Ostblock: Remilitaristerung des Bundes wird nicht geduldet
Prag, 22. Oktober. (AP.) Unter Vorsitz der Sowjetunion haben die Ostblockstaaten auf einer Konferenz in Prag die drei Westmächte des endgültigen Bruchs des Viermächte-Abkommens von Potsdam bezichtigt, den Beschlüssen der Neuyorker Konferenz die Rechtskraft abgesprochen und zur „Erhaltung des Friedens“ ein eigenes Vier-Punkte-Programm aufgestellt.
In einer mehr als 2000 Worte umfassenden Erklärung, die am Samstag in Prag veröffentlicht worden ist, wird die Absicht der drei Westmächte, die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland zu erörtern, als heuchlerisch bezeichnet. Die Westmächte hielten „die Unantastbarkeit des Besatzungsstatuts aufrecht, um ihre Herrschaft in Westdeutschland solange wie möglich auszudehnen“. Sie wollten als Ausdruck ihrer „wachsenden aggressiven Bestrebungen“ ihre Truppen in Deutschland verstärken. Schließlich solle Westdeutschland offen in die „aggressive Gruppierung des sogenannten Nordtalantikblocks einbezogen, und damit endgültig in ein Werkzeug der aggressiven militärstrategischen Pläne in Europa verwandelt" werden.
In der Erklärung wird die Behauptung wiederholt, daß ..in den Westzonen Deutschlands und Berlins 456 000 Mann deutsche und ausländische Militärformationen unter Beteiligung der Displaced Persons sowie der verschiedenen Polizeitruppen unter Waffen ständen. Diese Truppe setze sich in der Hauptsache aus ehemaligen Soldaten und Offizieren der Hitlerarmee zusammen und sei mit Panzer- und Artillerieformationen ausgestattet."
„In Anbetracht dieser Tatsachen erklären die Regierungen der Ostblockstaaten und der Deutschen Demokratischen Republik die Westmächte für alle rechtswidrigen Handlungen, die auf die Verhinderung eines Friedensvertrages mit Deutschland und auf die Remilitarisierung Westdeutschlands gerichtet sind, voll verantwortlich.“
Am Schluß der Prager Erklärung erheben die Ostblockstaaten vier an die Westmächte gerichtete Forderungen:
1. Eine gemeinsame Erklärung aller vier Besatzungsmächte, die feststellt, daß eine Wiederaufrüstung Deutschlands nicht zugelassen wird;
2. die Aufhebung aller Beschränkungen, die der Entwicklung der deutschen Friedenswirtschaft im Wege stehen, wobei jedes Wiedererstehen des deutschen Kriegspotentials verhindert werden muß;
3. der sofortige Abschluß eines Friedensvertrags mit Deutschland und die Zurückziehung aller Besatzungstruppen innerhalb eines Jahres nach Abschluß des Vertrages;
4. die Schaffung einer für ganz Deutschland zuständigen Körperschaft, die die Aufgabe haben soll, die Errichtung einer gesamtdeutschen Regierung vorzubereiten. In dieser Körperschaft sollen Ost- und Westdeutschland gleich stark vertreten sein.
Washington: Ein Ablenkungsmanöver
Washington, 22. Oktober. (BBC) Amtliche Kreise in Washington erklären die Prager Konferenz als einen Versuch, die Aufmerksamkeit der Welt von der kommunistischen Niederlage in Korea abzulenken. Die Westmächte seien seit langem für die Einheit Deutschlands eingetreten, aber alle Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, seien gescheitert, weil die Sowjets entschlossen waren, Ostdeutschland auf die Dauer zu einem Vasallenstaat zu machen.
London: Reine Propaganda
London, 22. Oktober. (BBC) In Londoner diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Prager Erklärung offensichtlich nicht darauf abziele, das deutsche Problem zu lösen oder die Einigung Deutschlands herbeizuführen. Die Erklärung müsse daher als ein Propagandamanöver angesehen werden, so wie seinerzeit die bei der Warschauer Konferenz ausgegebene Erklärung, die ebenfalls den sofortigen Abschluß eines Friedensvertrages und die Zurückziehung aller Besatzungstruppen gefordert habe. Vielleicht sei der Zeitpunkt der Prager Erklärung auch so gewählt worden, vermutet man in London, daß sie auf die Regierung und die Nationalversammlung in Frankreich bei den Beratungen über die Einbeziehung deutscher Kontingente in die Verteidigungskräfte des Westens einen Einfluß ausüben kann. Wenn dies der Fall sei, so könnte es allerdings nur als ein recht deutlicher und wenig geschickter Schachzug betrachtet werden.
MeCloy beim Papst
Castel Gandolfo, 22. Oktober. (AP.) Papst Pius empfing am Samstag den amerikanischen Oberkommissar John J. McCloy und Mitglieder seiner Familie in privater Audienz. McCloy befindet sich auf einem kurzen Erholungsurlaub in Italien.
Ein nener Kessel in Nordkorea
28 000 Kommunisten sollen eingeschlossen sein
Söul, 22. Oktober. (AP./dpa) Aus dem Raum Pyöngyang nach Norden und Nordwesten vorstoßende Verbände der ersten amerikanischen Kavallerie-Division haben sich am Samstag im Gebiet von Sukchon— Sunchon mit den dort am Freitag gelandeten Fallschirmjägern verbunden. Südlich Sunchon hatten Einheiten der sechsten südkoreanischen Division bereits am Freitagabend Verbindung mit den Luftlandetruppen aufgenommen. Damit ist der Kessel um die Reste der kommunistischen Hauptstadt-Armee die auf 28 000 Mann geschätzt werden geschlossen. Von Südosten her sind Panzereinheiten im Anmarsch, die den Ring um den geschlagenen Feind verstärken sollen. Die achte und siebente südkoreanische Division sind in den Kessel hineingestoßen und haben mit der Vernichtung der eingeschlossenen Verbände begonnen. Gleichzeitig marschieren andere Teile dieser Divisionen in Eilmärschen auf die mandschurische Grenze zu, um den übrigen Teil der im nordkoreanischen Raum stehenden feindlichen Truppen endgültig abzuschneiden. Sie stehen nach den letzten Meldungen nur noch 80 Kilometer von der mandschurischen Grenze entfernt. Am Samstag wurden weitere 1800 Fallschirmjäger abgesetzt. Damit befinden sich im Gebiet nördlich von Pyöngyang fast 6000 Mann Fallschirmtruppen.
An der Ostküste haben die Vorausabteilungen der Division „Söul“ ihren Vormarsch fortgesetzt und Pukchon, 150 Kilometer von der mandschurischen Grenze entfernt, erobert. An der Westküste wurde in den frühen Morgenstunden des Sonntags die Hafenstadt Chinnampo, vierzig Kilometer südwestlich von Pyöngyang, von Verbänden der ersten amerikanischen Kavallerie - Division genommen.
Die Gesamtzahl der gefangenen Kommunisten hat sich auf 95 000 erhöht. Allein in den letzten 24 Stunden wurden über 13 000 Gefangene eingebracht. Gegen die Reste der kommunistischen Truppen in Südkorea sollen nach einer Mitteilung des Hauptquartiers nunmehr Spezialverbände eingesetzt werden, die über Erfahrung im Partisanenkrieg verfügen. Die Tätigkeit der Partisanen im Hinterland wird weiterhin als sehr gefährlich angesehen.
Die „Freiheitsglocke“, die am 26. Oktober in Anwesenheit von General Clay und Oberbürgermeister Reuter zum erstenmal vom Turm des Schöneberger Rathauses in Berlin ertönen soll, ist in Berlin eingetroffen. Unser Bild zeigt die „Glocke der Freiheit", vor dem Schöneberger Rathaus. Foto: United Press-Acme
Militärregierung für Nordkorea
Pyöngyang, 22. Oktober, (dpa) Das erste Korps der amerikanischen Truppen in Korea hat eine Abteilung geschaffen, die die künftige Militärregierung für die besetzten nordkoreanischen Gebiete vorbereiten soll. Der amerikanische Oberst, der die Abteilung leitet, wird wahrscheinlich der erste Militärgouverneur in Pyöngyang sein.
Syngman Rhee bleibt hartnäckig
Söul, 22. Oktober, (dpa) Der südkoreanische Staatspräsident Syngman Rhee erklärte am Samstag, seine Regierung habe die Absicht, ihre Autorität ohne Einmischung der Vereinten Nationen oder anderer Stellen auf Nordkorea auszudehnen. Seine Regierung, sagte Syngman Rhee, wolle mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten. Die Mitarbeit der Vereinten Nationen an koreanischen Problemen solle jedoch auf Beratung und Beobachtung beschränkt werden.
Keine Einigung erzielt
Die deutsche Wiederbewaffnung vor dem Pariser Kabinett
Paris, 22. Oktober. (AP.) Das französische Kabinett hat in einer vierstündigen Sitzung am Samstag keine Einigung über die Wiederbewaffnung Westdeutschlands erzielen können.
Verteidigungsminister Moch und die übrigen sozialistischen Minister lehnten es ab, einer Regierungserklärung zuzustimmen, in der die deutsche Wiederbewaffnung „im Prinzip“ befürwortet wird.
Das Kabinett ernannte daraufhin einen Viererausschuß, der eine Erklärung entwerfen soll, die Ministerpräsident Pleven am Dienstag der Nationalversammlung vorlegen wird.
Außer Moch sind die Mitglieder des Viererausschusses mit der Einbeziehung deutscher Streitkäfte in eine westeuropäische Streitmacht einverstanden.
Außenminister Schuman soll dem Kabinett einen Plan vorgelegt haben, der die Aufstellung einer Europa-Armee der sechs Kontinentalmächte des Atlantikpaktes unter Einbeziehung deutscher Kontingente vorsieht. Neben dieser Europa-Armee sollen dann noch amerikanische, britische und kanadische Truppen unter eigenem Kommando bestehen. Ministerpräsident Pleven und Justizminister Mayer sollen eine derartige Lösung für annehmbar erachtet haben.
Kurz nach Beendigung der Kabinettsitzung erklärte General Charles de Gaulle vor 20 000 seiner Anhänger, daß für ein starkes Frankreich als Mittelpunkt eines Vereinigten Europas die Beteiligung westdeutscher Truppen in einem gemeinsamen Kampf an der Elbe keine Bedrohung bedeuten kann.
Vier Forderungen
**♦ Bei manchen Vorgängen gewinnt eine Nebensächlichkeit symbolischen Charakter. Nach Abschluß der Prager Konferenz der sieben Ostblock-Staaten besuchte Molotow im Nationaltheater die Gala-Vorstellung der Oper „Märchen im Mai“.
Wir haben zwar Oktober, aber die vier Forderungen der Ostblock-Staaten sind größtenteils auf Märchen begründet.
Zu ihnen gehört zumindest die Behauptung, in den Westzonen Deutschlands und in den Westsektoren Berlins stünden 456 000 Mann unter den Waffen, die sich in der Hauptsache aus ehemaligen Soldaten und Offizieren der Hitler-Armee zusammensetzten und mit Panzern und Artillerie-Formationen ausgestattet seien. In der Bundesrepublik gibt es nur 90 000 Polizisten, die weder militärisch ausgebildet noch militärisch ausgerüstet sind. Darüber hinaus ist die Aufstellung einer motorisierten Polizeitruppe in Stärke von 35 000 Mann genehmigt worden. Militärische Formationen existieren nicht. Eine Remilitarisierung Deutschlands würde allein an dem Widerspruch Frankreichs gescheitert sein, das erst am Dienstag darüber entscheiden wird, ob es deutsche militärische Einheiten in einer europäischen Armee zulassen will.
In der Sowjetzone, die nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung umfaßt, sind dagegen seit der Warschauer Konferenz über 250 000 Mann Volkspolizei aufgestellt worden, dazu kommt ein gepanzertes, militärisch ausgerüstetes Korps, das über alle modernen Waffen verfügt. Dies wird durch 1500 Volkspolizisten, die in den Westen geflohen sind, bestätigt, ebenso daß in den Magdeburger Krupp-Werken 13 000 Mann Belegschaft mit dem Bau eines verbesserten Typs des früheren deutschen Königstiger-Panzers beschaff tigt sind. So könnte man alle russischen Märchen widerlegen und zum Beispiel der angeblichen Rüstungswirtschaft in der Bundesrepublik den rein kriegswirtschaftlichen Uranbergbau in der Sowjetzone entgegenhalten.
Die westdeutschen Verteidigungspläne haben keinerlei aggressiven Charakter und würden überflüssig, wenn Rußland die Vorbedingungen für einen Weltfrieden erfüllen würde. Solange dies nicht geschieht, kann man auch an den guten Willen Rußlands, einen Friedensvertrag mit Deutschland zu schließen und Deutschland wieder zu vereinigen, nicht glauben. Alle Vorschläge der Westmächte, wieder ein wirklich demokratisches Deutschland auf Grund freier Wahlen zu schaffen, sind bisher abgelehnt worden. Undemokratische Wahlen, wie sie am 15. Oktober in der Sowjetzone vorgenommen wurden, lehnen auch die Einwohner der Bundesrepublik einmütig ab.
Es erhebt sich die Frage, ob Rußland gewillt ist, seinen vier Forderungen Nachdruck zu verleihen oder ob es ihm genügt, die westliche Abwehrfront mit ihrer Hilfe zu verwirren und besonders die Haltung Frankreichs zu beeinflussen. Der französische Außenminister Robert Schuman hat nachdrücklich darauf hingewiesen, die Sowjetunion habe in ihrer Protestnote gegen die deutsche Wiederbewaffnung an keiner Stelle erklärt, sie werde eine derartige Maßnahme der Westmächte „nicht dulden“. Es sei lediglich von einer „Nichtzulassung der Aufstellung einer westdeutschen Armee“ die Rede. Die Franzosen kennen sich in diplomatischen Feinheiten besonders gut aus. Sie können also recht haben, wenn sie annehmen, bei den Prager Forderungen handle es sich ebenso um einen Bluff wie bei den Beschlüssen der Warschauer Konferenz, die gegen die Errichtung der westdeutschen Bundesrepublik Protest erhob.
Das „Bonner Schutzkommando“
Wesentliche Einschränkungen gegenüber dem bisherigen Plan
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Bonn, 22. Oktober. Statt des 400 Mann starken „Schutz- und Begleitkommandos“, das die Dienststelle Graf Schwerin aufstellen und das zu einem Viertel aus früheren Hauptleuten und Majoren bestehen sollte, wird nach einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzleramt und Bundesinnenministerium zum Schutz der Mitglieder der Bundesregierung sowie der Bonner Parlaments- und Regierungsgebäude lediglich ein etwa 120 Mann starkes „Schutz-Kommando“ aufgestellt werden. Zuständig hierfür wird nicht mehr die Dienststelle Graf Schwerin, sondern das Bundesinnenministerium sein. Oberst a. D. Vogtsberger wird aber voraussichtlich auch unter der Verantwortung des Bundesinnenministers die Vorarbeiten für das „Schutzkommando“ fortsetzen. Das „Schutzkommando“ wird nur etwa so viel Offiziere erhalten wie eine normale Polizeihundertschaft.
Dienststelle Graf Schwerin
Die Aufstellung eines „Schutz- und Begleitkommandos“ war der Dienststelle Graf Schwerin während der Koreakrise aufgetragen worden. Die Dienststelle Graf Schwerin setzte sich dann mit dem Verband der versorgungsberechtigten ehemaligen Wehrmachtsangehörigen in Verbindung, um mit seiner Hilfe die Offiziere und Mannschaften für dieses Kommando zusammenzubringen. Rundschreiben des Verbandes an seine Unterorganisationen erregten in der deutschen Oeffentlichkeit erhebliches Aufsehen und stifteten beträchtliche Verwirrung. Es dürfte auch in Bonner Regierungskreisen einiges Befremden hervorgerufen haben, daß der Verband maßgebenden Einfluß auf die personelle Zusammensetzung des Schutzkommandos auszuüben schien.
Der neue Bundesinnenminister Dr.Lehr hat dann von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß alle Fragen der Polizei und der inneren Sicherheit und somit auch das beabsichtigte Schutzkommando zu seiner Zuständigkeit gehören müßten. Mit der Herausnahme des Schutzkommandos aus der Dienststelle Graf Schwerin und seiner Eingliederung in das Bundesinnenministerium haben die Gerüchte ihre Aufklärung gefunden, die in den letzten Tagen von einer Krise um den Grafen Schwerin wissen wollten. Wie wir erfahren, betrifft aber die Kritik, die wegen des Verfahrens bei der Aufstellung des „Schutz- und Begleitkommandos“ geübt worden ist, keineswegs die Tätigkeit, die Graf Schwerin als militärischer Berater des Bundeskanzlers ausübt. Bei den Verhandlungen mit dem alliierten Sicherheitsausschuß wird Graf Schwerin dem
Lebhafte Differenzen
Bevollmächtigten der Bundesregierung, dem Abgeordneten Blank, wie bereits angekündigt wurde, als Berater zur Seite stehen. Die Dienststelle Graf Schwerin wird künftig ausschließlich mit den Fragen der äußeren Sicherheit befaßt sein, soweit diese bereits an die Bundesregierung herangetragen werden. Zur Zeit handelt es sich dabei vornehmlich um die Beschaffung der für die alliierten Truppenverstärkungen erforderlichen Unterkünfte. Mit der Etatisierung der Dienststelle Graf Schwerin wird sich der Haushaltsausschuß des Bundestags im Laufe der Woche befassen.
Aus der am Samstag veröffentlichten Erklärung von Bundeskanzleramt und Bundesinnenministerium ist die amtliche Bestätigung dafür zu entnehmen, daß die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die Bereitschaftspolizei noch nicht abgeschlossen werden konnten und daß Meinungsverschiedenheiten nicht nur zwischen dem Bund einerseits und den Ländern andererseits, sondern auch unter den Ländern selbst bestehen. Vor allem hört man, daß der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Arnold, Wortführer der Länderminister ist, die den Anspruch der Länder auf die Polizei gegen den Bund vertreten. Während die sozialdemokratischen Ländervertreter bei ihrem Widerspruch gegen eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern offensichtlich das Ziel verfolgen, das von den Sozialdemokraten gewünschte Bundespolizeigesetz notwendig zu machen, was wahrscheinlich die Schaffung einer Bundespolizei zu bedeuten haben würde, vertritt Ministerpräsident Arnold den Standpunkt, daß die Polizei ausschließlich Ländersadie bleiben muß.
Bonn dementiert
Bonn, 22. Oktober. Bundeskanzleramt und Bundesinnenministerium dementierten am Samstag die Meldungen, daß eine sogenannte „Führer-Reserve“ für die Bereitschaftspolizei gebildet worden sei. Richtig sei, daß der Bundesinnenminister Vorbereitungen für die Aufstellung eines begrenzten Führungsstabes und von technischen Spezialeinheiten treffe, die dem in dem Abkommen mit den Ländern vorgesehenen Bundesinspekteur der Bereitschaftspolizei beigegeben werden sollen.
Nur für Leichtgläubige
Adenauer zur Prager Konferenz
Goslar, 22. Oktober. (AP.) „Die Forderungen der Prager Konferenz des Kominform sind für Leichtgläubige bestimmt“, erklärte Bundeskanzler Dr. Adenauer am Sonntag in einem Kommunique.
Zu den einzelnen Forderungen seien folgende Fragen zu stellen:
Zu 1: Nur in der Sowjetzone findet eine Remilitarisierung statt, und zwar eine sehr intensive. Soll die Ostzonenpolizeiarmee aufgelöst werden?
Zu 2: Soll die Industrie der Ostzone nicht mehr ausgeraubt werden? Sollen ihre Produkte in Zukunft den Bewohnern der Ostzone verbleiben?
Zu 3: Sollen die russischen Besatzungstruppen in eine solche Entfernung von den deutschen Grenzen zurückgezogen werden, die der Entfernung Amerikas von Deutschland entspricht?
Zu 4: Voraussetzung der Bildung eines „Deutschen Rates“ sind freie Wahlen in ganz Deutschland. Es ist ein starkes Stück, nach den Scheinwahlen vom 15. Oktober eine solche Zumutung an uns zu stellen.
Atomforscher verschwunden
Stockholm, 22. Oktober, (dpa) Der Atomforscher Professor Bruno Pontecorvo ist vor sieben Wochen plötzlich von seinem Ferienaufenthalt in Italien nach Helsinki abgereist und seitdem verschwunden. Es wird vermutet, daß er nach Moskau gegangen ist. Nachdem das Verschwinden Pontecorvos am Freitag in Rom bekannt geworden war, ist es jetzt der Polizei nach fieberhaften Bemühungen gelungen, den Reiseweg des Forschers genau zu rekonstruieren. Die Spur führt bis Helsinki, wo sie unvermittelt abbricht. In Helsinki vermutet man, daß Pontecorvo eine der sowjetischen Maschinen, die die Strecke nach Moskau befliegen, benutzt hat, um in die Sowjetunion zu gelangen.
„Todesfort“ Langson gerũůumt
Rückzug in Indochina
Saigon, 22. Oktober. (AP.) Die französischen Truppen haben das berühmte „Todesfort“ Langson an der chinesischen Grenze in Nordtonking geräumt. Damit ist der Schlüsselpunkt der französischen Verteidigung im Norden von Indochina in die Hände des Feindes gefallen. Der Fall der Festung hat das gesamte Hinterland bis hinunter nach Hanoi entblößt.
Ausschluß von Minister Wagner?
Noch keine endgültige Entscheidung der sozialdemokratischen Partei
Wiesbaden, 22. Oktober. (Eigener Bericht.) Der erweiterte Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei Hessen-Süd hat, wie erst jetzt bekannt wurde, in einer Sitzung am Donnerstag in Frankfurt den hessischen sozialdemokratischen Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, aus der Partei ausgeschlossen. Der Vorsitzende von Hessen-Süd, Willi Knothe, hatte bereits am Montag Wagners Kandidatur im Wahlkreis Oberlahn/Wetzlar - Süd als „nicht ordnungsgemäß erfolgt“ bezeichnet und bei einem Verharren Wagners auf seiner Kandidatur entsprechende Folgerungen des Partei - Vorstandes in Aussicht gestellt.
Wie wir dazu aus sozialdemokratischen Parteikreisen erfahren, ist dieser Beschluß des Bezirksvorstandes nicht als endgültig zu werten. Nach dem Organisationsstatut der Sozialdemokratischen Partei wird in solchen Fällen auf Antrag ein Schiedsgericht auf Bezirksebene zusammentreten, um über Anerkennung oder Widerruf eines Ausschluß-Verfahrens zu befinden. Stimmt dieses Schiedsgericht im Sinne des Spruches der Bezirksparteileitung zu, kann der Betroffene auf Antrag ein übergeordnetes Schiedsgericht (Landes- oder Bundesebene) zur Wahrnehmung seines Falles beantragen. Die Landesdelegierten-Konferenz, die am Samstag in Gießen zusammentrat, lehnte es ab, bei dieser Tagung zu der Entscheidung des südhessischen Bezirksvorstandes Stellung zu nehmen.
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Die auf der Gießener Landesdelegiertenkonferenz der Sozialdemokratischen Parteiaufgestellte Landesergänzungsliste umfaßt insgesamt 80 Kandidaten. Als Spitzenkandidaten wurden aufgestellt:
1. Christian Stock, Ministerpräsident, Wiesbaden; 2. Heinrich Zinnkann, Innenminister, Wiesbaden; 3. Dr. Elisabeth Selbert, Kassel; 4. Wilhelm Winterstein, Pfungstadt, Vertreter der Flüchtlinge; 5. Christian Wittrock, Kassel; 6. Max Bock, Vorsitzender der Metallgewerkschaft, Frankfurt; 7. Albert Gnaas, Vertreter der Flüchtlinge Nordhessens; 8. Heinrich Schneider, Marbach; 9. Landeshauptmann Witte, Wiesbaden; 10. Ruth Horn, Darmstadt-Eberstadt.
11. Hans Nietzsche, Vorsitzender der Körperbehinderten, Kassel; 12. Ferdinand Bund, Vertreter der Flüchtlinge Wiesbadens; 13. Fritz Brecht, Kassel; 14. Olaf Ratke, Dietesheim am Main; 15. Leo Heißwolf, Frankfurt, Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft; 16. Hans Pfister, Nordhesen; 17. Hermann Schaub, Stadtverordnetenvorsteher, Frankfurt; 18. Hugo Ramm, Zwingenberg; 19. Otto Rüdiger, Kassel; 20. Herbert Bartsch, Vertreter der schlesischen Heimatvertriebenen, Wiesbaden.
Bekenntnis zu Enropa
Erster gesamtdeutscher Parteitag der Christlich-Demokratischen Union in Goslar
Goslar, 22. Oktober, (dpa/AP.) Der erste gesamtdeutsche Parteitag der Christlich-Demokratischen Union in Goslar wählte Bundeskanzler Dr. Adenauer zum Ersten Vorsitzenden der Partei. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Dr. Friedrich Holzapfel und Bundesminister Jakob Kaiser bestellt. Anschließend nahm der Parteitag einstimmig das zehn Punkte umfassende Parteistatut der gesamtdeutschen Christlich-Demokratischen Union an. Als oberste Organe der Partei bestimmt dieses Statut den Bundesparteitag, den Bundesparteiausschuß und den Bundesparteivorstand. Die Vertreter der Sowjetzone werden vorläufig durch einen vom legitimen Hauptvorstand der Christlichen Demokraten der Sowjetzone einberufenen Zonenparteitag gewählt. Bis zum Inkrafttreten eines Friedensvertrages beträgt die Zahl der Vertreter der Provinzen östlich der Oder und Neiße je fünf. Für das Saarland kann der Vorstand Vertreter bestellen. Mit der Christlich-Sozialen Union in Bayern bildet die Christlich-Demokratische Union eine Arbeitsgemeinschaft.
