Truman und MacArthur berieten auf Wake Fernostfragen
Insel Wake, 15. Oktober, (dpa) In einer nur zweistündigen Konferenz haben Präsident Truman und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinten Nationen, General MacArthur, am Wochenende auf der kleinen Pazifikinsel Wake die wichtigsten Fernostfragen der Vereinigten Staaten erörtert.
Nach einer Erklärung des Präsidenten, der auf dem Rückflug nach Washington wieder in Honolulu eintraf, sind die Besprechungen „äußerst zufriedenstellend“ verlaufen. Auch Mac Arthur, der bereits wieder in Tokio eingetroffen ist, gab seiner Genugtuung über das Zusammentreffen mit Truman Ausdruck und hob die symbolische Bedeutung hervor, die der Besuch des Präsidenten im Pazifik als Ausdruck des Friedenswillens der Vereinigten Staaten im pazifischen Gebiet gehabt habe.
Nach einer Erklärung Trumans sind vor- allem das Korea-Problem, darüber hinaus aber auch Fragen des japanischen Friedensvertrages und die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit im Pazifikgebiet besprochen worden. Ueber die Erörterung dringender Fernost-Probleme wie den künftigen Status Formosas, die amerikanischen Beziehungen mit China und den Krieg in Indochina ist in der Truman-Erklärung nichts gesagt.
Maßgebende Kreise Washingtons wollen erfahren haben, daß der Präsident bereits vor seinem Abflug nach der Insel Wake mitteilte, er werde mit Mac Arthur auch das Indochina-Problem anschneiden. Man glaubt in Washington zu wissen, daß Truman mit deih General über die Möglichkeit verhandeln wollte, gewisse ursprünglich für die Truppen der Vereinten Nationen in Korea bestimmte Waffenlieferungen nach Indochina abzuzweigen.
Der unerwartet schnelle Abschluß der Konferenz wird in der Truman-Erklärung auf die Einmütigkeit der Ansichten zurückgeiuhrt.
Mac Arthur hat sich außerordentlich lobend über die ihm von Washington gewährte Unterstützung ausgesprochen. Er sagte, daß kein Truppenbefehlshaber in der gesamten Geschichte des Krieges eine so vorbehaltlose und bewundernswerte Unterstützung erhielt, wie sie ihm während des Feldzuges in Korea von den Regierungsstellen in Washington zuteil wurde.
Die Meinung Moskaus
Moskau, 15. Oktober. (AP.) Die Pazifikkonferenz zwischen Truman und Mac-Arthur habe die Ausarbeitung von Angriffsplänen im Fernen Osten zum Ziele gehabt, schreibt am Sonntag das Moskauer Regierungsorgan „Isvestija“ in ihrem Leitartikel.
Churchill warnt
Blackpool, 15. Oktober. (AP.) Churchill warnte die westliche Welt davor, einen zu großen Teil ihrer Kräfte im Fernen Osten festzulegen, denn „die Gefahren, die uns dort drohen, sind gering gegen die, die sich auf dem europäischen Festland gegen uns auftürmen“.
Auf dem Jahrestag der Konservativen Partei in Blackpool erklärte er, der sowjetische Anschlag auf Korea hat zahllosen Menschen endlich die Augen darüber geöffnet, welche Gefahr dem, was von der europäischen Zivilisation übriggeblieben sei, drohe. Der Weltfriede habe heute, nach den Geschehnissen in Korea, eine festere Grundlage als vorher. Vielleicht bleibe auch genügend Zeit, eine europäische Armee aufzustellen, obwohl niemand dafür die Gewähr übernehmen könnte.
Neue Unruhen?
Wien, 15. Oktober. (AP.) Eine neue kommunistische Terror- und . Sabotagewalle, bei der ehemalige Nationakozihlisten eine wichtige Rolle spielen würden, hat der österreichische Staatssekretär Ferdinand Graf angekündigt.
An den neuen Aufwieglungsversuchen im nächsten Monat würde die „ National-Liga“, eine aus ehemaligen Nazis bestehende kleine Gruppe, maßgeblich beteiligt sein. Außerdem beabsichtigen die Kommunisten bei ihren Versuchen, den Bahn- und Fahrzeugverkehr zu behindern, mehr Frauen und Kinder als bisher einzusetzen.
Die österreichische Regierung ist fest entschlossen allen eventuellen kommunistischen Unruhen mit allen Mitteln entrcrcnzutrcten.
Annäherung der Standpunkte
Die amerikanisch-französischen Verhandlungen
Washington, 15. Oktober (dpa) Die amerikanisch-französischen Aufrüstungsgespräche in Washington haben bereits am zweiten Verhandlungstag wichtige Zusicherungen von beiden Seiten gebracht. Während die Vereinigten Staaten in umgehender Beantwortung eines französischen Ersuchens versicherten, ihr möglichstes zu tun, um die Waffenlieferungen an die hartbedrängten französischen Streitkräfte in Indochina zu beschleunigen, hat Frankreich zugesagt, seine militärische Stärke in Europa bis 1951 von fünf auf zehn Divisionen und bis 1953 um weitere fünf« auf fünfzehn Divisionen zu erhöhen. Welchen Betrag die Franzosen gefordert haben, ist bisher nicht offiziell bekannt. Nach letzten Berichten‘sollen sie um insgesamt 3 170 000 Dollar nachgesucht haben.
Bisher ist nicht bekanntgeworden, ob im Verlauf der amerikanisch-französischen Rüstungsbesprechungen das Problem des deutschen Verteidigungsbeitrags berührt wurde. Es wird jedoch nicht angenommen, daß die USA an die Bewilligung von Rüstungsgeldem die Bedingung knüpft, daß Frankreich seinen Widerstand gegen die Eingliederung deutscher Truppenkontingente in eine internationale Streitmacht aufgibt.
In Neuyork eingetroffen
Neuyork, 15. Oktober. (AP.) Die Bundestagsabgeordneten Dr. Gerstenmaier und Wehner sind in Neuyork eingetroffen, um an den Beratungen der Vereinten Nationen über die Frage der in der Sowjetunion zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen als Beobachter teilzunehmen.
Der Stoß auf Pyöngyang
Truppen der Vereinten Nationen drängen von vier Seiten vor
Tokio, 15. Oktober. (AP./dpa) Panzerspitzen der in Nordkorea vorrückenden Angriffsverbände der Amerikaner sind am Sonntag in schnellem Vorstoß bis in die Vororte von Suan, einem wichtigen Straßenknotenpunkt auf der Strecke nach Pyöngyang, eingedrungen. Sie stehen damit jetzt nur noch rund 60 Kilometer (nicht, wie durch einen Uebermittlungsfehler am Freitag irrtümlich gemeldet, 15 Kilometer) vor der nordkoreanischen Hauptstadt. Ein südkoreanischer Angriffs verband, der von der Ostküste her in westlicher Richtung auf Pyöngyang vorstößt, befand sich am Sonntag etwa 80 Kilometer von der Stadt entfernt.
Im Westen der Front ist der feindliche Widerstand im Raume von Kumchon gebrochen. Kumchon selbst wurde am Samstag von amerikanischen Truppen nach erbitterten Kämpfen besetzt. Vier Kampfgruppen der Streitkräfte der Vereinten Nationen haben sich nunmehr von vier verschiedenen Seiten an die nordkoreanische Hauptstadt Pyöngyang herangeschoben. Wie General Mac Arthur nach seiner Rückkehr von der Konferenz mit Präsident Truman auf der Insel Wake bekanntgab, kontrollieren seine Streitkräfte zur Zeit bereits ein Fünftel des Gebietes von Nordkorea.
Zwei britische Kommandotrupps haben bei einem Handstreich auf die nordkoreanische Ostküste, rund hundert Kilometer von der sibirischen Grenze entfernt, zwei Brücken und ein Tunnel zerstört und damit eine wichtige Nachschubverbindung nach der Sowjetunion unterbrochen. Die britischen Marinesoldaten gingen von zwei amerikanischen Zerstörern aus in Gummibooten, schwer bewaffnet und mit geschwärzten Gesichtern bei Nacht unter Führung eines amerikanischen Sachverständigen in „Unterwasser-Zerstörungen“ bei Kyongsong in Land.
Die nordkoreanische Regierung hat am Sönntag, bei den Vereinten Nationen gegen den „Einsatz von Japanern im Koreakrieg“ protestiert. In einem von Radio Pyöngyang veröffentlichten Protest heißt es, mehrere hundert Japaner hätten in den Kämpfen von Söul teilgenommen. Vom amerikanischen Hauptquartier wurden diese Anschuldigungen am Sonntag mit Entschiedenheit zurückgewiesen.
In Indochina sind erbitterte Kämpfe zwischen Franzosen und Aufständischen im Gange. Unser Bild zeigt zurückgehende französische Truppen bei dem schwierigen Ueberschreiten eines Urwaldflusses
Kicheres Gebiet erreicht
Die Kämpfe in Indochina
Saigon, 15. Oktober. (AP.) Der Hauptteil der französischen Kolonialtruppen, die Thatke aufgeben mußten, hat nach Mitteilung eines Sprechers des Französischen Oberkommandos das verhältnismäßig sichere Gebiet von Nacham, 40 Kilometer südlich von Thatke, erreicht. Einige Hundert französische Soldaten, die sich aus der Einkesselung nordöstlich von Thatke retten konnten, bei der die Franzosen fünfeinhalb Bataillone verloren, sind bei dem Hauptquartier der Grenztruppen in Langson eingetroffen.
In französischen Kreisen rechnet man damit, daß es vielleicht notwendig werden wird, alle Grenzgarnisonen zu räumen und sich auf Gebiete zurückzuziehen, in denen die Materialüberlegenheit der französischen Truppen zur Geltung kommen kann.
Nach Mitteilung chinesischer Kreise in Hongkong werden gegenwärtig rund 150 000 Soldaten des kommunistischen Chinas an der Grenze nach Indochina konzentriert
Zwei Stunden Wake
Wake ist ein kaum acht Quadratkilometer großes sandiges Inselchen in der Wasserwüste des pazifischen Ozeans. Neben Vögeln, Ratten und Krebsen leben dort nur einige Dutzend Einwohner. Aber Wake ist ein wichtiger Zwischenlandeplatz für den Flugverkehr, und deswegen wurde um dieses Inselchen erbittert zwischen den Japanern und Amerikanern gekämpft.
Es ist immerhin ein bemerkenswerter Vorgang, daß Wake für zwei Stunden zum Mittelpunkt der Weltgeschichte wurde. Dort traf sich der amerikanische Präsident Truman mit dem eigenwilligen General Mac Arthur, der die amerikanischen Truppen in Ostasien befehligte, der als der ungekrönte König Japans gilt und der neuerdings die Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea zum Siege geführt hat. Seit zehn Jahren weigert sich Mac Arthur, einen Besuch in Amerika zu machen. Mit dem Präsidenten ist er noch nie bekannt geworden. Es war wohl unvermeidlich, daß die beiden Männer sich grundsätzlich über die amerikanische Ostasienpolitik aussprachen, zumal ihre Ansichten in manchen Punkten, zum Beispiel in bezug auf Formosa, auseinandergingen. Die ungewöhnliche Zusammenkunft —
ungewöhnlich, weil der Präsident einen mehrere Tage währenden Flug zurücklegte, um mit dem General zusammenzutreffen — währte nur zwei Stunden. Es wurden Maßnahmen besprochen, die dem pazifischen Gebiet so schnell wie möglich in Uebereinstimmung mit den Vereinten Nationen den Frieden bringen soll. Es wird ebenso von Korea und Japan und den Philippinen, wie von Formosa und Indochina gesprochen worden sein. Eine Stunde lang unterhielten sich die beiden Männer unter vier Augen, bevor Truman den großen Stab von Beratern zuzog, den er mitgebracht hatte.
Ueber das Ergebnis der Besprechungen laufen vieldeutige Meldungen. Man wird erst klar sehen können, wenn Präsident Truman nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten am Dienstag seine angekündigte Rede gehalten hat. Bezeichnend dürfte es aber sein, daß der Präsident ausdrücklich mit warmen Worten „die brillante Führerkunst und die unvergleichliche Urteilskraft“ des Generals hervorgehoben hat. Es ist demnach anzunehmen, daß Mac Arthur mit seiner Meinung, wie die ostasiatischen Probleme gelöst werden müssen, durchgedrungen ist. Die zweistündige Besprechung auf Wake kann eine weltgeschichtliche Wendung bedeuten.
Politischer Fastuachtssonntag
Die „Wahlen“ in der sowjetzonalen Republik
Berlin, 15. Oktober. (dpa/AP.) Der Wahlsonntag in der sowjetzonalen Republik ist ein politischer Fastnachtssonntag geworden. Völlig in Blau kostümierte Trupps der kommunistischen Freien Deutschen Jugend (FDJ), der sowjetischen Aktiengesellschaften, der volkseigenen Betriebe und der Traktorenstationen riefen am Sonntagmorgen um sechs Uhr mit Trommelwirbel und Fanfai engeschmetter die Bevölkerung „zum Marsch in die Wahllokale“ auf. Die Angehörigen der sowjetischen Aktiengesellschaften und der volkseigenen Betriebe mußten drei Stunden vor Wahlbeginn auf großen Plätzen zum Appell zusammentreten. Kommunistische Funktionäre verlasen die Namen aller Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich mit dem Ruf „Hier“ melden mußten. Wer fehlte, wurde von motorisierten Volkspolizeistreifen aus dem Bett geholt. Mit roten Fahnen, Transparenten und Musikkapellen marschierten die Kolonnen dann zu den Wahllokalen, vor denen sie noch einmal eine Ansprache von „Einheitspolitikern der Nationalen Front“ über sich ergehen lassen mußten. In mehreren katholischen Gemeinden von Nieder-Barmen empfingen Agitatoren der „Nationalen Front“ nach Beendigung des Gottesdienstes alle Kirchgänger und die dort zahlreichen Ordensschwestern vor der Kirchhof stür und führten sie zu den Wahllokalen.
Eisiges Schweigen
Die „Wähler“ wurden von den Kommunisten, nachdem sie vorher in alphabetischer Reihenfolge angetreten waren, wie eine Herde zur Urne gedrängt. In den Wahllokalen herrschte fast ausnahmslos eisiges Schweigen. Ein Augenzeuge aus Brandenburg berichtet: „Neben dem Listenführer stand der Leiter des Aktionskomitees der Nationalen Front. Er ließ sich den Ausweis geben, zeigte ihn dem Listenführer vor und nannte ihm unseren Namen. Daraufhin wurde unser Name abgehakt und wir bekamen den Wahlzettel. Der Wahlzettel trug nur die Namen der Kandidaten für die „Volkskammer“ sowie für die Land- und Kreistage und die Gemeindevertretungen. Die Rückseite des Zettels war mit einem Stempelaufdruck „Für Friede und Fünfjahresplan“ oder nur „Für den Frieden“ versehen. Ein Kreis für „Ja“ oder „Nein“ war nicht vorhanden. Da die Wahlscheine auf der ganzen unteren Seite bedruckt waren, hätten wir nur durch Bemerkungen am Rande unsere Ablehnung äußern können. Aber keiner wagte es, auch nur in die Wahlkabine zu gehen. Wir falteten alle einfach den Schein zusammen und warfen ihn selbst in die Urne. Eine alte Frau aus Eberswalde berichtete, daß sie, da sie ihre Brille vergessen hätte, den Wahlleiter ersucht habe, ihr vorzulesen, was auf dem Wahlschein stünde. Daraufhin habe dieser geantwortet: „Lassen Sie nur. Stecken Sie den Schein in die Wahlurne, Sie brauchen darauf nichts zu ändern oder hinzuzufügen.“ Nach einem Bericht der West-Berliner „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ hat das sowjetzonale Innenministerium die Wahlleiter angewiesen, die Namen aller Wähler dem Staatssicherheitsdienst zu melden, die Wahlkabinen benutzten.
Zur „moralischen Stärkung anläßlich der Wahlen“ sind am vergangenen Samstag zahlreiche sowjetische Truppentransporte durch die Ostzone gefahren. Die Züge waren mit Panzern, Geschützen und Militärlastwagen beladen und haben für längere Zeit die Strecken von Berlin bis Küstrin und Halle blockiert. Am Wahlsonntag hatten sowjetisches Militär und ostzonale Polizei einen dichten Absperrungsring um Berlin gelegt. Alle Bahn-Limen, Straßen und Feldwege werden strengstens kontrolliert. Man will verhindern, daß ein Journalist aus dem Westen die Wahlen unbehindert beobachten könnte.
Sonderarbeit mit Fanfaren
Die Bevölkerung des russischen Sektors von Berlin hat auf sowjetische Anweisung an den „Wahlen“ nicht teilgenommen. Sie wurde aber ebenfalls um sechs Uhr von Fanfahrenzügen und Lautsprecherwagen geweckt und mußte eine Stunde später zu einem vom Ost-Berliner Magistrat als „Ausgleich“ angeordneten Sonderarbeitseinsatz antreten. Angeführt von Blaskapellen mußten alle „Hausgemeinschaften“ geschlossen zu Sammelplätzen marschieren und wurden anschließend zu Auf räumungsarbeiten eingesetzt. Während die Frauen und Männer Ruinenschutt von den Straßen schaufelten, stand die kommunistische „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) daneben, blies Fanfaren und bearbeitete ihre Landsknechtstrommeln.
Protest-Kundgebungen
Mit einer Gedenkminute für die Opfer der sowjetischen Willkür wurde am Sonntagvormittag in Anwesenheit namhafter Gewerkschaftsführer aus Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Indien eine von dem Berliner Magistrat und den West-Berliner Gewerkschaften einberufene Freiheitskundgebung unter dem Leitwort „Die Arbeiter der freien Welt grüßen Berlin“ im Olympia-Stadion eröffnet. Ueber vierzigtausend Berliner erhoben sich von ihren Plätzen, als während der Gedenkminute die Flaggen der freien Welt äuf Halbmast gesetzt wurden. Oberbürgermeister Professor Reuter begrüßte die ausländischen Gewerkschaftsvertreter, deren Anwesenheit beweise, daß Berlin überall in der Welt Freunde besitze. „Es kommt die bessere Zeit“, sagte Reuter. „Die längste Zeit sind die Zwingherren aus dem Osten bei uns gewesen. Es ist unser fester Wille, sie mit Hilfe der freien Welt zum Weichen zu bringen. Wir sind nicht allein, und wir werden es schaffen!“
Truppen für Berlin
Washington, 14. Oktober (AP.) Die amerikanische Armee hat bekanntgegeben, daß die amerikanischen Truppen in Berlin durch neu aufgestellte Einheiten des sechsten Infanterieregiments verstärkt werden.
Die Stabskompanie soll bereits am Montag in Berlin neu gebildet werden. Die weiteren Einheiten werden der Bekanntmachung zufolge noch vor dem ersten Januar 1951 ihren Dienst übernehmen.
Das Rote Kreuz bittet
Hannover, 15. Oktober, (dpa) Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes wendet sich an die Oeffentlichkeit, ihm alle Nachrichten über deutsche Kriegsgefangene in Korea sofort zuzuleiten.
Auf freiem Fuß
Weizsäcker aus Landsberg entlassen
Frankfurt, 15. Oktober. (AP.) Ober-? koinmissar John 'McCloy .hat das fünfjäßrige Gefängnisurteil gegen Ernst von Weizsäcker im Rahmen der Gnadenbestimmungen revidiert. Von Weizsäcker, der im Wilhelmstraßen-Prozeß von einem amerikanischen Militärgericht in Nürnberg verurteilt worden war. wird sofort in Freiheit gesetzt.
Der Oberkommissar entschloß sich zu diesem Schritt nach eingehender Prüfung des Falles und nachdem eine große Anzahl ausländischer Persönlichkeiten in Briefen Weizsäckers Maßnahmen zum Schutze der Juden und zur Milderung der Härte der deutschen Besatzung in Norwegen bezeugt hatten.
Das Srchlestertreffen
Köln, 15. Oktober, (dpa) In den überfüllten Kölner Messehallen wandte sich der Bundesminister Kaiser am Sonntag in der Abschlußkundgebung der „Schlesischen Heimatwoche“ gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie. Die Sowjetzone gehöre zum unveräußerlichen Verantwortungsbewußtsein der Bundesregierung, die für das gesamte deutsche Gebiet verantwortlich sei. Dies treffe auch für das Land jenseits der - Neiße-Linie zu.
Aus dem Elendszug der zwölf Millionen Deutschen und aus der Not der Bevölkerung der Sowjetzone sei die Solidarität der Welt erwacht. „Gestützt auf diese Solidarität der freien Welt werden wir eines Tages die Sowjetzone zurückgewinnen.“
Niemöller hatte keinen Auftrag
Bielefeld, 15. Oktober, (dpa) Landesbischof D. Dr. Lilje stellte am Sonntag zu dem Niemöller-Brief an Bundeskanzler Dr. Adenauer fest, Kirchenpräsident D. Niemöller wäre in diesem Falle nicht Sprecher der Christenheit in Deutschland gewesen.
Fünf Todesopfer forderte ein schwerer Verkehrsunfall am Samstagmorgen auf der Autobahn zwischen Peine und Braunschweig.
Konflikt um die Polizei
Bund und Länder in ernsten Auseinandersetzungen
Eigenbericht unseres Bonner Korrespondenten
Da. Bonn, 15. Oktober. In Bonner politischen Kreisen wird ein ernster Konflikt zwischen dem Bund und den Ländern wegen der 30 000 Mann Bereitschaftspolizei befürchtet. Die Verhandlungen sind plötzlich ins Stocken geraten, da die Innenminister der Länder eine außerordentlich scharfe Wendung gegen den Bund gemacht haben.
Man hat in Bonner Regierungskreisen den Eindruck gewonnen, daß es den Innenministern der Länder ausschließlich darauf ankommt, selbst Herr der gesamten Polizei, einschließlich der Bereitschaftspolizei zu werden. Die Rechte, die die Innenminister dem Bund zugestehen wollen, bezeichnet man in Bonn als unzulängliche „Ehrenrechte“. Tatsache ist, daß die Innenminister der Länder der Bundesregierung nicht einmal die Rechte zugestehen wollen, die ihr der Artikel 91 des Grundgesetzes gewährt. Nicht die Bundesregierung, sondern die Innenminister der Länder sollen darüber zu entscheiden haben, wann ein Notstand gegeben ist, auf Grund dessen die Bundesregierung die Polizei ihren Weisungen unterstellen kann. Nach dem Grundgesetz würde eine solche Entscheidung vom Bundesrat aufgehoben werden können. Die Länderinnenminister beabsichtigen aber nicht, das Mitwirkungsrecht des Bundesrats zu verstärken, sondern scheinen für ihre eigene Konferenz ein ausschlaggebendes Recht in Anspruch nehmen zu wollen.
Die Kabinette der einzelnen Länder werden sich voraussichtlich bis Ende der Woche entscheiden. Wenn sich der Standpunkt der Innenminister durchsetzt, wird die Polizeifrage nur noch durch ein verfassungsänderndes Gesetz geregelt werden können. Ein solches Gesetz ist in Anbetracht der Haltung der Länderinnenminister von den Freien Demokraten bereits bejaht worden, ist aber vor allem das Ziel der Sozialdemokraten, die anscheinend ihre Zustimmung zu dem Gesetz von dem Einfluß abhängig machen wollen, den ihnen die Bundesregierung auf die Polizeipersonalien gewährt.
Freiheitsfener loderten
Fulda, 15. Oktober, (dpa) Freiheitsfeuer flammten am Samstagabend an der gesamten hessischen Grenze zur So— wjetzone auf, als Tausende von Jugendlichen für Freiheit und gegen die Einheitswahlen in der Sowjetzone demonstrierten.
Auf einem Plateau über - Sooden-Allendorf trafen sich nordhessische Jugendliche aller Parteirichtungen, um ihre Verbundenheit mit der Jugend der Sowjetzone auszudrücken. Zur gleichen Stunde waren etwa siebenhundert Jugendleiter und Jugendliche auf der Jugendburg Ludwigstein/Werra zu einer Kundgebung zusammengekommen. Auch in Fulda hatte der Ring der politischen Jugend zu einer Freiheitskundgebung aufgerufen.
Heinemann:„Die Grenzen sind überschritten“
Bischof D. Dibelius, Dr. Heinemann und D. Niemöller auf dem Evangelischen Landesmännertag
Frankfurt a. M., 15. Oktober. (AP.) Kirchenpräsident D. Niemöller teilte am Sonntag mit, ein ehemaliger deutscher General habe ihn davon unterrichtet, daß er, der Generalleutnant, die Führung eines Organisationsstabes in Würzburg übernommen habe, der deutsche Einheiten für eine westeuropäische Armee aufstellen solle.
Vor den rund 15 000 Teilnehmern des zweiten evangelischen Landesrhännertages für Hessen und Nassau in Frankfurt verlas Niemöller den Brief, in dem der Generalleutnant ihm diese Mitteilung machte. (Seine diesbezüglichen Ausführungen werden von uns an anderer Stelle des Blattes wiedergegeben.) Niemöller erklärte, die Wiederbewaffnung in West-* deutschland habe begonnen, und man müßte „den törichten Versuch aufgeben, diese Tatsache abzustreiten“. Man versuche, an die Angst und den Trotz des deutschen Volkes zu appellieren, um es zu veranlassen, wieder Waffen in die Hand zu nehmen. Angst und Trotz aber machten blind und lähmten. Sie seien Urfeinde der Freiheit. Die Aufstellung von 10 Divisionen in Westdeutschland bringe auch die Aufstellung von 10 Divisionen in der Ostzone mit sich. Die evangelische Kirche trete für die Freiheit des ganzen Volkes ein und nehme das Risiko dieses Schrittes auf sich. Die Last der Brüder und Schwestern in der Ostzone sei erdrückend und mehr, als man ertragen könne, sagte der Kirchenpräsident. Das deutsche Volk im Westen müsse mit den Brüdern in der Ostzone in gemeinsames Leben führen und dürfe nicht an der Mauer mitbauen, die sie voneinander trenne. Die evangelische Kirche erkenne keinen Eisernen Vorhang an.
Der Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, der zurückgetretene Bundesinnenminister Dr. Heinemann, erklärte zu seinem Rücktritt unter großem Beifall: „Ich bin fortgegangen, weil die Grenzen dessen, was ich verantworten kann, überschritten sind. Wo die dem Bundeskanzler obliegenden Bestimmungen so verstanden sind, daß eine gemeinsame Willensbildung der Regierung nicht mehr stattfindet, ist für mich eine Verantwortung nicht mehr tragbar.“
Del’ Vorsitzende des Rates der. evangelischen Kirche, der Berliner Bischof D. Dibelius, betonte in seiner Ansprache, die evangelische Kirche sei zu einem großen Hort der Freiheit berufen «worden. Das Leben der Menschen Sei in der ganzen Welt immer mehr unter Zwang und Gewalt geraten. Das deutsche Volk habe den totalen Staat zwölf Jahre lang zur Genüge kennenlernen können, und nun habe man dasselbe im Osten -von neuem kennenzulernen. Zu der Forderung, den Staat als oberste Autorität auf jedem Gebiete anzuerkenrien, köhne die evangelische Kirche nur ihr „immerwährendes Nein im Leben und im Sterben“ sagen.
Niemöller antwortet Adenauer
Neue Erklärungen zur Wiederaufrüstung
Der „Evangelische 'Pressedienst'* vom 13. Oktober enthält, neue Erklärungen des Kirchenpräsidenten D. Niemöller zur Wiederaufrüstung. Wir geben, sie im Wortlaut Wieder, weil sip voraussichtlich bei innen- und außenpolitischen Erörterungen der nächsten Tage eine große Rolle spielen werden. Die Redaktion.
epd Frankfurt, 14. Oktober. „Entweder weiß der Bundeskanzler nicht, was in Bonn vorgeht, oder er enthält der deutschen Oeffentlichkeit, wie früher schon, den wahren Tatbestand vor.“ Mit dieser Feststellung beantwortete Kirchenpräsident D. Niemöller die Frage des Frankfurter Korrespondenten des Evangelischen Pressedienstes, was er auf den von Bundeskanzler Dr. Adenauer gegen ihn erhobenen Vorwurf der Leichtgläubigkeit und mangelnden Verantwortungsgefühls zu sagen habe.
