Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI D?1® msWat*B»h'i TfßMatt L. c. Wittich^ Er«ehaU»‘«Ä??“?aße 23. Telefon 3925. Erscneint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 106 Jkuefle 7la^ri<sten Mittwoch, 1. November 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 V. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Noch 438 000 deutsche Angestellte im Dienst der Besatzungsmüchte

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 31. Oktober. Nach Ausrechnung des Statistischen Bundesamtes belief sich die Zahl der bei Besatzungsdienststellen beschäftigten Deutschen am 30. März 1950 auf 447 000 und am 30. Juni auf 438 000 Personen. Die Kosten machen für den Bund im Haushaltsjahr 1950/51 nicht weniger als 1,3 Milliarden Mark aus, bei insgesamt 4,7 Milliarden Mark Gesamt-Besatzungskosten.

In Kreisen des Bundesfinanzministeriums weist man darauf hin, daß ein Abbau beim deutschen Personal der Besatzungsdienststellen erhebliche Beträge für die Verstärkung der Besatzungstruppen freimachen könnte. So sind bei der Besatzung rund 39 000 Hausgehilfinnen und etwa ebensoviel Kellner, Köche usw.

beschäftigt. Die deutschen Angestellten aus dem Nahrungs- und Genußmittelgewerbe (Bäcker, Metzger usw.) betragen rund 11 000. Auf fünf alliierte Besatzungsangehörige kommen mithin zwei Hausgehilfinnen und zwei Gaststättenangestellte, ferner drei deutsche Kraftfahrer, da die Gesamtzahl der deutschen Kraftfahrer bei den Besatzungsbehörden rund 66 000 beträgt. Außerdem beschäftigen die Besatzungsbehörden 98 000 deutsche Verwaltungsangestellte und 144 000 technische Arbeitskräfte. Hinzu kommen 48 000 „sonstige Beschäftigte".

Rechnet man eine Division mit etwa 15 000 Mann, so stellen die deutschen Beschäftigten, wenn man darüber hinwegsieht, daß es sich zu einem erheblichen Teil um weibliche Beschäftigte handelt, etwa dreißig . Divisionen. Jedenfalls könnte nach deutscher Auffassung ein beträchtlicher Prozentsatz des hierfür aufgewendeten Geldes für den Westen vorteilhafter angelegt werden, wenn er für militärische Zwecke verwendet würde.

Diese Frage hat höchste Bedeutung, da die alliierten Truppen in Deutschland, die zur Zeit dicht ganz fünf Divisionen darstellen, bis zum Frühjahr auf dreizehn bis vierzehn Divisionen verstärkt werden sollen. Von einem gesamten alliierten Personal in Höhe von 100 000 Mann stellen die militärischen Einheiten gegenwärtig etwa 90 000 Mann. Hinzu kommen nicht weniger als 250 000 Angehörige. Auch hier scheinen nach deutscher Auffassung Einsparungen möglich, die die finanzielle Seite der Besatzungsverstärkungen wesentlich erleichtern würden.

Gereke ausgeschlossen

Hannover, 31. Oktober. (AP.) Fast sämtliche Kreisvorstände, der Landesvorstand und das Direktorium des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Niedersachsen beschlossen auf einer gemeinsamen Tagung in Hannover den Ausschluß des ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers Dr. Günther Gereke.

Für alle Gefallenen der Welt

Rovereto, 31. Oktober (dpa) Die Glocke von Rovereto wird am Allerseelentag (2. November) um 20.23 Uhr für die Gefallenen der ganzen Welt läuten. Das Läuten wird von vielen Rundfunksendern übertragen werden.

Die Glocke von Rovereto (Südtirol) ist die größte Italiens und wurde nach dem ersten Weltkrieg aus Spenden aller Nationen für die Gefallenen gegossen. Auf dem Mantel der Glocke sind für die deutschen Gefallenen die Noten des Liedes vom guten Kameraden eingraviert.

Spanien wird rehabilitiert

Lake Success, 31. Oktober. (AP.) Der zweite politische Ausschuß der Vereinten Nationen hat am Dienstag in Lake Success dafür gestimmt, die 1946 von den Vereinten Nationen ergangene Empfehlung aufzuheben, daß alle Mitgliedstaaten ihre führenden Diplomaten aus Madrid zurückberufen.

Äber 50 Tote

San Juan. 31. Oktober, (dpa) Der am Montag ausgebrochene nationalistische Aufstand auf der Insel Portorico hat bisher 51 Todesopfer gefordert. Ueber siebzig Personen wurden verletzt. Portorico gehört seit 1898 zu den Vereinigten Staaten.

Ein Sprecher des amerikanischen Innenministeriums erklärte, aus den eingegangenen Berichten gehe hervor, daß es sich bei dem Aufstand um eine von den Kommunisten inspirierte Verschwörung handele.

Weitere Verstaatlichung in England

Die Thronrede des Königs vor dem britischen Unterhaus

London, 31. Oktober. (BBC). Im neuerrichteten Sitzungssaal des Unterhauses eröffnete König Georg VI. die Sitzungsperiode durch Verlesung der Thronrede, die stets vom Kabinett entworfen wird und das Regierungsprogramm für die kommende Sitzungsperiode umreißt. Nach wie vor sei es das Hauptziel der britischen Regierung, einen Krieg zu vermeiden Zu diesem Zweck werde sie alle Maßnahmen treffen, um den Erfolg des Wiederaufrüstungsprogramms zu sichern. Obwohl dieses Programm schwere Opfer fordere, würde die Regierung ihre Sozialpolitik im wesentlichen beibehalten und das Wohnungsbauprogramm weiter entwickeln. Außerdem sollten Teile der Zuckerindustrie verstaatlicht, die Pachtgesetze zur Vermeidung von Härten für die Bevölkerung reformiert und die britische Lebensmittelerzeugung sowie die Viehzucht gesteigert und die zivile Verteidigung ausgebaut werden.

Der Erfolg des historischen Schrittes in Korea bedeute eine entscheidende Wende in den internationalen Angelegenheiten und erwecke neue Hoffnungen auf die Schaffung eines einigen, freien und demokratischen Koreas. Dieser Schritt habe bereits bewiesen, daß die Vereinten Nationen fähig seien, einer Bedrohung des Weltfriedens zu begegnen. Auch in Zukunft werde Großbritannien mit den anderen nordatlantischen Vertragsstaaten und den Ländern der Westeuropäischen Union zusammenarbeiten.

„Sorgfältig erwogen“

London, 31. Oktober. (AP.) Der britische Ministerpräsident Attlee bezeichnete am Dienstag eine vor dem Parlament abgegebene Erklärung Churchills, die Labourregierung erkenne die amerikanische Unterstützung nicht an, als einen Versuch, „Unfrieden zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien zu stiften“. Attlee erklärte, die Regierung erkenne die amerikanische Hilfe und den Beitrag der Truppen der Vereinigten Staaten in Korea voll an.

Zur Frage der europäischen Armee sagte der Premier, der französische Vorschlag für eine Armee aus vermischten Verbänden werde „sorgfältig erwogen'*. Deutschland werde in die Lage versetzt, einen angemessenen Beitrag für den Aufbau der Verteidigung Westeuropas zu leisten.

Bundeswahlen nicht vertretbar

Bonn erörterte das Gespräch Schumacher-Niemöller

Da. Bonn, 31. Oktober. (Drahtbericht). Das politische Gespräch des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Kurt Schumacher, mit Kirchenpräsident Niemöller in Darmstadt hat in Bonner Regierungskreisen starke Beachtung gefunden und ist am Dienstag im Kabinett ausführlich erörtert worden. Nach Ansicht Bonner Regierungskreise besteht die einzige Uebereinstimmung zwischen Dr. Schumacher und D. Niemöller darin, daß beide die Auflösung des Bundestags fordern, um durch Neuwahlen über die Frage der Bewaffnung Deutschlands entscheiden zu lassen. Eine Auflösung des Bundestages wird aber von der Bundesregierung abgelehnt. Sie ist nach Ansicht der Regierung verfassungsrechtlich nicht zulässig und außerdem politisch gefährlieh, da sie, wie der - Union-Dienst schreibt, zwangsläufig die unerwünschten Elemente in Deutschland von ganz links und ganz rechts aus ihrer Versenkung auf das Podium der öffentlichen Diskussion rufen würde.

In der Kabinettssitzung ist, wie verlautet, vor allem darauf hingewiesen worden, daß die von Kirchenpräsident D. Niemöller vertretenen Thesen auch weltanschaulich nicht haltbar seien, da weder nach katholischer noch nach evangelischer Auffassung die Verteidigung des Vaterlandes als unchristlich betrachtet werden könnte. Diese weltanschauliche Frage wird in erster Linie Gegenstand der Auseinandersetzungen innerhalb der evangelischen Kirche sein, zu denen es vermutlich jetzt in den verschiedenen Synoden kommen wird. Weiter betont man in Bonn, daß Dr. Schumacher nur rein taktisch mit D. Niemöller übereinstimme, dagegen aber ebensowenig wie der Bundeskanzler daran denke, Deutschland und Europa dem Bolschewismus widerstandslos zu überlassen.


Ein Pariser Militärgericht sprach den früheren deutschen Generalmajor Otto Ottersbacher einstimmig von der Anklage frei, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Der jetzt 62jährige Angeklagte bestritt, von Grausamkeiten untergebener Verbände zu wissen, da zu entsprechender Zeit keine volle Nachrichtenverbindung mit ihnen bestand. Unser Bild zeigt rechts Ex-General Ottersbacher vor dem französischen Generals-Tribunal. dpa-Bild
Ein Pariser Militärgericht sprach den früheren deutschen Generalmajor Otto Ottersbacher einstimmig von der Anklage frei, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Der jetzt 62jährige Angeklagte bestritt, von Grausamkeiten untergebener Verbände zu wissen, da zu entsprechender Zeit keine volle Nachrichtenverbindung mit ihnen bestand. Unser Bild zeigt rechts Ex-General Ottersbacher vor dem französischen Generals-Tribunal. dpa-Bild

„Innexpolitische Angelegenheit“

Die Antwortnote Pekings an Indien

Peking, 31. Oktober, (dpa) Die Regierung der Volksrepublik China hat der indischen Regierung in einer Note mitgeteilt, daß sie jede ausländische Einmischung oder Untersuchung über das chinesische Vorgehen in Tibet als „gänzlich ungerechtfertigt“ ansieht.

Peking soll in der Antwortnote auf die indische Demarche wegen des Einmarsches in Tibet erneut den Standpunkt vertreten haben, daß Tibet ein fester Bestandteil des chinesischen Staatsgebietes ist und daß der Einmarsch chinesischer Truppen deshalb eine innenpolitische Angelegenheit darstellt.

Die chinesische Regierung erklärt sich aber in der Note bereit, die gegenwärtig in Indien weilende tibetanische Delegation zu empfangen, die über eine friedliche Regelung des Tibet - Problems verhandeln soll.

„Es wäre dumm“

*** Die Verteidigungsminister der drei Westmächte konnten auch auf ihrer Schlußsitzung am Dienstag keine Einigung über die Wiederaufrüstung Deutschlands erzielen. Die Verteidigungsminister sollen beschlossen haben, die Frage der Aufnahme deutscher Truppen in die Europa-Armee an zwei Ausschüsse zu überweisen.

Der französische Widerstand scheint hartnäckiger, als man selbst nach dem Pleven-Plan annehmen mußte. Ein Kompromiß konnte noch nicht gefunden werden. Dies um so weniger, als es heißt, auch der britische Verteidigungsminister Shinwell, der bisher die amerikanischen Wünsche vertreten hatte, unterstütze jetzt die französischen Vorschläge, die eine Verbindung von Schuman-Plan und deutscher Aufrüstung vorsehen.

Was diese überraschende Schwenkung Englands veranlaßt hat, wäre undurchsichtig, wenn nicht die liberale „News Chronicle“ die Katze aus dem Sack ließe.

Sie meint, „es wäre dumm“, der deutschen Industrie zu erlauben, daß sie die Weltmärkte erobere, während Frankreich, England und die Vereinigten Staaten sich der Rüstungsproduktion zuwenden würden. Die einzige Lösung des Problems liege daher auf der Linie der französischen Vorschläge. Man dürfe also, selbst wenn die Westmächte stark genug wären, die Elbe selbst zu halten, zwar nicht sich dahin festlegen, daß nur nichtdeutsches Blut und Material für die Verteidigung Deutschlands aufgebracht werden solle; man müsse aber Deutschland so eng in das wirtschaftliche Leben Westeuropas eingliedern, daß es sich nicht selbst loslösen und eine Gefahr werden könne.

Demnach scheint für die Engländer wieder die Konkurrenzfurcht Deutschland gegenüber maßgebend geworden zu sein, die es ihnen bis zum letzten Augenblick so schwer machte, auf Demontagen zu verzichten.

Verantwortung der Wähler

Von J. Schäfer

Die Parteien bemühen sich besonders vor den Wahlen um die Stimmen der Mitbürger. Das ist verständlich. Allerdings muß man zugeben, daß manche Abgeordnete in jüngster Zeit sich auch sonst um ihre Wähler und diejenigen, die es werden sollen, kümmern und öfter für ein Frage- und Antwortspiel zur Verfügung stehen. Diese Methode ist für beide Teile von großem Nutzen. Eine lange Erfahrung liegt dem Wort zugrunde, daß nie so viel gelogen wird wie während eines Wahlkampfes und im Kriege. Das Ausmaß hängt nicht zuletzt von der kritischen Einstellung des Wählers ab. Diese ist ihrerseits wieder bedingt von dem Grad des politischen Interesses und dem ausreichenden Wissen eines jeden einzelnen. Wer es versäumt, sich um das öffentliche und staatliche Leben zu kümmern, sich aus verschiedenen unabhängigen Quellen zu orientieren und sich ein sachliches Urteil zu erarbeiten, kann nicht gut mitsprechen und ist der Gefahr ausgesetzt, daß trotz seines besten Willens mit seiner Stimme Mißbrauch getrieben wird — zum Nachteil der staatlichen Gemeinschaft und damit zugleich zu seinem persönlichen Schaden.

Wahlauftakt in Hessen

Zu Beginn des Wahlkampfes in Hessen für die Landtagswahlen am 19. November sind von maßgeblichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beherzigenswerte Worte gesprochen worden, die dazu ermahnen, bei den unausbleiblichen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien loyal und sachlich zu bleiben. Die bisherigen Regierungsparteien haben naturgemäß das berechtigte Bedürfnis, ihre Politik zu verteidigen, während die Opposition mit ihrer Kritik nicht hinter dem Berge hält. Beide wollen den Wähler beeinflussen. Dieser ist um so eher geeignet, Angriffe und Abwehr richtig einzuschätzen, je mehr er weiß, wie alles war und was die einzelnen Parteien in der Regierung und in der Opposition getan haben, um die schwierige Lage zu bessern. Die Menschen neigen vielfach dazu, die schlechten Zeiten zu vergessen. Mag diese Gewohnheit auch sehr gut und nützlich sein, so muß man ihr doch bei der Prüfung der Leistungen einer Regierung widerstehen, weil sonst die Gefahr auftaucht, ein nicht ganz zutreffendes Urteil zu gewinnen und von Versprechungen mehr zu halten als angebracht ist. Wer aber die Vergangenheit mit all ihren außerordentlich schwierigen Problemen sachlich und in großen Zusammenhängen sieht, erkennt zugleich die brennenden Fragen der Gegenwart und kann sich selbst eine ungefähre Vorstellung davon machen, wie man ihrer Herr zu werden vermag.

ImSchattenderßundespolitik Es sich nicht vermeiden, daß die Betrachtung der politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Probleme eines Landes von der Bundespolitik überschattet wird. Die Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Bund und Land sind zu stark. Neben vielen anderen Problemen wie Wohnungsbau, Finanz- und Lastenausgleich berührt heute vor allem die Frage der inneren und äußeren Sicherheit alle Länder und jeden einzelnen materiell und stark persönlich. Nicht ohne Grund hat der Vorschlag, einen Volksentscheid über die Beteiligung Deutschlands an der Verteidigung des Westens gegen einen etwaigen Angriff aus dem Osten herbeizuführen, vielfach einen so starken Widerhall erlebt. Ein solcher Volksentscheid ist in dem Bonner Grundgesetz nicht vorgesehen. Aber auch wenn er möglich wäre, könnte man über seine Zweckmäßigkeit doch sehr geteilter M*ei-> npng sein. Denn es handelt sich hier um eine so komplizierte und schwierige Ent-

Scheidung, daß man im Zweifel sein kann, ob sie durch eine Volksbefragung zu fällen ist.

Nun sind starke Kräfte dabei, die Auflösung des Bundestages und Neuwahlen zu verlangen, weil seinerzeit bei der Wahl des Bonner Parlaments niemand an die ernste Frage gedacht habe, vor deren Beantwörtung wir heute gestellt sind. Diese Forderung schließt die Auffassung in sich, daß die damals gewählten Abgeordneten nicht in der Lage sind, eine — allerdings sehr bedeutungsvolle — Entscheidung zu treffen. Eigentlich sollte man annehmen, daß die Abgeordneten als politische Exponenten mit der Entwicklung Schritt gehalten hätten und insofern auf Grund ihrer besseren Erkenntnis besonders geeignet wären, ihre Stimme in dieser Frage so abzugeben, daß sie vor der Gegenwart und der Zukunft bestehen können. Wenn aber jetzt oder in naher Zukunft ein Wahlkampf für einen neuen Bundestag entbrennen sollte, ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, daß es bei der Kompliziertheit der verschiedensten Fragen zu unsachlichen Erörterungen kommt und die nach dem Schweizer Jacob Burckhard so ..schrecklichen Vereinfacher“ vielleicht das wirkliche Problem verzerren oder verschieben. Sollte jedoch das Verlangen nach einer Auflösung des Bundestages, die im einzelnen im Grundgesetz festgelegt ist, darauf hinauslaufen, durch eine ganz bestimmte Fragestellung andere Mehrheitsverhältnisse im Parlament herbeizuführen, dann muß man sich über die damit verbundenen innen- und außenpolitischen Gefahren ganz im klaren sein. Daß solche bestehen, läßt sich auch nach den ersten Wahlvorbereitungen in Hessen schon übersehen.

Parteien und ihre Wähler

Mit der allgemein üblichen Kritik an den politischen Parteien ist es nicht getan. Sie sind bei der derzeitigen politischen Lage und bei dem jetzigen verfassungsrechtlichen Aufbau unentbehrlich. Man muß sie durch Mitarbeit von innen heraus reformieren. Eine Aufsplitterung des deutschen Volkes in zahlreiche Parteien, die mehr wirtschaftliche Interessenvertretungen darstellen, ist von Uebel. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß mehrere Parteien besser sind als eine. Wahlbündnisse können einer ungesunden Aufspaltung zwar entgegenwirken; aber sie sind eigentlich erst dann ganz gerechtfertigt, wenn zwischen den Partnern eine innere Uebereinstimmung besteht. Sonst stellen sie nur ein technisches Mittel dar, um Mandate zu erobern.mit denen man jedoch schwerlich später eine aufbauende Politik machen kann.

Für eine gesunde Entwicklung tragen neben den Parteien die Wähler an erster Stelle die Verantwortung. Andererseits gilt auch heute noch die alte Erfahrung, daß man ein ganzes Volk nur für eine gewisse Zeit oder einen Teil für eine längere Zeit, aber niemals alle für immer täuschen kann. Aber wenn der Wähler nicht das genügende Interesse für die öffentlichen Angelegenheiten aufbringt und die Erfüllung seiner staatspolitischen Pflichten vernachlässigt, können sich unabsehbare Folgen ergeben, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat. Der kritische Wähler muß die Parteien kontrollieren. sie nach ihrer Leistung beurteilen und ihnen den Weg der Sachlichkeit und der Vernunft erleichtern.

Ein Hirtenbrief

Köln, 31. Oktober. (AP.) Der Kölner Erzbischof, Kardinal Frings, warnt in einem Hirtenbrief die Kinder vor dem Genuß von Nikotin und Alkohol sowie vor Kinobesuchen und Fußballtoto.

England rückt ab

1. Am Freitag wird der Minister-Aus-

schuß des Europa-Rates in Rom zusammentreten, um eine Reihe von Fragen, die sich aus dem Zusammenschluß der europäischen Nationen ergeben, eingehend zu beraten. Im ganzen liegen einundfünfzig Empfehlungen vor, die von der Beratenden Versammlung im August angenommen worden waren. Davon sind sieben als die wichtigsten für eine Stellungnahme der Minister vorgesehen. Die Deutsche Bundesrepublik ist, ebenso wie das Saargebiet, eingeladen worden, Vertreter zur Teilnahme an den Besprechungen zu entsenden.

Die Regierung Großbritanniens legt in einer Information, die sie der deutschen Presse zugehen läßt, Wert darauf, ihre grundsätzliche Stellungnahme zu den entscheidenden Fragen festzulegen, um offenbar von vornherein Illusionen zu begegnen. Empfohlen war von der Beratenden Versammlung, den Artikel 15 des Statutes dahin abzuändern, daß künftig Beschlüsse des Minister-Ausschusses für die Mitgliedstaaten des Europa - Rate® bindend sein sollen. England ist nicht gerade dagegen, aber es möchte nicht bloß an diesem oder jenem Artikel herumflicken. Es möchte daher die Revision des Statuts verschoben wissen, bi® erst sorgfältige Studien durch Sachverständige vorgenommen seien. Mit anderen Worten: Großbritannien möchte sich mit Rücksicht auf seine Völkergemeinschaft nicht zu weit in Europa festlegen.

Das geht auch aus seiner ausdrücklichen Feststellung hervor, „nicht als volles Mitglied an einer exklusiven europäischen Föderation t^ilnehmen zu können“. Es verlangt eine Sonderstellung gegenüber dem Schuman-Plan im besonderen und gegenüber den Aufgaben und Verpflichtungen des Europa-Rates im allgemeinen.

Zusammenfassend erklärt man britischerseits: „Eine Revision des Status im Dichte neuer Entwicklungen ist stets möglich, aber sie müßte nach sorgfältigen Beratungen und Studien erfolgen und von den nationalen Parlamenten der Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Der Ausweg aus dem gegenwärtigen Dilemma zwischen Föderalisten und der anderen Schule im Europa-Rat könnte nur durch eine derartige mutige und aufrichtige Maßnahme gefunden werden, nicht aber durch Versuche, innerhalb des gegenwärtigen Status des Rates oder durch die Abänderung einzelner Klauseln föderalistische Entwicklungen gewissermaßen durch die Hintertür zu erreichen und Ländern aufzuzwingen, die auf Grund ihrer nationalen und internationalen Einstellung dazu nicht in .der Lage sind.“

Das ist eine eindeutige Sprache. Großbritannien distanziert sich vom Europa-Rat in nicht mißzuverstehender Weise.

Kürzung der Dollarhilfe

Eine Ankündigung Attlees

London, 31. Oktober, (dpa) Premierminister Attlee deutete im Unterhaus an, daß eine Herabsetzung der Marshallplanhilfe für Großbritannien bevorsteht. Attlee teilte mit, Besprechungen hierüber würden in Kürze stattfinden.

In gutunterrichteten Londoner Kreisen verlautete schon vor dieser Mitteilung, daß Großbritannien mit einer beträchtlichen Kürzung der Marshallplan-Dollarbeträge zu rechnen habe. Die Vereinigten Staaten begründeten diese in Aussicht genommene Maßnahme mit dem Hinweis auf Dollargewinne, die das Sterling-Gebiet seit Ausbruch des Korea-Krieges durch die außergewöhnlichen Preissteigerungen für Rohstoffe erzielte, sowie der beschleunigten Erholung der britischen Wirtschaft durch Rüstungsaufträge.

Vor der Fertigstellung

Paris, 31. Oktober, (dpa) Im französischen Planungsamt wird gegenwärtig die letzte Hand an den Vertragsentwurf für die Montan-Union gelegt. Der Entwurf soll bis Ende der Woche fertiggestellt sein.

Rote Offensive auf Hamhung

Die heftigen und wechselvollen Kämpfe in Korea dauern an

Söul, 31. Oktober. (AP./dpa) Amerikanische Panzerspitzen haben am Dienstag an der Westküste Koreas die kommunistische Front bei Chongju durchbrochen und sind in schnellem Vormarsch bis über die Stadt Sonchon hinaus vorgestoßen. Sie stehen damit nur noch 55’Kilometer vor der jetzigen nordkoreanischen Hauptstadt Sinuiju an der mandschurischen Grenze.

Andere amerikanische Verbände haben nördlich von Chongju nach schweren Kämpfen mit den Kommunisten die Stadt Kusong besetzt. Chongju war erst in den frühen Morgenstunden des Dienstags von britischen Truppen erobert worden. Die Kommunisten verteidigten sich erbittert mit Sturmgeschützen und Granatwerfern. Jedes Haus in Chongju und Kusong mußte in Nahkämpfen genommen werden.

Unübersichtliche Lage im Nordwesten

An der Nordwestfront ist die Lage nach den heftigen Gegenangriffen der Kommunisten unübersichtlich geworden. Während neue amerikanische Truppen bei Unsan in den Kampf geworfen wurden, um die Flanke zu sichern, mußten sich die Südkoreaner teilweise bis zu fünfzig Kilometer auf neue Stellungen zurückziehen. Die Städte Ongjong und Huishon wurden im Zuge dieser Operationen aufgegeben.

Vom 7. Südkoreanischen Regiment, das in der Vorwoche bis an die mandschurische Grenze vorgestoßen war, liegt bis jetzt keine Nachricht vor.

Bei Unsan sollen den Amerikanern nach bisher unbestätigten Berichten auch rotchinesischen Truppen gegenüberstehen.*

Geländegewinne der Kommunisten

In Nordost-Korea haben nordkoreanische Truppen und reguläre Einheiten der kommunistischen chinesischen Armee mit einer Offensive auf die wichtige Industriestadt Hamhung begonnen und weitere Geländegewinne erzielt. Die kommunistischen Streitkräfte haben die Verbindungswege der südkoreanischen Einheiten abgeschnitten, die schon vor Tagen von Hamhung aus in nördlicher Richtung weiter vorgestoßen waren. Nach Aussagen von sechzehn Gefangenen, die zum 492. chinesischen Pionier-Regiment gehören, haben die Kommunisten den Befehl, die Stadt Hamhung bis zum 1. November zu nehmen.

Für den Winter ausgerüstet

Die aus dem nordkoreanischen Hochgebirge auf Hamhung herab angreifenden kommunistischen Truppen sind für den Winterkrieg ausgerüstet und verfügen über Gebirgsartillerie und Granatwerfer. Militärische Beobachter sehen jedoch in der entstandenen Situation keine ernsthafte Gefahr, da sich ausreichende amerikanische und südkoreanische Kräfte in der Umgebung von Hamhung befinden. Eine weitere amerikanische Marine-Infanterie-Division wurde am Dienstag zur Unterstützung eilig von Wonsan nach Hamhung geworfen.

Wie ein Sprecher des zehnten amerikanischen Armee-Korps am Dienstag erklärte, konnte auch die 376. chinesische Artillerie-Division, von deren Existenz in Korea bisher' niemand Kenntnis hatte, identifiziert werden. Südkoreanische Truppen wollen schon den Einsatz von zwei anderen kommunistisch-chinesischen Divisionen festgestellt haben.

Framnzösische Grfolge

Saigon, 31. Oktober, (dpa) Die französischen Streitkräfte in Indochina haben den östlich von Laokay gelegenen Stützpunkt Phonie und den westlich von Moncay gelegenen Stützpunkt Conom zurückerobert.

Keine Vertagung

Neuyork, 31. Oktober. (H.R.) Die Generalversammlung der Vereinten Nationen lehnte am Dienstag den sowjetischen Antrag ab, die Debatte über die Wiederernennung Generalsekretär Trygve Lies zu vertagen. Der sowjetische Delegierte Malik hatte gefordert, daß die Versammlung zunächst Empfehlungen des Weltsicherheitsrates abwarten wolle. Der sowjetische Antrag wurde mit 45 gegen 5 Stimmen bei 9 Enthaltungen verworfen.

Wiener Polizeikrieg

Wien, 31. Oktober. (AP.) Die österreichische Regierung erklärt, die Entlassung der fünf prokommunistischen Polizeioffiziere, die im sowjetischen Sektor der Stadt stationiert sind und bisher ihre Büros nicht geräumt haben, würden unter keinen Umständen zurückgezogen. Die Regierung hat damit das sowjetische Ersuchen, die Entlassungen zurückzuziehen, abgelehnt.

Gchürferer Kampf gegen Preiswucher

Kabinett erwägt mäßige Erhöhung der Umsatzsteuer

Da. Bonn, 31. Oktober. In der Kabinettssitzung am Dienstag ist der Bundesinnenminister beauftragt worden, an die Länder mit dem Ersuchen heranzutreten, gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen einzuschreiten. Anscheinend sind die vom Bundeswirtschafts- und Bundesjustizminister unternommenen Schritte zur Bekämpfung von Wucher und Preistreiberei noch nicht als ausreichend betrachtet worden. Insbesondere erwartet man vom Eingreifen des Innenministers, daß nunmehr gegen Preistreiberei mit Geschäftsschließungen Exempel statuiert werden sollen.

Das Ansteigen der Preise ist einer der Gründe, weshalb namentlich auf dem linken Flügel der Christlich-Demokratischen Union die Kritik an Professor Erhard wieder lauter geworden ist. In Kreisen des Finanzministeriums erklärt man, daß die Diskonterhöhung, die zum Teil auch auf Professor Erhard zurückgeführt wird, obgleich dieser den Zinssatz nur um ein Prozent heraufsetzen wollte, die von der Bundesregierung beschlossenen Vorratshaltungen behindere. Das sei vor allem deshalb gefährlich, weil man noch gar nicht wisse, ob die Weltmarktpreise nicht noch weiter ansteigen würden.

Besondere Bedenken hat die Diskonterhöhung wegen möglicher Auswirkungen auf das Wohnungsbauprogramm ausgelöst, da eine Erhöhung der Zinsen für langfristige Kredite in erster Linie das Geld für den Wohnungsbau verteuere. Im Kabinett wurde am Dienstag ganz besonders auf die Verteuerung der Baumaterialien hingewiesen.

Wohnungsbauminister Wildermuth erklärte, daß er nicht pessimistisch sei.‘Die Freie Demokratische Partei, zu der auch Wildermuth gehört, ist, wie man annimmt, gegenwärtig die eigentliche Stütze des Bundeswirtschaftsministers, und Wildermuth will die Opposition gegen Professor Erhard keinesfalls fördern. Andererseits ist aber nicht zu bestreiten, daß der Wohnungsbau in der Gefahr ist, seine bisherige Vorrangstellung zu verlieren, da die neuen Aufgaben, die der Bundesrepublik durch die Verteidigung entstehen, erhebliche finanzielle Mittel benötigten.

Außer der schon bekanntgewordenen Absicht, alle Vergünstigungen der Einkommensteuer zu streichen, wodurch ein Mehraufkommen von 800 Millionen Mark erzielt werden soll, verlautet, daß auch eine mäßige Erhöhung der Umsatzsteuer erwogen wird, die 700 Millionen Mark einbringen soll.

Spannungen in Bonn?

Da. Bonn, 31. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Die gesamte Wirtschaftspolitik der Bundesregierung sei durch die Diskonterhöhung sehr erschwert worden, wurde am Dienstag im Bundesfinanzministerium erklärt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, daß Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard als einziges Kabinettsmitglied und zugleich auch in Gegensatz zu seinem eigenen Ministerium eine Zinserhöhung befürwortet habe.

Diese Aeußerung aus Kreisen des Finanzministeriums wird in Bonner politischen Kreisen als Bestätigung der Gerüchte betrachtet, die schon seit einiger Zeit über ernste Spannungen zwischen dem Finanz- und dem Wirtschaftsminister umgehen. Eine wichtige Entscheidung wird am Donnerstag im Kabinett fallen, da dann die Zuständigkeit für die Geld- und Kreditpolitik klargestellt werden soll. Man erwartet in Bonn, daß sie endgültig dem Finanzministerium zugesprochen wird.

Mörder aus Abenteuerlust

Die Mitangeklagten im Mordprozeß Pleil

Braunschweig, 31. Oktober. (AP.) Am zweiten Tag des Braunschweiger Prozesses gegen den wegen zehnfachen vollendeten und einfachen versuchten Mordes angeklagten Rudolf Pleil wurden die Mitangeklagten von. Pleil vernommen.

