Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

armstädter Tae“ ggaf^l ERtCH DOMBROWSKI. Darm*?»^. Tagblan L c- Wittich, E r Vt W; Rhemstraße 23 Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr, 103 ^euefie TtadirWen Samstag, 28. Oktober 1950 ^^^rt^^^WS^Bezugspreis: ^■PTOI zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn, mpreise: Preisliste Nr 3 v t 7. 1950 Preis 15 Pfennig * tMUHEmsBDnBSManaaBS»«

Ueber 500000 Kriegsgefangene sind in Rußland noch am Leben

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 27. Oktober. Ueber fünfhunderttausend deutsche Kriegsgefangene dürften auch heute noch in Sowjetrußland am Leben sein. Die Zahl der zu Zwangsarbeit Verurteilten beläuft sich auf etwa neunzigtausend.

Dies ergibt sich aus dem Material, das die karitativen Verbände und die Kriegsgefangenenhilfe der verschiedenen Parteien gesammelt haben.

Nach der Kapitulation gab die Sowjetunion die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen amtlich mit 3 250 000 bekannt. In den fünf Jahren seit Kriegsende wurden hiervon 1 250 000 entlassen. Von den zwei Millionen Vermißten sind etwa 1 500 000 nicht mehr am Leben. Es ist erwiesen, daß von neunzigtausend Stalingradkämpfern etwa achtzigtausend getötet oder infolge Hungers, Kälte oder Krankheit verstorben sind.

Das Schweigen, das über den Fünfhunderttausend liegt, wird damit erklärt, daß diese vermutlich zwangsweise in ein „Zivilarbeitsverhältnis“ übergeführt worden sind und nicht mehr als Kriegsgefangene gelten. In den Zahlen sind Angaben über das Schicksal von Zivilpersonen nicht enthalten.

Vormarsch in Tibet

Kalkutta, 27. Oktober, (dpa) Truppen der Volksrepublik China haben den ersten Widerstand im tibetanischen Grenzgebiet gebrochen und rücken weiter ins Landesinnere vor. Sie sind über den anfänglich von den Tibetanern verteidigten 5000 Meter hohen Dongma-Paß vorgestoßen und befinden sich jetzt im Vormarsch auf die Stadt Riwutschi. Riwutschi ist einer der wenigen Schlüsselpunkte in Ost-Tibet mit Straßenverbindung nach der Hauptstadt Lhasa. 10 000 Mann tibetanischer Truppen sollen beschleunigt nach Riwutschi transportiert worden sein, um die Stadt zu verteidigen.

Indische Demarche

Neu-Delhi, 27. Oktober (AP.) Die indische Regierung hat ihren Botschafter in Peking beauftragt, der kommunistischen chinesischen Regierung ihre „Ueberraschung und Besorgnis“ darüber auszudrücken, daß Einheiten der chinesischen Volksarmee Befehl zum Einrücken in Tibet gegeben worden sei.

Clay zur Aufrüstung

Neuyork, 27. Oktober, (dpa) General Clay erklärte nach seiner Rückkehr aus Deutschland, er trete für die Wiederbewaffnung Deutschlands im Rahmen einer europäischen Armee ein. Wenn Deutschland seinen Beitrag zur Verteidigung Westeuropas leisten solle, dürfe das aber nicht auf der Grundlage der Ungleichheit geschehen.

Ende der spanischen Isolierung?

Lake Success, 27. Oktober. (AP.) Die Vereinigten Staaten werden einen Antrag, die von den Vereinten Nationen allen Mitgliedstaaten auferlegten Beschränkungen im diplomatischen Verkehr mit Spanien zu lockern, unterstützen, wie am Freitag aus Lake Success verlautet. Großbritannien jedoch habe geäußert, es werde sich bei einer Abstimmung der Stimme enthalten. Mit der fast sicheren Unterstützung durch Lateinamerika und die arabischen Länder scheint die Annahme einer derartigen Entschließung gesichert zu sein.

Sowjets beenden Boykott

Lake Success, 27. Oktober. (AP.) Die Sowjetunion hat am Freitag ihren seit neun Monaten dauernden Boykott des militärischen Ausschusses der Vereinten Nationen beendet. Der sowjetische Vertreter Skliarow erschien auf der Sitzung des Ausschusses und nahm seinen Platz ein, ohne eine Erklärung für sein langes Fernbleiben abzugeben.

Es ist ein Wunder

Neue Erklärung Niemöllers

Lampertheim, 27. Oktober, (dpa) Kirchenpräsident Niemöller erklärte auf einer Veranstaltung der Evangelischen Männerwoche in Lampertheim an der Bergstraße, es sei geradezu ein Wunder, daß ein dem Verhungern nahes Volk dem Bolschewismus standgehalten habe. „Unser armes deutsches Volk, das gevierteilt und mitten durchgesägt ist, ist in seiner Geschichte noch nie so mächtig gewesen wie in den Jahren 1945—1950“, sagte Niemöller. Nur die Haltung des deutschen Volkes habe Europa in dieser Zeit vor dem Bolschewismus bewahrt.

Ueberraschende Wende in Korea

Flankenstöße von „Geisterdivisionen“, gemischt mit Rot-Chinesen

Söul, 27. Oktober. (AP.) Die Lage in Korea hat in den letzten 24 Stunden eine überraschende Wende erfahren. Starke kommunistische Einheiten sind an mehreren Abschnitten der weit auseinanoergezogenen Front zu massierten Gegenangriffen übergegangen und an einigen Stellen in die offenen Flanken der nach Norden vormarschierenden südkoreanischen Truppen gestoßen. Sie haben Teile der sechsten republikanischen Division eingeschlossen. Gleichzeitig mehren sich die Berichte von der Front, wonach rotchinesische Truppen auf nordkoreanischer Seite kämpfen sollen. Die Zahl diesei überraschend auftretenden „Geistertrupnen“ wird auf 69 000 geschätzt.

$ Ein Sprecher der 8. Armee erklärte hierzu die erste südkoreanische Division liege im Kampf mit einer gemischt koreanisch-chinesischen Einheit. Berichte über größere geschlossene Einheiten der roten China-Armee könnten allerdings nicht bec+äfiet werden. . _

Zu schweren Kämpfen kam es im Raum von Unsan, rund 100 km nördlich von Pvöngyang, wo eine kommunistische Division Einheiten der 1. südkoreanischen Division angriff. Weiter nördlich gelang es weiteren kommunistischen Verbanden, ein Regiment der 6. südkoreanischen Division einzuschließen. Motorisierte Verstärkungen sind zum Entsatz des Kessels unterwegs. Die eingeschlossenen Truppen werden aus der Luft versorgt.

Bei Onjong, auf der Straße zur Grenze, haben die Nordkoreaner den Vormarsch der Masse der südkoreanischen Verbände zum Stehen gebracht. Schwere Kämpfe haben sich entwickelt. Weiter südlich sind die 27. britische Commonwealth-Brigade und die 24. amerikanische Infanteriedivision ebenfalls auf hartnäckigen Feindwiderstand gestoßen. Im Raum von Pakchon ist es zu erbitterten Kämpfen gekommen. Die Verluste auf beiden Seiten sollen erheblich sein. Die Nordkoreaner versuchen, die Nachschublinien der weit im Norden stehenden südkoreanischen Verbände zu unterbrechen.

Wom Kabinett gebilligt

Der Entwurf zum Lastenausgleich

Bonn, 27. Oktober. (AP.) Das Bundeskabinett hat am Freitag den Entwurf zum Lastenausgleichsgesetz angenommen. Der Entwurf berücksichtigt im wesentlichen die Unkeler Empfehlungen der Regierungsparteien. Einzelheiten siehe Seite 2.

Bundestag wünscht Sauberkeit

Sparkommissar, Zuckergesetz und Antidemokraten wurden beraten

Drahtberichi unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 27. Oktober. Die Entschlossenheit des Bundestages, seine Reihen sauberzuhalten, wurde am Freitag durch den Beschluß bewiesen, die Immunität des Abgeordneten Götzendorff aufzuheben. Darüber hinaus wurde am Freitag aus Kreisen der Freien Demokratischen Partei bekannt, daß diese Fraktion einen Gesetzentwurf einbringen will, wonach die bisher strafrechtlich nicht verfolgbare Bestechung von Abgeordneten mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft werden soll. Dieser Antrag scheint bei allen Bundestagsfraktionen Zustimmung zu finden.

Der Vorsitzende des Immunitätsausschusses, Abgeordneter Ritzel (Sozialdemokratische Partei), gab Einzelheiten der Anklage gegen Götzendorff aus den Akten der Oberstaatsanwaltschaft in

Passau bekannt. Danach hat Götzendorff zur Finanzierung eines neuen Mercedes im Werte von zehntausend Mark seinen alten Wagen für 7500 Mark verkaufen können, obgleich er nur auf einen Wert von 5210 Mark geschätzt wird. Auf Veranlassung Götzendorffs hatte der Fahrer den Kilometerzähler von 44 000 auf 19 000 Kilometer zurückgedreht.

Ein Antrag der Kommunistischen Partei auf Aufhebung des Regierungserlasses über die Entlassung öffentlich Bediensteter, die bestimmten antidemokratischen Organisationen angehören, wurde dem Rechts- und dem Verfassungsschutzausschuß des Bundestages überwiesen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Jakobi äußerte rechtliche Bedenken gegen den Regierungserlaß. Nicht die Gesinnung, sondern nur das Verhalten könne Anlaß zu einer Entlassung sein.

Gegen den Antrag des Zentrums, einen Sparkommissar einzusetzen, wandte sich außer den Regierungsparteien auch noch die Sozialdemokratie, da nach ihrer Ansicht die Arbeit des Bundesrechnungshofes gute Ansätze zeige. Der sozialdemokratische Abgeordnete Mellies forderte als wesentliche Voraussetzung für Einsparungen eine Verwaltungsreform. Von den Regierungsparteien wurde erklärt, daß der natürlichste Sparkommissar der Bundesfinanzminister sei. Im Zuge der neuen Gesetze zur Regelung der Marktordnung wurde das Zuckergesetz verabschiedet. Es ermächtigt den Bundesernährungsminister, gemeinsam mit den Ländern die Zuckerversorgung sicherzustellen.


Einheiten der chinesischen Volksarmee sind in Tibet einmarschiert. Unser Bild zeigt eine Luftansicht der zweitgrößten tibetanischen Stadt Shigatse, umgeben von den Bergen des Hochplateaus
Einheiten der chinesischen Volksarmee sind in Tibet einmarschiert. Unser Bild zeigt eine Luftansicht der zweitgrößten tibetanischen Stadt Shigatse, umgeben von den Bergen des Hochplateaus

Nicht vor dem 1. Januar

Die Tariferhöhungen der Bahn

Frankfurt am Main, 27. Oktober, (dpa) Zuständige Stellen der Bundesbahn sind der Ansicht, daß die angekündigten Tariferhöhungen bei der Bundesbahn nicht vor dem 1. Januar in Kraft treten werden. Es wird angenommen, daß die Bundesregierung bei den Zeitkarten des Berufsverkehrs und bei Schülerkarten eine Preiserhöhung um mindestens zehn bis fünfzehn Prozent gutheißen wird. Bei den Gütertarifen wird voraussichtlich zunächst eine Erhöhung der Ausnahmetarife für Düngemittel, Erze und Kohle in Frage kommen.

„Friedenstauben“

*** In den Kindergärten der Sowjetzone müssen die Kinder ein Liedchen auswendig lernen: „Kleine Friedenstaube fliege übers Dach“. Das Organ der „Sozialistischen Einheitspartei“ in Sachsen, die „Volksstimme“, schreibt dazu: „Keiner zu klein, ein Friedenskämpfer zu sein“. Am 4. und 5. November findet in Ost-Berlin ein „deutscher Friedenskongreß“ statt, der, bezeichnend genug, unter der Parole steht: „Kampf um die Einheit und die nationale Unabhängigkeit Deutschlands“. Vom 13. bis 19. November soll in der britischen Stadt Sheffield der zweite Weltfriedenskongreß mit 1900 Teilnehmern aus sechzig Staaten stattfinden. Das Büro des „Weltkomitees der Friedenspartisanen“, das diese Zusammenkunft von Prag aus vorbereitet, hat erklärt, der Kongreß werde im höchsten Maße zu den weltumspannenden Bemühungen beitragen, das „friedliche Nebeneinanderleben unterschiedlicher Staatsformen sicherzustellen“. Das Büro bezieht sich dabei auf die Feststellung des Außenministers Wyschinski vor dem außenpolitischen Ausschuß der Vereinten Nationen, Kommunismus und Kapitalismus könnten friedlich nebeneinander existieren. In diesem Ausschuß hat Wyschinski weiterhin versichert, es gehe ihm darum, eine gemeinsame Grundlage für Friedensbemühungen zu finden.

Je mehr dieser Friedensbotschaften man hört, desto weniger kann man daran glauben. Warren Austin hat sie vor den Vereinten Nationen als „Possenspiel“ bezeichnet. Die „Neue Züricher Zeitung“ weist im Zusammenhang mit der Prager Ostblock-Konferenz darauf hin, der Kreml schicke sich zu einer aggressiven Politik im Westen an und hoffe, sie „im Gewände des von den Westmächten böswillig verkannten Friedensfreundes“ vornehmen zu können. Wenn es den Russen mit ihren Friedensbeteuerungen wirklich ernst wäre, dann hätten sie auf einen Einfall in Tibet verzichtet, dann würden sie nicht in Indochina eingreifen und hätten keine chinesischen Regimenter nach Nordkorea beordert.

In seiner letzten Rede, in der Präsident Truman den ehrlichen Friedenswillen der Vereinten Nationen betonte, hielt er scharfe Abrechnung mit den Friedensbeteuerungen der Bolschewisten, deren Versprechungen nur auf dem Papier stünden. Er forderte mit vollem Recht nicht Worte, nicht Entschließungen und nicht Phrasen, sondern solide Garantien, die sicherstellen, daß die Völker sich an sie halten.

Ein entscheidendes Wort Amerikas?

Von Erich Dombrowski

Am Samstag treten die Verteidigungsminister der Westmächte in Washington zu einer Besprechung zusammen. Der Plan einer gemeinsamen Aufrüstung Europas soll abgeschlossen werden. Dann will man, Schritt für Schritt, an den Aufbau dieser militärischen Macht zur Abwehr etwaiger' östlicher Angriffe herangenen. Die Russen haben inzwischen eine große diplomatische Offensive eröffnet, um Verwirrung zu stiften und die werdende europäische Verteidigungs-Gemeinschaft zu vereiteln. Der russische Außenminister Wyschinski hat, gleich dem Sowjetbotschafter in Washington, alle Register seiner Liebenswürdigkeit gezogen, um scheinbare Brücken der Verständigung zu schlagen. Es haben vertrauliche Gespräche stattgefunden. Man umriß, hüben und drüben, seinen Standpunkt. Als diese unverbindlichen Unterhaltungen bei Tisch, zwischen Käse und Obst, wieder versickerten, hat erst Präsident Truman und dann sein Außenminister Acheson das Wort genommen, um die unabdingbaren Friedens- und Ausgleichsforderungen der freiheitlichen Welt unmißverständEch zum Ausdrupk zu bringen. Die Russen hatten gleichzeitig die Flucht in die OeffentUchkeit ergriffen. Molotow, der eine Zeitlang in den Eisschrank gelegt zu sein schien, tauchte plötzlich auf der Prager Konferenz der Ostblock-Staaten auf, und wo immer dieser Unheilsrabe seine Flügel bewegt, senkt sich eine Dämmerung auf die Länder. Unnötig, die zweideutigen Verständigungsvorschläge seiner Prägung an dieser Stelle noch einmal aufzuzählen. Wesentlich war allein die versteckte Drohung, daß Rußland eine Militarisierung Westdeutschlands nicht dulden werde. Oder war diese’ Warnung nur so, ein wenig abgeschwächt, aufzufassen, daß die Westmächte dafür voll verantwortlich gemacht werden würden. Der russische Text war offenbar absichtlich unklar gehalten. Wie dem auch sei, es war ein Versuch, nicht nur das deutsche, sondern auch das französische Volk vor ihren Entscheidungen einzuschüchtern. Es ist, darüber hinaus, wohl auch ein Vorwand, zu dem man für eine völlige Militarisierung der Ostzone, mit womöglich allgemeiner Wehrpflicht greift, wie man seinerzeit die Bildung der Westdeutschen Bundesrepublik unverzüglich mit der Ausrufung der Deutschen Demokratischen Republik in der Ostzone beantwortet hat. Auf alle Fälle ist man auf dem Wege einer Verständigung keinen Schritt weitergekommen. Alles ist nur auf russischer Seite ein Scheinmanöver gewesen. ♦

Die Entwicklung geht weiter. Die Kluft zwischen Ost und West wird größer. Was Amerika, im ersten und im zweiten Weltkriege, aufgerufen, erst tat, als das Völkerringen bereits in vollem Gange war, das macht es jetzt bereits vorher, ehe es soweit ist. Denn man will nicht einen Krieg, man will den Frieden gewinnen. Man will einen Brand verhüten und ihn nicht erst löschen, wenn er infolge Unachtsamkeit ausgebrochen ist. Die militärischen Kräfte diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans sollen unter einheitlicher Führung schlagkräftig zusammengefaßt werden. Das umstrittenste Problem ist dabei die Frage der Beteiligung Deutschlands daran. Das geht vor allem die Deutschen und die Franzosen an. Verweilen wir erst einmal bei unseren Nachbarn. Die Entscheidung dar-

über ist ihnen außerordentlich schwer gefallen. Sie können sich, unter dem zunehmenden Druck Amerikas stehend, nicht zu einem vollen Nein, aber auch nicht zu einem vollen Ja entschließen. Das ist, von ihrem Standpunkte aus, verständlich. Das Sicherungsbedürfnis gegenübei- einem Deutschland, das sich wirtschaftlich und politisch wieder zu fangen beginnt, überschattet alles andere. An dieser Besorgnis, auch wenn sie unberechtigt ist, kann man nicht vorübergehen. Ein Drittel der französischen Wähler machen die Kommunisten aus. Auch wenn sie heute parlamentarisch lahmgelegt sind, gegenüber einer Koalition der Mitte und der Rechten, so spielen sie doch, als Marionetten Moskaus, eine unberechenbare Rolle, die jede Regierung als das unbekannte X in der arithmetischen Gleichung immer wieder einkalkulieren muß. Des weiteren besteht, zum mindesten auf dem Papier, noch immer der französischrussische Beistandspakt, mit dem die Remilitarisierung Westdeutschlands auf einen Nenner gebracht werden muß. Durch die Parteien selbst geht ein großer Riß, vor allem durch die Sozialdemokratie, und so ist es denn kein Wunder, daß Regierung und Parlament sich auf ein Kompromiß geeinigt haben, das die militärische Beteiligung Deutschlands zunächst einmal verschiebt und, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt akut wird, so vorsichtig dosiert, daß kein Franzose darum um seine nachbarliche Zukunft zu bangen braucht. In diesem Falle sollen, nach dem französischen Vorschlag, lediglich deutsche Kräfte mit Einheiten von höchstens Regimentsstärke in die europäische Armee eingegliedert werden, ohne daß deutsche Vertreter im gemeinsamen Verteidigungsministerium oder im Generalstab sitzen werden. Aber auch das soll erst in die Wege geleitet werden, wenn der Schuman-Plan verwirklicht und mit Brief und Siegel versehen ist. Es soll also damit gewissermaßen der zweite Schritt zur Vereinheitlichung Europas getan werden. In Washington wird nunmehr der französische Vorschlag erörtert werden. Ist es wahrscheinlich, daß die Amerikaner, die Volldampf hinter die ganze Aufrüstung gesetzt haben, sich mit dieser Vertagung der militärischen Eingliederung Deutschlands einverstanden erklären werden? •

In Deutschland ist die Sachlage vielleicht noch verwickelter als in Frankreich. Die Deutschen sind zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen worden. Noch heute, nach fast sechs Jahren, haben sie noch keinen Friedensvertrag in der Hand. Das deutsche Volk ist bis zum letzten Gamaschenknopf abgerüstet worden. Die kriegswirtschaftliche Industrie ist ohne Rücksicht auf ihre sozialwirtschaftlichen Folgen bis zur letzten Schraube abmontiert worden. Der deutsche Soldat ist diffamiert worden. Kann man unter diesen Umständen verlangen, daß es sich von. heute auf morgen geistig umstellt und sich wieder für den Waffendienst drillen läßt? Nein. Wenn man sich auf der Straße umtut, wird man immer wieder hören: ohne mich! Drei Voraussetzungen sind notwendig, um diesen Geist einer vollständigen Lethargie wieder zu beleben. Der Deutsche muß wissen, warum er zu den Waffen greifen soll. Das steht außer Frage. Er soll seine Heimat und seine Freiheit gegen den Geist der Eroberungssucht und der Sklaverei verleidigen . Ist aber sein Vaterland, wenn auch im Rahmen eines gemeinschaftlichen Europas, bereits frei, selbständig und durch einen Friedensvertrag gleichberechtigt in das Gefüge der anderen freien Nationen eingegliedert? Das ist noch immer nur bedingt zu beantworten. Welche Sicherheit aber endlich hat das deutsche Volk dagegen, daß seine übereilte Remilitarisierung die Situation nicht gefahrendrohend zuspitzt? Und gerade unter diesem Gesichtswinkel ist der französische Vorschlag, die Einbeziehung Deutschlands in die europäische Armee nicht zu überstürzen, keineswegs von der Hand zu weisen. Erst wenn die anderen schnell vöranschreitend aufrüsten, so daß der Abwehrschutz Europas zu einer Tatsache wird, mag Deutschland das letzte Glied der Kette bilden. Die Gefahr einer europäischen Explosion wird dadurch auf ein Mindestmaß zurückgeschraubt, und das deutsche Volk, das heute noch um die Wiederaufrichtung seiner wirtschaftlichen Existenz kämpft, wird dann die damit verbundenen finanziellen Lasten eher ertragen können, als wenn sie ihm heute schon, von einem Tag auf den andern, aufgebürdet werden. Die politischen Verhältnisse, gerade in dieser Frage, sind gegenwärtig noch so unausgeglichen, daß man es gar nicht auf eine Entscheidung des Bundestages ankommen lassen könnte, um nicht alles zu verschütten. Die Sozialdemokratie, die immerhin ein Drittel der Wählerschaft ausmacht, ist geschlossen gegen eine Remilitarisierung. In den andern Parteien herrscht auch noch keine Einmütigkeit, und ein so schicksalsschweres Problem ist nur zu lösen, wenn eine wirklich große Mehrheit der Nation ihr Ja-Wort dazu gibt. Es ist daher müßig, sich mit den einzelnen Punkten der französischen Kompromißformel, welche die deutsche Gleichberechtignug beiseite schiebt, heute schon auseinanderzusetzen. Erst einmal muß die Grundfrage: Ja oder Nein beantwortet werden. Daran werden auch die Verteidigungsminister bei ihren vorbereitenden Besprechungen nicht vorübergehen können. Man wird ihr Ergebnis abwarten müssen. Der Wille und die Tatkraft zur Rüstüng, zur Abwehr östlicher Ueberraschungen, wird davon schließlich nicht berührt. Das entscheidende Wort wird letzlich doch der amerikanische Geldgeber und Machtfaktor sprechen. Dann wird man weiter sehen. Dann wird Zeit zu Verhandlungen sein.

Wohnungsbau nicht gefährdet

Bonn, 27. Oktober. (AP.) Der Wohnungsbau und andere soziale Versorgungsaufgaben dürften keinesfalls durch eventuelle Maßnahmen für die Sicherheit des Bundes beeinträchtigt werden, verlautet am Freitag aus denj Wohnungsbauministerium. Man hoffe, im kommenden Jahr etwa 350 000 Wohnungen bauen zu können, wenn sich auch die Finanzierung dieses Projektes schwierig gestalte.

Schneefäülle im ganzen Bundesgebiet

Ist ein früher Winter zu erwarten?

Hamburg, 27. Oktober, (dpa) Die Kältewelle, die seit einigen Tagen im Gebiet der Bundesrepublik einen Vorgeschmack des Winters vermittelt, führte in der Nacht zum Freitag zu größeren Schneefällen in den verschiedensten Gegenden. Besonders ergiebig waren die Schneefälle in Württemberg und Baden. Der Schwarzwald hat in den höheren Lagen sein Winterkleid angelegt. Auch im Rheingebiet von Mannheim bis Koblenz, im ganzen Maingebiet und in ganz Hessen ist Schnee gefallen. Der Feldberg im Taunus hatte am Freitagmorgen eine zwei Zentimeter dicke Schneedecke. Der Odenwald hat sein Herbstkleid gegen das Winterkleid vertauscht. Reichliche Schneefälle verzeichnet Nordhessen. In Kassel wurde festgestellt, daß es der früheste Schneefall seit 70 Jahren war.

Von den Küstengebieten verzeichnet nur die Ostküste Schleswig-Holsteins den ersten Schnee. Nach Sachsen und Thüringen erreichte das Schneegebiet am Freitag auch Berlin.

Versorgungsgeset; gebilligt

Bonn, 27, Oktober, (dpa) Der Bundesrat billigte am Freitag das vom Bundestag angenommene Bundesversorgungsgesetz.

Der Entwurf zum Lastenansgleich gebilligt

Vorfinanzierung durch Kreditaufnahme des Bundes bis zu fünf Milliarden

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn,’ 27. Oktober, Das Bundeskabinett hat am Freitag dem vom Bundesfinanzministerium vorgelegten Gesetzentwurf über den endgültigen Lastenausgleich grundsätzlich zugestimmt. Der Lastenausgleich soll durch Erhebung von Abgaben und Gebühren und die Gewährung von Leistungen die Verluste ausgleichen, die durch Kriegs- oder Nachkriegsschäden bei der Währungsreform entstanden sind. Die Abgaben erfolgen grundsätzlich in Geld, können aber auch in Naturalien geleistet werden. Sie fließen in einen Sonderfonds. Die Bundesregierung soll ermächtigt werden, zur Vorfinanzierung Kredite bis zu insgesamt fünf Milliarden Mark aufzunehmen. Die Ausgleichsabgabe gliedert sich in die einmalige Vermögensabgabe, die Zinsabgabe, die Hypothekengewinnabgabe, die Obligationsgewinnabgabe, die Kreditgewinnabgabe und die Sonderabgabe vom Vorratsvermögen.

Die Vermögensabgabe wird berechnet nach dem Stand des Vermögens am 21. Juni 1948. Die Belastung ist unterschiedlich nach den Vermögensarten. Sie beträgt fünfzig Prozent bei Betriebsvermögen, 37,5 Prozent bei Wohnhäusern, 31,25 Prozent bei land- und forstwirtschaftlichem Vermögen über dreißigtausend DM und 25 Prozent bei der kleinen Landwirtschaft.

Auf die Abgabeschuld wird die allgemeine Soforthilfeabgabe angerechnet. Es bleiben also noch 23 Jahre zu zahlen. Die Gesamtlaufzeit des Lastenausgleichs umfaßt mit der Soforthilfe 25 Jahre. Die Zinsabgabe in Höhe von einem Prozent des jeweiligen Vermögens dient der Verzinsung der Vermögensabgabeschuld.

Die Aktien- und GmbH.-Anteile sind aus der Besteuerung herausgenommen worden, um die sonst entstehende Doppelversteuerung zu vermeiden. Außerdem sind allgemein Geldwerte, soweit sie nicht über zwanzig Prozent hinaus

aufgewertet sind, ausgenommen worden und unterliegen nur der Verzinsung. Bei der Abgabe werden Vermögensschäden bis zu 149 999 Mark berücksichtigt. Der Freibetrag beim Lastenausgleich beträgt fünftausend Mark, er wird aber bei Vermögen, die über fünftausend Mark liegen, in der Weise abgebaut, daß ab fünfzehntausend Mark der Freibetrag gänzlich entfällt. Bei der Zinsenabgabe beträgt der Freibetrag je fünftausend Mark für den Ehemann und die Ehefrau und zweitausend Mark für jedes minderjährige Kind. Für alte und erwerbsunfähige Leute werden weitere Erleichterungen gewährt. Da großes Interesse dafür besteht, daß die Abgaben bald flüssig werden, ist für schnelles Zahlen ein Rabatt vorgesehen.

Die Ausgleichsleistungen dienen zur Entschädigung für Vertriebenenschäden, Kriegssachschäden und Währungsschäden. Letztere werden aber nur bei den alten und erwerbsunfähigen Personen berücksichtigt, die einen Anspruch bereits am 1. Januar 1940 gehabt haben. Sonstige Kriegs- und Kriegsfolgeschäden bleiben einer späteren gesetzlichen Regelung Vorbehalten. Dazu gehören die Verluste, die die Gläubiger des früheren Reiches erlitten haben, die durch Liquidation von Vermögen im Ausland entstanden sind oder Verluste durch Demontage, Reparationen und Restitutionen. Entschädigt werden nur natürliche und keine juristischen Personen, und zwar sowohl Deutsche als auch Ausländer, sofern sie am 1. Januar 1950 ihren Wohnsitz im Bundesgebiet haben.

Die vorläufigen Vorauszahlungen

Schadensanmeldung und Schadensfeststellung werden im Rahmen des Lastenausgleichsgesetzes geregelt. Ob zu einer besonderen Anmeldung der Schäden aufgerufen wird, ist noch nicht entschieden. Es gibt fünfzehn Schadensgruppen bis zu 150 000 Mark, und dann eine Gruppe über 150 000 Mark. Die Einkommensschäden werden in neun Gruppen von 1800 bis 18 000 Mark Jahreseinkommen und eine Gruppe mit einem Jahreseinkommen über 18 000 Mark eingeteilt.

Für die Feststellung der Hauptentschädigung soll ein besonderes Gesetz erlassen werden, das bis spätestens 31. Dezember 1956 verabschiedet sein muß. Auf die kommende Hauptentschädigung werden bis zum Erlaß dieses Gesetzes vorläufige Vorauszahlungen als Eingliederungshilfe zum Zweck des Existenzaufbaues gezahlt. Die Eingliederungshilfe soll ferner auch zur Beschaffung von Wohnraum und zur Ausbildung von Jugendlichen dienen. Sie wird gewährt nach einem vorläufigen Grundbetrag, der in fünfzehn Gruppen von 1000 bis 15 000 DM gestaffelt ist. Zuschläge sind vorgesehen für Vertriebene bei hohem Alter und für Angehörige. Je nach dem Zeitpunkt der Auszahlung erfolgt eine Verzinsung, die pro Jahr vier Prozent beträgt. Wer die Eingliederungshilfe beispielsweise erst nach drei Jahren bekommt, erhält einen Zuschlag von zwölf Prozent.

Hauptentschädigung oder Rente?

Vertriebene und Kriegssachgeschädigte haben die Wahl, ob sie die Hauptentschädigung nehmen oder die Kriegsschadensrente beanspruchen wollen, die grundsätzlich als Leibrente gewährt wird und bei den Leistungen der öffentlichen Fürsorge nicht berücksichtigt wird. Voraussetzung ist für den Mann, daß er vor dem 1. Januar 1890, für die Frau, daß sie vor dem 1. Januar 1895 geboren ist. Ferner wird Kriegsschadensrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 662/s Prozent gewährt und für Frauen, wenn sie drei oder mehr unversorgte Kinder haben. Das Jahreseinkommen darf 1440 Mark plus 360 Mark für die Ehefrau und 240 Mark für jedes Kind nicht übersteigen. Die Rente liegt zwischen 120 und 840 Mark pro Jahr.

Bei Hausratsverlust von wenigstens 75 Prozent besteht Anspruch auf Hausratshilfe. Sie wird nach der Dringlichkeit verteilt und beträgt 400 Mark für den Ehemann, 200 Mark für die Ehefrau und 100 Mark für jedes Kind.

Die Wohnraumliilfe

Zehn vom Hundert des Jahresaufkommens des Lastenausgleichs = 100 Millionen Mark, sollen für die Wohnraumhilfe verwendet werden, die den Zweck hat, Vertriebenen und Kriegssachgeschädigten dort, wo sie arbeiten, Wohnraum zu vermitteln. Ein besonderer Fonds von je fünfzig Millionen Mark pro fünf Jahre soll zum Ausgleich des Nachteils verwendet werden, den die Vertriebenen bei der Währungsreform gehabt haben. Die Vertriebenen sollen auch mit diesen Mitteln bezüglich der Währungsreform den Einheimischen gleichgestellt werden.

Naturalien-Ausgleich

Schließlich ist noch hervorzuheben, daß das Gesetz für die Haaptentschädigung, die Eingliederungshilfe, die Kriegsschadensrente und die Hausratshilfe einen Rechtsanspruch gewährt, der auf dem Verwaltungsrechtsweg geltend gemacht werden kann. Findet ein Entschädigungsberechtigter einen Abgabepflichtigen, der ihm seine Lastenausgleichsabgabe in Naturalien leisten will, so können sie miteinander den Lastenausgleich erledigen. Diese Naturalabgabe kann bestehen in der Abgabe von Sachwerten (Land, Maschinen. Werkzeug), von Rechten (Aufnahme als Teilhaber in einen Betrieb) und von Leistungen.

Donhauser verließ den Saal

Widerspruchsvolle Aussagen vor dem „Spiegel“-Ausschuß

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Niemand, der diese Szene miterlebte, konnte die Tragweite der Tatsache verkennen, daß der Eid eines Abgeordneten ein Meineid zu werden drohte, sei es der Eid Donhausers oder der Dr. Besolds. Zwischen der Abstimmung darüber, ob über Bonn — Frankfurt geheim oder öffentlich abgestimmt werden sollte, will Dr. Besold von Donhauser einen Wink erhalten haben. Darauf folgender Dialog: Donhauser: Für was stimmst du? Dr. Be-

sold: Ja, natürlich für Frankfurt. Donhauser: Stimm’ für Bonn, dann gibt’s Geld. Dr. Besold: Da mache ich aus moralischen Gründen nicht mit.

Dr. Besold hatte früher erwähnt, daß Donhauser auch gesagt habe, die Hauptstadtfrage sei doch keine Weltanschauungsfrage. Am Freitag konnte er sich hierauf nicht mehr genau besinnen.

Im Gegensatz zu Dr. Besold erklärte Donhauser, er habe sich nur auf dem Weg vom Fraktionszimmer zum Plenarsaal mit Dr. Besold unterhalten, habe dabei ein Finanzierungsprojekt für die Eayernpartei erörtert und zwischen und während der Abstimmungen weder mit Dr. Besold gesprochen, noch überhaupt seinen Platz verlassen.

Gelingt es dem Untersuchungsausschuß, aufzuklären, ob das Gespräch, das Dr. Besold schilderte, stattgefunden hat oder nicht, so wird entweder Donhauser oder Dr. Besold die Unwahrheit gesagt haben. Mit Nachdruck machte Vorsitzender Dr. Semler auf den unlösbaren Widerspruch aufmerksam und auf die Heiligkeit des Eides. Dr. Besold schwor und Donhauser eilte davon. Zugunsten Dr. Besolds klärte der Untersuchungsausschuß am Freitag auf, daß Dr. Besold kein Geld von der Firma Kathreiner erhalten hat.

Stimmen der Anderen

Dir Bürchratie

Der „Sozialdemokratische Pressedienst“ bringt diese bemerkenswerten Ausführungen:

„Mit der Bürokratie befaßte sich der Deutsche Soziologentag in Detmold, der Jahreskongreß der Forscher und Lehrer der Gesellschaftswissenschaft. Bürokratisierung sei ein allgemeines Merkmal des Massenzeitalters, sagte der Mainzer Soziologe Emge, und Prof. Gehlen von der Speyerer Verwaltungsakademie führte aus, die immer weiter greifende Organisierung des Weltgeschehens führe zu einem immer weiteren Ausgreifen der Bürokratisierung, die eine Weltbürokratisierung zu werden beginne. Was wir Bürokratisierung nennen, sei also im wesentlichen die Folge einer allgemeinen Entwicklung, an der politische Maßnahmen nicht viel zu ändern vermöchten.

Gegen diese Auffassung wird nicht viel einzuwenden sein. Aber sie vernachlässigt die spezifisch deutsche Form der Bürokratie, die ihre Wurzel im alten deutschen Obrigkeits- und Untertanenstaat hat. Und hier, sp meinen wir, läßt sich wohl mit politischen Maßnahmen einiges erreichen. Solche Maßnahmen kamen vor allem in der Diskussion zur Sprache. Gehlen selbst, der die preußische Auffassung des .Dienstes’ verteidigte, und die' Ansicht vertrat, der soviel gerühmte Zopf des deutschen Beamten sei ein Gegengewicht gegen die wechselnden Forderungen des Tages, trat für eine größere Oeffentlichkeit der Verwaltung ein. Die Behörden sollten dem Volke Einblick in ihre Arbeit geben, damit es sich für seine eigenen Angelegenheiten zu interessieren beginne. Die wirksamsten Methoden dafür solle man durch Erprobung ermitteln. Die Erziehung der Beamten solle beweglicher und umfassender sein, auch während der Dienstzeit noch fortgesetzt werden, vor allem durch Beschäftigung in wechselnden Ressorts. Die englische Art, die künftigen höheren Beamten als Privatsekretäre führender Politiker und Verwaltungsmänner in ihre Laufbahn einzuführen, könne hier vorbildlich sein.

Von anderer Seite wurde erklärt, man müsse die Angst des niederen Beamten vor der selbständigen Entscheidung bekämpfen. Ein Heidelberger Professor wandte sich mit erfreulicher Offenheit gegen die Unhöflichkeit in deutschen Amtszuschriften. In England bekomme selbst aus den Ministerien der Staatsbürger die Antwort auf seine Frage mit der Unterschrift ,Ihr gehorsamer Diener’ — wann werde sich die deutsche Verwaltung dazu aufschwingen, ihre Mitteilungen wenigstens mit dem selbstverständlichen ,Hochachtungsvoll’ zu unterzeichnen?“

Die Sowjetzone rũstet

Uelzen, 27. Oktober, (dpa) Das frühere deutsche Munitionswerk Dingelstädt bei Halberstadt (Sowjetzone) hat die Produktion von Granaten und Gewehrmunition wieder aufgenommen..

Französische Kriegsgerichte haben vier ehemalige deutsche Offiziere als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag, Hamburg

49) „Ich weiß. Ein Gifttropfen genügt ja, um einen gesunden Menschen siech und hinfällig zu machen. Sie brauchen mich nicht erst darauf hinzuweisen, daß ich meinen guten Ruf hierdurch verloren habe.“

„Sie hätten eher daran denken sollen, Mademoiselle. Sie hätten nicht zulassen dürfen, daß der Herzog Sie begleitete und dadurch Sie beide und meine arme Tochter in diese schreckliche Lage brachte. Ihre Unbedachtsamkeit hat Sie diesen Angriffen ausgesetzt, mögen sie auch noch so ungerechtfertigt sein. Und wenn ich recht unterrichtet bin, hat °s schon einmal vor Monaten einen ähnlichen Fall gegeben.“

„Das stimmt, und ich hatte die Absicht, sofort zu gehen; aber dann wurde Berthe plötzlich krank, und ich blieb. Schließlich liebe ich Ihre Enkelkinder, wie ich meine eigenen Kinder nicht m^hr lieben könnte, und ich habe in diesen Jahren immer nur ihnen gelebt.“ „Und dann?“

„Dann brauchten sie mich eben, und die Herzogin war wieder sehr freundlich zu mir. Ich bitte Sie, Monsieur, glauben Sie mir, ich wollte wirklich gehen. Wie oft habe ich dem Herzog gesagt, daß es das Beste wäre, aber er wollte nichts davon wissen.“

„Die Entscheidungen meines Schwiegersohnes sind nicht immer weise, Mademoiselle. Er handelt oft unüberlegt

und ist leicht zu beeinflussen, viel zu leicht.“

„Wann wünschen Sie, daß ich gehe? Heute, morgen?“

„Warten Sie.“ Er war aufgestanden und schritt im Zimmer auf und ab. Seine untersetzte, muskulöse Gestalt schien wie geladen mit Energie trotz des weißen Haupt- und Barthaares und seiner stark geäderten Hände, die sein Alter verrieten. „Wir dürfen nichts Uebereiltes tun. Nein, wir müssen uns gut überlegen, auf welche Weise wir dieses Gerücht am besten zum Schweigen bringen können.“

„Ich bin Ihnen für Ihre Rücksichtnahme sehr dankbar, Monsieur!“ Seine dunklen verschleierten Augen wandten sich ihr mit einem Auffunkeln jenes korsischen Temperaments zu, das sie so gut kennengelernt hatte. In diesem Augenblick war die Ähnlichkeit mit seiner Tochter geradezu verblüffend.

„Behalten Sie Ihre Dankbarkeit bei sich, Mademoiselle. Ich denke an meine Tochter, nicht an Sie und den Herzog. Ihr Wohlergehen liegt mir am Herzen, sonst nichts. Gott weiß, es liegt nicht in meiner Macht, ihr Glück zu geben, aber ich will wenigstens alles dazu tun, um ihr weitere Kränkungen zu ersparen. Sie hat schon genug ertragen müssen.“ Henriette preßte die Lippen fest zusammen und machte keine Entgegnung. Der alte Herr nahm sein ruheloses Aufundabgehen wieder auf, und es kam ihr so vor, als sei nahezu eine Stunde verstrichen, bis er wieder weiterspracb.

„Es gibt nur einen Ausweg aus dieser Situation, und das ist der, sich dem Klatsch gegenüber gleichgültig zu zeigen. Man erwartet natürlich, daß Sie das Haus meines Schwiegersohnes jetzt verlassen müssen, und die Tatsache, daß Sie bleiben, und zwar in bestem Einvernehmen mit meiner Tochter, wird all diesem Gerede die Spitze abbrechen.“

„Ja, Monsieur.“ Sie hatte ihm eine solche Lebensweisheit nicht zugetraut. Er besaß eine größere Menschenkenntnis, als sie angenommen hatte.

„Es muß alles beim alten bleiben; nur müssen natürlich meine Tochter und der Herzog es darauf anlegen, sich in Zukunft möglichst häufig zusammen in der Oeffentlichkeit zu zeigen. Sie bleiben also, und übermorgen werden wir alle nach Paris zurückkehren.“

„Und Sie werden es der Herzogin klarmachen, daß ich auf Ihren Wunsch geblieben bin? Ich möchte, daß sie weiß, daß dieser Entschluß von Ihnen ausgegangen ist.“

„Ja, ich werde ihr das schon erklären. Fanny hat mich immer gut verstanden. Ja, ja, so wird es wohl für uns alle am besten sein.“

Er schien erleichtert, so schnell eine gute Lösung gefunden zu haben. Er setzte sich wieder an seinen Schreibtisch, nahm Papier und Feder hervor, doch bevor er anfing zu schreiben, drehte er sich noch einmal nach Henriette um. „Ich werde beiden unverzüglich schreiben“, sagte er ihr, „und die Briefe mit einem Eilboten zum nächsten Postdampfer schicken. Dann werden sie vor uns ankommen. Der Herzog muß sich endlich seiner Lage bewußt werden; es geht nicht an, daß er seine Frau noch weiter solchen Demütigungen aussetzt. Er ist darin wirklich zu weit gegangen, Mademoiselle, und als ihr Vater werde ich Mittel und Wege zu finden wissen, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen.“

„Das habe ich nun davon“, dachte sie, als sie die Tür der dumpfigen Bibliothek hinter sich geschlossen hatte. „Eigentlich sollte ich jetzt endgültig meine Sachen packen, und statt dessen habe ich mich nur noch fester binden lassen. Mein Gott, wer doch das Ende absehen könnte und wüßte, was zu tun?“

In der Meinung, Berthe und Raynald dort vorzufinden, ging sie zu dem Pavillon am Ende des Rosengartens. Doch auf dem Wege dahin ließ Gesang sie ihren Schritt verhalten. Auf der anderen Seite der hohen Hecke ertönte Gitarrenspiel und eine Mädchenstimme, die eine der wehmütigen Zigeunerweisen sang, die stets ein Echo in ihr auslösten. Dieses Lied hatte Henriette noch nie gehört; die Worte klangen klar und deutlich durch das dichte Grün, das die Sängerin verbarg.

„Im Schlehdornbusch mein Herz ich verbarg,

als jung und sorglos ich sang. Um der Liebe Falsch mich mit Dornen stark

zu erwehren mein Leben lang. Jetzt tanz' ich unter Tränen, so bitter wie das Meer,

ich singe, einen Dorn in der Brust — Denn spöttisch die Liebe mein Herz ließ leer-

Oh! Hätt’ ich das Ende gewußt!“ Henriette stand und lauschte, als hätte eine warnende Hand, die sich ihr auf die Schulter legte, sie auf den Fleck gebannt. Sie bebte am ganzen Körper, als das Lied endete. Eiskalte Schauer jagten ihr über den Rücken, obwohl die Sonne sengend heiß auf ihren ungeschützten Kopf herniederbrannte.

Sie bog ein paar Zweige der Hecke auseinander, und in der Lücke gewahrte sie die beiden Musikanten, einen jungen Knecht’ mit seiner Gitarre und eine der Mägde, die Wäsche zum Bleichen auf dem Rasen ausbreitete. Zu ihrer eigenen Ueberraschung richtete Henriette das Wort an das kniende Mädchen.

„Hast du eben gesungen? Du hast eine sehr hübsche Stimme. Kannst du mir sagen, wie das Lied heißt?“

Die beiden hatten sich von ihrem ersten Schrecken erholt und fingen an, verlegen vor sich hin zu kichern. Ohne sich zü erheben, schob das Mädchen das gelbrote Kopftuch aus ihrer Stirn zurück und antwortete schüchtern:

„Das ist ein sehr altes Lied — es ist zu alt, um einen Namen zu haben.“ „Ist es nicht ein sehr trauriges Lied?“ fragte Henriette weiter, nur um etwas zu sagen. Sie wußte eigentlich gar nicht mehr, warum sie das Mädchen überhaupt angeredet hatte. Das Mädchen und der junge Bursche tauschten einen schnellen Blick. Offensichtlich belustigte sie diese törichte Frage.

„Ja, natürlich ist es das.“ Das Mädchen zuckte mit einer sprechenden Bewegung die Achseln. „Aber warum auch nicht, Mademoiselle? Es ist doch immer traurig, wenn Menschen vor der Liebe Angst haben.“

Henriette eilte den schmalen Gartenweg entlang, doch hörte sie noch, wie die beiden anfingen zu lachen und zu tuscheln.

„Wenn Menschen vor der Liebe Angst haben, ist das immer traurig.“ Was sie selbst nicht gewagt hatte, sich einzugestehen, das hatte ihr ein korsisches Bauernmädchen sagen müssen.

(Fortsetzung folgt)

Wirtschaftsblatt

Diskonterhöhung

Der Zentralbankrat hat beschlossen: Der Wechseldiskohtsatz der Landeszentralbanken wird von 4 auf 6 Prozent erhöht.

Der Lombardsatz der Landeszentralbanken wird von 5 auf 7 Prozent erhöht. Der Diskontsatz der Bank deutscher Länder und der Landeszentralbanken für Schatzwechsel wird von 4 auf 6 Prozent erhöht.

Der Zinssatz der Bank deutscher Landet und der Landeszentralbanken für Kassenkredite an die Bundesrepublik Deutschland, an die Bundesbahn und Bundespost sowie an ein Land wird von 4 auf 6 Prozent erhöht.

Die beschlossenen neuen Sätze treten am 27, Oktober 1950 in Kraft. Sie gelten auch für alle unter Vorbehalt hereingenommenen Wechsel und Schatzwechsel mit Wirkung vom 27. Oktober 1950.

bs. Die Bank deutscher Länder führte in den letzten Wochen recht drastische Maßnahmen durch. Zuerst wurden die Mindestreservesätze sehr fühlbar erhöht. Dann folgte eine Aenderung der Einfuhrbestimmungen. Fünfzig Prozent des Einfuhrwertes müssen jetzt bei der Außenhandelsbank bei Genehmigung des Geschäftes hinterlegt werden. Beide Maßnahmen sollen das Geld noch knapper werden lassen und die Verschuldung der Bundesrepublik gegenüber dem Ausland verringern.

Anscheinend erfüllten diese Maßnahmen aber noch nicht in genügendem Umfange ihren Zweck. Schon vor einigen Tagen hatten die Bank deutscher Länder und die Zentralbanken die Geschäftsbanken davon unterrichtet, daß sie Wechsel nur noch unter dem Vorbehalt einer Zinsnachbelastung rediskontieren werden. Die Geschäftsbanken schlossen sich gegenüber ihren Kunden dieser Maßnahme an. Unsicherheit kennzeichnete von diesem Tage die Dispositionen der Geschäftsleute. Die Börsen reagierten mit starker Zurückhaltung.

Auf der Donnerstagsitzung des Zentralbankrates wurde nun die Entscheidung gefällt: Der Diskontsatz ist von 4 auf 6 Prozent erhöht. Diese Maßnahme liegt in dei' neuen allgemeinen Richtung der Notenbank- und Wirtschaftspolitik. Das Maß der Diskontsatzerhöhung dürfte nur sekundäre Bedeutung haben, wenn man diese Bedeutung auch 'nicht unterschätzen darf. In erster Linie ist es ein Warnsignal der Notenbank. Die Notenbank will ihre Beanspruchung im Wechseldiskontgeschäft eingeschränkt sehen. Wenn auch das Maß der Diskonterhöhung vielleicht noch nicht zu dieser Einschränkung zwingt, so wissen die Geschäftsbanken, daß die Notenbank notfalls noch stärkere Mittel anwenden wird. Die Bedingungen des Wechseldiskontes können verschärft werden. Schließlich kann sogar eine Kreditrestriktion eintreten. Das ist ein Menetekel. Es löst in der Regel nach einer Diskonterhöhung eine Zurückhaltung’ bei den Kreditinstituten aus. Kredite werden in geringerem Maße an die Kundschaft gewährt, eventuell werden früher gegebene Kredite sogar zurückgefordert. Es entsteht meist eine Tendenz zur Kredit Vernichtung gegenüber der Geldschöpfung. Eine Verringerung der kaufkräftigen Nachfrage nach Gütern ist die Folge. Der Inlandabsatz schrumpft, Preissteigerungstendenzen werden ausgeschaltet. Der Außenhandel wird im Sinne einer Aktivierung der Handelsbilanz beeinflußt.

Diese Ergebnisse erwartet die Bank deutscher Länder durch eine Diskonterhöhung. Sie liegen auf derselben Linie wie die geplanten Steuererhöhungen. Die Kaufkraft muß beschnitten werden, wenn ohne Gefährdung der Währung die Mittel für die notwendigen größeren Ausgaben des Bundes aufgebracht werden sollen. Das sind gewiß unpopuläre Maßnahmen. Sie werden auch manchen Nachteil bringen. Konnte man sie aber deshalb umgehen? Läßt sich die Stabilität der Währung und eine freie Wirtschaft ohne die Diskonterhöhung beibehalten? Daß dies auf jeden Fall erreicht werden soll, zeigt auch die Erhöhung des Zinssatzes für Schatzwechsel und für Kassenkredite an den Bund, die Bundesbahn und -post.

Bonn, 27. Oktober, (dpa) Die vom Zentralbankrat beschlossene Diskonterhöhung des Diskontsatzes von vier auf sechs Prozent hat die Pläne des Bundesfinanzministers für eine Bundesanleihe schwer getroffen. Zuständige Beamte des Bundesfinanzministeriums erklärten, dieser Diskontsatz würde die Bundesanleihe unmöglich machen und damit dem Ausgleich des Bundeshaushaltes große Schwierigkeiten bereiten.

Vergeßt den Sparer nicht

Gedanken und Forderungen zum Weltspartag 1950

Die Sparer sind zu einer unterdrückten Schicht in der modernen Gesellschaft geworden. In Gesprächen mit führenden Männern des Sparkassenwesens klingen solche Worte oftmals durch. Das sind bittere Feststellungen. In ihnen kommen die Erfahrungen der großen Massen der Sparer aus den letzten drei Jahrzehnten zum Ausdruck. Sie sind Mahnung und Warnung. Am Weltspartag haben Betrachtungen solcher Art besonderes Gewicht.

Die jüngste Entwicklung geht gerade auch den Sparer an. Die durch die Aufrüstung der westlichen Welt angeregte Konjunktur in der Bundesrepublik hat Engpässe im industriellen Apparat sichtbar werden lassen. Angesichts der Anforderungen und der Notwendigkeiten, die zivile Versorgung nicht wesentlich zu verschlechtern, muß der Erzeugungsapparat ausgebaut werden. Zwangsläufig stellt sich die Frage, wer das Kapital auf bringen soll.

Die Leere des bereits durch das Arbeitsbeschaffungs- und das Wohnungsbauprogramm der Regierung überbeanspruchten Kapitalmarktes fällt um so mehr in die Augen. Eine freiwillige Spartätigkeit auf breiter Front könnte den Ausbau gerade auch der deutschen Grundstoffindustrie finanziell untermauern helfen. Eine Spartätigkeit dieser Art würde auch dazu beitragen, jene Spannungen zu lindern, die sich aus dem Verhältnis von Preisen und Löhnen, von Verbrauch und Versorgungsmöglichkeiten ergeben.

14,5 Millionen Sparkonten

Läßt sich aber die Spartätigkeit wirksam anregen? Seit der Währungsreform bis Mitte 1950 sind 9,7 Milliarden DM an Geldkapital in der Bundesrepublik zugewachsen. Die Spareinlagen bei sämtlichen Kreditinstituten haben um etwa 660 Millionen DM zugenommen. Sie haben damit Mitte 1950 die Höhe von 3,83 Milliarden DM erreicht. Das allein beiden Sparkassen angesammelte Sparkapital von 2,64 Milliarden DM stützt sich auf 14,5 Millionen Konten.

Das sind beachtenswerte Leistungen. Der hier zum Ausdruck kommende Wille zum Sparen ist um so höher zu bewerten, als die Währungsreform einen dicken Strich durch die Sparkonten bei Banken und Sparkassen gemacht hat. Die Geldsparer sahen sich nicht nur gegenüber den Sachwertbesitzern auf das stärkste benachteiligt. Die Art, wie die öffentliche Hand unter dem Druck der Alliierten die Umstellung auf den Sparkonten auf 6,5 Prozent begrenzte sowie die Kopfquoten anrechnete, hat den Sparern zusätzlich schweres Unrecht zugefügt.

Das Wiederaufleben der Spartätigkeit bleibt zwar beachtlich. Alle an der Spartätigkeit interessierten Kreise sind sich dennoch darüber klar, daß das Ausmaß der Spartätigkeit völlig ungenügend ist. 1938 standen auf einem Sparkonto in Deutschland durchschnittlich 539 Mark. Der Durchschnitt von 180 Mark, den man heute errechnet hat, zeigt den gewaltigen Unterschied im Ausmaß der Spartätigkeit gegenüber der Vorkriegszeit. Die Bundesregierung hat deshalb versucht, durch steuerbegünstigtes Sparen die Spartätigkeit stärker anzuregen.

Bumerang der Währungsreform

In diesem Zusammenhang darf man die grundsätzliche Einstellung der Sparer nicht außer acht lassen. Der Sparer verlangt gesicherte politische Verhältnisse sowie eine gesunde Währungs- und Wirtschaftspolitik, die Kaufkraftschwankungen und ruckartige Veränderungen des Preisstandes fernhält. Auch unter diesen Gesichtspunkten muß die Bundesregierung auf Stabilität der Preise achten.

Und schließlich läßt sich der Weg zur erhöhten Spartätigkeit nur freilegen, wenn wenigstens ein Teil des Unrechts wieder’ gutgemacht wird, das dem Sparer durch die Festkontenstreichung und die Kopfquotenanrechnung bei der Währungsreform zugefügt wurde. Die Sparkassenorganisationen haben sich für entsprechende gesetzliche Maßnahmen eingesetzt, nachdem die durch die Währungsreform geschädigten Sparer im Lastenausgleich keine Beachtung gefunden haben. Die notwendigen Kapitalbeträge von 2,5 Milliarden DM und die jährlichen Ausschüttungen von 200 bis 300 Millionen DM können, das' ist die Meinung der Sparkassenorganisationen, aus Reserven im Lastenausgleich aufgebracht werden. Bei der heutigen Lage ist es naturgemäß schwierig, den Bundesfinanzminister für solche Pläne zu gewinnen. Man muß dennoch weiter daran arbeiten. Die Kapitalbildung durch Sparsamkeit auf breiter Grundlage erfordert Verständnis bei Finanzministern und den Parlamenten. In erhöhter Sparsamkeit des ganzen Volkes wird sich diese Einsicht lohnen.

Fritz Peter Claus

Untersuchung der Devisenlage

vwd Zwei ausländische Finanzsachverständige, Per Javobsoen (BIZ, Basel) und der Engländer Cairncross (Finanzabteilung der OEEC), haben das Ersuchen der Bonner Regierung angenommen, kurzfristig ein Gutachten über die Entwicklung der deutschen Zahlungbilanz in den letzten Monaten auszuarbeiten, die zu einer starken Abnahme der Devisenbestände führte. Dieses Gutachten soll dem Direktorium der Europäischen Zahlungsunion bei seiner Sitzung am 3. November vorgelegt werden.

Vizekanzler Blücher erklärte in diesem Zusammenhang, daß das stark vergrößerte Produktionsvolumen der westdeutschen Wirtschaft, der Preisanstieg auf den Weltrohstoffmärkten und anomal niedrige Vorräte in Westdeutschland seien die drei Faktoren, die zu den starken Devisenanforderungen der deutschen Importeure geführt hätten.

Aufruf zum sozialen Wettbewerb

vwd Der Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer“ hat alle Unternehmer zu einem sozialen Wettbewerb aufgerufen, der die echten Anliegen der Arbeiterschaft verwirklichen soll. Die Arbeitsgemeinschaft vertritt in einer Entschließung die Auffassung, daß der soziale Friede zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer als die vordringlichste Aufgabe der deutschen Wirtschaft mit allen Mitteln gefördert werden muß.

vwd Die Handelsvortagsverhandlun¬ gen zwischen der Deutschen Bundesrepu¬ blik und Frankreich gehen weiter. Die abschließenden Besprechungen dürften noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Markt- und Börsenberichte

Bz. Die Diskonterhöhung blieb auf die Wertpapier-Wochenschlußbörse in Frankfurt ohne größere Auswirkung. Die meisten Kurse konnten sich behaupten. Einzelne Spezialwerte erzielten allerdings wiederum größere Kursgewinne. So Heidelberg Straßenbahn weitere 10 Punkte mit 110. Degussa erreichten mit 78>5 eine Steigerung von 1,5. Sehr gesucht bleiben weiter Zellwolle-Werte unter Führung von Phrix Inh. 42,50 (+ 0,5), dergl Namens 40 ( + 1), Rhein. Kunstseide unv. 58, Chemiefaser Inh. 58, dergl. Namens 53 (ie + 2), Südd. Zellwolle 115 (+ 4). Elektronapiere mußten vereinzelt 0,5 bis 1 Punkt abstreichen, ebenso Maschinenwerte.

Freie Devisenkurse

Bz. Folgende freie Devisenkurse wurden in Frankfurt am 27. Oktober genannt: der US-Dollar mit 5.15 bis 5,55 DM. das engl. Pfund Sterling mit 12,50 bis 13,50 DM, der holl. Gulden mit 1,15 bis 1,25 DM. der Schweizer Franken mit 1,15 bis 1,25 DM, die dänische Krone mit 0.48 bis 0.52 .DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM und der österreichische Schilling mit 0.14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben sind für eine DM-West 5 bis 5,20 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten worden.

Tagesgeld teurer

Tagesgeld, das seither mit 4 Prozent und etwas höher gehandelt wurde, ging heute nach der Diskonterhöhung jn Frankfurt mit s*/j bis 6 Prozent um. Andere Geldgeschäfte wie vor allen Dingen in Monatsgeld waren noch nicht möglich. Warenwechsel blieben unanbringlich.

sDarmstadt und umgchung

Die „vergessene“ Unterschrift

Sg. Die zu schildernde Begebenheit ist eine Parodie unserer Mentalität. Man muß sagen „unserer“, da jeder mit eiserner Beflissenheit dazu beiträgt, das Leben in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Freizeit so wenig wie nur irgend möglich lebenswert zu machen. Außer Weihnachten, Ostern oder anderen zur Gemeinsamkeit zwingenden Feiertagen beharken wir uns mit bösartigem, giftgrünem Haß.

Man möchte die Gießkanne des Nachbarn anbohren, den Springbrunnen im Garten verstopfen, Zucker in den Benzintank des Hausbesitzer-Autos werfen, der seinerseits geneigt ist, der älteren geflüchteten Dame aus Karlsbad Giftweizen in das Futter des Kanarienvogels zu tun (ihres letztverbliebenen Besitzes!), der Katze des Untermieters eine Blechbüchse an den Schwanz zu binden und dem schon über 30jährigen Fräulein aus Breslau männlichen Besuch zu verbieten. Es fängt damit an, daß man sich beschimpft, dann Briefe schreibt und anschließend Preßpappe ins gegnerische WC. schmeißt.

Dann kommt das Gericht, und somit wären wir beim eigentlichen Thema: Das alles wurde in der Glosse: „Das verriegelte Treppenhausfenster“ schon gesagt, in der, mit Bild, der Streit um ein ungelüftetes Treppenhausfenster in Eberstadt berichtet worden war.

Doch das Drama schreitet fort: Ein gutmütiger Mensch aus Trautheim, beruflich als Untermieter tätig, schnitt sich, da bei ihm dieselben Verhältnisse walten, die Glosse aus der Zeitung heraus und legte sie beiläufig seiner Wirtin auf den Tisch zu Pflaumenkernen, Salbeitee und Baldrian. Darob „Sie“ Eisengallus-Tinte nahm und an den Rand schrieb: „Sie haben vergessen, Ihren Namen darunterzusetzen“ und unter den Artikel den Namen ihres untermietenden Kontrahenten einzeichnete und das Ganze mit dem Katapult der Entrüstung postwendend nach oben oder unten, ich weiß es nicht genau, sandte. Herr X., erschreckt und erstaunt auf Grund des sartreschen kausalen Denkens seiner Haus-besitzenden Gegnerin, mußte tief verwundert sein und sah den einzigen Weg seiner Rehabilitierung in einem Schreiben an die Lokalredaktion, die er um Veröffentlichung des wahren Sachverhaltes bat. Darauf wir, als Kämpen für Frieden und Freiheit, für Mieterschutz und Mieterrecht wie für das Recht des Erstgeborenen, des steuerbelasteten Hausbesitzers: „Sehr geehrte gnädige Frau! Es ist uns ein Bedürfnis, Ihnen mitzuteilen, daß es sich bei dem Streitfall um einen anderen Hausbesitzer in einem anderen Stadtbezirk handelt und daß Herr X. nichts mit der Veröffentlichung zu tun hat.... Mit vorzüglicher Hochachtung! Stempel, Unterschrift.“

Jawohl, trotzdem mit vorzüglicher Hochachtung, denn wir sind überzeugt, daß die Menschen gar nicht so vernagelt sind wie das Treppenhausfenster, das vermaledeite. Bald ist der erste Advent, und das Nord-Süd-Gefälle in den Häusern (also die ideologische Gegnerschaft von „oben“ und „unten“) möge ohne Giftweizen, Blechbüchsen und Preßpappe von den brennenden Kerzen des Ver stehenwollens überbrückt werden.

Kampf gegen die Spulwürmer

Zu einer Pressekonferenz, an der auch Ministerialdirektor Dr. Freund, und Fräulein Dr. Stein von der Gesundheitsabteilung des Regierungspräsidiums und Dr. K a 1 i e s vom Staatlichen Untersuchungsamt teilnahmen, hatte gestern Regierungspräsident Arnoul im Hygiene-Lichthof, Darmstadt, eingeladen.

In seinen Ausführungen zur Sanierung der Spulwurmepidemie in unserer Gegend betonte Regierungspräsident Arnoul, daß hierzu fünf Aufgaben systematisch und gut koordiniert durchgeführt werden müßten:

1. Eine planmäßige Aufklärung und Vorbereitung auf alle Maßnahmen, die schon durch die Schaffung des Hygiene-Lichthofes eingeleitet worden seien.

2. Die Errichtung der Kläranlage, durch die die Abwässer der Stadt gereinigt auf die Griesheimer Gemüsefelder kommen. Mit einer Fertigstellung des Bauprojektes, für das 1,3 Millionen vom Staate vorfinanziert würden, könnte im Laufe des Jahres 1952 gerechnet werden.

3. Die Unterlassung der Düngung mit menschlichen Fäkalien auf den Gemüsefeldern und in den Kleingärten.

4. Als Schlüssel aller Maßnahmen, die

systematische Entwurmung der befallenen Menschen und ihre wirkungsvolle Kontrolle auch in den Schulen.

5. Die Schaffung einwandfreier Klosettanlagen und die Beseitigung anderer Infektionsquellen.

Ministerialdirektor Dr. Freund wies darauf hin, daß mit dem Hygiene-Lichthof der erste Schritt zur Bekämpfung der Wurmseuche getan sei. Besonders erfreulich sei das Interesse der Schüler und Schülerinnen, die sich mit guten, anschaulichen Arbeiten an dem Preisausschreiben des Hygiene - Lichthofes beteiligt hätten. Die Preisverteilung fände am nächsten Donnerstag statt. Die Vorschläge des Hygiene-Lichthofes, Vorträge und Ausstellungen zu veranstalten, wären überall mit großem Verständnis aufgenommen worden.

In der Diskussion wurde auf die Mißstände der Abortanlagen in den Schulen hingewiesen. Es wurde auch zur Sprache gebracht, daß man bei den Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Wurmerkrankung keine Übertreibung walten lassen dürfe. Der Genuß von gekochtem Gemüse sei immer ungefährlich. Wenn die Kläranlage im Laufe des Jahres 1952 fertiggestellt ist, sei damit zu rechnen, daß die Verwurmung in unserer Gegend ihren gefährlichen Charakter verliere. t-.

Ein langer Zug zieht durch den Wald

Grenzgang von der Muna in das Modautal

„Der Grenzgang bedeutet einen gewichtigen Einschnitt in der Arbeit der Stadt“, so begrüßte nach dem dreistündigen Marsch durch den Wald an der Eberstädter Gemarkungsgrenze Oberbürgermeister Metzger im Schweizerhaus die Teilnehmer. Sie hatten Schnee — und rieselnden Regen nicht gescheut. Was sie unterwegs überraschte und erfreute, darüber berichten wir am Montag in Wort und Bild. Bei dem Zusammensein im Mühltal aber kam zum Ausdruck, was dem Darmstädter der altüberlieferte Brauch bedeutet.

In unserer Zeit hat er ein neues Gewicht erhalten. Er führt, so sagte der Oberbürgermeister, auch die Neubürger, mögen sie „aus Amerika“, Schlesien oder sonst woher kommen, zusammen und gibt ihnen, die nie Zeit haben, Muße zu freundschaftlichem Gespräch und lehrt sie einander kennen. Man habe im winterlich angehauchten Wald ein Stück Vergangenheit erlebt, aber auch in der Muna-Siedlung gesehen, was aus einer, wenn auch manchmal überschäumenden, Initiative geschaffen wurde. Ueberhaupt zeige auch das Bild der gesamten Stadt, daß im letzten Jahr nicht gefaulenzt worden ist. Stückweise sei, wenn auch noch nicht alles erreicht wurde, z. B. noch nicht alle Bürger wieder zurückkehren konnten, doch manche Not und manches Elend bereits gemildert worden. Darüber dürften wir uns wohl freuen, besonders im Rückblick auf die unüberwindbar erschienenen Anfangsschwierigkeiten. So möge das Heimatgefühl der neuen Darmstädter so gestärkt werden, daß sie nicht fortgehen möchten. („Nicht wahr, Herr Kotz?“) Ein besonderes Lob aber sei den Eberstädtern auszusprechen, die, ein Teil Darmstadts, aber doch etwas Selbständiges, in ihrer kulturellen und vor allem in ihrer Jugendarbeit vorbildlich seien. (Es waren Bilder

der Eberstädter Maler Zernin und Best ausgestellt.)

Der Schlußwunsch des Oberbürgermeisters, der Grenzgang möge dazu beitragen, daß über alle Parteischranken hinweg das Verständnis im Menschlichen wachsen möge, wird — wenn man aus dem weiteren Verlauf des Beisammenseins schließen darf — wohl einen Teil seiner Erfüllung gefunden haben.

Wie in jedem der letzten Jahre erfreuten Künstler des Landestheaters mit Gesängen: Frl. Charlotte Raab und die Herren Prie bi 11 und Küppers. Den Ansager machte Stadtrat Reiber. Redakteur Heinz Heinrich Roth, ein Eberstädter Kind, wußte amüsant und kenntnisreich aus der Eberstädter Geschichte zu erzählen und hatte — gelernt ist gelernt — eine eigene Rundfunksendestation errichtet, die in mancherlei Anspielungen Lokalnachrichten durchgab von Plänen, die in der Modau liegen. Vom Grenzgang in alter Zeit erzählte Archivrat Dr. Gunzert. Mit guten Wünschen grüßte Stadtverordnetenvorstehei' Wiesenecker. Dann folgte, was seit Urvätertagen dem Grenzgangbeisammensein immer folgt, ein guter Schmaus und kräftiger Umtrunk. Nur daß im Gegensatz zu einst der Stadtsäckel nicht damit belastet wurde. P. D.


DT-Foto: Roth
DT-Foto: Roth

Bravo, Mr. MeCloy!

Nach einer' Mitteilung des Residenc Officers Darmstadt hat der amerikanische Oberkommissar, Mr. McCloy, einen Betrag von 20 000 DM für die Einrichtung einer Tuberkuloseberatungsstelle beim Gesundheitsamt Darmstadt zur Verfügung gestellt.

Am Montag, um 10 Uhr, wird Mr. Gotcheus in einer kleinen Feier den Scheck an Landrat Wink und Oberbürgermeister Metzger übergeben.

Offenlegung der Wahlkartei

Wir verweisen noch einmal auf unsere Mitteilung wonach ab Sonntag, dem 29. Oktober 1950, die Wahlkartei zur Einsichtnahme offen liegt, und zwar für die Innenstadt im Wahlamt, Lagerhausstr. 9, für die Stadtteile Arheilgen und Eberstadt bei den jeweiligen Ortsverwaltungen.

Mit dem gleichen Zeitpunkt werden auch Wahlscheine an diejenigen Personen ausgegeben, die aus zwingenden Gründen nicht in ihrem Bezirk wählen können. Sie berechtigen zur Stimmabgabe in jedem Wahlbezirk des Landes Hessen.

Bei dieser Gelegenheit sei nochmals den Patienten, die sich voraussichtlich am Tage der Wahl in Krankenanstalten befinden, empfohlen, sich rechtzeitig bei ihrer Heimatbehörde (für Darmstadt das städtische Wahlamt) einen Wahlschein zu besorgen.

Ein treuer Darmstädter

„Dengers Heiner“ ist wieder da

Einmal mehr weilt ein alter Darmstädter, der in langen Jahren seiner Abwesenheit seiner Vaterstadt die Treue wahrte, in unserer Stadt. Mit einem kleinen Päckchen und großen Illusionen ging Heinrich D enger 1902 in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Drei Farmen hat er sich dort in harter und zäher Arbeit gebaut. Seine Familie lebt mit ihm glücklich und zufrieden. Die Heimat hat er aber nicht vergessen. Zum fünften Male weilt er zu Besuch, zur Freude seiner noch hier lebenden Angehörigen. Und wenn der Vierundsechzigjährige in einigen Wochen wieder in die Staaten zurückkehrt, dann begleiten ihn nicht nur die guten Wünsche seiner Freunde, sondern auch die unseren. G. K.

Ein amerikanischer Pkw stieß gestern morgen in der unteren Rheinstraße mit einem entgegenkommenden Motorrad zusammen, als der in Richtung Griesheim fahrende Pkw in das Gelände der Firma Forscher und Meffert einfahren wollte. Es entstand leichter Sachschaden.


Prinzessin Marie, Tochter Großherzog Ludwigs 11. und als Gemahlin Alexanders 11. von Rußland russische Zarin, hat dem „Platz vor der Kavalleriekaserne“ 1843 den Namen gegeben. Noch lange nachdem der Baumeister Franz Heger (1827) die Dragonerkaserne erbaut hatte, dehnte sich hier eine Wüstenei von Sand und wucherndem Unkraut aus, eine Schafweide und ein idealer Platz, um „Räuberches und Husarches“ zu spielen. Solch eine Wüstenei ist auch heute wieder die einst dicht bewohnte Umgebung des Platzes. Der Kasernenbau, in dem nach dem ersten Weltkrieg 60 Mietparteien Wohnung gefunden hatten, liegt ebenso in Trümmern wie die Häuser der Hügel- und Sandstraße. Den Platz selbst, von Platanenstümpfen umgeben, die wieder ausgeschlagen haben, „ziert“ eine Tankstelle. Als in den zwanziger Jahren die deutsch-russische Erdölgesellschaft ihre Tanks dort hinbaute, regte sich lauter Widerspruch bei denen, die ihn noch in Erinnerung haben, als der 1902 in den Herrngarten versetzte „Riwwelmatthes“ in seiner Mitte stand, jenes teutonische Denkmal, das an die Gefallenen der napoleonischen Kriege erinnert. ' P. D.
Prinzessin Marie, Tochter Großherzog Ludwigs 11. und als Gemahlin Alexanders 11. von Rußland russische Zarin, hat dem „Platz vor der Kavalleriekaserne“ 1843 den Namen gegeben. Noch lange nachdem der Baumeister Franz Heger (1827) die Dragonerkaserne erbaut hatte, dehnte sich hier eine Wüstenei von Sand und wucherndem Unkraut aus, eine Schafweide und ein idealer Platz, um „Räuberches und Husarches“ zu spielen. Solch eine Wüstenei ist auch heute wieder die einst dicht bewohnte Umgebung des Platzes. Der Kasernenbau, in dem nach dem ersten Weltkrieg 60 Mietparteien Wohnung gefunden hatten, liegt ebenso in Trümmern wie die Häuser der Hügel- und Sandstraße. Den Platz selbst, von Platanenstümpfen umgeben, die wieder ausgeschlagen haben, „ziert“ eine Tankstelle. Als in den zwanziger Jahren die deutsch-russische Erdölgesellschaft ihre Tanks dort hinbaute, regte sich lauter Widerspruch bei denen, die ihn noch in Erinnerung haben, als der 1902 in den Herrngarten versetzte „Riwwelmatthes“ in seiner Mitte stand, jenes teutonische Denkmal, das an die Gefallenen der napoleonischen Kriege erinnert. ' P. D.

Drinuerum und drumerum

Net, weils kaan Eudritt gekost hot. sondern, weil ich mich als damstädter Barier defor indressier, was unser Owerborjemaster driwwe in Ameriga alles gesehe, gebeert un gelernt hot. hab ich mer die letzt Woch sein Vortrag a'geheert. Un ich muß saache: Allebonneer! Er hot sich iwwerall grindlich umgeguggt, daß ich em werklich glaab. daß er in seum Kobb un in seum Nodizbichelche allerhand mitgebracht hot. was mer hoffentlich recht bald bei uns zu spiern krieje.

Es is bestimmt eut, wann mer sich emol annerstwo umgugge kann un dodewäie hawwe mer in friehere Johrn aach schon Borjemaster iwwers Wasser fahrn losse. Mir hawwe dodebei seinerzeit emol e Orjel for de Saalbau mitgebracht solle krieie, awwer. . . no, die weer jetzt doch aach kabudd. Mir wern aach so rasch kaa mehr brauche, noochdem mer die aanzig billig Meeglichkeit, en neie Saalbau uff seine aide Keller wieder uffzubaue, sich selwert verbaut hot.

Weer unser Ower frieher driwwe gewäse, un er hett gewißt, was er heit waaß, weers vielleicht anner^ter worn. Er hot uns nemlich verzehlt, in Ameriga braichde die Leit kaa Herzklobbe zu krieje, wann se uff e Beheerde mißte, do weern die Beamde grad so Leit, wie die annern Mansche aach. Mer kennt mit em redde u.n sie dhete mit sich redde losse. Net wie bei uns. Do haaßts glei, mache ses schriftlich un vergessese net. die needische Babiern debei zu leje, es werd entschiede. Deß Entscheide is nadierlich e Mordsarweit, die wo oft monatelang dauert. Schad, daß unser Bauamt net ameriganisch verwalt werd. Ich halts jo aach for gut, wann net ieder baue kann, wie er will un unser Ower, der wo die Baufreiheit in Ameriga mit eichene Aache gesehe hot. hot uns versichert, es weer manchmol grauenhaft. Hol er gesacht! Du liewer Gott, bei uns kann doch kaaner nor e klaa Schild an seu Haus hengge ohne Genehmigung. Un alles was gebaut werd, is bis uff de letzte Backsta? vorgeschriwwe. Un do frooch ich aan, is deß net aach alsemo] grauenhaft? Ich schiddel jedesmol de Kobb, wann ich iwwer de Macktblatz gugg.

Um nochemol vum Herzklobbe zu redde: Hawwe se schun emol was mit em Wohnungsamt zu dhu gehatt? Glaawe se, do dhet iwwerhaubt aaner hiekumme, dem wo net seu Herz bis enunner in de Stiwwel hengge dhet? Wann mer unnerwäks beim Hiegeh deß alt Kerchelied vor sich hiesumme dhut: Ich hab meun Sach auf nichts gestellt, do dhut aam nochher die Entscheidung net so iwwerrasche un weh. Mer wolle uns jetzt emol dodemit dreste, daß unser Ower seu Beamde uff ameriganisch inschdruierd, un do werds dann vielleicht besser.

Viel Fraad hot mer gemacht, wie ich gebeert hab, die Ami kennte aach vun uns was lerne, besunners in de Verwahrung. Deß hot meum penzjonierde Beamdeherz gut gedah. Hoffendlich hot ers en aach gier driwwe gesacht, weil se immer maane, sie mißte uns Kuldur beibringe. Die solle sich erst emol unser Deitschland genaa a'gugge, do dhet en vielleicht doch en Saafesieder uffgeh. Die meiste Ami losse sich io doch bloß vun ihre Bobbe erumfiehrn un was se dodebei lerne kenne, deß hawwe se rasch kabbierd.

Mir kenne awwer froh seu, daß unsern Ower driwwe unsern Film vun Damstadt an de Mann gebracht hot un daß der aach bei dene de needische Eudruck gemacht hot. Schad, daß mern domals so rasch eupagge hot misse. Ich hab en net emol zu sehe krickt un ich glaab, es hawwen inz wische mehr Ami gesehe, wie Damstädter.

^Hoffendlich sehe mern aach noch emol. Wie dhet jetzt unsern Ower saache:. Take it easy!

Denkt grad so un nemmt nix mehr schwer. Deß winscht eich newerm e ende Sunndaach eier Anton Berzei

Der angeklagte frühere Kläger

Schöffengericht verurteilte ihn zu zehn Monaten

In dem 48jährigen Henning Wilhelm Charles van W. aus Stuttgart stand gestern nicht nur ein bereits, elfmal vorbestrafter Mann, sondern auch der ehemalige erste öffentliche Kläger der Darmstädter Berufungsspruchkammer vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt. In der Anklage des Staatsanwaltes war von Betrug, Unterschlagung und unberechtigten Führens eines akademischen Grades die Rede, Delikte, deren sich der Angeklagte schuldig gemacht hat. Mit den Gesten eines eleganten Weltmannes versuchte er dem Richter zu erklären, warum er nach dem Zusammenbruch 1945 sein umfangreiches Vorstrafenregister verschwieg, mehrmals seinen Lebenslauf falsch zu Papier brachte, sich den Titel eines Doktor jur. selbst zulegte und schließlich — allerdings nicht mehr als Berufungskläger — einer Frau eine größere Geldsumme unterschlug. Abstreiten konnte er dies alles nicht. Nach einem sehr bewegten Leben, in dem er zeitweise als Journalist arbeitete und auch von der Gestapo verfolgt worden war, beschloß er nach Kriegsende, seine dunklen Flecken „wegzuradieren“ und „ein neues Leben als unbescholtener Mann zu beginnen“. Zu diesem Zweck gab er sich von nun an als Doktor jur. aus und wurde auch bald „entdeckt“. Durch die Empfehlung eines Pfarrers, den er als Leiter des ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlagers in der unteren Rheinstraße kennengelernt hatte, kletterte er auf der damals üblichen Stufenleiter empor. Eines Tages wurde der Herr Doktor als Berufungskläger in Darmstadt eingesetzt. Als er hörte, daß man gegen ihn „schieße“, gab er seine Stellung auf und verschwand nach Süddeutschland. Als Vertreter des Roten Kreuzes sollte er später an einen Kriegsgefangenen in Frankreich 100 DM weiterleiten. Er behielt jedoch diese Summe, die ihm eine Frau anvertraut hatte, in seinem Geldbeutel. Verhaftet wurde van W. in Stuttgart. Fünf Monate saß er in Darmstadt in Untersuchungshaft.

Im Gegensatz zu einem erstinstanzlichen Urteil hielt es das Schöffengericht diesmal für erwiesen, daß der Angeschuldigte den Staat Hessen einige Monate lang um die Gehälter (Vertrauenszulagen) als öffentlicher Kläger „Doktor jur.“ betrogen hat- Er erhielt zusammen zehn Monate Gefängnis. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärte van W.. er werde demnächst als „Redakteur“ eines Nachrichtendienstes“ tätig sein. wst.

Zu einem Zusammenstoß kam es gestern morgen auf der engen Heidelberger Straße in Eberstadt. Der Fahrer eines Lastkraftwagens wollte in eine Einfahrt einbiegen, fand diese durch ein anderes Fahrzeug versperrt und fuhr auf die linke Fahrbahnseite, um einen nachfolgenden Straßenbahnzug passieren zu lassen. Dabei kam ein entgegenkommender Pkw. beim Bremsen ins Schleudern und stieß gegen den Lkw. Es entstand ein Sachschaden von etwa 200 DM.

Darmstädter Kunstschule verschöut Neubauten

Es ist ein Kennzeichen unserer abendländischen Kultur, daß auch in schweren Zeiten das Schaffen unserer Künstler nicht erlischt, daß sich in Zeiten dfer Not das Bedürfnis zeigt, durch Werke der Kunst zu der Nachwelt zu sprechen. Viele Städte und Behörden finden sich daher auch heute noch bereit, Mittel für künstlerischen Schmuck ihrer Bauten aufzuwenden und sie damit über die Sphäre des reinen Zweckbaues hinauszuheben.

Die Stadt Darmstadt hat sich zur Wahrung ihrer Tradition als Kulturzentrum die besondere Aufgabe gestellt, eine Pflegestätte der Kunst und des künstlerischen Nachwuchses zu sein. Sie will daher den Bauherren ihrer Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Bauten, wo es angezeigt erscheint, durch künstlerischen Schmuck den Stempel unserer Zeit und unseres Geistes aufprägen. Auch an dem Bürogebäude Ecke Kasino- und Rheinstraße, durch dessen Fertigstellung eine wenig schöne Baulücke im Blickpunkt der Neckarstraße verschwindet, werden daher zur Zeit vier plastische Arbeiten von Schülern der Darmstädter Kunstschule angebracht. Es ist erfreulich, daß den jungen Künstlern auf diese Weise Gelegenheit gegeben wird, ihre Leistungen in der Praxis zu erproben und das Bild unserer Stadt damit zu bereichern.

Wie wird das Wetter?

Unfreundlich

Vorhersage: Am Wochenende bewölkt, anfangs noch strichweise Niederschläge, zum Teil als Schnee, später abklingend. Naßkalt, nachts leichter Frost, schwachwindig. Weitere Aussichten: Beginnende Besserung.



Wolhin gelen wir heũte?

Landestheater: Orangeriehaus: 19.00 „Don Carlos“, ein dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller. Ende gegen 22.15 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Johanna von Orleans“; Thalia: „Die Erbin“; Belida: „Spiel mit dem Tode“, und Sondervorstellung: 14.00 und 22.30 „Rote Teufel um Kit Carson“;

PHOTO-HAUSCHILÖT DARMSTADT ■ LUD WI^SJR.. 3

Palast: „Flicka“; Hansa: „Matrose wider Willen“, und Jugend- und Nachtvorstellung: 14.00 und 22.30 Uhr: „Abenteuer im wilden Westen“. Landesmuseum: 10—16 Uhr, Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“.

...ǔnd morgen?

Landestheater: Orangerie: 18.00 „Tannhäuser“, Oper von Richard Wagner; Ende gegen 21.30 Uhr. Lichtspieltheater: wie am Samstag, außerdem^ Union: 11.00 Uhr Sondervorstellung: Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: Ausstellung: „Gesundes Leben“, 10—18 Uhr. Landesmuseum: 10—16 Uhr, „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“. a

Wir gratǔlieren

Goldene Hochzeit: Herr Franz Frohnert und Ehefrau, Darmstadt-Eberstadt Wilhelm Leuschner-Straße 170. ' m

Plauderei um's Arheilger Mü—hlchen

. Wer im Summer an de Winter? Wohl die wenigste. Ich hab im Juli unsern Kohlehännler gesähje, wie er Sack um Sade Briggätz in de Nachbarschaft abgelade hot. Bei jedem Gang in de Keller hot der Mann immer en Kreidestrich unne an die Haus- ^aueJ gemacht. Sällemols het ma a sein Brand bestelle solle, awer es hot absolut net in unser finanziäll Brogramm gebaßt. Es baßt a heit noch net, trotzdem hob ich vor vier Woche e Fuhr Winterbrand bestellt, off die idi heit noch ward. An was des nor hengt, daß nix ebei kimmt? Des kann doch unmeeglich mit Korea ebbes zu dhu hawe. Mir hawe uns jetzt en neie Allesbrenner kaaft, alles kann ma neiwerfe, wann kaa Holz un Kohle debei sin. bleibt er kalt! Ma soll sich awer vorerst net offreeje, Bonn werd schon helfe. Wann die Herrn bis in drei, vier Woche die neie Steiern dorchgehechelt hawe. wern'se dann a‘mol an de Leit ihr kalte Fieß denke. ' Interessiert hab ich letzt unserm Owerbeujemaaster zugelauscht, wie er vun „driwe“ erzehlt hot. „Dort mißt ma läwe“ hob ich gedacht wie ich gehert hab, wie die Ami ihre Fraue un Mädcher etsemiern. Un warum? Weil dort es Verhältnis zu de Geschlechter u'gefehr 1:1 is, während bei uns of? &an Mennerkobb drei Frauen kumme. In Ameriga dricke die Menner sogar de Kinnerwage, unseraaner griggt mit Ach un Krach die Räder geschmiert wannse haiserweit kwitsche. Hot ma bei uns schon mol en Ehemann gesähje der e Kinnerscheeß geschubt hot? Un wann, dann wars noch aan vun f rieht er.

ciciii vun xxiCLi.ici, Bei uns is äwe was ganz anneres modern. Leit, die 20 Johr und lenger verheirat sin, losse sich scheide. Es gibt Ortschafte um Darmstadt, do is des die reinst Ebbedemie. Komisch Welt nooch dem Moddo: Ehe off Zeit! „Wanns em Esel so wohl werd, geht* er offs Eis danze!“

Awwer wie ich aus dene amerikanische Eindrücke vernumme hab, is die Zahl der Ehescheidunge do iwwe a erschregaend hoch. Des ennert awer nix an der Feststellung, daß die Amerikaner viel freier, viel zutraulicher vun Mensch zu Mensch läwe, un sich net jeder um den kleenste Dregk vun seim Nachbar kimmert.

Trotzdem hots uns all beriehrt, wie unser Stadtowerhaubt abschließend erwehnt hot, er wollt doch liewer im zersteerte Darmstadt läwe un mithelfe, als off immer seujelos die Freuden reicher Staaten zu genieße

Dennoch wolle mir lerne aus de Vorzug annerer Völker, un ich mecht unsern Haubtfehler, den unser OwerbeuiemaasUr besonners unnerstriche hob, abschließend belichte:

Gift! Immer soll de Mensch im Läwe sich for alles intressiern, sunst haagt er gar oft denäwe un dhut sich am End blamiern. So is es schon seit aide Zeide „Wisse is bekanntlich Macht“ doch es gibt Perseenlichkeide die mit Allwissenheit bedacht.

Drum mecht ich an die erinnern denen ‘s krankhaft liest im Blut, die sich iwer alles kimmem was der anner macht un dhut.

Alles misse die ersaddern, alles was ringsum bassiert, un dann gehnse fort un schaddern was ihr „Opfer“ hot fixiert.

„Breicht die sich so rauszubutze wannse Sache eiholle geht? Breicht seil dauernd Kinos butze wo se ohne Mann dosteht?

Gibt's dozu die Kriegerrente? Gibt's dozu des Flichtlingsgeld? Wie soll des mit uns noch ende? So e grundverdorwe Welt ! !

Mußt' der sich's Modorrad kaafe? Misse die e Audo ho? Ich dhu a mei Lebdag laafe oder fahr mol Eiseboh.

So e Lauskrodd hot e Liebschaft, is noch feicht .hinner de Ohrn — naa, die Alde sin die Triebkraft sunst dehn ‘se dezwische fohrn ... !“ So werd jedermann entschleiert un die Umwelt schlecht gemacht, doch im Ernstfall stets beteiert: „Ich hab nie e Wort gesagt!“

Deshalb loßt die Tratschparole, mischt eich net in fremd Rev;er, unn eich sei des Wort empföhle: „Jeder kehr vor seiner Dier!“

Kimmert eich um eier Pflichte, loßt die annern Leit in Ruh — es Schicksal dhut schon jeden richte, ob des du bist oder du... ! Liesje

Neue Geschäftseröffnungen

Firma Kienzle

In diesen Tagen eröffnet die alteingesessene Firma J. Kienzle, Darmstadt, Liebigstraße 27,. im Hause Grafenstraße 21 zusätzlich einen Verkaufs- und Ausstellungsraum.

Die Firma J. Kienzle geht zurück auf die im Jahre 1832 gegründete Ofenfabrik A. Gaertler und ist seit 1885 im Familienbesitz. Den Erfordernissen der Zeit sich anpassend, hat die Firma ihr Arbeitsgebiet ständig erweitert. Sie ist heute mit ihren rund 60 Betriebsangehörigen einer der größten Betriebe ihrer Branche, dessen ständiges Arbeitsgebiet sich weit über Darmstadts Grenzen bis zum Main, Neckar und Rhein erstreckt.

Mit der Eröffnung des Ladengeschäftes in der Grafenstraße 21 wird das Geschäftsviertel im Zentrum der Stadt um ein weiteres altangesehenes Haus bereichert. Zweck des neuen Ladengeschäftes der Firma Kienzle ist, ihrer Kundschaft den Einkauf bequemer zu machen, als dies seither in ihrem Stammhaus in der Liebigstraße 27 möglich war, und eine noch reichere Auswahl zu bieten. Im neuen Ladengeschäft und Ausstellungsraum sowie im Stammhaus wird der Käufer eines Ofens wie auch der Interessent an Plattenbeschlägen immer fachmännischen Rat finden.

Firma August & Ludwig Schwab

Wiedereröffnet wird am 1. November das altbekannte Spezialgeschäft in Wäscheaussteuer August & Ludwig Schwab in dei’ Ernst-Ludwig-Straße 3 am Weißen Turm. Dieses Fachgeschäft wurde vor etwa 80 Jahren von den beiden Brüdern August und Ludwig Schwab in der Ernst-Ludwig-Straße gegründet, wurde von der Witwe Ludwig Schwabs, Frau Anna Schwab, bis zur Ausbombung deer Innenstadt weitergeführt. Frau Schwab kam bei diesem Angriff um. Nun hat Frau Gertrud Weiß, die 14 Jahre lang Mitarbeiterin der Firma war, die Initiative ergriffen und wird den guten Ruf der Firma weiter führen. DT.

Firma Jacob Hemmerich

Die Firma Jacob Hemmerich, ElvKtro-. Radio-, Motorengroßhandlung,Darmstadt. Rundeturmstraße 12—16, kann am 1. November ihr 40jähriges Geschäftsjubiläum begehen.

In dsn Jahren 1910 bis 1912, als die ersten Ueberlandwere gebaut wurden, hat Herr Hemmrich mit seinem Schwager Franz Engler in Bürstadt/Ried ein Eletro - Installationsgeschäft gegründet. 1913 trennte sich Hemmerich von seinem Kompagnon, um in Bensheim a. d. B. ein selbständiges Geschäft aufzubauen. Auch hier entwickelte sich das Spezialgeschäft für elektrische Anlagen gut, da in dieser Zeit die Ortschaften von Bensheim bis Lindenfels mit Strom versorgt wurden und die Firma dadurch ein reiches Betätigungsfeld fand.

Im Jahre 1921 kaufte Hemmerich in Darmstadt das Anwesen Rundeturmstraße 16. um sich hier dem Elektro-Großhandel und seiner Spezialabteilung „Elektrotechnik und Maschinenbau“ (Ankerwickelei) zu widmen. Der Betrieb entwickelte sich zufriedenstellend, wurde jedoch durch den zweiten Weltkrieg, in dem das Geschäftshaus zu 80 Prozent vernichtet wurde, zum Teil unterbrochen. Nach diesem Schicksalschlag hat Hemmerieh das Geschäft von neuem aufgebaut. Ein kleiner Gang durch seine Büros, Ausstelungs-, Lager- sowie seine Werkstatträume, die einen ausgezeichneten Eindruck machen, beweisen, daß hier seit der Ausbombung große Arbeit geleistet wurde. So ist der Geschäftsjubilar ein Vertreter des guten alten Kaufmanns- und Handwerkerstandes, dem wir alles Gute auch für die Zukunft wünschen.

Pxrofessor Schüler zur katholischen lugend

Zur Vorbereitung auf den Bekenntnistag der katholischen Jugend anläßlich des Christkönigsfestes am kommenden Sonntag sprach am Mittwochabend Prof. Schüler in der St. Fideliskirche. Er stellte seinem Vortrag voraus, daß jede Kundgebung, sei sie religiöser oder patriotischer Art, nur so viel nütze, als sie für die einzelne Person eine Vertiefung oder Anregung darstelle.

Das seit 22 Jahren in der katholischen Kirche gefeierte Christkönigsfest sei das Fest, unter dem man sich am wenigsten vorstellen könnte, weil an ihm kein historisches Ereignis gefeiert würde. Das Christkönigsfest rufe den Christen in einer verworrenen Zeit zu der Frage auf: „Ist mein Name als Christ Traditionssache oder hat er aus innerer Ueberzeugung in mir lebendiger Gestalt gewonnen?“ Die Gedanken auf das Christkönigsfest bezogen, forderte Prof. Schüler, der Christ solle nicht an dem Fest vorbeijonglieren, weil es eben immer wiederkehre, sondern sich ernst mit ihm auseinandersetzen und sich von ihm anregen lassen.

Das Schwein im Dkw.

Da hielt gestern, spät am Abend, ein Personenwagen vor unserer Geschäftsstelle. Der Fahrer wußte nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Denn da, wo sich eigentlich Fahrgäste in den Polstern räkeln sollten, hockte eine ausgewachsene Sau und fühlte sich augenscheinlich wohl.

Der Fahrer, Herr Karl Sporer aus Eberstadt, hatte das liebe Tierchen — eine Wucht von drei Zentner — auf der Straße zwischen Babenhausen und Dieburg friedlich am Straßenrand entgegentrollen sehen. I

Herr Sporer gab das Findlingskind gestern abend zu einem Schweinehändler in Pension und wartet nun auf den trauernden Eigentümer, um ihm klar zu machen, daß eine Transportversicherung— Versicherung ist Herm Sporers Beruf — keine schlechte Sache sei, denn aus einem Transportwagen scheint sie sich selbständig gemacht zu haben, die Sau.

In der Stadt notiert

Altmetall stahl und verkaufte von Trümmergrundstücken und aus dem Lager seines Chefs ein 27jähriger Klempner aus Darmstadt. Das Schnellgericht quittierte im die Sache mit vier Monaten Gefängnis.

Einen Familienspaziergang unternimmt am Sonntag, dem 29. Oktober, um 14 Uhr ab Böllenfalltoi? der MGV. „Liederk ran z“ zu seinem Mitglied Scherer nach Traisa.

Ein Laienspiel von Maria Meinzolt, „Das Brot des lieben Gottes“, führt am Sonntag, dem 29. Oktober, um 17 Uhr in der Stadtkirche die Jugend der evangelischen Stadtkirchengeminde auf. DT.

Das Verwaltungsseminar Darmstadt wird im Winterhalbjahr weitere Fortbildungskurse für Beamte und Angestellte abhalten. Insbesondere werden beamtenrechtliche Fragen und die neue Gemeindeordnung auf der Tagesordnung stehen.

Der Hygiene-Lichthof wurde im September von 1332 Personen. besucht. Im Oktober stieg die Besucherzahl auf 1537. Vor allem Kinder zeigten für die Ausstellung bis jetzt größtes Interesse. Die Ausstellung wird noch ein Vierteljahr geöffnet bleiben. t-s.

Mit seinem Anhänger streifte gestern morgen der Fahrer eines in Richtung Griesheim in die Rheinstraße fahrenden Lastzuges eine Straßenbahn der Linie 9, als er sich zwischen der in gleicher Richtung fahrenden Straßenbahn und einem parkenden Pkw. hindurchdrängen wollte. An dem Motorwagen der Straßenbahn entstand Sachschaden.

Der Fahrer eines Pkw. wurde verletzt, als seinen in der Rheinstraße geparkten Wagen gestern ein in Richtung Luisenplatz fahrender Lkw. überholen wollte und ihn dabei streifte. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

Bereitschaftsdienste

Apotheken-Sonntags- und -Nachtdienst (vom 28. 10., 13 Uhr bis 4. 11., 8 Uhr): Darmstadt: Apotheke am Justizpalast, Bismarckstraße 17 (Tel. 636) und Hirsch-Apotheke, Niederramstädter Straße 21 (Tel. 3926). Da-Eberstadt: Alte Eberstädter Apotheke, Oberstraße 10 (Tel. 219). Da-Arhejlgen : Goethe-Apotheke, Darmstädter Straße 65 (Tel. 2022). Zahnärztlicher Sonntagsdienst von 10—12 Uhr): 29. 10.: Zahnarzt Link, Darmstadt, Moosbergstraße 10. Sonntagsdienst der Dentisten (von 10 bis 12 Uhr: 29. 10.: Dentist Otto Darmstädter, Heidelberger Straße 73.

Die Sendeprogramme vom 29. Oktober bis 4. November 1950

Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)

Mittelwelle: 208,47 m (1439 kHz)

UKW-Sender: Feldberg 92,9 MHz, 3-m-Band

Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonjitag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der

hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.

Sonntag, 29. ükt.

6.00 Morgenständchen 5.30 J 7.20 Frühkonzert 6-40 f 8.15 Aus dem religiösen Leben 7.15 I 8.30 Katholische Morgenfeier 8.15 J 9.15 Wie meistern Flüchtlingsfrauen 9.00 l ihr Leben? 11.15 f 9.30 „In den Seelen wohnet Gott“ l 10.00 Barockmusik J2ßa ? 10.30 Frankfurter Gespräch 13.00 f 11.15 Unterhaltungskonzert 14.00 1 13.00 Musik nach Tisch r 14.30 „Die Heinzelmännchen von 14.15 , Köm“ * 15.00 Ihnen gesagt ... 15-45 1 aus d. Tagebuch Ihres Senders 16.00 1 15.15 Die Stunde des Choigesangs 16.45 , 15.45 Der gemeinsame Weg 1 16.00 Sport und Musik ; 17.00 Tanztee mit Willy Berking 17.00 1 17.45 Ortenberger Marktgeschichten 1800 ' 18.00 Orchester der Welt 1 20.00 Zauber der Melodie oi , 22.10 Sportberichte 41.10 22.25 Die Tücke des Objekts 41.45 i 23.10 Tanzmusik 22.15 i 23.00 I 23.15 ’

Montag, 30. Oki.

Musik für Frühaufsteher 5.30 Morgenständchen 6.45 Frühkonzert 7.15 Morgenmusik 8.15 Unterhaltungsmusik 9.00 Schulfunk 10.00 Auf der Insel Pellworm Musik zur Unterhaltung 11.15 Musikalisches Allerlei Kleine Anzeigen der Hessen- 12.00 rundschau, anschl. Musik 13.00 Schulfunk 14.00 Hessische Schüler musizieren Deutsche Fragen 14.15 Frühwerke großer Meister „Der Landstreicher und die 15.45 Frau“ und 16.00 „Die Alte und der Fisch“ 17.00 Klingende Landschaft 17.15 Vom Völkerbund zur UN 18.00 Das kleine Ensemble Afrikanische Hochzeit, Hörspiel 18.15 Unterhaltungsmusik von heute 18.25 Problem der deutschen Politik 20.00 Lieder und Kammermusik der 21.00 Klassik und Romantik 22.15 Briefmarkenplauderei Willy Berking spielt zum Tanz

Dienstag, 31. Okt.

Musik für Frühaufsteher 5.30 Gymnastik 6.45 Frühkonzert 7.15 Morgenmusik 8.15 Unterhaltungsmusik 9.05 Übertragung eines Schul- 9.10 gottesdienstes 11.15 Schulfunk Hessische Schüler musizieren 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musik nach Tisch 13.10 Kleine Anzeigen 14.00 der Hessenrundschau Schulfunk 14.15 Draußen vor der Tür Deutsche Fragen 14.45 Alte Arien 15.05 Bücherstunde 15.25 Nachmittagskonzert 15.45 Was will die Evangelische 16.00 Frauenhilfe? 16.15 Gewerkschaftsfunk 17.00 Unterhaltsame Hausmusik 17.15 Populäres Opernkonzert 18.00 In diesen Tagen 18.20 Das Abendstudio 20.00 21.40 22.15 23.00

Mittwoch, 1. Nov.

Musik für Frühaufsteher * 5.30 Morgenständchen 6.45 Frühkonzert 7.15 Volkstümliche Klänge 8.15 Fünf Minuten Außenhandel 9.00 Werke von Schubert und Liszt 11.15 Schulfunk Draußenv or der Tür 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 14.00 Musik nach Tisch Eric Faul Stekel: 4 Lieder von 14.15 „Vergessen und Tod“ 15.05 Schulfunk Paul Eipper erzählt 15.30 Musik an zwei Klavieren 15.45 Musikalisches Intermezzo 16.00 Hoppla, die Purzel sind da 16.50 Deutsche Fragen 18.00 Der Dichter und sein Werk Nachmittagskonzert ' 18.30 Aus der Landeshauptstadt Geistliche Chormusik 20.00 Für unsere Studierenden 21.00 Musik zur Dämmerstunde 21.10 öffentliches Sinfonie-Konzert 21.30 Unsere Tochter Virginia Was gibt es Neues? 22.15 von Bühne und Film 22.45 Serenade vor Mitternacht 23.15

Donnerstag, 2. Nov.

Musik für Frühaufsteher 5.30 Morgenständchen 6.45 Frühkonzert 7.15 Morgenmusik 8.15 Unterhaltungsmusik 9.00 Schulfunk, Paul Eipper erzählt: 9.55 : Wie besuche ich einen Zoo? Musik am Mittag 11.15 Musik nach Tisch 12.00 Kleine Anzeigen der Hessen- 13.00 rundschau, anschl. Musik 14.00 : Schulfunk: Die 14 Punkte 14.15 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 15.45 Dem Gedächtnis der Toten 16.00 Deutsche Fragen 16.45 ! Konzert . 17.00 i Was Frauen interessiert 17.40 Hörerlieblinge 18.00 Es singt Heinrich Schlusnus 18.15 k Eine halbe Stunde mit Vasa 20.00 : Prihoda und Julian v. Karolyi i Frankfurt im Herbst 21.00 1 Blick auf Europa 21.10 i Aus der Vatikanstadt Heinz Schröter spielt Klavier- 22.15 : musik i Den Freunden der Dichtung 23.00 , „Wenn ich allein bin“ 23.25 ' Musik vor Mitternacht

Freitag, 3. Nov.

Musik für Frühaufsteher 5,30 Gymnastik e.4Ö Frühkonzert Morgenmusik 7.15 Unterhaltungsmusik 3'15 Kleine Anzeigen der Hessen- 9.00 rundschau 11.15 Schulfunk: Die 14 Punkte Musik zur Unterhaltung 12.00 Musikalisches Allerlei 13.00 Kulturelle Wochenschau 13.40 Schullunk 14.00 Das Heidelberger Schloß Deutsche Fragen 14.15 Klassische Kammermusik 15.00 Für junge Menschen Rhythmische Klänge 15.15 „Am Rande bemerkt“ 15.45 Funk-Feuilleton 16.00 Konzert für die Jugend 17.00 Zehn Mädchen und kein Mann 18.00 Operette von Suppe In diesen Tagen 18.15 Orchesterkonzert mit Werken 20’00 von Alfredo Casella 21.30 Schöne Stimmen, schöne 22.10 Melodien 22.20 „Pariser Spaziergang“ 23.00 Tips für Plattensammler

Samstag, 4. Nov.

) Musik für Frühaufsteher T Sportvorschau Morgenständchen 5 Frühkonzert 5 Volkstümliche Klänge I Unterhaltungsmusik > Schulfunk Rot — Gelb — Grün ) Musik zur Unterhaltung I Musikalisches Allerlei I Sportvorschau ) Kleine Anzeigen der, Hessenrundschau > Klingendes Wochenendbrevier ) Durch die weite Welt Lappland > Volkstümliches Wissen > Deutsche Fragen ) Der Wunschzettel ) Zur Unterhaltung I Recht für jedermann „Tierquälerei“ > Fröhlich und herzhaft I Funkkarussell ) Seid mir nicht gar zu traurig! l Sportergebnisse ) Musikalisches Kabarett ) Tanz zum Wochenende

Südwestdeistscher Rundfunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz)

(Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr

12 20 Blasmusik 13-30 Musik nach Tisch 14 00 Ich schreibe einen Schulaufsatz 14’15 Frohe Melodien 15’30 Viel Musik und wenig Worte 17 00 Sinfoniekonzert 18 30 Snortberichte vom Sonntag 19 20 Deutsche Volkslieder 20 00 Das Südwestfunk-Unterhaltungs-Orchester 21 30 Bekannte Künstler und Klänge 2215 Snort und Musik am Sonntag- 2’ abend 23.00 Fröhlicher Ausklang!

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Tanztee 16.30 Literatur der Landschaft „Carl Zuckmayer“ 17.00 Solistenkonzert 18.20 Aus der Welt des Sports 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Walzerklänge 20.45 „Der Freischütz“ Oper von Carl Maria v. V 22 20 Klaviermusik 22.30 Nachtstudio 23.00 Musikalisches Kabarett

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Für die Schuljugend Von Schelmen und Käuzen 15.15 Sang und Klang im Volkston 16.00 Sinfoniekonzert ; 17.00 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Volksmusik und Chorgesang 20.30 Hörspiel „Santa Cruz“ Weber 22.30 Nachtstudio, Werke von Johann Sebastian Bach 23.30 Musik zum Tagesausklang

12.20 Mittagskonzert 13.15 Sinfoniekonzert 14.15 Kleines Konzert 15.00 Mystiker am Oberrhein 15.30 Musik zur Unterhaltung 17.00 Das Südwestfunk-Unterhaltungs-Orchester 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Rom. Die Verkündigung des neuen Mariendogmas 21.00 Mozart: Requiem 22.20 Sport am Feiertag 23.00 Geistliche Musik

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 15.45 Lyrik der Zeit 16.45 Vom unbekannten Menschen 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Lieder von Brahms und Pfitzner 20.40 Schubert: Sinfonie Nr. 8 in h-moll (Unvollendete) 21.00 Nachtstudio Stationen des Lebens 22.30 Haydn: Streichquartett op. 51 23.35 Musik zur Nacht

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Musik am Nachmittag 16.00 Solistenkonzert 16.45 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Die großen Meister Bruckner: Sinfonie Nr. 4 22.30 Nachtstudio Werke von Serge Prokofieff 23.20 Vom Sinn des Glücks

12.20 Mittegskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Allerhand Schlager 15.00 Aus der Welt der Oper 16.30 Unser Samstagnachmittag 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Unser Samstagabend „Jahrgang 1950“ 22.15 Sportrundschau 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! 0.10 Tanzmusik von Schallplatten

Süddeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 523 m (574 hHz)

(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)

Nachrichtensendungen: 5,20, 6.55, 7.55, 9.00,.12.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr

12.00 Musik am Mittag 12.00 1 13.00 Streichorchester 15.00 : Heinz Hoffmann-Glewe 16.00 1 15.00 Nachmittagskonzert 17.00 1 16.00 „In Dur und Moll“ 18.25 , Die Rundfunktanzkapelle 20.05 i 17 00 Pioniere des Hörspiels: Oskar Wessel: „Nacht am Berg“ 21.15 17.45 „Kammermusik" 22.05 18.25 Das George-Melachnno- 22.45 Orchester 20.05 „Jolanthe“ Lyrische Oper 23.15 von Peter Tschaikowsky 22.20 Im Rhythmus der Freude

Musik am Mittag 12.00 1 Schulfunk, Erdkunde 15.00 ! Nachmittagskonzert 1 Konzertstunde • 16.00 1 Musik zum Feierabend 17.15 1 Musikalische Abendunterhai- 18.20 l tung 19.30 i Neue Schallplatten 20.05 . Zeitgenössische Musik 21.00 1 Otto Flake zum 70. Geburts- 22.05 1 tag 22.45 Liederstunde

Musik am Mittag 12.00 Schulfunk 13.10 Dichter sehen die Welt 14.05 Nachmittagskonzert 15.00 Kleines Konzert 16.00 Klänge der Heimat 16.20 Mensch und Arbeit 17.15 Aus deutschen Opern 18.20 Kennen Sie eigentlich Knigge? 20.05 Die Rundfunktanzkapelle 20.35 Verklungen sind des Sommers frohe Lieder

I Musik am Mittag 12.05 1 ) Lieder unserer Heimat 15.00 l » Unterhaltungsmusik I ) Schulfunk 16.00 1 ) Von Dichtern und Dichtung 18.25 5 ) Konzertstunde 20.05 1 > Volksweisen aus aller Welt 21.00 1 I Musik zum Feierabend 21.55 1 5 „Die letzte Tat“ Ein Hörspiel 22.05 ! > Ludwigsburger Schloßkonzert 23.00 1

Musik am Mittag 12.00 Schulfunk 15.30 Deutsche Landschaft im Lied 16.00 Kaffeestunde für die Hausfrau 17.00 Schöne Opernmelodien 18.30 Eine besinnliche Stunde 20.05 Anton Bruckner, Messe e-moll 21.10 Blick auf Europa 22.05 Sigrid Onegin 22.45 D Wunder einer Stimme 23.15 Das Orchester Mario Traversa-Schoener

Musik am Mittag 12.00 Kinderfunk, Musik für Kinder 15.00 Nachmittagskonzert 16.00 Froh und heiter 16.45 Musik zum Feierabend 17.15 Großes Operetten-Konzert 18.20 Organismus Großstadt 20.05 Tanzmusik 20.45 Die Schmunzelecke Zur Unterhaltung 22.05

Musik am Mittag Unsere Volksmusik Nachmittagskonzert Filmprisma Zum Fünf-Uhr-Tee Kleines Konzert Frohes Raten — Gute Taten Wie Sie wünschen Eine MeSodienfolge Schöne Stimmen

Nordwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 309 m (971 kHz)

; (Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)

Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr 12,45, 16.45, 19.45, 21.45 24.00 Uhr

12.00 Sang und Klang 15.00 Was Ihr wollt 17.30 Das große Hamburger Runafunk-Orchester 18.00 Meisterwerke der Musik 20.05 Die lockende Flamme Ein romantisches Singspiel 22.55 Zur Nacht, Francis Thompson: Korymbus auf den Herbst 23.05 Tanzmusik

12.00 Musik am Mittag 14.15 Musik an zwei Klavieren 15.40 Unterhaltungsmusik 16.50 Kammermusik von Carl Loewe 18.00 Gut aufgelegt 20.00 Tanzabend 22.15 Fische im Netz. Hörspiel 22.50 Tanz- und Unterhaltungsmusik

12.00 Sang und Klang 13.20 Musik am Mittag 14.45 Vier Lieder aus dem deutschen Psalter 17.00 Kammermusik 18.00 Meisterwerke der Musik 20.00 Sinfoniekonzert 22.45 Orchesterkonzert 23.15 Musikalisches Nachtprogramm

12.00 Orchesterkonzert 14.00 Unterhaltungskonzert 15.30 Werke alter Meister 16.30 Klassische Orchestermusik 20.00 Chorkonzert 23.15 Nachtprogramm

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Kammermusik 15.40 Orchesterkonzert 16.50 Lieder von Franz Schubert 18.00 Kleine Stücke großer Meister 20.00 Orgelmusik 22.15 Orchesterkonzert 23.00 Nachtprogramm

12.00 Mittagsmusik 14.15 Musik nach Tisch 16.50 Johann Christian Bach und Karl Fr. Abel 18.00 Fröhlich erschallt die Jagd 18.30 Das Große Hamburger Rundfunkorchester 20.45 Wie es euch gefällt 23.00 Der nachgelassene Roman Elisabeth Langgässers

12.00 Frohes Wochenend 13.20 Mittagskonzert“ 14.00 Wochenend und Sonnenschein 15.30 Chormusik 16.00 Bunter Nachmittag 20.00 Ein Tanzabend für jung und alt 22.15 Sinfoniekonzert 22.50 Melodie und Rhythmus

STARKENBURG

Besinnliches zum Sonntag

Merkwürdig, wieviel Menschen jetzt von der Schönheit des Waldes, dem goldgelben Laub, den roten Beeren der Eberesche u, a. schwärmen. Das Bunte des Erscheinungsbildes hat es ihnen angetan. Bedenken sie aber auch, daß in dieser Herbstpracht ein Stück Dasein stirbt?! Der moderne Mensch lebt — so will es mir scheinen — mehr als die alten Generationen vom Augenschein als von Andacht! Darin ist wohl auch der Grund zu suchen für die Tatsache, daß wir oft so wankelmütig sind. Das einzig Konstante: der stete Wechsel der Daseinsformen, die sich immerfort ablösenden Bilder unserer Umwelt beeindrucken uns für den Augenblick, lassen uns gar zu leicht das Hintergründige vergessen, so daß wir von einer Stimmung zur anderen, ja von einer Enttäuschung zur anderen getrieben werden. ,

Zweifellos ist das ein großes Hindernis für die echte Charakterbildung, für die Entstehung einer festen Wesensart und die Gewinnung eines eigenen Standpunktes. Und wenn zu alledem dann noch eine schreiende Reklame, eine mit Vehemenz trommelnde Propaganda tritt, dann ist es fast aus mit der Gestaltung eines persönlichen Urteils.

Soll man diese Erscheinung auf sich beruhen lassen und mit einer lässigen Handbewegung sagen: „So ist es nun einmal, da läßt sich halt nichts ändern!“? Eine solche Denkart wäre vielleicht in richtigen, festgefügten Zeitverhältnissen zu entschuldigen. Heute aber, wo die ganze Ordnung menschlichen Zusammenlebens ins Wanken geraten ist, wo wir wie auf einem Vulkan leben, dessen Ausbruch stündlich erfolgen kann, ist nichts notwendiger als ein innerer Halt, aus dem eine positive äußere Haltung entstehen kann.

Halt und Haltung gewinnt man nur durch Andacht. Das heißt, man denkt daran, daß all das natürliche, geschichtliche und persönliche Geschehen schon einmal durchdacht und deshalb bestimmt ist von dem, bei dem kein Wechsel noch Veränderung zwischen Licht und Finsternis ist, bei dem Einzigen, Lebendigen, Ewigen, Heiligen — bei Gott. Von seinem Geist hat ja der Mensch als alleiniges Stück der Kreatur Geist übertragen bekommen. Wenn wir uns dieses Ursprunges stets bewußt bleiben, sehen wir nicht nur eine bloße Bilderfolge, sondern dahinter die Hand und die Besinnung des ewigen Lenkers. Solche Erkenntnis gibt das Gefühl einer letzten Geborgenheit. Christus hatte sie immer. Wir könnten sie auch haben. Andacht. M.

Peinliche Reden auf offener Bühne

Einwohner-Versammlung in Ober-rßamstadt

Der Aufruf des Ober-Ramstädter Bürgermeisters zu einer Einwohnerversammlung hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Etwa 400 Personen wollten auf berufenem Munde Fragen des Gemeindeetates, der Brennholzversorgung und der Wohnraumbewirtschaftung, außerdem Antworten auf Fragen hören, die das Bürgerforum in seiner letzten Zusammenkunft gestellt hatte. Neben Mr. Goetscheus und Herrn Kollmannsperger war Landrat Gg. Wink als Gast erschienen.

Bürgermeister Frankenberger war der Ansicht, daß der von allen drei im Gemeindeparlament sitzenden Fraktionen angenommene Voranschlag für 1950 die Gemeinde nicht sorgenfrei leben lasse, obgleich Einnahme- und Ausgabeseite ausgeglichen seien. Durch den Rückgang der ansässigen Industrie- und Gewerbebetriebe im Frühjahr entstand eine Lücke im Gewerbesteueraufkommen, das sich sehr nachteilig aus der Einnahmeseite im Haushaltspflan der Gemeinde auswirke. Demzufolge mußten an vielen Haushaltsstellen Abstriche vorgenommen werden, die die Verwaltung überall hemmen.

Zur Brennholzversorgung erklärte der Bürgermeister, daß die Gemeinde sich für Versteigerungen oder Ausgabe auf Bestellung festlegen könne. Jedoch schlage er wie im Vorjahr die Ausgabe von Brennholz auf Bestellung vor, da sich nicht jeder Verbrauchei- an der Versteigerung finanziell beteiligen könne. Das Wohnungswesen müsse leider immer noch durch die Gemeindeverwaltungen mitgeregelt werden. Außerdem skizzierte Bürgermeister Frankenberger die Arbeit der Wohnungskommission und appellierte an die Hausbesitzer, mehr Einsicht gegenüber den zugewiesenen Mietern und der Verwaltung walten zu lassen. Viele Besucher waren anschließend auf die Beantwortung der vom Forum gestellten Fragen gespannt. An der Diskussion beteiligte sich als der Resident Officer. Mr. Goetscheus, der den Besatzungsgeschädigten seinen Wunsch unterbreitete, sie im Frühjahr wieder ihre Häuser beziehen sehen zu können. Der Vorsitzende des Forums. Hans Aria i m. beleuchtete manche Dinge, die an und für sich nicht zur Diskussion stan-

den. nicht sehr objektiv. Zweimal mußte er wegen Unruhen seine Rede unterbrechen.

Landrat Wink betonte, daß das demokratische Staatswesen jedem Menschen das Recht der Kritik gebe, aber er werde sich gegen solche Leute wehren, die den Staat verächtlich zu machen versuchten und Dinge behaupten oder beurteilen. die sie nicht verstehen oder miterlebt haben. Er wandte sich damit an seinen Vorredner, der vor zwei Jahren in Ober-Ramstadt in einer Flüchtlingsversammlung sprach, die durch Landrat Wink abgebrochen wurde, worauf Arnim noch in der gleichen Nacht in die Tschechei flüchtete.) Trotzdem gab der Landrat ausführlich über die gestellten Fragen Auskunft.

Abschließend wünschte der Bürgermeister. daß die Bürger der Gemeinde noch lange in Freude und Gemeinschaft zusammenleben mögen, gleich wer der Gemeinde bevorstehe. D.

Was aǔch interssiert:

Mit dem Arm unter ein Rad seines Wagens kam ein Landwirt aus R a i - B r eite nba c h , als er von seinem Pferdefuhrwerk während der Fahrt absteigen wollte. Er zog sich erhebliche Verletzungen, zu. hm

Eine großzügige Bücherspende wurde durch das Amerikahaus Darmstadt dieser Tage dem Kulturkartell Pfungstadt übermittelt. Zur Förderung und Vertiefung der Arbeit hatte man technische, -wissenschaftliche und philosophische Werke ausgewählt und der Städtischen Bücherei zur Aufbewahrung übergeben.

Durch eine Treibjagd mit Besatzungsangehörigen wurde dieser Tage im Gemeindewald Harreshausen ein drei Zentner schwerer Keiler geschossen. NB

Einen Gedenkstein für ihre Gefallenen, für bei der Aussiedelung Umgekommene und in der neuen Heimat Verstorbene planen die Heimatvertriebenen der Gemeinde Dornheim nach dem Beispiel Worfeldens. Die Gemeindevertretung beschloß, den Platz für einen solchen Stein auf dem Friedhof zur Verfügung zu stellen. eng

In letzter Minute konnte ein Kind aus Hüttenfeld vor dem Tode des Erstikkens gerettet werden, das beim Spielen in eine Jauchegrube gefallen war. el

Der 10 000. luftbereifte Schubkarren der Firma J. Faulstroh in Groß-Gerau wurde in einer Betriebsfeier unter den Werksangehörigen verlost. Der glückliche Gewinner war Werkmeister Gg. Scheuermann, Crumstadt. Bemerkenswert ist, daß die Produktion der Schubkarren erst seit dem Frühjahr dieses Jahres läuft. -th-

Für das Amt des Dekans im neugegründeten Dekanat Reinheim wurden der Kirchenleitung vorgeschlagen: Pfarrer Baumann, Reichelsheim, Pfarrer Rudolf Krämer, Groß-Bieberau, und Pfarrer Otto Bopp, Fränkisch-Crumbach. Nach Stellungnahme der Kirchenleitung wird die Wahl des Dekans und des Dekanstellvertreters demnächst von der Synode vollzogen, se

DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenendreportage“

Was hat der Schweißfuchs mit Musik zu tun?

Hunderte von Pferde- und Kuhschwänzen wandern täglich in die Haarzuri chterei Besuch in einem der größten Betriebe Westdeutschlands in Bürstadt

Aus kleinen Anfängen heraus hat der Gründer und Seniorchef Georg Franz die Bürstädter Haarzurichterei Franz & Brenner in nunmehr 25 Jahren zu dem werden lassen, was sie heute ist: einer der größten Betriebe dieser Art im Bundesgebiet. Mit einer Belegschaftt’von annäherml dreißig Personen wird die normal bei etwa 40 kg versandfertigen Haares pro Tag liegende Kapazität z. Zt. in dem auf Hochtouren laufenden Betrieb durch Ueberstunden noch bedeutend gesteigert.

Ballen an Ballen reiht sich in den Lagerräumen und alle enthalten Roßhaar aus den verschiedensten Teilen der Welt. Die, größere Hälfte der Verarbeitung machen jedoch die Kuhhhaare aus. Die Zurichtung besteht aus mehreren, teilweise komplizierten Arbeitsgängen, die aber auf Grund der modernen technischen Einrichtung des Betriebes wenig Schwierigkeiten bereiten. Täglich marschieren sie auf, die vielen Hunderte von Pferde- und Kuhschwänzen und nehmen ihren Weg zunächst in die Wäscherei. Während Roßhaar von vornherein verhältnismäßig sauberer geliefert wird, muß von den Kuhschwänzen meist noch vor dem Waschen der grobe Dreck entfernt werden. Nach der Wäsche sortieren fleißige Hände die Haare je nach Art und Länge zu kleinen Bündeln. Dann erfolgt das Kochen und Färben. Alles Rohmaterial nämlich, das nicht von Natur schon schwarz ist, wird schwarz gefärbt. Die nächste Station bildet der Trockenofen. Die mit Bindfaden umwickelten, spindelförmigen Haarbündel werden hier bei einer Temperatur von 80—100 Grad getrocknet.

Nur ganz wenige, besonders helle Roß-

haare von Schweißfüchsen oder Schimmeln, werden zu Beginn aussortiert und dann gebleicht statt gefärbt. Sind sie über 75 Zentimeter lang, so finden wir sie meist auf Geigenbögen wieder. Gewöhnlich jedoch verarbeitet der Besen- und Bürstenbinder diese blütenweißen Roßhaare als Verzierungen oder Monogramme mit den schwarzen zusammen. Durch das Kochen und anschließende heiße1 Trocknen erhalten die von Natur weichen Und biegsamen Haare eine größere Stabilität, die sie wie feinste Stahldräthchen federn läßt. Der Fachmann sagt: Das Haar ..springt“. Die umwickelten Bündel springen wirklich förmlich auf, wenn sie geöffnet und durch die großen feststehenden Kämme gezogen werden. Die grob zugeschnittenen, einzelnen Längensortimente wandern dann in die Mischmaschine. Da gerade, wie beim Menschen, auch bei den Tieren die Haarstärke individuell verschieden ist, müssen die Haare gemischt werden. Ist dies geschehen, so werden sie zu Bündeln genormt, verpackt und an beiden Seiten mit einer Schermaschine glattgeschnitten. Das versandfertige Haar geht zur Weiterverarbeitung außer an die Besen- und Bürstenfabriken auch an viele Blindenorganisationen.

Aus der Kriegs- und Vorwährungszeit, in der fast ausschließlich Kunsthaar verarbeitet wurde, hat sich bei der Firma wegen Arbeitsmangels in der Haarzurichterei bis, heute die eigene Besen- und Bürs.tenbinderei erhalten, die aber jetzt nur noch zur Beschäftigung des Personals an stillen Tagen in Betrieb ist. Trotzdem muß man erstaunt feststellen, wie gut und vielseitig jede Arbeitskraft ausgebildet ist. Der Chef kann sich auf seine Belegschaft voll und ganz verlassen, denn jeder ist in der Lage, den anderen auf dessen Platz zu vertreten. Mit ihrem über ganz Westdeutschland zerstreuten Kundenkreis aber hat die Bürstädter Haarzurichterei in 25jähriger steter Aufwärtsentwicklung dem Namen der Gemeinde weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus zu Klang und Geltung mitverholfen. bb.


Thilipp G. beim Wickeln einer „Haarspindel“ für den Trockenschrank (links). — Walter M. nimmt die Haare aus der Mischmaschine heraus (rechts).
Thilipp G. beim Wickeln einer „Haarspindel“ für den Trockenschrank (links). — Walter M. nimmt die Haare aus der Mischmaschine heraus (rechts).

Frau Anna B. macht die bereits gepackten Haarbündel versandfertig, indem sie diese nochmals mit der Maschine an beiden Seiten glattscheert Fotos (3): pdr
Frau Anna B. macht die bereits gepackten Haarbündel versandfertig, indem sie diese nochmals mit der Maschine an beiden Seiten glattscheert Fotos (3): pdr

Ahtuelles zwischen gestern und heute

Neue Sittlichkeitsverbrechen

Wie gestern bekannt wurde, ist der 49jährige Feilenhauer W. L. aus Pfungstadt wegen Sittlichkeitsverbrechen, die er an minderjährigen Kindern begangen haben soll, festgenommen worden. Er wurde dem Amtsgericht Darmstadt zugeführt, das Haftbefehl erließ. Polizeiliche Ermittlungen dauern noch an. Wie ferner verlautet, soll gestern auch in Seeheim eine Festnahme erfolgt sein. Auch hier handele es sich um einen Sittlichkeitsverbredier. wst.

Eine zweifelhafte Existenz

Acht Monate Gefängnis verhängte der Schnellrichter in Darmstadt gegen einen 42jährigen Mann, der — am 5. Oktober aus dem Darmstädter Gefängnis entlassen — beim Betteln 140 DM aus einem Nachttisch gestohlen hatte. Unbemerkt warer in das Schlafzimmer eingedrungen. Da der Mann mehr als zweifelhafte Angaben über seine Herkunft machte, leitete der Richter auch ein Personenfeststellungsverfahren gegen ihn ein. So stand der 42jährige. der aus Ostpreußen stammen will, in Köln als Doktor med. vet. vor dem Kadi, in Karlsruhe war er „westpreußischer Großgrundbesitzer“ und an anderer Stelle „Herr Leutnant“. Von seinem Vater berichtete er einmal, daß ihn die Russen verschleppt hätten, ein andermal, daß er ihn überhaupt nicht gekannt hat. Das Todesdatum seiner Frau gab er ebenfalls bei seinen Vernehmungen sehr unterschiedlich an. Vielleicht lüftet sich eines Tages jene Maske, hinter der sich der Angeklagte geschickt zu verbergen weiß.' wst.

30 „Schulschwänzer“ vor Gericht

Beim Amtsgericht Lampertheim wurde am Donnerstag gegen 30 aus Ortschaften des Südrieds stammende berufsschulpflichtige Jungen (24) und Mädchen (6) verhandelt, die mehrere Male, teilweise sogar ununterbrochen seit Monaten den Unterricht „geschwänzt“ hatten. Während die meisten mit einer Verwarnung davonkamen, wurden den „schwereren Fällen“ tageweise Arbeiten für ihre Gemeinden auferlegt und im Rückfall Haft in Aussicht gestellt. bb.

70jähriger Jugendverderber

Einen bereits 70 Jahre alten Rentner aus Offenbach verurteilte gestern die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wegen Unzucht zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Durch kleine Geldgeschenke hatte der alte Mann Buben von elf bis vierzehn Jahren in Anlagen oder in seine Wohnung gelockt, um sich dann in unzüchtiger Weise an ihnen zu vergehen. Infolge seines Alters und eines dadurch verursachten krankhaften Triebs wurde ihm der Schutz des § 51, Absatz 2 (verminderte Zurechnungsfähigkeit), zugebilligt.

Die Kammer, die unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hahn stand, ordnete neben der ausgesprochenen Strafe eine anschließende Unterbringung des Angeklagten in eine Heil- und Pflegeanstalt an. Wegen gleicher Vergehen war der Angeklagte bereits in früheren Jahren zu erheblichen Strafen verurteilt worden. wst.

Quittierte Fahrerflucht

Als ein besonders Tücksicht- und gefühlloser Motorradfahrer erwies sich ein Metzgermeister aus der Gegend von Friedberg, der sich Mitte dieser Woche vor dem Amtsrichter in Groß-Gerau zu verantworten hatte.

Mit einem Beifahrer hatte er eine Weintour unternommen. Im angetrunkenen Zustand streifte er eine Mädchengruppe, schleuderte ein junges Mädchen mit seinem Motorrad auf das Straßenpflaster und fuhr weiter. Der Arzt stellte eine schwere Gehirnerschütterung fest. Ein Jeep-Fahrer stellte den Besitzer des Fahrzeuges, dem seine Fahrerflucht mit einer sechswöchigen Haft und einer Geldbuße von 150 DM quittiert wurde. -au¬

Gefährlicher „Fischzug“

Ein Säuberungskommando, das gegenwärtig den Neckar nach versenkter Munition und Waffen absucht, förderte bei Neckarsteinach scharfe Munition, eine Anzahl Panzerfäuste und gestern in der Nähe der Hirschhörner Schleuse sogar einen Blindgänger von drei Zentnern zutage. wl

Hochstapler entführten Auto

Am 21. Oktober erschienen bei einer Autovermietung in B e n s h e i m-A u e rbach zwei junge Männer, die sich als amerikanische Studenten ausgaben und ein Auto für einen halben Tag mieteten. Da die beiden jedoch am gleichen und auch am folgenden Tag nicht zurückkamen, erstattete der Besitzer des Fahrzeugs Anzeige bei der Polizei. Durch sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen konnten die beiden Ausreißer noch an der tschechischen Grenze festgenommen werden. Wie es sich herausstellte, handelt es sich um zwei Jugendliche im Alter von 19 und 20 Jahren, die bereits anderweitig strafbare Handlungen begangen haben. HB.

Ueber 4000 dz Zuckerrüben

In der diesjährigen Kampagne des Werkes Groß-Gerau der Süddeutschen Zucker-AG sind bisher 413 779 dz Zuckerrüben durch Eisenbahn, Lastzüge und Pferdefuhrwerke angeliefert worden. Die Verarbeitung ging ohne Hemmungen gut voran. Die Ausbeute ist in einem Bericht des Landwirtschaftsamtes Groß-Gerau allerdings schlecht eingestuft: Der Zuckergehalt betrüg bisher 14,98 Prozent.

Für Zuckerrübenanfuhr aus dem Kreisgebiet bestand bis Donnerstag eine zehntägige Sperre, die die Zuckerrübenanbauer veranlassen sollte, die Rüben noch bis zum Abruf in der Erde zu lassen, da die Rüben an Zuckergehalt verlieren, wenn sie länger lagern müssen, ehe sie verarbeitet werden. eng

„Kreuzzug für die Freiheit“

Das Realgymnasium Michelstadt veranstaltete in den Capitol-Lichtspielen in Anwesenheit von Bürgermeister Wöben und zahlreicher Angestellter der öffentlichen Betriebe eine Gedenkstunde aus Anlaß des „Kreuzzuges für die Freiheit“. Nach einer Einleitung von Oberstudiendirektor Dr. Mohr, einigen Gedichten und der von Schülern der Oberstufe vorgertagenen Trio-Sonate Nr. 4 von A. Corelli, sprach Studienrat Fischer in eindringlichen Worten an Hand von Zahlenmaterial und aus eigenem Erleben über das schreckliche Los der in den Ostblockstaaten noch festgehaltenen Deutschen. ppi.

Pfarrer Thaer beigesetzt

Am Mittwochnachmittag nahm eine nach Hunderten zählende Trauergemeinde in der Groß-Umstädter evangelischen Kirche von ihrem langjährigen Seelsorger Albrecht Thaer Abschied. Pfarrer Ittmann, der auch den liturgischen Altardienst versah, predigte als Nachfolger des Verewigten. Anschließend setzte sich der fast unübersehbare Trauerzug in Bewegung. Sechs Kirchenvorsteher trugen die Leiche ihres geliebten Hirten zur Grabstätte, wo noch einmal in der Fülle der Nachrufe die I.iebe und Verehrung zum Ausdruck kam, die sich der Entschlafene als treuer Diener am Wort unter dem Segen Gottes weit über* den Kreis seiner Gemeinden hinaus auch in der Landeskirche erworben hatte. -se

Baubeginn am neuen Wohnblock

Gemeinderatssitzung in Nieder-Ramstadt

Hauptpunkt der Tagesordnung war die Vergebung der Bauarbeiten ändern neuen Wohnblock, der 6 Wohnungen enthalten soll. Die finanzielle Grundlage bildet das verbilligte Landesbaudarlehen des Staates, das die Gemeinde anläßlich der 750- Jahr-Feier zugewiesen bekam. Dazu kommt noch eine recht erhebliche Summe, die Bürgermeister Keil vom Finanzministerium als 1. Hypothek zugesagt wurde. Somit sind die vollen Baukosten gedeckt. Nach einstimmigem Beschluß werden die Arbeiten nun den ortsansässigen Handwerkern übergeben, nachdem ein Angebot einer auswärtigen Firma zurückgezogen wurde.

Ebenso einstimmig wurde ein SPD-Antrag angenommen, statt des bisher für den Bau vorgesehenen gemeindeeigenen Geländes an der Ober-Ramstädter Straße ein besser geeignetes Gelände an der Dornbergshöh-Straße zu erwerben. F. L.

Obligatorische Müllabfuhr für Groß-Gerau gefordert

Der Vorstand des Verkehrsvereins Groß-Gerau sprach s’ch in einer Sitzung dafür aus, die obligatorische Müllabfuhr einzuführen, für die sich in der letzten Gemeinderatsversammlung keine Mehrheit gefunden hatte. Die Gemeindevertretung soll angegangen werden schnellstens die vorgelegte Ortssatzung zu verabschieden und die Finanzierung zu regeln, damit den neuzeitlichen, hygienischen Erfordernissen, für die auch das Kreisgesundheitsamt eintritt, möglichst bald Rechnung getragen werden kann Der Verkehrsverein beabsichtigt der Gemeindevertretung eine Vorlage zu machen die sich mit der Schaffung einer Verbindung zwischen Groß-Gerau und Büttelborn befaßt, die Fußgängern und Radfahrern gestatte, die Gefahren der von Kraftfahrzeugen stärkstens benutzten Bundesstraße 26 zu meiden Dieser Wunsch läuft mit dem Büttelborns überein- eng

Geflügelschau in Traisa

Im Saale des neueröffneten Gasthauses „Zur Starkenburg“ veranstaltet der Kleintierzuchtverein Traisa am 4 und 5. November eine Geflügelschau. Da der junge aufstrebende Verein im Frühjahr mit einer sehr erfolgreichen Ausstellung vor die Oeffentlichkeit getreten ist, rechnet man auch jetzt mit einer hervorragenden Schau.

Bei der Ausstellung sollen gleichzeitig die neuesten Fertigungen der einschlägigen Industrie gezeigt werden. no

Erholung für die Veith-Kinder

Direktion und Betriebsrat der Veith-Gummiwerke A.G. in Sa n d b a ch , die schon so. manches Sozialwerk für ihre Arbeiterschaft eingeführt haben, beschlossen neuerdings, Kinder von Werksangehörigen, die besonders unter Wohnungselend und Heimatlosigkeit gelitten heben, in einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt in das Kinderheim des DRK in Brandau i. O. zu schicken. -ch

Gemeinsame Werbung in Südhessen

Tagung des Werbeausschusses im Landesverkehrsverband

,^er^eaussc^u^ des Gebietes Odenwald-Bergstraße-Neckartal im Landesverkehrsverband Hessen hielt am Donnerstag im „Schloß-Cafe“ in Erbach eine ganztägige .Arbeitsbesprechung über die schon in Kürze geplante Herausgabe eines Gemeinschaftswerbeprospekts für Südhessen.

Außer den Mitgliedern des Werbeausschusses Bürgermeister Schwabe, Lindenfels, Graf Alexander zu Er - ba ch -Erbach, dem Geschäftsführer des Gebietsausschusses Südhessen. Meisel, Darmstadt, und Hotelier Rauch, Lindenfels, nahm der Hauptgeschäftsführer des Landesverkehrsverbandes Hessen, Direktor Rosa, Wiesbaden, und zeitweilig auch Landrat Neff, Regierungsrat Zörgiebel, Bürgermeister Volk, der Leiter des Finanzamtes Michelstadt, Dr. Bannert, und Kreisarzt Dr. Rintelen an der Aussprache teil.

Da das Bildheft für Odenwald und Beigstraße, das in gleichwirksamer Ausstattung wie der erste hessische Gebietsprospekt „Rheingau — lockendes Ziel“ in 30000 Exemplaren herausgebracht wird, schon im kommenden Frühjahr bei allen Reisebüros vorliegen soll, drängen die Vorarbeiten zu größter Eile. Es kam deshalb bei der Besprechung darauf an, Art und Umfang der Beteiligung des Kreises Erbach möglichst zu umreißen.

Für die 17 Kreisgemeinden Beerfelden, Erbach, Güttersbach, Hainstadt, Hetzbach, Höchst, Kailbach, Bad König, Michelstadt, Mossau, Mümling-Grumbach, Neustadt, Reichelsheim, Rothenberg. Sandbach, Vielbrunn und Zell wurde die Teilnahme vorausgesetzt. Andere Gemeinden können sich auf Wunsch noch anschließen, nur muß die Meldung möglichst bald erfolgen, entweder an Regierungsrat Zörgiebel im Landratsamt Erbach, oder an den Gebietsausschuß Südhessen des Landesverkehrsverbandes in Darmstadt. Die einmaligen Kosten, die mit der Beteiligung erwachsen, sind verhältnismäßig gering. Das Land Hessen gewährt ebenfalls einen Zuschuß unter der Voraussetzung, daß alle am Fremdenverkehr interessierten Stellen des Gebiets zu den Kosten Beiträge leisten.

In dem Gemeinschaftsprospekt, der 24 Bildseiten und 4 mehrfarbige Umschlagseiten umfaßt, werden vertreten sein die Stadt Darmstadt und die 5 südhessischen Landkreise Darmstadt, Bergstraße, Dieburg, Erbach und Groß-Gerau. Durch Bereitstellung besten Bild- und Textmatcrials soll ein südhessisches Bilderbuch von höchstem Niveau entstehen. Erstmals

wird darin der gesamte Odenwald als geschlossenes Fremdenverkehrsgebiet umfaßt.

Daß gerade für den Odenwald als Reise- und Ferienland nicht nur im In-, sondern auch im Ausland wachsendes Interesse besteht, konnte Direktor Rosa mit der Feststellung bekräftigen, daß zahlreiche diesbezügliche Anfragen beim Landesverband vorliegen. Außerdem haben die Bilder aus dem Odenwald, ganz besonders aber die Elfenbeinschnitzereien aus Erbach, die in dem Stand des Landesverbandes Hessen auf der Sonderschau „Deutschland — schönes Reiseland“ im Rahmen der Fachmesse des Hotel- und Gaststättengewerbes in Köln gezeigt wurden, starke Beachtung gefunden. Deshalb kommt dem neuen Gebietsprospekt große Bedeutung für die Intensivierung des Fremdenverkehrs im Odenwald zu.

Ein großer Teil der Gesamtauflage wird im Ausland verteilt durch die Deutsche Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt, die neben ihrer seitherigen Werbe-Informationsstelle in Neuyork in Kürze weitere Informationsstellen in Chicago, London, Paris, Zürich, Rom, Kopenhagen und Stockholm einrichten wird.

Im weiteren Verlauf der Arbeitstagung konnte Hauptgeschäftsführer Rosa noch mitteilen, daß der Landesverkehrsverband Hessen zur Zeit mit einer Filmgesellschaft wegen der Anfertigung eines Kultur-Tonfilms über das Gebiet Odenwald-Bergstraße in Unterhandlungen steht. Bei positivem Ausgang der Verhandlungen soll der Film schon im nächsten Jahr fertiggestellt werden. Außerdem stand noch eine Reihe wichtiger Fragen zur Diskussion, die alle der Aufgabe dienen, für das schöne Ferien- und Reiseland des südhessischen Odenwaldes zu werben, -ch.

Jugend inmitten großer Gefahren

Elternversammlung anläßlich der Jugendwoche in Pfungstadt

Im Kampf der Jugend um neue Ideale sollen und müssen Lehrer und Eltern Freunde und Berater sein. Dazu gehört das äußere Band gegenseitigen Kennens und das Wissen um Ziel und Weg. Aus diesem Grunde Hatte man anläßlich der Jugendwoche des Kreisjugendausschusses Darmstadt tn Pf ü n g s t ä dl Eltern und Erzieher zu einer Versammlung in der Turnhalle eingeladen.

Kreisjugendpfleger Liebig konnte Schulrat Dr. Plötz, Pfarrer Stark, den Referenten für Jugendfragen beim ResideNOfficer, Andrees, den Referenten für Erziehung und Schulwesen, Dr. Dali ch o , und viele Eltern und Besucher begrüßen. Jugendarbeit habe schon in der Schule zu beginnen, betonte Herr Liebig. Die Kinder müßten in Gemeinschaft erzogen werden und würden sich hierbei in vielen Fällen reifer zeigen als die Erwachsenen. Ihnen ist es noch möglich, ohne Haß und Feindschaft nebeneinander zu leben; Uneinigkeiten sind schnell wieder bereinigt und werden nicht nachgetragen. Rektor Winkler, selbst aus der Jugendbewegung kommend, sprach von den frühesten Anfängen der Wandervögel und dem Wunsch der damaligen Jugend, das übersättigte, bequeme bürgerliche Leben gegen die Kargheit der Natur zu vertauschen. Klarheit und große Begeisterung für das Schöne könne nur aus dem Natürlichen kommen.. Und auch heute solle man die Jugend wieder wandern lassen, damit sich ihr das Tor zu Selbständigkeit, Freiheit und Natürlichkeit öffnet.

Anschließend sprach Schulrat Dr. Plötz über den Zweck der Zusammenkunft. Die Interessen ’ aller, ob Eltern, Lehrer oder Jugendpfleger, sollten dem Wohl des Kindes dienen. Auch an die Schulentlassenen solle man denken, die oft schon großen Gefahren ausgesetzt seien. Viele seien unter ihnen, die gerne tätig wären, doch seien nicht genügend Lehrstellen vorhanden. Die Folge sei ein Herumlungern. Mit Recht sei es zudem eine erschütternde Tatsache, daß 20 Prozent aller Kinder ohne die leitende Und führende Hand des Vaters aufwachsen müßten.

Eine zweite große Gefahr sei die Verpolittsierung. Immer wieder bediene man sich von Seiten der Politiker der Jugend. Sie soll zwar zum politischen Denken erzogen werden. Bedenklich sei es, wenn die Jugend zum Faktor des politischen Lebens werde.

Wir wünschen, daß das Leben von innen heraus ein zufriedenes ist, sagte Dr. Plötz, aber das ist selten. Die Menschen haben die ausgezeichnete Gabe, sich das Leben schwer zu machen. Dr. Plötz sprach weiterhin von dem Weg. den die Schule geht, und der Schülerselbstverwaltung, die den Kindern Verantwortung gibt. Nach dem Schlußwort von Herrn Liebig wurde der anregende Abend mit einem Lied beendet. Lehrer Schreyer leitete den stimmlich hervoragenden Schülerchor. seg

Unfete Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Flüchtlingsehepaar Karl Pen s 1 und Ehefrau Maria geb. Ruß (aus Schönfeld-Karlsbad), Fränkisch-Crumbach, Rodensteiner Straße 12, und Maurer nud Malermeister Friedrich 801 l und Frau Dorothea geb Scheuermann, Büttelborn, Darmstädter Straße 50. 89. Geburtstag: Frau Susanne C 1 au s , Trebur, Hauptstraße 29 (29. 10.). 83. Geburtstag: Frau Christine Reinhardt geb. Hahn, Groß-Umstadt, Schulstr. 12, und Herr Georg Laun 11., Bauschheim, Ginsheimer Weg 10. 82. Geburtstag: Frau Julie Pilz, Groß-Gerau, Frankfurter Straße 63. 80. Geburtstag: Herr Michael Lö b - lein, Landwirt, Zwingenberg a. d. B„ Fürther Straße 150. 78, Geburtstag: Frau Marie Burkel, Bauschheim, Ginsheimer Weg 9; Frau Magdalena Engr o f f , Nauheim, Karl-Mierendorf-Straße 9, und Herr Josef Ullsperger, Dornheim, - Ebert-Straße 27.' 76. Geburtstag: Herr Georg Stuber, Walldorf, Friedhofstraße 13. 75, Geburtstag: Herr Christian Hafner, Bischofsheim. Jahnstraße 4. 74. Geburtstag: Frau Agathe Jäger, Trebur. Rüsselsheimer Straße 48. 73. Geburtstag: Frau Johanna Bisch el Wwe., Gustavsburg, Baurat-Hering-Straße 2. 70. Geburtstag: Herr Franz Plathten, Walldorf, Ludwigstraße 26; Frau Anna Lenhardt, Bischofsheim, Gartenstraße 13, und Herr Alfred Gräb, Höchst i. O.

Kaspar Schramm meinte:

„Es wäre mir schlecht ergangen"

Vom Schlüssel zum Gummiknüppel/Freispruch wegen fragwürdiger Zeugen

Als die Eheleute Phil. Volk aus Bensheim am 2. April des Jahres auf der Polizeiwache in Bürstadt nach einem Schlüssel zu ihrem von der Gemeinde wegen Zwangsräumung verwahrten Eigentum fragten und von dort in das Haus des Wohnunvsamtsleiters Kaspar Schramm geschickt wurden, ahnten sie nicht, daß sie bereits wenige Minuten später in eine Schlägerei verwickelt und vor die Tür gesetzt sein würden.

Volk und seine Ehefrau wollten lediglich zusammen mit ihrem Schwager, dem Bürstädter Fließenlegermeister J. Noll, zu Ostern einige Wäschestücke aus einem in der ehemaligen Wohnung stehenden Schrank der aus Bürstadt stammenden Frau holen und baten Schramm in anständiger Form um den Schlüssel. Sie waren an einem Sonntag gekommen, da Volk als Schneidermeister gerade in der Zeit vor Ostern werktags unabkömmlich war.

Schramm jedoch, der mit seiner Ehefrau und seinem Mieter Otto Lorenz als Zeuge fungierte, verweigerte den Angeklagten die Herausgabe ihres Schlüssels, weil er keinen Dienst habe und weil seine Frau sagte: „Mein Mann bleibt hier!“ „Es wäre mir schlecht gegangen“, sagte er vor Gericht, „wenn ich mit den Angeklagten gegangen wäre“, konnte diese Worte jedoch nicht mit stichhaltigen Gründen belegen. Bei der Beweisaufnahme gab er zu, nach einem erregten Wortwechsel den Schneidermeister Volk — während sein herbeigerufener Mieter Lorenz diesen festhielt — wiederholt mit dem Gummiknüppel auf den Kopf geschlagen zu haben. Da jedoch der Mieter davon nichts wissen wollte und auch Rechtsanwalt Dr. Wessely, Bürstadt, dem Gericht die sich in vielen Punkten widersprechenden Aussagen der drei Zeugen (Schramm war zugleich als Nebenkläger aufgetreten) nicht glaubwürdiger machen konnte, reichten die Beweise dem Gericht nicht für die Verurteilung des bisher unbescholtenen Angeklagten aus, so daß auf Freispruch erkannt wurde.

Zu der Vorgeschichte des interessanten Falles stellte das Gericht fest, daß entgegen dem ausdrücklichen Bescheid des Landrates eine rechtswidrige Räumung der Volkschen Wohnung in Bürstadt von der Gemeinde durchgeführt worden sei. Nach dem BGB jedoch hätte der Beamte, der den Auftrag zu dieser Räumung gab, bzw. unterschrieb, jeden eventuell dadurch entstandenen Schaden zu ersetzen. Außerdem werfe es kein gutes Licht auf den Zeugen Schramm, daß er als einziger Wohnungsamtsleiter im AmtsgeYichts¬ ' bezirk Lampertheim mit noch mehreren ähnlichen Fällen laufend vor Gericht zu tun habe.

Während auch das Gericht die Fähigkeit des inzwischen aus begreiflichen Gründen zurückgetretenen Schramm als Leiter eines Wohnungsamtes stark bezweifelte, würden schon in der letzten Bürstädter Bürgerversammlung viele Stimmen laut, die den Standpunkt vertraten, daß Schramm als Angestellter der Gemeinde auf Grund seines Verhaltens überhaupt nicht mehr tragbar sein könne.

„Friedliche Lösung der Probleme"

Versammlung der Heppenheimer Heimatvertriebenen

Die vom Verband der Heimatvertriebenen, Ortsgruppe Heppenheim, einberufene Versammlung war überaus gut besucht. Nach seiner Begrüßung betonte der Vorsitzende Kaspar die Hauptziele der Vertriebenen.

Zur Rückführung betonte der Referent, daß auf eine friedliche Lösung der dringensten Probleme und auf Ausschließung jeglichen Hasses hingewirkt werden muß. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die soziale und wirtschaftliche Eingliederung in den Hessenplan, um den in entlegenen Orten wohnenden Vertriebenen durch Umsiedlung in Industriegegenden wieder Existenzmöglichkeiten zu geben. Der Vorsitzende hob ferner die allgemeine Verbandsarbeit, besonders die des Wohnungs- und Soforthilfeausschusses, hervor. Zum Thema Mitgliederwerbung erklärte er, daß kein Vertriebener zum Verbandsbeitritt überredet wird, daß die Rechte jedoch nur von einer geschlossenen, starken Organisation vertreten werden können.

Dr. Jahn vom Soforthilfeamt gab einen ausführlichen Bericht über den derzeitigen Stand der Soforthilfe. Er gab bekannt, daß zur Antragstellung für Hausratshilfe nochmals Gelegenheit bis zum 31. Oktober sei.

Beschlossen wurde ferner die Gründung einer Jugend- und Laienspielschar, um das Brauchtum der Heimat zu pflegen.

Zum Wohnungsproblem wurde bekanntgegeben, daß die Stadtverwaltung in die zu erstellenden 36 Wohnungen 19 Vertriebene einweisen wird. Die Erstellung einer Vertriebenen-Siedlung sei dringend notwendig. Leider hätten die mit der Stadtverwaltung bisher geführten Verhandlungen wegen Beschaffung von Baugelände zu noch keinem Ergebnis geführt, erh.

Generalversammlung der Eisenbahnergewerkschaft

Am Sonntag versammeln sich um 10 Uhr die Mitglieder der Ortsverbände Groß-Gerau. Wallerstädten. Dornberg und Berkach der Einheitsgewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands in Groß-Gerau zu einer außerordentlichen Generalversammlung, auf der als Vertreter der Ortsverwaltung Darmstadt Herr Schäfer über den neuen Stand der Lohn- und Gehaltsbewegung sowie über den kürzlich stattgefundenen Verbandstag der Eisenbahner in Gelsenkirchen sprechen wird. kr.

St. Peter - Zentrum christlichen Glaubens

Ein Vortrag im Amerika-Haus Heppenheim

Im Rahmen des Monatsprogramms des Bergsträßer Jugendklubs sprach Dr. K o z e 1 k a, Bensheim, im Amerika-Haus in Heppenheim über: „Die Peterskirche in Rom“.

In schlichter Art schilderte er die bei seinem diesjährigen Besuch in Rom empfundenen Eindrücke über den bedeutungsvollen Platz der Welt, den Petersplatz, mit dem gewaltigen Bau der Peterskirche. Allein schon die riesige, nach den Plänen Michelangelos erbaute Kuppel erregt mit ihrem Umfang von 92 Meter Bewunderung.

Ausführlich berichtete der Redner die Ergebnisse der Ausgrabungen unter der Peterskirche. Sie bestätigen die alte Ueberlieferung, nach welcher der Apostel Petrus unter der ursprünglichen Antica

Basilica begraben wurde. Das sei nach den sich ergebenden Folgerungen auch der Grund dafür, daß die Peterskirche auf dem an sich ungünstigen Platz der alten Basilika erbaut wurde. Es mußten z. B. 40 000 Kubikmeter Erde zur Planierung des Bodens abgetragen werden.

Durch Bildmaterial unterstützte Dr. Kozelka seinen Vortrag. Deutlich war die unter den Grotten der Peterskirche freigelegte Gräberstraße, deren breiteste Stelle 106,3 Meter beträgt, zu sehen. Es soll sich hauptsächlich um vorchristliche Gräber handeln. Aus den in der Mauer eingeritzten über 200 Schriftzeichen in lateinischer, heidnischer und hebräischer Sprache geht hervor, daß hier Wallfahrer für Petrus gebetet haben. erh

Milch, Obst, Kartoffeln

Nach dem Bericht des Landwirtschaftsamtes Groß-Gerau sind im September aus dem Kreisgebiet 100 000 kg Milch weniger an die Molkereien geliefert worden als im Vormonat. Wöchentlich mußten noch 3000 Liter Milch aus Kurhessen zugekauft werden. Der Frischmilchabsatz über die Molkereien ist ebenfalls gesunken.

Das Obst wird sehr schlecht abgesetzt. Bis zu 50 Prozent der Ernte an Äpfeln und Birnen sind in der Hoffnung eingelagert worden, daß sich die Preise später günstiger gestalten. Die Kartoffelernte im Kreise wird als Rekordernte angesprochen. Die Qualität der Kartoffeln ist gut, die Preise gering. Der Handel bezahlt dem Erzeuger bis zu 3,50 DM für den Zentner, frei Keller der Kreisstadt gibt es 4,— bis 4,20 DM, bei Lieferung nach Darmstadt 4,50 DM. eng

Unterhaltungsabend der Falken

Einen Bunten Abend, für den eine abwechslungsreiche Programmfolge vorgesehen ist. veranstalten die Falken heute abend im Saale der Gaststätte „Adler“ in Groß-Gerau. Der Reinerlös aus der reichhaltigen Tombola soll ausschließlich der Jugendpflege zugute kommen. Für die Tanzlustigen spielen die bekannten „Hessebuwe“.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Das Kulturkartell hat in dieser Woche mit Stenographiekursen für Anfänger und Fortgeschrittene begonnen.

(ler) Wixhausen. An dem Liedertag der Chorgememschaft „Germania—Eintracht“ Erzhausen beteiligt sich am kommenden Sonntag auch der Gesangverein „Liederkranz“ und die Gesangabteilung der Sportgemeinde. LK.

Seeheim. „Die Bettelprinzessin“, ein Schauspiel mit Gesang, wird am Samstagabend von der Sängervereinigung 1891—1948 im Hotel Hufnagel wiederholt. Jugenheim. Im Gasthaus „Zur Sonne“ hält die FDP heute um 20 Uhr eine Wäh-

lerversammlung ab, bei der Mdß. Karl Gaul sprechen wird. — Bürgermeister Schürrlein hat den Gemeinderat zu einer Sitzung für Montagabend einberufen, hl.

Birkenbach. Am Sonntag feiert die evangelische Kirchengemeinde das Erntedankfest. Die zur Ausschmückung des Altares gespendeten Gaben sollen der Inneren Mission zur Verfügung gestellt werden. — Die Leitung des evangelischen Kindergartens hat Frau Hanna Lenz übernommen. rh.

DIEBURG

Babenhausen. — Die öffentliche Bausparkasse für Hessen hält am Sonntag von 10 bis 19 Uhr im Hotel „Zum Löwen“ eine Modellschau „Das eigene Heim“ ab. NB

Schaafheim. — Der Turnverein begeht am Samstagabend sein 40jähriges Jubiläum mit einem Bunten Abend im Saal des Gasthauses „Zum Frankfurter Hof“.

Schaafheim. — Am Sonntag um 14.30 Uhr findet im Gasthaus „Zum Frankfurter Hof“ eine Bürgerversammlung unter dem Motto „Der Bürger fragt, die Gemeinde antwortet“ statt, bei der Bürgermeister Sehnert allen Fragen Rede und Antwort stehen wird. io

Lengfeld. — Am Sonntag findet um 14 Uhr im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ eine Versammlung der Heimatvertriebenen statt ML Groß-Bieberau. In der letzten Vorstandssitzung der Freiwilligen Feuerwehr wurde beschlossen, am Sonntag, dem 5. November, eine große Herbstgbschluß-Uebung abzuhalten. GD

ERBACH

Vielbrunn. Das öffentliche Forum wird heute im Gasthaus Jochim seinen ersten Diskussionsabend über das Thema „Das Verhältnis des Bürgers zu seiner Gemeindevertretung“ veranstalten. Als Redner sind Bürgermeister Schwabe, Lindenfels, und Gemeinderat Finger eingeladen. im

Neustadt. Am Sonntag veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr einer} Ball. Der Erlös der Veranstaltung dient der Anschaffung neuer Geräte. hm

BERGSTRASSE

Waldmichelbach. Am Montag findet im Rathaus eine Gemeinderatssitzung statt, in deren Verlauf u. a. ein Antrag der CDU-Fraktion auf Gewährung einer einmaligen Winterbeihilfe für Minderbemittelte sowie das Problem der Holzverwertung für 1950/51 behandelt werden sollen.

-r. Krumbach. Das Konzert des „Sängerquartett“ Heusenstamm, zu dem nahezu alle Gesangvereine der Umgebung ihre Sänger oder Vorstände entsandt hatten, wurde zu einem großen Erfolg für die Gäste, die eine Wiederholung im kommenden Frühjahr bei stärkerer Besetzung ihres Chores zu^hgten. -r.

GROSS-GERAU

Worfelden. Der Gesangverein „Frohsinn“ feiert am Sonntag das Fest seines 70jährigen Bestehens. Im Saalbau „Zur Sonne“ findet ein großes Freundschaftssingen statt, an dem 12 Nachbarvereine mit etwa 750 Sängern teilnehmen. KB Gernsheim. Der Ev. Filmdienst zeigt am Montag um 20 Uhr im Saalbau „Haas“ den Film „Es war ein Mensch“, der die Arbeit des Ev. Hilfswerkes beleuchtet. Eingangs spricht Pfarrer Klöß. prs.

Geschäfte mit Toten

Pierre war garnicht Pierre

Leichenschwindel über die Grenzen / Pietät nicht gefragt

Vor kurzem kam eine Frau auf einen Friedhof im Ried, um das Grab ihres Mannes mit frischen Blumen zu schmücken. Er war ursprünglich Franzose, hatte aber schon seit undenklichen Zeiten die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Außerdem war er schon seit 20 Jahren gestorben und hatte Ruhe vor den irdischen Wirren und Wirrnissen gefunden.

Das allerdings war ein Trugschluß. Denn er machte gerade in einer Holzkiste mit Glasfenster eine Reise an die Grenze. Die Frau trifft auf dem Friedhof den Umbettungsmann, und es stellt sich heraus, daß nicht nur die sterblichen Ueberreste des Mannes quasi „verkauft“ sind, sondern daß auch der Grabstein bereits „verhökert“ und umgeschliffen war.

Auf den Einspruch der Frau mußte alles wieder von der Grenze zurückgebracht werden. Peinlichkeit — das war ein beinahe zu schwacher Ausdruck — auf beiden Seiten. Die betroffene Dame schwieg leider. Das aber darf man nicht! Die Gier geht auf den Straßen und ist

einverstanden mit der Kalkulation der letzten Werte; ihre Träger haben das wirtschaftliche Fettpolster, um in der moralischen Brandung der Nachlmfc^sjahre nicht an den hektischen Flecken brutalen Eifers erkannt zu werden. Wenn sie lachen, bleiben die Augen verbrannt, und der Mund ist in der Perspektive eine giftige Verzerrung.

„1200 DM für den alten Pierre werden gezahlt, der irgendwann einmal gestorben oder gefallen ist, den die Cholera oder die Gefangenschaft eines Tages dahinraffte. Graben Sie einen alten Mann irgendwo aus, und Sie können sich für seinen Sarg kaufen, wonach Ihr Herz (falls Sie noch eines haben) begehrt.“

Nach dem ersten Weltkrieg blühte das Geschäft schon einmal. Ein Franzose, der gestorbene Landsleute in die Heimat bringen sollte, füllte die Särge nur mit einzelnen Knochenteilen und verkaufte sie mit hohem Kurs an die mit der Umbettung betrauten Stellen. Man kam hinter den Schwindel, aber da der Mann- inzwischen 300 000 Goldmark verdient hatte, taten ihm die vier Jahre Zuchthaus nicht allzu weh, die der französische Staat jhm aufbrummte. Im letzten Krieg wurde er dafür ein um so größerer Bauunternehmer, der an dem Besatzungsgeschält mit der deutschen Armee nicht schlecht verdiente.

So wie damals verfuhr man auch nach 1945. Wieder wurden tote Soldaten umgebettet, mit französischer Staatsangehörigkeit, und zwar nur jene, die in Westdeutschland verstarben.

Die Gräber wurden also geöffnet, und die sterblichen Ueberreste kamen in eine Holzkiste, deren oberer Teil mit einer Glasscheibe versehen wurde, um Warenschmuggel zu verhindern. Man hatte seine Erfahrungen. In einem Bunker an der Grenze, mit Kühlanlage, versuchte man die genauen Maße der Verstorbenen festzustellen. Die Zähne wurden gezählt, auf daß man nicht ein Mariechen Müller nach Frankreich bringen konnte.

Inzwischen waren nun schon alle Soldaten umgebettet, jedoch der Verdienst sollte weitergehen. Immerhin gab es 1200 DM, und dafür mußte sich das Geschäft in irgendeiner Form weitermanagen lassen, zumal von hohen Provisionen gemunkelt wurde, die an der Grenze für weitere Kisten gezahlt werden sollten.

Darum suchte man auch auf den Friedhöfen zwischen Rhein und Main eifrigst nach Grabsteinen, auf denen ein französischer Name stand. Und alles, was einen französischen Akzent hatte, wurde ausgegraben, in einer Kiste verpackt und fortgeschickt. Man bot an sich nicht Beteiligten Provisionen an, wenn sie ein Grab, dessen Stein mit „Rene“ oder „Blanche“ beschriftet war, ausfindig machen könnten.

So war es — und so ist es vielleicht heute noch. Aber es gibt von der Pietät gezogene Grenzen, die nicht verletzt werden dürfen. Die Oeffentlichkeit soll wissen, was, wo, wie und wann alles geschieht. Und sie soll auch wissen, daß man versucht, dasselbe Geschäft umgekehrt zu lancieren, von Frankreich nach Deutschland.

Einige haben abgewinkt, hoffentlich tun es alle. ng

Feuilleton


GEORGES BRAQUE: STILLEBEN Neben Picasso gehört Georges Braque zu den Begründern des klassischen Kubismus. Was diese Richtung will, die wohl noch von der Welt der sichtbaren Erscheinungen ausgeht, nicht aber die Realität der einzelnen Gegenstände zum Erleben bringt, zeigt dieses Bild mit einer schönen Deutlichkeit. Unsentimental aggressiv und zugleich auch wieder malerisch schwebend sind die gebrochenen Flächen zueinander komponiert und ergeben einen Gleichklang harmonischer Färb- und Formwirkungen.
GEORGES BRAQUE: STILLEBEN Neben Picasso gehört Georges Braque zu den Begründern des klassischen Kubismus. Was diese Richtung will, die wohl noch von der Welt der sichtbaren Erscheinungen ausgeht, nicht aber die Realität der einzelnen Gegenstände zum Erleben bringt, zeigt dieses Bild mit einer schönen Deutlichkeit. Unsentimental aggressiv und zugleich auch wieder malerisch schwebend sind die gebrochenen Flächen zueinander komponiert und ergeben einen Gleichklang harmonischer Färb- und Formwirkungen.

Die kleine Italienerin

Im Herbst leuchten die Bergwiesen des Apennin zinnoberrote Flecke aus saftigem Grün gegen den tiefblauen Himmel. Das sind Corbezzole, Meerkirschen, hasel- und walnußgroße Bällchen, die man essen kann — eine etwas mehlige, aber nicht übel schmeckende Frucht.

Eines Spätnachmittags ging ein Mann auf einem Pfad hoch über dem Meer in der Richtung nach der Felsenspitze, die von den Fischern der „kleinen Madonna“ zu Ehren mit einem weißleuchtenden Standbild geschmückt ist.

Die Luft war warm und vom süßen Duft der Mimosen und wilden Myrten erfüllt. An einem Hang, von dem aus man an klaren Tagen, wenn Tramontana, der Bergwind, weht, die Umrisse von Korsika sehen kann, hütete ein kleines Mädchen zwei schneeweiße Lämmer. Ganz allein saß das Kind da oben, den dunklen Kopf mit einem grünen Kranz geschmückt, aus dem die roten Bällchen auf seine Stirn niederkollerten — Corbezzole.

Das Kind sah mit seinen großen dunklen Augen, ruhig betrachtend wie ein Kälbchen, den Fremden an. Es musterte die Schuhe des Mannes und wunderte sich, daß sie aus hellem Leder und mit Gumnlisnhlen .versehen, waren. -Seine Blicke gingen von den Schuhen langsam aufwärts, bei jeder Einzelheit mit großem Ernst verweilend. Der Mann setzte sich in der Nähe hin und ließ sich lächelnd von den prüfenden Augen abtasten. Als nichts mehr zu bestaunen war, bog das Kind den Kopf ziirück und sah dem Fremden unverwandt ins Gesicht. Es schien, daß es mit ihm zufrieden sei.

Ein kleiner Vogel fing mit einem süßen Ton zu plaudern an — ein seltener Klang in dieser Gegend. Als das Kind sah, daß der Mann wohlgefällig auf das Gezwitscher lauschte, zeigte es mit den braunen Fingerchen und sagte mit der merkwürdig tiefen Stimme fast aller italienischen Mädchen: „La capinera!“ was zu deutsch die Grasmücke heißt. Es waren die ersten Worte, die der Mann aus dem Munde des Kindes hörte. Sie klangen sehr süß. und die nun belebten Augen des kleinen Mädchens waren auf einmal, von Lichtern beglänzt, gleich schwarzen Kirschen.

Das Kind schien jetzt in eine Unterhaltung eintreten zu wollen. Es war ihm gar nicht recht, daß der Mann immerzu lächelte und schwieg. Das Mädchen zeigte auf das größere weidende Tier und sagte: „Agnello!“ Das heißt Lamm. Der Mann, der bestimmt ein Fremder war, nickte befriedigt über die Bereicherung seines italienischen Wortschatzes. Aber da er hartnäckig weiter schwieg und keine Miene machte, die so freundlich eröffnete Unterhaltung fortzusetzen, zeigte das Mädchen auch noch auf das kleinere Wesen und zwitscherte: „Pecorella!“ Das heißt wohl Schäfchen, dachte der fremde Mann. Da ihm das Kind zu gefallen schien, strich er zart über seine Wange und wiederholte scherzhaft doppelsinnig: „Pecorella!“ Nun leuchteten die Augen des Kindes. Die Grasmücke sang entzückend, und eben machte sich auch noch eine Berggrille mit ihrem lieblichen Getriller bemerkbar, das wie eine tongewordene altjapanische Radierung klang.

Immer noch schien es dem Mann viel wichtiger, dies alles in sich aufzunehmen als zu sprechen. Die Kleine dagegen wollte die seltene Gelegenheit, unterhalten zu werden, nicht ungenützt vorübergehen

VON PETER SCHER

lassen. Sie deutete kokett auf ihren Kranz aus Meerkirschen und funkelte dabei hinreißend mit den Augen. „Corbezzole!“ sagte sie und tippte der Reihe nach an die brennend roten Bällchen, die auf ihre Stirn herunterhingen. Nun konnte der Fremde nicht gut anders als anerkennend zu nicken und die Corbezzole schön zu finden.

Es machte ihm Spaß, dem Kind zu erzählen, daß er ein Deutscher sei, der weit hinter den Bergen wohne, worauf das Mädchen erwiderte, daß es schon viel von den Deutschen gehört habe. Während dieser Auseinandersetzung entdeckte das kleine Geschöpf etwas Blinkendes an dem Mann: silberne Hemdknöpfe, die er sich aus je zwei mit einem Kettchen verbundenen Kügelchen zurechtgemacht hatte, wie sie bayerische Bauernmädchen früher am Mieder trugen — eine Erfindung, auf die er nicht wenig stolz war.

Das Kind war wie bezaubert und kam, wenn auch zögernd, näher, um die glänzenden Knöpfe zu betrachten. Der Mann hatte das Gefühl, noch nie in so brennende Augen geblickt zu haben. Er wartete vergnügt ab, was weiter geschehen würde. Und es geschah folgendes: Das Kind vermochte sich nicht mehr-zu beherrschen. Es kam ganz nahe und legte eine winzige Hand vertrauensvoll a''f das Knie des Fremden. Das andere Händchen tastete vorsichtig bis zu den Knöpfen hin. Aber nun, als Daumen und Zeigefinger wie von höherer Gewalt um einen dieser wundervollen Knöpfe geschlossen waren, atmete die Kleine tief auf und sah den Fremdfen mit einem Blick an. als ob sie sagen wolle: Wäre es möglich, daß man in den Besitz einer solchen Kostbarkeit kommen könnte?

Der schweigende Mann verstand alles und war obendrein wohl ein großer Herr, der wie im Märchen Schätze zu verschenken hatte. Er nahm die Knöpfe aus dem Hemd und gab sie dem Kind, das ein so großes Wunder kaum fassen konnte, denn sein Mäulchen, selbst rot und leuchtend wie eine Corbezzola, hauchte andächtig und verschämt: „Grazie, Signor!“ Dann ging es, mit seinem Meerkirschenkranz auf dem schwarzen Haar, langsam rückwärtsschreitend, ungläubigen Gesichts zu seinem Platz bei den Lämmern zurück.

Gustav-Adolf-Fest in Heppenheim

Der Gustav - Adolf - Zweigverein in Heppenheim feiert am 12. November das Fest der Stiftung des - Adolf-Werkes. Die Festpredigt hält um 10 Uhr der früher in Heppenheim amtierende Oberstudienrat Pf. Gustav Stork, Bad Nauheim. Der Festkindergottesdienst findet 11.45 Uhr statt. Zur Festversammlung um 15 Uhr in der Kirche hält der Präsident des Gustav-Adolf-Werkes, Pfarrer i. R. Dr. Wagner, Bensheim, einen Vortrag über: „Das Gustav-Adolf-Werk heute.“ Kirchen- und Posaunenchor Heppenheim umrahmen die Veranstaltung. erh.

Eine virtuose Klavierkünstlerin

LYVIA REV SPIELTE IN DER STADTHALLE

Die ungarische Pianistin Lyvia Rev, die ihre Schäffensstätte zwischen Budapest und Paris teilt, debütierte durch Vermittlung der Musikzentrale in der Stadthalle mit einer umfangreichen Vortragsfolge. Von Bach (Orgelpräludium und Fuge in a) über Mozart (K. V. 330), Beethoven op. 31, 3, Chopin (Ballade in g, Etüden und Präludien) bis zu Debussy (Estampe), Ravel (Toccata) und Bartök (Ostinato) reichte die Auswahl des Programms, das unter dem Zeichen einer überragenden und berauschenden Virtuosität stand. In brillierender Anschlagstechnik modelliert die Künstlerin in mannigfachen Registerfarben lichte und dunkle, weiche und harte Konturen und fasziniert den Hörer durch den musikalischen Trieb, unter dem ihre Interpretation steht. Allerdings merkt man deutlich, daß Beethovens Sonatensätze sich mit diesen Mitteln allein nicht formen lassen. Ein Opfer ihres virtuosen Elans werden auch die langsamen Sätze, denen Ausgeglichenheit und Ruhe ebenso wie die geistige Beseeltheit fehlten. Bach in der Art Busonis und Buchmayers zu spielen, d. h. seine Musik mit den Elementen des modernen Klaviers zu deuten, ist Ansichtssache, aber vertretbar. Auf keinen Fall darf aber das Präludium in eine ekstatische Rauschfolie übergehen. Die Wiedergabe von Chopin wird auf Lisztsche Weise durch Temperament gezeichnet und schreckt auch vor Robustheit nicht zurück. Der sensible und uns gewohnte Stil dieses Meisters ist eigentlich nur in den Preludes getroffen worden. Bei Mozart erfreute allein der erste Satz, den beiden folgenden ging in offensichtlicher Freude am Musizieren der innere Gehalt verloren.

Die Künstlerin ist eine ausgesprochene Virtuosin (als Kind machte sie sich dadurch bereits einen Namen), die jedoch ihre persönliche Note und evidente Kunst der Charakterisierung und Stilbildung zu vertreten weiß. Solange sie sich daher in ihrer Auswahl des Programms auf diese Weise beschränkt, wird sie immer einen hinreißenden Erfolg haben. Denn der Konzertbesucher freut sich, auch einmal durch die lautere und ehrliche Begeisterung am virtuosen Spiel angesprochen zu werden, wie es der große Applaus am Ende bewies. G. I.

Stadt der Dome und Paläste

Einen interessanten und lehrreichen Lichtbildervortrag über die Stadt Mexiko und das mexikanische Hochland hielt am Donnerstag in der Technischen Hochschule K. Volp, der selbst lange Jahre in diesem Land ältester Kultur lebte. Die Hauptstadt Mexiko, auf einer alten Aztekenstadt aufgebaut, zeigt heute mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern ein vollkommen modernes Gesicht. Sie liegt in der „kalten Zone“, wie der Mexikaner sagt, hat aber durchaus subtropisches Klima. A. v. Humboldt bezeichnete sie einmal als die Stadt der Paläste und Dome. Abgesehen von prächtigen Schlössern kann man nicht weniger als 60 Kirchen und 40 Klöster bewundern, die von spanischen Architekten entworfen, aber ausschließlich von Indianern erbaut wurden. Es gibt wohl kein Land, das so wunderbar in Holz geschnitzte und vergoldete Kirchenwände zeigen kann. — Straßenbahnen, die auf Wunsch überall halten, gehören so selbstverständlich zum Straßenbild, wie die in Lumpen gehüllten Aermsten der Armen. SG.

Neue Filme in Darmstadt

BELIDA. „Spiel mit dem Tode." Handlungsort dieses Kriminalfilms ist eine amerikanische Mammutredaktion. Der Chefredakteur des „Kriminalmagazins“ (Ray Milland) gerät durch eine Kette unglückseliger Verquickungen in eine Mordaffäre. Der Mörder ist sein Vorgesetzter, der Finanzmagnat Earl Janoth, der seinen Chefredakteur durch dessen eigene Detektive jagen läßt. Alle Spuren weisen auf ihn hin, und er muß sehen, wie sich das Netz um seinen Kopf zusammenzieht, wie er in eine Lage gerät, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint.

Das Bild wird von der meisterlichen Schauspielkunst Charles Laughtons beherrscht, der den Finanzgewaltigen und Verlagsinhaber mit der ganzen kalten Leidenschaft und der egoistischen Brutalität eines Mannes spielt, dem gesellschaftliche Stellung und Vermögen wegen eines unbeherrschten Augenblickes zu verlieren droht. Hier wird nicht mit den sonst üblichen plumpen Mitteln des Kriminalfilmes gearbeitet, sondern mit der Mimik des Hauptdarstellers Charles Laughton, des irrsinnigen und blindwütigen Mörders. Laughton spielt die berechnende Leidenschaft des Wahnsinns mit einer unglaublichen Eindringlichkeit. Im Gegensatz zu ihm sind die weiteren Darsteller, abgesehen von dem Chefredakteur Ray Millands, bloße Nebenerscheinungen. Milland, ein ernster, sehr männlicher und sympathischer Mann, spielt den gehetzten Redakteur, mit dem der Zuschauer mitfühlt und mitlebt. Die teuflische Raffinesse des Mörders, der mit dem Zynismus der Verzweiflung einen Unschuldigen dem elektrischen Stuhl ausliefern will, scheitert an der Ueberschätzung seiner eigenen Unüberwindlichkeit. Abgesehen von kleinen Geschmacklosigkeiten am glücklichen Happy-End ist es ein Film, der sich zu sehen lohnt. Die Regie beschränkte sich darauf, die darstellerischen Leistungen Charles Laughtons herauszustellen, was ihr ohne Aufdringlichkeit gelang. -st.

UNION. „Tabu“. Zauber der Südsee, Wunder eines märchenhaft üppigen Paradieses unter ewig blauem Himmel werden wach. Menschen, denen das Leben Spiel, Tanz und Musik ist, denen ihre Insel alles schenkt, was sie brauchen. Liebesfreude aber auch Liebesschmerz zeigt dieser Film. Robert Flaherty hat den Einblick in die exotische Inselwelt in den Rahmen einer kleinen Begebenheit gestellt: „Tabu“ ist das kleine, schwarzhaarige, dunkelhäutige Mädchen, das, zur Priesterin bestimmt, von keinem Manne berührt werden darf. Aber es liebt den kühnen, starken Eingeborenen, der mit ihr entfiieht, als Perlenfischer unter dem Einfluß der weißen Zivilisation lebt, bis sie vom unerbittlichen Gesetz des „Tabu“ eingeholt werden. Eine Liebe endet in der Tragik des Entsagens und im Tod.

Zwei Momente sind es, die diesen Film bemerkenswert machen: Einmal sind Spiel- und Kulturfilm hier zu einer glücklichen Synthese gebracht — eine Kunst, die Flaherty meisterhaft beherrscht. Die ganze Pracht ferner Länder tut sich auf im Spiel um Liebe und Entsagen zweier Menschen. Zum andern hat Flaherty in diesem Streifen, den er vor über 20 Jahren drehte, regie- und kameramäßig einen Leistungsstand erreicht, von dem sich mancher heutige Regisseur und Produzent eine gehörige Scheibe abschneiden sollte. Der Film läuft morgen in einer Matinee im Union. hn

PALAST: „Flicka“. Um es vorwegzunehmen: „Flicka“ ist ein guter Film, gut im Werturteil und gut in seiner Wirkung an sich. Er bringt die Geschichte eines Stutfohlens und des Jungen Ken McLaughlin (Roddy McDowall), der dieses Fohlen und die vielen Pferde seines Vaters — im Film wunderbar gezeigt — liebt.

Gewiß — man könnte sich manches besser vorstellen. An vielen Stellen dürfte die Handlung gestraffter sein, die Farben wirken oft etwas zu bunt. Im ganzen aber muß man „Ja“ zu diesem unter der Regie von Harold Schuster gedrehten Streifen sagen, der mit aller Deutlichkeit zeigt, daß man Abenteuerfilme aus dem „Wilden Westen“ auch ohne jene wilden und unwahrscheinlichen Schießereien machen kann. We

Kirschblüten aus Elfenbein

Da wieder einmal Not im Reiche der Mitte herrschte, ging Konfuzius zum Kaiser, ihm drei Fragen zu stellen. „Was“, so fragte der Weise zuerst, „sollte mit einem reichen Manne geschehen, der seine Kinder darben läßt, selbst aber an gefüllten Reistöpfen praßt?“ — Der Kaiser antwortete: „Man muß ihn vor das Gericht führen“. — „Wie aber“, fragte Konfuzius zum zweiten, „ist mit einem Statthalter zu verfahren, dessen Unterbeamte käuflich sind?“ — „Er muß ausgestoßen werden!“ antwortete der Kaiser. „Wenn aber“, so lautete die dritte Frage des Konfuzius, „innerhalb der Mauern des Reiches Teuerung und Unruhe herrschen, was sollte dann geschehen?“ . . . Als Konfuzius diese Frage gestellt hatte, erhob sich der Kaiser von seinem Thron aus himmelblauer Jade, schob seinen Arm unter den des Konfuzius und sagte: „Laß’ uns, Freund, von etwas anderem reden."

Konfuzius hatte gegen einen bestechlichen Günstling des Kaisers gesprochen. Voller Zorn schlug der Angegriffene zurück und schrie dem Weisen unbeherrscht zu: „Der Herrscher wird dich rädern lassen, wenn er in Zorn gerät.“ — „Und dich“, erwiderte der große Konfuzius, „wenn er zur Vernunft kommt.“

Da Konfuzius eine Rede vor dem Parlamente hielt und an einer Stelle seiner Ausführungen mit unerwartet üppigem Beifall bedacht wurde, schwieg er bestürzt und fragte einen Schüler, der zu seinen Füßen kauerte: „Hab’ ich denn etwas so sehr Dummes gesagt?“

Da ein unerträglich eitler und selbstgefälliger Künstler dem Konfuzius einen Kirschblütenzweig zeigte, den er, wie er sagte, in mehr als zehnjähriger Arbeit aus einem Stüde Elfenbein gesdinitzt hatte, bemerkte der Weise: „Würde sich auch die Gottheit zehn Jahre Zeit für einen einzigen Kirschenzweig nehmen, dann wäre wohl wenig da, was Blüte trägt.“ Stephan Herrle

Notizen

McCloy-Stiftung für Frankfurter Uni¬ versität überreicht. Im Auftrage des amerikanischen Oberkommissars John McCloy übergab der US-Resident-Officer für Frankfurt, H. P. Pradigan, am Mittwoch dem Rektor der Johann-- Goethe-Universität, Professor Dr. Boris Raiewsky, einen Scheck in Höhe von 550 000 DM. Diese Summe ist für den Aufbau eines Studentenhauses in Frankfurt bestimmt, das neben Lese- und Aufenthaltsräumen, Geschäftszimmern der studentischen Selbstverwaltung und Sälen für Veranstaltungen auch Wohnungen für etwa neunzig Studenten enthalten soll.

Deutsche Bischöfe nach Rom. Der Bischof von Berlin, Kardinal Graf von Preysing, ist auf dem Luftwege in Rom eingetroffen, wo er der Verkündung des Dogmas der leiblichen Himmelfahrt Mariens am 1. November beiwohnen wird Auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Frings, ist nach Rom abgereist. An den Feierlichkeiten nehmen mit Kardina. Faulhaber au der Spitze alle bayerischen Bischöfe teil, mit Ausnahme von Erzbischof Dr. Michael Buchberger (Regensburg), dessen Gesundheitszustand eine endgültige Entscheidung über die Rei?e noch nicht erlaubt. Wie von Behörden des Heiligen Jahres in Rom mitgeteilt wird, haben bisher 600 Bischöfe und über 250 000 Pilger Unterkünfte für dieDogmatisierungsfeierlichkeiten reservieren lassen. Damit wird sich um den Tag Allerheiligen an dem Papst Pius XII. den neuen Glaubenssatz verkünden wird, voraussichtlich die größte Zahl von Pilgern in Rom versammeln. die die Geschichte der ewigen Stadt verzeichnet.

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin und Physiologie ist am Donnerstagabend an Dr. Philip, S. Hench, Professor Edward, C. Kendall (beide Rochester, USA) und Professor Tadeus Reichstein. Basel, gemeinsam für die Entdeckung des Hormons der Nebennierenrinde, seines Aufbaus und seiner biologischen Wirkungen verliehen worden. Das Hormon ist besonders wirksam gegen Gelenkentzündungen und fiebrige rheumatische Erkrankungen. Die Anwen? düng dieses Mittels stößt bisher auf große Schwierigkeiten, weil die Herstellung sehr kostspielig und langwierig ist. Zu Beginn dieses Jahres hatten die USA erst fünftausend Gramm zur Verfügung, so daß bisher nur die Ausfuhr von geringfügigen Mengen erlaubt werden konnte. Um die erforderliche Injektionsdosis von hundert Milligramm pro Tag und Patient zu erhalten, müssen vierzig Rinder geschlachtet werden. Da die Zahl der ap Arthritis (Gelenkentzündung) Erkrankten allein in den USA auf sieben Millionen geschätzt wird, ist eine allgemeine Behandlung mit Cortison im bisherigen Herstellungsverfahren unmöglich. Im August dieses Jahres wurde bekannt, daß aus dem Samen einer afrikanischen Pflanze, Strophantins sarmentosus, eine Substanz gewonnen werden kann, die das tierische P--dukt ersetzt.

DT Film - Forum

Sie mußte lange «Schweigen...

Wohin entschwanden doch jene glücklichen Zeiten, da der Künstler nur seiner Kunst lebte und kaum etwas wußte von . . . Politik? Es waren glückliche Zeiten, es waren eigentlich die „normalen“ Zeiten, und es waren erstrebenswerte Zeiten, denn was hat schon die künstlerische Leistung eines begnadeten Könners damit zu tun, ob er sich hie und da politische Gedanken macht (wenn er sich welche macht)? Aber diese einfachnormalen Zeiten versanken, und auch Sybille Schmitz erlebte es, daß die „Politik“ in ihre künstlerische Entwicklung gewaltsam eingriff. 1937 war das, unter der Herrschaft von Dr. Goebbels. Sie hatte da irgendeine eigene Meinung, die sie besser für sich behalten hätte; sie behielt sie nicht für sich . . . und deshalb erging gegen sie ein Spielverbot, das nicht danach fragte, was sie als Künstlerin kann, das nur einfach kurz und klar feststellte, daß sie unerwünscht sei. So liegt über ihrem Werdegang der dunkle Schatten der Politik dieser unheilvollen Jahre . . . und er hat noch ein zweites Mal ihr Leben überschattet, als sie, nach dem deutschen Zusammenbruch, unter Erich Pommer spielte. Da war es die Rolle der in Auschwitz ums Leben gekommenen Nelly Dreyfuß, die von ihr verkörpert wurde. Ein unheimlich-tragisches Zusammentreffen allerpersönlichster Umstände lag in dieser Rolle für sie beschlossen, denn sie hatte Nelly Dreyfuß persönlich gekannt und sah ihr aufs äußerste ähnlich. Ist es nicht, als geisterten die Schatten einer dämonischen Totenwelt um ihr künstlerisches Schaffen?

Sie hat, als sie einstmals ihren Weg begann, bestimmt nicht geahnt, welche Konflikte sie durchzustehen haben würde. In Düren im Rheinland geboren — an einem 2. Dezember — steckten die

Eltern sie in eine Klosterschule der Ursulinerinnen, aber dort konnte man sie nicht lange festhalten, denn Sybille wollte zum Theater, und so kam sie selbstverständlich auch hin. Sie war ganze 15 Jahre alt und hatte immerhin 100 Mark in der Tasche, als sie nach Berlin ging, um dort ihr Glück zu versuchen. Es war ein Wagnis, es war das ewig unvermeidliche große Wagnis, dem sich jeder aussetzen muß, der nicht in kleinstädtischer Enge ersticken will, und es hat sich bei ihr gelohnt, denn schon nach einem Jahr stand sie auf der Bühne dos Deutschen Theaters und arbeitete unter Max Reinhard. Der hatte nämlich entdeckt, was sich aus ihr machen ließ, und so hat sie nicht nur unter ihm gearbeitet — so hat sie auch unter ihm lernen können, und diese einmalige Chance hat sie gründlich genutzt. Als sie für den Film entdeckt wurde, konnte sie etwas, da genügte sie hohen Ansprüchen, und der avantgardistische französische Regisseur Dreyer, der sie 1931 für seinen surrealistischen Film „Vampyr“ verpflichtete, wurde von ihr nicht enttäuscht. Als Vamp erlebte sie ihr Filmdebut und ihren großen Erfolg . . . obgleich ihr heute niemand mehr glauben will, daß sie als Vamp begann. —

Ihr erster deutscher Film war Erich Pommers „FP I antwortet nicht“ . . . und damit begann nun ihre lange Reihe großer Filme bis hin zu dem 1937 gedrehten letzten Film mit dem symbolischen Titel „Tanz auf dem Vulkan“. (Gründgens hatte damals bewirkt, daß sie diesen Film noch drehen durfte, dann zog sie sich zusammen mit ihrem Mann, dem Drehbuchautor H. G. Petersen, aufs Land zurück.) Heute aber ist sie wieder da, filmt sie wieder, zeigt sie, daß sie reifte und durch die schweren Jahre wuchs, und „Zwischen gestern und morgen“, sodann „Die letzte Nacht“ und schließlich „Die Lüge“ sind neue Filme, in denen wir sie sahen.

Wir möchten ihr wünschen, daß ihre Kunst nie mehr durch die Politik behindert wird, denn es ist schade, wenn solch Können schweigen muß!


SYBILLE SCHMITZ
SYBILLE SCHMITZ

(Foto: Junge Film-Union / Foto: Wesel)
(Foto: Junge Film-Union / Foto: Wesel)

DER SPORT

Mit dem dritten Torwart gegen die Eintracht

Bringen die Frankfurter neue Enttäuschungen für den SV 98? / Die Heraus Stellung Ruhls sollte eine letzte Warnung sein / Wird Müller Ruhl ersetzen können? / Die Gäste seit 10. September ungeschlagen

Beide Vereine unterhielten von jeher freundschaftliche Beziehungen, die auch morgen nicht getrübt werden sollten, wenn es erstmals um Punkte geht. Vor einem halben Jahr sahen wir die „Adlerträger“ noch als Trainingspartner für die vor den Aufstiegsspielen stehenden „Lilien“. Gegen den vom schweren Vortagsspiel ermüdeten und ersatzgeschwächten Gegner erzielten die Darmstädter nur ein 2:2.

Damals, waren von der „richtigen Eintracht“ nur 6 Mann zur Stelle, wovon noch 3 auf ungewohntem Posten standen. Morgen werden wir eine andere „Eintracht“ erleben, eine von einem neuen Trainer betreute Elf, die wieder ihren eigenen Stil und ihr Selbstvertrauen zurückgefunden hat, nachdem sie in den beiden letzten Jahren gerade noch dem Abstieg entgangen war. Die ehemaligen sensiblen Nur-Techniker spielen heute einen schnellen und harten Erfolgsfußball, mit dem sie seit dem 10. September keine Niederlage mehr einzustecken brauchten und bis auf den 5. Tabellenplatz vorrücken konnten. Die junge und ehrgeizige Elf ist — falls sie das Spiel in Darmstadt gewinnt — Anwärter auf einen der ersten 3 Plätze. Der elegante und fangsichere Henig kann sich mit den besten Torhütern Süddeutschlands messen. Wenn Wloka nicht spielen kann, wird Z ä n g e r neben dem siche-

ren Kaster in der Verteidigung stehen. Die Läuferreihe hat den harten und effektvollen Zerstörer Giller im Zentrum und den rotblonden, mit einer Riesenlunge ausgestatteten Kämpfer Kudras, zusammen mit dem überlegt spielenden Bechthold, als das Mittelfeld beherrschende Angelpunkte. Diese Reihe — schon zu Zeiten der Grämlich, Tiefei, Mantel das Glanzstück der „Riederwälder“ — hat in Süddeutschland wenig Konkurrenz^pej Sturm scheint wie umgewandelt, seitdem der flx-RödeUfei-mer-

Brecher S c h i e t h wieder mit dabei ist. Der schlanke, ho chge wachse ne Krauß II führt im Angriffszentrum intelligent die Fäden. Pfaff ist ein talentierter, technisch fein durchgebildeter Spieler, und Reichert hat sich auf Rechtsaußen mit seinem sicheren Torinstinkt gut eingeführt. Der beste Stürmer der Frankfurter steht" aber auf dem linken Flügel: „Scheppe“ Krauß. Von diesem listigen, ungeheuer schnellen und trickreichen VoDblutfußballer wird die größte Gefahr für das Darmstädter Tor ausgehen. Die 98er müssen endlich wieder einmal zu Punkten kommen. In Waldhof zeigte die Elf eine Formverbesserung und hätte vielleicht für eine Ueberraschung gesorgt, wenn nicht Ruhl mit seinem ganz unnötigen Foul seiner Mannschaft den Torwart genommen hätte. Am Sonntag wird ihn nicht Dr. Barth, sondem Müller vertreten, der bei flachen Bällen besser als der „Handballer“ ist. Wenn Müller seine Sache gut macht und Mühlbach den gefährlichen Krauß bremsen kann, stehen die Darmstädter nicht auf verlorenem Posten. Ruhls Vergehen sollte für die anderen Spieler eine letzte Warnung sein. Weitere Herausstellungen kann sich eine Mannschaft, die über so wenig vollwertige Ersatzspieler verfügt wie die 98er, nicht mehr leisten. iSV Darmstadt 98: Müller; Mühlbach, Abt; Herder, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg, Thalheimer, Bohmann, Barth, Herwig. Eintracht Frankfurt: Henig; Kaster, Zanger; Kudras, Giller, Bechthold; Reichert, Schieth, Krauß 11, Pfaff, Krauß I.

Ferner spielen: 1860 München—FC 04 Singen (Sa) FSV Frankfurt—1. FC Nürnberg Schweinfurt 05—Kickers Offenbach VfR Mannheim—Vfß Stuttgart Schwaben Augsburg—Bayern München Spvgg Fürth—VfL Neckarau Vfß Mühlburg—SV Waldhof SSV Reutlingen—BC Augsburg


Schaut ihm nur einmal ins Gesicht: Aus Pappe sind d i e Punkte nicht!
Schaut ihm nur einmal ins Gesicht: Aus Pappe sind d i e Punkte nicht!

Die SG Arheilgen bei Hessen Kassel

Mit Lieber und Bauer soll der Sturm wieder Tore schießen

Die SG Arheilgen fährt morgen zu ihrem alten Widersacher aus der Landesligazeit. Die verdiente Niederlage des letzten Sonntags hat die Vereinsleitung veranlaßt, aus dem schwachen Sturm die neuralgischen Punkte Kirchrath und Barnewald herauszunehmen und durch körperlich stärkere Leute zu ersetzen. Vor allem steht Lieber wieder zur Verfügung, und der erstmals spielende Bauer (oder Kilian?) wird das zweite Loch zu stopfen haben. Man neigt dazu, der Verteidigung Vorwürfe zu machen, aber bei einer solchen Ueberlastung, wie sie Cham schuf, und hinter einem so schwachen Sturm muß eine Verteidigung ins Wanken kommen. Trotz dieser Entschuldigung decken beide Verteidiger nicht konsequent genug, um die gegnerischen Flügel halten zu können. Nach Kassel werden die Mühlchesleute mit einer anderen inneren Einstellung fahren müssen, wenn sie ehrenvoll bestehen wollen. Die Marinschaft hat bei gutem Einsatz und flachem, schnellem Spiel bewiesen, daß sie keinen Gegner zu fürchten braucht.

Die Kasselaner spielen einen guten Fußball. Der Chronist der Pforzheimer Vereinszeitung schreibt dazu: „Die Hessen haben fürwahr ein gekonntes, zweckmäßiges und modernes Spiel hingelegt, mit dem sie auch in der 1. Division alle Ehre einlegen würden. Die Ballsicherheit und das Stellungsspiel. der Mannschaft, aus Kassel wären tadellos, bewunder rungswert war es, wie der Ball in flüssiger, halbhoher Kombination direkt von Mann zu Mann geleitet wurde. Auf dem kürzesten Wege kamen die Hessen immer wieder in Tornähe. Vermutlich wird diese Mannschaft noch einiges von sich hören lassen.“

Die Vorstädter sind also gewarnt und wissen, mit wem sie es morgen zu tun haben. Nur schärfste Deckungsarbeit kann ein Unglück vermeiden. Findet sich der Sturm zu einer geschlossenen Leistung zusammen, werden die Mühlchesleute ehrenvoll bestehen und eine reelle Chance auf einen Punkt haben. Hcwe.

Ferner spielen: ASV Durlach—SV Wiesbaden (Sa) Viktoria Aschaffenburg—SV Tübingen 1. FC Pforzheim—Jahn Regensburg Stuttgarter Kickers—Union Böckingen Wacker München—VfL Konstanz Bayern- Hof—l. FC Bamberg ASV Cham—Ulm 46 FC Freiburg—TSV Straubing

Kassel 03 nicht gefährdet

In der hessischen Fußball-Landesliga gastiert der Spitzenreiter Kassel 03 als Favorit bei Hessen Hersfeld. Tabellenzweiter Olympia Lampertheim gilt auf eigenem Platz gegen den SV Kassel als Favorit und sollte genau wie Borussia Fulda beim Vfß Friedberg zu beiden Punkten kommen. Mit der Spvgg 03 Griesheim und Opel Rüsselsheim treffen zwei spielerisch ebenbürtige'1 Manschaften ' aufeinander. Der Platzvorteil sollte hier ausschlaggebend sein. Von den Frankfurter Vereinen erwartet Rot-Weiß mit guten Aussichten den VfL Kassel, während es beim „Derby“ Union Niederrad gegen 1. FC Rödelheim keinen Favoriten gibt. Germania Bieber besitzt auf eigenem Platz gegen die Spvgg Bad Homburg eine klare Chance, auch im Treffen Hermannia Kassel gegen FV Hess. Lichtenau sind die Kasseler als Sieger zu erwarten. Die Begegnung VfL Marburg—Eintracht Wetzlar sollte nach hartem Kampf den Gastgebern einen knappen Erfolg bringen, während sich der VfL Diedenkopf trotz seines Platzvorteils gegen den hessischen Pokalmeister FC Hanau 93 schon mächtig anstrengen muß

Bezirksklasse Gruppe 1

Alle Vereine mit Pluskontos auswärts

In der Gruppe 1 ist der Terminkalender dem Spitzenreiter Olympia Lorsch am letzten Oktobersonntag gut gesinnt. Er schickt die „Sandhasen“ nach Pfungstadt wo sie die nächsten beiden Punkte einheimsen dürften. Aber sie dürfen nicht bummeln, denn mit gleichen Chancen gastiert Bobstadt in Heppenheim. In beiden Fällen müssen die Reisemannschaften die Auswärtssiege ihrer kommenden Gegner einkalkulieren. Bürstadt dagegen dürfte für zwei Punkte aus Biblis gut sein und damit das „Riedmonopol“ auf die Tabellenführung sichern helfen. Ober-Ramstadt (in Groß-Rohrheim) und Roßdorf (in Hofheim) werden voraussichtlich auch für die Beibehaltung der alten Reihenfolge sorgen. Viktoria Urberach muß sich in Bensheim schwer vorsehen, das sich nach seinem letzten Auswärtssieg den Anschluß ans Mittelfeld sichern will. Groß-Gerau darf sich auch auf eigenem Gelände von seinem Zwei-Punkte-Vorsprung gegen seinen Gästen aus Eberstadt nicht allzuviel versprechen; es muß zumindest an seine Bobstädter Leistung (knappe 2:1-Niederlage) anknüpfen, wenn es seinen Platz durch einen Heimsieg verbessern will. Es spielen: Hofheim — Roßdorf, Groß-Gerau — Eberstadt. Biblis — Bürstadt, Heppenheim — Bobstadt, Pfungstadt — Lorsch, Bensheim — Viktoria Urberach, Groß-Rohrheim — Ober-Ramstadt. Langen spielfrei.

Gruppe 2

Münsters schwerer Gang nach Ober-Roden

In Gruppe 2 kann sich Bischofsheim wohl zwei Punkte ausrechnen, denn sein Heimgegner Michelstadt wird sich kaum Illusionen auf einen Sieg hingeben. Der SV Münster geht einen schweren Gang nach Ober-Roden, er muß wenigstens einen Punkt mitnehmen, um nicht auf der Plusseite (9:7) von der KSV Urberach (8:4) eingeholt zu werden, der man zu Hause gegen Trebur einen Spielgewinn zutrauen darf. Egelsbach erwartet Mörfelden. Der Tabellenabstand könnte hier zu einer Verkennung der Spielstärke führen, da die nur wenig bessere Punktlage des Gastes durch den Platzvorteil ausgeglichen werden kane. Erbach hat von jeher zu Hause eine gute Partie geliefert; seinem nächsten Gegner Dieburg liegen die Elfenbeinstädter an sich nicht sonderlich. Beide Vereine gehören jedoch der „Achtergruppe“ an, und deshalb wird es bei diesem Treffen äußerst eianvoll zugehen. Walldorf muß in Nauheim schon weit über seiner Messeler Form ■spielen, sonst war alle bisherige Mühe vergebens. Eppertshausen ist noch die einzige Mannschaft seiner Grunpe ohne Soielgewinn; es darf also keine Gelegenheit mehr „zur Besserung“ auslassen. Deshalb müssen die Wixhäuser, wenn sie am Sonntag kommen, von Anfang an mit einem Gegner rechnen, der gleich allen anderen Wert darauf legt, in dieser Klasse zu bleiben. Es spielen: Egelsbach — Mörfelden. Germania Ober-Roden — Münster, Bischofsheim-Michelstadt, KSV Urberach — Trebur, Erbach— Dieburg. Eppertshausen — Wixhausen, Nauheim — RW Walldorf, Messel frei. RG

Ringer mit vollem Programm

SV 98 gegenm ASV Frankfurt / 1910 in Kostheim

Das kommende Wochenende wird bei den Ringern von ausschlaggebender Bedeutung sein. Die derzeitigen Spitzenreiter haben dabei die besten Chancen, ihre Positionen zu verbessern, da die Kämpfe um die folgenden Plätze genau so erbittert durchgeführt werden. Im einzelnen ringen am Wochenende folgende Mannschaften: Oberliga SV Darmstadt 98—ASV 86 Frankfurt, Vorwärts Gr.-Zimmern—Germania Dettingen, Eiche Hanau—Germania Hösbach, SG Ekkenheim spielfrei.

Die Lilienträger empfangen am Samstagabend, 20.30 Uhr, in der Goetheschule, die kampfstarke Mannschaft von ASV 86 Frankfurt. Im Vorkampf mußten sie sie eine klare Niederlage hinnehmen. Die Mannschaft um Bruno Henze hat gerade in den letzten Wochen beachtliche Ergebnisse erzielt. Bei kompletter Aufstellung müßte aber am Wochenende für die Damstädter ein Sieg herausspringen. Auf eigener Matte dürfen keine Punkte mehr hergegeben werden. Ein Sieg über Frankfurt würde die Chance auf Verbleib in der obersten Klasse stärken. In Groß-Zimmern stellt sich die Mannschaft von Dettingen vor. Ueberraschend konnten die Gastgeber bei ihrem Vorkampf in Dettingen einen Teilerfolg buchen. Der Mattenvorteil spricht zwar diesmal für einen Sieg, man darf jedoch nicht die Lage der Gäste unterschätzen, die sich noch berechtigte Aussichten auf den ersten Platz machen. Die Mannschaft von Eiche Hanau müßte am Samstag nach ihren letzten Niederlagen einmal wieder zum Siege kommen. Ihr Gegner, die starke Mannschaft von Hösbach, liegt den Gastgebern gut.

Landesliga: Kostheim—Darmstadt 1910, KSV Neu-Isenburg — Athletia Wiesbaden, SG Arheilgen—SKG Ober-Ramstadt. Sprendlingen spielfrei.

Interessant sind am Wochenende die Begegnungen in der hessischen Landesliga, stehen doch die einzelnen Mannschaften alle noch günstig. So kommen für die Meisterschaft außer Darmstadt 1910 noch Sprendlingen, Neu-Isenburg und Kostheim in Betracht. Die Wiesbadener Mannschaft, die bisher noch ohne Punktgewinn ist, dürfte zum Abstieg bereits verurteilt sein.

Der jetzige Tabellenführer Darmstadt 1910 hat am Wochenende einen schweren Gang vor sich. Gegner ist die technisch gute Mannschaft von Kostheim, die im Vorkampf nur knapp 5:3 unterlag. Nach den beiderseitigen Leistungen dürften aber die Darmstädter zumindest einen Punkt aus Kostheim mitbringen. In Arheilgen wird die SG versuchen, ihre im Vorkampf erlittene 1:7-Niederlage durch eine kampfstarkere Mannschaft wettzumachen. Die Gäste, die eine gleichgut besetzte Staffel besitzen, werden den Gastgebern alles abverlangen. Der Tabeleinletzte, Wiesbaden, dürfte in Neu-Isenburg um eine eindeutige Niederlage nicht herumkommen. Dieser Kampftag kann in der Tabelle eine gründliche Verschiebung herbeiführen. -eri-

Wichtige Kämpfe in der Kreisliga

Schon am Wochenende kommen in der Kreisliga die vorletzten Begegnungen zum Austrag. In Gruppe I hat sich Groß-Zimmerns Reserve die Führung zurückgeholt und wird auch Halbzeitmeister werden. An zweiter Stelle liegt die Mannschaft des KSV Wersau, ebenfalls mit 0 Fehlpunkten, während Roßdorf, Schaafheim und Münster je 4 Fehlpunkte zu verbuchen haben.

Die Begegnungen in Gruppe 1: Wersau gegen Schaafheim und Münster— Groß-Zimmern 11. Die Staffel von Roßdorf pausiert. Die Schaafheimer sehen in Wersau ihre große Chance, die pausierende Mannschaft von Roßdorf von dem dritten Tabellenplatz zu verdrängen. Treten sie komplett an, dann ist ein Sieg der Einheimischen sehr in Frage gestellt. — Münster steht auf eigener Matte vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Wohl haben die Gastgeber auf ihrer Matte die größeren Vorteile, doch ein Sieg über die sehr talentierten Vorwärts-Vertreter aus Groß-Zimmern wird ihnen kaum gelingen.

LriUD-Aiumieni wiiu innen Kduui gelingen. Die Gruppe 2 wird von der ungeschlagenen Mannschaft von Nieder-Ramstadt angeführt. Die Führung wird auch dieser Staffel vor Beendigung der Vorrunde nicht zu nehmen sein. Die folgenden Mannschaften haben alle mehr oder weniger Fehlpunkte zu verzeichnen.

Es treffen sich: Nieder-Ramstadt —Rimbach, Ober-Ramstadt ll—Pfungstadt und Bensheim—Fürth. Rimbach fährt mit wenig Aussichten auf Erfolg nach Nieder-Ramstadt. Die Gäste stellen zwar eine sehr starke Mannschaft, doch auch nur einen Punkt bei dem Tabellenführer zu holen, werden sie kaum schaffen. — In Ober-Ramstadt gastieren die Pfungstädter. Zu diesem Treffen einen Tip zu geben, ist schwer, denn die Reserve der Gastgeber hat am Vorsonntag in Rimbach einen Punkt geholt, und Pfungstadt konnte dort nur knapp gewinnen. — Der Neuling Fürth muß nach Bensheim. Beide Mannschaften haben in Nieder-Ramstadt hoch verloren, allerdings haben die Bensheimer den Platzvorteil für sich und könnten gewinnen.

Generalversammlung des Skiclubs

Der Skiclub Darms ta dt-Oden wal d (S. C. D.O n hielt am Mittwoch, dem 25. Oktober, unter Anwesenheit des Oberbürgermeisters Metzger seine diesjährige Hauptversammlung in der Gaststätte Ripper ab. Nachdem der 1. Vorsitzende, Herr Anspach, einen kurzen Jahresbericht gegeben hatte, wurde der Vorstand für die nächsten 3 Jahre gewählt, wobei die Berufung des Dipl.-Sportlehrers Söllinger als Ski- und Sportlehrer besonders erwähnenswert ist. Herr Dr. Sachs vom Darmstädter Schwimm- und Wasserclub sprach über die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Vereine und lud den Skiclub zur Teilnahme am Uebungsabend des Schwimmclubs, jeden Donnerstag von 21 bis 22 Uhr, ein, Für die kommende Wintersaison sind vier Skikurse vorgesehen, die alle unter der Leitung von Herrn Söllingen stehen. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist ein Kurs für Jugendliche auf der Darmstädter Hütte und ein weiterer für Erwachsene in Todtnau im südlichen Schwarzwald geplant.' In der Gegend von Bayrisch-Zell und im Walsertal sollen Ende Februar zünftige Skikurse durchgeführt werden. Die genauen Termine werden laufend durch die Presse bekanntgegeben. Zum Abschluß zeigten die Clubmitglieder Hofstätter und Hemme Skikurs-Filme, die beifällig aufgenommen wurden. hm

Handball

Vorentscheidungen in den Bezirksklassen

In der Bezirksklasse Darmstadt-Odenwald spielen: Fränkisch-Crumbach — Mörfelden, Urberach—Langen, Groß-Bieberau —Eppertshausen, Kirch-Brombach—Reichelsheim. Seeheim ist spielfrei.

Der Tabellenführer Mörfelden geht am kommenden Sonntag einen schweren Gang ins Rodensteiner Land. Wenn auch Fränkisch-Crumbach durch das Fehlen des Schußkräftigen Stürmers Schnatz und Verletzung einiger Spieler stark gehandicapt ins Spiel geht, so wird der Tabellenzweite doch alles daransetzen, um durch einen Sieg Mörfelden die ersfe Niederlage zuzufügen. Auch Urberach wird zu Hause seine guten Aussichten auf einen der beiden ersten Tabellenplätze zu wahren wissen und die Gäste aus Langen keineswegs unterschätzen. Doch sollte hier der Gastgeber zu einem Sieg kommen. Groß-Bieberau konnte bei den Bezirks-Hallenmeisterschaften sehr gut gefallen, muß aber im Spiel gegen den Neuling aus Eppertshausen erst noch beweisen, ob mit der Leistung im Hallenhandball auch eine Besserung der Leistungen im Feldhandball eingetreten ist. In Kirch-Brombach treffen sich zwei gleichwertige Gegner, wobei der Platzvorteil entscheidend sein kann. Die Bezirksklasse Ried sieht folgende drei Paarungen vor: Erfelden—Crumstadt, Offstein—Wies-Oppenheim, Mörstadt —Pfiffliigheim.

Das wichtigste Spiel findet in Erfelden statt, wo der Gastgeber wohl als einzige Mannschaft dieser Klasse den Siegeszug des noch ungeschlagenen Tabellenführers zu stoppen vermag. Das Treffen ist durchaus offen und die Tagesform wird entscheidend sein. In Offstein sollte die Platzelf wohl zu einem klaren Sieg kommen, wogegen die Begegnung ,in Mörstadt zwei gleichwertige Mannschaften sieht. -ei-

Kreisklasse Dieburg

Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: Gruppe I: Schaafheim— Klein-Umstadt; Gruppe II: Groß-Umstadt—SV 45 Reinheim, Ober-Roden—Brensbach, Nieder-Klingen—Gundershausen, Habitzheim gegen Münster. Der Tabellenletzte der Gruppe I, Klein-Umstadt, wird in Schaafheim um eine zweistellige Niederlage nicht herumkommen. In Groß-Umstadt wird der SV Reinheim eine wesentlich bessere Mannschaftsleistung zeigen müssen als am letzten Sonntag, um zu den Punkten zu kommen, denn dort hat selbst der Tabellenführer Groß-Zimmern verloren. Als sicherer Sieger ist die Turnerschaft Ober-Roden gegen Brensbach zu erwarten. Offen scheint uns die Begegnung in Habitzheim, wo der TV Münster antritt. Ob das Spiel in Nieder-Klingen stattfindet, ist fraglich, denn wie verlautet, will der SV Gundershausen seine Mannschaft aus der Verbandsrunde zurückziehen. Eine amtliche Stellungnahme seitens der Klassenleitung liegt jedoch zur Zeit noch nicht vor. -ff-

In der Kreisklasse Erbach trifft der Tabellenführer Michelstadt, der am Vorsonntag mit einem mageren 6:6 in Momart den ersten Minuspunkt „einheimste“, im Heinrich-Ritzel-Stadion auf Pfaffen-Beerfurth. Die Gäste konnten im seitherigen Verlauf der Verbandsrunde keineswegs immer überzeugen und werden sich hier mit einer Niederla abfinden müssen Das schußfreudige Team -on Erbach fährt nach Beerfelden. Die Gäste, die noch immer ungeschlagen in der Spitzengruppe liegen, sollten in Beerfelden kernen allzu schweren Stand haben. Zell erwartet Nieder-Kinzig, das erneut als Punktelieferant gut sein wird. -ppi.

Hockey:

TEC beim Tabellenletzten

Die ersten Herren des TEC sind am Sonntag Gast beim VfL Marburg, dem augenblicklichen Schlußlicht der Tabelle. Ein Spiel verlor der VfL, das Spiel gegen Eintracht Wiesbaden gewann er zwar auf dem Rasen, verlor die Punkte aber nachträglich am grünen Tisch wegen eines unberechtigten Spielers. Die Tabelle täuscht also über die wirkliche Stärke der Marburger, mit denen der TEC befreundet ist. Im vorigen Jahr gewann der TEC beide Spiele 2:0, man sollte ihm nach dem diesjährigen Start einen Sieg in der Universitätsstadt zutrauen, aber Tabellenführer auf dem Platz des Tabellenletzten, da ist Vorsicht geboten. — Die Alten Herren des TEC kreuzen am Samstag, 16 Uhr, ihre Schläger mit der AH-Mannschaft von Weiß-Blau Frankfurt am Main und sollten einen weiteren Sieg an ihre Farben heften, -dr-

Tischtennis:

Reger Betrieb in der Landesliga

Die drei Tabellenführer vor neuem Punktgewinn

Die Meisterschaftskämpfe in der hessischen Landesliga werden am Wochenende mit vollem Programm fortgesetzt. Der Kampf um den kleinen, weißen Ball wird jedes Jahr erbitterter. Die Kampfkraft und die Spielstärke der verschiedenen Vereine ist im steten Anwachsen begriffen.

Drei Mannschaften sind es, die bisher noch keine Verlustpunkte zu verzeichnen haben. Auch an diesem Wochenende werden die Mannschaften des SV Flörsheim, SV Wiesbaden und der Eintracht Frankfurt sicher ihre Punkte unter Dach und Bich bringen. Am Tabellenende wird die Lage für die beiden Neulinge SG Höchst und TG Rüsselsheim, die beide noch ohne Punktgewinn sind, immer hoffnungsloser. Der SV Wiesbaden muß zu dem Neuling Vfß Friedberg, idir-B^war zu beaeljten ist, aber dem Meister nicht gefährlich sein dürfte. In Biblis hofft man auf einen doppelten Punktgewinn über den 1. ABC Wiesbaden, der allerdings sehr schwer sein wird, da die Gäste über eine starke Mannschaft verfügen. In Höchst wird sich Flörsheim nicht voll ausgeben müssen, um zu den begehrten Punkten zu kommen Die Eintracht Frankfurt empfängt mit der Rüsselsheimer Mannschaft einen harmlosen Gegner.

SV Darmstadt 98—Weiß-Blau Frankfurt

Die Lilienträger, die am Sonntag, 8 Uhr, in der Eleonorenschule die Mannschaft von Weiß-Blau Frankfurt zu Gast haben, sind ganz auf Sieg eingestellt. Beide Mannschaften sind zwar nicht vom Abstieg bedroht, hängen jedoch in der 'unteren Tabellenhälfte und der Sieger wird in die starke Mittelgruppe vorrücken. Die Gastgeber, die voraussichtlich in der Aufstellung Hardt, Hartmann, Kappes, Lutz^ Haller und Mees antreten, dürften knapp siegreich bleiben.

Lilienträgerinnen in Kelkheim

Die Lilienträgerinnen werden am Wochenende in Kelkheim ein weiteres Auswärtsspiel bestreiten. Obwohl sie mit Ersatz antreten, wird ihnen der Sieg nicht zu nehmen sein. Die Gastgeber, die bisher noch ohne Punktgewinn sind, dürften dem Tabellen-

führen keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. SV 98 wird wahrscheinlich auf seine bewährte Spitzenspielerin Frl. Holzapfel verzichten müssen und das Spiel :n der Aufstellung: Nungesser, Rörner, Guyot, Nangot und Pommer bestreiten.

Neulinge in Front

Die Bezirksklasse Darmstadt führt augenblicklich 1875 Darmstadt an Die neu aufgestiegene-Mannschaft, .in deren Reihen sehr talentierte Spieler sind, hat das Zeug in sich, in diesem Jahr erneut eine höhere» Klasse zu erreichen. An die zweite Stelle hat sich die Mannschaft der SKG Ober-Ramstadt geschoben, die ebenso wie Mörfelden noch berechtigte Chancen auf den Titelgewinn hat.

Die- Paarungen des Wochenendes lauten wie folgt: SG Arheilgen — TG Mörfelden, SG Bensheim —SV Wolfskehlen, TSV Groß-Umstadt — TTC Biebesheim, SKG Ober-Ramstadt — TSV Pfungstadt.

Die Kreisklasse Darmstadt wird nach wie vor angeführt von der jungen Mannschaft der SKG Bickenbach, die bisher noch kein Spiel verlor. Es spielen am Wochenende bei den Herren: SV Erzhausen — SG Egelsbach, TSG 46 Darmstadt — SV Darmstadt 98 111, SKG Ernsthofen — SKG Eberstadt, SKG Bickenbach — TSV Nieder-Ramstadt, TG 65 Darmstadt—SG Wixhausen 11, TSV Nieder-Ramstadt — SSG Langen.

Bei den Frauen: SKG Eberstadt — TSV Pfungstadt, SKG Bickenbach — SG Arheilgen, SV 98 111 — SG Egelsbach, SG Wixhausen — SG Langen.

Die Kreisklasse der Frauen hat bereits am vergangenen Spielsonntag die Vorrunde beendet. Erwartungsgemäß führen auch hier die Damen der SKG Bickenbach ungeschlagen die Tabelle an und dürften die Meisterschaftsrunde ohne Punktverlust übersteheh. Ku.

Drei Spiele in der Basketball-Oberliga

Der BC Darmstadt in Bad Kreuznach

Die Spiele der Basketball-Oberliga Südwest sind jetzt in vollem Gange und nehmen immer mehr an Spannung zu. So interessiert von den Spielen des kommenden Samstags vor allem das Zusammentreffen der beiden noch ungeschlagenen Heidelberger Mannschaften Turnerbund und Turnverein 1846, die sich bisher als die spielstärksten Teams der Oberliga herausgeschält haben. Trotz der enorm guten Form der „Grünweißen“ gehen die Spieler des Turnerbundes mit den besseren Aussichten ins Spiel, und wenn nicht alles täuscht, sollten sie wieder um zwei Punkte reicher werden. Der BC Darmstadt kann sich durch einen Sieg in Bad Kreuznach auf den zweiten Tabellenplatz setzen. Die Gastgeber befinden sich aber im Augenblick in einer blendenden Verfassung, so daß die Frage nach dem Sieger sehr ungewiß ist. Beide Mannschaften werden kämpfen, um den Anschluß an die Spitzengruppe nicht zu verlieren. Der MTV Gießen und die Homburger TG, zwei Mannschaften der unteren Tabellenhälfte, stehen sich am Samstag in Gießen gegenüber. Die Begegnung ist völlig offen. Sollten die Einheimischen gewinnen — was vielleicht eher zu erwarten ist —, so können sie sich in die Mitte der Tabelle vorschieben, während die Homburger in diesem Falle dem BC Karlsruhe am Tabellenende Gesellschaft leisten werden.

Jachtmann will Weltrekord fliegen

Wie wir von Ernst Jachtmann erfahren, der seiner alten Heimatstadt Darmstadt einen kurzen Besuch abstattete, wird er zusammen mit Guy Marchand in nächster Zeit in einem Doppelsitzer-Segelflugzeug starten, um zu versuchen, den Weltrekord in dieser Sportart noch wesentlich zu verbessern. Wegen des Verbotes des Segelfliegens in Deutschland muß dieser Versuch im Ausland von Stapel gehen. Italienische Sportkameraden haben für den Flug bereits ein italienisches Segelflugzeug zur Verfügung gestellt. Ernst Jachtmann hat mit dem Vortraining bereits begonnen. Der Ort des Startes ist noch nicht bekannt. t-s

Woehin am Wochenende?

Samstag: 20.30 Uhr: Ringen. Oberliga SV 98—ASV 86 Frankfurt, Goetheschule. 20.30 Uhr: Ringen. Landesliga SG Arheilgen—SKG Ober-Ramstadt, Turnhalle. Sonntag: 8 Uhr: Tischtennis. Landesliga SV 98—Weiß-Blau Frankfurt, Eleonorenschule. 10 Uhr: Handball. Gruppenliga 4, TSG 46—TSV Pfungstadt, Woogswiese. 11 Uhr: Fußball. Kreisklasse, TSG 46—Bickenbach, Woogswiese. 15 Uhr: Fußball. 1. Liga Süd, SV 98 gegen Eintracht Frankfurt, Hochschulstadion.

Danksagung Für die zahlreichen Beweise herzlicher Anteilnahme anläßlich des Heimganges unserer lieben Mutter, Frau Maria Stier We. geb. Götz sagen wir herzlichen Dank! i Familie August Henkel Darmstadt, im Oktober 1950. I

mstag, dem 23. Oktober 1950 Iter Friedhof: 68 J., PankratiusstraCe 120 Valdfriedhof: aufmann, 37 J., Im tiefen See 38 1 iv.-Insp. a. D., 68 J., Landskronstr. 19 H J., Taunusring 97 ;

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| Amtliche Bekanntmachungen»^^^ Bekanntmachung Gewährung einer winterwirtschattsbeihilfe 1950/51 Der Bezirksfürsorgeverband der Stadt Darmstadt gewährt allen Empfängern von Fürsorgeunterstützung und Minderbemittelten, die über kein größeres Einkommen als die Erstgenannten ver¬ fügen, im Rahmen der Reichsgrundsätze über Voraussetzung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge eine Winterwirtsdiaftsbei¬ hilfe Die Beihilfe ist abgestuft auf die Kopfzahl der Familien¬ gemeinschaft und wird teils in Gutscheinen zum Bezug von Winterbrand (Holz und Kohlen) und teils in bar als Beitrag zu den Kosten der Beschaffung eines Kartoffelyorrates gewahrt. Fürsorgeunterstützungsempfänger erhalten die V interwirtschafts¬ beihilfe ohne besonderen Antrag. Alle Bezugsberechtigten werden noch benachrichtigt. _ Minderbemittelte, die keine Ifd. Füfsorgcunicrstutzung beziehen, müssen auf besonderem Vordruck Antrag stellen. Die Vordrucke sind am 30. und 31. Oktober 1950 in der Zeit von 8 bis 12 Uhr vormittags erhältlich für den Stadtbezirk Darmstadt Alexanderstraße 35, Zimmer 5, für Darmstadt-Arhellgen bei der Ortsverwaltung, für Darmstadt-Eberstadt bei der Ortsverwaltung. Die ordnungsmäßig ausgefüllten und unterschriebenen Antrags¬ vordrucke müssen persönlich unter Vorlage der Kennkarte und der Elnkcmmcnsnachwelse der Haushaltsangehörigen zu den auf der Rückseite des Antrags vorgesehenen Daten zur Vorprüfung tmd Vorentscheidung an den Ausgabestellen vorgelegt werden. Anträge die nicht persönlich abgegeben werden und in denen die verlangten Nachweise nicht beiliegen, können nicht bearbeitet AHe^Leistungen der Winterwirtschaftsbeihilfe sollen spätestens bis 20. 12. 50 in Anspruch genommen sein. Der Verfalltag für sämtliche Berechtigung ist der 28. 2. 51. Stadt Darmstadt — Sozialamt — Allgemeiner Hinweis Es wird hierdurch darauf hingewicsen, daß im Monat November 1950 folgende Steuern zu entrichten sind: 1. Umsatzsteuervorauszahlung der Monatszahler für Oktober ’ 1950 fällig am 10. 11. 1950. .... „ ~ . 2 Lohnsteuer, Kirchenlohnsteuer sowie das Notopfer Berlin der Monatszahler für Oktober 1950 fällig am 10. 11. 1950. 3. Vierte Rate Gewerbesteuer 1950 fällig am 10. 11. 1950. 4. Vierte Rate Vermögenssteuer 1950 (Bei Landwirten 3. und 4. Rate) fällig am 10. 11. 1950. ... 5 Dritte Rate Allg. Soforthilfeabgabe 1950 (Bei Landwirten ’ 2. und 3. Rate) fällig am 20. 11. 1950. Es wird «ebeten die bezeichneten Steuern rechtzeitig zu ent¬ richten. Geht die Zahlung nicht binnen 1 Woche nach Eintritt der Fälligkeit bei der Finanzkasse ein, so ist das Finanzamt ange¬ sichts der angespannten Finanzlage der öffentlichen Hand genö¬ tigt. die fälligen Beträge zwangsweise beizutreiben. Einzahlungs- Pflichtigen. die nicht rechtzeitig bezahlen, entstehen auch inso¬ fern Nachteile, als außer den steuerbetragen noch Säumniszu¬ schläge und Vollstrcckungsgebühren zu entrichten sind. Darmstadt, 31. Oktober 1950 m.«,,,.. Die Finanzämter: Darmstadt, Bensheim, Dieburg FUrth/OdW., Groß-Gerau, Langen und Michelstadt

Oeffentllche Bekanntmachung Betr.: Die Landtagswahl am 19. 11. 1950; hier: Aufforderung zur Einreichung der Kreiswahlvorschläge für die Wahlen zum Land¬ tag des Landes Hessen. Für die Wahlen zum Landtag des Landes Hessen am 19. Novem¬ ber 1950 wurde der Landkreis Bergstraße in zwei Wahlkreise (Wahlkreis 47 und 48) eingeteilt. Der Wahlkreis 47 umfaßt fol¬ gende Gemeinden des Landkreises Bergstraße: Heppenheim, Groß-Rohrhcim, Einhausen, Biblis, Wattenheim, Nordheim, Hof¬ heim, Bürstadt mit Rosengarten, Riedrode, Lorsch. Lampertheim, Viernheim, Bobstadt, Langwagen, Rodau, Fehlheim, Schwan¬ heim und Zwingenberg. . Der Wahlkreis 48 umfaßt die restlichen Gemeinden des Landkrei¬ ses Bergstraße. , . Ich fordere hiermit die Wähler der Wahlkreise 47 und 48 auf, bis spätestens Donnerstag, 2. November 1950, 18.00 Uhr, die Wahl¬ vorschläge für ihren Wahlkreis für die Wahlen zum Landtag des Landes Hessen am 19. 11. 1950 bei mir einzureichen. In Kürze gebe ich Ihnen die Bestimmungen des Gesetzes über die Wahlen zum Landtag des Landes Hessen vom 18. 9. 1950 (Gesetz- und Verordnungsblatt S. 171) und der Wahlordnung für die Wah¬ len zum Landtag des Landes Hessen vom 10. 10. 1950 (Gesetz- und Verordnungsblatt S. 189) bekannt, die bei der Aufstellung und Einreichung der Kreiswahlvorschläge zu beachten sind. Heppenheim, 23. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße als Krelswahllelter der Wahlkreise 47 und 48 Dengler

Preisauszeichnung Um verschiedene in letzter Zeit aufgetauchte Zweifel zu besei¬ tigen, weise ich nochmals darauf hin, daß die Preisauszcich¬ nungspflicht nach wie vor besteht. Es müssen daher alle Waren, die in Schaufenstern, in Schaukästen, innerhalb oder außerhalb des Ladens auf Verkaufsständen oder in sonstiger Weise sicht¬ bar ausgestellt werden, mit gut lesbaren Preisschildern verse¬ hen sein. Metzger, Bäcker und Konditoren haben außerdem die Preise für die wesentlichen Waren in Preisverzeichnisse auf¬ zunehmen, von denen je eines im Schaufenster und im Verkaufs¬ raum an leicht sichtbarer Stelle gut lesbar anzubringen ist. Friseure, Schuhmacher, Wäschereien, Plättereien und chemische Reinigungsanstalten haben die Preise für ihre wesentlichen Lei¬ stungen in Preisverzeichnisse aufzunehmen, von denen je eines im Schaufenster und im Verkaufsraum an leicht sichtbarer Stelle gut lesbar anzubringen ist. Für Gaststätten, Speisewirtschaften einschließlich Gartenlokalen sowie Beherbergungsgewerbe gel¬ ten noch besondere Vorschriften, die auf Wunsch bei meiner Preisbehörde eingesehen werden können. Von der Preisauszeich¬ nungspflicht sind lediglich ausgenommen Juwelen, gewisse Anti¬ quitäten, moderne Kunstwerke, numismatische Gegenstände und Briefmarken. Nähere Einzelheiten können bei der Preisbehörde erfragt werden. Idi bin angewiesen, heute mehr denn je darauf zu achten, daß die Preisauszeichnungspflicht voll erfüllt wird, um in einer Zeit des freien Wettbewerbs die Bevölkerung vor Preisübervorteilung zu schützen. Bei festgestellten Verstößen bin ich leider genötigt, nach den Bestimmungen des Wirtschaftsstrafgesetzes einzu¬ schreiten. Heppenheim, 21. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße

7rujcco\ der settetiätiqe Herdpute putet ^hne Kraft u. Müh'

Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 28. Oktober 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 17.30 Martins¬ stift; 20.00 Johannesgemeinde, Elisabethenstift, Pauluskirdie (Gebetsandacht). Sonntag, den 29. Oktober 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd.; 12.00 Tgd.; 14.30 Kgd. Pfr. Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Knodt. (Mi 1. 11., 20.00 Kriegsgefangenengebetsgottesdienst.) Ver. Evang. Martlnsgemeinde: 10.00 Hgd. Pfr. Preß; 11.15 Kgd. Martinsstift Pfr. Köhler; 11.15 Kgd. Gemeindehaus Pfr. Stüh¬ linger; 17.00 Agd. Pfr. Köhler. (Di 31. 10.. 9.00 Schulgd.). Altersheim, Emllstraße: 10.00 Hgd. Pfr. Stühlinger. Matthäuskirche: 9.30 Hgd. Pfr. Stenger; 10.45 Kgd. (Do 2. 11., 20.00 Bibelstunde.) lohanncsgemeinde: 9.30 Hgd.; 11.00 Kgd. Pfr. Jaeschke. (Mi 1. 11,. 20.00 Agd. Pfr. Jaeschke; Fr 3. 11., 20.00 Bibelstunde.) (Tägl. 7.30 Morgengebet, Do auch 6.45.) Pauluskirche: 8.30 Christenlehre; 9.30 Hgd. Pfr. Britz; 11.00 Kgd. (Di 31. 10., 19.30 Gottesd., anschl. hl. Abdm., Pfr. Britz.) Elisabcthenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm. Stadtmission, Mühlstraße 24: 8.30 Gebetsstde.: 11.15 Kgd.; 15.30 Evangelisation, Miss. Insp. Polchert; 17.30 Jgdbd. f. EC. (Do 2. 11., 20.00 Bibelstunde.) Darmstadt-Eberstadt: 7.30 Ev. M.: 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd. (31. 10. Reform. Fest, 9.00 Oberst, u. Höhere Schüler, 10.00 Unterst.) Darmstadt-Arhellgen: 8.00 Kranichstein Reform. Fest; 10.00 Hgd.; 11.00 Kgd.; 15.00 Landeskirchl. Gemeinsch.; (Mo 30. 10., 20.00 Gemeindehaus: Vortrag v. Vikarin Friesen über ihre Gefängnisarbeit; Di 31. 10. Reform. Schulgd.; Di 31. 10., 20.00 Männerabend; Do 2. 11., 20.00 Gemeindebibelstunde). Katholische Gottesdienste Sonntag, den 29. Oktober 1950 St. Ludwig, Niederramstädter Straße 30: 6.30 Frühm. m. Anspr. 8.00 Gemeinschaftsm. d. Pfarrjgd. m. Pr. u. hl. Komm.; 9.30 lev. Hochamt m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 18.00 Christkönigs¬ feier d. ges. Jgd. d. St. in St. Elisabeth. (Werktagsgd.: 6.45 u. 7.30 hl. Messe; Di u. Fr 19.30 Rosenkranzand.; Beichte: Sa 14.30 Kinderbeichte, ab 18.00 Erw.-Beichte; 20.00 d. Jugend betet d. kirclil. Nachtgebet.) Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.: 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 Andacht. (Werktagsgd.: tägl. 6.30 hl. Messe, Di, Mi, Fr und Sa 8.05 2. hi. Messe; Do 19.00 Jugend¬ u. Kindermesse; jed. Mittw. 8.05 Gemeinsch.-Messe f. d. Frauen.l (Allerheiligen: 7.00 hl. Messe; 8.15 Amt m. Pr.; 10.00 Kgd. m. Pr.; 19.30 Amt m. Pr.; anschl. Totenoff. u. Absolut. Allerseelen: hl. M. 6.00, 6.45 und 8.00. Um 19.30 feierl. Requiem f. alle Verst., bes. d. Pfarrei.) St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm.; 9.00 Jugendgemeinsch.- Messe und Kgd.; 10.15 Hochamt; 14.30 Rosenkranzandacht m. Segen; 18.00 Christkönigsfeierstunde d. Jugend; (Beichtgel.: Samstag 16.30 bis 18.30 und ab 20.00.)

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Was Ist ein Markenfahrrad? Im Interesse des kaufenden Publikums sieht sich die Fahrrad- und Nähmaschinen-Mechaniker-Innung des Stadt- und Landkreises Darmstadt veranlaßt auf folgendes hinzuweisen: Der Begriff des Markenrades wird in erheblichem Umfange auf Fahrräder angewandt, bei denen alle oder einige Vorausset¬ zungen, die znr Bezeichnung „Markenrad“ berechtigen, fehlen. Deutsche Gerichte haben mehrfach in ihren Urteilen zur mi߬ bräuchlichen Benutzung dieses Begriffes Stellung genommen, da die ungerechtfertigte Benutzung dieses Begriffes „Markenrad“ in der Werbung geeignet ist bei dem Konsumenten zu Irrtümern zu führen. In marktschreiender Reklame werden oft billige erstklassige Fahrräder oder billige Markenräder angeboten was eine be¬ wußte Täuschung des Konsumenten ist, denn billige erstklassige, oder billige Markenräder gibt es nicht und es heißt auch beim Fahrrad: nach Geld, danach die Ware. Es gibt wohl billige eini¬ germaßen brauchbare Fahrräder, sie Sind jedoch kein außerge¬ wöhnliches Angebot da dieselben in jedem Fachgeschäft zu haben sind. Kein verantwortungsbewußter Fachmann welcher aus der praktischen Berufserfahrung hervorgegangen ist, wird derartige Räder als erstklassig oder als Markenrad bezeichnen. Lassen Sie sich bei Anschaffung eines Fahrrades von einem Fachmann beraten, der praktische Berufserfahrung hat. Innungsobermeister G Hahn Bekanntmachungen Straßensperrung Auf Grund des § 4 der StrVKO vom 19. 11. 1937 wird die Land¬ straße 11. Ordnung Nr. 59 zwischen Bensheim und Schwanheim ab 1. November 1950 wegen Umbauarbeiten für den gesamten Ver¬ kehr bis auf weiteres gesperrt. Umleitung erfolgt über Zwingen¬ berg/Rodau. Die aufgestellten Absperrschilder sind zu beachten. Heppenheim, 23. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße

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Historischer Verein 30. Oktober 1950, 18 Uhr, Technische Hoch¬ schule, Saal 167 VORTRAG von Studienrat Dr. Diel (Dieburg): J. R. v. Fechenbach, ein Mitkämpfer des Prinzen Eugen.

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Darmstädter Tagblatt am Ionntag Sonntag, 29. Oktober 1950

Herbst im Biebricher Schloßpark


Aufnahme: Juns
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Hinnerum...

ERINNERUNG AN MEINE GROSSMUTTER

Auch ich hatte einmal eine Großmutter. Sie war wie alle Großmütter eine liebe Frau, eine Seele von einem Menschen, wie man so zu sagen pflegt, und hatte — was vielleicht das Schönste und Liebens« werteste an ihr war — ein Herz voller Romantik und voller Humor. Leider starb die gute, alte Frau früher, als wir alle um sie her es befürchtet hatten. So kommt es, daß ich mich vieler ihr nachgerühmter Eigenschaften kaum mehr zu erinnern vermag. Nur hie und da sind ein paar Lichter der Erinnerung hell geblieben im Dunkel der Vergangenheit, das sich längst über Großmutters Leben gebreitet hat. Eines dieser Lichter aber ist dies, daß sie eine beinahe sch eimische Freude am heiteren Fabulieren hatte. Sprichwörter mochte Großmutter besonders gern. Und so gab es wohl auch kaum eine Gelegenheit,

für die sie nicht ein lustiges oder besinnliches Verseben oder Reimchen zur Hand hatte. Und wenn alles außer ihrer guten Seele an ihr auch sterblich war, der lustige „Sprüchbeutel", den sie unserer ganzen Familie vererbte, wird wohl unsterblich sein und bleiben. Eines dieser „geflügelten Worte" ist nicht nur in unserer Familie, sondern eigentlich überall hier« zulande, wo alte Familientraditionen noch wach« gehalten werden, lebendig geblieben. „Hinnerum wie die Fraa vunn Bensern" — pflegte Großmutter zu sagen, wenn einmal etwas über die Hintertreppe geschah oder sonst nicht so ganz mit rechten Dingen zuging. Und wo noch ein Sinn für echten Volks« humor wach geblieben ist, kann man auch heute noch dieses lustige Gerede hören. Aber nur die wenigsten wissen, daß dieses Wort ein altes Sprich« wort ist, hinter dem ein tiefer geschichtlicher Sinn verborgen steckt.

Es war im Jahre 1644. Damals herrschte in „Bensern" — der Stadt Bensheim nämlich — große Bedrängnis. Die Franzosen hatten die Stadt besetzt, führten darin ein recht beschauliches Leben und kümmerten sich wenig um die bayrischen Generale von Mercy und Johann von Werth, die den Ort belagerten. Eines Tages aber wurde die Stadt von den Bayern heftig beschossen, sie wollten endlich auch wieder einmal leben, wie die Franzosen lebten, und es gelang ihnen tatsächlich, eine Bresche in die vier Fuß dicke Stadtmauer zu schlagen. Aber mehr eben auch nicht. Wer von den drauf« gängerischen Bayern die Mauern bestieg, wurde droben von den Franzosen recht unfreundlich empfangen und kopfüber da wieder hinunter« geworfen, woher er gekommen war. Wenn's dabei noch blieb, ging es noch gnädig ab. Die meisten Bayern bezahlten droben ihre Tollkühnheit mit dem Leben. Die bayerischen Generäle erwogen bereits, die Belagerung der Stadt abzubrechen, als ihnen eine einfache Bensheimer Bürgersfrau neues Kriegs« glück in die Hand spielte. Sie verriet ihnen, wie man ohne Schwierigkeiten durch den Bensheimer Mühl« graben unter einem langen Hausgewölbe in die Stadt kommen könne. Die Bayern waren zunächst mißtrauisch: wie, wenn die Alte mit den Eran« zosen gemeinsame Sache machte und die Bayern in eine Falle lockte? Aber der Drang, in die Stadt zu kommen, blieb schließlich stärker als alle Furcht vor Hinterhalten. Und so drangen denn die Bayern tat« sächlich auf dem angegebenen Weg in die Stadt ein, fielen den Franzosen in den Rücken und er« oberten die Wehren. Als man fast 200 Jahre später am alten Kampfplatz Ausgrabungen begann, fand man dort noch eine riesige Menge von Schädeln, Lanzen, Sicheln, Speere und Gewehrstücke, die noch aus dem Kampf der Bayern gegen die Franzosen stammten. L'nd mit den Waffen und Gebeinen der toten Krieger wurde damals auch das alte Sprich« wort wieder ausgegraben: „Hinnerum wie die Fraa vunn Bensern!" Auf dem Grab der Großmutter blühen jetzt die ersten Rosen, die wir ihr eines Tages zum Dank und zur Erinnerung pflznzten. Schöner aber noch als diese Rosen blüht der „Sprüchbeutel" fort, den sie uns bei ihrem letzten Abschied vermachte. Und eigentlich ist sie ein wenig- „Hinnerum wie die Fraa vunn Bensern" von uns gegangen; denn sie hätte gut ein paar Jahrzehnte noch bei uns bleiben kön« nen. Ihr Humor hätte uns — auch heute noch und heute wieder — gut getan. Ferenz



Das gestohlene Schwert

Auf der gegenüberliegenden Seite von Oppen« heim, drei Kilometer westlich des Ortes Erfelden am heutigen Altrhein malerisch gelegen, steht die Schwedensäule, zur Erinnerung an Gustav Adolfs Rheinübergang in der ersten Hälfte des 17. Jahr« hunderts gesetzt. Sie ist ein hoher Obelisk, auf dessen Spitze ein gekrönter Löwe mit einem Schwert in den Pranken sitzt. Bald nach der Aufstellung dieses Denkmals, im Dreißigjährigen Krieg, nahm ein kaiserlicher Offi« zier das Schwert aus den Pranken des Löwen und überbrachte es dem damaligen Kaiser Ferdinand. Denn der Offizier versprach sich hohen Lohn und die kaiserliche Gnade von diesem Feinde Gustav Adolfs. Er wurde aber sehr enttäuscht. Denn statt der goldenen Kette, die sich der Offizier vom Kaiser erhofft hatte, hätte ihn der Kaiser beinahe in eiserne Ketten legen lassen, weil er eines so tapferen Heb den aufgerichtete Gedenksäule durch Raub ver« unehrt habe. Der kaiserliche Offizier mußte das Schwert wieder zurückbringen und dem Löwen in die Pranken legen, so daß man es dort noch heute sehen kann. eiHi=

Die Frankenthaler Beziehungen zu Worms

Wenn der heilige Eckenbert, der aus dem Geschlecht der Kämmerer von Worms stammt, nicht vor 800 Jahren auf seinem Gut im damaligen Dorf Franken« thal ein Kloster gegründet hätte, sondern etwa in Bobenheim oder einem anderen der umliegenden Dörfer, wer weiß, wie die Geschichte Frankenthals gelaufen und ob es das geworden wäre, was es heute ist. Denn als das Augustinerchorherrenstift durch die pfälzischen Kurfürsten nach der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert aufgehoben worden war, übergab Kurfürst Friedrich 111. die leeren Gebäude im Jahre 1562 einigen ihres Glaubens wegen vertriebenen, niederländischen Protestanten, die den Grundstein zu der heutigen Industrie Frankenthals legten. Wer denkt heute noch an jene Beziehungen zwi« sehen Frankenthal und Worms, wenn er den Namen Eckenbert=Museum hört? Denn seit der unnatür« liehen und willkürlichen Grenzziehung vor hundert« undfünfzig Jahren ist den Frankenthalern Worms und den Wormsern Frankenthal so etwas wie „Aus« land" geworden. Und dabei sind die Wormser land« schaftlich und stammesmäßig genau so Pfälzer wie die Frankenthaler. Im Jahre 1119 gründete der Wormser Eckenbert das Kloster Groß=Ffankenthal und schickte zu seiner Errichtung zwei Wormser, den Diakon Gottfried und den Laien Gosmann, dorthin, wodurch uns die ersten Namen von Architekten und Baumeistern des Alt« Wormser Kulturbereichs überliefert wurden und wie sie in der im Jahre 1130 verfaßten Lebensbeschrei« bung Eckenberts verzeichnet stehen. Für die St. Maria Magdalena zu Ehren geweihte Kirche werden uns drei Weihen durch Wormser Bischöfe genannt: 1125 und 1142 durch Bischof Buggo ttnd 1181 durch Bischof Konrad 11. Danach wäre die Kirche in mehreren Etappen gebaut worden, was damals nicht unge« wohnlich war. Die heute noch vorhandenen Reste der ehemaligen Kirche stammen jedoch aus späterer Zeit. Zwar wird in der obengenannten Lebensbeschreibung Eckenberts berichtet, daß die beiden Wormser Bau« meister die Frankenthaler Kirche nach dem Vorbild der St. Amanduskirche in Worms erbaut hätten. Doch scheint ein Brand 1171 diesen Bau so zerstört zu haben, daß ein Neubau notwendig wurde, an dem ebenfalls Wormser Bauleute gearbeitet haben. Denn wir finden an den erhaltenen Resten mit einem schön profilierten Bogenfries, einem prachtvollen Portal und an anderen Teilen der Vorhalle die glei« eben eigentümlichen Stilformen, wie sie uns vom Wormser Dom her bekannt sind. Das Augustinerchorherrenstift St. Maria Magda« lena wurde auch Groß=Frankenthal genannt. Daneben bestand noch das Frauenkloster Klein=Frankenthal, zu dem Eckenbert 1125 den Grundstein gelegt und wohin sich seine Frau Richlindis nach seinem Tod zurückgezogen hatte. Es war 1139 zu Ehren St. Ste« phans geweiht worden, gehörte später zum Wormser Kloster Kirschgarten, in dessen Urkunden es wieder« holt erscheint, und macht mit diesem die Umwand« lung aus einem Frauenkloster in ein Männerkloster mit. Im Ausgabebuch des Klosters Kirschgarten er« scheinen wiederholt Beträge für Pergament, Farben und Schreibarbeiten der Schreibstube Kirschgartens für Frankenthal sowie der dortigen Schreibstube. Und wir wissen, daß auch die Werke des gelehrten Wormser Bischofs Matthäus von Krakau in der Bibliothek des Klosters Frankenthal lagen. Bischof Reinhard von Worms hob 1468 das Kloster Klein« Frankenthal auf und vereinigte seine Güter mit dem Augustinerchorherrenstift Groß=Frankenthal, wobei er es gleichzeitig durch Kloster Windsheim refor« mieren ließ, nachdem diese einige Zeit vorher auch das Wormser Kloster Kirschgarten übernommen hatten. Bei Wormser Reichstagen, die ja viele Besucher nach Worms brachten, wohnten auch Prälaten im Kloster Frankenthal. So wird berichtet, daß beim Wormser Reichstag 1467 der Bischof von Eichstätt dort gewohnt hat und gestorben ist. Nach der Einziehung des Klosters durch die pfäl« zischen Kurfürsten lockerten sich die Beziehungen zwischen dem kurpfälzischen Frankenthal und der Reichsstadt Worms, da ja die alten geistlichen Ver« bindungen abgerissen waren, wenn auch der Ort weiterhin zum Gebiet des Bistums Worms bis zu dessen gewaltsamem Untergang im Zuge der fran« zösischen Revolution gehörte. Die Grenzziehung zwischen Worms und Frankenthal ließ dann die letz« ten dünnen Fäden abreißen, so daß heute kaum jemand in Frankenthal und Worms daran denkt, daß das vor 800 Jahren von dem Wormser Eckenbert gegründete Kloster die Plattform für die Ansiedlung der vertriebenen holländischen Protestanten abgab, von wo aus die heute weithin bekannte Franken« thaler Industrie ihren Ausgang genommen hat. «illi«

Oktoberlied

Von Theodor Storm

Der Nebel steigt, es fällt das Laub, Schenk’ ein den Wein, den holden. Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja, vergolden. Und geht es draußen noch so toll Unchristlich oder christlich. Ist doch die Welt, die schöne Welt, So gänzlich unverwüstlich. Und wimmert auch einmal das Herz, Stoß an, und laß’ es klingen! Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen. Der Nebel steigt, es fällt das Laub, Schenk’ ein den Wein, den holden. Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja, vergolden. Wohl ist es Herbst; doch warte nur, Doch warte nur ein Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, Es steht die Welt in Veilchen. Die blauen Tage brechen an, Und ehe sie verfließen: Wir wollen sie, mein wack’rer Freund, Genießen, ja genießen!

Frauen IM STURM DER ZEITEN

VON PETER GRIESENBRUCH

?. Fortsetzung X olange die Gräfin sich erinnern kann, hat sie der» gleichen nie gehört. Jetzt wendet sie sich mit scharfen und verweisenden Worten an Marie An» toinette, die nun vor ihr steht und mit halb gelang» weiltem, halb belustigtem Gesichtsausdruck zuhört, in ihrer Verwirrung anmutiger denn je. Als die Strafpredigt vorbei ist, sieht Marie Antoinette der Gräfin mit einem tiefen Seufzer nach. Wann end» lieh werde ich der Herrschaft der „Madame Etikette" — so hat sie sich lange gewöhnt die Gräfin zu nen» nen — entronnen sein? Wenn ich Königin sein werde! Und zum ersten Male beschleicht dieses junge und nur den Spielen und der Lebensfreude ergebene Herz eine Sehnsucht nach Macht, nach der Macht des. Thrones — um besser und ungestörter sich freuen zu dürfen. Solcher Art sind die Sorgen am Hofe von Ver» sailles, am Hofe des mächtigsten Königs in Europa. Viele Leute in Versailles .. . 1. Januar 1772. Das königliche Schloß zu Versailles hat einen seiner Glanztage. Der ganze Hof ist im Großen Saal versammelt. Dieser ungeheure Troß von eitlen Müßiggängern zeigt den leuchtendsten Prunk, des» sen das achtzehnte Jahrhundert fähig. In allen zarten Farben des Rokokos schimmern die Gewänder, und über Schultern und Nacken der Damen gleißen Diamanten und schimmern Perlen. Eine merkwürdige Unruhe ist heute unter den Versammelten. Sind es die Nachrichten von dem wachsenden Fehlbetrag in der Kasse des König» reiches, sind es die Nachrichten von einer großen Veränderung am Himmel Europas, von der bevor» stehenden Teilung Polens, die alle diese Minister und Höflinge beschäftigen? Aber nicht einen Gedanken verschwenden sie an so unwichtige Ereig» nisse. Alles fragt sich, fragt flüsternd den anderen: „Etwas Neues von der Kronprinzessin und der Gräfin Dubarry?" Denn man weiß, daß die Gräfin, seit langem ver» letzt über die tödliche Nichtbeachtung durch die Kronprinzessin, den König unter Bitten und Tränen und zuweilen auch mit dem Aufstampfen ihres kleinen Fußes beschworen hat, er möge seine Schwiegerenkelin dazu bringen, sie endlich, endlich einmal bei Hofe anzureden. Man weiß, daß der König auch Marie Antoinette Befehl dazu gegeben hat. Aber man weiß auch, daß die Kronprinzessin, ungeheures Ereignis für diese Gemüter, sich ge» weigert hat, dem königlichen Wunsche nachzukom» men — das einzige Mal seit Menschengedenken, daß an diesem Hofe ein Wunsch seiner Majestät miß» achtet worden ist. Und nun hat die Kaiserin im fernen Wien ihre Tochter streng ermahnt, dem König zu gehorchen. Ach, die alte fromme Kaiserin mißachtet das Geschöpf aus der Gosse, das den König von Frankreich beherrscht, mindestens ebenso, wie ihre Tochter in Versailles es tut. Aber da ist noch die große Politik ... Wenn die Erzherzogin von Österreich den König so schlecht behandelt, wird sein Außenminister schließlich eine Politik machen, die dem Hofe von Wien entgegengesetzt ist, vielleicht wird es sich Preußen, vielleicht wird es sich Rußland anschließen, und dann ist öster» reich allein, und Millionen von Menschen müssen es büßen, daß eine stolze Habsburgerin einer ge» adelten Dirne kein Wort gönnen will. Von dem Lächeln oder den Tränen einer eitlen Frau ist in dieser Zeit das Schicksal von großen Reichen ab» hängig . .. Nun fragt sich alles: wird heute Marie Antoinette nachgeben? Die Blicke richten sich nach der Stelle, wo die Kronprinzessin sitzt und wo die Damen des Hofes jetzt vorbeidefilieren, um ihre Neujahrsglück» wünsche anzubringen. Und von ihr wenden sich alle Blicke immer wieder zu der Gräfin Dubarry, man sieht mit Schadenfreude oder — wer zu ihrer mächtigen Partei gehört — mit Bedauern, wie ihre Lippen beben, wie sie von Zeit zu Zeit mit ihren kleinen weißen Zähnen darauf beißt, um die fiebernde Unruhe nicht allzu deutlich zu machen, die sie erfüllt. Und nun kommt der große Augen» blick, nun hält der ganze Saal den Atem an — und dann geht es wie ein Seufzer der Erleichterung durch den Riesensaal; die Kronprinzessin hat ge» sprechen!

Mit einem leichten Neigen des Kopfes hat Marie Antoinette zu der Gräfin Dubarry gesagt: „Es sind viele Leute heute in Versailles ..Sieben Worte, aber ein Balsam für das verwundete Herz der Gräfin, die nun mit strahlendem Gesicht sich mit einem tiefen Knicks von der Kronprinzessin ver» abschiedet. Die glücklichste Frau heute in Frank» reich. Und sieben Worte, die Weltpolitik bedeuten Denn nun steht es fest, daß Österreich und Paris gute Freunde bleiben und daß nicht vielleicht der unheimliche alte König in Potsdam Gelegenheit zu neuen Plänen gegen Österreich findet. Blicke der Bewunderung und des Neides folgen der Gräfin. Niemand hat aufmerksamer dem Schau» spiel zugesehen als der König. Jetzt bemerkt jeder, wie sich seine Züge entspannen. Dankbar nickt er

der Schwiegerenkelin zu. Jeder weiß, daß Seine Majestät sehr glücklich und auch sehr gnädig gestimmt sind. Dutzende von Höflingen beschließen sofort, die günstige Stimmung des Königs auszunutzen und ihm in den nächsten Tagen, vielleicht schon heute, um ein Gnadengeschenk, um eine kleine Stelle, um die Beförderung eines Neffen zum Obersten, um einen neuen Titel anzugehen. Nach der Feier schließt der König gerührt Marie Antoinette in seine Arme. Nun wird er Frieden haben vor den Tränen seiner Geliebten. Aber der Stolz der Kronprinzessin ist tief verwundet. Nicht dem Zorn des Königs, nur den Bitten der geliebten Mutter hat sie dies Opfer gebracht. Und sie schwört sich selber in dieser Stunde: „Nie wieder.. " Und wahrlich, sie wird diesen Schwur halten, und nie wieder wird die Gräfin von ihr auch eine Silbe hören. Immerhin, heute ist die Gräfin Dubarry glücklich; und in all ihrer Eitelkeit ist sie klug genug zu wissen, daß sie den Bogen nicht Überspannen darf. Sie wird ihre Bitte an den König nicht wiederholen. Indem Marie Antoinette ihr Herz bezwungen und indem sie nachgegeben hat, hat sie die Beziehungen zweier großer Mächte vor den schwersten Erschütterungen bewahrt und mitgewirkt, Europas Geschicke zu bestimmen. Sechzehn Jahre und zwei Monate ist "Sie alt, von Politik versteht sie nichts und wird sie nie etwas verstehen. Aber in den Händen dieses jungen Mädchens hat für einen kurzen Augenblick die Weltgeschichte gehangen. Königin 10. Mai 1774. Im Hofe von Versailles steht die lange Reihe der Wagen. Die Kutscher und Lakaien stehen in Gruppen umher; die übrigen Insassen haben sich zu den anderen Edelleuten gesellt, die von ihren Pferden gestiegen sind. Nur gedämpftes Sprechen ist hörbar. Die meisten der Stehenden sind ebenso stumm wie die unbeweglichen Gestalten der Posten an den Türen. Alle blicken sie immer wieder durch die Regenschauer zu dem einen Fenster hin, hinter dem eine einsame Wachskerze gleichmäßig herunterbrennt. Hinter dem Fenster liegt das Sterbezimmer des Königs.

Drinnen ertönt das leise Murmeln der Gebete. Der König, dessen Leib unter der tödlichen Krankheit der Blattern seit Tagen verfault und sich der Auflösung nähert, liegt meist bewußtlos. Von Zeit zu Zeit öffnet er die Augen in seinem schweißnassen Gesicht, und während er vor Schmerzen stöhnt, sieht er mit einem Ausdruck des Flehens zu dem Groß-Almosenier hin, der die Gebete vorspricht. Der König Ludwig der Fünfzehnte weiß, daß er ein großer Sünder ist; er hat öffentlich bekannt, und schlimmer als die Qualen der Krankheit sucht ihn jetzt die Bitternis der Reue heim. Weiter im Hintergrund halten sich die Spitzen des Hofstaates in ihrer körperlichen Überanstrengung mühsam aufrecht. Durch die halboffene Tür sieht man, daß viele im Gang stehen. Alle ihre Gesichter sind leer und gelangweilt. Nicht einer, außer den Töchtern des Königs, ist da, der innere Bewegung zeigte. Was ist ein König, der stirbt? Ein Schatten, ein Nichts; und wenn er so langsam stirbt wie dieser, hält er einen nur auf. Vorgestern konnte er Ehren, Würde und reiche Einkünfte verteilen. Jetzt ist er nur ein Stück Fleisch, das in dieser schrecklichen Krankheit bereits zu stinken anfängt; morgen wird er nicht mehr sein. Und die angestrengten Gehirne der Höflinge berechnen bereits: wie wird der neue König sich zu ihnen verhalten? Er gilt als gutmütig; man kann also hoffen. Aber er gilt auch als sparsam, man muß also fürchten. Wenn man nur wüßte, wie man ihn nehmen könnte? Es gilt, sehr klug zu sein. An der anderen Seite des großen Ganges, recht weit entfernt, warten der Kronprinz und die Kronprinzessin. Die Minister haben ihnen verboten, zum König zu gehen. Die Gefahr der Ansteckung ist zu groß; denn sie sind jetzt die teuersten Leben im Königreich, sie müssen erhalten bleiben. Beide sind stumm und gedankenvoll. Beide haben den Sterbenden gerne gehabt mit allen seinen Schwächen. Und auch sie prüfen bereits die Zukunft. Der Kronprinz denkt mit Sorge an die Last; die Kronprinzessin aber kann nicht hindern, daß immer wieder ein Gefühl der Erleichterung sich in ihre dumpfe Trauer mischt. Endlich werde ich frei sein: Keine einengende Etikette mehr, kein Verbot, dorthin und dahin zu gehen, keine unerwünschten Gesichter mehr um sich; denn nun wird sie die Herrin sein. Diese Kanaille, die Dubarry; noch morgen muß sie ins Kloster. Und die Gräfin Noailles, „Madame Etikette?" Hat sie nicht im Winter darauf bestanden, zwei Maskenbälle seien genug? Nun, man wird sie ehrenvoll entlassen. Und dann wird man tanzen, Feste feiern, Theater besuchen; keiner darf ein mürrisches Gesicht zeigen in der Gegenwart Marie Antoinettes ... Träume einer jungen Frau, nein, eines jungen Mädchens von neunzehn Jahren. Königin? Marie Antoinette sieht auch in diesen. Stunden nur den Glanz der Krone; von der Last der Pflicht weiß sie nichts, und sie wird lange Jahre nichts davon wis» sen. Wenn sie begreift, wird es zu spät sein. Von Zeit zu Zeit, wenn das Sterbezimmer sich weiter geöffnet hat, hören die beiden das Murmeln der Gebete. Der klatschende Regen und die Stöße des Windes verschlucken immer wieder die Laute; aber solange sie, sei es auch nur verwehend, zu hören sind, wissen Ludwig und Marie Antoinette: „Der König lebt". Im Hofe starren noch immer die Edelleute und die Wachen und die Kutscher zu der Kerze hin. Gegen halb vier Uhr nachmittags erlischt sie. Die Wartenden lüften die Dreispitze, sinken in die Knie und murmeln ein kurzes Gebet, flüchtige Zeichen der Trauer, die niemand fühlt. Dann eilen in jähen Sprüngen die Reiter zu den Pferden, sitzen auf und sprengen davon, der Hauptstadt Paris die Nachricht zu melden: Ludwig der Fünfzehnte hat gelebt. Die beiden stummen Wartenden im Zimmer der Kronprinzessin haben die Kerze nicht verlöschen gesehen. Aber nun hören sie plötzlich ein Brausen, das leise beginnt und immer mehr anschwillt. Es ist der Hofstaat, der es eilig hat, von dem toten, dem nutzlosen König wegzukommen und den Glanz der neuen Sonne zu erhaschen. Und schon kann Ludwig der Sechzehnte den Ruf unterscheiden, der sich mit der Eile des Windes durch das ganze Schloß fortpflanzt, den jahrhundertealten Ruf: „Der König ist tot! Es lebe der König!" Die Tür öffnet sich, an der Spitze schreitet hoheitsvoll die Gräfin von Noailles, hinter ihr drängen sich die anderen Höflinge, die Gräfin beugt tief den Kopf und den Nacken wie alle anderen: „Eure Majestäten", sagt sie ... Da sinkt der zwanzigjährige König in die Knie, die Tränen strömen ihm über das Gesicht: „Mein Gott", ruft er aus. „Bewahre und beschütze uns, wir sind zu jung für diese Regierung." (Fortsetzung folgt)



DER KREML IN MOSKAU

Mitten im Herzen der Siebenhügelstadt Moskau erhebt sich als Wahrzeichen russischer Macht wie ein gewaltiges Untier aus Ur=Zeiten der Kreml. Hoch über dem Ufer der Moskawa, auf dem Borowitzky=Hügel gelegen, ist er im unregelmäßigen Fünfeck angelegt und von einer 2 Kilometer km langen, 20 Meter hohen, früher rür uneinnehmbar gehaltenen roten Backsteinmauer umgeben. Innerhalb dieser mittelalterlich anmuten* den Bewehrung drängt sich eine Fülle verschieden* artigster Bauten: Paläste, zwiebeltürmige Kirchen, Klöster, Kasernen, Arsenale und Paradeplätze. „Über Moskau der Kreml, und über dem Kreml der Himmel", sagt ein ehrfürchtig=stolzes russisches Sprichwort. Auch andere russische Städte haben ihren Kreml. Aber nur dieser eine, der Kreml von Moskau, ist für Rußland und darüber hinaus für die ganze Welt zum Symbol der Macht geworden, einer glanz* voll=unumschränkten, rücksichtslos und in herr* seherischer Willkür gebrauchten Macht. Nicht in einem Zuge oder nach einem festen Plan wurde diese gewaltige Festung gebaut. Ursprünglich im 12. Jahrhundert gegen Tartareniiberfälle errichtet, ging sie im Laufe der nächsten hundert Jahre mehr als fünfmal in Flammen auf. Immer aber stampfte der zähe Wille von Patriarchen und Großfürsten den Kreml fester und größer aus dem Boden. Es gibt wohl keine Burg auf der Erde, die so oft belagert, gestürmt und zerstört wurde wie diese. 160 Kriege und 90 Bürgerfehden mußte Moskau inner* halb von 240 Jahren über sich ergehen lassen. Die Mauer, die heute die Kreml=Stadt umgürtet, schuf ein italienischer Festungsbauer im 15. Jahrhundert. An den zum Teil viel älteren Bauten haben fast alle' russischen Herrscher zur Erhöhung ihres eigenen Ruhms gewirkt. Hier steht Moskaus ältestes Bau* werk, die „Kirche des Erlösers im Walde", j.330 erbaut. Wenig später errichtete Iwan 111. die Bla* gowjetschenskij=Kathedrale, 1491 erstand der „Facettenpalast", so genannt nach der gebrochenen Form der Außensteine, der einen einzigen großen Saal umschließt und mehrfach zerstört und er* neuert wurde. Den 82 Meter hohen Glockenturm Iwan Welikij vollendete 1600 Boris Godunow. • Die prächtigsten Bauten aber sind die Uspenskij *Kathedrale, in der sich die Zaren krönen ließen, und der große, zwischen 1838 und 1849 entstandene Kreml* Palast, einst Wohnsitz der Zaren, heute Tagungs* stätte des Obersten Sowjets. Neben prunkvollstem Aufwand und den von Gold und allen Kostbarkeiten strotzenden Bau* werken ist es Blut, viel Blut, das an den Kreml* Mauern klebt. Hier erschlug der furchtbare „Gewit* terzaar" Iwan IV. in einem Anfall wahnsinniger Wut seinen eigenen Sohn, ließ dem Erbauer der Basilika=Kathedrale die Augen ausstechen, „damit er nicht für einen anderen ein zweites Bauwerk von solcher Pracht errichten könne" und befahl die Hin* mordung von 120 Bojaren. Hier residierten die verschiedenen „falschen Demetriusse", wurden beju* belt, erdrosselt und aus einer Kanone in Richtung Polen abgefeuert. Peter der Große ließ seine gesamte Leibwache auf dem Platz vor dem Kreml hinrichten, der seitdem den Namen „Roter Platz" trägt. Peter war es auch, der dem Kreml den Rücken kehrte. Er haßte diese alten, düsteren Mauern mit ihrem Blutgeruch aus ganzer Seele. An den Ufern der Neva schuf er sich als „Fenster nach dem Westen" seine eigene Residenz.

Dann kam „Das Wunder von Moskau". Auf der Mauer des Kremls steht Napoleon und starrt auf die an allen Ecken und Enden brennende Riesen* Stadt. Vier Tage wütet der Brand, drei Viertel der Stadt liegen in Schutt und Asche, — der Kreml steht unversehrt. Langgestaute Liebe und Verehrung zu diesem heiligen Symbol, das er trotz Blut und Schrecken für die mystische Seele der einfachen Russen immer gewesen ist, schlägt ihm entgegen. Alexander und alle folgenden Zaren machen ihn wieder zum Mittelpunkt des Reiches. Neue Paläste wuchsen und mit ihnen die Schau, die auch die heutigen Bilder zeigt. Als Lenin nach den blutigen Revolutionswochen im Frühjahr 1918 als „Roter Zar" im Kreml einzog, ihn nicht wie alle anderen Zarenschlösser zum Mu* seum, sondern zum sichtbaren Mittelpunkt des neuen Systems machte, hoffte er, daß mit dieser äußeren Anknüpfung an eine so tief ver* wurzelte Tradition sein diktatorischer Wille am ehesten Zugang zum Herzen des Volkes zu finden. Die Zarenadler auf den Türmen wurden durch leuchtend rote Sowjetsterne ersetzt, die mit* telalterlichen Glockenspiele intonieren jetzt die „Internationale" und über dem Hauptpalais flattert eine gewaltige rote Fahne. Sonst änderte sich äußer* lieh kaum etwas am altvertrauten Bild des Kreml. Trotzdem ist in jenen Märztagen seine Seele gestorben, „das Herz aus Stein" sprüht keine Fun* ken mehr; die Kirchenglocken schweigen und an den eiskalten Mauern können sich die Russen nicht mehr wärmen, E. W. G.


Der Rote Platz in Moskau mit Kreml und dem Lenin=Mausoleum
Der Rote Platz in Moskau mit Kreml und dem Lenin=Mausoleum

Der Kreml in Moskau, von der Moskwa^Brücke aus gesehen
Der Kreml in Moskau, von der Moskwa^Brücke aus gesehen

Der billige Jakob - Motiv aus Moskau Aufnahmen: Jung
Der billige Jakob - Motiv aus Moskau Aufnahmen: Jung

Blick auf die Moskauer Altstadt
Blick auf die Moskauer Altstadt

Glas und dunkle Wälder

„Tief im Böhmerwald. . .“

Es ist ein wildromantisches Land, dieser Böhmerwald, ein Herzstück des Sudetenlandes, der sich zusammen mit dem Bayrischen Wald als mächtiger Gebirgswall vom Fichtelgebirge bis zur Donau hinzieht. Glas und dunkle Wälder haben wir dieses Kapitel überschrieben, weil die Bevölkerung zum großen Teil heute noch von der Holzfällerei und von der Glasindustrie lebt. Böhmisches Glas hatte nicht nur im Mittelalter Bedeutung, sondern die Erzeugnisse dieses Gewerbes gehen auch heute noch in alle Welt und gelten als Produkte eines aus* erlesenen Geschmacks. Wenn man in den Büchern des Sudeten=Dichters Hans Watzlick blättert, dann kommt den Leser die Lust an, diese Wälder wieder einmal zu durch* wandern, die soviel Urwüchsigkeit atmen, daß sich hier ein Völkchen seine Sitten bewahren konnte, die in anderen Gebieten längst ausgestorben sind. Allerdings hat die Nachkriegszeit auch hier manche Veränderung bewirkt, zumal der deutschstämmige Teil der Bewohner vielfach die Heimat verlassen mußte. Aber diese Menschen bewahren sich auch m der Fremde ihre Eigenart und geben die Hoffnung nicht auf, eines Tages wieder dorthin zurück* kehren zu dürfen, wo sie zu Hause sind. Uralt sind die Städte und Dörfer des Böhmer* waldes, Kuschwarda, Wallern, Prachatitz sind zum Teil noch mit Stadttoren, Stadtmauern, verwin* kelten Gäßchen und Türmen aus einer wehrhaften Zeit ausgestattet. Hier stand die Wiege der böhmisehen Glasbläser, und in Eleonorenhain im Tal der Warmen Moldau liegt heute die größte Glashütte des Böhmerwaldes. Das einstige Handwerk ist zur Industrie geworden. In Wallern glaubt man, eine Stadt aus den bayrischen Alpen vor sich zu sehen. Und wirklich, wenn man in der Geschichte nachliest, dann erfährt man, daß die Bewohner im 15. Jahrhundert aus den bayrischen Alpen kamen und ihren Dialekt und die Bauweise beibehielten. Am Südabhang des Kubani, jenes Gebirgsstockes, der am weitesten in das böhmische Becken hinein* ragt, liegt der Lucken=Urwald, ein Waldbestand, der zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Hier scheinen die Bäume in den Himmel zu wachsen, denn niemand verwehrt ihnen das Gedeihen. Kein Holzarbeiter stört die Ruhe und die Eigenwilligkeit. Und auch das Wild hat seinen Frieden. Hier hausen noch Luchs und Wildkatze, und der Wanderer, der den Versuch macht, dieses Gebiet zu durchdringen, kommt sich gar bald wie ein Gefangener vor, weil das wild wuchernde Gestrüpp und Gerank sich in seinen Kleidern festkrallt und ihn nicht mehr gehen lassen möchte. Über ihm und um ihn herrscht jene Dämmerung, die man nur in Wäldern antrifft, die sich wie eine Mauer gegen die Umwelt stellen und ein Reich für sich bilden, zu dem es keinen Zutritt gibt. In einem alten Märchen aus dem Böhmerwald heißt es, daß alle mutwilligen Eindringlinge ihre Dreistigkeit mit dem Leben bezahlen müßten, und daß Riesen und Waldschrate hier Wacht hielten, denen nichts Menschliches eigen sei. Sie baden angeblich in den einsamen Seen, die zu Füßen der gigantisehen, dichtbewaldeten Berge liegen. Schwarz ist dieses stille, aber abgrundtiefe Wasser, und die Melancholie geht um, besonders im Herbst, wenn die Nebel in den Wäldern brauen und die Holz* fäller ihre Feuer anzünden, an denen sie sich wär* men und sich ihr karges Mahl kochen.


Die Glasindustrie ein wichtiger Erwerbszweig
Die Glasindustrie ein wichtiger Erwerbszweig

Der Glasschleifer bei der Arbeit
Der Glasschleifer bei der Arbeit

O Täler weit, 0 Höheni
O Täler weit, 0 Höheni

Böhmischer Urwald Aufnahmen: Jung
Böhmischer Urwald Aufnahmen: Jung

§ Der Rechtsberater bat das Wort

Die Schlüsselgewalt der Frau

Von Ministerialoberrevisor Georg Bauer

Seit der Einführung der D-Mark hat sich das Angebot von Waren bei uns wieder dermaßen gesteigert, daß heute schlechthin wieder „alles" zu haben ist. Ja, die oft verlockenden Angebote sind meist zahlreicher als das bei dem einzelnen vorhandene Geld, und so manche Hausfrau muß sich einen Herzenswunsch versagen oder ihn wenigstens zurückstellen. Die Tatsache, daß vieles wieder auf Ratenzahlungen gekauft werden kann, ist natürlieh zu begrüßen. Sie verleitet jedoch andererseits leicht dazu, Verpflichtungen einzugehen, die über den Rahmen der Schlüsselgewalt der Frau hinaus* gehen. Es ist ja nicht so, daß eine Ehefrau ohne Zustimmung des. Mannes alle Geschäfte abschlie* Ben und Käufe tätigen kann, die ihr allein richtig erscheinen. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat die Be* fugnisse der Frau in dieser Hinsicht scharf um* rissen, und diese gesetzlichen Bestimmungen haben heute noch ihre volle Gültigkeit. Nach dem Gesetz ist die Frau berechtigt, inner* halb ihres häuslichen Wirkungskreises die Geschäfte des Mannes für ihn zu besorgen und ihn zu ver* treten. Rechtsgeschäfte, die sie innerhalb dieses Wirkungskreises vornimmt, gelten als im Namen des Mannes vorgenommen, allerdings nur dann, wenn sich nicht aus den Umständen eine andere Rechtslage ergibt. Es fragt sich nun, was hier unter „Geschäften" verstanden werden kann. Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß für den Umfang der Vollmacht die Verhältnisse des Mannes maßgebend sind. Es ist also selbstverständlich, daß eine Frau, deren Mann ein Einkommen von monat» lieh 1000 DM hat, größere Verpflichtungen ein* gehen kann als eine Frau, deren Mann nur über 200 DM verfügt. Zunächst sind als im Rahmen der Schlüsselgewalt liegend die eigentlichen Haushaltungsgeschäfte an* zusehen, darüber hinaus aber auch alle Besorgun* gen, die den ehelichen Aufwand betreffen und die durch ihre Beschaffenheit von selbst darauf hin* weisen, daß ihre Besorgung durch die Frau erfolgt So ist die Frau ohne weiteres befugt zum Einkauf von Lebensmitteln, Beleuchtungs* und Heizmate« rialien. Ebenso zum Kauf von Kleidungsstücken der Frau selbst und der Familienmitglieder, von Haus* rat, Einrichtungsgegenständen. Bei letzteren ist natürlich immer wieder von den Verhältnissen des Mannes auszugehen. Es ist verständlich, daß die Frau bei dem oben angeführten Einkommen von 200,— DM keinen teuren Pelzmantel erwerben kann, auch dann nicht, wenn eine Zahlung in Raten vereinbart wird, da diese Raten in einem krassen Mißverhältnis zu dem Einkommen des Mannes stehen würden. Interessant ist in diesem Zusammenhang die wiederholt aufgetretene Frage, ob und inwieweit eine Hausfrau berechtigt ist, ein Zeitungs* bzw. Zeitschriftenabonnement abzuschließen. Das Amtsgericht Koblenz hat nun vor kurzem entschieden, daß die Bestellung einer Zeitschrift (es handelte sich hier um eine Funkzeitschrift) selbst für die Dauer eines Jahres in den Rahmen der Schlüsselgewalt fällt. Es besteht kein Zweifel, daß das gleiche bei einer Tageszeitung zutrifft, deren verhältnismäßig geringe Kosten im allgemeinen wohl immer zu den eigentlichen Haushaltsgeschäf* ten gehören. Der Mann kann nach § 1357 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Schlüsselgewalt der Frau beschrän* ken oder ausschließen. Dritten gegenüber ist diese Beschränkung oder Ausschließung jedoch nur wirk* sam, wenn sie im Güterrechtsregister eingetragen oder dem Dritten bekannt war. Die oft gelesene Zeitungsanzeige: „Ich warne hiermit jedermann, meiner Frau etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme" ist demnach in den meisten Fällen nicht geeignet, den Mann vor Verpflichtungen zu schüt* zen, die die Frau eingegangen ist. In einem Prozeß muß nämlich der Mann nachweisen, daß der Ver* tragspartner der Ehefrau diese Anzeige gelesen hat. Dieser Beweis wird wohl in den seltensten Fällen zu führen sein. Um diesen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, ist es zweckmäßig, die Aufhebung

der Schlüsselgewalt in das Güterrechtsregister ein* tragen zu lassen. In diesem Falle kann der Mann aus Verpflichtungen, die die Frau eingegangen ist, nicht in Anspruch genommen werden, und zwar auch dann nicht, wenn der Dritte die Eintragung im Güterrechtsregister überhaupt nicht gelesen hat. Stellt sich die Ausschließung der Schlüsselgewalt als Mißbrauch des Rechtes des Mannes dar, so kann sie auf Antrag der Frau durch das Vormundschaftsgericht aufgehoben werden. Gleichstellung als Schwerbeschädigter Nach den Bestimmungen des Schwerbeschädigtengesetzes gilt als Schwerbeschädigter, wer infolge Dienstbeschädigung oder durch Unfall oder beide Ereignisse zusammen, wenigstens fünfzig Prozent in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt ist. Diesen Personen sind auf ihren Antrag Zivilblinde gleichgestellt, wenn sie sich ohne den Schutz des Schwerbeschädigtengesetzes einen geeigneten Arbeitsplatz nicht beschaffen oder erhalten können. Unter den gleichen Voraussetzungen können andere Personen, die um wenigstens fünfzig Prozent in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkt sind, sowie Kriegs* und Unfallbeschädigte, bei denen die Minderung der Erwerbsfähigkeit weniger als fünfzig, mindestens aber drei- Big Prozent beträgt, den Schwerbeschädigten gleichgestellt werden. Ein Gleichgestellter hat die Rechte eines Schwerbeschädigten in arbeitsrechtlicher Hinsicht (Kündigungsschutz, bevorzugte Arbeitszuweisung) mit Ausnahme des Anspruches auf einen zusätzlichen Urlaub. Auch bei der Berechnung des Einstellungssolls für Schwerbeschädigte beim Arbeitgeber erfolgt eine volle Anrechnung. Anträge auf Gleichstellung sind bei den Fürsorgestellen für Schwerbeschädigte bei den Landräten und Oberbürgermeistern einzureichen. Die Entscheidung trifft die Hauptfürsorgestelle. Teilweise Kapitalabfindung ist möglich Mit Rücksicht auf den dringenden Wohnungsbedarf vieler Kriegsbeschädigten hat das Bundesfinanzministerium die Möglichkeit einer Teilabfindung auf zukünftige Rentenbezüge zugelassen. Voraussetzung ist jedoch, daß der Beschädigte das 21. Lebensjahr vollendet, das 55. Lebensjahr aber noch nicht überschritten hat und auf die Dauer mindestens fünfzig Prozent erwerbsgemindert ist. Das Darlehen darf nur zum Erwerb oder zur wirtschaftlichen Stärkung von Grundbesitz verwendet werden, das die Beschaffung des im Rahmen der Wohnungsbaumaßnahmen geforderte Eigenkapital erleichtern soll. Der Darlehensbetrag kann den achtfachen Jahresbetrag der dem Beschädigten zustehenden Mindestrente nicht übersteigen. Er ist die Grundlage für die Kapitalabfindung auf zehn Jahre nach dem kommenden Bundesversorgungsgesetz, sofern dieses nicht etwas anderes vorschreibt. Anträge auf teilweise Kapitalabfindung sind bei der für den Beschädigten zuständigen Bezirksfürsorgestelle für Schwerbeschädigte bei den Landräten oder Oberbürgermeistern zu stellen.

Sprechstunde des Hausarztes

Was sind Myogelosen und wie beseitigt man sie?

Von Dr. Wilh. Münch, Bad Nauheim

uch heute noch hat der Laie die Neigung, alle im Körper auftretenden Schmerzen, insbesondere solche der Muskeln, mit Rheumatismus zu bezeichnen. Die ärztliche Wissenschaft ist in dieser Hinsicht kritischer und gebraucht die Bezeichnung Rheumatismus viel seltener. Selbst das Wort Muskelrheumatismus verliert immer mehr auch beim Arzte von seiner früheren Bedeutung. 1921 schilderte der + Kieler Professor Schade zum ersten Male das merkwürdige Bild der Myogelosen, die früher immer mit Muskelrheumatismus bezeichnet worden waren. Der Name rührt von dem griechischen Wort Myon (Muskel) und gelo (ich gefriere, ich gerinne). Man versteht unter Myogelosen ein* oder doppelseitige, häufig symmetrisch angeordnete, druckschmerzhafte, gut abgegrenzte Knoten, Stränge oder flächenhafte Verhärtungen der Muskeln, die man am leichtesten mit eingefetteten Händen abtasten kann. Daß es sich dabei nicht etwa um einfache Muskelfaserzusammenziehungen, wie man zunächst glauben könnte, handelt, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Verdickungen auch in tiefer Narkose, ja selbst im Tode nicht verschwinden. Auch die mikroskopische Untersuchung ergab merkwürdigerweise einen negativen Befund. Der München-Gladbacher Orthopäde Dr. Müller bezeichnete deshalb die Myogelosen als Hartspann. Auffällig häufig werden Rheumatiker, d. h. Menschen, die zu Rheumatismus neigen, wie verweichlichte Frauen von diesem Leiden heimgesucht. Als Ursache der Muskelschädigung kann man oft langanhaltende Abkühlung des befallenen Hauptmuskelbezirkes ermitteln. Als auslösendes Moment kommt auch körperliche Überanstrengung in Frage. Müssen doch heute Männer und Frauen ohne Rücksich auf ihr Alter und ihre Konstitution Arbeiten verrichten, die ihre Gesundheit schwer schädigen. Häufig sind sie hierbei starken Kälteschädigungen ausgesetzt. Die Myogelosen sitzen mit Vorliebe an Körperstellen, die leicht abgekühlt werden, wie z. B. die Schultern, der Nacken, die Extremitäten, die Wirbelsäule, in erster Linie das Kreuz. Nach den neueren Forschungen spielen sogenannte Foci (Bakterienherde), die gern in kleinen Höhlen sitzen z. B. kranken Zähnen (Granulome), Nebenhöhlen, Gallenblasen usw. durch Giftstreuung eine auslösende Rolle bei der Bildung von Muskelhärten. Das gleiche gilt für Stoffwechselstörungen wie z. B. Gicht. Es gibt aber auch noch andersartige Muskelhärten. Ich nenne z. B. solche, die durch äußere Gewalteinwirkungen entstanden sind. Man erkennt

sie leicht an den begleitenden Hautfärbungen. Auch Blutaderentzündungen (Thrombophlebitiosen) können solche hervorrufen. Bei Cholera beobachtet man infolge des starken Wasserverlustes nach Durchfällen ähnliche Gebilde, schließlich solche auch nach schweren körperlichen Anstrengungen. Die Myogelosen haben vielerlei Beschwerden im Gefolge. Diese sind verschieden, je nach dem Sitz der Knoten. Treten die Verdickungen der Kopfhaut auf, so klagt der Patient über heftige, tiefliegende Kopfschmerzen. Tritt Kopfdruck, Ohrensausen, . Müdigkeit sowie Schwindel auf, so denkt der Laie schnell an „Kopfgrippe", beginnende Kinderlähmung und dergleichen. Sitzen die Myogelosen in der Herzgegend, so taucht das Schreckgespenst der Herzaderverkalkung auf. Ist die Brustmuskulatur befallen, dann macht sich der Kranke wegen einer beginnenden Rippenfellentzündung Gedanken. Sitzt der Herd im Rücken, dann glaubt er eine Nierenentzündung wäre im Entstehen begriffen. Ist das Gebiet des Ischiasnervs betroffen, so wird die Deutung des Krankheitsbildes besonders schwierig. Nur der Arzt kann entscheiden, ob es sich um ein wirklich ernstes Leiden handelt oder um die ungefährlichen, aber sehr schmerzhaften Myogelosen. Je länger dieselben dauern, um so schwieriger sind sie zu beseitigen. Was die Vorbeugung und die Behandlung der Myogelosen betrifft, so ist eine Reihe Methoden angegeben worden. Die einfache Massage hat höchstens im Anfang Erfolg. Der Orthopäde Dr. Fritz Lange gab eine von ihm als Gelotripsie bezeichnete Gelose-Zertrümmerung an, von der er sich eine vollkommene Zerteilung und Aufsaugung der Muskelhärten versprach. Ich selbst hatte mit der Bindegewebsmassage die befriedigendsten Erfolge. Das beste Vorbeugungsmittel ist eine rechtzeitige Abhärtung des Körpers, sei es nun eine tägliche trockene Brüstenfrottage' oder die Anwendung von wechselwarmen Fußbädern. Ein vorzüglicher Schutz gegen das Auftreten ist eine der Jahreszeit entsprechende Kleidung. Im Winter darf sie nicht zu dick, im Sommer nicht zu dünn sein. Auch muß man darauf achten, die Haut in der kalten Jahreszeit nicht zu lange der Kälte auszusetzen. Wie wir sehen, bedeutet die Herausarbeitung des Krankheitsbildes der Myogelosen einen wesentlichen Fortschritt in der Behandlung des Rheumatismus. Je früher der Patient ärztliche Hilfe aufsucht und je gründlicher er seine Beschwerden schildert, um so mehr hat er Aussicht, von den Myogelosen wieder befreit zu werden.

Im Kinderland

Glitzklimperle

EIN MÄRCHEN VON OTTO STÜCKRATH

( - litzklimperle war der Hausgeist in Bauer Twie» des Haus. Es war ein winziges Kerlchen, knapp eine Spanne lang. Seine Wohnung lag unter dem gemauerten Küchenherd. Selten genug hielt er sich darin auf. Sein Tagwerk führte ihn hierhin und dorthin, oft weit vom Hause fort. Dem Glitzklimperle mußte man gut sein. Er war ein gar lieber Kerl. Immer tat er treu das Kleine, auf das nicht so geachtet wurde, das aber auch getan sein will. Man sah ihn einmal nach dem Korn» abladen. Die Hauptfrucht war schon in der Scheune. Im Hof zerstreut lagen hier und da noch Aehren. Die trug Glitzklimperle, eine nach der andern, in die Scheune. Dabei schwitzte er, daß ihm die hellen Schweißtropfen auf der Stirne standen. Ein ander» mal schleppte er sich sehr mit Steinen und mit Mörtel. Erst später merkte man, was Glitzklimperle geschafft hatte: er hatte ein Loch am Hühnerhaus verstopft, durch das sonst sicher der Marder gekommen wäre. Hatten die Kinder des Bauern eine recht müh» same Arbeit, so riefen sie wohl: „Glitzklimperle, wo gehst du? Glitzklimperle, wo stehst du? Komm, hilf mir ein bißchen!" Sie meinten auch zu merken, daß ihre Arbeit nachher schneller ginge, und so war es wohl sicher, daß Glitzklimperle half. Vor sieben Jahren war der Bauer dem Glitz» klimperle beinahe einmal böse. Das war so: Es war damals eine Menge Korn, Weizen, Gerste und Hafer gewachsen, die Obstbäume hatten gut getragen, Kartoffeln gab es wie Sand am Meer. Das Gute dabei war: es wurde auch gut bezahlt, was gewach» sen war, und es ging dem Bauer Twiede in jenem Jahr sehr gut. Eines Tages kam der Branntweinhännes ins Haus. Der brachte jedes Vierteljahr einen Steinkrug klaren Branntwein. Er wurde bei Twiede genossen wie Arznei: gegen den Staub beim Dreschen, gegen Verkühlung und gegen Magenschmerzen nach recht fettem Essen. Diesesmal brachte der Branntwein» hannes eine viel reichlichere Ladung und ließ es nicht bei dem einfachen Branntwein, sondern hatte noch süßen Leckerschnaps dabei: Kümmel und Pfefferminz! Die Rechnung war dreimal so hoch als sonst, aber — man hatte ja auch Einnahmen gehabt. Der Schnaps schmeckte! Nie hatte es so gestaubt, wie in jenem Jahr, nie war es so leicht, sich eine Verkühlung zuzuziehen, nie gab es so viel Magendrücken. Und siehe: nach einem Monat schon waren alle Schnapskrüge leer, und gegen

Abend schnüffelten Mannsleute und Weibsleute, ob nicht irgendwo ein Schlücklein auftauchte. Es war nichts. Da aber der Bauer selbst das Gefühl

hatte, es fehle ihm etwas, so machte er eine Be=Stellung bei dem Branntweinhannes. Die Sendung traf an einem Vormittage ein. Der Bauer war nicht da, in der Küche wurde gefegt. Wohin mit den Schnapskrügen? Da befahl die Bäuerin, sie auf die Kellertreppe zu stellen, die Kellertüre aber offenzulassen, damit nicht ein Unachtsamer den teuren Trank verschütte. Die Magd, der der Auftrag geworden war, den Schnapskrügen einen Platz zu geben, entledigte sich dessen, so gut sie wußte. Sie öffnete die Kellertüre, die den halben Hauseingang verdeckte und stellte auf die oberste Stufe die Schnapskrüge. Dann begab sie sich in die Küche und tat weiter ihre Arbeit. Gegen Mittag kam der Bauer heim. Durchs Küchenfenster rief ihm die Bäuerin zu, er möge sich an der Kellertüre in Acht nehmen. Das tat der Bauer auch, trat in die Küche und sagte: „So, jetzt trink' ich erst einen Schnaps!" Als er sich aber nach dem Flur wandte, um einen Krug zu langer, schlug plötzlich die Kellertüre zu. Ein Gerassel und Geprassel, ein Fallen und Klirren ließ sich hören . . . alle, aber auch alle Branntweinkrüge waren ent» zwei. „Ich möchte darauf schwören", sagte der Bauer, „der Glitzklimperle hat die Kellertüre zugeschmissen!" Da lachte es bell und fein unterm Küchenherd her. Weil aber die Bäuerin gerade kochte, so meinte der Bauer, sie habe gelacht, und er fragte: „Frau, wie kann man da nur lachen?" Da mußte sie, die bis dahin nicht den Mund verzogen hatte, richtig lachen und sprach: „Ja, Mann, jetzt muß ich lachen. Ich glaube nämlich, der Glitzklimperle hat uns eine Lehre geben wollen. Er wollte uns sagen: das viele Branntweintrinken ist nichts für rechte Bauern. Denk' doch, selbst unsere Kinder haben an den Gläschen herumgeleckt. Mann, ich glaube, wir sollten dem Glitzklimperle dankbar sein." Der Bauer schaute seine lachende Frau an, lachte auch, und unterm Herd her klang es ganz dünn und leise: „Hi! Hi! Hi! Hi!" Seit der Zeit brauchte der Bauer Twiede viel weniger Branntwein. Es ging auch.



Stammbuchvers der Woche

Wer Spott verdient, tut gut daran, Fängt er gleich mit zu spotten an! Macht er es launig und nicht dumm, Wird mancher and're Spötter stumm Und ärgert sich am Schluß sogar, Daß er nicht selbst so geistreich war. K.





Werlacht mit?

Das neue Auto

Bollmann hatte sich ein neues Auto angeschafft und hielt sich nunmehr für eine Autorität auf dem Gebiete der Autofahrerei. „Ach was", sagte er zu seinem Freunde Kemper, „es ist gar kein Kunststück, diese modernen Wagen zu fahren. Nur bei nassem Wetter und auf schiech» ten Straßen kann man mal die Herrschaft darüber verlieren." „Das Wetter allein macht es nicht", meinte Kem» per, „ich habe weder durch schlechtes Wetter noch durch miserable Straßen die Herrschaft über meinen schönen Wagen verloren ..." „Was war denn los damit?" fragte Bollmann. „Ich war mit den Zahlungen im Rückstand geblieben", seufzte Kemper.

Dumas der Vater

Bei der Uraufführung eines Stückes, mit dem Alexander Dumas der Jüngere dem Sprachgebrauch einen neuen Begriff geläufig machte, schaute auch der Vater Dumas zu. Er zeigte sich so berauscht von dem Erfolg, daß ihn ein Bekannter fragte: „Sie haben offenbar erheblichen Anteil am Wer» den dieses Stückes! Habe kh nicht recht?" „Unbedingt", sagte der alte Herr stolz, „dieser donnernde Applaus geht ganz auf mein Konto!" „Ja, ist denn das Stück von Ihnen?" Vater Dumas verneigte sich schmunzelnd: „Das Stück nicht, aber sein Autor."

Humor

Im Laden fordert ein Mann ein halbes Dutzend Eier. „Aber nur solche, die von einem schwarzen Huhn gelegt sind", betont er. „Kann ich nicht rauskennen", gibt der Kaufmann zurück. „Sie etwa?" „Aber klar!" „Na schön, dann suchen Sie sie selber raus." Und der Käufer greift denn auch sofort zur Selbsthilfe. Eine Minute später hat er sechs Eier in der Tüte. „Nun möchte ich aber doch mal wissen", fragt der Händler, „woran Sie erkennen, daß die Eier von einem schwarzen Huhn gelegt sind?" „Furchtbar einfach! Die schwarzen legen nur ganz große."

„Fabelhaft, was die Künstler so können!" „Ja, es ist direkt, als ob man sich selber sieht!" Eine europäische Reisegesellschaft besichtigte vor dem Kriege die Kraftstation der Niagara=Fälle. Alle waren von den riesigen Maschinen überwältigt, nur ein älterer österreichischer Teilnehmer blieb unberührt. Auch beim Anblick der herabstürzenden Wasser» mauer gab er keinerlei Zeichen des Interesses von sich. Schließlich fragte ihn der Fremdenführer: „Nun, was sagen Sie dazu, daß hier jede Minute fünfzig Millionen Liter herabstürzen? Da ei« widerte der Österreicher höflich, aber unbeteiligt: „Da kann man halt nix moch'n!" Dichter Nebel. Das Schiff tastet sich langsam vorwärts. Da kommt eine alte Dame zum Kapitän und fragt, warum denn das Schiff so langsam fährt. „Des Nebels wegen", erwidert der Kapitän. „Aber wir können ja die Sterne über uns sehen! „Ja gewiß, aber da wollen wir nicht hin. „Jetzt ist es 6 Uhr 15, wenn du mich nicht er» hörst, werfe ich mich vor den Zug, der gleich heranbrausen wird!" „Um Gottes willen, Egon, laß mir Bedenkzeit — um 6 Uhr 22 kommt ja auch noch ein Zug:



Blick in die Welt

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


Der kostbare Kopfschmuck des indischen Tänzers Ram Gopal ging beim Transport verloren. Der Londoner Zoo ersetzte den Schmuck und stellte die schönsten Federn zur Verfügung.
Der kostbare Kopfschmuck des indischen Tänzers Ram Gopal ging beim Transport verloren. Der Londoner Zoo ersetzte den Schmuck und stellte die schönsten Federn zur Verfügung.

Amerikanischen Riesenbombern, die nicht mehr in die vorhandenen Hallen paßten, machte man Platz, indem man Löcher in die Türen schnitt und das Heck außerhalb unterbrachte
Amerikanischen Riesenbombern, die nicht mehr in die vorhandenen Hallen paßten, machte man Platz, indem man Löcher in die Türen schnitt und das Heck außerhalb unterbrachte

Oie schönsten Doggen Deutschlands, die unter 2000 in- und ausländischen Rassehunden beim Wettbewerb in München den Sieg errangen.
Oie schönsten Doggen Deutschlands, die unter 2000 in- und ausländischen Rassehunden beim Wettbewerb in München den Sieg errangen.

Der kubanische Frachtdampfer „Western Clipper“ lief bei einem Wirbelsturm an der Küste von Miami auf Strand.
Der kubanische Frachtdampfer „Western Clipper“ lief bei einem Wirbelsturm an der Küste von Miami auf Strand.

Ein „Churchill=Tor" aus Ruinensteinen in dem wieder aufgebauten Parlament _fn London erbaut.
Ein „Churchill=Tor" aus Ruinensteinen in dem wieder aufgebauten Parlament _fn London erbaut.

Die „Jungfrau von Orleans" kaufte in Frankfurt ein. Reklame für den gleichnamigen Film.
Die „Jungfrau von Orleans" kaufte in Frankfurt ein. Reklame für den gleichnamigen Film.

AUS DEM INHALT: Prankenthaler Beziehungen zu Worms S. 2 Frauen im Sturm der Zeiten S. 5 Der Kreml in Moskau S. 4 Glas und dunkle Wälder S, 5 Die Schlüsselgewalt der Frau S. 6 Blick in die Welt S. 8