Der Fraktionsvorsitzende der Christlich-Demokratischen Union im Bundestag, Dr. von Brentano, bekannte sich in seiner Rede, die im Mittelpunkt des Parteitages stand, zu einem in Frieden geeinten Europa. Brentano betonte, die deutsch-französische Verständigung sei unerläßliche Voraussetzung für die europäische Zusammenarbeit. Das deutschfranzösische Verstehen könne nur in einem gemeinsamen Akt des Willens, des Glaubens und des gegenseitigen Vertrauens geschaffen werden. Ueber allem müsse die Erkenntnis stehen, so führte Brentano aus, daß Europa im Glauben an seine unvergängliche Existenz und seine unveräußerlichen kulturellen und politischen Aufgaben geeint werden müsse, nicht aber durch ein System von Staatsverträgen und Handelsabkommen.
legierten des Parteitages haben sich in einer Erklärung hinter die Politik des Bundeskanzlers Adenauer gestellt. Sie wenden sich gegen die Aeußerungen Niemöllers. In ihrer Erklärung heißt es: „Wir erwarten, daß solche Aeußerungen nicht voreilig, sondern nur nach gewissenhafter Prüfung, nach brüderlicher Beratung und in gemeinsamer Verantwortung veröffentlicht werden.“ An der Spitze der Unterschriften unter diese Erklärung steht der Name des neuen Bundestagspräsidenten Dr. Ehlers.
Die Not der Flüchtlinge
Bundesflüchtlingsminister Lukaschek appellierte an den Parteitag, durch christliche Opferbereitschaft den Heimatvertriebenen zu helfen, wo die Unterstützung durch den Staat nicht mehr ausreiche. Um alle Heimatvertriebenen dem Wirtschaftsgefüge einzuordnen und um ihren Lebensstandard dem der übrigen Bevölkerung anzugleichen, seien schätzungsweise 27,5 Milliarden D-Mark notwendig, die der Staat unmöglich zur Verfügung stellen könne. Die Wirtschaft müßte, um die Bevölkerung zu ernähren, den doppelten Produktionsstand wie in Friedenszeiten erreichen.
Der Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen, Josef Gockeln, erklärt in einem Vortrag über die sozialen Aufgaben der Christlich-Demokratischen Union: „Tyrannei bleibt Tyrannei! Wir sind gegen die Wünsche eines kapitalistischen Herzens genau so Kritisch wie gegen die gleisnerischen Beteuerungen der Propheten einer neuen und beglückenden Volksdemokratie. Unfreiheit schmeckt uns in keiner Form, ebensowenig in einer kapitalistischen Wirtschaft wie in der Despotie des’ Staates, der Organisationen, Verbände und Parteien.“
Deutschland soll erstarken
Die ausländischen Gäste des Parteitages begrüßten die Rede von Dr. von Brentano mit großem Beifall. Der greise Vorsitzende der Christlich-Sozialen Volkspartei von Luxemburg, Ehrenstaatspräsident Dr. Reuter, erklärte, das deutsche Volk solle genügend Stärke gewinnen, um als gleichberechtigtes Mitglied der Völkerfamilie seinen Platz im Herzen Europas wieder einnehmen zu können. Der Vertreter Frankreichs, Mitglied des Senats, Professor Dr. Bartholomäus Ott überbrachte die Wünsche seines Parteivorsitzenden Bidault. Er erklärte, daß die deutsch-französische Verständigung nicht schnell genug vorangetrieben werden könne. Der Schuman-Plan sei ein erster Schritt, dem weitere und umfassendere folgen müßten. Als Dr. Ott seine Rede beendet hatte, stand Bundeskanzler Adenauer impulsiv auf und drückte ihm die Hand. Zahlreiche andere Redner aus westeuropäischen Ländern schlossen sich den Erklärungen von Dr. von Brentano, Dr. Reuter und Professor Ott an. Immer wieder brauste stürmischer Beifall durch den Sitzungssaal. Alle Redner sprachen deutsch und wie ein Symbol wirkte über der Tribüne die grün-weiße Europaflagge. Der Berliner Bürgermeister, Dr. Friedensburg, ging noch einmal auf die Erklärungen und Briefe des Kirchenpräsidenten Niemöller ein. Als Vertreter Berlins und der Evangelischen Kirche fühle er sich berechtigt zu sagen, so erklärte Friedensburg, daß die Haltung Niemöllers nur von einem verschwindend kleinen Teil der Evangelischen Kirche gebilligt werde. Die überwiegende Mehrheit sehe die zwingende Notwendigkeit ein, sich mit Leib und Leben gegen den Bolschewismus einzusetzen. Auch Berlin sei nicht durch Gebete und Reden gehalten worden, sondern nur durch die Entschlossenheit der Bevölkerung, auch das Letzte einzusetzen. Die evangelischen De-
Wohnheime für Jugendliche
Ein Plan der Bundesregierung
Hi. Bonn, 22. Oktober. (Eigener Drahtbericht,) Nach dem der Bundesregierung vorliegenden Zahlenmaterial gibt es 220 000 Jugendliche im Alter von vierzehn bis achtzehn Jahren, die keine Arbeit haben, davon allein in den Flüchtlingsländern Hessen, Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Berlin 190 000. Weitere 200 000 erwerbslose Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren wurden in den Flüchtlingsländern gezählt, dazu kommen 150 000 Jugendliche gleichen Alters in den übrigen Ländern.
Die Bundesregierung beabsichtigt, für diese Jugendlichen noch in diesem Haushaltsjahr 16 000 bis 17 000 Wohnplätze zu schaffen. tDie Wohnheime sollen in Gegenden errichtet werden, in denen Arbeitsmöglichkeiten gesichert sind. Außerdem sollen diese Jugendlichen in Kursen eine Berufsausbildung erhalten. Auf die Gesamterwerbslosenzahl entfallen 20 bis 24 Prozent Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren. Es wird als dringend notwendig bezeichnet, gerade diese Altersklassen als Facharbeiter für die Wirtschaft zu sichern.
Weiter ist beabsichtigt, zur Förderung betriebsgebundener Ausbildung und Musterwerkstätten der Wirtschaft einen Kredit in Höhe von 15 bis 20 Millionen Mark und dem Handwerk einen solchen von 1,5 Millionen Mark durch die Bank deutscher Länder zu gewähren.
Wahlbündnis gescheitert
Wiesbaden, 22. Oktober. (Eigener Bericht.) Das von den Landesleitungen der Wirtschaftlichen. Aufbau - Vereinigung (WAV) und der Nationaldemokratischen Reichspartei (NDRP) geplante Wahlbündnis wurde am Sonntag in gemeinsamen Delegiertenversammlungen beider Parteien abgelehnt.
Die Nationaldemokratische Reichspartei erklärte hierzu in einem PressekommuniquS, angesichts der Verschiedenheit der politischen Konzeptionen sei es unmöglich, zu den hessischen Landtagswahlen irgendeine Form der Zusammenarbeit zu finden.
Im Namen der Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung und des Blocks der Vertriebenen und Entrechteten (BVE — nicht zu verwechseln mit dem BHE-Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten —), die sich am Sonntag zu einem „Block der Vaterländischen Einigung“ zusammengeschlossen haben, erklärte der erste Vorsitzende dieses Blocks, Hans Arnim (Darmstadt) auf einer Pressekonferenz, das Wahlbündnis mit der Nationaldemokratischen Reichspartei sei an dem rechtsradikalen Kurs dieser Partei gescheitert
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdrack Alle Reckte beim Wolfgang Krüger-Verlag, Bambart
44) „Aber das meine ich doch gerade, ich will nicht immer krank sein, und ein paar Kinder möchte ich wohl haben, aber nicht so viele wie Mama. Aber der Abbe sagte —“
Sie schwieg verlegen, und Henriette wandte sich ab. um jenen fragenden klaren Augen auszuweichen. Zögernd erklärte sie Isabella, so gut sie konnte, was eine Ehe bedeutet. Es war nicht ihres Amtes, das zu tun, und die Herzogin wäre zweifellos außer sich geraten, hätte sie geahnt, daß die Erzieherin ihrer Kinder die Grenzen des Anstands so weit überschritt. Henriette war jedoch zu bewegt von der Unschuld und Unwissenheit des jungen Mädchens, um ihr nicht in ihren Nöten beizustehen. Wie sollte sie das eine beachten und dabei das andere ganz außer acht lassen?
„Zerbrich dir nicht weiter den Kopf darüber“, schloß sie. „Mach du deine Erfahrungen, wie sie gerade kommen. Sei nicht kleinlich und denke von deinem Mann stets das Beste, selbst wenn dein neues Leben dir zunächst ungewohnt vorkommt. Sei glücklich, meine Liebe, denn ich weiß, daß Glücklichsein das Schönste im Leben ist; und vor allem, laß dich niemals von irgend etwas, was der Abbe oder andere dir sagen, einschüchtern oder ängstigen.“ „Nein, das will ich gewiß nicht, Mademoiselle, und vielen Dank auch, Made-
moiselle!“ Sie war wieder ganz das Schulmädchen von einst. „Ach ja, Mademoiselle, glauben Sie, daß ich heute nachmittag mein neues Kleid mit dem Kirschenmuster anziehen darf, wenn ich mit Louise und meinen Kusinen Schokolade trinken gehe?“
Lächelnd gab Henriette ihre Einwilligung, obgleich sie der Ansicht war, daß das neue Kleid für diese Gelegenheit durchaus nicht das Richtige war. Aber Isabella war ja noch so jung, so jung und so rührend unerfahren.
„Eines Tages“, dachte Henriette, „wird das anders sein. Ein junges Mädchen wird dann so wissend wie ihre Brüder in die Ehe gehen- und braucht sich nicht mehr einem ungewissen Schicksal auf Gnade oder Ungnade auszuliefern."
Einen Monat später waren sie wieder in Melun, gerade noch rechtzeitig, um die Obstblüte zu erleben. Der Mai und der Juni gingen friedlich dahin. Im Juni feierte Raynald seinen achten Geburtstag, und alle Bauern und Pächter waren mit ihren Kindern dazu eingeladen. Henriette war stolz darauf, wie gut der Junge aussah und wie tadellos er sich bei dieser Gelegenheit benahm. Sogar die Herzogin drückte ihre Zufriedenheit aus. „Er macht Ihnen Ehre, Mademoiselle“, ließ sie sich tatsächlich herbei, am Abend des Festes zu sagen. „Ich fange an, neue Hoffnung zu schöpfen, daß er doch noch eines Tages so gesund und kräftig sein wird wie seine Brüder.“
„Ich danke Ihnen, Herzogin“, hatte Henriette erwidert und sah Raynald an, wie er die Geschenke zusammentrug, die ihm gebracht worden waren. „Im letzten Jahr hat er große Fortschritte gemacht, und ich nehme an, er wird bald die Schule besuchen können und dann ist meine Arbeit hier getan Ein Junge soll nicht ewig an Weiberröcken hängen."
„Das ist wahr", pflichtete seine Mutter bei. „Aber sie werden mir alle zu schnell erwachsen, und er ist doch mein Jüngster.“ Sie seufzte und versank in eine ihrer Träumereien. „Acht Jahre! Es erscheint mir kaum glaublich, daß seine Geburt so weit zurückliegt. Er kostete mich damals beinahe mein Leben, Mademoiselle, Der Herzog war wie von Sinnen.“
„Das kann ich mir wohl denken“, murmelte die taktvolle Henriette, „und mir, Herzogin, will es oft nicht in den Kopf, daß es schon mehr als vier Jahre her sein soll, seit ich herkam, um die Erziehung der Kinder zu übernehmen."
In diesem Sommer 1845 war es Berthe, der ihrer besonderen Fürsorge bedurfte, denn obwohl sie wieder ganz genesen war, hatte die Krankheit eine gewisse Anfälligkeit zurückgelassen. Sie, die von allen die Ausgelassenste gewesen war, überschäumend vor Lebenslust und Frohsinn, war nun eine ganz andere geworden. Bevor der Scharlach sie aufs Krankenlager warf, war sie ein blühendes, schönes Kind gewesen; aber wie bleich und abgemagert und mißvergnügt war sie wieder aufgestanden! Während jener Wochen im Bett war sie überdies überschnell gewachsen und hatte ihre kindliche Schönheit eingebüßt. Die Herzogin trauerte über das Aussehen ihres Kindes, und der Herzog zeigte sich darüber fast noch mehr bekümmert.
„Ihre Gleichgültigkeit beunruhigt mich am meisten, Monsieur“, sagte Henriette zu ihm. „Ihre Schönheit — das macht nichts aus, die wird sie schon wieder kriegen. Sie hat ihre ganze Kraft verzehrt, um das Fieber abzuwehren. Wir dürfen nicht erwarten, daß alles auf einmal wieder in Ordnung kommt.“
„Nein, da haben Sie wahrscheinlich recht“, gab er zu. „Aber Sie klagen doch auch über ihre Appetitlosigkeit, und dagegen muß doch etwas geschehen. Ich sprach letzte Woche mit dem Arzt darüber, und er meinte, das würde sich an der See schon geben, und ihr Großvater hat uns aufgefordert, im August nach Olmeto zu kommen. Ich will mit der Herzogin darüber sprechen, wenn Sie derselben Ansicht sind.“
Fast ohne Ausnahme kam er mit allen Fragen zu ihr, nicht nur was die Kinder anbetraf, sondern auch mit Angelegenheiten des'’ Haushalts und neuerdings auch, um die Probleme seiner politischen Karriere mit ihr zu erörtern. Es war sehr schmeichelhaft für sie, von ihm um Rat gefragt zu werden, und noch schmeichelhafter, wenn er diesen Rat befolgte. Ihre Vorschläge hätten sich, wie er behauptete, stets als klug und wohlbedacht erwiesen.
Bisweilen führten sie sogar längere Gespräche über die politischen Tagesfragen. Sie setzte ihn dabei immer wieder in Erstaunen mit ihrer Kenntnis der Lage in Frankreich und des Weltgeschehens. Ihre Ansichten über Regierungsformen und auswärtige Angelegenheiten stimmten nicht immer überein, doch empfand er ihre Urteile stets als fruchtbar und anregend.
(Fortsetzung folgt.)
Stimmen der Anderen
Die Somjetnote
Zur sowjetischen Beschwerde wegen angeblicher Wiederaufrüstung der Deutschen Bundesrepublik und zur Ostblockkonferenz in Prag schreibt „Figaro“ (konservativ):
„Es handelt sich eindeutig um ein Einschüchterungsmanöver der Sowjetunion gegenüber den Westmächten. Die Unehrlichkeit der sowjetischen Note an die Westmächte zeigt sich darin, daß die Volkspolizei als eine militärische Organisation bezeichnet wird. Dies ist hauptsächlich ein Versuch, Frankreich einzuschüchtern, dessen Regierung den amerikanischen Vorschlägen auf eine Bewaffnung der Bundesrepublik noch immer ablehnend gegenübersteht.“
„Franc Tireur“ (linkssozialistisch) erklärt: „Die sowjetische Note hat hauptsächlich zum Ziel, Frankreich einzuschüchtern. Frankreich darf sich aber weder von der sowjetischen Drohung noch von dem amerikanischen Druck oder von den guten Ratschlägen Churchills beeinflussen lassen. Es muß der gefährlichen amerikanischen These über die Schaffung einer deutschen Armee eine positive Lösung zur Verteidigung Europas entgegensetzen.“
Die sowjetamtliche „Tägliche Rundschau“ schreibt, die Sowjetregierung habe in ihrer Antwort die Dinge, die in der Note der Westalliierten auf den Kopf gestellt worden seien, wieder auf die Beine gestellt.
„Die Proteste der Imperialisten sollen die Entwicklung in den Westzonen Deutschlands tarnen, deren Ziel nur ein Aggressionsakt sein kann und auch sein soll. Die Note der Sowjetregierung hat ihnen die Tarnkappe heruntergerissen.“
Der West - Berliner „Telegraf“ scheibt zum gleichen Thema: Vor allem aber wollten die Sowjets Einfluß nehmen auf die Debatte in der französischen Nationalversammlung.
„Mit klugem Bedacht wählten die Moskauer Machthaber diesen Zeitpunkt für ihre Antwort. Aber Hunde, die viel bellen, beißen nicht und man geht nicht fehl, wenn man apnimmt, daß Moskau angesichts der geschlossenen Front der Vereinten Nationen gegen seine Aggressionspolitik nur seinem Aerger Luft machen wollte.“
Die Saarkonvention
Die der Christlichen Volkspartei des Ministerpräsidenten Hoffmann nahestehende „Saarländische Volkszeitung“ begrüßt die Ratifizierung der Saarkonventionen durch die französische Nationalversammlung als den Beginn eines „neuen Abschnitts in der Geschichte des Saarlandes“. Chefredakteur Albert Dörscheid, bis vor kurzem Leiter des saarländischen Informationsamtes, schreibt:
„Das Saarland hat seine Autonomie In Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung erhalten. Dem in den verschiedenen Wahlen zum Ausdruck gekommenen Willen der Bevölkerung ist Rechnung getragen.“
Die sozialdemokratische „Volksstimme“ gibt keinen eigenen Kommentar. Sie weist lediglich darauf hin, daß in der Debatte der Nationalversammlung über die Saarkonventionen von einem Sprecher auch ein eigenes Bistum für das Saarland gefordert wurde, das bisher noch zum Bistum Trier gehört.
Die Finanzierung der Wahlen
Feststellungen Knothes auf der Konferenz der Sozialdemokraten
Drahtbericht unseres Korrespondenten
A. Gießen, 22. Oktober. Der Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Hessen-Süd, Willy Knothe, hat auf der Landesdelegiertenkonferenz seiner Partei in Gießen erklärt, der Wahlkampf der Freien Demokratischen Partei und der Christlich-Demokratischen Union würde von Wirtschafts- und Finanzkapital finanziert. Die Unternehmer seien aufgefordert worden, den beiden bürgerlichen Parteien pro Beschäftigtem
in Ihrem Betrieb 2,50 Mark zur Verfügung zu stellen. Knothe erklärte weiter, daß die Zuwendungen für die Freie Demokratische Partei über das Konto des „Wirtschaftsdienstes Konto Nr. 636 / Frankfurter Bank“ und die Beträge für die Christlich-Demokratische Union über die „Wirtschaftspolitische Beratungssteil „• Mitteldeutsche Kreditbank Frankfurt“ und über das Konto des im Bonner Untersuchungsausschuß bekanntgewordenen Syndikus A. Heinrichsbauer, Frankfurt, laufen sollen. Sie könnten als Betriebsausgaben verbucht und damit an der Steuer abgesetzt werden.
Der Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Hessen-Süd sagte weiter, in einem Aufruf sei die Unternehmerschaft darauf hingewiesen worden, daß sie alles zu tun hätte, um ein Ergebnis der hessischen Landtagswahl zu ermöglichen, das der wirtschaftlichen Konzeption entspräche, auf die sich die Regierung Adenauer stütze. Es gehe um das Schicksal der Privatwirtschaft und um die Erhaltung der gegenwärtigen Bundeswirtschaftsordnung.
Willy Knothe erklärte weiter, daß zur einseitigen Beeinflussung der Wählerschaft zwar im reichlichen Maße Mittel verfügbar seien, für Lohnerhöhungen und sonstige soziale Hilfsmaßnahmen aber nicht. Der Sozialdemokrat’schen Bartei ständen nur die geringen Mittel , es , e'nen Mannes zur Bestreitung des Wahlkampfes zur Verfügung.
In Würzburg wurde am Wochenende der Deutsche Alpenverein wiedergegrün-
Darmstadt und Umgebung
Herbstliche Feuer
iJS' Pas Lau^ im Oktober ist so bunt, daß ’hni die Vorstellung keine andere Farbgebung entgegenzusetzen vermag. Schon ist die Sonne nicht mehr in der Lage den nächtlichen Reif an der Schattenseite des Waldes zu entfernen, und nur einzelne Moos-Inseln im halbhohen Buschwerk nahe der Straße gelegen, sind in den Mittagsstunden ganz warm und trocken. So geben die goldenen, roten und braunen Blätter jenes gläserne und schmerzlose Glück gänzlichen Ausgewogenseins, das den Herbst alleine schon deswegen liebenswert macht.
Nun betrachtet der Mensch erstaunt die sommerlichen Plätze geräuschlosen Verweilens, die ihm glaubhaft machen wollten, es fände eine Verbundenheit mit der Erde statt. Auf den Feldern ist der Mensch zu Hause im ganzen Geviert der Jahreszeiten. Und selbst nach der Kirchweih fuhren die schweren Ackerwagen wieder hinaus, um die letzten Früchte, Kartoffeln und Rüben, heimzufahren. An den Nachmittagen, wenn die Nebelschwaden in den Tälern liegen, wenn die schon untergehende Sonne nur die Kronen der Pappeln in rötliches Licht taucht, brennen die Kartoffel-Feuer auf den Feldern. In der Stille des zu Ende gehenden Tages treibt der schwache Wind den würzigen Geruch bis zu den ersten Häusern'der Stadt.
Und in den Schrebergärten, an der Peripherie der Baukomplexe, ist zum letzten Male im Jahr das Leben und Treiben der Kinder. Sie kauern mit rußigen Streifen im Gesicht vor der Glut und holen mit spitzen Stöcken die kohlschwarzen gerösteten Kartoffeln aus dem Feuer. Selbst die Drachen sind vergessen, und die mit Stolz gesammelten rostbraunen Kastanien verlieren bei den Kindern für einige Zeit ihre Wichtigkeit.
Bis in die Nacht hinein glühen die herbstlichen Feuer auf den Feldern: dankbares Leuchten für die Fruchtbarkeit des vergangenen Jahres, und Trost für die bald erstarrende Natur.
Wenn eine Schenne brennt...
Zum Abschluß der Feuerschutzwoche
Wenn eine Scheune brennt, dann pflegt man gemeinhin die Feuerwehr zu benachrichtigen, daß sie den Brandherd lösche. Nun ist es aber keinesfalls damit abgetan, daß die Feuerwehrmänner anrücken und ihre Scmauche in die Flammen richten, sondern es gehört zu dieser verantwortungsvollen Arbeit ein hohes Maß an steter Einsatzbereitschaft und Ausbildung. Die Darmstädter Freiwillige Feuerwehr demonstrierte am Samstag und Sonntag zum Abschluß der Feuerschutzwoche der Bevölkerung durch Schulübungen, daß sie im Notfall sehr wohl in der Lage ist, allen Anforderungen zu genügen. Am Samstag fanden sich drei Gruppen auf dem Friedrich-Ebert-Platz ein, die mit B- und C-Schläuchen sowie Schaumlöschern unter Aufsicht von Oberbrandmeister Mathes den Zuschauern die Einsatzentwicklung demonstrierten. Der Städtische Fuhrpark in der Arheilger Straße sah am Sonntag einen Großangriff auf einen brennenden Stall. Angenommen war, daß bei einem Unwetter die Darmstädter Berufsfeuerwehr in die Umgebung ausgerückt war, und die Brandwache in Bessüngen von der Freiwilligen Feuerwehr besetzt wurde. Durch Blitzschlag entstand in dem Stallgebäude des Fuhrparks ein Brand auf dem Heuboden, der bei Westwind drohte auf die anliegenden Stallungen überzugreifen.
Zwei Feuerwehrgruppen standen zur Verfügung, die durch Ringleitung und durch Boten benachrichtigt wurden. Sechs Minuten nach elf, nachdem um punkt elf Uhr das Feuer' auf die Sekunde ausgebrochen war, erschienen die Löschwagen der Gruppe aus dem Taunusring und aus der Bessunger Feuerwache auf dem Plan. Schlauchleitungen wurden gelegt, Verbindungsstücke gekoppelt, eine Leiter im Eilschritt herangetragen, und dann stürzte sich alles freudigen Gesichtes auf den Brandherd. Aus sechs Rohren wurde Wasser gegeben, und die sprühenden Kaskaden rannen über die Dächer und tropfen wie feiner Landregen auf den Hof herab. Die Anstrengungen hatten bald Erfolg, und nach einer knappen Viertelstunde wurde „Wasser halt!“ befohlen und die ganze Herrlichkeit verschwand wie ein Spuk.
Zurück blieb nur eine traurige Wasserlache und die Gewißheit bei den zahlreich erschienenen Zuschauern, daß man sich allzeit auf die Einsatzbereitschaft unserer Freiwilligen Feuerwehr verlassen kann. -st.
Gegenbesuch aus Washington
Einen Gast aus Washington hatte am gestrigen Sonntag die evangelische Johannesgemeinde unter sich: Dr. Brown vom Kirchenvorstand der dortigen Chevy Chase Presbyteriän Church, jener Kirche, über die Oberbürgermeister Metzger in seinem Reisebericht erzählt hat. Nach dem Gottesdienst kamen Gemeindepfarrer und Kirchenvorstand mit Herrn Dr. Brown zusammen. Er richtete Grüße vor allem auch an jene Johannesgemeindler aus, die seit längerem im Briefwechsel mit seihen Landsleuten stehen. Dann wurden die Wiederherstellungsarbeiten an der Johanneskirche besichtigt.
Dr. Brown, der in der amerikanischen Oberkommission tätig ist, versprach, öfters von Frankfurt aus nach Darmstadt zu kommen, um die Verbindung mit der Patengemeinde noch enger werden zu lassen. pd.
Richtkranz bei der Post
Dieser Tage feierte das Posttechnische Zentralamt wieder ein Richtfest in der Unteren Rheinstraße. Wohnungen und Büroräume soll der neue Bau beherbergen, für dessen Fertigstellung der Präsident des PTZ, Dr. Korde, den Bauarbeitern dankte. Oberbürgermeister Metzger dankte der Post für ihre in Darmstadt gezeigte Baufreudigkeit und ihr wachsendes Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt. Unter den Gästen waren Oberbaudirektor Prof. Grund und Baurat Bethmann vom Postministerium erschienen.
