Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt V?H^En=KTEPR: ERICH DOMBROWSKI. D a r m s?lr^n.Städter Tagblatt L. C. Wittich, Ersehet nd^*Kß^eJnStraße 23' Telefon 3925- erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 95 deffiföe JJeueffe Tla^ri^fen Donnerstag, 19. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt. Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Südkoreanische Truppen in Pyöngyang eingedrungen

Tokio, 18. Oktober. (AP./dpa) Südkoreanische Truppen sind am Dienstag in die nordkoreanische Hauptstadt Pyöngyang eingedrungen. Der Sender Pusan meldete um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit, daß die erste südkoreanische Division den Flugplatz von Pyöngyang erobert, den Taegong-Fluß überschritten und den Zugang zur Stadt erzwungen habe. Militärische Kreise in Tokio rechnen mit dem stündlichen Fall der Hauptstadt.

Die erste südkoreanische Division, die sich schon bei den Kämpfen um den Brükkenkopf Pusan mehrfach auszeichnete, hat damit in einem vorbildlichen Siegeszug innerhalb von acht Tagen 150 Kilometer kämpfend zurückgelegt.

Blutige Panzer- und Infanteriegefechte

Der Feind, der auf den letzten fünfzig Kilometern den vordringenden Truppen nur geringen Widerstand leistete, hat um Pyöngyang seine gesamten Reserven im nordwest-koreanischen Raum zusammengezogen, und sich in vorbereitenden Stellungen zum Kampf gestellt. Die letzten größeren Ortschaften vor Pyöngyang sind von den alliierten Truppen im Sturm überrannt worden. Am Mittwochmorgen war es dann zu schweren und blutigen Kämpfen gekommen. Am Sangwon-Fluß, zwölf Kilometer südöstlich von Pyöngyang kam der Angriff der Truppen der Vereinten Nationen in heftigem feindlichem Feuer zeitweilig zum Stehen. Schwere Panzer und Infanteriekämpfe tobten vor allem an der Hauptrollbahn zur roten Hauptstadt.

Sender Pyöngyang schweigt

Der Rundfunk der nordkoreanischen Hauptstadt Pyöngyang hat Mittwochnachmittag seine Sendungen eingestellt. Der Sender hatte gerade erst mit einer Uebertragung begonnen, als er plötzlich aussetzte. Er wurde seitdem nicht mehr gehört. Nach Gefangenenaussagen hat die nordkoreanische Regierung ebenfalls am Mittwoch die Stadt verlassen und befindet sich auf der Flucht nach Norden.

An der Ostküste haben Truppen der Division „Söul“ die bedeutenden Industriestädte Hamhung und Hungnam erobert und vom Feind gesäubert. An den anderen Frontabschnitten geht der alliierte Vormarsch weiter.

Partisanen besetzen südkoreanische Städte

Während die Truppen der Vereinten Nationen an der Nordfront dem Feind entscheidende Schläge beibringen, ist in Südkorea die Partisanentätigkeit in gefährlicher Weise wiederaufgelebt. Zersprengte Reste der kommunistischen Armee scheinen sich gesammelt zu haben und in koordinierten Angriffen das alliierte Nachschubsystem unterbrechen zu wollen. In überraschenden Einsätzen gelang es den kommunistischen Partisanen, über ein halbes Dutzend Städte zu besetzen, darunter Großstädte wie Kumsan, und Chongju, Kochang und Muju, sowie Samchok und Utschin an der Ostküste wurden ebenfalls von ihnen eingenommen. Ueber das Schicksal der alliierten Besatzungen ist nichts bekannt.

Eine äußerst ernste Situation hat sich im Raum von Mokpo, der größten Hafenstadt Südwestkoreas, entwickelt, wo feindliche Partisanen in Stärke von über 15 000 Mann zusammengezogen worden sind.

Syngman Rhee

ernennt Gouverneure

Söul, 18. Oktober, (dpa) Der südkoreanische Staatspräsident Syngman Rhee erklärte am Mittwoch, er habe fünf Gouverneure für die Provinzen Nordkoreas ernannt. Gleichzeitig sagte er, seine Regierung habe nicht die Absicht, in Nordkorea ohne Zustimmung der Bevölkerung ihren Willen durchzusetzen. Falls die Bevölkerung Nordkoreas in ihrem Gebiet zu wählen wünsche, so werde die südkoreanische Regierung sie nicht daran hindern. Dadurch könnten die hundert Sitze im südkoreanischen Parlament besetzt werden, die seit zwei Jahren leer sind.

Deutsche in Korea?

Dem Roten Kreuz nichts bekannt

Bonn, 18. Oktober, (dpa) Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes gab bekannt, dem Internationalen Roten Kreuz in Genf sei bisher in keinem einzigen Fall bekannt geworden, daß Deutsche in Korea eingesetzt oder gefangen genommen wurden.

200 Millionen Dollar für Frankreich

Die erste Rate eines Milliardenbetrags der Vereinigten Staaten

Washington, 18. Oktober. (dpa/AP.) Die amerikanische Regierung ist bereit, Frankreich bis Ende nächsten Jahres für seine verstärkte Rüstungsproduktion 200 Millionen Dollar (800 Millionen D-Mark)

zur Verfügung zu stellen. Diese Bewilligung ist das Ergebnis der Besprechungen, die in den letzten Tagen zwischen Vertretern der Regierungen Frankreichs und der Vereinigten Staaten in Washington geführt wurden.

Die Vereinigten Staaten werden Frankreich voraussichtlich im Laufe der nächsten drei Jahre eine Waffenhilfe in Höhe von insgesamt 6 000 000 000 Dollar (25 200 000 000 DM) zukommen lassen. Die Frankreich schon zugesagten Gelder in Höhe von 2 400 000 000 Dollar (10 080 000 000 D-Mark) sollen nur eine erste Rate sein, die durch weitere Milliarden im Laufe der folgenden Jahre ergänzt werden müßten, wenn das französische Verteidigungsprogramm verwirklicht werden solle, das die Aufstellung von mindestens 20 modernen Divisionen bis zum Ende des Jahre 1952 vorsehe.

Die deutsche Aufrüstung

Paris, 18. Oktober, (dpa) Der außenpolitische Ausschuß der Nationalversammlung beschloß am Mittwoch einstimmig, die etwaige Aufrüstung der Bundesrepublik mit Vorrang zu erörtern. Die Debatte über diese Frage wird voraussichtlich am Montag begin¬ nen.

Parteiengesetz wird geschaffen

Zum Schutz des Bestandes der Bundesrepublik

Drahtbericht unseres Korrespon de nt e n

Da. Bonn, 18. Oktober. Gegen einige kommunistische Stimmen nahm der Bundestag am Mittwoch einen Antrag der Zentrumsfraktion an, die Bundesregierung um baldige Vorlage des Parteiengesetzes nach Artikel 21 des Grundgesetzes zu ersuchen. Bundesinnenminister Dr. Lehr gab bekannt, daß der Referentenentwurf zu dem Gesetz fertiggestellt ist und jetzt den Innenministern der Länder zur Stellungnahme zugeht.

Das Nein der Kommunisten war verständlich, da das Parteiengesetz dem Bundesverfassungsgericht die Handhabe bieten wird, Parteien, die den Bestand der Bundesrepublik gefährden, für verfassungswidrig zu erklären. Eine weitere Forderung, die das Parteiengesetz erfüllen muß, hat wegen der Tätigkeit des Korruptionsausschusses besondere Bedeutung, da die Parteien auf Grund des Gesetzes nach Artikel 21 gezwungen sein werden, über die Herkunft ihrer Geldmittel öffentlich Rechenschaft abzulegen.

Ueberraschenderweise mußte der Bundestag sowohl das in zweiter Lesung behandelte Jugendschutzgesetz, als auch die Richtlinien zur Beendigung der Entnazifizierung an die zuständigen Ausschüsse zurückverweisen, da in beiden Fällen neue Aenderungsanträge eingereicht worden waren. Die sozialdemokratische Fraktion hatte die Zustimmung, die ihre Vertreter im Ausschuß zum Jugendschutzgesetz erklärt hatten, wieder zurückgezogen. Aber auch von der Deutschen Partei wurden Bedenken gegen das Jugendschutzgesetz in der vorliegenden Form vorgebracht. Vor allem wurde erklärt, daß behördliche Maßnahmen zum Schutz der Jugend beispielsweise in der Dunkelheit keinesfalls in einer „Schutzhaft“ bestehen dürften. Zu den Richtlinien für die Beendigung der Entnazifizierung beantragten die Freien Demokraten und die Deutsche Reichspartei, daß auch für die Gruppen 1 und 2 alle Beschränkungen aufgehoben werden müßten. Nach einer Darstellung des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Menzel handelt es sich in der amerikanischen und in der französischen Zone um insgesamt 1670 Personen der Gruppe 1 und etwa 23 000 Personen der Gruppe 2.


Nach dem siegreichen Vordringen der Alliierten kehren die Flüchtlinge, die das Gebiet von Söul vor den Kämpfen verlassen hatten, wieder in ihre Heimatorte zurück Foto: United Press
Nach dem siegreichen Vordringen der Alliierten kehren die Flüchtlinge, die das Gebiet von Söul vor den Kämpfen verlassen hatten, wieder in ihre Heimatorte zurück Foto: United Press

Sehr zielbewußt

Bonn, 18. Oktober, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer begrüßte am Mittwoch die Rede Präsident Trumans in San Franzisko, inder der amerikanische Präsident die Sowjetunion aufgefordert hat, positive Friedensbeweise zu liefern. „Die Rede des amerikanischen Präsidenten ist sehr zielbewußt und klug“, sagte Dr. Adenauer.

Keine Absprachen

Bonn, 18. Oktober. (AP.) „Der amerikanische Kommissar hat keine Absprachen oder Vereinbarungen mit der Bundesregierung, weder einseitig noch durch die Alliierte Oberkommission, über einen deutschen Beitrag zur europäischen Verteidigung getroffen“, hat der stellvertretende amerikanische Oberkommissar, Generalmajor P. Hays, am Mittwoch erklärt.

In einer Stellungnahme zu „falschen Darstellungen und Gerüchten“ über diesen Beitrag betont Hays, dieser ganze Fragenkomplex würde durch die beteiligten Regierungen entschieden und die amerikanische Oberkommission müsse diesbezügliche Entscheidungen und Anweisungen abwarten. General Hays dementiert auch entschieden Gerüchte, daß Besprechungen zwischen deutschen und amerikanischen Generalen über den deutschen Beitrag zur europäischen Verteidigung geführt worden wären. Er weist auch ausdrücklich darauf hin, daß außer Sport- und Jagdwaffen weder in Deutschland noch in West-Berlin irgendwelche Arten von Waffen hergestellt würden.

Trumans Anklage

*** Die Rede des amerikanischen Präsidenten Truman, die gestern kurz vor Redaktionsschluß bei uns einging, bedeutet eine schwerwiegende Anklage gegenüber der Sowjetunion. Sie weist nach, daß deren Taktiken den Weltkrieg immer schwerer bedrohen, daß es dem Kreml darauf ankommt, „Kolonial-Satelliten“ zu schaffen, mit deren Hilfe die Welt der Herrschaft des Bolschewismus unterworfen werden soll.

Durch seine Besprechung mit Mac Arthur hat Truman jedenfalls noch stärker die Gefahr erkannt, die in Asien heraufwächst, weil die Bolschewisten den Nationalismus der asiatischen Völker für ihre eigenen Zwecke mißbrauchen. Daher wandte er sich mit besonders herzlichen Worten an diese Völker, sich nicht einem neuen Kolonialsystem sowjetischer Prägung zu verschreiben, sondern auf die freien Völker zu vertrauen, die mit aufrichtiger Partnerschaft bemüht sein würden, die Probleme sozialer Ungerechtigkeit bei ihnen zu lösen.

Klar und deutlich ließ Truman erkennen, mit einem sowjetischen Lippenbekenntnis zum Frieden sei es nicht getan, die Sowjetunion müsse durch bestimmte Maßnahmen beweisen, es sei ihr mit ihren Friedensbeteuerungen ernst. Wir Deutsche begrüßen besonders die Forderung, daß der Eiserne Vorhang entfernt und ein freier Gedanken- und Informationsaustausch zugelassen werde.

Man darf füglich bezweifeln, der Appell Trumans an die Sowjetunion werde erfolgreich sein. Es wird also weiterhin dabei bleiben, daß die freie Welt die schweren Lasten zum Ausbau ihrer Verteidigung tragen muß, bis ihre Militärmacht in der Lage ist, jedem möglichen Angriff in irgendeinem Teile der Welt begegnen zu können. In diesem Zusammenhang hat sich die amerikanische Regierung soeben bereit erklärt, zweihundert Millionen Dollar für eine verstärkte Rüstung Frankreichs zur Verfügung zu stellen, mit der es in die Lage gesetzt werden soll, dem bolschewistischen Vordringen in Indochina Einhalt zu gebieten.

England hat innere Sorgen

Von unserem Londoner G-Korrespondenten

Einige Wochen lang hatten die Kämpfe In Korea selbst im politisch gelassenen England den „Mann auf der Straße“ aus seiner Gleichgültigkeit geschreckt. Am Biertisch, in der Eisenbahn, beim Gemüsehändler erörterte man die -politische Situation nicht nur Koreas und Ostasiens, sondern auch Europas und Deutschlands Der Aermelkanal schien über Nacht schmaler geworden zu sein. Und der Kontinent, der „Eiserne Vorhang“, die russischen Divisionen waren näher gerückt.

Aber dieses ungewöhnliche und für die Menschen der Insel unnatürliche außenpolitische Interesse der Bevölkerung ist inzwischen längst wieder abgeflaut. Die Gefahr — jedenfalls für Korea und für den Augenblick — scheint gebannt. Und man unterhält sich wieder über Filme und Fußballergebnisse. Der Erfolg der Amerikaner im Fernen Osten ist freilich nicht ohne Wirkung auf die britische Regierung geblieben. Seit einigen Wochen zeigt die englische Außenpolitik eine betonte und deutliche Annäherung an die von Washington eingeschlagene Linie. Die angloamerikanische Solidarität, während der letzten Jahre nicht selten durch recht erhebliche Meinungsverschiedenheiten wie etwa über die Anerkennung Mao Tsetungs, in der Formosafrage oder auch in der Deutschlandpolitik unterhöhlt, ist heute stärker und wirksamer denn seit langer Zeit.

Abrücken von Europa

Ein engerer politischer Anschluß Großbritanniens an Amerika bedeutet naturgemäß ein weiteres Abrücken von Europa. Eine Beteiligung an einem europäischen Zusammenschluß war auf der Insel niemals sehr populär, aber heute steht sie nicht einmal mehr theoretisch zur Debatte. Großbritannien werde sich niemals an einer nur europäischen, sondern höchstens an einer atlantischen Armee beteiligen, die auch amerikanische und kanadische Kontingente enthalte, erklärte Außenminister Bevin in Margate. Die englische Kritik am Schuman-Plan wird ständig schärfer. Und auch die Deutschlandpolitik ist von dieser Schwenkung nicht unbeeinflußt geblieben. Man hat sich in London nicht nur mit der Tatsache einer deutschen Wiederbewaffnung abgefunden, sondern man beginnt bereits auf ihre Verwirklichung zu drängen. „Westdeutschland muß wieder bewaffnet werden“, erklärte dieser Tage ein englischer Unterhausabgeordneter den deutschen Teilnehmern eines Kursus im Schulungslager Wilton Park bei London in eindringlicher Wiederholung. Und auf die Frage, was man in Frankreich dazu sage, erwiderte er mit einem fast ärgerlichen Achselzucken, man müsse sich halt auch in Paris entschließen, „mit der Zeit zu gehen“.

Doch auch die Frage der deutschen Wiederbewaffnung, die noch vor einem Vierteljahr die Gemüter in England lebhaft erregte, interessiert heute die Oeffentlichkeit kaum mehr. Im Mittelpunkt der Diskussionen auf der Insel steht heute ein anderes Thema, nämlich das Problem der wachsenden Lebenskosten, der steigenden Preise und Löhne.

Das Leben kostet mehr

„Kaufe jetzt und du sparst Geld, denn Wolle wird noch teurer“, so werben große Plakate an den Schaufenstern der Textilgeschäfte für die bereits jetzt sehr erheblich im Preis gestiegenen Waren. Und auf dem konservativen Parteikongreß i i Blackpool erklärte die Frau eines Gärtners aus Cardiff unter dem tobenden Beifall der Delegierten:

„Vor dem Kriege verdiente mein Mann zweieinhalb Pfund (30,— DM) in der Woche, und wir kamen gut damit aus. Heute erhält er fast fünf Pfund (60,— DM) wöchentlich ausgezahlt. Vor einen! Jahr reichte das noch gerade. Aber heute muß ich als Aufwartung arbeiten, er hat das Rauchen aufgegeben, und wir gehen nicht mehr ins Kino, weil das Geld sonst für den Lebensunterhalt unserer vierköpfigen Familie nicht reicht.“

Großbritannien befindet sich in einer seltsamen wirtschaftlichen Situation. Vor fünfviertel Jahren noch wuchs die Dollarverschuldung, sanken die Goldreserven und fiel der Wert des Pfundes an den Auslandsbörsen beinahe von Woche zu Woche, aber im Inland blieben Preise und Löhne stabil, und der Mann auf der Straße merkte kaum etwas von dieser Entwicklung. Heute ist der Sterlingpreis auf den schwarzen Märkten erstmals seit Jahren höher als der offiziell festgesetzte Wechselkurs, und die Gold- und Dollarreserven der Bank von England haben sich innerhalb der letzten zwölf Monate beinahe verdoppelt. Aber die Preise auf dem Binnenmarkt steigen ununterbrochen.

Nicht nur Textilien — vor allem Woll- und Baumwollwaren —, Haushaltsgegenstände, Auto- und Fahrradbereifung sowie elektrische Batterien jeder Art sind in den letzten vier Wochen um 20—25 Prozent teurer geworden. Auch die Preise staatlich kontrollierter Lebensmittel wie Butter, Schinken, Eier, Reis, Kaffee, Schokolade sind im Durchschnitt um 10—15 Prozent gestiegen. Und die Post- und Verkehrstarife in allen Teilen Englands sind ganz erheblich heraufgesetzt worden.

Das Gespenst einer Inflation

Die Auswirkungen diesere Teuerung zeigen sich bereitsdeutlich auf dem Lohnsektor. Während in London die Kette der „wilden“ Streiks kaum mehr abreißt, sind in den letzten zwei Wochen Lohn- und Gehaltserhöhungen für Lehrer, Bergleute, Landarbeiter und die Beschäftigten der Lederindustrie bekanntgegeben worden, und weitere Lohnforderungen im Werte von mehreren Milliarden Pfund jährlich sind anhängig. Hier zeichnet sich das Gespenst einer Inflation mit erschreckender Deutlichkeit am wirtschaftlichen Horizont der Insel ab. Diese Entwicklung war es denn auch, die die meisten der Diskussionen auf den Jahreskonferenzen der drei großen britischen Parteien in den letzten Wochen weitgehend überschattete. Von einer politischen Initiative oder einem echten Kampfgeist war auf keiner von ihnen etwas zu spüren. Die Liberalen beschränkten sich auf die Wiederholung ihrer Erklärung, daß sie ihren Kampf als selbständige Partei fortsetzen würden, ohne eine wirklich überzeugende Begründung hierfür in Gestalt eines politischen Programms geben zu können. Die Labour Party war in der Hauptsache darum bemüht, alle inneren Meinungsverschiedenheiten über die Fortsetzung des Verstaatlichungsprogramms und den Zeitpunkt der nächsten Wahl vor den Augen der Oeffentlichkeit zu verbergen und beschränkte sich auf ausdruckslose Kompromisse, deutlich von der einen Absicht bestimmt, unter allen Umständen am Ruder zu bleiben und sich daher keinesfalls unpopulär zu machen. Und auch die Konservativen ließen die Chance, ein echtes politisches Programm auszuarbeiten, ungenutzt. Ein größeres Wohnungsbauprogramm, als von der Regierung vorgeschlagen, das war alles, was sie ihren Wählern zur Lösung der augenblicklichen Schwierigkeiten vorschlugen.

Unter diesen Umständen ist es nicht weiter verwunderlich, daß die Stimmung der englischen Bevölkerung in diesen Tagen, in denen der erste Herbstnebel ohnehin auf die Gemüter drückt, im allgemeinen von einer mißmutigen Gleichgültigkeit ist. Dies spiegelt sich auch in den dieser Tage veröffentlichten Ergebnissen einer Befragung des Gallup-Instituts über die politischen Ansichten der Engländer. Hiernach ist die Stärke der drei großen Parteien in England fast unverändert gegenüber der Februarwahl. Die Sozialisten erhielten 46 Prozent, die Konservativen 43,5 Prozent und die Liberalen 11 Prozent der abgegebenen Stimmen. Nur die „Sonstigen“, unter denen sich in erster Linie Kommunisten und Radikale verbergen, konnten einen zwar zahlenmäßig wohl kaum erheblichen, aber auffälligen Erfolg für sich verbuchen. Ihre Anhängerzahl stieg in den letzten Monaten von 1 auf 2 Prozent, also auf genau das Doppelte. Hier deuten sich die Folgen der innerwirtschaftlichen Schwierigkeiten und der wachsenden kommunistischen Aktivität deutlich erkennbar an.

Welcher Geist bitte?

Die Zuschrift eines Landsers

Wir geben der nachstehenden Zuschrift Raum getreu unserm Grundsatz, jederzeit auch die andere Seite zu Worte kommen zu lassen. Wir haben aus ihr allerdings Aeußerungen entfernt, die die sachliche Auseinandersetzung verließen. Mit dieser Gegenstimme beschließen wir die Debatte.

Die Redaktion. Ein Herr v. W. regt sich in der Dienstag-Ausgabe der Allgemeinen Zeitung über das Wort von Francois-Poncet auf, der in der vergangenen Woche erklärt hat, mit ihm seien sich maßgebende Deutsche darin einig, „daß neue Streitkräfte auf jeden Fall von einem Geist beseelt sein müßten, der sich von dem der Wehrmacht grundlegend unterscheide, und der den alten Typ des Generals nicht kenne“.

Nun, wir wissen nicht, welchen Rang Herr v. W. bei der alten Wehrmacht innehatte. Eines aber wissen wir, daß die Millionen von ehemaligen Soldaten die Worte sehr wohl und aufmerksam hören, die im Zusammenhang mit den Adenauerschen Wiederaufrüstungsplänen gesprochen werden. Ihnen ebenso wie Herrn Francois-Poncet fehlt der Glaube, daß die Generäle um Adenauer jenen Geist mitbringen, der eine heute überhaupt noch nicht spruchreife neue Wehrmacht beseelen könnte.

Wir spenden dem ehemaligen Botschafter in Berlin Beifall, wenn er jenen Geist des Preußentums verurteilt, mit dem auf jeden Fall eine Wehrmacht nicht aufgebaut werden kann. Wir meinen damit, daß sich die von Herrn Adenauer in der jetzigen Phase angebotenen deutschen Soldaten in spe zumindest für eine „preußische Behandlung“ bedanken, wie sie heute in der Volkspolizei der Ostzone wieder exerziert wird und von der wir glauben, daß die „ehrwürdigen alten Herren“ des Kriegshandwerks auch bei uns nicht auf sie verzichten werden. Wir glauben darin einig zu gehen mit dem Gros der ehemaligen Landser, die es sich ganz energisch verbitten möchten, sich von jenen reaktionären Preußen noch einmal als „Menschenmaterial“ in die Schlacht jagen oder sich mit Kochgeschirrappellen und Strafexerzieren drillen zu lassen.

Wir können Ihnen, Herr v. W., die Versicherung geben, daß selbst von einem großen Teil der Offiziere, die sozial und fortschrittlich genug denken, solche Bestrebungen entschieden abgelehnt werden. R. K.

Das Grauen des Krieges

London, 18. Oktober. (AP.) Unterstaatssekretär Crawley berichtete, die Luftstreitkräfte der Vereinten Nationen hätten bisher 2 800 000 Liter „Feuerbomben“ auf die nordkoreanischen Truppen abgeworfen. Diese erzeugten beim Aufschlag eine intensive Hitze. Wenn sie in der Nähe eines Panzers einschlügen, verbrenne alles darin, Menschen und Instrumente, bei einem Volltreffer schmelze der halbe Panzer.

Krebsbekämpfung und Nylonstrümpfe

Geheimnisvolle Kredite vor dem Bonner Ausschuß

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 18. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) „Spiegel“-Chefredakteur Augstein wird am Donnerstag erneut vor dem Bonner Untersuchungsausschuß erscheinen müssen. Er hatte sich am Dienstag wegen einer von ihm verfaßten Anspielung auf mögliche weitere Skandale auf einen Brief berufen, der in dem Besitz des Abgeordneten Donhauser sei und Namen von Abgeordneten der Freien Demokratischen Partei enthalte. Die Verlesung des Briefes war am Dienstag zurückgestellt worden und wurde am Mittwoch nachgeholt. Verfasser des Briefes ist ein Rechtsanwalt Meier aus Schwandorf bei München, der in dem Brief dem Abgeordneten Donhauser eine Kreditgeschichte zur Kenntnis gebracht hat. Ein gewisser Kosminsky sollte für eine Landshuter Firma über den Bayernparteivorsitzenden Dr. Baumgartner und dessen „Freund“, Minister Niklas, an Vizekanzler Blücher vierhunderttausend Mark für die Fabrikation eines Krebsbekämpfungsmittels und außerdem noch über hunderttausend Mark für die Einfuhr von Nylonstrümpfen beschaffen. Der Untersuchungsausschuß stellte fest, daß die in dem Brief behandelte Angelegenheit in keinem Zusammenhang mit der Bestechung von Abgeordneten steht und daß der Brief keinen Abgeordneten der Freien Demokratischen Partei belastet. Der Ausschuß will aber untersuchen, ob die Bayernpartei für die Vermittlung von Krediten Geld

erhalten hat. Diese Möglichkeit wurde von dem Abgeordneten Donhauser angedeutet, der im übrigen betonte, daß Kosminsky gegen ihn von Dr. Baumgartner als Lockspitzel verwendet worden sei. Zu Beginn der Mittwochsitzung des

Ausschusses erfolgte erstmalig eine Gegenüberstellung von Zeugen, deren Aussagen einander widersprochen hatten. Der Münchener „Spiegel“-Vertreter blieb auch bei der Konfrontation mit dem Abgeordneten Donhauser bei seiner Behauptung, daß ihm dieser die Zahlung von fünftausend Mark durch die Firma Kathreiner an den Abgeordneten Dr. Besold in bestimmter Form mitgeteilt habe. Der Zeuge habe durch den Umgang mit Politikern Demagogie gelernt, rief Donhauser aus, wurde aber von dem Vorsitzenden Dr. Reismann deshalb gerügt.

Im weiteren Verlauf der Mittwochsitzung wurden die Abgeordneten vernommen, die dem Bayernparteivorsitzenden Dr. Baumgartner nach der Hauptstadtabstimmung eine Erklärung darüber verweigert hatten, ob sie für Frankfurt oder Bonn gestimmt hatten.

Volkspolizei wird „Volksarmee“

Die Sowjetzone bereitet Volkspolizeidienstpflicht vor

Berlin, 18. Oktober. (AP.) Der Ausbau der Volkspolizei zu einer Volksarmee sei in vollem Gange, berichtet am Mittwoch die Berliner Ausgabe der „Neuen Zeitung“. Ergänzend zu der Denkschrift des Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen über die Bildung eines Generalstabes der Volkspolizei, berichtet das Blatt über zunehmende militärische Propaganda zur Vorbereitung der „Volkspolizeidienstpflicht.“

So hätten Funktionäre der Sozialistischen Einheitspartei bei Hausversammlungen in Dresden wiederholt die Bewohner, vor allem auch die Frauen, aufgefordert, sich durch ihre Unterschrift zu verpflichten, „im Ernstfall bis zum letzten zu kämpfen“.

Die „Neue Zeitung“ berichtet ferner über militärische Ausbildung in der Führerschule Lauenheim der Freien Deutschen Jugend. Ihre Mitglieder hätten dort für GeländeübungenKleinkalibergewehreund militärisches Schanzzeug erhalten.

In Dresden sollen außerdem in mehreren Betrieben die Arbeiter gemustert und auf ihre Wehrtauglichkeit untersucht worden sein. Der Arzt habe nach der Untersuchung wiederholt gefragt: „Zu welcher Waffengattung wollen Sie denn?“

Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen stellte am Mittwoch in einem Memorandum ebenfalls fest, daß die Ostzonen-Regierung ein Dienstpflichtgesetz vorbereite.

Dem Gesetzentwurf zufolge sollen alle Jugendlichen über 18 Jahre einer Dienstpflicht bei der Volkspolizei unterworfen sein. Nach der von Dr. Fischer unterzeichneten Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf ist die Möglichkeit der Ausbildung von jährlich 120 000 Volkspolizeidienstpflichtigen vom Herbst 1950 angegeben.

Die systematische Verstärkung, Bewaffnung und Schulung der ^kasernierten Volkspolizeiverbände ließen eindeutig darauf schließen, „daß die sowjetischen Machthaber damit rechnen, eines Tages Westdeutschland besetzen zu können“. Zur Zeit befänden sich 4000 bis 5000 Offiziere der Volkspolizei auf Kriegsakademien in der Sojetunion.

Zu Tode geprügelt

Berlin, 18. Oktober (dpa) Der Leiter der Religionsgemeinschaft „Zeugen Jehovas“ in Meißen (Sachsen), Poppe, ist nach einer Meldung des „Tagesspiegel“ von Beamten des Staatssicherheitsdienstes zu Tode geprügelt worden, weil er sich weigerte, Namen seiner Freunde anzugeben.

Berliner Klerus unter Zensur

Berlin, 18. Oktober (AP.) Der gesamte Postverkehr zwischen dem Bischöflichen Ordinariat in West-Berlin und den Pfarrgemeinden in der Ostzone unterliegt einer scharfen Zensur durch den Staa'tssicherheitsdienst, meldet am Mittwoch die Berliner Ausgabe der „Neuen Zeitung“.

75000 Gewehre für deutsche Jäger

Der Verteilerschlüssel für alle Bundes-Länder wurde aufgestellt

Mainz, 18. Oktober, (dpa) Auf einer Sitzung der Jagdreferenten der Länder der Bundesrepublik in Gemeinschaft mit Vertretern des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde kürzlich auf einer gemeinsamen Sitzung ein Verteilerschlüssel für die 50 000 Jagdflinten und 25 000 Büchsen aufgestellt, die den deutschen Jägern durch die Alliierten zugebilligt wurden. Nach diesem Verteilerschlüssel erhalten: Bayern 12 000 Flinten und 6075 Büchsen, Württemberg-Baden 3233 Flinten und 1117 Büchsen, Hessen 4183 Flinten und 2316 Büchsen, Bremen 300 Flinten und 250 Büchsen, Niedersachsen 9450 Flinten und 4600 Büchsen, Nordrhein-Westfalen 9000 Flinten und 4575 Büchsen, Schleswig-Holstein 3300 Flinten und 1500 Büchsen, Hamburg 700 Flinten und 350 Büchsen, Südbaden 1867 Flinten und 700 Büchsen, Württemberg-Hohenzollern 1917 Flinten und 959 Büchsen, Rheinland-Pfalz 4050 Flinten und 2558 Büchsen.

Eine „Adenauer“ Spende

Köln, 18. Oktober (AP.) Der Informationsdienst der Christlich-Demokratischen Union veröffentlicht einen Aufruf zu einer „Dr.- Konrad - Adenauer- Spende“ zum 75. Geburtstag des Kanzlers am 5. Januar 1951. Durch die Spende soll es dem Kanzler ermöglicht werden, „die großen politischen Anstrengungen im Kampf für ein freies und einiges Deutschland und die Abwehr der Gefahren aus dem Osten erfolgreich weiterzuführen“, heißt es in dem Aufruf.

Thadden wird erwartet

als Zeuge im Falkenhausen-Prozeß

Brüssel, 18. Oktober, (epd) Im Falkenhausen-Prozeß sieht man mit Spannung der bevorstehenden Vernehmung des Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Dr. von Thadden-Trieglaff, entgegen, der als Zeuge geladen worden ist. Dr. von Thadden, der während des Krieges zuletzt als Kommandant von Löwen in engen, auch persönlichen Beziehungen zu Generaloberst von Falkenhausen stand, erklärte kürzlich den ganzen Prozeß in einem Interview des Evangelischen Pressedienstes als eine Unmöglichkeit und bezeichnete General von Falkenhausen als einen Ritter ohne Furcht und Tadel.

In wenigen Zeilen

Die syrische Militärpolizei hat eine Reihe hoher Staatswürdenträger verhaftet.

Vor Wonsan an der Küste Nordkoreas sind zwei amerikanische Minenräumboote auf Minen gelaufen und gesunken.

Der britische Frachter Torina wurde von nationalchinesischen Kriegsschiffen heftig beschossen, als er den Hafen Amoy anlaufen wollte. *

225 deutsche Kriegsgefangene aus Jugoslawien sind am Mittwoch in Piding bei Bad Reichenhall eingetroffen.

Dänemark wird die restlichen 21 Deutschen, die dort wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurden, nach Deutschland überführen.

* Ein Orkan mit einer Stundengeschwindigkeit von 160 Kilometern hat an der Ostküste von Florida am Mittwoch schweren Schaden angerichtet. ♦

Magnus, ein achtzehnjähriger Funktionär der Freien Deutschen Jugend, ist zum Bürgermeister von Kunersdorf bei Potsdam in der Sowjetzone ernannt worden. *

Die Russisch-Orthodoxe Kirche in Amerika hat alle Beziehungen zum Moskauer Patriarchat abgebrochen.

* Telefonrechnungen können ab 1. November über Postscheck-Konto abgebucht werden.

Stimmen der Anderen

In der Ostzone lügen alle ...

In einem Sowjetzonen - Sonderbericht der bekannten rechtsgerichteten französischen Zeitung „Le Monde“ heißt es:

„Ich bin mehreren örtlich führenden Persönlichkeiten der Christlich-Demokratischen Union und der Liberal-Demokratischen Partei begegnet. Genau genommen handelt es sich bei diesen Personen immer wieder um zwei Typen. Die einen beschränken sich darauf, die Direktiven von der Sozialistischen Einheitspartei entgegenzunehmen und an die Mitglieder ihrer Partei weiterzugeben. Von ihnen heißt es, sie seien ,Gekaufte'. Die anderen — die nicht .gekauft' sind — tun genau dasselbe, erklären aber ihren Freunden, daß sie nicht anders handeln könnten.

Einer von diesen Funktionären hat mir in Dresden das System humorvoll auseinandergesetzt, wofür ich ihm Dank weiß, denn ohne Humor wäre die Angelegenheit tragisch. ,Hier lügen alle', erklärte er mir. ,Zuerst die Regierung, dann die hohen Funktionäre und so weiter bis nach unten. Wer nicht lügt, wird sehr rasch ausgeschaltet. Aber was kommt es auf diese Lügen schon an, wenn alle Welt sowieso Bescheid weiß.'

Er fuhr fort: .Wenn ich vor den Mitgliedern meiner Partei eine Rede halte, wissen alle, daß kein Wort von dem wahr ist, was ich sage. Wenn sie dann Beifall klatschen, weiß ich genau, daß sie keinem meiner Worte geglaubt haben.'“

Mitgliederschwund

Die Belgrader „B orb a“ schreibt, die Zahl der Mitglieder der Kommunistischen Partei in der deutschen Bundesrepublik sei von 387 000 im Jahr 1948 jetzt auf 110 000 abgesunken. Ursache hierfür sei die „falsche politisch Linie“ der kommunistischen Führung, die die Kominform-Politik befolge und die Interessen der deutschen Arbeiterklasse mißachte.

„Die Kommunistische Partei in Westdeutschland ist heute nicht imstande, die werktätigen Massen in Bewegung zu setzen. Der einsichtigste Teil der deutschen Arbeiterschaft erörtert heute die Notwendigkeit der Gründung einer neuen (kommunistischen) Partei, die wirklich deutsch sei und sich von den Interessen des deutschen Volkes und der werktätigen deutschen Massen leiten lassen würde.“

Indochina statt Westdeutschland

Die schwere französische Niederlage in Indochina könnte nach Auffassung der „Neuen Zürcher Zeitung“ gewisse Rückwirkungen auf die Pläne eines verstärkten militärischen Schutzes für die Bundesrepublik hüben. Das Blatt meldet aus Paris, der zuständige französische Minister, Letourneau, habe den Wunsch ausgesprochen, daß die Alliierten in Indochina eine gemeinsame militärische Anstrengung nach dem Vorbild des Atlantikpaktes unternehmen sollen.

„Das bedeutet nichts anderes, als den Ruf nach der Entsendung von amerikanischen Truppen, nachdem mit den vor einigen Monaten begonnenen Materiallieferungen durch die Vereinigten Staaten wenig erreicht wurde. Letourneau nimmt also eine Verminderung der für die Verteidigung Westdeutschlands in Aussicht genommenen Streitkräfte in Kauf, um das Loch in Indochina zu stopfen. Man hat aber keineswegs den Eindruck, daß diese Gedanken in Washington Anklang finden.“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ fügt hinzu, in Paris sei davon die Rede, daß Frankreich künftig zwischen Rhein und Elbe eine größere Zahl von Truppen unterhalten werde als jede der beiden angelsächsischen Mächte. Werde dieser Plan verwirklicht, so sei allerdings schwer abzusehen, wie man die dringend notwendigen Verstärkungen für Indochina auftreiben könnte.

56 Häfen Australiens wurden am Mittwoch durch den Streik von 26 000 Hafenarbeitern lahmgelegt.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Woltgang-Krüger-Verlag. Hamburg

41) . . . .

Er nickte den vier .jungen Leuten beifällig zu und wandte sich dann an Henriette. Obgleich er ihr kein Kompliment machte, wußte sie doch, daß ihre Erscheinung seinen Beifall fand. Er musterte sie eingehend, und sein Blick verweilte auf ihrem bloßen Hals und den nackten Schultern. Sie fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg, und wie stets, wenn er so unerwartet auftauchte, überkam sie ein eigentümliches Glücksgefühl. Wie froh sie war, daß sie sich entschlossen hatte, statt des grünen Kleides, das er schon so oft an ihr gesehen hatte, heute abend das aprikosenfarbene einzuweihen. „Papa, der König sieht zu uns herüber", sagte Isabella aufgeregt. „Er hat dich bestimmt erkannt!“

Und so war es auch, Seine Majestät lächelte und nickte ihnen zu. Der Herzog erhob sich und dankte für diese Ehrung, während das ganze Haus neugierig diese Begrüßung beobachtete. Aber Henriette entging es nicht, daß er etwas verärgert aussah,

. „Ich hätte doch warten sollen, bis es wieder dunkel wird,“ vertraute er ihr im Flüsterton an unter dem Schutz des wieder einsetzenden Orchesters. „Ich hatte nicht die Absicht, aller Aufmerksamkeit auf unsere Loge zu lenken.“

„Sie werden uns aber doch nach Hause begleiten, Monsieur?“ fragte sie. „Es wird nachher ein furchtbares Gedränge geben, und ich bin etwas besorgt, wie wir heute heil zum Wagen gelangen werden.“

„Der König wird das Haus vor Schluß der Vorstellung verlassen“, erklärte er ihr, „und ich kenne einen Nebenausgang, machen Sie sich keine Gedanken.“

Das waren die einzigen Worte, die sie während des ganzen Abends miteinander wechselten, aber Henriette fühlte seine Gegenwart, bis der Vorhang nach dem letzten Akt fiel. Sie konnte später niemals einen genauen Bericht über den Gang der Handlung im zweiten Teil der „Hugenotten“ geben, so gut sie auch über den ersten Bescheid wußte. Bei der Heimfahrt saßen sie alle eng aneinandergedrängt im Wagen.

„Wie Oelsardinen," lachte er und entschuldigte sich, weil er gewiß die weiten Röcke aus Mull und Tüll und Taft zerdrücke.

„Also gute Nacht denn,“ verabschiedete er sich am Fuß der Treppe. „Seht zu, daß ihr nach dieser langen Abendunterhaltung morgen schön ausschlaft. Versprechen Sie mir, darauf zu achten, Mademoiselle, denn ich muß ganz früh nach Marseille aufbrechen. Eine Geschäftsreise — denn aus Spaß würde ich bei diesem kalten Wetter eine so lange Fahrt nicht unternehmen.“

Henriette vermißte seine Besuche im Schulzimmer während der nächsten Tage, besonders da der Regen sie davon abhielt, ihre täglichen Spaziergänge zu unternehmen. Die eingedämmte Unternehmungslust der Kinder tobte sich nun zu Hause aus; insbesondere Berthe wurde schwierig und eigensinnig. Sie schien gar nicht mehr die alte, und Henriette war nahe daran, die Geduld zu verlieren, weil sie ihre liebe Not damit hatte, das Kind davon abzuhalten, die anderen mit ihrer schechten Laune anzustecken. Daher empfand sie es als fast unertägliche Störung, als Marguerite den Unterricht eines Morgens mit dem bündigen Befehl unterbrach, Mademoiselle möge sich sofort bei der Herzogin einfinden.

Die Herzogin saß an ihrem Schreibtisch beim Fenster, und Henriette bemerkte zu ihrer Erleichterung, daß die Jungfer nicht im Zimmer war. Auf den ersten Blick wurde sie gewahr, daß die vollen Hände, die einen Haufen Papier durchwühlten, alles andere als ruhig waren und daß die Spitzen und Bänder ihres kostbaren Morgenkleides sich mit den kurzen, fast keuchenden Atemzügen hoben und senkten. Dies alles und die Tatsache, daß die Herzogin nicht einmal hochsah, obwohl sie „Herein!“ gerufen hatte, deutete auf Sturm.

_ „Sie ist heute gefährlich," stellte Henriete fest. „Ich muß vorsichtig sein. Vielleicht steckt gar nichts dahinter.“

Aber als sich die Lider hoben und die dunklen Augen endlich den ihren begegneten, fühlte sie sich ernstlich beunruhigt. Einem Ausfall funkensprühenden Zorns fühlte sie sich eher gewachsen als der verschleierten Kälte dieses Blickes.

„Sie haben mich rufen lassen, Herzogin,“ begann sie. Lieber alles andere als diesen Blick! Sollte das Gewitter nur losbrechen! Um so schneller war es überstanden.

„Ja, ich ließ Sie rufen. Ich habe hier etwas für Sie zu lesen, das Sie, Mademoiselle, genau so betrifft wie uns alle.“

Sie reichte ihr eine Zeitung und zeigte mit zitternden Händen auf einen rot angestrichenen Absatz. Henriette erkannte diese Zeitung als ein Blatt, das sie oft an den Zeitungsständen hatte aushängen sehen. Sie wußte, daß es einen schlechten Ruf besaß und erinnerte sich, gehört zu haben, daß es die Oeffentlichkeit mit boshaftem Gesellschaftsklatsch versorgte. Aber diese dürftigen Kenntnisse genügten nicht, um sie auf den Schock vorzubereiten, den der angekreuzte Absatz ihr bereiten sollte:

,Der Herzog und die Herzogin von Praslin' — las sie — ,haben für den Winter wieder ihr Pariser Haus bezogen, doch zeigt sich das Paar wie gewöhnlich selten zusammen in der Oeffentlichkeit. In letzter Zeit ist der Herzog indessen häufig in Gesellschaft einer gewissen Dame von bemerkenswertem Reiz gesehen worden. Vorgestern abend bei der Aufführung der .Hugenotten', der auch der König beiwohnte, wurde er in der Loge mit vier Mitgliedern seiner Familie und der betreffenden Dame, Mademoiselle D., beobachtet, die, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, schon seit einigen Jahren den beneidenswerten Posten einer Erzieherin im Hause Praslin einnimmt. Die Herzogin hat, wie wir hören, unter ihrer Gesundheit zu leiden, während sich der Herzog allem Anschein nach niemals einer besseren erfreut hat. Er darf sich eines ungewöhnlich guten Geschmackes rühmen und ist seit langem auf vielen Gebieten als Liebhaber und Kenner anerkannt.'

Die Worte tanzten und schwammen vor ihren Augen, als sie die Sätze noch einmal zu überfliegen versuchte. .Die betreffende Dame, Mademoiselle D.‘... Sie fühlte diese Worte wie glühendes Blei in ihr Bewußtsein eindringen, und es verschlug ihr die Stimme und sogar den Atem, als sie dort mit der Zeitung unbeweglich stand.

„Jetzt wissen Sie, warum ich Sie habe rufen lassen.“

Sie vernahm die Stimme der Herzogin so gedämpft und entfernt wie das Echo des Meeres in einer Muschel. Aber sie brachte sie nichtsdestoweniger- wieder zu sich, und ihre betäubten Sinne kamen ihr zu Hilfe, fast ehe sie sich bewußt war, sie gerufen zu haben.

„Herzogin“ — sie wunderte sich, daß sie die Fähigkeit der Sprache nicht verloren hatte, obwohl sie doch von Kopf bis Fuß ein eisiges Frösteln verspürte und die Zeitung kaum mehr in ihrer bebenden Hand halten konnte —, „Herzogin, für mich ist das ein ebenso großer Schock wie für Sie.“

„Mademoiselle, machen Sie sich auch klar, was eine solche Zeitungsnotiz bedeutet?“

„Ich versuche es, Herzogin.“ Henriette merkte, wie ihre Knie nachgaben, aber sie stützte sich lieber gegen den Schreibtisch, als daß sie darum gebeten hätte, sich setzen zu dürfen. „Wenn Sie mir einen Augenblick Zeit geben wollen, kann ich Ihnen über den Besuch der Oper genau Bericht erstatten, aber ich sehe wirklich nicht, wieso ein solcher Klatsch über mich verbreitet werden konnte.“

..Das sehen Sie nicht!“ Die lang zurückgedrängte Erregung der Herzogin brach in einem wilden Sturzbach wütender Beschimpfungen los. Zunächst vermochte Henriette kaum zu erfassen, was sie hörte, aber allmählich drangen die Worte in ihr Bewußtsein, während sie sich haltsuchend an das tröstlich feste Gefüge des Tisches anklammerte.

(Fortsetzung folgt.)

Korruptions liste war erfunden

Schmidt gesteht „aus purer Dummheit gefrozzelt zu haben“

Da. Bonn, 18. Oktober. Der Hauptverantwortliche für die Korruptionsgerüchte, mit denen sich der Untersuchungsausschuß des Bundestages zu befassen hat, wurde am Mittwochabend in dem 63 jährigen Abgeordneten der Wirtschaftlichen Aufbauvereinigung Schmidt, einem Bauern aus Rudelstetten über Nördlingen, ermittelt. Wilhelm Schmidt hat eich mit den Abgeordneten der Bayern-Partei Eichner und Parzinger aus, wie er sagte, „purer Dummheit“, um diese zu „frozzeln“, einen Scherz erlaubt. Er erklärte ihnen von einer angeblichen Liste, auf der die Namen von Abgeordneten ständen, die bei der Hauptabstimmung bestochen worden seien.

Von den beiden Abgeordneten nach bestimmten Bundestagsmitgliedern gefragt, hat Schmidt keineswegs erklärt, daß diese Abgeordneten nicht auf der Liste ständen, sondern immer nur geantwortet, er wolle keine Namen nennen. Dabei mußte er vor dem Ausschuß zugeben, daß die Liste von ihm erfunden worden war und gar nicht existiert hatte.

In seiner ersten Vernehmung hatte Schmidt erklärt, eine solche Liste nicht zu kennen. Erst nach der abschließenden Vereidigung kamen ihm Gewissensbisse. Er besprach sich mit dem Justizminister und sah dann ein, daß auch ein Verschweigen vor dem Ausschuß einen Meineid bedeuten würde. Mittwochabend war Schmidt in vollem Umfange geständig und entschuldigte sich mit der Erklärung, er habe die das Parlament schädigenden Folgen seines „Scherzes“ nicht übersehen können. „Sie sollten diese Gelegenheit benutzen“, sagte der Abgeordnete Dr. Schröder, „um zum Ausdruck zu bringen, daß Sie Ihre Aeußerungen aufs tiefste bedauern . . .“, „und die Konsequenzen ziehen“, ergänzte der Abgeordnete Heiland. Schmidt erwiderte: „Ich bedaure sie“. Ueber die Konsequenzen sagte er nichts. Vermutlich wird sich damit der Bundestag beschäftigen müssen.

Die Affäre Hauptstadtabstimmung dürfte im wesentlichen jetzt erledigt sein, obgleich Baumgartners „Gedächtnisprotokolle“ allerdings auch weiterhin noch der Aufklärung harren. Unerledigt sind die Beziehungen des Abgeordneten Aumer zur Erdölindustrie. Aumer wird am Montag nächster Woche in dem Münchner Krankenhaus, in dem er sich zur Zeit befindet, durch Beauftragte des Ausschusses vernommen werden.

Bisher 2800 Polizeibewerber

Noch keine Bewerbungen erwünscht / Einstellung nicht vor Januar

Wiesbaden, 18. Oktober. (Eigener Bericht.) Zu der Aufstellung der Bereitschaftspolizei werden nun auch vom hessischen Innenministerium Einzelheiten mitgeteilt. Am 13. Oktober sind die Richtlinien von den Innenministern der Länder in Bonn gebilligt worden, so daß in allen Ländern die erforderlichen Vorbereitungen für den Aufbau dieser Bereitschaftspolizei getroffen werden können. Das Innenministerium weist darauf hin, daß mit der Einstellung von Anwärtern jedoch erst ab Januar 1951 gerechnet werden kann. Bewerbungen für die Bereitschaftspolizei sollen zur Zeit noch nicht eingereicht werden.

Die bisher an das Innenministerium gelangten 2800 Bewerbungen können nicht bearbeitet werden, da sie nicht im Ministerium, sondern bei unteren Verwaltungsbehörden geprüft werden müssen. Zeitpunkt und bearbeitende Behörde werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Für Hessen ist zunächst eine Bereitschaftspolizei in Stärke von etwa 1800 Mann vorgesehen. Wie bereits bekannt, sollen die Bewerber 19 bis 22 Jahre alt sein. Sie müssen sich für eine Polizeidienstzeit von sieben Jahren verpflichten. Außerdem besteht die Verpflichtung, während der Tätigkeit in der Einheit der Bereitschaftspolizei nicht vor Vollendung des 27. Lebensjahres zu heiraten. Bei der ersten Aufstellung der Bereitschaftspolizei können 20 Prozent der Bewerber bis zu 27 Jahre alt sein. Spätheimkehrer können auch eingestellt werden, wenn sie verheiratet sind.

Im 1. Dienstjahr werden die Bewerber ruf Probe angestellt und erst nach bestandener Abschlußprüfung als Polizei-Unterwachtmeister in die Bereitschaftspolizei übernommen. Eine Uebernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit soll erst nach einer Gesamtdienstzeit von mindestens acht Jahren erfolgen. Die Einheiten der übrigen Polizei (Gendarmerie, Schutzpolizei, Wasserschutzpolizei und Kriminalpolizeidienst) werden in Zukunft ihren Nachwuchs nur noch aus der Bereitschaftspolizei entnehmen.

Ueber Bewaffnung und Organisation wurden bisher noch keine Beschlüsse gefaßt. Es ist jedoch vorgesehen, daß jeweils vier Hundertschaften zu einer Polizeiabteilung zusammengefaßt werden und daß innerhalb jedes Landes ein Führungsstab für die Bereitschaftspolizei gebildet wird.

Gegen das Wahlbündnis

Marburg, 18. Oktober, (dpa) Die Marburger Heimatvertriebenen und Fliegergeschädigten sähen einen zu großen Gegensatz zwischen den Anschauungen der Freien Demokratischen Partei und ihren eigenen Forderungen, als daß sie einem Wahlbündnis des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten mit der Freien Demokratischen Partei zustimmen könnten, erklärte der Vorsitzende der Marburger Ortsgruppe. Die Mitglieder seiner Organisation sollten sich für die Partei entscheiden, die nach ihrer Ansicht für die Vertriebenen am meisten geleistet habe.

Neues Memorandum

Bonn, 18. Oktober, (dpa) Der erste Vorsitzende des Zentralverbandes vertriebener Deutscher (ZVD), Dr. Linus Kather. kündigte für die nächsten Tage ein Memorandum des Zentralverbandes an, in dem die Grundsätze des Verbandes zum Lastenausgleich niedergelegt sind. Kather warnte davor, den deutschen Beitrag zur Verteidigung Europas auf Kosten des Lastausgleichs gehen zu lassen, wofür Anhaltspunkte vorhanden seien. Mit Divisionen allein — so notwendig sie auch sein mögen — sei die Gefahr aus dem Osten nicht zu bannen.

Kriegsopfer treffen sich in Bonn

Bonn, 18. Oktober, (dpa) Zur zweiten Lesung des Bundesversorgungsgesetzes im Bundestag hat der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner (VDK) für Donnerstag, den 19. Oktober, ein Deutschlandtreffen der Kriegsopfer nach Bonn einberufen. Achthundert bis tausend Delegierte aus dem gesamten Bundesgebiet werden erwartet.

Dreifacher Flugzengabsturz

Washington, 18. Oktober. (AP.) Der Stützpunkt der amerikanischen Luftstreitkräfte in Andrews Field bei Washington meldete am Mittwoch, daß drei einsitzige Jäger vom Muster F-86 am Nachmittag fast gleichzeitig im Gebiet von Washington abgestürzt seien. Zwei Maschinen seien in den Potomacfluß gestürzt, während die dritte in einer bewaldeten Gegend Virginias entdeckt worden sei.

Säunberungs-Richtlinien für Hessen

Kabinettsbeschluß auf Anregung der Bundesregierung

Wiesbaden, 18. Oktober. (Eigener Bericht.) Der Anregung der Bundesregierung folgend hat nunmehr nach Württemberg-Baden auch das hessische Kabinett am Mittwoch Richtlinien für die Entlassung von S aatsbediensteten „wegen politischer Betätigung gegen die demokratische Grundordnung“ erlassen. Danach werden Beamte, Angestellte und Arbeiter, die an „Organisat’onen oder Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Staatsordnung teilnehmen, sich für sie betätigen oder sie sonst unterstützen“, entlassen. Eine Teilnahme liegt insbesondere dann vor, wenn der Bedienstete der Kommunistischen Partei, einer ihrer Tarnorganisationen oder einer totalitären rechtsradikalen Organisation angehört.

Liegt die Teilnahme, Betätigung oder Unterstützung vor dem Termin des Inkrafttretens der Richtlinien, die sofort wirksam werden, so ist nach pflichtmäßigem Ermessen zu prüfen, ob aus Gründen der Staatssicherheit die Entlassung geboten erscheint. Dabei ist für die zurückliegende Zeit die Mitgliedschaft allein allerdings kein Entlassungs-

grund. Bei den Tarnorganisationen wurde hinsichtlich der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ und des „Demokratischen Frauenbundes Deutschlands“ insofern eine Ausnahme gemacht, als die Mitgliedschaft kein Grund zur Entlassung ist, wenn der Austritt aus diesen beiden Organisationen bis zum 30. November dieses Jahres erklärt wird.

Kein Schulverwaltungsgesetz mehr

Landtags-Ausschuß stellte seine Beratungen ein

Wiesbaden, 18. Oktober. (Eigener Be¬ richt.) Der kulturpolitische Ausschuß des Hessischen Landtags befaßte sich am Mittwoch erneut mit dem Entwurf eines Schulverwaltungsgesetzes und hörte dazu auch die Gewerkschaft „Erziehung und Volksbildung“ sowie den „Bund der Hessischen Lehrer und Erzieher“. Sowohl die Gewerkschaft als auch der Lehrerbund kritisierten an der Regierungsvorlage besonders, daß Schulräte auch außerdienstlich eine Aufsicht über die Lehrer ausüben sollen. Kultusminister Dr. Stein betonte dagegen, daß er auf eine solche Aufsicht nicht verzichten könne, weil auch die Beamten inner- und außerdienstlich der Aufsicht ihrer Dienstvorgesetzten unterständen.

Im Anschluß an die Aussprache stellte der Ausschuß fest, daß die Beratungen über die Gesetzesvorlage aus Zeitmangel nicht fristgemäß vor der nächsten Landtagssitzung beendet werden können. Da aber andererseits der Landtag nach dem 25. Oktober voraussichtlich nur noch einmal zusammentreten wird, ist die Verabschiedung des Gesetzentwurfes in dieser Wahlperiode nicht mehr möglich. Die weiteren Ausschußberatungen werden deshalb ausgesetzt.

Wirtschaftsblatt

Ueberpreise?

F. C. Die Preisdiskussion ist in vollem Gange. Preiserhöhungen und die Tendenz zu weiteren Preissteigerungen haben diese Diskussion verstärkt. Die breiten Massen der Käufer müssen fürchten, trotz Lohnsteigerungen überrundet zu werden.

An Vorwürfen gegen die Wirtschaft und das Wirtschaftssystem fehlt es nicht. Der mit dem Verkäufer in direkte Beziehungen kommende Einzelhandel sah sich auch aus der Industrie Angriffen auf seine Handelsspanne ausgesetzt. Die Tagung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels in Köln ist unter diesen Umständen zu einer Auseinandersetzung des Einzelhandels mit den schwebenden Preis- und Lohnproblemen geworden. Es haben zweifellos unter dem Einfluß der Koreakrise auch in Westdeutschland Spekulationskäufe stattgefunden. In manchen Bereichen der Wirtschaft sind die Preise stärker gestiegen, als dies die Verteuerung der Rohstoffe rechtfertigte. Spargelder haben ebenso zu ungerechtfertigten Preiserhöhungen beigetragen, wie die durch Aufbesserung der Löhne ausgelöste erhöhte Kaufkraft. Kann man solche durch Erhöhungen der Rohstoffpreise und Löhne allein nicht gerechtfertigten Preiserhöhungen durch den Staatsanwalt unterdrücken? Es liegt im Wesen der Marktwirtschaft, daß steigernde Nachfrage ohne entsprechende Steigerung des Warenangebots zu Preiserhöhungen führt und der erhöhte Preis eine neue Gleichgewichtslage schafft. Mußte man nicht also zunächst höhere Preise in Kauf nehmen?

Auch unter dem Gesichtspunkt der sozialen Marktwirtschaft müssen diese Fragen objektiv geprüft werden. Die Grenzen zwischen spekulativen Aufkäufen und berechtigten Deckungskäufen der Wirtschaft sind meist fließend. Man kann sie mit Hilfe der Polizei nicht klar abstecken. Um so notwendiger ist es Preisauftriebe mit marktgemäßen Mitteln zu bekämpfen.

Die Senkung der Preise für den Volkswagen hat gezeigt, daß eine Preissenkung trotz Lohn- und Rohstoffverteuerung möglich ist. Einen Schlag gegen überhöhte Preise hat die Bank deutscher Länder durch die Erhöhung der Pflichtreserven bei den Geschäftsbanken geführt. Kann er aber voll erfolgreich sein, wenn gleichzeitig der Kreditplafond der Bundesregierung von 1,5 auf 2 Milliarden erhöht wird? Muß nicht diese zusätzliche Kaufkraft- Schöpfung wiederum preissteigernd wirken? Unter solchen Verhältnissen kommt der Liberalisierung der Einfuhren erhöhte Bedeutung zu. Es genügt nicht, übermäßige Zölle abzubauen und Einfuhrquoten zu beseitigen. Die Bundesregierung wird auch erwägen müssen, inwieweit sie die Devisenzwangswirtschaft abbauen kann. Sie wird sich darüber hinaus Gedanken darüber machen, inwieweit das heutige System der steuerlichen Abschreibungen überlebt ist und Steuervergünstigungen zugunsten der Kapitalbildung in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren Platz machen muß.

Erhöhung des Kohlenpreises möglich

Die Lohnverhandlungen der Industriegewerkschaft Bergbau mit den Vertretern der Zechengesellschaften haben begonnen. Die Industriegewerkschaft fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 12 Prozent.

Von gewerkschaftlicher Seite wird betont, daß geprüft werden müsse, wie die höhere Lohnbelastung von den Zechen getragen werden könne. Die IG Bergbau hat berechnet, daß durch eine zwölfprozentige Lohnerhöhung die derzeitigen Lohnkosten, die sich auf 18,34 DM je Tonne belaufen, um 2,15 DM erhöht werden. Man müsse von vier Seiten an das Problem herangehen. Einmal sei die Preisdifferenz zu untersuchen, die für den Hausbrand vom Zechentor bis zum Letztverbraucher entstehe. Es handele sich zwar hierbei nur um 15 Prozent der verwertbaren Förderung. Der Preis dieser Kohle, die für rund 34 DM die Zeche verlasse, belaufe sich beim Endverbraucher jedoch auf 54 bis 58 DM je Tonne. Ein weiterer Ansatzpunkt sei die Ueberprüfung der Kreditgewährung. Da der Kohlenbergbau bisher sehr wenig Kredite aus ERP-Mitteln erhalten habe, sei er gezwungen gewesen, hohe eigene Abschreibungen zu machen. Eine Erweiterung der ERP-Kredite zu mäßigen Zinsen lasse Mittel aus der Selbstfinanzierung für den Ausgleich der Bilanz frei werden. Drittens müsse mit allen Mitteln auf eine Leistungssteigerung des Kohlenbergbaus hingewirkt werden, damit der Lohnkostenanteil sinkt. Schließlich müsse man auch eine Erhöhung des Kohlenpreises ins Auge fassen.

Erhard gegen Partikularismus

Hi. Professor Erhard weist in einem Schreiben an die zuständigen Länderminister unter anderem darauf hin, daß durch Anordnungen einzelner Länder, die eine bevorzugte Berücksichtigung einheimischer Firmen bei der Vergebung öffentlicher Aufträge fordern, eine wirtschaftliche Abschließung der Länder von den übrigen Teilen der Bundesrepublik herbeigeführt wird.

Die Industrien des Bundesgebietes hätten ihren Standort nach den für sie günstigsten Bedingungen gewählt. Dadurch sei eine ungleichmäßige Verteilung der einzelnen Industriezweige über das Bundesgebiet eingetreten. Dieser Tatsache müsse bei der Vergebung öffentlicher Aufträge Rechnung getragen werden, um die vorhandenen Kapazitäten auszunutzen.

Um der sich bereits anbahnenden verhängnisvollen Entwicklung Einhalt zu gebieten, müsse daher für alle Vergebungen öffentlicher Aufträge im Bundesgebiet der Grundsatz gelten, daß das Bundesgebiet eine wirtschaftliche Einheit darstellt und nicht durch die Grenzen der Bundesländer in wirtschaftliche Teilgebiete zersplittert werden dürfe. Daher richtet der Bundeswirtschaftsminister an die zuständigen Länderminister die Bitte, auf eine Aufhebung der entsprechenden Anordnungen hinzuwirken und an ihrer Stelle die uneingeschränkte Anwendung der Verdingungsordnungen durchzuführen.

Vollversammlung in Köln

Hi. Wie wir erfahren, hat der Deutsche Industrie- und Handelstag auf den 7. November sämtliche Industrie- und Handelskimmern zu einer Vollversammlung nach Köln eingeladen, um zu den derzeitigen aktuellen Problemen der Kammern Stellung zu nehmen.

Stromverknappung befürchtet

(vwd) In Kreisen der westdeutschen Elektrizitätswirtschaft sieht man der Stromversorgung im kommenden Winter mit Sorge entgegen. Es sei zwar gelungen, durch die Inbetriebnahme weiterer Maschinen die technischen Schwierigkeiten zu überwinden, doch könne die ungenügende Versorgung der Wärmekraftwerke durch die westdeutsche Kohlenindustrie zu Einschränkungen in der Strombelieferung führen.

Für Auflösung der Restkonzerne

(dpa) Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert, daß die noch bestehenden Konzerne an der Ruhr als Voraussetzung für die Neuordnung der Stahl-, Eisen- und Kohle-Industrie aufgelöst werden. Er beschwerte sich in einer Erklärung über den Einfluß, der von Seiten der alten Konzerne und auch von konzernfreundlicher alliierter Seite ausgeübt werde, um die wirtschaftliche Neuordnung, wie sie in den entflochtenen Stahlgesellschaften zum Ausdruck komme, zu beseitigen.

4,8 Millionen Stahlaufträge

(AP.) Der Auftragsbestand der Westdeutschen Stahlindustrie liegt nach den Berechnungen des Amtes für Stahl und Eisen gegenwärtig bei rund 4,8 Millionen Tonnen, von denen etwa 1,5 bis zwei Millionen Tonnen auf Auslandsaufträge entfallen.

Heringssfischerei ohne Einschränkung

Eine Ueberfischung der Nordsee ist nur für Frischfisch, jedoch nicht für Heringe zu befürchten, wie auf der internationalen Fischereitagung aller Nordseeländer in Göteborg (Schweden) vom 11.—17. 10., an der erstmalig auch eine deutsche Delegation teilnahm, festgestellt wurde. Das ist für Deutschland von besonderer Bedeutung, da die Heringsfangsaison alljährlich das Schwergewicht der deutschen Hochseefischerei bildet.

Liquidation der „Bank der Deutschen Arbeit“

Hessische Kunden der ehemaligen „Bank der Deutschen Arbeit“ haben vom 19. d. M. ab die Möglichkeit, je Konto über einen Betrag bis zu 100 DM ih^es Guthabens zu verfügen. Die Bank für Gemeinwirtschaft ist mit der Liquidation beauftragt.

Die Lohnverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Leder und dem Arbeit¬ geberverband der hessischen lederverarbeitenden Industrie in Bad Königstein sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Gewerkschaft werde jetzt wahrscheinlich gewerkschaftliche Mittel einsetzen, um ihre Lohnforderungen durchzusetzen.

Die internationale Autoausstellung in London wurde am Mittwoch eröffnet. Rund vierhundert Modelle sind zu sehen Die deutsche Automobilindustrie hat in London nicht ausgestellt. Hauptgrund ist, daß Deutschland noch immer keine Kraftwagen nach Großbritannien exportieren darf.

203 000 Besucher wurden auf der Münchener Elektromesse gezählt. Der geschäftliche Erfolg der Messe wird als gut bezeichnet. Auch aus dem Ausland war großes Interesse festzustellen.

Wirtschaftsverhandlungen zwischen der Bundesrepublik und Griechenland wurden in Frankfurt aufgenommen.

Der Welt-Weizen-Export betrug in der Zeit vom 1. August 1949 bis 31. Juli 1950 1 207 270 Tonnen gegenüber 1 447 355 Tonnen im Vorjahr.

Umleitung des Kapitalsflusses

K Immer mehr zeigen sich die Grenzen, die der Entfaltung der Wirtschaft dadurch gestreckt sind, daß die Grundindustrien nicht in dem erforderlichen Umfang ausgebaut wurden. Insbesondere kann die dringend notwendige Steigerung der Kohlenförderung nur erwartet werden, wenn den Zechen die für d;e Verbesserung der Fördereinricht”ngen notwendigen Kanitalien zur Verfügung gestellt werden. Nicht minder w’chtmist der Ausbau der Energiewirtschaft. Fi^r vermag insbesondere die Stromverteilung nicht den Anforderungen zu entsprechen. Wesentlich ist dies darin begründet, daß die ECA-Kredite bisher pßein den Kraftwerken zugute kam°n. Bei der Planung der 111. ECA.-Tranche wird man gerade die Grundindustrien bedenken. Damit taucht wieder die Frage der bereits anfinanzierten Investitionen auf. Zwar sollen die Kreditnehmer jeweils nur geschlossene Investitionsprogramme durchführen und sich nicht auf neue Kredite aus den snäteren Tranchen verlassen. In der Wirklichkeit stößt die Forderung jedoch oft auf erhebliche Schwierigkeiten.

Wie im kommenden Jahr in derartigen Fällen zu helfen ist, steht noch nicht fest. Verschiedentlich wird angenommen, daß die Wirtschaftsbelebung erhebliche Gewinne gebracht hat, die es wenigstens in einer Reihe von Fällen ermöglichen, aus eigener Kraft begonnene Investitionen zu beenden. Weiter wird überlegt, die Eigenfinanzierung nicht mehr steuerlich zu begünstigen, wenn sie einen gewissen Umfang erreicht hat, sondern steuerliche Vorteile nur no°h zu geben, wenn die Erträge an den Kanitalmarkt gelangen. Emzelheiten darüber sind allerdings noch nicht bekanntgeworden.

Umstritten ist nach wie vor das Wirtschaftsförderungsprogramm. Bei der gegenwärtigen Zahlungsbilanz sind Vorfinanzierungspläne wenig beliebt. Große Investitionen können aber nicht ohne Förderung durch die öffentlicho Hand in Angriff genommen werden. Besonders schwierig wird die Lage noch durch den steigenden Sfaa+sbedarf, z. B. für de Verstärkung der Polizei. Schließlich kann d’e öffentliche Hand die Investitionen für den Eisenbahn- und Straßenbau nicht dauernd so niedrig wie gegenwärtig halten. Vermutlich werden die Besatzungsmächte auf einen Ausbau des Verkehrsnetzes drängen. Die aus all diesen Gründen erforderlichen Geldsummen können durch die vorgesehene Bundesanle;he kaum- hereingebracht werden. Die kommenden Montage werden deshalb manche schwierige Entscheidung verlangen.

Unhezahlte Interzonenlieferungen

Die Aussichten auf Bezahlung jetzt noch erfolgender Lieferungen in die Sowjetzone, die vor dem Ablauf des Frankfurter Abkommens am 30. Sept, genehmigt wurden, sind nach einer Mitteilung des Außenhandelskontors Niedersachsen schlecht. Die Sowjetzone habe bereits erhebliche Schulden und für die jetzt noch liefernden Betriebe bestehe die Gefahr, kein Geld für ihre Waren zu erhalten. Das Außenhandelskontor hofft, daß ein neues Abkommen noch 1950 geschlossen wird und die völlig lahmgelegten Interzonenhandelsgeschäfte damit wieder anlaufen.

Deutsche Auslandsschulden

Ein deutsch-alliierter Ausschuß von Finanzexperten wird bald das Problem der deutschen Auslandsschulden und Guthaben erörtern. Die Bundesregierung mißt dieser Beratung größte Bedeutung bei, da eine Reihe politischer und wirtschaftlicher Erleichterungen, die von den Außenministern in Neuyork beschlossen worden waren, erst nach einer befriedigenden Lösung der deutschen Auslandsschulden wirksam werden.

Für die landwirtschaftlichen Berichter¬ statter soll die bisher in Deutschland nicht angewandte amerikanische Schätzungsmethode geprüft und gegebenenfalls übernommen werden.

Die Gebr. Goedhart AG, Lübeck, (Hafen- und Tiefbau) schlägt der HV am 3. Nov. Umstellung 2:1 von 5 Mill. RM auf 2,5 Mill. DM vor.

Börsen und Märkte

Frankfurter Börse

Bz. Mit Ausnahme von Gebr. Fahr, die bei 56 um 3 Prozent anzogen und nur zu 25 Prozent zugeteilt wurden sowie Südd. Zellwolle 111 (pl. 2), nahm das Geschäft einen sehr stillen Verlauf. In der Mehrzahl konnten sich zwar die Kurse halten, immerhin ergaben sich aber doch einzelne Kursrückgänge. Besonders betroffen waren Bergbauaktien mit Verlusten zwischen V« und 1,5 Prozent. Darüber hinaus Rheinstahl 52,50 (—2,50). Elektropapiere waren gehalten bis auf Accumulatorenf. 99,50 B (—2,5), AEG 27,75 (—0,75).

Freie Devisenkurse

Bz. Folgende freie Devisenkurse wurden in Frankfurt am 18. Oktober 1950 genannt: Der USA-Dollar mit 5,15 bis 5,25 DM, das englische Pfund mit 12,50 bis 13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,15 bis 1,25 DM, der holländische Gulden mit 1,12'/2 bis 1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM und der österreichische Schilling mit 0,14 bis 0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben sind für 1 DM-West 5 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark 1 DM-West geboten worden.

Filme, die wir morgen sehen

Die Heilige mit dem Schwert

Historisches zu dem Film „Johanna von Orléans“

Kaum eine geschichtliche Gestalt hat jahrhundertelang bis heute so sehr im streitbaren Für und Wider der Meinungen gestanden wie Jeanne d’Arc. Die Literatur über sie, schon an sich kaum noch xu überblicken, zerfällt in Schriften und Dichtungen ihrer Bewunderer und ihrer Gegner. Ein Akt der Bewunderung ist das idealistische Drama Schillers; kein Geringerer indessen als Voltaire hat ihr in seinem ironischen Heldenepos „La Pucelle“ ein äußerst höhnisches, ja geradezu infames Denkmal gesetzt: der allem Wunderglauben abholde Rationalist hoffte damit vergeblich, der geschichtlichen Legendenbildung einen dauernden Schlag versetzt zu haben. Aber Legion sind die geschichtlichen und theologischen Untersuchungen: allein die Literatur über den Prozeß gegen Johanna füllt heute eine stattliche Bibliothek; erst jüngst sind wieder ungemein aufschlußreiche, zum Teil mit neuentdecktem Material arbeitende Werke darüber erschienen.

Der tiefere Grund für diese rastlose Beschäftigung mit der Gestalt der Johanna von Orleans ist das Widersprüchliche in ihrem Bild und ihrem Leben. Schon allein daran, daß sie die einzige Kirchenheilige mit dem Schwert als Attribut ist, mag man ermessen, wie schwer es den dazu berufenen Institutionen gewesen ist, zu der Anerkennung der Heiligkeit zu gelangen. Sieht man genauer zu, so häufen sich die Dissonanzen. Das Mädchen, das den geheimnisvollen Stimmen gehorcht, die ihm den Weg weisen, wird in eine verhängnisvolle Entwicklung gestoßen, die sich bei ein wenig Einsicht ohne weiteres hätte vermeiden lassen. Die Gehorsame bricht den Eid, den sie dem König geleistet hat, weil eine starke Friedenspartei, der auch der König angehört, dem Blutvergießen mit den Engländern wenn schon nicht ein Ende, so doch mindestens eine längere Pause setzen will. Die Heilige widerstrebt also dem Frieden und setzt den Krieg gegen das Geheiß des Königs auf eigene Faust fort: dabei erleidet sie neben Erfolgen auch verschiedene Niederlagen und wird schließlich bei einem Ausfall aus dem belagerten Compiegne gefangengenommen. Und nun ist es mit ihrem Glück für immer vorbei, ein Jahr darauf besteigt sie den Scheiterhaufen, nachdem sie eine Woche vorher, um ihr Leben zu retten, umgefallen war und das gewünschte Geständnis ablegte, bald darauf aber widerrufen hatte.

Dieses 17jährige Mädchen, das von dem heimatlichen Bauernhof plötzlich an die Spitze der Nation tritt, spottet jeder rationalen Deutung. Sind es denn nicht gerade diese vermeintlichen Widersprüche, die ihre Größe und ihre Unvergeßlichkeit ausmachen? Eine nur siegreiche, eine ganz unkomplizierte, geradlinige Johanna hätte die Phantasie der Jahrhunderte nicht entfernt so beschäftigt und die Künster nicht so unablässig zur Befassung und Versenkung angereizt. Das Menschliche wie das Wunderbare sind hier eine einmalige, ganz unvergleichliche Verbindung eingegangen. Die Jungfrau mit dem Schwert hat in den mehr als fünfhundert Jahren nach ihrem Märtyrertod nichts von ihrer Magie eingebüßt.

Und dies ist, was sie auch so sehr geeignet machte, Gegenstand der Dichtung und Kunst zu werden. Die drei Jahre des Wirkens, die ihr vergönnt waren, sind zum Bersten voll von Taten und Ereignissen — allein aus diesem historischen Exempel zeigt sich die Unvereinbarkeit von erlebter und rationaler Zeit. — Mit Johanna beginnt das Erwachen der europäischen Nationen, mit ihr erscheint zum erstenmal das Volk als gleichberechtigter Faktor neben dem Souverän, mit ihr beginnt erst die eigentliche abendländische Prägung des Freiheitsbegriffes. All dies in drei Jahren und wenn man es sehr genau nimmt, sogar nur in zwei Jahren, denn zwischen der Befreiung von Orleans im Jahre 1429 und ihrem Tode liegen nur zwei Jahre, und eines davon hat sie in Gefangenschaft und im Elend verbracht. Ein Jahr des Glanzes und Sieges und eines der Verhöre und Martern bis zu jenem Morgen des 30. Mai 1431, als der Henker die Fackel an den pechgetränkten Scheiterhaufen legt.


EINE HEILIGE UNTER SÜNDERINNEN „Dies ist die Geschichte einer großen Liebe", sagt Julien Duvivier zu seinem Film. „Aber es ist auch die Charakter Studie einer Frau mit krankhaften Verdrängungskomplexen. In einem Erziehungsheim für Mädchen prallen diese gegensätzlichen Momente aufeinander: Eine Frau, die von der Liebe verschmäht wurde, versucht sich an einem Mädchen zu rächen, das dieser Liebe begegnet ist." In diesem Widerspiel tauchen Probleme auf, die durchaus „zeitgemäß“ sind und gleichzeitig die Geschichte eines menschlichen Dramas darstellen. (Im Thalia.) Foto: London-Film.
EINE HEILIGE UNTER SÜNDERINNEN „Dies ist die Geschichte einer großen Liebe", sagt Julien Duvivier zu seinem Film. „Aber es ist auch die Charakter Studie einer Frau mit krankhaften Verdrängungskomplexen. In einem Erziehungsheim für Mädchen prallen diese gegensätzlichen Momente aufeinander: Eine Frau, die von der Liebe verschmäht wurde, versucht sich an einem Mädchen zu rächen, das dieser Liebe begegnet ist." In diesem Widerspiel tauchen Probleme auf, die durchaus „zeitgemäß“ sind und gleichzeitig die Geschichte eines menschlichen Dramas darstellen. (Im Thalia.) Foto: London-Film.

„Make up“ mit dem Radiergummi

Selbst der Richter drückte mal ein Auge zu

Jede Frau will schön sein. Und es vor allem bleiben! Aber leider kann niemand den Zeiger der Zeit anhalten und so altern wir allemal von Tag zu Tag. Dies Unumgängliche irgendwie zu überlisten, war seit jeher das Bemühen der Evastöchter, keine Mühe und keine Mittel (soweit man hat, oder sie einem verliebten Adam abluchsen kann) wurden und werden gescheut, um die Natur zu korrigieren: das moderne „make up“ ist das Produkt dieses vieltausendjährigen Ringens, des gigantischsitien Krieges aller Zeiten, der vom Urbeginn des Menschengeschlechtes bis zu seinem Erlöschen ununterbrochen tobt und toben wird. „Tobt“ darf man ruhig sagen — denken Sie bitte nur an die ersten grauen Haare!! (Erst schreit man, dann zupft man, dann — vernünftig geworden — färbt man.)

Frauen, die von ihrem guten Aussehen leben (lächeln Sie bitte in Gedanken nicht so unkeusch, mein Herr!), kämpfen besonders verzweifelt gegen das Altwerden. Vor allem die Filmdiven haben es schwer — die Großaufnahme enthüllt auf der Leinwand unerbittlich, was das Reklamebüro der Filmgesellschaft auf keinen Fall wahrhaben will. Vieles läßt sich wegschminken, aber eben doch nicht alles, denn letzten Endes spielt ja nicht nur ein maskenhaftes Gesicht, sondern der ganze Mensch. Und wenn man eine Frau von fünfundvierzig Jahren als Zwanzigjährige aufgetakelt hat, so bleibt eine Diskrepanz, die peinlich wirkt. Denn zu dem Aussehen einer Zwanzigjährigen gehört auch das Wesen einer solchen — es genügt eben nicht, daß Oma sich sichtlich bemüht, backfischhaft zu kichern, um dann beim happy end in den Armen eines mit einer prächtigen Perücke gezierten glatzköpfigen „jugendlichen Liebhabers“ sanftfraulich zu erröten. Papier ist geduldig, die Produktion mag das Altern ihres Stars noch so oft heruntersetzen (Jean Marais ist eben von 1914 auf 1920 „umgeboren“ worden, prima Sache, nicht wahr), das Publikum jedoch ist nur bis zu einem gewissen Grade geduldig. Wenn man einen Star 30 Jahre lang gesehen hat, glaubt man nicht mehr, daß er gerade 42 Jahre alt geworden ist, falls er auch in seinen ersten Rollen einen schon recht erwachsenen Eindruck gemacht hatte.

Ueber Heli Finkenzeller wurde unlängst viel geschmunzelt: sie hatte ein neues Hilfsmittel im Kampf um die ewige Jugend entdeckt — den Radiergummi. Und sie radierte. Bescheideneiweise nur drei winzige Jährchen — aus dem Reisepaß heraus. Die Herren vom Gericht nannten das Urkundenfälschung und verdonnerten Heli zu 200 DM Geldstrafe. Da ging Heli aber der Hut hoch und sie kreuzte in der Berufungsverhandlung höchstpersönlich auf. Denn welche Frau kämpfte nicht um ihre Jugend und — ihren Geldbeutel. Sie machte es wie Cäsar: sie kam, sie sah, sie siegte. Denn sie schaute so reizend aus, daß die Herren der Schöpfung selbst zugestehen mußten, daß das unradierte Alter einfach ungalant war. Und um zu beweisen, daß Charme und Kavaliere nicht nur in Paris zu Hause sind, sondern auch im rauheren Berlin, setzten die hohen Gerichtsherren die Strafe um die Hälfte herab. Dem Gesetz muß natürlich Genüge getan werden, aber — bescheiden radiert, bescheiden bestraft!

Die Wiener sind übrigens noch galanter: dort dürfen Schauspielerinnen mit amtlicher Erlaubnis bis zu zehn Jahren von ihrem Alter abziehen. Damit sie nicht zum Gummi greifen müssen! (Spitze Zungen meinen nur, die Diven in Berlin hätten die zehn Jährchen schon sowieso abgezogen.) R.

„Flying Leathernecks" ist der Spitzname der amerikanischen Marineinfanterie und zugleich der Titel eines Films, der erstmals Aufnahmen aus dem gegenwärtigen Korea-Konflikt zeigt.


JOHANNA VON ORLEANS Ingrid Bergman gestaltet in dem Farbfilm der RKO das Schicksal des Bauernmädchens aus Arc, das die Schlacht von Orleans entschied, einen undankbaren König rettete und schließlich, von aller Welt verlassen, den Tod auf dem Scheiterhaufen von Rouen fand. Regie: Viktor Fleming. (Im Union.) Foto: RKO.
JOHANNA VON ORLEANS Ingrid Bergman gestaltet in dem Farbfilm der RKO das Schicksal des Bauernmädchens aus Arc, das die Schlacht von Orleans entschied, einen undankbaren König rettete und schließlich, von aller Welt verlassen, den Tod auf dem Scheiterhaufen von Rouen fand. Regie: Viktor Fleming. (Im Union.) Foto: RKO.

„Anzügliches“

Ingrid Bergman hat in dem RKO-Film „Stromboli“ mit ihrer Bühnengarderobe einen Billigkeitsrekord aufgestellt. Die Kleider, die sie hier trägt, haben nicht mehr als dreißig Dollar gekostet. Sie bestanden aus ein paar Hemdblusen, ein Paar Sandalen, einem Pullover und einem gebrauchten Trenchcoat. Alles zusammen hatte man in einem billigen Warenhaus Messinas gekauft.

Marlene Dietrich trägt in jedem ihrer Filme die teuersten und elegantesten Kleider aus Seide, Spitzen und aus — Pferdehaar, wie in dem soeben angelaufenen Film „Die rote Lola“. Zwar muß auch sie gelegentlich ein armes Mädchen spielen, doch irgendwo kommt dann aus dem Hintergrund immer ein extravagantes Kleid zum Vorschein, das Marlene noch schnell anziehen muß, ehe der Film zu Ende geht.

Dick und Doof haben ihren Film „Atoll K“ beendet. Dabei mußte einmal für Oliver Hardey, den „Dicken“, binnen sechs Stunden ein seinem Umfang entsprechender Schlafanzug gefertigt werden, für den nicht weniger als 12 Meter Popelin verschnitten werden mußten.

Ingrid Bergmans Rüstung, die sie als „Mädchen von Orleans“ trägt, war aus Leichtmetall gearbeitet und wog „nur“ 20 Pfund. Sie bestand aus einer verwirrenden Menge von Einzelteilen: Brustplatte, Stahlnetzrock, Armschienen, Schulterplatte, Ellenbogen- und Kniekappen, Traggurten, Panzerschuhen und Beinschienen, Hauptschutz, Helm, Visier und Handschuhen.

Die lachende Leinwand

Es sind nun 16 Jahre her, seit ein junger Schauspieler namens Spangler Arlington Brugh in die - Goldwyn-Studios kam, um seine Filmprütung zu machen. Die ersten Worte, die dieser Brugh — heute kein anderer als Robert Taylor — vor der Kamera sprach, waren: „Er hat mich getroffen — ich sterbe!“

Anschließend drehte er dann 39 Filme.

Gardy Granass, die erstmals in dem Film „Tromba“ auffiel, hat trotz — oder besser gerade wegen — ihrer zwanzig Jahre schon eine große Anzahl von Verehrern. Audi ihre jungen Kollegen versuchen sich in Komplimenten: „Du siehst heute wieder ganz besonders lieb aus“, meinte einer.

„Ja, stimmte Walter Giller, der neuentdeckte jugendliche Komiker bei, „wie ein zwanzigjähriger Pfirsich“. •

Fita Benckhoff ist nie um eine gute Antwort verlegen. Nach einem Konzert wurde sie gefragt: „Hat es dir denn gefallen?“

„Oh, die Sängerin hatte jedenfalls Erfolg!“ lächelte Fita maliziös. „Als sie das Wiegenlied von Mozart sang, hat das Publikum bereits geschlafen“.


Die SONNHOFBÄUERIN Sogar im Kuhstall unterhält man sich über das „Verhältnis", das die Sonnhofbäuerin mit dem Martin haben soll, der auf dem Hof nach dem Rechten sieht und mithilft, weil der Bauer noch immer als im Krieg vermißt gemeldet ist und kein Lebenszeichen von ihm vorliegt. Die Frau wartet — aber aus ihrer Jugendfreundschaft zu Martin entwickelt sich eine tiefe Zuneigung die zum Konflikt führt, als der Sonnhofbauer eines Tages doch noch aus der Gefangenschaft zurückkehrt; nur der Sohn hatte noch an seine Wiederkehr geglaubt. (Im Hansa.) Foto: Ringfilm.
Die SONNHOFBÄUERIN Sogar im Kuhstall unterhält man sich über das „Verhältnis", das die Sonnhofbäuerin mit dem Martin haben soll, der auf dem Hof nach dem Rechten sieht und mithilft, weil der Bauer noch immer als im Krieg vermißt gemeldet ist und kein Lebenszeichen von ihm vorliegt. Die Frau wartet — aber aus ihrer Jugendfreundschaft zu Martin entwickelt sich eine tiefe Zuneigung die zum Konflikt führt, als der Sonnhofbauer eines Tages doch noch aus der Gefangenschaft zurückkehrt; nur der Sohn hatte noch an seine Wiederkehr geglaubt. (Im Hansa.) Foto: Ringfilm.

NACH REGEN SCHEINT SONNE Der Mann, der auf unserem Bild etwas verstört auf die hübsche Dame schaut, die ihm verheißungsvoll zuzwinkert, ist Bräutigam wider Willen. Wie es dazu kam, daß Herr Konstantin das Fräulein Sabine, das er bei einem Selbstmordversuch mitten im Fluß kennenlernte, schließlich doch noch heiratete, obwohl er nur als Pseudo-Bräutigam gedacht war und die Polizei in ihm einen Heiratsschwindler erkennen wollte, das zeigt diese Filmkomödie mit Sonja Ziemann, Gert Fröbe, Rudolf Platte, Willy Reichert und Beppo Brem. (Im Belida.) Foto: AGF.
NACH REGEN SCHEINT SONNE Der Mann, der auf unserem Bild etwas verstört auf die hübsche Dame schaut, die ihm verheißungsvoll zuzwinkert, ist Bräutigam wider Willen. Wie es dazu kam, daß Herr Konstantin das Fräulein Sabine, das er bei einem Selbstmordversuch mitten im Fluß kennenlernte, schließlich doch noch heiratete, obwohl er nur als Pseudo-Bräutigam gedacht war und die Polizei in ihm einen Heiratsschwindler erkennen wollte, das zeigt diese Filmkomödie mit Sonja Ziemann, Gert Fröbe, Rudolf Platte, Willy Reichert und Beppo Brem. (Im Belida.) Foto: AGF.

DAS GIBT ES NUR IN TEXAS Die „Drei Musketiere der Prärie" suchen den Mörder des alten Harper und den Dieb seines Vermögens. Ueber die Prärie, durch Blockhütten und geheimnisvolle Gänge führt die wilde Jagd, und mehr als einmal sind die drei Freunde in Lebensgefahr. Mit List und Gewalt gelingt es ihnen schließlich, ein lückenloses Netz um den Mörder zu legen und ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Ein Wild-West-Film aus der Heimat der Cowboys, der Banditen, der schweren Colts und rassigen Pferde, wie wir sie — vom Film kennen. (Im Palast.) Foto: Viktoria-Film.
DAS GIBT ES NUR IN TEXAS Die „Drei Musketiere der Prärie" suchen den Mörder des alten Harper und den Dieb seines Vermögens. Ueber die Prärie, durch Blockhütten und geheimnisvolle Gänge führt die wilde Jagd, und mehr als einmal sind die drei Freunde in Lebensgefahr. Mit List und Gewalt gelingt es ihnen schließlich, ein lückenloses Netz um den Mörder zu legen und ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Ein Wild-West-Film aus der Heimat der Cowboys, der Banditen, der schweren Colts und rassigen Pferde, wie wir sie — vom Film kennen. (Im Palast.) Foto: Viktoria-Film.

Darmstadt und Umgebung

Die höfliche Polizei

Es gibt so wenig Dinge im Leben, über die man sich freuen kann, wenn man den Standpunkt des Pessimisten einnimmt. Pessimismus ist eine unheilbare Krankheit, wie mir scheint, und man könnte höchstens versuchen, dem Geist der ewigen Mießmacherei mit etwas Ueberzeugendem die Hühneraugen zu hobeln. Dieser Vorfall ist wahr, und darum bemerkenswert, weil er erkennen läßt, daß es sich noch lohnt, an die Vernunft und Hilfsbereitschaft zu glauben.

Es war am Diönstag gegen elf Uhr vormittags. In der Ernst-Ludwig-Straße geht ein älterer, körperbeschädigter Mann auf dem Bürgersteig, der durch die ständigen Bauarbeiten im Laufe der Zeit das Panorama einer Mondlandschaft angenommen hat. Der alte Mann blieb wohl mit dem Fuß in einer Bodenunebenheit hängen, stolperte und fiel der Länge nach hin. Nun würde es mich freuen, vermelden zu

können, daß einige Passanten auf den Gefallenen zustürzten, um ihm aufzuhelfen. Beileibe nicht! Eine motorisierte Verkehrsstreife kam vorbei, sah den Gestürzten und hielt sofort an. Selbst der Mann mit der goldenen Schnur an der Mütze, der im Beiwagen saß. sprang heraus und sie halfen dem alten Mann behutsam auf die Beine und erkundigten sich besorgt, ob er nicht etwa Schaden genommen hätte. Erst als sie sahen, daß kein -Grund zu Befürchtungen bestand, fuhren sie zufrieden weiter.

Es ist nur eine Kleinigkeit, dieser Vorfall, aber er zeigt doch, daß wir uns auf dem besten Wege befinden, einmal Menschen zu werden, Menschen, deren höchste ethische Pflicht es sein muß, seinen Mitmenschen in Not und Gefahr beizustehen, ganz gleich, ob einer in Zivil ist oder in Uniform, ob er alt ist oder jung. Aus diesem Grunde: der Polizei ein kräftiges Bravo!

Wieder öffentliche Fenermelder?

Neues von unserer Feuerwehr

Anläßlich der amerikanischen Feuerschutzwoche, der sich auch die Darmstädter Feuerwehr angeschlossen hatte, gab uns Branddirektor Jost interessante Aufschlüsse.

Der Darmstädter freut sich, wenn der Feuerwehr bei einer Uebung ein Schlauch platzt oder gar ein Unbeteiligter aus Versehen naß gespritzt wird. Wie aber die Feuerwehr arbeitet und was alles an Löschmitteln und -geräten vorhanden ist, damit wir vor größeren Feuerschäden bewahrt bleiben, das wissen nur wenige.

Die Aufgabe der 50 Mann starken Berufsfeuerwehr, die im 24stündigen Dienst in zwei Wachen eingeteilt ist, läßt sich mit drei Worten umgrenzen: Feuerverhütung, Betriebsüberprüfungen, Feuerbekämpfung. Als Reserve steht ihr in Darmstadt außer den Werksfeuerwehren die Freiwillige Feuerwehr zur Verfügung, die in Darmstadt, Eberstadt und Arheilgen je etwa 50 Mann stark ist. Der Stand an Löschfahrzeugen ist befriedigend, ein neuer Rüstwagen für Unfälle usw. wird zur Zeit selbst erbaut. Bei der Feuerwache sind vorhanden: 2 Motorspritzen und 2 Tanklöschfahrzeuge, 1 Drehleiter, 1 Funkwagen, 1 Vorauswagen und 2 Lastkraftwagen. In den Vororten befinden sich je 2 Motorspritzen und 1 Leiter.

Bei Feuermeldung rückt der Löschzug mit zwei Motorspritzen aus, auf besondere Anforderung oder bei Fabrikbränden fährt die große Leiter mit. Vom Alarm bis zur Ausfahrt dauert es nur eine knappe Minute. Mit dem Einzug in die geplante Feuerwache wird sich noch vieles bessern. Diese neue Wache soll in der Nähe des Industrieviertels liegen, unmittelbar an den großen Hauptstraßen. Dort wird auch die Einsatzgeschwindigkeit beschleunigt, da die Feuerwehrmänner in Sekundenschnelle an Rutschstangen zu den Geräten gelangen können. Die Geräte der Freiwilligen Feuerwehr der Innenstadt befinden sich zur Zeit im Taunusring.

Für besondere Zwecke verfügt die Feuerwehr über Rettungsgeräte und Apparate zur Wiederbelebung, über Schaumlöschgeräte für Benzin- und Autobrände, und in den Werkstätten werden nicht nur die eigenen Fahrzeuge gepflegt und repariert, sondern auch die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren betreut.

Berechtigte Klagen führt die Feuerwehr, da ihr nicht den Verkehrsvorschriften entsprechend bei Alarmfahrten Platz gemacht wird. Kaum einer kümmert sich darum, daß die Feuerwehr Vorfahrtrecht hat! Die alten Klingelsignale setzen sich im modernen Straßenverkehr kaum noch durch, auch die Martinhörner mit ihrem erregenden Klang müßten in der Lautstärke verbessert werden.

Im Anschluß an diese Feuerschutzwoche wird übrigens eine verstärkte Ueberprüfung der Betriebe auf Feuersicherheit stattfinden. In der Weihnachtszeit wendet die Feuerwehr wie früher den größeren Geschäften ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Der wichtige Theaterdienst wird von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr versehen.

Wenig bekannt ist, daß die Feuerwehr bis zu einer gewissen Grenze (7,5 Kilometer) in Notfällen zur unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe verpflichtet ist. Die durch die Luftangriffe völlig zerstörte Feuermeldeanlage konnte noch nicht wiederaufgebaut werden, da die unterirdischen Kabelleitungen — und nur solche kommen als sicher in Frage — sehr teuer sind. Branddirektor Jost will aber wenigstens in der Innenstadt demnächst einige öffentliche Feuermelder wieder anbringen lassen. H. W. W.

Neue Einfahrt

in die Frankfurter Straße

Hinter dem Gerichtsgebäude, am Ende der Luisenstraße, sperren in diesen Tagen Verkehrsschilder die Einfahrt in die Frankfurter Straße und ein Verkehrspolizist achtet darauf, daß niemand auf der frischen Pflasterung herumfährt. Arbeiter der HEAG, Pflasterer und Erdarbeiter sind dabei, die Einfahrt in die Frankfurter Straße zu begradigen, nachdem die Stadt vor einiger Zeit das entsprechende Gelände von den angrenzenden Grundstücken angekauft hatte. In der Mitte dieses neu entstehenden Platzes wird eine Verkehrsinsel für die Haltestelle der Straßenbahn angelegt, die bei dieser Gelegenheit aus der engeren Frankfurter Straße herausgenommen werden soll. Die Gleisanlagen der Straßenbahn werden in Nachtschichten neu verlegt, um den Straßenbahnverkehi' nicht zu stören. Die augenblickliche Umleitung des Fahrzeugverkehrs verläuft durch die Bismarckstraße und - Leuschner-Straße. DT

Evangelische Jugendgemeinde musizierte

Ein Konzert mit ausgezeichneter Programmauswahl und beachtlichen Leistungen veranstaltete die evangelische Jugendgemeinde Eberstadt dieser Tage im Gemeindehaus. Im festlich geschmückten Saal nahmen als Gäste Pfarrer We i s - g ä r b e r, Pfarrer Ratgeber und Amtmann Dächert teil. Zum Vortrag kamen bedeutende, aber leicht verständliche Werke aus der Barockzeit, der Klassik und Romantik, zu denen Walter Geißler einführende Worte sprach. Die Vortragenden: Violinen Fritz Vogt, Anneliese Kni eß, Klavier Hans Weißgärb er, Gertrud Knödel zeichneten sich durch gutes Zusammenspiel aus. Besonderen Beifall erhielt die Sopranistin Gertrud Knödel, die im Programm sdhr in Anspruch genommen war und mit Anmut und Wärme vortrug.

Es war ein Abend, der durch das gemeinsame Erleben der Musik unserer großen Meister die Gemeindemitglieder einander näher brachte und die Jugend anspornte zur Hinwendung an die Kunst. t—s

Im Dienste der Kriegsopfer

Am 18. Oktober konnte Reg.-Inspektor i. R. Savelsberg, Mauerstraße 11, seit 1945 Leiter der KB-Stelle Darmstadt, auf sein 40jähriges Jubiläum als Beamter im Versorgungswesen zurückblicken. Jetzt ist Herr Savelsberg ehrenamtlich im

Dienste der Kriegsopfer tätig. Am gleichen Tage feiert Herr Keil, Darmstadt-Arheilgen, Woogstraße 15, sein 30jähriges Jubiläum im gleichen Dienste, als Betreuer der Hirnverletzten.

Das Rote Kreuz sucht den ehemaligen Leutnant Willi S t r o p p aus Darmstadt, der 1943 in Berlin und 1944 in Rußland war. Um Nachricht bittet der Bezirks-Verband Darmstadt, Wilhelmstraße 36.

lieber seine Reiseeindrücke aus Ame¬ rika spricht Oberbürgermeister Metzger am Donnerstag, dem 19. Oktober um 20 Uhr, im Gasthaus „Zum goldenen Löwen“ in Arheilgen. -st

Trockenbeerauslese vom Bacharacher Weinfest

Zu viel Reklame ist nicht gut

Etwa zwanzig Darmstädter standen kürzlich auf einem nebeligen Bahnsteig in Mainz-Bischofsheim und warteten auf den Samba-Expreß, der sie zum Weinlesefest ^nach Bacharach bringen sollte. Sie sahen aus wie ganz gewöhnliche Reisende, gleichgültig, morgenlich nüchtern und fröstelnd im unfreundlichen Wetter. Aber dennoch, so überaus durchschnittlich und kühl diese Samba-Gesellschaft War, sie wurde doch als solche erkannt und durchschaut: Als ein paar Radfahrer, die über die nahgelegene Landstraße fuhren, auf der Höhe des Bahnsteigs angekommen waren, riefen sie aufmunternd herüber: „Legt Euch ruhig schlafen, Euer Expreß hat en Platte.“

In dem Samba-Zug — der dann doch kam und genügend reservierte Plätze für die Darmstädter Reisenden hatte — fuhren offensichtlich zwei geschlossene Reisegesellschaften mit. Die Belegschaft der Frankfurter Opelniederlassung bestand darauf, sich von einer Dampflok der Bundesbahn in den Besitz froher Laune bringen zu lassen. Die Coca- Cola-Gesellschaft trank auf dem Weg nach Bacharach nur Schnaps. Unterdessen übertrug ein Lautsprecher in alle elf Waggons das schöne Lied „Auch am Mississippi wächst ein W^in . .

In Ma;nz stellte sich heraus, daß „morje die Faßnacht anfängt“, welches wiederum den gehobelten Opel- und anderen Leuten so in die Beine fuhr, daß sie, ihre Steifheit verkneifend, Samba tanzten. Der Reiseleiter wischte sich den Schweiß von der Stirn, der Engpaß der Stimmung war wieder einmal glücklich überstiegen.

Bacharach hat zweitausend Einwohner. Wenn zehntausend auswärtige Gäste dazukommen, nennt man das Weinlesefest oder Bacchustreiben (das kommt auf das jeweilige Temperament an, im Festzug standen jedenfalls alle möglichen Embleme des Weinbaues). Man konnte auf dem Bacharacher Weinfest getrost sein Geld ausgeben, das man bei der Herstellung von Coca-Cola verdient hatte, man konnte als ehrbarer Vater seine Tochter in dem Gewühl verlieren und im getreuen SambP-Fxpreß wiederfinden, es war auch möglich, daß sich der eine oder andere als besonders starker Mann oder di°se oder jene als dämonisches Rasseweib erwies, — eines durfte man aber auf keinen Fall sein: Berichterstatter oder Reiseleiter! Die Frankfurter und Darmstädter Presse — von der Stadt gebeten und geladen — hatte ihre liebe Not, bis sie sich an Hand von Gutscheinen einen trinkbaren Wein erkämpfte. Zudem erfuhr sie zu ihrer Bestürzung, das „eigentlich“ nur die billigste Sorte vorgesehen sei. da sonst der Wirt mit einem Defizit rechnen müsse. Aber wir wollen es dem vielgeplagten Oberhaupt der Stadt nicht verübeln. Die Fülle war zu groß, das Angebot an trinkfreudigen Gästen zu gewaltig. Man soll halt nie mehr Reklame machen, als man sich leisten kann. Kä

Stadtverordnetensitzung und Grenzgang

Die nächste Sitzung der Stadtverordneten ist auf den kommenden Donnerstag angesetzt. Da die während der Ferien aufgelaufenen Angelegenheiten in der letzten „ereignisreichen“ Sitzung aufgearbeitet wurden, dürfte es diesmal keine allzugroße Tagesordnung geben. Am Tage darauf findet der traditionelle Grenzg a n g statt, der über die Munasiedlung entlang der Walcher Grenze ins Mühltal zum Schweizerhäuschen führt. DT

Der Sit der Kirchenleitung

Als vorletzter Beratungsgegenstand steht auf der Tagesordnung der nächsten Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau der Bericht über den Sitz der Kirchenleitung. Die Synode wird vom 27. bis 29. November in Frankfurt zusammenkommen.

Die Entscheidung über den Sitz der Kirchenregierung war bereits in der Verfassungsgebenden Synode vom 7. Dezember 1949 gefallen und zwar mit absoluter Mehrheit für Darmstadt. Auch der Bericht der Kommission, die feststellen sollte, ob nicht etwa doch „schwerwiegende finanzielle Bedenken“ gegen die Wahl Darmstadts bestünden, widersprach dem rechtsgültigen Beschluß nicht.

Wir haben gestern, im Zusammenhang mit der Verlegung der Hessischen Eichaufsichtsbehörde nach Darmstadt, bereits darauf hingewiesen, daß der hessische Staat sich seiner Sparsamkeitsverpflichtung bewußt war, als er sich entschloß» das in Darmstadt befindliche staatseigene Gebäude des Eichamts zu nutzen. Auch die Synodalen, die in dem ähnlich gelagerten Fall seiner Zeit ähnlich entschieden, taten das als getreue Hauswalter, da auch die Wohnungsfrage für die Beamten und Kirchenräte, die nach Darmstadt übersiedeln würden, von der Stadt durch ein großzügiges Anerbieten gelöst erscheinen sollte, dürfte der gewiß als unbequem empfundene Zustand der „Dreigleisigkeit“ der hessischen Kirchenverwaltung unschwer und bald aufgehoben werden können. P.D.

Nene Meldeformblätter

Wie das Hessische Innenministerium mitteilt, dürfen bei den polizeilichen An- und Abmeldungen seit dem 1. Oktober 1950 nur die neuen mit der Verordnung über das Meldewesen vom 21. Juni 1950 (GVBI 1950, Nr. 26, Seite 119) eingeführten Meldeformblätter von den Polizeidienststellen entgegengenommen werden.

Da die bisherige weitere Verwendung der alten Formulare zu Störungen geführt hat, wird die Bevölkerung aufgefordert. beim Einkauf ausdrücklich die neuen Formulare zu verlangen. Sie sind für jeden dadurch kenntlich, daß darauf u. a. auch nach der Flüchtlingseigenschaft und dem Personalausweis gefragt wird.

In drei Monaten 25 Pfund leichter

Einiges über einige private Badeanstalten Darmstadts

Nach dem Krieg gab es nur wenige Bevorzugte, die in der glücklichen Lage waren, ein eigenes Bad zu besitzen. Wer sich in den staubreichen und kohlearmen Zeiten der ersten Aufbaumonate einmal gründlich vom Alltagsschmutz reinigen wollte, mußte sich vom Arzt ein Bad verschreiben lassen. Mit dem Rezept ging er dann ins Krankenhaus, und in zwei bis drei Wochen bekam er mitgeteilt, daß er in die Wanne steigen dürfe.

Man muß schon sagen, daß es sich inzwischen sehr gebessert hat. Greifen wir einmal drei private Badeanstalten im Stadtinneren heraus und sehen, was sich dort so tut. Da wäre zunächst die Badeanstalt Pfeiffer im Hauptbahnhof. 1945 eröffnet, als es noch keine Brennstoffe gab, und man gemeinhin sein Brikett in der Aktentasche mitnehmen mußte. Hier nicht, im Bahnhof gab es das heiße Wasser „ohne“. Vergangenes Jahr wurde die Anstalt ausgebaut und heute warten acht moderne Wannen, die in verschiedenen Farben ausgekachelt sind, auf ihre Gäste. Daneben gibt es auch zwei Brausebäder, Einzelsauna und Massage. Wenn man hört, daß im Monat etwa 3000 Bäder verabfolgt werden, dann stellt diese Zahl dem Reinigungsbedürfnis der Darmstädter zweifellos ein gutes Zeugnis aus. Natürlich wollen auch viele Reisende hier ihren Staub aus anderen Gegenden Deutschlands loswerden.

Wer in Finnland oder in Rußland war, der kennt die fabelhafte Einrichtung einer Sauna. Das erste Mal findet man es furchtbar heiß, und jeder denkt, daß er es niemals aushalten wird. Das nächste Mal schon wird es zu einer lieben Gewohnheit. Das beweisen die Stammkunden der Sauna in der Grafenstraße, die Anfang 1949 von Herrn Walter Gossing eröffnet wurde. Da hier den Arbeitslosen, Schülern, Studenten und Flüchtlingen eine fünfzigprozentige Preisermäßigung eingeräumt wird, ist der Besuch natürlich dementsprechend. An zwei Tagen der Woche tagen die Damen. Sie tagen im wahrsten Sinne, denn an diesen Tagen findet der Badebetrieb kaum ein Ende. Was durch die Sauna an Ueberflüssigem entschwindet, wird vorsorglich durch große Kuchenpakete der naheliegenden Konditorei ausgeglichen. Einä sehr empfehlenswerte Art der Abmagerungskur. Auf Wunsch vieler Frauen wird ihnen ab kommenden Monat auch der Sonntagnachmittag zur Verfügung stehen. Da das Kuchen-Eldorado an diesem Tag geschlossen hat, ist anzunehmen, daß die Kur von Erfolg gekrönt ist. Vermerkt sei noch, daß manche Damen in drei Monaten bis zu 25 Pfund abgenommen haben! Wenn das bekannt wird, dürfte die monatliche Besucherzahl von rund 1500 noch erheblich ansteigen.

Wieder andere Vorzüge hat das Marienbad im Groß-Gerauer Weg. Hier werden in der Hauptsache medizinische Bäder verabfolgt. Moorbäder, Kohlensäure- und Fichten-Schaumbäder, welche letztere-die das Herz am wenigsten angreifenden Schlankheitsbäder darstellen. Dazu gibt es eine finnische Sauna, Massagen aller Art und Bestrahlungen, und ein Fußpflegeapparat gibt auch der unsichtbaren Schönheit den letzten Schliff. Das Marienbad, das nach der Ausbombung in der Landgraf-Philipp-Anlage in aen Groß-Gerauer Weg umsiedelte, kann auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Es ist von Dienstag bis Samstag geöffnet und hat gleichfalls Damen und Herrentage. Allen Bädern ist gemeinsam, daß sie sich eines lebhaften Zuspruchs erfreuen, und daß sie besonders an den Wochenenden aufgesucht werden, läßt dr”-auf schließen, daß es mit dem Bad am „Samstagabend“ etwas für sich haben muß. HFL


Der Groß-Gerauer Weg will wachsen Die von uns bereits berichtete geplante Durchführung des Groß-Gerauer Weges über Holzhofallee und Kasernengelände der ehemaligen Dragoner-Kaserne wurde dieser Tage an der Holzhofallee begonnen. Als erstes fällt das alte Wachhäuschen der Dragoner-Kaserne — nur der „Hoheitsadler“ war neu daran — der Spitzhacke zum Opfer. Herr Weyrauch, der darin bis zuletzt die Kantine „Zum alten Philipp“ für die in der Nachbarschaft untergebrachten Gendarmeriebeamten und Angestellten der verschiedenen dort angesiedelten Firmen unterhielt, mußte in ein benachbartes Gebäude umziehen. Im Kasernenhof begannen die Arbeiter einer Tiefbaufirma die Ausschachtungsarbeiten für die zukünftige Straßenentwässerung Foto: Thaer
Der Groß-Gerauer Weg will wachsen Die von uns bereits berichtete geplante Durchführung des Groß-Gerauer Weges über Holzhofallee und Kasernengelände der ehemaligen Dragoner-Kaserne wurde dieser Tage an der Holzhofallee begonnen. Als erstes fällt das alte Wachhäuschen der Dragoner-Kaserne — nur der „Hoheitsadler“ war neu daran — der Spitzhacke zum Opfer. Herr Weyrauch, der darin bis zuletzt die Kantine „Zum alten Philipp“ für die in der Nachbarschaft untergebrachten Gendarmeriebeamten und Angestellten der verschiedenen dort angesiedelten Firmen unterhielt, mußte in ein benachbartes Gebäude umziehen. Im Kasernenhof begannen die Arbeiter einer Tiefbaufirma die Ausschachtungsarbeiten für die zukünftige Straßenentwässerung Foto: Thaer

Warum in die Ferne schweifen?

Die Darmstädter Ortsgruppe des Odenwaldklubs unternahm am vergangenen Sonntag eine Wanderung, die einmal nicht in die weite Fernen führte, sondern sich mit Darmstadts nächster Umgebung befaßte. Herr Birk und Herr Schembs hatten die Führung übernommen.

Dabei stellten viele Teilnehmer teilweise zu ihrer Ueberraschung fest, daß sich auch im nächsten Umkreis der Stadt manche Aenderung bemerken ließ. Es begann mit dem neuen Industrieviertel an der Holzhofallee, führte durch d;e sich ständig vergrößernde Heimstättensiedlung. die Buchenländer-Siedlung zur Siedlung der Ungarndeutschen „St. Stephan“. In der dortigen Panrika-Klause wurde Rast gemacht und Herr Moser erzählte von der schweren Arbeit dieses Aufbaus.

Dann führte der Weg zum Darmstädter Wasserwerk im Eichwäldchen, wo Herr Direktor Nuß von Darmstadts Wasserversorgung erzählte. Nach der Mittagsrast in Escho11brücken erreichte die Wanderung ihr Ende in Pfungstadt, wo d;e Pfungstädter Mitglieder des Odenwaldklubs m’t Herrn Hotz einen freundlichen Empfang bereiteten. Stadtrat Schrauth dankte den Führern der Wanderung, worauf ein gemütliches Beisammensein den Tag beendete.

Familienabend der „Concordia“

Der Männergesangverein Concordia Darmstadt, veranstaltete am vergangenen Samstagabend auf dem Heilig Kreuz für seine Mitglieder und geladenen Gäste einen wohlgelungenen Familienabend mit Sängerehrung. Unter den Gästen befand sich auch der Bezirksvorsitzende, Herr Wilhelm Denecke, vom Allgemeinen Deutschen Sängerbund, der im Laufe des Abends die Sängerehrungen für 40, 50 und 60 Jahre Gesangstätigkeit vornahm. Ferner wurde an dem Abend auch der neue Chorleiter des Vereins, Herr Seibold, durch- den 1. Vorsitzenden, Herrn Philinp Wannemacher, eingeführt. Die einzelnen Darbietungen wurden von Vereinsmitgliedern bestritten. Zwischendurch wurde eifrig das Tanzbein geschwungen. Man trennte sich spät nach Mitternacht mit dem Bewußtsein, wieder einmal ein paar schöne Stunden verlebt zu haben.

In der Stadt notiert

Im Rahmen der Evangelischen Aka¬ demie spricht Prof. D. Adolf Keller aus Zürich am Donnerstag, dem 19. Oktober um 19 Uhr, im Pauluskirchensaal über das Thema „Reich Gottes und Geschichte in Amerika“. Prof. Keller ist ein ausgezeichneter Kenner amerikanischer kirchlicher Verhältnisse.

lieber den „Datterich“ von Ernst Elias Niebergall wird am Donnerstag, dem 19. Oktober um 19.30 Uhr, im Saal 167 der Technischen Hochschule der Schriftsteller Dr. Adolf von Grolmann, Karlsruhe. DT

Die Eisenbahnergewerkschaft, Ortsbezirk Eberstadt, veranstaltet am Freitag, den 20. Oktober, um 20 Uhr im Gasthaus „Bismarck“, Odenwaldstraße 1, eine Mitgliederversammlung.

Der Leichtmotorradfahrer, von dessen Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang bei der Snack-Bar auf der Autobahn wir am 5. Oktober berichteten, war, wie die noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen zeigten, nicht betrunken. Der Alkoholgehalt des Blutes lag unter dem allgemein als verkehrsgefährdend betrachteten Prozentsatz. Der Zusammenstoß mit dem amerikanischen Pkw ereignete sich 70 Zentimeter rechts von dem Mittelstreifen der rechten Fahrbahn.

WIE-WIRD-DAS- WETTER

Mild und trocken

Vorhersage: Am Donnerstag wolkig mit Aufheiterungen, trocken, ziemlich mild, westliche Winde. Weitere Aussichten: Auch am Freitag freundlich.



Wolrin gehen wir heǔte?

Lichtspieltheater: Union: „Maskerade“; Thalia: „Traumulus“; Belida: „Der dritte Mann“; Palast: „Es geht um 50 000 Dollar“; Hansa: „Hochzeitsreise zu dritt“.

Biochemischer Verein: Techn. Hochschule, Hörsaal 163, 19.30 Uhr, Vortrag: „Angst vor Krebs?“ (v. Dr. med. Bruno Günther, Darmstad).

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10—18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10—16 Uhr, „Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann“.

Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr: Rezitationsabend: „Lyrik und Prosa von Elisabeth Langgässer“ v. Schauspielerin Martha Ziegler.

Thalia-Theater: 20.30 Uhr, „Großer heiterer Abend mit Willy Reichert“. Südhess. Gas- u. Wasser A.-G., Luisenp 1 a t z 4: 19.30 Uhr, Vortrag: (Wiederholung) „Hefeteig auf neue Art“.

Wir gratǔlieren

90. Geburtstag: Frau Weidner, Darmstadt, Robert-Schneider-Straße 20.

72. Geburtstag: Frau Christine Götz Wwe., Darmstadt, Barkhausstraße 33.

STARKENBURG

Um ein kleines „l“

Erbach hatte kürzlich wieder einmal sein Sensatiönchen. Als Kreisstadt und beliebtes Reiseziel hat es das öfters. Zur Freude seiner Bürger und vor allen Dingen zum Nutzen der vom Fremdenverkehr lebenden Kreise. Am frühen Nachmittag ging ein eifriges Raunen durch das Städtchen, das nicht geringe Aufregung bei all denen auslöste, die für Fremde und Gäste der Stadt etwas Besonderes zu bieten haben.

„Mr. McCloy befindet sich in Erbach und wird am Montag nachmittag die Staatliche Fachschule für Elfenbeinschnitzerei, die Gräflichen Sammlungen und die HABRA-Werke besichtigen!“

Das war die Nachricht, die nicht nur den Geschäftsführer des Verkehrsvereins In Aufregung brachte. Der Kastellan des Schlosses fuhr eiligst in die erste Garnitur. Allerorten, wo die Gäste erwartet wurden man sprach von etwa 34 Personen —, wurde schleunigst alles auf „schön“ gemacht.

Als die Gäste kamen, wunderte man sich zwar, daß es sich bei der Begleitung des „amerikanischen Hochkommissars für Deutschland“ ausschließlich um Vertreter des Schulwesens handelte. Aber warum auch nicht! Schließlich muß sich ein Mann in dieser Stellung schon um alles kümmern. Vergebens suchte man aber im Kreise der etwa 30 Damen und Herren das markante Gesicht Mr. McCloys.

Schüchtern fragte sich dieser und jener durch. Köpfe schütteln und schließlich ein verständnisvolles Schmunzeln waren die Antwort. Nein, nicht Mr. McCloy, der Oberkommissar, wohl aber Mr. McCoy, der Referent für Erziehungsfragen beim Hessischen Landeskommissar in Wiesbaden befand sich unter den Gästen.

Das fehlende kleine „1“ hatte die Kreisstadt Erbach für einige Stunden in Aufregung versetzt. -ch

Täglich ein schwerer Unfall

Erschreckendes Ergebnis der ersten Oktoberhälfte im Landkreis Erbach

Nachdem die Unfallziffer im Monat September mit elf von der Gendarmerie registrierten Unfällen mit Personen- und Sachschäden im Kreis Erbach den bisher niedrigsten Monatsstand dieses Jahres erreicht hatte, glauben alle für den Straßenverkehr zuständigen Stellen bereits an eine positive Auswirkung der wiederholten Erziehungsmaßnahmen sämtlicher Verkehrsteilnehmer.

Die ersten 14 Tage des Monats Oktober aber liefern nun'mit erschreckender Deutlichkeit den Gegenbeweis: Insgesamt wurden vom Gendarmeriekreiskommissariat Erbach während dieser Zeit 14 Unfälle mit Personen- und Sachschaden bearbeitet, darunter innerhalb 6 Tagen drei mit tödlichem Ausgang. In zwei Fällen kamen dreijährige Kinder ums Leben. Da es sich bei den der Polizei gemeldeten Fällen nur um die schwersten handelt, dürfte also die tatsächliche Unfallziffer wesentlich höher liegen.

Bei der Beurteilung der Ursachen dieser Unfälle stößt man meist auf grob fahrlässige Gleichgültigkeit aller Verkehrsteilnehmer, besonders aber der Fußgänger und Radfahrer. Allein am Dienstag lagen wiederum drei Unfallmeldungen beim GKK Erbach vor.

In Rothenberg stießen vor der evangelischen Kirche in der großen Straßenkurve der 21jährige Motorradfahrer Emil Götz aus Kortelshütte mit dem 40 Jahre alten Erwin Schien aus Eberbach, der eine Beiwagenmaschine fuhr, zusammen, weil beiden Fahrern durch einen direkt in der Kurve abgestellten Ackerwagen mit Rüben die Sicht behindert war. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

Auf der kurvenreichen Straße von Breitenbrunn nach Neustadt kam der Motorradfahrer Georg Koch aus Breitenbrunn beim Ausweichen vor einem entgegenkommenden Lkw so weit nach rechts, daß er einen Straßenbaum streifte. Er zog sich Verletzungen an der rechten Hand zu. Seine Maschine wurde erheblich beschädigt.

In Hainstadt sprang das Pferd des Landwirts Wilhelm Diehl, das von dem 12jährigen Sohn Rudi zur Tränke geführt werden sollte, quer über die Hauptstraße und stieß mit der gerade auf einem Leichtmotorrad vorüberfahrenden Frau Margarete Schäfer aus Neustadt zusammen. Die Frau stürzte und erlitt vermutlich einen Knöchelbruch sowie Prellungen und Schürfwunden am rechten Knie und an der Hüfte. Ihr Fahrzeug wurde beschädigt. —ch

Was aǔch interessiert:

Ueber Lastenausgleich, Wahlen, Prchala-Abkommen, Remilitarisierung und andere aktuelle Themen spricht der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der Heimatvertriebenen in Hessen und Sprecher der Sudetendeutschen im Landesverband Frank S e i b o t h , Bensheim, am Sonntag um 14 Uhr im Speisesaal des Lokwerkes, Darmstadt, Dornheimer Weg. prs

Bei der Eröffnungsfeier der Volkshoch¬ schule von Bensheim spricht am 25. Oktober um 19.45 Uhr im Sitzungssaal des des Rathauses Bürgermeister Treffert. Im Anschluß an die Feier wird Generalkonsul Balser über das Thema: „Der Lamaismus in Tibet und der Mongolei“ einen Lichtbildervortrag halten. HB

Eine Delegiertentagung der in der Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Karnevalvereine zusammengeschlossenen karnevalistischen Korporation findet am 22. Oktober in Speyer statt. Auf der Tagung soll u. a. die Umbildung der bisherigen Arbeitsgemeinschaft in eine Interessengemeinschaft e. V. vorgeschlagen werden. Der Arbeitsgemeinschaft gehören im Bezirk Starkenburg allein jetzt schon über 50 Karnevalvereine an. prs.

Gymnasium und Realgymnasium von Bensheim veranstalten gemeinsam mit der Liebfrauenschule Bensheim am kommenden Sonntag um 17 Uhr im Saal des Kolpinghauses ein Bachkonzert. Es gelangen die Motette: „Jesu, meine Freude“, zum Vortrag. Das Konzert wird am Donnerstag, dem 26. Oktober, um 20 Uhr, wiederholt. (HB)

Frau Julie Du Menü kommt am Sonntagnachmittag um 17 Uhr zu einem Lieder-Nachmittag ins Hotel „Goldene Krone“ nach Jugenheim. Dargeboten werden Lieder aus Werken von Max Bruch, Franz Schubert, Edvard Grieg und Johannes Brahms. Am Flügel begleitet Hildegard Menges. hl

„Die Bettelprinzessin“, ein Schauspiel mit Gesang, wird am Samstag um 20 Uhr von der Sängervereinigung 1891—1948 im Hotel Hufnagel, S e e h e i m , aufgeführt. Die Spielleitung hat Adam Klinger, die musikalische Leitung die Kapelle Merthesheimer übernommen. hl

Wegen dauernder Erschütterungen drückte sich im Hause Bahnhofstraße 10 in Lorsch der gesamte Hausgiebel um fast 50 cm vor. Zimmerleute mußten mit Winden Abhilfe schaffen, um größeres Unglück zu vermeiden. el

Völlig ausgebrannt mußte dieser Tage ein Pkw, der infolge Vergaserbrandes in Flammen aufgegangen war, von der Straße Hüttenfeld - Hemsbach nach Mannheim abgeschleppt werden, el

Schwabens schmunzelnder Philosoph

Zwei Stunden herzerfrischendes Lachen mit und um Willy Reichert

Was in den letzten Monaten kein Gastspiel mit noch so klangvollem Künstlernamen zu Wege brachte, hat Willy Reichert auf Anhieb geschafft: Die Erbacher Festhalle war am Dienstag abend bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft. Nicht nur aus Erbach und Michelstadt, selbst aus entlegenen Orten des Odenwaldes waren die Freunde wirklichen Humors in Omnibussen und Kraftwagen herbeigekommen. Und, wie nicht anders zu erwarten war, keiner wurde enttäuscht.

Willy Reichert, der witzige Philosoph oder der philosophische Witzbold, glänzte in einzigartiger Vielseitigkeit als heiterer Plauderer, Rezitator, Schauspieler, Sänger und vor allem als der große schwäbische Humorist, als der er seit mehr als 20 Jahren Berühmtheit erlangte. Ihm zur Seite stehen ebenbürtige Künstlerinnen und Künstler wie Yori Tong und D e - su t a in traumhaftzarten exotischen Tänzen, Helmut Struckmann als Solist und Begleiter am Flügel, Elisabeth Amann und Oskar Heiler als Partner Willy Reicherts.

Das Programm ist so reichhaltig und vielseitig, daß es sich nicht im einzelnen besprechen läßt. Man muß Willy Reichert selbst erlebt haben, sei es in dem burleskem 4aktigen Zeitdrama im Telegrammstil „Die Lumpen“, sei es mit Oskar Heiler in der zwerchfellerschütternden Häb^in-und-Pfleiderer-Szene „Die andere Hälfte“, oder aber einfach als der Willy Reichert, als der ihn alle kennen und lieben. Nach mehr als „lOOOjähriger“ Pause brachte er auch sein gutes altes „Jockele“ wieder zu Gehör, natürlich zeitgemäß entmilitarisiert. Zum Schluß war es wieder so gemütlich in der Erbacher Festhalle, daß zwar Willy Reichert gehen wollte, aber seine Zuhörer nicht. -ch.

Groß-Umstadt kündigt dem Finanzamt

Weitere 1000 DM Winterbeihilfe / Schloßgarten „unverkäuflich“

Die Tagesordnung der Dienstagssitzung des Groß-Umstädter Stadtrates ging diesmal nicht über den gewohnten Rahmen derartiger Beratungen hinaus: sie fand deshalb bei der Bürgerschaft — so bedauerlich das völlig fehlende Interesse an der Arbeit der Gemeindevertreter auch sein mag — gar keinen Widerhall.

Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte Bürgermeister Hartmann auf Grund eines Rundschreibens des Bezirksfürsorgeverbandes das Thema W i nterbeihilfe zur Sprache. Sie wird verbandsseitig nur wirksam, wenn die Gemeinden einen entsprechenden Hundertsatz (50 Prozent aus der Allgemeinen und 10 Prozent aus der Kriegsfolge-Fürsorge) zu übernehmen bereit sind. Diese Gelder werden zur Beschaffung von Hausbrand und Kartoffeln gegeben. Für Groß-Umstadt kommen 104 empfangsberechtigte Familien und Einzelpersonen in Frage, zu deren Unterstützung der auf die Stadt entfallende Betrag von rund 1000 DM ohne Aussprache genehmigt wurde.

Die geplante Kanalisation der Habitzheimer Straße beansprucht schätzungsweise 18 000 DM, die auf dem Darlehnswege aufgebracht werden sollen. Da dadurch den seither bei starken Regenfällen und Schneeschmelze auftretenden Schäden vorgebeugt wird, fand der Vorschlag des Bürgermeisters auf Uebernahme eines Teils der Kanalkosten einstimmige Annahme. D'e Stadt kommt für ein Drittel auf; die anderen zwei Drittel werden auf die Anlieger, gestaffelt nach der Größe des Grundstücks, umgelegt.

Die Frage des Verfügungsrechts über den Garten des Pfälzer Schlosses hat durch den Bescheid des hessischen Justizministers ihre Antwort gefunden: „Eine Veräußerung oder Verpachtung des Pfälzer Schlosses ist nicht beabsichtigt.“ Zur Erhaltung des Mitteiw al - d e s und des Waldsportplatzes im Interesse vieler erholungssuchender Einwohner, der Hebung des Fremdenverkehrs und der Jugend wird die Stadtverwaltung mit den Forstbehörden in Verbindung treten. Anlaß dazu ist ein Schreiben der Direktion des Realgymnasiums, in dem u. a. Einspruch der Gemeinde gegen jede weitere Abholzung des Mischw^des gefordert wird.

Zum Punkt „Erhebung der Gewerbesteuer“ wurde auf Vorschlag des 2. Beigeordneten, Wedel, beschlossen, ab 1. Januar 1951 den Einzug dieser Abgabe in eigene Regie zu übernehmen. Ihre Errechnung bringe unter Zugrundelegung der vom Finanzamt ausgefertigten Liste arbeitsmäßig keine besondere Belastung für die Stadt, biete jedoch andererseits die Möglichkeit besseren Einblicks in das Geschäftsgebahren der Zahlungspflichtigen. Außerdem erspare die Selbsterhebung jährlich 2400 DM.

Ueber die vom Katasteramt ohne Rücksprache mit der Stadtverwaltung beabsichtigte Verbreiterung des Seegrabenwegs von sechs auf zehn Meter kam es zu einer längeren, ins einzelne gehenden Aussprache, die vor allem die dabei aufkommenden finanziellen Fragen berührte. Zu guter Letzt erklärte sich der Stadtrat unter Berücksichtigung der künftigen Verkehrsverhältnisse mit acht Meter Straßenbreite einverstanden.

Zum Schluß der öffentlichen Sitzung gab der Bürgermeister bekannt, daß kürzlich in Darmstadt ein neuer Gemeindebulle (Klasse la) zum Preis von 2040 DM angeschafft worden sei. Der bisherige Fasel, für den die einheimische Metzgerschaft kein Kaufinteresse zeigte — „nur die Narrn kaafe en Farrn“ — wurde an eine Wurstfabrik bei einem günstigen Lebend-Pfundpreis von 0,84 DM für 1690 DM abgesetzt.

In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung wurde nach Stundungs- und Erlaßgesuchen auf Holzgeld und dem Antrag der Nachtschutzleute auf Gewährung von Regenmänteln und Stiefeln, die Darlehnsaufnahme zur Erweiterung des Krankenhauses behandelt. RG

Wiederausfbau des Ihrig-Turms

Bekanntlich mußte im vorigen Jahr der Ihrig-Turm auf dem „Lärmfeuer“ bei Ober-Mossau wegen Baufälligkeit niedergelegt werden. Auf der Jahreshauptversammlung des Odenwaldklubs wurde ein Turmausschuß, dem die Mitglieder des Hauptvorstandes Landrat Neff, Erbach, und Kreisobmann Daum, Zell, sowie als Bausachverständiger Architekt Kirchner, Erbach, angehören, mit den Vorarbeiten für den Wiederaufbau des Lärmfeuer-Aussichtsturms beauftragt. Am Dienstag besichtigten die Ausschußmitglieder den „ Rudi-Wünzer-Turm“ auf dem Schimmelberg und den „Irene-Turm“ auf der Tromm. Auf Grund der dabei gesammelten Erfahrungen soll für den Neubau des Ihrig-Turms ein 6 m hohes Bruchstein-Stockwerk und darauf eine verschalte Holzkonstruktion mit überdachter und verglaster Aussichtsplattform vorgeschlagen werden. Der Neubau muß auf mindestens 26 Meter erhöht werden, da die umgebenden Wälder soweit heraufgewachsen sind. Da der Odenwaldklub den Turm im nächsten Frühjahr errichten will, ist er für finanzielle Unterstützung durch wanderfrohe Naturfreunde dankbar. -ch.

Aktuelles zwischen gestern und heute

Was lange währt...

Der seit langem erwartete Haushaltsplan des Landkreises Erbach für das Rechnungsjahr 1950/51 wird am Donnerstag, 2. November. 13 Uhr im Saal des Landratsamtes in öffentlicher Sitzung des Erbacher Kreistages beraten und verabschiedet. -ch

Lohnender Einstieg

In das Ladengeschäft eines Sattlermeisters in Bischofsheim drangen unbekannte Täter ein und stahlen 1000 DM. Von den Dieben, die am hellen Tage durch ein offenes Fenster eingestiegen waren, fehlt bis jetzt jede Spur.

Trümmerhaufen optischer Geräte

Infolge Straßenglätte kam der Anhänger eines schweren Lastzuges kurz vor der Straßeneinfahrt von Nauheim ins Schleudern und kippte in den Straßengraben. Ein Großteil der wertvollen Ladung — sie bestand aus optischen Geräten — ging hierbei in Trümmer. KB.

Vor den Zug gelanfen

Obwohl der Streckenläufer Heinrich Bai 11 e bei seinem Streckengang eine Frau aus Walldorf vom Bahnkörper der Strecke Walldorf—Mörfelden gewiesen hatte, mußte er zusehen, wie sie kurz darauf aus dem Gebüsch beim Posten 89 heraussprang und sich vor den herankommenden Güterzug warf. Die 72jährige Ida Schmelz wurde sofort getötet; in ihrer Hand hatte sie einen Zettel, aus dem ihre Absicht hervorging, aus dem Leben zu scheiden. Ihr Mann hatte sich im Juni dieses Jahres erhängt. eng

Kind stürzte aus dem Fenster

In Annelsbach bei Höchst im Odenwald stürzte das 15 Monate alte Kind des Einwohners Georg Resch aus einem Fenster des ersten Stockwerkes. Mit einer schweren Gehirnerschütterung wurde das Kind in die Chirurg. Klinik nach Bad König verbracht. hm

Kassenpolitische Lage der BEK

Am vergangenen Montag hielt die Barmer Ersatzkasse, Bezirksverwaltung Dieburg, im „Gasthaus zum weißen Roß“ ihre erste Mitgliederversammlung ab. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Geschäftsführers sprach der Referent der Hauptverwaltung, Herr Vesper, über die kassenpolitische Lage und die Wiederherstellung der Selbstverwaltung. Die gutbesuchte Versammlung dankte dem Redner mit Beifall für seine Ausführungen. Im Anschluß an das Referat wurde die Wahl des vorläufigen örtlichen Beirates vorgenommen.

Aktiver Ortsjugendausschuß

In der Zeit vom 1. big 7. November veranstaltete der Ortsjugendausschuß Bickenbach eine Jugend-Werbewoche. Am 1. November findet im Gasthaus zum „Hirschen“ um 20.30 Uhr ein Filmabend mit musikahscher Umrahmung statt. Die „Königstädter Puppenspiele“ kommen am 3. November und erfreuen die Kinder in einer Nachmittagsvorstellung um 16 Uhr und die Erwachsenen um 20.30 Uhr, ebenfalls im „Hirschen“. Als Abschluß der Werbewoche findet am 7. November ein Elternausspracheabend mit der Schule statt, bei dem Schulrat Dr. Plötz vom Kreisschulamt Darmstadt sprechen wird, wn

Friedliche Lösung in Bauschheim

Auf dem Landratsamt Groß-Gerau wurde am Mittwoch auf dem Wege der Verhandlung die Schwierigkeit behoben, die am Tage zuvor in Bauschheim dadurch entstanden war, daß die Zwangsräumung einer von zwei Mietparteien eines Hauses unberechtigt bezogenen freigewordenen dritten Wohnung nicht durchgeführt werden konnte.

Unter Vorsitz des Kreisinspektors Massot und in Anwesenheit der Leiter des Kreiswohnungs- und des Kreisflüchtlingsamtes wurde eine gütliche Vereinbarung erzielt, nach der die Wohnung von den beiden Parteien wieder freiwillig geräumt wird, damit die vorbestimmte Familie einziehen kann. Dabei hatte Landrat Hardt seinen vermittelnden Einfluß geltend gemacht.

Die Tatsache, daß das Auto des Außenbeamten des Kreiswohnungsamtes am Dienstag in Bauschheim leicht beschädigt wurde, steht mit dieser Angelegenheit in keinem Zusammenhang. Die Jugend hatte den im Schulhof abgestellten Wagen als willkommenes Spielzeug angesehen. eng.

Heimkehrer protestieren

Anläßlich des von der Bundesregierung beschlossenen Tages der deutschen Kriegsgefangenen wird der erst kürzlich gegründete Kreisverband Erbach der Heimkehrer e. V. am Samstag, um 20.30 Uhr. zwei Protestversammlungen aller ehemaligen Kriegsgefangenen gegen die völkerrechtswidrige, willkürliche Ausdehnung der Gefangenschaft durch einzelne Gewahrsamsländer veranstalten und zwar in Erbach im Cafe Glenz, Jahnstraße. und in Michelstadt im Gasthaus „Zu den drei Hasen“. -ch-

Konzert in Schloß Fürstenau

Willy Harania, ein als Graphiker und Pianist gleichermaßen bekannter Deutsch-Grieche, gibt am Samstag, um 20 Uhr. im Schloß der Grafen zu Erbach-Fürstenau bei Steinbach ein romantisches Klavierkonzert mit Werken von Chopin, Schubert Schumann und Brahms. Dies ist die Fortsetzung der erst kürzlich nach mehrjähriger Unterbrechung wieder aufgenommenen Schloßkonzerte in Fürstenau. -ch-

Späte Himbeerenernte in Traisa

Gestern morgen konnten in Traisa, Ludwigstraße 15, 2 Pfund schöne, große Himbeeren geerntet werden. Seit Anfang Oktober wurden bis jetzt insgesamt 7 Pfund gepflückt. Die Sträucher, die erst im vergangenen Jahr gesetzt -wurden, sind so dick behangen, daß bei der gelinden Witterung mit einer weiteren Ernte gerechnet werden kann. st

Schnellverkehr über Amt Bensheim

Erweitertes Telefonamt wird wesentliche Erleichterungen im Sprechverkehr bieten

Schon vor vielen Jahren, etwa im Jahre 1930, war ein Umbau und damit verbunden eine groß angelegte Modernisierung des Bensheimer Fernsprechamtes geplant. Bei der stetig wachsenden Teilnehmerzahl hatte sich das auf Handbetrieb eingerichtete Amt als zu klein und veraltet erwiesen. Man konnte jedoch aus verschiedenen Gründen diese Umbauarbeiten damals noch nicht in Angriff nehmen.

Selbstverständlich wurden die Anlagen durch den Krieg, die dauernde Ueberbelastung und den Mangel an notwendigen Ersatzteilen nicht gerade besser. So faßte man nun endgültig den Entschluß, das Vorhaben in Angriff zu nehmen und hat vor einiger Zeit mit den Umbauarbeiten begonnen.

Es ist klar, daß sich eine derartige Vergrößerung und Umstellung auf Selbstwählbetrieb nicht von heute auf morgen bewerkstelligen läßt, sondern daß hierfür eine längere Zeitspanne notwendig ist. Es müssen nicht nur im Innern des Amtes weitgehendste bauliche Veränderungen vorgenommen werden, sondern auch an den Kabeln und Leitungen werden manche Verbesserungen notwendig sein, da sich Defekte bei einem Selbstwählamt noch weit nachteiliger auswirken als bei einem Amt mit Handbetrieb.

Die Post hofft, wenn der Winter nicht allzu streng wird und die Erdarbeiten für die Neuanlage von Kabeln auf längere Zeit nicht unterbrochen werden, das neue Amt im nächsten Frühjahr in Betrieb nehmen zu können. Gleichzeitig werden aber auch dann alle im Augenblick vorliegenden Anträge für Neuanschlüsse durchgeführt und die neuen Teilnehmer an das Ortsverkehrsnetz angeschlossen. Es wird überhaupt künftig leichter sein, einen Neuanschluß zu erhalten, da ja auch dann weit mehr Leitungen zur Verfügung stehen. Das neue Amt wird ferner noch zwei Nebenämter in Reichenbach und Lorsch einrichten.

In Verbindung mit diesen Arbeiten wird auch das Bensheimer Fernamt aufgehoben. Der Teilnehmer, der dann eine Verbindung in nördlicher Richtung wünscht, wird von dem erweiterten Fernamt Darmstadt, in südlicher Richtung von Mannheim und in östlicher von Fürth bedient. Nach den genannten Orten wird ein Schnellverkehr eingerichtet, so daß es für den Teilnehmer eine Leichtigkeit sein wird, beispielsweise von Bensheim nach Darmstadt zu telefonieren.

Durch all diese Veränderungen, Erweiterungen und Verbesserungen an seinem Fernsprechamt ist Bensheim bestrebt, mit dem gesamten Fernsprechverkehr Schritt zu halten und wie bisher “und das muß ganz besonders zur Ehre der unermüdlichen Telefonistinnen gesagt werden, die gegenwärtig täglich ihren schweren und verantwortungsvollen Dienst mit unendlicher Geduld und Ruhe versehen) auch weiterhin seine Teilnehmer zufriedenzustellen. (HB)

Dekanatsjugendtag in Bensheim

Am Sonntag findet in Bensheim ein großer Jugendtag der evang. Dekanatsjugend Bensheim statt. Bei der Eröffnungsfeier für Jugend und Gemeinde am Samstag um 20.15 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses spricht Prof. Dr. Trost, Jugenheim, über das Thema: „Die Bedeutung der christlichen Jugendarbeit im Rahmen der allgemeinen Erziehung“. Der Sonntag beginnt mit einem Weckruf des Posaunenchors Bensheim um 8 Uhr und einem Kurrendesingen der Jugend. Daran schließen sich um 8.15 Uhr eine Morgenfeier in der Auerbacher Kirche, um 9.30 Uhr ein Morgensingen der Jugend in der Wilhelmschule, um 10.15 Uhr ein Jugend-Festgottesdienst mit Predigt von Jugendpfarrer Rathgeber, Darmstadt, und um 12 Uhr ein großes Posaunenblasen im Kurgarten an.

Bei dem Jungschar-Kindernachmittag um 13.45 Uhr im „Bensheimer Hof“ spielen die Königsteiner Puppenspieler und ein Bensheimer Kinderkreis. Um 14 Uhr findet in der Kirche eine Feierstunde der konfirmierten Jugend, um 15.30 Uhr ein froher Jugendnachmittag mit Laienspiel u. a. im „Bensheimer Hof“ und um 17 Uhr eine Schlußfeier in der Kirche mit Ansprache von Dekanats - Jugendpfarrer Hickel, Bürstadt, statt. (HB)

Unsere Geburtstagskinder

87. Geburtstag: Frau Elisabeth Vatter, Leeheim, Schulstraße 15.

85. Geburtstag: Frau Jenny Hübsch, Biebesheim, Kirchstraße 19.

81. Geburtstag: Herr Jakob Ruths, Zwingenberg a. d. 8., Obergasse 18.

80. Geburtstag: Frau Katharina Rauh Wwe., Bickenbach a. d. 8., Bahnhofstraße.

80. Geburtstag: Frau Karoline Viemmer, Hessenau.

78. Geburtstag: Herrn Philipp Poth 111, Nauheim, Weingartenstraße. 18.

76. Geburtstag: Herrn Ludwig Hahn I, Trebur, Friedrich-Ebert-Straße 35.

74. Geburtstag: Herrn Franz Gerlach, Groß-Gerau, Annastraße 7.

71. Geburtstag: Frau Barbara Himmer, Leeheim, Erfelderstraße 11; Frau Margarete Jourdan, Walldorf, Langstraße 88 und Frau Lina Steckenreiter, Walldorf, Waldstraße 77.

70. Geburtstag: Frau Frieda Weber, Ginsheim, Schulstraßp ?0.

Ganzheit-Methode in der Bewährnngsprobe

Tagung der Gesundheitspädagogik in Jugenheim

Im Education Service Center beschloß gestern Herr Prof. Dr. Wittmann seine Vortragsreihe über den ganzheitlichen Unterricht mit einem ausführlichen Referat über die Erziehung im Hinblick auf die Ganzheit.

Der namhafte Pädagoge, der in jahrzehntelanger Arbeit sein System erschloßen und wissenschaftlich bewiesen hat, geht von der Voraussetzung aus, daß das menschliche Streben nach Ganzheit und nach einem Werk der Lernmethode unbedingt nutzbar gemacht werden muß.

Da Prof. Wittmann seine Erfahrungen tatsächlich in allen Schultypen erproben konnte — er hatte nicht nur eine Professur in Kiel inne, sondern war auch an Volks-, Hilfs- und höheren Schulen tätig, gelingt ihm an Hand unzähliger praktischer Beispiele eine wirklich eindringliche Theorie.

Mit bewundernswürdiger Ausdauer gab der Referent seine Erfahrungen an den interessierten Zuhörerkreis weiter. Er sprach über das ganzheitliche Rechnen und über den ganzheitlichen Heimatkundenunterricht, die sich noch nicht so in den Schulen eingebürgert haben, wie etwa das ganzheitliche Lesen, das sich heute bereits in vielen Schulen bewährt.

In allen seinen Ausführungen kam er auf das Kernstück einer jeden Erziehung zu sprechen, das seiner Erfahrung nach in dem Umstand liegt, daß das Kind das bejaht, was es lernen soll. Worte, Ermahnungen können zwar eine äußere Haltung erzwingen, niemals aber ein Kind davon überzeugen, daß diese Haltung für seine Person sinnvoll und richtig ist. Es ist deshalb wichtig, daß der Lehrer Anregung, Motive und Ziele für jedes Handeln so gibt, daß die Schüler ihm frejwillig und von selbst nachgehen. In unserer Gegend ist es vor allem Rektor Trautmann aus Nieder-Ramstadt, der die Erfahrungen des ganzheitlichen Unterricht umfassend in seiner Schule zu verwirklichen trachtet. Während viele seiner Kollegen es bei der ganzheitlichen Lesemethode bewenden lassen, hat er für seine letzte Elementarklasse einen allgemeinen ganzheitlichen Unterricht eingeführt. Er erzielt damit so gute Erfolge, daß er im kommenden Jahr diese Möglichkeit noch weiter ausbauen will. kä

„Odenwälder Heimatabend“ in Reinheim

Am Samstag veranstaltet die Reinheimer Ortsgruppe des Odenwaldklqbs um 20 Uhr im „Darmstädter Hof“ ihren ersten „Odenwälder Heimatabend“, an dem über 30 Mitwirkende zur Ausgestaltung beitragen werden. Neben Liedern, Gesangsvorträgen, Poesie und Prosa Odenwälder Mundartdichter wird Georg Löfflers heiteres Odenwälder Volksstück „Die Brill“ zur Aufführung gelangen.

Am gleichen Abend wird die anläßlich der 650-Jahrfeier der Stadt mit Erfolg gezeigte „Ourewäller Spinnstubb“ mit Trachten und Odenwälder Volkstänzen wiederholt werden. Die musikalische Umrahmung hat die Klubkapelle übernommen. eb

Kühlhausbrand in Babenhausen

Bei Metzgermeister Georg Kreher, Babenhausen, Fahrstraße 80, brach in der Nacht zum Dienstag ein Brand im Kühlhaus aus. Ein Mieter des Hauses rief, da der Metzgermeister nicht im Hause war, die Feuerwehr, der es gelang, den Brand zu lokalisieren. Das Kühlhaus und die sich anschließende Küche mit allen Möbeln brannten jedoch aus.

Als Brandursache vermutet man einen Defekt an dem Motor, der sich im Kühlhaus befindet, da auf gleiche Art und Weise im Juli dieses Jahres dort Feuer ausgebrochen war. Der Schaden beläuft sich nach einer ersten Schätzung auf 4 000 DM. NB

120 000 DM für Wohnungsbau

In Bürstadt wurde dieser Tage mit dem Bau des 2. gemeindeeigenen Wohnhauses begonnen. Nach Mitteilung der Bürgermeisterei wird das Gebäude acht Familien Raum geben und ist mit 40 000 DM veranschlagt. Damit hat die Gemeinde seit der Währungsreform insgesamt 120 000 DM für den sozialen Wohnungsbau aufgebracht. Trotz der bestehenden sehr niedrigen Steuerhebesätze ist die Gemeindeverwaltung auch weiterhin bestrebt, alle Möglichkeiten zur Linderung der Wohnungsnot auszunutzen. bb.

Erweitertes ,Helenenbad“

Noch am Wochenende waren die Weißbinder emsig im Helenenbad S e e h e i m bei der Arbeit, um dem Erweiterungsbau den letzten Glanz zu verleihen. Seit Montag werden nun außer den bisherigen Wannen- und Brausebädern sämtliche Mineral-, Kräuter- und Fichtennadelbäder für Private und Kassenpatienten verabreicht und Massagen ausgeführt. Für alle Arten Bestrahlungen stehen die modernsten Apparate zur Verfügung. Die geschmackvolle Einrichtung des „Helenenbades“ ist hygienisch vorbildlich und auf Bequemlichkeit für die Patienten bedacht. Das ganze Haus ist angenehm durchwärmt. Schon der Warteraum macht einen einladenden Eindruck. An den Behandlungsraum grenzt der Liegeraum. Wohltuend läßt es sich hier nach einer gründlichen Massage ruhen. Hübsche Leselampen ermöglichen den Patienten, die Zeit durch anregende Lektüre zu verkürzen. erh

200 000 DM Fürther Etat

Die Gemeinderäte von Fürth genehmigten in ihrer letzten Sitzung den Haushaltsplan 1950, der in Einnahmen und Ausgaben mit 198 956,51 DM abschließt. Hinzu tritt der durch den Neubau des Schulhauses erforderlich gewordene außerordentliche Etat in Höhe von 133 620,95 DM. Es darf angenommen werden, daß mit diesen immerhin beachtlichen Beträgen trotzdem keine überhöhte Belastung der Gemeindefinanzen eintritt. Zur Beschaffung von Winterbrand und Einkellerungskartoffeln wird an Minderbemittelte bis spätestens 31. Oktober ein Zuschuß gezahlt. Neben einer Aenderung des Flächennutzungsplanes wurde noch die Winterschafweidevergebung an W. Rauch (Weschnitz) behandelt. -r-

Bunter Abend der „Liedertafel“

Wochenende in Auerbach

Am Samstagabend veranstaltet der Auerbacher Männergesangverein „Liedertafel“ um 20 Uhr im Saale des Gasthauses „Kühler Grund“ einen bunten Abend, bei dem außer dem Männer-Doppelquartett, Reichenbach i. O. und dem Männergesangverein „Liedertafel“ noch eine Reihe von Solisten mitwirken wird. U. a. auch wieder Doris B ü h r 1 e, Freiburg i. Br. mit ihrem beliebten Glokkenspiel. Die Ansage hat Karl Sauer (Reichenbach) übernommen. HB

Neuzeitliche Orgel in Ober-Abtsteinach

Die Orgel der katholischen Kirche in Ober-Abtsteinach wird gegenwärtig überholt und mit neuen Klangfarben versehen. Am 29. Oktober soll sie im Rahmen eines Festkonzertes wieder in Benutzung genommen werden. Der Leiter der Kirchenmusikalischen Hochschule in Mainz, Direktor Rohr, sowie der Aschbacher und der Waldmichelbacher Kirchenchor werden die Feier ausgestalten. -r-

Milchlieferung in Tanks

Wie in anderen Gemeinden war es bisher auch in Pfungstadt üblich, daß die Milchhändler ihren Kunden die Milch in Kannen in das Haus trugen. Behördlicherseits mußte nunmehr das Austragen auf eine hygienischere Basis umgestellt werden, die gemäß einer Vereinbarung zwischen der Molkerei und den Milchhändlern, durch die neuen Milchtanks nunmehr vollauf gesichert ist. Die Abfüllung der Milch erfolgt durch automatische Einstellung am Tankwagen, so daß jeder Kunde reel bedient wird. Die Molkerei hat ebenfalls eine neue Maschine aufgestellt, die täglich fertige Schlagsahne liefert. ler

Naturschutzgebiet Ulfenbachtal?

Wie gelegentlich eines Vortrages von K. Schmitt vor dem Realgymnasium Waldmichelbach bekannt wurde, besteht seitens des hessischen Staates die Absicht, einen Teil des Ulfenbachtales zum Naturschutzgebiet zu erklären, da hier verschiedene, offenbar zum Aussterben verurteilte Vogel- und Pflanzenarten erhalten werden sollen. Hauptgrund für das Verschwinden mehrerer Vogelarten ist zweifellos das Wegbrechen des Uferholzes zwischen Aschbach und Wahlen. Zwischen Unter-Waldmichelbach bis Unter-Schönmattenwag sind noch spärliche Reste dieses Gestrüpps vorhanden, so daß dort noch vereinzelt Eisvögel und Bachamseln angetroffen werden.

300 Briefe in der Minute

Das Bensheimer Postamt wird immer moderner. Dies wirkt sich auf den ganzen Betrieb und die Beförderung in jeder Beziehung vorteilhaft aus. Seit einigen Tagen ist nun eine neuartige Stempelmaschine in Benutzung, die es ermöglicht, in der Minute zirka 200 bis 300 Briefe zu stempeln. Sie kann auf rote und schwarze Farbe eingestellt werden. Durch die Neuerung tritt auch für den großen Briefverkehr der Firmen und Ämter eine Erleichterung ein. (HB)

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Ober-Ramstadt. Durch die Kreisverwaltung wird zur Zeit die Ortsdurchfahrt (Ammerbachstraße) der Kreisstraße Ober-Ramstadt—Zeilhard instand gesetzt. — Der Radfahrverein „Schwalbe“ führte am Sonntag eine Schnitzeljagd durch. -D-

Alsbach. Die 10. Wanderung der Ortsgruppe des Odenwaldklubs führte am Sonntag 30 Mitglieder über Jugenheim, die Burg Tannenberg, die Sophienhütte und die Friedensquelle nach Seeheim. Für den 28. Oktober ist ein Grenzgang durch den Waldbezirk der Gemeinde geplant. prs.

DIEBURG

Dieburg. Heute abend um 20 Uhr findet im Saal des Fechenbachschen Schlosses eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. RG

Groß-Umstadt. Mit einer Ehrenurkunde wurde dieser Tage in Anerkennung seiner Verdienste um d'e Förderung der hessischen Schafzucht der Vorsitzende des Landesverbandes der Schafzüchter in Hessen-Nassau, Philipp Schuster von Häuserhof ausgezeichnet. prs.

Groß-Umstadt. Der sechsjährige Schüler Bernhard A. wurde in der Durchgangsstraße 45 von einem Personenkraftwagen angefahren und zu Boden geschleudert. Er trug leichte Verletzungen davon. rg

Groß-Bieberau. Durch die Wahl von Gemeinderat Karl Peter zum Beigeordneten wurde Georg Wiemer 111. in der letzten Gemeinderatssitzung als neuer Gemeindevertreter verpflichtet. GD Groß-Bieberau. Wegen der am 19. November stattfindenden Landtagswahl wird die diesjährige Nachkirchweih auf den 12. November vorverlegt. GD

Gundernhausen. Am 5. November findet eine vom Ortsverein ausgerichtete Kaninchenausstellung in der Sporthalle statt, die mit Verkauf und Tombola verbunden ist eb

Harreshausen. Die Harreshäuser Allee (Landstraße 2. Ordnung 184 — Babenhausen — Harreshausen) wird wegen Straßenbauarbeiten bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung führt über die Gemeindestraße, die in die Bundesstraße 26 (Aschaffenburg) einmündet. NB

Reinheim. Die von einem Mieter zur Nachtzeit im Hofe aufgehängte Wäsche gab Anlaß zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der Mieter in die Wohnung des Hauseigentümers eindrang, ihn tätlich angriff und ihm Verletzungen am Arm beibrachte. RG

ERBACH

Bad König. Der Karnevalverein hielt eine Sitzung ab, die die Gestaltung des Winterprogramms zum Gegenstand hatte. hm

Mümling-Crumbach. Der Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sitzung den Bau einer Leichenhalle. Die Arbeiten sollen in den nächsten Tagen begonnen werden, hm Reichelsheim. Der Geflügelzuchtverein beteiligt sich an der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover am 21. und 22. Oktober mit über 40 Tieren.

BERGSTRASSE

Bensheim. Heute abend findet um 20.15 Uhr im Nebenzimmer des Bahnhofshotels eine Mitgliederversammlung der Goethegesellschaft statt, bei der unter anderem über die etwaige Auflösung der Gesellschaft diskutiert werden soll. HB

Gronau. Die Gemeinde erhielt kürzlich zur besseren Verbindung mit Bensheim eine Omnibuslinie. — Im Gasthaus „Zur Dorfmühle“ wurde ein Tanzsaal neu erstellt. te

Seeheim. Nach einem Beschluß des Gemeinderates wurde die seit 10 Jahren auf der Bürgermeisterei als Angestellte tätige Frau Anna J ö c k e 1 in das Beamtenverhältnis übernommen und vom Landrat als Gemeindesekretärin bestätigt, hl

Lampertheim. — Die Kulturabteilung des Lampertheimer Wirtschafts- und Verkehrsvereins leitete ihre diesjährige Winterarbeit mit dem Amazonas-Film „Rätsel der Urwaldhölle“ ein. bb

Lorsch. — Der Motorsport-Verein be¬ absichtigt bis zum nächsten Riedring-Rennen die Rennstrecke um 2—3 Meter zu verbreitern. el

GROSS-GERAU

Gernsheim. Mit der Operette „Die fromme Helene“, Text von Erich Kaiser, Musik von dem bekannten Berliner Komponisten Julius Einoedshofer, tritt der Gesangverein am 21. und 22. Oktober im Saalbau „Esselbach“ an die Oeffentlichkeit. kr.

Stockstadt. — Die Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten, -Hinterbliebenen und Sozialrentner wird im November einen Familien- und Theaterabend abhalten, zu dem die Rollen bereits verteilt wurden. Der Reinertrag ist für die Weihnachtsbescherung der Waisenkinder vorgesehen, oa

Trebur. Der Gemeinderat genehmigte einstimmig den Waldwirtschaftsplan 1950/51. Der Plan, der für den Treburer Unterwald aufgestellt ist, sieht einen Hiebsatz von rund 1050 Festmetern Holz vor und schließt in Einnahmen mit 40 740 DM und in Ausgaben mit 30 100 DM ab. od.

Rüsselsheim. In der neuerbauten Stadthalle feierte der Gebirgstrachtenverein „Almarausch“ sein diesjähriges Oktoberfest. Sämtliche Gebirgstrachtenvereine aus dem Rhein-Main-Gebiet und des Main-Taunuskreises nahmen an der Veranstaltung teil. Die Veranstaltung soll wiederholt werden. -au-

Gernsheim. Zu ihrer diesjährigen Generalversammlung lädt die gemeinnützige Baugenossenschaft für den 21. Oktober ihre Mitglieder in den Saalbau „Esselbach“ ein. — Die Stadtverwaltung teilt mit, daß am 20. Oktober eine Volksbücherei eröffnet wird. Unter den zahlreichen Bänden der stadteigenen Bücherei befinden sich auch eine Reihe bekannter Neuausgaben der Nachkriegszeit, kr

Schreibt au Fritz Knippelius

Schulraumnot? Leere Schulsäle!

Vor nicht allzu langer Zeit freuten sich zahlreiche Eltern und auch Kinder, als sie hörten, daß die Schillerschule wieder ihre Pforten öffnet. Man glaubte, daß dadurch die stark überbelegten Klassen etwas lichter würden. Nun, die Schillerschule hat mit dem Unterricht begonnen, doch der Uebelstand in der Kyritzschule ist zum Teil noch vorhanden, ja in gewissen Klassen noch schlechter. Heute sind die Klassen des 5., 6. und 7. Schuljahres stärker belegt als zuvor.

Anläßlich einer Elternversammlung einer Knabenklasse mußte man hören, daß Klassen dieser Jahrgänge mit über 60 Kindern belegt sind. Ja, man mußte, um einen neuen Schüler noch aufnehmen zu können, in der letzten Bankreihe noch zusätzlich Sitzgelegenheit schaffen. Man fragte sich, ist dieser Zustand heute noch vertretbar? Ist es überhaupt zu verantworten, wenn in dem gleichen Schulgebäude und in der gleichen Unterrichtsperiode noch 5 Schulsäle leer stehen? Ist es überhaupt vertretbar, wenn auf der einen Seite enorme Gelder für den Wiederaufbau der Schulräume verwandt werden und auf der anderen scheinbar keine Mittel freigemacht werden, um zusätzliche Lehrkräfte einzustellen? Es ist unverantwortlich den Eltern gegenüber, einer Lehrkraft zuzumuten, 63 Kinder — Knaben im Alter von 10—11 Jahren — zu unterrichten. Nach menschlichem Ermessen bleibt hier absolut keine Zeit übrig, um die Hausaufgaben gewissenhaft zu überblicken, geschweige einen intensiven Unterricht zu erteilen. Die ganzen Jahre her mußten die Eltern sich mit einem Massenunterricht in gewissen Klassen abfinden, jetzt, wo mehr Schulraum zur Verfügung steht, wäre es am Platze, daß hier einmal eine Aenderung für alle Altersstufen eintritt.

K. 0., Darmstadt

Notschrei vom Grohberg

Wie überall in Deutschland, so wird auch bei uns in Darmstadt allerorten gebaut und man ist eifrig bemüht, wieder normale und menschenwürdige Zustände zu schaffen.

Nur die Bewohner des Grohbergs (zwischen Pallaswiesen- und Landwehrstraße) werden nach wje vor recht stiefmütterlich behandelt. Wie hatten wir uns gefreut und wie dankbar waren wir. als die Stadt sich entschlossen hatte, uns dort menschenwürdige Wohnungen zu schaffen. Man scheint aber der Ansicht zu sein, daß mit der Errichtung der Wohnungen genug getan ist. Alle Vorstellungen sind von den zuständigen Stellen bisher nicht berücksichtigt worden, so daß uns nichts anderes übrig bleibt, als uns an die Oeffentlichkeit zu wenden

Es ist uns schon mehr als einmal versprochen worden, daß wir Fensterläden bekommen und daß die Häuser beworfen werden sollen. Was ist aber bis jetzt, geschehen? Nichts, obwohl die ersten Häuser bereits seit Anfang dieses Jahres bewohnt sind.

Die Wege, die als solche kaum zu bezeichnen sind, sind so schlecht, daß man sie bei Dunkelheit nur unter Lebensgefahr benutzen kann. Die Mitte der Siedlung ist abends überhaupt nicht beleuchtet. Auf dem freien Platz liegt der Trümmerschutt und sonstiger Dreck fast haushoch. Es ist ein Paradies für Ratten und Mäuse. Ueberall wird für Hygiene gesorgt und der Kampf gegen das Ungeziefer aufgenommen. Nur auf dem Grohberg wird nichts getan. Die Ratten und Mäuse gehen auf sogar schon in die Wohnungen. sogar schon in die Wohnungen

Wird denn diese große Gefahr nicht erkannt? Der Grohberg kann dadurch zu einem Seuchenherd ersten Grades werden, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird. Angeblich sind keine Mittel vorhanden! Die Gesundheit der Bevölkerung erfordert es aber, daß die notwendigen Mittel aufgebracht werden müssen. Da muß eben unter Umständen an anderer Stelle etwas eingespart werden. Es geht aber nicht an, daß wir als Menschen zweiter Klasse behandelt, werden, nur weil wir auf dem Grohberg wohnen.

Die Zustände auf dem Grohberg erinnern lebhaft an Rußland. Sie sind einer Stadt wie Darmstadt unwürdig und wir hoffen, daß dieser Ruf an die Oeffentlichkeit das erreichen wird, was wir durch Verspräche bei den zuständigen Stellen bisher nicht erreicht haben.

Es folgen 22 Unterschriften von Bewohnern des Grohbergs

Kastanien und Hecken in Darmstadt

Sehr verbunden wäre ich Ihnen für Auskunft in folgender Angelegenheit, die mich als Naturliebhaber etwas bekümmert: Wie ich sehe, sind neuerdings an der Nieder-Ramstädter Straße längs der Mauer des alten Friedhofes sämtliche Hecken entfernt worden, deren weiße Blüte den ganzen Frühsommer hindurch einen wunderschönen Anblick bot. Jetzt fällt der Blick auf die wirklich nicht erfreuliche Friedhofsmauer. Ich wäre Ihnen für kurze Erklärung sehr verbunden, warum diese schöne Anlage zerstört wird, ohne daß dazu eigentlich ein Grund ersichtlich wäre.

Ebenso hatte ich einmal herauszubekommen versucht, warum man die herrliche Kastanienallee an der verlängerten Ludwigshöhstraße durch das Abkappen der Bäume verschandelt hat. Darmstadt verliert seinen Charakter.

Dr. med. B. Günther, Eberstadt. *

Ich hab mer emol an de Kopp gegriffe, aber e Antwort hab ich dodebei aach net gefunne. Besonners bei de Kastannje an de Ludwichsheh hab ich mer domols an de Kopp gegriffe. Ich glaab, dort hatt aaner die Kastannje mit Akazje verwechselt. Der wo des aagestellt hott, der kann des effentlichen Volkszorns gewiß sei! Dessentweje hab ich den Schuldiche aach noch net ermiddele kenne. Vielleicht meld der sich bald unn steht grad vor sein Morx!! Schwer im Zorn

Ihrn Fritz Knippelius.

Verkehrsampeln für Darmstadt!

Ich habe bis 1914 viele Jahre in Berlin gelebt, bin also mit den Verkehrsanordnungen wohlvertraut. Wie bequem, einfach »jind gefahrlos wickelte sich der Verkehr durch Aufstellung der automatisch aufleuchtenden Verkehrsampeln ab: Rot = Stop, Grün = Frei, Gelb sollte auf das kommende neue Zeichen hindeuten. Aufstellung und Unterhaltung dieser Lichtzeichen sind sicher kostspielig, an ihrer Stelle ist in Darmstadt die Verkehrspolizei eingesetzt, aber meines Wissens nur:

a) Bessunger und Heidelberger Straße, b) Rhein- und Neckarstraße.

Wenn man vormittags — auch an Nachmittagen — die Rheinstraße zwischen Nekkarstraße und Luisenstraße überqueren will, so muß man oft lange warten, bis man glaubt, durch eine Lücke der Fahrzeuge hindurch die andere Straßenseite erreichen zu können, dabei immer der Gefahr ausgesetzt, von einem wildgewordenen Auto-, Motorrad- oder Radfahrer umgerissen zu werden. Ich muß fragen: Warum schaltet man nicht auf diesem Stück Rheinstraße eine weitere Stoppstelle ein?

Und nun die Hauptsache: Warum gibt die Polizei überhaupt den Fahrzeugen die Berechtigung, ohne jede Rücksichtnahme in einem Renntempo die Straßen zu durchfahren? Warum wird die Höchstgeschwindigkeit nicht durch Stoppuhren beaufsichtigt? Verstöße müßten mit hohen Geldstrafen bedacht werden. Die Fahrstraße ist doch letzten Endes nicht nur für Fahrzeuge da. Es gibt ja auch noch Fußgänger!...

Im damaligen schönen Tiergarten (in Berlin) lebten und brüteten die großen Holztauben und Wildenten .. . Wenn im Sommer die kleinen jungen Enten noch nicht fliegen konnten, kam es oft vor. daß die Entenmutter mit ihren kleinen Kindern die große Charlottenburger Chaussee in aller Ruhe überschritt. Dann hielt der Schutzmann den gesamten Verkehr an. Elektrische Bahn, Autos, Motorradfahrer. Radfahrer, Fußgänger, kurz alles mußte so lange halten, bis Mutter Ente mit Familie das jenseitige Straßenufer erreicht hatte und jeder fügte sich freudig der polizeilichen Anordnung.

Wenn die Menschen gegenseitig mehr Rücksicht nehmen würden, wieviel leichter wäre das Leben!

M. R., Darmstadt.

Lieber Tagblatt-Leser!

Die Höchstgeschwindigkeit für geschlossene Ortschaften — nach der Sie noch fragten — ist gesetzlich mit 40 Stundenkilometer festgesetzt. Aber auf der breiten Rheinstraße brausen sie auch manchmal mit 70 Sachen dahin, die Herren Kraftfahrer. Allerdings, wenn sie die Polizei erwischt, dann gibt’s auch die von Ihnen gewünschten hohen Geldstrafen. Also, die Polizei bemüht sich schon, die Kraftfahrer im Zaume zu halten. Manche meinen sogar schon, daß es bei uns in Deutschland zu viele Polizeibestimmungen und Verkehrszeichen gebe und dadurch mehr Unfälle zustande kämen als in anderen Ländern, in denen jeder nach Herzenslust kreuz und quer fährt und seltsamerweise nichts passiert.

Aber den Vorschlag mit den Verkehrsampeln halte ich für nicht schlecht. Jedenfalls wären sie besser für die Kraftfahrer zu sehen, als der Verkehrsschutzmann, der oft von anderen Fahrzeugen verdeckt wird. Vielleicht äußert sich mal die Verkehrspolizei dazu?

vieren; Ihr Fritz Knippellus.

Ein Loch in der Stadtplanung

Als geborener Darmstädter habe ich großes Interesse an dem Wiederaufbau und Planen in unserer Stadt. So beobachte ich alle Planungen und war erstaunt, als ich durch die Ruthsstraße kam und feststellen mußte, daß über diese zwischen der Arhellger und Löffelstraße ein Neubau erstellt wird. Hier wäre eine schöne Verbesserung der Verkehrsmöglichkeit vom Osten Darmstadts nach dem Westen gegeben gewesen. Wenn man nämlich diese Möglichkeit betrachtet, so ist eine direkte Verbindung zwischen diesen Stadtteilen nur über die Dieburger und Liebfrauenstraße möglich. Alle anderen Verbindungen über die Arheilger Straße münden als Sackgassen, so daß in diesen engen Straßen ein zügiger Verkehr nicht möglich ist.

Nach meinen Erkundigungen war bereits früher dieser Durchbruch geplant und wurde nur nicht ausgeführt, weil ein auf diesem Grundstück stehendes Haus dies nicht zuließ. Nun war aber der Platz infolge Zerstörung dieses Gebäudes frei und einer Begradigung der Ruthsstraße stand nichts im Wege. Aber unsere Stadtplanung hat davon keine Notiz genommen und dieses Grundstück verpachtet um nun ein neues Verkehrshindernis zu schaffen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß man dies nicht verhindert hat, denn es ist Autos und selbst Fuhrwerken fast nicht möglich, um diese Ecke zu kommen.

Es ist nun nicht so, daß diese Straße kaum befahren wird, denn es wohnen da nicht nur viele Bauersleute, die diesen Weg nach ihren im Westen der Stadt gelegenen Feldern befahren, sondern auch Fuhrunternehmen, die den großen Umweg durch die Schloßgartenstraße über die Pankratiusstraße machen müssen, um in die obere Ruthsstraße zu kommen.

M. E. ist die Vergebung dieses Grundstückes, wie oben erwähnt, ohne Überlegung und ohne Besichtigung geschehen. Es dürfte ja nun zu spät sein, eine Änderung herbeizuführen, aber es wäre doch angebracht, wenn bei Vergebung derartiger Objekte eine örtliche Prüfung vorgenommen würde. Überall versucht man verkehrshindernde Punkte zu beseitigen und hier hat man ein neues Verkehrshindernis geschaffen.

F. J. Becker (Darmstadt).

Eintrittspreise im Hallenschwimmhbad

... So haben wir Eltern besonders dankbar die Eröffnung des Schwimmbades in Darmstadt begrüßt. Hier haben wir nun auch im Winter eine Stätte für unsere Kinder, in denen sie sich unbeschwert tummeln können und dabei Gesundheit und Freude gewinnen. Wir wissen, daß die Instandsetzung der Schwimmhalle für die Stadt eine finanzielle Belastung bedeutet, das gibt ihr aber nicht die Berechtigung, die Eintrittspreise so hoch festzusetzen! Es ist ja nicht Sinn und Zweck des Schwimmbades, daß es sich „rentiert“, sondern es muß Ziel einer verantwortungsvollen Verwaltung sein, daß möglichst viele Menschen von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihrer Gesundheit zu dienen ... Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kann diese hohen Eintrittspreise bezahlen. Es geht ja auch in anderen Städten, die ebenfalls durch den Krieg schwer gelitten haben, und für Kinder nur 0,20 DM Eintritt nehmen. Es ist unbedingt notwendig, daß die Gestaltung der Badepreise vom sozialen Gesichtspunkt bestimmt wird!

Heinrich Peters, Darmstadt.

Kilometer 512

Zu den Unfällen bei km 512:

Könnten Sie nicht erreichen, daß an jener gefährdeten Stelle etwas anderes unternommen würde, für besonders magnetisch veranlagte Auto- und Kraftfahrer als nur die Anbringung von Warntafeln?

Frau D., Darmstadt

Der SPORT

Der Süden ohne Kupfer und Streitle

Das Süd-Aufgebot gegen West und Südwest / West nominierte 15 Spieler

Frankfurt, (sid) Der Süddeutsche Fußball-Verband bestreitet am 11./12. November einen Zwei-Frontenkampf gegen Südwest (in Ludwigshafen) und Westdeutschland (in Frankfurt), dem im Hinblick auf das erste deutsche Nachkriegs-Länderspiel gegen die Schweiz am 22. November im Stuttgarter Neckarstadion besondere Bedeutung zukommt. Im süddeutschen Aufgebot, das nach Besprechungen zwischen dem SFV-Spielausschuß und Bundestrainer Sepp Herberger bekanntgegeben wurde, vermißt man Streitle (Bayern München) und Ander Kupfer (Schweinfurt 05). deren Vereine am 12. November Meisterschaftsspiele austragen müssen. Für beide Spiele stehen folgende Anwärter fest;

Tor: Fischer (1. FC Nürnberg) und Höger (Spvg Fürth).

Verteidigung: Piccard (Offenbacher Kickers). Knoll. Plawky (beide Spvg Fürth) und Retter (Vfß Stuttgart).

Läuferreihe: Bergner (1. FC Nürnberg), Göttinger (Spvg Fürth). Dannenmaier, Gärtner (beide Vfß Mühlburg), Keuerleber (VfR Mannheim), Rendler (SV Waldhof) und Barufka (Vfß Stuttgart).

Sturm: Kaufhold (Offenbacher Kikkers), Balogh (VfL Neckarau). Buhtz, Lehmann (beide Vfß Mühlburg), Schade (Spvg Fürth), Morlock (1. FC Nürnberg), Blessing, Läpple (beide Vfß Stuttgart), Langlotz und de la Vigne (beide VfR Mannheim).

Das West-Aufgebot

Der Verbands-Fußballausschuß des Westdeutschen Fußball-Verbandes hat die erste Spieler-Auswahl für die Begegnung gegen Süddeutschland in Frankfurt am 12. November getroffen.

15 Spieler werden für Donnerstag, 9. November, in das Duisburger WFV-Heim eingeladen. Die Betreuung der Mannschaft übernimmt Paul Janes (Fortuna Düsseldorf). Das Spieler-Aufgebot: Tor: Turek (Fortuna Düsseldorf), Mierzowski (Preußen Münster); Verteidigung: Graf (1. FC Köln), Lesch (Preußen Münster), Borkenhagen (Fortuna Düsseldorf); Läuferreihe; Mebus (VfL Benrath), Röhrig (1. FC Köln),

Auch der DFB hat seine Sorgen

Vor einer Verbesserung des Vertragsspieler-Statuts

Der Deutsche Fußball-Bund hält am kommenden Samstag in Hennef (Sieg) seinen ordentlichen Bundestag ab, zu dem die angeschlossenen Landesverbände ihre Delegierten entsenden werden. Am Vortage tritt der Vorstand zusammen, ebenso wird in den Nachmittagsstunden des Freitags die übliche Beiratssitzung abgehalten.

Wie üblich, liegen dem Bundestag zahlreiche Anträge vor, die teilweise vom DFB-Vorstand selbst gestellt werden. So sollen die Erfahrungen, die man im Vertrags-Fußball gesammelt hat, ausgewertet und im Statut verankert werden. Der Süddeutsche Fußball-Verband hat dazu den Antrag gestellt, einen Ausschuß für Vertragsspieler-Fragen im Bundesrahmen zu bilden, dessen Vorsitzender nach Bestätigung durch den Bundestag Sitz und Stimme im Vorstand haben würde. Der bisherige Amateur- und Proflausschuß soll in ein Ueberwachungsorgan umgewandelt werden, das sowohl die Einhaltung des Vertragsspielerals auch Amateur-Statuts kontrolliert.

Von verschiedenen Anträgen des Fußball-Verbandes Südwest bzw. des FV Rheinland ist hervorzuheben, daß der Wunsch nach einem offiziellen Referenten für Toto-Fragen auf Bundesebene mit Sitz und Stimme im Vorstand laut .wird. Außerdem sollen nur Personen in den Vorstand gewählt werden, die nicht hauptberuflich im Sport tätig sind. Grenzstreitigkeiten zwischen Landesverbänden, die über Regionalverbände hinausgehen, sollen vom DFB-Vorstand entschieden werden. Niedersachsen z. B. macht weiter Ansprüche auf die Grafschaft Bentheim geltend, deren Vereine innerhalb des Fußball-Verbandes Westfalen spielen.

Deutsche Gewichtheber gegen USA

Köln. (AP.) Für die drei Länderkämpfe gegen die amerikanische Gewichtheber-Nationalmannschaft, die am 21. Oktober in Kaiserslautern, am 22. Oktober in Stuttgart-Fellbach und am 24. Oktober in München startet, hat der Deutsche Athletenbund folgende deutsche Heber ausgewählt: Bantamgewicht: Bresslein (Essen), Schuster (München); Federgewicht: Jurkes (Trier), Sprüngel (Regensburg); Leichtgewicht: Leuthe (Fellbach); Mittelgewicht: Hollerer, Ismayr (beide München); Halbschwergewicht: Köhler (Weinheim). Gieil (München); Schwergewicht: Aalder:ng ( Stuttgart-Fellbach), Schattner (München).

Aus der Schweiz sind bereits drei Sonderzüge für das Stuttgarter Länderspiel am 22. November angekündigt.

Beginn der Hallenradsportsaison

Radballer des VCD in Griesheim

Am kommenden Sonntag, dem 22. Oktober. geht Paul Nester nochmals an den Start, und zwar beim „Heini- Kühling-Gedächtnisrennen“ in Frankfurt auf der bekannten Germania-Rundstrecke, die viermal zu durchfahren ist.

Die RennsDortsaison 1950 dürfte nun endgültig hinter uns liegen, aber schon kommt der Hallenradsnort zu seinem Recht.

Der internationale Radballänderkampf Deutschland—Österreich—Schweiz im Frühjahr im Concordiasaal ist noch in aller Erinnerung. Auch während der Sommermonate waren die Hallenradsportler des Velociped-Club 1899 nicht untätig, sie haben unausgesetzt trainiert und waren bei einer ganzen Anzahl Radballwettkämpfen und Kunstfahrveranstaltungen erfolgreich am Start.

Am Samstag, dem 21. Oktober. 20 Uhr, veranstaltet der Radfahrerverein „Conus“ Griesheim sein erstes Hallenradsportfest mit einem Radballturnier der A-Klasse, bei dem die VCD-Mannschaft Gunst/Mohr gegen Eid/Rothengatter Rüsselsheim antreten. Diese Spiele sind für die beiden Mannschaften von ganz besonderem Wert, weil sie am 28. und 29. Oktober bei den Deutschen Meisterschaften in München-G’.adbach wieder aufeinander treffen. Zu den Deutsc'",e’i Hallenradsportmeisterschaften entsendet der VCD auch seine erfolgreiche Jugendmann-Schaft Busch/Weber.

Am Samstag sind in Griesheim im Einer-Kunstfahren auch die zwei Hessenmeister Edith Mehring und Günther Gross vom VCD am Start und im Sechser-Kunstfahren die mehrfachen Deutschen Meister des Radfahrervereins Bischofsheim.

Die B-Mannschaften des VCD Matheis-Gebhart und Fries/Valter spielen am Sonntag, dem 22. Oktober, ein verbandsoffenes Radballturnier in Wiesbaden.

Bensheim Kreismeister im Schach

Das in Reichenbach ausgetragene Turnier des Kreises Bergstraße urp die diesjährige Schach-Blitzmeisterschaft, das mit Sechsermannschaften ausgetragen worden ist, sah spannende und durchweg bis zum Ende offene Kämpfe. Sieger wurde der Schachklub Bensheim mit 35 Punkten und 17,5 Brettsiegen vor der jungen Mannschaft Affolterbach mit 15 Siegen und 25 Punkten. Die anschließende Blitzmeisterschaft für Einzelspieler hatte die gleiche Reihenfolge; der vorjährige hessische Jugendmeister Hechler (Bensheim) landete dank eines leichten Vorteils bei gleicher Punktzahl (13) vor Harald Koch (Affolterbach) auf dem 1. Platz.

Am Sonntag, dem 22. Oktober, findet im Vereinshaus der SG Arheilgen eine Uebungsstunde für das Männerturnen statt. Beginn 9 Uhr. Wahlvorschläge für den Kreismännerturnwart werden entgegengenommen. kof

Gästesiege in der Basketball-Oberliga

Die am vergangenen Wodienende ausgetragenen Basketballspiele endeten mit Siegen der Gastmannschaften, die sich auf den Plätzen ihrer Gegner mehr oder weniger überzeugend durchsetzen konnten. Mit einem 43:29 kam der 2. Deutsche Med-

ster Turnerbund Heidelberg in Bad Kreuznadi zu dem erwarteten Sieg und setzte sich an die Spitze der Tabelle vor seinen Ortsrivalen Heidelberger TV 1846, der mit der gleichen Punktzahl aber mit dem etwas schlechteren Korbverhältnis den zweiten Platz einnimmt.

Ueberraschend kam der Sieg des Heidelberger TV 1846, der den BC Darmstadt in den Schlußminuten noch recht deutlich 57:44 niederkanterte Stützen der Heidelberger waren ihre ausgezeichneten amerikanischen Spieler Freitag und Borris, die den Großteil der Punkte erzielten.

Nicht ganz erwartet kommt auch der Sieg des MTV Gießen in Karlsruhe. Die Nordhessen haben sich durch ihren 32:27-Erfolg nun auf den 5. Platz der Tabelle vorgeschoben.

Der Tabellenstand:

Die Spiele der Basketball-Oberliga Südwest werden am 28. Oktober fortgesetzt. -er-

Turnerbund Heidelberg 2 2 0 98:51 4:0
Heidelberger TV 1<846 2 2 0 95:72 4:0
VfL 1848 Bad Kreuznach 3 2 1 103:85 4:2
BC Darmstadt 2 1 1 89:81 2:2
MTV Gießen 2 1 1 53:58 2:2
Homburger Turngem. 2 0 2 45:88 0:4
BC Karlsruhe 3 0 3 77:125 0:6

Landesliga eröffnet Spielzeit

Die Basketball-Landesliga Hessen beginnt mit dem Männerspiel SKG Roßdorf gegen TV Offenbach die neue Spielzeit. Die Begegnung kommt am Samstag um 16.00 Uhr auf dem Roßdorfer Sportplatz zum Austrag. Bei schlechter Witterung wird in der Schulturnhalle Arheilgen gespielt. Spielbeginn dann um 18.00 Uhr.

In diesem ersten Verbandsspiel werden sich wohl die Roßdorfer von der iungen Offenbacher Mannschaft nicht um die Punkte bringen lassen, obgleich es völlig abwegig wäre, den Gegner zu unterschätzen. Die Offenbacher haben seit ihrer Neugr j -. düng in den vergangenen Sommermonaten einige Spiele durchgeführt die gezeigt haben, daß sich die Mannschaft immer besser zusammenfindet.

Roßdorfs Mannschaft hat eine zweimonatige Spielpause hinter sich und will natürlich die neue Spielsaison mit einem Sieg eröffnen. Es kommt letzt darauf an, ob Roßdorf seine in den letzten Spielen im August gezeigte gute Form erreicht. Läuft das Spiel der Einheimischen, so dürfte für die Offenbacher nichts zu holen sein.

An den Verbandsspielen der Landesliga Hessen beteiligen sich folgende Mannschaften: TV Heppenheim (Männer. Frauen, männl. Jugend), SKG Roßdorf (Männer, Frauen, männl. Jugend), TV Offenbach (Männer), BC Frankfurt (Männer, Frauen). TSV 1875 Bonames (Männer), Homburger Turngemeinde (Frauen), MTV Gießen (Frauen, männl. Jugend), Eintracht Wetzlar (Männer) und Baseball-Club Marburg (Männer). -er-

Die Turnerschaft der TG 75 parm. stadt lädt für Samstag, den 21. Oktober, 20.30 Uhr, in der Gaststätte Baltes zu einem Filmabend ein, bei dem der Jubiläumsfilm und ein großer Werbefilm über Skilaufen mit herrlichen Landschaftsaufnahmen läuft.

Die Torjäger der 1. Ligen

Der dritte Oktobersonntag hat — obwohl erst fünf Spieler mehr als zehn Tore schossen — in den Torschützenlisten der fünf ersten Ligen einige Veränderungen gebracht. Gut herausgekommen ist im Süden der Mannheimer Sturmtank Löttke, während Otmar Walter (1. FC Kaiserslautern) und Blankenberger (Wormatia Worms) im Südwesten nur mehr ein Tor vom führenden Ludwigshafener Ott trennen. Die Spitzen der Listen:

Süd: Lehmann (Vfß Mühlburg) 11, Löttke (VfR Mannheim) 9, Buhtz (Vfß Mühlburg) 8, Baas (Kickers Offenbach) 8, Langlotz (VfR Mannheim) 7. App's (SpVg Fürth) 7.

Südwest: Ott (Phönix Ludwigshafen) 12, O. Walter (1. FC Kaiserslautern) 11, Blankenberger (W. Worms) 11. Dattinger (Ludwigshafen) 8, Oster (Ph. Ludwigshafen) 8, Müller (Wormatia Worms) 8.

West: Kleina (Schalke 04) 9, Güttgemanns (Rheydter SpV) 6, Gottschalk (RW Essen) 5, Hinz (RW Essen) 5, Müller (Fort. Düsseldorf) 5, Bars (1. FC Köln) 5.

Nord: Schlegel (Gött ngen 05) 13, Adamkiejvicz (HSV) 9, Loth (Hannover 96) 9, Woitkowia.k (HSV) 8. Vetter (VfL Osnabrück) 8, Gernhardt (Werder Bremen) 7.

Hannover gewinnt Tennisclubkampf

Barcelona. (AP.) Hannover hat am Dienstag den Tennisklubkampf gegen Barcelona mit 3:2 Punkten gewonnen. Den entscheidenden Erfolg holte Gottfried von Cramm gegen den Spamer Luis Carles nach einem schwer erkämpften Sieg mit 6:3, 3:6, 4:6, 6:4, 6:0 heraus.

Auf der 12 Kilometer langen Schauinsland-Bergstrecke bei Freiburg wird am Sonntag die Bergmeisterschaft des Südbadischen Radsport-Verbandes ausgetragen. An dem Rennen nehmen vierzig Fahrer teil. Der Rekord wird seit dem Jahre 1935 von dem Freiburger Fritz Sütterlin mit 34:20 Minuten gehalten.

In zwei Jahren 67 Millionen D-Mark setzte dei württemberg-badische Fußballtoto um. Aus einem Vier-Mann-Betrieb in einem Zimmer entwickelte sich eine Gesellschaft, die demnächst ihr „Toto-Haus“ in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs beziehen wird. Der Sonntags-Umsatzrekord steht auf 1 657 000 DM.

DT । Meine liebe Mutter und Schwiegermutter, unsere gute Großmutter, Urgroßmutter und Tante, Frau Maria Stier Wwe. geb. Götz ist am 17. Oktober im Alter von 84 Jahren in Hofgeismar E ; sanft entschlafen und heimgekehrt. In stiller Trauer: Margarethe Henkel geb. Stier und August Henkel Dr. med. Hanns Henkel und Frau Ruth geb. Bornhäuser Hanna Henkel Wwe. geb. Eigenbrodt Pfarrer August Stumpf und Frau Elfriede geb. Beck und 4 Urenkel Darmstadt (Küchlerstr. 6), Hofgeismar, Niederwiesen, 19. Okt. 1950 £ Die Beerdigung findet am 20. Oktober 1950, 11.30 Uhr auf dem Bessunger Friedhof statt.

I Heute verschied nach längerem Leiden meine liebe Frau, E | unsere gute Mutter, Schwester und Schwägerin Erika Schnell geb. Röhrich H im 49. Lebensjahr. In tiefer Trauer: LUDWIG SCHNELL HILDE UND INGE (Kinder) E Darmstadt, 18. Oktober 1950 Sa Eschollbrücker Straße 27 ra Die Feuerbestattung findet am Freitag, dem 20. Oktober 1950, um 11.15 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

Bei Sterbefällen Telefon Nr. 2012 billigst durch Karl Kahrhof ohne | Erstes Darmstädter Beerdigungsgeschäft Darmstadt, Mühlstr. 13 Größtes Sarglager am Platze Oberführungen mittels eigenem Leichen- und Personenauto

Bestattungen am Donnerstag, 19. Oktober 1950: Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.30 Heyl. Luise, Hobreditstr. 47, 64 Jahre Waldfriedhof: 11.45 Steffan, Karl, Heizungsmont., Heimstättenweg 109. 52 J. 11.45 Konrad, Wilhelm. N.-Ramst., Am Piaffenberg 6, 69 Jahr« 15.15 Schulze, Martin, Fabrikbes., Bad Nauheim, Karlstraße 26, 74 Jahre

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Amtliche Bekanntmachungen Schlachthof (Freibank) Freitag, von 8—11.30 Uhr, Nr. 1301—1500; Samstag, von 8 bis 11.30 Uhr, Nr. I—3oo.

Zwangsversteigerung Am 20. 10. 1950 werde ich öffentlich meistbietend gegen Bar¬ zahlung um 10 Uhr in Darmstadt versteigern: 2 Hobelbänke, 3 Schreibtische, 4 Polstersessel, 2 Radios, 1 Ankleideschrank, 1 Waschtoilette, 1 Schreibmaschine u.a.m. Bieter um 10 Uhr Schloßgartenplatz - Parkeingang. Um 12 Uhr in Arheilgen: 2 Radios, 1 Büfett, 1 Sofagarnitur und 1 Eismaschine (kompl. mit autom. Kühlung und Vorgelege). Bieter um 12 Uhr am Rathaus. Um 13 Uhr in Wixhausen: 1 Schreibtisch, 1 Radio und 1 Sota. Bieter um 13 Uhr Bahnübergang Meßl. Straße. Illas, Obergerichtsvollzleher In Darmstadt

Str. D. 5814/50-63 (Wz/Vo) Betr. Kurzfristige Sperrungen der Bundesstraße 26 Darmstadt—Groß-Gerau Die Bundesstraße 26, Darmstadt—Groß-Gerau, ist wegen Bau¬ arbeiten an der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Groß-Gerau/Dorn¬ berg für den Durchgangsverkehr aller Arten zeitweise an nach¬ genannten Tagen gesperrt: Am Donnerstag, dem 19. 10. 1950, von 9—12 Uhr Am Samstag, dem 28. 10. 1950, von 9—12 Uhr und 14—16 Uhr Am Montag, dem 6. 11. 1950, von 9—12 Uhr und 14—16 Uhr Am Dienstag, dem 15. 11. 1950, von 9—12 Uhr und 14—16 Uhr Am Donnerstag, dem 23. 11. 1950, von 9—12 Uhr. Umleitung erfolgt über Griesheim—Wolfskehlen (L. I. 0. 3096) —Dornheim—Berkach—Dornberg (B. 44), Mehrlänge 4,5 km. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten. Darmstadt, den 16. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Darmstadt Groß-Gerau, den 16. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Oroß-Gerau

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