Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Ver^^Dar^r^ ™RICH DOMBROWSKI. Harm TaSb*aU L. C. Wittich, KrsJoAW?; RheJnslMße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 111 seffifd?e Tleuefte Tlo^ri^fen Dienstag, 7. November 1950 Redaktion; Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. I. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Vor einem Konflikt mit Rotchina?

Amerika filtert bie safortige Sicherheitsrates

Lake Success, 6. November (AP.) Die Vereinigten Staaten haben gefordert, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für Mittwoch zu einer Sondersitzung einzuberufen, auf der über die rotchinesische Intervention in Korea beraten werden soll. Der Sicherheitsrat muß satzungsgemäß diesem Antrag entsprechen.

Die Regierung Amerikas plant weiter, Rotchina davon ultimativ in Kenntnis zu setzen, man werde die großen Kraftwerke an der koreanisch - mandschurischen Grenze vernichten, falls weitere chinesische Truppen gegen die Einheiten der Vereinten Nationen in Korea zum Einsatz gelangen.

Nach Berichten aus zuverlässigen Quellen sollen die Vereinigten Staaten planen, Rotchina über folgende Punkte zu unterrichten:

1. Die Abkommen zwischen China und Korea bezüglich der Kraftwerke am Suiho-Damm an der koreanisch-mandschurischen Grenze werden von den Truppen der Vereinten Nationen beachtet und nicht angetastet werden. Voraussetzung hierfür ist. daß Rotchina sich jeder weiteren Einmischung in Korea enthält.

2. Falls China weitere Truppen gegen die achte Armee zum Einsatz bringt, wird der Suiho-Damm zerstört werden.

Der amerikanische Schritt soll sich vor allem auf die Annahme stützen, daß Rotchina um die Kraftwerke am Yalu fürchtet und aus diesem Grunde seine Truppen nach Nordkorea entsandt hat. Amerika will Peking klarmachen, daß die Mandschurei weiter mit Strom aus den Yalu-Werken beliefert wird, und daß die Truppen der Vereinten Nationen keine Bedrohung der mandschurischen Wirtschaft darstellen. Sollte China dies nicht akzeptieren, ist man in Washington bereit, drastische Maßnahmen, wie die Zerstörung der Dämme am Yalu, zu ergreifen.

Die amerikanische Note soll Rotchina durch die Vereinten Nationen zugeleitet werden, falls die amerikanische Regierung diesen Schritt beschließt. Genaue Informationen hierüber sind noch nicht zu erhalten.

Nordkoreaner evaknieren

Material der Changjin-Kraftwerke

Tokio, 6. November, (dpa) Die Nordkoreaner haben, wie der Sender Sinuiju am Montag meldete, Anlagen der wichtigen Changjin-Kraftwerke vor dem Zugriff der Truppen der Vereinten Nationen evakuiert. An dem durch Mittel-Nordkorea fließenden Changjin-Fluß liegen mindestens vier große Kraftwerke.

Bomben auf die Mandschurei?

Honolulu, 6. November. (AP.) General Mac Arthur soll nach Berichten aus Tokio die Vereinten Nationen um die Erlaubnis ersucht haben, die Luftstreitkräfte der Vereinten Nationen gegen mandschurische Flugplätze, Nachschubzentren und Verbindungswege starten zu lassen.

In Kreisen des Hauptquartiers soll ein solcher Schritt angesichts des Eingreifens rotchinesischer Divisionen in den Korea- Konflikt als notwendig angesehen werden, um die gegnerischen Menschen- und Materialreserven bereits in ihren Ausgangsstellungen zu treffen.

Selgische Waffen

an Rotchina geliefert

Brüssel, 6. November. (AP.) Große Mengen automatischer Waffen und Munition seien von Belgien an das kommunistische China geliefert worden, berichtet die der Regierung nahestehende Zeitung „La Cite“.

Das Blatt verurteilt schärfstens diesen „unmoralischen Waffenhandel“ und stellt mit Entrüstung fest: „Zu einer Zeit, in der Amerika aufgefordert wird, uns zu bewaffnen, rüstet Mao Tse-tung seine rote Armee mit belgischen Gewehren aus.“

Stellungen aufgegeben

Saigon, 6. November. (AP.) Die französischen Truppen haben ihre Verteidigungsstellungen in den Gebirgsläufen nordwestlich von Hanoi aufgegeben, gab das französische Hauptquartier am Montag bekannt. Gleichzeitig wurde die Verteidigungslinie am Schwarzen Fluß, etwa 50 Kilometer südlich von Hanghoa, nach Osten zurückgenommen.

„Ungewöhnlich gute Atmosphäre“

Die Aussprache zwischen Dr. Adenauer und McCloy

Bonn, 6. November. (dpa/AP.) Bundeskanzler Adenauer traf am Montagnachmittag mit dem amerikanischen Oberkommissar McCloy auf dessen Amtssitz Deichmannsau in Mehlem bei Bonn zusammen. Im Anschluß an die Besprechung mit dem Bundeskanzler empfing McCloy den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Dr. Schumadier Im Mittelpunkt der Aussprachen stand das Ergebnis der Neuyorker Besprechungen der Verteidigungsminister des AtlanHkrates Die Verhandlungen zwischen dem Bundeskanzler und McCloy über schwebende außenpolitische Probleme werden fortgesetzt.

Nach einer zweistündigen Aussprache erklärte Dr. Adenauer vor Pressevertretern: „Das Gespräch zwischen dem amerikanischen Oberkommissar und mir ist in einer ungewöhnlich guten Atmosphäre verlaufen “ Der Kanzler wies darauf hin, daß McCloy „für die gegenwärtige schwierige Situation der Bundesrepublik volles Verständnis gezeigt habe“.

Dr. Adenauer lehnte es ab, auf Einzelheiten des Gesprächs einzugehen, und betonte, daß er zu den aufgeworfenen Problemen in der außenpolitischen Debatte des Bundestages Stellung nehmen will. „Alle Erörterungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind verfrüht.“

Demokratischer Selbstschutz

Berlin, 6. November, (dpa) Der politische Leiter der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, Tillich, setzte sich in einem offenen Brief an Dr. Adenauer nachdrücklich für einen demokratischen Selbstschutz im Bundesgebiet ein, um der kommunistischen Remilitarisierung in der Sowjetzonenrepublik wirksam zu begegnen. Er fordert gleichzeitig den Bundeskanzler auf, unnachgiebig gegen jeden Defaitismus zu sein. Die Verteidigung der deutschen Heimat sei in erster Linie eine Angelegenheit des deutschen Volkes selbst.

Ausländische kommunistische Truppen

Eine aufschlußreiche Erklärung General Mac Arthurs

Tokio, 6. November. (BBC). General Mac Arthur gab in einer Erklärung bekannt, die Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea stünden nach ihrem entscheidenden Sieg über die Nordkoreaner nunmehr einer neuen, bisher noch nicht eingesetzten Armee gegenüber.

In der Mitteilung wird nicht ausdrücklich von einer chinesischen Armee gesprochen, doch ist von ausländischen kommunistischen Streitkräften die Rede, die aus der Mandschurei nach Korea über getreten sind. Weiter heißt es, mit der Einkesselung feindlicher Elemente nördlich von Pyöngyang und der Eroberung des Raumes an der Ostküste sei der Krieg so gut wie beendet gewesen. Die Zahl der nordkoreanischen Gefangenen und der übrigen kommunistischen Verluste belief sich auf insgesamt 335 000, was schätzungsweise der gesamten nordkoreanischen Kampfstärke entspricht. Die Erklärung fährt fort, angesichts dieses Sieges der Vereinten Nationen hätten die Kommunisten einen überaus schweren Völkerrechtsbruch verübt. Sie brachten ohne jede Ankündigung kriegerischer Absichten Elemente ausländischer kommunistischer Streitkräfte über den Yalu nach Nordkorea und konzentrierten eine große Zahl von Divisionen, die zur Verstärkung dienen können, mit entsprechendem Kriegsmaterial hinter der völkerrechtlich geschützten mandschurischen Grenze. General Mac Arthur erklärt dann, daß die Streitkräfte der Vereinten Nationen, die in diese Falle gelockt und vernichtet werden sollten, dank der geschickten Taktik des Befehlshabers in diesem Abschnitt diesem Geschick nur knapp entgehen konnten.


Die Karij vcmnsdiaulicht das Grenzgebiet zwischen Korea und der Mandschurei
Die Karij vcmnsdiaulicht das Grenzgebiet zwischen Korea und der Mandschurei

Rotchinesische Forderung

Indien soll Truppen zurückziehen

Kalimpong, 6. November, (dpa) Die chinesische Regierung hat Indien ersucht, die in Tibet stationierten indischen Einheiten zurückzuziehen, da Tibet jetzt allein unter die politische Zuständigkeit Chinas falle.

Auf Grund eines 1906 zwischen Tibet und Britisch-Indien unterzeichneten Abkommens waren seit dieser Zeit auf der Handelsstraße von Indien nach der tibetanischen Hauptstadt Lhasa in Gyantse und Yatung je ein indischer Handelsposten und einige leichte Infanteriekräfte stationiert. Diese kleinen Einheiten sollten den indischen Karawanen bei ihrem Uebergang über die Himalaja-Pässe Schutz gewähren.

Studiengruppe tagt

London, 6. November, (dpa) Die Drei-Mächte-Studiengruppe zur Revision des Besatzungsstatutes ist am Montag in London zu drei Aussehußsitzungen zusammengetreten. Dabei wurden die Fragen der in Deutschland verbotenen Industrien, die ausländischen Interessen in Deutschland und die Abstriche an Schulden aus der Vorkriegszeit erörtert.

Montgomery in Deutschland

Bückeburg, 6. November (AP.) Der Stabschef der Streitkräfte der Westunion, Feldmarschall Lord Montgomery, ist am Montag zu einem mehrtägigen Besuch in Deutschland eingetröffen. Während seines Aufenthalts wird der Feldmarschall britische Truppeneinheiten besichtigen.

Einmischung

*** Betrachten wir die Vorgänge an der koreanisch-mandschurischen Grenze an einem Beispiel des Alltags. A ist von N herausgefordert worden. Es kommt zu einem Streit. N wird dabei an den Zaun des Nachbarn Ch gedrängt. Dieser befürchtet, sein Zaun werde in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem gelten seine Sympathien dem zurückgedrängten N. Ch beginnt zu schimpfen, aber er beteiligt sich nicht unmittelbar an dem Streit. Dafür schickt er aber seine Knechte dem N zu Hilfe. Diese bringen A in Bedrängnis. Nach allem Rechtsempfinden hat sich Ch einer Einmischung schuldig gemacht.

Ungeachtet dieses klaren Sachverhaltes hat es das erste Kommunique Mac Arthurs sorgsam vermieden, eine Einmischung Ch, nämlich Chinas, festzustellen, es gab lediglich an, „landfremde kommunistische Truppen“ seien von der Mandschurei her in Korea eingerückt.

Aus dieser vorsichtigen diplomatischen Ausdrucksform durfte man annehmen, daß Amerika immer noch hoffe, eine direkte Auseinandersetzung mit Rotchina vermeiden zu können. Man hörte sogar, es habe versucht, auf Umwegen die Chinesen zu bestimmen, ihre Hilfstruppen zurückzuziehen, indem es Mao Tse-tung ein annehmbares Angebot machte. Es hieß, man habe ihn wissen lassen, die Vereinten Nationen verpflichteten sich, die zwischen Nordkorea und der Mandschurei bestehenden Abmachungen über die Verteilung des in den Yalu-Kraftwerken gewonnenen Stromes zu achten, wenn die Chinesen sich zurückzögen. Zeigten sich jene jedoch nicht dazu bereit, so würden die Kraftwerke vernichtet werden.

Inzwischen sind die chinesischen Divisionen in Nordkorea wohl so angewachsen, daß Amerika und die Vereinten Nationen nicht mehr darum herumkommen, darüber zu befinden, ob eine chinesische Einmischung vorliegt. Die Vereinigten Staaten haben gefordert, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen solle für Mittwoch zu einer Sondersitzung einberufen werden, auf der „die rotchinesische Einmischung“ in Korea beraten werden soll. Man kann nichts anderes erwarten, als daß der Sicherheitsrat eine Einmischung feststellt und Mao Tse-tung auffordert, seine Truppen über die Grenze zurückzuziehen.

Die nächsten Tage werden ergeben, ob bei ihm die Vernunft siegt, oder ob er von Moskau feste Weisung hat, das Odium der Einmischung auf sich zu nehmen, um den Krieg in Ostasien auszuweiten.

Die Kongreßwahlen in Amerika

Von Reinhold Zenz

Heute, am 7. November, finden in den Vereinigten Staaten die Mid-Term, das heißt die Zwischenzeit-Wahlen statt. Das Gesetz vom Jahre 1788 schreibt vor, daß die Amerikaner in jedem zweiten Jahr 435 Abgeordnete für das Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren zu wählen haben, deren Amtszeit sechs Jahre währt. Als Wahltag ist der Dienstag festgelegt, „der auf den ersten Montag im November folgt“. Diesmal sind infolge von Todesfällen und Rücktritten nicht 32, sondern 36 Senatoren neu zu wählen. Gleichzeitig geht es um die Neuwahl von 32 Gouverneuren.

Die Esel und die Elefanten

Man wird sich daran erinnern, daß Roosevelt, der Vorgänger des Präsidenten Truman, sich mit Vorliebe an einem Riesenschreibtisch fotografieren ließ, der mit zahlreichen Eseln bestellt war. In den Vereinigten Staaten herrscht das Zweiparteien-System, wobei die Demokraten und die Republikaner um die Herrschaft ringen. Die Demokraten tragen den Esel im Wappen, die Republikaner einen Elefanten. Diese Zeichen haben eine echt amerikanische Vorgeschichte. Sie gehen auf eine Wahlkarikatur von Thomas Nast in den neunziger Jahren zurück. Er verlieh darin den Demokraten den Esel als Wappen, mit der Bemerkung: „Esel tun mit größter Vorsicht die falschen Dinge“, während er den Republikanern den Elefanten als Sinnbild der Weisheit und Stärke verlieh. Die Demokraten zeigten Humor genug, das Richtige zu tun, indem sie den Esel offiziell zu ihrem Wappentier nahmen und bestrebt waren, zu beweisen, daß Folgerichtigkeit nicht mit Sturheit und Dummheit gleichzusetzen sei.

Die Demokraten verfügen im Repräsentantenhaus über eine Mehrheit von 89 Sitzen (fünf Sitze sind zur Zeit frei) und im Senat eine Mehrheit von 12 Sitzen. Das bedeutet für den Präsidenten Truman einen sicheren Rückhalt für seine Politik, wenn sich auch gezeigt hat, daß der Kongreß letzthin in beiden Häusern die nötigen zwei Drittel Mehrheit aufbrachte, um das Veto des Präsidenten gegen das Antikommunisten - Gesetz außer Kraft zu setzen. Würden die Wahlen eine republikanische Mehrheit ergeben, so wäre der Präsident in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit gezwungen, ständig gegen eine Parlaments-Opposition zu regieren. Das könnte zumal für die amerikanische Außenpolitik erhebliche Folgen haben, da die Republikaner immer noch isolationistische Neigungen zeigen. Das heißt, sie wollen eine rein amerikanische und keine Weltpolitik treiben

„Gib’s ihnen, Harry!“

Der Wahlkampf, der dem heutigen Tage vorausging, wird als der erbittertste in der amerikanischen Geschichte, mit Ausnahme der Präsidentenwahl, bezeichnet. Vom Fernsehfilm und Hubschrauber bis zu den üblichen Verleumdungen wurde von beiden Seiten eine rücksichtslose Propaganda getrieben. Thomas Dewey, der zum dritten Male Gouverneur des Staates New York werden will, hat zum Beispiel die Demokraten „Diebe, Nichtstuer, Blender und Lügner“ genannt. Sein Gegner, Lynch, behauptete daraufhin, Dewey sei „ein Barbar, ein durchtriebener Verschwörer und ein kleiner Stalin“.

Auch Truman hat es in seiner einzigen Wahlrede an Deutlichkeiten nicht fehlen lassen. Als an einer Stelle seiner Rede unter den zehntausend Zuhörern der Schrei laut wurde: „Gib’s ihnen, Harry!“, antwortete der Präsident. „Werde ich.“ Und er handelte danach. Er beschuldigte die republikanische Partei, sie wolle mit den isolationistischen Bestrebungen der zwanziger Jahre die Nation zum Selbstmord treiben. Jeder vernünftige Mann wisse, daß eine Rückkehr zum Isolationismus eine offene Einladung an den Kommunismus bedeute, den Rest der Welt zu schlucken. Wenn sichdie Bevölkerung für die Republikaner entscheiden sollte, würden die Vereinigten Staaten der Drohung des Kommunismus allein gegenüberstehen. Nach einiger Zeit stünden diesem dann die ganzen Reserven Asiens, Europas und Afrikas zur Verfügung. Sein größter Ehrgeiz sei aber die Erhaltung des Weltfriedens. Für diesen Frieden habe man in Korea den bedeutenden Erfolg erzielt.

Vorwürfe der Republikaner

Demgegenüber hat der führende Republikaner Harald E. Stassen gerade die Politik der Regierung im Fernen Osten scharf angegriffen. Er warf ihr vor, sie habe die chinesischen Kommunisten „verhätschelt“ und sei dadurch für die schweren Verluste der amerikanischen Truppen in Korea verantwortlich. Diese Verluste seien das direkte, schreckliche Ergebnis einer blinden, irreführenden Asienpolitik der Regierung. Sie habe fünf Jahre lang der Errichtung einer kommunistischen Streitmacht zugesehen. Sie habe die Steilung des Generals Mac Arthur untergraben, die freundschaftlich und freiheitlich gesinnten Asiaten vor den Kopf gestoßen und den Erzkommunisten Mao Tse-tung zu beschwichtigen versucht. Ihr größter Fehler sei es, daß sie der siebenten Flotte den Schutz Formosas befohlen und gleichzeitig den Auftrag erteilt habe, die nationalchinesische Blockade gegen Rotchina zu verhindern. Seither erhielt die kommunistische Kriegsmaschinerie laufend Unterstützung von allen Seiten, auch durch sowjetische Schiffe.

Mac Arthur und Korea

Es wäre unklug, voraussagen zu wollen, ob die Demokraten ihre Mehrheit im Kongreß und Senat halten oder ob die Republikaner diesmal zum Zuge kommen werden. Die Außenpolitik spielt in diesem Wahlkampf eine entscheidende Rolle. Vor vierzehn Tagen konnte der Präsident mit wirklichen Erfolgen aufwarten. Die nordkoreanischen Armeen waren vernichtet. Die Vereinten Nationen befanden sich auf ungehindertem Vormarsch an die mandschurische Grenze. Truman hatte durch seinen Flug zur Insel Wake mit General Mac Arthur, einem überzeugten Republikaner, der von einer wirksamen Ostasienpolitik ganz andere Vorstellung hat als der Präsident, anscheinend ein befriedigendes Uebereinkommen erzielt. Der Präsident konnte erklären, er persönlich sei es gewesen, der den Weltfrieden gewahrt habe.

Inzwischen hat sich die Lage in Korea urplötzlich gewandelt. Chinesische Divisionen sind auf den Plan getreten und haben die Vereinten Nationen zu verlustreichem Rückzug gezwungen. Es ist nicht abzusehen, ob sieh aus der Strafexpedition gegen die Nordkoreaner ein opfervoller Krieg gegen Rotchina entwickeln wird. Auch in Indochina machen die Bolschewisten beängstigende Fortschritte. Wird der amerikanische Wähler aus dieser Lage die Folgerung ziehen, es seien weitere gewaltige militärische Anstrengungen erforderlich? Oder wird er nur daran denken, daß neue Steuern und neue Lasten seinen Lebensstandard weiter einschränken werden? Das läßt sich schwer beurteilen.

Soviel dürfte jedoch sicher sein, wenn die Republikaner siegen, so wird zwar nicht zwangsläufig die internationale Zusammenarbeit eingeschränkt und die Verteidigungsbereitschaft der Vereinigten Staaten gelähmt werden. Alle weltweiten Pläne werden aber weit kritischer behandelt werden als bisher. Der Kongreß wird sich vermutlich nicht mehr so bewilligungsfreudig zeigen wie bisher und zumindest an den von Truman als unvermeidlich angesehenen Ausgaben erhebliche Abstriche machen. Es ist zu befürchten, daß damit auch die vorgesehene Verteidigung Europas geschwächt würde.

In Sachen Presse

zz Unsere Leser wissen, daß wir in jede^ Weise den politisch klugen Satz des Alten Fritz vertreten: „Gazetten sollen nicht genieret werden.“ Damit sie sich nicht geniert fühlen, muß ihnen die Möglichkeit gegeben werden, unmittelbar an die Informationsquellen heranzukommen und sich selbst ein Bild zu machen.

Wiederholt mußte darüber berichtet werden, welche Widerstände gerade behördliche Stellen der Presse entgegensetzen. Nun haben wir Veranlassung, Einspruch gegen einen neuen Versuch zu erheben, der die Pressearbeit erschweren soll. In einem Brief des Leiters der Landespressestelle, Gutberlet, von dem wir Kenntnis erhalten haben, regt dieser beim Präsidenten des Landtags von Rheinland-Pfalz, August Wolters, an, die Landtagsausschüsse,. die seit einiger Zeit im Regierungsgebäude in Mainz tagen, sollen jeweils nach den Beratungen ein Kommunique herausgeben. Dieses solle dann an die Landespressestelle gehen, und von ihr an die Presse weitergeleitet werden. Begründet wird die Empfehlung damit, daß auf diese Weise „eventuelle falsche Informationen der Öffentlichkeit“ vermieden würden.

Die Presse kann sich auf keinen Fall damit einverstanden erklären, daß ihr ein behördlich approbiertes Einheits-Kommunique zugeleitet wird. Sie wird auch nicht immer ihr besonderes Interesse den Angelegenheiten zuwenden, die gerade von der Landespressestelle für wichtig gehalten werden. Die Furcht vor einer falschen Information der Oeffentlichkeit ist durchaus unbegründet, wenn der Presse ausreichend Gelegenheit gegeben wird, sich selbst zu unterrichten. Man braucht auch keine Sorge zu haben, Informationen könnten in die Hände eines ungeeigneten Pressevertreters gelangen. Alle Pressevertreter, die mit der Landesregierung, dem Landtag und den Landesbehörden in Verbindung treten, gehören der Lartdespressekonferenz Rheinland-Pfalz in Mainz an, die jeden Ungeeigneten ausschließt. Die Namen der Pressevertreter sind der Landespressestelle bekannt. Eine größere Sicherheit dafür, daß Informationen sachgemäß behandelt werden, kann es kaum geben.

Wenn die Landespressestelle der Presse wirklich entgegenkommen will, so möchten wir von uns aus anregen, daß sie die zugelassenen Vertreter jeweils davon in Kenntnis setzt, wann eine Ausschuß-Sitzung angesetzt ist, wann sie voraussichtlich enden wird. Wenn sie weiterhin dem Ausschuß-Vorsitzenden nahelegt, die Fragen der Pressevertreter ausführlich und bereitwillig zu beantworten. Es würde dadurch vermieden, daß diese sich ihre Informationen sozusagen „hinten herum“ beschaffen müssen und daß sie gezwungen sind, unter manchmal unwürdigen Umständen auf Treppen und Gängen darauf zu warten.

Die Sowjetzone wird ausgeplündert

Täglich gehen 6000 Waggons mit ostdeutschen Gütern nach Rußland

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 6. November. Die Ausplünderung der Sowjetzone durch die Sowjetunion hält noch fünfeinhalb Jahre nach Kriegsende in unvermindertem Tempo an. Tag für Tag verlassen fünf- bis sechstausend Güterwagen mit industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen die Sowjetzone. Ein Teil wird über Scheune nach Stettin geschafft, um von dort aus verschifft zu werden. Das meiste wird per Eisenbahn nach Sowjetrußland transportiert.

Genaue Angaben über die Reparationslieferungen an Sowjetrußland machte am Montag in Bonn ein aus der Sowjetzone geflüchteter Lokomotivführer, der als „Brigadeführer“ für Eisenbahntransporte nach der Sowjetunion eingesetzt war und jetzt mit neun Kollegen nach Westdeutschland gekommen ist, nachdem sie im September von einer Fahrt nach Brest-Litowsk zwei deutsche Kriegsgefangene mit nach Hause gebracht hatten. Die Sache wurde von einem zwanzigjährigen Hilfsschaffner, der zunächst versucht hatte, durch Schimpfen auf die Russen das Vertrauen seiner deutschen Kollegen zu erlangen, bei der Rückkehr in Frankfurt/Oder verraten. Die beiden deutschen Kriegsgefangenen,* von denen der eine aus Radolfzell, der andere aus Reutlingen stammt, hatten sich inzwischen in Eisenbahneruniform aus dem Staube gemacht. Die deutschen Eisenbahner wurden, als sie verhaftet werden sollten, rechtzeitig gewarnt und konnten gemeinsam nach West-Berlin entkommen.

