Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ERICH DOMBROWSKI. Dirm.uT4^ »««blatt L. C. Wittich. ErschVtnV*%Rh.e}nstraße 23' Telefon 3925. trscnetnt täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 94 Jleuefie Jla^ri^fen Mittwoch, 18. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße23.Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Truman: „Wir hassen den Krieg, verteidigen aber die Freiheit“

San Franzisko, 17. Oktober. (AP.) Präsident Truman hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede die Sowjetunion am Dienstag vor weiteren Aggressionsakten gewarnt und erklärt, daß die Vereinigten Staaten selbst vor einem Krieg nicht zurückschrecken würden, wenn es um die Verteidigung der Freiheit gehe.

Die Vereinigten Staaten haßten den Krieg, so erklärte der Präsident, aber sie liebten um so mehr die Freiheit. Amerika wollen sie nicht zerstört sehen. „Wir wollen den Frieden. Aber es muß ein Frieden sein, der auf Gerechtigkeit gegründet ist.“

Truman wies darauf hin, daß die Vereinigten Staaten ihre Militärmacht weiter ausbauen würden, um jeder möglichen Aggression begegnen zu können, ganz gleich, in welchen Teilen der Erde sie sich ereigne.

Der Präsident erklärte, wenn die Sowjetunion tatsächlich den Frieden wolle, dann müsse sie dies durch folgende vier Maßnahmen beweisen, indem sie:

1. sich an die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen halte und nicht nur Lippenbekenntnisse für den Frieden abgebe,

2. zusammen mit den anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen die Nordkoreaner zum Niederlegen der Waffen

auffordere, 3. den Eisernen Vorhang aufhebe und freien Gedanken- und Informationsaustausch zulasse und

4. die Anstrengungen der Vereinten Nationen beim Aufbau eines kollektiven Sicherheitssystems unterstütze, das die Abschaffung der Atombombe und eine drastische Beschränkung der bewaffneten Streitkräfte ermöglichen könnte.

Truman beschuldigte die Sowjetunion, durch ihre Taktiken „das Gebäude des Weltfriedens immer schwerer zu belasten“. Die Sowjetunion und ihre Satelliten unterhielten große und schlagkräftige Armeen, die sowohl in Europa als auch in Asien zu einer ständigen Bedrohung des Weltfriedens geworden seien. Solange diese Staaten solche Streitkräfte beibehielten und sie dazu benützten, andere Länder einzuschüchtern, gebe es für die freie Welt nur eine Wahl: Der Stärke mit Stärke zu begegnen. Dies sei nicht nur eine Aufgabe Amerikas, sondern der gesamten Gemeinschaft der freien Nationen, die gemeinsam unternommen werden müßten.

Appell an Asien

Der Präsident betonte, daß die Vereinigten Staaten alle Völker Asiens bei ihrem Kampf gegen den Kommunismus unterstützen würden. „Wir wissen, daß die Völker Asiens ihre Freiheit und Unabhängigkeit lieben. Unsere gesamte Geschichte beweist, das wir stets eine dementsprechende Politik verfolgt haben. Unsere Söhne kämpfen nun in Asien, um die Freiheit und Unabhängigkeit einer kleinen Nation zu bewahren, die brutal

angegriffen wurde.“ Der Präsident forderte sodann die Völker Asiens zur „vollen Partnerschaft beim Aufbau ihres Lebensstandards“ auf. Er wandte sich mit dieser „Partnerschaft des Friedens“ gegen die sowjetische Propaganda im Fernen Osten. • tt c r’nnAroi

Über seine Konferenz mit General Mac Arthur erklärte Truman, er sei mit den Ergebnissen sehr zufrieden, er sei nach Wake geflogen, um den Oberkommandierenden nicht zu weit von seinem Kommandoposten zu entfernen. Die „sehr wichtigen“ Operationen in Korea hätten es auch ratsam erscheinen lassen, die Konferenz zeitlich äußerst zu beschränken.

Hoffnung auf Frieden

Er könne nur sagen, daß er von der Konferenz mit dem Vertrauen zurückkehre, daß die Vereinigten Staaten auf lange Sicht hin in der Lage sein werden, den Weltfrieden zu erhalten.

Er habe auf der Insel Wake mit Mac-Arthur zweckdienliche Schritte zur Erhaltung des Friedens im Pazifik, zur Beendigung der Operationen in Korea und zur Schaffung eines „friedlichen, wohlhabenden Japans“ besprochen. Vor allen Dingen sei die Bildung einer „vereinigten unabhängigen und demokratischen“ Regierung in Korea in Uebereinstimmung mit der Resolution der Vollversammlung Sprache gekommen. Die Aufgabe der Vereinten Nationen sei mit dem Ende der Feindseligkeiten noch lange nicht erfüllt. Große Wiederaufbauarbeiten stünden bevor Dieser Aufbau sei in den befreiten Gebieten schon in Angriff genommen

worden. „ . , ,T .. Die Aktion der Vereinten Nationen in Korea sei vor allem deswegen so wichtig, weil hier zum ersten Male in der Geschichte die friedliebenden Nationen unter dem Banner einer internationalen Organisation zu den Waffen gegriffen hätten, um eine Aggression zurückzuschlagen. Auf Grund dessen seien die Vereinten Nationen heute stärker denn je. „Wir wissen nun, daß die Vereinten Nationen ein System der internationalen Ordnung schaffen können, das die notwendige Autorität zur Erhaltung des Friedens besitzt.“

Moskau steht in Opposition

Die dauernden Aggressionen und Angriffsdrohungen hätten die freien Völker der Welt äußerst erregt. Trotz der Niederlage der Aggressoren in Korea sei der Geist des Ueberfalls immer noch rege. Solange dieser Geist noch bestehe, müsse die freie Welt in ständiger Gefahr leben.

Das schwierige Mitbestimmungsrecht

Vor neuen Verhandlungen der Sozialpartner

Bielefeld, 17. Oktober, (dpa) Bundesarbeitsminister Storch kündigte in Bielefeld an, er werde sich in allernächster Zeit noch einmal mit den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden zusammensetzen, um sich erneut die Standpunkte beider Partner zu dem Gesetz über die Mitbestimmung in den Betrieben vor tragen zu lassen. Um dieses Problem richtig zu lösen, sei noch viel Zeit erforderlich. Storch vertrat auf einer internen Tagung der Arbeitgeberverbände erneut die Auffassung, das Mitbestimmungsrecht in den Betrieben dürfe nur von den jeweiligen Belegschaften ausgeübt werden, alle anderen Gremien dürften nur beratend zur Seite stehen. Die Forderung der Arbeiter auf Mitbestimmung dürfe niemals zu einer politischen Streitfrage gemacht werden. Dieses Problem sei nicht politischer, sondern rein wirtschaftspolitischer Natur. Durch gemeinsame Verhandlungen der beiden Sozialpartner müsse es gelingen, den überalterten Begriff des Klassenkampfes auszuschalten.


Der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt und spätere deutsche Botschafter beim Vatikan, v. Weizsäcker, ist in Landsberg aus der Haft entlassen worden. Unser Bild zeigt v. Weizsäcker und seine Gattin beim Verlassen des Gefängnisses Foto: UP.
Der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt und spätere deutsche Botschafter beim Vatikan, v. Weizsäcker, ist in Landsberg aus der Haft entlassen worden. Unser Bild zeigt v. Weizsäcker und seine Gattin beim Verlassen des Gefängnisses Foto: UP.

Erhöhung des Notopfers?

Bonn, 17. Oktober, (dpa) Das Notopfer Berlin soll erhöht werden, um eine Lücke von 75 Millionen Mark in der Bundeshilfe für Berlin auszufüllen. Der Bundesfinanzminister hat dem Kabinett bereits einen Gesetzentwurf für diesen Schritt zugeleitet. Danach sollen künftig von Körperschaftssteuerpflichtigen und Beziehern hoher Einkommen erheblich höhere Notopfer-Beträge verlangt werden, während die kleinen Lohnempfänger nicht so sehr betroffen werden. Die Notopfermarke auf Postsendungen soll unverändert zwei Pfennig kosten.

Kampf um Pyöngyang hat begonnen

Vor dem Zusammenbruch der nordkoreanischen Verteidigung?

Tokio, 17. Oktober. (AP./dpa) Britische und südkoreanische Vorhuten sind im Morgengrauen des Mittwoch (Ortszeit) in die äußeren Verteidigungsstellungen von Pyöngyang eingedrungen. Der Kampf um die nordkoreanische Hauptstadt hat damit begonnen. Mit einem Zusammenbruch der kommunistischen Verteidigung kann in Kürze gerechnet werden.

Amerikanische Geschütze werden bereits am Mittwoch die Stadt unter Beschuß nehmen können, wenn das Tempo des alliierten Vormarsches anhält.

Die Kommunisten befinden sich an der Ostküste auf einem fluchtartigen Rückzug. Zahlreiche Gefangene, Geschütze und Panzerabwehrwaffen fallen in die Hände der Streitkräfte der Vereinten Nationen.

Zwei Stoßkeile der Truppen haben sich der Hauptstadt Pyöngyang auf rund 30 Kilometer genähert. Einheiten der ersten südkoreanischen Division sind über Suan hinaus nach Nordwesten vorgestoßen und haben den Ort Sangwon genommen.

Auf der Hauptstraße nach Pyöngyang haben Vorausabteilungen der 1. amerikanischen Kavallerie-Division Hwangju, etwa 35 Kilometer südlich von Pyöngyang, besetzt und sind weiter nach Norden vorgerückt. Sie hatten die wichtige Industriestadt Sariwon umgangen, die In den Vormittagsstunden von britischen Truppen besetzt wurde.

Gegen Ost-West-Gespräche

Außenminister Bewin vor dem Unterhaus

London, 17. Oktober, (dpa) Der britische Außenminister Bevin sprach sich am Dienstag vor dem Unterhaus gegen direkte Ost-West-Gespräche und für Verhandlungen im Rahmen der Vereinten Nationen aus. Bevin wies einen Vorschlag zurück, daß Großbritannien die Initiative für die Anberaumung einer Konferenz zwischen Truman, Stalin und Attlee ergreifen sollte, um eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen der Sowjetunion und dem Westen zu erzielen.

„Ich spreche kein Englisch“

Ein Treffen Dulles—Wyschinski

Lake Success, 17. Oktober. (AP.) Während der Sitzung des politischen Ausschusses der Vollversammlung der Vereinten Nationen haben am Dienstag der amerikanische Delegierte John Foster Dulles und der sowjetische Außenminister Andrei Wyschinski eine 40 Minuten lange geheime Besprechung geführt.

Nach Beendigung der Unterredung lehnte Wyschinski jede Auskunft mit dem Bemerken ab: „Bedauere, ich verstehe kein Englisch“. Dulles erklärte den wartenden Pressevertretern: „Bedauere, ich verstehe kein Russisch".

Sonderpolizei

*** Vor einigen Tagen wurde in einem süddeutschen Blatt ein seltsames Rundschreiben abgedruckt, das an die Untergruppen des Bundes für versorgungsberechtigte ehemalige Wehrmachtsangehörige gerichtet war. Es wurden darin Bewerber für eine Sondertruppe von vierhundert Mann gesucht, die später in eine andere Formation übergeführt und wieder ersetzt werden solle. Im Zusammenhang mit den „Enthüllungen“ des Kirchenpräsidenten D. Niemöller erregte auch diese Veröffentlichung großes Aufsehen.

Das Rätsel dieser geheimnisvollen Truppe ist inzwischen ebenfalls gelöst worden. Bundeskanzler Dr. Adenauer hat seinen Berater für Sicherheitsfragen, Graf Schwerin, mit der Aufstellung einer Polizeibereitschaft von vierhundert Mann zum Schutz der Parlaments- und Regierungsgebäude in Bonn, der Reg’erungsmitglieder und der Parlamentarier beauftragt. Dieser Plan hat bereits bei den Verhandlungen über die Bildung der Bereitschaftspolizei eine Rolle gespielt. Auch der frühere Innenminister, Dr. Heinemann, war der Ansicht, die Bonner Bannmeile solle von einer besonderen Polizeitruppe geschützt werden. Im Hinblick auf die Notlage vieler ehemaliger Wehrmachtsangehöriger hatte man sich an die erwähnte Bundesleitung gewandt, von der die Anfrage an ihre Mitglieder in einer völlig verfehlten Form wiedergegeben worden war. Es ist bezeichnend, daß schwerwiegende Fragen in Deutschland ständig mit Ungeschicklichkeiten oder Mißverständnissen belastet werden.

Wie jetzt aus Bonn verlautet, neigt man in Kreisen der Bundesregierung dazu, die Sicherungstruppe aus dem Zollgrenzschutz zu bilden. Die Absicht, die Hälfte der Truppe aus ehemaligen Offizieren und Unteroffizieren zu bilden, ist bisher amtlich nicht bestätigt worden. Soviel dürfte jedoch gewiß sein, daß die Sonderpolizei nicht dazu dienen soll, in verschleierter Form die Aufstellung militärischer Einheiten vorzubereiten.

Indochinafront führt ins Mittelmeer

Von unserem Pariser M-Korrespondenten

Die Kolonialsorgen Frankreichs mögen besonders in Deutschland im Augenblick als ein Problem zweiter Ordnung erscheinen. In Wahrheit gehören sie zu den großen und dringlichen internationalen Problemen. Sie nehmen nicht nur einen sehr wichtigen Teil der im Gang befindlichen West-Ost-Auseinandersetzung ein, sondern, wie der Fall Korea lehrt, vor allem eine sehr aktuelle Stellung. Im asiatischen Raum ist Indochina, das sozusagen schon längst fällig war, nun dabei, sichtbar für alle Welt in die erste Reihe der politischen Aktualität vorzurücken. Die jüngsten militärischen Schlappen, die das französische Expeditionskorps und die dazu gehörenden einheimischen Truppen des Vietnam erlitten haben, geben dem Problem jetzt einen dramatischen Anstrich. Sie werden auf alle Fälle dazu beitragen, das Problem, das bisher eine rein innere französische Angelegenheit zu sein schien, endgültig in den Bereich der internationalen, oder wenn man will, amerikanischen Sorgen vorzuschieben.

Was die unmittelbare Ursache, die jüngsten Vorgänge auf dem Fernostkriegsschauplatz, betrifft, sind sie zwei Ursachen von gleich großer Bedeutung zuzuschreiben: ungenügende militärische Abwehrkräfte auf der einen Seite und auf der anderen die Umwandlung des bisherigen Guerilla-Krieges der aufständischen Vietminh-Armee in einen regelrechten Krieg mit modernen Waffen, die von in Rotchina ausgebildeten Truppen in großer Ueberzahl geführt werden. Es sind in beiden Fällen internationale Probleme. Frankreich, das es weder an Truppen, noch an Material hat fehlen lassen, muß wegen seiner Atlantik-Verpflichtungen in Europa mit seinen Mitteln haushalten, und es tat dies so lange, bis es eben zu dieser vorderhand noch kleinen Katastrophe kam. Das Anwachsen der kommunistischen Rebellenarmee Indochinas, des Vietminh, und ihre Ausstattung mit modernen Kampfmitteln (Panzer aus der Tschechoslowakei!), zeigen deutlich, daß das China Mao Tse-tungs entschlossen ist, seine diplomatische Anerkennung des Vietminh auch praktisch zu unterbauen. Niemand kann absehen, wie weit diese .indirekte' Unterstützung gehen wird und welche Folgen militärischer wie politischer Natur sie haben kann. Alle Versuche Frankreichs, Washington an dem gemeinsamen Asienproblem, das Indochina in seinen Augen darstellt, zu interessieren, waren bisher wenig fruchtbar gewesen und sie wären es auch ohne den Koreakonflikt geblieben.

Die Stellung Amerikas

Man weiß, daß Amerika bisher nur zögernd und widerstrebend dem französischen Wunsch nach Geld- und Materialhilfe nachkam und daß die bisher geleisteten Beiträge nur langsam kamen und weniger als ein Zehntel der jährlichen Kosten dieses Krieges ausmachen, die man auf eine Milliarde Franken im Tag beziffert (etwa zwölf Millionen DM). Dieser Widerstand Amerikas ist trotz der Wichtigkeit Indochinas für die antikommunistische Fernost-Strategie Amerikas auf seine traditionelle Abneigung gegen die bei seiner Oeffentlichkeit verfemte ,Kolonialpolitik' Europas zurückzuführen. In amerikanischen Augen fielen die französischen Interessen auf viel zu undurchsichtige Weise mit dem sogenannten Gesamtinteresse der westlichen Welt zusammen. Korea hat nun, wie gesagt, eine noch nicht sehr gründliche Wandlung in diesen Anschauungen gebracht. Dies gilt sowohl für die politisch-strategische Seite des Asien-Komplexes wie für die rein militärischen Aspekte, die, wie die erste Phase des Koreakonfliktes bewies, von den Amerikanern zweifellos unterschätzt worden waren. Außerdem widerstrebte es ihnen, mit Rücksicht sowohl auf die kommunistische Propaganda in Ostasien wie auf die französische öffentliche Meinung, eigene Truppen oder auch nur militärische Beratung nach Indochina zu entsenden. Heute aber, wo die Aussicht, daß dieses Land ganz in kommunistische Hände fallen könnte, den Sieg Mac-Arthurs und der Vereinten Nationen wahrscheinlich für immer zunichte machen würde, haben sich die Dinge radikal geändert. Nicht so radikal, wie Frankreich es in seinem Interesse wünschen würde. Aber der Anfang einer Entwicklung in dieser Richtung scheint jetzt gemacht worden zu sein. Frankreich wird wohl nicht aufhören können, ein gutes Drittel seiner besten Truppen nach diesem Kriegsschauplatz zu entsenden und ein Drittel seines Militärbudgets auf diesen Abwehrkampf aufzuwenden, aber es wird, wenigstens, was Mittel und Material betrifft, nicht mehr allein alle Opfer zu bringen haben.

Ob der Vorschlag der französischen Regierung, einen .Pazifik-Pakt' zu schließen, der im Fernen Osten ein politisch-militärisches Gegenstück zum Atlantikpakt bilden soll, in Amerika auf guten Boden fallen wird, ist aus vielerlei Gründen sehr fraglich. Hier mögen die unausgesprochenen englisch-amerikanischen Gegensätze eine entscheidende Rolle spielen. Für den Augenblick wird sich Frankreich mit der Entsendung des amerikanischen Militärspezialisten des Fernen Ostens, General Brink, und den praktischen Hilfeleistungen, über die er entscheiden wird, begnügen müssen. Das Indochina-Problem hat aber, soweit das französische Prestige dabei auf dem Spiele steht, bedeutungsvolle Zusammenhänge mit anderen französischen Kolonialsorgen, die gleichfalls einen internationalen Aspekt tragen.

Rückwirkung auf Nordafrika?

Gemeint sind die drei Länder und Protektorate Nordafrikas. Die wachsenden nationalistischen Bewegungen in Tunis, Algerien und Marokko, die früher kurzweg als französischer .Besitz' bezeichnet wurden, streben auf eine politische Unabhängigkeit zu, die einer vollständigen Loslösung von der Metropole zum Verwechseln ähnlich ist. Bisher war es der französischen Staatskunst gelungen, diese Entwicklung zu verlangsamen und in das Bett seiner großen Idee von der. ,Französischen Union', einer Art Versammlung der frei gewordenen und mit Parlamenten ausgestatteten Dominions, abzuleiten.

Wie die Dinge liegen, ist man jedenfalls noch sehr weit von diesem Ziel entfernt, und was vorhanden ist, das sind, inmitten eines krampfhaft aufrechterhaltenen .Status quo‘, eine Anzahl von einander widersprechenden politischen Strömungen, sowohl in den genannten Ländern wie in Frankreich selbst. Niemand vermag die weitere Entwicklung vorauszusagen. Eine etwaige schwere Einbuße des militärischen Prestiges Frankreichs in Indochina, oder gar der Verlust dieses zukünftigen Mitgliedes der .Union Franqaise“, würde sich unmittelbar auf die Situation in Nordafrika auswirken, und zwar verheerend. Ruhe in Nordafrika bedeutet Ruhe und Sicherheit im Mittelmeerbecken. Das Mittelmeer und sein afrikanisches Hinterland bilden logischerweise bedeutende Teile der Atlantikfront, die zu stützen und zu schützen eine der Hauptaufgaben der westlichen Strategie darstellen. Auf diese Weise führt die Indochinafront über die französischen Kolonialsorgen nicht nur ins Mittelmeer, sondern dieses selbst in die Reihe der internationalen Probleme.

Behauptungen

J. Sch. Kirchenpräsident D. Niemöller legt bei seinem Kampf in der politischen Arena nicht immer die Worte auf die Goldwaage. Das mag sich zum Teil aus seinem Temperament erklären. Man hat aber auch oft den Eindruck, daß er die Tragweite seiner Ausführungen mitunter nicht richtig abschätzt oder aber seine politischen Ziele mit Mitteln erreichen will, die einer Nachprüfung nicht standhalten. Daraus droht ein persönlicher Prestige-Verlust, die geistige Verwirrung, die schon groß genug ist, wächst, es tauchen innen- und außenpolitische Gefahren und unnötige Erschwerungen auf, ja es ist möglich, daß vielleicht gerade das gefördert wird, was Niemöller verhindern will. Natürlich haben in der Demokratie alle das Recht, ihre Meinung zu sagen und zu verteidigen. Aber jedermann muß sich seiner Verantwortung bewußt sein. Sie ist um so schwerer, je größer Einfluß und Ansehen des Sprechenden im Inland und im Ausland sind. Wir leben in einer sehr schwierigen, risikovollen Zeit, die uns vor zahlreiche Probleme stellt, deren Lösung eine sachliche Beurteilung und eine behutsame Hand verlangt. D. Niemöller ist, wie auch viele andere, gegen eine Wiederaufrüstung. Wird die Frage „Wiederaufrüstung oder nicht?“ gestellt, fällt die Beantwortung vielleicht leicht. Fragt man aber, ob sich Deutschland der Forderung entziehen kann, einen Beitrag zur Verteidigung gegen einen Angriff aus dem Osten zu leisten, ist die Beantwortung unter Berücksichtigung der gesamten deutschen und internationalen Lage schon wesentlich schwieriger.

D. Niemöller behauptete, daß die Wiederaufrüstung in Deutschland schon im Gange sei. Denn er habe „glaubwürdigste Kenntnis von der Aeußerung westdeutscher Industrieller, wonach in der westdeutschen Industrie heute schon leichte Waffen hergestellt würden“. Das ist eine schwerwiegende Behauptung, die von selten der Bonner Regierung als „völliger Unsinn“ bezeichnet wird. Er zitierte ferner aus dem Brief, den ein Generalleutnant a. D. M. an den Privatsekretär des Kirchenpräsidemen gerichtet hat, eine Stelle, wonach am 1. Oktober in Würzburg ein aus Offizieren der alten Wehrmacht bestehender Organisationsstab seine Tätigkeit aufgenommen habe, dessen Aufgabe es sei, deutsche Einheiten für eine europäische Wehrmacht aufzustellen. Umgehend erfolgte das Dementi des Generalleutnants a. D. Paul Mahlmann.

Die Beweismittel D. Niemöllers bestehen also nicht. Er hat sich hier in eine schlechte Position hineinmanövriert. Es ist kein unbilliges Verlangen der Oeffentlichkeit, daß Kirchenpräsident Niemöller zu diesen beiden Punkten Stellung nehmen muß. Denn es steht hier mehr als sein Ansehen auf dem Spiele.

Keine Kriegsindustrie

Bonn. 17. Oktober, (dpa) Amtliche Stellen in Bonn weisen die Behauptung von Kirchenpräsident Niemöller zurück, in der Bundesrepublik sei bereits eine Waffenindustrie vorhanden. Kriegsindustrien seien entweder zerstört oder demontiert. Außerdem sei der Aufbau einer Kriegsindustrie durch die Beschlüsse der Westmächte verboten.

Ferner wird erklärt, zwischen der Bundesregierung und dem Organisationsstab für Arbeitseinheiten in Würzburg bestehen keine Verbindungen. Dieser stehe unter alliierter Kontrolle und arbeite unter alliierter Verantwortung.

Heinemann nochmals bei Heuss

Bonn, 17. Oktober, (dpa) Bundespräsident Heuss empfing den zurückgetretenen Bundesinnenminister Dr. Heinemann am Dienstag zu einem offiziellen Abschiedsbesuch.

Die dänische Regierung hat 15 Deutsche begnadigt, die wegen Kriegsverbrechen zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren.

Als ich ins Gefängnis ging

Von Ernst von Weizsäcker, Staatssekretär a. D.

In der Einsamkeit seiner Landsberger Zelle hat der Freiherr von Weizsäcker seine Erinnerungen geschrieben, sie geben viele Aufschlüsse über die Weimarer- und über die Hitler-Zeit. Der Verfasser spricht die stärksten seiner Erinnerungen nicht aus, sondern überläßt es dem Leser, sie aus dem Gang der Erzählung zu erschließen. Man weiß, daß die Nürnberger Richter die Verhaltenheit seiner Sprache nicht verstanden haben. Sie sind von den gröberen Effekten der Anklage überwältigt worden. Der Leser hat vielleicht die Möglichkeit, schon aus dem untenstehenden Abschnitt, der dem Schlußkapitel entnommen ist, der Persönlichkeit Weizsäckers näherzukommen.

