Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Dar ms tad t, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 105 7la^rt<sien Dienstag, 31. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

François -Poncet: Keine Rede von deutscher Diskriminierung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 30. Oktober. Wie wir von gutunterrichteter Seite erfahren, hat der französische Oberkommissar Francois-Poncet Bundeskanzler Dr. Adenauer in einer Besprechung, die am Montagmittag in Bonn stattfand, versichert, die französischen Vorschläge für die Schaffung einer europäischen Armee würden für Deutschland im Rahmen dieser europäischen Armee die volle Gleichberechtigung vorsehen und keinerlei Diskriminierung Deutschlands enthalten.

Von französischer Seite wird hierzu erklärt, daß die Bundesrepublik in dem politischen System, das die französischen Vorschläge für die Verteidigung Europas beabsichtige, genau so gestellt sein würde, wie jeder andere Teilnehmerstaat. Sowohl in der parlamentarischen Kontrollinstanz, die den Verteidigungsminister überwachen solle, als auch in dem westeuropäischen Ministerrat werde die Bundesrepublik wie jeder andere Teilnehmerstaat vertreten sein. Auch militärisch sei keine Schlechterstellung der Deutschen beabsichtigt. Kontingente der europäischen Armee könnten ganz unabhängig von ihrer nationalen Zusammensetzung ebensogut von einem deutschen wie von einem französischen General oder einem General aus irgendeinem anderen Teilnehmerstaat geführt werden.

Scharfe Kritik

Andererseits soll Dr. Adenauer den französischen Oberkommissar auf die zum Teil sehr scharfe Kritik hingewiesen haben, die die französischen Vorschläge in der deutschen Oeffentlichkeit gefunden haben. Vor allem soll er auf die großen Schwierigkeiten aufmerksam gemacht haben, denen er sich gegenübersehen werde, wenn er in der kommenden Woche mit leeren Händen vor den Bundestag hintreten müsse.

In zweifelloser Uebereinstimmung mit dem Bundeskanzleramt erläuterte der Deutschland-Uniondienst am Montag die Auffassungen des Kanzlers, indem er erklärte, aus dem Pleven-Plan klinge allzusehr die alte Maginot-Mentalität der Franzosen, die ihre Sicherheit von ihren direkten östlichen Nachbarn bedroht fühlen würden.

Die Entscheidung vorweggenommen

Als besonders kritisch betrachtet man auf deutscher Seite die Koppelung des Pleven-Planes mit dem Schuman-Plan. Aeußerungen eines hohen Beamten des französischen Oberkommissariats lassen vermuten, daß Frangois-Poncet dem Bundeskanzler auch zu dieser Frage Erklärungen abgegeben hat, die die Möglichkeit enthalten, daß die Verbindung von Schuman-Plan und Pleven-Plan im Laufe der Verhandlungen gelockert wird. Man betont auf französischer Seite, die französische Regierung habe diese Koppelung vor allem deshalb gewünscht, um aus Anlaß ihrer Vorschläge für die Schaffung einer europäischen Armee gleichzeitig gewisse Widerstände gegen den Schuman-Plan zu überwinden, die es auch in Frankreich gäbe. Die Nationalversammlung habe mit der Zustimmung zum Pleven-Plan die Entscheidung über den Schuman-Plan vorweggenommen. Vor einigen Wochen noch sei es außerordentlich fraglich gewesen, ob sich in der Nationalversamm-

lung eine Mehrheit für den Schuman-Plan finden lassen würde.

Unterrichtete Kreise in Bonn weisen darauf hin, die entscheidende Schwierigkeit für das Zustandekommen des Schuman-Planes liege darin, ob nach dem Ab- Schluß des Schuman-Plans das Ruhrstatut fortbestehen soll. Würde die französische Regierung für die Aufhebung des Ruhrstatuts eintreten, so würde sich die Position des Bundeskanzlers im Bundestag so entscheidend verbessern, daß er für seine Politik eine sichere Mehrheit finden würde.

Schützengräben

Berlin, 30. Oktober. (AP.) Ostzonale Volkspolizeieinheiten haben über das Wochenende an verschiedenen Stellen der Ostzone in der Nähe der West-Berliner Sektorengrenzen Schützengräben und Schützenlöcher ausgehoben. Arbeiten dieser Art konnten in der Nähe von Kladow, Klein-Machnow, Lichtenrade und Steinstücken beobachtet werden.

Heinemann fordert Volksabstimmung

Der frühere Bundes-Innenminister zur deutschen Aufrüstung

Arnheim, 30. Oktober. (AP.) Die Frage, ob die Bundesrepublik wiederaufgerüstet werden soll, müßte durch eine Volksabstimmung entschieden werden, hat der Präsident der Generalsynode der Evangelischen Kirche Deutschlands und frühere Bundesinnenminister Dr. Heinemann erklärt.

Dr Heinemann, der an einer deutschholländischen Studienkonferenz in Arnheim teilnimmt, hatte vorher erklärt, Bundeskanzler Dr. Adenauer habe diktatorisch gehandelt, als er für das deutsche Volk und den Bundestag beschlossen habe daß Westdeutschland sich an der europäischen Verteidigung beteiligen sollte „Das deutsche Problem sollte vor den Vereinten Nationen erörtert werden“, fuhr Heinemann fort. Es sei falsch, daß Deutschland sich schnellstens zur Wiederaufrüstung bereit erklären sollte.

Zunächst sollte die Bundesrepublik von den westeuropäischen Ländern aufgefordert werden.

Zum Thema Niemöller erklärte Heinemann: „Zwischen den Ansichten Pastor Niemöllers und meinen besteht ein grundsätzlicher Unterschied. Ich erkenne die Bundesrepublik an, Niemöller aber nicht.“ Mit seinen Angriffen auf die Bundesregierung habe Niemöller „sehr unglücklich gehandelt“. „Die Menschen vergessen manchmal, daß Niemöller nicht für die Evangelische Kirche Deutschlands spricht“.

Adenauer kondoliert

Bonn, 30. Oktober, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer stattete am Montagmorgen dem schwedischen Missionschef Kumlin in Köln einen Besuch ab, um das Beileid der Bundesregierung zum Tode König Gustafs V. auszusprechen.

Zusammenstehen !

Düsseldorf, 30. Oktober, (dpa) Bundesinnenminister Dr. Lehr versicherte auf einer Reformationsfeier vor 5000 Christen in Düsseldorf, er werde sein Amt im Geiste der Bergpredigt in Demut vor Gott und in Ehrfurcht vor seiner Schöpfung ausüben. Dr. Lehr forderte die Christen beider Konfessionen auf, sich in dieser Stunde der Gefahr im Geiste christlicher Liebe zusammenzuschließen.

Landesbischof D. Dr. Lilje hatte zuvor erklärt, Europas letzte Chance zu einer geschichtlichen Erneuerung sei an die Erneuerung des christlichen Glaubens in Europa gebunden.

Ueber die Stellung des Christen zum Staat sagte Landesbischof Lilje, es sei nicht christlich, einer grundsätzlichen Staatskritik zu verfallen, die letztlich die nihilistische Auflösung Inaugurieren müsse.

„Kein Pazifist aus Prinzip“

Gespräch zwischen Schumacher und Niemöller in Darmstadt

Darmstadt, 30. Oktobej'. (Eigener Bericht.) „Ich bin kein Pazifist aus Prinzip“, sagte Kirchenpräsident Pastor Niemöller im Anschluß an die Aussprache der Repräsentanten der evangelischen Bekenntniskirche und der Sozialdemokratischen Partei, wozu Professor Carlo Schmid hinzufügte, ein Gespräch über die deutsche Verteidigung habe nur dann Sinn, wenn man. nicht nur mit dem Mundwerk so stark sei, daß man einen eventuellen russischen Angriff so stoppen könne, daß Europa nicht nur verbrannte Erde werde. Auch er betonte, daß ihn kein absoluter prinzipieller Pazifismus beherrsche. Dr. Schumacher verwies in der anschließenden Pressekonferenz auf das herausgegebene Kommunique. Niemöller betonte, daß diese Aussprache mit einer politischen Partei nicht parteipolitisch zu werten sei, sondern daß die Männer der Kirche aus innerer Verpflichtung die Aufgabe hätten, mit den verantwortlichen Repräsentanten der Politik die für das Volk entscheidenden Fragen zu besprechen. Unter den Teilnehmern waren insbesondere Flüchtlingsminister Albertz (Niedersachsen), Dr. Arndt (Vorsitzender des Bonner Spiegel - Ausschusses), Kulturreferent Arno Hennig (Sozialdemokratische Partei), Pfarrer Mochalski (Darmstadt) und Bundestagsabgeordneter Schüttle (Stuttgart).

Das ausgegebene Kommunique besagt: „Am 30. Oktober haben sich in Darmstadt Repräsentanten aus der Bekennenden Kirche und aus der Sozialdemokratischen Partei getroffen, um sich über das Problem eines deutschen militärischen Beitrages zu einem internationalen Sicherheitssystem zu besprechen, wobei in verschiedenen Punkten Uebereinstimmung in den Anschauungen erzielt wurde. Einigkeit herrschte insbesondere darüber, daß nur ein neugewählter Bundestag in dieser Frage für das Volk sprechen kann, nicht dagegen der gegenwärtige Bundestag.

Diese Frage bestand bei der Schaffung des Grundgesetzes und im Zeitpunkt der ersten Bundestagswahl noch nicht.“


Kirchenpräsident Niemöller und der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Dr. Kurt S c h u m a c h e r nach der Konferenz im Hause des Evangelischen ^d^ts in Darmstadt
Kirchenpräsident Niemöller und der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Dr. Kurt S c h u m a c h e r nach der Konferenz im Hause des Evangelischen ^d^ts in Darmstadt

Keine Englandreise Niemöllers

Darmstadt, 30. Oktober. (Eigener Bericht.) Dr. Bayer, der Sekretär des Kirchenpräsidenten, erklärte unserem Korrespondenten, daß Niemöller der Einladung nach England nicht Folge leisten werde, da die augenblicklich erregte politische Lage in Deutschland es seinem Empfinden nach nicht gestatte, daß er jetzt ins Ausland fahre.

Hochwasserkatastrophe

Portland, Oregon, 30. Oktober. (AP.) Südoregon und Nordkalifornien sind am Wochenende von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht worden.

Zahlreiche Flüsse sind in diesem Gebiet nach fünftägigem Unwetter über ihre Ufer getreten und haben Städte und Dörfer überschwemmt.

Der Straßen- und Eisenbahnverkehr sowie die Telephonverbindungen sind in großen Teilen der beiden Staaten völlig lahmgelegt.

Ohne Daumenschrauben

*** Eine Sonderstellung im ost-westlichen Konflikt nimmt Marschall Tito, der Herrscher von Jugoslawien, ein. Sein Staatssystem ist ebenso kommunistisch wie jedes andere jenseits des Eisernen Vorhanges. Aber Tito steht seit etwa drei Jahren in schärfstem nationalem Gegensatz zum internationalen Kominform, dem Gehirntrust und Exekutivorgan des Kremls. Oft genug war es schon so weit, daß man annehmen mußte, Rußland wolle Jugoslawien mit Waffengewalt wieder botmäßig machen, aber Tito forcht sich nit. Er behauptete seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Nun bedroht eine große Dürre das Land Jugoslawien und eine unvermeidliche Hungersnot würde es Tito unmöglich gemacht haben, sich weiterhin zu behaupten, wenn er nicht Hilfe bei den Vereinigten Staaten gefunden hätte. Jugoslawien wird von Amerika bedingungslos alle notwendigen Lebensmittel erhalten, deren es bedarf, um eine Hungersnot abzuwenden. Auf einer Rede in Agram hat Marschall Tito ausdrücklich bestätigt, Amerika habe sich bereit erklärt zu helfen, ohne dem Lande Daumenschrauben anzulegen. Er betonte weiter, niemand solle fälschlicherweise glauben, bei Annahme der amerikanischen Hilfe werde Jugoslawien aufhören, ein sozialistischer Staat zu sein. Gleichzeitig wies er darauf hin, eine solche praktische Hilfe werde für die amerikanische Regierung eine bessere Propaganda darstellen als das Geschrei gewisser anderer Länder, denn mit bloßen Worten und mit Propaganda könne man auf die Dauer nicht überzeugen, wenn die Handlungen völlig anders aussehen.

Die uneigennützige Hilfe Amerikas wird zwar das bolschewistische System in Jugoslawien nicht beseitigen. Sie wird jedoch vielleicht den Beweis erbringen, daß zwei grundverschiedene Systeme friedlich nebeneinander bestehen und miteinander einen wirtschaftlichen Austausch pflegen können.

Reformation heute

Von Lic. Hunzinger

Luther war kein Revolutionär, so oft man ihn dazu auch hat machen wollen: er war Reformator. Der Reformator ist dem Gärtner gleich, der sieht, daß der Baum, den er liebt, verwildert ist, der aber deshalb nicht den Baum abhaut, sondern alles aus ihm herausschneidet, was totes Geäst und wilder Trieb ist, und der den Baum von den Schlinggewächsen befreit, die ihn zu ersticken drohen.

So hat Luther die mittelalterliche Kirche nicht verworfen, sondern gereinigt. Das scharfe Messer, mit dem er den Baum der Kirche ausgeschnitten hat, war das Wort Gottes in der Heiligen Schrift. Die mittelalterliche Kirche ertrug diese Reformation nicht. So entstand die evangelische Kirche, nicht als ein neuer Baum, sondern als gereinigte Gestalt der einen heiligen christlichen Kirche. Es wäre eine sträfliche Idealisierung der evangelischen Kirche, zu glauben, daß der von Luther gereinigte Baum seither nicht wieder verwildert wäre. Auch in der evangelischen Kirche ist seit der Reformation vieles gewachsen, was an Luthers Maß gemessen vor dem Worte Gottes und der Heiligen Schrift nicht bestehen kann.

Deshalb darf Reformation heute nicht bedeuten, daß wir feiernd stehenbleiben bei dem, was damals errungen wurde, sondern es muß heißen, daß wir heute an unserem Teil und mit unseren sehr viel schwächeren Kräften das gleiche tun, was Luther und die Reformatoren zu ihrer Zeit taten, nämlich die evangelische Kirche überall da mit dem scharfen Messer des Wortes Gottes reinigen, wo sie entartet und von dem Evangelium abgewichen ist.

Worin muß diese Reformation heute bestehen? Drei Beispiele sollen es zeigen: Luther hat die mittelalterliche Kirche von der Werkgerechtigkeit gereinigt. Er hat zum Fundament der Kirche den Glauben gemacht, der die unverdiente Gnade ergreift. Was war die Folge? die evangelische Kirche ruhte sich auf dem Glauben aus. Sie vergaß die Werke, ohne die der Glaubfe tot ist. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis in der evangelischen Kirche das Werk der Barmherzigkeit wieder ergriffen wurde. Es lebt heute in der Inneren Mission und im Hilfswerk der Kirche; aber noch immer finden wir landauf, landab evangelische Gemeinden, in denen die Liebe wie ausgestorben ist. Reformation heute bedeutet: Die evangelische Kirche muß aus einer Kirche des Glaubens eine Kirche der Liebe werden.

Luther hat die Predigt des Wortes Gottes wieder auf den Leuchter gestellt. Was wurde daraus? Eine Kirche, in der nur der Pfarrer redete. Die Gemeinde blieb stumm, ja sie wurde geradezu mundtot gemacht. Die Kirche hatte nur ein wucherndes Glied, den redenden Mund des Pfarrers, alle anderen Glieder verkümmerten. Reformation heute, das muß heißen, daß wir Evangelischen wieder lernen, daß die Kirche die „Gemeinschaft der Heiligen“ ist und nicht der Pfarre, daß es nicht nur einen „Geistlichen“ und sonst nur „Laien“ gibt, sondern daß alle, die von Christus ergriffen sind, „geistlich“ sind, und daß die Kirche nur da lebendig ist, wo sie die Fülle der geistlichen Gaben in sich trägt. Reformation heute bedeutet, endlich und wirklich mit der reformatorischen Erkenntnis vom „allgemeinen Priestertum der Gläubigen“ ernst machen.

Luther hat die römische Hierarchie und das Papsttum verworfen; er hat geglaubt, die äußere Ordnung der Kirche den Landesfürsten vertrauensvoll in die Hände legen zu dürfen. Das war damals eine große Befreiung, aber es hat böse Folgen gehabt. Die evangelische Kirche geriet nicht nur unter die Herrschaft einer obrigkeitlichen Bürokratie, unter der sie noch heute seufzt, sie verfiel auch — und das war schlimmer — der politischen Hörigkeit der Obrigkeit und der sie tra-

genden gesellschaftlichen Kräfte. Dadurch hat die evangelische Kirche den inneren Zugang zu ganzen Schichten unseres Volkes, insbesondere der Arbeiterschaft, in einer bis heute kaum wieder gutzumachenden Weise verloren. Reformation heute, das heißt deshalb für die evangelische Kirche, daß sie sich entschlossen aus den Denkgewohnheiten ihrer politischen Vergangenheit und aus der einseitigen Bindung an bestimmte — im wesentlichen bürgerliche — Schichten des Volkes löst und die politische Freiheit ihrer Verkündigung wiedergewinnt, die Luther in so großartiger Weise in seiner Zeit geübt und die er in dem berühmten Satz ausgesprochen hat: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan“.

Reformation ist Buße der Kirche! Es ist nicht die Aufgabe der evangelischen Kirche, am Tage der Reformation die katholische Kirche zur Buße zu rufen. Sie hat Grund genug, bei sich selber den Anfang zu machen.

Gegen Auslieferung

Bonn, 30. Oktober, (dpa). Die Bundestagsfraktionen der Christlich-Demokratischen Union, der Sozialdemokraten, der Freien Demokraten, der Deutschen Partei, der Bayernpartei und des Zentrums haben sich in einer Interpellation an die Bundesregierung gegen die Auslieferung von Deutschen an das Ausland gewandt.

Am 25. Oktober sei der ehemalige Polizeioberst Haase von den britischen Besatzungsbehörden aus dem Gefängnis Werl an Polen ausgeliefert worden. Die deutsche Oeffentlichkeit sei erheblich beunruhigt, weil der Fall Haase nicht allein dastehe. Im amerikanischen und im britischen Besatzungsgebiet liefe gegenwärtig eine Reihe von Auslieferungsverfahren, in denen fünfeinhalb Jahre nach Ende der Feindseligkeiten die Auslieferung von Deutschen, zumeist an Frankreich, beantragt werde. Auch im französisch besetzten Gebiet seien Deutsche unmittelbar durch die Besatzungsmacht verhaftet und nach Frankreich gebracht worden. Die Fraktionen des Bundestages berufen sich auf den Artikel 16 des Grundgesetzes, nach dem deutsche Staatsangehörige nicht an das Ausland ausgeliefert werden dürfen.

Rotchinesisches Regiment

im Kampf mit Südkoreanern

Söul, 30. Oktober. (AP.) Bei den Kämpfen in Korea ist jetzt ein vollständiges rotchinesisches Regiment identifiziert worden. Wie ein Sprecher des zehnten amerikanischen Armeekorps am Dienstag bekanntgab, befindet sich dieses Regiment etwa 65 km südlich der mandschurischen Grenze im Kampf mit südkoreanischen Einheiten.

Der Sprecher lehnte jede weitere Stellungnahme zu Meldungen über den Einsatz rotchinesischer Einheiten in Nordostkorea ab und erklärte, daß sein Hauptquartier derartige Berichte nur veröffentlichen würde, wenn kein Zweifel darüber bestehen könnte.

Kein Vertrauen

Brüssel, 30. Oktober. (AP.) Im Prozeß gegen den ehemaligen deutschen Militärgouverneur von Belgien, Generaloberst von Falkenhausen, verlas der Vorsitzende am Montag einen Brief des ehemaligen Dolmetschers von Hitler, Dr. Schmidt, in dem mit Nachdruck betont wurde, daß Hitler dem Generalobersten kein Vertrauen entgegenbrachte.

Prügelknabe Presse

zz. Unsere Minister haben die Gepflogenheit, Sonntagsreden zu halten, besonders dann, wenn ein Wahlkampf bevorsteht. Bei solchen Reden sagen sie manchmal etwas, was ihre persönliche Meinung darstellt, was aber von den Zuhörern als eine Offenbarung der geheimsten Kabinetts-Absichten aufgefaßt werden muß.

Wenn sich die Herren dann nachher den Schaden besehen, den sie durch eine unvorsichtige Aeußerung angerichtet haben, dann sind sie nicht ehrlich genug, wie der alte Papa Wrangel, zu sagen: „Ick dementiere mir“, sondern machen die Presse zum Prügelknaben. Sie hat dann eine harmlose Aeußerung in die falsche Kehle bekommen, oder hat sie entstellt wiedergegeben.

Inzwischen hat der Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard in Goslar nach Mitteilung der Presse eine Erhöhung der Einkommensteuer angekündigt. Nach dem Stenogramm eines Tischnachbarn hat er wörtlich gesagt: „. . . die Einkommensteuer wird davon auch berührt werden“, und anschließend daran: „Wir wissen, daß Steuererhöhungen problematisch sind, aber sie sind besser als jeder andere Weg.“

Diese Aeußerung wurde natürlich in der Presse wiedergegeben und verursachte bei den Steuerzahlern eine erklärliche Beunruhigung. Entweder wollte der Wirtschaftsminister einen Versuchsballon steigen lassen, oder seine Aeußerungen standen mit der Meinung des Kabinetts nicht in Einklang. Vizekanzler Franz Blücher hat sich jedenfalls am Sonntag auf einer Wahlkundgebung der Freien Demokratischen Partei in Bayreuth entschieden gegen eine Aenderung der Einkommensteuer ausgesprochen. Er vertrat dabei die vernünftige Meinung, es sei eine deutsche Aufgabe, dafür zu kämpfen, daß die Besatzungskosten in Höhe von 4,5 Milliarden Mark richtig und sinnvoll verwendet, aber nicht für „Tand“ ausgegeben würden.

Der Bundeswirtschaftsminister hat jedoch bis heute ebenfalls noch nicht gesagt: „Ick dementiere mir.“ Er hat aber wiederum die Presse zum Prügelknaben gemacht und den Bundes-Finanzminister ermächtigt, zu sagen: „daß Professor Erhard inzwischen die irrigen Auslegungen in einem Teil der Presse über seine Goslarer Ausführungen selbst (vermutlich nur beim Finanzminister) richtiggestellt habe.“ Wieso können die irrigen Auslegungen einem Teil der Presse zur Last gelegt werden, wenn ein Stenogramm nachweist, daß der Bundeswirtschaftsminister die erwähnten Aeußerungen wirklich getan hat?

Wenn dieses Verfahren, die Presse für eigene Entgleisungen verantwortlich zu machen, weiterhin ministerieller Brauch bleibt, dann wird die Presse (wie dies dei’ Sozialdemokratische Pressedienst anregt) sich entschließen müssen, von Reden gewisser Minister, die sich nachher auf eine angebliche Unfähigkeit der Presse hinausreden, keine Notiz mehr zu nehmen.

Man kann überzeugt sein, auch die derzeitigen Minister legen keinen Wert darauf, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ihre Sonntagsreden zu halten. Die Weltgeschichte wird nicht stillstehen, wenn die Presse ihre Reden solange stillschweigend übergeht, bis sie sich es abgewöhnt haben, die Presse zum Prügelknaben zu machen, sobald sie Aeußerungen getan haben, von denen sie nachher nichts mehr wissen wollen.

Ostfunk ohne Strom

Berlin, 30. Oktober. (AP.) Die Einstellung der Stromlieferung an den sowjetisch kontrollierten Berliner Rundfunk erfolgte im Einverständnis mit den westalliierten Besatzungsbehörden.

Ein britischer Sprecher erklärte, die Anweisung der West-Berliner Elektrizitätsgesellschaft, die am 31. Oktober um Mitternacht in Kraft tritt, sei eine Gegenmaßnahme für die seit dem 20. September bestehende Stromsperre des Fernstromes für West-Berlin.