Auf Grund seiner vielen Fahrten durch Polen konnte der Lokomotivführer feststellen, daß seit Mitte des Jahres 1948 die Stimmung in Polen vollständig umgeschlagen ist. Während bis dahin die deutschen Eisenbahner bei der Durchfahrt durch Polen angespuckt und geschlagen worden waren, begannen sich die Polen nunmehr als Leidensgefährten der Deutschen zu fühlen, da sechzig Prozent der polnischen Kohlenförderung sowie der polnischen Ernte seitdem an Rußland geliefert werden müssen. Polnische Kohle, für die die Russen bis dahin immer noch elf Zloty pro Tonne bezahlt hatten, wird nur noch mit acht Zloty pro Tonne vergütet.

Die Zwangsbesiedlung Pommerns mit Polen sei völlig gescheitert. Mit Ausnahme der Umgebung von Posen lägen die Ostgebiete, aus denen die Deutschen vertrieben worden seien, brach, und die Häuser seien zerfallen. Von den Polen werde erklärt, daß dieses Land nicht ihr Eigentum sei und daß sie es nicht bearbeiten wollten, weil sie es auf die Dauer ja doch nicht behalten würden. Auf der Eisenbahnstrecke hinter Warschau werden von polnischen Banden fortgesetzt Sabotageakte verübt.

Mit bewegten Worten schilderte dgr Geflüchtete die unmenschliche Behandlung der Deutschen in der Sowjetunion. Noch jetzt würden jeden Monat zwei Transporte mit deutschen Männern, Frauen und Kindern nach Sowjetrußland verschleppt. Es handle sich dabei um Deutsche, die zu mehr als fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt seien. Manchmal seien es dreißig, manchmal fünfzig Güterwagen mit vierzig bis fünfzig Personen, die darin schlimmer als Vieh eingepfercht seien. Die Sowjets hätten ihre militärischen Transporte nach der Sowjetzone wesentlich verstärkt. Ostpreußen mit Königsberg, Kranz, Pillau seien ein einziges militärisches Gebiet, das nicht einmal von sowjetischen Offizieren, die keinen Sonderausweis hätten, geschweige denn von deutschen Eisenbahnern betreten werden dürfe.

Hundert Millionen bewilligt

Bonn, 6. November, (dpa) Der Kontrollausschuß des Hauptamtes für Soforthilfe genehmigte am Montag in Bonn Vorschläge über die Ausgabe von hundert Millionen Mark Soforthilfemitteln. Für Zwecke der Ausbildungshilfe wurden zehn Millionen, für die Existenz-Aufbauhilfe 50 Millionen, für die Flüchtlingssiedlung und für die Gemeinschaftshilfe je zwanzig Millionen Mark bewilligt.

Die „Badische Anilin- und Sodafabrik“

in Ludwigshafen baut gegenwärtig mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen DM ein großes Arbeiterbad innerhalb des Werksgeländes.

Rote Angriffswellezum Stehen gebracht

Die Lage in Korea beginnt sich zu festigen

Tokio, 6. November. (AP.) Die Lage in Korea hat sich weiter stabilisiert. Am Westabschnitt der Front, am Chongchon, konnten die amerikanischen Truppen kommunistische Einbrüche im Brückenkopf Anju abriegeln und den Angriff rotchinesischer Truppen zum Stehen bringen.

In Nordostkorea geht der Vormarsch südkoreanischerund amerikanischer Truppen gegen hinhaltenden Feindwiderstand weiter. Südkoreanische Truppen besetzten am Sonntag das brennende Kilchu und stießen 20 Kilometer nach Norden- und Nordosten über die Stadt hinaus vor. Von Pungsan aus befinden sich Einheiten der siebenten amerikanischen Infanteriedivision im Vorgehen auf die mandschurische Grenze. Vorausabteilungen haben den Ungi^Fluß, 13 Kilometer nördlich von Pungsan, erreicht. Gleichzeitig sind im Hafen von Iwon weitere amerikanische Verbände an Land gegangen.

Südlich der Chongjin-Talsperre haben Einheiten der ersten amerikanischen Marinedivision eingeschlossene Verbände der Division entsetzt. Im Raum von Majon kam es zu erbitterten Kämpfen mit rotchinesischen Elite-Truppen, die den Vormarsch der Division stoppten.

Die alliierte Front verläuft jetzt vom Anju-Brückenkopf an der Westküste über Tokchon südlich der Chongjin-Talsperre bis zu einem Punkt 13 Kilometer nördlich von Pungsan, von dort über Kilchu nach Südwesten biegend zur Ostküste.

Grober Unfug

Neuyork, 6. November, (dpa) Ein Lautsprecherbericht über einen angeblichen Atombombenangriff auf Neuyork verursachte in dem dichtbewohnten Neuyorker Stadtviertel Bronx eine Panik. „Feindliche Flugzeuge nähern sich der Neuyorker Innenstadt“, tönte es aus dem Lautsprecher, der im offenen Fenster einer Wohnung auf gestellt war. „Sofort verdunkeln! Der Gegner ist nur noch siebzig Kilometer von Neuyork entfernt.“ Auf diese Schreckensnachricht hin setzte in Bronx ein Chaos ein. Ein Teil der Einwohner verließ die Wohnungen und suchte in Luftschutzkellern Zuflucht. Autofahrer ließen ihre Kraftwagen im Stich und stürzten in die nächsten Torwege. „Bereiten Sie sich auf einen Atombombenangriff vor. begeben Sie sich in die Bunker“, ließ sich die Lautsprecherstimme wieder vernehmen. Sogar eine Sirene heulte.

Als die Polizei die Wohnung betrat, aus der die Lautsprecherwarnung gekommen war. fand man den 23jährigen Stanley Gordon, der freundlich lächelnd auf eine Vier-Watt-Lautsprecheranlage zeigte, die er gebastelt hatte. Er wurde wegen groben Unfugs verhaftet und mit dreißig Tagen Haft bestraft.

Duesterberg gestorben

Hameln, 6. November, (dpa) Im Alter von 75 Jahren ist am Sonntag der frühere zweite Bundesvorsitzende des „Stahlhelm“, Oberstleutnant a. D. Theodor Duesterberg, in Hameln an einem Herzschlag gestorben. Er lebte seit 1947 in Hameln und gab dort vor einiger Zeit ein Buch „Der Stahlhelm und Hitler“ heraus.

Kein direkter Zusammenhang

Außenminister Schuman über Pleven- und Schuman-Plan

Frankfurt/Main, 6. November. (AP.) Der französische Außenminister Robert Schuman hat einem Vertreter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Rom erklärt, zwischen dem Pleven-Plan zur europäischen Verteidigung und dem Schuman-Plap bestehe kein direkter Zusammenhang. »

Schuman erklärte: „Die Ausübung irgend eines Druckes durch uns selbst oder durch eine internationale Kombination hat uns bei der Aufstellung des Pleven-Planes gänzlich ferngelegen. Wir und auch ich speziell denken, daß es sich bei der europäischen Lösung auf militärischem Gebiet um dieselben Dinge handelt, die unserem Montanvorschlag zugrunde liegen. Wir wollen etappenweise eine euroj»äische Gemeinschaft zustande bringen mit übernationalen Organen, und zwar auf jedem der in Betracht kommenden Gebiete.

Zu deutschen Befürchtungen, daß der Plan diskriminierend sei, da er keine deutsche Divisionen und kein deutsches Verteidigungsministerium vorsehe, erklärte der französische Außenminister, er könnte diese Haltung im Fall eines deutschen Beitrags zur Atlantik-Armee verstehen, da Deutschland nicht zu den beschließenden Organen des Atlantikrates gehöre. Dagegen würde Deutschland in einer europäischen Armee von vornherein gleichberechtigt sein.

Schuman sagte dann, bei der Verwirklichung des Pleven-Planes müsse berücksichtigt werden, daß Deutschland keine Armee besitze, während andere Nationen Truppenkontingente für ihre überseeischen Besitzungen benötigten. Auf den Hinweis, man befürchte in Deutschland, daß der Pleven-Plan Sofortmaßnahmen für die Verteidigung behindere, sagte Schuman, „wenn irgend ein Land ein ebenso großes Interesse wie Deutschland daran hat, daß bei der Bereitstellung aller Kräfte für die gemeinsame Verteidigung keine Verzögerung eintritt, so ist es Frankreich“. Als Sofortmaßnahme in dieser Hinsicht kündigte Schuman an, daß die beteiligten Länder „sehr rasch“ einen gemeinsamen Verteidigungsminister ernennen würden.

Zur innerdeutschen Entscheidung über eine Beteiligung an der Europa-Armee betonte Schuman, „Deutschland wird durchaus frei sein in seinem Entschluß. Ohne seine Zustimmung kann unser Plan ebensowenig Zustandekommen wie der erste, die Montan-Union“. Die Zustimmung müsse jedoch nicht nur von der Regierung, sondern auch vom Parlament gegeben werden.

Stimmen der Anderen

Rußlands Deutschland-Vorschläge

Verschiedene französische Zeitungen setzen sich am Montag dafür ein, daß die Westmächte die sowjetische Anregung auf Abhaltung einer Viermächte-Konferenz über die Zukunft Deutschlands annehmen sollen. Die Zeitung „A u b e“ schreibt:

„Es ist die Pflicht Frankreichs und seiner Alliierten, jede Gelegenheit zu benutzen, um mehr über die sowjetischen Absichten zu erfahren und mit der Sowjetunion ins Gespräch zu kommen. Es ist allerdings zweifelhaft, ob eine Konferenz der vier Großmächte zu positiven Ergebnissen kommt, wenn sie nur die Prager Vorschläge als Verhandlungsgrundlage nimmt.“

„Le P o p u 1 a i r e“ (sozialistisch) meint: „Die demokratischen Regierungen haben die Pflicht, die Sowjetregierung auf die Probe zu stellen. Wenn die Prager Vorschläge von Moskau als einzige Verhandlungsgrundlage betrachtet werden, dann allerdings ist der neue sowjetische Vorstoß wieder nur ein Propagandamanöver. Die Aufrechterhaltung der Entmilitarisierung Deutschlands ist nur möglich, wenn in allen vier Zonen, einschließlich der sowjetischen, eine internationale Kontrolle vorgenommen wird. Auch kann eine demokratische Einigung Deutschlands nur durch freie Wahlen unter internationaler Kontrolle erzielt werden.“

„Comba t“ (unabhängig, linksstehend) schreibt:

„Wir rufen die Sprecher der beiden Mächteblocks auf, durch die Erörterung genau umrissener Fragen eine Einstellung der Feindseligkeiten herbeizuführen. Wenn man die sowjetischen Vorschläge zur Deutschland-Frage für unannehmbar hält, und wenn man in der Anwesenheit chinesischer Soldaten in den Reihen der Nordkoreaner nur einen belanglosen Zwischenfall wie viele andere sieht, dann muß man sich auf ein schmerzliches Erwachen vorbereiten. Wenn man eine allgemeine Katastrophe vermeiden will, ist kein Augenblick mehr zu verlieren. Sonst muß man sich kühl eingestehen, daß der dritte Weltkrieg schon begonnen hat.“

In der „E poq ue“ (rechtsstehend) heißt es:

„Die sowjetische Note klar und einfach abzulehnen, hieße Wasser auf die Mühlen der marxistischen Propaganda leiten. Die drei Westmächte müssen sich möglichst schnell über einen möglichst genau umrissenen Gegenvorschlag einigen. Da sich die sowjetische Note auf das Potsdamer Abkommen beruft, muß man daran erinnern, daß in diesem Abkommen für Deutschland ein freiheitliches Regime vorgesehen war, das der Sowjetzone heute verweigert wird. Auf keinen Fall dürfen irgendwelche Konzessionen in Frage kommen, solange Moskau nicht vorher einen konkreten Beweis seines guten Willens erbracht hat.“

Die britische „Daily Mail“ (konservativ) meint:

„In diesen gefährlichen Tagen kann selbst ein von Hintergedanken begleiteter Annäherungsversuch der Sowjets nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Selbst der Schatten einer Einigungsmöglichikeit muß beachtet werden. Die Westmächte werden die Sowjetnote studieren und vielleicht darauf eingehen, aber sie müssen mit der größten Beschleunigung fortfahren, die Einheitsfront im Osten und im Westen aufzubauen.

Lenkung der Kohle

Wiesbaden, 6. November, (dpa) Das Hessische Wirtschaftsministerium wird bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der Bundesregierung darauf dringen, daß die „Lenkung“ der Kohle an die einzelnen Wirtschaftszweige nicht zentral vom Bund aus erfolgt, sondern durch die Länder, da hier der bessere Ueberblick bestehe. Wie bekannt wird, verfügen die hessischen Gas- und Elektrizitätswerke nur noch über sehr knappe Kohlenvorräte. Ein ausgesprochener Engpaß bestehe bei der Versorgung der eisenerzeugenden Industrie mit Gießereikohle.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.

57)

„Ich will nicht verhehlen, daß ich schon sehr darauf gewartet hatte; denn das lange Schweigen h atte mich schon sehr -beunruhigt. Aber Ende gut, alles gut.

Sie können sich denken, wie herzens - froh ich bin über alles, was Sie mir von Isabella und ihrem Glück erzählen. Es erstaunte mich nur, daß Sie sie in ihrem neuen Leben und ihren neuen Erfahrungen so unverändert finden. In ihren Briefen an mich zeigt sie sich so ganz anders als früher, viel sorgfältiger und gewissenhafter.

Ich rechne fest damit, daß Sie so liebenswürdig sein werden, mir weiterhin über meine fernen Lieben zu berichten. Meine drei kleinen Mädchen, die bei mir geblieben sind, und ich sind unzertrennlich, An schönen Tagen gehen wir stundenlang im Park spazieren, und oft sitzen wir beisammen und lesen aus Werken von Moliere. Im Nachbardorf gab es eine Epidemie, daher leben wir ganz abgeschlossen; aber wir fühlen uns keineswegs als Gefangene, sondern genießen unsere Einsamkeit.

Ich freute mich besonders, zu hören, daß Louise und Berthe häufig mit Isabella von mir sprechen, wenn Sie es auch vielleicht nur geschrieben haben, um mir eine Freude zu machen. Jedenfalls sind mir beim Lesen dieser Zeilen die Tränen gekommen Haben Sie Nachsicht, liebe Mademoiselle, mit diesem armseligen Brief, den ein übervolles Herz mir diktiert. Ich danke Ihnen tausendmal für Ihr Schreiben, und ich bitte Sie inständig, mir doch jede Kleinigkeit mitzuteilen; über meine Kinder kann ich niemals genug hören. Fanny Sebastiani-Praslin.“

Henriette las den Brief wieder und wieder und versuchte, sich ein Bild davon zu machen, welcher Stimmung und welcher Absicht sie diese ungewöhnliche Herzlichkeit wohl zu verdanken habe. Falls sie ihr Verhalten bedauerte und von sich aus zu vergeben und zu vergessen wünschte, dann war Henriette durchaus bereit, ihr auf halbem Wege entgegenzukommen; und sollte dieser unglückselige Nachmittag ihrem Gedächtnis völlig entfallen sein, dann würde ihr nächstes Zusammentreffen wenigstens viel von seiner Peinlichkeit verlieren. Etwas anderes kann dieser erstaunliche Brief kaum bedeuten, meinte Henriette, als sie ihn in ihrer Mappe verwahrte. Wenn sie später auf jene letzten Monate des Jahres 1846 und die Wintertage von 1847 zurückblickte, war sie immer um eine Erklärung verlegen, warum diese Zeit so harmonisch und geruhsam verlaufen war. Sie kehrte nach Frankreich zurück, erholt und für etwaige neue Auseinandersetzungen gerüstet, und fand in Melun sowohl als auch nachher in Paris nur Frieden- und Versöhnlichkeit vor. Die Szene in Dieppe und die anderen Unwetter, die sich über sie entladen hatten, nahmen allmählich für sie die Unwirklichkeit eines bösen Traumes an. Eine Art Waffenstillstand, ein stillschweigendes Uebereinkommen schien zwischen der Herzogin und ihr getroffen worden zu sein.

Henriette verlangte nichts weiteres, als unbehindert ihren Pflichten genügen zu können; und der Herzog seinerseits schien jede friedliche Stunde in seinem Hause dankbar zu genießen. Obwohl er seine Gewohnheit beibehielt, mit den Kindern und Henriette zu, essen, hatte doch eine Veränderung' im Haushalt die Situation ihrer Spannung beraubt: der alte Marschall wohnte wieder in der Rue du Faubourg Honore, und er und die Herzogin nahmen jetzt ihre Mahlzeiten gemeinsam ein. Die vier älteren Mädchen wechselten sich darin ab, ihnen beim Mittag- und Abendessen Gesellschaft zu leisten. Und nicht zuletzt hatte sich das Befinden der Herzogin soweit gebessert, daß sie sich häufigere Konzert- und Theaterbesuche als seit langem zumuten konnte, und zu derartigen Vergnügungen wurde Henriette zu ihrer großen Ueberraschung oft eingeladen. Sie vermutete, daß der Marschall bei dieser Aufmerksamkeit seine Hand im Spiel habe, da er zweifellos der Ansicht war, es sei ratsam, daß seine Tochter sich öffentlich mit Henriette zeigte. Es war ein seltsames Gefühl, wieder in Gnaden aufgenommen zu sein; bisweilen fiel es Henriette sogar schwer, sich dieser neuen Lage nach den jahrelangen Anfeindungen anzupassen. Sie versuchte, ihre mißtrauischen Regungen zu unterdrücken, obwohl sie sich unwillkürlich auf neue Zurücksetzungen gefaßt machte, bevor noch ein Grund dazu vorlag. „Traue nicht einem lauen Wind im März oder einem versöhnten Feind!" hieß das alte Sprichwort, das ihr im Laufe jenes Winters ständig in den Sinn kam. Kurz vor Weihnachten wurde Louises Verlobung bekanntgegeben, und das ganze Haus war in der Teilnahme an ihrem Glück vereint. Ihr künftiger Gatte war um etliches älter als sie, und die Hochzeit sollte erst in einem Jahr stattfinden. Ueber diesem Ereignis und den Feiertagen ging das alte Jahr zu Ende, und das neue war da, bevor Henriette sich dessen recht bewußt wurde.

Albert Remey kam immer noch täglich, um seinen Unterricht zu erteilen. Die kurzen Minuten, die sie dann zusammen verplaudern konnten, und die Besuche bei ihren alten Freunden taten Henriette stets von neuem wohl. Auch Madame de Maire suchte sie auf, so oft es ihre seltenen freien Nachmittage zuließen. Frederic Monod hörte sie nur gelegentlich predigen; aber sich mit ihm auszusprechen, wie sie es beabsichtigt hatte, war ihr nicht möglich; entweder traf sie zu viele andere Besucher bei ihm an, oder sie hatte gerade keine Zeit, und deshalb mußte sie ihren Plan, ihn um Rat zu fragen, verschieben. Statt dessen sprach sie wohl manchmal, wenn es sich so ergab, zu Albert und Marie von ihren Schwierigkeiten; aber diese beiden waren so glücklich in ihrer Ehe und Henriette so getreu zugetan, daß ihr Rat und Urteil nicht als ganz unvoreingenommen betrachtet werden durfte.

Madame Le Maire dagegen versah Henriette unentgeltlich, und jederzeit mit Rat.

„Je schneller Sie diese Praslins loswerden, desto besser“, warnte die alte Frau. „Das ist kein Haus für ein junges Mädchen wie Sie!“

„Nun, ein junges Mädchen kann man mich eigentlich nicht mehr nennen.“

„Eben, daher laufen Sie viel größere Gefahr, als wenn Sie es wirklich wären. Vergessen Sie nicht, daß Sie gerade soviel jünger sind als seine Frau und soviel älter als seine Töchter, um einen Mann wie den Herzog zu reizen. Und außerdem wirken Sie anziehender, als gut für Sie sein kann, wenn Sie es darauf anlegen.“

„Sie wollen mir doch nicht etwa schmeicheln?“

„Durchaus nicht; ich wame Sie nur, wie ich es schon damals tat, bevor Sie Ihre Tätigkeit dort aufnahmen, bevor ich Ihren Namen in der Zeitung lesen mußte!"

„Sieh da, Madame Le Maire liest Skandalblätter!“

„Selbstverständlich, ich lese, was Paris liest, und ich verstehe auch, was ich gelesen habe, ebensogut wie mein Nachbar; und das können Sie offenbar nicht; sonst würden Sie nicht so töricht sein, so hart am Wind zu segeln."

„Ich fürchte den Wind nicht, von dem Sie da sprechen.“ Madames schwarzseherisches Krächzen gab Henriette ein erhöhtes Gefühl der Selbstsicherheit. „Ich bin es gewöhnt, heimtückisches Wasser und schwere Stürme zu meistem, und ich liebe es nun einmal, mein eigener Steuermann zu sein.“

„Das klingt alles ganz schön, aber warten Sie nur, wie es ist, wenn Sie kentern. Das ist unvermeidlich; und dann werden Sie sich freuen, wieder in der Rue du Harlay einen Unterschlupf zu finden.“

Sobald das Gespräch an diesem Punkt anlangte, pflegte Henriette mit einem Achselzucken das Thema zu wechseln. Es hatte keinen Sinn, jemanden überzeugen zu wollen, der immer alles in den schwärzesten Farben sah. (Fortsetzung folgt.)

Weitere Kasernen-Ränmung

Nun auch Königstein / Das Priesterseminar muß ausziehen

Wiesbaden, 6. November, (dpa) In voTden^^ annähernd 2000 Personen stärkunv ^onen für die geplante VertJoffen W^ B^satzungstruppen be-NJ a Wie ^^isterialdirektor Dr handel V°m. Innenministerium erklärte, SlQh b€i allen BeschlagnahkünftJ1- ehemaüge Kasernenunterunfte, in denen Heimatvertriebene, hei-Undauch Einheimische untergebracht worden sind

„ Y°n ^er Möglichkeit der Erfassung privaten Wohnraums ist im Innenministerium bisher weder offiziell noch gerüchtweise etwas bekannt 7n •• *

Zu den zu räumenden Kasernenkom-E*en, ln Hanau, Butzbach, Gießen und Babenhausen sind neuerdings die Kasernen m Königs tein im Taunus hinzugekommen. Sie stammen aus der Besatzungszeit nach dem ersten Weltkrieg und beherbergten bisher das katholische Priestersemiinar.

Der Bundeswiederaufbauminister will, wie Dr. Nahm erklärte, für die durch die Räumung obdachlos gewordenen Familien sogenannte Montage-Häuser errichten lassen. Wegen der Kürze der Räumungsfristen müsse man die Betroffenen jedoch übergangsweise in Bara c k e n unterbringen. Zur Zeit sei noch nicht bekannt, wie sich der Bund die Finanzierung des Projektes denke.

Ausbau der Soldatenfriedhöfe

Gießen, 6. November. (HR.) Der Vorstand und der Vertretertag des Hessischen Landesverbandes des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge traten in Gießen zu ihrer Jahrestagung zusammen. Es wurde beschlossen, im nächsten Jahr mit einem Kostenaufwand von zweihunderttausend DM eine Anzahl hessischer Soldatenfriedhöfe auszubauen.

16 800 Mark für ,„Friedensbecher“

Rechnungshof Nordrhein/Westfalen kritisiert Ausgaben in Bonn

Düsseldorf, 6. November (dpa). Der Landesrechnungshof von Nordrhein-Westfalen hat in einem Gutachten erhebliche Kritik an der Verwendung von 20,5 Millionen Mark aus Landesmitteln bei den Bonner Bundesbauten geübt.

Zahlreiche Bauten seien ohne Ausschreibung vergeben worden, wodurch die Preise besonders hoch gewesen seien. Die Uebereilung habe dazu geführt, daß Bauten ohne Pläne begonnen wurden und nach Eintreffen der Pläne wesentliche Bauteile wieder abgerissen werden mußten. Mit den Besitzern einiger ausgebauter Grundstücke seien keine Kauf- oder Mietverträge abgeschlossen worden, so daß die investierten Landesmittel möglicherweise Eigentum Dritter geworden sein könnten.

Die Preise für die einzelnen Bauprojekte seien überhöht. Der Landesrechnungshof fragt, wer die Verantwortung dafür trägt. Besonders wird vermerkt, daß aus den Landesmitteln auch Übernachtungen und Frühstück für in Bonn weilende Verwaltungsbeamte und Abgeordnete gezahlt worden seien. Für den ersten Empfang beim Bundespräsidenten auf Schloß Brühl habe eine Firma für rund 16 800 Mark sogenannte „Friedensbecher“ aus Kristall geliefert. Der Landesrechnungshof möchte wissen, wer für die Bestellung verantwortlich war und was aus den Bechern in der Zwischenzeit geworden ist.

Obwohl bekannt gewesen sei, daß der Bundespräsident nur ein Jahr auf Schloß Viktorshöhe wohnen werde, seien für die gärtnerische Ausgestaltung dieses Grundstücks bei konkurrenzfreier Vergabe 81 000 Mark aufgewendet worden. Ein Bonner Teppichhaus habe ebenfalls außerhalb jedes Wettbewerbs über 250 000 Mark umgesetzt.