Die „Schnuffelkaut“ ist zu
Wie uns das Städtische Fuhramt mitteilte, ist die Müllabladestelle am ehemaligen Bahneinschnitt südlich des Südbahnhofs seit 1. Oktober geschlossen. Es ist daher nicht mehr statthaft, Abfälle irgendwelcher Art dort abzuladen. Die neue Müllabladestelle für den Südteil der Stadt befindet sich ab jetzt am „Griesheimer Haus“, Einfahrt von der Eschollbrücker Straße, über Forsthausschneise in Höhe der Ernst-Ludwig-Kaserne. Damit hat die, besonders nach dem Kriege zu einer traurigen Berühmtheit gewordene „Schnuffelkaut“ iiR alten Bahneinschnitt aufgehört zu existieren. Der stinkende Qualm der brennenden Abfälle wird in Zukunft nicht mehr bis zur Unteren Heidelberger Straße ziehen. Außerdem hat das Fuhramt gerade noch verhindert, daß den im neuen Bahneinschnitt vorbeifahrenden Zügen die alten Blechbüchsen in die Fenster rollten. DT
Eine Schülerin der Viktosriaschule
Gedächtnisfeier für E. Langgässer
Am Samstagnachmittag veranstaltete die Viktoriaschule im Prinz- Emils-Schlößchen für ihre ehemaligen Schülerinnen eine Feierstunde zum Gedenken an Elisabeth Langgässer. Oberstudiendirektor Dr. Stiefe n h o f e r begrüßte die Vertreter von Stadt und Staat und die ehemaligen Schülerinnen.
eneniaiigen uu—— Schon bald nach dem Tode der Dichterin die von 1909 an die Viktoriaschule und bis zum Abschluß des Lehrerinnenexamens das Seminar besuchte, habe die Schule geplant, dieser Gestalterin des deutschen Wortes ihre erste Veranstaltung zu widmen. Nach einem kurzen Abriß des Lebenslaufes Elisabeth Langgässers und Nennung ihrer Hauptwerke würdigte Studienrat Arenhoevel, Ser auf ihr Leben und ihre Dichtung eingehend, die Wesenszüge und Gestaltungskraft der ungewöhnlichen Persönlichkeit der Dichterin.
Die Feier wurde umrahmt von Chören der beiden Primen, die Studienrat Born einstudiert hatte. t-s
Angst vor Krebs?
Dr. med. Günther hielt Aufklärungsvortrag
Mit einem Aufklärungsvortrag über das Krebsproblem eröffnete der Biochemische Verein und der Naturheilverein die Reihe der geplanten Vorträge während des Winterhalbjahres 1950/51. Das Interesse des Publikums war so groß, daß der Zintl-Saal der T. H. aufgesucht werden mußte.
In anschaulicher Weise verstand es der Redner, Dr. med. Bruno Günther-Darmstadt, das Krebsproblem nach dem Stand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zu beleuchten. Die Erkenntnis in der Erforschung des Krebses gipfelt zunächst in der ernüchternden Feststellung, daß wir über den Erreger des Krebses, etwa im Sinne der bakteriologischen Seite, nichts wissen. Erblich sei der Krebs nicht, es gebe auch keinen Beweis dafür, daß ■ Kinder Krebskranker krebsdisponiert sein können. Es stehe aber fest, daß gewisse „Errungenschaften“ der modernen Zivilisation krebstfördernd seien. Besonders die Anilinfarben, die in Kleidern, in der Nahrung und in allem, was uns umgibt, vorhanden sind, seien krebsfördemd. Daneben gebe es eine ganze Reihe von industriellen und chemischen Produkten, die krebsfördernde Eigenschaften hätten. Durch das heutzutage überhandnehmende Zigarettenrauchen sei nachweisbar der Lungenkrebs stark gefördert worden.
Der Vortragende ermahnte die sichtbar tief beeindruckte Zuhörerschaft, an der Abwehr des Krebses durch eine einfache, möglichst giftfreie, naturgemäße Ernährung und Lebensweise bedzutragen. J. B.
40sährige Eberstädter feterten
In den bunten Reigen der festefeiernden Eberstädter Geburtstagskinder reihten sich am Samstagabend die 40jährigen ein. Lisbeth Bauer und Wilhelm Bauer begrüßten etwa 150 Eberstädterinnen und Eberstädter im Gasthaus „Zur Eisenbahn“, die sich köstlich amüsierten und bei den Klängen der Kapelle Bänis c h tüchtig Beine und Gläser schwangen.
Zum Gelingen des Festes trugen besonders die freundnachbarlichen Beziehungen zu Bessungen bei, das Eberstadt durch die Jahrzehnte verbunden blieb. Bessungen hatte eine Gruppe vom Carnevalverein entsandt, bei deren humoristischen Darbietungen herzlich gelacht wurde. Ebenfalls tüchtig geklatscht wurde noch zu Ehren des Quartetts vom Gesangverein „Frohsinn“ Eberstadt, t-s.
Schuß den Sinavögeln
Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Heinrich Krauth, konnte am Samstag im Rathaussaal in Eberstadt eine stattliche Anzahl Besucher begrüßen. Herr Schäfer vom Bund für Vogelschutz Darmstadt verstand es ausgezeichnet, mit farbigen Lichtbildern aus unserer heimischen Vogelwelt die Liebe zu unseren singenden Gärtenbewohnern noch zu verstärken. Die aufmerksamen Zuhörer nahmen seine Vorschläge, im kleinen selbst geschaffenen Naturbereich des Hausgartens nieder ein gesundes biologisches Verhältnis zu schaffen, begeistert auf. Der Redner empfahl die Einrichtung von Nisträumen für Vögel in Brutkästen verschiedener Art und an Hauswänden, die Fütterung im Winter, das Pflanzen von Hecken für den Nestbau der Vögel und die Spatzenbekämpfung, gegen die leider noch kein wirksames Mittel gefunden wurde. t-s.
Wildschwein, Kerzenlicht und Schnecken
Stippvisite in der Waldschänke „Hubertus“
Bei einer Fahrt durch den goldgelben Messeler Park entdeckten wir sie: die verträumte und versteckte Waldschänke. Fern vom Getriebe der großen Stadt liegt die Hütte still und verschwiegen zwischen den Bäumen.
Behagliche Wärme und ein freundlicher Wirt empfingen uns. An einem der einfachen Tische ließen wir uns nieder und waren sofort im Banne einer anheimelnden und romantischen Atmosphäre. „Modernes“ wie Radio und elektrisches Licht sind bewußt gemieden. Dafür strahlen Wachskerzen und Petroleumlampen gemütliches Licht aus und vereinen sich mit dem originellen Wandschmuck, der geschmackvollen Ausstattung und dem vertraulichen Schlag einer mächtigen Kuckucksuhr zu einem fast märchenhaften Fluidum, das in Kürze durch einen offenen Kamin erhöht werden wird.
Die Waldluft hatte natürlich ihre Rückwirkungen auf unseren Appetit. Stolz reichte uns Herr Schröder, der Hausvater, seinen Speisezettel. Was er da präsentiert, sind schmackhafte Spezialitäten und Anziehungspunkt Nummer 2. Man kann sich aussuchen: Wildschweinschinken, Rehrücken, Hirschbraten, Wildente und andere mit Kartoffelklößen und Pilze zu reichende Leckerbissen. Nicht zuletzt aber Schnecken, das Steckenpferd der Hubertus-Waldschänke. Alles ist fachmännisch und mit geheimnisvollen, eigenen Rezepten zubereitet. „Wer einmal bei mir gegessen hat, kommt wieder“, meinte „Schnecken-Schröder“ lächelnd. Er plaudert mit uns über Pläne, erzählt lustige Erlebnisse und von seinen verschiedenartigen Gästen, unter denen viele „Prominente“ sind.
Selbstverständlich statteten wir auch „Adam und Eva“ einen Besuch ab. Grunzend empfing uns das Wildschweinpärchen in seinem idyllischen Zwinger. Als wir spät abends aufbrachen, gaben uns die beiden treuen Jagdhunde das Geleit, während Herr Schröder mit einer Petroleumlampe den Weg aus dem Wald auf die Straße wies.
Wir glaubten, ein Waldmärchen erlebt zu haben und können nur sagen: Auf Wiedersehen, Waldschänke!
Für die, die es noch nicht wissen sollten: Straße nach Dieburg, bis Einsiedel, dann gleich links hinein. Guten Appetit, Prost und viel Vergnügen! wst.
Ein Haus der Zweckmäßigkeit
Zur Geschäftseröffnung bei L. B. Müller
Heute kann die Papier- und Schreibwarenhandlung L. B. Müller in der Schulstraße die Neueröffnung ihrer großen und modernen Ladenräume melden. In sechs Schaufenstern bietet sich dem Auge des Vorübergehenden eine Fülle begehrenswerter Gegenstände: luxuriöses Briefpapier, eine Unzahl von Füllhaltern und andere Dinge des Bürobedarfs. Um den Raumverlust auszugleichen, der durch die Anlage der Arkaden entstanden ist, wurde im Kellergeschoß ein eindrucksvoller Ausstellungsraum geschaffen, der insbesondere der Aufstellung von Büroschreibtischen und Büromaschinen dient. Eine einzige runde Stahlsäule trägt den gesamten dreistöckigen Bau. Indirekte Beleuchtung sorgt für ein angenehmes und wohltuendes Licht. Im Zwischenstock liegen die Büroräume der Firma, die durch eine Fensterleiste Einblick in den Verkaufsraum gewähren. Durch den Lichtverlust, der zwangsläufig durch die Arkaden entstanden ist, mußten hohe Schaufensterscheiben verwandt werden, die in großen Bogenscheiben in den Ladenhof führen, der mit seinen Vitrinen eine mustergültige Anlage reiner Zweckmäßigkeit darstellt. Unterhalb der Schaufenster wurde deutscher Marmor zur Verkleidung des Mauerwerks angebracht, der später ebenfalls zur Umkleidung der Arkaden Verwendung finden soll. Regierungsbaumeister Hans-Heinrich Langer hat unter Mitarbeit von Dipl.-Ing. Haenlein in vier Monaten ein Geschäftshaus geschaffen, das durch seine moderne Gestaltung der Vorderfront mustergültig genannt werden kann. -st.
Eine Wiener Revue „Alles fürs Herz“ ward am Dienstag, den 24. und Mittwoch, den 25. Oktober, in der Stadthalle gastierpn
„Okey !“ sagte Jacky - und dann ging's los
Zum Oktoberfest in Hintertupfersbacl
HGR. Es war ein harter Entschluß für uns. Erstens, weil unser kleiner DKW seit drei Tagen nicht mehr so richtig wollte, zweitens, weil Hintertupfersbach so weit abgelegen war. Dann aber siegte die journalistische Neugier und der Wunsch, auch einmal einen Darmstädter Gesangverein — die Sängerlust 1848 —, bei einem zünftigen Oktoberfest zu erleben. Müde krachselte unser DKW die Dieburger Straße empor zum Heiligkreuz, d. h. nach Hintertupfersbach ...
Zuerst glaubten wir, uns verfranzt zu haben, denn als wir die Toreinfahrt einbogen, empfing uns eine himmlische Ruhe, die aber — wie wir sogleich nach
Eintritt in den geschmückten Saal feststellten —, nichts anderes war als die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Noch hatten wir nicht unsere Mäntel abgelegt, als die Kapelle Hinze, unter der Gesamtleitung von Herrn Traser, mit einem donnernden Paukenschlag die oktoberfestfreudigen Burschen und Mädels — womit auch die ältere Generation gemeint ist — zu einer schmetternden Polka aufforderte. Selbst die Herren, die etwas steifer angezogen waren und infolgedessen auch die Verpflichtung fühlten, sich dementsprechend steifer zu halten, wurden schon nach wenigen Minuten von der ausgelassenen Stimmung angesteckt; sie stellten ihre Krawatten eine halbe Stunde zurück, öffneten den Kragenknopf und wurden Menschen.
Zwischendurch spielte die gutorganisierte „Saalpost“ für schüchterne Damen und Herren ein wenig Schicksal. Das ging so vor sich: Man kaufte sich bei einem „bayrischen“ Dirndel eine Postkarte, adressierte dieselbe z. B. an die Dame mit dem kurzen, weißgetüpfelten blauen Kleidchen am Tisch Nummer acht oder an den verlegen rauchenden Herren mit dem Adolfsschnurrbärtchen am Tisch neun, warf die Karte in den Briefkasten und beobachtete scheinheilig die Reaktion, die die Karte beim Empfänger nach Aushändigung durch den Postboten hervorrief. Diese Methode konnte mitunter zu einem Stellungswechsel führen, abgesehen davon, daß der-, diejenige, der, die nach diesem reizenden Schäkerspiel die meisten Karten hatte, später preisgekrönt wurde.
Gegen 22 Uhr machte sich unter den Hintertupfersbachern eine Unruhe bemerkbar, die zweifellos auf die Ankündigung des Polizeidieners von Hintertupfersbach (Karl Weißgärber), daß ausländische Gäste zu erwarten seien, zurückzuführen ist. Aber die Bürger von Hintertupfersbach, durch eine eindringliche demokratische Schule gegangen, wußten, was sich gehörte. Sie stellten ihre Maßkrüge auf die Tische zurück, zerdrückten ihre qualmenden Kippen und erhoben sich würdevoll, um den Gästen die gebührenden Ovationen zu erweisen. Nervös war bei dem Festzug, der sich vom „Bahnhof“ in die „Bürgermeisterei“ wälzte, eigentlich nur der Bürgermeister selbst (Adolf Lortz). Zerfahren wischte er sich mit einem braunen Handtuch immer wieder über die feuchte Stirn. Aber reden konnte er, besonders nach dem Beifall, den er erntete, nachdem er die Vertreter der Presse begrüßt hatte — für die Gemeinde Hintertupfersbach immerhin ein seltenes Ereignis. Jacky Jackson (Georg Weißgärber), der amerikanische Gast, klebte zunächst seinen Kaugummi ans Rednerpult, bevor er sich zur Ansprache aufraffte. Er trug derart dick auf, daß sich die simplen Bürger von Hintertupfersbach vor Vergnügen krümmten. Der Engländer (Willi Christ) tat’s kürzer ab. Seine Stärke lag in seiner „Rührmichnichtan“-Haltung. Zu bedauern waren die Ehrenjungfrauen von Hintertupfersbach, die sich sehr darüber beklagten, daß sich die lodderigen Burschen — trotz ihrer beachtlichen Mitgift — nicht um sie kümmern würden. So gings weiter: Gesang, Musik, Tanz und Stimmung. Der Presse hat es jedenfalls gut in Hintertupfersbach gefallen. Sie freut sich schon auf das nächste Oktoberfest.
Es geht nichts über eine schneidige Haltung und eine autoritäre Miene... denkt wohl der Polizeidiener von Hintertupfersbach, als er die ausländischen Gäste ankündigt. Foto: Hemme
kurze meldungen aus der Stadt
Zu einer Schlägerei zwischen Ame¬ rikanern und Deutschen kam es in der Nacht zum Sonntag in Eberstadt vor dem Südcafe in der Ringstraße. Als die MP und die deutsche Polizei eintrafen, hatten sich die Kämpfenden wieder getrennt.
Ein Fußgänger lief in ein Motorrad, das am Sonntagmittag die Rheinstraße an der Kreuzung Neckar—Kasinostraße befuhr. Der Fußgänger wurde verletzt und mußte in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Feuerwehrwagen und Motorradfahrer stießen am Sonntagmittag in Eberstadt auf der Kreuzung der Frankensteiner und Hügelstraße zusammen. Der Kradfahrer wurde leicht verletzt, An den Fahrzeugen entstand Sachschaden von etwa zweihundert Mark.
Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es am Samstagabend auf der Kreuzung der Dieburger Straße—Mühlstraße, als ein Lastwagen, der. aus der Mühlstraße kommend, in Richtung auf d’e Alexanderstraße einbiegen wollte, mit einem aus der Dieburger Straße kommenden Motorradfahrer zusammenstieß. Dabei zog sich der Fahrer Philipp Jährling einen Schädelbruch und eine Augenverletzung zu, so daß er in lebensgefährlichem Zustand in das Elisabethens^ ft eingeliefert werden mußte. DT
Ein Verkehrsunfall in Eberstadt ereignete sich am Samstag gegen 17.30 Uhr an der Kreuziung Schwanen-und Darmstädter Straße durch eine Zusammenstoß zweier Motorradfahrer, die beide zu Fall kamen. Ein Motorradfahrer mußte mit einer Gehirnerschütterung ins Eberstädter Krankenhaus gebracht werden. t-s
Ein amerikanischer Pkw. brannte gestern mittag auf der Autobahn bei Pfungstadt fast völlig aus. Er war mit zwei farbigen Soldaten und einer Frau besetzt, die anscheinend mit Feuer unvorsichtig umgegangen waren. Die Straßenpolizei griff mit Feuerlöschern den Fahrzeugbrand an, wodurch es gelang, den Motor zu retten.
Das Darmstädter Hallenschwimmbad hatte am vergangenen Samstag den bisher höchsten Besucherstand mit 1902 Personen zu verzeichnen. DT
Die Freiwillige Feuerwehr Griesheim verlieh ihrem Kommandanten, Oberbrandmeister Michael Zugschwerdt, für seine 50jährige Dienstzeit eine Ehrenurkunde. Die Feuerwehrmänner Peter Schupp 9 und Karl Ludwig Müller erhielten für ihre fast 40jährige
Feuerwehrzeit Ehrenplaketten. oa Das Darmstädter Orchester für Berufsmusiker beabsichtigt, demnächst in den Darmstädter Großbetrieben Werkskonzerte durchzuführen.
Einen Hausmusikabend im Gemeindehaus Eberstadt veranstaltet die evangelische Jugendgemeinde am Sonntag, den 29. Oktober. Gebracht werden Lieder und Stücke in verschiedener Besetzung, mit Sopran-, Alt- und Tenorflöten, teils mit Klavier- und teils mit Gesangbegleitung. t-s
„Olympiade der Mode“
Modeausstellung in der Stadthalle
Am heutigen Montag werden zweimal — um 16 und um 20 Uhr — eine Anzahl Darmstädter Firmen in der Stadthalle den neugierigen Augen der Darmstädter Damenwelt all das Schöne und Kostbare vorführen, das Frauen anziehend und angezogen macht. W. & P. D a - menmoden und Stegmüller werden ihre schönsten und bezauberndsten Modelle vorführen, von Grete Welter „behütet“ — für die Haare darunter sorgt Friseursalon Bein —• und P e 1 z - Z i mmermanns Pelzen erwärmt. Eine gutangezogene Frau, so meint die Firma Leder-Schnellbacher, ist aber erst gut angezogen, wenn sie eine dazu passende Handtasche hat, in der sie, falls sie groß genug ist, Porzellan bei O 1 i t z s c h kaufen kann. Ein Rundfunkgerät von Radio-Lorz wird allerdings kaum hineingehen, wenn es eines sein soll, daß es zu den Polstermöbeln und den Dekorationsstoffen der Firma Mangold paßt. Das ganze „beschirmt“ gegen Sonne und Regen die Firma Palmer-Schirme, wozu noch die Blumendekorationen des Gartenbaubetriebes Loos und die ausgestellten Fotografien von Otto Cartharius jr. im Vorraum der Stadthalle die abschließende schmückende Wirkung geben. DT.
Wie wird das Wetter?
Bodenfrost
Vorhersage: Meist heiter, vorerst Frühnebel, Mittagstemperatur um 12 Grad, verbreitet leichter Nachtfrost, schwachwindig. Weitere Aussichten: Bis Mittwoch niederschlagsfrei, zunehmend neblig, nur noch vereinzelt Bodenfrost.
Wohin gehen wir heǔte ?
Lichtspieltheater: Union: „Achtung! Atomspione!“; Thalia: „Eine Heilige unter Sünderinnen“; B e 1 i d a : „Nach Regen scheint Sonne“; Palast: „Das gibt es nur in Texas“; Hansa: „Die Sonnhofbäuerin“. Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10—18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10—16 Uhr „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“. Mnerikahaus: 19.30 Uhr .Liederabend“; Christopher O’Malley, amerikanischer Bariton, am Flügel: Marc Michel Poujol (Frankreich). Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr: Geist und Leben, Professor Dr. Eugen Lerch, Universität Mainz über: Die Stilistik in der französischen Sprache und Dichtung im Vergleich zu der Stilistik in der deutschen Sprache und Dichtung.
STARKENBURG
Empfindliche Geldstrafe für verschlossene Haustüre
Auf Grund einer vorhergegangenen Schlägerei zwischen der Angeklagten G. aus Ober-Klingen und dem Sohn ihrer Mieterin verschloß die Angeklagte am 9. Juni 1950 die Haustür und nahm den Schlüssel in ihr Schlafzimmer mit, so daß die zu Besuch weilenden Verwandten der Mieterin nicht aus dem Hause konnten. Das Gericht sah darin keine vorsätzliche Freiheitsberaubung, vielmehr eine grobe Schikane gegenüber der Mieterin und ihren Verwandten und erkannte auf eine empfindliche Geldstrafe. (Le)
73 jährige eingeschlossen
Die 67jährige A. K. aus Ober-Klingen hatte die in ihrem Hause wohnende 73jähpige L. fortgesetzt und widerrechtlich durch Anlegen eines Vorhängeschlosses in ihre Kammer eingeschlossen. Zu ihrer Verteidigung führte sie an, sie habe die L. nur solange eingesperrt gehalten, als sie mit der Post unterwegs war. Außerdem wollte sie auf diese etwas seltsame Art die Oeffentlichkeit auf ihre Wohnverhältnisse aufmerksam machen, um die Freigabe dieser Kammer zu erreichen.
Amtsgerichtsrat Dr. Rothe führte In seiner Urteilsbegründung an, daß das Gericht geneigt war, auf eine .Freiheitsstrafe zu erkennen. Die Besichtigung an Ort und Stelle habe jedoch ergeben, daß davon abgesehen werden könne. Er erkannte auf eine Geldstrafe von 100 DM.
Barer Unsinn?
Gernsheimer Hafen unter der Lupe
Eine aus Vertretern der Regierung bestehende Kommission besichtigte am Wochenende die Anlage des Gernsheimer Hafens. Es handelte sich dabei um die Prüfung der Frage, ob bei Gustavsburg ein neuer Hafen gebaut werden soll. Wie uns Beigeordneter Schneidler hierzu erklärte, ist eine Entscheidung noch nicht getroffen worden, jedoch sei Regierüngsbaurat Feh r e r mit ihm der Auffassung, daß die Kapazität des Gernsheimer Hafens, der außerdem noch ausbaufähig sei, den Ansprüchen genüge.
Beigeordneter Schneidler, der mit Fragen der Schiffahrt engstens vertraut ist, hält statt dessen die Einrichtung eines Berghafens für unbedingt erforderlich, um bei Treibeis der Schiffahrt einen Schutz zu gewähren. Den Bau eines neuen Rheinhafens an der Mainspitze, der eine Millionen-Investivierung erfordere, bezeichnete Schneidler als baren Unsinn. kr
Unhöflicher Fahrgast
Im Zeitalter der Höflichkeitsbestrebungen, die sogar den Charakter des Wettbewerbs annehmen, fiel in diesen Tagen nicht ein Beamter, sondern ein Fahrgast der Deutschen Bundesbahn aus der Rolle, was um so erstaunlicher ist, da allgemein nur Klage gegen unhöfliche Beamte geführt wird, womit nicht gesagt sein soll, daß die einen nur Engel und die anderen nur Teufel sind. Der Betreffende leitete aus dem Besitz eines gültigen Fahrtausweises die Berechtigung her, die laut Beförderungsbedingungen nur zum Sitzen dienende Bank als Liegestatt zu benutzen. Dieser wohlwollend übersehene Umstand wurde jedoch dadurch erschwert und sogar Anlaß einer Ordnungsstrafe, als der müde und nicht mehr ganz nüchterne Fahrgast sich weigerte, sein bis Goddelau erkauftes rollendes Domizil zu verlassen. Seine unangebrachten Beschimpfungen brachten ihm eine Geldstrafe von 30 DM ein. Kr-
Bürgermeisterfrage vor der.Entscheidung?
Wie wir erfahren, soll Landrat Harth die Ausschreibung zur Neubesetzung der Bürgermeisterstelle in Gernsheim genehmigt haben, nachdem diese Stelle praktisch freigeworden ist. Der damit im Zusammenhang stehende Fragenkomplex soll, wie aus Kreisen des Gemeinderats verlautet, Gegenstand der für Freitag vorgesehenen Sitzung des Gemeinderats sein. kr
Gegen Angstküunfe und Kriegspsychose
Kriminalrat i. R. Weidmann sprach in einer Frauenversammlung der Sozialdemokratischen Partei in Bickenbach
In einer Frauenversammlung des Ortsvereins der SPD Bickenbach sprach Kriminalrat i. R. Weidmann zu den Themen „Warum steigen die Lebensmittelpreise?“ und „Kommt es zum Krieg?“
Die Preissteigerungen haben, wie der Redner ausführte, zü großen gewerkschaftlichen Aktionen und zu Lohnforderungen geführt. Die Arbeiterschaft ist an einer Lohnerhöhung nicht interessiert, wenn eine Preissenkung für alle lebenswichtigen Güter vorgenommen wird; sie verlangt, daß endlich mit den Preissteigerungen Schluß gerfiacht wird. Wenn die Großindustrie argumentiert, daß für alle aus dem Ausland eingeführten Waren Weltmarktpreise zu zahlen sind, so müssen auch die Löhne den Weltmarktpreisen angepaßt, also Weltmarktlöhne gezahlt werden.
In dem zweiten Referat „Kommt es zum Krieg?“ sagte der Sprecher u. a., daß Tausende von deutschen Männern in Indochina in der Fremdenlegion kämpfen und dort verbluten, während in Deutschland noch etwa 1 Million junger Menschen ohne Heimat und ohne Ziel herumJungern, von denen viele in den Werbebüros der Fremdenlegion landen. In diesem Zusammenhang berührte er auch die Flüchtlingsfrage und erklärte, daß die Lösung des
Flüchtlingsproblems keine deutsche, sondern eine Weltangelegenheit ist. Der Redner lehnt den Gedanken ab, daß Deutschland an einem 3. Weltkrieg teilnimmt. Zu der Frage der Verstärkung und Reorganisation der Polizei warnte Kriminalrat Weidmann davor, Militärs in die Polizei hineinzunehmen. Zürn Schluß wandte sich der Redner an die Hausfrauen mit der Bitte, von Angstkäufen Abstand zu nehmen, da hierzu kein Grund vorliege. hl.
Dichtung und Musik
Die Konzertgemeinschaft blinder Künstler veranstaltete ■am Samstagabend in Pfungstadt einen Abend, der unter dem Leitwort „Dichtung und Musik“ stand. Der Verfasser des bekannten Verständigungsromans „Zwischen zwei Völkern“, Dr. Alexander R e i ß , las aus seinen Werken. Der Klaviervirtuose Karl Keidel spielte Werke von Brahms, Chopin, Mendelssohn-Bartholdy. Der Veranstaltung wäre ein besserer Besuch zu wünschen gewesen. ler
„Odenwald, Dich will ich preisen“
Erster „Odenwälder Heimatabend“ des OWK Reinheim
sr. Mit einem „Odenwälder Heimatabend“ setzte am Samstagabend die Reinheimer Ortsgruppe des Odenwaldklubs im Hotel „Darmstädter Hof“ die Reihe ihrer seither immer erfolgreichen Veranstaltungen für ihre Mitglieder, Freunde und Gönner fort.
Vorsitzender Baron Karl v Willich begrüßte zu Beginn die den Saal bis zum letzten Platz fügenden Besucher — unter ihnen die Ortsgruppe Groß-Bieberau — Und dankte den Initiatoren des Abends. Friedrich Weber und Wilhelm Wittich.
Wenn sich im folgenden ein sauber durchgearbeitetes Programm abwickelte, das reichen Beifall fand, so bewies dies nicht n.ur. daß man sich über den Sinn und Zweck dieser Abende vollkommen im klaren ist, sondern gleichermaßen auch, daß die Ortsgruppe zielstrebig einen einmal eingeschlagenen Weg so verfolgt, wie es immer wünschenswert wäre. Liebe zur Heimat, die Wahrung alter Sitten und Gebräuche, der Mundart und des Liedes spiegelten sich in allem. was die jungen und rührigen Kräfte des Vereins zu Gehör brachten.
Für die musikalische Umrahmung zeichnete die kleine Klubkapelle (Lehrer Fischer, Inge Hofmann, Heinrich Fischer, Karl Hölzer) verantwortlich. Gemeinsam gesungene Heimatlieder bildeten die Brücke zu den einzelnen Darbietungen, die durch Klubmitglied Friedrich Weber in leichter Conference verstärkt wurde. Marianne Becker, Helga Müller und Heinrich Schmidt ließen die „Ourewgller“ Mundart in zwei Gedichten zu Worte kommen. Georg Löfflers unsterbliche „Brill“ aber gab den Spielern der Jugendgruppe in zwei Akten Gelegenheit, dieses heitere Volksstück aus der Odenwaldgemeinde „Irgendwo“ (vielleicht bei uns, vielleicht auch anderswo?) in allen Farben jugendlicher Spielbegeisterung leuchten zu lassen. Abschluß bildete eine Wiederholung der von Rektor W. Krapp textierten und Frau SauJ in Tanz und Spiel ge-
leiteten „Odenwälder Spinnst ub b in der noch einmal, in verstärktem Maße, Sagen, Lieder. Tänze und Trachten der Heimat in Komposition ein echtes Bild der Odenwaldheimat gaben. Ein Abend nicht nur guter Unterhaltung, sondern gleichermaßen der Besinnung auf vergangenes Brauchtum und Volksgut. Das nur leider selten so wachgehalten wird, daß es nicht in allzu große Vergessenheit gerät
Deo sit gloria - Gott sei die Ehre
100-Jahr-Feier der evangelischen Kirche Roßdorf
In den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als das Kirchlein in Roßdorf für die über 1700 Seelen zählende Gemeinde zu klein wurde, fand der Gedanke, ein neues Gotteshaus zu erstellen, seine Verwirklichung. Ueber 400 Jahre hatte die alte Kirche ihren Dienst getan, ehe im Oktober des Jahres 1850 der Kirchenneubau beendet wurde, der noch heute das Wahrzeichen der Gemeinde ist. Am Samstag und Sonntag feierte nun die Gemeinde mit der Kirchenleitung das Jubiläum des Gotteshauses.
Nachdem schon am Samstagnachmittag für die Schuljugend ein Evangelienspiel' und ein fröhlicher Schwank sowie Volkstänze der Mädchenjungschar der Evangelischen Jugend dargeboten wurden, fand am Abend um 20 Uhr im „Darmstädter Hof“ ein Gemeindeabend statt. Eine reichhaltige Festprogrammfolge hatte Roßdorfs Bürgerschaft auf die Beine gebracht, so daß in dem geräumigen Saal kein Platz mehr zu finden war und ein Teil der Erschienenen mit Stehplätzen vorlieb nehmen mußte.
Den Rahmen der Veranstaltung gab in feierlicher Weise der Kirchenchor unter der Leitung von Frau Marliese Kloß mit 2-, 4- und 6stimmigen Sätzen. Nach einem Festspruch und einem zweiten Prologgedicht, von dem Heimatdichter Gg. Löffler verfaßt, begrüßte Gemeindepfarrer Lutz die Anwesenden. Nachdem Lehrer Kaffenberger einen Rückblick aüf die Entwicklung der Kirche gegegeben hatte, wurden der evangelischen Gemeinde durch Vertreter des Kirchenvorstandes, des Gemeinderats, des Schul-
Vorstandes, der Heimatvertriebenen und der Landeskirchlichen Gemeinschaft ein (etwas zu sehr ausgedehntes) Grußwort entboten. Auch ehemalige Pfarrer der Gemeinde schlossen sich mit Reden an und (nicht zuletzt!) die Kirchenleitung.
Im allgemeinen hielt man sich an ein Bibelwort, mit dessen Auslegung man der Gemeinde einen fleißigen Kirchenbesuch empfahl. Der katholische Geistliche dankte in bewegten Worten, daß auch der katholische Gottesdienst in der Kirche stattfinden dürfe. Glück- und Segenswünsche der Nachbargemeinden wurden ausgesprochen, und Angehörige der Jugendgruppen erhielten von Pfarrer Lutz das Abzeichen der Evangelischen Jugend.
Auflockernd schoben sich in das Programm Chöre der evangelischen Jugend ein, durch zwei Angehörige des Posaunenchors unterstützt, ein Evangelienspiel von Albrecht Goes „Die Roggenfuhre“, das von der Evangelischen Jugend mit Hingabe und Begeisterung aufgeführt wurde, und ein entzückendes Tänzchen der Jungschar, das von den kleinen Tänzerinnen — 5 Pärchen 6- bis 7jähniger Mädchen als „Dirndl und Buben“ gekleidet — sogar wiederholt werden mußte.
Die Dankbarkeit des Publikums fand ihren Höhepunkt, als von 3 Mitgliedern der Evangelischen Jugend Theodor Körners Schwank „Der Vetter aus Bremen“ gespielt wurde. Gretchen, Franz und Pächter Veit (eine Rolle, die noch kurz vor der Aufführung umbesetzt werden mußte) wurden mit wohltuender Ungeziertheit und Vehemenz darsgestellt, daß die kleinen Künstler für sich in Anspruch nehmen dürfen, einen Teil zum Gelingen des Abends beigetragen zu haben.
Nach zwei wohlainstudierten Liebesliedern und einem Schlußwort des Pfarrers klang der Abend in einem vom Kirchenchor in 6 Stimmen gesungenen Abendliede von Jos. v. Eichendorff aus. Den Sonntag läuteten die Glocken der Kirche ein. Um 8 Uhr weckte der Posaunenchor der Vereinigten Posaunenchöre
Roßdorfs, Groß-Zimmerns und Gundernhausens unter der Leitung von Philipp Kaffenberger in den Straßen die Gemeinde.
Um 10 Uhr fand dann in der evangelischen Kirche der Festgottesdienst statt, an den sich Beichte und das heilige Abendmahl anfügten. Die Predigt hatte Pfarrer Friedrich Schuster aus Dorn-Dürkheim übernommen. Auch hier wirkte der Kirchenchor der Gemeinde und der Vereinigte Posaunenchor in dankenswerter Weise mit.
Um 13.30 Uhr besuchten dann die Kinder ihren Gottesdienst bei dem die Jungschar der Mädchen zur würdigen Gestaltung das ihre hinzufügte. An die Kinder wurden während des Gottesdienstes verschiedene Geschenke ausgeteilt.
Den Abschluß der Jubiläumsfeier bildete der am Sonntagabend veranstaltete Choralmusik-Abend mit Werken von Joh. Seb. Bach. Orgel, Mädchenkreis, Posaunenchor, der Kirchenchor, Cello und zwei Geigen fanden in der Gemeinde eine dankbare Zuhörerschaft.
Das wohlgelungene Fest wird der evangelischen Gemeinde Roßdorf noch lange in Erinnerung bleiben. Die freiwillige Kollekte der Veranstaltungen soll der Erneuerung der Inneneinrichtung der Kirche dienen. prs.
40 Jahre Rotes Kreuz Dieburg
Ehrung langjähriger und verdienter Mitglieder
Vorsitzender Reiß begrüßte vor allem die Kreisvorsitzende, Freifrau von G e mming en , Regierungsrat Spamer als Vertreter des Landrats, die Kreisgeschäftsführerin, Frau Müller, Gendarmeriekommissar Croissant, Vertreter der Behörden und Aerzteschaft und die Ehrenmitglieder. Mit der Ueberreichnug einer Urkunde der Keisstelle ehrte die Kreisvprsitzende die Mitglieder Peter Thomas und Peter Spieß für 40- bzw, 25jährige treue Dienste. Sie verband damit die Hoffnung, daß der Rot-Kreuz-Gedanke in Dieburg weiter verankert werde und unter dem Wort „Helft uns helfen“ neuen Aufschwung erfahre.
Anschließend überreichte Ortsvereinsvorsätzender Reiß Ehrenblätter für 15- bis 20jährigen Rot-Kreuz-Dienst an: FranzPreißmann, Willy Hofmann, Georg Blank, Erwin Tischbereck. Wilhelm Hebermehl, August Sahm. Erna Schmiitt, Josef . Rainfurth, xAlex Bernatschke. Peter Kern, Andreas Steinmetz, Johann
Mit einem wohlgelungenen geselligen Abend beging der Ortsverein Dieburg des Roten Kreuzes am Samstagabend sein 40jähriges Bestehen. Angehörige der Bereitschaft und Mitglieder waren in ansehnlicher Zahl erschienen.
Heinrich Braun, Gunda Beck, Elisabeth Hach, Barbara Enders, Bereitschafteleiterin Eva Krimm, Jakob Krimm, Bereitschaftsleiter Friedrich Krimm und Betty Dotter, und Rot-Kreuz-Nadeln an die Ehrenmitglieder Frau Jean Kölsch Wwe., Friedrich Dietrich und Peter Braun. Mit besonderem Beifall Wurden Hermann Jean Schepp und Jakob Fröhner, die am Freitag aus langjähriger jugoslawischer Gefangenschaft zurückgekehrt waren, willkommen gehe:ßen. Die Kreisgeschäftsführerin und der Ortsvereinsvorsitzende übergaben ihnen Blumensträuße und Geschenke.
Bereitschafteieiter Krimm brachte den Dank an den Vorsitzenden Krimm zum Ausdruck, Er verband damit die Bitte an die Bevölkerung um noch stärkere Unterstützung des Roten Kreuzes als bisher und gab bekannt, daß demnächst ein Lehrgang für Helferinnen und Helfer abgehalten werde, an dem sich Jugendb’che. Frauen und Männer im Alter von 15—45 Jahren beteiligen können. RG
In die Dekanatssynode berufen
Der Dekanatssynodalvorstand der evangelischen Synode Groß-Umstadt hat aus den kirchlichen Werken und Arbeitsgemeinschaften als Synodalabgeordnete neu berufen: Dr. Lutz, Groß-Umstadt, Mitglied der Kirchensynode von Hessen und Nassau, Frau Pfarrer Brig 1e b , Groß-Umstadt, als Leiterin der Evangelischen Frauenhilfe des Dekanats, Lehrer Funk, Altheim, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Religionslehrer und Pfarrer, Pfarrer Rodhar dt, Habitzheim, als Vertreter der evangelischen Kirchenchöre und Organisten, Studienrat Dr. Schneider, Groß-Umstadt, als Vertreter des Evangelischen Männerwerks, Landgerichtspräsident Dr. Thü re, Groß-Umstadt, für den Stand der Rechtswahrer, und Hilfswerkangestellter Kurt Siebenhaar für die diakonischen Werke.
Für das Amt des Dekans werden der Kirchenleitung zur Wahl durch die Dekanatssynode aus den Reihen der Pfarrerschaft vorgeschlagen: Dekan Pfarrer Karl Reichert, Lengfeld, Pfarrer Hartmann, Groß-Umstadt, und Pfarrer Walther, Babenhausen.
Geschädigte fordern ihr Recht
In einer Versammlung der Pfungstädter Besatzungsgeschädigten, die in Anwesenheit des Vorstehers des Besatzungskostenamtes, Bergsträßer, stattfand, legte der 1. Beigeordnete der Stadtverwaltung, Cirößmann, die Wohnungslage in Pfungstadt dar. Sie verzeichneten derzeit 800 Wohnungssuchende. Bezugnehmend auf die Nöte der Besatzungsgeschädigten wies Herr Bergsträßer auf die schwierige I.age des Besatzungskostenamtes hin, in dem bisher bestehende Gesetze der Besatzungsmacht noch nicht durch deutsche Gesetze ersetzt werden konnten. Eine eingehende Diskussion befaßte sich mit den Mietentschädigungen, die in den meisten Fallen kaum mehr als 50 Prozent der Ortsmieten betragen. Am Schlüsse des Abends forderten die Besatzungsgeschädigten die Freigabe ihrer Häuser. (ler)
Szene aus Georg Löfflers Volksstück „Die Brill“ Foto: Benz
Festes Gefüge für Volksbildungsarbeit
Arbeitsausschuß Groß-Gerau wählte Vorstand Verabschiedung des Haushaltsplanes
Der Arbeitsausschuß für Volksbildung im Kreis Groß-Gerau hielt im Rathaus zu Groß-Gerau unter der vorläufigen Leitung von Bürgermeister Dr. Lüdecke eine Sitzung ab, die der formellen Untermauerung der neuen Gründung gewidmet war.
Die vorgelegten Satzungen, in die auf Veranlassung von Direktor Barth, Groß-Gerau, die Bestimmung eingebaut wurde, daß auch ein Vertreter der höheren Schulen in dem Ausschuß Sitz und Stimme hat, wurden unverändert angenommen. Die Vorstandswahl zeigte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Beigeordneter Schmidt, Rüsselsheim, 2. Vorsitzender Direktor Barth, Groß-Gerau, Schriftführerin Frau Schind¬ 1e r, Rüsselsheim, und zunächst ehrenamtlich tätige Geschäftsführerin Frau Lotte Bär, Groß-Gerau.
Für den weiteren Verlauf lenkte für den abwesenden 1. Vorsitzenden Direktor Barth die Sitzung. Der Haushaltsplan, der für sämtliche Volkshochschulen und Volksbildungswerke des Kreises die Ausgaben auf 15 000 DM und die Einnahmen auf 8000 DM veranschlagt, wurde gebilligt. Für den Fehlbetrag erhofft man Zuschüsse aus den Mitteln der Gesellschaft zur Gestaltung des öffentlichen
Lebens. Den bestehenden Institutionen der Erwachsenenbildung wurde aufgegeben, binnen acht Tagen eine Liste von empfehlenswerten Dozenten an die Geschäftsführerin einzusenden, damit von hier aus der Erfahrungsaustausch in Gang kommen kann. cng
Dem Arbeitsamt Groß-Gerau zugeteilt
In Fragen der Arbeitslosenversicherung und der Arbeitsvermittlung sind die Gemeinden Astheim, Trebur und Nauheim, die der Nebenstelle Rüsselsheim zugehörten, dem Arbeitsamt Groß-Gerau angeschlossen worden. In Zukunft hat die Arbeitslos-Meldung also in. Groß-Gerau, Gartenstraße 2, zu erfolgen, während der Meldeort für die Kontrollmeldungen der Rathaussaal in Trebur ist. Dort müssen sich die Männer montags und jeden zweiten Donnerstag in der Zeit von 12.45 bis 13.30 Uhr einfinden, die Frauen von 13.30 bis 14 Uhr. Für die Auszahlung der Unterstützung tritt keinerlei Veränderung ein. eng
Unsere Geburtstagskinder
n. Geburtstag: Frau Ernestine Gerhard, Zwingenberg, Wiesenpromenade 8 76. Geburtstag: Frau Elisabeth Dickie r, Bickenbach, Sandstraße 75. Geburtstag: Herr Otto Ebel, Bikkenbach, Darmstädter Straße 72. Geburtstag: Frau Marie Haberstroh, Zwingenberg, Auf dem Berg 4 77. Geburtstag: Herr Christian Dörr, Trebur, Nauheimer Straße 10 74. Geburtstag: Herr Ludwig Hirsch, Groß-Gerau, Heimstraße 6 73. Geburtstag: Kath. Rothermel, Biebesheim, Bahnhofstraße 78 76. Geburtstag: Charlotte Herwig, Biebesheim, Neugasse 28 71. Geburtstag: Herr Johann Graffe rt, Biebesheim, Rheinstraße 52 75. Geburtstag: Herr Joh. Jakob Veith Dornheim, Bahnhofstraße 8 75. Geburtstag: Gertraude Hammann, Wolfskehlen, Ernst-Ludwig-Straße 30 84. Geburtstag: Katharine Zintl, Dornheim, Bahnhofstraße 23 78. Geburtstag: Herr Johannes Boßler, Dornheim, Gernsheimer Straße 10 87. Geburtstag: Herr Jakob Moldauer, Crumstadt, Walter-Rathenau-Str. 20 73. Geburtstag: Herr Anton Michalak, Gustavsburg, Wilh.-Leuschner-Str. 9
Die Freiheit muß dem Guten dienen
Auftakt zur Pfungstädter Jugendwoche / „Fritze, zeig Dich mal!“
AufUk^a»?lrtaT:abe,^ fand ’n der Turnhalle der Volksschule zu Pfungstadt als Büreerm.>Uf/UfendWoChe ein Eröffnungsabend statt, zu dem Landrat Wink, waren w t»a r und B^frtsjugendpfleger Koop als Gäste erschienen wird vom n^°fhe’ Unter dem Motto »Mit der Jugend für die Jugend“ steht, wira vom Ortsjugendausschuß durchgeführt.
iw^W" Tn T!?6 das Quartett Apfel ein Vn»H Sodann begrüßte die erste Vorsitzende des Ortsjugendausschusses, racta ^eC^1er’ die erschienenen S h a schilderte die Schwierigkeiten, die bei der Ausgestaltung der ersten Jugendwoche des Landkreises entstanden seien. Als Ziel der Werbewoche stehe der Gedanke, die Werbung zur Jugendarbeit durch die in Gruppen zusammengeschlossene Jugend an die noch abseits stehende Jugend heranzutragen. Trotz der Verschiedenartigkeit der einzelnen Gruppen müsse eine echte Gemeinschaft erzielt werden. Pfungstadt habe sich seit jeher der Jugend ganz besonders angenommen. So seien allseitige Möglichkeiten zur Berufsausbildung geschaffen worden. Augenblicklich laufe ein Fachkursus „Der Motor“, der mit der Ablegung des Führerscheines 4 ende. Im Laufe der letzten Zeit wären schon mehrere Veranstaltungen unternommen worden, aber es gelte nun, der noch nicht angeschlossenen Jugend die Arbeitsweise und die Ziele der Gruppenjugend vor Augen zu führen.
Landrat Wink sprach die Genugtuung aus, daß gerade Pfungstadt mit der Idee der Jugendwerbewochen den Anfang gemacht habe. In Kürze würden andere Städte dem Gedanken folgen. Es gelte nun, nach dem Chaos der letzten Jahre, der Jugend die Bahn freizumachen. Nichts würde die Eigenverantwortung des einzelnen mehr stärken als die Arbeit in der Gemeinschaft. Er freue sich, daß er der erschienenen Jugend einen ganz besonderen Gast präsentieren könne. „Fritze, zeig dich mal!“ — und Fritz Renneis, der bekannte Filmschaffende, der augenblicklich mit den Vorarbeiten für einen
Film mit Harry Piel, , .Menschen und Bestien“, beschäftigt ist, stellte sich der Jugend vor. Landrat Wink bewies der Jugend an diesem lebenden Beispiel, daß Künstler Menschen sind wie wir alle, daß aber nur der der Kunst dienen könne, der die Befähigung zur Disziplin und zu harter Arbeit in sich sich fühle. Er wünschte der Pfungstädter Jugendwerbewoche, die sich das lobenswerte Ziel gesetzt habe, die abseits stehende Jugend aus ihrer Lethargie herauszureißen, den besten Erfolg.
Nach einigen Worten Bürgermeisters Jäger, der allen Beteiligten an den Vorbereitungen seinen Dank aussprach, sprach Bezirksjugendpfleger Koop über die Bedeutung der Woche und stellte die Pflege des Heimatbrauchtums als besondere Arbeit der Jugendgruppen heraus. Der Mädchenchor unter Leitung von Lehrer Schreyer, Rezitationen und das Quartett Apfel leiteten zu dem Referat des Abends über, das Schulrat Schwedes mit dem Motto „Schlagt die Brücke“ überschrieben hatte.
Der Redner betonte, daß das Symbol der Brücke eine tiefe und nicht zu unterschätzende Bedeutung habe. Zu dem Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Brücken in allen Ländern gelte es nun, auch die geistigen Brücken von Mensch zu Mensch zu schlagen. Die Ungewißheit der Zukunft lasse es heute nicht mehr zu, daß die Jugend „mit den Händen in den Taschen“ abseits stehe. Sie müsse sich mit in die Gemeinschaft einschließen und zu einer Freiheit der Persönlichkeit erwachsen, um den Drohungen des Ostens mit Erfolg entgegentreten zu können.
Jeder Mensch habe das Recht, teilzunehmen am Gelingen des Ganzen, aber daraus erwachse ihm auch die Verantwortung, seine Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Die Geschichte des deutschen Volkes sei eine unablässige Kette von Unterlassungen gewesen, und es wäre nun an der Zeit, das Bewußtsein des Wertes der Jugend zu stärken. Wenn es gelingen würde, die Jugend zu Persönlichkeiten mit Inhalt zu erziehen, dann wäre man auf dem besten Weg, dem gesteckten Ziel um ein Großes näherzukommen.
Der Kinderchor und ein gemeinsames Lied beschlossen den Abend, dem man einen besseren Besuch gegönnt hätte, hfl
Was aǔch interessiert:
Ein Sprechtag für Lupuskranke findet am 27. Oktober um 9.30 Uhr durch einen Beauftragten für die Lupus-Bekämpfung im Bezirk Hessen, Dr. med. Zeller, im Kreisgesundheitsamt Dieburg, Schloßhof, statt. Alle Kranken mit Haut- und Drüsentuberkulose bzw. Lupus haben Gelegenheit, sich an diesem Tag kostenlos untersuchen und beraten zu lassen.
prs. Die Kleestädter evangelische Kirche feiert am 29. Oktober 1950 ihr fünfhundertjähriges Bestehen, das in seiner Festfolge einen Festgottesdienst mit Propst Rau, eine Gemeindeversammlung, bei der Pfarrer Klundt, Sickenhofen, über das Thema: „Jesus oder Maria“ sprechen wird, und eine Gemeindeversammlung, bei der Filme aus dem kirchlichen Leben gezeigt werden, vorsieht.
264 Tanzveranstaltungen genehmigte das Landratsamt Groß-Gerau in der Zeit vom 1. Juli bis zum 30. September dieses Jahres. Davon entfallen allein 128 Veranstaltungen auf den Monat September. od
Als neuen Sportplatz erhält der Turnverein 1886, Trebur, das an der Astheimer Straße gelegene Wiesengrundstück des Jakob Erben, welches zum Preise von 2000 DM angekauft wird. Kb
Der Spielkreis des ev. Gemeindedienstes Württemberg, „Der Ruf“, gastiert in der Zeit vom 26. bis 30. Oktober in D i e - bürg. rfd
Ein spät nach Hause kommender Arbei¬ ter überraschte in seiner Hofreite im Nordteil der Gemeinde Einhausen zwei Gestalten, die sich an seiner Kellertüre zu schaffen machten. Leider konnte er die Flucht der beiden nicht verhindern, el.
Gegen die Stimmen der SPD wurden in Königstädten Wilh. Dam m e 1 IV. (CDU) zum 1. Beigeordneten, G. M. Walter (FDP) zum 2. Beigeordneten gewählt. (-au-)
„Frische Forellen“ für den Odenwald
Fischbesatz am laufenden Band / 40 000 bis 45 000 Jungforellen auf dem Weg in die neue Heimat
Wieder einmal rollt in diesen Tagen eine kleine Wagenkolonne unter Führung von Regierungsfischerei-Rat Dr. J. Gennerich kreuz und quer durch den Regierungsbezirk Darmstadt. Hier und dort wird sie bereits von den Pächtern der in Odenwald und Vogelsberg zahlreichen Forellenbäche erwartet.
Es ist ein weiter Weg. den die Jungforellen von ihrem Geburtsort bis zu ihren neuen Wohnplätzen zurücklegen müssen. In Dietershausen (Rhön) wurden sie von dem Forellenzüchter H. Groß entweder in einer eigenen Brutanstalt pfleglich aus künstlich befruchteten Eiern erbrütet und aufgezogen, oder mit modernen Elektrofischereigeräten aus den Bächen direkt entnommen.
In großen Fässern treten sie nun in diesen Tagen, sorglich mit Eis gekühlt und laufend von einem Spezialdurchlüfter mit frischem Sauerstoff versorgt, den Weg zu uns an. 40—45 000 Jungforellen sollen nach dem Besatzprogramm der hessischen Fischereibehörde in Darmstadt so ihre neuen Jagdgründe in Odenwald- und Vogelsbergbächen finden. Das ist freilich noch wenig, wenn man bedenkt, wie sehr die alten Bestände unter den Verhältnissen der letzten Jahre gelitten haben, wie sehr sie dezimiert wurden, und wenn jedem Bach ..das Seine“ zukommen soll, das heißt, wenn jeder Bach entsprechend seiner — nach Wasserqualität und vorhandener Forellennahrung feststellbaren — Güteklasse möglichst voll besetzt werden soll, um das Letzte an Produktionsmöglichkeit aus ihm herausholen.
Es gab Zeiten, in denen unser Hessenland trotz seiner relativ wenigen fischereilich nutzbaren Gewässer durch intensive Ausnützung seiner Chancen zu sehr beachtlichen Produktionsziffern ge-
langte. Diesen alten Stand wieder zu erreichen und mit Hilfe der Erkenntnisse und Möglichkeiten der modernen Fischereibiologie noch zu übertreffen, ist das Ziel aller Bemühungen der Darmstädter Fischereibehörde. Schritt für Schritt bringt uns ihr großangelegtes Besatzprogramm diesem Ziele näher, -nk«
Der Forellenzüchter Groß läßt es sich nicht nehmen, seine Pflegekinder an Ort und Stelle selbst wieder ihrem Element zu übergeben. — Fischer aus der Rhön beim Verteilen der „Kontingente“ für die einzelnen Bäche
Haushalt vor dem Kreistag
Am 26. Oktober wird der Kreistag des Landkreises Bergstraße im Heppenheimer Winzerkeller zu seiner nächsten ordentlichen Sitzung zusammentreten. Neben einer Reihe von Anträgen der Fraktionen der FDP, CDU und SPD enthält die Tagesordnung die Festsetzung des Haushaltsplanes des Kreises für das Rechnungsjahr 1950 und die Beschlußfassung über die Haushaltssatzung, die Wahl der Ausschußmitglieder für den Soforthilfe - Ausschuß und die Neuwahl der Kreisbaukommission. Die Tagung beginnt um 9 Uhr Vormittags. prs.
Neue Molkerei in Betrieb
Nachdem die Bauarbeiten an dem Neubau der Molkereigenossenschaft Fürthi. Odw. soweit gediehen sind, daß die Maschinenanlagen eingebaut werden konnten, sind die einzelnen Abteilungen nun in das neue Gebäude übergesiedelt. Entsprechend dem Beschluß des Aufsichtsrates, der unter Vorsitz von Bürgermeister Berg und Geschäftsführer F o r s t e r tagte, wird das alte Gebäude bis zur Klärung seiner endgültigen künftigen Bestimmung im Rahmen der landwirtschaftlichen Genossenschaften der Firma Fuchs und Firnges, Zweckmöbelbau, überlassen. Die seither verwendeten Maschinenaggregate wurden unter teilweiser Ergänzung oder Erweiterung übernommen. Lediglich die Kesselanlage bleibt in der alten Umgebung zurück. Die Pläne zu der neuen Anlage an der Krumbacher Straße außerhalb des Weicbildes der Gemeinde wurden so großzügig und weitblickend ausgestaltet, daß auch die von namhaften Landwirtschaftlern angestrebte Erweiterung die Viehzucht im Gebiet des südlichen Odenwaldes mit ihrem dadurch bedingten Mehranfall an Milch reibungslos aufgefangen werden kann. Ein eigenes Laboratorium gibt darüber hinaus sowohl dem Erzeuger wie dem Verbraucher die Gewähr für eine stete Kontrolle der verarbeiteten Milch wie der erzeugten Produkte, die in z. T. völlig neuen, auf Grund modernster Erfahrungen gebauter Anlagen hergestellt werden. (-r)
Richtkranz über der - Ludwig-Heilstätte
Die Ernst - Ludwig - Lungenheilstätte konnte das Richtfest für einen großen Küchenneubau feiern. Durch die in den letzten Jahren sehr stark angestiegene Patientenzahl war es unbedingt erforderlich geworden, daß der Küchenbau eine wesentliche Erweiterung erfuhr. Die Heilstätte nahm in den letzten Monaten durchschnittlich 200 Patienten, gegenüber 100 vor dem Kriege, auf.
Verwaltungs- Oberinspektor Wesp dankte nach der Begrüßung allen, die am Bau mitarbeiteten und übermittelte die Grüße des Präsidenten der LVA Darmstadt, Kissel. Der Sprecher veranschaulichte sodann den Werdegang der Anstalt von der Gründung im Jahre 1901 bis zum heutigen Stand. Der traditionelle Richtschmaus der Bau- und Zimmerleute beendete die Festlichkeit. hm
Meldungen aus den Landlceisen
DARMSTADT-LAND
Nieder-Modau. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde kürzlich der im 81. Lebensjahr stehende Maurermeister Gg. Beyer 3. zu Grabe getragen. Er war nicht nur in seiner Heimatgemeinde, sondern im ganzen vorderen Odenwald unter dem Namen „der Meirer“ bekannt. prs.
Bickenbach. Ministerpräsident Christian Stock spricht am Samstag, dem 11. November, in einer Versammlung der SPD. Prs.
DIEBURG
Dieburg. Im Sitzungssaal des Landratsamtes findet heute um 14 Uhr eine Schulleitertagung statt. (rfd) Dorndiel. Wie durch einen Untersuchungsausschuß festgestellt wurde, ist das Wasser aus den Gemeindebrunnen in unabgekochtem Zustand nicht trinkbar. Die Gemeinde beabsichtigt, einen neuen Brunnen zu bohren. ko
Groß-Bieberau. Eine Pappelanpflanzung am rechten Ufer der Gersprenz, zwischen Ruthsemühle und Gemarkungsgrenze, in Richtung Wersau ist geplant. Ein diesbezüglicher Vorschlag wird dem Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung vorgelegt. GD
Habitzheinu Die bisherige Schulleiterin, Frl. Gerber;, folgt einer Berufung an eine Frankfurter Schule. Ihr Weggang reißt eine große Lücke in die Arbeit und Betreuung der katholischen Jugend. (Jg)
ERBACH
Hummetroth. Heute, Montag, wird der zweite Dorfjugendabend im Gasthaus Beeres veranstaltet, zu dem auch die Erwachsenen des Dorfes eingeladen sind. -ch
Bad König. In Kürze wird die Kanalisation in der Oskar-Zimper-Straße in Angriff genommen.
Haingrund. Den Vorschlag zum Bau einer Festhalle machte Bürgermeister Weyrauch anläßlich der Versammlung des Radfahrervereins. Die Mitglieder lehnten einstimmig ab. Am 28. Oktober beabsichtigt der Verein einen Ball durchzuführen. (hm)
Hüttenfeld. Das traditionsreiche und sagenumwobene Bauerngut „Seehof“ wurde von einem neuen Besitzer übernommen, der zugleich einen Schankbetrieb eröffnet. (el)
Neustadt. Die Gemeinde hat mit der freiwilligen Aufforstung des Gemeindewaldes begonnen. Mit der Durchführung ist Förster Jochim beauftragt. hm
BERGSTRASSE
Heppenheim. Kürzlich wurde ein Bettler festgenommen, der bei der Bensheimer Polizei kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Er hatte an dem Vormittag des betreffenden Tages bereits eine „Einnahme“ von 15 DM. Man vermutet, daß er einige Betrügereien auf dem Kerbholz hat.
nai. Bürstadt. Die Gemeindevertretung beschloß, in der Steinlachstraße ein drittes Wohnhaus aus den Rezeßholzgeldern zu erstellen. — Wegen der schlechten Postverhältnisse hat sich die Gemeindeverwaltung, wie der Bürgermeister erklärt, rait der Oberpostdirektion in Frankfurt zwecks Errichtung eines neuen Postamtes in Verbindung gesetzt. (bb)
Bensheim. Auf dem Ehrenfriedhof findet am Sonntag, dem 5. November, eine Totengedenkfeier statt, bei der die Kirchenchöre beider Konfessionen singen werden. — Am Freitag, dem 27. Oktober, findet anläßlich der Kriegsgefangen en-Gebetswoche um 20 Uhr in der evangelischen Kirche ein Gottesdienst statt. HB
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Am 4. November findet In der Turnhalle die diesjährige Hubertusfeier des Kreisjägervereins statt.l— Die Baugenossenschaft „Ried“ hält am kommenden Mittwochnachmittag eine Vorstands- und Aufsichtsratssitzung ab. cg
Gernsheim. Der Lehrling einer Reparaturwerkstatt erlitt erhebliche Verbrennungen als er seine Lötlampe instandsetzen wollte. Ärztliche Hilfe mußte sofort in Anspruch genommen werden. kr
Bauschheim. In einer Versammlung des Obst- und Gartenbauvereins gab Ortslandwirt Hahn einen ausführlichen Bericht über die kürzlich in Wetzlar stattgefundene Landestagung der Obst- und Gartenbauvereine Hessens. — Für den kommenden Winter sind im Kreise Groß-Gerau zwei Obstbaumschnittkurse unter Leitung von Obstbauminspektor Oberhausen geplant. Kb
. . . flicht die Nachwelt keine Kränze!
Rezitationsabend Elisabeth Langgässer vor leeren Plätzen
Am Sonntag, dem 15. Oktober, war in einer festlichen Zusammenkunft in Darmstadt Elisabeth Langgässer der Büchnerpreis zugesprochen worden. Fünf Tage später, am 20. Oktober, fand, dem Programm der Volkshochschule folgend, ein Rezitationsabend statt, an dem Schauspielerin M. Ziegler aus Lyrik und Prosa der verstorbenen, soeben preisgekrönten Dichterin vortragen wollte.
Der dazu vorgesehene Vorlesungsraum der Technischen Hochschule blieb unverändert nüchtern, das Pult selbst ohne eine Blume, bei der der Blick hätte zum Gedenken verweilen mögen. Kaum sieben Bankreihen waren von Zuhörern besetzt, weitaus zumeist Frauen.
Martha Ziegler sagte eingangs, daß die Lyrik Elisabeth Langgässers für diesen Kreis zu schwer verständlich sei und vielleicht erst im Laufe einiger Abende erarbeitet werden müsse. Sie las darum das Lourdes-Kapitel aus dem Roman „Das unauslöschliche Siegel“. Sie las die meisterliche Sprache mit warmer Stimme und tiefer Einfühlung, wunderbar unangefochten von dem brummenden und kreischenden Ton einer Motorsäge, die draußen in unmittelbarer Nähe ihre Arbeit tat und erst nach längerer Zeit verstummte, vielleicht von jemandem aufgefordert, der Verständnis und Herz besaß. Verständnis und Herz — wie selten sind sie am Werke. Di. lärste aber dürfte zweifellos Johnny Appleseed gewesen sein, ein Mensch, der aus tiefster Religiosität die Waffen verschmähte, und mit einer schier unerschöpflichen Tasche voll Apfelkernen hinaus zog in die Weiten der Prärien, um den Indianern, die ihn wie einen Gott verehrten, das Wort Gottes zu predigen.
Diese amerikanischen Legendenfiguren sind keine riesenhaften Halbgötter, sondern in der Hauptsache spaßhafte Verzerrungen, die in ihrer Uebertreibung dem natürlichen Humor des Amerikaners entgegenkommen, sie sind die Sinfonie des klingenden Herzens einer jungen Nation. hfl.
Mitteilungen des Landestheaters
Die Premiere des Schauspiels „Don Carlos“, von Friedrich Schiller, findet am Samstag, 28. Oktober, 19 Uhr, im Orangeriehaus statt. Inszenierung: Dr. Siegmund Skraup, Bünenbild: Paul Pilowski vom Landestheater Halle a. G. Die Titelrolle wird von Johannes Kraus, König Philipp von Martin Lübbert, Marquis von Posa von Walter Kohls dargestellt. Die Königin spielt Rosemarie Kilian, die Prinzessin Eboli Ilse Bartram. In den weiteren Rollen: Ellen Krug, Martha Kuhn-Liebel, Willy Leyrer, Franz Schneider, Eugen Vogt, Herbert Walter, Curt Westermann und Carl Zollern.
Hans Mikorey wurde nach erfolgreichem Gastspiel als 1. Kapellmeister an das Landestheater Darmstadt verpflichtet. Die Reihe der Studio-Aufführungen wird auch in der Spielzeit 1950'51 fortgesetzt. Für Anfang November ist die Aufführung des Schauspiels „Der Flüchtling“ von Fritz Hochwälder in Vorbereitung.
Amerikanische Volkslegenden
Im Amerika-Haus sprach Dr. Gerhard Pallmann über die amerikanischen Volkslegenden. In Europa haben sich schon vor vielen Jahrhunderten Legenden bilden können, führte der Redner aus. Unser Kontinent habe es leichter mit der Schaffung von Legenden gehabt als Amerika, da wir aus dem Schatz einer tausendjährigen Kultur und Tradition schöpfen konnten, während „drüben alles Neuland war, in das die kulturellen Einflüsse vieler Nationen einstromten. Was vorhanden war, das waren die Mythen und Volkssagen der indianischen Urbevölkerung.
Amerika habe in den letzten hundert Jahren eine Reihe von Halbgöttern hervorgebracht, die in der Literatur zu Volkshelden erhoben wurden. Das berühmteste Vorbild sei Daniel Boone, der „Lederstrumpf“, ein amerikanischer Obrist, der am 2. November 1734 das Licht der Welt erblickte. Der „Lederstrumpf“, der durch Cooper zu unsterblichem literarischem Ruhm gelangte, sei selbst ein äußerst schweigsamer und verschlossener Mensch gewesen, der sich nicht mit Heldentaten brüstete und aus seiner religiösen Erziehung heraus ein echter Pionier des neuen Erdteils gewesen war. Anders Davy Crockett, der Heros von Tennessee, dessen Jugendschilderungen zu einer maßlosen Uebersteigerupg neigen, der ins Groteske und Ueberdimensionale emporwuchs. Auch der riesige Holzfäller Paul Bonyan, der mit einem blauen Ochsen in Siebenmeilenstiefeln über die endlosen Urwälder Amerikas hinwegstieg, erfreut sich der Beliebtheit der Amerikaner. Der polu-
Praktische Psychologie
Diplompsychologe Dr. Adolf Zeddies, wissenschaftlicher Leiter der Siemens-Studien-Gesellschaft für praktische Psychologie, beendete an der Volkshochschule seine Vortragsreihe, deren drei Abende unter den Themen standen: Leitlinien der richtigen Menschenbehandlung, Psychologie der Geschlechter, Die Bestimmung des Menschen in der Welt.
In seiner lebendigen Art referierte Dr. Zeddies Ergebnisse der Forschung und verschiedene Auffassungen in den Problemgruppen. All seinen Ausführungen entstrahlte dabei unmißverständlich ein aktivierender Wille, den er mehrfach auch klar In Worte faßte: die Menschen möchten sich psychologische Kenntnisse erwerben, um glücklicher zu sein im Umgänge mit Menschen, in der Wahl des Gatten und der Freunde, sie möchten mehr Verständnis für einander haben, wissen, wie der andere reagiert und damit anderen zum Halt werden und diesen anderen selbst in der Formung ihres Eigenseins und Gewinnung größerer Freiheit helfen. Aktive Bereitschaft zur Menschenbehandlung führt zur Gesundung des Miteinanderlebens.
Der letzte Vortrag, ausgehend von erwiesenen Tatsachen über die Angelegtheit und Struktur des menschlichen Geistes, entwickelte das Ich als die einzige Stätte wahrhaft möglicher Freiheit, die nichts Absolutes in der Welt anerkennt, sich unter keine der Erscheinungen, der Thesen und Mächte gefangen gibt und damit den Menschen über die Natur, über „die Gewalt, die alle Wesen bindet,“ erhebt und im Transzendenten beheimatet.
Gegen die Charakterisierung von Typen, die Darstellung der männlichweiblichen Gegebenheiten hätte wohl mancher Einwand, manche Frage erhoben werden können. Es steht in Aussicht, mit Dr. Zeddies Ausspracheabende zu vereinbaren, deren Termine noch bekanntgegeben werden. D-s
Von der Leinwand
HANSA. — „Die Sonnhofbäuerin." Schicksal der Zeit, in den Rahmen eines normalen Spielfilms eingefangen. Der Mann der Sonnhofbäuerin wird vermißt und nach vielen Jahren des Wartens gibt s!ch Mena dem Jugendfreund, der ihr auf dem Hof hilft. Als der Vermißte doch zurückkehrt, vermag die unschuldige Liebe seines kleinen Sohnes die Herzen der Erwachsenen zu rühren und die Eltern wieder zueinander zu bringen. Die Regisseure dieses Wiener-Ring-Filmes, in dem die herbe Alpenlandschaft eine große Rolle hat, vermieden mit großem Geschick den Abstieg ins sentimentalkitschige und konnten lebenswahre Darsteller einsetzen. Elisabeth Höbarth war einfach die Sonnhofbäuerin so, wie man sie sich vorstellt und sowohl die boshaften Tratschweiber und das köstliche alte Paar, Karl Pammer (Knecht) und Hely Lichten (Magd) wirkten in ernsten wie in heiteren Situationen lebensecht. Recht gut und kindlich auch’ der kleine Peter. Schließlich die Kamera: Neben einigen abgegriffenen Großeinstellungen überholter Art und etwas viel Kerzengeflacker schöne Fernsichten und überraschende Blickwinkel in ein natürlich wirkendes Milieu, in dem gehandelt wurde, nichts zerredet und in dem wohl kein überflüssiges Wort fiel. Kurzum: Ein erfreulicher Film. H. W. W,
Der Sport am Sonntag
Auf einen Blick
Fußball-Ergebnisse und -Tabellen
Süd, 1. Liga VfL Neckarau—Vfß Mühlburg 3:2 Eintracht Frankfurt—Vfß Mannheim 3:2 Kickers Offenb.—Schwaben Augsburg 2:3 Vfß Stuttgart—FSV Frankfurt 5:1 SV Waldhof—Darmstadt 98 7:2 1. FC Nürnberg—Schweinfurt 05 4:2 FC Singen 04—Spvgg Fürth 2:7 BC Augsburg—lß6o München 1:5 Bayern München—SSV Reutlingen 2:2
Süd, 2. Liga SV Wiesbaden — Vikt. Aschaffenburg 1:2 SG Arheiigen — ASv Cham 1:4 Union Bückingen — Hessen Kassel 2:2 TSV Straubing — Kiekers Stuttgart 1:2 Jahn Regensburg — FC Freiburg 2:0 SV Tübingen — 1. FC Pforzheim 1:3 Ulm 46 — Wacker München 2:0 VfL Konstanz — Bayern Hof 0:4 1, FC Bamberg — ASV Durlach 5:0
Oberliga Südwest VfL Neustadt — ASV Landau 5:1 FV Engers — Wormatia Worms 0:1 Eintracht Kreuznadi — VfR Kaisers!« 2:2 Spvgg Andernach — TuS Neuendorf 1:2 Mainz 05 — Eintracht Trier 0:1 1. FC Kaiserslautern —FK Pirmasens 6:1 Phönix Ludwigsh. — Tura Ludwigsh. 2:1
West, 1. Liga Fortuna Düsseldorf—Schalke 04 2:3 Duisburger SV—l. FC Köln 2:1 Rheydter SV—Spfrd Katernberg 3:2 Rot-Weiß Oberhausen—Borussia Dortm. 3:3 Preußen Deilbrück—Alemannia Aachen 3:3 Rot-Weiß Essen—Hamborn 07 2:0 Preußen Münster—Borussia M.-Gladb« 3:0 Horst/Emscher—Spvgg Erkenschwick 0:0
Nord, 1. Liga Eimsbüttel—Hamburger SV 1:0 Bremerhaven 93—FC St. Pauli 2:1 Hannover 96—Altona 93 2:2 Werder Bremen—Eintracht Braunschweig 2:0 Göttingen 05—Bremer SV 4:2 Eintracht Osnabrüdc—Vfß Oldenburg 3:3 Itzehoe—VfL Osnabrück 1:2 Holstein Kiel—Concordia Hamburg 2:1
Kurz — aber interessant
Die ungarische Schwimmerin Eva Novak verbesserte in Budapest den Weltrekord über 200 m Brust für Frauen auf 2:48,8 Min. (alter Rekord Nel van Fliet, Holland, 2. 7. 47, mit 2:49,2 Min.). Die ungarische 4-mal-100- m-Kraulstaffel verbesserte ihren Europarekord von 3:55,0 Min. auf 3:53,2 Min.
Hein ten Hoff erklärte, daß er mit dem amerikanischen Schwergewichtler „Tiger“, Jones, entgegen allen anderslautenden Meldungen bis jetzt noch keinen Vertrag abgeschlossen habe.
Die brasilianische Fußballelf von Athletico Minero Bello Horizonte spielt auf ihrer Deutschlandreise im November gegen Eintracht Braunschweig, München 1869, HSV, Werder Bremen, Schalke 01 und Eintracht Frankfurt.
| Spvgg Fürth | ||||||
| 10 | 7 | 0 | 3 | 25:11 | 14:6 | 1. FC Nürnberg |
| 10 | 6 | 1 | 3 | 23:8 | 13:7 | Vfß Stuttgart |
| 10 | 6 | 1 | 3 | 26:14 | 13:7 | FSV Frankfurt |
| 10 | 6 | 1 | 3 | 20:14 | 13:7 | Eintracht Frankfurt |
| 10 | 5 | 3 | 2 | 18:14 | 13:7 | Vfß Mühlburg |
| 10 | 6 | 0 | 4 | 32:15 | 12:8 | VfR Mannheim |
| 10 | 6 | 0 | 4 | 31:18 | 12:8 | FC Schweinfurt 05 |
| 9 | 5 | 1 | 3 | 15:13 | 11:7 | Kickers Offenbach |
| 10 | 5 | 1 | 4 | 21:15 | 11:9 | Schwaben Augsburg |
| 10 | 4 | 3 | 3 | 17:19 | 11:9 | Bayern München |
| 9 | 4 | 2 | 3 | 21:16 | 10:8 | 1860 München |
| 9 | 5 | 0 | 4 | 18:16 | 10:8 | FC Singen 04 |
| 9 | 3 | 1 | 5 | 14:31 | 7:11 | Darmstadt 08 |
| 10 | 3 | 1 | 6 | 15:29 | 7:13 | SV Waldhof |
| 10 | 2 | 2 | 6 | 15:19 | 6:14 | BC Augsburg |
| 10 | 1 | 3 | 6 | 7:19 | 5:15 | VfL Neckarau |
| 10 | 2 | 1 | 7 | 12:28 | 5:15 | SSV Reutlingen |
| 10 | 1 | 1 | 8 | 10:41 | 3:17 |
| Bayarn Hof | |||
| 10 | 8 1 1 22:7 | 17:3 | Jahn Regensburg |
| 10 | 8 0 2 26:11 | 16:4 | Kickers Stuttgart |
| 10 | 721 29:16 | 16:4 | ASV Cham |
| 10 | 5 4 1 19:12 | 14:6 | FC Bamberg |
| 10 | 532 18:11 | 13:7 | Vikt. Aschaffenburg |
| 10 | 523 24:17 | 12:8 | 1. FC Pforzhe:m |
| 10 | 5 2 3 26:19 | 12:8 | Hessen Kassel |
| 10 | 442 27:20 | 12:8 | Wacker München |
| 10 | 514 26:19 | 11:9 | Union Bückingen |
| 10 | 4 2 4 18:19 | 10:10 | Ulm 46 |
| 10 | 4 2 4 13:18 | 10:10 | VfL Konstanz |
| 10 | 4 15 13:21 | 9:11 | TSV Straubing |
| 10 | 226 23:28 | 6:14 | ASV Durlach |
| 10 | 2 2 6 17:24 | 6:14 | FC Freiburg |
| 10 | 226 15:29 | 6:14 | SV Wiesbaden |
| 10 | 2 17 16:18 | 5:15 | SG Arheilgen |
| 10 | 2 1 7 13:29 | 5:15 | SV Tübingen |
| 10 | 0 0 10 7:34 | 0:20 |
| 1. FC Ka'serslautern | ||||
| 8 7 | 1 | 0 27:3 | 15:1 | Wormatia Worms |
| 9 7 | 1 | 1 34:12 | 15:3 | FK Pirmasens |
| 8 5 | 2 | 1 21:11 | 12:4 | Phönix Ludwigshaf. |
| 9 4 | 2 | 3 31:19 | 10:8 | VfL Neustadt |
| 9 4 | 2 | 3 17:20 | 10:8 | 'Eintracht Trier |
| 8 4 | 1 | 3 13:9 | 9:7 | VfR Kaiserslautern |
| 8 3 | 3 | 2 11:15 | 9:7 | ASV Landau |
| 9 3 | 1 | 5 12:33 | 7:11 | TuS Neuendorf |
| 6 2 | 2 | 2 12:15 | 6:6 | FV Engers |
| 9 3 | 0 | 6 12:21 | 6:12 | Spvgg Andernach |
| 9 2 | 1 | 6 16:24 | 5:13 | Eintracht Kreuznadi |
| 6 1 | 2 | 3 7:11 | 4:8 | FSV Mainz 05 |
| 8 1 | 2 | 5 8:17 | 4:12 | Tura Ludwigshafen |
| 8 1 | 0 | 7 11:22 | 2:14 |
| Schalke 04 | ||||||
| 9 | 6 | 2 | 1 | 24:8 | 14:4 | Fortuna Düsseldorf |
| 9 | 5 | 3 | 1 | 16:8 | 13:5 | 1. FC Köln |
| 9 | 6 | 0 | 3 | 18:8 | 12:6 | Preußen Münster |
| 9 | 6 | 0 | 3 | 13:6 | 12:6 | Spvgg Erkenschwick |
| 9 | 4 | 4 | 1 | 7:4 | 12:6 | Rot-Weiß Essen |
| 9 | 6 | 0 | 3 | 23:13 | 12.6 | Rheydter SpV |
| 9 | 4 | 2 | 3 | 16:19 | 10:8 | Preußen Dellbrück |
| 9 | 3 | 3 | 3 | 13:lil | 9:9 | Borussia Dortmund |
| 9 | 3 | 3 | 3 | 14:12 | 9:9 | Horst/Emscher |
| 9 | 2 | 4 | 3 | 13:12 | 8:10 | Alemannia Aachen |
| 8 | 2 | 3 | 3 | 12:18 | 7:9 | Hamborn 07 |
| 9 | 3 | 1 | 5 | 11:18 | 7:11 | Rot-Weiß-Oberhaus. |
| 8 | 1 | 3 | 4 | 9:17 | 5:lil | Borussia M.-Gladb. |
| 9 | 2 | 1 | 6 | 9:25 | 5:13 | Duisburger SV |
| 9 | 2 | 0 | 7 | 6:13 | 4:14 | Spfrd Katemberg |
| 9 | 1 | 1 | 7 | 12:24 | 3:15 |
| Göttingen | ||||||
| 10 | 7 | 1 | 2 | 34:19 | 15:5 | VfL, Osnabrück |
| 9 | 5 | 3 | 1 | 22:12 | 13:5 | Werder Bremen |
| 10 | 5 | 3 | 2 | 24:14 | 13:7 | Eimsbüttel |
| 8 | 5 | 2 | 1 | 17:9 | 12:4 | Hamburger SV |
| 9 | 5 | 2 | 2 | 31:12 | 12:6 | St. Pauli |
| 9 | 4 | 4 | 1 | 24:12 | 12:6 | Bremerhaven 93 |
| 9 | 5 | 2 | 2 | 19:17 | 12:6 | Holstein Kiel |
| 8 | 5 | 0 | 3 | 13:13 | 10:6 | Bremer SV |
| 9 | 4 | 1 | 4 | 18:20 | 9:9 | Arminia Hannover |
| 8 | 4 | 0 | 4 | 15:10 | 8:8 | Eintr. Braunschweig |
| 9 | 3 | 2 | 4 | 20:18 | 8:10 | Vfß Oldenburg |
| 9 | 2 | 4 | 3 | 16:18 | 8:10 | Hannover 96 |
| 8 | 1 | 3 | 4 | 14:18 | 5:11 | Altona 93 |
| 9 | 1 | 3 | 5 | 14:33 | 5:13 | Eintracht Osnabrück |
| 8 | 0 | 4 | 4 | 11:19 | 4:12 | Concordia Hamburg |
| 9 | 1 | 2 | 6 | 11:27 | 4:14 | SV Itzehoe |
| 9 | 0 | 0 | 9 | 7:37 | 0:18 |
Fußball-Bund zieht nach Frankfurt um
Zurückhaltende Haltung gegenüber Dachorganisation und den Länderspielen
Von unserem ständigen Mitarbeiter Bernhard Gnegel
Hennef/Sieg, 22. Oktober. 10.10 Uhr zeigte unsere Uhr an, als am Samstagmorgen in Hennef Dr. Pecco Bauwens den 50. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes mit den Worten eröffnete, solange eine gesunde deutsche Jugend lebe, werde es auch einen einen Deutschen Fußball-Bund geben. Eine halbe Stunde später war man bereits in der Tagesordnung beim Punkt „Wahlen“ angekommen, und um 13.00 Uhr sprach Dr. Bauwens das Schlußwort. Nur ein einzigesmal, bei der Wahl des Vorsitzenden für den Schiedsrichter-Ausschuß, hatten sich die Delegierten zu einer schriftlichen Abstimmung bequemen müssen, in allen anderen Fällen kamen die Kandidaten auf Zuruf und einstimmig auf ihren Stuhl. Am Ende saßen, mit wenigen Ausnahmen, auch wieder die bisherigen Mitglieder auf den Vorstandsplätzen. Die schnelle Arbeit und die nahezu selbstverständliche Bestätigung der alten Führung zeugten einerseits vom Vertrauen, das sich diese Führung erworben hat, andererseits sprachen sie noch deutlicher von der gründlichen Vorbereitung des Bundestages in der voraufgegangenen
Vorstands- und Beiratssitzung. Es gab offensichtlich nichts, was nicht von der verblüffend geschickten Regie schon vorher festgelegt worden wäre. Soweit die Delegierten nicht der Beiratssitzung beigewohnt hatten, wurden sie beim Bundestag selbst vor vollendete Tatsachen gestellt, sie waren infolgedessen aber auch — ebenso wie die Presse — sehr oft nicht im Bilde, als am Samstagmorgen die Tagesordnung Punkt für Punkt förmlich durchgepeitscht wurde.