Erbitterte Gegenangriffe der Nordkoreaner

Einbruch der Kommunisten bis zu fünfzig Kilometer Tiefe in die südkoreanische Front

Soeul, 30. Oktober. (AP.) Starke nordkoreanische Truppenverbände sind am Montagmorgen auf dem rechten Flügel der alliierten Nordwestfront zu einem verzweifelten Gegenangriff angetreten und haben beträchtliche Geländegewinne erzielt. Heftige Kämpfe spielen sich im Raume Onjang-Unsan ab.

Unterstützt von starken Panzer- und Sturmgeschützeinheiten fügten die durch chinesische Soldaten verstärkten nordkoreanischen Verbände den Truppen der Vereinten Nationen erstmalig seit sieben Wochen eine beträchtliche Niederlage zu.

Die sechste südkoreanische Division, deren siebentes Regiment am Donnerstag die mandschurische Grenze erreicht hatte, befindet sich auf fluchtartigem Rückzug bis zu fünfzig Kilometern. Amerikanische Panzer- und Artillerieeinheiten werden in den Raum Onjang-Unsan geworfen, um einen Stoß in die rechte Flanke der Front zu verhindern.

Die sich links an den Einbruchsraum anschließende 24. Division setzte ihren Vormarsch gegen den sich heftig wehrenden Gegner fort und steht nordwestlich von Taechon noch etwa 55 Kiliometer von der mandschurischen Grenze entfernt.

Frauen an der Front

Die Nordkoreaner haben sämtliche schweren Waffen eingesetzt und Frauen zur Unterstützung der Kampftruppen an die Front geführt. 18 Panzer und sieben Sturmgeschütze wurden von der 24. Division und der sich links anschließenden britischen 27. Brigade von alliierten Flugzeugen abgeschossen. Die zerschlagene sechste südkoreanische Division hat in den letzten drei Tagen in Kämpfen mit den etwa 10 000 Mann starken nordkoreanischen und chinesischen Tnippen ein Drittel ihrer Einheiten verloren.

Auch an den anderen Frontabschnitten konnten die in Stärke von 110 000 Mann am Montag zum Angriff angetretenen Streitkräfte der Vereinten Nationen keine größeren Geländegewinne erzielen. Am linken Flügel der Nordwestfront kämpft die 27. britische Brigade um einen Brückenkopf hart ostwärts von Congju.

Schon seit dem 15. September

Aus dem Hauptquartier Mac Arthurs wird bekanntgegeben, daß die kommunistischen Angreifer im Raume Onjang nur „wenige unbedeutende Geländegewinne“ erzielen konnten. Die Lage der Nordkoreaner wird als „verzweifelt“ bezeichnet. Die südkoreanischen Verbände im Einbruchsraum werden gegenwärtig neu formiert.

Vom zehnten amerikanischen Armeekorps wurde erstmalig offiziell bekanntgegeben, daß die Anwesenheit chinesischer Kommunisten in den nordkoreanischen Verbänden bereits seit dem 15. September bekannt gewesen sei, als die alliierten Truppen bei ihrer Landung in Inchon zahlreiche Chinesen gefangengenommen haben, die niemals zuvor in Korea gewesen seien und nur chinesisch gesprochen hätten.

Man habe dieser Tatsache aber vorerst keine besondere Bedeutung beigemessen,

Tapferer Widerstand

Saigon, 30. Oktober. (AP.) Die Besatzung der französischen Grenzfestung Lao-kay hat am Montag den Flugplatz der Stadt wieder freigekämpft, der seit zwei Tagen unter dem Feuer der kommunistischen Vietminh-Truppen lag und nicht benutzt werden konnte. Das Flugfeld ist für eine etwaige Evakuierung der Truppen auf dem Luftwege von großer Bedeutung.

Kampf um Lastenausgleich beginnt

Lukaschek bleibt beim Nein! / Die Heimatvertriebenen protestieren

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 30. Oktober. Nachdem Bundesfinanzminister Dr. Schäffer einem Journalisten gegenüber erklärt hatte, Minister Dr. Lukaschek habe seine Abänderungsvorschläge zum Lastenausgleichsgesetz in der letzten Kabinettssitzung nicht mehr vorgebracht, betonte der Flüchtlingsminister am Montag, er habe in der Kabinettssitzung lediglich zugestimmt, daß der mit Mehrheit angenommene Gesetzentwurf den parlamentarischen Instanzen zugeleitet werde. Mit dieser Feststellung habe Minister Dr.

Lukaschek jeden Zweifel darüber beseitigt, daß er an dem Nein, das er im Kabinett erklärt hat, festhält und im Rahmen seiner Möglichkeit auf der parlamentarischen Ebene den Kampf gegen den Schäfferschen Entwurf fortsetzen will.

Am Donnerstag findet in Bonn eine Tagung des Zentralverbandes der Vertriebenen statt, an der Minister Dr. Lukaschek teilnehmen wird, und mit der die Vertriebenen anscheinend die Generaloffensive gegen den Regierungsentwurf eröffnen wollen. Der Zentralverband beabsichtigt, wie er das bei dem Schadensfeststellungsgesetz bereits getan hat, auch zum Lastenausgleich durch Vertriebenen-Abgeordnete einen eigenen Gesetzentwurf einzubringen. Kreise, die Minister Dr. Lukaschek nahestehen, erklären, der Minister denke vorläufig nicht an die Demission. Die Entscheidung über den Lastenausgleich werde im Bundestag fallen und erst nach dieser Entscheidung werde er notfalls Konsequenzen ziehen. Von seifen des Zentralverbandes der

Vertriebenen wurde am Montag mitgeteilt, daß das Büro aus allen Teilen des Bundesgebietes Protestschreiben und Protesttelegramme erhalten habe. Vorläufig könnten die Vertriebenen durch die Mitteilung beruhigt werden, daß das letzte Wort nicht von der Bundesregierung, sondern vom Bundestag gesprochen werde. In einem Kommentar zu dem Schäfferschen Entwurf, der jetzt die Billigung des Kabinetts gefunden hat — Minister Dr. Lukaschek hat aber sein Nein ins Protokoll aufnehmen lassen — erklärt der Zentralverband, daß der neue Entwurf zwar einzelne Verbesserungen gegenüber den früheren enthalte, aber in entscheidenden Punkten nicht befriedige.

Die Aufbringung der Mittel, wie sie der Regierungsentwurf vorsehe, könne nicht als eine Abgabe von der Vermögenssubstanz genannt werden. Die Zugeständnisse gegenüber der Landwirtschaft seien zu weitgehend, da dieser ein doppelter Vorteil gewährt werde, indem sie nicht nur eine niedrigere Abgabe leisten solle, sondern außerdem noch ihr Vermögen nach überholten Einheitswerten berechnet erhalte. Auch die Tatsache, daß der erhalten gebliebene Hausrat nicht erfaßt werden soll, wird von der Vertriebenenorganisation scharf kritisiert.

Die Hauptentschädigung, die die Vertriebenen erhalten sollen, sei keine wirkliche Entschädigung und ebensowenig könnten die Leibrenten für alte und erwerbsunfähige Personen, wie sie der Entwurf vorsehe, als eine Entschädigung bezeichnet werden.

Chinesischer Vormarsch auf Chasa

Noch dreihundert Kilometer von der tibetanischen Hauptstadt

Hongkong. 30. Oktober, (dpa) Die kommunistischen chinesischen Verbände, die in Tibet eingedrungen sind, haben sich in zwei Marschsäulen aufgespalten. Die eine rückt in Richtung auf die tibetanische Hauptstadt und den Sitz des Dalai Lama, Lhasa, vor und soll, wie in Neu-Delhi bekannt wird, nur noch 300 Kilometer von der Hauptstadt entfernt stehen. Die andere bewegt sich in Richtung auf Schigatse, die zweitgrößte Stadt Tibets und Heimat des in Westchina lebenden Pantschen Lama.

Wie es in den Berichten aus Hongkong heißt, sind vor etwa einer Woche 50 000 Mann kommunistischer chinesischer Truppen unter dem Befehl des einäugigen Kommandeurs der zweiten chinesischen Feldarmee, General Liu Potscheng, aus der chinesischen Westprovinz Sikang in Tibet eingefallen. Mit einem ernsthaften Widerstand der Tibetaner wird nicht gerechnet. Wenn keine Hilfe von außen komme, dann werde die „Befreiungsarmee" innerhalb von fünf Wochen das ganze Land besetzt haben.

Die geplanten Verhandlungen zwischen einer tibetanischen Delegation und den chinesischen Kommunisten in Peking seien aussichtslos und nur eine leere Geste. Peking wird die bedingungslose Kapitulation fordern, wird von chinesischer Seite in Hongkong erklärt. Die chinesischen „Befreier“ dürften Lhasa bereits besetzt haben, bevor die tibetanischchinesischen Verhandlungen in Peking abgeschlossen sind.

Malik wieder abgewiesen

Lake Suceess, 30. Oktober. (AP.) Der Politische Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am Montag mit überwältigender Mehrheit eine sowjetische Resolution abgelehnt, die vorsah, daß der Staat, der als erster die Atombombe einsetzt, als Kriegsverbrecher gebrandmarkt wird.

Für die Entschließung stimmten fünf, dagegen 35 Staaten. 18 Delegierte enthielten sich der Stimme.

Die sowjetische „Friedensresolution“ sah außerdem die Verurteilung kriegstreiberischer Propaganda, den Abschluß eines Friedenspaktes zwischen Großbritannien, der Sowjetunion, Frankreich, den Vereinigten Staaten und China und die Verringerung der Rüstungen dieser Mächte um ein Drittel vor.

Die Abstimmung erfolgte Punkt für Punkt.

Moaoskau weiter gegen Lie

Neuyork, 30. Oktober, (dpa) In einer nichtöffentlichen Sitzung des Sicherheitsrats erklärte der Sowjetdelegierte am Montag, daß die Sowjetunion den Generalsekretär Trygve Lie nicht als solchen anerkennen würde, falls seine Amtsdauer verlängert wird.

Grhard nicht amtsmüde

Erlangen, 30. Oktober, (dpa) Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard wies am Montag in Erlangen Prognosen über seinen Rücktritt mit den Worten zurück: „ich bin nicht amtsmüde und fühle mich sehr wohl in meiner Haut.“

Erhard äußerte, die Spartätigkeit in der Bundesrepublik sei „nett und erfreulich“. Die Bundesrepublik lebe heute nicht mehr vom Marshallplan, sondern von ihrer Arbeit. Allerdings sei die Gewerbefreiheit durch die Amerikaner allzusehr erweitert worden. Statt der früheren 500 Importeure im Bundesgebiet gäbe es heute 15 000.

3timmen der Anderen

AUnser aller Geld

Die Wochenschrift „CJirist und Welt“ hat eine umfangreiche Darlegung begonnen, die sich mit den Besatzungskosten befaßt. Es wird erklärt, daß ausweislich des vorliegenden Materials in der .Zeit von 1945 bis zum Rechnungsjahr 1950/51 ein Betrag von rund 25 Milliarden RM/DM an anerkannten Besatzungskosten aufgebracht beziehungsweise in den Haushalt eingesetzt worden ist, ohne daß die Demontagen, die verlorenen Patente und die Auslandsguthaben mitgerechnet wären. Es sei nunmehr an der Zeit, daß von dem System der Besatzungsmacht ab und zu dem der Schutzmacht übergegangen werde. Zur Begründung heißt es u. a.:

„Während einer Besatzungsdauer von über fünf Jahren ist vor den alliierten Militärgerichten in Deutschland kein einziger Fall irgendeiner organisierten Sabotage gegen die Besatzungsmächte verhandelt worden.

Es gab vom Tage der Besetzung an keine Widerstandsbewegung. Die Besatzungstruppe brauchte als Polizeitruppe kaum je in Erscheinung zu treten. Es wird daher von niemand mehr behauptet, daß die äußerst kostspielige Besetzung Deutschlands heute noch aus den Gründen aufrechtzuerhalten sei, die 1945 vorlagen. Wäre nicht die sowjetrussische Drohung gegen ganz Europa vorhanden, so könnte man heute die Besatzungstruppen bis auf je ein symbolisches Regiment jeder Besatzungsmacht ebenso zurückziehen, wie andererseits der zivile Verwaltungsapparat der Besatzungsmächte bis auf kleinste Spitzenbehörden entbehrlich geworden ist . . . Der alte Besatzungszweck ist weggefallen. Der neue Besatzungszweck ist ein gesamteuropäischer Auftrag . . . Die ohne Schuld der Deutschen neu entstehenden Besatzungskosten sind daher nicht ohne werteres von der Bundesregierung zu übernehmen, sondern die Bundesregierung kann sich nur an den Kosten beteiligen, und zwar im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes . . . Wenn schon Uebereinstimmung darüber besteht, daß jetzt nicht nur Paris und Brüssel, sondern auch Chicago und Detroit an der Elbe verteidigt werden müssen, so ergibt sich daraus, daß völlig neue Maßstäbe an die entstehenden Kosten anzulegen sind . . .

Es ist ein Fonds zur Verteidigung Europas zu bilden, in den alle Teilnehmerstaaten nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit beisteuern. In diesen Fonds bezahlt auch Westdeutschland seinen Beitrag, der alle jene Besatzungskosten ablöst, die bisher für die Anwesenheit fremder Truppen auf deutschem Boden erhoben wurden.“

Fernsehversuche der Post

FrankfurfMain, 30. Oktober (dpa) Die Bundespost will zwischen Hamburg und Köln versuchsweise eine Fernsehverbindung herstellen, falls sie sich bewährt, soll sie künftige Fernsehsender im Bundesgebiet verbinden und den Durchgangsverkehr für internationale Fernsehdarbietungen übernehmen.

Der französische Außenminister Schuman hat sich nach Rom begeben.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg

51)

Gleich von der ersten Begegnung an hatten beide das Empfinden, im anderen eine interessante Persönlichkeit gefunden zu haben. Er stellte einen sehr ungewöhnlichen Typ des Geistlichen dar. Er war ein großer stattlicher Mann mit der Bildung eines Gelehrten und der religiösen Inbrunst eines Propheten. Aus guter Familie und wohlhabend, tolerant gegenüber anderen und gleichzeitig an sich selbst die höchsten ethischen Forderungen stellend, vereinigter die Eigenschaften eines Verkünders der Heiligen Schrift mit denen eines Weltmannes.

Er lebte einfach und würdig in einem großen alten Haus, in dessen Studierzimmer er Henriette mehr als einmal empfing. An jedem Tag, außer den Sonnabenden und Sonntagen, stand sein Haus zwischen vier und sechs Uhr jedem offen, der da kommen wollte, und in diesen Stunden widmete er seine ganze Aufmerksamkeit und sein ganzes Herz den religiösen und politischen Problemen seiner Besucher, Henriette sprach zunächst wenig über sich selbst und ihr Leben im Hause Praslin. Sie sprachen gewöhnlich über seine Predigten oder über die Unruhe und Unzufriedenheit im Volke, die politischen Irrtümer, die der König mit seinen Ministern beging. Seine Ansichten waren stets weise und wert, gehört zu werden. Und er verstand es, sie

dazu zu bringen, sich frei und ungehemmt zu allem zu äußern.

„Ach, Mademoiselle Deluzy“, warnte er sie dann wohl, „Sie sind viel zu übereifrig und idealistisch. Sie dürfen sich nicht zu voreiligen Schlußfolgerungen verleiten lassen, wenn Sie auch' Ihren John Stuart Mill gründlich kennen und aus Miß Barret „Kindertränen“ in einwandfreiem Englisch zitieren können. Selbstverständlich wäre die Welt ein angenehmer Aufenthalt, wenn alle Menschen gut ernährt und gut erzogen werden könnten. Aber vergessen Sie nicht, daß man noch keine Methode gefunden hat, um den menschlichen Hirnen das Wissen einzutrichtern. Man könnte mutlos werden, wenn man sieht, wie viele Menschen völlig stumpf gegen den Segen der Bildung sind.“

„Mag sein“, beharrte sie eigensinnig, „aber ich sage trotzdem, jedem sollte die gleiche Chance geboten werden. Nur auf diese Weise wird man jemals ausfindig machen können, wer stumpf und wer aufnahmefähig ist.“

So tauschten sie auf das freundschaftlichste ihre Meinungen aus, manchmal ihren verschiedenen Standpunkt gegeneinander verfechtend, manchmal in voller Uebereinstimmung, bis andere Besucher kamen und der Kaffee in dem alten Familienporzellan serviert wurde, das Henriette beredt von seiner vornehmen Herkunft und seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit sprach. Und immer verließ sie sein Haus erfrischt an Leib und Seele. Seine Frau hatte sie nur einmal getroffen, und sie wußte von seinem Leben so wenig wie er von dem ihren; es war ein geistiges Band, das sie einte und ihre Sinne an der Freundschaft nicht teilhaben Jieß, wofür sie in ihrer Verwirrung und Not dem Himmel dankbar war.

So schrieb sie denn, nachdem sie die Briefe an Remeys und Madame Le Maire beendet hatte, an den Pastor Monod, um auch ihm für das kommende Jahr alles Gute zu wünschen. Es wurde eine liebenswürdige, scharmante Epistel, und Henriette fühlte sich der ganzen Welt gegenüber wohlwollender gestimmt, als sie den Umschlag siegelte. Es machte ihr Vergnügen, die Feder über das kostbare Schreibpapier des Schlosses gleiten zu lassen. Impulsiv griff sie nach einem neuen Bogen und richtete Neujahrsgrüße an ihren Großvater. Sie konnte sich diese Großmut dem harten alten Mann gegenüber leisten. Schließlich war er ihr einziger Angehöriger, und sie wollte den ersten Schritt zur Versöhnung machen.

Sie empfand es als eine nicht geringe Befriedigung, einen Hundertfrancschein beifügen zu können.

„Wenigstens kann er jetzt nicht behaupten“, dachte sie, „ich sei undankbar, für was immer er mich sonst auch halten mag.“

Und noch immer blieb sie am Schreibtisch sitzen, den Blick nachdenklich auf das Papier gerichtet; rein und weiß lag es vor ihrer Hand und dort waren Feder und Tinte, so nahe, und doch durfte sie nicht den einen Brief schreiben, der ihr Herz erleichtert hätte. Selbst ein harmloses „Fröhliches neues Jahr!“ würde, wenn es ihre Unterschrift trug, in den Augen jener anderen Frau in etwas Häßliches verdreht werden können. Henriette wagte nicht einmal diesen unschuldigen Gruß.

Die ersten Monate des neuen Jahres verliefen still und ereignislos. Die Wochen gingen so dahin ohne besondere Unterbrechung außer den kurzen Besuchen des Herzogs. Er verbrachte lange Stunden bei seiner Mutter, sofern er nicht die Arbeiten im Park beaufsichtigte. Man hatte gerade angefangen, ein neues Treibhaus zu bauen, und der Herzog steckte voller Pläne, was er alles für seltene Pflanzen darin züchten wollte.

„Was liegt Ihnen an all diesen Treibhausblumen, Monsieur?“ fragte sie ihn einmal, als er sie durch das halbfertige Glashaus führte und ihr erklärte, was da alles im kommenden Winter blühen würde. „Bald gibt es Schneeglöckchen und Primeln in den Wäldern, und dann kommt auch schon der Sommer. Natürlich werden diese künstlich gezüchteten Blumen eine seltene Kostbarkeit sein, aber doch finde ich, daß wir die Jahreszeiten nicht verwechseln sollten.“

„Aber das ist ja gerade der Spaß dabei“, sagte er. „Mir macht es Vergnügen, mich nicht an die Jahreszeiten halten zu brauchen. Außerdem ist es eine Zerstreuung; irgend etwas muß man ja zu tun haben.“

Obwohl er dies lächelnd sagte, fühlte sie die Langeweile hinter seinen Worten, und deshalb erwähnte sie das Gewächshaus nicht wieder. Er verließ sie, um mit einigen Arbeitern zu sprechen, die einen der großen Heizöfen mauerten. Sie betrachtete ihn, wie er dastand, die Männer mit Kopf und Schultern überragend und sie wie Zwerge neben seiner hühnenhaften Gestalt erscheinen lassend. Er hatte den Kopf zur Seite gewand, und sie war aufs neue von dem Ebenmaß seiner Züge überrascht. Ja, sein Gesicht war schön, doch seine vollen Lippen und Wangen und die feinen Fältchen unter den Augen ließen sein Alter deutlich erkennen. Im Profil dagegen trat die stolze klare Linie um so schärfer hervor. Sie fühlte sich an den Kopf einer alten Münze erinnert.

„Wie schade“, dachte sie, „daß er nicht zu einer anderen Zeit gelebt hat. Nicht in Griechenland vielleicht — dazu ist er zu ungestüm —, eher hoch oben irgendwo im Norden. Ja, er gleicht dem Kopf einer Gailionsfigur an einem Wikingerschiff. Er gehört einem Zeitalter an, in dem es für einen Mann genügte, stark und schön zu sein. Jetzt gilt das weniger als die Gewitztheit des Verstandes, die Ränke anderer noch zu übertrumpfen.“

„Kommen Sie!“ Er war wieder an ihrer Seite. „Ich will Ihnen zeigen, wo ich nächsten Sommer den neuen Pavillon am Seerosenteich bauen will.“ „Nein, ich bin schon zu lange von den Kindern weggewesen“, sagte sie. „Ich muß jetzt gehen. Außerdem friere ich hier in dem kalten Wind.“

„Sie sehen aber gar nicht kalt aus“, wandte er ein mit einem entwaffnenden Blick. „Ihre Lippen sind noch nicht blau, und Ihre Wangen sind ausgesprochen rosig.“

Sie ließ sich jedoch nicht überreden. „Aber ich finde es nun einmal kalt“, entgegnete sie. Sie eilte ins Schloß zurück mjt jenem seltsamen Gefühl innerer Wärme und all den zwiespältigen Empfindungen, die jedes Zusammensein mit dem Herzog neuerdings zurückließ. Nur fragte sie sich jetzt nicht mehr: wie soll das alles enden? Sie war sich bewußt. daß sie in einem Netz gefangen war, das sie nicht selbst geknüpft hatte.

(Fortsetzung folgt)

Es gibt keine Beschwerde-Instanz

„Säuberung“ in Hessen beginnt / Runderlaß der Landesregierung

Wiesbaden, 30. Oktober. (Eigener Bericht.) Nach einem am Montagabend von der Landesregierung herausgegebenen Runderlaß sind die von ihr am 18. Oktober beschlossenen Richtlinien über die Entlassung von Staatsbediensteten wegen politischer Betätigung gegen die demokratische Grundordnung allen im öffentlioien Dienste Beschäftigten gegen Untero^Hntzugeben. Weiterhin haben alle Behördenleiter die erforderlichen Ermittlungen, wobei in jedem Einzelfalle selbstverständlich der Betroffene zu hören ist, beschleunigt und mit größter Sorgfalt durchzuführen. Ueber das Ergebnis und die zu treffende Maßnahme entscheidet dann ausschließlich die oberste Dienstbehörde, das heißt der Minister, auch über die eventuellen Einsprüche des Betroffenen.

Um eine gleichmäßige Bearbeitung aller Fälle zu gewährleisten, wurde ein Ausschuß gebildet, der sich aus je einem Vertreter der Ministerien sowie einem des Landespersonalamtes zusammensetzt. Ist der Minister mit dem Vorschlag des Ausschusses in einem Einzelfalle nicht einverstanden, so entscheidet das Kabinett.

Es gibt für den von den Richtlinien Betroffenen keine Beschwerdeinstanz. Für Angestellte und Arbeiter des öffentlichen Dienstes ist lediglich das Arbeitsgericht, für Beamte aber das Verwaltungsgericht zuständig.

Weiter sieht der Runderlaß der Landesregierung vor, daß jeder Bewerber für den öffentlichen Dienst künftig eine Erklärung abgeben muß, daß er auch auf dem Boden des Grundgesetzes und der hessischen Verfassung stehe und seine Treuepflicht nach den Bestimmungen des Beamtengesetzes erfüllen wolle.

Bund der Steuerzahler

Wiesbaden, 30. Oktober. (Eigener Bericht.) Etwa Mitte September d. J. ging dem Bund der Steuerzahler, wie er mitteilt, aus Darmstadt ein Schreiben zu, in dem über angeblich unkorrekte Zahlungen an Landtagsabgeordnete Klage geführt wurde. Der Bund der Steuerzahler hat nach langen vertraulichen Ermittlungen auch mit dem Präsidenten des Landesrechnungshofes in Darmstadt eingehend die ihm zugegangenen Klagen besprochen. Nunmehr hat der Bund bei dem Präsidenten des Landtags beantragt, durch unabsetzbare Richter eine Untersuchung der Klagen vornehmen zu lassen.