Insgesamt habe das Zimmer des Bundeskanzlers 28 500 Mark, das Sitzungszimmer 35 000 Mark und das Zimmer des Staatssekretärs 15 500 Mark gekostet.

Deutschland -ein ungeteiltes Vaterland

Konstituierende Tagung der „Bruderschaft“

Hamburg, 6. November (AP.) Die „Bruderschaft“, eine Organisation ehemaliger deutscher Wehrmacht- und SS-Offiziere, bildete sich am Wochenende auf Bundesebene und wählte zu ihrem „Ersten des Bruderrats“ den ehemaligen Major im Generalstab Helmuth Beck-Broichsitter. Die erste Arbeitstagung wurde an einem geheimen Ort in der britischen Zone abgehalten.

Beck führte aus, der Bruderrat habe völlige Übereinstimmung in seinen Zielen erreicht. Als oberstes Gesetz bezeichnet die Bruderschaft die Erhaltung der europäischen und damit der deutschen Substanz. „Europa, eine geeinte und freie Nation — Deutschland, ein ungeteiltes Vaterland“, ist einer ihrer Leitsätze.

Vorbedingung für die Aufstellung deutscher Einheiten nennt die Bruderschaft die politische Einigung Europas unter völliger Gleichberechtigung Deutschlands. Dazu sei die völlige Wiederherstellung der deutschen Souveränität unerläßliche Voraussetzung. Die Bruderschaft will jeden deutschen General diffamieren, der eine deutsche Einheit führt, bevor nicht die „Ehre des deutschen Soldaten wiederhergestellt ist“. Sie forderte die Auslöschung der „europäischen Schande von Nürnberg“ und ein Bundesgesetz, das Deutschen den Wehrdienst unter fremder Fahne verbietet.

Beck forderte ein geeintes Europa mit Afrika als Hinterland. Dieses müsse als „dritte Weltmacht“ ohne direkte Abhängigkeit vom Osten oder Westen erstehen. Dies sei vielleicht der einzige Weg, einen dritten Weltkrieg zu vermeiden.

Zur Verteidigung Europas bezeichnete Beck die Aufstellung von mindestens 60 bis 70 Divisionen als unerläßlich. Die deutschen Soldaten würden bereit und in der Lage sein, unter einem gemeinsamen Generalstab mit deutscher Vertretung und .unter deutschen Divisionskommandeuren, zehn Divisionen zu der Europaarmee zu stellen.

Beck gab bekannt, daß er eine lange Liste von prominenten deutschen Industriellen besitze, die geheim die Kommunistische Partei und die Ostzonenregierung mit Geldzuwendungen unterstützen. Diese Liste werde „zu gegebener Zeit“ veröffentlicht.

Kritik aus den eigenen Reihen

Frage der deutschen Wiederbewaffnung erregt die französischen Gemüter

Paris, 6. November, (dpa) Die amerikanische Kritik an der französischen Haltung zur deutschen Wiederbewaffnungsfrage hat die Meinungsverschiedenheiten unter den französischen Politikern über dieses Thema wieder aufleben lassen. Volksrepublikanische und radikalsozialistische Kreise werfen Verteidigungsminister Moch vor, daß er auf der Washingtoner Konferenz des atlantischen Verteidigungsausschusses eine allzu unnachgiebige Haltung eingenommen habe. Selbst ein Teil der Sozialisten ist anscheinend zu der Auffassung gelangt, daß ihre Partei in der deutschen Wiederbewaffnungsfrage allzu starr vorgegangen ist.

Der sozialistische Abgeordnete Jean Lebait erklärte: „Mit unserer allzu schroffen Haltung könnten wir eine Entwicklung auslösen, die wir gerade vermeiden wollen. Es besteht die Gefahr, daß die deutsche Wiederbewaffnung über den Kopf der atlantischen Nationen hinweg direkt zwischen amerikanischen und deutschen Generalen durchgeführt wird.“

Der einflußreiche sozialistische Politiker Andre Philip äußerte: „Die deutsche Wiederbewaffnung wird auf jeden Fall stattfinden. Die Amerikaner sehen sich jetzt in Europa nach Truppen um. Sie begrüßen alle Bestrebungen zur Einigung Europas. Doch ist ihrer Meinung nach zu viel geredet und zu wenig gehandelt worden.“

Wirtschaftsblatt

Neue Steuerpolitik

-ck Die Bundesregierung hat nachhaltig erklärt, daß eine Wiedereinführung von Bewirtschaftungsmaßnahmen nicht geplant sei, sondern daß sie beabsichtige, mit marktkonformen Mitteln Engpässe in der Produktion zu überwinden Das ist erfreulich. Das Problem liegt nicht darin, das Sozialprodukt nach irgendwelchen Richtlinien zu verteilen, sondern vielmehr darin, es zu vermehren.

Die Bundesregierung hat aber zum Ausdruck gebracht, daß sie gewillt sei, gewisse Maßnahmen einzuführen. U. a. ist vor allem auch an eine Aenderung der Steuerpolitik gedacht. Es sollen dabei allerdings die Einkommen- und Lohnsteuer nicht erhöht werden. Dem Vernehmen nach ist beabsichtigt, gewisse Steuervergünstigungen aufzuheben. So verlautet, daß ein Tei] der bisher für die Selbstfinanzierung gewährten Vergünstigungen nur noch für die Anlage auf den Aktien- und anderen Kapitalmärkten gewährt werden solle. Falls diese Absicht in der vorstehenden Weise verwirklicht werden sollte, müßte die für 1950 aufgehobene ursprüngliche Beschränkung des § 32a EStG, nämlich der Zwang zur Anlage eines Teiles des steuerbegünstigten Gewinnes in Wertpapieren, wieder neu eingeführt werden. Es wird sogar befürchtet, daß darüber hinaus auch die Absicht besteht, diesen Zwang auch auf die nicht entnommenen Gewinne gemäß § 10 EStG auszudehnen.

Ein solches Vorgehen ist höchst bedenklich. Ein erneut beabsichtigter Wechsel in der Behandlung nicht entnommener Gewinne würde viele Firmen vor große Schwierigkeiten stellen. Unter Umständen wäre eine solche Entwicklung auch geeignet, Firmen, die bisher nicht in Form einer Körperschaft geführt wurden, mit Gewalt zu solchen Formen zu pressen.

Trotz aller Mängel, die dem § 32a EStG anhaften, war es den Betrieben bisher nur möglich, die Kriegszerstörungen ihrer Betriebe zu beseitigen unter Inanspruchnahme dieses Paragraphen. Größere Investitionen insbesondere können nicht kurzfristig geplant werden Sie erstrecken sich über eine Reihe von Jahren. Wenn man nunmehr beabsichtigt, die oben angedeutete Aenderung in der Steuerpolitik einzuführep, müßten diese Investitionen abgestopt werden. Das bedeutet also, daß angefangene Vorhaben nicht zu Ende gebracht werden könnten. Große wirtschaftliche Schädigungen müßten die Folgen sein. Es erscheint angebracht, schon jetzt auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen.

Selbständige Bundesbahn?

Noch keine Einigung über das Siebenpunkte-Programm

Hi. Das Bundesverkehrsministerium dementierte gegenüber unserem Bonner Vertreter Meldungen über ein Siebenpunkteprogramm für die Bundesbahn. Es sei zwar richtig, daß der Bundesverkehrsminister das gemeinsame deutsch-alliierte Gutachten zur Lösung der Probleme der Bundesbahn unterzeichnet habe. Doch handle es sich bei dem Siebenpunkteprogramm um Maßnahmen, über die bei den Beratungen zwischen dem Bundesverkehrsministerium, der Hauptverwaltung der Bundesbahn und der alliierten Oberkommission noch keine Einigung erzielt worden ist.

Es geht dabei u. a. um die Einstellungssperre mit dem Ziel, eine Reduzierung der Bundesbahnangestellten um 20 000 Köpfe bis Ende 1951 zu erreichen, ferner um die Ueberführung von 4200 Bahnpolizisten an Bund und Länder, um die Bezahlung von Pensionen an heimatvertriebene Eisenbahner durch den Bund, um die fünfzigprozentige Tariferhöhung im Bundesverkehr und die Heraufsetzung von Gütertarifen auf den Selbstkostenstand und um die Herauslösung der Bundesbahn aus dem Verkehrsministerium.

Drei Bankbezirke

(Hi.) In Zukunft werden drei Bankbezirke bestehen, wie aus dem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. Eine der drei Großbanken wird ihren Sitz in Düsseldorf haben. Die weiteren Bankbezirke werden ihren Sitz in Frankfurt für Süddeutschland und in Hamburg für Nordddeutschland haben. Außerdem soll Frankfurt die zwei Nebenplätze Stuttgart und München mit dem Einverständnis der Oberkommission erhalten.

41 000 Arbeitslose weniger

dpa Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik hat im Oktober erneut um 41 676 auf 1 230 171 abgenommen. Davon entfallen auf männliche 35 912 und auf weibliche Arbeitslose 5764.

Nur in zwei Bundesländern nahm die Arbeitslosigkeit im Oktober zu. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl um 1464 und in Bremen um 400. Am stärksten nahm die Arbeitslosigkeit in Bayern ab. Dort ging sie um 12 176 zurück. Es folgen u. a. Niedersachsen mit 9630, Hessen mit 7429 und Rheinland-Pfalz mit 1126.

Die Gesamtzahl der Arbeitslosen verteilte sich Ende Oktober auf die 11 Bundesländer u. a. wie folgt: Niedersachsen 291 887, Bayern 285 822, Schleswig-Holstein 179546, Nordrhein-Westfalen 164 524, Hessen 89 699, Hamburg 82470, Rheinland-Pfalz 50 544 und Württemberg - Baden 46 607.

Bewilligungsantrag für die Einfuhr erst dann an die Landeszentralbank weitergeben, wenn das neue Einverständnis des Importeurs vorliegt. Für ECA-Einfuhren gelten Ausnahmebestimmungen.

Das neue Einfuhrverfahren

Bz. Bekanntlich beschloß der Einfuhrausschuß, daß nur die Landeszentralbanken die Einfuhrbewilligungen erteilen können. Durch die Anweisung Nr. 5 hat die Bank deutscher Länder das Einfuhrverfahren neu geregelt.

Im liberalisierten Verfahren muß der Antragsteller wie bisher einen Antrag zur Einfuhrbewilligung bei seiner Außenhandelsbank einreichen. Nach Prüfung der Angaben erteilt die zuständige Landeszentralbank die Einfuhrbewilligung.

Im dezentralisierten Reihenfolge-Verfahren darf die Außenhandelsbank den Einfuhrantrag des Importeurs nur weitergeben, sofern dieser die vorgeschriebene Einzahlung bei der Landeszentralbank geleistet hat. Erfolgt nur eine gekürzte Zuteilung, so darf die Außenhandelsbank den

100 Millionen freigegeben

(Hi.) Der Kontrollausschuß beim Hauptamt für Soforthilfe gab auf seiner letzten Sitzung in Bonn weitere 100 Millionen DM frei. Diese Summe verteilt sich wie folgt: für die Existenz-Aufbauhilfe 50 Millionen Mark, für die Flüchtlingssiedlung 20 Millionen Mark, für die Gemeinschaftshilfe 20 Millionen Mark, für die Ausbildungshilfe 10 Millionen Mark.

Frankfurter Börse widerstandsfähig

Bz. Durch neue Anlagekäufe mit Restitutionsgeldern blieb die Börse auch zu Beginn der neuen Woche in ihrer Haltung recht widerstandsfähig Besonders gesucht waren Bankaktien. Angeboten waren dagegen unter anderem Conti-Gummi 112 (— l’/s), Siemens Stammaktien 45 (— 0,5). Der Montanmarkt eröffnete etwas freundlicher, lag später aber abgeschwächt.

Von der ECA wurden 5 145 000 Dollar für den Ankauf von Rohöl- und Petroleumprodukten der Bundesrepublik zugeteilt.

Die Festsetzung einer Höchstgrenze für die Kreditgewährung kündigte der holländische Finanzminister Pieter Lieftinck an.

Das Volkswagenwerk in Wolfsburg verzeichnete im Oktober eine neuerliche Rekordproduktion. Insgesamt wurden 9633 Wagen fertiggestellt und davon 3295 Wagen exportiert.

Elektrifizierung gegen Landflucht

JK. Die Elektrifizierung begann im bäuerlichen Betrieb später als im industriellen und gewerblichen Sektor der Wirtschaft. Noch um die Jahrhundertwende waren Petroleumlampe oder Kerzenständer in den Bauernhäusern die einzigsten Lichtquellen. Dann bildeten sich in den nachfolgenden Jahren, zunächst in den stadtnahen Dörfern, die ersten Elektrizitätsgenossenschaften als Lichtlieferanten. Elektrorrotore kamen im wesentlichen erst nach dem ersten Weltkrieg auf. Sie beschränken sich auch heute noch hauptsächlich auf bestimmte Hofarbeiten, wie zum Beispiel Getreidedrusch, Häckseln, Rübcnschneiden, Oelkuchenbrechen, Getreideschroten und Zerkleinern des Brennholzes. Zwar ist die deutsche Landwirtschaft heute praktisch zu ungefähr 90 v. H. elektrifiziert. Aber vom Gesichtspunkt des Stromlieferanten ergibt diese — im Verhältnis zu anderen Wirtschaftszweigen — ein sehr ungünstiges Bild.

Der Stromverbrauch eines Bauernanwesens ist sehr großen Schwankungen unterworfen. Es gibt in bestimmten Jahreszeiten kurze Verbrauchsspitzen, aber sehr lange Zeiträume, in denen der Gesamtaufwand an Licht- und Kraftstrom sehr niedrig ist. Gewiß, auch der Bauer hat die arbeitssparenden und rationellen Vorteile des Elektromotors bereits längst erkannt. Aber er beschränkt diese Nutzung im wesentlichen auf hofgebundene Arbeiten. Bei der allgemeinwirtschaftlichen Bedeutung der Landwirtschaft erscheint der ländliche Stromanteil eines Elektrizitätswerks oder Versorgungsnetzes in Höhe von knapp 7 v. H. des Gesamtabsatzes sehr gering, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß im Landabsatz auch die dort ansässigen Handwerks- und Gewerbebetriebe mit einbegriffen sind. Diesem sehr niedrigen Stromverbrauch stehen relativ hohe Vorhaltungsleistungen und Anlagekosten zur Versorgung der oft weit auseinandergelegenen Orte oder Gehöfte gegenüber.

Natürlich läßt sich der Stromverbrauch eines landwirtschaftlichen Anwesens mit demjenigen eines Industrie- oder Handwerksbetriebes allein schon deshalb nicht vergleichen, weil sich Arbeitsweise und Arbeitsart ganz wesentlich unterscheiden und weil in der Landwirtschaft die mechanische Arbeitsleistung hauptsächlich auf den Außenarbeiten ruht, die im wesentlichen bewegliche Maschinen mit Verbrennungsmotoren erfordern. Selbst diese motorisierten Hilfskräfte können, wie zum Beispiel der Ackerschlepper, unter Umständen auch für bestimmte innenwirtschaftliche Aufgaben verwendet werden.

Was aber im Zuge einer verbesserten Elektrifizierung der Landwirtschaft vor allem dringend nottut, das ist die Schaffung einer guten Lichttechnik. In dieser Hinsicht läßt sich in den meisten Landwirtschaftsbetrieben noch eine ausgesprochene Rückständigkeit feststellen. Die meisten Ställe, Kellerräume,' Futterküchen, Milchkammern usw. sind jedoch unzureichend belichtet. Die Folge ist, daß in diesen Räumen die Arbeit nicht mit der notwendigen Sorgfalt ausgeführt werden kann und die Gefahr von Unfällen eine Steigerung erfährt. Hier ist Sparsamkeit am unrechten Platze; hier bedeutet sie praktisch Verminderung der Arbeitsleistung.

Zweifellos lassen sich über die Elektrifizierung der bäuerlichen Hofwirtschaft keine allgemeingültigen Thesen auf stellen. Aber im Zuge einer verstärkten Mechanisierung wird man nicht daran vorbeikommen, auch Maßnahmen zur Entlastung der Landfrau in die Wege zu leiten. Wir sind sogar der Meinung, daß der Elektrofutterdämpfer, die elektrische Küche, durch die auch der ständige Warmwasserbedarf sich billiger und einfacher sichern läßt, der elektrische Backofen und der elektrische Kühlschrank im bäuerlichen Anwesen unter Umständen ebenso wichtig sind — vielleicht noch wichtiger — als die nur wenige Tage im Jahr benutzte Dreschmaschine, wenn diese nur dem eigenen Betriebe dient. Wir müssen durch stärkste Elektrifizierung zu einer weitgehenden Mechanisierung der innerbetrieblichen Hofarbeiten in der Landwirtschaft kommen oder wir werden die Landflucht nicht aufhalten können.

Daß die verstärkte Elektrifizierung der Landwirtschaft euch eine Reihe von Möglichkeiten zur Produktionsverbesserung eröffnet, zum Beispiel in der Geflügelzucht oder im Gartenbau, sei nur am Rande erwähnt. Hier kann vielmehr die Dorfgenossenschaft zeigen, daß sie den technischen Anforderungen der Neuzeit durch fortschrittliche Aufbauarbeiten gewachsen ist.

Füllkapazität nicht ausgenutzt

Id. In Neuwied begann der erste Nachkriegskursus der westdeutschen Mineralbrunnen. Der erste Vorsitzende der Vereinigung der Mineralbrunnen, Rechtsanwalt Dr. Fritz Wuttke, Bonn, betonte, daß Industrie, Groß- und Einzelhandel enger zusammenarbeiten müßten, um eine gute und preiswerte Ware an den Verbraucher heranzubringen. Die etwa 200 dem Verband angeschlossenen Brunnen hätten eine jährliche Füllkapazität von 1 Milliarde Liter, die aber tatsächlich nur zur Hälfte ausgenutzt sei.

Frankktfurter Effektenbörse / Kursblatt des D.T.

oz oezanit, 8 — Briefkurse, I - Taxe, alle übrigen sind Geldkurs« (Sämtliche Kurse ohne Gewähr)

3. 11. 6. 11 Pfandbr. u. Kom.-Obl.
4%Dt. Rtb. 34 A.. 7.25
7,25 4% Pr. Lpf.Anst.Pt. 7 37bz
7 37 4% do. Komm. Obi. 7,25
7,25 4% Hess.Ldbk.Pf. . 7.75
7.75 4% Kass Ldkr.Pf. . 7.7.>bz
7.75 4^o Nass. Ldbk.P -- 7.75bz
7.75 4% do. Kom.Obl. .. 7,75
7,75 4% Rhein. Gtro-PL. 8.25
8,25 4°^Rbeinprv.Pl.... 8,25
3.25 Dekosama 17,12 i/.i" 4% Bayr. Hyp. PL; 7.5
/.□ 4% Ffm.Hvp.Bk Pt. 7,75bz
7,75bz 4% Ffm Hvp.Ohl. . 7,37bz
7,37bz 4°Z Pfalz Hvp Pf. ■ 7.37
7.75 4% Rh.Hyp Bk PL . 7.87bz
7,875 4% Westd. Bod. er 7,5
7.5 Industrie-Anleihen
4% AEG 42 6.75
6.75 G 2% Ascha ffbg. Zell 6
6 G 4% Augsb Nürnh 6.75
6.75 G 4% BMW 42 6.75
6,75 G 4%Daimler 42 ... 8,5 4%Degussa 43 ... 8,5 4’Ä%Ess. stk. 41. 7.25
8,5 G 8.5 G
7.25
3. 11. 6. 11
4/2% Gesenb.Benz. 7,75
4% Gelsenk. Bgwk. 7,12 4% Harpener 42 .. 7,25 4'/2% Hartm. & Br. 7,75
5% Klöckner 39 .. 7,37 5% Metallges. 39 . 8,25 5% Rh. Braunk 40 8.5 4% Schluchsee 43 . 7 4/2% Union Rhhr . 8 4% Ver. Dt Met. 42 7,75 7.75
7.125 7.25
7,75 7,375 8,25 8.5 7G
8 7.75
Industrie-Aktien
Accumulatoren.... 97bz Ada-Ada-Schuh.... 50
Adler-Werke .. 41,50bz Adt, Gebt —
Allg. Bauges. Lenz. 30 AEG 27,5bz Andreae-Noris .... 180 Aschaffbg. Akt.-Br. 50 Aschaffb. Buntpap. -G
Aschaffbg Zellst. .. 75bz Augsb Nürnbg .. 86.5 97.5bz 51 G 42 G 30 G
28,25bzC 180 G 50 6
77bzG
»86.5bz
Bad. Maschinen ... 100 Bauniw. Erlangen . 130 Bayr. Motorenwk.. 35bz 100 G 130 0 35 G
3. 11.
Bemberg, J. P . ..798
Berger, Tiefbau ... 30 Bin. Kraft u. Licht. 23.5bz
Brauh. Nürnberg ..51 Brown Boveri lllbz
Buderus Eisenw. ..75.5bz Burbach Kali 67bz 6. 11 79bzG 32bzG
23.5bzG 51
lllbz 76,5 G
67
Chern Albert 66 67.5bzG
Conti Oummi 113.5bz 112bzG
Daimler Mot. Wk..57.5bz 59bzG
Demag, Duisburg . 83 83.5
Dessauer Gas 20,25bz 20,25
Deutsche Erdöl ... 568 57bz
Deutsche Steinzeug 139.5 139.5bzG
Degussa 77.5bz 77,75bz
Dt. ' inoleum-Wk. . 119 119bz
Dt. Tafelglas 118 118
Didierwk. Wiesb. .82.25bz 85,25 G
Dierig. Chr 84 85 G
Eicbbg Werger-Br. 508 50 B
Eisenb. Verkehrsm 66 66bzG
El Licht u. Krall 308 30 B
Enzinger Union ... 65 65
Eßlinger Maschinen 103 103 G
Ettlinger Spinnerei 160 160 0
3. 11. 6. 11
Faber & Schleicher — Fahr, üebr 56.258 56 B
Feinmech letter
Feldmühle 79 79 G
Felten & Guill ... 69 69 G
Ffm Masch P &W 88 88 G
Goldschmidt. Fh 63 63 G
Gritzner-Kavser . lOObz 100 G
Grün & Bilfinger .50 50 G
Hafenmühle Ffm. . -G -G
Hanau Hofbr.-Haus 55 55 G
Hanfwk. Füssen . 128 130 G
Harpenet Bergbau. 75 76.5bz G
Harpener Bonds 47bz 47
Hartmann & Braun —
Heidelberg Zement 109bz HObzG
Henninger-Bräu .. 83 85bzG
Hess.-Nassau Gas . 85 85 G
Hoesch Eisen 61,5bz 61,75bzG
Holzmann, Ph 29bz 28.5
Hotel AG 45 45
lunghans. Gehr .. 63 63
Kabelwerke Rheydt 59 59
Kali Cheml 93,5 93.5
Karstadt, Rud. ... -G J7B
3. 11. 6. 11
Kaufh Hansa, Ffm. 80 80
KL. Schzl. & Becker 80 80
Klöcknerwerke.. . 67,5 68.25bzG
Knorr Heilbronn . 69.25bz 69.25bz
Konserven Braun .—
Kupferberg Sekt .. 48bz
Lahmeyer & Co. .86 85 G
Lanz, Hch 59.25 59.5bzG
Lindes Eismasch 92bz 92bzG
Matnkrattwerke... 88 880 G
Mainzer Akt.Br. .. 57 57 G
Mannesm Röhr.StA 57bz 57bz G
Mannesm.Röhr VA 81bz 81bz
Masch Hartm Offb 93bz 95bz G
Metallgesellschaft 65bz 65bzG
Mnenus Maschinen 45 45
Neckar Wk. Eßllng. 107 107 G
Nordd. Lederwerke 25 25,25bzG
NSU 131 131
Odenw.Hartstein.. 80 80
Pfälz. Mühlenwk.. -G -0
Rhein Braunkohle 95 95 G
Rhein Elektrizität. 95 95 6
Rhein. Stahlwk. .. 52 54bzG
Rh.-Westf. Elektr.. 75 75bzG
Reeder, Gebr 100 100
. 3. 11. 6. 11
Salamander Schuh — Salzdetlurth Kali 62.25 62.75bzG
Salzwk Heilbronn 106.5 106.5
Sarotti AG 9a 94 G
Schöfferh Brauereis4.7sbz 54.75bz
Schramm Lackfabr 103 103 G
Schriftg Stempel . 100 101 G
Seilindustrie Wolff-B
Siem & Halske StA 45.5bz 45bzG
Siem. & Halske VA44 44bzG
Stollwerck. Gebt.. 81 81 G
Siidd. Zucker AG... 103,5 104.75bz
Veith Gummlwerkei2o 120 G
Ver Dt.Met Werke64.s 64,5 G
Ver Dt. ölfabr'ken- G -G
Ver Stahlwerke 52 sbz 52.5bzG
Voigt & Haeffnet 123 123 G
Voltohm Seil . . .35 35 G
Wayß S Freytag .116 116 G
Westdt. Kaufhof ..78 78 G
Wintershall 48bz 48,50bzG
Zellstoff Waldbof .53bz 53.75bzG
Banken
Eayr.Hyp.Wdis.Bk. 34 34 G
Berl.Handels-Ges. .ißbz 17bzG
3. 11. 6. 11
Commerzbank . ...25.5bz 27bzG
Deutsche Bank .. 26.5bz8 27.5bzG
Dt.EH u Wehs.-Bk 25 25 G
Dresdner Bank . .25.5bz 27bzG
Frankfurter Bank . 26 26 G
Ffm Hvpoth -Bk .26 25.75bzG
Pfalz Hvpoth -Bk 22.75 22.75 G
Rhein Hvpoth -8k..25 25.25 G
Verkehr
AO für Verkehr ..31bz
Hapag 25,5 25.5bzG
Norddt L10vd.... 20.87bz 20.5bz
Südd Fisenh Oes eobz 60 G
Versicherungen
Allianz Leben ....39 39 G
All.u. Stuttg. Ver. .65 65 G
ünnotierte Werte
Heck & Henkei 38 38 G
Chemietas Inh. ...57,5bz 56 G
Chemiefas. Na. ...53 53 G
Chem. Brockhues .70 70 G
3. 11. 6. 11
Dt Wallen 27 27 G
Dingler Zweibr ... 92 92
Diskusw 123 123
DvckerhoffZement. 120 120
Elsenb. Köln 44.25bz 44
Fordwetke Köln .-88.75bz 89
Gutehoftnunesh . 64.5bz 65
Hutschenreuther .. 70 70
Kahla Porzell 30 30
Kammg Kaisers!...96 98
Rh Strohzellstoft. 120 120
Rosenthal-Porzell 85 88 G
Schwab Zellstoft 133 133
Südcif 7?11woIIp 116 116
Thür Zellw Inh 14.75 13
Thür Zellw NA ... 11.75 11.5
Torpedo-Werke ...163 163 G
WOrttemb Metall. 60 60 G
Zeiß Ikon 37 37G
Zellst.Waldhot VA 45 45 G

Feuilleton

„Gesang im Feuerofen“

ZUCKMAYER-URAUFFÜHRUNG IN GÖTTINGEN

Carl Zuckmayers neuestes Werk „Gesang im Feuerofen“ wurde in Anwesenheit des Dichters, vieler deutscher und ausländischer Künstler und zahlreicher Pressevertreter in Göttingen uraufgeführt. Die Regie führte Heinz Hilpert. Dem Drama liegt ein tatsächliches Geschehnis aus der französischen Widerstandsbewegung zu Grunde Ein junger Franzose verrät seine Kameraden, die in einem unbewohnten Schloß am Weihnachtsabend 1943 zu einem Ball zusammengekommen waren, an die deutsche Heerespolizei. Ein Teil der Widerstandskämpfer. deren Freundinnen und ein deutscher Funker der Ortskommandantur, der die Verratenen noch vergeblich warnte wurden niedergeschossen. Die übrigen kamen in einem Feuer um, das rings um das schloß gelegt worden war. Neben Zuckmayer und Hilpert erhielten die zahlreichen Darsteller begeisterten und langanhaltenden Beifall des ausverkauften Hauses. In den Hauptrollen spielten Hilde Krahl, Christina Kayßler, Tatjana Iwanow, Michael Grahn, Friedrich Schönfelder, Erich Ponto, Joens Andersson und Klaus Behrendt. Bühnenbild: Jan Schlubach.