Im fünfzigsten Jahre seines Bestehens zählt der Deutsche Fußball-Bund in seinen westdeutschen Regionalverbänden (einschließlich West-Berlin) 13 014 Vereine. Er ist also wieder eine stattliche Organisation. Mängel in der statistischen Arbeit der Verbände lassen es nicht zu, daß die Gesamtmit-
gliederzahl und die Altersschichtung der Mitglieder zuverlässig angegeben werden können, eine Tatsache, die sich laut Dr. Bauwens sowohl bei der Vertretung im Jugendring, als auch bei den Auseinandersetzungen über die Fragen der Sonntagsheiligung und dter Staatszuschüsse nachteilig auswirkt. In den Toto-Ausschüssen hat der Fußball, obwohl er doch als Träger des Sporttotos angesehen werden muß, auch nicht den entsprechenden Einfluß. Der Vorsitzende des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes, Fahrbach (Ludwigshafen), forderte daher, daß der Fußball in den Toto-Ausschüssen eine maßgebende Rolle spiel enmüsse.r Der Toto sei eine Angelegenheit des Sports und nicht des Staates. Es dürften auch nicht Dinge vom Toto finanziert werden, die mit dem Sport nichts zu tun hätten.
Gegen die vom Rechtsausschuß des DFB ausgearbeitete neue Rechtsordnung wandte sich Flierl (Fürth) mit der Forderung, eine Rechtsordnung für den Sport müsse nicht nur von Juristen, sondern auch von den kleinen Leuten verstanden werden können, sie
solle darum möglichst einfach gehalten sein und vornehmlich vom sportlichen, nicht aber vom bürgerlichen Gesetz ausgehen. Die Rechtsordnung ging darum auch wieder zu einer neuen Bearbeitung an den Ausschuß zurück, doch wurde der Beirat ermächtigt, sie für dieses Geschäftsjahr vorübergehend in Kraft zu setzen. Bei Punktgleichheit sollen in den Amateurklassen künftig die Entscheidungen nicht mehr durch das Torverhältnis, sondern in Entscheidungsspielen gesucht werden. Die Vertragsspielerklassen bleiben bei der Entscheidung durch das bessere Torverhältnis.
Noch keine Dachorganisation? Die interessantesten Vorgänge im deutschen Fußball wurden nicht bei den eigentliehen Beratungen des Bundestages, sondern erst im Schlußwort von Dr. Bauwens belichtet. Der Vorsitzende des DFB sagte klipp und klar, die Voraussetzungen für die Bildung einer Dachorganisation des deutschen Sports seien zur Zeit noch nicht gegeben. Damit dürfte wohl auch der auf den November verlegte Gründungstermin abermals gefährdet sein. Nach der Ansicht des DFB muß die Dachorganisation eine „möglichst lose Zweckgemeinschaft“ sein, getragen in erster Linie von den Fachverbänden. Dr. Bauwens meinte auch, eine Gründung in nächster Zeit sei durch das Fehlen einer Satzung fraglich gemacht.
Nach der Wiederaufnahme in den internationalen Verband (FIFA), hat der DFB eine ganze Reihe von Länderspiel-Angeboten erhalten. Der Bund will jedoch, ehe er Abschlüsse vornimmt, erst die Gewähr haben, daß wieder eine entsprechend' starke Mannschaft gestellt werden kann. Im übrigen sind, wie der Bundestrainer Herberger unserem Mitarbeiter versicherte, alle in der Presse angestellten Kombinationen über die Mannschaftsaufstellung für das Spiel gegen die Schweiz am 22. November in Stuttgart falsch. (Wir haben uns an diesen Kombinationen nicht beteiligt, sondern gesagt, man müsse dem Bundestrainer Zeit und Ruhe lassen.) Die Mannschaftsaufstellung dürfte nicht vor Mitte November bekanntgegeben werden. Der Bundestrainer erklärte noch, selbst einige angebliche Gespräche mit ihm seien glatt erfunden worden.
Neue und alte Männer im Deutschen Fußball-Bund. Von links: Hans Koerfer (Düsseldorf), der neue Spielausschußvorsitzende; Sepp Herberger, Bundestraincr; Hans Huber (München), der zweite Vorsitzende und Dr. Peco Bauwens (Köln), erster Vorsitzender Aufnahme: Schirmer
Die neue Führung
Im engeren Vorstand sind nur zwei Posten neu besetzt worden, und zwar die des Vorsitzenden für den Spiel- Und den Schiedsrichter-Ausschuß. Im Spielausschuß hatte nach dem Rücktritt von Weber M. Stock den Vorsitz übernommen. Stock ist jedoch inzwischen nach Argentinien ausgewandert. Neuer Vorsitzender des Ausschusses wurde der 41 jährige Vorsitzende von Fortuna Düsseldorf, der Journalist Hans Körfer. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Dr. P. Bauwens (Köln); 2. Vorsitzender: Hans Huber (München); Kassierer: Karl Arpe (Kiel); Vorsitzende der Ausschüsse: Spielausschuß: Hans Körfer (Düsseldorf); Beisitzer dieses Ausschusses: Decker (Schweinfurt), Franz (Nürnberg), Burmeister (Hamburg), Schmedeshagen (Gelsenkirchen); Jugendausschuß: Zimmermann (Karlsruhe); Amateur- und Profi-Ausschuß: Kurt Müller (S'uttgart); Vertragsspielerausschuß (neu gebildet): Dr. Walter (Stuttgart); Schiedsrichter: Karl Coppehel (Berlin); Rechtsausschuß: Notar Dr. Eckert (Osthofen bei Worms); Presseausschuß: Ries (Bremen); Toto-Ausschuß: Fahrbach (Ludwigshafen).
Zu Ehrenmitgliedern des DFB wurden ernannt: Gottfried Hinze (Duisburg), W. Rave (Hamburg), Julius Keyl (Ansbach). Notar Jersch (Bochum), Hoffschneider (Berlin), Wildung (Berlin) (früher Arbeiter- Sport-Kartell), Prälat Wolkers (Deutsche Jugend-Kraft).
Der Deutsche Fußball-Bund will seinen Sitz (Gesehäftsstelle) in Kürze von Stuttgart nach Frankfurt am Main verlegen. Demnächst soll auch ein neues Vertragsspieler-Statut vorgelegt werden.
USA-Gewichtheber eine Klasse für sich
Deutsche Nationalmannschaft in Kaiserslautern geschlagen
Der Start der amerikanischen Gewichtheber-Nationalmannschaft in Kaiserslautern gestaltete sich zu einem der größten sportlichen Ereignisse der Pfalz in der Nachkriegszeit.
Wie erwartet, siegten die Amerikaner, die bei den kürzlichen Weltme:sterschaften in Paris als beste abgeschnitten hatten, mit insgesamt 2147,5 Kilogramm. Im beidarmigen Drücken erreichten die Amerikaner 660 kg, im Reißen 647,5 kg und im Stoßen 840 kg, die Deutschen brachten im Drücken 580 kg, im Reißen 597.5 kg und im Stoßen 780 kg zur Hochstrecke. Zwei angesagte Rekordversuche scheiterten. Weltmeister John Davis wollte im Schwergewicht mit 177,5 kg Weltrekord stoßen, berührte jedoch bei dem Versuch mit e nem Knie den Boden, so daß er keine Anerkennung fand. Im Federgewicht
versuchte Oswald Junkers (Trier) vergeblich, mit 127,5 einen neuen deutschen Rekord zu stoßen.
Die Ergebnisse im einzelnen in der Reihenfolge Drücken — Reißen — Stoßen; Bantamgewicht: Joey di Pietro (USA) 100 — 82,5 — 102,5 kg, Ewald Breßlern (Essen) 77,5 — 87,5 — 110 kg; Federgewicht: Joe Tomita (USA) 87,5 — 92.5 — 117,5 kg, Oswald Junkers (Trier) 85 — 95 — 125 kg; Leichtgewicht: John Pitman (USA) 102,5 — 102,5 — 137,5 kg, Toni Leuth (Fellbach) 95 — 100 — 125 kg; Mittelgewicht: Pete George (USA) 107,5 — 120 — 160 kg, Opschruff (Trier) 90 — 95 — 130 kg; Halbschwergewicht: Stan Starczyk (USA) 125 — 120 — 160 kg, Hans Clausen (Lübeck) 100 — 100 — 135 kg; Schwergewicht: John Davis (USA) 147,5 — 135 — 172 5 kg, Aaldering (Fellbach) 135 — 120 — 155 kg.
Alles klar zur Vorschlußrunde
Im Kampf um den Hockey-Silberschild setzten sich die Favoriten durch
In Frankfurt am Main unterlag die Vertretung Hessens dem Silberschildverteidiger Nordrhein-Westfalen nur knapp mit 2:3 (2:1) Toren. Nach einem überraschend guten Start lag Hessen bereits nach zwanzig Minuten durch Treffer von Vogel und Scheffler mit 2:0 in Führung. Erst kurz vor der Pause gelang es Suhren für Nordrhein-Westfalen durch Strafecke auf 2:1 zu verkürzen. Die zweite Halbzeit stand dann im Zeichen laufender Angriffe des Schildverteidigers, bei dem sich Mittelläufer Hidding als „Ankurbier“ seines Angriffes besonders auszeichnete. Zwei weitere Tore durch Suhren und Dollheiser ergaben den knappen aber verdienten Endsieg der favorisierten Nordrhein-Westfalen.
In Nürnberg gewannen am Sonntag die Bayern nach einem spannenden Treffen gegen Baden ebenfalls mit 3:2 (1:1). Nach einigen ausgelassenen Chancen der Bayern gelang Kenngott (Mannheim) überraschend das erste Tor für Baden. Kurz vor der Pause erznelte Erner (Nürnberg) den Ausgleich. In der zweiten Spielhälfte war es wiederum. Kenngott, der Baden in Führung brachte. Im Anschluß an eine Strafecke konnte jedoch der bekannte Eishockeyspieler Wild (München) ausgleichen. Bald darauf schoß der bayerische Linksaußen. Rosenbaum (München), aus steilem Winkel heraus das schönste Tor des Spieles und sicherte der Bayernvertretung damit den knappen, aber verdienten Sieg.
In Bremen konnte sich die Hamburger Mannschaft mit einem 4:0 (1:0-) Sieg über Bremen für die Vorschluß runde qualifizieren. Die Hamburger zeigten sich ihren Gastgebern in jeder Phase des Spieles in technischer und taktischer Beziehung überlegen, besonders der linke Sturmftügel mit dem Torjäger Stoltenberg (Klipper) und dem jungen Schröder (Helmfeld) erwies sich als gefährlichster Mannschaftsteil. Die Hamburger Läuferreihe beherrschte klar das Mittelfeld, so daß der bewährten Hintermannschaft nicht viel Arbeit blieb. Die Tore erzielten Stoltenberg durch Strafecke und nach einer Kombination sowie Meier und der Alt-Nationale Ruck.
In Hannover besiegte die Niedersachsen-Ausahl eine Berliner Elf mit 4:2 (2:1) Toren. Vom Anpfiff an entwickelte sich ein schnelles, äußerst fair geführtes Spiel, das Niedersachsen in ständiger leichter Ueberlegenheit sah. Torschützen für die Niedersachsen waren Krumsiek (2), Gruber und Kraatz. Berlins erster Treffer fiel im Anschluß an eine Strafecke aus einem Gedränge vor dem Tor. Den zweiten Treffer verursachte der Niedersachsen-Torwart Zgodda durch eine verunglückte Fußabwehr.
Wieder Ueberraschungen im Süden
Fürther „Kleeblätter lösen FSV Frankfurt ab / 3:2-Schwabcnstreich auf dem Bieberer Berg
Schi. In der 1. Liga Süd sind dicke Ueberraschungen an der Tagesordnung und mancher Tototipper und Vorschauonkel wird sich am Sonntagabend kopfschüttelnd an die Stirn gegriffen haben. Wer hätte zum Beispiel geglaubt, daß die Augsburger „Schwaben“ vom Bieberer Berg mit 3:2 das Punktepaar entführen würden? Oder wer hätte dem SSV Reutlingen bei den Münchener „Bayern“ ein 2:2 zugetraut? Auch der 3:2- Erfolg des VfL Neckarau über den Vfß Mühlburg widerspricht allen Prophezeiungen, ebenso der glatte 5:1-Erfolg der Münchener „60er“ beim BC Augsburg.
Im Mittelpunkt der Spiele des Sonntags stand das Treffen im Stuttgarter Neckarstadion zwischen dem mit Ersatz für Bühler und Ledl, aber wieder mit Schlienz angetretenen deutschen Meister Vfß Stuttgart und dem Spitzenreiter FSV Frankfurt. 25 000 Besucher jubelten der Vfß-Elf zu, die insbesondere im Sturm famos zusammenspielte und zeitweilig die Schwarz-Blauen aus Bornheim völlig durcheinanderwirbelte. In der 33. Minute erzielte Blessing das 1:0. Kurz darauf wurde Dziwoki im Strafraum einwandfrei gefoult, aber Schiedsrichter Pennig (Mannheim) vergaß das Pfeifen. Als Wehrle im Gegenzug auf 2:0 erhöhte, bedeutete das die Entscheidung, Sekunden vor dem Wechsel ergab ein Weitschuß Wehrles das 3:0 und kurz nach der Pause schloß der gleiche Spieler einen schönen Alleingang mit dem vierten Treffer ab. Baitinger erhöhte auf 5:0, ehe der FSV durch einen von Schwarz verwandelten Foulelfmeter auf 5:1 herankam. Die Gäste vom Main hatten ihren rechten Verteidiger Nold zur Bewachung von Schlienz auf den linken Läuferposten genommen, aber diese taktische Maßnahme nutzte bei dem quicklebendigen Spiel des Vfß-Sturmes so gut wie nichts. Rado war an den Toren ohne Schuld.
Während so der FSV Frankfurt die Tradition beim Vfß Stuttgart zu verlieren, fort-, setzte, holte sich die „Eintracht“ am Bornheimer Hang vor zwölftausend Zuschauern einen harterkämpften 3:2- (2:0-)Sieg über den VfR Mannheim. Reichert (38.) und Schieth (42. und 50. Minute) schossen einen beruhigenden 3:0-Vorsprung heraus, den die „Eintracht“-Abwehr bis zehn Minuten vor Schluß auch verteidigen konnte. Dann aber erzielte de la Vigne den ersten Gegentreffer und fast mit dem Schlußpfiff donnerte Langlotz einen Strafstoß zum 2:3 unter die Torbalken. Die Eintracht-Anhänger atmeten erleichtert auf, als Schiedsrichter Ruhmann (Regensburg) abpfiff.
Bereits am Samstag hatte der VfL Neckarau den favorisierten Vfß Mühlburg 3:2 (0:2!) bezwungen, obwohl die Elf von der Altriper Fähre mit Ersatz antreten mußte. Sechstausend Zuschauer ließen die Köpfe hängen, als der Vfß Mühlburg bis zum Wechsel durch Tore von Rastetter und Lehmann 2:0 führte. Nach dem Wiederanpfiff war Neckarau nicht mehr zu halten. Preschle schaffte mit zwei feinen Toren den Ausgleich und in der 79. Minute gelang dem gleichen Spieler der „hat-trick“ und Siegestreffer der Kampfgeist triumphierte wieder einmal über die Technik.
Der SV Waldhof hielt die Darmstädter „Lilien“ mit 7:2 sicherer, als erwartet, nieder, und mit dem gleichen Ergebnis setzte sich die Spvgg Fürth in Singen durch. Der Nürnberger „Club“ erfreute seine Anhänger mit einem 4:2 über Schweinfurt ,das bereits beim Wechsel feststand.
Spitzengruppe blieb zusammen
Schi. In der 2. Liga Süd tanzte keine der führenden Mannschaften aus der Reihe. Die schwierigste Hürde hatten wohl die Stuttgarter Kikkers zu nehmen, die sich auf Grund ihrer technischen Ueberlegenheit beim TSV Straubing 2:1 durchsetzten. Die Konstanzer „Seehasen" bewiesen wieder einmal, daß sie keine Heimmannschaft sind, sie hatten gegen Bayern Hof nichts zu bestellen und unterlagen glatt 0:4. Jahn Regensburg hatte es nicht so leicht, wie allgemein erwartet wurde; das 2:0 über den FC Freiburg mußte erkämpft werden. Sehr beachtlich ist auch der deutliche 4:1-Erfolg des ASV Cham am Arheilger Mühlchen, wo Bayern. Hof vor vierzehn Tagen mit 0:2 die erste Niederlage erlitten hatte. Enttäuschte Gesichter gab es in Wiesbaden, wo die Kurstädter gegen Viktoria Aschaffenburg unerwartet 1:2 eingingen. Hessen Kassel kam bei Union Böckingen über ein 2:2 nicht hinaus. Der SV Tübingen blieb auch im Spiel gegen den 1. FC Pforzheim (1:3) ohne den ersten Gewinnpunkt. Ulm 4S schaffte sich mit seinem 2:0-Sleg über Wacker München etwas Luft, und der 1. FC Bamberg spielte den ASV Durlach mit 5:1 an die Wand.
Auch FK Pirmasens abgeschlagen
1. FC Kaiserslautern in Südwest ohne Gegner
f. kr. Mainz. Zwei zahlenmäßig hohe Siege und fünf hart umstrittene Treffen mit knappem Ausgang, das sind die Ergebnisse der Oberliga Südwest vom gestrigen Sonntag. Wäre man bereits am Beginn der Rückrunde, so könnte man die Frage stellen, wer eigentlich der Rivale für den 1. FC Kaiserslautern sein soll. Denn mit einer staunenswerten Regelmäßigkeit hat der Meister bisher seine Gegner geschlagen. Am Sonntag war der 1 FK Pirmasens mit 6:1 der Leidtragende. Natürlich muß er noch nach Pirmasens und hat zweimal die Wormatia Worms zu bestehen. Aber da auch diese Rivalen noch entsprechende Gegner und Auswärtsspiele vor sich haben, spricht sehr viel für Kaiserslauterns neue Meisterschaft. Sein schwerster Gegner, Wormatia Worms, holte sich in Engers mit 1:0 beide Punkte. Im Vorjahr gab es nur einen Punkt. Auch Neuendorf kam mit einem 2:1 über die Klippe Andernach hinweg So bilden diese drei Sieger die Spitzengruppe. In Ludwigshafen war der „Phönix“ seinem Lokalrivalen „Tura“ stärker überlegen, als das Ergebnis sagt. Auffällig ist das schwache Abschneiden von Mainz 05, das daheim gegen Eintracht Trier mit 0:1 einging, obwohl die Mainzer Elf zuletzt stark drängte. Gegenüber dem Versagen von Mainz fällt es auf, wie verhältnismäßig gut sich der Neuling Eintracht Kreuznach hält. Sein 2:2 gegen den VfR Kaiserslautern ist beachtlich. Aus dem Rahmen fällt auch das hohe 5T des VfL Neustadt über den ASV Landau. Man hatte hier weniger Tore erwartet, kann aber aus dem Ergebnis (wie auch aus einigen anderen) folgern, daß es auch in der Mittelgruppe von Südwest noch recht spannende Kämpfe geben wird.
Erste Niederlage Fortunas
-ng. In der 1. Liga West zog die wichtige Auseinandersetzung zwischen der bisher ungeschlagenen Düsseldorfer „Fortuna“ und den Königsblauen aus Schalke wie kein anderes Spiel die Mensebenmassen an. Gestürmte Vorverkaufsstellen, durchbrochene Absperriegel, berittene, motorisierte und Polizei zu Fuß hielten in einem sechsfachen Kordon die Massen zurück, denn „nur“ 35 000 Menschen konnten in Flingerbroich untergebracht werden, nachdem das Fassungsvermögen des Platzes durch den Einbau von Stahlrohrtribünen erweitert worden war. Bis zehn Minuten vor Schluß hieß es 2:2, als der Schalker Torschützenkönig Kleina in diesem Zeitpunkt von zwei Düsseldorfer Abwehrspielern in die Zange genommen wurde, paßte er zu dem freistehenden Linksaußen Sandmann und dieser fackelte nicht lange und schoß an dem ausgezeichneten Ex-Ulmer Turek vorbei zum Siegestreffer ein. Fünftausend Schalker schwenkten ihre blauweißen Fähnchen, Glocken und Sirenen ertönten, und als der harte Kampf abgepfiffen wurde, war der Nimbus der ohne Janes angetretenen Düsseldorfer, die einzige ungeschlagene Mannschaft des Westens zu sein, endgültig dahin.
Der 1. FC Köln verpaßte die Chance, mit Schalke Tabellenführer zu werden, durch eine 1:2-Niederlage beim „Schlußlicht“ Duisburger SV. Borussia Dortmund mußte sich etwas unerwartet bei Rot-Weiß Oberhausen mit einem 3:3 zufrieden geben. Die übrigen Spiele endeten ohne Ueberraschungen. So hielt der Rheydter SV die Katernberger mit 3:2 nieder, Preußen Dellbrück und Alemannia Aachen trennten sich verdientermaßen 3:3. Rot-Weiß Essen fertigte Hamborn 2:0 ab und Preußen Münster schlug Borussia M.-Gladbach sicher 3:0. Torlos trennten sich Horst-Emscher und die Spvgg Erkenschwick.
Spielersperren im Süden
Die Spruchkammer der ersten süddeutschen Fußball-Liga bestrafte die Spieler Appis (Spvgg Fürth) und Kreis (VfL Neckarau) wegen unfairen Sp’els mit einer Sperre von jeweils einem Monat,-die für Appis vom 9. Oktober bis 8. November und für Kreis vom 8. Oktober bis 7. November läuft.
Außer Lebensgefahr ist seit Mitte der Woche der im Homburger Krankenhaus liegende Motorradrennfahrer Otto Koflnk, nachdem Lungen- und Rippenfellentzündung Im Abklingen sind.
Zweiter Reinfall des HSV
Auch St. Pauli ereilte das Schicksal —in—. In der 1. Liga Nord stolperte nun auch der bisher unbesiegte FC St. Pauli. Zehntausend Menschen sahen in Bremerhaven ein schnelles und kampfbetontes Spiel, das bis zum Wechsel dank der großartigen Abwehr des St.- Pauli-Hüters Schönbeck torlos stand. Der Bremerhavener Halbrechte Lang erzielte dann das 1:0, aber im Gegenzug egalisierte der gute St.- Pauli-Mittelstürmer Kruppa. Eine Viertelstunde vor Schluß überlistete der Bremer Linksaußen Bock den St.-Pauli-Torwart und schoß zum vielbejubelten 2:1 ein. Obwohl die Hamburger in der letzten Phase mit allen Mann stürmten, reichte es nicht zum Ausgleich, der Bremer Torwart Lühr wuchs über sich selbst hinaus und verhütete mit schönen Paraden alle Chancen der Hamburger.