Wie weiter dazu bekannt wird, soll es sich bei den „unkorrekten Zahlungen“ um Auszahlungen von Diäten, Tagesgeldern und Kilometergeldern handeln.

Totmacher Pleil vor dem Richter

Der zehnfache Mörder schildert seine Untaten

Braunschweig, 30. Oktober. (AP.) Vor dem Braunschweiger Schwurgericht hat am Montag das Verfahren gegen den 26- jährigen „Totmacher a. D.“ Rudolf Pleil begonnen, dem zehn Morde und ein versuchter Mord zur Last gelegt werden.

Pleil, der einen überraschend ruhigen und unbefangenen Eindruck machte, schilderte am ersten Tag der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet, die zehn Morde und den einen Mordversuch in allen Einzelheiten. Er habe stets die Beraubung der Opfer, bis auf einen Mann alles Frauen, den beiden Mitangeklagten Karl Hoffmann und Konrad Schüßler überlassen.

Der Angeklagte war im Juli 1947 wegen Raubmordes an einem Mann zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden und hatte im Celler Zuchthaus ohne äußeren Anlaß seine weiteren Verbrechen in einem Tagebuch geschildert, das er „Mein Kampf“ nannte. Sich selbst nannte er in diesem „Werk“ den „Totmacher a. D.“. Pleil hatte außerdem „in Anbetracht seiner Erfahrung“ bei der Bundesregierung beantragt, als Henker eingestellt zu werden.

Pleil berichtete, wie er in seiner Jugend aus der Schmiedelehre wegen Unehrlichkeit entlassen worden sei und sich als Kellner, Koch und Schiffsjunge durchgeschlagen habe. Wegen epileptischer Anfälle hätte ihm ein Arzt von der Heirat abgeraten, aber 1945 hätte er dennoch geheiratet und bekam eine Tochter. Seine Frau, von der er sich scheiden ließ, lebt in der Ostzone.

Als er 1945 nach Einmarsch der Russen als Hilfspolizist einen Mann anschoß, den er beim Plündern ertappte, habe er zum erstenmal Blut gesehen. Etwas später als Reisevertreter, hätte er die erste Frau ermordet, die mit ihm und Hoffmann bei Helmstedt in die Ostzone wollte. Er habe sie nur „bewegungsunfähig“ machen wollen, um sie zu vergewaltigen, schlug aber so lange auf sie ein, bis sie tot gewesen sei. Pleil betonte immer wieder, daß sein Gefühl stärker gewesen sei als sein Wille. Seine übrigen Opfer hatte er ebenfalls zwischen Mai 1946 und Februar 1947 beim Zonengrenzübertritt mit Eisenstangen und Beilen erschlagen.

Die Verhandlung, die am ersten Tag von rund 40 in- und ausländischen Pressevertretern besucht war, wird voraussichtlich 12 Tage dauern. Unter den 67 geladenen Zeugen befindet sich neben Polizeibeamten und Aerzten auch Frau Schmidt aus Schönberg in' Schleswig-Holstein, die als einziges Opfer Pleils mit dem Leben davonkam.

Vor Beginn der Verhandlung hatte Pleil gebeten, keine Frauen in den Gerichtssaal zu lassen, da ihr Anblick ihn aufrege. Er hatte ferner verlangt, die Vertreter von Zeitungen auszuschließen, da sie über ihn „schlecht und unwahr“ berichtet hätten.

Der „Scheinwerfer“-Prozeß

München, 30. Oktober, (dpa) Der ehemalige Herausgeber des illegalen Informationsdienstes „Scheinwerfer“, Joachim Nehring, wurde am Montag von einer Münchner Spruchkammer in die Gruppe der Belasteten eingestuft. Im einzelnen wurden ihm vier Jahre Arbeitslager auferlegt, von denen ein Jahr als verbüßt gilt. Fünfzehn Jahre Berufsverbot und Abgabe von 25 Prozent seines Vermögens zu Wiedergutmachungszwecken. Der Betroffene will gegen diesen Spruch Berufung einlegen.

Die Kammer begründete den Spruch damit, daß Nehring in seiner Eigenschaft als Kreishauptmann in Galizien im Krieg ungerechte und bürgerrechtswidrige Maßnahmen ausgeführt und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, insbesondere die NS-Rassenlehre, tatkräftig unterstützt habe. Er sei auch heute noch ein überzeugter Nationalsozialist und habe durch Verbreitung nationalsozialistischer Ideen im „Scheinwerfer“ nach 1945 den Aufbau des demokratischen Staates bewußt erschwert.

In wenigen Zeilen

Im Bundesgebiet gab es Mitte dieses Jahres 496 000 Handwerkslehrlinge.

* Der Bund der Steuerzahler hat schärfste Verwahrung gegen die Wahl Bückeburgs zum Sitz des Bundesbranntweinmonopols eingelegt.

* Den Obstbrennereien werden zur Verwertung der überschüssigen Obsternte für 1950/51 wesentlich erweiterte Brennrechte eingeräumt werden.

Der Automobilklub von Deutschland hat schärfsten Protest gegen eine geplante Autobahn- und Treibstoffsteuer erhoben.

* Für wirtschaftliche Aufbaumaßnahmen in Watenstedt-Salzgitter hat die Bundesregierung einen ersten Kredit von 9 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. (HR) 44 000 Personen haben in den ersten zehn Monaten dieses Jahres die sowjetische Besatzungszone verlassen, ohne sich polizeilich abzumelden. *

Im Kreise Wismar in der Sowjetzone wurde für das letzte Vierteljahr 1950 je Hausbrandgrundkarte ein halber Zentner Briketts aufgerufen. *

Die Kommunisten haben am Sonntag in der österreichischen Sowjetzone bei den Gemeindewahlen eine schwere Niederlage erlitten. *

Die Vereinigten Staaten von Amerika erwägen die Zurückziehung ihres Botschafters und seine Ersetzung durch einen Geschäftsträger in Prag.

Wirtschaftsblatt

Ein Fehlgrist?

F. C. Die Diskonterhöhung hat mancherlei Kritik ausgelöst. Teile der Bundesregierung und Kreise der Wirtschaft treffen sich in der Ablehnung dieser Maßnahme. Ihre Gegnerschaft stützt sich auf beachtliche Argumente.

Der Bundesfinanzminister empfindet die Diskonterhöhung als einen Torpedoschuß gegen die geplante Bundesanleihe. Inmitten eines offiziell aufgestockten Zinssatzes dürfte Dr. Schäffer mit den Anleihebedingungen, die die Bundesanleihe reizvoll machen sollen, kaum mehr zum Zuge kommen. Der Bund und die Länder sehen sich gleichzeitig durch die Diskonterhöhung zusätzlich belastet.

Das Ausmaß der Diskonterhöhung hat zweifellos auch in der Wirtschaft ernste Bedenken ausgelöst. Die Aufstockung des Diskontsatzes und des Lombardsatzes wird sich in den Unkosten-Kalkulationen niederschlagen. Dazu sieht sich die Wirtschaft beängstigenden Entwicklungen in der Kredithergabe gegenüber. Die Geschäftsbanken hatten sich bisher die geforderten erhöhten Reservemittel mit Hilfe von Wechseldiskontierungen beim Zentralbanksystem verschafft. Angesichts der Diskonterhöhung und der Kontingentierung des Akzeptkredites werden die Geschäftsbanken stärker als bisher die Vergebung neuer Kredite einschränken und darüber hinaus auf die Rückgabe bereits gegebener Kredite drängen. Auch aus diesen Gründen setzt die Diskonterhöhung der Aktivität der Industrie einen starken Dämpfer auf.

Ist es aber notwendig, gerade jetzt so stark die Bremsen anzuziehen? Die Umsatzrückgänge im Einzelhandel lassen sich als eine gewisse Normalisierung der Nachfrage bewerten. Die Lohnerhöhung und die sonstigen wachsenden Unkosten schränken die Möglichkeit weiter Kreise der Wirtschaft ein, weiterhin aus den Fettpolstern der Eigenfinanzierung zu investieren. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hat darüber hinaus nachgelassen, während der Spareinlagenzuwachs wieder zunimmt. Auf Gegenwertskonten ist Geld in gewissem Umfang stillgelegt worden. Wird sich schließlich nicht die Zahlungsbilanz von selbst wieder entspannen?

Alles das sind gewichtige Argumente. Sie können aber gewisse Tatsachen nicht aus der Welt schaffen. Die Zahlungsbilanz gibt trotz aller Erläuterungen zu ernsten Bedenken Anlaß. Daneben ist der kurzfristige Kredit bei den Kreditinstituten stark zugewachsen. War es deshalb nicht doch notwendig, auch durch Diskonterhöhung das Geld zu verknappen? Die Diskonterhöhung löst zweifellos einen scharfen Druck aus. Die Bank deutscher Länder wird deshalb die Wirkung der getroffenen Maßnahmen peinlich zu beachten haben. Ihre Maßnahmen dürfen nicht in Strangulierungen ausarten. Unter solchen Gesichtspunkten wird man sie nach einiger Zeit überprüfen müssen.

Gegen Mißbrauch der Freiheit

Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben in einer Eingabe den hessischen Justizminister gebeten, die Staatsanwaltschaften darauf hinzuweisen, daß an der energischen strafrechtlichen Verfolgung von Wettbewerbsverstößen ein öffentliches Interesse besteht. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung sind nicht etwa Erzeugnisse einer autoritären Staatsführung, sondern in Zeiten echten liberalen Wirtschaftsgedankens entstanden. Ihre Vorschriften sind Spielregeln, die nicht die Freiheit beschränken, sondern den Mißbrauch der Freiheit verhindern sollen. Die Industrie- und Handelskammern und die übrigen Organisationen der Wirtschaft haben es stets als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachtet, durch Aufklärung und gütliches Einwirken für saubere und geordnete Wettbewerbsverhältnisse zu sorgen. Sie sind aber nicht in der Lage, die unbelehrbaren und böswilligen Elemente des Wirtschaftslebens in die gesetzlichen Schranken zu weisen. Sie halten es deshalb für notwendig, daß die den Staatsanwaltschaften bekannt werdenden Fälle mit Aufmerksamkeit und Nachdruck verfolgt werden. Verstöße wie unzulässige Rabatt- und Zugabegewährung, „Sonderveranstaltungen“, irreführende Werbung und nicht zuletzt das seuchenartig verbreitete „ Schneeball-System“ schädigen nicht nur die sich an die anerkannten Spielregeln des freien Wettbewerbs haltenden Kaufleute, sondern auch die Verlockungen leicht zugänglichen Verbraucher in einem Maße, daß die strenge Anwendung der gesetzlichen Mittel unbedingt geboten erscheint.

Preisbindung für Speiseöl aufgehoben

Hi. Die Bundesregierung hat die Preisbindung für Speiseöl und die Rohstoffe für Margarine und Speisefette auf gehoben. Damit ist die Preisbindung für Platten- und Kunstspeisefette entgegen der ursprünglichen Absicht beibehalten worden. Da die wesentlichen Haushaltsfette, wie Butter, Schweineschmalz, Margarine Platten- und Kunstspeisefette nach wie vor preisgebunden bleiben und die Margarineindustrie sich verpflichtet hat, einen ausreichenden Anteil an billiger Tafelmargarine (Verbraucherpreis bis zu 2,10 DM je Kilogramm) auf den Markt zu bringen, ist die Versorgung der Bevölkerung mit Haushaltsfetten zu den bisherigen Preisen auch weiterhin sichergestellt.

Zahlungsmittelumlauf verringert

Bz. Die dritte Oktoberwoche 1950 brachte eine Verringerung des Zahlungsmittelumlaufes um 398,0 Mill, auf 7,52 Milliarden DM. Die Guthaben der Landeszentralbanken haben sich um 45 Mill. DM auf 498 Mill. DM erhöht Ebenso sind die beanspruchten Kredite um 64 Mill. DM auf f 4,489 Milliarden DM zurückgegangen.

Die Lücke bei NE-Metallen

vwd Die Liberalisierung in den Nichteisenmetallen hat nicht die erwartete Erleichterung gebracht. Begehrte Nichteisenmetalle sind augenblicklich schwer zu erhalten. Das gilt besonders für Aluminium. Die dem Bundesgebiet gestattete Monatsproduktion von 7000 Tonnen Aluminium kann mit den demontierten Produktionsstätten und bei der ungenügenden Stromversorgung nicht ausgenutzt werden. Eine Rückkehr zur Bewirtschaftung im alten Sinne, um Angebot und Nachfrage auszugleichen, kommt nach Ansicht des NE-Metallhandels nicht in Frage. Auch Verwendungsverbote seien ungeeignet. Nach Ansicht des Handels müßte es möglich sein, ohne schärfere Maßnahmen mit den bereits vorhandenen Vorschriften auszukommen. So können nach den derzeitigen Bestimmungen bei den Einfuhren ohne weiteres Auflagen erteilt werden.

25,5 Mill. Tonnen Kartoffeln

vwd Die Kartoffelernte der Bundesrepublik beträgt nach bisher vorliegenden Ernteergebnissen 25,5 Millionen Tonnen. Der Bedarf der Nichtselbstversorger wird mit sieben Millionen Tonnen, der Verbrauch der Selbstversorger mit drei Millionen Tonnen angegeben. Veranschlagt man den Schwund mit zehn Prozent, den Pflanzkartoffelbedarf mit 2,75 Millionen Tonnen und den Bedarf an Industriekartoffeln mit 0,5 Millionen Tonnen, so verbleibt ein Futterrest für Schweinemast von 9,7 Millionnen Tonnen.

Lohnverhandlungen gescheitert

Verhandlungen der im Hauptverband des deutschen Malerhandwerks zusammengeschlossenen Landesinnungsverbände mit Vertretern der Gewerkschaft Bau, Steine und Erden über eine Lohnerhöhung im Malerhandwerk haben zu keiner Einigung geführt. Die Arbeitgeber erklärten, die Weiterbeschäftigung der Gesellen in den Wintermonaten sei wichtiger als eine Lohnerhöhung.

Höhere Exportzölle

vwd Pakistan und Mexiko haben den Exportzoll für Baumwolle erhöht, und zwar Pakistan um acht Dollar-Cents je Ib. Die Zollerhöhung erstreckt sich auf noch nicht verschiffte Ware. Diese Maßnahme hat in der westdeutschen Baumwollindustrie starke Beachtung gefunden.

Höhere Milchleistungen

Hessens Landwirtschaft verbessert die Zuchtherden

Er. In den vorletzten Jahren erzielte Hessen eine Durchschnittsleistung von 1600 bis 1800 Liter Milch je Kuh und Jahr. Sie wurde im laufenden Jahr wohl auf 2200 Liter gesteigert, dennoch reicht dieser Milchertrag bei weitem nicht an die erzielbare Durchschnittsleistung heran. Die besten der mit Staatspreisen in diesem Jahre ausgezeichneten Zuchtherden brachten in Hessen 5075 und 5817 Liter Milch je Kuh und Jahr. Die Rentabilität der Milcherzeugung beginnt erst, wie fach wissenschaftliche Stellen nachweisen, bei einer Leistung von etwa 2900 Liter je Kuh und Jahr.

Wenn nun eine große Anzahl von Betrieben. in erster Linie sind es die kleineren Bauernbetriebe, in ihrer Kuhleistung unter 2900 Liter bleiben, so ist hier die Milchviehhaltung natürlich nicht rentabel. Diese Betriebe haben dann einen niedrigeren Lebensstandard, da sie mit einer Bewertung der Arbeitsstunde in geringer Höhe auskommen müssen. Ihre Kaufkraft für Produktionsmittel aus der Industrie (Düngemittel, Maschinen und dergl.) und für ihren eigenen Lebensunterhalt ist entsprechend niedriger als die der fortgeschrittenen Landwirte.

Durch die Förderung des Besuches der Landwirtschaftsschulen — auch hier gibt sich durch die Einführung der Schulgeldfreiheit die Möglichkeit des Schulbesuches für Kleinlandwirte —, durch die Tätigkeit der Tierzuchtämter und andere Maßnahmen sucht man die Produktion der zurückgebliebenen Betriebe zu verbessern. Zur Erhöhung der Milcherzeugung hat man nun in neuerer Zeit ein Verfahren ausgebildet und eingeführt, das für ganze Bezirke auch ohne Zutun und ohne die Initiative des einzelnen Betriebsleiters rasch zum Ziele führt. Es handelt sich um die künstliche Besamung der Kühe.

Während das Körgesetz für etwa 80 Kühe einen Bullen vorsieht, können durch die künstliche Besamung etwa 2000 Kühe durch einen Bullen befruchtet werden. Hierdurch ist es möglich, für große Bezirke wertvollste und daher teure Bullen mit bester Vererbungsleistung zu beschaffen. Wenn für einen Bezirk mit 2000 Kühen seither 25 Bullen erforderlich waren, so konnten diese schon der Preisfrage halber nicht alle von Kühen abstammen, die seit 3—4 Generationen 4—5000 Liter Milch und mehr mit entsprechend hohem Fettgehalt erbrachten. Andererseits konnte aber auch ein etwa erworbener Leistungsbulle wirtschaftlich nicht genügend ausgenutzt werden.

Bei der künstlichen Befruchtung werden die Kühe auf Freisein von seuchenhaften venerischen Krankheiten untersucht. Erforderlichenfalls wird die Behandlung der erkrankten Tiere angeordnet. Durch diese Maßnahme werden große volkswirtschaftliche Werte erhalten und verseuchte Bezirke nach kurzer Zeit seuchenfrei.

In Amerika, in Dänemark und in Westdeutschland, besonders in Schleswig-Holstein und Hannover war es so möglich, den Durchschnittsertrag an Milch je Kuh innerhalb weniger Jahre außerordentlich zu steigern. Während dieser z. B. im Juni im Bundesgebiet 6.2 Liter betrug, wurden in Schleswig-Holstein ie Kuh und Tag 12,3 Liter erzielt. Die Hauptabteilung für Landwirtschaft im Ministerium für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft ist zur Zeit mit der DurJ.führung der Vorarbeiten für die Einführung der künstlichen Besamung für ganz Hessen mit der Zentralstelle an der landwirtschaftlichen Hochschule in Gießen beschäftigt. Di' Stadt Wiesbaden hat für ihre über 2000 Kühe die künstliche Besamung mit bestem Erfolg schon eingeführt.

Börsen und Märhkcte

Bz. Die Frankfurter Börse begann die neue Woche in widerstandsfähiger und freundlicher Haltung. Tagesgeld stellt sich auf 53/4, Monatsgeld bleibt mit 6 Prozent lebhaft gefragt aber kaum angeboten. Der unmittelbar bevorstehende Monatsschluß scheint als Herbstultimo von der Geldseite her recht schwierig zu werden. An den Effektenmärkten blieben Aktien unverändert gefragt. Die Umsätze hielten sich allerdings in bescheidenem Rahmen.

Freie Devisenkurse

Am 30. Oktober 1950 wurden folgende freie Devisenkurse genannt: der USA-Dollar mit 5,15 bis 5,55 DM, das engl. Pfund Sterling mit 12,50 bis 13,50 DM, der Hollandgulden mit 1,15 bis 1.25 DM, der Schweizerfranken mit 1,15 bis 1.25 D-Mark, die dänische Krone gilt 0.48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone gilt 0,72 bis 0,78 DM und der österreichische Schilling mit 0.14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben sind für 1 DM-West 5,00 bis 5,20 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten worden.

Franlkkfurter Efssektenbõrse Kursblatt des D. T.

bz = bezahlt, b = Briefkurse, T — Taxe, alle übrigen sind Geldkurse (Sämtliche Kurse ohne Gewähr)