* Wir geben als Probe eine markante Szene aus dem Werk, das bei S. Fischer in Frankfurt erschienen ist. Französische Widerstandskämpfer bringen Waffen, die versteckt werden sollen. Marcel ist ihr Führer. Mit ihm spricht Dorfkaplan Francis.

Francis: Ja — wir müssen reden. Du weißt, Marcel, daß ich zu euch halte. Und daß ich die äußeren Folgen nicht fürchte. Aber da sind andere Dinge — die fürchte ich.

Marcel: Wovon spricht du jetzt?

Francis: Von den Waffen. Ihr habt hier eine Zuflucht gefunden das ist in Ordnung, was mich anlangt. Aber es werden hier Waffen versteckt, von vielen Händen, und wer das Versteck weiß, kann sie benutzen. Das ist nicht in Ordnung.

Marcel: Francis, du bist kein Narr, obwohl du dich manchmal so stellst. Sollen wir mit Dessertgabeln kämpfen? Sollen wir Schneeballen schmeißen und Kirschkerne spucken, wenn es losgeht?

Francis: Es mag ein Kampf bevorstehn, den die Waffe entscheidet. So weit sind wir noch nicht. Ich bin für den Widerstand — aber ich bin nicht für Meuchelmord.

Marcel: Ziehst du Geiselmord vor?

Francis: Darauf muß ich dir keine Antwort geben. — Ich kenne die Aktionsgruppen, Marcel — besonders die unsern hier, in den Savoyer Bergen. Ich habe Lager besucht, ich habe dort Messen gelesen und Sterbende versehen. Ich weiß, da gibt es viele wie dich, Patrioten und Freiheitskämpfer. Aber, da sind auch andere. Jede Bewegung, die sich verbergen muß, zieht die Lichtscheuen an. Die werden morden um des Mordens willen und sich dann auf den Widerstand herausreden.

Marcel: Es sind nicht lauter Heilige. Aber sie werden schon Disziplin halten. Dafür wird gesorgt.

Francis: Von wem? Wer trägt die Verantwortung? Wer sagt diesen Leuten, worum es geht, wer gibt die Parole aus? Bist du es?

Marcel: Ja, zum Teufel — und ich stehe für alles ein, selbst wenn mal ein bißchen zuviel geschossen wird! Hauptsache, daß geschossen wird!

Francis: Halt! Das haben die andern auch gesagt — und auch bei denen gab es Gutgläubige, die Disziplin meinten und Schindknechte erzeugten. Sobald man so denkt, entfesselt man die Roheit und wird zum Komplicen der Henker, die man bekämpft.

Marcel: Es sind rohe Zeiten, Kaplan. Mit zarten Händen kann man sie nicht verändern. •

Francis: Aber mit reinen Händen! Sonst verändert man nichts. — Man zählt von altersher die Völker nicht nach Fäusten, sondern nach Seelen.

Marcel: Der Gegner zählt nach Panzern, Gewehren und Handgranaten. Und nach Leichen, waggonweise.

Francis: Darum wird er verlieren. Wer an Mengen glaubt, erliegt dem Gesetz der Menge. Das Quantengewicht entscheidet, nicht die Quantität.

Marcel: Das ist Philosophie. Bleiben wir bei der Wirklichkeit.

Francis: Es war Physik — das ist Wirklichkeit. Und das Fünkchen Himmel oder Hölle in jedem deiner Leute ist ebenso wirklich wie eine Sprengladung, wie ihre Muskelkraft. Auch dafür mußt du einstehen.

Marcel: Du solltest dir so etwas für den Sonntag sparen.

Francis: Wir haben Sonntag. Es ist der letzte Advent.

Marcel: Willst du hier Seelsorge treiben? Dazu bin ich nicht hergekommen.

Francis: Aber ich. Warum hast du mich gerufen?

Francine: Du kannst ihm vertrauen, Francis. Auch wenn er hart redet, meint er das Rechte. Wir wollten mit dir von etwas anderm sprechen.

Marcel: Das kommt später. Jetzt muß erst Klarheit werden zwischen uns. Du glaubst, ich mache hier Bandenkrieg ohne Plan und Idee? Ich sei der Verantwortung nicht gewachsen?

Francis: Das sage ich nicht. Aber du kannst sie nicht auf einer Schulter tragen wie eine Flinte. Du kannst nicht einen Teil davon eingraben und für später aufsparen, wie eure Munition. Du kannst deinen Leuten auf die Finger schauen, aber nicht ins Herz. Deshalb mußt du dein eigenes prüfen.

Marcel: Francis, du weißt, wie ich denke. Himmel und Hölle sind mir unbekannt. Für mich sind die guten und die bösen Mächte durchaus von dieser Welt, und wenn wir die bösen bekämpfen wollen, brauchen wir klare, direkte Ziele, wie auf dem Schießplatz. Ich bin dagegen, daß man sie vernebelt.

Francis: Das tue ich nicht. Ich sehe sie klarer als du. Denn sie sind nicht aus Holz, wie auf dem Schießplatz, sondern aus Fleisch und Blut, und in jedem leb. eine Seele. Bevor man die Waffen ergreift muß man wissen, wofür man tötet. Wo gegen genügt nicht.

Marcel: Und genügt das nicht: für unse’ Volk? Für sein freies, friedliches Leben. Genügt das nicht, hier und heute?

Francis: Es genügt nicht, Marcel. Es geht um eine Entscheidung, die schneidet mitten durch alle Völker und alle Menschen hindurch.

Marcel: Das ist die Entscheidung gegen die Ausquetscher, und für die Ausgequetschten! Eine andere gibt es nicht, heutzutage.

Francis: Es gibt eine andere, und du kennst sie. Warum wirst du sonst so heftig?

Marcel: Weil ich nicht leiden kann, wenn man das Einfache verwirrt. Wir haben die Wahl zu treffen, ob wir frei leben wollen oder versklavt. Das ist alles.

Francis: Wir haben die Wahl zu treffen, hier und heute, ob wir das Leben erniedrigen wollen zu einer blinden Funktion — oder ob wir es lieben können, als Gottes Geschenk, in jedem seiner Geschöpfe, noch im Feind, noch in Tod und Vernichtung. Es muß eine Liebe sein, die stärker brennt als der Haß. Alles andere ist zu wenig.

Marcel: Und wer trägt dann die Verantwortung, von der du redest? Wenn wir Geschöpfe sein sollen, Kreaturen Gottes, statt Funktionäre des Volkes und unserer Vernunft? Wer trägt dann die Verantwortung für Gut und Böse? Der Himmel womöglich?

Francis: Jeder, der lebt. Wir haften für dieses Leben mit unserer Seele, die ein Teil ist vom Wunderbaren, von der geheimen Schönheit und Ordnung, der sie entstammt. Wir sind noch für den Zufall verantwortlich, wenn er mit Steinen wirft — denn es kommt nicht darauf an, was uns trifft, — nur, -wie wir es bestehen, und was wir daraus machen. Das ist die Freiheit, Marcel — die einzige, die allen gemeinsam ist. Dafür mußt du kämpfen.


ALLEE IM NOVEMBER Foto: Lammert
ALLEE IM NOVEMBER Foto: Lammert

Antonia Brico dirigiert

Ein Konzert des Frankfurter Rundfunk-Orchesters

Antonia Brico ist unter den wenigen Frauen am Dirigentenpult die erfolgreichste geblieben. Mit italienischem Namen in Amsterdam geboren, in USA aufgewachsen und beheimatet, in Deutschland unter Karl Muck geschult, immer wieder mit längerem Verweilen die Länder der Musik durchmessend, hat sie international ihre Kenntnisse gesammelt und sich dabei als Dirigentin internationalen Ruf erworben.

Eine Frau mit dem Taktstock vor einem großen Orchester? Radio Frankfurt hat es gewagt wie vor langem schon die Berliner, die Wiener Philharmoniker und viele andere bekannte Orchester der Welt. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen von Antonia Brico, die Frau wird doch wohl eine Ausnahmeerscheinung als Dirigentin bleiben. Es sind ja nicht bloß die psychischen Kräfte zu werten, auch in der Physis wird vom Orchesterleiter alles abverlangt.

Antonia Brico beherrscht die technische Routine der Zeichengebung, ist diszipliniert, fast objektiv und persönlich überdistanzierend zum Kunstwerk. Die Musik lebt vom Rhythmus, sagte sie vor kurzem in Darmstadt. Man erlebt es bei ihrer Interpretation von Mozarts „Idomeneo“- Ouvertüre und Haydns Londoner - dur-Symphonie Nr. 104. Mit metronomischer Präzision werden die Tempi bestimmt und gehalten, jeder Ton, jedes Motiv und Thema ist genau im Zeitwert da, aber der Klang, die Formung und der Gehalt kommen zu kurz. Eruptive Blechausbrüche erschüttern allzu sehr das musikalische Gefüge. Zu einem Ohrenschmaus wird dagegen die impressionistische Dichtung „Les Eolides“ von Cesar Frank. Hier erhöhte die peinliche Nachgestaltung der differenzierten orchestralen Melodik den Klangreiz des Stückes. Jean Sibelius’ „Fünfte“ enttäuschte. Nicht in der Darbietung, sondern als Komposition. Die Dirigentin, die sich nach eigenen Worten als Vorkämpferin des finnischen Meisters fühlt, dürfte heute eine unlösbare Aufgabe übernommen haben. Die düstere, trübbraune Orchesterfärbung über ein Thema, das in 4 Sätzen harmonisch simpel, melodisch ganz unkompliziert (im 2. Satz folkloristisch angestrichen) abgewandelt wird, verringert nicht den Eindrude des Konventionellen. Ob Sibelius damit finnischen Charakter trifft, wage ich nach persönlichen Erfahrungen zu bezweifeln, der zeitgenössische ist mir anders begegnet.

Das Orchester des Hess. Rundfunks kam allen Intuitionen der Dirigentin nach, jeder Versuch der Verselbständigung wurde bald vom Taktstock unterbunden. So wurde es ein Konzert mit eigenem, persönlichkeitsheischendem Profil, das den Musikern und Antonia Brico viel Beifall einbrachte. G. I.

Die Hollywooder Filmgesellschaften brachten dem amerikanischen Staat im Jahre 1949 54 Millionen Dollar ein. An der Spitze steht die Paramount mit 22 Millionen, gefolgt von der 20th Century Fox mit 12 Millionen, den Warner Bros, mit 10. der Metro Goldwyn Mayer mit 7. der RKO mit 2 und der Columbia mit einer Million Dollar.

Diskussionsabend im Amerikahaus

Zu einer Diskussion aktueller Fragen der angewandten Psychologie als Folge einer Vortragsreihe der „ Siemens-Studien-Gesellschaft“ hatte Dr. Dalicho den an der Problemstellung interessierten Personenkreis in das Amerikahaus eingeladen.

Dr; Adolf Zeddies wies auf die Freizügigkeit des Gesprächs hin, und bat eine gewisse Diskussionsordnung einzuhalten, die er in drei Gruppen gegliedert sehen wollte: Den Fragenkomplex um die reinen Tatsachen, Fragen zur Deutung der Tatsachen und schließlich Beratungen: was soll man tun, wenn...? Es war also an sich beabsichtigt, diese notwerdige Linienführung zu berücksichtigen, jedoch konnte bei der Vielfalt der gleich zu Anfang der Debatte gestellten Faktoren kein absolut feststehendes Programm abrollen. Mit außerordentlichem Temperament behandelte man vor allem Fragen der Jugendpsychologie und bemühte sich um eine adäquate Basis als Ausgangspunkt zur Betrachtung der Psychologie der Geschlechter. — Verblüffend zu hören, welche Fülle von Anregungen aus dem lebhaft debattierenden Personenkreis kamen. Dr. Zeddies — weltmännisch, grauhaarig — antwortete, klärte und versuchte dem jeweiligen Punkt Festigkeit zu geben. Dr. Dalicho griff den Faden auf und beleuchtete mit neuen Gesichtspunkten von einer anderen Seite. — Der zufriedenstellende und fruchtbringende Abend war zu schnell beendet. Es ist jedoch geplant, die Diskussionen in regelmäßigen Abständen fortzusetzen. Sg.

Violinabend Annemarie Jochum

Anläßlich der „Woche der Frau“ veranstaltete das Darmstädter Amerikahaus einen Violinabend mit der jungen Frankfurter Geigerin Annemarie Jochum. In der Künstlerin offenbart sich zweifellos ein starkes Talent, das neben der Beherrschung der technischen Mittel ein überraschendes Einfühlungsvermögen zeigt. Der Bogenstrich ist leicht und beherrscht. die Ansätze sauber und weich. In den Sonaten von Quincy Porter, eigenwillige Kompositionen, die mehr aus der Konstruktion denn aus dem Gefühl geschöpft, bringt sie eine klare Interpretation. besonders in den Läufen des Allegro Mozarts B-dur-.qonate kommt rein und heiter, gleichsam im Kammerton, wenn auch im Andante einige kleine Tempischwierigkeiten zu hören waren. Die g-moll-Sonate von Bach war zweifellos die beste Leistung des Abends, sauber in der Auffassung, klar in der Aufgliederung, besonders im Fugenthema von einer geschliffenen Prägnanz. Strawinskys „Suite italienne“, ein Stück voll bezauberndem südlichem Temperament, bot Gelegenheit zum Brillieren in der Technik, was Annemarie Jochum nicht ohne gelegentliche Konzessionen einer musikalischen Theatralik zu Gehör brachte. Der angenehme warme Ton des Instruments und die ausgezeichnete Wiedergabe der Konzertstücke, die ohne Notenvorlage erfolgte, sicherten der jungen Künstlerin einen stürmischen Applaus, der zu Zugaben zwang. Günter Rhau begleitete am Flügel mit Einfühlungsgabe und Takt, hfl

„Das Mittelmeer, gestern und heute“

Am Mittwoch, dem 8. November, wird um 19.30 Uhr im Raum 167 der Technischen Hochschule ein Dokumentarfilm der Schweizer Matinee-Freunde „Das Mittelmeer, gestern und heute“ gezeigt. Begleitvortrag: Dr. Erich Tilgehkamp, Zürich. Der Film führt über Casablanca, Marokko zum europäischen Kontinent: Cadiz, Portugal, weiter nach Spanien (Sevilla, Madrid) über das Rhone-Tal nach Italien, Sardinien, Korsika und Capri. Es folgen Griechenland, Palästina und Aegypten, bis dann die Fahrt in Nordwestafrika endet. Der Vortrag unterstreicht die Bedeutung des Mittelmeeres als Wiege der europäischen Kultur.

Am Donnerstag, dem 9. November, spricht um 19.30 Uhr im Raum 167 der Technischen Hochschule Günther Michel anläßlich des 90. Geburtstages von Alexander Koch über „Kunst und Leben: Alexander Koch, ein Darmstädter Verleger“ (mit Lichtbildern).

Novemberabend

Siehe, hinter hohen Bäumen geht der Tag schon früh zur Ruh’. Und in wunderhaften Träumen strömt das Licht dem Frieden zu.

Alles ist ein still Vergehen, tief im Strom der raschen Zeit. Und die kalten Winde wehen aus dem Tal der Einsamkeit.

Aber, wenn das Herz im Leben sich der Freude anvertraut, wird sie gütig dich erheben, daß dein Auge Frohes schaut. Franz Cingia.

Architekt - ein verantwortungsreicher Beruf

Es geht um den gültigen Ausdruck unseres Volkes

Auf der Tagung des Bundes Deutscher Architekten in Bad Dürkheim hielt Präsident Otto Bartnig eine Ansprache, die richtungweisend für die Arbeit der in dieser Vereinigung zusammengeschlossenen Architekten ist. Wir vereröffentlichen heute die wesentlichen Punkte dieser Rede.

Bauen ist Urtätigkeit des Menschen auf dieser Erde: aus den Stoffen der Erde: Stein Holz und Eisen; aus den Kräften der Erde: Schwerkraft und Bildsamkeit.

Architekt-sein ist eine Art von Besessenheit. Kapellmeister sind wir — aber das altgeschulte Orchester hat sich verlaufen oder ist verludert. So müssen wir jedes Instrument selber können und jede Stimme einstudieren. Es sind aber mit der Technik gewaltige neue Instrumente und Stimmen hinzugekommen, die von Zusammenspiel, von Sym-Phonie noch nichts wissen. Weiter: wir sollen das Thema finden, das Thema unserer Zeit, und die Symphonie selber komponieren. Doch damit nicht genug: Wir müssen die Geldgeber gewinnen und das Publikum werben für die Aufführung. für das Werk, das keiner zuvor sehen und hören kann, das nur in unserer Phantasie besteht. Denn Pläne, Risse und Perspektiven sind nichts als schwerlesbare Partituren. Die Aufführung nichts Und für diese zunächst imaginäre Aufführung müssen wir den Bauherrn, ein Gremium, ein oft recht grämliches Gremium vorweg begeistern.

Aber schlimmer noch: Nicht etwa Musikliebende müssen wir für die Aufführung der noch nie gehörten Symphonie begeistern, sondern Unmusikalische! Nicht etwa Taube! Das ginge noch. Sondern aktiv und obstinat Unmusikalische,

Ein toller Beruf. Ein verzweifelter Beruf — ein herrlicher Beruf! Sind wir nicht von allen Kräften unserer Zeit durchflutet und erfüllt? Fühlen wir nicht, daß wir all diese Kräfte zur Symphonie zusammenfassen und spielen sollen, damit dieses Leben überhaupt gelebt und überstanden und von der Mitwelt und Nachwelt begriffen werden kann? „Architekt“. Das griechische Wort sagt es: So wie Arch-Episcopus der Erzbischof, so ist archi-Tecton d^r Erzbaumeister, wobei — Geheimnis der Sprache — in Tekton bereits das Stammwort der ganzen Technik liegt.

Während wir aber Urgestalten nachsinnen, müssen wir an Dachrinnen, elektrische Schalter und pfeifende Wasserhähne denken, an Werkverträge, Finanztermine und baupolizeiliche Paragraphen. Mückenstiche, während sich die Adlerflügel der großen Konstruktion spannen wollen. So wir aber die Statik nicht im Geblüt haben, sind wir armselige Kapellmeister, die sich Tempo und Takt von Pauke und Kontrabaß aufzwingen lassen und dabei das Vibrato der Geigen aus dem Ohr verlieren.

Aber wieder real gesprochen: Städtebau. Wiederaufbau, Neuaufbau ganzer Städte. Die Stadt der kommenden Jahrzehnte planen für Menschen, die nicht wissen, ob sie in die Stadt ziehen oder aufs Land fliehen wollen. Für Menschen, die nicht wissen, was die Mitte ihres Lebens und damit die Mitte ihrer Stadt sein soll. Kino? Kirche? Rathaus? Schule? Sportplatz? Oder nur der Verkehr? Den Verkehr zum Gesetz der Stadt zu machen ist etwa so, als ob man Haustür, Treppe und Müllabfuhr zum Sinn des Wohnhauses machte. Das Sein in der Stadt ist wichtiger als das Hindurchsausen. Den Sinn dieses Seins aber müssen wir ahnen, wenn wir Städte planen, müssen wir fühlen und wollen, wenn wir Wohnungen^ Kleinstwohnungen bauen. Wir müssen selber tätige, liebende und geistig gültige Menschen in solcher kleinsten Wohnung sein wollen, um sie bauen zu können. Wir müssen den neuen Menschen spüren und lieben, um ihm Halt und Gestalt im gebauten Raum zu geben.

Es geht um den gültigen Ausdruck unseres Volkes. Und der verträgt weder historische Allüren noch falsche Pracht, sondern nur absolute Einfalt und Ehrlichkeit und den Stolz der Armut. Alles andere ist falsch und macht uns lächerlich. Diese einfache, ehrliche und in der Einfalt stolze Gestalt der öffentlichen Bauten ist auf unser Gewissen gelegt. Aus dieser tiefen Verpflichtung heraus bitten wir nicht, sondern fordern, daß die sichtbare Gestalt unseres Landes, unseres Volkes, unseres Staates uns anvertraut wird, damit wir nicht in Gestaltlosigkeit, in Chaos untergehen.

Es gibt leider viel halbe Architekten, viele Mut- und Phantasielose, viele Ungenaue, Nachlässige und bewußt oder auch nur unbewußt Ungetreue, die unseren Stand in Mißkredit bringen. Und wenn sie für halbe Leistung die von uns mühsam erkämpfte volle Gebühr fordern, so bringen sie die ganze Gebührenordnung und den ganzen Begriff des Honorars in Verruf. Wir aber treten für volle Leistung und absolute Treue zur Aufgabe und zum Auftraggeber ein. Um diese Auffassung unseres Berufes haben wir uns zusammengeschlossen, und danach wollen wir beurteilt sein. Das aber bedingt, daß wir in unseren eigenen Reihen auf volle fachliche Leistung halten.

Ich spreche nicht von Kunst und ihren Definitionen. Sie ist die tiefe Triebkraft alles Bauens, aber sie ist kein Gegenstand des Redens und Messens. Sie ist immer in lebendiger Bewegung, drum auch im ständigen Kampf und Wandel der Meinungen. Das gehört zu ihrem Wesen. Dieses Wesen bleibt der schweigende Urgrund alles Bauens.

Die gültige Ordnung und Vertretung unseres Berufsstandes erfordert klaren und allgemein gültigen Maßstab. Das ist die volle fachliche Leistung und absolute Treue gegen die Aufgabe und den Auftraggeber, zugleich Gerechtigkeit gegenüber Handwerker und Unternehmer und Einfügung der einzelnen Bauaufgabe in die Stadt, in die Landschaft, ins Ganze. Nur so kann „Architekt BDA“ für uns ein Ehrentitel und für die Allgemeinheit eine Gewähr sein und werden.