Der 22jährige Konrad Schüßler gab die ihm zur Last gelegte Beihilfe zu zwei vollendeten und einem versuchten Mord zu. Der Angeklagte sagte am Dienstag aus, er sei nach seinen Taten der Fremdenlegion beigetreten und nach Indochina gekommen. Im Jahre 1949 habe er einen Brief seiner Mutter erhalten, in dem sie ihm mitgeteilt habe, daß er gesucht werde und sein Aufenthaltsort der Polizei bekannt sei.

Schüßler gab an, nach Erhalt dieses Briefes desertiert zu sein. Am 5. September 1950 sei er bei seiner Ankunft in Deutschland von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Der Angeklagte erklärte, sein Gewissen habe ihn wieder nach Deutschland getrieben. Er konnte keinerlei Motive für die Beihilfe zu den Morden angeben.

Wie schon in der Vorverhandlung leugnete der der fünffachen Beihilfe zum Mord angeklagte 37jährige Karl Hoffmann, an den Morden beteiligt gewesen zu sein. Er-blieb auch bei dieser Behauptung, als der Vorsitzende ihn darauf hinwies, daß Pleil ihn der Beihilfe beschuldigt habe.

Der Hauptangeklagte, Pleil, wurde dann. von dem medizinischen Sachverständigen Professor Ewald (Göttingen) gefragt, warum er gemordet habe und sich für einen „Totmacher“ halte. Pleil entgegnete darauf mit unbewegtem Gesicht: „Ich kann es nicht schildern, ich wollte Abenteuer erleben. Ich war dazu (zu den Morden) berechtigt, weil das Gefühl es von mir verlangt hat.“ Nur vor seinem ersten Mord habe er einmal Angst gehabt, später nie mehr. „Ich mußte es eben tun und fühle heute auch noch so“, sagte Pleil.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg

52)

Mitte Februar kehrten die älteren Mädchen nach Paris zurück, und sie hörte durch Albert Remey von ihren gyten Fortschritten und durch Louise über ihre gesellschaftlichen Vergnügungen. Henriette hatte jetzt mehr freie Zeit, als ihr lieb war, da sie nur mehr Berthe und Raynald zu betreuen hatte. Sie beschäftigte sich wieder mehr mit ihrem Zeichnen und Malen und brachte manche Stunde damit zu, der alten Herzogin vorzulesen; sie selbst las Buch nach Buch an den langen Abenden oder schrieb Briefe an ihre Freunde. Viele schrieb sie an Isabella nach Turin und an ihre andere damalige Schülerin in England, Nina Hislop, die ebenfalls geheiratet hatte. So verschieden diese beiden jungen Frauen nach Temperament und Elternhaus waren, beide machten sie ihre frühere Erzieherin zu ihrer Vertrauten.

Henriette war stolz auf diese beiden, und ihre liebevolle Dankbarkeit ging ihr zu Herzen. Und dennoch — wenn diese Briefe kamen, so überströmend von ihren glücklichen Geständnissen, verspürte sie jedesmal einen Stich. Diese Mädchen waren jetzt verheiratete Frauen, geliebt und selbstsicher, und besaßen bereits Erfahrungen, die sie vielleicht niemals haben würde. Beide würden die Bestimmung, die die Natur ihnen zugedacht hatte, erfüllen. Die eine sah schon

Mutterfreuden entgegen, und bald würde auch die andere ihr dasselbe in einem ebenso begeisterten Brief mitteilen. Und hier saß sie selbst, immer noch eine unverheiratete Gouvernante. Ein Dutzend Jahre hatte sie so schon hinter sich gebracht, und weitere zwölf standen ihr zweifellos noch bevor. In ein paar Monaten würde sie ihren vierunddreißigsten Geburtstag begehen. Sie durfte sich zwar schmeicheln, sehr viel jünger auszusehen, aber an den Tatsachen.änderte das ja nichts. Sie hatte niemals die Gelegenheit gehabt, sich gut zu verheiraten. Ihre Jugend war ihre einzige Mitgift gewesen, und jetzt besaß sie nicht einmal mehr diese. Sie hatte sie neidlos und freigebig jungen Mädchen wie Nina und Isabella geopfert. Sie bereite es nicht, aber zuweilen lächelte sie etwas krampfhaft, wenn sie ihre Briefe beiseitelegte.

Aber ein geplanter Besuch bei Isabella in Turin sollte viel eher stattfinden, als sie erwartet hatte.

SECHZEHNTES KAPITEL

Im frühen Sommer mieteten der Herzog und die Herzogin eine Villa an der See, da der Arzt für die Herzogin nach dem Winter in Paris Seeluft empfohlen hatte. Die Reise nach Korsika war ihr zu beschwerlich, und deshalb wählte man Dieppe. Henriette und die beiden Jüngsten waren nun schon eine Woche dort mit den anderen zusammen, und das Wiedersehen hatte allerseits große Freude ausgelöst. Das Wetter war sehr schön; das Sonnenlicht glitzerte auf den Wellen, die unmittelbar unter ihren Fenstern weiß schäumend in regelmäßigem Schlag auf den Strand zurollten.

Zunächst zeigte sich die Herzogin Henriette gegenüber beinahe herzlich, obwohl sie sich immer noch weigerte, an einem Tisch mit ihr zu essen.

Dadurch war es zu den ersten Unstimmigkeiten gekommen; die Villa war nicht sehr groß, und infolgedessen machte es hier größere Schwierigkeiten als in Paris oder in Melun, gleichzeitig in zwei getrennten Zimmern zu servieren.

Der Herzog beging den Fehler, es seiner Frau ausreden zu wollen und sie auf das Kleinliche in ihrem Verhalten hinzuweisen. Und da er keine Lust hatte, ihrem Eigensinn nachzugeben, kam es schließlich dazu, daß er seine Mahlzeiten mit Henriette und den Kindern einnahm, und so begann wieder der alte Streit.

„Ich bitte Sie, Monsieur“, beschwor sie ihn, „lassen Sie mich doch allein essen, wenn das dazu beitragen kann, die Stimmung zu verbessern. Wir leben ja hier ziemlich eng und müssen uns eben einrichten."

„Die Herzogin denkt gar nicht daran, ihrerseits etwas dazu zu tun, und ich sehe nicht ein, warum der ganze Haushalt auf den Kopf gestellt werden soll, bloß um ihre Laune zu befriedigen.“

„Dann speisen Sie doch wenigstens mit ihr; es widerstrebt mir, mich in diese persönlichen Dinge einzumischen; aber wenn feie es über sich bringen könnten, ihr im Interesse der Kinder ihren Willen zu lassen, wäre es für uns hier gemütlicher.“

Aber er schüttelte den Kopf, und um seinen Mund er&hien wieder der trotzige Zug. Er zuckte die Achseln. „Wenn ich ihr hierin nachgebe, wird sie nur wieder etwas anderes wollen.“ Henriette entnahm daraus, daß die Beziehung zwischen dem Ehepaar sich nicht gebessert, sondern eher verschlechtert hatte.

„Bedauerswerte Törin!“ dachte Henriette oft während jener Junitage am Meer, „sie treibt nur sich selbst und ihn zur Verzweiflung. Wie können sie und ihr Vater nur so blind sein, zu glauben, daß sie seine Liebe mit ihrem Geld zurückkaufen können. Begreifen die beiden denn nicht, daß gerade das ihn nur noch mehr erbittern muß, weil es ein Hohn auf seine Männlichkeit ist? Wäre doch dieser Monat in Dieppe erst glücklich vorüber!“

Allem äußeren Anschein nach schenkte sie all diesen Verstimmungen und Unfreundlichkeiten keine Beachtung, doch unter dieser heiteren Maske des Gleichmuts empörte sie sich gegen die Tyrannei, die die Herzogin auf sie alle ausübte; die Herzogin schien es darauf anzulegen, den ganzen Haushalt an ihrem Leid teilhaben zu lassen. Natürlich zeigten sich auch die Kinder dieser Atmosphäre gegenüber nicht unempfindlich, und jedes reagierte darauf auf seine Art.

Innerhalb einer Woche war dieser sehnlichst herbeigeführte Ferienaufenthalt zu einem verwirrenden Alptraum geworden. „Bisweilen“, dachte Henriette, „verteidigen sich die Schwachen durch Güte; aber diese Frau nicht, im Gegenteil, sie quält auch andere noch mit ihrem Unglück. Es ist furchtbar, wenn die Schwachen auch grausam sind, denn dann haben wir keine Waffe gegen sie.“

Das Leben in Dieppe wurde mit jedem Tag unerträglicher. Zwischen ihrem Bemühen, es der Herzogin recht zu machen und die Kinder dazu anzuhalten, die gefürchtete mütterliche Zärtlichkeit ohne Aufbegehren hinzunehmen, fühlte Henriette, wie sogar sie die Nerven zu verlieren begann, und ihre Geduld war nie auf eine härtere Probe gestellt worden.

Das Unheil lag gleichsam in der Luft; sie verstand die Wamungssignale nachgerade nur zu gut zu deuten, und doch traf der Sturm sie unvorbereitet, als er schließlich über sie alle hereinbrach.

Es war ein strahlend klarer Tag gewesen, den sie mit Berthe und Raynald am Strand verbracht hatte, während die älteren Mädchen ihren Vater auf einem Ausflug begleiteten. Das Wasser war warm, und die Kinder planschten ausgelassen darin umher, während sie von ihrem Badekarren aus ein wachsames Auge auf sie hielt. Nachmittags kehrten sie über die Promenade mit den kleinen Läden zur Villa zurück. Auf halbem Wege begegneten sie dem Herzog mit seinen vier anderen Töchtern, und das bedeutete neuen Aufenthalt, um Spielsachen und Süßigkeiten zu erstehen.

Endlich langten sie schwatzend und lachend in bester Laune nach all den stunden in Wind und Sonne an. Das Haus schien verlassen, doch der in Hellgrau und Rosa gehaltene Salon mit seinen hohen Glastüren auf die Terrasse und dem Blick über das Meer lud in seiner Kühle zum Eintreten ein. Sie machten sichs alle darin bequem, und eines der Mädchen ging zum Klavier und schlug ein paar Töne an.

"Hier sind sogar Noten!“ rief Louise, vor einem Schränkchen kauernd, das sie durchsucht hatte.

, ^^7e^ar„ hatten die früheren Mieter e. lUa für klassische Musik nicht viel übrig gehabt.

(Fortsetzung folgt)

Stinmen der Andexen

Verbündete des Kremls

In der belagerten Festung Europa habe der Kreml viele bewußte und unbewußte Verbündete, erklärt die „Weltwoche“ in Zürich (unabhängig), und erklärt:

„Zu diesen Verbündeten muß man wohl in Frankreich vor allem die Gruppe der Sozialisten um Moch rechnen, eine Gruppe von Menschen, die sich zwar in Frankreich selber den Kampf gegen die Fünften Kolonnen zum Ziel gesetzt haben, eine Gruppe von Menschen aber zugleich, die nicht über den staatsmännischen Sinn und über die Großzügigkeit verfügen, die nötig sind, um zu verstehen, daß heute Europa nur noch als eine Einheit mit Einschluß Deutschlands zu verteidigen ist.

In die gleiche Gruppe gehören in Deutschland die Männer um den Pastor Niemöller, Männer, die an die Gandhischen Methoden der Gewaltlosigkeit glauben oder wenigstens zu glauben vergeben, die aber nicht begreifen, daß sogar Gandhis Methoden viel gewalttätiger waren, als man das vielfach bei uns wahrhaben will, und die vor allem auch nicht einsehen, daß der indische Befreiungskampf nur zu einem guten Ende geführt wenden konnte, weil auch die englischen Gegner der indischen Unabhängigkeit von den Ideen der Gewaltlosigkeit beherrscht waren — Ideen, die man heute gewiß bei den Moskauer Machthabern vergeblich suchen würde...

Ein Kampf für die Freiheit«... kann heute von keinem vernünftigen Europäer, sei er auch noch so religiös, abgelehnt werden, Menschen, die diesen Kampf, sei es auch aus falsch verstandenem Idealismus, ablehnen, sind weder Freunde Europas noch auch nur echte Freunde Rußlands. Denn der richtig verstandene Kampf um die Freiheit bedeutet ein Ringen um die Ziele, die der ganzen Menschheit Vorteile bringen, die aber umgekehrt die ganze Menschheit ins Verderben reißen können, wenn diejenigen, die berufen sind zu kämpfen, den Kampf, sei es aus Feigheit, sei es aus falsch verstandenen Ideologien, ablehnen.“'

Gegen den Entlassungsbeschluß

Stuttgart, 31. Oktober. (AP.) Der Hauptvorstand der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr in Stuttgart wendet sich gegen den Beschluß der Bundesregierung, rechts- und linksradikale Elemente aus dem öffentlichen Dienst auszuschließen.

Dieser Beschluß entbehre solange jeder Rechtsgrundlage, als die genannten Organisationen und Parteien noch nicht verboten seien. Eine Entlassung aus dem öffentlichen Dienst könne nur unter Mitwirkung der Gewerkschaften vorgenommen werden.

Weihnachtsbeihilfe

Bonn, 31. Oktober. (AP.) Alle Kriegs-Versörgungsempfänger sollen nach einem Kabinettsbeschluß in diesem Jahr eine zusätzliche Weihnachtsbeihilfe erhalten, teilte ein Regierungssprecher am Dienstag mit. Die Beihilfe soll einheitlich 15 DM für Haushaltsvorstände und fünf DM für alle anderen Hilfebedürftigen betragen.

Gehaltszulagen für Beamte

Arbeitsausschüsse des Hessischen Landtags tagten

Wiesbaden, 31. Oktober. (Eigener Bericht.) Auf ihrer gemeinsamen Sitzung billigten der kulturpolitische und der Beamtenausschuß des Hessischen Landtags den Gesetzentwurf über die besonderen Rechtsverhältnisse der Lehrer an den wissenschaftlichen Hochschulen mit nur geringen Aenderungen einstimmig. Der Initiative der Hochschulrektoren zufolge wurde dem Paragraphen 3 der Regierungsvorlage ein zweiter Absatz beigefügt, der plant, daß Hochschullehrer auf eigenen Antrag bereits bei Vollendung des 65. Lebensjahres pensioniert werden können. Der Artikel 3 der Vorlage sah die Pensionierung bei Vollendung des 68. Lebensjahres vor. Der Gesetzentwurf wird auf der nächsten und wahrscheinlich letzten Plenarsitzung des Hessischen Landtags am 8. November in zweiter und dritter Lesung endgültig verabschiedet werden.

Der Beamten-Ausschuß stimmte in seiner Dienstagnachmittagsitzung dem Initiativ-Antrag der vier Landtagsfraktionen über die Angleichung der Beamtengehälter an die derzeitigen Vergütungen der Angestellten zu. Danach erhalten alle im öffentlichen Dienst stehenden Beamten und Angestellten bei einem monatlichen Grundgehalt unter 350 D-Mark eine Gehaltszulage von monatlich 20 D-Mark. Beamten, deren Grundgehalt die 350-D-Mark-Grenze übersteigt, wird eine Zulage zugebilligt, wobei jedoch Grundgehalt und Zulage nur 370 D-Mark betragen dürfen.

Ferner empfiehlt der Beamtenausschuß daß sich die Fraktionen des Landtags auf ihrer nächsten Sitzung am Dienstag noch einmal damit beschäftigen, ob nicht auch eine ' entsprechende Gleichstellung der Ruhe- und Witwengehälter ehemaliger Staatsbediensteter vorgenommen werden soll.

Mittel für Winterbeihilfe

Die sogenannte Sechser-Kommission des Hessischen Landtags beriet am Dienstag über die Frage der Beschaffung von Mitteln zur Gewährung von Unterstützungsbeihilfen an Minderbemittelte zur Beschaffung von Winterbrand und Einkellerungskartoffeln.

Auf Initiative der Sechser-Kommission wird sich das Plenum des Landtags dann noch mit einem Antrag befassen, der vorsieht, daß die Bezirksfürsorgestellen zusätzlich auf Antrag hin Beihilfen für die Beschaffung von Winterbrand und Einkellerungskartoffeln an ganz besonders Bedürftige gewähren sollen.

Patenschaft für Grünberg

Rotenburg, 31. Oktober, (dpa) Die Stadtverwaltung von Rotenburg (Fulda) hat auf Ersuchen des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen beschlossen, eine Patenschaft für die schlesische Stadt Grünberg zu übernehmen, um damit zur Aufrechterhaltung des deutschen Anspruchs auf die Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie beizutragen.

Das Duell Knothe-Wagner

Zwei Delegierten-Versammlungen / Welche ist ordnungsgemäß?

Wiesbaden, 31. Oktober. (Eigener Bericht.) Die Kandidatur des Ministers Albert Wagner für die bevorstehende Landtagswahl im Wahlkreis 18 ist auch weiterhin Gegenstand des sich immer mehr zuspitzenden Streites zwischen den Partei-Organisationen des Oberlahnkreises und des südhessischen Bezirksvorstandes der Sozialdemokratischen Partei. Die 40 Delegierten des Kreises Weilburg hatten mit 36 zu 4 Stimmen Albert Wagner zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt. Zur gleichen Zeit aber tagte in Burg-Solms eine von 20 Delegierten besuchte Versammlung des Kreises Süd-Wetzlar, der mit dem Landkreis Weilburg den Wahlkreis 18 bildet und wählte zu ihrem Spitzenkandidaten den Gewerkschaftssekretär Schweizer und zu dessen Stellvertreter Bürgermeister Drees.

In sozialdemokratischen Kreisen ist nunmehr ein Streit darüber entstanden, welche der beiden Delegierten-Versammlungen ordnungsgemäß bzw. nicht ordnungsgemäß tagte. Willi Knothe, der Vorsitzende des Bezirksvorstandes Hessen-Süd, hat von sich aus die Weilburger Delegierten - Versammlung als ,;i 11 ega 1“ bezeichnet und nicht anerkannt und die notwendigen Unterschriften für die Kandidatur Wagners verweigert. Knothe gab vielmehr dem Kreiswahlvorschlag von Süd-Wetzlar mit den Kandidaten Schweizer und Drees seine Unterschrift.

In diesem Streit um die Kandidatur Wagners und die Anerkennung der Weilburger Delegierten-Versammlung, der sich am Montag und Dienstag beträchtlich zugespitzt hat, sehen nunmehr maßgebliche Partei- und Regierungskreise die Landesergänzungsliste der SPD Hessens ernstlich in Gefahr.

Die Dienststelle Blank

Auch sie wird sich mit der „äußeren Sicherheit“ befassen

Bonn, 31. Oktober. (AP.) Die Regierung beabsichtige, das Büro des kürzlich seines Postens enthobenen Sicherheitsberaters des Bundeskanzlers, General a. D. Graf Schwerin aufzulösen, verlautet am Dienstag aus Kreisen, die dem Bundeskanzler nahestehen.

Ein Teil des Büros Schwerin, der sich mit Fragen der Bereitschaftspolizei befaßte, werde vermutlich in das Innenministerium übergeführt, einige andere Mitglieder des Büros sollen von der neuen Dienststelle des Abgeordneten Theodor Blank, die sich mit Fragen der Unterbringung der Besatzungsstreitkräfte beschäftigt, aufgenommen werden.

Der Kanzler wolle unter allen Umständen vermeiden, daß irgendwelche militärische Kreise einen unkontrollierbaren Einfluß erhielten, wird in diesen Kreisen betont.

Die Regierung glaube nicht, daß in absehbarer Zeit ein Sicherheitsamt eingerichtet werde, da von französischer Seite inoffiziell Bedenken dagegen erhoben worden seien. Die Dienststelle Blank werde mit seiner Abteilung vermutlich in das Bundeskanzleramt eingegliedert und dem Kanzler direkt unterstellt. Obwohl das Amt Blank sich formell mit Fragen der Unterbringung der Besatzungsstreitkräfte befassen solle, werde es sich in der Praxis zwangsläufig auch mit Problemen der „äußeren Sicherheit“ beschäftigen müssen. ‘

Kabinettssizung

Bonn, 31. Oktober. (AP.) Bundeskanzler Adenauer hat dem Bundeskabinett am Dienstag über seine Unterredung mit dem französischen Oberkommissar Bericht erstattet.

Das Kabinett verabschiedete terner aie abermalige Verlängerung des vorläufigen Haushalts und einen Gesetzentwurf zur Aenderung der Bestimmungen über die Grundsteuer, der eine Reihe von Befreiungen von der Grundsteuer, namentlich bei Grundbesitz öffentlich - rechtlicher Körperschaften, der Kirche und gemeinnütziger Vereinigungen vorsieht.

Geschwindigkeit nicht begrenzt

Wiesbaden, 31. Oktober. (AP.) Die Beschränkung der Geschwindigkeit für Kraftfahrzeuge auf allen Straßen im Bundesgebiet mit Ausnahme von geschlossenen Ortschaften ist mit sofortiger Wirkung fortgefallen. Der hessische Innenminister Zinnkann setzte die hessischen Behörden -von dieser Mitteilung in Kenntnis.

„Der Krieg war nicht zu gewinnen”

Falkenhausen blieb bestrebt, das Hitler-Regime zu stürzen

Brüssel, 31. Oktober, (dpa). Der frühere Militärgouverneur in Belgien, Alexander von Falkenhausen, sagte vor dem Militärgericht in Brüssel aus, es sei ihm immer klar gewesen, daß der Krieg nicht zu gewinnen war. Deshalb sei er von Anfang an bestrebt gewesen, das nationalsozialistische Regime zu stürzen. Er könne heute beweisen, wie man den Krieg hätte gewinnen können. Es sei aber gut zu wissen, daß ein militärischer Sice nie einen wahren Frieden schaffe.

habe Jedoch nie die Ideegehabt“ sagte FaJkenhausen, „meinem Volk eine Niederlage zu wünschen. Im Gegenteil, ich wollte eine Niederlage verhindern. Ich war mir darüber klar daß wenn wir den Krieg verlieren, es furchtbar sein wird. Wenn er jedoch gewonnen worden wäre wäre es unerträglich geworden.

Gräf von der Schulenburg sagte zu dem Verhältnis Falkenhausens zu Reeder es sei äußerlich niemals ein Widerspruch zwischen den beiden festzustellen gewesen. Schulenburg wies darauf hin, daß Falkenhausen sidi gegen den Plan Sauckels, belgische Arbeitskräfte nach Deutschland zu schicken, gewandt und in vertrautem Kreise diese Maßnahmen als unzweckmäßig bezeichnet habe. Dje Judendeportationen habe Falkenhausen als „Fehler und als unmenschlich“ betrachtet.

Philipp Freiherr von Brandt sagte aus, daß Falkenhausen ihn als Zivilangestellten in den Kommandostab übernommen habe, obgleich er als „Nichtarier“ auf Befehl Ribbentrops aus dem auswärtigen Dienst ausgeschlossen worden war.

Brandt erklärte, Falkenhausen habe ihm die neue Stellung verschafft, weil er seine Entfernung aus dem auswärtigen Dienst als Ungerechtigkeit empfunden habe.

Sechs Bewertungsnoten

Für Zeugnisse und Prüfungen

Wiesbaden, 31. Oktober. (Eigener Bericht.) Für die hessischen Schulen hat Kultusminister Dr. Stein am Dienstag Richtlinien für neue einheitliche Bewertungsnoten sowohl für Zeugnisse als auch für Prüfungen bekannt. Anstelle der seitherigen fünf Bewertungsnoten treten nunmehr sechs, und zwar: sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft und ungenügend: Der Erlaß des Kultusministers sieht weiter vor, daß die Fächer: Aufmerksamkeit, Fleiß, Ordnung und Betragen nur noch im Sommer und zu Weihnachten sowie auf den Abgangszeugnisßen beurteilt werden sollen. Für die Herbst- und Osterzeugnisse dagegen kommt künftig nur die Bewertung der Leistungen in Frage.

Wirtschaftsblatt

Bewirtschaftung?

w. Das neue Getreidegesetz soll in diesen Tagen verkündet werden. Bisher stand im Mittelpunkt der Beratungen um das Getreidegesetz immer nur das Brotgetreide, um dieses für die gesamte Bevölkerung auch in Kriegszeiten sicherzustellen. Die Einbeziehung anderer Getreidearten war, wenn unbedingt erforderlich, vorgesehen.

Der Gesetzentwurf unterscheidet ausdrücklich zwischen Brotgetreide und versteht darunter Roggen, Weizen, Spelz, Emer, Einkorn und „andere Getreidearten: Gerste, Hafer, Mais, Reis, Buchweizen“. Die Kategorien von Getreide, die nicht zum Brotgetreide gehören, sind also sehr umfassend.

Wie nun verlautet, wird sich das Getreidegesetz auch auf diese Getreidearten erstrecken. Die Regierung wird, woran nicht mehr zu zweifeln ist, von der Kannbestimmung Gebrauch machen und alle Getreidearten einbeziehen. Damit wird auch der ganze Getreide-Futtermittelsektor, die Braugerste u. a. m. der freien Bewirtschaftung wieder entzogen.

Es besteht dann für alle inländischen Getreide die Meldepflicht (§ 16), für alle ausländischen Getreide die Genehmigung der Einfuhr- und Vorratsstelle und für den gesamten Getreidemarkt die Preisfestsetzung. Die Meldepflicht für inländisches Getreide liegt aber nicht beim Erzeuger, dem Landwirt, sondern beim Handelsbetriebe sowie beim Be- und Verarbeitungsbetriebe.

Die Einfuhr- und Vorratsstelle regelt die gesamte Einfuhr. Sie hat stark monopolistischen Charakter, da kein Getreide mehr in das Bundesgebiet hereinkommen wird, das diese Stelle nicht übernehmen will. Der Unterschied zur Vergangenheit ist der, daß zwar der einzelne Importeur das Getreide im Ausland einkauft, daß aber diese Einkäufe „spätestens bei der Zoll- oder Grenzabfertigung der Einfuhr- und Vorratsstelle zum Kauf“ angeboten werden müssen. „Macht sie von dem Uebernahmerecht keinen Gebrauch, so darf das Getreide im Bundesgebiet weder in den Verkehr gebracht noch verarbeitet oder sonst verwertet werden.“

Hier sind die Merkmale einer vollständigen Getreidebewirtschaftung gegeben. Sie wird verschiedene amtliche Stellen haben, zu denen noch die Mühlenstelle kommt.

Photoapparate gegen Olivenõl

vwd. Im Zusatzprotokoll zum neuen deutsch-italienischen Handelsabkommen ist außer der Aufstockung der deutschen Exporte nach Italien, und zwar u. a. um 400 000 Dollar für photographische Apparate und Zubehör, von Italien eine Ausfuhrverpflichtung für Olivenöl im Werte von zwei Millionen Dollar übernommen worden.

Heute Zentralbankrat

vwd. Der Zentralbankrat wird am 1. und 2. November zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammentreten. Unter anderem soll die wirtschafts- und währungspolitische Lage überprüft werden

Anlage von Sperrguthaben

Bz. Die Allgemeine Genehmigung der Bank deutscher Länder zu den Mil.- Regier.-Ges. Nr. 52 und 53 (Neufassung), die Anlage von Sperrguthaben in Grundbesitz oder Wertpapieren betreffend, wird in neuer Fassung veröffentlicht. Hierdurch wird die Anlagemöglichkeit dahingehend erweitert, daß aus Sperrguthaben ausländischer Gläubiger nicht nur Grundbesitz im Bundesgebiet erworben, sondern auch die Errichtung oder Wiederherstellung von Bauten auf eigenem Grundbesitz des Sperrguthaben-Inhabers bezahlt werden darf.

Flugpreise 25 Prozent billiger

Bz. Ab 1. November 1950 ermäßigt die Pan American World Airways für alle Hin- und Rückflüge zwischen Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg und Berlin die Flugpreise um durchschnittlich 25 Prozent.

Einzelhandel gegen höhere Preise

(vwd) Gegenüber dem neuerdings von Vorlieferanten gemachten Versuch, die Preise zu erhöhen und Lieferbedingungen zu ändern, fordert die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels die Einhaltung vertraglicher Abmachungen. Die Hauptgemeinschaft will mit den Verbänden der Vorlieferanten Verhandlungen aufnehmen, bei denen diese Fragen erörtert werden sollen.

(vwd) Der Umsatz der Edeka-Zentrale als Zentralgenossenschaft für das Edeka-

inlandsgeschäft lag in den ersten neun Monaten 1950 um 55 Prozent über dem Ergebnis des Vergleichszeitraumes des Vorjahres, gab das Vorstandsmitglied der Edeka-Zentrale Bartold auf dem Herbstbezirkstag 1950 in Hamburg bekannt.

(vwd) Die Einfuhr von Kraftfahrzeugen aus der Bundesrepublik Deutsch-

land in die Schweiz hat sich ih den ersten neun Monaten 1950 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres von 2717 auf 7247 Einheiten erhöht.

vwd. Die bei den deutschen Ausstellern auf der Bozener Messe eingegangenen Auf-

träge für nicht liberalisierte Waren belaufen sich auf 2,4 Millionen Dollar, wovon 800 000 Dollar durch das Messekontingent gedeckt sind.

lieber die Einfuhr billiger Textilien aus der Bundesrepublik nach Großbritannien

verhandeln Londoner Firmen. Die deutschen Textilien sollen nicht der Verkaufssteuer unterliegen. Voraussichtlich werden Pullover, gestrickte Wollwesten, Sweatey, Strümpfe und Handschuhe eingeführt.

bt. Die A.-G. Hellerhof Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft in Frankfurt a. M.,

mit 1,50 Mill. RM Grundkapital (davon befinden sich 85 Prozent bei der Philipp Holzmann A.G. und 8 Prozent im Besitze der Stadt Frankfurt a. M.), schlägt vor, das bisherige Grundkapital im Verhältnis 10:7,5 auf 1,125 Mill. D-Mark neu festzusetzen.

Volkswagen-Sparer fordern Abfindung

dpa. Die Interessengemeinschaft der Volkswagen-Sparer fordert, daß die Entscheidung des Landgerichts Hildesheim vom Januar dieses Jahres im sogenannten „Volkswagen-Sparer-Prozeß“ aufgehoben wird. Der Bericht des Generaldirektors Nordhoff über den finanziellen Stand des Volkswagenwerkes habe alle Zweifel darüber beseitigt, ob das Werk in seiner Existenz bedroht werde, wenn es die alten Gläubiger befriedige. Zur Abfindung der Sparer bedürfe es nur noch einer Produktion von zweieinhalb Jahren.

Wagsgonraum ist knapp

Bz. In den letzten Wochen sind die Be- und Entladerückstände im öffentlichen Verkehr um 68 Prozent gestiegen. Der Wagenpark der Bundesbahn ist restlos ausgenutzt. Andererseits steigen die Wagenanforderungen weiter an. Oftmals würden die Waggons auch als Lagerraum benutzt. Hiervon müsse unbedingt Abstand genommen werden. Auch an arbeitsfreien Samstagen, selbst an Sonntagen, müßten im Interesse der angespannten Verkehrslage die Wagen möglichst entladen werden. Eine Erhöhung des Wagenstandgeldes sei sonst nicht zu vermeiden.

D-Zug-Wagen 10 Tonnen leichter

Bz. Die Bundesbahn hat in Zusammenarbeit mit den Waggonfabriken Krefeld •— Uerdingen sowie Westwaggon Köln und Mainz neue D-Zug-Wagen konstruiert, die zehn Tonnen leichter sind als die letzten Erzeugnisse aus der Vorkriegszeit. Bei jedem Sitz befindet sich außerdem eine Leselampe.

Oberbau für 120 Stundenkilometer

Bz. Die Bundesbahn will den Oberbau der wichtigsten Hauptstrecken bis zum Sommerfahrplan 1951 so weit instandsetzen, daß ein zusammenhängendes Schnelltriebwagennetz für 120 Kilometer Höchstgeschwindigkeit entsteht.

Die Garbaty-Zigarettenfabrik. bisher Brombach, hat in Stuttgart-Unterdürkheim die Produktion aufgenommen.

Autobahnsteuer

Parlament soll nicht befragt werden

Hi. Wie unserem Bonner Vertreter aus dem Finanzministerium mitgeteilt wird, soll die künftige Autobahnsteuer auf dem Verordnungswege durch die Bundesregierung dekrediert werden. Die Bundesregierung will sich dabei auf das Gesetz über die Reichsautobahnen vom Jahre 1941 stützen, in welchem festgelegt ist, daß für die Benutzung der Autobahn eine Gebühr verlangt werden kann. Damit wird der Bundesfinanzminister der Entscheidung des Parlaments enthoben, das über diese Steuer geteilter Meinung ist.

Wie weiter verlautet, rechnet das Bundesfinanzministerium mit Einnahmen aus dieser Steuer in Höhe von 50 bis 60 Millionen Mark jährlich, während das Bundesverkehrsministerium, das sich gegen diese Steuer ausgesprochen hat, diese Einnahmen auf jährlich höchstens 25 Millionen Mark schätzt.

