Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ^”nlaL CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Xe»,a~ Darmstädter Tagblatt L. C. Witttch. V *.a • Rhelns,raße 23 Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 97 seffifdje Tleuege Jladjridjf en Samstag, 21. Oktober 1950 Bezugspreis: zuzüglich 0.40 DM Träger lohn. Börsenpreise: Preisliste Nr 3 v. I 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Die Bundesregierung hat neune Stenern beschlossen

Da. Bonn, 20. Oktober. Die ersten Steuererhöhungen, mit denen schon seit längerer Zeit gerechnet wurde, sind am Freitag vom Kabinett beschlossen worden. Die Gesetzentwürfe bringen eine Erhöhung des Berliner Notopfers, eine Autobahngebühr, und eine Treibstoffsteuer, die zu einer Erhöhung des Benzinpreises auf 0,70 Mark führt, wenn das Parlament die Vorschläge der Bundesregierung annimmt.

Der Regierungssprecher erklärte, daß die Bundesregierung auf keinen Fall eine Defizitpolitik betreiben oder eine inflationistische Tendenz verfolgen werde. Alle Ausgaben müßten jedoch durch entsprechende Einnahmen abgedeckt werden.

Weitere Lasten folgen

Die Last der Kriegsfolgen komme erst jetzt auf das deutsche Volk zu. Es werde mit den jetzt beschlossenen Belastungen noch nicht das Ende erreicht. Vielmehr würden weitere Belastungen hinzukommen. Wenn nicht ein Wunder geschehe, müsse die Lebenshaltung eingeschränkt werden.

Damit sind noch weitergehende steuerliche Belastungen angekündigt worden. Sie werden zunächst mit den Kosten begründet, die dem Bund durch die Verstärkung der Besatzungstruppen entstünden. Darüber hinaus dürfte die Ankündigung bedeuten, daß auch die für die Polizei und Verteidigung zu erwartenden Ausgaben durch neue Steuern beziehungsweise Steuererhöhungen aufgebracht werden sollen.

Mehr Gelder für Berlin

Anlaß zu der Erhöhung des Notopfers Berlin ist die Feststellung des Bundesrechnungshofes. der Bund müsse über die vorgesehenen 327 Millionen Mark hinaus weitere zweihundert Millionen zum Ausgleich des West-Berliner Haushalts aufbringen. Die Erhöhung des Notopfers soll in der Weise erfolgen, daß bei steuerpflichtigen Monatseinkommen von 100 bis 300 Mark 0,75 Mark je 100 Mark, von 300 big 500 Mark eine Mark, von 500 bis 1000 Mark zwei Mark, über 1000 Mark drei Mark je 100 Mark zu zahlen sind. Körperschaften sollen pro Jahr für je angefangene im Erhebungszeitraum bezogene 100 Mark, drei Mark zahlen.

Die Einführung einer Autobahngebühr und einer Treibstoffsteuer wird mit den zusätzlichen Kosten begründet, die die vom Bundestag beschlossenen Verbesserungen des Bundesversorgungsgesetzes verursachen und die sich im zweiten Halbjahr des laufenden Haushaltsjahres auf 132,5 Millionen Mark beziffern sollen.

Die Autobahn-Gebühren

Nach dem Gesetzentwurf muß an einem Kraftfahrzeug, mit dem die Autobahn benutzt wird, sichtbar eine Gebührenmarke angebracht sein, die zusammen mit der Kraftfahrzeugsteuer gelöst wird. Dieser „Autobahnfahrschein“ Soll für Motorräder mit und ohne Beiwagen zwanzig Mark pro Jahr, für Dreiräder, Personenkraftwagen und Zugmaschinen vierzig Mark, für Lastkraftwagen ohne Anhäger achtzig Mark, mit einem Anhänger 120 Mark, mit zwei Anhängern zweihundert Mark, für Omnibusse bis fünfzehn festen Sitzplätzen 120 Mark, mit mehr Sitzplätzen zweihundert Mark pro Jahr kosten.

Das Treibstoffsteuergesetz sieht pro Liter Vergaserkraftstoff eine Steuer von fünfzehn Pfennig, pro Kilo Dieselkraftstoff eine Steuer von zehn Pfennig vor. Der Benzinpreis würde demnach auf 0,70, der Diesekraftstoffpreis auf 0,48 Mark steigen.

Ein Protest der Sowjets

London, 20. Oktober. (AP.) Die Sowjetunion hat einen Protest der Westmächte gegen die militärische Ausbildung und Ausrüstung der Volkspolizei zurückgewiesen und die westlichen Alliierten gleichzeitig beschuldigt, in den Westzonen Polizei-Einheiten aufgebaut zu haben, die militärische Einheiten darstellten.

Der Fluchtweg wird abgeriegelt

Amerikanische Fallschirmspringer landen im nordkoreanischen Hinterland

Söul, 20. Oktober. (AP.) Amerikanische Fallschirmjäger sind am Freitag im Raum zwischen Sunchon und Supchon, rund 35 km nördlich Pyöngyang abgesprungen, haben die Hauptstraßen- und -Eisenbahnverbindungen in diesem Gebiet besetzt und damit den Fluchtweg von 30 000 Kommunisten nach Norden abgeriegelt. Teile der ersten amerikanischen Infanteriedivision und der siebenten südkoreanischen Division haben von Süden her zur Umklammerung angesetzt. Die Reste der feindlichen Pyöngyang-Armee gehen damit ihrer Einkesselung und Vernichtung entgegen. — 1 HIdCOC >7XX7PI T P

General Mac Arthur, der dieses zweire überraschende Unternehmen des Korea - Feldzuges leitete, landete kurze Zeit nach der geglückten Absprungoperation in Pyöngyang und gab General Walker, dem Oberkommandierenden der achten Armee, den Befehl, die ihm unterstellten südkoreanischen Divisionen in Eilmärschen an die mandschurische Grenze zu werfen, um den Nordkoreanern jedes Entweichen nach China unmöglich zu machen. «inor Rückkehr nach Tokio er-

Nach seiner rtucKKeni iwui xumu klärte Mac Arthur, die Luftlandung sei „äußerst erfolgreich“ verlaufen. Ohne jeden Zweifel gehe „der Krieg nun seinem Ende entgegen“.

Inzwischen ist die Besetzung der nordkoreanischen Hauptstadt abgeschlossen worden. Nur noch vereinzelte Heckenschützen leisten am Stadtrand oder in der Umgebung der Stadt verzweifelten Widerstand.

An der Ostküste Koreas geht der Vormarsch der südkoreanischen Truppen unaufhaltsam weiter. Teile der „Söul“- Division stehen vor Hongwon, 35 km nordöstlich Hungnam. Andere Verbände sind über dreißig Kilometer nach Norden und Nordwesten vorgestoßen und stehen zum Teil nur noch 140 km von der mandschurischen Grenze entfernt.

Keine Intervention?

Tokio, 19. Oktober, (dpa) Amerikanische Militärsachverständige in Tokio erklärten, weder die Sowjetunion, noch die Volksrepublik China könnten gegenwärtig wirksam Maßnahmen treffen, um den Nordkoreanern zu helfen. In der Nähe Koreas fehle es der Sowjetunion an Menschenreserven und China an einer Luftmacht. Eine Koordinierung der sowjetischen und chinesischen Streitkräfte sei erst nach langer Vorbereitung möglich.

Nach den jüngsten Informationen sollen in der Mandschurei 300 000 Mann chinesischer Truppen stehen, von denen etwa 60 000 in der Nähe der koreanischen Grenze stationiert sind.

Damm gegen die Sowjetzone

Dr. Adenauer auf dem Bundesparteitag der Christlichen Demokraten

Goslar, 20. Oktober. (AP.) „Es ist die Aufgabe Deutschlands, einen Damm aufzurichten gegen das Einsickern Sowjetrussischer Ideen“, erklärte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Union, Bundeskanzler Dr. Adenauer, am Freitagabend bei der Eröffnung des ersten gesamtdeutschen Parteitages dieser Partei in Goslar.

Die Menschen diesseits des Eisernen Vorhangs, sagte Dr. Adenauer, müßten darüber aufgeklärt werden, was jenseits des Eisernen Vorhanges vor sich geht und was auch Europa beschieden wäre, wenn die sowjetische Ideologie zur Herrschaft käme. „Ich wollte, unsere Leute könnten einmal aus dem Munde der unterdrückten Schichten in Polen und Ungarn hören, in welch grausamer Weise die Betätigung der Priester verfolgt und unterdrückt wird. Die deutschen Kriegsgefangenen, die in Rußland waren, wissen Bescheid über das sowjetische Paradies.“

Der wichtige Verbündete des Kommunismus und Sowjetrußlands, die furcht und die Angst, dürfe im deutschen Volk keinen Raum mehr haben. Die drei westlichen Außenminister hätten die Sicherheit der Bundesrepublik ausdrücklich garantiert. Daraus gehe eindeutig hervor, daß einem etwaigen sowjetischen Angriff nicht erst am Rhein, sondern schon am Eisernen Vorhang Halt geboten wird.

Zur Frage einer Beteiligung Deutschlands an der Verteidigung- seiner Grenzen und Europas gab Dr. Adenauer eine zeitliche Entwicklung dieses Themas: „Als der Aufbau der Ostzpnen-Polizeiarmee in immer stärkerer Weise betrieben wurde, habe ich nachdrücklich gebeten. uns ganz konkrete Zusicherungen zu geben.“ Von deutscher Seite seien die ersten bedeutungsvollen Erklärungen zum Verteidigungsthema im vergangenen August im Europarat gegeben worden. Die deutschen Delegierten lehnten jedoch die Errichtung einer besonderen deutschen Armee ab.

Dr. Adenauer wies darauf hin, daß sich Niemöller niemals gegen die im Europarat abgegebenen Erklärungen gewandt habe. Niemöller, der jetzt der lauteste Rufer im Streite sei. habe damals seine Stimme nicht erhoben.

Der Bundeskanzler stellte fest, daß die Bundesregierung und der Bundeskanzler keine Verpflichtungen irgendwelcher Art eingegangen seien.

Irgendwelche Verlangen nach einer Volksbefragung, einer Auflösung des Bundestages und Neuwahlen widersprächen dem Grundgesetz. „Der Bundestag kann sich auch nicht selbst auflösen, der Bundestag ist vielmehr zuständig zur Entscheidung aller Fragen, die während seiner Wahlperiode entscheidungsreif werden.“

Nunmehr stehe fest, daß die Behauptungen Niemöllers und seine Angriffe gegen den Bundeskanzler auf Unwahrheiten aufgebaut seien. „Ich kann nur sagen, daß Herr Pfarrer Niemöller in geradezu unverantwortlicher Weise sich gegen die Ehre und das Ansehen seiner Mitmenschen versündigt und dem deutschen Volk im Inland und Ausland schwersten Schaden zugefügt hat. Ich bin überzeugt davon, daß das Vorgehen Niemöllers ’n Frankreich Beachtung finden wird. Bei der Sozialistischen Einheitspartei hat es größten Beifall ausgelöst. Ich habe während meiner Amtstätigkeit noch in keiner Sache so viele Zuschriften erhalten wie jetzt aus Anlaß des Auftretens Niemöllers. Fast ausschließlich bezeichneten sich die Verfasser der Zuschriften als evangelische Christen. Alle rücken mit Empörung von Niemöller ab.“


Unter Palmen warten französische Panzer in Indochina auf den Befehl zum Weitermarsch Foto: UP-Acme
Unter Palmen warten französische Panzer in Indochina auf den Befehl zum Weitermarsch Foto: UP-Acme

Neue Lasten

*** Der Steuerzahler wird mit einiger Beängstigung lesen, daß die gestern bei einer Kabinetts-Sitzung verabschiedete Autobahn-Benutzungsgebühr, die neue Treibstoffsteuer und die Erhöhung des Berliner Notopfers nur den Beginn weiterer neuer Steuern bedeuten. Oft genug ist darauf hingewiesen worden, die Belastung des Steuerzahlers habe das äußerste Maß erreicht und es habe keinen Zweck, eine Kuh weiter zu melken, wenn statt Milch bereits Blut komme.

Dieser Einwand hilft jedoch nicht darüber hinweg, daß wir einen Krieg verloren haben und daß die Last der Kriegsfolgen erst jetzt auf das deutsche Volk zukommt. Die Bundesregierung vertritt den für sie richtigen Standpunkt, sämtliche Ausgaben müßten durch entsprechende Einnahmen gedeckt werden. Das ist notwendig, um eine Inflation zu vermeiden, die keiner von uns nochmals erleben möchte. Allein die selbstverständliche Versorgung der Kriegsopfer benötigt den Aufwand von drei Milliarden Mark, die der Finanzminister nicht aus einem leeren Säckel hervorzaubern kann. Damit aber nicht genug. Auch die Verstärkung der Besatzungstruppe, die von nun an zu unserem Schutz in der Bundesrepublik weilt, zieht zusätzliche neue Kosten nach sich, für die der deutsche Steuerzahler aufzukommen hat.

Wir weiden also zweifellos in der nächsten Zukunft noch bittere Steuerpillen zu schlucken haben, die uns dazu zwingen, unsere Lebenshaltung wesentlich einzuschränken. Ob die schlechter genährte Kuh aber dann wirklich noch in der Lage ist, mehr Milda zu geben, wird sich erst erweisen müssen.

Wer ist der asoziale Teil?

Von Erich Dombrowski

Es ist ein seltsam erbitterter Kampf um den Frieden, der sich vor unseren Augen abspielt. Alle VölkeF der Erde nehmen daran teil. Ein geradezu ergreifender Wetteifer. Aber wenn man näher hinsieht, kommen dabei immer nur mehr Rüstungen, mehr Verwicklungen, mehr kriegerische Abenteuer heraus. Wer ist, im Hintergründe rasselnd, der schwarze Mann? Auf der gegenwärtig tagenden Jahresversammlung der Organisation der Vereinten Nationen hatten die Amerikaner, mit Recht die Geduld verlierend, die Bildung einer sofort einsatzbereiten internationalen Militärmacht beantragt, um fortan jeden Unruhestifter, wenn er seinen Nachbarn angreift, niederschlagen zu können. Daraus entstand dann ein Sieben-Mächte-Plan, der auch Friedenspatrouillen vorsah. Die Russen hatten unverzüglich mit einem Gegenantrag geantwortet, und nach langen Debatten hat der Politische Ausschuß diesen Plan nunmehr mit großer Mehrheit angenommen und die russischen Gegenvorschläge abgelehnt. Jetzt wird die Vollversammlung das letzte Wort zu sprechen haben. Fügen sich die Russen einem solchen weittragenden Entschluß, würden wir, ihre ehrliche Mitarbeit vorausgesetzt, ein Stück Frieden gewonnen haben. Das aber ist kaum anzunehmen. Eher wird man mit einem Ausscheiden der Russen aus der Organisation der Vereinten Nationen zu rechnen haben. Aber nehmen wir das Unwahrscheinliche an: die Russen gliederten sich in diese Friedensfront der Völker. Dann wird, über die beschlossene internationale militärische Wachmannschaft hinaus, erst eine ständige Kontrolle der militärischen Verhältnisse in den einzelnen Ländern, insbesondere der Atomenergie, die Sicherheit gewährleisten. Aber selbst diese Kontrolle wäre zwecklos, bloß ein zu bekritzelndes Stückchen Papier, wenn man sich darauf beschränken wollte, die Militär-Etats der verschiedenen Nationen, miteinander vergleichend, zu registrieren. Mit Statisliken werden wir ohnehin überfüttert. Im übrigen sind alle staatlichen Voranschläge schließlich bloß Schätzungen, sind oft ein für die Oeffentlichkeit aufgeblasenes Blendwerk. Faßt man wirklich zu, marschieren sofort scheinbar handfeste Ziffern, wie eine Leibgarde, abschirmend auf. Die militärischen Voranschläge sind in dem Rahmen des allgemeinen Etats noch von ganz besonderer Art. Elektrische Stacheldrahtzäune sind um all das gelegt, was darin nicht gesagt wird. Hier schiebt sich stets, wenn man einmal mit der Lupe hineingucken will, die sogenannte Staatssicherheit als die geheimnisvolle Rolltür, auf einen unsichtbaren Druck gehorchend, vor. Als im kaiserlichen Reichstag der Großadmiral von Tirpitz einmal seinen Marine-Etat mit viel schönen verdeckenden und ablenkenden Worten, pries, rief ihm ein Abgeordneter spontan zu. er möchte doch einmal zur Decke des Saales hinaufgucken. Tirpitz stutzte. Da würde er sehen, wie sich die Balken bögen So war und ist es kein Wunder, daß kein Etat mit so viel Nachtragsforderungen, Geheimfonds und außerordentlichen Krediten ohne nähere Angaben zu arbeiten pflegt wie der Militär-Etat. Wenn man also eine wirklich wirksame internationale Kontrolle zur gegenseitigen Sicherung erreichen will, dann muß man sich schon auf eine ständige Kontrolle an Ort und Stelle, auf Prüfungen und Untersuchungen, festlegen und damit auf einen Teil nationaler Souveränitätsrechte im Interesse des Ganzen verzichten. Die Westmächte sind offenbar dazu bereit. Die Erhaltung des Friedens geht ihnen über alles. Die im Sowjetsystem zusammengeballten Ostmächte sind es bisher nicht. Das hat unter anderem immer wieder die Weigerung Rußlands erwiesen, auch nur die Herstellung und Verwendung der Atomenergie international kontrollieren zu lassen. Aber der ganze Streit zwischen Ost und West auf dieser Plattform hat noch eine andere Seite, die jeden einzelnen angeht, wo er auch lebt und um seine Existenz ringt.

* Diese andere Seite ist, die Mittel für die unabsehbar weiter anschwellenden Rüstungen aufzubringen. Ein immer größerer Teil der Gesamtproduktion muß, statt der allgemeinen Wohlfahrt zu dienen, abgezweigt werden für die an sich wirtschaftlich völlig unproduktiven militärischen Ausgaben. Dadurch wird die Nachfrage nach allen möglichen Gütern, gegen alle ausgleichende Vernunft, übersteigert. Das Militär ist ja sozusagen eine Welt für sich, die keine Rücksicht auf die übrige nimmt. Das Angebot verknappt 1 sich im privatwirtschaftlichen Sektor. Die Preise steigen. Ein natürlicher Prozeß. Der Konsument sieht, daß die Kaufkraft des Geldes sich, förmlich unter seinen Händen, erst langsam, dann rascher entwertet. Ein Blick auf die augenblickliche Entwicklung der Rohstoffmärkte zeigt diese Aufwärtsentwicklung der Preise, wie auf einem Thermometer, an. In Amerika, das den größten Teil der Aufrüstung des Westens bestreitet, bekommt das der Konsument noch viel unmittelbarer zu spüren. In den Konfektionsläden, in den Haushalts- und Lebensmittelgeschäften sind seit dem Korea-Konflikt die Preise fast schon auf das Doppelte, in gut drei Monaten, hinaufgeklettert. Zu gleicher Zeit wird die Steuerschraube mit einem kräftigen Druck angezogen. Auch das wirkt sich auf die Preisbewegung aus. Das reale Einkommen sinkt ab. Die militärischen Ausgaben Amerikas werden im nächsten Jahr ungefähr so viel ausmachen wie der Geldbedarf des gesamten gegenwärtigen Bundesetats. Das sind nicht weniger als vierzig Milliarden Dollar. In Deutsche Mark umgerechnet rund zweihundert Milliarden. Wir stöhnen schon, mit Recht unter unseren Trümmern ringsum, über die vier Milliarden Mark, die wir für Besatzungskosten jährlich aufzubringen haben. Solche astronomischen Ziffern sind jedenfalls zur Zeit als ■Lebensversicherungsprämie der westlichen Völker zu zahlen. Dabei sind die riesigen militärischen Ausgaben, die gleichzeitig Großbritannien, Frankreich und Italien zu bestreiten haben, noch nicht einmal eingerechnet. Von dem Sowjetbereich in Europa und Asien ganz zu schweigen Deren militärische Lasten entziehen sich jeglicher Kenntnis Außenstehender Wir wissen nur, daß gewaltige militärische Vorkehrungen in Osteuropa, in Mittel- und Ostasien getroffen sind, daß Armeen mit allem Drum und Dran bereitstehen und daß. über die fast unendliche Weile verstreut, die Industrie zu einem erheblichen Teile im Dienste einer fieberhaften Rüstung steht. Sowjetrußland ist es. das alle Völker zu diesen fürchterlichen Unkosten für ihre Existenzsicherung zwingt und so jede soziale Weiterentwicklung hemmt, wenn nicht gar auf lange Zeit zurückwirft. Aber sicherlich liegt das in der Absicht der Kommunisten. Ohne Unzufriedenheit keine Weltrevolution.

Zur Zeit ist Ostasien das Vorfeld dieses revolutionären Kampfes, Der erste Anschlag gelang. China ist kommunistisch geworden. Das sind über vierhundert Millionen Menschen. Der zweite Anschlag — auf Korea — ist abgewiesen worden. Während da noch die letzten Kämpfe toben, haben die Kommunisten, im Verein mit den Nationalisten, in Indochina bereits zum dritten Schlage ausgeholt, um es zu überrennen. Auch hier dasselbe Spiel wie vorher: zunächst einmal Überrumpelungserfolge. Aber schon setzt auch hier die Gegenwehr ein, nachdem sich Frankreich, als Treuhänder Indochinas, und Amerika auf gemeinsame militärische Aktionen geeinigt haben. Gelänge es den Kommunisten, sich Indochinas zu bemächtigen, würden auch alle anderen Staaten dieses östlichen Bereichs: die malayischen Länder, Siam und Burma, einige der wichtigsten Rohstoffländer der Welt, in Gefahr geraten. Der Kommunismus versucht im Fernen Osten die niedrige soziale Lage, die nicht zuletzt auf die furchtbare Uebervölkerung zurückzuführen ist. im Zusammenhang mit nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen sich nutzbar zu machen. Die Hebung des Lebensstandes dieser Völker wird, nach der Abwehr des äußeren Feindes, das Wichtigste sein, wofür sich die Westmächte zu interessieren haben werden, um jene Länder immun gegen den Kommunismus zu machen. Die ersten Schritte dazu sind bereits getan. Amerika hat in Trumans Vier-Punkten Milliarden dafür vorgesehen, und die großbritannische Völkergemeinschaft hat jetzt auf der Londoner Commonwealth-Konferenz einen Sechsjahres-Plan entworfen. der gleich dem Marshall-Plan für Europa ein umfassendes wirtschaftliches und soziales Aufbauwerk in Ost- und Südasien in Gang setzen soll. Wie gewaltig die Aufgabe ist, die hierbei zu erfüllen ist, geht aus einem Hinweis des britischen Ministers Herbert Morrison hervor, wonach zwei Drittel der Weltbevölkerung der Kaufkraft nach in der Woche von sechs Mark leben müssen. Da die Menschheit sich gegenwärtig täglich um fünfzigtausend vermehrt, die in der Hauptsache auf die asiatischen Völker entfallen, kann man sich ungefähr eine Vorstellung von dem Umfang der Leistung machen, die hier zu vollbringen ist. Andererseits wird die jetzt vorgesehene systematische wirtschaftliche Erschließung dieser Länder der ganzen Welt zugute kommen, da gerade im Fernen Osten noch Rohstoffe von ungeahntem Ausmaß im Schoße der Erde schlummern. Der Wettlauf um den Frieden, Rüstungen und diplomatisches Geplänkel zwischen Ost und West, wird erfreulicherweise nun auch zu einem Wettlauf um d’e Verbesserung des Lebensstandes der Völker. Die Westmächte haben mit ihrem Marshall-Plan für Europa und ihrem Hijfsnlan für Asien die Initiative dazu ergriffen. Wieviel größer würden die Aussichten gerade dafür sein, wenn es möglich wäre, das fieberhafte Aufrüsten abzudrehen und die ungeheuren Geldausgaben dafür auf die Verbesserung des allgemeinen Wohlstandes umzustellen. Aber der russische Imperialismus in all seinen Ausstrahlungen will es nicht. Er weiß, warum. Sein Imperialismus ist unerbittlich. wenn,auch Millionen Menschen darüber zu Gründe gehen. Einem fällt dabei das seufzende Wort des Cyprianüs von Antiochien ein: ~Gemaich, nicht der Mensch, sondern der Menschen Elend j^irbt“. Ja„ wer i?t der ^soziale Te.il in dem Wettlauf zwischen Ost und West?

Norch 23 000 Deutsche

Neuyork, 20. Oktober, (dpa) Der Leiter der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, Dr. Hildebrandt, erklärte in Neuyork, daß sich trotz aller gegenteiligen Versicherungen sowjetischer Vertreter mindestens noch 23 000 Deutsche in sowjetischen Konzentrationslagern in der Sowjetzone befinden.

Neue Schiffbau-Erleichterungen

Bremen, 20. Oktober, (dpa) Der Bremer Senatspräsident Kaisen sagte vor der Bremer Bürgerschaft, der amerikanische Oberkommissär McCloy habe ihm neue Erleichterungen für den deutschen Schiffsbau in Aussicht gestellt. Es bestünden Aussichten, daß dem Wunsch der deutschen Reeder entsprochen werde, auf deutschen Werften zwanzig schnelle Schiffe für den Uebersee-Liniendienst bauen zu lassen.

Der Bonner Bestechungsskandal [I] Boß Baumgartner, Pferdmenges, Josef Filser Profile, wie ich sie sah

Semler

Abgeordneter Dr. S'mler ( Christlich-Soziale Union) ist Ausschußvorsitzender. Er ist Jurist, der aber nicht nur aus Paragraphen besteht. Mit den Zeugen spricht er — nicht laut, nicht leise — konziliant, sehr sachlich, und gewinnende Höflichkeit scheint ihm angebaren. Wenn er das Feld der Beschuldigungen, Behauptungen und Gegenbehauptungen, Beweise, Gegenbeweise, Widersprüche, Leidenschaften und Eide überblickt, scheint ihm (und allen Zuhörern) schwindelig zu werden. Hier ist politischer, moralischer, vielleicht krimineller Unrat, das scheint sicher. Er sitzt sehr korrekt auf dem Vorsitzendenstuhl. Den Zeugen, die vielfach Angeklagte sein müßten, läßt er Redefreiheit. Es ist seines Amtes (und nur das), Beweis zu erheben. Mehr nicht.

Arndt

Abgeordneter Dr. Adolf Arndt, Ausschußmitglied, ist der Kronjurist der Sozialdemokratischen Partei, ein glänzender Jurist, etwas selbstgefällig, Jahrgang 1904, einst Landrichter, Rechtsanwalt, Oberstaatsanwalt, ein Mann des reinen Intellekts, halb Bohemien mit langer Künstlermähne und Hornbrille. Seine Fragen sind inquisitorisch, messerscharf, mit einem fernen Unterton von ätzender Ironie und Ueberlegenheit. Die Zeugen werden festgenagelt, so oder so. Er ist, wie es scheint, Staatsanwaltnatur durch und durch, jedenfalls hat er spezifisches Talent dazu.

Baumgartuer

Abgeordneter Dr. Josef Baumgartner, Bayernpartei-Vorsitzender, ist der Schreiber jenes „Gedächtnisprotokolls“, das den großen Coup gegen seine politischen Widersacher in den eigenen Reihen landen soll. Er verschmäht nicht die Pose, nicht das Pathos und ist — manchmal scheinbar, manchmal anscheinend — für absolute Sauberkeit in der Politik, d. h. genauer in seiner Partei. Dinge, die sich dem außenstehenden Betrachter entziehen, scheinen in seiner Partei obzuwalten. Die Ehemaligen der Bayernpartei — Donhauser, Aumer — sagen, seine Herrschaft in der Partei sei Terror, die Freunde bestreiten es. Aber kein Zweifel ist möglich: Er ist der 80ß der Partei.

Mayerhofer

Abgeordneter Josef Mayerhofer, Landmaschinenfabrikant, Besitzer zweier Kinos, gebürtig in Freyung im Bayeri¬ •schen Wald, eine Mischung von tumbem Tor und gewitztem Geschäftsmann. Er hat von Aumer 1000 Mark bekommen, „Drei bis vier Wochen nach der Abstimmung“, wie er sagt. Weil er für Bonn stimmen sollte? Er sagt: Ich wollte es an meine Bezirksleitungen in der Partei verteilen. Entgegen dem Sprichwort: Dies Geld stank. Und es stinkt noch, z. Z. auf dem Konto der Landesleitung, wo es Mayerhofer nachher einzahlte.

Donhauser

Abgeordneter Anton Donhauser, Jahrgang 1913, Bauingenieur, („ich komme aus sehr kleinen Verhältnissen“) ist die imponierendste Erscheinung, von überdurchschnittlicher Intelligenz und Redegewandtheit, ein Hüne von Gestalt mit einem Jungengesicht, den man so schnell nicht überführen wird. Er hat manches Geld bekommen, Tausende, er hat für seine Wahlkämpfe Klinken geputzt, geschnorrt. „Wer mußte das nicht tun, meine Herren?“ Donhauser hat eine glückliche Hand in der Formulierung und Argumentation, bei keiner Frage ist er um eine plausible Erklärung verlegen. Erbitterte Positions- und Richtungskämpfe seien der Grund für seine Diffamierung, selbst vor Brachialgewalt scheue der Baumgartner nicht zurück.

Wartner

Abgeordneter Johann Wartner, 67 Jahre alt, wohnhaft Scheibelsgrub, Beruf Landwirt, Hindenburg-Schnurrbart, bieder, brav, hineingerutscht in einen stinkenden politischen Pfuhl: „Ich glaube nicht, daß irgendein Druck auf den Mayerhofer ausgeübt worden ist, und bezüglich Bonn hat er die 1000 Mark auch anscheinend nicht erhalten. Er hat sie erst viel später bekommen, als die Abstimmung vorüber. Er hat mir das Datum genannt. Ich weiß aber das Datum nicht mehr. Niemand weiß auch die Quelle. Ich weiß auch die Namen nicht, wer sie noch bekommen haben soll. Das müssen die wissen, die das Geld gegeben haben (Große Heiterkeit). Ich weiß es nicht. Mir ist nur gesagt worden, daß man vorhatte, mir auch die 1000 Mark anzubieten, und dann sagte der betreffende Herr aber: Wartner, ich habe es nicht gewagt. Dann habe ich gesagt: gut^S’e haben mich doch so ein geschätzt, wie ich bin, daß Sie mir das nicht zugemutet haben, daß ich es auch nehmen würde. . Da war eine Volksmission, sage ich Ihnen schon mal ehrlich, und ich wollte mir mal so eine Missionspredigt anhören, hier in Bonn. Da war ich also auf dem Wege zum Dom von der Nöggerather Straße herüber, da gehe ich an dem Hotel Salvator vorbei, schau auf die Uhr und sehe, ich komme zu früh in die Kirche und sage mir: Jetzt kaufst du dir noch eine Halbe Bier. In dem Moment, wo ich in die Drehtür hinein will, gehen der Herr Aumer und der Herr Donhauser gegen .mich heraus. Der Donhauser sagt zu mir: Wartner. geben S’e mir jetzt die Hand nimmer? Da habe ich gesagt: warum soll ich Ihnen die Hand nimmer geben, wir sind doch die Alten, rein persönlich gesehen, meinte ich.

Und währenddem das der Wartner vor dem Mikrophon im Saal des Untersuchungsausschusses sagt, lugt unversehens der Filser Josef aus den Wolken durchs Fenster zum Wartner Johann und lächelt und sagt: „Liber Schpezi, du bis durch das Ferdrauen des Folkes barlamendarischer Abgeorneter in Bonn keworden.“

Pferdmenges

Abgeordneter Robert Pferdmenges, Kölner Privatbankier, legendäre Gestalt der westdeutschen „Monopolkapitalisten“, „Finanz-Manager der kapitalistischen Parteien“. Was der Kölner Geheime Kommerzienrat Louis Hagen bis Ende der zwanziger Jahre war, das ist heute Pferdmenges. Der alte Herr, ein rüstiger Siebziger, unansehnlich-rustikal, salopp-elegant, ein halber Kölner Schalk, kein guter Redner, sagt verhalten: „Ich möchte feststellen, daß ich niemals in meinem Leben einen Pfennig Geld gegeben habe, um schmutzige Dinge zu machen, niemals in meinem Leben. Jeder, der mich kennt, weiß, daß ich in solchen Sachen auf äußerste Sparsamkeit sehe. Ich werde in der Presse oft genannt als Geldsammler von vielen Millionen und dauernd, ich möchte sagen, durch den Dreck gezogen als Hauptgeldeintreiber. Schon verschiedene Leute haben mir davon gesnrochen: .Hören Sie, Sie sollen so viel Geld zur Verfügung haben, schikken Sie uns doch mal was!“ (Heiterkeit). Ich bin vor einem halben Jahr siebzig Jahre alt geworden. Da habe ich 1400 Bettelbriefe bekommen, und da lauteten 1000: ,Da S’e nach der Presse der reichste Mann Deutschlands sind, wenden wir uns an Sie. um bei Ihrem 70. Geburtstag etwas herauszuholen.“ Schwört und tritt lautlos ab.

Schäffer

der Bundesfinanzminister. Niemand im Saal hält ihn für so dumm, ein plumpes Bestechungsmanöver durchzuführen. Er ist politisch viel zu gewiegt und gewieft. Mit skentischen, halb fröhlichen, halb freundlichen Augen. Vertreter einer alten (fast preußischen) Beamtenkultur, nicht nur, aber vorwiegend Rechner, hält er den Fragen stand. Er ist ohne Gefallsucht, nicht rechthaberisch, aber bestimmt. Sein weitverbreiteter Ruf. der tüchtigste Minister in Adenauers Kabinett zu sein, läßt ihn kalt. Er kennt nur das Budget. Adenauer ist die Großmutter der Füchse, Schäffer ein entfernter Verwandter. Auch er hebt, die Schwurfinger. „So wahr mit Gott helfe!“

Aumer

Jahrgang 1915, Kaufmann, Bankfach, Buchhändler, mit 27 Jahren Königlich Rumänischer Vizekonsul. Auf Fragen weicht er gerne aus, will einiges nicht wahrhaben, protestiert. Er verhehlt nicht, daß er Geld bekommen hat. Er schüttel sich wie ein Fisch, um den sich das Netz zieht. Wie scheint er des Pudels Kern auf den Konf getroffen zu haben, wo der Knüppel beim Hunde liegt: „In der Bavernpartei Stimmt was nicht! Aber auch bei Aumetr.' der Geld verteilte, stimmt was nicht!“ Wenn Gott will, schießt ein Besen, sagt das Sprichwort. In Bonn schießt einer.

Parteiverbot in Australiten

Sidney, 20. Oktober. (AP.) Die australische Regierung hat am Freitagmorgen die kommunistische Partei des Landes aufgelöst.

Personalüberprüfung

London, 19. Oktober. (AP.) Alle Personen. die während des letzten Krieges oder nach Kriegsende ohne besondere Untersuchung nach England eingewandert sind, sollen jetzt politisch überprüft werden, gab der britische Innenminister Ede bekannt.

Zu weit getrieben

Madrid, 20. Oktober, (dpa) Der spanische Außenminister Artajo setzte sich auf einer Pressekonferenz in Granada für die Eingliederung Deutschlands in die europäische Verteidigung ein. Er sagte: „Vom europäischen Standpunkt aus hätte man die deutsche Niederlage niemals so weit treiben sollen, wie es geschehen ist. Als man sah, daß Deutschland ' besiegt war und um Frieden bat, hätte man einhalten sollen, weil dieses Land für die europäische Verteidigung unbedingt notwendig ist.“

Getarnter Kongreß

Frankfurt a. M., 20. Oktober, (dpa) Die Frankfurter Polizei verbot am Freitag eine für Samstagnachmittag geplante Veranstaltung, deren. Initiatoren einen kommunistischen „Friedenskongreß“ als „Tagung evangelischer Pfarrer“ zu tarnen versucht hatten.

Stimmen der Anderen

Historischer Wendepunkt

Zur Annahme des Achesonplanes durch den politischen Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen schreibt die demokratische „New York Times“: „Die Vereinten Nationen als Instrument zur Abwehr von Aggressionen und zur Wahrung des internationalen Friedens erreichten einen historischen Wendepunkt, als der politische Ausschuß dar Vollversammlung der Vereinten Nationen die Siebenmächte-Resolution mit dem eindeutigen Titel .Gemeinsame Aktion für den Frieden' billigte. Die Annahme erfolgte mit derartig überwältigender Mehrheit, daß die Abstimmung in der Vollversammlung selbst zu einer bloßen Formalität wurde.

Die Bedeutung dieser Resolution besteht darin, daß sie die Vereinten Nationen von dem lähmenden Einfluß des Vetorechtes befreit. Sie stellt einen weiteren Schritt auf dem Wege der Einigung der freien Nationen gegen die Aggression dar. Sie nimmt in diesem Sinne ihren Platz neben der Westeuropäischen Union, dem Europarat und dem Atlantikpakt ein. Zweifellos werden die Sowjets in ihrer Eigenschaft als Mitglied des Wachhund-Ausschusses weiterhin versuchen, zu sabotieren. Es ist jedoch bemerkenswert, daß die Sowjets nach ihrem Boykott ähnlicher Einrichtungen auf dem Balkan und in Korea um die Mitgliedschaft in dem Wachhund-Ausschuß nachgesucht haben. Dies kann als ein weiterer, wenn auch unfreiwilliger Tribut^ der Sowjets an die Autorität der Vereinten Nationen gewertet werden.“

Das deutsche Wunder

In einem aus Bonn datierten Bericht schildert der „Messaggero“ das „Wunder der deutschen Auferstehung“: „Militärisch besetzt, in zwei Hälften geteilt, zur Hälfte dem Erdboden gleichgemacht und von Millionen Flüchtlingen überfüllt, bezeugte Deutschland fünf Jahre nach der Kapitulation die Kraft zu einer Wiederauferstehung ohnegleichen. Man kann die deutsche Wiedergeburt gut und gern das große Wunder der Nachkriegszeit nennen. Das deutsche Volk hat den Weg der Wiederauferstehung gefunden, und niemand kann es mehr davon abbringen. Statt der vorgesehenen 250 000 Wohnungen wurden 1950 in der Bundesrepublik 350 000 Wohnungen gebaut. Der Außenhandel blüht. Der Haushalt der Bundesrepublik nähert sich dem Ausgleich. Die Zahl von zwei Millionen Arbeitslosen im Februar ist bis August auf 1,3 Millionen gesunken. Das Verdienst an der Aufwärtsentwicklung kommt zu einem guten Teil der Bundesregierung zu. Daneben verdankt die Bundesrepublik ihre Gesundung auch dem Marshallplan. Aber der Hauptdarsteller in diesem großen Schauspiel der Wiedergeburt ist zweifellos das deutsche Volk selbst. Bei aller Niedergeschlagenheit, die man noch in Deutschland antrifft, haben die Deutschen doch ihre .heilige Liebe* zur Arbeit bewahrt. Deutschland beweist eine Energie, zu der kein anderes Volk fähig ist. Diese ans Wunderbare grenzende Lebenskraft läßt hoffen, daß die Deutschen bald auch ihre geistige Krise überwinden werden.“

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg

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„Ich muß den Diener bitten, mir meinen Koffer heraufzubringen“, überlegte sie mitten in ihrem Packen. „Und die Kinder — ich muß sie noch einmal sehen, aber sie dürfen mir nichts anmerken, vor allem Raynald nicht.“

Schließlich war sie fertig und ging zu dem kleinen Schreibtisch, an dem sie so gern geschrieben und gezeichnet hatte. Sie wollte dem Herzog einen Brief dalassen, um ihm zu erklären, warum er sie bei seiner Rückkehr nicht mehr vorfand. Eine schwere Aufgabe — wie sollte sie ihm ihren Standpunkt in dieser häßlichen Geschichte klarmachen, mit der er bei seiner Ankunft sogleich begrüßt werden würde? Sie fühlte sich plötzlich ganz ratlos, was sie ihm wohl von dem Widerstreit ihrer Gefühle erzählen durfte und was nicht, wie sie da in dem halbausgeräumten Zimmer saß, in dem sie fast vier Jahre lang so heimisch gewesen war und das sie jetzt verlassen mußte.