„Ich halte das aufrecht", so betonte D. Niemöller, „was ich in meinem offenen Brief an Dr. Adenauer gesagt habe, und stelle die Gegenfrage: Ist es freie Erfindung, daß am 1. Oktober in Würzburg ein aus Offizieren der alten Wehrmacht bestehender Organisationsstab seine Tätigkeit aufgenommen hat, dessen Aufgabe es ist, deutsche Einheiten für eine europäische Wehrmacht aufzustellen?“
„Idi autorisiere Sie hiermit ausdrücklich“, so sagte D. Niemöller, „die beglaubigte Abschrift eines Briefes zu veröffentlichen, in dem ein mir bekannter früherer Generalleutnant diese Mitteilung macht. Ich habe ferner die Fotokopie des Entlassungsscheines gesehen, mit dem ein deutscher Automechaniker wegen ,disobeying order' fristlos aus amerikanischen Diensten entlassen wurde, weil er sich geweigert hatte, sich an der Waffe ausbilden zu lassen. Ich habe schließlich glaubwürdigste Kenntnis von der Aeußerung westdeutscher Industrieller, wonach in der westdeutschen Industrie heute schon leichte Waffen hergestellt werden. Endlich ist festzustellen, daß die Meldung der deutschen Presse, wonach der Bundeskanzler dem amerikanischen Oberkommissar McCloy zwar nicht die Aufstellung einer deutschen Wehrmacht, wohl aber einen deutschen Beitrag von einer bestimmten Zahl von Divisionen angeboten habe, bisher unwidersprochen geblieben ist.“
Nicht ordnungsgemäß informiert
„Demgemäß muß ich erneut feststellen“, so fuhr D. Niemöller fort, „daß die in der westdeutschen Bundesrepublik wohnende größere Hälfte des deutschen Volkes nicht ordnungsgemäß über Fragen informiert wurde, die für es lebenswichtige Bedeutung haben. Da auch der Bundeskanzler auf die in meinem offenen Brief enthaltenen Fragen bisher nicht geantwortet hat, habe ich sie in einem an den amerikanischen Oberkommissar gerichteten Brief wiederholt.“
Im weiteren Verlauf des Gesprächs fragte der Vertreter des Evangelischen Pressedienstes den Kirchenpräsidenten, wie er sich zu der bisweilen anzutreffenden Meinung stelle, daß die Kirche sich angeblich nicht mit der gleichen Schärfe, mit d^r sie westliche Aufrüstungstendenzen bekämpfe, auch gegen ähnliche Bestrebungen im Osten wende.
„Wenn man die Essener Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ausführlicher in der Presse veröffentlicht und genauer gelesen hätte, würde sich diese Frage erübrigen“, erklärte D. Niemöller hierzu, „wir werden eine Remilitarisierung im Osten genau so bekämpfen, wie wir gegen die des Westens sind. Jede Flinte, die einem Deutschen im Westen in die Hand gedrückt wird, bedeutet eine andere in der Hand eines Deutschen im Osten. Wohin soll das führen? Ein solches Wettrennen in der Rüstung ändert zudem nichts am gegenseitigen Kräfteverhältnis.“
„Echter Sozialismus" notwendig
„Wer uns für probolschewistisch hält, ist damit bereits der amerikanischen Propaganda verfallen. Wir sind nicht probolschewistisch, aber wir glauben, daß die Amerikaner den Bolschewismus zu harmlos nehmen, wenn sie meinen, ihn mit Gewalt erledigen zu können. Das war vielleicht beim Nationalsozialismus möglich. Bei der Bekämpfung des Bolschewismus gilt das Bibelwort aus dem sechsten Kapitel des Epheserbriefes. Denn wir haben es beim Bolschewismus nicht nur mit einer materiellen Größe zu tun. Wollen wir ihn überwinden,, so müssen wir zunächst durch das Praktizieren eines echten Sozialismus dafür sorgen, daß sein Versuch einer Infiltration Westdeutschlands ins Leere stößt. Wenn unsere Aufrüstung so aussieht, ist sie zu begrüßen.“
Anlage zum Niemöller-Interview Bei dem Brief, den D. Niemöller in seinem vorstehenden Interview erwähnt, handelt es sich um das Schreiben eines Generalleutnants a. D. Paul M., den dieser aus Bad Kissingen am 27. September an Dr. Beyer, den Privatsekretär D. Niemöllers, gerichtet hat. In diesem Schreiben heißt es:
.. es wird Sie interessieren, daß ich ab 1. Oktober d. J. die Führung eines Organisationsstabes übernehme, der deutsche Einheiten für die europäische Wehrmacht aufstellt. Mein Dienstsitz ist Würzburg, ich bleibe aber in Kissingen wohnen. Einen vollen Monat habe ich mich geweigert, die Stelle anzunehmen. Man trat nämlich mit dem Angebot an mich heran, ohne daß ich mich beworben hätte oder •ohne daß ich überhaupt von solchen Vorbereitungen etwas ahnte. Nach reichlichem Abwägen aller Für und Wider und nachdem ich immer wieder bedrängt wurde, die Sache zu machen, habe ich zugesagt unter der Bedingung, daß mir bis 31. Dezember der Rücktritt jederzeit freisteht ...“
Für die Richtigkeit der Abschrift: Wiesbaden, den 30. 9. 1950, Moritz, Kirchen¬ . amtmann. Siegel der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Stimmen der Anderen
Das steinerne Kindergesicht
Ein junger, in Moskau tätiger Diplomat berichtet im „Manchester Guardian Weekly“ über seine stärksten Eindrücke folgendes:
„Kürzlich besuchte ich die Moskauer Oper. Als ich sie wieder Verließ, fiel mir erst das auf dem Opernhaus stehende Denkmal auf. Es war einem zwölfjährigen Jungen gesetzt wordän. Die Inschrift verkündete seine „Heldentat" der - Nachwelt. Er hatte seine Eltern angezeigt, weil sie sich aus ablieferungspflichtigen Kartoffeln Essen bereitet hatten. Es waren kleine Kolchosenbauern gewesen, die irgendwo in den Weiten Rußlands gelebt hatten. Für dieses Staatsverbrechen erhielten sie den Genickschuß, ihr Schn dieses Denkmal. Dieses steinerne Kinderantlitz verfolgt mich seither in Moskau. Es ist für mich eine größere Offenbarung als alle Beteuerungen, die der Welt durch den Kreml bekannt geworden sind...“
20 Prozent haben Aussichten
Frankfurt, 15. Oktober, (dpa) Ministerialdirektor Dr. Nahm vom hessischen Innenministerium erklärte auf einer Versammlung des „Landesverbandes Hessen der Sowjetzonenflüchtlinge“ in Frankfurt, nach den in Kürze zu erwartenden Ausführungsbestimmungen des Notaufnahmegesetzes würden etwa 20 Prozent der Sowjetzonenflüchtlinge die gleichen Rechte wie die Bürger der Bundesrepublik erhalten. Das Schicksal der übrigen 80 Prozent müßte auf Bundesbasis vom Ministerium für gesamtdeutsche Fragen in engster Zusammenarbeit mit den Flüchtlingsverbänden gelöst werden.
Für größere Büůrgerredhte
Bedenken gegen einen Gesetzentwurf
Frankfurt, 15. Oktober, (dpa) Die „Gesellschaft für Bürgerrechte“ glaubt, daß der Regierungsentwurf eines Gesetzes über das Bundesverwaltungsgericht in einigen Punkten nicht genügend die Rechte der Bürger wahrt. Eine entsprechende Stellungnahme, die unter Mitwirkung von namhaften Rechtswissenschaftlern entstanden ist, wurde am Sonntag an die zuständigen Stellen in Bonn geleitet.
Wahlabltommen gehbilligt
Gießen, 15. Oktober, (dpa) Eine Landesdelegierten-Versammlung des hessischen „Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ billigte am Samstagabend in Gießen ein Wahlabkommen mit der Freien Demokratischen Partei für die hessischen Landtagswahlen. Bei den Verhandlungen zwischen den Vorständen beider Parteien hatten die Freien Demokraten dem Block der Heimatvertriebenen acht Kandidaten in den Wahlkreisen und sieben auf der Landes-Ergänzungsliste angeboten.
Renneisen Willmanns Nachfolger
Wiesbaden, 15. Oktober, (dpa) Die Landesleitung der hessischen KPD hat- den zur Zeit suspendierten Oberregierungsrat Jakob Renneisen als Nachfolger für den aus eigenem Entschluß aus der Landtagsfraktion und der KPD ausgeschiedenen Abgeordneten Karl Willmann benannt.
Hölle wo ist Dein Sieg?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdrock Alle Rechte beim Wolfgang-KrOger-Verlag, Hamburg
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„Ihre Hand glüht ja, als wenn Sie Fieber hätten.“ Sie überlegte sich, ob er wohl merkte, wie sie zitterte. „Sind Sie gänz sicher, daß es nichts Ernstliches ist?“
„Nur eine Schnittwunde in der Handfläche; die alte Klinge war doch schärfer, als ich. dachte.“
Er machte keine Anstalten, seine Hand wegzunehmen, und sie schien nicht die Kraft zu haben, die ihre fortzuziehen, wie lange sie noch so sitzen 'geblieben ■wären, hätte Henriette nicht zu sagen vermocht; aber plötzlich brach das Klavierspiel im anderen Zimmer ab, und sie riß sich zusammen.
„Uebe noch ein bißchen an der Polonaise, Isabella“, rief sie hinüber. „Es ist noch zu früh zum Aufhören.“ Als das Spiel wieder begann, faltete Henriette ihre Hände fest in ihren Schoß, ; bevor sie sich wieder dem Herzog zu¬ . wandte.
„Monsieur“, fing sie wieder an, „wenn irgend- etwas, was ich gesagt oder getan habe, es verschuldet hat. dann sagen Sie es mir bitte ohne Rückhalt.“
„Die Ursache liegt tiefer, als daß Sie darauf einen Einfluß hätten haben können.“ Er seufzte und strich sich eine Haarsträhne aus seiner feuchten Stirn. „Ich sehe es immer noch vor mir.“
Sie sprach ihm nicht mit Worten Trost
zu, sondern saß ruhig da und wartete, bis er von selbst fortfahren würde.
„Ich hätte nicht so zu« ihr sprechen dürfen, aber als ich sah, wie der Junge litt, nur wegen ihrer kleinlichen Eifersucht, da konnte ich nicht länger an mich halten, und ich sagte — nun, ich weiß kaum mehr, was ich eigentlich gesagt habe. Hätte es sich um eines der anderen Kinder gehandelt, nicht um Raynald — aber seine zarte Gesundheit ist mir immer wie ein Vorwurf gegen mich selbst vorgekommen. Ich habe versucht, an ihm wieder gutzumachen, was er hoffentlich niemals erfahren wird —“
Er brach ab, und sie war klug genug, das Schweigen zu achten. Aber seine letzten Worte ließen sie nachsinnen. Diese abgerissenen, verwischten Sätze wurden plötzlich für sie zu einem offenen Geständnis. Sie erriet, daß Raynald in den Augen seines Vaters das lebende Symbol einer Liebe darstellen mußte, die nur kurz aus fast schon erkalteter Asche noch einmal emporgelodert war. Sie glaubte es zu verstehen: dieses jüngste Kind war gleichsam für die Herzogin ein letzter Bevzeis vor sich selbst gewesen, daß sie noch die Macht besaß, die Flamme aus der Asche zu wecken. Es War Henriette in diesem Augenblick alles so klar, daß sie jene Unglückliche zu sehen vermeinte, wie sie sich verzweifelt mühte, ein wirkliches Feuer zu entfachen. Ab ar was nützte es ihr jetzt, Tag und Nacht unermüdlich in der längst erloschenen Glut nach einem Funken zu suchen. Wußte sie nicht, daß Liebe, wenn sie einmal ausgebrannt war, auf diese Weise nie wieder zum Leben erweckt werden konnte?
„Monsieur“, sagte sie mit ruhiger Bestimmtheit, „was soll jetzt geschehen? Es kann doch nicht so weitergeben, für die Herzogin nicht und auch nicht für Sie und mich und die Kinder.“ Eine hilflose Bewegung war die einzige Antwort, die sie erhielt.
„Es ist bestimmt besser, wenn ich gehe“, beharrte sie. „Vielleicht wird sie sich glücklicher fühlen, wenn ich fort bin. Vielleicht kommen Sie eines Tages doch einander wieder näher.“
„Unmöglich!“ Er schüttelte seine Niedergeschlagenheit ab, und seine Stimme nahm wieder ihren alten, überlegenen Ton an. „Was einmal tot und begraben ist, kann man nicht wieder lebendig machen. Ich will auch nicht behaupten, daß mich kein Vorwurf treffen kann. Ich will auch nicht den Märtyrer spielen. Das überlasse ich alles ihr. Wenn es ihr irgendeinen Trost bietet, sich als die Makellose und Gekränkte zu fühlen, will ich sie nicht daran hindern. Aber die Kinder — das ist eine andere Sache. Die leben, und ich kann nicht zulassen, daß sie für etwas leiden sollen, woran sie keine Schuld tragen. Um ihret- und auch um meinetwillen dürfen Sie nicht davon sprechen, uns verlassen zu wollen.“
„Es gibt ein altes Sprichwort“, sagte sie, „an das mußte ich gerade denken: Unfrieden zwischen Mann und Frau stiften, das heißt zwischen Baum und Borke geraten.“
Er lächelte, wenn auch etwas verzerrt. „Wenn die Borke sich schon von dem Baum gelöst hat, Mademoiselle Deluzy, wenn Meilen dazwischen liegen, dann verlieft Ihr Sprichwort seine Bedeutung.“
„Nun, Monsieur, ich maße mir nicht an, Ihr Herz öder das Ihrer Frau zu kennen, aber ich weiß, daß sie mich haßt, und die Kinder wissen es auch, und früher oder später wird sich die Tragödie, der Sie heute entronnen sind, wiederholen.“
,;Und trotzdem bitte ich Sie zu bleiben. Wenn Sie jemanden nahe am Ertrinken sehen, würden Sie dann nicht Ihre Hand hinstrecken, um ihn zu retten? Würden Sie nicht ein Tier, das sich in einer Schlinge gefangen hat, zu befreien versuchen? Nun gut, dann vergessen Sie nicht, daß ich mich in einer Schlinge befinde, die ich mir selbst gelegt habe — wenigstens bin ich nicht unbeteiligt daran gewesen; und um so mehr ich mich dagegen sträube, um so enger zieht sie sich um mich zusammen. Sie sehen mich zwar frei herumlaufen, aber lassen Sie sich dadurch nicht täuschen.' Ich lebe in einer Hölle, ob Sie nun an deren Vorhandensein glauben oder- nicht.“
„Oh, bitte!“ Die Eindringlichkeit seiner Worte rührte sie. „Was kann ich darauf erwidern, wenn Sie so zu mir sprechen? Ich weiß nur, daß sie Sie liebt, und wenn sie Sie und-andere quält, dann nur, weil sie von ihrer verhängnisvollen Leidenschaft für Sie getrieben wird.' Ich bin auch eine Frau und .kann es daher verstehen, obwohl mir diese peinliche Zurschaustellung ihrer Gefühle unbegreiflich —“
.Henriette hielt, inne aus Furcht, sie könnte zu weit, gegangen sein.
„Sie.haben recht, Mademoiselle; wenn Liebe sich keinen Ausweg mehr weiß, wird sie zu einer Krankheit, die alles, was mit ihr in Berührung kommt, verdirbt. Ich weiß das nur allzu gut." Er ließ seinen Kopf schwer in seinen Händen ruhen, und der Verband leuchtete weiß durch das Dämmerlicht. „Ich kann nur hoffen, daß Sie niemals erfahren, was es heißt, allmählich von einer Liebe erstickt zu werden, die zu erwidern man sich nicht mehr fähig fühlt.“
„Ich hätte mir . nicht erlauben dürfen, überhaupt von Liebe zu sprechen“, entschuldigte sie sich. „Ich hatte dazu kein Recht, und ich bitte Sie, es zu vergessen.“
„Nein, bitten Sie das nicht; es wird mir helfen, wenn ich mich an Ihr Mitgefühl für mein Los erinnern kann. Heute, als dieser Alptraum überstanden war, fürchtete ich mich vor dem Alleinsein. Deshalb bin ich hergekommen, so wie ich auch früher herkam, wenn ich glaubte, die Zukunft auch nicht eine einzige Stunde mehr ertragen zu können.“
Obwohl er sein Gesicht noch in den Händen barg, ließen die Vertraulichkeit, die Beschwörung in seinen Worten ihr Herz wild zu schlagen beginnen. Sie konnte sich nicht mehr auf die Festigkeit ihrer Stimme verlassen, und nach einer Weile hub er wieder an;
„Es sollte doch nicht zu viel verlangt sein, wenn ich nur um etwas Frieden in meinem Hause bitte. Statt dessen stehe ich .wie ein Stier in der Arena, der durch unzählige Stiche immer von neuem geprägt und gereizt wird. Eines Tages wird em Stich zu tief eindringen, und dann wadt das Blut hoch. An den Tag denke ich mit Schrecken “
Er hob sich langsam, und seine kraft-V°i ' hohe Gestalt beherrschte auf einmai dem ganzen Raum. Henriette blieb en;, , e Knie waren zu schwach, und mre Pulse hämmerten noch. Sie sah zu ihm auf, und er blickte auf sie hinunter. ’ ;iagte .er’ ”ietzt wissen Sie“. „Manchmal ist es besser zu vergessen was man weiß, Monieur.“ Noch immer ragte seine Gestalt vor ihr auf.
(Fortsetzung folgt.)
Feuilleton
Elisabeth Langgässer
Alles Außen ist Innen. Wer lebt, enthüllt; und nur wer enthüllt, hat gelebt. Wenn das Leben gleichnishaft wird und zum Sinnbild, wird es im Grunde gleichgültig werden und ist auf dem Wege zu dem Sinn. Wo man es anspricht, sagt es dasselbe, nur jedesmal deutlicher; es legt sich in konzentrischen Ringen um seinen kristallischen Mittelpunkt und legt sich immer tiefer — aber der Mittelpunkt bleibt der gleiche, der er von Anfang an war. Dieser Mittelpunkt: auf ihn kommt es an. Er ist das Geheimnis, um welches die Ringe wie Spiralen der Ariadne führen, wie der Garnfaden in dem Labyrinth; doch gleichzeitig dehnt das Geheimnis des Ursprungs, als der Stein, der die Wasserfläche durchbricht, sie weiter und weiter aus.
Elisabeth Langgässer
Die Dichterin, der die Stadt Darmstadt in ehrfurchtsvoller Erinnerung gestern den Georg-Büchner-Preis verlieh, wurde am 23. Februar 1899 in Alzey im Rheinhessischen geboren, • verbrachte ihre Jugend in Darmstadt und lebte später in Berlin. Zuletzt wohnte sie in Rheinzabern.
Erstmals vor die Oeffentlichkeit trat sie kurz nach ihrer Uebersiedelung nach Berlin im Jahre 1924 mit dem Lyrikbädchen „Wendekreis des Lamms“, geistlichen Gedichten, die sie in einer gewissen Verwandtschaft mit Droste-Hülshoff zeigen. Das „Triptychon des Teufels“ (1932) und „Der Gang durch das Ried“ (1936) zählten zu ihren großen Erfolgen, bevor sie wegen ihrer halbjüdischen Abstammung im Dritten Reich zum Schweigen, aber nicht zur Untätigkeit verurteilt wurde. 1935 waren von ihr die „Tierkreisgedichte“ erschienen, denen sie als Geleitwort eine Stelle aus einem Römerbrief des Paulus mitgab, die ihr Wesen und ihre Dichtung gleichermaßen erhellt: „Denn wir wissen, daß alle Kreatur sich mit uns sehnt und ängstigt bis an den jüngsten Tag.“
In der Zurückgezogenheit der dreißiger Jahre entstand ihr großer dreiteiliger Roman „Das unauslöschliche Siegel“, ein Buch vom „Mysterium der Taufe“, „Eine Geschichte vom Ursprung“, wie sie es selbst nennt. Das Problem von Glauben und Wissen, Natur und Gnade, veranschaulicht an einem getauften Juden, weitet sich hier zu einer Seelengeschichte der ganzen Menschheit. Neben diesem stark beachteten und wegen seiner literarischen und religiösen Fragestellung viel diskutierten Werk erschienen nach 1945 die Sammlungen ihrer Erzählungen, „Der Torso“, „Das Labyrinth“ und das Lyrikbändchen „Der Laubmann und die Rose“.
Am 25. Juli dieses Jahres verschied Elisabeth Langgässer, die noch wenige Wochen vorher in Darmstadt aus ihrem letzten Roman, der „Märkischen Argonautenfahrt“, vor einem großen Zuhörerkreise gelesen hatte. Bis zuletzt arbeitete sie an diesem Werk.
Elisabeth Langgässer zählte und zählt zu den bedeutendsten Dichtem der Gegenwart. Christliches Weltbild katholischer Prägung, Mystik, Eros und Ratio erleben bei ihr eine seltsame Verdichtung und Synthese, aus der heraus sich immer wieder das Rätsel Mensch als Urthema kristallisiert. Der Mensch wird Gleichnis, Symbol teilhaftig gewordener Gnade, dargestellt als Kriterium einer Zeit, mystisch umhüllt, tiefgründig erfahren, weniger im Bezug auf das menschliche Dasein als vielmehr auf das Sein an sich. In allen ihren Werken aber lebt die Natur, die Landschaft ihrer hessischen Heimat, die zum Mittelpunkt ein.es transzendierenden Weltbildes wird.
Fritz Usinger
Otto Flake
Reden um Schrifttum - Diskussion um Dichtung
„Wirkungen der Literatur“ / Ein Darmstädter Gespräch
,^lm Rahmen der 1. Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung fanden am Freitag und Samstag in der Stadthalle Vortrags- und Diskussionsabende statt unter dem Thema: „Wirkungen der Literatur“.
Die straffe Zeiteinteilung ermöglichte es, jeweils 3 Referenten zu Worte kommen zu lassen und eine größere Anzahl von Diskussionsrednern. Prof. Dr. Bruno Snell leitete das Darmstädter Literatur-Gespräch zwischen Dichtern und Leserschaft.
Nach Begrüßung und Ankündigung sprach als erster der Jahresälteste unter den vorgesehenen Rednern.
RUDOLF ALEXANDER SCHRÖDER
Er wandte das Thema „Wirkungen der Literatur“ sofort in die Bedeutung „Wirkungen des Dichters, des Schriftstellers“ im Sinne seiner geistigen Einflußnahme in der Zeit auf die Zeit.. Unterscheidend, daß das Wort Gestaltetes und Gestaltendes zugleich sei, definierte er seine Wirksamkeit in raumzeitlicher und zeiträumiger Richtung. Beide erscheinen dem Dichter, dem Schriftsteller für sein Werk wünschenswert, doch gelingt nur selten die glückliche Vereinigung. Viel eher wird die Entscheidung von ihm verlangt, ob er der Raumzeitlichkeit, d. h. der räumlichen Breite in seiner Gegenwart, dem Massenerfolg, dem Bestseller den Vorzug gibt oder der Zeiträumlichkeit vertraut, die erst spät den Tiefgang seines Schaffens erweist und in der Stille wirksam macht. Die Begriffe Publicity, Propaganda, Reklame sind an sich sittlich indifferent, doch sie befinden sich in ständiger Gefahr, in unsittlicher Weise genutzt zu werden.
Die Versuchung zu raumzeitlicher Wirkung ist groß. Als Inbegriff und wahrste Darstellung des sich immer in der Welt wiederholenden Vorgangs verwies Schröder auf die Versuchung Christi und bezeichnete das unanfechtbare Bestehen des Meisters als den Ursprung der Literatur der Evangelien, denn nun erst war „das Wort“ in seiner Reinheit und über die Zeiträume wirkenden Wahrheit möglich.
Inmitten der andrängenden Verlockungen bleibt die Verantwortung des schöpferischen Wortgestalters das Zentrum, in dem die Entscheidung fällt und der Maßstab für sein Werk gegeben ist. Der Inspiration ist er nicht mächtig, sie geschieht ihm. Wohl aber ist er des Gestaltens mächtig, das entgegen Trugbrot und Scheinwerten echte Geistesnahrung den Bedürftigen reichen soll. Als zweiter Redner sprach am Freitag
WILHELM LEHMANN
Selbst Lyriker und unbeirrbar dieser Wesenheit treu, ging er das Thema vom Gedicht her an, vom einzelnen Gedicht, denn allgemein über Dichtung zu sprechen, erscheint ihm paradox: ein Gedicht ist mehr als viele, ein Dichter mehr als viele, und Dichter sein heißt ihm eine Einheit und ein Zeuge des Lebens sein.
Die Formung des Worts als genaue Fassung des Seienden und Gemeinten („Sprache ist Körper und blutet“), die Gestaltung des Gedichts ist ein schöpferisches Tun, das den Menschen der eigentlichen Wirklichkeit erst gewiß macht. Schlechte Lyrik stört die Natur in ihrem Leben und ihren Zusammenhängen. Echte Dichtung bestätigt sie in ihrer Wahrheit. Merklich fühlt sich das Dasein im genauen, die Wahrheit fassenden Ausdruck wohl. „Je poetischer, je wahrer“ kennzeichnete Novalis das Verhältnis von Dichtung und Wirklichkeit. Die Existenz des bloß Körperlichen wird erst durch die Dichtung zum Da-Sein erhöht. Sie mehrt den Schatz der Wirklichkeit, sie befreit zum eigentlichen Leben, sie erlöst aus der Routine des alltäglichen Hörens und Sehens zum Vernehmen und Schauen. Sie faßt im Persönlichen, Lokalen, Einzelnen das Universale, das Allgemeingültige.
So aus dem zentralen dichterischen Sich-Vollziehen kommend, konnte Lehmann das Verhältnis von Wirklichkeit und Dichtung in die schlichten Fragen und Antworten geben: „Was ist das Geschäft der Welt? D a zu sein. Was ist das Geschäft der Dichtung? Ihr dabei zu helfen.“
KASIMIR EDSCHMID
lenkte die Blickrichtung unter dem Thema „Wirkungen der Literatur“ auf den Gedanken, der aus all seinen Werken spricht: Weitung und Förderung der Menschlichkeit. Von Worten Heinrich Heines ausgehend, verwies er auf die innere Würde des Menschen, die in seiner Freiheit begründet sei. Für den Dichter bedeutet sie, sagen zu können, was er will. Wird ihm dies verwehrt, geht er in die Opposition wie der Hungernde in die Revolution geht.
Absolute Freiheit und Gerechtigkeit sind in der Welt nicht zu verwirklichen. Die relative zu suchen und herzustellen, ist wesentliches Anliegen der Literatur, die in diesem Bemühen in der Geschichte immer wieder unterdrückt worden ist. Von der Ermordung Ciceros bis in die Gegenwart ist der Weg gekennzeichnet vom Leiden des Dichters, des Schriftstellers um seiner Aussage willen und haben die Mächtigen aller Zeiten die unanfechtbare Freiheit des dichterischen Worts gefürchtet und zu vernichten gestrebt. Von diesem weiträumigen, geschichtlichen Ansatz her ging Edschmid auf einige Fragen um das Schrifttum in unserer Gegenwart ein. Er wandte sich gegen jede Art von Sondergesetzen auf diesem Gebiet, vor allem gegen die Planung eines Gesetzes gegen Schmutz und Schund, damit die Kontrolle über Schrifttum nicht aus den Händen der Literaten in die Hände der Beamten übergehe. Wohl aber sei es nötig, daß der Staat die Einfuhr ausländischer Pornographie unterbinde.
Die ganz ins Aktuelle gehenden Ausführungen beschloß Edschmid dann mit einem Zeugnis für die zwingende Gewalt und Erhabenheit echter Dichtung, für die ein italienischer Bauer Zeugnis ablegte, als er die Bilder von Dantes „Göttlicher Komödie“ in die Rinde eines Baumes einschnitt und den Besuchern die Verse des gewaltigen Werkes vortrug.