Notizen

Werner Hoppstoek, Ausbildungslehrer an der Hess. Landesmusikschule, hat als Pianist an dem internationalen Musikwettbewerb in Genf teilgenommen und hatte den großen Erfolg, von über 100 Bewerbern unter den 10 Besten zu sein. Er wurde mit einem Diplom ausgezeichnet.

Gesellschaft für Deutsche Sprache. Am Freitag, dem 10. November, spricht um 19.30 Uhr in der Technischen Hochschule Prof. Dr. Friedrich Otto Bollnow über das Thema „Philosophie und Sprache“.

Theaterring Odenwald - Bergstraße. Wie das Landestheater Darmstadt mitteilt, hat die Zahl der Mieter des Theaterrings Odenwald - Bergstraße 2500 erreicht. Die Zahl der Mieter der Volksbühne hat sich gegenüber 1949 (480) auf etwa 800 erhöht.

„Von der amerikanischen Operette zum volkstümlichen Lied“ ist das Thema eines Konzerts, das am Freitag, dem 10. November, um 19.30 Uhr im Amerikahaus stattfindet. Es singt der amerikanische Tenor John Hendrick, am Flügel begleitet von Wolfgang Geri. Einführende Worte spricht Lotte Löser-Hendrick.

Mitglieder des Geologischen Institutes der Universität Mainz unternahmen im September, unterstützt durch Spenden, eine Schweiz-Frankreich-Excursion, die über den St. Gotthard führte, wobei das Querprofil durch die Nordalpen studiert wurde In Frankreich galt ein Besuch dem Zentralmassiv in der Auvergne. Ein Grabenbruch mit Tertiärschichten gefüllt und von kristaL A^n Flanken begrenzt erinnert in seiner Anlage an den Rheintalgraben. Besonders interessant war der iunge Vulkanismus, der zahlreiche Zeugen seiner Tätigkeit wie Vulkankegel, Lavaströme und Tuffschichten hinterlassen hat h

Deutsch-französischer kultureller Austausch.’ Im Auftrag des französischen Oberkommissars Andre Francois-Poncet und im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen der Bundesregierung wurde bei der Kulturabteilung des französischen Oberkommissariats in Mainz eine Dienststelle für den Austausch deutscher und französischer Künstler eingerichtet. Als erste von der neuen Dienststelle in die Wege geleiteten Austausch-Veranstaltungen finden am 25. und 27. November Konzerte des Sinfonie - Orchesters des NWDR unter der Leitung seines Chefdirigenten. Dr. Hans Schmidt-Iserstedt, im Theatre des Champs Elysees in Paris, unter Mitwirkung der französischen Pianistin Monique Haas statt.

Die Stuttgarter Staatsoper gastiert auf Einladung der Leitung der Opera di Roma als erstes deutsches Opernensemble seit dem Kriege in Rom. An drei Abenden im Januar gelangt dort Paul Hindemiths Oper „Mathis der Maler“ unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Ferdinand Leitner und in der Inszenierung von Kurt Puhlmann zur Aufführung.

Darmstadt und Umgebung

Vom Lob des Pfennigs

HFL Wer es in seinem Leben einmal zu einem Vermögen bringen will, der muß notgedrungen mit dem Pfennig beginnen, um zu Geld zu kommen. Zweifellos nimmt der Pfennig innerhalb der Gattung Geld eine ganz besondere soziale Stellung ein. Man könnte fast sagen, daß er zum Proletariat des Geldes zählt. Er ist klein, unscheinbar, und als Individuum von absoluter Bedeutungslosigkeit. Sein hervorstechendes Merkmal ist, daß man ihn häufig auf der Straße findet, in einer Pfütze etwa, zwischen zwei btraßenbahnschienen oder im Schlammfänger eines Wasserabflusses. Tritt er dagegen in Massen auf, wird er gleich größenwahnsinnig, bläht sich auf, schwillt und wächst vom Fünfer über den Groschen zum Fünfziger. Der niedere Adel beginnt beim Markschein, die Freiherrnkrone stülpt sich der Fünfmarkschein auf das blonde Haupt der Komtesse Pinup, und die Fürsten tun es nicht unter dem Fünfzigmarkschein. Höheren Adel bekam kaum je einer zu Gesicht.

Mir ist der Pfennig ein lieber Bekannter. Er hat Völkermassen in Bewegung gesetzt, nicht etwa der Markschein. Stieg der Bierpreis um einen Pfennig, war es mit der Seelenruhe behäbiger Bürger hin, wurden die Schuhe vier Mark teuerer, sagte man: verflucht! und zahlte. So ist nun mal der Mensch, das Kleine erregt ihn, das geht ihn unmittelbar an, während er dem Großen mit Ehrfurcht begegnet und allerhand von ihm hinnimmt. Nun scheint es mir angebracht, denen, die in Unkenntnis leben, den sichersten Weg zu zeigen, wie man zum nötigen Kies kommen kann.

Da hört man „Erschröckliches“ aus Nord und Süd. Im gelobten Norddeutschland soll die Milch billiger sein wie hier, so um die drei Pfennige herum. Kein Wunder, wo dort die Kühe fast vor jedem Haus stehen. Dafür gibt’s dort keinen Wald. Und gar das Brot kostet als Dreipfünder achtzehn Pfennig weniger. Wundert uns das? Schließlich sind sie den Ueberseehäfen näher, und wer an der Quelle sitzt, trinkt immer billiger, auch wenn es sich um femder Leute Getreide handelt. Na ja, die ham’s ja!

Ich habe mir nun folgendes überlegt: Wenn ich jeden Tag nun eine Zigarette weniger rauche, das fällt nicht auf und spart im Monat drei Mark. In fünfzig Jahren erfreue ich mich eines Vermögens von 1800,— DM, das sind bei vier Prozent Zinsen . . .? Lassen Sie mich nachrechnen, Moment mal, haben Sie nicht zufällig eine Zigarette für mich? Das fördet den Denkprozeß. Also, ab morgen wird gespart, hol’s der Teufel, und in fünfzig Jahren habe ich einen Reichtum angesammelt, der dem Aga Khans kaum nachstehen dürfte.

(PS. Sollten Sie diesen patentamtlich geschützten Vorschlag nachahmen wollen, so berechne ich Ihnen dafür nur fünfzig Prozent.)

Schreibmaschinen, Dimafon und Blumen

Zur Neueröffnung bei Leonhard Lutz in der Rheinstraße

Schon bevor man den renovierten Verkaufsraum betritt, ist im Schaufenster eine sich drehende und von allen Seiten beleuchtete Schreibmaschine zu sehen. Symbol von Fortschritt und Modernität.

Der Verkaufsraum selbst zeigt weiträumige Linien, Leuchtröhren und Rüster-Holzverkleidung. Neue und alte Besucher stellten sich am gestrigen Tage ein, um zur Neueröffnung Glück zu wünschen. Große Blumenkörbe kontrastierten die Sachlichkeit der Materie besonders gut.

In den oberen, vollkommen umgestalteten Räumen ist der Extrakt letzter Erfahrung und deren Auswertung an Büro- und Registriermaschinen zu sehen. In zwei Minuten kann der „Develop“- Blitzkopierer haargenaue Abzüge machen, die unter allen Umständen lichtfest sind. Nebenan überrascht das Dimafon-Diktiergerät. Der Besucher kann seine Stimme, auf die Wachsplatte übertragen, prüfen, und der das Gerät kaufende Direktor oder Geschäftsinhaber spart nicht nur eine Menge Zeit beim Diktat, sondern kann auch seine Konferenzen unabhängig von der Sekretärin abhalten. Hervorzuheben ist die„Kienzle“-Rechenmaschine, weil sie erstmalig als derartiges Produkt in den Westzonen hergestellt wird. Eine riesige, rechnende Torpedo - Saldo-Maschine, halb- und vollautomatisch gesteuert, steht Büromöbeln aus Stahl gegenüber. Die halbrunden, beinahe aerodynamisch aussehenden Sockel dieser Möbelstücke fanden gestern nicht nur Bewunderer. Praktische Anordnung ihrer Fächer und Schubladen erleichtern die Umstellung des Geschmackes von dunklen konservativen Büro-Ausstattungen auf diesen letzten Schrei der Modernität. Stahlschränke, Adressiermaschinen, ein Remington - Volltext- -Buchungsautomat, sowie jeglicher Bürobedarf beanspruchte das Interesse der Besucher für längere Zeit.

Es war viel Publikum dort; Besitzer und Angehörige der Firma erklärten intensiv und verständlich, so daß man am Ende unter allen Umständen von der Notwendigkeit der Beschaffung all dieser Maschinen überzeugt sein mußte.

Als Architekt zeichnete Herr Ha d - w i g e r verantwortlich, der es verstand, den Räumen diese Linie und die attraktiven Lichteffekte zu geben. sg.

In der Stadt notiert

Die letzte Mitgliederversammlung der Naturfreunde, Ortsgruppe Eberstadt, im Riedbergheim am Samstag, 4. November. befaßte sich mit dem Winterprogramm. Für die Kinder findet am 1. Weihnachtsfeiertag mittags und für die Erwachsenen am Abend eine Bescherung statt. Im Februar sind Fahrten in den Schwarzwald und den Bayrischen (Vald für Skitouren geplant. X

Der Spielkreis des Verbandes der Hei¬ matvertriebenen Eberstadt trifft sich jeden Donnerstag, abends 20.00 Uhr, im Gasthaus „Zur Rose“ zur Einstudierung einer Aufführung für die Weihnachtsfeier.

Griesheimer Hauptmarkt

Jährlich am 1. Sonntag im November halten die Griesheimer ihren Hauptmarkt ab. Heute, seines eigentlichen Sinnes beraubt, erfreut er mit Karussell, Schieß- und Schaubuden hauptsächlich die Jugend. So kam gestern groß und klein bei dem munteren Treiben auf dem Rathausplatz oder beim Tanz in den zahlreichen Gasthäusern auf seine Kosten.

Ursprünglich hatte dieser Markt, vergleichbar dem Gailusmarkt in Oberhessen, einen anderen Sinn. Die Ernt' war eingebracht, die Bauern hatten ihr' Erzeugnisse verkauft und so bot sich ihnen hier Gelegenheit, ausgiebig für den Winter einzukaufen. Aus dem ganzen Umkreis kam die Bevölkerung, um sich mit Töpfen, Geräten, Leder- und Schuhwerk einzudecken. Anschließend wurde gefeiert und getanzt und diesen Abschluß haben die Griesheimer bis heute beibehalten. - msch

Besatzungsgeschädigte Darmstadts

hielten Mitgliederversammlung

In Anwesenheit von Vertretern der Parteien, der staatlichen und städtischen Behörden veranstaltete die Interessengemeinschaft der Besatzungsgeschädigten am Sonntag eine Mitgliederversammlung im Büchner-Saal.

Zu den Bauvorhaben auf der Ludwigshöhe erklärte Oberbürgermeister Metzger, daß von der Stadtverwaltung keinerlei Einwendungen gemacht würden. Man hätte es zwar lieber gesehen, wenn die Amerikaner in der Stadt bauten, aber besser seien Häuser auf der Ludwigshöhe als gar keine Häuser.

Dr. Babendieck, der Referent des Nachmittags, sprach ausführlich über die unrechtmäßige Enteignung der deutschen Häuser für amerikanische Besatzungsangehörige und zeigte mögliche Wege, wenigstens eine Entschädigung zu verlangen. Man könne nicht von den Besatzungsgeschädigten verlangen, daß sie die Remilitarisierung begrüßen würden. Oberbürgermeister Metzger, der ihn auf Grund seiner Worte „Wir haben nichts zu verteidigen, denn wir haben noch nichts an Demokratie erlebt“, als Demagogen bezeichnete, ermahnte auch an jene Bevölkerungsschichten zu denken, denen es noch weit schlechter ginge. Er erklärte, daß es wohl noch sehr viel zu verteidigen gäbe und der eiserne Vorhang gar nicht so weit wäre. Wir verfielen als Deutsche bereits wieder in Ressentiments, die uns dazu verleiten könnten. Dummheiten zu begehen.

Anschließend wurden Fragen über Neufestsetzung des Nutzungsrechtes, Rückgabe der Möbel, Mietpreisfestsetzung u. a. behandelt.

Ostdeutsche schließen sich zusammen

Die Notgemeinschaft Heimatvertriebener Ost- und Westpreußen hielt am Sonntagnachmittag in der Gaststätte zum „Heilig Kreuz“ eine Mitgliederversammlung ab.

Nach einem Eingangsgedicht begrüßte der Vorsitzende Kroszyk die erschienenen Mitglieder und stellte fest, daß heute 185 Haushaltsvorstände Mitglied der Darmstädter Notgemeinschaft seien, die jetzt als Landesorganisation auf Bundesebene organisiert sei. Auch die Pommern und Warthegauer seien eingeladen worden, und es sei zu hoffen, daß eine „Vereinigte Landsmannschaft“ gegründet werden könne. In diesem Jahr noch solle die Verabschiedung des Schadenfeststellungsgesetzes erfolgen.

Schriftführer Schröter stellte fest, daß die Landsmannschaft Ost- und Westpreußen nun seit einem Jahr bestünde. Eine geschlossene Organisation sei zur Erreichung der Forderungen aus dem Lastenausgleich unerläßlich. Die bisherigen Tellersammlungen würden nicht ausreichen, um die immer größer werdende Arbeitslast der Notgemeinschaft durchzuführen. Aus diesem Grunde soll erwogen werden, ob nicht ein obligatorischer Mitgliedsbeitrag von 0,50 DM für jedes arbeitende Mitglied der Landsmannschaft eingeführt werden solle. Nach einer Debatte über diesen Punkt wurde die Beitragsptflicht mit großer Mehrheit angenommen.

Ausführlichen Raum beanspruchte die Stellungnahme zur ♦bevorstehenden Landtagswahl. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) mit der FDP ein technisches Wahlbündnis geschlossen habe, demzufolge Vertreter des BHE in den kommenden Landtag gewählt werden konnten. Nach Abschluß der Wahl würden die Abgeordneten jedoch als selbständige Fraktion und als eigene Partei die Interessen ihrer Mitglieder vertreten.

Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren die Weihnachtsfeier und die Veranstaltungen im Januar, unter denen ein Filmvortrag von Landsmann Grünewald besondere Beachtung verdient, -st.

Der Zither-. Mandolinen- und Hand¬ harmonika-Klub Eberstadt gibt am Sonntag, 12. Nov., 20 Uhr. ein Konzert in der Turnhalle. X

Coca-Cola und echtes Antikglas

Gestern konnte die Firma „Glashütte Bentninger, ihr Richtfest für den neuen Verwaltungsbau in der Holzhofallee feiern. Das neue Gebäude wird zur Hälfte der „Coca-Cola“ -Fabrikation als Produktionsstätte dienen, während die andere Hälfte dem Verwaltungsbau der „Glashütte“ vorbehalten bleiben wird. Nach dem Richtspruch begrüßte Herr Bentzinger die erschienenen Gäste, unter ihnen Oberbürgermeister Metzger.

In einer anschließenden Aussprache wurde auf die Exportmöglichkeiten für echtes Antikglas hingewiesen. In Deutschland gibt es nur zwei Hütten in der Art wie die „Darmstädter Glashütte“, die als Spezialhütte jedoch einzigartig dasteht.

„Echtes Antikglas“ ist Glas, das nach Beendigung der Fertigung so aussieht, wie das Kirchenglas vor vier- bis fünfhundert Jahren. Auf chemischem Wege werden in dem bunten Glas Luftbläschen und eine künstliche „Struktur“ erzeugt. Mehr als 4000 Farbrezepte beherrscht Herr Mittinger, der der Initiator des Unternehmens ist. Als zum Beispiel vor Jahren im Danziger Dom bei Bauarbeiten eine sechshundertjährige Glasscheibe gefunden wurde, gelang es Herrn Mittinger, dem Wunsch des Dombaumeisters nach Herstellung der gleichen Glastönung nachzukommen. Die „Glashütte“ stellt als reiner Spezialbetrieb wertvolle Gläser für einen bestimmt umrissenen Zweck her. Die Nachfrage nach diesen Erzeugnissen ist groß, aber auch in dieser Branche machen sich Rohstoffschwierigkeiten bemerkbar, wie zum Beispiel seit etwa vier Wochen die Beschaffung der erforderlichen Chemikalien zu einem Problem geworden ist.

In Kürze wird die „Glashütte“ einen zweiten Ofen aufstellen, und mit der notwendigen Neueinstellung von weiteren Fachkräften wird sich auch die Leistungsfähigkeit dieses Spezialbetriebes steigern können. -st

„Verschärfte“ Vernehmung

Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt begann gestern nter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Forch die Hauptverhandlung im Verfahren gegen zwei, aus der Ostzone stammende, ehemalige Gestapobeamte. Der 41jährige, in Leipzig geborene, Bankangestellte Waldemar E. soll 1944 als Sachbearbeiter des Judenreferats der Gestapo in Erfurt bei einer Untersuchung gegen einen halbjüdischen Häftling diesen mit einem Stock mißhandelt haben, um ein Geständnis zu erpressen. Dem 37jährigen, in Erfurt gebosnen ehemaligen Kriminalkommissar 'er Gestapo Erfurt macht man zum Vormrf, dieses Zwangsmittel bestimmt zu ’.aben.

Der Angeklagte E. bereits von einer Spruchkammer zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt, kam im August wegen dieser Sache in Darmstadt in Untersuchungshaft. L., sein früherer Dienstvorgesetzter, war seit 1943 Leiter der Gestapoabteilungen für religiöse und jüdische Angelegenheiten sowie für Abwehr und Angriffe gegen Staat und Partei. Nach Kriegsende floh er nach Hessen. In Seligenstadt am Main wohnte er unter einem falschen Namen. Am 16. Juni vergangenen Jahres stellte sich Lorenz jedoch freiwillig der Polizei. Kurze Zeit saß er in Untersuchungshaft. In der Anklageschrift heißt es, daß im März 1943 der Halbjude Willi K. mit seinem 6jährigen Töchterchen nach Polen verschickt werden sollten. Obgleich seine damalige Freundin und spätere Ehefrau beide jedoch in ihrer Wohnung verborgen hielt, wurde K. im Februar 1944 dann doch verhaftet und dem jetzigen Angeklagten E. zur Vernehmung übergeben. In den Akten soll von angeblicher „Rassenschande“ die Rede gewesen sein. Da der Festgenommene nicht im Sinne der Gestapo aussagte, soll L. seinem Untergebenen E. eine ..verschärfte“ Vernehmung befohlen haben. Eine halbe Stunde lang habe daraufhin E., der als rücksichtsloser und brutaler Beamter bezeichnet wird, mit einem Stock auf den Halbjuden K. eingeschlagen.

Das Gericht mußte gestern die Verhandlung auf Donnerstag, den 16. November vertagen. W. St


Der Glanz der Sauna in der Grafenstraße wird in Zukunft sowohl von den Besuchern des Bades das war schon immer —, als auch von den neuhergerichteten Gebäuden ausgehen, die mit vielen anderen Neuerungen, wie dem zusätzlichen Ruheraum und der im frischen Glanz erstrahlenden Frontseite, am 15. Oktober fertiggestellt werden konnten. Sg.
Der Glanz der Sauna in der Grafenstraße wird in Zukunft sowohl von den Besuchern des Bades das war schon immer —, als auch von den neuhergerichteten Gebäuden ausgehen, die mit vielen anderen Neuerungen, wie dem zusätzlichen Ruheraum und der im frischen Glanz erstrahlenden Frontseite, am 15. Oktober fertiggestellt werden konnten. Sg.

Und nun auch Ecarté ...


Das Darmstädter Spielkasino (Spiralo-Roulette) Hans Lustenberger ist von der „Oase“ in eigene Räume Ecke Rhein- und Neckarstraße gezogen. In den größeren, hellen und sachlich kühlen Räumen entwickelte sich bereits am Eröffnungstage ein reges Leben und der „Kampf“ zwischen der Bank und den Spielern, zwischen Geschicklichkeit der Spieler und der rollenden Kugel setzte voll ein. Die Bank hat auch das Ecarte-Kasinospiel neu eingeführt, das in einem besonderen Raum von Kartenbegeisterten gespielt wird. Das Ecarte-Spiel wird sich noch einleben müssen, vorläufig war die Teilnahme noch zögernd, das am laufenden Band schnell abrollende Roulette-Spiel fesselt noch seine Liebhaber. Die beiden „Stillen Teilhaber“, das Finanzamt und das städtische Steueramt werden aus dieser Erweiterung der Spielmöglichkeiten in Darmstadt ihren baren Nutzen ziehen. Foto: Hemme H.W.W.
Das Darmstädter Spielkasino (Spiralo-Roulette) Hans Lustenberger ist von der „Oase“ in eigene Räume Ecke Rhein- und Neckarstraße gezogen. In den größeren, hellen und sachlich kühlen Räumen entwickelte sich bereits am Eröffnungstage ein reges Leben und der „Kampf“ zwischen der Bank und den Spielern, zwischen Geschicklichkeit der Spieler und der rollenden Kugel setzte voll ein. Die Bank hat auch das Ecarte-Kasinospiel neu eingeführt, das in einem besonderen Raum von Kartenbegeisterten gespielt wird. Das Ecarte-Spiel wird sich noch einleben müssen, vorläufig war die Teilnahme noch zögernd, das am laufenden Band schnell abrollende Roulette-Spiel fesselt noch seine Liebhaber. Die beiden „Stillen Teilhaber“, das Finanzamt und das städtische Steueramt werden aus dieser Erweiterung der Spielmöglichkeiten in Darmstadt ihren baren Nutzen ziehen. Foto: Hemme H.W.W.

Frauenchor „Germania“ erfolgreich

Der Gesangverein „Germania“ Eberstadt hatte allen Grund zu Feiern. Nachdem der Männerchor am 15. Oktober mit seinem Auftritt in Radio Frankfurt und in der Paulskirche so guten Erfolg hatte, war auf Anregung des Chorleiters und Organisten der Johannisgemeinde Darmstadt, Herr Geiß, mit acht Frauen der Frauenchor aus der Taufe gehoben worden. Die ersten wenigen Sängerinnen sangen mit Begeisterung und warben in kurzer Zeit so viele Mitglieder, daß der Frauenchor schon heute auf über 40 Mitglieder angewachsen ist. Die ersten Früchte ihrer Arbeit brachten nun die Frauen am Samstagabend im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ den überraschten Mitgliedern des Gesangvereins „Germania“ zu Gehör.

Langer Applaus belohnte die Sängerinnen nach dem Vortrag von drei Chören, von denen zwar der erste mit etwas Lampenfieber, die beiden anderen aber mit Sicherheit und klaren Stimmen gesungen wurden.

Herr Wesp, der für den erkrankten 1 Vorsitzenden Hagen die Glückwünsche zur Gründungsfeier des Frauenchors auch von dem Deutschen Sängerbund, Kreis Darmstadt-Stadt, überbrachte, ermahnte die Frauen dazu, das deutsche Lied zu pflegen. Er dankte namentlich dem Chorleiter Geiß, dessen Initiative die Fortschritte der beiden Chöre in erster Linie zu verdanken seien.

Chorleiter Geiß vertrat in seiner Ansprache die Ansicht, daß Männerchöre heute auf dem absteigenden Ast begriffen seien. Ein in Darmstadt gemeinsam mit einem Kinderchor veranstaltetes Konzert habe den Anlaß zu dem von ihm schon oft dem Gesangverein unterbreiteten Wunsch zur Gründung eines Frauenchors gegeben. Nach dem Ablauf des Programmes, in dem auch die Sänger ihr Können unter Beweis stellten, ging man zum gemütlichen Teil des Abends über. t-s

Erstes Chorkonzert

des Gesangvereins „Frohsinn“ Eberstadt

Das erste Chorkonzert des Gesangvereins „Frohsinn 1842“ in der Turnhalle in Eberstadt war ohne Zweifel ein Genuß für die über 400 Zuhörer, unter denen auch Oberbürgermeister Metzger weilte. Das anspruchsvolle Programm sprach sowohl für das Können des Chorleiters Simmermacher jr., als auch für die stimmliche Begabung seiner Sänger und Sängerinnen. Auch die technische Durchführung des Chorkonzerts klappte in vorbildlicher Weise.

Der 2. Teil des Konzerts war der Heimat gewidmet. Hier wurde vor allem der Frauenchor mit dem Vortrag bekannter Volkslieder mit reichem Beifall belohnt. Eine besondere Anerkennung muß auch dem Pianisten Wilh. Pfeiffer ausgesprochen werden, der Karl Pfeiffer (Bariton) ausgezeichnet begleitete. Das Chorkonzert wird dem Gesangverein „Frohsinn“, der auf eine so lange Tradition zurückblicken kann, neuen Auftrieb geben, auf das kulturelle Leben Eberstadts auch weiterhin einen befruchtenden Einfluß auszuüben. t-s

Tischbewertung von Kaninchen

in Eberstadt

Der Kaninchenzuchtverein Eberstadt hielt am Sonntag im Gasthaus „Zum Bismarck“ bei Mitglied Schaffner eine Tischbewertung ab, bei der ca. 80 Tiere von 12 Rassen bewertet wurden. Als Preisrichter fungierte Herr Rudler. Präsentiert wurden u. a. Rassen: Angora-Weiß, Groß-Chin, Helle-Groß-Silber, Englisch-Schekken, Wiener-Weiß, Wiener-Blau, Deutsche Widder, Gelb-Silber. Herr Rudler bewertete die Kaninchen nach Punkten.

Insgesamt wurden 40 Eberstädter Kaninchen für die Teilnahme an der am 12. November von den Gemeinden Eberstadt, Hähnlein und Pfungstadt im Gasthaus „Zur Krone“, Zieglerstraße (Pfungstadt) veranstalteten Gemeinschaftsschau auserkoren. ' t-s

Wie wird das Wetter?

Leichter Nachtfrost

Vorhersage: Am Dienstag noch überwiegend bewölkt, nachlassende Niederschlagsneigung, Tagestemperatur wenig verändert. In der Nacht zum Mittwoch stellenweise leichte Nachtfröste, nördliche Winde. Weitere Aussichten: Am Mittwoch trocken,



Wohin gehen wir heũte?

Lichtspieltheater: Union: „Du bist Musik für mich“; Thalia; „Badende Venus“; Belida: „Gesetz der Prärie“; Palast: „Kriminalkommissar Vargas“; Hansa: „Gold in New Frisco“. Amerikahaus: 19.30 Uhr, Nomadenerzählung aus Alt-Kleinasien, Elsa Sophia Baronin Kamphoevener. 15-16 Uhr: Williams Vaughan: Symphonie Nr. 6; 14.30 und 17 Uhr: Filmvorführungen. Hygiene-Lichthof: Neckarstraße 3: 10 bis 18 Uhr: Ausstellung „Gesundes Leben“. Darmstädter Musikzentrale: 20 Uhr: Stadthalle, Klavierabend, Prof. Walter G i e s ak i n g. Nachbarschaftsheim: 20.00 Uhr: Nachbarschaft Bessungen, Bessunger Fragen.

in gratũlieren

76. Geburtstag: Herr Gustav Adolph, Darmstadt, Lauterschlägerstraße 5.

STARKENBURG

„Frische Luft“ für die Beamten

In mehreren gutbesuchten Wählerversammlungen der CDU stellte sich Bürgermeister Günderroth (Lampertheim) den Wählern des Wahlkreises Bensheim-Odenwald vor. Finanzminister Dr. Werner Hilpert stellte in Neckarsteinach und Fürth fest, daß die CDU die Absicht habe, den Wahlkampf auch diesmal in sachlicher, von persönlichen Ausfällen freier Form zu führen und es als ihre Hauptaufgabe ansehe, die im Ministerium begonnene Verwaltungsreform auch in der mittleren und unteren Instanz nun nachdrücklichst fortzusetzen. Bürgermeister Günderroth betonte, daß er Parteidogmatik ablehne und die sachliche Arbeit in den Landtagsausschüssen allen Fensterreden vorziehe. Er werde sich vor allem als Arbeiter für die Belange seines Wahlkreises einsetzen und bestrebt sein, den wirtschaftlichen Ausgleich des Grenzkreises wie seine weitere Erschließung auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs zu fördern und in die Atmosphäre der Akademiker und Beamten die frische Luft unmittelbaren Arbeitslebens zu bringen. _r

Arbeiterfreizeit

Vom 18.—22. November hält das Evangelische Männerwerk in Hessen und Nassau seine nächste Arbeiterfreizeit in Schaafheim, die sich besonders an Teilnehmer aus den Dekanaten Groß-Umstadt, Erbach und Reinheim wendet. Unter den Vortragenden dieser Freizeit befinden siete Universitätsprofessor Lic. Dr. All w oh n, Frankfurt, der die Themen „Unternehmer und Arbeiter“ und „Lenin und die freie Liebe“ behandeln wird, Vizepräsident S t r a t enwert h, Frankfurt, „Christus und die weite Weit“, Gewerkschaftssekretär Felgentreff (Deutscher Gewerkschaftsbund) „Die Aufgaben der Gewerkschaft“. Ingenieur Hermann Gran tz, der Geschäftsführer und Initiator des Evangelischen Arbeiteiwerks, Neu-Isenburg, spricht über „Der Arbeiter in der Geschichte“ und „Das Mitbestimmungsrecht — die große Chance, wer führt sie zum Ziel?“ -se

TSV Höchst kann bauen

In der am Freitag stattgefundenen Gemeinderatssitzung in Höchst wurde dem Antrag des TSV Höchst auf Ankauf von zwei gemeindeeigenen Grundstücken, zur Errichtung des neuen Sportgeländes, stattgegeben. Der Hauptentwässerungsgraben auf der Au, der sich von Höchst über Dusenbach bis zu den Veith-Gummiwerken zieht und durch Schilf und Schlingpflanzen stark verwachsen und verstopft ist, wird in Notstandsarbeiten instandgesetzt. Der Antrag der Anwohner des Kleingartenweges auf Verlängerung desselben bis zu den Kappesgärten wurde vorläufig zurückgestellt und zugleich beschlossen, dieses Gelände vom Gemeinderat zu besichtigen, um weitere Entscheidungen bezüglich der Grundstückabtretungen treffen zu können. Le

Neue Glocken für Eppertshausen

Bis Ende November soll auch die Gemeinde Eppertshausen für ihre katholische Kirche neue Glocken erhalten. Das sogenannte „Silberglöckchen“ in der St.- Valentinuskapelle, das im Krieg abgeholt wurde und einen Sprung erlitt, wird ebenfalls neu gegossen werden. Der Betrag für die „Silberglocke“ wurde von privater Seite gespendet. Die feierliche Weihe soll am letzten Novembersonntag stattfinden. Nach den kirchlichen Weiheakten ist am Nachmittag im Saale Eder eine weltliche Feierstunde vorgesehen. -gi-

„Rein im Sange, tren im Wort...“

Jubiläumsfest des Gesangvereins „Eintracht“ in Groß-Gerau

Das Jubiläumsfest des Gesangvereins „Eintracht“ 1865 in Groß-Gerau sah am Se*”em Mittelpunkt ein Chorkonzert des Frauen- und Männerchors OrchesterLyereSnÜng V°” FranZ Such^ feitet von der Groß-Gerauer

Einleitende Worte sprach Herr H o eh 1 als Vorsitzender des Vereins. Bürgermeister Dr. Lüdecke wies in seiner anschließenden Ansprache auf die seit Bestehen des Vereins gepflegte enge Verbundenheit mit der Stadtverwaltung hin, was besonders durch die Tatsache unterstrichen wurde, daß hinteinander mehrere Bürgermeister der Kreisstadt dem Vorstand des Vereins angehört hätten. Um es seinen Vorgängern im Amt nachzutun und seiner Anerkennung Ausdruck zu geben, übergab Dr. Lüdecke dem Jubelverein als Angebinde den „Sonnenhymnus“ von Willi Sendt.

Höhepunkt der im Laufe des Abends vorgetragenen Lieder und Gesänge war das vom Männerchor gesungene „Media vita“ von K. Lißmann, ein Stück, das besonders hohe Anforderung an das Können jedes einzelnen Sängers stellt und meisterhaft bewältigt wurde. Mit „All mein Gedanken“ von K. Marx erntete der erst kürzlich zusammengestellte Frauenchor großen Beifall. Auch das Zusammenwirken von Frauen- und Männerchor sowie die hervorragende Unterstützung der Orchestervereinigung verdiente den herzlichen Beifall aller Freunde guten Gesangs. kr.

Was aũch interessiert:

Mit der rechten Hand in eine Kreissäge geriet der Müller Adam Flös e r aus U n t e r-S chönmattenwag. Die dabei erlittenen Verletzungen sind so schwer, daß er sofort in die chirurgische Klinik Heidelberg überführt werden mußte. Ob die Hand gerettet werden kann, ist noch fraglich. _r

Als erster Erfolg der von der Gemeindeverwaltung Schafheim angestrebten Ansiedlung von Industriebetrieben verlegte Textilingenieur Bauer seine Strumpffabrikation von Aschaffenburg ifi die Gemeinde. Außer den Arbeitsplätzen im Betrieb selbst vergibt das Unternehmen an mehrere Frauen Arbeit und Verdienst durch Heimarbeit. io

Drei Wildschweine erlegte an drei aufeinanderfolgenden Tagen Revierförster Pfeiffer aus Siedelsbrunn an der gleichen Stelle durch Blattschuß. Zwei der Tiere hatten ein Gewicht von je rund zweieinhalb Zentnern, das dritte wog über fünfzig Kilo. -r

Eine der ältesten und schönsten Orgeln der Umgebung wurde durch die Höchster Orgelbaufirma G. Stumpf in der evangelischen Kirche zu L ü t z e 1-W i e b e 1 sb a c h überholt. Das Gehäuse des Orgelwerkes steht unter Denkmalsschutz, -se

Ein Zimmerbrand entstand in Bauschheim, Hauptstraße 15, durch unvorsichtiges Aufhängen von Wäsche über dem Herd. Die Freiwillige Feuerwehr verhütete größeren Schaden. Kb

Die unzureichende Brennstoffmenge wird in Schaafheim durch ein Abkommen zwischen der Bürgermeisterei und den Kohlenhändlern gerecht verteilt werden. Nach Dringlichkeit wird die Belieferung in alphabetischer Reihenfolge vorgenommen. io

Mit schweren Verletzungen mußte der Fahrer eines Pkw. in das Lor scher Krankenhaus eingeliefert werden, der auf der Autobahn bei Lorsch auf einen Lastzug aufgefahren war. . (el)

Beim Fensterputzen stürzte eine junge Frau in Einhausen so unglücklich zu Boden, daß sie längere Zeit bewußtlos blieb und ernstliche Verletzungen davontrug. (el)

Kostenlose Durchleuchtung findet jeden Mittwoch in der Ernst- Ludwig-Lungenheilstätte in Sandbach statt. Die Heilstätte ist mit den modernsten Durchleuchtungsgeräten ausgestattet. hm

Mit dem Motorrad stürzte ein G r o ß - Rohrheimer Fußballanhänger, der einem Spiel in Lorsch beigewohnt hatte, so unglücklich, daß er mit einem Pkw ins Wormser Krankenhaus gebracht werden mußte. ej

Ein Saunabad nach russisch-finnischem Vorbild soll in etwa zwei Wochen in Groß-Gerau eröffnet werden. Diese Einrichtung, die etwa von 30 bis 40 Personen gleichzeitig benutzt werden kann, verdankt ihre Entstehung Ingenieur Osterberg und Frau. Kr.

Blinde Künstler musizierten

Am Samstagabend veranstaltete die Konzertgemeinschaft blinder Künstler im Rathaussaal in Bensheim einen Violin- und Klavierabend.

Das Programm vereinigte Werke der Klassiker Bach, Gluck, Mozart und Beethoven mit Werken von Chopin, Dvorak und Debussy. Friedrich Schaudt, Violine, spielte Bachs E-dur-Konzert flüssig und mit viel Verständnis und zeigte in dem langsamen Satz ebenso wie in der Romanze G-dur von Beethoven eine schöne Kantilene und einen modulationsfähigen Ton.

Während Schaudt mehr ein Interpret klassischer Musik ist, konnte man bei dem Pianisten Ludwig Rosenzweig zwar auch schon in der Sonate G-dur von Mozart gediegenes technisches Können feststellen, doch war der Künstler eigentlich erst bei Chopins Nocturne Es-dur und Tarantella As-dur sowie bei den zwei Stücken für Klavier von Claude Debussy richtig in seinem Element. Er verstand es, gerade Debussy, der in seinem „Tanz der Delphine“ und in den „Wasserspielen“ ungeheur bildreich komponiert, mit der erforderlichen Virtuosität, aber dabei auch mit dem nötigen Feingefühl zu interpretieren, eine Leistung, die einen tiefen Eindruck hinterließ.

Gertrud Lenhard war am Flügel eine einfühlende, anpassungsfähige Begleiterin. HB

Gas für Büttelborn

Nach wochenlanger Arbeit konnte die Gemeindeverwaltung Büttelborn in Zusammenarbeit mit der Südhessischen Gas- und Wasser-AG. Darmstadt das schon vor Jahren projektierte Gasnetz für die Gemeinde fertigstellen und in Be-

trieb nehmen. Aus diesem Anlaß fand am Samstagvormittag eine Einweihungsfeier statt, bei der Bürgermeister Führer zahlreiche Vertreter der hessischen Regierung und der Kreisverwaltung begrüßen konnte.

Am Sonntag veranstaltete die Gas- und Wasser-AG. im Volkshaus eine Ausstellung von Gasgeräten mit Vorführungen aller Art. Die Hausfrauen konnten sich dabei über die Arbeitsweise der neuesten Gas-Geräte unterrichten. Kb


Bürgermeister Führer beim Entzünden der ersten Gasflamme. Foto: Hohlöchter
Bürgermeister Führer beim Entzünden der ersten Gasflamme. Foto: Hohlöchter

Aktuelles zwischen gestern und heute

Haftbefehl gegen Kuppler

Die bei der im Odenwald durchgeführten Großrazzia der Kripo und MP. vorläufig festgenommenen Gastwirte Ph. Sch. aus Lichtenberg und G. L. aus Nonrod wurden am Montag dem Strafrichter des Amtsgerichts Reinheim vorgeführt. Es erging gegen sie wegen fortgesetzter und gewohnheitsmäßiger Kuppelei Haftbefehl. Beide Beschuldigten wurden in die Strafanstalt Dieburg verbracht. _]e-

Razzia im Odenwald

Bezüglich unserer gestrigen Veröffentlichung „VD-Mädchen flogen aus der Koje“ legt der Besitzer des Hotels Schellhaas in Lichtenberg auf die Feststellung Wert, daß er mit dieser Angelegenheit nichts zu tun hat. *

Zwei Rinbrüche in einer Nacht

In einer der letzten Nächte wurde in die katholische Kaplanei in Babenhausen eingebrochen. Wahrscheinlich drang der Dieb durch ein Kellerfenster ein. Nachdem er verschiedene Räume durchsucht hatte, muß er gestört worden srein, denn er verschwand unter Mitnahme von drei Flaschen Wein. r

In der gleichen Nacht wurde im Garten des Anwesens Steinstraße 33 bei Fr. Rauch Wäsche von der Leine gestohlen. Der Dieb hatte verschiedene Latten des an der Straße gelegenen Holzzaunes ausgebrochen und sich so den Weg des Abtransportes erleichtert. Die Oberkleidung, die ebenfalls zum Trocknen aufgehängt worden war, ließ er hängen. Von den Tätern fehlt jede Spur. NB

Verbaost Dieburg gibt Aufschluß

Der Kreisverband Dieburg des Verbandes der aus den Ostgebieten und dem Sudetenland vertriebenen Beamten und Angestellten der öffentlichen Betriebe führte am Samstag seine turnusgemäße Versammlung durch, die außerordentlich gut besucht war.

Kreisvorsitzender Damm, Altheim, hielt ein Referat über Fragen der Wiedor'”^''+ellung und der Ueberbrückungsh'l<c 'Vcgen der in den früheren Tätigkeitsgebieten unterschiedlichen Bestimmungen beständen mitunter Schwierigkeiten und Unklarheiten hinsichtlich der zugrundezulegenden Unterlagen. Die Antragsteller könnten sich gegebenenfalls an den Kreisverband oder unmittelbar an die Besoldungsstelle beim Regierungspräsidenten in Darmstadt wenden. Die Frage, ob die Beamten und Angestellten der Nicht-Gebietskörperschaften in den Kreis der Empfangsberechtigten einbezogen würde, werde in Kürze geklärt.

In der Aussprache kam die Auffassung zum Ausdruck, daß sich die Bundesrepublik, die sich bei Beanspruchung ihrer Rechte (z. B. bezüglich des Saargebietes) mit dem ehemaligen Deutschen Reich identifiziere, auch durch Erfüllung ihrer Pflichten auf den gleichen Standpunkt stelle. RG

Feuerwehr froh und heiter

Kameradschaftsabend in Nieder-Ramstadt

Am Samstagabend fand unter lebhafter Beteiligung der Bevölkerung ein Kameradschaftsabend der Freiwilligen Feuerwehr im Darmstädter Hof statt. Feuerwehrkommandant Reiz bmerkte in seiner Ansprache, daß 1951 das 70jährige Stiftungsfest gefeiert werden könne. Er sprach die Hoffnung aus, Vaß dieses Fest unter Mithilfe der Einwohnerschaft zu einem großen und eindrucksvollen Ereignis der ganzen Gemeinde werde. Anschließend spielte die Feuerwehrkapelle aus Nieder-Beerbach zum Tanz auf. F. L.

Brand auf Gut Hohenau

In den Vormittagsstunden des Montag brach im Hofgut Hohenau, das in der Gemarkung Trebur dicht am Rhein liegt, ein Feuer aus. Es brannten zwei zusammenhängende Scheunen. Die Dachstühle wurden in einer Ausdehnung von 30 Metern zerstört und 200 Zentner dort untergebrachtes Kleeheu vernichtet. Die schnell anrüekenden Wehren von Trebur und Astheim konnten bis Mittag den Brand eindämmen. Das Vieh aus dem Schweinestall eines der brennenden Gebäude konnte gerettet werden, ehe die Decke des Erdgeschosses einstürzte. Zirka 20 Zentner Kunstdünger wurden durch das Wasser In Mitleidenschaft gezogen. Die Brandursache konnte noch nicht festgestellt werden. -eng-

Neue Kartoffel-Sortiermaschinen werden vorgeführt

Das Maschinenreferat der Landwirtschaftskammer Hessen - Nassau veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Saatbauverein Hessen-Nassau Vorführungen von Kartoffel-Sortiermaschinen. Die Veranstaltungen Anden in folgenden Schulbezirken statt:

Am Dienstag, dem 14. 11., vormittags 9 Uhr, in Unter-Scharbach im Anwesen von Landwirt Robert Falter für den Kreis Bergstraße. Am Mittwoch, dem 15. 11., nachmittags 13 Uhr, in Steinbach im Anwesen von Landwirt Georg Adam Behr für Michelstadt/Odw. und Umgebung.

Am Freitag, dem 17. 11., vormittags 9 Uhr, in Groß-Bieberau im Anwesen von Landwirt Georg Böhm für Reichelsheim/Odw. und Umgebung. -Kb

Woche der Volksmission

Eine Woche der Volksmission veranstaltet die evangelische Gemeinde A u e rbach in der Zeit vom 6. bis 11. November. Die Themen der verschiedenen allabendlich im evangelischen Gemeindehaus um 20.15 Uhr stattfindenden Vorträge, die Pfarrer Brehm, Frankfurt (Main) hält, sind folgende:

Montag: Das ileden Gottes (Wort und Führung); Dienstag: Wo bleibt die Liebe Gottes? Mittwoch: Was haben wir an der Kirche? Donnerstag: Der Ruf der Inneren Mission; Freitag: Das Opfer des Christen; Samstag: Die Auferstehung als Kraft des Christenlebens.

Die Woche schließt am Sonntag um 9.30 Uhr mit einem Abschlußgöttesdienst in der Auerbacher Kirche. HB

Heldengedenkfeier in Bensheim

Am Sonntagnachmittag fand auf dem Soldatenfriedhof am Niederwald bei Bensheim eine Gedenkfeier für die Gefallenen statt, bei der der ev. Posaunenchor und die kath. Kirchenmusik mitwirkten. Als Vertreter der ev. Gemeinde hielt Pfarrer D. Jacob eine Ansprache, für die katholische Gemeinde sprach Stadtpfarrer Haenlein. Bürgermeister Treffert legte im Namen der Stadtverwaltung einen Kranz nieder. HP.

Odenwälder Höhenobst - Qualitätsobst

Eröffnung der Obstbauschulungswoche im Kreis Erbach

Im dichtbesetzten großen Saal von „Schmerkers Garten“ in Michelstadt wurde am Sonntagnachmittag die vom Kreisobstbauverband Erbach veranstaltete, in ihrer Art bisher einzigartige große Obstbauschulungswoche verbunden mit Edelobst- und Schädlingsbekämpfungsschau durch den Kreisvorsitzenden Wilhelm Schwöbel, Günterfürst, eröffnet.

Nach Grußworten von Landrat Karl Neff und dem Leiter der Landwirtschaftsschule Michelstadt, Landwirtschaftsrat Dr. Barth, der die enge Verbundenheit von Landwirtschaft und Obstbau im Odenwald hervorhob, hielt Landwirtschaftsrat Dr. Brucker, Heidelberg, vom Badischen Obstbauverband einen Lichtbildervortrag über „aktuelle Fragen des deutschen Obstbaus“. Ganz allgemein halte man in Deutschland zu viele Sorten, sechs verschiedene Sorten sollten in einer Gemarkung nicht überschritten werden. Durch bessere Düngung, Bewässerung, Schädlingsbekämpfung und besonders durch pflegliche Sortenauswahl könnten in Deutschland Früchte gezüchtet werden, die dem ausländischen Obst überlegen sind.

Kreisobstbauinspektor H. W. D e b o r, Michelstadt, sprach anschließend über den „Odenwald als Obstbaugebiet“. Die drei Sterne des Erbacher Wappens versinnbildlichten die drei Hauptzweige des Odenwälder Landbaus: Forstwirtschaft, Viehzucht und Obstbau. Gemessen am Baumbestand war der Odenwald seit je ein gutes Obstbaugebiet, nur hinsichtlich der Pflege und Sortenauswahl bleibe noch viel zu tun übrig. Früher wurde im Kreis Erbach fast ausschließlich Kelterobst geerntet. Selbst in Rimhorn, der vorbildlichsten Obtsbaugemeinde des Kreises, wurden in diesem Jahr noch ü b e r 80 verschiedene Obstsorten registriert. Bei 928 Bäumen konnte der erfahrene Baumwart Eduard Reh, der mit seinen 70 Jahren fortschrittlicher ist als mancher Jungbauer, keine der bekannten Sorten ermitteln. Nur durch Selbsthilfe komme der Odenwaldobstbau aus diesem „Sortenwahnsinn“, da der Staat keine Mittel für eine große Umpfropfaktion habe.

Für den Odenwald empfahl der Kreisobstbauinspektor die sieben Sorten: Winterrambour einschl. ^ohrer Rambour, Goldparmäne, Boskop, Gewürzluiken, Baumanns Renette, Bohnapfel und Rheinischer Krummstiel. Durch Lehrgänge und praktische Schulung werde die gegenwärtig noch geringe Erzeugung von A-Qualitäten im Kreis Erbach gesteigert werden. An Hand sehr .schöner Farblichtbilder führte der Redner durch die Obstbaugebiete des Kreises, vom verwahrlosesten Anbaugebiet, dem Breuberg, der einst sogar Weinberg war, bis zum obstbaulichen Kleinod des Kreisgebiets, Rimhorn, das im Obstbau die Stellung einnimmt, die Airlenbach in der Odenwälder Tierzucht innehat. -ch

CDU eröffnete Wahlkampf

Bundesarbeitsminister Storch in Bensheim

Die erste Wahlversammlung der CDU in Bensheim, die am Sonntag im Bensheimer Hof abgehalten wurde, eröffnete Stadtrat Goebel und begrüßte Bundesarbeitsminister Anton Storch , der als Redner für diese Versammlung gewonnen worden war. In seinen Ausführungen schilderte der Minister die Schwierigkeiten, die die Bundesregierung bei der Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft zu überwinden hatte, dennoch sei seit der Währungsreform die Arbeitsleistung gestiegen und die Arbeitslosenziffer gefallen. Alle vom Ausland auferlegten Beschränkungen für die deutsche Wirtschaft und den Handel müßten aufgehoben werden. Des weiteren erklärte Storch, daß er nie in einer Regierung sitzen werde, die durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik das deutsche Volk zum dritten Male um seine Ersparnisse bringe. Die Ausführungen des Ministers wurden teilweise von lautem Beifall begleitet. Die Versammlung wär nur schwach besucht. (HB)

Lampertheim auf dem Wege zur Stadt

Gemeinde übernimmt Bürgschaft für das Siedlungsvorhaben des Kettlerwerkes

Der Gemeinderat von Lampertheim billigte in seiner letzten Sitzung am Freitagabend einen Antrag des Lampertheimer Wirtschafts- und Verkehrsvereins, demzufolge die Gemeindeverwaltung bei der zuständigen Stelle die Ernennung Lampertheims zur Stadt beantragen soll.

Da die Gemeinde einwohnermäßig und auch in ihrer Struktur die hierfür notwendigen Voraussetzungen erfüllt, dürfte diesem Antrag nichts im Wege stehen. Der Wirtschafts- und Verkehrsverein will die Ernennung zur Stadt mit der im nächsten Jahr fälligen 1100-Jahr-Feier, den beiden 75jährigen Jubiläen der Lampertheimer Vereinsbank und der Lampertheimer Zeitung sowie dem Spargelfest des Jahres 1951 verbinden.