Die Erinnerungen des Staatssekretärs von Weizsäcker sind im Paul-List-Verlag erschienen. Wir werden das Buch noch ausführlicher würdigen.

$0 wie Dr. ©litt«?

Ich wurde im März 1947 als „freiwilliger Zeuge“ nach Nürnberg geholt und von amerikanischen Beamten, meistens deutschen Emigranten, in einer mich überraschenden Weise wegen gewisser Dokumente verhört, ■die man in den Akten des Auswärtigen Amtes gefunden hatte. Ich wußte nicht, ob ich potentieller Angeklagter oder doch nur Zeuge war. Man wollte mir nachweisen, ich sei Kriegstreiber gewesen, an der Plünderung in Frankreich beteiligt, als Mitglied der SS Teilhaber an den Verbrechen des Sicherheitsdienstes usw. Wichtig nahm man vor allem Schriftstücke, die die Behandlung der Juden im Dritten Reich betrafen. Daß dieses das eigentliche Thema war, ging aus der Art der Vernehmung und aus anderen Merkmalen deutlich genug hervor. Man bedrängte mich, die Beamten hätten die eigentliche Schuld am Hitler-Regime, denn ohne sie wäre Hitler hilflos gewesen. Auch ich hätte mich so zum Komplicen gemacht. Schließlich wurde mir die Frage gestellt: „Warum arbeiten Sie nicht mit uns zusammen (d. h. mit der Anklagebehörde), so wie Dr. Gaus?“

Dr. Friedrich Gaus, mir seit 25 Jahren nah bekannt, war seit Anfang der zwanziger Jahre erster außenpolitischer Rechtsberater aller deutschen Regierungen von Rathenau über Stresemann, Curtius, Brüning und Neurath bis zu Ribbentrop, Redakteur aller großen Verträge von Rapallo über Locarno in den Völkerbund, Abkommen mit Polen, gegen Polen, mit Moskau usw. Nun hatte er das Vorzimmer Ribbentrops mit dem Vorzimmer des US-Anklägers Dr. Kempner getauscht, sich und die deutsche Beamtenschaft Anfang, 1947 öffentlich für schuldig erklärt und war aus dem Kronjuristen des Reichs Kronzeuge der amerikanischen Gerichte geworden. Seinem Beispiel zu folgen, spürte ich weder Neigung noch Begabung. Nach einer Woche Verhöre wurde ich nach Lindau entlassen gegen meine selbstverständliche Zusage, wenn man mich brauche, wieder zu erscheinen, „even if it were to go to the gallows“. *

Ich nahm das Ganze nicht für ernst. Ich hatte meinen Schülerglauben an die Herrschaft der Vernunft noch immer nicht verloren. Wie könnte man mir einen Prozeß dafür machen, daß ich, um Krieg zu vermeiden und ihn abzukürzen, im Amt geblieben war?

Ich hatte mich getäuscht. Einige amerikanisch inspirierte Zeitungsnotizen gingen voraus. Mitte Juli 1947 erfuhr ich von den Franzosen, daß sie an einem Prozeß gegen mich kein Interesse nähmen, daß die Amerikaner mich aber haben wollten. Ich erklärte mich bereit zu kommen, ich würde mich keiner Verantwortlichkeit entziehen. Ich hoffte, auch meinen Kollegen vom Auswärtigen Amt etwas zu nützen.

Am 24. Juli 1947 wurde mir ein französischer Wagen mit einem Begleitoffizier geschickt. Wir fuhren nach Baden-Baden, wo ich mit einer Flasche Wein bewirtet wurde. Tags darauf ging es nach Nürnberg in den Justizpalast in der Fürther Straße, wo die Franzosen sich diskret zurückzogen. Sie veröffentlichten ihre Stellungnahme zu dem Vorgang in der Presse.

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In Gegenwart amerikanischer Beamter sagte ein deutscher Polizist zu mir, ich sei unter dem Verdacht von Kriegsverbrechen verhaftet. Ich fragte ihn: „Sind Sie Deutscher?“ was er verschämt bejahte. Man führte mich in das Gefängnis, zog mich nackt aus, ließ mir dann einen Teil meiner Kleider, brachte mich dann in eine Zelle, die nichts enthielt als eine eiserne Bettstatt mit dreiteiliger Matratze. Die Tür fiel ins Schloß.

Zugleich fällt damit auch der Vorhang vor meine Erzählung. Mein persönliches Schicksal ist eine Schilderung nicht mehr wert. Ich hätte es eher einer Hitler-Staatsanwaltschaft gegönnt, mich vor einen Volksgerichtshof zu ziehen — denn dort hätten sie und ich in der richtigen Front gestanden. Wollte ich meine Erfahrungen mit der amerikanischen Anklagebehörde darstellen, dann käme ich in den Verdacht der Subjektivität. Ein Lob kann ich mir aber nicht versagen: das physische Risiko war bei ihr geringer als bei Hitler.

Nur noch weniges will ich berichten. Ich hatte erfahren, man dürfe im Gefängnis vier Bücher haben. Ich wählte ein englisches Lexikon, Platon, Laotse und das Neue Testament in der Uebersetzung meines Großvaters. In der einsamen Zelle wurde es mir bald wohl. Ich hatte Mitleid mit denen draußen, den Wächtern, den Mitgefangenen, zum Teil schon Verurteilten, mit dem Gerichtspersonal, ja mit der Anklagebenörde selbst.

Bei unserer Abreise vom Vatikan hatte ich geglaubt, mit meinen 65 Jahren nie mehr in der Zeitung zu erscheinen und still und vergessen meine Alterstage zu verbringen. Es sollte anders kommen. Die Presse fing an, sich mit mir zu t^efassen. Nie war ich so sehr Gegenstand der Aufmerksamkeit, nie so überschüttet von Zeichen des Gedenkens und der Freundschaft wie in meiner Zelle. Nie war mir deutlicher, daß Haß keine Macht hat über Liebe.

Am 4. November 1947 wurde uns die Anklageschrift ausgehändigt. Auf der Bank saßen 21 Angeklagte: Minister, Beamte, Finanzmänner, Wirtschaftler, Parteileute, Parteig^gner — ein buntes Gemisch. Man nannte uns das „Amalgam“, den „Omnibus“ oder — dem Zweck der Anklage gemäß — den Wilhelmsstraßeprozeß. Meinen Namen stellte man an die Spitze der einundzwanzig. An öffentlichen Beschimpfungen ließ es die Anklage nicht fehlen. Für eine lange Pfozeßdauer war gesorgt.

Front des guten Willens

Ueber ein Jahr verging, bis die Angeklagten am Ende der Beweisaufnahme, am 18. November 1948, ihr Schlußwort zu sprechen hatten. Das meine lautete: „Ich habe zwei schweigsamen Berufen angehört. Von mir hätte ich auch hier am liebsten geschwiegen. Aber ich stand hier nicht für mich allein.

Was tut der Seemann, wenn das Wetter und der Kapitän das Schiff in Seenot brachten? Geht er unter Deck, um an der Verantwortung nicht teilzuhaben? Oder greift er auf seine Weise ein, mit allen Mitteln und Kräften, die ihm übrigblei’ben?

Ich habe nicht versucht, die Stelle der Gefahr zu verlassen, sondern an ihr auszuharren und zu kämpfen. Dies war meine Entscheidung. Mein Ziel war der Friede. Der Friede für meine Heimat und für meine Mitwelt. Ich diente ihm zuerst mit Erfolg, danach erfolglos. Die Gefahr, von beiden Seiten mißverstanden zu werden, ließ sich dabei nicht vermeiden. Erfolg und Verstandenwerden sind nicht die letzten Kriterien des Handelns. Stünde ich heute vor derselben Entscheidung, ich müßte sie wieder so fällen. Eine Grenze gibt es, jenseits deren auch der gute Wille die Tat nicht rechtfertigt. Sie liegt da, wo der Eingriff bewußt Menschenleben opfern würde. Ich weiß, daß ich diese Grenze nicht überschritten habe. Freilich, immer wird es etwas geben, das man gerne noch anders und besser gemacht hätte. Vor seinem eigenen Gewissen wird ein Mensch nie voll bestehen. Vor einem höheren, jenseitigen Richterstuhl isich rechtfertigen zu wollen, wäre Vermessenheit. Nun noch einen Dank. Es ist zunächst der persönliche Dank an diejenigen — oft waren es viel jüngere —, die mich verstanden haben, zu mir Vertrauen hatten und die vielleicht meinem Beispiel gefolgt sind. Zugleich denke ich dabei an alle Menschen, die in den Wirren dieser Zeit guten Willens waren. Die Front des guten Willens geht quer durch die sichtbaren Fronten der Politik. Der Friede liegt nicht in unserer Macht, aber er ist die Sache der Menschen guten Willens. Daß diesen Menschen gelinge, was meiner Generation nicht gelungen ist, das ist mein Wunsch für die Zukunft.“

Berater

Nachdem die amerikanische Behörde es für gut befunden hatte, wegen todeswürdiger Verbrechen mich vor ein amerikanisches Militärgericht zu ziehen und in dieser Anklage zu beharren, hätte ich mir keine bessere Stütze und Beratung wünschen können, als ich sie genoß. Ich fand sie ohne mein Zutun. Sie bot sich mir in dem Freund unserer Kinder, dem am Beginn seiner Laufbahn stehenden, von dem Problem ergriffenen, schwungvollen, scharfsinnigen, das Ganze geistig umspannenden Anwalt Hellmut Becker, dem ebenbürtigen Sohn seines Vaters, des ehemaligen preußischen Kultusministers, ferner in dem ausgezeichneten, erfahrenen, verständnisvollen und warmherzigen Washingtoner Rechtsanwalt Warren E. Magee, dem ich alsbald nahestand und dessen bereitwillige Mitarbeit ich auswärtigen Freunden verdankte, weiter in unserem mit seinem ganzen Gemüt beteiligten langvertrauten Vatikanfreund Sigismund v. Braun und nicht zuletzt in unserem Sohn Richard, der, in Umkehrung der Hilfs- und Schutzpflicht zwischen Eltern und Kindern, alle seine Gaben und ein ganzes Lebensjahr dem alten Vater opferte. Ich hätte es nicht besser haben können.

Die Last unserer Tage, wie sie die Männerherrschaft von 1933 bis 1945 hinterlassen hat, die ist den Frauen aufgebürdet. Dem Beispiel der Weiber von Weinsberg folgend, würden sie auf ihrem Rücken uns Männer auch noch aus dem Gefängnis tragen, wenn sie es nur dürften.

Der Wiederaufbau von Korea

Schaffung einer Aufbaubehörde bei den Vereinten Nationen

Neuyork, 17. Oktober, (dpa) Die Vereinigten Staaten haben im Wartschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen am Dienstag die Schaffung einer Behörde vorgeschlagen, die den wirtschaftlichen Wiederaufbau Koreas leiten soll.

An der Spitze dieser Behörde soll ein aus Vertretern von fünf Mächten zusammengesetzter Beratungsausschuß stehen, der die wirtschaftlichen und finanziellen Hilfsmaßnahmen der Vereinten Nationen für Korea zu lenken hätte. Die Wiederaufbaubehörde soll den Siebenmächteausschuß ablösen, dessen Bildung vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen beschlossen wurde und der zu prüfen hat, welche Maßnahmen für den Wiederaufbau Koreas in die Wege geleitet werden müssen.

Der Leiter der neuen Behörde soll nach dem amerikanischen Vorschlag von Generalsekretär Lie im Einvernehmen mit der neuen Korea-Kommission der Vereinten Nationen ernannt werden, der die politische Wiedervereinigung Koreas übertragen worden ist. Beide Institutionen sollen bei der Beseitigung der Kriegsfolgen in Korea Hand in Hand arbeiten.

Stimmen der Anderen

„Mut“ am unrechten Platz

Unter dieser Ueberschrift nimmt der „Deutschland - Union - Dienst“, der Pressedienst der Christlich-Demokratischen und Christlich-Sozialen Union Deutschlands, der Dr. Adenauer nahesteht, zu den Vorwürfen des Kirchenpräsidenten Dr. Niemöller gegen den Bundeskanzler Stellung, er habe die Remilitarisierung Deutschlands bereits eingeleitet. Der „Union-Dienst^* schreibt unter anderem:

„Dr. Niemöller möchte den Bundeskanzler fortgesetzt zu einer Stellungnahme in der sogenannten Remilitarisierungsfrage drängen. Er übersieht däbei geflissentlich, daß Dr. Adenauer bereits Stellung genommen hat, vollkommen unmißverständlich und unter Zeugenschaft der gesamten Bevölkerung der Bundesrepublik. Er hat dabei klar herausgestellt, daß hinsichtlich der Aufstellung deutscher Divisionen und dergleichen gegenüber den Westalliierten keine Verpflichtungen vorliegen. Und der Bundeskanzler hat hinzugefügt, daß über diese Frage (der sogenannten Remilitarisierung) nur der Bundestag entscheiden könne. Diese Erklärung sollte wohl für jeden verständlich und ausreichend sein, der hören oder lesen kann!

Es ist bedauerlich, daß heute der gewesene Bundesinnenmimister Dr. Heinemann in dieser Sache an der Seite Dr. Niemöllers steht — bedauerlich deshalb, weil dieser durchaus ehrenhafte Mann dadurch in eine Polemik verwickelt wird, die durch einen Privatbrief Dr. Niemöllers an den Bundeskanzler vom Zaune gebrochen wurde. Auch Dr. Heinemann kann die Richtigkeit seiner Auffassung nicht nachweisen, denn es ist nun einmal Tatsache, daß in der sogenannten Remilitarisierungsfrage seitens der verantwortlichen Faktoren der Bundesrepublik kein offizielles Angebot erfolgt ist. Es genügt auch hier, auf die Erklärungen des Bundeskanzlers, die übrigens durch die Erklärungen des ameri'-anischen Oberkommissars McCloy bestätigt werden, hinzuweisen.

Dr. Niemöller hat in den letzten Tagen auch versucht, seine Remilitarisierungs-Behauptungen durch den Hinweis auf einen Brief, eines ihm bekannten früheren Generalleutnants' zu stützen. Dr. Niemöller sollte vorsichtiger sein! Ein in seinem Namen an den Bundeskanzler gerichtetes Schreiben ist gezeichnet: ,Dr. Beyer, General der Infanterie a. D.‘. Was würde Dr. Niemöller sagen, wenn jemand aus dieser Tatsache folgern wollte, er diene der Remilitarisierung, indem er sich mit Angehörigen der ehemaligen Generalität umgebe?!

Jeder Mensch kann irren. Auch Dr. Niemöller irrt nicht zum ersten Male und weite Kreise, die mit dem ehemaligen Naziregime und seinen Gewalttaten nicht gemein haben, sind noch heute darüber erschüttert, daß sich Dr. Niemöller einmal den Vorwurf der .Kollektivschuld' gegen sein deutsches Volk zu eigen gemacht hat. Dr. Niemöller sollte aber endlich erkennen, von welcher Seite die Gefahr für'das Christentum und seine Kultur droht: nicht von den Menschen und der Regierung der Bundesrepublik, nicht von den unterdrückten Menschen östlich von Werra und Elbe, sondern von den Machthabern der Sowjetzone und dem ihnen aus egoistischen Gründen ergebenen Klüngel.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag. Hamburg

40)

Isabella, schon bald achtzehn Jahre, und Louise, bereits sechzehn, waren zu entzückenden jungen Damen herangewachsen, in denen die Anlagen, die Henriette in den linkischen Kindern sofort erkannt hatte, zu voller Blüte gelangt waren. \

Der Herzog war ungeheuer stolz auf seine beiden ältesten Töchter mit ihrem glänzenden Haar und ihren dunklen Augen und dem zarten Oval ihrer Geeichter. Er sprach bereits mit Henriette über die zukünftigen Männer und überlegte mit ihr, welcher Typ ihrem Geschmack und ihren Eigenschaften entspräche. Es kam ihr merkwürdig vor, sich mit ihm darüber zu unterhalten, doch dieser neuerliche Beweis seines Vertrauens rührte und freute sie zugleich.

o „Sie müssen glücklich werden“, rief er aus, ihren schlanken Figuren mit den jugendlichen Formen halb bewundernd, halb besorgt nachblickend. „Jedenfalls müssen wir das unsere dazutun, daß sie von vornherein jede Chance haben es zu werden."

„Nun, Sie wissen doch, Monsieur, Glück kann nicht nach Maß gekauft und geschenkt werden,“ erinnerte sie ihn dann und fühlte, wie sich ihr Herz zusammenzog, wenn sie so zu einem Mann sprach, der viel zu jung erschien, um heiratsfähige Töchter zu haben. „Aber Sie tun

gut daran, sich zu vergewissern, daß nicht zwei entgegengesetzte Temperamente aufeinanderprallen. Ich glaube, Isabella wird schwerer zufriedenzustellen sein als Louise. Sie ist selbständiger in ihren Ansichten und weniger bereit, sich den Umständen anzupassen.“

„Sie meinen, sie ist störrisch wie ein korsisches Maultier,“ erwiderte er lachend, „aber wem sie einmal ihre Zuneigung geschenkt hat, dem wird sie auch treu sein.“

„Ja, konsequent ist sie,“ bestätigte Henriette. „Man darf es ihr schon zutrauen, eine Verantwortung zu übernehmen. Louise dagegen wird alles, was ihr unbequem ist, wie Wasser abschütteln; sie ist zu sorglos und nimmt sich selbst nicht ernst genug.“

„Ja, Louise wird eine feste Hand brauchen, um sie im Zaum zu halten. Der Mann, der sie einmal heiratet, wird niemals wissen, was für eine Laune sie plötzlich überkommen mag; immerhin wird sie ihn nicht langweilen. Wahrhaftig, ich muß mich mit so hübschen Töchtern bald nach einem Schwiegersohn umsehen, obwohl ich ja nicht viel von einer zu frühen Heirat halte.“

Es fiel ihr immer wieder auf, wie er solche Gespräche mit irgendeiner derartigen Bemerkung beendete, als erweckte das Thema zu persönliche Erinnerungen, um weitergesponnen zu werden.

In jenen Wochen nach den Ferien jagten sich die verschiedensten Pläne: besonders Isabella und Louise wollten hierhin und dorthin ' und überallhin gehen. Täglich baten sie Henriette, sie bei dieser oder jener Ausfahrt zu begleiten, und stifteten in ihrem eigenen Unterricht und dem der jüngeren Geschwister Unruhe und Verwirrung. Ein besonderes Vergnügen war ihnen jedoch versprochen worden, zu dem Henriette nicht eingeladen war. Die Herzogin hatte eine Loge in der Oper, und Isabella und Louise und die beiden älteren Brüder sollten einer Aufführung der .Hugenotten' von Meyerbeer beiwohnen dürfen. Diese Aussicht erweckte wenig Begeisterung bei den Brüdern, aber Isabella und Louise befanden sich, als der Abend kam, in fieberhafter Aufregung. Ihre Kleider aus weißem Tüll oder rosa Taft lagen schon mit ihren Handschuhen, Abendschuhen und samtverbrämten Abendcapes bereit, als Marguerite bestellte, daß die Herzogin an einem ihrer schweren Migräneanfälle leide und daher unmöglich ausgehen könne. Es werde daher notwendig sein, daß Mademoiselle Deluzy an ihrer Stelle gehe.

Fast ebenso aufgeregt über diesen bevorstehenden Genuß wie die beiden Mädchen, beeilte Henriette sich, die abendliche Mahlzeit hinter sich zu bringen, um in dem kurzen Zeitraum, der ihr noch blieb, möglichst sorgfältig Toilette zu machen. Die Müdigkeit fiel von ihr ab, als sie gebadet und ihr Haar frisiert hatte und das aprikosenfarbene, von blauen Bändern durchzogene Mullkleid, das sie noch nie getragen hatte, aus dem Schrank nahm. Es war tiefer ausgeschnitten als irgendein anderes Klen'd, das sie je besessen hatte, und ihre Schultem leuchteten so weiß und fast so jugendfrisch daraus hervor wie die der Mädchen. Sie besaß keinen Schmuck, aber das Kleid saß wie angegossen, und das — stellte sie mit einem letzten Blick in den Spiegel fest — war bei weitem das Wichtigste.

„Niemand,“ dachte sie zufrieden, als sie ihr Cape über den Arm nahm und ins Wohnzimmer zu den wartenden Mädchen eilte, „würde mich für eine Erzieherin oder arme Verwandte halten.

Die Mädchen schienen ihre Gedanken erraten zu haben und sparten nicht mit bewundernden Ausrufen.

„Was für ein bildhübsches Kleid, Mademoiselle!“ rief die kritische Isabella. „Sieht sie nicht bezaubernd aus, Louise?“

„Man wird Sie heute abend bestimmt für unsere Schwester halten.“ behauptete Louise impulsiv. „Wenn die Leute uns anstarren, wollen wir uns so benehmen, als ob Sie es auch wirklich wären.“

Selbstverständlich verwarf Henriette diesen Plan, aber als sie alle auf den Wagen zugingen, fühlte sie sich von diesem naiven Vorschlag doch geschmeichelt.

Als sie an der Oper anlangten, lag eine ungewöhnlich erwartungsvolle Stimmung über dem ganzen Haus, und sie erfuhren bald von dem Logenschließer, daß der König in der heutigen Vorstellung anwesend sein würde. Die königliche Loge war geschmückt, und die jungen Praslins waren begeistert, als sie entdeckten, daß sie sich der ihren direkt gegenüber befand. Henriette belächelte ihren Enthusiasmus. Offenbar würden die Sänger heute abend einen ernstlichen Rfivalen um die Gunst des Publikums haben.“

„Wäre doch nur Papa mit dabei,“ seufzte Louise, „das wäre zu schön, denn er kennt den König, und sie würden sich wahrscheinlich begrüßen, und das ganze Haus würde uns beneiden.“

„Ich habe den König schon gesehen,“ prahlte ihr Bruder Louis, „er sieht gar nicht nach etwas Besonderem aus. Du würdest niemals raten können, daß er König ist, wenn du es nicht wüßtest und an seiner Leibgarde merktest.“

. Der erste Akt war schon halb vorüber, als die königliche Gesellschaft eintrat. Von draußen tönten Hochrufe herein, und durch das Haus ging ein Rauschen, während der König mit seinem Gefolge Platz nahm. Als der Vorhang fiel und der Zuschauerraum wieder im Lichterglanz erstrahlte, erhob sich der König und dankte für die Huldigung, die ihm Parkett, Rang und Galerie darbrachten. Ein dicklicher, unansehnlicher älterer Herr, stand er leutselig lächelnd da, über der Brust das breite blaue Ordensband. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte man ihn ebenso gut für einen Bankier oder einen pensionierten Offizier halten können, der sich mit seiner ältlichen Gattin und seinen Söhnen und Töchtern eine Loge in der Oper leistete.

Ja, das war eine Ueberraschung. Henriette kannte die Abneigung des Herzogs gegen die Oper und seine Vorliebe für Lustspiel und Operette.- Aber da war er, unmittelbar hinter ihrem Stuhl. Er versuchte, sich im Hintergrund zu halten, aber die Mädchen drängten sich um seine auffällig hohe Gestalt. Bevor er noch den leeren sechsten Platz einnehmen konnte, war ihre Loge bereits Gegenstand einer ebenso großen Beachtung geworden wie die des Königs. „Papa, der König! Wußtest du, daß er heute hier sein würde? Bist du deshalb gekommen?“

„Nein, Louise, um den König zu sehen, brauche ich nicht in die Oper zu gehen. Ich wollte mir nur meine Töchter ansehen. wie sie sich in ihren neuen Kleidern in einer Loge aasnehmen.“

(Fortsetzung folgt.)

Streit um das Pressegeheimnis

„Spiegel“-Chefredakteur verweigert die Aussage

SnüXV’A17’ ?ktober- (dpa) Im Bonner kam es am Dienstag zu alsTra^se..henerregenden Zwischenspiel, s^/ f Chefredakteur des „Spiegels“, Ru¬ ■p. u -gstem, die Aussage verweigerte. 5 Sl?h dabei auf das journalistische Berufsgeheimnis.

er Ausschuß hatte Augstein den Satz ihm gezeichneten Artikels vom . Oktober vorgehalten: „Manche wissen noch weitere Skandale in der angedeuteten Richtung.“ Augstein sollte die Skandale und die davon informierten Personen nennen. Er lehnte eine Antwort aber mit dem Hinweis darauf ab, daß Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid selbst den Journalisten ihre Indiskretion vorgeworfen habe. Er verharrte auf seinem Standpunkt auch, nachdem der Ausschußvorsitzende Reißmann ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, daß er nach der Strafprozeßordnung mit Geldstrafe und Haft zur Aussage gezwungen werden könne. Erst nachdem der Ausschuß seine Frage auf die Art der Skandale und die Namen der in diesem Zusammenhang genannten Personen beschränkte, fand sich Augstein unter dem ausdrücklichen Vorbehalt zur Aussage bereit, daß er lediglich Gerüchte wiedergebe.

Augstein berichtete dann, daß sich sein beanstandeter Satz einmal auf den Fall Loritz bezogen habe und daß Abgeordnete der Freien Demokratischen Partei ebenfalls im Zusammenhang mit „unlauteren Geldzuwendungen“ genannt worden seien. Augstein führte den Namen von Vizekanzler Blücher an. Nach seinen Aussagen soll Donhauser einen Brief mit den Namen der betreffenden Abgeordneten besitzen. Außerdem bestünden Gerüchte im Bayerischen Landtag, daß der Generalsekretär der Christlich-Demokratischen Union, Strauß, Wechsel mit Donhausers Unterschrift umhergezeigt haben soll. Die Gerüchte sollen angeblich von dieser Partei ausgelöst worden sein, um Donhauser zu beeinflussen.

Der Münchner Büroleiter des „Spiegels“, Werner Volkmar, unterstrich, daß Donhauser ihm ernsthaft den Hinweis auf 5000 Mark gegeben habe, die Kathreiner an Besold bezahlt haben soll. Audi Volkmar wies Fragen nach seinen Informationsquellen mit dem Hinweis auf sein Berufsgeheimnis ab.

Ministerialdirektor Hans Blankenhorn wurde vom Ausschuß über den Unbekannten befragt, der Loritz Geld angeboten haben solle. Er sagte lakonisch: „Ich kann nur mit allem Nachdruck sagen, daß mir dieser Unbekannte genau so unbekannt ist wie dem Herrn Loritz.“

Geheimsitzung

Bonn, 17. Oktober, (dpa) Unter Vorsitz von Bundeskanzler Dr. Adenauer fand am Dienstag eine zweieinhalbstündige Geheimsitzung des Bundeskabinetts statt. An der Sitzung nahmen nur Bundesminister und der Vertreter des Bundespräsidenten teil.

In unterrichteten Bonner Kreisen wird angenommen, daß der Bundeskanzler im Zusammenhang mit den Beschuldigungen von Kirchenpräsident D. Martin Niemöller nochmals seine Pläne zur Sicherheit der Bundesrepublik bekanntgegeben hat. Auch dürfte Dr. Adenauer erneut zum Rücktritt des bisherigen Bundesinnenministers Dr. Gustav Heinemann Stellung genommen haben.

Die Kandidaten für den Landtag

Frankfurt, 17. Oktober, (dpa) Die Landesergänzungsliste der Freien Demokratischen Partei (FDP) hat nach dem von der Landesdelegiertenversammlung des hessischen „Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (BHE) in Gießen gebilligten Wahlabkommen mit der FDP folgende Zusammensetzung: 1. Rechtsanwalt und Notar August M.

Euler, Hersfeld; 2. Oberbürgermeister K. Th. Bleek, Marburg; 3. Rechtsanwalt Dr. Fritz Czermak, Büdingen (BHE); 4. Professor Dr. Wilhelm Ziegler, Gelnhausen (BHE); 5. Frau Grete Kletke, Hausfrau, Eschwege; 6. Rechtsanwalt und Notar Dr. Günther Draub, Hofgeismar (BHE); 7. Rektor a. D. Ernst Landgrebe, M. d. L., Frankfurt a. M.; 8. Kaufm. Angestellter Klaus Stein, Fulda (BHE); 9. Regierungsrat a. D. Dr. Rudolf Böhm, Weilburg,

Lahn (BHE). 10. Angestellter Gotthard Franke, Wetzlar zGießen (BHE); 11. Ing. Anton Jatsch, Bensheim a. d. Bergstr. (BHE); 12. Dipl.-Volkswirt Kurt Göbel, M. d. L., Frankfurt a. M.; 13. Frau Editha Hellermann, Hausfrau, Kassel (BHE); 14. Dr. Wilhelm Seipel, Leeheim, Kreis Groß-Gerau; 15. Dreher Ernst Haubrich, Fulda (BHE); 16. Dipl.-Ing. Hermann Molter, Reinheim (Odenw.); 17. Dentist Josef Groschup, AllendorFEder (BHE); 18 .Landrat Friedrich Klar, Ziegenhain; 19. Brauerei-Direktor' a. D. Alfons Kempe, Kassel-Bettenhausen (BHE).

20. Fraktionssekretär Walter Schröder, Frankfurt a. M.; 21. Frau Dr. Erna Sander-Rindtorff, Hausfrau, Wiesbad. (BHE); 22. Dipl.-Ing. Gert Salzer, Offenbach; 23. Schriftleiter Thomas Beeth, Eschwege (BHE); 24. Bürgermeister Fritz Geisler, Lauterbach; 25. Kaufm. Angestellter Dr. Anno von Gebhardt, Alsfeld (BHE); 26. Frau Dr. Bichmann, Rechtsanwältin, Frankenberg; 27. Hüttendirektor a. D. Dr. A. Menzel, Frankfurt a. M. (BHE); 28. Ernst Schröder, Präsident des Bundes für Obst- und Gemüsebau, Wiesbaden; 29. Amtsanwalt a. D. Reinhold Stiepel, Darmstadt (BHE).

30. Kaufmann Bruno Kalusche, Bierstadt (Ried); 31. Textilkaufmann Wilhelm Hübner, Trutzhain-Steina (BHE); 32. Frau Erika Menne, M. d. L., Wethen (WaldeCK), 33 Dipl -Ing. Herbert Dumpf, Düdelsheim, Kreis Büdingen (BHE); 34. Ausländskorrespondent Nikolaus Schiergens M. d. L., Fulda; 35. Hans-Erwin Fast, Wetzlar (BHE); 36. Bürgermeister a. D., Wilhelm Silz, Marburg; 37. Baumeist. Viktor Michalek, Mörfelden (BHE); 38. Heinz Säger, Schaffner, Wiesbaden; 39. Dipk-Ins. Gerhart Rothe, Frankfurt a. M. (BHE); 40. Frau Tschich, Hausfrau, Witzenhausen; 41. Max Mura, Braunfels a. d. Lahn (BHE).

Sozialdemokraten

Frankfurt, 17. Oktober, (dpa) Für die Sozialdemokratische Partei sind zu den Landtagswahlen in den einzelnen Wahlkreisen folgende Kandidaten aufgestellt worden:

Wahlkreis 22, Usingen: Heinrich Zinnkann, Innenminister, Wiesbaden, Bürgermeister Wilhelm Tinkel, Arnoldshain, Kreis Usingen.

Wahlkreis 24, Untertaunuskreis /Rheingaukreis: Bürgermeister Wilhelm Scherer, Wörsdorf, Untertaunuskreis, Bürgermeister Konrad Braden, Geisenheim/ Rheingau.

Wahlkreis 25, Wiesbaden I: Otto Witte, Landeshauptmann, Wiesbaden, Gustav Nietzsche, Angestellter, Wiesbaden.

Wahlkreis 26, Wiesbaden II: Georg Buch, Stadtrat, Wiesbaden, Georg Feller, Angestellter, Wiesbaden.

Wahlkreis 27, Wiesbaden III: Josef Furtwängler, Journalist, Wiesbaden, Emil Dietz, Gewerkschaftssekretär, Wiesbaden.

Wahlkreis 28, Maintaunuskreis: Heinrich Weiß, Mechaniker, Hofheim-Marxheim (Stellvertreter noch nicht benannt).

Wahlkreis 44, Darmstadt-Land: Christian Stock, Ministerpräsident, Wiesbaden, Gustav Krämer, Verwaltungsangestellter.

Wahlkreis 35. Frankfurt VI: Dr. H. C. Walter Kolb, Oberbürgermeister, Edith Reichenbach, Hausfrau, Frankfurt.

Wahlkreis 41, Offenbach - Land - West und Groß-Gerau-Nord: Wilhelm Amoul, Regierungspräsident, Darmstadt, Karl Drott, Verlagsdirektor Offenbach.

Wahlkreis 42, Groß-Gerau: Kandidatenwahl am 23. Oktober.

Wahlkreis 43, Darmstadt - Stadt: Ludwig Metzger, Oberbürgermeister, Darmstadt, Willi Wernath, Gewerkschaftssekretär, Darmstadt.

Wahlkreis 45, Dieburg: Franz Gruber, Angestellter, Dieburg,. Emilie Lorenz, Hausfrau, Dieburg.

Wahlkreis 46, Erbach - Land: Georg Ackermann, Erbach (Stellvertreter noch nicht benannt).

Wahlkreis 47, Bergstraße-West: Johann Müller, Kreisvorsitzender des Verbandes der Körperbehinderten, Viernheim, Bürgermeister Ferbert, Hofheim-Ried.

Wahlkreis 48, Bergstraße-Ost: Bürgermeister Schmitt, Rimbach I. Odenwald, Georg Hebel, Geschäftsführer des Verbandes für Ferntransporte, Güntersbach I. Odenwald.

Kein Entscheid über Winterbeihilfe

Beratungen der Landtags-Ausschüsse

Wiesbaden, 17. Oktober. (Eigener Bericht) Der Haushalts- und der Sozial polit sehe Ausschuß des Hessischen Landtags beschlossen in ihrer gemeinsamen Sitzung am Dienstag, die von der Christlich-Demokratischen Union, der Soziali und Kommunistischen Partei vorliegenden sozialpolitischen Anfräge zwecks Zusammenfassung einer Sechserkommission zu überweisen. Die Kommission wird am ko™™^ sätze erhöht oder den Minderbemittelten eSe einmalige Winterbeihilfe gewahrt werden soll.

Am Vormittag hatte der Haushaltsauserh^ß den vom Ministerpräsidenten verfertigten Bericht der Hessischen Monolerugten für Branntwein für das r^rhaTtsiahr8 1948/49 zur Kenntnis ge-Geschaftsjahr Beschlusses nommen. -d Abgeordneten Arnoul Smch-Dernokratische Union) beauflagt eine Entschließung auszuarbeiten, in der gegen die geplante Verlegung der Monopolverwaltung für Branntwein von Offenbach nach Bückeburg protestiert wird.

Zu dem Antrag der Wiesbadener Landtagsabgeordneten über die Regelung der Eigentumsverhältnisse des Biebricher Schlosses wurde beschlossen, daß der Ministerpräsident und der Finanzminister die seinerzeit unterbrochenen Verhandlungen mit der Stadt Wiesbaden wieder aufnehmen sollen.

Eine besondere Kommission aus Vertretern der wirtschafts- und sozialpolitischen Ausschüsse wird sich mit einem Antrag der Christlich - Demokratischen Union befassen, nach dem die öffentlichen Verwaltungen alle Mittel für Repräsentationszwecke „in weitestem Umfange“ der Wohlfahrt zur Behebung besonderer Nöte zur Verfügung stellen sollen.

19 Tote gab es bei dem Absturz eines Verkehrsflugzeuges am Dienstag in der Nähe von London.

Wirtschaftsblatt

Kürzere Lehrzeit

Kr. Nach den Richtlinien des Deutschen Industrie- und Handelstages zur Lehrzeitabkürzung für kaufmännische Ausbildungsberufe (Lehr- und Anlernberufe) kann die in den Berufsbildern angegebene Lehrzeitdauer durch Vereinbarung der Lehrvertragsparteien mit Zustimmung der zuständigen Industrie- und Handelskammer von vornherein abgekürzt werden. Eine Abkürzung um ein halbes Jahr ist beim Nachweis erfolgreichen Besuches einer zweijährigen staatlich anerkannten Handelsschule, ferner einer staatlich anerkannten ein- oder zweijährigen höheren Handelsschule und schließlich einer Oberschule oder eines Gymnasiums mit Abitur möglich. Beim Nachweis erfolgreichen Schulbesuchs einer Wirtschaftsoberschule mit Abitur kann die Lehrzeit um ein Jahr abgekürzt werden, in keinem Fall kann sie aber weniger als zwei Jahre betragen.

Im Anlernberuf „Bürogehilfin“ kann der erfolgreiche Besuch einer zweijährigen staatlich anerkannten Handelsschule mit eineinhalb Jahren, der Besuch einer einjährigen staatlich anerkannten IJandelsschule mit einem halben Jahr auf die Ausbildungszeit von zwei Jahren angerechnet werden. Unabhängig hiervon können Lehrlinge, die hervorragende Leistungen nachweisen, ohne Rücksicht auf ihre Vorbildung ausnahmsweise vorzeitig zur Kaufmannsgehilfenprüfung zugelassen werden.

Die Richtlinien enthalten im übrigen ausschließlich sogenannte Kann-Bestimmungen. Selbst bei Vorliegen der hierin genannten Voraussetzungen hat keine Lehrvertragspartei Anspruch auf die vorgesehene Lehrzeitabkürzung.

Die Richtlinien betreffen nicht die gewerblichen Lehrberufe. Sie können auch auf folgende bisher anerkannte kaufmännische und diesen verwandte Lehrberufe angewendet werden: Industrie- Kaufmann, Werkgehilfin in der Schmuckwaren-, Taschen- und Armbanduhrenindustrie, Zahnlagerist, Einzelhandelskaufmann, Schaufenstergestalter, Kaufmann im Groß- und Außenhandel, Lehrberuf in Kreditinstituten, Speditionskaufmann, Reisebürogehilfe, Eisenbahner bei nicht bundeseigenen Eisenbahnen des öffentlichen Verkehrs, Gehilfe in wirtschafts- und steuerberatenden Berufen.

Keine Erhöhung der Einkommensteuer

Hi. Wie unserem Bonner Vertreter aus dem Bundesfinanzministerium mitgeteilt wird, bestehen noch keine festen Pläne für eventuelle Steuererhöhungen. Es sind allerdings Ueberlegungen darüber im Gange, woher angesichts der zu erwartenden Sicherheitskosten neue Mittel geholt werden können. Dabei wird das System der Steuergutscheine als nicht besonders glücklich angesehen. Dieses System bedeutet praktisch lediglich einen Vorgriff auf zu erwartende Steuereingänge. Auch die Frage der Tariferhöhungen scheint sehr vorsichtig behandelt zu werden. Eine Erhöhung der Einkommen- und Verbrauchssteuern wird nicht erwogen. Dagegen hält man einen Wegfall gewisser Steuervergünstigungen noch am ehesten für tragbar. Auch eine Erhöhung des Notopfers Berlin wird in Erwägung gezogen, die aber in der Form erfolgen soll, daß sie den kleinen Mann nicht trifft.

Nach der Ablehnung der Luxussteuer durch den Bundestag hat der Bundesfinanzminister erklärt, es sei überraschend, daß gerade diese Steuer abgelehnt worden sei, da sie nicht den kleinen Mann betreffe. Unterdessen hat der Finanzausschuß des Bundestags die Möglichkeit erwogen, die Spesenabgabe im Rahmen des Gesetzentwurfs unter besonderem Aufwand in das allgemeine Einkommensteuerrecht einzubauen. Man ist sich dabei allerdings der technischen und steuerrechtlichen Schwierigkeiten bewußt. Da der Finanzausschuß in seiner Mehrheit auch der Ansicht zuneigt, den ersten Teil des Gesetzes über die Aufwandsteuer ganz fallen zu lassen, kann angenommen werden, daß statt der Luxussteuer eine erhöhte Umsatzsteuer für einen festgelegten Katalog von Waren eingeführt werden soll.

Illegale Gewinne für die Bundesanleihe

(dpa) Bundesfinanzminister Schäffer hat seinen Gesetzentwurf über die Bundesanleihe fertig, der private Gewinne aus unverbuchten Geschäften erfassen und damit die Lücke im Bundeshaushalt schließen soll. Zu diesem Zweck sieht der Gesetzentwurf vor, daß die Einkünfte aus der Bundesanleihe pauschal in Höhe von 25 Prozent versteuert werden, und zwar in der Weise, daß gleich 25 Prozent der Zinsen vom Bund einbehalten werden. Außerdem wird ausdrücklich bestimmt, daß die Bestände an Bundesanleihe und ihr Zinsertrag bei der Veranlagung zur Gewerbe-, Einkommen-, Körperschaftsoder Vermögenssteuer nicht angegeben zu werden brauchen. So sollen die Inhaber illegal erworbener Vermögen ihre Werte durch Zeichnung der Bundesanleihe legalisieren.

Schäffer will außerdem den Spieltrieb der Bevölkerung für den Bund nutzbar machen. Er will rund ein Achtel seiner 409 - Millionen - Mark - Anleihe in ganz kleinen Stücken in Höhe von zehn und zwanzig Mark bei Postämtern, Bahnschaltern und sonstigen öffentlichen Kassen zum Verkauf anbieten lassen. Diese sogenannten „Baby - Bonds“ gelten als Los. In den fünf Jahren ihrer Laufzeit werden auf die insgesamt 50 Millionen Mark Baby - Bonds 2,5 Millionen Mark Prämien ausgeschüttet. Der höchste Gewinn beträgt 50 000 Mark,

Getreiderente wie im Vorjahr

(vwd) Die diesjährige Getreideernte des Bundesgebietes entspricht mit rund 10,2 Millionen Tonnen dem vorjährigen Ertrag. Wie das Bundesernährungsministerium mitteilt, waren die Hektarerträge in den meisten Gebieten etwas niedriger als 1949, doch wurde dieser Rückgang durch eine Erweiterung der Anbaufläche ausgeglichen. Die Ernte an Brotgetreide hat sich auf 5,8 Millionen Tonnen vermindert gegenüber 5,95 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Sechs Millionen Dollar für Weizen

(vwd) Die ECA hat die Bundesrepublik ermächtigt, sechs Millionen Dollar für den Ankauf von Weizen in den USA auszugeben. Der Kauf wird durch das amerikanische Landwirtschaftsministerium getätigt. Die Verschiffungen sollen bis zum 31. März 1951 beendet sein.

Börsenvorstände schalten sich ein

(vwd) In einer Eingabe an Bundeskanzler Dr. Adenauer ersuchen die Vorstände der Wertpapierbörsen des Bundesgebietes die Bundesregierung, weiterhin alles zu tun, um eine Revision der Durchführungsverordnungen zum Gesetz Nr. 27 zu erreichen, die eine Liquidation der sechs größten Montangesellschaften vorsehen. In der Eingabe wird erwähnt, daß die Aktien aller in Betracht kommenden Gesellschaften — Ausnahme der Firma Friedrich Krupp — an allen deutschen Börsen gehandelt werden.

Für Handel mit IG-Aktien

Bz. Die Wertpapierbörsen im Bundesgebiet haben gegen die Bestimmungen im Gesetz Nr. 35 über die Entflechtung des IG - Farben - Konzerns, durch die alle Rechtsgeschäfte untersagt werden, Einspruch erhoben.

Die Wertpapierbörsen im Bundesgebiet richten an alle in Frage kommenden Stellen die dringende Bitte, sich ohne Aufschub dafür einzusetzen, daß alle den Aktionären belastenden Vorschriften des Gesetzes Nr. 35 wieder beseitigt werden.

Anträge für Remontagehilfe stellen

(Idn) Durch Demontage betroffene Betriebe in Rheinland-Pfalz, die sogenannte Remontagehilfe-Kredite des Wirtschaftsministeriums von Rheinland-Pfalz in Anspruch nehmen wollen, müssen entsprechende Anträge bis zum 15. November 1950 über ihre Hausbanken an die Finanzierungs-AG. in Neustadt/ Weinstraße gestellt haben. Die Kredite werden mittelfristig gewährt und sind mit sieben Prozent zu verzinsen.

11 Prozent Lohnerhöhung

(Idn) Der Ecklohn in der chemischen Industrie der Pfalz, der früher 96 Pfennig betrug, wird auf 106 Pfennig erhöht. Die Ortsklasseneinteilung 1, 2 und 3 wird weiterhin beibehalten. Die Löhne der Arbeiterinnen über zwanzig Jahre betragen 75 Prozent des Ecklohnes.

Lederhandschuh-Streik beendet

In dem Lohnstreit der Arbeitnehmer der hessischen Lederhandschuh - Industrie in Wetzlar wurde ein Schiedsspruch gefällt, wonach die Löhne sämtlicher Arbeitsgruppen um 10 Proz. erhöht werden; Lohnerhöhung ab 1. 9. rückwirkend. Bisher gezahlte Zulagen bleiben bestehen.

Die H.V. der Adam Opel A.G. beschloß, das Grundkapital 1:1 auf 80 Mill. DM festzusetzen und den Reingewinn ohne Verteilung einer Dividende vorzutragen.

Die Frankfurter Messe wurde in der Generalversammlung der Union der internationalen Messen in Straßburg als Mitglied aufgenommen.

Ein deutsch-persisches Warenabkom-

men, das einen Austausch im Werte von 26,3 Millionen Dollar vorsieht, wurde gleichzeitig mit einem Zahlungsabkommen paraphiert. Die Zahlungen sollen über ein Zweikonten-System abgewikkelt werden. Die Kreditmarge wurde auf vier Millionen Dollar festgesetzt.

Verhandlungen über ein deutsch-däni¬ sches Wirtschaftsabkommen wurden er¬ folgreich abgeschlossen. Nach dem Abkommen kann mit einem Import in Höhe von 115 Mill. Dollar gerechnet werden.

Steuerliche Exportförderung nötig

bs. Das Passivsaldo der westdeutschen Bundesrepublik im Außenhandel wird ständig geringer. Es bleibt aber doch noch ein langer Weg zu gehen, bis es ganz verschwinden wird. Wir stehen vor der Notwendigkeit, bis 1952 — dem Ende des Marshallplanes — dieses Ziel erreicht zu haben. Wir dürfen nicht damit rechnen, daß uns Amerika dann weiter helfen wird. Es ist also ein Gebot der Selbsterhaltung, den Export mit allen Mitteln zu fördern. Unsere Industrie wird zweifellos alles tun, um durch nachhaltige Exportanstrengungen die Ernährung des deutschen Volkes und die ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen zu sichern. Kann sie aber allein das Ziel finanzieller Unabhängigkeit erreichen? Die Wirtschaft Deutschlands hat durch den Krieg sehr gelitten. Auch die Bundesregierung muß deshalb durch geeignete Maßnahmen den Exportfirmen größtmögliche Hilfe zukommen lassen. Verschiedentlich waren in Bonn diese Pläne auch schon zur Sprache gekommen. Der Weg über die steuerliche Exportförderung wurde besonders diskutiert. Man dachte an Steuerermäßigungen der Umsatz- und Körperschaftssteuer der Exportbetriebe. Leider blieb es bisher nur bei solchen Plänen. Seit Monaten warten wir schon auf ihre Durchführung. Noch immer ist man sich aber nicht einig, ob man einen solchen Weg wählen soll. Der Bundesfinanzminister lehnte vor Wochen ab. Der Wirtschaftsminister und der Deutsche Industrie- und Handelstag baten um eine Revision dieses Entschlusses. Der Bundesausschuß für Finanzen sollte nun eine Entscheidung herbeiführeh. Jetzt liegt seine Stellungnahme vor. Eine steuerliche Exportförderung wird abgelehnt. Wohl wird die Notwendigkeit, den Export zu fördern, nicht verkannt. Aber die Mehrheit der Finanzminister der Länder ist der Auffassung, daß es nicht verantwortet werden kann, diese Förderung auf Kosten der Einkommens- und Körperschaftssteuereinnahmen durchzuführen.

Handelt hier die Bundesregierung nicht sehr kurzsichtig? Gewiß, bei der angespannten Finanzlage fällt es schwer, einem Einnahmenrückgang zuzustimmen. Aber ein solcher Verlust im Etat würde durch weit größere volkswirtschaftliche Vorteile auf gewogen.

Das Passivsaldo im Außenhandel muß verschwinden. Deshalb' darf diese Ablehnung noch nicht die letzte Entscheidung der Bundesregierung sein. Wir wollen hoffen, daß die Vernunft sich doch noch durchsetzt. Und wir wollen weiter hoffen, daß dies bald geschieht. Je länger die Hilfe des Bundes auf sich warten läßt, desto schwerer wird es sein, das Ziel einer ausgeglichenen Handelsbilanz bis 1952 zu erreichen.

Börsen und Märkte

Bz. Bei schleppendem Geschäft waren die Kurse auf der Frankfurter B örse leicht rückläufige. Maschinenaktien verloren 0,5 bis 1 Prozent, Daimler 56,25 (—2), Gebrüder Roeder 95 ( + 1). Chemiewerte konnten sich behaupten. Bemberg 80,50 (+ 1,5). Bei Elektropapieren RWE 74,50 (—2.5). Am Bergbaumarkt ergab es Rückgänge bis 1.75 darüber hinaus Buderus 78 (—2). Mannesmann Stamm 56 (— 2,5) andererseits Rheinstahl 55 ( + 1), Dt. Erdöl 57 (+0.5) Banken waren kaum verändert, bis auf Frankfurter Hypotheken-Bank Akt. 25,50 (+ 0,25).

Freie Devisenkurse

Bz. Am 17. Oktober wurden in Frankfurt folgende freie Devisenkurse genannt: der US-Dollar mit 5,15—5,25 DM. das englische Pfund mit 12,50—13.50 DM. der Schweizer Franken mit 1,15—1,25 DM, der holländische Gulden mit 1.125—1,25 DM. die dänische Krone mit 0,48—0,52 DM. die schwedische Krone mit 0,72—0,78 DM und schließlich der österreichische Schilling mit 0,14—0,16 DM.

In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5 Ostmark eezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.

Internationale Warenpreise

New York Getreide 13. 10 17. 10.
Weizen, Hardwinter Nr. 2 ... 256 252,75
Mais, gelber Nr. 2 179’/. 178,50
Hafer, weißer Nr. 2 99,25 98
Roggen, Western tob NY. ... 174,25 171,50
Gerste Nr. 2 —-
Mehl, hardwinter 5,85—6,00 N 5,80—95 N
Roggenmehl 4,75—95 N 4,75—59 N
Kolonialwaren
NY. Zucker Nr. 5 loco 6,25 6,25
NY. Kaffee, Santos loco .... 55.75 N 55,50 N
NY Kakao, Accra loco 36,37 N 36,75 N
Fette und Gele
Chicago Schweine, leichte .. 18,75 18,50
Chicago Schmalz, loco 12,000 11,87 G
Textilrohstofte und Häute NY. Baumvolle, loco 39,60 38,96
NO. Baumwolle, loco 38,75 37,85
Sao Paolo Baumvolle per Okt, 110 W 316
Jute, Ld. Daisy 2/3 109.50 W
Häute. Ny. per Dez 27,35 G/45b
Kautschuk London, loco 53N 55 N
New York, loco 61.50 N 64 N
New York Loco • Metalle
Aluminium 19 19
Blei, loco NY 16 16
Kupfer, midwest 243/. 24s/i
Nickel 48 48
Quecksilber, einh 90—95 90—95
Zink, St. Louis 17,50 17,50
Zinn Grad „A“ 111.50 N 111,50 N
Alexandria-Baumwolle Karnak per Okt 119,90
Ashmouni per Nov 113
Westdeutsche Metalle Blei 164,38 164,38
Hüttenzink 171,88 171,88
Kupfer 239,50 239,50
Zinn 1053 1065

Mannheimer Produktenbörse

pbz. Die Angebote an Weizen haben nachgelassen Roggen wird vorwiegend von der Staatlichen Vorrats- und Einfuhrstelle zur Einlagerung aufgenommen. Die Mühlen sind mit Brotgetreide reichlich versorgt. Der Mehlabsatz hat sich verlangsamt. Weizenmehl Type 550: 51.75 DM, Type 812: 48,60 DM. Type 1050: 46,85 DM: Roggenmehl Type 1150: 40,25 DM — ieweils per Doppelzentner mit Sack franko Empfangsstation. Weizenkleie 13,50 bis 14,00 DM. Weizenfuttermehl 15,50 bis 16,00 DM, jeweils ab Mühle.

Der Braugerstemarkt ist ruhig. Das Angebot wächst. Dänische und tschechische Gerste soll importiert werden. Je nach Qualität wurden 34.50 bis 36,00 DM notiert. Braugerste für Industriezwecke wurde zu 34,25 Dm frei Mannheim angeboten Für Inlandshafer liegen die Preise zwischen 25.00 und 26,50 DM.

Feuilleton

Einer mehr oder weniger

EINE GESCHICHTE AUS CHINA / VON W. SOMERSET MAUGHAM

Die Träger setzten seine Sänfte im Hof des Gerichtsgebäudes ab und schlugen die Wachstuchdecke zurück, die ihn vor dem strömenden Regen schützte. Wie ein Vogel aus dem Nest streckte er den Kopf heraus, dann folgte sein langer schmaler Körper, und schließlich kamen seine dünnen langen Beine. Einen Augenblick stand er unschlüssig da, als wüßte er nicht, was er tun sollte. Er war ein sehr junger Mann, und seine schlaksigen Glieder betonten noch das Unreife seines Aussehens. Das Gefühl von Wichtigkeit, das ihm seine offizielle Stellung verlieh (noch kurz vorher war er Hilfsdolmetscher gewesen), lag im Widerstreit mit seiner angeborenen Schüchternheit. Er reichte seine Karte dem Sekretär des Richters, wurde in einen Innenhof geführt und gebeten, Platz zu nehmen. Es war kalt und zugig, und der Vizekonsul war froh, seinen wasserdichten Mantel anigezogen, zu haben.

Dann erschien der Richter, und der Vizeikonsul erhob sich. Der Richter war ein würdevoller Herr in einem dick wattierten Rock, mit einem breitlächelnden Gesucht und goldgefaßter Brille. Sie setzten sich, schlürften Tee und rauchten amerikanische Zigaretten. Der Richter sprach kein Englisch, aber das Chinesisch des Vizekonsuls war geläufig, und er war sich bewußt, seine Sache gut zu machen. Jetzt erschien der Sekretär und wechselte ein paar Worte mit dem Richter, und dieser fragte den Vizekonsul sehr höflich, ob er bereit sei für die Angelegenheit, wegen der er gekommen war.

Das Tor in den Außenhof öffnete sich, der Richter ging hinüber und nahm hinter einem Tisch Platz, zu dem einige Stufen hinaufführten. Jetzt lächelte er nicht mehr. Unwillkürlich hatte er die seinem Amt entsprechende Miene aufgesetzt, und trotz seiner Beleibtheit lag in seinem Gang eine eindrucksvolle Würde. Einer höflichen Gebärde Folge leistend, setzte sich der Vizekonsul an seine Seite. Der Sekretär stand am Ende des Tisches. Dann schwang das Außentor auf (es schien dem Vizekonsul, als gäbe es nichts Dramatischeres als das Oeffnen eines Tores), und der Angeklagte kam herein.

Er schritt bis zur Mitte des Hofes und blieb dann vor dem Richter stehen. Dinks und rechts von ihm stand ein Soldat in Khaki. Der Delinquent war ein junger Mensch, und der Vizekonsul dachte unwillkürlich, daß er nicht älter als er selbst sein konnte. Er trug nur eine Baumwollhose und ein Unterhemd. Er war barhäuptig und mit bloßen Füßen. In nichts unterschied er sich von den Tausenden von Kulis in ihrem eintönigen Blau, denen man täglich in den überfüllten Straßen der Stadt begegnete. Der Richter und der Gefangene blickten einander schweigend an. Der Vizekonsul sah in das Gesicht des Gefangenen, blickte aber dann rasch zu Boden: er wollte nicht sehen, was hier offensichtlich zu sehen war. Und als er den Blick senkte, bemerkte er, wie klein die Füße des Mannes waren, wie schmal und schön geformt; die Hände waren ihm hinter dem Rücken gefesselt. Er war von schlankem Wuchs, mittelgroß, ein geschmeidiges Geschöpf, das an ein wildes Tier erinnerte. Aber die Augen des Vizekonsuls kehrten ungewollt zu dem weichen, glatten Oval des Gesichts zurück. Es war leichenblaß.

Der Vizekonsul hatte oft von Gesichtern gelesen, die grün vor Angst waren, und das als eine Ausgeburt der Phantasie abgetan, aber hier sah er- ein solches Gesicht. Auch aus den Augen — die nicht geschlitzt waren, wie man irrtümlich von dem chinesischen Gesicht annimmt, sondern gerade — sprach eine Angst, die schrecklich anzusehen war. Aber wenn der Richter eine Frage an ihn stellte — Verhandlung und Urteil waren vorüber, und er war an diesem Morgen nur zur Feststellung seiner Personalien hergebracht worden — antwortete er mit lauter, klarer Stimme. Wie sehr ihn sein Körper auch im Stich gelassen hatte, der Angeklagte war noch Herr seines Willens. Der Richter gab einen kurzen Befehl, und der Mann ging in Begleitung der beiden Soldaten hinaus.

Der Richter und der Vizekonsul standen auf und folgten ihm ans Tor, wo ihre Sänften auf sie warteten. Hier stand der Verurteilte mit seiner Wache. Trotz seiner gefesselten Hände rauchte er eine Zigarette. Eine Abteilung Soldaten hatte unter dem vorspringenden Dach Zuflucht vor dem Regen genommen, und bei dem Erscheinen des Richters ließ der diensthabende Offizier sie antreten. Der Richter und der Vizekonsul setzten sich •in ihre Tragsessel. Der Offizier gab einen Befehl, und der Zug setzte sich in Bewegung. Sie gingen rasch durch die belebten Straßen, und die Ladenbesitzer schauten dem Zug unbeteiligt nach. Der Wind wehte kalt, und der Regen fiel pausenlos. Der Verurteilte in seinem baumwollenen Unterhemd mußte bis auf die Haut durchnäßt sein. Dann kamen sie an das Stadttor und gingen hindurch. Vier Männer in blauen Lumpen — sie sahen wie Bauern aus — standen an der Mauer neben einem armseligen Sarg. Der Verurteilte streifte ihn im Vorübergehen mit einem flüchtigen Blick. Der Richter und der Vizekonsül stiegen aus ihren Sänften, und der Offizier ließ seine Leute halten.

Die Reisfelder nahmen bei der Stadtmauer ihren Anfang. Der Verurteilte wurde auf einen Pfad zwischen ihnen geführt und mußte sich hinknien. Aber der Offizier fand die Stelle ungeeignet. Er hieß den Mann aufstehen. Der ging ein paar Schnitte weiter und kniete sich dann erneut nieder. Ein Soldat löste sich aus der Gruppe und stellte sich hinter den Gefangenen. Er erhob sein Gewehr; der Offizier gab den Befehl; der Soldat feuerte. Der Verurteilte fiel lautlos vornüber und bewegte sich noch ein wenig. Da ging der Offizier zu ihm und jagte ihm zwei Kugeln aus seinem Revolver4n den Leib. Danach ließ er seine Soldaten sich wieder aufstellen. Der Richter schenkte dem Vizekonsul ein Lächeln,

es war aber eher eine Grimasse und entstellte dieses dicke, gutgelaunte Gesicht.

Sie stiegen in ihre Sänften; aber am Stadttor trennten sich ihre Wege. Der Richter verabschiedete sich liebenswürdig von dem Vdzekonsul. Dieser ließ sich durch die von Menschen wimmelnden Straßen, in denen das Leben seinen gewohnten Gang nahm, zurück zum Konsulat tragen. Und unterwegs, während seine Gedanken durch die dauernden Rufe der Träger, ihnen Platz zu machen, ein wenig abgelenkt wurden, dachte er, wie schrecklich es doch war. Die Menschheit besteht schon so lange, und jeder einzelne von uns ist auf dieser Welt als das Ergebnis einer endlosen Kette wunderbarer Zufälle.

Doch zu seinem Erstaunen überkam ihn gleichzeitig ein Gefühl von der Nichtigkeit des Daseins. Einer mehr oder weniger bedeutete hier wenig. Aber als sie zum Konsulat kamen, blickte er auf seine Uhr. Er hatte keine Ahnung gehabt, daß es schon so spät war und befahl seinen Trägern, ihn zum Klub zu bringen. Es war Zeit für einen Cocktail, und er hatte weiß Gott einen nötig.

Ein Dutzend Männer standen an der Bar, als er hereinkam. Sie wußten, wo er am Morgen gewesen war.

„Nun“, begrüßten sie ihn, „hast du gesehen, wie der Kerl erschossen wurde?“ ^Und ob ich es gesehen habe!“ sagte er mit lauter, unbeteiligter Stimme.

„Hat alles geklappt?“

„Er hat noch ein wenig gezuckt.“ Er wandte sich an den Barkellner: „John, so wie immer!" Berechtigte Uebersetzungl von Hans B. Wagenseil.

Neue Kräfte am Landestheater


JOACHIM LEIPZIGER Mitglied der Tanzgruppe des Landestheaters, absolvierte sein Tanzstudium an der Ballettschule in Leipzig, war mehrere Jahre an der Städtischen Oper Leipzig und kam jetzt vom Staatstheater Braunschweig, wo er seit 1948 engagiert war, nach Darmstadt,
JOACHIM LEIPZIGER Mitglied der Tanzgruppe des Landestheaters, absolvierte sein Tanzstudium an der Ballettschule in Leipzig, war mehrere Jahre an der Städtischen Oper Leipzig und kam jetzt vom Staatstheater Braunschweig, wo er seit 1948 engagiert war, nach Darmstadt,

Deutsch-französische Kulturtage in Wiesbaden

„DIE KAMELIEN“ URAUFGEFÜHRT

Zum zweiten Male war Wiesbaden Stätte einer deutsch-französischen Woche, in der das Geistesleben beider Länder für die politische Annäherung der Völker Schrittmacherdienste leistete. Was sich auf kulturellem Gebiet längst erfolgreich angebahnt hat, hinkt in der politischen Initiative immer noch kläglich nach.

Die berühmten Pariser „Theophiliens“, die Schauspielgruppe der Sorbonne, brachten urwüchsiges, altes französisches Theater, historische Vorläufer der Tragödie und Komödie im „Miracle de Theophile“ und „Aucassin et Nicolette“. Joseph Rovan und Rudolf Hagelstange behandelten für ihre Länder die Situation des lebenden Dichters und Schriftstellers. Während in Frankreich der Schriftsteller seinen entscheidenden Beitrag für die Gegenwartsprobleme des Menschen leistet, ist in Deutschland als Folge jüngster Vergangenheit erst wieder eine traditionsgebundene Sicherheit zu gewinnen und der Nachweis für die autorisierte Existenz und Vollmacht des Dichters gegenüber dem Leser zu erbringen. Die Problemstellung selbst bleibt aber bei allen europäischen Schriftstellern die gleiche.

Eine ausgezeichnete Ausstellung „Meister französischer Graphik der Gegenwart“ zeigte Werke der großen Künstler Bonnard, Braque, Chagall, Leger, Maillot, Matisse, Rouault, Picasso. Größtenteils schon klassisch in ihren elementaren Formen, bestechen sie durch die Diktion des Einfalls und die virtuose Strichführung.

Ausgiebigen Anteil beanspruchte die Musik in diesen Tagen für sich. Die Wiener Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler bewiesen aufs neue ihre einzigartige Klangkultur, enttäuschten aber durch eine lethargische Interpretation, die wohl auf Reiseübermüdung zurückzuführen war. (Haydn: Paukenschlag-Symphonie, Beethoven: Fünfte, Debussy: La Mer.) Eine glänzende Aufführung von Glucks „Iphigenie“ des Hessischen Staatstheaters unter Karl Maria Zwißler entschädigte dafür alle Teilnehmer.

Kulturelle Gemeinschaftsarbeit im besten Sinne des Wortes wurde in der Pantomime für Schauspieler „Die Kamelien“ geleistet. Vor dieser Uraufführung sprach Rene Hombourger in knappen, aber prägnanten Worten über die französische Kunst der Regieführung in den letzten 50 Jahren und die gegenseitige Befruchtung der Regisseure beider Nationen. Danach hob sich der Vorhang zu den sieben Bildern der Legende von der zeitlosen Liebe.

Nach bekanntem Sujet hat die ehemalige Essener Choreographin Sonja Korty Elemente der Pantomime, des Balletts und des Monodrams zu einer dramaturgischen Einheit bei filmischem Vorbild sehr glücklich verbunden. Dumas’ Kameliendame feiert zu Ehren eines auf dem Friedhof Mont-Parnasse lustwandelnden, romantischen Dichters noch einmal Auferstehung. Ihre Seele (die einzige kurze Sprechrolle) erbarmt sich des Liebesuchenden der Gegenwart und führt ihn 100 Jahre zurück in ihre eigene Vergangenheit, um ihm zu zeigen, daß die Liebe zu allen Zeiten gleichen Gesetzen unterworfen ist. Dumas’ Margueritte und Armand (wie die Seele und der Dichter ausgezeichnet von Sonja Korty selbst und Kai Mollvig dargestellt) bleiben die einzigen benannten Personen. Alle anderen Figuren werden abstrahiert und symbolisch gedeutet. Im letzten Bild scheiden sich wieder am Friedhof Vergangenheit und Gegenwart, der Geist der Kameliendame und der Dichter, nur die Liebe behält ihre Zeitlosigkeit.

Zu den in der Handlung leicht angehauchten legendären Erotizismen hat der Franzose- Jean Francaix eine sensible Musik für Streichorchester geschrieben, die je nach der Situation pikante oder expressive Intermezzi einschaltet, mit sinnlichem Klangreiz sprühendes Leben verbreitet, manchmal nur als kinematographische Geräuschkulisse dient, im allmeinen aber auf unbeschwerter Ebene und mit diatonischen Dissonanzen dem Genre des spielerisch-geistvollen Milieus nachgeht. Ludwig Kaufmann dirigiert präzis, teilweise etwas robust das Wiesbadener Orchester. Dagegen führt hinwiederum der französische Regisseur Maurice Jacquemont vom Theatre des Champs Elysees die deutschen Darsteller und das Ballett (das sich an einigen Stellen recht schwerfällig gibt) in einer sublimen Spielleitung zum großen Erfolg. Filmische Bildkunst mit entmaterialisierten und leicht surrealistischen Feinheiten, Grazie und Esprit läßt die Regie en miniature verströmen. Herta Böhm hat dazu feinsinnige Bühnenbilder entworfen.

Von dieser traumhaften Legende schied das nicht sehr zahlreiche Publikum im Sonntag-Matinee mit herzlichstem Beifall — und mit dem Bedauern, daß nicht eine ganze Anzahl solcher geistreicher „Petits Riens“ in Musik und Bild der Gegenwart zur Verfügung stehen. G. I.

Theater im Stilwandel

„VOM HOFTHEATER ZUM LANDESTHEATER“ — EIN VORTRAG VON HERMANN KAISER

Vor vielen interessierten Zuhörern sprach Hermann Kaiser im Saal des städtischen Altersheimes über das Thema „Vom Hoftheater zum Landestheater“ und gab hierbei ausgewählte Leseproben aus seinem bisher unveröffentlichten Buch „Theater im Stilwandel“. Dieses Werk wird die Lücke schließen, die dadurch entstand, daß Hermann Knispels Buch „Das Großherzogliche Hoftheater 1810—1910“ bisher noch keine Fortsetzung gefunden hat.

Der Vortragende schilderte den Einfluß der Darmstädter Künstlerkolonie auf die Entwicklung des Bühnenbildes wie das rege und sich auch in der Praxis zeigende Interesse, das Großherzog Ernst Ludwig dem Darmstädter Theater immer bewies. Die Zuhörer erfuhren Einzelheiten darüber, wie das große Dreigestirn Wagner — Verdi — Strauß an unserem Theater gepflegt wurde, und die drei bestimmenden Theaterleiter dieser Periode — Emil Werner, Dr. Eger und Gustav Hartung — wurden mit ihrer so ganz verschiedenen Arbeit behandelt, die in folgerichtiger Entwicklung vom traditionellen Klassizismus über die Stilbühne zum Expressionismus führte.

Die Aera Hartung war die große Zeit des Darmstädter Theaters, wenn auch zeitweilig die Oper zu kurz kam. Für Hartung selbst bedeutete diese Zeit freilich nur ein Uebergangsstadium. Mit dem Vorhang, der sich über der berühmten, viel angefeindeten Carmen-Inszenierung senkte, schloß das denkwürdigste Kapitel der Darmstädter Theatergeschichte ab. Von dem damals erworbenen Ruhm, wonach das Darmstädter Theater eine der führenden deutschen Bühnen war, zehrt das Landestheater noch heute. Nicht nur die Bühnenbilder, die Hermann Kaiser abschließend im Lichtbild vorführte und erläuterte, sondern auch die vielen Porträts und Rollenaufnahmen von verstorbenen und noch lebenden Darmstädter Bühnenkünstlern zeigten deutlich den Stilwandel am Theater im Laufe der Zeit. H. W. W.

Von der Leinwand

PALAST

„Es geht um 50 000 Dollar“ meinte die „Associated British Pathe Produktion“ und ließ einen Streifen kurbeln mit Gangstereien, Bankraub, etwas Liebe und — natürlich Scotland Yard, wie es — angeblich — ist. (Die Herren Inspektoren werden sich gewundert haben.) Die Kamera sah ausgezeichnete Kulissen, die Musik tat ihr möglichstes, um spannende Szenen vorzubereiten und als „spannend“ erkennbar zu machen. Der Schnitt war gut bzw. hätte noch besser sein können. Wahrscheinlich wäre dann aber nichts mehr über den Kanal gekommen. sr

DT Film-Forum

Einmal wurde es beinahe ernst

Das war vor gar nicht langer Zeit, als Paul Kemp zusammen mit Vera Molnar und anderen Filmdarstellern einen bösen Auto-Unfall hatte; da wäre es um ein Haar mit ihm und seinen Kollegen aus und vorbei gewesen. Aber es ging noch gut, und sein Humor ist wieder da. Auch seine natürliche Begabung, komische Situationen zu erleben. Kürzlich erst passierte es ihm in der Eisenbahn ...

Also, da fuhr er nach München, und im Abteil saß er ganz friedlich und bescheiden, als ein bärenstarker und selbstbewußt-lauter Mann in sein Abteil stieg. Koffer über Koffer schleppte der brave Mann herbei, und Stück um Stück baute er sie im Gepäcknetz auf ... über Paul Kemps Platz natürlich! Höher und höher, aber auch immer wackliger wurde der Turm, und Paul Kemps Augen weiteten sich, er ahnte schon den Augenblick, da der ganze Turm mit Donnergepolter herunterstürzen und ihm auf den Kopf fallen würde. Und bescheiden, wie es seiner Art entspricht, machte er den Fahrgast darauf aufmerksam. Aber da erhielt er die Antwort, die in ein Paul-Kemp-Lustspiel passen würde:

„Oh, das macht nichts, es ist nichts Zerbrechliches in den Koffern drin!“ (Das Bild, das wir hier abdrucken, zeigt unseren Paul beinah genau in der verzweifelten Angst vor den drohenden Kofferbergen!... Aber es stammt aus seinem neuen Film „Gefährliche Gäste“.) Wer ist eigentlich dieser Paul Kemp? Wo kommt er her?

’s ist rheinisches Blut, das in ihm lebt. In Godesberg kam er zur Welt, am Rhein verlebte er seine Jugend, und es ist echter rheinischer Volkshumor, der aus allen seinen Lebensäußerungen sprüht. Diese leicht beschwingte, problemlos mit den Dummheiten des Lebens ringende, mit den Widrigkeiten des Daseins fertig werdende rheinische Art beflügelt ihn. Schon das Elternhaus war so recht dazu angetan, mit künstlerischer Heiterkeit an alles heranzugehen, entstammt er doch einem musikalischen Haus: Sein Vater leitete eine Musikschule. Und so hätte eigentlich sein Weg zur Kunst, zu Bühne und Film von Anbeginn an geebnet sein müssen ... aber auch künstlerisch veranlagte Väter können starrköpfig sein, und Paul Kemps Vater wojlte seinen Sohn zum — Architekten machen. So begann Paul Kemps Laufbahn mit Pickel und Schaufel; da, wo man Häuser errichtete, da begann er sich nützlich zu machen. Daß man fertig gebaute Häuser beinah zum Einstürzen bringen kann, indem man die darinnen versammelten Menschen zum Lachen ohne Ende bringt, und daß dies Paul Kemps Lebensaufgabe werden sollte: Das hat er damals noch nicht geahnt, als er so treuherzig die schweren Werkzeuge schwang!

Als der erste Weltkrieg kam und allerhand alte Vorurteile einriß, da wurde auch für Paul Kemp der Weg zur Bühne frei, und zusammen mit Gründgens bestand er damals die Prüfung in Düsseldorf, nachdem er eine gründliche Ausbildung hinter sich gebracht hatte. Darauf kamen Engagements in Düsseldorf, Remscheid, Hamburg ... und dann fing der Film an, sich für ihn zu interessieren. Film folgte auf Film, die Kette riß nicht mehr ab, denn Paul Kemp gehörte bald zum Repertoire eines gut besetzten Films, in dem man herzlich lachen will. Csardasfürstin, Amphytrion, Charleys Tante, Ihr Leibhusar, Das Abenteuer geht weiter, Premiere der Butterfly... das sind einige der Filme, in denen er mitwirkte, und die Filmenthusiasten wissen noch manchen Film, in denen Paul Kemp sie in unmöglichen Situationen schmunzeln und herzhaft lachen ließ. Wir rufen ihm zu: Nur immer weiter so!


PAUL KEMP
PAUL KEMP

Foto: Real/Allianz-Film)
Foto: Real/Allianz-Film)

Oh, diese Kongresse!

VON ROLF ITALIAANDER

Die Nachkriegszeit hat viele Moden entwickelt. Eine davon sind die Kongresse. Alles, was da kreucht und fleucht, kongressiert. Und nationale Kongresse gibt es kaum mehr. Jeder Kongreß ist heute europäisch oder am besten gleich international, was bedeuten soll, weltumfassend. Sind die Kongresse ein gutes Zeichen unserer Vorwärtsentwicklung? Nein, sie sind eines der schlechten Zeichen einer Reaktion, der wir anheimgefallen sind. Unsere ganze Hilflosigkeit offenbart sich in der Fülle von Kongressen. Wir wollen etwas vortäuscheh, was wir nicht sind und was wir nicht haben. Mißtrauet den ■Kongressen!