DIE DISKUSSION
Die Diskussion, zu der nun aufgefordert wurde, bewegte sich nicht über die Außenbezirke des Vorgetragenen hinaus, sie klärte kleinere Mißverständnisse und erging sich eine Zeitlang auf der Ebene bundespolitischer Erwägungen über Gesetzesplanung gegen „Schmutz und Schund“, die Einfuhr von Pornographie und mögliche staatliche Hilfe zur Förderung der Literatur und Linderung wirtschaftlicher Not der Literaten. Nur hier und da suchte ein Gedanke in größere Tiefe zu gelangen: die Literatur verhelfe dem Menschen zu größerer Klarheit über sich selbst und über die Probleme des Lebens, sie mache dem Menschen seine Verpflichtung gegenüber dem Leben bewußter, und schon die Darstellung der ungeheuren Erlebnisse einer Generation gebe das Gefühl stärkerer Sicherheit, wenn alles rings zu wanken scheine.
Doch wurde der Weg in die Tiefe nicht weiter beschritten, und humorvolle Aeußerungen der Akademieangehörigen selbst leiteten zu dem unfreiwillig, doch nun mit Ironie gegebenen Schlußwort Frank Thieß’ über, der empfahl, man möge in den Buchläden sich umschauen und die Bücher ihre Wirkungen auf die Geldbörse tun lassen. Der launige Ausruf: „Ein solches Schlußwort hätten Sie wohl nicht erwartet!“ traf allerdings deh Nagel auf den Kopf. * Die drei Referate des folgenden Abends steckten wiederum einen weiten Diskussionsraum ab, in dem Tiefe bei Tiefe zü ergründen gewesen wäre.
FRITZ USINGER
gab den Einsatz mit einem Zitat aut Henry Benraths hinterlassenen Manuskripten: „Ein Kunstwerk ist niemals eine Auseinandersetzung, sondern das Ergebnis einer Auseinandersetzung und damit wieder eine Ineinandersetzung“. Dichtung ist somit auch mehr als eine Wiederholung des Wirklichen, ist eine Zusammenfügung von Widersprüchen und stellt den Konnex zwischen den Kräften der natürlichen und geistigen Gestaltbildungen, mit den Göttern her.
Benrath steht mit dieser Auffassung der Kunst als Gestaltung nach dem Urteile Usingers im Gegensatz zu der heute üblichen Anschauung von der Kunst als Ausdruck, als Ausdruck einer Gesellschaft, einer Situation, eines einzelnen. Damit sei der Künstler vom Auftrag zur Vollendung entbunden, er mache nur sichtbar, faßbar, stelle nur aus sich heraus, was zeit-, eigenart- und umwelt-bedingt sei. Er will dies Fragmentarische gar nicht mehr Überhöhen, sondern nur darstellen. Den Umschwung von der Auffassung der Kunst als Gestaltung zur Kunst als Darstellung sieht Usinger gekennzeichnet durch die Ablösung der Aera George durch die Aera Rilke.
Rilke hat keine Verbindung mehr zur Klassik. Das Ungestalte, Unbewußte, Orphische zieht ihn an, und wie vor gut hundert Jahren versinkt eine klassische Welt vor romantischem Element. Deutlich zeichnen sich im Spätwerk Rilkes die Beziehungen zu Bachofen ab, und die Duineser Elegien nennt Usinger den großen existentialistischen Klagegesang unserer Epoche. In der Auswirkung auf die Menschen — einen kleinen Kreis ausgenommen — und auf die Ordnungen des Lebens ist George gescheitert wie Goethe. In dem Vakuum von 1945 war die Möglichkeit einer Neuentscheidung gegeben. Einflüsse aus Frankreich bestärkten mit Existentialismus und Surrealismus die Neigung zur Aufhebung aller Gestalt, aller Einzelexistenz und zur Darstellung des Unterbewußten, des Traumes, Zeichen, daß wir in einem Zeitalter der Angst und der Verzweiflung befangen sind.
Namen wie Pannwitz, Benrath, Mombert, Kaßner, Friedmann sprechen, nahezu unbeachtet, in ihren Werken das große Ja zu Entwicklung, Leben und Welt aus. Mit dieser Ausdeutung gelangte Usinger zu der Definition des Begriffes „Glück“. Er bezeichnete das „Glück" als ein höchstes Metaphysikum, denn in ihm ereigne sich der Zusammenklang von Menschensinn und Weltsinn, klassisch gewendet: die Begegnung mit den Göttern. In diesem Sinne der Uebereinstimmung von Menschensinn und Weltsinn sei „Glück“ eine neue Idee für Europa, die eine Welt ohne Angst und Verzweiflung zu gestalten vermöchte.
OTTO ROMBACH
ging besonders auf die menschenbildende Kraft aller Kunst und Literatur ein. Die „Göttliche Komödie“ des aus seiner Vaterstadt Verbannten war einst zu Florenz in aller Munde, und seitdem Dichter den Mut zur Muttersprache ihrer eigenen Landsleute faßten, seit Gutenbergs Erfindung die vielfältige Verbreitung des Buchs ermöglichte, sind Literatur und Kunst nicht mehr Vorrecht bestimmter Schichten. Alle Volkskreise nehmen Anteil daran, das Lesen von Büchern erscheint den Menschen aller Stände als ein notwendiges inneres Anliegen.
Die literarische Bildung ist darum humane Pflicht, die der Schulung technischen Könnens, manueller Fertigkeit und geschäftstüchtiger Köpfe voransteht, damit nicht einseitige Spezialisten heranwachsen, sondern harmonische Menschen, die ihrer Mitte gewiß sind.
Von hier aus wies Rombach auf Mängel und Mißstände hin, unter denen heute noch in Deutschland das Büchereiwesen und die Erwachsenenbildung leiden.
Nicht nur Häuser gehören zum Wiederaufbau unseres Lebens, sondern auch die Geister, die sie bewohnen. Es gelte, so schloß Rombach, entgegen allen Enttäuschungen nicht den Glauben an die Wirkung der Dichtung zu verlieren.
GERHART POHL
kam als letzter Referent im Darmstädter Literaturgespräch zu Wort. Der erst vor kurzem aus seinem Arbeitsfeld in Berlin gegangene Schriftsteller zog in seinen Ausführungen die Linien literarischer Einflüsse und Wirkungen nach, die im Spannungsfelde zwischen Ost und West gerade in Berlin vielfältig ineinanderspielen, sich überschneiden und widerstreiten.
Der Stoßkraft von Osten her wirkt eine so viel stillere Beeinflussung von Westen entgegen. Doch zeigt sich deutlich, daß, wie in Westdeutschland von kommunistischen Autoren nur der sub specie aeternitatis gute Werkbestandteil aufgenommen wird, so in Ostdeutschland die kommunistische Strömung zwar oberflächlich überspült, die Tiefenwirkung aber nach wie vor von Autoren wie Hesse, Carossa, Mann und Wiechert ausgeht. Vornehmliche Aufgabe West-Berlins ist deshalb, die Türen nach Osten offen zu halten, die Verbindung zu nähren, bis einmal die Staatseinheit wieder hergestellt werden kann.
Die Diskussionsredner griffen zumeist über die beiden letzten Referate hinweg zu Usingers Ausführungen zurück, war doch hier mit der Gegenüberstellung von Kunst als Gestaltung und Kunst als Ausdruck von George und Rilke, den Begriffen klassischer Gestalt und existentialistischer Auflösung und vor allem mit der Definition von „Glück“ und „Welt ohne Angst“ eine fruchtbare Diskussionsebene gegeben.
In das Für und Wider der Debattierenden trug die Stimme einer Frau wohl das für die Diskussion Bedeutsamste und Nachdenklichste: Ausdruck und Gestaltung so eindeutig im Gegensätze zu nennen, sei wohl deshalb gefährlich und führe zu Unklarheiten, weil man sich nicht einig sei, was unter Ausdruck und Gestaltung im einzelnen verstanden werden solle. Es gelte nicht, eine „Welt ohne Angst“ zu bringen, wohl aber an einer Welt, in der die Angst und das Leiden überwunden gegenwärtig bleiben.
Die weiteren Aeußerungen zu diesen Zentralproblemen zeigten, daß eine einzige Frage dieser Art zu besprechen, wohl einen ganzen Abend hätte ausfüllen können und dann erst die Tiefen aufgedeckt worden wären, die jetzt nur angerührt werden konnten.
Das Ende des Gesprächs wurde wieder von der Heiterkeit würdiger Akademiemitglieder überglänzt, denen Werk und Leben bereits aus ernster Arbeit gelang und die deshalb mit dem Lächeln des Künstlers auf den Eifer der Erwartenden und Lernenden blicken. Dr. D.
Wilhelm Lehmann
Gertrud von Le Fort
Frank Thieß
Rudolf Alexander Schröder
Kasimir Edsehmid
Darmstadt und Umgebung
„Hasso“ und „Hengst Maestoso Austria“
„Das höchste Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Binding sagte es, und in der „Reitvorschrift für eine Geliebte“ wollte er neben der Ursprünglichkeit dieser edlen Tiere die so große Zartheit der Beziehungen zwischen dem Menschen und den Pferden zum Ausdruck bringen. Die Bildhaftmachung von Trutzigkeit, Treue oder Innigkeit benötigt seit undenklichen Zeiten den geharnischten oder schützenden Reiter. Die Götter aller mythischen Sagen ritten auf feurigen Rossen; die „goldene Horde“ stampfte mit Tausenden von Pferdehufen, von Asien kommend, über die Seidenstraße bis ans Schwarze Meer; die schweren treuen Tiere der Kreuzritter begegneten den silberbeschirrten Arabern im Orient, und für Dürer war der „Ritter gegen Tod und Teufel“ trujzig gespornt. Wen beim Anblick der „Hohen Schule" der Lipizzaner die Begeisterung nicht überkommt, möge sich prüfen, ob er den Sinn für Schönheit nicht schon verloren hat. Auch der Mann im Cutaway und grauem Zylinder auf den Rennplätzen wettet auf Rasse, Eleganz und letzte Aesthetik der Natur. Die hohen Wettquoten und die eleganten Frauen bleiben Rahmenhandlung in der Leidenschaftlichkeit der Kämpfe. Es hat keine Reiterin und keinen Reiter in dem Tau der Morgenstunden gegeben, dem diese Zeit nicht auch in späteren Jahren als die kostbarste erschien.
Bei den Parforce-Jagden, heute in Deutschland kaum noch möglich und gesehen, vervollständigte die Meute der Hunde das Bild ungebundener aber doch .gelenkter Ursprünglichkeit. Die Treue trat an Stelle der tückischen Gier des Wolfes. Der Hund begreift mit seinem Gefühl, die Menschen nennen es abweisend „Instinkt“ —, die dritte Dimension in der Gefahr, und warnt und schützt seinen Herrn vor dem drohend Unvorhergesehenen. Nur mühsam bringen selbst Verwandte die unwandelbare Treue zu dem auf, der das Augenlicht verloren hat. „Hasso“ rettete manchem Kind das Leben aus den Fluten, und für den großen, zottigen Bernhardiner ist keine Nacht zu kalt und kein Weg zu weit, um dem unter der Schneelawine Verschütteten Hilfe zu bringen. Im hohen Norden zieht der Leithund den pelzbeladenen Schlitten und zwischen den zusammengerollten Körpern dieser Polarhunde findet ihr Besitzer Schutz und Wärme vor dem Eishauch skandinavischer Nächte.
„Wir wollen und brauchen unsere Hunde nicht mehr für Zigaretten verkaufen, das Geschäft mit der Treue der Tiere ist Gott sei Dank zu Ende“, sagte am Sonntag ein bekannter Hundezüchter und -prüfer. Und in den schwierigen Nadikriegs jähren verzichtete mancher Mensch auf die knappe Fleischportion zugunsten seiner „Asta“ und der Kaffee blieb ungesüßt, um der Stute „Ilonka" das Zuckerstückchen zu geben. Sg
Schweizer Handharmonikaspieler
Flotte Musik im Concordiasaal
Am Samstagabend veranstaltete der Handharmonika-Spielring Darmstadt im Concordiasaal ein Konzert, zu dem er die Orchesterabteilung des HCA Zürich eingeladen hatte. Die Schweizer Handharmonikaspieler hielten es mit der Gemütlichkeit und stellten sich erst nach heftigem Klatschen und unter Einhaltung der akademischen Viertelstunde ihren Zuhörern. Der Saal war bis auf den letzten Platz belegt, und der Vorsitzende des Handharmonika-Spielrings begrüßte unter Applaus die ausländischen Gäste. Ihr Dirigent, Herr W. Al Dobler, sei den Darmstädtern ja kein Unbekannter. Als Zeichen der Anerkennung und der Verbundenheit mit den ausländischen Kollegen verlieh der Darmstädter Handharmonika-Spielring Herrn Dobler die Vereinsnadel. Stadtrat Reiber hieß die Schweizer im Namen des Oberbürgermeisters und des Magistrats willkommen. Er freue sich, daß die Pflege der volkstümlichen Kunst des Handharmonikaspielens nicht vergessen sei. Er wünschte ihnen viel Erfolg und ein gutes Gelingen des Abends.
Das Orchester der Schweizer bestand aus acht Mädchen und fünf jungen Männern. Was sie an musikalischen Leistungen mit nach Deutschland gebracht hatten, konnte sich sehen und hören lassen. Marschmusik wechselte ab mit Potpourris aus den Lehärschen Operetten, aus der „Csardasfürstin“ und mit Walzern von C. M. Ziehrer. Besonders das große Lehär-Potpourri fand ungeteilten Beifall. Im zweiten Teil des Programms traten die Geschwister Rüthemann als Jodelduett auf. Sie sind besonders durch ihre Rundfunkdarbietungen im Radio Beromünster, Innsbruck und Vorarlberg bekannt geworden. Der Abend war ein voller Erfolg für den Darmstädter Handharmonika-Spielring, aber er zeigte doch auch, daß es bei uns noch mancherlei zu arbeiten gibt, um an die Leistungen der Schweizer Gäste heranreichen zu können. Das Publikum dankte dem Orchester mit stürmischem Beifall. -st.
Jeder vierte Auntobahnunfall
bei Kilometer 512
Im Monat September ereigneten sich auf der Autobahn zwischen Frankfurt und der badischen Landesgrenze insgesamt 31 Verkehrsunfälle, von denen einer zwei Tote zur Folge hatte. Bei 17 Unfällen waren insgesamt 26 verletzte Personen zu verzeichnen.
Trotz der Absperrung der Unfallstrecke bei Kilometer 512 in der Nähe von Gräfenhausen war kein Rückgang der Verkehrsunfälle an dieser Stelle zu verzeichnen vielmehr ereigneten sich im September in einer seltsamen Folge ununterbrochen insgesamt acht, zum Teil schwere Unfälle aus den verschiedensten Ursachen. Die seit etwa sechs Wochen abgesperrte Strecke hatte auch im Oktober schon drei Unfälle zu verzeichnen. Ihr letztes Opfer war der bekannte deutsche Weltrekordläufer Dr. Peltzer, der im Eberstädter Krankenhaus seiner Genesung von den Folgen des Unfalls entgegensieht.
Die Fünfzigjährigen feierten
in Eberstadt
Selbst aus dem Schwarzwald, aus Eßlingen oder Hamburg waren die Geburtstagskinder des Eberstädter Jahrganges 1900 gekommen. So konnte Herr Zickler, nach einer Einleitungsmusik der Kapelle Junker und dem von Elisabeth Fischer gesprochenen Prolog, viele alte Kameraden in dem festlich geschmückten Raum des Gasthauses „Zur Eisenbahn“ begrüßen. Er erzählte in erinnernden Worten aus der gemeinsamen Kinder- und Jugendzeit und dem späteren Lebenskampf.
Nach der Polonaise der Fünfzigjährigen, rollte ein 'gut gewähltes und unterhaltendes Programm ab. Wiener Walzer in duftigen, schwingenden Kleidern brachte die Tanzgruppe Nieder-Beerbach genau so graziös, wie sie schwungvoll nach den „Alten Kameraden“ tanzte. Das „Frohsinn-Quartett“ ließ gute und geschulte Stimmen hören. Humorvolle Vorträge in der Mundart und scharmante verbindene Worte sprach Herr Wilhelm Kni eß.
Im anschließenden gemütlichen Teil und beim Tanz wurden viele Erinnerungen hervorgeholt und von manchem Erlebnis berichtet. ug.
Eine Bildersammlung von der Entwicklung des Frankensteins in Eberstadt stellen der Kunstmaler Heinrich Zer ni n und sein Freund und Schüler Franz Best in den Schaufenstern Mut und Grimm, Darmstädter Straße, aus. t-s
Von der Bibliothek des Stadtjugend¬ ausschusses in der Lagerhausstraße, die noch erweitert werden konnte, wird zur Zeit reger Gebrauch gemacht. Der Stadtjugendausschuß weist noch einmal darauf hin, daß die Ausleihe im Gebäude der Diesterwegschule , 2. Stock, jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr stattfindet. t-s
Die Feuerwehr übte:
„Großfeuer“ im Bahnhofshotel
Am Samstagnachmittag schrillten überall in der Stadt die Sirenen und von allen Seiten rasten Löschzüge zum Hauptbahnhof. Großfeuer? Es war „nur“ eine Uebung, anläßlich der amerikanischen Feuerschutzwoche an dem von Amerikanern bewohnten Bahnhofshotel. Zuerst rückte die amerikanische Feuerwehr an und bekämpfte mit der ihr eigenen Taktik des Außenangriffs das Brandobjekt. Zu ihrer Hilfe wurde die Berufsfeuerwehr alarmiert, die bereits nach 4 Minuten aus Bessungen eintraf. Da „Funkenflug“ den ganzen Gebäudekomplex bedrohte, wurde schließlich noch die Freiwillige Feuerwehr alarmiert, die aus dem Taunusring mit mehreren Fahrzeugen erschien und über Leiitergängc von der Bahnseite her den Innenangrif vortrug.
Das Uebungsobjekt macht Branddirektor Jost, wie er uns versichert, für den Ernstfall Sorge, da es bis fteter das Dach mit Menschen besetzt ist. Um so wuchtiger war die Uebung, die in allen Teilen glatt verlief und von vielen Zuschauern miterlebt wurde. Zum Abschluß führte die amerikanische Feuerwehr — übrigens aus Deutschen bestehend und unter deutschem Kommando — ihre „Wasserkanone“ vor, die — in der Vereinigung mehrerer Leitungen in einem Strahlrohr bestehend —■ große Wassermassen vom Boden aus über das Bahnhofshotel hinweg auf den Platz davor warf. Da hatten die großen und kleinen Heiner etwas zum Staunen! H. W. W.
Richtfest
in der ev. Stadtkirchengemeinde
Am vergangenen Freitag hielt die Stadtkirchengemeinde das Richtfest ihres Gemeindehauses in der Kiesstraße 17. Dort ist ein Teil des 1944 zerstörten Anwesens im Wiederaufbau und wird einen Gemeindesaal sowie Wohnungen für Pfarrer, Kirchendiener und Gemeindeschwester enthalten. Eine Feier am Bauplatz und die Nachfeier in der „Bockshaut“ vereinte die Maurer der Firma Riedlinger mit dem Mitarbeiterkreis der Gemeinde. Oberkirchenrat Grein und Dekan Weiß nahmen am Richtfest teil.
Vielfältig und geschmackvoll
Henschel & Ropertz eröffneten die zweite Etage
Am Eingang des Geschäftshauses verteilte ein hübsches Mädchen gelbe Zettel, auf denen zu lesen war, daß man doch bitte einmal die neueröffnete 2. Etage besuchen möge. Wir konnten dieser liebenswürdig vorgebrachten Aufforderung nicht widerstehen und ließen uns von dem Fahrstuhl in das 2. Stockwerk tragen, das auch in der ruhigen Geschäftszeit unseres Besuches zahlreiche Kunden durch seine reiche Auswahl gelockt hatte.
Auf niedrigen Podesten liegen schwere Stapel wuchtiger Teppiche und wenn man mit ruhigem Gewissen das Geld hinter sich weiß, muß es eine Freude sein, diese geschmackvollen Kollektionen sich aufblättern zu lassen. In langen, hohen Regalen sind entlang einer Verkaufsfront alle Arten Berufskleidung aufgestapelt, in einer besonderen Abteilung mit Umkleidekabinen und hohen Spiegeln hängen Herrenanzüge und Mäntel dicht gedrängt nebeneinander und die Auswahl muß bei dieser Vielgestaltigkeit der Muster und Schnitte schwer fallen. In der Bettenabteilung türmen sich Matratzen, Polster, Daunendecken, und die Dekorationsabteilung vermag all das aufzuweisen, was unser Heim wohnlich und anheimelnd machen kann.
„Aber“, so meinten Herr Ropertz und Herr Leuchtmann, die uns beide freundlich begrüßten und auf den 1200 Quadratmetern neuer Verkaufsfläche umherführten, „das ist es nicht allein, daß wir hier zusätzliche Abteilungen vergrößert eröffneten. Wir gewannen auch wesentlich Raum für unsere, jetzt erweiterten Verkaufsabteilungen in den beiden unteren Stockwerken.“
Der Wiederaufbau dieses Geschäftshauses, das jetzt über 300 Angestellte zählt, ging verhältnismäßig schnell. Erst im vergangenen Dezember wurde die I. Etage wieder eröffnet und bald hofft man auch nach dem Weißen Turm zu Klarheit über die Grundstücksverhältnisse durch die Festsetzung neuer Fluchtlinien gewinnen zu können. -agt
Nadeln, Scheren, Messer
Fachgeschäft Röth wieder eröffnet
Zur Besichtigung seiner neuen Verkaufsräume in der Elisabethenstraße hatte am vergangenen Samstag Herr Ludwig Röth eingeladen. Neben Oberbürgermeister Metzger waren Prof. Dr. Plügge und verschiedene Herren der Stadtverwaltung erschienen, um dem Geschäftsinhaber Glück für sein Wiederbeginnen zu wünschen.
Nach schwerem Wiederaufbau wird sich heute der Verkaufsraum mit den chromglänzenden, vielgestaltigen und dem Laien unheimlichen Instrumenten und Gerätschaften dem Publikum öffnen. Eine in 12jähriger Praxis ausgebildete Operationsschwester steht der Kundschaft zur fachlichen Beratung zur Verfügung. In den übersichtlichen von der Firma G. W. Heil in Fränkisch-Crumbach aufgebauten Schaukästen ruhen die unterschiedlichsten Zangen, Scheren, Messer, Nadeln und Untersuchungsspiegel für Augen-, Ohren-, Zahnärzte, für Chirurgen, Internisten und Gynäkologen. Untersuchungsstühle. Inhalierapparate und komplizierte Untersuchungsgeräte stehen in den Schaufenstern und Regalen.
Mit diesen „Waren“ ist das „Verkaufsprogramm“ des Geschäftes nicht erschöpft, denn in den vielseitigen Werkstätten wird von bewährten Fachkräften angefertigt, was körperbehinderten Menschen ihre Not erleichtern soll: Künstliche Glieder, Bandagen, Leibbinden und Einlagen. agt
Mit Schlüsselbund und Gummiknüppel
„Wach und Schließ“ im nächtlichen Darmstadt
Seit mehreren Jahren hat die Wach- und Schließgesellschaft ihre vielseitige Tätigkeit wieder aufgenommen. Jede Nacht sind die Männer in der dunklen Uniform, mit den gekreuzten Schlüsseln auf dem Kragenspiegel, mit Taschenlampe und Schlüsselbund und — Gummiknüppel unterwegs, um in Ergänzung der polizeilichen Arbeit des Nachts in Darmstadt und in den Vororten auf Ordnung zu sehen.
Schußwaffen haben sie noch nicht. Nachdem aber erst vor wenigen Tagen ein Wächter in Frankfurt von Uebeltätern niedergeschlagen wurde, wird man auch bei d^p „zuständigen“ Stellen
nichts mehr gegen eine „Aufrüstung“ der Wach- und Schließgesellschaft haben.
Wir gingen eine halbe Nacht mit einem Wachmann seinen großen Bezirk in der Innenstadt ab. Es war eine ruhige Nacht und doch gab es allerlei festzustellen.
Da brannte unnötiges Licht, dort war eine Tür offen geblieben, hier stand ein Motorrad ungesichert in einem torlosen Hof. Ein Briefkasten war aufgebrochen, mehrere große Abschlußgitter waren defekt. Ein Kiosk war nicht richtig verschlossen und in einem großen Geschäftshaus waren an zwei Stellen die neuen Scheiben in der Ecke unten geplatzt, so daß geschickte Langfinger es gar zu leicht gehabt hätten.
Nach den Schilderungen unseres freundlichen Führers sollte man es nicht für möglich halten, wie weit der Leichtsinn der Darmstädter geht! Oft sind alle Türen offen, so daß der Wächter plötzlich am Bett eines friedlich schnarchenden Ehepaares steht; oder im Laden liegt die ganze Tageseinnahme, offen, schön sortiert und bequem zum Mitnehmen aufgebaut.
Besonders lange hielt uns die Kontrolle einer Großbank auf. Die Kontrollapparate müssen mehrere Male in der Nacht „gestochen“ werden. Auch die Wächter selbst werden von dem Oberkontrolleur dauernd und unvermutet kontrolliert. In den Ruinen und Trümmern Darmstadts ist die Arbeit für die Wächter gar nicht einfach und ungefährlich. Die Zusammenarbeit der Wächter, die zum großen Teil frühere Polizei- oder Kriminalbeamte und alle polizeilich zugelassen sind, mit den verschiedenen polizeilichen Dienststellen ist gut. Wenn die Wach- und Schließgesellschaft als privates Institut natürlich in erster Linie für ihre Abonnenten da ist, so kümmern sich die Wachleute im Ernstfall (Feuer, Diebstahl, verdächtige Erscheinungen usw.) selbstverständlich doch um alle. Für Behörden und größere Firmen werden auf Antrag Sonderwächter mit und ohne Hund gestellt.
Wie müssen zugestehen, daß wir nach vierstündigem „Wandern“ durch Straßen und Höfe, durch Trümmer und Gassen rechtschaffen müde waren. Wir glauben unserem freundlichen Begleiter gerne, daß für solche vorbeugende und ordnende Tätigkeit nur zuverlässige und — mutige Männer zu gebrauchen sind. Ein Umstand erleichtert die Arbeit der Wachmänner in steigendem Maße: die besser werdende Straßenbeleuchtung. Vorher war es in den Außenbezirken, in den Vororten und dunklen Gegenden nicht einfach und oft unheimlich, als Einzelgänger unbeirrbar seine Wächterpflicht zu tun.
Eines blieb uns nach dem Rundgang allerdings immer noch ein Rätsel: Wie bringt der Wächter es fertig, bei seiner Kontrolle im Dunkeln aus dem mehr als umfangreichen Schlüsselbund immer gleich den richtigen Schlüssel zu finden. H. W. W.
Die frühere Schönburgische Kellerei
Die Renovierung des Aufgangs der sich im Eigentum der Stadt Darmstadt befindlichen Eberstädter Apotheke in der Obergasse, eine der ältesten Gemeindeapotheken Hessens, veranlaßte uns, einen Ueberblick über die Geschichte des Gebäudes zu geben.
Die hohe, wuchtige Steinmauer auf der linken Seite des Eingangs der Apotheke, die von unter Naturschutz stehenden, schätzungsweise 80 Jahre alten Eiben überragt wird, die zum Teil 80 cm dicken Wände des Hauses, seine hohen Kellergewölbe, seine mittelalterliche Wendeltreppe mit den Steinmetzzeichen und nicht zuletzt manche Sage, die um das Gebäude kreist, weisen auf ihr hohes Alter hin.
Historisch steht fest, daß das Gebäude im späten Mittelalter eine Kellerei, wie man früher ein Verwaltungsgebäude bezeichnete, einer durch Einheirat entstandenen Abzweigungslinie des Geschlechtes der Frankensteiner gewesen ist, deren Nebengebäude und Scheuern sich bis an die Landstraße, die heutige Darmstädter Straße, und die Marktstraße ausdehnten. Um den Besitzer des Hauses nennen zu können, muß ins Gedächtnis gebracht werden, daß Eberstadt von der- Mitte des 13. Jahrhunderts an von einem der ältesten deutschen Adelsgeschlechter, den Frankensteinern, beherrscht wurde, welche wiederum im Abhängigkeitsverhältnis zu zwei großen politischen Machthabern, dem Kloster Lorsch und dem Grafen von Katzenelnbogen, standen.