Zu Beginn der Sitzung wurden für die verstorbenen Gemeinderäte J. Heiselbetz und J. M. Kärcher Schlossermeister Willi Gayer und Verwaltungsangestellter Karl-Heinz Liebhaber als neue Gemeinderatsmitglieder verpflichtet. Die Gemeinde erklärte sich bereit, für das Siedlungsvorhaben des Kettlerwerkes zwei Bürgschaften in Höhe von 58 400 DM (1. Hypothek) und 36 000 DM (Landesbaudarlehen) zu übernehmen. Außerdem genehmigten die Gemeindevertreter den Ankauf eines Anwesens in der Rheinstraße zum Preise von 7000 DM.

Die Pappeln zu beiden Seiten des Hollerweges sollen gefällt und durch Jungpflanzen ersetzt werden. Zunächst will man in diesem Winter jedoch nur mit der Südseite beginnen. Die Gemeinde erwägt z. Z., die Baracken abzubrechen und sie, falls es sich rentiert, in Neuschloß wieder aufzubauen. Ein diesbezüglicher Kostenvoranschlag wurde einem Lampertheimer Architekten in Auftrag gegeben.

Für Umsiedler-Flüchtlinge hat die Gemeinde nach langwierigen Verhandlungen mit den Besitzern jetzt 15 Bauplätze zwischen der Bürstädter Straße und der Siedlung bereitgestellt und will ca. 60 weitere Plätze in Neuschloß zum Quadratmeterpreis von 50 Pfennigen abgeben. Mit den Ausbesserungsarbeiten am Weidweg soll Anfang nächsten Jahres begonnen werden. Die Gemeinde erwartet in diesem Winter etwa 1000 Festmeter Brennholz aus dem Gemeinde- und Staatswald, welches vor allem an die sozial schlechtergestellten Bürger verausgabt werden soll.

Zum 25jährigen Jubiläum der Waldvögel-, Exoten- und Aquarienliebhaber am 25. und 26. November bewilligte der Gemeinderat einen Zuschuß von 30 DM. Als korporatives Mitglied trat die Gemeinde dem Verband zur Rettung Schiffbrüchiger und dem Landesverkehrsverband bei, während die Mitgliedschaft bei einem Versicherungsunternehmen einstimmig abgelehnt wurde. bb.

Landesfachschafts-Ehrenpreis tür Gesflügelzüchter in Traisa vergeben

Die am Sonntag in Traisa durchgeführte Ausstellung des Geflügelzuchtvereins war außerordentlich gut beschickt. Gezeigt wurden u. a. Lachhühner, Sussex, Leghorn, schwarze Italiener, Pekingenten und sogar Wellensittiche. Der Landesfachschafts-Ehrenpreis wurde der Züchterin Frau May für Lachzwerge zugesprochen. Die nächsten Preise gingen an die Traisaer Züchter Ruch, Spaeth und Dehnert. Eine Tombola war mit zahlreichen Gewinnen ausgestattet. Die Firma Schuchmann, Nieder-Ramstadt, zeigte neue Brutapparate. •

unsere Geburtstagskinder

81. Geburtstag: Herr Leonh. Kumpf, Wixhausen, Göthsbachstraße. 73. Geburtstag: Herr Ludwig Krause, Alsbach, Hauptstraße 59. 71. Geburtstag: Herr Franz Henke, Groß-Bieberau, Lichtenbergstraße 21. 70. Geburtstag: Herr Philipp Lautenschläger, Oberpostschaffner i. R., Groß-Bieberau, Brensbacher Straße 35. Silberne Hochzeit: Herr Theodor Oehlschläger, Lehrer, und Frau Elisabeth geb. Hofmeyer.

Weihnachtsgeschenk für Wohnungssuchende

Zwingenberger Stadtrat genehmigt Darlehen an die „Baugenossenschaft Selbsthilfe“ und die „Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft „Wohlfahrt“

W®rten wies Bürgermeister Kiel in der Stadtratssitzung am darauf hm, daß unbedingt etwas zur Beseitigung des Wohnungselends in Zwingenberg getan werden müsse.

Ei schilderte, wie Familien gezwungen sind, in menschenunwürdigsten Unterkünften (in einem Fall in einem Verschlag £reppenhaus) zu hausen. Bürgermeister Kiel hielt es für angebracht, den im Etat für den Wohnungsbau bereitgestellten Betrag von 12 000 DM in erster Linie als Darlehen für die beiden Genossenschaften zu verwenden, da dadurch auch für das Wohnungsamt eine ganze Anzahl Wohnungen mitgebaut würden.

Nach längerer Diskussion wurde einstimmig beschlossen, der Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe einen Betrag von 5000 DM als Hypothek zur Verfügung zu stellen. Nach Eintragung der Hypothek an 1- Stelle auf dem im Antrag vom 30. Oktober 1950 angegebenen Grundstück wird der gesamte Betrag auf das Bankkonto der Genossenschaft überwiesen. Der „Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Wohlfahrt“ wird ein Betrag von 5000 DM gegen dingliche Sicherheit zur Verfügung gestellt. Bürgermeister und Finanzausschuß wurden beauftragt, mit der Genossenschaft in dieser Sache zu verhandeln und den Antrag nach Abschluß der Verhandlungen erneut dem Stadtrat vorzulegen.

In seinem Schlußwort dankte Bürgermeister Kiel dem Stadtrat für seinen einstimmigen Beschluß, der nicht nur die Arbeit der Stadtverwaltung ganz wesentlich unterstützt habe, sondern auch gleichsam ein Weihnachtsgeschenk für die Wohnungsuchenden in Zwingenberg darstelle.

Der Heimat wollen wir dienen

Heimat- und Familienabend des OWK in Roßdorf

Einige fröhliche Stunden erlebten am Samstagabend die Mitglieder der Ortsgruppe Roßdorf des Odenwaldklubs, der im Gasthaus „Zur Sonne“ seinen lange geplanten Heimat- und Familienabend abhielt.

Als Ehrengäste waren der Bezirksvorsitzende Sala mo n , Lehrer Amann als Vertreter der Sport- und Kulturgemeinde und Pfarrer Lutz erschienen. Heimatdichter Georg Löffler begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die zahlreich erschienenen Ortsbewohner und stellte als Leitgedanken des Abends die Worte „Der Heimat wollep wir dienen, das ist oberster Grundsatz des Odenwaldklubs“ in den Vordergrund.

In seinen folgenden Ausführungen appellierte der Sprecher an alle Ortsbürger, den großen und schönen Gedanken des Wanderns zu fördern, um so den Forderungen, der Heimat und dem Volk zu dienen, gerecht zu werden.

Bezirksvorsitzender Salamon betonte in seiner Ansprache, daß gerade in Roßdorf eine der eifrigsten und rührigsten Ortsgruppen des Odenwaldklubs vertreten sei. Im besonderen, so führte der Sprecher aus, wolle der Odenwaldklub die Freude zur Natur und zum Wandern wecken und den Gedanken, die schöne deutsche Heimat kennen und schätzen zu lernen, fördern. Nach den abschließenden Worten „Der ist in tiefster Seelenfreude, der seine Heimat liebt wie du“ und der Ehrung zweier alter Mitglieder für ihre 25jährige Treue, betonte der Sprecher, daß alle Bürger, ob arm oder reich, gleich welcher Konfession, als Wanderfreunde willkommen seien.

Höhepunkt und Schluß bildete das von der Spielschar aufgeführte alte Roßdörfer Lustspiel aus den 90er Jahren: „Die Homkehr vun de Holzsteijien“ von Heimatdichter Georg Löffler. Mundartgedichte, Volkstänze, Heimatlieder der „Dorfschwalben“ und Musikvorträge des Handharmonikaklubs unter Leitung von Georg Kreisel taten das übrige, um den Abend zu seinem Erfolg zu führen. sl

50 Jahre Diakonie in Reichelsheim

Der Reichelsheimer Kindergarten besteht bereits seit 1873 in dem Hause in der Bismarckstraße 58. Vor 50 Jahren haben Diakonissen des Darmstädter Elisabethenstiftes die Arbeit übernommen und gleichzeitig eine Krankenpflegestation eingerichtet, die bis heute zum Segen der Bewohner des Gersprenztales tätig sind.

In Anwesenheit einer großen Anzahl Ehrengäste wurde am Sonntag dieses Jubiläum in würdiger Weise gefeiert. "Beim Festgottesdienst am Sonntagvormittag hielt Pfarrer Knell (Darmstadt) als Vorsteher des Elisabethenstiftes, die Predigt. Beim Festakt am Nachmittag sprachen Probst Rau (Darmstadt), Apotheker Bechtold, der Vorsitzende der Synode des Dekanats Reinheim, Direktor Dr. Röhricht vom Landesverein für Innere Mission, Regierungsrat Zörgiebel in Vertretung des Landrates Neff, Bürgermeister N i c k las (Reichelsheim), Kreisarzt Dr. Rintelen und Dr. Becker (Reichelsheim) für die Aerzteschaft. Pfarrer Knell hielt einen Vortrag über Wesen und Aufgaben der Diakonie, den Dienst des Diakonissenmutterhauses und dessen Verhältnis zu den einzelnen Gemeinden.

.Die Feierstunde, die unter der Gesamtleitung von Pfarrer Munk (Reichelsheim) stand, wurde musikalisch umrahmt durch den Kirchenchor unter Leitung von Dr. Fink, den Posaunenchor sowie Chöre der Frauenhilfe und des Mädchensingkreises Reichelsheim. Am Festgottesdienst am Vormittag nahm auch der Patron der Kirche, Graf AlexanderzuErbach-Erbach, teil. Die katholische Kirchengemeinde Reichelsheim hatte ebenfalls ihre Glückwünsche ausgesprochen, -ch.

Ein Mahnmal für Heimatvertriebene und die Gefallenen beider Kriege wurde am Sonntag auf dem Gernsheimer Gemeindefriedhof unter großer Beteiligung der Bevölkerung errichtet. Kr-

Meisterkonzert in Bensheim

Celloabend von Professor Ludwig Hoelscher

Es war für das Bensheimer Konzertpublikum ein Ereignis, daß ein Künstler wie Prof. Ludwig Hoelscher im Rahmen der Veranstaltungen der Goethe-Gesellschaft einen Celloabend in der Turnhalle des Gymnasiums gab.

Viele Musikfreunde von nah und fern waren gekommen, so daß seit langer Zeit zum ersten Male wieder die Goethe-Gesellschaft einen ausverkauften Saäl hatte. Auf dem Programm standen die Sonate für Violoncello und Klavier g-moll op. 5, Nr. 2, von Beethoven, die Suite Nr. 2 d-moll für Violoncello Solo von Bach, die Ciaccona g-moll von Vitali und die Sonate F-dur op. 99 für Violoncello und Klavier von Brahms. Eine ganz besondere Atmosphäre, die sich schon bei dem ersten Bogenstrich ausbreitet und die Zuhörer bis zum letzten Ton gefangen hält. Eine Atmosphäre der Andacht, Stille und Ehrfurcht, die vor allem bei der Suite von Bach den Zuhörer mit einer unendlichen Ruhe erfüllte. Man könnte stundenlang dem Künstler lauschen, dem kein Werk oder Stil die geringsten Schwierigkeiten zu bereiten scheinen.

In Hans Richter-Haaser hatte Hoelscher einen gleichgesinnten Begleiter. Der Beifall, der schon zwischen den einzelnen Werken groß war, wollte am Schluß fast nicht enden. (HB)

Wegen Ausbesserungsarbeiten gesperrt wurde die Landstraße Bensheim — Schwanheim. Die Umleitung erfolgt über Zwingenberg —Rodau. HB

meldungen aus den Landleisen

DARMSTADT-LAND

Weiterstadt. - Am Samstag feierten die Sechzig jährigen gemeinsam ihren Geburtstag. Zu dieser Feier war ein großer Teil jetzt auswärts Wohnender erschienen. He

Weiterstadt. - Bei Gastwirt Schöneberger hielten die Kriegsbeschädigten einen heiteren Kulturabend ab. He

Ober - Ramstadt. Die Delegiertenkonferenz des Verbandes der Heimatvertriebenen beschloß, an Stelle des für die SPD kandidierenden 1. Vorsitzenden Winterstein während der Wahlkampagne als Stellvertreter den bisherigen 2. Vorsitzenden v. Majewski und für den CDU-Kandidaten, Geschäftsführer Lama n n, Herrn Marbach einzusetzen. d

Ober-Ramstadt. - Der Kreisverband der Fliegergeschädigten von Darmstadt-Land gibt bekannt, daß die übliche Sprechstunde in der Darmstädter Straße 60 am Montag auf den Donnerstag von 15 bis 17 Uhr verlegt werden mußte. *

Nieder-Ramstadt. Rundfünkmechanikermeister Adam Beck, ein alter Nieder-Ramstädter, verlegte dieser Tage wieder sein Geschäft in seinen Heimatort. Er wird in der Ludwigstraße Radiogeräte reparieren und verkaufen. ' F. L.

Gadernheim. Die Kulturgemeinde beabsichtigt, in der nächsten Zeit noch einmal die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck aufzuiführen. Der Erlös der Veranstaltung soll zur Anschaffung neuer Kirchenglocken verwandt werden, uka.

DIERURG

Groß-Bieberau. Lehrer Kopp wurde mit Erreichung der Altersgrenze in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Zu seiner Verabschiedung fand eine Feierstunde in der Turnhalle statt. Lehrer Böhm, der sich um die freiwerdende Stelle beworben hatte, wurde einstimmig vom Gemeinderat vorgeschlagen. Die Entscheidung der höheren Schulbehörde steht noch aus. GD.

Babenhausen. - Im Saale des Hotels „Zum Löwen“ fand am Samstag die Hubertusfeier statt. Das Tanzpaar Alisch/ Ehrlicher, Groß-Umstadt, fand durch hervorragende Tanzeinlagen viel Beifall. nb

Babenhausen. - Die Feuerwehr hielt dieser Tage für die Jahrgänge 1926, 1927 und 1928 eine Pflichtübung ab. NB

ERBACH

Vielbrunn. Der Carneval-Club Rot-Weiß hielt am 31. Oktober seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Anschließend an den Geschäftsbericht wurde der Vorstand entlastet, der sich nach der Neuwahl wie folgt zusammensetzt: 1. Vorsitzender Gustav Jochim 2. Vorsitzender .Adam Hartmann, Schriftführer Adam Laudenberger, Rechnungsführer Willi Schwinn, Sachverwalter Jakob Weyrich. Außerdem wurde der Elferrat gewählt. im

Höchst. Der Dusenbacherweg, für dessen Instandsetzung im Haushaltsplan besondere Mittel vorgesehen waren, ist jetzt neu eingesteint und mit einer Asphaltdecke überzogen worden Le.

Rai-Breitenbach. Die Gemeinde konnte dieser Tage weitere 1000 DM Wildschadenvergütung an die einzelnen Geschädigten auszahlen. hm

BERGSTRASSE

Bensheim. Der Stadtrat tritt am Donnerstag um 17 Uhr zu einer ordentlichen Sitzung im Rathaussaal zusammen. Auf der 14 Punkte umfassenden Tagesordnung ist auch ein Referat von Regierungsbaurat Gaßner, Darmstadt, über „Probleme der Bauleitung in Bensheim“ vorgesehen.

Birkenau. Im Dezember wird der Verkehrs- und Verschönerungsverein wieder eine Weihnachtsausstellung, an der sich einheimische Handwerker und Handelsgeschäfte beteiligen, veranstalten. Eine vorbereitende Besprechung findet am 8. November im Vereinshaus statt, r.

Wahlen. Im Gasthaus „Zum Roß" findet am Mittwoch eine Wahlversammlung der SPD statt, bei der voraussichtlich der Kreiskandidat für den Landtag, Bürgermeister Schmitt, Rimbach, sprechen wird. -r.

Waldmichelbach. Zur Gründung einer seit längerem geplanten Baugenossenschaft sind alle Bauinteressenten, Bauunternehmer, Wohnungssuchenden und Geschäftsleute aus der Gemeinde und der näheren Umgebung für kommenden Mittwoch in den kleinen Saal des Hotels „Zum Odenwald“ eingeladen worden. Die Gemeinde wird einen wesentlichen Teil des Stammkapitals zur Verfügung stellen. -r

GROSS-GERAU

Goddelau. Im Saalbau Diehl fand eine Versammlung der Mitglieder der Gewerkschaft „Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr“ statt, in der gewerkschriftliche Tagesfragen behandelt wurden. Kb.

Goddelau. — Im Rahmen des örtlichen VolksbildungsWerkes spricht heute in der Schule Regierungs- Inspektor Albrecht Wächter über das Thema: „Das Leben der Vorwelt.“ Kb

Worfelden. Im Rahmen der Vorträge für Erwachsenenbildung sprach im Schulsaal der Volksschule Dr. Kohls zu dem Thema: „Der Mensch und die Jetztzeit“. Kb.

Astheim. Die Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen hielt im Saalbau Wenzel einen Familienabend ab, der den Teilnehmern bei guter Unterhaltung und heimatlichen Klängen einige frohe Stunden brachte.

Der SPORT

Die „leichte Beute“

Vom Darmstadt kommend, überholten wir mit unserem gläsernen Bus schon vor der neuen Neckarbrücke einen langen Lastzug, der Schweine geladen hatte. Als grunzendes, glückliches Omen wurden die Borstentiere von den optimistischen Schlachtenbummlern für das Stuttgarter Fußballspiel angesehen, und da blau gewissermaßen die Farbe der Darmstädter Trikots als auch der Treue darstellt, untermauerten einige Teilnehmer der lustigen Reisegesellschaft diesen ausgezeichneten Charakterzug durch den gleichfarbigen Zustand. So war das Spiel schon im voraus quasi gewonnen, denn wenn der Geist des Herzens durch den aus der Flasche verstärkt wird, kann nichts mehr schief gehen. Außerdem hatte sich soviel Heinerscher Humor zusammengefunden — an dessen Spitze der erste Preisträger des „DT - Schlachtenbummler - Wettbewerbes“ stand — daß von diesen Posaunen außer den berüchtigten Mauern von Jericho auch die bestimmt nicht zaghafte Art der schwäbischen Zuschauer umgeworfen werden mußte. — Das vom ADAC, in der Windschutzscheibe angebrachte Schild: „Kommt Steuer auf die Autobahn, fährt man einfach nebendran“ _ und die Zweckmäßigkeit der Fahrtrichtung uns veranlaßten, diese zukünftige staatliche Steuerquelle zu verlassen, und über Bretten, Maulbronn — mit seinem alten schönen Kloster — auf engen schwäbischen Straßen in Richtung Kampfgeschehen vorzutasten. „Spätzli“, Wirtstochter und Schlachtenbummler brachten sich bei einem kurzen Aufenthalt in der „Krone“ in Ensvaihingen gegenseitig durcheinander, wobei die besagte Tochter — sei es durch den schlagkräftigen Humor der Heiner oder deren Temperament (jawohl, laßt nur die Darmstädter Männer mal alleine reisen) den größeren Teil an Wirrnis, auf den Tischen und im Gemüt zurückbehielt.

Die freundliche Gartenstadt repräsentierte mit grimmigen Portalwächtern an den Eingängen des riesigen Stadions, die unausgesprochen die Meinung des vor dem Stadion verkauften Extrablattes vertraten, welches die Ueberschrift hatte: „SV 98 eine leichte Beute für den deutschen Meister“. Dann begann das große Spiel. Das Stuttgarter Publikum wartete mit überlegener Ruhe auf den Torsegen seines Vfß. Jugendliche Sanitäter betrachteten uns mitleidig-rücksichtsvoll, und sahen in ihren Tragbahren mehr eine Hilfe für die ob des Ergebnisses ohnmächtigen Darmstädter Zuschauer. Die Stuttgarter Photographen hoben den Apparat für unseren Trainer Bohuslaw Snopek hoch, der, in eiserner Ruhe dastehend, als Sinnbild kommender Verzweiflung, noch in ruhigem Zustand auf den gegnerischen Film gebracht werden sollte. Und unser Torwart Müller galt als der „letzte Gote“, der tapfer und ohne Weinen die nunmehr in der Vorstellung der „anderen“ auf zehn Tore angeschwollene Packung ertragen würde. Er und die Darmstädter Schlachtenbummler haben ihnen was gehustet. Torwart und Mannschaft ob des Ergebnisses, und die tapferen Schlachtenbummler, weil sie so berechtigt wild gejauchzt und in die Hörner geblasen haben. Den Stuttgartern blieb die „leichte Beute“ als böser Happen im Halse stecken. Die Rückfahrt war feucht, fröhlich und noch schöner.

Lampertheims größte Leistung

Kassel 03 auf eigenem Platz geschlagen / Lichtenau bezwang Rot-Weiß

Allen Respekt vor dem Landesliga-Neuling Olympia Lampertheim, der zäh seinen Platz in der Spitzengruppe behauptet. Mit einem 21-Sie» in Kassel bereitete er dem Tabellenführer "Kassel 03 die erste Niederlage und hat ihn, allerdings mit einem Spiel im Vorsnrun^ wieder eingeiholt. Die Lampertheimer gewannen auf Grund ihrer ausgezeichneten Deckungsreihe verdient, wenn auch das siegbringende zweite Tor stark angezweifel wurde Obwohl der Linienrichter abseits an-Ste blieb Schiedsrichter Wingenfeld bei seiner Torentscheidung.

Sensationell ist der 6:1-Sieg des bisherigen TabeSetzten Hessisch - Lichtenau gegen Pot Weiß Frankfurt. Nach einer 2:1 -PausenführXg war der schußfreudige Sturm der Gastgeber nicht mehr zu halten. Das Frankfnrtpr Ehrentor resultierte aus einem Handelfmeter 7 Lichtenau wertete zwei Elfmeterentscheidungen aus. Eine weitere Elfmeterchance Meß Torhüter Sand aus.

Ueberr? sehend kommt auch die 1:2 -N>ederla.ee des 1. FC Rödelheim gegen den Vfß Friedberg. Ausschlaggebend für den Erfolg der Gäste war ihr entschlosseneres und durchschlagkräftigeres Sturmerspiel.

Nächst Kassel 03 ist bei allerdings nur neun Spielen Pokalmeister Hanau 93 weiterhin mit den wenigsten Minuspunkten belastet. Gegen Wetzlar reichte es bis zur Pause zwar nur zu einem 0:0, doch dann kam die technische Ueberlegenheit der Platzherren mit drei Toren klar zum Ausdruck. Borussia Fulda behauptete ebenfalls seine Stellung in der Spitzengruppe. Der 3:1-Sieg über Hessen Hersfeld stand schon bei der Pause fest.

Pech hatte diesmal Opel Rüsselsheim. In dem ausgeglichenen Spiel gegen Union Niederrad schoß der Opelhüter Rosen in der ersten Halbzeit bei einer Fußabwehr den Ball zum spielentscheidenden Treffer ins eigene Tor. Unglücklich kämpfte auch der VfL Marburg gegen den SV Kassel. Trotz ständiger Ueberlegenheit der Platzherren siegte Kassel durch zwei Tore im zweiten Spielabschnitt 2:0. Hermannia Kassel verbesserte seine Position durch einen Auswärtssieg (2:1 in Biedenkopf). Der VfL Kassel setzte sich gegen die starke Hintermannschaft von Germania Bieber mit 3:1 durch. Bad Homburg kam durch bessere Stürmerleistungen zu einem 6:3-Sieg über Griesheim 02.

Zauberwort Fußball

Zuerst waren es nur Gerüchte, die hier und da auftauchten. 0:0 hieß es, stand es in der Halbzeit und 1:1 zum Schluß. Die es hörten, machten ungläubige Gesichter, im Stillen aber doch hoffend. Der eine wollte es hier, der andere dort gehört haben. Voller Spannung wartete alles, bis Radio Frankfurt die Freudenbotschaft bestätigen würde, und als es tatsächlich durchkam. flogen in Darmstadt die Fenster Und Türen auf, man

rief es den Nachbarn zu und beglückwünschte sich gegenseitig, so daß ein Fremder hätte glauben können, in der Stadt am Woog wäre das Neujahrsfest vorverlegt worden. Die große Freude, die in Darmstadt über dieses Fußballergebnis herrschte, zeigte deutlicher als alle schönen Worte, wie sehr die Einheimischen an ihren. „Lilien“ hängen. Das Buch von Snopek „Wie kicke ich richtig?“ in der Samstag-Ausgabe unseres Blattes enthielt also doch das Rezept, nach dem der Neuling beim Deutschen Meister einen Punkt holte, was in dieser Saison noch keinem Oberliga-Verein im Neckar-Stadion geglückt war.