Börsen und Märkte

Bz. Die Ultimo-Oktober-Börse in Frankfurt verlief freundlicher. Meist ergaben sich Kursgewinne zwischen 0,5 und 1 Punkt. Elektropapiere gewannen im Durchschnitt 0,25 bis 0,50. Montanaktien hatten in der Mehrzahl kleinere Verbesserungen aufzuweisen. Fester tendierten noch Zellstoffaktien auf den sehr guten Geschäftsgang. Auch einzelne Bauunternehmen konnten ihren Stand bis 1% erhöhen. Großbanken zogen 0,75 bis 1 Punkt an. Gutehoffnungshütte 65,75 (pl, 0,75). Von den Festverzinslichen stiegen Dt. Industriebank Oblig. um 0,25 auf 11,75.

Freie Devisenkurse vom 31. Oktober

Bz. Am 31. Oktober wurden folgende freie Devisenkurse genannt: Der USA-Dollar mit 5,15 bis 5,25 DM, das englische Pfund Sterling mit 12,50 bis 13,50 DM, der Hollandgulden mit 1,15 bis 1,25 DM, der Schweizer Franken mit 1,15 bis 1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM und der österreichische Schilling mit 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben sind am 31. Oktober 1950 für 1 DM-West 5 bis 5,20 Ostmank gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten worden.

Id Die „Bank für Arbeit und Wirtschaft AG“, Stuttgart, wird ihre Tätigkeit aufnehmen. An dem G-esellschaftskapital von 980 000 DM sind die in Stuttgart ansässigen Zentralvorstände der Gewerkschaften öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Schuhe und Leder, Druck und Papier, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Konsumvereine beteiligt. Die Bank wird vor allem soziale Unternehmen, aber auch Betriebe der privaten Wirtschaft mit Krediten speisen.

Nach der Decke strecken

BdL verlangt: Ausweitung öffentlicher Haushalte hat zu unterbleiben

Bz. Der Produktionsindex Westdeutschlands ist im September von 114 auf 121, gegenüber einem Index von 100 im Jahre 1936, gestiegen. Rechnet man jedoch die Bevölkerungszunahme durch den Flüchtlingszustrom im Bundesgebiet hinzu, so bleibt der Stand der Produktion in Westdeutschland noch immer um gut 15 Prozent unter dem Vorkriegsstand.

Dies betont einleitend der Monatsbericht für September der Bank deutscher Länder. Noch günstiger ist der Konjunkturverlauf angesichts der hohen Zahl der Beschäftigten von 14,3 Millionen Personen. Es sind fast eine Million Menschen mehr in Arbeit als Ende März 1950.

Bei dem allgemeinen Aufschwung zeigten sich aber bereits verschiedene Engpässe, so bei der Versorgung mit Kohlen, mit Eisen und Stahl. Diese binnenwirtschaftlichen Spannungen werden jedoch in Schatten gestellt „durch die kritische Zuspitzung der außenwirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik“. In den letzten Wochen hat sich die Devisenbilanz rapide verschlechtert.

Die Ursache der erneuten Verschlechterung der Handelsbilanz sind nach Meinung der Bank deutscher Länder besonders in den allzugroßen innerwirtschaftlichen Auftriebstendenzen zu suchen, mit denen die Ausfuhr nicht Schritt halten konnte. Weiter geriet der Außenhandel in eine schlechtere Lage, weil die deutschen Ausfuhrpreise stabil blieben oder sogar noch sanken, während die Einfuhrpreise nicht selten um ein Mehrfaches stiegen.

Die Notenbank hat daher im Kampf gegen „die akute Zuspitzung der Devisenlage“ drastische Maßnahmen ergriffen. Der verstärkten Ausdehnung des Geschäftsbanken-Kredites soll vor allem die Erhöhung der Mindestreserven der Banken entgegenwirken. Durch Beschränkung der Rediskontierung von Bankakzepten wurden die Ausweichmöglichkeiten des Kreditpotentials wesentlich verringert. Endlich soll die scharfe Diskont- und Lombarderhöhung der Kreditnachfrage einen wirksamen Dämpfer aufsetzen.

Die gesamte Wirtschaftspolitik muß sich dem Zwang zu verstärkter Knapphaltung des Geldes unterwerfen. Vor allem müssen neue Bestrebungen zur Ausweitung der Kredite über die öffentlichen Haushalte verhindert werden. Erfreulicherweise ist es gelungen, die hohen Defizite der öffentlichen Haushalte einzudämmen. Hier liegen die Hauptquellen der Ausweitung des Geldumlaufes. „Die Bundesregierung hatte am 31. Juli 1950 eine Verschuldung von 1,454 Milliarden D-Mark. Bis zum 30. September ist dank des günstigen Steueraufkommens (vor allem der Umsatzsteuer mit einer Zunahme von fast 20 Prozent) gegenüber dem Vorjahr jedoch eine Senkung auf 1,397 Milliarden D-Mark möglich geworden.“

Leider ergeben sich aus der weltpolitischen Lage für die Bundesrepublik neue Ausgabenverpflichtungen. Eine defizitäre Finanzgebarung kann aber den Wiederaufbauprozeß schwer beeinträchtigen und „zu weitreichenden zwangswirtschaftlichen Maßnahmen zwingen“. Neue Ausgaben dürfen daher nur durch anderweitige Einschränkungen oder durch zusätzliche Einnahmen, das heißt also durch Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand oder durch neue Steuern, gedeckt werden. Auch eine bloße Vorfinanzierung birgt die Gefahr der Geldausweitung in sich. Die Wirtschaft selbst muß für ihre Investitionsaufwendungen eine „möglichst konservative Finanzierung“ anstre4- ben, um Kapital aus normalen Quellen aufbringen zu können.

Die Ueberwindung der Krise unserer Zahlungsbilanz hängt ganz entscheidend davon ab, so betont die Bank deutscher Länder zum Schluß, daß die gesamte Wirtschaftspolitik sich „an den harten Tatsachen und Notwendigkeiten“ der überaus schwierigen außenwirtschaftlichen Lage orientiere.

Von der Intensivierung des innerwirtschaftlichen Aufschwungs sind nach dem Monatsbericht nunmehr auch die Verbrauchsgüterindustrien in vollem Umfange erfaßt. Die Impulse gehen nach Auffassung der BdL hier nicht mehr so sehr vom Verbraucher aus, sondern die Industrie hat gegenwärtig die großen Aufträge aufzuarbeiten, die der Handel in den letzten Monaten erteilt hat und zum Teil noch erteilt. In jüngster Zeit konnten die Konsumgüterindustrien auch in größerem Umfange Auslandsaufträge hereinnehmen, während sie bisher an der Exportkonjunktur nur wenig teilhatten. Der wirtschaftliche Aufschwung sei nunmehr in eine Phase eingetreten, in der eine weitere Produktionssteigerung sich an Engpässen zu stoßen beginnt. Die Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Kohle, des Verkehrs sowie der Eisen- und Stahlerzeugnisse, ferner die Erschöpfung der Kapazität, die Rohstofflage und der Facharbeitermangel müßten bei weiter steigender Nachfrage zu einer erheblich verminderten Produktionselastizität führen, die den Preisauftrieb der letzten Zeit noch bedeutend verstärken würde.

Bz. Bei der Bruno Henschke GmbH, in Kirn (Nahe) wurde das Stammkapital von 0,100 Mill. DM auf 0,150 Mill. DM erhöht. Bz. Bei der Ortenberger Leiterindustrie Friedrich Wilhelm & Co. GmbH., Ottenberg Hessen ist in der Generalversammlung beschlossen worden, den Firmennamen in ..Ortenberger Ledterindustrie GmbH.“ abzuändern.

Bz. Die Rheinische Pappenfabrik AG., Monheim (Rheinland) hat It. H.V.-Beschluß das RM-Kapital von 6,50 Mill, auf 5,20 Mill. DM neu festgesetzt.

Darmstadt und Umgebung

Es fsiel ein Schnee ...

D-s Volkslieder besingen den Reif in der Frühlingsnacht, und Frost und Schnee, die in ihren Zeilen über grünes Laub und Blaublümelein kommen, stimmen das Herz zu Weh und Trauer über die rauhen Mächte, die Blühendes verzehren.

Ein Nachhall solcherlei Lieder weht durch den Sinn, da wir den Schnee jetzt, in den letzten Oktobertagen, auf buntem Laube liegen sehen. Rot, braun, gelb, grün, in allen Schattierungen der Modefarben leuchtet es unter dem dünnen, weißen Schleier hervor, der über Nacht und in den frühen Morgenstunden aus den Wolken sank. In den Gärten hat er den letzten, großäugigen Sommerblumen, Dahlien und Georginen, das Leben genommen. Der entkräftete Stengel trägt das Gewicht der Blütenhäupter nicht mehr. Sie neigen sich zur Erde wie das entfärbte Blattwerk der stolzen Stauden. Vorbei, vorbei . . .

Die Großen denken voll Sorge an den Hausbrand und Erkältungskrankheiten. Die Kleinen schauen erwartungsvoll zum grauen Himmel hinauf. Wird noch mehr Schnee kommen? Lohnt es, den Schlitten herauszuholen? Rutscht man auch nicht auf einer Schneedecke den kleinen Abhang hinunter, auf dem durchnäßten Grase geht es gerade so gut, und zum Beweise, daß es noch genug schneit, trägt man ein paar winzige, kristallene Sternchen auf dem Jackenärmel bis zur Haustür.

Mutter aber hat Tannenzweige, Hagebutten, Hopfenreiser und weiße Winterastern hereingeholt. Herber Ruch füllt das Zimmer als sie den Kranz bindet. Da schweigen die schneeseligen Kleinen, denn sie wissen: das ist ernstes Tun, und es gilt Jürgen, dem großen Bruder, an den sie sich kaum mehr erinnern können; das Wort „gefallen“ ist ein dunkles Rätsel. Aber Mutter weiß wohl, was es meint, wenn sie den Kranz zu Allerseelen auf die Kommode zu seinem Bilde legt. Dort behält er seinen Platz durch den ganzen November, bis nach Totensonntag ein frischer Tannenkranz mit seinen Kerzen die Weihenacht herbeileuchtet.

„Die Eltern dürfen zufrieden sein”

Erste Elternversammlung der Schillerschule

Der überaus zahlreiche Besuch der ersten Eltemversammlung der Schillerschule, die am Montagabend in der Aula der Technischen Hochschule stattfand, bewies, daß das Interesse der Elternschaft an den Schulbelangen nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Rektor Horn wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß der innere Ausbau der Schillerschule nahezu beendet sei. Man habe Staat und Stadt für die Unterstützung beim Aufbau zu danken.

Am 21. August begann der Schulbetrieb mit 1168 Schülern, die in 23 Klassen zu 11 Knaben-, 10 Mädchen- und 2 gemischte Klassen aufgeteilt sind. Die Uebernahme der Schüler aus anderen Volksschulen sei reibungslos vonstatten gegangen. Begrüßenswert sei insbesondere der kollegiale Zusammenhalt der Lehrerschaft. Infolge der Zeitnot erfolge eine Beschränkung des Lehrstoffes auf die Kernfächer. Die Elternschaft dürfe aber mit dem Unterrichtsbetrieb vollauf zufrieden sein, zumal, im Gegensatz zu anderen Schulen, die Schillerschule räumlich besser ausgestattet sei.

Nach einigen Hinweisen auf die Schwierigkeit der Lehrmittel- und Lemmittelbeschaffung — Rektor Horn bat die Eltern, wenn möglich ihren Kindern Schulbücher auf eigene Kosten zu beschaffen — erklärte er zur Schulspeisung, daß die Abgabe nach den Herbstferien neu geregelt worden sei.

Da die Amerikaner keine Lebensmittel mehr zur Verfügung stellen, müßten sie vom deutschen Staat aufgebracht werden.

Aus diesem Grunde sei auch die schärfere Bestimmung des Staates zur Befreiung von den Kosten in Kraft getreten. Die Zahl der an der Schulspeisung teilnehmenden Kinder sei von 700 auf 500 herabgesunken.

Für die Zukunft hoffte Rektor Horn, daß der gute Anfang, der durch die rege Beteiligung an der ersten Elternversammlung bewiesen wäre, Beginn zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Elternschaft und Schule sei. Nach Weihnachten solle die Frage des Uebergangs der Schüler zur Aufbau- oder Höheren Schule Gegenstand einer weiteren Versammlung sein.

Es wäre geplant, zwei- bis dreimal jährlich eine derartige Elternversammlung abzuhalten.

Im Anschluß daran wurde der erste Elternbeirat der Schillerschule gewählt, dem folgende Damen und Herren angehöreri: M. Arras, M. Foonhoffs, Dr. H. Krumb, H. Roggenbuck, Fr. Spahn, Dr. Sachs, H. Häring, Dr. Bolte, E. Seipp, H. Weitz, Dr. Baumann, C. Zell, Ph. Keller, H. Scheer und J. Hoffmann. Zwei Unterrichtsfilme bildeten den Abschluß dieser ersten Elternversammlung der Darmstädter Schillerschule. st

Der Hessenplan

Arbeitsplätze für Heimatvertriebene sollen geschaffen werden

Aus der Notwendigkeit, die Heimatvertriebenen zunächst einmal unter allen Umständen unterzubringen, ergab sich eine, auf die Dauer gesehen, unmöglich aufrechtzuhaltende Verteilung der Heimatvertriebenen. Sie sitzen sehr häufig dort, wo keine Arbeitsplätze vorhanden sind, während an anderen Stellen Arbeistplätze vorhanden oder mit wenigen Mitteln zu schaffen sind, ohne daß die Möglichkeit gegeben wäre, sie hier unterzubringen. Die Regierung hat daher den sogenannten „Hessenplan“ entwickelt, dessen Ziel es ist, Arbeitsplätze dort, wo sie standortsmäßig hingehören, zu schaffen, dor auch den Wohnungsbau bevorzugt zu fördern, um den Flüchtlingen auf diese Art und Weise ein Heim und einen Arbeitsplatz zu geben.

Die Grundlagen für den „Hessenplan“, der 1951 anlaufen wird, sollen nun erstellt werden. Die industriellen und gewerblichen Betriebe des Stadtkreises Darmstadt werden daher um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:

1. Können noch Arbeitskräfte aufgenommen werden und wie viele?

2. Welche Betriebe sind bei Zuführung von Mitteln ausbaufähig und wieviel Arbeitskräfte können dann noch aufgenommen werden?

Es wird gebeten, diese Meldungen bis zum 10. November 1950 zunächst schriftlich an den Magistrat — Stadtkämmerei — vorzulegen. Von mündlichen Vorsprachen bitten wir zunächst abzusehen.

Sie můssen Farbe bekennen

Fragen an die Kandidaten zum Hessischen Landtag vor dem Forum

Aus den Erfahrungen früherer Veranstaltungen hat der Vorstand des Forums Darmstadt für die nächste Versammlung am Donnerstag, dem 2. November, um 20 Uhr, in der Stadthalle folgendes Programm aufgestellt:

Sämtliche vier Kandidaten des Wahlkreises 43 (Darmstadt-Stadt) werden eingangs ein viertelstündiges Referat über ihre Absichten und ihre politische Einstellung halten. Während dieser Zeit werden an die Versammlungsbesucher Zettel ausgegeben — Bleistifte selbst mitbringen! —, um Fragen an die Kandidaten zu stellen. In der anschließenden Pause erfolgt die Einsammlung der Fragezettel und deren Sortierung. In der folgenden Diskussion wird der Diskussionsleiter die eingereichten schriftlichen Fragen den Kandidaten vorlesen und sie zur Stellungnahme auffordern.

Durch diese Veranstaltung beabsichtigt das Forum, ähnlich wie bei früheren Wahlen, den Wahlberechtigten ein objektives Bild über die politische Situation der Kandidaten zu vermitteln. DT

Die Industriegewerkschaft Chemie, Pa¬ pier. Keramik, Filialverwaltung Darm¬ stadt. veranstaltet am Freitag,, dem 3. November 1950. um 20 Uhr eine Mitgliederversammlung im Lokal „Braustübl“ am Bahnhof. Der Geschäftsführer der Verwaltungsstelle Darmstadt, Herr Sievers, gibt einen Bericht über den Verbandstag in München und den Bezirksverbandstag in Fulda.

Dentsche Kriegergräber in guter Obhut

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hilft

Noch waren nicht alle Ehrenstätiten der Kriegstoten aus dem ersten Weltkrieg erfaßt und ’ausgebaut, als der unglückseligste aller Kriege neue Gräber schuf — unendlich viele Gräber von Gefallenen und Opfern der Kriegseinwirkung, deren Gesamtzahl heute noch nicht annähernd bestimmt werden kann.

Dieser Menschenopfer letzte Ruhestätten aufzuflnden, ihre Lage zu erfassen, sie auf Friedhöfen zu vereinen, für würdigen Ausbau und Instandhaltung nach Möglichkeit zu sorgen, ferner den Hinterbliebenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sind Aufgaben, die sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestellt hat.

Will man diese Leistung in ihrer ganzen Bedeutung ermessen, dann muß man bedenken, daß jede einzelne Meldung dazu verhilft, eine Familie dem quälenden Zustand der Ungewißheit zu entreißen, ihr mit der bitteren Wahrheit doch den Weg zum Tröste zu bahnen und ihr die Neuordnung bürgerlichen Lebens zu ermöglichen. Zahlen aus der jüngsten Vergangenheit sprechen eine beredte Sprache: Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 1950 wandten sich 9000 Familien, die das Grab ihres Angehörigen suchten, an den Landesverband des Volksbundes. Im Jahre 1949 waren es über 14 000 Familien, die einen Suchantrag an den Volksbund richteten; 5755 dieser Anfragen konnten positiv beantwortet werden. Diese Zahlen sind keine Bilanz. Sie sollen ein Beispiel sein, welche Mühe und Arbeit hinter diesen nüchternen Zahlen steht.

In enger Anlehnung an die Regierungsstellen und Behörden und im Vertrauen auf die Mithilfe der Bevölkerung hat der Bund seine Tätigkeit auch in Darmstadt wieder aufgenommen.

Es ergeht an alle Einwohner die herzliche und dringende Bitte, sich nach bestem Können und Vermögen zur Mitarbeit bereit zu erklären und zahlende Mitglieder zu werden. Der Beitrag ist so niedrig bemessen, daß jedermann ir.Qder Lage ist dem Volksbund beizutreten. Ueber die Arbeit des •Volksbundes gibt laufend die illustrierte „Kriegsgräberfürsorge“ Auskunft.

Alle Interessenten sind gebeten, die Einrichtungen und Dienste des Volksbundes in Anspruch zu nehmen. Zweckdienlich wendet man sich an die am Ort bestehende Untergliederung, die Fragebogen für kostenlose Vermißtennachforschung und Feststellung von Kriegsgräbem bereithält und an die Zentralstelle weiterleitet.

Die Darmstädter Anschrift lautet; V.D.K., Kreilsverband Darmstadt, Roquetteweg 15.

Johann Reichard von Fechenbach

Ein Mitkämpfer Prinz Eugens

Am 30. Oktober sprach Studienrat Dr. K. Diel (Dieburg) über den Generalfeldmarschalleutnant Johann Reichard von Fechenbach. Er wies einleitend darauf hin, ein wie enger Zusammenhang zwischen dem Priester- und dem Offiziersberuf im 17. und 18. Jahrhundert bestand. Der Wechsel von einem zum andern war nicht selten (vgl. Prinz Eugen selber; Landgraf Friedrich von Hessen-Darmstadt, der Bruder Ernst Ludwigs, oder Georg Adam von Fechenbach, in jungen Jahren würzburgischer Feldhauptmann, später Mainzer Generalvikar).

Der Türkenkrieg galt zugleich als Kampf für den christlichen Glauben. — Auch Angehörige des hessen-darmstädtischen Hauses nahmen am Türkenkrieg teil; 1687 Landgraf Emst Ludwig selbst, während seine Brüder Heinrich und Philipp in kaiserlichem Dienst standen, und anfangs auch Georg, der in Spanien gefallen ist.

Der Vortragende hat sich mit der Geschichte der Gesamtfamilie befaßt — das Werk wird vom Aschaffenburger Geschichtsverein herausgegeben —, und die Grundlagen boten dabei die seit wenigen Jahren zugänglichen Akten im Schloß zu Laudenbach (Main), die jetzt im Besitz der Baronin von Aufseß sind. Es mußte reizen, die Wirksamkeit dieser Adelsfamilie in Staat und Kirche zu verfolgen’ sowie auch ihre Spuren in der Lokalgeschichte. Besonders reich ist das Laudenbacher Archiv an diplomatischen Akhcten des 18. und des beginnenden 19.

Jahrhunderts. Wertvoll ist sodann die Sammlung der Münzen des letzten Würzburger Erzbischofs Georg Karl von Fechenbach und die Zeitungsregistratur, die der Zeitungswissenschaft als Quelle längst bekannt ist.

Die Familie von Fechenbach — der Zusammenhang mit dem gleichnamigen Dorf läßt sich nicht belegen — wird zuerst in einer Urkunde des Klosters Bronnbach 1214 genannt. Die Familie teilte sich nach 1570 in drei Stämme: in den von Mauer bei Heidelberg, der nur aus drei Generationen, meist kurpfälzischen Oberjägermeistern und ihren Räten, bestand, und weiter den Enkeln Philipp Georgs, den Söhnen Johann Reichards, in die Stämme Sommerau — Stammsitz ist das im Bauernkrieg zerstörte Wasserschloß in der Nähe von Obernburg am Main im Elsawatal, und Laudenbach. Bezeichnend für diesen Zweig der Familie ist der kämpferische Geist. Er stellte Ordensrichter, Offiziere, Festungskommandanten in mainzischen, würzburgischen, kaiserlichen und venezianischen Diensten. Die alte Sommerauer Kirche birgt 10 schöne Grabdenkmäler für Angehörige des Geschlechts.

Die höchste Entfaltung der Linie Laudenbach zeigt sich seit der 3. Generation: Ordenskomture zu Ellwangen und Münnerstadt, und Johann Reichard; die folgende Generation den Mainzer Generalvikar Georg Adam, und schließlich die letzte, den 1749 geborenen Fürstbischof von Würzburg Georg Karl. Im 19. Jahrhundert ist der durch seine historischen Studien bekannt gewordene Friedrich Karl und sein Bruder hervorzuheben, der das Ulmersche Schloß in Dieburg umbaute.

Johann Reichard (1657—1717) wurde auf Grund seiner ursprünglichen Liebe zum Soldatenstand Offizier. Zwei Ereignisse in dem Türkenkrieg — die erste Frontbewährung bei der Erstürmung von Belgrad 1688, die ihm die Ernennung zum Dragonerhauptmann einbrachte, und die Beteiligung an der Schlacht bei Zenta 1697 — waren seine ersten soldatischen Leistungen. Zahlreiche Erinnerungsstücke aus den Türkenkriegen befinden sich in der Sommerburg im Schloß Laudenbach. — Seit 1701 nimmt er am Spanischen Erbfolgekrieg auf dem rheinischen Kriegsschauplatz als Führer kaiserlicher Hilfstruppen teil, die von Würzburg rekrutiert worden waren. Er war dann an der Belagerung Landaus (1703) und an der Schlacht bei Höchstädt (1704) beteiligt. 1706 wurde er zum Kommandanten der Stadt und Festung Würzburg ernannt. 1708 wird er in den persönlichen Stab des Prinzen Eugen berufen, und mit einem kaiserlichen, einem badischen und einem ungarischen Husarenregiment kämpft er in der Schlacht von Oudenarde (1708) mit. Seine weitere militärische Tätigkeit erstreckt sich auf die Belagerung von Lille, die Schlacht von Malplaquet (1709) und die Belagerung von Douai. 1711 wird er — durch Fürstbischof von Greifenklau und im Jahr darauf vom Prinzen Eugen beantragt — kaiserlicher Generalfeldmarschalleutnant. Sein Grabmal befindet sich in der Pfarrkirche zu Laudenbach. Seine erste Gattin, eine Schenk von Castell, hat er früh verloren, die zweite, Maria Josepha von Eyb, war eine ausgezeichnete Wirtschafterin; sie hat den Roßhof sowie die frankensteinischen Besitzungen zu Dieburg (Hof in der Steinstraße) gekauft

In Bildern des Prachtwerks Hefner-Altenecks, der im Schloß zu Laudenbach ruhenden unveröffentlichten Familiengeschichte, zum Teil in Zeichnungen Charles Regmiers, zogen die Besitzungen der Familie — u. a auch das Haus am Ballplatz in Mainz, der Gasthof „Zum Darmstädter Hof“ in Altheim — sowie die bedeutendsten Vertreter des Geschlechts in Lichtbildern am Zuhörer vorüber.

Herr Studienrat Dr. Diel hatte ein kulturgeschichtlich interessantes Kapitel aus der Adelsgeschichte lebendig werden lassen, wofür ihm herzlicher Beifall dankte. F. Kn.

Sie kämpfen für das Landesmuseum

Zoologische Sammlung vor dem Verfall gerettet

Nur Heilige, Weise und Wissenschaftler bringen es im allgemeinen fertig, ihr persönliches Leben, Wünschen und Trachten in den Dienst einer höheren Sache zu stellen. Ihr Wirken, ohne unmittelbaren Widerhall aus der großen Welt, gedeiht im Verborgenen, und ihre Wirkungen werden erst viel später, zum maßlosen Erstaunen der Menge, sichtbar.

Ein solches Kapitel wissenschaftlicher Hingabe spielt sich seit sechs Jahren in den Mauern unserer Stadt ab und wenige wissen davon. Zwei Männer kämpfen um den Bestand der zoologischen Abteilung des Landesmuseums, ohne daß bisher mehr geschehen konnte, als die geretteten Sammlungen vor der völligen Vernichtung durch Witterungseinflüsse und Schädlinge zu bewahren. Professor Ankel setzt sich unermüdlich dafür ein, als Direktor der Abteilung eine finanzielle Unterstützung des Museums aus öffentlichen oder privaten Mitteln zu erwirken. Dr. Heldmann, langjähriger Kustos, schafft und schindet sich mit geradezu unwahrscheinlicher Hingabe damit ab, seine Kostbarkeiten vor dem Verfall zu bewahren. Von außen, etwa aus dem Aspekt der wohlerhaltenen Fassade des Museums, kann man kaum vermuten was das heißt.

Der unablässige Kampf mit Nässe, Frost und bröckelnden Mauern schien jahrelang fast hoffnungslos zu sein. Was aber schließlich Winter für Winter vor Schimmel bewahrt blieb, drohte jeden Sommer aufs neue durch Motten zerfressen zu werden. Kustos, Präparator und ein alter Schreiner verglasten notdürftig ein paar Fenster, dichteten Wände ab und halfen das Notdach auflegen. Unter den ungünstigsten Bedingungen ordneten sie den Bestand immer wieder, so daß man heute — wohl endgültig — feststellen kann: er ist gerettet, für uns, für unsere Stadt.

Die ersten Früchte fangen an zu reifen. Mit Hilfe einer staatlichen Unterstützung ist es jetzt so weit, daß über die Hallen des Museums sich ein festes regendichtes Dach wölbt. Die großen Fenster werden nun reihum verglast. Eine angesehene Darmstädter Firma hat sich erboten, einen der Säle vollkommen wieder herzurichten und zu beleuchten, um wenigstens einen Teil der Sammlung dem Publikum wieder zugänglich zu machen. Allerdings zeigt Dr. Heldmann auch heute schon gelegentlich seine Schätze — unangefochten durch öde Fensterhöhlen. Ist jedoch erst einmal der Anfang mit dem Saal der wirbellosen Tiere und Insekten gemacht und sind die heimischen Wirbeltiere untergebracht, die für die Schulen besonders interessant sind, so werden nacheinander die Schaugruppen wieder hergestellt, die von jeher in ihrer Farbenpracht die Phantasie und die Begeisterung der Kinder beflügelt haben. Deutsche Landschaften, naturgetreu dargestellt, von der Nordseeküste bis zu den Alpen, erstehen plastisch und farbig mät allem was da kreucht und fleucht und vermitteln, sozusagen mit einem Blick, den Eindruck eines vollständigen Lebensbereiches.

Später wird man dann wieder mit je einem Blick nach Asien, Afrika und in die übrigen Erdteile reisen können. Aber das dauert noch eine gute Weile. Einstweilen sind noch viele Trümmer aus dem Weg zu räumen. / . _^ä-


Unter größten Schwierigkeiten bemühen sich zwei Darmstädter Wissenschaftler, Dr. Heldmann und Professor Ankel, die wertvollen Bestände der zoologischen Abteilung des Landesmuseums vor dem Verfall zu bewahren. Die Wände und Decken sind vom jahrelangen Regen und Schnee durchfeuchtet, die Fenster erst zum Teil wieder verglast, die staatliche Unterstützung kommt nur tropfenweise. Ueber diesen schweren Wiederaufbau mit einer bedeutsamen Ueberraschung berichtet auch unser Artikel „Conus gloria maris“. Foto: Lilian Bär
Unter größten Schwierigkeiten bemühen sich zwei Darmstädter Wissenschaftler, Dr. Heldmann und Professor Ankel, die wertvollen Bestände der zoologischen Abteilung des Landesmuseums vor dem Verfall zu bewahren. Die Wände und Decken sind vom jahrelangen Regen und Schnee durchfeuchtet, die Fenster erst zum Teil wieder verglast, die staatliche Unterstützung kommt nur tropfenweise. Ueber diesen schweren Wiederaufbau mit einer bedeutsamen Ueberraschung berichtet auch unser Artikel „Conus gloria maris“. Foto: Lilian Bär

Das „DT” ctellt vor:

Heinrich Pfeng

Kandidat der Freien Demokratischen Partei für den Wahlkreis 44 (Darmstadt-Land)

Heinrich Pfeng, geb. 16. 1. 1916 in Darmstadt als Sohn eines Eisenbahnsekretärs. 1922—1926 Volksschule, anschließend Realgymnasium. 1934—1945 Berufssoldat.

Während des zweiten Weltkrieges vier Jahre an der Ostfront, zuletzt als Hauptmann in einem Sturmflakregiment. 1944 in Darmstadt total ausgebombt, nach Stettin verzogen. Nach Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft als Vertriebener vorübergehend in Messel wohnhaft. Von 1945 bis 1947 kaufmännischer Angestellter, seit 1947 Geschäftsführer der Freien Demokratischen Partei der Kreisverbände Darmstadt-Stadt und -Land. 1948 Gemeinderat in Messel und Kreistagsabgeordneter des Landkreises Darmstadt bis- 1. 8. 50. Rückkehr nach Darmstadt.

Während des letzten Vierteljahres Diskussionsleiter im Darmstädter Forum.



In der Stadt notiert

Der Kandidat der Freien Demokrati¬ schen Partei für den Wahlkreis 44, Darmstadt-Land, Heinrich P f e n g , hat für die Dauer seiner Kandidatur zum Landtag sein Amt als Vorstandsmitglied des Forums Darmstadt niedergelegt.

Beim Rangieren eines Lastzuges auf dem Bahnhofsplatz stieß dessen Fahrer gestern nachmittag gegen einen hinter ihm fahrenden Lastzug, wobei ein Sachschaden von etwa 150 Mark entstand. Der schuldige Fahrer entzog sich der Feststellung seiner Personalien durch Fahrerflucht.

Drei Verletzte gab es gestern morgen auf dem Steubenplatz, als ein Motorradfahrer mit einer Fußgängerin, die die Fahrbahn überqueren wollte, zusammenstieß.

Dem Platz hinter der Stadtkirche wurde vom Magistrat der Stadt Darmstadt die Bezeichnung „An der Stadtkirche“ gegeben. *

Das Städtische Steueramt mahnt die Gewerbesteuervorauszahlung 1950, 4. Rate und die Grundsteuer für Monat November 1950 an. Beide Steuerarten sind bis spätestens 30. November an die Stadthauptkasse oder deren Zahlstellen zu entrichten.

Geistliche Abendmusik in der Bessunger Kirche. Musik von Johann Sebastian Bach bringen am Sonntag, dem 5. November, um 17 Uhr der Kirchenchor der Petrusgemeinde, Heinrich Blasel (Baß) und Charlotte Liebig (Orgel), bei freiem Eintritt.

Die neuen Zifferblätter der evangelischen Kirche Eberstadts wurden gestern nachmittag an den vier Seiten des alten Turmes von Uhrmacher Meitzler aufmontiert. Nachdem die Zifferblätter auf die Ballustrade des Turmes gezogen worden waren, erfolgte dort der Zusammenbau der Zeigerwerke und der Zeiger. Die schwierige Arbeit, die Zifferblätter vor der runden Oeffnung des Turmes zu befestigen, wickelte sich ohne Hindernisse ab. Die Zifferblätter wurden mit dem Seilzug auf die bereits eingeschlagenen Mauerhaken gesetzt und vom Innern des Turmes aus mit Stahlkrampen festgehalten.