27. 10. 30. 10.
Pfandbr. u. Kom.-Obl.
4% Dt. Rtb. 34 A .. 7,25
4% Pr. Lpf.Anst.PL 7,5bz 7.5bz
4% do. Komm. Obi. 7,25 7,25bZ
4% Hess.Ldbk.PL. 7.75bz 7.75
4% Kass. Ldkr.Pf.. 7.75bz 7.75
4% Nass. Ldbk.P... 7.75bz 7.75
4% do. K0m.0b1... 7,75 7.75
4% Rhein. Giro PL. 8,25 8.25
4%Rheinprv.Pt.... 8,25 8.25
Dekosama I 17,12bz 17.12bz
4% Bayr. Hyp. PL . 7,62 4% Ffm Hyp.Bk.PL 7,75bz 7.62bz
7,75bz
4%Ffm.Hyp.obl. .. 7,37bz 7,37bz
4% Pfalz.Hyp.Pt. • • 7.75 4% Rh.Hyp.Bk.PL . 7,87bz 7,75bz
7.87bz
4% Westd. Bod. Cr 7,5 7,5bZ
Industrie-Anleihen
4% AEG 42 6.75 6,75
2% Aschaffbg. Zell. 6 6
4% Augsb -Nürnb. . 6,87
4% BMW 42 — 4%Daimler 42 ... 8.5 4% Degussa 43 ... 8.62bz 4fÄ%Ess. Stk. 41. 6,75 6.75 8.5
8.62bz 6.62
27. 10. 30. 10.
4'/2%Oesenb.Benz. — 7.25bz
4% Gelsenk. Bgwk. — 7.12bz
4% Harpener 42 .. 7,25 7.25
4y2%Hartm & Br. 7,75 7.5
5% Klöckner 39 .. 7,62 7,62
5% Metallges.' 39 . 8,5 8,5
5% Rh. Braunk. 40 8,37 8,37
4% Schluchsee 43 . 7
4%% Union Rhbr.. 8,25 7 8.12bz
4% Ver. Dt. Met. 42 8,12 8.12bz
Industrie-Aktien
Accutnulatoren.... 96 97,5bz
Ada-Ada-Schuh....—
41bZ
Allg. Bauges. Lenz. 28 —T3I
AEG 26bz 26,75bz
Andreae-Noris .... 180 180
Aschaffbg. Akt, Br. 50 50
Aschatfb Buntpap. — —Q
Aschaffbg. Zellst. ..75bz 74.5bz
Augsb.-Nilrnbg. ... 86 88.5
Bad. Maschinen ... 98 98
Baumw. Erlangen . 130 130
Bayr. Motorenwk-. 33,5bz 36bZ
27. 10. 30. 10.
Bemberg, I. P 79 79bz
Berger, Tiefbau ...30,5bz 30,5
Bin. Kraft u. Licht. 21.5 23bz
Brauh. Nürnberg .. 51 51
Brown Boveri — 115bz
Buderus Eisenw. ..76 77bZ
Burbach Kali 64bz 63
Chem. Albert 66 67bz
Conti Gummi 114,5 113,5
Daimlet Mot. Wk..58,5bz 59.5bz
Demag, Duisburg .84 84bZ
Dessauer Gas 20bz 20,5bz
Deutsche Erdöl ... 56bz 56,5 B
Deutsche Steinzeug 139.5 139.5
Degussa 7 sbz 78.75bz
Dt. Linoleum-Wk. . 1.9 119bz
Dt. Tafelglas 115 115
Didierwk. Wiesb. .85bz 85
Dierig, Chr 79 80bz
Eichbg.-Werger-Br. 50,5 B 50 B
Eisenb. Verkehrsm. 68,5 B 68 B
El. Licht ü. Kraft. 30 30
Enzinger Union ... 65 65
Eßlinger Maschinen 103 103
Ettlinger Spinnerei 160 160
27. 10. 30. 10.
Faber & Schleicher —
Fahr, Gebr — —•
Feinmech. Jetter ——
Feldmühle 79 80bz
Felten & Quill. ...69 70bz
Ffm. Masch. P.&W.88 88
Goldschmidt, Th. ..— 63bz
Gritzner-Kayser... toobz OObz
Grün & Bilfinger ..48,5bz 50bz
Hafenmühie Ffm. .—G —G
Hanau Hofbr.-Hausss 55
Hanfwk. Füssen ..128 128
Harpener Bergbau.74.sbz 74,5
Harpener Bonds . 46bz
Hartmann & Braun—
Heidelberg. Zement io9.sbz 109.5bz
Henninger-Bräu ...83bz 83
Hess.-Nassau Gas .85 85
Hoesch Eisen 63.75bz 63bz
Holzmann, Ph 29 sbz 29.5bz
Hotel AG 45 45
Junghans. Gebr. ..62 61
Kabelwerke RbeydtsB 58
Kali Cheml 92.5 92.5
Karstadt, Rud. ...76,5 76,5bZ
27. 10. 30. 10.
Kaufh. Hansa, Fftn. 80 80
KL, Schzl. & Becker 80 80
Klöcknerwerke....67,s 68bz
Knorr, Heilbronn .71 71.5
Konserven Braun
Kupfetberg Sekt ..45,5bz 46
Lahtneyer & Co. ..85 86
Lanz, Heb 56 56
Lindes Eismasch. .87,5 88
Mainkraftwerke... 88 88
Mainzer Akt -Br. ..57 57
Mannesm. Röhr. StA 57,5 58bz
Mannesm.Röhr. VA—
Masch.Hartm. Offb.Bo 82
Metallgesellschaft 64,5bz 64,5bz
Moenus Maschinen 45 45.5bz
Neckar-Wk. Eßling. 107,5 107.5
Nordd. Lederwerke 25 25
NSU —G 129
Odenw.Hartstein.. 80 80
Pfalz. Mühlenwk.. 90 90
Rhein.Braunkohle. 94,5 94.5
Rhein Elektrizität.9s 95
Rhein. Stahlwk. ..53 53,5bz
Rh.-Westf. Elektr.. 75 75
Roeder, Gebt 100 100
27. 10. 30. 10
Salamander Schuh.. — Salzdetfurth Kali . 63,5bz Salzwk. Heilbronn. 106 Sarotti AO 9i Schöfferh. Brauereiss,s
Schramm Lackfabr. 103 Schriftg. Stempel . ioo Seilindustrie W 01895 b Siem. & Halske StA44,2sbz Siem. & Halske VA44
Stollwerck, Gebt... 81
Südd. Zucker AG... 102.5 63
107bZ 92
55bz
103
lOObz —B
: 45bz 44.25 81
103.5bz
Veith Gummiwerke 120 Ver.Dt.Met.-Werke6sbz
Ver. Dt. Ölfabriken—G
Ver. Stahlwerke ..52,75bz Voigt & Haeffner..i23 Voltohm Seil 35 120bz 65bz —G
: 52,75bz 123 35
Wayß <1 Freytag .116
Westdt. Kaufhof .. 79 Wintershall 49bz 116 80bz 48,5
Zellstoff Waldbof . 48bz 49bz
Banken
Bayr.Hyp.Wchs.Bk. 31.5
Berl.Handels-Ges.. 15 31.5bz 15.5bz
27. 10. 30. 10
Commerzbank ...,23,5bz 24bz
Deutsche Bank.... 24.5bz 25bz
Dt.EH.-U.Wchs.-8K.25 25
Dresdner Bank ...24bz 24,25bz
Frankfurter Bank .26 26
Ffm. Hypoth.-Bk. .26,25bz
Pfalz. Hypoth.-Bk.. 22,75 22.75
Rhein.Hypoth.-Bk,. 24,75 24.75
Verkehr AG. für Verkehr ..33 34
Hapag 24 24
Norddt. Lloyd 21 21
Südd. Eisenb.-Ges.. 60 60
Versicherungen
Allianz Leben ....39bz 39
All. u. Stuttg. Ver.. 63bz —G
Unnotierte Werte
Beck & Henkel ....38 38
Chemiefas Inh. ...58bz 59,5bz
Chemiefas. Na. ...53 55.5bz
Chern. Btockhues .70 70
27. 10. 30. 10.
Dt. Waffen 26 26
Dingler Zweibr.... 92 92
Dfskusw 123 123
DyckerhoffZement. 120 120
Eisenh. Köln 44.5bz 44,5bZ
Fordwerke Köln .. 89 B 88 B
Gutehoffnungsh.... 64,5bz 65bz
Hutschenreuther .. 70 B 70 B
Kahla Porzell 30 30bZ
Kammg.Kaisers!... 94 94
Rh. Strohzellstoff. 115 115
Rosenthal-Porzell. 85 85
Schwab.Zellstoff.. 130 133
Süddt. Zellwolle... 115 118
Thür Zellw (nb. .. isbz 15bz
Thür. Zellw. NA ... 12,5bz 12,62bz
Torpedo-Werke ... 163 163
Württemb Metall. 59 59
Zeiß Ikon 33 35
Zellst.Waldhof VA. 43 43

Feuilleton

Luther empfiehlt einen Prediger

DIE EINFÜHRUNG DER REFORMATION IN UND UM DARMSTADT

Die Reformationsfeiern in Stadt und Land am 31. Oktober richten den Blick auch in die Vergangenheit und stellen die bewegten Zeiten des 16. Jahrhunderts vor Augen. Die großen religiösen Auseinandersetzungen jener Zeit ließen ihre Wellen bis in das kleinste Dorf schlagen und die Archive wissen manches aus unserer engeren Heimat zu berichten. Der folgenden Uebersicht liegen die Forschungen des verstorbenen Prälaten D. D. Dr. Diehl zugrunde.

Die frühzeitige Einführung der Reformation ■in Darmstadt und Umgebung hängt zusammen mit dem Wohlwollen, mit dem Landgraf Philipp von Hessen der Sache der Reformation begegnete und mit seinem Recht, in zahlreichen Orten, allein oder mit andern zusammen, Pfarr-Stellen zu besetzen. So verordnete er seinen Darmstädter Untertanen vom Reichstag zu Speyer aus einen neuen Pfarrer, Nikolaus Maurus aus St. Goarshausen, der ihnen das „heilige Evangelium lauter und rein und zum Besten und mit Fleiß“ vortragen sollte.

Maurus war einige Jahre vorher das geistige Oberhaupt der Anhänger Luthers in Worms. In einem Brief nennt ihn Luther schon damals einen tüchtigen Prediget und empfiehlt ihn der besonderen Obhut der Wormser. Maurus förderte die Reformation in Darmstadt sehr stark und wurde später Superintendent der Obergrafschaft. Gleichzeitig wurde auch die Reformation in Bessungen eingeführt, das, ursprünglich Pfarrei, später zur Ka-

planei herabsank, nun wieder zur Pfarrei erhoben wurde. Der erste lutherische Pfarrer in Bessungen hatte den schönen Namen Johann Sörgenloch, genannt Gensfleisch.

Andi in Arheilgen wurde die Reformation durch einen bedeutenden Mann eingeführt. Arheilgens ersten lutherischer Pfarrer Mother,er war früher Pfarren in Weißenburg im Elsaß. Er hatte einige Jahre vorher nach dem ihm zustehenden Recht den späteren Reformator Straßburgs und Hessens, Martin Bucer, als Prediger an seiner Kirche angestellt. Beide waren begeisterte Anhänger Luthers und folgten dessen Beispiel, indem sie in den Ehestand traten. Sie wurden aber aus Weißenburg vertrieben und so kam Motherer über Straßburg nach Arheilgen, wo er vom hessischen Landgrafen die Pfarrstelle erhielt.

Diese Ereignisse blieben in den umliegenden Orten nicht unbekannt. So war es kein Wunder, wenn die Einwohner von E r z h a u s e n, wo die kirchlichen Verhältnisse besonders im argen lagen, immer wieder bei ihrem Oberherrn, dem Ulner von Dieburg, vorstellig wurden, daß auch bei ihnen „das Evangelium gepredigt werde“. Die Erzhäuser waren gerne bereit, den alten Pfarrer weiter zu dulden, stellten jedoch die Forderung, daß am Sonntag einer vonArheilgen kommen solle, der ihnen predige. Der Arheilger Pfarrer scheint sich dann auch um die Erzhäuser gekümmert zu haben, denn bald wurde sein Landsmann Jakob Beihel erster’ lutherischer Pfarrer von Erzhausen.

In Grafenhausen befahlen die Herren von Heusenstamm, denen das Dorf gehörte, „des Junckern Pfaffen“ nach Darmstadt in den Turm zu legen. Dafür solle ein evangelischer Prediger eingesetzt werden. Gräfenhausen wurde später wieder für kurze Zeit’katholisch. Da der Pfarrer jedoch in einen Prozeß verwickelt wurde, bekam es wieder einen lutherisehen Pfarrer und ist dann lutherisch geblieben.

In Wolfskehlen, das eine reiche Pfarrei war, entstand wegen der Einführung der Reformation ein Streit zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Erzbischof von Mainz. Jedoch blieb Wolfskehlen evangelisch. Der erste lutherische Pfarrer Arheilgens, Heinrich Motherer, der 1529 nach Griesheim versetzt wurde, führte auch hier die Reformation ein. Man gab ihm das Recht, die Einkünfte der noch bestehenden aber nicht besetzten Kaplanei für sich in Anspruch zu nehmen, um damit seinen drei Söhnen das Studium zu bezahlen, damit sie dann in den Kirchendienst übernommen werden könnten.

Die Einführung der Reformation in Pfungstadt fällt etwas früher. Sie vollzog sich so, daß der dort seit 1516 wohnende Pfarrer die „neue Ordnung“ annahm und evangelisch wurde. In R o ß - do r f und Gunderhausen wurde die Reformation gleichzeitig eingeführt. Der erste lutherische Pfarrer wurde im Chor der Kirche begraben. In das gleiche Grab legte man 38 Jahre später einen seiner Nachfolger, wie eine alte Liste der Roßdörfer Pfarrer ausweist.

Eberstadt, Ober - und Niederbeerbach, die unter der Herrschaft der Frankensteiner standen, blieben noch längere Zeit katholisch, obwohl Landgraf Philipp von Hessen mehrmals drängte, die Reformation einzuführen. Schließlich gaben die Frankensteiner dem Ansinnen Philipps statt und setzten die katholischen Pfarrer ab.

Die Anfänge der Reformation in Messel liegen schon früher, sie wurde aber erst 1544 endgültig durchgeführt. Dies geschah unter dem Einfluß von Erasmus Alber, dem berühmten Theologen, Humanisten und Germanisten in Babenhausen, der später in Sprendlingen bei Offenbach wirkte, wo er viele seiner Schriften verfaßte, darunter seine Fabeln und das erste deutsche Wörterbuch. Vor dem Einfluß des Erasmus Alber hatte der Adlige Philipp Groschlag von Dieburg, der die Vogteirechte über Messel ausübte, Pfarreinkünfte, Meßgewänder und Ornamente verkauft. Vor seinem Hofgesinde sprach er verächtlich von den kirchlichen Zeremonien, was ihm die Feindschaft der Dieburger einbrachte, die ihm rieten, dem Dieburger Gottesdienst fernzubleiben.

Alsbach, Seeheim und Hähnlein waren vor der Reformation Filiale von Bickenbach. Da aber der Landgraf von Hessen kein Besetzungsrecht hatte, sondern die Grafen von Erbach, wurde ein evangelischer Pfarrer nach Alsbach gesetzt, das somit selbständige Pfarrei wurde. Seeheim profitierte dasselbe aus diesem Zustand. In Bickenbach selbst amtierten bald auch evangelische Pfarrer, da ja in der Erbacher Grafschaft, wozu Bickenbach gehörte, schon sehr früh eine evangelische Bewegung vorhanden war. Durch diese wurden auch Jugenheim und Beedenkirchen erfaßt.

Später als in anderen Orten der hessischen Obergrafschaft wurde die Reformation in Ober-Ramstadt, Eschollbrücken, Wixhausen und Weiterstadt eingeführt.

In fast allen Orten folgten die Schulgründungen der Einführung der Reformation auf dem Fuße. So ist die Reformation zur Mutter der Schule geworden. W. J.


Lukas Cranach d. Ä.: Martin Luther. Kupferstich, 1520 Pergamon
Lukas Cranach d. Ä.: Martin Luther. Kupferstich, 1520 Pergamon

Blätter-Ballade

VON META KROPF

Ein Blatt sinkt nach dem andern sommermüd vom Baum . . . Selig-gleitend hatte sich das erste vom Stamme gelöst — an einem Tage zwischen Sommer und Herbst, der keinen Abschied ahnen ließ; da die Luft still Über Asterngärten und Rebenhügeln stand und unter milder Sonne die' Traube reifte.

Doch das Scheiden bereitete Pein für die, die den verwirrenden Duft der Rosen verspürt und denen die Luft von Abschied sang. Ein Zittern lief durch die Blätter: ein Sehnen, urgewaltig, das sie nicht unterscheiden ließ, ob es dem milden Leuchten verklärten Herbstes galt oder ob das Verlangen nach der schmerzenden Glut vergangener Sommertagc sie durchbebte. Und sie rissen sich los von dem Baume, der ihr Leben bedeutet und sie gehalten hatte.

• Nun haucht November weiße Nebel ins Land und weht vorletzte Blätter über Gräber und erstorbene Rosen. Ein allerletztes Blatt nur wartet. Worauf? — Es hat sich müdgesehnt nach einer Wiederkehr verrauschter Tage . . . Bald fällt Schnee.

Das bescheidene Leben

GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG ZUM GEDENKEN

Im Rahmen der Wintervorlesungen der Darmstädter Volkshochschule hielt Prof. Dr. Paul Requadt von der Universität Mainz in Verbindung mit der Goethe-Gesellschaft und der1 Gesellschaft für-Deutsche Sprache einen Vortrag über „Georg Christoph Lichtenberg“.

Wenn auch Lichtenberg in Ober-Ramstadt zur Welt gekommen ist. so muß er als weltaufgeschlossener Mensch mit weitem Horizont als Urbild für Darmstadt angesehen werden. Er gehört zu den wenigen Großen, deren Leuchtkraft ihrer Werke nicht auf dem Literarischen beruht, sondern deren private Aufzeichnungen. die eigentlich nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, einen Einblick in den universalen Geist ihres Schöpfers ermöglichen. In den „Sudelheften“. wie er sie selbst nannte, verzeichnete Lichtenberg während der Dauer seines Lebens seine Gedanken zur Welt und zu den Dingen. Er betrachtete seine Hefte wie die Geschäftsbücher der Kaufleute, die alljährlich einen Abschluß ihrer Unternehmungen machen, um die Summe ihrer Erfahrungen und Verdienste ziehen zu können. Er war ein Mensch, der sich das Ziel setzte, die Problematik des Daseins aus seinem eigenen Leben zu erkennen, der den Blick nach außen in die Sterne ebenso erhob, wie er die christliche Innenschau förderte, von der Augustinus sagte, daß sie das Maß aller Dinge sei.

Die zwei Komponenten in Georg Christoph Lichtenbergs Leben waren die Wende nach außen zur Harmonie der Welt und die Versenkung in sich selbst, die für ihn verwirrend war. Als erster moderner Mensch erfaßte er die Nöte der Pubertät, und die Phänomene der jugendlichen Entwicklung fanden in dem ständigen Umgang mit dem • Selbstmordgedanken ihren Niederschlag. Herder schreibt von ihm. daß er ein Mensch mit einer „schönen. allerfreulichen Seele“ sei, dessen verkrüppelte Gestalt in keinem Verhältnis zur Klarheit seines Geistes stand. Das bescheidene Leben zog ihn an. und sein Schüler Alexander von Humboldt schreibt von ihm. daß er durch Lichtenberg erfahren habe, wie man die Wahrheit zu suchen habe.

Lichtenberg war auch einer der ersten, die die Bedeutung der Psychologie erkannten: er machte die Feststellung, die heute eine der Grundlagen der modernen Psychologie ist. daß der Mensch in einem Zustand ständiger Verstellung lebt. Freud bestätigt die Vorläuferschaft Lichtenbergs als Vater der Psychoanalyse, dem die Durchstoßung des Bewußtseins in die Schichten gelang, die das Wahre vom Erkünstelten trennen, und Lichtenberg war es, dei’ die Wertung der Träume in der Psychoanalyse forderte. bfl.

Max Jungnickel 60 Jahre

Der Dichter des Zarten und Stillen, der Hingegebene an die unbeachteten Dinge, an Blumen, Kinder und Tiere, Max Jungnickel wurde am 27. Oktober 60 Jahre alt. Gern erinnern wir uns an diesen liebenswürdigen Schriftsteller, den letzten Dachstubenpoeten in unserer so sachlichen, ganz und gar unromantischen Zeit. Wir wissen nicht, wo wir ihn an diesem Tage suchen sollen, wissen nicht einmal, ob er noch unter den Lebenden weilt.

„Mein Mann ist im Januar 1945 wahrscheinlich in russische Gefangenschaft geraten. Bis heute habe ich noch keine Nachricht von ihm erhalten“, schrieb mir seine Frau aus Berlin; aus der von Jungnickel so liebevoll geschilderten „baumumrauschten Mansardenwohnung, ganz oben, an den Sternen“, wo sie, einstmals „das Mädchen mit den weihnachtsgroßen, blauen Schulmädchenaugen“ so glückliche Jahre verlebte und heute, gleich Tausenden anderer Frauen, in quälender Ungewißheit auf die Rückkehr ihres Mannes hofft.

Max Jungnickel stammt aus dem kleinen sächsischen Ort Saxdorf bei Liebenwerda; sein Vater war dort Bahnwärter, seine Mutter Dorfschneiderin. Er war ein verträumtes Kind, spielte mit Puppen, bunten Handwagen und lauschte stundenlang den Märchen der Großmutter.

„Mit 17 Jahren zog ich nach Berlin, mit der Bibel, mit Andersen und Jacobsen, mit einem Tintenfaß, einem Strohhut, einem Heckenrosenstrauß und einer blondlockigen Kinderpuppe.“ Jahrelang hungerte er sich als Dachstubenpoet durch, bis das Märchenspiel „Himmelsschneider“ und die Erzählungen „Trotz Tod und Tränen“ die ersten Erfolge brachten. Totgeglaubt und schon mit Nachrufen geehrt, war der gemütvolle Erzähler märchenromantischer Geschichten schwerverwundet aus dem ersten Weltkrieg zurückgekehrt. „Brennende Sense“ ist das Zeugnis seiner durch das Kriegserlebnis im Osten aufgewühlten Seele: er erlebte das Grauen im kleinen, die Zerstörung des Idyllischen, gewann dabei aber ein immer innigeres Verhältnis zu seiner Welt, der so furchtbar bedrohten Welt unschuldiger und schwacher Kreaturen. „Manchmal, wenn wir beide allein sind, steige ich in ihr kleines Herz und tanze da drinnen herum“, schrieb Jungnickel einmal von seiner kleinen Tochter Brigitte. So steigt der Dichter auch allen Gestalten seines umfangreichen Werkes mitten ins Herz: er besingt die Schönheit der Schöpfung und erzählt in köstlich bildhafter Sprache von allerlei wunderlichen Menschen, kleinen Mädchen, Tieren und dem beseelten Leben der Natur.

„Peter Himmelhoch“, „Aus den Papieren eines Wunderkopfes“, „Ins Blaue hinein“, „Menschen auf der Himmelsstraße“, „Gesichter am Wege“ und sein bisher letztes Buch, eine poetische Monographie über Sulamith Wülfing sind nur einige Titel aus dem beschwingten Reigen von Romanen, Erzählungen, Dramen und Märchen.

Max Jungnickels dichterisches Werk wird heute nicht mehr verlegerisch betreut. Es würde aber wesentlich mehr als nur eine Ehrenpflicht bedeuten, wenn man die hier ruhenden Schätze des Gemütes und des Herzens wieder ans Tageslicht beförderte, um so dem deutschen Leser die ursprüngliche, reiche und tiefe Bilderwelt des feinsinnigen und liebevollen Fabulierens neu zu erschließen.

E. W. G.

Notizen

Die Würde des Ehrendoktors verlieh 'die Technische Hochschule Karlsruhe dem durch seine grundlegenden Forschungen auf dem Gebiet der makromolekularen Chemie international bekanntgewordenen Freiburger Ordinarius Professor Dr. Hermann Staudinger, einem gebürtigen Wormser. Professor Staudinger hatte in Halle, München und an der Technischen Hochschule Darmstadt studiert. _se

Der Madrigalchor des Collegium musicum singt heute in der Zeit von 22.30 bis 23.30 Uhr im Südwestfunk unter Leitung von Professor Dr. Ernst Laaff die Bachmotette „Jesu meine Freude“ und das Kammerorchester des Staatlichen Instituts für Schulmusik spielt Bachs „Brandenburgisches Konzert Nr. 4“.

Oliviero de Fabritiis, einer der ständigen Dirigenten der Römischen Oper, wird Anfang November mit einem italienischen Opernensemble eine Deutschland-Tournee unternehmen. Gastspiele in Stuttgart, Karlsruhe, Wiesbaden und Bremen sind’ vorgesehen.


Karl Kluth (Griffelkunstvereinigung): „Landschaft im November“
Karl Kluth (Griffelkunstvereinigung): „Landschaft im November“

Immerwährende Reformation

Seit Martin Luther lebte und wirkte, sind nun schon über 400 Jahre dahingegangen. Sein Werk, die Reformation, ist längst Geschichte geworden. Also geht es am 31. Oktober um eine geschichtliche Erinnerung? Ja, natürlich.

Aber es geht um noch mehr. Wenigstens für den evangelischen Christen. Reformation, wenn sie wirklich als das genommen wird, was sie ist, bleibt eine immerwährende Aufgabe. Worum ging es Luther? Daß Gott und sein Wort in seiner Kirche ernst genommen wird und sonst nichts. Daß durch alle menschlichen liehen Verhüllungen und Zutaten durchgestoßen wird zum Kern, und daß die verschütteten Quellen wieder fließen.

Das Wort, das Wort allein ist Quelle des Glaubens. Dies Wort aber ist nicht ein toter Buchstabe, denn der Christ kann dafür ohne weiteres einen Namen setzen: Christus! Er selber ist im Geschehen der Reformation seiner Kirche neu begegnet.

Wo aber das geschieht, kann weder die Kirche noch der einzelne Christ in Selbstsicherheit verharren. Beide werden sich immer wieder von Christus nach ihrem Glauben fragen lassen müssen. Christus ist nicht nur der tragende Grund sondern auch die heilige Unruhe im Leben der Kirche. Und sie weiß es von ihm. daß sie keine andere Rechtfertigung hat als die, die ihr durch die Vergebung der Sünden geschenkt ist. Davon lebt sie, davon allein. Eine unbußfertige Kirche, die sich nicht selber zur Umkehr rufen lassen will, eine Kirche, die es, vergißt, daß ihre ,einzige Legitimation das Kreuz 'ist, kann sich nicht auf die Reformation berufen. Reformation muß dauernd praktiziert werden in der lebendigen Begegnung mit Christus und seinem Wort und in der Bereitschaft sein Kreuz zu tragen.

Damit fällt jeder politische Machtanspruch hin. Das bedeutet nicht, daß die Kirche der Reformation sich aus der Welt zurückzieht. Sie hat das in der Vergangenheit oft genug getan. Aber sie muß es lernen, tapfer und getrost den Schritt in die Welt hinein zu tun, in die Welt, deren Heil doch allein in Christus beschlossen ist. Daran will die Kirche der Reformation die Welt erinnern, die Männer der Politik, der Wirtschaft, des sozialer} Lebens. Sie kann und will keine Gesetze aufstellen, nach denen man Politik zu treiben oder aber die Wirtschaft zu gestalten hätte, aber sie will und soll eine prophetische Stimme sein, die unablässig ruft und mahnt und warnt. Es kann ihr dabei nicht darum gehen, ob sie „volkstümlich“ ist oder ob ihre Botschaft in die Konzeption dieser oder jener politischen Partei hineinpaßt. Es kann ihr nur darum gehen, daß die Gewissen wachgerufen werden.

Man sollte auch von daher all den Streit um die Wiederaufrüstung soweit er durch Aeußerungen evangelischer Kirchenmänner und Politiker hervorgerufen wurde, einmal ernst nehmen. Es schadet unserem Volk nichts, wenn es einmal lernt, solche schweren Fragen in letztem Gewissensernst zu durchdenken und so oder so zu entscheiden. Oder haben wir uns nicht zu sehr angewöhnt, die Fragen des täglichen Lebens; die Fragen der Politik, der Wirtschaft unabhängig von der Stimme des christlichen Gewissens zu entscheiden? Und es geht doch immer und überäll zuletzt nicht um Prinzipien und Ideen, sondern um den Menschen! Um dessentwillen wird die Kirche der Reformation immer wieder den Ruf laut werden lassen müssen, der •über dem Essener Kirchentag stand: Rettet den Menschen! T-t

Der dunkle Engel

BRIEFE GROSSER DEUTSCHER ÜBER DEN TOD

Man kann seinen Pessimismus auch in Rot, ja in Zeisiggrün kleiden und ihn auf Heiterkeit abrichten, . . . Man erkennt zuletzt aber doch in allem ein Gesetz. Dasden-Dingen-scharf-ins-Gesicht-sehen ist nur momentan schrecklich; bald gewöhnt man sich nicht nur daran, sondern findet in der gewonnenen Erkenntnis eine nicht geringe Befriedigung. Die höchste Ruhegebung aber kommt einem aus dem Memento mori, und eine Viertelstunde auf dem Lichtenfelder Friedhof rückt einen immer wieder zurecht. Theodor Fontane

Mit dem ersten Kinde, mit welchem das Wissen des Todes geboren werden wird, ist die Stunde des Weltgerichtes vorhanden, und die erste Mücke, die sich mit Vergnügen von der Grasmücke fressen läßt, spricht das Urteil. Wilhelm Raabe

Bei meinen Spaziergängen als wankende!' Greis fällt mir immer der neunzigjährige Kassierer Lechner ein. der, wenn man ihn frägt: ob er sich denn so allein zu gehen getraue, immer antwortet: „Ja wissens, in jeder meiner Taschen steckt ein Visitenkarteri von mir. damits die Leut gleich wissen, wer ich gewesen bin“. Carl Spitzweg

Ich kann das rauschende Leben nur noch schmerzlich empfinden. Es klammert sich an die Einsamkeit an. der es nun (eine Wegstunde vor dem Tode) verfallen ist — und so wird aus einem alten Schwarzwälder zum Schluß ein Waldbruder, der in das große Geheimnis der Natur versinken will. Hans Thoma

Der erste Schmerz über den Hingang eines geliebten Freundes ist so groß und ein solches Heiligtum, daß man es nicht berühren muß. Er soll wirken, er soll das Herz angreifen, ja, es durchwühlen, denn er macht es auch besser, er reinigt es, er zieht seine schlummernden Gedanken groß. Der Schmerz ist ein dunkler, heiliger Engel, und durch ihn sind Menschen größer geworden, als durch alle Freuden der Welt. Adalbert Stifter

Du ziehst beim Sterben von einer Provinz Gottes in die andere. Hier wohnst du zur Miete- Dort bist du daheim. Hippel

Ich hab müssen hier in Mantua mein Zeitliches mit dem Ewigen verwechseln ... Die Seelengottesdienste soll die Liebste mein zu St. Martin richten. Den Verwandten soll beim Unterwirte Suppe und Fleisch gegeben werden samt einer Halben Wein! Lebet alle wohl, liebster Herr Bruder, bis wir im Himmel zusammenkommen, und dorten Gott loben ohne Ende. Adieu du schnöde Welt, so leicht kommt mir das Sterben vor, daß mir nicht einmal die Augen naß werden . . • Andreas Hofer

Darmstädter Gelehrter geehrt

Die Technische Hochschule Fridericiana in Karlsruhe hat anläßlich ihrer 125-Jahrfeier den 93 Jahre alten Professor emeritus Dr. phil. August Schleiermacher in Tübingen mit der Würde des akademischen Ehrenbürgers ausgezeichnet.

Professor Dr. Schleiermacher wurde am 24. Dezember 1857 in Darmstadt als Sohn des Wirklichen Geheimen Rats Schleiermacher geboren, studierte in München und Würzburg, legte 1879 die Staatsprüfung ab für das höhere Lehramt in Mathematik urid Physik und promovierte zum Dr. phil. Zunächst wissenschaftlicher Assistent an den Physikalischen Instituten in Straßburg und Karlsruhe, habilitierte er sich 1885 an der Fridericiana als Privatdozent, erhielt 1889 den Charakter als a. o. Professor und 1892 die außerordentliche Professur für Elektrotechnik. 1896 wurde er Ordinarius für theoretische Physik' und 1910 Geheimer Hofrat. — Die wissenschaftlichen Arbeiten des Gelehrten sind neben Abhandlungen elektrotechnischen Inhaltes zum größten Teil in Wiedemanns „Annalen der Physik“ erschienen. Sie behandeln vorzugsweise Probleme der Wärmeleitung und Wärmestrahlung. Schleiermacher war der erste, der es unternommen und verstanden hat, an einer deutschen Technischen Hochschule die theoretische Elektrizitätslehre auf Maxwellscher Grundlage formvollendet und in strenger, aber doch anschaulicher Weise darzustellen und dabei den Weg zu ihrer Anwendung auf die praktisch wichtigen Aufgaben der Elektrotechnik zu zeigen. Er hat hierdurch zum großen Teil den hohen Ruf der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Karlsruhe seit ihrem Bestehen im In- und Ausland begründet. -se

Ein welkes Blatt

Ein welkes Blatt fiel mir zu Füßen, gepflückt vom Herbst mit rauher Hand, ein welkes Blatt — ein letztes Grüßen des Sommers, der im Nebel schwand.

Nun sind die Schwalben fortgezogen, die Luft ist leer, das Feld ist kahl, kalt glänzt der Mond am Himmelsbogen, die Tage steigen früh zu Tal. und sterben hin im Nebelhauch, die letzten Sonnenstunden glühen, und ihre Farben sterben auch.

Ich will den falben Wald durchschreiten, vielleicht hängt noch an einem Blatt der Duft der tausend Herrlichkeiten, die dieses Jahr verschwendet hat ...

Willi Lindner

Darmstadt und Umgebung

Wie sieht es mit den Kohlen aus?

Kohlenhändlerverband besprach mit dem Magistrat Versorgungsmaßnahmen Gutscheine für Sozialrentner

Gestern nachmittag fanden sich die Vertreter der Darmstädter Kohlenhändlersciatt mit den Magistratsmitgliedern und den Pressevertretern zu einer Besprec ung über die Augenblickliche und zukünftige Kohlenversorgung zusammen.

Stadtverordneter Brust betonte eingangs daß die Verknappung nicht auf das Verschulden des Handels zurückzuführen sei. Mit der Aufhebung der Kohlenbewirtschaftung im Frühjahr dieses Jahres habe die Lieferfreiheit eingesetzt. Dagegen seien die Verpflichtungen, die die Bundesregierung dem Ausland gegenüber durch Exporte hat, keinesfalls aufgehoben worden. Bis Ende 1950 gelte es, noch 6,9 Millionen Tonnen Kohle zu exportieren.

Zur Lage in Darmstadt sei zu sagen, daß bei der Belieferung der Händlerschaft die Kontingente des Jahres 1949/50 zugrunde gelegt würden. Dabei bliebe unberücksichtigt, daß inzwischen durch neue Industriebetriebe, durch Flüchtlingssiedlungen und große Geschäftsräume der Kohlenverbrauch ungeheuer angestiegen sei. Diesem unmittelbaren Mehrverbrauch stünde die erhöhte Brennstoffkapazität der Bäckereien gegenüber, zu denen in den letzten Monaten zwölf neue Betriebe hinzugekommen seien, die einen monatlichen Verbrauch von 1000 Zentnern Braunkohlenbriketts hätten.

Diese Menge würde andererseits ausreichen, die Brennstoffversorgung für 1000 Familien für einen Monat zu sichern. Die Bevölkerung hatte in den Sommermonaten ausreichend Gelegenheit, sich mit dem notwendigen Wintervorrat an Brennmaterial einzudecken. Während dieser Zeit klagten die Kohlenhändler über ungenügenden Absatz und sahen sich gezwungen, umfangreiche Werbefeldzüge zu starten. Auch den Behörden sei der Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie bei der Beschaffung des Winterbrandes während der Sommermonate gezögert hätten. Die notwendigen Gelder hätten im Sommer nicht zur Verfügung gestanden. In den nächsten Tagen sollten Gutscheine für den Winterbrand der Sozialrentner von der Stadt ausgegeben werden.

Stadtrat Schrauth führte aus. daß es gelte, alles zu unternehmen, um dem Kohlenengpaß wirksam zu begegnen. Es bestünden keinerlei Befürchtungen zur Panik, wenn die Lage auch ernst sei. Es bliebe zu überlegen, ob man nicht eine Rangordnung einführen wolle, nach der Bäckereien, Krankenhäuser* und Altersheime zu versorgen wären- Die Belieferung der finanzschwachen Bevölkerung mit Braunkohlenbriketts wäre die vordringlichste Aufgabe. Die Aussprache ergab, daß es allem Anschein nach wenig Wert haben wird, sich

unmittelbar an das Mannheimer Kohlenkontor wegen Erhöhung des Darmstädter Kohlenkontingents zu wenden. Erfahrungen hätten gezeigt, daß selbst auf die im Juni von der Kohlenhändlerschaft hin erfolgten Eingaben um Aufbesserung der Kohlenquoten keine Antwort erfolgt wäre. Man beschloß, an die Regierung, wie an die zuständigen Stellen im Bundestag, Unterlagen zu leiten, aus denen die Notwendigkeit einer verstärkten Versorgung mit Brennmaterial hervorgehe.

Die Kohlenhändler werden darüber hinaus bemüht sein, Ersatzbrandstoffe, wie Torf und Rohbraunkohle heranzuschaffen, und die Bevölkerung wird gebeten, von diesem Angebot auch Gebrauch zu machen, damit Händlerschaft wie Verbraucher den Schwierigkeiten begegnen kann. Wenn die Lage sich erst in den letzten Tagen derart zugespitzt habe, so sei dies darauf zurückzuführen, daß erst am 21. Oktober das Kohlenkontor bekanntgegeben hatte, daß vom 1. Oktober, also drei Wochen rückwirkend, die Kontingentierung wieder eingeführt worden sei. hfl

Das „DT“ stellt vor:

Georg Biust

Kandidat der Christlich-Demokratischen Union im Wahlkreis 43 (Darmstadt-Stadt).

Georg Brust wurde am 15. Juni 1905 in Darmstadt als Sohn des Schmieds Johannes Brust geboren. Besuch des Gymnasiums bis zur Primareife. Kaufm. Lehre und Angestelltentätigkeit. 1927 bio 1934 hauptamtl. Geschäftsführer des Bundes Christdeutscher Jugend, einer evangelischen Jugendorganisation, die ihre Jugendarbeit infolge der zwangsweisen Eingliederung der ev. Jugend in die Hitlerjugend einstellen mußte. Ende 1934 Rückkehr nach Darmstadt, seit 1937 Prokurist bei der Kohlen- und Baustoffgroßhandlung Georg Schneider Mitarbeiter der entsprechenden Fachveremigungen des Kohlen- und Baustoffhandels. Kirchenvorsteher der Ev. Johannesgemeinde und Mitglied der ev. Landes-Synode. Vor 1933 Mitarbeit im Christl.-Sozialen Volksdienst und seit 1945 in der CDU, auf deren Liste er 1946 und 1948 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde.



Schulkinder in der Stadtsparkasse und Volksbank

Zum Weltspartag 1950

In der Zentrale der Stadtsparkasse in der Rheinstraße: Giroverkehr, Effekten und Astern anläßlich des Spartages.

Ein Plakat, die Weltkugel darstellend, verbindend mit einem Sparkassenbuch stellt das spezielle Werbeplakat der Stadtsparkasse anläßlich des Weltspartages dar.

Es war ein turbulentes Treiben in der Zentrale der Sparkasse an der Rhein-Neckarstraße. Mehrere Klassen hiesiger Schulen nahmen mit ihren Lehrern Einblick in die internen Verhältnisse und in den Geschäftsgang der hiesigen Bankinstitute. Stundenpläne mit dem Bild von Schillerfaltern wurdn ausgegeben. Reinhard M., ein Schüler der 6. E-Klasse sagte: „Ich habe schon 40 DM gespart, aber mei Vadder kaaft nur die einzelnen Teile für die Eisenbahn, die ich zu Weihnachten bekommen soll.“

Helga A.: „Ich habe ein Postsparbuch zum Geburtstag bekommen und spare seit dem vorigen Jahre, um mir ein Fahrrad zu kaufen. Wenn ich 50 DM zusammen habe, wird mir meine Mutter das restliche Geld geben.“ Die Kinder wurden am heutigen Tage nicht nur von den Prokuristen, sondern auch vom Direktor empfangen, der ihnen treffend, sachlich und in persönlicher Form einen Einblick in äußere und innere Verhältnisse eines der maßgebenden Spar-Institute gab.

Bei der Volksbank: Geschmackvoll, konservative Gesamtverkleidung des Publikumsraumes vermindert den Einruck es absolut Staatlichen.

„Wenn auch die Korea-Krise den Sparmaßnahmen sichtlichen Abbruch getan hat, so möchte ich doch betonen und darauf hinweisen, daß der Weltspartag vermehrte Einlagen im Verhältnis zu den Auszahlungen gebracht hat. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß heute, am Ultimo ansonsten nicht all zu viele positive Beträge gezeichnet wurden. — Aeußerer Schmuck, Stilistik und die Mühe der Aemter trugen jedenfalls dazu bei, dem Gedanken des Sparens weitesten Raum zu geben und der Allgemeinheit mit positiv günstigen Ergebnissen den Sinn des Sparen nahezulegen. Sg

Die 30sährigen Eberstädter feierten

Die Geburtstagsfeiern in Eberstadt haben wieder einmal für ein Jahr ein Ende. In dem Bewußtsein, daß sie nun erst zehn Jahre älter werden müssen, um wieder einmal zusammenzukommen, feierten die 30jährigen am Samstagabend im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ recht ausgiebig und lange. Nach dem Vortrag von Gedichten von Fräulein Wembacher und Herrn Kalbpfeiffer erinnerte der Vorsitzende des Ausschusses der Geburtstagsfeier, Herr Go 1 z e r, daran, daß die Geburtstagskinder im Schatten des ersten Weltkrieges geboren wurden und den zweiten Weltkrieg miterleben mußten. Er gedachte besonders der 31 Gefallenen und Vermißten 30jährigen Eberstädter.

Oberbürgermeister Metzger hatte der Einladung Folge geleistet. Er erzählte, wie er 1932 als 30jähriger Regierungsassessor mit nur wenigem Geld als Tramp durch Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich gewandert war, und dort gelernt hatte, Menschen zu beurteilen und an sie zu glauben. Das Wichtigste im Leben sei, daß man sich unentwegt bemühe, hinzuzulernen und sich außer der Sorge für die Familie, die man unbedingt ernst nehmen müsse, noch für das Wohl der Gemeinde einsetze.

Niemöller und Schumacher in Darmstadt

Gestern führten der Kirchenpräsident D. Martin Niemöller und der 1. Vorsitzende der SPD, Dr. Kurt Schumacher zusammen mit Prof. Carlo Schmid und mehreren maßgeblichen Repräsentanten der Bekenntniskirche und der SPD ein ausführliches politisches Gespräch im Haus des Bruderrates der Bekennenden Kirche im Roquettcweg. Ueber den Inhalt des Gespäches schrieben wir im politischen Teil unserer heutigen Ausgabe. Von Darmstadt nahmen unter anderen Oberbürgermeister Metzger, sowohl in der SPD als auch in der Bekennenden Kirche maßgeblich tätig, und Pfarrer Mochalski an der Tagung teil. DT

Flötenkreis veraunstaltet Hausmustkabend

Viel Freude bereitete am Sonntag im Gemeindehaus Eberstadt die evangelische Jugendgemeinde mit einem Hausmusikabend den erschienenen jungen und älteren Gästen. Das Programm bestritt in der Hauptsache der Flötenkreis, der die einzelnen Musikstücke in gründlicher Arbeit vorbereitet hatte. In bunter Folge wechselten Volkslieder und Stücke von Bach, Händel, Corelli, Thelemann, Mozart und Haydn mit verschiedener Besetzung mit Sopran-, Alt- und Tenorflöten, z. T.

mit Klavierbegleitung einander ab. Besoders gut gespielt wurde die Sonate in F-Dur von Händel für Altflöte und Klavier. Der anregende Hausmusikabend fand so großen Anklang. t-s

Entlastung der Haus frau

Ausstellung zur „Woche der Frau“ im Amerikahaus

Der sonst als Musikzimmer benutzte Raum im 1. Stock des Amerikahauses ist für diese Woche verwandelt: In Verbindung mit mehreren Darmstädter Firmen, die für die gemütliche Ausstatung gesorgt haben, zeigt dort die Heag neuzeitliche praktische Haushaltsgeräte, — leicht zu handhabende, schöne, elektrisch betriebene Diener der Hausfrau, die ihr viel schwere Mühe ersparen.

Der Wasch- und Bügeltag birgt keine Schrecken mehr! Ein Druck auf den Schalter —, schon surrt die Waschmaschine und bewältigt in einem Arbeitsgang das Kochen, Waschen und Spülen. Selbst das gute Wetter wird nicht mehr benötigt, da die Trockenschleuder besorgt, was sonst der Petrus einrichten mußte. Das anklemmbare Bügelbrett ist gut für die 1- Zimmerwohnung brauchbar, und große Erleichterung schafft das Bügeleisen aus Leichtmetall, das, regulierbar und automatisch, mit 1000 Watt Stromaufnahme das sonst nötige Gewicht beim Plätten ersetzt. Für den größeren Haushalt ist der Heimbügler da, aus dem alle Wäsche schrankfertig hervorgeht.

Der neuartige Staubsauger, Modell „Heimflüsterer“, weil im Geräusch beträchtlich vermindert, und die Bohnermaschine machen den Hausputz zum Sport.

In der Küche beflügeln mancherlei Kleingeräte die ehemals langwierigen Kochvorbereitungen, und der Roeder-Herd in Luxusausführung wartet der prächtigen Gerichte, die er fertig garen, braten, backen, grillen soll. Auch ein für amerikanische Belange ausgeführter Juno-Herd ist zur Ansicht aufgestellt.

Warmwasserspeicher, Brause- und Badeanlage sowie die verschiedenen Heilgeräte zeigen die Auswertung des elektrischen Stroms für Hygiene und Gesundheitspflege im Hause.

Sachkundig waltet Frau Höveler, die bev/ährte Mitarbeiterin der Heag, ihres Amtes in dem von Leuchtstoffröhren angenehm erhellten Ausstellungsraum und gibt den wißbegierigen Hausfrauen Erläuterungen und praktische Hinweise.

In einem zweiten Raum des Amerikahauses hat das Bunte Lädchen viel schöne und geschmackvolle Dinge ausgestellt, Stoffe, Teppiche, Mode- und Geschenkartikel, Schmuck und Werkarbeit, die Frau und Heim die „persönliche Note“ geben können. Di

Eine geistliche Abendmusik wird am Abend des Allerseelentages, dem 2. November, 19.30 Uhr, in der Pauluskirche gehalten durch die Singgemeinde Oberhausen unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Karl Hch. Schweinsberg. Außer drei älteren Werken von Michael Praetorius, Joh. Hermann Schein und Giovanni Gabrieli, wird der Totentanz von Hugo Distlex* (1908—1942) gesungen. Auf alte gesprochene Sprüche, die sich unter Bildern in der Totentanzkapelle der Marienkirche zu Lübeck befinden, folgen jeweils Chorvertonungen zu Worten aus dem Cherubinischen Wandersmann des Angelus Silesius.

Kurze Meldungen aus der Stadt

Fahrerflucht beging ein Pkw-Fahrer, der gestern abend an der Ecke Grafen- und Elisabethenstraße einen Radfahrer* anfuhr. Das polizeiliche Kennzeichen des Kraftwagens konnte ermittelt werden.

An Kilometer 515, auf der Autobahn Gräfenhausen überschlug sich in der Nacht zum Montag ein amerikanischer Pkw, dessen Fahrer die Absperrung der einen Fahrbahn zu spät erkannt hatte. Die Insassen wurden verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die Böschung hinunter stürzte gestern mittags ein Lastzug auf der Autobahn bei Pfungstadt. Das Fahrzeug, das sich auf der Fahrt von Stuttgart nach Holstein befand, war durch Reifenschaden am rechten Vorderrad von der Fahrbahn gekommen. Die Insassen kamen ohne jeden Schaden davon. Der Sachschaden ist beträchtlich.

In zwei Fleischbeschaubezirke wurde Griesheim ab 1. November eingeteilt. Die Grenze des nördlichen und südlichen Ortsteils bildet die - Leuschner-Straße, die Hintergasse und die Schlußgasse. Im nördlichen Teil übt Christian Hofmann 8, Schlußgasse, und im südlichen Teil Konrad De 11 au, Schöneweibergasse 11, die Fleischbeschau aus.

oa. Unter Alkoholeinfluß stand ein Wiesbadener Kaufmann, der mit seinem Pkw. in der Nacht zum Montag die Autobahn nördlich Viernheim befuhr. Er geriet beim Ueberholen eines Langholzfuhrwerkes ins Schleudern und überschlug sich mit seinem Fahrzeug. Es wurde eine Blutprobe entnommen. *

Eine geistliche Abendmusik gibt die Petrusgemeinde als Bach-Feier am Sonntag, den 5. November ,um 17 Uhr in der Bessunger Kirche. Die Werke von Joh. Seb. Bach werden von dem Kirchenchor der Pertrusgemeinde, Kammersänger Blase 1 und Frau Charlotte Liebig an der Orgel vorgetragen. Der Eintritt ist frei. •

Die Volkshochschule der Stadt Darm-

stadt in Zusammenarbeit mit dem Amerika-Haus lädt zu Donnerstag, den 2. November, um 19.30 Uhr im Amerika-Haus zum ersten Diskussionsabend über „Aktuelle plychologische Fragen“ ein. Insbesondere werden die Zuhörer der drei Vorträge von Dr. Adolf Z e d d i e s um Teilnahme an der Diskussion, bei der der bekannte Psychologe selbst zugegen sein wird, herzlich gebeten. *

Im Rahmen der Kreisjugendwoche in Griesheim, die die Sommerarbeit der Jugendverbände abschloß und das Winterprogramm einleitete, hatte die Griesheimer TSU die „Königsteiner Puppenspieler“ eingeladen, deren Spiel vor einigen Tagen im Central-Theater eine große Anzahl Kinder und auch Erwachsene begeisterte. msch

Der fünfte Gesangverein in Griesheim

soll in Form eines Polizeigesangvereins von den Angehörigen der Griesheimer Polizeistation in nächster Zeit gegründet werden. msch

Die für den 2. November vorgesehene Veranstaltung der Jungsozialisten im Heagsaal findet erst am 9. November statt. Die Jungsozialisten treffen sich am 2. November im Vorraum der Stadthalle. msch

Zwanzigtansend DM für Tuberkulose-Beratung

Resident-officer Mr. Gotcheus überreichte Spende der US-Hochkommission für Darmstädter Gesundheitsamt

Oberbürgermeister Metzger hatte, aus zwingenden Gründen dienstlich verhindert, Stadtrat Schrauth, den Dezernenten für das Fürsorge- und Gesundheitswesen der Stadt, entsandt. Landrat Wink war für den Landkreis selbst erschienen.

Mr. Gotcheus führte in seiner Ansprache aus, daß von amerikanischer Seite eine Million Dollar und 50 Millionen DM zum Wiederaufbau wertvoller, vor allem sozialer Projekte in Deutschland als Spenden bereitgestellt worden seien. Davon sollen vier Millionen DM für das Gesundheitswesen eingesetzt werden, die auf die amerikanische und britische Zone und besonders Berlin verteilt werden.

Eines der ersten Projekte, die von dem zuständigen Komitee der Oberkommission genehmigt worden seien, wäre der Darmstädter Vorschlag gewesen. Obgleich glücklicherweise seit dem Kriege die Tbc-Erkrankungen zurückgegangen seien, wäre es doch noch ein ernstes Problem für Darmstadt. Dies sei wohl von dem Komitee sogleich erkannt worden, besonders, da sich Stadt- und Landkreis zu einer sozialen Absicht zusammengefunden hätten.

Anschließend überreichte Mr. Gotcheus den grünen Scheck, worauf Landrat Wink in seiner Dankansprache erklärte, daß vor allem eine moderne Röntgenanlage und Instrumente angeschafft werden sollten. Stadtrat Schrauth drückte den besonderen persönlichen Dank an Mr. Gotcheus aus, der sich immer wieder bemühe, Darmstadts Probleme meistern zu helfen. 1945 sei das Gesundheitsamt in Darmstadt ein Trümmerhaufen gewesen, und es habe schwere Anstrengungen gekostet, wieder etwas daraus aufzubauen. agt.


Gestern morgen hatte der amerikanische Resident Officer in Darmstadt, Mr. G o t s c h e u s, je einen Vertreter des Stadt- und Landkreises zu sich gebeten, um ihnen einen Scheck über 20 000 DM zur Unterstützung der Tuberkuloseberatungsstelle beim Gesundheitsamt zu überreichen.
Gestern morgen hatte der amerikanische Resident Officer in Darmstadt, Mr. G o t s c h e u s, je einen Vertreter des Stadt- und Landkreises zu sich gebeten, um ihnen einen Scheck über 20 000 DM zur Unterstützung der Tuberkuloseberatungsstelle beim Gesundheitsamt zu überreichen.

Allerheiligen und Allerseelen

keine gesetzlichen Feiertage

Zur Klarstellung wird nochmals darauf verwiesen, daß im Stadtkreis Darmstadt Allerheiligen (1. 11.) auf Grund des § 4 des Gesetzes über die Feiertage vom 10. 1. 46 nicht zu den gesetzlichen Feiertagen zählt. Auch das Reformationsfest ist in keiner Gemeinde des Landes Hessen gesetzlicher Feiertag, da nach den gemäß § 4 des Gesetzes über die Feiertage getroffenen Feststellungen und eines hierauf beruhenden Kabinettsbeschlusses vom 29. 10. 47 ein Brauch im Sinne des § 4, Abs. 1, des genannten Gesetzes hinsichtlich des Reformationsfestes in keinem Teil des Landes Hessen bestand.

Gottesdienstordnung

für Allerheiligen und Allerseelen

St. Elisabeth: 1. Nov. 50. 6.30 Frühm.: 7.45 Singm. m. Pr.: 9.00 Kgd.; 10.15 Hochamt m. Pr.; 20.00 Singm., anschl. Allerseelenpredigt. — 2. Nov. 50. 6.30 und 7.00 hl. Messen; 8.00 Kgd.; 20.00 Amt f. alle Verstorbenen. — Beichtgel.: Di. 17.00—19.00 und 20.00 Uhr; Mi. 17.00—19.00; Do. 17.00—18.00; Sa. 16.30—18.30 und 20.00 Uhr.

St. Fidelis: 1. Nov. 50. 6.00 Frühm. m. Komm, b. d. Schw. (Feldbergstr. 32); 6.45 Beichte; 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt mit Pr. u. Komm.; 18.00 Allerheiligenamt m. Komm. u. Totengebet. anschl. Allerseelenpr., anschl. Beichte. 18.00 Hochamt in Weiterstadt, anschl. Allerseelenpr. — 2. Nov. 50. 6.00 hl. Messe; 6.30 Seelenamt; 7.30 Seelenmesse; 8.00 Seelenamt;'lB.oo Requiem für alle Verstorbenen, insbesondere f. d. Gefallenen.

St. Ludwig, Nieder-Ramstädter Str. 30: Heute, 31. Okt. V. 18.00—20.00 Beichte. 1. Nov. 50. 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Hochamt m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 17.00 Beichte wegen Allerseelen; 19.00 Singm. m. anschl. Allerseelenpredigt und Absolution an der Tumba. Kinder haben schulfrei und besuchen das Hochamt. 2. Nov. 50. 6.00, 6.30, 7.00 und 7.30 hl. Messen; 8.00 Requiem für die Verst. d. Pfarrei; 15.00 And. a. d. alten Friedhof Nieder-Ramstädter Str. (bei Regen 19.30 i. d. Kapelle). Kinder haben die erste Stunde schulfrei und besuchen das Requiem.

Einkauf auf Stottern

Teilzahlungen gehören heute bereits zur Selbstverständlichkeit. Der Bedarf an Möbeln, Hausrat und Bekleidung ist so groß, daß kaum jemand in der Lage ist, größere Anschaffungen bar zu zahlen. So oft man auch anfängt, Geld zurückzulegen, ist es bis zum Monatsende meist wieder für andere Zwecke ausgegeben. Nicht nur bei uns in Deutschland ist es so, auch in den reicheren Ländern Amerika oder der Schweiz hat das Teilzahlungsgeschäft große Verbreitung gefunden.

Um das Ratenzahlungswesen in geordnete Bahnen zu lenken, ist man dazu übergegangen, besondere Kredit-Institute zu errichten. Ein ausgedehntes Geschäft auf diesem Gebiet betreibt die Waren-Kredit-Verkehr GmbH, der sich viele Fachgeschäfte angeschlossen haben.

Jeder Lohn- oder Gehaltsempfänger kann, sofern er in einem festen Arbeitsverhältnis steht, einen Warenkredit, — dessen Höhe sich nach den Einkommensverhältnissen richtet, — beantragen. Bei Beträgen bis zu 500 DM betragen die Unkosten 1 Prozent der Kreditsumme pro Monat. Ausweis, Lohn- oder Gehaltsbescheinigung sind die wichtigsten Unterlagen. Der ständig wachsende Kundenkreis beweist, daß auch in Darmstadt in steigendem Maße von diesem „Einkauf auf Stottern“ zunehmend Gebrauch gemacht wird. Sg

Weingart & Kempf in neuen Räumen

Die Fa. Weingart& Kempf kann in diesem Monat auf ein 30jähriges Jubiläum ihres Betriebes zurückblicken. Nach langen Mühen ist es ihr gelungen, die Räume des 1. Stockes im Schrumpf-Hause nach vollkommenem Ausbau zu beziehen.Die unbedingt notwendigen Arbeitsräume wurden so ausgebaut und so gestaltet, daß die Angestellten, die hier tätig sein müssen, gerne an ihre Arbeit gehen. In den Räumen herrscht eine klare, helle Linie vor.

Versicherungen seien eine Vertrauenssache, sagte uns Herr Kempf, der selbst seit 30 Jahren die Vertretung der Frankfurter Allianz hat. Ex* erzählte uns weiter, daß die Frankfurter Allianz Darmstadt ganz besonders bevorzugen werde, indem sie einige Millionen D-Mark als Hypotheken im Wohnungsbau der Stadt anlegen werde. Dabei sei interessant, daß hierfür nur Gelder der Lebens-, nicht dex* Sachversicherungen in Frage kämen, da diese Sparte ihr Deckungskapital auf lange Jahre anlegen müsse. Sg.

Wie wird das Wetter?

Leichte Frostmilderung

Vorhersage: Am Dienstag Bewölkungszunahme, aber noch meist trocken; Temperaturen allgemein etwas ansteigend, jedoch noch leichte Nachtfröste. Südöstliche Winde. Weitere Aussichten: Unbeständig.



STARKENBURG

Gaunereien im Lager

Unter den Insassen des Regierungslagers Babenhausen, in dem eine größere Zahl Tschechen untergebracht ist, kommt es öfters zu sträflichem Tun. Neben mancherlei kleinen Spitzbübereien gibt es aber' gelegentlich auch „dickere Brokken“. So tauchte in dem Lager ein gewisser Moroslav Svoboda auf, biederte sich bei einem Insassen an, dessen Frau noch in der Tschechoslowakei ist und erbot sich, sie gegen 340 DM illegal nach Westdeutschland zu bringen. Nach Empfang des Geldes verschwand Svoboda aber auf Nimmerwiedersehen; die gegen ihn erstattete Anzeige ergab, daß es sich bei S. um einen schon seit langem gesuchten Schwindler handelt.

Fast gleichen Kalibers ist ein gewisser' Josef Fieger, der zur Zeit im Babenhäuser Lager untergebracht ist. Er hatte während seines Berliner Aufenthaltes in den Monaten Mai und Juni 1950 ein Verhältnis mit einer Christel B. Das Mädchen unternahm eines Tages eine größere Reise, vertraute Feiger zwei Koffer mit Inhalt und ihrer Hauswirtin eine größere Menge von Kleidungsstücken an, die ihr nachgeschickt werden sollten. Fieger ließ sich die Wäsche aushändigen und verkaufte das Eigentum der 8., das einen Wert von 1000 DM darstellt. RG

Bügeleisen auf Abwegen

Als kürzlich die Tochter des Besitzers eines Textilwarengeschäfts und einer Schneiderei in Unter- Ostern erwachte, mußte sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß das ganze Haus voller Qualm war. In der Schneiderwerkstatt vermutete man den Brandherd. Die sofort alarmierte Feuerwehr zertrümmerte das Fenster der Werkstatt und stellte, nachdem der Rauch abgezogen war, fest, daß noch vom Vorabend das Bügeleisen eingeschaltet war. Die Tischplatte sowie einige Stoffreste und -muster waren bereits verkohlt. Das Feuer konnte, bevor es größeren Schaden angerichtet hatte, gelöscht werden. ptoo.

Die besten Hähne gut genug

Bei einem Mühlenbesitzer aus Bokken r od, der eine Anzahl stattlicher Zuchthähne besitzt, statteten kürzlich nachts Unbekannte einen Besuch ab, bei dem sie den Stall gewaltsam öffneten und zwei der besten Hähne entwendeten. Die Täter schlachteten, wie Blutspuren beweisen, die Tiere an Ort und Stelle ab. Motorradspuren lassen vermuten, daß die Diebe bis kurz vor die Hofreite mit einem Krad gefahren waren, (ptoo)

Marion Anderson sang auf Schallplatten in Erbach

Die Amerikanische Lesehalle Erbach bereitete mit dem Schallplattenkonzert mit einführenden Worten von Frau M. Brieger vom USIC Darmstadt den Freunden vollendeter Gesangskunst eine besondere Freude. Marion Anderson, die 1902 in Philadelphia geborene Negersängerin, deren voluminöse und modulationsfähige Stimme, die alle Register meisterhaft beherrscht, als die schönste Frauenstimme der Gegenwart angesprochen werden darf, war in einer ebenso reichhaltigen wie vielgestaltigen Auswahl deutscher, italienischer und englischer Lieder, Arien und schließlich einigen charakteristischen Negrospirituals zu hören. Für ihren nächsten Besuch in drei bis vier Wochen kündigte Frau Brieger ein Violinkonzert von Beethoven an. -ch

51 Diebstähle gestanden

Lore's tolldreiste Diebestour

Sie streifte durch ganz Südhessen / Staatsanwalt beantragt fünf Jahre Gefängnis

Eine der umfangreichsten Diebstahlsaffären in Südhessen war gestern Gegenstand einer Hauptverhandlung der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt. Vor Gericht stand eine „langfingrige“ Dame, die 41jährige vorbestrafte Lore Z. aus Lorsch, die im vergangenen Jahr nicht weniger als 51 Diebstähle verübt hat, zum Teil gemeinsam mit den beiden Mitangeklagten, der 50jährigen Elise L. und der 30jährigen Ruth K. aus Lorsch.

Auffallend war nicht nur die ungeheure Vielzahl von Lores Straftaten, die sie bei einer ausgedehnten Diebestour im Ried, an der Bergstraße und im Odenwald ausführte, sondern auch ihr freimütiges Geständnis. Sie ging sogar so weit, Diebstähle zuzugeben, die man ihr zunächst gar nicht zur Last legte.

Bel ihren Diebesfahrten bediente sich Lore Z. entweder ihres Fahrrades, des Omnibusses, des Zuges oder sogenannter „Anhalter“, „spezialisierte“ sich in ungezählten Orten Südhessens auf Geld, Schmuckwaren und Lebensmittel, „arbeitete“ am hellen Tage und suchte sich hauptsächlich Bauernhäuser und Gastwirtschaften als geeignetes Objekt. Fand sie ein Haus verlassen, „fahndete“ sie nach den Schlüsseln, die sie in Briefkästen, Fensterecken usw. fand, schloß auf und durchsuchte Schreibtische, Kleiderschränke, Nachttischschubladen und Nähkörbchen. Sie entwendete jeweils Geldbeträge von 10 bis über 1000 DM. In einem Falle, in einem Gasthof in Hütte nfe 1 d, stahl sie sogar unbemerkt 1140 DM und in Nordheim Uhren und Schmuck im Werte von 20 000 DM. Als sie in Mörlenbach z. B. in dem Schlafzimmer eines Gastwirtes kein Geld entdeckte, ging sie in die Räucherkammer und nahm Fleisch und einen Topf Fett mit. Fand sie keine Hausschlüssel, stieg sie durch offene Fenster ein. Bevor Lore zu ihren Beutezügen losfuhr, ließ sie sich öfters die Karten legen, um zu erfahren, ob sie „Glück oder Pech“ hat.

Die beiden mitangeklagten Frauen waren mehr oder weniger „Mitläuferinnen“. Sie beteiligten sich, da sie glaubten, daß „einige Brosamen vom Tische fallen würden“. Entweder stand man Schmiere odei’ lenkte Bauern und Gastwirte durch eine Unterhaltung ab, so daß Lore ungestört arbeiten konnte.

Die Hauptangeklagte, Mutter mehrerer Kinder und geschiedene Ehefrau, gab an, sie habe aus Not gehandelt. Sie habe ihre Kinder nicht mehr ernähren können und sei total ausgebombt. Auch die Angeklagte L. versuchte durch ihre Mitbeteili-

gung ihre dürftigen Verhältnisse zu Hause verbessern zu können. Anders verhielt es sich nach den Worten des Anklagevertreters bei der Angeklagten K., die sich in keiner Notlage befand und gestern auch nicht für ihre Mitwirkung einstehen wollte.

Staatsanwalt Sonnenschein beantragte für Lore Z. wegen 51 Diebstählen fünf Jahre Gefängnis und volle Anrechnung der Untersuchungshaft, für Elise L. wegen Beihilfe und Hehlerei ein Jahr zwei Monate Gefängnis und für Ruth K. wegen eines gemeinsamen Diebstahls und Hehlerei ein Jahr Gefängnis. wst.

Zusammenschluß im Geiste Briands

Gewerkschaftsjugendleiter Kaiser sprach in Groß-Gerau

Am Freitagabend sprach in der Turnhalle des Realgymnasiums in Groß-Gerau der Leiter der Gewerkschaftsjugend Chemie, Kaiser, anläßlich eines Vortragsabends des Stadtjugendringes über die internationale Bewegung der Jugend im europäischen Raum.

Der Redner ging von den Bemühungen um einen europäischen Zusammenschluß in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aus, die an der mangelnden Bereitschaft zu einem Verzicht auf nationale Belange zugunsten einer überstaatlichen Vereinigung scheiterten. Als Verfechter des Europa-Gedankens nannte Kaiser den bekannten französischen Politiker Aristide Briand. Aehnlich wie damals verhalte sich es auch heute mit der Europabewegung, obwohl bereits große Fortschritte auf dem Wege zu einer europäischen Vereinigung gemacht worden seien. Besonders die Arbeit der Männer in Straßburg sei ein Beitrag zur Erreichung des großen Zieles.

Kaiser betonte weiterhin die vielen Vorteile, die ein solcher Zusammenschluß besonders auch hinsichtlich der

Erziehungs- und Jugendfragen bieten würde. Aehnlich wie sich in der Kreisstadt die einzelnen Jugendgruppen im Stadtjugendring zusammengeschlossen hätten, müße sich die Jugend der einzelnen Staaten in einem Jugendring auf europäischer Basis zusammenfinden. Dies zu ermöglichen sei die Aufgabe der Erzieher und Jugendpfleger, die den europäischen Gedanken in die Herzen der Jugend hineintragen müßten. Die Auffassung, die sich die Jugend zu eigen machen soll, müße heißen: Deutschland meine Heimat — Europd, mein Vaterland.

Im Anschluß an die Ausführungen des Referenten sprachen sich die Anwesenden über die vielen Fragen und Schwierigkeiten aus. die noch zu überwinden seien, bevor das Ziel erreicht ist. kr.-

Mossau -„lnsel der Ruhe und Erholung“

Ersprießliche Aussprache über Fremdenverkehrsförderung

Am Sonntagnachmittag hatte Pfarrer Robert M o e s e r i t z die Einwohner von Ober- und Unter-Mossau zum „2. Mossauer Gemeindetag“ in den Saal von Peter Bär eingeladen, zu dem als Hauptreferent Geschäftsführer Meisel, Darmstadt, vom Gebietsausschuß Odenwald-Bergstraße-Neckartal des Landesverkehrsverbandes erschienen war. Bei dieser Gelegenheit wurde der vorläufige Arbeitsausschuß unter Vorsitz von Pfarrer Moeseritz und je vier Vertretern beider Gemeinden endgültig von der Versammlung bestätigt.

Als Pfarrer Möseritz auf dem ersten Gemeindetag vor vier Wochen seine Pläne für diesen Familienrat aller Mossauer entwickelte, war deutlich auf manchem Gesicht der Zweifel an der Durchführbarkeit dieser Projekte zu lesen. Aber die Bürger haben nich tmit der Tatkraft ihres Ortsgeistlichen gerechnet. Daß er den einmal für richtig erkannten Weg bis zum Ende durchgehen wird, bewies er mit dem 2. Gemeindetag, zu dem er sich als Fachmann für Fremdenverkehrsfragen den Geschäftsführer des Gebietsausschusses Südhessen Meisel aus Darmstadt verpflichtet hatte, damit er den Mossauern bestätige, welche Möglichkeiten ihnen die Natui- in überreichem Maße in den Schoß gelegt hat, um aus ihrer Heimatgemeinde ein erfolgreiches Fremdenverkehrs- und Erholungsziel zu machen.

Dabei hatte der erste Gemeindetag sogar auch materielle Erfolge gebracht. So wurden auf Grund der Anregungen zur

Ortsbildverschönerung fünf Ruhebänke gestiftet, die zum Frühjahr an den schönsten Aussichtspunkten aufgestellt werden. Peter Bär hat seinerseits mit der kostenlosen Bereitstellung eines schönen Grundstücks zur Anlage eines Schwimmbades, das gleichzeitig als Feuerlöschteich verwendet werden soll, dem künftigen „Kurort“ ein wertvolles Patengeschenk gemacht.

Geschäftsführer Meisel ging von der Feststellung aus, daß man zwar in den meisten Orten sehr gerne geldbringende Fremde sehe, daß aber die wenigsten Einwohner daran dächten, wie jeder gute Kaufmann ihre Ware erst einmal in gefälliger Weise anzubieten. Er entwickelte dann eingehend die notwendigen Grundprinzipien und verschiedenen Formen der Fremdenverkehrswerbupg. Die beste Werbung sei in jedem Falle die Gastfreundlichkeit der Einwohner, die Erhaltung der natürlichen Ursprünglichkeit der Landschaft und alten Kulturgutes. Mossau als eines der wenigen noch in so reiner Form erhaltenen alten Hubenbauerndörfer in einer wunderbaren Höhenlandschaft, die wegen ihrer Beschaulichkeit zur Ruhe geradezu zwingt, sei wie geschaffen zum Erholungsaufenthalt für die nervenmüden Menschen unserer Großstädte. Bei der Erörterung dieser Fragen wurde auch gleich das treffende Prädikat für Mossau geprägt „Insel der Ruhe und Erholung“, das allgemein Beifall fand.

In längerer Aussprache wurden noch zahlreiche wertvolle Vorschläge und Anregungen gegeben, die zum Teil unverzüglich in Angriff genommen werden sollen. So beispielsweise die Erfassung aller Unterkunfts- und Uebernachtungsmöglichkeiten für Feriengäste, die Wiedereinrichtung von DRK-Bereitschaften, die vor dem Krieg .in Mossau schon erfolgreich gearbeitet haben, die Herausgabe eines kleinen illustrierten Faltblatts von Mossau usw. Die beiden Bürgermeister, Adam Friedrich und Johann Adam Heckmann, sagten ihre volle Unterstützung zu. Auch die Einwohner wollen nach Kräften mithelfen, Mossau wirklich zu einer Insel der Ruhe und Erholung zu machen. -ch.

Waffenlager in Groß-Umstadt aufgedeckt

Zwei Jugendliche verhaftet / Arsenal im Garagenschacht

Am vergangenen Wochenende nahm die Gendarmerie Groß-Umstadt den 21- jährigen Radiotechniker Werner Kuß und den etwa gleichaltrigen Sohn des früheren Ortsgruppenleiters der NSDAP, Dr. Wilhelm Metzger, beide aus Groß-Umstadt, fest. Der Untersuchungsrichter erließ Haftbefehl; Kuß und Metzger jr.

wurden am Montag dem amerikanischen Militärgericht überstellt, das voraussichtlich gegen beide ein Strafverfahren wegen verbotenen Waffenbesitzes einleiten wird.

Ueber die näheren Umstände dieses Vorfalls erfahren wir noch folgende Einzelheiten:

In der Nacht vom 26. auf 27. Oktober gegen 3 Uhr wurde Werner. Kuß in seiner elterlichen Wohnung festgenommen, nachdem er sich aus einem Waffenversteck, von dem er seit einigen Monaten Kenntnis hatte, zwei Karabiner und Munition verschafft hatte. Kuß war in betrunkenem Zustand nach Hause gekommen. Zwischen ihm und seinem Vater kam es daraufhin zu einem Wortwechsel. Nach Aussage des Vaters ging Werner Kuß wieder aus der Wohnung weg. kam aber nach kurzer Zeit wieder, brachte zwei Karabiner mit, legte sie auf den Tisch und rief dem Vater zu: „Jetzt schieße ich dich tot!“ Kuß sen., der sich anscheinend seines Sohnes nicht mehr erwehren konnte, verständigte die Gendarmerie, die in die Wohnung kam und zur Festnahme schreiten wollte. Werner Kuß setzte den Beamten jedoch heftigen Widerstand entgegen, den er auf der Gendarmeriestation noch, fortsetzte: er trat um sich und schlug auf den Tisch.

Erst nachdem der Widerstand gebrochen war, konnte die Gendarmerie zur Vernehmung schreiten.

Kuß gab, entgegen den Aussagen seines Vaters an, daß er die Waffen bei seinem Nachhausekommen mitgebracht habe. Die Frage nach der Herkunft der. Karabiner beantwortete Kuß mit der Angabe des Waffen- und Munitionslagers: Wilhelm-Leuschner-Straße 20, in einem Schacht unter der Garage der

Wohnung des ehemaligen Ortsgruppenleiters der NSDAP Groß-Umstadt, Dr. Wilhelm Metzger. Nach eigenen Aussagen wußte Dr. Metzger von dem Vorhandensein der Waffen nichts, so daß man zur Vernehmung in der weiteren Untersuchung des Falles auf dessen 20 Jahre alten Sohn zurückgreifen mußte.

Der junge Metzger, der in Frankfurt berufstätig ist, erklärte, er habe das Lager im Jahre 1945 vor dem Einrücken der Amerkianer angelegt. Die inzwischen vorgenommene Durchsuchung des Waffenverstecks förderte zwei weitere Karabiner, die zum Teil verrostet sind, zutage, mehr als 4 kg Pistolenmunition 08, 11 Maschinengewehrtrommeln mit je 150 Schuß Munition und eine größere Menge Kleinkalibermunition.

Im Gegensatz zu dem jungen Metzger, mit dem sich lediglich das amerikanische Militärgericht zu beschäftigen haben wird, hat Werner Kuß mehrere Strafverfahren zu erwarten. Die gegen ihn vorliegenden Anklagepunkte werden zudem getrennt verhandelt. Wegen des verbotenen Waffenbesitzes hat er sich vor dergleichen Instanz wie Metzger zu verantworten; darüber hinaus werden die deutschen Gerichte ihn noch wegen Bedrohung mit einem Verbrechen und Widerstands gegen die Staatsgewalt bestrafen müssen.

