Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Vertag^Ena^fa^' ERICH DOMBROWSKI. Dar ni TaS^att L. C. Wittich, ErsthAinV;^^?3o6 23■ Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 102 Tieuefte üa^ri^fen Freitag, 27. Oktober 1950 Redaktion; Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. I. 7. 1950 Preis 15 Pfennig 11

Frankreichs Vorbehalte zur deutschen Wehrbeteiligung

Paris, 26. Oktober, (dpa) Nach zweitägiger Debatte sprach sich die französische Nationalversammlung in den frühen Morgenstunden des Donnerstags mit 348 gegen 224 Stimmen für den Plan der Regierung aus, die Wiederaufrüstung Deutschlands auf die deutsche Beteiligung an einer von einem europäischen Verteidigungsminister kontrollierten europäischen Armee zu begrenzen.

Mit 402 gegen 168 Stimmen wurde der Teil der Regierungserklärung gebilligt, in dem es heißt, daß die Regierung die Bildung einer neuen deutschen Armee oder eines Generalstabs nicht zulassen werde. Vorher hatte Ministerpräsident Pleven versichert, Frankreich werde der Wiederbewaffnung Deutschlands nicht zustimmen, wenn die anderen Atlantikpaktnationen nicht die prinzipiellen Punkte des von ihm am Dienstag bekanntgegebenen französischen Planes annehmen würden. Für Frankreich sei die deutsche Beteiligung an der europäischen Verteidigung von folgenden drei Bedingungen abhängig:

1. Zunächst muß der Vertrag für die Kohle- und Stahlunion (Schumanplan) unterzeichnet werden.

2. Ein europäischer Verteidigungsminister muß ernannt sein.

3. Die politische Versammlung Europas, der dieser Verteidigungsminister verantwortlich wäre, muß konstituiert sein.

Der französische Verteidigungsminister Moch erklärte, die Verlängerung der

Militärdienstzeit von 12 auf 18 Monate sei unerläßlich, wenn die französische Armee auf die vorgesehene Stärke gebracht werden solle. Zur Begründung der Regierungsvorlage über die Dienstzeitverlängerung wies Moch auf die Sowjetunion hin, die 4,1 Millionen Mann unter Waffen habe. Dort betrage die Dienstzeit im Heer zwei, bei den Luftstreitkräften drei und bei der Marine vier Jahre.


Tibet, das neue Opfer
Tibet, das neue Opfer

Deutsche Divistionen

Washington, 26. Oktober, (dpa). Die französische Nachrichtenagentur Agence Kranen Presse hat in Washington von gut unterrichteter Seite erfahren, der amerikanische Verteidigungsminister Marshall werde auf der Konferenz des Atlantischen Verteidigun^sausschusses den Wunsch der amerikanischen Regierung vortragen, vor Ende 1951 zwei bis fünf deutsche Divisionen auszurüsten. Der Plan ziele darauf ab, so schnell wie möglich ein Rekrutierungssystem in Deutschland zu schaffen und begrenzt Einberufungen in dem Umfang vorzunehmen, in dem amerikanisches Material zur Verfügung gestellt werden kann.

Der europäische Lebensstandard

Washington, 26. Oktober (dpa) Der frühere Marshallplanverwalter Hoffman warnte in einem Presseinterview in Washington vor einer Senkung des europäischen Lebensstandards. Die Wiederaufrüstung Westeuropas würde ihren Zweck verfehlen, wenn die westeuropäischen Völker nicht davon überzeugt blieben, daß sie für eine Hebung ihrer Lebenshaltung arbeiteten.

Die Grenze ist erreicht

Südkoreaner am Yalu / Neue Landung bei Wonsan

Söul, 26. Oktober. (AP.) Schnelle Vorausabteilungen der sechsten sudkoreanischen Armee haben am Donnerstag bei Chosan die mandschurische Grenze erreicht und damit den nördlichen Teil Nordkoreas in zwei Teile gespalten.

Das siebente Regiment der Division drang in den Abendstunden (Ortszeit, in Chosan ein und entsandte sofort mehrere Patrouillen an den fünf Kilometer nördlich verlaufenden Grenzfluß Yalu. hui . j •— UnTon vnn Wonsan

Gleichzeitig sind im Haien von wonsan etwa 50 000 Mann eines Landungskorps der Vereinten Nationen an Land gen die ursprünglich schon am2o Oktober in Wonsan landen sollten. Die Operation wäre damals zu einer Katastrophe geworden, da rund 3000 ausgezeichnet verlegte sowjetische Treibminen die Hafeneinfahrt und umliegenden Gewässer versperrten. . Meldungen

Nach bisher unbestätigten ivieiaungeu sollen südkoreanische Truppen bei Ongiong 120 Kilometer nördlich von Pyongvang mit drei rotchinesischen Bataillonen Kam’pfberührung gehabt haben. Ein Sprecher des amerikanischen Hauptquar¬ £s dementierte jedoch gleichzeitig Beriete vom Vortage, nach denen rotchine-Xe Soldaten gefangengenommen worden sein sollen und chinesische Truppen den Grenzfluß überschritten hatten. Er wies darauf hin, daß zahlreiche Nordkoreaner in China ausgebildet worden seien. Dies könne zu solchen Irrtümern Anlaß geben.

Nach einer Mitteilung des Hauptquartiers der fünften amerikanischen Luftflotte ist die 20 Kilometer vor der mandschurischen Grenze verlaufende Speyrlinie für Bombenabwürfe aufgehoben und bis zur Grenze vorverlegt worden.

ECine britische Thronxede

London, 26. Oktober (AP.) König Georg hat am Donnerstag mit einer Thronrede vor dem britischen Oberhaus die Sitzungsperiode des Parlaments geschlossen. _ . .

Er erklärte, die Steigerung der britischen Industrie sei „höchst ermutigend“. Die „großzügige Unterstützung“ des Landes durch die Vereinigten Staaten und Kanada habe dem wirtschaftlichen Leben Großbritanniens einen wesentlichen Aufschwung gegeben. Er wies auf die Verteidigungsanstrengungen der Atlantikmächte hin und betonte, daß sich die britische Regierung zusammen mit den Regierungen der Vereinigten Staaten und Frankreichs um einen engeren Anschluß der westdeutschen Bundesrepublik an den Westen bemühe.

Schmerz für Millionen Deutsche

Die Gedenksitzung des Bundestages für die Kriegsgefangenen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 26. Oktober. Mit dem gesamten deutschen Volk gedachten Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung am Donnerstag der noch fünfeinhalb Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen.

In einer Erklärung vor dem Bundestag nannte Bundeskanzler Dr. Adenauer die Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen eine „Maßnahme kalter Grausamkeit“, durch die über vielleicht eine Million Deutscher in Sowjetrußland und über eine ganze Anzahl von Millionen der Angehörigen in Deutschland Schmerz und Kummer und Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit verhängt sei.

Nach der Erklärung des Bundeskanzlers faßte Bundestagspräsident Dr. Ehlers das Bekenntnis des Parlaments mit den Worten zuammen, daß es keiner besonderen Entschließung bedürfe, weil er sicher sei, daß sich die Mitglieder des

Bundestags in der Kriegsgefangenenfrage als die Repräsentanten des ganzen deutschen Volkes fühlen könnten und daß dieses deutsche Volk einmütig im Geiste der Regierungserklärung die Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit für seine Mitglieder erhebe.

In der Regierungserklärung hatte Bundeskanzler Dr. Adenauer zunächst den Vereinigten Staaten und England dafür gedankt, daß sie in eine Nachprüfung der Verurteilten eingetreten seien. An die französische Regierung und an das französische Volk richtete der Kanzler die Bitte, die gegen frühere Soldaten eingeleiteten Verfahren in gerechter Weise möglichst bald zu Ende zu führen. Dann sprach der Kanzler Jugoslawien für die Heimsendung des größten Teiles der zurückgehaltenen Deutschen die Anerkennung aus.

Der Bundeskanzler gab bekannt, daß in der Sowjetunion noch viele Hunderttausende von Deutschen, frühere Wehrmachtangehörige, verschleppte Männer, Frauen und Kinder, zurückgehalten würden. Das deutsche Volk habe mit Dankbarkeit davon Kenntnis genommen, daß die Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs die Bemühungen um die Freilassung der zurückgehaltenen Deutschen in jeder Weise unterstützt hätten. Von Seiten der Vereinten Nationen solle an Sowjetrußland das Ansinnen gestellt werden, daß eine Kommission nach der Sowjetunion reise, um dort festzustellen, wie es mit den Deutschen aussähe.


Der Bundespräsident empfing auf Viktorshöhe den früheren amerikanischen Militärgouverneur in Deutschland, General Clay, zu einer einstündigen Unterhaltung. Unser Bild zeigt von links nach rechts: den amerikanischen Oberkommissar McCloy, Bundespräsident Prof. Heuss und General Clay
Der Bundespräsident empfing auf Viktorshöhe den früheren amerikanischen Militärgouverneur in Deutschland, General Clay, zu einer einstündigen Unterhaltung. Unser Bild zeigt von links nach rechts: den amerikanischen Oberkommissar McCloy, Bundespräsident Prof. Heuss und General Clay

EGine wertuolle Geste

London, 26. Oktober. (AP.) Die Regierungen der drei Westmächte haben alle nichtkommunistischen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen aufgefordert, den Kriegszustand mit Deutschland Anfang 1951 für beendet zu erklären.

Diplomatische Stellen in der britischen Hauptstadt erklären hierzu, die drei Westmächte hofften, diesen Schritt selbst im Januar oder Februar unternehmen zu können. Die Maßnahme soll eine Geste der Freundschaft der nichtkommunistischen Welt an die Bundesrepublik darstellen.

Die zwei Lamas

*** Der bolschewistische Einmarsch in Tibet muß tatsächlich erfolgt sein, denn er wird jetzt von der amtlichen sowjetischen Zeitung „Prawda“ bestätigt. Nadi einigen Meldungen stehen die kommunistischen Truppen im Raum von Riwoche, 800 Kilometer östlich von der Hauptstadt Lhasa entfernt.

Das gibt Veranlassung, sich kurz mit den inneren Verhältnissen des Priesterstaates zu befassen. An seiner Spitze steht der Dalai-Lama, der als das geistliche Oberhaupt gilt. Ihm fast gleichgeordnet ist jedoch der Taschi- oder Pantschen-Lama, dem es zukommt, die weltliche Oberherrschaft zu führen. Beide Lamas gelten als Wiederverkörperung der beiden Lieblingsschüler des tibetanischen Reformators Tsong-kha-pa (1378—1419 nach Christi). Die Wiederverkörperung wird nach dem Tode eines der beiden Lamas in einem zur gleichen Stunde geborenen Kinde entdeckt, das bestimmte Zeichen tragen muß. Der Dalai-Lama ist heute sechzehn Jahre alt, der Taschi-Lama vierzehn Jahre. Gerade er befindet sich seit mehreren Jahren außerhalb Chinas in der Mandschurei und ist dort bolschewistischem Einfluß unterlegen. Es kann daher nicht verwundern, wenn man durch Presseberichte aus Peking erfährt, er halte sich zur Abreise nach Tibet bereit, um dort an Stelle des Dalai-Lamas die Macht zu übernehmen. Da auch der Taschi-Lama in Tibet seine Anhänge: hat, konnte man beinahe erwarten, die Bolschewisten würden sich seiner Person bedienen, um das tibetanische Volk zu verwirren.

Der Dalai-Lama hatte eine Delegation über Indien nach Peking geschickt, um auf friedlichem Wege mit China zu verhandeln, mit dem es seit dem achten Jahrhundert politisch in er? " Verbindung steht und das den Anspruch auf die Oberhoheit in Tibet niemals aufgegeben hat. Dies, obwohl Tibet 1927 und 1945 von Großbritannien als autonomer Staat anerkannt wurde.

Wie man hört, will sich der Dalai-Lama so gut es geht verteidigen. Es soll ihm eine Armee von rund zehntausend Stammessoldaten zur Verfügung stehen, die größtenteils nur mit mittelalterlichen Waffen ausgerüstet sind. Ihren Oberbefehl führt merkwürdigerweise der 38jährige Oesterreicher Heirr’ch T’"-rer. Er nahm 1939 an einer Himalaja-Expedition teil, entfloh später aus einem Internierungslager in Indien und gelangte dann in Tibet, wo er zunächst Straßen baute und Industrien ins Leben rief, zu Amt und Würden. Vor wenigen Wochen hat sich seine Schwester Lydia Hille, eine Journalistin, von Wien aus zu ihm begeben. Daß es Harrer gelingen werde, den bolschewistischen Einmarsch qbzuwehren, ist jedoch kaum zu erwarten. Schon jetzt heißt es, der Dalai-Lama bereitete seine Flucht aus Lhassa vor.

Ein Blick nach Bayern

Von unserem Münchener We-Korrespondenten

Die Schatten der Vergangenheit wollen nicht weichen. Soeben lief die Anmeldefrist der Entschädigungsansprüche der politisch Verfolgten in Bayern endgültig ab. Von 170 000 eingegangenen Ansprüchen sind erst knapp 10 000 rechtsgültig entschieden worden und es mehren sich die Stimmen, die auf beschleunigte Durchführung der Wiedergutmachung drängen. In der Tat wird man bei dem jetzigen Tempo auch in zehn Jahren noch nicht zu Ende kommen. Der Präsident des Amtes, Dr. Auerbach, bezeichnet seinerseits die Umwandlung des auf 650 Millionen DM veranschlagten nationalsozialistischen Vermögens in flüssige Mittel als ein nicht gerade einfaches Unternehmen.

Die Entnazifizierung Bleibt hier noch vieles zu tun, so erweist sich eine andere Behörde als ungemein lebensfähig, die eigentlich schon lange auf ihren von niemandem bedauerten Tod vorbereitet war. Zur großen Verwunderung der Öffentlichkeit ergab sich jetzt, daß das Sonderministerium auch im neuen Haushaltsjahr noch mit 1,4 Millionen DM zu Buch steht. Man hat nicht den Eindruck, als werde sein Abbau mit dem nötigen Ernst betrieben. Es sind immerhin Monate seit der Verabschiedung des Gesetzes zum Abschluß der politischen Befreiung ins Land gegangen. Mehr als dreißig Ladungen hingen am Schwarzen Brett der Spruchkammer München, als wir uns dieser Tage zur Verhandlung gegen den Herausgeber des illegalen „Scheinwerfers“ begaben. Die Bürokratie der Entnazifizierung läßt sich noch viel Zeit. Der Bund für Bürger- und Menschenrechte hat eben einen erstaunlichen Fall aufgegriffen. Es handelt sich um eine Münchener Musiklehrerin, die auf Grund einer Denunziation 31 Monate in Internierungshaft war, Wohnung und Möbel verlor, dann von der Spruchkammer als vom Gesetz nicht betroffen erklärt wurde und jetzt seit 20 Monaten auf die Entscheidung der Berufungskammer warten muß, da der öffentliche Kläger gegen den Spruch Berufung eingelegt hatte. So geht es nicht. Um so weniger, als auf der anderen Seite die alarmierende Aufspaltung in neue Gruppen weitere Fortschritte macht.

Loritz rührt sich weiter So hat auf der ersten Bundestagung des „Bundesverbandes der ehemaligen Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen“ in München ein Sprecher erklärt, solange es die Kategorien der politisch Verfolgten und Flüchtlinge gebe, werde es auch die der Heimkehrer geben. Ein gefährliches Wort. Es war erschütternd auf dieser Kundgebung zu sehen, wie willfährig man politischen Propheten folgt. Alfred Loritz, der alle Register bewährter demagogischer Routine zog und an Hand des eigens mitgebrachten Haushaltsplanes der Bundesrepublik schwere Angriffe gegen die „Bonner Versagerregierung“ richtete hatte die Versammlung sehr schnell fest in der Hand. Sie bereitete ihm einen triumphalen Abgang. Als der alte Gewerkschaftler, der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Wönner zur Besonnenheit riet, schrie man ihn nieder.

Frieden mit der Presse Nicht alle Besuche aus Bonn in der bayerischen Landeshauptstadt lösen ungeteilte Freude aus. Dem Petitionsausschuß des Bundestages, der zum Studium der urgewachsenen bayerischen Demokratie vollzählig im Parlament an der Isar erschienen war, wurde aber ein warmer Empfang zuteil. Er konnte feststellen, daß tatsächlich in München manches anders aussieht als in Bonn. So haben Abgeordnete aller Parteien des Landtages mit sichtlicher Befriedigung betont, man befinde sich hierzulande nicht wie der Bundestag im Kriegszustand mit der Presse. Der streitbare bayerische Kultusminister Dr.Hundhammer sammelt allerdings noch ab und zu seinen Zorn auf den Häuptern der Journalisten. Aber auch das ist schon besser geworden.

Der „RatderAlten“ Weniger erfreulich hat sich der bayerische Senat entwickelt. Bayern, das bekanntlich nicht arm an Besonderheiten ist, hat sich auch als einziges westdeutsches Land eine Art Zweikammersystem geschaffen. Der Senat ist seiner Bestimmung nach ein „Rat der Alten“. In ihm sitzen — ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit — sachkundige Männer aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Leben. Er ist u. a. dazu berufen, zu Gesetzesvorlagen der Staatsregierung auf deren Ersuchen gutachtlich Stellung zu nehmen. Aber die Senatoren beklagen sich bitter darüber, daß man sie kaum um ihre Gutachtertätigkeit ersuche. Den Wirkungsmöglichkeiten des Senates, dessen Arbeit sich in einer jederzeit wohltuenden Atmosphäre ohne Reden zum Fenster hinaus vollzieht, sind ohnehin durch die Verfassung außerordentlich enge Grenzen gezogen.

Großer Fr emd e n s om m er Eine ganz eindeutig positive Bilanz wird dagegen zur Zeit auf einem für die bayerische Wirtschaft lebenswichtigen Gebiet gezogen: es war ein großer Sommer für den Fremdenverkehr, eine Saison, die in manchen Fällen sogar Vorkriegsrekorde gebrochen hat. Von Berchtesgaden bis Oberstdorf geht eine Welle des Optimismus. Daß auch jetzt noch an die zweihundert Hotels und andere Häuser mit 8500 Betten für amerikanische Soldaten reserviert sind, kommt vielen Leuten etwas reichlich vor. Auch jenen ausländischen Gästen, die langsam wieder dort wohnen möchten, wo sie sich früher wohlgefühlt haben. Die Dauermieter, die noch aus der Zeit übriggeblieben sind, da Bayern „des Reiches Luftschutzkeller“ war, würde man ebenfalls recht gerne abziehen sehen. Die Berliner aber, die dieses Jahr zum ersten Male wieder in größeren Truppen (und auch sonst unverändert) angerückt sind, wurden mit Freude und gelegentlich auch mit Rührung begrüßt. Politische Komplikationen traten nicht ein

Auf fremde Rechnung

zz. Berlin wählt am 3. Dezember seinen neuen Magistrat. Ihm kommt die Bedeutung eines Länderparlamentes zu, denn die frühere Reichshauptstadt betrachtet sich mit vollem Recht als zwölftes Land des Bundes und hofft, bald die formalen Hindernisse überwinden zu können, die der staatsrechtlichen Anerkennung als Bundesland entgegenstehen. Auch bei einem Wahlkampf sind die Verhältnisse in Berlin wesentlich verwickelter als anderswo. Die Stadt zerfällt in vier Sektoren. Der östliche, sowjetische Sektor, hat sich selbständig gemacht und einen eigenen Magistrat gewählt. Die Bewohner dieses Stadtteils haben allerdings durch die Volksabstimmung mit Stammkarten der Lebensmittelabschnitte ihren Willen kundgetan, Berlin auf Grund freier demokratischer Wahlen wieder als eine Einheit zusammengefaßt zu sehen. Die Russen kehren sich aber nicht daran.

Die Magistratswahlen erfolgen am 3. Dezember also nur in den drei Westsektoren. In dem bisherigen Magistrat besitzen die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit. Die Sozialdemokratie erhebt auch den Anspruch darauf, in dem neuen Magistrat verantwortlich die Geschicke von Berlin zu lenken, da sie während der Blockade die Hauptlast des Abwehrkampfes getragen habe.

Wie es in einem demokratischen Wahlkampf üblich ist, versuchen die anderen Parteien, insbesondere die Christlich-Demokratische Union, ihr den Vorrang streitig zu machen. Nun hat es sich ergeben, daß in Wahlversammlungen der Christlich-Demokratischen Union Gruppen aufgetreten sind, die bei jeder sachlichen Auseinandersetzung mit der Politik der Sozialdemokraten wüste Zwischenrufe machen und die Versammlungen derart stören, daß mehrfach Polizei eingreifen mußte. Die Versammlungsteilnehmer waren bestürzt darüber, daß die Sozialdemokratie den Wahlkampf auf derart unfaire Weise führe. Sie hat es nicht getan, wie die Berliner sozialdemokratische Presse ausdrücklich feststellt. Der Fall verhält sich anders. Die bolschewistische Sozialistische Einheitspartei hat sich eine neue Taktik ausgedacht, um die Sozialdemokratische Partei in Mißkredit zu bringen. Es sind Mitglieder der Sozialistischen Einheitspartei, die sich in Wahlversammlungen der übrigen Parteien als Sozialdemokraten ausgeben und für fremde Rechnung Zwischenfälle hervorrufen.

Man muß diese Tatsache festhalten, weil auch in anderen Bundesländern Wahlen bevor stehen und weil die Kommunisten eine Taktik, die sie irgendwo einmal ausprobiert haben, auch anderswo anzuwenden pflegen.

Kriminalamt und Handwerksordnung

Eine Sitzung des Bundesparlaments

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 26. Oktober. Der neue Bundestagspräsident Dr. Ehlers richtete am Donnerstag an die Bundestagsabgeordneten die seit langem fällige Mahnung, ihre Erklärungen und Reden nicht abzulesen, sondern ihre Reden frei zu halten. Er bat um Unterstützung seines Bestrebens, eine wirkliche Diskussion im Parlament zu entwickeln.

Zu Beginn der Arbeitssitzung, die sich an die dem Gedenken der Kriegsgefangenen gewidmete Sondersitzung anschloß, verlas der Präsident ein Glückwunschtelegramm an das britische Unterhaus zur Einweihung seines alten, während des Kriegs durch Bomben zerstörten Sitzungssaals.

Bei Stimmenthaltung der Kommunisten verabschiedete der Bundestag das Gesetz über die Einrichtung eines Bundeskriminalamtes, das in beschränktem Umfange auch eine eigene Vollzugsgewalt haben wird. Das Bundeskriminalamt wird selbst Verbrecher verfolgen können, wenn

eine Landesstelle darum ersucht oder wenn ein Land die Verfolgung ablehnt. Aus schwerwiegenden Gründen kann der Bundesinnenminister von sich aus die Verfolgung anordnen. Im übrigen hat das Bundeskriminalamt vor allem die Aufgabe, Nachrichten und Unterlagen für die Verbrecherbekämpfung zu sammeln.

Aus Anlaß des Gesetzentwurfs für eine Handwerksordnung, der von den Regierungsparteien eingebracht worden ist, lehnten Sprecher aller Parteien die volle Gewerbefreiheit, wie sie in der amerikanischen Zone auch auf das Handwerk ausgedehnt ist, ab und befürworteten die Wiedereinführung des Großen Befähigungsnachweises. Das deutsche Handwerk umfaßt zur Zeit nach einer Feststellung des Abgeordneten Dirschel (Freie Demokratische Partei) etwa neunhunderttausend Betriebe mit insgesamt dreieinhalb Millionen Beschäftigten. Abgeordneter Veit (Sozialdemokratische Partei) verlangte die paritätische Beteiligung der Gesellen in den Handwerkskammern.

Vistonen in der „Stadt des Lichts“

Reiseeindrücke aus Paris / Von Aloys Bilz

Beinahe wie eine Vision sieht man den Pariser Autoverkehr mit 60 und mehr Kilometer Geschwindigkeit vorbeifluten. Man fühlt sich nicht selten in ein wogendes Automeer versetzt. Am Arc de Triomphe, den Champs Elisees, der Place de la Concorde, entlang der Seine, in der Rue Tivoli und wo auch immer in dieser Riesenstadt konnte man einen Widerspiegel der soeben (am 15. Oktober 1950) beendeten großen Pariser Autoschau erblicken. Dort hatten sich die bekanntesten Kraftwagenfirmen der Welt eingefunden, um für ihren Absatz — angefangen vom einfachsten Kleinauto bis zum Luxuswagen mit allen nur erdenklichen Ausstattungen — zu werben. Der Eindruck in der riesigen, glasüberdachten Ausstellungshalle (Autosalon) war ungewöhnlich. Ebenso scheint der Verkaufserfolg der Aussteller recht befriedigend gewesen zu sein. Was den deutschen Besucher noch mehr interessierte, war das erstmalige Auftreten von Firmen wie Daimler-Mercedes, Opel und Borgward. Vornehme Solidität in Form und Ausführung der deutschen Autos zog die Aufmerksamkeit vieler internationaler Besucher auf sich.

Paris erwacht

Kaum hat sich das tausendfach schillernde Pariser Lichtmeer des Spätabends ein wenig gedämpft, da erwacht schon Dämmer und Halbdunkel des Frühmorgens das Wirtschaftsleben der Stadt. Die Arbeit hat bereits begonnen, während sich die andere Welt, die aus Theatern und sonstigen Vergnügungen sowie Unterhaltungsstätten kommt, zur Ruhe begibt. In die „Halles“, eine der größten Markthallen Europas, bringen Hunderte von Lastautos Tomaten, Artischocken, Karotten, was überhaupt in Paris gefragt ist.

Schnell belebt sich das Straßenbild. Zwischen 8 und 9 Uhr rast der Hochbetrieb von Autos und von Zügen die Metro (Untergrundbahn), um all die Zehntaüsende von Arbeitern, Angestellten, Vertretern, Studenten und nicht zuletzt die zahlreichen Auslandsbesucher an die gewünschten Verkehrspunkte zu bringen. Während die herbstlichwarme Mittagssonne den Nebel langsam zerstreut, sieht man zahlreiche Fremdenautobusse, die Gäste aus aller Welt zu den bekannten Sehenswürdigkeiten, dem Louvre, den Tuilerien, zu der Kathedrale „Nötre Dame“, oder sonst wohin bringen. Am Nachmittag findet man Tausende von Besuchern im Jardin du Luxembourg oder im Bois de Boulogne. Auf den Bürgersteigen und vor den luxuriösen Cafes der Champs Elysees zeigt sich die neuste Eleganz der Damenmoden. Auffällig sind viele Pelzcapes. Die meisten Passanten tragen aber einfachere Tageskleidung. Am Blumenmarkt finden wir ein Meer von Dahlien, Zinien, Astern und von seltenen Rosen. »

Kultur und Geschäft

Neue, noch eindrucksvollere Visionen ganz eigener Art bietet das Abendbild von Paris. Das Theaterleben erwacht. Die Besucher strömen in die Grande Opera, in all die bekannten Schauspielstätten und in die Kinos. Die künstlerisch so stark interessierten Einwohner der Seine-Metropole versuchen ihren gesittigen Hunger zu stillen. Größten Beifall findet da — um nur ein Beispiel zu erwähnen — der neue Film von Jean Cocteau „Orphe“. Die Handlung des modernen Orpheus und der Eurydike spielt natürlich auf dem Montmartre. Eine ungewöhnlich fesselnde Theaterkunst führt den Zuschauer in die surrealistische Welt dieses Films. Bei einer Schlägerei in einem Künstlercafe und beim Eingreifen des Ueberfallkommandos verschwinden zu Tode gekommene Gäste mit Autos und durch Spiegel-Täuschungen und wirken dann in einer anderen (surrealistischen) Welt weiter oder sie befinden sich nachher auch ganz natürlich im Diesseits. Es ist kaum faßbar, wie hier Illusion und Wirklichkeit visionär und doch so packend nebeneinandergestellt werden, daß der Zuschauer vom atemraubenden Spiel der Leinwand bis zur letzten Sekunde ganz erfaßt wird. Die Kabaretts „Folies Bergeres“ und „Taburin“ wissen dagegen ihr Publikum mit viel künsterischem Charme, wenn auch nicht selten in Evas-Kleid zu unterhalten.

Am Samstag, kurz vor der mitternächtlichen Zeit, leuchtet Paris mit der Anstrahlung aller Monumente und Kirchen in einem Lichtermeer auf, die zu den beglückendsten Visionen für jeden Besucher wird. Hochoben auf dem Montmartre wird die große Kirche der ewigen Anbetung „Sacre Coeur“ über dem Häusermeer erhellt, während auf der anderen Seite der Stadt der Eiffelturm große Lichtsignale in das Helldunkel der Nacht hinauswirft. Am jüngsten Samstag, dem 21. Oktober, feierten in der großen gotischen Kirche St. Clothilde die Pariser Katholiken Frankreichs neue Heilige, „St. Jeanne de France“. Als Vorbild der ehelichen Treue hat Papst Pius XII. diese Tochter Ludwigs X. und Schwester Ludwigs XI. jetzt heiliggesprochen. Ihr Gatte, der damalige Herzog von Orleans, so führte der Kanzelredner begeistert wie Bossuet, der berühmteste Prediger von Nötre Dame, aus, fügte ihr alles Herzeleid, jede Demütigung zu, die man sich nur denken kann. Doch Johanna von Frankreich blieb ihm unverbrüchlich treu bis in den Tod. Auch diese Feier wurde für den zufälligen Besucher zu einem großen Erlebnis, zu einer eindrucksvollen Schau des katholischen Lebens dieser Weltstadt.

Nicht ohne weiteres ein „Ja“

Bonn zum Beschluß der französischen Nationalversammlung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 26. Oktober. Achtundvierzig Stunden diskutierte Bonn den Pleven-Plan. Den maßgebenden deutschen Politikern wurde sein Wortlaut zugestellt. Beamte des französischen Oberkommissariats gaben der Besorgnis Ausdruck, der neue französische Vorschlag zur Schaffung einer europäischen Armee sei von der deutschen Oeffentlichkeit zunächst mißverstanden worden. An die Bemerkung, daß die Truppenkontingente der Teilnehmerstaaten auf der Stufe der kleinsten Einheit in die europäisch® Armee eingegliedert werden sollten, seien völlig abwegige Kombinationen angeknüpft worden.

Es ist auch in Bonn sehr aufmerksam beobachtet worden, wie stark sich die Stimmung in der französischen Nationalversammlung mit der Bekanntgabe des Pleven-Plans gewandelt hat. Veranlassung hierzu dürfte die Tatsache gewesen sein, daß mit diesem Plan die Diskussion über eine Beteiligung Deutschlands an der europäischen Verteidigung auf eine neue Grundlage gestellt wurde.

11VUU X — Obgleich diese französischen Vorschläge weitgehend mit den Zielen der deutschen Politik übereinstimmen, hat Bonn zunächst auf eine spontane Zustimmung zu dem französischen Plan verzichtet. Es wäre falsch., den deutschen Politikern deshalb weniger europäisches Bewußtsein zuzutrauen, als im Stimmungsumschwung der französischen Parlamentarier zum Ausdruck gekommen ist. Es kommt bei dieser Schicksalsfrage nicht auf Deutschland allein an.

Die kommende innerdeutsche Auseinandersetzung über den neuen französischen Plan dürfte nicht unerheblich durch die Forderung Frankreichs beschwert worden sein, daß der Einladung zu einer Europa-Armee-Konferenz die Unterzeichnung des Kohle- Stahl-Abkommens vorangehen muß.

Die Bejahung der europäischen Konzeption des französischen Vorschlags kann also nicht ohne weiteres ein Ja zu dem gesamten Plan mit seinen Einzelheiten bedeuten.

Schließlich ist zu betonen, daß ein deutsches Ja oder Nein zum Pleven-Plan nur vom Parlament kommen kann, das sich am 8. November in seiner außenpolitischen Aussprache voraussichtlich in erster Linie mit der Frage der Beteiligung Deutschlands an der europäischen Verteidigung befassen wird.

Tariferhöhungen

im Verkehrsgewerbe angekündigt

Stuttgart, 26. Oktober (AP.) Tariferhöhungen im gesamten Verkehrsgewerbe sowie bei der Bundesbahn seien unvermeidbar, erklärte Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm in Stuttgart im Anschluß an eine zweitägige Konferenz der Länderverkehrsminister.

Die Kostensteigerung bei den Verkehrsträgern sei so groß, daß bereits ein wachsender Substanzverlust eingetreten sei. Bei der Eisenbahn seien Lohn- und Gehaltserhöhungen nicht zu vermeiden.

Zum Ausgleich werde eine allgemeine Steigerung der Gütertarife in Aussicht genommen. Bei den Personentarifen ist an eine öOprozentige Erhöhung im Berufsverkehr gedacht.

Seebohm kündigte an, daß das Personal der Bundesbahn bis Ende nächsten Jahres um 20 000 Bedienstete verringert werde. Außerdem werdß das Personal der Bahnpolizei beträchtlich herabgesetzt werden.

Der Minister erklärte, daß auch eine Tariferhöhung im Straßenverkehrsgewerbe unerläßlich sei, selbst wenn die neuen Benzinpreise und die Autobahnsteuer nicht eingeführt würden. Die Treibstoffrationierung werde nicht aufgehoben.

Stimmen der Anderen

Der schwäbische Gruß

In der „Deutschen Zeitung“ lesen wir:

„Die Württemberger haben ein Privileg: verloren. Ein wichtiges, einzigartiges Privileg. Ueberall wird der weltgültige Kraftausdruck, den Goethe in seinem „Götz“ an der heiklen Stelle schamhaft mit drei Punkten verschweigt, als Beleidigung aufgefaßt und als Beleidigung bestraft. Nur in Württemberg nicht. Wenigstens bisher nicht. Unter Schwaben ist oder war Gotzens grobe Aufforderung, der sogenannte schwäbische Gruß, von jeher keine Beleidigung und wurde deshalb auch nicht als Beleidigung bestraft. Sebastian Blau zitiert als Grund für diese merkwürdige Auffassung eine ältere schwäbische Gerichtsentscheidung, in der es heißt, der Gruß werde landauf und landab gebraucht: erstens um ein Gespräch anzuknüpfen, zweitens um eine ins Stocken geratene Unterhaltung wieder in Fluß zu bringen, drittens um einem Gespräch eine andere Wendung zu geben und viertens um eine Unterhaltung endgültig abzubrechen. Als Beleidigung aber sei der Gruß der Schwaben unbekannt. Nun hat ein schwäbisches Gericht mit dieser heiligen Tradition kaltweg gebrochen. Es hat einen Mann wegen Verwendung des Götzschen Zitats zu fünfzig Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist hart. Hart nicht bloß wegen der fünfzig Mark, sondern weil es sozusagen das Kernstück der schwäbischen Weltanschauung ins Wanken bringt. Den Anfang zu dieser Praxis hat — verwunderlich genug — im Dritten Reich ein oberschwäbisches Gericht mit einem ähnlichen Urteil gemacht, als es einen biederen Bürger, der eine Parteigröße auf die gleiche Weise begrüßte, zu hundert Mark Geldstrafe verdonnerte. In der Urteilsbegründung meinte das Gericht allerdings, wenn es schon an der Tatsache der Beleidigung festhalten müsse, handle es sich doch um „keine schwere Beleidigung“.. So mild war immerhin damals noch die sonst so uinmilde Justiz. Daß die Justiz heute viel strenger urteilt und dabei nicht einmal mehr ein geheiligtes Gewohnheitsrecht respektiert, läßt auf einen bedauerlichen Niedergang der Sitten schließen.“

Nenes Kapitel für Bonn

Die Londoner „Times“ schreibt in einem Bericht aus Goslar über den ersten gesamtdeutschen Parteitag der Christlich-Demokratischen Union, Bundeskanzler Dr. Adenauer habe mit seiner Ansprache wahrscheinlich ein wichtiges neues Kapitel in der Geschichte der politischen Entwicklung und für die Zukunft der Deutschen Bundesrepublik eröffnet. Der Sonderkorrespondent des Blattes berichtet aus Goslar:

„Der Aufstieg der Christlich - Demokratischen Union war eindrucksvoll. Nachdem sie nach der Kapitulation Deutschlands hauptsächlich unter dem starken Einfluß und der Leitung von Dr. Adenauer gegründet wurde, ist sie zu einem machtvollen stabilisierenden Faktor und zur beherrschenden Partei des Westens in Deutschland geworden, der nur noch die Sozialdemokratische Partei den Rang streitig macht."

Truman wünscht Sondersttzung

Washington, 26. Oktober. (AP.) Präsident Truman erklärte, er erwäge, den Kongreß noch vor dem 27. November zu einer Sondersitzung einzuberufen. Der Präsident erklärte, er werde diesen Schritt tun, sobald er sich als notwendig erweisen sollte, ohne Rücksicht auf die am 7. November stattfindenden Kongreßwahlen.

Auf eine Frage von Pressevertretern nach der Atomrüstung der Sowjetunion erwiderte Truman, er sei nicht im Besitz von Informationen, wonach jemals mehr als eine Atom-Explosion in der Sowjetunion stattgefunden habe. Der Präsident erklärte weiter, er glaube nicht, daß es noch in diesem Jahr „Unruhen in Westeuropa“ geben werde.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruds Alle Rechte beim Woltgang-Krüger-Verlag. Hamburg

48) Die Stimmen der Kinder hallten herüber,. als sie ihrem Vater zujubelten, und niemals zuvor waren ihr die merkwürdigen Laute abgerissener Worte so unheimlich vorgekommen. Bei diesem Klang regte sich ein ahnungsvolles Gefühl in ihr. Er würde immer in ihren Ohren nachklingen — das wußte sie — in der Zukunft, die jener blaue Vorhang des Meeres ihr noch verbarg.

Und dann war sie auf einmal von den Kindern umringt, die ihr stolz den Krug mit frischem Traubensaft hinhielten, den sie ihr von den Kelterfässern mitgebracht hatten.

„Sehen Sie doch nur, Mademoiselle!" Raynald wies prahlend auf einen Schuh in jeder Hand. „Ich habe mit meinen bloßen Füßen die Trauben zerstampft. Sehen Sie, meine Zehen sind noch ganz rot.“

Nach der Abreise des Herzogs blieb Henriette noch drei Wochen mit den Kindern da. Berthe gewann in der Meeresluft und in dem Sonnenschein Gesundheit und Schönheit wieder, aber sie bedurfte immer noch einer besonderen Aufmerksamkeit. Henriette ließ sie ihr in reichem Maße zuteil werden, obwohl der Aufruhr ihrer Gedanken sich noch keineswegs gelegt hatte.

Nun sie der Zauber der Anziehungskraft des Herzogs nicht länger bannte, vermochte sie allmählich wieder klarer zu denken und sogar das Problem, das

jeder Tag näher brachte, mit sich selbst zu erörtern. Wie sie auch die Fäden, die sich mit jedem Jahr ihres Aufenthaltes im Hause Praslin immer dichter um sie gesponnen hatten, zu ordnen und zu entwirren suchte — es kam immer wieder auf dieselbe Frage hinaus: sollte sie gehen, sollte sie bleiben?

„Geh’ — geh’ jetzt!“ drängten sie Vernunft und Vorsicht.

Aber ihr eigensinniges Unabhängigkeitsbedürfnis, ihr Wagemut und ihr Ehrgeiz — Eigenschaften, die ebensosehr zu ihr gehörten wie Vorbedacht und Klugheit — ließen dies nicht unbeantwortet.

So tobte der Streit in ihrem Innern auch an jenem Nachmittag, drei Tage vor ihrer Abreise, als der Marschall sie in seine Bibliothek bitten ließ.

Am Morgen war eine umfangreiche Post abgegeben worden. Drei von den Schwestern hatten kleine Briefe von ihrer Mutter erhalten, in denen sie schrieb, es gehe ihr wieder besser und sie befände sich wieder in Melun; und Berthe hatte den Malkasten bekommen, den der Vater ihr versprochen hatte. Das Päckchen, bemerkte Henriette, war in Paris aufgegeben worden. Für den Marschall waren mehrere Briefe dabei gewesen und die neuesten Zeitungen. Henriette hoffte, sie würde Gelegenheit haben, einige von ihnen zu lesen, denn in diesem abgelegenen Erdenwinkel, wo die Ereignisse der großen Welt weniger wichtig waren als ein günstiger Wind für die Fischschulen, die man in den flachen Wassern jagen konnte, hungerte sie nach Neuigkeiten.

„Mademoiselle“, begrüßte sie der alte Herr, nachdem der Diener sich entfernt hatte, „es tut mir leid, Sie stören zu müssen, aber es schien mir wichtig, sogleich mit Ihnen zu sprechen. Nehmen sie bitte Platz.“

Obgleich draußen die Sonne schien, war es in der Bibliothek mit ihren dunklen Lederpaneelen, denen die jahrelang aufgespeicherte Feuchtigkeit der nebligen Winter anhaftete, unfreundlich und düster. Schwere Bände füllten reihenweise die Bücherborde, und in der Mitte des Raumes stand der breite Mahagonischreibtisch, an dessen Ecken grimmige holzgeschnitzte Hundeköpfe hervorragten. Der täuschend lebendige Ausdruck der fletschenden Mäuler mit den riesigen Fangzähnen wirkte auf Henriette alles andere als beruhigend, als sie sich davor setzte. Und auch das Bündel Zeitungen, in denen der alte Herr offenbar gerade geblättert hatte, ließ sie Böses ahnen. Und vor ihm lag ein geöffneter Brief, dessen Handschrift sie auf den ersten Blick erkannte. Sie ließ ihre Augen nicht lange darauf verweilen, sondern wartete, ihren Rock glatt streichend, bis er das Wort an sie richtete.

„Ich will mit meinen Worten nicht hinter dem Berge halten, Mademoiselle“, begann er in seinem etwas gequetscht klingenden Dialekt. „Die Post brachte mir Nachricht, die mich sehr betroffen hat.“

Er räusperte sich und blätterte in den Zeitungen vor sich. Henriette sah auf einigen die bekannte rote Umrandung, und da wußte sie, was nun folgen würde. „Isabella erhielt einen Brief von ihrer Mutter“, bemerkte sie, nur um etwas zu sagen. Sie war fest entschlossen, so lange wie möglich ihr Gleichgewicht zu bewahren. „Sie erzählte mir, daß die Herzogin sich von ihrer Unpäßlichkeit auf dem Lande erholt.“

„Ja, sie ist in Melun; aber weit davon entfernt, sich zu erholen, befindet sie sich offenbar in einem Zustand völliger Nervenzerrüttung. Sie werden begreifen, warum, sobald Sie gelesen haben werden, was sie mir geschickt hat.“ Er nahm das Zeitungsbündel und legte es ihr in den Schoß. „Es hat mich sehr bestürzt, wirklich ganz außerordentlich!“

Resolut nahm- sie sich eine Zeitung nach der anderen vor und las, was angestrichen war. Es herrschte Totenstille im Zimmer; so still war es, daß das Summen einer Biene am Fenster und der ferne Wellenschlag von der Küste das Schweigen selbst zum Klingen brachte. Sie ließ kein Wort aus, obwohl es sehr häßliche Worte waren und bedeutend mehr als in jenem ersten Artikel. Nicht bloß eine, sondern eine ganze Anzahl Zeitungen enthielten Berichte über den neuesten Praslinskandal. Die Rolle, die eine gewisse Mademoiselle D. eine wahre Sirene in Gestalt einer Gouvernante gespielt hatte, als sie den Herzog dazu verführte, sie nach Korsika in das Elternhaus der verlassenen Herzogin zu begleiten, wurde ausführlich kommentiert. Kaum jemand, der irgendein Pariser Blatt las, konnte es verfehlt haben, auf einen dieser gemeinen Artikel zu stoßen, die sich diesmal nicht mit versteckten geistreichen Anspielungen begnügten, sondern unverfroren Behauptungen aufstellten. Wie sehr müsse ein Land auf den Hund gekommen sein, meinte die eine Zeitung, wenn ein Pair es sich leisten konnte, in dieser Weise gegen den traditionellen Ehrenkodex seiner Familie zu verstoßen.

Endlich legte Henriette auch das letzte Blatt aus der Hand und sah dem alten Marschall offen ins Gesicht. Sie war erblaßt, und die Schlagader an ihrem Hals pulste merklich, aber das waren auch die einzigen Zeichen dafür, wie erregt sie war. Ihre Stimme klang fest und ruhig, als sie schließlich sprach.

_ „Wenn Sie schon hierüber bestürzt sind, was glauben Sie, was ich empfinden muß?“

„Ich weiß nicht, Mademoiselle, das will ich von Ihnen hören.“

Sie feuchtete ihre trockenen Lippen an und machte eine ratlose Geste mit der Hand.

„Herr Marschall“, sagte säe, „Erklärungen und Beteuerungen haben ja doch keinen Sinn; wenn Sie an diese Lügen glauben nachdem Sie uns jetzt eine Woche lang hier gesehen haben und vorher schon in Paris — wenn Sie glauben, daß zwischen dem Herzog und mir etwas anderes als Freundschaft besteht, dann dürfte Sie nichts, was ich sagen könnte, von dem Gegenteil überzeugen.“

Die Schlichtheit ihrer Antwort traf iUi unerwartet. Von seiner Tochter an Tranen, Widersprüche und Wutanfälle gewöhnt, wäre er verzweifeltem Bitten und entrüstetem Aufbegehren besser gewachsen gewesen als dieser gelassenen, selbstbeherrschten Frau, die sich furchtlos seinem Urteil unterwarf.

„Mademoiselle“, sagte er ihr, „aufrichtig gestanden, glaube ich keine Zeile von diesen ungeheuerlichen Anschuldigungen gegen Sie. Ich bin mein ganzes Leben lang ein Mann der Tat gewesen, und daher sprechen Taten für mich lauter als Lort. Aber Sie müssen zugeben, daß Worte wie diese immerhin ernst zu’ nehmen sind.“ (Fortsetzung folgt.)

Drei Millionen Frauenũberschuß

1946 waren es noch 5,5 Millionen / Das Ergebnis der Volkszählung

26‘ Okt<>ber- (Eigener Benach dem nunmehr beim StatistisChen Bundesamt vorliegenden vorläufigen Endergebnis der Volkszählung vom /;• hat die Bundesrepublik 47 557 926 Einwohner. Damit erhöhte sich die Bevölkerungsziffer in Westdeutschland seit der letzten Volkszählung im Oktober 1946 um rund 3,8 Millionen, das sind 8,8 Prozent.

Von den 47,5 Millionen Einwohnern sind 25 259 619 weiblichen und 22 298 307 männlichen Geschlechts. Der Ueberschuß der Frauen im Bundesgebiet beträgt etwa 3 Millionen. Gegenüber den Zahlen von 1946 hat sich damit der Frauenüberschuß, der damals noch rund 5,5 Millionen betrug, beträchtlich verringert. Es entfielen 1946 auf 1000 Männer 1229 Frauen, während heute auf 1000 Männer 1133 Frauen kommen. Der Rückgang des Frauenüberschusses ist hauptsächlich auf der Rückkehr von etwa 1,2 Millionen Männern aus der Kriegsgefangenschaft zurückzuführen.

Nordrhein-Westfalen ist mit 13 125 593 Personen das Land mit der höchsten Einwohnerzahl vor Bayern mit 9 118 635 Einwohnern, Hessens Bevölkerungszahl beträgt 4 303 920 Personen, während Württemberg-Hohenzollern mit 1 240 999 Bewohnern das Land mit der kleinsten Einwohnerzahl ist, wenn man vom Stadtstaat Bremen mit 568 335 Einwohnern absieht. Demgegenüber hat Württemberg-Hohenzollern den größten Frauenüberschuß aller elf westdeutschen Länder. Hier kommen auf 1000 Männer 1169 Frauen.

Totgemeldeter aus Rußland zurück

Er berichtet von zahllosen zurückgehaltenen deutschen Gefangenen

Cochem a. d. Mosel, 26. Oktober, (dpa) Franz Stecher aus Cochem, dessen Angehörigen im Dezember 1944 die Todesmeldung erhalten hatten, kehrte in diesen Tagen aus einem Gefangenenlager in der sowjetischen Mongolei nach Hause zurück. Er war von den Sowjets zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden und ist körperlich und seelisch gebrochen.

Stecher berichtete, daß in dem Lager noch etwa 25 000 ehemalige deutsche Wehrmachtsangehörige leben. Außerdem sollen in der sowjetischen Mongolei noch 20 ähnliche Gefangenenlager bestehen, Im März dieses Jahres sei versucht worden, deutsche Gefangene für einen Kriegseinsatz zu gewinnen. Ihnen sei versprochen worden, daß sie nach vier Monaten nach Hause zurückkehren dürften. Daraufhin hätten sich 400 Mann gemeldet. Mit Stecher zusammen befand sich noch in Gefangener aus Cochem in dem Lager, der ebenfalls amtlich als tot gemeldet worden ist. Den Insassen des Straflagers war es verboten nach Hause zu schreiben.