Das Haus wüßte also von den Zwistigkeiten zu berichten, die sich bei den eigenartigen Machtverhältnissen in Eberstadt ergeben hatten; von den emporblühenden Grafen von Katzenelnbogen und ihren Erben, den Landgrafen von Hessen, die den beiden Frankensteiner Stämmen immer mehr Rechte, wie die hohe Gerichtsbarkeit über Hals und Haupt, die Jagd und das Verfügungsrecht über Wasser abnahmen und sie zu einem Lehnsverhältnis zwangen, bis schließlich Graf Maximilian von Schönburg 1661 seinen Eberstädter Besitz für 21 000 Gulden an den Landgrafen Georg 11. von Hessen-Darmstadt verkaufte und das Gebäude hessische Kellerei wurde. Als ein Jahr später auch die Frankensteiner ihren Besitz an Hessen abtraten wurde zum Wohle der Gemeinde Eberstadt diese von der Kellerei aus einheitlich verwaltet, und die vielen Streitigkeiten hatten ein Ende.
Im Jahre 1897 wurde durch das Gesetz des hessischen Staates zur Ausleihung von Konzessionen an Gemeinden und Kreise in dem Gebäude eine der ersten hessischen Gemeindeapotheken, als gerechtsame der Gemeinde Eberstadt, eingerichtet. Als 1938 Eberstadt Darmstadt eingemeindet wurde, ging die Apotheke in das Eigentum der Stadt über. t-s
Immer noch dienstunfähig ist jener Beamte der Kriminalpolizei-Inspektion Darmstadt, der — wie wir berichteten — am 23. September auf der Rheinstraße von Besatzungssoldaten niedergeschlagen und dabei erheblich verletzt worden ist. Durch einen Schlag mit einem vermutlich harten Gegenstand erlitt er eine schwere Kopfwunde über dem rechten Auge und bei einer Abwehrbewegung eine Fingerverletzung. Er befindet sich nach wie vor in ärztlicher Behandlung. Die Kriminalpolizei-Inspektion weist darauf hin, daß sich der Beamte seinerzeit nicht außer Dienst befunden hat. Zu jeder Tag- und Nachtzeit — so wird betont — stehen die Beamten im Dienst. wst..
„Kleine Leute, große Pferde“
Zum „Tag des Pferdes im Landgestüt
Zum „Tag des Pferdes“ im Landgestüt Am Sonntag war das Hessische Landgestüt in Darmstadt das Ziel aller Pferdeliebhaber, die einmal ganz privat durch die Ställe gehen wollten, ohne Eintritt zu zahlen und ohne den sonst üblichen Festrummel. Auf der großen Bahn am Eingang des Gestüts trugen die weißen Holzkegel bunte Blumen und der Boden war sauber geharkt, wie überhaupt die ganze Anlage einen überaus gepflegten Eindruck machte. In kleinen Trupps pilgerten die Familienväter mit ihren Sprößlingen durch die Ställe, hier und dort stehenbleibend, einem Pferd kräftig auf den Hals schlagend, um fachkundige Gespräche über Pferdepflege und Wirtschaftlichkeit zu führen.
Für eine Kleinigkeit konnten die Kinder mit dem Pferdewagen Rundfahrten unternehmen. Strahlende Kinderaugen und ängstliches Weinen der „Uebervorsichtigen“, denen die Pferde als riesige Ungetüme erschienen. Großen Zuspruch fand auch die Kantine, und daß die warmen Würste dort beim Wiehern der Pferde nicht von den Tellern sprangen, bewies ihre Qualität. Der „Tag des Pferdes“ ist ohne Zweifel eine weise Einrichtung. Es sollte der Ehrentag unseres zuverlässigsten und treuesten Freundes sein, und die Menschen, die am Sonntag zum Landgestüt hinausgingen, zollten ihm einen kleinen Dank und Anerkennung für' seine unermüdlichen Leistungen. hfl
Tausend Wurmeier an einem Radieschen
Gesundheitsfürsorge der Arbeiterwohlfahrt Eberstadt
Die Frauen der Ortsgruppe Eberstadt hatten sich vor einigen Tagen zu einem im Rathaus angesetzten Vortrag eines Arztes über Wurmkrankheiten und deren Verhütungsmaßnahmen zahlreich eingefunden. Der Redner stellte den Zuhörern 10 verschiedene Krankheitsbilder als Folgen von Spulwürmern vor Augen und schilderte aufklärend die im menschlischen Organismus vor sich gehende Entwicklung des Wurmes aus den Eiern über die Larve, die ihren Weg durch die Magenwände in die Blutgefäße und die Lunge, dann durch die Luftröhre über den Kehlkopf in die Speiseröhre und wieder in den Magen und Darm nimmt.
Hauptsächlich durch Garten- und Ackererde und den Genuß von Wurzeln wie gelbe Rüben, Sellerie und Salat gelangten die Wurmeier in unseren Körper. Ein Weibchen könne im Jahr 60 Millionen, am Tag 100 000 Eier legen. Zum Glück sei seit 1948 die Wurmseuche, die überall da auftauche, wo mit Jauche gedüngt werde, etwas abgeflaut. Der 1. Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Herr Ih 1, dankte dem Redner für sein ausgezeichnetes Referat.
Zum Abschluß der Feuerschutzwoche
veranstaltete die Darmstädter Feuerwehr am gestrigen Sonntag Rundfahrten durch die Stadt.
WIE-WIRD-DAS-WETTER
Trocken und neblig
Vorhersage: Am Montag vormittags Nebel, welcher sich teilweise erst in den Mittagsstunden auflösen wird. Nachmittags überwiegend heiter und trocken. Tageshöchsttemperatur um 15 Grad. Schwach windig.
Weitere Aussichten: Keine wesentliche Aenderung.
Wohin gehen wir heũte?
Landestheater: Orangerie: 19.30, „Othello“, Oper von G. Verdi; Ende gegen 22 Uhr. Lichtspieltheater: Union : „Der Mann, der sich selber sucht“; Thalia: „Arabische Nächte“; Bellda: „Vogelfrei“; Palast: „Dämon Geld“; Hansa: „Der Pfarrer von Kirchfeld“.’
Amerikahaus: 19.30 Uhr, Lichtbildervortrag: „Kindermuseum in Amerika" (Dr. Charlotte Weidler, USA).
Landesmuseum: 10—16 Uhr, Gedächtnisausstellung“ (Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann).
Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3: 10—48 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.
„Ich hab' sie angesteckt!“
Landstreicher will über Winter im Trocknen sein
Ereignete sich da in den Septembertagen in Fürth im Odenwald ein Scheunenbrand. Beamte der Kriminalinspektion nahmen pflichtgemäß ihre Ermittlungen nach der Brandursache auf und stellten fest, daß es sich um eine Selbstentzündung des in der Scheune lagernden Strohs gehandelt hatte. Das angefertigte Kripo-Aktenstück wurde mit dem Vermerk „erledigt“ abgeschlossen.
Nun — wenige Tage später stellte sich in Frankfurt plötzlich ein Mann der Polizei, der behauptete, er habe die betreffende Scheune in Fürth in Brand gesteckt. Den Beamten in Darmstadt wurde es bei dieser Nachricht etwas ungemütlich. Sollten sie sich bei ihren Untersuchungen geirrt...?
Man nahm den angeblichen Brandstifter Walter P. in Empfang. Man fuhr mit ihm nach Fürth. An Ort und Stelle sollte er die Einzelheiten schildern. Der Beamte gab sich die redlichste Mühe, doch der „Täter“ machte völlig zusammenhanglose Angaben. Dem Beamten kam das nicht geheuer vor. Nicht zuletzt, als der vermeintliche Brandstifter sogar an der Brandstelle vorbeilief, ohne sie angeben zu können. Es stellte sich zudem heraus, daß der 47jährige in der Brandnacht überhaupt nicht in Fürth gewesen ist. Nach mehrstündiger Ermittlungsarbeit ergab sich folgendes: Beim Zigarettenkauf am Bahnhof Fürth hatte er zufällig von dem Brandunglück gehört. Um nun über Winter ein festes Obdach zu haben — so gestand er — habe er sich einfach der Brandstiftung bezichtigt. Als er sich „stellte“, hoffte er, während der kalten Jahreszeit „unterkommen“, d. h. in eine Haftanstalt eingewiesen zu werden. Das wäre die Geschichte.
„Ja, im Herbst und gegen Winter ist dies ein beliebter Landstreichertrick“, lächelt Kriminalkommissar Bayer. „Man will“, so meinte er, „keine kalten Füße bekommen.“
Nebenbei: Der 47jährige Landstreicher hat sein Ziel erreicht. Er sitzt im „sicheren“ Kittchen. Aber nicht wegen der mißglückten „Brandstiftung“, sondern wegen einiger Diebstähle, deren er verdächtigt wird. wst.
Märchenspiel
im Haus der Jugend
Nach einer längeren Pause brachte die Märchenspielgruppe des Hauses der Jugend — Kinder von sieben bis dreizehn Jahren — wieder einmal eine Aufführung: das Märchen „Pechvogel und Glückskind“. Wie immer waren die kleinen Spieler mit großer Begeisterung bei der Sache, und das lebendige Spiel war den großen und kleinen Zuschauern im überfüllten Theatersaal eine rechte Freude. Von den Tänzen der Kleinsten umrahmt, ging die Handlung ihrem glücklichen Ende zu: Pechvogel bekommt seine Prinzessin Glückskind zur Frau, damit Weinen und Traurigkeit in eitel Freude verwandelt werde.
Das ganze Spiel verriet die bewährte Leitung von Frau Goerl i t z, die man für ihre von Liebe zu den Kindern und vom Sinn für das echt Kindliche bestimmten Arbeit nur beglückwünschen kann. Eine Bearbeitung des Grimmschen Märchens „Die drei Männlein im Walde“ als Weihnachtsspiel wird ihre nächste Einstudierung sein. rw.
Dressurprüfungen
in Eberstadt
Am Sonntagmorgen veranstaltete der Dressurverein für Gebrauchshunde Darmstadt-Eberstadt auf dem Dressurplatz „Eselskopf“ seine diesjährigen Schutzhundprüfungen aller Schwierigkeitsstufen. Bei der ersten Teilprüfung, der Fährtenübung, waren die Hunde stark begünstigt und erzielten dabei höchste Punktzahlen. Auch bei der zweiten und dritten Teilprüfung, den Unterordnungsübungen und der Mannarbeit, wurde die aufgewandte Mühe und Arbeit durch hervorragende Leistungen belohnt. Fünf Hunde legten die Schutzhundprüfung I ab. Dabei wurde ein Tier mit „vorzüglich“, zwei Tiere mit „sehr gut“ und zwei mit „gut“ bewertet. Zwei Hunde bestanden die Schutzhundprüfung 11, beide mit der Note „vorzüglich“. Ein Hund legte die schwerste Prüfung für Schutz- und Gebrauchshunde ab und schnitt dabei mit „sehr gut“ ab. Prüfungsrichter war der in Dressurkreisen weit bekannte' Herr Hild aus Darmstadt. Der erste Vorsitzende des Eberstädter Dressurvereins, Herr Jakob Nold, betonte bei der Bekanntgabe der Ergebnisse, daß nicht auf den Lorbeeren ausgeruht werden dürfe. Er kündigte für das kommende Frühjahr die nächsten Dressurprüfungen an. -th-
Buchhandlung Schlapp zieht um
Wenn man die angenehme Pflicht hat, über die Entwicklung unserer Stadt zu schrreiben, dann kann leicht geschehen, daß wir einmal einen Geschäftsmann vergessen. Es soll nun niemand glauben, daß dies etwa mit Absicht oder bösem Willen geschah. Durch die Fülle der Geschäftsverlegungen durch Neubauten ist es oft schwierig, allen Beteiligten gerecht zu werden. Wenn wir in unserer kürzlichen Reportage über den Wiederaufbau der Schulstraße zu berichten vergasen, daß auch die Buchhandlung Schlapp dort in ihre neuen Räume umziehen wird, so sind wir selbstverständlich gerne bereit, das hierdurch nachzuholen. Also, auch der Buchhandlung Schlapp einen glücklichen Einzug ins neue Haus! -st
„Münchner“ Oktoberfest
in Arheilger Auflage
Der Gesangverein „Liederzweig“, Arheilgen, hielt am Samstagabend im „Weißen Schwanen“ sein diesjähriges Oktoberfest ab. Der festlich geschmückte Saal war ganz im Münchner Stil in weißblau gehalten. Die in Zeitform ausgeführte Dekoration wurde durch das „Münchner Kindl“ auf der Bühne noch wirkungsvoll unterstützt. „Echte" bayerische Krachlederne und Dirndlkleider gaben dem Fest das besondere Gepräge. Der Bayernverein aus Darmstadt brachte waschechte Schuhplattler und Jogler, die von Zitherspiel begleitet waren. Am meisten fand der auch beim Münchner Oktoberfest aufgeführte „Bandl-Tanz“ Anklang. Dazwischen zeigte ein achtjähriges Artistenmädel akrobatische Bodenübungen, die den ungeteilten Beifall der Zuschauer fanden. Mit dem Vorrücken des Stundenzeigers stieg auch die Stimmung, woran nicht zuletzt die stark in Anspruch genommene „Enzianbar“ einen großen Anteil hatte. Unter den Klängen der Kapelle „Harmonie“, Erzhausen, wurde noch lange nach Mitternacht dem Tanz und einem guten Tropfen gehuldigt, -th-
kurze Meldungen aus der Stadt
Zu einem kleinen Bauholzbrand kam es am Sonntagmittag auf dem Grundstück der ehemaligen Mercks-Apotheke am Luisenplatz. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte den Brand sofort löschen.
Zwei Personenwagen stießen am Sonntagmorgen auf der Kreuzung Kittler-, straße — Hohlen weg zusammen, nachdem bereits am Vortage an der gleichen Stelle ein Radfahrer und ein Lastzug zusammengestoßen waren. Bei dem gestrigen Zusammenstoß überschlug sich der eine Pkw. und geriet in Brand. Bevor die herbeigerufene Feuerwehr in Tätigkeit treten konnte, hatten bereits Passanten das Fahrzeug gelöscht. Es entstand Sachschaden in Höhe von ca. viertausend Mark.
Der Alkohol bewirkte bei dem Fahrer eines Lkw. der ohne Führerschein gestern Nachmittag durch die Gräfenhäuserstraße fuhr, daß er die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und im Straßengraben landete. Der ebenfalls alkoholisierte Besitzer des Lastwagens wurde an der gleichen Stelle von der Polizei gestellt.
Zu einem Zusammenstoß von zwei Kradfahrern kam es am Samstagabend auf der Kreuzung der Michaelisstraße und dem Dornheimer Weg. Beide verletzten sich beim Sturz. An den Fahrzeugen entstand Sachschaden.
Ein Lkw. und ein Pkw. stießen gestern Abend auf der Kreuzung Frankfurter Straße — Rhönring zusammen. An beiden Fahrzeugen entstand geringer Sachschaden.
Die Deutsche Wählergesellschaft verlegt nach einem in der Jahreshauptversammlung am Samstag, dem 14. Oktober 1950, gefaßten Beschluß ihren Sitz von Darmstadt nach Frankfurt a. M.
Der polizeilichen Aufforderung, seinen Wagen zum Halten zu bringen, leistete ein Darmstädter Kraftfahrer nicht Folge, sondern floh. Er hatte zuvor an der Straßenkreuzung am Schloß einen vor ihm haltenden amerikanischen Pkw. überholen wollen und war zu diesem Zweck zurückgestoßen, wobei er einen hinter ihm haltenden Wagen angestoßen und leicht beschädigt hatte.
Die Empfangshalle des Hauptbahn¬ hofes ist seit einigen Tagen vollständig eingerüstet, um die Wiederherstellung dieses Innenraumes zu ermöglichen.
Die Malerfachschule an der Gewerblichen Berufsschule Darmstadt beginnt am 19. Oktober mit ihrem Wintersemester.
Das Konzert des Gesangvereins „Froh¬ sinn“, Eberstadt, das für den 15. Oktober vorgesehen war, mußte auf den 5. November verschoben werden. t-s
Eine kirchenmusikalische Abendfeier findet am kommenden Mittwoch, dem 18. Oktober, um 20 Uhr in der Stadtkirche statt. Lilo Trumpfheller-Horn, Karl-Heinz Trumpfheller (Violine) und Dr. Ludwig Borngässer (Orgel) spielen Werke von Vivaldi, Corelli, Muffat, Pachelbel, Buxtehude und Bach. Der Eintritt ist frei.
Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel (Mitglied des Europarates) und Stadtrat Julius Reiber sprechen am Freitag, den 20. Oktober, 20 Uhr, zur Eröffnung des Wahlkampfes in einer SPD-Versammlung im Schwanensaal in Eberstadt, t-s
Das Richtfest für den vierten Wohn¬ block in der Kirchtannensiedlung in Eberstadt wurde am Samstag in Anwesenheit von Amtmann D ä c h e r t und Oberinspektor Merkel in der Gaststätte Wolf, Heidelberger Straße, gefeiert. Amtmann Dächert dankte den Bauarbeitern und Handwerkern für ihren Einsatz. t-s
Möbel von Besatzungsgeschädigten können nach einer Bekanntmachung des Besatzungskostenamtes Darmstadt bis zum 15. November 1950 von den rechtmäßi¬ .gen Eigentümern im Lagerraum Rheinstraße 102, Block C, montags, mittwochs und freitags, zwischen 8 bis 12 Uhr, besichtigt beziehungsweise abgeholt werden. Die bis zum 15. November 1950 nicht abgeholten Gegenstände sollen dann öffentlich versteigert werden. DT
Dipl.-Ing. Patentanwalt H. G. Heine, Lehrbeauftragter für Patent- und Gebrauchsmusterschutzwesen an der Technischen Hochschule Darmstadt, wurde auf dem Kongreß der Internationalen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz als Vorsitzender der deutschen Gruppe zum Vizepräsidenten der Internationalen Vereinigung gewählt. Ferner wurde er durch den Bundesfninister der Justiz in eine Kommission berufen, die mit der Aufgabe betraut ist, das Justizministerium in Fragen des Patent- und Warenzeichenwesens (gewerblicher Rechtsschutz) zu beraten.
Benzinlager brannte in Eberstadt
Sirenengeheul rief am Sonntag gegen 14 Uhr in Eberstadt 42 Feuerwehrmänner auf den Sportplatz in der Pfungstädter Straße. Zur großen Herbstschlußübung brausten die beiden Wagen der Eberstädter Feuerwehr heran.
Nach theoretischen Vorfühungen, bei denen Amtmann D ä c h e r t, Oberinspektor Merkel und zahlreiche Einwohner zur Stelle waren, überreichte Stadtrat Dr. Lucius den alten, verdienten Feuerwehrmännern Philipp Büchlein in Anerkennung seiner 55jährigen und Wilhelm Kern in Würdigung seiner 60- jährigen Feuerwehrdienstzeit im Auftrag Oberbürgermeister Metzgers Urkunden mit dem Hinweis auf ihre freiwillig übernommene Einsatzbereitschaft während vieler Jahrzehnte. In der Schlußübung hätte die Eberstädter Feuerwehr, die im nächsten Jahr auf ihr 75jähriges Bestehen zurückblicken kann, gezeigt, daß sie Vollwertiges leisten könne.
Auch Branddirektor Jost, Darmstadt, sprach den Feuerwehrmännern seine Anerkennung aus. Ihre stattliche Zahl beweise, daß sie mit Lust und Liebe bei der Sache seien. In theoretischen Kursen würde im Winter wieder das Wissen bereichert.
Ernst wurde es dann, als das Benzinlager Götz in Nähe des Sportplatzes in „Brand“ geriet. Unter Leitung von Oberbrandmeister Zickler und Kommandant Geibel wurden die Löschgeräte angeschlossen, Mineralölbehälter und Faßlager in weiße Schaumhauben gehüllt und das „Feuer“ gelöscht.
Am Abend trafen sich die Wehrmänner mit ihren Frauen zu einem frohen und gemütlichen Zusammensein im Gasthaus „Zur Eisenbahn“, bei dem nur Oberbrandmeister Jost fehlte. t-s
Bekenntnis zur Freiheit des Geistes
Tagung der Deutschen Akademie beendet
Kasimir Edschmid Vizepräsident — Drei Arbeitskreise geplant — Telegramm an Bundespräsident Heuss — Ablehnung von Sondergesetzen zur „gelenkten Entfaltung des Geisteslebens.
Auf dem Programm des zweiten Sitzungstages der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stand die Wahl von neuen Mitgliedern des Präsidiums, das sich nunmehr folgendermaßen zusammensetzt:
Präsident: Dr. Rudolf Pec hei; Vizepräsidenten: Kasimir Ed schmid, Prof. Dr. Bruno Snell, Frank Thieß; Sekretär: Dr. Oskar Jancke. Als weitere Beisitzer wurden gewählt: Heinrich Berl, Friedrich B i s ch o f f, Karl-Friedrichßoree. Otto Flake, Gertrud von Le Fort, Wilhelm Lehmann, Rudolf Alexander Schröder. Von der ursprünglich geplanten Wahl eines Senats wurde vorerst Abstand genommen.
Als ein wesentliches Ergebnis der Tagung ist eine Entschließung zu werten, in der sich die Mitglieder der Deutschen Akademie für Freiheit des Geistes einsetzen. Sie hat folgenden Wortlaut:
ENTSCHLIESSUNG:
„Die auf der ersten Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt versammelten Mitglieder haben folgende Entschließung gefaßt:
1. Sie verurteilen ohne Einschränkung jeden Versuch, die freie Entfaltung des deutschen Geisteslebens durch parteipolitische Anweisungen zu verhindern oder durch Sondergesetze zu stören, die mit den idealen und moralischen Gesetzen des Schrifttums unvereinbar sind. _ .
2. Überzeugt, daß die geistige Freiheit der abendländischen Völker bereits besteht und in den Grundsätzen der Menschenrechte und des Christentums ihre unverletzbare Prägung gefunden hat, bekennen sie sich zur Idee der politischen Einheit Europas und sind entschlossen, für sie zu wirken, soweit dies in ihrer Macht steht.
TELEGRAMM AN THEODOR HEUSS
Als Erwiderung der Grüße des Bundespräsidenten zur Eröffnung der ersten Tagung der Deutschen Akademie richteten die auf der Mathildenhöhe versammelten Teilnehmer der Sitzung ein Danktelegramm an Prof. Heuss, der auch Mitglied der Akademie ist, in dem es heißt:
Dem Bundespräsidenten und verehrten Mitglied dankt die Akademie für sein Telegramm. Es grüßte nicht nur es bestätigte uns: Staatsführung und Akademie sollten helfen, sorgfältiger sprechen und schreiben zu lassen. Sie sollten gemeinsam wirken im Ringen um die Erhaltung der geistigen
Freiheit als einer Gewähr für das Ansehen des deutschen Volkes in der Welt.
DREI ARBEITSKREISE
Auf der Tagung wurde die Bildung dreier Arbeitskreise beschlossen, die baldigst ihre Arbeit aufnehmen sollen. Der Arbeitskreis „Sprache der Werbung“ soll vor allem Einfluß nehmen auf die Gestaltung der Reklame der Industrie, der Geschäftswelt und die Gestaltung der Reklame durch Werbebüros. Die Herausgabe einer Schriftenreihe „Wort und Werbung" ist vorgesehen. Der zweite Arbeitskreis wird bemüht sein, ein Schullesebuch für höhere Schulen zusammenzustellen, das den Kultusministerien der einzelnen Länder als Muster vorgelegt werden soll. Ein dritter Arbeitskreis beschäftigt sich mit der niederdeutschen Sprache und Dichtung.
Die nächste Tagung der Akademie wird voraussichtlich im Frühjahr des nächsten Jahres zum gleichen Zeitpunkt stattfinden, an dem auch das Gebäude der Akademie fertiggestellt sein wird.
Büchner-Preis für Elisabeth Langgässer
Matinee im Orangeriehaus / Otto Flake und Kasimir Edschied lasen aus eigenen Werken
Das Orangeriehaus war bis zum letzten Platz besetzt, als gestern morgen die abschließende öffentliche Veranstaltung anläßlich der ersten Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ihren Anfang nahm. Mit Grün und Blumen war die Bühne geschmückt, von der herab Frank Thieß einleitende Worte über Otto Flake und Kasimir Edschmid sprach.
Frank Thieß durfte — wie am vergangenen Donnerstag nachträglich Kasimir Edschmid — dieses Mal Otto Flake zu dessen bevorstehendem Geburtstag seine und der Akademie Glückwünsche aussprechen. Kasimir Edschmid und Otto Flake seien sich trotz ihrer thematischen Verschiedenheit im Endziel ihrer Aussprache ähnlich, wenn nicht gleich: Sie seien bis in die feinsten Schwingungen ihrer Seele Europäer. Flakes am Ende des ersten Weltkrieges entstandenes Werk „Zum guten Europäer“ sei bemüht, den Europäer im Deutschen zu befreien. Illusionslosigkeit, Vernunft, Klarheit, und kühle Distanzierung von der Umwelt — ohne sie dabei aufzugeben — seien kennzeichnend für diesen Dichter. Die Einheit Europas als natürlicher Schutz vor weiteren Kriegen drücke sich in Flakes wie in Edschmids Dichtungen immer wieder aus. Beide bezeichnete Frank Thieß als faustische Menschen. Während aber Edschmid von der Unersättlichkeit des Wissenwollens in die Welt getrieben worden sei, blieb Flake in der Zurückgezogenheit. Er sah die Welt durch das innere Auge. Trotzdem kommen beide zu dem gleichen Ergebnis: Die sokratisch-heitere Selbstironie Edschmids trifft sich mit der platonischen Weisheit Flakes in dem Wissen um das Gefährdetsein der Menschheit.
OTTO FLAKE
Die Genauigkeit und Klarheit der Sprache, die diesen Dichter bei aller tiefschürfenden Gedankenführung nie verläßt und kennzeichnend für sein Werk ist, offenbarte sich auch in seiner Ausdrucksform. Seine Kunst ist die Sinneserfahrung, sein Stil fast römisch-klassisch zu nennen, versehen mit einem tiefen Ernst, hinter dem jedoch immer wieder das Farbige, Leuchtende des Lebens hoffnungheischend hervorbricht.
Otto Flake las aus seinem Selbstporträt „70 Jahre“. An seinen Geburtstag anknüpfend, formulierte er: „Im Unbestimmten endet alles, jedes Leben; du wirst nicht wissender mit 70 Jahren, sondern einsichtiger.“ Flake ist Stoiker; die Freiheit des Gedankens und die Unabhängigkeit des Geistes genügen ihm — aber das ist für den Dichter zugleich Voraussetzung für alles weitere. Tempo der Zeit, Errungenschaften der Technik lassen ihn kühl: „Anno 1200 wäre ich ein Mönch und Scholastiker gewesen.“ In seiner Arbeit geht er nicht nach einem vorher gefaßten Plan vor! „Alle meine Bücher habe ich mit geschlossenen Augen geschrieben.“ Er sieht im Manne nicht in der Frau den Initiator des Geistes: „Als Frau faßte ich in meinen Büchern weniger die Hausfrau als die Verwalterin des Eros ins Auge, denn ich taste die vitalen Nervenknoten ab.“
Als Dichter der inneren Emigration kam Flake zu seinem Schlußwort: „Schrifttum ist eine nationale Angelegenheit; die deutsche Literatur ist nicht von denen, die ins Ausland gingen, gerettet, sondern von denen, die zu Hause blieben, behütet worden.“
KASIMIR EDSCHMID
Mit innerer Bewegung las der Darmstädter Dichter, was er an Empfindungen in jenen Tagen niedergeschrieben hat, als er seine Heimatstadt nach längerer Abwesenheit vor nun sechs Jahren in Schutt und Asche gesunken vorfand. Aus den geschilderten Einzelheiten formte sich ein erschütterndes Gesamtbild sinnloser Zerstörung. In dichterischer Form fand der Schmerz einer ganzen Stadt und ihrer Bevölkerung ergreifenden Ausdruck. Ueber die Vernichtung hinaus aber schwingt das Leben weiter, treibt die Tatkraft des Menschen, sein Hoffen, sein Glauben an das Gute. In Bombennächten sang die Nachtigall und: „gibt es inmitten von Ruinen eine Wirklichkeit, die den Gesang der Nachtigallen übertrifft?“
BÜCHNER-PREIS AN ELISABETH LANGGÄSSER
Oberbürgermeister Metzger knüpfte an die letzten Worte Edschmids an und berief sich auf die stillen Stimmen, die zu allen Zeiten für die, die zu hören verstanden, sich über das Leid erhoben. So auch Elisabeth Langgässer, der für das Jahr 1950 der Georg-Büchner-Preis zugesprochen wurde. Schon im vergangenen Jahre habe es festgestanden, daß sie die Preisträgerin für 1950 sei» werde, und kein Mensch habe zu ahnen gewagt, daß diese Ehrung nur noch ein Gedenken für eine Verstorbene sein werde. Elisabeth Langgässer sei es gewesen, die inmitten des Leids und des Chaos in tief religiöser Schau die Neugeburt des Menschen gepredigt und zu seiner Neuwertung beigetragen habe. Oberbürgermeister Metzger überreichte die Urkunde dem Gatten Elisabeth Langgässers, dem Philosophen Dr. Wilhelm Hoffmann.