Die alten Zifferblätter, die aus verschiedenen Zeiten stammen, stellte man im Kirchgarten ab. ... t_s

Das 67jährige Stiftungsfest des Vereins katholischer Kaufleute und Beamten findet am 12. November, abends 19 Uhr, in den Räumen der Gaststätte Heilig-Kreuz statt.

Wie wird das Wetter?

Nachlassende Nachtfröste

Vorhersage: Am Mittwochvormittag vielfach neblig, sonst heiter bis wolkig, aber noch niederschlagsfrei. Mittagstemperaturen um 5 Grad, sch wach windig.

Weitere Aussichten: Wolkig und weitere Milderung.



Wohin gehen wir heǔte ?

Landestheater: Orangerie: 20.00 Uhr „Fra Diavolo“, Komische Oper von Francois Au_ ber; Ende gegen 22.15 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Madonna in Ketten“; Thalia: „Anna Karenina“; B e _ lida: „Stern von Rio“; Palast: „Kennwort 777"; Hansa: „Die weiße Sklavin“ Amerikahaus: 19.30 Uhr „Violinkonzert“ v. Annemarie Jochum (Werke von Bach Mozart, Porter, Strawinsky). Hygiene-Lichthof, N e c k a r s t r . 3: 15 bis 20 Uhr: Ausstellung: „Gesundes Leben“ Landesmuseum: 10 bis 16 Uhr: „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“.

STARKENBURG

Zwei Monate für Toto-Betrug

Die ledige Kontoristin E. Sch. aus Furth, die bis zum März dieses Jahres als Inhaberin der Fußball- Toto-Annahmestelle für das Weschnitztal und den Ueberwald fungierte, stand jetzt vor dem Strafrichter in Fürth, weil sie wiederholt Wettscheine und die darauf eingezahlten Wettbeträge nicht an die Staatliche Sportwetten-GmbH Wiesbaden abgeführt. sondern unterschlagen und das Geld für eigene Zwecke verbraucht hatte. Die Angeklagte hatte insofern Glück, als ein Teil der Straftaten vor dem 15. September 1949 lag und somit unter die Amnestie fiel. Für Straftaten nach diesem Termin, deren sie überführt werden konnte, hielt das Gericht eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten für angemessen. Dabei fand die wirtschaftlich bedrängte Lage der Sch., die als Ostvertriebene mittellos nach Fürth kam, weitgehende Berücksichtigung. -r

Richtfest in FPürth

In Anwesenheit der Schulräte Rögnitz und Schaad wurde jetzt das Richtfest am Neubau der Fürther Volksschule gefeiert. Bürgermeister Berg konnte unter den geladenen Gästen auch Baurat Luley und Architekt Moorwieser vom Staatsbauamt Bensheim begrüßen. Rektor Helfert dankte allen an diesem Werk Beteiligten. -r

Schadenfeuer in Ober-Roden

Aus bisher unbekannter Ursache entstand in den frühen Morgenstunden des Montag im Anwesen W. Gotta in Ober-Roden ein Schadenfeuer mittleren Ausmaßes. Die Tochter des Hauses wurde durch den Feuerschein wach und benachrichtigte die Feuerwehr, die schon nach wenigen Minuten am Brandplatz eintraf. Nur dem vollen Einsatz der Wehr war es zu verdanken, daß die Flammen auf den Ausgangsherd, einen Seitenbau mit Garage, beschränkt wurden. Nach 45 Minuten Löscharbeit war die größte Gefahr, ein Übergreifen auf den Kinosaal, gebannt. Trotz allem entstand beträchtlicher Sachschaden. -gi-

Film als Erzieher?

In einer Film-Morgenveranstaltung des Resident Officers vor den Belegschaftsmitgliedern des Landratsamts Groß-Gerau wurde der englische Lehrfilm „Jugend vor Gericht“ gezeigt.

Am Ende der Vorstellung stand der Inhalt des Films zur Diskussion, an der sich Schulrat Schmedes und der Leiter des Jugendamtes Groß-Gerau, Kreisinspektor Luley, beteiligten. Nach Aussprache der Diskussionsteilnehmer wurde dem Resident Officer empfohlen, den Bildstreifen nur Erwachsenen vorzuführen, da er Jugendlichen eher schaden als nützen könne.

Verfälschtes Speiseeis

Das Chemische Prüfungsamt Hessen hat bei einer Probe des Speiseeises eines Dieburger Herstellers, dieses als verfälscht beanstandet. Auf Grund der Speiseeis-Verordnung vom 15. Juli 1933 in Verbindung mit dem Lebensmittelgesetz vom 17. Januar 1936 wurde gegen den Hersteller Strafanzeige erstattet, rfd

Auch in Braunshardt Schulhausbau

Die Gemeindeverwaltung von Braunshardt hat den Bau eines neuen Schulhauses beschlossen, um den begrenzten Schulraumverhältnissen der Volksschule abzuhelfen. Das neue Schulgebäude soll in der kürzlich bis zur Ludwigstraße verlängerten Lindenstraße errichtet werden. Vo

Bergsträßer Jugendelub im Nov.

Am Mittwoch, dem 1. November, findet im Hotel Schloßberg in Heppenheim um 20 Uhr eine Generalversammlung des BJC mit Rechenschaftsbericht des Vorstandes statt. Anschließend soll über das bisherige Programm diskutiert werden. Am 8. November besichtigt der BJC das Bensheimer Telefon- und Fernamt. Am 22. November findet wieder in den Räumen der amerikanischen Lesehalle in Heppenheim ein Filmabend statt. Den literarischen Abend’am 29. November im Hotel Schloßberg leitet Erich Knapp (BJC).

10000 DM Verlust bei eigenem Holzeinschlag

Bürgerversammlung in Schaafheim / Angetrunkener Gemeinderat stört und wird vor die Tür gesetzt

In der letzten Schaafheimer Bürgerversammlung kam es leider zu einem bedauerlichen Zwischenfall: Der angetrunkene Gemeinderat Trippel störte durch dauernde unsachliche und abschweifende Zwischenrufe und Reden ein Referat mit anschließender Diskussion und mußte nach mehrmaliger fruchtloser Verwarnung durch den Bürgermeister aus dem Saal gewiesen werden.

Der auf Einladung der Gemeinde erschienene Rechtsanwalt und Notar Dr. jur. Hauck sprach nach einleitenden Worten des Bürgermeisters über Sinn und Zweck einer Feldbereinigung und beleuchtete die durch Tod, Teilung, Eheschließung, aber auch irrtümliche wechselseitige Grundstücksnutzung entstandenen Situationen. Zum zweiten Teil der Veranstaltung „Der Bürger fragt — die Gemeinde antwortet“ überleitend erklärte Bürgermeister Sehnert, daß aus mancherlei Gründen nicht jede Gemeinderatssitzung öffentlich sein könne, darüber hinaus eine Gemeinderatssitzung sowieso dem Bürger nicht das Recht einräume, selbst mitzureden. Aus diesem Grunde habe er den Weg der Bürgerversammlung gewählt, um jedem Gelegenheit zu geben, seine Meinung und Vorschläge vorzubringen.

In der Frage der Finanzierung des Neubaues der Brunnenanlage und der dazugehörigen Anschlüsse an das Ortsnetz, wo durch Überschreitung des angenommenen Betrages um fast das Doppelte nun noch ein Betrag von 20 000 DM offensteht, kristallisierte sich nach verschiedenen Vorschlägen .als beste Lösung die Eigenfinanzierung durch einmalige Umlage auf alle Gemeiindemitglieder und spätere Rückzahlung dieses Betrages an die Einzahler heraus.

Zur Frage, ob für Nutzholz verwertbares Rundholz des diesjährigen Einschlages auf Grund der Brennstoffknappheit zu Brennholz verschnitten werden solle, wodurch der Gemeinde ein Verlust von rund 10 000 DM entstände, sprach man sich für die Verwertung auswärtiger Brennholzangebote aus, um so das eigene Holz gewinnbringender verwerten zu können.

Das Problem einer gleichmäßigen Verteilung der unzureichenden Kohlenmengen kam zu keiner direkten Lösung. Der Vorschlag zur Schaffung einer „Kohlenkasse“ wie in früheren Zeiten fand allgemeine Beachtung. Außerdem wird der Bürgermeister in gemeinsamer Besprechung mit den Kohlenhändlern nach einer allen gerecht werdenden Lösung suchen. i. O.

Melibokus-Turm vor dem Wiederaufbau

Turnhallenrenovierung / Erhöhung des Eigenkapitals im Bauprojekt „Pfifflergärten“

In der Montagssitzung des Jugenheimer Gemeinderates wurde der Waldwirtschaftsplan der Gemeinde für das Wirtschaftsjahr 1951 nach kurzer Beratung angenommen. Er sieht einen Hiebsatz von 310 Festmeter vor.

Der Waldwirtschaftsplan schließt in der Einnahme mit 6990 Mark und in der Ausgabe mit 5990 Mark ab. Bei den Wiederaufforstungen wurden 60 000 Fichten- und Kiefernpflanzen gesetzt.

Den Anträgen der Fraktionen der SPD und CDu auf Gewährung einer einmaligen Winterbeihilfe in Höhe von 30 Mark an bedürftige Familien stimmte der Gemeinderat zu. Um eine gerechte Verteilung der bewilligten Mittel zu gewährleisten, wurde der Wohlfahrtsausschuß mit der Durchführung beauftragt.

In einem Antrag der CDU-Fraktion wurde der bauliche Zustand der Turnhalle bemängelt. Gemeinderat Bauer (CDu) wies darauf hin, daß die eine Seite der Turnhalle bereits vollständig durchnäßt ist und die Klosettanlagen abgestützt werden mußten. Gemeinderat Schneider (FDP) vertrat den Standpunkt, daß die Gemeinde — im Grundbuch als Eigentümerin eingetragen — die Verpflichtung hat, die Turnhalle zu unterhalten. Nach einem von Bürgermeister Schürrlein verlesenen Kostenvoranschlag belaufen sich die Reparaturen von Decke, Klosett usw. auf etwa 2500 Mark. Gemeinderat Schneider stellte den Antrag, 2500 Mark zu Lasten der Ergänzungsmittel zu bewilligen und mit den Arbeiten sofort zu beginnen.

Nach eingehender Beratung genehmigte der Gemeinderat für die Instandsetzung der Turnhalle einen Betrag bis zu 4000 Mark.

Der Landesverkehrsverband Hessen hat in einem weiteren Antrag um einen Beitrag zum Wiederaufbau des Aussichtsturmes auf dem Melibokus gebeten. Der Turm, früher ein bekanntes Wahrzeichen der Bergstraße, war im März 1945 von deutscher Seite gesprengt worden. Seit 1947 sind Bestrebungen um seine Wiedererrichtung im Gange. Der neue Turm wird 25 Meter hoch und erhält eine Blockhütte als Gaststätte. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 35 000 Mark. Als Träger des Bauvorhabens kommen in Frage: das Bundespostministerium, das auf dem Melibokus die Errichtung einer Fernsehsendestelle plant, der Rhein-Main-Flughafen, der auf dem Turm ein Fliegerblinklicht installieren will, ferner der Verkehrsausschuß Bergstraße, der Landes Verkehrs verband Hessen, der Odenwaldklub, der hessische Ministerpräsident und die Gemeinden Bensheim, Auerbach, Zwingenberg, Alsbach, Jugenheim, Seeheim, Balkhausen und Hochstädten. Der Gemeinderat erklärte sich grundsätzlich bereit, sich an den Baukosten mit einem angemessenen Betrag zu beteiligen; die Summe soll noch festgesetzt werden.

Durch Lohnerhöhung und Verteuerung des Baumaterials bedingt, stellte dje Heimstätte-G.m.b.H. bezüglich des Baues eines Doppelhauses mit 18 Wohnungen in den „Pfifflergärten“ den Antrag, das erforderliche Eigenkapital von 36 000 Mark auf 44 500 Mark zu erhöhen. Dieser Antrag führte innerhalb des Gemeinderats zu einer erregten Aussprache, da Unklarheit darüber besteht, ob es sich hier um ein weiteres Darlehen von 8500 Mark oder um einen Zuschuß handelt. Der Betrag von 8500 Mark wurde mit 6 Stimmen bei 5 Stimmen Enthaltung bewilligt. hl.

Orgelweihe in Ober-Ahbtsteinach

Nachdem die Orgel der katholischen Kirche in Ober-Abtsteinach grundlegend überholt und von dem 86jährigen Frankfurter Orgelbaumeister Franz Dylk mit einer neuen Klangfarbe versehen und abgestimmt worden ist, erfuhr sie am Sonntag ihre feierliche Einweihung. Zahlreiche

Gläubige hatten sich auch aus den Nachbargemeinden Unter-Abtsteinach, Löhrbach, Siedelsbrunn, Buchklingen, Mackenheim usw. eingefunden. Der Aschbacher Kirchenchor unter Leitung von Felix Moschner sang im Hochamt die Palestrina-Messe „Missa brevis“ und während der nachmittäglichen Feierstunde, in der Pfarrer Dr. Dr. Held über das Thema „Warum verschwören sich die Menschen gegen Gott?“ sprach, Hallers Marienlied und das „Tantum ergo“. Als erster Organist wirkte der Direktor der Kirchenmusikalischen Hochschule in Mainz, Rohr, an der Orgel. (-r)

Nieder-Ramstadt soll schöner werden

Vorstandssitzung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins

In einer Vorstandssitzung des Verkehrs- und Verschönerungsvereines wurde die demnächst einsetzende Werbeaktion beraten. Vorträge und Unterhaltungsabende sind während dieser Zeit geplant, um Mitgliedern und Freunden zu dienen.

Eine Anzahl Häuserfronten in Nieder-Ramstadt wurden in den vergangenen Monaten schon mit einem freundlicheren Anstrich versehen. Nun soll auch an die Herrichtung einiger Grünanlagen herangegangen und Anfang nächsten Jahres den Wünschen vieler Einwohner entsprochen werden, die den Verein gebeten hatten, doch in der näheren Umgebung Bänke aufzustellen. Audi ist geplant die Kilianstraße mit Bäumen zu bepflanzen, wie sie die Bahnhofstraße zwischen Chausseehaus und Kilianstraße aufweist Vorschläge zu dieser Verschönerungsaktion sollen der Bürgermeisterei unterbreitet werden.

Zur Verbesserung weiterer Straßen- und Wegeanlagen wurden verschiedene

Klagen und Hinweise entgegengenommen, die nun ebenfalls an die Bürgermeisterei weitergeleitet werden sollen. Auf die verkehrstechnischen Veränderungen der Gemeinde zu sprechen kommend, die durch den ständig zunehmenden Kraftwagenverkehr bedingt seien, wurde das Anbringen von Warnschildern an Fußwegen, die nicht dem Kraftwagenverkehr dienten, als wünschenswert angesehen. prs.

Wir gratulieren:

Silberne Hochzeit: Herr Karl Gerbig und Frau, Groß-Bieberau, gleichzeitig 30jähriges Arbeitsjubiläum bei der Ver. Hartgummiwerke Nieder-Kainsbach i. O.

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“

Ausschuß für Erwachsenenbildung im Landkreis Dieburg

Auf Einladung von Landrat Ritzert hatten sich kürzlich im Sitzungssaal des Landratsamtes Dieburg Vertreter verschiedener Organisationen, der Kirchen, Behörden, Schulen und Presse zusammengefunden, um über die Gründung eines Ausschusses für Erwachsenenbildung im Landkreis Dieburg zu beraten.

Landrat Ritzert gab zunächst einen Ueberblick über den zu bildenden Ausschuß und die ihm obliegenden Aufgaben und stellte dabei heraus, daß es mit eine vornehmste Aufgabe des Ausschusses sein müßte, auf breitester Basis in der Erwachsenenbildung zu wirken. Dies dürfte jedoch nicht durch eine behördlich aufgezogene Organisation geschehen, sondern müsse in Selbstverwaltung durch die Beteiligten erfolgen. Er betonte in seinen weiteren Ausführungen, der Aufgaben seien viele. So müsse^ unsere Bevölkerung wieder erkennen lernen, daß der Mensch nicht allein vom Brote lebt, sondern darüber hinaus ein höchstes Lebensgut an Kultur und Wissen besteht. Sie müsse hingeführt werden zu kritichem Denken und so die Erscheinungen unserer Zeit betrachten, sich nicht mit Schlagwörtern und allgemeinen Redensarten zufrieden geben, sondern versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Aus der sich anschließenden Aussprache ergab sich die einmütige Bereitschaft der Versammenlten zu tätiger Mitarabeit. Der von der US-Landeskom-

mission anwesende Mr. Dolan unterstrich die Bereitschaft des amerikanischen Volkes, die Bestrebungen insbesondere durch finanzielle Hilfe zu unterstützen, die üfoer die Gesellschaft zur Gestaltung öffentlichen Lebens erfolge.

Der Geschäftsführer dieser Gesellschaft, Hoge, gab den Versammelten einen kurzen Ueberblick über ihre Tätigkeit.

Nachdem in der weiteren Aussprache Vorschläge über den organisatorischen Aufbau diskutiert waren, wurde einmütig der Beschluß gefaßt, an alle Organisationen und Einrichtungen des Kreises’ die in irgendeiner Weise zur Erwachsenenbildung beitragen können, die Aufforderung zu richten, zu einer in aller Kürze einzuberufenden Gründungsversammlung einen Vertreter zu entsenden. Es steht damit zu erwarten, daß in naher Zukunft mit der Arbeit begonnen werden kann. -es-

6109 Einwohner in Michelstadt

In einer öffentlichen Beratung des Michelstadter Stadtrats teilte Beigeordneter Gustav Neff in Vertretung des noch immer erkrankten Bürgermeisters die Ergebnisse der kürzlich stattgefundenen Volkszählung mit. Durch das Anwachsen der Einwohnerzahl auf 6109 hat Michelstadt seine Stellung als größte Gemeinde des Landkreises Erbach gehalten. Die Bevölkerung unterteilt sich in 3345 weibliche und 2764 männliche Personen. Konfessionell gibt es 4753 Protestanten, 1035 Katholiken und 321 Andersgläubige. In der sozialen Gliederung befinden sich 765 Arbeiter, 468 Angestellte, 191 Beamte, 558 Handwerker, 390 selbständige Gewerbetreibende, 120 Ladeninhaber, 18 freie Berufe, 124 Pensionäre, 235 Körperbehinderte und 665 Sozialrentner.

Neben der Beratung verschiedener Geländeveränderungen, zum Teil für die beabsichtigte Einrichtung eines Parkplatzes an der Neutorstraße, wurden noch zwei neue Straßennamen mitgeteilt. „ Ludwig-Kurz-Straße“ wird die zur Zeit im Bau befindliche Straße an der Hansenhöhe nach dem Michelstädter Ehrenbürger und der Verbindungsweg vom Lindenplatz zur Michael-Haas-Straße „Lindenstraße“ genannt werden.

Conus gloria maris

Ein kostbarer Fund im Landesmuseum

Zugleich ein Kapitel Museumsgeschichte

VON PROFESSOR DR. W. E. ANKEL

Eine Schneckenschale von knapp 10 cm Länge, mit einem feinen braunen Muster bedeckt, und für den Laien nicht auffällig verschieden von den anderen Arten der sogenannten „Kegelschnecken“, die zwei Schubladen der zoologischen Sammlung des Hessischen Landesmuseums füllen das ist das leere Kalkgehäuse einer Meeresschnecke mit dem so volltönenden Namen „gloria maris“ - „Ruhm des Meeres“. (Abb.)

Wieso ist sie kostbar und ihr Fund eine kleine Sensation?

Als im Jahre 1838 der englische Zoologe Cuming auf der Insel Bohol in den Philippinen gleich auf einmal drei Schalen dieser Schnecke unter einem Stein fand, schrieb er: „Ich wurde nahezu ohnmächtig vor Freude.“ Damals nämlich bereits war „Conus gloria maris eine berühmte Rarität. Es war noch die Zeit der „Conchylienkabinette“, die bei i eichen Privatleuten und in Fürstenhäusern zum guten Ton gehörten — man suchte sich gegenseitig durch den Besitz von kostbaren und auffallenden Stucken zu übertrumpfen! Gerade in der Familie der Kegelschnecken gab es mehrere hochgeschätzte Arten. Conus gloria maris aber war die kostbarste unter ihnen weil sie die seltenste war, und es wurden hohe Preise, bis zu 2000 Schweizer Franken etwa, für dieses Gehäuse bezahlt.

Eine holländische Molluskenforscherin, Frau van der Feen, hat sich die Muhe gemacht, eine W e 111 is t e der heute bekannten Schalen von Conus gloria maris zusam menzusteilen und nachgewiesen, daß wir von insgesamt 22 Exemplaren genaue Kenntnis haben, die sich auf die naturhistorischen Museen der ganzen Welt ver-

teilen. In Deutschland waren nur zwei Exemplare bekannt, die das Hamburger Museum besaß — sie sind bei der Zerstörung dieses Museums im Jahre 1943 mit zugrunde gegangen.

Man wird also begreifen können, daß ich von ähnlichen Empfindungen bewegt war wie seinerzeit Cuming, als ich unversehens im Juli dieses Jahres ein Exemplar von Conus gloria maris in der Hand hielt, das in der Molluskensammlung unserer Zoologischen Abteilung im wahrsten Sinne des Wortes „entdeckt“ werden konnte. Fürwahr ein Lichtblick bei den mühseligen und oft betrüblichen Arbeiten, die wir in unserem vom Kriege schwer angeschlagenen Museum durchführen müssen! Daß diese Kostbarkeit bisher verschollen war, hat seinen Grund in der Struktur und Geschichte unseres Museums. Es hat immer mit weniger Hilfskräften arbeiten müssen, als nötig gewesen wären.

Nach dem Umzug aus dem Schloß in das neue Haus (1906) lag das Schwergewicht bei der Herstellung der Schausammlung. Die eingehende Registrierung der wissenschaftlichen Bestände hingegen ist über Jahrzehnte hinweg unterblieben und erst von Herrn Kustos Dr. Heldmann planmäßig in Angriff genommen worden. Eine neue Durcharbeitung der Schneckensammlung wurde nach dem Kriege möglich, als Herr Dr. Hefele sich als freiwilliger Mitarbeiter zur Verfügung stellte.

Wie nun entdeckt wurde, soll einfach berichtet werden — den zahlreichen Episoden um Conus gloria maris wird damit eine weitere hinzugefügt: Herr Dr. H e - feie konnte von dem besonderen Wert gerade dieser Conus-Art nichts wissen, wohl aber war ihm, als einem alten Humanisten, der Name aufgefallen, der mit so tönendem Klang diesen „Ruhm des Meeres“ aus den übrigen Kegelschnecken heraushebt. Herr Dr. Hefele antwortete also, als ich in vollem Scherz fragte, ob er bei seiner Revision der Sammlung nicht auch einen Conus gloria maris gefunden habe, zu meiner grenzenlosen Verblüffung mit: „Gewiß, wir haben einen!“

In der Weltliste wurde das Darmstädter Stück damit die Nr. 23, und es ist jetzt das einzige Exemplar, das sich in deutschen Museen befindet!

Durch die Korrespondenz mit anderen Museen des Auslandes, die sich an unsere Entdeckung anschloß, konnte überraschenderweise auch ein neues Licht geworfen worden auf die Geschichte unseres Museums. Auf dem Etikett, das bei dem Gehäuse lag, findet sich die abgekürzte Bezeichnung „Lg“. Es ließ sich feststellen, daß damit ein holländischer „Officier van Gezondheit“ = Militärarzt namens E. W. A. Lude k i n g gemeint ist, der von 1851 bis 1872 in der niederländischen Armee in Ost-Indien Dienst getan hat. Ludeking war ein großer Sammler und versorgte vor allem das niederländische Reichsmuseum in Leiden mit Sammlungen von. Reptilien und Insekten. Unter dem 2. Mai 1864 schreibt er aus Amboina nach Leiden: „Voriges Jahr fragte der Direktor des Kabinetts zu Darmstadt, Professor Kaup, bei mir an, ob ich etwas für sein Museum tun könne. Ich tat es, w e i 1 i c h seinen Namen kannte als geehrt in der Wissenschaft, und sandte ihm eine kleine Sammlung Mollusken mit der Bemerkung, daß ich alle meine übrigen Naturalien für Leiden bestimmt hätte.“ Man sieht daraus, daß, wie wir auch aus anderen Unterlagen wissen, das internationale Ansehen der Darmstädter Zoologischen Sammlung von seinem ersten Direktor, Professor J. J.

Kaup, begründet wurde. Unter der genannten Sendung muß sich auch unser Conus gloria maris befunden haben, ohne daß damals jemand den besonderen Wert gerade dieser Art erkannt hätte. Nur ein „Sehr selten“ auf dem Etikett weist darauf hin.

Die Herkunftsgeschichte unseres Conus gloria maris hat auch noch eine amüsante Seite. Herr Ludeking nämlich lag in ständiger brieflicher Fehde mit dem Museum in Leiden, weil er, seiner Ansicht nach, für seine reichen und wissenschaftlich zweifellos bedeutsamen Sendungen nicht genügend belohnt wurde. Von Darmstadt aus aber wurde ihm die Auszeichnung vom Ritter erster Klasse des Philipps-Ordens für seine Schenkung verliehen. Triumphierend schreibt er darüber nach Leiden: „Die Molluskensammlung (gemeint ist die nach Darmstadt geschenkte) machte noch kein Zehntel der Naturalien aus, die ich an Leiden sandte; und was ist die Antwort die Auszeichnung vom Ritter erster Klasse des Philipps-Ordens!“ Das sollte also heißen: Da seht ihr, wie schäbig ihr euch benehmt! Daß in Darmstadt der von Philipp dem Großmütigen gestiftete Orden respektlos „das Philippche“ genannt wurde, war Herm Ludeking sicher nicht bekannt!

Ich muß gestehen, daß ich an dem Tage, als ich das Darmstädter Exemplar von Conus gloria maris zum ersten Male in der Hand hielt, ganz gegen die Denkweise eines Zoologen auch an den materiellen Wert dachte, den die Schale darstellt.

Denn es ist ja so, daß zwar der Großteil unserer kostbaren Sammlungsgegenstände durch die Umsicht und den ständigen persönlichen Einsatz von Herm Dr. Heldmann gerettet worden ist, daß aber immer noch die Gefahr besteht, daß uns das Gerettete jetzt durch die Feuchtigkeit, durch den Schimmel verdirbt! So wird man mir die Frage verzeihen, die ich mir stellte, wieviel Glasschränke wohl wieder aufgestellt werden könnten, wenn wir den Conus etwa einem ausländischen Museum verkaufen würden — an die bürokratischen Schwierigkeiten bei solchem Vorgehen dachte ich im Augenblick nur im Hintergrund.

Aber ich hoffe, wir kommen um gewaltsame Entäußerungen herum. Der Staat hat die Dächer gedeckt, die letzten Fensteröffnungen werden sich demnächst schließen, so daß es dann wenigstens nicht mehr in unsere Säle hineinregnet und -schneit. Und schon regen sich, auf einen Notruf hin, große Darmstädter Firmen und Betriebe mit materieller und mit Arbeitshilfe. Auch diese Zeilen möchten ein Aufruf dazu sein an diejenigen, die auf unsere Bitte hin sich noch nicht gerührt haben. Nur mit privater Hilfe, die getragen wird von einem Verständnis für die Wiederherstellung einer Darmstädter Kulturstätte, die einzigartig und weltberühmt ist, nur durch freiwillige Mitarbeit wird es uns möglich sein, in den furchtbar zerstörten Hallen Schritt für Schritt wieder soviel Ganzes und Heiles hinzustellen, daß wir eines Tages die Pforten wieder öffnen können.


„Gloria maris“ — Ruhm des Meeres
„Gloria maris“ — Ruhm des Meeres

Allen Bürgern zur Einsicht offen

Groß-Gerauer Haushaltsplan ausgeglichen

Der nunmehr vorliegende Haushaltsplan der Kreisstadt Groß-Gerau für das Rechnungsjahr 1950 schließt mit seinen Einnahmen und Ausgaben im Gesamtbetrag von 1 053 700 DM ab.

Gleichfalls ausgeglichen ist der außerordentliche Haushaltsplan, der auf beiden Seiten mit 737 000 DM abschließt. Kassenkredite brauchen nicht in Anspruch genommen zu werden. Dagegen wird der Gesamtbetrag der Darlehen zur Bestreitung von Ausgaben des außerordentlichen Haushaltsplanes von 722 000 DM festgesetzt. Im einzelnen sieht der außerordentliche Haushaltsplan für den Schulhausneubau den Betrag von 300 000 DM, für den sozialen Wohnungsbau 100 000 DM und für Straßeninstandsetzungsarbeiten (Mainzer Straße) sowie den Neubau einer Brücke (Schützenstraße) insgesamt 70 000 DM vor. Die Anschaffung eines Kasten-Müllwagens und eines Kippers, wofür 37 000 DM vorgesehen sind, erscheint ebenfalls in der Aufstellung. An Ausgaben für das Gesundheitswesen, Volks-

und Jugendertüchtigung wird im ordentlichen Haushaltsplan der Betrag von 178 000 DM genannt. Der Haushaltsplan liegt vom 30. 10. bis 6. 11. 1950 im Stadthaus öffentlich aus. kr—

Volksliederabend in Groß-Gerau

Der verstärkte Frauen- und Männerchor des Gesangvereins „Eintracht“ veranstaltet am 4. November um 20 Uhr im Saale des Hotels „Adler“ einen Volksliederabend unter Leitung seines Dirigenten Suchy. Unter dem Motto: „Mit dem deutschen Lied durch die Jahrhunderte“ werden Lieder von Mozart, Schumann und Schubert zum Vortrag kommen, außerdem Volkslieder im alten und neuen Gewände mit bekannten Sätzen aus Werken von Silcher, Marx und Reim. kr—

40 Jahre Turnverein Schaafheim

Hohe Ehrungen für verdiente Mitglieder

Im Saal des „Frankfurter Hofs" beging kürzlich der Turnverein Schaafheim mit seinen Mitgliedern und Gästen sein 40 jähriges Bestehen. Nach Worten der Begrüßung verlas Vereinsvorsitzender Heinrich Hock 11., während sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben und das Lied vom guten Kameraden gespielt wurde, die Namen der Gefallenen, Verstorbenen und Vermißten des Vereins.

Nachdem Schriftführer Karl Breitwieser die Vereinschronik verlesen hatte, wurden die ältesten Mitglieder des Vereins: Heinrich Hock 1., Georg Hoereth VIII., Heinrich Sauerwein XXI., Heinrich Winter XI., Heinrich Sauerwein XXIV., Justus Sauerwein und Heinrich Hock 11. durch Ueberreichung eines Ehrenbriefes des Landessportbundes mit der Ehrennadel und der goldenen Vereinsnadel geerht.

Die silberne Vereinsnadel für 25—35- jährige Mitgliedschaft erhielten: Karl Brunner, Heinrich Winter X., Wilhelm Trippel IV., Heinrich Diehl IX., Friedrich Winter, Ernst Winter, Wilhelm Hauck, Adam Hock, Heinrich Hauck IX., Georg Sehnert, Ernst Merkel, Otto W i n t e r, Ludwig H o e - ret h, Ernst Roth, Ludwig Amend, Ludwig Dietz und Ludwig Diehl. Die anschließende Verleihung der Me-

daillen an die diesjährigen Sieger des ersten Bachgaufestes bildete den Höhepunkt. Bei Punktgleichheit stellte Schaafheim die beiden Bachgaumeister im Fünfkampf, Heinz Krapp und Hermann Trautmann, die beide die Goldmedaille erhielten. Für den zweiten Platz wurde Heinz Perschbacher mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Im Einzelkampf errang am Barren Heinz Krapp und Willi Diehl eine Goldmedaille, während für den zweiten Platz Heinz Perschbacher wiederum eine Silbermedaille erhielt. Als Bester im Bodenturnen wurde Hermann Trautmann mit der Goldmedaille ausgezeichnet und auch hier verdiente sich Perschbacher auf dem zweiten Platz die Silbermedaille.

Im zweiten Teil des Abends wurde das Tanzvergnügen bereichert durch humorvolle Vorträge sowie Volkstanz und Gesangsdarbietungen, am Klavier begleitet von Anni Kreh und humorvoll angesagt von Hans Schumann.. io.