Im „Hamburger Derby“ zwischen Eimsbüttel und dem HSV, bei dem es ziemlich hart zuging, siegte Eimsbüttel überraschend l:o und verdrängte den HSV damit vom zweiten auf den fünften Tabellenplatz. Hannover 96 mußte sich gegen Altona 93 mit einem mageren 2:2 begnügen.
Die restlichen Spiele endeten erwartungsgemäß. So schlug Werder Bremen die Braunschweiger „Eintracht“ verdient 2:0. Göttingen behielt durch sein 4:2 über den Bremer SV die Tabellenführung, während der Tabellenzweite VfL Osnabrück beim SV Itzehoe hart kämpfen mußte, um mit einem 2:1 die Punkte zu retten Eintracht Osnabrück und der Vfß Oldenburg t^nlLte,n 4 nach gleichwertigen Leistungen 3.3, Holstein Kiel wahrte seihe gute Mlttelfeldposition^ mit einem- 2:1 über die Hamburger
SV 98 ohne Torwart 7:2 (2:1) geschlagen
Eine harte Entscheidung des Schiedsrichters entschied das Spiel: Ruhl in de r 15. Minute beim Stande von 1:1 herausgestellt / Trotz der Niederlage halten die Darmstädter den 14. Tabellenplatz
Sp,?Lauf dem herrl*chen Waldhöf er Rasen, bei dem das Barometer Pnnti k Orkan stieg. Es stand zunächst keineswegs fest, daß beide unbedingt in Mannheim bleiben würden, der Platzverweis des Darmm 15 Minuten brachte dann aber Nervosität und Härte, daß , U*? den des Treffens überhauckt bangen mußte. Schiedsn *. Bdelmeier hat je Halbzeit drei „Disputier-Minuten“ nachspielen lassen. a ” esagt auch etwas. In der ersten und noch besser in der zweiten Halbzeit " SICh die geschwächten Darmstädter spielerisch aber so gut aus der Affäre, da« ihnen auch die WaldhÖfer — wenn sie diesen Fall einmal beschlafen haben — ein ausreichend Maß Oberligareife zuerkennen werden.
SV Waldhof: Skudlarek: Rendler, Siegel; Rube, Krämer, Kling; Siffiing, Isr.nger, Trautmann. Fanz. Schnepp. SV Darmstadt 98: Ruhl; Mühlbach, Abt; Herder. Schmidtmer. Leichtlein; Reeg Thalheimer, Bohmann, Barth. Herwig. Zuschauer: 12 000. Schiedsrichter: Stadelmeier, Stuttgart.
Die Darmstädter brachten zunächst kurze Gefahrenmomente vors Mannhe.mer Tor. In der 6. Minute kam dann aber die kalte Dusche. Schmidtmer hatte im Strafraum an Fanz ein Foul begangen, Schiedsrichter Stadelmeier zeigte mit gestrecktem Finger auf die Elfmetermarke. Fanz schoß zum 1:0 ein. Aber zwei Minuten später liegt der Waagebalken schon wieder im Blei; Reeg nimmt eine Vorlage von Barth aus Halbrechts auf und sdhießt so placiert in die rechte untere Ecke; daß auch Skudlarek zum ersten Male hinter sich greifen muß. Die 9. Minute gibt Ruhl Gelegenheit, sich den Respekt der Mannheimer zu holen, denn er box eine hohe Rechtsflanke zur Ecke, der Ball kommt vom Fähnchen in guter Parabel vors Darmstädter Tor und wieder schickt ihn Ruhl mit geballter Doppelfaust aus dem Gefahrenraum. Die 15. Minute wird für das Schicksal der Darmstädter entscheidend. Ruhl, der den Ball im Besitz hat. wird von Schnepp angegangen, seine Reaktion war ein Stoß mit dem Ball auf des Gegners Kopf. Das hatte Stadelmeier gesehen, seine Entscheidung war: Platzverweis für den Darmstädter Torwart. Für ihn geht Abt zwischen die Pfosten, und Reeg wechselt von Rechtsaußen auf den Platz des linken Verteidigers.
Trotz dieser Schwächung können die Lilien das Spiel offen halten, doch kann die Mannheimer Verte'digung im Verein mit Sk"dlarek Treffer verhindern. Die 25, Mi-
nute bringt einen direkten Straßstoß von rechts, den Schnepp im spitzen Winkel direkt zum 2:1 verwandelt. Bis zur 41. Minute verlagert sich das Schwergewicht des Spiels mitunter so weit in die Darmstädter Hälfte, daß die Mannheimer Verteidigung big weit über die Mittellinie aufrücken kann. Einem Hochschuß Schn’pps ins Blaue folgt ein schöner und durchdacht aufgebauter Angriff der Darmstädter, der von der linken Sturmseite (Barth) aufgenommen und dem günstig auf halbrechts stehenden Herder vorgelegt wird; er zündet aus bester Position einen scharfen Schuß ... an die Querlatte. Nach der Pause erscheinen die Darmstädter zum zweiten Male umgestellt:
Thalheimer und Reeg besetzen die rechte Sturmseite. Barth ist auf den linken Verteidigerposten zurückgetreten. Abt hat sich mit seiner ungewohnten Aufgabe geschickt abgefunden, er erntet bei einem von der Strafraumgrenze halbhoch aufs Darmstädter Tor abgegebenen scharfen Schuß Schnepps für seine gute Parade Beifall. In der 50. Minute schafft sich Islinger im Alleingang nach vorne, gibt zu Fanz, dessen Bodenroller dem fallenden Abt unterm Körper hindurch ins Netz schlüpft (3:1). Hier, wie in der ersten Viertelstunde, kommt in das Spiel wieder „Uebertemperament“, und 10 Minuten lang gehen die Wogen im Feld und auf den Rängen recht hoch. In der 62. Minute fälscht Trautmann einen an sich placierten Siffling-Schuß so geschickt ab, daß er an Abt vorbei ins Netz gelenkt wird. 4:1. Vom Anstoß weg läuft Herwig mit dem Darmstädter Angriff nach vorn und schlägt Skudlarek mit überraschendem Schuß. Nach einer erfolglosen Siffling-Trautmann-Kombination klatscht Abt in der 70. Minute einen von Schnepp getretenen Straßstoß zu Boden. Trautmann kann nach kurzem Schritt einschießen. (5:2). Wenig später wird Reeg in schöner Schußstellung von links n'cht bedient. In der 75. Minute kommt Siegel auf der rechten Linie hoch, gibt an Islinger... 6:2. Strafstoß vor der Darmstädter Mauer her an den freistehenden Schnepp, der aber links am Pfosten vobeidonnert. Sifflings Flanke in der 84. Minute aufs Tor w;rd von Abt zur Ecke geboxt. Den Eckball lenkt Fanz direkt zum 7:2 ein. Bis zum Spielschluß gab es noch bange und heiße Momente vor Abts Gehäuse, gelegentliche Besuche des trotz allem im Strafraum gefährlichen Darmstädter Sturms, aber keine Tore mehr. Reserven 4:1. Nach dem Platverweis Ruhls, der angesichts der Bedeutung eines Torhüters für eine Mannschaft doch wohl zu hart, aber vielleicht mehr eine Konzession Stadelmeiers an sein Autoritätsbedürfnis war, ist die viertelstündige Ueberhast der Darmstädter verständlich. Besonders im Angriff konnte unter diesen Umständen von einem planvollen Zug aufs Gegentor nicht mehr gesprochen werden, wenngleich die Viererreihe immer noch ahnen ließ, wie es hätte kommen können. Ein großes Stück Arbeit hatte die Läuferreihe zu leisten, die trotz unausbleiblicher Ueberlastung in Zerstörung und Aufbau Anerkennng verdient. Was Stadelmeier recht spät tat, mag hier wiederholt werden: Eine frendschaftliche Verwarnung für Herder, dem unter Umständen Platzveweis droht. Mühlbach und Reeg, die Verteidiger-Zw:schenlösung, entlasteten Abt nach bestem Können, ihnen gleich tatens in der zweiten Halbzeit Barth und Mühlbach. Ueber Abts Leistung sprach schon der Spielverlauf.
Die Mannheimer mochten mit ihren hinteren Reihen nicht voll zufrieden gewesen sein, und wenn nicht die Fünferreihe (zum Teil begründet in den Spielumständen) oft und herzhaft hätt« schießen können. dann wäre jedenfalls ein reguläres Ergebnis zustande gekommen. Gewiß haben die Darmstädter in ihrer entschuldbaren Nervosität Härte ins Spiel gebracht, aber wir beobachteten, d?ß auch die Mannheimer „säbeln“ können.
„Achtung — Achtung! Die Platzordner auf ihre Plätze! Wir bitten auch unsere Mitglieder, sich am Eingang zu postieren!“ Das mikrofonte der WaldhÖfer Sprecher fünf Minuten vor Schluß übers Feld. Warum? Durch das Spalier Tausender von Zuschauern stampften vier Schutzleute hoch zu Roß in weißem Lederzeug, zwischen ihnen fünf Schutzleute zu Fuß, und zwischen denen der . , . Schiedsrichter, Warum? RG
Das ging noch einmal gut ab. „Torwart wider Willen“, Abt, boxt daneben, aber Trautmann, von Schmidtmer bedrängt, köpft über das Tor. Szene aus dem Spiel SV Waldhof—Darmstadt 98 7:2 (Foto: Hemme)
Auch Arheilgen verlor 4:1
ASV Cham gewann als bessere Mannschaft verdient / Ein schwarzer Tag der Arheilger
Mit einer Bombenüberraschung begann die Sache. Noch hatte die Uhr keine ganze Umdrehung gemacht, da stand es schon 1:0 für die Gäste. Ein Strafstoß schwebte von rechts vor Seibels Tor, ein kleines Gedränge, der Ball kam zu dem ungedeckten Giesen, der kurz entschlossen einschoß. Doch die Einheimischen schienen nicht so sehr beeindruckt und drückten in der Folge die Gäste zurück. Angriff auf Angriff rollte aufs Chamer Tor, doch da stand ein Hüne als Mittelläufer, der es vorerst verstand, sein Tor sauber zu .halten. Doch in der 15. Minute erläuft Dilfer noch einen Ball an der Auslinie, flankt flach nach der Mitte und Zöller bringt den Ball ins Gehäuse. Die Gäste wurden jetzt munterer und erzwangen verteiltes Feldspiel. Seibel hält einen Prachtschuß in höchster Not und auf der anderen Seite muß sich Kumpfmüller sehr strecken, um einen Weitschuß von Becker zu meistern. In der 20. Minute hat Becker den guten Rechtsaußen Burkhardt schlecht gedeckt, Mahr muß nach außen, Burkhardt legt Angermeier vor. dessen Schuß in die äußerste Ecke geht. Jetzt werden die Einheimischen wieder lebhafter. Ein Schuß von Zöller aus guter Position streicht darüber. Sofort ist auch Seibel wieder in Gefahr, er verfehlt einen halbhohen Ball und Becker rettet auf der Linie, Kirchrath, der scheinbar nur auf Besuch war, gibt seine erste Flanke, die Zöller verlängert Und Dilfer 5 cm neben den Pfosten köpft. Wieder senkt sich ein Strafstoß von rechts vor des Arheilger Tor, Seibel läuft Zu spät heraus, verfehlt den Ball und Weber II köpft in die Maschen. Damit hatte eine äußerst spannende Halbzeit mit dem Stande von 3:1 für Cham ihr Ende erreicht. Der zweite Durchgang war nur ein Abklatsch des ersten. Barnewald, der für solche Spiele körperlich zu schwach ist, stürmt rechtsaußen und steht bei dem harten Wagner auf verlorenem Posten. Traser. der noch nie ein Stürmer war, hat mit Zöller getauscht und jetzt ist bei den Einheimischen nichts mehr drinn. Sie Spielen eile Bälle hoch und die Gäste haben es nicht, schwer, die durchsichtigen Angriffe abzuwehren. Besonders Weindl als Mittelläufer beherrscht das Feld und nimmt alles in sauberem Kopfspiel. Traser flankt gut zur Mitte, doch vergebens, denn hier fehlt es an dem Mann, der solche Sachen direkt aufnimmt. Eine prächtige Kombination schließt Weber II mit Bombenschuß in die lange Ecke ab, aber Seibel hält famos. Noch einmal tritt Becker in aussichtsreicher Stellung in den Boden und dann kommt eine Flanke des ungedeckten Rechtsaußen der Gäste, die nach Kampf eingedrückt wird. In der zweiten Halbzeit resignieren die Einheimischen immer mehr vor dem Schnelleren und wuchtigeren Gegner Cham stellt eine prachtvolle Mannschaft, die noch manchem etwas erzählen wird. Der Ball ist immer in Fluß, kein langes Stoppen und Zurechtlegen, flach wandert er von Fuß zu Fuß und in Strafraumnähe wird herzhaft geschossen. Die Mannschaft verliert sich nicht im Tändeln, die Angriffe sind zügig
mit langem Steilpaß gewinnt der Angriff Schnell Raum und Wucht. Körperlich waren die Gäste den Mülchesleuten überlegen und nutzten dies auch aus. Anders die Arheilger. Immer wieder wird der Ball hoch in die vorderen Reihen gespielt, was besonders bei so großen Gegnern vollkommen sinnwidrig ist Lieber hatte sich bei einem Unfall verletzt und mußte pausieren, der für ihn spielende Kirchrath fiel vollkommen aus Ebenso Barnewald, der für solche Spiele nicht die nötige Reife besitzt. Auch Becker wurde mit seinem wendigen Flügel nicht fertig und im Sturm blieb er in der starken Verteidigung hängen. Im Gegensatz zu den Gästen wird nicht schnell genug abgespielt find so läuft sich mancher Angriff tot. Auch Traser war unter seiner sonstigen Form, lediglich Zöller, Mahr, Dilfer und Wendler konnten befriedigen. Mit diesem Sturm dürfte auch künftig die Torausbeute sehr gering bleiben. Schiedsrichter Ringer (Fehlbach), leitet sehr gut. Ecken 3:3. Hewe
Zum 7. Male schlug es bei Darmstadt ein. Fanz trat einen Eckball direkt ins Tor. Szene aus dem Spiel Waldhof—SV 98 7:2. (Foto: Hemme)
Der richtige Tip
(ohne Gewähr)
Hessen: 2,1, 1,1, 1,1, 0,2, 2,2, 0,2, 1, 0. Bayern: 1,1, 2,1, 1,2, 2,1, 1,1, 1,2, 2, 3. Württemberg-Baden: 1,1, 1,2, 2,1, 1, 2,1, 2,2, 1,0, 2. Rheinland-Pfalz: 1,1, 2,1, 2,0, 1,1, 1, 1,2, 1,2, 0. Westdeutschland: 2,1, 0,0, 1,1, 1,1, 1, 1,1, 0,1, 1. Nordblock: 1,1, 1,1, 0,1, 2,2, 1,1, 2, 0,2, 2.
Fußball-Kreisklassen
Kreisklasse Darmstadt A-Klasse Bickenbach—Grafenhausen 2.1 SSG Langen—TSG 46 Darmstadt 0:3 Haehnlein—Seeheim * •“ Weiterstadt—Erzhausen oo Griesheim—Alsbach Nieder-Ramstadt—Hahn 4:1 B-Klasse Jugenheim—Brandau L® Eschollbrueeken—Traisa Ober-Beerbaeh—Nieder-Beerbach 10:1 SV 98 Darmstadt (Soma)—Rohrbach 8 z Union Darmstadt—VfR Langen (Soma) 4:1 Kreisklasse Groß-Gerau A-Klasse Walldorf—Biebesheim 2:1 Dornheim—Gernsheim Klein-Gerau—Wolfskehlen 2.0 Gustavsburg—Raunheim • Büttelborn—Astheim 4.u Ginsheim—Stockstadt B-Klasse Königstädten—Opel Rüsselsheim 1:4 Geinsheim—Goddelau ■ SSV Raunheim—Worfelden Kreisklasse Dieburg A-Klasse Mosbach—Reinheim .. 20 Groß-Umstadt—Spachbrucken 4.0 Lengfeld—Nieder-Roden 0.2 Öötzenhain-Groß-Zimmern 3.2 Ueberau—Kleestadt . 2-l Klein-Zimmern—Ober-Roden B-Klasse Gruppe I Groß-Bieberau—Niedernhausen 40 Fränklsch-Crumbach—Gorgenhausen 1.0 Ober/Nieder-Klingen—Hassia Dieburg II 0:4 Hering—Wersau 5:2 Gruppe II Raibach—TV Groß-Umstadt 1:1 Schaafheim—Münster 3:0 Heubach—Wiebelsbach 2:2 Kreisklasse Erbach A-Klasse Sandbach—Hainstadt 7:4 Rimhorn—Erbach (Soma) ausgef. Höchst—Lützel-Wiebelsbach 2:1 Beerfelden—Günterfürst 3:1 Steinbach—Bad König 0:5 Neustadt—Würzberg ausgef. B-Klasse Gruppe Oberzent Hetzbach—Beerfelden (Soma) 0:5 Steinbuch—Schöllenbach 2:1 Gammelsbach—Sensbach 2:1 Kreisklasse Bergstraße A-Klasse Auerbach—Affolterbach 1:2 Lampertheim—Mörlenbach 0:4 Fehlheim—Reichenbach 1:1 Weiher—Einhausen 1:2 Lindenfels—Waldmichelbach 1:2 abgebr. Aschbach—FC Fürth 3:2 B-Klasse Gruppe Odenwald Hammelbach—Rimbach 1:2 Mitlechtern—Unter-Schönmattenwaag 2:2 Reichelsheim—SV Fürth 4:1 Unter-Absteinach—Wahlen 1:3 Zotzenbach—Ober-Abtsteinach 7:1 Gruppe Ried Elmshausen—Nordheijn 1:8 SV Bensheim—Schönberg RW Heppenheim—Gadernheim 3:2 Hüttenfeld—Hambach 1:5 Riedrode—Zwingenberg 1:2
Schmidtmer war wieder einer der Besten in der Darmstädter Abwehr. Im Bild gibt er eine überlegte Vorlage an seine Stürmer. Szene aus dem Spiel SV Waldhof— SV 98 Darmstadt 7:2. (Foto: Hemme)
Die Bezirksklassen melden
Gruppe 1: VfR Langen nur unentschieden / Bobstadt bedrängt Lorsch Gruppe 2: Bischofsheim vergrößert Vorsprung / Walldorf geschlagen
Ober-Ramstadt—Hofheim 2:1 (1:1) Roßdorf—Groß-Rohrheim 4:1 (2:0) Eberstadt—Bensheim 1:2 (1:1) Langen—Pfungstadt 2:2 (0:0) Bürstadt—Heppenheim 1:0 (0:0) Urberach—Biblis 4:1 (2:0) Bobstadt—Groß-Gerau 2:1 (1:0)
Ober-Ramstadt—Hofheim 2:1 (1:1)
Hofheim zeigte sich in Ober-Ramstadt wenigstens in der zweiten Hälfte als ebenbürtiger Gegner. Reinig erzielte, von Renner schön eingesetzt, das Führungstor für die Platzherren, worauf es schien, als würden die Gäste glatt überfahren. Bis zum Wechsel konnten die Hofheimer jedoch weitere Treffer der Gastgeber verhindern und zwei Minuten vor der Halbzeit gelang ihnen sogar durch Ebert der Ausgleich. Nach der Pause dominierten zunächst nochmals die Ober-Ramstädter, die durch Kern erneut in Führung gebracht wurden. Dann spielten die Gäste mit vollem Einsatz, doch der nicht unverdiente Treffer blieb ihnen versagt.
Roßdorf—Groß-Rohrheim 4:1 (2:0)
In einem kampfbetonten und spannenden Spiel besiegte Roßdorf den Neuling Groß-Rohrheim mit 4:1 Toren. Nach ausgeglichenem Verlauf der ersten halben Stunde ging Roßdorf in der 32. Minute durch Eigentor eines Groß-Rohrhelmer Spielers mit 1:0 in Führung. In der 40. Minute schoß der Roßdorfer Mittelstürmer Korndoerfer in einem schönen Alleingang den zweiten Treffer und Stellte damit den Halbzeitstand her. Nach dem dritten Treffer in der 50. Minute. ebenfalls durch Alleingang Korndoerfers, schoß Groß-Rohrheim das einzige Gegentor. In der 70. Minute stellte Babel mit dem vierten Treffer den Endstand her. Roßdorf zeigte sich in sehr guter Verfassung und machte mit seinem Sieg die am vergangenen Sonntag erlittene hohe Niederlage Wieder wett.
Eberstadt—Bensheim 1:2 (1:1)
In Eberstadt kamen die Gäste durch eine bessere Gesamtleistung zu einem knappen, aber verdienten Erfolg. Bereits in der 9. Minute gelang es ihrem Mittelstürmer das Leder im Eberstädter Tor unterzubringen. Kaiser konnte in der 25. Minute gleichziehen. Obwohl die Eberstädter nach der Halbzeit mehr vom Spiel hatten, konnte Bensheims Mittelstürmet 15 Minuten vor Spielschluß eutn Siegestor einschießen.
VfR Langen—TSV Pfungstadt 2:2 (0:0)
Beide Mannschaften lieferten sich einen harten Kampf, der nicht immer im Rahmen blieb. Die erste Halbzeit war Langen haushoch überlegen und hätte bis zur Pause klar in Führung liegen müssen. In der 2. Halbzeit ging der VfR Langen durch einen Handelfmeter durch Werner mit 1:0 in Führung. Das jetzt bessere Spiel der Gäste setzte sich auch in der Folge durch, und Falter schaffte in der 79. Minute das 1:1. Im Anschluß an eine Ecke schoß Krämer das 2:1 für Pfungstadt, und ein gerechter Elfmeter für Langen brachte durch Springer kurz vor Spielschluß den verdienten Ausgleich.
Bürstadt—Heppenheim 1:0 (0:0)
Fast hätten die wiedererstarkten Kreis-Btädter in Bürstadt einen Punkt gerettet, denn erst in der allerletzten Minute konnte der wendige Schrenzer für die Gastgeber den Siegestreffer markieren. Beide Mannschaften begannen sehr nervös und das hohe Spiel bot keine besondere Augenweide. Mit großem Einsatz gelang es den Heppenheimern, die erste Halbzeit offen zu gestalten. Nach dem Wechsel setzte sich in dem harten, aber fairen Kampf das technische Können der Bürstädter mehr und mehr durch und sie kamen zu einer drückenden Ueberlegenheit. Außer Eckbällen und verschiedenen Lattenschüssen, mit denen Kilian diesmal glänzte, brachte diese Ueberlegenheit aber nichts ein. denn Heppenheim verteidigte sehr geschickt und mit großem Eifer.
Vikt. Urberach—Biblis 4:1 (2:0)
Auf dem Waldsportplatz in Urberach machte die Viktoria ihrem Namen vor 1000 Zuschauern wieder einmal alle Ehre. Der große Elan der Gastgeber dominierte im Spiel und ein ausgezeichneter Flachpaß schuf zahlreiche Chancen. Der großartige Verbindungsmann Jäger konnte in der 30. Minute das erste Tor schießen. Die Verteidigung rückte bis zum Mittelfeld auf, und so kam es, daß bereits fünf Minuten später Jost zum 2:0 ins Schwarze traf. Das Können der Riedgäste war auch nach der Pause nicht besonders. Ihre Torgelegenheiten wurden durch den ausgezeichneten Torhüter Groh von Urberach zunichte gemacht. In der 52. Minute erzielte wiederum Jost den dritten Treffer und 15 Minuten vor Schluß war es Jäger, der das 4:0 erzielen konnte. Kurz vor Schluß war Biblis endlich erfolgreich und erzielte das Ehrentor. gi
Bobstadt—Groß-Gerau 2:1 (1:0)
Der Neuling Groß-Gerau gab auf dem gefährlichen Bobstädter Gelände eine recht ansprechende Vorstellung. Trotzdem reichte es nur zu einer leichten Ueberlegenheit, denn die Groß-Gerauer machten ihr technisches Manko durch größeren Einsatz wieder wett. Fast hätte es den Gästen zu einem Unentschieden gereicht, doch Wirth gelang es in der letzten Minute nicht, einen Handelfmeter über die Linie zu bringen, da Bobstadts Torsteher an der rechten Stelle stand. Cornelius brachte in der 20. Minute Bobstadt in Führung, die Ziegler 10 Minuten nach dem Wechsel egalisieren konnte. Bobstadts Siegestreffer resultiert aus einem Foul-Elfmeter, den Tremmel in der 78. Minute sicher verwandelte.
Bezirksklasse Gruppe 2 Wixhausen—Egelsbach 3:1 (1:1) Dieburg—Ober-Roden 1:1 (1:1) Trebur—Bischofsheim 0:3 (0:1) Messel—Walldorf 2:0 (1:0) Michelstadt—Eppertshausen ausgef. Mörfelden—Erbach , ausgef. Münster—Nauheim 4:3 Urberach spielfrei
TSG Wixhausen—Egelsbach 3:1 (1:1)
Einen spannenden Kampf von Anfang bis zum Schluß lieferten sich die beiden alten Rivalen. Wixhausen ging nach etwa 20 Minuten durch Schönfeld in Führung. Wenn auch die Gastgeber weiter drängten, konnte nichts Zählbares erreicht werden. Egelsbach konnte kurz vor der Halbzeit durch Handelfmeter ausgleichen. Anthes setzte das Leder unhaltbar ins Netz. Nach der Pause erhielt Wixhausen bei einem Geplänkel vor dem Gästetor einen Elfmeter, den Petry unhaltbar verwandelte. Einige Minuten später erhöhte Donnerstag auf 3:1. K. S.