Wie sollte sie ihm ohne Bitterkeit zu verstehen geben, daß ihre feste Haltung gegenüber den Beschimpfungen der Herzogin dieses Ergebnis gezeitigt hatte, daß sie zur Zielscheibe gehässigen Klatsches geworden war? Von vornherein hatte sich alles gegen sie verschworen, das sah sie jetzt ein. Der Schlag war gegen sie geführt worden, als er nicht da war, um ihn abzuwehren. Sie wußte, er würde sich deshalb ewig Vorwürfe machen und auch, weil er einer Laune nachgegeben und damit den Stein ins Rollen gebracht hatte. Jetzt, da sie wieder klar denken konnte, erkannte sie, daß sie nicht so sehr in ihrem Stolz verletzt war. Die Worte der Herzogin waren in Wirklichkeit gar nicht so tief gedrungen, und auch die häßliche Anspielung der Zeitungsnotiz hatte sie nicht so aufrühren können. Aber bisher war sie immer in dem Glauben gewesen, daß die Grenzen der Unantastbarkeit durch das eigene Gewissen gegeben waren, und nun mußte sie plötzlich die Erfahrung machen, daß ein gutes Gewissen allein nicht genügte. Sie fühlte dieselbe hilflose Ohnmacht über sich kommen, die sie als Kind schon überkommen hatte, wenn sie sich machtlos einer Ungerechtigkeit ausgeliefert sah.

Wieder tauchte sie ihre Feder ein und fing einen neuen Bogen an, und wieder knüllte sie das Blatt zusammen und warf es zu den anderen in den Papierkorb.

„Lieber Herzog“, schrieb sie endlich, „machen Sie sich und anderen keine Vorwürfe für das, was geschehen ist. Es war mir unmöglich, mein Ihnen gegebenes Versprechen zu halten, und so werden Sie mich also bei Ihrer Rückkehr nicht mehr —“

Doch wie sie da inmitten der Unordnung des Packens saß und sich mühte, ihrem Gehirn die richtigen Worte abzuzwingen, unterbrach sie ein schüchternes Klopfen, und Isabella trat ein.

„Oh, Mademoiselle“, rief sie, „bitte, kommen Sie doch gleich, Berthe ist ganz plötzlich krank geworden, und Maxime weiß nicht, was sie tun soll. Schnell, Mademoiselle, kommen Sie, wir brauchen Sie!“

Und so kam es, daß der Brief nie zu Ende geschrieben wurde und der große Koffer nicht gepackt, denn um Mitternacht mußte der Arzt die Diagnose stellen, daß Berthe schwer an Scharlach erkrankt war; und wieder einmal wurde Henriette die Pflege eines kranken Kindes anvertraut.

DREIZEHNTES KAPITEL

Während der wochenlangen Pflege im Krankenzimmer fand Henriette genügend Muße, um ihre Lage von allen Seiten zu überdenken, aber sie kam zu keinem Ergebnis, weil die Tatsache, daß sie eigentlich entlassen war, über der Besorgnis um Berthes Genesung völlig in Vergessenheit geraten zu sein schien. Und als das Kind wieder ganz hergestellt war, wurde das Thema des Zeitungsartikels nie wieder angeschnitten. Wenn der Herzog überhaupt von dieser Verleumdung 'in dem Skandalblatt je etwas erfahren hatte, spielte er doch niemals darauf an. Henriette versuchte mehrmals, das Gespräch darauf zu bringen, aber er ging nie darauf ein, und irgend etwas in seiner Haltung hielt sie davon ab, in ihn zu dringen.

Ja — sie war Henriette ein Rätsel. So oft sie es zu lösen versuchte, endeten ihre Bemühungen mit einem ratlosen Achselzucken. Aber wenigstens war der Himmel im Augenblick nicht von Gewitterwolken verhangen, und der Frühling lag wieder einmal in der Luft. Das Mandelbäumchen blühte im Garten, und die Blumenfrauen auf den Straßen boten zuerst Primeln, dann Veilchen, dann Narzissen und Tulpen feil.

Isabella hatte sich verlobt. In sechs Monaden würde sie den Sohn eines wohlhabenden, einflußreichen Geschäftsmannes aus ausgezeichneter Familie heiraten und nach Turin ziehen, wo ihr Verlobter die Geschäftsinteressen des väterlichen Handelshauses vertreten sollte. Damit machte sich zum erstenmal ein Mitglied der Familie selbständig, und bei aller Freude war man sich doch der bevorstehenden Trennung als eines Verlustes bewußt. Henriette ertappte den Herzog dabei, wie er seiner Aeltesten mit einem zärtlichen, gedankenvollen Blick nachsah.

' „Sorgen Sie sich nicht, Monsieur“, sagte Henriette ihm mehr als einmal, wenn sie ihn so sah, „Isabella ist reif für die Liebe. Sie haben getan, was Sie konnten, um ihr einen guten Mann zu finden. Alles weitere liegt in Gottes Hand oder beim Schicksal, wie immer man es nennen mag. Sie können nichts mehr dazu tun.“

Isabella selbst sah ihrer Hochzeit mit Fassung entgegen. Sie war keine sehr gefühlsselige Natur. Jedenfalls trug sie ihre Gefühle nicht zur Schau. Sie schien den jungen, wohlerzogenen Mann mit dem guten Aussehen und den gutsitzenden Anzügen, den man ihr ausgesucht hatte, zu mögen. Mehr konnte man auch schwerlich von ihr erwarten, da sie außer ihren Brüdern keine anderen jungen Leute kannte. Selbstverständlich ließen sie die Aufregung und der Umstand, daß sie p'ötzlich zum Mittelpunkt der Familieninteressen geworden war, nicht unberührt; aber sie ertrug die tränenreichen Ausbrüche der Liebe ihrer Mutter und deren Einkaufsorgien für ihre Wäsche- und Möbelaussteuer mit bemerkenswerter Ruhe. Nur selten spürte Henriette, daß Furcht und Zweifel bisweilen das Mädchen bewegten.

„Mademoiselle“, wandte sich Isabella einmal nach einer längeren Unterredung mit dem Abbe an sie, „ich verstehe nicht immer, was der Abbe eigentlich meint, wenn er mir von den ehelichen Pflichten spricht.“

„Was verstehst du nicht, Isabella?“

„Nun, er sprach von Gehorsam meinem Gatten gegenüber und — und dann redete er gleich darauf von meiden Kindern und daß ich sie in unserem Glauben taufen und erziehen müsse. Und irgendwie begriff ich eben nicht, Mademoiselle, was das miteinander zu tun hat.“

Die glatte junge Stirn krauste sich nachdenklich, und die braunen Augen hefteten sich wie hilfesuchend auf Henriette.

„Mach dir darüber keine Gedanken, meine Liebe“, entgegnete sie. „Wenn du liebst und wiedergeliebt wirst, wird sich das alles von selbst ergeben, und diesen Gehorsam, von dem er sprach, kannst du dann getrost sich selbst überlassen. Ich bin schließlich nie verheiratet gewesen, wie du weißt; wenn du daher in diesen Dingen um einen Bat verlegen bist, wendest du dich am besten an deine Mutter.“

„Das würde ich niemals fertigbrngen!“ Das Mädchen errötete, als sie das sagte. „Ueber so etwas kann ich doch mft ihr nicht sprechen; und, Mademoiselle, wenn ich verheiratet bin, möchte ich nicht so werden wie Mama.“

„Aber Isabella!“ Henrie+te empfand es als ihre Pflicht, sie zurechtzuweisen, obwohl sie es ihr nachfühlen konnte. „So etwas darfst du nicht sagen. Wenn du erst einmal verheiratet bist, wirst du anders darüber denken und verstehen, warum deine Mutter so oft krank und bedrückt ist.“

(Fortsetzung folgt.)

Das Kriegsopfer-Versorgungsgesetz

Weitere Einzelheiten über die neuen Bestimmungen

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Das am Don¬ nerstag vom Bundestag einstimmig ver¬ abschiedete Kriegsopferversorgungsgesetz sieht über die bereits bekanntgewordenen Einzelheiten hinaus noch folgendes vor: Ist ein Anspruch auf Rente festgestellt, so wird wegen anerkannten Folgen der Schädigung eine Heilbehandlung so lange gewährt, wie der Anspruch auf Rente besteht. Das Unterhaltsgeld für Blindenhunde ist gegenüber 20 Mark im Regierungsentwurf vom Ausschuß auf 25 Mark erhöht worden. Eine Operation darf nicht ohne Zustimmung des Beschädigten vorgenommen werden. Für Kriegsblinde, Ohnhänder und sonstige Empfänger einer Pflegezulage und für Hirnverletzte ist eine wirksame Sonderfürsorge sicherzustellen. Durch Gewährung einer Erziehungsbeihilfe an Beschädigte oder Hinterbliebene soll sichergestellt werden, daß den unterhaltsberechtigten Kindern eines Beschädigten und den versorgungsberechtigten Waisen eine den Fähigkeiten entsprechende Schul- und Berufsausbildung ermöglicht wird. Die Beschaffung von Arbeitsplätzen für Beschädigte und Hinterbliebene und der Arbeitsschutz sollen durch besonderes Gesetz geregelt werden. Witwen, Witwern, Waisen und rentenberechtigten Verwandten der aufsteigenden Linie (Eltern, Kinder usw.) sind ambulante, ärztliche und zahnärztliche Behandlung, Arznei, Verbandsmittel und Krankenhausbehandlung zu gewähren, soweit diese Behandlung nicht anderweitig sichergestellt ist.

Die Grundrente ist bei 30prozentiger Erwerbsminderung von 10 auf 15 Mark und bei 40prozentiger von 15 auf 20 Mark erhöht worden.

Die Ausgleichsrente beträgt für Schwerbeschädigte vor Vollendung des 14. Lebensjahres bis zu 30 Prozent, vor Vollendung des 18. Lebensjahres bis zu 50 Prozent der genannten Ausgleichsrentensätze. Ausgleichsrente wird nur gewährt, wenn es nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des Kriegsbeschädigten und seiner unterhaltspflichtigen Angehörigen gerechtfertigt ist. Dabei bleibt Lehrlingsvergütung bis zu 40 Mark unberücksichtigt.

In die Bestimmungen über die Pflegezulage ist ein Passus aufgenommen worden, wonach erwerbsunfähige Hirnverletzte mindestens 50 Mark Pflegezulage erhalten sollen. Für Witwen und Waisen von Beschädigten, die Rente oder Pflegezulage bezogen haben, muß Witwen- und Waisenbeihilfe gewährt werden, auch wenn die Beschädigten nicht an den Folgen ihrer Verletzung gestorben sind. Die Elternrente beträgt bei den Eltern 70 und bei nur einem Elternteil 50 Mark. Sie darf nur gewährt werden, wenn sie zusammen mit den sonstigen Einkommen bei den Eltern 100 Mark und bei einem Elternteil 70 Mark nicht übersteigt.

Das Bestattungsgeld beim Tode von rentenberechtigten Hinterbliebenen ist im Falle einer Witwe, die waisenrentenberechtigte Kinder hinterläßt, auf 240 Mark, in allen übrigen Fällen auf 120 Mark festgelegt.

Memorandum der Bundesregierung

Kriegsgefangenenfrage kommt vor Vereinte Nationen

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Die Bundesregierung hat den Vereinten Nationen ein Memorandum zugeleitet, das der Vollversammlung der Vereinten Nationen als Unterlage dienen soll, wenn in Lake Success cie Kriegsgefangenenfrage behandelt wird. Das Memorandum soll erst dann veröffentlicht werden. An der Sitzung werden deutsche Vertreter als Sachverständige teilnehmen.

Das Bundesflüchtlingsministerium hofft, daß die Vereinten Nationen eine besondere Kommission einsetzen werden, um das Schicksal der von der Sowjetunion festgehaltenen Kriegsgefangenen zu klären.

Wie ein Sprecher der Bundesregierung mitteilte, sind seit der Registrierung der Kriegsgefangenen im März dieses Jahres 12 834 Kriegsgefangene und Zivilinternierte aus der Sowjetunion in das Bundesgebiet zurückgekehrt. Die Registrierkarten seien inzwischen ausgewertet worden. Dabei sei festgestellt worden, daß die Zahl der noch von der Sowjetunion zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen auch unter Berücksichtigung der inzwischen heimgekehrten noch ein Mehrfaches der Zghl betrage, die von der sowjetischen Regierung seinerzeit offiziell bekanntgegeben wurde. Die Ergebnisse der deutschen Feststellungen seien in dem Memorandum an die Vereinten Nationen niedergelegt worden.

Am 26. Oktober, dem Tage der Kriegsgefangenen, soll, wie der Sprecher ferner erklärte, in allen Betrieben des Bundesgebiets mittags um zwölf Uhr für kurze Zeit die Arbeit ruhen. Auch der gesamte Verkehr soll für einige Minuten stillstehen. Die Glocken aller evangelischen und katholischen Kirchen werden zum Gedenken an die Kriegsgefangenen zehn Minuten läuten. Die Filmtheater im Bundesgebiet und West-Berlins werden vierzehn Tage lang vor Beginn jeder Vorstellung auf das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen hinweisen.

Mißverständnisse um Steuern

Amerikaner dementieren solche Absichten

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Das Bundesfinanzministerium wies am Freitag Meldungen zurück, nach denen das amerikanische Oberkommissariat die Bundesregierung ersucht haben soll, neue Steuern einzuführen und ihre Finanzpolitik der der Vereinigten Staaten anzuoassen. Dies treffe in keiner Weise zu. Es gebe, so erklärte das Ministerium, auch keine sonstige Aufforderung des amerikanischen Oberkommissariats oder einer anderen amerikanischen Stelle, neue Steuern einzuführen oder die Finanzpolitik des Bundes grundsätzlich zu ändern.

Die Bundesregierung lehne Erhöhunger. der Körperschafts-. Einkommenoder Lohnsteuersätze strikt ab. Eine Erhöhung dieser Steuersätze wird für völlig unmöglich gehalten.

Irr. Bundesfinanzministerium werden die irrigen Meldungen darauf zurückgeführt. daß der amerikanische Finanzberater dem Bundesfinanzminister auf dessen persönlichen Wunsch informativ Material über die jüngsten finanzpolitischen Maßnahmen der amerikanischen Regierung zugestellt hat. Dieser Brief sei aber ein privater Brief des Finanzberaters und nicht etwa ein offizieller der Oberkommission gewesen. Er verfolge auch nur den Zweck der Information und sei keineswegs in der Absicht erbeten worden, die Maßnahmen der amerikanischen Regierung nachzuahmen.

Höhere Gehälter

Gesetzentwurf vom Kabinett gebilligt

Bonn, 20. Oktober. (AP.) Ein Gesetzentwurf übei- die Erhöhung der niederen Gehälter von Bundesbeamten wurde auf einer Sitzung des Kabinetts am Freitag gebilligt. In dem Entwurf ist vorgesehen, daß Beamte mit einem monatlichen Grundgehalt bis zu 350 DM auf die Dauer von vier Monaten eine monatliche Teuerungszulage von 20 DM erhalten sollen. Das Gehalt der Bundesbeamten, d'e zwischen 350 DM und 369,99 DM monatlich beziehen, soll auf 370 DM aufgerundet werden.

Eine entsprechende Regelung solle auch für Bundespost und Bundesbahn getroffen werden.

Der Sprecher wies darauf hin, daß die Beamtengehälter praktisch seit 1928 nicht mehr erhöht worden seien, während die Lebenshaltungskosten erheblich gestiegen seien.

Bundesrat stimmt Bundeshaushalt zu

Dr. Hilpert fordert Senkung der Besatzungskosten

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Der Bundesrat machte an Freitag einige Aenderungsvorschläge zu Regierungsvorlagen, so zum Entwurf des Aenderungsgesetzes zum Wertpapierbereinigungsgesetz, zum Regierungsentwurf eines zweiten Gesetzes zur Förderung der Wirtschaft in Groß-Berlin, und zu zwei Soforthilfe-Verordnungen. Er billigte eine Verordnung über die steuerliche Behandlung von Zuwendungen an betriebliche Pensions- und Un-

terstützungskassen. In einer Debatte über den Bundeshaushalt erklärte der hessische Finanzminister Dr. Hilpert als Vorsitzender des Bundesratsfinanzausschusses, die zwölf Milliarden Mark des Bundeshaushalts seien eine ungeheure Belastung des Sozialprodukts. Er wandte sich dagegen, das Sozialprodukt 80 Milliarden Mark anzunehmen. Es sei sphon in normalen Zeiten schwierig, die Höhe des Sozialprodukts zu ermitteln. Zu den Besatzungskosten erklärte Hilpert, das bevorstehende Ende des Kriegszustandes müsse sich in einer Verminderung des Besatzungsaufwands bemerkbar machen. Der Bundeshaushalt zeige ferner eine Aufblähung der Bundesanstalten und Oberbehörden. Es müsse daran festgehalten werden, daß die Zuschüsse der Länder zum Bundeshaushalt von 1,13 Milliarden das Aeußerste darstellten, was die Länder aufbringen könnten.

In seiner Gesamtstellungnahme zum Bundeshaushalt fordert der Bundesrat, die Steuer- und Lastenverteilung im kommenden Rechnungsjahr auf eine ganz neue Grundlage zu stellen.

Der Bundesrat stimmte dann dem Bundeshaushalt für 1950 mit den vom Fin inzausschuß vorgeschlagenen Abänderungen zu.

Heuss empfing

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Bundespräsident Heuss empfing Dr. Schlange-Schöningen zur Berichterstattung über seine Tätigkeit als Generalkonsul in London.

Der Bundespräsident empfing auch den neugewählten Bundestagspräsidenten Dr. Ehlers.

Keine neuen Entflechtungen

Frankfurt, 20. Oktober, (dpa) Von zuständiger Seite des amerikanischen Oberkommissariats wurde mitgeteilt, daß die Alliierten nach dem 31. Dezember keine neuen Verfahren zur Entflechtung von Industrieunternehmen im Bundesgebiet mehr einleiten werden.

Krach im „Spiegel“-Aus schuß

Sozialdemokraten gegen Christliche Demokraten

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Im Bonner „Spiegel-Ausschuß“ kam es zu erregten Auseinandersetzungen, die mit dem Abbruch der Verhandlungen endeten. Der Bayernpartei-Abgeordnete Dr. Etzel berichtete über einen Brief, aus dem hervorgehe. daß Bundesfinanzminister Schäffer dem Donhauser-Flügel der Bayernpartei Geld zur Verfügung gestellt habe. Etzel legte die Abschrift eines Briefes des Münchner Konsuls Dr. Schmidthuber vor. in der einem Bayernpartei-Funktionär empfohlen wird, an Schäffer heranzutreten, um Gelder für die Festigung seiner Position in den kommenden Wahlen zu erhalten. Etzel bezeichnete den Bundesfinanzminister als „Großsiegelbewahrer und Hauptkassierer korruptiver Gelder“.

Daraufhin unterbrach der christlichdemokratische Abgeordnete Dr. Schröder gegen den Protest der sozialdemokratischen Abgeordneten die Aussage Etzels. Nach kurzer Unterbrechung kam es zu tumultartigen Szenen, als die Abgeordneten der Christlich-Demokratischen Union gegen scharfen Protest der Sozialdemokraten neue Aussagen Etzels „als nicht zur Sache gehörig“ ablehnten und Etzel einzelnen Ausschußmitgliedern vorhielt, daß sie zu der gleichen Gruppe gehörten, die von Pferdmenges Geld erhalten habe. Die Auseinandersetzungen zwischen den Ausschußmitgliedern endeten mit dem Abbruch der Verhandlungen die nächsten Mittwoch fortgesetzt werden sollen.

In der vorletzten Phase

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Die Schumanplan-Konferenz befindet sich nach Mitteilung des deutschen Delegationsleiters, Staatssekretär Prof. Hallstein, in ihrer vorletzten Phase.

Hallstein bestätigte am Freitag in Bonn die Erklärung eines Sprechers des französischen Außenministeriums, daß die Aussichten der westeuropäischen Grundmdustrie durch die Rüstung völlig verändert seien und eine Opposition sowohl der französischen als auch der deutschen Industrie gegen den Schumanplan zunehme.

Regierung muß noch zustimmen

Die Deckung der neuen Kriegsrenten durch die neuen Steuern?

Bonn, 20. Oktober, (dpa) Die Bundesregierung hat dem am Donnerstag vom Bundestag verabschiedeten Kriegsopferversorgungsgesetz noch nicht zugestimmt. Staatssekretär Alfred Hartmann vom Bundesfinanzministerium erklärte, die vom Kabinett beschlossenen neuen Steuern zur Deckung der Mehrkosten der erweiterten Kriegsopferversorgung dürften nicht ohne weiteres als Zustimmung der Regierung zum Versorgungsgesetz angesehen werden. Er nehme an, daß diese Zustimmung davon abhängig gemacht werde, daß das Parlament die Deckungsvorschläge billigt.

Andere Möglichkeiten als die Benzin- und Autobaihnsteuer hätten sich der Bundesregierung nicht gezeigt. Falls das Parlament an die Stelle dieser Steuern andere Einnahmequellen setzen wolle, stehe ihm das frei. Die von der Opposition vorgeschlagene Aenderung bei den Freibeträgen der Einkommensteuer komme deshalb nicht in Betracht, weil diese Steuer den Ländern zufließe. Auch eine differenzierte Luxussteuer sei zur Deckung der Mehrkosten nicht geeignet, weil sie eine sehr lange Vorbereitung erfordere.

Hilpert führt Landeslisten an

Frankfurt, 20. Oktober, (dpa) Die Christlich-Demokratische Union Hessen hat auf die ersten 15 Plätze ihrer Landesergänzungsliste für die Landtagswahlen folgende Kandidaten gesetzt: 1. Dr. Werner Hilpert, Finanzminister, Wiesbaden; 2. Nikolaus Fleckenstein, Chemiearbeiter, Frankfurt; 3. Rud. Winkler, Flüchtling, Fulda; 4. Dr. Erwin Stein, Staatsminister, Offenbach; 5. Dr. E. Großkopf, Herborn, stellvertretender Fraktionsvorsitzender; 6. Frau Elisabeth Pitz, Lehrerin, Rasdorf bei Hünfeld; 7. K. Mengel, Landwirt, Rosenthal, Kreis Frankenberg; 8. Dr. K. Kanka, Rechtsanwalt, Offenbach; 9.Wilhelm Bauer, Installationsmeister, Wiesbaden; 10. E. Trabert, Regierungsrat, Kassel; 11. Dr. Ludwig Florian, Bankdirektor, Frankfurt; 12. Richard Hackenberg, Angestellter und Flüchtling, Frankfurt; 13. Frau Wiesemann, Biedenkopf; 14. Alois Marx, Betriebsangestellter, Rüsselsheim; 15. Ludwig Siefert, Landwirt und Bürgermeister, Airlenbach (Odenwald).

Das Vertrauen ansgesprochen

Abstimmung in der französischen Nationalversammlung

Paris, 20. Oktober. (AP.) Die französische Nationalversammlung hat der Regierung für ihre Indochina-Politik am Freitag nach einer ausgedehnten Nachtsitzung mit 353 gegen 215 Stimmen ihr

Vertrauen ausgesprochen. Ein ähnlicher Antrag der linksstehenden Fortschrittspartei verfiel mit 400 gegen 185 Stimmen der Ablehnung, während ein Antrag der Gaullisten, in denen der Regierung Schwäche in ihrer Indochinapolitik vorgeworfen wurde, mit 490 gegen 59 Stimmen zurückgewiesen wurde.

Zu einem erregten Zwischenfall kam es, als der kommunistische Abgeordnete und frühere Kriegsminister Tillon den Verteidigungsminister noch beschuldigte, er sei in den Vereinigten Staaten „Zehnprozentiger“ genannt worden. Unter dieser Bezeichnung versteht man in Amerika Personen, die sich für die Erteilung von Regierungsaufträgen Provision zahlen lassen.

Moch sprang erregt auf und verlangte von Tillon einen Beweis für seine schwere Beschuldigung. Tillon erklärte darauf, er habe seinerzeit als Kriegsminister einen Auftrag für die britische Flugzeugmotorenfabrik „Pratt and Whitney“ nicht zurückziehen können, weil dafür bereits eine Provision gezahlt worden sei. Moch wies die Erklärung als „schändliche Lüge“ zurück, während im Parlament ein Tumult losbrach und die Abgeordneten wild auf die Tische schlugen. Der Präsident der Versammlung, Herriot, konnte nur mit Mühe die Ruhe wiederherstellen.

Gegen Beeinflussungen

Brüssel, 20. Oktober. (AP) Der Präsident des Militärgerichtes, das gegen General von Falkenhausen verhandelt, wandte sich am Freitag scharf gegen alle Versuche, den Gerichtshof zu beeinflussen. Präsident Marechal erklärte, eine Vereinigung ehemaliger belgischer Insassen von Konzentrationslagern habe dem Gericht vorgeworfen, es sei zu gnädig in seiner Beurteilung. Es sei keiner Gruppe erlaubt, eine Beeinflussung des Gerichtes zu versuchen. Das Gericht spreche ohne Haß und Schwäche Recht. Die Nationalität des Angeklagten spiele dabei keine Rolle. Marechal wandte sich ebenfalls gegen Zeitungen, die die Leidenschaften der Öffentlichkeit aufzupeitschen und Vorurteile zu schaffen versuchten.

Kritik an Dr. Lehr

Paris, 20. Oktober, (dpa) Ausführungen über den Schumanplan, die Dr. Lehr vor seiner Ernennung zum Bundesinnenminister Anfang Oktober vor dem Exportclub München machte, haben in französischen Kreisen Unbehagen ausgelöst. Man sieht in Paris in den Erklärungen Dr. Lehrs eine Gefährdung des Schumanplans.

Stock an erster Stelle

Wiesbaden, 20. Oktober. (Eigener Bericht.) Die Landesdelegiertenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei wird heute, Samstag, in Gießen die Kandidaten für die Landesergänzungsliste nominieren. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, wird Ministerpräsident Stock an erster Stelle kandidieren, an zweiter Stelle wird voraussichtlich Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel, Dieburg, aufgestellt werden, während die dritte Stelle für die Landtagsabgeordnete Frau Dr. Selbert, Kassel, vorgesehen ist. An vierter Stelle wird wahrscheinlich ein Darmstädter Heimatvertriebener, Winterstein, kandidieren. Der stellvertretende Kreisvorsitzende des Kreises Wiesbaden, Max Lippmann, soll an siebenter Stelle aufgestellt werden.

Als Pfarrertagung getarnt

Kommunistischer Kongreß verboten

Frankfurt, 20. Oktober, (dpa) Die Frankfurter Polizei hat am Freitag eine al» Tagung evangelischer Pfarrer getarnte Veranstaltung, die am Samstagnachmittag im Volkshaus Frankfurt-Heddernheim abgehalten werden sollte, auf Grund eines Erlasses des hessischen Innenministers vom 31. August verboten. Nach diesem Ministerialerlaß sind sämtliche öffentliche Versammlungen kommunistischer Tarnorganisationen in Hessen untersagt.

Die Frankfurter Agentin der Kommunistischen Partei für Tarnorganisationen, Frau Cläre Hahn, hatte zahlreiche Pfarrer der Bekennenden Kirche in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordbaden zu diesem „Friedenskongreß“ eingeladen. Cläre Hahn ist die Frau des vor einigen Wochen aus seinem Amt entfernten ehemaligen Frankfurter Obermagistratsrates Dr. Julius Hahn, der als Frankfurter Delegierter an der Tagung des kommunistischen Nationalrates im sowjetischen Sektor Berlins teilgenommen hatte.

Dr. Schumacher in Frankfurt

Frankfurt, 20. Oktober, (dpa) Der erste Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Dr. Kurt Schumacher, wird am Sonntag, dem 29. Oktober, in der Festhalle des Frankfurter Messegeländes zu den hessischen Landtagswahlen sprechen.

Landsberger Schicksale

Frankfurt a. Main, 20. Oktober, (dpa) Rund hundert Häftlinge des Landsberger Kriegsverbrechergefängnisses werden bis zum Jahresende Gewißheit über ihr künftiges Schicksal haben. Der von McCloy eingesetzte Gnadenausschuß wird bis zum ersten Dezember die Urteile der Häftlinge überprüft haben.

Wenn auch nicht mit einer generellen Amnestie für die Verurteilten zu rechnen ist, so sei für eine große Anzahl der Inhaftierten doch zu erwarten, daß sie vorzeitig entlassen würden. Amerikanische Beamte geben auch einigen der sechzehn Todeskandidaten eine Chance, die in Landsberg seit fast drei Jahren auf die Vollstreckung ihres Urteils warten.

„Nur bei schuldhafter Pflichtverletzung“

Die Rechtsgrundlagen über die Entlassung aus Staatsdiensten

Wiesbaden, 20. Oktober. (Eigener Bericht.) Die Richtlinien über die Entlassung von Staatsbediensteten, die der Kommunistischen Partei, einer ihrer Tarnorganisationen oder rechtsradikalen Organisationen angehören oder diese unterstützen, stehen nicht im Widerspruch zur Verfassung und zu den Gesetzen. Dies erklärte der hessische Justizminister Dr. Erwin Stein am Freitag und widerlegte damit eine gegen die Rechtsgültigkeit des Kabinettsbeschlusses gerichtete Behauptung der Gesellschaft für Bürgerrechte. Die hessischen Richtlinien seien im Zusammenwirken zwischen dem Bund und den Ländern ausgearbeitet und fänden insbesondere ihre Rechtsgrundlage im hessischen Beamtengesetz.

Im Paragraph 10 heißt es: „Die Förderung oder Teilnahme an Zusammenschlüssen und Bestrebungen jeder Art, die darauf abzielen, das demokratische Gedankengut und die demokratischen Einrichtungen herabzusetzen, in ihrer Wirksamkeit zu behindern oder sie zu beseitigen, sind mit dem Dienstverhältnis unvereinbar. Sie berechtigen und verpflichten die Anstellungsbehörde zur fristlosen Lösung des Anstellungsverhältnisses.“

In Paragraph 12 des gleichen Gesetzes ist außerdem festgelegt, daß die Bediensteten für die gewissenhafte Erfüllung ihrer Amtspflicht verantwortlich sind. Im Paragra-

phen 10, Absatz 1, wurde bestimmt, daß alle Bediensteten im Sinne des Beamtengesetzes verpflichtet sind, innerhalb und außerhalb des Dienstes nach Kräften für die Festigung und Vertiefung des demokratischen Gedankens und eine demokratische Staatsordnung einzutreten. Eindeutig heißt es im Paragraphen 31: „Der Beamte begeht ein Dienstvergehen, wenn er schuldhaft die ihm obliegenen Pflichten verletzt.“

Justizminister Dr. Stein verwies außerdem auf den Artikel 146 der Hessischen Verfassung, der jedem die Pflicht aufer-Jegt, für den Bestand der Verfassung „mit allen ihm zu Geböte stehenden Kräften einzutreten“. Diese Bestimmungen bestärkten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, gegen alle solche Personen vorzugehen, deren Gesinnung und Handlung im Widerspruch zum demokra-

tischen Staat ständen. Dr. Stein verwies auf die Notwendigkeit der genauen Ueberprüfung, ob eine Verletzung der Amtspflicht vorliegt, zumal bei Beamten ein ordentliches Dienststrafverfahren eingeleitet werden muß. Arbeiter und Angestellte hätten die Möglichkeit, die Arbeitsgenichtsbarkeit in Anspruch zu nehmen. Das Treueverhältnis zwischen Bedienstetem und Dienstherrn gelte im Privatunternehmen ebenso wie im Staate. Die Hessische Landesregierung könne unbesorgt jeder Anfechtungsklage vor dem Staatsgerichtshof entgegensehen.

Ostblock-Konferenz in Prag

(Letzte Meldung)

London, 20. Oktober. (AP) Der Moskauer Rundfunk meldet am Freitag, daß der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Molotow und die Außenminister der Ostblock - Staaten einschließlich der sowjetischen Zone Deutschlands gegenwärtig in Prag über die „Remilitarisierung Westdeutschlands“ beraten.

Die Konferenz sei von der sowjetischen Regierung einberufen worden.

Die Freiheitsglocke

Bremerhaven, 20. Oktober, (dpa) Die Berliner Freiheitsglocke ist am Freitagmorgen in Bremerhaven eingetroffen.

In Anwesenheit des Bremer Senatspräsidenten Kaisen, des amerikanischen Landeskommissars Jeffs und anderer amerikanischer und deutscher Persönlichkeiten übernahm ein Schwimmkran die zehn Tonnen schwere Glocke und setzte sie auf einen bereitstehenden Eisenbahnwaggon. Mit ihm soll die Glocke nach Berlin gebracht werden.

Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am Montag zu seinem Berlin-Besuch anläßlich der Weihe der Freiheitsglocke auf dem Flugplatz Tempelhof eintreffen.

In wenigen Zeilen

Kirchenpräsident Niemöller hatte zusammen mit einigen ausländischen evangelischen Geistlichen ein Gespräch mit Dr. Kurt Schumacher.

* Der bayrische Staat beschloß die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Bundesflnanzministrium zu dem Zwecke, Weihnachtsgratifikationen bis 400 Mark in diesem Jahre steuerfrei zu belassen.

* Acht Soldaten kamen beim Absturz einer Fliegenden Festung in den Vereinigten Staaten ums Leben.

Der österreichische Gewerkschaftsbund hat damit begonnen, kommunistische Funktionäre aus führenden Stellungen zu entfernen.

* Das internationale Rote Kreuz beschloß die Einberufung einer Konferenz in Deutschland, um Möglichkeiten einer Lösung von Flüchtlingsfragen zu studieren.

* Auch die spanischen Falangisten können auf Grund des neuen amerikanischen Staatssicherheitsgesetzes nicht nach den Vereinigten Staaten einreisen.

Wirtschaftsblatt

Lohnsteuer 1950

St. Im Bundesanzeiger vom 19. Oktober 1950 sind jetzt endlich die Lohnsteuer-Richtlinien 1950 veröffentlicht. Sie treten im wesentlichen rückwirkend ab 1. 1. 1950 an die Stelle der Richtlinien 1948. Bereits für 1950 bewilligte Freibeträge bleiben bestehen. Die von der Verwaltungs-Praxis und der Wirtschaft auf die neuen Richtlinien gesetzten Hoffnungen auf Reformen haben sich jedoch nicht erfüllt. Das Bundesfinanzministerium hat in verschiedenen Punkten entgegen neuerer Entscheidungen der Finanzgerichte auf seinem früheren Standpunkt beharrt. Im einzelnen sind folgende Besonderheiten von allgemeinem Interesse:

Nicht nur die festgelegten Trinkgelder im Gaststätten- und Möbeltransportgewerbe, sondern auch die freiwilligen Trinkgelder werden versteuert. Notstandsbeihilfen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer sind jetzt bis zum Betrage von 300,— DM im Kalenderjahr (bisher 100— DM) lohnsteuerfrei. Barleistungen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer aus Anlaß des 1. Mai an Stelle von Sachleistungen sind bis zu 3,— DM lohnsteuerfrei. Die Entschädigungen wegen der Entlassung aus einem Dienstverhältnis < sind unter gewissen Voraussetzungen lohnsteuerfrei, wenn in der Kündigung eine unbillige Härte liegt. Verlorene Zuschüsse des Arbeitgebers zur Förderung des Wohnungsbaues sind bei dem Arbeitnehmer lohnsteuerfrei, wenn dieser als Bauherr den Zuschuß zum Bau von Wohnungen verwendet, die den Vorschriften des gemeinnützigen Wohnungsbaus entsprechen. Verzichtet der Arbeitnehmei’ mit Rücksicht auf den Zuschuß des Arbeitgebers laufend auf Teile seines Arbeitslohns, so stellt der Zuschuß des Arbeitnehmers in Höhe des Verzichts steuerpflichtigen Arbeitslohn dar.

Reisekosten genau belegen

Die Reisekosten privater Arbeitnehmer und ihre Anerkennung als Werbungskosten — ab 1. Oktober 1950 in Kraft — werden ausführlich erläutert. An die Nachweispflicht werden strenge Anforderungen gestellt. Uebernachtungskosten werden zum Abzug nur zugelassen, wenn eine auf den Namen des Arbeitnehmers lautende Rechnung des Hotels vorgelegt wird. Daß Repräsentationsaufwendungen und solche für Ernährung, Kleidung und Wohnung in der Regel Kosten der privaten Lebensführung sind, ist erneut bestätigt. Was zu den Aufwendungen für die Bewirtung und Unterhaltung eines Geschäftsfreundes und seiner Familie außerhalb des Hauses gesagt wird, gibt der Praxis keine Hilfe.

Baukostenzuschüsse als We r b u ng s k o s t e n

Nur verlorene Baukostenzuschüsse der Arbeitnehmer, denen also eine geldwerte Gegenleistung nicht gegenübersteht, werden als Werbungskosten anerkannt. Bei Verrechnung des Zuschusses mit der Miete ist eine Anerkennung als Werbungskosten nicht möglich, da dann ein Baudarlehen vorliegt. Ein verlorener Zuschuß ist auch dann nicht abzugsfähig, wenn der Zuschuß zwischen Ehegatten, zwischen Eltern und minderjährigen Kindern oder wechselseitig zwischen zwei oder mehreren Steuerpflichtigen gewährt wird. Wenn ein Lohnempfänger sein bombenzerstörtes Hausgrundstück aufbaut, so kann er die im Rahmen des § 7b des Einkommensteuergesetzes zugelassenen Abschreibungsbeträge im Lohnsteuerverfahren nicht als Werbungskosten geltend machen. Auch dann nicht, wenn bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ein Verlust auftritt. Erfreulich ist die Verfügung, daß die Eintragung des steuerfreien Betrags stets mit Wirkung vom Beginn des Kalenderjahres an vorzunehmen ist, wenn der Antrag im Laufe des 1. Kalendervierteljahres gestellt wird.

Ein anderer Wirtschaftskurs?

Neue Steuern und weitere Erhöhungen angekündigt

Von Fritz Peter Claus

Die zähen Gegner der Marktwirtschaft sammeln ihre Scharen. Die Preisauftriebe der jüngsten Vergangenheit haben ihnen Argumente in die Hand gespielt. Sie benutzen sie als Propagandamittel. Unter dem Eindruck von Verknappungserscheinungen in manchen Bereichen der Rohmaterialversorgung versuchen die Anhänger planwirtschaftlicher Ideen auch höchste Stellen in den Bonner Ministerien für ihre Angriffe auf die bisherige Wirtschaftspolitik zu gewinnen. Das System der Planwirtschaft hebt sich gegenüber dem komplizierten Mechanismus der Marktwirtschaft einfach und klar ab. In Zeiten wirtschaftlicher Zerstörung ziehen die Repräsentanten planwirtschaftlicher Ideengänge aus dieser Sachlage ihren Vorteil.

Der Kanonendonner in Korea hat ohne Zweifel der Spekulation auf den internationalen Warenmärkten ein Startzeichen gegeben. Heute zeigt sich zwar das Bild der weltpolitischen Lage in günstigerer Beleuchtung. Das teilweise Abbröckeln der internationalen Rohstoffpreise findet jedoch in umfassenden internationalen Rüstungen bestimmte Grenzen. Die Produktivkräfte der Vereinigten Staaten werden weiterhin zielbewußt auf die Arbeit für die Rüstung umgelenkt. Die Gefahr gewisser inflationistischer Entwicklungen zieht am Horizont vor allem in den Vereinigten Staaten auf.

In Einschätzung solcher Entwicklungsmöglichkeiten wittern die Planwirtschaftler auch in der Bundesrepublik Morgenluft. Preissteigerungen und Uebergewinne sind einige der Argumente, mit denen sie eine Bereitschaft der Bundesregierung zu zwangswirtschaftlichen Maßnahmen zu schaffen versuchen. Verknappungserscheinungen, die auch in den jüngsten Tagen in einigen Bereichen der Wirtschaft fühlbar sind, werden von den Anhängern der Planwirtschaft in den Vordergrund geschoben. S^e sollen entscheidende Stellungen sturmreif machen. In diesem Zusammenhang gewinnt der

Warnruf vor inflationistischen Entwicklungen erhöhtes Gewicht. Lieferfristen für Stahlbleche von 10 bis 12 Monaten, für Bandstahl von 6 bis 8 Monaten, für Messing von 4 Monaten und mehr zeugen nicht von einer normalen Gleichgewichtslage der Wirtschaft. Hinweise der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer auf mögliche Arbeiterentlassungen und Kurzarbeit infolge von Materialmangel geben zu ernstlichen Besorgnissen Anlaß. Auch Zeitungspapier und Zellulose sind bei hochgetriebenen Weltmarktpreisen unter anderem knapp. Einem weiteren kräftigen Auftrieb der Erzeugung stellen sich also in Westdeutschland auf verschiedenen Gebieten Schwierigkeiten entgegen.

Werden unter solchen Verhältnissen nicht die Lohnerhöhungen durch Preiserhöhungen zunichte gemacht werden? Aus der Art, wie die Bundesregierung ihren Anspruch auf Kredite auf 2 Milliarden DM erhöht hat, und aus einem zweiten, stark auf künstlichen Krediten aufgebauten Arbeitsbeschaffungsprogramm drohen zweifellos inflationistische Gefahren. Kann man sie aber durch Lenkungsmaßnahmen,* durch Kontingentierungen und Preisfestsetzungen wirksam bekämpfen, wie sie auch in Bonn in Kreisen der Bundesregierung erörtert werden sollen?

Der Einzelhandel meldet bereits beachtliche Umsatzrückgänge. Die Kaufpsychose unter der Einwirkung der Koreakrise hat Einkäufe der Kundschaft vorweggenommen. Durch die Flüsterpropaganda von inflationistischen Preisentwicklungen sollte sich deshalb auch der Bundeskanzler nicht irre machen lassen.

Auch der Bundeskanzler wird dennoch die Gefahren sehen, die sich aus den Problemen der Preis- und Lohnsteigerungen und der angespannten Finanzlage des Bundes ergeben. Die Entwicklungen verlangen besondere Maßnahmen. Sicherung der Rohstoffe- und Lebensmittel-Einfuhren sind notwendig. Sie allein werden aber nicht genügen, um die Gefahren abzuschnüren, die sich aus den Anforderungen der Besatzungsmächte auf einen erhöhten Beitrag der Bundesrepubilk zur Sicherung Westeuropas erheben.

Mit einer neuen Autobahnbenutzungsgebühr und einer neuen Treibstoffsteuer sowie der Erhöhung des Notopfers Berlin sollen Löcher im Bundeshaushalt gestopft werden, die sich aus erhöhten Aufwendungen für Kriegsopfer und für die Stadt Berlin ergaben. Weitere neue Steuern sowie weitere Steuererhöhungen hat die Regierung angekündigt. Auf jeden Fall läßt sich die zusätzliche Belastung mit der auch vom amerikanischen Oberkommissar als notwendig erachteten Kapitalneubildung nicht vereinbaren. Wird man mit Hilfe von Steuern die Nachfrage der Verbraucher wirksam verringern und auf das Angebot an Verbrauchsgütern abstimmen können? Wird man schließlich den amerikanischen Wünschen auf eine gewisse Kontingentierung und damit auf Planwirtschaft widerstehen? Die Wirtschaft muß sich den Gefahren der Stunde bewußt sein. Sie sollte gerade jetzt darauf achten, ihre Gewinnspanne so gering wie möglich zu halten, um solchen Entwicklungen nach Kräften einen Riegel vorzuschieben.

Zu hohe Kohlenausfuhr

(AP.) Vertreter der deutschen Kohlenbergbauleitung haben in Essen erklärt, daß die am Donnerstag zwischen der Bundesregierung und der Ruhrbehörde beschlossene Kompromißquote von 6,8 Millionen Tonnen für die deutsche Kohlenausfuhr im vierten Quartal dieses Jahres von der Steigerung der Förderleistung abhinge und gleichzeitig eine weitere Kohlenverknappung auf dem Inlandsmarkt nach sich ziehen werde.

Steuerbegünstigung für Erfinder

Hi. Das Bundesfinanzministerium beabsichtigt den Erlaß einer Anordnung über steuerliche Vergütungen für Erfinder, deren Entwurf zur Zeit noch nicht vorliegt.

Zahlungsmittelumlauf geringer

Bz. Der Zahlungsmittelumlauf hat um weitere 196 Millionen auf 7,918 Milliarden DM abgenommen. Er lag damit 91 Mill, über dem Umlauf vom 15. 9. 50. Die Guthaben der Landeszentralbanken stiegen um 112 auf 453 Millionen DM. Die von ihnen in Anspruch genommenen Kredite erhöhten sich gleichzeitig um 121 Millionen auf 4,55 Milliarden DM.

Deutsch-Oesterreichische Handelsverhandlungen werden in Frankfurt aufge¬ nommen.

Erhöhte Produktion im September

Hi. Nach einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums ist die industrielle Produktion im September weiter gestiegen. Die Gesamtindexziffer hat sich im September gegenüber dem August um sechs Punkte auf 121 erhöht.

Die Schuhindustrie überstieg die Vormonatsproduktion um 22 Prozent. Eine bisher stete Aufwärtsentwicklung zeigte die Ledererzeugung (4- 15 Prozent), Textilien (4- 11 Prozent). Elektrotechnik (+ 15 Prozent), ferner Feinmechanik und Optik (+ 14 Prozent) sowie Maschinenbau (4- 9 Prozent). Bei der Eisen-, Stahl-, Blech- und Metallwarenindustrie (+ 22 Prozent) dürfte die Ausfuhr ihren belebenden Einfluß ausgeübt haben. Die Grundstoffindustrien und der Bergbau haben mit der allzu schnellen Auftragsentwicklung nicht Schritt gehalten. Die Tabakindustrie entwickelt sich stark rückläufig.

Frankfurter Börse

Bz. Die Wochenschlußbörse in Frankfurt verlief uneinheitlich, das Geschäft war klein. Im Verlauf setzte sich auf angebliche Diskonterhöhungsgerüchte eine gewisse Zurückhaltung mit kleinen Rückgängen durch. Elektropapiere stagnierten bis auf Accumulatorenfabrik 98,25 (4- 0,25), AEG 26,50 (— 1). Maschinen- und Autowerte zogen etwa 1% an, ausgenommen MAN n. P. 86 (— 2,25), Feinjetter 91 (— 2). Am Montanmarkt gewannen Mannesmann 1,75 bei 57,50, Hoesch 61,25 (4- 1). Wintershall Kali 48,50 (4- 0,75), nur Salzdetfuth 62 (— 1). Chemieaktien gaben teilweise etwas nach. Banken waren allgemein behauptet.

Weltbhörsen fester

(AP). Der Zinnpreis erreichte an der Londoner Börse einen Rekordstand. Für Sofortzinn wurden 888—890 Pfund pro Tonne gezahlt.

Der Aktienmarkt schloß nach lebhaftem Geschäft durchweg fester. Die führenden Industriewerte und Staatsanleihen läge» sämtlich höher.

In Neuyork wurde die gestrige Aufwärtsbewegung durch Gewinnmitnahmen gehemmt, so daß der Markt uneinheitlich rrit geringen Kurssteigerungen und -Verlusten schloß, die nicht über einen Dollar hinausgingen.

Freie Devisenkurse

Bz. Am 20. Oktober 1950 wurden in Frankfurt folgende freie Devisenkurse genannt: Der USA-Dollar mit 5,15 bis 5,25 DM, das englische Pfund Sterling mit 12.50 bis 13.50 DM, der Schweizer Franken mit 1,15 bis 1,25 DM, der holl. Gulden mit 1,15 bis 1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0.52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM, der österreichische Schilling mit 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben sind für 1 DM-West 5 Ostmark gezahlt worden

Feld, Hof und Garten

Speisekartosffeln oder Schweinefutter?

Eine notwendige Rechnung mit einer Unbekannten

Die Kartoffelernte in diesem Jahre ist gut. Weniger günstig vom Erzeugerstandpunkt aus gesehen sind dagegen die Preise. Bei dem großen Angebot liegen sie unter den Erzeugungskosten. Für viele Bauern erhebt sich nun die Frage: Soll ich die Kartoffeln zu den niedrigen Preisen losschlagen, oder wird es günstiger sein, sie über den Schweinemagen in Fleisch und Speck zu veredeln? Ganz einfache Ueberlegungen können hier zu einem brauchbaren Ergebnis führen.

Es geht hier um die Frage: Wieviel müssen die Kartoffeln kosten, um sie bei den augenblicklichen und den zu erwartenden Schweinepreisen günstiger als Speisekartoffeln zu verwerten. Anders gesagt: Bis zu welchem Pr^is für Speisekartoffeln verwertet man sie besser als Schweinefutter? Als einigermaßen bekannt wird hier der Ferkelpreis, der Futterverbrauch pro Doppelzentner Lebendgewichtszunahme, der Futtermittelpreis und der Verkaufspreis für das Mastschwein vorausgesetzt.

Um ein Schwein zu einem Doppelzentner zu mästen, sind im allgemeinen nötig: 9 dz Kartoffeln, 1,2 dz Getreideschrot und 0,3 dz Eiweißfutter in Form von Fischmehl, wobei 100 g Fischmehl durch 1,5 Liter Magermilch ersetzt werden können. Demzufolge kostet ein schlachtreifes Schwein:

50,— DM Ferkelpreis 40,—DM allgemeine Unkosten (Wartung, Fütterung, Dämpfkosten, Stallunterhaltung u. a.) 30,— DM Futtergetreide 25,— DM Eiweißfutter 145,— DM

Zieht man diese 145,— DM von dem erzielten Preis für das verkaufte Schwein ab, dann bleibt das übrig, was die 9 dz Kartoffeln kosten dürfen. Liegt er bei 300,— DM für ein 1 dz schweres Schwein, dann bleiben für die 9 dz Kartoffeln noch 300,— weniger 145,— DM = 155,— DM übrig, mit anderen Worten, der Zentner Kartoffeln bringt auf dem Umweg über den Schweinemagen etwa 8,50 DM. Liegt der Verkaufspreis für das Schwein pro dz dagegen bei 200,— DM, dann bleiben für die Kartoffeln nur 50,— DM übrig, pro Zentner also nur rund 3,— DM. In diesem Falle wäre es also besser, die Kartoffeln für 3,50 DM zu verkaufen, als Schweine zu mästen.

Fallende Schweinepreise führen also naturgemäß zu einer geringeren Rentabilität der Kartoffelverwertung. Wenn die obigen Zahlen vielleicht nicht ganz den tatsächlichen Preisen entsprechen, dann ist das nicht von Belang, denn es soll ja nur der Weg gezeigt werden, wie man auf einfache Art Kalkulationen anstellen kann. Auf ganz entsprechende Art kann man berechnen, wie hoch bei feststehenden Kartoffelpreisen der Preis für Mastschweine liegen muß, um die Mast noch rentabel zu machen. Reitz.

Raps-Erdsfloh jetzt bekämpsfen

Im verflossenen Winter wurden große Flächen Winterraps durch den Fraß der Larve des Raps-Erdflohes und der Mausezahnriißler vernichtet. Die Schäden wurden meist zu spät beobachtet, so daß eine wirksame Bekämpfung nicht mehr möglich war. Bereits jetzt machen sich die Schädlinge auf frisch gesäten Rapsfeldern wieder in sehr unliebsamer Weise bemerkbar. Es ist die richtige Zeit, ihre Bekämpfung in Angriff zu nehmen. Dabei können die bekannten Insektengifte, wie DDT und Hexapräparate, Verwendung finden. Auch E 605-Staub hat sich gut bewährt. Da der Raps-Erdfloh fast den ganzen Winter hindurch seine Eier ablegt, können die daraus schlüpfenden Larven die Rapspflanzen schwer schädigen. Eine Vertilgung vor der Ei-Ablage ist also dringend anzuraten. Lbt.

Jetzt Rüben ausreisfen lassen!

Die Süddeutsche Zucker-AG. richtete im Verein mit den Verbänden der Zuckerrübenpflanzer einen Aufruf an die Rübenbauer, den wir nachfolgend auszugsweise veröffentlichen.

Es war notwendig, mit der Ernte zu beginnen, ehe die Rüben voll ausgereift waren. Schäden an Ertrag und Zuckergehalt mußten in Kauf genommen werden.

Von jetzt ab kann nicht Parole sein, Ernte und Ablieferung so schnell als möglich zu beenden. Die noch auf dem Felde stehenden Rüben müssen ausreifen. Der endgültige Rübenpreis hängt vom Zuckergehalt ab!

Er liegt heute noch wesentlich unter 16 ’/•. Das sonnige Wetter der letzten Tage hat erst Besserung gebracht.

Erntet Rüben erst dann, wenn Möglichkeit zur Ablieferung besteht! Verteilt die Ernte auf die nächsten 6 Wochen.

Rübenbauer! Wir wissen, daß die Forderung, die Ablieferung bis Ende des Jahres zu erstrecken, Euch ungewohnt ist. Ihr müßt einsehen, daß dies eine unabänderliche Notwendigkeit ist. Wir wissen, daß Außenseiter bestrebt sind, sich über die Ordnung hinwegzusetzen.

Versuchen, die Lieferpläne nicht zu beachten, müssen wir entgegentreten i m Interesse der Gesamtheit. Wer ohne Ermächtigung Rüben frei Fabrik bzw. Abnahmestelle anliefert oder mit der Eisenbahn verladet, kann mit einer Buße von 20 Pf. je Doppelzentner Rüben zugunsten der Kasse des Landesverbandes belegt werden.

Rübenbauer! Die schwere Aufgabe, die vor uns steht, ist nur zu meistern, wenn Ruhe und Besonnenheit die Oberhand behalten und jeder bereit ist, Rücksicht zu nehmen auf den anderen!

Zuckerrüben als Pferdefutter

In den vergangenen Jahren war es zwar streng verboten, Zuckerrüben zu verfüttern, aber daran hielten sich unsere Pferde wenig. Beim Rübenfahren vom Felde nutzten sie jede Gelegenheit, um schnell an einen Rübenhaufen heranzukommen, und im Nu war eine Zuckerrübe angeknabbert. War es ein Wunder, daß sie nachher trotz schwerster Zugbeanspruchungen dick und fett geworden sind und den besten Futterzustand erreichten, der in jenen Jahren überhaupt möglich war?

Diese Beobachtung sollten wir heute nicht ganz vergessen, wenn die Zeiten sich auch geändert haben. In Mittel- und Norddeutschland ist es seit langem üblich, die Zuckerrübe planmäßig als Futter heranzuziehen, und wenn man die Preisverhältnisse zum Hafer berechnet, so ist die Rübenfütterung immer noch sehr billig. Die Wissenschaft hat seit langem die Brauchbarkeit der Zuckerrüben für das Pferd untersucht und ist zu positiven Ergebnissen gekommen. Die Zuckerrübe kann ohne irgendwelche Nachwirkungen den größten Teil der Haferration, bei sorgfältiger Fütterung sogar ganz, ersetzen, und zwar im Verhältnis 1 kg Hafer = 3 bis 4 kg Zuckerrüben. Dem geringeren Eiweißgehalt muß durch Beifütterung von etwas Bohnen- oder Erbsenschrot, oder durch Verfütterung von gutem Heu Rechnung getragen werden. Am besten wird die frische Zuckerrübe zerkleinert und mit Häcksel vermischt gereicht. Sie ganz zu verfüttern, ist bei größeren Gaben nicht zu empfehlen, da die Kauarbeit zu viel Kraft und vor allem Zeit in Anspruch nimmt. Die täglichen Gaben können 15 bis 20 kg und mehr betragen, je nach Schwere des Pferdes. Das entspricht ungefähr einer Haferration von 4—6 kg. Besonders wichtig ist es aber, darauf zu achten, daß die Zuckerrübe für das Pferd peinlich sauber sein muß, um Schädigungen, z. B. Sandkolik, zu vermeiden.

Von einer Verfütterung von Rübenblatt an Pferde sollte man möglichst absehen, denn dies wird wesentlich wirtschaftlicher im Rindviehstall verwertet. Lbt

Wintergemüse im Freien

Zu den eigentlichen Wintergemüsen gehören Winterspinat, Feldsalat, Wintersalat, Frühlingszwiebel, krause Petersilie, Schwarzwurzeln, Winterporree, Rosenkohl und Grünkohl. Sie alle können in normalen Wintern im Freien bleiben und bei mildem Wetter geerntet werden, wenn wir Spinat, Feldsalat, Schwarzwurzeln mit Fichtenreisig oder auch trockenem Laub abdecken. Das macht man aber erst, wenn starke Fröste kommen. Waren wir vorausschauend und haben planmäßig die Beete bestellt, dann liegen alle Wintergemüse zusammen auf einem Quartier und nicht über den ganzen Garten verstreut. Man kann schlecht düngen und umgraben, wenn überall einige Reihen Porree, Rosenkohl und Grünkohl herumstehen. Gewiß ist es nicht immer durchzuführen und wir helfen uns, indem wir vereinzelt stehenden Rosenkohl oder Lauch herausnehmen und in der Nähe von Gebäuden geschützt einschlagen, so daß wir sie in der Nähe haben zum Bedecken und Ernten.

Ich fand es vorteilhaft, den Wintersalat an die windgeschützte Seite des hohen Grünkohls zu pflanzen, weil er dadurch Schutz bekommt. Bekanntlich soll man Wintersalat in flache Gräben setzen, die später mit trockenem Laub locker ausgefüllt werden in sehr kalten, schneelosen Wintern. Grünkohl muß man an Ort und Stelle stehen lassen, weil er durch Einschlagen gelbe Blätter bekommt. Schwarwurzeln kann man nur dort im Freien lassen, wo keine Mäusegefahr droht. Im allgemeinen überwintern alle diese Gemüsearten im Freien besser als im Einschlag oder Keller, denn sie sind robust. Für die kleine Fläche mit krauser Petersilie (sie ist widerstandsfähiger wie Wurzelpetersilie) baut man sich rasch ein Lattengestell, das bei Kälte das Beetchen umgibt, darüber legt man eine Stroh- oder Schilfmatte; bei mildem Wetter nimmt man sie ab. Ich habe auf diese Weise seit 15 Jahren laufend frische Petersilie und pflanze sie nicht mehr in Töpfe. Für einen großen Haushalt genügt die eingetopfte nie.

Die Frühlingszwiebeln häufeln wir jetzt etwas an, ehe wir Laub in die Reihen streuen. Das Laub muß trocken sein und wird nur dort verwendet, wo keine Mäusegefahr ist. Sonst nisten sie sich ein, wenn sie auch die Zwiebeln nicht fressen, so unterhöhlen sie die Erde und die jungen Pflanzen vertrocknen. In diesem Fall decken wir mit Fichtenreisig ab. Wenn der Garten so im Herbst hergerichtet ist, sieht er schön sauber und ordentlich aus und wir haben im zeitigen Frühjahr bald neue Ernten. Betonen will ich noch, daß alle diese Wintergemüse nicht mit Dünger abgedeckt werden sollten. H. S.

Beerensträucher brauchen Dünger

In diesen Herbstwochen wollen wir nicht vergessen unseren Stachel- und Johannisbeersträuchern unsern Dank abzustatten, indem wir jedem Strauch eine große Kanne voll vergorener Jauche verabreichen. Zuvor machen wir mit de' Hacke einen Erdwall, damit die Düngung nicht abfließen kann, danach ziehen wir die Erde wieder an den Strauch heran, damit keine Wurzeln bloßliegen. Beim Graben müssen wir recht vorsichtig sein, um keine Faserwurzeln abzustechen, am besten nimmt man eine Grabgabel. Man kann die Düngung auch aus aufgelöstem Geflügelmist vornehmen, der auch sehr wirksam ist. Wir düngen jetzt im Herist, weil die Beerensträucher im Frühjahr sehr früh zu treiben beginnen und dann die Düngung übelnehmen, während im Wibter bei gefrorenem Boden die Verteilung schwerer ist. Der Rhabarber bekommt übrigens dieselbe Dunggabe und man tut gut, ihn gleich mitzuversorgen. H S.

Obstbhaumneuanlagen und die Steuer

Wegen ständiger Rechtsmittelverfairen bezüglich des aktivierungspflichtigen Umfangs der Kosten von Obstbaumneumlagen hat der Deutsche Bauernverband sich an das Bundesfinanzministerium gewandt und um grundsätzliche Klärung gebeten.

Abgesehen von den aktivierungspflichtigen Anschaffungskosten der Jungpflanzen sind nach Auffassung des Deutschen Bauernverbandes weder die Kosten der Bodenbearbeitung, noch die Aufwendung für Düngemittel, Baumpfähle, Bindematerial, Umzäunungen aktivierungspflichtig. Das gleiche gilt für die nach der ersten Anlegung bis zur Erreichung der vollen Ertragsfähigkeit entste’ enden sogenannten Aufwendungs- und Pfiegekosten. Letztere sind nach Auffassung des Deutschen Bauernverbandes Erhaltungsaufwand und als solche nicht aktivierungspflichtig. Das Bundesfinanzministerium ist gebeten worden, diesbezügliche grundsätzliche Verwaltungsanordnungen für die nachgeordneten Behörden zu erlassen. dbk.

Das erste Ei der Junghennen

Das Legen des ersten Eies verursacht den Junghennen nicht selten Beschwerden, sie hocken auf dem Boder und können sich nicht fortbewegen, al; seien sie gelahmt. In einem solchen Fall bringt man das Tier in einem gut mit Stroh gepolsterten Korb oder Käfig an ginen warmen, ruhigen Ort, gibt einen Eßlöffel Oel in^ den Schnabel ein und bepinselt das After mit einer Feder, die man in Oel getaucht hat. Das Erstlingsei wird dann in der Regel bald zu Tage gefördert, manchmal muß man bei den folgenden Eiern noch auf gleiche Art nachhelfen. — Benutzt man Fallennester, so müssen die Junghennen erst an diese gewöhnt werden. Bei Verwendung von Klappenfallennester ist zu empfehlen, bei einigen Nestern erst einmal das untere Klappenbrett zu entfernen, damit die Junghennen durch Herabfallen der Klappe nicht erschreckt werden. Bald aber werden sie mit dem Fallennest vertraut sein, so daß man die vollständige Klappe wieder einhängen kann. Howe

Feuilleton

Aufgaben für Generationen

VOM DEUTSCHEN KONGRESS FÜR PHILOSOPHIE

Per Philosoph Nicolai Hartmann pflegt seine Schuler vor dem Uebereifer zu warnen, der für alle Probleme schnell eine Lösung bereit sehen möchte; er empfiehlt ihnen die Bescheidung, die sich damit genügen lassen müsse, in einem langen Leben die Forschung vielleicht um ein winziges Stück voranzubringen. Daß solcher Verzicht das Schicksal des Philosophen sein muß, vermochte der diesjährige deutsche Kongreß für Philosophie, der in den ersten Tagen des Oktober in Bremen tagte, vielleicht noch mehr zu veranschaulichen als die beiden vorhergehenden Kongresse in Garmisch und Mainz. Diesmal wurden keine Vorträge gehalten. Es wurde auf Grund von kurz vorgetragenen Thesen im Symposion, im philosophischen Gespräch also, eine Anzahl von Problemen behandelt. Zum Schluß blieben alle Fragen offen. Professor Freyer meinte am Ende der Aussprache über „Gestaltungskräfte der Geschichte“, die er geleitet hatte, scherzhaft, es sei ein Trost, daß wenigstens in einem Punkte Uebereinstimmung zwischen der Diskussion und ihrem Gegenstände bestehe: wie die Geschichte nicht in einem Endziel münde, in den alle Fragen gelöst seien, so habe auch die Aussprache zu keinen Lösungen geführt. Es ist nun einmal nicht möglich, in wenigen Tagen zu Schlüssen zu kommen, über die die Philosophen sich seit Generationen die Köpfe zerbrechen.

Der Kongreß behandelt in vier Tagen acht Themen: Gestaltungskräfte der Geschichte; Macht und Recht; Situation und Entscheidung; Sprache und Dichtung; Grundfragen der Logistik; Fragen der Naturphilosophie; Das Problem der Mythologie; Das Umweltproblem. Je zwei Symposien fanden gleichzeitig statt, so daß für jedes ein voller Tag zur Verfügung stand. Die Zuhörer, die von auswärts und aus Bremen in großer Zahl gekommen waren, wohnten einer echten geistigen Auseinandersetzung bei, die dadurch noch an Lebendigkeit gewann, daß Vertreter anderer Disziplinen, vor allem Historiker und Naturwissenschaftler, mit den Philosophen diskutierten, und daß sich dem engen Kreise derer, die die Aussprache jeweils vorbereitet hatten, Gesprächspartner aus der Zuhörerschaft zugesellten. Auch standen die einzelnen Symposien nicht isoliert; die Verflechtung der Probleme untereinander kam darin zum Ausdruck, daß oftmals ein in dem einen Symposion aufgenommener Faden in einem anderen weitergesponnen wurde.

Von den vielen Fragen, die zur Sprache kamen, lassen sich hier nur einige andeuten. In dem bereits erwähnten Symposion über die Gestaltungskräfte der Geschichte nahm naturgemäß die Aussprache über den Marxismus einen breiten Raum ein. Dabei wies der Göttinger Historiker Bolnow darauf hin, daß man unterscheiden müsse zwischen der auf Hegel und Marx aufbauenden Lehre und dem dialektischen und historischen Materialistismus Lenins und Stalins, der sich im wesentlichen selbständig aus den Theorien von Engels fortentwickelt habe. Professor Freyer sprach in diesem Zusammenhänge von der unterschiedlichen Auslegung der Begriffe (etwa Freiheit der Demokratie) und sagte, nur ein Begriffspaar werde heute in der ganzen Welt einheitlich verstanden: Ost und West.

Innerhalb dieser Aussprache kam es auch zu einer Auseinandersetzung darüber, wie der Begriff der Ideologie zu verstehen, und ob der Marxismus eine Ideologie sei. Freyer bezeichnete die Ideologien als Mittel des politischen Kampfes und als wirkliehe Gestaltungskräfte der Geschichte; die Beschäftigung mit ihnen sei deswegen so wichtig, weil sie die Positionen anzeigten, die in der Gegenwart miteinander kämpften.

Professor Schottländer (Freie Universität Berlin) bezeichnete die Ideologien als Entartungserscheinungen; sie seien zwar nicht Ursachen der Verfallserscheinungen, aber doch verräterisch in bezug auf die Gestaltungskräfte der Geschichte. Die Philosophie habe die Aufgabe, die Verirrungen auf ihre Motive zurückzuführen. Dr. Ulmer (Freiburg) stellte dem entgegen, die heutzutage vielfach bestehende Auffassung, Ideologien seien entweder bewußte Täuschungen oder Wahnvorstellungen, treffe weder die ursprüngliche Bedeutung dieses Begriffes, noch die Bedeutung, die er bei Marx habe. Deswegen könne man Marx nicht damit abtun, daß man seine Lehre als Ideologie bezeichne. Zu der Forderung Schottländers, der Historiker müsse zu einem Urteil kommen über den moralischen Charakter der geschichtlichen Gestaltungskräfte, gab Professor Litt (Bonn) zu bedenken, daß man hierzu zunächst den Gesamtzustand einer Epoche verstehen müsse. Nur von ihm aus könne man ein Urteil wagen.

Einen wertvollen Diskussionsbeitrag zum Problem der Entscheidung gab Professor Bollnow (Mainz), indem er auf die übertriebene Bedeutung hinwies, die, nicht ohne Schuld der Existenzphilosophie, der Entscheidung heute beigemessen werde. Die Auffassung der Existenzphilosophie, der Mensch sei stets in einer Krise und das, was dazwischen liege, seien nur leere Stellen, führe zu einem hysterischen Hindrängen nach der Entscheidung. Diese Uebertreibung verursache Schwierigkeiten in Situationen, in denen der Mensch selbst nichts tun könne, als gelassen zu warten. Es gebe wichtige Bereiche, in denen von Entscheidung gar nicht die Rede sei; so etwa, wenn ein einmal gefaßter Entschluß in die Wirklichkeit umgesetzt werde, oder wenn das Leben im Rahmen sittlicher Haltungen und Tugenden ablaufe, oder wenn es aus den Tiefen heraus schöpferisch sei. Bollnow stellt darum neben die Tugend der Entscheidungsbereitschaft die Tugend der Gelassenheit, mit der der Mensch die Dinge an sich herankommen lasse und sich für neue Aufgaben zur Verfügung halte. e. r.

Notizen

Wettbewerb für junge Organisten. Der Hessische Rundfunk veranstaltet am 9. und 10, Dezember seinen alljährlichen Wettbewerb, der aus Anlaß des Bachjahres diesmal den jungen Organisten vorbehalten sein wird. Die Bewerber, die das 30. Lebensjahr noch nicht überschritten haben dürfen, müssen über eine abgeschlossene Ausbildung verfügen und wesentliche Abschnitte aus der klassischen und modernen Orgelliteratur beherrschen. Bewerbungen unter Beifügung eines Lebenslaufes sind bis spätestens 1. Dezember zu richten an die Abt. Kammermusik des Hessischen Rundfunks, Frankfurt a. M., Eschersheimer Landstraße 33. Der Jury, die unter dem Vorsitz des Intendanten Eberhard Beckmann steht, gehören außer den musikalischen Leitern von Radio Frankfurt folgende Persönlichkeiten an: Professor Helmuth Walcha, Frankfurt, Domorganist Professor Josef Zimmermann, Köln, Dr. Karl Holl vom Hessischen Kultusministerium und Professor Walter Davisson, Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik, Frankfurt.

Der Senat der Universität Heidelberg hat beschlossen, den Numerus clausus an der Universität Heidelberg sobald wie möglich abzuschaffen. Die juristische Fakultät der Hochschule will ihn bereits im Sommersemester 1951 nicht mehr anwenden. Der Senat vertrat die Auffassung, daß Zulassungsbeschränkungen zum Studium verfassungswidrig seien. Es wurde ferner beschlossen, denjenigen Studenten, die vorher bereits im Ausland studiert haben, im Höchstfälle zwei Auslandssemester anzuerkennen. Mehr Semester sollen nur in Ausnahmefällen anerkannt werden.

Plauderei ums Arheilger Mühlchen

Selde kimmt e’ Fraa in de Zeidung zu Wort, trotzdem mir, zu vieler Freid un zu eignem Leid in de Iwerzahl sin. Mir wolle ja net öffentlich kridesiern orrer bollidisiern, mir deete doch net die in letzter Zeit öfters offtretende Ungeschicklichkeide unsrer owerste Herrn unnerbinne, geschweige die klimmende Bollizeisoldate offhalde. Uns langt’s, wann mir in unserm eigne Haushalt als emol e’ Machtwort spreche misse, dann des is bei viele Menner manchmol sehr notwendig, denn: Eine getreue Mudder sieht mehr mit einem — als der Vater mit 10 Augen, sagt e’ alt Sprichwort.

Bekannterweis brauch ma for Zeidungsardiggel gude Nochrichtequelle, un niemand hot die besser als mir. „Wer mit de Leit redd, kimmt mirren ins Gespräch!“ Unseraner brauch bloß emol iwer die Stroß zu geh, un schon find ma jemand um es „Neiste“ auszudausche. Un des bassiert de Dag e parmol. Des is a die anzig Abwechslung vun’re Familiemudder. Bei derart Unnerhaldunge erfährt ma dann so vielerlei un ma hehrt Sache, iwer die ma in kaner Zeidung was liest.

„Glossierung des Alldags“ mit Frauenauge gesähe, solle die laufende Beiträg an dieser Stelle sei. — Ich bin off dem Gebiet kan Neiling, johrelang wor des in meiner Heimatzeidung allwechendlich en feste Begriff. „Unfreiwiller Humor“ — erlebnisfrohe Begäwenheide aus em ganze Verbreidungsgebiet des Darmstädter Tagblatt, solle hier die Leserschaft an Wochenend erfreie. De greßte Beitrag stellt nadierlich die Familie un de Kinnermund. Sa bring ich heit als erstes en schene Fall au(s meine Heimatgemeinde in ungeschmünk/ter Wiedergawe: /

Buwe

So ’en Bub, des wißt ihr all iß en ganz besond’re Fall, , nadierlich wanns en Bub iß un er voll Glut un Mut is! i Genießt e Modderche des/Glick un hot womöglich drei, /vier Stick, do braucht ’se net zu klaj^e iwer einsam, stille Dag& , . .

Vun meujends frieh bis owends speet es Heisje in Bewegung steht, un sin’se off de Stroße beim dolle un beim roße veliert de beste Lack sein Glanz, do bleibt ka Hos un Jack meh ganz, un die Schuh, die geldlich drigge sin vum kicke ganz in Stigge — Wann dann noch im Nachbarhaus e Scheib fliggt aus ’em Fenster raus, Oder der Kneuel dhut sich bumbe un sie verreiße sich die Lumbe . . . do grieje sich wäje deene Drebb die Alde dann noch an de Kebb un kaaner will verzeihe wäje klane Kinnerreie! Un während die Alde brotze dhun lengst die junge Krotze in Egge, Winkel, Höhle gemeinsam Widder speele. Jedoch es schlimmste Element, den Schregge, den jed Mudder kennt: Wann en Lauser meujends rein is Un owends wie e Schwein is! Ob sich e Fra» die Krenk o’ ährt, ob ’se in Gudern des erklärt — alle Worde hon kan Wert bei so ’re Indjaner-Buweherd. Dhut de Vadder dann noch kreische mit seim klane Wutzesaiche, derf er gar net viel resgiern sunst dhut er sich selbst blamiern. - - En Mann (er hat so ’en Strick) kam owends vun seim Dienst zurick un schon im Hausgang er venimmt daß do owe was net stimmt — Er geht enoff in sei Loschie, do stand sei fünfjährig Schenie, versaut vun unne bis eroff, veschmiert de ganze O’zugstoff — „Du Ferkel“ platzt de Vadder raus, „du Säukerl, wie siehst du dann aus, heit meujend worst du noch so fei’ gugg jetzt mol in de Spiejel nei’ Es halwe Dreggfloß hengt im Frätzje poor Poode wie e Kohlewätz’je — zwaa Knebb sin ab, in de Hosen Riß waast du was e Ferkel is?“ Des babbig Kerlche muxt sich net — de Vadder awer weirer redd: „Geb doch Antwort, sunst gibts Schmiß, is dirs endlich jetzt gewiß ich will wisse was e Ferkel is?“ Er riehrt un reegt sich nix im Bau, der Dreggspatz iwwerleegt genau, off amol seggt er iwerschlau: „E Ferkel — is ’e Junges vunre Sau“! Liesje

Neue Filme in Darmstadt

BELIDA. „Nach Regen scheint Sonne.“ Hosiannah!, das eheliche Nachkriegskind des guten alten, deutschen Unterhaltungsfilms ist geboren worden. Wenn ein Mann in einem mitternächtlichen Wald mit einem Strick in der Hand auf der Suche nach einem stabilen Ast ist, dann hat er gemeinhin Selbstmord vor. Die Aeste sind morsch, er springt in einen Fluß, der ihm bis an die Knie reicht, und dann hört er Hilferufe eines jungen Mädchens, das ebenfalls auf dem Wege ist, dem Dasein valet zu > sagen. Sie retten sich beide, und man muß gesehen haben, welche Komplikationen sich nun ergeben.

Jo Hans Rösler hat nach einer Idee von Heinz Coubier ein Drehbuch geschrieben, das hieb- und stichfest ist, das bis zur letzten Seite mit Tempo und Turbulenz angefüllt wurde. Sonja Ziemann spielt die Sabine, und sie bringt für diese Rolle ihren ganzen mädchenhaften Charme mit, sie ist Kind und Frau zugleich, bezaubert so nicht nur das Publikum, sondern in gleichem Maße ihren Partner Gert Fröbe als Konstantin. Gert Fröbe ist keiner der üblichen Liebhaber, er ist kein schöner Mann im guten Sinne, er ist ein Mann, der menschlich ist und nur dadurch wirkt. D!e anderen Mitspieler brauchen nicht einzeln genannt zu werden. Sie vollbringen eine erstaunliche Ensembleleistung, Rudolf Platte ebenso wie Liesl Karrstadt oder Willy Reichert. Die drei Polizisten mit martialischen Schnurrbart und preußischem Kommandoton sind jeder in seiner Charakteristik gezeichnet. Die Kamera von Klaus von Rautenfeld zeigt keine Experimente, sie bewegt sich in erprobten Bahnen und gibt viel Schatten in den zwielichtigen Szenen. Erich Köbler führt Regie. Ihm kam es in der Hauptsache darauf an, die Darsteller durch sich selbst wirken zu lassen, was ihm auch vollkommen gelungen ist. Dieser Film ist zu begrüßen, denn er knüpft im besten Sinne an die bewährte Tradition der deutschen Unterhaltungsfilme an, er ist ein Licht in dem Wirrwarr der heutigen Kinoprogramme. hfl

THALIA. „Eine Heilige unter Sün¬ derinnen“. Die 18jährige Maria Lambert wird in ein Erziehungsheim eingeliefert, weil sie, obwohl ihr von der „Fürsorge“ mehrmals Arbeitsmöglichkeiten vermittelt wurden, immer wieder ihre Stelle verließ und zuletzt mit einem jungen Mann zusammenwohnte. Das sind Tatsachen. Warum jedoch Maria immer davonlief, daß zuletzt eine große, reine Liebe zweier Menschen aufblühte, das interessiert die Fürsorge nicht, das ist laut Paragraph undiskutabel. Der Film schildert, wie diese Maria, gleichsam aus einer anderen Welt kommend, einen seltsamen, unbewußten Einfluß auf die übrigen Insassinnen der Anstalt ausübt, wie diese Dirnen und Mörderinnen, Verkommenen und Verführten von der über diesem Mädchen schwebenden Weihe berührt werden, daß bei diesen Bedauernswerten hinter allem Schlechten etwas verdrängt ist, das sich sehnt nach dem Anruf des Guten, der aber nur wenigen zuteil wird. Er zeigt eine Liebe, die durch Gitter nicht getrennt, sondern vertieft wird.

Julien Duvivier unternahm es, dem liebenden Paar eine Allgemeingültigkeit zu geben. Er zeichnete Maria mit der Reinheit Isoldes, die sich modonnenhaft von den meisterhaft typisierten und photographierten Mädchen der Anstalt abhebt, ohne einer extremen Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Er läßt bei Meidung aller primitiv-rührseligen Stilisierung ergreifend die Geschichte dieser Liebe erstehen und verdichtet das Thema durch Einzelepisoden, die, vorsichtig eingefügt, die Hauptpersonen nur noch plastischer werden lassen. Die Kamera wirkt oft überraschend. Lichteffekte, Klang- und Geräuschkulissen geben der Handlung visuell und akustisch eine Abrundung, wie sie nicht oft erreicht wird.

PALAST. „Das gibt es nur in Texas“. Das kann’s tatsächlich nur in Texas geben, denn die Gangster in Europa oder die der „modernen Welt“ packen es im allgemeinen raffinierter an. Die drei Texas-Boys gefallen gut. Wenn man nicht schon soviel davon gesehen und gelesen hätte, und nicht wüßte, daß alles ein gutes Ende nimmt, daß die Texasboys kein Sitzfleisch haben, sondern in der Welt herumvagabundieren müssen, — von einem Abenteuer ins andere gejagt, — dann könnte man von dem Film gefesselt sein. Die Jugend war es. Für sie haben solche Filme immer noch den Reiz, den sie auch für uns in unserer Jugend hatten. zr

UNION. „Atomspione“. Vor „1000 Jahren“ hätte ein solcher Film das Prädikat „Staatspolitisch wertvoll“ erhalten. Schade, daß Drehbuchverfasser und Regisseur es nicht unterlassen konnten, dem an sich handgreiflichen Thema der Werkspionage ein paar abgedroschene Phrasen, die schon in der gesamten Weltpresse zu Tode geritten wurden, anzuhängen. Schade, denn es hätte aus der ganzen Sache ein guter Reißer werden können. So aber sah man nur eine Kreuzung von Dokumentarfilm und Kriminalstück, die einen unbestrittenen Glanzpunkt hatte: Sie war ausgezeichnet fotografiert. We


Das romantische Kloster Eberbach im Rheingau bildet auch in den schönen Herbstagen einen besonderen Anziehungspunkt für viele Besucher Foto: K. Eckert
Das romantische Kloster Eberbach im Rheingau bildet auch in den schönen Herbstagen einen besonderen Anziehungspunkt für viele Besucher Foto: K. Eckert

Das Kloster ohne Mönche

AUS DEM REISETAGEBUCH VON PETER PITT

Es war wie immer! Der Rhein, die Schiffe und die Menschen: Das Wasser des Stromes grau bis schmutzig-grün, die Schiffe nach ihrem Zweck schwarz und weiß und die Menschen auf diesen Schiffen ernst oder heiter — wie das Wetter und ihr Reisegrund.

Unser Schiff war weiß und wir fuhren nur so — ohne Ziel, wie wir die vielen Wochen ohne Ziel gefahren und nur zu dem Zweck, nach all den harten Jahren nicht endenwollender Arbeit einmal uns selbst zu gehören.

Sybille bestellte mit ihrer weichen, singenden Stimme, die ich so liebe, Kaffee und Kuchen und freute sich wie ein Kind über den Mann in der weißen Jacke seines Berufes, der ihr wortreich und mit französischem Akzent das Kloster Eberbach als lohnendes Objekt für ihre Kamera empfahl.

Und da läutete auch schon die Schiffsglocke: Hattenheim!

Wir gingen auf der Straße, vorbei an Feldern, auf denen das Kartoffelkraut brannte, an Weinbergen, in denen die Lese im Gange war, unter Bäumen, die sich herbstlich bunt färbten, sähen den Gebäudekomplex — von einem Sachkundigen als Heil- und Pfiegeanstalt „Eichberg“ deklariert — und standen schließlich unvermittelt vor dem Kloster Eberbach.

Sahen die Kirche, dreischiffig in Kreuzform romanisch gebaut, das Dormitorium und den Hospitalbau, das rote Schloß, die Prälatur, den Abtbau und die ganze große Gruppe der Gebäude, die sich an die Kirche anlehnend, in das enge Tal in Jahrhunderten hineingebaut waren.

Ein wahrhaft bezaubernder Anblick.

Traurig, verlassen im Hof runde Tische und Klappstühle, wehmütig der Gäste gedenkend, die sommertags hier Ruhe und Erholung finden. Aus den Fenstern des Torhauses kommt Küchendunst und Tellerklirren.

Und dann stehen wir mitten in der Kirche und doch noch auf der* Straße, die ein sich klug dünkender Mensch durch den der Andacht geweihten Raum glaubte hindurch bauen zu müssen. Wir lassen diesen Raum, in seiner Kahlheit so viel größer scheinend, auf uns wirken, sind gefangen von der Schönheit der 22 Kreuzgewölbe im ehemaligen Schlaf raum, der durch die von Süden nach Norden abnehmende Säulenhöhe eine doppelte Perspektive erhält und finden uns schließlich in dem entzückenden Innengarten mit der großen Trauerweide und den Blumen. Konsole und Profile des Kreuzganges lassen uns die Meisterschaft der Erbauer ahnen, deren Werk durch An- und Umbauten zum Teil zerstört wurde. Wie eine weiche Decke hat sich die iNacht über den Rheingau gebreitet. Wir haben gerade noch den Kirchgarten gesehen und die niederhängenden Aeste der alten Bäume, vom Abendnebel feucht, streiften unser Haar.

In der gemütlichen Weinstube des Torhauses glänzt der goldene „Steinberger“ in den Gläsern. Am Tisch sitzt der Kellermeister der Staatsdomäne und nun kommt die Frage, die uns unausgesprochen auf dem Gang durch das Kloster begleitet hatte: „Wo sind die Mönche geblieben?“

Und die anderen Fragen: „Warum gibt es keine Gottesdienste mehr in der Kirche? Warum stehen in dem gotischen Hospitalbau jetzt die Kelterpressen?“

Da erfuhren wir die Geschichte des Klosters: Der heilige Bernhard, Abt von Clairvaux, gründete 1131 das erste Zisterzienserkloster auf deutschem Boden in Eberbach. Die Fama erzählt, daß bei der Auswahl des Platzes vor den Augen der Stifter ein aus den Wäldern kommender Eber mit seinen Hauern in unregelmäßigem Kreise eine Furche zog, auf diese Weise die Grenze der zu gründenden Abtei markierend.

Jahrhunderte sind seitdem vergangen.

Einfluß und Bedeutung des Klosters waren groß. Eberbacher Mönche gründeten an vielen Orten Tochterniederlassungen, darunter auch das Kloster Schönau im Odenwald. Geistliche und weltliche Herren wählten Eberbach zu ihrer letzten Ruhestätte. Die Grafen von Katzenelnbogen, denen auch einmal Darmstadt gehörte, hatten hier ihr Erbbegräbnis.

Kriege, Hunger und Plünderungen wechselten mit Zeiten friedlichen Aufbaues bis im Jahre 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß die Säkularisation erfolgte.

Der Glanz war erloschen. Kloster Eberbach wurde Korrektions- und Irrenhaus, Zentralgefangenenanstalt und Weinkellerei der Staatsdomäne.

Die Kranken sind nicht mehr da. Auch die letzten Gefangenen wurden 1912 nach Freiendietz überführt. Geblieben ist nur die Weinkellerei, die Spitzenweine des Rheingaues in ihren Fässern ausbaut.

In den Häusern wohnen heute Menschen vom Rhein, von der Moldau und aus Ostpreußen, und statt des feierlichen Gesanges ernster Mönche klingt Kinderlachen über die Höfe und durch das Tal.

Es ist spät geworden.

Die Kerzen auf dem Tisch sind niedergebrannt.

Der Erzähler verstummt. Die Flaschen sind geleert.

Durch den schwelenden Nebel der Herbstnacht gehen wir zum Fluß zurück.

Die Hasenplage

VON GUSTAV LÜBBE

Förster Schopper ahnte seit langem, daß mit dem Pechler - Bauer etwas nicht stimmte. Der Pechler war sonst maulfaul. Aber wenn er beim Sonntagsskat immer wieder vom Wildschaden sprach und sich verschwor, mit dem „Zeug“ schon fertig zu werden, und wenn immer in jenen Waldstücken, die an Pechlers Felder und Acker grenzten, Schlingen zwischen den Bäumen hingen, dann ...

Schopper wollte dem Pechler-Bauern nichts am Zeuge flicken, o nein, wenn er es auch nicht ganz vergessen konnte, daß der Bauer ihn einmal vor drei Jahren betrunken machte und dann durchs ganze Dorf auf der Schiebkarre nach Hause brachte. Dennoch: das Jagdrevier mußte sauber bleiben, und Schlingen im Walde fühlte er am eigenen Halse.

Also streifte Schopper öfter als üblich in der Gegend von Pechlers Äckern umher. Er sah auch den Bauern manchmal, aber er schnitt sich dann höchstens im Walde einen Stock und blickte harmlos drein. Bis, ja, bis Schopper eines Tages von weitem das Klagen eines Hasen hörte. So laut und schmerzlich klang es.

Für Schopper war das Alarm. Die Richtung war richtig. Und wirklich, sozusagen neben dem Schrei stand der Pechler-Bauer. Schopper sah das von weitem. Tapfer würde er nun dem Pechler-Bauern das Handwerk legen und ihn im Dorf ein bißchen blamieren, so wie der ihn damals mit der Schiebkarre. Schopper schwitzte vor Genugtuung. Er kam immer näher an den Tatort heran Schon sah er den Hasen in der Schlinge und den Bauern daneben. Wie gewohnt nahm Schapper das Gewehr in die Hand.

Und dann blieb er stehen. Er fühlte sein Blut gerinnen. Neben dem Hasen kniete nämlich der Bauer und schlug mit einer Rute auf das Hinterteil von Meister Lampe. Der zappelte und schrie wie ein Schuljunge, der Dresche bezieht.

Drei oder vier Minuten lang prügelte der Bauer. Dem Hasen sträubte sich das Fell. Schopper standen die Haare zu Berge. Dann löste der Bauer die Schlinge und ließ den Hasen — laufen.

Leise wollte Schopper sich zurückziehen. Aber der Bauer kam ganz ruhig auf seinen Horch- und Lugposten zu.

„Tag auch“, sagte er, und Schopper meinte, er hätte diese alten Augen noch nie so lachen sehen. „Ich habe gerade dem Wildschaden abgeholfen. Langsam wird’s besser, nachdem ich an die dreißig Hasen durch die Prügelstrafe zur Ordnung erzogen habe. Nun bleiben sie wohl weg.“

Schopper sagte nichts. Er glaubte auch an nichts. Aber er ging vier Sonntage nicht zum Skat, weil das Dröhnen des Männerlachens so schmerzlich sein konnte wie die Schlingen im Walde.

Organisten-Wettbewerb im Bach-Jahr. Der diesmalige Musikwettbewerb des Hessit sehen Rundfunks (am 9. und IQ. Dezember) ist im Bach-Jahr den jungen Organisten (bis zu dreißig Jahren) vorbehalten. Der Jura gehören Professor Helmuth Walcha (Frankfurt), Domorganist Professor Josef Zimmermann (Köln), Regierungsdirektor Dr. Karl Holl vom hessischen Kultusministerium und Professor Walter Davisson (Frankfurt a. M.) an. Die Bewerber müssen über eine abgeschlossene Ausbildung verfügen und wesentliche Abschnitte aus der klassischen und modernen Orgel-Literatur beherrschen.

Darmstadt und Umgebung

Unheimliche Minuten...

HGR. Stockfinster. An die Fenster der düsteren Häuserfront klatschen Regentropfen, prallen auf die mattglänzende Straße, hüpfen noch einmal hoch, sammeln sich, laufen flink am Rinnstein entlang und stürzen sich gurgelnd in einen Kanalschacht. Tak, tak, tak macht es. Man sieht ein paar durchweichte Schuhe hastig über das Pflaster stapfen. Die Schritte kommen näher. Schon kann man die vor Nässe triefenden Hosenbeine erkennen...

Plötzlich ein erstickter Schrei. Aus der dunklen Toreinfahrt, die der Fußgänger soeben passiert, greift blitzschnell eine Hand heraus, tastet mit unheimlicher Sicherheit an die Kehle des Mannes, der jetzt ganz zu sehen ist, drückt zu .... und dann ein furchtbarer Schlag. Die Füße des Mannes rutschen weg ...

Die Dame vor mir greift sich an den Hals. Neben mir schluchzt ein junges Mädchen verhalten in sein Taschentuch. Von hinten schiebt sich der Kopf eines Mannes über meine linke Schulter. Ich spüre seinen heißen Atem, fühle die Erregung, die ihn zittern läßt. Jetzt atmet er auf. Ich lehne mich angewidert nach rechts. Im selben Augenblick werden meine Augen wieder wie Eisenteilchen von einem Magnet angezogen, heften sich gebannt auf die Leinwand, über die soeben das Ueberfallkommando rast. Die heulenden Sirenen zermartern mein Hirn. Es ist entsetzlich.

Die Erregung wächst, die Spannung steigt. Da treffen sich meine Augen mit denen des Verbrechers. Meine Stirn wird naß, und auch die ineinandergepreßten Handflächen sind feucht... Dann ist's zu Ende. Nie mehr, schwor ich mir, als ich draußen tief die oktoberklare Luft in meine Lungen sog. Nie mehr.

Hiermit lege ich mein Gelöbnis schriftlich nieder. Es ist 17.55 Uhr. Da fällt mir h*'iß ein, daß ich um 18 Uhr ja noch einen Film zu besuchen und ihn zu kritisieren habe. Zu dumm, daß ich gerade jetzt, wo ich so schön fn Fahrt bin, Schluß machen muß. Aber den Film möchte ich unter keinen Umständen versäumen. Es, gibt: „Der Mörder mit der grünen Maske....*

Studentenheim oder Heimatmusenm?

Was aus dem weißen Turm werden soll, ist noch nicht entschieden

Auch Türme scheinen Konjunkturschwankungen unterlegen zu sein. Der Weiße Turm — schon öfters Gegenstand heftigster Kontroversen — hat wieder einmal eine Hausse. Er wird, nachdem er monatelang leer stand, nun gleich von zwei Seiten begehrt. Als erster Bewerber findet sich die Studentenvereinigung Starkenburg ein, die in dem romantischen Bauwerk eine Studentenunterkunft errichten will. Ihr diesbezügliches Gesuch liegt bereits auf dem Ministerium in Wiesbaden und wird dort wohl wollend betrachtet. Es scheint, daß die Studenten Chancen haben und dies, obwohl in dem Kostenvoranschlag für den Ausbau die erhebliche Summe von 12 000 DM genannt wird, die der Vater Staat als Besitzer sowohl des Turmes wie auch der Technischen Hochschule wahrscheinlich ganz für seine „Kinder“ zu bezahlen hätte.

Der zweite Bewerber um den Turm kommt ein bißchen zu spät. Dafür ist er in seinen Ansprüchen bescheidener und in seiner Argumentation so einleuchtend, daß er doch auch noch Chancen haben dürfte. Es handelt sich um das Städtische Kulturamt, das in den Räumen des Turmes ein Heimatmuseum unterbringen möchte. Dazu wird angeführt: Mit dem Pädagog ist das Heimatmuseum in Darmstadt verbrannt. Ausgelagterte Werte konnten bis heute nicht wieder ihrem Zweck zugeführt werden, da die geeigneten Ausstellungsräume nicht zur Verfügung standen. Der Weiße Turm, der vier geräumige, gutbeleuchtete Plattformen birgt, bietet im Zentrum der Stadt eine vorzügliche Möglichkeit, den Mangel auszugleichen. Durch laufende Ausstellungen, bei denen auch die Mitarbeit der Odenwälder Heimatmuseen vorgesehen ist, würde sowohl eine Lücke geschlossen, als auch eine hervorragende Anregung für die Jugend geben. Die Ausbauten der vier übereinander gelegenen Räume werden auf höchstens 8000 DM vorveranschlagt, von denen die Stadt die Hälfte zu tragen bereit ist.

Der Vorschlag scheint einer Ueberlegung wert zu sein. Für 12 000 DM könnten die Studenten sich eine Etage mit allem Komfort und vor allem mit wesentlich mehr Räumen ausbauen, als in dem Turm überhaupt vorhanden sind. Dorthin wiederum fielen bei der Nutzung als Heimatmuseum die ganze kostspielige sanitäre Installation weg und müßten keine Zwischenwände eingezogen werden. Ueberdies und vor allem wäre der Turm als einer der letzten Zeugen der Darmstädter Vergangenheit auch in ideeller Hinsicht ein vorzüglicher Bewahrer heimatlichen Gutes. kä.

Endlich eine Kläranlage

Der Staat finanziert vor

In einer gemeinsamen Besprechung zwischen dem Finanzminister, Innenminister, Ministerialdirektor Dr. Freund vom Regierungspräsidium Darmstadt und Oberbürgermeister Metzger sowie Stadtkämmerer Dr. Feick war man einstimmig zu der Ueberzeugung gekommen. daß die hinlänglich bekannte Wurmfrage mit Aussicht auf einen wirklichen Erfolg praktisch nicht anders zu lösen sei als durch den Bau einer Kläranlage. Der Plan ist nicht neu. die Ausführung scheiterte jedoch — wie bei vielen notwendigen Projekten — an der Finazierungsfrage.

Dadurch, daß der Finanzminister besonderes Verständnis und Einsicht für die Notwendigkeit der Lösung dieser vordringlichen Aufgabe zeigte, wird die Vorfinanzierung zum größ'en Teil vom Lande Hessen übernommen werden. Das Darlehen soll in späteren Jahren durch Kürzung der Finanzzuweisungen getilgt werden. Wegen der Dringlichkeit wird mit dem Bau der Kläranlage baldigst begonnen werden.

Welch ein souveräner Mensch ...

lieber Ernst Elias Niebergalls Dichtung las der Karlsruher Schriftsteller Dr. Adolf von Grolmann am Donnerstagabend in der Technischen Hochschule.

Dr. v. Grolmann, dessen Ausführungen von großer Leidenschaftlichkeit getragen wurden, hob die berühmte Posse unseres Heimatdichters weit über den lokalen Rahmen hinaus, und sah in der Niebergallschen Posse der „kleinen und kleinsten Alltäglichkeiten um uns herum“ die Scharfsicht eines Mannes, der hinter dem Plüsch der Biedermeierepoche die Unsicherheiten und Unwahrheiten der Zeit nach der Beresina und 48er Revolution aufzeigen wollte. „Welch ein souveräner Mensch, der niemandem schadet, und der die Dramatik seiner Zeit und seiner Erkenntnis in den Mantel der Posse kleiden muß, um sich vor den Prätorianern Metternichs zu schützen ... dessen Verfolgung die unerhörte Niedertracht aller Politik bewies. Er, Niebergall, gab den Menschen in seinem „Datterich“ jene wohltuende Folie des Ausdruckes. die der Mensch braucht, denn er kann nicht immer in Hochspannung leben ...“, diese letzten Sätze waren die leitenden Motive des Vortrages, der die Anwesenden bis zum Schluß atemlos zuhören ließ. *

Der L. C. Wittich Verlag erfüllte mit der Neuauflage des „Datterich“ von Ernst Elias Niebergall — in der Originalfassung von 1841 — ein unausgesprochenes Versprechen gegenüber vielen Freunden des Darmstädter Mundartdichters. Herr Dr. von der Au hüllte mit dem einführenden Vorwort und Traudel Hofmann, mit ihren Scherenschnitten — jene treuherzigen Spitzweg-Motive, die den Hintergrund der Handlung bildhaft unterstreichen — die literarische Lücke aus.

Das kleine Buch dürfte in allen Provinzen Deutschlands wiederum größten Anklang finden, und den alten Darmstädtern die Gewißheit geben, daß E. E. Niebergall mit seinem „Datterich“ als Prophet nicht nur bei den liebenswerten Menschen der Stadt des langen Ludewig gilt, sondern auch in Berlin. München, oder Breslau mit gleichem Schmunzeln und mit gleicher Liebe gelesen wird. Sg.

Klage einer Gemüsefrau


Seid die ihrn „Hygiene Lichthof“ da owe hawwe, keeft kaner mehr bei uns Gemies Zeichnung: Schlotter
Seid die ihrn „Hygiene Lichthof“ da owe hawwe, keeft kaner mehr bei uns Gemies Zeichnung: Schlotter

50 Jahre Konsumgenossenschaft

Die Konsumgenossenschaft Darmstadt besteht Endes des Jahres fünfzig Jahre. Sie wird ihr Jubiläum am kommenden Samstag, dem 29. Oktober, gemeinsam mit dem Kreisausschuß Darmstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes begehen. Willi Richter, Düsseldorf, Vorstandsmitglied des DGB, wird über „50 Jahre Gewerkschaften in Darmstadt“ und Dr. h. c. Rommeie, Hamburg, über die Geschichte der Konsumgenossenschaft Darmstadt in dieser Zeit sprechen. Bei der Veranstaltung um 9 Uhr in der Stadthalle wirkt der Volkschor mit. DT

In der Stadt notiert

Einen Lehrgang in „Erster Hilfe“ beginnt in Kürze das Rote Kreuz, Kreisverband Darmstadt-Stadt. Alle, die daran teilnehmen wollen, werden gebeten, sich in der Geschäftsstelle, Bessunger Straße 5, oder telefonisch unter 860 anzumelden. Die Bahnhofsmission der beiden christlichen Konfessionen beginnt ihre Arbeit nach langem Behelf in neuen Räumen. Am Mittwochvormittag wird sie aus diesem Anlaß eine schlichte Feier abhalten. DT Eine Damentasche mit 2 Flaschen Wein wurde gestern früh in den Schalterräumen der Rhein-Main-Bank einem 80 jährigen Mann gestohlen. Er hatte sie für kurze Zeit dort abgestellt, während er an dem Schalter zu tun hatte. t-s Die Volkshochschule beginnt am Dienstag, dem 24. Oktober um 19.30 Uhr, in der Eleonorenschule, Lagerhausstr. 7, einen Kursus von Dr. E. G. Ge y 1 „Einführung in die Kultur- und Geschichtsphilosophie unter besonderer Berücksichtigung der Frage: welche Wege führen nach Pan-Europa?“. Ein Konzert findet im Landesmuseum Im Rahmen der Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann am Sonntag, dem 22. Oktober, um 11 Uhr, statt. Es wirken mit Fritz Werner Büchner (Altblockflöte) und Karl-Heinz Klein (Cembalo). Der zweite Unfall innerhalb weniger Tage ereignete sich gestern morgen um 7.50 Uhr auf der Autobahn neben der Einfahrt zum Flughafen Rhein-Main. Ein aus der Flughafeneinfahrt herauskommender Lastkraftwagen überquerte die Fahrbahn, wobei durch die Sichtbehinderung im Nebel ein Personenkraftwagen gegen den Lkw stieß. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Eine Rangierlok sprang gestern mittag unter der Rheinstraßenbrücke bei dem Hauptbahnhof aus den Gleisen. In wenigen Stunden war der Schaden wieder behoben. Lediglich einige Personenzüge erlitten durch Umleitung innerhalb des Hauptbahnhofes etwas Verspätung. Von der Fahrbahn geriet in der Nacht zum Freitag auf der Autobahn bei Lorsch ein Lastwagen. Der Fahrer gab an, daß er durch Kraftfahrzeuge, die auf der anderen Fahrbahn entgegenkamen, geblendet wurde. Zu einem Verkehrsunfall kam es gestern nachmittag in der Grafenstraße zwischen einem Lastkraftwagen und einnem Pkw. Der Pkw., der aus der Reihe der parkenden Kraftwagen anfahren wollte, wurde durch den vorbei fahrenden Lkw. gestreift und leicht beschädigt. DT

Wer darf zum Landtag wählen?

Nur wer in der Volkskartei steht / Wie ist das bei Studenten und Patienten? Wahlhelfer werden gesucht

Für die Landtagswahl am 19. November sind die Vorarbeiten in vollem Gange. Das Wahlamt ist bemüht, die Kartei auf den neuesten Stand zu brinsen. Darüber hinaus wird auch der Bevölkerung ausdrücklich empfohlen, in der gesetzlich festgesetzten Frist für die Offenlegung — die noch bekanntgegeben wird — die Wahlkartei einzusehen. Eine besondere Wahlbenachrichtigungskarte wird nicht mehr zugestellt. Wer am 9. Juli 1950 bei der Volksabstimmung feststellen konnte, daß seine Wahlkarte in der Kartei vorhanden ist, darf ohne weiteres annehmen, daß er auch bei der Landtagswahl ohne Schwierigkeit wird wählen können — er sei denn umgezogen und hat versäumt. sich umzumelden. Dann steht seine Wahlkarte noch im Wahlbezirk seiner alten Wohnung. In allen Zweifelfällen ist es ratsam, sich persönlich oder durch Beauftragte beim Wahlamt zu überzeugen, ob seine Wahlkarte vorhanden ist.

Studenten, die ihren ständigen Wohnsitz nicht in Darmstadt haben, sind hier euch nicht wahlberechtigt. Wer in Darmstadt einen zweiten Wohnsitz hat, ist nur dann hier wahlberechtigt, wenn sein ständiger (erster) Wohnsitz außerhalb Hessens liegt. Dagegen müssen alle Wähler mit ständigem Wohnsitz innerhalb der Grenzen des Landes Hessen ihr Wahlrecht in ihrer Heimatgemeinde ausüben oder sich von dort einen Wahlschein besorgen. Patienten der Krankenhäuser, die sich voraussichtlich am Tage der Wahl noch dort befinden, tun gut daran, sich rechtzeitig von ihrer Heimatbehörde einen Wahlschein zu besorgen, damit sie ihr Wahlrecht im Krankenhaus ausüben können.

Zur Durchführung der Wahl selbst richtet der Leiter des Wahlamtes an die Bevölkerung die herzliche Bitte, sich für den ehrenamtlichen Wahldienst zur Verfügung zu stellen. Viele Hände werden benötigt, damit der Wahlgang reibungslos verläuft und das Wahlergebnis rechtzeitig festgestellt werden kann. Alle, die zu dem Gelingen beitragen wollen, werden gebeten, auf dem Wahlamt Darmstadt, Lagerhausstraße 9 (Telefon: 9 41- 2 67), vorzusprechen oder ihre Anschrift dort mitzuteilen.

Das Rote Kreuz Hessen sucht die Angehörigen eines Oberfeldwebels Hans Hohl. FPNr. 24270 D, früher wohnhaft in Darmstadt-Arheilgen und eines Oberstleutnants der Polizei Diers, etwa 65 Jahre alt, verh., zul. Festung Breslau. Die Angehörigen sollen bis zur Besatzung in Darmstadt, am Löwentor 25, gewohnt haben. Mitteilungen sind an den Bezirksverband Darmstadt, Wilhelmstraße 36, erbeten.

lieber Fürsorgearbeit in Darmstadt spricht in einer Veranstaltung des Frauenverbandes am 25. Oktober, 17 Uhr, im Amerikahaus Frl. Liesel Hermann.

Wo es den besten Zwetschenkuchen gab

Der Freiherr von Barkhaus-Wiesenhütten, ein hessischer Diplomat aus der napoleonischen Zeit hatte um das Jahr 1800 den Karlshof erbaut, dessen Ländereien bis in die heutige Barkhausstraße hineinreichten. Tonnen Goldes habe die Anlage gekostet, berichtete ein zeitgenössischer Reiseschriftsteller, dem ein zugereister Engländer erzählte, daß er eine landwirtschaftliche Anlage dieser Art bisher in Deutschland nicht gesehen und erwartet habe. Darmstadts Milchversorgung, die vorher im argen lag, war durch

die „Schweizerci" gesichert. Die späteren Jahrzehnte machten den Karlshof in anderer Weise bekannt. Hier traf sich das literarisch interessierte Darmstadt zu den „Darmstädter Gesprächen“ von einet. Sie wurden mit Festessen, gutem Wein und Trinksprüchen begangen. Noch zu Lebzeiten Goethes kam man zur Feier seines Geburtstags zusammen. Bei seinem letzten, 1831, erklang der gefühlvolle Kantus:

„Unser Meister Johann Wolfgang Goethe Hat die wahre Zauberflöte Schon seit Kindheit vor dem Mund. Und da blus er schöne Lieder Und der Erdball klung sie wieder, Tät des Meisters Ehre kund.“

Rühmenswertes wird auch aus dem letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts vom Karlshof berichtet. Seine vortreffliche Wirtin, Frau Volz, soll zur Fastnachtszeit die besten Kreppei und zur Zwetschenzeit einen Zwetschenkuchen geliefert haben, der Weltruf besaß. Kindergesellschaften wurden hier abgehalten, es gab Militärkonzerte und besonders beliebt war der Karlshof bei den Tanzkränzchen. Einesteils des schönen Saales und zum anderen wegen seines Parks. Wenn wir den heutigen Zustand des Karlshofes mit unserem Bild vergleichen, bedauern wir, daß die schönen Säulen am Eingangstor zerstört sind und auch das Uhrtünmchen auf dem Wirtschaftsgebäude verschwunden ist. P. D.



Schlachthof und Schwimmbad

Die beiden interessanten Vorlagen der nächsten Stadtverordnetensitzung

Mit 18 Tagesordnungspunkten ist der Beratungsstoff der nächsten Stadtverordnetensitzung am Donnerstag sehr viel weniger umfangreich, als wir es zuletzt gewohnt waren, zumal zehn Vorlagen bereits einstimmig vom Finanzausschuß gutgeheißen worden sind.

Fünf Vorlagen betreffen die U e b erlas su n g städtischer Grundstücke im Erbbaurecht an Bauwillige, so an Herrn Hans Dieter (Eberstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße), an Herrn Karl Heß, Rheinstraße (Hofreite in der Roßdörfer Straße) an Herrn Franz Bayer, Wilhelm-Leuschner-Straße (Flur 38), sowie an die Herren Dr. Gunzert und Dr. Clauß (Eberstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße).

Zu Zwecken der Altstadtsanierung wird der Erwerb des früher Krebsschen Grundstückes, Schloßgasse 23, beantragt, ferner als Ersatz für gekündigtes Pachtgelände des Ohlystiftes der Erwerb zweier Gräfenhäuser Grundstücke von Landwirt Mager, Königstätten und zur Durchführung der schon vor Jahren beschlossenen Straßenfluchtlinie der Arheilger August-Bebel-Straße der Erwerb dortiger Geländestücke von den Herren Karl Schmitt, Peter Frey und G. W. Benz. In der Kranichsteiner Straße 66 ist der Verkauf von 50 qm städtischen Grundeigentums beantragt, um dem Besitzer Heinrich Riedel die Anlage einer ordnungsgemäßen Einfahrt zu ermöglichen.

Aus einer Vorlage über einen Geländetausch mit der Aachen-Münchener am Kasinostraßeneck ist zu entnehmen, daß der dort entstehende Bau so schnell wie möglich alle Dienststellen des amerikanischen Arbeitsamtes aufnehmen soll. Für den Kanalbau und die Planierung des Platzes an der Stadtkir c h e wird die Bereitstellung von 15 500 DM und für den Kanalneubau in der Arheilger Woogssiedlung die von 70 000 DM beantragt. In Arheilgen hat sich auch als notwendig herausgestellt, das Feuerwehrgerätehaus an der Bachgasse durch einen Anbau für Geräte, eine Wohnung und heizbare Unterrichtsräume zu erweitern. Selbsthilfearbeit, der Wehr wird die Kosten mit 30 000 DM niedrig halten.

Eine Vorlage, die eine Aussprache auslösen könnte, betrifft die Instandsetzung der Kälberschlachthalle des Schlachthofes, für die 29 000 DM aus der bereits bewilligten Gesamtbausumme von 120 000 DM angefordert werden. Die Debatte, die etwa entstehen könnte, dürfte

Ein Zimmerbrand entstand gestern gegen Abend in einem Friseurgeschäft in der Sandbergstraße. Der Feuerwehr gelang es rasch, den Brand abzulöschen. Als Brandursache wird Bohnerwachs, das auf einem Ofen erhitzt wurde und sich entzündet hatte, vermutet.

sich jedoch nicht auf diese Einzelheit, sondern auf allgemeine Fragen beziehen^ die mit Schlachthof und Viehmarkt zusam-

menhängen. Auch über die neuen Preise für die Schwimmhalle kann eine Aussprache erwartet werden. Hierzu lag dem Finanzausschuß ein Antrag vor, die verbilligten Preise für Jugendliche bis zu 18 Jahren auch auf Minderbemittelte und Erwerbslose auszudehnen. Unseren im Donnerstagblatt mitgeteilten Informationen zufolge wurden nur die Studenten und Schüler über 18 Jahre in den Kreis der Begünstigten einbezogen. Der weitergehende Antrag ist im Ausschuß mit nur 5 gegen vier Stimmen abgelehnt worden. Ebensowenig herrschte Einmütigkeit über den Antrag, die Preise für Wannenbäder in den Vorortgemeinden Eberstadt und Arheilgen wieder auf den alten Preis von 70 Pf. (bisher 60 Pf.) festzusetzen. Er ist im Ausschuß mit 5 gegen drei Stimmen, bei einer Enthaltung angenommen worden. Man wird also die Stimmen im Plenum zählen müssen. p. D.

Wie wird das Wetter ?

Temperaturrückgang

Vorhersage: Am Wochenende wolkig mit Aufheiterungen, trocken und nicht mehr so mild. Höchsttemperatur 11 bis 13 Grad. Nördliche Winde. Weitere Aussichten: Vielfach heiter, trocken, nachts Frostgefahr.



Wohin gehen wir heǔte?

Landestheater: Orangerie, 20.00 Uhr „Helden“, Komödie v. B. Shaw; Ende gegen 22.15 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Achtung! Atomspione!“; Thalia: „Eine Heilige unter Sünderinnen“; Nachtvorst.: 22.45 Uhr: „Kleines Herz in Not“; B e 1 i d a : „Nach Regen scheint Sonne“; Nachtvorst.: „Der perfekte Mörder“; Palast: „Das gibt es nur in Texas“; Hansa: „Die Sonnhofbäuerin“; 14.00 Jugendvorst, und 22.30 Nachtvorst.: „Pat und Patachon im Paradies“.

Landesmuseum: 10—16 Uhr, „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“.

Christengemeinschaft, Herd weg 31: 19.30, Vortrag: „Die Geburt unseres gegenwärtigen Zeitalters in der Sicht des Sehers Johannes“, v. Lic. R. Göbel, Marburg.

ǔnd morgen?

Lisndestheater: Orangerie, 15.00 Uhr: „Tannhäuser“, Romant. Oper v. Richard Wagner. (Gastspiel v. Joach. Sattler.) Ende gegen 18.30 Uhr.

Lichtspieltheater: wie Samstag, mit Sonderveraijstaltung im Thalia: 11.00 Uhr: „Kleines Herz in Not“.

Hygiene-Lichthof, N e c k a r s t r. 3: 10 bis

18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leihen“. Landesmuseum: 10—16 Uhr, „Gedächtnisausstellung. Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“.

Wir gratǔlieren

79. Geburtstag: Herr Schuhmachermeister Peter E 1 z e r , Darmstadt, Landwehrstr. 14 (22. 10.).

Der Richtbaum ist gestellt

In der vergangenen Woche flatterten wieder von einer großen Zahl Richtkränze m Darmstadt die bunten Bänder, zum Zeichen, daß unsere Stadt wieder aus den Trümmern ersteht und unsere Kraft durch die Bombennächte des Krieges nicht gebrochen wurde. Wir bringen nachfolgend einige Ausschnitte von Richtfesten, zu denen unsere Mitarbeiter eingeladen worden waren.

Aufbau im Dienste der Kinder

Am Donnerstagnachmittag wurde das Richtfest des neuen evangelischen Kindergartens in der Waldkolonie festlich begangen. Der Initiator des Bauvorhabens, Herr Pfarrer Ring, konnte außer den beteiligten Bauarbeitern und deren Firmenleitern auch den leitenden Architekten, Herrn J. Reutlinger, begrüßen. In seiner Ansprache führte er aus, daß es höchste Zeit sei, eine neue größere Tagesunterkunft für die noch nicht schulpflichtigen Kinder zu schaffen, da nach der Beschädigung der alten Räumlichkeiten in der Lessingschule nur ein Teil der Kinder provisorisch im Paul-Gerhardt-Haus untergebracht werden konnte. Das neue Gebäude solle aber nicht nur unseren Kleinsten dienen, denn in dem teilweise ausgebauten Keller werde der heranwachsenden Jugend ein Bastelraum zur Verfügung gestellt. Außerdem sollen im Dachgeschoß die Gemeinde- und die Kindergartenschwester Wohnung finden. -th-

Vier Baustellen beim Bauverein

Der Bauverein für Arbeiterwohnungen, eine gemeinnützige A.G., die in diesem Jahr stürmischen Aufschwung erlebte, hatte am Donnerstag einen großen Kreis zum fröhlichen Richtfest geladen.

Es war wirklich ein Grund zum Feiern, denn 108 Familien werden im Frühjahr glücklich sein, ihr eigenes Heim beziehen zu können. Für 60 Wohnungen in der Bismarckstraße, 28 in der Kranichsteiner Straße 6, in der Hochstraße und 14 am Rhönring konnte der Bauverein den Richtbaum aufstellen. Die Zimmerleute der Firma Däch e r t, Eberstadt, sprachen die Richtsprüche. Der ge¬ "mütliche Teil mit „Bier und Rippche“ folgte im „Heilig Kreuz“.

Herr. Stadtrat Dr. Holtzmann begrüßte die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, die Angehörigen der einzelnen Baufirmen und besonders den Vertreter der Frankfurter Hypothekenbank, die mit zu den maßgebenden Geldgebern des Bauvereins zählt. Ebenfalls anwesend waren die ausführenden Architekten, Peter Müller.— er ist bereits 20 Jahre für den Bauverein tätig —, Herr Kappler, Reg. -Baumeisterin Liesbeth Arn e t, und Herr Letsche. Dr. Holtzmann dankte allen Anwesenden für ihre Arbeit und insbesondere den Geldgebern des In- und Auslandes.

Wie wichtig der Wohnungsbau für Darmstadt ist, beweist uns die Tatsache, daß vor dem Krieg für 115 000 Menschen 115 000 Wohnräume zur Verfügung standen, während sich heute 94 000 Menschen mit 60 000 Wohnräumen begnügen müssen.

Der Bauverein für Arbeiterwohnungen wurde bereits 1866 gegründet. Die Anregung dazu gab seinerzeit Herr v. W e - sterweller, der bei einem England-Besuch das dortige Siedlüngswesen bewunderte und den Gedanken nach Darmstadt übertrug. Drei Häuser aus den damaligen Anfängen stehen heute noch unzerstört am Taunusring. Sg.

Richtfest in der Hügelstraße

Dieser Tage feierten die Bauarbeiter mit dem Bauherrn und einigen Gästen das Richtfest zum viergeschossigen Wohnhaus, Hügelstraße 24l/z. Herr Kern, der Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins, dankte den am Bau tätigen Maurern der Firma Sarnes, den Zimmerleuten der Firma Hau ry , sowie dem Architekten Karl Schembs für die allseitig bewiesene Einsatzfreudigkeit. Sein besonderer Dank gaH dem Geschäftsführer des Hausbesitzervereins, Dr. Gregor Ziegler, der nichts unversucht ließ, um die Finanzierung des Baues sicherzustellen. Durch die Fertigstellung werden insgesamt 10 Vier-Zimmer-Wohnungen neu geschaffen oder von dem weiteren Verfall geschützt. Der frohe Richtschmaus wurde im Restaurant Sitte abgehalten.

Philippina dort in „aller Stille priesterlich

copuliert“ wurde. Bis zum letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts teilten sich bürgerliche Gemeinde und Kollektenkasten in die finanziellen Lasten zur Unterhaltung des Turmes. Dann wurde die Unterhaltspflicht auf die Evangelische Gesamtgemeinde übertragen. Wer konnte damals ahnen, daß sie über ein halbes Jahrhundert später über ihr Vermögen mit Aufbauaufgaben belastet sein würde! P. D.

Ein Turm muß gesichert werden

Er ist Generationen lieb geworden ... und auch heute noch teuer

Gutachten wurden eingeholt, ob sein Mauerwerk nicht so unter der Hitze des großen Brandes gelitten haben könnte, daß das Bauwerk bedroht erscheinen müsse. Risse im Gemäuer ließen das vermuten. Nun wird durch eingelassene Glasstreifen geprüft, ob der Stein „arbeitet“. Eine unmittelbare Gefahr wurde bisher nicht festgestellt, aber irgendetwas muß doch geschehen, denn Frost und Hitze, die Felsen zerbröckeln, werden auch dem Turm zusetzen, wenn er weiter sich selbst überlassen bleiben sollte. So wird er wohl versteift werden und es müssen Decken eingezogen werden.

Der Turm der Stadtkirche hatte nicht immer das Aussehen, dessen wir uns erinnern. Noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges besaß er ein von vier Ecktürmchen umgebenes hochspitzes Dach. 1628 wurde er bis auf das unterste Stockwerk abgerissen. Der neue Turm erhielt dann auch eine Türmerwohnung. Von dort erklang dreimal am Tage die dreistimmige Blasmusik. Dort wurde darauf geachtet, ob nicht ein Brand ausgebrochen sei oder Feinde sich näherten. 1733 ist eine Trauung in luftiger Höhe abgehalten worden, als d<s Bierbrauers Nungesser Sohn Johann Georg mit des Turmmannes und Stadtmusikus Geibel Tochter Johannetta


Eng, nach vieler Meinung zu eng, schmiegen sich die kleinen Ladenhäuser um den ausgebrannten Stadtkirchenturm. Er bereitet der Bauaufsicht manche Sorge.
Eng, nach vieler Meinung zu eng, schmiegen sich die kleinen Ladenhäuser um den ausgebrannten Stadtkirchenturm. Er bereitet der Bauaufsicht manche Sorge.

Willy Reicherts gute Laune ...

... steckte an — aber auch sein Gähnen

Das Thalia-Theater war ausverkauft. Der Abend begann mit Willy Reichert. Der Abend endete mit Willy Reichert. Auf dem Programm stand: „mit und um Willy Reichert.“ Eigentlich war es nur Willy Reichert, obgleich auch seine Part-

ner etwas konnten. Die Stimmung war glänzend, Reichert hervorragend, seine Witze brillant, was man daran merkte, daß die meisten Zuschauer und -hörer immer erst dann zündeten, wenn Willy die Lippen spitzte... und er spitzte sie im Laufe des Abends sehr oft...

Neben ihm sahen wir noch Oskar Heiler, der — zusammen mit Willy Reichert — sein Glanzstück in „der anderen Hälfte“, eine vom Rundfunk her bekannte „Häberle-und-Pfleiderer-Szene“ gab. Yori Tong sollte laut Ankündigung eine rätselhafte schöne Tänzerin aus dem fernen Osten sein. Wir waren gespannt. Der sie umhüllende Stoff war zweifellos kostbar, deshalb wohl auch so sparsam verwendet. Im übrigen machte sie auf La Jana. Nur war sie keine Zweifellos exotisch, schlank, rank, aber noch nicht ausgewachsen in ihrem Können. Ihr Lächeln sollte besser einstudiert werden; es macht einen so tragischen Eindruck, wenn sie ihre hübschen Zähne bleckt. Von Desute, die wir einmal mit Yoni Tong zusammen tanzen sahen, ist nicht viel mehr zu sagen, außer, daß sie uns als der ruhende, blonde Gegenpol zu der dunklen Yori schien. Elisabeth Amann, die mit Willy Reichert in den. „Lumpen“ auftrat, klagte über die Männer, wozu sie eigentlich keinen Grund hatte, denn es gehört etwas mehr Vamp dazu, wenn man einen weiten rückten Dichter mit „Realitäten“ fesseln will. Können und Charme zeigten Mac d y und Gabor, das klassische Meisterpaar auf dem Akkordeon. Sie blond, er blond. Beide schlank, mit „Musike im Bauch“. Die Vorhänge, die sie bekamen, waren verdient. Schade, daß das Programm so schnell zu Ende war. Das Sitzen ermüdete diesmal nicht. Man hatte Abwechslung, Freude und Entspannung. -zr-


Willy Reichert bedrängt in einer Szene des Stückes „Die Lumpen“ seine hilfesuchende Partnerin, Elisabeth Amann. Foto: Hemme
Willy Reichert bedrängt in einer Szene des Stückes „Die Lumpen“ seine hilfesuchende Partnerin, Elisabeth Amann. Foto: Hemme

Bereitschaftsdienste

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst: (v. 21. 10., 13 Uhr, bis 28. 10., 8 Uhr). Darmstadt: Adler-Apotheke, Mathildenplatz 20 (Tel. 714), und Gutenberg-Apotheke, Kittlerstraße 34 (Tel. 3444). Darmstadt-Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Straße 26 (Tel. 221). Darmstadt-Arheilgen: Arheilger Apotheke, Dieburger Straße 20 (Tel. 604). Zahnärztlicher Sonntagsdienst (von 10—12 Uhr): 22. 10. Dr. Langenbach, Da.-Arheilgen, Darmstädter Straße 50.

Die Sendeprogramme vom 22. bis 28. Oktober 1950

Hessischer Rundfunk (Frankfurt Kassel, Fritzlar)

Mittelwelle: 208,47 m (1439 kHz)

UKW-Sender: Feldberg 92,9 MHz, 3-m-Band

Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10), 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 LJhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.

Sonntag 22. Okt. 6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Evangelische Morgenfeier 9.15 Moment mall 9.30 Die Vögel unter’ dem Himmel. Dichtung und Musik 10.00 Kammermusik-Matinee 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Volkstümliches Konzert 13.00 Musik nach Tisch 14.30 Der erste Patient 15.00 Der gemeinsame Weg 15.15 Meister ihres Faches 15.45 Der Sindlinger Äppelkrieg 16.05 Sport und Musik 17.00 Tanztee mit Willy Berking 17.45 Orchester der Welt 18 45 Deutsche Fragen 20.00 Zauber der Melodie 22.10 Snortbericl’te 22.25 „Mit vorzüglicher Hochachtung“. Eine heitere Sendung 23.00 Melodie zur Mitternacht

Montag, 23. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Heimkehrer-Meldungen 11.15 Schulfunk; An der Küste und im Watt 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Jazz II 16.00 Scherzi und Capriccien 16.45 Das Krokodil. Eine heitere Geschichte 17.00 Der Tageslauf in Lied und Wort 18.00 Keiner fragt: „Warum?“ 18.30 Musette-Musik 18.45 Deutsche Fragen 20.00 Biologie und Tennis 21.10 Unterhaltungskonzert 21.45 Dolf Sternberger spricht 22.15 Die bunte folge 23.00 Die dämonische Nacht. Ein Romankapitel von Walter Gottfried Klucke 23.10 Musik mit Charme

Dienstag, 24. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Jazz 11 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Schulfunk: „Gas“ von Georg Kaiser 16.00 Chorkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Klingende Landschaft 18.00 Frauen des Hauses Oranien 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 Barnabas von Geczy spielt 18.45 Deutsche Fragen 20.00 Tanzabend 22.15 Das Abendstudio

Mittwoch, 25. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Volkstümliche Klänge 9.05 Fünf Minuten Außenhandel 9.10 Klaviermusik und Lieder von Bach, Haydn und Carl Loewe 11.15 Schulfunk: „Gas“ von Georg Kaiser 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Stücke für Violine und Klavier 14.15 Schulfunk: Paul Eipper erzählt: Von Elefanten 14.45 Klaviermusik 15.05 Unterhaltende Musik 15.40 Unser Purzelbriefkasten 16.00 Schule und Elternhaus 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Der werktätige Mensch 18.20 Die Schlager-Apotheke 18.45 Deutsche Fragen 20.00 „Tannhäuser“, Oper von Richard Wagner (1. u. 2. Akt) 22.30 Was gibt es Neues? Von Bühne und Film • 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz

Donnerstag, 26 Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Paul Eipper erzählt: Von Elefanten 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Thomas G. Masaryk 15.05 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Besuch bei Theo Mackeben 16.50 Was Frauen interessiert 17.00 Im Volkston 18.00 Hörerlieblinge. Es singt Vico Torriani 18.30 Eine Viertelstunde mit Will Glahe 20.00 Neues und Bewährtes aus dem Plattenalbum 20.50 Blick auf Europa 21.00 „Tannhäuser.“ Romantische Oper in 3 Akten von Richard Wagner (3. Akt) 22.15 Den Freunden der Dichtung 22.45 Nachtkabarett 23.00 Tanzmusik

Freitag, 27. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.55 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk: Thomas G. Masaryk 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Das Panorama 14.15 Schulfunk: Auf der Insel Pellworm 16.00 Viteslav Novak: „Pan“ 16.45 Für junge Menschen 17.00 Unterhaltende Weisen 17.40 „Am Rande . . " 18.00 Funk-Feuilleton: Wissen und Leben 18.15 Rhythmische Klänge 18.45 Deutsche Fragen 20.00 Operettenrevue 21.00 In diesen Tagen 21.10 Französische Kammermusik und Lieder 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Bunte Herbstpalette 23.00 Breslau, Stätte geistiger Erinnerung • 23.20 Swing-Rhythmen

Samstag, 28. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Volkstümliche Klänge 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Magazin des Schulfunks 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 „Das aktuelle Interview“ 15.10 Durch die weite Welt: Finnland 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Papuläre Melodien großer Meister 18.00 Recht für jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 18.45 Deutsche Fragen 20.00 Familie Hesselbach 20.45 Ein Tanzpotpourri mit Willy Berking 21.30 „Raten Sie mit!“ Ein Quiz zwischen London und Frankfurt 22.10 Sportergebnisse 22.20 Konzertante Tanzmusik 23.00 Tanz zum Wochenende

Südwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz>

(Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00. 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr

12.20 Volksmusik und Chorgesang 13.30 Opernmelodien 14.15 Frohe Melodien 17.00 Das Südwestfunk-Unterhaltungs-Orchester 18.00 Aus Literatur und Wissenschaft 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Sinfonie-Konzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Nachtgespräch: „Der schwarze Song“ 23.30 Fröhlicher Ausklang!

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik am Nachmittag 17.00 Literatur der Landschaft 17.20 Solisten-Konzert 18.20 Aus der Welt des Sports 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Neue Schallplatten , 21.00 Aus der Welt der Oper 22.30 Klaviermusik

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.00 Für die Schuljugend: Merkst du was? 15.30 Sinfonie-Konzert 16.30 Sang und Klang Im Volkston 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operettenkonzert 20.45 Hörspiel: „Der Tod des Handlungsreisenden“ 22.30 Musik der Welt

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musikalische Teestunde 17.00 Bücherschau 17.15 Solisten-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Das Prisma 22.20 Aus Wissenschaft und Technik 22.30 Klaviermusik

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 16.15 Nachmittags-Konzert 17.00 Neue Musikliteratur 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein Tanzabend 21 10 Klingende Kleinigkeiten 22.30 Mozärts geistige Welt (I). Konzert für Klavier und Orchester F-dur 23.30 Für Kenner und Liebhaber

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik zur Teestunde 16.30 Klaviermusik 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Kammermusik 20.45 Das unheimliche Tor 21.30 Volksmusik und Chorgesang 22.30 Schöne Melodien

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Frohes Wochenend 15 15 Opernmelodien 16.00 Unser Samstagnachmittag 17.15 Sang und Klang im Volkston 17.45 Reisebilder aus Spanien 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche 22.15 Sportrundschau und Musik

Süddeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 523 m (574 hHz)

(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)

Nachriehfensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00, 52.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr

12.00 Musik am Mittag 13.00 Neue Schallplatten 14 00 Stunde des Chorgesangs 14.30 Lustiges Kasperle-Hörspiel 15.00 Frohes Raten — Gute Taten 17.00 „Die letzte Tat.“ Ein Hörspiel (nach Selma Lagerlöf) 17.35 Kammermusik 18.00 Bunte Melodien 20.05 Die Wiener Philharmoniker. Dirigent: Wilhelm Furtwängler 22.00 Leichte Klaviermusik

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Konzertstunde 18.25 Musik zum Feierabend 19.30 Was meinen Sie dazu? 20.00 Musik für Jedermann 22.15 Tanzmusik aus der Schweiz 22.00 Zeitgenössische Musik 22.45 Dichter lesen aus ihrem Werk. Rolf Mayr 23.15 Liederstunde

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Klaviermus'ik 18.20 Klänge der Heimat 20.00 „Der Bajazzo“, Oper von Leoncavallo 21.15 Literarisches Rätselraten 21.50 Blick in die Welt 22.00 Die Rundfunktanzkapelle 22.45 „Sherlock Holmes verschenkt tausend Pfund“ 23,15 „Night and day“, Melodien

12.00 Musik am Mittag 15.30 Walter Dürr und seine Rhythmiker 16.00 Von Dichtern und Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.00 Christentum und Gegenwart 17.15 Kleines Orchesterkonzert 18.20 Melodien von Johann Strauß 20.00 „Kain lebt!“ Ein Hörspiel. 21.00 Das Stuttgarter Kammer- • otchester 22.00 Südliche Tanzweisen

12.05 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 16.50 Begegnungen mit Pablo Picasso 17.10 Hausmusik 18.25 Schöne Opernmelodien 20.00 Ein bunter Abend 21.50 Blick auf Europa 22.00 Orgelmusik 22.30 „Hertzsche Wellen“ 23.10 Kleine Serenade

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Froh und heiter 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 21.05 „Ostasien - gestern und heute“ 22.00 Tanzmusik 22 45 Die Schmunzelecke 23.15 Zur Unterhaltung

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert r 16.45 Filmprisma 17.00 Vom Guten das Beste 17.15 Zum Fünf-Uhr-Tee 18.20 Kleines Konzert “ 20.00 „Amor auf Reisen." Ein großer musikalischer Querschnitt 21.00 Familie Staudenmaier 22.00 Schöne Stimmen 22.30 Tanzmusik

Nordwestdeutscher Runedfunk

Mittelwelle: 309 m (971 kHz)

(Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)

Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr 12,45, 16.45, 19.45, 21.45 24.00 Uhr

12.00 Sang und Klang 13.00 Volkstümliches Konzert 15.30 Was ihr wollt 17.30 Unterhaltungsmusik 18.00 Meisterwerke der Musik 20.00 Unterhaltungskonzert 22.20 Im Rhythmus der Freude 23.50 Zur Nacht

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Filmmusik 14.30 Musik nach Tisch 15.40 Unterhaltungskonzert 16.50 Kammermusik 18.00 Gut gelaunt 20.00 Sinfoniekonzert 22.45 Tanzmusik

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Kompositionen von Werner Eisbrenner 15.00 Virtuose Unterhaltungsmusik 15.40 Bekannt und beliebt 16.50 Kammermusik 18.00 Musik zum Feierabend 20.00 Das Leben des Walzerkönigs 22.45 Musik erklingt

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Aus dem Sauerland 16.50 Die Komponisten Scarlatti 18.05 Musik zum Feierabend 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank 21.00 Johann Sebastian Bach. Aus dem Orgelschaffen 23.00 Kurt Wege spielt

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Unterhaltungsmusik 16.50 Russische Lieder und Romanzen 20.00 „Caliban.“ Hörspiel von Otto Rombach 21.05 Klavierquintett op. 64 von Ernst Toch 22.15 Tanzmusik 23.00 Nachtprogramm

12.00 Musik zur Mittagsmuse 14.15 Tänze aus aller Welt 15.40 Musikalische Kleinigkeiten 16.50 Klaviermusik und. Lieder 18.00 Und jetzt ist Feierabend 20.00 „Julius Cäsar.“, Oper von Händel 22.15 Lichter und Lampen 23.00 Nachtprogramm

12.00 Frohes Wochenend 13.20 Mittagskonzert 15.30 Chormusik 17.00 Musikalisches Mosaik 20.00 Bummel am Abend 22.15 Johannes Brahms. Konzert für Violine und Orchester 23.05 Tanzmusik

[NACHRUF Durch einen Unglücksfall wurde unser Mitarbeiter, Herr Abteilungsleiter äItCF Senfft plötzlich aus unserer Mitte gerissen. Unser Institut verliert in dem so früh Dahingeschiedenen einen wertvollen Mitarbeiter. Er war in den vielen Jahren seiner Tätigkeit bei der Bank immer ein äußerst tüchtiger, gewissenhafter Beamter von vorbildlicher Pflichttreue, den wir auch wegen seines lauteren Charakters hoch schätzten. Bei seinen Kolleginnen und Kollegen erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Wir werden dem Entschlafenen ein ehrendes Gedenken bewahren. Direktorium und Betriebsrat der Hessischen Landesbank —Girozentrale — Darmstadt, den 19. Oktober 1950. Einäscherung heute, Samstag, 11.30 Uhr. Waldfriedhof

Nadi längerem Leiden entschlief heute im Alter von 71 Jahren meine liebe Mutter, Großmutter und Schwiegermutter, Frau Margarethe Hoffarth Wwe. geb. Kühn In stiller Trauer: Familie Eduard Jllert und alle Angehörigen Darmstadt (Kasinostraße 13), den 20. Oktober 1950 Die Beerdigung findet am Montag, dem 23. Oktober 1950, um 15 Uhr, von :..... ..... ...... I

Bestattungen am Samstag, dem 21. Oktober 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 9.15 Schnorr, Wilhelmine, Rhönring 44, 65 Jahre 10.30 Glömme, Gottfried, Ahlystraße 53, 69 Jahre Waldfriedhof: Feuerbestattungen: 11.00 Faber, Margarethe, Feldbergstraße 97, 76 Jahre 11.30 Senfft, Walter, Bankbeamter, Bessunger Forsthaus, 51 Jahre

Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen KARL HESS ERIKA HESS geb. Kostenwein Darmstadt Jugenheim a. d. B. Rheinstraße 38 Darmstädter Straße 45

Statt Karten Ihre VERMÄHLUNG geben bekannt: Georg Eisenhauer Annemarie Eisenhauer geb. Kippel Neunkirchen Gadernheim 21. Oktober 1950

STARKENBURG

IdH setzt Gedenkstein

Um ihre Kriegsgefallenen und bei der Aussiedlung Umgekommenen zu ehren, plant die Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen, auf dem Friedhof zu Worfelden einen Gedenkstein zu errichten. Die Gemeindevertreter beschlossen in einer Sitzung, dafür einen Zuschuß zu geben. Ein weiterer Beschluß betraf die Pflasterung der Neustraße, soweit diese noch keine feste Straßendecke hat. Die Bewerbung des Lehrers Burhenne um die noch nicht besetzte Hauptschullehrerstelle wurde befürwortet.

Mustermöbel im Klasenzimmer

Im Rahmen der Modernisierung und Neuerrichtung von Schulräumen erweist sich an vielen Orten des Kreisgebietes Groß-Gerau die Notwendigkeit, bisherige Schulmöbel nach Möglichkeit durch eine moderne Einrichtung zu ersetzen. Schulrat Schwedes gelang es, zü Ausstellungszwecken von der Schulmöbelfirma Casala die komplette Ausstattung für einen Schulraum für längere Zeit leihweise unentgeltlich zu erhalten. Die Möbel, die Später auch bei einem Nachlaß von 30 ’/• käuflich erworben werden können, sollen in einem Raum der Schillerschule Groß-Gerau in Benutzung genommen werden. Dadurch hofft man, die neuartige Einrichtung an Ort und Stelle auf ihre Verwendbarkeit in größerem Maße erproben zu können und auch an anderen interessierten Gemeinden Gelegenheit zur Besichtigung und Prüfung geben zu können. eng

Volkshochschule Bergstraße

im November

Die Volkshochschule Bergstraße (Jugenheim), die Seeheim, Jugenheim, Balkhausen, Alsbach und Bickenbach zu ihrem Bereich zählt, beginnt im November im Lesesaal des Education Service Center (Jugenheim) mit einer Vortrags- und Aussprache-Reihe. Die Schule wird in Seeheim wieder unter sachkundiger Leitung ds Kreis-Obst- und Gemüseverbandes in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftsschule und der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt (Darmstadt) Vorträge halten. In Arbeitsgemeinschaft mit dem Pädagogischen Institut auf dem Heiligenberg »Wird die Schule eine Reihe von Vorträgen und Uebungen veranstalten, die sich mit den Anliegen und Fragen der pädagogischen Praxis eingehend beschäftigen werden. Auch heimatkundliche Vorträge mit größeren Wanderungen und Halbtags-Heimatgängen in der näheren Umgebung sind vorgesehen. hl.

Wie wäre die Antwort ausgefallen?

Worte, die Niemöller nicht erreichten

Eine Resolution, die zurückgezogen wurde

Anläßlich der Synode des Dekanats Groß-Umstadt, am 19. Oktober in Reinheim, wurde der nachfolgende Antrag zu einer Resolution an Kirchenpräsident Pastor Niemöller gestellt, der, nachdem dem Antragsteller die errungene Mehrheit zu gering erschien, wieder zurückgezogen wurde.

Der Text der geplanten Resolution erscheint uns zu wertvoll, als daß wir ihn unseren Lesern vorenthalten möchten.

Es heißt darin wörtlich:

Die Dekanatssynode Groß-Umstadt möge beschließen:

Die Dekanatssynode des Dekanats Groß-Umstadt hat aus den vielfachen Pressenotizen Kenntnis genommen von einer Rede und einem Brief des Herrn Kirchenpräsidenten in der Frage der Aufrüstung der Bundesrepublik.

Die Rede wurde anläßlich des Männertages in Beerfelden gehalten und der Brief an den Herrn Bundeskanzler geschrieben.

Ohne zu der Richtigkeit oder Unrichtigkeit der in der Rede und in dem Brief geäußerten Gedanken über eine etwaige Wiederaufrüstung Stellung zu nehmen, bittet die Synode den Herrn Kirchenprä-

sidenten Niemöller dringend und herzlichst, sich in seinen persönlichen Aussagen, die er in der Oeffentlichkeit über die Frage der Wiederaufrüstung macht, Zurückhaltung aufzuerlegen, solange er das Amt des Kirchenpräsidenten bekleidet.

Die Synode glaubt, daß weder der Herr Kirchenpräsident noch sonst irgend ein einzelner Bischof der Evangelischen Kirche Deutschlands kraft seines Amtes die Vollmacht besitzt, die Meinung des ganzen Kirchenvolkes über diese Frage darzulegen.

Die Synode fürchtet aber auch, daß derartige persönliche Aussagen eines Kirchenführers, wenn sie für die Oeffentlichkeit bestimmt sind, nicht die Gemeinschaft der Gläubigen bauen hilft und dadurch auch nicht die Herde Christi recht geweidet wird, sondern, daß durch derartige Aussagen die Gemeinde zerrissen und in Zwietracht gestürzt wird, denn die persönliche Meinung läßt sich von der amtlichen nicht trennen.

Die Evangelische Kirche kennt kein unfehlbares Lehramt weder in Glaubensfragen noch in den Fragen des bürgerlichen, politischen Lebens und es ist nicht geraten, etwas wider das Gewissen zu tun. Es besteht die große Gefahr, daß viele Christen unserer Kirche in große Gewissensnot geraten, wenn in einer so schicksalhaften und noch so umstrittenen und unübersehbaren Frage die Stellung dieser Kirche von Seiten ihres leitenden Mannes durch eine derartige Einflußnahme auf die öffentliche Meinung und das politische Geschehen festgelegt wird. DT

Empörung der Vernunft

Vor rund achtundvierzig Stunden trafen in Reinheim geistliche und ■ weltliche Mitglieder der ehemaligen Dekanatssynode Groß-Umstadt zur Aufteilung in die Dekanate Groß-Umstadt und Reinheim zusammen. Eine Anlage zu dieser Sitzung sah die Absendung einer Resolution

an den Kirchenpräsidenten Pastor N i e - mö 11 e r vor, in dem die starke Mißbilligung bezüglich seiner in Beerfelden gehaltenen Rede und seines an den Bundeskanzler gerichteten Briefes zum Ausdruck kam. Daß. dieses Schreiben später nicht zur Veröffentlichung gelangte, lag daran, daß die wohl erhaltene Mehrheit dem Antragstelerl zu gering erschien. Weshalb man von diesem Schritt Abstand nahm.

Allerdings wird dies nichts an der Tatsache ändern können, daß nun einmal eine Mehrheit sich gegen das Verhalten des Kirchenpräsidenten aussprach. Dies in einer Art und Weise, die niemanden im Unklaren läßt, wie man über seine Reden und seine Handlungsweise denkt. Nicht etwa nur in mißbilligender Form, sondern vor allem in einer z u - rechtweisenden, die über jeden Zweifel erhaben ist. Bezeichnend der Schlußsatz: „Es be-

steht die große Gefahr, daß viele Christen unserer Kirche in große Gewissensnot geraten, wenn in einer so schicksalshaften und noch so umstrittenen Frage die Stellung dieser Kirche von Seiten ihres leitenden Mannes durch eine derartige Einflußnahme auf die öffentliche Meinung und das politische Geschehen festgelegt

wird.“ Damit verdichtet sich der Ring der Briefe und Resolutionen gegen Niemöller um ein weiteres Exemplar. Aber auch Steinchen um Steinchen lockert sich in einem Gefüge, das wohlgebaut schien, aber nunmehr zu wanken droht.

Wird man es sich aber noch einmal leisten können, eine Spaltung herbeizuführen? Oder wäre es nicht dienlicher, eine verkehrt aufgefaßte Berufung einzusehen und sich für das eine oder andere zu entscheiden? Man möchte annehmen, daß es für die

Sache der Kirche besser sei, sich einzig und allein auf den eigenen Sektor zu beschränken und die Finger aus der Politik und der Einflußnahme auf die öffentliche

Meinung zu lassen. Dies allerdings würde voraussetzen, daß Pastor Niemöller zur Einsicht gebracht werden könnte. Womit nicht gesagt werden soll, daß er weder noch, sondern vielleicht ein guter Geistlicher oder ein guter Politiker sein könnte. Was auf einem anderen Blatte zu verzeichnen wäre. Götz von Gumpen



Bergsträßer Bürgermeister am Konferenztisch

Sitzung der Ortsoberhäupter in Neckarsteinach

Nach nahezu ’Ajähriger Pause hatte Landrat Dengler gestern die Bürgermeister des Kreises Bergstraße zu einer Besprechung nach Neckarsteinach zusammengerufen. Vor allem die Ortsoberhäupter aus dem Odenwald und der Bergstraße waren erschienen, während das Ried nur schwach vertreten war. Als Vertreter von Regierungspräsident Arnoul nahm Oberregierungsrat Reul in g teil. Zeitweilig war auch der Kreisresident Officer anwesend.

Reg.-Rat Lindner sprach zuerst über: „Zuzug außerhalb der Familienzusammenführung“. Er ging auf die rechtliche Seite der Angelegenheit ein und betonte, daß kein Bürgermeister in der Lage sei. eine polizeiliche Anmeldung etwa aus Gründen der Wohnraumverknappung abzulehnen. Oberforstrat Heid e n - reich gab sodann Erläuterungen über Natur und Landschaftsschutz und die entsprechenden Begleiterscheinungen. Besonders behandelte er eingehend die Frage der gemeindlichen Waldwirtschaft. Er unterstrich, daß der Wald stets zum Besten der Gemeinde erhalten und gepflegt werden müsse. Die Aufstellung von Waldwirtschaftsplänen müsse weiterhin erfolgen, um das wertvollste Gut der Gemeinden nicht verkommen zu lassen. Sondereinhiebe könnten nur in den äu¬ ■ßersten Fällen genehmigt werden und auch nur dann, wenn Vorratsverhältnisse und Ertragsmöglichkeiten ausreichend gesichert seien.

Mr. Goodnight versicherte im Anschluß daran, daß er jederzeit dort, wo die Kreisbehörden nicht mehr zur Hilfe in der Lage seien, den Bürgermeistern wie allen Bürgern zur Verfügung stehe.

Kreisinspektor Fas ser unterstrich sodann erneut die große Bedeutung, die heute dem Feuerlöschwesen zukomme. D;e geographische Lage des Kreises Bergstraße lasse die Verhältnisse im Feuerlöschwesen außerordentlich variabel werden und bedinge eine vielseitige Aufmerksamkeit.

Dr. Schenk ging als Vertreter des Roten Kreuzes näher auf die von seiner Warte aus. in Erscheinung tretenden Probleme um Krankheit und Gesundheit ein. Er verwies auf die zahlreichen Aufgaben,

die das Rote Kreuz zu seinen ursprünglichen Bemühungen übernommen habe, und nannte die Probleme, die sich dadurch vor allem hinsichtlich der Finanzierung ergeben. Außerdem müsse unbedingt auf die Nachwuchsfrage hingewiesen werden, da das Rote Kreuz derzeit d:e einzige deutsche Organisation sei, die bei Katastrophenfällen einsatzfähig und ausreichend vorbereitet ist.

Bürgermeister Schwabe legte seinen Kollegen die Beteiligung an einem Werbeprospekt des Gebietsausschusses Odenwald-Bergstraße zur Forcierung des Fremdenverkehrs nahe. Er soll in einer Auflage von 30 000 Stück gedruckt werden. Der hessische Staat gibt 3000 DM zu den Unkosten; die meisten Landräte sowie die Stadt Darmstadt werden ebenfalls einen Betrag zur Verfügung stellen.

Kreisinspektor Hartmann ging als letzter näher auf die technischen Voraussetzungen der Landratswahlen am 19. November ein und gab den Bürgermeistern hierzu wichtige Details bekannt. -r

Kulturring der Jugend hält erste Arbeitstagungs in Dieburs

Der im Verlauf der vor kurzem in Dieburg durchgeführten musischen Arbeitswoche gegründete „Kulturring der Jugend“ wird am Sonntag, 29. Oktober, im Bischöfl. Konvikt seine erste Arbei'stagung abhalten. Auf dem Tagungsplan sind Basteln, Laienspiel, Volkstanz urd Singen vorgesehen. Gleichzeitig soll d e Besprechung der Satzung des Jugendringes und die Wahl der endgültigen Geschäftsführung erfolgen. (rfd)

DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenendreportage“

Kräne - Kohlen - Kies - Schiffe

Schiffe fast aller europäischen Nationen gleiten auf ihrer Fahrt in das große Becken des Gernsheimer Hafens Hauptumschlagplatz für Odenwald, Bergstraße, Darmstadt und Ried

Es ist schon kühl geworden und schwere düstere Wetterwolken liegen über dem Wasser des Gernsheimer Hafens. Ein kleines schnelles Motorfahrzeug bringt eine Gruppe von Arbeitern der Wasserstraßenverwaltung, die ihre Nachen von dem Boot schleppen lassen, von der Baustelle, irgendwo im Strom, heim. Das unbewegliche Wasser des Hafenbeckens läuft mit kleinen Wellen an die Ufer und quirlt an den dunklen Leibern der großen Lastkähne hoch. Dann ist alles wieder ruhig.

Der abendliche Frieden wird nur noch unterbrochen durch das Geräusch eines großen Krans, der gleich einem ins Ueberdimensionale gesteigerten Spielzeug aus einem Märklin-Baukasten. rastlos hin- und h^rlaufend, seinen riesigen Greifer in die mit Kohlen oder Kies gefüllten Schiffsleiber sausen läßt. Haben seine Riesenhände zugepackt, so hebt er die Last, in seinem ganzen Stahlgerippe bebend, hoch und entleert sie in einen der in langen Reihen stehenden Waggons. In der Nacht beleuchten große Scheinwerfer die Arbeitsstätte.

An der Kaimauer liegen die Schiffe der Holländer, Schweizer, Franzosen, Belgier und Deutschen Bord an Bord friedlich nebeneinander. Alle haben nur den einen Wunsch, recht schnell abgefertigt zu werden, um mit oder ohne Last wieder auf große Fahrt zu gehen.

Seit dem Jahre 1899 — damals konnte der Ausbau des Gernsheimer Handelshafens mit einer Wasserfläche von 4 ha vollendet werden stoppen nun die Schiffe fast aller europäischen Nationen ihre Fahrt, um langsam in das große Becken zu gleiten, beladen mit Kohlen, Kies, Getreide und sonstigen Gütern.

Großzügige und moderne Anlagen, so zum Beispiel ein 5-Tonner Brückenkran, auf einer 200 Meter langen Kranbahn laufend, sorgen für einen reibungslosen Ablauf des sich stetig steigernden Umschlags.

Diesem friedlichen Tun gebot der zweite Weltkrieg vorübergehend Einhalt. Keine fremden Flaggen zeigten sich mehr auf dem Strom und stattdessen sank auch im Gernsheimer Hafen manches unter dem Bombenhagel des Krieges in Trümmer, wurden Schiffe versenkt und brannten Anlagen aus. Rasch entschlossen jedoch begann man nach Ende der Feindseligkei'en mit Aufräumungs- und Aufbauarbeiten, um den Hafen wieder betriebsfähig zu machen. Schon im Mai 1946 konnte der Umschlag wieder in Gang kommen.

Im Zuge der wiederaufstrebenden Wirtschaft durfte d!e Gernsheimer Hafenbetriebsgesellschaft und mit ihr das Wasser- und Schiffahrtsamt nicht müß:g sein, sondern gingen gemeinsam daran, über den Aufbau des Zerstör en hinaus, neue leistungsfähige Anlagen zu schaffen, die zusammen mit einer ständigen Erweiterung der Lagerkapazität auch den höchsten Ansprüchen gewachsen sein werden. Trotzdem ist der Ausbau des Hafens noch keineswegs abgeschlossen.

Als Hauptumschlagplatz für den Odenwald. die Bergstraße. Darmstadt und das gesamte Riedgebiet kommt dem Gernsheimer Hafen eine große Bedeutung zu. Gut organisierte Zubringerd’enste auf Schiene und Straße ermöglichen eine kontinuierliche Weiterverfrachtung aller im Hafen einlaufenden Güter. Daneben bietet der Becken vielen kleinen Wasserfahrzeugen, wie Sportbooten und Jachten Schutz und Unterkunft.

Ein wenig verlassen und wie es scheint auch verwahrlost liegt ein eigentlich noch recht brauchbares Strandbad im Hafen von Gernsheim. Die Planken sind dem Wetter ausgesetzt, schon ziemlich morsch geworden; gut erhalten nur noch die Umkleidekabinen. Dort aber, wo sich einstmals die Schwimmer tummelten, ist eine üppige Fauna gewachsen. Ein Dschungel seltsamen Strauchwerks macht es schwer,

darin noch ein Schwimmbad zu erkennen.

Doch der frische Wind, der hier am Abend weht, läßt hoffen, daß auch hier wieder tatkräfige Hände zupacken, so wie der scheinbar unermüdlich schaffende Riesenkran, dessen Eisengestänge schwarz und gewaltig den Hafen überragt. kr.


Das Tagwerk ist vollbracht. Ein kleines Motorboot hat die Männer vom Wasserstraßenbauamt mit ihren Nachen ins Schlepp genommen und bringt sie in den schützenden Hafen Fotos (2): Schuch
Das Tagwerk ist vollbracht. Ein kleines Motorboot hat die Männer vom Wasserstraßenbauamt mit ihren Nachen ins Schlepp genommen und bringt sie in den schützenden Hafen Fotos (2): Schuch

Abendfrieden über dem Gernsheimer Hafen. Nirgendwo ist noch Leben, nur der Kran greift unermüdlich in schier unerschöpfliche Schiffsleiber
Abendfrieden über dem Gernsheimer Hafen. Nirgendwo ist noch Leben, nur der Kran greift unermüdlich in schier unerschöpfliche Schiffsleiber

Erntedank der Jugend

In Verbindung mit dem Kulturring der Jugend veranstaltet die Schaafheime r Jugend heute und morgen ein Erntedankfest. Um 16 Uhr wird heute nachmittag der Leiter der Landvolkhochschule und Geschäftsführer des Bundes der hessischen Landjugend, Gustav Huhn, im Gasthaus „Zur Krone“ über „Probleme der ländlichen Erziehung“ sprechen. Vor der Sitzung ist Gelegenheit zur Besichtigung des Schaafheimer Heimatmuseums gegeben. Das Aufrichten des Erntekranzes geschieht am Abend auf dem Marktplatz und ist mit einem offenen Singen der Jugendgruppen und Schuljugend verbunden.

Einem Wecken des Posaunenchors Schaafheim am Sonntag um 7 Uhr folgt um 9.30 Uhr der Festgottesdienst in der evangelischen Kirche. Um 14 Uhr bewegt sich ein Festzug durch die Straßen Schaafheims, der um 15 Uhr auf dem Marktplatz mit einer Festrede des Leiters der Landvolkhochschule sowie Singen, Tanzen und Spielen der Jugend unter dem Erntekranz abschließt.

Das Fest klingt am Sonntagabend mit dem Erntetanz im „Frankfurter Hof“ aus, zu dem die Aschaffenburger Trachtenkapelle aufspielt. rfd

13 Monate für faustdicken Schwindel

Die merkwürdige „Firma Kinglust“

Arbeitsamtsangestellter als kleiner Hauptmann von Köpenick

Im wahrsten Sinne des Wortes wandelte im Sommer dieses Jahres der 44 Jahre alte Angestellte tes Arbeitsamtes Darmstart, Gustav R i n g h u t aus Reichelsheim im Odenwald, auf Hauptmann Köpenicks Spuren. „Ich wollte einmal ein Beispiel konstruieren, wie man seine Vorgesetzten betrügen kann“, meinte er. Wie er das nun machte, erfuhr man in einer gestrigen Verhandlung vor dem Schöffengericht Darmstadt.

Beim Arbeitsamt bearbeitete Ringhut die Anträge auf Zahlung von Kurzarbeiterunterstützungen. Da er wußte, wie der Arbeitgeber seine Listen anfertigt, die Unterstützung vorschießt, diese quittieren läßt und die Liste mit dem Erstattungsantrag beim Arbeitsamt einreicht, nutzte er seine Kenntnisse weidlich für seine Betrügeridee aus, von der er sich einen ansehnlichen Geldbetrag erhoffte.

Er spielte zunächst Arbeitgeber und er- fand eine Firma mit Namen „G. Kinglust, Hallenbau Darmstadt“. Dann fertigte er eine äußerlich ordnungsgemäße Kurzarbeiterunterstützungsliste für 40 gleichfalls fingierte Arbeitnehmer im Gesamtbeträge von 3732,30 DM an und versah sie mit den Unterschriften der „Firma“ und der „Arbeitnehmer“ sowie einem „Firmenstempel“, den er sich für diese Zwecke hatte anfertigen lassen. Diese Liste „reichte“ er nun ein und fälschte im nächsten Stadium eine entsprechende Auszahlungsanordnung über den Betrag von ründ 4000 DM, worin natürlich auch ganz „ordnungsgemäß“ die Krankenversicherungsbeiträge enthalten waren.

Dieses Schriftstück unterzeichnete er dann kunstgerecht mit dem nachgeahmten Namenszug des prüfenden Beamten und des stellvertretenden Arbeitsamtsleiters und brachte selbstredend auch den Anweisungsvermerk an. Das ganze gab er dann an die Kasse weiter, die den Betrag auf ein Konto „Kinglust, Hallenbau“ bei der Rhein-Main-Bank überwies, wie es der Angeklagte auf der Auszahlungsanordnung angegeben hatte.

Besagtes Konto — und das war der zweite raffinierte Trick — hatte er kurz vorher bei der Bank einrichten lassen. Zu seiner Legitimation bediente er sich einer Kennkarte, die er beim Bürgermeister in Reichelsheim als verloren, in Wirklichkeit aber noch im Besitz und so gefälscht hatte, daß er aus dem Anfangsbuchstaben R seines Namens ein K machte. Diese Kennkarte zückte er nun ganz selbstbewußt, als er am 2. August — in der Schlußetappe seines Schwindelmanövers — von „seinem“ Konto 3900 DM abhob und mit dem falschen Namen quittierte.

Er hatte sein Ziel erreicht. 900 DM verwandte er für Anschaffungen, Zahnarztrechnungen, Lotterielose und eine Urlaubsfahrt. Die restlichen 3000 DM fand man später bei einer Haussuchung, zwischen Büchern und Zeitschriften versteckt, in einer Seifendose. Bei einer der üblichen Belegrevisionen war einem Angestellten der eigenartige Firmenname aufgefallen. Der Schwindel platzte. Ringlust wurde verhaftet und angeklagt.

Das Bezirksschöffengericht verurteilte ihn nach mehrstündiger Verhandlung zu einer Gefängnisstrafe von 13 Monaten. Die Untersuchungshaft wird ihm angerechnet, da er vollauf geständig war. wst.

Die Weinlese auf dem Seeheimer Brauneberg wurde dieser Tage beendet. Die Lese, die quantitativ und qualitativ sehr gut ausgefallen ist, weist mit 92 Grad Oechsle das bisher höchste Ergebnis in diesem Weinberg auf. prs

Landesjagdrat gegen US-Iagdordnung

„Gegen deutsches und internationales Recht verstoßend“

Der Hessische Landesjagdrat, Vertretung der Jägerschaft, der Land- und Forstwirtschaft, der Gemeinden und des Naturschutzes beim Hessischen Ministerium für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit allen aktuellen Fragen des hessischen Jagdwesens.

Gegenstand der Aussprache war das neue hessische Jagdgesetz, dessen Verkündung und Inkrafttreten für Ende dieses Monats zu erwarten ist, ferner der Entwurf der Ausführungsverordnung dazu und der neuen Wildverkehrsordnung.

Eine lebhafte Debatte entstand um die US-Jagdverordnungen Nr. 5 und 6 vom 11. August, die bereits heftige Protestkundgebungen in allen Ländern der US-Zone ausgelöst haben. Die Tendenz der US-Verordnungen wurde als gegen deutsches und internationales Recht verstoßend bezeichnet. Der Landesjagdrat verwahrte sich gegenüber der in letzter Zeit von verschiedenen amerikanischen Stellen aufgestellten Behauptung, daß die auf Grund der DurchfVO Nr. 10 zum Gesetz Nr. 24 der Alliierten Oberkomrpission von der Bundesregierung zu erlassende Anordnung über Sportwaffen bisher von deutschen Stellen verzögert worden sei.

Die Landesregierung wurde ersucht, unverzüglich mit allen Mlitteln dafür zu sorgen, daß die wirtschaftlich unhaltbaren und die deutschen Jäder diskriminierenden US-Jagdverordnungen mit dem Grundgesetz, der Landesverfassung und dem Landesjagdrecht in Einklang gebracht werden, und daß endlich das Alliierte Militärische Sioherheitsamt in Berlin den ihm seit Mitte Juli vorliegenden Entwurf der „Ersten Anordnung der Bundesregierung über Sportwaffen“ genehmigt.

Es wurde angeregt, daß d'e Ministerpräsidenten der Länder der US-Zone wegen dieser Beschwerden eine gemeinsame Demarche bei dem US-Oberkommission unternehmen sollen.

Breiter Raum nahm die Beahndlung der Wildschadensfrage ein. Für den Ersatz des Wildschadens in 1943 sind vom Land Hessen aus S^aatsmitte’n rund 5 Millionen DM und in 1949 rund 4,8 Millionen aufgewendet worden. Der Jagdpachtausfall beträgt jährlich etwa 1 Million DM. Diese Schäden und Ausfälle werden sich in 1950 kaum vermindern. D:e verfehlte Jagdpolitik der Besatzungsmacht wurde dafür verantwortlich gemacht. Ob für die Schäden in 1950 aus Staatsmitteln weitere Beihilfen gewährt werden können, ist ungewiß.

Mit Befremden wurde die Erklärung der Regierungsvertreter aufgenommen, daß diese Lasten von der Besatzungsmacht nach wie vor nicht als , „Besatzungskosten“ anerkannt werden, und daß einer bundesrechtlichen Regelung dieser Frage erhebb’che Schwierigkeiten gegenüberstehen. Die , vom hessischen Finanzminister geforderte Errichtung einer „Wildschadens - Ausgleichskasse“ wurde im Hinblick auf die Eingriffe der Besatzungsmacht, die Unmöglichkeit der Jagdausübung durch Deutsche und den dadurch verursachten Pachtausfall als zur Zeit indiskutabel bezeichnet.

Da das seit 1945 bestehende totale Waffen- und Jagdverbot für Deutsche praktisch fortdauert, sieht sich der Landesjagdrat außerstande, eine höhere Pachtzahlung als 10 bis 25 Prozent des vereinbarten Jagdpachtzinses zu empfehlen, wenngleich in vereinzelten Ausnahmefällen vielleicht eine höhere Pachtzahlung in Betracht komme.

Die Erörterung dieser und zahlreicher anderer Fragen ergab eine völlige Übereinstimmung der im Landesjagdrat vereinigten Interessentengruppen.

Gerade noch einmal davongekommen

Keine Auflösung der Bensheimer Goethegesellschaft

Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung, die die Bensheimer Goethegesellschaft am Donnerstagabend im Bahnhofshotel hielt, stand die Frage einer etwaigen Auflösung.

Dr. Bentz gab als erster Vorsitzender einen kurzen Ueberblick über die Entstehung und Entwicklung der Gesellschaft und wies unter anderem darauf hin, daß die Vereinigung besonders im Anfang mit ganz erheblichen Schwierigkeiten zu kämnfen hatte. Durch die Passivität, speziell der Mitglieder bei den Veranstaltungen in der letzten Zeit, sei die Goethegesellschaft trotz stetigem Anwachsen der Mitgliederzahl (auf 250) in eine finanziell sehr wenig erfreuliche Lage gekommen. Es sei daher weiterhin nicht mehr möglich. d:e großen Unkosten bei den verschiedenen Veranstaltungen zu tragen, wenn die- Einnahmen nicht besser würden.

Der Kassenverwalter, Studienrat Hering. gab hierauf einen genauen Bericht über die Einnahmen und Ausgaben: Hiernach belaufen sich die Gesamteinnahmen im letzten Jahre auf 5862,35 DM, die Ausgaben auf 5847,10 DM.

Als erster Diskussionsredner ergriff Bügermeister Treffert das Wort, unterstrich die Bedeutung der Goethegesellschaft für das kulturelle Leben Bensheims und schlug eine Werbung innerhalb der Behörden und öffentlichen Aemter vor. Auch bei der Saalfrage sagte er seine Unterstützung zu. Da der Etat für dieses Jahr abgeschlossen sei, müsse leider zunächst von größeren Zuwendungen abgesehen werden. Jedoch solle im nächsten Jahr ein größerer Betrag für kulturelle Zwecke bereitgestellt werden. Selbstverständlich rangiere d:e Goethegesellschaft hierbei an erster Stelle.

Im Laufe der weiteren Aussprache wurde der Antrag, den Mdgliedsbeitrag von 50 Pfg auf 1.- DM zu erhöhen, dafür aber den Mitgliedern den Eintrittspreis bei Vorträgen zu erlassen und nur bei musikalischen und besonderen Veranstaltungen e'nen den Unkosten entsprechenden Aufschlag zu erheben, einstimmig angenommen. Ebenso emstimmig wurden Vorsitzender und Kassenverwalter ermächtigt, die Honorare für die Künstler festzusetzen.

Es geht um Dieburgs kostbarsten Besitz

Aufnahme von ERP-Darlehen für Aufforstung und Wegebau im Stadtwald

Dem Dieburger Gemeinderat lag am Donnerstagabend wieder ein schwieriges Problem zur Entscheidung vor: der Waldwirtschaftsplan, der außerhalb des •Tahresetats behandelt wurde. Er sieht eine Einnahme von 103 778 DM und eine Ausgabe von 103 132 DM, also einen Ueberschuß von rund 600 DM, vor. Wenn die Stadtverwaltung trotzdem um 20 000 DM Herabsetzung ersuchen mußte, dann hatte das seinen Grund darin, daß ein erheblicher Teil der Waldkosten im ordentlichen Haushalt untergebracht ist, der bekanntlich mit einem Defizit von 30 000 DM schließt und deshalb kürzlich abgelehnt wurde.

Vor der eigentlichen Behandlung dieses Punktes gab Forstmeister Germann eine Uebersicht über die Waldverhältnisse der Gemeinde, die erkennen ließ, welche Summen aufgewendet werden müssen, um einen Vermögenswert von 2,5 Millionen DM. wie ihn der Dieburger Wald darstellt, wieder auf Normalstand zu bringen bzw. zu erhalten. Im diesjährigen Waldwirtschaftsplan sind 50 000 DM für Aufforstung und 26 000 DM für Wegeinstandsetzung vorgesehen. Wegen der finanziellen Lage der Gemeinde, so erklärte Forstmeister Germann, könne man die Wegearbeiten noch zurückstellen, dagegen müßten die Kulturarbeiten durchgeführt werden, wenn der Wert des Waldes nicht noch weiter sinken solle. Die zur Durchführung der notwendigsten Kulturarbeiten fehlenden 20 000 DM könnten durch Aufnahme einer ERP-Anleihe bei äußerst günstigem Zinssatz aufgebracht werden. CDU, FDP und KPD sprachen sich für dieses Darlehen aus, während die SPD Vorbehalte machte: man könne den Ge-

meinden nicht zumuten, Schäden, die der Krieg verursacht habe, alleine zu tragen. Sie forderte deshalb Zurückstellung des W aldwirtschaf tsplanes.

Der Antrag der Wollfabrik Schupp auf Ankauf von Gelände zur Erweiterung ihres Betriebes wurde genehmigt. Der Dieburger Geschäftswelt soll auf besonderen Antrag die Marienschule für den geplanten Weihnachtsmarkt zur Verfügung gestellt werden, obgleich dadurch der Unterricht unliebsam gestört werde.

Forum auch für Frauen

Der erste öffentliche Diskussionsabend des neugebildeten Forums in Reichelsheim war sehr erfolgreich. In dem vollbesetzten Saal des „Schwanen“ wären jedoch nur zwei Frauen anwesend. Offenbar sind die Reichelsheimerinnen der irrigen Auffassung, das Forum sei ausschließlich eine Angelegenheit der Männer.

Postinspektor Keller, Lindenfels, und Eisenbahnamtmann Adler von der SEG Darmstadt sprachen über die Reichelsheimer Post- und Verkehrsverhältnisse. In der Aussprache wurden zahlreiche Verbesserungsvorschläge für neue Omnibuslinien nach Erbach und Lindenfels, besonders für einen „Berufsschulbus“ nach Erbach gemacht. Zur Frage der Unrentabilität der Reinheim-Reichelsheimer Bahn forderten die Bürger entschieden ihre Beibehaltung.

Der nächste Diskussionsabend findet am 15. November im Gasthaus zur „Eisenbahn“ statt. Thema „Wohnungs- und Schulhausneubau“. Referenten: Kreisarzt Dr. R i n t e 1 e n und Regierungsrat Z örg i e b e 1 von der Kreisverwaltung Erbach, der auch bei dem ersten Abend zugegen war. ch

90 Jahre Bonifatius-Krankenhaus

Das St.-Bonifatius-Krankenhaus in Hirschhorn feierte am Mittwoch das Fest seines neunzigjährigen Bestehens. Dekan Quink er t, Lorsch, hielt am Vormittag in der kleinen, sinnvoll geschmückten Hauskapelle einen Festgottesdienst ab, wobei er einen umfassenden Rückblick über das Werden und Wachsen des Hauses gab. Der Singchor aus Lorsch umrahmte mit seinen Darbietungen die Feierstunde.

Das Krankenhaus ist eine der ältesten Stationen des Mutterhauses „Von der göttlichen Vorsehung“ in Mainz. Eip Altersheim, ein Kindergarten und eine Nähschule wurden später angegliedert.

Aktuelles Zwischen gestern und heute

Tragischer Unglücksfall im Bensheimer Tonwerk

Bei Bauarbeiten im Bensheimer Tonwerk kam in den Morgenstunden gegen 9 Uhr ein junger Schweißingenieur ums Leben. Eine Gerüststange fiel um und traf ihn mit dar Spitze auf den Kopf Er war sofort tot. HB

Platter Reifen verhindert Flucht

Dem Strafrichter des Amtsgerichtes Reinheim wurde der 47 jährige Maschineiibaumeister A. St. aus B i c kn n - b a c h vorgeführt, gegen den Haftbefehl und Einlieferung in die Strafanstalt Dieburg erlassen wurde.

St. steht im Verdacht des Wilderns im Neunkirchener Jagdrevier. Als er von einem Förster aus Lützelbach in Neunkirchen gestellt wurde, versuchte er rmt seinem Motorrad zu flüchten. Dieses Vorhaben konnte von dem Förster durch einen Schuß in den Reifen verhindert werden. Trotz der Aufforderung, sich b!s zum Eintreffen der Gendarmerie zur Verfügung zu halten, verließ St. später Neunkirchen mit dem Fahrrad.

Der als Mittäter angesehene K. aus Neunkirchen wurde vom Amtsgericht Reinheim wieder nach seinem Wohnsitz entlassen. (Le.)

Abgebremster Taxifahrer

Unter Einbeziehung einer früher verhängten Strafe erhielt gestern der einschlägig vorbestrafte Kraftfahrer Anton W. aus Niedernhausen vom Schöffengericht Darmstadt zwei Jahre und zwei Monate Gefängnis.

Mit dem Wagen seines Arbeitgebers fuhr er in Darmstadt für die Taxi- Corporation. In dieser Eigenschaft steckte er Beträge von rund 55 DM, die er eingenommen hatte, in die eigene Tasche. Ebenso eignete er sich zehn Dollar an, die ihm eine Zeugin zum Umtausch gegeben hatte. In einem weiteren Falle ging er zu einem bislang unbekannten Weinhändler in Darmstadt, spiegelte diesem vor, er benötige einen kleinen Betrag zur Bezahlung einer dringenden Reparatur an dem Taxiwagen seines Chefs, da er nachts unbedingt fahren müsse. Das Geld ein Betrag von 200 DM verbrauchte er jedoch für sich. wst.

Muh muh im Kellerloch

In Unter-Ostern vermißte der Bäcker G. kürzlich seine Kuh. Trotz eifrigen Suchens konnte sie nicht aufgefunden werden, obwohl sie im Haus war. An den Keller hatte niemand gedacht. Die Kuh war durch den Kellereingang, der sich in der Scheune befindet, hinuntergestürzt. Erst als sie sich durch Brüllen bemerkbar gemacht hatte, fand man sie. Mit zwei Flaschenzügen mußte sie wieder herausgezogen werden. ptoo.

Willer ein Raubmörder?

Der im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf den Regierungsbaurat a. D. Storck von der Kriminalpolizei gesuchte, flüchtige Gelegenheitsarbeiter Heinz Willer steht in dem Verdacht eines Raubmordes in einem anderen Teil Deutschlands. Dies geht aus einer polizeilichen Mitteilung an die Kripo-Inspektion Darmstadt hervor. Bisher konnte der 24jährige, gegen den auch ein Haftbefehl wegen Einbruchsdiebstahls vorliegt, noch nicht aufgegriffen werden.

Der im Kainsbacher Fall zunächst gleichfalls verdächtigte und später auch festgenommene Fred Elke kommt in dieser Sache nicht mehr als Täter in Frage, da er ein korrektes Alibi nachweisen konnte. Der zuständige Staatsanwalt hat Haftentlassung beantragt. wst.

Brandursache aufgeklärt

Die Ursache des Kühlhausbrandes in Babenhausen, über den wir bereits berichteten, konnte jetzt festgestellt werden. Ein im Motorraum des Kühlhauses äbgestollter Wäschekorb fing durch Funkenflug Feuer. Da der Metzgermeister bei seinen Eltern in Harpertshausen weilte, wurde der Brandgeruch erst sehr spät bemerkt. (NB)

Orgelweihe in Hahn

In feierlichem Gottesdienst wird morgen die Kirchenorgel der evangelischen Gemeinde Hahn durch den Propst von Starkenburg eingeweiht. Der Wiederaufbau der durch Kriegsschäden stark mitgenommi len Orgel kommt einem Neubau gleich. In großer Opferwilligkeit hat die Gemeinde das Werk ermöglicht, nachdem sie bereits die Wiederherstellung der Schwerbeschädigten Kirche durchgeführt hat. Die Arbeit wurde durch die Orgelfirma Walcker durchgeführt, die das Werk technisch modernisierte und mit zweimanualigem Spieltisch ausgerüstet hat. Die Orgel, die von Organist Friedrich Eidenmü 11 e r (Darmstadt) am Sonntag gespielt wird, überrascht durch ihren vollen und frischen Klang.

Beim Wäscheaufhängen stürzte in Nauheim eine Frau vom Balkon ihres Hauses. Sie mußte mit schweren inneren Verletzungen in ein Darmstädter Krankenhaus übergeführt werden. (-au-)

Das Bils der Heimat


DER HABERMANNSTURM IN ERBACH
DER HABERMANNSTURM IN ERBACH

Junge Künstlergeneration übt sich beizeiten

Mal-Ausstellung in der amerikanischen Lesehalle Heppenheim

Um die im Kind schlummernden künstlerischen Anlagen zu wecken und hervortretende Neigungen zu unterstützen, wurde im Amerika-Haus in Heppenheim vor vier Monaten ein unentgeltlicher Malunterricht eingerichtet. Zur Zeit nehmen zirka 35 Kinder im Alter von vier bis dreizehn Jahren daran teil. Erfüllt von Eifer sitzen sie mit erhitzten Köpfen um einen großen Tisch und lauschen zunächst den Anleitungen des Heppenheimer Kunstmalers Roland. Er ist bemüht, der „jungen Künstlergeneration“ als Grundlage zum Malen das tatsächliche Sehen der Farben in der Natur zu zeigen und ihnen die richtige Aufteilung der Fläche beizubringen. Die Kinder dürfen selbst beschließen, ob sie etwas Selbstgewähltes oder als Aufgabe Gestelltes malen wollen. Dann geht es an die Arbeit. Jedes möchte natürlich das schönste Bild fertigbringen. Roland läßt seine Schüler u. a. mit Tusche auf kleine Glasplatten malen. Dann zeigt er ihnen die durch einen Apparat vergrößerten Bildchen, um ihnen alle Mängel und Fehler deutlich vor Augen zu führen. Ganz allmählich werden so die Kinder fachmännisch der Malerei zugeführt.

Die erste, vom 16. bis 28. Oktober in der Lesehalle laufende Ausstellung eines Teiles der bisherigen Arbeiten der Kinder läßt vorerst den Eindruck gewinnen, der Maler führe seine Schüler der modernen Kunst zu. Das ist keineswegs der Fall. Die Anfangsarbeiten zeigen noch das Festhalten an den Details und entbehren jeglichen Weitblicks. Im nächsten Arbeitsstadium ließ der Künstler die Kinder verschwenderisch mit den Farben umgehen, um den Sinn für ihr Zusammenwirken und den Blick für Farbenharmonie zu wecken. In der dritten Etappe entstanden bereits hübsche Landschaften, Köpfe. Blumen, Vasen und Phantasiegebilde. Am Mittwoch, dem 25. Oktober, um 20 Uhr wird Herr Roland in der Lesehalle zu den Eltern seiner Schüler über die Arbeitsweise des Malens sprechen, um sich ihnen verständlich zu machen, erh

Wieder Wohnungskommission in Bürstadt

Auf Anraten des Bürgermeisters erklärte sich die Wohnungskommission in Bürstadt bereit, ihre Arbeit aufzunehmen. Sie hatte diese so lange eingestellt, bis der seitherige Leiter des Wohnungsamtes, Kaspar Schramm, seinen Posten verlassen hatte. (Wir berichteten hierüber bereits ausführlich.) Es wurde beschlossen, im Verlaufe eines jeden Vierteljahres einen Teil der Kommission durch neue Mitglieder auszuwechseln. Außerdem soll der Bürgermeister einen ständigen Sitz in der Kommission haben, um die Zusammenarbeit zwischen beratendem und ausführendem Organ erfolgreich gestalten zu können. (bb)

Glocken der Freiheit

Resident Officer Thomas J. Mul ve - hi 11 und Landrat Harth haben in einem Aufruf die Bürgermeister und Kirchenbehörden des Kreises Groß-Gerau, die den Freiheitskreuzzug bejahen, gebeten, sich dahingehend zu verständigen, daß im Kreis gemeinsam mit der übrigen freiheitsliebenden Welt am Mittwoch, dem 24. Oktober, für zwei Minuten die Glocken läuten. An diesem Tag, der Vereinten Nationen wird die Freiheitsglocke, eine der größten Glocken der Welt, nach einer langen Fahrt durch die USA in Berlin als Symbol des Kreuzzuges der westlichen Welt für den Frieden geläutet werden. Cng

Bezirks-Verein „Modautal“ in Nieder-Modau gegründet

Auf Veranlassung von Obstbauinspektor Oberhauser trafen sich in Nieder-Modau die Obstbauinteressenten des Modautales und umliegender Gemeinden sowie alle Mitglieder der bestehenden Obst- und Gartenbauvereine zur Gründung des Bezirks-Obst-und Gartenbauvereins „Modautal“. Zum ersten Vorsitzenden wurde Bäckermeister Gg. Ludwig, Nieder-Modau, einer der größten Obstanbauer des Modautales gewählt. Der neue Bezirksverein umfaßt alle Gemeinden des Modautales von Nieder-Modau bis einschließlich Neunkirchen sn””° aiip seitlich angrenzenden Gemeinden. Es wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, am Sonntag, dem 25. November, eine Obst- und Gartenbau-Ausstellung in Nieder-Modau durchzuführen. An der Bundes-Obstausstellung in Stuttgart war der Verein bereits mit sehr gutem Erfolg beteiligt. (Ms)

Kultursfilmprogramm für den Stadt- und Landkreis Darmstadt

Montag, 23. Oktober: Amerika-Haus Darmstadt. 19.30 Uhr.

u m o u Ci m L , Ulli. Dienstag, 24. Oktober: Eschollbrücken, Kreislugendausschuß. 20 Uhr.

i uLA.cn, xxi eisjugenuausscnuis, zu unr. Mittwoch, 25. Oktober: Weiterstadt, Jugendfilmstunde, 16.30 Uhr. Nieder-Beerbach, Kreisjugendausschuß, 20 Uhr.

Donnerstag, 26. Oktober: Ober-Modau, Filmabend, 20 Uhr. Hähnlein, Kreisiusendausschnß 20 TThr

rkiexsjugenaausscnun, zu unr. Freitag, 27. Oktober: Matchen, Kreisjugendausschuß, 20 Uhr.

Samstag, 28. Oktober: Pfungstadt, Kreisjugendausschuß, 20 Uhr.

unsre Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herr Heinrich Geißler VI. und Ehefrau Margarete geb. Pilger. Babenhausen, Waldstraße 10, und die Eheleute Heinrich Baumann 11., Bad König, Kimbacherstraße 114, sowie die Eheleute Heinrich Eisenhauer, Wallbach. Ortsstraße 13. 80. Geburtstag: Herr Andreas Freiberger. Kaufmann, Heppenheim a. d. B , Fürther Straße 165. 4Cjähriges Arbeitsjubiläum: Herr Leonhard Breunig, Bahnwärter, Hetzbach i. Odw., Oberdorf 113, bei der Bundesbahn. 81. Geburtstag: Herr Karl Hermann, Berkach, Hauptstraße 13. 79. Geburtstag: Herr Georg Wilhelm Schneider, Wolfskehlen, Darmstädter Straße 7. 78. Geburtstag: Herr Johann Riedel, Gustavsburg, Darmstädter Landstraße 29. 72. Geburtstag: Frau Margarete Rupp, Raunheim, Mainzer Straße 34. 71. Geburtstag: Frau Karoline F e i d e 1, Groß-Gerau, Jahnstraße 15. 70. Geburtstag: Frau Ida Baukus, Trebur, Kirchgasse 8.

DER SPORT

Die 98 er haben in Waldhof eine Chance

Gastgeber müssen ersatzgeschwächt antreten / Diesmal keine Mannschaftsänderung „Lilien“ mit starkem Anhang in Mannheim

Ein Sieg der Darmstädter auf dem herrlichen Rasen des neuen Waldhofplatzes wäre eine Sensation, denn die Blau-Schwarzen haben sich trotz ihres schlechten Tabellenplatzes daheim bisher nur vom Tabellenführer FSV Frankfurt mit 1:0 schlagen lassen und blieben in der vergangenen Saison vor eigenem Publikum sogar ohne jede Niederlage. Und doch haben die Darmstädter eine reelle Chance, nicht weil sie in den bisherigen Oberligaspielen von den Mannheimer Mannschaften die meisten Punkte holten, auch nicht, weil Waldhof am 23. April in einem Freundschaftsspiel 3:2 geschlagen werden konnte, oder weil am letzten Sonntag wieder ein Sieg glückte, der einen Aufschwung arizudeuten schien, sondern weil der Sturm der Mannheimer Vorstädter nach dem Weggang ihres Spielmachers Lipponer nach Ludwigshafen nicht mehr den Elan und die Durchschlagskraft von einst besitzt.

Im Spiel gegen den FSV wurde zudem Hölzer, der beste ihrer verbliebenen Stürmer, verletzt und mußte sich In diesen Tagen einer Meniskusoperation unterziehen. Nicht genug damit, am vergangenen Sonntag wurde beim Lokalderby gegen den VfR noch ihr zuverlässiger Verteidiger Rößling herausgestellt. So werden die Gastgeber am Sonntag nicht ohne Sorgen das Spielfeld betreten, woraus die 98er Kapital schlagen können.

So schwach wie morgen werden die Waldhöfer so leicht nicht mehr anzutreffen sein. Die „Lilien“ aber, in bester Aufstellung, körinen nach ihrem Erfolg gegen Neckarau ohne Hemmungen den Kampf auf fremdem Platz aufnehmen.

Vor genau einem halben Jahr bekamen wir die „Waldhofbuben“ im Hochschulstadion zu sehen Wir konnten die glänzenden Abwehrparaden des Torwarts Skudlarek bewundern, eines der besten seines Faches in Süddeutschland. Neben dem blonden Standardverteidiger Siegel wird Schall anstelle des gesperrten Rößling eingesetzt werden. Am besten besetzt ist die Läuferreihe, mit Kling, Krämer, Rendler, von denen letzterer zusammen mit Skudlarek in einer der Südmannschaften stehen wird, die am 12. November gegen Südwest und West antreten werden. Im Sturm wird das Hauptaugenmerk auf die beiden alten Füchse, den sehr aktiven Herbold und den schon etwas behäbigen Fanz zu legen sein, neben denen es den Junioren Ißlinger und Strehl nocl^ an der nötigen Routine fehlt. Den Linksaußen Schnepp kennen wir noch von den Aufstiegsspielen der 98er her. Damals stürmte er beim 1. FC Pforzheim und knallte den Lilien zwei Dinger in den Kasten, die ihnen fast den Aufstieg gekostet hätten.

Darmstädter! Begleitet Eure Elf am Sonntag zum Spiel gegen den SV Waldhof! Im Sonderzug der Bundesbahn sind noch Plätze frei! Abfahrt Sonntag, 1,2-30 Uhr, ab Hauptbahnhof. Fahrpreis 2,20 DM.

Wie gut der Ruf der Waldhöfer heute ist, beweist die Tatsache, daß sie für Anfang November als Trainingspartner der Schweizer Nationalmannschaft nach Zürich eingeladen worden sind. Die Waldhofbuben liegen an drittletzter Stelle in der Tabelle, da sie auswärts noch keinen einzigen Punkt holen konnten. Und doch ist wohl jeder davon überzeugt, daß sie wieder an die berühmten Zeiten der alten Waldhofschule anknüpfen und am Saisonschluß einen höheren Tabellenplatz einnehmen werden. Ihr Trainer Rebell kann auf Nachwuchskräfte zurückgreifen, wie sie kaum ein anderer Verein in Deutschland aufzuweisen hat. Wenn die sympathische Elf zur Zeit auch etwas in Nöten ist, weil ihrem Sturm ein Durchreißer und Vollstrecker fehlt, so wird sie doch eines Tages wieder kommen. Ob der Umschwung allerdings schon am Sonntag festzustellen sein wird, ist zu bezweifeln.

Wenn die Darmstädter die momentanen Schwächen ihres Gegners auszunutzen verstehen, werden ihre im Sonderzug nach Mannheim eilenden Anhänger diesmal hoffentlich mehr Gelegenheit bekommen, sich bemerkbar zu machen, als beim Spiel gegen den FSV in Frankfurt, wo die „Lilie“ schon zur Halbzeit arg zerrupft am Boden lag. Mit der „Neckauauer“ Elf, die nur im Sturm eine geringfügige Umstellung erfährt, sollte diesmal wenigstens ein Punkt geholt werden können.

SVWaldhof: Skudlarek; Siegel, Schall; Rendler, Krämer, Kling; Ißlinger, Herbold, Franz, Strehl, Schnepp.

SV Darmstadt 98: Ruhl; Mühlbach, Abt; Herder, Schmidtmer, Leichtlein; Reeg, Thalheimer, Bohmann, Barth, Herwig.


Wird’s ihn die Waldhof-Schule lehren, Wie Punktekontos sind zu mehren?
Wird’s ihn die Waldhof-Schule lehren, Wie Punktekontos sind zu mehren?

Deutscher Meister gegen Tabellenführer

Fußball-Sonntag mit „allen Schikanen“ in den ersten Ligen

H. Kl. Die Meisterschaftsanwärter in Nord, Süd und West, die aus den Kämpfen am vorletzten Oktober-Sonntag ungerupft herauskommen, dürfen sich glücklich schätzen: sie sind ihrem begehrten Ziel zweifelsohne ein gutes Stück nähergekommen. Erreicht ist es damit allerdings bei weitem noch nicht, denn zu viele Punktspiel-Sonntage liegen noch vor uns, die sicherlich eine recht erhebliche Anzahl von Ueberraschungen, von Rückschlägen und unerwarteten Punktgewinnen bringen werden. Das Programm spricht eigentlich schon ohne Kommentar für sich selbst:

1. Liga Süd VfL Neckarau—Vfß Mühlburg (Sa) Eintracht Frankfurt—Vfß Mannheim SC' Waldhof—Darmstadt 98 FC Singen—Spvgg Fürth BC Augsburg—München 1860 Vfß Stuttgart—FSV Frankfurt 1. FC Nürnberg—Schweinfurt Kickers Offenbach—Schwaben. Augsburg Bayern München—SSV Reutlingen

2. Liga Süd 1. FC Bamberg—ASV Durlach VfL Konstanz—Bayern Hof Ulm 46—Wacker München SG Arheilgen—ASV Cham SV Wiesbaden—Vikt. Aschaffenburg SV Tübingen—l. FC Pforzheim Jahn Regensburg—FC Freiburg TSV Straubing—Stuttgarter Kickers Union Böckingen—Hessen-Kassel

1. Liga West Fortuna Düsseldorf—Schalke 04 Duisburger Spvggg—1. FC Köln Rheydter Spvgg—Spfr. Katernberg RW Oberhausen—Borussia Dortmund Preußen Dellbrück—Alemannia Aachen - RW Essen—Hamborn 07 STV Horst—Spvgg Erkenschwick Preußen Münster—Borussia M.-Gladbach

1. Liga Nord Eimsbüttel—Hamburger SV Bremerhaven 93—FC St. Pauli Hannover 96 —Altona 93 Werder Bremen—Eintracht Braunschweig Göttingen 05—Bremer SV Eintracht Osnabrück—Vfß Oldenburg SV Itzehoe—VfL Osnabrück Holstein Kiel—Concordia Hamburg

Der Süden blickt also wieder einmal nach Stuttgart, wo der Deutsche Meister Vfß sich mit dem augenblicklichen Tabellenführer FSV Frankfurt auseinanderzusetzen hat. Am vergangenen Wochenende kam der FSV trotz seiner Niederlage gegen den Lokalrivalen Eintracht noch einmal mit einem blauen Auge davon, da zur gleichen Stunde auch die Verfolger Federn lassen mußten. Daß die Frankfurter am Sonntag wieder so gut wegkommen werden, glauben wir kaum. So wird mit den Punkten auch die Spitzenposition dahinschwinden. Es bleibt nur abzuwarten, ob die Blau-Schwarzen sie noch einmal zurückörobern werden. Vor einer keineswegs leicht zu nehmenden Aufgabe steht auch die Spielvereinigung Fürth in Singen, und auch der 1. FC Nürnberg darf Schweinfurt 05 nicht auf die leichte Schulter nehmen.

In der 2. Liga Süd wird der Meisterschaftsaspirant Jahn Regensburg spielend mit dem FC Freiburg fertig werden. Nicht so leicht hat es der zweite Anwärter, Stuttgarter Kickers, beim TSV Straubing. Eine weitere Punkteinbuße wird der VfL Konstanz durch Bayern Hof erleiden, und auch die Viktoria Aschaffenburg muß sich beim SV Wiesbaden mit einer Niederlage vertraut machen.

„Rot-Weiß“ oder „Königs-Blau“ heißt die Frage bei der ewig jungen Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und Schalke 04 im Westen. Noch ist Fortuna als einzige Mannschaft des Westens ungeschlagen. Sie kann es auch am Sonntag bleiben, der Erfolg wird ihr allerdings nicht leicht gemacht werden. Kaum weniger heiß hergehen wird es in den übrigen Treffen. So wird einmal Alemannia Aachen bei Preußen Dellbrück beweisen müssen, daß man auch auswärts Punkte holen kann, und darüberhinaus hat auch Borussia Dortmund in Oberhausen noch nicht gewonnen.

Göttingen 05, das sich vor den Hamburger Vereinen vor acht Tagen an die Tabellenspitze der 1. Liga Nord setzte, kann diese Position mit einem Sieg über den Bremer SV halten. Der Hamburger SV wird den Niedersachsen aber dicht auf den Versen bleiben, wenn er sich beim Lokalgegner Eimsbüttel —den Erwartungen entsprechend — durchsetzt. Auch der FC St. Pauli wird sich kaum auf weitere Experimente einlassen und seine immer noch guten Aussichten bei Bremerhaven 93 wahren.

Am Mühlchen gastiert ASV Cham

Teilen die Bayernwäldler das Schicksal Hofs?

Die SGA empfängt am Sonntag Gäste aus dem bayerischen Wald. Der ASV Cham, der vor Beginn der Spiele hier so gut wie unbekannt war, hat sich bisher in der 11. Liga hervorragend geschlagen. Die Mannschaft steht heute in der Spitzengruppe an 4. Stelle der Tabelle. Nur 3 Punkte trennen sie von dem Spitzenreiter Bayern Hof. Wie alle bayerischen Mannschaften sind auch die Chamer große, kräftige Gestalten, die einen schnellen und kampfbetonten Fußball spielen. Neben einer guten Verteidigung ist vor allem der Sturm die Stärke der Mannschaft. Der rechte Flügel mit Burckhardt undAngermayer sowie der Halblinke,Weber 11, sind alle drei gefürchtete Torschützen. Dieser Umstand ist es, der die Chamer an die Spitze brachte, daß sie nicht einen Torjäger, sondern deren drei haben. Die Mühlchesleute stehen also wiederum vor einem schweren Spiel. Der vergangene Sonntag hat das Vertrauen zu einer unparteilichen Spielleitung bei den Vorstädtern schwer erschüttert. Scheinbar hat man an verantwortlicher Stelle die Auswärtsspiele der Arheilger nicht so schwer genommen und deshalb Leute zur Spielleitung beordert, denen einerseits jegliche Erfahrung auf dem glatten Parkett der höheren Klassen fehlt, die andererseits aber auch nicht das Herz haben, sich gegen die Platzfanatiker mit der erforderlichen Unparteilichkeit durchzusetzen. Aus allen Blättermeldungen geht einheitlich hervor, daß kein Spieler der Arheilger am vergangenen Sonntag den Ball absichtlich mit der Hand spielte — was allein strafbar wäre — und daß es ausgeschlossen war, daß der Schiedsrichter ein solches Vergehen feststellen konnte. Lediglich die Schreie einzelner Fanatiker, die unter allen Umständen zu einer Entscheidung zu Gunsten von Wacker München kommen wollten, veranlaßten den Schiedsrichter zur schwersten Strafe gegen die Gäste — eigentümlich, immer die Gäste — zu schreiten.

Die Mühlchesleute rüsten sich zu diesem Gang mit allem Ernst. Sie wollen unbedingt beweisen, daß sie auch den Vereinen der Spitzengruppe gewachsen und daß es andere Umstände sind, die sie nicht nach oben kommen lassen. Die in ganz Süddeutschland gefürchtete Verteidigung steht auch morgen wieder ihren Mann. Interessant ist. daß Arheilgen trotz des Debakels in Straubing heute bei weitem nicht mehr die meisten Minustore hinnehmen mußte. Ein Zeichen, wie gerade die hinteren Reihen wieder erstarkt sind. Nach wie vor liegen die Schmerzen beim Sturm. Hier wird noch zu hoch und zu umständlich gespielt. Die Vorstädter werden auch morgen wieder eine kleine Aenderung im Angriff vornehmen, um die Durchschlagskraft zu heben.

Der Ausgang ist vollkommen offen. Arheilgen kann diese Punkte nur dann einziehen, wenn mit derselben Begeisterung, demselben Einsatz und der gleichen Kameradschaft gekämpft wird, wie in den beiden letzten Spielen. Die genaue Mannschaftsaufstellung, die nur an eins, zwei Steilen eine Aenderung erfahren dürfte, wird erst kurz vor Spielbeginn bekanntgegeben. Die Mannschaft aus Cham spielt mit Kumpfmüller; Groitl, Wagner; Hoffmann I, Weindl, S. Weber; Burkhardt, Angermayer, Legin, Weber 11, Giesen. Hewe.

Kassel 03 vor Punktgewinn

In der Hessischen Fußball-Landesliga bietet sich dem ungeschlagenen Spitzenreiter CSC 03 Kassel am 9. Spieltag die Chance, durch einen Heim-Erfolg über den stark enttäuschenden Vfß Friedberg den Abstand zu seinen Verfolgern weiterhin zu vergrößern, zumal der Zweite, Olympia Lampertheim, bei Eintracht Wetzlar vor einem schweren Auswärtsspiel steht. Auch der zweite Neuling in der Spitzengruppe, der VfL Marburg, wird in Hanau durch den Hessischen Pokalmeister einer ernsthaften Prüfung seines Könnens unterzogen werden. Der 1. FC Rödelheim sollte sich dagegen durch einen Erfolg über die Spvgg. 52 Griesheim weiter in der Spitzengruppe vorschieben. Auch Borussia Fulda dürfte sich auf Grund des Platzvorteils gegen Union Niederrad knapp behaupten und im Kasseler Lokalderby darf man einen Erfolg von Hermannia über den VfL erwarten. Mit einem ausgeglichenen Verlauf ist in den Begegnungen Spvgg. Bad Homburg—Rot-Weiß Frankfut und SV Kassel—SG Hessen Hersfeld zu rechnen. Die Opel-Elf wird gegen Germania Bieber einen schweren Stand haben und auch der FV Hessisch-Lichtenau hat gegen den VfL Biedenkopf noch nicht gewonnen.

Kreisklasse Erbach ohne Höhepunkte

Das Programm des 7. Spielsonntags, das wohl kaum eine Ueberraschung bringen wird, sieht folgende Paarungen vor: Sandbach—Hainstadt. Rimhorn—Erbach (Soma), Höchst—Lützel-Wiebelsbach (in Lützel-Wiebelsbach), Beerfelden—Günterfürst, Steinbach—Bad König (in Bad König), Neustadt— Würzberg.

Der Tabellenführer Sandbach trifft in seinem „Derby“ auf Hainstadt. Die Gäste, die in den letzten Wochen nur in Heimspielen ihre Stärke bewiesen haben, werden in dieser Partie nur die Aufgabe eines Punktelieferanten zu erfüllen haben. Die Sondermannschaft der KSG Erbach ist in Rimhorn zu Gast. In dieser Begegnung, die einen durchaus offenen Charakter trägt, sollte der Platzvorteil für einen Punktgewinn keine unwichtige Rolle spielen.

In der Oberzent muß die Begegnung Beerfelden—Günterfürst mit der größten Aufmerksamkeit notiert werden. Die Gäste müßten mit Holschuh und Gebauer mindestens einen Punkt behalten dürfen. Neustadt verfügt über ein weit besseres Mannschaftsgebilde als Würzberg, das um eine Niederlage wohl nicht herumkommen wird. Höchst, das programmäßig ein Heimspiel auszutragen hätte, fährt wegen dem Spielabbruch in Steinbach nach Lützel-Wiebelsbach. Da die Gäste in ihren letzten Spielen wieder auf den Michelstadter Ex-Mittelstürmer zurückgegriffen haben, wäre eine Punkteteilung, eventuell ein auf dem Platzvorteil basierender Erfolg der Einheimischen, durchaus denkbar.

Steinbach, ebenfalls mit Platzsperre, ist in Bad König zu Gast. Die Platzherren, die mit einem Punkteverhältnis von 2:6 noch immer das Tabellenende zieren, haben pap'ermäßig auch dieses Mal nur geringere Chancen.

In der Fußball-B-Klasse, Gruppe Oberzent, werden am Sonntag nur drei Spiele ausgetragen: Hetzbach—Beerfelden (Soma), Steinbuch—Schöllenbach, Gammelsbach—Sensbach. Im Mittelpunkt steht die Partie Gammelsbach—Sensbach. In dieser offenen Begegnung wird neben dem Platzvorteil die Tagesform für einen Sieg den Ausschlag geben. Hetzbach, noch immer ohne eigene Sportanlage, wird voraussichtlich sein Heimspiel in Beerfelden austragen und sollte hier um eine Niederlage wohl nicht herumkommen können. Schöllenbach wird seine Stellung in Steinbuch durch zwei weitere Pluspunkte zu bereichern wissen.

Vielbrunn e>-wartet in der Gruppe Unterzent Wald-Amorbach und muß sich mächtig anstrengen, wenn es nicht eine erneute Niederlage hinnehmen will. In der Begegnung Hamgrund—Fürstengrund ist den Gästen das größere Plus zuzugestehen. Mümling-Grumbach sollte nach seinem 3:1- Erfolg gegen Vielbrunn auch in Kirch-Brambach erfolgreich bleiben. -npi. Durch Vermittlung von Sportlehrer Oßwald konnte die Fußballabteilung der KSG Erbach für den 22. Oktober die schwedische Fußballmannschaft von Västerviks Allmänna Idrottssällskap zu einem Freundschaftsspiel verpfbchten. D:e schwedische Fußballexnedilion, die ungefähr in der gleichen Klasse wie Erbach und Michelstadt snielt, wird am Sonntagvormittag mit 27 Teilnehmern erwartet. Während ihres Deutschlandaufenthaltes werden d:e Schweden ebenfalls Privatspiele in Flörsheim und Frankenthal austragen. Im Juni kommenden Jahres, soll das Rückspiel in Schweden stattflnden, -ppi.

Wußten Sie das?

Die amerikanischen Baseballspieler gehören zu den höchstbezahltesten Berufssportlern in der Welt Eine ganze Reihe von ihnen bezog für die jetzt beendete, nur den Sommer umfassende Spielsaison Gagen von über 100 000 Dollar. Die Endspielteilnehmer an den sogenannten „World-Series“, die von den Spitzenreitern der nationalen und der amerikanischen Liga ausgetragen werden, sind ferner an den Spieleinnahmen beteiligt. So konnte der erfolgreiche Titelverteidiger, die New York Yankees, in diesem Jahre zusätzlich 201 000 Dollar an seine Spieler verteilen. Insgesamt schütteten die „Bronx Bombers“, wie man die Mannschaft nennt, in den 30 Jahren ihres Bestehens über 3 Millionen Dollar zusätzlich an ihre Spieler aus.

Vor zwei Jahren erhielt Ezzard Charles auf seinem Marsch zur Weltmeisterschaft einen schmeichelhaften Punktsieg über Joey Maxim, den Halbschwergewichtsweltmeister, zugesprochen, den die meisten Experten am Ring als Sieger gesehen hatten. Jetzt macht Jack Kerns, der Manager von Maxim, Herausforderungsrechte für seinen Schützling geltend. Promoter William P. Kyne, der im Vorjahr den Kampf Charles-Valentino in San Franzisko veranstaltete, unterbreitete dem Weltmeister aller Klassen ein Angebot, für 100 000 Dollar gegen Maxim anzutreten. Der Kampf soll am 22. Februar 1951, dem Geburtstag Washingtons, in San Franzisko zum Austrag gelangen. Wenn er zustandekommt, wird er die nächste schwere Prüfung für Charles bedeuten, denn unter den Schwergewichtlern, die als weitere Gegner für ihn genannt werden, befindet sich kein Mann, der ihn schlagen könnte. *

Herb McKenley, der fünfzigmal die 400 Meter unter 47 Sekunden lief, sah in Schweden erstmals deutsche Leichtathleten wie Huppertz und Steines beim Training und im Lauf. Von Gerhard Stock befragt erklärte er, daß kein Läufer in Amerika sich so einläuft. Die Deutschen kleben noch an einer Trainingsmethode, dem „Skipping“, bei dem — wie es vor 20 Jahren üblich war — der Fuß nur mit dem Ballen aufgesetzt wird. McKenley meint, diese Art des Tramings verkrampft und macht müde statt die Muskeln aufzulockern.

* Dem Deutschen Leichtathletik - Verband sind seit der Wiederaufnahme in die IAAF zahlreiche Briefe zugegangen, die unsere Leichtathleten in der internationalen Sportfamilie noch einmal auf das herzlichste willkommen heißen

Der Präsident des Französischen Leichtathletik-Verbandes Mericamp bedauerte, daß wegen der fortgeschrittenen Wettkampfzeit in diesem Jahre gemeinsame Starts zwischen französischen und deutschen Athleten nicht möglich seien. Er gab jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß es im kommenden Jahre viele Leistungsvergleiche geben würde.

Besonders erfreulich ist die Tatsache, daß die Schweiz eine Einladung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für einen Länderkampf in der kommerden Saison angenommen hat Es darf in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, daß die Schweiz in den ersten vier offiziellen Länderkämpfen nach dem ersten Weltkrieg unser Gegner war. Eine weitere Einladung für 1951 erhielt der Deutsche Leichtathletik-Verband durch den Crusaders Athletic Club aus Dublin, der sich bereits im Sommer dieses Jahres um die Teilnahme deutscher Leichtathleten an internationalen Veranstaltungen in Dublin bemühte, damals jedoch nicht die Genehmigung der IAAF erhielt.

Hessen-Hockey vor schwerer Prüfung

Titelverteidiger Nordrhein-Westfalen in Frankfurt

Der Hockey-Silberschild-Wettbewerb tritt am morgigen Sonntag in ein entscheidendes Stadium, wenn die letzten acht Vertreter aufeinandertreffen. Das größte Interesse beansprucht dabei die Begegnung zwischen Hessen und dem Verteidiger des Wanderpreises Nordrhein-Westfalen in Frankfurt.

Hessens Hockey hat seinen großen Tag. Nach dem Siege über den vorjährigen Endspielteilnehmer Rheinland-Pfalz (4:2) kommen nun die Westdeutschen, deren Mannschaft von den Spielern der drei Clubs Uhlenhorst Mülheim, Club Raffelberg und Düsseldorf 99 gestellt werden. Sie haben den großen Vorteil des Eingespieltseins und der Jugend. Hessen läßt dagegen seine alten Kämpen Dröse, Cuntz, Vogel, Steffen und Scheffler aufmarschieren, neben denen d e Jugend die restlichen Plätze ausfüllen wird. Ob sie in der Lage sein werden, das Tempo der jungen Westdeutschen mitzuhalten? Davon hängt die Entscheidung und das weitere Vordringen ab. Die Gäste gelten als Favoriten. Nächster Gegner sollte Bayern sein, das auf eigenem Boden mit Baden fertig werden müßte.

In den restlichen Spielen müßten Hamburg über Bremen und Niedersachsen über Berlin triumphieren. (

Vorentscheidung in Offenbach

dr. Der vorgesehene Klubkampf des TEC beim THC Hanau muß'wegen des Silberschildspieles ausfallen. Lediglich die AH-Mannschaft der beiden Klubs treffen am Samstag um 16 Uhr al Böllenfalltor aufeinander.

In Offenbach wird am heutigen Samstag das bereits zweimal verlegte Punktespiel zwischen dem Offenbacher RV und dem TEC nachgeholt. Im letzten Jahr teilten sich die Mannschaften in jedem Spiel die Punkte. Offenbach erreichte den 2. Tabellenplatz mit einem Punkt vor dem TEC, schied aber bei den Aufstiegspielen gegen Rot-Weiß Frankfurt aus. Der TEC ist noch verlustpunktfrei und ohne Gegentor, aber Offenbach ist eine Kampfmannschaft der technisches Hockey fremd ist. Die Darmstädter sollten, mit einiger zusätzlicher Härte gewappnet, mindestens zu einem Teilerfolg kommen.

Handball

Kreisklasse Bergstraße

Im Sportkreis Bergstraße wird die Handballrunde diesmal mit folgenden Begegnungen fortgesetzt: Bonsweiher — Mumbach, Krumbach — Kirschhausen, Siedelsbrunn — Lorsch, Kreidach — Einhausen, Heppenheim — Zell, Zwingenberg — Auerbach.

In Bonsweiher dürften die gegenwärtig etwas unbeständigen Platzherren einen Sieg der Gäste wohl kaum verhindern können. Die Begegnung in Krumbach wird wesentliches über die Gestaltung der Spitzengruppe aussagen. Wir erwarten auch hier die Gäste vorne. Siedelsbrunn sollte gegen die Lorscher Turner genügend Energie aufbringen, um beide Punkte kassieren zu können. Wenn Kreidach die am letzten Sonntag während einer Halbzeit bewiesene Energie auf.6o Minuten ausdehnen kann, dürfte für Einhausen im Odenwald nichts zu erben sein. Einen klaren Sieg dürften die Kreisstädten über den Gast aus Zell erringen, während die Nachbarn Zwingenberg und Auerbach einander schwer zusetzen sd’ten. die Gäste allerdings dank ihrer gröpar°n Erfahrung die höhere Torzahl erzielen dürften. (ni)

Kreisklasse Erbach

Das Programm der Kreisklasse Erbach sieht folgende Begegnungen vor: Bad König — Böllstein, Erbach — Nieder-Kinzig, Momart — Michelstadt, Pfaffen-Beerfurth — Zell.

Bad König verfügt über eine größere Spielerfahrung und wird bemüht sein, seinen zweiten Tabellennlatz weiter zu festigen. Nieder-Kinzig fährt nach Erbach, wo es kaum etwas zu bestellen haben wird. Der Tabellenerste Michelstadt reist nach Momart und sollte in seiner gegenwärtigen Verfassung auch hier erfolgreich bleiben. Pfaffen-Beerfurth tritt vor einheim’schem Publikum gegen Zell an. Der aufwärtsstrebenden Gästeelf wird in dieser Begegnung der Steg nur schwer zu nehmen sein. —ppi.

Kreisklasse Darmstadt

Die Kreisklasse Darmstadt bringt in Grupne I als Hauntereignis das LokaMerby der beiden ungeschlagenen Mannschaften TG 75 Darmstadt und SG Arhe'lgen. Ferner spielen: Bessungen — Jugenheim und Hahn — SV 98 Ib.

Tn Granne II snielen: TV Groß-Gerau — We^ersfiadt, Mörfelden Tb — Büttelborn und Walldorf — VfR Groß-Gerau.

Kurz aber interessant

Der traditionelle Turnkamnf zwischen den StSrltevoHretongen von Leipzig, Hamburg und Berlin wird am Bußtag erstmals wieder in Leipzig durchgeführt. *

Zu hohen Zuchthausstrafen wurden sechs Spieler der tschechischen Eisbockev-N’Hnpe'mannschaft verurteilt, da sie die Nichtteilnahme der Tschechoslowakei an den Weltmeisterschaften in London einer scharfen Kritik unterzogen. Das Gericht verbängte als Minfleststrafe 6 Jahre und als Höchststrafe 15 Jahre Zuchthaus.

Die Deutschen Boxmeister Tietzsch (Fliegengewicht) und Schneider (Welterecwicht) nahmen die Herausforderung von Schiffers bzw. Garz an.

Eine Gastspielreise in die Schweiz unternimmt die Eishockeymannschaft von Prcu- Ben Krefeld. Der HC Bern und Rot-Weiß Basel werden in der Zeit vom 24. bis 27. November Gastgeber der Westdeutschen sein. *

Die Berufsboxer eröffnen am 31. Oktober die Hallensaison in München. Zur Durchführung kommen die Titelkämnfe im Bantamgewicht zwischen Schömig und Tietzsch sowie im Leichtgewicht zwischen Demke und Häfner. *

Otto Kohfink (Bietigheim), der im Homburger Krejskrankenhaus rach seinem Sturz beim Feldbergrennen liegt, befindet sich seit einigen Tagen außer Lebensgefahr, nachdem die schwere Lungen- und Rippenfellentzündung abgeklungen sind. •

Nach dem großartigen Abschneiden von Walter Lohmann auf der Pariser Winterbahn erhielten jetzt Heinrich Schwarzer (für den 26. 10 ), Jean Schorn (für den 12. 11.) und die Gebrüder Hörmann (für einen noch zu bestimmenden Termin im November) Verträge von den Pariser Veranstaltern.

Zwischenrunde zum Länderpokal

Düsseldorf, (sid) Für die Zwischenrunde um den Fußball-Länderpokal der Amateure wurden jetzt vier Austragungsorte festgelegt. Demnach spielen am 12. November: m Kleve: Niederrhein—Nordbaden; in Recklinghausen: Westfalen—Nordwürttemberg: in Bayreuth: Bayern—Mittelrhein; in Berlin: Berlin—Hamburg.

Als Termine für die weiteren Spiele um den Länderpokal sind der 21. Januar (Vorschlußrunde) und der 18. März 1951 (Endspiel) angesetzt.

Der Fußballverband Niederrhein wird seine besten Amateurspieler auf die Zwischenrunden-Begegnung mit Nordbaden vom 30. Oktober bis 1. November im Duisburger WFV-Heim durch einen Kurzlehrgang vorbereiten. Die Leitung hat Verbandssportlehrer Fritz. Bpchloh. Tlangenwcko.,nmk

Gerätewettkampf in Dieburg

Der Dieburger Tun verein veranstaltet am 21. Oktober in der „Ludwigshalle“ einen Gerätewettkampf, bei dem einer Dieburger Auswahl die Mannschaften von Eppertshausen und Münster gegenüberstehen. Das Trommler- und Pfeiferkorps des Turnvereins Münster wirkt ebenfalls mit. (rfd)

Die Ringer des Schaafheimer Athletenvereins treten am Samstag um 21 Uhr im Saal des Gasthofes zum Frankfurter Hof gegen d;e Ringer Münsters zu einem Mannschaftskampf an.

Wohin am Wochenende?

SAMSTAG: 20.30 Uhr: Ringen Landesliga Darmstadt 1910—SG Arheilgen, Diesterwegschule.

SONNTAG: 9 Uhr: Tischtennis Bezirksklasse TG 75 gegen Bensheim 11, Kyritzschule. 9 Uhr: Tischtennis Landesliga SV 98 gegen Eintracht Frankfurt, Eleonorenschule.

10.45 Uhr: Handball-Kreisklasse TG 75 gegen SG Arheilgen, Am Ziegelbusch. 15 Uhr: Fußball 2. Liga Süd SG Arheilgen—ASU Cham, Am Mühlchen. 15 Uhr: Fußball-Kreisklasse „Union“ Darmstadt—Vfß Langen, Rennbahn. 15 Uhr: Fußball-Bezirksklasse Eberstadt—Bensheim, Waldsportplatz.

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Amtliche Bekanntmachungen Bekanntmachung Der Hessische Minister des Innern gibt mit Erlaß vom 21. 9. 1950, Aktenz.: Ile — 21f — 6336/50 bekannt, daß die dem Evangelischen Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene, Erlangen, auf den 30. 9. 1950 befristete Sammlungsgenehmi¬ gung bis zum 30. 11. 1950 verlängert wurde. Heppenheim, 14. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße

Bekanntmachung Betr.: Genehmigung einer Haus- und Straßensammlung In der Zeit vom 1. bis 10. Dezember 1950. Der Hessische Minister des Innern hat mit Erlaß vom 20. September 1950, Abt. Ile — 21f —5956/50 dem Präsidenten des Roten Kreuzes, Frankfurt (Main), auf Grund des § 1 des Sammlungsgesetzes vom 5. Nov. 1934. (RGBI. I S, 1086) und der hierzu ergangenen Durchführungsverordnung vom 14, Dezember 1934 (RGBI. I S. 1250) die Genehmigung erteilt, in der Zeit vom 1. bis 10. Dezember 1950 eine Sammlung von Geld- und Sachspenden von Haus zu Haus unter Benutzung von Sammel¬ listen sowie unter Benutzung von Sammelbüchsen auf öffent¬ lichen Straßen, Plätzen und in jedermann zugänglichen Räumen durchführen zu lassen. Die Genehmigung gilt für den gesamten Bereich des Landes Hessen. Im einzelnen gelten für diese Genehmigung folgende Bedingungen: a) Jeder Sammler ist mit einem entsprechenden Ausweis zu versehen, der von der Ortspolizeibehörde aus¬ zustellen ist. Die Ausweise sind nach Ablauf der Sammlungs¬ genehmigung an die ausstellende Behörde zurückzugeben, b) Die einzelnen Beträge sind in Listen gegen Quittung des Spenders einzutragen. Die Listen müssen numeriert sein und überprüft werden können, c) Die Sammler in jedermann zugänglichen Räumen sowie auf öffentlichen Straßen und Plätzen haben sicher verschließbare Sammelbüchsen, deren Beschaffenheit Ver¬ untreuungen ausschließt, zu verwenden. An jeder Büchse muß der Name des Veranstalters der Sammlung deutlich sichtbar an¬ gebracht sein, d) Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei der Durchführung der Sammlung auf öffentlichen Straßen und Plätzen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mitwirken. Die Heranziehung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht ge¬ stattet. Heppenheim, 14. Oktober 1950. Der Landrat de> Landkreise« Bergstraße

Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 21. Oktober 1950: Wochenschlußandachten: 17.30 Martinsstift; 20.00 Johannes¬ gemeinde, Pauluskirche, Elisabethenstift. Sonntag, den 22. Oktober 1950: Bessunger Kirche: 9.30 Hgd., 14.30 Kgd., Pfr. Calgan. Stadtkirche: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd., Pfr. Knodt. Ver. Martinsgemeinde: 10.00 Hgd., Pfr. Stühlinger; 11.15 Kgd. im Martinsstift, Pfr. Widmann; 11.15 Kgd. im Gemeindehaus, Pfr. Stühlinger; 17.00 Abgd., Pfr. Widmann.

Matthäuskirche: 9.30 Hgd.; 10.45 Kgd., Pfr. Mappes. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd.; 11.00 Kgd., Pfr. Orth; (tägl. 7.30 Morgengebet; Do. 6.45 und 7.30; Mi., 25. 10., 20.00 Abgd., Pfr. Jaeschke; Fr., 27. 10., 20.00 Bibelstunde). Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd., Pfr. Ring. Pauluskirche: 9.30 Hgd., Pfr. Wintermann; 11.15 Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm.; 11.00 Kgd. Stadtmission: 8.30 Gebetsstunde; 11.00 Kgd.; 15.30 Evangeli¬ sation, anschl. außerordentl. Hauptvers.; 17.30 Jgdbd. f. EC. Do. 20.00 Bibelstunde, Mühlstr. 24). Da.-Eberstadt: 7.30 Ev.-M.; 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd. Da.-Arhellgen: 10.00 Erntedankgd. m. Opfergg. u. Abdm.: 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft; 15.00 Frauenhilfe. (Do. 26. 10., 20.00 Bibelstunde.) Kriegsgelangenen-Gottesdienste in der Woche vom 22.—28. Okt.: 3essunger Kirche: Mo., Mi., Frei., 20.00 i. Konlirmandensaal. Matthäuskirche: Mo., Do., Sa. 20.00. Pauluskirche: tägl. 20.00 im Kirchensaal.

Katholische Gottesdienste Sonntag, den 22. Oktober 1950 St. Ludwig: (Nieder-Ramstädter Straße 30) 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Hochamt m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 18.00 Rosenkranzand. (Werktagsgd, tägl. 6.45 u. 7.30 hl. 'M.; Di. u. Frei. 19.30 Rosenkranzandacht; Beichte: Samstag von 18 bis 20.00.) Liebtrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 Hochamt m. Pr.; 10 00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 Andacht (Werktags: tägl. 6.30 hl. M.; Di., Mi., Frei. u. Sa. 2. hl. Messe um 8.05; Do. abend 19.00 Jugend- u. Kindermesse, jed. Mi. 8.05 Gem.-M. f. d. Frauen). St. Elisabeth: Weltmissionssonntag. 6.30 Frühm.; 7.45 Singm.; 9.00 Kgd.; 10.15 Hochamt; 14.00 Miss.-And. f. d. Kinder; 20.00 Rosenkranzand. m. Anspr. n. Segen. (Di. u. Frei. 18.00 Rosenkranzandacht: Di. 20.00 Zusammenk. d. Caritashelfer i. d. Marienkapelle: Beichtgel. Sa. v. 16.30—18.30 u. 20.00.) St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schw. (Feldbergstr. 32): 6.45 Beichte; 7.30 Singm. m. Pr. u. Frauenkomm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm.; 18.00 Rosenkranzand. m. Segen (Mo.—Frei. 18.00 b. d. Schw. Rosenkranzandacht: Sa. 17—19.00 u. ab 20.00 Beichte sowie werkt, vor jeder hl. Messe). Da.-Eberstadt: 7.00 hl. Messe m. Anspr.; Monatskomm, der Frauen; 9.30 Hochamt m. Pr.; 18.45 Rosenkranzandacht m. Segen. (Werktags: Di. 18.00, Freit. 19.30 Rosenkranzandacht; 7.00 Amt oder hl. Messe.) Da.-Arhellgen: 7.00 hl. Messe; 8.30 Kgd.; 9.45 Hochamt; 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Sclentlst), Taunusstr. 40: Sonntagsgd. 14.30; Mittw. abend 18.30 (Zeugnisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg öl Sonntag: 10.00, Di. 7.00, Mittw. u. Sa. 8.00 Menschenweihe¬ handlung. — Do. 19.30 Einführungsabend. Freie Religionsgemeinschaft, Haardtring 238 Sonntag: 10.00 Freirelig. Weihestunde im Prinz-Emil-Schl.; Pfr. Max Gehrmann (Offenbach): „Bescheidenheit". Evangel. Kirchl. Frauenhilfe, Landesverb. Hessen Montag, 23. 10.: 13.30 Mitgl.-Vers. i. Gemeindehaus, Kahlerstr. 26 (Vortrag v. Frau Vikarin Drewes).

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Darmstädter Tagblatt am Jonntag Samstag/Sonntag, 21./22. Oktober 1950

Die Geisha (Zu unserem Bericht auf Seite 4 „Das Ende der Geisha”)


Aufnahme; Jung
Aufnahme; Jung

Warum in die Ferne schweifen... ?

Eine Erinnerung an vergangene Ferientage

Tm Grunde genommen bin Ich ein naturentwurzel» ter Städter, der ruchlos seine bäuerliche Herkunft vergaß und sich seiner Bande zur rheinhessischen Provinz nur noch in Zeiten der Not und des Kalorien»

mangels bewußt wird. Nun besitze ich einen Freund. Hier sei nur der Name genannt, den er mit Würde trug, als wir in der Schule saßen und einander die Fehler abschrieben: mein Freund heißt Habakuk! Er ist ein edler Freund, denn als er von meinem Vorhaben einer Ferienreise erfuhr, sandte er mir spornsstreich einen umfang» reichen Brief, in dem er mir die moralischen und materiellen Gefahren einer Ferienreise vor Augen hielt, und da ich schon mit Untergewicht zur Welt kam, meine Spielhosen dreimal so lange trug als an» dere Kinder, und noch heute jeden Heller dreimal umzudrehen pflege, beschloß ich, seiner freundlichen Aufforderung zu kostenlosem Ferienaufenthalt Folge zu leisten.

Ich bestieg also das wackere Bähnlein, das mich nach Alzey führte, schaute fröhlich aus dem Fenster, winkte unverdrossen den Mädchen zu und begrüßte mit männlichem Handschlag Habakuk, der mich mit zwei braven Rössern vom Bahnhof abholte.

Nun muß man wissen, daß zu jener Zeit die Ernte gerade in vollem Gange war, was ich Argloser natür» lieh nicht wußte, denn hätte ich gewußt, was mir blühte, dann hätte ich meine Gebeine wahrscheinlich von den Fluten der Nordsee umspülen lassen.

Abends also sagte Habakuk mit freundlichem Lächeln, er wolle morgen das letzte Stück mähen und anschließend Heu mitnehmen. Ich stimmte dem eifrig zu, dachte ich doch, in Ruhe blühende Natur und arbeitende Landsleute bewundern zu dürfen.

Nun ist es aber seit altersher mit dem Denken so eine Sache, und in meinem Fall verhielt es sich nicht anders, denn Josef, Habakuks Mitarbeiter Nummer eins, drückte mir frühmorgens eine Sichel ermun» iemd in die Hand, auf daß ich den Weizen, der da unter den stürmischen Sensenhieben zusammen» brach, zusammenlege und Garben daraus binde. Zwar bin ich nicht unbedingt arbeitsscheu, muß aber gestehen, daß meine Absichten mit denen meiner Freunde durchaus nicht übereinstimmten. Trotzdem aber machte ich gute Miene zum bösen Spiel und begann, meine Garben zu binden, denn schon in der Bibel steht geschrieben: im Schweiße deines Angcsichts sollst du dein Brot verdienen!

Nachdem ich eine Stunde meine Pflichten getan, stellte ich verwundert fest, daß mein schreibgewohn» ter Rücken gegen eine derartige Behandlung pro» testierte, dergestalt, daß er mit Vehemenz zu schmerzen begann! Meinerseits unternommene Fluchtver» suche brachen leider im Protestgeschrei der unver»

Man sollte es nicht glauben, aber auch beim Garbenbinden kann man Schwielen bekommen. Da ich aber allenthalben die kritischen Blicke der Mitarbeiter Habakuks auf mir ruhen fühlte, und auch meiner Vaterstadt am Rhein und Main keine Schande machen wollte, seufzte ich nur heimlich durch die Zähne und schnitt ein freundliches Gesicht. Um mir die ganze Sache zu erleichtern, versuchte ich, mich moralisch anzuheitern, indem ich mir sagte, daß docl.


ständigen Magd Emma zusammen, so daß ich wohl oder übel meinen Rücken wiederum dem Zwang der Pflicht beugte.
ständigen Magd Emma zusammen, so daß ich wohl oder übel meinen Rücken wiederum dem Zwang der Pflicht beugte.

Die Burg im Steinerwald

Ein romantisches Fleckchen für den Wanderer

Den wenigsten ist bekannt, daß der Badestrand am Steinerwald im „Vorfeld" einer einstmals berühmten und mächtigen Burg liegt. Wer aber den Wald aufmerksam durchstreift, wird plötzlich an der romantischen Steinerbriicke, die in einem kühnen Bogen die Weschnitz überspannt, auf eine Er» höhung und kreisrunde Gräben stoßen. Die Ein» heimischen wissen, daß hier der „Schloßbuckel" Steht. Alte Leute erzählen von tiefen Kellern unter den schattigen Buchen und einer einstmals mächtigen Burg.

Vieles von dem, was man erzählt, mag sagenhaft Sein, aber die Historiker wissen, daß hier fahr» hundertelang die berühmte und mächtige Burg Stein ihre Türme und Mauern hatte, beschirmt und geschützt durch das natürliche Hindernis von Sumpf und Wasser. Kein Geringerer als Merian hat auf seiner Rheinreise im Jahre 1650 die Burg ge=Zeichnet, neben den berühmten Reichsstädten und Schlössern am Rheinstrom, so daß wir heute wissen, Wie damals im Dreißigjährigen Kriege die ver=Schwundene Burg ausgesehen hat. Aber auch zahlreiche alte Urkunden geben uns von ihr Zeugnis. Bereits im Jahre 806 ist eine „villa Zullestein" Urkundlich erwähnt. Vierzig Jahre später, im Jahre 846, schenkte ein Graf Werner dieses Zullestein mit Hafen und allen Gerechtigkeiten dem Kloster Lorsch. Der deutsche König Otto 111. verlieh dem Orte Stein 995 das Marktrecht und alle Einkünfte dem Kloster Lorsch.

Der Name „Zullestein" sagt uns, daß hier von den Schiffen ein Rheinzoll erhoben worden ist. Diese Zolleinnahmen gehörten dem Kaiser bis zum Jahre 1442. Ohne Zweifel hat Stein mit Zoll, Hafen und Marktrecht eine größere Bedeutung gehabt als die heute noch existierenden Ortschaften Nordheim und Wattenheim in seiner Nähe. Mitten in der Burganlage kreuzten die Straßen, von Worms<; Ladenburg und Gernsheim kommend. Die Straße von Ladenburg nach Stein war bis zur Feld» bereinigung im Jahre 1935 gleichlaufend mit dem wichtigsten Feldweg in der Wattenheimer Gemar» kung, der von den Bauern südlich des Dorfes „Schaarweg" und nördlich „Heerweg" genannt wurde. Erst im letzten Jahrzehnt sind diese histo» rischen Namen durch die Umlegung der Felder und Wege im Sprachgebrauch verlorengegangen. Die Burg ging im Jahre 1232 aus den Händen des Klosters Lorsch in den Besitz des Bischofs von Worms über, der sie zu einer starken Festung aus» baute. Stein war gleichzeitig Amtssitz für die Dörfer Bobstadt, Nordheim, Hofheim und Lampertheim. Etwa 150 Jahre später wurde die Hälfte der Burg und des Amtes Stein an den Pfalzgrafen verpfändet. Dieser zog gegen den Willen des Bischofs nach und nach fast alle Rechte an sich und führte im Amt Stein die Reformation ein. Kurze Zeit war auch der Landgraf von Hessen Besitzer der Burg. Franz von Sickingen, der berühmte Reichsritter, suchte 1518 die Burg vergebens zu erobern. Johann von Gilsen verteidigte sie mit viel Mut und Geschick: „Die schossen weidlich heraus und wereten sich so manlich, daß ihnen die Feinde nichts konnten ab» brechen."

Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Burg, die „der Schlüssel zur Bergstraße" genannt wurde, oft umkämpft. Nur durch List konnten sie die Spanier 1621 erobern. Ein Waldstück, etwa fünfzig Meter vom „Schloßbuckel", heißt noch heute „der spanische Friedhof". Gustav Adolf, der Schwedenkönig, ließ Stein 1631 angreifen und nahm die Burg für drei Jahre in Besitz. Als die Schweden nach der Nord» linger Schlacht abziehen mußten, wurde die statt» liehe Anlage ein Raub der Flammen. Die Franzosen verwandelten sie 1688 endgültig in einen Trümmer» häufen. Das Gelände wurde zu einem billigen Stein» bruch für die Bauern der Umgegend und später mit Bäumen bepflanzt.

Wer den Laubwald in seinem herbstlichen Kleid erleben möchte, der kann von der Wattenheimer Weschnitzbrücke dem Lauf des Baches entlang wan» dern bis zum Steinerwald und der verschwundenen Burg, wo die Natur an Vergehen und Vergessen mahnt. H. Embach, Wattenheim/Ried gerade die Arbeit des Landmannes, unmittelbar am Busen der Natur, erdverbunden in frischer Luft und den gesunden Strahlen der Sonne und so weiter und so fort.

Aber einmal muß selbst der beste Arbeitsmann zu Mittag essen. Das Essen war sehr umfangreich und sehr fett, und ich will auch nicht bestreiten, daß es sehr nahrhaft war, nur — ich zog es vor, mich auszuruhen. Leider aber gibt es nur im kleinsten Teil meiner rheinhessischen Heimat so etwas wie Bäume, und so kam es, daß ich meine müden Glieder den unbarmherzigen Strahlen der Sonne preisgeben mußte. Gottlob brauchte.ich das nicht lange tun, denn nach dem Essen trieb Habakuk die Seinen gleich wieder zur Arbeit. Mich mit!

Ersparen Sie mir bitte eine ausführliche Schilderung dessen, was mir an diesem Nachmittag widerfuhr. Ich weiß nur noch, daß ich schweißüber» strömten Antlitzes, Hemd und Hosen am Körper klebend und voller stechender Ähren, wankend vor Erschöpfung, mit zusammengebissenen Zähnen und langsam versagendem Geist mechanische Handgriffe tat. Ich weiß nur noch, daß ich heimlich nach Hause wankte und entschlossen war, jeden, der es mir ver» wehren wollte, erbarmungslos niederzuschlagen. Daß ich meinen Koffer packte, zum Zuge schlich und Habakuk einen Zettel auf den Küchentisch legte, auf den ich schrieb:

„Ehrenwerter Habakuk! Die Ferien bei Dir waren wunderschön, ich habe mich schon so gut und aus» giebig erholt, daß ich glücklich bin, wenn ich meine Arbeit im Büro wieder tun darf. Ich sehne mich ja so danach. Die sechzig Zigaretten beim Kaufmann und die Rückfahrkarte bei der Stationskasse sind auf Deinen Namen angeschrieben. Trage es mit Fassung! In alter Treue: Dein Pitt!"

Groß-Rohrheim im 30jährigen Kries

Was alte Statistiken verraten

Bei der „politischen Landesvisitation" vom Jahre 1629, der die Aufgabe zufiel, die durch die Kriegs» ereignisse eingerissenen Gebrechen in der Rechts» pflege und in der Verwaltung an Ort und Stelle zu untersuchen und abzustellen, wurden in Groß» Rohrheim im Ried 98 Männer über dreißig Jahre und 13 Männer unter dreißig Jahren sowie 12 Witwen gezählt. Das sind zusammen 123 „Haus» gesessene". Hausgesessene wurden in Untertanen» pflichten stehende Ortsangehörige (Männer und Witwen) genannt, die eigene Häuser besaßen. Außerdem gab es im Jahre 1629 in Groß=Rohrheim noch 40 „fronpflichtige Ackerleute" und 20 „Einläu» fige". Fronpflichtige Ackerleute oder Fronbauern waren solche, die Spanndienste leisten — oder wie der Fachausdruck lautete — „so mit der Fuhre fron» den" mußten. „Einläufige" waren solche fronpflich» tige Personen, die kein Zugvieh besaßen und daher Handdienste zu leisten hatten oder, wie map sich damals ausdrücke, „so mit dem Leibe fronden" mußten. .

Bei einer weiteren Aufnahme, die nach einer An» Ordnung des Landgrafen Georg 11. am 14. Mai 1641 stattfand, sollte die Bevölkerung nach drei Klassen verzeichnet werden. Es waren namentlich aufzu» führen:

1. Diejenigen Manns» und Weibspersonen, so itz« mals noch im Leben und bei ziemlichem Ver» mögen sind; gleich darauf die abgestorbenen hinterlassenen Kinder, welche ebenmäßig noch etwas vermögend sind;

2. alle, so zwar noch vorhanden und am Leben, doch gar arm und gleichsam zum Bettelstab zugerichtet, und

3. diejenigen, so entweder in einem Jahr her gar verstorben oder ins Elend geraten und gar nicht mehr vorhanden sind.

Aus diesen interessanten statistischen Aufnahmen ist zu ersehen, daß Groß=Rohrheim im Dreißig» jährigen Krieg erheblich zu leiden hatte. Es zählte nämlich am 14. Mai 1641 nur noch drei etwas vermögende, außerdem acht verarmte und drei ganz zugrunde gerichtete Hausgesessene! Diese Zahlen sprechen Bände. =n

Eine seltsame Linde in Worms

Auf dem Platz neben der St.=Martins»Kirche in Worms stand einstmals die St.=Lamperti=Kirche, die zu den vier Pfarrkirchen der inneren Stadt gehörte. Rings um diese Kirche, die schon seit mehr als hun» dert Jahren verschwunden ist, lag der Friedhof der Pfarrgemeinde. Das Merkwürdige hier war eine große Linde, deren Aeste durch acht steinerne Säulen gestützt wurden, ähnlich wie der Hagdorn im Domkreuzgang. Leider verlor der Lamperti» kirchhof schon frühzeitig diese seltsame Linde, denn in einer alten Chronik wird berichtet, daß ein großes Unwetter unter Sturmwind, Blitz und schrecklichem Gedonner die Linde, so an die zweihundert Jahre alt gewesen, vor Jahrhunderten schon umgerissen und jählings zerstört habe.

IM STURM DER ZEITEN

VON PETER GRIESENBRUCH

2. Fortsetzung

A ber sie freut sich an den Kleidern und dem Ge» pränge, sie freut sich an der zarten Musik, die unsichtbar von oben herunter zu klingen beginnt, sie freut sich der Huldigungen des schönen, in seinem majestätischen Wesen doch immer so gütigen Mannes, der ein König ist. Sie liebt die Vergnügungen, die leeren noch mehr wie die gehaltvollen, ihrer ein wenig gedankenträgen Seele gefällt die Hohlheit dieses Hofes wundervoll, und der König an ihrer Seite gibt ihr die Sicherheit, daß sie wenigstens heute mit dem Schwierigsten, der Etikette, fertig wird.

Und während sie so mit einer Sicherheit, die ihr Schwiegervater heimlich bewundert, jedem der neu hinzutretenden Höflinge die Freundlichkeiten genau nach seinem Rang zuzumessen weiß — sie ist nicht umsonst Tochter einer Kaiserin —, wird ihr Blick plötzlich starr, ihre Haltung steif und ihr Blick hochmütig. Sie hat es noch im Ohr: „Und dies, meine liebe Tochter, ist die Gräfin Dubarry."

Sie hat es also doch gewagt, das freche Geschöpf, unter ihre Augen zu treten. Sie weiß nicht, wieviel es die Mätresse des Königs gekostet, bei ihm die Erlaubnis für diesen Abend zu erreichen, bis der Schwache auch diesmal nachgab. Aber eines weiß sie, und darin ist sie jetzt ganz die Tochter der tugendhaften Kaiserin aus Wien: dieses Weib wird kein Wort aus ihrem Munde hören.

Gebannt schaut der Hof auf dieses Schauspiel. Dies ist eines der größten Ereignisse, das die Herzen und die Spatzengehirne dieses Gelichters ganz erfüllt. Das Schicksal einer Schlacht kann sie nicht so erregen wie die Frage: „Wird die Kronprinzessin geruhen, der Gräfin ein Wort zu schenken?" Und wenn gesprochen wird, muß Marie Antoinette das Gespräch beginnen; es wäre eine tödliche Sünde, die seit Menschengedenken niemand hier begangen hat, wollte der im Range niedriger Stehende sich erlauben, den Höherstehenden — und nun gar die erste Frau des Königreiches — anzusprechen. Marie Antoinette sieht ein volles, sehr hübsches

Gesicht, um dessen Mund jenes gefährliche Lächeln liegt, von dem halb Frankreich spricht, das schon viele Männer halb wahnsinnig und ihr den König zum Sklaven gemacht hat. Sie ist schön, die Gräfin Dubarry, wenn auch auf eine freche Art, die Marie Antoinette bisher nie kennengelernt hat. Aber ob schön oder häßlich — fest geschlossen bleiben die Lippen Marie Antoinettes, der Kindermund ist abweisend verzogen, und die Augen blicken mit eisiger Kühle. Nur ganz, ganz leicht neigt sie den Kopf; so grüßte sie vielleicht ihre Kammerfrauen. Die Gräfin Dubarry erhebt sich aus ihrem tiefen Knix und geht weiter, gehorsam der Etikette, aber wie eine Maschine, das Gesicht bleich vor Scham, den Tod im Herzen.

Die gute Laune des Königs ist verflogen; er nagt an seiner Unterlippe. Er wirft einen Blick auf seine Schwiegerenkelin, als er sie jetzt zur Tafel führt. Dieses Kind, noch keine fünfzehn; und so hochmütig und wagt auch ihm, dem König, zu trotzen.

Ja, hochmütig ist sie, die schöne Tochter der Kaiserin! Aber dieser Stolz wird sich als ihre letzte und höchste Tugend beweisen, wenn sie zwei Jahrzehnte später in den Kerker und auf das Blutgerüst gehen muß!

Die Unterschrift

16. Mai 1770

Auch das königliche Frankreich sah nie so viel Pracht wie die Residenz Seiner Majestät an diesem Tage. In der Kapelle des Schlosses drängen sich die wenigen Glücklichen der königlichen Familie und des Hochadels, denen es erlaubt ist, der Trauung des kronprinzlichen Paares beizuwohnen. Den erlauch» testen Namen des mächtigen Reiches ist es eine ungeheure Ehre, dabei sein zu dürfen. Sie mögen Marie Antoinette nicht, weil die Heirat die Frucht einer verhaßten politischen Verbindung ist; aber ob Habsburgerin oder nicht, heute wird sie Kronprinzessin, eines Tages wird sie Königin; wer dabei gewesen ist, als sie Hochzeit feierte, wird es noch seinen Kindern erzählen können und von Millionen beneidet sein.

Der erste Geistliche Frankreichs, der Erzbischof von Reims, nimmt die Trauung vor. Er segnet drei» zehn Goldstücke und segnet einen goldenen Ring,

er überreicht beides dem jungen Ludwig. Der steckt mit schüchterner Gebärde den Ring an den vierten Finger seiner Braut und überreicht ihr dann die dreizehn Goldstücke — uralte, streng gehütete Sitte, die ihren Ursprung aus der Zeit nahm, da der Gatte noch seine Frau zu kaufen pflegte.

Nach der feierlichen Trauung unterzeichnen die neuen Verwandten der Braut den Ehevertrag. Der König beginnt, dann folgen die Prinzen und Prinzessinnen, ganz unten steht Marie Antoinettes Name.

Mit Rührung betrachtet der König die ungelenken Schriftzüge seiner Schwiegerenkelin. Wie ein Kind schreibt dieses junge Mädchen, das heute Frau und Kronprinzessin geworden ist, denkt er. Ahnt er, was alles diese unfertigen Buchstaben bedeuten?

Wohl, Marie Antoinette ist noch ein halbes Kind, und niemand kann von ihr die ausgeschriebene und geglättete Schrift des Erwachsenen verlangen. Aber diese holprigen und schiefen Buchstaben sind doch

für eine Fürstentochter von fünfzehn Jahren ganz ungewöhnlich; es ist die Schrift eines Dorfmädchens, das nur für kurze Zeit unterwiesen worden ist.

Und so ist es. Maria Theresia hat viele Kinder, und sie hat wenig Zeit. Sie muß von morgens bis abends sich um die Geschicke ihrer Millionen von Menschen kümmern, sie hat keine Zeit gehabt für ihre Tochter. Marie Antoinette ist gutherzig und liebenswürdig, aber sie ist schlecht erzogen, schlechter als sonst Fürstentöchter ihrer Zeit. Sie spricht Französisch, das hat man ihr beigebracht, sie beherrscht die Hofetikette vollkommen, sie weiß, wie man mit Prinzen und Herzögen spricht; und wenn sie sich über das Zeremoniell hinwegsetzt, tut sie es in der überlegenen Haltung der Kaisertochter, nicht aus Unkenntnis. Aber darüber hinaus ist die Unterweisung nicht gekommen. Mit Lachen und Schmeicheln und Trotzen hat sie ihre Lehrer ermattet oder zu überlisten vermocht. Sie schreibt eine erbärmliche Schrift; was Rechtschreibung ist, wird sie niemals lernen, und ihr Wissen ist erschreckend dürftig. Das Schlimmste ist: sie hat niemals arbeiten gelernt. Sie hat sich nie anzustrengen brauchen. Und so wird sie ihr Leben bleiben, sie wird nie etwas wirklich genau wissen, sie wird nie ein ernsthaftes Buch zu Ende lesen, sie wird sich niemals die Mühe geben, eine schwierige Frage zu Ende zu denken. Und da sie Königin sein und Macht ausüben wird, mehr Macht als ihr Gemahl, wird dies alles ein großes Unglück für Frankreich sein.

Manches von dem künftigen Geschick Marie Antoinettes könnte ein Schriftdeuter aus diesen allzu ungelenken Buchstaben schließen. Aber der König lächelt nur. Ein halbes Kind noch, denkt er; sie wird sich noch ändern, sie wird auch nicht immer so trotzig sein wie gestern abend.

Dann ist große Tafel im Schloß. Neunzehn Verwandte des Königs dürfen das unerhörte Glück genießen, mit ihm und dem Brautpaar an der großen Tafel des Speisesaales zu essen. Aber auf der Galerie drängen sich sechstausend Edelleute mit ihren Damen, dazwischen einige reiche Bürger, die beglückt sehen, wie ihr König mit seinen Enkelkindern ißt. Achtzig Musiker spielen in einer verborgenen Ecke zarte und heitere Musik.

Am Abend folgt der große gemeinsame Marsch, dessen wahrhaft grandiose Peinlichkeit wohl eine bürgerlich gewordene Nachwelt empfinden wird, die aber in diesem Augenblick niemandem zum Bewußtsein kommt — es sei denn dem verschüchterten Paar der halben Kinder, dem dieser Pomp gilt: der König faßt das Brautpaar an der Hand, alle die engeren Verwandten folgen, und vorbei an den tief gebeugten Nacken des Hofadels schreiten sie feierlich zum Brautgemach, wo der König selbst — wer wäre einer solchen Ehre würdig als die Majestät selber — dem Kronprinzen, die Herzogin von Chartres der Kronprinzessin das Nachthemd reicht. Aber als der Morgen heraufdämmert, brennen die Augen Marie Antoinettes von ungeweinten Tränen. Sie fühlt sich verschmäht.

„Frau Etikette“

In einem der langen weiten Gänge des Schlosses von Versailles geht mit langsamen und würdevollen Schritten die Gräfin von Noailles einher. Ihr Gesicht ist ernst und Sorgenfalten stehen auf ihrer Stirn. Die Oberhofmeisterin Ihrer Königlichen Hoheit der Ki onprinzessin hat, wie jeder weiß, ein schweres Leben. Marie Antoinette ist es von Wien her gewohnt, die Vorschriften der Etikette nur bei großen Festlichkeit und Empfängen anzuerkennen, sich sonst aber gehen zu lassen nach Lust und Laune. Aber hier in Versailles ist das ganze Leben eingespannt in unveränderte Regeln der Würde, und die Gräfin von Noailles ist dafür eingesetzt, daß auch die Kronprinzessin sich danach betrage. Wieviel Zusammenstöße hat es schon gegeben deshalb! Wieviel Tränen hat die junge Frau vergossen! Wie oft ist die Gräfin bereits von dem sonst immer so gütigen König zurechtgewiesen worden, weil es ihr nicht gelingen will, die Kronprinzessin zu dem Muster an höfischer Förmlichkeit zu machen.

Jetzt also geht die Gräfin von Noailles in schweren Gedanken den langen Gang hinunter; da sieht sie an einem Fenster eine Gruppe von Höflingen stehen, wie sie angespannt nach draußen auf den Hof blikken. Die einen schütteln ärgerlich den Kopf und tragen alle Zeichen des Unmuts auf der Stirn, andere dagegen sind sichtlich entzückt und heiter gestimmt.

Mit ahnungsvollem Herzen geht die Gräfin auf sie zu, sie geht unter den spöttischen oder bedauernden Blicken der Herren, die ihr Platz machen, zum Fenster: und das Herz bleibt ihr stehen vor Schrecken.

Unerhörtes ist geschehen dort drunten. Da sieht man die Kronprinzessin lachend, den weiten Rock schwingend, daß man die Fußknöchel sieht, über den Rasen dahineilen, das Gesicht glühend und erhitzt. Aus der kunstvollen Frisur hat sich eine Strähne des schimmernden Blondhaars gelöst und fällt ihr in die Stirn. Die junge Frau dort unten war nie schöner als jetzt, aus ihrer mädchenhaften Zartheit spürt man schon die strahlende Schönheit der kommenden Jahre und wohl ist es zu begreifen, daß wenigstens einige von den Höflingen alle Vorschriften der Etikette vergessen haben und ihr Entzücken nicht verbergen können. Aber was noch schlimmer ist als der Anblick einer lachenden und laufenden Kronprinzessin, das ist der Anblick der beiden Spielgefährten: die beiden Kinder einer Aufwartefrau hat sich die Kronprinzessin geholt und mit ihnen tollt sie jetzt durch den Hof.

Für einen Augenblick glaubt die Gräfin von Noailles ohnmächtig zu werden; wie werden ihre vielen Feinde an diesem Hofe sich freuen, wenn sie davon erfahren! Mit welcher hämischen Schadenfreude werden sie es dem König yveitererzählen! Aber dann hat sie sich gefaßt, und mit schnellen Schritten eilt sie nach unten, die pflichtvergessene Kronprinzessin heraufzuholen.

Aber wie sie im Hofe ankommt, sind die drei -Kinder verschwunden. Von einem der Lakeien erfährt die Gräfin, daß sie bereits hinaufgeganger sind in die Gemächer der Kronprinzessin. Neues Entsetzen überfällt die Gräfin. Arbeiter-, Proletarierkinder im Wohngemach Ihrer Königlichen Hoheit! Aber dann eilt sie mit fliegenden Schritten wieder hinauf, sie öffnet die Tür zum Lesekabineti der Kronprinzessin — und sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Da sitzen die drei zusammen im Halbkreis um ein kleines Pferdcher — aus Holz, sie sind ganz in das Spiel vertieft - und der Kronprinzessin ist das Kleid dabei bis übe die Knie gerutscht! Bis über die Knie! (Fortsetzung folg*


Madame Dubarry
Madame Dubarry

DAS ENDE DER GEISHA

Die Wandlungen, die sich nach dem Kriege in Japan auf gesellschaftlichem und sozialem Sektor vollzogen, haben auch vor der Jahrhunderte alten Einrichtung der Geisha nicht halt gemacht. Der Begriff der Geisha, die nichts weiter sein wollte als eine liebenswürdige Gesellschafterin, war schon lange vor dem Kriege durch die sogenannten spazierstock=Girls und animierende Kellnerinnen stark verwässert worden, so daß die Geisha den ihr einst anhaftenden Schmelz schon damals in vieler Hinsicht verloren hatte. Das alte Japan ver* suchte zwar bis zuletzt die Geisha in ihrer ursprüngliehen Form zu erhalten, aber der Versuch mißlang. Die zeitlichen Umstände waren stärker. Dazu kam die aufklärende Tätigkeit der ausländischen Missionsgesellschaften, die dagegen Sturm liefen, daß die armen Reisbauern auf dem Lande ihre Töchter für 300 bis 600 Yen (200 bis 350 Mark) an die Geishahäuser in Tokio, Kyoto, Yokohama und Osaka verkauften, ein Geschäft, das nach abendländischer Auffassung an Mädchenhandel grenzte, besonders nach 1910, als das berühmte Tokioer Geishaviertel Yoshiwara abbrannte und als Freuden* hausviertel wieder neu erstand. Da bestand die Gefahr, daß die Mädchen vom Lande nicht an Geishahäuser, sondern an ausgesprochene Freuden* häuser verkauft wurden, was draußen in der Welt einen Sturm der Entrüstung hervorrief.

Immerhin konnte sich die Geisha noch bis Kriegs* beginn soweit halten, daß ihre Zahl in ganz Japan etwa 100 000 betrug. Tokio hatte als Hauptstadt

allein 40 Viertel dieser Art, billige und teure. Hier wohnten etwa 9000 Geishas. Das schönste und eleganteste Viertel war das von Schinbashi. Eine Geisha aus diesem Viertel kostete pro Abend 100 Yen, etwa 70 Mark. Aber man konnte in andern Vierteln schon Geishas für 7 bis 10 Yen mieten, die recht hübsch und unterhaltsam waren. Die Geisha galt als das Produkt einer langjährigen und sorg* fähigen Erziehung. Sie mußte manches lernen, um ihren Beruf ausfüllen zu können, vor allem tanzen, singen, musizieren, servieren, fremde Sprachen sprechen und anregend unterhalten.

Die meisten Geishas hatten Blumennamen, die auf kleinen anmutigen Visitenkarten gedruckt standen. Da gab es ein Fräulein Hortensie, Chrysan* teme oder Lotosblume und die Häuser, in denen sie wohnten, hießen „Blumenstadt" oder „Glückliche Insel". Bei der echten Geisha bezahlte der Gast, der sie mietete, nur die Zeit und die Qualität der Unter* haltung, sonst aber war sie unnahbar. Natürlich hatte auch die Geisha ihre Freunde, denen sie besonders gewogen war; sie wollte ja doch eines Tages heiraten und einen Hausstand gründen, denn sie

wurde als Frau wegen ihrer guten Erziehung stark begehrt. Bevor die Geisha aber das Haus, dem sie gehörte, verließ, mußte sie die Kaufsumme an den Besitzer zurückvergüten, die dieser an die Eltern bezahlt hatte.

Die kleine, liebliche Geisha in den puppenhaften Bambushäusern mit den papiernen Fenstern, war von einer köstlichen Anmut und Keuschheit und ein Abend, den man mit ihr verbrachte, blieb unvergeßlich. Ihr Tanz atmete den Nimbus der alt* japanischen Märchen, die von Fischerknaben, Meer* Jungfrauen, Drachen und Göttern erzählten. Und ihr Gesang nicht minder. Das trippelnde Geräusch der kleinen Holzsandalen war dem Gast ein liebens* würdiger Takt. Man hockte im Teehaus, wo man der Geisha am häufigsten begegnete, bei einem Schäl* chen Tee auf Kissen und ließ sich von dieser zauber* haften, für diesen Teil des Fernen Ostens charak* terischen Umgebung einlullen.

Und wie banal wirkte dagegen das animierende Getue der Spazierstockgirls, die auf der Tokioer Prachtstraße, der Ginsa, auf Kundschaft warteten, um sie im Gehen oder im Restaurant zu unterhalten.

Kein Japanbesucher versäumte eine Rundfahrt durch das berühmt=berüchtigte Yoshiwara, aber die Enttäuschung blieb niemand erspart, denn an die Stelle der Geishas, die hier einst graziös ein Pfeifchen rauchend am Fenster saßen und den Vor* übergehenden anlächelten, waren die Anreißer getreten, die wie im Panoptikum einen Kasten mit Photos zeigten, die Mädchen darstellten, deren Aus* druck keinen Zweifel über ihr Gewerbe ließ und die als Zerrbilder ihrer Zeit auch altjapanische Tracht trugen.

Aber es ist in Japan in dieser Hinsicht nicht besser geworden. Wenn man die ausländischen Zeitungs* berichte verfolgt, dann hat das Unglück, das durch den Krieg über Japan hereinbrach, zwar hie und da und vor allem auf dem gesellschaftlichen Sektor läuternd gewirkt, aber Japan ist nicht schöner geworden und der Rest der altjapanischen Tradition der Zeit zum Opfer gefallen. Dazu gehört auch die Geisha in ihrer Urform, während die verwässerten Abarten dieser liebenswürdigen Gesellschafterin einen starken Auftrieb erhielten. Man mag über die Geisha denken wie man will. Sie verkörperte ein Stück Alt=Japan, das unwiderruflich dahinging. Ob das, was an seine Stelle getreten ist, besser und sittsamer ist, bezweifeln selbst die Kreise, die sich früher für die Abchaffung der Geisha eingesetzt hatten. H. J.


Geishaschülerinnen nach einem Tempelbesuch
Geishaschülerinnen nach einem Tempelbesuch

Geishas bei der Morgentoilette
Geishas bei der Morgentoilette

Per Fuji, der heilige Berg Japans Aufnahmen: Jung
Per Fuji, der heilige Berg Japans Aufnahmen: Jung

Niederschlesien - damals

Berge und Täler und fruchtbares Flachland geben Schlesien ein wechselreiches Bild. Durch das Tiefland trägt die Oder ihre Wasser, und ihre Ufer säumen alte Wälder, in denen der Wind das ewiggleiche Sehnsuchtslied orgelt. Blühende, fleißige Städte dehnen sich am Strom. Hier und da steigen aus der Ebene bewaldete Einzelberge auf, niedrige Höhenzüge, von denen der Blick ins Odertal hinabgleitet, oder über die weite niederschlesische Heide. Im Norden und Osten der Provinz glitzern fischreiche Seen.

Wir nehmen das uralte Breslau schon zum Ausgangspunkt einer Wanderung durch die Provinz. Da ist ferner Görlitz in der schlesischen Lausitz, das von der Neiße in die Altstadt und den neuen Teil mit modernen Bauten getrennt wird. Das alte Görlitz birgt eine Fülle prächtiger Kunstdenkmäler. Ausgedehnte Promenaden umgeben es, und am Ausgang erhebt sich der bewaldete Kegel der „Landeskrone". Weithin bekannt ist Görlitz durch die „Schlesischen Musikfeste". Entlang der Sudeten führt der Weg in die Stadt der Taschentücher, Lauban. Wälder dehnen sich nach Nord und gehen langsam in Heideland über. Im Westen aber steigen die Berge ins Himmelsklare, und die Schneekoppe, Schlesiens höchste Erhebung, ragt über den Riesengebirgskamm hinaus. Am Fuße dieser Berge liegt Hirschberg, ein altertümliches Städtchen, in dem nur wenige Neubauten und Hotels zeigen, daß es auch etwas vom modernen Baustil versteht. Ueber Warmbrunn, dem bekannten Kurort mit den warmen Quellen, steigen die Wege und Straßen im Gebirge hinauf, nach Schreiberhau und Krummhübel, Orte, die durch die Wintersportkämpfe bekannt wurden. Von der Schneekoppe schweift das Auge weit ins Land: einmal ins „Böhmische", zum anderen Male ins Deutsche. Aber selten wird ein klarer Ausblick gewährt. Meist braust der Sturm über die steinige Koppe und unter ihr brodeln die Wolken. Wer einmal einen Sonnenaufgang dort oben erlebte, vergißt es nimmer. Die Wetterwarte der Schneekoppe ist weithin sichtbar — in Schreiberhau, in Warmbrunn und tiefer im Land. Dem mächtigen Riesengebirge sind Vorgebirge vorgelagert, wie das Bober=Katzbach=Gebirge oder das Zobtengebirge, dem das Land seinen Namen verdankt (Silling). Viel Romantik bergen die Städte und alten Burgen, von denen der Kynast und die Bolkoburg die bekanntesten sind.

Das Schlesiertal mit der Talsperre und der ragenden Kynsburg führt zum Eulengebirge, das durch tiefe Schluchten und Berge bis 1000 und mehr Meter abwechslungsreich ist. Auch hier lebt ein fleißiges Völkchen. Mancherlei Industrie ließ sich nieder, besonders Webereien, und in manchem Haus am Fuße der Berge klappert der Webstuhl. Ein Kammweg zieht einsam und still durch Wälder nach dem Wallfahrtsort Wartha. Hier beginnt das Glatzer Gebirge, das mit dem Schneeberg 1400 Meter emporsteigt. Tannen von seltener Höhe krönen die Berge; undurchdringliches Dickicht erinnert an Urwald; tief fallen die Schluchten ab, und Bergbäche stürzen ins Tal. Bad Landeck, das zwischen dem Glatzer Schneegebirge und dem Grenzstädtchen Mittelwalde liegt, ist der älteste Kurort Schlesiens. Habelschwerdt und Glatz sind altertümliche Städte von großem Reiz. Im romantischen Winkel auf der anderen Seite des Glatzer Kessels liegen zwischen dem Adlergebirge und der Heuscheuer die Herz=Bäder Altheide, Reinerz und Kudowa. Ueber Münsterberg, das eine der großartigsten gotischen Kirchen Schlesiens besitzt, gelangen wir zum Kloster Heinrichau, das in ausgedehnter Parklandschaft erbaut, jeden Kunstliebhaber verweilen läßt. Strehlen, freundlich und sauber, kennt jeder durch den größten Granitsteinbruch der Welt. Das Zobtengebirge, das beliebte Ausflugsziel der Breslauer am Sonntag, trennt uns von Liegnitz, der Gartenstadt. Viele Bauten erinnern daran, daß sie auch eine historische Stadt ist. Hier lebten einst die „Piasten" und hier wirkte vor Zeiten die heilige Hedwig als’ Herzogin Gutes. Das Kloster Wahlstatt, ein herrlicher Barockbau, wurde an der Stätte der Mongolenschlacht von 1241 errichtet. Die Liegnitzer Ebene bietet noch eine Besonderheit: auf der Möweninsel im Kunitzer See brüten Tausende von Möwen, die zu mancher Jahreszeit bis in die Hauptstadt des Landes fliegen und sich am Oderufer von Kindern füttern lassen. Niederschlesien ist so reich an Kulturstätten und historischen Bauten, daß es nicht möglich ist, sie in einem kurzen Bericht zu erfassen. Es gibt gewiß an dieser Stelle öfter Gelegenheit, ausführlicher davon zu erzählen.

Ihr, Berge, seid des Landes Geist, das leicht zu euren Füßen bunte Wogen schlägt. Was seiner Täler Sehnsucht nie erreicht, das faßt ihr groß zusammen. Schimmernd legt ihr an des Himmels blauen Toren nieder des Landes Stolz und Traum der Märchenlieder. =e=j.


Oderlandschaft
Oderlandschaft

Blick auf die Cröditzburg
Blick auf die Cröditzburg

Wahlstatt: Hier hielt Herzog Heinrich 11. 1241 dem Ansturm der Mongolen stand
Wahlstatt: Hier hielt Herzog Heinrich 11. 1241 dem Ansturm der Mongolen stand

Der Rechtsberater bat das Wort

Der Mieter und der Baukostenzuschuß

Nach der Währungsreform bis hinein in das Jahr 1949 ließen sich manche Bauherren von ihren an der Wohnung interessierten späteren Mietern verlorene Zuschüsse zum Aufbau geben. Mit Rücksicht auf die äußerste Wohnungsnot brachten Wohnungsuchende dieses Opfer und halfen so dem Grundstückseigentümer sein zerstörtes Grundstück wieder auf bauen, ohne je etwas wieder von dem hineingesteckten Geld zu sehen. Seit etwa 1950 sind die Mieter aber vorsichtiger geworden. Jetzt werden nicht mehr den Grundstückseigentümern von den Mietern die Häuser aufgebaut und dazu noch die volle Miete gezahlt, sondern jetzt werden die Baukostenzuschüsse durch Anrechnung auf die Miete oder durch Abwohnen getilgt. Meist sind diese Baukostenzuschüsse unverzinsliche Darlehen. Durch diese Rechtsverhältnisse stehen sich der Mieter und der Vermieter in ganz verschiedener Rechtsposition gegenüber. Der Grundstückseigentümer ist Gläubiger der Mietforderung, also eines Geldanspruchs. Aber auch der Mieter ist Gläubiger einer Geldforderung, nämlich seines Anspruchs auf Rückzahlung des Baukostenzuschusses. Dieser Situation muß der Mietvertrag Rechnung tragen. Die im Handel üblichen Musterverträge und auch das Muster des Deutschen Einheitsmietsvertrages müssen in einigen Punkten ergänzt werden, um dem Mieter die Rechte gegenüber dem Vermieter zu wahren. In den Formularvertrag für die noch zu errichtende Wohnung werden zweckmäßigerweise folgende 5 Punkte auf genommen: 1. Ein bestimmter (äußerster) Termin für die schlüsselfertige Übergabe der Wohnung. — Was unter „schlüsselfertig" zu verstehen ist, kann in einer als wesentlicher Bestandteil des Mietvertrages bezeichneten Anlage niedergelegt werden, damit später keine Streitigkeiten entstehen. Hierzu gehören: die Art der Zimmerböden (z. B. ob Steinholz oder Parkett), des Wandbelages (ob Tapete oder Anstrich), die Ausstattung mit Öfen, Badeeinrichtung, Herden, sowie Gas- Wasser- und Elektro-Installation z. B. Art und Zahl sowie Anbringungsstellen der Lichtschalter, Steckdosen usw. 2. Die Unkündbarkeit des Mietvertrages von Seiten des Vermieters bis zu dem Tage, an dem der Baukostenzuschuß von ihm völlig zurückgezahlt ist. 3. Bei der Behandlung des Mietzinses darf man nicht von der Hingabe eines „Darlehens" sprechen, das abgewohnt oder gegen die Miete aufgerechnet wird. Wenn nämlich der Hauseigentümer das Grundstück verkauft oder wenn im Wege der Zwangsvollstreckung oder des Konkurses ein an* derer Eigentümer an die Stelle des früheren tritt, dann treffen sich Gläubiger der Mietzinsforderung und Gläubiger der Darlehensforderung nicht mehr, denn jetzt stehen im Mietvertrag andere Parteien einander gegenüber als im Darlehensvertrag. Daher kann der neue Erwerber des Grundstücks nach Ab* lauf eines Monats den vollen Mietzins vom Mieter verlangen. Dem kann man aus dem Wege gehen, wenn man den Mietpreis vorweg klar festlegt:

Beispiel: Zinsloser Baukostenzuschuß 2400 DM, Rückzahlungszeitraum 10 Jahre, voller Mietpreis 70, DM monatlich, monatliche Rückzahlungsrate 20,— DM, Teilmietpreis 50,— DM. Beginn des Miet* Vertrags 1. 11. 1950. § t Der Mieter zahlt an den Vermieter zur Ver* Wendung für den Ausbau der Wohnung in (Straße, Hausnummer, Stockwerk), den Betrag von 2400 DM. § 2 Vom 1. 11. 1950 bis 31. Oktober 1960 beträgt der noch zu entrichtende monatliche Mietzins 50 DM. § 3 Vom 1. 11. 1950 an sind monatlich 70 DM als Miete zu zahlen. 4. Die Rückzahlungspflicht des Vermieters muß festgelegt werden, wenn der Mietvertrag vor der vollständigen Rückzahlung des Baukostenzuschusses endet, z. 8., wenn der Mieter einen Wohnsitzwechsel vornehmen muß. Hier kann man entweder den Eintritt des Wohnungsnachfolgers in den Mietvertrag vereinbaren, gegen Zahlung des restlichen Baukostenzuschusses an den ersten Mieter. Man kann aber auch die noch nicht verrechnete Mietvorauszahlung in einen Darlehensvertrag umwandeln. Die Darlehenssumme ist von dem Grundstückseigentümer von der Beendigung des Mietverhältnisses an normal zu verzinsen und ganz oder in Raten zurückzuzahlen. 5. Der künftige Mieter soll sich auch seine Schadensersatzansprüche und Minderungsrechte vorbehalten für den Fall, daß die zu erstellende Wohnung nicht oder nicht in allen Voraussetzungen zum vereinbarten Termin fertig wird. Natürlich muß der Mieter auch die anderen Vertragsbestimmungen durchlesen, ob sie auf seinen Fall passen. Ein gerechtdenkender Vermieter kann seinem Mieter, der mit seinem Spargroschen ihm hilft, sein Grundstück wieder ertragsreich zu gestalten, die Berücksichtigung der vorstehenden Vertragspunkte nicht abschlagen. Dcht

Zwei Männer um eine Frau

Else Müller lebte seit 1936 in glücklicher Ehe mit ihrem Manne Fritz Müller und dem kleinen Söhnchen Fritz. Im unseligen zweiten Weltkrieg, gleich in den ersten Kriegstagen, wurde Fritz Mül* ler bei einer großen Schlacht vermißt. Else Müller lernte in den harten Kriegsjahren Peter Schmitz kennen, der ihr hilfreich in allen Fragen zur Seite stand. Im Laufe der Jahre verblaßte das Bild ihres Fritz immer mehr und in ihrem Herzen keimte eine neue Zuneigung zu Peter Schmitz. Auf Antrag von Else wurde ihr vermißter Mann Fritz Müller 1947 für tot erklärt. Else heiratete darauf noch im Jahre 1947 Peter Schmitz, Kinder sind aus dieser Ehe nicht hervorgegangen.

Im Sommer 1950 kommt plötzlich und uner* wartet Fritz Müller mit einem Heimkehrertrans* port nach Hause. Davon, daß er noch lebte, hatten Else und Peter Schmitz nichts gewußt. Fritz Müller ist ganz erschüttert, als er seine Frau in den Armen eines anderen Mannes findet. Auch in Else erwacht die alte Liebe wieder.

Was sollen Else und Fritz tun? fragen Sie sich. Bei Wiederverheiratung eines überlebenden Ehe* teils ist der Tod des früheren Ehegatten im Regel* falle durch Sterbeurkunde nachzuweisen. Lebt der frühere Ehegatte trotzdem, war also die Urkunde unrichtig, so liegt Doppelehe vor (§ 20 Ehegesetz vom 20. 2.1946), da die frühere Ehe z. Z. der neuen Eheschließung nicht aufgelöst war. Die zweite Ehe ist also nichtig. Nicht anders wäre an sich die Rechtslage zu beurteilen, wenn der andere Ehe* gatte aus der früheren Ehe für tot erklärt ist, aber lebt. Die §§ 38—40 des Ehegesetzes regeln diesen Tatbestand aber gegenteilig im Interesse der Auf* rechterhaltung der neuen Ehe.

Wenn also Else, nachdem ihr Mann, Fritz Mül* ler, für tot erklärt ist, mit Peter Schmitz eine neue Ehe eingeht, so ist diese neue Ehe nicht deshalb nichtig, weil Fritz Müller tatsächlich noch lebte, nicht schon durch die Todeserklärung des Fritz Mül* ler, sondern erst mit der zweiten Eheschließung 1947 wurde die frühere Ehe zwischen Else und Fritz Müller aufgelöst (§ 38 Ehegesetz). Fritz Müller kann jetzt nach seiner Rückkehr nicht auf sein Recht als Ehemann pochen. Er kann auch nicht auf Aufhebung der neuen Ehe klagen. Fritz ist völlig rechtlos hinsichtlich seiner früheren Ehe, die ja aufgelöst ist. Es kommt allein auf den Willen von Else an. Sie allein kann zwischen beiden Männern wählen. Sie kann bei Peter Schmitz bleiben oder durch Klage vor dem Landgericht ihres Wohnsit* zes die Aufhebung der neuen Ehe mit Peter be* antragen. Nach Rechtskraft des Urteils kann sie sich wieder mit Fritz Müller — nur mit ihm — so lange Peter Schmitz noch lebt, verheiraten (§ 39 Ehegesetz).

Else wird der Stimme ihres Herzens und der Ver* nunft folgen und dem kleinen Fritz Müller seine Eltern wiedergeben. Dcht.

Sprechltunde des Hausarztes

Für warme Füße sorgen!

Von Dr. Wilhelm Münch, Bad Nauheim

Noch im ausgehenden Mittelalter sahen die Ärzte in kalten Füßen eine Hauptursache für viele Krank* heiten. Bekannt ist der Ausspruch des berühmten holländischen Arztes Hermann Boerhave (1668 bis 1738), den er in seinem eigenartigen Testamente hinterließ: „Kopf kalt, Füße warm — macht den besten Doktor arm." Für lange Zeit ging diese wichtige Erkenntnis der Menschheit verloren, um dann in unserem biologisch ausgerichteten Zeit* alter erneut zur Geltung zu kommen.

Der kürzlich beendete Fortbildungskurs Bad Nau* heimer Ärzte brachte in seinem Verlauf einen viel beachteten Vortrag, der auf die Wichtigkeit der Gefäßregulationen für die menschliche Gesundheit hinwies. Nach unserer heutigen Auffassung führen gewisse Regulationsstörungen der Fußgefäße zu dem Auftreten kalter Füße. Die Patienten klagen dann häufig über Blutandrang zum Kopf mit Schwindel und Benommenheit, Schlaflosigkeit, Brust* und Herzbeschwerden sowie Unterleibs* Störungen (z. B. Durchfall, Periodestörungen usw.). Die gute Durchwärmung der Füße ist im weitesten Maße abhängig von einer normalen Funktion der Gefäßnerven. Sobald diese versagt, treten kalte Füße auf. In zweifacher Hinsicht wird der mensch* liehe Organismus geschädigt. Einerseits werden die nötigen Aufbaunährwirkstoffe nicht an die richtige Stelle befördert, andererseits die Abbau* Produkte nicht beseitigt. Wie kommt es nun zur Bildung kalter Füße?

Eine ganze Reihe schädlicher Einflüsse kommen hierbei in Betracht. Vor allem führe ich hierbei eine schlecht geheizte, kalte Wohnung an und da insbesondere eine kalte Küche mit Betonboden. Die

Berufstätigen sind einmal gefährdet durch stunden* langes Sitzen in schlecht geheizten Büros und dann durch langes Stehen in kühlen Läden. Bei Kindern spielt die häusliche Verweichlichung und falsche Er* nährung, bei Erwachsenen die ungesunde Kleidung (Modetorheiten!) eine ausschlaggebende Rolle. Dazu kommt’ nicht selten ein ungünstiges, kaltes Klima. Das Nichtwechseln nasser Strümpfe begünstigt die Entstehung kalter Füße. Den wenigsten ist be* kannt, daß die normale Fußhaut ohne sichtbare Schweißbildung ständig Wasser in Dunstform aus* scheidet. Sobald die Feuchtigkeit nicht verdunsten kann, schlägt sich diese in den Strümpfen nieder. Sofern der gesunde Fuß nicht durch nasse Strümpfe gehindert wird, gibt er Wärme in Form von Strahlun* gen ab. Deshalb bilden warme, insbesondere trok* kene, öfters gewechselte Strümpfe den besten Kälte* schütz für die Füße. Der feuchte Überzug entzieht dem Fuß und damit dem Körper ein beträchtliche Menge Wärme und bedingt gleichzeitig eine starke' Verkrampfung der schon durch Kälte verengten Gefäße, vor allem auch der tiefer gelegenen Gefäß* netze. Die von dem Fuß fortlaufend abgeschiedene aber an der Verdunstung gehinderte Feuchtigkeit setzt sich im Strumpf fest und verhütet so über* haupt ein Trockenwerden desselben.

Konstitutionelle Fehlregulationen bei Nervösen, besonders bei nervösen Kindern, begünstigen die Entstehung kalter Füße. Es gibt angeborene und erworbene kalte Füße. Gewisse chronische Krank* heiten sind in erster Linie mit kalten Füßen ver* knüpft. Ich nenne da vor allem Stoffwechselkrank* heiten wie Gicht und Zuckerkrankheit sowie die Tuberkulose, von der der verstorbene, berühmte Wiener Professor Neumann einmal schrieb: „So* lange die kalten Füße noch bestehen, ist die Tuber* kulose noch nicht völlig abgeheilt. Es stellen diese Gefäßnervenschädigungen oft den letzten Rest der tuberkulösen Vergiftung dar und werden als solche am besten durch eine zweckentsprechende Behänd* lung geheilt." Kalte Füße sind aber auch charakte* ristisch für das sogenannte zei’weise Hinken (nach Prof. Erb), dessen Ursache in einer Beinaderverkal* kung zu suchen ist. Die Patienten können einige Schritte beschwerdefrei gehen, fangen dann infolge heftiger Beingefäßkrämpfe zu hinken an und müs* sen schließlich wegen großer Schmerzen stehen* bleiben, bis sich der Krampf wieder löst. Außer der Kälte spielt hierbei die Nikotinschädigung infolge allzustarken Tabakrauchens eine wesentliche Rolle. Der Prozentsatz der Kaltfüßler ist sehr hoch, be* sonders derjenigen bei Frauen.

Wie lassen sich nun kalte Füße verhüten? Ein* mal durch sorgfältige Fußhygiene, häufigen Strumpf* wechsel, Bürstenfrottage, Wechselfußbäder (Baden der Füße in Wasser von 45 Grad C, s—B Minuten lang, dann in solchem von 16 Grad eine Sekunde.). „Der dauernde Gebrauch einer Wärmflasche ist wegen Erschlaffung der Gefäße unzweckmäßig." Sodann ist eine vitaminreiche Nahrung (z. B. Hage* butten, schwarzer Johannisbeersaft usw.) sehr emp* fehlenswert. Endlich wären Medikamente zu er* wähnen, die günstig auf die Gefäße einwirken (z. B. Lebertran, die homöopathische Küchenschelle (Pul* satilla), die Roßkastanie (Aeskulus hippocastanum). Sorgt man in der angegebenen Weise für eine recht* zeitige Beseitigung kalter Füße, so wird man häufig den Ausbruch von Gesundheitsstörungen, insbeson* dere von Erkältungskrankheiten, verhüten können.

Im Kinderland

Pummelchen und die Dampfwalze

Eine Geschichte zum Nachdenken

Als ich kaum vier Jahre alt war, spielte ich mit einigen Nachbarskindern vor unserem Hause. Unsere schönsten Puppen hatten wir bei uns, die wir aufs zärtlichste bemutterten. Auch ich führte mein Pummelchen spazieren, kochte ihm Breichen, zog ihm die Kleidchen an und aus und spielte mit ihm.

Doch beim Essen verschlapperte es sein Breichen und beschmutzte sein bestes Kleid. „Du wirst auch nie ein großes, vernünftiges Mädchen werden", sagte ich und stellte Pummelchen in die Ecke. In» dessen vernahm man am unteren Straßenende lautes Geratter einer Dampfwalze. Ich beratschlagte mit den anderen Puppenmüttern, wie Pummelchen wohl aussehe, wenn die dicke Walze über es hinweg» fahren würde. Ob es wohl dann ein großes Mädchen sein wird?

„Komm, Pummelchen, nun wirst du ein großes Mädchen!" rief ich, nahm mein Püppchen aus seiner Ecke, rannte mit ihm davon und legte es mitten auf die Straße. Immer näher kam die dicke Walze, und fast tat es mir ein bißchen leid, als das dicke Ungeheuer über mein geliebtes Puppenkind hinwegfuhr. Oh, Schreck, mein armes Pummelchen, wie hatte es sich verändert. Groß war es ja ge=

worden, aber dafür breit und platt wie ein Pfannen» kuchen. — Nie mehr wollte ich ein Puppenkind so schnell groß haben. M. St.



Im Zoologischen Garten

Am schönsten war es im Affenhaus

- Ich zählte damals etwa fünf Jahre, als mich meine Mutter einmal mit nach Frankfurt in den Zoo nahm. Dieser Tag war ein großes Erlebnis für mich. Er» staunt und bewundernd stand ich vor den großen Käfigen mit den fremdländischen Tieren. Aber von sämtlichen Bewohnern des Zoos gefielen mir doch die Affen am besten. Schon eine ganze Weile standen wir vor ihnen. Da fiel mir ein, daß Affen so gern in den Spiegel sehen. Ganz heimlich nahm ich aus meinem Täsch» eben mein Spiegelchen und steckte es durch den Draht. Flugs kam auch schon ein Affe und hob es auf. Ganz dicht hielt er es vor sein Gesicht. Er putzte sich, rieb sich sein Kinn und schnitt Fratzen. Doch nicht lange konnte er sich darüber freuen, da kam auch schon ein anderer und nahm es ihm ab. Aber auch er hatte nicht viel Glück damit, denn schon war die ganze Affenfamilie auf den seltenen Schatz aufmerksam geworden. Nun wanderte mein Spiegelchen nicht immer kampflos von einem Affen zum andern. Schon blieben die Zoobesucher vor dem Käfig stehen und lachten über die tollen Sprünge der Affen. Leider lachten sie auf einmal so laut, daß es der Aufseher in seinem Häuschen hörte. Oh, wie schimpfte er, als er sah, was die Ursache dieser Affenrevolution war. Er ging in den Käfig und nahm den Affen den Spiegel ab. Ich war sehr erstaunt darüber, daß man den Affen nicht ihr Vergnügen lassen wollte. Noch erstaunter aber war meine Mutter, die in der Hand des Aufsehers einen Spiegel sah, den sie mir einmal geschenkt hatte. M. St.

Wer lacht mit!

Stammbuchvers der Woche

Wie wenig braucht's auf dieser Welt, Um einen Waldbrand zu entfachen — Wie schwer es andrerseits doch fällt, Ein wärmend Feuerlein zu machen!

Kindermund

„Großmutti, kannst du nicht mal die Augen zumachen?"

„Weshalb denn, mein Herzblatt?" „Vati hat gesagt, wenn du die Augen zumachst, kriegen wir emen Haufen Geld." *

„Onkel, darf ich mal deine Beine anfassen? — „Warum, Kurtchen?" — „Ob sie scharf sind, Onkel. — „Scharf, Kurtchen?" — „Na ja, Vati sagt, du hast Säbelbeine."





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Auflösung aus der letzten Nummer



Sonderbar, sonderbar...

Musikalische Weste

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts herum war es eine Zeit lang Mode, gestickte Westen zu tragen, auf denen ganze Szenen aus Opern abgebildet waren. Man konnte eine ganze Oper in einer Westenserie kaufen.

Kuriose Jagdvorschriften

In Idaho (USA) gab es einmal ein Gesetz, das das Angeln von Forellen vom Pferde aus und das Schießen von Flugwild von der Straßenbahn aus verbot.

Die flinke Fliege

Der Stubenfliege macht es gar nichts aus, in Schnellzugsgeschwindigkeit zu fliegen. Aber das ist noch gar nichts! Es gibt Fliegenarten, die so schnell sind, daß sie ihr eigenes Fluggeräusch überholen. Die menschliche Fliegerei ist erst in den allerletzten Jahren zu solchen Geschwindigkeiten gekommen.

Gipfel des Feingefühls

Im Jahre 1845 legte ein Mitglied des Tierschutz» Vereins seiner Gesellschaft eine Denkschrift vor, nach der es den Aerzten verboten werden sollte, Mittel zur Vernichtung des Bandwurms zu ver» schreiben, da deren Wirksamkeit eine Tierquälerei sei. Er erklärte sich also mit dem Bandwurm soli» darisch.

„Jedesmal, wenn ich mich nach vorn beuge, Herr Doktor, quietscht etwas in meinem Rücken!"

„Ach, das ist nur Ihr Hosenträger! Ich werde Ihnen etwas öl verschreiben, damit Sie die Schnalle ein» schmieren können!"



Plirk in die Welt

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


Filiput (Italien) stellte bei dem deutsch=italienischen Leichtathletiktreffen in Mailand mit 51,9 Sekunden einen neuen Hürden=W eltrekord über 440 Yards auf
Filiput (Italien) stellte bei dem deutsch=italienischen Leichtathletiktreffen in Mailand mit 51,9 Sekunden einen neuen Hürden=W eltrekord über 440 Yards auf

Die Ex=Skiweltmeisterin Christl Cranz baut bei Steibis im Allgäu ein neues Skiheim. — Das Ehepaar Cranz—Borchers auf dem Bauplatz
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Der Panama=Neger Lloyd La Beach gewannn mit 10,1 Sekunden den ioo=Meter-Lauf in neuer Weltrekordzeit
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Bei Pfullendorf im Linzgau, 25 km nördlich vom Überlinger See, stieß man bei Bohrungen auf neue Erdölquellen
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Die Bevölkerung von Kopenhagen bereitete Churchill bei seinem Besuch begeisterte Kundgebungen
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Marlene Dietrich Wurde für eine Revue nach Hamburg verpflichtet
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Harry Piels neue Freundin, das dreijährige Elefantenbaby des Zirkus Althoff,
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Miss Essancaiari Bakhtaxri (rechts) gilt als Verlobte des Shahs von Persien Aufnahmen: DPA und UP
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AUS DEM INHALT: Die Burg im Steinerwald S. 2 Brauen im Sturm der Zeiten S. 3 Das Ende der Geisha S. 4 Einst blühte Niederschlesien S. 7 Mieter und Baukostenzuschuß S. 6 Blick in die Welt S. 8