300 Jahre Dieburger Kapuziner

Am vergangenen Sonntag beging der Kapuzinerkonvent zu Dieburg unter starker Anteilnahme der Bevölkerung das Fest seiner vor 300 Jahren erfolgten Klostergründung. Guardian P. A g a t h o gab in seiner Festpredigt einen Einblick in die vergangenen 3 Jahrhunderte aus der Dieburger Klosterchronik. Das jetzige Kloster ist bereits das dritte Kapuzinerkloster in Dieburg und hatte schon einen Vorgänger aus dem 13. Jahrhundert, das einem anderen Zweig der franziskanischen Familie angehörte. Bei der jetzigen Stadtkirche, die einst Klosterkirche war, stand das erste Kloster, das die Kapuziner am 29. Oktober 1650 bezogen, ein' neues Kloster mit Kirche bauten sie von 1692 bis 1695, 1701 wurde die Kirche eingeweiht. Diese Gebäude sind noch völlig erhalten und dienen heute dem Strafvollzug. Nachdem die Säkularisation diesem Kloster ein Ende bereitet hatte, mußten sich die Kapuziener wieder ein neues Heim errichten, bei dem sie 1866/67 die jetzige Klosterkirche erbauten. Der Guardian dankte der Dieburger Bevölkerung für ihre fortwährende Unterstützung in den vergangenen drei Jahrhunderten,

andererseits ist der Dank der Dieburger nicht weniger groß, die in dieser gesamten Zeit reichsten Segen durch das Wirken der Söhne des hl. Franz an sich erfuhr.

V. V.

Musik bei Kerzenschein

Die Künstler und Kunstfreunde von Dieburg, zusammengeschlossen im „Dreieck“, eröffneten verheißungsvoll ihre Winterveranstaltungen mit einem Mozart-Beethoven-Abend im Schimmer der Kerzen. Den Gesangpart bestritt Franzi Haberer trotz leichter Indisposition mit einer geschmackvollen Liederauswahl. Karl Katz spielte je eine Beethoven- und Mozartsonate und beeindruckte durch die fortschreitende Vervollkommnung seines Violinstils. Emilie Geiger erntete wiederum freudigsten Beifall ob ihres überaus sicheren und kultivierten, begleitenden und untermalenden Klavierspiels. Mit einer neuen, durch herzlichen Beifall willkommen geheißenen Gattung, ließ sich das Trio für Klavier, Klarinette und Fagott von W. Danz, A. Ohl und V. Enders vernehmen, das die Triosonate Nr. 3 in B-dur von Beethoven schwungvoll vortrug. Schüler des Realgymnasiums fügten Herbstgedichte von Lenau, Storm, Fontane und Morgenstern ein. Der Leiter der Vereinigung, F. Bernhard, schloß den wolgerundeten Abend mit spontanem Dank und unternehmungsfrohem Ausblick auf die kommenden Veranstaltungen. V. V.

Schulhausweihe in Airlenbach

Am Sonntagnachmittag wurde in Airlenbach das neue Schulhaus, das sich die Gemeinde in zwei Jahresabschnitten zum größten Teil aus eigenen Mitteln erbaute, in Gegenwart von Ministerialdirektor Friedrich vom Regierungspräsidium Darmstadt, Regierungsrat Zörgiebel, Baurat Dr. Spee 1 vom Staatsbauamt Erbach, den Landtagsabgeordneten Kitz und Ackermann, Kreisarzt Dr. Rintelen, Mr. Ouvers o n, dem amerikanischen Resident-Offlcer, sowie Forstmeister Roßmäßler und Pfarrer Neff von Beerfelden feierlich seiner Bestimmung übergeben. Architekt Ell begrüßte die Gäste vor der Schule und übergab den Schlüssel an Bürgermeister Ludwig Siefert, der als erster mit den Gästen den Neubau betrat. Die Schulkinder schufen mit Gedichten und Liedern einen netten Rahmen zu der Feier, der sich ein Imbiß auf Einladung der Gemeinde im Gasthaus „Zum Odenwald“ anschloß —ch

Schlußühung der Erbacher Feuerwehr

Die freiwillige Feuerwehr Erbach veranstaltete am Sonntag auf dem Marktplatz ihre letzten Uebungen dieses Jahres, eine Schulübung mit Geräten und Fahrzeugen, sowie anschließend eine Feuerlöschübung am Alten Schulhaus, wobei auch das Tanklöschfahrzeug, eingesetzt war. Insgesamt wurde aus 14 Leitungen Wasser gegeben. Bürgermeister Volk und Kreisbrandinspektor Küchler lobten die Schlagkraft und Einsatzfreudigkeit der Wehr.

Die Werksfeuerwehr der Erbacher Tuchfabrik führte am Sonntag in Gegenwart des Kreisbrandinspektors ebenfalls ihre Schlußübung durch. —ch.

Eis- und Wintersportbahn

in Nauheim

In einer am Montagabend im Sitzungssaal der Bürgermeisterei Nauheim stattgefundenen Vollversammlung des Ortsjugendringes wurde die neue Geschäftsordnung in vorgelegter Form angenommen. Bürgermeister Schad konnte die erfreuliche Mitteilung machen, daß die geplante Errichtung einer Eis- und Wintersportbahn nunmehr endgültig Wirklichkeit werde.

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Resident Officer Groß-Gerau traf am Montag ein amerikanischer Erdschieber mit einigem Fachpersonal in Nauheim ein und hat sofort mit den Planierungs- und Räumungsarbeiten begonnen. Für das großzügige Projekt sind 10 000 qm Wiesengelände vorgesehen. Die Hauptarbeiten werden bereits in B—lo Tagen abgeschlossen sein, so daß die Anlage noch für die diesjährige Wintersportzeit benutzt

werden kann. Wie Vorsitzender Jungblut außerdem bekanntgab, hat die Gemeindeverwaltung 200,— DM zur Erweiterung der Volksbücherei zur Verfügung gestellt. Im Verlauf der Sitzung wurde in Erwägung gezogen, eine Laienspielgruppe zusammenzustellen und im Winter Diskussions-, Eltern- und Volksbildungsabende abzuhalten^ KB

Rentenauszahluns der AOKR in Jugenheim

Die Renten der Invaliden- und Angestelltenversicherung sowie die KB-Renten werden für Jugenheim und Balkhausen auf der Zahlstelle Jugenheim (Hotel „Deutsches Haus“) am 1. November von 8 bis 12 Uhr ausgezahlt. Zahltag für Seeheim: 1. November von 14 bis 16.30 Uhr im Rathaus; für Alsbach: 2. November von 9 bis 11 Uhr im Rathaus. hl.

meldungen aus den Landlacisen

DARMSTADT-LAND

Wixhausen. Die Gewerkschaft der Eisenbahner hielt im Gasthaus „Zur Krone“ eine Versammlung ab, in der Bundesbahninspektor H. Horlacher einen Bericht vom Verbandstag in Gelsenkirchen gab. Zum Schluß wurde die Winterbrandversorgung beraten. LK. •

Pfungstadt. Am Wochenende gab der Volks-Musik-Verein unter Leitung von Musiklehrer Geisel im „Rheinischen Hof“ ein wohlgelungenes Konzert. (ler)

Jugenheim. Gemeindeschwester Julie Hund trat nach Iljähriger Tätigkeit in der Gemeinde infolge eines Beinleidens in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin wurde Schwester Elisabeth Li n g 1 e r. erh

DIEBURG

Dieburg. Der Gesangverein „Sängerlust“ veranstaltet am Sonntag um 20 Uhr im Saalbau „Ludwigshalle“ ein Lieder- und Instrumentalkonzert, bei dem neben dem Männerchor des Vereins das Streichorchester der Stadtkapelle und als Sopranistin Liesel Rudolph mitwirken. rfd

Harreshausen. — Revierförster Rudolf Graulich wurde in den Ruhestand versetzt und zu seinem Nachfolger der heimatvertriebene Revierförster Pichl ernannt. NB

Fränkisch-Criimbach. Am Samstag findet nach längerer Pause wieder eine öffentliche Forumsveranstaltung statt, bei der über Steuerangelegenheiten diskutiert werden soll.

Schaafheim. Bei der Fahrt durch die Babenhäuser Straße bremste ein Kraftfahrer an der Kreuzung Lindenstraße so stark ab, daß sein Fahrzeug ins Schleudern kam, und gegen ein Haus rannte. Es entstand erheblicher Sachschaden. RG

ERBACH

Sandbach. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung war der Waldwirtschaftsplan Gegenstand der Beratungen. Er schließt in Einnahmen mit 15 337 und in Ausgaben mit 17 916 DM ab. hm

BERGSTRASSE -

Weschnitz. Auf Grund wiederholter Anregungen aus Elternversammlungen, denen ein Beschluß des Gemeinderates gefolgt war, werden gegenwärtig das Schulhaus und seine Toilettenanlagen gründlich repariert. -r

Waldmichelbach. Am Sonntag wurde der neue Altar der katholischen Kirche benediziert. Die Konsekration der Kirche wird erst erfolgen, wenn die Renovierungsarbeiten am Gebäude beendet sind. -r

Lorsch. Am Freitag findet im Rathaus eine öffentliche Gemeinderatsiitzung statt, el.

GROSS-GERAU

Gernsheim. Die von der ev. Kirchengemeinde betreute Patengemeinde Kraja hat als Ausdruck ihres Dankes für zahlreiche Liebesgaben ein Photoalbum übersandt. Für das nächste Paket bittet die Kirchengemeinde vor allem Seife in den Drahtkorb an der Kdrchentür zu spenden.

Friocheo Leben

Lerne sehen!

Du denkst: sehen kann ich doch von Geburt an; soweit ich mich zurückerinnere, haben meine Augen ihren Dienst getan; ich sehe, finde mich überall zurecht und kann treiben, was mir Spaß macht

Doch wie oft gibst du auf die Frage: ..Nun, was hast du draußen, hast du auf

deinem Weg gesehen?“ die Antwort: „Ach, nichts Besonderes, nein, wirklich nichts“.

Ein andermal aber stehst du bewundernd vor den Fotos eines Kameraden. Die Bilder zeigen keine fremden Länder und Kuriositäten, aber staunend fragst du: „Wo hast du das aufgenommen?“, und nun antwortet der Freund: „Ach, das ist bloß in der hinteren Ecke unseres Gartens“, oder: „Das war mal morgens im Wald“, oder: „Dahinten an der alten Mauer, wo du auch immer vorbeikommst. Es sah so schön aus und da habe ich es einfach geknipst“.

Ja, nur denke nicht, daß das „Einfachknipsen“ so einfach ist! Erst muß ja das Bild, das der Apparat aufnehmen soll, dir selbst durch deine Augen bewußt werden, du mußt sehen, was da ist und welche Schönheit sich darbietet: die sanfte Neigung eines Halms, Licht- und Schattenspiel auf überlaubtem Wege, den Haselstrauch, der herbstliche Blätter und pralle Knospen fürs Frühjahr jetzt nebeneinander trägt, ein Spinnennetz, das vom Tau wie Perlenschnüre glänzt, oder, wie oben auf dem Bilde, die einfache Gestalt eines schlanken Pilzes mit verwegen schrägem Hütchen hell wie eine Flamme vor der dunklen Wurzelhöhlung eines Baumriesen. Könnte man nicht ein ganzes Märchen von diesem Bilde erzählen, erzählen nur, weil man sieht, woran viele mit „blinden Augen“ vorüberlaufen?

Das Sehen ist eine Kunst. Das Kleinkind übt sie noch ganz. Beobachtet seinen Blick, wie er wahrnimmt, groß, forschend, verweilend, sinnend in unbewußtem Bemühen um die Dinge. Im Größerwerden verlieren viele Menschen diese Kunst, sie verkümmert ihnen, statt daß sie weitergebildet und später bewußt ausgeübt wird.

Richtig sehen, das ist als wenn einer täglich einen Schatz vermehrt und immer neue Kleinodien zu dem Bilderreichtum seines Herzens reiht. Von denen, die später ihres Augenlichts beraubt wurden, wissen wir, wie sie im Leide glücklich doch mit diesem Schatze leben, den sie einst sehend in sich aufgenommen hatten und der ihnen mitten in ihrem Dunkel hell lebendig ist. Ihr aber, die ihr noch sehen könnt, lernt sehen! Di.


Im Schutze des Riesen Foto: G. May
Im Schutze des Riesen Foto: G. May

Denkt an die Bastelkiste!

Der November beginnt, der Nebelmond, dessen Dämmerung am Ende vom ersten Adventslicht erhellt wird. Da ist es gut, schon an die kleinen Geschenke zu denken, die ihr Vater, Mutter und Geschwister zum Feste arbeiten wollt. Schaut in eure Bastelkiste und überlegt, was euch alles fehlt. Noch ist Zeit, allerlei zusammenzutragen: kleine Hölzer und Buntpapier, Draht und Garnrollen, Band Tannenzapfen, leere Streichholz- und Zigarettenschachteln, dünne und dickere Pappe, Kerzenreste und Korken, tausend Dinge, die zu brauchen sind. Seht auch zu, daß das Handwerkszeug in Ordnung und bereit ist: Bohrer und Hammer,

Schere und Zollstock. Ihr wißt ja schon, was am nötigsten ist. Dann gehts ans Pläneschmieden, und in 14 Tagen werdet ihr hier auch Vorschläge zum Basteln finden!

An sich!

Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren! Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid! Vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid, hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen!

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren, Nimm dein Verhängnis an! Laß alles unbereut!

Tu, was getan muß sein und eh’ man dir’s gebeut: Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke Ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an.

Dies alles ist in dir, laß deinen eitlen Wahn, Und eh’ du förder gehst, so geh in dich zurücke.

Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann, Dem ist die weite Welt und alles untertan.

Paul Flemig, 1609—1640

Aus den Jugendverbänden

Nachwort zur Jugendwoche

Wenn die Blätter fallen und der Rauch der Kartoffelfeuer über die Felder zieht, werden die Tage immer kürzer, und die langen Abende des Winters stehen bevor.

Nicht allen ist es vergönnt, nach getaner Arbeit die wohlverdiente Ruhe in einem traulichen Heim zu finden, ein Buch zu lesen oder an guter Radioübertragung sich zu freuen. Allzu groß ist das Elend, in das viele Menschen durch den hinter uns liegenden Krieg gekommen sind: Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit, ausgebombt, geflüchtet, ausgewiesen —, das sind Worte, die mit ihrer Schwere den Freudlosen überfallen und auch den jugendlichen Sinn mit Bitterkeit erfüllen wollen.

Da tut es besser, in Gemeinschaft frohe Tätigkeit zu suchen. Wie aber sollen wir dazu kommen? fragen viele junge Menschen.

In fast allen Gemeinden bestehen Jugendgruppen oder Vereine mit Jugendabteilungen, die gerne bereit sind, über ihre Tätigkeit Auskunft zu geben und freudig alle Türen öffnen, um der Jugend Einlaß zu gewähren. Wo Jugend zu Jugend findet, wird die Zeit nicht lang und stärken sich Lebensmut und Zukunftsglaube, ohne daß Worte darum gemacht werden. Jeder findet, was er sucht, sei es Spiel und Sport, Volkstanz und Lied, Musik oder Laienspiel. Aber auch Vortrags- und Diskussionsabende, Film- und Theaterabende wechseln ab, Humor und Ernst, gerade wie es sich trifft. Wen dies nicht befriedigt, erfreut vielleicht ein gutes, spannendes Buch, das gern vermittelt wird. Wer aber lieber am Sonntag wandert und einen Gesellen dazu braucht, findet ihn gewiß unter den vielen Jugendlichen, die schon manche Fahrt zusammen machten.

Dieser Jugend wird kein Winterabend zu lang. In frohem Kreise sitzen sie beisammen und tauschen die Erinnerungen an die Sommerwanderungen, an Jugendtreffen und Zeltlager aus. Neue Pläne werden geschmiedet, und oft kreisen die Gedanken um eine Auslandsfahrt nach der Schweiz, nach Frankreich, Italien, Schweden und manchem anderen Land.

Nicht nur Wanderfreudigkeit oder Abenteuerlust zieht sie hinaus, sondern der Wunsch, andere Menschenart und Lebensweise kennenzulernen und dadurch mitzuhelfen, daß die Völker einander verstehen und in Frieden miteinander auskommen.

Ein andermal sind ernste Besprechungen der Inhalt eines Abends. Es wird Kritik geübt an Mißständen des öffentlichen Lebens, an der Tätigkeit der Verwaltungen, und jeder, der kritisiert, soll dann auch einen Vorschlag zur Besserung machen. So wird Vorarbeit geleistet, um selbst an der Zukunft mitzugestalten.

Die jetzt durchgeführte Jugendwoche sollte den jungen Menschen den Weg zu einer Gruppe finden helfen. Deshalb zeigten die Jugendgruppen Ausschnitte aus ihrer Arbeit, die einen Ueberblick vermittelten. Auch Eltern und Erzieher gewannen durch die Veranstaltungen besseren Einblick in Streben und Leistung der einzelnen Gruppen. Ihre Zustimmung und ihr Verständnis sind ja die günstigste Voraussetzung zu einer fruchtbaren Jugendarbeit in den Verbänden, denn die Gruppen wollen kein abseitig isoliertes Eigendasein führen. In der Verbundenheit und im Austausch untereinander wie im rechten Vertrauensverhältnis zu Elternschaft und Lehrerschaft sehen sie die Voraussetzungen für ein gesundes frohes Leben, für Leistung und Erfolg in den eigenen Reihen. Lgs.

BUCHER

die wir uns wünschen

„Der deutschen Kinder wundersame Deutschlandreise“, - Westermann-Verlag, Braunschweig, 327 Seiten mit Karte und vielen Bildern.

In diesem Buche führt uns Bernhard Klaffke durch „das heimliche Deutschland“, das Deutschland der Märchen, Sagen und Geschichten. Sichtbar gemacht ist es auf einer großen Karte mit all den bunten Märchen und Sagengestalten, die in den verschiedenen Landschaften zu Hause sind und die im Text in allerlei Bildern wiederkehren, die Robert Hirschberger schuf. Am schönsten aber ist, daß unser liebes Vaterland in diesem Buche uns ungeteilt gehört. Da gibt es keine Zonengrenzen, und Erzähler aus allen Landschaften vom Nordmeer bis zur Donau und vom Rheine bis ins Riesengebirge und nördlich nach Ostpreußen hin breiten die Schätze der Volks Überlieferung vor uns aus. Stimmen der Dichter mischen sich darein, und mit wenigen Sätzen weiß dazwischen immer wieder Bernhard Klaffke uns weiterzuführen und uns neuen Reichtum an Sang und Sage der Heimat zu erschließen. D-s

„Der Geheimbde Rat und die Kinder“, Enßlin & Laiblin Verlag, Reutlingen, 304 Seiten, 1 Bildnis, 4 Handschriftenproben und viele Zeichnungen.

„Cordula, ein Mädchen unserer Zeit“ von Werner May, erschienen im gleichen Verlage. 276 Seiten, Vignetten und ganz¬ seitige Zeichnungen.

Krickenten

Zwei Jahre lang lag Heinz Sielmann mit Fernkamera und Mikrophon auf der Lauer, um die Bild- und Tonaufnahmen aus der Tierwelt so klar und schön herauszubekommen, wie sie uns nun der Bejöhr-Film „Lied der Wildbahn“ zeigt. Küstenstreifen und Stromgebiet, Heide, Moor und Hochwald hat das Auge der Kamera für uns eingefangen. Dort dürfen wir durch einen ganzen Jahreslauf das sonst scheu verborgene Leben der Tiere auf freier Wildbahn schauen, den herrlichen Flug der Wandervögel, Fütterung der Brut, Spiel der Jungfüchse, das Aesen von Reh und Hirsch und den schweigsamen Zug der letzten Riesen der Vorzeit, der Wisente. Wir hören die Stimmen der Singschwäne und Wildenten und das Rauschen der Flügel, als erlebten wir unmittelbar das große „Lied der Wildbahn“.

di


Aus dem Film „Lied der Wildbahn“ Foto: Sielmann /F.W. U. / Bejöhr-Film
Aus dem Film „Lied der Wildbahn“ Foto: Sielmann /F.W. U. / Bejöhr-Film

DER SPORT

Warum nicht immerso ?

In leichten Dunst gehüllt lag die Rheinebene, als der Reise-Omnibus der SV-Handballer sich seinem Reiseziel Kempteni bei Bingen näherte. Von der rechten Rheinseite herüber grüßte das Niederwalddenkmal eine fröhliche Schar, die ihrem Einsatz und Sieg entgegenfieberte.

Die ersten Einwohner, die man von Kempten sah, waren eine Schar Buben, die, von ihrer Vereinsleitung ausgeschickt, das Kommen der Gäste ankündigen und sie in ihr Vereinslokal geleiten sollten.

Eine nette, kameradschaftliche Geste der an und für sich kleinen Handballgemeinde von Kempten, an der sich mancher Fußball-Oberligaverein eine Scheibe abschneiden könnte. Allerdings wenig später, beim Anblick des Sportfeldes, hätte mancher 98er Handballer lieber seine Stutzen wieder aus- und die Krawatte angezogen, denn dies war das Erschütterndste,was dem Lilien bisher an Sportplatz geboten wurde.

Rundum mit Rheinsand aufgefüllt und in der Mitte ein Schlackenfeld, glich er eher der Woogsinsel als einem Rasen. So kam es, daß die mitgekommenen Frauen und Bräute nach dem Schlußpfiff vollauf damit zu tun hatten, um bei ihren „gefallenen Siegern“ mit Heftpflaster und Mullbinden die Tapetenschäden zu verdecken. Aber trotz dieser Unzulänglichkeit des Sportfeldes war es eine wirklich nette Atmosphäre, in welche sich die 98er in Kempten hineinversetzt fühlten, und man muß nur immer wieder staunen, mit wieviel echtem sportlichem Geist gerade diese kleinen Landvereine, denen im Gegensatz zu Vereinen in Großstädten nur herzlich wenig Mittel zur Verfügung stehen, ihre Gegner empfangen und ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich-gestalten. Von irgendwelcher Rivalität war in Kempten nichts zu verspüren, und selbst, als die Einheimischen den „Lilien“ den Sieg und die Punkte lassen mußten, hielten die Zuschauer mit ihrer Anerkennung den Leistungen der Gäste gegenüber nicht zurück und bezeichneten wiederholt die 98er als die beste Mannschaft, die bisher in Kempten gespielt hätte. Und das will viel sagen, wenn man bedenkt, daß auch Dietzenbach bereits eine Gastrolle dort gegeben hat.

Wir fragen uns: „Warum kann es nicht immer so sein?“ Wäre es nicht dem Sportgedanken als solchem viel einträglicher, wenn jeder Gastspieler eine gute Erinnerung an das Spiel und seinen Gegner mit nach Hause nehmen würde? Man täte gut daran, auch in der Fußball-Oberliga einmal über diese Dinge nachzudenken, te-

Hohe Heimsiege in der Ringer-Kreisklasse

Groß-Zimmers Zweite errang erneut einen hohen Sieg — diesmal über die Staffel von Münster — und hat sich damit endgültig die Vorrundenmeisterschaft gesichert. Aber auch die ebenfalls ungeschlagene Staffel des KSV Wersau erkämpfte sich mit einem Sieg über Schaafheim wieder zwei wertvolle Punkte und ist weiterhin mit dem Tabellenführer punktgleich. Der Tabellenstand blieb unverändert. ■

Die Ergebnisse: Groß-Zimmern II gegen Münster 7:1 und Wersau—Schaafheim 5:3 Trotz der hohen Niederlage gefielen die Gäste aus Münster. Den Ehrenpunkt für die Gäste errang der Halbschwergewichtler Karl Löbig II durch Aufgabe von Palmy. Für Groß-Zimmern waren vom Fliegengewicht an aufwärts siegreich: Frächter über Josef Löbig, Adam Dietrich über Helmuth Schneider, Hack über Englert, Herbert über Schrod, Göbel über Seibert, Heinrich Dietrich über Karl Löbig I und Rückert über Eduard Schneider.

In deni 3. Verbandskampf konnte die Staffel von Wersau am Samstagabend über die sehr starke Mannschaft von Schaafheim erneut zwei Punkte erringen. Sowohl die Gastgeber als auch Schaafheim verschenkten schon an der Waage durch Heber- bzw. Untergewicht je einen Punkt. Die Gästeringer Kern, Hans Trippel und Krapp blieben im, Bantam-, Feder- und Schwergewicht siegreich. Vom Leicht- bis zum Halbschwergewicht siegten Flößer, Eisenhauer, Gaydoul, Daum und Quick für Wersau.

Auch in Gruppe 2 landeten die Gastgeber-Mannschaften unerwartet hohe Siege. In Nieder-Ramstadt unterlagen die Rimbächer 1:7, während der Neuling Fürth von Bensheim nur einen Einzelsieg mit nach Hause brachte. Nieder-Ramstadt führt nun ungeschlagen mit 8:0 Punkten und hat das Feld weit hinter sich gelassen. Vor Ober-Ramstadt liegt das Resultat noch nicht vor.

itaiiidiauL uao xvvouiluv Die Ergebnisse: Nieder-Ramstadt —Rimbach 7:1 und Bensheim—Fürth 7:1. Die Vertreter von Rimbach mußten beim Tabellenführer, Nieder-Ramstadt, ebenfalls erfahren, daß dort nichts zu holen ist. Im Federgewicht errang Schimuneck (R) mit einem hart erkämpften Punktsieg über Keller den Ehrenpunkt für seine Mannschaft. Für Nieder-Ramstadt waren Wendel über Trautmann, Schneider über Georg Schmidt, Pfannenschmidt über Erich Schmidt, Burkhard über Brecht, Ludwig über Pfeiffer und Faldermann über Beer durch Schultersiege erfolgreich. Der Schwergewichtler Krautwurst erzielte gegen Hechler nur einen Punktsiegt. — In Bensheim waren die Zuschauer von dem Kampfverlauf nicht zufriedengestellt, denn selten kommt es bei einer Begegnung der Ringer vor, daß die Gesamt-Ringzeit nur 19 Minuten beträgt. Der Neuling brachte wohl eine sehr kräftige Mannschaft auf die Matte, doch was die Technik anbetrifft, so werden sie wohl kaum einer der Kreisligamannschaften gewachsen sein. Der Kampfleiter, Hettinger,

Pfungstadt, hatte in diesem fairen Treffen ein leichtes Amt. Den Ehrenpunkt der Gäste erzielte der Schwergewichtler Lämmer mit seinem Blitzsieg über Lembert in der 1. Minute. Für Bensheim waren vom Fliegengwicht an aufwärts erfolgreich: Schröder, Mohr jun., Schuhmacher, Domini, Wahlig, Wölfel und Kilian. -ES-

Tischtennis - Trophäen völlig osfen

Deutschlands Tischtennis-Trophäen, der Deutschland-Pokal der Herren und der Bundes-Pokal für Damen, brachten in der Vorschlußrunde mit den Niederlagen der Pokalverteidiger besondere Höhepunkte. Bei den Herren unterlag Nordrhein/Westfalen als-dreifacher Pokalsieger in München (ohne Dr. Mauritz) gegen Bayern mit 4:5, während Berlin (ohne Raack!) gegen Hessen ein 5:3 erzielte.

Im Bundes-Pokal der Damen revanchierte Nordrhein/Westfalen sich mit Hilde Bußmann und Frl. Capellmann in Wanne/Eickel durch ein 3:0 über den Vorjahrssieger Bayern für die überraschende Niederlage von 1949 und Niedersachsen überrumpelte die starken Berlinerinnen (von Puttkammer, Richter) mit einer 3:0- Führung. _ . . _ ___

Beide Endspiele sind am 19. November. Bayern — Berlin in Bayern u. Nordrhein /Westfalen — Niedersachsen bei den Frauen im Westen.

Bukiet war Nr. 1 in München

üuniut wwä * — — Nordrhein/Westfalen hatte in München den vielfachen, früheren deutschen Meister Dr. Mauritz (Wuppertal) durch das Aachener Talent Junggeburth ersetzt, dem bei -aller Veranlagung aber noch Erfahrung und Nerven für derart schwere Kämpfe fehlten Immerhin spielte der junge Aachener so st®rk, daß selbst Münchens Nr. 1, Bukiet, nach 2.0-Erfol gen über Braun (Wuppertal) und Vossebein (Bochum) nach l:l-Sätzen und 20:20 am Rande einer Niederlage stand. Lediglich die Konzentrationsfähigkeit und auch et^as Gluck gaben mit 24:22 nach dramatischen Ringen fui ihn schließlich den Ausschlag. Mit diesem 2.1 -Eifolg aber hatte Bukiet sämtliche Spiele gewonnen und den Pokalverteidiger entscheidend aus dem Rennen geworfen.

Auch ohne den Deutschen Meister Raadt, der wesen eines Furunkels nicht mitmachen konnte und durch Feld ersetzt wurde, kam Berlin in der Turnhalle der Hansa-Schule gegen Hessen zu einem überraschenden 5:3-Erfolg. Die Punkte für Berlin holten Feld (2:0 gegen Malon, 2:1 gegen Breetz), Ring (2:0 gegen Seiffert und Breetz) und Peters (2:0 gegen Breetz).

Der Sonntag verlief ohne Ueberraschungen

In der hessischen Landesliga gab es am Wochenende keine Ueberraschungen. Bei den Herren spielten:

SV Darmstadt 98 — W.-B. Frankfurt 7:9 . TTC Biblis —l. ABC Wiesbaden 5:10 Eintr. Frankfurt —TG Rüsselsheim 13:3 SG Höchst — SV Flörsheim 3:13 Ergebnisse der Frauen: SG Kelkheim —SV Darmstadt 98 4:12 Eintr. Frankf. — VfL Bad Nauheim 13:3

Die 1. Damenmannschaft des SV 98, die in diesem Jahr traditionsgemäß ihre führende Rolle im hessischen Tischtennissport beibehalten hat, konnte auch in ihrem erneuten Auswärtsspiel klar siegreich bleiben. Die Mannschaft, die in allen Teilen gut zusammengesetzt ist, war in Kelkheim gegen die junge und aufopfernd spielende Mannschaft des Gastgebers vor keine schwere Probe gestellt. Ohne ihre verhinderte Spitzenspielerin Frl, Holzapfel antretend, siegten sie klarer als erwartet. Die Doppelspiele gingen alle an die Gäste, lediglich zwei Einzelpunkte mußte Frl.

Nungesser/98 abgeben. Für die Lilienträgerinnen siegten Römer, Guyot, Nangot und Pommer bei den Einzel- sowie Nungesser-Römer und Guyot-Nangot bei den Doppelspielen. Der scharfe Zweikampf Eintracht gegen 98 wird mit dem sonntägilichen Spiel seinen Höhepunkt bringen. Ku.

Unser Tip

für den Hessentoto

1 Eintr Frankfurt-Vfß Muhlburg 2 0 2 Waldh Mannheim—Spvgg Furth 0 2 3 Sers Offenbach—FSV Frankfurt 1 1 41 FC Nürnberg—Vfß Mannheim 1 Ifc Singen 04—BC Augsburg 1 « 6 Spv Rheydt—Borussia Dortmund 7 Rot-Weiß Oberhausen—Schalke 04 0 2 : St Pauli. Hart,. « ! I Bayern Mündren-Schwelnturt °s ) } 12 S Regensbg.-Vikt. Aschaffenbg. 1 1 13 SV Wiesbaden-SV Tübingen 1 lWm 1846—KSV Hessen Kassel 1 1

Die Spiele am 5. November

1. Liga Süd

vh Neckarau—lB6o München (Sa.) K^s Offenbach-FSV Frankfurt Sacht Frankfurt-Vfß Mühlburg vfR ^tufteart—-Darmstadt y» 1 FC Nürnberg—VfR Mannheim SV Waldhof—Spvgg Fürth Bavem München—Schweinfurt 05 FC 04 Singen.—BC Augsburg Sdiwaben Augsburg—SSV Reutlingen

2. Liga Süd

SV Wiesbaden—SV Tübingen RG Arheilgen—Stuttgarter Kickers Jahn Regensburg-Vikt. Aschaffenburg Ulm 1846—Hessen Kassel ASV Du rl ach—Bayern Hof 1. FC Bamberg—Wacker München

VfL Konstanz—ASV Cham TSV Straubing—l. FC Pforzheim Union Böckingen—FC Freiburg

BC Darmstadt siegte in Kreuznach

Der BC Darmstadt, der Heidelberger TB und der MTV Giesen waren die glücklichen Sieger der drei Basketball - Oberligaspiele am Wochenende.