Die Auslieferung Hübenthals

Ein Brief des Innenministers

Wiesbaden, 26. Oktober (dpa). Im Zusammenhang mit der Auslieferung Georg Hübenthals an Frankreich richtete Innenminister Zinnkann am Donnerstag einen Brief an die Dienststelle für auswärtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt, in dem die Rechtmäßigkeit der Auslieferung Hübenthals erneut verneint wird. Der Innenminister fordert die Aufnahme von Verhandlungen mit der Oberkommission unter dem Gesichtspunkt, daß die von der Landeskommission für Hessen vertretene Auslegung des Gesetzes Nr. 6 des amerikanischen Oberkommissars unrichtig ist.

Zinnkann erklärt, er habe die Landeskommission darauf hingewiesen, daß nach dem Gesetz Nr. 6 die deutschen Gerichte ausdrücklich zur Ausübung der Gerichtsbarkeit ermächtigt seien, wenn es sich, wie in diesem Falle, um eine Straftat handele, die vor dem 8. Mai 1945 gegen Angehörige der Besatzungsstreikräfte begangen worden sei. Die Landeskommissio vertrete den Standpunkt, daß in all diesen Fällen die deutsche Gerichtshoheit mit der alliierten Gerichtshoheit konkurriere und die alliierten Behörden daher berechtigt seien, jeden Fall an sich zu ziehen, auch wenn daneben die deutsche Gerichtsbarkeit gegeben sei. Im übrigen sei die Frage der Auslieferung ausschließlich Sache des Oberkommissars.

Er, Zinnkann, teile diesen Standpunkt, soweit es sich darum handele, daß ein Gericht der Besatzungsmächte seine Zuständigkeit bejahe und den Fall an sich ziehe. Er sei aber der Auffasung, daß ein solches Recht dann nicht gegeben sei, wenn ein Gericht eines fremden Staates, in diesem Falle ein Gericht der Französischen Republik, richterliche Befugnisse geltend mache.

Das Schreiben Zinnkanns an die Dienststelle für auswärtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt wurde vom hessischen Kabinett einstimmig gebilligt.

Tariferhöhungen

im Verkehrsgewerbe angekündigt

Stuttgart. 26. Oktober. (AP.) Tariferhöhungen im gesamten Verkehrsgewerbe sowie bei der Bundesbahn seien unvermeidbar, erklärte Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stuttgart im Anschluß an eine zweitägige Konferenz mit den Länderverkehrsministern.

Die Kostensteigerung bei den Verkehrsträgern sei so groß, daß bereits ein wachsender Substanzverlust eingetreten sei. Bei der Eisenbahn seien Lohn- und Gehaltserhöhungen nicht zu vermeiden. Man müsse bedenken, daß ein Pfennig Gehaltserhöhung bei den Bundesbahnangehörigen im Jahr 15 Millionen DM ausmache.

Zum Ausgleich werde eine allgemeine Steigerung der Gütertarife in Aussicht genommen. Bei den Personentarifen ist an eine 50prozentige Erhöhung im Berufsverkehr gedacht. Der Bundesbahn könne nicht länger zugemutet werden, erklärte Seebohm, diese nur einem bestimmten Personenkreis zugute kommende Vergünstigung zu tragen. Nach Mitteilung Seebohms werden dadurch etwa fünf Prozent der gesamten arbeitenden Bevölkerung in der Bundesrepublik betroffen.

Im übrigen habe sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt so weit entspannt, daß eine Verteuerung des Berufsverkehrs heute eher vertreten werden könne als noch im vergangenen Jahr.

Kritik an Sozialisterung

Scharfe Worte des Abgeordneten Dr. Bleek

Frankfurt, 26. Oktober, (dpa) Zur Eröffnung des Wahlkampfes der Freien Demokraten in Frankfurt führte Oberbürgermeister Bleek, Marburg, scharfe Kritik an der Sozialisierungspolitik der hessischen Regierung. Das hessische Be-

triebsrätegesetz, so erklärte er, müsse sich auf jede gesunde Wirtschaftsentwicklung hemmend auswirken. Geradezu beschämend für die hessische Regierung sei das Experiment der Entnazifizierung und der Kampf der hessischen Regierungsparteien gegen die Anerkennung der Rechtsansprüche ehemaliger Berufssoldaten. Als Hauptaufgaben der nach den Wahlen neu zu bildenden Regierung, nannte Bleek eine gesunde Personalpolitik, klare und zweckmäßige Verwaltungsreform und Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung

Einleitend hatte Bleek Vorwürfe gegen den „angeblich objektiven Rundfunk“ erhoben, der es seinem Pressekommentator Fritz Bartsch gestatte, gegen Andersgesinnte zu hetzen. Bartsch hatte es in seinem Kommentar am Dienstagabend als Dreistigkeit bezeichnet, daß Bleek in Frankfurt zum Thema „Sozialismus“ sprechen wolle.

Beratungen eingekeilt

Neue Gemeinde-Ordnung ohne Abschluß

Wiesbaden, 26. Oktober. (Eigener Bericht.) Der Kommunalpolitische Ausschuß des Hessischen Landtags faßte in seiner Donnerstagsitzung den Beschluß, die Beratungen über die neue hessische Gemeindeordnung einzustellen. Das Ergebnis der bisherigen Beratungen, die 52 von den 160 Paragraphen des Gesetzentwurfes betrafen, soll dem neuen Landtag als Beratungsmaterial zur Verfügung gestellt werden.

Minister sprechen zur lugend

Marburg, 26. Oktober, (dpa) Finanzminister Dr, Hilpert und Justiz- und Kultusminister Dr. Stein werden am Samstag im Marburger „Haus der Jugend“ zu Jugendlichen aus ganz Hessen sprechen.

Wirtschaftsblatt

Auslese nötig

-ck „Nicht der Mörder, sondern der Ermordete ist schuldig“ — dies war ein berühmtes Schlagwort in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, als man von einer Knochenerweichung der Strafjustiz sprechen konnte. Heute scheint sich eine Schwäche der Ziviljustiz geltend zu machen, die sich in dem Satz zusammenfassen ließe: „Nicht der Schuldner, sondern der Gläubiger ist schuldig“, — denn wer seine rechtskräftig festgestellte Verpflichtung nicht erfüllt, der befindet sich heute vielfach im Vorteil gegenüber demjenigen, der seinen rechtskräftig festgestellten Anspruch durchzusetzen wagt.

In den Kriegs jähren erlebte man es häufig, daß durch Ereignisse, die außerhalb des Machtbereichs des einzelnen lagen, manche Firmen plötzlich unverschuldet zahlungsunfähig wurden. Bombenschäden oder Stillegung nichtkriegswichtiger Betriebe wirkten in dieser Richtung; es war durchaus richtig und vertretbar, daß der Gesetzgeber einen Schutz des Schuldners verfügte: daß durch Gewährung der sogenannten Vertragshilfe, durch Aussetzung der Zwangsvollstreckung eine schuldnerfreundliche Tendenz in den Vordergrund gebracht wurde. Auch in der ersten Nachkriegszeit erschien es selbstverständlich, daß diese Tendenz sich fortsetzte. Aber je mehr sich unser Wirtschaftsleben normalisiert, desto stärker drängt sich doch nun der Eindruck auf, daß die Maßnahmen, die dem Schuldner in seiner Not helfen sollen, jetzt umgekehrt den Gläubiger in Not bringen.

Die Urteilsvollstreckung zieht sich heute häufig viel zu lange hin. Wenn dann nach Wochen oder Monaten die Zwangsvollstreckung beginnt, wird sie oft recht wenig energisch durchgeführt. In Eingaben an das Bundesjustizministerium und an die Justizministerien der Länder hat der Deutsche Industrie- und Handelstag sich jetzt für eine Behebung dieser Mißstände eingesetzt und vorgeschlagen, daß der Staat von den ihm zufließenden Gebühren einen höheren Anteil als bisher den Gerichtsvollziehern überläßt; hier liegt nämlich offenbar einer der wesentlichen Gründe für die Verzögerungen: Die Gerichtsvollzieher können nicht das erforderliche Buchhaltungspersonal bezahlen.

Der Deutsche Industrie- und Handelstag hat sich ferner für die Aufhebung verschiedener Vollstreckungsschutzbestimmungen ausgesprochen. Es ist inzwischen bekannt geworden, daß der Bundesjustizminister einen Gesetzentwurf vorbereitet, wonach die Vertragshilfe für alle nach der Währungsreform eingegangenen Verbindlichkeiten beseitigt wird. Jeder vernünftige Unternehmer wird dies als einen Fortschritt begrüßen, denn wir müssen ja nun endlich wieder zu einer rationellen Auslese in der Wirtschaft kommen: Konkurse und Zwangsvollstreckungen sind die Heilmittel, um diejenigen Unternehmen, die sich ihren Aufgaben nicht gewachsen zeigen, aus dem Wirtschaftskörper auszuscheiden.

Um die Diskonterhöhung

Bz. — Am Donnerstägnachmittag trat in Bonn der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder zusammen, um endgültig eine Entscheidung über das Problem der Diskont-Erhöhung zu fällen. Angesichts unserer äußerst angespannten Devisenlage läßt sich eine solche Maßnahme eigentlich nicht mehr vermeiden. Zu klären war nur die Frage, in welchem Ausmaß die von verschiedenen Seiten geforderte drastische Erhöhung des Zinsfußes (angeblich von 4 auf 7 Prozent) unter Würdigung aller volkswirtschaftlichen Belange vorgenommen werden soll. Bekanntlich haben in jüngster Zeit die Industrie und die Gewerkschaften scharfe Proteste bei den zuständigen Stellen erhoben. Allgemein befürchtet man, daß eine zu starke Zinsverteuerung die heu-

tige Konjunktur, nicht zuletzt auch den Export wesentlich beeinträchtigt. Vom Arbeitsministerium wird dagegen immer wieder auf die Zahl der Arbeitslosen verwiesen, die nur im Rahmen einer guten Konjunktur Beschäftigung finden können. Wie weiter bekannt wurde, ist Finanzminister Dr. Schäffer der Meinung, daß lediglich eine mäßige Diskont-Erhöhung am Platze ist. In Börsenkreisen nahm man heute an, daß die Neufestsetzung des Diskonts von 4 auf 5 Prozent erfolgen dürfte, wodurch an sich schon eine sehr fühlbare Kreditverteuerung eintreten wird. Ob damit auch die gewollte Einschränkung der zu stark ausgeweiteten Einfuhr erreicht wird, muß die Entwicklung zeigen.

Erneuerung des Waren-Grenzabkommens

ld In einem Zusatzprotokoll zu dem am 20. 10. 50 paraphierten deutsch-französischen Handelsabkommen wurde die Fortsetzung des Warenverkehrs zwischen den deutschen und den französischen Grenzgebieten neu geregelt. Nach diesem Abkommen, das am 1. 1. 1951 in Kraft treten soll, werden jedem Grenzgebiet monatlich 400 000 Dollars zur Verfügung gestellt, die nur für Einfuhren aus dem anderen Grenzgebiet verwendet werden dürfen. Ursprungszeugnisse können verlangt werden.

Preisstützung für Konsumbrot

Bonn. Das Bundesernährungsministerium hat eine Verwaltungsanordnung vorbereitet, nach der die Preisstützung des Konsumbrotes, die bis 31. 10. befristet ist, bis zum 31. 3.1951 verlängert wird. Die Bundesregierung will diese Preisstützungsaktion für das ganze laufende Getreidewirtschaftsjahr, das am 30. 6. 1951 abläuft, fortsetzen

Befriedigender Zeichnungsverlauf

dpa Die BVsprozentige Anleihe über drei Millionen DM der Pfalzwerke AG Ludwigshafen, die in vier Abschnitten zu je 750 000 DM aufgelegt wurde, nimmt einen sehr zufriedenstellenden Zeichnungsverlauf. Die erste und zweite Tranche ist bereits gezeichnet.

Bundesanleihe erst nächstes Jahr

Hi. Die vom Bundesfinanzminister geplante Bundesanleihe wird nicht mehr in diesem Jahr aufgelegt werden können, da erst das Anleihegesetz in Kraft treten muß. Dieses wurde vom Kabinett verabschiedet und ist dem Bundesrat zugegangen, der voraussichtlich Ende Oktober dazu Stellung nehmen wird. Wie aus dem Bundesfinanzministerium verlautet, dürfte nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Zeitablauf der Gesetzgebung mit einer Verkündung nicht vor dem 1. Januar 1951 zu rechnen sein.

Keine Feuerzeugbesteuerung

Hi. Wie unserem Bonner Vertreter auf Anfrage aus dem Bundesfinanzministerium über eine geplante Feuerzeugsteuer mitgeteilt wird, habe ein solcher Gesetzentwurf weder greifbare Formen angenommen, noch liege überhaupt ein solcher Entwurf vor. Man habe sich lediglich im Bundesfinanzministerium bei einer Unterhaltung über Steuerfragen mit einem solchen Vorschlag beschäftigt.

Bz Carl Fischer GmbH., Amorbach i. Odw. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung ist das Stammkapital auf 50 000 DM neu festgesetzt worden. Bz Bei der F. Herm-Meier, GmbH., Kirchzell (Odenwald) beträgt das Stammkapital nach der Neufestsetzung durch die Gesellschafterversammlung nunmehr 50 000 DM. Die Rheinische Pappenfabrik A.G., Monheim, ein Tochterunternehmen der Henkel & Cie. GmbH., Düsseldorf, hat ihr A.K. im Verhältnis 10:8 von 6,50 Mill. RM auf 5,20 Mill. DM umgestellt.

Wann muß der Hauswirt umbauen?

Ansprüche der Behörden nach dem neuen Wohnraumbewirtschaftungsgesetz

Der Regierungsentwurf über ein neues Wohnraumbewirtschaftungsgesetz steht noch vor der Verabschiedung durch Kabinett, Bundestag und Bundesrat. Das neue Gesetz soll der Entwicklung der letzten Jahre und der zu erwartenden Entwicklung der kommenden Zeit Rechnung tragen. Neben Bewirtschaftungsbestimmungen, wie sie auch früher schon bestanden, sind diejenigen Bestimmungen getreten, die für ein zunehmendes Maß von unbewirtschafteten Wohnungen Spielraum lassen, so für steuerbegünstigte und frei finanzierte Wohnungen. Die Bundesregierung wird ferner ermächtigt, durch Rechtsverordnung Vorschriften darüber zu erlassen, daß die Wohnraumbewirtschaftung sich wegen der Höhe des Mietzinses, der Größe oder Zweckbestimmung der Räume erübrigt oder nicht angezeigt ist, ferner wenn die Freistellung oder Lockerung der Schaffung neuen Wohnraumes dient. Soweit die Bundesregierung von dieser Ermächtigung keinen Gebrauch macht, können auch die Länder im Wege der Gesetzgebung oder durch Rechtsverordnung der Landesregierungen entsprechende Vorschriften erlassen. Die Wohnraumbewirtschaftung umfaßt die Feststellung des Wohnraumbestandes und die Aufzeichnung der Wohnungssuchenden, die Zuteilung von Wohnraum, die Maßnahmen zur besseren Ausnutzung von Wohnraum, Maßnahmen zur Verhinderung der Zweckentfremdung von Wohnraum, Maßnahmen zur Erhaltung, Verbesserung und Vermehrung von Wohnraum. Kommt entgegen der Zuweisung zwischen dem Verfügungsberechtigten und einem Zugewiesenen ein Vertrag nicht fristgemäß zustande, so kann die Wohnungsbehörde auf Antrag eines Beteiligten eine Verfügung erlassen, welche die Wirkung eines Mietvertrages hat. Sind Räume auf Grund früherer gesetzlicher Vorschriften oder auf Grund dieses Gesetzes zugeteilt worden oder ist ihre Benutzung genehmigt und sind sie dem Zugewiesenen mit Einrichtungsgegenständen überlassen, so können die Wohnungsbehörden auf Antrag des Zugewiesenen, der in diesen Räumen mit seiner Familie eine selbständige Wirtschaft oder Haushaltung führt, verlangen, daß der Verfügungsberechtigte alle oder einzelne Einrichtungsgegenstände entfernt. Die Entfernung von Einrichtungsgegenständen aus Räumen, die nur zur Mitbenutzung überlassen sind, darf nicht verlangt werden. Die Entfernung von Einrichtungsgegenständen darf allgemein nur angeordnet werden, wenn sie den Verfügungsberechtigten unter Abwägung der Verhältnisse der Beteiligten und ihrer Möglichkeiten, Einrichtungsgegenstände zu nutzen und unterzubringen, zugemutet werden kann.

Wohnraum darf ohne Genehmigung der Wohnungsbehörden nicht derart verändert werden, daß seine bisherige Brauchbarkeit für Wohnzwecke beeinträchtigt wird.

Bisher 83 Schiffe erworben

vwd Reeder der Deutschen Bundesrepublik haben im September 13 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 35 580 brt im Ausland angekauft. Dadurch erhöht sich die Gesamtzahl der im Auslande erworbenen Schiffe auf 83 Einheiten mit zusammen 275 221 brt.

Börsen und Märkte

Bz. Die Frankfurter Börse war auf allen Märkten erholt und freundlicher gestimmt. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Frage der Diskonterhöhung, die am Nachmittag in Bonn in der Zentralbankratssitzung endgültig entschieden werden soll. Auch die beabsichtigte Nichteinbeziehung von Aktiengesellschaften (ebenso GmbH.) in den Lastenausgleich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung führte zu Kursbesserungen von 0,5 bis 1 Punkt. Die Umsatztätigkeit war etwas lebhafter. Elektropapiere lagen meist Vs bis 1 Punkt fester. Auch einige Maschinenwerte befestigten sich.

Freie Devisenkurse

Bz. Folgende freie Devisenkurse wurden in Frankfurt am 26. Oktober 1950 genannt; für den US-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das engl. Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den holl. Gulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,72 bis 0,78 DM, für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben sind für eine DM-West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten worden.

Frankfurter Effektenbörse I Kursblatt des D. T.

bz = bezahlt, B = Briefkurse, T — Taxe, alle übrigen sind Geldkurse (Sämtliche Kurse ohne Gewähr)

25. 10. 26. 10. Pfandbr. u. Kom.-Obl. 4% Dt. Rtb. 34 A .. 7,25
4% Pr. Lpf.Anst.Pt 7,5bz 4% do. Komm. Obi. 7,25
4% Hess.Ldbk.Pf.. 7,75
4% Kass. Ldkr.Pf. . 7,75
4% Nass. Ldbk.P... 7,75bz 4% do. K0m.0b1... 7,75
4% Rhein. Oiro-Pf.. 8,25 4% Rheinprv.Pf... • 8,25 Dekosama I L7,l2bz 4% Bayr. Hyp. PL . 7,62 4% Ftm.Hyp.Bk.PL 7,75bz
4%Ffm Hyp.Obl. .. 7,37bz 4% Pfalz.Hyp.Pf. •• 7,75bz
4% Rh.Hyp.Bk.PL . 7,87bz 4% Westd. Bod. Cr. 7,5bz
7,25
7,5bz 7,25 7,75 7,75
7,75 7,75 8,25 8,25
17,12 7.62bz 7,75bz 7,37bz 7,75bz
7,87bz 7,5bz Industrie-Anleihen
4% AEO. 42 ...... 6,75
2% Aschaffbg. Zell. 6 Augsb -Nürnb . 6.87
1% BMW. 42 7
4%Daimler 42 ... 8,5 4% Degussa 43 ... 8,62bz 4%% Ess. stk. 41. 6,75
6,75 6 6,87
7 8,5 8,62 6,75
25. 10. 26. H
4’/2% Gesenb.Benz. 7,37
4% Gelsenk. Bgwk. 7,37bz 4% Harpener 42 .. 7,25 4'/2%Hartm. & Br. 7,75 5% Klöckner 39 .. 7,62 s%Meta!lges. 39 . 8,5 5% Rh. Braunk. 40 8,37 4% Schluchsee 43 . 7 4/2% Union Rhbr. . 8,25 4% Ver. Dt. Met. 42 8,12bz 7,37
7.37 7,25
7,75 7,62 8,5
8.37 7
8,25 8,12
Industrie-Aktien
Accumulatoren.... 95bz Ada-Ada-Schu'n.... —
Adler-Werke 42,58 Adt, Gebt — Allg. Bauges. Lenz. 27,5 AEG 26
Andreae-Noris ....180 Aschafibg. Akt.-Br. 50 Aschaffb. Buntpap. —
Aschaffbg. Zellst. ..76bz Augsb -Niirnbg. ...86bz 97bz 42 B
28 26,5
180 50 86
Bad. Maschinen ...98 Bauniw. Eilangen .130 Bayr. Motorenwk. .32,5bz 98
130 33bz
25. 10. 26. 10.
Bemberg, J.P. ... 79 79
Berger, Tiefbau ... 29,5 32bz
Bin. Kraft u. Licht. 20,25bz 20,75
Braub. Nürnberg . 51 51
Brown Boveri .... ;15bz
Buderus Eisenw. . 76,5bZ 77bz
Burbach Kali .... 64 64
Chern. Albert .... 67 66
Conti Gummi .... 114 115,5
Daimler Mot. Wk..s7bz 59bz
Demag, Duisburg 84,37bz 84.5
Dessauer Gas .... 19,5bz 19,75bz
Deutsche Erdöl .. 55,5bz 55bz
Deutsche Steinzeug 139,5bz 139,5
Degussa 77 B 77
Dt. Linoleum-Wk. .118 119
Dt. Tafelglas .... .115 115
Didierwk. Wiesb. 83,5 — 0
Dierig, Chr .78 78,5
Eichbg.-Werger-Br. 50,58 50.5 B
Eisenb Verkehrsm. 68,58 68.5 B
El. Licht u. Kraft .30 30
Enzinger Union .. 64,5bZ 66bz
Eßlinger Maschinen 103 103
Ettlinger Spinnerei 160 160
25. 10. 26. 10.
Faber & Schleicher Fahr, Gebr
Feintnech. Tetter .
Feldmühle 78 78
Felten & Gulll. .. 69bz 70bz
Ffm Masch. P &W 88 88
Goldschmidt, Tb. . 64bz 64bz
Gritzner-Kayser... loibz 101
Grün & Bilfinger . 47,5
Hafenmßhle Ffm. —G — G
Hanau Hofbr.-Haus 55 55
Hanfwk. Füssen . 128 128
Harpener Bergbau. 75 75
Harpener Bonds . 45 45,5
Hartmann & Braun —
Heidelberg. ZementiO9bz HObz
Henninger-Bräu.. .83 83
Hess.-Nassau Gas 85 85
Hoesch Eisen .... 62bz 63.75bZ
Holzmann, Ph. ... 29,5bz 29,5bz
Hotel AG 45 45
lunghans Geb: . 62bz 62
Kabelwerke RheydtSS 58
Kali Chemi 92,5 92,5
Karstadt, Rud. 76,5bz 76,5
25. 10. 26.
Kaufh. Hansa, Ffm. 80 80
Kl., Schzl. & Becker 80 80
Klöcknerwerke....66 68
Knorr. Heilbronn . 71 71.5
Konserven Braun —
Kupferberg Sekt ..45 46bz
Lohmeyer &Co . 84bz 85bz
Lanz. Hch 54bz 56bz
Lindes Eismasch. . 86bz 87
Mainkraftwerke... 88 88
Mainzer Akt.-Br. ..57 57
Mannesm.Röhr.StAs6,s 57bz
Mannesm.Röhr VA—
Masch.Hartm Offb 80bz 80
Metallgesellschaft 63,5 64bz
Moenus Maschinen4s 45
Neckar-Wk. Eßling. 107,5 107.5
Nordd. Lederwerke2s 25
NSU 127 127
Odenw.Hartstein..BO 80
Pfalz. MOhlenwk. .90 90
Rhein Braunkohle.94 95bz
Rhein. Elektrizität.96,sbz 95bz
Rhein. Stahlwk. ..52,5bz 54
Rh.-Westf. E1ektr..74,5 75
Roeder, Gebt. .>.«98 98
25. 10. 26. 10.
Salamanderschuh..— — Salzdetfurth Kali . 62 T 63.5
Salzwk. Heilbronn 106 106 Sarotti AG —G 91bz Schöfferh. Brauereis6 55 Schramm Lackfahr. 103bz 103 Schritts Stempel . 100 100 Seilindustrie Wolff9s 95 B Siem. & Halske StA 44bz 45,5bz Siem. & Halske VA 43,5bz 44,5bz
Stollwerck, Gebt...Bl 81
Südd. Zucker AG... 102 102,5 Veith Gummiwerke 120 Ver.Dt.Met. Werke6s,sbz Ver Dt Olfabriken—G
Ver Stahlwerke . .51,25bz Voigt & Haeffner..i23 Voltohm Seil 35 120 66bz — G 53.25bz
123 35
Wayß & Freytag .116
Westdt. Kaufhof ..79bz Wintershall....... 48.5bz 116 79
49,5
Zellstoff Waldhof . 46bz 47.5
Banken
Bayr.Hyp.Wchs.Bk. 31,5bz
Berl.Handels-Ges. .14,75bz 31,5 14,75bz
25. 10. 26. 10
Commerzbank ....23,5bz 23,5bz
Deutsche Bank .... 23,5bz Dt.Eff. u.Wchs.-Bk. 25
Dresdner Bank ...23,25bz 24bz 25 23,5bz
Frankfurter Bank . 26
Ffm Hypotb Bk . 26,25 26
26.25 b?
Pfalz. Hypoth.-Bk.. 22,75 22,75
Rhein.Hypoth.-Bk.. 24,75 24,75
Verkehr
AG. für Verkehr ~33,58
Hapag 268
Norddt. Lloyd 218 Südd. Eisenb Ges.. 60 33
24bz 21,25 60
Versicherungen
Allianz Leben ....428 All. u. Stuttg. Ver.. 628 40 62
ünnotierte Werte
Beck & Henkel ....38 38
Chemiefas. Inh. ...52bz Chemiefas. Na. ...48 Chem. Brockhues .70 56bZ 51 70
25. 10. 26. 10.
Dt. Waffen , .26 26,5
Dingler Zweibr.... .92 92bz
Diskusw 123
120bz
DyckerhoffZement. i 18 Eisenh Köln . 44,5bz 45,75bz
Fordwerke Köln . . 898 89
Gutehoffnungsh.... 64,5bz 65.75bZ
Hutschenreuther .. .70bz 70 B
Kahla Porzell. ... .30 30
Kammg.Kaisersl.. .94 94
Rh Strohzellstoff. 115 115
Rosent'nal-Porzell 84 85
Schwäb Zellstoft . 130 130
Süddt Zellwolle.. .111 111
Thür. Zellw. Inh. . . 13,5bz 14bZ
Thür. Zellw. NA ... . 11 12bz
Torpedo-Werke ... .163 163
Württemb. Metall. 59 59
Zeiß Ikon . 33 33
Zellst. Waldhof VA. 43 43
,

Jraǔlich keideu

Von der persönlichen Note

Was wir an manchen Frauen immer wieder bewundern, ist jenes Eigensein, das man in dem Begriff „die persönliche Note“ zusammenfaßt. Es werden darunter nicht so sehr besondere Charaktereigenschaften verstanden, als vielmehr eine gewisse, unnachahmliche Atmosphäre der Gesamterscheinung und Eigenlebigkeit, die aus dem unbekümmerten Freimut kommt, sich nicht unter das „man macht“, „man sagt“, „man trägt“ zu beugen, sondern unbetont und ohne Verstiegenheit das „ich tue“, „ich trage“ darzuleben.

Wollten wir das gewisse Unsagbare, was wir da meinen und alle genau fühlen, tiefgründig philosophisch ableiten und etwa zum schwierigen und vielbemühten Existentialismus in Beziehung setzen, so könnten wir sagen: Frauen mit persönlicher Note zeigen den Mut zum Selbstsein, sie geben sich nicht ins Schlepptau genormter Gepflogenheiten, von Moden und Schlagwörtern, sie haben den Mut zum eigenen Wesen und strahlen es in den tausend Dingen des Täglichen aus. Dazu gehört das ruhige Äußern eigener Meinung über einen Film, den „man rühmt“, oder über ein Buch, das „man verurteilt“, ebenso wie das Tragen einer Mantel- oder Kleidform, die nicht auf der Höhe internationaler Mode zu stehen braucht, jedoch der Trägerin am glücklichsten entspricht. Prüfende Blicke, sich mit Kritik im Tonfall anschleichende Frage der „guten Bekannten“ kann ihr nichts anhaben, denn sie fühlt sich wohl in dem, was ihr am besten gefällt und steht. Die Mode läßt heute ein weites Feld frei zu persönlicher Gestaltung, es gibt Formen und Beigaben, die zeitloser sind als die wenigen Frühlings- und Herbstwochen eines Jahres. Persönliche Note in der Kleidung heißt nicht „dernier cri“ tragen, sondern wissen, was in Linie und Farbe und Schmuck in sich harmoniert und insgesamt mit dem eigenen Wesen.

Festigen wir im Eigensten die persönliche Note, so wirkt sie auch in unsere Umgebung hinein. Wir bekommen einen Blick dafür, was an Hausrat zu uns paßt, und zwischen unpersönlicher Dutzendware zu leben erscheint uns schwer erträglich. Wer in der glücklichen Lage ist, Neuanschaffungen machen zu können, wählt sorgfältig und nach sicherem Gefühl, was paßt und zuglei chden praktischen Anforderungen genügt. Zu glauben, daß nur finanziell gut gestellte Menschen sich die persönliche Note leisten können, ist falsch. Denn auch in armseligsten und bedrängtesten Lebensumständen, ist jenes Unwägbare möglich, ja erweist es sich erst in seiner Echtheit und wirkenden Kraft. Der persönlichen Note, deren wir an einem Menschen .gewahr werden, liegt ja eine ordnende, 'klärende Kraft des Gemütes zugrunde, ein Wissen von sich selbst und der Umwelt. Wahllos sind die vielen vom Schicksal getroffen worden mit Verlust von Heim und Habe, mit Austreibung, Flucht, Gefangenschaft, und wahllos stieß das Schicksal die Frauen hinein in gedrängtes Zusammenleben in erbarmungswürdigen Umständen. Aber wo unzählige sich treiben und das Elend über sich Herr werden ließen, waren immer doch einige, die des Elends Herr wurden aus einer stillen Macht des Herzens heraus, die noch kümmerlichstem Hausrat Ordnung zu geben vermochte und erbärmlichste Dinge zu schlichter Brauchbarkeit im Umkreis der persönlichen Note adelte.

In noch so beschränkten Wohnverhältnissen läßt sich ein Eckchen auf der Kommode, auf einem Wandbrett so herrichten, daß man es aufatmend anschauen kann: hier bin ich zu Hause. Wie ein Zauberkreis ist die Wohlgeordnetheit um diese kleine Stelle in der bunten, gedrängten Vielfalt der Einzimmer-Wohnung gezogen, und schon die Kinder

wissen es und verletzen diesen Bannkreis nicht, denn das ist Mutters Eckchen, diese Holzschale dürfen wir nicht zum Puppenspiel nehmen und dieses Bild nicht verkramen, nur ansehen. Wie bald strebt dann auch das Töchterlein danach, ein solch unantastbares Eckchen zu haben, und lächelnd erkennst du die „persönliche Note“ deiner Tochter im Kindesalter. Um zu helfen, daß sie sie auch später pflegt, achten wir schon jetzt ihr Eckchen und stoßen die Puppe nicht fort und werfen den kostbaren Kiesel nicht weg, den sie kürzlich irgendwo gefunden und nun liebevoll hier ausgelegt hat.

In Massengepferchtheit und Leibesnot lebt es sich schwer mit der persönlichen Note. Aber wer sie sich prägte, dem bleibt sie wie „unauslöschliches Siegel“ und wird ihn immer von Massenbedürfnis und Massenpsychose scheiden wie schmale Kerzenflamme von Finsternis geschieden ist, so dicht sie auch davon umgeben wird. Wie sanft und bezwingend dies Licht ins Dunkle hineinwirkt, so vermag auch die persönliche Note einer Frau leidgetroffenen Vielen ein Helles und Helfendes zu sein, und dann erst offenbart die „persönliche Note“ ihre ganze Kraft und Tiefe, denn sie tritt, sich selbst bewahrend und gestaltend, in den Dienst der anderen.

Doch damit mündet unsere kleine Abhandlung in die Worte Größerer, die sich ernst um Leitworte der Lebensweisheit mühten. Da ist denn alles zusammengefaßt in zwei Sätzen: „Vergiß dein Ich. Dich selbst verliere nie“. D-s

Aus der ach so karg gefüllten Schale unsres Herzens laßt uns Liebe schöpfen, wo nur immer einer Seele Schale leer steht und nach Liebe dürstet. Nicht versiegen drum wird unsre Schale, steigen wird die so geschöpfte Flut, nicht fallen, Fülle wird das Los des so verschwenderischen Herzens. Morgenstern

Mutter, wo ist Dein Kind?

Hast du daran gedacht, wo es spielt? Machst du dir Gedanken, mit wem es umgeht? Weißt du, welchen Gefahren es ausgesetzt ist? Ueberlegst du, womit es sich beschäftigt in deiner Abwesenheit? Tausende Mütter sind berufstätig. Tausende Kinder bleiben sich selbst überlassen, weil Kindergärten und -horte und -heime nicht ausreichen, sie aufzunehmen und zu versorgen. Was in Darmstadt an Räumen für diesen Zweck zur Verfügung steht, fällt vor der Menge nicht ins Gewicht. Nur ein paar Hundert sind beaufsichtigt. Was wird aus den anderen? Warum schaffen die Betriebe nicht Raum und Möglichkeit um die Kinder der mit ihrer Kraft und Gesundheit ihrem Werke dienenden Mütter über Tag zu versorgen? Und wenn sich für einen Betrieb die Kosten zu hoch stellen, warum schließen sich nicht mehrere Betriebe zusammen zu einer solchen sozialen Tat, die Hilfe schafft dort, wo sie am nötigsten ist und sich am zukunftträchtigsten aus wirkt: bei unseren Kindern, die später selbst einmal, gesund an Leib und Seele, zur Arbeitsstätte in den Betrieben gehen. Di

Deutsche Mädel nach Südafrika

Weit über 100 deutsche Mädchen wurden kürzlich als Schwesternschülerinnen nach Südafrika verpflichtet. Jetzt wird aus Transvaal mitgeteilt, daß noch weitere deutsche Frauen gesucht werden. Die Bewerberinnen müssen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren stehen, in Ausnahmefällen, besonders wenn eine Berufsausbildung oder begonnenes Medizinstudium vorliegen, werden auch bis zu 30jährige angenommen.

Voraussetzung ist völlige Gesundheit, gute englische Sprachkenntnisse und mindestens 12jähriger Schulbesuch mit zum Studium berechtigendem Abschlußexamen. Bei besonderer Eignung sollen auch Bewerberinnen mit dem Zeugnis der mittleren Reife angeworben werden. Die Berufsaussichten werden als ausgezeichnet angegeben.

Die Ausreise soll bereits Anfang Dezember 1950 erfolgen. Bewerbungen mit Lebenslauf, Schulzeugnissen, Zeugnisabschriften der bisherigen Berufstätigkeit und Lichtbild sind umgehend an die Arbeitsämter des Bundesgebietes zu richten. (FvH)


Gymnastikstunde in einer Darmstädter Tanzschule FOto: Hilde Roth
Gymnastikstunde in einer Darmstädter Tanzschule FOto: Hilde Roth

Warum gehen Sie ins Kino?

Ehrlich bitte! — Viele Argumente können wir anführen, geben Sie zur Antwort. Aber eines stimmt, oft suchen Sie den Ihnen verwandten Idealtyp; Sie wünschen sich, wie diese oder jene Schauspielerin auszusehen. Was macht diese Frau für uns so anziehend? Groß ist das Geheimnis nicht, wenn wir an das Einfachste denken: eine gute Figur, schöne Haltung und geschmeidige, natürliche Bewegungen.

Liebe, tüchtige Hausfrau, Sie können das auch erreichen! Wie viel sicherer treten Sie auf in dem Bewußtsein, sich gut zu bewegen. Sorgen Sie dafür, daß Ihre Hüften nicht zu dick, Ihre Beinmuskeln kräftig sind, und Sie haben einen geschmeidigen, elastischen Gang. Müde Füße, Senkfüße, die Schmerzen bereiten verschwinden, wenn Sie Ihre Fußmuskeln nicht vernachlässigen. Einen müden Rücken, hängende Schultern, schlechte Kopfhaltung (Doppelkinn), sollte es nicht geben, denn sie verraten die Uebermüdung. Dies aber deprimiert, und die Lebensfreude läßt nach.

Die Lebensfreude sich erhalten, bewußt leben, schön sein und sich schön bewegen wollen sollte der Grundsatz jeder Frau sein.

Was kann Ihnen am besten dazu helfen? Treiben Sie Gymnastik und tänzerische Körperkultur! Sie lernen die Muskeln Ihres Körpers kennen; es fällt Ihnen dann leicht, sich gut zu halten. Müdigkeit und Schlappheit verschwinden, da Sie die Muskeln auf natürlichem Wege stärken und nun müheloser und freudig alle Arbeit tun könen. Fühlen Sie sich durch die Gymnastik erfrischt und gekräftigt, spüren Sie gleichzeitig, daß Ihre Körperhaltung schöner und selbstbewußter und Ihre Bewegungen geschmeidiger und elastischer werden.

Was den Filmschönheiten natürlich ist, sich vorteilhaft und anmutig zu bewegen, kann jede Frau erreichen, wenn sie auf sich achtet und Gymnastik treibt.

Guten Appetit

Wiener Lungenbraten. Man braucht dazu 1 Lungenbraten (Rindslende), etwa 100 g geräucherten Speck, 2 Zwiebeln, 2 Karotten, Vz kleine Sellerie wurzel, Vs 1 Joghurt, 100—120 g Margarine, Salz, Pfeffer, etwas Zitronenschale oder einige gestoßene Wacholderbeeren. Den gut geklopften, abgehäuteten Braten am Abend vorher mit federkieldicken Speckstreifen spicken, mit der zerlassenen^ noch heißen Margarine übergießen und zugedeckt über Nacht kaltstellen, Zwiebeln und Gemüse feinblättrig schneiden, mit dem Gewürz mischen und den Boden der Pfanne damit belegen, den Braten darauf geben und nun erst salzen. Unter fleißigem Begießen 40 Minuten braten und dabei löffelweise etwas Joghurt dazugeben. Die Soße mit dem Rest des Joghurt, dem Gemüse und einem Löffel Knochenbrühe sämig verkochen. Dazu paßt fast jedes Frischgemüse oder gemischter Salat sowie gebackene Kartöffelchen, Kartoffelnudeln oder Makkaroni.

Hoch hinaus mit den Frisuren der Damen, wie es einst im Rokoko war, will jetzt wieder der Pariser Haarkünstler Antoine, der für die Ballsaison 1951 Frisuren aus Blumen, Federn und Schleiern entworfen hat, die eine Höhe von 60 cm erreichen.

Auf der bloßen Haut haftender Schmuck wurde jetzt von einer Juwelierfirma in Neuyork auf den Markt gebracht. Brillanten auf entblößten Schultern und als Schönheitspflästerchen auf der Wange werden die Sensation dieses Winters sein.

Feuilleton

Vom Wert des Lesens

Tagung der hessischen Volksbibliothekare in Gießen

Die hessischen Volksbibliothekare hatten als Abschluß ihrer zweitägigen Zusammenkunft in Gießen zu einer Morgenfeier für deutsche Sprache und Dichtung eingeladen.

Die Vorträge und Berichte machten auf den Notstand der hessischen Volksbüchereien aufmerksam, deren Bestände mit wenigen Ausnahmen zu einem Drittel oder gar zur Hälfte veraltet sind. Die Verluste durch Krieg und Kriegsfolgen bewegen sich zwischen 30 und 40 Prozent; in Darmstadt, Kassel und mancher kleineren Gemeinde betragen sie sogar 100 Prozent. Mehr als 300 Volksbüchereien können daher immer noch nicht wieder eröffnet werden.

Ministerialrätin Spangenberg versicherte zugleich im Namen des Kultusministers, daß die Volksbüchereien vom Staat rasch und umfassend unterstützt werden sollen. Seit Jahr und Tag sei ein Gesetz geplant, das auf diesem Gebiet den in der hessischen Verfassung garantierten Zugang zu den öffentlichen Bildungseinrichtungen sichern sollt! Es sei müßig, nach den Ursachen des augenblicklichen Tiefstandes zu suchen. Längst sei der Mensch im Begriff, einen neuen Standpunkt zu gewinnen. Von hier aus und auf ihn richte sich die Haltung des Bibliothekars bei der Suche nach neuen Büchern, die in die Zukunft weisen und diese in menschlicher Nähe darbieten sollen.

Der Sekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Dr. Oskar Jancke, sprach vom Wert des Lesens und analysierte unter dem Aspekt des Dichters und dessen Verhältnis zum Leser die möglichen Beziehungen zum Buch. Die Kraft der Dichtung erweise sich dann, wenn sie nicht nur Freude gebe, vielmehr zu einem echten Gespräch zwischen Autor und Leser zu führen vermöge.

Bürgermeister Dr. Elsner, Gießen, teilte mit, daß die Stadt in Würdigung der Aufgabe der Stadtbücherei neue Räume zugewiesen, mit der Errichtung eines Lesesaals begonnen und größere Mittel für die Erneuerung von Büchern vorgesehen habe.

Der Leiter des Verbandes hessischer Volksbibliothekare, Dr. Engelhardt, Darmstadt, dankte der Stadt Gießen für die Gastfreundschaft. Bei der von Staat, Kreisen und Gemeinden eingeleiteten Erneuerung der Volksbüchereien dürfte die Erwartung ausgesprochen werden, daß diese im Bewußtsein des Volkes wieder heimisch und zu neuer Blüte kommen werden.

Unter den Gästen und Teilnehmern der Veranstaltung befanden sich Kasimir Edschmid, Stadtrat Reiber, Darmstadt, die Regierungspräsidenten von Darmstadt, Kassel und Wiesbaden.

Klavierabend Gustav Beck

Der Klavierabend von Gustav Beck hatte viele Freunde des Darmstädter Pianisten in das Amerikahaus gerufen. Ein interessantes Programm, in dem Hindemiths 1. Klaviersonate (1936) und Chopins h-moll-Sonate neben einer unbeschwerten Sonata brevis des Amerikaners Everett Helm standen, wurde in technischer Eleganz absolviert. Leider dehnte Gustav Beck die Schönheit seines soliden handwerklichen Könnens auch auf eine allzu schön dargebrachte Interpretation der einzelnen Werke aus, so daß sie ohne Profil und Charakter vorbeirauschten und in einem alles nivellierenden Wertmaß in Schönheit erstarben. Gewiß können die leichten Romantizismen der durch Hölderlins Gedicht „Der Main“ angeregten Hindemith-Sonate zu lyrischen Bögen verleiten, aber die vielen dynamischen Zwischenstufen; das rhythmische Marcato des langsamen Marsches, die punktierte Thematik des 3. Satzes, die klare thematische Länlearitit der Schlußsätze fordern eine Markierung doch geradezu heraus. Auch die dynamischen Steigerungen von p zu ff, der Wechsel der inneren Spannungskräfte blieben unausgenutzt. Die Spuren der Erschöpfung, die sich in Chopins h-moll-Sonate so tief auftun, und deren Verdeckung erstes Prinzip für den Spieler sein muß, hat der Pianist keineswegs liebevoll verhüllt. Die nocturnenhafte Kantiiene lag wie eine schwere Treibhausluft über allen Sätzen und ließ sich auch durch die perlende Spielweise nicht verdrängen, die im Schlußsatz die stürmende pianistische Virtuosität mit einem großen Ton- und Legato-Dämpfer versah. Eher war schon die Differenzierung in dem kleinen Stück von Helm gelungen. Da zu jedem musikalischen Nachschaffen persönliche Vitalität, eigene künstlerische Gestaltungsgabe, plastischer Formwille und geistige Ausdrucksstärke gehören, um nicht in monotone, wenn auch feine technische Spielerei zu verfallen, blieb der Gesamteindruck durch das Fehlen der charakteristischen Haupterfordernisse der Klavierkunst enttäuschend — da man mehr erwartet hatte. G. I.

Amerikanisches Filmschaffen

Hollywood beherrscht die Kinos der Welt

Im Darmstädter Amerikahaus hielt der Filmschriftsteller Günther Feyler einen Vortrag über „das amerikanische Filmschaffen“. Selten ist es einer technischen Erfindung der Menscheit gelungen, in wenigen Jahren die ganze Erde zu erobern. Heute stünden auf der Welt täglich etwa 44 Millionen Kinoplätze den Besuchern zur Verfügung.

Der Film ist auf dem Rummelplatz geboren, gleich neben der Schaubude, und er hatte einen weiten Weg zurückzulegen, ehe er sich als künstlerische Einrichtung durchsetzen konnte. Im Jahre 1927 schufen die Amerikaner den ersten Lichttonfilm, der zum Beginn einer ungeheueren industriellen Entwicklung in den Staaten wurde. Fünf Mammutfilmunternehmen beherrschen d:e Vereinigten Staaten, und 90 Prozent aller Kinos der Welt wurden aus Erträgen der amerikanischen Filmproduktion geschaffen.

In Deutschland reicht der Einfluß des amerikanischen Filmschaffens für 37,2 Prozent der Kinokapazität. Der wesentlichste Grund für die Vormachtstellung des amerikanischen Films in Deutschland scheint das Interesse für problemlose Filme zu sein. Der Mensch unserer Zeit will in der Hauptsache unterhalten sein, er legt keinen allzu großen Wert auf problemgeschwängerte Filme, die sein Lebensgefühl und den Glauben an eine gesicherte Eristenz bedrohen könnten.

Amerika hat aus der Filmwirtschaft eine Industrie gemacht, die zu einem Kunstdiktator emporwuchs, sie kauft nur die Ideen auf, die dann von einem riesigen Stab von Dramaturgen fast industriell verarbeitet werden. Dieser fertige Film lebt nur vom Star, und der Herrschäft der Stars beugen sich ebenso willig die Regisseure, wie die Autoren. Chargenrollen, wie es sie in Europa seit dem Bestehen des Theaters und des Films gibt, sind in Amerika unbekannt. Es kommt weniger auf die schauspielerische Leistung an, als darauf, durch irgend etwas in der Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Der amerikanischen Filmwirtschaft ist mit Erfindung des Fernsehens ein großer Konkurrent erwachsen. Besonders die Jugend bleibt neuerdings den Lichtspieltheatern fern, und im letzten Jahr mußten in den Vereinigten Staaten drei Prozent aller Kinos wegen mangelnden Besuches geschlossen werden. hfl.

Von der Leinwand

THALIA. „Die Erbin“. Dies ist der Film einer Schauspielerin, deren virtuose Beherrschung aller schauspielerischen Mittel ein Erlebni beschert: Olivia de Havilland.

Die Handlung: Catherine Sloper, die schüchterne, nicht sehr hübsche Tochter eines millionenreichen Arztes, lebt, mauerblümchenhaft zurückgezogen, im Hause ihres Vaters. Niemand beachtet sie, bis eines Tages Morris Townsend auftaucht und um sie wirbt. Catherine beginnt ihn zu lieben und erblüht zu einem völlig neuen Menschen. Der Vater aber erkennt, daß Morris es lediglich auf Mitgift und Erbe abgesehen hat, weist ihn ab und droht Catherine zu enterben. Daraufhin verschwindet Townsend. Als er nach Jahren zurückkehrt und erneut um Catherines Hand anhält, findet er eine durch Schmerz und Enttäuschung reif gewordene Frau vor, die, obwohl sie vielleicht im tiefsten Grunde ihres Herzens noch immer liebt, Morris zurückweist. Wie schon gesagt, es ist die großartige Kunst Olivia de Havillands, die diesen Film trägt, hinter der alle übrigen Schauspieler zurücktreten, ohne jedoch zu verblassen. Sie bringt die Entwicklungsstufen Catherines vom hausbackenen Mädchen über die mit allen Fasern ihres Herzens Liebende bis zur Frau, die durch Schmerz und Verzweiflung zur Überwindung ihrer Liebe gelangte, mit einer ergreifenden Schlichtheit, Anmut und Herbheit, Fraulichkeit, Verzweiflung und inneren Größe, die Anteilnahme erweckt und zeitweise vergessen läßt, daß man nur Zuschauer ist. Olivia de Havilland gestaltet nicht, sie lebt ihre Rolle. Prächtig Montgomery Clifts Townsend, der erst allmählich, mit der fortschreitenden Handlung — zusammen mit Catherine — seinen wahren Charakter als Mitgiftjäger erkennen läßt, der nur hier und da schlaglichtartig gezeigt wird, um sofort wieder hinter der Maske des wahrhaft Liebenden zu verschwinden. Er enthüllt sich bis zuletzt nicht selbst — nur in Catherines Verhalten wird sein Bild letztlich deutlich. Ralph Richardsen ist als Vater gut angelegt und konsequent gespielt. Die Regie vermied knallige Effekte und romantische Sentimentalitäten gleichermaßen. Mit der Konzentrierung der Handlung auf wenige Schauplätze wird in diesem Falle eine erhöhte Eindringlichkeit geschaffen. Die Kamera arbeitet ohne große Experimente, wirkungsvoll die Handlung verdichtend. hn

Konzert im Landesmuseum

Im Rahmen der Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund - Fischer und Anton Hartmann fand am letzten Sonntag im Landesmuseum ein Morgen - Konzert statt, das von zwei Künstlern, die dem Freundeskreis der verstorbenen Malerin angehörten, ausgeführt wurde. Wir hörten Werke barocker Meister für Flöte und Cembalo: Eine Flötensonate von L’ Oeillet de Gant, die große Französische Ouvertüre für Cembalo von J. S. Bach und eine Sonate für Altblockflöte und Continuo von Händel. Die Ausführenden Fritz Werner Büchner, Marburg, (Flöte) und Karl-Heinz Klein, Bensheim, (Cembalo) spielten in lebendiger Interpretation vor einem aufgeschlossenen und zahlreichen Zuhörerkreis, der diese Stunde alter Musik als würdiges Gedächtnis dankbar empfand.

