Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. D^i^m Taßblatt L. C. Wittich', ErsehVi nVi^i6!"8?86 Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 100 defitfdie Jieueffe Jiac^ri^fen Mittwoch, 25. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt. Rheinstraße 23. Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Clay: Klang der Freiheitsglocke Warnung an alle Unterdrücker

Berlin, 24. Oktober. (AP.) Die aus privaten amerikanischen Spenden für West-Berlin gestiftete „Weltfreiheits-Glocke“ ist am Dienstagmittag auf dem Schöneberger Rathaus feierlich eingeläutet worden.

Unter dem Beifall von vierhunderttausend Berlinern, die sich zu den Feierlichkeiten auf dem Platz vor dem Schöneberger Rathaus eingefunden hatten, setzte General jucius D. Clay durch einen Druck auf den Knopf das Läutwerk in Bewegung.

Während dann die Glocke erklang, vereinten sich Tausende mit dem ehemaligen amerikanischen Militär-Gouverneur in dem Gelöbnis: „Der Aggression und Tyrannei zu widerstehen, wo immer sie auf der Erde auftreten, auf daß diese Welt im Namen Gottes eine Wiedergeburt der Freiheit erleben möge!“

Auf der Ehrentribüne hatten neben General Clay Bundeskanzler Dr. Adenauer, die drei Oberkommissare, Oberbürgermeister Reuter, mehrere Bundesminister und zahlreiche führende Vertreter der westlichen Besatzungsmächte und der in Bonn akkreditierten diplomatischen Missionen Platz genommen.

Taylor eröffnet die Feierlichkeiten

Der amerikanische Stadtkommandant von Berlin, General Taylor, eröffnete die Feierlichkeit mit einer kurzen Ansprache, in der er an die Standhaftigkeit der Berliner Bevölkerung während der russischen Blockade erinnerte. Oberkommissar McCloy erklärte in einer anschließenden Rede, das von den Sowjets beherrschte Osteuropa erlebe heute eine Wiedergeburt der „Technik der Nazi-Tyrannei“. Die Machthaber in diesen Gebieten würden jedoch ebenso Schiffbruch erleiden wie das nationalsozialistische Regime Schiffbruch erlitten habe.

Der Berliner Oberbürgermeister Reuter versicherte, „daß das Herz Berlins unverändert für die großen Ideale schlägt, die wir gemeinsam haben“. Zu dem Kreuzzug für die Freiheit habe die Stadt bereits ihren Teil beigetragen. „Wir hoffen“, erklärte Reuter weiter, „daß wir niemals der Ehre unwürdig sein werden, die uns dadurch zuteil wird, daß diese Glocke von dem Turme unseres Rathauses läutet.“ Der Klang dieser Glocke werde auch nach dem Osten deutlich vernehmbar sein, wo viele Millionen Menschen auf diesen Klang der Hoffnung und der Freiheit warteten. In einer einigen und freien Welt würden alle Völker sich die Hände zum freien Bunde reichen. In ihr würden auch die Vereinten Nationen die Regierung einer einigen und befreiten Welt bilden können. „Diesem Tage“, sagte Reuter, „für den wir alle mit letzter Kraft arbeiten wollen, möge das Geläut der heutigen Stunde gelten."

Berlin gab das Beispiel

Von stürmischem Beifall begrüßt, ergriff dann General Clay das Wort. Er erklärte, die Glocke sei der ewigwährenden Ehre all derer geweiht, die ihr Leben für die Sache der Freiheit hingegeben hätten. Vom heutigen Tage an sei aber ihr Klang zugleich auch eine Warnung gegenüber allen Unterdrückern. Denen, die heute noch geknechtet seien, bedeutet sie jedoch eine Botschaft der Hoffnung, der Zuversicht und Teilnahme. „Diese Glocke“, schloß General Clay, „wird für immer die Freiheit läuten, weil die Berliner ihren

Teil dazu beigetragen, haben, die Freiheit zu bewahren und damit ein Beispiel dafür gegeben haben, daß eines Tages in der Welt die Freiheit herrschen wird.“

Nach der Glockenübergabe versammelten sich die Ehrengäste, an der Spitze General Clay, im großen Sitzungssaal des Rathauses und trugen sich in das Goldene Buch der Stadt Berlin ein.

Freiheitskundgebungen

an der Zonengrenze

Frankfurt. 24. Oktober. (AP.) Anläßlich der feierlichen Uebergabe der Freiheitsglocke an die West-Berliner Bevölkerung haben am Dienstagmittag in verschiedenen Orten entlang der russischen Zonengrenze Friedenskundgebungen stattgefunden. In Hof.' Wunsiedel. Neila und anderen Orten demonstrierten mehrere tausend Personen gegen die Gewaltherrschaft im Osten.

Jendretzky droht

Berlin, 24. Oktober. (AP.) In einer Stellungnahme zu der feierlichen Uebergabe der amerikanischen Freiheitsglocke an West-Berlin schreibt das amtliche Organ der sowjetischen Kontrollkommission „Tägliche Rundschau“ am Dienstag, die zehn Tonnen Bronze in der Glocke „stellen nur einen kleinen Teil des Metalls dar, das die Amis in fünf Jahren in Berlin gestohlen haben“.

Das Mitglied des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei, Hans Jendretzky, erklärte, das Glockenseil werde einmal das Seil am Galgen für diejenigen sein, die jetzt die Glocke läuten.

Uebernationale europũische Armee

Ministerpräsident Pleven vor der französischen Nationalversammlung

Paris, 24. Oktober. (AP.) Vor dem überfüllten Haus der französischen Nationalversammlung schlug Ministerpräsident Pleven am Dienstag die Bildung einer übernationalen europäischen Armee vor.

Pleven vermied es, auf die Einbezieihung deutscher Einheiten näher einzugehen und sagte lediglich zur Frage der deutschen Wiederaufrüstung: „Die Aufstellung deutscher Divisionen und die Bildung eines deutschen Verteidigungsministeriums müsse früher oder spa.er unvermeidlich zur Errichtung einer deutschen Armee und dadurch zu einem Wiederaufleben des deutschen Militarismus führen.“ .

Es müsse eine Armee eines vereinigten Europa aufgestellt werden, die sich „aus Soldaten der einzelnen Lander zusammensetzen soll“. Die von den Teilnehmerstaaten zur Verfügung gestellten Kontingente sollten „auf der Basis der kleinstmöglichen Einheiten in diese europäische Armee eingegliedert werden . , dpq Hauses betonte

Unter großem Beifall des Hauses oetonte der Ministerpräsident, die französische Regierung sei fest überzeugt, daß ein Krieg vermieden werden könne. Periodisch stattflndende Besprechungen zwisehen Frankreich, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion würden nur nützlich sein und würden dazu beitragen, die Ursachen des Konfliktes und des Mißtrauens zu beseitigen.

Der ehemalige sozialistische Ministerpräsident Paul Reynaud erklärte, deutsche Offiziere sollten in den Generalstab der von der Regierung vorgeschlagenen übernationalen europäischen Armee einbezogen werden.

Die Frage sei nicht, ob Deutschland wiederbewaffnet werden solle, sondern ob es mit oder ohne französische Zustimmung wiederbewaffnet werde. Es sei merkwürdig, daß einige Franzosen „trotz einer drohenden Invasion“ eine Wiederbewaffnung Deutschlands ablehnten.

Grenzposten zurůckerobert

Saigon, 24. Oktober, (dpa) Die französischen Streitkräfte in Indochina haben den Grenzposten Tschukpaisan zurücker bert. Dieser liegt in Nordost-Tonkin, nahe der chinesischen Grenze, und war 24 Stunden in der Hand der Aufständischen gewesen.

Truman fordert Abrüstung

Eine Rede des Präsidenten zum Tag der Vereinten Nationen

Flushing Meadows, 24. Oktober (AP.) Präsident Truman hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen am Dienstag, dem „Tag der Vereinten Nationen“, zu einer umfassenden internationalen Abrüstung aufgerufen.

Gleichzeitig wies der Präsident jedoch darauf hin, daß bis zur Annahme und Durchführung eines solchen Planes die Vereinten Nationen gegen jede Aggression gewappnet sein müßten. So sehr die freien Nationen die Notwendigkeit bedauerten, weiter rüsten zu müssen, bliebe ihnen angesichts der Tatsache, daß einige Länder Truppen in großer Stärke beibehielten und so eine ständige Aggressionsdrohung darstellten, nichts anderes übrig, als ihre Macht im Interesse des Friedens und der internationalen Sicherheit weiter auszubauen.

Drei Punkte müßten befolgt werden, solle der Plan Erfolg haben: Abrüstung in sämtlichen Waffen, einstimmige Annahme des Planes, da die einfache Mehrheit nicht genüge, und die Schaffung von Sicherheiten, daß sich alle Mitgliedsstaaten an die Abmachungen des Planes halten. Jede drohende Verletzung des Abkommens müsse den Vereinten Nationen sofort zur Kenntnis gelangen. Die Abrüstung müsse ständig und sorgsam überwacht werden.

Der Friedenswille der Völker der Erde sei so stark, daß sich die Vereinten Nationen mit aller Kraft für die Ziele eines Weltfriedens und einer Weltabrüstung einsetzen müßten. Eine wirkliche Abrüstung werde jedem Lande die Möglichkeit geben, sich an einem erweiterten Programm der gegenseitigen Hilfe durch die Vereinten Nationen zu beteiligen. Den Vereinten Nationen könnten dann noch umfangreichere Mittel zum Kampf gegen die Not zur Verfügung gestellt werden. Wissenschaft und Technik könnten dann einen ungeheuren Aufschwung nehmen und allen Menschen und Völkern zu ihrem Wohle zugänglich gemacht werden.

Truman wandte sich scharf gegen die Ansicht, daß Kriege nicht zu vermeiden seien. Er erklärte, gegenwärtig überschatte die Furcht vor einem neuen, großen Konflikt die Menschheit. Diese Furcht ergebe sich aus den Spannungen zwischen einzelnen Nationen und der offenen Aggression in Korea. Amerika glaube jedoch nicht, daß ein dritter Weltkrieg unvermeidlich sei. Einer der Hauptgründe für diesen Glauben sei das Vertrauen der Vereinigten Staaten in die Vereinten Nationen, die ihre große Rolle als Verhüter eines Weltbrandes schon in Korea bewiesen hätten.


In Berlin-Schöneberg wurde in Anwesenheit des Bundeskanzlers Dr. Adenauer am Dienstag die Freiheitsglocke eingeweiht. Unser Bild zeigt, wie der Kanzler bei seiner Ankunft in Berlin-Tempelhof vom West-Berliner Oberbürgermeister Prof. Reuter und Frau Bürgermeister Louise Schröder empfangen wird
In Berlin-Schöneberg wurde in Anwesenheit des Bundeskanzlers Dr. Adenauer am Dienstag die Freiheitsglocke eingeweiht. Unser Bild zeigt, wie der Kanzler bei seiner Ankunft in Berlin-Tempelhof vom West-Berliner Oberbürgermeister Prof. Reuter und Frau Bürgermeister Louise Schröder empfangen wird

Kein Wehrgesetz

Da. Bonn, 24. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Amtlich wurde Dienstagabend in Bonn mitgeteilt: „Pressenachrichten, nach denen die Bundesregierung beabsichtigt, ein Wehrgesetz einzubringen oder die Wehrpflicht einzuführen, entbehren in jeder Hinsicht jeglicher Grundlage.“

Deutsche Regimenter?

***Die Tagung des atlantischen Militärausschusses ist von dem amerikanischen Generalstabschef, General Bradley, mit der nachdrücklichen Forderung eröffnet worden, die Streitkräfte der Atlantikpakt-Staaten müßten sofort zusammengefaßt werden. Andernfalls könne die Not dazu zwingen, diese Zusammenfassung erst angesichts eines feindlichen Angriffs vorzunehmen. Nach Ansicht militärischer Beobachter ist eine europäische Streitmacht von etwa 45 Divisionen geplant, davon zehn Divisionen aus Deutschen.

Sehr wesentlich wird es dabei auf die Haltung des französischen Verteidigungsministers Moch ankommen, dessen Auftrag gestern von der Nationalversammlung festgelegt werden sollte. Zur Zeit, da diese Zeilen geschrieben werden, liegt die Rede des französischen Ministerpräsidenten Pleven erst in einer Kurzfassung vor. Danach wendet sich Frankreich weiterhin entschieden gegen die Errichtung einer nationalen deutschen Armee, da sie unvermeidlich zu einem Wiederaufleben des deutschen Militarismus führen werde. Frankreich hat aber nichts dagegen, wenn statt Divisionen deutsche Regimenter aufgestellt werden, die mit anderen europäischen Regimentern zusammen Seite an Seite dienen und nur auf deutschem Boden eingesetzt werden sollen. Durch eine solche Maßnahme soll gleichzeitig das Wiedererstehen eines deutschen Generalstabes verhindert werden. Der Vorschlag, den Pleven vor der Nationalversammlung vertreten hat, ist einstimmig vom Kabinett angenommen worden und wird, falls ihm das Parlament zustimmt, als Kompromiß der Washingtoner Tagung vorgelegt werden.

Selbst wenn man in Washington dem französischen Kompromiß zustimmen würde, liegt dennoch eine deutsche Wiederbewaffung in weiter Ferne. Die Amerikaner legen Wert darauf, daß in Deutschland die Regierungsparteien und die Opposition ihr zustimmen. Kurt Schumacher hat aber eben erst eine deutsche Wiederbewaffnung von Voraussetzungen abhängig gemacht, von denen man schwerlich annehmen kann, die Atlantikpakt-Staaten würden sie ohne weiteres annehmen. Er stellte außerdem in Frage, ob der jetzige Bundestag legitimiert sei, eine Entscheidung zu fällen. Bradleys Aufgabe ist nicht einfach.

Klarer Wirtschaftskurs!

Von J. Schäfer

Der Kampfruf „hie Marktwirtschaft — hie Planwirtschaft“ erschallt abermals, vielfach mit eigenartigen Begründungen. Warum eigentlich? Hat die soziale Marktwirtschaft so versagt, daß manche in verschärfter Form wieder gegen sie zu Felde ziehen? Spielen hier neue sachliche Gesichtspunkte eine Rolle oder alte parteipolitische Doktrinen? Die schwierige wirtschaftliche und finanzielle Lage, der wir und die Welt gegenüberstehen, muß ruhig und nüchtern beurteilt werden; nur so sind die Maßnahmen zu treffen, mit denen man ihrer Herr wird.

Schon vergessen? Viele scheinen schon nicht mehr so recht zu wissen, was die kaum überwundene Plan- und Zwangswirtschaft eigentlich für die Versorgung aller bedeutete. Wir erinnern uns doch noch, wie wir uns vor drei Jahren unter den unwürdigsten Umständen einige Kartoffeln heranschleppen mußten und wie wir Schlange standen, um einen Bezugschein für irgendeinen notwendigen Gebrauchsgegenstand zu erhalten, wobei es noch sehr fraglich war, ob dieser Schein wirklich zum gewünschten Ziel führte. Das Wort Kalorien ist doch wohl auch noch nicht ganz in Vergessenheit geraten. Seit der Währungsreform, die uns diktiert wurde und gewiß nicht vollkommen war, ist alles ganz anders geworden, was vor allem die mit dem Einkauf belasteten Frauen vielfach eher bestätigen als manche parteipolitisch und wirtschaftspolitisch doktrinär eingestellten Männer, wenn sie auch die Segnungen der Marktwirtschaft gern in Kauf nehmen.

Beachtliche Erfolge Gewiß war der Weg aus der Wüste der Not und dem unheimlichen Gestrüpp von Verordnungen zur Bewirtschaftung der Mangelware nicht, glatt und einfach. Er konnte es auch gar nicht sein; aber alles vollzog sich doch besser, als vielfach angenommen worden war. Die seinerzeit von bestimmten Stellen angekündigten hohen Millionenzahlen von Arbeitslosen wurden nicht erreicht; allerdings mußten viel zu viele Arbeitslose abseits stehen. Aber im Verlauf dieses Jahres konnten doch Tausende und aber Tausende sich wieder in den Arbeitsprozeß einschalten. Damit nahm die Produktionsausweitung von Monat zu Monat durchschnittlich um drei bis vier Prozent zu; die monatliche Ausfuhr hat sich seit der Jahreswende mehr als verdoppelt, wodurch sich zugleich der Wert der Mark gegenüber den ausländischen Währungen festigte. Schon heute wird der gesamte deutsche Importbedarf nur noch zu etwa Vs aus der Marshallplanhilfe, die uns so viel genützt hat, gedeckt, der übrige Teil aus Ausfuhrerlösen. Jedoch darf nicht übersehen werden, daß unsere Exporterfolge bisher zu einem großen Teil auf die Einhaltung verhältnismäßig kurzer Lieferfristen zurückzuführen waren.

Störung von außen Diese günstige organische Entwicklung der deutschen Wirtschaft, die von Ausländern oft bereitwilliger anerkannt wird als von uns Deutschen selber, hat durch den Korea-Konflikt, den niemand voraussehen konnte, eine nicht unerhebliche Störung erfahren. Die Vorgänge in Ostasien haben in der ganzen westlichen Welt eine Rüstungswelle ausgelöst, die sehr viel Geld verschlingt und die Preise

auf den Weltrohstoffmärkten nach oben getrieben hat. Die Vereinigten Staaten, die auch noch die Aufrüstung in Europa, besonders in Frankreich, zum erheblichen Teil finanzieren müssen, zogen aus der Lage insofern die Folgerungen, als sie die Steuern erhöhten und stärkere staatliche Eingriffe in die Wirtschaft entweder schon vornahmen oder für besondere Fälle in Aussicht stellten.

Wie alle Länder, so ist auch Deutschland von der Erhöhung der Rohstoffpreise naturgemäß in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Einkauf wurde entsprechend teurer, was sich auf den innerdeutschen Markt auswirkt und uns andererseits wieder zwingt, noch mehr als bisher auszuführen, um weiter die notwendige Menge Rohstoffe erwerben zu können. Da auch wir von der durch den Koreakrieg ausgelösten internationalen Konjunktur begünstigt worden sind, mußten unsere Lieferfristen ebenfalls verlängert werden, so daß wir in Zukunft vor allem in den Preisen und in der Qualität einen Vorsprung halten müssen. Wir befinden uns nicht mehr in einer von der übrigen Welt isolierten Wirtschaft, sondern in einem durch die Liberalisierung geförderten Zustand, der von allen internationalen Wellenbewegungen berührt und beeinflußt wird. Unter voller Würdigung dieser Lage wird deutlich, welche Rolle die Lohn- und Sozialpolitik sowohl im Inland (als Kaufkraft) wie auch in der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft mit dem Ausland (als Unkosten-Faktor) spielt. Hier muß ein vernünftiger Ausgleich gefunden werden, damit nicht für ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht vertan wird.