Der Darmstädter Basketballclub weilte in Kreuznach und lieferte dem VfL einen Kampf auf Biegen und Brechen. In der dritten Minute gingen die Darmstädter in Führung, aber kurz darauf zog Kreuznach gleich und übernahm noch mit einem Freiwurf die Spitze. So wechselten sich beide Mannschaften in der Führung ab, bis die Kreuznacher mit einem knappen 18:17 -Vorsprung in die Pause gehen konnten. Nach Wiederbeginn setzten dann die Kreuznacher alles daran, einen sicheren Vorsprung herauszuspielen. In dieser Spielphase stand die Verteidigung der Gäste wie eine Mauer.

Alle Angriffe zerschellten, und langsam kam die Kombinationsmaschine der Darmstädter ins Rollen. Der Ball wanderte von Mann zu Mann bis unter den gegnerischen Korb. Der Erfolg blieb nicht aus. Als es 24:24 stand, dröhnte die Halle von den Anfeuerungsrufen der Zuschauer. Hier hatte der Club seine größte Zerreißprobe. Er bestand sie und ging in Führung, diktierte dem Gegner sein Spiel und zeigte sich in einer bestechenden Form. Obwohl Kreuznach zuletzt mit fünf gegen vier Mann spielte, kam es nicht mehr in Ballbesitz. Bei Schlußpfiff lautete das Ergebnis 34:27.

Blick über die Fußballgrenzen

Arsenal und Newcastle Kopf an Kopf / In 39 Spielen ungeschlagen

Die Spiele des vergangenen Wochenendes auf der engl. Insel verliefen beinahe „abnorm“ normal. An einem Sieg Arsenals über Derby County in Highburry hat kaum jemand gezweifelt, und auch in seiner Höhe von 3:1 entspricht das Ergebnis den Erwartungen. Der mit den „Gunners“ Kopf an Kopf im Rennen liegende Tabellenzweite Newcastle United tanzte ebenfalls nicht aus der Reihe, sondern schlug zu Hause Blackpool mit 4:2 in einem Spiel, das Newcastle meist leicht überlegen sah. Mit 22:8 Punkten stehen diese Konkurrenten noch immer gleichauf. Middlesbrough büßte daheim gegen Fulham mit 1:1 einen wertvollen Punkt ein, steht zwar noch auf Rang drei (20:10 Punkte), mußte aber, relativ gesehen, dem Aufsteiger Tottenham Hotspurs den Vortritt überlassen, da die „Hähne“ bei West Bromwich Albion siegreich blieben und nun über einen Punktequotienten von 19:9 verfügen. Chelsea, der Tabellenletzte, verbesserte seine schlechte Lage mit einem 3:0-home-Sieg über Sunderland, aber auch Sheffield Wednesday schaffte sich mit einem 4:1 über Liverpool Luft. Mit einem Spiel mehr als die „Pensioners“ steht jetzt bei 9:21 Punkten Everton. Die „Toffees“ verloren nämlich auf eigenem Platz der Manchester Unites 1:4.

Bologna rutschte ab

Bologna, von dem man in Italien in dieser Saison große Dinge erwartete, ist nach den pannen, die ihm Padua und Como bereiteten, nun fürs erste ganz erledigt. Juventus Turin überrannte Bologna auf dessen eigenem Platz (!) mit 5:0. Mailand ist in der laufenden Saison besonders erfolgreich. Der FC Mailand machte, wie erwartet, mit Genua 93 (4:1) wenig Umstände, und Internazionale Mailand brachte das Kunststück fertig, aus Udine beide Punkte mit nach Hause zu nehmen. Wäre nicht Juventus Turin, dann hätte Mailand in diesem Jahr alle Aussichten, einen seiner beiden' Vereine als Meister zu begrüßen.

Auch ein Weltrekord

Gehalten wird dieser Weltrekord von Malmö FF, der in 39 aufeinander folgenden Spielen ungeschlagen blieb. Diesmal kam er aus Raa mit einem 0:0 zurück, doch schlägt der Neuling Raa eine scharfe Klinge, und der Teilerfolg des Spitzenreiters ist keineswegs zu unterschätzen. Stockholm erwartete von seinem AIK einen weiteren Erfolg. Der AIK droht einer Krise entgegenzugehen, vier seiner Spitzenspieler wirken im Ausland, Mittelstürmer Grübb und sein junger Ersatzmann sind verletzt. Man hoffte aber, daß sich die Notauf- Stellung des Vorsonntags — drei Linksaußen und ein Rechtsaußen standen im Angriff und schossen gegen Elfsborg vier Treffer! — auch in Norköpping bewähren möge. Die Hoffnung trog, Norköpping gewann 2:1.

Straßburg eilt davon

Zwei Tore genügten den Leuten aus der „wunderschönen Stadt“, um zwischen sich und die Konkurrenz fünf Punkte zu legen. Am Vorsonntag hatte der Zweite, Stade Rennes, mit 1:0 daran glauben müssen. Diesmal verlor Lille gegen Racing Straßburg ebenfalls 0:1, zur gleichen Stunde ließ sich Rennes daheim von Nimes 1:2 schlagen, und nun hängt — bis auf weiteres — der Straßburger Fußballhimmel voller Geigen.

Bimbo Binder „geschlagen“

Im Punktspielbetrieb Oesterreichs herrschte am vergangenen Sonntag wegen der Länder- und Städtespiele Ruhe. Um so mehr Muße hatte man, sich im Caffi über den „Fall“ Rapid zu unterhalten. Rapid erhielt nämlich wegen Ziehung des Spielers Hanappi (Wacker Wien), 5000 Schilling Geldstrafe und über seinen Fußballsektionsl., den langen Bimbo Binder, wurde eine Funktionssperre von zwölf Monaten verhängt. Das „Streitobjekt“ Hanappi selbst ging straffrei aus. Rapid wird protestieren ... da legst Di nieder!

Opel-Sieg in Griesheim

Trotz teilweise erbitterten Widerstandes setzte sich das Spitzentrio der hessischen Fußball-Landesliga weiter durch. Auf den vierten Platz hat sich nun der 1. FC Hanau 93 vorgearbeitet, da Griesheim 02 eine überraschende Heimspielniederlage gegen Opel Rüsselsheim bezog.

In der ausgeglichenen ersten Halbzeit brachte Greifhardt die Opelleute in Führung, doch Heß konnte noch vor der Pause den Ausgleich für Griesheim erzwingen. Nachher kam Rüsselsheim stark auf. Dem neuerlichen Führungstreffer durch Bauer folgte zwar wiederum der Griesheimer Ausgleich (Görlich), aber dann stellten Greifhardt und Heppel mit zwei weiteren Toren den 4:2-Sieg der Gäste sicher.

Spitzenreiter Kassel 03 war bei der SG Hessen Hersfeld klar überlegen, mußte sich aber mit einem einzigen Treffer begnügen. Der Kasseler Halblinke Günther schoß in

der 55. Minute das goldene Tor. Der Tabellenzweite Olympia Lampertheim behielt auch gegen den SV Kassel mit 3:0 die Oberhand. Horstfeld brachte Lampertheim in der 6. Minute in Führung. Zwei Tore von Keck im zweiten Spielabschnitt ergaben den Schlußstand. Lampertheim .war jederzeit überlegen.

Glücklich fiel der 2:1-Sieg des Tabellendritten Borussia Fulda in Friedberg aus. Schäfer (Fulda) und Wehr (Friedberg) verwerteten vor der Pause je einen Elfmeter. Nachher war Friedberg überlegen, aber die Gäste erzielten 10 Minuten vor dem Abpfiff durch Schallmeyer den Siegestreffer. Hanau 93 war in Biedenkopf technisch überlegen, doch erzwangen die Gastgeber mit unermüdlichem Einsatz eine ausgeglichene Partie. Parr schoß in der 55. Minute das Siegestor für Hanau. Zu tumultartigen Szenen unter den Zuschauern kam es, als ein Treffer für Biedenkopf vom Schiedsrichter Gutmann nicht anerkannt wurde.

Rot-Weiß Frankfurt hatte wenig Mühe, den VfL Kassel mit 3:1 zu bezwingen. Durch Verletzungen standen nach der Pause nur noch neun Kasseler Spieler im Felde. Beim Wechsel hieß es noch 1:1. Union Niederrad war gegen seinen Lokalrivalen Rödelheim klar überlegen, obwohl durch Verletzung des neueingestellten Spielers Sack fast das ganze Spiel mit 10 Mann bestritten werden mußte. Der Siegestreffer für Niederrad fiel in der 83. Minute durch Schreiber. Weiterhin gut behauptet sich der VfL Marburg, der sich diesmal mit 3:1 (1:0) gegen Eintracht Wetzlar durchsetzte. Hermannia Kassel hatte wenig Mühe, um den Tabellenletzten Hessisch-Lichtenau mit 3:0 (2:0) abzufertigen.

Bezirks-Bestenliste des Jahres 1950

Gute Leistungen bei den jungen Leichtathleten

Die hervorragenden Leistungen des Vorjahres durch Heinz Kohl (Münster) und Richard Jöst (Trösel) sind heuer naturgemäß nicht erreicht worden. Allerdings haben sich bei den 17-18 jährigen auf den Mittelstrecken die Leistungen verbessert. So haben gleich drei Mann die 56,4 Sek. des letzten Jahres unterboten. Günther Kauß (Gernsheim), Hermann Hauck (98) und Friedel Wilhelm (Arheilgen) sind veranlagte Leute, die auch auf den anderen Strekken zu Hause sind. Wilhelm hat sich zweimal an die Spitze gesetzt und die Leistungen verbessert (2:17,6 und 2:43,0 in 1949). Günther Metzger, der sportlich so tüchtige Sohn unseres Oberbürgermeisters, hat zwar die Zeiten und Weiten des Vorjahres noch nicht erreicht, ist aber auf dem besten Weg dorthin. Arheilgen, Münster und die rührigen Gernsheimer unter ihrem Walter Schäfer, sind bei den anderen Disziplinen an der Spitze zu finden.

Bei der B-Jugend (15- und 16jährig), hat sich Ernst Meergans (Münster) um 0,2 Sek. und Peter Baumgartner die Vorjahrsleistung gar um 5,8 Sek. (400 m) verbessert. Den Münsterer finden wir noch zweimal als Besten und zusammen mit seinem Kameraden Robert Herzing und den Staffelteilnehmern haben sie sich fünfmal als Bezirksbeste eingetragen. Es folgt der SV 98 mit vier Ersten und Gernsheim mit zwei.

Bei der weiblichen A-Jugend hat sich Margot Thomas von der TSG 46 Darmstadt dreimal an die Spitze gesetzt und die Diskusleistung von 1949 um mehr als 4 Meter gesteigert. Der SV 98 ist ebenfalls dreimal vertreten und hat in Siegfried Weiß eine gute Sprinterin und Weitspringerin. Hildegard Schneider vom TV 46 Groß-Gerau, die auch im nächsten Jahr noch in der Jugendklasse starten wird, hat die Weitsprungmarke der A-Jugend auf 4,73 m gesteckt; (1949 = 4,70), sie ist auch die einzige Teilnehmerin, die sich an die HO m Hürden herangewagt hat.

Der SV 98 hat in seiner weiblichen B-Jugend ein gewaltiges Reservoir, aus dem hoffentlich einmal kommende Meister „geschöpft“ werden können. Möge sich die unermüdliche Arbeit ihrer Uebungsleiterin fruchtbringend auswirken und die späteren Erfolge nicht vermissen lassen. Fünfmal stehen die Mädchen vom Böllenfalltor an erster Stelle: Renate Sauer, Vera Fey, Lotte Speer, die vorzügliche Hochspringerin Brigitte Eisele und die Staffel. Fey liegt außerdem zusammen mit Anni Moter aus Groß-Gerau im Weitsprung an der Spitze. Maria Herd aus Münster ist diesmal sogar viermal als Beste vertreten und hat die Leistungen im Kugelstoßen und Diskuswerfen gegenüber 1949 (8,80 und 26,02) verbessert. ck

Jugend A (1932/33) männlich

100 Meter: 1. 11,6 Metzger, Günther, SV 98 Da.; 2. 11,9 Hauck, Hermann, SV 98 Da.; 3. 12,0 Kauß, Günther, Gernsheim; 4. 12,2 Schenkel, Georg, TSG 46 Da.; 5. 12,3 Schad, Walter, 46 Gr.- Gerau; 6. 12,4 Kreher, Richard, Münster.

200 Meter: 1. 24,0 Metzger, Günther, SV 98 Da.; 2. 25,1 Wilhelm, Friedel, Arheilgen; 3. 25,4 Adam, Dieter, Arheilgen; 4. 25,6 Schramm, Fred, Erbach; 5. 26,1 Schenkel, Georg, 46 Da.; 6. 27,0 Neff, Arheilgen; 7. 27,2 Hauck, Hermann, SV 98, Da.; 8. 28,0 Weyrauch, Adam, Erbach; 9. 28,4 Werner, Arheilgen.

400 Meter: 1. 55,6 Kauß, Günther, Gernsheim: 2. 55,6 Hauck, Hermann, SV 98 Da.; 3. 56,2 Wilhelm, Friedel, Arheilgen; 4. 57,6 Adam, Dieter, Arheilgen; 5. 58,8 Pfeifer, Karl-Heinz, SV 98 Da.; 6. 59,7 Ottenritter, Karlheinz, Münster.

800 Meter: 1. 2:08,6 Wilhelm, Friedel, Arh. 1000 M e t e r : 1. 2:42,2 Wilhelm, Friedel, Arh.; 2. 2:51,8 Geist, Karl, Münster; 3. 2:54,2 Gönner, Horst, SV 98 Da.; 4. 2:56,4 Forler, Roland, ohne Verein; 5. 3:07,0 Erb, Gerhard, SV 98 Da.; 6. 3:12,6 Keitel, G., TV 71 Lorsch; 7. 3:12,7 Klee, R.. Heppenheim.

1500 Meter: 1. 5:01,6 Huth, Helmuth, Gernsheim.

3000 Meter: 1. 9:51,4 Geist, Karl, Münster; 2. 10:07,0 Forler, Roland, Arheilgen; 3. 10:07,2 Schulz, Otto, Rüsselsheim. 110 Meter Hürden : 1. 17,0 Metzger, Günther, SV 98 Da.

4 m a 1 100 M e t e r : 1. 48,8 SV 98 Darmstadt; 2. 49,5 TSG 1846 Darmstadt; 3. 49,6 SV Münster; 4. 49,6 TV 46 Groß-Gerau; 5. 50,8 SG Arheilgen. 3 m a 1 1000 Meter: 1. 8:40,4 SG Arheilgen; 2. 9:19,7 SV 98 Darmstadt. Weitsprung: 1. 5,94 Metzger, Günther, SV 98 Da.; 2. 5.85 Herdt. Karl. Münster; 3. 5,72

Kauß, Günther, Gernsheim; 4. 5,68 Hauck, Hermann, SV 98 Da.; 5. 5,60 Fritsch, Horst, SV 98 Da.; 6. 5,42 Ruckeishausen, Horst, Pfungstadt. Hochsprung: 1. 1,52 Dipgeldein, Heinrich, Arheilgen; 2. 1,51 Riehl, Gorxheim; 3. 1,50 Delzeit, Gernot, SV 98 Da.; 4. 1,46 Andreas, Helmut, Arheilgen; 5. 1,40 Ruckeishausen, Horst Pfungstadt; 6. 1,40 Mailänder, SV 98 Da.; 7. 1,35 Völker, Karlheinz, SV 98 Da.

Kugelstoßen: 1. 10,79 Schäfer, Werner, SV 98 Da.; 2. 10,48 Bauer, Günther, Arheilgen; 3. 10,42 Engraf, Heinz, Gernsheim; 4. 10,38 Roth, Eschollbrücken; 5. 10,12 Wilhelm, Friedel, Arh.; 6. 9,99 Schumacher, Toni, TV Lorsch.

Diskuswerfen: 1. 26,40 Schäfer, SV 98 Da.; 2. 22,85 Andreas, Helmut, Arheilgen; 3. 22,85 Metzger, Günther, SV 98 Da.; 4. 22,55 Fritsch, Horst, SV 98 Da.; 5. 22,36 Schneider, A., .Arheilgen; 6. 21,17 Schneider, G., Arheilgen.

Jugend B (1934/35) männlich

100 Meter: 1. 11,7 Meergans. Ernst, Münster; 2. 11,9 Braun, Ernst. SV 98 Da.; 3. 12,2 Reitnofer, Peter, Rüsselsheim; 4. 12,3 Dietrich, Willi, Erbach; 5. 12,3 Baumgartner, Peter, Gernsheim; 6. 12,5 König, Manfred, Erbach.

200 Meter: 1. 30,0 Dicke, Helmut, SV Da. 400 Met e r : 1. 61,8 Baumgartner, Peter, Gernsheim.

800 Meter: 1. 2:23,5 Drodt, Alfred, SV 98 Da.; 2. 2:25,7 Braun, Ernst, SV 98 Da.; 3. 2:28,1 Pfeiffer, Karlheinz, Weiterstadt; 4. 2:32,0 Werner, Ludwig, Langen; 5. 2:32,1 Doll, Harald, Langen; 6. 2:32,5 Kredel, Walter, SV 98 Da. 1000 Meter: 1. 2:59,8 Kredel, Walter, SV 98 Da.; 2. 3:00,8 Kögel, Kurt, SV 98 Da.; 3. 3:02,0 Gunder, Rudi, SV 98 Da. 4. 3:02,8 Abel, Werner, SV 98 Da.; 5. 3:02,8 Kunz, SV 98 Da.; 6. 3:04,5 Drodt, Alfred, SV 98 Da.

1500 Meter: 1. 5:01,8 Baumgartner, Peter, Gernsheim.

4 m a 1 100 M e t e r : 1. 50,9 SV Münster; 2. 50,9 SV 98 Darmstadt; 3. 51,0 KSG Erbach; 4. 51,2 TV 1862 Langen I; 5. 52,7 TSG 46 Darmstadt; 6. 53,0 TG 75 Darmstadt.

o. oö,u iu uarmsiaui. Wei t s p r,u n g : 1. 5,57 Meergans, Ernst, Münster; 2. 5,31 Schwinn, Kurt. Erbach; 3. 5,30 Beck, Gerhard, Münster; 4. 5,29 Braun, Ernst, SV 98 Da.; 5. 5,28 Baumgartner, Peter, Gernsheim; 6. 5,20 Pfeiffer, Karlheinz, Weiterstadt.

Hochsprung: 1. 1,52 Meergans, Ernst, Münster; 2. 1,50 Büttel, Herbert, Pfungstadt; 3. 1,50 Metzger, Eberhardt, SV 98 Da.; 4. 1,46 Gunder, Rudi, SV 98 Da.; 5. 1,45 Weber, Peter, Eppertshausen; 6. 1,40 Reithofer, Peter, Rüsselsheim.

Kugelstoßen: 1. 10,80 Herzing, Robert, Münster; 2. 10,75 Meergans. Ernst, Münster; 3. 10,11 Gfrörer, Herbert, Rüsselsheim; 4. 10,09 Pfeiffer, K.-Hz., Weiterstadt; 5. 9,52 Schweitzer, Heinz, TG 75 Da.; 9,19 Dietrich, Willi, Erbach. Ballweitwerfen: 1. 86,00 Diöke, Helmut, SV 98 Da.; 2. 69,70 Metzger, Eberhardt, SV 98 Da.; 3. 64,20 Zimmermann, Heinz, SV 98 Darmstadt.

Jugend A (1932/33) weiblich

100 M e t e r : 1. 13,3 Weiß, Siegrid, SV 98 Da.; 2. 13,5 Schneider, Hildeg., 46 Gr.-Gerau; 3. 13,7 von Dojmi, Karin, SV 98 Da.; 4. 13,9 Trumpfheller, Eifr., Erbach; 5. 14,1 Thomas, Margot, 46 Da.; 6. 14,2 Zeunert, Grete, Langen. HO Meter Hürden: 1. 14,2 Schneider, Hildeg., 46 Gr.-Gerau.

4 m a 1 100 Meter: 1. 54,5 SV 1898 Darmstadt (Diemer, Fey, v. Dojmi, Weiß); 2. 56,0 TV 46 Gr.-Gerau; 3. 57,7 TSG 46 Darmstadt; 4. 60,8 SV 98 Darmstadt II; 5. 62,6 TSV Pfungstadt. Weitsprung: 1. 4,73 Schneider, Hildeg., 46 Gr.-Gerau; 2. 4,57 Trumpfheller, Eifr., Erbach; 3. 4,46 Weiß, Siegrid, SV 98 Da.; 4. 4,42 v. Dojmi, Karin. SV 98 Da.: 5. 4,23 Vollhard, Margret, 46 Gr.-Gerau; 6. 4,18 Thomas, Margot, 46 Darmstadt.

Hochsprung: 1. 1,30 Thomas, Margot, 46 Darmstadt; 2. 1,30 Stein, Anni, SV 98 Da.; 3. 1,25 Trumpfheller, Eifr., Erbach.

Kugelstoßen: 1. 8,76 Thomas, Margot, 46 Da.; 2. 7,31 Agnes, Dorothea, Münster; 3. 7,28 Schneider, Hildeg., 46 Gr.-Gerau; 4. 7,18 Bergmann, Elisab., 46 Da.; 5. 6,88 v. Dojmi, Karin, SV 98 Da.; 6. 6,72 Stein, Anni, SV 98 Da. Speerwerfen: 1. 15.90 Pluymert, Annemarie, SV 98 Da.; 2. 15,90 Stein, Anni, SV 98 Darmstadt.

Diskuswerfen: 1. 27,56 Thomas, Margot, 46 Da.; 2. 25,48 Hauck. Lore, Gr.-Bieberau; 3. 19,50 Agnes. Dorothea, Münster; 4. 19,45 König, Friedel. Erbach; 5. 18,19 Stein, Anni, SV 98 Darmstadt.

Jugend B (1934/35) weiblich

100 M e t e r : 1. 13,5 Sauer, Renate, SV 98 Da.; 2. 13,6 Diemer, Anneliese, SV 98 Da.; 3. 13,6 Kopp, Inge, SV 98 Da.; 4. 13,8 Speer, Lotte, SV 98 Da.; 5. 13,8 Fey, Vera, SV 98 Da.; 6. 13,8 Volkert, Käthe, Langen.

DO Meter Hürden: 1. 14,1 Fey, Vera, SV 98 Da.; 2. 14,8 Speer. Lotte, SV 98 Da.; 3. 14,9 Hildebrandt, Walburga, SV 98 Da.

HO Meter Hürden: 1. 15,2 Speer, Lotte, SV 98 Da.; 2. 15,4 Hildebrandt, Walburga SV 98 Da.

4 ip a 1 100 M e t e r : 1. 54,6 SV 98 Darmstadt (Sauer, EiSele, Speer, Kopp), 2. 59,0 SSG Langen; 3. 59,6 TV 62 Langen; 4. 60,1 SG Arheilgen; 5. 61,9 SV 98 Darmstadt II (Schnell, von der Au, Wagenknecht, Hildebrandt); 6. 63,1 TV 46 Groß-Gerau.

Weitsprung: 2. 4,78 Fey, Vera, SV 89 Da.; 1. 4,78 Moter, Anni, 46 Groß-Gerau; 8. 4,64 Sauer, Renate, SV 98 Da.; 4. 4,56 Speer Lotte, SV 98 Da.; 5. 4,52 Diemer, Anneliese, SV 98 Da.; 6. 4,42 Frühwein, Katharina, Münster.

Hochsprung: 1. 1,42 Eisele, Brigitte, SV 98 Da.; 1,40 Hildebrandt, Walburga, SV 98 Da.; 3. 1,30 Speer, Lotte, SV 98 Da.; 4. 1,25 von der Au, Elisabeth, SV 98 Da.; 5. 1,20 Schneider, Emma, Münster; 6. 1,20 Fey, Vera, SV 98 Da.; 7. 1,20 Berger, Gertrud, 65 Bessungen; 8. 1,20 Schledt,

Luise, Münster; 9. 1,20 Sauer, Renate, SV 98 Da. Kugelstoßen: 1. 8,90 Herd, Maria, Münster; 2. 8,75 Duddenhöfer, Else, Pfungstadt; 3. 8,45 Volkert, Käthe, Langen; 4. 8,30 Berger, Gertrud, 65 Bessungen; 5. 8,25 von der Au, Elisabeth, SV 98 Da.; 6. 7,63 Steinbach, Irma, 46 Da.; 7. 7,63 Speer, Lotte, SV 98 Da.

Speerwerfen: 1. 31,09 Herd, Maria, Münster; 2. 26,31 Sauer, Renate, SV 98 Da.; 3. 24, 51 Speer, Lotte, SV 98 Da.; 4. 20,83 von der Au, Elisabeth, SV 98 Da.; 5. 19,65 Schardt, Doris, SV 98 Da.

Diskuswerfen: 1. 27,90 Herd, Maria, Münster; 2. 26,96 Steinbach, Irma, 46 Da.; 3. 26,31 von der Au, Elisabeth, SV 98 D.; 4. 23,88 Gilbert, Aenne, 46 Groß-Gerau; 5. 23,78 Fey, Vera, SV 98 Da.; 6 . 22,20 Höhner, Wilhelmine, 46 Groß-Gerau.

Ballweitwerfen: 1. 69,00 Herd, Maria, Münster; 2. 56,50 Hauck, Lore, Gr.-Bieberau; 3. 56,00 Sauer, Renate, SV 98 Da.; 4. 54,50 Schnell, Inge, SV 98 Da.; 5. 51,00 Hildebrandt, Walb., SV 98 Da.; 6. 47,00 Eisele, Brigitte, SV 98 Da.

Schülerinnen A (1936/37)

100 Meter: 1. 13,9 Seifert, Brigitte, SV 98 Da.; 2. 14,6 Weckbach, Vera, SV 98 Da.; 3. 14,6 Möhlenbeck, .Renate, SV 98 Da.; 4. 14,7 Gönner, Helga, SV 98 Da.; 5. 14,9 Rohleder, 46 Da.; 6. 15,2 Kröh, TG 75 Da.

4 mal 100 Meter: 1. SV 98 Darmstadt (Schiel, Weckbach, Seifert, Möhlenbeck) 57,6;

2. SV 98 Da. II (Lehe, Mueller, Dölp, Flemmig) 61,5; 3. TG 1875 Darmstadt, 62,5; 4. SV 98 Da. 111 (Schindel, Reinhardt, Eckert, Kalbe) 64,0; 5. TSG 46 Darmstadt, 67,5.

Weitsprung: 1. 4,54 Seifert, Brigitte, SV 98 Da.; 2. 4,30 Weckbach, Vera, SV 98 Da.; 3. 4,24 Möhlenbeck, Renate, SV 98 Da.; 4. 4,14 Gön-

ner, Helga, SV 98 Da.; 5. 4,03 Dölp, Ingrid, SV 98 Da.; 6. 3,90 Linke, Hiltrud, 46. Da.

Hochsprung: 1. 1,30 Möhlenbeck, Renate, SV 98 Da.; 2. 1,25 Dölp, Ingrid, SV 98 Da.;

3. 1,23 Rohleder, 46 Da.; 4. 1,20 Weckbach, Vera, SV 98 Da.; 5. 1,20 Schäfer, SV 98 Da.; 6. 1,20 Gönner, Helga, SV 98 Da.

Kugelstoßen: 1. 7,00 Weckbach, Vera, SV 98 Da.; 2. 6,32 Seifert, Brigitte, SV 98 Da.

Diskuswerfen: 1. 20,78 Walk, Eva, SV 98 Da.; 2. 20,20 Weckbach, Vera, SV 98 Da.

Speerwerfen: 1. 17,75 Walk, Eva, SV 98 Da.

Hessen-Toto

Im 25. Wettbewerb vom Hessentoto, der mit seinen Quoten an erster Stelle von sämtlichen Totos steht, sind mehrere hundert Gewinne ausbezahlt worden. Allein an die Hauptstelle Darmstadt gingen folgende Gewinne: 1 Gewinn im 1. Rang 6727 DM, 33 Gewinne im 2. Rang 79,50 DM, 234 Gewinne im 3. Rang 9,10 DM.

Sport in Kürze

Zu einem imponierenden Erfolg kam die Ringerstaffel von Rußland, die in Helsinki Finnlands Nationalmannschaft mit 7:1 Punkten bezwang.

Irlands Amateurboxer verzichteten im Kampf mit England, den sie in London mit 8:8 unentschieden beendeten, auf den Leichtgewichts-Europameister McCullagh. *

Die wiederholt vertagte Gründungsversammlung der Dachorganisation des Deutschen Sports soll jetzt im Einverständnis aller beteiligten Organisationen vom Präsi. dium der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport für den 10. Dezember 1950 nach Hannover einberufen werden

Die 4mal- 1500-Meter -Rekordstaffel von Rot-Weiß Oberhausen ist geplatzt, nachdem Klömpken seinen Austritt aus dem Verein erklärte.

* Das dem Sieger im Deutschen Spring-Derby, Thiedemann (Elmshorn), vom Bundespräsidenten verliehene silberne Lorbeerblatt wird ihm der als Turnierreiter bekannte Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Dr. Bartram, überreichen. *

Altmeister Gustav Jänecke wird auch in diesem Winter die Eishockeymannschaft des SC Riessersee aktiv verstärken.

Feuilleton

Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himnjeln ferne Gärten; sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke



Das neue Dogma

Über das neue Dogma, das durch Papst Pius XII. am 1. November, am Fest Allerheiligen, feierlich verkündet wird, sprach Pater Semmelroth S. J. in der St. Liebfrauenkirche. Die autoritative Erklärung, daß Maria unmittelbar nach ihrem Tode mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde und in Verklärung die Seligkeit des Jenseits genießt, stelle die Kirche mitten hinein in unsere Zeit, in der sich das Suchen der Menschheit nicht um einzelne Glaubenssätze bewege, sondern der Mensch in der ganzen Totalität seiner Existenz in Frage stehe. Mit dieser Glaubenswahrheit wende sich die Kirche gegen die Bedrohung der Würde des Menschen und gegen die Grundirrtümer unserer Zeit, die den Menschen als unpersönliches Werkzeug ohne Achtung vor seiner Freiheit entwerten wollen. In Maria, der Mutter Gottes, stelle die Kirche eine ganzheitliche Gestalt vor die Menschen hin, in der Gott seine Auffassung vom Menschen niedergelegt habe.

Die Kirche stütze sich in ihrem Glauben an die leibliche Aufnahme Mariens allein auf göttliche Offenbarung. Zu der Tatsache, daß in der Heiligen Schrift nichts von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel stünde, erklärte Pater Semmelroth, daß die göttliche Offenbarung sich nicht auf das Wort Gottes in der Heiligen Schrift beschränke, sondern sich auch auf die mündliche Ueberlieferung beziehe, auf das von Mund zu Mund weitergetragene Wort. Bis ins 5. Jahrhundert hinein sei der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel verfolgbar. In den letzten Jahrzehnten sei in allen Ländern eine Fülle von theologischer Literatur . über diese Frage herausgekommen. Das Dogma stehe also nicht herausgelöst aus dem Rahmen aktueller Erörterungen der katholischen Kirche, sondern am Ende einer langen Zeit kirchlichen Glaubenslebens.

Während der Katholik in Christus das Urbild der Offenbarung erblicke, sähe er in Maria das Urbild des erlösten Menschen, der sich in der Gotteskindschaft der Seele befand und in eigener Freiheit und Entscheidung als Vorbild und im Namen der Kirche und der ganzen Menschheit Gott sein Jawort gegeben habe.

Mit der Verkündigung des Dogmas weise die Kirche den Menschen daraufhin, daß sein wahres Ziel bei Gott liege, und daß er, um zur Erlösung zu gelangen, in freier Entscheidung sein eigenes Jawort in Beugung unter Gottes Gesetz geben müssen, damit er einst die Verklärung von Leib und Seele im Jenseits finden werde. t-s

Neue Filme

VUNION

Madonna in Ketten. Ein wunderbarer Stoff, zur Gestaltung eines Filmdramas wie selten einer geeignet. Das tragische Schicksal einer Mutter, die schuldlos in Schuld verstrickt wird und dafür mit langen Gefängnisjahren und seelischer Not büßen muß, erfährt leider trotz der teilweise so überzeugenden Leistungen prominenter Darsteller wie der Flickenschild, der Koch oder Richard Häußler nicht die Ausdeutung, die man sich wünschen könnte. Zu oft werden Töne laut, die den Zuschauer in ihrer Plattheit peinlich berühren. Hervorragend Elise Auli ng e r als Mutter Nickel. Bei aller negativen Kritik aber ein Film, den es zu sehen schon verlohnt. Cr. •

THALIA

Anna Karenina. Zweimal spielte die Garbo jene Anna Karenina, die in einer schon morbiden Welt ihrer großen Liebe alles opfert. Tolstoi schien im voraus diese Rolle für die große Tragödin geschaffen zu haben. Aber diese Filme waren nur „Greta-Garbo-Filme“. Neben ihr versanken alle anderen Figuren und ihre Darsteller.