Hassia Dieburg—Germania Oberroden 1:1
Trotz überlegenem Feldspiel der Dieburger trennten sich am Wolfgangshäuschen Dieburg und Oberroden 1:1. Es war ein Spiel zweier starker Hintermannschaften, die die beiderseitig schwachen Stürmerreihen niederhielten. In der 21. Minute schoß der Halblinke Beck das 1:0 für Dieburg. Bei Oberroden war es Keck, der kurz vor der Halbzeit egalisierte. Bei diesem Stand blieb es bis zum Schluß, obwohl auch die zweite Halbzeit zum größten Teil Im Zeichen der Dieburger stand. Der Halblinke Keck von Oberroden wunde 20 Minuten vor Schluß wegen SR-Beleidigung des Feldes verwiesen. fd
Trebur—Bischofsheim 3:0 (0:1)
Trebur war nicht schlechter als Bischofsheim und hielt dem Tabellenführer in technischer Hinsicht die Waage. Der Gastgeber war jedoch durch das Fehlen von Mittelläufer Opper geschwächt und mußte zudem die zweite Halbzeit mit 10 Mann spielen, da sein linker Läufer Sehmenger des Feldes •Verwiesen wurde. Das erste Tor für Bischofsheim fiel in der 25. Minute durch Thalheimer. In der 48. Minute brachte Linksaußen Dorr die Gäste 2:0 in Führung, und eine Minute vor Schluß kam Bischofsheim durch einen verwandelten Elfmeter zum 3:0-Sieg. Bereits in den ersten Spielminuten hatte Bi-Scho fsheim einen Elfmeter verschossen.
Messel—Walldorf 2:0 (1:0)
In einem temporeichen Spiel Schlug Messel die favorisierte Elf von Walldorf mit 2:0 überlegen. Die Platzbesitzer gingen in den ersten zehn Minuten durch Rack in Führung und bedrängten während der ganzen ersten Hälfte das Gästetor. Mit 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Auch in der zweiten Spielzeit war Messel klar im Vorteil, und kurz vor Schluß stellten Laumann mit dem 2. Treffer das Endergebnis her. Bester Mann von Walldorf war der Mittelläufer, während Messel eine geschlossene Mannschaftslei-Btung zeigte. Reserven 2:3. Scho
| 1. Lorsch | 6 | 6 | 0 0 21:4 | 12:0 | ||
| 2. Bobstadt | 8 | 5 | 1 | 2 | 26:10 | 11:5 |
| 3. Bürstadt | 7 | 4 | 1 | 2 | 15:9 | 9:5 |
| 4. VfR Langen | 6 | 3 | 2 | 1 | 16:13 | 8:4 |
| 5. Oberramstadt | 7 | 4 | 0 | 3 | 17:18 | 8:6 |
| 6. Roßdorf | 8 | 4 | 0 | 4 | 24:32 | 8:8 |
| 7. Vikt. Urberach | 6 | 3 | 1 | 2 | 14:10 | 7:5 |
| 8. Heppenheim | 6 | 3 | 0 | 3 | 12:11 | 6:6 |
| 9. Groß-Gerau | 7 | 3 | 0 | 4 | 22:15 | 6:8 |
| 10. Pfungstadt | 7 | 2 | 2 | 3 | 13:16 | 6:8 |
| 11. Bensheim | 7 | 3 | 0 | 4 | 10:21 | 6:8 |
| 12. Biblis . | 8 | 2 | 2 | 4 | 19:30 | 6:10 |
| 13. Hofheim | 7 | 2 | 1 | 4 | 5:9 | 5:9 |
| 14. Eberstedt | 7 | 0 | 4 | 3 | 11:15 | 4:10 |
| 15. Groß-Rohrheim | 7 | 0 | 2 | 5 | 4:16 | 2:12 |
| Bischofsheim | 7 | 5 | 1 | 1 | 18:10 | 11:3 |
| Münster | 8 | 3 | 3 | 2 | 15:14 | 9:7 |
| KSV Urberach | 6 | 3 | 2 | 1 | 12:7 | 8:4 |
| Mörfelden | 6 | 3 | 2 | 1 | 15:11 | 8:4 |
| Erbach | 6 | 4 | 0 | 2 | 18:15 | 8:4 |
| Rot-Wß. Walldorf 7 | 4 | 0 | 3 | 8:7 | 8:6 | |
| Oberroden | 7 | 3 | 2 | 2 | 17:12 | 8:6 |
| Nauheim | 8 | 2 | 4 | 2 | 15:13 | 8:8 |
| Dieburg | 8 | 2 | 3 | 3 | 21:15 | 8:8 |
| Wixhausen | 7 | 3 | 0 | 4 | 12:11 | 6:8 |
| Messel | 7 | 2 | 2 | 3 | 15:17 | 6:8 |
| Egelsbach | 8 | 2 | 2 | 4 | 20:20 | 6:10 |
| Michelstadt | 7 | 2 | 1 | 4 | 12:21 | 5:9 |
| Eppertshausen | 7 | 0 | 4 | 3 | 11:18 | 4:10 |
| Trebur | 7 | 1 | 1 | 5 | 4:20 | 3:11 |
SV 98 Bezirksmeister im Hallenhandball
Groß-Bieberau und Erbach entpuppten sich als schwere Gegner
Auf der Rollschuhbahn in Langen wurden am Sonntag die Hallenmeisterschaften des Bezirkes Darmstadt ausgetragen. Es war schade, daß diese Spiele fast völlig unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfanden. Es mögen 50 Zuschauer gewesen sein, die dem Geschehen auf der Zementbahn folgten. Und dabei war die Veranstaltung durch die SSG Langen sauber aufgezogen, und Bezirksfachwart Gg. Walter und sein Stellvertreter Eckert wickelten das Turnier reibungslos und flott ab.
Durch Verzicht von Nieder-Liebesbach war Auerbach noch zum Turnier gekommen und der gastgebende Verein, die SSG Langen, die außer Konkurrenz spielte. Daß die 98er Sieger blieben, war vorauszusehen, aber sie bekamen es nicht leicht gemacht. Vor allem die Männer um Gg. Poth von Groß-Bieberau heizten den Darmstädtern mächtig ein, und es bedurfte schon einer größeren Anstrengung, um mit den Odenwäldern mit 8:7 fertig zu werden. Nach einem klaren 12:l-Sieg über Langen wurde dann Auerbach ebenso überlegen mit 10:1 abgefertigt. Da aber inzwischen die anderen Mannschaften, die noch für den Titel in Frage kamen, bereits 3 Minuspunkte hatten, stand die Meisterschaft schon vor dem letzten Spiel fest, in dem die Lilienträger beinahe gegen Erbach strauchelten. Erst im Endspurt konnte der Gegner mit 8:5 bezwungen werden. Bei den 98ern klappte es nur einige Male gut. Dann wurden die Spiele meist zu leicht genommen. Bei einigem Training dürfte die Mannschaft immerhin mit recht guten Aussichten Anfang Januar 1951 zu den Hessenmeisterschaften näch Frankfurt fahren. Den Titel errangen folgende Spieler: Lehning; Mark, Glock; Peters, Fischer, Spieker; Schäfer, Reinhardt, Dr. Barth, Reinhardt.
Von den drei Schiedsrichtern, Rückert (Nieder-Ramstadt), Crößmann (Pfungstadt) und Neue (Auerbach), ist nur Gutes zu berichten. Sie hatten es allerdings bei der Ritterlichkeit der Mannschaften nicht allzu schwer. Die Ergebnisse:
Groß-Bieberau—Erbach 8:2 Auerbach—Langen 3:6 SV 98—Groß-Bieberau 8:7 Erbach—Auerbach 4:3 SV 98—Langen 12:1 Groß-Bieberau—Auerbach 5:5 Erbach—Langen 5:4 SV 98—Auerbach 10:1 Groß-Bieberau—Langen 7:3 SV 98—Erbach 8:5
Gesamt-Torverhältnis für SV 98 38:14 Bereits am Vormittag ermittelte die Jugend ihren Meister. Hier wurde die Jugend der TG 46 mit einem Gesamt-Torverhältnis von 38:10 ungeschlagen Meister. -r
Verbandsliga
SG Nied — SG Kempten 7:5 SG Dietzenbach —Eintracht Mombach 16:8 (8:3) SV Gelnhausen — Wormatia Worms 7:5 (3:3) Kickers Offenbach — VfR Wiesbaden 13:7 (9:2) TSV Herrnsheim — Darmstadt 98 ausgefallen
Die Tabelle
Handbail-Gruppeniiga IV
SKG Bauschheim—TSC Alzey 8:16 TSG Darmstadt—TSV Wörrstadt 20: 3 TSV Pfungstadt—VfL Herrnsheim 4: 6 SG Bretzenheim—TG Rüsselsheim 3:12 SV Kostheim—TSV Braunshardt 8: 7
TSG Darmstadt—TuS Wörrstadt 20:3 (13:2) Am Sonntagvormittag waren rheinhessische Vertreter des TuS Wörrstadt Gäste bei den Leuten vom Woog. Sie waren von vornherein mit wenig Aussichten auf Punktgewinn die Heinerstadt gefahren. In der ersten Halbzeit wirkte die Gästedeckung samt Schlußmann unsicher, so daß der einheimische Sturm durch schöne Kombinationen dauernd zum Zug kam und Tor auf Tor schießen konnte. Erst beim Stande von 12:0 gelang den Wörrstädtern der erste Gegentreffer. Sie spielten wohl sehr eifrig, mit stetem Drang zum Tor, aber die gut markierende Darmstädter Hintermannschaft wußte alle gegnerischen Erfolge zu verhindern. Beim Stand von 13:2 wurden die Seiten gewechselt. Wer gemeint hatte, die Gäste würden infolge der hohen Niederlage resignieren, war erstaunt, als er sie mit einem ungeheuren Eifer weiterkämpfen sah. Aber auch der Darmstädter Sturm schien sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen oder veranstaltete Zielübungen auf Latte, Pfosten und Tormann. Erst in einem gewaltigen Endspurt wurden 7 weitere Tore erzielt, denen der Gegner nur ein durch 13-Meter-Ball verwandeltes Tor entgegensetzen konnte. Endstand 20:3.
Kostheim—Braunshardt 8:7 (5:2) An der Mainspitze in Kostheim mußten die Blau-Weißen aus Braunshardt ihre erste Niederlage hinnehmen. Die Gastgeber stellten eine körperlich sehr stabile Elf, die -auf Grund ihres Einsatzes das bessere Ende für sich behielt. Besonders waren es die sehr offensiv spielenden Läufer, die ihren Sturm immer wieder mit schönen Vorlagen wirksam in Szene setzten. Bei den Gästen war besonders in der ersten Halbzeit der Sturm sehr schwach. Da auch Volz kein Glück mit Strafwürfen hatte, war das Schicksal besiegelt. Die Deckung war überlastet, arbeitete aber auch nicht immer fehlerfrei. Der für den verletzten Dechert im Tor stehende Wesp war an der Niederlage schuldlos, er gab eine sehr gute Figur ab und verhütete durch schöne Paraden eine höhere Niederlage. Zu Beginn konnte Braunshardt 2:i in Führung gehen, kam dann aber bis zur Pause auf 5:2 ins Hintertreffen. Eine Umstellung im Sturm brachte nach der Pause mehr Schwung in das Stürmerspiel. Ueber Zwischenstände von 5:5 und 6:6 gelang es den Gastgebern, im Endspurt die wertvollen Punkte zu gewinnen. Reserven: 9:5 für Kostheim, -vo-
TG 75 Darmstadt—SG Arheilgen 3:4 In diesem Spiel konnten die Arheilger knapp gewinnen und damit die Spitze in der Kreisklasse weiter anführen. Handball-Kreisklasse Dieburg, Gruppe 1 Semd—Langstadt/Schlierbach I 5:8
Gruppe II
Groß-Zimmern—SV 45 Reinheim 13:10 Turnersch. Oberroden—Habitzh. 8:2 Gundernhausen—Münster ausgef.
Handball-Kreisklasse Erbach
Böllstein—Beerfelden 13:4 Momart—Michelstadt 6:6 Pfaffenbeerfurth—Zell 10:6
| Kickers Offenbach | |||
| 7 | 93:58 | 14:0 | SG Dietzenbach |
| 6 | 88:33 | 12:0 | SG Nied |
| 5 | 41:33 | 8:2 | VfR Wiesbaden |
| 6 | 53:45 | 6:6 | SV Gelnhausen |
| 6 | 57:50 | 6:6 | SV 98 Darmstadt |
| 4 | 52:61 | 4:4 | Eintracht Mombach |
| 4 | 39:44 | 4:4 | TSV Griesheim |
| •6 | 47:64 | 4:8 | SG Kempten |
| 6 | 34:69 | 2:10 | Wormatia Worms |
| 5 | 28:46 | 0:10 | TSV Herrnsheim |
| 5 | 31:60 | 0:10 |
Filmabend bei der TG 75
Die Vorturnerschaft hatte am Samstagabend zu einem Filmabend einge’aden, der einen guten Besuch aufzuweisen*hatte. Zuerst brächte man einen Lehrfilm im Frauenturnen. Eine Riege junger Turnerinnen zeigte gymnastische Uebungen mit und
Schützenfest im Baskettball - Roßdorf siegt 115:15
Erstes Spiel in der Landesliga gegen TV Offenbach
Im Eröffnungsspiel der Basketball-Landesliga Hessen empfing die SKG Roßdorf am Samstagnachmittag die Mannschaft des TV Offenbach und fertigte sie mit nicht weniger als 115:15 (47:6) Körben ab.
Im letzten Spiel dieses Jahres auf dem Roßdorfer Bäsketballplatz stellten sich die Einheimischen nochmals in guter Form vor. Daß jedoch die Offenbacher Gäste gleich so eindeutig unter die Räder kommen würden, hatte wohl niemand erwartet. Allerdings muß man den jungen Offenbachern zugute halten, daß sie erst verhältnismäßig kurze Zeit Basketball spielen. Ihr Angriff war noch nicht korbsicher genug, um die Roßdorfer in Gefahr zu bringen. Aber auch in der Abwehr wurden noch einige Mängel festgestellt, die Trainer Dieter Kunigkeit, ein ehemaliger Roßdorfer Spieler, noch beseitigen muß.
Bei Roßdorf war trotz des hohen Resultats auch nicht alles so, wie es eigentlich sein sollte. Angesichts der klaren Ueberlegenheit wirkte der Angriff zeitweise zu verspielt, so daß manche gute Chance zur Erhöhung des Ergebnisse ausgelassen wurde.
uce uigcuuioov auogtiaoeuu vv ui uc. Roßdorfs Spieler nahmen vom Anpfiff ar das Heft in die Hand und erzielten den Führungskorb. Bis zum Seitenwechsel hieß es schon 47:6. In der zweiten Halbzeit lief das Spiel noch besser, und regelmäßig fielen die Körbe für die Gastgeber, die schließlich das nicht alltägliche Endresultat von 115:15 herstellten.
Roßdorfs Korbschützen waren Ihrig (32), Zimmermann (31), Buchberger (28), Müller (16), Meter (6) und Emig (2). Für Offenbach erzielten Kunigkeit (5), Gran und Dickopf (je 4) und Keller (2) die Punkte.
Das Spiel nahm einen sehr fairen und anständigen Verlauf, so daß die beiden gut amtierenden Schiedsrichter Seile (Dieburg) und Stehmann (Darmstadt) keine Mühe hatten, die Begegnung gut über die Zeit zu bringen. - erohne Gerät, und was sehr schön dabei war, die jeweiligen Auswirkungen auf den Kör. per. Anschließend lief ein Landschaftsfilm vom schönen Skigebiet der Dolomiten. Hier bot sich dem Auge die große Schönheit der winterlichen Dolomiten im Ladinischen Hochland. Besonders den Skiläufern war dieser Filmstreifen eine Augenweide, dies um so mehr, als von Skilehrern langsam und sicher der letzte Schliff beigebracht wurde. Mit dem „Jubiläumsfilm“ schloß dieser Abend, der bei allen Beteiligten volle Anerkennung fand. kof
TV Dieburg siegt im Gerätekampf
Im Saal der „Ludwigshalle“ trafen sich am Samstag vor 600 Zuschauern die Geräteturner von Dieburg, Münster und Eppertshausen zu einem Wettkampf, der an Reck, Barren, Pferd und in der Bodenübung durchgeführt wurde. So knapp, wie die einzelnen Zwischenwertungen waren, fiel auch das Endergebnis aus, das Dieburg 317,1, Eppertshausen 315 und Münster 303,5 Punkte brachte. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Fach begleiteten unter der Gesamtleitung von Adam Simmermacher jr., Darmstadt der Kellersche Männer-GV und die Stadtkapelle Dieburg den von den Turnerinnen des TV Dieburg getanzten Straußwalzer „An der schönen blauen Donau“, der so beifällig aufgenommen wurde, daß er wiederholt werden mußte. Die Turnerinnen waren es auch, die mit Lauf- und Ballgymnastik eine beschwingte Note in den flott verlaufenen Abend brachten, während der Spielmannszug des TV Münster gleichfalls starken Beifall erntete. Der Abend, der mit der Siegerehrung schloß, zeigte nach jeder Richtung hin, daß besonders die Turnerei den Körper so vielseitig ausbildet wie kaum eine andere Sportart. RG
Iln den Nachmittagsstunden des 17. Oktober 1950 verschied i plötzlich und unerwartet unser Prokurist Herr Oberingenieur Gottfried Glömme Ein Leben voller Arbeit und Pflichterfüllung ist zu Ende gegangen. In über 30jähriger Tätigkeit hat der Verstorbene sich mit seinem großen Wissen und seiner Tatkraft unermüdlich und erfolgreich für unser Werk eingesetzt und wesentlich zu dessen Aufstieg beigetragen. Wir haben ihn als liebenswürdigen und stets hilfsbereiten Mitarbeiter schätzen gelernt und werden ihm ein ehrendes H Andenken bewahren. Bahnbedarf Rodberg G. m. b. H. Darmstadt, den 17. Oktober 1950.
„DT-Schlachtenbummler" Das „Darmstädter Tagblatt“ lost in der Saison 1950/51 für die Dauer der Oberligaspiele jeweils drei sportlich interessierte Leser aus, die auf seine Kosten die Mannschaft des SV 98 Darmstadt bei ihren Auswärtsspielen als Schlachtenbummler begleiten. Jeder, der sich für diese Freifahrten interessiert und die Elf des SV 98 nach auswärts begleiten möchte, schneidet im Sportteil des „Darmstädter Tagblatt“ den dafür bestimmten Schein aus, trägt Name und genaue Anschrift (in Druckschrift schreiben!) darauf ein und klebt ihn auf eine Postkarte, die an die Sportredaktion des „Darmstädter Tagblatt“, Darmstadt, Rheinstraße 23, adressiert u. mit dem Stichwort „DT-Schlachtenburtimler“ versehen sein muß. Letzter Einsendetermin ist jeweils der Mittwoch nach der Ver¬ öffentlichung. Am Freitag wird die Verlosung der Teilnehmer von einer pro¬ minenten Persönlichkeit und unter Aufsicht eines Notars vor¬ genommen. Die drei Gewinner werden dann jeweils an den Sonn¬ tagen der Heimspiele im Stadion durch Lautsprecher bekannt¬ gegeben bzw. im Sportteil unserer Montagsausgabe veröffentlicht Die drei Auserwählten erhalten folgende Gewinne: 1. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte, 5 DM Ver¬ pflegungsgeld. 2. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte. 3. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte. Und nun auf zum nächsten Auswärtsspiel! Sichert Euch die Montagsausgaben des „Darmstädter Tagblatt“! Jeder kann „DT- Schlachtenbummler“ werden! Hier abschneiden!
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Bekanntmachungen Betr.: Personenstandswesen, Insbesondere Staatsangehärlgkelts. fragen zwischen Deutschland und Oesterreich. Die Regelung der Staatsangehörigkeit in Oesterreich durch die Verordnung über die deutsche Staatsangehörigkeit im Land Oester¬ reich vom 3. Juli 1938 (RGBI, I, S. 790) und später durch das österreichische Gesetz vom 10. Juli 1945 über die Ueberleitung in die österreichische Staatsbürgerschaft hat in verschiedener Hinsicht Zweifel ausgelöst, die noch nicht einwandfrei geklärt werden konnten. Nach einem Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 15. April 1950 können einstweilen die einschlägigen Fragen nach den folgenden Grundsätzen beurteilt werden: 1. Für die Zeit vom 13. März 1938 bis 27. April 1945 sind alle früheren Oestereicher, die von der Verordnung über die deutsche Staatsangehörigkeit im Lande Oesterreich vom 3. Juli 1938 erfaßt worden sind, als deutsche Staatsangehörige anzusehen. 2. Mit der Wiedererrichtung der Republik Oesterreich ist die öster¬ reichische Staatsangehörigkeit wieder aufgelebt. Wer als Oester¬ reicher anzusehen ist, richtet sich ausschließlich nach österreichi¬ schem Recht. 3. Personen, die vor 1938 Ihren Wohnsitz In Oesterreich hatten und auch heute noch haben, können von deutscher Seite nicht mehr als deutsche Staatsangehörige angesehen werden. Ein Oester¬ reicher, der nach dem 27. April 1945 seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegt hat oder noch verlegt, wird sich daher in keinem Fall auf den seinerzeitigen Erwerb der deutschen Staats¬ angehörigkeit auf Grund der Verordnung vom 3. Juli 1938 berufen können. 4. Ehemalige Oesterreicher, die vor dem 27. April 1945. zum Teil bereits vor dem 13. März 1938, ihren Wohnsitz in Deutsch¬ land genommen haben, sind in der Regel wieder im Besitz der österreichischen Staatsangehörigkeit. Für die Annahme, sie seien auch deutsche Staatsangehörige (also Doppelstaater), fehlt es zu¬ nächst an einer sicheren Grundlage;
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5. Eine deutsche Frau, die in der Zeit vom 13. März 1938 bis zum 27. April 1945 einen früheren Oesterreicher geheiratet hat, hat dadurch ihre deutsche Staatsangehörigkeit nicht verloren; weil sie damals die Ehe mit einem deutschen Staatsangehörigen ein¬ gegangen ist, konnte sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht nach § 17 Ziffer 6 des deutschen Reichs- und Staatsangehörig¬ keitsgesetzes von 1913 verlieren. Hat sie jedoch nach der Ehe¬ schließung ihren Wohnsitz in Oesterreich genommen und nach dem 27. Juli 1945 beibehalten, so wird sie als Teil der Bevölke¬ rung des neu erstandenen Staates Oesterreich von dem Ueber¬ gang der Staatsangehörigkeit (vgl. Ziffer 2) miterfaßt worden und daher nur noch österreichische Staatsangehörige sein. 6. Mit Oesterreichern verheiratete deutsche Frauen, deren Ehe vor oder nach dem 27. April 1945 durch Scheidung, Tod oder auf andere Weise aufgelpst worden ist und die ihren Wonhsitz in Deutschland beibehalten haben oder dorthin zurückgekehrt sind, können als deutsche Staatsangehörige bezeichnet werden, wenn, gleich sie daneben in der Regel auch die österreichische Staats¬ angehörigkeit besitzen. Dies gilt auch für ebensolche Frauen, die ihren dauernden Aufenthalt in Deutschland haben, wenn ihre Ehe zwar noch besteht, sie jedoch dauernd von ihrem Ehemann ge¬ trennt leben und auch nicht mehr nach Oesterreich zurückkehren wollen. 7. Entsprechendes wie zu Ziffer 5 und 6 gilt für eheliche Kinder aus einer Ehe zwischen einem früheren Oesterreicher und einer Deutschen, die zwischen dem 13. März 1938 und dem 27. April 1945 geschlossen wurde. Als maßgebend wird hier der Wille des Elternteils anzusehen sein, dem das Sorgerecht für die Person des Kindes zusteht. 8. Eine frühere Oesterreicherin, die zwischen dem 13. März 1938 und dem 27. April 1945 die Ehe mit einem Deutschen (Alt- Reichsdeutschen) geschlossen hat, hat nach § 1 des österreichi¬ schen Staatsbürgerschaft-Ueberleitungsgesetzes grundsätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft nicht zurückerworben. Ein Verlust ihrer deutschen Staatsangehörigkeit tritt auch dann nicht ein, wenn sie gemäß § 2a daselbst ihre österreichische Staats¬ bürgerschaft durch eine entsprechende Erklärung wieder erwirbt, Erbach 1, Odw., den 12. Oktober 1950. Der Landrat.
Spielplan bis 30. Oktober 1950: ORANGERIEHAUS Di. 24. 10., 19.30 (A/3 U. TA/2) Die Csardasfürstin Mi 25. 10., 20.00 (F/2 U. TF'2) Fra Dlavolo Do 26. 10., 20.00 (C/3 U. TC/2) Helden Sa 28. 10., 19.00 (Prem.-Miete 6) Don Carlos Schauspiel von Friedrich Schiller So 29. 10., 18.00 (Z/2) Tannhäuser Mo 30. 10., 19.30 (Volksbühne 2. Gruppe) Othello
%IL'fze z Z SPIEGEL
Letzter Tagl Der aktuelle, spannende Spionage-Großfilm I M I (1 91 Achtung! Atomspione! U 11 I V n mit Louis Hayward. Dennis O’Keefe Atomgefahr - Atomgeheimnis - Atom- • Spionage bedeutet ein an sensationellen Höhepunkten reiches Filmwerk, das den Abwehrkampf eines Atomwerkes auf Grund von Tatsachenberichten erstmalig schildert. Ein Film — so interessant wie die Zeitung von morgen! Ab morgen INGRID BERGMANN in Johanna von Orleans Vorverkauf ab heute 11 Uhr für 2 Tage Ruf 33 73 im voraus Anfang: 13.45 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Vorverkauf ab 11.00 Uhr 1 U A I I A Das Meisterwerk französischer Filmkunst! InALIA Eine Heilige • unter Sünderinnen mit Suzanne Cloutier, Suzy Prim, Paule Andral und vielen anderen Ruf 33 Anfang: 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Vorverkauf ab 11.00 Uhr BELIDA Letzter Tagl wh bi km Sonja Ziemann, Gert Fröbe, Willi Rei- • chert, Liesl Karlstadt, Rudolf Pfatte, Beppo Brehm in Nach Regen scheint Sonne Ruf 395 Anfang: 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 yA I ACT Letzter Tag des mit Begeisterung aut- r MI M J | genommenen Wildwestfilms Das gibt es nur in Texas Darmstadts Jugend spricht nur von dem Film: „Das gibt es nur in Texas“ und ist restlos begeistert Ruf 22 40 Anfang: 13.45 ■ 16.00 - 18.15 - 20.30 HANSA ~ Die Sonnhofbüuerln Ein Frauenschicksal aus dem Hochgebirge Ruf 31 79 Anfang: 14.00 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr