Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI, Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 96 Jieueffe HadiridHen Freitag, 20. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Kriegsopfer-Versorgung vom Bundestag angenommen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 19. Oktober. Während der Bundestag am Donnerstag das Bundesversorgungsgesetz verabschiedete, ankerten auf dem Rhein vor dem Bundeshaus zwei Rheindampfer, wohin für die zu einem Deutschland-Treffen in Bonn versammelten Vertreter der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen die Parlamentssitzung übertragen wurde.

Rund einhundert Vertreter der Kriegsopfer wohnten auf der Tribüne des Bundestages der bedeutungsvollen Entscheidung bei, mit der Parlament und Regierung ein trotz der schwierigen Finanzlage vorbildliches Versorgungswerk geschaffen haben. Auch der Bundesfinanzminister sah sich doch noch in der Lage, den in den Beraturtgen des Bundestagsausschusses beschlossenen Verbesserungen einschließlich der Einbeziehung von West-Berlin zuzustimmen.

3,2 Milliarden Mark

Mit dem durch die neuen Verbesserungen bedingten Mehraufwand von 1,132 Milliarden Mark werden im Haushaltsjahr 1951/1952 3,241 Milliarden Mark für die Kriegsopfer im Bundesgebiet aufgebracht werden. Demonstrativ begab sich Finanzminister Schäffer bei der Schlußabstimmung auf seinen Abgeordnetenplatz, um auch selbst seine Stimme für das Gesetz abzugeben. Nur die vier im Bundestag anwesenden Kommunisten enthielten sich der Stimme, aber auch sie konnten nicht gegen das Gesetz stimmen. Alle übrigen Fraktionen stellten sich in seltener Einmütigkeit hinter das von ihnen gemeinsam geschaffene Werk, mit dem die zeitweilig sehr ernsten Spannungen zwischen dem/jungen Staat und den Kriegsopfern beseitigt worden sind. Auch die in Bonn anwesenden Kriegsopfervertreter erkannten an. daß die Forderungen der Kriegsopfer jetzt weitgehend erfüllt sind. Im Anschluß an die Abstimmung im Bundestag weilten der Bundesarbeitsminister Storch und eine Reihe Bundestagsabgeordneter eine Zeitlang bei den Delegierten des Verbandes der Kriegsbeschädigten auf den Rheindampfern.

In einer Entschließung des Bundestages wird betont, daß sieh die Regierung verpflichtet hat, das Versorgungsgesetz im Sinne der Ausschußberatungen auszulegen. Dem Bundesversorgungsgesetz soll ohne Verzögerung der Entwurf eines Verfahrensgesetzes folgen. Der beschleunigte Aufbau der Versorgungsämter soll die rasche Durchführung des Gesetzes ermöglichen.

Grund- und Ausgleichsrente

Das Bundesversorgungsgesetz gewährt eine Grundrente und eine Ausgleichsrente. Die Grundrente beträgt bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um dreißig Prozent 15 Mark, um vierzig Prozent 20 Mark, um fünfzig Prozent 25 Mark, um sechzig Prozent 35 Mark, um siebzig Prozent 45 Mark, um achtzig Prozent 55 Mark, um neunzig Prozent 65 Mark und bei voller Erwerbsunfähigkeit 75 Mark. Die Ausgleichsrente wird gewährt, wenn eine Erwerbstätigkeit überhaupt nicht oder nur in beschränktem Umfange ausgeübt und der Lebensunterhalt nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann. Sie beträgt bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um fünfzig und sechzig Prozent monatlich 40 Mark, um siebzig Prozent 50 Mark, um achtzig Prozent 60 Mark, um neunzig Prozent 75 Mark und bei voller Erwerbsunfähigkeit 90 Mark. Die Ausgleichsrente erhöht sich für die Ehefrau und für jedes Kind bei fünfzigprozentiger Erwerbsunfähigkeit um zehn, bei sechzigprozentiger um weitere zehn und darüber hinaus pro zehn Prozent weiterer Minderung der Erwerbsfähigkeit, um fünfzehn Mark. SS und sonstige nationalsozialistische Gliederungen sind in dem Gesetz nicht erwähnt. Trotzdem ist der Personenkreis, der hierzu gehört, in die Versorgung eingeschlossen.

Italien verstärkt Rüstung

Rom, 19. Oktober. (AP.) Die italienische Regierung hat das Parlament ersucht, das Verteidigungsbudget um 100 Milliarden Lire (697 Millionen DM) zu erhöhen. Diese Summe stellt eine Erhöhung um über 30 Prozent dar.

Sieben-Mächte-Plan angenommen

Er dient der Stärkung der Vereinten Nationen

Lake Success, 19. Oktober. (AP.) Der politische Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat mit überwältigender Mehrheit den - Mächte-Plan zur Stärkung der Vereinten Nationen angenommen.

In seinen wichtigsten Abschnitten sieht der Plan vor:

1. Einberufung der Vollversammlung innerhalb von 24 Stunden, wenn der Sicherheitsrat durch den Gebrauch des Vetos an einer Beschlußfassung über einen Friedensbruch verhindert wird.

2. Einrichtung von „Friedenspatrouillen“, die Friedensbrüche an Ort und Stelle untersuchen und der Vollversammlung Bericht erstatten sollen.

3. Abstellung von Truppenkontingenten durch die Mitgliedstaaten, die der Vollversammlung in Krisenzeiten auf Abruf zur Verfügung stehen sollen.

4. Ernennung eines Ausschusses zum Entwurf von Plänen für eine kollektive Sicherheit.

Eine Reihe von sowjetischen Abänderungsvorschlägen, die in ihrer Auswirkung eine Entkräftung des Plans darstellen würden, wurde von der Mehrheit der Delegierten abgelehnt.

Indochina-Debatte

Paris, 19. Oktober. (AP.) Zu hitzigen Angriffen auf die Regierung Pleven ist es am Donnerstag bei der Indochina-Debatte in der Nationalversammlung gekommen. Scharfe Worte fielen von links und rechts gegen das Kabinett, dem man die Schuld an der augenblicklichen Situation in Indochina gibt.

Die Kommunisten forderten die Regierung auf, den „Krieg dort unten“ zu beenden. Die rechtsgerichteten - Gaulle-Anhänger und Nationalisten verlangten eine sofortige Verstärkung der Kriegsanstrengungen Frankreichs in Indochina und einen „energischen Kampf gegen Ho Tschi Minh".

Pyöngyangs Schicksal besiegelt

Die nordkoreanische Hauptstadt ist praktisch gefallen

Söul, 19. Oktober. (AP.) Der größte Teil der roten Metropole Pyöngyang ist im Laufe des Donnerstag von den Truppen der Vereinten Nationen besetzt worden. Der organisierte Widerstand des Feindes ist völlig zusammengebrochen.

Zerschlagene und abgekämpfte Soldaten der nordkoreanischen Armee haben sich zu Tausenden ergeben. Schwer angeschlagene Verbände des Gegners haben sich nach Norden abgesetzt und die Stadt fluchtartig verlassen. Nur noch wenige Widerstandsnester halten sich und kämpfen weiter. Pyöngyang ist damit nach noch nicht einmal eintägigem Kampf praktisch gefallen.

Die Panzerspitzen der ersten amerikanischen Infanteriedivision und der ersten südkoreanischen Division hatten sich bereits am Donnerstagmittag in der Stadtmitte vereinigt. Kurze Zeit darauf brach die feindliche Verteidigung zusammen. Infanteriestoßtrupps und Panzer säubern den Süd- und Ostteil der Stadt von Versprengten. In den nördlichen Randbezirken toben noch Kämpfe mit kommunistischen Nachhuten, die den Rückzug des Gros der Kommunisten decken.

Die Truppen der Vereinten Nationen hatten hauptsächlich unter Heckenschützen- und Granatwerferfeuer zu leiden. Schwere Waffen des Feindes traten kaum noch in Aktion. Zum letzten Male hatte er seine schwere Artillerie und größere Panzermengen am Mittwoch eingesetzt, als zeitweilig der alliierte Angriff an den beiden Straßen Suan— Pyöngyang und Sariwon—Pyöngyang zum Erliegen kam.

Zehntausende von roten Truppen sind durch den blitzschnellen Vormarsch der alliierten Truppen südlich, südöstlich und östlich von Pyöngyang abgeschnitten, eingekesselt, oder in das unwegsame Bergland zurückgetrieben worden. Alliierte Flugzeuge greifen im laufenden Einsatz die auf den Rückzugsstraßen nach Norden entweichenden kommunistischen Truppen an und fügen ihnen schwere Verluste zu.


Nach seiner Rückkehr von den Besprechungen mit General Mac Arthur auf der Insel Wake wurde Präsident Truman in San Franzisko von einer riesigen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Unser Bild zeigt Präsident Truman (links), neben ihm der Oberbürgermeister Von San Franzisko, Robinson, und der amerikanische Vize-Präsident Barkley Foto: UP-Acme
Nach seiner Rückkehr von den Besprechungen mit General Mac Arthur auf der Insel Wake wurde Präsident Truman in San Franzisko von einer riesigen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Unser Bild zeigt Präsident Truman (links), neben ihm der Oberbürgermeister Von San Franzisko, Robinson, und der amerikanische Vize-Präsident Barkley Foto: UP-Acme

„Pufferzone“ in Nordkorea

Koreafront, 19. Oktober, (dpa) Ein Sprecher der achten amerikanischen Armee in Korea erklärte am Donnerstag, es bestehe ein endgültiger Plan, daß die Truppen der Vereinten Nationen nördlich von Pyöngyang ihren Vormarsch anhalten wollen, um eine 65 Kilometer tiefe „Pufferzone“ zwischen sich und der mandschurischen Grenze offen zu lassen. Dieser Plan ziele darauf ab, Grenzzwischenfälle mit den chinesischen Kommunisten zu vermeiden.

Formosa nicht erörtert

Tokio, 19. Oktober, (dpa) Präsident Truman und General Mac Arthur sollen, wie unterrichtete Kreise am Donnerstag in Tokio betonten, auf ihrer Konferenz auf Wake die amerikanische Formosa-Politik nicht angeschnitten haben. Ferner werden Presseberichte, daß General Mac Arthur seine Ansicht über die strategische Bedeutung Formosas geändert habe, von den gleichen Kreisen als unzutreffend bezeichnet. Mac Arthur sei nach wie vor der Auffassung, daß Formosa nicht in kommunistische Hände fallen darf.

Cripps zurückgetreten

London, 19. Oktober, (dpa) Der britische Schatzkanzler Sir Stafford Cripps ist, wie am Donnerstagabend amtlich bekanntgegeben wurde, aus Gesundheitsgründen zurückgetreten.

Der britische Wirtschaftsminister Gaitskell ist als Nachfolger ernannt worden.

Gelinderte Not

*♦* Eine Reihe politischer Ereignisse verdienen heute eine besondere Betrachtung: Die Wahl des neuen Bundestagspräsidenten Ehlers, der Rücktritt des britischen Schatzkanzlers Sir Stafford Cripps, die schweren Kämpfe um die nordkoreanische Hauptstadt, die Debatte über Indochina in der französischen Kammer. Nicht zuletzt die Annahme einer Entschließung durch die Vereinten Nationen, wonach die Vollversammlung im Falle eines Angriffs innerhalb von 24 Stunden einberufen werden kann, wenn der Sicherheitsrat durch ein Veto gelähmt ist, so daß also das Vetorecht in diesem Falle nicht zum Zuge kommt.

Nichts dürfte jedoch im deutschen Volke mit größerer Befriedigung aufgenommen werden als die Tatsache, daß im Bundestag das Versorgungsgesetz für die Kriegsopfer in dritter Lesung angenommen worden ist und mit Wirkung vom ersten Oktober in Kraft tritt. Der Bundesfinanzminister erklärte, die Betreuung der Kriegsopfer sei eine besondere Herzensangelegenheit der Bundesregierung. Sie sei deshalb in ihrem Gesetzentwurf bis an die Grenze der Belastungen gegangen, die sie dem Volk und dem Steuerzahler glaube zumuten zu können. Es handelt sich um Milliarden-Beträge, die aufgebracht werden müssen, um die Grund- und Ausgleichsrenten sowie Sonderleistungen an die Kriegsopfer zu gewähren. Ein vollkommenes Gesetz konnte fünf Jahre nach einem derart verlorenen Kriege nicht erwartet werden. Die Kriegsopfer-Versorgung bedeutet auch jetzt noch nur einen bescheidenen Betrag zu der Wiedergutmachung, obwohl sie die Finanzen bis zur Grenze des Möglichen anspannt.

Der Bundestag hat durch die einmütige Verabschiedung des Gesetzes (bei der sich nur die Kommunisten der Stimme enthielten) bewiesen, daß aus der Not der Kriegsopfer keine Parteipolitik gemacht worden ist. Gerade das wird man im deutschen Volke dankbar begrüßen.

Schutz gegen Umsturz

Von Reinhold Zenz

Versetzen wir uns auf einen Fußballplatz. Zehntausende verfolgen mit leidenschaftlicher Anteilnahme den Kampf um das braune Leder, der in einem umgrenzten Feld ausgetragen wird. Der Verlauf wird dadurch nicht weniger erregend, daß genaue Spielregeln festgelegt sind, an die sich die Mannschaften zu halten haben. Begehen sie einen Verstoß, so greift der Schiedsrichter ein. Aber auch seine Entscheidung gilt nicht als unfehlbar. Fällt er ein Fehlurteil, so erheben die Zuschauer oft in recht stürmischer Weise Einspruch.

Demokratische Spielregeln

Jeder Vergleich hinkt irgendwie. Man kann das Bild eines Fußballkampfes nicht in allen Teilen auf ein demokratisches Staatswesen oder auf ein Parlament beziehen. Im großen und ganzen bietet es jedoch viele Vergleichsmöglichkeiten. Man wird das Bild daher hoffentlich nicht verübeln. Kürzlich hatte ein Landrat geäußert, unter Hitler sei das Parlament ein Gesangverein gewesen, heute sei es ein Boxerklub. Der Bundestag selbst bewies Humor genug, sich durch diesen Vergleich nicht beleidigt zu fühlen. Er lehnte den Antrag einer Staatsanwaltschaft zur Strafverfolgung des Landrats ab.

So viel steht fest, eine Demokratie kann keinen Bestand haben, wenn die demokratischen Spielregeln nicht gewahrt werden, das heißt, wenn es Parteien gestattet wird, ein eigenmächtiges Spiel zu treiben, das darauf ausgeht, die Demokratie in ihr Gegenteil, nämlich in einen totalitären Staat zu verkehren. In der Weimarer Republik hat es sich gezeigt, wohin es führt, wenn der Staat aus mißverstandenen demokratischen Grundsätzen Parteien hochkommen läßt, die auf den Umsturz aller bestehenden Verhältnisse hinarbeiten.

Die Verfassung der Bundesrepublik muß also geschützt werden, damit die zarten Wurzeln der Demokratie in einer Gegend gedeihen, in der ein besonders scharfer Ostwind weht. Das mag dort überflüssig sein, wo die politischen Spielregeln allgemein in Fleisch und Blut eingegangen sind und fair beachtet werden. Wo das nicht der Fall ist, wie bei uns, tut es not, die Verfassung zu schützen.

Das Parteiengesetz

Im Artikel 21 des Grundgesetzes wird im zweiten Absatz festgestellt, daß Parteien verfassungswidrig sind, wenn sie darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik zu gefährden. Im ersten Absatz des Artikels wird außerdem gesagt, politische Parteien müssen demokratischen Grundsätzen entsprechen.

Diese selbstverständlichen Bestimmungen bieten jedoch noch keine Handhabe, gegen Parteien vorzugehen, die gegen sie verstoßen. Es bedarf daher eines Parteien-Gesetzes, das bisher in der Bundesrepublik noch fehlt, worauf manche Unklarheiten in dem Verhalten der Staatsgewalt den Parteien gegenüber zurückzuführen sind. Der Antrag, ein solches Gesetz zu schaffen, ist vor zehn Monaten vom Zentrum gestellt worden, aber erst in seiner Sitzung am 18. Oktober hat der Bundestag beschlossen, die Bundesregierung um die Vorlage eines Parteien-Gesetzes zu ersuchen. Der Beschluß, der als ein staatspolitisches Anliegen für die Bundesregierung bezeichnet wurde, ist einstimmig gefaßt worden. Man darf also damit rechnen, daß ein solches Gesetz in absehbarer’ Zeit vorgelegt wird.

Der amerikanische Bundesrichter Owen D. Robertson hat einmal geäußert, jede Einschränkung der persönlichen Freiheit müsse durch akute Gefahr für die Allgemeinheit gerechtfertigt sein. Jede Gesetz-

gebung, die über diese Beschränkung hinausgehe, verletze die Grundsätze der amerikanischen Verfassung. In der Ueberzeugung, eine solche Gefahr sei vorhanden, hat der amerikanische Kongreß vor kurzem ein Antikommunisten-Gesetz erlassen, gegen das der Präsident selbst Einspruch erhoben hatte und das sich wenige Tage später als zu weitgehend herausstellte. Man muß also bei dem Parteien-Gesetz und bei allen noch zu erwartenden Gesetzen zum Schutze der Verfassung darauf achten, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten.

Es wird also unbedingt notwendig sein, auch deshalb, damit wir nicht von einem demokratischen Staate zu > einem Polizeistaate werden, das ebenfalls noch fehlende Bundes-Verfassungsgericht alsbald zu schaffen, damit aus formalem Recht kein Unrecht wird. Dem Bundes-Verfassungsgericht steht ja die Entscheidung darüber zu, ob Gesetze und Verordnungen gegen die Grundrechte verstoßen oder nicht. Jeder Staatsbürger muß darauf achten, daß seine durch die Verfassung garantierten Rechte ebenso geschützt werden, wie der Staat darauf bedacht sein muß, sich zu schützen, soll seine Autorität nicht untergraben werden. Der Staat verliert aber auch dann an Autorität, wenn er Gesetze in Kraft setzt, die so abgefaßt sind, daß er ihnen nicht mit Sicherheit Geltung verschaffen kann oder gar, wenn sie den Grundrechten widersprechen. Emanuel Kant betonte: „Wenn die Gerechtigkeit untergeht, hat es keinen Sinn mehr zu leben."

Die Entlassung von Beamten

Wohin eine nicht genügend durchdachte Anordnung führen kann, haben die Richtlinien für die Entlassung von kommunistischen und rechtsradikalen öffentlich Bediensteten zur Genüge gezeigt. Danach sollte jedes Mitglied der kommunistischen Partei, ihrer Unterorganisationen und Tarnorganisationen sowie der Sozialistischen Reichspartei und der Schwarzen Front Otto Strassers ohne weiteres aus dem Dienste entlassen werden. Es ist bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, dieses neue Gesetz mit rückwirkender Kraft bestrafe ebenso wie das Entnazifizierungs-Gesetz Gesinnungen und verleite wiederum zu Fragebogen-Fälschungen und falschen eidesstattlichen Versicherungen. Das hessische Kabinett hat denn auch am Mittwoch entschieden, ausschließliche Mitgliedschaft ohne Bekleidung irgendwelcher Posten und ohne besondere Aktivität vor Bekanntgabe der Bonner Richtlinien solle nicht als Entlassungsgrund gelten.

Die Gesellschaft für Bürgerrechte in Frankfurt, der man gewiß keine umstürzlerischen Absichten nachsagen kann, erklärt, sie halte die Entlassung der Beamten für verfassungswidrig und werde den Kabinettsbeschluß der hessischen Regierung vom 19. September, der nach dem gleichlautenden Beschluß der Bundesregierung getroffen wurde, gerichtlich anfechten. Die Gesellschaft gesteht dem Staat das Recht zu, die Feinde der Demokratie unschädlich zu machen, sie fordert jedoch ein objektives Verfahren mit Einspruchsmöglichkeit. Sie fordert, der Betroffene müsse gehört und sein bisheriges Verhalten gewertet werden. Solange die betroffenen Parteien nicht durch das Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig festgestellt seien, können nach Ansicht der Gesellschaft für Bürgerrechte Maßnahmen gegen Mitglieder jener Parteien in dieser Form nicht gerechtfertigt werden.

In der ganzen Welt gilt der Rechtsgrundsatz, daß jemand nur dann zu erurteilen ist, wenn seine Schuld einwandfrei erwiesen wurde. Es geht nicht an, daß man Rechtsgrundsätze aufhebt, wie dies soeben das bolschewistische sächsische Justiz-Ministerium getan hat. Nach seiner Weisung an alle unterstellten Gerichte und Staatsanwälte ist der Grundsatz „In dubio pro reo“ (Im Zweifelsfalle für den Angeklagten) nicht mehr anzuwenden. Der rechtlich Gesinnte muß solchen Rechtsbeugungen gegenüber auf der Forderung bestehen, die im Römischen Recht verankert ist und die Kaiser Ferdinand I. als Leitsatz seines Handelns aufstellte: „Die Gerechtigkeit muß ihren Lauf nehmen und sollte auch die Welt darüber zu Grunde gehen.“ Den richtigen Mittelweg, die persönliche

Freiheit des einzelnen zu achten, ihn j edoch zu hindern, einen Umsturz der Verfassung vorzubereiten, dürfte der deutsche Presseverband Rheinland-Pfalz getroffen haben, als er in seine Satzungen den folgenden Passus aufnahm: „Voraussetzung für die Aufnahme ist, daß der Antragsteller sich öffentlich durch Unterschrift zu den Prinzipien des Journalismus und der Pressefreiheit bekennt. Dieses Bekenntnis schließt ein: die öffentliche Verpflichtung zur Verurteilung aller antidemokratischen Bestrebungen, welche erfahrungsgemäß die Freiheit in Schrift und Wort ausschließen.“

Eine in ähnlichem Sinne gefaßte Formulierung würde auch dem Staate gegenüber Parteien und Beamten die Handhabe bieten, allen umstürzlerischen Bestrebungen vorzubeugen.

Der Warschauer Korb

-y- Jedes Handwerk hat seine Eigenheiten. So gibt es im ehrsamen Stand der Imker einen Bienenkorb, der den Namen „Warschauer Korb“ trägt. Ausgerechnet aus Polen kommt nun die Nachricht, daß zwar kein Warschauer, aber doch ein Pole, Imker seines Zeichens, an diesem Warschauer Korb Verbesserungen der Art anbrachte, daß statt eines, nunmehr zwei Bienenvölker darin wohnen können. Die Freude unter den Imkern ist groß.

Geneigt, in dieser Zeit der Vergleiche um uns zu sehen, möchten wir meinen, daß die Verbesserungen des „Warschauer Korbes“ zumindest bei den Politikern in Warschau nur ein mitleidiges Lächeln auszulösen imstande sind. Längst vor dem zündenden Funken im Kleinhirn des wackeren polnischen Bienenvaters sind diese Verbesserungen in der polnischen Politik gang und gäbe geworden. Es ist männiglich auch über die Grenzen des noch nicht verlorenen Polens bekannt, daß im „Warschauer Korb“ seit geraumer Zeit zwei Völker nisten, die angestammten polnischen Arbeitsbienen und ihre ihnen zu Hütern gesetzten sowjetischen Brüder unter der Stabführung des Marschalls Rokossowski. Zwei Völker also unter einem Korb. Nur die Königin fehlt noch, aber im Zeitalter fortschreitender Aufklärung wäre das zuviel verlangt.

Der von uns gemeinte „Warschauer Korb“ scheint sogar noch Platz für ein drittes, inoffizielles, ja geradezu illegales Volk zu haben, an Zahl nicht groß, ein Völkchen aber, das mit Recht das gerade von den Sowjets so gern gehörte Wort „Aktivisten“ für sich beanspruchen darf. Es ist das Völkchen der polnischen Illegalen, der Untergrundbewegung, die gerade in den letzten Wochen wieder recht lebhaft gewesen ist, wie der jüngste Warschauer Schauprozeß zur Genüge bewies. Es ist denkbar, daß diese drei Völker sich eines Tages nicht mehr allzusehr verstehen werden, sondern daß zwei von ihnen, die Legalen un^ Illegalen, sich gegen den dritten, ihren Hüter, wenden werden. So, wie das nicht nur bei Bienen

Die ungarische Regierung hat in einer Note die Vereinigten Staaten und England beschuldigt, den Sturz der ungarischen Regierung zu planen.

Das andere Gesicht des Krieges

Von Hal Boyle, Korrespondent der Associated Press

Bei der zweiten Infanteriedivision in Korea, 19. Oktober. (AP.) Wenn seine Jungens auf Spähtrupp gehen, dann hängt Frank schweigend den Karabiner um und geht mit ihnen. Wenn sie ververwundet werden, hilft er, sie aus der Feuerlinie zu schaffen. Wenn der Tod nach ihnen greift, dann kniet er bei ihnen und spricht ihnen Trost zu. Er gibt ihnen. den letzten priesterlichen Beistand seiner Kirche mit auf den weiten Weg, von dem es kein Zurück gibt.

Schon über hundertmal in den vergangenen neun Wochen hat er mit den Sterbenden das letzte „Vaterunser“ gebetet und ihnen die gebrochenen Augen zugedrückt. Jedesmal ist sein Herz schwerer und einsamer geworden. Denn die Toten waren keine Fremden, sie waren seine Freunde.

Ich glaube, Frank ist der beliebteste Kaplan, den ich je getroffen habe. Er ist ein einzigartiger Priester in einem einzigartigen Krieg. Er ist so bescheiden, daß er nie über sein eigenes Heldentum nachdenken würde.

Sein Name ist Francis Leo Woods. Vor 15 Jahren kam er als katholischer Missionar von Irland nach Korea. 1945 bewahrten ihn die amerikanischen Truppen vor dem Hungertod, dem er in einem japanischen Konzentrationslager entgegensah. Nach seiner Meinung haben sie ihn diesmal vor einem noch schlimmeren Schicksal bewahrt. „Zweimal haben sie mein Leben gerettet“, so sagt er, „und ich will nun etwas für sie tun.“

Als er erfuhr, daß ein alter Freund von ihm, Oberstleutnant Edwards aus Dallas in Texas, auch in Korea sei, suchte er ihn auf und bot ihm seine Dienste als Heereskaplan an. Edwards war erfreut, doch erklärte verlegen, er könne Frank keinen Offiziersrang einräumen oder Sold bezahlen, da er kein amerikanischer Staatsbürger sei. „Ich will weder Rang noch Sold,“ entgegnete Frank. Damit begann seine Seelsorge für das Bataillon.

Seit jenem Tag ist Frank zum beliebtesten Kameraden der Soldaten und der Offiziere der Division geworden. Selbst sein Regimentskommandeur sucht Trost und Rat bei ihm, genau so wie der junge’ Rekrut, der sich wieder nach der fernen Heimat sehnt.

„Ich glaube,“ meint Frank, „die Tatsache, daß ich keinen Rang bekleide, hat mir mehr geholfen, als alles andere.“ Wo seine schmucklose Khaki-Uniform auftaucht, hellen sich die Gesichter der Soldaten auf. Er ist kein konservativer Diener seiner Kirche, sondern ein Kamerad unter Kameraden. Das einzige, was ihn von ihnen unterscheidet, ist seine priesterliche Weihe.

Oft, wenn das Bataillon einmal von den Schreckensstunden der Gefechte in den finsteren koreanischen Hügeln verschnaufen kann, sitzt er mit den Männern zusammen, scherzt mit ihnen, unterhält sich mit ihnen über die „Staaten“, oder erzählt aus seiner irischen Heimat und den Tagen, da er Mitglied der irischen Revolutionsarmee war. Das war, bevor er das Priestergewand anlegte.

Als ich ihn zum erstenmal sah, saß er mit einigen blutjungen Leutnants unter einem breitästigen, schattigen Baum, er reinigte sein Gewehr. Als er im Scherz gefragt wurde, ob er das täglich nötig habe, lächelte er, wurde aber gleich wieder ernst. „Ich habe noch nie einen Menschen getötet...“ Das Waffenreinigen ist eine symbolische Geste für seine Bereitschaft zur Verteidigung der christlichen Werte.

Ich fragte Frank, was er von den ame- rikanischen Soldaten halte. Zuerst, so meinte er, habe er nicht geglaubt, daß sie es aushalten könnten. Doch dann habe er gesehen, daß sie aus einem guten Holz geschnitzt seien. „Sie haben das Christentum in diesem Land gerettet“, sagte er ernst.

Frank, friedlicher Streiter Gottes, hat einmal „einhändig“ fast eine ganze Kompanie nordkoreanischer Gefangener eingebracht. Er spricht fließend koreanisch. Nach einem erbitterten Nachtgefecht hörte er einen verwundeten Koreaner in einem nahe gelegenen Reisfeld stöhnen. Frank kroch aus seinem Schützenloch heraus und rief dem Koreaner zu, er solle zum Zeichen der Uebergabe die Hände hochheben. Als der Verwundete zögerte, rief Frank noch einmal. Danach erhoben sich nacheinander über siebzig Gestalten in nordkoreanischer Uniform mit erhobenen Händen aus dem Reisfeld. „Ich fiel „bald in Ohnmacht, als ich den Haufen sah“, meinte Fränk lächelnd. Doch er brachte sie alle heil „nach Hause“.

Die Aufgaben der Jugend

Francois-Poncet fordert politische Aktivität

Koblenz, 19. Oktober. (Id) „Ich glaube unerschütterlich an den Aufbauwillen der Jugend in allen Ländern“, schreibt der französische Oberkommissar Francois-Poncet in einem „Jugend und Politik“ überschriebenen Artikel im „Rheinischen Merkur“. Aus diesem Aufbauwillen ergebe sich aber die kategorische Pflicht, am öffentlichen Leben der eigenen Nation wie auch an dem aller anderen regsten Anteil zu nehmen. Wer nicht zur Politik komme, laufe Gefahr, daß die Politik zu ihm komme und ihm ihren Willen aufzwinge, die Nichtpolitischen mit sich fortreiße und damit in Katastrophen hineinzerre, über die niemand das Recht habe, sich zu beschweren, weil sie gerade durch die Passivität herbeigeführt wurden. Francois-Poncet wendet sich in diesem Artikel vor allem an die Studentenschaft. Es handle sich keineswegs darum, die politische Agitation in die Auditorien zu tragen, doch müsse die Pflege politischer Wissenschaften an den Universitäten befürwortet werden, damit die Studenten ihre politischen Anschauungen und Ueberzeugungen herausbilden können. Auf diese Weise könne eine Stärkung des demokratischen Geistes erzielt werden, was vielleicht eine der Hauptforderungen unserer Zeit sei.

Bloße Innenpolitik zu betreiben, sei jedoch in unseren Tagen völlig unzureichend. Vornehmste Aufgabe der Jugend sei es, alle Kräfte anzuspannen, um am Zusammenschluß des europäischen Kontinents im Geiste christlicher Humanität und abendländischer Zivilisation mitzuwirken.

Diese Zivilisation sei schwer bedroht und dem Untergang geweiht, „wenn wir nicht alle eine gemeinsame unerschütterliche Mauer aufrichten, dir Westeuropa vor jeder anstürmenden Gefahr schützen kann“. Dabei müsse die Jugend tatkräftig Hand anlegen.

Dr. Ghlers neuer Bundestagsprüsident

Mit 201 von 325 Stimmen gewählt

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 19. Oktober. Es sei sein Ziel, zu erreichen, daß die Dampfer am Bundeshaus nicht mehr mit dem Lied „Wer soll das bezahlen?“ vorbeifahren, erklärte der neue Bundestagspräsident Dr. Ehlers, nachdem er am Donnerstagvormittag vom Bundestag mit’2ol von 325 abgegebenen Stimmen gewählt worden war.

Die Bundestagspräsidentenwahl hatte einen überraschend ausgeprägten politischen Charakter. Während normalerweise der Kandidat der stärksten Fraktion ohne ernsthafte Gegenkandidaten gewählt wird, scheinen die Freien Demokraten und die Deutsche Partei nicht bereit gewesen zu sein, dem langjährigen Freund des Kirchenpräsidenten D. Niemöller, als welcher Dr. Ehlers bekannt ist, ihre Stimmen zu geben. Dagegen kam aber eine „Große Koalition“ von Christlich-Demokratischer Union/Christlich - Sozialer Union, Sozialdemokratischer Partei, Zentrum und Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten zustande, mit deren Hilf e Dr. Ehlers schon im ersten Wahlgang erfolgreich war.

Der neue Bundestagspräsident gab erst nach seiner Wahl eine Erklärung über seine Freundschaft mit Kirchenpräsident D. Niemöller ab. Er betonte, daß er dies nicht vor seiner Wahl getan habe, um den Verdacht zu vermeiden, daß er durch irgendwelche Erklärungen das Amt des Bundestagspräsidenten habe erkaufen wollen. Er sei mit Niemöller seit neunzehn Jahren befreundet, und da Niemöller aus Augenblickseindrücken auf Augenblicksnotwendigkeiten reagiere, sei es nicht immer möglich, zu sagen, was die politische oder die kirchenpolitische Linie Niemöllers sei. Wenn Niemöller auf der Tagung des Hessischen Männerwerks in Frankfurt erklärt habe, weder Dr. Adenauer noch Grotewohl hätten das Recht, für ganz Deutschland zu reden, so glaube er, daß es gut gewesen wäre, wenn diese Redewendung nicht gefallen wäre.

Der Lebenslauf Dr. Ehlers

Hermann Ehlers wurde am 1. Oktober 1904 in Berlin geboren. Dort besuchte er das Gymnasium und studierte dann Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin und Bonn, wo er mit einer Dissertation über ein staatsrechtliches Thema promovierte. Im Jahre 1931 wurde er Justitiar der Notgemeinschaft der Inneren Mission in Berlin.

Nach 1933 wirkte Ehlers als Justitiar der Preußischen Bekennenden Kirche, für die er auch weiter tätig blieb, als er im Jahre 1936 in den Staatsdienst trat und Richter wurde. Aus diesem Grunde wurde von den Nationalsozialisten dann in der Folge gegen ihn ein Verfahren durchgeführt, weiterhin im Jahre 1939 seine Entlassung aus dem Staatsdienst verfügt und seine Einziehung zur Wehrmacht veranlaßt.

Nach dem Kriege wurde Ehlers von der Evangelisch-Lutherischen Kirche zum Mitglied des Oberkirchenrats gewählt.

Adenauer hat Bedenken

Bonn, 19. Oktober, (epd) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat Bedenken gegen die Eignung des Abgeordneten Oberkirchenrat Dr. Ehlers zum Bundestagspräsidenten geäußert. Diese Bedenken hängen damit zusammen, daß Dr. Ehlers dem Kirchenpräsidenten D. Niemöller nahesteht.

Gegenüber dem Fraktions-Vorsitzenden der Christlich-Demokratischen Union, Dr. von Brentano, erklärte Dr. Ehlers, daß er im Unterschied zu D. Niemöller die Bundesregierung für die einzige legitime Repräsentation des ganzen deutschen Volkes halte.

Stimmen der Anderen

Das Problem Indochina

Der linkssozialistische „Franc Tireur", seit je der Wortführer der Internationalisierung des Indochina-Problems, fordert am Donnerstag noch einmal, daß die Indochinafrage vor die Vereinten Nationen kommt.

„Wir denken keineswegs daran, auf militärischem Gebiet eine Intervention der Vereinten Nationen herbeiführen zu wollen. Eine solche Intervention würde in unseren Augen nur Sinn haben und würde nur möglich sein, wenn sie die Herstellung des Friedens zum Ziel hat. Waffenstillstand, freie Wahlen unter der Kontrolle einer neutralen Kommission, Bildung einer unabhängigen Regierung, das ist im groben das Schema eines solchen Eingreifens.

Wenn man uns fragt, was geschieht aber, wenn Ho Tschi-minh die Vermittlung der Vereinten Nationen ablehnt, dann antworten wir: Wenn Ho Tschi-minh sich den Tätigwerden der Vereinten Nationen widersetzen würde, dann würde er vor dem vietnamesischen Volke selbst das Gesicht verlieren und auf diese Weise unter Beweis stellen, daß'es ihm weniger auf die Unabhängigkeit Indochinas als auf seine Sowjetisierung ankornrnt.“

Nicht mehr „Orrupation“

Der „Deutsche Union-Dienst“ schreibt:

„Die amerikanische Armee-Wochenzeitung ,The Occupation Chronicle‘ wird aus ihrem Titel das Wort .Occupation' streichen und künftig unter dem schlichten Namen ,The Chronicle' erscheinen. Damit soll jedenfalls die Auffassung maßgebender amerikanischer Stellen unterstrichen werden, die militärischen US-Streitkräfte in Deutschlahd seien nicht mehr ,Besatzungs-‘, sondern .Verteidigungstruppen'.

Die Aenderung des Titels der amerikanischen Armee-Wochenzeitung ist eine Geste. Sie kostet den, der sie tut, nichts, aber sie wirkt auf den, dem sie zugedacht ist, sympathisch. Solche kleine Gesten sind gelegentlich wertvoller als schöne Reden und Verheißungen, denn sie deuten darauf hin, daß der, der spricht und verspricht, gewillt ist, auch in der Oeffentlichkeit zu seinem Wort zu stehen.

In Deutschland sind die Dinge heute so weit gereift, daß die Besatzungsmächte sich zu mancher Geste entschließen können, ohne das Risiko einzugehen, sie könnte als ,Schwäche' mißdeutet werden. Wir meinen hier nicht die großen Fragen, die etwa mit dem Komplex des Besatzungsstatuts Zusammenhängen. Hier geht es ja nicht um bloße Gesteh, sondern um sehr reale Erleichterungen.

Keine Gleichsetzung möglich

Von der amerikanischen „N e u e n Z e i - tun g“ wird die Aeußerung des Kirchenpräsidenten D. Martin Niemöller auf dem Evangelischen Männertag in Frankfurt, Bundeskanzler Dr. Adenauer sei so wenig befugt, für Deutschland zu sprechen, wie Grotewohl, als „zwielichtig und bedenklich“ bezeichnet. Darüber hinaus sei sie politisch taktlos und gewiß nicht von jener christlichen Verantwortung getragen, deren Besitz Niemöller für sich in Anspruch nehme. Das Blatt schreibt:

„Ein Mann von christlichem Gewissen kann nicht in diesen Tagen, in denen ein großer Teil des deutschen Volkes einer totalitären Pression, folgen mußte, die ostdeutsche Terror-Regierung mit der Regierung der Bundesrepublik in einem Atem nennen“

Die Behauptung Niemöllers, die evangelische Kirche sei heute der letzte Hort der Freiheit in Deutschland und die letzte Instanz, die ihre Stimme für die Freiheit des ganzen Volkes erheben könne, weist die Zeitung mit dem Bemerken zurück, es dürfte wohl noch einige andere Institutionen geben, die das gleiche Recht zur Sprache der Freiheit für sich beanspruchen können.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdrü<± Alle Rechte beim Wolfeang Krüger-Verlag. Hamburg

42)

„Von dem Tag an, an dem Sie den Fuß in mein Haus gesetzt haben, bin ich einer Kränkung nach der anderen ausgesetzt gewesen — haben Sie mit vollem Vorbedacht den Plan gefaßt, mir alles zu nehmen, was ich liebe — erst die Kinder und jetzt auch meinen Mann! Sie sind teuflisch schlau gewesen, Mademoiselle, sehr viel schlauer als ich. Aber glauben Sie nicht, daß Ihre freundlich lächelnde Maske der Unschuld mich je auch nur einen Augenblick getäuscht hat. Dem Herzog können Sie Sand in die Augen streuen, mir aber nicht. Ich habe Sie und die Pläne, die Sie schmiedeten, sofort durchschaut. Aber dieses eine Mal waren Sie doch nicht gewitzt genug! Oh, es ist unerträglich, zu denken, daß Sie auch vor dieser letzten Beleidigung nipht zurückgescheut sind, daß Sie es wagten, Ihre Macht über ihn vor dem König und ganz Paris zur Schau zu stellen, während ich krank zu Hause lag.“

Sie hielt inne, um mit einem Aufschluchzen tief Atem zu holen, und Henriete ergriff die Gelegenheit, um sich zu verteidigen. Jetzt, nachdem sie sich von dem ersten Schock erholt hatte, kam ihr die jahrelang geübte Selbstbeherrschung zugute.

„Ich bitte Sie, Herzogin,“ erwiderte sie mit einer Ruhe und Sicherheit, die ihre Anklägerin rasend machten, „lassen Sie mich etwas in eigener Sache sagen. Das Recht werden Sie mir zugestehen, bevor Sie mich verurteilen. Ich bedaure diese Verleumdung ebensosehr wie Sie, wenn nicht noch mehr. Sie müssen mir glauben, daß ich die Wahrheit spreche, wenn ich Ihnen sage, daß ich mit der Anwesenheit des Herzogs in der Oper nichts zu tun habe. Ich bin nur hingegangen, weil Sie krank waren und mich selbst bitten ließen, die Kinder zu begleiten. Niemand war überraschter als ich, als der Herzog plötzlich in der Loge erschien. Ihre Töchter können es Ihnen bestätigen, und —“

„Meine Töchter,“ unterbrach sie die rauhe Stimme, „meine Töchter, deren Liebe zu ihrer Mutter Sie vergiftet haben! Sie stehen da und wollen die Kinder dazu mißbrauchen, Lügen zu wiederholen, die sie in ihrer Unschuld nicht verstehen können, Sie sind eine bessere Komödiantin, als ich dachte, aber an mich sind Ihre Künste verschwendet. Ich werde mich niemals wie die anderen von Ihnen umgarnen lassen.“

Henriette legte die Zeitung auf den Tisch und ballte ihre Hände so fest zusammen, daß die Nägel ins Fleisch schnitten.

„Wir wollen die Kinder doch lieber aus dem Spiel lassen, Herzogin, bitte!“

„Dazu ist es jetzt zu spät, nachdem Sie es darauf angelegt haben, mir ihre Zuneigung zu entziehen.“

„Niemand kann eine Liebe rauben, die niemals existiert hat. Wenn Ihre Kinder sich mir zugewandt haben, so ist es deshalb geschehen, weil sie vor Ihnen und Ihrer Heftigkeit Angst hatten. Einen Augenblick überschütten Sie sie mit Zärtlichkeiten, und im nächsten sind Sie außer sich, wenn der eigene Vater es gewagt hat, sie auch nur anzurühren. Kein Wunder, daß sie aus lauter Verstörtheit nicht mehr ein noch aus wußten.“ Endlich konnte Henriette ihr Herz erleichtern, da es ja nun keinen Sinn mehr hatte, zu schweigen. „Es kommt mir so vor, als betrachteten Sie die Kinder lediglich als losgelöste Teilchen von Ihrem Mann, die sie wie ein Puzzlespiel immer und immer wieder zusammenzusetzen versuchen. Nein, Herzogin, ich habe Ihnen nichts genommen, was Ihnen gehört hat!“

Das zuerst kreideblasse Gesicht der Herzogin hatte sich allmählich zu dunklem Rot verfärbt, und aus ihrer Kehle drang ein unartikulierter, fast tierischer Laut. Henriette wies erneut auf die Zeitungsnotiz und fuhr unbeirrt fort: „Darüber habe ich nichts mehr zu sagen; und was diese schändliche Anspielung betrifft, so kann ich nur wiederholen, daß sie jeder Grundlage entbehrt bis auf die Tatsache, daß der Herzog in die Loge kam und sich zu uns setzte. Ich konnte ihn ja wohl nicht fortjagen, nicht wahr?“

Die Herzogin verzog spöttisch den Mund. „Ich habe Sie nicht kommen lassen, Mademoiselle, um mir von Ihnen Fragen stellen zu lassen. Aber ich frage Sie: wissen Sie, was diese Anspielung, wie Sie sich auszudrücken belieben, zu bedeuten hat?“

„Es bedeutet, daß dieses Skandalblatt, das zu lesen ich bisher für unter meiner Würde gehalten habe, durchblicken lassen will, daß der Herzog und ich — nun, Sie zwingen mich, es in nackten Worten zu sagen —, daß ich seine Geliebte sei.“

„Eben genau das. Sie geben es also zu!“ „Ich habe nichts zuzugeben, Herzogin. Selbst, wenn Sie mich einer solchen Geschmacklosigkeit für fähig hielten, müßten Sie doch einsehen, daß es schon deshalb völlig ausgeschlossen wäre, weil ich bei dem Leben, das ich hier führe, auf Schritt und Tritt von den Dienstboten bespitzelt und verklatscht, ungefähr ebensoviele Möglichkeiten habe, etwas unbeobachtet zu tun, wie ein Goldfisch in seinem Glas. Das ist doch eine Tatsache, der Sie sich nicht verschließen können, auch wenn Sie mir nicht glauben wollen.“

„Möglich, daß vielleicht zwischen Ihnen und meinem Mann nichts vorgefallen ist“, mußte die Herzogin widerwillig einräumen. „Aber da Sie vor aller Oeffentlichkeit diesen Anschein erweckt haben, müssen Sie auch die Folgen tragen. Alle Welt hält Sie für das, was Sie abstreiten zu sein; deshalb kommt es für uns alle mehr oder weniger auf dasselbe heraus.“

„Und wenn alle Welt und diese Oeffentlichkeit, von deren Meinung Sie so viel zu halten scheinen, der Ansicht sind, daß Sie und der Herzog nicht gut miteinander auskommen, wird das dadurch auch zur Tatsache, ob es nun wahr ist oder nicht?“

Henriette stellte diese Frage, ohne Miene oder Stimme zu verändern, aber sie wußte, daß dies ihr einziger Trumpf war in einem Spiel, in dem der Gegner alle anderen hohen Karten in der Hand hielt.

„Sie wagen es, mir so etwas ins Gesicht zu sagen?“

Die Herzogin fuhr von ihrem Stuhl hoch, und ihre Wut schien beinahe sichtbar unter dem wogenden Gewand, das ihren Körper umhüllte.

„Ich sagte es nur, weil in dem Artikel von uns beiden die Rede ist. Und so wie man mich verleumdet hat, wäre das ja auch bei Ihnen möglich.“

„Unterlassen Sie es gefälligst, unsere Namen in einem Atemzug zu nennen, und hören Sie auf, über Wahrheit und Verleumdung zu sprechen, als wüßten Sie das eine genau vom anderen zu unterscheiden.“

„Aber ich weiß: zwischen dem, was wir sind, und dem, wofür uns die Leute halten, ist ein Unterschied. Ein guter Ruf ist eins, und ein guter Charakter ist etwas anderes, und beides hat so wenig miteinander zu tun wie ein Pol mit dem anderen. Und jetzt, Herzogin, werde ich meine Koffer packen, falls Sie nicht wünschen, daß ich bis Ende der Woche bleibe.“

Als sie im Zimmer anlangte, zitterte sie so am ganzen Körper, daß sie kaum leserlich schreiben konnte, was sie Albert Remey mitzuteilen hatte:

.Mein lieber Albert, ich bitte Sie, heute den ganzen Unterricht zu übernehmen und dafür zu sorgen, daß sich die Kleinen beschäftigen. Ich fühle mich nicht wohl. H. D.‘

Als sie sich wieder etwas beruhigt und ihre eiskalten Hände am Kaminfeuer gewärmt hatte, ging sie an ihren Schrank und fing an, ihre Kleider ' herauszunehmen. Wie geistesabwesend legte sie sie auf das Bett und zog dann die Schubladen der Kommode auf. Ein Hausmädchen kam, um sich zu erkundigen, ob Mademoiselle Deluzy das Mittagessen in ihrem Zimmer einzunehmen wünsche, doch Henriette schüttelte nur den Kopf und fuhr in ihrer Tätigkeit fort.

(Fortsetzung folgt.)

Die Auslieferung Hübenthals

Stock lehnte ab / Amerikanische Landeskommission befahl

Wiesbaden, 19. Oktober. (Eigener Be-Der hessische Innenminister beschäftigt sich in einer Stellungnahme vom Donnerstag mit der Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen Georg H ü - ~e nth a 1 aus Eschwege an die französische Regierung.

Im Frühjahr 1949 richtete die Landeskommission für Hessen an den Ministerpräsidenten ein Auslieferungsersuchen mit der Begründung, daß Hübenthal in Frankreich Kriegsverbrechen begangen habe. Auf Grund des Untersuchungsergebnisses der Oberstaatsanwaltschaft in Kassel teilte Ministerpräsident Stock dem Landeskommissar im November 1949 mit, daß eine Auslieferung Hübenthals nicht gerechtfertigt sei.

Am 3. Oktober 1950 erhielt das Innenministerium einen Haftbefehl gegen Hübenthal — ausgestellt unter dem 8. August — von der Auslieferungsstelle der Oberkommission auf dem Petersberg. Das Kriminalkommissariat Eschwege stellte fest, daß Hübenthal auf Grund eines Haftbefehls des Resident Officer in Eschwege bereits durch die Stadtpolizei festgenommen worden war. Am 4. Oktober befanden sich zwei französische Gendarmeriebeamte in Eschwege, die Hübenthal nach Paris bringen sollten. Das Kriminalkommissariat lehnte die Herausgabe Hübenthals ab. Trotzdem erfolgte auf An- Weisung der Landeskommission die Auslieferung an die französischen Gendarmeriebeamten am gleichen Tag, ohne daß das Innenministerium in Kenntnis gesetzt worden wäre. Hübenthal wurde mit nach Frankreich genommen.

Nach Aufklärung dieses Sachverhalts hat sich der Innenminister mit einem Schreiben vom 18. Oktober an den Landeskommissar gewandt und eine Antwort vom 19. Oktober erhalten. Aus dem Schriftwechsel geht eindeutig hervor, daß in Fragen der Auslieferung von deutschen Staatsangehörigen die hessische Landesregierung keinerlei Befugnisse hat, vielmehr die Oberkommission und die Landeskommission zuständig sind. Ferner ist zu erkennen, daß der hessische Ministerpräsident die Auslieferung abgelehnt hat und somit die Auslieferung nicht auf Veranlassung einer hessischen Behörde erfolgt ist.

Das Schreiben des Innenministers vom 18. Oktober wurde einstimmig vom Kabinett gebilligt. Die Landesregierung steht auf dem Standpunkt, daß nach Inkrafttreten des Gesetzes Nr. 6 der Oberkommission eine Auslieferung zu Unrecht erfolgt ist. Sie wird sich in ihrer nächsten Sitzung auf Grund des Antwortschreibens des Landeskommissars mit der Frage beschäftigen, ob das Bundeskanzleramt eine generelle Klärung bei der Oberkommission herbeiführen soll.

Wann darf geschossen werden?

Rechtsausschuß behandelte Zinnkanns Schußwaffengesetz

Wiesbaden, 19. Oktober. (Eigener Bericht.) Der Rechtsausschuß des Hessischen Landtags befaßte sich am Donnerstag mit dem vom Innenminister vorgelegten Gesetzentwurf über die Anwendung unmittelbaren Zwanges bei Ausübung öffentlicher Gewalt und erweiterte die Spezialvorschriften für den Schußwaffengebrauch. Danach ist der Gebrauch der Schußwaffe gegen Personen erst dann zulässig, wenn der Betreffende eines Verbrechens verdächtig ist, sich der Festnahme durch Flucht zu entziehen sucht und der Aufforderung, Hieb- und Schußwaffen abzulegen, nicht Folge leistet.

Zum besseren Schutze der Forstbeamten vor Wilddieben finden diese Bestimmungen auch bei Jagdfrevel, der gesetzestechnisch nur ein Vergehen darstellt, ebenfalls Anwendung. Entgegen der Regierungsvorlage legte der Rechtsausschuß ferner bereits den Personenkreis, der im Forst- und Jagdschutz zum Waffengebrauch berechtigt ist, dahingehend fest, daß nur Forstbedienstete hierfür in Frage kommen.

Zu der Frage der Haftung empfiehlt der Ausschuß dem Plenum, die Haftpflicht in jedem Falle im Gesetzentwurf festzulegen. Danach soll das Land Hessen für die Folgen des Schußwaffengebrauchs bei getroffenen Personen, die an einem Verbrechen nicht beteiligt waren, häften. Bei der Haftpflicht sollen die Vorschriften des Reichshaftpflichtgesetzes, wie sie bei der Bundesbahn gelten, angewandt werden.

Verbotene Organisationen

Die „Schwarze Liste" für Hessen

Wiesbaden, 19. Oktober. (Eigener Bericht.) Der Anregung der Bundesregierung folgend hat das Hessische Kabinett an seiner letzten Sitzung Richtlinien für eine Entlassung von Staatsbediensteten wegen ihrer politischen Betätigung gegen die demokratische Grundordnung erlassen.

Zu diesen kommunistischen und rechtsradikalen Organisationen oder deren Tarnorganisationen gehören: 1. die Kommunistische Partei Deutschlands mit allen ihren Unterorganisationen, 2. die sogen. „Sozialdemokratische Aktion“, 3. die Freie Deutsche Jugend (FDJ), 4. die Vereinigung der Sowjetfreunde, 5. die Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjet-Union, 6. der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, 7. der Gesamtdeutsche Arbeitskreis für Land- und Forstwirtschaft, 8. das Komitee der Kämpfer für den Frieden, 9. das Komitee der Jungen Friedenskämpfer, 10. der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), 11. die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), 12. die „Nationale Front“ (Dachorganisation), 13. die Sozialistische Reichspartei, 14. die sogen. „Schwarze Front“ (Otto Strasser-Bewegung).

Brandschutzgesetz für Hessen

Feuerschutz soll Pflichtaufgabe der Gemeinden werden

Wiesbaden, 19. Oktober. (Eigener Bericht.) In der vorletzten Plenarsitzung des Hessischen Landtags am 25. Oktober wird in erster Lesung der Entwurf eines Hessischen Brandschutzgesetzes beraten. In Abkehr von dem bisher üblichen Sprachgebrauch hat dieser Gesetzentwurf die Bezeichnung „Brandschutzgesetz“ erhalten. Es soll zum Ausdruck kommen, daß nicht nur das Feuerlöschwesen — die Bekämpfung von Bränden — Gegenstand des Gesetzes ist sondern vielmehr auch die Verhütung von Schadenfeuern. Diese Neuregelung löst das bisherige Gesetz über das Feuerlöschwesen von 1938 mit seinen zahlreichen Durchführungsverordnungen ab.

Die in dem Gesetz von 1938 niedergelegte Regelung war im wesentlichen durch die Bedürfnisse des Luftschutzes bestimmt und zeichnete sich dadurch aus, daß der Feuerschutz in erster Linie als eine polizeiliche Aufgabe anzusehen und ausgestaltet war. Durch die Vorschriften der amerikanischen Besatzungsmacht wurde der Feuerschutz von der Polizei losgelöst und dezentralisiert.

In Fortführung der durch die Eingriffe der Besatzungsmacht bereits eingeleiteten Entwicklung wird der Brandschutz nicht nur zu einer Angelegenheit der Gemeinden erklärt, sondern vielmehr auch als deren Pflichtaufgabe angesehen. Die bisherige Bezeichnung „Pflichtfeuerwehr“ ist durch „Hilfsfeuerwehr“ ersetzt. Damit soll betont werden, daß die Hilfsfeuerwehr nur letzter Ausweg für die Sicherstellung des Brandschutzes ist, wenn in einer Gemeinde die zur Einrichtung einer Freiwilligen Feuerwehr notwendige Opfer- und Einsatzbereitschaft der Bürger nicht vorhanden ist.

Hinsichtlich der Berufs-Feuerwehren wurden in diesem Gesetzentwurf nur einige beamtenrechtliche Fragen neu geregelt.

Ernennungen vor Toresschluß?

Eine Anfrage der Freien Demokraten

Wiesbaden, 19. Oktober. (Eigener Bericht.) In einer Kleinen Anfrage wendet sich die Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag an den Ministerpräsidenten, ob es zutreffe, daß jetzt noch — kurz vor Auflösung des Landtags — Ernennungen von Beamten vorgenommen werden, die sachlich in keiner Weise gerechtfertigt sind. Das soll vor allem einen Landtagsabgeordneten betreffen, der zum Leiter der Schulabteilung bei einer Bezirksregierung ernannt werden soll.

Wirtschaftsblatt

Ein Allheilmittel?

bs. Der Inhaber einer Neuyorker Fabrik für landwirtschaftliche Geräte hat einen Plan entwickelt, um das Lohnproblem zu beseitigen. Er will die Löhne seiner Arbeiter und Angestellten auf den Brotpreis beziehen und sie mit dessen Schwankungen steigen oder fallen lassen. Dies ist in Amerika in kurzer Zeit schon der zweite Plan von Indexlöhnen. Vor einigen Monaten haben die Gewerkschaften mit den General Motors ein Lohnabkommen geschlossen, das die Bindung der Löhne an die Lebenshaltungskosten festlegt. Ein ähnliches Abkommen schloß die Ford Motor Company ab.

Auch in Deutschland wurden schon verschiedentlich Stimmen laut, die eine Koppelung der Löhne mit dem Index der Lebenshaltungskosten fordern. Man hofft dadurch jede lohnpolitische Auseinandersetzung bei Preissteigerungen vermeiden zu können. Auch glaubt man, bei Indexlöhnen eine vollständige freie Marktwirtschaft durchführen zu können, weil die sozialen Einwendungen, die dagegen erhoben werden, dann keine Gültigkeit mehr besäßen. Die Subventionen sollen beseitigt werden, da ihre Wirkungen im Preisstand im Lohn ja aufgefangen werden. Die Wohnungszwangswirtschaft könne aufgehoben werden, denn auch die Mietpreiserhöhungen werden im Lohn aufgefangen. Demnach wären also Indexlöhne fast ein Allheilmittel. Leider gibt es bei der Behandlung dieser Frage aber auch sehr tiefe Schattenseiten. Man kann schwere Bedenken gegen Indexlöhne geltend machen. Dies besonders in Deutschland, wo das Lohn- und Preisgefüge noch sehr unausgeglichen ist. Wie soll zum Beispiel die deutsche Industrie bei stark steigenden Lebenshaltungskosten, und sie würden bei Aufhebung der Wohnungszwangswirtschr tark steigen — die Mittel für höhere Löhne aufbringen? Auch die Befürworter der Indexlöhne wissen hierauf keine Antwort.

Der Plan der Indexlöhne ist nicht neu. Es gab schon verschiedene Nationalökonomen, die eine gleichbleibende Kaufkraft der Löhne erreichen wollten. Bisher ist es noch nie gelungen. Schon an den technischen Fragen scheiterte die Durchführung. Was soll man zum Beispiel in den Brotkorb tun, aus dem man den Lebenshaltungskosten'ndex berechnet? Tut man Obst und Gemüse hinein und bewertet dies vielleicht noch zu stark, so ergibt sich ein sehr schiefes Bild. Wir konnten es in den letzten Monaten beobachten. Die Arbeiter stellten schon lange Lohnforderungen, aber das Statistische Amt konnte triumphierend verkünden, daß der Lebenshaltungskostenindex noch immer nicht gestiegen sei, Konfliktmöglichkeiten gibt es also auch bei Indexlöhnen zur Genüge. Einen weiteren Einwand kann man gegen Indices erheben. Qualitätsverbesserungen oder -Verschlechterungen werden nicht beachtet. Dabei ist es aber nicht gleichgültig, von welcher Qualität die Waren sind, die wir kaufen. Wie will man diese Gefahr vermeiden?

Gegen eine Bindung der Böhne an nur einen Bedarfsartikel sind noch weitere Einwände möglich. Steigt nur dieser eine Artikel, im Falle des amerikanischen Fabrikanten also das Brot, im Preise sehr stark, so wird die Fabrik zu Lohnerhöhungen und damit auch zu Preiserhöhungen gezwungen. Dies kann sehr leicht eintreten, wenn die Regierung die Pr^se für landwirtschaftliche Erzeugnisse künstlich hochhält, während die Preise auf anderen Gebieten fallen. Die Fabrik ist in diesem Falle nicht mehr konkurrenzfähig. Man wird also auf die „Erfolge“ des amerikanischen Fabrikanten gespannt sein dürfen.

Buchhalter als Steuerspitzel

In einer Verhandlung vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt machte der als Zeuge auftretende Angehörige der Steuerfahndungsstelle Darmstadt, Dornberger, Ausführungen über die Methoden, zu denen sich die Behörden genötigt sähen, um hinter die Gepflogenheiten von Steuersündern und Schmugglern zu kommen. Die Oeffentlichkeit wurde während der Vernehmung des Zeugen ausgeschlossen, doch war der Presse die Teilnahme gestattet worden, mit der Maßgabe, sich bei der Berichterstattung Beschränkung aufzuerlegen.

Dornberger, der in einem Verfahren gegen den Buchhalter Stenzel wegen Unterschlagung als Zeuge aussagte, erklärte, nicht selten müsse sich die Steuerfahndung sogenannter Vertrauensmänner bedienen, um ihr Ziel zu erreichen. Den Angeklagten Stenzel habe er für eine steuerliche Ueberwachung seines Chefs gewonnen. Die Spitzel bekämen regelmäßig einen Decknamen. Prämien würden im allgemeinen dann gezahlt, wenn Informationen zur Beschlagnahmung von Schmuggelgut geführt hätten. Dornberger meinte, auf die Mithilfe der Oeffentlichkeit und von Steuerspitzeln könne nicht verzichtet werden, wenn die Fahndung mit Erfolg arbeiten wolle. Bei Betrieben, die von Ausländern geleitet würden, könnten die deutschen Behörden leider immer noch nicht durchgreifen. Stenzel sei ihm übrigens auf die Dauer sehr unangenehm geworden, da er in der Hoffnung auf Spitzelgelder auffällig oft in seiner Dienststelle erschienen sei. Er habe deshalb die Zusammenkünfte mit ihm außerhalb der Dienststelle legen müssen.

Keine Kohlenbewirtschaftung

Der Deutsche Industrie- und Handelstag hat seine Mitgliedskammer dahin unterrichtet, daß nach Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums nicht daran gedacht sei, eine Kohlenbewirtschaftung wieder einzuführen. Der Verkauf der Kohle erfolge vielmehr durch die zentralen Verkaufsstellen des deutschen Kohlebergbaues beziehungsweise deren Zweigstellen.

Die Ruhrbehörde erzielte auf ihrer Sitzung am Donnerstag eine Einigung über die deutsche Kohlenausfuhr im vierten Quartal 1950. Danach wird die Deutsche Bundesrepublik in den letzten drei Monaten dieses Jahres 6 858 Mill. Tonnen Kohle für die Ausfuhr zur Verfügung stellen. Für den deutschen Verbrauch sind 20,2 Mill. To. vorgesehen. Die Vereinbarungen gehen von der Annahme aus, daß die durchschnittliche Tagesförderung 370 000 t erreichen wird.

708 Mill. braucht der Bund

(vwd) Das Anleihegesetz von 1950 ist dem Bundesrat zugeleitet worden, nachdem es vor kurzem vom Bundeskabinett verabschiedet worden war. Nach dem Gesetz wird der Bundesfinanzminister ermächtigt, zur Deckung der Ausgaben des außerordentlichen Haushaltes für das Rechnungsjahr 1950 insgesamt 708 981 000 DM auf dem Kreditwege zu beschaffen.

Bekleidung ist teurer geworden

Hi. Wie aus einer Aufstellung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, haben sich die Gesamtlebenshaltungskosten in der Bundesrepublik im September 1950 gegenüber August 1950 um 0,3 (Basis 1938 = 100) gesenkt, obwohl die Kosten für Ernährung um 0,8 und für Bekleidung um 1,1 in der gleichen Zeit angestiegen sind.

Mittel für sozialen Wohnungsbau

Hi. Aus dem Bundeshaushalt 1950/51 erhalten die elf Länder für das Wohnungsbauprogramm insgesamt 350,4 Millionen Mark, die als nachrangige Mittel zur Förderung des sozialen Wohnungsbaues Verwendung finden sollen. Bisher wurden von den Ländern angefordert und an sie ausgezahlt insgesamt 229,54 Millionen Mark. Es erhielten unter anderem: Hessen 7 000 000 Mark, Rheinland-Pfalz 3 400 000 Mark;

Die augenblickliche Lage in der Pferdezucht und Pferdehaltung wurde auf einer Mitgliederversammlung des Stammbuches für Kaltblutpferde als wenig günstig bezeichnet.

Deutschlands modernstes Warenhaus

Eine riesenhafte Laterne an der Frankfurter Hauptwache

Der Frankfurter Neubau der Westdeutschen Kaufhof AG steht vor seiner Vollendung. Wenn dieses Warenhaus am 27. November seine Pforten öffnet, ist der städtebauliche Mittelpunkt Frankfurts an der Hauptwache um einen charakteristischen Anblick reicher geworden. Seiner äußeren Form eines modernen Glaspalastes entsprechen eine Unzahl vollkommen neuer und zum Teil erstmalig in der Bundesrepublik angewandter architektonischer Lösungen im Innern des Gebäudes. Den spezifischen Erfordernissen eines Warenhauses wurde man in einer Weise gerecht, die als dem deutschen Warenhaustyp zielbewußt vorauseilend und eine neue Entwicklung anbahnend bezeichnet werden darf.

Das allgemeine Interesse werden zweifellos die hier erstmalig eingebauten Vollglastüren am Eingang erregen, welche durch eine Luftüberdruckschleuse das Entstehen von Zugluft verhindern und der Kälte den Eintritt verwehren. Ihr System erklärte auf einer Pressekonferenz auf der auch Dir. Heronimi und Geschäftsführer Sander allgemeine wirtschaftspolitische Ausführungen zur preisregulierenden Tendenz des Kaufhofs als Einzelhandelsunternehmen vom Warenhaustyp machten der Verfasser des preisgekrönten Bau-Entwurfs, der bekannte Städtebauer und Darmstädter Oberbaudirektor Prof. Peter Grund.

Uebereinander gelagerte Doppeltreppen, Rolltreppen, reizvolle Marmorausstattungen und Leuchtstoffröhrenlicht werden den Kaufhof in diesem neuen Gewand zu einem der sehenswertesten Frankfurter Geschäftshäuser machen. Seit dem ersten Spatenstich im Mai des Jahres sind 1900 qm Fläche und 60 000 cbm Raum umbaut worden. Außerordentlich bemerkenswert ist die Stahlbetonkonstruktion, bei der große Spannweiten trotz hoher Nutzlast mit verhältnismäßig leichten Stahlbetonbalken überbrückt wurden. Rundstützen, die einen Durchmesser von nur 80 cm besitzen, halten einen Druck von 1000 t.

Der hessische Handwerkstag, in dem die hessischen Handwerkskammern und Landesinnungsverbände zusammengeschlossen sind, wählte auf einer Arbeitstagung in Frankfurt sein neues Präsidium. Zum neuen Vorsitzenden wurde Handwerkskammer-Präsident Schöppler, Wiesbaden, zum Vizepräsidenten das Mitglied des Landesinnungsverbandes der Schuhmacher, Hübner, Darmstadt, bestellt.

Die für die internationale Automobil¬ ausstellung in Frankfurt bis 29. April 1951 zur Verfügung stehenden Hallen werden nach dem derzeitigen Stand der Anmeldungen voraussichtlich voll ausgenutzt werden.

Eine Tuchfabrik in Bad Hersfeld hat größere Posten Velourstoffe für Herren- und Damenmäntel nach Iran ausgeführt. Die Sendungen gingen auf dem Luftwege nach Teheran.

Börsen und Märkte

Bz. Im allgemeinen war die Frankfurter Börse leicht erholt. Bergbauwerte hatten sogar eine ausgesprochen freundliche Tendenz, allerdings war der Geschäftsumfang noch klein bemessen. Eine Sonderbewegung verzeichneten Deutsche Tafelglas auf die 7,5%ige Dividendenerklärung mit 110 (plus 9). Maschinenwerte zogen bis 1 Prozent an, nur Adlerwerke 43 (— 2). Gut behauptet waren die meisten Elektropapiere.

Freie Devisenkurse

Bz. Am 19. Oktober 1950 wurden in Frankfurt folgende freie Devisenkurse genannt: Der USA-Dollar mit 515 bis 5>2L DM. Das engiische Pfund Sterling mit 12,50 bis 13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,15 bis 1,25 DM, der Hollandgulden mit Ä’ln 1’25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM, der österreichische Schilling mit 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben sind für 1 DM-West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark 1 DM-West geboten worden.

Frankfurter Kartoffelgroßhandel

Bz. Speisekartoffeln aus Hessen und Rheinhessen zu 3,— DM Erzeugerpreis, (Großhandelspreis von 3,30 bis 3,40 DM je Zentner frachtfrei Frankfurt a. M.) findet nur geringe Abnahmeneigung, da die Einkellerungen sehr langsam erfolgen.

Frankifurter Effektenbörse 1 Kursblatt des D.T.

02 =• bezanil, B - Biieluuisc I — Taxe, alle übrigen sind Geldkurse (Sämtliche Korse ohne Gewähr)

18. Okt. 19. Okt. Pfandbr. u. Kom.-Obl.
4% Dt. Rtb. 34 A.. 7,25
7,25 4% Pr. Lpf.Anst.Pt 7,5bz
7,5bz 4% do. Komm. Obi. 7,25
7,25bz 4% Hess.Ldbk.Pf.. 7,75bz
7,75bz 4% Kass. Ldkr.Pf. . 7,75 4% Nass. Ldbk.P... 7,75 4% do. K0m.0b1... 7,75
4% Rhein. Giro-Pf.. 8,25
7,75bz
7,75 7,75 8,25 4%Rheinprv.Pf.... 8,25
8,25 Dekosama I 17,75bz
17,75bz 4% Bayr. Hyp. Pf.. 7,62
7,62 4% Ffm.Hyp.Bk.Pf. 7,75bz
7,75bz 4%Ffm.Hyp.Obl. .. 7,37bz
7,37bz 4% Pfälz.Hvp.Pf. .. 7,75bz
7,75bz 4% Rh.Hyp.Bk.Pf. . 7,75bz
7,75bz 4% Westd. Bod.Cr 7,75bz
7,62bz Industrie-Anleihen
4% AEG. 42 6,75
6,75 2% Aschaffbg. Zell. 6
6bz 4% Augsb.-Nürnb. . 6,87
6,87 4% BMW 42 7
7bz 4%Daimlei 42 ... 8,5 4% Degussa 43 ... 8.758 4%% Ess. Stk. 41. 6,75
8,5 8,75 B 6,75
18. Okt. 19. Okt.
4'/2%Gesenb.ßenz. 7,37bz
4% Gelsenk. Bgwk, 7,37 4%Harpener 42 .. 7,25 4%% Hartm. & Br. 7,75bz 5% Klöckner 39 .. 7,62 5% Metallges. 39 . 8,5 5%Rh. Braunk. 40 8,37bz
4% Schluchsee 43 . 7,5 4'/2% Union Rhbr.. 8,75 4% Ver.Dt.Met.42 8,12 7,37 7,37bz
7,25
7,75 7,62 8,5 8,37 7 8,75 8,12
Industrie-Aktien
Accumulatoren.... 99,58 Ada-Ada-Schub.... —
Adler-Werke 458 Adt, Gebt — Allg. Bauges. Lenz. 28bz AEG 27,75bz
Andreae-Noris ....180 Aschafibg. Akt.-Br. 50 Aschaffb. Buntpap. -G
Aschaffbg. Zellst... 68 Augsb.-Närnbg. ...88,25bz 98 B 43bz
28
27,5bZ
180 -G -G
69bz
Lud. Maschinen ...97 Baumw. Erlangen .130 Bayr. Motorenwk. .34E 98
130 33,5bz
18. Okt. 19. Okt.
Bemberg, J. P 79 79
Berger, Tiefbau ...29,5bz 30,5bz
Bin. Kraft u, Licht. 20bz 20bz
Braub. Nürnberg .. 51 50
Brown Boveri 113 G 113
Buderus Eisenw. ..77 77bz
Burbach Kali 65,75bz 65,75 b;
Chem. Albert C7,sbz 67bz
Conti Gummi 117bz 1178
Daimler Mot. Wk.. 55,5bz 56bz
Demag, Duisburg . 83bz 83
Dessauer Gas 19,5bz 20
Deutsche Erdöl ...56bzB 56bz
Deutsche Steinzeug 139,5 139,5
Degussa 77bz 77b:
Dt. Linoleum-Wk. . 121 121
Dt. Tafelglas 101 110
Didierwk. Wiesb. .908
Dierig, Chr B 76,5bz
Eichbg.-werger-Bn 51 51
Eisenb. Verkehrstn. 69bzB 69 B
El Licht u. Kraft .31 31
Enzinger Union .. 65 65
Eßlinger Maschinenlo3 103
Ettlinger Spinnereii6o 160
18. Okt. 19. Okt.
Faber & Schleicher — Fahr, Oebr 56bz/rat Feinmech. fetter ..92
Feldmühle 77 B Felten & Guill. ...708
Ffm. Masch. P &W.90 -G
93 B
76 69bz
90
Goldschmidt, Th. • Gritzner-Kayser . -G Grün & Bilfinger .-47bzB 64bz -G 48bz
Hafenmühle Ffm. .-G Hanau Hofbr.-Hausss
Hanfwk. Füssen ..128
Harpener Bergbau. 75 Harpener Bonds ..47 lartmann & Braun— ’ udelberg. Zement] iQbz
Henninger-Bräu . ,85bz
Hess.-Nassau Gas .85 Hoesch Eisen 61bz Holzmann, Ph 29,5bz Hotel AG 45 -G
55
128 75,5bz
45bz
109bz 85
85 60,25bz 29,75bz
45
lunghans. Gebt. ..62,5bz 62,5
Kabelwerke RheydtsB Kali Chemi 91,5
Karstadt, Rud. ...76 59
92,5
18. Okt. 19. Okt.
Kauth. Hansa, Fftn. 80 Kl., Schzr. & Beckerso
Klöcknerwerke.... 66 Knorr, Heilbronn .71 Konserven Braun .—•
Kupferberg Sekt ..— Lahtnever S Co. .. 86 Lanz, Hch 53,5bz Lindes Eismasch. . 87bz 80
80
67,5bZ
71 45,5bZ
86 54bz 87bz
Mainkraftwerke... 88 Mainzer Akt.-Br. ..57
Mannesm.Röhr.StAss,7sbz Mannesm.Röhr. VA — Masch.Hartm. Offb. 80 Metallgesellschaft 64,5 Moenus Maschinen 45 88 57 55,75 b:
80 64,5bz 45,5bZ
Neckar Wk. Eßling. 107,5
Nordd. Lederwerke2s,7sbz NSU 127 107,5 25,5
127
Odenw.Hartstein.. 80 80
Pfälz. Mßhlenwk.. 88 90
Rhein.Braunkohle. 95
Rhein. Elektrizität. 96bz
Rhein. Stahlwk. .. 52,5bz Rh.-Westt. Elektr.. 74bz Roeder. Gebt 95 95 96
53 74bZ
96
18. Okt. 19. Okt
Salamander Schuh 76 — Salzdetfurth Kali . 62,5 63bz
Salzwk. Heilbronn. 106 106
Sarotti AG G -G Schöfferh Brauereis6,2sbz 55,5bz Schramm Lackfabr. 103 103 Schriftg Stempel . 100 100 Seilindustrie Wolffgs 95 Siem & Halske StA4sbz 44,12 b: Siem & Halske VA43.5 43,5bz
Stollwerck, Gebt.., 80 80
Südd. Zucker AG...— 102bzB Veith Gummiwerke 120 Ver.Dt.Met.-Werke 65 Ver. Dt. Ölfabriken-G
Ver Stahlwerke .. 51.75bz Voigt & Haeffner 123
Voltohm Seil . .35 120 65 -G
52.25
123 35
Wayß & Freytag .116
Westdt. Kautbof .. 80 Wintershall 48bz 116 80
47,75
Zellstoff Waldhof. 47bz 44bz
Banken
Bayt.Hyp.WchS.Bk. 31,5
Berl.Handels-Ges.. 14,öbz 31,5 14,5bZ
18. Okt. 19. Okt
Commerzbank ....22,5bz 22,5
Deutsche Bank ....23,25bz Dt.Eff.-u.Wchs.-8k.25
Dresdner Bank ...23bz 23bz
25 23bz
Frankfurter Bank .26
Ffm. Hypoth.-Bk . 25,5 26
25,5bz
Pfälz. Hypoth.-8k..22,75 22,75
Rhein.Hypoth.-Bk.. 25,25 25,25 b:
Verkehr
AG. für Verkehr ..34bz
Hapag 26 Norddt. Lloyd 21,5 Südd Eisenb.-Ges.. 60 34bZ
26 B 21,5 60
Versicherungen
Allianz Leben ....— All. u. Stuttg. Ver.. 62bz -(T42) 62
Unnotierte Werte
Beck & Henkel . . . 38 38
Chemietas Inh. ... 528 Chemiefas. Na. ...49 Chem. Brockhues .70 52 49 70
18. Okt. 19. Okt.
Dt. Waffen 26 26
Dingler Zweibr. ...92 92
Diskusw 12? DyckerhoffZement. 12Ö 120
Eisenh. Köln 44,25bz 45
Fordwerke Köln ..90 89
Gutehoffnungsh ... 64bz 66bz
Hutschenreuther .. 70 70
Kahla Porzell 32 31
Kammg.Kalsersl...94 94
Rh. Strohzellstoff. 115 115
Rosenthal-Porzell. 85 85
Schwäb.Zellstofl.. 128 128
Süddt Zellwolle.. m 111
Thür Zellw Inh .. u,sbz 11,5
Thür. Zellw. NA ... io,7sbz llbz
Torpedo-Werke ... 163 163
Württemb. Metall. 59 59
Zeiß Ikon 358 35 B
Zellst. Waldhot VA. 43.5 43,5bz
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Feuilleton


J. Hack: „Auf See“
J. Hack: „Auf See“

Abwehr gegen die Liebe

EINE SEELENERZÄHLUNG VON GÜNTHER MICHEL

Niemand verehrte ihn so sehr, wie er sich selbst verehrte. Denn von niemandem wußte er sich so tief erkannt. Der Umgang mit dem Menschen, der er war, bedeutete ihm viel. Das Zusammensein mit sich selbst gab ihm in allen wichtigen Entscheidungen recht. Hier strömte ihm die Kraft entgegen, die ihn das wechselvolle Treiben dieser Welt bestehen ließ.

Kein Wunder, daß er sich seinem Dasein wie einem Schatz zutiefst verbunden und verpflichtet fühlte. Die Verteidigung seines Wertes war ein Teil der guten Sache, der er diente. Nicht eitel, sondern dankbar nahm er jedes Lob entgegen als Zeichen des — wenn auch naturgemäß nicht immer gültigen — Verständnisses seiner Person.

Bisweilen glaubte er sich selbst bewundern zu dürfen. Das geschah in jenen Augenblicken, in denen er die Vorstellung. die er von sich besaß, realisiert zu haben glaubte. Das Erreichen dieses Zieles ermöglichte ihm die kongeniale Begegnung mit sich selbst, ein von gegenseitiger Verehrung und Anerkennung durchwärmtes Zusammensein mit seiner eigenen Person. Das waren die Höhepunkte seines sich selbst bescheiden dienenden Daseins.

Diese Aufgeschlossenheit für sich selbst schärfte seine Sinne für jede Bedrohung seiner Person. Immer wieder konnte er sich den Versuchen einer Dienstverpflichtung seiner Seele entziehen, ohne daß der Grund seines Widerstrebens, sein persönliches Dasein, erkannt und angreifbar geworden wäre. Auch eine ihm aufgezwungene Notzeit, in der das Elend die letzten Burg_en der Menschenfreiheit weithin zerstörte, vermochte ihn nicht derart zu entmutigen, daß der Hunger seinen Stolz und seine Freiheit verzehren konnte. Es gelang ihm, sich .hinüberzuretten in ruhigere Jahre, in denen er dem Wert, den er in seinem Inneren ruhen fühlte, unangefochten dienen durfte.

Seit einiger Zeit nun macht sich bei ihm eine Störbarkeit von innen her bemerkbar. Gerade von dort aus, wo er es am wenigsten erwartet hatte, fühlte er sich bedroht. Er wußte sich merkwürdig ungesichert, angreifbar von überallher. Er befand sich in der Lage eines Eingekreisten.

Er hatte Angst, ohne zu wissen warum. Es erwarteten ihn weder Gewalttat noch schicksalhafte äußere Ereignisse. Nur in sich selbst war er bedroht. Wehrlos, hilflos war er an sich selbst gefesselt. Er wurde mißtrauisch wie ein Raubtier und blickte scheel wie ein Tyrann des Altertums. Alles, was gegen ihn handeln konnte, die Menschen, die Tiere, und alles, was eine feindselige Handlung begünstigen konnte — die breiten Bäume im Park, die unübersichtlichen Pfade im Wald, die Büsche im Garten —, war ihm verhaßt. Er prüfte Schlösser und Türen, er versah sich mit Waffen. Er bewachte sich selbst wie ein Geiziger seinen Schatz. Er strebt nach Macht und bekam einen Sinn für Zäune und Geldschränke, für öffentliches Ansehen und eine gute Stellung. Doch je mehr er die Bedrohung seiner Person nun doch im Aeußeren vermutete und ihr im Aeußeren zu begegnen suchte, desto größer wurde seine Angst.

Wie gesagt, er ahnte das alles nur. Seine Angst erschien ihm ebenso unsinnig und unbegründet wie einem Außenstehenden. Aber er besaß die Angst als ein Verhängnis, als Wahn, als Krankheit. Ja, bisweilen ertappte er sich sogar bei dem Verlangen, als Namenloser unter Namenlosen zu leben. Immer wieder suchte er die Ursache seines Wahns, die doch ehedem die Ursache seines Glückes war, zu ergründen. Einen wichtigen Anhaltspunkt zur Lösung dieser schicksalhaften Frage fand er in der Tatsache, daß er sich jetzt bei einem Alleinsein mit sich selbst tausendfach verlassen und preisgegeben wußte, während ihn doch früher das gleiche Zusammensein mit seiner Person beruhigt und gestärkt, getröstet und erquickt hatte. Eine völlige Umkehr der Bewertung seiner tiefen Verbundenheit mit sich selbst schien an ihm verübt worden zu sein. Er glaubte mit Bestimmtheit zu wissen, daß sein früheres Verhältnis zu sich selbst unter einer großen, mächtigen Geduld gestanden hatte, und daß diese höhere, ja göttliche Geduld ihn offensichtlich jetzt verlassen hatte. Durch seine Angst wurde ihm nun lediglich bestätigt, daß der Geist, mit dem er sich bisher so innig mit sich selbst verbunden wußte, insgeheim einen störrischen und trotzigen Charakter gegen alle Wirklichkeiten außer seiner eigenen trug, denn der Widerstand, die Angst, die er erfuhr, schien ihm durchaus ein Angriff, eine strafende Folter zu sein. Er wußte sich jetzt festgekettet an sein von ihm so sehr gepflegtes Zusammenleben mit sich selbst. Er wußte sich preisgegeben, weil er sich selbst nicht preiszugeben bereit war.

Er erinnerte sich in diesem Zusammenhang an die rasende Eifersucht seines Freundes, deren unfreiwilliger Zeuge er gelegentlich eines längeren Besuches war. Diese Eifersucht, die ebenso unbegründet und unsinnig war wie seine Angst, hatte er damals als krankhaftes Verhängnis betrachtet. Heute wußte er, daß auch seine eigene Angst aus dem gleichen Grunde erwuchs, nämlich aus dem verborgenen Zwang, allein sich selbst als den entscheidenden Bewertungsstandort zu besitzen. Zum ersten Male erkannte er den Akt des Vertrauens als ein unerhörtes Wagnis, das den Verzicht auf jegliche Sicherungen, insbesondere die des Rückzugs in die eigene, sich insgeheim „herausgehalten habende“ Person oder gar die des Nachprüfens auf Glaubwürdigkeit durch die beweishungrige Vernunft zur Voraussetzung hatte. Den Besitz seiner eigenen Person empfand er nun als grausam zurückgedrängt auf die Erfahrung der Angst. Das letzte, was er noch an Eigenleben besaß, war seine Angst, die verzweifelt angenommene Möglichkeit, daß er auch ohne den Sprung in das Vertrauen auf eine nicht in ihm selbst vorhandene Wirklichkeit weiter existieren könne.

Die Folter seiner Angst zermürbte ihn schließlich (gegen den Einbruch der Liebe, die außerhalb unserer Möglichkeiten liegt, gibt es keine realen Abwehrmöglichkeiten des Menschen). Mitten in der dichten Finsternis eines nächtlichen Waldes, tausendfach umringt von Mord und Gewalttat und fast erwürgt von dem Verlangen, Schutz in sich selbst zu finden, Schutz in dem Wissen um die Berechtigung seiner Angst, also der — er wünschte es jetzt fast—tatsächlichen Bedrohung seiner Person, sprang er endlich auch aus seiner letzten Sicherung, dem glühenden Ofen seiner Angst, heraus. Nun hatte er keinen „Gegenwert“ mehr gegenüber der ihn bedrängenden nicht in ihm selbst vorhandenen Wirklichkeit. Er löste sich von dem qualvollen Vorbehalt der vermeintlichen Unaufgebbarkeit seiner Person, durch die er seine Angst überhaupt erst hervorgerufen hatte.

Doch nun geschah das Wunderbare: Vertrauen, Wahrheit und Liebe strömten in ihn ein und machten ihn freier als alle Beweise der Vernunft, stärker als alle Waffen der Welt.

Der Mythos der verlorenen Generation

„Hier endet der Mensch, und der Mythos beginnt. Es ist der Mythos der verlorenen Generation, der skeptischen Kreuzfahrer, der blasierten Ritter, von Heimweh krank nach etwas, für das sich zu kämpfen lohnt, und das es bisher noch nicht gibt. Es ist der Mythos des Kreuzzuges ohne Kreuz, die verzweifelten Kreuzfahrer, die auf der Suche nach einem Kreuz sind.“

Hans Voß, ein junger Schriftsteller jener Generation, die man gleichlautend mit dem Ausgange des Krieges als „die Verlorenen“ bezeichnete, sah in den obigen Sätzen des Extrakt eines in Diktion und Leidenschaft gleich großen Vortrages über „Richard Hillary und die verlorene Generation“. Nur wenige Menschen hatten an diesem Abend den Weg ins Amerika-Haus gefunden, und es schien, daß diejenigen, nämlich die Uebriggebliebenen der furchtbar gelichteten Kriegsjahrgänge, um die es ging, durch ihr Fernbleiben die aufgeworfene Frage ad absurdum geführt sehen wollten. Sei es durch das Faktum der grundsätzlich veränderten Situation, deren zukünftige Meisterung bereits wieder ein Symbol oder die „Idee“ benötigt, oder die Erkenntnis, daß wertende Kollektiv-Bezeichnungen ökonomischen Erwägungen nicht nur en passent assistieren sollen.

Recht abrupt wurde es still um die übergenug zitierte „geistige Verworrenheit“ der Generation, der man mehr ängstlich als mißtrauisch zusammen mit Borchert die Türe zuschlug, als sie sich verwundet (körperlich und geistig) und geschwächt für kurze Zeit ausruhen wollte. Die große konventionelle Lüge hätte sie an der Klagemauer verhungern lassen, wenn nicht die Notwendigkeit eines neuen Activums aufgetaucht wäre, zu dessen positiver Lösung man die suchende Gläubigkeit der profan klassifizierten Jüngeren braucht.

Ernst Jünger sagte: „Alle Menschen und Dinge dieser Zeit treiben einem magischen Nullpunkt zu. Ihn passieren heißt, der Flamme eines neuen Lebens ausgeliefert zu sein, ihn passiert zu haben, ein Teil der Flamme selbst zu sein.“ Und Saint-Exupery schreibt in „Pilote de guerre“ in seinem letzten Werk: „Nun bin ich ganz dem Christen gleich, den die Gnade verworfen hat. Meine geliebte Einsamkeit wird mich empfangen. Dann werde ich zu begreifen suchen, warum ich sterben soll.“ Beide Dichter, der Deutsche und der Franzose, machen den Gesuchten Weg zur Erkenntnis sakrosankt. Sie wissen nicht die Stadien und den Endpunkt der Strecke, aber sie wissen, daß sie sich der Flamme nähern müssen, daß man der trunkenen Begeisterung, des Glaubens bedarf, um nicht klein und schwach am Ende der stofflichen Parabel zu sein, und wenn man im Fluge verbrennt, nicht klagend auf die tief unten liegende Erde schaut, die man verließ, um ihr nicht verhaftet zu sein.

So waren sie vielfach, die Jungen in diesem furchtbaren Kriege. Der von Oxford genau so wie der aus Hamburg oder München. Der Unterschied lag in der Uniform. Und wenn die Generation in Deutschland für die falschen Götter kämpfte, dann liegt das nicht an ihnen, sondern an denjenigen die das Postament mit aufrichten halfen. Sg.

75 Jahre Volkschor Darmstadt

JUBILÄUMSKONZERT IN DER STADTHALLE

Am Sonntag, dem 22. Oktober, begeht der Volkschor Darmstadt das 75jährige Jubiläum seiner gesanglichen Tätigkeit in Darmstadt durch eine Bach-Feier, die nach den zahlreichen Bach-Konzerten dieses Jahres in Darmstadt den Meister von der Seite seines weltlichen Schaffens zeigen will. Es ist der Kapellmeister Bach, der die große Orchestersuite für Streichinstrumente und Flötensolo geschaffen hat, es ist der Leiter des Studentischen Collegium musicum, der zum Namenstag des Universitätsproffessors August Müller die humorvolle Kantate „Der zufriedengestellte Aeolus“ 1725 komponierte und aufgeführt hat. Sie wurde wie die meisten großen weltlichen Chorkantaten von Darmstädter Chpren noch nie gesungen. Der König der Winde, Aeolus, will die in seinem Schloß eingesperrten wilden Winde frei lassen, damit sie herbstlich stürmen können, da nahen sich Zephyrus, der milde, fruchtbare Wind, Pomena, die Göttin der Fruchtbarkeit und Pallas, die Beschützerin der Wissenschaft, und bitten ihn, doch für den Festtag ihres Schützlings, August Müller, noch freundliches Wetter zu belassen. Er ruft die Winde zurück, und ein festlicher Gratulationschor schließt das umfangreiche Werk ab.

Umrahmt von diesen Werken Bachs erklingt ferner erstmalig in Darmstadt ein kleines Oratorium von Bachs Zeitgenossen Gg. Phil. Telemann „Die Tageszeiten“ auf die Dichtung des Idyllendichters Fr. W. Zachariae. Obwohl 4 Jahre älter als Bach und Händel hat Telemann doch in seinem Schaffen schon den Wandel zu dem schlichten melodischen Stil im Sinne einer Rückkehr zur Natur erstrebt und gefunden, und damit einen Uebergang zu den Wiener Meistern geschaffen. Mit 73 Jahren hat er 4 Jahre nach Bachs Tod das liebenswürdige Werk geschrieben, in dem stilistisch sich manches andeutet, was 45 Jahre später in Haydns „Jahreszeiten“ zu höchster Vollendung gelangt. Das Jubiläumskonzert soll zeigen, daß sich der Volkschor die Aufgabe stellt, Mitgliedern aus allen Schichten des Volkes den Zugang zu wertvollster Musik zu erschließen. Friedrich Noack

Kirchenmusikalische Abendfeier

Bach und Vivaldi hatten eine fruchtbare Generation von Vorgängern, deren Schaffen sich auf den Stil und die Entwicklung der beiden großen Musiker eminent auswirkte. Georg Muffat, Pachelbel und Buxtehude, von denen Dr. Ludwig Borngässer Toccata, Ricercar, Präludium und Fuge in g-moll für Orgel spielte, bereiteten u. a. Bachs großen Formen- und Ausdrucksreichtum seiner Orgelwerke vor, trugen andererseits auch zur Trio-Technik bei, wie sie in der Triosonate inC-dur für 2 Violinen und B. c. von Bach vorliegt. Lilo und Karlheinz Trumpfheller musizierten sie kernig und übersichtlich in den Fugati, mit schlichtem, blühenden Vortrag in den Adagio-Teilen. Auch die Violin-Sonate von Corelli (Lilo Trumpfheller-Horn) und dessen Konzert für 2 Violinen in d-moll fanden eine klare und vitale Interpretation. Die musikalische Abendfeier in der Stadtkirche, die bis auf den letzten Platz besetzt war, vermittelte somit im historischen Programm wie in der Atmosphäre des Musizierens einen glücklichen Nachhall. Die neue Orgel fügt sich in der bisherigen Registrierung, die Dr. Borngässer ökonomisch ausnutzte, dem Raum akustisch sehr gut ein. — G. I. —

Gehorsames Wort

DEUTSCHER AUSSCHUSS FÜR SPRECHKUNDE TAGTE IN FRANKFURT

„Wert und Auftrag lebendiger Sprachbildung“ hieß der Titel einer Ausstellung, die anläßlich der 1. Vollversammlung und Arbeitstagung des „Deutschen Ausschusses für Sprechkunde und Sprecherziehung“ in der Frankfurter Universität gezeigt wurde. Dies könnte man gleichsam als die Leitidee der ganzen Tagung betrachten. Ausgehend von der Tatsache, daß sprachliche „energeia“ recht eigentlich im Akte des Hervorbringens von Sprache, also im Sprechen liegt, ist der lebendigste und der wahrhaftigste Weg der Sprachbildung. Sprechbildung.

Nimmt man dieses Wort im vollen Ernste, so wird der Wechselbezug augenscheinlich, daß Bildung zum Sprechen Bildung durch Sprechen ist. Damit sind zugleich all diese Bemühungen weit abgerückt von einer äußerlich formalen, rein mechanistischen Sprechtechnik; denn solche Technik ist nicht bildungskräftig. strebt sie doch riur nach Fertigkeit, nicht nach einem Bildungsziel. Gerade das aber erstrebt Sprech b i 1 d u n g: den ganzheitlichen Menschen, der an Geist. Seele und T eib durchformt ist, die sich durchdringen im Akte des Sprechens. Von hier aus aber wird auch einsichtig, daß Sprechbildung eigentlichste Sprachbildung ist. Dies erfassen, heißt Wert und Auftrag von Sprecherziehung recht verstehen, deren Weg fundiert wird durch die Forschungen der wissenschaftlichen Sprechkunde an deutschen Universitäten.

Vielfältig sind die Bereiche, in deneh das gesprochene Wort seine Wirkstätte hat; zahlreich also mußten die Arbeitsgruppen sein, die auf der Frankfurter Tagung die spezifischen Probleme aufgriffen: Volksschule und Pädagogische Akademie, Höhere Schule und Universität, Kirchliche Sprecherziehung, Sprecherziehung im Theater, Funk und Film, Freiberufliche Sprecherziehung und Stimm- und Sprachheilpädagogik. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit dieser Bemühungen vor allem im schulischen Bereich wurden von Vertretern aller Schulgattungen lebhaft bestätigt. Die Fülle der in Referaten, Diskus-

sionen und sprechkundlichen Fachvorträgen angeschnittenen Probleme ließe sich auf folgende Weise zusammenfassen: Zum Sprechen gehört als notwendiges Korrelat das Hören; immer wird etwas angesprochen — das Ich, das Du, die Natur, Gott —, auf dessen Antwort wir warten. Dazu aber «gilt es bereit zu sein, still zu werden, geduldig und ehrfürchtig; bereit zu hören, im tiefsten Wortsinn gehorsam. Gehorsam gegenüber dem Anspruch des Nächsten in Rede und Gespräch des Alltags dem Dichterwort im interpretierenden Nachvollzug dem fleischgewordenen Wort Gottes, das auch im kultischen Raum menschlich zu uns kommt.

Erziehung zum Sprechen also will den einzelnen Menschen hinführen zur Verantwortung vor der Sprache und den Werten, die in ihr überliefert werden und ihn bereit machen, diese Werte in sich aufzunehmen und von ihnen wahrhaft durchbildet zu werden. H. G.

Notizen

Neuere Forschung in der hohen Atmosphäre hieß der Lichtbildervortrag, den Prof. Dr. Möller vor der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft hielt. Eine Reise in die größten Höhen der Luftschichten könnte man den Vortrag nennen. Weit über die von 10 bis 80 km reichende Stratosphäre ging die Reise in die lonosphäre bis an die Grenze der Exosphäre, und sie wurde durch zahlreiche Lichtbilder anschaulich gemacht. Prof Möller, der zugleich an der Universität Mainz Vertreter der Geophysik ist, bedauerte, daß man nicht in gleichem Maß sichere Angaben über den Aufbau des Erdinnern machen kann, da fast alle Methoden, die über die Eigenschaften der Lufthülle Aufschluß geben, optischer Natur sind. H. R.

Der Christusdarsteller der diesjährigen Oberammergauer Passionsspiele, Toni Preisinger, hat noch vor Antritt seiner Pilgerfahrt nach Rom auf sein Honorar in der vollen Höhe von 55Q0 D-Mark zugunsten caritativer Institutionen verzichtet.

Wann kommt der Deutsche Filmpreis? Der Verband Deutscher Filmproduzenten e. V. unterbreitete der Bundesregierung heute seine Vorschläge zur Schaffung eines „Deutschen Filmpreises“. Nach den Vorschlägen der Filmproduzenten können die verschiedenen Produktionen ihren geeignet erscheinenden Film zu dem Wettbewerb für den „Deutschen Filmpreis“ anmelden. Die Auswahl des besten deutschen Spielfilms und des besten deutschen Kulturfilms soll durch einen Ausschuß aus Vertretern der Bundesregierung, der Länder, der kommunalen Spitzenverbände, Vertretern der drei filmwirtschaftlichen Sparten sowie von Mitgliedern des des deutschen Films“ in jedem Jahr in einer Festvorführung in Bonn in Gegenwart der Regierungsvertreter verkündet werden soll. Ueber die öffentliche Anerkennung der Filme sollen Diplome überreicht werden. PI.

DT Film-Forum

Tttädcben ohne Beziehungen /

Nein nein, Sie irren sich nicht und lesen nicht verkehrt, es steht da oben nicht der Titel eines neuen „Realfilms“,' der bekanntlich „Mädchen mit Beziehungen“ heißt, es steht da etwas von einem Mädchen ohne Beziehungen, und das war Bruni Löbel einmal. Von einer Reichsmark und 20 Pfennig pro Tag mußte sie leben, als Lehrmädchen im Mansardenbüro, jung war sie noch, sehr jung, und die Eltern schrieben ihr: „Du hast es ja nicht besser haben wollen!“ Sie hat damals arg gehungert, aber sie hat es auch heldenhaft ertragen, denn sie wollte es ja wirklich nicht anders haben. Daß sie einmal weltberühmt werden würde, hat sie damals nicht geglaubt; nur gehofft hat sie es. Als dann der Produktionschef der UFA zu ihr kam und sie zur Probeaufnahme bestellte, hat sie sich für 2,50 RM ein Bild bei Fotomaton machen lassen ... so gänzlich ohne Beziehungen war sie damals!

Heute ist sie so weit, daß sie uns, als wir sie um einige Angaben um ihr Leben baten, mit tiefer Resignation schrieb, wir trieben sie an den Rand der Verzweiflung! Wir müßten nur ihren Postberg sehen, dann würden wir bestimmt jemand mit einem Stenogrammblock schicken ... so kann sich das Blatt wenden, ehe man sich’s versieht! Sie hat jetzt mehr Beziehungen als ihr lieb ist, sie steht im Mittelpunkt eines allgemeinen Interesses, sie war in Hollywood, sie hat schon dreizehn Filme gedreht, und die Welt steht für ihre verwegensten Wünsche offen. Und wie klein hat sie angefangen! Als „Kleinlöbel“ stand sie in ihrer Heimatstadt Chemnitz auf der Bühne, bekam gute Kritiken und beschloß, „endgültig“ zur Bühne zu gehen ... Das ist auch schon wieder eine Weile her, und sie wurde inzwischen größer; zwar mißt sie auch heute nur 1,56 Meter, aber was da an Körperlänge fehlen sollte, das ersetzt sie durch ihren Humor, ihre reizende Schelmerei und — durch ihr Können! Denn dieses ihr Können hat sie inzwischen so unwiderleglich erwiesen, daß sie zu den großen Hoffnungen des deutschen Films gehört. Ihre Eltern waren dagegen, als sie Schauspielerin werden wollte, und sie selbst hat heute eine sehr ausgeprägte und gescheite Ansicht hierüber. „Alle Eltern sollten dagegen sein, denn diesen Beruf sollte man nur ergreifen, wenn es trotz allem Dagegensein und sonstiger Hindernisse sein muß.“ So schreibt sie, noch immer wunderbar jung, aber nun gereift durch die mannigfachen Erfahrungen ihres jungen Bühnen- und Filmdaseins. Daß ihre Eltern ihr dennoch halfen, Schauspielunterricht zu nehmen, vermerkt sie erfreut und dankbar; daß sie dennoch zunächst einmal durch die Prüfung durchflel, registriert sie sachlich. „Und dann war es zappenduster“ schreibt sie im Rückblick auf diesen ihren Lebensabschnitt. Welche herzerfrischende Natürlichkeit spricht doch aus diesen unkomplizierten Worten!

Wer es sieht, das liebenswürdige kleine Persönchen mit den großen Schelmenaugen, wird es kaum glauben, daß sie schon sehr ernste Probleme mit sich ausgekämpft hat, aber in ihrer ehrlichen Art berichtet sie auch davon. Es war in der Zeit der Bomben in Berlin ... da war sie so fertig, daß sie Schluß machen wollte, und nur die Tatsache, daß der Apotheker ihr kein Gift gab, ist daran Schuld, daß sie noch lebt. Heute sagt sie: Gottseidank ... damals war sie des ewigen Alarms mit all dem schrecklichen Drum und Dran restlos überdrüssig. Verheiratet ist sie übrigens noch nicht, sie hat ihr ganzes Leben _ noch vor sich, und, nach allzuvielen Einzelheiten aus ihrem Dasein befragt, hat sie uns versichert, daß sie das alles in ihren Memoiren schreiben wird, wenn sie siebzig Jahre alt geworden sein wird. Dann würden wir es erleben können ... und also müssen wir uns eben bis dahin n°S ein klein wenig gedulden, wenn’s auch noch ein Weilchen dauert!


BRUNI LÖBEL
BRUNI LÖBEL

(Foto: Real-Allianz-Füm)
(Foto: Real-Allianz-Füm)

Darmstadt und Umgebung

Frauen gesucht...

Sg. Das „Frauen-Zeitalter“ scheint sich außer in Skandinavien nun auch in Darmstadt ankündigen zu wollen. Wenn Schweden als Land mit absolutem Frauenüberschuß beispielgebend wirkt, dann müßten wir in unserer Heimatstadt auch bald von zarter Hand barbiert und die bösartigen Menschen von dem weiblichen Staatsanwalt bestraft werden. Auf einen Mann kommen in Darmstadt acht Frauen. Das versteift zwar die männliche Eitelkeit, kann aber nicht zur expansiven Auswirkung kommen, da das Gesetz jedwedem Heiner nur eine Frau „ein Leben lang“ gestattet, und die anderen sieben für ihn nur als Augenweide oder in der Statistik existieren.

Wenn auch die Menschen, die um den langen Ludwig wohnen, die Schönheit ihrer Landschaft durchaus neben die Reize des Landes mit den Seidenkissen und tausend Wohlgerüchen stellen können, so bleibt ihnen doch das Pascha-Dasein verschlossen, obwohl so mancher gerne einen gefühlsmäßigen Stellungswechsel vornehmen möchte.

In Wolfsburg, der Stadt der Volkswagen, sind, wie mir mein Redakteur sagte, die Verbeugungen der Männer vor den Frauen tiefer, man springt schneller auf, um ihr in den Mantel zu helfen, und die Witze und Späße der Männer sind gedämpfter und zurückhaltender, wenn eine Frau kommt. Aber es kommt selten eine, weil dort das Verhältnis im Vergleich zu Darmstadt umgekehrt ist. Auf acht Männer kommt eine Frau. Wolfsburg ist eine schnell gewachsene Pionierstadt, und wenn es dort auch keine Blechhütten gibt wie im goldenen, wilden Westen, so macht sich doch der Frauenmangel bei den Männern bemerkbar. Der Statistiker ist versucht, auf die Zeit der Patenweine zurückzugreifen, wo die Stadt Kassel oder München die Interessen eines notleidenden Weindorfes am Rhein übernahm.

Unter allen Umständen hätte der platonische Vorschlag eines Austausches doppelten Erfolg: einmal lernten die Darmstädter die Güte und den Charme ihrer Frauen noch mehr zu schätzen und zum andernmal brauchten die tüchtigen Wolfsburger Mechaniker und Ingenieure ihre Hemden nicht mehr alleine zu waschen.

Zwinger „vom Nibelungenhort“ erfolereich

Seit nunmehr 50 Jahren besteht in Griesheim der Rassehundezwinger „vom Nibelungenhort“, der damit einer der ältesten Hundezwinger Deutschlands sein dürfte. Dreißig Jahre lang züchtete der Gründer die Dobermannrasse, für deren Beliebtheit und seinerzeitige Verbreitung er maßgeblich sorgte. Vor fast 20 Jahren wechselte der Sohn und jetzige Besitzer, Herr Wilhelm Klippel, zur Zwergschnauzer-Rasse über, wobei es ihm durch züchterische Erfahrung bald gelang, seine Zwergschnauzer „vom Nibelungenhort“ als markanten Typ herauszubringen.

Als Krönung des Jubiläums konnte auf der 1. Siegerausstellung nach dem Kriege eine Hündin aus diesem Zwinger als beste ihrer Rasse mit zwei ersten Preisen ausgezeichnet werden. Die Zwergschnauzerhündin wird wahrscheinlich auch auf der geplanten Ausstellung in Darmstadt an Pfingsten 1951 zu sehen sein.

Der Anhänger eines Lastzuges riß in der Nacht zum Donnerstag auf der Autobahn vom Motorwagen ab und fuhr die Böschung hinunter. Es entstand leichter Sachschaden.

Bei Kilometer 513 kam ein Personenwagen beim Wechseln auf die andere Fahrbahn von der Straße ab und fuhr die 2 Meter hohe Böschung hinab. Beide Insassen des Kraftwagens wurden verletzt.

Erste Runde unentschieden

Tanziehen um die Heinrichstraße

Verbreiterung der Heinrichsstraße vor dem Verwaltungsgericht/Prof. Grund zur Ordnung gerufen

Unter starker Zuhörerbeteiligung begann vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt gestern der Prozeß eines Grundstückseigentümers der Heinrichstraße gegen die Stadt Darmstadt. Minister K i r n b e r g e r, als Präsident des Verwaltungsgerichtes, leitete selbst die Sitzung. Sie fand in Anbetracht ihrer grundsätzlichen und umfangreichen Bedeutung kein abschließendes Ergebnis.

Rechtsanwalt Gotzmann, als Vertreter des Klägers, hatte in seiner Anfechtungsklage ausgeführt, daß die Fluchtlinienfestsetzung in der Heinrichstraße nicht rechtsgültig durchgeführt worden sei, daß diese Festsetzung nicht nur gegen die Interessen der Anlieger, sondern auch gegen die wahren Gesamtinteressen der Stadt verstoße, daß bei praktischer Enteignung des entsprechenden Geländestreifens auf Jahre hinaus keine Aussicht auf Entschädigung für die Anlieger gegeben sei und vor allem die Anlieger, trotz Versprechen, nicht angehört worden seien.

Die Stadtverwaltung, die durch Stadtrechtsrat Schäfer und Oberbaudirektor Prof. Grund vertreten war, erklärte, daß die Heinrichstraße als „Wohn- Verkehrs-Sammel-Straße“ — ein den Verkehrsfachleuten bisher unbekannter Begriff — geplant und die Durchführung der Planung rechtskräftig sei.

In der nachfolgenden Verhandlung, bei der kein Vergleich zu erzielen war, kam Prof. Grund zu Wort, wobei er seine schon anderwärts ausführlich verbreiteten Ansichten über den Wiederaufbau der Stadt äußerte und es sich gefallen lassen mußte, vom Präsidenten auf das eigentliche Thema verwiesen zu werden. Prof. Grund erklärte, daß sich sonst niemand in der Stadt über die Planung beschwere und nur einige Herren der Heinrichstraße damit nicht einverstanden seien. Im übrigen war von unbrauchbaren Mauerfundamenten in der Heinrichstraße,* unrentierlichem Aufbau auf den alten Grundrissen, Opfern für die Allgemeinheit und einem zu erwartenden Bundesgesetz die Rede, das erst das zweckmäßige scharfe Durchgreifen im Wiederaufbau der Städte ermögliche. Schließlich sah sich Minister Kirnberger genötigt, dem Oberbaudirektor der Stadt das Wort zu entziehen.

Bei der Verhandlung wurde von den Vertretern der Stadt versucht, die Entschädigungsfrage als nicht zur Sache gehörig aus dem Verfahren zu lösen und abweisen zu lassen. Ferner wurde den Grundstückseigentümern der Südseite der Heinrichstraße angekündigt, daß sie zur Anteilzahlung für die Verbreiterung der Heinrichstraße „für den erlangten Vorteil“ herangezogen werden würden,

Nach den Ausführungen von Rechtsanwalt Gotzmann, der sein Erstaunen über die von den Vertretern der Stadt in die Verhandlung gebrachte Atmosphäre ausdrückte, zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Da zu einigen Punkten ausführliche Darlegungen der beiderseitigen Ansichten vom Gericht gewünscht wurden, beschloß das Gericht die Vertagung der Sitzung auf Samstag, den 28. Oktober um 9 Uhr. DT.



Kanarienvögel lernen singen

Kanarien-Züchter lernen zuhören

Der Kanarienzucht- und Vogelschutz-Verein 1897 Darmstadt beginnt am Sonntag, dem 22. Oktober, nachmittags 14 Uhr, einen Schulungskurs im Vereinslokal Lorenz in der Lautenschlägerstraße. Erfahrene Fachleute werden in diesem Kursus sogenannte „Touren“ der gefiederten Sänger besprechen und mit mitgebrachten Vögeln praktisch vorführen. Die Kursteilnehmer sollen dabei lernen, die Reinheit des Sangesvortrags zu beurteilen und durch entsprechende Zucht, Fütterung und Pflege Kanarienvögel mit höchsten Leistungen groß zu ziehen. Der Vogelschutz der freilebenden Vögel im Winter sowie deren Behandlung und Pflege sollen außerdem ausführlich behandelt werden.

Zur Besichtigung des Frankfurter Rundfunksenders fährt am kommenden Sonntag die Untersekunda des Ludwigs-Realgymnasiums unter Führung ihres Klassenlehrers, Studienrat Dr. Dexheimer. -th-

„Bessunger Nachbarschaft“ gegründet

Anliegen der Bürger nachbarschaftlich erörtert Oberbürgmeister Metzger nahm Stellung

Bürger Bessungens und Gäste aus anderen Stadtteilen kamen am Mittwochabend zur ersten öffentlichen Nachbarschaftsversammlung im Nachbarschaftsheim zusammen. Dr. Schenk begrüßte die Anwesenden und erläuterte den Nachbarschaftsgedanken, wie er in Amerika gelebt wird.

Der Referent des Abends, Dr. Lu t - har d t, ging von der deutschen Nachbarschaftsbewegung aus, die sich in vielen Orten Norddeutschlands schon größere Wirkungskreise geschaffen hat, und stellte als ihren Sinn die politische, Parteien überwindende Willensbildung des deutschen Volkes dar. Gegenüber dem Forum setze sich die Nachbarschaft insofern ab, als hier nicht je nach zugkräftigem Thema wechselnde Masse zusammenströme, sondern Bürger eines Wohnbezirks sich zusammensetzten, um über die Anliegen ihrer Gemeinschaft, ihrer Straßen, Plätze, Häuser, Schulen miteinander zu reden, ihre Entschließungen auch zu weiterreichenden Fragen ah Behörde und Verwaltung weiterzugeben und, wo es am Platze erscheine, selbst Hand anzulegen. Denke man sich Nachbarschaft neben Nachbarschaft in dieser Weise arbeitend, so könnte eine politische Gliederung des deutschen Volkes erreicht werden, in der sich der demokratische Gedanke intensiver verwirkliche, als dies heute bei der bloßen Parteienschichtung der Fall sei, in die die Foren nur in geringem Maße hineinwirkten.

In der Aussprache, die Herr Zander sicher und geschickt leitete, wurde zunächst lebhaft diskutiert, ob Forum oder Nachbarschaft der Vorzug zu geben sei. Oberbürgermeister Metzger sprach die Meinung der meisten aus: Aus der Nachbarschaft wie aus dem Forum könnten der Verwaltung gute Anregungen gegeben werden, die sie gerne akzeptiere. Er legte auch ein Wort für die geschmähten Parteien ein, die ihre Arbeit ernst nähmen und selbst den Mangel echter Verbindung zum Volkswillen beklagen. „Wir fühlen uns in den Parteien so allein“, meinte er.

Dem Vorwurf eines Bürgers, daß die Jugend politisches Gemeinschaftsleben grundsätzlich meide, hielt ein Jugendlicher die Aktivität und Interessiertheit an solchen Fragen in den Jugendgruppen entgegen. Die Jungen würden auch den Nachbarschaften nicht fern bleiben, wenn dort nicht nur geredet, sondern zielstrebig gearbeitet werde.

Nach solcherlei grundsätzlichem Für und Wider wurde die Nachbarschaft Bessungen schlicht als gegründet bezeichnet, und es begann sofort die Erörterung praktischer Einzelfragen, zu denen ebenfalls Oberbürgermeister Metzger mehrmals klärend Rede und Antwort stand.

Die nächste Zusammenkunft der Bessunger Nachbarschaft ist für den 7. November geplant. D-s

Trockenhauben im Schwimmbad

Das städtische Hallenschwimmbad wird in allernächster Zeit seine Besucher mit zwei Neuerungen erfreuen. Der Braus e r a u m wird durch eine Glaswand abgetrennt werden. Außerdem wurden zwei Trockenhauben angeschafft. Gegen eine Benutzungsgebühr von 10 Pf. kann darunter jeder, der sich noch der Haarfülle rühmen darf, seinen Kopf trocknen und sich so vor Erkältungen schützen. Das Gemeinschaftsbrausebad erhöhte seinen Preis von 15 auf 20 Pfennig. Trotzdem es an den Samstagnachmittagen — hur dann ist es geöffnet — von rund 170 Benutzern aufgesucht wird, entsprechen die Einnahmen keineswegs den Unkosten. Für den Schwimmunterricht haben sich bereits in den ersten Tagen viele Besucher angemeldet. Gegenwärtig werden zwanzig Schüler unterrichtet. Schüler und Studenten über 18 Jahre werden gern hören, daß sie für eine Zehnerkarte nicht mehr den Tarif für Erwachsene (5 DM), sondern den für Jugendliche (4,50 DM) zahlen brauchen.

Kurze Meldungen aus der Stadt

Der Deutsche Gewerkschaftsbund, Kreisausschuß Darmstadt, und die Konsumgenossenschaft Darmstadt werden am Sonntag, dem 29. Oktober, um 9 Uhr, in der Stadthalle in einer großen Veranstaltung ihr 50 jähriges Jubiläum feiern. Herr Willi Richter, Düsseldorf, Vorstandsmitglied des DGB, wird über „50 Jahre Gewerkschaft in Darmstadt“ und Dr. h. c. Adam Remm 1 e, Hamburg, über „50 Jahre Konsumgenossenschaft in Darmstadt“ sprechen. Der Volkschor Darmstadt wird die Feier musikalisch umrahmen.

Die Feuerschutzwoche in Darmstadt wird am Samstag, dem 21. Oktober, um 16 Uhr, mit einer Schauvorführung der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Friedrich-Ebert-Platz und einer Brandangriffsübung am Sonntag, dem 22. Oktober, vormittags 11 Uhr, in der Arheilger Straße 43/45 beendet werden.

Die Kranichsteiner Musikgesellschaft teilt mit, daß der für Samstag, den 21. Oktober, im Amerikahaus vorgesehene Violinabend des Duos Schibier, Zürich, ausfallen muß, da Herr Schibier erkrankt ist. DT

Das Trakehner Gestüt verlor vor etwa 14 Tagen den größten Teil des restlichen Bestandes seiner Pferde durch Verkauf an Polen, wie Landesgerichtsrat Derbe anläßlich eines Filmvortrages für die heimatvertriebenen Ost- und Westpreußen am gestrigen Sonntag in der Aula der T. H. mitteilte. Der Kaufpreis für die Tiere, die sich seit einiger Zeit in Westdeutschland befanden, konnte von keiner deutschen Stelle aufgebracht werden, so daß sich der private Besitzer zum Verkauf gezwungen sah. ng

Der Bauverein für Arbeiterwohnun¬ gen konnte gestern das Richtfest für die Bauten in der Bismarck-, Hoch-, Rhönring- und Kranichsteiner Straße feiern. Ein ausführlicher Bericht folgt in der morgigen Ausgabe. Sg

Die Festnahme eines langgesuchten Sittlichkeitsverbrechers gelang dieser Tage der Griesheimer Polizei. Der Unhold trieb sich seit längerer Zeit im Pfungstädter und Griesheimer Gebiet umher, wo er Frauen und Mädchen belästigte. x-msch

Der ehemalige kommunistische Land¬ tagsabgeordnete Karl Willmann aus Darmstadt-Eberstadt, der vor einiger Zeit auf sein Landtagsmandat verzichtete und daraufhin aus der KPD ausgeschlossen wurde, hat nunmehr auch den Vorsitz in der „Gesellschaft zum Studium der Sowjetunion, Gruppe Darmstadt“ niedergelegt und seinen Austritt aus dieser Organisation erklärt.

Eine Elisabeth-Langgässer-Feierstunde veranstaltet am Samstag, dem 21. Oktober um 16.30 Uhr, im Nachbarschaftsheim die Viktoriaschule. Ueber „Das Lebenswerk Elisabeth Langgässers“, die eine Schülerin der Viktoriaschule war, wird Studienrat O. Arenhovel sprechen.

Der Kreisverband der Heimatvertrie¬ benen Darmstadt plant für Sonntag, den 22. Oktober um 14 Uhr, im Saal des Lokwerkes im Dornheimer Weg eine Veranstaltung, bei dei der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes, Frank Seib o t h , sprechen wird. DT


Bänkelsänger auf der Rheinstraße Es ist nicht sehr viel, was wir aus dem Mittelalter übernommen haben, aber eines lebt noch in alter Frische — die Bänkelsängerei. Waren sie früher in Samt und Seide gekleidet, schlugen sie die Leier mit Grazie und Aanstand, vor Fürsten und Ritter von Minne und „aventuere“ singend, so sind sie unterdessen etwas prosaischer angezogen. Militärmantel und Skimütze, ausgebeulte Hosen und Akkordeon. Bänkelsänger des Elends, die nichts mehr mit der Schönheit ihrer Vorfahren gemein haben, es sei denn die Sentimentalität ihrer Lieder. Da saßen sie auf der Rheinstraße, zwei Mann, zogen den Balg aus zum „Zarewitsch“ und fuhren mit der Säge über den Birkenstamm. Eine Stahlsaite über einem ausgehöhlten Baumstamm, der liebevoll mit Farbe zu einer Birke auffrisiert worden war. Die Menschen gehen vorüber, mancher wirft einen Groschen in die „Peanuts“ Büchse und der tremolierende Ton der Stahlsaite singt ein Lied. -st Foto: Hilde Roth
Bänkelsänger auf der Rheinstraße Es ist nicht sehr viel, was wir aus dem Mittelalter übernommen haben, aber eines lebt noch in alter Frische — die Bänkelsängerei. Waren sie früher in Samt und Seide gekleidet, schlugen sie die Leier mit Grazie und Aanstand, vor Fürsten und Ritter von Minne und „aventuere“ singend, so sind sie unterdessen etwas prosaischer angezogen. Militärmantel und Skimütze, ausgebeulte Hosen und Akkordeon. Bänkelsänger des Elends, die nichts mehr mit der Schönheit ihrer Vorfahren gemein haben, es sei denn die Sentimentalität ihrer Lieder. Da saßen sie auf der Rheinstraße, zwei Mann, zogen den Balg aus zum „Zarewitsch“ und fuhren mit der Säge über den Birkenstamm. Eine Stahlsaite über einem ausgehöhlten Baumstamm, der liebevoll mit Farbe zu einer Birke auffrisiert worden war. Die Menschen gehen vorüber, mancher wirft einen Groschen in die „Peanuts“ Büchse und der tremolierende Ton der Stahlsaite singt ein Lied. -st Foto: Hilde Roth

Er verschaffte der Firma Weltgeltung

HEINRICH EMANUEL MERCK

HGR. Im überfüllten Büchnersaal erhielt gestern morgen die Städtische Wetschaftsoberschule (Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung) auf Beschluß des Magistrats den Namen Heinrich-Emanuel-Merck-Schule.

Nachdem das Larghetto aus dem Klarinetten-Quintett von W. A. Mozart, vorgetragen von Schülern der Landesmusikschule. verklungen war, ergriff Stadtrat Reiber das Wort. Er sprach allen Anwesenden aus dem Herzen, als er verkündete, daß es durchaus in Ordnung sei. einer auf- und vorwärtsstrebenden Schule den Namen eines Mannes zu verleihen, dessen überragender Geist und charakterfeste Persönlichkeit aus einer kleinen Apotheke ein Unternehmen geschaffen habe, das Anerkennung in der ganzen Welt genieße.

Prägnant und eindringlich brachte Stadtrat Reiber den aufmerksam lauschenden Schülern die Person dieses großen Pioniers unserer Stadt nahe. Die Schüler- erfuhren, daß Heinrich Emanuel Merck im Jahre 1794 geboren und 1855, nachdem seine Fabrik bereits über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt war, gestorben sei; daß er mit 22 Jahren, nach dem Tode seines Vaters, sein Studium habe abbrechen müssen, die Apotheke übernommen und im Jahre 1827 mit der Fabrikation von Arzneimitteln in der Mühlstraße begonnen habe; ferner. daß schon bald danach das Werk in die Frankfurter Straße verlegt werden mußte, weil es in der Mühlstraße keine räumlichen Ausdehnungsmöglichkeiten mehr gehabt habe. Mit bewegten Worten ermahnte Stadtrat Reiber abschließend die Schüler, sich Heinrich Emanuel Merck zum Vorbild zu nehmen, sich in unserer turbulenten Zeit ein Ziel zu setzen und mit Eifer und Standhaftigkeit dieses Ziel zu verfolgen, so wie es ihnen Heinrich Emanuel Merck vorgemacht habe.

„Für den Magistrat der Stadt gab es keine Ueberlegung“, sagte anschließend unser Oberbürgermeister, „als an ihn die Bitte herangetragen wurde, der Wirtschaftsoberschule den Namen Heinrich-Emanuel-Merck-Schule zu verleihen. Das war selbstverständlich, denn die Initiative dieses Gründers der Firma war so beispiellos, daß man wünschte, die Zukunft würde unserer Stadt noch mehr Männer von diesem Format schenken.“ Während seiner weiteren Ausführungen eröffnete Oberbürgermeister Metzger, daß Dr. Fritz Merck, der augenblickliche Leiter der Firma, in das Kuratorium der Heinrich-- Merck-Schule gewählt worden sei. Sodann überreichte der Oberbürgermeister Dr. Fritz Merck eine Urkunde, die, vorgelesen, die tiefe Verbundenheit der Stadt mit’ der Familie Merck zum Ausdruck brachte. In seinen Dankesworten versicherte Dr. Fritz Merck, daß er alles daransetzen werde, damit die - Emanuel-Merck-Schule auch das erreiche, wozu sie der neue Name verpflichte.

Eine zweite Urkunde erhielt darauf der Direktor der Schule, Herr Lang, von Stadtrat Reiber ausgehändigt. Direktor Lang betonte, daß die neue Namensbezeichnung wohl niemand mehr zu schätzen wisse, als die Schule selbst, die sich der großen Verpflichtung, die gleichzeitig mit der Ehrung verbunden sei, voll bewußt sei. „Wir werden alles tun“, erklärte Direktor Lang wörtlich, „damit der Name Heinrich Emanuel Merck in unseren Mauern weiterlebt . . .“

WIE-WIRD-DAS- WETTER

Trocken

Vorhersage bis Samstag: n allgemeinen geringe Bewölkung, trocken. In den Niederungen weiter Nebelbereitschaft. Kühle Nächte, keine Frostgefahr.



Wohin gehen wir heǔte?

Landestheater: Orangerie: 20.00 Uhr, „Fra Diavolo“, Komische Oper von Francois Auber; Ende gegen 22.15 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Atomspione“; Thalia : „Die Heilige unter Sünderinnen“; Belida: „Nach Regen folgt Sonne“; Palast: „Das gibt es nur in Texas“; Hansa: „Hochzeitsreise zu Drift“.

Amerikahaus: 19.30 Uhr, Vortragsabend: „Amerikanische V-olkslegenden“ von Dr, Gerh. Pallmann (München).

Landesmuseum: 10—16 Uhr, „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10—18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.

Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr: Rezitationsabend: „Lyrik und Prosa von Elisabeth Langgässer“ von Schauspielerin M. Ziegler.

WiR gratǔlieren

Silberne Hochzeit: Herrn Jakob Walter und Frau Ottilie geb. Hermann, Darmstadt.

—* itciiuaiiu, Uat IllMdaL. 80. Geburtstag: Frl. Maria Maurer, Darmstadt, Hofmannstraße 59.

75. Geburtstag: Frau Helma Kommraus, Darmstadt, Bessunger Straße 76.

STARKENBURG

Schornstein gesprengt

Der 40 Meter hohe Schornstein der Kartonwerke Koch & Co. in Aschbach hatte sich nach rund 50jähriger Existenz erheblich gesenkt und bedeutete auch infolge der ständig größer werdenden Verrottung durch Auflösung der Backsteine eine erhebliche Gefahr für das Werk II des Unternehmens und ein in der Nähe befindliches Wohnhaus. Nachdem Messungen ergeben hatten, daß die Spannungsverhältnisse über das erträgliche Maß hinausgeschritten waren, ging ein Spezialkommando am Mittwoch daran, das zehn Meter breite Sandsteinfundament zu sprengen. -r

Schändliche Erpressung

Das Bezirksschöffengericht Bensheim verhandelte dieser Tage gegen die 42 jährige Hausfrau Fanny F. aus Bensheim, die sich wegen Erpressung und Hehlerei verantworten mußte. Die 42jährige hatte einen 13jährigen Jungen dazu verleitet, ihr Geld zu „besorgen“. Sie wußte, daß dieser sich bei seinen Großeltern fortwährend kleinere Beträge stahl. Der 13jährige lieferte ihr u. a. auch einmal 10 DM. Als er der Angeklagten eines Tages nichts mehr brachte, drohte ihm Frau F., sie werde es der Polizei, seinen Eltern und den Großeltern erzählen. Er bekam es daraufhin mit der Angst zu tun, ließ sich von der Frau sogar einen Dietrich geben und besorgte ihr zum Winzerfest einen Betrag von 50 DM. Die Angeklagte ging sogar so weit, von dem Jungen monatlich 5 DM Miete dafür zu verlangen, daß er bei ihr sein neues Fahrrad unterstellte, das er mit dem bei seinen Großeltern gestohlenen Geld erworben hatte.

Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von acht Monaten.

Selbstmord im Rhein?

In den Vorgewässern des Rheins in der Nähe der Hohenau bei Trebur wurde die Leiche der seit Sonntagabend vermißten 22jährigen Hildegard Cron aus Trebur aufgefunden. Man nimmt an, daß sich das Mädchen aus Schwermut ertränkt hat. KB

Schußapparat explodierte

In der Metzgerei Müller in Goddelau explodierte durch unvorsichtige Handhabung ein Schußapparat. Zwei in der Nähe stehende Personen erlitten Verletzungen durch Splitter.

Heppenheimer Polizeibhericht

Der Heppenheimer Polizei gelang es, einen Bausteindiebstahl aufzuklären. Die Diebesbeute konnte dem Eigentümer wieder zugeführt werden. — In einer der letzten Nächte wurde in der Ludwigstraße ein vor dem Hause Fromm stehendes Leichtkraftrad Marke „Herkules“ gestohlen. Angaben erbittet die Kriminalpolizei Heppenheim. — In einer hiesigen Firma hat sich ein 30jähriger unsittlich gegenüber jungen Mitarbeiterinnen verhalten, so daß Anzeige erstattet werden mußte. — Ein weiterer Jugendlicher, über dessen Vorleben bereits ein entsprechendes Aktenbündel vorliegt, belästigte vor dem Schwimmbad Schulmädchen mit unsittlichen Redensarten. Er wurde dem Jugendrichter zugeführt und hat mit entsprechender Strafe zu rechnen. erh.

Freies Studium der Landwirtschaft in USA

Stipendien für den bäuerlichen Nachwuchs / Meldeschluß 23. Oktober

Ausbilder von landwirtschaftlichen und bäuerlich-hauswirischaftlichen Lehranstalten können sich um Stipendien an amerikanischen Schulen und Hochschulen bewerben. Außerdem haben Bauernjungen und -mädchen, die die höhere Schule besucht haben, die Möglichkeit, ein Jahr lang in amerikanischen bäuerlichen Betrieben zu leben.

Dieses Programm sieht 6 Stipendien zum Studium bäuerlicher Hauswirtschaft und 10 Stipendien zum Studium der Landwirtschaft vor.

Die Anträge sollen bis zum 23. Oktober beim Kreis-Resident-Officer eingereicht werden. Für alle Antragsteller, die auf Grund ihrer schriftlichen Anträge qualifiziert erscheinen, werden mündliche Interviews vereinbart werden. Die endgültige Auswahl wird durch einen Landesausschuß nach der mündlichen Unterredung getroffen werden.

Alle Stipendier laufen ein Jahr. Auch die Bauernjungen und -mädchen werden ein Jahr in Amerika bleiben die notwendigen Ausgaben für Reisen und andere Dinge werden von dem Austausch-Programm getragen.

Die folgenden Informationen geben allgemeine Richtlinien für dieses Programm:

Ausbilder in bäuerlicher Hauswirtschaft

Die Antragsteller müssen mindestens ein Jahr lang eine Frauenfachschule oder Landfrauenschule besucht haben; oder sie müssen das Abitur gemacht und zusätzlich mindestens ein Jahr lang an einer landwirtschaftlichen Hochschule oder Universität studiert haben. Bei zwei von den sechs zu vergebenden Stipendien werden solche Bewerber bevorzugt, die Lehrerfahrung auf dem Gebiet des Nahrungsmittelsektors haben. Die Antragsteller sollen nicht älter als 30 Jahre sein. Abfahrt nach den Vereinigten Staaten wird frühestens im Dezember sein. Englische Sprachkenntnisse für den Alltagsgebrauch sind notwendig.

Landwirtschaftliche Ausbilder

Die Antragsteller müssen mindestens 2 Jahre an einer landwirtschaftlichen Hochschule oder Universität studiert haben. Bevorzugt werden diejenligen Antragsteller, die ihr Studium für das Examen eines Diplomlandwirtes abgeschlossen haben Es ist erwünscht, daß die Antragsteller außer ihrem akademischen Studium mindestens zweijährige verantwortliche Erfahrung auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Unterrichts und des Fortbildungsunterrichtes, der landwirtschaftlichen Forschung, auf dem kaufmännischen Gebiet innerhalb der Landwirtschaft einschließlich der besonderen Kenntnis eines bestimmten landwirtschaftlichen Zweiges haben.

Im allgemeinen sollen die Antragsteller nicht älter als 30 Jahre sein. Sie müssen englische Sprachkenntnisse für den Alltagsgebrauch besitzen.

Deutsche Bauernjungen und -tnädchen

Die Antragsteller müssen ihr 17. Lebensjahr erreicht haben und bei ihrer Abreise nach den Vereinigten Staaten nicht älter als 20 Jahre sein.

Die Antragsteller müssen mindestens ein Jahr englischen Unterricht in einer höheren Schule gehabt haben und ausreichend englisch lesen und sprechen können. Sie müssen an einer bäuerlichen Laufbahn interessiert sein.

Die Unterbringung in bäuerlichen Betrieben und Bauernfamilien in den Vereinigten Staaten steht unter der Aufsicht der „Brethren Service Commission of Elgin 111“ (Ausschuß des Bruderdienstes von Elgin 111) und dem „Office of Foreign Agricultural Relations of the US Depertment of Agriculture“ (Büro für Landwirtschaftliche Beziehungen der Vereinigten Staaten mit dem Ausland, Landwirtschaftsabteilung).

Protestanten werden bevorzugt, doch sind Angehörige anderer Konfessionen nicht ausgeschlossen. Um eine zufriedenstellende Unterbringung zu gewährleisten, ist es wichtig, daß auf dem Antrag die Religionszugehörigkeit deutlich vermerkt ist.

Neue Glocke für Messel

Die in der Glockengießerei Gebr. Rincker in Sinn (Dillkreis) für die Gemeinde Messel hergestellte Glocke traf am Mittwochnachmittag in Messel ein. Sie wurde unter reger Beteiligung der Einwohner zur evangelischen Kirche gefahren, wo eine Begrüßungsfeier in Anwesenheit von Bürgermeister Laumann und Pfarrer Winkler stattfand. Die Kosten der neuen Glocke wurden durch Spenden und zum Teil von der Gemeindekasse bestritten. Am 12. November wird die Weihe vorgenommen.


Foto: Vieler
Foto: Vieler

Hundertjahrfeier der evangelischen Kirche zu Roßdorf

Kleines Kapitel aus der Roßdörfer Kirchengeschichte / Ein eindrucksvoll es Jubiläumsprogramm

Am Wochenende feiert die evangelische Kirchengemeinde Roßdorf das hundertjährige Jubiläum ihres Gotteshauses, ein Werk des Dieburger Kreisbaumeisters Wilhelm Kraus, das, als Gegenbeispiel zu ihrer Vorgängerin, wie schon Dr. Karl Esselborn in seiner Veröffentlichung „Aus Roßdorfs Vergangenheit” betont, den Tiefstand der damaligen Zeit bezeichnet, in der es geschaffen wurde.

„In ihrem Inneren und Aeußeren“, erklärt Esselborn wörtlich, „fehlt das Trauliche und Anheimelnde. Die großen Ausmessungen wirken nicht erhebend, sondern ernüchternd und lassen den Beschauer durchaus kalt.“

Das Erbauungsjahr ihrer Vorgängerin, die im Jahre 1848 abgebrochen wurde, ist nicht ermittelt worden. Sie war kleiner und ähnelte in ihrer Bauart jener der Nachbargemeinde Gundemhausen. Umbauten fanden in den Jahren 1579, 1666, 1776 und 1824 statt. Die Anhöhe, auf der sie stand, war auf der Ostseite durch zwölf, auf der Westseite durch sechs Treppenstufen zu erreichen. Eine umlaufende Mauer umschloß zugleich den Friedhof. Sie wurde bei Anlegung der Straße nach Reinheim im Jahre 1823 abgetragen.

Mit dem Bau der neuen Kirche verschwand dann auch in den Jahren 1848— 1850 der alte Friedhof. Mit ihm auch die alten Grabsteine, die die Namen der alteingesessenen Familien trugen. Viele von ihnen gingen verloren und nur der Grabstein der Eltern des Hofrats Wagner — sein Vater war von 1809 bis 1839 Pfarrer der ev. Gemeinde — wurde auf den neuen Friedhof auf dem Schäfersberg versetzt.

Wagner war einer der erfolgreichsten Forscher auf dem Gebiete hessischer Ortsgeschichte und durfte — in bezug auf Roßdorf — aus dem von dem Pfarrer Johann Heinrich Adam Stockh a u s e n im Jahre 1762 angelegten Roßdörfer Salbuch, das von dessen Nachfolgern fortgesetzt wurde, wertvolle Hinweise für seine Tätigkeit erhalten haben.

Stockhausen erwarb sich mit diesem Buch, das eingehende Mitteilungen über das Roßdörfer Kirchen- und Schulwesen, in seiner Fortsetzung wertvolle ortsgeschichtliche und volkskundliche Forschungen enthält, eine bleibende Erinnerung in der Gemeinde.

In den Jahren 1848—1850 entstand dann die neue Kirche. Die im Jahre 1851 in ihr aufgestellte Orgel, die dritte in der Kirchengemeinde, wurde im Jahre 1915 durch eine elektrische — von Förster und Nikolaus aus Lich erbaute — ersetzt. Auch die Glocken des Gotteshauses mußten mancherlei Geschicke erleben. So zersprang die kleinste der alten Glocken im Jahre 1900 bei einem Grabgeläute. Wegen des unschönen Klangs der mittleren wurde die Anschaffung dreier neuer beschlossen, wovon die „Gemeindeglocke“ und die „Betglocke“ Opfer des 1. Weltkrieges wurden. Ein gleiches Geschick ereilte die darauffolgenden Glocken im zweiten Weltkrieg.

Das Festprogramm

Das Jubiläum wird für die Schulkinder bereits am Samstag um 16 Uhr im „Darmstädter Hof“ mit den Aufführungen des Evangelienspiel „Die Roggenfuhre“ un ddem fröhlichen Schwank „Der Vetter aus Bremen“ eröffnet. Volkstänze der Mädchenjungschar umrahmen die Nachmittagsveranstaltung. Ihr schließt sich um 20 Uhr an der gleichen Stelle ein Gemeindeabend an. Hierbei wirken der Kirchenchor, die ev. Jugend (mit Liedern und der Wiederholung des Evangelienspiels und des fröhlichen Schwanks) sowie die Jungschar mit einem Kinderreigen mit.

Neben der Ansprache des Pfarrers stehen die-Glück wünsch worte des Kirchenvorstandes, des Gemeinderats, Schulvorstands, der Heimatvertriebenen, der Landeskirchlichen Gemeinschaft und ehemaliger Pfarrer der Gemeinde. Die kath. Gemeinde, Dekanat und Kirchenleitung und die Nachbargemeinden werden sich anschließen. Lehrer Kaffenberger spricht über die Roßdörfer Kirchengeschichte. Am gleichen Abend erfolgt durch Pfarrer Lutz die Verleihung des Abzeichens der ev. Jugend.

Der Sonntag beginnt mit einem Festgeläute der Glocken um 6 Uhr, dem sich ein Choralblasen des Posaunenchors in den Straßen der Stadt anschließt. Ihm folgt um 10 Uhr der Festgottesdienst mit Beichte und Abendmahl. Hierbei hält Pfarrer Friedrich Schuster ( Dorn-Dürkheim) die Predigt, die Liturgie liegt in Händen von Pfarrer Lutz. Es wirken der Kirchenchor Roßdorf unter Leitung von Marliese Kloss, die vereinigten Posaunenchöre Roßdorf, Groß-Zimmern und Gundemhausen unter Leitung von Philipp Kaffenberger mit. An der Orgel: Organist Heinrich Kreuzer. Bei dem um 13.30 Uhr stattfindenden Kindergottesdienst teilt das hundertjährige Geburtstagskind Gaben aus und die Jungschar der Mädchen singt.

Mit einer der Höhepunkte des Festes wird die am Abend folgende Jubiläumsfeier sein, die im Zeichen des 200. Todestages Joh. Seb. Bachs steht. Mitwirkende sind der Kirchenchor, die vereinigten Posaunenchöre und der Mädchenkreis der ev. Jugend. Cello: Hermann Kaufer; 1. Geige: Johann Schunc-k; 2. Geige: Karlhorst Stark. prs.

Es drehte sich nur um zwei Minuten!

Der Zug-Zusammenstoß des „Odenwald-Lieschens“ vor Gericht Neun Monate Gefängnis für einen bisher untadeligen Zugführer

Das Bezirksschöffengerieht Michelstadt tagte am Mittwoch in Reichelsheim i. 0., wo es in elfstündiger Hauptverhandlung unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Loe sc h die Ursachen des schweren Zugzusammenstoßes am 14. Juni 1950 auf der Gersprenztal-Kleinbahn zwischen den Stationen Kirch- und Pfaffen-Beerfurth sowie Ober-Gersprenz zu untersuchen hatte.

Auf der Anklagebank saßen die vier Mann des Zugbegleitpersonals des Dampfzugs P. 139, der planmäßig um 15.05 Uhr den Endbahnhof Reichelsheim verläßt: der 51 Jahre alte Zugführer Johann Ihrig, der 38 Jahre alte Reservelokführer Karl Friedrich Gerlach, der 45 Jahre alte Heizer Adam Borger und der 36 Jahre alte Schaffner Peter Arras. Die Anklage lautet auf fahrlässige Transportgefährdung und fahrlässige Körperverletzung.

Am 14. Juni, also genau auf den Tag einen Monat nachdem durch eine Fahrplanänderung für den Personenzug P 139 und den aus Richtung Reinheim kommenden Triebwagen T 134 im Bahnhof Kirch- und Pfaffen-Beerfurth die Kreuzung auf der im übrigen eingleisigen und ohne Signalanlagen und Blockstellen versehenen Strecke angeordnet worden war, fuhr der Dampfzug, der als erster auf der Station einzutreffen hat, in Richtung Ober-Gersprenz ab, ehe der von dort kommende Triebwagen infolge einer Verspätung von angeblich zwei Minuten an der üblichen Haltemarke eingetroffen war. Zugführer Ihrig, der auf diesem Bahnhof ohne Stationsvorsteher und Fahrdienstleiter alle diese Aufsichtsfunktionen zuzüglich der manuellen Arbeiten der Personen- und Güterabfertigung für beide Züge zu erledigen hat, beachtete — was ihm noch heute unbegreiflich ist — das Fehlen des Triebwagens nicht, und gab Abfahrtssignal, das der Lokführer Gerlach ausführte, ohne daß auch ihm die nicht vollzogene Kreuzung aufgefallen wäre. Im Falle einer an sich durch Verspätung möglichen Kreuzungsverlegung muß nach der Betriebsvorschrift ein schriftlicher Befehl dafür ausgefertigt und an den Zugführer und an Lokführer ausgehändigt werden. Dies war aber nicht der Fall. Demnach hätte der Zug die Station nicht verlassen dürfen.

Kaum hatte der Zug das Sägewerk Delp passiert, wurde nach knapp zwei Minuten Fahrzeit der entgegenkommende Triebwagen in einer doppelten Rechtskurve auf ganz kurze Entfernung sichtbar. Heizer Borger warnte sofort seinen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung stehenden Lokführer, der blitzartig sämtliche Bremsen einschließlich der Schnellbremse betätigte und Gegendampf gab. Obwohl auch der Triebwagen sofort mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gebremst hatte, kam es infolge der kurzen Entfernung doch noch zu einem Zusammenstoß, wobei der Triebwagen, in dem sich zahlreiche von der Schule heimkehrende Kinder befanden schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Insgesamt gab es 24 Verletzte, darunter 6 schwere Fälle, von denen vermutlich einer dau¬ ernd geschädigt bleiben wird.

Die Hauptschuld an dem bedauerlichen Vorfall, der sich an der gleichen Stelle vor 17 Jahren schon einmal zugetragen hatte, trifft den Zugführer Ihrig, einen seit 23 Jahren bei der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft beschäftigten pflichttreuen Beamten, der seither untadelig seinen Dienst versah. Auch bei dem Unfall hat er sich vorbildlich und tapfer verhalten. Da er aber den Abfahrtsbefehl nicht hätte geben dürfen, wurde er fristlos entlassen obwohl erVatervon6 Kind er n ist.

Da in der Hauptverhandlung die Frage der Mitverantwortlichkeit des Lokführers Gerlach nicht einwandfrei geklärt werden konnte, wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt. Unter Hinzuziehung eines zweiten Sachverständigen kommt sein Fall erneut zur Verhandlung.

Der Heizer Borger hat sich pflichtgemäß verhalten. Es war deshalb aus Rechtsgründen eine Schuld an dem Unfall nicht festzustellen, weshalb er und der Schaffner Arras aus dem gleichen Grunde freigesprochen wurden.

Für den Zugführer Ihrig hatte der Staatsanwalt ein Jahr Gefängnis bean¬ tragt. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Diersch, Erbach, wies auf die für moderne Verkehrsbegriffe untragbaren Zustände der völlig veralteten Bahnanlage ohne jegliche Signalsicherung hin. Falls hier kein gründlicher Wandel geschaffen werde, könne sich ein derartiger Zwischenfall jederzeit wiederholen; dann sei man genötigt, abermals einen Schuldigen dafür zu finden. Er plädierte für die Min¬ deststrafe von 3 Monaten.

Das Gericht würdigte die Tatsache, daß es sich bei Ihrig um einen bewährten Beamten handelte, mußte ihn aber dennoch zu 9 Monaten Gefängnis und den Verfahrenskosten verurteilen, weil Eisenbahnunfälle strengere Maßstäbe verlangen und das Vertrauen der Bevölkerung in die öffentlichen Verkehrsmittel nicht erschüttert werden darf.

Wohl alle der sehr zahlreichen Anwesenden im Gerichtssaal, der infolge eines Beleuchtungsschadens durch traulichen Kerzenschimmer erhellt war, hatten menschliches Mitgefühl mit dem durch die fristlose Entlassung bereits hart gestraften Zugführer Ihrig. Allgemein wurde die Ansicht vertreten, daß eine Strafversetzung aus dem Fahrdienst ausreichend gewesen wäre. Eine Revision des Entlassungsbeschlusses wäre eine so¬ ziale Tat, deren sich die Direktion der SEG wirklich nicht zu schämen brauchte. -ch


Unsere Bilder zeigen: Der Hauptangeklagte, Zugführer Johann Ihrig, Reichelsheim, (links). Rechts daneben der freigesprochene Zugschaffner Arras, Fränkisch-Crumbach, während der Besichtigung der Unfallstelle (oben links). — „Von dort sah ich plötzlich den Personenzug kommen“, erklärte der Fahrer des Triebwagens, Heinrich L a n n e r t, Amtsgerichtsrat Loesch. Links daneben der Sachverständige, Ob.-Baurat i. R. Wilhelm Reichert, Wiesbaden (oben rechts). — Gericht auf dem Bahnkörper: v. 1. n. r.: Staatsanwalt Kipper, Darmstadt, Amtsgerichtsrat Loesch, Michelstadt, Schöffen und Gerichtsbeamte, sowie der oberste Betriebsleiter der SEG, Reg.-Baumeister a. D. Tiefenbacher, Darmstadt (rechts ohne Hut mit schwarzem Mantel) — (unten). DT-Fotos: Tehad
Unsere Bilder zeigen: Der Hauptangeklagte, Zugführer Johann Ihrig, Reichelsheim, (links). Rechts daneben der freigesprochene Zugschaffner Arras, Fränkisch-Crumbach, während der Besichtigung der Unfallstelle (oben links). — „Von dort sah ich plötzlich den Personenzug kommen“, erklärte der Fahrer des Triebwagens, Heinrich L a n n e r t, Amtsgerichtsrat Loesch. Links daneben der Sachverständige, Ob.-Baurat i. R. Wilhelm Reichert, Wiesbaden (oben rechts). — Gericht auf dem Bahnkörper: v. 1. n. r.: Staatsanwalt Kipper, Darmstadt, Amtsgerichtsrat Loesch, Michelstadt, Schöffen und Gerichtsbeamte, sowie der oberste Betriebsleiter der SEG, Reg.-Baumeister a. D. Tiefenbacher, Darmstadt (rechts ohne Hut mit schwarzem Mantel) — (unten). DT-Fotos: Tehad

Unsere Geburtstagskinder

85. Geburtstag: Herr Georg Göbel 14., Groß-Zimmern (18. 10.). 82. Geburtstag: Herr August Gröne, Mörfelden, An den Eichen u. Karl Hermann, Groß-Gerau, Fasanerie. 80. Geburtstag: Frau Lina Scheffler, Walldorf, Jahnstraße 14. 78. Geburtstag: Herr Johann Jung, Crumstadt, Fr.-Ebert-Straße 31 und Frau Anna Claus, Trebur, Hauptstr. 32. 76. Geburtstag: Herr Aug. Schr e p - fer, Ginsheim, Neckarstraße 18. 75. Geburtstag: Frau Eva Grimm, Groß-Gerau, Albr.-Dürer-Platz 3. 74. Geburtstag: Herr Peter Spieß 11, Klein-Gerau, Mainzer Straße 20. 73. Geburtstag: Fr. Margarete Schad, Goddelau, Bahnhofsallee 14 (früher Darmstadt, Kasinostraße 1). 73. Geburtstag: Herr Nikolaus Enger off, Nauheim; - Leuschner-Straße 34 und Frau Margarete Schad, Goddelau, Bahnhofsallee 14. 71. Geburtstag: Herr Peter Feutn e r , Trebur, Herrngasse 6. 70. Geburtstag: Frau Anna Po 11 an d , Trebur, Astheimer Straße 34 und’ Herr Johann Neubauer, Stockstadt, Rheinstraße. Goldene Hochzeit: Herr Georg Emmerich und Frau, Walldorf, Langstr« 41

Letzte Synode vor der Teilung

Dekanat Groß-Umstadt aufgelöst / Wahl der neuen Dekanatsvorstände Groß-Umstadt und Reinheim

Der Tagung, die gestern nachmittag im evangelischen Gemeindehaus Reinheim stattfand, ging ein Gottesdienst, den Propst R a u in der evangelischen Kirche Ueberaus hielt, voraus.

Landrat Ritzert eröffnete in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Dekanats-Synodalvorstandes die Tagung.

Auf Grund der Arbeitsüberlastung des Dekans, der auch noch ein Pfarramt zu versehen hatte, war beim letzten Zusammensein der Synode am 23. Januar der Beschluß zur Teilung in ein Dekanat Groß-Umstadt und ein neu zu erstellendes Dekanat Reinheim gefaßt worden. In den vergangenen Monaten stellte sich jedoch heraus, daß man sich über die Abgrenzung der Gemeinden nicht recht einigen konnte, ja, daß eine ganze Anzahl Gemeinden sich überhaupt nicht mit einer Teilung einverstanden erklärte.

Die sich hierauf ergebenden Schwierigkeiten hatte Propst Rau beendet, indem er entschlossen eine Teilung bestimmte, leider ohne die Wünsche, die besonders von den Gemeinden Dieburg und Groß-Zimmern, die bei dem Dekanat Groß-Umstadt bleiben wollten, berücksichtigen zu können.

Ueber diese für eine Demokratie etwas selbstherrliche Regelung zur Stellungnahme aufgefordert, gab Propst Rau die Gründe bekannt, die ihn zu dieser Handlungsweise gezwungen hatten. Man fand zu guter Letzt zueinander, da, sollte sich die Unmöglichkeit der Teilung erwiesen, man diese Maßnahme noch immer rückgängig machen könne.

Pfarrer Klundt verwies sodann auf die Schwierigkeiten, die in der Zusammensetzung des Wahlvorstandes bestünden, und die die Möglichkeiten in sich bergen, daß die Wahl des Dekanats Reinheim angefochten wird.

In herzlichen Worten verabschiedete sich der bisherige Dekan Reichert von seinen Amtsbrüdern, der die Verwaltung des Dekanats jetzt 17 Jahre lang innehatte. Er plädierte dafür, daß man auch künftighin die Arbeitsgemeinschaft für religiösen Unterricht und die Betreuung der Gehörlosen als über den Dekanatsgrenzen stehend betrachten möge. Die Jugendarbeit solle auch, bis zur Neuwahl einer geeigneten Persönlichkeit, in den bewährten Händen von Amtsbruder Wolf, Ober-Klingen, belassen werden. Dann trennten sich die Mitglieder der beiden Dekanate, um für das Dekanat Groß-Umstadt im Speisesaal der Firma Emelys, für das Dekanat Reinheim im Gemeindehaus, zur Wahl zu schreiten.

In den neuen Dekanats-Synodalvorstand des Dekanats Groß-Umstadt wurden gewählt: Vorsitzender Landgerichtspräsident a. D. Dr. Thüre, Geistliches Mitglied Pfarrer Hartmann ( Groß-Umstadt). Weltliche Mitglieder Dr. med. Lutz (Groß-Umstadt) und Studienrat Dr. Haas (Babenhausen). Stellvertreter für den Dekan Pfarrer Wick (Langstadt). Stellvertreter für das Geistliche Mitglied Pfarrer Walther (Babenhausen). Stellvertreter für die weltlichen Mitglieder Kirchenrechner G. A. Trippel (Sickenhofen) und Altbürgermeister Hi m - melheber (Nieder-Klingen). Geschäftsführer Philipp S i o r (Lengfeld).

In den Dekanats-Synodalvorstand des neugebildeten Dekanats Reinheim wurden gewählt: Vorsitzender Apotheker Bechthold (Reinheim), Stellvertreter Sparkassen-Rechner Ludw. Haas (Reinheim). Geistliches Mitglied Pfarrer Krämer (Groß-Bieberau). Stellvertreter Pfarrer Knodt (Niedernhausen). Weltliche Mitglieder Kaufmann Adam Bernius (Ueberau) und Landwirt Adam Becker (Wersau). Als Stellvertreter wurden Metzgermeister Hofmann (Brensbach) und Willi Buxmann (Groß-Bieberau) gewählt.

Jugendwoche in Pfungstadt

Der Ortsjugendausschuß Pfungstadt veranstaltet gemeinsam mit dem Kreisjugendausschuß in der Woche vom 21. bis 28. Oktober eine Jugendwerbewoche. Der Auftakt ist am kommenden Samstag mit dem Eröffnungsabend, der unter dem Gedanken „Schlagt die Brücke“ stehen wird. Der Sonntagabend ist als geselliger Abend vorgesehen. Als dritte Veranstaltung findet am Dienstag ein Diskussionsabend statt, dessen Thema „Wie stellt sich die Jugend zur Frage des Arbeitsdienstes?“ lautet. Am Mittwoch führen die Königsteiner Puppenspieler „Doktor Faust“ vor. Auch die Volksschule ist an der Programmgestaltung der Jugendwoche beteiligt und lädt für den Donnerstagabend diez Elternschaft zu einem Elternabend ein, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag von Kreisschulrat Dr. Plötz über „Schule und Jugendbewegung“ stehen wird. Der Kinderchor der Schule umrahjmt den Abend. In dem „Fröhlichen Ausklang“ am Samstag werden neben Filmvorträgen auch Darbietungen der einzelnen Jugendgruppen geboten werden. Sämtliche Veranstaltungen finden in der Turnhalle statt. Die Teilnahme ist, außer den Vorführungen der Puppenspieler, kostenlos. ler

Zehn Monate Gefängnis

Arzt vor der Strafkammer

Er wurde wegen versuchter und vollendeter Abtreibung verurteilt

Die Staatsanwaltschaft hatte einen praktischen Arzt wegen Verbrechens nach § 218 angeklagt. Acht Stunden verhandelte die Dritte Darmstädter Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hahn in dieser Strafsache und fand den 42jährigen Dr. med. Hermann P. aus Reichelsheim schließlich der vollendeten Abtreibung in einem Fall und der versuchten Abtreibung in zwei Fällen für schuldig. Er wurde zu insgesamt zehn Monaten Gefängnis verurteilt. „Es mußte auf eine erhebliche Strafe erkannt werden, damit die Aerzte sehen, daß sie ihre Existenz aufs Spiel setzen, wenn sie sich von Frauen zu ungesetzlichen Eingriffen verleiten lassen", erklärte der Vorsitzende. Die Untersuchungshaft rechnete man Dr. P. voll an. Eine, mitangeklagte Frau erhielt wegen eines Versuchs 100 DM Geldstrafe, eine zweite wurde freigesprochen.

Der Staatsanwalt fand für das Verhalten des Angeklagten scharfe Worte. Den Verdacht der Gewerbsmäßigkeit hielt er für sehr naheliegend. Er forderte sogar eine Bestrafung wegen Betrugs, weil der Angeschuldigte eine Zeugin, die von ihm „Hilfe“ erwartete, hingehalten habe und sie bezahlen ließ. Straferschwerend zitierte er die Tatsache, daß der Angeklagte als Arzt gehandelt und in der Verhandlung keinerlei Reue und Einsicht gezeigt habe. Er forderte eineinhalb Jahre Gefängnis. Der Verteidiger von Dr. P. kritisierte die Beweisführung des Anklagevertreters und erklärte, der Staatsanwalt habe aus einem Dorftratsch Indizien ziehen wollen. Er sprach ferner von „Dorftratschzeugen“ und versuchte nachzuweisen, daß sich sein Mandant nicht der Abtreibung schuldig gemacht hat. In diesem Zusammenhang griff er auch die „Pressehetze gegen den Angeklagten“ an. Der Verteidiger beantragte Freispruch.

Landgerichtsdirektor Hahn führte abschließend aus, der Angeklagte habe seine Pflicht, das keimende Leben gesund zu erhalten, grob vernachlässigt. Solange der Paragraph 218 bestehe, müsse man sich als Arzt an das Strafgesetz halten. Ein anderes Verhalten sei für jeden Arzt ein „gefährliches Spiel“. Verwerflich empfinde es das Gericht, daß Dr. P., um Geld zu verdienen, erhebliche Beträge von Leuten genommen habe, die in sozial schlechten Verhältnissen lebten.

Weil er als Versandleiter einer Firma in Lampertheim Zinkabfälle und Baumaterial sowie seinen Berufskolleginnen kleinere Geldbeträge aus den Handtaschen gestohlen hatte, verurteilte das Schöffengericht Bensheim den 26 jährigen Wilhelm G. aus Lampertheim zu neun Monaten Gefängnis. wst.

Was aǔch interessiert:

Beim Pilzesuchen wurde dieser Tage erneut eine Flüchtlingsfrau imLorcher Wald von einem Unhold unsittlich belästigt. Hilferufe der Frau zwangen ihn jedoch, die Flucht zu ergreifen. el

Von Kerbeburschen bewußtlos geschla¬ gen wurde am Nachkerb-Sonntag in B a - benhausen ein Offenbacher Volkswagenfahrer. Auch seine Frau schlugen diese Rohlinge zu Boden. Ein sofort hinzugezogener Arzt stellte einen losen Zahn und eine Gehirnerschütterung des Mißhandelten fest. NB

Für Nerven- und Gemütskranke richtete ab sofort die vertrauensärztliche Dienststelle der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Bensheim, Beratungsstunden an jedem 3. Dienstag im Monat, in der Zeit von 14 bis 16 Uhr, ein. Die erste Beratung hat bereits am Dienstag den 17. Oktober, stattgefunden. HB

Englischen Unterricht erteilt Lehrer Rudolf Schmidt aus Einhausen seinen Schülern auf freiwilliger Basis außerhalb der planmäßigen Unterrichtszeit. el

Reger Ferkelverkauf

Zum Ferkelmarkt am 18. Oktober waren in Groß-Gerau 241 Stück Ferkel aufgetrieben. Es kosteten 4 bis 5 Wochen alte Ferkel 35,— bis 40,— DM, 5 bis 6 Wochen alte 40,— bis 45,— DM, 6 bis 7 Wochen alte 50,— bis 55,— DM. 7 Wochen alte und ältere waren ab 55,— DM zu haben. Die Qualität war gut, der Verkauf sehr rege. Alle Ferkel wurden abgesetzt. Nächster Markt am Donnerstag, dem 2. November, auf dem Marktplatz, eng.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Die katholische Kirchengemeinde hielt am Mittwochabend im Gasthaus „Zur Krone“ einen Hausfrauenabend ab. Interessante Vorträge über allgemeine Hausfrauenfragen und Vorführungen der neuesten Erzeugnisse deutscher Markenfirmen boten den Hausfrauen viel Anregungen. ler

Jugenheim. Am Samstag wird im Rahmen des Evangelischen Dekanatsjugendtages Direktor Dr. Trost vom Pädagogischen Institut über das Thema „Die Bedeutung . der christlichen Jugendarbeit“ sprechen. hl

Bickenbach. Kriminalrat i. R. Weidmann spricht heute abend um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Rose“ in einer vom Ortsverein der SPD einberufenen Frauenversammlung zu den Themen: „Warum steigen die Lebensmittelpreise“ und „Gibt es wieder Krieg“. hl

DIEBURG

Groß-Bieberau. Das Erwachsenenbildungswerk des Landkreises Dieburg plant im Winterhalbjahr einige Vorträge in der Gemeinde abzuhalten. GD

Groß-Bieberau. Die hessische Vermögensverwaltung hat der Gemeindevertretung die Pachtung des Schwimmbades Lichtenberg nahegelegt. Der Pachtpreis soll jährlich 450 DM betragen. GD

BERGSTRASSE

Lorsch. Der bekannte Theaterverein „Dramatia“ wird demnächst die Operette „Dr. Hofmeister“, die von Herrn Rau aus der hiesigen Gemeinde vertont wurde, zur Aufführung bringen, el

Neckarsteinach. Professor Dr. Otto Bartning wurde auf der 31. Bundestagung in Bad Dürkheim zum Präsidenten des Bundes Deutscher Architekten gewählt. se Gorxheim. Der Ortsverband der Kriegsbeschädigten und Sozialrentner verlieh für langjährige Mitgliedschaft Ehrenurkunden an Adam Schmitt XI und XIII, Ludwig Kohl, Heinich Gauer, Leonhard Heckmann, Philipp Schmitt, Franz Schmitt, Franz Fischer, Nikolaus Boch, Barbara Metz, Margarete Heckmann und Maria Schmitt. -r

GROSS-GERAU-

Groß-Gerau. Die Bundesstraße 26 (Darmstadt—Groß-Gerau) ist wegen Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Groß-Gerau—Dornberg für den Durchgangsverkehr aller Art vom 19. Oktober bis 23. November zeitweilig gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Griesheim. Wolfskehlen. Dornheim. od

Groß-Gerau. Der Landrat als Gemeindeaufsichtsbehörde hat die Haushaltssatzung der Kreisstadt für das Rechnungsjahr 1950/51 genehmigt. eng

Erfelden. In die Haftanstalt Darmstadt wurde ein Einwohner gebracht, weil er im Verdacht steht, in der Umgebung des Ortes sich durch unsittliches Verhalten strafbar gemacht zu haben. eng

Mörfelden. In mehreren Gehöften wurde die Schweinerotlaufseuche festgestellt. Entsprechende Schutzmaßnahmen sind durch Reg. Vet.-Rat Dr. Schmidt bereits angeordnet. -au-

Wolfskehlen. Handwerker sind z. Z. dabei, auf dem Rathaus-Dach eine Feueralarmsirene zu setzen. Die Sirene wird äm nächsten Sonntag zum ersten Male in Betrieb gesetzt. -od-

Crumstadt. Der Landwirt Gengnagel fand auf seinem Acker einen Luftballon mit der Aufschrift „Europa 1950“. Einer anhängenden Karte zufolge wurde der Ballon in Heerlen (Holland) vom Bürgermeister dieser Stadt anläßlich einer OEEC Wanderausstellung aufgelassen. Die Karte enthielt außerdem eine herzliche Grußadresse. kr

Die Fußball-Amateure am Wochenende Voller Spielbetrieb in allen Klassen

Bezirksklasse

Gäste werden Punkte liefern

Tabellenführer Lorsch spielfrei

in der Fußball-Bezirksklasse Darmstadt Gruppe 1 gibt es für Sonntag eiAe bombensichere Voraussage: Olympia Lorsch bleibt ungeschlagener Tabellenführer. Sie hat bei 12:0 Punkten Spielpause, und selbst der wahrscheinliche Sieg der Bürstädter in Biblis bringt jenen höchsten den 8. und 9. Punkt. Bobstadt muß und wird diesmal aber alle Register ziehen, denn einmal will sein Gast Groß-Gerau Fühlung nach oben behalten, zum anderen möchte die Platzelf fersendicht zum Spitzenreiter aufschließen. Der VfR Langen dürfte zu Hause gegen Pfungstadt seinen dritten Platz — wenn auch mit Mühe — behaupten. Bürstadt muß unter Umständen gegen die Heppenheimer Haare lassen — und sei es auch nur „eines“ —, es darf jedenfalls dem Platzvorteil allein nicht allzuviel vertrauen. Ober-Ramstadt versagte am Sonntag in Pfungstadt und wird diese Scharte gegen Hofheim auswetzen wollen. Roßdorfs Spiel zu Hause gegen Groß-Rohrheim müßte ein klarer Sieg werden, Viktoria Urberach gegen Biblis immerhin remis spielen. In Eberstadt tritt mit Bensheim eine Mannschaft an. die gleich den Vorstädtern bis ietzt nur 4:8

Punkte ergattern konnte. Es spielen: Roßdorf — Groß-Rohrheim. Eberstadt — Bensheim, Langen — Pfungstadt, Bürstadt — Heppenheim, Vikt. Urberach Biblis, Bobstadt Groß-Gerau, Ober-Ramstadt Hofheim, Lorsch spielfrei.

Der Letzte empfängt den Ersten

Mörfelden wieder auf dem zweiten Platz?

In der Gruppe 2 darf man Bischofsheim in Trebur ohne weiteres als Sieger erwarten, ebenso Rot-Weiß Walldorf in Messel. Mörfelden dagegen steht vor schweren 90 Minuten, denn sein Heimspiel gegen Erbach paart zwei Mannschaften, die beide nicht allzuweit vom Platz an der Sonne entfernt sind und weiter Höhenluft atmen möchten. Der SV Münster, der Nauheim als Gegner hat, ist vor heimischem Publikum ein äußerst gefährlicher Partner, so daß er vor dem Ein-Punkt-Vorsprung seines Gastes nicht zu viel Respekt haben wird. In Dieburg, dessen Spiel am letzten Sonntag in Urberach gegen die KSV unter Protest steht, stehen zwei alte Bekannte zwischen den Toren, und deshalb wird es Germania Ober-Roden besonders schwer haben, beide Punkte einzupacken. Das Treffen Wixhausen gegen Egelsbach hat lediglich den Reiz des Derbys, für die Gestaltung der Tabelle ist es ohne Bedeutung. Michelstadt empfängt mit Eppertshausen eine Elf. der es gewachsen sein müßte.

Es spielen: Wixhausen — Egelsbach, Dieburg — Ober-Roden, Trebur — Bischofsheim, Messel—RW Walldorf, Michelstadt —Eppertshausen, Mörfelden — Erbach. Münster — Nauheim, Urberach spielfrei, RG

Die Punktejagd in den Kreisklassen

Kreisklasse Darmstadt

Der vergangene Sonntag brachte völlig unerwartete Ergebnisse und eine veränderte Reihenfolge in der Spitzengruppe. Schon aus diesem Grund darf man auf die Spiele der 7. Sonntags-Begegnung gespannt sein. Am Sonntag spielen: Bickenbach Gräfenhausen, SSG Langen—TSG 46 Darmstat, Hähnlein gegen Seeheill (10 Uhr), Weiterstadt —Erzhausen, TuS Griesheim—Alsbach, Nieder-R amst a d t—H ahn.

Bickenbach muß sich mächtig anstrengen, denn Gräfenhausen wird versuchen, auch weiterhin ungeschlagen zu bleiben. Trotzdem dürften die Platzherren ein kleines Plus haben. Die SSG Langen, die einen wunderbaren Fußball in Nieder-Ramstadt gezeigt hat, wird es ihrem Gegner vom Woog schwer machen, beide Punkte mit nach Darmstadt zu nehmen. Vielleicht gi'bts ein Unentschieden. Hähnlein empfängt Seeheim schon am Sonntagmorgen und wird alles daransetzen, nachmittags einen Sieg feiern zu können. Auch hier ist der Ausgang völlig offen. Erzhausen hat beim Lokalderby in Weiterstadt wenig Chancen. Wenn es allerdings so spielt, wie in der zweiten Halbzeit in Hähnlein, müßten sich die Einheimischen schon anstrengen, Punkte zu holen. Ob es der TuS Griesheim am Sonntag endlich gelingt, die ersten Punkte gegen Alsbach zu verbuchen, wäre wünschenswert. Die wackeren Hahner fahren nach Nieder-Ramstadt und werden auch dort versuchen, zu einem weiteren Erfolg zu kommen. Die Einheimischen dürfen jedenfalls nicht wieder so gleichgültig spielen wie am- letzten Sonntag.

In der B-Klasse machen wir die beteiligten Vereine nochmals auf die neue Terminliste aufmerksam. Am Sonntag kommen folgende Paarungen zustande: Union Darmstadt—Vfß Langen, Jugenheim—Brandau, Eschollbrücken—Traisa, Ober-Beerbach gegen Nieder-Beerbach, SV 98 II Darmstadt —Rohrbach, SC Griesheim spielfrei.

Union Darmstadt sollte dem derzeitigen Stand entsprechend zu einem Sieg gelangen. Ebenfalls dürfte es bei normalen Dingen Jugenheim nicht schwer fallen, beide Punkte gegen Brandau behalten zu können. Auch Eschollbrücken hat keine allzu große Aufgabe, Traisa zu besiegen. Wie dagegen das Rennen in Ober-Beerbach ausgeht, bleibt abzuwarten. Rohrbach wird sicherlich als Unterlegener aus dem Spiel gegen SV II hervorgehen. nd.

Kreisklasse Dieburg

In der A-Klasse des Kreises Dieburg schwebt der Tabellenführer Nieder-Roden am Sonntag in großer Gefahr, denn er steht sozusagen vor zwei wichtigen Spielen: er selbst reist an den Otzberg, wo ihn Lengfeld erwartet. Dort muß er mit ganzer Kraft ins Rennen gehen, wenn ihm nicht der scharfe Konkurrent Ueberau gleichkommen oder ihn womöglich überholen soll. Die Ueberauer werden sich nicht ausgerechnet vom Schlußlicht — und dazu noch zuhause — schlagen lassen. Offenthai wird in Dreieichenhain zumindest so kräftig auf trumpfen, daß der Anschluß nach oben nicht verloren geht. Reinheim besucht Mosbach, dessen Tiefstand (3:7 Punkte) aber nicht zum Leichtsinn verleiten darf, denn es liegt zwei Spiele im Rückstand und ist nach seinem 7:2-Sieg über Dreieichenhain durchaus zu Hoffnungen aufs Mittelfeld berechtigt. Der andere „Offenbacher“, Götzenhain, empfängt Groß-Zimmern, dessen Torquote von nur 7:5 nach sieben Spielen keine unbedingte Beweiskraft für den Tordrang seiner Fünferreihe besitzt. Groß-Umstadt wird sein Heimspiel gegen Spachbrücken als willkommene Gelegenheit benutzen, die vorsonntägliche Niederlage beim Tabellenführer wieder gutzumachen. Die TG Ober-Roden muß in Klein-Zimmern schon eine merklich bessere Partie liefern als neulich gegen Kleestadt, wenn sie nicht ins Gleiten kommen will.

Es spielen: Mosbach — Reinheim, Groß-Ums tad t—Sp a chb rücken, Lengfei d—N ie de r-Roden, Götzenhain—Groß-Zimmem, Ueberau gegen Kleestadt, Klein-Zimmern — Ober-Roden, Dreieichenhain—Offenthai. In der B-Klasse Gruppe 1 kann lediglich Georgenhausen mit einiger Ruhe dem Sonntag entgegensehen, wenn es auch auswärts — in Fränkisch-Crumbach — anzutreten hat. In der Gruppe 2 steht Münster in den gleichen Schuhen beim Treffen in Schaafheim. Alle übrigen Mannschaften spielten seither so unbeständig, daß eine Voraussage auch nur andeutungsweise schwer ist.

Es spielen: In Gruppe 1 Groß-Bieberau gegen Niedernhausen, Fränkisch-Crumbach gegen Georgenhausen, Ober/Nieder-Klingen gegen Hassia 11, Hering—Wersau; in Gruppe 2 Raibach —TV Groß-Umstadt, Schaafheim — Münster, Heubach — Wiebelsbach. RG

Kreisklasse Bergstraße

In der Kreisklasse Bergstraße stehen diesmal alle zwölf Mannschaften im Kampf:

Auerbach — Affolterbach, Lampertheim gegen Mörlenbach, Fehlheim—'Reichenbach, Weiher—Einhausen, Lindenfels —Waldmichelbach, Aschbach—FC Fürth.

Affolterbach sollte gegen Auerbach zu einem oder beiden Zählern kommen, wenn die Aktiven wieder genesen sind. Lampertheim hat sich als recht spielstark erwiesen, so daß Mörlenbach noch lange nicht gewonnen hat. Fehlheim dürfte wohl vergebens auf einen Erfolg gegen Tabellenführer Reichenbach hoffen. Die Lautertaler schießen zu scharf und zu genau, als daß erwartet werden könnte, sie im Ried unterliegen zu sehen. Weiher hat zu Hause alle Chancen, zu weiteren Punkten zu kommen, denn Einhausens Spielstärke hat derzeit einen erheblichen Tiefpunkt erreicht. Wenn Lindenfels die Deckung stark genug macht und im Sturm etwas Angriffsfreude zeigt, sollte es gegen die Waldmichelbacher zu einem Siege der Luftkurortler reichen. Zäh und ausgeglichen dürfte es in Aschbach zugehen. Die Gäste sind stark genug, ebenso zu siegen wie die Platzherren. Der Ausgang ist völlig offen und hängt von der Tagesform ab.

In der B-Klasse, Gruppe Ried spielen: Hüttenfeld—Hambach, SV Bensheim —Schönberg, Elmshausen—Nordheim, Riedrode gegen Zwingenberg, RW Heppenheim gegen Gadernheim.

Die ersten drei Treffen scheinen klare Angelegenheiten für die reisenden Mannschaften zu sein, die beiden letzten Auseinandersetzungen dürften wohl zugunsten der Platzherren enden.

In der Gruppe Odenwald stehen am kommenden Sonntag alle zehn Mannschaften im Kampf. Die Paarung brachte es mit sich, daß fast überall die Gäste als Sieger zu erwarten sein dürften.

Es treten an: Hammelbach—Rimbach, Mitlechtern—Unter-Schönmattenwag, Reichelsheim—SV Fürth, Unter-Absteinach —Wahlen, Zotzenbach—Ober-Absteinach.

Kreisklasse Groß-Gerau

Die Fußball-A-Klasse des Kreises Groß-Gerau wartet auch am 7. Spielsonntag mit eigenen ' interessanten Begegnungen auf. Man ist gespannt, ob sich auch an diesem Sonntag die Spitzenreiter Gernsheim und Ginsheim weiter durchsetzen. Es spielen: Walldorf—-Biebesheim, Dornheim —Gernsheim. Klein-Gerau — Wolfskehlen, Gustavsburg — Raunheim 07. Büttelborn — Astheim, Ginsheim — Stockstadt.

Nach der am Vorsonntag in Gustavsburg erlitten Schlappe wird Walldorf alles versuchen, um zu einem doppelten Punktgewinn zu kommen. Biebesheim wird daher keine Möglichkeit offen bleiben, seinen Tabellenplatz zu seinen Gunsten zu verbessern. Der Tabellenerste Gernsheim trifft auf dem berüchtigten Wald-Sandplatz in Dornheim auf den Tabellenletzten. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn Gernsheim seine Position nicht durch einen einwandfreien Sieg verbessern könnte. In Klein-Gerau wird es wohl zu einer spannenden Auseinandersetzung kommen. Obwohl Klein-Gerau durch den Platzvorteil begünstigt ist, sollte man doch Wolfskehlen auf Grund seiner am letzten Sonntag gezeigten Leistung die größeren Gewinnchancen geben. Für Gustavsburg. sowohl auch für Raunheim 07 gilt es Punkte zu sammeln, um endlich vom Tabellenende wegzukommen. Es wird hier ein harter Kampf geben, den die zur Zeit langsam aufkommenden Gustavsburger für sich entscheiden dürften. Büttelborn hat am Sonntag die nicht zu unterschätzenden Astheimer zu Gast. Beide Mannschaften nehmen mit je 7:5 Punkten einen guten Mittelplatz in der Tabelle ein. Ein Unentschieden ist das Naheliegende.

In der B-Klasse spielen: Königstädten — Opel Rüsselsheim Ib. Geinsheim — Goddelau, SSV Raunheim — Worfelden. Erfelden — TSV Rüsselsheim, Leeheim — Bischofsheim Ib. Wallerstädten spielfrei.

Bereits am Sonntagvormittag treffen die Königstädter zu Hause auf die Ib-Mannschaft von Opel Rüsselsheim. Königstädten wird sich mächtig anstrengen müssen, um zu einem evtl Punktgewinn zu kommen. In den Treffen Geinsheim Goddelau und SSV Raunheim Worfelden werden sicherlich die Platzbesitzer als Sieger hervorgehen. Der TSV Rüsselsheim fährt am Sonntag an den Altrhein nach Erfelden. Papiergemäß müßten die Opelstädter die Oberhand behalten. In Leeheim stellt sich die Bischofsheimer Ib vor Leeheim wird alle Register seines Könnens ziehen müssen, um zu Sieg und Punkten zu kommen. -od-

Am kommenden Samstag. 20 Uhr, findet im Saale „Zur Burg Breuberg“ in Höchst ein Boxvergleichskampf zwischen der starken Hanauer Boxstaffel „Grün-Weiß“ und der Staffel des TSV Höchst statt. (Le.)

Am Sonntag spielt der SV Germania 1912 Babenhausen gegen den Nachbarverein SV Dudenhofen auf eigenem Platz. Mit einem ausgeglichenen Spiel, bei dem die Tagesform entscheidend ist, kann gerechnet werden. -NB-

Sport in Kürze

Nach Berlin zuriickkehren will der 400- m-Läufer Gerd Audorf, der in diesem Jahr mit 47,6 Sekunden sich in der Europaranglist" placieren konnte.

Heinz Hauser, der Deutsche Meister im 18-km-Langlauf ist von Altenau nach Reit im Winkel übergesiedelt und wird die bayrische Skiläufergarde wesentlich verstärken.

Günther Meergans will sich nicht mehr an Meisterschaftsläufen beteiligen, da sein Beruf dem vierfachen Deutschen Skimeister nicht mehr die genügende Zeit zum Training läßt.

Der 1. FC Saarbrücken und Vfß Neunkirchen sind von ihrem Vorhaben, wegen den zahlreichen Verletzungen in beiden Mannschaften die nächsten Spiele um den Saarland-Pokal mit einer Kombination zu bestreiten, wieder abgekommen, da die Anhänger beider Vereine stürmisch protestierten.

Nach einem Beschluß des französischen Fußballverbandes können künftig deutsche Fußballspieler in Frankreich spielen, d. h. also in französischen Mannschaften, jedoch nicht: deutsche Mannschaften gegen französische Mannschaften.

* Der HSV wird am Sonntag wahrscheinlich ohne Posipal gegen Eimsbüttel spielen müssen, da er wegen einer Verletzung in Göttingen (T .tt in den Unterleib) das Bett hüten muß.

* Für die beiden Repräsentativspiele gegen Südwest- (11. November in Ludwigshafen) und Westdeutschland (12. November in Frankfurt) hat der SFV-Spielausschuß noch folgende acht Spieler neben den bereits bekannten 23 Spielern in die engere Wahl gezogen: Henig (Eintracht Frankfurt) und Skudlarek (SV Waldhof) als Torhüter; Miersberger (1. FC Nürnberg) und Trenkel (Vfß Mühlburg) als Verteidiger; Schreiner (Kickers Offenbach) und Schwarz als Läufer; Herrmann (beide FSV Frankfurt) und Schieth (Eintracht Frankfurt) als Stürmer.

Handballer suchen ihren Hallenmeister

SV 98 Darmstadt vertritt Kreis Darmstadt auf der Langener Rollschuhbahn

Die Handballer des SV 98 werden auch am kommenden Wochenende nicht in der Verbandsrunde mitspielen, sondern am Hallenhandball-Turnier in Langen teilnehmen. Wie im vergangenen Jahre, wird auch in dieser Saison eine deutsche Hallenhandball-Meisterschaft ausgetragen. Zu Anbeginn der Runde spielten die Vereine zunächst den Kreismeister aus, der an den Bezirksmeisterschaften teilnimmt. Die Bezirksmeister treffen sich voraussichtlich Anfang Januar in Frankfurt zur Austragung der Hessischen Meisterschaft. Die Meister der Länder ermitteln dann den Deutschen Hallenhandballmeister.

Infolge Terminschwierigkeiten konnte im Kreis Darmstadt die Austragung des Kreismeisters nicht erfolgen. Aus diesem Grunde wurde die in vielen Hallenhandball-Turnieren bewährte Mannschaft des SV 98 mit der Vertretung des Kreises Darmstadt beauftragt. Die Lilienträger treffen am Sonntag in Langen auf die Kreismeister der Bergstraße (Nieder-Liebersbach), von Dieburg (Groß-Bieberau) und des Kreises Erbach (Erbach). Der Kreis Groß-Gerau stellt keinen Teilnehmer. Die Spiele werden im Punktsystem, jeder gegen jeden, ausgetragen. Jedes Spiel dauert zweimal zehn Minuten.

Nach dem letzten Training der SV-Handballer, das in Vorbereitung für das Langener Tutnier auf der Rollschuhbahn hinter dem Orpheum stattfand, wurden die Spieler ausgewählt. Man stützte sich dabei in der Hauptsache auf die bewährte Vertretung der 98er, die im Vorjahre in Berlin schöne Erfolge erringen konnte, und hat folgende Mannschaft nominiert: Lehning, Glock, Peters, Fischer, Spieker, Mark, Schäfer, Reinhardt, Dr. Barth und Lutz. Der Kreis Darmstadt darf zu dieser Mannschaft ohne weiteres Vertrauen haben. Wenn auch die 98er in der letzten Zeit durch die Hereinnahme junger Nachwuchsspieler im Feldspiel noch nicht ganz ihre alte Form wiedergefunden haben, so werden sie doch bestrebt sein, sich ihrer alten Hallenhandball-Tradition und ihres guten Rufes würdig zu erweisen.

Abfahrt der Mannschaft: Sonntag, 12.45 Uhr, ab Luisenplatz mit Omnibus der Bundesbahn.

Gruppenliga 4

Nachdem die Gruppenliga 4 nur mit kleinem Programm aufgewartet hatte, geht es nun am nächsten Sonntag mit Volldampf in die weitere Runde. Drei der vier rheinhessischen Mannschaften werden dabei als Gäste in Südhessen erwartet. Am kommenden Sonntag stehen sich gegenüber: SKG Bauschheim—SSC Alzey, TSG 46 Darmstadt—SG Wörrstadt. TSV Pfungstadt—VfL Herrnsheim, SG Bretzenheim—TG Rüsselsheim, SV Kostheim—TSV Braunshardt.

Die SKG Bauschheim empfängt den SSC Alzey zum fälligen Punktspiel. Der Gastgeber hat seit Beginn der Verbandsrunde an Spielstärke eingebüßt. Trotzdem wird es den Alzeyer Gästen wohl kaum gelingen, die Punkte aus Bauschheim zu entführen. Die in den letzten Spielen stark aufgekommenen Woogsleute werden es gegeij den Gast aus Rheinhessen nicht allzu schwer haben, um zu einem doppelten Punktgewinn zu kommen.

Herrnsheim ist bis jetzt als einzige Mannschaft noch vollkommen ohne Verlustpunkte. Unserer Meinung nach wurden aber die Siege glücklich und gegen spielschwache Gegner errungen. Pfungstadt wird den Nimbus der Unbesiegbarkeit der Gäste anzugreifen versuchen. Der Spielstärke der beiden Mannschaften entsprechend müßte das Wagnis gelingen.

Rüsselsheim und Braunshardt haben in Bretzenheim bzw. Kostheim die Absicht, ihre Spitzenorganisationen durch Siege zu festigen. Während im ersten Fall der Sieg der Gäste kaum in Frage steht, muß sich Braunshardt an der Mainspitze schon anstrengen, um beide Punkte zu holen, da die Mannschaft durch den Ausfall ihres ausgezeichneten Torhüters geschwächt ist. -th-

Bezirksklasse Darmstadt-Odenwald pausiert

Wegen der Bezirks-Hallenhandballmeisterschaft fallen die Spiele der Bezirksklasse Darmstadt-Odenwald aus und werden am 12. November 1950 nachgeholt.- An der Hallenmeisterschaft nehmen alle Kreishallenhandballmeister des Bezirks Darmstadt-Odenwald teil.

Bei der Jugend werden TSV Darmstadt (Kreis Darmstadt), Michelstadt (Kreis Erbach), Bonsweiler (Kreis Bergstraße) und Groß-Bieberau (Kreis Dieburg) um den Meistertitel im Hallenhandball kämpfen. Favorit ist dabei die Jugend des TSV Darmstadt.

Vom letzten Sonntag ist noch zu berichtigen, daß das PunJktespiel Eppertshausen gegen Urberach nicht 13:13 endete, sondern auf Grund von Bescheinigungen beider Mannschaften mit dem Ergebnis 12:14 zu werten ist.

Im Bezirk Ried spielen: Crumstadt— Wies - Oppenheim, Westhofen — Erfelden, Pfiffligheim—Bürstadt, Mörstadt—Offstein. Heppenheim und Pfeddersheim sind spielfrei.

Der noch ungeschlagene Tabellenführer Crumstadt wird auch am kommenden Sonntag zu zwei weiteren Pluspunkten kommen und sein Torverhältnis gegen den Tabellenvorletzten erheblich verbessern. In Westhofen findet ein spannendes Spiel zweier Anwärter auf den zweiten Tabellenplatz statt. Westhofen wird beweisen müssen, daß die derzeit gute Position berechtigt ist. Der Platzvorteil könnte entscheidend sein. In Pfiffligheim wird der Gast aus Bürstadt schwer kämpfen müssen, um Punkte zu erlangen. Auch hier gibt vielleicht der Platzvorteil den Ausschlag. In Mörstadt dürfen die Einheimischen die Elf aus Offstein nicht unterschätzen, wenn beide Punkte in Mörstadt bleiben sollen. -ei-

Ringer starten Rückrunde

SV 98 in Eckenheim / Lokalkampf in Darmstadt

In den Meisterschäftskämpfen der hessischen Ringer-Ober- und Landesliga beginnt am Wochenende die Rückrunde. Die Paarungen lauten:

Oberliga :

SG Eckenheim — SV Darmstadt 98 ASV 86 Frankf. — Vorw. Groß-Zimmern Germania Dettingen — Eiche Hanau Germania Hösbach frei

Die Lilienträger, die nach Abschluß der Vorrunde am Tabellenende hängen und nur noch wenig Aussicht auf Verbleib in der obersten Klasse haben, müssen am Samstagabend zum deutschen Vizemeister, der SG Eckenheim, die — nach den letzten Kämpfen zu urteilen — wieder ihre alte Form gefunden hat Aussicht auf Punktgewinn dürfte bei den größten Optimisten nicht bestehen. Die Lilienträger müssen sehen, daß sie wenigstens in den kommenden Heimkämpfen noch Punkte holen können. Ob sie allerdings ausreichen? In Frankfurt stehen sich im ASV 86 und Groß-Zimmern zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber, die sich im Vorkampf unentschieden trennten. In Dettingen dürfte für die ersatzgeschwächten Hanauer nichts zu holen sein.

Landesliga:

Darmstadt 1910 —SG Arheilgen Kostheim — Wiesbaden Sprendlingen — Neu-Isenburg Ober-Ramstadt frei

Der Schlager der hessischen Landesliga ist der Lokalkampf zwischen Darmstadt 1910 und der SG Arheilgen. Beide Mannschaften kennen sich nur zu gut. Der Vorkampf brachte den 1910ern einen glücklichen Sieg, Arheilgen verlor zwei Punkte auf der Waage. Wie stehen nun die Aussichten? Die Gastgeber, die trotz der Punkteteilung am Sonntag noch die Tabelle anführen, müssen diesen Kampf unbedingt gewinnen, wenn sie bei der Vergebung dieses Platzes ein Wort mitreden wollen. Die Gäste haben in den letzten Kämpfen ihre Mannschaft wesentlich verstärken können. Es bleibt abzuwarten, wie beide Vereine ihre Staffel nominieren, es ist möglich, daß Darmstadt 1910 Ditter in das Fliegengewicht stellt. Alle Ringsportfreunde werden sich diesen mit Spannung erwarteten Kampf nicht entgehen lassen wollen. Der Kampf findet am Samstagabend. 20.30 Uhr, in der Diesterwegschule statt. In Wiesbaden kommt es ebenfalls zu einem Lokalkampf zwischen den Mannschaften der Athletia und Kostheim, den die Gäste aber sicher zu ihren Gunsten entscheiden sollten. Harte und spannende Kämpfe wird es auch in Sprendlingen geben. Beide Mannschaften stehen aussichtsreich und haben erst einen Kampf verloren. Die Mannschaft des KSV Neu-Isenburg, die ausgerechnet auf eigener Matte gegen Sprendlingen verlor, brennt auf Revanche und wird versuchen, heute zu den begehrten Punkten zu kommen. -eri-

Tischtennis

SV. 98 vor einer schweren Aufgabe

Eintracht Frankfurt zu Gast / Die Damen in Bad Homburg

Nach dem überlegenen Sieg gegen die schwache Mannschaft der SG Höchst empfangen nun am Wochenende die 98er die Eintracht Frankfurt, eine Mannschaft, die mit den besten Tischtennis in Hessen spielt und neben Wiesbaden die größten Könner hat. In den letzten zwei Jahren hat die Eintracht in Darmstadt zwar nicht mehr gewinnen können, die Spielstarke hat sich aber eindeutig zugunsten der Gäste verschoben. Wer technisch schöne Spiele sehen will, wird am Sonntagvormittag, 9 Uhr, in der Eleonorenschule auf seine Kosten kommen. Die Eintrachtmannschaft verfügt über Klassespieler. So hat sie in Ltn. Ellis am ersten Brett einen Spieler von Format, der die Vielzahl der letzten Turniere gewinnen konnte. Von Wiesbaden kommend, ist der Süddeutsche Meister Scheer zu ihnen gestoßen. Außerdem verstärken die Reihen die beiden Weiß-Blau-Spieler Dörflern und Groh, wobei ersterer gemeinsam mit Stöcklein und Schittenhehn in der hessischen Rangliste stehen. Die Mannschaft des SV 98 tritt voraussichtlich in folgender Aufstellung an: Hardt, Hartmann, Kappes, Römer, Lutz und Wittmann. In den restlichen Begegnungen der obersten Spielklasse (Herren) sind die Gäste durchweg Favoriten, wenn man von dem Spiel TTC Biblis—SG Klein-Krotzenburg absieht, das die Gastgeber zu ihren Gunsten entscheiden sollten. Auch an diesem Wochenende wird sich in der Spitzengruppe nichts verschieben. Die Mannschaft des SV Wiesbaden ist spielfrei und Flörsheim wird in Frankfurt bei Weiß-Blau sicher zum Siege kommen. Das Spiel Höchst—Friedberg ist offen. Die Gastgeber müssen, wollen sie nicht dem Abstieg verfallen, dieses Spiel gewinnen.

Die Lilienträgerinnen werden am Sonntag ihren Nimbus in Bad-Homburg wahren können. Die Mannschaft der Gastgeber darf jedoch nicht unterschätzt werden, sie haben einige gute Spielerinnen in der Mannschaft, die den Darmstädterinnen Holzapfel, Nungesser, Römer, Guyot, Nangot und Pommer das iSegen nicht leichtmachen werden. Trotz allem wird sich auch hier in der Tabelle nichts verschieben.

Die Kreisklasse I der Damen und Herren beendet am Wochenende die Vorrunde. Im einzelnen spielen: Herren: TSG 46 Darmstadt—SSG Langen, TGB 65 Darmstadt— SKG Eberstadt, SV 98 lII—SG Wixhausen 11, SKG Ernsthofen—SG Egelsbach, SV Erzhausen—SKG Bickenbach, TSV Nieder-Ramstadt—TSV Nieder-Ramstadt 11. Damen: TSV Pfungstadt—SKG Bickenbach, SKG Eberstadt—SG Arheilgen, SSG Langen—SG Egelsbach, SV 98 II—SG Wixhausen.

Bei den Damen wird es dabei zu einer interessanten Begegnung kommen. In Pfungstadt trifft der Tabellenführer, die ungeschlagene Mannschaft der SKG Bickenbach, auf die einheimischen Mädel, die durchaus eine Chance besitzen. Ku.

Wieder VDS

Im Frankfurter Bootshaus „Germania“ wurde am Mittwoch von rund 170 Delegierten aus fast 20 lokalen und regionalen Sportjoumalisten-Vereinigungen die Gründung des Verbandes Deutsche Sportpresse vollzogen. ,

Präsident des VDS wurde Eugen Wagener (Berlin). Weitere Vorstandsmitglieder sind: Detmar Wette (Düsseldorf) als zweiter Vorsitzender, Franz Miller (München) als Schatzmeister, Joe Froesch (Frankfurt) als Geschäftsführer und Georg Meurer (Hamburg) als Beisitzer.

Kurz — aber interessant

Der Hamburger SV hat gegen die Vorfälle beim Spiel gegen 05 (0:2) Protest eingelegt. Wie Carl Compart, der erste Vorsitzende des HSV hierzu erklärt, ist der Hauptzweck dieses Einspruches nicht die Neuansetzung des Punktekampfes, sondern eine Klarstellung der Vorfälle (schwache Schiedsrichterleistung und übertriebene Härte der Göttinger).

Der Fußballclub Vienna Wien ist vom Vorstand der österreichischen Staatsliga zu einer Geldstrafe von 7000 Schilling verurteilt worden. Der Verein hatte während seiner Deutschlandtournee vor einigen Monaten zwei Spieler des Floridsdorfer Athletikclubs unter falschem Namen in seiner Mannschaft spielen lassen, in dieser Summe ist auch die Strafe für ein vom Oesterreichischen Fußballbund nicht genehmigtes Spiel in Ohligs enthalten.

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