Ich habe eine Reihe von Kongressen mitgemacht. Mal aus Neugierde. Mal aus ehrlichem Glauben, also Idealismus. Mal, um einen Reisegrund zu haben. Mal, um Spesen zu bekommen. In vielen Ländern habe ich an allen möglichen Kongressen teilgenommen. Ungezählte Kongressisten habe ich gesprochen. Bis auf verschwindend wenige Ausnahmen hatten sie alle die gleichen Gründe, um an den Kongressen teilzunehmen. Ich war erschüttert.

Bei allen Kongressen werden wunderbare Reden gehalten. Man redet zur Eröffnung des Kongresses. Man redet am Ende. Man redet mitten drin. Man redet morgens, mittags und abends. Und nachts redet man oft auch noch. Ach, es wird ja so viel geredet auf dieser Erde! Jeder glaubt reden zu müssen. Jeder hört sich gerne reden. Eigenliebe und Eitelkeit sind ja heute so weitverbreitet. Darum: mißtrauet den Kongressen!

Jeder Kongreßausschuß kennt irgend einen berühmten Mann. Berühmte Männer gibt es heute wie Sand am Meer, denn man kann ja aus so vielen Gründen berühmt sein. Es gibt viel zu viele Berühmtheiten. Sie treten sich gegenseitig auf die Füße, graben sich das Wasser ab. Aber dann kommen sie doch. Die Kongresse dienen ihnen, um ein Publikum zu haben, um, Pfaue, die sie sind, mal wieder ihr schillerndes Rad schlagen zu können.

Ich habe eine Gailuppumfrage an 999 999 Mitbürger gerichtet. Sie haben nicht alle geantwortet. Aber einige sandten ihr Urteil. Sie haben geschrieben, daß sie selten arbeitsmäßig etwas Wertvolles bei einem Kongreß ausrichten konnten. Aber gegessen hätten sie immer gut. Und viel getrunken. Die Kongreßzigarren und Kongreßzigaretten seien auch immer gut gewesen. Und reichlich. Man habe immer einige einstecken können, für die Reise und auch später. Nochmals — mißtrauet den Kongressen!

Etwas Positives haben Kongresse immer. Man findet auf allen Kongressen •— europäischen oder internationalen, um nicht zu sagen: globalen — Schlachtenbummler, Abenteurer, Freilanzer. Ihre Heimat ist nicht Deutschland oder Holland oder Frankreich oder England. Ihre Heimat ist die Kongreßluft, die Kongreßhalle, das Kongreßhotel. Sie wollen Menschen sehen, Menschen sprechen. Sie wollen sich amüsieren, wollen ihre Ahendanzüge tragen oder — wenn es Damen sind — ihre neuen Kleider.

Ich habe beruflich auch Modenschauen besucht nach dem Kriege. Wenn ich sie mit den Kongressen vergleiche, waren sie höchst traurige Begebenheiten. Dies zeichnet diese Nachkriegskongresse aus, daß sie meist äußerst elegant sind. Es kommen natürlich auch bescheiden angezogene Männer und Frauen. Idealisten und Dumme gibt es ja in allen Ländern, in allen Gesellschaftsschichten, in allen Berufszweigen — vom Brieftaubenzüchter bis zum Politiker. Dennoch: die meisten Kongresse sind sehr elegant. Ist ja auch einleuchtend. Auf einer Modenschau sieht man sich Mannequins an: Fünf Minuten sind sie auf dem Laufsteg, dann verschwinden sie. Auf einem richtigen Kongreß kann man selbst stundenlang auf und ab gehen, siöh von vorne und hinten zeigen und sich mehrmals umziehen. Was so ein richtiger Kongreß ist, der findet ja nicht nur im Saale statt. Er hat verschiedene Lokale zum Kongressieren, er veranstaltet Ausflüge und vor allem Besichtigungen. Man kann ja so viel besichtigen heutzutage. Da bauen wir auf. Da reißen wir ab und herunter. Da feiern wir das fünfundzwangzigste Jahrhundert im voraus, weil wir mit dem zwanzigsten nicht mehr zufrieden sind. Da fallen wir zurück in die Gesinnung und den Geist der Barbarei. Und für oder gegen beides läßt sich gleich wieder ein Kongreß veranstalten.

Auf einer guten Tat von Mensch zu Mensch ruht vielleicht mehr Segen als auf dem geschicktest aufgezogenen Kongreß — sei er national, europäisch oder global. Also . . . nun, ich will mich nicht wiederholen.

Darmstadt und Umgebung

Quitten

^er Apfel landläufig für die l.gnt> die zwischen dem Menschen und seinem Fall steht, so ist die Quitte weit harmloser, wenn auch härter — ATle, zwischen den Jahreszeiten. Nebel hangen während ihrer Reifezeit schon halbe Tage in den Bäumen, das ^ras bleibt betaut, und über den Himmel fliegen Schwalben — südwärts. Es ist nicht mehr schön draußen. Lieber wirft man Holzscheite in den Ofen und wärmt sich die Hände darüber.

Aber wenn dann so ein Korb voll Quitten hereingetragen wird, dann zieht noch einmal ein Duft durchs Haus voller Süße und Sommer. Wohlgeruch der frischen Frucht, die an feuchte Erde und Sonnenschein erinnert, zieht durch den durch den Raum.

Helle Sommernächte, schwere Bäume, glänzendes Obst unter gebogenen Zweigen, Blumen, Vögel — die Bilder jüngst vergangener Tage schweben in dem Duft der letzten reifen Früchte des Jahres.

Nur die Kinder fühlen es besser. Mit krauser Nase und windzerzausten Haaren bleiben sie in der Küchentür stehen. Was ist das? Was liegt da in der Luft? Sie denken nicht an vergangene Spiele, es rührt sie nicht die Abschiedsgabe des reifen Sommers. Sie wittern etwas Neues. Neugierig gehen sie um den Tisch, eine lange Regenspur hinter sich lassend. Da sehen sie den Korb voller Quitten und plötzlich fällt es ihnen wieder ein. Sie brechen in Jubelgeschrei aus, die sommerlichen Spiele und die letzten herbstlichen Freuden mit Drachen und Kürbismännern versinken in Vergessenheit. Daß sie nicht eher daran dachten! Es riecht ja nach Quittenbrot, es riecht ja —

Zum ersten Male in diesem Jahr fällt das Wort: Weihnachten!

Besichtigungsreise durch das Ruhrgebiet

Das Betriebswirtschaftliche Seminar der Technischen Hochschule Darmstadt führte unter der Leitung seines Direktors, Herrn Professor Dr. Hax, mit 30 Assistenten und Studenten aller Fakultäten, vornehmlich der hier neu eingerichteten Studienrichtung Wirtschaftsingenieurwesen, mit einem Omnibus der Heag eine sechstägige Besichtigungsreise durch das Ruhrgebiet durch.

Zweck dieser Exkursion war es, den Studierenden einen Einblick in die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Ruhrindustrie zu vermitteln. Das ist in eindrucksvoller Weise erreicht worden. Besichtigt wurden Betriebe der Energieerzeugung. des Bergbaues, der eisenerzeugenden und eisenverarbeitenden Industrie und zwar: Goldenbergwerk und Roddergrube bei Köln, Steinkohlenkraftwerk Essen-Karnap, Kruppzeche Hannover-Hannibal, Bochum. Hüttenwerke Rheinhausen. Stahlbau Rheinhausen. Mannesmann-Röhrenwerke Düsseldorf. Widiafabrik Essen. Goetzewerke Burscheid.

Diese Besichtigung beschränkte sich nicht nur auf den technischen Betrieb, sondern es wurden in vorausgehenden und anschließenden Besprechungen jeweils die wirtschaftlichen, organisatorischen urid sozialen Zusammenhänge herausgearbeitet. Die Exkursion vermittelte eine Fülle von Anregungen und neuen Erkenntnissen, die. in Vorlesungen und Hebungen praktisch ausgewertet werden sollen.

Das Betriebswirtschaftliche Seminar beabsichtigt, in Zukunft regelmäßig derartige Besichtigungen, insbesondere für die Wirtschaftsingenieure durchzuführen. Für die Ausbildung gerade dieses Ingenieurtyps, der sich nicht nur mit den technischen, sondern zugleich auch mit den wirtschaftlichen und sozialen Fragen des Betriebslebens auseinanderzusetzen hat. ist es unerläßlich, daß Vorlesungen, Hebungen und Seminare durch solche Veranstaltungen ergänzt werden.

Wolfsburger Impressionen

Von unserem nach Wolfsburg entsandten HGR-Redaktionsmitglied

Das Volkswagenwerk hatte etwa 500 Journalisten aus der Bundesrepublik und Berlin eingeladen. Während der gut organisierten Reise orakelten die Pressevertreter, welche Enthüllungen wohl Generaldirektor Dr.-Ing. Heinz Nordhoff machen werde. Die Meinungen liefen auseinander. Die Ansprache Dr. Nordhoffs brachte Überraschungen. Der Volkswagen wurde billiger.

Wir hatten Gelegenheit, das Werk zu besichtigen. Zunächst kann man feststellen, daß bei der Anlage des Werkes nicht kleinlich verfahren wurde. Es hat eine Gesamtlänge von 1350 Metern, wird nördlich von der Aller begrenzt und südlich vom Mittellandkanal. Die Stadt Wolfsburg die wenige Kilometer vom Volkswagenwerk entfernt, stellt die meisten der 14 000 Angestellten und Arbeiter. Wolfsburg das durch ein fast beispielsloses Wohnbauprogramm des Werkes in den letzten Jahren auf etwa 24 000 Einwohner angewachsen ist, genießt den Ruf einen vorzüglichen Stadtrat zu haben. Es beherbergt wenig Frauen, dafür aber um so mehr Männer und noch mehr Jugendliche und besitzt keine Läden. Dafür findet man aui den breiten übersichtlichen Straßen sehr viele Kioske oder verglaste Auslagenstände, und gelegentlich einen Hinweis, daß z. B. im Parterregeschoß von Nr 75 das Lebensmittelgeschäft des Herrn sowieso sei. Man geht nicht fehl, wenn man Wolfsburg mit amerikanischen Städten der Pionierzeit vergleicht. Im Werk selbst bienenfleißiges Wirken bei ratternden Maschinen. Ruß und rauchgeschwängerte Luft.

Man geht mit sausenden Schläfen ein Stück neben einem Chassis her, hört interessiert die Erklärungen des Ingenieurs an und wundert sich, daß der fertige Wagen eher das Ende des Montagebandes erreicht hat, als man selbst. Kaum glaublich. Aber es ist so: alle zwei bis zweieinhalb Minuten verläßt ein neuer Volkswagen das laufende Band, wird von einem Einfahrer über die Rennbahn gejagt, von da in die Polsterei und dann auf den Abstellplatz, wo schon Hunderte stehen. Die Arbeiter finden ihre Tätigkeit am laufenden Band übrigens gar nicht monoton. Sie möchten ihre Arbeit außerdem gegen keine andere tauschen, weil sie wissen, daß sie die bestbezahltesten Arbeitsplätze in der Bundesrepublik haben.

Schade, daß ein Teil des Werkes von Bomben zerstört worden ist und erst noch aufgebaut werden muß. Es könnte noch einiges mehr geleistet werden. Was sich wohl Robert Ley gedacht hat, als er auf den Einwand eines seiner engsten Mitarbeiter, das Werk sei zu ungeschützt, lächelnd erklärte: „Der Krieg wird im Osten ausgetragen ... ?“ Wie dem auch sei. Das Werk hat jedenfalls einen Wagen herausgebracht, der Weltruf genießt.


Unser Bild zeigt eine Karosse während eines Grundlack-Tauchbades Foto: VW-Archiv
Unser Bild zeigt eine Karosse während eines Grundlack-Tauchbades Foto: VW-Archiv

Zunehmender Verkehr in Gberstadt

Wie steht es mit der Entlastungsstraße?

Wegen der zunehmenden Unfälle auf der Autobahn hat sich in den letzten Monaten der Verkehr in der Darmstädter und Heidelberger Straße in Eberstadt noch erheblich verstärkt. Kraftwagen, Fuhrwerke und die Straßenbahn fahren namentlich in den Morgen- und Mittagstunden bis zur einbrechenden Dunkelheit unaufhörlich über die Modaubrücke und durch die Straße. Mit wenigen Zentimetern Zwischenraum rollen die entgegenkommenden Fahrzeuge vorbei, so daß sich die Fußgänger oftmals an eine Hauswand drücken müssen. Die viele Geschäfte in den beiden Straßen keine Einfahrtmöglichkeit haben, ist das Halten von Fahrzeugen, die Waren bringen oder abholen, unumgänglich und zusätzlich verkehrshindernd.

Was wurde bisher zur Behebung der Gefahren in den engen Straßen getan? Nur auf dem Papier stehen bis jetzt die Pläne für die zu bauende Entlastungsstraße in Fortsetzung der Wilhelm-Leuschner-Straße mit einer Brücke über die Modau und der Verbreiterung der Hirtengasse. Wir sprachen mit Eberstädter Einwohnern, die der Ansicht sind, daß die Stadtverwaltung den Gefahren des Verkehrs in Eberstadt bei weiten nicht genügend Beachtung schenken würde. Andernfalls hätte sie, so meint man, schon für eine beschleunigte Durchführung des Bauprojektes gesorgt. t-s

Ein ehrlicher Finder. Hermann Dohmburg, Bessunger Straße 88V2, brachte die Geldsumme von 3500 DM, die er in der Noackstraße gefunden hatte zur Firma Farben-Krauth, der diese Summe abhanden gekommen war. Die Firma überreichte dem ehrlichen Finder 200 DM und stelte ihm Farbe zum Ausmalen seiner ganzen Wohnung zur Verfügung.

Wenn Steine reden könnten

Baugerüste um die Viktoriaschule

Um den Torso der Viktoriaschule stehen Baugerüste. Die alten Darmstädter — im Forum und auf der Straße, samt der Schulleitun und dem Lehrerkollegium — müssen sich jetzt zufrieden geben. Sie wird wieder aufgebaut ...

Die Geschichte der Viktoriaschule seit der feierlichen Einweihung des neue.n Schulhauses im Jahre 1898 ist kongenial dem Schicksal vieler ihrer Schülerinnen. Reich geworden in der Gründerzeit und zu bedeutendem Ansehen gelangt, liebte es das Bürgertum jener Zeit, seine Macht in roten Backsteinen, kostspieligen Säulen und anspruchsvollen Fassaden zu konstituieren. Selbstbewußt und selbständig steckte es eine halbe Million in ein prunkvolles Schulhaus, um danach stolz und ehrerbietig zugleich die Schwester des regierenden Großherzogs um Protektorat und Name zu bitten (die

Viktoria-Schule erhielt ihren Namen von der Viktoria von Battenberg, die vor 14 Tagen hochbetagt in England verstorben ist).

Aber die massive Säulenherrlichkeit der Viktoria-Schule Überstand alle Unbilden der Zeit: Krieg. Inflation, Revolution, Schulreform, Krieg und wieder Schulreform. Sie lachte selbst — trotz einer angeblichen Fehlkonstruktion der Gewölbedecken — den Bomben Hohn, die sie zwar ihres Daches und ihres Direktorzimmers beraubten, sie aber niemals in ihren stabil gemauerten Grundfesten erschüttern konnten. Erst der berühmte und berüchtigte ..Zahn der Zeit'* bat sie mürbe gemacht; und wenn er ihr auch dazu verhalf, daß Gras über ihren Wunden wuchs, so tat er ihr doch nichts Gutes damit, denn sie zerfiel zusehends.

Im Jahre 1945 war bis auf die angeführten unwesentlichen Schäden noch alles erhalten, einschließlich Inventar. Selbst die Heizung und die Wasserleitung funktionierten noch. Dann wurde das Gebäude völlig ausgeplündert und beraubt. Man wollte dem Haus ein Dach aufsetzen und ein Gefangenenlagerdarin unterbringen. Es kam weder zu dem einen noch zu dem anderen. Statt dessen weichte die Decke des dritten Stockwerkes durch und mußte im Jahre 1947 herausgeschlagen werden, was bis jetzt zu dem durchschlagenden Erfolg geführt hat, daß alle stattlichen Ueberkommnisse der 90iger Jahre nun tatsächlich mit Stumpf und Stiel ausgerottet sind.

Der nach der Hochstraße gelegene Teil des Längsbaues behält seinen weitläufigen Säulenflur, während nach der Hofmannstraße zu neue Betondecken eingezogen werden. Frühestens nach Weihnachten, spätestens an Ostern kann die Schule wieder — endlich wieder —in ihr altes Gebäude übersiedeln.

Um Sandstein und Beton schließen sich diskret die roten Backsteinwände. Sie verraten nur zögernd die tapferen, ernsten, heiteren, traurigen und skandalösen Begebenheiten, die sich während der letzten 50 Jahre zwischen ihnen zugetragen haben. Schließlich kommt man aber doch dahinter. kä-

Versuchter Taschendiebstahl

Vor dem Darmstädter Schnell rieh ter stand gestern der 20jährige Hilfsarbeiter Egon M. Während der letzten Herbstmesse hatten verschiedene Besucher über Taschendiebstähle geklagt. Auf der Polizei meldeten sich damals einige Personen. Einer von diesen, der gleichfalls zur Wache kam, hatte einen bestimmten Burschen im Verdacht. Es war der Angeklagte. Der betreffende Zeuge folgte ihm eine längere Zeit durch das Messegewirr und bemerkte plötzlich, wie dieser versuchte, einen Taschendiebstahl auszuführen. Er verständigte sofort die Polizei, die den Burschen festnahm. In der Verhandlung leugnete der Angeschuldigte, der bereits wegen Taschendiebstähls vorbestraft ist, bis zur letzten Minute. Der Schnellrichter konnte ihm keinen vollendeten Taschendiebstahl nachweisen, verurteilte ihn jedoch wegen des Versuchs zu sieben Monaten Gefängnis, wst.

Vor dem Verwaltungsgericht wird am Donnerstag, den 19. Oktober, um 9.30 Uhr, die Anfechtungsklage eines Grundstückbesitzers in der Heinrichstraße gegen die Stadt Darmstadt wegen Ablehnung eines Bauvorhabens verhandelt werden. Der Verhandlung kommt in Anbetracht der unklaren Verhältnisse der Heinrichsstraßenverbreiterung eine besondere Bedeutung zu.


Im Kaufhof, im 3. Stock, wartet „Fahrendes Volk“ auf kleine und große Besucher. Margarete Steiff hat dort die bekannten und geliebten Steiff-Knopf-im-Ohr-Teddys,-Affen, -Enten, -Miezen und -Wauwaus, als fahrende Zirkusleute und ehrsame Bürger gekleidet, ausgestellt mitten in der malerischen Umgebung eines Dorfplatzes. Ein mechanisches Werk hält das spassige Völkchen in Bewegung, so daß sie die possierlichste Kurzweil treiben Foto: Hilde Roth
Im Kaufhof, im 3. Stock, wartet „Fahrendes Volk“ auf kleine und große Besucher. Margarete Steiff hat dort die bekannten und geliebten Steiff-Knopf-im-Ohr-Teddys,-Affen, -Enten, -Miezen und -Wauwaus, als fahrende Zirkusleute und ehrsame Bürger gekleidet, ausgestellt mitten in der malerischen Umgebung eines Dorfplatzes. Ein mechanisches Werk hält das spassige Völkchen in Bewegung, so daß sie die possierlichste Kurzweil treiben Foto: Hilde Roth

Eine neue Landesbehörde für Darmstadt

Die Stadt der Waagenindustrie und der Hochschule wird Sitz der „Hessischen Eichaufsichtsbehörde“

In der „Hessischen Eichaufsichtsbehörde“, der Eichdirektion, hat die Stadt Darmstadt eine weitere Landesbehörde erhalten und mit ihrer Errichtung hat der hessische Staat ein Stückchen Verwaltungsreform verwirklicht. Die Entscheidung darüber ist in den letzten Tagen in Wiesbaden gefallen, nicht ohne, daß noch kurz vorher von Frankfurt aus versucht worden war, die Eichdirektion dorthin zu bekommen. Sachliche Gründe und die Forderung, sparsam zu sein, gaben den Ausschlag.

Die Zweigleisigkeit der hessischen Verwaltung, die in der Zusammensetzung des neuen Staates aüs Teilen zweier verschiedener früherer Länder begründet ist, hat auch auf dem Gebiete des Eichwesens organisatorische und verwaltungsmäßige Schwierigkeiten hervorgerufen. Für die preußischen Regierungsbezirke Wiesbaden und Kassel gab es bis zum Ende des Krieges eine gemeinsame Eichdirektion in Kassel. Sie war nach der Ausbombung in Fulda untergebracht und fand dann eine notdürftige Unterkunft in einem Miethaus in Frankfurt. Das schon seit Jahrzehnten bestehende Landeseichungsamt für den Volksstaat Hessen hatte seinen Sitz in Darmstadt. Zwar gab es auch an ihm Kriegsschäden, doch ist das Ge-

bäude in der Holzhofallee neu hergerichtet, ist räumlich nicht beengt, technisch gut eingerichtet und entwicklungsfähig. So mußte es für einen sparsam wirtschaftenden Staat selbstverständlich sein, auf die vorhandenen Grundlagen und den eigenen Besitz zurückzugreifen. (Eine Begründung übrigens, die auch seinerzeit die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen dazu bewog, sich für Darmstadt als Sitz der Kirchenregierung zu entscheiden.)

Eine Ersparnis bedeutet es ferner, daß die Hessische Eichaufsichtsbehörde in der Hauptstadt eines Regierungsbezirkes errichtet wird. Zwar untersteht sie dem Ministerium unmittelbar, doch können gewisse Spezialgebiete der Verwaltung von Fachkräften des Präsidiums mit übernommen werden, so daß sich Neueinstellungen etwa für die Bearbeitung personeller Fragen- usw. erübrigen. Mehr aber noch fällt ins Gewicht, daß die Hochschulstadt Darmstadt auch eine Reihe sonst nicht zu findender Voraussetzungen für die neue Landesbehörde erfüllt.

Die Technische Hochschule mit ihrem Materialprüfungsamt führt schon seit Jahrzehnten die amtliche Prüfung von Werkstoff-Prüfmaschinen äus. Auch diese Maschinen sollen, nach den Absichten des Bundeswirtschaftsministeriums, der Eichpflicht unterliegen. Die Zusammenarbeit von Hochschule und Eichdirektion erspart dem Staate die Anschaffung kostspieliger Einrichtungen. Die Studierenden erhalten durch die Eichdirektion nicht zu unterschätzende Einblicke in die praktische Anwendung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Für das innere Anrecht darauf, daß Darmstadt die Eichaufsichtsbehörde für Hessen erhält, spricht auch der hervorragende Ruf, den das Eichungsamt des hessischen Volksstaates von jeher hatte, sprechen nicht zuletzt auch die Beziehungen der Darmstädter Industrie zum Eichwesen. So ist die Darmstädter Waagenfabrik Schenck und ihr Seniorchef Dr.-Ing. Emil Schenck mit der neueren Geschichte des Eichwesens eng verbunden. Handelt es sich auch nicht um eine Behörde mit einem großen Beamtenapparat, so ist sie doch wichtig und ihre Verlegung nach Darmstadt entspricht einer folgerichtigen Entwicklung. P. D.

In der Stadt notiert

Ein Hausmusikabend der Familie Dr. Hans Knab aus Lübeck findet am Mittwoch, dem 18. Oktober um 20 Uhr, in der Halle des Elisabethenstiftes und am Donnerstag, dem 19. Oktober um 20 Uhr, im Evangelischen Gemeindehaus in Arheilgen statt.

lieber Krebs hält am Donnerstagabend, 19.30 Uhr, in Saal 163 der Technischen Hochschule, Dr. med. Bruno Günther auf Einladung des Biochemischen Vereins und Naturheilvereins einen Vortrag.

Zwei Personenwagen stießen am Dienstag abends an der Ecke Kasino- und Nekkarstraße zusammen, als der eine Wagen unvorsichtigerweise die Verkehrszeichen des Verkehrspolizisten mißachtete. Es entstand leichter Sachschaden an beiden Fahrzeugen.

Ein Exporttaxi stieß gestern abend gegen 22 Uhr in der Eberstädter Villenkolonie gegen einen amerikanischen Pkw., der gerade in eine Toreinfahrt einbiegen wollte. Der Kühler des Taxis wurde eingedrückt.

Ein Verkehrsunfall mit tödlichem Aus¬ gang ereignete sich gestern morgen auf der Kreuzung der Hoffmann- und Heinrichstraße. Ein Motorradfahrer, aus Roßdorf, der die Hoffmannstraße hinauffuhr, stieß mit einem in Richtung Karlstraße fahrenden Pkw. zusammen. Er wurde dabei so schwer verletzt, daß er nach seiner Einlieferung in das Elisabethen-Stift gegen Abend verstarb.

„Wir waren auch im Bundeshaus“

Exkursion der Obersekundaner des Ludwig-Georgs-Gymnasiums

Die Obersekunda des - Georg-Gymnasiums verdankt eine fünftägige Lehrfahrt nach Köln und Bonn der Vermittlung ihres Lehrers für Deutsch und Staatsbürgerkunde. Herrn Dr. Reeg. Alles, was wir sahen, trug dazu bei, den Lehrstoff in Kunstgeschichte und politischem Unterricht anschaulich zu machen. Nach einer schönen Dampferfahrt sahen wir uns die karolingische Basilika St. Castor in Koblenz an und fuhren dann mit der Bahn weiter nach Köln.

Am nächsten Tag trafen wir uns mit den Obersekunden des Kölner Dreikönigsgymnasiums und machten unter sachkundiger Führung der Kölner Lehrkräfte einen Rundgang, durch die Stadt mit ihren Baudenkmälern: besonders eingehend besichtigten wir St. Gereon und den Dom. Einen fröhlichen Abend hatten die Kölner Klassen vorbereitet, an dem Kölner und Darmstädter Humor bald für gute Stimmung sorgten. Nach drei Stunden vergnügten Zusammenseins trennten wir uns als gute Freunde. Gemeinsam mit den Kölnern wanderten wir am folgenden Tag durch das Kölner Braunkohlengebiet. In der Brikettfabrik gab es viel Interessantes zu sehen, aber auch viel Staub zu schlucken. Darauf wurde uns das herrliche Barockschloß Brühl unter ausgezeichneter Führung gezeigt. Wir haben allen Grund, den Kölnern für ihre Gastfreundschaft und Bereitschaft dankbar zu sein.

Von Köln ging es nach Bonn mit seinen Sehenswürdigkeiten: Münster. Rathaus und Beethovenhaus. Nachmittags besuchten wir Bad Godesberg und Umgebung, und am letzten Tag unserer Fahrt waren wir Gäste im Bundeshaus in Bonn. Wir hatten Gelegenheit, einer Plenarsitzung als Zuhörer beizuwohnen und einen Einblick in den Betrieb eines Parlaments zu gewinnen durch eine Aussprache mit hessischen Abgeordneten. Ein guter Kaffee im Restaurant dos Bundeshauses, gestiftet von einem Darmstädter Abgeordneten. war ein willkommener Abschluß unseres Bonner Aufenthaltes. -os-

WIE-WIRD-DAS- WETTER

Milde

Vorhersage: Am Mittwoch veränderliche Bewölkung, größtenteils trocken. Keine wesentliche Temperaturänderung. Südwestliche Winde. Weitere Aussichten: Milde, leicht unbeständig.



Wohin gehen wir heǔte?

Landestheater Orangerie, 20 Uhr: Maß für Maß, Schauspiel von Shakspeare. Ende gegen 22.30 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Maskerade“. Thalia: „Traumulus“. Belida: „Der dritte Mann“. Palast: „Es geht um 50 000 Dollar“. Hansa: „Der Pfarrer von Kirchfeld“. Amerika-Haus: 19.30 Uhr: Schülerkonzert der Klavierschule Bittermann. Hygiene-Lichthof: Neckarstraße 3, 15 bis 20 Uhr: Ausstellung „Gesundes Leben“. Landesmuseum: 10 bis 16 Uhr: Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann. Technische Hochschule, Raum 167, 19.30 Uhr: „Abenteuer des Gewissens“ von Hans Joachim Bohnsack. „Auswanderungs- und Exportland Südamerika“ mit Film. Amerika-Haus: 20 Uhr, 1. Stock, Diskussionszimmer: Bund Deutscher Akademikerinnen, Frl. Dr. Vaubel „Hirnelektrische Untersuchungsergebnisse“.

STARKENBURG

Ein schlauer Trick?

Haushaltspläne haben für gewöhnlich eine besondere Aufgabe. Ebenso wie die einzelnen Waldwirtschaftspläne, über die man in diesen Wochen genügend erfährt. Wäre dem nächt so, könnte man auf beide verzichten. Und sei damit der Unannehmlichkeit enthoben, einen eventuellen Defizit öffentlich beklagen zu müssen.

Unter dem Mantel der Verschwiegenheit geschähe dann so manches, was nicht jeder zu wissen braucht. Vorteil für die Verantwortlichen in Staat, Kreis und Gemeinde: Man kann tun und lassen, was man will, ohne dafür gelegentlich Rechenschaft ab; legen zu müssen. Geht dann alles glait — ja so glänzt man im zufällig erworbenen Ruhm. Man „hatte es ganz genau so erwartet“. Geht es schief — dann waren es die „unvorhergesehenen Umstände“, für die man nicht so ohne weiteres verantwortlich gemacht werden kann.

Das „Nicht-anders-zu-erwarten“ glaubt man allem Anschein nach auch in jener Kreisverwaltung guten Muts erreichen zu können, die, in der Südostecke unserer guten alten Provinz Starkenburg gelegen, bis zum heutigen Tage noch nicht daran dachte, d a s zu ton, was ihre Pflicht wäre. Schon seit 6 Monaten übrigens. Weil es allgemein üblich ist, daß 6 Wochen nach Beginn des Rechnungsjahres am 1. April also am 15. Mai die Vorlage des nun einmal unumgänglichen Haushaltsplanes zu geschehen hat. Inzwischen schreibt man Oktober. Eine große Spanne, die sich allerdings zur Schlinge auswirkt. Aus der man sich zu retten gedenkt, indem man sich damit entschuldigt, sich „einen Nachtragshaushalt ersparen“ zu wollen.

Für den Laien beinahe verständlich. Für die, die es mitbetrifft — nämlich die Gemeinden — beinahe peinlich. Da sie hinsichtlich der Höhe der Kreisumlage, sich auf die Veranschlagung des Vorjahres stützend, alles im Lot glauben. Und sehr erstaunt sein werden, wenn sie sich ändern sollte. Was schließlich gar nicht von der Hand zu weisen ist. Es könnte nämlich der Fall eintreten, daß sie höher liegt als bisher. Daß also damit die eigenen Pläne ins Wackeln geraten und man sich nur insofern retten kann, indem man eigene Nachtragspläne verabschiedet.

Es bedeutet aber auch gleichzeitig, daß die Kreisverwaltung, heute nach 6 Monaten, in aller Ruhe ein voraussichtliches oder inzwischen schon eingetretenes Defizit des eigenen Haushalts auf dem Wege der Kreisumlage auf die Gemeinden abwälzen kann. Die dann ihrerseits zusehen können, wie sie sich aus dem Schlamassel ziehen.

Götz von Gumpen.



Fortschreitende Lantätigkeit in Groß-Gerau

Bericht Dr. Lüdeckes über den Stand der Arbeiten 17 200 D-Mark für wirtschaftlichere Ausgestaltung des Krankenhauses

Am Montagabend fand im Groß-Gerauer Rathaussaal eine öffentliche Gemeindevertretersitzung statt, die von der Bevölkerung gut besucht war. Das größte Interesse galt wohl dem von dem Bürgermeister angekündigten Bericht über die Bautätigkeit in Groß-Gerau.

In der Weingartenstraße wurden, wie Bürgermeister Dr. Lüdecke sagte, in diesern Jahre 36 neue Wohnungen bezogen, die von der Baugenossenschaft Ried und der Baugenossenschaft Groß-Gerau fertiggestellt worden waren. Weiterhin befinden sich gegenwärtig 70 Wohnungen innerhalb Groß-Geraus im Bau; hiervon werden 29 von der Baugenossenschaft Ried, 14 von der Baugenossenschaft Groß-Gerau und 43 von Privatleuten erstellt. Außerdem sind seitens des Finanzamtes. Staatsbauamtes und der Landwirtschaftsschule größere Bauvorhaben im Gange. Auch für das Arbeitsamt ist ein Neubau geplant.

Im Frühjahr 1951 soll in der Klein-Gerauer Straße mit der Errichtung von acht Wohnblocks mit insgesamt 48 Wohnungen begonnen werden; jede dieser Wohnungen soll drei Zimmer. Küche, Bad und Keller umfassen. Die Erschließungskosten (Gas. Wasser usw.) würden sich etwa auf 500 000 DM belaufen. Im übrigen würden diese Wohnungen Eigentum der Baugenossenschaft Ried bleiben, von der sie an Genossenschaftsmitglieder vermietet werden. In einem zweiten Bauabschnitt ist die Fertigstellung von Reihenhäusern mit insgesamt 24 Wohnungen vorgesehen. Die Gemeindevertretung hatte bereits beschlossen, eine Bürgschaft von über 300 000 DM für diese Bauvorhaben zu übernehmen. Man entschloß sich, nach der öffentlichen Sitzung sofort mit der Baugenossenschaft Ried die weiteren Schritte zur Verwirklichung dieses Bauprogrammes zu beraten.

Da die Zuschüsse für das Groß-Gerauer Krankenhaus einer genaueren Ueberprüfung zufolge weit über den sonst üblichen Rahmen hinausgehen, bewilligten die Gemeindevertreter 17 200 DM für eine wirtschaftlichere Ausgestaltung des Krankenhauses. Hiervon sollen unter anderem der I-Bau als Schwesternhaus umgebaut und ein Zielgerät für Magendurchleuchtungen angeschafft werden, auch der Eingang wird eine Umgestaltung erfahren.

Der Anschaffung eines Kippers zu 16 000 DM für die Städtischen Betriebe widersetzte sich die CDU-Fraktion mit der Begründung, daß dies unrentabel sei; man solle für dieses Geld erst einmal die schlechten Toilettenverhältmfcse in den Schulen beseitigen. Die Fraktionen der SPD und KPD hielten die Anschaffung eines Kippers für notwendig. Die Abstimmung wurde zurückgestellt, um die Rentabilität nochmals ; genauestens zu überprüfen.

Die Bau- und Finanzkommission wird sich demnächst mit organisatorischen Einzelheiten bezüglich der Müllabfuhr beschäftigen. In dem Waldwirtschaftsplan für 1951 belaufen sich die Einnahmen auf 26 600 DM. die Ausgaben betragen voraussichtlich 18 400 DM.

Dem von dem Ortslandwirt vorgetragenen Wunsch, der Groß-Gerauer Bauern, die Schafweide nur noch vom 1. Dezember bis ersten März zu verpachten. schloß sich die Gemeindevertretung an. •

Neustadt weiß sich zu helfen

Durch die Ueberhiebe im Neustädter Gemeindewald und den Raubbau der letzten 10 Jahre sind große Kahlflächen entstanden. Der von der Forstbehörde aufgestellte Waldwirtschaftsplan sieht auch neben einschneidenden Maßnahmen in der Holzfällung die Wiederaufforstung vor. Allerdings stehen der Gemeinde hierfür keinerlei Mittel zur Verfügung. In einer Bürgerversammlung wurde deshalb einstimmig der Vorschlag, die Aufforstung in freiwilliger Gemeinschaftsarbeit aller Bürger durchzuführen, angenommen. Danach soll sich jeder Bürger 3 Halbtage für die Waldarbeiten zur Verfügung stellen. -hm-

Der nene Wein rauscht in den Fässern

Der 1950 er „Umstädter“ wird richtig / Aber auch der „Reinheimer Goldbuckel“ braucht sich nicht zu schämen

Die Weinlese in Groß-Umstadt und Reinheim geht ihrem Ende entgegen. Sie begann wegen der durch den Regen verursachten Fäulnisgefahr 14 Tage früher wie in anderen Jahren und brachte in den einzelnen Lagen durchschnittliche Erträge.

Während noch die Nebelschwaden über Groß-Umstadt liegen, fährt das muntere Volk der Weinbauern und Weinleserinnen hinaus in die Wingerte am „Steingerück“, dem „Herrenberg“ und wie alle die Gemarkungsteile heißen mögen, die dem „Umstädter“ ihren Namen gegeben haben. Und wenn hinter dem Inselsberg die Sonne glutrot aus dem Nebel steigt und ihre Strahlen die Hänge im Raibacher Tal vergolden, ernten die das ganze Jahr hart arbeitenden Menschen die Früchte ihrer Arbeit. —

Es hatte in diesem Sommer viel und im Herbst noch mehr geregnet. Man rechnete deshalb in Groß-Umstadt kaum mit einem qualitativ hochstehenden Wein. Um so erstaunter waren die Weinbauern und mit ihnen die Fachleute, als der Most trotz der fehlenden Sonne über einen relativ hohen Zuckergehalt verfügte, der nach einwandfreien Feststellungen und reelen Proben bei durchschnittlich 80 Grad Oechsle lag. Es gab allerdings bei voll ausgereiften Beeren, die von Weinbergen mit geringem Ertrag kamen, auch Mostgewichte von 93 Grad Oechsle. Höhere Mostgewichte — stellenweise wurden 110 Grad Oechsle gemeldet — werden von Fachleuten angezweifelt.

Besonders günstig ist in diesem Jahr der anteilmäßige Säuregehalt, der für die Haltbarkeit des Weines besonders wichtig ist. Gerade der „Umstädter“, der in der Regel kein hohes Alter erreicht, hat diese Säure.

Alles in allem: Der 1950 er Groß-Umstädter ist trotz mancherlei Schwierigkeiten wieder einmal gut geraten. Er wird dem der Jahrgänge 1947 und 1948 kaum nachstehen. In den vielen kleinen und großen Gasthäusern werden, derweil es in den Fässern rauscht und brodelt, tiefgründige Gespräche über den neuen Wein geführt. Von Mostgewichten hört man sprechen, von Säure, Hefe, Edelfäule, ob er eine gute Blume haben und jenen erdigen Geschmack, der das Charakteristikum des edlen Tropfens von der Weininsel im Odenwald ausmacht.

Aber auch die Reinheimer Winzer kleiner Lagen von Oppenheim und die diessehr gute Ernte aus den Wingerten auf der „Windlück“ ein. In den letzten Tagen vor der Hauptlese, die sich durch freundliches und sonniges Wetter auszeichnete, war täglich eine Steigerung des Mostgewichtes festzustellen, das 75 Grad Oechsle beträgt. Diese entsprechen denen, kleiner Lagen von Oppenheim und die jährigeßheinheimer Ernte kann als eine der besten seit Jahrzehnten angesprochen werden. Mit Recht darf man da auf einen guten „1950 er Reinheimer Goldbuckel“ hoffen, denn der Wein soll seinen althergebrachten Namen „Windlücker“ gegen den besser klingenden „Goldbuckel“ tauschen. Das Reinheimer Weinbaugelände umfaßt zur Zeit nur etwa 12 Morgen, wird aber durch Junganpflanzungen ständig erweitert. Man hofft hier durch AnbäU. geeigneter Arten bei der guten Süd-Südostlage des Hanges an der Windlück auf weitere Steigerung von Qualität und Quantität, zumal der steinige Boden die Wärme gut speichert. Zur Zeit werden Oesterreicher, Müller-Thurgau, Sylvaner und verschiedene Rieslingsorten angebaut. eha/eb.


Schmunzelnd denkt der alte Genießer beim 1949 er an den 1950 er, der in den Fässern rauscht. Fotos (2): Kenner
Schmunzelnd denkt der alte Genießer beim 1949 er an den 1950 er, der in den Fässern rauscht. Fotos (2): Kenner

Frohe Gesichter trotz der schweren Arbeit bei der Weinlese im Odenwald
Frohe Gesichter trotz der schweren Arbeit bei der Weinlese im Odenwald

Aktuelles zwischen gestern und heute

Zum Rückzug gezwungen

Ein Beamter des Kreiswohnungsamtes Groß-Gerau wollte gestern 2 Familien aus Bauschheim mit Polizeigewalt aus Wohnungen ausquartieren, die sie sich ohne behördliche Zuweisung auf eigne Hand in Anspruch genommen hatten. Er sah sich einer drohenden Menschenmenge gegenüber und konnte die 2 vom Bürgermeister bestimmten Gemeindearbeiter von Bauschheim für die Ausräumung der Wohnung nicht gewinnen. Er begab sich zu seinem Kraftwagen auf dem Schulhof, der inzwischen von Angehörigen der Bauschheimer Bevölkerung stark beschädigt worden war. kr

Strafgefangener entwichen

Wieder aus der Haftanstalt Dieburg

Am Dienstagmorgen entwich, gegen 6.30 Uhr, aus der Strafanstalt Dieburg der 26 Jahre alte Rudolf Feldmann aus Hainichen (Kreis Döblin), der zuletzt in Frankfurt, Hafenstraße 23, wohnte und wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt war.

Feldmann ist 1,60 Meter groß, hat blonde Haare, die er zurückgekämmt trägt und blaue Augen. Er trug bei seiner Flucht braunen Rock, blaue Hose, schwarze Gamaschen (Schnürschuhe), gelbbraunes Trikothemd und darunter ein weißes Trikothemd ohne Kragen. Die Kleidungsstücke sind GRD gezeichnet. Feldmann ist außerdem an gespaltener Unterlippe und einer zwei Zentimeter langer Narbe in der linken Achselhöhle erkennbar. Das Gendarmerie-Kreiskommissariat Dieburg bittet gegebenenfalls um Mitteilung an die nächste Polizeistation. RG

Schadenfeuer in Dieburg

Gegenüber dem Dieburger Bahnhof brach gestern nachmittag in einem als Wohnhaus benutzten größeren Holzschuppen ein Schadenfeuer aus. Durch glühende Asche, die auf den Komposthaufen geschüttet worden war und dort lagernde Holzwolle entzündet hatte, fing ein neben der Abfallstelle liegender Holzstapel Feuer. Erst als der Brand auf die Dachsparren des Schuppens Übergriff, wurde er von Passanten bemerkt. Die am Bahnhof Dieburg beschäftigten Eisenbahner nahmen mit einer Schlauchleitung die Löscharbeiten auf. Beim Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehr war der Brand bereits gelöscht. An dem Hauptgebäude war kein größerer Schaden entstanden. Lediglich etwa zwei Festmeter Holz fielen den Flammen völlig zum Opfer.

Schuß auf Personenzug

Nach bisher polizeilich unbestätigten Meldungen soll gestern mittag auf einen Personenzug der Strecke Frankfurt— Darmstadt ein Schuß abgegeben worden sein. Wie ein Augenzeuge aus Darmstadt berichtete, habe eine Kugel plötzlich kurz vor der Mainbrücke ein Abteil des Zuges durchschlagen, der gerade den Frankfurter Hauptbahnhof verlassen hatte. Verletzt wurde nach diesem Bericht niemand.

Im (Märchen)-Schloß-Café

AUS DEM REISETAGEBUCH VON PETER PITT

Wir waren den ganzen Tag unterwegs. Die gelben Blätter der Bäume fielen auf die Windschutzscheibe unseres Wagens, der Himmel war grau in grau — es nieselte.

Als die Dunkelheit kam, der Regen stärker und die Geräusche des Tages schwächer wurden, tauchten aus dem Dunst und der Dämmerung die ersten Häuser von Erbach auf. Irgendwann hatte einmal jemand von Erbach erzählt, vom Wiesenmarkt, vom Grafen und vom Schloß. Wir fragten nach Wiesenmarkt, Graf und Schloß und — hatten Pech.

„Der Wiesenmarkt ist vorbei, der Graf verreist und ins Schloß können Sie jetzt nicht mehr hinein! Versuchen Sie es doch einmal im Schloß-Cafe!“

Wir versuchten es. Erwarteten Geweihe, Ritterrüstungen, Kaffee-Dunst mit Mottenkugeln.

Wir irrten gründlich.

Denn dort, wo früher einmal die Orangenbäume der Grafen Erbach-Erbach blühten, wo in den Hungerjahren nach dem Kriege ein geschäftstüchtiger Verwalter Sellerie und Radieschen verkaufte, standen auf glänzendem Parkett formschöne Möbel, gingen auf roten Läufern unter vielarmigen Leuchtern an Decken und Wänden gut gekleidete Menschen. An der Bar tranken Männer Männerschnaps und kleine Mädchen ihren ersten Flip. Junge und „andere“ Paare jitterbugten auf der Tanzfläche, während wieder andere Wein aus geschliffenen Gläsern und Kaffee aus schönem Porzellan tranken.

Eine wunderbare Atmosphäre — Erinnerung an eine Zeit, die schon lange versunken und nur sporadisch, wie hier in dieser kleinen Odenwaldstadt wieder auferstanden ist —.

Wir saßen dann und tranken auch einen guten Jahrgang aus geschliffenen Gläsern. Sprachen mit Kammerdirektor Heinrich, der für den Grafen den Betrieb leitet, ließen uns von der Terrasse erzählen, die nach dem Garten hinausgeht und auf der es sich im Sommer so gut sitzen ließe. Traumhaft schön soll es aussehen, wenn am Abend auf der spiegelglatten Tanzfläche die Paare tanzen und der ganze Garten mit dem Springbrunnen im magischen Licht der Scheinwerfer erstrahlt. (Im Vertrauen: der Garten ist auch ohne Licht, Tanzfläche und Menschen hübsch!)

Dazwischen immer wieder die Kapelle. Man kann sie nicht überhören (dabei ist sie gar nicht laut) und man kann sie auch nicht übersehen (und sie ist doch gar nicht groß). Sie ist eben gut, sie ist phantastisch, sie ist.., man findet schlecht einen Superlativ für diese vier Jungens, denen die Musik nicht nur Broterwerb scheint.

Oder sah man schon einmal einen „Schlagbaß“ wie Seppi Fuchs, der so verrückte Töne in seiner Kehle hat und so gut auf seinem Instrument reiten kann, wie er — der unter „Jippi jeia“ noch zwei Kollegen mitreiten läßt; und das mitten im Lokal? Oder das „Akkordeon“ (Josef Wöhrmann)? Wir haben immer geglaubt, er hätte eine Hand mehr! Singen muß natürlich auch sein. Toni Weber macht das — zur Gitarre — so nett, viel netter wie Rudi Schuricke, und dabei ist seine Stimme nicht einmal schlechter. Bliebe noch die „Geige“, sie heißt Charly Strubel. Er ist der Chef, und ihm müßte man ein besonderes Loblied singen. Er konferiert zwar nicht gut, aber er spielt brillant Schmachtend schweben die weichen Töne seiner Geige im Raum, wenn er einen langsamen Walzer spielt, feurig klingen die ungarischen Weisen, mit denen er sich an irgendeinem Tisch in das Herz einer schönen und eleganten Frau hineingeigt, und frech und keck sind all die Scherze, die er sich mit seinen Musikerfreunden — oft mitten zwischen den Tischen stehend — leistet.

Und was waren das alles für herrliche Scherze: Das Lied vom Harem oder der Olga auf der Wolga, die Cowboylieder, die Ballade vom Grafen und tausend andere. Wir haben gelacht und geklatscht, und geklatscht und gelacht, waren begeistert und wollten immer mehr hören.

Und nur einer war im Lokal, der strahlte nicht: Ein Ehemann, der nicht tanzen konnte und dessen Frau mit einem „Bäuerlein“ wenigstens ein Zipfelchen von dem großen Tuch der Freude erhaschen wollte, das ein geschickter Gastgeber über seine vielen Gäste ausgebreitet hatte.


Die vier Strubels, die allabendlich im Erbacher Schloßcafe die Gäste begeistern DT-Foto: Schröder
Die vier Strubels, die allabendlich im Erbacher Schloßcafe die Gäste begeistern DT-Foto: Schröder

Was aǔch interessiert:

Das kürzlich gegründete Reichelsheimer Forum lädt heute zu seinem ersten Ausspracheabend in den Gasthof „Zum Schwanen“ ein. Es sprechen Oberinspektor Degner von der SEG, Darmstadt, und Postinspektor Keller, Lindenfels, über „Post- und Verkehrsverhältnisse in Reichelsheim“. tm

Bekannte Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens werden bei der vom 22. bis 29. Oktober von der evangelischen Kirchengemeinde in Lampertheim veranstalteten „Kirchlichen Woche“ in Abendvorträgen sprachen. se.

Der Präsident der Amerikahilfe in Deutschland Mr. Hofman verlies am Montag Wolfskehlen, um nach Amerika zurückzukehren. Während seines Aufenthaltes in Deutschland hatte er mehrere Flüchtlingslager besucht, um mit den Insassen über Einwanderungsmöglichkeiten zu sprechen. . od.

Eine Kriegsgräberfahrt nach Lommel (Belgien) findet am 12. November dieses Jahres statt. Auf dem dortigen Soldatenfriedhof fanden 40 000 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhe. Näheres über Anmeldetermin und Teilnahmebedingungen ist bei der Geschäftsstelle des Volksbundes „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ in Bensheim, Darmstädter Straße 51, zu erfahren. el.

Für die Anschaffung einer Orgel soll der Gewinn einer Veranstaltung verwandt werden, welche die evangelische Kirchengemeinde in Gernsheim am kommenden Wochenende durchführt. Scheuspieler des hessischen Landestheaters, die Kelsterbacher Laienspielschar, der Kirchenchor der Gemeinde und ein Streichquartett sorgen für künstlerische Ausgestaltung des Familienabends.

Tragischer Tod eines Motorsportlers

sionen nm ?eit gehen die Diskuslicher Ver^T^0^17 Unwert motorsporthin und her. Die unverhaltnismäßig große Zahl der Opfer RechSSC^er^ läßt sicherlich zu d?ni aufkommen, ob man auf den ^rf 7eransta1tungen das Wort revnrhnn^’ dle neben einem zweifelsohne liehen w^n/P2rtlichGn und wirtschaftständi« ep dock auch nachweisbar eine ftandlge starke Gefährdung der Teilnehmer und der Zuschauer mit sich bringen.

kJ??e Bensheimer Ortsguppe des ADAC 2 u-SAGh ganz bewußt mit dieser Frage beschäftigt, als sie die Fahrt „Rund um Kirchberg ausschrieb. Es sollte eine reine Zuverlässigkeitsfahrt werden, bei er die Einhaltung von gewissen Geschwindigkeiten aber doch zwangsläufig notwendig ist. Beim Start noch hatte Herr W. Angelberger den Teilnehmern die bereits schriftlich bekanntgemachte Auflage mittels Lautsprecher wiederholt, daß die polizeilichen Verkehrsvorschriften unbedingt einzuhalten seien. Wie allgemein bekannt, verblutete kurze Zeit darauf ein Motorradfahrer, der die Stoppschilder am Ritterplatz ungeachtet passiert und einen vorfahrtsberechtigten Personenwagen gerammt hatte.

Am vergangenen Freitag verstarb nun ein weiterer Teilnehmer im Lindenfelser Luisenkrankenhaus. Siegfried Lorentz, ein 20jähriger Küfer aus Edingen, hatte sich schwere Sturzverletzungen zugezogen; ein komplizierter Oberschenkelbruch und ein Bruch der Kniescheibe bedingten ein in so schweren Fällen hartes Krankenlager im Streckverband. Vermutlich als Folge der geschwächten Körperfunktion trat vor wenigen Tagen eine Dünndarmverschlingung auf, die trotz sofortiger Operation den Tod herbeiführte. Nach Ansicht des behandelnden Arztes liegt ein zumindest mittelbarer Zusammenhang zwischen der Todesursache und dem schweren vorangegangenen Unfall vor.

Auch dieser Todesfall wirft einen tragischen Schatten auf eine Veranstaltung, deren Organisatoren alle Gefahren ernsthaft zu bannen keine Mühe gescheut hatten. s-s

Ehrung alter Handwerksmeister

des Kreises Dieburg

„Vor einem grauen Haupte sollst Du aufstehen und das Alter ehren.“ Mit diesen einleitenden Worten überbrachte der Vertreter der Handwerkskammer den Altveteranen der Schreiner-Innung des Kreises Dieburg die aufrichtigen Grüße und Wünsche des Präsidenten, Herrn Baumeister Gisbert, der gleichzeitig seine hohe Anerkennung und Würdigung zum Ausdruck bringen ließ. Anschließend erörterte der Redner das Problem der Altersversorgung und' kritisierte mit scharfen Worten das Überhandnehmen der Schwarzarbeit als unschöne Begleiterscheinung der entgegen dem deutschen Willen angeordneten Gewerbefreiheit.

Der Wirrwarr der Steuergesetze und die Höhe der Steuersätze, die dem Handwerksmeister eine Betriebsverbesserung durch eigene Kraft versagen, fanden ebenfalls die Mißbilligung des Referenten, nachdem auch Fragen der Berufserziehung und sonstige allgemein interessierenden Punkte diskutiert wurden.

Mißglückter Schwindel

Weil er eine falsche eidesstattliche Erklärung abgegeben hatte, verurteilte gestern das Bezirksschöffengericht Darmstadt eineri 43 jährigen Mann aus Wolfskehlen zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten. Der Angeklagte hatte im Jahre 1938 wegen Körperverletzung vom Amtsgericht Groß-Gerau drei Monate Gefängnis erhalten.

Im vergangenen Jahr beantragte er eine Haftentschädigung. Es habe sich damals in diesem Prozeß, so erklärte er, um eine „politische Angelegenheit“, eine Schlägerei mit einem SA-Mann, gehandelt. Auf Grund der Beweisaufnahme hielt es gestern das Gericht jedoch für erwiesen, daß diese Angabe nicht den Tatsachen entspricht und daß es sich lediglich um einen Familienstreit mit „handgreiflichem Ausgang“ handelte. wst.

Richtfest am kath. Pfarrhaus

in Habitzheim

Durch den Zuzug einer großen Anzahl Heimatvertriebener wuchs die kath. Gemeinde Habitzheim erheblich an. Bischof Dr. Stohr ernannte sie zur Lokalkaplanei und übergab die Seelsorge dem ebenfalls heimatvertriebenen Pfarrer Pö p - perL Ungeeignete Wohnverhältnisse, das Fehlen geeigneter Räumlichkeiten für die Jugendbetreuung und außerkirchliche Zusammenkünfte der kath. Gemeinde ließen innerhalb des Kirchenvorstandes und einiger Gemeindemitglieder den Gedanken reifen, ein Pfarrhaus zu bauen. Im August konnte dank der Opferwilligkeit und der Arbeitsfreude der gesamten kath. Bevölkerung ein Neubau erstellt werden. Unermüdlich arbeiteten fleißige Hände in Selbsthilfe bis in die Nacht hinein, um das begonnene Werk zur Vollendung zu bringen. So entstand in wenigen Wochen im Garten neben der kath. Kirche der Rohbau des Pfarrhauses. Am Samstag konnte die Richtkrone mit bunten Bändern auf den Dachgiebel gesetzt werden. Pfarrer Pöpperl dankte allen, welche durch ihren unermüdlichen Einsatz und Fleiß dieses Haus erstehen ließen. Jg.

Unbeleuchtetes Fuhrwerk im Nebel

Auf der Straße von Babenhausen nach Schlierbach kam es etwa 600 Meter vor Schaafheim zu einem Verkehrsunfall. Ein Metzgermeister aus Schlierbach fuhr mit seinem Seitenwagen-Motorrad auf ein unbeleuchtetes Pferdefuhrwerk, das er infolge starken Nebels zu spät erkannte. RG

Richtung nicht angezeigt

Der Landwirt Steihmetz, Leeheim, wurde auf der Straße nach Gernsheim von einem Pkw. erfaßt, als er auf seinem Rade seitwärts abbiegen wollte, ohne ein Zeichen zu geben. Er flog durch die Windschutzscheibe und erlitt erhebliche Schnittwunden am Kopf.

Weil er ein Ausweichen auf die linke Straßenseite nicht angezeigt hatte, wurde ein Lkw. zum Urheber eines Verkehrsunfalls in der Gemarkung Büttelborn auf der Bundesstraße 26. Ein nachfolgender Pkw., der den Lkw. überholen wollte, wurde auf diese Weise von der Straße auf den Kiesstreifen abgedrängt und kam erst, nachdem er einen Telegrafenmast angerannt hatte, zum Halten. Der Anprall war so stark, daß die beiden Insassen Willi Schwarz und Edmund Schlosser, beide aus Darmstadt, verletzt wurden. eng

Mit ungedeckten Schecks gezahlt

Ein Mechanikermeister aus Heubach, der mit einem Darmstädter Kaufmann ins Geschäft gekommen war, ließ sich von diesem in Form von ungedeckten Schecks um nahezu 450 DM prellen. Der Betrogene erstattete gegen seinen „Partner“ Anzeige. RG

Ertappter Hühnerdieb

Ein landwirtschaftlicher Arbeiter aus Spachbrücken nahm, nachdem er seine Stellung in Brensbach aufgegeben hatte, bei seiner Bäuerin ein Huhn mit. Reste des Huhnes, das noch am gleichen Tage in den Suppentopf wanderte, fand die Polizei in seiner Wohnung. RG

Fleißige Hände Iindern die Not

Der Frauenverband Seeheim befaßt sich zur Zeit mit der Herstellung von Wäsche und Kleidung, um Bedürftigen bereits bei Eintritt des Winters helfen zu können. Unter Vorsitz von Frau Merkel wurde in der letzten Monatsversammlung scharf Stellung genommen gegen die Jugendlichen schadende Literatur sowie gegen die ungünstige Auswahl der Filme im örtlichen Kino. Als Mangel wurde das Fehlen eines Kinderhortes für schulpflichtige Kinder, deren Mütter berufstätig sind, empfunden. Der Verband wird sich bemühen, Abhilfe zugunsten der Kinder und zur Entlastung der Mütter zu schaffen. Er hofft auf Verständnis seitens der Behörde. erh

Volksbildung auch in Wolfskehlen

Im Rahmen der Erwachsenenbildung im Kreis Groß-Gerau sprach am Montagabend im Rathaussaal zu Wolfskehlen Dr. Kohls (Darmstadt) über das Thema „Der Mensch und die Jetztzeit“. In «ehr sachlicher Weise versuchte der Redner den Anwesenden klarzumachen, daß die Volksbildungsabende der Allgemeinbildung und gegenseitigen Aussprache des Menschen dienen sollen. Am Schlüsse seiner Ausführungen wünschte er, daß mit dieser Zusammenkunft wohl der Grundstein für die Volksbildungsarbeit in Wolfskehlen gelegt wurde. Unter den Anwesenden befanden sich Vertreter des Resident-Office Groß-Gerau, die für alle zukünftigen Veranstaltungen und Zusammenkünfte ihre Unterstützung zusagten. Am gleichen Abend wurde noch ein Arbeitskreis, bestehend aus einer Damen und vier Herren, gegründet, der in Verbindung mit den Vertretern der Vereine die Arbeit im Volksbildungswerk aufnehmen soll. -od-

Der Tod folgte

Der 79jährige Landwirt Heinrich Walther 111. aus Groß-Gerau, Mainzer Straße 36, starb im Stadtkrankenhaus an den Folgen des schweren Verkehrsunfalls am Ausgang Groß-Geraus, der Anfang Oktober fünf zum Teil Schwerverletzte gefordert hatte. eng

Unsere Geburtstagskinder

87. Geburtstag: Peter Stanarius, Nauheim, Vorderstraße 13, Frau Margarethe Wedel, Biebesheim, Neugasse 28.

85. Geburtstag: Philipp Trautmann, Ginsheim, Ringstraße 15.

84. Geburtstag: Philipp Bender, Astheim, Waldstraße 24, Adam Trabold 1., Groß-Gerau, Rheinstraße 28.

79. Geburtstag: Frau Anna Menger, Leeheim, Erfelder Straße 21, Daniel Winson 111., Walldorf, Friedhofstraße 15.

78. Geburtstag: Frau Margarethe Hauf Wwe., Berkach, Büttelborner Weg 2.

77. Geburtstag: Frau Christina Rühl, Bischofsheim, Darmstädter Straße 26.

76. Geburtstag: Jakob Avemarie, Wolfskehlen, Ernst-Ludwig-Straße 28.

75. Geburtstag: Frau Regina Wagenhäuser, Ginsheim, Frankfurter Straße 5, Frau Wilhelmine Seybold, Zwingenberg, Alsbacher Straße 63.

73. Geburtstag: Heinrich K. W. Schneider, (Raunheim, Heinrichstraße 10.

71. Geburtstag: Elisabeth Numrich, Goddelau, Friedrichstraße 9. Marie Geyer, Nauheim, W.-Liebknecht-Straße 2.

70. Geburtstag: Margarethe Ehrenfels, Erfelden, Wilhelm-Leuschner-Straße 37.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Obcr-Ramstadt. Die für vergangenen Samstag vorgesehene Großkundgebung der Heimatvertriebenen mußte erneut verschoben werden, weil der Referent, Wenzel J a k s c h . zu einer dienstlichen Besprechung beordert wurde. -D-

Pfungstadt. Ein praktischer Säuglingskursus beginnt am Donnerstagabend in der Handwerkerschule. Der Kurs wird von einer Säuglingsschwester des Roten Kreuzes geleitet. ler

DIEBURG

Dieburg. Die Deutsche Junggeflügel-Ausstellung 1950, die am kommenden Samstag und Sonntag in Hannover stattfindet, wird auch von Züchtern aus dem Kreisgebiet beschickt und besucht werden. eb

Groß-Umstadt. Die Ortsgruppe des Odenwaldklubs unternahm am Sonntag ihre 11. Wanderung, die über Erbach, Erlenbach, Gebhardshütte, Krähberg nach Beerfelden führte. prs.

Groß-Bieberau. In der Kurve am Ortseusgang nach Brensbach schnitt ein Pkw.-Fahrer die Fahrbahn eines von ihm überholten Lieferwagens so knapp, daß er an dessen Stoßstange hängen blieb und ihn auf den erhöhten Bahnkörper drückte. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. RG

ERBACH

Sandbach. Der ursprünglich für die Feuerwehr vorgesehene Schulungsraum im neuen Rathaus soll laut Gemeinderatsbeschluß der Volks- und Berufsschule als Klassenzimmer solange dienen, bis die Gemeinde ein neues Schulhaus erstellt hat. hm

Ober-Ostern. — Vorbereitungen für Dorfjugendabende sind auch in der hiesigen Gemeinde in vollem Gange. — Wegen Gründung einer selbständigen Ortsgruppe haben sich die Körperbeschädigten mit dem Bezirksverband in Verbindung gesetzt. ptoo

Reichelsheim. Die Nachfrage beim letzten Ferkelmarkt war rege und der Absatz gut. Der nächste Markt findet am 30. dieses Monats statt. tm

BERGSTRASSE

Lampertheim. — Die Ortsgruppe des Vereins für deutsche Schäferhunde brachte am Sonntag etwa 15 Junghunde im Alter von 6 bis 12 Monaten zu einer von Dr. Krämer durchgeführten Jugendbeurteilung, welche allgemein befriedigende Ergebnisse zeitigte. bb.

Bürstadt. — Die katholische Pfarrei weist auf eine vom 18. Oktober bis 5. November dauernda Volksmission hin, die von auswärtigen Patres abgehalten wird. Aus diesem Anlaß sollen zwei Tanzsäle als Notkirchen eingerichtet werden. bb

GROSS-GERAU

Dornheim. Der evangelische Kirchenchor unter Leitung von Lehrer Michel sang am Sonntag den Kranken des Elisabethenstiftes in Darmstadt ein paar Heimatlieder. Unter den Kranken befand sich auch Bürgermeister Krumb, Dorn-

heim. -od- Trebur. Der Abtrieb des Jungviehes von der Gemeindeweide erfolgt am kommenden Samstag und wird unter tierärztlicher Kontrolle erfolgen. -au-

Arsenal jetzt an der Spitze

In unserer Auslandsschau verfolgen wir „König Fußball“ beim Kampf um die Punkte

Auf der Insel

In der 1. englischen Division behauptete Arsenal seinen Platz an der Tabellenspitze. In Highbury schlugen die „Gunners“ Manchester United glatt 3:0. Middlesborough verlor durch ein 1:1 auf eigenem Platz gegen Sunderland und fiel dadurch hinter dem mit ihm punktgleichen Newcastle United (18:8) durch das schlechtere Torverhältnis auf den 3. Rang zurück. Newcastle United spielte ebenfalls daheim und fertigte Derby County 3:1 ab. Der Voriahrsmeister Portsmouth festigte seine Mittelposition durch ein 2:0 über Blackpool. Den einzigen „Away-Sieg“ des letzten Samstags feierte der Aufsteiger Tottenham. Die „Spurs“ gewannen bei Chelsea, und damit sind die „Pensioners“ auf den letzten Platz zurückgefallen, sind allerdings verlustpunktgleich mit Sheffield Wednesday, das ein Spiel mehr hat und diesmal zu Hause mit 2:2 gegen die „Wölfe“ — Wolverhampton Wanderers — einen wertvollen Punkt rettete. Die berühmte Aston Villa ließ sich in Huddersfield 4:2 hinabtun und ist nun auf den viertletzten Tabellenplatz zurückgefallen. In der 2. Division behauptete Manchester City mit Bert Trautmann im Tor die Führung. Die „City“ gewann in Manchester gegen den Londoner Club Brentford sicher mit 4:0.

Straßburg führt weiter

In Frankreich liegt Racing Straßburg noch immer mit einem Punkt Vorsprung vor Stade Rennes in Führung (15:3 und 14:4). Die Straßburger büßten diesmal in Lens mit 1:1 einen Punkt von ihrem Vorsprung ein. da Rennes zu Hause die Bordauxer Girondins sicher 4:2 niederhielt. Racing Paris kommt nicht mehr von der Verliererstraße herunter. Diesmal entführte AS Nizza die beiden Punkte aus der Seine-Metropole an die Riviöra. Auch Stade Reims wurde geschlagen, allerdings auswärts, in Sochaux mit 2:0.

Starke Spitze in Italien

Der FC Mailand wurde mit Lucchese 2:0 einig und hat jetzt ohne Verlustpunkte (12:2) die Führung vor dem dichtauf folgenden AS Bologna, der auf eigenem Platz mit 2:2 einen schwerwiegenden Punkt an Padua abgab. Juventus Turin brachte aus Florenz einen 1:2-Sieg mit und rangiert mit 10:2 Punkten an dritter Stelle. Im römischen Lokalderbv zwischen Lazio und AS Roma blieb Lazio auf des Gegners Platz 1:0 in Front.

Wiener G'schichten

In Wien gab es eine kleine Ueberraschung und große Enttäuschung beim Anhang der Austria, weil die Violetten in der Hauptstadt mit den Provinzlern (Sturm Graz) nicht fertig wurden, sondern mit einem 1:1 zufrieden sein mußten. Der ewice Rivale der Austria, Rapid, zeigte, wie man es machen muß: Vorwärts Steyr fuhr 5:1 bepackt nach Hause Die übrigen Ergebnisse: Wacker Wien — Elektra Wien 7:0, Wiener SC — Vienna Wien 7:1, Linzer SK —FC Wien 0:4, Wiener/Neustadt-Admira Wien 3:1.

Im hohen Norden

In Norwegen wird in zwei Abteilungen gespielt. Die Abteilung A führt Frederikstad mit 10:0 Punkten vor Viking (8:6) überlegen an. In der Abteilung B liegt Odd (11:3) in Front vor Lyn (8:4).

Die Ergebnisse vom letzten Wochenende: Abt. A: Valerengen — Viking 2:2, Sandefjord Lislebv 1:1. Abt. B: Odd — Börn 2:0. Skeid — Sparta 3:1, Selbak — Kristianstad 8:3. In der Vorschlußrunde des norwegischen Pokals schlug Brann Lvn 2:1. während sich als Branns Gegner für das Endspiel Frederikstad durch einen 3:0-Sieg über Sarpsborg qualifizierte.

Unser Tip für den Hessentoto

FC Singen 04—Spvgg Fürth 2 (0) Eintracht Frankfurt—Vf R Mannheim 1 (1) VfL Neckarau—Vfß Muhlburg 2 (0) vm Stuttgart—FSV Frankfurt 1 (1) »-fC «-«“i,1, ?!?! 1 FC Nürnberg—Schweinfurt 05 1 (1) Rot-Weiß Oberhausen—Bor. Dortmund 0 2 vir Konstanz—Bayern Hof , w Fortuna Düsseldorf—Schalke 04 1 (0) umon^Bödüngen^KSV Hessen Kassel 1 (1) kSs^Offenbach—Schwab. Augsburg 1 (1) Waldhof Mannheim—SV Darmstadt 98 0 (1) Bayern München—SSV Reutlingen 1 (1)

Darmstädter Fechtklub siegte über Pforzheim

Der Darmstädter Fechtklub hatte am Sonntag den TV 1834 Pforzheim zu Gast. Die Gegner, in deren Reihen der nordbadische Meister in Florett und Säbel, Beyer, stand und die gleichzeitig auch den Zweiten der nordbadischen Meisterschaften. Herrn Stahl, mitgebracht hatten, waren stärker als erwartet. Die Tatsache, daß in beiden Lagern Könner die Klinge führten, ließ es zu ausgesprochen harten, aber schönen Gefechten kommen. Die Darmstädter Fechter konnten nur unter Aufbietung ihres ganzen Könnens den Gegner distanzieren. Der Sieg im Florett, welcher mit 11:5 gewonnenen Gefechten zugunsten der Darmstädter endete, war nicht so eindeutig, wie das Ergebnis besagt, da der Gegner erbitterten Widerstand leistete und sehr viele Gefechte mit 5:3 bzw. 5:4 für die Darmstädter endeten. Melcher war hier mit vier Siegen der beste Mann, und Dr. Vix konnte drei Siege auf sein Konto buchen. Der beste Pforzheimer Fechter war Herr Beyer, der nur^eine Niederlage gegen Melcher hinnehmen mußte. Im übrigen gab die Gesamtleistung der Darmstädter Mannschaft den Ausschlag für den Sieg. Anschließend wurde das Florett mit dem Säbel vertauscht, und beide Mannschaften maßen ihr Können in dieser Waffe. Auch hier siegten die Darmstädter mit 9:7. Die besten Einzelfechter waren hier Melcher (DFC) mit vier Siegen und Weicker (DFC) mit drei Siegen. Beide konnten den Landesmeister von Nordbaden mit 5:3 Treffern besiegen. Zu erwähnen sind hier noch Stahl, Pforzheim, und Haun, DFC. Besonders letzterer fiel durch seine saubere Fechtweise auf. Auch in dieser Waffengattung wurde sehr schöner Sport geboten, und Landessportwart Wahl, der die Kämpfe wieder vorbildlich leitete, hatte bei dieser einwandfreien Fechtweise der Männer kein schweres Amt.

Am Nachmittag wurden die Florettkämpfe der Damen gestartet. Pforzheim stellte keine reine Vereinsmannschaft, sondern hatte seine Mannschaft durch zwei Frauen aus Karlsruhe verstärkt. Die Fechterinnen des Darmstädter Fechtklubs hatten gegen diese kombinierte Mannschaft einen sehr schweren Stand und konnten den Mannschaftskampf nicht gewinnen. Die Kombination Pforzheim —Karlsruhe ging mit 11:5 gewonnenen Gefechten als Sieger aus dem Kampf hervor. Frau Haun (DFC), sonst die Stütze der Darmstädter Mannschaft, erreichte ihre sonstigen Leistungen bei weitem nicht. Fräulein Kahl aus Karlsruhe war die beste Fechterin, die alle vier Gefechte gewann; als zweitbeste Fechterin ist Frau Lotti Schneider, Pforzheim, zu nennen. Auch bei den Damenkämpfen standen die Leistungen auf sehr hohem Niveau. - icke -

18 Tore in zwei Hockeyspielen

dr. Im Nebel begannen am Sonntag die Damen des FSV Frankfurt am Main und des TEC Darmstadt ihr Punktespiel. Bedauerlich, daß die Darmstädterinnen wieder nur neun Spielerinnen auf dem Platz hatten. In einem jederzeit überlegen geführten Spiel schlugen sie die Frankfurterinnen durch Tore von Frl. Kleiß (3), Frl. Horn (2), Frl. Krämer und Frl. Helmund (je 1) mit 7:0 Toren. In der Halbzeit führten die Darmstädterinnen bereits 3:0.

Die Alten Herren des TEC zeigten sich erwartungsgemäß dem FSV klar überlegen und siegten gleich zweistellig mit 10:1 (4:0), wobei sich Weihl (6), Klein (3) und F. Krauth (1) in die Erfolge teilten. Den Ehrentreffer erzielten die Schwarz-Blauen beim Stande von 10:0 durch Straftor.

Einen Sonderzug nach Mannheim- Waldhof zum Spiel des SV 98 gegen SV Waldhof-Mennheim läßt die Bundesbahn am kommenden Sonntag laufen. Abfahrt: Darmstadt Hbf 12.40 Uhr. Rückkehr Darmstadt Hbf 18.48 Uhr. Fahrpreis 2,20 DM.

Das Aufgebot des Südens

Der Süddeutsche Fußball-Verband bestreitet am IL/12. November einen Zwei-Fronten-Kampf gegen Südwest (in Ludwigshafen) und Westdeutschland (in Frankfurt), dem im Hinblick auf das erste deutsche Nachkriegs-Länderspiel gegen die Schweiz am 22. November im Stuttgarter Neckarstadion besondere Bedeutung zukommt. Im süddeutschen Aufgebot, das nach Besprechungen zwischen dem SFV-Spielausschuß und Bundestrainer Sepp Herberger bekanntgegeben wurde .vermißt man Streitle (Bayern München) und Ander Kupfer (Schweinfurt 05), deren Vereine am 12. November Meisterschaftsspiele austragen müssen.

Für beide Spiele stehen folgende Anwärter fest: Tor: Fischer (1. FC Nürnberg) und Höger (Spvg. Fürth). Verteidigung: Piccard (Offenbacher Kickers), Knoll, Plawky (beide Spvg. Fürth) und Retter (Vfß Stuttgart). Läufer: Bergner (1. FC Nürnberg), Göttinger (Spvg. Fürth), Dannenmaier, Gärtner (beide Vfß Mühlburg), Keuerleber (VfR Mannheim), Rendler (SV Waldhof) und Barufka (Vfß Stuttgart). Sturm: Kaufhold (Offenbacher Kickers), Balogh (VfL Neckarau), Buhtz, Lehmann (beide Vfß Mühlburg), Schade (Spvg. Fürth), Morlock (1. FC Nürnberg), Blessing, Läpple (beide Vfß Stuttgart), Langlotz und de la Vigne (beide VfR Mannheim).

Tischtennis

Wiesbaden übernimmt Tabellenspitze

Favoriten setzten sich durch / Hohe Siege der 98er

Auch in diesem Jahr wird der große Zweikampf zwischen der Eintracht Frankfurt und dem SV Wiesbaden erst in den letzten Begegnungen entschieden werden. Zu ihnen hat sich in diesem Jahr überraschend die Mannschaft des SV Flörsheim gesellt. Diese drei Mannschaften konnten am Wochenende ihre Spiele siegreich gestalten. Wiesbaden, das ein Spiel mehr ausgetragen hat, führt vor Flörsheim und Eintracht Frankfurt. Auf den vierten Platz hat sich die Mannschaft von Bad Nauheim geschoben, die am Sonntag über den Vfß Friedberg siegreich blieb.

Wie bei den Herren, so wird auch bei den Frauen ein erbitterter Zweikampf zustande kommen. Darmstadt 98 und Eintr. Frankfurt, die beide überzeugend ihre bisherigen Spiele gewinnen konnten, stehen verlustpunktfrei an der Tabellenspitze. Erst das Zusammentreffen dieser beiden Mannschaften wird die Vorentscheidung über die Meisterschaft bringen. Im einzelnen spielten am Wochenende:

Herren: Darmstadt 98 — SG Höchst 10:2 SV Wiesbaden — ABC Wiesbaden 9:4 SV Flörsheim — TG Rüsselsheim 9:0 Cone. Bad Nauheim — Vfß Friedberg 11:5 Damen: Darmstadt 98 — SG Höchst 9:0 Cone. Bad Nauheim — Vfß Friedberg 9:7 Eintr. Frankfurt — TTC Bad Homburg 11:5

In der Landesliga II gab es einen erbitterten Kampf um den zweiten und dritten Platz zwischen der SG Wixhausen und dem SV 98 11, den die Gastgeber mit 9:7 zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Der Tabellenführer, die ebenfalls mit der Mannschaft des SV 98 außer Konkurrenz spielende Wiesbadener 2. Mannschaft, schlug die Mannschaften von Bensheim und Auerbach mit 10:4 und 9:7. Ku. •

Zum fälligen Verbandsspiel in der hessischen Landesliga empfingen am Wochenende die 98er die Gäste aus Höchst. Bei den Herren benötigten beide Mannschaften dringend Punkte, da sie in der unteren Tabellenhälfte zu finden sind. Erbittert wurde teilweise im entscheidenden Satz gekämpft und man kann sagen, daß bei verschiedenen Spielen an diesem Tag das Glück bei den Darmstädtern zu finden war. Die ersten 6 Einzelspiele erbrachten bereits eine beruhigende 7:1 -Führung, die Hardt, Hartmann, Kappes, Wittmann und Lutz herausspielten. Lediglich Römer mußte bei dem Einzelspiel eine Niederlage einstecken. Die folgenden Doppelspiele gingen ebenfalls glatt an die Gastgeber, die damit den Sieg schon sichergestellt hatten. Bei den noch ausgetragenen Einzelspielen siegten Hartmann, Hardt und Wittmann, Lutz verlor den 2. Punkt für Darmstadt.

Die Darrien fertigten ihre Gäste in überlegener Manier ab. Kein Spiel und kein Satz wurde abgegeben. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, daß der spielerische Unterschied zu groß war. In der Aufstellung Holzapfel, Nungesser, Römer, Guyot, Nangot und Pommer konnten sie ihre gemeinsam mit der Eintracht Frankfurt gebildete Tabellenführung festigen. Beide Mannschaften sind noch ohne Punktverlust und diese Mannschaften werden es auch sein, die die Meisterschaft in diesem Jahr wieder unter sich ausmachen. Das spielerische Können der Lilienträgerinnen hebt sich weit von den anderen Mannschaften der höchsten hessischen Klasse ab. Ku.

Fuchsjagd des DRC 1919

Unter reger Teilnahme der Mitglieder schloß der Darmstädter Radsportclub 1919 die diesjährige Saison mit einer am Sonntagmorgen durchgeführten Fuchsjagd ab. Die Wanderfahrwarte führten die zahlreichen Teilnehmer vom Startplatz zum Anfang der Fährte in den Wildpark in die Nähe des Kranichsteiner Schlosses. Die beiden Füchse, Mitglied Lichtenfels und Vonbühren, hatten die Fährte gut gekennzeichnet. Durch angelegfe Sackgassen mußten viele Teilnehmer unfreiwillige Irrfahrten ausführen. Kurz vor dem Einsiedel wurden die Füchse in ihrem schon angelegten Bau von den Mitgliedern H. Fleischhacker und W. Schwarz gefunden. Nach Beendigung der Jagd fand bei Mitglied Katzenbach noch ein gemütlicher Umtrunk statt.

Was tat sich bei den Handballern?

In den oberen Klassen war wenig Betrieb

Gruppenliga 4 VfL Herrnsheim — SV Kostheim 9:8 TV Rüsselsheim — SC Alzey 12:1

Während die Handball-Verbandsliga am Sonntag ganz pausierte, gab es in der Gruppenliga 4 wenigstens zwei Treffen. Die TG Rüsselsheim bezwang Alzey mit 12:1 nach Belieben und rückte damit auf den zweiten Tabellenplatz vor. Der 9:8-Sieg des VfL Herrnsheim über Kostheim 12 entstand erst in letzter Minute.

Tabelle

Bezirksklasse Odenwald

Groß-Bieberau — Mörfelden 4: 8 (2:4) Eppertshausen — Urberach 13:13 (5:7) Reichelsheim — Seeheim 5: 9 (4:4) Kirch-Brombach — Fränkisch-Crumbach

6: 9 (4:4) Im Bezirk Odenwald errangen die führenden Mannschaften auch auswärts wertvolle Punkte. So konnte der Tabellenführer Mörfelden in Groß-Bieberau klarer als erwartet siegen. Die Einheimischen zeigten wohl euch diesmal ein gepflegtes Kombinationsspiel, ließen aber den zum Sieg in einem Punktespiel unbedingt notwendigen Einsatz und Kampfgeist vermissen.

In Eppertshausen sahen die Zuschauer ein schnelles und kampfbetontes Spiel zweier gleichwertiger Gegner. Wohl konnten die Gäste in der Halbzeit noch führen, mußten aber zum Schluß die stark auf-kommende einheimische Elf gleichziehen lassen, und verloren dadurch einen sehr wichtigen Punkt.

In dem Spiel der Neulinge in Reichelsheim konnten die Gäste aus Seeheim erst in den letzten 10 Minuten das klare Endergebnis herstellen. Bis dahin stand das Spiel unentschieden und die Platzelf war durchaus ein gleichwertiger Gegner.

Den erwartet harten Kampf gab es in Kirch-Brombach, wo die 1. Halbzeit vollkommen ausgeglichen war. Zu Beginn der 2. Halbzeit konnte der Gastgeber sogar mit 5:4 in Führung gehen. Durch eine harte Schiedsrichter-Entscheidung mußte der gute Gästestürmer Schnatz den Platz verlassen. Ein 13-m-Ball für Fränk.-Crumbach brachte

Bezirksklasse Ried:

Bürstadt—Crumstadt 5:10 Pfeddersheim—Pfiffligheim 6:11 Heppenheim—Westhofen 4:10 Wies-Oppenheim—Mörstadt 4:4

Auch Bürstadt konnte den Siegeszug des Tabellenführers Crumstadt nicht aufhalten und verlor klarer als erwartet. In der ersten Halbzeit spielten die Gäste großartig und besonders W. Habermehl zeigte sich als ein taktisch kluger Sturmführer, der seine Nebenspieler immer wieder ins Spiel brachte. Auf Grund des klaren Halbzeitstandes (0:9) spielte Crumstadt in der zweiten Halbzeit verhalten, so daß die Einheimischen das Torverhältnis verbessern konnten. In Pfeddersheim gab es eine Ueberraschung, Die Elf aus Pfiffligheim besiegte die Platzmannschaft sehr klar undl konnte dadurch in der Tabelle auf den fünften Platz vorstoßen. Westhofen holte sich in Heppenheim a. d. W. wie erwartet zwei weitere Punkte und überflügelte das spielfreie Erfelden. Dagegen mußte Mörstadt in Wies-Oppenheim einen wichtigen Punkt abgeben, wodurch die einheimische Mannschaft zu ihrem ersten Pluspunkt gelangte. -ei-

Kreisklasse Dieburg

In der Gruppe I festigten die beiden Spitzenreiter, Langstadt/Schlierbach I und Schaafheim ihre Positionen. Während Langstadt I in Klein-Umstadt mühelos einen hohen 17:3-Sieg herausspielte, mußte sich Schaafheim auf eigenem Platze gegen Semd sehr strecken um Sieg und Punkte zu erringen. Der mit reichlichen Ersatzspieler antretende Reinheimer TV konnte in Richen nicht überzeugen und mußte dem Gastgeber einen verdienten 16:9-Sie? überlassen. Kilian, Wolf, Helm und Wetterich waren für die Gäste erfolgreich. Mit 15:6 behielt Babenhausen zu Hause gegen die Langstädter Reserve die Oberhand. Einen snannungsreichen Kampf lieferten sich in der Gruppe II Groß-Zimmern und TS Ober-Roden. Erst kurz vor Schluß konnte Mohr durch drei Tore den ll:9-Sieg der Platzherren sicherstellen, nachdem Weber, Kern und Rebbel die jeweilige Führung der Gastgeber egalisieren konnten Mit nahezu zweistündiger Verspätung wurde das auf 10 Uhr angesetzte Spiel Habitzheim gegen SV 45 Reinheim ausgetragen. SR Walter (Darmstadt) hatte das Spiel von Anfang an fest in der Hand. Mickler und P. Pfuhl warfen für Habitzheim und Krämer, O. Pfuhl. Knecht, Heinz und Hörr für Reinheim die Tore. Gundernhausen scheint an seine vorjährige Sitte des Nichtantretens anzuknüpfen, Groß-Umstadt jedenfalls hielt vergeblich Ausschau nach ihnen. -ff-

TSV Braunshandt
5 4 1 0 62:26 9: 1 TG Rüsselsheim
5 4 0 1 59:26 8: 2 TSG 46 Darmstadt
6 3 1 2 46:43 7 5 VfL Herrnsheim
3 3 0 0 34:19 6: 0 TSV Pfungstadt
5 3 0 2 45:32 6: 4 SKG Bauschheim
6 3 0 3 59:62 6: 6 Cone. Gernsheim
6 3 0 3 35:47 6: 6 SV Kostheim
6 2 0 4 43:49 4: 8 SG Wörrstadt
4 1 0 3 21:46 2: 6 SC Alzey
3 0 0 3 9:32 0: 6 SG Bretzenheim
5 0 0 5 35:66 0:10
den Ausgleich. Mörfelden 5 5 0 0 34:22
10: 0 Fränk.-Crumbach 5 4 0 1 45:23
8: 2 Urberach 5 3 1 1 48:38
7: 3 Seeheitm 6 3 0 3 45:42
6: 6 Eppertshausen 5 2 1 2 34:36
5: 5 Langen 5 2 1 2 28:33
5: 5 Kirch-Brombach 6 1 1 4 38:40
3: 9 Groß-Bieberau 4 1 0 3 23:36
2: 6 Reichelsheim 5 0 0 5 23:52
0:10
Crumstadt 66 0 0 81:25
12:0 Westhofen 54 0 1 57:32
8:2 Mörstadt 6 3 12 40:40
7:5 Erfelden 43 0 1 47:26
6:2 Pfiffligheim 53 0 2 53:46
6:4 Pfeddersheim 63 0 3 53:36
6:6 Bürstadt 4 10 3 23:30
2:6 Offstein 4 10 3 31:52
2.6 Wies-Oppenheim 5 0 14 21:51
1:9 Heppenheim a. d. W. 50 0 5 18:85
0:10

Kreisklasse Erbach

In der Handball-Kreisklasse Erbach wurden nur drei Begegnungen ausgetragen. Bad König war in Beerfelden zu Gast und gewann dank seiner besseren Mannschaftsleistung verdient mit 3:8. Michelstadt, mit einigen Schwächen in den Stürmerreihen, entschied seine Partie gegen Zell durch Tore von Gröner, Paul, Kabel und Gerbig mit 11:8. Als die besten Spieler der Platzherren wurden Mittelläufer Magsam und Paul bezeichnet. Momart war in Böllstein zu Gast, wo es bis zur Pause mit 3:1 in Führung lag. Nachdem die Gäste auf 6:3 davongezogen waren, konnte Böllstein in einem rasanten Endspurt die Partie mit 8:6 für sich entscheiden. Momart war durch Weber, Rebscher und Löb. Böllstein durch Scholl, Meisinger I und Meisinger II erfolgreich. Die Entscheidungen von Schiedsrichter Blumenschein (Bad König) waren besonders in der zweiten Hälfte nicht immer korrekt. -nni-

Tischtennis-Kreisklasse SKG Bickenbach führt in der Kreisklasse

Nach den ersten Rundenspielen haben sich in der Kreisklasse der Herren und Damen die Spitzenmannschaften schon herausgeschält. Hier ist es besonders die SKG Bickenbach, die sich in diesem Jahr besonders in den Vordergrund schiebt. Die Damen dürften auch in diesem Jahr in der Kreisklasse kaum geschlagen werden. Bei den Herren sind neben der SKG Bickenbach noch die Mannschaften der TSV Nieder-Ramstadt und TSG 46 Darmstadt verlustpunktfrei, so daß erst nach dem Zusammentreffen dieser Vereine sich ein abgerundetes Bild ergibt.

Der Tabellenstand nach den ersten Spiel« Sonntagen ist folgender:

Kreisklasse I (Herren) 1. SKG Bickenbach 10:0 2. TSV Nieder-Ramstadt 10:0 3. TSG 46 Darmstadt 8:0 4. SSG Langen 6:2 5. SG Wixhausen II 6:4 6. SV 98 111 4:2 7. SKG Ernsthofen 2:6 8. TGB 65 Darmstadt 2:8 9. SG Egelsbach 2:8 10. SV Erzhausen 2:8 11. TSV Nieder-Ramstadt 2:8 12. SKG Eberstadt 0:8

Kreisklasse I (Frauen) 1. SKG Bickenbach 10:0 2. SSG Langen 6:2 3. SG Wixhausen 4:2 4. TSV Pfungstadt 4:4 5. SG Egelsbach 2:4 6. SKG Eberstadt 2:4 7. SG Arheilgen 2:6 8. SV Darmstadt 98 II 0:8

In der Herren-Kreisklasse 11, In der die zweiten Mannschaften der einzelnen Vereine spielen, steht die Mannschaft der TSG 46 Darmstadt an erster Stelle.

Es wird darauf hingewiesen, daß die Spielberichte umgehend dem Kreiswart Heinz Hub, Wolfskehlen, Kleingasse 12, zugeleitet werden müssen. Ku.

Abturnen des TV 1846 Groß Gerau

Der TV 1846 Groß-Gerau hielt am Sonntag in der Turnhalle sein diesjähriges Abturnen. Schon am Vormittag fanden die Wettkämpfe in der Turnhalle des TV 1846 Groß-Gerau statt. Die Veranstaltung nahm nachmittags mit den Wettkämpfen der Kinder ihren Fortgang. Anschließend fand die Siegerehrung der Kinder statt, die mit Siegesurkunden, Eichenlaubkränzchen und je einer Tüte mit Süßigkeiten ausgezeichnet wurden.

Die Siegerehrung der Turnerinnen und Turner soll am Samstagabend bei dem Turnerabend, der in der Turnhalle stattfindet, vorgenommen werden. Die Veröffentlichung der Siegerliste wird in einer unserer nächsten Ausgaben erfolgen, da die Zusammenstellung noch nicht abgeschlossen ist.

Die Ergebnisse des Kinderturnenst

Schülerinnen, Fünfkampf, 10—12 Jahre: 1. Helga Ewald mit 99,5 Punkten; Inge Eise mit 99,5 Punkten; 2. Hannelore Hof mit 97,5 Punkten; 3. Carin Gilbert mit 96,5 Punkten. Schülerinnen, Sechskampf, 12—14 Jahre: 1. Waltraud Engel mit 116,5 Punkten; 2. Annegret Faulstroh mit 114,5 Punkten; 3. Bärbel Fendt mit 17 Punkten.

Schülerinnen, Fünfkampf, 9—lo Jahre: 1. Trude Winter 98 Punkte; 2. Monika Gölzenleuchter 97 Punkte; 3. Gerhild Horstmann 95 Punkte.

Schüler, Vierkampf, Unterstufe: 1. Kurt Rothenburger 68 Punkte; 2. Walter Schaffner 67,5 Punkte; 3. Hartwig Schmank 67 Punkte.

Schüler, Sechskampf, Oberstufe: 1. Hans Walter Gemandt 112 Punkte; 2. Dieter Raiß 107,5 Punkte; 3. Dieter Fleckenstein 108 Punkte. -od-

Die Spiele am 22. Oktober Erste Liga Süd

VfL Neckarau—Vfß Mühlburg (Sa.) Eintracht Frankfurt—Vfß Mannheim Kickers Offenbach—Schwaben Augsburg Vfß Stuttgart—FSV Frankfurt SV Waldhof—SV 98 Darmstadt 1. FC Nürnberg—Schweinfurt 05 FC 04 Singen—Spvgg Fürth BC Augsburg—lß6o München Bayern München—SSV Reutlingen

Zweite Liga Süd •

SV Wiesbaden—Viktoria Aschaffenburg SG Arheilgen—ASV Cham Union Bückingen—Hessen Kassel TSV Straubing—Stuttgarter Kickers Jahn Regensburg—FC Freiburg SV Tübingen—l. FC Pforzheim Ulm 46—Wacker München VfL Konstanz—Bayern Hof 1. FC Bamberg—ASV Durlach

Landesliga «

VfL Biedenkopf—Hessen Lichtenau VfL Kassel—Hermannia Kassel Homburg 05—Rot-Weiß FC Rödelheim—Griesheim 02 Opel Rüsselsheim—Germania Bieber Borussia Fulda—Union Niederrad SC Kassel 03—VfB Friedberg Spv Kassel—Hessen Hersfeld Eintracht Wetzlar—Ol. Lampertheim Hanau 1893—VfL Marburg

Abnahme des Bundessportabzeichens

Leichtathletik: Samstag, den 21. Oktober, 15 Uhr, Woogswiese. Radfahren: Sonntag, den 22. Oktober, 8.30 Uhr, Treffpunkt Bahnübergang Kranichstein (Gaststätte Jung). Voranmeldung erbeten an Hugo Brunner, Ruthstraße 3. Schwimmen: Montag, den 23. Oktober, Treffpunkt 18.30 Uhr am Eingang zum Hallenbad. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß alle Bewerber das Urkundenheft mit Lichtbild und eingetragener Beglaubigung vorzulegen haben. Die Hefte sind in den Sportgeschäften erhältlich. Prüfungsleiter K. Lotz

Die Abteilung Eis- und Rollsport der TSG 46 hält heute, Mittwoch, 20 Uhr, in der Gaststätte Ripper, Erbacher Straße 69, ihre Abteilungs-Versammlung ab.

DT Amtliche Bekanntmachungen Betr.: Gewährung von Aufbauhilfe (Existenzaufbau) - 2. Zuweisung In Ergänzung meiner Bekanntmachung vom 27. 9. 1950 werden diejenigen Antragsteller, deren Darlehensgesuche für die 1. Zu¬ weisung bereits vorliegen, jedoch wegen der fehlenden Voraus¬ setzungen — Besitz eines eigenen Betriebes oder einer selb¬ ständigen beruflichen Existenz im Zeitpunkt der Schädigung — nicht bearbeitet werden konnten, unterrichtet, daß ich ihre An¬ träge in die Gruppe der Antragsteller für die 2. Ausschüttung übernommen habe. Es bedarf also keiner nochmaligen Antrag¬ stellung. , > Im Interesse einer reibungslosen Bearbeitung der Darlehens¬ gesuche verweise ich auf die Notwendigkeit der Vorlage aus¬ reichender Unterlagen, wie in meiner Bekanntmachung vom 27. 9. 1950 angegeben. Falls die bereits eingereichten Anträge nicht mit diesen Belegen versehen worden sind, bitte ich um umgehende Nachsendung. Ich bitte ferner um Beachtung, daß eine mündliche Auskunfts¬ erteilung nur an den Sprechtagen (dienstags-, mittwochs- und donnerstags vormittags) erfolgen kann. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Amt für Soforthilfe

Ich werde öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: Donnerstag, den 19. 10., vormittags 10 Uhr, Pfandkammer Amts¬ gericht: 2 Radios, 1 Schuhbesohlpresse u. a. mehr. Neubert, Gerichtsvollzieher

Der vom Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Bergstraße am 22. Mai 1950 beschlossene Flucht¬ linienplan der Stadt Heppenheim a. d. B. in der Gemarkung Heppenheim für das Baugebiet zwischen Wiegand- und Nieder¬ mühlstraße wurde am 23. September 1950 vom Kreisausschuß des Landkreises Bergstraße förmlich festgestellt. Dieser Flucht¬ linienplan und der hierzu gehörige Teilbebauungsplan, ebenfalls vom Kreistag am 22. 5. 1950 beschlossen wird rechtswirksam, wenn die Grundpläne (Flächennutzungsplan, Generalbebauurigs-: plan und Baugebietsplan) Rechtskraft erlangt haben. (Ergän¬ zungsgesetz zum Aufbaugesetz vom 23. 11. 1949 § 2, Abs. 2 GVBI. S. 139). Beide Pläne, der Teilbebauungsplan und der Fluchtlinienplan liegen gemäß § 8, Abs'. 5 und 7 des Aufbaugsetzes zwei Wochen lang vom Tage der Veröffentlichung der Bekanntmachung in der .Südhessischen Post — Verordnungs- und Anzeigehiatt für den Landkreis Bergstraße" an gerechnet auf der Bürgermeisterei der Stadt Heppenheim zu jedermanns Einsicht offen. Nach erfolgter förmlicher Feststellung des Fluchtlinienplanes können Einwendungen zu beiden Pänen während der Offenlegung nicht mehr vongebracht werden. Heppenheim, den 9. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Aufbauabteilung —

Der vom Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Bergstraße am 22. Mai 1950 beschlossene Flucht¬ lilienplan der Gemeinde Wilmshausen in der Gemarkung Wilms¬ hausen Flur II wurde am 23. September 1950 vom Kreisausschuß des Landkreises Bergstraße förmlich festgestellt. Der Plan wird rechtswirksam wenn der Grundplan (Flächennutzungsplan mit den Bestandteilen des Generalbebauu-tigs- und des Baugebiet¬ planes) Rechtskraft erlangt hat. (Ergänzungsgesetz zum Aufbau¬ gesetz vom 23. 11. 49 § 2, Abs. 2 GVBI. S. 139). Der Fluchtlinienplan liegt gemäß § 8, Absatz 5 und 7 des Auf¬ baugesetzes zwei Wochen lang vom Tage der Veröffentlichung der Bekanntmachung in der „Südhessischen Post — Verord¬ nungs. und Anzeigeblatt für den Landkreis Bergstraße" an ge¬ rechnet auf der Bürgermeisterei der Gemeinde Elmshausen zu jedermanns Einsicht offen. Nach erfolgter förmlicher Feststellung des Fluchtlinienplanes können Einwendungen zu beiden Plänen, während der Offen¬ legung nicht mehr vorgebracht werden. Heppenheim, den 9. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Aufbauabteilung —

Der vom Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Bergstraße am 22. Mai 1950 beschlossene Flucht¬ linienplan der Gemeinde Wald-Erlenbach in der Gemarkung Wald. Erlenbach Flur I wurde am 23. September 1950 vom Kreisaus¬ schuß des Landkreises Bergstraße förmlich festgestellt. Der Plan wird rechtswirksam, wenn der Grundplan (Flächennutzungsplan mit den Bestandteilen des Generalbebauungs- und des Bauge¬ bietplanes) Rechtskraft erlangt hat. (Ergänzungsgesetz zum Aufbaugesetz vom 23. 11. 49 § 2, Abs. 2. GVBI. S. 139). Der Fluchtlinienplan liegt gemäß § 8. Absatz 5 und 7 des Auf¬ baugesetzes zwei Wochen lang vom Tage der Veröffentlichung der Bekanntmachung in der „Südhessischen Post — Verord¬ nungs. und Anzeigeblatt tür den Landkreis Bergstraße" an ge¬ rechnet auf der Bürgermeisterei der Gemeinde Kirschhausen zu jedermanns Einsicht offen. Nach erfolgter förmlicher Feststellung des Fluchtlinienplanes können Einwendungen zu beiden Plänen während der Offen¬ legung nicht mehr vorgebracht werden. Heppenheim, den 9. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Aufbauabteilung —

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