Am Abend in der Stadt war überall nur ein Gesprächsthema zu hören: Das Spiel der 98er gegen den Vfß Stuttgart. Der einzige Omnibus, der mit nach Stuttgart gefahren war, kam gegen 9 Uhr an. Freudig winkten die Insassen den an der Straßenbahn Stehenden zu. Später erfolgte die Invasion im Darmstädter Hauptbahnhof. Als der Triebwagen einlief, wollte der Jubel und der Beifall für die tapferen Lilienträger kein Ende nehmen. Ein dichtes Menschenspalier mußten Mannschaft und Mitfahrer durchschreiten. Das Blitzlicht unseres Bildreporters blitzte auf und hielt die begeisterten Darmstädter im Bild fest. Und dann mußten diejenigen, die mit waren, erzählen; es bildeten sich Gruppen und jeder war glücklich, wenn er ein paar Wortfetzen erhaschen konnte. Aber nicht nur die Leistung der Spieler fand Anerkennung, sondern auch die noble und betont faire sportliche Haltung der gesamten Mannschaft des Vfß Stuttgart und der Stuttgarter Zuschauer. Die Fa' neß des Spieles war ein besonders auffallendes Moment. Schiedsrichter Horn, München, hatte seiner Zufriedenheit über das ausgezeichnete Spiel beider Mannschaften und ihrer tadellos sportlichen Haltung Ausdruck gegeben. Das tat den Darmstädtern gut nach den Nackenschlägen der letzten Wochen und den Anfeindungen aus der Mannheimer Kante. Nun scheint sich also die Göttin Fortuna doch wieder dem SV 98 zuzuwenden und versucht, manches gut zu machen. Jedenfalls glauben wir heute schon sagen zu dürfen, daß beim Rückspiel in Darmstadt der Vfß Stuttgart einer besonders gastlichen und freundlichen Aufnahme gewiß sein kann. -r.



Folgenschwere Stürze

verringern das Feld in München

Am Sonntagabend war die Halle beim Münchener Sechstagerennen mit 3000 Zuschauern nur schwach besucht. Die Jagden begannen erst kurz nach 21.00 Uhr und hörten zu Beginn der Wertung wieder auf. Es gelang einigen Mannschaften ihre Verluste vom Nachmittag wieder aufzuholen. Ludwig Hörmanns Partner Boeyen stürzte in der Kurve und zog sich wahrscheinlich einen Schlüsselbeinbruch zu, der jedoch erst durch eine Röntgenaufnahme genau festgestellt werden muß. Nach der Wertung gab Steinhilb endgültig auf. Sein Partner Rühl bildete mit Mlady eine neue Mannschaft, die mit sechs Runden Rückstand ins Rennen ging. Umbenhauers Verletzungen sind so schwer, daß er voraussichtlich seinen Beruf aufgeben muß. Er erlitt einen doppelten Beckenbruch, einen Steißbeinbruch und muß sich noch einer Blasenoperation unterziehen.

Nach 48 Stunden waren 1072,838 km zurückgelegt. Der Stand nach der Sonntagabend-Wertung: 1. Sörös/le NizSrhy 45 P., eine Runde zurück 2. Strom/Arnold 126 P., 3. DekuysscherZ van den Meerschaut 68 P., 4. Boeyen/L. Hörmann 44 P„ 2 Runden zurück 5. Mirks/Preiskeit 78 P., 6. Schorn/H. Hörmann 73 P., 7. KamberZ Berger 67 P„ 8. Ehmer/Kohlbeck 35 P„ 9. van Est/Middelkamp 19 P., 3 Runden zurück 10. Böthöry/Hoffmann 98 P., 5 Runden zurück 11. Schär/Kittsteiner 36 P., 6 Runden zurück 12. Mlady/Rühl 19 P.

Neue Mannschaft: Arnold/Ludwig Hörmann

Das Münchener Sechstagerennen ließ am Montag an Spannung nichts zu wünschen übrig. Durch Stürze wurde der Ablauf der Ereignisse beeinflußt. Ueberraschend kam die Bekanntgabe der neu gebildeten Mannschaft Arnold/Ludwig Hörmann. Alfred Strom (Australien) kam im zweiten Spurt der 15-Uhr-Wertung so schwer zu Fall, daß er nach einer Stunde das Bewußtsein noch nicht wiedererlangt hatte und nach den geltenden Bestimmungen aus dem Rennen genommen werden mußte. Sein Landsmann Reginald Arnold wurde so mit dem schon in der vergangenen Nacht partnerlos gewordenen Münchener Ludwig Hörmann als neue Mannschaft gepaart. Hörmann/Arnold wurden mit zwei Runden Rückstand und 90 Punkten in das Feld eingegliedert. Damit ergab sich um 17 Uhr folgender neuer Stand: Seres/LeNizerhy (Frankreich) und van Est/Middelkamp (Holland). Eine Runde zurück: Van der Meerschaut /Dekuysscher (Belgien), zwei Runden zurück: Arnold/Ludwig Hörmann (Australien /München), Mirke/Preiskeit (München) und Kamber/Berger (Schweiz/Rosenheim), drei Runden zurück: Schorn/Hans Hörmann/(Köln/ München), Ehmer/Kohlbeck (Berlin /München) und Rühl/Mlady (München/Nürnberg), fünf Runden zurück: Bethery/Hoffmann (Frankreich/Berlin), sechs Runden zurück: Schaer/Kittsteiner (Schweiz/Nürnberg).

Pressestimmen

zum Spiel Vfß Stuttgart —SV Darmstadt „Stuttgarter Nachrichten“: „Die Hoffnun- gen des Meisters, daß die Darmstädter nach Seitenwechsel ihrem eigenen scharfen Tempo erliegen würden, war ein Trugschluß. Der SV 98 Darmstadt präsentierte sich in einer ausgezeichneten Kondition, und fast hätte es eine komplette Ueberraschung gesetzt und Darmstadt wäre als Gewinner beider Punkte aus dem Neckarstadion gegangen ...“

„Stuttgarter Zeitung": Gewiß hatten die Darmstädter viel Glück, aber ihr Eifer, ihr Fleiß, ihre Spielfreude sind doch anzuerkennen ..

„Badische Neueste Nachrichten", Karls¬ ruhe: „... Man muß es den Darmstädtern lassen, sie haben in Stuttgart einen guten Eindruck hinterlassen. Der Turm in der Schlacht war der Stopper Schmidtmer ...“

„Die Neue Zeitung“, Frankfurt: „ ... Aus¬ schlaggebend für den moralischen Erfolg der Darmstädter war die taktische Ueberlegenheit der Mannschaft. Jeder Vfß-Spieler war genau gedeckt, und was in den erbitterten Zweikämpfen wirklich verloren ging, wurde eine Beute des über sich selbst hinauswachsenden Torwarts Müller ...“

„Frankfurter Neue Presse“; Die ge¬ samte Mannschaft der 98er verdient sich ein Gesamtlob ...“

„Der Sport-Kurier", Ulm: „ ... Hinter dem Darmstädter Tor stand jedoch der tschechoslowakische Trainer Snopek, der seine Abwehr musterhaft dirigierte... So wurde das ganze Vfß-Angriffsquintett einschließlich der offensiven Außenläufer abgeschirmt, und kaum einmal kam einer der Vfß-Stürmer zum Schießen. ... vergab Darmstadt den durchaus möglichen Sieg . .

„Sportbericht“, Stuttgart: „... Splelkul¬ turell bestand zwischen den beiden Partnern ein Klassenunterschied ... den Lilienträgern muß allerdings bescheinigt werden, daß sie das Leder schön flach zu halten wußten, überaus fleißig und aufopfernd kämpften, den Vfß dadurch an Spielfreudigkeit übertrafen, daß sie insbesondere aufmerksam und geschickt zu decken wußten, schnell und gewandt eingriffen .. . Und wenn die Lilien bis zur letzten Sekunde aufrecht standen, die Mannschaft das Tempo durchhielt, so bedeutet dies, daß es um die Kondition der Elf nicht schlecht bestellt war. ..“

„Frankfurter Rundschau“: „Die Sensation-Darmstadt 98 spielt beim Vfß Stuttgart un. entschieden .. . Darmstadt taktisch überlegen ... die Lilien mit einer großartigen Abwehrleistung ... um so bemerkenswerter, da der deutsche Meister mit der gleichen Mannschaft antrat, die vor 14 Tagen noch den FSV 5:1 besiegte... Bis zur Pause war kaum ein Unterschied zwischen Meister und Neuling zu spüren. ... kämpften alle Spieler bis zum Umfallen was besonders für Leichtlein galt, der zweimal verletzt wurde und mit blutender Kopfwunde weiterspielte.,.“

Bel der Frankfurter Berufsboxveranstaltung am 11. November wird Max Schmeling die Kämpfe zwischen Peter Müller und Stock sowie Teichmann und Charity als Kingrichter leiten.

Die Spiele der Kreisklassen

Kreisklasse Darmstadt

Weiterstadt behauptete sich weiter — Verfolger spielten unentschieden — Bickenbach wieder auf Platz 2

Fortuna war den mit Ersatz spielenden Seeheimern erst kurz vor Spielschluß hold, als Schaaf eine mißglückte Ballabgabe des Griesheimer Torhüters zum siegbringenden Tor einlenken konnte. Nieder-Ramstadt war weitaus besser als am letzten Sonntag und hätte bei etwas mehr Glück den Weiterstädtern wenigstens einen Punkt abnehmen können. Schon bis zur Pause lagen die Einheimischen mit 2:1 in Führung, und nach dem Wechsel ließ die famose Hintermannschaft der Gäste nichts Zählbares mehr zu. Mit diesem knappen Sieg hält Weiterstadt noch immer die Spitze. TSG 46 Darmstadt mußte nach Gräfenhausen und verlor wiederum einen für sie kostbaren Punkt. Die Einheimischen traten mit Ersatz an, glichen dies aber durch großen Eifer aus. Die 46er gingen zwar durch Bauer in Führung, nach dem Wechsel rollte aber Angriff auf Angriff auf das Darmstädter Tor und Langendorf sorgte für den verdienten Ausgleich. Beide Vereine leisteten durch ihr Unentschieden gute Schrittmacherdienste für Bikkenbach, das dadurch auf den 2. Platz vorrückte. Bickenbach empfing die SSG Langen und schlug sie sicher 7:1. Veith (4), Rebenich, Peter und Zubrod sorgten für den hohen Sieg. Im Alsbacher Lokalderby mußten sich die Einheimischen von Hähnlein mit 0:3 geschlagen bekennen. Die Gäste, die mit einer umgestellten Mannschaft antraten, erzielten durch Rechel schon bis zur Pause zwei Tore. Nach dem Wechsel war das Spiel ausgeglichener, doch Hähnlein konnte noch einmal durch Sussmann erfolgreich sein. Alsbach hätte das Ehrentor verdient. Erzhausen hatte wieder seinen guten Tag und schlug Hahn in einem schönen Spiel 3:1. Heß schoß alle drei Tore, denen Hahn nur den wohlverdienten Ehrentreffer entgegensetzen konnte.

In der B-Klasse hatte Union Darmstadt Brandau als Gast und bezwang sie mit 3:o'. Anfangs hatten die Platzherren schweres Spiel und konnten bis zur Pause nur ein Tor schießen. Obwohl die Brandauer tapfer kämpften, blieb ihnen das Ehrentor versagt, während Union noch zweimal erfolgreich war. Rohrbach schlug seinen Gegner Traisa 4:1. Für Rohrbach waren Keller (3) und Kraus erfolgreich. Leider mußte auch diesmal Ober-Beerbach eine allzu hohe Niederlage gegen den Neuling SC Griesheim hinnehmen. Schon bis zur Pause hieß es 0:6 und nach dem Wechsel sogar 0:14. Griesheim hat unbedingt A-Klassenreife. Die Einheimischen kämpften unverdrossen bis zum Schluß. Auch in Jugenheim verlor die Soma des VfR Langen mit 3:0. Langen, die gut ins Spiel gekommen waren, ließen bis zur Pause nur ein Tor zu, aber nach dem Wechsel mußte ihr Tormann noch zweimal hinter sich greifen. Die Torschützen waren: Dörlamm (2) und Emmerich. Eschollbrücken besiegte die Soma des SV 98 Darmsitadt in einem etwas harten Spiel 3:1. Die Torschützen für Eschollbrücken waren Bein, Essinger und Pohl.

Bei der letzten - Vereinsvertreter-Tagung wurde der Auf- und Abstieg geregelt. Es wurde beschlossen, daß von jeder Bezirksklassen-Gruppe zwei Vereine absteigen und jeder A-Klassenmeister ohne Aufstiegspiele zur Bezirksklasse aufrückt. Die B-Klassenmeister vervolls<tändiigen die A-Klasse.

Kreisklasse Dieburg

Nieder-Rodens Torverhältnis (59:7!), das beste im ganzen Bezirk / Ueberaus erste Niederlage

In der Fußball-A-Klasse des Kreises Dieburg landete der nun weit vorn stehende Tabellenführer SG Nieder-Roden in Spachbrücken erwartungsgemäß einen Sieg. Sein 6:0-Erfolg zeigt, daß seine Elf noch auf der gleichen Leistungshöhe steht wie bisher, wenn er auch seine sechs Treffer zum Teil dem recht unsicheren Torwart der Gastgeber verdankt. Auf dem zweiten Platz gab es einen Wechsel: Ueberau hat sich bei der SpVg Groß-Umstadt unerwartet hoch überfahren lassen. Das 5:2 spricht jedenfalls stark für die Einheimischen, die nun das Mittelfeld der Tabelle anführen. Baum, Wolf (je 2) und Kaufmann sorgten für die erste Niederlage Ueberaus. Götzenhain, das nun den 2. Tabellenplatz einnimmt, fielen die beiden Gewinnpunkte nicht mühelos zu, denn es bedurfte schon aller Anstrengung, um die TG Ober-Roden zu Hause 2:1 zu schlagen. Lang und Schäfer waren für die Gastgeber erfolgreich, der dem Spielverlauf nach mit einem Unentschieden hätte zufrieden sein können. Reinheim hatte gegen Groß-Zimmern schwerer zu kämpfen, als sein 4:0- Erfolg vermuten läßt. Die vier Tore von Daum (2), Schmidt und Wölke fielen gleichmäßig in beiden Halbzeiten. Der Schock der Ueberraschung über das 1:1, mit dem sich Lengfeld gegen Mosbach zufrieden geben mußte, verliert an Wirkung, wenn man erfährt, daß die Otzberger weit über eine Halbzeit lang nur mit zehn Mann spielen mußten, weil ihr rechter Läufer in der 30. Minute durch Verletzung ausschied. Kleestadt kam bei seinem Spiel in Klein-Zimmern nicht zu Punkten, zumal die Mannschaft durch Feldverweis eines Spielers geschwächt wurde. G. Wiedekind erzielte den l:O-Pausenstand, ein Elfmeter und ein Tor von Schenk brachten das 3:0, ehe der Gast in der Schlußphase des Spiels zum Ehrentreffer kam. Das Spiel Dreieichenhain — Offenthai wurde beim Stand von 2:1 abgebrochen.

Die Tabelle:
Nieder-Roden 9 9 0 0 59:7 18:0
Götzenhain 9 7 0 2 37:16 14:4
Ueberau 9 6 2 1 27:14 14:4
Offenthai 8 5 2 1 22:14 12:4
Reinheim 9 5 2 2 29:13 12:6
Groß-Umstadt 8 4 1 3 14:14 9:7
Lengfeld 9 3 2 4 15:17 8:10
Klein-Zimmern 9 3 2 4 16:39 8:10
Groß-Zimmern 10 2 2 6 9:21 6:14
Mosbach 7 1 3 3 17:19 5:9
Drededchenhain 8 2 0 6 9:22 4:12
TG Ober-Roden 8 2 0 6 8:23 4:12
Spachbrücken 7 1 0 6 '6:31 2:12
Kleestadt 8 0 2 6 7:22 2:14
RG

Kreisklasse Erbach

Sandbach nur unentschieden, aber auch die Verfolger wurden gerupft

In der Fußball-A-Klasse Erbach kamen die beiden Neulinge, Würzberg durch einen 3:1- Erfolg über den TSV Höchst und Günterfürst durch ein unerwartetes 2:2 gegen den Tabellenführer Sandbach, zu den überraschendsten Ergebnissen. Wie vorauszusehen, blieben Bad König mit 7:2 in Hainstadt, Steinbach mit 2:1 in Erbach und Neustadt vor einheimischem Publikum mit 5:2 über Beerfelden siegreich. Lützel-Wiebelsbach mußte sich in Rimhorn mit einem o^Unentschieden zufrieden geben.

In Würzberg waren die Platzherren durch einen Elfmeter 3:1 in Front gegangen, als Schiedsrichter Glöckner (Groß-Umstadt) die beiden Höchster Allmann und Pilger des Platzes verwies. Nachdem auch noch Waldhaus mit einem Bluterguß ausgeschieden war, bat die noch mit sieben Spielern kämpfende Höchster Elf um den Abbruch. Der TSV Höchst wird wegen der oft angezweifelten Schiedsrichterleistung Protest einlegen. Die Erbacher Sondermannschaft, die vor einheimischem Publikum gegen Steinbach angetreten war, hatte in der Verteidigung ihr größtes Plus. Die Gäste gingen in der Mitte der ersten Halbzeit durch Linksaußen Brumund 1:0 in Führung, Gotter II schoß kurz nach Wiederanpfiff zum Ausgleich ein. Bad König lag nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte in Hainstadt bis zur Pause mit 2:1 in Front. Die zweite Hälfte sah die Kurstädter eindeutig überlegen. In kurzen Abständen erhöhten sie auf 7:2. Für Hainstadt waren Elbert und Reitz, für Bad König Triebs (3), Scharberger (3) und Bertow erfolgreich. Die Partie in Rimhorn nahm einen ausgeglichenen Verlauf. Beide Mannschaften hatten Chancen, die durch die schwache Stürmerleistung jedoch nicht in Tore verwandelt werden konnten. In Günterfürst zeigten sich die Gäste technisch überlegen, ihre schnellen Vorstöße verliefen allerdings größtenteils in der wachsamen Hintermannschaft der Platzherren. In der 8. Minute brachte W. Holschuh die Gastgeber 1:0 in Führung. Sandbach zog durch L. Hilbert gleich. Herbert verwandelte einen Elfmeter in der 38. Minute zum 2:1. Wiederum war es L. Hilbert, der in der 41. Minute den Ausgleich sicherstellte. Beerfelden gefiel in Neustadt vor allem durch eine technisch hochstehende Leistung der Fünferreihe. Durch ein Selbsttor von Neustadt gingen die Gäste in der 8. Minute 1:0 in Führung. Wenige Minuten später erzielten die Einheimischen durch einen Strafstoß den Ausgleich. Die Platzherren gestalteten von nun an die Partie überlegen und lagen bis zur Pause bereits mit 4:1 in Führung. Nachdem Neustadt in der 60. Minute auf 5:1 davongezogen war, traf Gottfried Schmitt für Beerfelden noch einmal ins Schwarze. Die Tore für Neustadt schossen Heusel (2), Friedrich (2) und Schimpf. —ppi Gruppe Unterzent

Die Vorstandsmitglieder der TG 75 Darmstadt werden für die nächste Sitzung am Mittwoch, dem 8. November ins Vereinslokal eingeladen. Vollzähliges Erscheinen dringend notwendig.

Bevor der Tabellenführer der 1. Liga Süd, der 1. FC Nürnberg, zum Punktspiel nach Darmstadt kommt, spielt der SV 98 am kommenden Sonntag in Göttingen gegen den Tabellenführer der Oberliga Nord.

Tabelle
Sandbach 9 6 3 0 28:12 15:3
Rimhorn 8 3 4 1 22:13 10:6
Neustadt 7 4 1 2 26:14 9:5
Bad König 7 4 0 3 27:15 8:6
TSV Höchst 7 4 0 3 15:10 8:6
L.-Wiebelsbach 7 2 3 2 16:15 7:7
Steinbach 7 2 2 3 18:12 6:8
Beerfelden 7 2 2 3 14:16 6:8
Günterfürst • 7 1 3 3 13:18 5:9
Würzberg 8 2 1 5 13:33 5:11
Hainstadt 8 1 1 6 17:42 3:13
Erbach Ib a. K. 8 3 2 3 27:18 8:8
Gammelsbach 7 6 1 0 34:9 13:1
Beerfelden (Soma) 7 5 0 2 32:15 10:4
Hetzbach 7 4 1 2 18:19 9:5
Sensbachtal 7 4 0 3 39:11 8:6
Finkenbach 7 4 0 3 27:26 8:6
Schöllenbach 7 2 0 5 29:17 4:10
Steinbuch 7 1 1 5 10:43 3:11
Rothenberg 7 0 1 6 7:28 1:13
Mümling-Grumbach 7 5 1 1 29:12 11:3
Höchst (Soma) 5 5 0 0 41:4 10:0
Vielbrunn 7 4 1 2 16:12 9:5
Wald-Amorbach 5 3 0 2 8:17 6:4
Fürstengrund 7 3 0 4 18:16 6:8
Haingrund 7 2 2 3 17:21 6:8
VfL Höchst 6 1 0 5 6:27 2:10
Kirch-Brombach 6 1 0 5 5:21 2:10

Toto-Quoten

Hessen: 1. Rang (10 richtige) 5 Gewinner je 3220 DM. 2. Rang (9 richtige) 122 Gewinner je 131,50 DM, 3. Rang (8 richtige) 1168 Gewinner je 13,70 DM. Zusatzwette (8 richtige) 14 Gewinner je 455,50 DM. Rheinland-Pfalz: 1. Rang 55 Gewinner je 1795,45 DM, 2. Rang 1535 Gewinner je 64,35 DM, 3. Rang 14 734 Gewinner je 6,70 DM. Kleintip: 29 Gewinner je 1003 DM. Württemberg/Baden; 1. Rang: 2 Gewinner zu je 43 275 DM, 2. Rang: 59 Gewinner zu je 1466 DM, 3. Rang: 651 Gewinner zu je 132,70 DM, Zusatzwette: 163 Gewinner zu je 31,40 DM. Bayern: 1. Rang (zwölf richtige Tips): Sechs Gewinner je 20 192 DM, 2. Rang: 249 Gewinner je 486,50 DM. 3. Rang: 2820 Gewinner je 42,90 DM. — Neuner-Tips: 1. Rang: 14 Gewinner je 2265 DM, 2. Rang: 376 Gewinner je 84,30 DM. Nordtoto: 1. Rang: 169 Gewinner je 2000 DM, 2. Rang: 3772 Gewinner je 89,50 DM, 3. Rang: 32 124 Gewinner je 10,50 DM.

Bestattungen am Dienstag, dem 7. 11. 1950 Alter Friedhof: 14.00 Meinert, Hermann, Kirtorf/Oberhess., 70 Jahre 15.00 Albach, Eva, Dodenrod, 76 Jahre Waldfriedhof: 14.15 Eissenhauer, Franz, Hindenburgstr. 47, 70 Jahre

Bekanntmachungen Betr.: Landtagswahl am 19. November 1950, Kreiswahlvorschläge In der öffentlichen Sitzung des Kreiswahlausschusses für den Wahlkreis 44 (Darmstadt-Land) am 3. November 1950 wurden folgende Kreiswahlvorschläge für die Landtagswahl am 19. No¬ vember 1950 zugelassen, die hiermit gemäß § 26 Landtagswahl¬ gesetz und § 41 der Wahlordnung veröffentlicht werden: Wahlvorschlag 1 (SPD) Bewerber: Stock, Christian, geb. 28. 8. 1884 In Darmstadt, Beruf: Ministerpräsident, wohnh. in Wiesbaden, Rosseistraße 19. Nachfolger: Krämer, Gustav, geb. 27. 4. 1909 in Traisa, Beruf: Reg.-Oberinspektor, wohnh. in Traisa, Hügelstraße 2. Wahlvorschlag 2 (CDU) Bewerber: Winkler, Rudolf, geb. 21. 2. 1920 in Brioni (Italien), Beruf: Helfer in Steuersachen, wohnh. in Fulda, Lindenstr. 37a. Nachfolger: Bauer, Karl, geb. 13. 6. 1903 in Kaiserslautern, Beruf: Redakteur und Gemeinderechner, wohnh. in Jugenheim a. d. 8., Ludwigstraße 2. Wahlvorschlag 3 (FDP) Bewerber: Pfeng, Heinrich, geb. 16. 1. 1916 in Darmstadt, Beruf: Geschäftsführer, wohnh. in Darmstadt, Mollerstraße 52. Nachfolger: Stiepel, Reinhold, geb. 21. 10. 1898 in Mainz, Beruf: Amtsanwalt a.D., wohnh. inDarmtadt, Prälat-Diehl-Str.3B. Wahlvorchlag 4 (KPD) Bewerber: Löffler, Georg, geb. 19. 11. 1897 in Griesheim, Beruf: Landwirt, wohnh. in Griesheim, Karl-Liebknecht-Str. 24. Nachfolger: Wannemacher, Heinrich, geb. 26. 6. 1911 in Erz¬ hausen, Beruf: Elektromeister, wohnh. in Erzhausen, Friedrich- Ebert-Straße 27. Darmstadt, den 3. November 1950. Der Kreiswahlleiter des Wahlkreises 44 (Darmstadt-Land) Wink- Landrat

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