Anders in dieser dritten Fassung. Vivien Leigh agiert nicht mit den alles erdrückenden Mitteln der Garbo, sie stellt ihre Anna Karenina — zwar sich dabei außerhalb der Gesellschaft stellend — doch auch wieder mitten in die Gesellschaft hinein. Und so kommt es, daß die Figur des Fürsten Karenin (Ralph Richardson) zu der Wirkung kommt, die ihm Tolstoi zugedacht haben mag.

Julien Duvivier führt geschickt Regie, die Musik ist ausgezeichnet, nur der Kameramann hätte sich etwas mehr Mühe geben dürfen. -b-

Sphärenklänge oder klagender Gräberton?

DIE GLASHARMONIKA, DAS INSTRUMENT DER WERTHERZEIT

Die in der an Merkwürdigkeiten so reiche Epoche des „Sturm und Drangs“ in der „Wertherzeit“, erfundene Glasharmonika war ein eigenartiges Instrument. Mit ihrem von Obertönen fast freien ätherischen Klang war sie vorzüglich geeignet, „empfindsame Seelen“ noch mehr zu rühren. —

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts spielte man in Wirtshäusern gelegentlich auf Weingläsern, die man durch entsprechendes Fullen abstimmte, Melodien. Als Benjamin Franklin (1706—1790, er war Seifensieder, Schriftsteller, Erfinder des Blitzableiters und Politiker), 1762 als amerikanischer Volksvertreter in London weilte, hörte er in einem Gasthof einen Reisenden, Mr. E. Delaval, „Arien“ auf Weingläsern spielen. Begeistert von dem Klang, machte Franklin sich sofort daran, ein Musikinstrument zu bauen, das jenem Klangideal entsprach und den Vortrag mehrstimmiger Musikstücke gestattete.

Nach jahrelangen Versuchen war die Konstruktion der Glasharmonika gelungen. Das Instrument bestand aus 30 fast halbkugelförmigen Glaskugeln, deren Durchmesser 9 bis 25 Zentimeter betrug, was einem Tonumfang von 2V2 Oktaven, von c bis f 2 ergab.

Franklins Verwandte, Marianne Davies, reiste mit diesem Instrument in Europa umher und entfesselte Stürme der Begeisterung. Joseph Philipp Frick, Joseph Aloys Schmittbauer, Kapellmeister des Markgrafen von Baden und dessen erblindete Schülerin Marianne Kirchgeßner machten das neue Intrument in den Konzertsälen in Deutschland bekannt. Von ihr schrieb der Chemnitzer Professor F. K. Bartl: „Unter ihren Fingern reift der Ton zu seiner vollen Zeitigung und stirbt so lieblich dahin wie Nachtigallenton, der mitternachts in einer schönen Gegend verhallt“. Selbst am Weimarer Hof war man entzückt von der Glasharmonika.

Bei den wöchentlichen Musikabenden im Hause Breitkopf (Musikverlag Breitkopf & Härtel, Leipzig), an denen Goethe während seiner Studienzeit in Leipzig regelmäßig teilnahm, ist dieses Instrument erklungen. Es wurden nicht nur aus dem vorhandenen Musikschatz für die Harmonika geeignete Sätze ausgewählt, sondern es erschienen eine Anzahl Stücke für die Harmonika. Schon als Gluck sich am 14. April 1746 bei einem Benefizkonzert in London als Virtuose auf 26 Weingläsern hören ließ, wurde für diesen Tag ein Konzert komponiert.

Auch Mozart opferte dem Zeitgeist. Im Verlag Joh. Gottlob Breitkopf, Leipzig, erschien von ihm ein Adagio und ein Quintett für die Harmonika. J. G. Naumann 1786 zwölf Sonaten und J. L. Röllig 1889 „Kleine Tonstücke für die Harmonika“ im selben Verlag heraus.

Die Wirkung dieses Instruments grenzt ans Fabelhafte, versicherte Röllig und nannte einige Beispiele: Zwei in bitteren Streit geratene Freunde umarmten sich in überströmender Leidenschaft beim Ertönen der Harmonikaklänge, eine Dame fiel nach einigen Akkorden in Ohnmacht, ein ohnmächtiger Mann wurde ins Bewußtsein zurückgerufen, ein schlafendes Mädchen wurde durch die Septimenakkorde aufgeweckt, wild schreiend stürzte es davon. Ein Hund fiel in konvulsivische, epileptische Zuckungen. — In der Tat hatte die Harmonika eine gesundheitsschädigende Wirkung. Fast alle Virtuosen mußten nach einigen Jahren das Spiel

aufgeben. Der frühe Tod der schönen Ch. Fr. Bause, Tochter eines bekannten Leipziger Kupferstechers, wurde auf die nervenzerrüttende Wirkung des leidenschaftlich betriebenen Harmonikaspiels zurückgeführt. Auch Röllig mußte gestehen, daß das Harmonikaspiel seine Gesundheit ruiniert habe: „Anhaltendes Beben der Nerven, Zucken der Muskeln, Schwindel, Krämpfe, Geschwulst und Lähmung der Glieder waren stufenweise Folgen, in die mich eine zu heftige Leidenschaft für das Instrument stürzte“.

Trotzdem blieb die Harmonika jahrzehntelang „Mode“. Alle Theoretiker traten für sie ein, in der Dichtung der Zeit spielte sie eine erhebliche Rolle (Jean Paul, Wieland, Schubert u. a.). Schubert war allerdings der erste, der nicht restlos begeistert war, er gestand 1785: „Der ewig heulende Gräberton macht das Instrument zu einer schwarzen Tinte, zu einem großen Gemälde, wo in jeder Gruppe sich die Wehmut über einen entschlafenen Freund beugt“. — Erst als die Werthergeneration vom Schauplatz des Lebens abgetreten war und nachdem man um 1810 das Harmonium erfunden hatte, verschwand die Harmonika allmählich. Resigniert, wehmütig schrieb Billert: „Mit der Eisenbahn zog ins Abendland ein Virtuosentum, das Sinnigkeit im Tonleben auf die Dauer verbannte“. erh



Das Antlitz hinter den Stäben

VON DOROTHEA HOLLATZ

Jeden Morgen auf dem Gang zur Arbeitsstätte führte Lehnerts Wgg am Gefängnis vorbei, er war es von jung auf nicht anders gewohnt. Ueber die Mauer längs der Straße ragten zwei rote Backsteingebäude hoch, am verschlossenen Doppelportal war die Tafel mit den Besuchszeiten angeschlagen, aus dem unsichtbaren Hof drang kein Laut in die Welt der Freien.

Als Marianne zum ersten Male mit ihrem Mann diesen morgendlichen Weg ging, hob sie den Blick zu den Fenstern, deren blinde Scheiben zum Teil zur Seite geschoben waren und einen Ausguck freiließen. „Wie gräßlich, daß man von da aus auf die Straße herunterschauen kann.“

„Wieso?“ fragte er, „wer kann das und wo denn?“ Marianne zog ihren Mann zwei Schritt zurück, und die Ruine einer Hauswand gab ein Stück Gefängnismauer den Blicken frei mit zweimal drei Fenstern im Quartformat. An einem dieser Gitter lehnte ein Kopf, ein Gesicht, ein Menschenanlitz. Marianne wies hinauf.

„Hab’ ich noch nie darauf geachtet“, lenkte Lehnert ab, „und ich bin ja bisher immer mit dem Rad gefahren, da geht das viel zu schnell.“ — „Und mir zuliebe willst du von. nun an gehen?“ — „Wenn es sich mit der Zeit irgend machen läßt. Später, wenn du auch ein Rad hast, fahren wir zusammen.“

So gingen sie Morgen für Morgen, und immer lehnte an den Stäben des mittleren Fensters das graue Gesicht, es haftete da wie angeleimt in der Höhe, wie ein an die Mauer geklebtes trauriges Reklamebild, unbeweglich, ausdruckslos. Einmal war es, als bewegte sich der Kopf langsam hin und her.

Marianne hielt im Schritt inne: „Du, eben hat er den Kopf geschüttelt.“ — „Wer denn?“ fragte Lehnert, obwohl er die Antwort schon im voraus wußte. — „Da oben, der Gefangene.“ — „Ist es denn ein Mann? Ich habe allerdings nie so genau...“

Am nächsten Morgen sagte Marianne: „Es ist ein Mann. Und weißt du wer? — Der alte Kien aus unserem Werk, den sie vor ein paar Monaten geholt haben. Ich weiß es noch ganz genau. Es war ja auch zu dumm von ihm. Ausgerechnet Radioröhren. Keiner hat es ihm zugetraut.“ Der Mann zog sie schnell weiter, als dränge die Zeit. „Ja, es war dumm von ihm. Na, es macht eben jeder ma1...“

So begegneten sich ihre Blicke, stumm und beredt zugleich, jeden Morgen fast um die gleiche Minute, aber man war zu weit von einander, daß man sich hätte grüßen mögen; auch wollte man kein Aufsehen machen; möglicherweise wäre es dem Gefangenen zur Last gelegt worden. Eine Woche lang hielt Lehnert es aus, dann nahm er wieder sein Rad: „Das Gehen strengt doch sehr an, man muß auch

mit der Zeit rechnen. Du kannst ja vielleicht die Sieben nehmen, bis du auch ein Rad hast.“ Er sah seine Frau erst an, nachdem sie geantwortet hatte: „Du willst Kien nicht mehr sehen, das ist es.“

„Warum soll ich ihn denn nicht mehr sehen' wollen, den armen Tropf?“ Marianne schwieg. Ein Schatten hatte sich in ihre junge Ehe gedrängt, der sich gespensterhaft ausweitete. War es Angst oder Mißtrauen? War es mehr als Ahnung, war es ein Wissen? Nach Tagen fragte Lehnert: „Steht er immer noch da?“ und seine Frau gab zur Antwort: „Bis man ihn freigibt“, und diesmal wich einer dem Blick des andern aus.

In der kleinen Werkssiedlung sprach es sich schnell herum: das Enkelkind des alten Kien war einer Krankheit anheimgefallen, für die ärztliches Wissen keine Erklärung finden konnte; ein schnelles Abnehmen der Kräfte, ein Hinsiechen und unerklärliches Sichauflösen, und nur das flehend hingehauchte Wort: „Großvater“ schien das Leben des kleinen Mädchens zu halten.

Am Abend erzählte Marianne es ihrem Mann: „Denk nur, die Kleine von drüben wird sterben, sie lischt einfach so aus. Sie sollte noch weggebracht werden, aber die alte Frau Kien hat es nicht geduldet. Sie hat doch nur dies Letzte. Und die Kleine ruft dauernd nach dem Großvater. Ob Sterbende alles wissen?“ „Was meinst du damit?“ fragte der Mann.

„Ich meine, ob die Kleine am Leben bleibt, wenn der Großvater zu ihr zurückkäme? Die alte Kien wird es niemals glauben, daß ihr Mann ... Aber das Kind, wie ist es damit?“ Als sie sich umsah, war der Platz ihres Mannes leer.

In dieser Nacht sagte er es. Er sprach es leise in die Schwärze der Stunde. Sprach es zu seiner Frau, zu sich selbst, zu den irdischen Richtern oder zu Gott? „Ich muß nun hingehen und es sagen, ich kann ja nicht auch noch einen Mord auf mich nehmen. Ich war es... Ich habe ihm die Röhren in die Tasche gepackt,, er hatte eine Vertrauensstellung... er trug sie nur hinaus. Er sollte später seinen Teil abbekommen, aber er nahm nichts an...

Er hat es mir zuliebe getan... wir lagen früher nebeneinander im Osten, er war über fünfzig, da hab’ ich ihm manchmal helfen müssen. Er hatte keinen Sohn, und ich hatte keinen Vater. Und später hatte ich Schulden, und ich wollte heiraten, es kam so vieles zusammen. Er hat mich nicht verraten, als sie die Dinger bei ihm fanden, das ist das Schlimmste daran. Er hat einmal gesagt, er liebe mich wie einen Sohn, und das hat er wohl damit gemeint. Und ich ... als sie ihn holten, hab’ ich den Mund nicht aufgemacht. Er hat mich nur einmal über die Schulter angesehen, so wie morgens vom Fenster aus, wenn er uns gehen sah. Und nun soll ihm das Kind sterben, das nach ihm verlangt? Ich muß nun gehen ...“

Nach langer Pause kam es von weither: „Ich habe es geahnt. Als ich Kiens Gesicht hinter den Stäben erkannte, krümmte sich alles in mir zusammen. Ja, ich habe es gewußt. Und nun?“

Der Mann erhob sich, trocknete die schweißbegossene Stirn und tastete nach seinen Sachen. Er machte Licht und löschte es wieder. Flüsternd neigte er sich der Frau zu: „Armes Ding du, so kurz verheiratet... Aber ich muß nun gehen, ich muß es sagen.“

„Warte doch, bis es Tag ist, es bleibt noch manches zu besprechen. Es wird dich mitten in der Nacht niemand anhören.“ „O, doch“, seufzte der Mann, der seine Freiheit dem abtrat, dem sie zustand, „in jeder Nacht bisher hat es einer gehört.“ Und er ging, schnell und leise, dem Rufe nach.

Syrische Hirtenlegende

VON SASCHA

Im schwarzen Kraushaar nistet ein dunkelroter Fez, daran hängt eine Quaste; die wippt Mehoud im Nacken. Geschickt tupfen seine braunen, schmutzigen Finger Melodien von der Schalmei. So Wie ihm der Sinn ist, klingen seine Lieder.

Aus dem Augenblick geboren, verspielen sie auf Nimmerwiederhören zwischen den Tempelruinen. Nicht einmal über die geborstenen Säulen hinauszufliegen vermögen Mehouds bescheidene Genien. Der gefräßige Milan, der hoch am Himmel kreist, erwürgt mit Raubgeschrei die Klänge der Hirtenflöte. Mehoud kümmert es nicht. Ihm genügt sein Lied und sein Leben. Hier auf dem zertrümmerten Opferaltar einer entthronten Gottheit ist sein liebster Aufenthalt. Die Reste unverständlicher Symbole schrecken den Hirtenknaben nicht; wenn auch seine Mutter ihn beschwor, nicht herzugehen, wo unheimliche Geister und Dämonen hausen sollen. Doch Frauen haben nur ein Drittel der Männerweisheit, kündet der Koran, und Mehoud hofft, daß Allah ihm gnädig bleibt. Auch besitzt er seine Steinschleuder. Die Burschen im Dorf fürchten seine Waffe und wagen nicht, Mehoud zu verspotten ob seiner Neigung noch mehr Einsamkeit zu suchen, als Allah den weltabgeschiedenen Flekken bereits bestimmt hat. Mehoud weiß, daß man ihm in den Hütten heimlich mißtraut und flüstert,

er sei mit den Djinns und Dämonen der verfallenen Tempel im Bunde. Der Gedanke erhellt sein dunkles Gesicht. So lange die anderen sich fürchten, betreten sie nie diese Weiden und seine Schafe gedeihen weiterhin am besten von allen Herden des Stammes. Denn weit und breit wachsen keine edlen Kräuter, wie zwischen den Hügeln mit den marmornen Säulenresten. Wie ein Pascha fühlt Mehoud sich. Sein Blick schweift über seine Untertanen. Sje weiden friedvoll.

Nur die Widder recken dann und wann die gehörnten Köpfe. Auf dem sandroten Bergrücken endet für Mehoud die Welt und das Reich seiner Gedanken. Ja, er vergißt bisweilen, daß der Tempel einer fremden Gottheit geweiht war und nimmt seine großartigen Ausmaße hin, als seien sie für ihn gewachsen, so wie die Kräuter für seine Herde.

Ours, der Ziegenbock wittert unruhig, seine Ohren spielen. Die grüngoldenen Rechtecke der Pupillen schillern im Sonnenglast. Auch die Widder halten ein mit Aesen und verhoffen! Ist ein Luchs am ,hellen Tage so dreist!? ...‘ denkt Mehoud. Er legt die Flöte aus der Hand und greift nach der Steinschleuder. Die ganze Herde steht und äugt gebannt gen Sonnenuntergang. Jetzt vernimmt auch Mehoud, daß in der glastigen Luft ein Summen vibriert. Er vermutet einen Heuschreckenschwarm oder...

Da beginnt Ours erschreckt zu blöken und zugleich bricht die Herde aus. Die Tiere flüchten in die dornenbewachsenen Hänge, ohne sich um die hinterherhüpfenden Lämmer zu kümmern. Noch nie erlebte Mehoud seine Herde so in Angst.

Noch nie sah er ein Ungeheuer, wie es da zum Tempel heraufrast. Feuerrot, mit vielen glasigen Augen und einem Gebrüll

und Geheul wie tausend brünstige Kamelhengste! Es naht so ungeheuerlich in einer Wolke von Gestank, Staub und Qualm, daß Mehoud eine Flucht unmöglich scheint. Ueberdies flieht kein guter Hirte, und das ist Mehoud. Er gedenkt

der Warnung seiner Mutter vor den Dämonen. Mehoud fleht Allah zu Hilfe und schwingt seine Schleuder. Die gewichtigsten Kiesel wählt er, zielt auf die Augen des Dämonen — und gelobt sei Allah! Mehoud trifft gut. Wie rohe Eier zerplatzen die böse glitzernden Pupillen!

Unter der Reisegesellschaft bricht Panik aus, als die Steine die Fenster durchschlagen. Miß Watson fällt in Ohnmacht, da dem Mynheer van der Velden neben ihr das Blut aus der klaffenden Kopfhaut strömt. Mademoiselle Dupont jammert ununterbrochen „Mama“ im höchsten Diskant. Selbst der forsche Mister Cook verliert die Nerven. Er will sich seiner Haut wehren, zieht seinen Revolver und schießt auf den „verdammten Nigger“ da obgn. Zum Glück behält der Chauffeur die Gewalt über den Autobus, wendet und jagt, so schnell die miserablen Wegeverhältnisse es erlauben, als säße ihm der Leibhaftige im Nacken, ohne Halt zum nächsten Genda^merieposten. Hier bekommt Mynheer van der Velden erste Hilfe und der verblüffte Sergeant verworrene Berichte über aufständische Eingeborene. Zum Helden des Tages avanciert Mister Cook. Die Bewunderung der Damen tut ihm sehr wohl.

Der Sergeant reitet mit seinen Leuten schwerbewaffnet auf Kundschaft. Sie finden auf den Stufen der Tempelruine nur einen toten Hirtenknaben. Seine Hand umkrampft eine Steinschleuder und neben ihm liegt eine zerbrochene Schalmei. „Andere Waffen oder weitere Aufständische wurden nicht entdeckt“ schreibt der Sergeant in seinem Rapport.

Am Fuß der Stufen rastet friedvoll die Herde, und den Altar netzt seit Jahrtausenden wieder einmal Blut. Es leuchtet im Schein der untergehenden Sonne.



Literaturblatt

Wirken und lieben

Dorothee von Velsen: „W i r leben eine Spanne Zei t“, Roman, 448 S., bei Rainer-Wunderlich-Verlag Hermann Leins, Tübingen und Stuttgart.

Unter seinen Neuerscheinungen zum Herbst legt der Rainer- Wunderlich-Verlag diesen Frauenroman vor, ganz im Sinn seines Programms, der für modisch erachteten depressiven Literatur Werke gegenüberzustellen, in denen neben der Wahrheit des Furchtbaren auch die des Guten und Schönen lebt.

Die Autorin, von Hause aus Historikerin, führt uns in das Leben einer Kaufmannswitwe, Felizitas, und deren Tochter Annette. In einem einsamen, jedoch sorglosen und gesicherten Dasein werden beide im Frankreich des Jahres 1939 vom Krieg überrascht. Sie erleiden das Millionenschicksal unserer Tage: Internierung und Flucht inmitten der Armeen einer zusammengebrochenen Nation. Annette, von ihrer Mutter schon innerlich durch die Liebe zu einem Mann gelöst, wird im allgemeinen Chaos auch äußerlich von ihr getrennt und findet durch ein dunkles Geschick in Paris nach dem Waffenstillstand den Tod. Die Mutter Felizitas, eine tief empfindende, innerlich reiche Frau, tritt an der Seite eines Franzosen in ein neues Leben.

In melodiöser, ausdrucksstarker Sprache läßt die Autorin die Schauplätze, eine Fischerinsel an der Bretagne, Bordeaux und ein südfranzösisches Städtchen, plastisch erstehen. Aber wichtiger als die farbigen Ortsschilderungen und wichtiger als der abenteuerliche Gang der Geschehnisse sind die innere Entwicklung und die aus den Entscheidung fordernden seelischen Begegnungen mit Liebe und Tod, mit Gut und Böse gewonnenen Erkenntnisse der grüblerischen Felizitas —■ vom Wesen Annettes erreicht den Leser leider zu wenig.

In vielen aufgezei^hneten Gesprächen und Meditationen gibt hier eine gereifte Schriftstellerin eine Fülle tiefer Gedanken, die Trost und Richtung geben können. „Wir leben eine Spanne Zeit. In ihr sollen wir wirken und lieben.“ Mit diesen Worten des Mannes, dem Felizitas die Hand reicht, endet das Buch. rw. *

* Jean: Giono: „Der Träume r“, Roman, übersetzt von Käthe Rosenberg, Suhrkamp-Verlag, vorm. S. Fischer, 9. bis 13. Auflage, 261 Seiten, Pappbd , 7,50 DM.

Die Neuausgabe einiger Werke von Jean Giono wird vom Verlag mit dem „Träumer“ begonnen. Giono ist den deutschen Lesern seit langem bekannt, in den dreißiger Jahren erregte er mit seinem Buch „Ernte“ die Aufmerksamkeit eines breiten Leserpublikums. „Der Träumer“ ist Jean Giono selbst, der hier seine Kindheitserinnerungen aus der Provence niederschreibt. Im Lichte seines kindlichen Gefühls, das er bereitwillig den täglichen Erscheinugen seines Lebens darbietet, gewinnen die Dinge ein eigenartiges Gewicht. Giono führt uns in seinem Buch zurück zu den Quellen unserer eigenen Kindheit, zu jenen wundersamen Begebenheiten, die das Leben als ein heiteres und göttliches Schweben über der Wirklichkeit erscheinen lassen. Es ist weitei' ein Buch des Dankes an den Vater, der des Dichters einziger und treuester Freund war. Gionos Haltung ist von der Ehrlichkeit des Wollens bestimmt, seine Ablehnung gilt der vom Natürlichen entfernten Zivilisation. Aus vielen kleinen Episoden und visionären Bildern webt Giono den Hymnus seiner Liebe zur unzerstörbaren Erde. Sein Gott ist der Gott allen Lebens, der sich in jedem Käfer, jeder Pflanze und dem nächtlichen Sternenhimmel offenbart. Ein liebenswertes Buch, das von seinem Uebersetzer das ganze Maß der zauberhaften Sprache seines Autors mitbekommen hat. h.

Claire Sainte-Soline: „Bell e“, Roman, übersetzt von Rose Grässel, 1949, Verlag Claasen und Goverts, 294 Seiten, Ganzleinen, 11,50 DM.

Der bekannte Hamburger Verlag bringt hier ein neues Buch der beliebten französischen Autorin Sainte-Soline heraus, die uns schon mit „Antigone oder Roman auf Kreta“ überraschte. Gute Liebesromane sind sehr selten, und ein geglückter französischer Liebesroman ist zweifellos eine besondere Rarität auf bellettristischem Gebiet. Mit jener feingeistigen Durchsichtigkeit, die spezifisch für die französische Mentalität ist, wird hier das Leben einer reifen Frau geschildert, die auf der Suche nach der Harmonie des Daseins in der Liebe die einzig mögliche Erfüllung findet. Für sie ist jedes Ding ein Teil des Lebens an sich, die Blume, der Vogel, ihre Umgebung. Sie lebt ganz, lebt wahrhaftig und kompromißlos, wie es nur einer Frau gegönnt ist, die als Teil des Kosmos der Born einer allesverströmenden Liebe ist. „Belle“ ist das Sinnbild der Frau schlechthin, sie ist so weiblich, daß jede Leserin betroffen sein wird, ihr Intimstes in ihr klar widergespiegelt zu finden, und der Mann fühlt, dem Geheimnis Frau um einen großen Schritt näher gekommen zu sein.

In „Belle“ lebt noch einmal die große Tradition der französischen Romanciers auf, die Romantik einer längst vergangenen Seelenhaftigkeit, kristallklar und unbeschwert, losgelöst von irdischer Realität, nur der opfernden Liebe und dem Verstehen des Lebens vermählt. In der Uebersetzung von Rose Grässel hat der Roman nichts von der duftigen Heiterkeit der Sprache verloren, sie befreit das Wort gleichsam von der Schwere seiner Bedeurung. das sich so willig seinem geistigen Gehalt unterordnet. hfl.

„Gefährliches Blut“

Hans Bembe: „Gefährliches Blut“. 294 Seiten, Ganzleinen 6,80 DM. Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, 1950.

„Von allen Verbrechen — bekennt Goethe — könne er sich denken, daß er sie begangen habe, alle Laster sehe er möglich in sich selbst.“

Das ist das dritte Leitmotiv, welches der Schriftsteller Hans Bembe seiner psychologischen Reportage voransetzt. Es sei erlaubt, diese einordnende Spartenbezeichnung zu übernehmen, weil der Autor den jugendlichen Doppelmörder Helm berichten läßt, und dadurch die Möglichkeit zur juristisch-lyrischen Paraphrase über das Thema: „Der Mord als begriffliches Faktum krankhaften Seins“ a priori ausschaltet. Diese literarische Zurückhaltung Bembes bringt es aber fertig, endlich einmal mit aller Brutalität dem philosophischen und staatlichen Philistertum den schäbigen Mantel des kasuistischen Humanismus fortzunehmen.

Im Frühjahr 1948 erschoß der 17jährige Wilfried Helm zwei Kriminalbeamte mit deren eigener Pistole, während sie den Gefesselten in einem Auto transportierten, das mit 100 km Geschwindigkeit über die Autobahn raste. Nach seiner Wiederergreifung wurde er durchein amerikanisches Militärgericht zum Tode verurteilt. .

Richter, Psychologen, Statistiker dokterten und rätselten an dem Jungen herum der, 1945 aus dem brennenden Dresden geflohen, ein unstetes Abenteurerleben führte, aus allen Erziehungsanstalten und Polizeigewahrsamen - geradezu indianisch schlau — floh, und zwischen Garmisch, Neuyork und Bremerhaven die „Raubtierwelt“, wie er sagte, kennenlernte. • Held, in seiner Zelle noch von Abenteuern, Cowboy-Jack und seinen Pistolen träumend, der zu früh mit den sogenannten harten Realitäten des Lebens zusammenstieß, bzw. das Relativum jedweder Handlung und Tat begriff, ohne die Ethik als polares Gesetz zu kennen, erregte ob seiner fröhlichen Unbefangenheit Verwunderung oder Abscheu.

Die meisten vergaßen die Schälte kindlich-intuitiven Verstandes, der in der monströsen Lüge der Erwachsenen die Berechtigung zur kriminellen Tat zu sehen glaubt. Niemand ist praktisch in der Lage die Diskrepanz zwischen dem brennenden Dresden und dem Gesetz der Nächstenliebe zu löschen. Letzten Endes: Wi« könnte ein 17jähriger, heimatloser Junge, das genannte Leitmotiv Goethes widerlegen! _ . . _ . .

Das Buch ist erregend m der Polarität der auftauchenden philosophischen Fragenkomplexe. Sg.

„Das kleine Buch“ bei Bertelsmann

Der C. Bertelsmann Verlag Gütersloh hat, die Linie lyrischer und kurzweiliger Erzählkunst fortführend, seiner Reihe „Das kleine Buch“ mehrere neue Ausgaben hinzugefügt.

Den Bach-Freunden wird Hans Francks „Die Pilgerfahrt nach Lübeck“ Viel Freude machen, erfahren wir hier doch aus dem Leben des großen Tonmeisters, liebevoll und einfühlend erzählt, einen Abschnitt, der Entscheidung und Beglückung für ihn bedeutete. Seine fromme und freimütige Gotteskindschaft und Kunstjüngerschaft steht hell vor der beschränkten Welt der „Hoch und Wohledlen, Hoch und Wohlgelahrten, Hoch und Wohlweisen, Hochgeneigten Patrones und Herren seines Consistorii“.

Bert von Heiselers Novelle in Briefen „Vera Holm“ berichtet ohne Aufwand und mit echtem Herzton die Liebesbegegnung zweier junger Menschen, die von' jedem der beiden andersartig erlebt und gemeint wird, so daß keine Bindung daraus entstehen kann. An zwei Stellen wird die Form brieflicher Mlitteilung verlassen und unmittelbar berichtet. Trotz dieser Durchbrechung, deren innere Notwendigkeit nicht einzusehen ist, bleibt durch die sanfte Zeichnung und Verhaltenheit des Tons die Einheit des Ganzen erhalten.

Unter dem Titel „Die Blume Türkenbund“ sind 16 Anekdoten und Kurzerzählungen von Paul Anton Keller im Kleinen Buch 9 zusammengefaßt. Humor durchsonnt sie, mit Schmunzeln und herzhaftem Lachen über Menschliches, Allzumenschliches beschenken sie und erschließen durch die meisterlich geformte Sprache Lebensweisheit und manches heimlich verborgene Weh,

Paul Ernst erzählt auf etwa, 70 Seiten buntfarbene, vergnügliche Geschichten. „Lange Rübe und andere Spitzbuben“ ist die Sammlung überschrieben und führt uns nach Italien, wo — wenn die Geschichten nicht lügen — die Gaunerstückchen zur täglichen Lebenswürze gehören und „Diebstahl“, „Betrug“ viel zu ernstbeladene Worte sind für die Streiche kindhaft auf das Ihre bedachter Gemüter. Di

Wer ist dieser B. Traven?

B. Traven: „Rebellion der Gehenkte n“. Roman, 340 Seiten, Ganzleinen, 8,50 DM. Europäische Verlagsanstalt GmbH., Hamburg 1.

B. Traven hat bisher fünfzehn Bücher geschrieben, die, in zwanzig verschiedene Sprachen übersetzt, überall wegen ihres eigenartigen und spannenden Inhalts begeistert gelesen werden. Der Name B. Traven ist ein Begriff in der Gattung der Abenteuer-Romane, aber nur der Name. Wer dieser Mann ist,- dessen Bücher in großen Auflagen über die ganze Erde gehen, daß weiß kein Mensch. Niemand kennt diesen Schriftsteller, selbst sein eigener Verleger nicht. Die größte amerikanische Zeitschrift, „Life“, hat einmal einen Preis von 5000 Dollar für den ausgesetzt, der das Geheimnis um Traven zu lösen vermöchte. Das ist nun schon längere Zeit her, aber die 5000 Dollar sind heute noch zu verdienen. Seit einigen zwanzig Jahren geht so das Rätselraten um einen der erfolgreichsten Autoren der Neuen Welt, und nicht zuletzt verdankt Traven seine Popularität gerade seiner snrusam fehüteten Anonvmität.

Eines aber kann bei aller Gerüchtemacherei als ziemlich fest angenommen werden: Traven muß lange Jahre mit den mexikanischen Indianern zusammen gelebt haben, in ihre Gedanken- und Kulturwelt eingedrungen sein, und er war wohl mehr als ihr Freund und Gast; denn ohne eine enge innere Verbindung hätten nicht seine Bücher entstehen können, die aus eigenem reichen Erfahren mit großer Anteilnahme das Leben der Eingeborenen als Thema aufgreifen und zu packenden Romanen gestalten. So auch in der „Rebellion der Gehenkten“.

Dieses Buch ist die Tragödie einer unterdrückten Bevölkerungsschicht, der Indianer Mexikos, die in die Sumpf-Urwälder verschachert werden, dort als Sklaven unter unsäglichen Strapazen und unmenschlichen Grausamkeiten ihrer Herren Mahagonibäume fällen müssen und teuflische Strafen zu erleiden haben, wenn sie das ihnen auferlegte Tagessoll nicht erreichen. Die höllischste Marter ist das „Henken“, stundenlang, an Armen und Beinen gefesselt, mit offenen Wunden — hervorgerufen durch das Auspeitschen —, Myriaden von Insekten, Ungeziefer, Moskitos und reißenden Tieren ausgesetzt. Dramatischer Höhepunkt des Romans ist die Rebellion dieser «gefolterten Menschen, für die „Gott vor 2000 Jahren nicht auf die Erde kam“, eine Rebellion, die, zunächst nur gegen ihre eigenen Unterdrücker gerichtet, sich zu einer Revolution ausweitet, von der die gehaßte Diktatur des Landes hinweggefegt wird.

Traven schreibt unerhört realistisch, malt in krassen Farben, steigert seine Schilderung ab und zur fast ins Unerträgliche. Sein Wortschatz ist — soweit das aus der deutschen Uebersetzung ersichtlich ist — der einfachen Sprache der Indianer angepaßt, wie er überhaupt seine Personen gerne selbst sprechen läßt. Aber diese Sprache wirkt wie Hammerschläge, treibt die Handlung dynamisch vorwärts.

Es gibt kaum ein retardierendes Moment, das — einem kleinen Rastplatz gleich — zum Atemholen Zeit ließe, bevor das Tempo des Buches wieder gefangen nimmt. Traven beschönigt nicht. Seine Gestalten sind vital, kraftvoll, springen den Leser an. Aber er führt auch die andere Feder, aus der heraus jene besinnlichen, warmen Worte einer vom Herzen dirigierten Anteilnahme kommen.

Neben allem Reiz des Abenteuers, dem Zauber subtropischer Exotik gibt ein Moment diesem neuen Roman Travens eine besondere Note, das auch ein Wesenszug des Autors zu sein scheint: die Idee echter, innerer Freiheit, die die Sprengung äußerer Fesseln zur Voraussetzung hat. Sie leuchtet überall als Postulat — demonstriert an den ausgebeuteten Indianern, gedacht für die ganze Menschheit — hervor und findet, wenigstens in diesem Buch, letzlich ihre Realisierung. hn.

Indiens „Große Seele“

George Catlin: „Ahinmsa — Auf Gandhis Spuren“ Originaltitel: „In the path of Mahatma Gandhi“. Uebersetzung aus dem Englischen und Bearbeitung von Adolf Haifeld, Philosophisches Reisetagebuch, Axel Springer, Verlag, Hamburg, 1949, Halbleinen, 358 Seiten.

Das vorliegende Buch ist nicht so leicht in eine Gattung der Literatur einzuordnen. Der Verlag selbst nennt es das Reisetagebuch eines Philosophen, aber es ist mehr, ist eine Auseinandersetzung des westlichen Menschen mit der Religion und dem politischen Erwachen Indiens, mit den Lehren des Hinduismus und der Lehre der „Großen Seele“.

„Ahimsa“ ist das Lebensprogramm Mahatma Gandhis, des Erneuerers Indiens, ja ganz Asiens, des vielleicht bedeutendsten Mannes der Gegenwart. „Gewaltsverneinung“ ist seine Parole gewesen, für die er jahrelang in Gefängnissen litt, und der er tragischerweise zum Opfer fiel. So wie vor zweieinhalb Jahrtausenden Gautama der Buddha das philosophische Denken seiner Zeit erneuerte und darüber hinaus eine Religionslehre stiftete, die im „nirwäna“, dem völligen Erlöschen, das letzte Heil der Seele fand, so lebte Gandhi, den die indischen Massen schon zu Lebzeiten in den Himmel ihrer Götter rückten, seiner riesigen Zahl von Anhängern die Lehre reiner Menschlichkeit vor.

Man muß die Situation der Inder um die Jahrhundertwende verstehen, um begreifen zu können, welchen entscheidenden Einfluß Gandhi auf die Massen seiner Landsleute ausübte. Sein Ruf begründete sich mit seinem Eintreten für die in Südafrika ansässigen Inder, die er in der indischen Kongreßpartei von Natal zusammenschloß und ihnen so zu ihren Rechten verhalf. Er selbst sagte darüber: „Ich war nach Südafrika gegangen, weil ich mancherlei Ränken entrinnen und mir meinen Lebensunterhalt verdienen wollte. Statt dessen war ich zu einem Gottsucher geworden, der sein eigentliches Selbst verwirklichen wollte... Mehr und mehr begann ich die unbegrenzten Möglichkeiten allumfassender Liebe zu begreifen.“ Dieses Dienen um der allumfassenden Liebe willen wurde zum Kernpunkt seiner Lebensführung, dem Gelübbde der Enthaltsamkeit, der Lehre der Gewaltverneinung und der „satyagraha“, der Festigkeit im Dienste der Wahrheit. Gandhi war es, der den Millionen der „parias“, der Ausgestoßenen aus dem starren Kastensystem, einen Platz in der Gemeinschaft der Inder anwies. „Gewaltverneinung“ war das Schwert in Gandhis Hand, eine Lehre, die in den uralten indischen Heldenepen verkündet, und noch stärker vom Buddhismus vertreten wird.

War aber der Buddhismus nur auf das Ziel des völligen Erlöschens der Seele gerichtet, so suchte der Mahatma seine Lehre einer ethischen Aufwärtsentwicklung der Menschheit nutzbar zu machen.

Gandhis Waffe war eine fast göttliche Liebe, die er den Maschinengewehren einer realeren Welt entgegensetzte. Und diese Liebe war am Ende doch stärker als die Gewaltthesen seiner Feinde.

Gandhi starb durch Mörderhand, aber vielleicht war dieser Tod die schönste Krönung seines Werkes, seine Bereitschaft der Festigkeit im Dienste der Wahrheit. hfl

Neuerscheinungen von Hans Friedrich Blunck

Das Verlagshaus Christian Wolff (Flensburg und Hamburg) brachte zwei Neuerscheinungen des bekannten deutschen Dichters Hans Friedrich Blunck heraus. Zunächst handelt es sich um einen der erfolgreichsten Romane des Dichters über die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger „Die Große Fahrt“ und des weiteren um einen Auswahlband der schönsten Balladen Bluncks „Buch der Balladen“.


GUSTAV HAGEMANN: GEHEIMNIS DES HOHEN NORDENS Ein deutscher Maler und Graphiker, der, unter Fischern und Lappen lebend, tief in das Geheimnis des Hohen Nordens eingedrungen ist, legt in seinem Buch „Geheimnis des Hohen Nordens“ zum ersten Male Zeugnis seiner Kunst ab. Seit mehr als 20 Jahren hat er sich ausschließlich der künstlerischen Gestaltung seines Nordlanderlebnisses gewidmet. Um die beiden Pole eines einzigen Erlebnisses kreist sein Werk: Die landschaftliche Natur des Hohen Nordens und den von ihr geprägten Menschen. Monumentalität, Kraft und Innigkeit verbinden sich zu einer erregenden Rhapsodie nördlicher Einsamkeit und Weiträumigkeit. Das im L. Schwann-V erlag erschienene Buch ist eingeleitet und herausgegeben von K. W. Schwarz. 60 ganzseitige Abbildungen, 28 Seiten Text, Halbleinen 9,80 DM.
GUSTAV HAGEMANN: GEHEIMNIS DES HOHEN NORDENS Ein deutscher Maler und Graphiker, der, unter Fischern und Lappen lebend, tief in das Geheimnis des Hohen Nordens eingedrungen ist, legt in seinem Buch „Geheimnis des Hohen Nordens“ zum ersten Male Zeugnis seiner Kunst ab. Seit mehr als 20 Jahren hat er sich ausschließlich der künstlerischen Gestaltung seines Nordlanderlebnisses gewidmet. Um die beiden Pole eines einzigen Erlebnisses kreist sein Werk: Die landschaftliche Natur des Hohen Nordens und den von ihr geprägten Menschen. Monumentalität, Kraft und Innigkeit verbinden sich zu einer erregenden Rhapsodie nördlicher Einsamkeit und Weiträumigkeit. Das im L. Schwann-V erlag erschienene Buch ist eingeleitet und herausgegeben von K. W. Schwarz. 60 ganzseitige Abbildungen, 28 Seiten Text, Halbleinen 9,80 DM.

Für Kinder von 8 bis 80 Jahren

Kathe Olshausen: „Abdallah und sein Es e l“. 250 Seiten, Ganzleinen, 6,80 DM. Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt.

Ein Esel reibt sich am andern. Wer das nicht glaubt, sollte die Geschichte von Abdallah und seinem Esel, die Käthe Olshausen für Kinder von acht bis achtzig Jahren geschrieben hat, lieber nicht lesen. Er würde sich womöglich ärgern. Denn daß schließlich ein jeder mit dem Esel gemeint sein kann, läßt sich nicht leugnen, und daß darüber hinaus auch noch peinliche Metamorphosen eines Kamels vorkommen, dürfte die Anzüglichkeit noch erhöhen. Aber zur Sache!

Es war einmal ein Mann in Arabien, der hatte so viel Erfolg und so viel Mißgeschick wie andere Leute auch, aber der bedurfte erst der Bestätigung eines wundersam verzauberten Esels, daß er diese fundamentale Binsenweisheit zu seiner eigenen machte. Wenn er dann zu allem Ueberfluß auch noch einem fetten Kamel zuliebe eine aufregende Wüstenreise hinter sich bringen mußte, so erhöht das in liebenswürdiger Weise die Moral und auf das Reizvollste die Farbigkeit der Geschichte.

Käthe Olshausen, längst berühmt und bekannt als Tiermalerin der „Fliegenden Blätter“, schreibt so, wie sie seit je zu zeichnen pflegte. Arabien wird ihr zur leuchtenden Kulisse, auf der sich das Menschlich-Allzumenschliches selbstverständlicher abhebt, als vor einem konservativen Hintergrund. Gemüsehändler, Kadi, Kamele und Räuber sind nicht nur drollige Akteure einer lustigen Geschichte, sie sind fermentiert mit eulenspieglerischer Ironie, ein Quäntchen „Busch“ hat

sie gewürzt und das Fabuliertalent Scheherazades gab ihnen den märchenhaften Glanz. Kinder werden davon träumen, Erwachsene darüber lächeln und Weise ihre Freude daran haben. kä

* Frank B. Gilbreth jr. und Ernestine Gilbreth Carey: „Im Dutzend billige r“. 274 Seiten, Preis 9,50 DM, Lothar-Blanvalet-Verlag, Berlin.

Dieses Buch, das in kürzester Zeit in 12 Sprachen übersetzt wurde und innerhalb weniger Monate eine Gesamtauflage von ca. 2 Millionen erreichte, ist nun auch in Deutschland erschienen. Jeder, der Freude an echtem Humor hat, wird das von Herzen begrüßen. Das Buch ist fesselnd geschrieben, obgleich es keine fortlaufende Handlung hat, sondern in einzelnen Abschnitten die seltsamen Erziehungsmethoden eines Vater schildert, der ein international anerkannter Fachmann für Leistungssteigerung ist. Das ganze Leben der Familie ist deshalb auf dem Prinzip der höchstmöglichen Leistung bei geringstem Kraftverbrauch aufgebaut. Dieser Grundsatz klingt für ein Familienleben fast erschreckend, aber bei einer so temperamentvollen und frohen Gemeinschaft wie sie Eltern und die 12 Kinder Gilbreth bilden, ergeben sich nicht unr hohe Leistungen, sondern auch viel Freude und Spaß. Die verblüffende Komik vieler Situationen läßt den Leser immer wieder von Herzen lachen.

Das ganze Buch ist von einer anstekkend wirkenden Lebenskraft und -freude getragen, und das mag das Geheimnis seines Erfolges sein. Man wird aus dem eigenen Alltag herausgerissen und verfolgt mit Lachen und Bewunderung die Erlebnisse dieser fröhlichen, rothaarigen Schar, die von den beiden Verfassern, selbst zwei aus dem Dutzend, so frisch, unsentimental und dabei auch kritisch geschildert werden. In diesem Buch gibt es kein „Es geht nicht“, und das sollte vielleicht jeder Leser aus diesem Buch für immer behalten, daß es mit Frohsinn und Kraft aus jeder Situation einen Ausweg gibt. F. L.

Zeugnis langer Forschungsarbeit

Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft Frankfurt a. M. hat einen neuen Museums-Führer des Natur-Museums Senckenberg herausgegeben.

Die schweren Kriegsschäden am Museumsgebäude wurden zum großen Teile wieder behoben, die Einrichtungen wieder hergestellt. Im März 1949 konnten die Sammlungen im Lichthof und den angrenzenden Sälen der Bevölkerung wieder zugänglich gemacht werden, im Das neue Führungsheft, zum Preise von 1,— DM, enthält viele ausgezeichnete Abbildungen und gibt eine wohlgeordnete Uebersicht des reichen Schaumaterials in den Ausstellungsräumen. Die Erklärungen beantworten die am meisten interessierenden Fragen ausführlich genug, um den Zusammenhang in der Entwicklungsgeschichte der Tierart, des Alters, der Heimat und Lebensweise anschaulich zu machen. Die Gliederung des Heftes entspricht einem Rundgang von der Freiland-Schau vor dem Museum durch die Eingangshalle, den Lichthof und die einzelnen Säle. Uebersichtstafeln der Geschichte der Erde und des Lebens sowie der Stammbusch der Tiere mit Namensverzeichnis sind beisefüet.

Bedenkt man, daß die Gründung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft im Jahre 1817 noch auf eine Anregung Goethes zurückgeht, der die Frankfurter Bürger aufrief, das reiche und vom Verfall bedrohte wissenschaftliche Erbe Johann Christian Senckenbergs zu wahren und auszubauen, so ermißt man ein wenig den Umfang der Arbeit, die in über 130 Jahren hier im Dienste der Forschung und Bildung geleistet worden ist und von der dies neue

Danksagung Für die überaus vielen Beweise herzlicher Anteilnahme und für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, Frau Margarethe Hoffahrth Wwe. geb. Kühn sagen wir hiermit unseren herzlichen Dank. Familie Eduard Illert Darmstadt, den 29. Oktober 1950.

Bestattungen am Mittwoch, dem 1. Nov. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 15.00 Rühl, Heinrich, 84 Jahre, Schuhknechtstraße 63 Waldfriedhof: 10.45 Landskron, Friedrich, 78 Jahre, Haardtring 326 13.45 Wattendorf, Christine, 73 Jahre, Feldbergstraße 34 ! 14.15 Werner, Emil, 52 Jahre, Robert-Schneider-Straße 32 14.45 Steinmetz, Käthe, 56 Jahre, Taunusstraße 56

Metalle - Schrott ■ Lumpen - Papier Schrott- und Metall-Großhandlung Gottfried, Delp ab heute: Büro, An- und Verkauf: Pallaswiesenstraße 90 Telefon 23 04 Zweiglager mit Gleisanschluß: Güterbahnhof

UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII'IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIJ. I Die Fundgrube | niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiir

j JÖ^ETVjrsrTr^^j Junger. tüchtiger Kaufmann von altem Darmst. Fachgeschäft (Büro, branche) für Büro u Verkauf per sofort gesucht. Ausführl Bewerbungen unter DT 1037 an Danmst Tagblatt. (stell.-gesuche| Welches Bau¬ unternehmen beschäftigt Studen. ten (Schreiner) iä Nachtarbeit. Angeb unter DT 1098 an d Darmst. Tagblatt. j VKBMreTVNQExj 1-Zim.-Wohg. mit Küche und Bad 1000-1200 DM Bau. kostenzuschuß sofort beziehbar. Ang. unt DT 1096 an Darmst. Tagblatt. ^HETGESUCH^j Kinderlos. Beamten, ehepaar sucht 2-Zim.-Wohg. geg. Baukostenzusch. oder Mietvorauszah¬ lung a. d. Bergstr. o. Umg Darmstadts, Ang. unter DT 1100 an das Darmstädter Tagblatt. Sot gesucht 2 gut möbl. Zimmer in guter Lage. Ang. an Hans Mikorey, I. Kapellmstr., Lan¬ destheater. 2 Kolter 2 Kopfkissen 2 Deckbetten gesucht. Angebote u. DT 1095 an Darmst. Tagblatt. I verk»upe| Tadellos erh. braun Pelzmantel (Zickel), für mittel, gr. Figur. Umstände halber zu verkaufen. Ang. unter DT 1001 an das Darmstädter Tagblatt Modern. Bett mit Sprungrahmer billig abzugeb. An. zusehen von 12 bis 14 Uhr. Rückert- Straße 7, Verkaufe preiswert 1 Metz-Ha waii, 14 Drucktast. 9 Wellenber., Model 50/51, 1 Phillips Ju piter mit UKW, ' Wellenber., 1 elektr Bohrmasch., 1 elekt Laubsäge. RADIO FIECK Eberstadt Friedrichstr. 9 Renaissance- H.-Zimmei neuwertig, preiswer Umstände halber z verkaufen Bismarck Straße 158 I, links

Schnell- WAAGE Kachelöfen, eiserne Öfen, Korkmaschine, Transmission, Wa¬ renständer, Bettstel. len, Kleiderschrank, Küchenschränke. An. geböte unt. DT1093 an das Darmstädter Tagblatt. Kleines Wohnzimmer (Stilzimmer) Eiche, 1 Vitrine, 1 runder Tisch, 2 Polster¬ stühle, 1 dito Sessel, billig abzugeben An geböte u. DT i 099 an das Darmstädter Tagblatt. CGESCHÄFTS-I RÄUME K^SEIincSKUEm Laden für feines Spezial¬ geschäft mittlerer Größe, mit Neben¬ raum, im Zentrum, sofort gesucht. Ang. unter DT 1097 an Darmst. Tagblatt. Loden in Hauptstraße geg. Bauzuschuß sof. ab. zugeben. Off unter DT 1090 an Darmst. Tagblatt. I BETEILIGUNGEN I U.GELDVERKEHR J Baugeld-, Hypotheken-, Betriebskapital, und Darlehn-Suchende wenden sich an: Werner Heinrigs Darmstadt Hohler Weg 22 Wochentags 14 bis 17.30 Uhr, außer Isamstlags ^EMPFEHLUNGENI Für wenig Geld finden Sie moderne und gut erhaltene Herren- und Damen, bekleidung in großer Auswahl bei Hellmut Bartsch An. u. Verkäufe all. Art. Elisabethen-,. Ecke Neckarstr äße. Das Haus der Gelegenheiten! Annoncen- Hecht vermittelt Anzeigen zu Originalpreisen für alle Zeitungen. Darmstadt, Kirch¬ straße 17, Tel. 2533. Sofakissen in allen Größen von 3 DM an. Bettfeder, reinigung Karl Roth, Magdalenenstraße 17 Lager in Bettfedern und Inlett. „Es ist wahr“! werden meine Kun¬ den sagen; bei Roth Bettfedern- Reinigung in allen Betten f r a g e n la bedient und gut beraten. K. Roth tagdalenenstraße 17

Badeanstalt im Haupt¬ bahnhof Wannen- u. Brause¬ bäder, Heilbäder u. Massagen, Sauna- Einzelkabinen, Fu߬ pflege u. Höhensonne, la Fachkräfte stehen zur Verfügung. Allen Krankenkassen ange¬ schlossen. Geschäfts¬ zeit von 7—19 Uhr, sonntags von B—l 2 Pelze Umarbeitung Reparaturen Neuanfertigung fachgemäß bei niedrigsten Preisen Lippke. Arheilger Str. 51 I. |yERSCHIEDEN£s| Concordia- Gaststätte Adelungstraße 33. empfiehlt seine preis¬ werte Küche u. Saal für alle Veranstal¬ tungen. Ruf 3763 Samstag ab 20 Uhr und Sonntag ab 16 Uhr öffentl. Tanz.

Heute ab 7 Uhr wieder das beliebte Pfefferessen! Heinrich Katzenbach jr., Kastanienallee 22 Obstbäume Rosen Gärtnerei Kuhn Hochstraße 22 Schwei߬ mbeiten und ähnl. laufend zu vergeben. Ang. mit Stundenpreis u. DT 1094 an Darmstädt. Tagblatt.

Obersekunda Gymnasium, kauft o. entleiht dringd. anti¬ quar. Herodottexte. Schriftl. Angebote an Balser Hölderlinweg 23 ^automarktJ DKW- Meisterkl. F 8. Limous., 4-Sitz. Bauj. 1939, gut er¬ halten, günstig z" verkaufen Ang. unt. DT 1102 an Darmst. Tagblatt. Aufo- Avemarie Fahrschule alle Klassen eigene Fahrzeuge. Artilleriestraße 15. TeL 894. Auto- Avemarie An. und Verkauf Verschrottung Verkauf von Ersatz¬ teilen u. gebt. Reifen Artilleriestraße 15 Telefon 894 Fahrschule Wilhelm lehrt, wie man ge¬ wissenhaft in allen Klassen fährt. Darm¬ stadt-Eberstadt, Rö¬ derweg 12. Austin A 70 Vorführwag., Luxus- Kombinationswagen, zum Sonderpreis von 6 500 DM abzugeb. G. L. Stöber Darmstadt Heidelberger Str. 59. NSU 200 ccm NSU Quick in bestem Zustand, preiswert abzugeb. R. Lienert, Reinheim Überauerstraße AUTO- Vermittlung- Zentrale Darmstadt, Mitglied d. Deutschen Selbst¬ fahrerrings. Selbstfahr.: Ruf 310 8.V.-Tank stelle: Frankfurter Str. 72 Fahrschule GROH Ausbildung in allen Klassen. Darmstadt Groß-Gerauer Weg 7 und Reinstraße 46. Ruf 416 NSU- Moforröder Quick u. Fox kurz¬ fristig lieferbar. NSU-Motorräd- Alleinvertretung: Dönges & Wiest oHG. Darmstadt Heinrichstraße 52

3 am 1. November von Mollerstraße 4 nach Luisenstraße 10 am Langen Ludwig SINGER NAHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT DARMSTADT Besichtigen Sie unverbindlich unsere ausgestellten Nähmaschinen, Nähleuchten, Nähmotoren Großes Lager von Garnen aller Art, Nadeln, Oel Reparaturdienst

I I I 04 w K KOB/1 *w i w II || LONDON || Eine Assistentin ihres Salons Ngibt in unserem neu eingerichteten H separaten Raum für || kosmetische Beratung H am 6., 7. und 8. November | N kostenlose Behandlungs-Lektionen K Voranmeldunng erbeten | H (Tel. 2186) K Parfümerie Z > Elisabethenstr. 9 jytOfäK’ j 1 I ■ « XE Wr BK 3K X I

Wäsche Schüler Niederramstädter Str. 13 Seit 36 Jahren nur beste Qualität in Herren-, Damen-, Kinder-, Tisch- und Bettwäsche zu niedrigen Preisen Meine geringen Unkosten Ihr Vorteil

Klein- Schreibmaschinen DM335,- auch gegen Ratenzahlungen LEONHARD LUTZ RHEINSTRASSE 22- TEL. 3409

• KUPFER - MESSING® Biel — Akku-Blel — Zinn — Zink kaufen wir laufd. für unser Metallwerk. Preisliste in unseren Geschäftsräumen. Ing. Wilh. Hilsenbeck, Darmstadt Steubenplatz 17

Olympia-Schreibmaschinen ’A Anzahlung — bis 12 Raten Vertreter: Erich Ryssel Pfungstadt Postfach 21

Geschäftsstelle des „DARMSTÄDTER TAGBLATT“ DARMSTADT RHEINSTRASSE 23 Im alten Tagblatt-Haus Ich bestelle hiermit ab 1. November das sechs¬ mal wöchentlich erscheinende „Darmstädter Tagblatt“ zum Bezugspreis von DM 2.90 pro Monat zuzüglich 40 Pfg. Trägerlohn. Vor- und Nachname: — -—— —• — Beruf: Ort: __ Straße:

SH I■g 9 9 S I 1 SMS § Eröffnung 9 Xoeh

Stenografen-Veremigimglß9B e.V. Darmstadt Neue Kurse für Anfänger sowie in allen Ausbildungsstufen beginnen in der Bessunger Knabenschule am Donnerstag, dem 2. 11., und Montag, den 6. 11,, und in der Kyritzschule am Freitag, dem 3. 11.. und Dienstag, dem 7. 11., 19 Uhr. Anmeldung in der ersten Stunde.

|iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ 1 1884 1950 = | Wieder^Eröfinung = Nath erfolgtem Wiederaufbau unseres Hauses eröffnen wir = am Donnerstag, dem 2. November 1950, unsere | Metzgerei | H Wir bieten erstklassige Fleisdt-und Wurstwaren und bitten um geneigten Zuspruch Metzgermeister Ludwig 'Petri und ^rau 1 = Darmstadt, Saalbaustralle 61 S !hllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll||||||||||||||||| 1910^^,44^ 1950 JAHRE y — (, Gutenbergstr. 54 Telefon 2490 Bekannt für gute Back- und Konditorwaren Während der Bauarbeifen am Stadtkirchf latz Preise äußerst günstig Ein Besuch erspart Ihnen Geld! Ckadctte. (^tumann DARMSTADT AM STA U T K I R C H PLA T Z Ihr Haus für Mieder und Wäsche im Stadtzentrum W WAREN-KREDIE-VERKEHR S.l Ä TEILZAHLUNGS-BANK W FRANKFURT/MAIN •GOETH E ST R A SSE 29 finanziert den Anschaffungsbedarf an notwendigen Gebrauchsgütern für Lohn- und Gehaltsempfänger in fester Stellung. Geschäftsstelle: DARMSTADT, Alicenslraße 14

©rißn«» Wflhniflfdjincn preisgünstig und zu günsti¬ gen Zahlungsbedingungen lieferbar LUDWIG FISCHER jr. Elisabethenstraße 30

^pieC-^a&ino arm Stadt WEINHAUS OASE LandSvehrstraße 21 täglich ab 20 Uhr bis 3 Uhr Eintritt frei

KURZSCHRIFT Neue Kurse beginnen am 2. und 6. November, 19.00 Uhr, Goetheschule, Viktoriastraße 31 unter Leitung von staatlich geprüften Lehrern und bekannten Praktikern und Meisterstenografen. Anmeldung daselbst oder fernmünd¬ lich. Stenografenverein 1861, Darmstadt Fernruf 2921 Bekanntmachungen Amtsgericht Darmstadt: Veränderungen: Für Angabe in ( ) keine Gewähr HRB 89. 20. Oktober 1950. Firma: Michael Ritter Tiefbau GmbH., Darmstadt. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 21. 9. 1950 ist § 4 des Gesellschaftsvertrags (Dauer der Gesellschaft) geändert: die Gesellschaft ist auf die Dauer von zwei Jahren geschlossen; nach Ablauf der zwei Jahre kann sie von jedem der Gesellschafter mit einvierteljähriger Frist gekündigt werden. Nach dem gleichen Gesellschafterbeschluß ist die Gesellschaft aufgelöst. Zum alleinvertretungsbefugten Abwickler ist der seitherige Geschäftsführer Bauunternehmer Michael Ritter in Darmstadt bestellt. HRB 148. 19. Oktober 1950. Firma: Wiederaufbau-Gesellschaft mit beschränkter Haftung In Darmstadt. Prokurist: Kurt Raschke in Heppenheim. Er vertritt die Gesellschaft gemeinsam mit einem Geschäftsführer. HRA 914. 19. Oktober 1950. Werner Kamprath-Verlag (Verlag für Mnemographik und Fernkurse). Die Firma ist geändert in: Werner Kamprath-Verlag — Fernkurs — Kamprath —. Die Niederlassung ist von Darmstadt-Eberstadt nach Darmstadt (Ahastraße 7) verlegt.

Bekanntmadung Betr.: Gesetz Über die Feiertage, Ner: Allerheiligen und Refor¬ mationstest Der Hessische Minister des Innern hat mit Erlaß vom 14. Oktober 1950 auf Grund des § 4 des Gesetzes über die Feiertage vom 10. 1. 1946 (GVBI. S. 72) bestimmt, daß in den nachgenannten Gemeinden des Landkreises Bergstraße Allerheiligen am 1. No¬ vember 1950 gesetzlicher Feiertag ist. Aschbach, Biblis, Bobstadt, Brombach, Bürstadt, Einhausen, Erbach, Fahrenbach, Fehlheim, Fürth, Gadern, Gorxheim, Hambach, Hartenrod. Heppenheim, Hirschborn, Igelsbach, Kallstadt. Kirsch¬ hausen, Kocherbach, Kolmbach, Kröckelbach; Krumbach, Litzelbach, Löhrbach, Lörzenbach, Lorsch, Mackenheim, Mörlenbach, Nieder- Liebersbach, Ober-Abtsteinach, Ober-Laudenbach. Ober-Liebersbach, Ober-Scharbach, Sonderbach, Steinbach, Trösel, Unter-Abtsteinach, Unter-Flockenbach, Unter-Schönmattenwag, Viernheim, Wald- Erlenbach, Wattenheim, Weiher, Weschnitz. In den nicht aufgeführten Gemeinden ist Allerheiligen kein gesetzlicher Feiertag. Es wird darauf hingewiesen, daß Allerheiligen in den oben genannten Gemeinden in vollem Umfange als gesetzlicher Feiertag anzusehen ist und somit Löhne entsprechend der Verordnung betr. Gehalts- und Lohnzahlung an gesetzlichen Feiertagen, die auf einen Werktag fallen, vom 10. 12. 1945 (GVBI. S. 3) zu zahlen sind. Für die Pflicht zur Vergütung des Lohnes ist die Feiertags¬ regelung der Gemeinde der Arbeitsstelle maßgebend. Das Reformationsfest ist in Hessen kein gesetzlicher Feiertag. Heppenheim, den 25. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße

Zwangsversteigerung 3 K 29-31/50. Die untenstehend bezeichneten Grundstücke bzw. Grundstücksanteile, die zur Zeit der Eintragung des Ver¬ steigerungsvermerks auf den Namen des a) Oberbahnhofsvor¬ stehers Friedrich Rettig in Ober-Ramstadt zu 'h, b) desselben und seiner Ehefrau Lina geb. Weigel als Gesamtgut der Errungenschaft im Grundbuch enigetragen waren, sollen am Freitag, dem 29. De¬ zember 1950, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude Mathildenplatz 12, Zimmer 326, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstrek¬ kung. Der Versteigerungsvermerk ist am 1. Juli 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. — Bezeichnung der Grundstücke¬ a) Grundbuch für Darmstadt, Bezirk 4, Band 20, Blatt 1043- ‘/i Anteil des Friedrich Rettig an: Ord.-Nr. 3, Flur 3, Nr. 901/1: Hof- und Gebäudefläche, Wilhelm-Glässing-Straße 9 452 qm ge¬ schätzter Betrag 36 000 DM. — b) Grundbuch für Da.-Eberstadt. Band 21. Blatt 1526: Ord.-Nr. 1, Flur 19, Nr. 219: Acker im Elfen¬ grund, 2406 qm, geschätzter Betrag 481,20 DM; Ord.-Nr. 2, Flur 19, Nr. 220: Acker daselbst, 1213 qm, geschätzter Betrag 242,60 DM. Zulässiges Höchstgebot: 50 000 DM, 490,— DM und 250,— DM. Darmstadt, den 28. Oktober 1950 Amtsgericht, Abt. 3

Versteigerung Ich werde versteigern: 2. 11. 1950. 14 Uhr, Grafenstraße 26: Elektr. Warmwasserheizung, 220 Volt, 2500 W., Schneideschere bis 8 mm Leistung. Standbohrmaschine, Panzerschrank 1,20X0 75 X 0,62 m, Miele Staubsauger Type E 3, Multavi-Meßgerät II elektr. Backhaube, Lampentische kompl., Zugpendel, Lampen¬ schirm, verschiedene, Ständerlampe, Wärmerollen, elektr Heiz¬ öfen. elektr. Waffeleisen, Toaströster, Reiseschreibmaschine Zimmerkronen, verschiedene Dielenlampen, Ampel. Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b)

ORANGERIEHAUS Heute, 20.00 Uhr (Miete B/3) FRA DIAVOLO

II kl I A II Erstaufführung U 11 I V 11 Madonna in Ketten mit Lotte Koch, Richard Häußler, Karin • Hardt u. a. Ein Film von fesselnd. Handlung, meister¬ licher Regie, hervorragender Besetzung und künstlerischem Niveau Ruf 33 73 Anfang: 13.45 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr THALIA Anna Karenina I IIMLI M mit V|vien Le|gh u R#|p • Die schönste und tragischste Liebes¬ geschichte der Weltliteratur Anfang: 13.45, 15.45 18.15, 20.40 Uhr Ruf 33 90 Vorverkauf ab 11 Uhr RFIIAA lajana ULLI VA die unvergeßliche Tänzerin • in ihrem größten Erfolgsfilm STERN VON RIO Ruf 395 mit Gus*av oieß,< Werner Scharf Anfang: 14.00 - 16.00 • 18.15 - 20.30 Uhr PALAST Kennwort 777 • Das Losungswort der Spannung und der Sensationen Ruf 22 40 Anfang: 13.45, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr Lj A Al f A zeiS* >n Erstaufführung: nANjA Die weiße Sklavin • Ein Film aus der verschwundenen Welt des türkischen Harems Für Jugendliche verboten Ruf 31 79 Anfang: 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr