Adenauer: Washington-Beschluß verstärkt die dentsche Unruhe
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 1. November. Die Verzögerung der Entscheidung über die westeuropäische Verteidigung und die Teilnahme Deutschlands an ihr hat in Bonn außerordentlich enttäuscht. Bundeskanzler Dr.
Adenauer erklärte am Mittwoch, daß diese Verzögerung naturgemäß die Unruhe in Deutschland verstärke.
Sie gebe der Agitation der Sozialistischen Einheitspartei, die von Mund zu Mund gehe und in der gesagt werde, daß trotz der Bemühungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens schließlich eine wirksame Verteidigung Westdeutschlands nicht erfolgen werde, neue Nahrung. Man ist in Bonn überzeugt, daß die Volksmeinung in Frankreich für eine entschlossene Lösung des Verteidigungsproblems ist, und daß die französische Regierung lediglich durch parlamentarische Schwierigkeiten davon abgehalten wird, ihre Zustimmung zu geben.
Man glaubt in Bonn nicht an das unmittelbare Bevorstehen eines sowjetischen Angriffs. Weiter wird betont, daß der Kreml offensichtlich die Taktik verfolgt, Hilfsvölker, die durch bolschewistische Agenten oder unter bolschewistischer Gewaltherrschaft mürbe geworden sind, vorzuschieben. Schließlich wird darauf hin-
gewiesen, daß Stalin als ein 72jähriger Diktator das Risiko einer Aggression in Europa nur eingehen werde, wenn er einigermaßen die Gewißheit habe, damit nicht den Zusammenbruch seines Lebenswerkes herbeizuführen.
Es sei keine Utopie, so erklärt man im Bundeskanzleramt, an die Möglichkeit zu glauben, daß ein militärisch starker Westen die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zwingt.
Das Zögern Frankreichs muß daher bedauert werden. Man kann nur wünschen, daß es nicht ein ernstes Hindernis auf dem Weg zum Weltfrieden ist, der heute noch gangbar erscheint, für den es aber bald zu spät werden kann.
Die außenpolitische Aussprache des Bundestags wird trotz des Neuyorker Vertagungsbeschlusses am 8. November stattfinden. Die sozialdemokratische Fraktion des Bundestages trat am Mittwoch zu einer eingehenden Beratung zusammen. Dr. Schumacher wiederholte in der Fraktionssitzung sein Nein zur deutschen Wiederbewaffnung, bis die Westmächte ihr Schicksal mit dem Deutschlands fest verbunden hätten. Außerdem erneuerte Dr. Schumacher die Forderung nach Auflösung und Neuwahl des Bundestags und betonte dann, daß nicht erst die Wiederbewaffnung Deutschlands, sondern bereits die Vorbereitung hierzu einer Aenderung des Grundgesetzes bedürfe.
Die Bereitschaftspolizei
Gute Fortschritte zu verzeichnen
Bonn, 1. November, (dpa) Der Pressedienst der Freien Demokraten stellte wesentliche Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die Bereitschaftspolizei fest. Die Mehrzahl der Länder sei bereit, dem Bund eine bewegliche Polizeireserve -von 1800 Mann zu unterstellen und wolle außerdem die Bereitschaftspolizei als eine in Unterkünften zusammengefaßte und nur für größere Einsätze vorgesehene Landespolizei organisieren. Ungelöst sei bisher noch die Frage der Bewaffnung und Ausrüstung.
Kampf um die Kraftwerke am Jalu
Nordkoreanische und chinesische Spezialeinheiten zu ihrer Verteidigung eingesetzt
Söul, 1. November. (AP./dpa) Amerikanische Panzerspitzen haben am Mittwoch erneut die feindlichen Stellungen bei Sonchon durchbrochen und sind nach schnellem Vormarsch in die Stadt Charyyongwan eingedrungen. Sie stehen damit jetzt nur noch dreißig Kilometer vor der provisorischen nordkoreanischen Hauptstadt Sinuiju an der koreanischen Grenze.
Die kommunistische Flanke bedroht
Weiter nördlich konnten Einheiten der 24. amerikanischen Infanterie-Division die Verbindung mit den westlich und nördlich von Kusong stehenden amerikanischen Verbänden aufnehmen. Damit wird die Flanke der im Dreieck - Ongjong-Huichon stehenden Kommunisten bedroht.
In diesem Gebiet toben erbitterte Kämpfe, da die Kommunisten die Zugänge zu den großen Kraftwerken am Jalu-Fluß, die für die mandschurische Industrie von besonderer Bedeutung sind, imter allen Umständen verriegeln wollen. Es wird angenommen, daß sich die Schalt- und Steuerungsanlage der Wasserkraftwerke auf dem nordkoreanischen Ufer des Jalu befinden, und daß diese Anlagen auf die Nordseite des Flusses verlagert werden sollen. Deshalb seien in der Nähe der Kraftwerke stärkere chinesische Verteidigungstruppen und ein nordkoreanisches Freiwilligenkorps mit Spezialausbildung eingesetzt.
Sowjetische Jäger
Amerikanische Mustangjäger sind am Mittwoch erstmals von Düsenjägern sowjetischer Produktion angegriffen worden. Beide Seiten erlitten keine Verluste. In anderen Luftkämpfen wurden drei Yakjäger abgeschossen und acht auf dem Flugplatz von Sinuiju am Boden zerstört. Von diesem Einsatz kehrte ein amerikanischer Jäger nicht zurück.
Der gefährlich erscheinende Angriff von zwei kommunistischen Divisionen nördlich von Hamhung ist am Mittwoch ohne ersichtlichen Grund eingestellt worden. In diesem Gebiet ist jetzt mit Sicherheit ein zweites rotchinesisches Regiment identifiziert worden. Zum ersten Male setzten die Nordkoreaner in diesem Abschnitt etwa 1000 Kavalleristen ein.
Stärkere Kampfmoral der Nordkoreaner
Südkoreanische Stabsoffiziere betonten, daß sich die Moral der nordkoreanischen Truppen seit dem Auftauchen der ersten Rotchinesen „erheblich verbessert“ hat.
An der Nordostfront Koreas stehen südkoreanische Verbände im Raum von Kilchau, etwa 100 km südwestlich von Chongjin. Amerikanische Truppen haben Pungsan, 90 km südlich der mandschurischen Grenze erreicht.
Nach fünftägiger Pause haben Superfestungen vom Typ B 29 am Mittwoch Angriffe auf die Eisenbahnanlagen von Kanggye und Namnam geflogen.
„Wenn die Zeit kommt“
Peking droht erneut
Peking, 1. November, (dpa) Der Sender Peking berichtete am Mittwoch, die chinesischen Volksarmeen in Nord- und Ostchina hätten sich verpflichtet, den amerikanischen Agressoren entgegenzutreten, „wenn die Zeit kommt“. Das chinesische Volk könne nicht neutral bleiben, wenn das Gebiet seiner Brüder einer Invasion ausgesetzt ist. Wir können nicht dulden, daß amerikanische Flugzeuge unsere Gebietshoheit verletzen.
Zur Ueberprüfung zurückgestellt
Das Kommunique der Verteidigungsminister der Atlantikpakt-Staaten
Washington, 1. November. (AP.) Die Verteidigungsminister der zwölf Atlantakpakt-Staaten haben nach ihrer dreitägigen Konferenz ein Kommunique herausgegeben, das unter anderem besagt, die Minister hätten den Empfehlungen des Militärausschusses über die Stärke der Truppenkontingente der Mitgliedstaaten der Atlantikpaktorganisation zugestimmt.
Die Einrichtung eines alliierten Oberkommandos für den nordatlantischen Raum, sobald sie erforderlich werden sollte, sei gebilligt worden.
Ferner sei die Frage besprochen worden, auf welche Weise Deutschland am zweckmäßigsten seinen Beitrag zu einer erfolgreichen Verwirklichung des Planes für eine einheitliche Armee leisten könne, die stark genug wäre, um eine Aggression abzuschrecken und die Verteidigung Europas einschließlich der deutschen Bundesrepublik sicherzustellen. Die Minister hätten erneut die Bedeutung einer deutschen Beteiligung am Aufbau der europäischen Verteidigung unter Gewährleistung angemessener Sicherungen betont. Angesichts der Tragweite des Problems sei die Angelegenheit dem Rat der Außenministerstellvertreter und dem militärischen Ausschuß zur weiteren Veranlassung übergeben worden.
Schließlich sei ein Plan der amerikanischen Regierung und ein Vorschlag der französischen Regierung erörtert worden.
Der französische Vorschlag umfasse weitreichende Fragen sowohl politischer, als auch militärischer Art, die nach Ansicht der Minister eine neue Ueberprüfung durch ihre Regierungen erforderlich macht. Die Minister waren der Ansicht, daß die ihnen vorliegenden Fragen die Organisation der künftigen einheitlichen Streitmacht für die Verteidigung Europas so wesentlich berühren, daß die Entscheidungen über die endgültige Form der militärischen Organisation und die Struktur des Oberkommandos bis zu einer neuen Überprüfung der Angelegenheit zurückgestellt werden sollten.
Ein Atomträger
Washington, 1. November. (AP.) Der amerikanische demokratische Abgeordnete Vison hat am Mittwoch den sofortigen Bau eines 60 000- Tonnen-Flugzeugträgers vorgeschlagen, von dem aus Atombomben gegen den Feind geflogen werden können.
Genugtunng in Madrid
Madrid, 1. November, (dpa) Der Beschluß des Zweiten Politischen Ausschusses der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Aufhebung des diplomatischen Boykotts Spaniens zu empfehlen, ist in Madrid mit lebhafter Genugtuung aufgenommen worden. Spanische Kreise nehmen an, daß sich bei Behandlung der Spanien-Frage durch die Vollversammlung das gleiche Stimmenverhältnis zugunsten des lateinamerikanischen Antrags ergeben wird.
Attentatsversuch auf Truman
Ein Feuergefecht vor dem Hause des Präsidenten
Washington, 1. November. (AP.) Zwei mit Pistolen bewaffnete Männer haben am Mittwoch versucht, in den zeitweiligen Wohnsitz von Präsident Truman, das „Blair Haus“ in Washington einzudringen.
Die beiden Männer, die mit gezogenen Waffen auf das Haus zustürzten, wurden nach einem kurzen, blutigen Feuergefecht von Geheimpolizisten der Wache des Präsidenten niedergeschossen. Drei Polizeibeamte sollen verwundet worden sein. Die Schießerei, die sich direkt vor dem Hause abspielte, das gegenüber dem Weißen Haus selbst liegt, fand um 14.15 Uhr Ortszeit statt.
Einer der beiden Revolver-Männer wurde auf den Stufen des „Blair Haus von den Kugeln getroffen. Er brach vor dem Eingang zusammen. Ein anderer lag an einer kleinen Hecke, die das Grundstück abschließt.
Lie wiedergewählt
Flushing Meadows, 1. November. (AP.) Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am Mittwoch die Amtszeit ihres Generalsekretärs Trygve Lie um weitere drei Jahre verlängert. Mit 46 gegen fünf Stimmen bei sieben Stimmenthaltungen unterstützte die Versammlung den amerikanischen Standpunkt, daß Lie weiterhin im Amt belassen werden solle, um ihn damit des Vertrauens zu versichern, das er sich durch die Behandlung der Korea-Krise erworben hat.
Zum Friedensvertrag mit Japan hat die amerikanische Regierung eine Reihe von vorläufigen Bedingungen ausgearbeitet. Die Vorschläge sind an die Sowjetregierung weit er geleitet worden.
„Stalin wird lachen“
*♦* Die Konferenz der Verteidigungsminister der zwölf Atlantikpakt-Staaten ist ohne Ergebnis beendet worden. Ueber die deutsche Beteiligung geriet man in scharfe Auseinandersetzungen. Weder die Amerikaner noch die Franzosen zeigten sich geneigt, ihren Standpunkt aufzugeben. Wie immer in solchen Fällen, blieb nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu vertagen und die Frage nochmals an Ausschüsse zu überweisen. Marshall gab in einer Pressekonferenz der Hoffnung Ausdruck, den Verteidigungsministern würden die Ausschußberichte schon in den nächsten Wochen vorgelegt, da es von größter Wichtigkeit sei, die atlantische Verteidigungsarmee bis zum Frühjahr 1951 aufzustellen. Nach dem, was sich bisher ereignet hat, sieht es kaum so aus, als werde sich seine Hoffnung verwirklichen. Ein Journalist bemerkte denn auch, nach der Pressekonferenz, Stalin werde sich ins Fäustchen lachen. '
Es scheint wirklich so, als ob die Westmächte, diesmal infolge einer „Querelle allemande“, die von Deutschland nicht verschuldet ist, ihre große Stunde versäumen wollten. Das konservative englische Blatt „Daily Telegraph“ weiß zu berichten, die Sozialistische Einheitspartei werde in der Volkskammer beantragen, die Verfassung der Sowjetzone zu ändern, damit die Wehrpflicht dort eingeführt werden könne. Im kommenden Jahr werde die kommunistische deutsche Armee in der Sowjetzone auf 400 000 Mann angewachsen sein. Soll Europa immer noch schutzlos dastehen, wenn Rußland mit der Aufrüstung seines jüngsten Satelliten seine Kriegsvorbereitungen beendet hat? Der Bundeskanzler hat mit Sorge darauf hingewiesen, die verzögerte Entscheidung der Verteidigungsminister gebe der kommunistischen Agitation neue Nahrung, die von Mund zu Mund gehe und die behaupte, trotz der Bemühungen Amerikas und Englands werde eine wirksame Verteidigung Westdeutschlands nicht erfolgen.
Die verzögerte Entscheidung wird auch für die innenpolitische Position des Bundeskanzlers schwerwiegende Wirkungen nach sich ziehen. Für ihn kam es darauf an, bei der außenpolitischen Aussprache im Bundestag, die auf den achten November festgesetzt ist, feste Tatsachen in der Hand zu haben, um der Opposition gegenüber bestehen zu können. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Kurt Schumacher, hat nochmals erklärt, seine Partei werde bei ihrem „Nein“ zur Remilitarisierung Deutschlands bleiben, solange die angelsächsischen Mächte nicht zeigten, daß sie ihr militärisches Schicksal in allen Folgen mit dem deutschen Schicksal verknüpfen wollen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ weist mit Recht darauf hin, bei der Hoffnungslosigkeit, mit der man einen europäischen Zusammenschluß jetzt betrachte, müßten die Pläne des Kanzlers in den Augen der Massen als Irrtum erscheinen.
Es sei nochmals betont, Deutschland hat niemals von sich aus eine Wiederaufrüstung verlangt. Es sieht aber die Gefahren, die von Osten her drohen, deutlicher und es würde sich in einer verzweifelten Lage befinden, wenn es nicht bald überzeugende Garantien erhält, ein Angriff werde — mit oder ohne seine militärische Beteiligung — schon an der Elbe wirksam abgewehrt
Acheson ist zuversichtlich
Washingtoner Vertagung bedeute keine Krise
Washington, 1. November. (AP.) Die Verteidigungsminister der zwölf Atlantikpaktmächte seien sich auf ihrer Sitzung in Washington über die Bedeutung eines deutschen Beitrages zu einer gemeinsamen Verteidigung des Westens klar geworden. Sie hätten jedoch beschlossen, daß es keine nationale deutsche Armee, keine deutsche Kriegsindustrie und keinen deutschen Generalstab wieder geben solle, sagte der amerikanische Außenminister Acheson auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz in Washington am Mittwoch.
Acheson äußerte sich zuversichtlich, daß es dem Rat der Außenminister-Stellvertreter der Atlantikpaktmächte und dem militärischen Ausschuß gelingen werde, die noch ungelösten Fragen zu dem Problem einer deutschen Beteiligung zu lösen.
Acheson erklärte, die Tatsache, daß die Verteidigungsminister nicht schnell zu einer Einigung gelangten, bedeute noch lange keine Krise. Die Atlantikpaktmächte hätten schwierige Probleme zu bewältigen. Trotzdem sei in den letzten zwei Monaten ein außerordentlich großer Fortschritt erzielt worden.
Der Außenminister erklärte, die Vereinigten Staaten würden eine kommunistische Aggression gegen Tibet als eine äußerst unangenehme, unglückliche und ernsthafte Angelegenheit ansehen. Weiter hege die amerikanische Regierung ernste Befürchtungen hinsichtlich einer Beteiligung kommunistischer chinesischer Einheiten an den Kämpfen in Korea.
Acheson kündigte außerdem an, daß die Regierung den Kongreß in Kürze um Bewilligung von Mitteln für eine Unterstützung Jugoslawiens ersuchen werde.
Weitere Ginberufungen
Washington, 1. November, (dpa) Das amerikanische Verteidigungsministerium gab am Mittwoch Pläne für die Einberufung von Unteroffizieren und Mannschaften der Reserve der amerikanischen Kriegsflotte bekannt. 31 000 Mann werden zwischen Januar und Juni 1951 zum aktiven Dienst eingezogen.
Indiens Haltung versteift sich
Der Notenwechsel um Tibet
Neu Delhi, 1. November. (AP.) Die Haltung der indischen Regierung gegenüber der kommunistischen chinesischen Invasion Tibets versteift sich, wie aus Neu Delhi verlautet.
In einer zweiten Note an die Peking-Regierung hat die indische Regierung am Mittwoch festgestellt, die Antwort Chinas auf die erste Note Indiens sei unbefriedigend.
Wie verlautet, hat Peking geantwortet, es handele sich nicht um eine Invasion Tibets, sondern um eine Befreiung, „um die Intrigen fremder Mächte zu vereiteln, die Tibet zu einem Stützpunkt für eine Aggression gegen China“ benutzen wollten. Tibet stehe unter chinesischer Souveränität. Die chinesische Aktion sei daher eine rein innere Angelegenheit. Keine ausländische Regierung sei zur Intervention berechtigt.
Ein Vertreter der indischen Regierung erklärte, die Regierung habe nicht die Absicht, ihren diplomatischen Vertreter in Lhasa abzurufen und die drei Handelsvertretungen in Yatung, Gartok und Gyantsee auf dem Wege zwischen Kalimpong und Lhasa zu schließen. Auch die kleine indische militärische Einheit, die in Gyantse in Tibet zum Schutze der Karawanen stationiert sei, werde an Ort und Stelle bleiben.
Die Regierung von Nepal hat im Hinblick auf den kommunistischen Einmarsch in Tibet umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
Druck hat nachgelassen
Die Lage in Indochina
Saigon, 1. November. (AP.) Der Druck der kommunistischen Vietminh-Truppen hat zum erstenmal seit einem Monat nachgelassen, erklärte ein französischer militärischer Sprecher.
In der Lage der isolierten Festung Lao-Kay zeige sich eine Wendung zum Besseren. Bei dem nahe der chinesischen Grenze an der Kolonialstraße vier gelegenen Fort Dinh-Lap scheinen sich die Vietminh-Truppen zurückgezogen zu haben.
Revolte greift um sich
San Juan, 1. November. (AP.) Die Revolte in Puerto Rico hat im Laufe des Dienstag weiter um sich gegriffen. In der Hauptstadt San Juan kam es zu einem schweren Feuergefecht zwischen Truppen der Nationalgarde und Aufständischen.
Starke Verbände der Nationalgarde eroberten mit Luftunterstützung die von den Aufständischen besetzten Städte Utuado und Jayuya.
Der Aufstand wurde von der Anti-amerikanischen Partei Campos’ entfacht, die eine völlige Unabhängigkeit Puerto Ricos von den Vereinigten Staaten anstrebt.
Türkei sucht Sicherheit
Ankara, 1. November. (AP.) In seiner ersten großen Rede hat der türkische Staatspräsident Celal Bayar am Mittwoch vor der türkischen Nationalversammlung die Einbeziehung des östlichen Mittelmeerbeckens in das Verteidigungssystem der Atlantikpaktmächte gefordert.
In scharfer Form wandte sich der türkische Staatspräsident gegen die beabsichtigte Ausweisung von 250 000 Türken aus Bulgarien.
Gegengewicht?
-y- Einer Meldung aus Kiel zufolge bereitet der Kieler Verbandsdirektor Hermann Hartmann in Schleswig-Holstein „als Gegengewicht gegen den Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten einen Bund der Einheimischen vor“„
Der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten rekrutiert sich, wie schon sein Name besagt, aus jenen Aermsten, die neben ihrem persönlichen Besitz auch noch alle ihre Heimat, vielfach auch noch liebe Angehörige verloren haben. Er besteht weiterhin aus durch den Krieg und seine Folgen besonders schwer Betroffenen, aus in Schleswig-Holstein beheimateten Totalausgebombten sowie aus». Menschen, die durch Besatzungsanordnung oder sonstige zwingende Maßnahmen aus ihren Wohnungen gewiesen worden sind. Da diese nun in jenem Bund sich zusammenfanden, so kann logischerweise sein werdender Gegenspieler, der Verband der Einheimischen, wie er sich verschämt nennt, tatsächlich nur eine auf ausgesprochen egoistischen Motiven aufgebaute Organisation werden.
Deutschland ist bekannt als das Land der Vereine, wenn nicht gar der Vereinsmeierei. Es gibt kaum noch ein Gebiet, das von uns nicht „vereinsmäßig erfaßt“ wäre. Aber der Bund der Einheimischen als „Gegengewicht“ gegen den Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, ein Bund der Besitzenden gegen einen Bund der Habenichtse, das fehlte wirklich noch in unserer deutschen Mustersammlung. Er ist das „non plus ultra“, auf gut deutsch: höher geht’s nimmer! Der Gipfel der Gegensätzlichkeit ist erklommen. Wie wird sich Väterchen Stalin freuen. Herr Hartmann spielt ihm wirklich in die Hände.
Oder tut man ihm unrecht? Sollte er seinen Bund nur gegründet haben, um mit den eingehenden Mitgliedsbeiträgen die Not der Vertriebenen und Entrechteten zu lindern? Aber nein, das wohl kaum, denn wo bliebe dann das „Gegengewicht?“
Uralt nnd wieder neu
Da. Der Zentralverband der Vertriebenen hat in einem Kommentar zu dem von der Bundesregierung verabschiedeten Lastenausgleichsgesetz, über das nun Bundesrat und Bundestag zu entscheiden haben werden, u. a. auch mit Nachdruck die angeblich zu milde Behandlung beanstandet, die dieser Gesetzentwurf dem land- und forstwirtschaftlichen Vermögen angedeihen läßt. In der Reichsmarkzeit war es nicht nur sehr populär, sondern eigentlich selbstverständlich, daß die Bauern mit den „Teppichen im Kuhstall“ anläßlich des Lastenausgleichs etwas von der Kehrseite der Medaille und den katastrophalen Folgen des Krieges erfahren würden.
Trotzdem hat jetzt der Gesetzentwurf die Landwirtschaft an die letzte Stelle der Abgabepflichtigen setzen müssen. Die Not der Landwirtschaft ist ein uraltes, meist skeptisch angehörtes Klagelied der „grünen Front“. Aber es sprechen in keiner Weise verfälschte Zahlen, wenn die deutsche Landwirtschaft darauf hinweist, daß sie bereits beim Jahresabschluß 1948/49 mit 600 Millionen D-Mark verschuldet gewesen ist und daß ihre Verschuldung inzwischen auf wenigstens iVz Milliarden D-Mark angestiegen sein dürfte. Ueber die Erhöhung der Getreidepreise hinaus hat das Mißverhältnis zwischen Erzeugerpreis und Produktionsmittelpreis die ernste Krise der deutschen Landwirtschaft fortdauern lassen.
Die Finanzlage der Landwirtschaft macht es unmöglich, Landarbeitern Löhn® zu zahlen, die nicht bloß um wenige Mark über der Arbeitslosenunterstützung liegen, und die Folge hiervon ist ein neues Anwachsen der Landflucht. Derartige Sorgen kann man dann am wenigsten mit einer geringschätzigen Geste abtun, wenn man alle Veranlassung hat, sich der Tatsache bewußt zu werden, daß nur der eigene Boden eine sichere Ernährungsbasis bedeutet.
Pins XII. verkündigt das Mariendogma
500 000 Pilger aus aller Welt hören den Papst
Vatikanstadt, 1. November. (AP.) Vor über 500 000 Gläubigen aus allen Teilen der Welt hat Papst Pius XII. am Mittwoch vor der Peterskirche in Rom das neue katholische Dogma von der leiblichen und geistigen Himmelfahrt der Jungfrau Maria verkündet.
Die Stimme des Papstes erklang noch in den Lautsprechern, da erhob sich aus der Mitte der riesigen Menge in St. Peter der Schrei „viva“, wurde weitergetragen durch alle umliegenden Straßen, brandete gegen den monumentalen Bau von St. Peter und ebbte zurück über das weite Rund bis hinunter an den über einen Kilometer entfernten Tiber. In. einem der erhebendsten Augenblicke der Feierlichkeiten stimmte der Heilige Vater dann das „Tedeum“ an, das vom Chor der Sixtinischen Kapelle übernommen wurde und schließlich getragen von den Stimmen der Hunderttausende brausend zum Himmel hallte. Die Klänge der Glocken von St. Peter und der 500 Kirchen Roms vermischten sich mit den Stimmen der Gläubigen.
Nach andächtigem Gebet, in das die Gläubigen auf dem Platz und den Straßen einfielen, begab sich der Papst unter dem Geläut der Glocken in den Dom, um das Pontifikalamt zu zelebrieren.
Mit größern Prunk und aller Feierlichkeit war dieses Ereignis begangen worden. 38 Kardinäle und 580 Erzbischöfe, Patriarchen und Bischöfe im Ornat standen auf den Stufen von St. Peter. Vor ihnen schon auf dem Platz 5000 Vertreter aller katholischen Orden und die Vertreter der 40 beim Vatikan akkreditierten diplomatischen Missionen und der sieben Sondermissionen, unter ihnen auch der französische Außenminister Schuman und der spanische Kronprätendent Don Juan. Unter der Kardinälen befanden sich auch Kardinal Faulhaber von München, Kardinal Frings von Köln und Konrad Kardinal Graf Preysing von Berlin.
Protestantische Proteste
Rom, 1. November. (AP.) In der Waldenser Kirche in Rom hielten die italienischen Protestanten am Mittwoch eine Protestkundgebung gegen das neue katholische Dogma von der Himmelfahrt Mariä ab. Aehnliche evangelische Protestkundgebungen wurden auch in anderen Teilen Italiens abgehalten.
Auch aus Südafrika trafen protestantische Proteste in Rom ein. Die Verkündung des neuen katholischen Dogmas sei eine ernste Gefahr nir die Gespräche über den Glauben, die seit Jahren zwischen evangelischen und katholischen Theologen im Gange sind, erklärte der evangelische Bischof Dr. Stählin, der an diesen ökumenischen Gesprächen stark beteiligt ist, in der „Frankfurter Neuen Presse“. Der Riß, der die Christenheit spalte, werde dadurch in einer Stunde höchster Gefahr breiter und tiefer.
Die Synode der altkatholischen Kirche in Oesterreich teilte mit, sie habe sich der ablehnenden Stellungnahme der anglikanischen Kirchen gegen die Verkündung des Dogmas von der leiblichen Himmelfahrt Mariens ebenfalls angeschlossen.
„Adenauer hilf“
Bonn, 1. November. (AP.) „Adenauer hilf“ steht in großen Buchstaben auf Plakaten, die an fast allen Zapfsäulen der Tankstellen in Bonn kleben. Mit diesen Plakaten appelliert die deutsche Verkehrswirtschaft an den Bundeskanzler, von der geplanten Treibstoffpreiserhöhung und Einführung einer Autobahnsteuer Abstand zu nehmen.
Es müßte billiger gehen!
438 000 Deutsche bei den Besatzungsmächten tätig
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 1. November. Nach Ausrechnung des Statistischen Bundesamtes belief sich die Zahl der bei Besatzungsdienststellen beschäftigten Deutschen am 30. März auf 447 000, am 30. Juni auf 438 000 Personen. Die Kosten machen für den Bund im Haushaltsjahr 1950/51 nicht weniger als 1,3 Milliarden Mark aus, bei insgesamt 4,7 Milliarden Mark Gesamt-
Besatzungskosten. In Kreisen des Bundesfinanzministeriums weist man darauf hin, daß ein Abbau beim deutschen Personal der Besatzungsdienststellen erhebliche Beträge für die Verstärkung der Besatzungstruppen freimachen könnte. So sind bei der Besatzung rund 39 000 Hausgehilfinnen und etwa ebensoviel Kellner, Köche usw. beschäftigt. Die deutschen Angestellten aus dem Nahrungs- und Genußmittelgewerbe betragen rund 11 000. Auf fünf alliierte Besatzungsangehörige kommen mithin zwei Hausgehilfinnen und zwei Gaststättenangestellte, ferner drei deutsche Kraftfahrer, da die Gesamtzahl der deutschen Kraftfahrer bei den Besatzungsbehörden rund 66 000 beträgt. Außerdem beschäftigen die Besatzungsbehörden 98 000 deutsche Verwaltungsangestellte und 144 000 technische Arbeitskräfte. Hinzu kommen 48 000 „sonstige Beschäftigte“. Nach deutscher Auffassung könnte ein beträchtlidier Prozentsatz des hierfür auf gewendeten Geldes für den Westen vorteilhafter angelegt werden, wenn er für militärische Zwecke verwendet würde.
Diese Frage hat höchste Bedeutung, da die alliierten Truppen in Deutschland, die zur Zeit nicht ganz fünf Divisionen darstellen, bis zum Frühjahr auf dreizehn bis vierzehn Divisionen verstärkt
werden sollen. Von einem gesamten alliierten Personal in Höhe von 100 000 Mann stellen die militärischen Einheiten gegenwärtig etwa 90 000 Mann. Hinzu kommen nicht weniger als 250 000 Angehörige. Auch hier scheinen nach deutscher Auffassung Einsparungen möglich, die die finanzielle Seite der Besatzungsverstärkungen wesentlich erleichtern würden.
Niemöller traf Bischof Stohr
Mainz, 1. November, (epd) Im Rahmen der regelmäßigen Aussprachen über gemeinsam interessierende Fragen trafen sich in Mainz der Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, D. Niemöller, und der katholische Bischof von Mainz, Dr. Stohr.
Churchills „goldenes Jubiläum“
London, 1. Nov. (dpa) Winston Churchill feierte jetzt sein „goldenes Jubiläum“ als Unterhausabgeordneter. Vor 50 Jahren wurde er zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Churchill ist jetzt 75 Jahre alt.
Neuer Plan für Waffenhilfe
Le Havre, 1. November. (AP.) Der französische Finanzminister Maurice Petsche hat bei seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten in Le Havre erklärt, die amerikanische Regierung plane jetzt, die Waffenhilfe auf mehrseitiger Basis zu gewähren.
Sein diesbezüglicher Vorschlag sei von den Amerikanern akzeptiert worden. Die Waffenhilfekredite ^vürden künftig aus dem Gesamtfonds nach Maßgabe des Volkseinkommens und des von dem E&pfängerstaat geleisteten Beitrages zur gemeinsamen Verteidigung zugeteilt werden.
Stromversorgung gefährdet
Frankfurt, 1. November, (dpa) Die Elektrizitätswerke des Bundesgebietes sind seit etwa zwei Wochen nicht mehr ausreichend mit Kohle versorgt. Bei einzelnen Werken reicht der Kohlenvorrat nur noch für wenige Tage. Da überdies die erwarteten Herbstniederschläge zum großen Teil ausblieben, muß vor allem in Bayern mit Stromabschaltungen gerechnet werden, falls die Versorgungslage sich nicht ändert. Unvorhergesehene Transportstörungen, etwa durch stärkeren Kälteeinbruch, könnte die Energieerzeugung zum Erliegen bringen.
Bald ohne alliierte Kontrolle?
London erwartet größere außenpolitische Vollmachten für Bundesregierung
London, 1. November, (dpa). Die deutsche Bundesrepublik soll in Kürze die Kontrolle über ihre eigene Außenpolitik erhalten. Diese Ermächtigung soll demnächst durch die Bekanntgabe einer Zwischenrevision des alliierten Besatzungsstatuts erfolgen, verlautet am Mittwoch von zuverlässiger Seite in London. Die Bekanntgabe wird noch vor Abschluß der Arbeiten der Dreimächte-Studiengruppe in London erwartet.
Der Beschluß zur Übertragung außenpolitischer Vollmachten an die deutsche Bundesrepublik wurde im Prinzip bereits von den drei westlichen Außenministern auf ihrer New Yorker Konferenz im September gefaßt. Einzelheiten zur Verwirklichung dieser Entscheidung sind seitdem in Verhandlungen zwischen der alliierten Hohen Kommission und der Bundesregierung besprochen worden.
Die Zwischenrevision solle folgende drei Punkte umfassen:
1. der Bundesrepublik wird die Führung einer eigenen Außenpolitik zugestanden. In diesem Zusammenhang wird erwartet, daß die konsularischen Vertreter der Bundesrepublik in den drei westlichen Hauptstädten in den Status von politischen Vertretern erhoben werden.
2. Die Deutsche Bundesregierung übernimmt die Verantwortung für die Vorkriegsschulden Deutschlands.
3. Die Deutsche Bundesregierung erhält zusätzliche Vollmachten auf dem Gebiet der innerdeutschen Gesetzgebung.
Die Zwischenrevisionen des Besatzungsstatuts wird, wie es heißt, mit dem Datum ihrer Bekanntgabe in Kraft treten, mit der in Kürze gerechnet wird.
London hält zu Washington
London, 1. November, (dpa) Offizielle Londoner Kreise erklärten am Mittwoch nach der Vertagung des deutschen Verteidigungsproblems durch den atlantischen Verteidigungsausschuß, daß Großbritannien in dieser Angelegenheit voll auf Seiten der Vereinigten Staaten stehe. Sie wiesen ausdrücklich Berichte zurück, nach denen Großbritannien inzwischen auf den französischen Standpunkt in der deutschen Rüstungsfrage eingeschwenkt sein soll.
Stimmen der Anderen
Inflationstendenzen in Amerxrika
Eine kurze Zusammenfassung der inflationären Tendenzen in der großen französischen Zeitung „Le Monde“ erscheint uns so klar in der Darstellung, daß wir sie kurz wiedergeben wollen:
„Was hat man bisher getan, um das Steigen des Preisniveaus abzubremsen? Praktisch nichts. Auf dem Gebiet des Kreditwesens kämpft die Federal Reserve Bank gegenwärtig mit dem Schatzamt um eine Erhöhung der kurzfristigen Kreditkosten, hat sich aber bisher damit zufrieden gegeben, die gegenwärtig bestehenden Beschränkungen exakt anzuwenden. Das Resultat war zu erwarten.
Der Verbraucher findet ein Preisniveau vor, das bisher noch nie erreicht worden ist. Der mächtige parlamentarische Block der Landwirte fährt fort, im Kongreß eine protektionistische Politik für den Bauern durchzusetzen und hat'dabei das paradoxe Wunder fertiggebracht, die Regierung zu zwingen, in einer Zeit der Hausse auch noch Vorräte aufzukaufen. •
Seit dem Beginn des koreanischen Krieges sind in der Tat die industriellen Rohstoffe durchschnittlich um 27 Prozent gestiegen, die Nahrungsmittel um 16 Prozent, Kohle und Erze um 23 Prozent, Wolle um 33 Prozent, Zinn um 34 Prozent. Der Gummi hat einen Sprung um 129 Prozent gemacht. Die ganze amerikanische Wirtschaft kann dadurch verfälscht werden.
Bereits jetzt sind die 4,7 Milliarden Dollar zusätzlicher Steuern, wie sie der Kongreß bewilligt hat, in Rauch aufgegangen, weil sie durch die Preiserhöhung für Kriegsgeräte absorbiert wurden.
Die Dollar-Summe, die am 25. Juni den Ankauf von 100 .Bazookas' — panzerbrechende Handwaffen, ähnlich der großen Panzerfaust — gestattete, reicht jetzt nur noch aus, 75 Stück zu kaufen.
Die öffentliche Meinung beginnt sich ernsthaft Sorgen zu machen. Die Regierung aber tritt langsam im Hinblick auf die in vier Wochen kommenden Wahlen, bei denen die großen Arbeiterstädte eine ausschlaggebende Rolle spielen werden, und sie tut nichts, während die Notwendigkeiten der Stunde radikale Maßnahmen verlangen. Als Zeichen der Zeit konstatiert man, daß amerikanisches Fluchtkapital ins Ausland abfließt, besonders nach Kanada, wo die Gold- und Dollarreserven in den letzten Monaten um mehr als 50° Millionen gestiegen sind.
Man muß die Inflation und ihren störenden Abkömmling, die Entwertung des Dollars bekämpfen. Die gewaltige Macht der Wirtschaft erlaubt Amerika sicher eine sehr schwere Last zu tragen. Aber die Wirtschaftskraft ist nicht ohne Grenzen. Mr. Stewart Alsop ruft warnend aus: Amerika kann sich nicht gleichzeitig eine enorme Verteidigungsanstrengung und eine blühende Zivilwirtschaft leisten, in der jede Gruppe durch Druck genau das erlangt, was sie haben will.“
Zwei Bergleute verschüůttet
Essen, 1. November. (AP.) Auf der Zeche Theodor in Altendorf an der Ruhr wurden durch Einsturz der Strecke zwei Bergleute verschüttet, die am Mittwoch nach 25- stundiger Bergungsarbeit nur als Leichen geborgen werden konnten.
Hölle wo ist Dein Sieg!
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck. Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg.
53) Die Notenhefte, die Louise hervorholte, enthielten alle nur 'Tanzmelodien, vorwiegend Walzer und Polkas. Polka war die große Mode der letzten zwei Ballwinter gewesen, und die Mädchen bedurften keiner langen Aufforderung, um mit dem Tanz zu beginnen. Das Zimmer hallte bald von heiteren Weisen und den schnellen Schritten von Marie, Celeste, Amelie und Berthe wider, während Louise ihre Hände über die Tasten gleiten ließ. Henriette lehnte sich in den Sofakissen zurück und genoß den mitreißenden Rhythmus der Tanzmelodien und den Uebermut, mit dem sich die Mädchen vor ihr im Kreise drehten. Ihre jungen, schlanken Körper bewegten sich in den bauschigen Sommerkleidern mit so viel Anmut und Liebreiz. Ihre Wangen röteten sich, ihre Augen glänzten, und ihre Locken wehten im Wirbel um die Gesichter. Von der einen Ecke zur anderen ging der Tanz, zwischen Stühlen und Tischen, bald im Sonnenlicht an der offenen Tür, bald tiefer im Zimmer im Schatten.
Henriette fühlte sich wie verzaubert von der blauen See, der fröhlichen Musik und den glücklichen jungen Menschen. Sie blickte zum Herzog hinüber, der am Ausgang zur Terrasse stand Er beobachtete seine Töchter mit wohlgefälliger Bewunderung; und wie immer, wenn sie ihn dabei überraschte, wie er seine Kinder nachdenklich musterte.
rührte er sie. Denn in diesen Augenblikken trat alles, was einfach und echt und gütig in ihm war, am deutlichsten zutage. Sie starrte ihn wie gebannt an, während ihr Malerauge dieses Bild in ihrem Gedächtnis festzuhalten suchte. Sie wünschte, sie besäße die Gabe, ihn so zu malen, wie sie ihn jetzt in liebevolle Betrachtung versunken vor sich sah.
Er wandte seinen Kopf und lächelte, als ihre Augen sich trafen.
„Mademoiselle“, bat Louise, „würden Sie uns wohl mal eine Polka spielen? Ich hab’ noch gar nicht getanzt. Ach, bitte, tun Sie es doch!“ Henriette setzte sich bereitwillig ans Klavier, während Louise ihren Vater bei der Hand nahm und ihn als Partner ins Zimmer führte. Sie kannte den Herzog noch nicht in dieser Rolle, aber sie hatte, nie daran gezweifelt, daß er ein glänzender Tänzer sein müsse. Als sie jetzt sah, wie unbeschwert und graziös er zu tanzen begann, beneidete sie Louise, und während der nächsten Minuten hob sie kaum den Blick von den Noten vor ihr. Als sie jedoch die Melodie etwas sicherer beherrschte, wagte sie, dann und wann den Kopf zu heben, um im Spiegel über dem Klavier das Bild der Vorübertanzenden zu erhaschen.
Während einer dieser Blicke in den Spiegel überkam sie plötzlich die seltsame Vorstellung, daß alle Bewegungen in diesem Zimmer vereinigt seien, verkörpert durch die sich drehenden Tänzer und ihre eigenen auf- und abgleitenden Finger. Mit erneutem Eifer wandte sie sieh wieder den Noten zu. Sie war mit einem Male wie besessen von dem Gedanken, sie müsse diese Fröhlichkeit vor dem Sterben bewahren, diesen Rhythmus, der so gewiß vergehen würde, sobald sie aufhörte zu spielen, wie er mit ihrem Spiel angefangen hatte.
Wieder und wieder begann sie die Melodie von neuem, mit ihrer unermüdlichen Energie die anderen zwingend, pausenlos weiterzutanzen. Erst als ein Schatten im Spiegel erschien und Raynald sie ängstlich am Aermel zupfte, ließ sie die Hände ermattet in den Schoß sinken. Unfähig, sich von dem Klavierbock zu erheben, drehte sie sich um und sah die Herzogin an der Tür lehnen. Einige Sekunden lang rührte sich niemand. Die Tanzenden blieben wie angewurzelt stehen. Dann rauschte die schwerfällige Gestalt in weitem violetten Seidengewand ins Zimmer.
„Also hier, Theo“, ließ sich die vor Erregung heisere Stimme vernehmen, „hier finde ich dich endlich, nachdem ich dich stundenlang vergeblich erwartet habe! Womit willst du dich dieses Mal entschuldigen?“
„Entschuldigen?“ wiederholte er, mühsam seine Fassung wahrend, den Arm immer noch um Louise gelegt. „Aber, Fanny, ich werde mich doch wohl nicht bei dir dafür entschuldigen müssen, daß ich hier mit meinen eigenen Töchtern tanze?“
Bevor sie etwas darauf entgegnete, ließ die Herzogin ihren Blick im Zimmer umherschweifen und mißtrauisch auf Henriette ruhen, die regungslos vor dem verstummten Klavier saß. „Versuch nicht, dich herauszureden, indem du dein Benehmen als natürlich hinstellst.“
Ihre Augen blitzten und Henriette fing das eigenartige, rötliche Leuchten in ihnen auf, das sie bereits zu fürchten begonnen hatte: ein Leuchten, das wie ein unheilverkündendes Licht am Himmel Böses ahnen läßt. Die Mädchen drängten sich erschreckt zusammen, und Raynald preßte sich enger an sie.
„Genügt es dir nicht, mich in meinem eigenen Hause zu demütigen, ohne mich auch noch öffentlich bloßzustellen? Glaubst du, es machte mir Spaß, vor der ganzen Gesellschaft in der Villa Quelques Fleurs zum Narren gehalten zu werden?“
„In der Villa Quelques Fleurs? Wovon redest du eigentlich, Fanny?“ „Jawohl, da waren wir nämlich heute nachmittag von den Mantinoseingeladen, und da habe ich über anderthalb Stunden auf dich gewartet. Meinst du wirklich, es war mir angenehm, über dein Fortbleiben ausgefragt zu werden und mir die Blicke mit ansehen zu müssen, als ich schließlich allein Weggehen mußte? Und während ich dort lauter Ausreden für dich erfand, die keiner mir glaubte, warst du hier seelenruhig zu Hause und amüsiertest dich — ohne auch nur einen Gedanken an mich zu verschwenden, falls du nicht gedacht hast: .Wenn die Katze fort ist, tanzen die Mäuse.' Oh ja, ich weiß schon, was sich hinter meinem Rücken abspielt!"
„Bitte, Fanny, sei doch einen Augenblick ruhig.“ Er nahm seinen Arm von Louises Schulter und ging auf seine Frau zu. „Ich weiß gar nichts von dieser Einladung, von dieser Verabredung, die ich nicht eingehalten habe.“
„Und das scheint dir auch gar nichts auszumachen. Aber wenn du dir die Mühe gemacht hättest, meinen Brief zu lesen, den ich dir heute morgen schrieb, dann hättest du es gewußt. Ich habe ihn dir selbst unter die Tür geschoben, da ich ja kein Wort mit dir reden darf, außer wenn du gerade geruhst, mir fünf Minuten deiner kostbaren Zeit zu schenken.“
Offenbar hatte er den Brief nicht gelesen; Henriette erriet das aus seinem Erröten. Aber er gab ihr mit kühler, selbstsicherer Stimme Antwort.
„Es tut mir leid, Fanny, wenn ich dir Ungelegenheiten bereitet habe“, bemerkte er höflich. „Ich bin heute sehr früh mit den Kindern zu einem Ausflug aufgebrochen. Wir sind eben erst wiedergekommen, und ich nehme an, dein Brief liegt noch ungeöffnet auf meinem Schreibtisch.“
„Wo d.u die anderen wahrscheinlich auch ungeöffnet liegen gelassen hast, falls du sie nicht in den Papierkorb warfst. Oder vielleicht habt ihr beide, du und Mademoiselle, sie zum Feueranmachen benutzt. Vielleicht macht sie sich sogar ein Vergnügen daraus, meine Briefe als Lockenwickler zu verwenden. Das wäre so der richtige Sinn für Humor, der ihr entspräche.“
Henriette vernahm nicht seine Erwiderung darauf. Dieser Angriff der Herzogin hatte sie so unvorbereitet getroffen, daß sie ihre Fassung vollständig verlor. Sie sah das Zimmer und die Menschen nur mehr wie durch einen Schleier; sie hörte ein dumpfes Pochen in ihren Ohren; aber ob es nun von dem Wellenschlag am Strand unterhalb der Terrasse kam oder daher rührte, daß ihr das Blut heiß zu Kopf schoß, wußte sie nicht zu sagen. Sie wollte sich erheben und die Kinder hinausbringen. Die ganze Atmosphäre schien auf einmal vergiftet von der selbstzerstörerischen Phantasie der Herzogin. (Fortsetzung folgt)
„Keine National-Armeen mehr“
Eiläuterungen zur Schaffung einer europäischen Streitmacht
sis^e Der franzö-Däischen Scbaffung einer europäischen Streitmacht sieht, wie ein fran-ÄeGl£^^^ läuterte, KonHn«?!! ^-ber^ der deutschen S Fnrnn \nnerhalb der vorgeschlagedeSts^hen Pa’ATee vor- Nicbt nur die KontingentpSOli?ern • aucb die anderen stärke hi? S 01un nicht über RegimentseurnnÄSaus§ehen- Die Divisionen der europäischen Armee würden aus R^imenS Staaten zusam-Von jedem Teilnehmerstaat soll das gleiche Maß an Verzicht auf Souveranitätsrechte gefordert werden.
Der Sprecher betonte, daß kein Land, das sich an der europäischen Armee beteiligt, nach einer gewissen Uebergangs-Penode noch über eigeneLandesstreitkrafte verfugt. Allerdings würden Länder mit unabhängigen Gebieten in Uebersee eigene Truppen zum Schutz dieser Gebiete behalten. Das letzte Ziel des französischen Planes sei die Abschaffung des Begriffes europäischer Nationalarmeen
Aus der Fremdenlegion zurück
Köln, 1. November, (dpa) Dem Deutschen Roten Kreuz ist es dieser Tage gelungen, einen aus Siegburg-Mülldorf stammenden Jugendlichen aus der Fremdenlegion zurückzuholen. Auf Bitten der Angehörigen hatte das DRK über das Internationale Rote Kreuz den Aufenthalt des Ausreißers ermittelt und durch einen Schriftwechsel mit dem zuständigen Lagerkommandanten seine Entlassung erwirkt.
Ein offener Brief
Aachen, 1. November, (dpa) In einem offenen Brief fordert der ehemalige Panzergeneral von Manteuffel den früheren General von Lenski in der Sowjetzone auf, für Recht und Freiheit einzutreten. Er fragte dann nach den völkerrechtswidrig zurückgehaltenen Kriegsgefangenen und schreibt abschließend: „Ich bin der Ansicht, daß, wenn man soviel von Frieden spricht, wie Sie und Ihre Auftraggeber, müßte man auch die Pflicht fühlen, etwas für die Idee zu tun, die man propagiert . . . Bei uns im Westen jedenfalls sind die Kräfte des Friedens stärker als die des Krieges. Die Entscheidung über den Frieden liegt beim Osten.“
Drei Könige an der Bahre
König Gustafs V. von Schweden
Stockholm, 1. November. (AP.) Hinter dem Sarge König Gustafs V. von Schweden werden am 9. November mindestens drei Könige, drei Kronprinzen und zahlreiche Prinzen und Herzöge aus allen europäischen Herrschergeschlechtern einherschreiten.
Bis jetzt ist die Teilnahme König Haakon VII. von Norwegen und König Frederik IX. von Dänemark offiziell angesagt. Der dritte Monarch wird Schwedens neuer König Gustaf VI., Adolf, sein.
Sozialdemokratie verlangt Neuwahlen
Bundestagsfraktion einmütig hinter dem Parteivorstand
Bonn, 1. November, (dpa) Die sozialdemokratische Fraktion des Bundestages hat sich am Mittwoch eindeutig zu dem am 7. September vom Parteivorstand und dem Parteiausschuß in Stuttgart gefaßten Beschluß bekannt, daß jeder deutsche militärische Beitrag zu irgendeinem Verteidigungssystem verfassungsändernden Charakter hat.
Nach der Fraktionssitzung erklärte der Parteivorsitzende Dr. Schumacher, dieser Beschluß bedeute, daß eine gesetzliche Regel auf diesem Gebiet nur mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden könne. Die Fraktion bestreitet dem gegenwärtigen Bundestag die Legitimation, in dieser Frage zustimmend zu entscheiden. Zur Zeit der Wahl sei das Problem nicht sichtbar gewesen. Es gehe nicht um die normale politische Willensbildung, sondern um eine Entscheidung, die das Wesen der Bundesrepublik grundlegend verändere. Eine Entscheidung über einen etwaigen militärischen Beitrag sei daher nur auf der Grundlage von Bundestagsneuwahlen möglich.
Dr. Schumacher fügte hinzu, daß die Verzögerung eines Beschlusses des Atlantischen Verteidigungsausschusses über die deutsche Teilnahme an der europäischen Verteidigung nicht die letzte Auseinandersetzung zwischen den Franzosen und den Amerikanern bleiben werde. Nach seiner Ansicht werde sie sich wiederholen.
Gegen Neuwahlen
Ansicht der amerikanischen Oberkommission
Frankfurt/Main, 1. November, (dpa) Maßgebende amerikanische Kreise in Frankfurt erklärten am Mittwoch, daß sie die von Kirchenpräsident D. Niemöller und dem Vorsitzenden der Sozial-
demokratischen Partei Dr. Schumacher geforderten Bundestagsneuwahlen nicht befürworten. Dies sei jedoch eine rein deutsche Angelegenheit. Etwaige Neuwahlen, die wahrscheinlich eine Abstimmung über ein „Ja oder Nein“ zu einem deutschen Verteidigungsbeitrag bedeuten würden, könnten in mancher Hinsicht gefährlich und vor allem im Ausland falsch ausgelegt werden.
Außerdem gebe ein Wahlkampf verschiedenen Parteien und politischen Organisationen die Möglichkeit, die gegenwärtige innen- und außenpolitische Lage moralisch zu ihrem parteipolitischen Nutzen auszuschlachten.
Niemöller-Gespräche auoh mit anderen Parteien
Darmstadt, 1. November, (epd) Von gut informierter Seite verlautet, daß Kirchenpräsident D. Niemöller nach seinen Gesprächen mit dem SPD-Vorsitzenden Dr. Schumacher in nächster Zeit auch mit führenden Persönlichkeiten der anderen westdeutschen Parteien Aussprachen über politische Tagesfragen haben wird.
Mit Rücksicht auf die politische Situation hat Niemöller die im November geplante England - Reise abgesagt. Ebenso kann er einer Einladung der französischen reformierten Gemeinde in Paris nicht Folge leisten.
Politik und Kirche
Oberkirchenrat Berger bezog Stellung
Bad Soden, 1. November, (dpa) Niemand könne in Verantwortung der Evangelischen Kirche über Politik sprechen, erklärte anläßlich einer Reformationsfeier Oberkirchenrat Dr. Berger, der Referent für die Oeffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau. Es sei nicht Aufgabe der Kirchenvertreter, politische Fragen zu behandeln.
Wenn die Evangelische Kirche sich mit der Politik befasse, dann könne sie das nur durch gemeinsames Votum der kirchlichen Körperschaften tun.
Die Kirche werde für keine politische Richtung Partei ergreifen, selbst wenn diese sich christlich nenne. Es gäbe keine christlichen Parteien sondern nur Chri sten in den Parteien. Der Christ müsse für sein politisches Handeln selbst die Verantwortung übernehmen. Wenn einer aus christlicher Ueber-
zeugung den Kriegsdienst ablehne, so sei dies sein „gut Gewissen“. Man dürfe aber, so erklärte Dr. Berger, auch demjenigen das „gut Gewissen“ 'nicht nehmen, der sich ebenfalls aus christlicher Ueberzeugung dem Kampf zum Schutz seiner Familie und seiner Heimat hingeben zu müssen meint.
Wieder Versorgungsämter
Frankfurt, 1. November, (dpa) Die Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag schlägt vor, die früheren Versorgungsämter für Kriegsbeschädigte wieder zu errichten. Minister Wagner wurde von ihr gebeten, sich im Bundestag dafür einzusetzen, daß für Versorgungsangelegenheiten nach dem Versorgungsgesetz nicht mehr die Landesversicherungsanstalten zuständig seien, sondern diese Versorgungsämter.
In wenigen Zeilen
Die ägyptische Polizei fand fünf Gramm' gestohlenes Radium im Werte von 12,19 Millionen DM im Besitz eines griechischen Arztes.
Das israelische Parlament sprach der neuen Regierung Ben Gurion das Vertrauen aus.
Die sowjetische Ostseeflotte wird im November große Manöver durchführen. *
Der verstorbene schwedische König Gustav V. hinterließ ein persönliches Vermögen von 12,6 Millionen D-Mark. *
Die niederländische Regierung gab bekannt, daß sie den Kriegszustand mit Deutschland in Kürze für beendet erklären wird.
* Die West-Berliner Polizei plant die Aufstellung einer berittenen Einheit. *
Dr. Anton Besold wurden die Geschäfte des verstorbenen Generalsekretärs der Bayern-Partei, Dr. Ernst Falkner, übeitragen. *
Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft hat ihre erste große Tagung nach dem Kriege vom 18. bis 20. November nach Essen einberufen. *
Professor Dr. Sedlaczek, Direktor des volkseigenen Hüttenbetriebes und Stahlwerkes Maxhütte, ist nach West-Berlin geflüchtet. *
In Braunschweig begann ein Prozeß gegen den ehemaligen SS-Standartenführer Gattermann, der in 141 Fällen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt wird. *
Der Hessische Städtebund protestierte gegen den von Kultusminister Dr. Stein eingebrachten Entwurf des neuen Schulverwaltungsgesetzes und stellte fest, daß als Träger der Schulverwaltung nur die Gemeinden in Frage kommen könnten.
* Die Kinderlähmungsepidemie in Hessen, in deren Verlauf von Ende April bis Mitte Oktober 458 Personen erkrankten, hat Anfang Oktober ihren Höhepunkt überschritten und ist seitdem in ständigem Rückgang begriffen.
Eine Sechs-Pfennig-Zigarctte ist nach Informationen des West-Berliner Tabakwarenhandels gegen Ende November zu erwarten.
Wirtschaftsblatt
Autobahn-GCebühr
w Der Bundesfinanzminister hat uns über Nacht bei der Schöpfung neuer Einnahmequellen für den Bund mit einer „Gebührenordnung für die Benutzung der Bundesautobahnen“ überrascht. In privaten Anregungen ist auf die Möglichkeit, unter Benutzung des Paragraphen 6 des Reiehsautobahngesetzes vom 29. Mai 1941 dem Bund aus der Benutzung der Bundesautobahnen Einnahmequellen zu erschließen, sc^ion des öfteren hingewiesen worden. Paragraph 6 des Reichsautobahngesetzes lautet: „Die ,Reichsautobahpen“ — gemeint ist hier das Unternehmen — haben das Recht, Benutzungsgebühren zu erheben. Der Gebührentarif bedarf der Genehmigung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen.“
Nachdem von dieser Möglichkeit selbst im Dritten Reich kein Gebrauch gemacht worden war, hat man sich bisher nicht dazu entschließen können, diese zweifelhafte Einnahmequelle für den Bund zu verwerten. Wenn der Bundesfinanzminister hierauf zurückgreift, so haben die Verkehrskreise wenig Verständnis dafür, daß die Mehrausgaben fast ausschließlich vom Verkehr, und zwar vom Straßenverkehr, getragen werden sollen.
Man mag den Verfechtern dieser Gebühr konzedieren, daß die Benutzer der Autobahnen gegenüber den Benutzern der übrigen öffentlichen Straßen einen gewissen Vorzug insofern haben, als anerkannt ist, daß der Treibstoffaufwand und der sonstige Sachaufwand je km Autobahn geringer sind als auf anderen Straßen. Auch kann man zugeben, daß die' Gebührensätze sich immerhin in Grenzen halten, die auch für die Wirtschaft noch tragbar sein dürften. Trotzdem muß man die Einführung einer Autobahngebühr ablehnen. Rechtlich mag es zweifelhaft sein, ob die dem Unternehmen „Reichsautobahnen“ gesetzlich erteilte Ermächtigung ohne weiteres dem Bund zusteht. Selbst wenn man dies daraus ableitet, daß der Bund nach Artikel 90 GG in die Rechte des Unternehmens eingetreten ist, so stünde die Federführung für eine solche Gebühr doch dem Bundesverkehrsminister zu, der die Einführung der Autobahngebühr bisher abgelehnt hat. Auch kann die Autobahngebühr nicht ohne Einfluß bleiben auf die Frage der Haftung des Bundes für Schulden des früheren Unternehmens Reichsautobahnen. Verkehrspolitisch ist die Erhebung der Gebühren jedoch abzulehnen, weil alle Kraftfahrzeuge, die nur selten die Bundesautobahnen benutzen, die Zahlung der Jahresgebühr ablehnen und dann lieber auf anderen Straßen fahren.
Das Bestreben, insbesondere den Last¬ kraftwagenverkehr auf die Autobahnen zu bringen, wird auf eine derartige finanzpolitische Maßnahme durchkreuzt. Dies gilt selbstverständlich nicht für solche Kraftfahrzeuge, die regelmäßig im Fernverkehr eingesetzt sind, der über die Autobahn führt, weil für sie die Gebühr immerhin so festgesetzt ist, daß sich ihre Entrichtung lohnt. Was den finanziellen Erfolg der Gebühr anlangt, der mit 65 Millionen DM im Jahr veranschlagt wird, so kann dieser Betrag nur dann erlöst werden, wenn mindestens 90 Prozent aller im Bundesgebiet zugelassenen Kraftfahrzeuge die Jahresgebühr entrichten. Das ist eine utopische Annahme. Man wird bei vorsichtiger Schätzung mit einer jährlichen Summe, unter Abnutzung der Verwaltungskosten, zwischen 15 und 25 Millionen DM rechnen können.
Zinsen auf Ruinengrundstücken
Vertragshilfe bei Streitigkeiten mit den Hypothekengläubigern
St. Seit dem Inkrafttreten des Soforthilfegesetzes im August 1949 bis zum 30. 6. 1950 wurden an Soforthilfe-Abgabe 1 493 000 000 DM aufgebracht, davon 1 225 000 000 DM auf die allgemeine und 268 Millionen DM auf die Sonderabgabe. Auf der Ausgabenseite wurden 1 408 000 000 DM Soforthilfegelder ausgezahlt bzw. zur Auszahlung bereitgestellt, und zwar u. a. 646 Millionen DM Unterhaltshilfe, 252 Millionen DM Hausratshilfe, 270 Millionen DM Wohnungsbaudarlehen, 52 Millionen DM Ausbildungshilfe, 40 Millionen Flüchtlingssiedlungshilfe, 100 Millionen DM Existenzaufbauhilfe.
Ein besonderes Schmerzenskind sind für manchen Ruinengrundstückbesitzer die Hypothekenzinsen. Die Stundung oder gar der Erlaß von Forderungen, die auf ertraglose Ruinengrundstücke gesichert sind, ist noch nicht in befriedigender Weise für Schuldner und Gläubiger geregelt worden.
In West-Berlin wurde im Jahre 1949 durch das Gesetz zur Regelung von Grundpfandrechten auf beschädigte Grundstücke eine Lösung gefunden, die einem Moratorium ähnelt. Hiernach können Ansprüche auf Kapitalrückzahlung, Zinsen und Tilgungsleistungen bis auf weiteres nicht geltend gemacht werden. Im Bundesgebiet hat man sich gescheut, eine gleiche oder ähnliche Regelung zu finden. Man war hier der Ansicht, daß eine zu starke Beschneidung der Gläubigerrechte auf eine Enteignung der Gläubiger hinauslaufen würde. Bis zur Währungsreform fand man allenthalben Verständnis dafür, bei den Hypothekengläubigern auf Tilgung und Zinszahlung zu verzichten, wenn dis Hypothek auf einem Trümmergrundstück ruht. Seit der Währungsreform ist jedoch das Entgegenkommen fast überall geschwunden. Es bleibt hier den Hypothekenschuldnern kein anderer Weg übrig, als die richterliche Vertragshilfe in Anspruch zu nehmen. Die Vertragshilfe setzt voraus, daß die fristgemäße Zahlung dem Schuldner bei gerechter Abwägung der Interessen und der Lage beider Teile nicht zugemutet werden kann. Hieraus ergibt sich, daß notwendigerweise eine Gegenüberstellung der gesamten Vermögenslage beider Teile vorgenommen wird. Hat z. B. ein Schuldner durch Bombenschaden ein Grundstück verloren, ist aber seine übrige Vermögenslage günstig, so kann eine Vertragshilfe nicht gewährt werden, da auf Grund seiner übrigen Vermögenslage ihm zugemutet werden kann, seinen fälligen Hypothekenverpflichtungen nachzukommen.
Bei der Inanspruchnahme der Vertragshilfe für eine bereits im Verhältnis 10:1 umgestellte Forderung ist es erforderlich, daß der Schuldner Verluste durch die Umstellung seiner Altgeldguthaben erlitten oder Reichsmarkforderungen gegen das Reich gehabt hat, die nicht umgestelit worden sind, z. B. Kriegsschädenforderungen. Der Schuldner hat weiter ein Recht auf Vertragshilfe, wenn er sich auf Vermögensverluste an beweglichen Sachen infolge von Kriegsereignissen oder Kriegsfolgen berufen kann.
Ungewißheit über Buna-Produktion
(vwd) Die Verhandlungen über das Wiederanläufen einer deutschen Bunaproduktion haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt, wie von einem Fachspezialisten der Bayer-Farbenwerke Leverkusen mitgeteilt wurde. Die Deutschen Bunawerke warten weiter ab und haben inzwischen in internen Besprechungen die für die Wiederaufnahme der Produktion notwendigen Klärungen getroffen. Bayer-Leverkusen würde nach der Aufhebung des Buna-Produktionsverbotes wieder das von dem Werk entwickelte Spezialprodukt Perbunan herstellen, während Marl-Hüls die alte Buna-Produktion wieder aufnehmen und gleichzeitig Leverkusen für Perbunan wichtige Vorstoffe liefern würde.
Die von den Besatzungsmächten vor kurzem verkündete Produktionserweiterung für Chlor hat keine praktische Ergebnisse gezeigt. Die Produktionsgrenze ist, wie von britischer Seite dazu erklärt wurde, so festgesetzt worden, daß die in der Bundesrepublik vorhandenen Chlor-Kapazitäten voll ausgenutzt werden können, so daß Kapazität und Erzeugung sich genauestens entsprechen. Das war aber bereits vor der Erweiterungserlaubnis der Fall. Der Bedarf der Wirtschaft geht über die gegenwärtige Produktionsgrenze hinaus.
Bank für Arbeit in Tätigkeit
(vwd) Die Bank für Arbeit und Wirtschaft AG in Stuttgart nimmt ihre Tätigkeit auf. Das von den Gewerkschaften und Genossenschaften zu gleichen Teilen gezeichnete Stammkapital beträgt 980 000 DM. Aufgabe der Bank ist die Verwaltung der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen der Genossenschaften. Sie soll Privaten, der Wirtschaft und insbesonders dem Handwerk Kredite zur Verfügung stellen.
Tagung der Zollstudiengruppe
Die Studiengruppe für eine europäische Zollunion beendete ihre zweitägige Plenarsitzung in Brüssel. Es wurde bekanntgegeben, daß die Delegierten der Marshallplanstaaten die Entwürfe zu drei Plänen für eine Vereinheitlichung der Zollhandhabung der Teilnehmerländer ausgearbeitet haben. Diese beziehen sich auf eine Nomenklatur, die eine einheitliche Klassifizierung von Zollgütern gewährleisten soll, ferner auf eine Konvention über die Wertberechnung zu verzollender Waren und schließlich auf die Bildung eines internationalen Rates für Zusammenarbeit im Zollwesen.
Die deutsche Handelsflotte verfügt wieder über rund 550 000 BRT.
Wieder aufgeforstet wurden 1949/50 107 000 Hektar (1,6 Prozent der Gesamtwaldfläche) gegenüber 82 000 Hektar im Vorjahr.
Eine Preiserhöhung der Schokolade ist nach Mitteilung der Markenartikeifabriken nicht beabsichtigt, um so mehr als auf dem Weltmarkt Rohkakao billiger geworden ist.
Nach Mitteilung der Bayer-Farbwerke» Leverkusen, besteht die Hoffnung, daß die niederrheinische Gruppe der früheren IG-Farben zusammenbleibt. (Elberfeld. Uerdingen. Dormagen.) Man hofft auch die Maingruppe und die Ludwigshafener Gruppe zusammenzuhalten.
Die Kölner Ford-Werke stellten im Oktober 3463 (September 2951) Wagen her. arbeitstäglich damit 157 (144) Einheiten.
Die Rhenag Rheinische Energie AG Köln stellt das AK von 6 Mill, in voller Höhe in D-Mark um.
Die Thüringer Gasgesellschaft, früher in Leipzig, jetzt Köln, schlägt der HV (30. 11.) Umstellung 2:1 auf 20 Mill. DM vor.
Die Alliierten wollen entflechten
Die deutschen Vorschläge sollen geprüft werden
(AP.) Die alliierte Oberkommission hat der Bundesregierung mitgeteilt, daß sie entschlossen ist, die Entflechtung und Dekartellisierung der deutschen Industrie durchzuführen. Gleichzeitig haben die Alliierten der Bundesregierung jedoch versichert, daß bei der Durchführung ihrer Maßnahmen keine entscheidenden Schritte ohne Rücksprache mit der Bundesregierung unternommen werden.
Die Bundesregierung ist von den Alliierten ferner aufgefordert worden, eine allgemeine Gesetzgebung vorzubereiten, um die alliierten Dekartellisierungsgesetze zu ergänzen. Von alliierter Seite wurde jedoch betont, daß die deutsche Gesetzgebung Entflechtungsmaßnahmen nur auf den Gebieten vorsehen soll, die von den alliierten Gesetzen nicht berührt werden. Die deutsche Gesetzgebung soll nach Maßgabe der Alliierten eine Rezentralisierung nach Durchführung der alliierten und deutschen Entflechtungsprogramme verhindern.
Auf einer Konferenz des Bundeswirtschaftsministers mit alliierten Sachverständigen wurde damals beschlossen, daß die entsprechende deutsche Gesetzgebung „nicht mit den Bestimmungen der bestehenden alliierten Gesetzgebung oder mit Maßnahmen, die sich mit den Kohle-Stahl-Industrien, den IG-Farben, dem Ufi/Ufa-Komplex und den Großbanken beschäftigen, in Widerspruch stehen darf“.
Weiter soll Minister Erhard zugesichert haben, daß die Bundesregierung nicht den Wunsch hat, „in irgendeiner Form das Vorrecht der Oberkommission in Fällen von Entflechtungsmaßnahmen über die Kohle-, Stahl-, Eisenindustrien, der IG-Farben. der Ufa und der Großbanken anzufechten“.
Im Hinblick auf die Aufspaltung der IG-Farben teilte die alliierte Oberkommission der Bundesregierung mit, daß sie die Absicht habe, die Bundesregierung „völlig darüber in Kenntnis zu setzen, sowie um ihre Ansicht nachzusuchen, bevor irgendwelche der folgenden größeren Maßnahmen unternommen werden: 1. Pläne für die Aufspaltung der Hauptaktivposten. 2. Auflösung einer Hauptgesellschaft sowie irgendwelcher Tochtergesellschaften, deren Erhaltung nicht vorgesehen ist. 3. Grundlegende Pläne für die, Behandlung von Gläubigern. 4. Die Konstituierung und Errichtung des Liquidationsausschusses.“
In diesem Zusammenhang wird von der Oberkommission betont, daß sie aktiv mit der Durchführung des kürzlich erlassenen Gesetzes Nr. 35 ( IG-Gesetz) beschäftigt ist und „deshalb keine unnütze Verzögerung als Ergebnis der Rückfragen bei der Bundesregierung eintreten lassen möchte“. Die Alliierten versicherten der Bundesregierung, daß sie ihre Vorschläge zur Aufspaltung der IG „im Zusammenhang mit ihren eigenen Aufspaltungsplänen prüfen werde“. Die Bundesregierung ist von der Oberkommission ferner aufgefordert worden, deutsche Vertreter für den IG- Farben-Liquldierungsausschuß zu benennen. Die Auswahl dieser Vertreter sollte nach alliierter Auffassung nach rein fachlichen Gesichtspunkten erfolgen.
Ueber die Kohle-, Stahl- und Eisenindustrien, deren „Umgestaltung“ im Gesetz Nr. 27 der Oberkommission bestimmt ist, wurde der Bundesregierung versichert, daß ihr Gelegenheit gegeben werde, ihre Ansichten zu diesem Komplex darzulegen, „bevor irgendwelche größeren Schritte in der Durchführung des Gesetzes unternommen werden“. Von der Oberkommission wurde betont, daß sich diese Vorschläge nicht auf die Entflechtung des früheren reichseigenen Filmvermögens (Ufi/Ufa) und auf die Großbanken beziehen, da hier bereits getrennte Maßnahmen eingeleitet worden seien. Die Oberkommission gab bekannt, daß sie zur Zeit deutsche Vorschläge für ein Bundesgesetz zur Liquidierung der Ufa prüfe. Die Alliierten hatten die deutsche Bundesregierung seinerzeit aufgefordert, ihre eigene Gesetzgebung vorzubereiten, um das alliierte Ufa-Gesetz Nr. 32 Zu ersetzen. Die Bundesregierung wurde ferner kürzlich von den Alliierten aufgefordert, ein Gesetz für die Umgestaltung und Entflechtung der Großbanken — die Deutsche Bank, Dresdner Bank und die Commerzbank — einzureichen. Vor der Kapitulation befaßten sich diese Banken mit fast allen finanziellen Rechtsgeschäften Deutschlands im Ausland.
Börsen und Märkte
Bz. Die Frankfurter Börse begann den neuen Monat mit widerstandsfähiger Haltung. Meist ergaben sich — abgesehen von den zur Zeit etwas vernachlässigten Bergbauwerten — Kursbesserungen von 1 bis 2 Punkten. Einzelne Spezialwerte, wie Lanz-Mannheim (63 t 5). zogen erneut an, Veith-Gummiwerke 126 (+6), Dt. Tafelglas 118 (+3). Bei NSU wurden Exekutionsstücke mit 132 (+1) gehandelt. Aber auch Elektropapiere konnten vereinzelt 0.25 bis 0,75 aufholen. Maschinenwerte stellten sich 0,50 bis 1 Prozent fester.
Freie Devisenkurse
Bz. Am 1. November 1950 waren in Frankfurt folgende freie Devisenkurse zu hören: der US-Dollar mit 5,15 bis 5,25 DM. das engl. Pfund Sterling mit 12,50 bis 13,50 DM, der holl. Gulden mit 1,15 bis 1,25 DM, der Schweizer Franken mit 1.15 bis 1.25 DM, die dänische Krone mit 0.48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM. der österreichische Schilling mit 0,14 bis 0,16 DM.
In den Berliner Wechselstuben sind für eine DM-West 5 bis 5,20 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten worden.
Die Brotgetreidebestände der Landwirtschaft betragen Ende September 73 (i. V. 66) Prozent der Brotgetreideernte.
Neuse Filme in Darmstadt
Das Mädel für den Film
VON WALTER ANATOLE PERSICHIhr wißt, was vor drei Jahren los war. Trotzdem wurde ein Rummelplatz aufgebaut, Karussells, Achterbahnen, Schaubuden, Glücksräder. Eine Aufnahmeapparatur war noch da, Geld hatten sie keins, der Stoff für Wochenschauen lag auf allen Straßen herum. Einblenden in den Rummelsplatz. Menschengedränge. Ein Kettenkarussell. Durch Nachtluft kreisende Halbwüchsige, angeleuchtet von Scheinwerfern.
„Mensch, die Beine!“ schreit Jumbo den Kameramann an. Das Objektiv schwenkt aus, Peters kurbelt. Beim Entwickeln bekam Jumbo Stielaugen. „Hab ich’s nicht gesagt? Die Beine! Sowas würde in Amerika prämiiert. Mal weitersehen — da ist auch das Gesicht. Bißchen grob, aber stell dir das in der Maske vor, dann ist das aufreizender als das der Dietrich in ihren besten Filmen.“ Vier Abende kämmten sie den Rummelplatz ab, dann hatten sie das Gesicht aufgespürt, am Arm eines Winkeiathleten, der ihr gerade Zigaretten zum Verkaufen in die Bluse schob.
„Hör mal, Kind“, sagte Jumbo und mWe eine Bemerkung vom Film. Der
Winkelathlet wollte mit der Faust ausholen. Da nahm sie die Packungen aus dem Halsausschnitt und warf sie dem Burschen vor die Füße. „Kann mich allein wehren. Knallkopp! Maehl weg, sonst sag ich den Blauen drei Worte. Die sind sowieso schürf auf dich.“
Ihre Füße steckten in Schuhen, die sich in der nächsten Minute in die dafür verwerteten Rohstoffe auflösen konnten. Jumbos Bude war kalt. „Dein Gesicht werden wir schon zurechtmachen“, sagte Jumbo. „Parierst du Ordre, schenk ich dir die Welt. Guck nicht so blöd. Filmstar sein ist besser als Eckenstehen!“
Ihren Kuß schüttelte er ab. „Sonst bin ich kein Kostverächter“, sagte er. „Aber erstmal gehst du baden.“ Später saßen sie in der Golden-Baar, Synkopen rasselten, es gab Beefsteaks mit Ei, Rotwein, Genever und schrille Schreie dieses Wesens, für das Jumbo irgendwo ein sauberes Kleid aufgetrieben hatte. „Kreischen kannst du sonntags!“ schnauzte er sie an. „Du heißt jetzt nicht mehr Tutti. Wart mal — hm, Brigga, das paßt zu dir. Brigga Olden.“
Ihm schmorte da eine Idee im Kopf herum. Die Handlung verlegte er auf einen Schleppkahn und in ein halbdemoliertes Landhaus, dazu ein Winkel in einer Bar. Das und etwas Rummelplatzkulisse mit Kettenschaukel genügte als Staffage. Ein halbes Jahr später war der Streifen fertig und schlug ein: Jumbo Schmidts Nachwuchsentdeckung! Es gab allerlei zu tratschen darüber, daß Jumbo um diese Brigga Olden wie ein Hund herumwedelte. Für Villa und Auto war das keine Zeit, immerhin hatte sie im Luxushotel Zimmer und Bad, und in Kleidern und Pelzwerk erstickte sie fast. Pressetees, Interviews, Bilder, Bilder, Bilder!
„Ich habe sie sprechen gelehrt!“ kriurrte er selbstgefällig, „bewegen kann sie sich, sie braucht nur die Augendeckel zu senken, dann wird jedem schwach.“ Vielleicht wäre es besser gewesen, Jumbo hätte sich an seine fünfzig Lenze erinnert, anstatt in der Bar so zu protzen.
„Warum ist sie nicht hier?“ höhnte Klipper, der beste Mann der Trifag. „Hat sie dir wieder einen Bären aufgebunden, sie besuche ihre Tante? Kräftige Tante das! Die nächste Rolle hat sie jedenfalls bei uns übernommen.“
Da saß ihm Jumbos Faust zwischen den Augen. Kollegen trennten sie. Klipper hielt ein nasses Taschentuch an die schmerzende Stelle. „Ich hätte auch zugeschlagen, Jumbo. Reg dich nicht auf! Sowas geht auch zu Ende. Komm mit auf den Rummelplatz!“
Erstaunlicherweise ließ Jumbo sich ins Schlepp nehmen. Am Kettenkarussell riß- er die Augen auf. Johlendes Volk, der Scheinwerfer grellte über Schuhe — die Beine! Ja, und der Fehmantel. Nachher ging sie Arm in Arm mit dem Winkelathleten zum Glücksrad, und dazu stieß sie schrille Schreie aus, und ihre Augen — nein, Jumbo drehte sich um. „Den Kerl haben wir pro forma engagieren müssen. Sie bestand darauf , versuchte Klipper zu erklären, aber Jumbo verschwand im Menschensog.
Klippers Zirkusfilm mit der Olden wurde ein dünner Aufguß von Jumbos Arbeit. Und ihre Riesengage reichte für die Rennwetten des Athleten nicht aus. Jumbo besetzte seinen neuen Film mit der Clarens und schoß wieder den Vogel ab. Das war vor einem Jahr. Drei Tage ist es her, da trafen wir ihn am Glücksrad. Er blickte nach der Ringerbude. Ein Schild prangte dort: Die Sensation vom Film — Persönliches Auftreten von Brigga Olden.
„Wie war noch der Titel dieses Films?“ fragte einer
„ .Tochter der Tiefe' “, sagte Jumbo. „Idi hielt, es nur für einen guten Einfall. Das Publikum hielt es für einen Film, die Presse für einen Griff aus der Wirklichkeit. Man soll damit nicht spielen.“ Was Jumbo jetzt macht, ist noch besser — aber da könnte eine neue Düse kommen oder eine lebendige Venus von Milo: er entdeckt keine mehr, seitdem ihm die Geschichte mit Brigga Olden passiert ist.
ABENTEUER IN DER SÜDSEE Benjamin Blake (Tyronne Power) ist der rechtmäßige Erbe von Breetholm in England. Als Junge aber wird er von Sir Arthur Blake, dem Bruder von Bens Vater, auf diesem Stammgut wie ein Sklave gehalten, er entflieht, fährt mit einer Galeere nach der Südsee. wo er auf einer Insel von den Eingeborenen aufgenommen und bald wie ein König geehrt wird. Er kehrt noch einmal nach England zurück, muß aber bald erkennen, daß seine Liebe jener fernen Insel und dem Mädchen Eve (Gene Tierney) gehört, zu denen er für immer zurückkehrt. Foto: MPEA
Rätselraten um Jean Simmons
Aus dem Herzen des dunkelsten Afrikas kam vor kurzem ein weißer Mann nach Amerika zurück. Bevor aber die Reporter das sonnenverbrannte Gesicht wiedererkannt hatten, sah man Jean Simmons in seiner Begleitung in einem exklusiven Neuyorker Nachtklub. Aber hieß es nicht, daß Jean sich mit Stewart Granger verloben wollte? Warum, zum Teufel, sah man sie jetzt mit einem Fremden? Nun, der dunkelverbrannte Mann war Stewart Granger, der sich diesen goldbraunen Farbton bei den Aufnahmen zü seinem letzten Film im Innern Afrikas geholt hatte.
Was tun die beiden in Neuyork? Wollen sie etwa hier heiraten? Neuyorks beste Presse-Spürnasen machen sich an die Arbeit, die Klatschtanten haben fruchtbare Tage. Aber selbst die raffiniertesten Reporter bekommen nichts anderes heraus, als daß Jean zur Premiere ihres Films „Trio“ nach Neuyork gekommen ist. Die amerikanische Presse veröffentlicht Geschichten in dem ihr eigenen sensationellen Stil. Sofort beginnen die Transatlantik-Kabel zu summen.
Die Londoner Morgenzeitungen veröffentlichen eigene Berichte über die vergeblichen Versuche ihrer Korrespondenten, die beiden Stars zu interviewen. Granger bekam sogar ausgesprochenen Krach mit einem Reporter, der auf typisch amerikanische Weise seine Nase zu tief in Stewarts Privatangelegenheiten stekken wollte. Jean war ständig den Blitzlichtern der Zeitungsleute ausgesetzt, die vor ihrem Hotel warteten, wie die Katze auf die Maus.
In Deutschland stellt sich heraus, wie groß die Beliebtheit von Jean und Stewart ist. Zahllos sind die Telegramme, die Telefonanrufe und Briefe, die jeden Tag bei der Eagle-Lion-Film in Hambürg ankommen. Aber noch kann niemand eine endgültige Antwort auf die Frage geben, sind Jean und Stewart nun wirklich verlobt? Jeans Mutter in London wurde gefragt. Auch sie weiß noch von nichts. Jean hat mehr dicht gehalten, als selbst Greta Garbo in der Zeit des Stummfilms. Ist das ganze nun ein Reklametrick oder stimmt es wirklich, daß auch Filmstars sich wie ganz gewöhnliche Menschen verlieben? Wir müssen gestehen, daß wir es selbst nicht wissen. Allerdings beobachteten wir, daß Stewart im vorigen Jahr, als Jean Deutschland besuchte, sie in jeder Stadt, die sie besuchte, anrief, daß dann ihre Augen leuchteten, und daß sie ihn manchmal, wenn keine Presse in der Nähe war, mit „Boss“ bezeichnete. Es heißt, daß sie jetzt eine wunderschöne goldene Brosche in der Form eines Käfigs trägt. Sollte das ein Verlobungsgeschenk sein? Ein Symbol dafür, daß er sie sich jetzt endlich eingefangen hat? Oder ist sie nur ein Andenken an ihren Film, den sie gerade beendete, an den Film „Der goldene Käfig“.
Neues vom Film
Paul Dahlke filmt pausenlos: an „Der fallende Stern“ schloß sich sofort „D e r Fall 7 A 9“ an.
Petra Unkel, das einstige Filmkind, spielt jetzt eine weibliche Hauptrolle des Lustspiels „Servus, Pete r“.
Margarete Slezak, die Tochter von Leo Slezak, wurde nach Liebenein.ers „Des Lebens Ueberfluß“ jetzt für den ausgezeichnet besetzten Paul-May-Film „D i e gestohlene Nacht“ verpflichtet.
Josef von Sternberg ist der Regisseur eines neuen RKO-Films „M ac a o“, in dem Robert Mitchum und Jane Russell die Hauptrollen spielen.
Ein Film im Film
Kürzlich drehte man in den MGM-Studios einen Film im Film. Das brachte natürlich allerlei Aufregung und lustige Verwechslungen. Die Filmstars Esther Williams, Ricardo Montalban und Cyd Charisse stellten — Filmstars dar. Jimmy Durante war ein energischer Aufnahmeleiter, Peter Lawford hatte die Rolle eines technischen Marineberaters, der die Künstler in dem Film überwachen mußte. Ein richtiger Marineberater wiederum war von dem offiziellen Filmstab engagiert worden, um wieder Lawfords Spiel zu überwachen,^ der, wie gesagt, wiederum seinerseits das Spiel seiner Kollegen — aber Sie sehen, es gibt allerlei .Durcheinander, wenn man einen Film im Film dreht.
Die Kameraleute, Beleuchter, Maskenhildner erhielten ihre Anweisungen von anderen Kameraleuten usw. Es war überhaupt alles doppelt. Es gab 2 Kameras, eine die filmte, und eine die gefilmt wurde, es gab ein richtiges und ein falsches „Script-Girl“. Der Aufnahmeleiter Durante schimpfte auf seine Techniker und Darsteller, während der richtige Aufnahmeleiter seinerseits auf Jimmy Durante und die Darsteller schimpfte. Gott sei Dank gab es wenigstens eine Person nur einmal und das war der Regisseur Richard Thorpe. Er hielt, obwohl er theoretisch 2 Filme gleichzeitig drehte, die Zügel fest in der Hand und so entstand unter seiner Regie ein schwungvoller musikalischer Farbfilm der Metro-Goldwyn-Mayer „Auf einer Insel mit Dir“, den wir demnächst auch in Deutschland sehen werden.
Gefährliches Gift?
Der Film „Zur roten Laterne“ wurde vom katholischen Filmdienst in die Wertungsgruppe 3 eingestuft: „Vom Besuch wird abgeraten!“ Trotzdem spielte ein Berliner Erstaufführungstheater den Film drei Wochen lang mit geradezu sensationellem Erfolg.
Walbrook oder Wohlbrück?
Adolf Wohlbrück nannte sich Anton Walbrook, als er nach London ging. Der Schwede Alf Kjellin glich seinen Namen dem Hollywood-Slang an, wurde in den Staaten berühmt und heißt seither Christpher Kent. Walbrook will sich nun wieder Wohlbrück nennen, seitdem die Gerüchte um seine Deutschland-Pläne nicht verstummen. Kent blieb bei seinem Hollywood-Namen, selbst als er in seiner schwedischen Heimat ^ingoalla“ drehte. Und die Schweden nahmen es ihm durchaus nicht übel.
DU BIST MUSIK FÜR MICH Wenn Paulchen Kemp so gute Laune hat, dann ist es kein Wunder, daß sich Olly Holzmann davon anstecken läßt. Er ist Papa dieses reizenden Mädchens in einem beschwingten neuen Wiefifilm, in dem wir auch Rudolf Prack, Hans Olden und Elfe Gerhart sehen werden. Musik, Humor und Liebelei sind die Zutaten, die, gut gemischt, für gute Unterhaltung sorgen. Foto: Schorchtfilm
BADENDE VENUS Der Mann, der hier „vollkommen im Bilde“ ist, heißt Red Skelton, ist einer der bekanntesten amerikanischen Filmkomiker und spielt in diesem Film einen Schlagerkomponisten. Die Dame, der Red Skeltons „Porträt“ so ausnehmend gut gefällt, ist Esther Williams alias Schwimmlehrerin Caroline Brooks, der Skelton in unwiderstehlicher Weise den Hof macht. Mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hat, bis er erhört wird, das kann nur der schier unerschöpflichen Phantasie eines Drehbuchautors entspringen. Aber schließlich kriegen sie sich doch, bei einem Wasserfestspiel, wo Caroline als badende Venus Aufsehen erregt. Sie sinken sich im wahrsten Sinne des Wortes in die Arme — nämlich unter Wasser. Foto: MGM
DER WAHNSINN DES DR. CLIVE Wieder, wie jeden Abend, füllt Dr. Riordans (Robert Newton) jene geheimnisvolle Thermosflasche mit einer Säure, bevor er zu Bill Kronin geht, den er in einem einsamen Keller gefangen hält, weil dieser einer der Liebhaber seiner Frau ist. Er will Kronin töten und dann den Leichnam in einem Säurebad restlos auflösen. Nacht für Nacht wird so die Wanne mit der zersetzenden Säure mehr gefüllt, und der Tag ist nicht mehr fern, an dem Kronin ermordet werden soll. Der Plan ist bis ins kleinste ausgedacht und vorbereitet — nach menschlichem Ermessen kann niemand Verdacht schöpfen —, da vereitelt ein Hund im allerletzten Augenblick den Mord. Ein spannender Kriminalfilm. Foto- Rank-Film
Darmstadt und Umgebung
Prinz und Prinzessin von Hessen in England
DT. Eigenbericht. - Prinz Ludwig v o n Hessen und Gemahlin weilen zur Zeit in England, wo sie an den Gedenkieierlichkeiten für die verstorbene Prinzessin Viktoria, einer Verwandten des Punzen teilnahmen. An einer internen Gedächtnisfeier am 24. Oktober in der königlichen Hauskapelle in St. James, zu der die Oeffentlichkeit nicht zugelassen w?r’. nahmen sie mit dem König und der Königin von England, der Königinmutter sowie vielen anderen Mitgliedern der königlichen Familie teil.
Der Gottesdienst in der kleinen altehrwürdigen Kapelle für die Verstorbene, die zuletzt den Namen Dowager Marchioness of Milford Haven oder Prinzessin Ludwig von Battenberg führte, wurde von einer ausgedehnten Liturgie und dem wundervollen Gesang des königlichen Knabenchores umrahmt. Anwesend waren ferner die Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth und ihr Gatte, der Herzog von Edinburgh, Prinzessin Margaret über diese drei Angehörige des königlichen Hauses brachten wir im „DT“ vor kurzer Zeit einen längeren Bericht der Herzog und die Herzogin von Gloucester, der Earl Mountbatten of Burma der letzte Vizekönig von Indien und Sohn der Verstorbenen und Gemahlin, Erbprinzessin Margarita zu Hohenlohe-Langenburg, der Markgraf von Baden, Prinz Max von Baden und eine größere Anzahl hoher und höchster Würdenträger des englischen Königshauses und der Diplomatie.
Oberbürgermeister im neuen Industrieviertel
Uebergabe der Fabrikationsräume an zwei Firmen / Neues Industrieviertel soll viele Arbeitsplätze geben / Kindergarten in dieser Gegend in Aussicht gestellt
Gestern nachmittag übergab Oberbürgermeister Metzger die Fabrikationsräume zweier neu angesiedelter Betriebe im neuen Darmstädter Industrieviertel um die Holzhofallee den Firmeninhabern. Der Rundgang, an dem außerdem Stadtkämmerer Dr. Feick, Architekt J ahn und andere Herren der Wiederaufbau-GmbH, teilnahmen, begann in der
Schokoladenfabrik Weigel,
einem Flüchtlingsbetrieb, der sich erst in diesem Sommer in Darmstadt niedergelassen hat. Nach einer Besichtigung der Fabrikatiönsanlagen versammelte sich die Belegschaft im großen Packraum. Nach den Begrüßungsworten von Herrn Weigel, wobei er dem Oberbürgermeister eine Spende von 250 Tafeln Schokolade für Flüchtlingskinder zur Verfügung stellte, sprach der Oberbürgermeister zur Belegschaft, die zumeist aus Frauen und Mädchen besteht. Er dankte für die Spende und erklärte nach einigen Ausführungen über den Sinn und den Zweck dieses neuen Industrieviertels für Darmstadt, daß die Flüchtlinge keinen Ballast bildeten, denn ihre Arbeit schaffe Werte, die wieder der Allgemeinheit zugute kämen. Er sei bei der Ansiedlung dieser verschiedenen Betriebe, die vielen Menschen Arbeitsplätze diese Firmen gut fortentwickelten.
Nachdem allen teilnehmenden Herren der kleinen Feier noch ein Probierpäckchen in die Hand gedrückt worden war, erfolgte die Uebergabe und Besichtigung der
Groß-Buchbinderei Fritzsche-Ludwig K.G. Ihr Mitinhaber Hollmann erklärte den Besuchern die maschinell unterstützten Buchbinderarbeiten, die durch ein flüssiges Hand-in-Handarbeiten sehr rationell ausgeführt werden. Auch dieser Betrieb mit ungefähr 70 Betriebsangehörigen beschäftigt zumeist Frauen und Mädchen. Herr Hollmann dankte, nachdem die gesamte Belegschaft zusammengerufen worden war, der Wiederaufbau-Gesellschaft und dem Oberbürgermeister für die außerordentliche Unterstützung, die kaum ihresgleichen findend, die Zweigniederlasung der Berliner Stammfirma ermöglicht habe. Oberbürgermeister Metzger drückte seine Freude über die seitherigen Erfolge des Betriebes aus und erklärte den Belegschaftsmitgliedern, daß sie sich durch gemeinsame Arbeit in Darmstadt wohl fühlen und die Neubürger unter ihnen bald wie Altbürger heimisch sein sollen.
Insbesondere stellte er den verheirateten Frauen unter der Belegschaft die baldige Schaffung eines Kindergartens in diesem Stadtviertel in Aussicht, um ihnen die Sorge für ihre Kinder während der Arbeitszeit zu erleichtern. agt.
Das „DT“ stellt vor:
Heinrich Rodemer
Kandidat
der Freien Demokratischen Partei für den Wahlkreis 43 (Darmstadt-Stadt)
Heinrich Rodemer ist am 21. Januar 1908 an Frankfurt/Main geboren, in Darmstadt aufgewachsen. Schulbildung: Mittelschule und Realgymnasium Darmstadt 1927 Abitur. Selbstverdientes Studium: Rechts- und Staatswissenschaften, Nationalökonomie, Geschichte Erstes juristisches Staatsexamen. 1934—1940 Redakteur in Darmstadt und Berlm 1940 bi« 1945 Soldat in Griechenland, Kreta, Norwegen und Rußland. Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nach Darmstadt. Kaufmännischer Angestellter Geschäftsführer der ehemaligen Westdeutschen Arbeitsvereinigung für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung.
Seit 1. November 1949 Chefredakteur der Wochenschrift „Deutscher Kurier . Stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Darmstadt-Stadt der Freien Demokratischen Partei (FDP).
Fnrum Darmstadt wird heute, Do“nersag aben” 20 Uhr. In der Stadt, halle die 4 Kandidaten Darmstadts zur hessischen Landtagswahl der Bevölkerung vorstellen. Nach kurzen Eingangsreferaten werden die Herren Ludwic^Metzger (SPD), Georg Brust (CDU), Heinrich Rodemer (FDP) und Ludwig Keil-(KPD) in der Diskussion auf die schriftlich eingereichten Fragen der Forumsbesucher antworten.
Auslegung der Wahlkartei
für die am 19. November 1950 stattfindenden Wahlen zum Landtag des Landes Hessen
Die Wahlkartei wird zur allgemeinen Einsicht vom 29. Oktober bis einschließlich 4. November 1950, am Sonntag von 9—17 Uhr, an Werktagen von B—l 2 und 14—18 Uhr für Darmstadt-Innenstadt im Wahlamt, Lagerstraße 9 11., Obergeschoß, Zimmer 30, für Dst.-Arheilgen und Dst. -Eberstadt bei den Ortsverwaltungen öffentlich ausgelegt.
Wahlbenachrichtigungskarten werden nicht versandt.
Wählen kann nur, wer in die Wahlkartei eingetragen ist oder einen Wahlschein hat. Alle Wahlberechtigten werden daher aufgefordert, sich während der Zeit der Einsichtnahme von dem Vorhandensein ihrer Karteikarte zu überzeugen.
Jeder Wahlberechtigte, der die Wahlkartei für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist in den angegebenen Zeiten bei den genannten Dienststellen schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift geben. Soweit die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht offenkundig ist, hat er für sie Beweise beizubringen. Nach Ablauf der Auslegungsfrist ist ein Einspruch nicht mehr zulässig.
Für Personen, die aus zwingenden Gründen nicht in ihrem Wahlbezirk wählen können, werden vom Wahlamt Wahlscheine während der Dienststunden (8—12, 14—16 Uhr) bis einschließlich Freitag, den 17. November 1950, 12 Uhr, ausgestellt.
Heag baute Gleise um
In der Nacht zum Mittwoch war der Platz vor dem Gerichtsgebäude am Anfang der Frankfurter Straße für Gleisverlegearbeiten der HEAG hell erleuchtet. Die alte gefährliche Kurve der Straßenbahnlinie 7 und 8 nach Arheilgen, die schon manchen Verkehrsunfall verursacht hatte, wurde durch die Begradigung der Luisenstraße in die Frankfurter Straße, herausgerissen und in eine sanfte Biegung umgewandelt. Direktor Strahringer leitete die Arbeiten persönlich mit seinen Ingenieuren. Bis zum ersten Straßenbahnzug am frühen Morgen war der neue Schienenstrang verlegt. -hm-
Metalldieben wird es schwer gemacht
Kriminalpolizei nimmt Kabeldiebstahl im Regierungspräsidium zum Anlaß schärfster Schrotthandel-Ueberwachung. Altmetalldiebe haben mit schwersten Strafen zu rechnen
In letzter Zeit mehren sich die Beschwerde über Altmetall- und Kabeldiebstähle in der näheren Umgebung Darmstadts. In der Nacht zum 28. Oktober stiegen Diebe nachts in einen früheren Luftschutzkeller im Alten Palais ein, wo sich heute ein Kabelschacht und eine Umschaltstelle befinden und schnitten ein Telefonkabel heraus, wodurch der direkte Fernsprechverkehr des Regierungspräsidiums mit anderen Dienststellen lahmgelegt wurde.
Sofort einsetzende Ermittlungen der städtischen Kriminalpolizei führten bereits zwei Tage später zur Festnahme von drei Personen und Sicherstellung des entwendeten Kabels. Zwei der Täter, der 28jährige W. M. aus Darmstadt und der 19 jährige D. W. aus Weißenfels wurden am 31. Oktober dem Amtsgericht Darmstadt vorgeführt. Ein dritter Täter, der 17jährige H. D. aus Bremen, der sich zur Zeit auf Wanderschaft befindet, entzog sich seiner Festnahme durch Flucht. Fahndungsmaßnahmen der Kripo wurden eingeleitet.
Die Täter hatten das gestohlene Kabel in einer hiesigen Metallankaufsstelle abgesetzt und dafür etwa zehn D-Mark erhalten. Demgegenüber beträgt der angerichtete Schaden rund 3000 DM. Die Geschäftsführerin der Ankaufsstelle, die 44jährige K. R. aus Darmstadt, wurde wegen Hehlerei ebenfalls festgenommen. Nach einer richterlichen Vernehmung setzte man sie jedoch wieder auf freien Fuß. Die Täter können unter Umständen mit Zuchthaus bestraft werden, da der Diebstahl an einem Gegenstände, der dem öffentlichen Nutzen dient, begangen wurde. Die Geschäftsführerin dürfte sich gleichfalls strafbar gemacht haben, weil sie das Kabel, von dem sie annehmen mußte, daß es mittels einer strafbaren Handlung erlangt war, angekauft hatte.
Die Kriminalpolizei weist die Schrotthändler und Schrottaufkäufer in diesem Zusammenhang nochmals nachdrücklichst darauf hin, daß es nach Paragraph 5 des Gesetzes über den Verkehr mit unedlen Metallen verboten ist. von Minderjährigen Altmetall zu erwerben. Wenn sie sich vor Strafe schützen wollen, tun sie gut, bei jedem Ankauf von Altmetall die genauen Personalien des Verkäufers anhand der Kennkarte und Kennkartennummer festzustellen und diese sofort in das zu führende Ankaufsbuch einzutragen. Ferner ist es dringend ratsam, sich bestätigen zu lassen, daß der Verkäufer der rechtmäßige Eigentümer ist und es sich nicht um Diebesgut handelt. Erscheint eine Person verdächtig, dann muß sofort die Kriminalpolizei verständigt werden. Nur auf diese Art und Weise werden sich die überhandnehmenden Metalldiebstähle eindämmen lassen.
Kriminalbeamte werden in Zukunft täglich Kontrollen bei den Schrotthändlern und Schrottaufkäufern vornehmen und sich überzeugen, daß die Bücher gemäß den gesetzlichen Bestimmungen geführt und bei Ankauf von Alt- und sonstigem Metall die bestehenden Vorschriften genauestens beachtet werden. Bei festgestellten Verstößen wird die Polizei unnachsichtig Strafanzeige erstatten und die Schließung des Geschäftes wegen Unzuverlässigkeit beantragen. wst.
Pfarrertagung des Ev. Bundes
Im Gemeindehaus, Liebfrauenstraße 6, hält der Evangelische Bund am 6. November eine Pfarrertagung ab. Die Veranstaltung soll der Klärung der Fragen dienen, die der evangelischen Christenheit durch die Verkündigung des neuen Mariendogmas gestellt sind. Nach einer Morgenandacht von Pfarrer Stühlinger sprechen am Vormittag Professor D. theol. Bertram, Gießen, über „Maria im Neuen Testament“ und Pfarrer Lic. Dr. Jost, Seligenstadt, über „Maria in der katholischen Dogmatik“, Den Nachmittagsvortrag hält Dozent Pfarrer Wolfgang Sucker vom Konfessionskundlichen Institut Bensheim über „Maria bei Martin Luther“.
Aehnliche Tagungen mit den genannten Rednern und Vortragsthemen sind auch für die übrigen Visitationsbezirke der Landeskirche vorgesehen, und zwar am 8. November in Gießen, am 14. November in Wiesbaden, am 16. November in Limburg, am 1. Dezember in Mainz, und am 12. Dezember in Frankfurt.
Tagung der GYA-Lehrkräfte
Mit einer Tagung unter Leitung von Theo Clausen im Haus der Jugend in der Fichtestraße setzte die GYA ihre in vierwöchentlichem Turnus jeweils in einem der südhessischen GYA-Jugendheime stattfindenden Unterweisungen und Aussprachen für ihre Heimleiter und Angestellten fort.
Rund 20 Teilnehmer hörten die Referate über die Bildung einer Jugendbibliothek (Frl. Naumann) und über die Arbeit der Jugendgerichte (Frl. Hermann). Der Leiter des Stadtjugendausschusses, Herr Pszo 011 a sprach sich für eine noch engere Zusammenarbeit der kommunalen Jugendstellen mit der GYA aus. Nach den Berichten der einzelnen Heimleiter, in denen u. a. die Bildung von Eltern- und Jugendbeiräten in den Heimen besprochen wurde, ergab sich eine anregende Diskussion. Die Aufführung eines Märchenspiels durch die Laienspielgruppe des Darmstädter Heimes schloß die Tagung ab. rw
Das hätte sich das alte Brückenhäuschen wohl nicht träumen lassen, daß in seinem ehrwürdigen Gemäuer eine Miniaturwohnung errichtet würde. Vor einiger Zeit wurde das Dachgeschoß auf den ehemaligen Wachraum der landgräflichen Wachmannschaft ge setzt, und aus dem beschränkten Raum entstand eine reizende Kleinwohnung mit Schlafzimmer und Wohnküche, Toilette und Duschnische. Der „Keller“ wurde in die Küche verlegt, in den man durch eine Falltüre hineinsteigt und dort vier Zentner Briketts und Kartoffeln lagern kann. Ueber eine Schneider-„Olympia“-Treppe gelangt man auf den Boden, wo wegen Platzmangels Gas- und Elektrizitätszähler untergebracht sind. Die ideale Wohnung für ein älteres Ehepaar oder einen ausgewachsenen Junggesellen. -st.
Gefängnis für Reifendieb
Wegen fortgesetzten Diebstahls und mehrerer Fälle der Beihilfe verhängte die Erste Strafkammer beim Landgericht Darmstadt am Montagabend gegen den einschlägig vorbestraften, 42 jährigen Werkzeugmacher Ludwig E. aus Darmstadt-Arheilgen ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Bereits im vergangenen Jahr war der Angeschuldigte mit 29 anderen Personen angeklagt worden, weil er vor und nach der Währungsreform bei seinen amerikanischen Arbeitgebern aus einem Arbeitsdepot 51 vollbereifte Autoräder herausgeschafft hatte. Während die 29 Mitangeklagten verurteilt wurden, verschwand E. damals als Hauptangeklagt'rr des ganzen Verfahrens in die französische Zone, wo er lange Zeit nicht aufzufinden war. wst.
Autokolonne am Luisenplat
Gestern erscholl auf dem Luisenplatz Musik aus dem Lautsprecher eines kleinen „Goliath“-Dreirad-Lieferwagens, der die Passanten zur Besichtigung einer dort geparkten Autokolonne der ~Goliath“-Werke, Bremen, herbeilockte. Die Darmstädter Firma Gisbert Wacker, die diese Bremer Firma neben anderen vertritt, zeigte den Interessenten die verschiedenen Ausführungen der bekannten Dreirad-Lieferwagen. Offene Lastpritschen verschiedener Größen wechselten mit geschlossenem Kastenaufbau und einem Spezialfahrzeug zum Viehtransport. Herr Hartmann von der ausstellenden Firma zeigte den ausgestellten „Goliath“- Pkw., ein fünfsitziges Fahrzeug mit amerikanisch anmutender Pontonkarosserie, das seit etwa einem halben Jahr auf dem Automarkt ist. Der Zweitaktmotor dieses Personenwagens leistet bei knapp 700 ccm Hubraum 24 PS, wodurch der Pkw., laut Prospekt, 100 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit erreicht. DT
Darmstädter Alpinisten feiern
das 80jährige Jubiläum ihres Zweigvereins
’ Am 5. November 1950 feiert die Sektion Darmstadt das Jubiläum ihres 80- jährigen Bestehens. Am 27. April 1870 kamen die Herren Hofgerichtsadvokat Ohly (späterer Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt). Ignatz Metz 11,, Seibert und Dr. Osann, Professor Dr. Fischer, Dr. Winkler; Bankier Fritz Sander. Lehrer Schmitz und Assessor Weyland im Restaurant Fink in Darmstadt zusammen, um die Sektion Darmstadt zu gründen. Vor 61 Jahren, am 12. August 1889. wurde die Darmstädter Hütte in der Ferwallgruppe eingeweiht. Ein Teil der Wegbennungen, wie „Apothekerweg“, „Advokatenweg“, „Ignatz-Metz-Weg“,legt Zeugnis ab von ihren Stiftern. Dank eines gütigen Schicksals, welches die Hütte auch in der zurückliegenden Zeit vor großen Schäden bewahrte, befindet sie sich heute in gutem Zustand. Sie wird sorglich gehütet von Hüttenwart Heinrich Schroth und dem Hüttenpächter Richard Sigi und seiner Ehefrau Theodora, die bereits über 25 Jahre dieses Amt versieht. Trotz schwerster Verluste, die der Verein durch Kriegseinwirkung an Mitgliedern hatte, blühte er unter seinem Vorsitzenden. Dr. Theodor Schmidt, erneut auf. Am 31. Juli 1948 übernahm Stadtrat Dr. E. Holtzmann den Vorsitz. Der Verein zählt nahezu 350 Mitglieder.
Kurze Meldungen aus der Stadt
Zwei Volkswagen stießen gestern nachmittag um 16 Uhr auf der Kreuzung der Holzhof- und Hindenburgallee zusammen. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Der aus der Holzhofallee kommende Kraftwagen kam erst wenige Zentimeter vor einer Mauer zum Stehen. *
Ein Lastkraftwagen streifte gestern mittag auf dem Lichtenbergplatz einen parkenden Personenwagen beim Einbiegen in eine benachbarte Straße. An dem Pkw. entstand Sachschaden.
Ein Pkw. überschlug sich gestern nachmittag an der Ecke Sand- und Wilhelminenstraße, als ein Personenwagen der Bundespost und der Personenwagen eines Darmstädter Metzgermeisters zusammenstießen. Es entstand größerer Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt. *
Durch Kurzschluß brannte ein am Donnersbergring abgestellter Pkw. in den gestrigen Morgenstunden • vollkommen aus. Die alarmierte Feuerwehr konnte das Fahrzeug nicht mehr retten. -Sg-
Restlos zertrümmert wurde gestern abend bei einem Verkehrst:nfall Ecke Taunusring/Paluaswiesenstraße ein Motorrad, das mit einem amerikanischen Personenwagen zusammengestoßen war. Der Motorradfahrer erlitt so schwere Verletzungen, daß er in das Krankenhaus in Eberstadt eingeliefert werden mußte.
Eine Fahrt nach Oppenheim veranstaltet die Vereinigung alter Burschenschafter (VAB) am Samstag, dem 4. November. Die Abfahrt erfolgt 14.30 Ühr ab früherer Mercks-Apotheke am Luisenplatz. In Oppenheim findet eine Besichtigung der dortigen Baudenkmäler, u. a. auch der Katharinenkirche statt, ö
Beim Hessischen Landgestüt wurden Georg Darmstädter, Fritz Fuchs, Marcus Hinz, Philipp Schwöbel und Max Sziede zu Gestütswärtern ernannt. -oa-
Die Metzgerei Ludwig Petri, Saalbaustraße 61, hat heute, nach dem Wiederaufbau ihres alten Geschäftshauses, wieder eröffnet. Das Geschäft wurde bereits im Jahre 1884 von einem Vorfahren des jetzigen Inhabers gegründet.
Die Industriegewerkschaft Chemie, Pa¬ pier. Keramik, Filialverwaltung Darm¬ stadt-Arheilgen. hält am Freitag, dem 3. November 1950 um 20 Uhr im „Löwen“ eine Mitgliederversammlung ab. Nach einem Bericht von den Verbandstagen in München und Fulda, Ref. Frau Erler. Darmstadt, wird über das Thema ..Was hat die Gewerkschaft auf dem lohnpolitischen Gebiet für den Bezirk Darmstadt im Jahre 1950 erreicht?“, Herr Kaiser. Sekretär der Verwaltungsstelle Darmstadt, referieren.
Generalkonsul a. D. K. A. Balser, Auer¬ bach-Bensheim, erhielt von der Technischen Hochschule Darmstadt einen Lehrauftrag für asiatische Kulturgeschichte.
De Valera in Darmstadt
Der irische Innenminister Vivion de Valera, ein Sohn des ehemaligen irischen Premierministers Eamon de Valera, traf am Mittwoch in Darmstadt ein. Er erklärte vor Pressevertretern, daß er sich zu einem „rein privaten Besuch“ einige Tage in Deutschland aufhalten werde. ap.
Diskusston
über Fragen
Die von dem Diplom-Psychologen Dr. A. Z e d d i e s in der Volkshochschule bereits gehaltene Vortragsreihe über . .Aktuelle Psychologie“ mit den drei Themen: „Leitlinien der richtigen Menschenbehandlung“, „Psychologie der Geschlechter“, sowie „Die Bestimmung des Menschen in der Welt“, fand lebhaften Anklang bei der zahlreichen Zuhörerschaft. Es entsprach dem Wunsche fast aller, an das Gehörte einige Ausspracheabende anzuschließen. Die erste Diskussion. bei der Dr. Zeddies selbst zugegen sein wird, findet in Verbindung mit der Volkshochschule heute, am 2. November, 19.30 Uhr im Amerikahaus statt. Ueber den Teilnehmerkreis an der Vortragsreihe hinaus sind alle, die sich für die Probleme der modernen Psychologie interessieren, eingeladen.
Frauenausschuß des DGB gegründet
Im Kreisausschuß Darmstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat sich der Vorstand des Frauenausschusses konstituiert.
Am zweiten Mittwoch eines jeden Monats findet regelmäßig eine Sitzung statt. An zwei Tagen in der Woche wird die Frauensekretärin, Frau Marta Sieger, im Sekretariat des Kreisausschusses Darmstadt anwesend sein.
Einen Lesesaal eröffnet heute um 17 Uhr, mit einer Ansprache von BibPotheksdirektor Dr. Rasp, ehe Hessische Landes- und Hochschulbibliothek. -st
Wie wird das Wetter?
Nachts frostfrei
Vorhersage: Am Donnerstag zeitweise neblig trüb, sonst bewölkt, aber höchst unbedeutende Niederschläge. — Allgemein ansteigende Temperaturen, schwache Winde. Weitere Aussichten: Vielfach neblig-trübe, aber verhältnismäßig mild.
Wohin gehen wir heǔte ?
Landestheater: Orangerie: 19.30 Uhr, „Maß für Maß“, Schauspiel von W. Shakespeare; Ende gegen 22 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Madonna in Ketten“; Thalia: „Anna Karehina“; Belida: „Stern von Rio“; Palast: „Kennwort 777“; Hansa: „Die weiße Sklavin“. Südhess. Gas- und Wasser AG: Luisen - platz 4: 19.30 Uhr: Vortrag: „Martinsgans und Pasteten im Gasbackofen“. Amerikahaus: „Technik im Haushalt“, Vorführung moderner elektrischer Geräte. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10 bis 15 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“. Pauluskirche: 19.30 Uhr: Singgemeinde Oberhausen, „Totentanz von Hugo Distler“. Stadthalle: 20 Uhr, Forum: „Kandidaten stellen sich vor“.
Wir gratǔlieren
77. Geburtstag: Herr Michael Aßmus, Darmstadt, Pallaswiesenstraße 35.
STARKENBURG
Vollgas voraus!
Till Eulenspiegel wurde eines Tages von einem Bauern gefragt, wie er am schnellsten in den und jenen Ort käme, „Wenn du langsam fährst, bist du am ehesten dort“, war die Antwort, vor^, deren Verwirklichung oder Bewahrheitung sich der Bauer, auf halber Strecke mit gebrochener Achse liegen bleibend, überzeugen konnte.
Zeit und Raum sind nunmehr innig miteinander verwoben, seitdem die Geschwindigkeitsgrenze ab 31. Oktober auf allen Autostraßen aufgehoben ist. „Denn hart im Raume treffen sich die Dinge“ erfährt seinen endlichen Realwert. Wonach wir lange gestrebt haben, geht nunmefir in Erfüllung: Steuern und Geschwindigkeiten ist keine Grenze mehr gesetzt. Mit Geschwindigkeit steigen die Steuern oder die Steuern steigen mit der Geschwindigkeit. Dies alles ist uns als Abzahlungsgeschenk für Weihnachten unter den kommenden Adventskranz gelegt worden.