Kuß hat vor einigen Monaten schon einmal unliebsam^ Bekanntschaft mit den amerikanischen Justizbehörden machen müssen: er entwendete einen vor einer Groß-Umstädter Wirtschaft stehenden amerikanischen Jeep, kam damit aber nicht allzu weit. Auf der Straße nach Raibach verlor er die Gewalt über das Fahrzeug, steuerte es in den Straßengraben und ging flüchtig. Er wurde wenig später jedoch gefaßt und zu einer gebührenden Freiheitsstrafe verurteilt. RG


Das alte Roßdörfer Rathaus im Licht der Scheinwerfer
Das alte Roßdörfer Rathaus im Licht der Scheinwerfer

Liederabend in Zwingenberg

Am Sonntagabend veranstaltete der Zwingenberger „Sängerkranz 1832“ unter dem Motto: „Ernstes und Heiteres“ einen Liederabend mit Werken der beiden Heimatdichter und Komponisten Georg Simon und Karl Grim. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Schuchmann berichtete Chorleiter Lutz kurz über das Leben der beiden Autoren, die persönlich anwesend waren. Dichtungen wie Kompositionen sind echte Volkswerke. Der Vereinschor brachte unter der Leitung von Helmut Lutz die Chöre sauber und mit echter Empfindung zu Gehör. Rezitationen sind nie eine leichte Aufgabe, daher war auch das anfänglich starke Lampenfieber der Vortragenden, H. Nagelmann und H. Lutz verständlich, die sich aber dennoch bemühten, den Gedichten gerecht zu werden. Leichter hatte es K. Schuchmann, der mit seinem humorvoll vorgetragenen Mundartgedichten reichen Beifall erntete. August Rasch (Tenor) sang einige Lieder, von Helmut Lutz begleitet. Die Veranstaltung war gut besucht

...und Ober-Ramstadt

Der Liederabend der Sängervereinigung 1871 in der SKG. Ober-Ramstadt wurde zu einem vollen Erfolg. Chorleiter Studienrat Born hatte das Programm abwechslungsreich gestaltet und die etwa dreistündige Veranstaltung bewegte sich in einer entsprechenden Atmosphäre. Alle dargebotenen Chöre waren gut einstudiert und fanden ungeteilten Beifall eines aufgeschlossenen Publikums. Besonderen Applaus erntete Opernsänger Bla sei als Gast. Am Flügel zeichnete sich Werner Hoppstock aus. Auch die „Modauspatzen“ stellten sich mit vier lustigen Liedern vor.

Durch ihre Abgestimmtheit und ihr gegenseitiges Einfühlungsvermögen festigten sie erneut ihren Ruf. Während der erste Teil des Programms mit Chören vom Rietz, Hegar, Curti, Beethoven und Stürmer ausgefüllt war, brachte der zweite Teil Minne-, Trink- und Scherzlieder. Studienrat Born hat den Chor der Sängervereinigung auf eine beachtliche Stufe gebracht und er verstand es auch jetzt wieder, den Chor voller Hingabe zu diesem neuen Erfolg zu führen. _n_

Gernsheim muß nenen Lürgermeister wählen

Antrag auf Erweiterung des Realgymnasiums zur Vollanstalt

Der Gemeinderat der Stadt Gernsheim trat am Freitagabend zu einer öffentlichen Sitzung zusammen und befaßte sich mit einer 14 Punkte umfassenden Tagesordnung, darunter in der Hauptsache mit einem von der CDU-Fraktion eingebrachten Antrag, der sich mit der Ausschreibung der nunmehr frei gewordenen Bürgermeisterstelle befasste.

Nachdem Rechtsanwalt Jockel als juristischer Berater dem Gemeinderat Aufschluß über die rechtliche Lage im Falle Adler gegeben hatte — wobei er die Auffassung vertrat, daß einer Neubesetzung der Bürgermeisterstelle in Gernsheim nichts mehr im Wege stände — wurde über den Antrag der CDU abgestimmt. mit dem Ergebnis, daß sich die Geimeindevertreter einstimmig für eine Ausschreibung aussprachen. In der vorangegangenen Aussprache hatte sich der Fraktionsführer der CDU, Rektor Schmitt, dafür eingesetzt, die Bürgermeisterfrage zu einem baldigen Abschluß zu bringen. Für den zu bildenden Wahlausschuß wurden von der CDU

Rektor Schmitt, die Herren Ruß und Müller, von der SPD Herr Staab und Herr Deutsch, und von den Unabhängigen Herr Kissel vorgeschlagen. . 4

Ein vom Kollegium der Volksschule eingebrachter Antrag. Klassen mit erweitertem Lehrziel einzurichten, fand dahingehend die Zustimmung der Gemeinderäte. daß sich der Gemeinderat an die Regierung wendet, um von dort eine entsprechende Genehmigung zu erhalten. Durch diese Einrichtung soll Volksschülern, die über eine gewisse Begabung verfügen, jedoch nicht die Absicht haben, eine Hochschule zu besuchen. eine der mittleren Reife gleichkommende Schulbildung vermittelt werden.

Die Gemeimdevertnteter stimmten dann einem Antrag an das Kultusministerium zu. wonach der Ausbau des Realgymnasiums zur Vollanstalt erreicht werden soll. Dieser Vorschlag war aus Kreisen des Vereins ehemaliger Schüler gekommen, der gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zu diesem Vorhaben leisten will.

Im Anschluß daran wurden die Gemeinderäte durch Beigeordneten Scheidler über den Ausgang des Rechtsstreites zwischen der Stadt Gernsheim und der Firma Gebrüder Mitteldorf unterrichtet, der zugunsten der Stadt entschieden worden war. Weiterhin wurde die Weiterverpachtung des Kiesloches an den Angelsportverein gebilligt. Zur Debatte standen zuletzt noch' drei Anträge des städtischen Gewerbevereins, die Vergebung von öffentlichen Aufträgen, die Wiederausführung des Ferkelmarktes und die Uebereignung des Schwimmbades. Während den beiden ersten Punkten im Prinzip zugestimmt wurde, mußte die Uebereignung des Schwimmbades in den Finanzausschuß überwiesen werden. kr.-

Erste Sitzung im neuen Haus

Roßdorfs Gemeinderat tagte

Am vergangenen Wochenende wurde das alte Roßdorfer Rathaus nach der Renovierung wiedei- seiner alten Bestimmung übergeben. Sofort im Anschluß an den Festakt beriet der Gemeinderat die Bebauung des Geländes am Bessunger Forsthaus, die Haushaltslage 1950/51 und die Errichtung eines Gebäudes zur Unterbringung der Gemeindeverwaltung im Anschluß an das Rathaus. Zu letzterem stellte der Bürgermeister fest, daß dieses Projekt erst nach Schaffung des erforderlichen Bauplatzes unmittelbar neben dem Rathaus erworben werden und vorläufig eine Verbesserung der Arbeitsraumlage durch Freiwerden des noch bewohnten Obergeschosses der jetzigen Bürgermeisterei herbeigeführt werden könne.

In der Diskussion über diesen Punkt wurde besonders von der KPD-Fraktion Einspruch erhoben, vordringlichere Probleme, u. a. Erbauung eines Leichenhauses, in den Vordergrund zu stellen. Der Antrag, nähere Untersuchungen über dieses Bauvorhaben vorzunehmen, wurde durch Ueberweisung an die Baukommission einstimmig angenommen. Anschließend gab Bürgermeister Roßmann einen sehr ausführlichen Bericht über die Haushaltslage 1950'51.

Der bisher- verbilligten Abgabe von Bauholz infolge starken Einschlags der durch den Borkenkäfer befallenen Fichtenbestände kann zukünftig nicht mehr entsprochen werden, da die Vorräte aufgebraucht sind. Um den Forderungen der Baulustigen gerecht zu werden, wurden mehrere Vorschläge zur Schaffung einer finanziellen Unterstützung an die Finanzkommission überwiesen.

Das schon in den letzten Gemeinderatsitzungen viel diskutierte Problem der Bebauung des Geländes am Bessunger Forsthaus nahm auch diesmal wieder einen breiten Raum ein. Lebhafte Debatten zwischen den Gemeindevertretern, Landrat Wink und Bauinspektor Geyer führten zu der einstimmigen Annahme der Antrags, daß die durch Vermessung vorgenommene Einteilung dieses Geländestücks gerechtfertigt ist und einer Bebauung nichts im Wege stehe. Weiterhin wurde beschlossen die Bauleitpläne, zwecks Bebauung der rechten Seite des Messeler Weges weiter auszudehnen. Ein Antrag des Roten Kreuzes, im Rathaus einen Raum zur Unterbringung der Gerätschaften u. a. zur Verfügung zu stellen, wurde nicht gebilligt und vorläufig zurückgestellt. Auch das Problem einer wirksamen Rattenbekämpfung innerhalb des Ortes nahm lebhafte Formen an und konnte vorerst noch nicht zufriedenstellend gelöst werden, sl.

Unsere Geburtstagskinder

Silberne Hochzeit: Herr Johannes Dieter und Ehefrau, geb. Müller, Bickenbach an der Bergstr., Pfungstädter Straße.

91. Geburtstag: Herr Leonhard Reeg, Kleestadt, Tambourstraße 24.

75. Geburtstag: Frau Sophie Lückerath, Lorsch, Einhäuser Landstraße 35, und Frau Engelberta Pech o 1 d, Lorsch Bahnhofstraße 54.

40jähriges Dienstjubiläum: Herr Eisenbahnsekretär Götz, Bockenrod, bei der Südd. Eisenbahngesellschaft.

Freund schaft und Toleran;

Die hohen sittlichen Ziele der Freimaurerei

Pinon °hannisloge „Zu den drei Sternen“ in Erbach hatte am Samstagabend . jSe"S, großen Zuhörerkreis zu einem Aufklärungsabend über „Wesen und e er Freimaurerei“ in den Saal des Hotels „Nibelungen“ eingeladen.

Professor Dr. Fr. G a nse r, Michelstadt, entkräftete eingangs in ausführlicher und interessanter Weise die weitverbreiteten Irrtümer über die „internationale Gefahr «er Freimaurerei“ und alle sonstigen böswilligen Unterstellungen, die meist der Phantasie von Leuten entsprängen, denen die hohen sittlichen und charakterlichen Ziele und Ideale des Freimaurertums unbequem seien.

Mit gleicher Gründlichkeit und Offenheit gab der Redner einen Ueberblick über die Geschichte der Freimaurerei von ihrer Ursprungszelle in den Bauhütten der Steinmetzen des Mittelalters über die Gründung der ersten Großloge von England im Jahre 1717 bis zur Gegenwart Nichts sei dabei „geheim“ oder scheue das Tageslicht. Auch das Gerede von den „unbekannten Oberen“ der Freimaurerei sei Unsinn. Die oft kritisierte „Internationalität bestehe lediglich in den gemeinsamen Grundsatzungen, den sogenannten „Alten Pflichten ‘, die aber ausschließlich Dinge behandeln, die man als die edelsten Tugenden der Menschheit bezeichnen könne, so beispielsweise das Gebot, ein toleranter, friedliebender Mensch zu sein, dem wahre

Freundschaft heilig ist, und sich auch in der Zeit des absoluten Materialismus um den inneren Menschen zu kümmern. In diesen „Alten Pflichten“ werde auch loyale Einstellung der Brüder zum Staat vorgeschrieben. Die Freimaurerei sei allen Religionen und Konfessionen gegenüber duldsam und wolle absolut nicht einen Ersatz für die Kirche darstellen, im Gegenteil, sie erziehe ihre Brüder zu Religiosität und hoher Sittlichkeit. Ein Freimaurer darf „kein Atheist oder irreligiöser Freigeist sein“ heißt es beispielsweise in der „alten Pflicht“ Nr. 1.

In ihren Riten, die fast ausschließlich aus der Zeit der Bauhütten überkommen sind, liege eine tiefe Symbolik, die durchaus nichts geheimnisvolles an sich habe. Zusammenfassend bezeichnete Prof. Ganser die Freimaurerei als Bund sympathisierender Geister zur Pflege wahrer Freundschaft unter Menschen.

Die sich anschließende Aussprache, die weit über eine Stunde andauerte, bewies das große Interesse an der Sache, beleuchtete aber auch die weitverbreitete Unkenntnis über Wesen und Ziele der Freimaurerei. -ch

Der Gemeinderat ist das Sprachrohr des Bürgers

Erste Tagung des öffentlichen Forums Vielbrunn

Das vor kurzem gegründete öffentliche Forum Vielbrunn veranstaltete am Samstag seinen ersten Ausspracheabend über das Thema „Der Bürger und sein Verhältnis zur Gemeindevertretung“. Die Referate hielten Bürgermeister Schwabe (Lindenfels), und Gemeinderat Finger.

Herr W a m s s e r eröffnete als Vorsitzender den Abend und sprach über Sinn und Ziel eines Forums. Anschließend berichtete Bürgermeister Schwabe aus seinen reichen Erfahrungen und betonte, daß der Gemeinderat nicht der Machthaber im Dorfe sei, sondern lediglich als Sprachrohr des Bürgers diene. Deshalb ist eine Gemeindevertretung auf die Mitarbeit aller Ortseinwohner angewiesen.

Umgekehrt ist es Aufgabe der Gemeinderäte, bei dem Bürger Verständnis für seine Maßnahmen zu wecken. Der Redner zeigte die Parallele zwischen Vielbrunn und Lindenfels auf, die beide durch verkehrsungünstige Lage und mangelnde Industrie auf den Fremdenverkehr angewiesen sind. Diesen zu heben, erfordert die Mithilfe aller, um die Fremden zu Freunden zu gewinnen. Gemeinderat Finger stützte sich in seinen Ausführungen im wesentlichen auf die Hessische Gemeindeordnung und umriß in großen Zügen die Aufgaben der Gemeindevertretung und des Bürgermeisters.

Nach den Referaten trat der provisorische Vorstand, der sich selbst konstitiuiert hatte, zurück. Bei der Neuwahl wurde der alte Vorstand mit Herrn Willi Wams se r als Vorsitzenden wiedergewählt. Er besteht weiterhin aus: Klara Heinzel, Adam Allmann, Georg Corell, Jakob Brohm, Adam L a u - denberger, Georg Mengler jr., Georg Schmauß jr. und Dr Fritz Welzel.

Bei der Diskussion über das Thema des Abends wurde immer wieder bekundet, wie interessiert jeder einzelne an den Problemen des Gemeinschaftslebens ist. Der nächste Forumsabend mit dem Thema: „Wie kann der Fremdenverkehr gehoben werden?“ soll am 23. November stattfinden. m

Lengfeld. — Der kürzlich verunglückte Straßenwärter i. R. Fritz Seibert, Reinheimer Straße, ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. ML

Wenn es ernst wird...

Übung der Bensheimer Freiw. Feuerwehr

Am Sonntagnachmittag fand in Bensheim eine Schul- und Angriffsübung der Freiwilligen Feuerwehr statt, zu der außer dem Bürgermeister und Vertretern des Stadtrates, der Stadtverwaltung, der Presse und auswärtiger Wehren zahlreiche Bensheimer erschienen waren. Die Uebung begann zunächst in den Anlagen, wo die Motorspritze und die neue Wasserkanone vorgeführt wurden.

Bei der Angriffsübung in der Hauptstraße wurde dann gezeigt, wie ein größerer Brandherd systematisch von allen Seiten bekämpft und gelöscht wird.

Im allgemeinen sprach sich der Kommandant lobend über das Gezeigte aus und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß auch im Ernstfälle alles so reibungslos klappen möge.

Im Namen der Stadtverwaltung dankte Bürgermeister Treffer t allen Beteiligten und stellte in Aussicht, daß die neue Feuerwehrunterkunft noch vor dem Winter in Benutzung genommen werden kann.

Mangels Zurechnungsfähigkeit eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat das Verfahren gegen den 17jährigen O. W. aus Groß-Bieberau, der sich im Sommer d. J. an einem 12jährigen Mädchen unsittlich vergangen hatte, mangels Zurechnungsfähigkeit des Jugendlichen eingestellt. Le.

„Bollwerk gegen den Osten“

Ein von Bergingenieur Kurt Herdemerten im Amerikahaus Heppenheim gehaltener Farblichtbildervortrag: „Quer durch den Balkan und in den Randgebieten des nördlichen Eismeers“ war stark besucht und wurde mit größtem Interesse aufgenommen. Er führte in den Balkan, den der Redner als das Bollwerk gegen den Osten bezeichnete. Deutlich trete in den Städten die gemischte Einwirkung des Westens und Ostens hervor, während die Dörfer ihre eigene Bodenständigkeit zeigten.

Volkstümlich und ruhig, in wissenschaftlich prägnanter Form schilderte Herdemerten im zweiten Teil seines Vortrages die nördlichsten Landstriche unseres Kontinents. Besonders hob er den Holzreichtum Finnlands, sowie das größte Nickelwerk in Kolosioki, in dem auch Kupfer und Platin gewonnen werde, hervor. Unübersehbare Wälder mit tausenden Seen zogen im Bild vorüber.

Der Redner plauderte in lebendiger, ansprechender Art über die Biographien der Völker und die Bauweise ihrer Häuser. Er selbst leitete 1938 eine Expedition nach Grönland und errichtete danach eine der Universität Breslau angeschlossene wissenschaftliche Forschungsstätte auf dem Kamm des Riesengebirges, erh.

Solidarität höchstes Ziel der Gewerkschaft

Lohnerhöhungen bei der Bundesbahn

Auf einer Versammlung der Einheitsgewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands in Groß-Gerau sprach am Sonntag der Vertreter des Ortsverbandes Darmstadt, Schäfer, über den Eisenbahnertag in Gelsenkirchen sowie über die Entwicklung auf dem Lohn- und Gehaltssektor der Deutschen Bundesbahn.

Die Gelsenkirchener Großveranstaltung, auf der rund 60 000 Eisenbahner zugegen waren, nannte Schäfer einen Markstein der Gewerkschaftsbewegung. Sich praktischen Fragen zuwendend, schilderte der Redner den Stand der Beratungen über das inzwischen an erster Lesung durch das Bundesparlament gegangene neue Bundesbahngesetz. Im Zusammenhang damit kritisierte er das Gutachten der amerikanischen Ingenieure bezgl. der Neugestaltung der Eisenbahn im Bundesgebiet. Schäfer erklärte, daß diesem Gutachten Gesichtspunkte zugrunde gelegen hätten, die nicht auf die westdeutschen Verhältnisse zuträfen. In den USA gebe es z. B. keinen Existenzkampf zwischen Schiene und Straße, sondern den Wettbewerb zwiscHten Eisenbahn und Luftverkehrsgesellschaften.

Weiter auf das heute häufig diskutierte Problem der Rivalität zwischen schienengebundenen und Straßentrapsportmittel eingehend, betonte der Referent, daß die Eisenbahn das Kraftfahrzeug hinsichtlich der Sicherheit übertreffe. Die Finanzlage der Bundesbahn, die sich in letzter Zeit gebessert habe, die jedoch die Deckung

des Ausgabedefizits von 100 Millionen DM nicht ermögliche, war Gegenstand von Schäfers weiteren Ausführungen. Besondere Beachtung fand die Bekanntgabe wichtiger Verbesserungen in der Lohn- und Gehaltsfrage, wonach zur Auszahlung einer Teuerungszulage sowie zum Ausgleich der verschiedenen Ortsgrundstaffeln 63 Millionen DM bereitgestellt wurden. Für die Eisenbahner Groß-Geraus bedeutet dies nach Ueberstellung von der Ortsgrundstaffel 9 auf 7 eine Lohnerhöhung von 11 D-Pf.

Generell macht dies nach den Königsteiner Beschlüssen festgelegte Lohn- und Gehaltsordnung für die Bediensteten der Bundesbahn in der Provinz Starkenburg monatlich je 20 DM aus. Gehaltsempfänger, die bis zu 350 DM verdienen, erhalten einen Zuschlag von 20 DM. Diese Regelung tritt rückwirkend vom 1. Oktober in Kraft. Schäfer mahnte abschließend die Teilnehmer der Versammlung, Solidarität zu üben, denn nur die Gemeinschaft vermöge es, ihren Wünschen Gehör und Erfüllung zu verschaffen. kr-

Verdiente Geslügelzüchter

Am Samstag fand im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ eine Jubilarehrung des Geflügelzuchtvereins Wixhausen statt. Der erste Vorsitzende, K. Bergmann, begrüßte die Mitglieder und ehrte die Jubilar e, welche 25 Jahre und mehr dem Verein die Treue gehalten haben. Besonders dankte er dem einzigen noch lebenden Gründer und Altmeister des Vereins Peter Dietz für seine 40 jährige Tätigkeit im Verein. Züchter Pfaff dankte im Namen der Geehrten für die Aufmerksamkeiten des Vereins. Bürgermeister Büchse 1 erklärte, daß die Gemeinde alles tun werde, um die Geflügelzucht zu fördern und wünschte dem Verein weitere Erfolge. Der weitere Verlauf des Abends war mit humorvollen Einlagen ausgefüllt. L.K.

Kirchenmusikalische Feierstunde

in der evangelischen Kirche Bensheim

Aus Anlaß des 200. Todestages von Joh. Seb. Bach veranstalteten die Goetheschule und die Aufbauschule für Mädchen am vergangenen Sonntag eine kirchenmusikalische Feierstunde. Im Mittelpunkt der Feier stand eine Gedenkrede Prof. Dr. Carl Anton s über das Thema: „Bach als Christ!“ Es sei nicht der Sinn der Feierstunde, so führte der Redner aus. Bach als Mensch und Künstler zu vergöttern, sondern Bach als eines Christen zu gedenken. Stets sei es echter, tiefer christlicher Glaube gewesen. aus dem der Meister die Kraft für seine großen Werke geschöpft habe, und allein zur Ehre Gottes habe er sie geschaffen.

Der Schülercho». ein Schüler-Instrumentalkreis und einige Solisten brachten Bachsche Werke sowie Sätze aus dem „Musikalischen Opfer“ und der Motette „Jesu meine Freude“ zu Gehör. Unter der Leitung von Musiklehrer Früh erfreute der Chor durch einen stilvollen Vortrag. Der Instrumentalkreis überzeugte zwar noch nicht ganz, doch muß der Eifer und der gute Wille lobend anerkannt werden. Lotte Bopp (Alt) trug ihre Gesangssoli mit Wärme vor. Elfriede Früh überzeugte in der Partita für Violine solo durch eine technisch sichere und einwandfreie Wiedergabe des Werkes. Evamaria Lettermann war eine anpassungsfähige Begleiterin. HB

Wixhausen. Die Tochter eines Metzgermeisters verbrühte sich so sehr an Händen und Füßen, daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. — Ein Schuljunge stürzte mit dem Rad und zog sich erhebliche Verletzungen am Kopf zu. LK.

Der SPORT

Fußball in den Heimatkreisen

Darmstadt Weiterstadts erste Niederlage

Entgegen allen Erwartungen brachte es Gräfenhausen fertig, den Nachbarverein und Tabellenführer Weiterstadt mit 4:1 zu besiegen. Auch diesmal konnte der Veteran Conrad den Torsegen eröffnen, doch Hruby glich für die Gäste noch vor dem Seitenwechsel aus. Lange Zeit hielten beide Hintermannschaften ihr Heiligtum rein, bis schließlich Gräfenhausen in den letzten 15 Minuten den Bann brechen konnte und durch Schmidt (1) und Langendorf (2) den Endsieg sicherstellte. Die beiden Verfolger TSG 46 Darmstadt und Bickenbach verpaßten durch ihr Unentschieden von 0:0 die Chance, zu dem Tabellenführer aufschließen zu können. Die Bickenbacher hatten dabei großes Glück, denn von den „Roten“ wurden viele gute Torgelegenheiten ausgelassen. In Hahn enttäuschten die Gäste entgegen ihren zuletzt gezeigten Leistungen stark und unterlagen mit 7:1. Schon bis zur Halbzeit konnte Schmitt 3 Tore anbringen. Nach der Pause verbesserten Schmidt, Biermann und Müller das Resultat, während Heißt den verdienten Gegentreffer anbringen konnte.

iSeeheim und Alsbach trennten sich mit 2:3. Schon bis zur Pause lagen die Gäste mit 0:2 in Führung, nach dem Wechsel drehten die Einheimischen auf und schafften noch den Ausgleich, aber Klein, Alsbach, schoß zum siegbringenden 3. Tor ein. Für Seeheim, das sich trotz Ersatz tapfer wehrte, waren Puhlmann und Mink erfolgreich. Nieder-Ram- Stadt kam in Hähnlein nur langsam ins Spiel, konnte aber durch Poschmann bis zur Pause 2 Treffer erzielen. Nach dem Wechsel kamen die Einheimischen immer mehr auf, so daß Gußmann und Maid auf 2:2 aufholen konnten.

Langen holte sich in Erzhausen einen wolverdienten Punkt. Es war ein hartes Spiel, bei dem die Gäste bis zur Pause noch 1:0 führten.

In der B-Klasse trennten sich die beiden Stadtvereine SV 98 (Soma) und Union Darmstadt nach fairem Spiel 3:4. SC Griesheim siegte wiederum auswärts und schlug diesmal ohne Gegentor die Soma VfR Langen klar mit 5:0 Toren. Einen weiteren schönen Erfolg haben die Traisaer gegen Ober-Beerbach au verzeichnen, denn 7:1 will schon was heißen. Die Tore für Traisa schossen: Trautwein, Fischer (2) und Falter (4). Brandau hatte seinen guten Tag und bezwang Nieder-Beerbach mit 3:1. J. Schäfer, P. Wolf und Winkler waren für die Einheimischen erfolgreich. Jugenheim war in Rohrbach und siegte mit 5:2 Toren. nd.

Weiterstadt 8 6 1 1 30:10
13:3 Grafenhausen 7 6 0 1 21:10
12:2 TSG 46 Darmstadt 8 5 2 1 24:10
12:4 Bickenbach 8 5 2 1 20:10
12:4 Nieder-Ramstadt 8 4 2 2 20:9
10:6 Hahn 8 4 0 4 20:26
8:8 Alsbach 8 3 14 20:13
7:9 SSG Langen 8 14 3 15:17
6:10 Erzhausen 8 2 15 12:22
5:11 Hähnlein 7 12 4 13:20
4:10 Seeheim 8 2 0 6 15:24
4:12 Griesheim 8 0 1 7 6:40
1:15

Groß-Gerau

Kein Gastgeber ohne Sieg

Arn 8. Spielsonntag der Verbandsrunde gab es nur Siege der Heimmannschaften. Es spielten: Biebesheim — Büttelborn 2:0, Stockstadt — Dornheim 2:1, SKG Walldorf — Wolfskehlen 4:2, Gernsheim — Raunheim 07 3:1, Ginsheim Gustavsburg 2:1. ... .

Büttelborn konnte in keiner Weise gegen die sehr eifrigen und um jeden Ball kämpfenden Biebesheimer aufkommen. Nachdem Biebesheim einen Fouelfmeter verschossen hatte, konnte es endlich in der 75. Minute durch Sudheimer und in der 78. Minute durch Ruppert die so wertvollen Punkte sicherstellen. — Beinahe sah es so aus, als wollten die Dornheimer von Stockstadt einen Punkt mit nach Hause nehmen. Schon in der 16. Minute ging Dornheim durch seinen Linksaußen in Führung. Erst in der 30. Minute konnte Graulich den Ausgleich erzwingen In der 80 Minute war es dann Kowalski, der den Siegestreffer erzielte. — Die SKG Walldorf konnte, dank ihrer längeren Ausdauer, als Sieger aus diesem Treffen hervorgehen Wolfskehlen spielte bis zui Pause eine 2:1-Halbzeitführung heraus, mußte aber nach der Pause noch 3 Gegentreffer hinnehmen. — Gernsheim war seinem Gast aus Raunheim jederzeit überlegen. Hanselmann, Köhl (Elfmeter) und Kästier waren die Torschützen für Gernsheim. — In dem Lokalderby in der Mainspitze zwischen Ginsheim und Gustavsburg ging der Gastgeber durch zwei herrliche Tore von Seid und Malkmus als Sieger hervor. Für die Gäste war der Halbrechte erfolgreich. — Astheim hatte alle Mühe, gegen Klein-Gerau bestehen zu können. Anfänglich lag sogar Klein-Gerau 2:0 in Führung, mußte sich aber dem rasanten Endspurt des Gastgebers beugen und mit einer 3:2-Niederlage nach Hause fahren.

In der B-Klasse spielten: Goddelau — Königstädten 4:2, Wallerstädten — Geinsheim 3:1, SSV Raunheim — Leeheim 2:2.

Goddelau konnte durch seinen 4:2- Erfolg über Königstädten in der Tabelle wieder eine Sprosse höher klettern. Die Leeheimer trotzten dem SSV Raunheim ein Unentschieden ab. Mit etwas Glück hätte es für einen Sieg reichen können. Interessanter war die Begegnung Wallerstädten — Geinsheim, wo man verbissen um die Tabellenführung kämpfte, was schließlich auch dem Gastgeber gelang. Ueber 200 Zuschauer sahen die Wallerstädter 3:1 siegen. Das Spiel zwischen Bischofsheim I b und Erfelden fiel aus. Rüsselsheims I b war spielfrei. -od-

Bergstraße Kampf um Rührung verschoben

Waldmichelbach—Lampertheim 9:0 (5:0); Mörlenbach—Lindenfels 7:1 (3:1); Fehlheim— Auerbach 1:1 (0:0); Einhausen—FC Fürth 4:3 (2:2); Affolterbach—Weiher 1:1 (0:1). Nachdem das Treffen der Spitzenreiter (Reichenbach— Aschbach) auf den 12. November verlegt worden war, konzentrierte sich das Interesse auf die Begegnungen in Mörlenbach und Waldmichelbach. Vfß Lampertheim, völlig indisponiert, unterlag einer diesmal quicklebendigen Waldmichelbacher Mannschaft, deren Glanzstück der schußfreudige Sturm war, klar 9:0. — In Mörlenbach kamen die auf Grund der Vorkommnisse des vergangenen Sonntags mit vier Ersatzleuten antretenden Lindenfelser gehörig unter die Räder. Obwohl sie das erste Tor erzielen konnten, buchte Mörlenbach durch Schmittinger (3), Heckmann, Seiler, Rech und Egner sieben Gegentreffer. — Auerbach lieferte den favorisierten Fehlheimern eine ausgeglichene Partie, deren 1: l-Unentschieden beiderseits als gerecht empfunden wurde. — Einhausen siegte in einem gewitterreichen Spiel gegen den FC Fürth etwas unverdient 4:3; ein Unentschieden wäre gerechter gewesen. — Recht zäh ging es in ?>.ffolterbach zu, wo die Platzherren mit viel Glück und entsprechendem Geschick den durch einen Elfmeter erzielten Ausgleich über die Zeit retten konnten, obwohl die Gäste fast mit d’em Schlußpfiff noch einmal das Siegestor „am Fuß“ hatten.

Reichenbach 7 5 2 0 29:10 12:2
Aschbach 6 5 1 0 17:8 11:1
Waldmichelbach 8 4 1 3 23:16 9:7
Mörlenbach 7 3 2 2 24:16 8:6
FC Fürth 8 3 2 3 19:14 8:8
Fehlheim 8 3 2 3 18:19 8:8
Affolterbach 7 3 1 3 15:15 7:7
Lampertheim 8 3 0 5 14:28 6:10
Weiher 7 1 3 3 12:16 5:9
Einhausen 7 2 1 4 12:20 5:9
Auerbach 7 1 2 4 10:17 4:10
Lindenfels 6 1 1 4 10:23 3:9

Erbach Neustadt verlor den Anschluß

Die Fußball-A-Klasse Erbach wartete auch sm achten Spielsonntag mit unerwarteten Ergebnissen auf. Die größte Ueberraschung leistete sich Ead König, das mit seinem 4:1- Erfolg über Neustadt den seitherigen Tabellenzweiten auf den vierten Platz verwies.

Während der TSV Höchst in Hainstadt einen 6:1-Sieg errang, verlor Würzburg auf eigenem Platz gegen Rimhorn 8:0, Beerfelden in Sandbach unglücklich 1:0. Günterfürst trennte sich gegen Steinbach mit einem 5:5, die ersatzgeschwächte Lützel-Wiebelsbacher Elf gegen die Erbacher Sondermannschaft mit einem 3:3-Unentschieden.

Lützel-Wiebelsbach war gegen die Erbacher Sondermannschaft mit vier Mann Ersatz angetreten. Obwohl die Platzherren bis zur Pause mit 1:3 Toren im Rückstand lagen, glückte ihnen in der zweiten Hälfte der Ausgleich. Die Tore für Lützel-Wiebelsbach schoß Stapp. Der Neuling Würzberg spielte vor einheimischem Publikum gegen den nunmehrigen Tabellenzweiten Rimhorn vom Anpfiff weg auf Abwehr. Die Gastgeber unter-

lagen durch Tore von Vetter, Hallstein, Fries (2) und Schimpf (4) verdient mit 8:0. Bad König, das im seitherigen Verlauf der Verbandsrunde bisher -nur wenig zu gefallen wußte, kam gegen Neustadt zu einem überraschend hohen 4:1-Erfolg. In der Begegnung Günterfürst—Steinbach teilte man sich in die Punkte. Nach der l:0-Führung durch Clemens gingen die Gäste aus sich heraus und stellten in kurzen Abständen eine 3:1- Führung sicher. Erst als die Platzherren gleichgezogen hatten, glückte Steinbach dei’ 4:1-Pausenstand. In der zweiten Hälfte war Günterfürst noch dreimal, Steinbach noch zweimal erfolgreich. Pilger hatte Höchst in Hainstadt bereits bis zur zweiten Minute 1:0 in Führung gebracht. Die Einheimischen kamen darauf etwas besser zum Zug, ohne daß ihnen der Ausgleich gelang. In Sandbach lieferten sich beide Mannschaften ein mit großem Einsatz geführtes Spiel, in dem Werner Hilbert in der 33. Minute -einen Deckungsfehler der Beerfelder Hintermannschaft zum sieg- und punktebringenden Tor ausnutzte.

In der B-Klasse Gruppe Oberzent siegte die Beerfelder Sondermannschaft gegen Finkenbach mit 4:1 Toren. Die Gäste verloren diese Partie in dieser Höhe unverdient. In einer flinken, aber dennoch fairen Partie siegte Hetzbach in Rothenberg 2:1.

In der Gruppe Un t erzen t unterlag Fürstengrund vor einheimischem Publikum gegen Mümling-Grumbach unerwartet hoch mit 6:1. Für Mümling-Grumbach waren Friedrich (2), Münch, Haschert, Franze und Reeg, für Fürstengrund der Halblinke erfolgreich. Im Höchster „Lokalderby“ siegte die Sondermannschaft des TSV Höchst über den VfL Höchst mit 9:1 Toren. Pausenstand 4:0. In der 80. Minute schoß Naumann für den VfL das Ehrentor. -ppi.

Sandbach 8 6 2 0 26:10 14:2
Rimhorn 7 3 3 1 22:13 9:5
Höchst 6 4 0 2 14:7 8:4
Neustadt 6 2 1 2 21:12 7:5
Bad König 6 3 0 3 20:13 6:6
Beerfelden 6 2 2 2 12:11 6:6
Lützel-Wiebelsbach 6 2 2 2 16:15 6:6
Steinbach 7 2 2 3 18:12 6:8
Günterfürst 6 1 2 3 11:16 4:8
Hainstadt 7 1 1 5 15:35 3:11
Würzberg 7 1 2 5 10:32 3:10
Erbach Ib a. K. 7 3 2 2 26:16 8:6

Die Toto-Quoten

Hessen: 1. Rang (10 richtige Tips) zwei Gewinner mit je 6727 DM, 2. Rang 169 Gewinner mit je 79,50 DM, 3. Rang 1459 Gewinner mit je 8,10 DM. Zusatzwette (acht richtige Tips) 4 Gewinner mit je 1377,50 DM.

Würtemberg-Baden: 1. Rang 26 Gewinner je 3226 DM. 2 Rang 586 Gewinner je 143 DM, 3. Rang 5523 Gewinner je 15 DM Zusatzwette 9629 Gewinner je 5,30 DM.

Bayern: 1. Rang (12 richtige) 46 Gewinner mit je 2654 DM, 2 Rang 965 Gewinner mit je 126,50 DM. 3. Rang 8129 Gewinner mit je 15 DM. Zusatzwette 1. Rang (neun richtige) 54 Gewinner mit je 597,30 DM, 2. Rang 1026 Gewinner mit je 31,40 DM.

Westdeutschland: 12er-Tipreihe; 1. Rang: 29 Gewinner zu je 4348,50 DM, 2. Rang: 643 Gewinner zu je 196 DM, 3. Rang: 6809 Gewinner zu je 18,50 DM. lOer-Tipreihe: 1. Rang: 42 Gewinner zu je 2534,50 DM, 2. Rang: 999 Gewinner zu je 106,50 DM, 3. Rang: 9646 Gewinner zu je 11 DM.

Pressestimmen

zum Spiel SV 98—Eintracht Frankfurt

„Die Neue Zeitung“, Frankfurt: „... die Lilien erzwangen einen moralischen Sieg'... Über weite Strecken des Spieles hinweg diktierten die Gastgeber das Spielgeschehen ... “

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „ ... Henig im Eintrachttor hatte buchstäblich das Glück auf und am Pfosten sitzen... bester Mann bei Darmstadt war Bohmann, der sich außerordentlich erfolgreich als Mittelstürmer produzierte ..

„Frankfurter Rundschau“: „... Die Partie Giller-Bohmann eindeutig zugunsten des Darmstädters ... das Tormann-Repertoire der Darmstädter schier unerschöpflich ... Darmstadt verdient mit seinen Spitzen Bohmann und Schmidtmer seinen Punkt mehr als verdient ...“

„Mannheimer Morgen“: „Lilien“ wie verzaubert... Dies war eines der farbigsten Oberligaspiele ... indem die Eintracht mit viel Glück noch einmal mit einem Unentschieden davongekommen ist... nach den Torgelegenheiten hätte das Spiel mit 4:2 für Darmstadt enden können ... Darmstadts Fünferreihe zeigte eine erhebliche Formverbesserung ...“

„Frankfurter Neue Presse“: „ ... Henig hatte alle Hände voll zu tun ...Drei Lattenschüsse mehrere verpaßte Torchancen und ein (ganzes) Tor in den ersten 45 Minuten spiegelten die klare Überlegenheit der 98er wieder ..

„Sport-Kurier“, Ulm: „In dieser Form mit Darmstadt zu rechnen ... Ein Erfolg der Arbeit von Trainer Snopek, dessen Wirken sich in verhältnismäßig kurzer Zeit bereits vorteilhaft bemerkbar gemacht hat. Wer die Mannschaften nicht kannte, hätte die Gastgeber für die ,Eintracht' gehalten, so gut war ihr Spiel... die Darmsädter lieferten ihr bisher bestes Spiel in dieser Saison und zeigten eine Leistung, die ein Gesamtlob verdient...“

Zum Spiel KSV Hessen Kassel —SG Arheilgen

„Kasseler Post“: „...Seibel rettete zwar, was zu retten war, konnte aber keinen der Treffer verhindern ... daß es nicht mehr Tore wurden, liegt vor allem an der ausgezeichnet einstudierten Abseitsfalle der Arheilger...“

„Kasseler Zeitung“: „...Das 5:0 gibt die Überlegenheit der Hessen in der Technik und Kondition nicht einmal in der gebührenden Höhe wieder... nur in der Taktik boten die ,Orhäljer‘ eine gute Leistung ...Ihr Schlußdreieck mit Seibel als letztem Retter in der Not — den etwas schwer gewordenen Mahr als Stopper eingeschlossen — schlug sich annehmbar ...“

Nach Stuttgart

fahren folgende Gewinner unseres Wettbewerbs „DT-Schlachtenbummler“: 1. Paul Hinze, Darmstadt, Bessunger Straße 174, 2. Georg Apfel, Darmstadt, Taunusstr. 45, 3. Ernst Krämer, Ernsthofen, Mauistr. 43.

Handball in den Kreisklassen

Handball-Kreisklasse Erbach

Der VfL Michelstadt zeigte sich im Heinrich-Ritzel-Stadion gegen Pfaffen-Beerfurth wieder in seiner alten Form. Trotz einiger Schwächen in der Hintermannschaft lag Michelstadt bei der Pause 7:6 in Führung. In der zweiten Hälfte waren die Gastgeber eindeutig überlegen und erhöhten in nahezu regelmäßigen Abständen -auf 12:7. Erbach war in Beerfelden zu Gast. Die ersatzgeschwächte Beerfelder Elf hatte gegen die noch immer ohne Minuspunkte in der Tabelle liegende Erbacher Mannschaft nicht viel zu bestellen und mußte sich mit einer 3:14- Niederlage abfinden. Zell, das in seiner Begegnuhg mit Nieder-Kinzig als klarer Favorit galt, siegte auf eigenem Boden 14:4.

Kreisklasse Dieburgs

Durch den 14:9-Sieg gegen Brensbach hat die Turnerschaft Ober-Roden vor dem spielfreien TV Groß-Zimmern die Tabellenführung in der Gruppe II übernommen. Gegen das 'Mannschaftstorso des SV 45 Reinheim (fünf Mann fehlten infolge Verletzungen) siegte der TV Groß-Umstadt in einem schnellen Spiel mit 8:4 Toren. Huber war der erfolgreichste Torschütze für die Platzherren. Für die Gäste waren Krämer, Nelius und Seubert erfolgreich. Mit 7:1 distanzierte der KSV Habitzheim den TV Münster. Michler (3), Rill und Pfuhl (je zwei) warfen die Habitzheimer Tore. Im einzigen Spiel der ersten Gruppe hielt der TV Schaafheim erwartungsgemäß sicher Klein-Umstadt mit 19:3 nieder. In Babenhausen trat der TV Groß-Zimmern zu einem Freundschaftsspiel an und siegte mit 13:8 Toren. Bei Groß-Zimmern wirkte in diesem Spiel zum ersten Male der Spieler Dascher mit, der früher dem SV Darmstadt 98 angehörte. ff

Kreisklasse Bergstraße

Krumbach — Heppenheim 6:13; Kirschhausen gegen Kreidach 21:5; Erbach — Siedelsbrunn 0:13; Zell — Bonsweiher 5:8; Lorsch — Zwingenberg 11:4; Auerbach — Einhausen 7:6; TSV Birkenau — TSV Oftersheim 8:8; TG Laudenbach — TSV Viernheim 14:4; TV Lampertheim — TV Altlußheim 7:6; FV Weinheim — TV Reisen 5:3.

Die Spielausgänge der Kreisklasse boten insgesamt durchweg das erwartete Bild, wenn auch etliche hohe Torausbeuten überraschend kommen. Daß Heppenheim beispielsweise derart zügig über die Abwehr Krumbachs hinwegspielen und damit einen klaren Erfolg erzielen würde, war nach den seitherigen Leistungen der Platzherren nicht zu erwarten. Kirschhausen kanterte die außerordentlich junge Kreidacher Elf (die Mannschaft zählt knapp 200 Lebensjahre) dank der größeren Routine mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher nieder. — Siedelsbrunn hat in der Form seines wiedergefundenen Reinhard ein außerordentlich großes Aktivum aufzuweisen und gewann dadurch erheblich an innerer Sicherheit. Das 13:0 gegen Erbach besagt alles.

— Zell wehrte sich gegen Bonsweiler tapfer, mußte jedoch schließlich der temperamentvolleren Spielweise der Gäste unterliegen. Die noch im Aufbau begriffene Zwingenberger Mannschaft sah sich in Lorsch vor ein unlösbares Problem gestellt. — Hart und unnachgiebig wurde in Auerbach gerungen; das Spiel war buchstäblich bis zum Schlußpfiff des etwas umstrittenen Unparteiischen offen. Daß Einhausen am Ende um ein Tor kürzer lag, war wohl in erster Linie der gelegentlichen Unentschlossenheit der Außenstürmer zuzuschreiben. Birkenau rang auf eigenem Platze dem badischen Oberligisten Oftersheim verdient einen Punkt ab; wenn sich die Elf weiter so entwickelt, dürfte sie keine entscheidenden Sorgen mehr haben. — TSV Viernheim als Gast bei Laudenbach spielte völlig unter Form und mußte sich verdient deutlich schlagen lassen. — Zu einem glücklichen, wenn auch insgesamt verdienten Sieg brachten es die Lampertheimer Turner gegen den badischen Bezirksligisten Altlußheim, der ihnen zugleich einen wesentlichen Aufwärtssprung in der Tabelle ermöglichte. — Reisen mußte bei 09 Weinheim seine erste Niederlage in diesei- Saison quittieren; Ursache: Unbewegliches Stürmerspiel. ni

Bezirksklasse Darmstadt Odenwald

Fränkisch-Crumbach — Mörfelden 11:9 (6:4) Urberach — Langen 6:6 (3:5) Kirsch-Brombach — Reichelsheim 15:10 (8:4) Groß-Bieberau — Eppertshausen 5:3

Der bisherige Tabellenführer Mörfelden mußte auf dem heißen Boden in Fränkisch-Crumbach in einem fairen Spiel die erste Niederlage einstecken. Noch klarer als das Ergebnis zeigte der Spielverlauf die deutliche Überlegenheit der Platzelf. Eine Überraschung gab es in Urberach, wo die favorisierte Elf des Gastgebers nur ein glückliches Unentschieden erzielen konnte. Bis zur Pause waren die eifrigen Gäste aus Langen tonangebend und führten bis zur Halbzeit sogar mit 5:3 Toren. In der Begegnung in Kirch-Brombach gab es den erwarteten Heimsieg. Besonders in der ersten Halbzeit war Kirch-Brombach seinem Gegner aus Reichelsheim stark überlegen, wogegen die zweite Halbzeit ausgeglichen verlief. In Groß-Bieberau gab es ein spannendes Treffen, das die Gastgeber in jeder Spielphase beherrschten. Bei der Platzelf war eine deutliche Formverbesserung festzustellen.

Bezirksklasse Ried

Erfelden — Crumstadt 6:5 Mörstadt — Pfiffligheim 5:4 Pfeddersheim — Westhofen 8:6 Offstein — Wies-Oppenheim 10:3 In Erfelden gab es ein Derby ohnegleichen. Trotz oft frenetischer Anfeuerung ihres starken Anhangs gelang es der sonst so erfolgreichen Stürmerreihe des Tabellenführers Crumstadt nicht, die durch die Umsicht und Ruhe von Stahl (früher Pol. Darmstadt) zu einem fast unüberwindlichen Abwehrblock organisierte einheimische Hintermannschaft entscheidend zu durchbrechen. In Mörstadt konnten die Gäste aus Pfiffligheim bis zur Pause mit 4:2 in Führung gehen. Die Mannschaft zeigte ein schönes Handballspiel, was zweifellos das Verdienst ihres Trainers Keimig (früher Nationaltorwart) ist. In Pfeddersheim mußte der bisherige Tabellenzweite in einem äußerst spannenden Treffen dem Gastgeber Sieg und 2 wertvolle Punkte überlassen. Offstein gelang zu Hause ein überzeugender Sieg gegen den Tabellenvorletzten Wies-Oppenheim.

Im „Frankfurter Hof“ in Groß-Umstadt fand am Sonntagmorgen eine Vereinsvertretersitzung des Handballkreises Dieburg statt. Die Klassenleiter Bausch und Schöllkopf (Jugend) versprachen ihr möglichstes zu tun, um die Rückrunde ebenfalls reibungslos abwickeln zu können. Sodann legten verschiedene Vereine Wünsche und Anträge vor, die jedoch in der nächsten Zeit von den dafür zuständigen Stellen bearbeitet werden. Ebenfalls wurde die Mannschaftszurückziehung von Gundernhausen bekanntgegeben. Alle bisher gegen Gundernhausen ausgetragenen Spiele werden laut den Satzungen des Handballverbandes .von der Tabelle gestrichen. -ff.

Bestattungen am Dienstag, dem 31. Oktober 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 11.30 Uhr: Hilbert, Anna, 84 J., Nieder-Ramstadt Waldfriedhof: 13.45 Uhr: Halsband, Werner, Automonteur, 69 J., Wenckstr. 45 14.15 Uhr: Schwarzer, Paul Rimund, Holzbildhauermeister, 73 Jahre, Klappacher Straße 38

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