen

Mit einem Rückblick auf die Vereinsgeschichte eröffnete Vorsitzender Buchsba u m den Jubiläumstag im Vereinslokal „Waldstraße“. Als Gäste konnten Bundesvorsitzender der Arbeiterradfahrvereine Heinrich Nöll, Frankfurt, Ludwig Hintermeier in Vertretung des Bezirksleiters Karl Hintermeier, Eberstadt, und Bürgermeister Reinhardt begrüßt werden.

Der Aufmarsch der Sportler wurde mit einem flotten Musikstück begleitet. Der Totenehrung folgte ein Begrüßungsreigen der weiblichen Riege. Musik und Gesangsvorträge des Arbeitergesangvereins „Einigkeit“ gingen der Festrede des Bundesvorsitzenden Heinrich N $ 11, Frankfurt, voraus, der besonders die Leistungen der Arbeiter-Radfahrvereine hervorhob. Der Bund der Radfahrer zählte schon im Jahre 1933 über 300 000 Mitglieder. Persönlich ehrte er nach seinem Vortrag die Jubilare.

Die Urkunde und die silberne Ehrennadel erhielten für 30jährige Mitgliedschaft H. Adam Fröhlich, Wilhelm Buchsbaum, Andreas Dörr, Franz Strauß, Heinrich Held, Adolf Held, Martin Eckardt, Philipp Storger und Heinrich Buchsbaum. Mit den gleichen Auszeichnungen wurden für 25jährige Vereinstreue die Herren Martin Held, Johannes Eckardt, Georg Reitzel, Heinrich Haas, Johannes Herbert, Heinrich Held, Heinrich Hotz, Heinrich Kuhn, Heinrich Herbert. Johann Georg Herbert, Jean H erb ert, Anton Roth, Johannes Steinbrecher, Heinrich Petry, L. Karl Herbert, Hans Zulauf, Bernhard Dietrich, Georg Fröhlich und August Held verliehen.

In einem Dankesvortrag revanchierten sich die Jubilare. Darbietungen des Turnvereins 1863 Groß-Zimmern, Fahren eines Vierer-Gemischtreigens, Kunstfahren der Schüler sowie das Zweier-Kunstfahren der Mädel fanden den ungeteilten Beifall des gefüllten Hauses. Mit dem Lied „Wenn Losungswort — Frisch Auf — erschallt“ schloß der erste Teil.

Zu den Klängen einer modernen Tanzkapelle tanzte man dann bis in die frühen Morgenstunden Walzer und Samba, -gi-

Im Dienste der Odenwälder Heimat

Die Reinheimer Volkstanz- und Laienspielgruppe des Odenwaldklubs wird auf Einladung auch in anderen Gemeinden gastieren. Sie stellt sich damit in den Dienst der Odenwälder Heimat. Gedacht ist vor allem an einen stilechten „Odenwälder Heimatabend“, wie er in Reinheim bereits dargeboten wurde. Auch will sich die Volkstanzgruppe gerne bei Veranstaltungen auswärtiger Ortsgruppen des Odenwaldklubs zur Verfügung stellen. eb

Was sagt die Elteruschaft zum „Hchuldorf Bergstraße“

Elternversammlung im Rahmen der Jugendwoche in Alsbach

Am vergangenen Sonntag hatte die Volksschule Alsbach im Rahmen der Jugendwoche zu einem Elternabend geladen. Die Elternschaft war dem Rufe, Einblick in das schulische Leben ihrer Kinder zu nehmen, gerne gefolgt. Anwesend waren vom Kreisschulamt Schulrat Dr. Ploetz, von der amerikanischen Zivilverwaltung Mr. Goetcheus und Mr. Bakeman sowie Bürgermeister Engel und einige Herren der Gemeindevertretung.

Nach der Begrüßungsansprache des Schulleiters. Lehrer Wohl a n d, zeigten die einzelnen Klassen mit Chorgesang, Gedichtvorträgen, Reigen, Stegreifspielen und Tanz Proben ihres Könnens. Die Eltern belohnten die Darbietungen mit reichem Beifall.

Kreisschulrat Dr. Plötz ergriff dann das Wort, um auf die Wichtigkeit eines fruchtbaren Gedankenaustausches zwischen Elternhaus und Schule hinzuweisen. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand das Bauprojekt einer großen Zentralschule an der Bergstraße, die hier im Bereich der Gemeinden Jugenheim, Seeheim. Alsbach und Bickenbach errichtet werden soll. An Hand eines Modells und einiger Lagekarten gab Dipl.- Ing. Vorländer vom Regierungspräsidium DaFinstadt interessante Einzelheiten über das geplante „Schuldorf Bergstraße“ bekannt. Es soll vom Kindergarten bis zur Volkshochschule die verschiedensten Schultypen umfassen und zugleich Einrichtungen schaffen, die dem öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben dienen.

So sind u. a. vorgesehen: Volksschule, Aufbauschule. Berufsfachschule mit verschiedenen Abteilungen, Berufsschule und Sonderschule für Schwachbegabte Kinder. Außerdem sollen verschiedene Einrichtungen, wie Gesundheitsdienst und Fürsorgestellen für Schule und Gemeinde sowie Schul- und öffentliche Gemeindebibliothek dort untergebracht werden. Ein Heim für Freizeitgestaltung wird Zusammenkunfts- und Ausstellungsräume. Festsaal, Turnhalle, Filmvorführungsraum. Werkstätten usw. enthalten. Als Baugelände steht ein etwa 8 ha großes Waldstück zur Verfügung, das nordwestlich von Jugenheim zwischen alter und neuer Bergstraße liegt. Damit soll die natürliche Waldlandschaft in dieses Projekt einbezogen werden. Für die Gemeinden Seeheim, Jugenheim, Alsbach und Bickenbach soll hier ein kultureller Mittelpunkt entstehen, der allen Anforderungen, die die moderne Schule an den Menschen heute stellt, gerecht wird.

Nachdem der Schulrat die Vorzüge einer derartig großzügigen Anlage beleuchtet hatte, ergab sich eine fruchtbare Diskussion. Die Elternschaft bezeugte ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Plan. Sie war eindeutig der Auffassung, daß die Verwirklichung dieses Projektes sich segensreich für die Schuljugend auswirken werde. V.on besonderem Interesse war für sie die finanzielle Seite des Programms. Mr. Bakeman nahm mehrmals die Gelegenheit wahr, auf dieses entscheidende Problem einzugehen. Er betonte, daß die amerikanische Zivilverwaltung bereit sei, aus ihrem Kulturfonds eine namhafte Summe zu bewilligen. wenn der Landkreis Darmstadt und die Gemeinden sich an der Finanzierung beteiligten. Bei der Verzögerung der Bewilligung deutscher Mittel hierfür bestehe allerdings die Möglichkeit, daß die amerikanischen Zuschüsse inzwischen anderweitig vergeben würden. Die Gemeindeverwaltung und die Elternschaft erwarteten konkrete Angaben über Finanzierung und Unterhaltung des Projektes. um zu sehen, wie weit der Gemeindeetat durch dieses Programm belastet wird.

Kreisschulrat Dr. Ploetz konnte die Mitteilung machen, daß sich alle zuständigen hessischen Regierungsbehörden mit dem Gedanken der Verwirklichung dieses Planes beschäftigten. Es wurde in der Diskussion angeregt, ein öffentliches Forum zu bilden, damit alle noch ungelösten Fragen in fruchtbarer Auseinandersetzung geklärt werden können.

Mit dem Dank an alle, die zu dem wohlgelungenen Abend beigetragen hatten schloß der Schulleiter die Versammlung. -ri.

Handharmonika-Konzert des neugegründeten Clubs Laurissa“

Sein Gründungskonzert veranstaltete der Handharmonika-Club „Laurissa“ am Samstag im vollbesetzten Saale in Lorsch. Märsche, Ländler, Rheinländer wechselten in bunter Reihenfolge miteinander ab. Besondere Erwähnung finden die Violin-Solis von Franz Maier, Heppenheim, und Xylophon-Solis von Hans Angert. Geo Luley verstand es meisterhaft, die Zuhörer mit seinen witzigen Einfällen und Darbietungen zu unterhalten. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Hans Angert. (bl)

Wahl einmal ganz anders

Wie soll der 50er Bergsträßer Wein heißen?

Bei einer Besprechung in Bensheim, an der Vertreter der Landwirtschaftsschule, des Weinbauvereins, Winzervereins, der Kur- und Verkehrsvereine sowie Gastwirte der verschiedenen Bergstraßengemeinden teilnahmen, entschied man, daß jeder Bewohner Gelegenheit haben soll, dem 1950 er Bergsträßer Wein einen Namen zu geben. Die Einsendungen müssen bis 15. November an Geschäftsführer Freiberger, Heppenheim;, Hermannstraße 24, erfolgen. Am 18. November tritt in Bensheim ein Ausschuß zusammen, dem außer den Vertretern der obengenannten Organisationen Landrat Dengler, die Bürgermeister Holzamer, Heppenheim, und Treffert, Bensheim, angehören. Fünfzehn Namen, die in einer engeren Wahl herausgestellt werden, gelangen am 25. November in allen Gastwirtschaften in der Zeit von 17 bis 21.30 Uhr zur engeren Wahl, an der sich jeder Gast beteiligen kann. Dip ersten drei Namen werden mit je einem Preis bedacht. HB

Lieder- und Instrumental-Konzert

der „Sängerlust“ in Dieburg

Der Gesangverein „Sängerlust“ Dieburg trat am Sonntagabend mit einem großen Lieder- und Instrumentalkonzert vor die Oeffentlichkeit.

Der bis nahezu auf den letzten Platz besetzte Saal der ^Ludwigshalle“ war nicht nur ein Beweis für das Ansehen, das der Verein in der Stadt genießt, sondern auch für das große Interesse, das die Bevölkerung der Pflege des deutschen Liedes entgegenbringt.

Die außerordentlich umfangreiche und weitgreifende Vortragsfolge, die vor allem an die gesangliche Leistung des Chors hohe Anforderungen stellte, war ein verbindlicher und aufschlußreicher Maßstab für die Aufgabe, die sich die „Sängerlust“ gestellt hat. Chorleiter Holzapfel. Mainz-Kostheim, hat — das zeigte dieser Abend — seine Sänger zu einem geschlossenen und gut abgestimmten Klangkörper zusammengeführt, der sich getrost mit voller Aussicht auf Erfolg auch an die schwierigsten Werke heranwägen kann.

Vereinsvorsitzender Steinmetz begrüßte zu Beginn der Veranstaltung ver* schiedene Ehrengäste; dabei hob er den kulturellen Wert des Gesanges hervor. Das in vier Teile aufgegliederte Programm brachte Werke von Schubert, Beethoven, R. Schumann, Brahms, Mascagni, Suppe, Komzack, Silcher, Sendt. Das Konzert gab darüber hinaus dem Streichorchester der jüngst ins Leben gerufenen Stadtkapelle Dieburg (Leitung Hermann Holzapfel) mehrfach Gelegenheit, Zeugnis von seinem bereits sehr beachtlichen Können abzulegen. Eine feine Bereicherung brachten die von Liesel Rudolph (Sopran) mit gutem Einfühlungsvermögen vorgetragenen Kompositionen. RG

Alterssorgen der Ärzteschaft

Die kassenärztliche Kreisvereinigung des Landkreises Erbach erörterte auf ihrer Monatsversammlung im Erbacher Brauhaus unter Vorsitz von Dr. Erckmann, Michelstadt, die soziale Notlage der alten, nicht mehr praktizierenden Aerzte, die bei der Währungsreform ihre Ersparnisse verloren haben. Ohne jegliche Altersversorgung stehen sie nach einem Leben im Dienste der Allgemeinheit vor der bittersten Not. Die noch berufstätigen Aerzte wollen sich durch abermaligen Abschluß einer kollektiven Altersversorgung vor der gleichen Sorge schützen.

Es wurde die Forderung erhoben, daß bei dem vom Bund geplanten Altersversorgungsgesetz auch die Aerzte in angemessener Form berücksichtigt werden.

Als neues Mitglied des Kreisvereins stellte sich Dr. Hans Schmidt vor, der ab. 1. Dezember in Höchst i. 0., praktiziert. -eh

Vielversprechender Anfang in Ingenheim

Heidelberger Bachquartett spielte Bach und Bruckner

Bedenkt man, daß Jugenheim nur 3000 Einwohner umfaßt, so erscheint einem das Kultur-Programm, das Kulturgemeinde, Pädagogisches Institut und Volkshochschule Bergstraße zusammengestellt haben, ein mutiger Versuch. Der Mut, der dazu gehörte, in der Provinz ganz und gar unprovinzielle Veranstaltungen vorzubereiten, fand jedoch seine Befürwortung in der starken Anteilnahme des Publikums.

Das Konzert, mit dem am vergangenen Freitag das Ed. Serv. Center die Winter-Saison eröffnete, übertraf alle Erwartungen. Es war nahezu ausverkauft. Namen und Institution der Ausführenden mögen in diesem Falle ein übriges getan haben, die Musikfreunde der Bergstraße anzulocken. Das Heidelberger Bach-Quartett spielte Werke von Bach und Bruckner.

Da jedoch der Rezensent es nicht für sich in Anspruch nehmen darf, sich für einen Musik-Kritiker zu halten, möge ihm die, in diesem Falle erfreuliche Aufgabe, eine Würdigung der musikalischen und musikanten Leistung zu schreiben, erlassen werden. Statt dessen sei der Erwähnung Raum gegeben, daß durch die Zusammenstellung des eindringlichen Programms gerade dem naiven Hörer in einleuchtender Weise die verschiedenen Wirkungsbereiche der Musik eröffnet wurden.

Präludium und Fuge b-moll von Johann Sebastian Bach, dem ersten Teil des wohltemperierten Klaviers entnommen, führte zu jenen Welten, da Gesetz und Geist gleichsam losgelöst vom Komponisten wie vom Interpreten „an sich“ Musik machen. Das Adagio C-dur von Johann Sebastian Bach für Tenor-Geige und Streich-Quartett rückte dann mit seiner bezwingenden Melodik die entrückte Kunst in die Nähe und Wahrnehmung des menschlichen Gefühls — eines Gefühls, das schließlich, so angesprochen und erweckt, sich an der hinreißenden Fülle von Anton Bruckners Streich-Quintett F-dur vollends entfesselt, erfüllt und darin untertaucht.

Die nächste Veranstaltung ist nicht minder vielversprechend. Am 16. November (nicht wie irrtümlich angegeben am 30. November) liest Stefan Andres der Verfasser der vielbesprochenen Romane „Ritter der Gerechtigkeit“ und „Das Tier aus der Tiefe“, sowie der meisterhaften Novelle „Wir sind Utopier“ aus eigenen Werken. Ke.

Kirchenkonzert in Hahn

Nachdem der Gemeinde der langjährige Wunsch nach einer neuen Orgel erfüllt wurde, fand in der Kirche die Reformationsfeier zusammen mit einem großen Kirchenkonzert statt. An dem Instrument saß Konrad Schreyer, Pfungstadt, der zudem noch zwei Chöre mitgebracht hatte. So sang in bewährter und reiner Musik der Pfungstädter Kinderchor. Auch der Kirchenchor bot gepflegte Choralmusik. Vor allem sei die überwältigende fünfstimmige Fuge „Ehr und Preis sei Gott“ von J. S. Bach hervorgehoben. Als die Toccata in d-moll erklang, schien die Dorfkirche für dieses Werk fast zu klein. Ausgezeichnet war die Solodarbietung der Sopranistin Frieda Becker.

Auch der Hahner Kirchenchor unter seiner neuen Leitung von Gisela Meinhardt überraschte durch zügigen, sauberen Gesang. Im Mittelpunkt der Feier stand die Festansprache, in der Pfarrer Dr. Uhrig die evangelische Kirche als „singende Kirche“ bezeichnete. +

Unsere Geburtstagskinder

80. Geburtstag: Herr Phil. Jakob K r o b, Bensheim. 77. Geburtstag: Herr Rudolf Halbg e b a u e r, Wald-Amorbach. 74. Geburtstag: Herr Karl Thomas Weber, Wixhausen, Arheilger Straße. 70. Geburtstag: Frau Elisabeth Steger geb. Schmunck, Hetschbach, Schulstr. 27.

„Wer soll das bezahlen...“

Straßenunterhaltungskosten für Kreis Erbach allein untragbar

Das neugegründete Bürgerforum in Rothenberg hat unter Vorsitz von Wilhelm Mo te r im Gasthaus „Zum Adler“ seine erste öffentliche Diskussion durchgeführt. Männliche Einwohner waren sehr zahlreich erschienen, dagegen zeigten die Frauen wenig Interesse, obwohl das Thema so große Bedeutung hatte, daß es über den örtlichen Rahmen hinausreichte.

Regierungsbaurat Fabian vom Straßenbauamt Bensheim sprach als Hauptredner über die Straßenverhältnisse im Landkreis Erbach. Während sich die Bundes- und Provinzialstraßen in verhältnismäßig gutem Zustand befinden, sei die Last der Straßeninstandsetzung und laufenden Unterhaltung für den Landkreis Erbach allein untragbar. Sein Straßennetz umfasse nicht weniger als 217 km, von denen nur 4 km in gutem Zustand seien, während für 197 km Straßen die Instandsetzung vordringlichst begonnen werden müßte, weil bereits der Unterbau stark angegriffen sei. Berücksichtigt man, daß. für einen Kilometer Straßenneubau rund 200 000 DM erforderlich sind, dann leuchtet es ohne weiteres ein, daß die ständigen Wünsche zahlreicher Gemeinden nach Straßeninstandsetzungen nicht alle gleichzeitig erfüllt werden können. Die Bitte der Rothenberger, die Straße Beerfelden—Rothenberg—badische Landesgrenze sobald wie möglich in Ordnung zu bringen, erfordere zu ihrer Erfüllung einen Kostenaufwand von mindestens 300 000 DM.

Regierungsamtmann Sattler von der Kreisverwaltung gab in diesem Zusammenhang einen kurzen Ueberblick über die schwierige Finanzlage des Kreises. Der Kreisetat 1950/51 schließt mit 2,6 Millionen DM. Davon entfallen auf der Ausgabenseite nicht weniger als 1,5 Millionen DM auf Fürsorgelasten. Für Straßenbau seien 400 000 DM vorgesehen, zuviel für die finanzielle Leistungsfähigkeit des Kreises, viel zu wenig aber für die Erledigung der vordringlichsten Straßeninstandsetzungen. Die Kreisverwaltung werde deshalb einen dringlichen Beihilfeantrag an das Land Hessen stellen, denn als Notstandsgebiet könne der Kreis unmöglich die höchsten Straßenbaukosten sämtlicher hessischen Landkreise allein tragen. Wenn diese Beihilfe gewährt wird, soll als eine der ersten Straßen die nach Rothenberg in Ordnung gebracht werden. Aber selbst dann könnten die Arbeiten nur in mehreren Jahresetappen ausgeführt werden. In der Diskussion regten die Einwohner an, zuerst den Straßenteil nach Hirschhorn instand zu setzen, weil viele Rothenberger in den benachbarten badischen Gemeinden beschäftigt sind.

Die Wahl des endgültigen Fofumspräsidiums brachte einige Veränderungen. Ihm gehören jetzt an: Wilhelm M o t e r , Adam Bartmann, Willi Fink, Straßenwärter Adam Bartmann, Otto Siefert und Frl. Schmelter. Die „Post- und Verkehrsverhältnisse Rothenbergs“ sollen bei der nächsten öffentlichen Diskussion am Sonntag, 10. Dezember, erörtert werden. -ch

Behaglichkeit für Kinofreunde

Erbacher Lichtspiele wurden renoviert

Mit einer Festvorstellung wurden die Erbacher Lichtspiele, das älteste Kinotheater des hinteren Odenwaldcs, nach mehrwöchiger etappenweiser Renovierufig wieder in Betrieb genommen.

Die bild- und tontechnischen Einrichtungen waren bereits vor einigen Wochen durch, modernste Apparate ersetzt worden. Audi der Innenraum hat eine vorteilhafte Veränderung erfahren. Durch Spezial-Dämpfplatten wurden nicht nur die akustischen Raumverhältnisse wesentlich verbessert, sondern gleichzeitig ein schönes Bild erzielt, dessen Behaglichkeit durch geschmackvolle Beleuchtungskörper noch gesteigert wird. Die Sitzgelegenheiten wurden zum größten Teil erneuert, die Sitzreihen des ersten Platzes ansteigend erhöht.

Gelegentlich der Festvorstellung gab der Besitzer des Theaters, Georg Eckerlin, das Ergebnis der vor vier Wochen gestellten Umfrage unter den- Besuchern nach den besonderen Wünschen für die vorzuführenden Filme bekannt. Mit fast hundertprozentiger Einmütigkeit sprachen sich die Erbacher für deutsche Filme aus, selbst wenn es sich um Reprisen handeln sollte. Die Filme „Nachtwache“, „Fledermaus“ erhielten die meisten Stimmen; sie werden beide in den nächsten Tagen in Erbach zur Aufführung kommen.

Die Renovierung der Erbacher Lichtspiele stellt nach den Ausführungen von Herrn Eckerlin nur eine Etappe auf dem Wege zu einem großen Lichtspieltheaterneubau dar, der nach Fertigstellung der Hauptstraße im kommenden Jahr in Angriff genommen werden soll. Der gegenwärtige Kinosaal soll dann wieder seiner ursprünglichen Bestimmung als Tanz- und Versammlungslokal zugeführt werden. -ch

Wenig Wahlinteresse in Erbach

Obwohl die einzelnen Parteien auch im hinteren Odenwald bereits die Endrunde zum Landtagswahlkampf eingeleitet haben, zeigt die Bevölkerung der Kreisstadt Erbach wenig Neigung, sich dadurch aus der gewohnten Ruhe bringen zu lassen.

Am Samstagvormittag prüfte der Kreiswahlausschuß in. öffentlicher Sitzung unter Leitung von Regierungsrat Zörgiebel, der den erkrankten Vorsitzenden des Kreiswahlausschusses, Landrat Karl Neff, vertrat, die eingereichten Wahlvorschläge der SPD, CDU, FDP und KPD. Daß sich bei den einzelnen Anträgen keinerlei Beanstandungen ergaben, ist weniger bemerkenswert als die Tatsache, daß nicht ein einziger Einwohner Erbachs oder Michelstadts der öffentlichen Sitzung beiwohnte.

Auch die erste große Wahlversammlung der FDP am Samstagabend im Saal des Erbacher Brauhauses mit dem Spitzenkandidaten der Landesliste, August M. Euler, Dr. Fjitz Czermak als Vertreter des BHE und dem FDP-Kandidaten des Kreises Erbach, Dipl.- Ing. Hermann Molter, vermochte höchstenz 80 Personen aus der Kreisstadt zur Teilnahme zu bewegen.

Die Wahlversammlung des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten des Kreises Erbach mit ihrem Vorsitzenden Josef Hollas, Gammelsbach, am Sonntagvormittag im Cafe Glenz in Erbach, war sogar nur von 12 Personen besucht. -ck

Elternabend in Wixhausen

Im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ in Wixhausen fand kürzlich eine Elternversammlung statt. Zur Eröffnung des Abends sangen, spielten und rezitierten Schüler der Volksschulen.

Sodann ergriff Schulrat Dr. Plötz das Wort zu seinem Vortrag „Schule und Elternhaus“, in dem er ausführte, daß er die hiesigen Schulen kenne und mit Freude beobachtet habe, daß die Gemeindeverwaltung großes Interesse an Schulfragen zeige. Er wies im besonderen auf die Gefahren hin, die den Jugendlichen drohe, zumal im Landkreis jedes fünfte Kind vaterlos sei. Eine gesunde Entwicklung der Kinder, die Elternhaus und Schule gleichermaßen am Herzen läge, könne nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrerschaft gewährleistet sein.

An diesem Vor trag schloß sich eine Diskussion an, in deren Verlauf Pfarrer Schuchmann erklärte, daß die nächste Konfirmation Ostern 1952 stattfinden solle. Bürgermeister Büchse 1 verwies auf all die Verbesserungen, die in der Schule durch finanzielle Hilfe der Gemeinde möglich gemacht wurden. Durch Beigeordneten Huck wurde vor allem begrüßt, daß im letzten Schuljahr handwerklicher Unterricht eingeführt wurde, da damit den Schülern der Weg in die Lehre wesentlich erleichtert würde.

Nach einem Lied, vorgetragen von der 7. Klasse, wurde der Elternabend durch Schulleiter Adam, welcher allen Versammelten und Rednern, besonders Schulrat Dr. Plötz, seinen Dank aussprach, geschlossen. (ck.)

Schlechter Auftrieb

gefährdet Ferkelmarkt

Es ist ein trauriges Zeichen, wenn ortsansässige Züchter Tiere aus dem Stall heraus, unter Umgehung des Marktes, verkaufen, um dabei je Tier 10 Pfennig zu sparen. Dieses Uebel trat besonders bei dem am Montag stattgefundenen Markt in Gr. Bieberau zutage. Nur 24 Ferkel und 12 Läufer waren aufgetrieben. Es war größeres Kaufinteresse als seither vorhanden, und als Folge zogen die Preise wieder etwas an. Die Ferkel kosteten 35 bis 50 DM und für Läufer wurden 68 bis 75 DM verlangt. Die Qualität der Tiere war gut. Der Markt war geräumt. Der nächste Ferkelmarkt findet am 20. November statt.

Wahlversammlung im „Jenseits“

Die Vereinigung der beiden Gemeinden Kailbach-Jenseits und Kailbach-Diesseits, das zu Schöllenbach gehört, aber mit dem „Jenseits“ ein geschlossenes Dorf bildet, war Gegenstand einer Wahlkundgebung der CDU, auf der der Sachbearbeiter der seit Generationen betriebenen Gemeindevereinigung, Ministerialdirektor Kuhn vom Regierungspräsidium Darmstadt sprach. Da es sich um ein Thema von größtem lokalem Interesse handelte, war der Besuch sehr gut. Immerhin konnten die Kailbacher nur erfahren, daß die mit großen Schwierigkeiten verknüpfte Angelegenheit bearbeitet wird, aber nicht von heute auf morgen erledigt werden könne. Die Bemühungen um die Vereinigung gehen ja auch erst seit dem Jahre 1890 ... -ch

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Bickenbach. Der Kindergarten mußte wegen mehrerer Scharlacherkrankungen bis auf weiteres geschlossen werden, (rh)

Braunshardt. Kreisfeuerwehrinspektor Pfaff, Wixhausen, war am Sonntagvormittag ' bei einer Schulübung der Braunshardter Feuerwehr anwesend. Am Schluß der Uebung sprach er sich lobend über die Einsatzbereitschaft der Wehr aus. -VO.-

DIEBURG

Dieburg. Eine Säuglingsberatungsstunde findet am Donnerstag um 15.00 Uhr im Gesundheitsamt statt. gi

Groß-Bieberau. Bei der heutigen Gemeinderatssitzung steht eine Beschlußfassung über das Schwimmbad Lichtenberg auf der Tagesordnung. GD

Eppertshausen. Der Verband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen hält heute, am Mittwoch in der Gastwirtschaft von Ignatz Müller eine Versammlung ab, bei der Meckes, Darmstadt, über das neue Versorgungsgesetz sprechen wird. — Im Dezember beabsichtigt der Verein einen Bunten Abend zu veranstalten zu dem eine auswärtige Künstlertruppe verpflichtet werden soll. Heja.

Richen. Bis jetzt noch unbekannte Täter zertrümmerten den Verkaufsstand einer Groß-Zimmerner Händlerin. Der Sachschaden wird auf 100 DM geschätzt. RG

Lengfeld. Aus dem Schaukasten des Kaufhauses Rudolf Wolf wurden Herrenhemden, Damenstrümpfe, Kolter, Sokken, Schals und Krawatten in erheblichem Wert gestohlen. RG

ERBACH

Michelstadt. Bei der Wiedergründung des Michelstädter Zither-Clubs wurde bis zur Jahreshauptversammlung im Januar ein geschäftsführender Vorstand gebildet, dem Friedrich Köbler, Karl Bäuerle und Friedrich Büttel angehören. Der wöchentliche Uebungstag wurde auf Mittwoch im Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ festgesetzt. -ch

Hainstadt. Der Gemeinderat beschloß den Ankauf neuer Schulmöbel zur Einrichtung des dritten Schulsaales, -hm-

BERGSTRASSE

* Hirschhorn. Dr. Horst Schreiter, W aldmichelbach, wurde vom Landrat des Kreises Bergstraße als Fleischbeschauer für den Bezirk Hirschhorn (Igelsbach. Langenthal, Unter-Hainbrunn und Hirschhorn) verpflichtet.

Lorsch. Der Kegelklub „Edelweiß“ veranstaltete am Samstag in der „Frischen Quelle“ ein Preis-Wurstkegeln. (bl)

Bensheim. Bei der Bekanntgabe des Kreisvorstandes des Bundes der Fliegergeschädigten ist in den uns zugeleiteten Unterlagen ein Irrtum unterlaufen. Wir geben daher nachstehend noch einmal die Namen der Vorstandsmitglieder bekannt: 1. Vorsitzender R. May, Heppenheim; 2. Vorsitzender Dr. Kaul, Bensheim; Rechner K. Nürnberger, Bensheim; Schriftführer Fritz Gassen, Birkenau; Beisitzer die Herren Lahres, Kleber und Gorr. HB

GROSS -GERAU

Groß-Gerau. Die Fleischbeschautierärzte und Fleischbeschauer des Kreises hielten im Hotel „Adler“ eine Dienstversammlung ab. Reg.-Vet.-Rat Dr. Schmidt (Trebur) erläuterte nochmals das hessische Fleischbeschaukostengesetz.

Stockstadt. Der 1. Bauabschnitt, der zur Zeit im Bau befindlichen Volksschule wird voraussichtlich bis Mai/ Juni 1951 beziehbar sein. Die Kosten des Baues, der in 2 Abschnitten erstellt wird, belaufen sich auf insgesamt 240 000 DM. _ Kb

Nauheim. Im Saalbau Kuhlmann findet am 11. November die gemeinsame Geburtstagsfeier der 50jährigen Schulkameradinnen und -kameraden statt. Kb.

Der SPORT

Fußball jenseits der Grenzen

Wieder traf in England nicht ein, was viele erwartet hatten, nämlich ein Wechsel in der Führung. Beide Spitzenreiter gewannen ihre „away-Spiele“, was auch — oder gerade — auf der Insel allerhand heißen will. Die „Kanoniere“ aus Arsenal setzten den „Wölfen“ in Wolverhampton einen Volltreffer ins Gehege, der die Entscheidung bedeutete. Newcastle United gewann unterdessen in Liverpool auf schwerem Boden glatt und sicher mit 4:2, so daß die beiden Vereine mit je 24:8 Punkten vorne liegen. Arsenal rangiert dabei mit dem besseren Torverhältnis (31:13) auf der ersten Stelle vor der United (31:15). Auch der Dritte, Middlesbrough, feierte einen Auswärtssieg, und zwar bei der Aston Villa mit 1:0. Aber im Hintergrund lauern — ähnlich wie in der ersten süddeutschen Liga die Schweinfurter — Londons Heißsporne“, da der immer mehr auseinänderfallende Vorjahrsmeister Portsmouth in White Hart Lane den Tottenham Hotspurs mit sage und schreibe 1:5 unterlag. „Unten“ schaffte sich mit einem Sieg in gleicher Höhe über Sheffield die Platzmannschaft Sunderland Luft. Auch Chelsea gewann wieder, und zwar auswärts in Charlton über die Athletik mit 2:1.

In Skandinavien

In Schweden marschiert der Spitzenreiter Malmö unentwegt vorwärts. Er schlug Oerebroe 2:1 und führt jetzt mit 22:2 Punkten vor dem Neuling Raa (18:6). Degersfors sicherte sich den dritten Rang mit einem 2:0 über Djurgarden. Die übrigen Resultate: AIK Stockholm—Jonköpping 3:1, Elfsbirg Raa Hälsingborg 2:2. Hälsingborg—Kalmar 2:1; Norrköping—Gais Göteborg 1.0.

Oh Straßburg . . .

Der Tabellenerste der französischen Liga, Racing Straßburg, wurde nach langem Siegeszug erstmals geschlagen, und man soll es kaum glauben vonSochaux in Straßburg mit nicht weniger als 0:5. Die Sache ist aber nicht so schlimm, wie sie aussieht, wenigstens zunächst nicht. Denn der Vorsprung vor dem Zweiten, Stade Reims, beträgt immer noch 4 Punkte (Straßburg 19:5, Reims 15:9). Reims selbst kam daheim auch nicht über ein 2:2 gegen Racing Paris hinaus. Der Dritte, Olympique Lille, schlug die Girondins aus Bordeaux mit 3:0 aufs Haupt, womit er ebenfalls auf 15:9 Punkte kam. Das „großartigste“ Stückchen aber leistete sich der Vierte, Stade Rennes, der in der Seinemetropole wohl mehr Spaß an anderen Dingen hatte und sich von Stade/Red Star Paris 0:6 aus den Stiefeln stoßen ließ.

Juventus kommt

Juventus Turin schlug in Italien Neapel zwar nur „dünn, aber nahrhaft“ 3:2 und steht jetzt mit 15:3 Punkten an zweiter Stelle dicht hinter dem „Leader“ FC. Mailand, der sich in Como einen Punkt abnehmen ließ, aber mit 16:2 Zählern immer noch um einen Kopf vor dem übrigen Feld liegt. Mailands zweites Eisen im Meisterschaftsfeuer, Internazionale Mailand, machte mit Sampdoria wenig Umstände und schickte die Gäste mit einer schönen 5:1-Packung heimwärts. Endlich erscheint auch die italienische Hauptstadt im Vorderfeld. Denn Lazio Rom schlug den FC Florenz 2:1 und rangiert jetzt mit 13:5 Punkten an vierter Stelle.

Fern im Süd. . .

Spaniens Tabelle führt Valadolid an (16:2). Der Erste wurde diesmal daheim, gerade noch 1:0 mit den Männern aus der Weinstadt Malaga fertig. Der Zweite, Sevilla (13:5), bootete Valencia 4:0 aus. Es folgen dann in der Tabelle Real Sociadad (12:6), Athletik Madrid, Barcelona und Real Madrid (je 11:7).

Pressestimmen zum Spiel SC 03 Kassel gegen Olympia Lampertheim

„Hessische Nachrichten“, Kassel: ..... Die Lampertheimer gaben eine erstklassige Vorstellung. Die Elf zeigte sich durch eine geschlossene Mannschaftsleistung, durch Schnelligkeit, technische und taktische Reife durchaus des zweiten Tabellenplatzes würdig. ... technische Bravourleistung des Mittelstürmers Horstfeld ...“

„Kassier Zeitung“: imponierende Abwehrleistung der Gäste ... immer wieder rettete der ausgezeichnete Torwart Ziegener...“

„Kasseler Post“: Eine ausgesprochene Kampfmannschaft nahm die Punkte mit... Lampertheim war auch mit zwei und drei Stürmern immer gefährlich ... eine großartige Leistung bietet der stämmige Gästestopper Lautenbach, der als ein Reis in der Brandung nicht zu erschüttern ist...“

Die Spiele am Sonntag Repräsentativspiele Süddeutschland—Südwestdeutschl. (Sa.) Süddeutschland—Westdeutschland 1. Liga Süd Schweinfurt 05—FC 04 Singen Bayern—TSV 1860 München 2. Liga Süd SV Tübingen—SG Arheilgen

Hessische Landesliga

SpVgg Kassel—Eintracht Wetzlar R.-W. Frankfurt—VfL Biedenkopf (Sa.) Union Niederrad—SpVgg Bad Hombg. (Sa.) Griesheim 02— VfL Kassel Vfß Friedberg—Opel Rüsselsheim Germania Bieber—Hess. Lichtenau Hessen Hersfeld—Borussia Fulda VfL Marburg—Kassel 03 Hermannia Kassel—Hanau 93

Unser Tip für den Hessentoto

Süddeutschland—Westdeutschland 1 1 Bayern München—lß6o München 0 2 SpV Rheydt—FSV Frankfurt 1 0 Hamborn 07—Horst Emscher 1 1 SpVgg Erkenschwick—R.-W. Essen 1 0 Bor. M.-Gladbach—Preuß. Dellbrück 0 1 Altona 93—Werder Bremen 2 2 Eintr. Braunschw.—HSV Hamburg 2 0 FC St. Pauli Hambg.—Eimsbüttel 2 0 Schalke 04—Bella Horizonte 2 0 Berlin—Hamburg 2 0 Bayern—Mittelrhein 1 1 Niederrhein—Nordbaden Westfalen—Nordwürttemberg 1 1

Schorn-Höõrmann führen in München

Münchener 145-Stunden-Rennen verlangt seine Opfer. Nach Steinhilb /Umbenhauer Boeyen (Holland) und Strom (Austra¬ “n, hat in der Nacht auf Dienstag auch der französische Dauerfahrer Guy Betherey aufgegeben.

Tm letzten Spurt der Zweiuhrfrühwertung, bei dem Schorn, van der Meerschaut und vZn Est in einer Linie das Ziel passierten, fuhr Schorn auf van Meerschaut und dieser auf van Est, wobei letzterer dann in den Innenraum fiel und mit gebrochenem Schlüsselbein liegen blieb.

Tm Zeichen des ständigen Wechsels der Fiihrung gingen diesmal nach der kurz vor zwei Uhr früh beendeten letzten Jagd Hans Hörmann (München)ZJean Schorn (Köln) als neue Spitzenreiter hervor In der Spitzengruppe des Münchener Sechstagerennens gab es am Dienstagnachmittae keine Veränderung. Mirke/Preiskeit waren die erfolgreichsten Spurtet. Vor Besinn der 15-Uhr-Wertung wurde die neusebüdete Mannschaft Middelkamp /Hoffmann mit zwei Runden Rückstand und 84 Punkten bekanntgegeben.

Der Stand der Spitze lautete am Dienstagnachmittag um 17 Uhr: 1. Schorn/Hans Hörmann 140 Punkte, 2. Van den Meerschaut/Dekuysscher 114 Punkte; eine Runde zurück, 3. Arnold/Ludwig Hörmann 160 Punkte, 4. Seres/leNizerhy 94 Punkte; zwei Runden zurück, 5. Middelkamp/Hoffmann 87 Punkte, 6. Ehmer/Kolbeck 72 Punkte: drei Runden zurück, 7. Mirke/Preiskeit 164 Punkte, 8. Kamber/Berger 127 Punkte; vier Runden zurück, 9. Schär/Kittsteiner 65 Punkte. 10. Mlady/Rühl 41 Punkte.

Wanderpreis für Turner

Der erste Vorsitzende des Hessischen Turnverbandes, Franz Wilhelm Beck, Wiesbaden, hat aus Anlaß seines 50. Geburtstages für die hessischen Turner einen neuen Wanderpreis, den „Hessen-Schild“, gestiftet. Der „Hessen-Schild“ soll alljährlich der Kreismannschaft zufallen, die als Sieger aus einem Wettkampf aller hessischen Turnkreise hervorgeht. Mit der Ausarbeitung der Wettkampfbestimmungen wurde Landesoberturnwart Schick beauftragt.

Klein begeistert Stockholm

Deutschlands Rekordschwimmer Herbert Klein (München) folgte einer schwedischen Einladung und ging am Sonntag bei einer internationalen Schwimm-Veranstaltung erstmals im Stockholmer Hallenstadion „Forsgrenska Badet“ an den Start. Der Münchener wurde durch den schwedischen Meister Bengt Rask nie gefährdet und erzielte schließlich auf der schnellen 20-m-Bahn mit 2:32,9 Minuten eine Zeit, die nur vier Zehntelsekunden über seinem kürzlich aufgestellten Europarekord (2:32,5) liegt. Rask schlug in 2:39,6 Min. an.

Ringer-Kreisliga beendete Vorrunde

Groß-Zimmern II und Nieder-Ramstadt führen ohne Punktverlust

Im Lindensaal zu Groß-Zimmern verteidigten die Einheimischen gegen Wersau mit Erfolg die Tabellenführung. Zwar haben die Vorwärts-Leute nicht in der zu erwartenden Höhe gewonnen, doch das Kampfgeschehen ließen sie sich nicht aus der Hand nehmen. Vom Fliegengewicht an stellten die Gastgeber mit fünf aufeinanderfolgenden Schultersiegen den Endsieg sicher. Für den verhinderten Herbert (Z) mußte im Leichtgewicht der um mehrere Pfund leichtere Prächter einspringen und verlor nach wechselvollem Kampf durch Rückreißer gegen Eisenhauer (W). Leichtsinnig unterlag Göbel (Z) im Weltergewicht gegen Gaydoul (W). 10 Minuten diktierte Göbel den Kampf und führte hoch nach Punkten. Doch er wollte einen Schultersieg erzwingen und legte sich dabei selbst auf die Schultern. Heinrich Dietrich (Z) ging mit Daum (W) über die Zeit. Beide hatten je einen Punkt, doch Daum erhielt wegen besserer Aktivität im Standkampf den Sieg. In knappen Zeiten punkteten die Gastgeber im Fliegen-, Bantam-, Schwer-, Halbschwer und Federgewicht durch Siege von Prächter über Flößer, Adam Dietrich über Fußmann, Kraus über Czrata, Palmy über Kohlbacher und Hack über Küster.

Das Treffen in Roßdorf konnten die Gastgeber nach hartem, wechselvollem Kampf für sich entscheiden. Die sehr zahlreichen Zuschauer kamen mal wieder voll auf ihre Kosten. Besondere Anerkennung fand das sportliche Verhalten der Verlierer. In dem mit Spannung erwarteten Fliegengewichtskampf überraschte der Ersatzmann der Einheimischen Heinz Maier durch einen Hüftschwung über Josef Löbig in der 45. Sekundq. Weiter siegten für die Mattenherren: Moter (Bantamgewicht) über Helmuth Schneider, Feiger (Federgewicht) über Englert, Poth (Leichtgewicht) über Emil Löbig und der Schwergewichtler Huck über Eduard Schneider. Die Erfolge der Münsterer erzielten im Welter-, Mittel- und Halbschwergewicht: Seibert über Kirsch nach Punkten. Löbig I über Lebert und Löbig II über Breitwieser.

Der ungeschlagene Tabellenführer der Gruppe 2, Nieder-Ramstadt, siegte am Samstagabend in Pfungstadt und errang damit ebenfalls als einzige ungeschlagene Mannschaft die Vorrundenmeisterschaft.

Die Ergebnisse: Pfungstadt— Nieder-Ramstadt 3:5 und Bensheim — Fürth 7:1.

Zum ersten Mal mußten die Pfungstädter beide Punkte abgeben. Sie unterlagen auf eigener Matte gegen die Staffel von Nieder-Ramstadt. Das knappe Resultat entspricht dem Kampfverlauf. Im Fliegengewicht siegte Wendel (NR) nach 30 Sekunden über Reichel. Das Schwergewicht, Bantam- und Halbschwergewicht entschieden Krautwurst in der 7. Minute -über Büchlein, Schneider in der 2. Minute über Ernst und Faldermann nach 35 Sekunden über Dietzel. Den ersten Punkt für die Gastgeber errang Steinmetz im Federgewicht über Keller durch einen Punktsieg. Ludwig (NR) stellte dann im Mittelgewicht durch Eindrücken der Brücke über Weber das Endresultat sicher. Im 'Weltergewicht unterlag Burkhardt in der 6. Minute durch Wickler gegen Koch. Hofmann (P) errang über Pfannenschmidt im Leichtgewicht einen Punktsieg.

Die Reserve von Ober-Ramstadt mußte in Bensheim eine unerwartet hohe Niederlage hinnehmen. Abwechslungsreich war der Kampfverlauf, zumal alle Kämpfe vor der Zeit entschieden wurden. Den Ehrenpunkt für die Gäste errang der Mittelgewichtler Georg Heisel in der 12. Minute über Wölfel. Vom Fliegengewicht an aufwärts siegten für die Einheimischen: Schröder über Frankenberger, Mohr jun. über Fischer, Schuhmacher über Brandei, Wahlig über Görisch, Domini über Becker, Kilian über Schuchmann und Mohr sen. über Niksch. -ES-

Erbach. Beim Saalsportfest des Radsport-Clubs der SKG Erbach erlebten die Radsportfreunde ein außerordentlich reichhaltiges Programm von Kunst- und Reigenfahren sowie Radballturnieren, wobei die neue Erbacher Mannschaft einen bemerkenswerten Erfolg erzielen konnte. Sie schlug den Bezirksmeister Eberstadt mit 6:3 Toren. Gegen den Gaumeister Rüsselsheim unterlag Erbach nur knapp mit 5:7 Toren. In dem Treffen Eberstadt gegen Rüsselsheim lautete das Ergebnis 2:9.

Im überfüllten Saal der Gaststätte „Schmerkers Garten“ in Michelstadt veranstaltete die Radsportabteilung des VfL zu Ehren ihrer beiden Deutschen Meister im Einer-Kunstfahren, Erika Heilmann und Willi Borger, ein bis ins kleinste vorzüglich organisiertes Saalsportfest. Das Programm, noch umfangreicher, noch vielseitiger, als das vor wenigen Wochen in Stockheim mit viel Applaus aufgenommene, hatte naturgemäß die Meisterschaftskür der 3. Deutschen Meisterin 1950 und des 6. Deutschen Meisters 1950 als besondere Höhepunkte vorgesehen.

Groß-Zimmern II 4 4 0 0 26:6 8:0
Wersau 4 301 18:14 6:2
Roßdorf 4 202 18:14 4:4
Schaafheim 4 1 0 3 9:23 2:6
Münster 4 0 0 4 9:23 0:8
Nieder-Ramstadt 5 5 0 0 33:7 10:0
Bensheim 5 3 1 1 24:16 7:3
Pfungstadt 4 1 2 1 16:16 4:4
Ober-Ramstadt II 4 0 2 2 11:21 2:6
Rimbach 4 0 1 3 11:21 1:7
Fürth 2 0 0 2 1:15: 0:4

Tischtennis

Tischtennis — Kreisklasse A, Kreis Erbach

Die letzten Ergebnisse: TC Michelstadt—TSV Höchst 5:11 TTC Reichelsheim—TTC Zell 8: 8 TTC Bullau—TC Michelstadt 5:11 TTC Stockheim I—TTC Stockheim II 16: 0

TTC Stockheim I 6 71:26 12: 0
KSG Erbach 5 47:33 7: 3
TSV Höchst 5 53:27 6: 4
TTC Zell 5 43:37 6: 4
TTC Reichelsheim 5 32:48 5: 5
TC Michelstadt b 41:55 4: 8
TTC Stockheim II 5 26:54 2: 8
TTC Bullau 5 23:57 0:10

Volles Programm im Handball-Lager

Kreisklasse Darmstadt Gruppei: 75 Darmstadt—Ober-Ramstadt 5:8, 98 Darmstadt jr.—Eberstadt 14:6, Hahn gegen Jugenheim (ausgefallen).

Die TG 75 Darmstadt enttäuschte ihre Anhänger erneut. Auf eigenem Platz mußte die vor kurzem noch favorisierte Elf gegen die eifrigen Gäste aus Ober-Ramstadt eine überraschende Niederlage einstecken und somit den zweiten Tabellenplatz abtreten. Die Junioren des SV 98 setzten sich gegen Eberstadt überlegen durch. In Hahn warteten die Zuschauer vergeblich auf das Erscheinen der Mannschaft aus Jugenheim. Nur eirj Gästespieler „verirrte“ sich nach Hahn.