Bevor die zweite Kerze am Kranze brennt und sich alles wegen des Kohlenmangels dicht herum schart, werden die Erkennungsmarken für die Benutzung der Autobahn ausgegeben. Bei zukünftigen Unfällen brauchen die Polizisten nicht mehr lange zu suchen, denn die Blechmarke wird als einziges in voller Form zu finden sein, während Motor, Karosserie, Scheinwerfer und Insassen im jeweils gegenüberliegenden Fahrzeug zu sehen sind.
Hier ist endlich ein Weg gefunden worden, die konkurrierenden Auto-Firmen zur Allianz zu bringen. Man tauscht wahrscheinlich sozusagen die Teile aus, das folgendermaßen vor sich gehen dürfte: Der Scheinwerfer des funkelnagelneuen Volkswagens — Export-Modell —, mit „hundert Sachen“ auf den Mercedes — Modell „S“ — auffahrend, wird, nachdem er sich wie ein sägender Fisch durch das Heck gebohrt hat, seine zukünftige Funktion als Nebellampe in der Nähe des gegnerischen Armaturen-Brettes aufnehmen.
Liebenswürdige Zurufe kann man sich sparen, oder besser, wird man sich hüten, zu benutzen, da man sich sowieso blitzschnell im anderen Fahrzeug wiedersieht, wo eine zwangsläufige Versöhnung stattfindet. Was heißt hier: „Hätte eine Karambolage bei 30 Kilometer Geschwindigkeit?“ Eine geradezu kindische Beschleunigung. Wir rudern nicht mehr sanft aufeinander los, sondern im harten Aufprall wickinghafter Männlichkeit werden wir überschäumende Kräfte messen.“
Die Verkehrspolizei wird neue Rekrutierungs-Maßnahmen treffen und sich Überschall - Geschwindigkeits-Motorräder anschaffen. Und der „magische Kilometer 512“ bei Gräfenhausen wird mit seinen „nur“ 25 Unfällen Sinnbild zurückhaltender Bescheidenheit bleiben.
A propos: Mäßigung der Fahrt auf Dorfstraßen: dort kann man sowieso nicht schnell fahren, weil die Kanaldeckel oft die einzig glatte und ebene Fläche darstellen. Sg.
FDP eröffnet Wahlkampf
Pressekonferenz mit dem Geschäftsführer des Landesverbandes Hessen der Freien Demokratischen Partei Roland Eckerscham, Kandidat für den Hessischen Landtag im Landkreis Dieburg
Der Kandidat der FDP für den Wahlkreis 45 Dieburg, Geschäftsführer Roland Eckerscham, Frankfurt, eröffnete gestern den Wahlfeldzug seiner Partei. Auf der im „Mainzer Hof“ in Dieburg einberufenen Pressekonferenz waren die Vertreter der im Kreis verbreiteten Tageszeitungen anwesend. Rechtsanwalt Dr. Fritz Czermak, Büdingen, der Stellvertreter des Kandidaten, war am Erscheinen verhindert. Rolahd Eckerscham beantwortete Fragen, die ihm schriftlich und mündlich gestellt wurden.
Sicherung des inneren Friedens:
Eine verfassungsmäßig eingesetzte Regierung muß zur Sicherung des inneren Friedens über eine zentral geleitete, befohlene und einsatzbereite Polizei verfügen.
Artikel 41 der hessischen Verfassung:
Die Gewerkschaften streben auf dem Weg über die Sozialisierung weitgehenden Einfluß auf die Leitung de^ Unternehmen an. Das führt mit Hilfe ihres Funktionärkorps zu einer Machtzusammenballung, wie sie bisher selbst bei Kartellen noch bei Monopolen da war.
Rückgliederung Rheinhessens:
Die Aussichten auf grundlegende Aenderung des Länderunfugs mit 137 Ministern sind in absehbarer Zeit denkbar gering. Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ist eine Wiederangliederung Rheinhessens an Hessen anzustreben.
Remilitarisierung:
Man sollte treffender sagen „Beteiligung Deutschlands an der europäischen Verteidigung“ verbunden mit der Herstellung unserer vollen und absoluten Gleichberechtigung, Beseitigung der Besatzung, des Ruhrstatuts, der Beschränkung der Industrie und des Schiffsbaues, Beendigung bzw. Revision der Kriegsverbrecherprozesse.
Schulreform:
Sie kann bis zur Erreichung ihrer wünschenswert idealen Form der Förderung befähigter junger Menschen einschließlich Studium und Gewährung der Lehr- und Lernmittelfreiheit durch den Staat nicht in 1 bis 2 Jahren durchgeführt werden.
Gemeindeordnung:
Sie muß in die Verwaltungsreform eingebaut werden. Der Aufbau der Selbstverwaltung muß von unten nach oben, der Abbau der staatlichen Stellen von oben nach unten erfolgen.
Urwahl des Bürgermeisters:
Sie bedingt eine völlige Umstellung unserer derzeitigen Einstellung und setzt eine weitgehende Politisierung der Wählerschaft voraus. RG
Roland Eckerscham ’eb. 18. 11. 1915 in Leipzig, ab 1936 bei der Luftwaffe, Kriegsflieger an allen Fronten, 1945 aus italienischer Gefangenschaft entlassen, danach Fluglehrer bei der US-Besatzung. Stieß im Dezember 1946 zur FDP, war zunächst Geschäftsführer in Wiesbaden und ist seit 1947 beim Landesverband.
Waffenlager in Groß-Umstadt
Herr Kuß, Groß-Umstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße, teilte uns mit:
„In Ihrem Artikel in der Dienstag-Ausgabe Ihrer Zeitung .Waffenlager in Groß-Umstadt aufgedeckt“, möchte ich Sie auf folgende Falschmeldung aufmerksam machen. In dem letzten Absatz muß es nämlich heißen: er benutzte unbefugt einen amerikanischen Jeep, steuerte ihn hinter Semd in einen Graben, und meldete sich am nächsten Morgen freiwillig der amerikanischen Polizei in Münster. Seine Verurteilung erfolgte damals nachweislich wegen unbefugter Autobenutzung, und n i c ht wegen einer Entwendung.“
AOK-Gelder für Groß-Umstädter Krankenhaus
Gemeinderat nahm Kostenbeteiligung an
Der Groß-Umstädter Gemeinderat behandelte in seiner Dicnstagssitzung einige Punkte, die seither schon verschiedentlich im RJittelpunkt der Erörterungen standen und das Interesse weitester Kreise der Einwohnerschaft in Anspruch genommen haben.
Zur Frage der Heranziehung der Anlieger an der Habitzheimer Straße zu den Kosten der geplanten Kanalisation, deren Höhe auf etwa 23 000 DM'berechnet ist, hatte Bürgermeister Hartmann eine Mustersatzung beschafft. Da sie jedoch nur Allgemeingültigkeit hat, wurde sie der Finanz- und Baukommission zugeleitet, die die örtlichen Gegebenheiten bei ihren Beratungen entsprechend berücksichtigen soll. Der Anregung des Landrats, bei der Zugrundelegung der Kostenanteile den Einheitswert anzunehmen, soll nicht Folge geleistet, sondern der derzeitige Verkehrswert der einzelnen Grundstücke als Maßstab herangezogen werden. Die Arbeiten sollen am 20. November d. J. in Angriff genommen, der dazu notwendige Betrag als Darlehen von der Genossenschaftsbank Groß-Umstadt beschafft werden.
Bezüglich des Neubaues Ritzert am Herrenberg war der Plan des Bauherrn auf Anlage eines Privatwegs im Juni ab gelehnt worden. Die Kreisplanungsstelle hatte Auftrag, einen neuen Entwurf zu fertigen. In diesem Entwurf war der umstrittene Weg wieder enthalten. Bei seiner Anlage würden die Interessen von vier Grundstücksbesitzern sehr stark berührt, außerdem müßten 25 Obstbäume entfernt und eine Böschung von 3,50 Metern gestochen werden. Der Gemeinderat lehnte auch diesen Vorschlag und mit ihm zugleich Landrat Ritzert und das Kreisplanungsamt als Aufsichtsbehörde wegen Befangenheit ab und beschloß, diese Angelegenheit dem zuständigen Sachbearbeiter für Baufragen beim Regierungspräsidenten in Darmstadt zur Entscheidung zuzuleiten.
Bezüglich der Kosten für den Erweiterungsbau des Kreiskrankenhauses nahm der Gemeinderat das Angebot der Allgemeinen Ortskrankenkasse Dieburg auf Kostenbeteiligung in Höhe von 55 000 DM an. Der Bürgermeister wurde jedoch beauftrcrt, wegen der von der Stadt erhobenen Aenderungen bei den zu beachtenden Bedingungen nochmals Verhandlungen aufzunehmen. Auf Grund der Feststel-
lung, daß der Stadt bei der weiteren Erhebung der Gewerbesteuer durch das Finanzamt im Gegensatz zu der bisherigen Annahme besondere Kosten nicht entstehen, bleibt es in dieser Hinsicht bei der bisherigen Regelung. Der gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgesellschaft Dieburg wurden 168 Festmeter Holz für die Errichtung von sechs Doppelwohnungen für einen Industriebetrieb zugesprochen.
Ueber die Anregung, das zur Zeit in städtischer Hand liegende Inserationswesen (Anschlagtafeln), das bisher eine jährliche Einnahme von ungefähr 1500 DM brachte und die Veröffentlichung der städtischen Bekanntmachungen in einer demnächst zweimal wöchentlich erscheinenden auf Groß-Umstadt zugeschnittenen Zeitung wurde ein endgültiger Entschluß noch nicht gefaßt. Dem Karnevalverein Narrhalla wurde die Säulenhalle des Rathauses zu seinen Veranstaltungen am 11. November d. J. und am 13. Januar 1951 vermietet. RG
Was lange währt...
Heimat- und Familienabend des OWK Roßdorf
Die Ortsgruppe Roßdorf des Odenwaldclubs führt am kommenden Samstag, um 20 Uhr im Saale des Gasthauses „Zur Sonne“ ihren langgeplanten Familien- und Heimatabend durch. Das umfangreiche Programm sieht u. a. „Neues aus eigenen Werken“ des Heimatdichters Gg. Löffler und Adam Stöckert, sowie Kostproben aus dem Schaffen des Mundartdichters Georg Schaffnit, gelesen von Karl Bögel, vor. Weiter wirken Frau Kober mit Liedern aus der Puppenfee, einem Stimmungsliederpotpourri, sowie die „Dorfschwalben“ und der Handharmonikaklub Roßdorf mit Volks- und Heimatliedern mit.
Den Höhepunkt des Abends bildet das von der Spielschar aufgeführte Alt-Roßdörfer Lustspiel aus den 90er Jahren: „Die Hoamkehr vun de Holzsteijing“ von Georg Löffler.
Aller Segen kommt von oben
Von einem mit Altmetall hochbeladenen Lastkraftwagen stürzten am Montag gegen 18 Uhr auf der Landstraße in Richtung Kirschhausen beim Passieren eines parkenden Volkswagens mehrere Stücke alter Ofenplatten herab. Das Gußeisen durchschlug das Verdeck des Wagens und richtete in seinem Innern erheblichen Schaden an. Der Lenker, der gerade ausgestiegen war, kam mit einem zerrissenen Anzug davon. (-r)
Jakobson festgenommen
Der wegen des Verdachts der Beteiligung an dem schweren Einbruchsdiebstahl am 26. September in Groß-Gerau von der Polizei gesuchte Marion Jakobson aus Frankfurt wurde in diesen Tagen von der bayrischen Landespolizei in der Nähe von Karlstadt am Main festgenommen.
Ein Beamter der Kriminalinspektion Darmstadt, der mit der Aufklärung dieses Falles beauftragt ist, konnte durch einen Briefumschlag, auf dem Jakobsons neue Adresse stand und den er bei einer Freundin des Gesuchten fand, ein Fernschreiben an die zuständige Polizei des neuen Aufenthaltsortes von Jakobson aufgeben und dessen Festnahme veranlassen. wst.
Vom Motorrad gestreift
Auf der Nibelungenstraße in der Nähe der Haltestelle Ried ro d e wurde ein Bürstädter Radfahrer von einem Motorrad mit Seitenwagen gestreift und zu Boden geschleudert. Da er zu weit auf der linken Straßenseite gefahren war, trifft ihn die Schuld an dem Unfall selbst. Er wurde mit schweren Verletzungen von der Unfallstelle weggebracht. (el)
Heidelberger Bachquartett in Jugenheim
Die von der Kulturgemeinde Jugenheim vorgesehenen Konzerte und Dichterlesungen werden am Freitagabend, 20 Uhr, im Lesesaal des Education Service Center (Gartensaal des Hotels „Krone“) mit einem Konzert des Heidelberger Bachquartetts eröffnet. Dargeboten werden Werke von Joh. Seb. Bach und Anton Bruckner. hl.
33 Monate Gefängnis für „Soforthilfe“
Sühne für Lores Diebereien in Südhessen
Nach zwei Verhandlungstagen verurteilte gestern die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt die 41jährige Lore Z. aus Lorsch wegen zum Teil fortgesetzten einfachen und schweren Diebstahls in 47 Fällen zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis.
Die mitangeklagte 50jährige Elise L. aus Lorsch erhielt wegen Hehlerei in zehn Fällen drei Monate Gefängnis. Das Verfahren gegen die 30jährige Ruth K. aus Lorsch wurde abgetrennt.
Wie wir bereits in unserer Dienstagausgabe berichteten, hatte die Hauptangeklagte Z., die blaß, nervös und in einem Pelzmantel vor den Richtern saß, in zahlreichen Orten Südhessens eine Unmenge von Geld-, Schmuck- und Lebensmitteldiebstählen verübt. Das von ihr gestohlene Gut hatte einschließlich der entwendeten Gelder einen Wert von über 30 000 DM.
Ihre Diebereien führte sie durchweg in Bauernhäusern und Gastwirtschaften aus, weil sie — wie sie angab — als arme
Mutter mehrerer Kinder und Ausgebombte „die reichen Bauern schädigen wollte“. Sie betrachtete anscheinend ihre Handlungen als „private Soforthilfe“. Als man sie schnappte, legte sie ein umfassendes Geständnis ab und erleichterte den Kriminalbeamten in geradezu erstaunlicher Weise die Arbeit.
Obwohl man ihr zunächst nur drei Diebstähle zur Last legte, gab sie sofort die große Reihe der anderen zu, um — wie sie betonte — ihr Gewissen zu erleichtern. Niemals hätte man diese ganzen Fälle ohne die Mithilfe der Angeklagten restlos aufklären können. Zum anderen kehrte bei vielen Bestohlenen und deren Familienmitgliedern sowie Mitbewohnern durch die Geständnisse der Angeklagten wieder der häusliche Frieden ein. Einer hatte nämlich den anderen verdächtigt.
Landgerichtsdirektor Hahn wies in seiner Urteilsbegründung mit Nachdruck auf die fast unvorstellbare hohe Zahl von Lores Diebereien hin, erwähnte aber auch, daß die Angeschuldigte zunächst aus einer Notlage heraus gehandelt habe. Dann aber hätte sie „Geschmack an ihren Taten gefunden“ und sei immer unverschämter geworden, bis sie dann zuletzt in ihrer „Sucht“ zweimal täglich auf Diebestour gegangen sei. Die Angeklagte müsse geradezu einen „sechsten Sinn“ gehabt haben, als sie unbemerkt am hellen Tage die Diebereien beging und stets die Hausschlüssel und das aufbewahrte Geld sofort entdeckte.
Der Vorsitzende betonte, daß nur das freimütige Geständnis sie vor einer Zuchthausstrafe bewahrt habe. Aus diesem Grunde rechnete ihr das Gericht auch die volle bisher erlittene Untersuchungshaft an.
Die „Mitläuferin“ der Hauptangeklagten Z., die mitangeklagte Elise L., hielt das Gericht nur der Hehlerei und nicht — wie es der Staatsanwalt beantragt hatte — der Beihilfe für schuldig. Ihre dreimonatige Gefängnisstrafe ist durch die Untersuchungshaft verbüßt. wst.
Auf falschem Weg ins Gefängnis
Der 28jährige Fuhrunternehmer Walter J. aus Hof (Bayern) erhielt gestern in einer Verhandlung vor der Zweiten Darmstädter Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vier Monate Gefängnis.
Auf der Autobahn bei Kilometer 534 war der Angeklagte in der Nähe von Lorsch mit seinem Pkw. auf einen entgegenkommenden Wagen aufgefahren, der Fahrer dieses Wagens, der Ingenieur 8., fand dabei den Tod. Ein mitfahrender Berufskollege des Ingenieurs und eine Schauspielerin erlitten schwere Verletzungen.
Der Angeklagte fuhr damals auf der falschen Fahrbahn. Er gab vor Gericht an, er sei durch ein Sperrschild irritiert worden und deshalb verkehrt gefahren. Er war dann mit dem ihm entgegenkommenden Wagen zusammengestoßen.
Das Gericht wertete zu Gunsten des Angeklagten, daß er den festen Glauben gehabt habe, sich auf der richtigen Fahrbahn zu befinden. wst.
Waldmichelbach dankt seinem Landrat
Mammutsitzung des Gemeinderats
Mit nicht weniger als 26 Tagesordnungspunkten hatte sich die montägliche Sitzung des Gemeinderats Waldmichelbach zu befassen.
Nachdem eine etwas undurchsichtige Wohnungszuteilungsangelegenheit behandelt worden war, wurde die Vergebung der Winterschafweide für insgesamt 450 DM gutgeheißen. Der Antrag der CDU-Fraktion, Minderbemittelten eine Winterbeihilfe zu gewähren, wurde grundsätzlich angenommen, desgleichen die Eingliederung des Ortsteiles Sekkenrain in den Walbez:rk I. Zum neuen Ortsgerichtsmann für den wegen hohen Alters ausscheidenden Dr. med. Winckler wurde Architekt Ludwig Lipp bestellt.
Bürgermeister Bachmann berichtete sodann über den in dieser Woche zu Ende gehenden letzten Abschnitt der Notstandsarbeiten, für den in 480 Tagewerken 10 680 DM aufgewendet worden sind. Weitere rund 7000 DM wurden für Aufgaben, die während des Winters auftreten. in Reserve gestellt. Die zwischen dem Beauftragten des Justizministeriums und dem Bürgermeister abgesprochene Miethöhe für das erweiterte Amtsgericht wurde mit 367 DM monatlich gebilligt, wobei für den hinzugetretenen Wohnraum 1 DM pro Quadratmeter, die jedoch nur zu 75 Prozent von den Gerichtsbeamten gezahlt wird, berechnet wurden.
Ein Antrag auf Grundsteuererlaß für die in der Bürgermeister-Stein-Straße errichteten fünf Neubauten wurde bis zur Klärung der Rechtsverhältnisse zurückgestellt. 754 DM genehmigten die Räte ferner für eine neue Glocke am Schulhaus Unter-Waldmichelbach. Auch das Schreiben des Bürgermeisters an Landrat Dengler, in dem der Dank des Ueberwaldes für die tatkräftige Initiative beim Straßenbauprogramm, zugleich aber auch die Hoffnung auf Instandsetzung des Reststückes Kreidebacher Höhe— Stallenkandel ausgesprochen wurde, fand einstimmige Billigung.
Hauptproblem der Sitzung aber war zweifellos der Vortrag über den Finan-
zierungsplan für das neue Sport-, Kultur- und Jugendhaus der Gemeinde, in dem u. a. auch zwei Schulräume und eine Turnhalle untergebracht werden sollen. Da die Gemeinde in den Jahren 1925—1927 unter Zurückstellung dringender Wege- und Kanalisationsarbeiten das Gebäude der Adam-Korrillon-Schule für nahezu 400 000 DM errichtet hat und dabei keine fremden Mittel in Anspruch nahm, ist damit zu rechnen, daß der beantragte Zuschuß in Höhe von zweimal 25 000 DM, der für den notwendig gewordenen Neubau der Schulräume erforderlich ist, alsbald genehmigt wird, zumal in den beiden letzten Jahren dadurch rund 35 000 DM für Wasserleitungsarbeiten aufgewandt werden mußten. Für den ersten Bauabschnitt stellten die Gemeinderäte 15 000 DM aus Verfügungsmitteln, 10 000 DM an Holz aus dem Gemeindewald und 4500 DM an Eigenleistung in Anrechnung, -r
CDU-Redner im Kreis Bergstraße
Am Sonntag spricht der Bundestagsabgeordnete und Vertreter der Heimatvertriebenen, Hans Schütz, um 15 Uhr in Bensheim im „Bensheimer Hof“. Schütz hat bereits vor dem Europarat in Straßburg im Auftrag des deutschen Bundestags das Vertriebenenproblem vertreten.
Auf einer Versammlung am 2. November wird um 20 Uhr in der Heppenheimer Stadthalle der neue Bundestagspräsident, Oberkirchenrat Dr Ehlers, 1. Justitiar der Bekennenden Kirche, unter anderem zu dem Thema: „Scheitert die Union an der Frage der Remilitarisierung“ Stellung nehmen.
Der Vorsitzende des Lastenausgleichs-Ausschusses und Schöpfer der „Unkeler Beschlüsse“, Direktor der Anstalt in Bethel, J. Kunze, wird am 17. und 18. November in Bensheim, Heppenheim und Lampertheim das Wort ergreifen.
Bundesarbeitsminister Anton St or c h wird am Sonntag im Ratskeller in Viernheim zu den Problemen der Arbeiterschaft Stellung nehmen, ebenso wird der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser,- am 13. November in verschiedenen Orten an der Bergstraße sprechen. HB.
Vierjähriges Kind von Jeep überfahren
Am Dienstagabend ereignete sich in der Kettelerstraße in Dieburg ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem der vierjährige W. G. einen schweren Schädelbasisbruch mit Gehirnverletzung sowie eine Hüftverletzung erlitt. Das Kind lief in dem Augenblick aus der elterlichen Wohnung durch das Toi- auf den Fahrdamm, als ein aus Richtung Kleinzimmern kommender amerikanischer Jeep, der von einem Zivilfahrer gesteuert wurde, das Haus Kettelerstraße 51 passierte. Wegen seiner lebensgefährlichen Verletzungen mußte das Kind ins Krankenhaus übergeführt werden. RG
„Entgegenkommende Bibliothek
Die amerikanische Lesehalle Erbach, die bereits seit einigen Wochen mit gutem Erfolg eine Buch-Ausleihstelle bei Lehrer Berndt in M ü m ling - Gr umb a c h unterhält, hat auf Grund der dort gemachten Erfahrungen zwei weitere Außenstellen bei Lehrer Menzlaw in Groß-Gumpen und bei Lehrer Vogel in Hummetroth mit Unterstützung des Resident-Office Erbach eingerichtet. Die Buchbestände der Außenstellen werden alle vier Wochen erneuert. Die Ausleihe erfolgt kostenlos. Nur wenn die Ausleihefrist überschritten wird, sind je Buch und Tag 25 Pfennig zu bezahlen. -ch.
Abermals verschoben
Die öffentliche Sitzung des Erbacher Kreistags, die für heute angesetzt war, wurde mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand von Landrat Neff abermals verschoben. Da als Hauptpunkt der Tagesordnung die Verabschiedung des Kreisetats für das Rechnungsjahr 1950/51 vorgesehen ist, möchte der Landrat die Beratung persönlich leiten. Ein neuer Termin konnte noch nicht festgesetzt werden. -ch.
Raum für zehn Familien
In Güttersbach wurde am Dienstagnachmittag in Anwesenheit von Vertretern der Kreisverwaltung und des Hessischen Staatsbauamtes Erbach sowie des früheren Güttersbacher Bürgermeisters Dr. Haller das Richtfest für das große Gemeindehaus an der Hauptstraße gefeiert. In dem Neubau werden nach Fertigstellung insgesamt zehn Flüchtlingsfamilien untergebracht. Nach den Ansprachen an der Baustelle versammelte sich abends fast die gesamte Gemeinde im Saal bei Bürgermeister Helm. -ch
Ueber drei Millionen Darlehen
Beachtliche Erfolge kann die Kreissparkasse für den Landkreis Dieburg in Groß-Umstadt aufweisen. Seit der Währungsreform wurden an die einheimische Wirtschaft und Bevölkerung, insbesondere für den sozialen Wohnungsbau über 3 Millionen DM an Krediten und Darlehen ausgegeben. rfd
Unsere Geburtstagskinder
73. Geburtstag: Herr Georg Grein, Wixhausen, Erzhäuser Straße.
Ein Leben in Nächstenliebe
. Jusenheimer Gemeindeschwester Juüe H u n d , die 1949 noch im Alter von 70 Jahren 5000 Kranke besuchte, ist in den wohlverdienten Ruhestand getreten.
Ueber 11 Jahre stand Schwester Julie in der Gemeinde Jugenheim im Dienst der Nächstenliebe, pflegte die Kranken und Alten und half den Notleidenden. Sie machte nie viel Aufhebens von ihrer aufopfernden Tätigkeit. Ob Regen oder Sonnenschein, bei Tag oder Nacht, stets war Schwester Julie unterwegs, um den Kranken zu helfen. Viele Besuche waren mit Nachtwachen verbunden und trotz der vielen Arbeit fand sie noch Zeit, mit den Frauen der Evangelischen Frauenhilfe Näh- und Flickarbeiten zu machen.
Nach 6jähriger Ausbildung im Darmstädter Elisabethenstift war sie in Worms, Büdingen und während des ersten Weltkrieges in verschiedenen Feldlazaretten in Rußland und Rumänien tätig, dann wieder 4 Jahre im Elisabethenstift, anschließend 12 Jahre im Kreiskrankenhaus Erbach und kam am 11. April als Gemeindeschwester nach Jugenheim. Schwester Julie mußte wegen eines Beinleidens ihren aufopfernden Dienst aufgeben und kehrt in das Mutterhaus zurück. hl.
Lehrreiche Tagung
Der Kreisverband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner des Kreises Dieburg hielt dieser Tage eine überaus lehrreiche Tagung für alle Ortsgruppenvorsitzenden des Kreises in Reinheim ab. Der als Delegierter an der Ausschußsitzung des Bundestages beteiligte Kreisvorsitzende Coy gab einen Stimmungsbericht über die Verabschiedung des neuen Bundesversorgungsgesetzes in Bonn.
Nach seinem Vortrag wurden verschiedene Anträge, die am 12. November in Frankfurt stattflndende Landesverbandsausschußsitzung betreffend, angenommen. Für die einzelnen Vereine legte man folgende Termine für die nächsten Versammlungen fest: 2. Nov. Semd, 3. Nov. Dorn diel, 4. Nov. Dieburg, 7. Nov. Hergershausen, 9. Nov. Altheim, 14. Nov. Lengfeld und Hering in Lengfeld, 15. Nov. Fränkisch-Crumbach, 17. Nov. Raibach, 20. Nov. Groß-Umstadt. Alle Veranstaltungen stehen unter dem Motto „Neue Rentenzahlungen“ und werden durch Kreisvorsitzenden L. Coy gemeinsam mit den Vorsitzenden der Ortsgruppen durchgeführt. NB
Fachvorträge beim Roten Kreuz
Wie die Ortsverwaltung des Roten Kreuzes in Groß-Gerau mitteilt, sollen im Verlauf des Winters von Aerzten mehrere medizinische Fragen behandelnde Vorträge gehalten werden. Die Vortragsreihe beginnt am 3. November mit einem Referat von Obermedizinalrat Dr. Binsack, der über das Thema: „Wie verlaufen die zur Zeit verbreiteten Infektions-Krankheiten und wie schütze ich meine Familie davor?“ sprechen wird. Der Eintritt zu diesen allgemein empfehlenswerten Vorträgen im Rathaussaal ist frei. Kr
Gemeinde-Abend in Bensheim
Als Ausklang des Reformationsfestes veranstaltete die evangelische Gemeinde Bensheim einen Gemeindeabend im „Bensheimer Hof“, der sehr gut besucht war. In seiner Begrüßungsansprache sprach Pfarrer Dr. Sakob den Wunsch aus. daß dieser Abend dazu dienen möge, die evangelische Gemeinde in Bensheim wieder fester zu verbinden und zu einer wahren Gemeinschaft zu machen.
Das sehr umfangreiche Programm bestritten der Posaunenchor unter Leitung von Herm Bitsch, der Kirchenchor unter Leitung von Studienrat Dr. Kling, zwei Kindergottesdienstgruppen, die Gemeindejugend, Marie ter V e h n (Klavier) und Helmut H. Schad (Violine). Im ersten Teil spielten die Kleinen unter Leitung von Frl. Martin das Märchen vom „König Drosselbart“.
Die Größeren unter der Leitung von Frl. Zimmermann brachten das Märchenspiel ..Der Froschkönig“, das ein Instrumentalkreis unter Leitung von Musiklehrer Früh mit Musik von Leopold Mozart (Vater von Wolfgang Amadeus Mozart) sehr wirkungsvoll untermalte. Die reizenden Kostüme für diese beiden Märchenspiele hatte Frau Frey entworfen und hergestellt.
Im zweiten Teil brachte die Gemeindejugend unter der Leitung von Jugendsekretär Werner ein besinnliches Spiel „Der Sämann“. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied: „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“, dem Segen und einem Nachspiel des Posaunenchors schloß der Gemeindeabend. HB
Prof. Hoelscher in Bensheim
Am Sonntag, dem 5. November, um 17.15 Uhr, gibt Prof. Ludwig Hoelscher, der bekannte Cellist, im Rahmen der Veranstaltungen der Goethegesellschaft ein Konzert in der Turnhalle des Bensheimer Gymnasiums.
Hoelscher ist Rheinländer. Er studierte bei Wilhelm L a m p i n g auf Schloß Haiburg, in Köln, München und Berlin sowie bei Prof. Julius Klengel in Leipzig. Hier wurde ihm auch der Mendelssohnpreis verliehen. 1931 trat er in das Elly-Ney-Trio ein und wurde 1937 als einer der jüngsten Professoren an die Hochschule für Musik nach Berlin berufen.
Bei seinem Konzert in Bensheim wird er wieder von dem bekannten Pianisten Hans Richter-Haaser begleitet. Auf dem Programm stehen: Beethoven op. 5, Nr. 2, Bach Solosuite Nr. 2, Vitali: Chaconne und Brahms op 55.
120 000 DM „verwechselt“
In der letzten Sitzung des Gemeinderates von Nauheim bei Groß-Gerau bat die Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen um Auskunft, warum die vom Landesamt für Flüchtlinge vorgesehenen 120 000 DM für den Bau von 15 Einfamilienhäusern nicht ausgeschüttet wurden. Bürgermeister Schad gab eine Erklärung ab, wonach der Sachbearbeiter beim Landesamt für Flüchtlinge „Nauheim“ mit „Raunheim“ verwechselt haben soll und wohl aus diesem Grund eine finanzielle Zuweisung unterblieben sei. Darauf stellte die CDU-Fraktion den Antrag, einen Untersuchungsausschuß zu bilden, um die undurchsichtigen Vorgänge zu überprüfen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde beschlossen, in dem Waldstreifen an der Königsstädter Straße eine parkähnliche Anlage zu schaffen. Für die Rektorenstelle der Volksschule, zu der 3 Bewerbungen vorlagen, wurde Lehrer Machenheimer einstimmig vorgeschlagen und gewählt.
Der Waldwirtschaftsplan für den Nauheimer Unterwald schließt mit 21 370 DM Einnahmen und 15 000 DM Ausgaben ab. Auch der Wirtschaftsplan der Gemeinde wurde einstimmig angenommen, au
Chorleitertagung in Erbach
Für den 28. und 29. Oktober hatte das Amt für Kirchenmusik die Chorleiter des Dekanates Erbach nach Erbach eingeladen. Thema der Tagung war: „Das neue Singen.“
Musik treibt der Kirchenchor nicht um der Musik willen oder etwa aus rein ästhetischen Gründen, sondern der Kirchenchor hat wie der Organist den Auftrag, mit der Musik Gott zu loben, zu danken und zu ihm zu beten.
Diese Gedanken bildeten das Hauptthema der Tagung. Außer den Chorleitern waren noch genügend Chormitglieder da, so daß eifrig gesungen werden konnte. Sätze alter und zeitgenössischer Meister wurden erarbeitet. Am Sonntagmorgen sang dann dieser Chor unter Leitung von Kantor Reich vom Amt für Kirchenmusik in der Stadtkirche in Michelstadt im Gottesdienst den Hugo-Distler-Satz: „Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren.“
Schlachtviehmarkt in Darmstadt
Marktbericht vom 31. Oktober 1950 Auftrieb: 122 Großvieh (54 Ochsen. 27 Kühe, 41 Färsen), 94 Kälber, 416 Schiweine, 20 Hämmel. Marktverlauf: Großvieh ruhig. 9 Stück Ueberstand. Kälber, Schweine und Hämmel flott, geräumt. Fleischmarkt: 6 Tonnen Inlandfleisch und 3,8 Tonnen Importe (Dänemark). Preise (in Dpf. je 500 gr. Lebendgewicht): Ochsen aa 80 bis 85, a 70 bis 79, Kühe aa 70 bis 82, a 55 bis 76, b 52 bis 62, c 46 bis 51, Färsen aa 82 bis 90, a 70 bis 82, Kälber a 120 bis 135, b 110 bis 125, c 90 bis 110, d 60 bis 75,
Meldungen aus den Landlceisen
DARMSTADT-LAND—
Ober-Ramstadt. Die Gemeinde erhielt jetzt die Bauleitpläne genehmigt zurück. -D-
Nieder-Modau. Der Bezirks-Obst- und Gartenbauverein Modautal hatte kürzlich seine Mitglieder zu einer Besprechung über die am 5. November stattfindende Bezirks-Obstausstellung in den Darmstädter Hof eingeladen. prs
Pfungstadt. Die Molkereigenossenschaft hielt kürzlich im „Gambrinus“ ihre ordentliche Generalversammlung ab. Nach Verlesung des Geschäftsberichtes durch Direktor J. Jäger, wurde die Wahl des Vorstandes und des Aufsichtsrates vorgenommen, die nur in einem Falle eine Aenderung ergab.
Jugenheim. Innerhalb der Jugendwoche des Kreisjugendausschusses veranstaltet die Volkshochschule am Sonntag, um 16 Uhr, in der Turnhalle einen Elternnachmittag. hl
Bickenbach. Lehrer Gräff, der seit Frühjahr 1949 an der hiesigen Volksschule tätig war, wurde nach Hähnlein versetzt. An seine Stelle trat Lehrer Schneider, seither in Nieder-Beerbach. — Die Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten veranstaltet diese Woche eine Spielzeugsammlung. rh
DIEBURG
Babenhausen. — Der Ortsverein des Roten Kreuzes hält ab 6. November einen Lehrgang für erste Hilfe unter der Leitung des Bereitschaftsarztes Dr. Michel ab. NB
Harreshausen. — Die freien Grundstücke der Teilnehmergenossenschaft Rodgau, von denen z. Z. Plan und Verzeichnisse auf der Bürgermeisterei aufliegen, kommen am 6. November an Ort und Stelle zur Versteigerung.
Kleestadt. — In der letzten Gemeinderatssitzung wurde der Antrag auf Beschaffung von Winterkohle und Hausbrand für Kriegsfolgenhilfe-Empfänger einstimmig angenommen. Das Brennholz soll auch im kommenden Winter wieder verteilt werden. Er
Lengfeld. — Die Gemeindebehörde macht darauf aufmerksam, daß bei Frostgefahr die Hauptabsxellhähne der Waserleitung nachts zu schließen und die Entlerungshähne zu öffnen sind. ML
Groß-Bieberau. — Die Bauarbeiten am Schulhausneubau machen gute Fortschritte. Bei günstiger Witterung ist mit planmäßiger Fertigstellung des ersten Bauabschnittes bis zum 1. Dezember zu rechnen. GD
Fränkisch-Crumbach. Auf der Straße nach Nieder-Kainsbach bog ein Lkw.-Fahrer so weit nach links aus, daß er ein auf die Straße einbiegendes landwirtschaftliches Kraftfahrzeug mit Anhänget streifte. Der Anhänger wurde zertrümmert. Es entstand ein Sachschaden von etwa 2000 DM. RG
ERBACH
Höchst. Das Rathaus, an dem jahrzehntelang keine Ausbesserungen vorgenommen wurden, ist jetzt renoviert worden. Zur Verschönerung des gesamten Ortsbildes sollen im kommenden Frühjahr weitere Erneuerungen vorgenommen werden. Le.
Michelstadt. Nachfolger des kürzlich verstorbenen Gendarmerie-Obermeisters und Leiters der Gendarmeriestation, Karl Philippi, wurde Gendarmeriemeister Hans Petermann. ch
Reichelsheim. Der Sängerkreis „Gersprenz“ hat für Sonntag, um 13.30 Uhr, eine Kreisvorstandssitzung in das Gasthaus „Zum Odenwald“ in Brandau einberufen. -ch
BERGSTRASSE
Lorsch. Der Gesangverein „Germania“ hält am Samstag einen Familienabend in der Turnhalle ab. bl.
Neckarsteinach. Die Erweiterung im Ortsbauplan und die Errichtung einer Wetterstation am Rathaus wurden jetzt endgültig von den Gemeinderäten genehmigt. -r
Wahlen. Da das alte Forsthaus am Bahnhof gegen Kriegsende durch Tiefflieger zerstört worden war, entschloß sich die Forstbehörde, .ein neues Haus an geeigneter Stelle zu errichten. Mit dem Bau am sogenannten Schmelzrain wurde jetzt begonnen. -r
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Im Rahmen der Rot-Kreuz-Vorträge spricht am Freitag um 20 Uhr Obermedizinalrat Dr. B i n s a c k über das Thema: „Wie verlaufen die z. Z. verbreiteten Infektionskrankheiten und wie schütze ich meine Familie davor?“ im Rathaussaal. eng
Trebur. Unter Führung von Bürgermeister Roth fand dieser Tage ein Wiesenrundgang statt, bei dem der sehr niedere Grundwasserstand aufflehl, der sich auf die Heu- und Grasernte sehr nachteilig ausgewirkt hatte. au
Kelsterbach. „Das Leben in Rußland und der Alltag in Moskau“ ist das Thema eines Vortrags, den Michael Morosow heute abend in der neuen Schule mit Lichtbildern halten wird. Im Anschluß an das Referat findet eine Diskussion statt. au
Nauheim. Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt an der Straße Nauheim —Königstädten Ziersträucher anzupflanzen und Ruhebänke aufzustellen. Ob jedoch diesem Vorschlag zugestimmt wird, bleibt abzuwarten, da für dieses Vorhaben kein Geld im Haushaltsplan veranschlagt wurde.
Der SPORT
Aufblühendes Kinderturnen im Kreis Darmstadt
Ueber 2000 Kinder in den Kinderturnabteilungen
Nach den Kinder-Turnfesten im Turnkreis Darmstadt beginnt die Winterarbeit in den Vereinen. Es erscheint uns daher angebracht, einmal auf die Arbeit der einzelnen Vereinsabteilungen zurückzublicken.
In oft eindrucksvoller Weise wurde unter Beweis gestellt, daß die Kinderturnwarte ihre Arbeit vorbildlich gelöst haben, wenn man auch oftmals den Eindruck hatte, daß die Arbeit für das Kind nicht immer die Achtung und Wertschätzung bei den zuständigen Stellen gefunden hat, die sie, gemessen an ihrem hohen Wert, eigentlich verdient.
Von den 36 Vereinen im Kreis Darmstadt, die Turnen betreiben, haben nur fünf Vereine keine Kinderturnabteilungen Rund 2000 Buben und Mädels werden in diesen Vereinen betreut, ein schöner Beitrag für die Ertüchtigung unserer Jugend auf dem Gebiete der Leibesübungen.
Mit am sträksten sind die Vereine in Darmstadt dabei vertreten, wie die TSG 1846, TG 75 und die TG Bessungen, die nahezu 200 Kinder beschäftigen. Im Kreisgebiet sehen wir weiter noch Egelsbach, Arheilgen, TV und SSG Langen, die auch über Hundert betreuen. Aber auch die anderen Vereine können stolz sein, beachtliche Kinderturnabteilungen zu haben, so Weiterstadt, Griesheim, Wixhausen, Pfungstadt, TSG und SKG Eberstadt, die zwischen 60 und 100 Kinder melden.
Wenn wir heute nochmals aui aie arei Kindertumfeste des Kreises zurückblikken so sehen wir die freudigen Kinderherzen bei ihren Hebungen im Wurf und Lauf oder bei der feinen Haltung an den Geräten, und wie sie mit voller Begeisterung bei den Gemeinschaftsübungen mitmachen. Leider waren bei diesen Kindertumfesten nicht alle Vereine vertreten die Kindertumen pflegen, und es scheint uns, als ob der eine oder andere Uebungsleiter noch nicht den richtigen Kontakt mit den gestellten Aufgaben des Hessischen Turnverbandes gefunden hat.
Die stärkste Beteiligung hatte aas 01- derturnfest in Egelsbach, das mit 563 Kindern beschickt war. Vertreten waren dort- TSV Braunshardt mit 12, SSL Dangen 36 SG Erzhausen 41. SG Wixhausen SG Weiterstadt 68, TSG Darmstadt 57’ TV Langen 93, SG Arheilgen 71 F.nd die dortige SG Egelsbach mit lu2 Kindprn. ~ _ jj.
Das zweite Treffen m ooer-Kamsraai hatte eine Beteiligung von 208 Buben und Mädels, die sich wie folgt auf die tnilnohmenden Vereine verteilen: TSG Ebe^^ Nieder-Ramstadt 1, Frankenhausen 17, ’ SKG Eberstadt und die SKG Ober-Ram «tndt 66 Kinder. _
Pac letzte Kindertumfest in EscnoUbrücken sah nochmals über 300 Teilnehmer auf dem Turnplatz. Daran nahmen teil von der SKG Eberstadt 35, TG 75 Darmstadt 69, TSV Pfungstadt 65, TV Hahn 11, Tgd Bessungen 78 und der TSV Eschollbrücken 60 Kinder.
Der schöne Aufschwung im Kinderturnen im Kreis Darmstadt, der wettkampfmäßig nur die Kinder von 10—14 Jahren umfaßt, ist ein Verdienst der in den Vereinen tätigen Kinderturnwarte und -wartinnen, die keine Zeit und Mühe scheuen, um die ihnen anvertrauten Kinder für die Tumsache zu begeistern und die an sie gestellte Erziehungs- und Bildungsaufgabe voll zu erfüllen.
Richtungsweisend für den turnerischen Nachwuchs in der Ausbildungsarbeit ist der Kreiskinderturnwart Peter Becker, Darmstadt, der sich um die Aufwärtsentwicklung große Verdienste erworben hat.
Lehr- und Ausbildungsstunden während des Winterhalbjahres werden die erfolgreich begonnene Arbeit auf diesem Gebiete des deutschen Turnens weiter fortsetzen. * kof.
Nachlese vom Sonntag
Hockeysieg in Marburg
VfL Marburg — TEC Darmstadt 1:2 (0:0)
dr. Bei herrlichem Wetter kreuzten die ersten Herren mit dem befreundeten VfL Marburg auf dessen Platz ihre Schläger. Erwartungsgemäß zeigten sich die Grün-Weißen stärker, als ihr augenblicklicher Tabellenplatz besagt, sind ihnen doch allein drei Punkte nachträglich am grünen Tisch aberkannt worden. — In der ersten Halbzeit spielte der TEC groß auf, und die Durchbrüche der Gastgeber verliefen sich nach zehn Minuten in der Darmstädter Verteidigung. Der TEC-Sturm, der hinter sich eine schwächere Läuferreihe hatte als in Offenbach, hielt die Marburger Verteidigung laufend unter Druck, aber der Torwächter verhinderte bis zur Pause eine Darmstädter Führung, wenn ihm auch der Pfosten mehrmals aushelfen mußte.
Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit, als der TEC das ohnehin schnelle Spiel noch beschleunigte, konnte Rieß endlich mit einem Sohlenzball aus unmöglicher Position das 1:0 für Darmstadt erzwingen. Nun wurde das Spiel offener und die Verteidigung des TEC mußte sich mehr auf Abwehr verlegen, als dem
Aufbau dienen. Beide Sturmseiten ließen Chancen aus, wenn auch die des TEC zwingender waren. Zehn Minuten vor Schluß glückte dem Marburger Rechtsaußen der — für Darmstadt vermeidbare — Ausgleich. Nun lief das Spiel wieder für die Darmstädter, die unter allen Umständen den zweiten Punkt erkämpfen wollten. Die kurzen Ecken, die durch die vielbeinige Abwehr verursacht wurden, führten aber bis zur letzten Minute zu keinem Erfolg. In der Schlußminute endlich schoß Rieß eine von Grosser handgestoppte Strafecke zum Siegestor ein. Dem Torpfiff folgte der Schlußpfiff, der dem fairen Treffen, in dem die beiden Frankfurter Unparteiischen nicht viel Arbeit hatten, ein Ende bereitete.
Im Darmstädter Sturm gab es in der Pause eine Umstellung, die sich günstig auswirkte. Grosser wurde von Rechtsaußen auf Halbstürmer geschickt und entlastete damit den Spielmacher und Durchreißer Rieß, während Dielmann auf Außen besser als erwartet ins Spiel kam.
Handball
TSG 46 Darmstadt —TSV Pfungstadt 6:10 (3:4)
Die favorisierte Mannschaft der Woogsleute mußte am Sonntagmorgen auf der Wooigwiese den Gästen aus Pfungstadt nach schwacher Leistung beide Punkte zu überlassen. Die einheimische Mannschaft kam an die in den letzten Spielen gezeigte Form nicht heran, da Pfungstadt mit seiner harten und nur auf Erfolg eingestellten Spielweise den Platzbesitzer mit seinem System nicht zur Entfaltung kommen ließ. — Die erste Halbzeit war vollkommen ausgeglichen, und beide Hintermannschaften ließen durch gute Markierung nur wenige Erfolge zu. Mit einem knappen 4:3-Vorsprung konnten die Gäste die erste Spielhälfte für sich entscheiden. Nach dem Wechsel nahm das Spiel an Spannung und leider auch an Härte zu. da der Wiesbadener Schiedsrichter nicht genug durchgriff. Keiner der beiden Mannschaften gelang es, einen ' klaren Vorsprung herauszuarbeiten. Etwa 15 Minuten vor Schluß konnte die Darmstädter Elf mit 6:5 Toren erstmalig die Führung an sich reißen, hatte aber dann mit einigen Lattenschüssen — es waren über ein Dutzend im gesamten Spiel — großes Schußpech. Einzelne Durchbrüche brachten die Pfungstädter wieder in Führung, die sie bis zum Schlußpfiff auf 10:6 Tore ausdehnen konnten. — Der Motor im Gästeangriff und gleichzeitig dessen erfolgreichster Spieler war- Steinmetz. — Der sonst ausgezeichnete Torwart des Platzbesitzers hatte nicht gerade seinen besten Tag und war nicht ganz schuldlos an der Niederlage. — Im Vorspiel der Reserven gewann die einheimische Vertretung mit 13:5 Toren. -th-
Alzey gegen Braunshardt 6:14 (3:6)
In Alzey boten die Gäste aus Braunshardt eine vorzügliche Leistung und konnten auf Grund ihres schnellen und technisch besseren Spieles einen klaren Erfolg erringen. Die Gastgeber kämpften trotz der hohen Niederlage bis zur letzten Minute mit vollem Einsatz und Elan. In dem Innentrio hatten die Alzeyer ihren besten Mannschaftsteil. Auch der Torwart gab eine sehr gute Figur ab. konnte jedoch an den placierten Schüssen der Braunshardter Stürmer wenig ausrichten. Bei den Braunshardtern waren der „Ersatz“-Tormann Wesp, Mittelläufer Engel und Volz, der mit sieben Treffern Schützenkönig wurde, die besten Spieler.
Vom Beginn weg sahen die Zuschauer einen spannenden Kampf. Durch drei Freiwurf-Tore schafften die Blau-Weißen eine beruhigende 3:0-Führung. Je drei Treffer auf beiden Seiten ergaben den Pausen¬ -stand. Schöne Kombinationen des Braunshardter Sturmes bestimmten in der zweiten Halbzeit das Spielgeschehen. Die Gäste vergrößerten ihren Vorsprung zunächst auf 10:3. Wolter und Schäfer verbesserten durch drei Treffer das Ergebnis auf 10:6. Im Endspurt jedoch konnte Volz durch unhaltbare Freiwürfe den 14:6-Stand herstellen. Reser-
Basketball
BC Darmstadt siegte in Kreuznach
Der BC Darmstadt hat sich durch diesen wertvollen 34:27- (17:18)-Auswärtssieg in Bad Kreuznach hinter den Turnerbund Heidelberg auf den zweiten Platz gesetzt und den bisherigen Tabellenzweiten Heidelberger Tv 1846 auf den 3. Platz verwiesen. An der vierten Stelle liegt der MTV Gießen mit dem gleichen Punktverhältnis wie BC Darmstadt und Heidelberger TV. Der VfL 1848 Bad Kreuznach ist durch seine neuerliche Niederlage auf die 5. Stelle abgerutscht, während die Homburger TG und der BC Karlsruhe noch ohne Sieg das Tabellenende zieren.
Das Heidelberger „Lokalderby“ brachte den erwarteten Erfolg des TBH. der mit 49:38 verhältnismäßig sicher siegte. Der Turnerbund ist durch diesen Sieg gegen seinen wahrscheinlich stärksten Widersacher in der Oberliga Südwest allein noch ohne Niederlage.
Das sehr gut besuchte Treffen MTV Gießen gegen Homburger TG kam bei weitem nicht an die Klasse der beiden anderen Spiele heran. Allein das niedrige Resultat von 16:13 (für Gießen) deutet darauf hin. Beide Mannschaften werden sich noch beträchtlich verbessern müssen, wollen sie sich erfolgreich in der Oberliga behaupten.
| Die Tabelle hat jetzt folgendes Aussehen: | ||
| 1. Turnerb. Heidelberg 3 3 0 147: 89 6:0 | ||
| 2. BC Darmstadt 3 2 1 123:108 4:2 | 3. Heidelberger TV 1846 3 2 1 133:121 4:2 | 4. MTV Gießen 3 2 1 69: 71 4:2 |
| 5. VfL 1848 Kreuznach 4 2 2 130:119 4:4 | 6. Homburger TG 3 0 3 58:104 0:6 | 7. BC Karlsruhe 3 0 3 77:125 0:6 |
Short in Kürze
Sonderzug des SV 98 nach Stuttgart Zur Fahrt des SV 98 Darmstadt zum Deutschen Meister Vfß am kommenden Sonntag nach Stuttgart wurde ein Sonderzug bereitgestellt. Abfahrt: 8.10 Uhr ab Darmstadt Hauptbahnhof, Ankunft: 11.24 Uhr in Stuttgart-Cannstatt. — Rückfahrt: 18.07 Uhr ab Stuttgart-Cannstatt, Ankunft: 21.17 Uhr in Darmstadt. Der Fahrpreis beträgt 10,— DM. Karten für den Sonderzug sind nur bei der Geschäftsstelle des SV 98 erhältlich.
Schauturnen in Seeheim
Mit einem reichhaltigen Programm an Tänzen, Gymnastik und Geräteübungen tritt der TV Seeheim mit allen Riegen am kommenden Samstag im Hotel Hufnagel zum erstenmal nach dem Kriege vor die Oeffentlichkeit. Damit soll an die ehrenvolle Tradition früherer Jahre angeknüpft werden und in der Bevölkerung das Interesse für die gute Sache des Turnens geweckt werden. Die Turnerinnen und Turner erwarten zahlreiche Zuschauer.
Radrennen in Büttelborn
Am Sonntag veranstaltete die radsportbegeisterte Gemeinde Büttelborn vor zahlreichen Zuschauern ihr diesjähriges Abschlußrennen. Sieger in diesem über 6 Runden gehenden Rennen „Rund um Büttelborn“ auf einer insgesamt 35-km-Strecke wurden:
1. Werner Schulmeyer, Mörfelden, 49,03 Min. 2. Philipp Astheimer, Büttelborn 49,32-Min. 3. Karl Friedel, Wiesbaden 49,54 Min. Für das kommende Jahr, in dem der Radsportverein Büttelborn sein 30jähriges Bestehen feiert, ist eine Großveranstaltung vorgesehen. kr-
Die Handball - Schiedsrichtervereinigung Sportkreis Darmstadt gibt bekannt: Am Samstag, dem 4. November 1950, findet in der Gaststätte Arnold, Darmstadt, Bismarckstraße, die Schiedsrichtermonatsversammlung statt.
(eb) Groß-Umstadt. Eine Kreisvorturnstunde der Turnerinnen des Kreises Dieburg fand am Sonntagvormittag in Groß-Umstadt statt. Die Leitung lag in den Händen von Sportwart Roth (Groß-Umstadt). Turnerinnen aus dem gesamten Kreisgebiet waren erschienen, um am Gerät ihre Uebungen zu verbessern und ihr Können zu zeigen.
In der Tischtennis-Bezirksklasse Darmstadt besiegte die TSV Pfungstadt überraschend die SKG Ober-Ramstadt mit 9:7. Ausschlaggebend! für den Erfolg der Gastgeber war der Gewinn des Doppels Thasler/Eidmann über Seling/Franz, Ober-Ramstadt. Ku.
Schreibt an Fritz Knippelius
„Verkehrsampeln für Darmstadt“
Zu dem im Darmstädter Tagblatt Nr. 95 vom 19. 10. 1950 veröffentlichten Leserbrief nimmt das Polizeipräsidium wie folgt Stellung:
„Die Anbringung von Verkehrsampeln wurde schon vor längerer Zeit erwogen, aber wegen der hohen Anschaffungskosten nicht durchgefuhrt. Bei der derzeitigen Finanzlage der Stadt Darmstadt ist auch in absehbarer Zeit mit der Beschaffung solcher Anlagen nicht zu rechnen. Auch nach unserer Auffassung sind Verkehrsampeln bewährte Einrichtungen zur reibungslosen Abwicklung des Straßenverkehrs- Die Darmstädter Polizei würde es begrüßen, wenn an den Hauptverkehrspunkten der Stadt derartige Anlagen eingerichtet werden könnten. Eine Entlastung der Verkehrspolizei wäre es aber nur. wenn die Verkehrsampeln automatisch gesteuert würden. Da wir in Darmstadt nur zeitweise stärkeren Verkehr haben, müßten die Ampeln von Polizeibeamten bedient werden, sonst würde sich die Anlage verkehrshemmend auswirken.
Im Stadtkreis Darmstadt sind zur Zeit an vier Straßenkreuzungen Verkehrsposten eingesetzt und zwar: 1. Straßenkrezung Rhein Neckarstraße von 7—19 Uhr; 2. Straßenkreuzung Heidelberger —Bessunger Straße von 7—19 Uhr; 3. Straßenkreuzung Frankfurter —Pallaswiesenstraße von 16—18 Uhr; 4. Straßenkreuzung Rhein Wilhelminenstraße von 11—13 Uhr und von 16—18 Uhr versuchsweise.
Die Meinung, die Polizei erlaube den Kraftfahrzeugführern, die Straßen der Stadt im Renntempo zu durchfahren, trifft nicht zu. Die Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge wird durch die motorisierte Verkehrspolizei ständig überwacht. Außerdem bemüht sich die hessische Polizei, durch die Abhaltung von Verkehrserziehungs- und Verkehrsüberwachungswochen auf alle Verkehrsteilnehmer belehrend einzuwirken. So wurde auch erst kürzlich in Hessen eine Verkehrsüberwachungswoche durchgeführt. Wenn auch die Verkehrsteilnehmer während der in Frage kommenden Zeit den Anordnungen der Verkehrspolizei willig Folge leisteten, war doch das Gesamtergebnis unbefriedigend, da ein Sinken der Verkehrsunfälle nicht eingetreten ist. Nach wie vor wird beobachtet, daß die Hinweise der Polizeibeamten nicht von allen. Verkehrsteilnehmern beachtet werden.“
„Ein Loch in der Stadtplanung“
Zu dem Leserbrief vom 10. 10. unter gleicher Ueberschrift erhielten wir folgende Stellungnahme:
Die Ruthsstraße ist eine schmale Straße mit nur unbedeutendem Anliegerverkehr. Einen Durchgangsverkehr weist sie nicht auf, da der Straßenzug Kahlerstraße — Schloßgartenstraße — Ruthsstraße — Müllerstraße beiderseits blind endet und da einem etwaigen Ost-West-Verkehr der knapp 100 Meter nördlich verlaufende Straßenzug Gardistenstraße — Fuhrmannstraße — Wenkstraße — Taunusstraße mit Anschluß an die Dieburger Straße im Osten und die Pallaswiesenstraße im Westen zur Verfügung steht.
Die geplante Verbreiterung der Arheilger Straße und die anläßlich des Neubaues Zimmermann durchgeführte Grenzbereinigung an einem in Frage stehenden Grundstüdc. ermöglichen auch die Durchfahrt von Kraft- und Ackerwagen durch die geringe Straßenversetzung an der Arheilger Straße, so daß die Stadtbauverwaltung, der in anderen Fällen stets vorgeworfen wird, daß sie ohne zwingende Notwendigkeit Verbesserung durchzusetzen suche, hier mit Recht von einem weitergehenden Eingriff absehen konnte. Stadtbauverwaltung
„Muß das sein?“
Unter dieser Ueberschrift hatten wir am 31. Juli den Leserbrief von Frau Suse Sci o r , Trautheim bei Darmstadt, veröffentlicht, in dem diese berichtete, daß sie als Eigentümerin eines von der Besatzungsbehörde beschlagnahmten Hauses von der Straße aus versucht habe, einige Himbeeren von einem in ihrem Garten erntenden fremden deutschen Jungen zu erbitten. Daraufhin habe sie der Bewohner des Hauses mit einer Pistole durch Trautheim verfolgt. Sie knüpfte daran die Frage, ob ein solches Verhalten der Völkerverständigung nützlich sei. In dem anschließenden Schriftwechsel erhielt Herr Hermann Scior folgendes Schreiben des „US Army Headquarters Darmstadt Sub Post“:
„Der Antrag auf Rückgabe Ihres Gartens muß leider abgelehnt werden und der Besitz verbleibt unter der Kontrolle der Besatzungsmacht.
Wenn auch Ihnen das Recht auf Benutzung des Gartens durch den Besitzer des Hauses Waldstraße 7 gewährt werden kann, so bleibt der Bewohner trotzdem verantwortlich für die Gebäude und den Grundbesitz. Sollte er es für richtig halten. Ihnen die Benutzung des Gartens zu verwehren, so ist er rechtlich vollkommen in der Lage dazu. Wenn das Headquarters Darmstadt Sub Post den Bewohner des Hauses Waldstraße 7 mit der Verantwortlichkeit für den Grundbesitz betraut, wird und muß es die Handlungen unterstützen, die der Bewohner für richtig hält, um zu beweisen, daß er sich der Verantwortung, die er übernommen hat, voll und ganz bewußt ist. Wenn der Bewohner von Nr, 7 es für richtig hält, anderen Leuten — und nicht Ihnen — den Eintritt in den Garten zu gewähren, so bleibt ihm diese Entscheidung vollkommen selbst überlassen und das Headquarters Darmstadt Sub Post ist nicht in der Lage, dies zu verhindern.
Hochachtungsvoll Tuttle F. Smith. Lt. col.'lnf."
Hierzu schreibt Herr Scior: „... In meinem Requisitions-Schein ist ausdrücklich vermerkt, daß die Ernte meines Gartens nicht beschlagnahmt ist. Deshalb kann das Verhalten des Mr. Krimmei nur...
Ein Antwortschreiben von Mr. Neumann (Wiesbaden) stellt die Tatsache auf den Kopf, in dem von Mr. Krimmei behauptet wird, er habe meine Frau verfolgt,, um Mißverständnisse aufzuklären. Ferner hätten wir der Militär-Polizei den Zutritt zu meiner Wohnung verweigert. Dies ist nach deutschen Begriffen eine merkwürdige Methode, die Pistole zur Aufklärung von Mißverständnissen zu benutzen oder zu vergessen,, daß .wir die Polizei um Schutz ersucht hatten...“
Trautheim bei Darmstadt Hermann Scior
Krebsberatung in Jugenheim
In- Ihrer Ausgabe vom 6. 9. 1950 brachten Sie unter der Ueberschrift: Vorbeugende Untersuchungen auf Krebs einen sehr dankenswerten Hinweis auf die Einrichtung einer Krebsberatungsstelle an der Universitätsfrauenklinik in Frankfurt...
Da darf nun darauf aufmerksam gemacht werden, daß in Jugenheim in den Räumen der Ambulanz des Kreiskrankenhauses bereits Anfang des Jahres ein Institut der gleichen Tendenz ins Leben gerufen wurde.
Gemeinsam hat es mit dem Frankfurter Unternehmen, daß Mittel zum Betrieb nicht zur Verfügung stehen; die Räume, die sonst der Ambulanz dienen, hat der Herr Landrat freundlicherweise für zwei Stunden in der Woche zur Verfügung gestellt, auch sind ein paar Instrumente vorhanden. Alles andere aber bestreitet der geistige Vater des Instituts aus seiner Tasche.
Die Gesundheitsabteilung des Ministeriums in Wiesbaden hat ihr Interesse dankenswerterweise bekundet, leider aber ist außer einem freundlichen Briefwechsel bisher nichts Weiteres erfolgt.
Das Institut kann also in dieser finanziellen Hinsicht sich neben dem Frankfurter Universitätsbruder sehen lassen.
In der Praxis hat sich Jugenheim andere, erweiterte Aufgaben gestellt. Nach dem Artikel im DT beschränkt sich Frankfurt auf die rein gynäkologische Beratung unter Benutzung der modernen Untersuchungsmethoden.
Jugenheim dagegen stellt sich allen Frauen zur Verfügung, die aus irgendeinem Grunde Sorge vor Krebs haben und sieht seine Hauptaufgabe darin, die Patienten zu sondern in solche, welche verdächtig sind und solche, die unverdächtig sind.
Die erste Gruppe wird auf den Weg gewiesen, der zur Sicherung der Diagnose nötig ist — speziell für den Gebärmutterkrebs ist die Beschaffung der neuesten Spezialeinrichtungen angestrebt —, so daß die Diagnose in Jugenheim geklärt werden kann.
Die zweite Gruppe wird aufgeklärt und entlasteten Herzens nach Hause geschickt. Ihr gehören die dankbarsten Fälle an.
Eine besondere Genugtuung war die, daß Krebsfälle entdeckt wurden, deren Trägerinnen kein Krankheitsgefühl hatten und durch Operation vor dem sicheren Tode bewahrt werden konnten.
Es besteht die Hoffnung, daß amtliche Mittel den Betrieb erleichtern werden. Wenige tausend DM könnten viel Nutzen stiften und viel Sorge vertreiben.
Die Sprechzeiten des Instituts sind dienstags von 9—ll Uhr im Alexanderbau des Kreiskrankenhauses Jugenheim.
H. K., Darmstadt.
Kleine Bitte an die HEAG
Am Böllerfalltor, abends 20.15 Uhr. Die Straßenbahn ist schon wieder in die Stadt gefahren, der O-Bus aus Ober-Ramstadt fährt zur Halle, um seinen Anhänger abzuhängen. Es ist regnerisch und windig. Die wartenden Menschen stehen dicht gedrängt unter der zugigen Wartehalle, die sie zwar vor dem Regen, nicht aber vor dem kalten Winde schützt. Die Zeit vergeht. Leider tut sie das nur sehr langsam, alle sind müde und verfroren. Aber der O-Bus hat Zeit. Seine Fahrgäste können ja nicht davonlaufen. Endlich, 20.25 Uhr, kommt er um die Ecke, mit einem Aufatmen begrüßt.
Ob das wohl notwendig ist, dies lange Warten? Planmäßig muß der O-Bus doch um 20.15 fahren (It. telephon. Auskunft der HEAG vom 18. 10.). Warum Wird nicht ein anderer anhängerloser Wagen bereitgestellt, der pünktlich abfahren kann? Dieser Vorfall ist nämlich keine Ausnahme. Vielleicht kann die HEAG da doch einen Ausweg finden, daß die müden Menschen nicht so lange in der Kälte warten müssen. F. L., Darmstadt
Wieviel Umsatzsteuer?
Ein Feinkost- und Delikatessengeschäft, dessen Buchführungsangelegenheiten von mir erledigt werden, verkauft auch noch landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Molkereibutter, Eier, Gemüse, Obst und Südfrüchte. Bei der Umsatzsteuer wird der allgemeine Satz von 3 Prozent Steuer erhoben.
Ist für diese landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Steuersatz von Ihz Prozent anwendbar oder muß 3 Prozent dafür im Gewerbebetrieb entrichtet werden?
K. R., Darmstadt
Als Gewerbebetrieb, der nicht selbst die landwirtschaftlichen Erzeugnisse herstellt, müssen Sie 3 Prozent Umsatzsteuer bezahlen. Fritz Knippelius
Bestattungen am Donnerstag, 2. November 1950 Beerdigungen: Arheilger Friedhof: 14.30: Weber, Heinrich, 52 J., Kranichsteiner Straße 50 Waldfriedhof: 14.15: Brück, Gg., Gastwirt, 86 J., Bruchwiesenstr. 28
Tennis- und Eisclub Darmstadt Einladung zur außerordentlichen Mitglieder¬ versammlung am 8. November 1950, 18.30 Uhr, im CaU Hauptpost (Rheinstraße). Tagesordnung: Beschlußfassung über eine Umlage auf die tennisspielenden Mitglieder zum Bau von zwei Tennisplätzen (§ll der TEC- Satzung), Verschiedenes. Der Vorstand.
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Dienstnachrichten Am 24. Oktober 1950 wurde Paul Reiter, geb. 18. 10. 1914, als Fleischbeschauer der Gemeinde Lampertheim verpflichtet. Ludwig Baureis, Viernheim, Neuhäuserstraße 1, ist am 24. 10. 1950 als Fleischbeschauer in der Stadt Viernheim verpflichtet worden. Am 26. 10. 1950 ist Eduard Colin als Rohrmeister der Gemeinde Gadernheim verpflichtet worden. Heppenheim, den 27. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Schlachthof (Freibank) Freitag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 1001—1300 Samstag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 1301—1500, I—loo1—100 Am 3. November 1950 werden öffentlich meistbietend gegen Bar¬ zahlung versteigert: \ Um 10 Uhr In Darmstadt, Pfandk., Amtsgericht, Seiteneingang: 1 Ankleideschrank, 1 Waschtoilette, 3 Radios, 1 Schreibtisch, 2 Sessel, 2 Hobelbänke, 2 Couchs, 1 Lesetisch mit Lampe, 1 Oelgemälde. Um 12 Uhr in Arheilgen (SammelpL d. Bieter 12 Uhr, Rathaus): 1 Radio, 1 Berkelwaage, 2 Druckkessel, je 840 Liter, 1 auto¬ matische Gläserschiießmaschine, 1 Trockenanlage, 2 Polster¬ sessel, 1 Einkaufstasche. Um 13.30 Uhr in Wixhausen (Bieter 13.30 Uhr vor dem Bahnhof): 1 Posten Herren- u. Damenschuhe, 1 Büfett u. 20 Legehühner. Um 14.30 Uhr In Erzhausen (Bieter 14.30 Uhr vor dem Bahnhof): 1 Küchenschrank. ILLAS, Ob.-Gerlchtsvollzleher in Darmstadt. Donnerstag, den 2. November 1950, vormittags 10 Uhr, versteigere ich meistbietend gegen Barzahlung: 1 Autogen-Schweißapparat und 1 Blechschneider. Zusammenkunft der Bieter: Ecke Grafen- und Adelungstraße. Neubert, Gerichtsvollzieher (b)
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