Darmstadt und Umgebung

Ist es Schuld des Kindes...?

Ka.- So bedauerlich immer ein Verkenrsunfall sein mag, so voller Tragik ist er erst recht, wenn er das Leben eines Kindes fordert. Der besondere Umstand, daß ja in diesem Fall nicht zwei in gleicher Weise urteilsfähige Menschen sich gegenseitig zur Rechenschaft ziehen können, sondern der eine ein Kind und also schlechthin Vpfer ist, gibt der Sache ein unerträgliches Gewicht. Die Frage der Schuld ist nicht nur ausgelöscht, sie wird nicht einmal akut. Die kindliche Existenz liegt außerhalb dieser Kategorie.

Ein Kind waht auf, ißt, spielt, schläft, ist einfach da, ohne daß ihm der gefährlich heiße und unsichere Böden der Welt, in der es lebt, je bewußt würde. Es ordnet seine Erfahrungen nach dem Maß der Lust oder Unlust, die sich ihm damit verknüpfen. Ein Kind hat Lust, die Türklinke der Gartenpforte mit größter Anspannung herunterzudrücken und auf die Straße hinauszulaufen. Es ist natürlich, daß es danach drängt, Schnittchen vor Schrittchen seinen Gesichtskreis zu erweitem. Dabei fürchtet es sich nicht, weil es nicht ahnen kann, daß die Dinge seiner neuen Umgebung gefährlich sind und ihm nach dem Leben trachten.

Erst wenn es unmittelbar durch den Strudel des Verkehrs so sehr angesaugt wird, daß davon seine kleine, bis dahin unerschütterte Weltanschauung jäh ins Wanken gerät, erschreckt es so sehr, daß es das Unsinnige tut und vor die Stoßstange des Autos springt. Jeder Autofahrer weiß, was das heißt. Er tut gut daran, wenn er sich, sieht er spielende Kinder auf der Straße, beizeiten bemerkbar macht. Dennoch wird er nicht verhindern können, daß ein Kind in seiner unvergleichlich langen Schrecksekunde ihm plötzlich vor den Kühler springt.

Deshalb sollen Eltern ein übriges tun, kleine Kinder, von denen eine richtige Reaktion noch auf keinen Fall zu erwarten ist, von der Straße unbedingt fernzuhalten.

Meldungen über Kriegsgefangene und Vermißte

Wie das Hessische Innenministerium mitteilt, soll die in der Zeit vom 1. bis 11. März 1950 stattgefundene Registrierung der Kriegsgefangenen und Vermißten sowie der deutschen Straf- und Untersuchungsgefangenen im Ausland ergänzt werden. Beabsichtigt ist, die in der Zwischenzeit zurückgekehrten Kriegsgefangenen sowie auch alle Nachrichten, die sie über vermißte oder kriegsgefangene Kameraden mitgebracht haben, zu erfassen und in die Karteien, die für den Suchdienst ein unentbehrliches Rüstzeug sind, aufzunehmen. Die Angehörigen, die bei der März-Registrierung Angaben über vermißte Verwandte gemacht haben, werden daher gebeten, Veränderungen, die ihnen in dieser Zeit zur Kenntnis gekommen sind, seien es Todesnachrichten, seien es Lebenszeichen von ehemals als vermißt gemeldeten Personen, zu melden. Angehörige, die ihre kriegsgefangenen oder vermißten Verwandten im März nicht gemeldet haben, können das immer noch nachholen. Alle Meldungen werden für den Stadtkreis Darmstadt vom Statistischen Amt, Lagerhausstraße 9/IL, Zimmer 31, ab sofort bis einschließlich 31. Oktober 1950 entgegengenommen.

Die Narhalla eröffnet

Mit dem Elften im Elften beginnt wieder Prinz Karneval sein lustiges Szepter zum schwingen, um seinen getreuen Untertanen die Sorgen des Alltags zu vertreiben und jedem den Weg zu zeigen, wie man Dingen, die den Griesgrämigen das Leben vergällen, durch die Brille des Humors betrachten und ihnen so die beste Seite abgewinnen kann. Die Karnevalsgesellschaft Narrhalla eröffnet die Faschingszeit am Samstag, dem 11. 11. mit einer großangelegten Sitzung, die wegen Saalmangels in Darmstadt wieder in Arheilgen (Löwensaal) steigen muß. Seit Wochen sind umfangreiche Vorbereitungen im Gange, die, wie immer, eine fröhliche Feier versprechen, in der die namhaftesten Karnevalisten ihr Bestes geben werden. Ein reichhaltiges Programm, in einer besonders witzigen Form dargeboten, wird vieles bringen, was den Besuchern herzliche Freude bereiten wird. Daß sich an die Sitzung ein mehrstündiges Tänzchen anschließt, wird besonders die jüngeren Anhänger interessieren.

Stiller Frauendienst

Der nächste Fürbitte-Gottesdienst findet am 1. November um 20 Uhr in der Stadtkirche statt. Dazu wird uns geschrieben:

Die Frage der Remilitarisierung bewegt die Gemüter in Deutschland. In ängstlicher Besorgnis werden die Pläne und Interessen der streitenden Weltanschauungen und Nationen einander gegenübergestellt. Wir Frauen verstehen wenig von der hohen Politik. Wir wissen nur: Angst ist ein schlechter Ratgeber und treibt der Gefahr, der man entrinnen will, oft gerade in die Arme. Und wir kennen die Gefahr, die drohend hinter jeder Aufrüstung steht: Der Krieg; der Krieg, der nun schon zweimal in einer Generation Leben und Gesundheit von Männern und Söhnen vieler Völker gefordert und unsagbares Elend über Millionen unschuldiger Frauen und Kinder gebracht hat. Deshalb glauben wir, unserem geschlagenen und verängstetem Volk keinen besseren Dienst leisten zu können, als wenn wir um den Frieden ringen. Wir tun dies in der Stille auf die Weise, die christlichen Frauen gemäß ist: Am ersten Mittwoch eines jeden Monats findet sich in der Stadtkirche ein Kreis evangelischer Frauen zum Fürbitte-Gottesdienst zusammen, weil sie glauben, daß der Herr aller Welten mächtig genug ist, die Pläne der Mächtigen dieser Welt nach seinem Willen zu lenken. Dazu ergeht unsere Einladung. E. S.

Sein 75jähriges Bestehen feiert der Volkschor Darmstadt am Samstag, dem 28. Oktober, um 20 Uhr, im Concordiasaal mit einem Jubiläumsabend. *

Wanderpreis der Dressurvereinigung Arheiligen

Jeden Herbst rüstet die Dressurvereinigung Arheilgen zu ihrer Wanderpreisprüfung. Die diesjährige Prüfung fand dieser Tage statt. Sieben abgerichü tete Hunde beteiligten sich an dem Wettkampf, dem die Bedingungen der Schutzhundeprüfung I zu Grunde gelegt waren. Leistungsrichter Hch. Hild, Darmstadt, Hegte einen strengen aber gerechten Maßstab an, was von jedem Teilnehmer

Sie lesen in der nächsten Ausgabe des „Darmstädter Tagblatt am Sonntag“ Q 9 Hinnerum * trauen im Sturm der Zeit .... S. 3 Der Kreml in Moskau S. 4 Glas und dunkle Wälder S. 5 Die Schlüsselgewalt der Frau . . S. 6

anerkannt wurde. Der 1. Vorsitzende der Dressurvereinigung Arheilgen, Ph. Braun, war Prüfungsleiter und sorgte für eine reibungslose, schnelle Abwicklung der Prüfung. Die Fährtensuche wurde auf dem Wiesen- und Ackergelände zwischen dem Arheilger Bahnhof und dem Wald abgewickelt, während die Vorführungen in Unterordnungsleistungen und Mutprobe vor dem Wald am „Brünnchen“ stattfanden. — Den Wanderpreis 1950 gewann der Deutsche Schäferhund Hasso v. Wixhausen, Führer Horst Braun, Arheilgen (Besitzer Fritz Eckhardt, Arheilgen) mit 283 Punkten und der Bewertung „sehr gut“. Ihm folgten dicht mit der Bewertung „sehr gut“ 2. Preis der Deutsche Schäferhund Anita v. Steckenborn mit 281 Punkten, Besitzer und Führer Hch. Braun, Arheilgen, und mit der Bewertung sehr gut“ 3. Prelis und 280 Punkten der Airedale-Terrier Alex v. Hochzeitsturm, Besitzer und Führer Walter Colmar, Arheilgen. Die weiteren Plätze wurden wie folgt belegt: Bewertung „gut“: 4. Preis Riesenschnauzer Donna v. d. Burg Rüsselsheim, Besitzer und Führer Wilh. Kaiser, Arheilgen mit 264 Punkten, 5. Preis Airedale-Terrier Axel v. Schambach, Besitzer und Führer Hch. Scheiper, Darmstadt, 263 Punkte., 6. Preis Deutscher Schäferhund Alma v. Haus Schützlin, Besitzer und Führer Alb. Bormet, Arheilgen, 258 Punkte und mit 187 Punkten der Deutsche Schäferhund Fränzel v. d. Täubcheshöhle, Führer Karl Kissel, Arheilgen.


Herbst im Biebricher Schloßpark
Herbst im Biebricher Schloßpark

Kaninchen-Gemeinschaftsschau

Die Kaninchen-Zuchtvereine von Eberstadt, Pfungstadt und Hahn veranstalten am 12. November in der Rügener Straße in Pfungstadt eine Gemeinschaftsschau. In das Ausstellungskomitee wurden von dem Eberstädter Verein Johannes Wiemer und Heinrich Schmitt gewählt und als Preisrichter die Herren Albert Heilmann und Georg Rudler. Das Standgeld für die Schau beträgt 1,— DM. Eine Tischbewertung, bei der die Eberstädter Kaninchen für die Gemeinschaftsschau ausgesucht werden, findet bereits am 5. November im Gasthaus „Zum Bismarck“ statt. t-s

Professor Dr. Lothar Wöhler

ein Förderer der Wissenschaft

Heute vollendet Prof. Dr. Lothar Wöhler, der Rektor der Technischen Hochschule in den Jahren 1912 bis 1933 und Vorstand des chemisch-physikalischen und anorganisch - chemischen Instituts, sein 80. Lebensjahr.

Prof. Wöhler, in Bernburg geboren, wurde 1912 nach Darmstadt berufen, nachdem er sich an der Technischen Hochschule in Karlsruhe habilitiert hatte. Er übernahm in Darmstadt sein Amt aus den Händen von Geheimrat Prof. Staedel und half insbesondere durch die aus seinen Instituten hervorgegangenen Doktorarbeiten. die moderne Chemie auszubauen. Seine Forschungsthemen waren aus vielen Gebieten der physikalischen und anorganischen Chemie gewählt.

Prof. Dr. Wöhler, dessen Heim Ecke Herdweg und Martinsstraße durch den Krieg zerstört wurde, wohnt heute mit seiner Gattin und Tochter im Bürgerheim in Backnang. Seine ehemaligen Schüler und Kollegen werden sich sicherlich an seinem heutigen Geburtstag dieses trefflichen Mannes und Wissenschaftlers mit besonderer Dankbarkeit und Freude erinnern. -st.

Der Historische Verein lädt ein

Studienrat Dr. Diel, Dieburg, der durch sein Buch über den Dieburger Park bekannt geworden ist, wird am Montagabend, dem 30. Oktober, auf Ein“ ladung des Historischen Vereins für Hessen über Johann Reichard von Fechenbach sprechen, v. Fechenbach gehört einer Adelsfamilie an, die zwar seit einem Jahrhundert in Dieburg ansässig ist, deren Stammsitz sich aber in Laudenbach am Main befindet. Johann von * echenbach hat in Reichsdiensten auf seifen des Prinzen Eugen gekämpft, und sein Lebensbild, das Dr. Diel an Hand von Lichtbildern entwerfen wird, gibt einen guten Einblick in die Zeit um 1700.

Gedenket der Kriegsgefangenen!

Feierstunde der Stadtverwaltung in der Stadthalle

In der festlich geschmückten Stadthalle versammelten sich gerstern vormittag die Angehörigen der städtischen Dienststellen, um eine schlichte Feierstunde zum Gedenken unserer Kriegsgefangenen zu begehen.

Auf den Gängen und Treppen drängten sich die Zuhörer, und die keinen Einlaß mehr finden konnten, hatten Gelegenheit, sich die Feier durch die aufgestellten Lautsprecher übertragen zu lassen. Das Orchester des Landestheaters unter Leitung von Operndirektor Richard Kotz leitete die Feierstunde mit einer Ouvertüre von Beethoven ein.

Dann ergriff Oberbürgermeister Metzger das Wort zu seiner Gedenkrede. An Hand des umfangreichen Zahlenmaterials wies er nach, daß die Meldungen der Sowjetunion über die restlose Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen irreführend sind. Im Verlauf der letzten Jahre seien mehrmals Angaben über entlassene Kriegsgefangene gemacht worden, die sich zwar mit der Gesamtsumme der in Gefangenschaft geratenen ehemaligen deutschen Wehrmachtsangehörigen deckten, die aber nur dann Wert auf Vollständigkeit erheben könnten, wenn man unberücksichtigt ließe, daß in Rußland Tausende von Gefangenen in den Lagern umgekommen seien. Fest stünde, daß immer noch viele Kriegsgefangene in den Lagern auf ihre Heimkehr warten. Zum Gedenken der verstorbenen Kriegsgefangenen erhoben sich die Anwesenden sodann von ihren Plätzen. Oberbürgermeister Metzger führte im Verlauf seiner Rede aus, daß man in dieser Stunde auch der vielen deutschen Personen gedenken müsse, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die Weiten Rußlands verschleppt worden seien. Tausende von Frauen und Mädchen würden heute in einem Land, das vorgibt, der Demokratie und Ordnung zu dienen, zu Sklavenarbeit verwendet,

und über das Schicksal vieler Angehöriger bestünde immer noch keine Klarheit. Die Frage der Kriegsgefangenen müsse völlig unpolitisch betrachtet werden, sie sei eine Angelegenheit der reinen Menschlichkeit.

Ebenso gelte das Gedenken der Kriegsgefangenen denen, die in den Weststaaten auf eine ordentliche Gerichtsverhandlung warteten. Denjenigen aber, die als Heimkehrer in ihre Heimat zurückgekommen seien, gelte es, ein wirkliches Heim zu schaffen, daß sie nicht nur Heimkehrer blieben, sondern zu Heimgekehrten würden. Zum Abschluß der Feierstunde spielte das Orchester die Ouvertüre zu „Coriolan“.

Die Bessunger Mädchenschule ver¬ anstaltete im Paulussaal eine Feierstunde. Die 36 Studenten des Pädagogischen Instituts Heiligenberg unter Leitung von Dr. Heydecker hatten die Ausgestaltung übernommen. Die einzelnen Programmpunkte waren von den Schülerinnen ausgesucht t*nd zusammengestellt worden. Klaviervorträge und Gedichte wechselten in bunter Folge und Herr Scholz gab einen eindringlichen Bericht aus dem deutschen Kriegsgefangenenleben in Rußland, das er aus eigenem Eindruck kennengelernt hatte. Der stellvertretende Direktor der Bessunger Mädchenschule. Stoll, wies die Kinder darauf hin. daß diese Stunde nicht nur der augenblicklichen Besinnung dienen solle, sondern daß sie jederzeit eingedenk der Tatsache sein sollen, daß heute noch Hunderttausende von deutschen Menschen, Vätern und Brüdern, in vielen Ländern der Erde unrechtmäßig zurückgehalten würden.

Müssen wir im Winter frieren?

„Eine ausreichende Brennstoffversorgung ist sehr in Frage gestellt“, meint Stadtverordneter Bx ast

Stadtverordnetenversammlung kritisiert die zu geringen Kohlenzuweisungen für das größer gewordene Darmstadt. — Baldiger Beginn des ersten Bauabschnittes für das Feuerwehrhaus. — Auch Erwerbslose sollen billiger baden. — Erklärung zum „Tag der Kriegsgefangenen“.

Der Tag der deutschen Kriegsgefangenen hat auch der gestrigen Darmstädter Stadtverordnetenversammlung Anlaß gegeben, der zu Hunderttausenden noch von ihrer Heimat Getrennten zu gedenken. Wie sehr ihre Angelegenheit eine Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes ist, so führte Oberbürgermeister Metzger in einer zu Beginn abgegebenen Erklärung aus, habe sich bei dem starken Besuch der Kundgebung in der Stadthalle gezeigt. Die gewählten Vertreter der Bürgerschaft wollten nun auch von sich aus unterstreichen, was alle Deutschen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs empfinden, mögen sie es laut aussprechen oder auch nur im stillen wünschen dürfen.

Haus und Lob der Feuerwehr

Nach kurzen Erörterungen über die Geschäftsordnung gab der Oberbürgermeister

im Zusammenhang mit einer Eingabe des Elternbeirates der Bessunger Knabenschule bekannt, er habe am Mittwoch vom hessischen Innenminister die Zu. sage erhalten, daß der Stadt noch in diesem Jahr aus dem Feuerwehrfonds der Regierung 40 000 DM zur Verfügung gestellt würden. So könne mit dem Bau der Feuerwache bald begonnen werden, zumal die Wehrmänner selbst mit Hand anlegen würden. Stadtv.-Vorsteher Wiesenäcker ergänzte die Mitteilung durch den Zusatz, auch die Stadtverordneten würden vor den Entschluß gestellt werden, einen gleichen Beitrag zu bewilligen, damit der erste Bauabschnitt gesichert sei. Dadurch erübrige sich ein vom Ausschuß abgelehnter FDP-Antrag, durch die Erstellung von Baracken eine Uebergangslösung zu schaffen.

Das Lob der Feuerwehr kündete der Oberbürgermeister — und der Vorsteher der Versammlung schloß sich ihm an —, als nachträglich das Plenum das inzwischen längst fertiggestellte Arhedlger Feuerwehrhaus bewilligte. Diese Vorlage gehörte zu den Punkten 4 bis 13. über deren Inhalt wir nach der Annahme im Finanzausschuß bereits berichteten. (DT vom 21. Oktober.)

Die Preise im Schwimmbad

Wie erwartet, gab es eine Aussprache über die Preise in den Städtischen Schwimmbädern. Zu 'den erwähnten Sätzen hatte die SPD einen Erweiterungsantrag eingebracht, der die Vergünstigungen für Jugendliche unter 18 Jahren nicht nur auf ältere Schüler und Studenten, sondern auch auf Erwerbslose ausgedehnt wissen will. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, ebenso einstimmig ein Antrag der FDP, den Stadtv. Müller begründete, nach dem die Vergünstig"”r' für Erwerbslose nur für die Vormittagsstunden bis 14 Uhr und nicht am Samstag gelten sollen. Einer Anregung des Stadtv. Benz (KPD), auch Minderbemittelte. Fürsorgeempfänger usw. in diesen Kreis einzubeziehen, wird ebenfalls entsprochen werden, nachdem der Ausschuß die genaue Abgrenzung festgelegt haben wird In der Debatte hatte Stadtv. Dr. Scholles (CDU) nach seiner Berichterstattung darauf verwiesen, daß die Preisfestsetzungen vorerst nur provisorischen Charakter haben könnten. Bäder seien gewiß keine Einnahmequelle, sondern eine soziale Einrichtung, die Zuschüsse rechtfertige. Bei dem angespannten Haushalt der Stadt müßten sie jedoch aufeinander abgestimmt sein, damit nicht gleichwichtigen Aufgaben an anderer Stelle Mittel entzogen würden. Mit gleicher Begründung setzte sich Stadtrat Dr. Holtzmann für die Magistratsvorlage ein, wobei er aber nicht einer Sonderregelung für Erwerbslose widersprechen wolle. Den sozialdemokratischen Antrag, die Wannenbäder in Eberstadt und Arheilgen nicht mit 70. sondern mit 60 Pfennig abzugeben, hieß er nicht gut. Eine zu große Preisdifferenz zu den privaten Anstalten würde eine unlautere Konkurrenz bedeuten. Der Antrag wurde mit 20 Stimmen der SPD, KPD und 2 CDU gegen 18 Stimmen der CDU und FDP angenommen.

Zur Begründung hatte Stadtv. Goebel (SPD) darauf verwiesen, daß dem Bad in Eberstadt keine zusätzlichen Ausgaben für die Warmwasserbereitung entstünden. Den Erwerbslosen solle man die Möglichkeit geben, das Hallenbad zu benutzen und sie nicht darauf verweisen, an den Volkstagen unter die Brause zu gehen. Ein Vorschlag Benz (KPD), die Festsetzung der Pauschalvergütung durch die Schwimmvereine zurückzustellen, wurde nicht weiter diskutiert, nachdem festgestellt worden war, daß bei dem starken Besuch der Vereinsstu”- den (200 bis 300 Besucher), der Preis für den einzelnen noch unter 10 Pfennig liege.

Städtische Trümmerverwertung Einstimmig genehmigt wurde der Ankauf von Teilen der Trümmerverwer¬ tungsanlage, die der Odenwälder Hartstein-Industrie gehören, zu einem Barzahlungspreis von 72 500 DM aus Mitteln des a. o. Haushalts. Die dadurch mögliche Betriebskostenersparnis von jährlich 15 000 DM ermögliche eine Amortisation in fünf Jahren.

Kohlensorgen! — Warum?

Lebhafter wurde es zum Schluß der Sitzung. Ein Antrag Brusts (CDU) stellt fest, daß eine ausreichende Versorgung mit Brennstoffen für die Darmstädter Bevölkerung sehr in Frage gestellt sei. Angesichts der ständig wachsenden Bevölkerung wird der Magistrat ersucht, in Verbindung mit dem örtlichen Kohlenhandel dafür einzutreten, daß eine entsprechende zusätzliche Belieferung Darmstadts erfolge und daß ausreichend Vorsorge für den Brennstoffbedarf der Notleidenden getroffen werde. Der Antragsteller ging davon aus, daß diese Entwicklung vor Monaten kaum vorauszusehen gewesen sei. Die Bevölkerung Darmstadts habe sich zum größten Teil deswegen nicht im Sommer eingedeckt, weil sie zu anderen Anschaffungen gezwungen war. Da sich die Quote für Darmstadt nach der Bevölkerungszahl des vergangenen Winters richte, sei schleuniges Handeln erforderlich. Auch Brusts Fraktionskollege Dr. Scholles verwies auf die veränderte Situation, seien doch an 1000 neue Wohnungen in Darmstadt erstellt worden, deren Mieter sich keine Vorräte hinlegen konnten.

Dem Antrag wurde von keiner Seite widersprochen, doch versprach sich Stadtv. Zie g s (SPD) keinen Erfolg davon. Die Bundesregierung habe jegliche Planung auf diesem Gebiet vermissen lassen. Wenn auch die Sommervorräte nicht genutzt worden seien, so müßten sie doch jetzt vorhanden sein. Statt dessen seien sie in die Keller derer gewandert, die genügend Geld hatten. Diesen Ausführungen, die Stadtv. Goebel (SPD) unterstrich, fügte der Oberbürgermeister die Bemerkung an, was oben versäumt worden sei, werde nun unten ausgetragen. Nachdem auch Stadtv. Avemarie (KPD) die Bundesregierung der Pflichtversäumnis bezichtigte, weil sie keine gesunde Planung betriebe, war die öffentliche Sitzung nach P/4 Stunden Dauer beendet. Nur in ihren letzten Minuten war erkennbar, daß sie die letzte vor den Hessenwahlen gewesen ist.

Erfreulicherweise war von der Möglichkeit, Wahlagitation zu treiben, nur sehr sparsam Gebrauch gemacht worden. So wird man heute ohne Groll sich zum Grenzgang zusammenfinden. Für die nächste Sitzung ist, unter der Voraussetzung daß die entsprechenden kommunistischen Anträge auf der Tagesordnung stehen, eine Sportplatz- und Winterhilfsdebatte zu erwarten. P. D.

In der Stadt notiert

Die erste Elternversammlung der Schillerschule findet am Montag, dem 30. Oktober, um 20 Uhr, in der Aula der Technischen Hochschule statt, in der wichtige Schulfragen und die Wahl des Elternbeirates zur Debatte stehen. *

Die monatliche öffentliche Aussprache der Treuhänderschaft der Heimkehrer, Gefangenen- und Vermißtenangehörigen, Zentralstelle Darmstadt, findet am Sonntag, dem 29. Oktober, vormittags um 10 Uhr, in der Brauerei Fey, Alexanderstraße 23, statt. *

Einen Gebetsgottesdienst veranstaltet die evangelische Kirche Arheilgen anläßlich der Gedenkwoche für die deutschen Kriegsgefangenen am Samstag, dem 28. Oktober, um 20 Uhr. *

Handharmonika-pielring

Am Samstag, 4. November, wird der Handharmonika-Spielring um 20 Uhr in der Stadthalle sein drittes Konzert veranstalten. Auch der Handharmonika-Klub Worms und die Gesangsabteilung Blau-Weiß Worms werden mitwirken. Auf dem Programm des Abends stehen als Originalmusiken für Handharmonika das Concertino in G-dur für Solo-Akkordeon und Orchester von Mahr, der zweite und dritte Satz aus der Suite „Rothenburg ob der Tauber“ sowie eine volkstümliche Rhapsodie für Harmonika-Orchester und Chor. Dazu kommen Bearbeitungen wie „Wiener Blut“ und „Der kreuzfidele Kupferschmied“.

Fortbildungslkurs für Installateure

In der Zeit vom 7. November bis 10. Dezember 1950 wird an der Städtischen Ingenieurschule Darmstadt ein Fortbildungskurs für Elektroinstallateure durchgeführt. Dozenten der Schule und Ingenieure der bekanntesten Elektrogroßfirmen und E-Werke werden an 14 Abenden über folgende Gebiete sprechen:

Allgemeine Grundlagen, Installationsmaterial, Niederspannungs-, Schalt- und Steuergeräte, Schalt- und Störungserscheinungen in Niederspannungsanlagen, offene und gekapselte Verteilungsanlagen, Zähler, Messen, Leitungen, Schutzmaßnahmen in Verbraucheranlagen, Erdungsleitsätze, Motore in Betrieb, Installationsanlagen und -kosten.

Anmeldungen an das Sekretariat der Schule, Eschollbrücker Straße 27, erbeten. Teilnehmergebühr ca. 20 DM.

Wie wird das Weiter ?

Weiterhin kalt

Vorhersage: Am Freitag wolkig bis heiter, größtenteils niederschlagsfrei, Temperaturen mittags um 5 Grad., nachts um 0 Grad, nordöstliche Winde. Weitere Aussichten: keine wesentliche Aenderung.



Wohin gehen wir heǔte ?

Lichtspieltheater: Union: „Johanna von Orleans“; Thalia: „Die Erbin“; Belida: „Spiel mit dem Tode“; Palast: „Flicka“; Hansa: „Abenteuer im Wilden Westen". Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3 : 10 bis 18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10—16 Uhr: „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“. Techn. Hochschule: Raum 1 67, 19.30 Uhr: — Darmstadt in Literatur und Kunst —, Prof. Dr. P. Requadt, Universität Mainz: „Georg Christoph Lichtenberg“. Amerikahaus: 19.30 Uhr: Tonfilm: „Hilfe für die Welt“ (ERP), Vortrag: „Der freie Wille — die freie Wahl“ v. R. A. Noß, Frankfurt, und Wochenschau: „Das Magazin“ (Welt im Film).

STARKENBUSRG

Ein guter Anfang

Bensheimer Volkshochschule eröffnet das Wintersemester

Arn Mittwochabend wurde mit einer schlichten Feier und anschließendem Lichtbildervortrag von Generalkonsul Balser das Wintersemester der Volkshochschule Bensheim eröffnet. Bürgermeister Treffert gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß dieser erste Abend weit besser besucht sei als man erwartet hatte, und bezeichnete es als gutes Omen für die weitere Arbeit der Volkshochschule. Des weiteren ging er auf die Bedeutung dieser Institution ein, die für jedermann ohne Unterschied des Standes oder der Schulbildung bestehe.

Im vergangenen Jahre seien im Rahmen der Volkshochschule 40 Vorträge vor 1200 Zuhörern gehalten worden. Zuletzt sprach der Bürgermeister seinen besonderen Dank dem seitherigen Leiter, Dr. med. von Plewe aus, der durch seine Praxis zusehr in Anspruch genommen sei und sich daher künftig dem Volksbildungswerk nicht mehr in dem Maße widmen könne wie seither. Gleichzeitig begrüßte er auch den neuen Leiter Generalkonsuls Balser und dankte dem Geschäftsführer B e e 1 e für seine unermüdliche Arbeit mit herzlichen Worten. Nach kurzer Begrüßung begann Generalkonsul Balser mit seinem Lichtbildervortrag über das Thema: „Der Lamaismus in Tibet und in der Mongolei“.

Zunächst erklärte er wie der Lamaismus, der „die wahre Lehre Buddhas“ sei, in dem vom Dämonenglauben schlimmster Art beherrschten Hochland von Tibet entstand. Die neue Lehre, von zwei Prinzessinen eingeführt, hätte zunächst manchen harten Kampf bestehen und manchen Rückschlag erdulden müssen. Im Buddhismus gäbe es Begriffe wie „Schuld“ und „Sühne“ überhaupt nicht, hier bestehe lediglich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Tat und ihren Folgen.

Der Dalai-Lama sei zugleich der kirchliche und weltliche Herrscher von Tibet und nach lamaistischem Glauben die Reinkarnation eines Heiligen zur Erlösung der Menschheit. Für Europäer sei er unsichtbar, für seine Gläubigen aber bedeute er das gleiche wie etwa der Heilige Vater für die katholische Christenheit. Er zeige sich seinen Gläubigen und segne sie. Zu seinen Ausführungen zeigte Generalkonsul Balser zahlreiche Lichtbilder. Der Vortrag wurde mit herzlichem Beifall aufgenommen. HB

Zum „Tag der Kriegsgefangenen“

„Wann kommt der Letzte heim?“ / Die Frage eines gequälten Volkes

Gestern vormittag fanden in allen Gemeinden Gedenkstunden für die Kriegsgefangenen statt, die noch heute, Jahre nach Einstellung der Feindseligkeiten, hinter dem Stacheldrath ihrer Befreiung harren.

Der Gedenktag für die deutschen Kriegsgefangenen war Anlaß zu einer Feierstunde, die im Sitzungssaal des Landratsamts Dieburg stattfand. An ihr nahmen die Beamten und Angestellten aller in Dieburg ansässigen Behörden und Aemter teil. Sichtlich bewegt sprach Landrat Ritz er t die einleitenden Worte.

Pfarrer Ufer, Babenhausen, stellte in den Mittelpunkt seiner Ausführungen die seelische Marter, die der Kriegsgefangene in der Ferne und seine Angehörigen zu Hause nun schon jahrelang ertragen müssen. In dem Redner sprach ein Mann, der selbst vor nicht allzu langer Zeit aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkam und die Sehnsucht nach Heimkehr kennengelernt hatte.

Das schwerste Los trügen die deutschen Frauen, sagte Pfarrer Ufer, die noch immer nicht heimkehren dürften, die weit weg, an der Wolga — wo er viele weibliche Kriegsgefangene noch vor Jahresfrist getroffen habe — auf den Tag warteten, der auch ihnen wieder die Freiheit bringe. Uns stünden zwar keine Machtmittel zur Verfügung, ihr Schicksal zu wenden, aber wir könnten immer wieder an das Gewissen der Welt appellieren.

Die Gedenkstunde in Erbach

Die Frage „Wann kommt der letzte heim?“ stand über der Gedenkstunde, die von der Stadtverwaltung Erbach in der Städtischen Festhalle für alle Einwohner, sämtliche Schulen und Behörden der Kreisstadt anläßlich des Kriegsgefangenentages veranstaltet wurde. Nach einleitenden Worten des Bürgermeisters Volk sprach Lehrer Wilhelm Volk als einer von denen, die vor Jahresfrist in russischen Kriegsgefangenenlagern noch Frondienste verrichten mußten. Mit Bitternis stellte er fest, daß dieser Gedenktag stattfindet zu einer Zeit, da auf mehreren Schlachtfeldern der Erde bereits wieder Kriegsgefangene gemacht werden. Möge ein Strom der Kraft und Hoffnung ausgehen von diesen Kundgebungen zu den vielen, die heute noch auf die Heimkehr warten müssen. Lieder und Gedichte der Schuljugend sowie Musikstücke eines Kammertrios unterstrichen den Ernst der Stunde.

Behördenfeier in Groß-Gerau

In einer würdigen Feierstunde wurde auch im Adlersaal in Groß-Gerau unter Teilnahme aller Behörden der Kreisstadt der noch nicht zurückgekehrten Kriegsgefangenen gedacht. In Ver-

tretung des verhinderten Landrats eröffnete Regierungsamtmann Heinemeyer die Gedenkfeier. Er bezeichnete in seiner Eröffnungsrede die Kriegsgefangenenfrage als eines der brennendsten Probleme des deutschen Volkes und als das größte Unrecht, das einem Volk widerfahren sei. Zu Anfang seiner Gedenkrede verlas Kreisamtmann Seip eine Erklärung des Bundestages zum Tage der Kriegsgefangenen. In seinen weiteren Ausführungen erklärte er, daß der letzte Weltkrieg über eineinhalb Millionen deutscher Menschen ein ungeklärtes Schicksal gbracht habe. Hunderttausende Männer und Frauen würden in der Sowjetunion totgeschwiegen. Letztere müßten, entgegen der Haager Landkriegsordnung. schwerste Arbeiten unter den unmenschlichsten Verhältnissen verrichten. Es sei unsere Pflicht, täglich zur Heimkehr unserer Kriegsgefangenen aufzurufen; denn auch sie hätten ein Recht auf persönliche Freiheit. Die erhebende Feierstunde war umrahmt von ernsten Musikstücken, die Georg Trinkaus auf einem Harmonium vortrug. —th—

Professor Ganser in Erbach

Die Buch- und Kunsthandlung Bruno Kraft hatte am Dienstagabend zu einer Vortragsveranstaltung mit Professor Ganser, Michelstadt, in die amerikanische Lesehalle Erbach eingeladen. Mit bekannter Gründlichkeit und plastischer Ueberzeugungskraft gab der feinsinnige Plauderer einen interessanten Ueberblick über Goethes Faust I. und 11. Teil, wobei er zeigte, wie diese von dem außergewöhnlichen Menschen Goethe erlebte Dichtung nichts anderes ist, als ein Bruchstück der großen Konfession. Es war ein wertvoller Abend, für den alle Teilnehmer herzlich dankbar waren. -ch.

Katholische Kirche restauriert

Nachdem die Erneuerungsarbeiten an der katholischen Pfarrkirche in Waldmichelbach beendet sind, wird am kommenden Sonntag die Feier des ersten heiligen Meßopfers an dem neuen Altar, der nach dem Entwurf von Architekt Georg Lipp (Waldmichelbach) von den Granitwerken L. Schmidt (Kirschhausen) angefertigt wurde, gefeiert. Das ebenfalls neue, drei Meter hohe Kreuz über dem Tab?r"’'kel wurde mitsamt der lebensgroßen Christ-Königsfigur von dem bekannten Heppenheimer Bildschnitzer August Müller geschaffen.

Nur von Fall zu Fall

In der letzten Gemeindevertretersitzung in Groß-Gerau war der Antrag des Ortsfrauenrings, dessen Vertreterinnen mit beratender Stimme in Kommissionen des Gemeindeparlaments zuzulassen, zur eingehenden Beratung in eine nichtöffentliche Sitzung verwiesen, die nun stattgefunden hat. Darin wurde beschlossen, daß die vorgeschlagenen Frauen nicht obligatorisch, sondern nur von Fall zu Fall bei wichtigen Fragen zugezogen werden sollen. In der gleichen Sitzung wurde für die zu besetzende Konrektorstelle an der Volksschule der Lehrer Ewald vorgeschlagen. eng

Kreis Bergstraße fühlt sich immer noch vernachlässigt

Keine allzugroßen Zugeständnisse des Staates an den Grenzkreis / Verabschiedung des Haushaltsplanes durch den Kreistag / Endlose Debatten über Kraftwtgenprobleme und Fluchtlinienpläne

sr. Gestern nachmittag verabschiedete der Kreistag des Landkreises Bergstraße nach vorausgegangener Generaldebatte Haushaltsplan und Haushaltssatzung des Landkreises für das Rechnungsjahr 1950/51 nach mehr als siebenstündiger Sitzung im Heppenheimer Winzerkcller. Ihr war bereits am Mittwoch eine Vorbesprechung zwischen dem Kreisausschuß und den Fraktionen vorausgegangen, in der wesentliche Punkte der umfangreichen Tagesordnung erörtert und diskutiert wurden.

Die ausgeglichenen Ein- und Ausnahmen des Haushaltsplanes umfassen den Betrag von 5 965 310 DM. (Im Vorjahr 6 033 153 DM.) Einnahmen und Ausgaben gliedern sich wie folgt: Allgemeine Verwaltung 84017 DM Einnahmen, 452224 DM Ausgaben; Schulwesen 8905 DM Einnahmen, 524 223 DM Ausgaben; Kultur- und Gemeinschaftspflege 5430 DM Ausgaben; Fürsorgewesen und Jugendhilfe 322 545 DM Einnahmen, 3 638 710 DM Ausgaben; Gesundheitswesen, Volks- und Jugendpflege 72 600 DM Einnahmen, 168 593 DM Ausgaben; Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen 225 830 DM Einnahmen, 656 210 DM Ausgaben; öffentliche Einrichtungen und Wirtschaftsförderungen 20 260 DM Einnahmen, 41452 DM Ausgaben, Finanz- und Steuerverwaltung 2 332153 DM Einnahmen, 478 468 DM Ausgaben.

Nach der neuen Haushaltssatzung beträgt die Kreisumlage für das Rechnungsjahr 1950 24 Prozent der Umlagegrundlagen. Die Jagd- und Fischeredsteuer wurde für In- und Ausländer auf 10 Prozent des Jagdwertes festgesetzt.

Zu Beginn der Sitzung hatten sich die Abgeordneten nach den Grußworten Landrat Denglers zur Ehrung des verstorbenen Kreistagsmitglieds H eise n b et z, Lampertheim, von den Plätzen erheben. Im Anschluß führte der Landrat die neuen Abgeordneten Stein (KPD), Viernheim, Heuer (CDU), Zotzenbach, Schmidt (FDP), Lampertheim, und Schmidt (CDU), Kirschhausen, ein, die an die Stellen der ausgeschiedenen Abgeordneten Hartel (CDU), Heisenbetz (CDU), verstorben, Mandel (KPD) und Schmidten (FDP) treten.

In seinen weiteren Ausführungen stellte Landrat Dengler fest, daß die Mindereinnahmen des neuen Etats gegenüber den Mehrausgaben eine gewisse Gleichmäßigkeit zeigen. Gegenüber dem Jahre 1949 verbleibe ein kleiner Ueberschuß. Für den Ausgleichsstock hätten anstatt 100 000 DM insgesamt 145 000 DM eingesetzt werden müssen; die Schlüsselzuweisungen wären ebenfalls von 109 000 DM auf 145 000 DM gestiegen.

Dengler berichtete, daß er der Regierung eindringlichst die Notstände des Grenzkreises in verschiedenen Vorlagen geschildert habe. Allerdings seien nahezu alle Fragen bis vor kurzem unbeantwortet geblieben. Im Straßenbau seien nun 285 000 DM für die Straße Weinheim— Waldmichelbach, 80 000 DM für die Straße Bensheim—Schwanheim und 40 000 DM für die Straße Weschnitz—Wahlen genehmigt worden. An Zuwendungen von Mitteln zur Behebung und Linderung der Wohnungsnot seien in 1. und 2. Rate 2 Millionen DM vorgesehen. Zur Uebernahme der Instandsetzungskosten der Weschnitz konnte der Finanzminister den Vorlagen nicht entsprechen, erklärte sich jedoch bereit, den bisher gewährten Zuschuß in Höhe von 40 Prozent der aufgegebenen Kosten auf 662/sProzent zu erhöhen.

Generaldebatte

In der Diskussion erklärte Dr. Wagner (CDU), daß es schwierig sei, an dem vorliegenden Plane Aenderungen zu treffen, da er schon zu ’/ia verausgabt sei. Die CDU stelle daher den Antrag, daß der Etat des Jahres 1951/52 frühzeitig zu Beginn des nächsten Rechnungsjahres vorgelegt werde. Der Fraktionsvorsitzende begrüßte die Verminderung der Belegschaft des Landratsamtes von 204 auf 166 Beschäftigte, bemängelte aber, daß der Landrat nicht auf den früher von der CDU gestellten Antrag zwecks Verwaltungsvereinfachung eingegangen war. Dr. Wagner machte den Vorschlag, eine Reihe Angestellter in das Beamtenverhältnis zu überführen. Weiter beantragte er für die CDU die Streichung von 10 000 DM für die Anschaffung neuer Kraftwagen. Hinsichtlich des Schulwesens verlangte der Sprecher eine Erhöhung der vorgesehenen 40 000 DM für Schulhausbaurücklage auf 60 000 DM. Für die Kreislehrerbibliothek wurde ein Betrag von 3ÖO DM gefordert.

Zur Jugendpflege bezog sich Dr. Wagner auf einen Antrag der FDP, die eine Erhöhung des eingesetzten Betrags von 3000 DM auf 6000 DM beantragte. Es wurde ein Antrag eingebracht, nach dem der Kreis 500 000 DM als Darlehen für Baulustige im Wege der Anleihe in all jenen Fällen zur Verfügung stellen solle, in denen es den Bauherrn nicht gelänge, die 1. Hypothek zu bekommen. Dr. Wagner bat außerdem, die im Kreisausgleichsstock vorgesehenen Mittel hauptsächlich für Schulbauten zur Verfügung zu stellen, da das Kultusministerium mit 50 Prozent des jeweilige» Betrags unterstützend eingreifen wolle.

Abgeordneter Fleck (SDP) bat um geringstmöglichste Anwendung der TOA-Gruppen 9 und 10, da deren Gehälter nicht mehr den Mindestgehältern entsprächen. Er verwies hauptsächlich auf die Notwendigkeit der Durchführung der Schulkinderuntersuchungen durch das Gesundheitsamt. Im übrigen unterstützt der SPD-Sprecher den CDU-Antrag zur Erhöhung des Etats im Schulwesen und den Antrag über Kreditbeschaffung für den Wohnungsbau. Auch dem FDP- Antrag auf Zurverfügungstellung von 8000 DM für die Wirtschaftsplanung im Kreis Bergstraße stimmte Fleck zu; ebenso den Anträgen der FDP auf Billigung von 2000 DM für die Volksbüchereien, die Bereitstellung von 1000 DM zur Förderung des Frühobstanbaues, die Unterstützung der einheimischen Granitindustrie und der Erhöhung des Zuschusses für die Jugendpflege. Abgeordneter Fleck verlangte von Landrat Dengler, daß er sich nachdrücklich für eine Verbesserung des Fernsprechverkehrs im Kreis Bergstraße einsetze.

Abgeordn^er Lühnsdorf (FDP) wünschte die Vorlage einer Stellenbesetzungsliste, Auskunft über die bisherige Verwendung der Kraftfahrzeuge des Landratsamtes und eine Spezifizierung der für die höheren Schulen eingesetzten 45 000 DM. Auf Grund der Genehmigung von 300 DM für die Arbeiterwohlfahrt verlangte er im Namen seiner Fraktion den gleichen Betrag für die „Caritas“ und die „Innere Mission“. Er bemängelte, daß für die heimatlosen Jugendlichen kein Pfennig eingesetzt werde, während der Betrag für die Unterstützung von Ausländern von 6900 DM auf 7200 DM erhöht worden sei. Desgleichen verlangte Lühnsdorf die Erhöhung des Betrags für das Jugendherbergswerk von 200 auf 1200 DM.

Abgeordneter Hirth (KPD) unterstützte ebenfalls den Antrag für die Erhöhung der Etatmittel für Schulhausbauten, die Zuwendung an die Lehrerbibliothek, die Verwendung der eingesetzten Geldmittel für die Kraftwagen und beantragte Mittelerhöhungen für die Jugendpflege. Abschließend wies er auf die gefährliche Lage in der Brennholzversorgung hin. Den Antrag der FDP zur Wirtschaftsförderung lehnte er ab. Im übrigen lehnte sich die KPD an die Vorschläge und Anträge der SPD an.

Landrat Dengler nahm anschließend zu den Anträgen, Vorschlägen und Beschwerden Stellung.

Um 12 Uhr erhoben sich die Abgeordneten zum Gedenken der Kriegsgefangenen. Abgeordneter Hirth erklärte hierbei auf eine Feststellung des Abgeordneten Holzamer (FDP), daß die KPD nicht den Saal verlassen habe und anwesend gewesen wäre. (Sie hatte aber ihre Plätze nicht eingenommen.)

Die Abstimmungen

Einstimmig wurde anschließend beschlossen: Der Auftrag zur frühzeitigen Aufstellung des nächsten Etats, die Anforderung eines Berichtes über die Arbeit der Betreuungsstelle, die Erhöhung der Schulhausneubaumittel auf 60 000 DM, die Zuweisung von 300 DM für die Kreislehrerbibliothek, die Zuweisung von monatlich 200 DM an den Kreisverband der Heimat vertriebenen, die Maßgabe, daß der Schulrat die Bücher für die Volksbibliotheken aussucht, die Zuweisung von je 300 DM für „Caritas“ und „Innere Mission“, eine Zuweisung von 1000 DM für das Jugendherbergswerk mit der Maßgabe der Verwendung im Kreisgebiet (zur Verfügur® des Kreisausschusses), ein Betrag von 3000 DM für die Erhöhung der Jugdndpflegemittdl, 8000 DM für Wirtschaftsförderung (gegen die Stimmen der KPD), 1000 DM für den Frühobstanbau im Kreisgebiet. Bezüglich des Antrags der CDU auf Bereitstellung von 500 000 DM für Wohnbau-Kredite wurde der Kreisausschuß ermächtigt., diese Summe im Wege der Anleihe zu beschaffen. Dem Kreistag soll anschließend ein außerordentlicher Haushaltsplan vorgelegt werden. Abgelehnt wurde der Betrag von 10 000 DM für die Beschaffung von Kraftwagen.

Haushaltsplan und Haushaltssatzung wurden nach der Mittagspause en bloc mit den jeweiligen Aenderungen einstimmig angenommen. Die Wahl der Ausschußmitglieder für den Soforthilfeausschuß wurde gutgeheißen. Die Geschäftsordnung für den Kreistag wird die Verwaltung an den Kreisausschuß zur Weitergabe an den Kreistag leiten. Zur Belebung der Granitindustrie wird der Landrat die erforderlichen Schritte unternehmen. Zur Erhöhung der Fürsorgerichtsätze um 15 Prozent soll gemäß einem Antrag der SPD eine Resolution an die Regierung gerichtet werden. Die Aufstellung eines Straßenbauprogramms für Landstraßen 2. Ordnung im Rechnungsjahr 1951/52 wurde dem Kreisausschuß zur Bearbeitung überwiesen. Weitere Anträge der SPD auf Durchführung einer Beihilfe für Notleidende (Resolution an den Landtag), Antrag auf geregelte Versorgung der Bevölkerung mit Kohlen4’ (Vorsprache des Landrats bei den zuständigen Stellen) und Vorsprache des Landrats zwecks Verbesserung und Ausbau der Telefonverbindungen wurden angenommen.

Zum Schluß befaßte sich der Kreistag mit der Genehmigung von Fluchtlinien- und Teilbebauungsplänen der Gemeinden Unter-Flockenbach, Fehlheim, Ober-Abtsteinach und Rimbach, Flächennutzungsplänen der Gemeinden Gadernheim, Wattenheim, Sonderbach, Ober-Abtsteinach und Fehlheim, Fluchtlinienplänen in Lindenfels und Birkenau sowie Aenderung und Neufestsetzung von Straßen- und Fluchtlinien in Waldmichelbach, Bensheim und Heppenheim. Ihnen folgte eine Beschlußfassung über Einsprüche und Einwendungen zu Fluchtlinienplänen.

Aktuelles zwischen gestern und heute

Bezogen, aber nicht bezahlt

2000 DM schuldig geblieben

Wegen Untreue erhielt die 35jährige Geschäftsfrau Marie K. aus Langen vom Bezirksschöffengericht Darmstadt sechs Monate Gefängnis und 300 DM Geldstrafe.

Von einer Firma in Bingen hatte sie zum Weiterverkauf 1200,,Amato“-Flaschen erhalten. Es handelte sich um Kommissionsware, welche die Angeklagte in bestimmten Zeitabständen bezahlen sollte. Die Firma wartete jedoch vergeblich auf Geld. Mahnschreiben beantwortete die Frau mit fadenscheinigen Ausreden. Sie rechnete so lange nicht ab, bis die Firma Anzeige wegen Veruntreuung von 2000 DM erstattete. wst.

Vorfahrt nicht beachtet

Auf der Landstraße Raunheim — Kelsterbach kam es am Mittwochabend in der Nähe der Vereinigten Glanzstoffwerke zu einem Zusammenstoß zwischen einem Lastzug einer Kelkheimer Möbelfabrik und einem Dreiradlieferwagen eines hiesigen Obst- und Gemüsehändlers, weil der Fahrer des Lastzuges an einer Kreuzung das Vorfahrtsrecht nicht beachtet hatte. Der Gemüsehändler erlitt schwere Prellungen und seine ganze Ladung Aepfel rollte auf die Straße und wurde unbrauchbar. KB.

Exhibitionist vor Gericht

Junger Mann auf sonderbaren Wegen

In zahllosen Fällen hatte der Hilfsarbeiter Heinrich Sch. aus Nieder-Beerbach im Februar 1949 öffentliches Aergemis erregt. Obwohl jung verheiratet, verfiel er der Abartigkeit eines Exhibitionisten. Daß er dies in nicht weniger als 50 bis 60 Fällen tat, war besonders auffallend. Später — im Juni 1949 — verging er sich außerdem mehrfach an seiner 13jährigen Nichte.

In der gestrigen Verhandlung vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt ergaben sich keinerlei Anhaltspunkte, die für eine krankhafte Veranlagung des Angeklagten sprachen. Die Kammer hielt ihn aus diesem Grunde für voll verantwortlich und verurteilte ihn unter Anrechnung der bisher erlittenen Untersuchungshaft wegen Erregung öffentlichen Aergernisses und Unzucht zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Da der Angeklagte geständig war, konnte das Gericht auf eine Vernehmung der 13jährigen Nichte verzichten. wst.

Glück und Unglück

am gleichen Tag an der gleichen Stelle

Als ein Metzger seine aus Rai-Breitenbach geholte Kuh über die Mümlingbrücke bei Neustadt führen wollte, scheute plötzlich das Tier. Nachdem die Kuh die dort befindlichen Rasenanlagen zertrampelt und eine Bank demoliert hatte, sprang sie über einen Lattenzaun in die Mümling, vielleicht um sich etwas abzukühlen. Unter großen Schwierigkeiten wurde sie dann mit einem Strick an das andere Ufer gezogen, wo der Metzger — sichtlich beglückt — das Tier wieder in Empfang nahm.

An der gleichen Stelle verunglückte am Abend der Motorradfahrer Ludwig Walther, der nach Hainstadt fahren wollte. W. befand sich hinter einem Omnibus, der ihm die Sicht nahm. Er stieß mit einer "vom Bahnhof Neustadt kommenden Radfahrerin zusammen und zog sich einen komplizierten Unterschenkelbruch zu, der seine Einlieferung in die Chirurgische Klinik Bad König erforderlich machte. Die Radfahrerin erlitt eine Gehirnerschütterung. -hm-

Beratung für Lupuskranke

Das Kreisgesundheitsamt Erbach hat die bereits vor dem Krieg regelmäßig durchgeführten Beratungsstunden für Lupuskranke im Kreisgebiet wieder eingeführt. Am Dienstag, 31. Oktober, werden sie erstmals wieder von 14 bis 16 Uhr in den Räumen des Kreisgesundheitsamtes durch einen Facharzt der Lupusheilstätte Gießen durchgeführt. Die Untersuchung ist kostenlos. Die nächsten Beratungstage fallen immer auf den dritten Dienstag der Monate Januar, April, Juli und Oktober. -ch

Zirkus Scliickler kommt nach Erbach und Michelstadt

Mit 80 Fahrzeugen, 120 Artisten, Musikern und sonstigen Angestellten sowie mehr als 100 Tieren aller Erdteile hat der Zirkus Hermann Schickler für Samstag und Sonntag sein Kommen in Erbach zugesagt, wo er sein heizbares Zelt auf dem Wiesenmarktgelände aufbaut. Zur Zeit gastiert er noch in Eberbach.

Am Samstagnachmittag, um 15 Uhr, ist eine Sondervorstellung für Schulen, abends um 20 Uhr die „Große Gala-Eröffnungsvorstellung“ mit allem Drum und Dran eines richtigen Zirkusbetriebes. Am Sonntag findet ebenfalls um 15 und um 20 Uhr je eine Vorstellung statt. Noch in der Nacht bricht er seine Zelte in Erbach ab, um sie am Montag in Michelstadt an der Heinrich-Artz-Straße ebenfalls für zwei Tage aufzubauen. -ch

In die Synode berufen

Die ev. Kirchenleitung hat an Stelle von fünf durch Berufung an andere Aemter ausgeschiedene Mitglieder der Kirchensynode neue Berufungen vorgenommen. Es wurden berufen: Oberbürgermeister Dr. Kolb. Frankfurt am Main, Prof. Coing, Frankfurt am Main, Studienrätin Küppers, Frankfurt am Main, Lehrer i. R. Deggau, Butzbach, und Arbeiter Ruths, Stettbach, (epd.) Lorsch. — Der Verband der Heimatvertriebenen hält am kommenden Samstag im „Lamm“ eine Versammlung ab, bei der ein Mitglied des Kreisvorstandes über aktuelle Tagesfragen sprechen wird, bl Lorsch. — Der Jahrgang 1892 führt am Samstag im Gasthof „Zum Morgenstern“ eine Wiedersehensfeier durch. bl

Unsere Geburtstagskinder

80. Geburtstag: Herr Valentin Best, Königsstädten, Nauheimer Straße 8. 76. Geburtstag: Herr Philipp Emig L, Groß-Bieberau, Brensbacher Straße 29. 73. Geburtstag: Frau Katharina Fieberling, Zwingenberg, Am kleinen Berg 8. 71. Geburstag: Frau Philippine Haaß, Groß-Gerau, Ad.-Göbel-Straße 12; Frau Martina Schleidt, Königsstädten, und Frau Elisabeth Friedrich, Königsstädten.

Ingendarbeit soll intensiwiert werden

Lehren, die man aus der vergangenen Jugendwoche zog

Am Mittwoch versammelten sich im alten Rathaussaal in Groß-Gerau die Delegierten der insgesamt 18 im Stadtjugendring zusammengefaßten Jugendgruppen der Kreisstadt zu einer Sitzung, der auch Bürgermeister Dr. Lüdecke beiwohnte.

Gegenstand der Besprechungen waren neben der Stellungnahme des Jugendringes zur Frage der Erwachsenenbildung und der bereits angelaufenen Volkshochschule, die Schlußfolgerungen aus der im Vormonat stattgefundenen Jugendwoche in Groß-Gerau. Dabei wurde allgemein die Auffassung vertreten, bei künftigen Veranstaltungen dieser Art die einzelnen im Programm vorgesehenen Darbietungen zeitlich derart aufzugliedern, daß im Laufe mehrerer Monate jeweils eine Großveranstaltung stattfindet. Während sich bei der letzten Jugendwoche Gemeinschaftsveranstaltungen, wie die Sportwettkämpfe, zahlreichen Besuches hätten erfreuen können, sei die Teilnahme an den Diskussionsabenden und Vorträgen sehr dürftig gewesen. Auch die finanzielle ■leite der Jugendwoche war nach den Darstellungen von Schriftführer Dippel nicht gerade erfreulich; das Defizit von 20 DM hofft man mit Mitteln des Jugendfonds abdecken zu können.

Bürgermeister Dr. Lüdecke setzte sich im weiteren Verlauf der Sitzung für praktische Arbeit der Jugendgruppen ein und schlug in diesem Zusammenhang vor, bedürftige Kinder mit selbstgebastelten Spielsachen an Weihnachten zu beschenken. Darauf erwiderte ihm der Vorsitzende des Stadtjugendringes, Sturm o v s k i, daß man dies bereits vor geraumer Zeit in Erwägung gezogen hätte, jedoch auf vielerlei Schwierigkeiten gestoßen sei. Ebenfalls hafte sich der Gemeinderat bisher der Jugendarbeit und den Vorschlägen aus Kreisen der Stadtjugend hinsichtlich einer Zusammenarbeit wenig aufgeschlossen und teilweise sogar ablehnend verhalten.

Das Winterprogramm der Volkshochschule wurde anschließend diskutiert, wobei die Ansicht vorherrschte, daß die gewählten Themen nicht aktuell genug seien, um ein entsprechendes Verständnis innerhalb der Bevölkerung zu finden. Es wurde angeregt, sich mit dem Leiter der Volkshochschule, Kreisschulrat Schwedes, in Verbindung zu setzen, um durch eine Befragung des Interessenkreises für diese Bildungsstätte die Wünsche hinsichtlich der Programmgestaltung und Themenwahl zu ermitteln. Die nächste Sitzung des Jugendringes ist für den 14. November vorgesehen. In dieser Sitzung soll der neue Vorstand gewählt werden. Kr.

Evang. Religionslehrer tagten

In dem verkleinerten Dekanat Zwingenberg fand die erste Arbeitsgemeinschaftstagung für evangelischen Religionsunterricht in Bensheim statt. Nach Bekanntgabe der Geschäftsordnung fanden die Wahlen der Vorsitzenden und ihrer Stellvertreter statt. Der von Dozent Sucker gehaltene Vortrag über die kulturpolitischen Aufgaben der evangelischen Kirche in der Gegenwart, wurde mit großem Interesse aufgenommen.

Den Vorsitz in der Lehrer-Arbeitsgemeinschaft führt für das kommende Jahr Fräulein Zin o b e r. Es wurde beschlossen, die evangelischen Religionslehrer jeden zweiten Monat zu einer Tagung in Bensheim zusammenzurufen. In der Zwischenzeit sollen sich kleine Arbeitskreise zusammenfinden. erh

Vorzeitige Rentenauszahlung der AOK Groß-Gerau

Die Rentenabteilung der AOK Groß-Gerau zahlt die Invaliden- und Angestelltenrenten für den Monat November in den Gemeinden Crumstadt, Erfelden und Stockstadt bereits am Freitag, dem 27. Oktober, aus. In Crumstadt findet die Auszahlung von 11-12 Uhr, in Erfelden von 8-9 Uhr und in Stockstadt von 13.30-15.30 Uhr auf der Bürgermeisterei statt. -th-

Neuer Landesjugendpfarrer

Mit der kommissarischen Führung der Geschäfte des Landesjugendpfarramtes im Bereich der Ev. Kirche in Hessenu. Nassau wurde mit Wirkung vom 1. 10. Pfarrer Helmut Bracht, Dillenburg, ernannt. Der bisherige Landesjugendpfarrer Dr. Czaia wurde durch die Kirchenleitung bis zum Ende des Jahres beurlaubt und scheidet am 1. 1. 51 aus seinem Amte aus. Pfarrer Bracht leitet zugleich die kirchliche Laienspielberatungsstelle. (epd.)

Pole Poppenspũler ...

„Die Tragödie des Magisters Doktor Faustus“

Die „Königsteiner Puppenspieler“ zeigte in der Pfungstädter Turnhalb innerhalb der Veranstaltungsfolge der Jugendwoche des Kreisjugendausschusse: Darmstadt, das Spiel vom Dr. Faustus.

Der Initator der Königsteiner Puppenspieler, Rudolf Fischer, wies in einleitenden Worten darauf hin, daß insofern ein Mißverständnis walte, als viele Erwachsene ihre doch recht kleinen Kinder mitgebracht hätten. Abgesehen davon, daß die Kinder am Nachmittag bereits mit einer Vorstellung bedacht wordeni seien .dürfte man im Puppenspiel, und das sei eine weit verbreitete Ansicht, nicht eine „partout witzige“ Abendunterhaltung sehen. Und gerade der Faust-Komplex, uralt in mythischer Darstellung und in der Kenntlichmachung zweier entgegengerichteter Lebensauffassungen enthalte alle die Fragen, welche früher, heute und in aller Zukunft die Menschen beschäftigten.

„Niefnand weiß, wo der unstete Faust geblieben ist“, sagte Herr Fischer, „sein Bild rundete sich ab bei den Menschen der damaligen Zeit, und sie raunten sich zu: Nun sei er vom Teufel geholt worden ... Eigentlich haben wir alle einen Zug von diesem Kasper, dem Gegenstück zu der dämonischen Mystik des Faust. In einer Zeit des Intellektualismus müssen wir diese Figur lieben lernen, im Gegensatz zu Faust, dessen Weisheit doch nicht weiter ging als Mephisto es zuließ.“

Dann rollte jene Legende ab, deren urgründige Fragestellung schon seit Ende des 16. Jahrhunderts die Menschen atemlos zuhören ließ. Die Figuren: Faust, Kasper (als konträre Variante bei den Königsteinern), Pluto als Gott der Unterwelt und Oberteufel, der dienende Famu-

lus, der Graf von Parma, und alle die tückischen und seeleheischenden kleinen Teufel wurden mit einer kaum geahnten Meisterhaftigkeit gezeigt. Abgesehen von der rein technischen Vollkommenheit des Spieles, war der sprachliche Ausdruck (der Familie Fischer und Herrn Hoßfeld) wunderbare Ergänzung zu den herrlichen geschnitzten Köpfen der Puppen. Am Ende des Stückes, als Fausts Zeit herum ist und der Teufel die ihm verschriebene Seele — unter grünen Blitzen und Donnerrollen — holt, singt Kasper in der Figur des schützenden Nachtwächters das tröstende Lied „Hört ihr Leut und laßt euch sagen“, und führt somit das Gute zum Sieg und zur Beständigkeit.

Am Schluß der Veranstaltung bedankten sich viele Besucher persönlich bei den Spielern, die, Berliner von Hause aus, gleichgroßen Beifall in Darmstadt, Berlin und Manheim wie auch in dem kleinsten Dorf erhielten. Sg.

1000 DM stiftete die Gemeindeverwaltung für die Anschaffung neuer Glocken der evangelischen Kirche von Hering. Da der alte Glockenstuhl nur für 3 Glokken eingerichtet war und nun 4 Glocken angeschafft werden, muß noch ein kleiner Umbau vorgenommen werden. Die Einweihung soll am 1. Advent feierlich begangen werden. gu

Eine Tagung technischer Lehrerinnen des Kreises Dieburg findet am Montag um 14 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes statt. rfd

Konfirmation mit Schulentlassung

Ein Beschluß der Dekanatssynode Darmstadt-Land

Zu unserer kurzen Notiz über die Dekanatswahl für Darmstadt-Land wird uns ergänzend über die Beratung des nächsten Konfirmationstermins berichtet:

Obwohl die Konfirmation mit dem Termin der Schulentlassung nichts zu tun hat, veranlaßten die Erfahrungen des letzten Jahres doch die Dekanatssynode, gegen nur 2 Stimmen und bei 2 Enthaltungen zu beschließen: Die nächste Konfirmation findet in allen Gemeinden des Dekanates Darmstadt-Land zusammen mit der Schulentlassung statt. (Weiterstadt hatte diesen Beschluß schon für dieses Jahr gefaßt und den diesjährigen Konfirmationstermin auf nächstes Jahr verschoben). Damit hat die Synode dem vielfach und dringend geäußerten Wunsch der Eltern- und Lehrerschaft Rechnung getragen.

Der neue Dekan, Pfarrer Balz, dessen Wahl mit großer Mehrheit erfolgte, ist seit zwölf Jahren Pfarrei- in Ober-Ramstadt, seit Jahren Dekanatsbeauffragter für die Männerarbeit und dem Evangelischen Bund, sowie Provinzialbeauftragter für die Kirchenchorarbeit. Er ist außerdem Mitglied der Grtmdkommission

zur Durchführung der Generalkirchenvisitation in Starkenburg. Die Dekanatssynode hat ihn im Frühjahr dieses Jahres als Synodalen in die Kirchensynode gewählt, der er für 6 Jahre angehört.

An der Synode nahm der Propst für Starkenburg teil, den der Vorsitzende Buß besonders herzlich begrüßte. Er erläuterte in seinem Referat die Bedeutung und Aufgaben des Dekanates als der brüderlichen, aktiven Gemeinschaft zusammengehörender und zusammenarbeiterider Gemeinden und deren Verbindung mit dem Leitenden Geistlichen Amt und der Gesamtkirche. Weder soll die Einzelgemeinde sich isolieren, noch von der Kirchenleitung bürokratisch bevormundet werden, sondern als Glied an dem einen Leib der Kirche Jesu Christi leben und mitarbeiten. Dazu kann und soll 'sie durch den Dekan und die Dekanatsgemeinschaft brüderlich geleitet und gefördert werden.

Altpapier — wieder neu

Diskussion über Naßaufbereitung von Altpapier

Kürzlich fand unter Vorsitz von Professor Dr.-Ing. W. Brecht, Darmstadt, ,im Hotel Hufnagel in Seeheim eine Diskussionsveransstaltung über die Naßaufbereitung von Altpapier statt, bei der Professor Brecht ein kurzes Referat über die Entwicklung der Aufbereitung und Reinigung von Altpapier in Amerika hielt'.

Dr.-Ing. R. Trensch el, Aschaffenburg, sprach im Anschluß übfer die bis jetzt bekannten Aufbereitungsmaschinen und -anlagen von Altpapier. Dr.-Ing. W. Müller-Rid. Heidenheim, referierte über den Einsatz des Stofflösers für die kontinuierliche Aufbereitung von unsortiertem Altpapier.

Gestern fand eine Besichtigung der Stofflöse- und Aufbereitungsanlage von Sackpapier im Werk Mannheim statt. Nach der Besichtigung wurde ein gemeinsames Mittagessen eingenommen. Die vielstündigen Veranstaltungen waren gut besucht und wurden in nachfolgenden Diskussionen lebhaft besprochen. erh

11 846 Fahrzeuge angehalten

Verkehrsüberwachungswoche in Groß-Gerau

Die Auswertung der Verkehrsüberwachungswoche im Kreis Groß-Gerau führt zu einem überraschenden Ergebnis. Gemeinhin wird angenommen, daß bei Verkehrskontrollen die meisten Mängel bei solchen Fahrzeugen festzustellen seien, die sich am schnellsten fortbewegen. Die Statistik beweist das Gegenteil. An der Spitze liegen Fahrzeugkategorien, die nur geringe Geschwindigkeiten entwickeln.

Bei 9,4% der landwirtschaftlichen Fahrzeuge mußten die kontrollierenden Beamten der Gemeindeschutzpolizei und des Gendarmerie-Kreiskommissariats mit Anzeigen oder Mängelrügen einschreiten, ein Prozentsatz, der von Radfahrern mit 14,4 % noch weit übertroffen wurde. Unter dem gleichen Gesetz scheinen die motorisierten Fahrzeuge zu stehen, denn bei Lastkraftwagen mußten zu 8,3 %, bei Personenwagen zu 6,4% und bei Motorrädern nur zu 4,4 % beanstandet werden. Das bedeutet in der Tat, daß, je schneller sich ein Fahrzeug im Straßenverkehr bewegen kann, desto eher der Verantwortliche auch die größeren Gefahren in Rechnung stellt, die er für andere Wegbenutzer bildet.

Welch umfangreiche Tätigkeit die Beamten in der Verkehrsüberwachungswoche zu leisten hatten, geht daraus hervor, daß insgesamt im Kreis Groß-Gerau 11 846 Fahrzeuge angehalten würden, bei denen es in 9 % Fällen zu Beanstandungen kam in Form von 469 Anzeigen und 543 Mängelrügen. eng

Straße fertiggestellt

Die Straße Zell—Kirch-Brombach ist soweit fertiggestellt, daß sie dem Verkehr wieder übergeben werden kann. Die schöne breite Straßendecke soll im kommenden Frühjahr einen Asphaltglattstrich erhalten. -ch

Der SPORT

Fußball-Länderspiel in Darmstadt

Die deutsche Studentenelf spielt am 22. November gegen die Schweiz

Am Tage des großen Fußball-Länderkampfes Deutschland—Schweiz in Stuttgart treffen die Studentenmannschaften beider Länder im Darmstädter Hochschulstadion aufeinander.

Die deutschen Farben werden fast von der gleichen Elf vertreten, die im Vorjahre die Schweden mit 4:0 besiegte und bei der internationalen Hochschulsportwoche in Meran bekanntlich einen so nachhaltigen Eindruck hinterließ, Spanien mit 6:2 und die Schweiz mit 6:1 besiegte und nur von Italien mit 2:1 geschlagen wurde. ° , i DofferT

Für das Spiel am Buß- und Bettag wurden folgende 16 Spieler nominiert: Torwart: Herkenrath (Preußen Dellbrück, Uni Köln), Rosenbaum (Eintracht Trier Uni Bonn); Verteidiger: G. Baum (SSV’ Reutlingen, Uni Tübingen), Zie¬ linski (VfL Köln, Uni Köln): Laufer: Neumeier (VfL Schwenningen, Uni München), Müller (1860 München, Um München), H. Seemann (1860 München, Uni München), F. Seemann (Spvgg. Landshut, Uni München); Stürmer: Lammers (Preußen Münster. Uni Munster) Lauxmann (1860 München, Um

München), Scheufeie (SSV Reutlingen, Uni Tübingen), Schweizer (Bayern München, Uni München), Trautmann (Waldhof Mannheim, Uni Heidelberg), Steger (Spvgg, Plattling, Uni München), Kröm¬ melbein (Eintracht Frankfurt, Uni Frankfurt), Hamburger (Hanau 93, Uni Frankfurt).

Die Schweizer, die in Meran nur ihre zweite Garnitur zur Verfügung hatten, werden versuchen, für die dort empfangene Niederlage Revanche zu nehmen. Sie können diesmal auf einige sehr gute Spieler der Nationalliga zurückgreifen.

Wir freuen uns, daß Darmstadt die Ausrichtung dieses Länderspieles übertragen bekommen hat und hoffen, daß sich das erste große internationale Ereignis nach dem Kriege würdig in die Reihe der Großveranstaltungen einfügen wird, die früher in den Mauern unserer Stadt stattgefunden haben.

Fußball-Kreisklassen am Sonntag

Kreisklasse Darmstadt

Auch der kommende Sonntag kann leicht Ueberraschungen bringen. Es spielen: Hahn gegen TuS Griesheim, Seeheim — Alsbach, Gräfenhausen—Weiterstadt, TSG 46 Darmstadt-Bickenbach, Hähnlein — Nieder-Ramstadt Erzhausen—SSG Langen.

Obwohl TuS Griesheim Verstärkung erfahren hat, dürfte es sich in Hahn schwerlich Punkte holen können. Hahn ist eine KampfmannÄ. die sich zu Hause nicht leicht Schlagen gibt. Ein interessantes Spiel werden Ä die beiden Bergstraße-Rivalen in Seeheim liefern, wo die Einheimischen wegen de<? Platzvorteils mit etwas mehr Siegesaussichten ins Rennen gehen. Zu einem «mannenden Lokalderby kommt es in GratanhSi wo es der Tabellenführer Weiterstadt nicht leicht haben wird, seine Spitzenstellung zu behaupten. Wie es in Darmstadt auf der Woogswiese wird, bleibt abzuwarten, wenn man auch die Gäste bei dem jetzigen Können der Woogsleute nicht als Sieger Voraussagen möchte. Die immer noch sehr schlecht stehenden Hähnleiner empfangen Nieder-Ramstadt und dürften kaum zum Lv“ kommen Erzhausen hat Besuch aus Langen und sollte eigentlich gegen die SSG z,;« kleines Plus haben.

In der B-Klasse steigen folgende Paarun«en- SV 98 Darmstadt (Soma) — Union Darmstadt VfR Langen (Soma)—SC Gnes¬ ?eTm Traisa—Ober-Eeerbach, Brandau gegen Nieder-Beerbach. Rohrbach - Jugenheim. Eschollbrücken ist spielfrei. E Mich in Darmstadt wird ein Lokalderby durchgeführt, in dem der Union ein kleines Plus zugestanden werden muß. Beim Spiel VfR Langen (Soma) gegen SC Griesheim werden die Einheimischen nicht um eine Niederlage herumkommen. Traisa empfängt den Neuling Ober-Beerbach und hat alle Register zu ziehen, um zu einem Siege zu kommen. Nieder-Beerbach, von dem man eigentlich mehr erwartet als es bisher zeigte, wird sich in Brandau anstrengen müssen, um zu beiden Punkten zu kommen, nd.

Kreisklasse Groß-Gerau

In der Fußball-A-Klasse des Kreises Groß-Gerau stehen sich am Sonntag folgende Vereine gegenüber: Stockstadt—Domheim, Walldorf—Wolfskehlen, Gernsheim —Raunheim 07, Astheim—Klein-Gerau, Ginsheim— Gustavsburg, Biebesheim—Büttelborn.

Nach dem beachtlichen Unentschieden in Ginsheim hat Stockstadt am Sonntag die Elf von Dornheim zu Gast. Dornheim wird dem Gastgeber alles abverlangen und sehr darauf bedacht sein, wenigstens einen Punkt zu gewinnen. — Das Spiel Wolfskehlen gegen Walldorf findet anläßlich der Walldörfer Kerb nicht in Wolfskehlen sondern in Walldorf statt. Nach der erlittenen Schlappe in Kledn-Gerau wird sich Wolfskehlen mächtig anstrengen müssen, wenn es von Walldorf ein Kerwestück in Form von Punkten mit nach Hause nehmen will. — Wesentlich leichter dürfte es Gernsheim zu Hause gegen Raunheim 07 haben. Ein einwandfreier Sieg der Männer vom Kaffeedamm wird von selten der Raunheimer nicht zu umgehen sein, — Der Neuling Astheim spielt vor heimischem Publikum gegen Klein-Gerau. Es handelt sich hier um zwei gleichwertige Mannschaften, die für Ueberraschungen zu sorgen bekannt sind. Ein Unentschieden wäre das Naheliegende. — In dem Lokalderby Ginsheim—Gustavsburg trifft der Tabellenzweite auf eine Mannschaft, die in der Tabelle keinen günstigen Platz einnimmt, aber in den letzten Spielen gut aufkam. — Die Büttelborner fahren am Sonntag nach Biebesheim. Beide Mannschaften müssen unbedingt Punkte sammeln; Büttenborn, um nicht den Anschluß an die Tabellenspitze zu verlieren, und Biebesheim, um vom Tabellenende wegzukommen.

In der B-Klasse spielen: Walterstädten— Geinsheim, TSV Rüsselsheim — Worfelden Goddelau — Königstädten, Bischofsheim 1b gegen Erfelden, SSV Raunheim—Leeheim In der Begegnung Wallerstädten — Geinsheim geht es um die Tabellenführung. Eine Vorhersage ist hier sehr schwierig Der lachende Dritte wird wohl der TSV Rüsselswinp der in seiO€m Heimspiel gegen Worfelden sicher zu einem doppelten Punktgew-mn kommen wird. Auch die lb von Bischofsheim wird keine sonderliche Mühe haben, um gegen die Erfelder bestehen zu können Wesentlich ausgeglichener wird die Partie Goddelau—Königstädten sein. Hier konnte mit einer Punkteteilung gerechnet werden Der SSV Raunheim hat sich in letzte! Zeit viel vorgenommen und wird auch gegen Leeheim tonangebend sein. Opel Rüsselsheim lb ist spielfrei.' -od-

Kreisklasse Bergstraße Reichenbach—Aschbach Affolterbach—Weiher Waldmichelbach—Lampertheim Mörlenbach—Lindenfels Einhausen—FC Fürth Fehlheim—Auerbach.

Die beiden Tabellenersten Reichenbach und Aschbach treten einander hier erstmals gegenüber. Beide Mannschaften sind sich, j nach, recht verwandt, so daß die Frage nach dem Sieger erst durch das Treffen selbst beantwortet werden kann. Affolterbach wird mit Weiher seine liebe Not haben, wenngleich auch der Ungewohnt große Platz an der Olfener Straße zuungunsten der Gäste wirken sollte. Waldmichelbach dürfte mit Lampertheim erst nach Kampf fertig werden; ein Unentschieden ist durchaus möglich. Mörlenbach empfängt* die als Folge des vergangenen Spielsonntags ersatzgeschwächten Lindenfelser und müßte zu einem klaren Erfolg kommen, wenn das in Lampertheim bewiesene Können von Dauer ist. Einhausen hat mit FC Fürth einen Gegner zu Gast, der auch im Ried nur schwer zu schlagen ist. Die Gäste sollten sogar ohne Germann zu beiden Punkten kommen. Auch in Fehlheim ist ein Gästesieg durchaus möglich, wenngleich Auerbach nur dann zum Erfolg kommen kann, wenn seine mannschaftliche Kondition endlich bis zum Schlußpfiff ausreicht, um mitmischen zu können. (ni)

In der Gruppe Ried treffen am kommenden Sonntag Nordheim—SV Bensheim, Gadernheim—Riedrode, Hambach—Schönberg, Zwingenberg—RW Heppenheim aufeinander. Spielfrei: Elmshausen und Hüttenfeld. In der Gruppe Odenwald spielen: Mitlechtern-—Wahlen, SV Fürth— Unter-Abtsteinach, Unter-Schönmattenwag —Hammelbach, Ober-Abtsteinach—Reichelsheim. Spielfrei; Rimbach und Zotzenbach.

Kreisklasse Dieburg

In der A-Klasse Dieburg liegen am kommenden Sonntag die Paarungen so, daß es den Ueberauern kaum gelingen dürfte, den Spitzenreiter Nieder-Roden einzuholen. Die Rodgauer erwarten zu Hause Groß-Zimmern. das sich bisher nicht übers Mittelfeld hinaus durchsetzen konnte und am Sonntag aus Götzenheim punktleer zurückkam. Ueberau hat es dagegen nicht ganz leicht, sich in Reinheim voll durchzusetzen. Aber das Spiel hat Derbycharakter! Von den zwei Offenbachern, die unter sich sind, dürfte Dreieichenhain aus dem Heimspiel gegen Götzenheim nicht allzuviel profitieren. Lengfeld fährt mit wenig Aussichten nach Offenthai, wenn auch sein jetziger Gegner nicht die Stärke des vergangenen hat. Mit Kleestadt in Spachbrücken und Mosbach in Klein-Zimmern sind der 14. gegen den 13. und der 11. gegen den 12. gestellt. Da gibt es nur eine Vorhersage: Ab warten. Es spielen: Reinheim—Ueberau, Offenthai gegen Lengfeld, Nieder-Roden— Groß-Zimmern, Dreieichenhain—Götzenhain, Kleestadt—Spachbrücken, Mosbach gegen Klein-Zimmern. *

In der Gruppe 1 der B-Klasse herrscht noch Vollbetrieb, während die Gruppe 2 bis auf ein Nachholspiel bereits in die Herbstpause eingetreten ist. Mit Georgenhausen gegen Groß-Bieberau treffen zwei Mannschaften aufeinander, die beide ihren zukünftigen Tabellenführung angemeldet haben. Die übrigen Spiele sind durchweg ziemlich offen.

Es spielen: Brensbach—Hering. Wersau gegen Fränkisch-Crumbach, Georgenhausen gegen Groß-Bieberau, Ober/Nieder-Klingen gegen Niedernhausen; spielfrei Hassia 11.

Die 98er Handballer im Rheingau

Bringen die „Lilien“ die ersten Auswärtspunkte mit?

Nach der Unterbrechung in den Meisterschaftsspielen am vergangenen Wochenende, fahren die Lilienträger am Sonntag in den Rheingau, und zwar nach Kempten bei Bingen. Es ist das erste Zusammentreffen in dieser Meisterschaftsrunde mit einem rheinhessischen Verein. Für gewöhnlich stellt man sich unter den Rheinhessen ein fröhliches und etwas leichtlebiges Völkchen vor; daß sie aber ihren Sport bitter ernst nehmen und zu kämpfen wissen, hat schon mancher erfahren, der auf dem gefürchteten Sandplatz von Kempten seine Punkte lassen mußte.

Wenn die rheinhessischen Vereine bisher mit wenig Erfolg in der Verbandsliga Gruppe Süd gespielt haben, so ist damit nicht gesagt, daß sie wesentlich schwächer Wären als ihre Gegner. Es ist immerhin so, daß diese Vereine inzwischen schon einiges hinzugelernt haben. Man denke nur daran, daß Kempten direkt hinter TuS Griesheim rangiert und bei einem Punktgewinn Anschluß an das Mittelfeld gewinnen würde. Hinzu kommt, daß Kempten am vergangenen Sonntag bei der SG Nied nur mit 7:5 Toren unterlag.

Für die 98er ist deshalb größte Vorsicht am Platz, denn am Rhein hängen zwar die Reben tief, jedoch die Lorbeeren um so höher, und das mußten die Darmstädter schon einige Male an sich selbst erfahren. Nach den Leistungen gegen TuS Griesheim zu schließen, müßte allerdings angenommen werden, daß sich die 93er wieder gefunden haben. Vor allem gewann der Sturm durch das Wiedermitwirken von Dr. Barth wesentlich an Durchschlagskraft. Er wird an diesem Sonntag in derselben Zusammensetzung wie gegen TuS Griesheim spielen. Folgende Mannschaft will die Punkte holen: Göbel; Mark, Glock; Emig, Peters, Fischer; Schäfer, Lutz, Reinhardt, Dr. Barth, Lehning.

Abfahrt der 1. und Reservemannschaft: 11.45 Uhr am Marstall. -r. Die anderen Spiele der Verbandsliga! Mombach—Nied, Worms—Ditzenbach, Wiesbaden — Gelnhausen, Griesheim — Herrnsheim.

Gruppenliga 4 Am letzten Sonntag konnten sich die favorisierten Mannschaften fast alle durchsetzen, außer Braunshardt, das seine erste Niederläge in Kostheim einstecken mußte. Die TG Rüsselsheim und der VfL Herrnsheim sind jetzt noch die einzigen ungeschlagenen Mannschaften der Gruppe. Die Tabelle wird weiterhin von Rüsselsheim mit 10:0 Punkten vor der TSG Darmstadt mit 9:5 und Herrnsheim mit 8:0 Punkten angeführt.

Die Spiele am kommenden Sonntag: SSC Alzey—TSV Braunshardt, TuS Wörrstadt— TG Rüsselsheim, SKG Bauschheim—VfL Herrnsheim, TSV Pfungstadt—TSG 46 Darmstadt, SG Bretzenheim—Cone. Gernsheim. Braunshardt wird nach der vorsonntäglichen Niederlage versuchen, durch einen Punktgewinn in Alzey den Anschluß an die Spitzengruppe zu halten, was, den derzeitigen Mannschaftsstärken entsprechend, gelingen sollte.

Wörrstadt wird auch zu Hause gegen den Tabellenersten aus der Opelstadt nur als Punktlieferant in Frage kommen. Die SKG Bauschheim befindet sich zur Zeit in einer Formkrise und kann bei besseren Leistungen als die der Vorspiele die Partie offen gestalten. Trotzdem darf mit einem Sieg des stärksten der rheinhessischen Vertreter gerechnet werden.

Am Sonntagvormittag empfängt die TSG 46 Darmstadt bereits um 10 Uhr (Reserven um 8.45 Uhr) die Pfungstädter Vertretung. In ihrer derzeitigen guten spielerischen Verfassung werden es sich die Woogsleute nicht nehmen lassen, ihr Punktkonto zu verbessern. Eine völlig offene Begegnung ist die der SG Bretzenheim gegen die Gernsheimer Concorden.

Die Turngesellschaft 07 e. V. Eberstadt halt am Samstag, dem 28. Oktober, eine Mitgliederversammlung im Vereinsiokal ab. — Der Verein unternimmt am Sonntag, dem 29. Oktober, einen Familiehausflug nach Nieder-Beerbach. Abmarsch 14 Uhr am Friedhof.

Zur Fahrt der SG Arheilgen am Sonntag nach Kassel sind Teilnehmerkarten für die Omnibusfahrt zum Preise von 10 DM für Nichtmitglieder und 6 DM für Mitglieder im Vereinshaus erhältlich.

Eine Vorstandssitzung der SKG Eberstadt (Fußball-Abteilung) findet am Samstag, dem 28. Oktober, 20.15 Uhr, im Lokal „Zum Gambrinus“, Weingartenstraße, statt.

„...sampt allen Christen ein fröliche Auferstehung“

Die 500 jährige Kirche zu Kleestadt feiert am Wochenende ihr Jubiläum

Wer aus der Ferne den spitzbehelmten Turm und den einfachen Umriß der Kleestädter Kirche wahrnimmt, vermutet nicht gleich, daß sie zu einem der ältesten und baugeschichtlich merkwürdigsten Gotteshäuser im „Bachgau“ gehören.

Aus der Nähe gesehen deutet aber schon der behäbige Torbau mit seiner Spitzbogenpforte auf die frühere Bedeutung des ehedem bewehrten Kirchhofs hin.

An der Friedhofsmauer künden verwitterte Grabsteine von menschlichen Schicksalen vergangener Jahrhunderte. Vollends aber erfüllt der lichte weiträumige Kirchenraum und der in wohltuend gedämpften Farben gehaltene Chor den Gläubigen mit Andacht und den Kunstfreund mit Bewunderung. Seit dem Jahre 1250, als der Name des Ortes Kleestadt erstmalig in Urkunden

auftaucht, bestand hier eine kleine, der Muttergottes geweihte Kapelle. Sie war schlicht und einschiffig und wurde von Groß-Umstadt aus versorgt. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts, als ein großer Baueifer allenthalben in unserer Heimat am Werke war, erhielt dieses Kirchlein einen ansehnlichen, gewölbten und mit einem sehr steilen Dach versehenen Chor sowie einen Westturm.

1580 wurde Kleestadt zur selbständigen Pfarrei erhoben. Da genügte die alte Kapelle nicht mehr. Man errichtete auf der Südseite des Langhauses einen Anbau, verband ihn im Inneren mit dem bisheri-

gen Kircheraum durch säulengetragene, weitgespannte Arkaden und bekrönte ihn mit einem besonderen Dach. Die Vielfalt der Dächer muß sehr malerisch gewirkt haben, sie war aber auch der Anlaß häufiger Klagen über Bauschäden und führte schließlich zu durchgreifenden Veränderungen. Ein Bericht vom Jahre 1727 nennt das turmähnliche Schieferdach über dem Chor „sehr mürb und baufällig, daß kein Schieferdecker seit Jahren mehr hinauf steigen wollte“.

Im gleichen Jahre beklagte sich der Pfarrer, daß er im Frühjahr bei der Schneeschmelze nicht gewußt habe, „wo er nur ein trockenes Plätzchen auf dem Altar finden könnte, um die Hostien und den Kelch hinzustellen“. Auch hätten die Gerichtsleute ihre Plätze räumen müssen, und die ganze Kirche sei voll Wasser gewesen. M.an behob den Schaden, indem man zuerst die beiden Schiffdächer abbrach und durch ein einziges neues ersetzte und dann das Chordach weniger geneigt erneuerte. Im Verlaufe des 18. und vor allem im 19. Jahrhundert wurden noch mannigfache Verbesserungen und Veränderungen, die nicht immer Verbesserungen waren, an der Kirche vorgenommen. 1833 erhöhte man den Turm und gab ihm seine jetzige Gestalt. 1861/62 wurde unter Leitung des Dieburger Kreisbaumeisters Kraus ein nördliches Seitenschiff errichtet und das Innere einer durchgreifenden Erneuerung unterzogen.

Die wesentlichen Züge dieser Umformung sind dem Bauwerk bis heute verblieben. Das Ergebnis aller architektonischen Wandlungen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ist eine pseudobasilikale Anlage, die unverkennbare Verwandtschaft mit den großen Nachbarkirchen zu Babenhausen und Groß-Umstadt aufweist. Wir haben aber zu Kleestadt die merkwürdige Tatsache, daß sich dieser Charakter erst allmählich herausgebildet hat, während er in Groß-Umstadt und Babenhausen sogleich in Erscheinung trat.

Besondere Beachtung verdienen die schönen, 1936z37 aufgedeckten und restaurierten spätgotischen Wandmalereien im Chor. Sie sind sowohl dem Bildinhalt nach wie der Form- und Farbgebung nach sehr interessant. Dargestellt sind über einem dekorativen Sockel Begebenheiten aus dem Leben Jesu, meist aus der Leidensgeschichte; an den Fensterpfeilern elf Apostel und im Gewölbe das Lamm Gottes, die Evangelistensyrpbole und musizierende Engel. Die Wandflächen sind mit Rankenwerk ausgeziert, die Gewölbekappen mit Sternen versehen. Man nimmt an, daß zwei Meisterhände an den Fresken beteiligt waren, wobei die höhere Qualität den Bildern in den Gewölbekappen zuerkannt wird. In der Tat sind gerade die musizierenden Engel von großer Zartheit und Subtilität. Ein Schulzusammenhang besteht wahrscheinlich zu den — zerstörten — Engelbildern im Ostchor der Karmeliterkirche zu Frankfurt und den Engeln in der Karmeliterkirche zu Mainz.

Im gewölbten Untergeschoß des Turmes, dessen Rippen bis zum Boden reichen und das ein hanauisches Wappenschild im Schlußstein aufweist, stehen vier Grabsteine des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Sandsteinplatten des 1596 verstorbenen Wolf von Bobenhausen und der 1595 heimgegangenen Anna Maria Holzhausen geb. von Bobenhausen zeigen schönen Wappenschmuck. Ihre Inschriften wünschen den Verewigten „sampt allen Christen ein fröliche Auferstehung“. wh.



Fünfzig Jahre Darmstädter Konsumgenossenschaft

Jubiläum des DGB, Kreisverband Darmstadt und des „Konsum“

Diese Woche kann der Kreisverband Darmstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes und die Konsumgenossenschaft Darmstadt auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand, wie wir bereits berichteten, in den Geschäftsräumen der Konsumgenossenschaft eine Pressekonferenz statt, auf der die geschichtlichen Entwicklungen der beiden Jubilare dargelegt wurden.

Schon''im Jahre 1895 bestanden in Darmstadt dreiundzwanzig kleinere Gewerkschaften, die sich zu einem Gewerkschaftskartell zusammenschlossen, das um die Jahrhundertwende die Konstituierung eines Arbeitersekretariats beschloß. Aus den Reihen der Darmstädter Gewerkschaftsbewegung sind bedeutende Männer hervor gegangen wie Wilhelm Leuschner und Willi Richter, der jetzt Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des sozialpolitischen Ausschusses im Bundestag ist. Bekannt wurde auch Balthasar Cramer, der Reichstagsabgeordneter war, und der bei den Streiks im Jahre 1902 die Arbeiterschaft zur Ruhe und Besonnenheit ermahnte. 1901 übernahm Anton Sparr, der Vorsitzende des Darmstädter Gewerkschaftskartells, sein Amt aus den Händen Philipp Müllers. Seiner großen Initiative ist es zum Teil zu verdanken, daß am 23. November 1900 im Weißen Saal der „Stadt Pfungstadt“ die Gründungsversammlung der Kon-

sumgenossenschaft stattfand. 120 Namen umfaßte die erste Mitgliederliste, und es waren Namen in ihr verzeichnet, die inr Darmstadt einen guten Klang hatten, wie Prof. Dr. Staudinger, Staatsschuldbuchführer Hennrich und Lehrer Jung.

Da alle Bevölkerungsschichten in der Genossenschaft vertreten waren, wurde von Anfang an die parteipolitische Neutralität des Unternehmens gewährt. Im Verlauf der nächsten Jahre wechselte die Firma, die zuerst als Darmstädter Konsum-, Spar-, und Produktionsgemeinschaft in Erscheinung trat, mehrmals ihren Namen. Die Darmstädter Konsumgenossenschaft wollte kein Erwerbsbetrieb sein, sondern ein Stück Gemeinwirtschaft für das Wohl aller, die bereit waren, daran teilzunehmen. Am 12. Dezember 1900 wurde der erste Genossenschaftsladen im Hinterhaus der Schulstraße 3 eröffnet. Bereits nach dem ersten Weltkrieg, nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten, zählte die Genossenschäft 18 Verteilungsstellen und fast 7000 Mitglieder. Es gelang der Geschäftsführung das leerstehende Heeresproviantamt zu pachten, ebenso die Garnisonbäckerei, so daß nun ein eigener Produktionsbetrieb zur Verfügung stand. Ebenfalls fand eine Verschmelzung mit den in den Jahren 1903 bis 1907 gegründeten, selbständigen Genossenschaften Arheilgen, Ober-Ramstadt und Erzhausen statt, wonach sich das Unternehmen Bezirkskonsumverein Darmstadt nannte.

Bekannt dürfte noch bei vielen Menschen das „Fest der Arbeit“ sein, das im Sommer 1925 anläßlich des 25jährigen Bestehens gemeinsam mit den Gewerkschaften begangen wurde. Die Beziehungen zum Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften und zur Großeinkaufs-Gesellschaft deutscher Konsumgenossenschaften (GEG), gestalteten sich immer fester und fruchtbarer und ermöglichten den Einkauf hochwertiger Lebensmittel zu den niedrigsten Preisen. Vielerlei Schwierigkeiten galt es in den Jahren 1933 bis 1945 zu meistern, als die Regierung Bestrebungen zeigte, die Konsumgenossenschaften „gleichzuschalten“. Der Bombenangriff 1944 zerstörte auch das Zentrallager des „Konsum“, und nur die Bäckerei blieb mit den vier großen Oefen erhalten. Am 8. Februar 1947 wurde in einer eindrucksvollen Feierstunde im Büchnersaal die Konsumgenossenschaft Darmstadt eGmbH wieder ins Leben gerufen. Schon jetzt ist die Mitgliederzahl wieder auf 8000 angestiegen. Jeder Interessent kann Mitglied der Genossenschaft werden, wenn er den Gesellschaftsanteil von 30 DM aufbringt. Für die Einzahlung hat er fünf Jahre Zeit. Am Ende des Jahres weist er seine quittierten Rechnungen vor und erhält seine Prozente gemäß seinem Jahresumsatz. Bei einer normalen Familie, die etwa 1500 DM Lebensmittel im Jahr einkauft, sind das bei 3 Prozent immerhin 45 DM, die in der Hauptsache zum Ankauf der Winterkartoffeln und der Kohlen verwandt werden. In Kürze werden in Darmstadt zwei neue Konsum-Verteider Bismarckstraße und im ehemaligen lungsstellen eröffnet werden, und zwar in Munagelände. Li

CDU-Kandidat gewählt

Vorbereitungen zur Landtagswah! in Michelstadt

Die Christlich-Demokratische Union des Kreises Erbach wählte auf einer Mitgliederversammlung im Gasthaus „Zu den drei Hasen“ in Michelstadt zu ihrem Kandidaten für die Landtagswahlen den Bürgermeister und Landwirt Adam Friedrich aus O b e r - Mossau. Hans Zimmermann, Bad König, wurde Ersatzmann. In einem längeren Referat gab der 1. Kreisvorsitzende, Amtsgerichtsrat Kitz, Erbach, der eine erneute Kandidatur als Landtagsabgeordneter im Hinblick auf seine außerordentliche dienstliche und ehrenamtliche Beanspruchung im politischen und kirchlichen Leben sowie in Anbetracht der neuen Bestimmungen des Beamtengesetzes abgelehnt hatte, einen Einblick in die politische Gegenwartslage im Bund, Land Hessen und Kreis Erbach. Die CDU wolle vor allem die sittlichen Kräfte des Christentums unter Zusammenfassung der überzeugten Anhänger beider Konfessionen in dem oft so häßlichen politischen Raum aktivieren.

In der sich anschließenden Aussprache wurde von mehreren Diskussionsrednern betont, daß die FDP durch ihr Zusammengehen mit dem BHE ihr politisches Gesicht völlig verloren habe. Auch die Flüchtlingsvertreter der CDU distanzierten sich von den Bestrebungen des BHE.

Die Neuwahl des Kreisvorstandes hatte folgendes Ergebnis: Kreisvorsitzender Amtsgerichtsrat Heinz Kitz, Erbach, Stellvertreter Hans Zimmermann, Bad König, Schriftführer und Kassierer Eduard Faßhauer, Lützel-Wiebelsbach, Stellvertreter Johann Adam Ihrig, Michelstadt. Weiter wurden 12 Beisitzer und drei Vertreter der Heimatvertriebenen in den Kreisvorstand gewählt, -ch

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