In einem kurzen, prägnanten Referat würdigte Prof. Eppelheimer die Dichterin und gab in klaren Strichen ein Bild ihres Lebens und Werkes.
2. heimatkunoͤliche Tagung des Breubergbundes
Aufschlußreiche Referate in Neustadt / Interessante Ausstellung auf kleinem Raum / Besichtigung der Renovierungsarbeiten an der Burg / Exkursion zum Limes
sr. Mitglieder, Freunde und Gäste des Breubergbundes trafen sich am vergangenen Wochenende in Neustadt i. Odw. zur zweiten heimatkundlichen Tagung, die am Samstagvormittag im Saale des Gasthauses „Zum Ochsen“ durch Forstmeister Kalbhenn, den 1. Vorsitzenden des Bundes, eröffnet wurde.
Auch Bürgermeister Brummer begrüßte die zahlreich Erschienenen im Namen der Gemeinde und wünschte der Tagung einen guten Erfolg. Im Anschluß daran übernahm Dr. Röder (Fürstenau) die Leitung der umfangreichen, in jeder Hinsicht interessanten und aufschlußreichen Referate, die nahezu den gesamten Tagesverlauf in Anspruch nahmen.
Nach der Mittagspause besichtigten die Teilnehmer die Burg, wobei Denkmalpfleger Dr. Müller (Seligenstadt) die derzeitigen Renovierungsarbeiten erklärte. Im Rahmen der Nachmittagsreferate gab Bodendenkmalpfleger pr. J or n s (Darmstadt) eine Einführung in die Sonntagsexkursion zum Limes. Bilder der Befestigungsbauten trugen zur näheren Erläuterung bei. Ein Ueberblick über die Römerzeit im Odenwald und die vorläufigen Ergebnisse der neuesten Ausgrabungen, wie z. B. in Butzbach, stellten die außerordentlichen Fachkenntnisse und inkusiven Forschungsarbeiten des Referenten unter Beweis. Den Abschluß des ersten Tages bildete ein Lichtbildervortrag von Dr. v. d. Au über „Die Odenwälder Tracht, ihre Geschichte und Entfaltung“.
Bereits in der Frühe des Sonntagmorgen brachen die Teilnehmer mit dem Omnibus zur Fahrt nach dem Lützelbacher Schlößchen und zum Hainhaus auf. Leiter der Exkursion waren Dr. Jorns und Stud.- Rat Dr. Weber, die verschiedene ehemalige Befestigungsbauten am Limes und dessen allgemeine Anlage erläuterten.
Im Ganzen gesehen darf die Tagung als überaus wertvoll für alle Beteiligten angesehen werden. Es bleibt zu hoffen, daß bis zum nächsten Treffen des Bundes wieder ebensoviele neue Erkenntnisse und Forschungen im Bereich des Breuberger Landes zutage treten, wie dies in dem vergangenen der Fall war.
Stud.-Rat Dr. Weber, Groß-Bieberau:
Zur Erforschung alter Straßen ím Odenwald
Eine zusammenfassende Literatur über die alten Straßen im Odenwald ist nicht vorhanden. Die Grundlage zu ihrer Erforschung muß man vernehmlich in der Geographie suchen, in unserer Heimat in den vier Leitlinien: den drei - Süd-Richtungen (oberes Modautal, Gersprenztal, Mümlingtal und der West- Ost-Richtung, die aus dem Bensheimer Raum heraustritt). Wie ein Keil stößt der Odenwald in diese hinein.
Schon in der vorgeschichtlichen Zeit versuchte man seine Höhen dem Verkehr dienstbar zu machen. Gleichzeitig dienten aber auch diese Straßen dem Wanderzug Die territoriale Aufteilung des Odenwaldes begünstigte die Verkehrsführung keineswegs. Zudem war der Zustand der Straßen zur Römerzeit trotz der Straßenbaupflicht wenig erfreulich; man „verbesserte“ grundlose Wege nur mit Knüppeln und Reisig.
Zu allen Zeiten standen die Straßen in enger Beziehung zu Befestigungen. Auch im Odenwald wurden die vorgeschichtlichen Straßen von Ring wällen flankiert; die mittelalterlichen Wege verliefen ebenfalls im Schutze der Burgen, wobei die größeren durch kleine Sperrburgen ergänzt wurden. Als Beispiel seien der Rodenstein und der Schnellerts genannt sowie die Schlößchen von Kirchbrombach und Lützelbach.
Der beste Weg zur Erforschung der alten Straßen ist die Begehung des Geländes. Wesentliche Hinweise geben die alten Flurnamen, besonders jene, in denen Straßennamen enthalten sind. (Im Anschluß an sein Referat zeigte der Referent den 1. Versuch einer Karte der alten Straßen im nördlichen Odenwald.)
landsuchender Völker. Damit bildeten sie eine Gefahr für die umliegenden Siedlungen. Zur Römerzeit gehörten sie dann zu einem Verbindungssystem militärisch wichtiger Mittelpunkte. Mi.t dem 13. Jahrhundert verlegte man den Verkehr in di« Täler hinab.
Alte Bücher und Trachten
Die im Vorraum des Tagungssaales aufgebaute Ausstellung zeigte trotz ihres kleinen Umfanges eine Fülle wertvollen geschichtlichen und heimatkundlichen Materials. Unter ihm alte Karten, die Atlanten von Johann Adam Ley und Jakob Lohr sowie noch vorhandene Güterbücher, Gewann- und Gültbücher aus dem 18. Jahrhundert.
Einblick in die Bodendenkmalpflege boten die Fotos und Zeichnungen von Ausgrabungen. Besonders interessant ist ein bei der Anlegung des Gruppenwasserwerks Urberach aufgefundener Armreif aus der Hallstattzeit, der eine über einem Tonkern gezogene Bronzeumhüllung aufweist. Dr. Röhricht (Groß-Bieberau) hatte prachtvolle Fotos der Burg Breuberg aufgelegt.
Eine besondere Ecke war den Odenwälder Trachten vorbehalten, bei denen besonders die Vielzahl der Häubchen auffiel. Die freiwillige heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft des Realgymnasiums Groß-Bieberau zeigte ebenfalls einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit: Flurnamensammlungen, die Zusammenstellung der Geschichte einzelner Gemeinden, gesammelte Sagen der Heimat und ihre bildliche Darstellung, Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften, die sich mit der Geschichte der Heimat befassen, alte Wappenzeichnungen. Geschickte Hände hatten die Modelle eines Hügelgrabes, einer steinzeitlichen Bohrmaschine, eines Hauses aus der Jungsteinzeit (3000 v. Chr.) und eines Hauses aus der Römerzeit gebaut.
Aus allem sprach die Liebe, die man dem Heimatgedanken, besonders aber der Geschichte der Herrschaft Breuberg entgegenbringt. Ein Zeichen dafür, daß nicht alle Werte verlorengingen, daß man sich ihrer bewußt ist und sie nicht nur zu schätzen, sondern auch zu wahren weiß.
Dr. Röder, Fürstenau:
Díe Michelstädter Kirchenbíblíothek
Das Erbacher Land birgt namhafte Werte, von denen der Außenstehende fast keine Ahnung hat. Die berühmtesten unter ihnen dürften die Erbacher Sammlungen sein, wenn man die Kunstgegenstände meint, die im gräflichen Schloß zusammengetragen wurden. Gleichen Wert besitzen die Bücher für die Bibliotheken, unter ihnen die Erbacher Schloßbibliothek, die Fürstenauer Schloß- und Kirchenbibliothek mit der fast lückenlosen Sammlung alter Kirchenordnungen und -Vorschriften aus fast allen Lagern der Reformation und — die Michelstädter Kirchenbibliothek.
Diese ist im Geschoß der Sakristei des Pfarrturms der Stadtkirche untergebracht. Die „Kirchenbibliotheken“ waren einst keineswegs Sammlungen kirchlicher Bücher, sondern das in ihnen enthaltene Schrifttum der Zeit war als „geistiges Rüstzeug“ gedacht. Im Gebiet der Landgrafschaft Hessen entstanden sehr umfangreiche Sammlungen, unter ihnen auch die erwähnte, deren Grundstock auf eine Stiftung des in Michelstadt geborenen Freiburger Universitätsprofessors Nikolaus Matz zurückgeht. Sie bestand aus 117 Büchern, mit denen, nach dem Willen des Stifters, eine öffentliche Bibliothek eingerichtet werden sollte. 43 von ihnen sind nachweisbar, jedoch nur noch 28 erhalten.
Die Bibliothek enthält vornehmlich Bücher der mittelalterlichen scholastischen Theologie, der Medizin, der Mathematik u. a. Sie fand eine Erweiterung durch den vermutlich letzten katholischen Geistlichen Michelstadts, Johann Gass iu s. Ihr Benutzerkreis war klein, jedoch vielseitig in seiner Einstellung.
1521 war es wiederum ein Geistlicher, Johannes Schöneck, der neue Schriften einstellte. Auch durch die Grafen wurde eine stattliche Anzahl von Bänden eingereiht. Im Laufe der Zeit hat sich dadurch die Bibliothek zu einer unerschöpflichen Quelle der Familien- und Geistesgeschichte der Grafschaft Erbach entwickelt
Dr .W e b e r erklärt in der Ausstellung das Modell einer steinzeitlichen Bohrmaschine. — In Lützelbach vor dem Aufstieg zur Kirche Im „ bach beric itet Bodendenkmalpfleger Dr. Jor n s über die Art der Befestigung. — Schon wieder ein Fund! Herr Nowotny, der Gründer des Schaafheim r ü ° e r An der Stelle des ehemaligen Kastells Lützelbei dem Kastell entdeckt. — Blick in eine Tagungs„ecke". Rechts Forstmeister Kalbhenn, links daneben Dr. Hallstein, im Vordergrund Dr Jorns Bachgaumuseums hat ihn an der Stelle des einstigen Badhauses * Sämtliche Fotos: Schröder
Stud.-rat Lic. Dr. v. d. A u, Darmstadt:
Die Odenwälber Tracht
Erst im 18. Jahrhundert hat sich ein Unterschied zwischen städtischer und ländlicher Tracht gebildet. Die Meinung, daß es sich bei ihr für alle Zeiten um ein selbständiges Gebilde handele, ist vollkommen irrig: auch sie ist der Mode unterworfen, oft sie unscheinbar und eigenwillig verändernd, wenn auch nachhinkend. Trotzdem kann man von einer klaren Grundhaltung der Tracht sprechen. Ebenso ist die Meinung abzulehnen, daß in der Tracht eine bestimmte Landschaft ihr Eigenbild gestaltet hat. So ist auch die Odenwälder Tracht nur zu begreifen, wenn man sie in einen größeren Zusammenhang einordnet.
Zum ersten Male haben im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hessische Romantiker und Maler Trachtenbilder aus dem Odenwald überliefert. Leider hat keines den Weg in die breite Oeffentlichkeit gefunden. (Wir berichteten hierüber erst kürzlich auf einer unserer Heimatseiten. D. Red.) Die Arten der Männer- und Frauentrachten dürfen als hinreichend bekannt vorausgesetzt werden. Besonders interessant ist die Fülle der Häubchen. Dabei ist bedeutsam, daß man beim Nachgehen der einzelnen Verbreitungsgrenzen auf die alten Territorialgrenzen aus der Zeit vor der Mediatisierung stößt.
Die dreiteilige Haube und das bekannte Odenwälder Kommodche waren zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Grundlage für die Formen, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt haben. Unter ihnen die Erbacher Haube, die Haube des Winterhauchs, aus Neckarsteinach, der Kellerei Waldeck, der Talzent um Lindenfels oder der Obergrafschaft. Die Entwicklung der übrigen Kleidungsstücke zeigte die gleichen Merkmale. Wesentlich ist das Erkennen, des biologischen Prozesses, dem die Tracht unterliegt: der Farbenfreudigkeit der Jugend, der allmählichen Ab- Schwächung beim Niedergang und des beherrschenden Schwarz des Alters. Bedauerlich ist es, daß es in Hessen keine Stelle gibt, die einen Gesamtüberblick auf die Odenwälder Tracht gewährt. Deshalb kann nicht genug anerkannt werden, was in den Museen von Walldürn, Amorbach und Buchen noch zur rechten Zeit gesammelt wurde, was andererseits versäumt worden ist, wenn man davon absehen muß, daß die Sammlung des Sanitätsrats Dr. Karl Maurer im Odenwald- und späteren Stadtmuseum Darmstadt dem Angriff im Jahre 1944 zum Opfer fiel. (Eine größere Anzahl von Lichtbildern, darunter Farbdias, unterstrichen die Ausführungen des Referenten.)
Neben den von uns näher erwähnten Referaten, die wir leider nur sehr gekürzt wiedergeben konnten, sprachen außerdem Stud.-Rat Hallstein (Sandbach) über den Breuberger Atlas von 1757, der eine Vermessung des Breuberger Landes durch den Geometer Johann Jakob Ley darstellt und 33 Karten der einzelnen Gemarkungen mit ihren Grenzen sowie 4 Zehntkarten enthält, Lehrer Hänsler (Rai-Breitenbach) über die Flurnamen der Gemarkung Rai-Breitenbach. Pfarrer Lic. Dr. Steitz (Mainz-Bischofsheim) über die kirchliche Jugenderziehung in der Herrschaft Breuberg an Hand alter Kirchen- und Schulordnungen, und Lehrer Höreth (Mümling-Grumbach) über die Mediatisierung der Odenwälder Kleinstaaten.
Dr. Röder sprach die verbindenden Worte von Referat zu Referat und leitete die Diskussionen, die teilweise äußerst fruchtbar waren und mancherlei Hinweise auf die weitere heimatkundliche Arbeit der einzelnen Redner gaben.
STARKENBURG
Mehr Verständnis!
Seit der Einführung der Winterfahr-Pläne von Post und Bahn besteht für die Bewohner des Ulfenbachtales an Sonntagen keine Möglichkeit mehr, Besuchsoder Geschäftsreisen in die hessischen Städte und Dörfer entlang der Bergstraße zu unternehmen, wenn dabei nicht Fußmärsche von 6 und mehr Kilometern in beiden Richtungen in Kauf genommen werden. Ursache dieser Entwicklung' ist die Einstellung des morgendlichen Postlinienverkehrs von Hirschhorn nach Heppenheim an Sonn- und Feiertagen, der wenigstens bei fahrplanmäßiger Erledigung Eisenbahnanschluß in Waldmichelbach bzw. Rimbach und Heppenheim fand. Da an Sonntagen außerdem der Nebenbahnverkehr Weinheim—Wahlen erheblich eingeschränkt ist, sind, wenn überhaupt eine Sonntagsfahrt angetreten werden soll, die rund 6000 davon betroffenen Einwohner genötigt, bereits gegen 4 Uhr aufzubrechen.
Aehnlich problematisch gestaltet sich die abendliche Rückkehr, die ebenfalls nur unter schwierigen Bedingungen erfolgen kann. Die Bevölkerung äußerte bei Bekanntwerden dieser Einschränkungsanordnung erhebliche Vorwürfe und wünscht, wie seitens verschiedener Bürgermeister den zuständigen Aemtern. mitgeteilt wurde, daß eine gewisse Unrentabilität an Sonntagen in Kauf genommen werden müsse, zumal der *Werktagsverkehr für Ausgleich sorge. Auffällig ist übrigens, daß- die Postverbindungen aus dem badischen Heidelberg in den Ueberwald nach wie vor weitaus günstiger liegen, als die Anschlüsse aus der Kreisstadt. (-r)
Herbstlicher Farbenzauber in Jersey und Taft
Modeschau in Gernsheim
Am Freitagabend ließ „Textilhaus“ Heinz Förster zehn junge Damen und fünf Herren, bekleidet mit einer farbenfreudigen Auswahl herbstlicher Modeneuheiten, beschuht mit „dernier cris“ in Leder vom Schuhhaus Thyssens und von Stelter mit Gold behangen, über den rasch improvisierten Laufsteg in Gernsheims „Festhauslichtspielen“ paradieren.
Die vielen entzückenden Kleidchen wirkten anziehend auf das überwiegend weibliche Publikum und der reichlich gespendete Beifall ließ darauf schließen, daß die „Evas“. und „Adams“ begeistert waren. Der Conferencier' brauchte zuweilen nur noch die Preise zu nennen, die als Basis- ehelicher Diskussionen dienten.
Vorherrschend'war bei der Damenkonfektion das pastellfarbene Jerseykleid, an dem die im vergangenen Jahre fast verschwundenen „verspielten Zutaten“, in Form von schräg versetzten, spitzen Taschen wieder schüchtern erscheinen. Schal- und Kutscherkra^en bei Kleidern und Mänteln treten noch häufig, auf und geben dem Nachmittagskleid eine sportliche Note.
Die Herren der Schöpfung trugen den eleganten Zweireiher und für den Winter Ulster und Karmelhaarmäntel mit Rundumgürtel.
Für den festlichen Nachmittag gefiel ein bis auf die Schuhe reichendes Taftkleid, am Halse dicht geschlossen und durch eine Garnitur gliederlosen schlichten Goldschmuck betont.
Der Schuh mit Keilabsatz für die Dame,' der vornehm wirkende Pumps und zuweilen auch der einfache Sportschuh ohne Krepp, vervollständigten das Bild der gut angezogenen Dame. Viele unausgesprochene Wünsche erweckten die zuletzt gezeigten Pelzmäntel, die in Skunks-Kanin, als Kalb-, Fohlenpelz, Waschbär und Zicklein den gewissen Nimbus ausmachen, mit dem sich nicht nur eine Frau in kalten Tagen gerne umgibt.
Die verratenen Preise fielen nicht aus dem Rahmen, zumal sie der Qualität zu entsprechen schienen. kr.-
Wir branchen den selbständigen Facharbeiter
Lehrlingsleistungsschau in Dieburg
In etwa einvierteljährlichem Abstand veranstaltet die Dieburger Kreisberufsschule zukünftig Wechsel-Ausstellungen der von ihren Schülern angefertigten Arbeiten, Diese Stücke werden in der Werkstatt des Meisters hergestellt, sie sind aber das Erzeugnis junger Menschen, die unter Anwendung ihrer in der Berufsschule erlernten Kenntnisse völlig selbständig arbeiten.
Zum ersten Male fand am vergangenen Wochenende in den Räumen der Dieburger Berufsschule eine solche Lehrlings-Leistungsschau statt, die auf Anregung des Schulleiters. Direktor Mathern, und unter dankenswerter Mithilfe der Fachlehrer Stumpf, Göbel und Majunke in mustergültiger Form gestaltet war.
Direktor Mathern konnte zur Eröffnung der Schau eine größere Zahl von Vertretern der Innungen, des Handwerks, des Landratsamts, den Bürgermeister der Stadt, Vertreter der Schulen, der Kaufmannschaft und der Lehrer’begrüßen. Die ausgestellten Arbeiten seien, so führte er aus, zugleich Arbeitsproben, die einer besonderen Kommission zur Beurteilung der Lehrlingsleistungen bei der Zwischenprüfung vorgelegt würden, und die zum großen Teil in der Schule als Anschauungs- und Lehrmaterial dienen sollen. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, daß sich heute ein empfindlicher Mangel an fachlich voll durchgebildeten Arbeitskräften bemerkbar mache, und daß sich das Bundesarbeitsministerium deshalb mit dem Gedanken trage, einheitliche Richtlinien für die Berufsausbildung des Facharbeiters herauszugeben. Zur Erhaltung unserer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt nach 1952 (Ende des Marshallplans) werde die Rationali-
sierung eine Steigerung erfahren, aber hinter ihr stehe unentbehrlich der selbständige Facharbeiter.
In sozialer Hinsicht, das sei auch eine der Aufgaben der Berufsschule, müßte der Jugend nicht nur fachliches Können vermittelt werden. Sie sei herauszulösen aus der Massenerziehung und hinzuführen zu einer Gemeinschaft, in der das Individuum seinen vollgültigen inneren Wert bewahre.
In fünf Sälen waren Stücke des Polsterer-, Schreiner-, Stellmacher-, Möbelschreiner-, Küfer- und Weißbinderhandwerks zusammengestellt, die zum Teil in vorzüglicher Weise ausgeführt waren. RS.
Was aũch interessiert:
Die Bildung eines Forums soll am Montag im Rahmen einer Bürgerversammlung im Rathaussaal zu Wolfskehlen vorgenommen werden. Die amerikanische Zivilverwaltung des Kieises hat zu diesem Vorhaben ihre Unterstützung zugesagt.
Gefährlichen Unfug leisteten sich in den letzten Nächten unbekannte Pfungstädter. In einer Straße legten sie 3 Reihen Backsteine quer über die Straße, an einer anderen Stelle hoben sie die Kanaldeckel ab und schafften sie foxt. Nur der Umstand, daß diese Gefahrenstellen rechtzeitig entdeckt und beseitigt wurden, verhütete schlimme Folgen.
Die» Habitzheimer Turmuhr „stottert“, obwohl sie erst vor einigen Wochen repariert wurde. Schon manchem Einwohner wurde zu nachtschlafender Zeit ein decken eingejagt da er glaubte, versÄlafen zu haben; Es wäre an dei Zeit, den Uebelstand öder das Schlagwerk wieder abzustellen. ■ ’
In eine Heil- und Pflegeanstalt wird der ISiährige Ernst G. aus Unter-Liedersbach eingeliefert werden, da er sich an . der Grenze völliger Unzurechnungsfähigkeit befindet. Kaum aus einer Haftanstält entlassen, hatte er im April £ Frankfurt ein Fahrrad gestohlen und, da ihm dieses nicht ^sagte m Arhedgen gegen ein neues „umgetauscht . Da bei griff ihn jedoch die Polizei auf. -wst-
Westdeutschland - ein einseitig beladenes Schiff
Ministerialrat Wenzel Jaksch erläutert den „Hessenplan“ in Jugenheim
Am Samstagnachmittag fand eine Zusammenkunft der Wirtschaftsunternehmen des Landkreises Darmstadt im Hotel „Goldene Krone“ in Jugenheim statt, auf der Ministerialrat Wenzel Jaksch vom hessischen Innenministerium den Hessenplan“ erläuterte. In der anschließenden Aussprache wurden spezielle Probleme des Landkreises Darmstadt, sowie Vorschläge und Wünsche der anwesenden Vertreter der Wirtschaft erörtert.
Mehrere hundert Gäste hatten sich auf die Einladung von Landrat Wink im Festsaal des Hotels eingefunden. Ministerialrat Jaksch begann seine Ausführungen mit der Feststellung, daß die bevölkerungspolitische Situation Westdeutschlands einem einseitig beladenen Schiff gleiche. Nach dem Kriege habe die Regierung vor der schwierigen Aufgabe gestanden, acht Millionen Flüchtlinge unterzubringen. Bundesflüchtlingsminister Lukaschek habe vor einigen Tagen erklärt, daß das Projekt der inneren Umsiedlung der Flüchtlinge ins Stocken zu geraten drohe. Dies sei eine sehr ernste Situation. Um den internen Schwierigkeiten des Landes zu begegnen, sei der „Hessenplan“ ins Leben gerufen worden, der in den nächsten Jahren eine Umsiedlung von 100 000 Menschen innerhalb Hessens vorsehe.
In Hessen böte sich das paradoxe Bild, daß der Nordteil des Landes mit 21,3 Prozent Flüchtlingen überbelegt sei und daher ein echtes Notstandsgebiet darstelle. Nun habe die Bundesregierung die weitere Aufnahme von Flüchtlingen in Hessen verlangt. Die größeren Städte Hessens seien noch nicht einmal in der Lage, die 15,6 Prozent des Bundesdurchschnitts aufzunehmen, da es an dem not-, wendigen Wohnraum mangele. Wenn der Durchschnitt erzielt werden könnte, dann wäre zum Beispiel Frankfurt in der Lage, noch weitere 50 000 Flüchtlinge aufzunehmen. Darmstadt weise noch nicht einmal 6 Prozent an Flüchtlingen äüf. Wenn ein Vertriebenenausgleich auf Landesebene erfolgen solle, dann sei eine generelle Umschichtung der Bevölkerung erforderlich. Diesem Projekt diene der „Hessenplan“.
Er sei nicht vom grünen Tisch aus aufgestellt worden, sondern aus der Erkenntnis heraus, daß die Vertriebenenfrage nur durch Schaffung von Wohnraum und Arbeitsstellen gelöst werden könne, Zwei Punkte stünden dem Hessenplan voran. Zum ersten solle mit den Mitteln des sozialen Wohnungsbaues eine weites tmögliche Streuung erzielt werden, und zum arideren sei der konzentrierte 1 Einsatz der Gelder in wirtschaftlichen Schwerpunkten erforderlich. Es habe sich gezeigt, daß heute schon in wirtschaftlich schwachen Gebieten Neubauten stünden, die wegen der Miethöhe keine Mieter mehr fänden. Das Neubauprogramm sei illusorisch, wenn es nicht gelänge, den Mietern auch eine Arbeitsstelle zu schaffen. -
Die Regierung habe inzwischen 60 000 neue Arbeitsplätze durch Ausfallsbürgschaften schaffen können. Etwa 10 000 neue gewerbliche und Industriebetriebe konnten aufgebaut werden. In der nächsten Zeit würde die hessische Regierung einen Rechenschaftsbericht über die Förderung der gewerblichen Wirtschaft durch die Neubürger der Bevölkerung vorlegen. Ministerialrat Jaksch. wies darauf hin, daß das Flüchtlingsproblem zur Zeit international entdeckt würde. Das Ausland stehe auf dem Standpunkt, daß für die Flüchtlinge zu wenig getan würde. Im Rahmen des „Hessenplans“
sei aber an die Errichtung von zwei bis drei Großsiedlungen gedacht, die als Blickfang für das Ausland gelten sollen. Der „Hessenplan“ stelle eine respektable Teillösung des Vertriebenenproblems dar, nur wären durch die Ansprüche der westdeutschen Remilitarisierung die Ausführungen zur Besserung des Lebensstandarts der Flüchtlinge gefährdet.
Landrat Wink erläuterte sodann die Verteilung der Flüchtlinge im Landkreis Darmstadt. Besonders die Gebiete von Ober-Ramstadt bis nach Neunkirchen hinauf wären mit ihren Seitentälern vom Wirtschaftsleben abgeschnitten, und es bestünden gerade dort große Möglichkeiten, neue Industriezweige anzusiedeln, um den dort seßhaften Arbeitskräften Verdienstchancen zu geben. Es sei bedauerlich, daß bisher die Städte bei der Verteilung von Mitteln für den sozialen Wohnungsbau bevorzugt worden seien.
Landrat Wink sah drei Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung durch den Hessenplan. Erstens eine Förderung des Exportes aus Marshallplanmitteln, zwei¬ tens eine Lenkung von Landesbaudarlehen an die wirtschaftlichen Brennpunkte und als dritte eine allgemeine Wirtschaftsbelebung. Präsident Hesse von der Industrie- und Handelskammer wies darauf hin, daß zu der Landflucht auch noch die Evakuierten hinzuzuzählen seien, die den berechtigten Wunsch hätten, wieder nach Darmstadt oder in ihre anderen Städten heimzukehren. Eine Möglichkeit, dagegen einzuwirken, sei die Verlagerung von Industriebetrieben' aus den Großstädten, in die Kreisstädte mit günstiger verkehrstechnischer Lage;
Direktor W.a ll mei er von der Darmstädter Sparkasse sagte, daß in der ganzen Angelegenheit keine planmäßige Lenkung zu sehen sei. Es sei eine Un¬ möglichkeit; Flüchtlingen Kredite zu gewähren, solange die Frage des Absatzes und der Standort des Betriebes nicht geklärt wäre. Die Aussprache zeigte,, daß im Prinzip zwar Einstimmigkeit besteht, das Flüchtlingsproblem bald einer Lösung zuzuführen, daß aber im einzelner) die Auffassungen der Durchführung sehr geteilt waren. HFL
Schwerer Verlust für Gernsheim
Brandschaden in der Malzfabrik wird auf eine halbe Million DM geschätzt Vermutliche Ursache: Kurzschluß
Der Feueralarm wurde gegen 23 Uhr durch den Beigeordneten Schneidler ausgelöst, der auf dem Nachhauseweg in den oberen Räumen des Werkes Flammen wahrnahm. Die sofort eingetroffene Ortsfeuerwehr vermochte jedoch.das rasch um sich greifende Feuer, das in den Getreidespeichern reichliche Nahrung, fähd, nicht mehr erfolgreich zu bekämpfen. Auch die aus dem gesamten Kreisgebiet und aus Darmstadt zur Hilfe geeilten Löschzüge konnten lediglich ein Uebergreifen des Brandes auf Nebengebäude der Fabrik und die benachbarten Häuser verhindern, während das Werk in ein riesiges Flammenmeer gehüllt, fast restlos ausbrannte. Für Gernsheim bedeutet die Vernichtung dieses Werkes, das wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung eine hervorragende Stellung innerhalb der Industrie der Stadt einnahm, einen schmerzlichen Verlust. kr.
Ergänzend zu unserer Meldung vom Samstag über den Großbrand im Bensheimer Werk der Vereinigten Süddeutschen Malzfabriken erfahren wir, daß der Brand vermutlich durch einen Kurzschluß entstanden ist. Die Schäden an den Fabrikanlagen und die der durch das Feuer vernichteten Lagerbestände werden nach ersten, vorsichtigen Schätzungen mit rund einer halben Million D-Mark beziffert.
Bei „Weidner“ brannte es.
Wahrscheinlich durch Selbstentzündung brach in dem Sägemehl- und Rückständebehälter der Möbelfabrik Weidner in Groß-Zimmern ein Brand aus.
Durch die beim Brand solcher Behälter bestehende Explosionsgefahr waren die Löscharbeiten anfänglich stark behindert. Nachdem Kreisfeuerwehrinspektor Geidel mit dem Architekten, der die Anlage erbaute, Rücksprache genommen hatte, konnte unter Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen mit den eigentlichen Löscharbeiten begonnen und ein Übergreifen des Feuers auf die Fabrikationsanlagen verhindert werden. eha.
Wasser aus 21 Rohren
Auf dem Gelände der Holzwarenfabrik Rexroth-Lynen AG. in Michelstadt wurde am Sonntagvormittag eine Großschauübung im Rahmen der Feuerschutzwoche veranstaltet. Durch. Sirenen-Signal wurde zunächst die Wehr von Stockheim alarmiert, die aber allein des angenommenen Großfeuers nicht Herr werden konnte. Durch Telefon wurde nacheinander das landeigene Tanklöschfahrzeug von Erbach, die Wehren von Erbach, Michelstadt und Steinbach, einschließlich der Betriebsfeuerwehren, zur Löschhilfe gerufen, so daß schließlich 7 Fahrzeuge mit insgesamt 21 C-Leitungen Wässer auf die Brandstelle gaben, -ch
Neue Kandidaten der SPD
Aus der gestrigen Delegiertenkonferenz der SPD für den Wahlkreis 47 (Bergstraße-Riedl in Weinheim wurde als ersteri Kandidat der SPD Johann Müller, Viernheim, als sein Stellvertreter Bürgermeister Ferb er t, Hofheim, gewählt.
Für den Wahlkreis 48 ( Bergstraße-Odenwald) wurde als erster Kandidat gewählt: Bürgermeister Schmitt, Rimbach; Stellvertreter Günther Hebel, Reichenbach. prs.
Aktuelles zwischen, gestern und heute
Ueberfall auf 8jährige
Zwischen Zell und Lange n-B r o mb ach wurde am Freitagmorgen, gegen 11 Uhr, ein achtjähriges Mädchen von einem unbekannten Mann überfallen. Der Täter vergriff sich in unzüchtiger Weise an dem Kind. Nach der Tat rannte er in Richtung Zell und Mümling - Crumbach davon.
Er wird wie folgt beschrieben: Etwa 25 Jahre alt, 1,70 Meter groß, schlank, dunkelblonde Haare, trug helle Hosen mit Fischgrätmuster, heiles Hemd, roten Selbstbinder mit weißen Punkten, an der linken Hand einen silbernen Ring, eine Uhr mit goldenem Armband und eine rotbraune Aktentasche mit zwei Schnallen. wst.
Aus dem ersten Stock gestürzt
Am Samstagvormittag stürzte in Wixhausen ein etwa 15 Monate altes Kind durch ein Fenster im 1. Stock eines Hauses auf die Straße und einem Hausierer beinahe auf den Kopf. Der schnell herbeigerufene Arzt mußte es mit einem Beinbruch und schweren Kopfverletzungen in ein Darmstädter Krankenhaus einliefern.
In den Tod gelaufen
Am Ortsausgang von Reichelsheim in Richtung Gumpen lief am Samstagnachmittag der 3 Jahre alte Georg Koch in ein Motorrad aus Schannenbac h/Bergstraße. Das Kind, das zu seiner Mutter auf die andere Straßenseite laufen wollte, wurde zu Boden geschleudert, wobei es eine Gehirnerschütterung und innere Verletzungen davontrug. Im Luisenkrankenhaus Lindenfels ist es Sonntagvormittag seinen Verletzungen erlegen. -ch
Doppelunfall in der S-Kurve
Am Sonntagmorgen stieß in Groß-Gerau kurz vor 8 Uhr in der S-Kurve hinter der Straßenunterführung der Eisenbahnlinie Frankfurt-Mannheim ein aus Groß-Gerau kommender Fernlastzug mit einem aus Richtung Darmstadt entgegenkommenden Pkw. zusammen. Von den drei Personen, die sich in dem Wagen befanden, wurde eine schwer, die anderen leicht verletzt. Das Fahrzeug selbst wurde schwer beschädigt. Ein nachfolgender Pkw., dessen Sicht möglicherweise durch den Nebel behindert war. rannte auf den Schwerbeschädigten Wagen auf. Der Sachschaden an diesem Fahrzeug war nur leichterer Art. cg
Der Bruder stellte Strafantrag
Gegen den 43jährigen Schäfer G. F. aus Wersau wurde vom Amtsgericht Reinheim Haftbefehl erlassen, weil F. äjs Angeklagter wegen Versuchter Abtreibung trotz ordnungsgemäßer Ladung zur Hauptverhandlung nicht erschien, außerdem seit dem Oktober von zu Hause unbekannten Aufenthalts verschwunden ist und sein Brüder Wegen Betrugs Strafantrag bei der Kripo gestellt hat. (LeA
Ein Jahr Gefängnis für Unzucht
. Eine Darmstädter Strafkammer mußte sich wiederum zwei Tage mit einem jun- ■ gen Mann befassen, der sich im Sommer dieses Jahres — obwohl er jung verheiratet ist — an eiher neujährigen Schülerin und in einehi weiteren Fäll an einem sechsjährigen Mädchen in schmutziger Weise vergriffen hatte., per 24jährige, bisher unbestrafte Angeklagte aus Groß-Umstadt war erst im Dezember letzten Jahres aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Die Kammer verurteilte ihn am Samstag wegen Unzucht mit Mädchen unter 14 Jahren zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. wst.
7 Monate für Abtreibung
Wegen Verstoßes gegen den § 218 verhängte das Bezirksschöffengericht Bensheim am Wochenende gegen den vorbestraften, 69jährigen Adam D. aus Bens- he i m eine siebenmonatige Gefängnisstrafe. Der alte Mann, der wegen Abtreibung bereits im Dezember 1948 vor Gericht stand, hatte an einem 15jährigen Mädchen einen Eingriff vorgenommen. Mehrere mitangeklagte Frauen erhielten wegen Beihilfe Geldstrafen von 60 bis 150 DM. wst.
Saufgelage mit blutigem Ende
In der Nacht zum Samstag wurde gegen 0.45 Uhr die Gemeindeschutzpolizei Groß-Gerau von dem Wirt der Gastwirtschaft „Gambrinus“ alarmiert, da er von den Angehörigen einer vor dem Wasserturm kampierenden Zirkustruppe tätlich bedroht wurde. Da diese „Gäste“ sich nicht so benommen hatten, wie es wünschenswert schien, hatte sie der Wirt vor die Tür gesetzt, .die er hinter ihnen abschloß. Die- Hinausgeworfenen randalierten daraufhin auf der Straße, und verlangten erneut Einlaß. Einer von ihnen schlug eine- Fensterscheibe ein, wobei er ■sich am Unterarm so schwer verletzte, daß sofortige ärztliche Behandlung erforderlich war. Der zwischenzeitlich eingetroffenen Polizei gelang es dann, die Ordnung wiederherzustellen. cg.
Einkaufstasche
verursachte den Tod
An der Gammelsbacher Straße, in der Nähe des Beerfeldener Wäldschwimmbades, kreuzten sich am Samstagvormittag 2 große Lastkraftwagen gerade in Höhe von 2 Flüchtlingsfrauen aus Gämmelsbach, die vom Einkauf auS Beerfelden heimkehrten. Die Stoßstange eines Brauereifahrzeuges aus Erbach erfaßte die Einkaufstasche der 73 Jahre alten Frau Antonie Spo 11 k a und zerrte die Frau ein Stück weit mit. Dadurch wurde sie mit solcher Wucht gegen die Bordwand des Fahrzeuges geschleudert, daß sie schwere Verletzungen am Kopf und am Oberschenkel davontrug. Noch am Samstagnachmittag ist die Frau gestorben. -ch
Plötzlich und unerwartet verschied am 7. Oktober 1950 in Bad Wörishofen unser geliebter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr Professor Carl Beines im gesegneten Alter von fast 81 Jahren In tiefer Trauer: John H. Bühler und Frau Erika geb. Beines Hamburg 13, Jungfrauental 15 Dipl.-Ing. A. Schob und Frau Violetta geb. Beines Guntzenhausen i. Mfr., Hensoltstraße 33 Dipl.-Ing. W. Arnold u. Frau Dr. Jolanda geb. Beines Darmstadt, Mühlstraße 40 und 6 Enkelkinder Maria Beines, Groß-Zimmern, Kreis Dieburg San.-Rat Dr. A. Scholz und Frau Wilma geb. Müller Bad Wörishofen, Denkmalplatz 4 Bad Wörishofen, den 11. Oktober 1950 Die Beerdigung fand am 10. 10. 1950 in Bad Wörishofen statt.
Nach langem, in Geduld ertragenem Leiden, verschied am Freitag, dem 13. September, mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater. Urgroßvater, Schwiegervater und Onkel Ludwig Stössel im Alter von 67 Jahren. ' Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharina Stössel Wwe. geb. Müller Darmstadt, den 16. Oktober 1950 Taunusring 35 Beerdigung: Heute Montag, 15.15 Uhr, Waldfriedhof
Der Sport am Sonntag
Auf einen Blick
Fußball-Ergebnisse und -Tabellen
Süd, 1. Liga
VfR Mannheim — SV Waldhof 2:1 Darmstadt 98 — VfL Neckarau 1:0 Vfß Muhlburg — SC Singen 04 5 1 ~ BC Aussburg i:o »»V Reutlingen — 1860 München 2:3 FSV Frankfurt — Eintr. Frankfurt 1:2 Schweinfurt 05 — Vfß Stuttgart 2:0 Schwaben Augsburg —l. FC Nürnberg 1:0 Kickers Offenbach — Bayern München 3:2
Der Tabellenstand
Süd, 2. Liga
Hessen Kassel—TSV Straubing 6:3 Kickers Stuttgart—Jahn Regensburg 2:1 FC Freiburg—SV Tübingen 24 1. FC Pforzheim—SV Wiesbaden 1:0 Viktoria Aschaffenburg—ASV Durlach 1:1 ASV Cham—Union Bückingen 2:1 Wacker München—SG Arheilgen 2:1 Bayern Hof—Ulm 46 3:1 VfL Konstanz—FC Bamberg 0:3
Oberliga Südwest
FK Pirmasens—FSV Mainz ... 3:0 VfR Kaiserslautern—Tura Ludwigsh. 3:1 VfL Neustadt—FV Engers .... 3:2 ASV Landau—Spvgg Andernach . . 4:2 Eintr. Kreuznadi—Eintr. Trier . . 1:1 TuS Neuendorf—l. FC Kaisersl. . 0:0 Worm. Worms—Phon. Ludwigshafen 4:2
West, 1. Liga
Alem. Aachen — Fortuna Düsseldorf 3:3 Hamborn 07 — Duisburger SV 2:1 Borussia M.-Gladbach — Rheydter SV 2:2 Spvgg Erkenschwick — RW Oberhausen 1:1 Preußen Dellbriick — Schalke 04 1:1 Rot-Weiß Essen — 1. FC Köln 3:2 Preußen Münster — Spfr Katernberg 2:0 Horst Emscher — Borussia Dortmund 1:1
Nord, 1. Liga
Göttingen 05—Hamburger SV Bremer SV—Werder Bremen 1:2 St. Pauli—Hannover 96 2:2 Altona 93—Eintr. Osnabrück 1:1 VfL Osnabrück—Cone. Hamburg 2:0 Arm. Hannover—Bremerhaven 93 0:2
| FSV Frankfurt | |||||
| 9 | 6 | 1 | 2 | 19:9 | 13:5 |
| Vfß Mühlburg | |||||
| 9 | 6 | 0 | 3 | 30:12 | 12:6 |
| VfR Mannheim | |||||
| 9 | 6 | 0 | 3 | 29:15 | 12:6 |
| Spvgg Fürth | |||||
| 9 | 6 | 0 | 3 | 18:9 | 12:6 |
| FC Schweinfurt | |||||
| 8 | 5 | 1 | 2 | 13:9 | 11:5 |
| 1. FC Nürnberg | |||||
| 9 | 5 | 1 | 3 | 19:6 | 11:7 |
| Vfß Stuttgart | |||||
| 9 | 5 | 1 | 3 | 21:13 | 11:7 |
| Kickers Offenbach | |||||
| 9 | 5 | 1 | 3 | 19:12 | 11:7 |
| Eintr. Frankfurt | |||||
| 9 | 4 | 3 | 2 | 15:12 | 11:7 |
| Bayern München | |||||
| 8 | 4 | 1 | 3 | 19:14 | 9:7 |
| Schw. Augsburg | |||||
| 9 | 3 | 3 | 3 | 14:17 | 9:9 |
| 1860 München | |||||
| 8 | 4 | 0 | 4 | 13:15 | 8:8 |
| FC Singen 04 | |||||
| 8 | 3 | 1 | 4 | 12:24 | 7:9 |
| Darmstadt 98 | |||||
| 9 | 3 | 1 | 5 | 13:22 | 7:11 |
| BC Augsburg | |||||
| 9 | 1 | 3 | 5 | 6:14 | 5:13 |
| SV Waldhof | |||||
| 9 | 1 | 2 | 6 | 8:17 | 4:14 |
| VfL Neckarau | |||||
| 9 | 1 | 1 | 7 | 9:26 | 3:15 |
| SSV Reutlingen | |||||
| 9 | 1 | 0 | 8 | 8:39 | 2:16 |
| Bayern Hof | |||||
| 9 | 7 | 1 | 1 | 18:7 | 15:3 |
| Jahn Regensburg | |||||
| 9 | 7 | 0 | 2 | 24:11 | 14:4 |
| Kickers Stuttgart | |||||
| 9 | 6 | 2 | 1 | 27:15 | 14:4 |
| ASV Cham | |||||
| 9 | 4 | 4 | 1 | 15:11 | 12:6 |
| Wacker München | |||||
| 9 | 5 | 1 | 3 | 26:17 | 11:7 |
| Hessen Kassel | |||||
| 9 | 4 | 3 | 2 | 25:18 | 11:7 |
| FC Bamberg | |||||
| 9 | 4 | 3 | 2 | 13:11 | 11:7 |
| Vikt. Aschaffenb. | |||||
| 9 | 4 | 2 | 3 | 22:16 | 10:8 |
| 1. FC Pforzheim | |||||
| 9 | 4 | 2 | 3 | 23:18 | 10:8 |
| Union Bückingen | |||||
| 9 | 4 | 1 | 4 | 16:17 | 9:9 |
| VfL Konstanz | |||||
| 9 | 4 | 1 | 4 | 13:17 | 9:9 |
| Ulm 46 | |||||
| 9 | 3 | 2 | 4 | 11:18 | 8:10 |
| ASV Dur lach | |||||
| 9 | 2 | 2 | 5 | 17:19 | 6:12 |
| TSV Straubing | |||||
| 9 | 2 | 2 | 5 | 22:26 | 6:12 |
| FC Freiburg | |||||
| 9 | 2 | 2 | 5 | 15:27 | 6:12 |
| SV Wiesbaden | |||||
| 9 | 2 | 1 | 6 | 15:16 | 5:13 |
| SG Arheilgen | |||||
| 9 | 2 | 1 | 6 | 12:25 | 5:13 |
| SV Tübingen | |||||
| 9 | 0 | 0 | 9 | 6:31 | 0:18 |
| 1. FC. Kaiserslaut. | |||||
| 7 | 6 | 1 | 0 | 21: 2 | 13:1 |
| Wormatia Worms | |||||
| 8 | 6 | 1 | 1 | 33:12 | 13:3 |
| FK Pirmasens | |||||
| 7 | 5 | 2 | 0 | 20: 5 | 12:2 |
| VfR Kaiserslaut. | |||||
| 7 | 3 | 2 | 2 | 9:13 | 8:6 |
| Phön. Ludwigshaf. | |||||
| 8 | 3 | 2 | 3 | 29:18 | 8:8 |
| VfL Neustadt | |||||
| 8 | 3 | 2 | 3 | 12:19 | 8:8 |
| Eintracht Trier | |||||
| 7 | 3 | 1 | 3 | 12: 9 | 7:7 |
| ASV Landau | |||||
| 8 | 3 | 1 | 4 | 11:28 | 7:9 |
| FV Engers | |||||
| 8 | 3 | 0 | 5 | 12:20 | 6:10 |
| Spvgg Andernach | |||||
| 8 | 2 | 1 | 5 | 15:22 | 5:11 |
| TuS .Neuendorf | |||||
| 5 | 1 | 2 | 2 | 10:14 | 4:6 |
| FSV Mainz 05 | |||||
| 7 | 1 | 2 | 4 | 8:16 | 4:10 |
| Eintr. Kreuzn. | |||||
| 5 | 1 | 1 | 3 | 5: 9 | 3:7 |
| Tura Ludwigshaf. | |||||
| 7 | 1 | 0 | 6 | 10:20 | 2:12 |
| Fort. Düsseldorf | |||||
| 8 | 5 | 3 | 0 | 14:5 | 13:3 |
| Schalke 04 | |||||
| 8 | 5 | 2 | 1 | 21:6 | 12:4 |
| 1. FC Köln | |||||
| 8 | 6 | 0 | 2 | 17:6 | 12:4 |
| Spvgg Erkenschw. | |||||
| 8 | 4 | 3 | 1 | 7:4 | 11:5 |
| Preußen Münster | |||||
| 8 | 5 | 0 | 3 | 10:6 | 10:6 |
| Rot-Weiß Essen | |||||
| 8 | 5 | 0 | 3 | 21:13 | 10:6* |
| Preußen Dellbrück 8 | |||||
| 3 | 2 | 3 | 10:8 | 8:8 | |
| Bor. Dortmund | |||||
| 8 | 3 | 2 | 3 | 11:9 | 8:8 |
| Rheydter SV | |||||
| 8 | 3 | 2 | 3 | 13:17 | 8:8 |
| Horst Emscher | |||||
| 8 | 2 | 3 | 3 | 13:12 | 7:9 |
| Hamborn 07 | |||||
| 8 | 3 | 1 | 4 | 11:16 | 7:9 |
| Alem. Aachen | |||||
| 7 | 2 | 2 | 3 | 9:15 | 6:8 |
| Bor. M.-Gladbach | |||||
| 8 | 2 | 1 | 5 | 9:22 | 5:11 |
| RW Oberhausen | |||||
| 7 | 1 | 2 | 4 | 6:14 | 4:10 |
| Spfr Katernberg | |||||
| 8 | 1 | 1 | 6 | 10:21 | 3:13 |
| Duisburger SV | |||||
| 8 | 1 | 0 | 7 | 4:12 | 2:14 |
| Göttingen | Hamburger SV | 9 | 8 | 6 | 5 | 1 |
| 2 | 2 | 1 | 30:17 | 30:11 | 13: 5 | 12: 4 |
| St. Pauli | 8 | 4 | 4 | 0 | 23:10 | 12: 4 |
| VfL Osnabrück | 8 | 4 | 3 | 1 | 20:11 | 11: 5 |
| Werder Bremen | 9 | 4 | 3 | 2 | 21:14 | 11: ,7 |
| Eimsbüttel | 7 | 4 | 2 | 1 | 16: 9 | 10: 4 |
| Bremerhaven 93 | 8 | 4 | 2 | 2 | 17:16 | 10: 6 |
| Bremer SV | 8 | 4 | 1 | 3 | 16:15 | 9: 7 |
| Holstein Kiel | 7 | 4 | 0 | 3 | 11:12 | 8: 6 |
| Arm. Hannover | 8 | 4 | 0 | 4 | 15:10 | 8: 8 |
| Eintr. Braunschweig | 8 | 3 | 2 | 3 | 20:16 | 8: 8 |
| Vfß Oldenburg | 8 | 2 | 3 | 3 | 13:15 | 7: 9 |
| Hannover 96 | 7 | 1 | 2 | 4 | 12:16 | 4:10 |
| Altona 93 | 8 | 1 | 2 | 5 | 12:31 | 4:12 |
| Cone. Hamburg | 8 | 1 | 2 | 5 | 10:25 | 4:12 |
| Eintr. Osnabrück | 7 | 0 | 3 | 4 | 8:16 | 3:11 |
| SV Itzehoe | 8 | 0 | 0 | 8 | 6:55 | 0:16 |
7:5 im Länderkampf
Schweiz schlug Holland im Fußball
Basel (AP ) Die Schweiz hat am Sonntag in Basel in einen internationalen Fußballänderkamnf Holland mit dem sensationellen Ergebnis von 7:5 geschlagen. Vor 25 000 Zuschauern wickelte sich ein mit Spannung geladenes Spiel ab insgesamt waren sogar 15 Tore erzielt worden doch drei von ihnen wurden von dem italienischen Schiedsrichter Generoso Dattilo nicht anerkannt.
Gottfried von Cramm-H. Saß besiegten am zweiten Tage des Tennisstädtekampfes Hannover-Barcelona das spanische Doppel Pedro Massip-Jaime Bartroli mit 4:6 6:3 6:3, 6:3. Der Kampf steht damit unentschieden 1:1.
ten Hoff blieb Meister - Neuhaus sehr stark
Mattes Unentschieden des Meisters / Conny Rux wieder k. 0.-Sieger
Jll. - Dortmund. (Eigener Bericht.) Der deutsche Schwergewichtsmeister Hein ten Hoff mußte sich am Sonntag vor vierzigtausend begeistert mitgehenden Zuschauern im Dortmunder Stadion „Rote Erde“ im Kampf gegen den jungen Dortmunder Schwergewichtler Heinz Neuhaus, der sich während des Krieges als deutscher Jugendmeister im Halbschwergewicht seine ersten Lorbeeren erkämpfte, mit einem recht glücklichen Unentschieden, begnügen.
Der Aufmarsch zu dieser 49. Deutschen Schwergewichtsmeisterschaft beganp bereits kurz nach Mittag. Nach vierzehnstündigem Regen war die Sonne durchgebrochen. Die Dortmunder Polizei und die Veranstalter sorgten durch gute Organisation für einen reibungslosen Anmarsch. Bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn hatten sich zahlreiche alte deutsche Meister (Wagener, Kölblin, Dübbers, Eder, Besselmann) und über hundert Journalisten aus dem In- und
Auslande eingefunden und die Zuschauerzahl wurde mit 40 000 geschätzt. Die Kampffolge eröffneten die Schwergewichtler Wiese (Berlin) und Nürnberg (Hamburg), die sich unentschieden trennten. Nach drei farblosen Runden mußte Nürnberg in der vierten und fünften Runde zweimal zu Boden. Da aber Wiese in der vierten Runde ebenfalls einmal am Boden war und in der sechsten Runde eine Verwarnung wegen Nachschlagens einsteckte, holte sich Nürnberg ein Unentschieden. Im Halbschwergewicht kam Hans Strelecki (Dortmund) gegen Lloydt Marshall auf Grund seiner schnelleren Beinarbeit zu einem einstimmigen Unentschieden.
Ein weiterer Blickpunkt des ausgezeichneten Dortmunder Programmes war der Kampf zwischen dem deutschen Ex-Meister, Conny Rux und dem französischen Ranglistenboxer Leonard Riva. Conny Rux, ins Halbschwergewicht zurückgekehrt, schlug den Franzosen in der 2. Runde so zusammen, daß dieser stehend k. o. ging und Ringrichter Sewaldt den ungleichen Kampf abbrach.
Neuhaus überraschend stark
Hein ten Hoff war durch die bisherigen Erfolge seines Herausforderers hinreichend gewarnt. Entscheidende Siege über Tiedtke, Barthelmeß, Drägestein und Kupsch redeten eine deutliche Sprache. Auch die Punkterfolge über Kleinholdermann, Grupe und Seelisch waren recht beachtlich.
Neuhaus, mit erheblicher Schlagkraft in beiden Fäusten, begann recht stürmisch. Insbesondere in der zweiten und in der fünften Runde befand sich der lange Hein des öfteren am Rande einer Niederlage, und nur seine schnelle Beinarbeit, verbunden mit einer wertvollen Routine, ließ den Meister diese bangen Augenblicke gut überstehen. In der 6., 7. und 8. Runde ließen die ungestümen Angriffe des jungen Dortmunders nach, und der Meister nutzte diese Verschnaufpause, um sich etwas zu erholen. Hein ten Hoff hielt sich in diesen Runden den Herausforderer mit seiner langen Linken vom Leibe. Die letzten Runden des im ganzen zwölf Runden umfassenden Kampfes verliefen ausgeglichen. Am Schluß hatte sich der mit dem Ehrgeiz der Jugend kämpfende Neuhaus einen Vorsprung von vier Punkten herausgeboxt, der jedoch zum Siege — diesmal — noch nicht ausreichte. Das Dortmunder Publikum feierte den Herausforderer, der eine alle Experten überraschende eindrucksvolle Leistung bot, stürmisch. Neuhaus bewies, daß er durchaus imstande ist, den langen Oldenburger als Meister abzulösen.
Wer lacht nun am besten von den beiden? Hier sehen wir Meister Hein ten Hoff und seinen Herausforderer Heinz Neuhaus, wie sie nach erfolgtem Wiegen vergnügt schmunzeln. Uns will scheinen, daß Neuhaus am Sonntag größeren Grund zur Freude hatte Foto: Schirner
FSV hatte Glück im Unglück
Schwarzer Tag des führenden Dreigestirns im Süden
-ng. Frankfurt. In der 1. Liga Süd scheint es spannender denn je zuvor zu werden, denn an diesem nebelverhangenen zweiten Oktobersonntag ging es wieder drunter und drüber. Von dem führenden Dreigestirn FSV Frankfurt, 1. FC Nürnberg und Vfß Stuttgart vermochte keine Mannschaft auch nur einen Punkt zu holen.
Am Bornheimer Hang ließen die Freunde der Bornheimer die Köpfe hängen, im 92. Frankfurter Derby erkämpfte sich die „Eintracht“ einen 2:l-(l:l-)Sieg über den Tabellenführer FSV Frankfurt, der nicht an die ausgezeichnete Form der Vorsonntage anknüpfen konnte. In den ersten 45 Minuten hatte die .Eintracht“ mehr vom Spiel, in der 27. Minute erzielte der einen Augenblick unbewachte Kraus das 1:0, drei Minuten später glich Wirth aus. In der 53. Minute ergab ein überraschender Durchbruch von Pfaff das 2:1. Schiedsrichter Fritz (Oggersheim) leitete das tempogeladene und stets spannende Spiel vor 30 000 Zuschauern gut.
Die Elf des 1. FC Nürnberg fuhr schon immer mit gemischten Gefühlen in die Fuggerstadt — es ging auch dieses Mal schief. Die Augsburger „Schwaben“ kämpften bis zum Umfallen, ihre eiserne Abwehr setzte die zu durchsichtig spielenden „Club“-Stürmer matt und so hieß es am Schluß 1:0 für die Platzherren. — Da aller guten Dinge drei sind, ließ sich auch der Vfß Stuttgart in Schweinfurt 2:0 rupfen. Audi hier waren die Platzbesitzer die kampfkräftigere Elf. In Fürth erlebten 12 000 Besucher ein hartes Spiel, das die „Kleeblätter“ etwas glücklich 1:0 gewannen. Der BC Augsburg war dem Ausgleich oft näher als der süddeutsche Vorjahresmeister einem zweiten Treffer. Bei Fürth machte sich das Fehlen des gesperrten Halblinken Appis nachteilig bemerkbar. Auf dem Bieberer Berg kamen die Offenbacher Kickers zu einem verdienten 3:2-Erfolg über die Münchener Bayern. Der Vfß Mühlburg ließ sich zu Hause von Singen nichts vormachen und schlug die Willimowski-Elf überzeugend 5:1. Das Mannheimer Lokalderby endete erwartungsgemäß mit einem knappen 2:1-Sieg der Rasenspieler über den im Sturm schwachen SV Waldhof. Der „Totoschreck“ Reutlingen unterlag zwar gegen München 1860 2:3, die Elf bewies aber auch in diesem
Spiel, daß sie weitaus stärker geworden ist und daß das 3:2 des Vorsonntags gegen Offenbach nicht von ungefähr kam. Im Darmstädter Hochschulstadion erkämpften sich die „Lilien“ einen wertvollen l:0-Sieg über den VfL Neckarau, obwohl die meisten Propheten den Mannheimern die besseren Chancen gegeben hatten. Die Tatsache, daß der Abstand zwischen dem Tabellenführer und dem an 13. Stelle placierten Klub, nach Verlustpunkten gerechnet, sich nur auf vier Punkte beläuft, erhellt eindeutig die Situation.
Bayern Hof wieder vorne
—tz. In der 2. Liga Süd gab es eigentlich nur ein Ergebnis, das aus dem Rahmen fiel und das war das dürftige 1:1 der Aschaffenburger Viktoria gegen den angenehm überraschenden ASV Durlach. Im wichtigsten Spiel des Tages erkämpften sich die Stuttgarter Kickers gegen den Tabellenführer Jahn Regensburg einen verdienten 2:1-Sieg. Da Bayern Hof gegen Ulm 3:1 gewann, mußte die Jahn-Elf die Tabellenführung wieder an die Konkurrenz aus Hof abtreten. Der SV Wiesbaden gab beim 1. FC Pforzheim eine recht gute Vorstellung, aber im Sturm fehlte wieder einmal ein Mann mit Herz. So kam es, daß die Kurstädter wieder einmal (zum wievielten Male?) mit einem Tor Differenz (1:0) geschlagen die Heimreise antreten mußten. Im Derby des Südens holte sich der FC Freiburg einen 2:1-Erfolg über Tübingen. Die „Seehasen“ aus Konstanz bewiesen erneut, daß sie auswärts stärker spielen als zuhause; der FC Bamberg entführte mit einem 3:0 das Punktepaar. In einem torreichen Spiel schlug Hessen Kassel den TSV Straubing 6:3. Der ASV Cham bezwang Union Bökkingen 2:1 und mit dem gleichen Ergebnis siegte Wacker München gegen die sich brav schlagende SG Arheilgen.
unerwartet kommt auch das 2:2 von Borussia München-Gladbach gegen den Rheydter SV, und besonders mager mutet das 1:1 von Erkenschwick gegen die unterschätzten Rot-Weißen aus Oberhausen ein. Preußen Dell: brück und Schalke trennten sich nach hartem Kampf 1:1 und der Meister Borussia Dortmund mußte sich bei Horst-Emscher ebenfalls mit einem 1:1 zufrieden .geben. Hamborn 07 hatte Mühe, den Tabellenletzten SV Duisburg mit 2:1 niederzuhalten. Preußen Münster ließ Katernberg keine Gewinnchance und siegte 2:0.
„Phönix" schon nicht mehr im Rennen
FK Pirmasens und Wormatia Worms des Meisters Verfolger
f. kr. Mainz. Die Spiele des Sonntags haben in der Oberliga Südwest einiae interessante Aufschlüsse gebracht. Im Hauotspiel des Tages zwischen Neuendorf und dem 1. FC Kaiserslautern zeigten die Koblenzer, daß sie nicht aesonnen sind, das Rennen aufzugeben Vor 20 000 Zuschauern ertrotzten sie aeaen den Meister ein 0:0. Immerhin sind sechs Verlustnunkte nur schwer aufzuholen, zumal noch Konkurrenten wie Wormatia Worms und FK Pirmasens vor den Neuendorfern lieaen. Wormatia hatte Phönix Ludwiashafen zu Gast und schlue die Pfälzer mit 4:2. Damit hat der mit so großem Elan gestartete Ludwisshafener Verein schon acht Verlustnunkte und ist nraktisch bereits ausgeschältet. Wormatia und Pirmasens sind mit drei bzw. zwei Verlustpunkten des Meisters schwierigste Widersacher. Pirmasens schlua Mainz 05 mit 3:0, hatte aber weit mehr Widerstand zu überwinden als das Ereebnis ahnen läßt. Im Mittelfeld haben sich keine sonderlichen Verschiebunaen eraeben. VfR Kaiserslautern bezwane Tura Ludwigshafen mit 3:1. Landau blieb über Andernach mit 4:2 erfolgreich, dagegen tat es der VfL Neustadt aeaen Enaers. das sich zu einer richtigen Kampfmannschaft entwickelt hat, mit 3:2 etwas knapner Alle diese Mannschaften sind reelle Anwärter auf einen auten Mittelnlatz. Dabei muß Mainz 05 sich vorsehen, daß es den Anschluß nicht verpaßt. Ein zweites Unentschieden gab es in Bad Kreuznach mit einem 1:1 zwischen Eintracht Kreuznach und Eintracht Trier Der Kreuznacher Neuling, der zu seinen Spielen im Durchschnitt stets 4000 bis 5000 Zuschauer aufbringt, hat immerhin schon drei Punkte geholt. Da die Saison ia 26 Spiele umfaßt, ist also hier noch manches möglich.
Tag der Unentschieden
Sch. In der 1. Liga West sah es auf dem gefürchteten „Trivoli“ in Aachen bei Halbzeit ganz nach einem eindeutigen Erfolg der Düsseldorfer Fortuna aus, denn sie führte bis dahin durch Tore von Schmidt, Müller und Waruttke 3:1, den einzigen Gegentreffer hatte Kern besorgt. Nach dem Wechsel feuerten 16 COO Aachener ihre „Alemannen“ stimmgewaltig an, und als Pfeifer in der 55. Minute den 2:3 Anschlußtreffer erzielt hatte, glich der „Tivoli“ wieder einmal einem Hexenkessel. In der 82. Minute gelang Schmidt gar der 3:3-Ausgleich, mit Glück und Geschick rettete „Fortuna“ den Nimbus der Unbesiegbarkeit Weniger Glück hatte der 1. FC Köln in Essen-Bergeborbeck, wo die Rot-Weißen die Rheinländer 3:2 schlugen. Bis zur 89. Minute stand es noch 2:2, Jahnel gelang dann der vielbejubelte Siegestreffer für die Rot-Weißen. Nicht weniger als fünf Begegnungen endeten remis. Vom 3:3 in Aachen war schon die 'Rede, aber etwas
Starke Sowjet-Kraftsportler
Erste Weltmeister im Gewichtheben
Paris. (AP.) Bei den Weltmeisterschaften im Gewichtheben in Paris sind die ersten Entscheidungen gefallen. Im Federgewicht holte sich der Ägypter Mahmoud Fayad, der in den drei Hebungen Drücken. Reißen und Stoßen insgesamt 327,5 Kilo in die Höhe brachte, den Titel. An zweiter Stelle folgte der Sowjetrusse Eugen Lopatin, der auf 317,5 Kilo kam. gefolgt von dem Engländer Julian Creus mit 305 Kilo. Im Bantamgewicht siegte der Perser M. Namdiou mit einer Gesamtleistung von 310 Kilo vor dem Russen R. Tschimitschkian mit 305 Kilo und dem Ägypter K. Mahgoub mit 297,5 Kilo.
Im Leichtgewicht kam mit Joe Pitman, der 352,5 Kilo drückte, riß und stieß, der erste amerikanische Teilnehmer zu einem Titel. Zweiter wurde der Ägypter Hamouda mit 350 Kilo, dritter der Russe Swetilko mit 347,5 Kilo.
In der Mannschaftswertung führt Ägypten mit neun Punkten vor der Sowjetunion mit sieben, den Vereinigten Staaten und Persien mit je fünf und Großbritannien mit einem Punkt.
„Asterios“ vor „Niederländer“
Dortmund, (dpa) Das letzte große Dreijähpigenrennen der Saison, das „deutsche St. Leger“ (20 000 DM, 2800 m), wurde zu einem Schlenderhaner-Triumph durch den prächtig kämpfenden „Asterios“ unter Hein Bollow, der Erlenhofs heißen Favorit „Niederländer“ (Otto Schmidt) kurz vor dem Pfosten noch sicher abfing. An dritter Stelle endete „Waldspecht“ und an vierter Stall Elges „Erlenkind“.
Van Vliet nicht zu schlagen
Die Hallenradrennsaison eröffnet
Isch. Hannover. Sechstausend Radsportfreunde erlebten am Samstag im Hannoverschen Messesportpalast die Eröffnung der diesjährigen Hallenradrennsaison. Die Veranstalter warteten mit einer ausgezeichneten Besetzung auf. Im Mittelpunkt der Rennen stand das Zweistunden-Mannschaftsrennen nach Sechstageart um den „Großen Preis von Hannover“. Die holländisch-belgische Kombination van Kempen jr./Janssens holte sich vor den Deutschen Weimer/Müller (eine Runde zurück) und Kilian/Roth (Luxemburg/Schweiz) mit zwei Runden Rückstand den Sieg. Drei von den vierzehn gestarteten Mannschaften stürzten und schieden aus. Das internationale Fliegerrennen um den „Großen Preis von Hannover“ gewann der zweifache Ex-Weltmeister Arie van Vliet (Holland) vor Senfftleben (Frankreich), Geradin (Frankreich), Plattner (Schweiz), Werner Bunzel und Georg Voggenreiter (Deutsch land). Im Vorgaberennen über vier Runden siegte der Schweizer Plattner (36 m Vorgabe) mit 48 Sekunden vor Voggenreiter (48 m Vorgabe), Bunzel (60 m Vorgabe), Senff Heben (12 m Vorgabe), van Vliet (0 m ) und Geradin (24 m Vorgabe).
Englischer Hallentennismeister wurde JarosiawDrobny (Ägypten)mit einem 6:3-,6:2-,6:0-Sieg über den englischen Davispokalspieler Paish. Bei den Damen holte Quertier (England) mit einem 3:6-, 7:5-, 6:3-Erfolg den Titel von der Vorjahrsmeisterin Curry (England).
Die sowjetische Fußballmannschaft „Spartak“ Moskau holte sich mit einem 4:0 über Larvik den zweiten Sieg auf ihrer Norwegenreise, nachdem „Spartak“ im ersten Spiel gegen den Osloer Klub „Sagene“ 7:1 gewonnen hatte.
Wieder Süd - Nord im Endspiel
Süddeutschlands Handballer schlugen den Südwesten 21:4 (7:2)
Düsseldorf. Zum dritten Male hintereinander werden sich am 12. November die Repräsentativmannschaften von Süd- und Norddeutschland im Endspiel um den Deutschen Handballpokal gegenüberstehen. Der Pokalverteidiger Süd holte sich mit einer verjüngten Elf vor 4000 Zuschauern in Ketsch einen 21:4-(7:2-)Erfolg über den Südwesten. Norddeutschland hatte es in Minden vor 8000 Zuschauern erwartungsgemäß schwerer. Als die westdeutsche Abwehr innerhalb von drei Minuten vier schwere Abwehrfehler machte, fiel die Entscheidung für den 13:9-(5:4-)Sieg für den Norden.
Trotz Keimigs Glanzparaden.
Der alte Olympia-Torhüter Keimig stand im Tor der Südwestauswahl. So sehr der Altinternationale auch an frühere Leistungen erinnerte, ein prächtiges Stellungsspiel zeigte und auch durch Flugparaden begeisterte, der Süden kanonierte doch einen 21:4-(7:2-)Sieg heraus. Bernhard Kempa war der meisterliche Dirigent einer ungemein kraftvollen Mannschaft, die mit einer Offensivabwehr die Südwestabwehr geradezu erdrückte. Es ist bezeichnend, daß sechs Treffer von süddeutschen Deckungsspielern geschossen wurden und die Abgaben zu weiteren Toren von Abwehrspielern kamen. Die Tore schossen für den Süden: Der Linkshänder Stahr 5, Schäfer 4, Kempa 3, Winterlin 2. Bernhard 2, Sutter 2, Kern 2 und Jüllich. Für den Südwesten: Hahn, Grunewald, Marneth und Stähler.
Der Norden hatte es schwerer
Vor der Pause sorgte die westdeutsche Abwehr vor über 8000 Zuschauern in Minden für eine 5:4-Führung, da der norddeutsche Angriff mit seinem zügigen Spiel über die Flügel nicht so recht zur Geltung kam und außerdem mehrfach an den prächtigen Paraden von Nellen scheiterte. Innerhalb von drei Minuten fiel nach dem Wechsel die Entscheidung, als Dahlinger (2), Ochs und Thielecke vier Abwehrfelder unbarmherzig zu einer 9:6-Führung ausnutzten, die zum 13:9-(4:5-)Sieg des Nordens ausgebaut wurde. Der immer noch ausgezeichnete Altinternationale Thielecke warf vier Tore, Dahlinger (3), Ochs, Wanke und Rohwer (2) erzielten die restlichen Tore für den Norden, während für den Westen Eichelmann, Paul und Willi Zorn (je zwei Tore), Barucco, Zerling und Krause erfolgreich waren.
Klein schwamm neuen Europa-Rekord
Im Schwimmvergleichskampf siegte Süd- gegen Westdeutschland 67,5:57,5
Am zweiten Tag des Schwimmrepräsentativkampfes West gegen Süd im Krefelder Hallenbad schwamm Herbert Klein im 200-m-Brustschwimmen in der Zeit von 2:32,5 Minuten neuen Europarekord. Im Gesamtergebnis siegte Süd mit 67,5 Punkten vor West mit 57,5 Punkten und konnte damit für die vor mehr als einem Jahr erlittene Niederlage Revanche nehmen.
Bereits der erste Tag stand, nicht ganz erwartet. eindeutig im Zeichen der Süddeutschen. Nach den Wettbewerben des Sonnabends führten die Gäste klar mit 22:12 Punkten.
Gleich im 200-m-Kraulrennen gab es die erste Ueberraschung. Der im Westen völlig unbekannte Müller (Nürnberg) siegte in 2:21,2 Minuten vor Klausner (Offenbach) in 2:21,9 Minuten, während Arendt (Brühl) und Lindner (Koblenz) in 2:26,9 bzw. 2:27,5 Minuten nichts zu bestellen hatten. Das Rennen eines Mannes war das 100- m-Brustschwimmen. In 1:09,0 Minuten siegte Europameister Herbert Klein (München) wie er wollte vor den beiden Westdeutschen Wieding und Blümer mit 1:12,8 bzw. 1:13,4 Minuten. Somit stand es bereits nach zwei Wettbewerben 14:8 für Süd und da ohne Dr. Bornhaupt (Koblenz) für den Westen die Lagenstaffel nicht zu gewinnen war, hieß es dann am Sonnabend bereits 22:12 für Süddeutschland. Im Wasserball wurde vereinbart, nicht jede einzelne Begegnung, sondern alle drei zusammen zu werten, so daß der westdeutsche 9:4-Sieg noch nicht ins Gewicht fiel.
Weitere Ergebnisse: 3XIOO-m-Lagen: Süd (Künzel, Klein, Reinhardt) 3:25,8 Minuten vor West mit 3:29,4 Min. Einlagen: 100- m-Kraul für Damen: 1. Gertrud • Herrbruck (Pirmasens) 1:14,4 Minuten vor Rechling (Bochum) und Schäferkordt (Düsseldorf). — 3X50-m-Damen-Lagenstaffel: Düsseldorf 98 in 1:55,5 Minuten vor Olympia Gladbeck und Krefeld 93.
Am Sonntagvormittag vergrößerten die Süddeutschen ihren Punktvorsprung auf 40:29 Punkte. Die 4X200-m-Bruststaffel wurde hierbei durch das überragende Können von Herbert Klein (München) entschieden, der als Schlußmann in Altmeister Heina (Gladbeck) keinen ebenbürtigen Gegner hatte. Auch im 400-m-Kraulschwimmen gab es durch Klausner (Offenbach) einen süddeutschen Sieg, während im Wasserball Westdeutschland im zweiten Spiel einen glücklichen 7:4-Sieg herausholte.
Die Ergebnisse: 4X200-m Brust: Süd (Lermer, Pfersdorff, Dollinger, Klein) 11:11,9 Minuten vor West mit 11:23,3 Minuten. 400 m Kraul: Erster Klausner 5:12,0 Min; Zweiter Arendt (West) 5:15,6; Dritter Meierkord (West) 5:19,0; Vierter Dotzer (Süd) 5:39,6. Im Rahmenprogramm siegte die deutsche Meisterin Ria Lörper (Kempen) über 103 Meter Brust in 1:27,5 Minuten und über 4X50-m-Kraul für Damen Düsseldorf 93 in 2:20,2 Minuten.
Am Sonntagnachmittag gab es dann noch folgende Ergebnisse, die das Endresultat auf 67,5:57,5 Punkte zugunsten des Südens stellten: 100-m-Kraul: 1. Müller (S) 1:01,3 Min.; 2. Franke (W) 1:02,8. 200-m-Brust: 1. Klein (S) 2:32,5 Min. (neuer Europarekord): 2. Deuerlein (W) 2:45,8. 100-m-Rücken: 1. Gerstenberg (W) 1:12,6 Min.; 2. Künzel (S) und Henschke (W) 1:13,4 (totes Rennen). 4X 100-m-Kraul: 1. Süd, 2. West Kunstspringen: 1. Aderholt (W) 193,95 Punkte; 2. Haase (W) 185,18. 3. Wasserballspiel: West— Süd 3:3 (2:1).
SV 98 siegte 1:0 gegen schwachen Gegner
Neckarau enttäuschte / Darmstadts Sieg mußte höher ausfallen / Stürmerreihe operierte unglücklich Reeg schoß das einzige Tor des Tages
Die Freude der Darmstädter Fußballfreunde über die am Sonntag erzielten bitter notwendigen und deshalb doppelt wertvollen Punkte ist keineswegs ungetrübt. Es scheint jetzt an der Zeit zu sein, daß der Sportverein mit seinen Stürmern einmal Fraktura redeet, denn schließlich kann jeder einzelne von ihnen einen Fußball spielen, der ihn durchaus in die Spielklasse stellt, in der die 98er heute sind, aber man kann auf die Dauer mit fünf Einzelspielern nicht zu dem kommen, was unbedingt vonnöten ist, daß fünf wie einer spielen und daß Tore geschossen werden. Zum zweiten sollten sich die Männer des Angriffs auch einmal ihrer Verantwortung gegenüber ihren anderen Mannschaftskameraden bewußt werden, die gerade gestern sehr aufmerksam und mit aller Kraft bemüht waren, endlich wieder einmal ein Spiel anständig unter Dach und Fach zu bringen. Das gilt vom Schlußtrio gleichermaßen wie von der Läuferreihe.
SV Darmstadt 98: Ruhl; Mühlbach, Abt; Leichtlein, Schmidtmer, Herder; Reeg, Barth, Thalheimer, Böhmann, Herwig. VfL Neckarau: Nenninger;Jennwein, K. Gramminger; Uhrig, Klostermann, M. Gramminger; Sander, Balogh, Preschle, Gärtner, Stolt.
Zuschauer: 6500. Schiedsrichter : Meißner, Fürth.
Der Anstoß der Neckarauer wird von der Darmstädter Läuferreihe abgefangen, und fast 10 Minuten lang ergibt sich bei verteiltem Feldspiel eine leicht merkliche Ueberlegenheit der Lilien, doch ist ihr Tor zuerst in Gefahr. Stolt erwischt eine Vorgabe mit dem linken Außenrist, hat den Fuß aber nicht stark genug eingewinkelt und so streicht sein scharfer Schuß am linken Pfosten vorbei. Beim Gegenbesuch der Darmstädter endet Reegs flachwinklige Flanke hinter dem Netz. Der Besuch der Darmstädter in der Gästehälfte führt wenig später zu einem Eckball, den Reeg schön hereingibt, Böhmann mit dem Kopf gut aufnimmt, aber zu steil und damit übers Tor wippt. Nach einer guten Viertelstunde bauen die Darmstädter von der Verteidigung aus über die Läuferreihe einen Angriff schulmäßig auf, der Ball wird Reeg von Thalheimer schön serviert, der ihn mit dem Kopf dem günstiger stehenden Barth zukippt, der Ex-Mainzer pfeffert jedoch aus guter Position in 20 Meter Entfernung hoch übers Tor. Zwischendurch sind auch die Neckarauer bei Ruhl zu Besuch gewesen, der aber mit dem an ihm schon gewohnten Feingefühl für richtige Einstellung zu seiner Aufgabe bei dem scharfen Bodenroller Baloghs so steht, daß der Ball nur bei ihm landen kann. „Drüben“ knallt Barth die erste Bombe aufs Mannheimer Tor; sie geht ins Leere. Auch Balogh findet nicht immer die Richtung aufs Tor, denn einmal hebt er den Ball fast behutsam an, um eine Nuance zu steil, so daß er „übers Dach“ hupft. Im steten Wechsel des Feldspiels kommt Reeg zu einem (Hand-) Strafstoß, den Böhmann aufnimmt und ans Außennetz schießt.
Für die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit wechseln Barth und Bohmann ihre Plätze, ohne indes den immer noch vermißten Druck aufs Gegnertor zu erhöhen. Zehn Minuten vor Platzwechsel ist Ruhl so zeitig vor einem Schuß Baloghs in Stellung gegangen, daß er schon beim Schlagansatz da steht, wo er das Leder greifen kann. In der letzten Minute vor der Pause kommen die Darmstädter zu zwei aufeinanderfolgenden Reeg-Ecken, deren erste von Bohmann in flachem Sprung aufs Tor geköpft und von K. Gramminger ins Aus gelenkt wird, deren zweite Barth hart am Pfosten vorbeiköpft.
Nach dem Wechsel dauert es eine Viertelstunde, bis sich Thalheimer die erste wirklich große Chance bietet: Er steht in guter Position frei vor Nenninger, braucht den herauslaufenden Altriper Hüter nur zu umspielen, aber alle guten Geister haben ihn verlassen, er schießt in den ersten Stock. Die 68. Minute endlich bringt das. was man von Anfang des Spiels an so dringend gewünscht und erwartet hat, das Tor für die Platzelf. Das Leder hüpft von Reegs Kopf an Nenninger vorbei in drei, vier auslaufenden Sprüngen trotz Zusprungs zweier Neckarauer über die Torlinie. Das bringt die immerhin bereits eine Viertelstunde lang drängenden Darmstädter naturgemäß in höhese Fahrt. Aber über langzeitigen Massenbesuch im Strafraum der Gäste kommen sie wieder nicht hinaus. Gut fünf Minuten vor Schluß stuppt Ruhl einen Balogh-Schuß am linken Pfostenfuß über die Auslinie, drei Minuten vor Schluß läuft der (Ball von Herwig über Thalheimer zu Reeg, der frei hoch drüber schießt, und zwei Minuten vor Schluß wandelt Thalheimer eine halbhohe Flanke^u schönem Kopfstoß, aber ...
Es ist vornehmlich das „Verdienst“ des Darmstädter Sturms und der hinter den Erwartungen zurückbleibenden Leistungen der gesamten Gästemannschaft, daß dieses Spiel zeitweise den Charakter eines Freundschaftstreffens zweier Landesligamann-
schäften annahm. Wie das auf Darmstädter Seite zu ändern wäre, haben wiir eingangs angedeutet. Im Schlußtrio wurde Mühlbach als rechter Verteidiger zu einem Back, der sich gut mit Ruhl und Abt verstand, so daß ihnen zusammen mit dem zurückgezogen spielenden Schmidtmer nicht allzu schwer fiel, die Neckarauer beizeiten abzubremsen. Die Läuferreihe war diesmal besonders in dar zweiten Halbzeit erfreulich gut in Fahrt; Leichtlein vornehmlich nach der Peuse, Herder immer noch mit dem Fehler behaftet, zuviel zu dribbeln und dadurch den Aufbau des Spiels zu verzögern. Im Sturm hielt sich Herwig diesmal treu und brav an seiner Linie auf, auch wenn er gelegentlich aus dem eigenen Strafraum heraus sich den Ball holte. Bei Bohmanns an sich gefälligem Einzelspiel und -»können erwartet man als selbstverständlich im gegebenen Moment gezirkelte Schüsse aufs Gegnertor, aber es bleibt »bei der Erwartung. Und das ließ ihn gestern ausgesprochen schwach erscheinen. Barth, Reeg und Thalheimer gefielen in der Fünfer reihe am besten.
Bei den Neckarauern waren auch die Gebrüder Gramminger und noch weniger Balogh die Männer, welche ... Gewiß kann Balogh schießen, aber er ist doch nicht der Durchreißer, der den Neckarauern in Zukunft vielversprechend vorwärts helfen könnte. Im übrigen zeigte die Mannschaft so viel, daß dieses Spiel mit 5:2 keinen irregulären Ausgang genommen hätte. RG
Klarer Erfolg der ABC-Boxer
ABC Darmstadt-Eberstadt — SG Egelsbach 10:2
Am Samstagabend standen sich „Zum Schwanen“ in Eberstadt die Mannschaften des ABC und der SG Egelsbach gegenüber. Die Gastgeber konnten wegen Verletzung von Formella und Heinrich Knieß sowie des Ausbleibens von Heinz im Halb- und im Schwergewicht keinen Vertreter entsenden. Die Gäste waren durch Struck/Rot-Weiß Frankfurt im Fliegengewicht verstärkt. Die zahlreichen Zuschauer sahen durchweg farbige Kämpfe, die allerdings nicht auf allzugroßem Niveau standen.
Nach einem Einlagekampf stellten sich zunächst die Jugendlichen vor. Bei den Schülern gab es einen klaren Punktsieg von Ott/ Eberstadt über Gausmann. Der folgende Kampf zwischen Hörr/Eberstadt und Strekker/Egelsbach mußte nach der ersten Runde abgebrochen werden, da der Gästeboxer noch nicht das Alter hatte, um gegen Hörr kämpfen zu können. Einen ausgeglichenen Kampf, der unentschieden endete, lieferten sich Meier/Eberstadt und Müller/Egelsbach. Im Gesamtergebnis behielt demnach die Darmstädter Vertretung mit 3:1 bei den Jugendlichen die Oberhand.
In der ersten Begegnung der Senioren traf Weigel/ABC auf den starken Struck, der die Gästestaffel verstärkte. Die erste Runde verlief farblos. Beide Boxer schlugen zu unkonzentriert. Der Gästeboxer mußte in der dritten Runde wegen Schlagens mit der offenen Hand eine Verwarnung einstecken. Ueberraschend kam am Schluß des Kampfes die Verkündung, daß Struck Punktsieger war. Langanhaltendes Pfeifkonzert unterstrich diese krasse Fehlentscheidung. Ein Unentschieden wäre hier am Platze gewesen. Niemand dachte, daß dies der einzige und letzte Punkterfolg der Gäste bleiben sollte.
Im Federgewicht heizte Adam Knieß/ABC seinem Gegner Stroh ununterbrochen ein. Nachdem die erste Runde bereits klar an ihn ging, mußte Stroh anfangs der zweiten Runde bis 9 die Bretter aufsuchen, um sich einige Sekunden später nach einem kurzen Haken auszählen zu lassen.
Den technisch schönsten und ausgeglichensten Kampf des Abends sah man im Leichtgewicht zwischen Nicoley und List. Der einheimische Boxer zeigte erneut seine Nehmerqualitäten. war aber auch im Angriff stark. Beiderseitige harte Schlagwechsel erschütterten beide Boxer nicht. Der Punktsieg von Nicoley/ABC kann als glücklich angesehen werden.
Im zweiten Leichtgewichtskampf sah man Kohl/ABC gegen Geiß/Egelsbach. Ueberfallartig konterte Kohl und war seinem Gegner klar überlegen. In der 30. Sekunde der ersten Runde mußte sich der Gastboxer, von einem Aufwärtshaken schwer getroffen, auszählen lassen.
Einen weiteren k.0.-Erfolg der Eberstädter in der ersten Minute gab es im Weltergewicht. Hier zeigte Allmann/ABC gute Veranlagung, obwohl er noch nicht über die nötige Ringzeit verfügt.
Im letzten Kampf des Abends standen sich Ströher/ABC und Strecker/Egelbach gegenüber. Ströher verstand es geschickt, aus der Defensive heraus zum Angriff überzugehen. Seine gute Deckungsarbeit und seine trockenen Aufwärtshaken sicherten ihm besonders in der letzten Runde merkliche Vorteile. Der Sieg der Gastgeber täuscht, wenn man das Ergebnis berücksichtigt. Die Gäste, die den Kampf wohl klar verloren, waren ein ebenbürtiger und fairer Verlierer.
Es sei darauf hingewiesen, daß der ABC Darmstadt-Eberstadt am 28. Oktober 1950 gegen die kampfstarke Mannschaft von Weiden (Oberpfalz) antritt, in deren Reihen u. a. der deutsche Meister Ehemann steht -erl-
Arheilgen mit Schlußpfiff durch Elfmeter besiegt
Wacker München — SG Arheilgen 2:1 (0:1)
Wir nehmen die Schlußminuten dieses Spieles voraus, weil in diesen Minuten sich eine Tragik zusammenballte, wie sie die Arheilger noch nicht erlebt hatten. Eine Minute über die reguläre Spielzeit besiegelte ein Elfmeter die Arheilger Niederlage. Der Schiedsrichter war nicht mehr Herr seiner Entscheidungen und die sich so tapfer wehrenden Arheilger wurden im Verein mit dem stimmgewaltigen Publikum zu einer Niederlage geführt.
Wacker M ün ch en : Gröninger—Stöckel, Seibold — Geltl, Huber, Weindl — Reiff, Bauer, Schleicher, Hutschler, Kolb 11.
SG Arheilgen: Seibel — Marko, Bekker — Wendler, Mahr, Traser — Dilfer, Barnewald, Müller, Zöller, Lieber.
Schiedsrichter: Vöhringer, Neuhausen an der Erms. Zuschauer: 5000.
In der? ersten Spielminuten herrschte zunächst verteiltes Feldspiel. Und doch war es ersichtlich, daß die Münchener den besseren Fußball zeigten. Allerdings waren ihre Angriffe nicht zielstrebig genug, so daß sich die Arheilger Hintermannschaft, die in den letzten Minuten etwas ins Schwimmen geriet, bald wieder gefunden hatte und ihr Tor rein halten konnte. In der 15. Minute schaltete sich Rechtsaußen Dilfer in eine Verteidiger-Abwehrleistung der Münchener ein, erkämpfte sich den Ball und schob an dem ihm entgegenlaufenden Münchener Torhüter vorbei zum 1:0 für Arheilgen ins Netz.
Die Münchener forcierten sofort das Tempo, brachten aber außer zahlreichen Ecken, die fast alle hinter dem Arheilger Tor landeten, nichts zustande.
Die Unzufriedenheit der Zuschauer stieg. Außer einer Freistoßbombe von Schleicher, die knapp über das Gebälk zischte, und einem Pfostenschuß des Münchener Halblinken waren keine torreifen Situationen festzustellen. Allerdings muß gesagt werden, daß Mahr durch konsequentes Decken dem Münchener Mittelstürmer keinen Spielraum ließ. Er konnte noch so oft nach außen rochieren, er fand keine Lücke, um eine Entscheidung zu erzwingen.
Auch in der zweiten Halbzeit drückten die Münchener die Gäste völlig in ihre Hälfte zurück. Nur durch einzelne Entlastungsangriffe konnten sich die Arheilger für wenige Minuten Erholung verschaffen. Im Sturm war außer Dilfer und Müller nicht viel Licht zu sehen. Barnewald und Lieber erreichten nicht ihre gewohnte Form, während Zöller erst gegen Ende des Spieles in der Hintermannschaft seine Aufgabe erfüllen konnte. Es dauerte immerhin bis zur 20. Minute der zweiten Halbzeit, als ebenfalls durch eine zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung der Ausgleich fiel. Bei einem Angriff der Münchener von halblinks starteten Schleicher und Mahr gleichzeitig nach dem hoch hereinkommenden Ball, beide sprangen hoch, Schleicher unterbaute dabei Mahr, so daß dieser zu Fall kam. Der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß für München! Der Strafstoß wird auf die rechte Seite gespielt, von der Arheilger Hintermannschaft abgewehrt, der Nachschuß von Seibel zur Latte gelenkt, von dort springt der Ball erneut zwei Münchenern vor die Füße, die ihn dann zusammen in die Maschen jagen. So war also bereits das 1:1 praktisch durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters zustande gekommen. Im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit hatte noch einmal Lieber durch einen Freistoß beinahe ein zweites Tor für Arheilgen erzielt. Aber das Glück war mit den Münchenern. Das Spiel näherte sich immer mehr seinem Ende und in der Arheilger Hintermannschaft übertraf einer den anderen. Seibel hielt verschiedene Schüsse bravourös. Die Münchener Zuschauer spendeten laufend Beifall.
Marko und Becker zeigten in der zweiten Halbzeit ein hartes, nüchternes Verteidigungsspiel. Die Außenläufer Wendler und Traser kämpften auch in der zweiten Halbzeit aufopfernd wie gewohnt. Es fiel in den Schlußminuten auf, daß der Schiedsrichter immer mehr zu Konzessionen für die Münchener neigte. So ließ er über eine Minute nachspielen, und was die Menge hinter den Stangen von ihm forderte, das pfiff er. So war es bereits unmittelbar am Spielende, als bei einem Rechtsangriff der Münchener der Ball in den Arheilger Strafraum kam; die Hintermannschaft warf sich entschlossen dem Ball entgegen. In dem herrschenden Durcheinander schrie auf einmal die eine Rangseite: „Hand! Elfmeter!" Der Schiedsrichter pfiff prompt Elfmeter. Die Arheilger reklamierten heftig, der Ball wurde mehrmals vom Elfmeterpunkt weggetreten, ohne daß der Schiedsrichter zu Verwarnungen schritt. Das zeigte eindeutig, daß er keineswegs energisch genug war, um das Spiel, so wie es sich gehört, über die Zeit zu bringen. Nach vielem Hin und Her wurde dann der Elfmeter ausgeführt, den Seibel fast noch aus der linken Torecke herausgeholt hätte. Er hatte den Ball schon in seiner Hand, doch er rutsche am Torpfosten vorbei ins Netz. Unmittelbar nach der Ausführung des Elfmeters pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab. Die Arheilger Mannschaft war so deprimiert und kopflos, daß sie, ohne den Sportgruß auszubringen, das Stadion in München verließ.
So entstand das siegbringende Tor für die Darmstädter. Reeg köpft über den herauseilenden Torwart Nenninger ins Netz. Szene aus dem Spiel SV 98—VfL Nekarau 1:0. Foto: Hemme
Handball-Ergebnisse
Bezirksklasse Odenwald
Groß-Bieberau — Mörfelden 4:8 (2:4) Eppertshausen — Urberach 13:13 (5:7) Reichelsheim — Seeheim 5:9 (4:4) Kirch-Brombach — Fr.-Crumbach 6:9 (4:4)
Bezirksklasse Bergstraße
Lorsch—Berschweiler 8:9 Kirschhausen—Heppenheim 8:12 Einhausen—Zell 9:8 Kreidach—Mumbach 7:10 Krumbach—Zwingenberg 7:3 Auerbach—Erbach 13:4
Kreisklasse Darmstadt
Bickenbach — TG 75 Darmstadt 2:5 Bickenbach II — TG 75 Darmstadt II 2:5
Kreisklasse Erbach
Michelstadt — Zell 11:7 Beerfelden — Bad König 3:8 Böllstein — Mommart 8:6
Kreisklasse Dieburg
Gruppe I Richen — TV Reinheim 16:9 Schaafheim — Semd 7:4 Kl.-Umstadt— Langstadt/Schiierbach I 3:17 Babenhausen — Langstadt/Schlierb. II 15:6
Gruppe II
Habitzheim — SV 45 Reiheim 4:11 Groß-Zimmern — Turnersch. Oberroden 11:9 Gr.-Umstadt—Gundernhausen (G. n. angetr.) Jugend: Gr. Umstadt — Langstadt/Schiierbach 15:4 Schüler: Schüler: Groß-Umstadt—Groß-Zimmern 7:9
Kurz notiert
Der internationale Gewichtheber-Verband hat am Donnerstag in Paris die Wiederzulassung Japans und die Neuaufnahme des Saar“ landes beschlossen. Die Entscheidung über den Aufnahmeantrag der Bundesrepublik Deutschland wurde ausgesetzt.
Englischer Hallentennismeister wurde Jaroslaw Drobny (Ägypten)mit einem 6:3-,6:2-,6:0-Sieg über den englischen Davispokalspieler Paish. Bei den Damen holte Quertier (England) mit einem 3:6-, 7:5-. 6:3-Erfolg den Titel von der Vorjahrsmeisterin Curry (England).
Gottfried' von Cramm-H. Saß besiegten am zweiten Tage des Tennisstädtekampfes Hannover-Barcelona das spanische Doppel Pedro Massip-Jaime Bartroli mit 4:6, 6:3, 6:3, 6:3. Der Kampf steht damit unentschieden 1:1.
Die sowjetische Fußballmannschaft „Spartak“ Moskau holte sich mit einem 4:0 über Larvik den zweiten Sieg auf ihrer Norwegenreise, nachdem „Spartak“ im ersten Spiel gegen den Osloer Klub „Sagene“ 7:1 gewonnen hatte.
Neue Sportliteratur
„Ski — Bob — Eis“. Die erste Nummer des 3. Jahrganges der offiziellen Zeitschrift der deutschen Wintersportverbände „Ski — Bob — Els" liegt nun vor. Wie üblich befaßt sich die 44seitige Sondernummer in farbigen Berichten, Artikeln und Erzählungen mit allen Sparten des Wintersportes und ist außerdem hervorragend illustriert. (Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Hohenzollernstraße 1.)
„Abc des Handballspiels“. Hans-Jürgen Linden ist der Verfasser des in der Sportreihe der Hefte für die Jugend erscheinenden kleinen Werkes, das einen leicht verständlichen Ueberbllck über das Handballspiel gibt. Besonderes Augenmerk ist dabei neben der Regelkunde den verschiedenartigsten Trainingsmethoden gewidmet. (Die Broschüre erscheint zum Preise von I,— DM im Schwentine-Verlag Preetz (Holst.) und umfaßt 80 Seiten.)
Abschluß der VCD-Meisterschaften
Paul Nester Sieger auf Bahn und Straße
Herrliches Herbstwetter und eine ansehnliche Zuschauerzahl waren der Rahmen für die am Samstag ausgetragenen letzten Läufe zur Bahnmeisterschaft 1950. Niemand wurde enttäuscht, alle Bahnfahrer waren zur Stelle und gaben ihr bestes. Zeitfahren nach der Uhr und Fliegerrennen waren noch zu bewältigen, somit die schönsten Disziplinen, die der Radsport überhaupt kennt, aber auch die schwierigsten.
Sowohl das Zeitfahren wie auch das Fliegerrennen zeigten wieder klar die Stärke Paul Nesters, dem es beim Zeitfahren gelang, die 1000 m bei stehendem Start in der großartigen Zeit von 1:21,5 Min. zu fahren. Auch alle anderen Zeiten sind recht beachtlich und haben nun zum Schluß nochmals die Stärke der ganzen VCD-Bahnfahrer unter Beweis gestellt.
Längere Zeit nahm die Abwicklung der Fliegerrennen in Anspruch, da sie genau nach den Wettfahrbestimmungen für Meisterschaften ausgetragen wurden, und zwar mußte jeder gegen jeden antreten.
Ergebnisse: Zeitfahren, 1000 m mit stehendem Start: 1. Paul Nester 1:21,25 Min.; 2. Hanno Seifert; 3. Siegfried Volkhammer 1:25,05 Min.; 4. Siegmund Schlünz 1:25,85 Min.; 5. Werner North 1:26,05 Min.; 6. Alfred Herrmann 1:26,7 Min.; 7. Jürgen Strauber 1:30,05 Min.; 8. Walter Rose 1:31,5 Minuten. — Fliegerrennen über 800 m jeder gegen jeden: 1. Paul Nester, 2. Hanno Seifert, 3. Siegmund Schlünz, 4. Jürgen Strauber, 5. Siegfried Volkhammer, 6. Werner North, 7. Alfred Herrmann, 8. Walter Rose.
Endergebnis Bahnmeisterschaft 1950: 1. Clubmeister auf der Bahn 1950 Paul Nester 60 P., 2. Hanno Seifert 53 P., 3. Siegmund Schlünz 53 P. (das Fliegerrennen ist bei Punktgleichheit entscheidend gewesen), 4. Siegfried Volkhamer 50 P., 5. Jürgen Strauber 44 P., 6. Werner North 43 P., 7. Alfred Herrmann 29 P., 8. Walter Rose 26 P., 9. Hugo Menz 19 P., 10. Frieder Weber 17 P., 11. Ernst Beutel 14 Punkte. Hugo Menz, Frieder Weber und Ernst Beutel haben nicht alle Läufe gefahren, so daß die erreichte Punktzahl nicht ganz ihrer tatsächlichen Stärke entspricht.
Den gestrigen letzten Rennen zur Bahnmeisterschaft 1950 folgte heute der letzte Lauf 1950 zur Straßenmeiserschaft 1950 des VCD das Bergrennen auf den Frankenstein. Auch hier wieder dasselbe Bild wie gestern auf der Radrennbahn: die gesamte erfolgreiche Rennmannschaft des VCD am Start. Wenn auch der starke Nebel im Anfang etwas drückte, so war es doch ein schönes Naturschauspiel bei der Auffahrt etwa von halber Höhe ab, in den hellsten, klaren Sonnenschein hineinzufahren. Die Fahrer wurden in Abständen von einer Minute am Forsthaus abgelassen, die Startfolge wurde ausgelost. Am Start, auf der Auffahrtstrecke und auf dem Frankenstein selbst wurden die Fahrer oft von den zahlreichen Zuschauern angefeuert.
Ergebnisse des Bergrennens auf den Frankenstein: 1. Siegfried Volkhammer 9:35 Min., 2. Paul Nester 9:54 Min., 3. Werner North 9:55 Min., 4. Alfred Herrmann 9:55 Min., 5. Hanno Seifert 10:14 Min., 6. Rolf Neidhardt 10:17 Min., 7. Walter Rose 11:55 Min., 8. Hugo Menz 12:49 Min.
Ergebnisse der Clubmeisterschaft auf der Straße 1950: 1. und Clubmeister auf der Straße 1950, Paul Nester 59 P., 2. Siegfried Volkhammer 58 P., 3. Hanno Seifert 47 P., 4. Rolf Neidhardt 47 P. (Seifert und Neidhardt punktgleich, so daß das letzte Rennen für die Placierung entscheidet), 5. Alfred Herrmann 35 P., 6. Walter Funk 32 P.. 7. Walter Rose 30 P., 8. Werner North 26 P., 9. Jürgen Strauber 23 P., 10. Alfred Klier 21 P., 11. Frieder Weber 17 P., 12. S. Schwarz 14 P., 13. Hugo Menz 14 P., 14. Emst Beutel 13 P., 15. Helm. Steinbrecher 12 P„ 16. Herm. Hafner 11 P., 17. Gerhard Seider 7 P., 18. Aug. Rudi 6 P., 19. Herm. Stark 5 P., 20. Ernst Hafner 4 Punkte. — Die niedrigen Punktzahlen sind dadurch entstanden, daß die Fahrer nicht alle Läufe gefahren haben, wäre dies der Fall gewesen, dann hätten sie ihrer Stärike entsprechend weiter vorne landen müssen.
Tabellen - Tore - Punkte
Bezirksklassen
Ergebnisse Gruppe 1
Groß-Gerau—Roßdorf 10:1 (3:0) Biblis—Eberstadt 4:4 (3:3) Heppenheim—Langen 4:1 Lorsch—Bürstadt 2:1 (0:0) Groß-Rohrheim—Vikt. Urberach 0:0 (0:0) Pfungstadt—Ober-Ramstadt 4:1 (1:0) Bensheim—Bobstadt 2:7 (2:3)
Ergebnisse Gruppe 2
Erbach—Wixhausen 2:1 (2:1) Urberach—Dieburg 3:2 (0:2) Nauheim—Ober-Roden 2:2 (1:1) Bischofsheim—Mörfelden 2:2 (0:0) Eppertshausen—Messel 1:1 (1:0) Walldorf—Michelstadt 2:1 (1:0) Egelsbach—Münster 3:3
Kreisklasse Darmstadt A-Klasse
Hahn—Bickenbach 4:2 Nieder-Ramstadt—SSG Langen 1:1 TuS Griesheim—Weiterstadt 1:5 Seeheim—TSG 46 Darmstadt 1:2 Hähnlein—Erzhausen 2:1 Alsbach—Grafenhausen 2:4 B-Klasse Traisa—-SC Griesheim 0:6 Rohrbach—Ober-Beerbach 4:0 Nieder-Beerbach—Eschollbrücken — Brandau—SV 98 Darmstad. II 2:6
Kreisklasse Erbach A-Klasse
Erbach (Soma)—Höchst (in Sandbach) 1:1 Günterfürst—Rimhorn 0:0 Bad König—Sandbach 1:4 Würabung—Steinbach 1:6 Hainstadt—Neustadt 0:9 Lützel-Wiebelsbach—Beerfelden 2:1 B-Klasse Gruppe Oberzent Sensibachtal—Rothenberg ausgef. Schöllenbach—Finkenbach 3:1 Hetzibach—Gammelsbach 2:2 Beerfelden (Soma)—Steinbuch 11:1 Gruppe Unterzent Wald Amorbach—Fürstengrund. 3:1 TSV Höchst (Soma)—Haingrund 8:1 Mümling-Grumbach—Vielbrunn 3:1 VfL Höchst—Kirchbrombach 3:0
Kreisklasse Dieburg
Groß-Zimmern—Klein-Zimmern 4:0 Nieder-Roden—Groß-Umstadt 4:0 Reinheim—Lengfeld 4:2 Kleestadt—Oberroden 1:2 Mosbach—Dreieichenhain 7:2 Offenthai—Ueberau 1:1 B-Klasse Gruppe I Hassia Dieburg ll—Groß-Bieberau 0:5 Georgenhausen—Niedernhausen 2:0 Brensbach—Ober/Nieder-Klingen 3:1 Hering—Fränk- Grumbach 4:2 Gruppe II Klein-Umstadt—Schaafheim 1:2 Raibach—Wiebelsbach 1 ;2 Hergershausen—Heub ach 4:0
Kreisklasse Groß-Gerau
Biebesheim—Ginsheim 0:3 «Gernsheim—Klein-Gerau 4:0 WOlfsikehlen—Stockstadt 4:1 Dornheim—Astheim i;2 Raunheim—Büttelborn 1:3 Gustavsburg—Walldorf 2:0 B-Klasse Bischofsheim Ib—Königstätten ausgef. Geinsheim—FSV Raunheim 4:1 Wallerstädten—Worfelden 8:0 TSV Rüsselsheim—Goddelau 6:0
Kreisklasse Bergstraße
Einhausen—Auerbach i;i Afolterbach—Lindenfels ausgef Mörlenbach—Aschbach 2:2 Reichenbach—Lampertheim 6:3 FC Fürth—Fehlheim 2'o Wald-Michelbach—Weiher 2’2
B-Klasse Gruppe Odenwald
SV Hammelbach—SV Unterabtsteinach 2:1 Blau-Weiß Rimbach—FC Oberabtsteinach 3:0 TV Zotzenbach—KSG Reichelsheim 1:3
B-Klasse Gruppe Ried
Haimbach—Riedrode 5-2 Nordheim—RW Heppenheim ausgef. Zwingenberg—Gadernheim 3; 1 Hüttenfeld—SV Bensheim 5:1 Schönberg-—Elnhausen 3;3
| Lorsch | 6 | 6 | 0 | 0 | 21:4 | 12:0 |
| Bobstadt | 7 | 4 | 1 | 2 | 24:9 | 9:5 |
| Langen | 5 | 3 | 1 | 1 | 14:11 | 7:3 |
| Bürstadt | 6 | 3 | 1 | 2 | 14:9 | 7:5 |
| Münster | 7 | 2 | 3 | 2 | 11:11 | 7:7 |
| Heppenheim | 5 | 3 | 0 | 2 | 12:10 | 6:4 |
| Groß-Gerau | 6 | 3 | 0 | 3 | 21:13 | • 6:6 |
| Ober-Ramstadt | 6 | 3 | 0 | 3 | 15:17 | 6:6 |
| Egelsbach | 7 | 2 | 2 | 3 | 19:17 | 6:8 |
| Biblis | 7 | 2 | 2 | 3 | 18:26 | 6:8 |
| Roßdorf | 7 | 3 | 0 | 4 | 20:31 | 6:8 |
| Vikt. Urberach | 5 | 2 | 1 | 2 | 10:9 | 5:5 |
| Pfungstadt | 6 | 2 | 1 | 3 | 11:14 | 5:7 |
| Hofheim | 8 | 2 | 1 | 3 | 4:7 | 5:7 |
| Eberstadt | 6 | 0 | 4 | 2 | 10:13 | 4:8 |
| Bensheim | 6 | 2 | 0 | 4 | 8:20 | 4:8 |
| Groß-Rohrheim | 6 | 0 | 2 | 4 | 3:12 | 2:10 |
| Bischofsheim | 6 | 4 | 1 | 1 | 20:10 | 9:3 |
| Walldorf | 6 | 4 | 0 | 2 | 8:5 | 8:4 |
| KSV Urberach | 6 | 3 | 2 | 1 | 12:7 | 8:4 |
| Mörfelden | 6 | 3 | 2 | 1 | 15:11 | 8:4 |
| Erbach | 6 | 4 | 0 | 2 | 18:15 | 8:4 |
| Nauheim | 7 | 2 | 4 | 1 | 12:11 | 8:6 |
| Dieburg | 7 | 3 | 1 | 3 | 20:14 | 7:7 |
| Ober-Roden | 6 | 3 | 1 | 2 | 16:11 | 7:5 |
| Michelstadt | 7 | 2 | 1 | 4 | 12:21 | 5:9 |
| Wixhausen | 6 | 2 | 0 | 4 | 9:10 | 4:8 |
| Messel' | 6 | 1 | 2 | 3 | 13:17 | 4:8 |
| Eppertshausen | 7 | 0 | 4 | 3 | 11:18 | 4:10 |
| Trebur | 6 | 1 | 1 | 4 | 4:17 | 3:9 |
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Betr.: Das Ausscheiden , des Kreistagsabgeordneten Heiselbetz, Lampertheim. Der Kreistagsabgeordnete Jakob Heiselbetz, Lampertheim, ist durch Tod aus dem Kreistag ausgeschieden. Gemäß § 9 des Kreiswahlgesetzes vom 11. 2. 1948 wird die Erledigung der Stelle hiermit amtlich bekanntgemacht. An seine Stelle tritt der nächste noch nicht zum Kreistag abgeordnete Bewerber aus dem Wahlvorschlag der FDP, es sei denn, daß die noch wahlberech¬ tigten Unterzeichner dieses Wahlvorschlags innerhalb zweier Wochen nach Veröffentlichung dieser Bekanntmachung mit ein¬ facher Mehrheit eine andere Reihenfolge der-noch nicht berufenen Bewerber beschließen. Eine etwaige Aenderung der Reihenfolge muß mir in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kreiswafil¬ ausschusses spätestens bis zum Ablauf der Zweiwochenfrist schriftlich mitgeteilt werden. Heppenheim, den 10. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße I. A.: L i n d n e r
Für das posteigene Grundstück gegenüber dem Postamt in Linden¬ fels wurde ein Parkverbot angeordnet. Die aufgestellten Ver¬ kehrsschilder sind zu beachten. Heppenheim, den 9. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße
Versteigerungsanzeige Dienstag, den 17. Oktober 1950, vorm. 10 Uhr. versteigere ich in Roßdorf bei Darmstadt zwangsweise meistbietend gegen Bar¬ zahlung nachstehende Gegenstände: 1 Hydraulische Presse, 1 Lesetisch (dunkel, eiche), 1 runden Tisch, 1 Bild „Fischerboote“, 1 Musikschrank (bestehend aus Radio, elektr. Plattenspieler u. ca. 70 Platten), 1 Teppich aus Fellen. Zusammenkunft der Steigliebhaber: Rathaus. Schmitz, Gerichtsvollzieher (b)
3 VN 8/50. Vergleichsverfahren. Ueber das Vermögen des Kauf¬ manns Heinrich Becker, Haus- und Küchengeräte, in Darmstadt- Arheilgen, August-Bebel-Straße 2, wird heute, am 10. Oktober 1950,9 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffent, da Schuldner zahlugsunfähig ist. — Der Rechtsanwalt Dr. Ra thc k e in Darmstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße 2, Tel. 2915, wird zum Vergleichsverwalter ernannt. — Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag wird auf Freitag, den 10. November 1950, vormittags 10 Uhr, vor dem Amts¬ gericht in Darmstadt, Mathildenplatz Nr. 12, Zimmer Nr. 324, anberaumt. — Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Forde¬ rungen alsbald anzumelden. Die angeforderten Verfügungs¬ beschränkungen bleiben bestehen. Antrag und Ermittkingsergebnis können von den Beteiligten auf Zimmer Nr. 326 eingesehen werden. Darmstadt, den 10. Oktober 1950. Amtsgericht, Abt. S
3 K 27/50. Zwangsversteigerung. Die umstehend bezeichneten Grundstücke, 'die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs¬ vermerks auf den Namen des Philipp Daum in Messel und dessen Ehefrau Anna Maria geb. Kunkel zu je zur Häflte im Grund¬ buch eingetragen waren, sollen am Montag, dem 11. Dezember 1950, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert wer¬ den. Die Versteigerung erfolgt zum Zwecke der Auseinander¬ setzung der Erbengemeinschaft. Der Versteigerungsvermerk ist am. 20. Juni 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. — Bezeichnung der Grundstücke: Grundbuch für Messel, Band —, Blatt 490: Ord.-Nr. 1, Flur 3, Nr. 274: Acker auf dem Renn¬ weg, 763 qm, geschätzter Betrag 76,— DM. — Ord.-Nr. 2, Flur 6, Nr. 844, Acker auf dem Viehtrieb, 513 qm, geschätzter Betrag 50,— DM. — Ord.-Nr. 3, Flur 3, Nr. 316, Acker, das Bäckersroth, 1006 qm, geschätzter Betrag 100,— DM. — Ord.- Nr. 4, Flur 2, Nr. 65/n, Hofreite Grabgarten, Friedrich-Ebert- Straße 1 und auf dem Flurgraben, 287 und 147 qm, geschätzter Betrag 9000,— DM. — Zulässiges Höchstgebot: 76,— DM, 50,— DM, 100,— DM und 10 500,— DM. Darmstadt, den 12. Oktober 1950. Amtsgericht, Abt. 3
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