Gruppe II: Mörfelden Ib—TV Groß-Gerau 2:10, Büttelborn—Vfß Groß-Gerau 11:4, Worfelden—Weiterstadt 13:6, Egelsbach gegen Schneppenhausen 10:4.

Klare Favoritensiege gab es in der Gruppe 11, wo die Anwärter auf die Tabellenspitze zu durchweg deutlichen Siegen kamen. Auch Worfelden konnte sich durch einen hohen Sieg über Weiterstadt in die Mittelgruppe vorschieben. •

Bezirksklasse Odenwald

Ergebnisse: Reichelsheim — Fränkisch Crumbach 4:10 (2:5), Mörfelden—Urberach 7:4 (4:1), Langen—Epperthausen 2:11 (1:6), Seeheim—Groß-Bieberau 4:7 (3:3).

Das große Derby in Reichelsheim konnte der Tabellenführer wieder mit seinen beiden Rekonvaleszenten Klinger und Arras bestreiten, wodurch die Hintermannschaft erheblich verstärkt wurde. Sie war es auch, die durch haarscharfes Markieren der einheimischen Stürmerreihe die Basis für den in keiner Minute des Spiels gefährdeten klaren Sieg schaffte. — In Mörfelden gab es wie erwartet ein spannendes Spiel, das der Gastgeber in einer guten ersten Halbzeit für sich entscheiden konnte. Urberach hat in den letzten Spielen viel von seiner früheren Gefährlichkeit eingebüßt. — Eine kleine Sensation gab es in Langen, wo die noch am Vorsonntag so sehr überzeugende einheimische Elf sich von dem Neuling aus Eppertshausen überrennen ließ. Die schnelle Gästemannschaft zeigte während des ganzen Spiels eine gute Mannschaftsleistung. — In Seeheim stellte sich die Odenwaldmannschaft Groß-Bieberau in prächtiger Spiellaune vor und konnte nach der Pause bei ausgeglichener ersten Halbzeit die zum Sieg notwendigen Tore erzielen.

Bezirksklasse Ried

Ergebnisse: Westhofen—Crumstadt 5:11, Erfelden—Heppenheim 24:0, Wies-Oppenheim—Bürstadt 4:5.

Einmal mehr zeigten die beiden rechtsrheinischen Mannschaften Crumstadt und Erfelden ihre deutliche Ueberlegenheit gegen die übrigen Vereine. Der Tabellenführer Crumstadt konnte sich sehr überzeugend auf dem gefürchteten Gelände in Westhofen durchsetzen. Ein wahres Schützenfest feierte man in Erfelden gegen den Tabellenletzten Heppenheim a. d. W. Die gegnerische Mannschaft war in keiner Spielphase dem Erfeldener Ansturm gewachsen und lediglich der Torhüter zeigte trotz der 24 Tore eine gute Abwehrleistung. Bürstadt gelang bei dem Tabellenvorletzten Wies - Oppenheim ein äußerst knapper Sieg. In der Tabelle führen mit klarem Punktevorsprung vor den übrigen Mannschaften die beiden Favoriten Crumstadt mit 14:2 und Erfelden mit 10:2 Punkten. -ei-

Zweifellos ist das Remis, das der TV Klein-Umstadt in Semd erspielte, die bisher größte Ueberraschung in der diesjährigen Verbandsrunde. Der Freiwurfspezialist Martin sowie Torhüter Heil hatten den größten Anteil an dem ersten Punkt der Gäste. Babenhausen trat in Reinheim beim TV 88 zwar nur mit 10 Mann an, hatte das Spiel jedoch jederzeit in der Hand und lag bei der Halbzeit bereits mit 7:2 in Führung. Endstand 13:5 für die Gäste. Mehr Mühe wie erwartet hatte Langst adt/Schlierbach I mit seiner zweiten Mannschaft und der ll:7-Sieg fiel recht mager aus. In der Gruppe I ergibt sich nach Beendigung der Vorrunde folgender Tabellenstand:

Gruppe II

Unter Leitung von Verbandstrainer Willibald Kreß findet in der Zeit vom 4. bis 6. Dezember in Beerfelden ein Fußball-Lehrgang statt. Hieran werden etwa 35 Spieler aus dem Kreis Erbach teilnehmen. -ppi.

Am Samstagnachmittag fand im Gasthaus „Schönberger Hof“ in Bad König eine Schiedsrichtertagung des Fußball-Kreises Erbach statt, die von 26 Schiedsrichtern und 21 Vereinsvertretern besucht war. Der Schiedsrichterobmann des Süddeutschen Fußballverbandes. Herr Weingärtner, gab in der Hauptsache über Regelfragen Aufschluß. PPi.

Kreisklasse Erbach

In der Handball-Kreisklasse Erbach übernahm Bad König durch einen überraschenden 9:5-Erfolg in Erbach vor Michelstadt die Tabellenführung.

Momart, das Pfaffen-Beerfurth in einem Heimspiel erwartete, kam über eine 7:7- Punkteteilung nicht hinaus. Nachdem mit 3:3 die Seiten gewechselt worden waren, konnten die Gäste auf 5:3 davonziehen. Die Platzherren kamen jedoch durch Löw, der zwei Strafstöße verwandelte, erneut auf 6:6 heran. Endstand: 7:7.

Für Momart waren Löw (4), Weber (2) und Rebscher, für Pfaffen-Beerfurth Pöschel (3), Ihrig (2), Sauer und Fornoff erfolgreich. Die Entscheidungen von Schiedsrichter Blumenschein (Bad; König) waren nicht immer einwandfrei.

Kreisklasse Bergstraße

Ergebnisse: Heppenheim—Mumbach 14:4; Einhaus.—Lorsch 9:5; Siedelsbrunn —Kirschhausen 2:15; Bonsweiher—Zwingenberg 14:7; Kreidach—Erbach 14:4; Zell—Krumbach 15:11. Auch Mumbach konnte die Siegesserie des Tabellenführers Heppenheim nicht bremsen, sondern mußte sich deutlich geschlagen in den Odenwald zurückbegeben. — Recht zäh ging es in Einhausen zu, wo sich Lorsch nur nach einer Energieleistung der Einheimischen niederringen ließ. — Siedelsbrunn bemühte sich vergebens, den anfangs vorgelegten Spurt durchzuhalten, so daß der Tabellenzweite Kirschhausen schließlich nach Belieben Spiel und Tempo bestimmte. — Mit einer sehr achtbaren Leistung stellte sich Zwingenberg in Bonsweiher vor. Die Einheimischen, wieder stark im Kommen, ließen allerdings vom Anpfiff weg keinen Zweifel über das Schlußresultat. — Kreidachs junge Elf erfocht gegen die immer stärker abgleitenden Erbacher einen klaren, auch in dieser Höhe durchaus verdienten Sieg. — Zell und Krumbach lieferten sich eine rechte Handballschlacht, bei der bis kurz vor dem Ende „alles drin“ war. Bei etwas mehr Glück hätte den Gästen ein Remis gelingen können.

Arheilgen
9 9 0 0 90:28 18: 0 Ober-Ramstadt
7 6 0 1 44:33 12: 2 Hahn
8 6 0 2 58:39 12: 4 75 Darmstadt
6 4 0 2 51:21 8: 4 Sp. 98 Junioren
9 3 2 4 75:65 8:10 Bickenbach
7 3 1 3 51:49 7: 7 Bessungen
7 3 1 3 46:43 7: 7 Roßdorf
5 1 1 3 24:65 3: 7 Nieder-Ramstadt
7 1 1 5 38:66 3:13 Eberstadt
9 1 2 6 44:81 3:15 Jugenheim
6 0 0 6 10:71 0:12
TV Groß-Gerau
9 7 1 1 72:52 15: 3 Büttelborn
7 7 0 0 71:30 14: 0 Egelsbach
8 6 0 2 69:49 12: 4 TV Langen
7 5 1 1 74:40 11: 3 Walldorf
8 4 0 4 74:51 8: 8 Worfelden
8 4 0 4 53:62 8: 8 Schneppenhausen
7 3 0 4 47:33 6: 8 Mörfelden
8 2 0 6 32:57 4:12 Weiterstadt
7 0 0 7 33:101 0:14 VfR Groß-Gerau
8 0 0 8 30:66 0:16
-et-
Fränkisch-Crumbach 7 6 0 1 66:36
12: 2 Mörfelden 7 6 0 1 50:37
12: 2 Urberach 7 4 1 2 59:50
9: 5 Groß-Bieberau 6 3 0 3 37:43
6: 6 Eppertshausen 7 3 0 4 47:43
6: 8 Seeheim 7 3 0 4 49:49
6: 8 Langen 7 2 2 3 36:50
6: 8 Kirch-Brombach 7 2 1 4 53:50
5: 9 Reichelsheim 7 0 0 7 39:77
0:14
Landstadt/Schlierb. 6 6 0 0 67:25 12:0
Schaafheim 6 5 0 1 57:33 10:2
Babenhausen 5 3 0 2 43:41 6:4
Semd 6 2 1 3 45:44 5:7
Richen 6 2 0 4 60:57 4:8
TV 88 Reinheim 6 1 0 5 57:63 2:10
Klein-Umstadt 5 0 1 4 19:85 1:9
Langstadt II a. K. 7 1 0 6 42:89 2:10
TS Ober-Roden 7 5 0 2 79:58 10:4
Groß-Zimmern 6 4 1 1 59:43 9:3
SV 45 Reinheim 6 4 0 2 60:40 8:4
Münster 7 3 1 3 48:55 7:7
Groß-Umstadt 5 2 1 2 37:42 5:5
Nieder-Klingen 5 1 1 3 45:56 3:7
Brensbach 6 1 1 4 53:71 3:9
Habitzheim 6 1 1 4 31:47 3:9

Die Spiele der Kreisklassen

Kreisklasse Groß-Gerau

1. Niederlage von Gernsheim—Ginsheim

Der erste Sonntag im November brachte an der Tabellenspitze den meisten Platzvereinen der A-Klasse Ueberraschungen. So brachte es Stockstadt fertig, vor heimischem Publikum dem seither ungeschlagenen Tabellenführer Gernsheim die erste Niederlage beizubringen. Bereits in der ersten Halbzeit stellte Stockstadt durch Tore von Kowalski und Schmitt Sieg und Punkte sicher. — In Walldorf kam es zu einem zahlenmäßig überraschend hohen Sieg der Büttelborner, für dessen Zustandekommen vor allem die geschlossene Leistung der Gäste sorgte. Storck (3), Ruschitzka und Garschow besorgten die Zähler. — In Raunheim wickelte sich ein ausgeglichenes Spiel ab, das beiden Mannschaften die Siegesmöglichkeit offen ließ. Die l:0-Führung des Gastgebers glich Ginsheims Rechtsaußen Hauf in der 79. Minute aus. — Wolfskehlen konnte in seinem Heimspiel gegen Astheim seine Zuschauer keineswegs zufriedenstellen. Durch ein Selbsttor und einen groben Schnitzer des Torhüters ging Astheim schon in der ersten Halbzeit 2:0 in Führung. Trotz drückender Feldüberlegenheit des Gastgebers gelang es ihm nur, ein Tor aufzuholen. — Ebenso überraschend siegte die Biebesheimer Elf in Klein-Gerau 3:1. Durch Tore seines Linksaußen (2) und seines Mittelstürmers kam Biebesheim zu dem verdienten Erfolg, dem Klein-Gerau nur noch einen Treffer entgegensetzen konnte. — Mit dem gleichen Resultat gewann Gustavsburg in Dornheim. Bis zur Pause lag Gustavsburg bereits 3:0 in Front. Erst kurz vor Spielende erzielte Dornheim den Ehrentreffer.

In der B-Klasse war es Wallerstädten, das seine Tabellenführung durch einen sicheren 6:2-Sieg in Königstädten weiter ausbaute. Ebenso sicher, wie auch verdient, siegte der TSV Rüsselsheim zu Hause gegen Bischofsheim Ib mit 5:0 Toren. Mit neun Mann spielend, zwei Spieler wurden des Platzes verwiesen, konnte der SSV Raunheim mit Mühe und Not in Erfelden 2:1 siegen. Worfelden kam gegen Leeheim zu seinem ersten Sieg. 1:2 war die Torausbeute des Tages, -ed-

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Amtliche Bekanntmachungen Bekanntmachung Betr.: Verkehr zwischen der Bundesrepublik und dem Saargebiet zum Totensonntag (26. November) Durch Entscheid des OTC Herford sind die folgenden Reise¬ erleichterungen anläßlich der religiösen katholischen und evan¬ gelischen Feiertage genehmigt worden. Die nachstehende Ver¬ fügung ist gültig im Hinblick auf das evangelische Totenfest vom 25. bis 27. 11. einschließlich. Der Grenzübertritt vom Saargebiet nach Deutschland und von Deutschland nach dem Saargebiet wird bei Vorlage nachstehender Unterlagen genehmigt: a) Kennkarte mit Lichtbild, b) jede Unterlage, die deutlich beweist, daß ein Angehöriger bis zum 3. Glied (Vater, Mutter, Großeltern, Bruder, Schwester, Tante, Onkel, Schwager, Schwägerin, Schwiegereltern, Base, Vetter), im Saargebiet beerdigt ist, c) Kinder unter 14 Jahren können ihre Eltern dann begleiten, wenn eine Bescheinigung über die Kindschaft, vom Bürger¬ meister des Wohnortes ausgestellt, vorgelegt wird. ich weise darauf hin, daß die Regelung für alle Bewohner der Bundesrepublik gilt. Ebenso ist für Bewohner des Saarlandes die Ueberschreitung der Grenze gestattet, wenn die in Betracht kom¬ menden Angehörigen nach Ziffer b) in der Bundesrepublik be¬ erdigt sind. Darmstadt, den 31. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Darmstadt. 1.V.: Schön

'Öffentliche Ausschreibung Die Stadt Bensheim vergibt die Ausführung nachstehender Arbeiten: 1. Straßenbauarbeiten in der Fabrikstraße zwischen Rhein¬ straße und Anwesen der Firma Zieringer. 2. Weißbinderarbeiten, Umbau der ehemaligen Feuerwehr¬ unterkunft. Platanenallee 6. 3. Glaserarbeiten, Schulerweiterungsbau am Wamb.-Hof. 4. Zimmerarbeiten, Ausbau über dem Sitzungssaal des Roden¬ steiner Hofes. Angebotsunterlagen können ab sofort beim Stadtbauamt Bensheim, Rodensteiner Hof, Zimmer 29, abgeholt werden. Angebote sind bis spätestens Freitag, den 10. November 1950, vorm. 10.00 Uhr, in verschlossenem Umschlag, mit Bezeichnung der betr. Arbeiten versehen, dortselbst abzugeben. Die Angebotseröffnung findet um die gleiche Zeit im Beisein der erschienenen Anbieter statt. Nach¬ träglich eingegangene Angebote können nicht berücksichtigt werden. Die Zuschlagsfrist beträgt 12 Tage. Freie Auswahl unter den Unternehmern bleibt Vorbehalten. Bensheim, 4. November 1950. Der Bürgermeister, Stadtbauamt

VN 2/250 Beschluß Die „Peva" Produktiv Ein- und Verkaufsgenossenschaft e.G.m.b H. in Dieburg — Vorstand: Max Gröger und Anton Fritsch — hat durch einen am 31. Oktober 1950 eingegangenen Antrag die Er¬ öffnung des Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses über das Vermögen der Genossenschaft beantragt. Gemäß § 11 Vergl.-O. wird bis zur Entscheidung über die Er¬ öffnung des Vergleichsverfahrens Rechtsanwalt Hohlwein in Die¬ burg, Klosterstraße 30, zum vorläufigen Verwalter bestellt. Von der Anordnung von Verfügungsbeschränkungen gegen die Schuldnerin wird vorläufig abgesehen. Dieburg, den 2. November 1950. Amtsgericht Versteigerung Ich werde versteigern: am 9. November 1950, 10 Uhr, Pfand¬ kammer, Amtsgericht: 2 Schreibtische, 1 Zimmerbütett. Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b)

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