Sicherheit verlangt Opfer Wie die Vereinigten Staaten und die anderen Länder müssen auch wir unseren Beitrag für die Erhöhung unserer Sicherheit leisten. Er kostet Geld und verlangt bei der gegebenen internationalen Rohstofflage haushälterisches Wirtschaften. Es wird dabei wie in Amerika kaum ohne regulierende staatliche Eingriffe abgehen, die um so nachhaltiger sein werden, je weniger die Wirtschaft und die Verbraucher sich eine Selbstkontrolle auferlegen und sich von der spekulativen Ausnützung gewisser Mangelerscheinungen fernhalten. Aber die derzeitigen Verhältnisse und die voraussichtliche weitere Entwicklung, die sich nicht genau übersehen läßt, dazu benützen zu wollen nach einer Plan- und Zwangswirtschaft zu rufen, ist im Interesse der gesamten Wirtschaft und der Versorgung der Bevölkerung nicht angebracht. Denn auch hier spielen materielle und psychologische Einwirkungen (Hamsterkäufe usw.) mit, die die Lage nur noch erschweren. Falls gewisse staatliche Eingriffe und Lenkungsmaßnahmen notwendig werden sollten — Wirtschaftsminister Dr. Erhard hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß er gegebenenfalls dazu entschlossen sei —, dann bedeuten diese noch keineswegs eine Sprengung der Marktwirtsqhaft. Die notwendige Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln muß sichergestellt und eine Schrumpfung unserer gesamten Wirtschaft verhindert werden, damit die Ausfuhr wächst und andererseits der deutsche Verbraucher seine berechtigten Wünsche nach freier Wahl in einer gesunden Wettbewerbswirtschaft erfüllen kann.

Der richtigen Steuerung der deutschen Notenbank- und Kreditpolitik fällt hierbei eine Hauptaufgabe zu. Die Notenbank darf In keiner Weise mißbraucht werden, auch wenn hier und da wieder Propheten auftreten und Pläne vorschlagen, die eigentlich nur harmlose Gemüter beeindrucken sollten. Das deutsche Volk hat in einer Generation auf dem Währungsgebiet zweimal solche Enttäuschungen erlebt, daß sie heute noch lange nicht überwunden sind. Schon den kleinsten Anffängen, die zum Abgrund führen können, muß Widerstand geleistet werden.

Gerechte Verteilung

Daß die neuen finanziellen Opfer, vor denen wir stehen, richtig verteilt werden, ist die erste Forderung, um deren Erfüllung sich alle in sachlicher Weise ohne parteipolitische Voreingenommenheit bemühen sollten. Jedenfalls geht es nicht an, ein Stückwerk zu improvisieren und dabei Maßnahmen (wie einige Steuer-Vergünstigungen) aufzuheben, die man erst vor kurzem mit so großen Worten angekündigt und erfolgreich begonnen hat. Eine gerechte Verteilung der neuen Lasten auf die tragfähigen Schultern sowie eine eiserne Sparsamkeit des Staates und der öffentlichen Verwaltung werden wesentlich dazu beitragen, das Volk noch mehr als bisher gegen Schlagworte unempfindlich zu machen.

„miritsja“

zz. In unserer Spitzenglosse vom Montag, in der wir uns mit den vier Forderungen der Prager Konferenz befaßten, wurde auch die Frage gestellt, ob Rußland gewillt sei, seinem Einspruch gegen eine „Remilitarisierung“ Deutschlands Nachdruck zu verleihen. In einigen Meldungen hatte es geheißen, der Ostblock werde eine Remilitarisierung des Bundes „picht dulden“. Dahingegen war von dem französischen Außenminister nachträglich darauf hingewiesen worden, die Sowjetunion habe in ihrer Protestnote an keiner Stelle erklärt, sie werde eine derartige Maßnahme der Westmächte „nicht dulden“. Es sei lediglich vo'n einer „Nichtzulassung der Aufstellung einer westdeutschen Armee“ die Rede.

Der Widerspruch in den verschiedenen Meldungen scheint sich jetzt aufzuklären. In der Protestnote steht hinter der Wendung „die Sowjetunion werde die Aufstellung einer Armee nicht...“ das russische Wort „miritsja“. Dieses Wort macht selbst den besten Dolmetschern Kopfzerbrechen. Die Uebersetzung des sowjetischen „Monitors“ in London hatte es mit „nicht dulden“ wiedergegeben. Die amerikanischen und vermutlich auch die französischen Dolmetscher fanden jedoch in ihrem Lexikon für „miritsja“ die Uebersetzung „seinen Frieden mit etwas machen, etwas ertragen, sich abfinden mit etwas, sich mit etwas befreunden, dulden.“

Es heißt immer: „Deutsche Sprack, schwere Sprack“. Die russische Sprache scheint noch schwerer zu sein, zumal wenn sie von Diplomaten gehandhabt wird. Man ist jetzt immer noch nicht klüger als zuvor. Man kann sich je nach Belieben dafür entscheiden, ob mit dem Wörtchen „miritsja“ „nicht dulden“, oder sich nicht damit „befreunden“ bedeutet, was immerhin ein erheblicher Unterschied ist.

Da Wyschinski neuerdings bei den Verhandlungen der Vereinten Nationen bestrebt ist, einen milden Ton zu finden, da Malik erklärt hat, die Sowjetunion werde nicht zuerst die Atombombe verwenden und da von russischer Seite außerdem ständig angedeutet wird, man sei einem Ost-West-Gespräch nicht abgeneigt, darf man annehmen, auch in der Protestnote solle die mildere Bedeutung des Wörtchens „miritsja“ gelten. Vermutlich sind die Russen zur Zeit in Ostasien genügend beansprucht, um in Westeuropa nichts anderes zu wollen als einen Vorwand, der es ihnen ermöglicht, aus der Volkspolizei der Sowjetzone eine reguläre Armee zu machen.

Der Bonner Bestechungsskandal [III] Alchayer, Brunnenuvergifter, Nednkteure Profile, wie ich sie sah

Fischbacher

Dr. Jakob Fischbacher, ein bekannter Funktionär der Bayernpartei, aber nicht Bundestagsabgeordneter, rundlich, untersetzt, etwas borstig, dessen rhetorische und dialektische Leistungen in bayerischen Volksversammlungen nach dem Kriege einigen Widerhall fanden. Dieser Ur- und Über-Bayer (Donhauser: „Radikalinski der Bayernpartei“) griff jenes Wort wieder auf, daß Heirat zwischen Bayern und Preußen Blutschande sei, und daß Bayern schon Kultur besaß, als sich auf dem Boden des jetzigen Berlin die Wildsäue noch ihre Hintern an den märkischen Fähren rieben. Das Sprichwort sagt: „Böse Menschen haben keine Lieder“. Er hat keine. Man möchte nicht mit ihm an der Bierbank sitzen.

Schmidt

Abg. Wilh. Schmidt (Wirtschaft!. Aufbau-Vereinigung), Beruf Landwirt, aus Rudelstetten im Ries, ein verhutzeltes, mickriges Männlein, ein Bäuerlein mit strammem bayerischem Idiom, eine Figur absoluter Komik. Seine Rede ist quasi die vierte Dimension. Wo sind die Karikaturisten, die ihn aufsnießen? Der nun ist Mdß — Mitglied des Bundestages oder Mann der Bauernschläue? Gewählt über des Herrn Loritz’ Ergänzungsliste. Wenn man ihn sieht: das Lachen ist einem so nahe wie das Weinen. Wenn Dummheit, Einfalt und Impertinenz eine Prämiierung erführen, dieses Enfant terrible würde einen Preis bekommen Wenn Politikaster und politische Brunnenvergifter gegen Eintrittsgeld zur Besichtigung freigegeben würden — hier wäre ein vorzügliches Ausstellungsobjekt. Dieser Abgeordnete mit den zahlreichen Ehrenämtern (Bundestags- und Kreistagsabgeordneter, stellvertretender Landesvorsitzender der WAV, Landesleiter des Bauernbundes) hat erklärt, vermutlich nicht ohne spekulative Absichten, er besitze eine Namensliste von Bundestagsabgeordneten, die sich hätten bestechen lassen. Der Ausschuß nahm ihn intensiv in die Zange. Jetzt endlich fiel er um: er besitze gar keine Liste, er habe das Ganze „nur als harmlosen Spaß in die Welt gesetzt. Ich habe damals nicht gewußt, daß es mal einen Untersuchungsausschuß geben wird“. Abgeordneter Dr. Seufert (Sozialdemokratische Partei): „Dann haben Sie das also, wie man bei uns in Bayern sagt, aus purer Dummheit gesprochen?“ „Ja“, sagt dieses Bäuerlein aus dem Ries, „aus purer Dummheit“. Abgeordneter Dr. Reismann (Zentrum), Ausschuß-Vorsitzender: „Machen Sie immer so blutigen Spaß mit so ernsten Dingen?“ Er kann es nicht bestreiten. Abgeordneter Dr. Schröder ( Christlich-Demokratische Union): „Wollen Sie wenigstens hier vor der Oeffentlichkeit zu dem ungeheuerlichen Vorwurf Ihr Bedauern aussprechen?“ „Ich bedauere es!“ sagt er ins Mikrophon. Es ist ein peinlicher, penetranter Typ, dessen Tage als Volksvertreter im Bundestag, wenn nicht alles täuscht, gezählt sein dürften. Bei den Armen im Geiste soll man Nachsicht üben. Aber diese Armut grenzt an politische Perfidie, selbst wenn man ihm zugute hält, daß er aus einer hinterwäldlerischen Welt kommt.

Molkhyolz

Abgeordneter Ludwig Volkholz (Bayernpartei), Jahrgang 1919, aus Watzlsteg-Grafenwiesen, im Wahlkreis Deggendorf gewählt, Revierförster mit frischem, rotem Gesicht. „Man kann ruhig darüber sprechen, meine Herren, alle Abgeordneten müssen im Wahlkampf sehen, wo sie Geld heranschaffen“ und „ich habe für Bonn gestimmt, weil die Sozialdemokratische Partei für Frankfurt war, und ich hasse diese Kreise“. Er bestreitet, Geld für seine Abstimmung bekommen zu haben.

Parzinger

Abgeordneter Sepp Parzinger (Bayernpartei), Jahrgang 1911, aus Altenmarkt an der Alz (Chiemgau), Obergefreiter a. D., Gebirgsjäger, als MG-Schütze in Kaukasus zum Ritterkreuz vorgeschlagen am Schluß seiner Vernehmung: „Idi möchte eine persönliche Erklärung abgeben. Ich schäme mich, daß es im westdeutschen Bundestag möglich sein soll, überhaupt von Korruption zu reden. Sollte sich herausstellen, daß der Bundestag korrupt ist, so bin ich der erste, der sein Mandat niederlegt. Ich danke Ihnen.“ Tritt ab und geht und schämt sich.

Die Redakteure

Rudolf Augstein, der Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Spiegel“, ist 27, sein Leiter des Münchener Büros Werner Volkmann, 29 Jahre alt. Das Alter, genau: die Jugend der beiden, geniert einen Teil der Abgeordneten, offensichtlich und hörbar. Ihre Jugend ist nicht das Entzücken des Ausschusses. Es ist schimpflich, nicht wahr, daß solche Benjamine auf die Menschheit losgelassen worden sind (Abgeordneter Mensing [Freie Demokratische Partei], Fleischermeister, auf den Bänken des Zuhörerraumes? „So was wäre im Dritten Reich aufgehängt worden!“). Volkmar, der zuerst Vernommene („Ich bin der Schreiber des Artikels im .Spiegel’ “) veranlaßt das Heer der Kollegen auf den Pressebänken zu heimlichem Applaus, denn er hält zwischendurch ein hübsches Kolleg über Journalismus. Augstein, der keine Namen nennen will („Redaktionsgeheimnis“), obwohl der Ausschuß in ihn dringt und das Tribunal ihm mit Zwangsmaßnahmen droht, überzeugt beim Ausschuß weniger. Eindeutig bleibt dies. Des Jourhalisten Wege sind mit Hühneraugen gepflastert, und kaum einer von ihnen wird ungeschoren’ in den Himmel kommen. Aber werden alle Abgeordneten in den Himmel kommen? *

Vormarsch ohne Widerstand

Der Feldzug in Korea geht seinem Ende entgegen

Söul, 24. Oktober. (AP.) In Eilmärschen nähern sich die südkoreanischen Truppen an allen Frontabschnitten der mandschurischen Grenze. An der Nordfront stehen sie nur noch 50 Kilometer, im Osten 95 Kilometer und an der Westküste 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Die Reste des nordkoreanischen Heeres befinden sich in voller Auflösung.

Der Korea-Feldzug geht mit der völligen Zerschlagung der kommunistischen Angriffsarmee seinem Ende entgegen. Insgesamt verlor der Gegner nach einer amtlichen Schätzung des Hauptquartiers Mac Arthurs bisher über 323 000 Mann an Toten, Verwundeten, Verbüßten und Gefangenen. Die Reste der kommunistischen Armee sind nach Berichten amerikanischer Nachrichtenoffiziere auf 25 000 Mann zusammengeschrumpft. Motorisierte Vorausabteilungen der südkoreanischen Divisionen stoßen in schnellem Vormarsch auf den Yalu-Fluß zu. Der Chongchong ist als letztes neuerliches Hindernis vor Sinuiju, der neuen kommunistischen „Hauptstadt“, in breiter Front überschritten worden. Im mittleren nordkoreanischen Raum wurden die Ortschaften Tokchon und Pukchang besetzt und feindliche Widerstandsnester in diesem Gebiet vernichtet. Hinter den vordringenden Truppen lebt teilweise die Partisanentätigkeit wieder auf. Kommunistische Freischärler drangen in Iri an der Ostküste ein und ermordeten eine große Anzahl koreanischer Zivilisten.

,Wiederbewaffnung erfordert Wahlen'

Schumacher zur Frage der deutschen Wiederaufrüstung

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 24. Oktober. Nie ist in Bonn die Kluft zwischen Regierung und Opposition größer gewesen als in diesem Augenblick, da Bundeskanzler Adenauer für sich persönlich bereits die grundsätzliche Zustimmung zu einer Beteiligung Deutschlands an einer militärischen Verteidigung ausgedrückt hat und Regierungsmitglieder schon von der Deckung der Kosten sprechen, die der deutsche Sicherheitsbeitrag verursachen wird. Jetzt erklärt die Sozialdemokratie die Voraussetzungen, unter denen sie für eine deutsche Beteiligung eintreten könnte, als nicht erfüllt.

Da Dr. Schumacher ausdrücklich betonte, daß nach den' alliierten Ankündigungen auch in nächster Zeit mit einer Erfüllung der von der Sozialdemokratie geforderten Voraussetzungen nicht gerechnet werden könne, steht jetzt endgültig fest, daß die Sozialdemokraten im Bundestag eine Aufforderung der Westalliierten zur Stellung deutscher Truppenkontingente ablehnen werden. Während also die Sozialdemokratische Partei sowohl die Bundesregierung als auch die Westalliierten darauf festlegen will, daß der deutsche Anteil an der Verteidigung nur mit Zustimmung der Opposition zustande kommen kann, betont sie weiter, daß der jetzige Bundestag auf keinen Fall legitimiert sei, über die deutsche Beteiligung zu entscheiden.

Da die Sozialdemokratie ferner betont, daß gegenwärtig die Voraussetzungen für die Bewaffnung Deutschlands von den Weställiierten nicht erfüllt sind, würde die Sozialdemokratie einen solchen Wahlkampf gegen die Remilitarisierung führen.

Es kann aber nicht übersehen werden, daß der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei für eine spätere Zeit, auch wenn die Neuwahlen eine Volksentscheidung gegen die Remilitarisierung bedeuten würden, die Zustimmung der Sozialdemokratie zu einer Wiederbewaffnung in Aussicht gestellt hat. Die Voraussetzung, die die Sozialdemokratie erfüllt sehen will, „ist die unlösliche Verknüpfung des angelsächsischen militärischen und nationalen Schicksals mit dem deutschen Schicksal“.

Stimmen der Anderen

Die Volkspolizeinote

Zur Moskauer Antwortnote auf den Protest der Westmächte gegen die militärische Ausbildung der sowjetzonalen Volkspolizei schreibt die Basler „Nationalzeitung“:

„Der Kreml benutzt die im Zuge der Remilitarisierungsdebatte ausgebrochene kleine Regierungskrise in Bonn, um mit einem heftigen Hieb gegen die angebliche Aufrüstung Westdeutschlands in erster Linie die darüber entstandene Unruhe in Deutschland selbst zu schüren und zudem die Note der Westmächte über den paramilitärischen Charakter der ostdeutschen Volkspolizei zu entkräften. Beides gelingt der Sowjetunion in den Augen einer Oeffentlichkeit, die noch in der Lage ist, objektiv zu urteilen, schlecht. Denn in der den Botschaften der Westmächte in Moskau überreichten Note wird äußerst plump Behauptung gegen Behauptung gesetzt. Solch primitive diplomatische Kontrapunktik kann nur noch dort verfangen, wo das sowjetische System einer streng dirigierten Einheitsmeinung dominierend geworden ist.“

Schlechte Gesetzgebung

Die liberale „News Chronicle" erklärt, daß das neue amerikanische Staatssicherheitsgesetz „verheerende“ Auswirkungen gezeitigt habe, die nicht nur den Amerikanern, sondern auch anderen Völkern eine heilsame Lehre sein müßten. Das amerikanische Volk bemühe sich genau so wie das britische, die Freiheit und die Herrschaft des Gesetzes zu schützen, habe sich aber mit dem neuen Gesetz nur selbst geschadet.

„Das über das Veto des Präsidenten verabschiedete Gesetz sollte die Vereinigten Staaten vor Faschismus und Kommunismus bewahren. Bisher ist damit nur erreicht worden, daß die legale Einreise in die Vereinigten Staaten verhindert wurde. In Wirklichkeit ist die neue Maßnahme ein hervorragendes Beispiel schlechter Gesetzgebung. Man kann zwar ein schlechtes Gesetz verabschieden. Es ist aber eine andere Frage, wie man es anwendet.“

Aumer wurde vernommen

München, 24. Oktober. (AP.) Ein vierköpfiger Unterausschuß des Bonner Untersuchungs-Ausschuß für die Hauptstadtwahl hat am Dienstag in einer Münchener Privatklinik kommissarisch den fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Aumer (ehemals Bayernpartei) vernommen. Er gab zu, von dem Erdölindustriellen Telle von Dezember 1949 bis April 1950 insgesamt 21 500 D-Mark „zur Unterstützung des gemäßigten Flügels der Bayernpartei“ erhalten zu haben. 16 500 D-Mark seien für zwei „im öffentlichen Leben stehende Personen“, und 2550 D-Mark für Reisen nach Paris und Rom verwandt worden, die er, Aumer, im Auftrag Donhausers unternommen habe. Aumer bestritt erneut, jemals Geld für eine „Benzinrede“ erhalten zu haben.

Protest der Autobesttzer

Stuttgart, 24. Oktober, (dpa) Die im Schutzverband deutscher Automobilbesitzer vereinigten Kraftfahrzeugbesitzer wollen in einen Käufer- und Verkehrsstreik treten, wenn die vom Bundeskabinett beschlossene Treibstoffsteuer und Autobahnbenutzungsgebühr eingeführt wird.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte, beim Woltgang-Krflger-Verlag. Hamburg

46) Man hatte jedoch Paris kaum hinter eich gelassen, als schon die ersten Wolken drohender Unstimmigkeiten sich zueammenballten. Die Herzogin weigerte sich, die Fahrt mit dem Zug fortzusetzen, da sie behauptete, dieses Gerüttel verursache ihr Uebelkeit und daß sie eine Leiche sein würde, bevor sie ihr Ziel erreicht hätten. Die Tatsache, daß der Herzog sich dagegen verwahrte, den Reiseplan umzuwerfen, genügte, um einen ihrer schlimmsten hysterischen Migräneanfälle hervorzurufen. Es blieb ihnen also nichts anderes übrig, als zwei Nächte und einen Tag in einem Hotel Station zu machen, Alles war überfüllt, und die Kinder wurden quengelig. Um ihnen diesen lästigen Aufenthalt etwas kurzweiliger zu gestalten, machte der Herzog mit ihnen und Henriette einen Ausflug aufs Land, und das Unglück, wollte es, daß eine gebrochene Wagenachse sie daran hinderte, vor dem Abendessen zurück zu sein, Dieser Zwischenfall goß Oel auf das schwelende Feuer sich ewig gekränkt fühlender Frauenwürde, und bis tief in die Nacht hallte das Appartement der Praslins wider von dem Streit, der dort tobte.

Am nächsten Morgen, als Henriette und die Kinder sich zum Frühstück versammelten, trat unerwartet der Herzog im Reiseanzug zu ihnen. Er sah abgespannt und verbittert aus und verhielt

sich während der ganzen Mahlzeit ungewöhnlich schweigsam. Als der sehr mittelmäßige Kaffee und die Brötchen verzehrt waren, fragte Henriette ihn, welche Anordnungen er für den Tag getroffen habe und ob die Herzogin sich schon wohl genug befände, um die Reise fortzusetzen. „Meine Frau wird uns nicht begleiten“, erwiderte er. „Sie besteht darauf, hierzubleiben, bis sie sich völlig wiederhergestellt fühlt; wir müssen also ohne sie fahren. Es ist schon genug Zeit nutzlos verwartet worden.“ Er kniff die Augen zusammen, während er sprach. „Das Schiff liegt schon seit Tagen bereit, und ich sehe nicht ein, warum wir anderen uns die Ferien verderben lassen sollen.“

Henriette fragte nicht weiter, und die Reise wurde teils mit dem Zug, teils mit der Postkutsche fortgesetzt. Die Stimmung der kleinen Gesellschaft hatte sich merklich gebessert. Außer den beiden Dienstboten schien niemand die Herzogin und ihre Jungfer zu vermissen, und als sie Marseille erreichten, hatte auch der Herzog seine gute Laune wiedergefunden. Sie gingen schon am selben Abend an Bord, obgleich der Kapitän erklärte, daß er wegen der schwierigen Hafenausfahrt erst am Morgen die Anker lichten könne.

„Was meinen Sie dazu, mit Isabella und Louise an Land zu gehen, Mademoiselle Deluzy?“ schlug der Herzog vor, sobald die Jüngeren in ihre Kabinen gegangen waren. „Wir können uns das Konzert am Kai anhören und hinterher noch einen Pfefferminzlikör trinken.“

Es war herrlich, so im Dunkeln in der Abendkühle die Esplanade am Hafen entlangzuschlendern und das Licht der Schiffslaternen sich in dem schwarzen Wasser spiegeln zu sehen. Das dichte Häusergewirr der Stadt wurde von erleuchteten Straßen und unzähligen hellen Fenstern unterbrochen; und Lichter bezeichneten die Kurven des Kais, die sich in der Ferne zu einem ungewissen Flimmern verloren wie eine Perlenschnur auf einem unsichtbaren Hals. Und dort ganz hinten blitzte das wachsame Auge eines Leuchtturmes.

„Wie wunderschön!“ Henriette seufzte zufrieden, als sie einen Augenblick Stillständen, um sich über die steinerne Brüstung zu lehnen. „Und am Tage sieht doch hier alles so plump und häßlich aus!“

„Ja, Küstenstädte sind am schönsten bei Nacht“, bestätigte der Herzog. „In dieser Hinsicht gleichen sie manchen Frauen: künstliches Licht und Schmuck und ein gewisses Undeutlichwerden ihrer Züge verwandeln sie zu ihrem Vorteil.“ Sie erwiderte nichts darauf, und sie schritten auf den kleinen Pavillon im Park zu, wo ein Orchester spielte und die Tische im Freien unter den Bäumen gedeckt waren. Er mußte sehr viel von den Frauen wissen, dachte sie. Ein Mann wie er — von vornehmer Geburt, wohlhabend und gut aussehend —, warum sollte er auch nicht ein Frauenkenner sein? Und doch ließ er ihr dies nur selten zu Bewußtsein kommen. Bei all seiner männlichen Selbstsicherheit und Lebenslust und trotz der Leidenschaft. die sie über die ihr so vertrauten Züge hatte zucken sehen, wußte sie, daß er von Natur aus anständig war und sogar zurückhaltend, was die Versuchung des Fleisches anbelangte. Die Herzogin mußte wohl gerade diese Zurückhaltung verletzt haben. Das war wahrscheinlich auch der eigentliche Grund für die immer breiter werdende Kluft zwischen ihnen.

Die Kapelle spielte soeben ein Wiener Lied; die Musik hätte einen süßen, wehmütigen Unterton, der sie fast die Heiterkeit der Melodie übertönen ließ. Sie fühlte ein Schluchzen in der Kehle, wie sie da neben ihm ging, die beiden Mädchen hinter ihnen. S<e suchten sich einen Weg zwischen den Tischen, die fast alle besetzt waren. Der Kellner wollte sie zu einem freien Tisch führen, der etwas abseits stand, der Herzog jedoch schüttelte den Kopf. Mit einer Geste, die herrisch war, ohne auffällig zu sein, rief er den Besitzer des Cafes herbei und bat ihn, ihnen einen besseren Platz anzuweisen. Wie durch Zauberkraft war sogleich auch ein Tisch zur Hand, der nun sofort den besten Platz erhielt. Aus alter Gewohnheit machte sie eine Bewegung, als ob sie sich mit dem Rücken zum Hafen setzen wollte, aber der Herzog bot ihr stattdessen den Stuhl mit dem günstigsten Blick an. Sie nahm ihn mit einem Gefühl fast wie von Schuldbewußtsein an. Erzieherinnen hatten im allgemeinen kein Anrecht auf schöne Aussichten.

Ja, das war es, das war es wohl, was sich anders als sonst fühlen ließ in dieser unbekannten Stadt: sie fühlte sich an diesem Abend ganz und gar nicht als Gouvernante.

„Oui, oui, erdme de menthe frappe pour les jeunes filles. Einen Brandy für Monsieur, und für Madame?“ Ihre Wangen glühten, als sie sich über die Getränkekarte beugte.

„Ein Glas Champagner?“ schlug der Herzog vor, und sie nickte. Es war Torheit, sich auch nur einen Augenblick lang dem Glauben an das Unmögliche hinzugeben, nur weil einem Kellner ein harmloser Irrtum unterlaufen war. Und doch hätte sie ihn dafür segnen mögen! Was konnte es schaden, sich eine einzige Stunde lang in der Sicherheit des Wortes „Ladame“ zu wiegen und zu vergessen, daß man nur „Mademoiselle“ war und schon zu den alten Jungfern gerechnet wurde. Der kühl prickelnde Champagner floß köstlich durch ihre Kehle und pulste in ihren Adern, sich mit jenem anderen Prickeln vermengend, das ihrem Glück und ihrem Stolz entsprang und ebenso vergänglich war.

„Garcon“, rief der Herzog den herbeieilenden Kellner, „die Rechnung bitte!“ Sie beobachtete ihn, während er eine Handvoll Silber- nud Kupfermünzen aus der Tasche zog und die Summe nebst einem großzügig bemessenen Trinkge’d auf die Porzellanuntertasse legte; und wieder bezauberte sie von neuem das Selbstverständliche dieser Geste. Schnell raffte sie ihren Schal um ihre Schultern. Besser, der Abend ging schnell vorüber, bevor es ihr zu schwer fallen würde, sich mit ihrem Los der unbemittelten alleinstehenden Frau abzufinden.

Die Musik aus dem Pavillon folgte ihnen auf ihrem Weg zurück zum Pier, aber sie seinen ihre Macht über sie verloren zu haben. Ihre Schritte paßten sich nicht länger dem fröhlichen Takt an. Schweigen befiel die vier, und Henriette verspürte jedenfalls auch gar keine Lust zu einer Unterhaltung.

_ „So, da wären wir." Der Herzog führte sie zu der wartenden Jolle, die sie auf ihr Schiff bringen sollte. (Fortsetzung folgt.)

Das furchtbarste Erbe des Krieges

Die hessische Landesregierung zum „Tag der deutschen Kriegsgefangenen“

Wiesbaden, 24. Oktober. Zum Tag der deutschen Kriegsgefangenen am 26. Ok¬ tober richtet die hessische Landesregie¬ rung folgenden Aufruf an die Bevölkerung: „Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen ist eines der dunkelsten Kapitel aus dem Erbe eines verbrecherisch „^?nnenen unt^ Grausamkeiten gesättigten Krieges.

Als im Mai 1950 die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS über Radio Moskau bekanntgab, daß die Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen abgeschlossen sei, befiel Hunderttausende deutscher Familien lähmendes Entsetzen. Dieser Akt brutalster Willkür der Machthaber im Kreml zerstörte mit einem Schlag die Hoffnung unzähliger Mütter, Frauen, Kinder auf die Heimkehr ihrer Ernährer; eine Hoffnung, die sie befähigte, Not und Entbehrungen der Nachkriegsjahre zu ertragen. t

Die Regierung der Sowjetunion und ihre ostzonalen Handlanger zeigen keinerlei Verständnis für die berechtigten Wünsche des deutschen Volkes. Die im März dieses Jahres durchgeführte Erhebung ergab rund 80 000 namentlich bekannte deutsche Kriegsgefangene, die noch in der Sowjetunion festgehalten werden.Das Schicksal von 1,4 Millionen weiteren ehemaligen deutschen Soldaten ist ungeklärt. Seit einem Jahr gelangte von ihnen keine Nachricht mehr an ihre Angehörigen. Niemand kann sagen, wie viele von diesen Unglücklichen heute noch in Schweigelagern und in den Eisfeldern Sibiriens festgehalten werden und wie viele schon der Grau¬ samkeit des sowjetischen Regimes zum Opfer fielen. Vorsichtige Schätzungen, denen Feststellungen in Auffanglagern und Ermittlungen der Suchdienste zugrunde liegen, berichten von 300000 noch am Leben befindlichen deutschen Kriegsgefangenen.

Ein offizieller diplomatischer Schritt der Westmächte führte zu keinem Ergebnis. Die Sowjetunion beharrt bei ihrer Behauptung, daß bis auf 13 645 verurteilte Untersuchungsgefangene und Kranke die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen abgeschlossen sei. Wir können diese Ungeheuerlichkeit nicht schweigend hinnehmen. Feierlich legen wir Verwahrung ein gegen die Willkür und Rechtlosigkeit, denen unsere in Rußland festgehaitenen unglücklichen Brüder und Schwestern ausgesetzt sind. Wir fordern, daß die Grundregeln des Völkerrechts überall und unterschiedslos beachtet werden. Unsere Kriegsgefangenen, die zum weitaus größten Teil in die russischen Steppen getrieben wurden, dürfen nicht länger die menschenunwürdige Zwangsarbeit unter furchtbaren Verhältnissen verrichten. Wir werden nicht müde werden, an das Gewissen der freien Welt zu appellieren, bis der letzte unserer zu Unrecht festgehaltenen Kriegsgefangenen in die Heimat zurückgekehrt ist.

Wiesbaden, den 25. Oktober 1950. Die hessische Landesregierung Stock. Dr. Hilpert, Zinnkann, Dr. Stein, Wagner.

Kampfabstimmung zu erwarten

Hessens Sozialisierungsgesetz heute vor dem Landtag

Wiesbaden. 24. Oktober. (Eigener Bericht.) Das umstrittene Sozialisaerungsgesetz wird ohne Zweifel im Mittelpunkt der Mittwoch-Plenarsitzung, der vorletzten dieses Landtages stehen.

Die ablehnende Stellung der Freien Demokraten gegenüber dem Sozialisierungsgesetz war bereits seit langem bekannt. Nunmehr gesellt sich auch die Christlich-Demokratische Union dazu, die in ihnen Dienstag-Fraktionsbesprechungen mit Mehrheit beschloß, das Sozialisierungsgesetz in seiner derzeitigen Fassung abzulehnen. In der Mittwoch-Plenarsitzung wird es deshalb über diesen Punkt der Tagesordnung zu einer Kampfabstimmung kommen. Sozialdemokraten und Kommunisten werden für — Christlich-Demokratische Union und Freie Demokraten gegen das Gesetz stimmen. Da in diesem Landtag die beiden Linksparteien rechnerisch noch über eine Mehrheit von sechs Stimmen verfügen, steht zu erwarten, daß der Gesetzentwurf — wenn auch mit knapper Mehrheit — angenommen wird.

Unter den vier zur ersten Lesung anstehenden Gesetzentwürfen ist der über die Angleichung der Beamtengehälter an die derzeitigen Vergütungen der Angestellten von besonderem Interesse. Der Gesetzentwurf, der einem Initiativantrag der vier im hessischen Landtag vertretenen Parteien entspringt, sieht vor, daß hessische Beamte mit einem monatlichen Grundgehalt von 350 DM eine widerrufliche, nicht ruhegehaltsfähige Gehaltszulage von monatlich 20 DM erhalten. Beamte mit einem Grundgehalt zwischen 350 und 369 DM sollen eine Zulage erhalten in der Höhe, daß Grundgehalt und Zulage zusammen 370 DM ergeben. Für die Fürsorge- und Rentenempfänger sind die beiden sozialdemokratischen Dringlichkeitsanträge über eine Beihilfe zur Beschaffung von Winterbrand und Einkellerungskartoffeln sowie über die Anpassung der Fürsorgerichtsätze an die gesteigerten Lebenshaltungskosten von ganz besonderer Bedeutung.

Der Aeltestenrat des hessischen Landtages setzte die letzte Plenarsitzung dieses Landtages auf den 8. November fest.

Stimmen der Leser

Ohne Verantwortung der Redaktion

Die Versorgung der ehemaligen Berufsoffiziere

Mein lieber...! Unser kürzliches Gespräch über die Versorgung der Berufssoldaten lassen Sie mich im folgenden zusammenfassen, wobei ich mir bewußt bin, daß sich vom sicheren Port gut raten läßt. Den guten Willen, die Verzweiflungsstimmung zu verstehen, erkannten Sie bei mir an.

Wir waren uns klar, daß Worte wie „Freiwild der Nation“, die in Fulda auf einer Versammlung fielen, aufhorchen lassen. Es waren die gleichen Worte, welche einst die Nazis bei ihrer Propaganda verwandten. Wir bedauerten gemeinsam, daß Geltungsbedürftige das Wort führen; die in Karl-May-Vorstellungen befangen sind und leider das Leben des Gesamtvolkes nicht kennen.

Wir waren uns weiterhin klar, daß uns unsere Ehre niemand abkaufen kann Wir haben unsere Pflicht erfüllt, wir haben uns persönlich ferngehalten von Hitler, und wir können deshalb niemanden das Recht zusprechen, uns zu entehren. Wir wissen uns verantwortlich für all unser Tun und Lassen vor Gott und so sehr wir seiner Gnade bedürftig sind, sind wir auch ihrer gewiß. Es ist an der Zeit, daß die Abstinenten, das heißt, die dem Nazismus Ferngebhebenen, endlich gebührend zu Wort kommen. Der Nazismus, seine ebenso kindliche wie peinliche Ueberschätzung der Uniform ist allen echten Soldaten auf die Nerven gegangen. In den meisten Truppenteilen wurde ja auch ganz offen geredet, nur wo Narren oder Spitzel sich zeigten oder vermutet wurden, übte man Vorsicht. Wir hatten die Leute, die aus ihrem Ml¬ - ein l'art pour l‘art machten. Leute, die politisch gewöhnlich völlig Kinder waren, und nur diese verdienen den Namen eigentlicher Militaristen Wir hatten die Verräter, welche Ehre und Gewissen gegen Beförderungen und sogenannte Auszeichnungen an Hitler verkauften, aber das war wohl die geringste Zahl. Die groß Masse aber bestand aus den Abstinenten, welche durch die Verbrechen des schlechten Stalin-Schülers Hitler in peinliche » men immer wieder gestürzt wurden. Davon wußten einige, daß wir den zweiten Weltkrieg rein rechenmäßig militärisch nie gewinnen konnten, andere ahnten es dumpf, aber das Fürchterliche war doch, te nacn Intelligenz und Informationen in den verschiedensten Varianten abgestuft, die klare Erkenntnis, die dunkle Ahnung oder das Gefühl, daß Deutschland diesen Krieg nicht gewinnen durfte, solange es eine Gerechbgkeit des Himmels gibt. Ich mochte die Ka SadenSen zu J fen Qual, die uns m fieberhafte Tätigkeit hineintrieb, um nicht nachdenken zu müssen eine Qual, die auch dann bestand, daß min das Gesicht wahren mußte, wenn man Srtt SelbsÄ bebehen ™llte-Ä X »lr verwandt. S“V'Se?"nser Vaterland mehr die Hohlköpfe, Schwadroneure und Ver-

räter ihres Gewissens. Wir liebten unser Volk und die uns anvertraute Mannschaft. Ganz unsinnig schien uns. als wir in Gefangenschaft erfuhren, wir sollten dafür bestraft werden, daß wir vom Nazismus kuioniert worden waren, von Leuten, die zeigten, daß sie gründlich auf die Goebbeische Propaganda hineingefallen waren, das, deutsche Volk stehe hundertprozentig hinter Hitler. Keiner von uns glaubt, daß mehr als eine dünne Schicht Bolschewiken das russische Volk tyrannisiert, oder daß das russische Volk schuld sei an seinen Tyrannen. Freilich habe ich im Kriege wiederholt ausgesprochen, es könne nach dem Zusammenbruch des Nazismus auch Unschuldigen passieren, daß sie totgeschlagen würden, weil sie mit Nazis verwechselt würden. Und so etwa ist es ia dann Tausenden tatsächlich gegangen, abstrakt gesagt, es büßen oft die Verkehrten. Ich will vielmehr zusammenfasseh: Die große Mehrzahl der deutschen Soldaten, darunter selbstverständlich auch die Berufssoldaten, haben sich ehrenhaft verhalten. (Die als Offiziere verkleideten SS-Männer zähle ich nicht dazu, obwohl auch hierunter sicherlich korrekte Männer gewesen sind.) Die Berufssoldaten haben deshalb einen Anspruch darauf, nach Recht behandelt zu werden, das heißt analog den Reichsbeamten. Freilich wird kein Vernünftiger auf die Idee kommen, die übertriebenen Beförderungen, mit denen der Nazismus die Berufssoldaten zu kaufen versuchte, anzurechnen. Die „ordinäre Tapferkeit“, von der man unter echten Soldaten nicht redet, weil sie sich von selbst versteht, versuchte man nicht nur durch sogenannte Auszeichnungen zu belohnen, sondern man beförderte den „Helden“ auch noch. Auf diese Weise sind viele Tausende in Stellungen und an Aufgaben gekommen, denen sie nie gewachsen waren. Nur so sind manche Generalstabstollheiten des letzten Kriegsjahres zu erklären. Der Nazismus hat es fertiggebracht, die Wehrmacht schließlich zu ersetzen. Jeder ehrliebende Soldat schämte sich und kämpfte mit Verbitterung für Sauberkeit und Ehre.

Wir waren uns einig, daß wir allen ehrenhaften Berufssoldaten helfen müssen, insbesondere auch dadurch, daß wir ihnen nicht nur ein Gnadenbrot sichern, sondern ihr Versorgungsrecht und. soweit sie arbeitsfähig sind, angemessene Arbeit. Die meisten ehemaligen Berufssoldaten wären in der Verwaltung zum Nutzen des Staates durchaus zu verwenden Es wäre mieux qu‘un crime (mehr als ein Verbrechen), nämlich eine betise (eine Dummheit), anders zu handeln, und es bedarf einer Verlautbarung der Regierung, im Versorgungsgesetz oder aus Anlaß des Versorgungsgesetzes, daß die meisten Berufssoldaten in ihrer Ebre unangetastet dastehen. Das schiene uns geeignet, einen großen Teil Verbitterung, die entstanden ist, zu tilgen. Fritz Dreiheiler Darmstadt

Wirtschaftsblatt

Der Schneeball

HKO. In Zeiten schwacher Kaufkraft, großen Bedarfes und starken Wettbewerbes pflegt eine Werbeform aufzutreten, die als Schneeballsystem bezeichnet wird. Eine Versandzentrale verschickt Werbe- bzw. Bestellzettel an Privatpersonen und fordert sie auf, den Preis für diesen Zettel, der meist zwischen 2 und 5 DM zu schwankt, sowie für 4 weitere Zettel einzusenden. Dem Käufer wird zugesichert, daß ihm für jeden verkauften Zettel, der wiederum 4 weitere Bestellungen bewirkt, 25 Prozent des Warenpreises gutgeschrieben wird.

Es leuchtet ein, daß die Aussicht, für ein lächerlich geringes Entgelt eine ordentliche Ware zu erhalten, sehr verlockend ist. Und meist wird der Gesamtvorgang nicht durchdacht. Darauf spekulieren die Schneeballwerfer. Die Schwierigkeit, 4 weitere Abnehmer von Bestellzetteln zu finden, die auch ihrerseits wiederum 4 Abnehmer gewönnen müssen, wächst in verhältnismäßig kurzer Zeit an, nämlich in der Progression 1—4—16—64—256—1024—4096 usw. Die Chance der Personen, die im Anfang einer solchen Serie sich am Schneeball beteiligen, ist ganz günstig, je länger die Serie läuft, desto geringer wird sie. Damit rechnen aber die Versender der Werbezettel. Die Letzten werden ihre Zettel nicht mehr los. Deren Zahl ist dann so groß, daß sie das ganze Geschäft finanzieren.

Das Reichsgericht hat in ständiger Rechtsprechung diesen Vorgang als Ausspielung angesehen, die der behördlichen Genehmigung bedarf. Die Durchführung ohne Genehmigung ist strafbar. Zudem verstößt das Schneeballsystem gegen die guten Sitten und ist unlauter. Die Unlauterkeit der Werbung liegt darin, daß dem Käufer die Möglichkeit vorgespiegelt wird, ohne große Mühe gute Ware für einen Spottpreis zu erwerben, während in Wirklichkeit in der übergroßen Anzahl aller Fälle diese Möglichkeit nicht gegeben ist. Der Schneeball rollt, aber er rollt nur so lange, als ihm durch mangelnde Ueberlegung der Verbraucher der Weg geebnet wird. Die Lawinenmauer der Bestimmungen über die wettbewerbliche Ordnung muß seinen Lauf hemmen. Diese Mauer wird immer fester und es sind auch schon von Verwaltungsbehörden Strafanträge gegen derartige Schneeballfirmen gestellt worden.

Industrie gegen Diskonterhöhung

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat sich bei der Bank deutscher Länder sowie beim Bundeswirtschaftsministerium gegen die derzeitigen Vorbereitungen einer Diskonterhöhung gewandt. Es wird darauf verwiesen, daß die produzierende Wirtschaft durch den Schwebezustand in der Diskontfrage stark beunruhigt ist. Der Schwebezustand bedeutet für die mit großen Auszahlungen belasteten Wirtschaftszweige ein Unsicherheitsmoment erster Ordnung. Weiter liegt darin ein keineswegs erwünschter Spekulationsanlaß. Die anscheinend beabsichtigte Diskonterhöhung steht, wie betont wird, mit den Bemühungen der Industrie um Preisstabilität nicht im Einklang. Die Industrie erwartet, daß der Schwebezustand schnellstens beendet wird, und daß bei den Entscheidungen über den Zinssatz ihre Auffassungen berücksichtigt werden.

In den nächsten Tagen wird der Zentralbankrat erneut zu der Diskontfrage Stellung nehmen. Gegenwärtig beraten auch der Bundeskanzler und die zuständigen Fachminister über diese Frage. Weiter wird der Zentralbankrat im Einvernehmen mit der Regierung neue Richtlinien für die deutsche Delegation bei den am 26. Oktober in Paris stattfindenden Liberalisierungsgesprächen der OEEC-Ratstagung festlegen. Die Liberalisierung von 75 Prozent des Warenhandels wurde auf der vorigen Ratstagung aus Zeitmangel nicht mehr eingehender erörtert.

Ausfuhr geht 7 Prozent zurück

AP. Der Export der Bundesrepublik ist im September mit 699 Millionen DM im Vergleich zum Vormonat um 7 Prozent zurückgegangen. Der Import ist im gleichen Zeitraum um 16 Prozent auf 1006 Millionen DM gestiegen und hat damit einen Höchststand seit der Nachkriegs-Rekordeinfuhr im Dezember 1949 erreicht.

Die Einfuhr von Lebensmitteln und gewerblichen Erzeugnissen war zu gleichen Teilen erhöht. Es wurden besonders Weizen, Zucker, Oelfrüchte und Kakao und an Fertigwaren Textilien, Leder-, Papier-, Uhren und Holzwaren eingeführt. Der Export-Rückgang trifft vor allem die Fertigwaren-Erzeugnisse, während die Ausfuhr von Rohstoffen wie Kalisalze, Wolle und Zellwolle weiterhin hoch blieb.

Morgen private Rentenversicherte vor dem Bundestag

Am 26. Oktober wird der Bundestag über die Besserstellung der im Gegensatz zu den Sozialversicherten voll von der Geldreform betroffenen privaten Rentenversicherten beraten. Der Bundestagsausschuß „Geld und Kredit“ hat den Entwurf eines „Gesetzes über Leistungen aus vor der Währungsreform eingegangenen Renten- und Pensionsversicherungen“ gebilligt. Darin ist eine gestaffelte Umstellung dieser Renten vorgesehen, wobei das Problem der privaten Zwangsversicherten allerdings noch nicht endgültig geregelt ist. Mit der Zustimmung des Bundestages zu dem Gesetzentwurf ist zu rechnen. Seitens des Bundesrates könnten sich noch Schwierigkeiten ergeben; er hat allerdings nur ein aufschiebendes Veto, das mit einer Zweidrittel-Mehrheit des Bundestages überstimmt werden kann.

Grundsteuererlaß für Landwirte

(dpa) Die Zentrumsfraktion des Bundestages hat beantragt, die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe auf Antrag von der Grundsteuer zu befreien. Der entstehende Steuerausfall soll den Gemeinden über den Finanzausgleich oder durch unmittelbare Bundeszuschüsse erstattet werden. Die Fraktion hat außerdem beantragt, den Bau neuer Zuckerfabriken aus Gegenwertmitteln zu fördern.

Ostzonenhandel noch ohne Bezahlung

(vwd) Der Bundesverband der deutschen Industrie weist auf die Gefahr hin, daß die westdeutschen Lieferanten im Interzonenhandel nach dem 31. Dezember 1950 keine Bezahlung mehr für ihre Lieferungen erhalten könnten. Da die Garantie des Bundesfinanzministeriums für Lieferungen in die Sowjetzone am 31. Dezember erlösche, müsse der Debetsaldo der Sowjetzone im Interzonenrechnungsverkehr von gegenwärtig elf Millionen Verrechnungseinheiten bis zu diesem Datum abgedeckt werden.

Börsen und Warenmärkte

Bz. Die Börse war durch einzelne Rückdeckungen leicht beruhigt. Immer noch steht zwar die Entscheidung über die geplante Diskonterhöhung der Länderbank aus. doch glaubt man, daß die ursprünglich befürchtete ganz drastische Zinssteigerung mit Rücksicht auf die gesamte Wirtschaftslage nicht so scharf kommen wird. Erholt waren daraufhin Degussa 77 (plus 1,5), Didierwerke 83,5 (plus 1,5). Auch einzelne Bergbau werte zogen etwas an. Von Maschinenaktien gewannen je 1 Prozent Daimler bei 57, Demag bei 84 und Gebr. Roeder bei 97, niedriger stellten sich jedoch BMW 32,5 (—1,5), Adlerwerke 42,50 BF, MAN 83,5 (je —0,5). Freiverkehrswerte und Renten konnten sich etwa behaupten.

Freie Devisenkurse

Bz. Am 24. Oktober 1950 wurden in Frankfurt folgende freie Devisenkurse genannt: für den USA-Dollar 5,15 bis 5,25 DM, für das englische Pfund Sterling 12,50 bis 13,50 DM, für den Hollandgulden 1,15 bis 1,25 DM, für den Schweizer Franken 1,15 bis 1,25 DM, für die dänische Krone 0,48 bis 0,52 DM, für die schwedische Krone 0,72 bis 0,78 DM und für den österreichischen Schilling 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben sind für 1 DM-West 5 Östrhark gezahlt und für 5 Ostmark 1 DM-West geboten worden.

Häuteauktion in Mainz

wgk. Auf der XIX. südwestdeutschen Häuteauktion wurden rund 21 500 Großviehhäute, 20 400 Kälber- und Fresserfelle, 8200 Schaffelle und 950 Roßhäute ausgeboten. Die erzielten Preise lagen drei Prozent unter den letzten Stuttgarter Ergebnissen. Wenn auch teilweise die Gebote zögernd erfolgten, kann man trotzdem von einem flotten Auktionsverlauf sprechen. Bei der hessischen Ware wurden zahlreiche Lose zurückgezogen. Die Versteigerung der Hamburger Ware wunde auf die kommende Auktion am 21. November in Mainz verschoben.

Schwarzarbeit im Handwerk

Uneingeschränkte Gewerbefreiheit lastet auf Handwerks-Wirtschaft

ns. Der Wirtschaftsaufschwung macht sich auch im Handwerk deutlich bemerkbar. Allerdings nicht in allen Zweigen und vor allem längst nicht so stark wie in der Industrie. Diese Feststellung ist übereinstimmend in den Berichten der Handwerkskammern über die Geschäftsentwicklung im 3. Quartal zu finden.

Die stärkste Aufwärtsentwicklung verzeichneten das Bauhandwerk und die Baunebengewerbe, vor allem in den Großstädten, wo die Bautätigkeit unvergleichlich viel stärker ist als in den ländlichen Gegenden. Nur der Hochbau ist aber gut beschäftigt. Die günstige Lage im Hochbau ist zu einem guten Teil auf das starke Zusammenpressen der Bautätigkeit auf 3 bis 4 Monate zurückzuführen. Inzwischen hat der Zugang an neuen Bauaufträgen merklich nachgelassen.

Gut beschäftigt sind auch die lederverarbeitenden Handwerkszweige, während im Bekleidungshandwerk die Auftragslage in den Sommermona+en saisonbedingt ruhig war, inzwischen aber wieder eine stärkere Belebung eingetreten ist. Auch im Kraftfahrzeughandwerk hat sich die Situation merklich gebessert. Demgegenüber hat sich der Umsatz des Nahrungsmittelhandwerks eher verringert..

Der scharfe Preisdruck, der seit der Währungsreform für die Handwerkswirtschaft kennzeichnend ist, hält an, auch in Handwerkszweigen, die in den letzten Monaten eine starke Belebung erfahren haben. Es ist dieses auf die Ueberbesetzung mancher Handwerkszweige, vor allem aber auf das große Ausmaß der Schwarzarbeit zurückzuführen. Teilweise werden sogar Wohnungsbauten, die mit öffentlichen Mitteln im Rahmen des Wohnungsbauprogramms gefördert werden, in Schwarzarbeit erstellt. Neben dem Bau- und Ausbauhandwerk leiden vor allem die Friseure, Schuhmacher sowie Herren- und Damenschneider unter der Schwarzarbeit. Auch die von öffentlichen Körperschaften und Behörden in der Zeit vor der Währungsreform eingerichteten Eigenbetriebe, die sogenannten Regiebetriebe, engen das Betätigungsfeld des Handwerks ein. Die Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung dieser Betriebe sind schon längst nicht mehr gegeben. Unter diesen Umständen fallen die Lohnerhöhungen und die Rohstoffverteuerung in der jüngsten Zeit besonders schwer ins Gewicht.

Hemmend lastet auf der gesamten Handwerkswirtschaft auch die ungeklärte Frage der Gewerbefreiheit. Bekanntlich hat die Oberkommission in einem Memorandum für das Handwerk die uneingeschränkte Gewerbefreiheit gefordert, eine Auffassung, der sich der Wirtschaftsrechtsausschuß angeschlossen hat. Demgegenüber vertreten die Bundesregierung wie auch der Bundesverband der deutschen Industrie und die Gewerkschaften den Standpunkt, daß der Große Befähigungsnachweis erhalten bleiben müsse und in der amerikanischen Besatzungszone, wo er aufgehoben ist, wieder einzuführen sei. Eine endgültige Entscheidung in dieser für das Handwerk überaus wichtigen Frage ist bis jetzt noch nicht ergangen.

Mehr Geld für die Forschung

Nach Ansicht des Bundesrates sollten die im Bundeshaushalt vorgesehenen Beträge zur Förderung der Rationalisierung von 0,1 auf 0,8 Mill. DM erhöht werden, um das Defizit des Rationalisierungs-Kuratoriums der Wirtschaft auszugleichen. Auch wünscht der Bundesrat eine vermehrte Förderung der Forschung. Der im Bundeshaushalt vorgesehene Betrag von 1 Mill. DM reiche bei weitem nicht aus. Für bereits befürwortete Forschungsvorhaben sind mehr als 35 Mill. DM erforderlich. Hiervon werden Anträge von rund 20 Mill. DM durch Zuweisung von Gegenwertsmitteln erledigt. Da in Deutschland für Forschung lediglich 2 bis 2,40 DM je Kopf der Bevölkerung ausgegeben werden gegenüber 39 DM in USA (ohne Atomforschung) und 16,30 DM in Großbritannien müßten alle Wege zur Geldbeschaffung für die Forschung beschritten werden.

Preisfreiheit für Holz gefordert

Für eine Beseitigung der noch bestehen¬ den Zwangswirtschaft für Rundholz und des bisher für alle Massensortimente bestehenden Verbots von Holzversteigerungen setzt sich der Deutsche Forstwirtschaftsrat ein. Er betont, daß diese Beschränkungen des freien Holzmarktes überflüssig sind, da die Rundholzversorgung der deutschen Wirtschaft gesichert ist. Die künstliche Fixierung der Holzpreise verhindere die günstige Holzverwendung und eine organische Preisbildung nach Holzqualität und Absatzlage. Die Forstwirtschaft wolle auch an einer Chance teilhaben, die eine zeitweilige günstige Konjunktur bietet und die sonst einseitig von der be- und verarbeitenden Industrie genutzt werde, während Absatzkrisen immer zuerst auf die Forstwirtschaft abgewälzt würden.

Deutschland ist größter Schuldner

AP. Nach der ersten Vierteljahresabrechnung der Europäischen Zahlungsunion hat sich ergeben, daß Frankreich Hauptgläubigerland und Westdeutschland Hauptschuldnernation ist. Frankreich hat ein Guthaben von 190 549 000 EPU-Einheiten (gleich je einem US-Dollar). Die Bundesrepublik hat Schulden in Höhe von 17 000 000 EPU-Einheiten. Während Frankreich von den Schuldnerländern 40 000 000 Dollar in Gold zu bekommen hat, muß Westdeutschland 32 400 000 Golddollar zahlen.

(vwd) Die durch starke Verschuldung schwierig gewordene Situation der Bundesrepublik innerhalb der Europäischen Zahlungsunion (EZU) hat an zuständiger Stelle zu Erwägungen darüber geführt, in welchem Umfang die Inanspruchnahme einer besonderen Unterstützung, die Stellung des Bundesgebietes wieder verbessern könnte.

Bei einem entsprechenden Antrag des Bundesgebietes könnte die Berechtigung grundsätzlich nicht abgesprochen werden. Man nimmt an, daß aus dem administrativen Hilfsfonds (Assistance Fonds) für die Bundesrepublik aber kaum mehr als 25 Millionen Dollar bereitgestellt werden würden.

Einfuhrsperre erhöht Kreditkosten

vwd Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Fritz Berg, hat in einem Schreiben an die Bank deutscher Länder gegen die vorübergehende Sperre für Einfuhrbewilligungen im liberalisierten Einfuhrverfahren sowie die im Anschluß daran getroffenen Maßnahmen Einspruch erhoben. Außerdem betonte Präsident Berg, daß nach Auffassung der Industrie die neuen Einfuhrbestimmungen den volkswirtschaftlich notwendigen Einfuhrbedarf gefährden und ihn darüber hinaus mit Kreditkosten belasten, die die vorhandenen Tendenzen des Preisauftriebs noch verschärfen werden.

Die Schutzvereinigung der Kleinaktio¬ nare protestierte nachdrücklich gegen die alliierten Maßnahmen zur Entflechtung der westdeutschen Montanindustrie und forderte bei der Neuordnung der Grundstoffindustrien Berücksichtigung der Privatrechte der Aktionäre und Gläubiger.

Feuilleton

Eine riesige Enttäuschung

VON DOROTHEA HOLLATZ

An Gittas sprudelnder Lebensfreude und an der heiteren Ausgelassenheit ihrer kleineren Brüder hatten sich im Laufe der Jahre viele „Fräuleins“ erproben müssen, und nur wenigen war es gelungen, den Kindern die nötige Achtung abzugewinnen, geschweige denn ihr Vertrauen zu erobern, und nur eine war es, die ihre jungen Herzen im Sturm nahm. Sie hieß Wanda und war eine lebenslustige Schlesierin, deren überraschend schneller Sieg der einfachen Tatsache entwuchs, daß sie schneller laufen und rufen konnte als ihre Zöglinge und ihnen in jeder körperlichen Beziehung nicht nur gleich, sondern über war, auch im Schwimmen, ja, auch im Bäumeklettern. Fräulein Wanda stellte sogar einmal bei Tisch die lose Behauptung auf, sie könne auch- reiten, und wenn sich ihr einmal Gelegenheit böte ... Was Gittas Vater mit einem unvergeßlichen: „Was Gott verhüten möge!“ unterbrach, wofür er den streng mahnenden Blick hausfraulicher Augen hinnehmen mußte.

Dieses Fräulein Wanda, Perle und Krone aller bisherigen Fräuleins, verfiel weder in den unverzeihlichen Fehler, auf sogenannten „zahmen Spaziergängen“ plötzlich, wie aus dem Hinterhalt, nach englischen oder französischen Vokabeln zu fragen oder sich jäh über Blatt oder Blume zu beugen und unerbetene Erklärungen abzugeben über Lippenblütler, Staubgefäße, Stempel, Samen und Chlorophyll und dergleichen Schrekken mehr — auch verdunkelte kein lästiges: Geht auswärts! Haltet euch gerade! den schönen Tag, nein, sie nahm Gitta und Willi an den Händen und lief jenseits der gepflegten Anlagen den aufgeweichten Wiesenweg entlang, ohne Rücksicht auf Strümpfe oder Stiefelsohlen, manchmal bis an den Fuß des Berges, und wenn Georg nicht Schritt halten konnte, so begab sie sich vollends ihrer Fräulein-Würde und ließ ihn huckepack reiten. Und trotzdem mußte auch Fräulein Wanda gehen, und zwar sehr plötzlich. Sie hatte verweinte Augen, Vater war auf Dienstreise, Mutter bewegte sich sonderbar steif, wie erfroren, durch die Zimmer und nickte den Kindern zu, als sei jemand gestorben. Fragen blieben unbeantwortet.

Zwischen Gitta und Fräulein Wanda kam es zu herzbewegendem Abschied, sie gelobten sich Treue und gegenseitiges Gedenken in guten und bösen Lebenstagen, und zuletzt küßte das Fräulein Gittas Nasenspitze: „Ich vergeß' dich so undso nicht, Kind, aber das netteste an dir war deine Nase, namentlich im Profil.“ Das war ein Satz! Der hakte sich im Gedächtnis fest wie eine Fischangel, wie ein Schiffsanker, er griff wie eine Zange zu und zwickte auch dann noch, als Fräulein Wanda bereits von einem Fräulein Agathe abgelöst war. Und als Gitta einen Augenblick der Unbewachtheit witterte, suchte und fand sie im väterlichen Lexikon einen gewissen Hinweis, wenn auch keine vollgültige Aufklärung. Profil: Umrißlinien des Kopfes bei genau seitlicher Ansicht. Aha, das also war es. Man mußte sich von der Seite betrachten. Aber wie, ums Himmels willen wie denn nur, da man schließlich kein Huhn war? Der Spiegel zeigte das ovale Geradeaus-Gesicht, zwei Augen, zwei Ohren ... Stellte man sich seitwärts, konnte man überhaupt nichts sehen. Alle Versuche scheiterten an der unumstößlichen Tatsache, daß das menschliche Auge nicht aus seiner Höhle herauszutreten und sieh stielartig zu bewegen fähig war. Man war ja schließlich auch keinb Schnecke, schade, schade.

Als Clara, die im Gegensatz zu den schnell wechselnden Fräuleins seit ewigem Gedenken das Reich der Küche beherrschte, den Eierkuchen wendete, puffte Gitta gegen ihre ausgeprägte Hüfte: „Du, wie sieht man eigentlich seine Nase von seitwärts?“ Begreiflich, daß Claras ohnehin nicht sehr differenziertes Gesicht von dieser Frage nicht gerade erleuchtet wurde, immerhin begriff sie es nach überstandener Schrecksekunde erstaunlich schnell: „Ganz einfach, mit zwei Spiegeln.“ Es war demnach nichts Neues für sie, oha, wer hätte das von Clara gedacht. „Kannst du’s denn?“ Und Clara nickte wichtig und warf den Fladen hoch. „Und zeigst du’s mir auch mal?“

Und wieder nickte Clara, während sie den Fladen wieder fing: er klatschte honiggelb ins fettige Rund. „Nachher.“ Was für Clara nachher war, bedeutete für andere der jüngste Tag. Immerhin geschah es noch in dieser Woche, unerwarteterweise am Freitag um halb Vier. „Komm jetzt“, sagte sie nur, und Gitta begriff es sofort und folgte mit eng zusammengepressten Lippen als Zeichen äußerster Gespanntheit.

Sie schlossen sich ins Bad ein und taten sehr geheimnisvoll, schließlich war es ja auch nichts Geringes: hatte doch Fräulein Wanda, die Unvergeßliche, behauptet, das Netteste an Gitta sei die Nase im Profil gewesen! Clara nahm Mutters Perlmutthandspiegel mit einer Sicherheit aus der Schublade, an der ein Kenner das Häufige dieses Tuns sofort erkannt hätte und schob Gitta vors Waschbecken: „Nun stell dich dahin...!“ Clara nun, fach- und weltmännisch prüfend, stellte zwischen den beiden Spiegeln einen rechten Winkel her, schob und bog rücksichtslos an Gittas Kopf herum, brummte ein hochmütiges: „Stellst du dich aber dumm an, Kind!“ und weidete sich eine Sekunde später am Triumph ihres Erfolges. Jedoch, war es ein Erfolg, war es ein Triumph? Gitta starrte todernst, sehr kritisch, fast entsetzt ins silberne Glas. Sie sagte nichts, sie schaute befremdet auf Stirn, Nase und Kinn, und die aufeinandergepreßten Lippen begannen verdächtig zu zittern. Das also hatte Fräulein Wanda gemeint? Ach . . .

„Was hast du denn, Kind, kannst du‘s nicht sehen? Dreh dich noch etwas mehr nach links.“ Gitta wandte sich mit einem Blick grenzenloser und tief greifender Ernüchterung zurück, fast geekelt nahm sie von ihrem Profil Abschied, das sie zum erstenmal gesehen hatte in diesem unvergeßlichen Augenblick, und Clara schob, da man Schritte auf der Treppe hörte, in Eile den Perlmuttspiegel in die Schublade zurück, mit dem Glas nach unten, wie er gelegen hatte, genau so. „Ja, und?“

„Sie hat mich ja gar nicht gemeint," seufzte Gitta, „ich seh ja nur genau wie Mutti aus, wie langweilig. Vielleicht hat sie immer nur an Mutti dabei gedacht.“ „Wer denn und was denn? Was redest du da für dummes Zeug. Deine Mutter gilt als eine der schönsten Frauen, weißt du das nicht?“

Gitta schluckte und zuckte mit den Schultern. „Wenn schon. Aber ich wollt doch lieber nur ich allein sein und sonst niemand.“ Und aufschluchzend stürzte sie davon, indes Clara sich kopfschüttelnd in ihr Zimmer zurückzog, das nach Apfelschnitzen duftete, die quer übers Fenster am Faden in der Sonne dörrten, wespe numschwärmt. Sie wußte sich nicht zu beruhigen: Wie gern hätte sie auf zwei Monatsgehälter verzichtet, wenn sie Gittas Nase mit der ihren hätte vertauschen dürfen. Waren die Menschen je zufrieden? Und war sie nicht ein störrisches, nein, ein sonderbares Ding, diese Gitta?

Goethe und Schiller unterm Dach

EIN ETWAS VERSPÄTETER BEITRAG ZUM GOETHEJAHR

Nach der Lektüre des „Götz“ entschlossen wir uns für die Dichterlaufbahn. Es kam aber nur die „gehobene Laufbahn“ in Frage, sozusagen die „gehobenste“, kurzum, Oskar und ich wollten „Goethe“ werden. Da wir bisher bloß von einem Goethe gehört hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als in edlem Wettstreit unsere Kräfte zu messen, denn freiwillig wollte keiner auf den erhabenen Namen verzichten. Mein Freund schlug also vor, ein Wettrennen zu veranstalten, er war der beste Läufer in unserer Klasse. Natürlich protestierte ich. Oskar wiederum erschien es nicht ratsam, meinen Vorschlag anzunehmen, weil er bei einem Preisboxen unbedingt den kürzeren ziehen mußte. Schließlich kamen wir überein, um „Goethe“ weder zu boxen noch 100 Meter zu laufen, sondern den Sieger in einem dem großen Dichter angemessenen Wettkampf zu bestimmen. Wir faßten den Entschluß, einander mit Gedichten zu befehden.

Das lyrische Turnier fand auf dem Dachboden unseres Hauses statt, dort waren wir ohne Zuhörer, dort durften wir nach Herzenslust und mit höchster Stimmgewalt deklamieren. Die Vorbereitungen nahmen einen ganzen Nachmittag in Anspruch. Ich stellte ein Tischchen unter die Dachluke, schleppte zwei Sessel und eine Blumenvase herbei und nagelte Goethes Bild, das ich frei nach Stieler gezeichnet hatte, an einem der Strebebalken fest. Meine Schwester erhielt den Auftrag, einen Feldblumenkranz zu winden, da bei uns daheim der Lorbeer nicht gedieh. Oskar räumte — der Name des anderen Dichterfürsten eingefallen wäre. Ich krächzte also: „Schiller.“

Danach bückte ich mich schnell, denn haarscharf an meinem Kopf vorbei pfiff der „Grüne Heinrich“, vortrefflich als Wurfgeschoß geeignet und schwer genug, um einen für mehrere Wochen kampfunfähig zu machen.

„Hör endlich mit dem Schmeißen auf“, sagte ich. „Von mir aus sollst du Goethe sein. Ich bin dann eben Schiller.“

Oskar kam hinter seinem Sessel hervorgekrochen.

„Das ist doch der“, sagte er, „von dem das Buch über die Verbrecherbande stammt.“

„Du meinst die .Räuber'“, prahlte ich mit meiner Belesenheit.

„Jawohl, und der hat noch mehr geschrieben. Wir können gleich mal nachschauen.“

Nachdem wir die Bücherstapel von Oskars Vater gesichtet und der junge „Goethe“ festgestellt hatte, daß sein Freund Schiller mit nur acht Bänden vertreten war, während er selbst zwölf geschrieben hatte, erklärte er sich mit dem von mir beantragten Vergleich einverstanden, und wir schüttelten uns kollegial die Hände.

Die nächsten Wochen unterhielten wir uns in folgender Weise:

Ich: „Herr Minister, kommst du heut zum Fußballspielen?“

Oskar: „Ich kann nicht, Herr Professor von Schiller.“

Ich: „Wieso nicht, Herr von Goethe?“ Oskar: „Herr Professor, hast du meine Strafarbeit vergessen?“

Als mein Vater einmal zufällig Zeuge eines solchen Gespräches wurde, erhielt ich einen Tag Zimmerarrest. Mein Vater meinte, daß ich unsere großen deutschen Geister mit mehr Respekt behandeln sollte. Vierzehn Jahre waren wir damals alt. Heut finde ich, wir hatten in jenen Tagen eigentlich ein schönes menschliches Verhältnis zu unseren „Klassikern“.

Uebrigens: Mit sechszehn bezeichnete ich mich dann bloß noch als „Dichter“, mit neunzehn genügte mir die Bezeichnung „Schriftsteller“, und heut bin ich froh, wenn ich auf die Frage, was ich denn so treibe, sagen darf: „Ich schreib halt 'n bißchen.“

Der junge „Goethe“ ist jetzt Prokurist in einer Marmeladenfabrik.

Heinz Piontek

Vergleichende Sprachstudien

Professor Dr. Eugen Lerch, Universität Mainz, hielt am Montagabend in der Technischen Hochschule einen Vortrag über die Stilistik der französischen Sprache und Dichtung.

Der als Sprachwissenschaftler, Romanist und Germanist bekannte Redner gab zunächst einen kurzen Ueberblick der Problemstellung zum heutigen Stand der vergleichenden Sprachwissenschaften, deren Thematik allgemein als unwissenschaftlich betrachtet werde. Wilhelm v. Humboldt habe einen absoluten Zusamrhenhang zwischen dem Geist des Volkes und dem Geist seiner Sprache gesehen: „Die Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ist ihre Sprache.“ Mit der Erkenntnis dieser Wechselwirkung hatte Humboldt der Wissenschaft eine große Aufgabe gestellt, zu deren Lösung oder Weiterführung unser Jahrhundert kaum etwas beigetragen habe. Die Sprache ist demnach Ausdruck unserer Wesensart gegenüber dem Französischen, dessen bewußtes Gesetz und Wesen der Wohlklang sei. Unser westlicher Nachbar möchte auch jetzt noch seine Lautgebung klassisch, klar und knapp im Aufbau, ohne die deutschen individuellen Ausdrucksformen halten. Nacht, Herbst, Herz, Macht habe einen dramatischeren Klang, als etwa nuit und coeur. Für Goethes „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind“ gäbe es keine entsprechende Uebersetzung, während wir nicht in der Lage seien, Liebesgedichte von Verlaine mit seinem Fluidum zu interpretieren. Verlaine war der einzige Franzose, der mit senem „II pleure dans mon coeur“ noch über die deutsche Prosaform hinausging, während alle seine Landsleute dem Versmaß anhingen. So betrachte Frankreich auch heute noch den Wohllaut und das Klassische in der Sprache als unbedingtes Vorbild, und es sei bezeichnend, daß sie von Verlaine sagten: „den überlassen wir den Deutschen“. Sa

Jeder, der sich berufen fühlt, als Sprecher, Sänger oder Musiker aufzutreten, kann sein Können vor dem Mikrophon des Hessischen Rundfunks in einer öffentlichen Sendereihe beweisen, die unter dem Motto „Eintritt frei" steht. Da die erste Veranstaltung einen sehr experimentellen Charakter haben wird, hat der Hessische Rundfunk beschlossen, um Sendung erst auf Band aufzunehmen, um sie auf ihre Verwendbarkeit im Sendeprogramm hin zu prüfen.

Jean-Paul Sartres Drama „Les mains sales“ (Schmutzige Hände) wird jetzt verfilmt. Damit wird ein oft angekündigtes Projekt Wirklichkeit. Die Produktion übernimmt Fernand Rivers.

Die wandelnde Glocke

Als um die zwölfte Mittagssturide des 24. Oktober 1950 der Klöppel ans Metall der Berliner Freiheitsglocke schlug, nachhallend voll und schwer, wahre Kanonenschüsse des Friedens in alle Welt hinausfeuernd, da war man an seinem Radio schon nicht mehr bei den feierlichen, ernsthaften, erregenden Reden. Man schlich in Gedanken aus dem Saal der Geladenen, denn hin und wieder war, scheinbar durch ein offenes Fenster, wie aus weiter Ferne das Brausen von Stimmen gekommen. Die Stimmen der Berliner! Und da man den weiten Platz vor und um das Schöneberger Rathaus gut kannte, sah man deutlich Frauen, Männer und Kinder stehen, dicht bei dicht. Was für Feiern hatten sie schon in dieser Stadt beigewohnt. Aber das war etwas ganz Funkelnagelneues! Eine Glocke kam übers Meer gewandelt und nun sandte sie, nicht als wäre sie ein lebloses Metall, sondern eine mächtige Königin, thronend über den Völkern, ihre reinen, schlackenlosen Grüße in alle Richtungen der Windrose. Von Berlin kündend. Wie auf einem Fernseh- Apparat erblickte man die Gesichter der Hunderttausend, diese etwas kühlen, lächelnden Gesichter, die deutlich genug besagten: „Hätten wir uns nicht unsere gute, alte Berliner „Klappe“ bewahrt, die ja nur das Mundstück ist für unser Rebellenherz, unsere listige Schlauheit, unsere grandiose Respektlosigkeit gegenüber jedem, den wir mit unseren hellen Großstadtaugen durchschauen, dann wäre heute ein Tag wie jeder andere. Auf das Läuten von Glocken haben wir sowieso nie viel gehört, höchstens auf die alten freundlichen Klänge der Parochialkirche, oder der Garnisonskirche in Potsdam. Jetzt aber hatte der elektrische Funke für eine Stunde neue Breiten- und Längengrade der Verständigung über die Erde gezogen, und von Berlin aus wandelten die Klänge über alle Grenzen. Berliner Feiern sind immer laut gewesen, wie es dem Temperament der Spreeathener zukommt. Die Feier am 24. Oktober war die stillste. Sie wird überall, wo man sie auch anhörte, wo weiße, gelbe, schwarze Menschen beisammensaßen, still gewesen sein, denn das eine Wort, das erst die Anstrengungen der Welt für die Freiheit zu krönen vermag, dieses eine Wort schwang im Glockenschall und -hall deutlich hörbar mit, schloß Freiheit und Menschenwürde ein: Friede! M. G.

Begegnung mit zwei Madonnen

Unter den Kreuzgewölben im alten Meersburger Schloß haben sich, von Galeriedirektor Dr. Griebert hier vereint, Madonnen des 12. bis 18. Jahrhunderts eingefunden. Erkannt und verklärt von dem schöpferischen Geiste des Künstlers, stehen die einst Irdischen nun als Bilder, Symbole des Unsagbaren, vor den hohen Fenstern, durch die, ewig bewegt, die Flut des Sees und eine blasse Mondsichel im Blau des Tageshimmels hereinsieht. Verschwistert mit solchen Elementen, die aus der Natur in den Raum hineinwirken, gießt sich ein bannendes Leben über die mütterlichen Gestalten.

Wie der große Traum von der himmlischen Mutter, der Frau, die, vom Irdischen unberührt, den Erlöser gebar, sich in vielfältigen Variationen ausdrückt, wird an zwei Madonnen offenbar, die, aus Wiesbadener Privatbesitz stammend, den Gast heimatlich am Bodensee begrüßen. Die eine, oberrheinische, aus dem Kreis des Dangolsheimer Meisters um 1480, gleicht einem Volkslied. Einfach und herb vereint sie in sich das scheinbar Gegensätzliche: Mädchenhaftes und Mütterliches. Und der ekstatische Ausdruck ihres im Grunde so weichen und kindlichen Gesichts beglaubigt, daß sie es vermochte, in ihrem Wesen das Polare zu verbinden. Die Hände hält sie über dem dunkelroten, vom goldenen Mantel da und dort verhüllten Gewand gekreuzt: ein einziges Lauschen auf die große Verkündigung. Und während sie so Gott zu Willen ist, scheint es, als füllten sich schon in dieser Stunde ihre leeren Hände und drückten das Kind an die Brust.

Die zweite aus Wiesbaden hierher gekommene Mariengestalt entstammt dem main-fränkischen Raum um 1480. Auf der Mondsichel stehend, erhebt sie sich triumphierend als Himmelskönigin. Die kunstvoll durchbrochene Krone thront über der gewölbten Stirn, die sehr weiblich das Oval des Gesichts nach oben abschließt Von der gerade geschnittenen Nase aus verzweigen sich die Brauen über mandelförmigen Augen — locker und duftig rieselt zu beiden Seiten der Wangen das gewellte Haar herab. Fraulich und fein geprägt wölbt sich der Mund: das ganze Antlitz spiegelt eine in sich gesammelte und dadurch sieghafte weibliche Persönlichkeit, die hier noch Adel und Zauber eines himmlischen Herrschertums verklären. Auf ihrem Arm hält Maria den Sohn, der unter kindlichen Locken mit träumerischem Ausdruck halb noch dem Reich, aus dem er kam, halb schon der Zukunft angehört. E. M. Saemann



Geheimnis der Menschenseele

Union: „Die Jungfrau von Orleans“

Ueber ein halbes Jahrtausend ist seit dem Leben und Sterben des Mädchens Johanna vergangen, über 500 Jahre ging das lautere Geheimnis dieser Seele im Bewußtsein der Menschen, in der Ueberlieferung der Geschichte mit. Buch und Bühne suchten mehrfach es darzustellen, doch ist es auch heute durch den Film nicht offenbarer geworden.

Gewaltiger, unmittelbarer, farbiger, realistischer, gräßlicher, ergreifender als jede stumme Buchseite und jede belebte Bühne vermag der moderne Farb-Tonfilm das Geschehen um Johanna mit Stadt und Landschaft, Krieg und Gefangenschaft, Hofleben und Gerichtsszene, Krönungsakt und Verbrennung darzustellen. Die mittelalterliche Welt der Wirklichkeit und des Glaubens, der Mystik und der Grausamkeit, der derben und raffinierten Lebensfreude, der Goldgier und Engstirnigkeit, der religiösen Hingabe und der abgründigen Entmenschtheit packend gegenwärtig zu machen, ist bis an die Grenzen des Erträglichen wie auch der Uebersteigertheit fotographisch und regielich in jeder Möglichkeit wahrgenommen. Eine ausgezeichnete Typenwahl macht das Geschehen so glaubhaft, wie es aus den Akten des Prozesses und sonstiger Ueberlieferung, denen das Drehbuch weitgehend folgt, im Vorstellungsvermögen ersteht. Die getreu historische Kostümierung, die mittelalterlichen Burgen- und Städtebilder, Gehöfte, Ländereien, Strom und Landschaft lassen in dem lebendigen Farbspiel fast Wirklichkeit von vor 500 Jahren erleben. Aber der Menschendarstellung sind Grenzen gezogen, die auch eine Ingrid Bergman nicht überschreiten kann. Sie spielt das Mädchen Johanna gut —, aber sie spielt es. Zwischen Jeanne d’Arc und der modernen Filmschauspielerin, so groß ihre Möglichkeit als Tragödin ist, liegt ein halbes Jahrtausend, und wenn diese Zeit nur ein weniges an Menschenseele und Menschenantlitz veränderte, so ist dies Wenige vielleicht das Entscheidende; Ingrid Bergmans Schauspielkunst ist groß, aber die Mittel mußten hier zu bewußt eingesetzt werden, wenn sie überzeugen sollten, pnd gerade deshalb bleiben sie Schauspiel, Schauspiel, das ergreift, erschüttert, das Erhöhung und Qual glaubhaft macht, aber nicht dem Mysterium näher bringt.

Das besagt nichts gegen den Film als solchen, doch es zeigt Grenzen des Films, Grenzen modernen Unternehmertums vor letztem Menschengeheimnis, das gläubig zu verehren oder in der psychologischen Nachrechnung als Unbekannte zu werten, in die Seelenartung und — Gottesüberzeugtheit jedes Einzelnen gestellt bleibt. , D-s

Landestheater auf Gastspielreisen

Das erste von insgesamt sechs Gastspielen in Rüsselsheim gab das Landestheater mit der Operette „Maske in Blau“ in der überfüllten Stadthalle. Es sollen in Rüsselsheim im Laufe des Winters noch zwei Opern, eine Operette und zwei Schauspiele zur Aufführung kommen. Am 27. Oktober wird das Landestheater zum zweiten Male in dieser Spielzeit im Stadttheater Aschaffenburg ein Gastspiel mit der Operette „Die Csardasfürstin“ geben. Der erste Besuch des Landestheater-Ensembles in Erbach wird am 5. November stattfinden. Auch für Erbach wurde als erste Aufführung die in Darmstadt so besonders erfolgreich angelaufene Neuinszenierung der Operette „Die Csardasfürstin“ gewählt.

Sensationeller Filmerfolg in Wien. Die Filmoperette „Küssen ist keine Sünd’...“ mit Elfie Mayerhofer, Hans Moser. Curd Jürgens, Hans Olden, Erika von Theilmann und Gisela Fackelday in den Hauptrollen, erlebte in Wien eine stürmisch umjubelte Uraufführung. Der Film wurde bisher der größte Nachkriegs-Publikumserfolg in Wien. Bei den „Festlichen Tagen neuer Kam¬ mermusik“, die auch dieses Jahr wieder Mitte November in Braunschweig stattfinden, sollen unter anderem Kammerwerke von Wolfgang Fortner und Cesar Bresgen uraufgeführt werden.

Konzerte und Dichterlesungen in Jugenheim

Zusammenarbeit zwischen Kulturgemeinde, PI und Volkshochschule

,Jusenheim ist in Verbindung mit dem Pädagogischen Inwertvniior v f Y^kshochschule Bergstraße bemüht, im Winterhalbjahr eine Reihe Dichterin. «U urel er Veranstaltungen zu bieten. Es sind sechs Konzerte und drei werden Sen vorgesehen’ die alle im »Education Service Center“ durchgeführt

Das erste Konzert findet bereits am . November statt. Es spielt das Heidelkerger Bachquartett. Am 15. Dewnber spielt das neugegründete Kamjlrorchester B ergstraße, Auerbe ’ zum Abschluß des Bachgedenk¬ .res Werke des großen Meisters. Die u£e Dichterlesung mit Stephan Andres Vepr den 30; November angesetzt. jhav.r sind folgende Konzerte vor-Unfitet: Am 13. Januar Harfenkonzert we Gesang mit Fr. Lange, Frankfurt, ipic 10‘ Februar Beethovenkonzert vom Her - Gündner - Streichquar¬ 1t t. Am 17. März Klavierkonzert mit ranka Musulin, Berlin, und am v April Orgelkonzert und Gesang mit ~of. Borngässer und Fr. L u K e i 1- ‘ hleu eher, Darmstadt. Zu weiteren .'hterlesungen werden Ina Seidel und Penzoldt erwartet. Einführende Veri ge durch Dir- B. Ze h und im Rahalle der »V^kshochschul- Werkbetrachtungen“ mit Dr. H. Teuscher sind beabsichtigt.

Die Preise sind volkstümlich gehalten. Für Studenten und Jugendliche werden auf Einzelkarten 50 Prozent Ermäßigung gewährt. Besonders preisgünstig gestaltet sind die Mieten für die Gesamt- oder Teilveranstaltungen, von deren genügender Anzahl Mieteinzeichnungen das Zustandekommen der Veranstaltungen abhängt. erh.

„Nahrung und Genuß“

feierte in Pfungstadt

Die Industriegewerkschaft „Nahrung und Genuß“, Ortsgruppe Pfungstadt, hatte am Samstag ihre Angehörigen zu einem fröhlichen Familienabend geladen. Nach der Einleitungsmusik der Kapelle „Sorgenbrecher“ begrüßte der Vorsitzend® der Ortsgruppe Pfungstadt, Jans, die Anwesenden, und Bezirksleiter Späth ehrte die über 25jährigen Mitglieder. Den neun Jubilaren, die seit 50 Jahren zur Gewerkschaft zählen, wurden Ehrenurkunden überreicht, während 71 Mitglieder auf Grund ihrer 25jährigen und längeren Zugehörigkeit mit Ehrennadeln ausgezeichnet wurden. Herr Franke sprach im Namen aller Jubilare den Dank aus und berichtete von dem langjährigen Kampf der Gewerkschaften, insbesondere von den harten Kämpfen um die Herabsetzung des 12- Stunden-Tages auf acht Arbeitsstunden.

Der anschließende gemütliche Teil dehnte sich bis in den dämmernden Morgen aus. Humorvolle Einlagen und gute Tanz- und Unterhaltungsmusik sorgten für Stimmung und Fröhlichkeit. So konnten alle Anwesenden für Stunden die Sorgen des Alltags vergessen, und ein Schimmer dieses schönen Abends wird die Arbeit der Woche erhellen. Sg

Eine Rheinfahrt in Omnibussen unternahm am vergangenen Sonntag der Verband der Kriegsbeschädigten von Heppenheim. erh

Klneintierschau und Kreisversammlung

Z<- ^pie Kreisfachgruppe Dieburg des A^hverbandes der Rassegeflügelzüchter pj, die 26 Vereine mit ihren über 1000 wagliedern für Sonntag, .den 29. OktofP*. um 14 Uhr zur Kreisversammlung in „ie „Ludwigshalle“ eingeladen. Anlaß daäi ist die am gleichen Tage dort statttindende Kleintierschau, die der Kleintierzuchtverein Dieburg und die Starkenburger Brieftauben - Reisevereinigung durchführen. (NB)

Irmgard schoß den Vogel ab

Lustiger Dorfjugendabend in Hummetroth

Es hat sich schnell herumgesprochen, daß die Dorfjugendabende in Hummet¬ . roth etwas Besonderes darstellen, weil eben hier die Buben und Mädel mit Begeisterung und guten Einfällen bei der Sache sind.

gehet kam eS) daß zum ZWeiten lustigen Sp,end, den Lehrer Vogel am Montag mit seiner jungen Schar im Saal der Wirtschaft Berres veranstaltete, nicht nur fast das ganze Dorf mit den Jugendlichen bis zu 75 Jahren versammelt war, sondern auch eine ganze Reihe Vertreter des Landratsamts Erbach, der neue Kreisjugendpfleger Meyer mit den beiden zurzeit im Jugendpflegeamt Erbach tätigen Marburger Studenten Frl. Bauch und Herr Staedter, sowie ein Vertreter der amerikanischen Zivilverwaltung Erbach

teilnahmen. Auch einige Lehrer aus Nachbarorten waren gekommen. Im Film wurde zunächst die neueste Monatsschau gezeigt, dann führte ein farbiger Kulturfilm die wissensdurstigen Hummetröther Buben und Mädchen in das Gebiet des Amazonas. Der zweite Teil des Abends wurde wieder unter Teilnahme aller mit lustigen Quizrunden, bei denen die handfeste Irmgard abermals den Vogel abschoß, stummen Pantomimen, wobei selbst die Alten Tränen lachen mußten und einem kleinen Zauberspiel ausgefüllt, das diesmal Kreisjugendpfleger Meyer arrangiert hatte. ch.

Heimatuertriebene - getrennt oder vereint?

Sudetendeutsche Landsmannschaft als selbständige Geschädigtengruppe

Die Heimatvertriebenen des Kreises Groß-Gerau beschäftigt zur Zeit das Problem, ob und in welcher Form es möglich ist, eine sudetendeutsche Landsmannschaft auf Kreisebene zu schaffen.

Einer der führenden Vertreter, die sich für eine selbständige Landsmannschaft der Sudetendeutschen einsetzen, Diplomingenieur G u n c zi k , erklärte, in wenigen Tagen werde die endgültige Konstituierung des Kreisverbandes der SDL

stattfinden. Die ersten Unterschriften für eine außerhalb der IdH stehende sudetendeutsche Landsmannschaft waren im Anschluß an eine Versammlung im „Weißen Roß“ zu Groß-Gerau abgegeben worden, auf der der zweite Vorsitzende der SDL, Dr. Schwarz, das Hauptreferat hielt. Den Werdegang des sudetendeutschen Volkes nahm er zum Anlaß einer kritischen, geschichtlichen Betrachtung, um nachzuweisen, daß der Fall der Sudetendeutschen besonders gelagert sei und daher auch die Gründung eines eigenen Verbandes rechtfertige.

Dem zweieinhalbstündigen Referat folgte eine recht lebhafte Diskussion, aus der deutlich das Vorhandensein zweier Strömungen spürbar wurde: IdH-Kreisvorsitzender Reitzner und IdH-Geschäftsführer Haas (Kreis Bergstraße) setzten sich im wesentlichen für ein Verbleiben in der Dachorganisation der IdH ein, der man Erfolge und Verdienste der vergangenen Jahre nicht einfach absprechen könne. Der ehemalige Flüchtlingsvertrauensmann Zimmermann wandte sich scharf gegen diese Auffassung. An einigen Stellen der Diskussion entstand Unruhe, es kam zu heftigen Zwischenrufen, die nicht immer vor persönlichen Angriffen haltmachten. eng

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Bickenbach. Die Gemeinde läßt zur Zeit einen an der Kirche vorbeiführenden Friedhofsweg stufenweise mit Betonplatten belegen, da der Weg besonders für ältere Leute nicht mehr gut gangbar war. rh

Erzhausen. Die neue Straße, die zwischen Heinrich- und Annastraße geplant ist, soll den Namen „Waldstraße“ erhalten. oa.

Wixhausen. In der neu hergerichteten evangelischen Kirche findet am Donnerstagabend eine Gedächtnisstunde für die Vermißten und Gefangenen des letzten Krieges statt. LK

DIEBURG

Babenhausen. Am vergangenen Wochenende konnte bei der „Cellba“ (Celluloidwarenfabrik Babenhausen) Wilhelm Willand sein 25jähriges Arbeitsjubiläum begehen. Betriebsratsvorsitzender Paul Beck überbrachte im Namen der Gesamtbelegschaft die Glückwünsche und übergab dem langjährigen Arbeitskameraden ein wertvolles Radiogerät als Geschenk. NB.

Babenhausen. Unter der Vorgabe, Öenzin besorgen zu können, ließ sich ein gewisser Walter Brückner von einem hiesigen Einwohner Vorauszahlungen leisten. Er blieb trotz mehrmaliger Reklamation jedoch die Lieferung schuldig und ist jetzt spurlos verschwunden. RG

Ueberau. Während der Löscharbeiten bei einem Scheunenbrand wurden aus einem in dem Gebäude eingerichteten Ladenraum Rauch-. Süßwaren und Spirituosen im Werte von 300 DM entwendet. RG

ERBACH

Lützel - Wiebelsbach. Durch die Einrichtung eines fünften Schulsaales wird ab sofort jede Klasse wieder ihren eigenen Unterrichtsraum haben. hm

BERGSTRASSE

Lorsch. Der Jahrgang 1900 hielt eine Wiedersehensfeier ab, zu der auch Alters- und Schulkameraden von auswärts erschienen waren. Im Namen der Gemeinde begrüßte Bürgermeister Werner die Gäste, unter denen sich auch der jetzige Oberbürgermeister von Worms, Heinrich Völcker, befand. ao

Neckarsteinach. Der Sängerbund 1860, der in diesem Jahr sein neunzigjähriges Jubiläum feierte, veranstaltete am letzten Sonntag in der evangelischen Kirche ein Jubiläumskonzert mit Werken von Bach, Beethoven, Haydn, Schubert und Mendelssohn-Bartholdy. WL

Unter-Schönmattenwag. — Der Ge¬ meinderat befaßt sich jetzt erneut mit dem Bau der neuen Omnibushalle; nach einem eingehenden Vortrag von Architekt L. Lipp (Waldmichelbach) wurde der Bau genehmigt. Bürgermeiter Galle gab bei dieser Gelegenheit bekannt, daß Landrat Dengler bei der Bundespostdirektion Frankfurt wegen der Einstellung der Sonntagslinie Hirschhorn W aldmichelbach, deren Folgen vor allem für das Ulfenbachtal sehr nachteilig sind, interpelliert habe. (—r)

Lampertheim. „Unter Geschäftsaufsicht“ hieß ein lustiges Theaterstück, mit dem die Volksbühne am letzten Wochenende im „Schwanen“ ihr Publikum begeisterte. bb

Bensheim. Am Mittwochabend um 20 Uhr findet im Sitzungssaal des Rathauses die Eröffnungsfeier der Volkshochschule statt, bei der Bürgermeister Treffert sprechen und Generalkonsul Balser einen Lichtbildervortrag halten wird.

Zwingenberg. Auf der für Freitagabend um 20 Uhr im ..Adlersaal“ einberufenen Einwohnerversammlung wird Bürgermeister Kiel zur Zwingenberger Bürgerschaft sprechen. HB

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. — Aus Anlaß des Erntedankfestes der evangelischen Kirchengemeinde hatten die Konfirmanden für die Alten im „Heim Mönchbruch“ Garten- und Feldfrüdite und für eine Patengemeinde in der Ostzone Sach- und Pfundspenden gesammelt. eng

Groß-Gerau. — Vom Hessischen Tischtennisverband wurde Kreisfachwart Robert Ulbrich, Biebesheim, die silberne Ehrennadel für besondere Verdienste verliehen. eng

Bauschheim. In der letzten Gemeinderatssitzung gab der Bürgermeister bekannt, daß demnächst mit dem Bau eines Feuerlösch- und Gerätehauses begonnen wird. od

Nauheim. Im Rahmen eines Vortrages des Evangelischen Männerwerkes spricht Kirchenvorsteher Gg. Eisenhauer am kommenden Mittwoch um 20.00 Uhr im Saalbau Ruhland über seine Eindrücke vom zweiten Kirchentag in Essen.

Wolfskehlen. — Am Donnerstag unternimmt das Wasserwirtschaftsamt in Verbindung mit dem Wiesenvorstand in der Gemeinde einen Wiesenrundgang. od

Leeheim. — Die Kreisstraße 2. Ordnung von Leeheim nach Dornheim soll in den nächsten Tagen überholt werden. Die Straße befindet sich in einem außerordentlich schlechten Zustand. od

Geinsheim. — Beim Besteigen eines Omnibusses des Zweckverbandes verfehlte eine Frau aus Trebur die Plattform. Mit einem Beinbruch mußte sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden, od

Der SPORT

Acht Schultersiege beim Lokalderby

Darmstadt 1910 — SG Arheilgen 5:3

In der hessischen Ringer-Landesliga fand am Samstagabend in der überfüllten Diesterwegschule der mit Spannung erwartete Kampf zwischen dem Tabellenführer Darmstadt 1910 und der SG Arheilgen statt. Lokalkämpfe tragen immer eine besondere Note, verbissen und zäh geht es dabei um Punkte und Prestige. Der Gastgeber konnte letzten Endes knapper Sieger nach ausgeglichenen Kämpfen bleiben. Die Gäste, die ohne Ebert und Fiedler antreten mußten, waren von vornherein etwas geschwächt. Darmstadts „Fliege“ hatte Uebergewicht, so daß dieser Punkt vor Beginn der Kämpfe schon den Gästen zukam.

Beide Ringerstaffeln stellten sich dem Kampfrichter Schweiß (Bornheim) in folgender Aufstellung:

Darmstadt 1910: Geron, Ditter, K., Ditter, H., Winkel, Trüber, Schäfer, Veith sen. und Veith jun.

SG Arheilgen: Freudenberger, Bauer, Kuchar, Dern, Becker, Arnold, Werkmann und Spatz.

Im Freundschaftskampf der Fliegengewichtler zeigten beide Ringer gute Leistungen. Freudenberger (SG Arheilgen) überraschte durch seinen Angriff. Sein Sieg in der 5. Minute durch Eindrücken der Brücke war verdient. Die Gäste konnten im folgenden Kampf die Führung weiter ausbauen. Der Schwergewichtskampf erbrachte dem Arheilger Spatz den erwarteten Sieg. Dennoch benötigte er neun Minuten, ehe er einen Aufreißer von Veith jun. abfing und den zweiten Punkt für seine Staffel errang. Die folgenden Begegnungen standen mehr oder weniger im Zeichen der Gastgeber. Die Ergebnisse trügen, denn so klar waren die einzelnen Siege nicht. Erbittert mischten die Gäste mit. Im Bantamgewicht gab es einen etwas unsauberen Kampf zwischen Turnen ihre Aktivität beweisen könne, eng. Ditter, K. (1910) und Bauer (SG Arheilgen). Der jugendliche Ditter war von dem an Jahren weit älteren Gästeringer nie gefährdet. Ditter, der in der zweiten Minute eine Verwarnung einstecken mußte, gewann in der vierten Minute durch Aufreißer. Der Halbschwergewichtskampf zwischen Veith sen. und Werkmann (SG Arheilgen) sah den Darmstädter klar in Front, der auch in der fünften Minute durch Halbnelson entscheidend gewann. Den technisch schönsten und ausgeglichensten Kampf gab es im Federgewicht. Hier standen sich in Ditter, H. und Kuchar (SG Arheilgen) zwei gute Ringer gegenüber. In den ersten Minuten konnte Kuchar einige Wertungen erzielen. Als er jedoch in die Bodenrunde mußte, war es um ihn geschehen. Mit einem überraschenden Rückreißer gewann Ditter in der zehnten Minute. Im Mittelgewichtskampf tasteten sich anfangs Schäfer (1910) und Becker (SG Arheilgen) gegenseitig ab. Der Gästeringer, dem noch die nötige Kampferfahrung fehlt, mußte sich schließlich in der fünften Minute durch Halbnelson besiegen lassen. Den Sieg der Darmstädter stellte schließlich der jugendliche Winkel sicher. Sein Ringerstil ist beachtlich. Er darf zu den besten seiner Klasse in Hessen gezählt werden. Der sauber und anständig durchgeführte Kampf brachte Winkel in der vierten Minute durch Schulterschwung einen überlegenen Sieg. Im letzten Kampf des Abends gab es noch einen Gästesieg. Trüber (1910) und Arnold (Arheilgen) hatten im Stand keine Merkmale erzielen können. In der Bodenrunde, wo Trüber zuerst ins Parterre mußte, versuchte der Arheilger immer wieder einen Ausheber anzubringen, der ihm jedoch nicht gelang. Ein Ueberroller nach der achten Minute besiegelte dag Schicksal des Darmstädters. Nach diesem Sieg stehen die Gastgeber weiter an der Tabellenspitze und werden in den kommenden schweren Auswärtskämpfen beweisen müssen, daß ihre Leistungen einen Dauerbestand aufweisen. -eri-

Turnabend in Groß-Gerau

Groß-Geraus Turnverein 1846 veranstaltete zum Wochenende in der Turnha,.e einen gut besuchten Turnabend. Mit dem reichhaltigen Programm ihrer yorfunrungen konnten die Turner viel Beifall ernten. Nachdem der 2. Vorsitzende Raiß am Anfang die Begrüßungsworte mit einem kleinen Rechenschaftsbericht geschlossen hatte konnte 1. Vorsitzender Fadstroh.dAEkS der Sieger des Ab turnens vom 15. Oktober vornehmen. Rudi Eichler (Turner ), . Hauf (Turner B), Walter Schaad (JyS^d Klasse A), Horst Schad (Jugend Kl. B), Anni Ester (Turnerinnen Kl. A) und Christel Völker (Turnerinnen B) sollten Qioctpr ihrer Klassen. Jsme zeigte die MAsehat. aut die Melslet¬ &im BezlA.- <u>d KreiemaßrtA die der TV 1846 im Laufe des Jahres erringen £ ÄFJS ÄÄ. winf Veteranen konnte Vorsitzende. Faul Stroh für mehr als 50jährige Zugehörigkeit tim Verein beglückwünschen: Heinnch Friedrich Huß. Peter Bambach. Pe-K jeneXe und Karl Kehr. In seiner Rede rnrach Albert Faulstroh von dem hohen er¬ ■spracn äi Turnens und wandte

Ringer-Kreisklasse:

Überraschungen auf allen Matten

Roßdorf und Münster unerwartet hoch geschlagen

In der Ringer-Kreisliga, Gruppe 1, übernahm Groß-Zimmern II durch einen 6:2- Sieg über die Staffel von Roßdorf wieder die Tabellenführung. Die Schaafheimer holten sich auf eigener Matte die ersten Pluspunkte, während Münster durch die erneute Niederlage am Tabellenende liegt. Die Ergebnisse: Groß-Zimmern ll—Roßdorf 6:2 und Schaafheim—Münster 6:2.

Hoch schlugen die Wogen der Begeisterung am Sonntagnachmittag im Löwenbräu zu Groß-Zimmern beim Kampf gegen Roßdorf. Die Gäste kamen in stärkster Aufstellung und wollten unter allen Umständen wenigstens einen Punkt mitnehmen. Doch für die Vorwärts-Leute ging es. nachdem sie am vergangenen Sonntag durch die Zwangspause die Tabellenführung an Wersau abtreten mußten, um den 1. oder 3. Platz. Können die Gastgeber bei allen Kämpfen mit dieser Mannschaft antreten, dann gibt es in Gruppe 1 keinen Verein, der ihen gefährlich werden kann. Prächter, Hack, Herbert, Göbel. Dietrich und Palmy siegten für Groß-Zimmern; Moter (durch Uebergewicht von Dietrich) und Huck für Roßdorf.

Nachdem Schaafheim schon zweimal die Punkte an der Waage verschenkte, war mit einer so hohen Niederlage der Gästemannschaft von Münster nicht zu rechnen. Doch diesmal waren die Gastgeber komplett angetreten, wußten sie doch, daß eine Niederlage gleichbedeutend mit dem hoffnungslosen Verbleib am Tabellenende. ist. Trotzdem hinterließen die Münsterer emen guten Eindruck und werden als Tabellenletzter auch noch ein Wort mitreden. Roth, Kern. H. und W. Trippel und Günther waren für Schaafheim erfolgreich, Löbig II und Herdt für Münster.

Punkteteilung in Gruppe 2 Auch in der zweiten Gruppe gab es saftige Ueberraschungen. Die Zweite von Ober-Ramstadt holte sich in Rimbach einen Punkt, und Bensheims Vertreter konnten den Pfungstädtern einen Punkt entführen. In allen Klassen unterlagen die Neulinge von Fürth beim Tabellenführer. Die Ergebnisse: Pfungstadt—Bensheim 4:4, Rimbach—Ober-Ramstadt II 4:4 und Nieder-Ramstadt—Fürth 8:0.

Pfungstadt und Bensheim teilten sich in die Punkte. Hart und verbissen kämpften beide Mannschaften um jeden Vorteil. Die Einheimischen gingen wohl als Favorit auf die Matte, doch das Resultat entspricht dem Kampfverlauf, t’ür Pfungstadt siegten Steinmetz, Frommherz. Koch und Weber. Bensheims Erfolge errangen Schröder, Mohr jun., Wölfel und Mohr sen.

Ober-Ramstadts völlig umgestellte Reserve holte sich in Rimbach einen wertvollen Punkt. Spannend und abwechslungsreich war der Kampfverlauf, zumal die Gäste mit dem Fliegengewichtskampf die Führung übernahmen und Rimbach stets nur ausgleichen konnte. Die Gastgeber siegten im Bantam-, Feder-, Welter- und Schwergewicht, während die Gäste in der Fliegen-, Leicht-, Mittel- und Halbschwergewichtsklasse erfolgreich waren. In Wieder-Ramstadt stellten sich am Sonntagvormittag die Neulinge von Fürth I (Odenwald) vor. Die Fürther brachten eine junge, sehr kräftige Mannschaft, die zu kämpfen versteht; nur fehlt es etwas, an der Mattensicherheit, was darauf zurückzuführen ist, daß die Gäste seit mehreren Jahren zum ersten Male wieder einen Verbandskampf ausgetrageo haben. —ES—

Groß-Zimmern II 2 2 0 0
14:2 4:0 Wersau 2 2 0 0
10:6 4:0 Roßdorf 3 1 0 2
13:11 2:4 Schaafheim 3 1 0 2
6:18 2:4 Münster 2 0 0 2
5:11 0:4
Nieder-Ramstadt 3 3 0 0 21:3 6:0
Pfungstadt 2 1 1 0 9:7 3:1
Bensheim 3 1 1 1 10:14 3:3
Ober-IRamstadt II 2 0 1 1 6:10 1:3
Rimbach. 3 0 1 2 10:14 1:5
Fürth 1 0 0 1 0:8 0:2

Hallenradballfest in Griesheim

Gunst/Mohr (VCD) zweimal siegreich Deutscher Meister im Sechser-Kunstreigen begeisterte

Am Sonnabend trat im Festsaal „Zum grünen Laub“ der wiedergegründete Radfahrerverein „Conus“ Griesheim in einem von 900 Zuschauern ausgezeichnet besuchten Saalsportfest vor die Oeffentlichkeit. Nach dem Einmarsch der Teilnehmer und Begrüßungsworten des zweiten Vorsitzenden des Radfahrervereins „Conus“ sowie des ersten Vorsitzenden des VC Darmstadt zeigten Schüler, Jugendliche und Damen des Radfahrervereins „Conus“ in 10er- und 6 er-Reigen sehr schöne Darbietungen, die mit viel Beifall aufgenommen wurden. Auf diese durchweg in sauberer, tadelloser Sportkleidung fahrende Jugend kann der Verein sehr stolz sein und getrost in die Zukunft blicken. Eine fein abgerundete Leistung bot im ler-Kunstfahren Fräulein Edith Mehring vom VCD. Noch etwas mehr Ruhe und — ein kleines Lächeln wünschen wir dieser einzigartigen Begabung. Ein zweifellos großes Talent stellte sich mit dem jungen Günter Groß vom VCD vor, dessen prachtvolle Haltung besonders imponierte. Zwei spannende und faire Radballspiele lieferten sich die beiden A-Klassen-Vertreter Gunst/Mohr (VCD) und Rothengatter/Eidt (RV „Opel“ Rüsselsheim). Die etwas wendigeren Darmstädter Spieler kamen mit 4:2 und 6:4 Toren zu zwei verdienten Siegen. In einer sportlich schönen und vom Publikum besonders beifällig aufgenommenen Geste teilten die sympathischen VCD-Spieler den errungenen Siegerpreis mit dem tapferen Verlierer. Erstklassige Leistungen sah man im 6 er-Kunstreigen von der zweiten Mannschaft des RV Bischofsheim, die so schwie/ge Uebung wie 6er-Kutsche, Innen- und Außenstern sowie Doppeltorbogen durchweg im Steiger darboten. Aber noch übertroffen wurde dieser Reigen von ihrer im Meistertrikot antretenden ersten Mannschaft, dem Deutschen Meister 1949 im 6er-Kunstreigen, die diese Uebungen sogar im Steiger freihändig vorführten. Wahrhaftig eine Meisterleistung dieser 42- bis 50jährigen Herren, die im 15jährigen Beisammensein heranreifte. Stürmischen Beifall erntete auch der Deutsche Exmeister im ler-Kunstfahren, K. Walter vom RV Bischofsheim, für seine an Artistik grenzenden Vorführungen, die dem gut organisierten Programm einen würdigen Abschluß gaben. Treffend charakterisierte der erste Vorsitzende des Hessischen Radfahrerverbandes am Ende die Veranstaltung als einen prachtvollen Werbeabend für den schönen Hallenradsport. -ei-

Amateurboxen TSV Höchst—Grün-Weiß Hanau 5:9

Die Boxstaffel des TSV Höchst trug am Samstagabend in dem bis zum letzten Platz gefüllten Saale der Gaststätte „Zur Burg Breuberg“ einen Vergleichskampf gegen die kampfstarke Mannschaft von Grün-Weiß Hanau aus.

Im einleitenden Jugend-Mittelgewicht landete Schwarz (H) ein beachtliches Unentschieden. Die Seniorenfedergewichtsbegegnung wußte Saflfiertfaal (H) bereits in der zweiten Runde durch einen K. o. für sich zu beenden. Noch vor der ersten Pause unterlag Blümel (H) in der zweiten Federgewichtspaarung. Im Weltergewicht war Ph. Löw offensichtlich überlegen, doch ein Kopfstoß in der zweiten Runde zwang ihn zur Aufgabe seines aussichtsreichen Kampfes. Im Mittelgewicht traf Eisenhauer (H) auf einen technisch versierten Gegner. Obwohl der Gastgeber in der zweiten Runde einen Rippenbruch erlitt, kämpfte er bis zum siegbringenden K. o. Im Halbschwergewicht mußte sich Schneider (H) mit einer Punktniederlage abfinden. Die Schwergewichtspaarung ging kampflos an Hanau. -ppi.

Tischtennis

SV 98 unterliegt Eintracht Frankfurt 4:9 Hardt 98 schlägt Ltn. Ellis 2:0 Garrn. 2sp.

Zum fälligen Verbandsspiel in der hessischen Landesliga standen sich am Sonntagmorgen 'in der Eleonorenschule die Mannschaften des SV 98 und der Eintracht Frankfurt gegenüber. Beide Mannschaften kennen sich von ihren früheren Spielen sehr gut. Einst waren Darmstadt und Frankfurt Hochburgen im hessischen Tischtennissport. Die Gäste, die wesentliche Verstärkung erhielten, hatten eine ausgeglichenere Mannschaft zur Stelle als die Gastgeber. Da die Frankfurter jedoch verspätet ankamen, wird am grünen Tisch die Entscheidung darüber fallen, ob die Punkte nicht in Darmstadt bleiben. Für die größte Ueberraschung sorgte diesmal Hardt/98, der den . favorisierten Spitzenspieler der Eintracht Frankfurt, Ltn. Ellis, klar besiegen konnte. In einem seiner Art nicht liegenden Spiel konnte der Frankfurter nichts ausrichten. Der Sieg von Kappes/98 über Stöcklein/Eintracht verdient ebenfalls Beachtung. Die beiden restlichen Punkte sicherte Lutz/98, der an den beiden letzten Brettern spielend über Wolf und Haas zu klaren Siegen kam. Die Doppelspiele gingen ohne Satzgewinn an die Gäste.

Auch die übrigen Meisterschaftsfavoriten wie der SV Wiesbaden und der SV Flörsheim kamen zu eindrucksvollen Siegen. In Frankfurt hatten es die Flörsheimer nicht schwer, über Weiß-Blau siegreich zu bleiben. Auf eigener Platte spielend mußten sich die Kurstädter anstrengen, daß sie über die junge Klein-Krotzenburger Mannschaft zum Siege kamen. Einen ausgeglichenen Kampf lieferte sich in Bad Nauheim die Concordia und der 1. ABC Wiesbaden, den die Gastgeber mit 9:7 für sich entscheiden konnten. Ku.

Die Lilienträgerinnen sind Tabellenführer

Nachdem die Damenmannschaft der Eintracht Frankfurt am Wochenende pausierte, konnte sich die Mannschaft des SV 98 Darmstadt durch einen knappen 9:7-Sieg in Bad Homburg an die Tabellenspitze in der höchsten hessischen Tischtennisklasse setzen. Die favorisierten Darmstädterinnen erlebten beinahe eine Ueberraschung. Letzten Endes konnten sie froh sein, beide Punkte erobert zu haben. Als Ueberraschung kann angesehen werden, daß Frl. Nungesser ihre beiden Einzelspiele verlor. In den Doppelspielen konnnten die Gastgeber allein drei Punkte sicherstellen. Der Positionskampf zwischen den Lilienfa-ägeninnen und der spielfreien Eintracht Frankfurt geht unvermindert weiter. Ku.

Knappe Niederlage der Lilienträger

SG Eckenheim — Darmstadt 98 5:3

In der hessischen Ringer-Oberliga war im ersten Verbandskampf der Rückrunde beinahe eine Ueberraschung fällig. Die Lilienträger konnten im Kampf gegen den deutschen Vizemeister zweimal in Führung gehen. Dann zeigte sich, daß Gerhardt und Arancio, die beide fehlten, nötig gewesen wären, um die siegbringenden und vielleicht entscheidenden Punkte mit nach Darmstadt zu nehmen. Dennoch darf dieser knappe Punktverlust in Eckenheim als ein gutes Zeichen angesehen werden, daß die Mannschaft des SV 98 noch lange nicht gewillt ist, die Flinte ins Korn zu werfen. Bei ihren noch ausstehenden Heimkämpfen werden sie bei gleicher Kampfkraft wie am Samstagabend vielleicht die noch fehlenden Punkte erringen.

Im Fliegengewicht konnte Göttmann /98 gegen Falk nichts ausrichten und verlor in der 4. Minute durch Eindrücken der Brücke. Einen hervorragenden Kampf, der über die volle Distanz ging, lieferte Scheidler/98 über Matry/SG Eckenheim. Sein Punktsieg fiel ganz klar aus. Im Bantamgewicht konnte Schnauber/98 erstmals die Führung für die Gäste erringen. Nach schönen Angriffen besiegte er seinen Gegner in der 7. Minute durch Hammerlock. Im Halbschwergewicht hatte Nagel/98 gegen Scheibinger nichts zu bestellen, dennoch leistete er erbitterten Widerstand, bis er in der 5. Minute durch Eindrücken der Brücke besiegt wurde. Im folgenden Federgewichtskampf konnten die Darmstädter letztmals in Führung gehen. Hier war es Heckhaus, der überraschend stark seinen Gegner beherrschte und in der 4. Minute durch Ausheber gewann. Damit nahm er Revanche für die Vorkampfniederlage. Der 98er Waldhaus hatte im Mittel-

gewicht Schlagmüller zum Gegner und mußte bereits nach der 3. Minute durch Hüftschwung euf die Schultern. Die beiden letzten ausstehenden Begegnungen mußten nun die Entscheidung bringen. Im Leichgewicht hatten die Gastgeber Fey stehen, der über Schwesinger/98 bereits in der 3. Minute durch Ueberroller siegreich bleiben konnte. Im letzten Kampf des Abends standen sich Mischky/98 und Reuter SG Eckenheim gegenüber. Leidenschaftlich wurde vom Publikum dieser Kampf verfolgt, ein Gästesieg hätte den Eckenhelmern einen Punktverlust eingebracht. Ueberraschend konnte Mischky den starken Reuter bedrängen, er hatte seinen Gegner auch auf der Schulter, der Kopf jedoch war außer Matte. Durch eine Unachtsamkeit unterlag er schließlich in der 9. Minute durch Hüftschwung.

Bei dem nötigen Ernst der Sache werden die Lilien nun am Samstag bei ihrem Heimkampf bestimmt eine gute Vorstellung geben.

Als Spion beim Auslands-Fußball

In Frankreich genügte dem Tabellenführer Racing Straßburg ein „Goldenes Tor", um den Tabellenzweiten Stade Rennes zu besiegen und mit dem Gewinn dieser beiden Punkte zwischen sich und seine Verfolger einen deutlichen Punktabstand zu legen. Olympique Lille feierte gegen den FC Lens Schützenfest. Mit fünf Treffern bleiben die Olympier weiterhin in der Tabellenspitze. Sie werden verfolgt von Le Havre, die in Nimes allerdings schwer kämpfen mußte, um den Platz mit 3:2 als Sieger zu verlassen. Racing Straßburg weist jetzt 17:3 Punkte auf, Stade Rennes hat 14:6 Punkte, Olympique Lille 13:7 und Le Havre 12:8 Punkte.

In Italien kam der Tabellenführer FC Mailand nicht ungerupft über diesen Sonntag. Er trennte sich von Juventus Turin unentschieden 1:1. Der Verfolger AS Bologna verlor, und das war das Glück der Mailänder, in Como 1:2 und kam damit um die Möglichkeit, mit dem FC punktgleich die Tabelle anzuführen. Recht gut waren die Stürmer von Internaziona’.e Mailand in Schwung, die der aus früheren Zeiten bekannten AS Roma sechs muntere Sachen ins Netz legten und damit den höchsten Sieg feierten. Die Tabellenspitze hat jetzt folgenden Stand: FC Mailand 13:1 Punkte, AS Bologna, Juventus Turin und Internazlonale Mailand je 11:3 Punkte.

Der FC Biel verteidigte in der Schweiz eisern seine Tabellenführung. Diesmal waren die Bieler bei Bellinzona zu Gast und behielten mit 3:0 Toren das bessere Ende für sich. Während die Conen-Mannschaft Young Fellows Zürich über Servette Genf mit 1:0 erfolgreich blieb, verlor der FC Basel auf eigenem Platz gegen Lugano einen wertvollen Punkt (1:1), so daß die Tabellenspitze nun folgendes Aussehen hat: FC Biel 9:3 Punkte, Young Fellows Zürich 8:4 Punkte, FC Basel, Servette Genf und La-Chaux-de-Fonds je 7:5 Punkte.

Das Hauptinteresse im österreichischen Fußball war auf die Begegnung zwischen dem Tabellenführer Rapid und Wacker gerichtet, die Zehntausende von Zuschauern anzog. Nach einem torreichen Treffen behielten die Männer von Rapid mit 4:3 die Oberhand und bleiben weiter mit einem Punkt Vorsprung Tabellenführer vor dem Wiener SC, der in Steyr gegen Vorwärts den Platz als Sieger verließ (2:0). Austria fiel zurück, denn im Lokal derby behielt Vienna mit 3:2 Toren die Oberhand.

Der Malmö FF denkt nicht daran, In Schweden seine führende Position aufzugeben. Zwar fiel der Sieg gegen Gais Göteburg (1:0) nur mager aus, aber das genügte den Malmöern, um mit 19:1 Punkten gegen Raa, die Degerfors mit 3:1 bezwangen und jetzt 16:4 Punkte aufweisen, die Tabellenspitze zu behalten. Hälsingborg tat gegen Norrköping einen Rumpler (1:2) und fiel zurück, bleibt aber vorläufig noch Dritter in der Tabelle (13:7 Punkte). In Dänemark spielte man die Vorschlußrunde im Pokal, aber nur Boldklubben 93 erreichte durch ein 1:0 über Kopenhagen Boldklubben das Finale. Die Begegnung zwischen Akademik Boldklubben und Frem Kopenhagen muß wiederholt werden, da es diesmal beim 1:1 keinen Sieger gab. Großes Glück hatte in Belgien der FC Lüttich, der beim Tilleur FC durth seinen 2:1- Sieg beide Punkte errang. Seine Hintermänner Racing Brüssel und FC Mecheln stolperten. Die Brüsseler verloren bei Standard Lüttich 0:1 und Mecheln Heß sich auf eigenem Platz von Anderiecht mit 3:0 beide Punkte nehmen. Die Tabellenspitze: FC Lüttich 13:3 Punkte, Racing Brüssel, FC Mecheln und SC Anderiecht 11:5 Punkte.

RV Offenbach 4:1 ausgespielt

TEC bleibt ungeschlagener Tabellenführer

dr. Bei herlichstem Hockeywetter spielten die 1. Herren mit drei Mann Ersatz den vorjährigen Tabellenzweiten auf dessen Platz am Main aus. Um auf dem holprigen Platz keine Ueberraschung zu erleben, hatte der TEC die Verteidigung verstärkt, doch der Sturm, der neu formiert war, enttäuschte aufs Angenehmste. Gleich nach dem Bully warf die Darmstädter Läuferreihe ihren tSurm nach vorn, der sich erstaunlich schnell dm und um den gegnerischen Schußkreis wohlfühlte. Rieß und Wolf, letzterer kommt erst aus den Junioren, verfehlten knapp das Ziel, ehe Linksaußen Wolf den TEC in der 20. und 29. Minute mit 2:0 in Führung brachte. Dazwischen rettete allerdings K. Pabst für seinen im Tor stehenden Bruder auf der Linie. Einige Einzeldurchbrüche der Offenbacher blieben in der aufmerksamen TEC-Verteidigung hängen, ehe H. Müller eine Minute vor dem Wechsel als Verteidiger im Anschluß an eine Ecke zum beruhigenden 3:0 einschoß.

Fünf Minuten nach Wiederbeginn war Rieß allein durch und lenkte an dem herauslaufenden Torwart zum 4:0 ein, ein weiteres Tor von ihm wurde nachträglich annulliert. Dann schalteten die Darmstädter einen Gang zurück, und Offenbach kam zu mehreren Strafecken, deren eine im Toreck auf der Linie am Fuß eines Verteidigers landete. Statt des fälligen Torbullys entschied der Schiedsrichter nur auf Wiederholung. Leichtsinn führte 10 Minuten vor Schluß zum Ehrentreffer für Offenbach, dem ersten Gegentreffer des TEC in der Verbandsrunde.

Die Offenbacher haben von ihrer Gefährlichkeit seit vorigem Jahr eingebüßt. Das auf diesem unebenen Platz notwendige Hochspiel beherrschten die Darmstädter besser als die Platzherren. Ihre gestarteten Angriffe waren zu durchsichtig, um gefährlich zu werden. Bei Darmstadt dagegen schlugen die vier aus den Junioren kommenden Nachwuchsspieler, besonders Wolf, der Sinn für Zusammenspiel und Torchancen hat, gut ein. Mit diesem Spiel setzte sich der TEC wieder unangefochten an die Spitze der Tabelle, die nun folgendes Aussehen hat:

Die TEC-Junioren spielten gegen die Damen der Eintracht Wiesbaden 1:1, die Schüler verloren in Wiesbaden gegen die Junioren 2:0.

TEC Darmstadt 3 3 0 0 9:1 6:0
RV Offenbach 3 2 0 1 4:5 4:2
Eintracht Wiesbaden 4 1 1 2 0:3 3:5
TFC Hanau 2 1 0 1 1:1 2:2
TGde Sachsenhausen 2 0 1 1 0:3 1:3
VfL Marburg 2 0 0 2 1:2 0:4

Kunterbunte Kleinigkeiten

Deutschland erhielt eine offizielle Einladung zur Teilnahme an den Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften 1951, die am 10. und 11. Februar in Davos durchgeführt werden.

Europameister Herbert Klein (München) und Europameister Hans Aderholt (Gronau) werden Anfang November einer Einladung aus Schweden Folge leisten und in Stockholm an den Start gehen.

Der Deutsche Damen-Hockeymeister Harvestehuder THC spielt am 5. November gegen den SC Frankfurt 80 in der Mainmetropole. Zusammen mit ihrer Herrenmannschaft werden sie einen Tag vorher Gast des Wiesbadener THC im Nerotal sein. •

Mit 54,79 m stellte der Rumäne Dimitru einen neuen Landesrekord im Hammerwerfen auf.

Das Fußballländerspiel zwischen Deutschland und der Schweiz, dessen Anstoß auf 14.30 Uhr festgesetzt wurde, wird von einem englischen Schiedsrichter geleitet.

Europameister Joe Weidinger (Oesterreich) verteidigt am 2. Dezember in Brüssel seinen Titel im Schwergewicht gegen den Franco-Polen Stefan Olek.

Wost-Toto: 1. Rang neun Gewinner mit je 13 828 DM, 2. Rang 118 Gewinner mit je 1054,50 DM, 3. Rang 1639 Gewinner mit je 75,50 DM. Zehnertippreihe: 1. Rang 44 Gewinner mit je 2403,50 DM, 2. Rang 977 Gewinner mit je 108 DM, 3 Rang 10 177 Gewinner mit je 10,20 DM.

Der am kommenden Samstag angesagte Boxkampf Olympia Weiden gegen ABC Darmstadt-Eberstadt muß wegen Verletzungen von drei Kämpfern der Gästemannschaft auf einen späteren Termin verlegt werden.

* Die Mannschaft der Heag schlug unter der Leitung von Thalheimer (SV 98) die Elf des Landestheaters überlegen mit 12:1

(4:1). Karten zum Oberligaspiel SV 98 gegen Eintracht Frankfurt sind ab heute in den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Aus aller Welt

Bluttat

eines abgewiesenen Liebhabers

Sinteln. Der zweiundzwanzigjährige Günter Gutzmann überfiel im Bergarbeiterdorf Liekwegen im Kreis Grafschaft Schaumburg die vierzehn- und siebzehnjährigen Schwestern Bade, die von einem Jahrmarkttanzvergnügen zurückkamen, kurz vor deren elterlichen Wohnung. Gutzmann stürzte sich auf die ältere Margot und gab nach einem kurzen Wortwechsel einen Schuß ab. Die jüngere Schwester eilte nach Hause und holte die Mutter. Sie fanden am Tatort nur noch die Schuhe der Siebzehnjährigen. Erst am nächsten Tag entdeckten Polizeibeamte in einiger Entfernung hinter einer Hecke die nebeneinanderliegenden Leichen von Gutzmann und Margot Bad. Gutzmann hatte Selbstmord begangen, nachdem er Margot erschossen und auf einem Fahrrad eine Strecke lang mitgeschleppt hatte. Er war zwei Jahre lang der Liebhaber Morgots gewesen. In letzter Zeit hatte sie ihn abgewiesen.

Bevölkerung hatte Hausarrxest

Volkszählung in der Türkei

Istanbul. In der Türkei wurde die Volkszählung durchgeführt, die nach gesetzlicher Vorschrift alle fünf Jahre stattfinden muß. Rund zwanzig Millionen Türken hatten mehrere Stunden Hausarrest. Sie mußten in ihren Wohnungen bleiben, bis ihnen Kanonenschüsse verkündeten, daß die Zählung abgeschlossen war. Während der Zählung durften nur Zähler, Polizisten und Journalisten auf den Straßen sein. Die Mannschaften von Seeschiffen durften nicht an Land gehen. Ankommende Flugzeuge mußten auf den Flugplätzen warten.

Stierkampf in Hamburg

Hamburg. (AP.) Vor Tausenden von Zuschauern veranstaltete die Hamburger Polizei einen unfreiwilligen Stierkampf mit einem entlaufenen Bullen. Länger als eine halbe Stunde spazierte dieser mit drohend gesenktem Haupt im verkehrsreichen Zentrum Hamburgs am Dammtorbahnhof umher und trotzte allen Versuchen, ihn wieder einzufangen. Einem mutigen Polizisten gelang es schließlich, bis auf Pistolenschußweite heranzukommen und mit einem wohlgezielten Schuß dem Schlachtermesser vorzugreifen.


Auf seinem „Stahlroß von 1870“ kam dieser Engländer als Besucher des Heiligen Jahres in die Ewige Stadt. 90 Tage radelte er von Liverpool nach Rom Foto: United Press
Auf seinem „Stahlroß von 1870“ kam dieser Engländer als Besucher des Heiligen Jahres in die Ewige Stadt. 90 Tage radelte er von Liverpool nach Rom Foto: United Press

Riesenschwein gezüchtet

Stockholm. Nachdem es schon vor kurzem in Schweden gelungen war, ein Paar Riesenkaninchen zu züchten, haben die schwedischen Wissenschaftler Nobelpreisträger Prof. Haeggquvist und Dr. Allan Bane, jetzt mit der gleichen Methode und gleichem Erfolg auch ein Riesenschwein gezüchtet.

Die Methode besteht darin, daß die Droge Colchicine mittels künstlicher Befruchtung zusammen mit dem Sperma dem Ei zugeführt wird, wo es die Sätze der Chromosomen, Träger der Erbanlagen, von zwei auf drei erhöht und damit bewirkt, daß das neugeborene Tier eine übernormale Größe erreicht. Bisher wurden schon über ein Dutzend Kaninchen mit „Drei-Sätze-Chromosomen“ gezüchtet, die jedoch nicht imstande sind, lebensfähige Nachkommen zu zeugen. Die schwedischen Wissenschaftler bemühen sich jetzt, Tiere mit „Sechs- Sätze-Chromosomen“ zu züchten.

„Herr Doktor“ klang so angenehm

Hannover. „Die Leute im Dorf nannten mich Herr Doktor, weil ich ihnen mehrfach Medikamente verabreichte, und die Bezeichnung Herr Doktor klang so angenehm“, sagte der 28jährige kaufmännische Angestellte Hans Quandt vor dem Landgericht in Hannover. Das Gericht hatte jedoch für diese „Annehmlichkeiten“ kein Verständnis und verurteilte ihn wegen Betruges, unberechtigter Titelführung, unberechtigter Betätigung in der Heilkunde sowie wegen Vergehens gegen das Opiumgesetz und vier vollendeter und 26 versuchter Abtreibungen zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis. Als ehemaliger Sanitätsunteroffizier hatte sich Quandt nach der Kapitulation von sowjetischen Behörden Ausweispapiere auf den Namen Dr. med. Quandt ausstellen lassen und sich an seinem späteren Wohnsitz, einem Dorf in Mecklenburg, als Arzt betätigt. In seinem nächsten Wirkungsfeld — Hannover — arbeitete Quandt erfolgreich. 1948 ließ er sich dort in einem britischen Lager als Arzt einstellen und hatte zeitweise bis zu 800 Patienten. Er hatte — teilweise mit seiner Frau, die dafür 50 Mark Geldstrafe erhielt — durch Hormoneinspritzungen Abtreibungen vorgenommen. Quandt hatte sich bereits ein Schild mit der Aufschrift „Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten“ anfertigen lassen. Ehe er jedoch seine „Praxis“ eröffnen konnte, nahm ihn die Polizei fest.

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