Blank wird voraussichtlich Vertreter im Sicherheitsausschuß
Drahtbericht unseres Korrespondenten Da. Bonn, 13. Oktober. Als den „kommenden Noske“ der deutschen Bundesrepublik bezeichnen gut unterrichtete Kreise in Bonn den Abgeordneten der Christlich-Demokratischen Union Theodor Blank aus Dortmund.
Theodor Blank ist ein führender christlich-demokratischer Gewerkschaftler und gehört dem Vorstand des Bergarbeiterverbandes an. Blanks erste Aufgabe im Rahmen der Sicherheit soll die Vertretung der Bundesregierung in dem alliierten Sicherheitsausschuß sein, an dem die Deutschen aber nicht als Mitglieder teilnehmen werden, sondern zu dem sie gelegentlich als Berater hinzugezogen werden. Die beiden anderen Berater, Graf Schwerin und Präsident Egidi vom Bundesinnenministerium, werden Blank nach dem Grundsatz des Kanzlers zugeordnet sein, daß an der Spitze aller Sicherheitsdienststellen ein Zivilist stehen muß.
Weiter wird Blank als der voraussichtliche Leiter des Sicherheitsamtes genannt, das von der Bundesregierung geplant werde. Dieses Amt soll sowohl für die Fragen der inneren, als auch für die Fragen der äußeren Sicherheit zuständig sein. Das Kabinett hat sich, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, mit dem Auftrag, zu dem Theodor Blank ausersehen ist, noch nicht befaßt. Dagegen soll in einer Aussprache zwischen dem Bundeskanzler und Dr. Schumacher Blank als die Persönlichkeit bezeichnet worden sein, der von der Opposition nicht mit Mißtrauen begegnet werde.
Die Beauftragung des Präsidenten Egidi hat bei den Länderinnenministern befremdet, da Präsident Egidi Polizeifragen behandeln wird, die nach Ansicht der Länder zu ihrer Zuständigkeit gehören. Die Innenminister der Länder traten am Freitag im Bundesinnenministerium zu einer Konferenz zusammen, zu der das Bundesinnenministerium von ihnen nicht eingeladen worden war.
„Taßt euch nicht beirren“
Neuer Appell an die Ostzone
Bonn, 13. Oktober (AP.) Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer appellierte am Freitag in einer Rundfunkansprache über alle westdeutschen Sender an die Bevölkerung der Ostzone: „Laßt euch nicht beirren durch eine Wahl, die diesen Namen nicht verdient“.
„Wir kennen eure Gewissensnot und vertrauen euch, wie immer auch das vorher festgelegte Ergebnis dieser Wahl sein wird. Wir hoffen mit euch auf ein Deutschland in Einigkeit und Recht und Freiheit.“
Die Gegenparole
Bonn, 13. Oktober, (dpa) Als Gegenparole gegen die Wahl in der Sowjetzone am 15. Oktober stellt der sozialdemokratische Vorsitzende Dr. Kurt Schumacher am Freitag die Parole von der deutschen Einheit auf der Grundlage allgemeiner, freier, direkter und geheimer Wahlen auf. In seiner Rundfunkansprache sagte er: „Es ist die Parole, eine deutsche Einheit zu schaffen und nicht, wie jetzt die Männer in Pankow versuchen, die Einheit einer russischen Provinz mit deutschen Bewohnern“.
Ehlers nimmt an
Bonn, 13, Oktober, (dpa) Der christlichdemokratische Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Ehlers hat den Vorschlag seiner Franktion.das Amt des Bundestagspräsidenten als Nachfolger von Dr. Erich Köhler zu übernehmen, angenommen. Die beiden anderen Regierungsparteien haben gegen eine Wahl von Dr. Ehlers nichts einzuwenden. Führende sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete, darunter Vizepräsident Carlo Schmid, haben erklärt, daß auch die sozialdemokratische Fraktion voraussichtlich für Ehlers stimmen werde.
Die Verwaltungsvereinbarung über die Berlinhilfe zwischen der Bundesregierung und dem Berliner Magistrat ist in Berlin unterzeichnet worden.
Pieck: Dummdreister Betrugsversuch
Die Volksbefragung in Ost-Berlin
Berlin, 13. Oktober. (AP.) Anläßlich einer Verleihung des Titels „Held der Arbeit“ an 51 Arbeiter und Arbeiterinnen volkseigener Betriebe nahm der Staatspräsident der Sowjetzone. Wilhelm Pieck, Stellung zu dem Schreiben der drei Oberkommissare an den Chef der sowjetischen Kontrollkommission, General Tschuikow. In dem Schreiben hatten die Oberkommissare übereinstimmend erklärt daß die Westmächte die Wahlen in der Ostzone nicht anerkennen könnten.
, Wir lehnen es ab. von den Oberkommissaren der westlichen Besatzungsmächte Belehrungen über Freiheit und Demokratie entgegenzunehmen“, sagte Pieck. „Wir haben die Oberkommissare nicht um ihre Meinung gebeten.“ Pieck beschuldigte sie. die Freiheit und Demokratie in Westdeutschland und West-Berlin durch das Besatzungsstatut völlig unterdrückt und eine brutale Willkürherrschaft aufgerichtet zu haben.
In einer ersten offiziellen Stellungnahme zu dem Ergebnis der Volksbefragun°" für die Bevölkerung Ost-Berlins erklärte Pieck, es handele sich dabei um eine Komödie“ und einen „dummdreisten Betrugsversuch“ an der Berliner Bevölkerung Das von Oberbürgermeister Ernst Reuter bekanntgegebene Abstimmungsergebnis bezeichnete er als einen „glatten Schwindel“.
Pieck warnte in diesem Zusammenhang die Bevölkerung der Sowjetzone vor „Lügenmeldungen“, die wahrscheinlich noch in letzter Stunde von westlichen Sendern über die am Sonntag stattfindenden „Volkswahlen“ verbreitet würden.
Pieck forderte die Bevölkerung der Sowjetzone erneut auf. am Sonntag ihre „vaterländische Pflicht“ zu erfüllen, indem sie ihre Stimme der Einheitsliste der „Nationalen Front“ geben.
Sie sollen heimkehren
gefangene deutsche Fremdenlegionäre
Saigon, 13. Oktober, (dpa) Sechzig von der Vietminh gefangene deutsche Fremdenlegionäre sollen, wie am Freitag in Saigon bekannt wurde, über China und die Sowjetunion in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Der Transport sei bereits im vergangenen Monat aus Indochina abgegangen. Die Regierung der Vietminh-Aufständischen soll dem Bericht zufolge insgesamt 176 gefangene Fremdenlegionäre, die, von den Deutschen abgesehen, aus osteuropäischen Staaten stammen, in die Heimat entlassen haben.
Erhöhung der Kredit-Ermüächtigung
Zustimmung zum Gesetz über Verwaltung der Sozialversicherung
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 13. Oktober. Der vorläufige Bundeshaushalt, der bereits am 30. September abgelaufen war, wurde am Freitag vom Bundestag bis zum 31. Dezember verlängert. Damit hat dreizehn Tage lang ein Zustand der Rechtlosigkeit bestanden. Gegen die Verlängerung stimmten die* beiden Linksparteien und die radikale Rechte. Gleichzeitig mit der Verlängerung wurde der Kreditplafond des Bundesfinanzministers von 1,5 Milliarden auf zwei Milliarden erhöht.
Während der Abgeordnete Bausch (Christlich-Demokratische Union) die Erhöhung der Kreditermächtigung bejahte, lehnte Abgeordneter Schöttle (Sozialdemokratische Partei) den Gesetzentwurf ab. Was eingetreten sei an Schwierigkeiten und was noch eintreten werde, sei mit der Kreditgrundlage nicht zu meistern. Der Haushaltsplan sei die Grund-
läge einer Gesamtpolitik, die von der Sozialdemokratischen Partei abgelehnt werde.
Um die Sozialversicherung
Von besonderer Bedeutung war die Bundestags-Aussprache über die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung, in deren Mittelpunkt die gewerkschaftliche Forderung stand, daß die Versicherten zwei Drittel der Sitze in den Selbstverwaltungsorganen erhalten müßten, wie sie das bis zur Nazizeit gehabt hatten. Bundesarbeitsminister Storch begründete den Vorschlag der Regierung, Arbeitgeber und Versicherte paritätisch zu beteiligen, mit der Feststellung, man werde in absehbarer Zeit gezwungen sein, der Sozialversicherung weitere Einkünfte zu sichern. Diese Beträge müßten aus der Wirtschaft genommen werden. Die Arbeitgeberseite könne sich ihrer Verantwortung für die Sozialversicherung nicht bewußt werden, wenn man sie in die absolute Minderheit treibe.
Hammelsprung
Der Antrag auf namentliche Abstimmung wurde abgelehnt, jedoch konnte beim Hammelsprung beobachtet werden, daß die Gewerkschaftler der Christlich-Demokratischen Union/Christlich-Sozialen Union-Fraktion für den sozialdemokratischen Abänderungsantrag stimmten. Trotzdem wurde dieser mit 172 zu 160 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen abgelehnt. Eine Ausnahme von der Parität macht das neue Gesetz für die Knappschaftsversicherung, deren Organe, sich weiterhin zu zwei Drittel aus Vertretern der Versicherten und zu einem Drittel aus Arbeitgebervertretern zusammensetzen werden. Als von der Aerzteschaft gewünschte Neuerung bestimmt das Gesetz, daß der Vorstand eines Trägers der Sozialversicherung bei der Behandlung von Fragen der Volksgesundheit einen von der zuständigen Aerztekammer benannten Arzt mit beratender Stimme heranziehen muß.
Zu Beginn der Bundestagssitzung nahm Vizepräsident Professor Schmid die Vereidigung des neuen Bundesinnenministers Dr. Lehr vor. Es war eine bedachte Demonstration des Rechtes des Parlaments, als der Präsident betonte, daß der Minister nunmehr die schwere Bürde seines Amtes übernommen habe.
Einen Toten und viele Verletzte gab es, als in London ein 45 Meter langes und vier Stockwerke hohes Stahlbaugerüst zusammenstürzte und auf eine Reihe parkender Autos fiel. Die Wucht war so stark, daß ein Teil der Wagen beinahe zerschnitten wurde und die im Innern gefangenen Insassen verletzte. Foto: UP
Trygue Lie
• * * Man wird sich vielleicht noch daran erinnern, daß der Generalsekretär der Vereinten Nationen, der Norweger Trygve Lie, einige Wochen vor Ausbruch des Koreakonfliktes eine „Befriedungsreise“ in die Hauptstädte der Welt machte. Er wurde damals auch in Moskau mit offenen Armen aufgenommen und der Empfang im Kreml war so herzlich, daß Trygve Lie voller Hoffnung zurückkehrte, die Spannungen in der Welt könnten auf gütigem Wege beseitigt werden.
Nun stand im Sicherheitsrats die Wiederwahl Trygve Lies zur Debatte, dessen Amtszeit im Februar des nächsten Jahres abläuft. Wer als einziger Staat sein Veto gegen die Wiederwahl einlegte, war Sowjetrußland. Die Person des Generalsekretärs war also den Russen genehm, solange sie glaubten, ihn als Mittelsmann gebrauchen zu können, um ihre wahren Absichten zu verschleiern, damit die außenpolitische Lage noch mehr verwirrt werde. Seit Trygve Lie sich beim Koreakonflikt unzweideutig auf die Seite der Mehrheit der Vereinten Nationen gestellt hat, wird er von der Sowjetunion nicht mehr als genehm angesehen.
Malik hat an seiner Stelle den polnischen Außenminister als Kandidaten aufgestellt. Sein Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Nach den Verfahrensvorschriften muß der Sicherheitsrat Kandidaten für den Posten des Generalsekretärs empfehlen. Er ist nicht in der Lage dazu. Bei der Vollversammlung liegt jedoch die Entscheidung über die Amtsdauer. Sie war für Trygve Lie auf fünf Jahre bestimmt worden. Die Juristen zerbrechen sich nun den Kopf, ob sie ohne weiteres um zwei oder drei Jahre verlängert werden kann.
Es wäre zu wünschen, daß diese Möglichkeit gegeben ist, denn der Norweger hat sich bei seiner Amtsführung das volle Vertrauen der Vereinten Nationen mit Ausnahme Rußlands erworben.
Die „höhere Form der Demokratie“
Von Reinhold ZenzBei dem Staatsakt zum ersten Jahrestag der Sowjetzonenrepublik versicherte Ministerpräsident Otto Grotewohl, man werde in der Sowjetzone eine „höhere Form der Demokratie“ eritwickeln. Gleichzeitig bezeichnete Staatspräsident Wilhelm Pieck den bisherigen Weg der Sowjetzonenregierung als den einzig richtigen zu einem einheitlichen, demokratischen und friedlichen Deutschland. Die „Deutsche Demokratische Republik“ verdanke ihre „großen und stolzen Erfolge“ der Sowjetunion.
Gesetz,nachdemsieangetreten Der ständige Hinweis auf die Sowjetunion und ihr allein seligmachendes bolschewistisches System zeigt klar und deutlich den Weg, der nach den Wahlen an diesem Sonntag in der Sowjetzone und anschließend in ganz Deutschland beschritten werden soll. Die Machthaber der Sowjetzone sind nicht durch den Willen des Volkes eingesetzt worden, sie wurden ihm von Moskau als Vollstrecker des bolschewistischen Willens aufgenötigt. Das Gesetz, nach dem sie angetreten, zwingt die Sowjetzonen-Regierung, das von ihnen mit Hilfe der Russen beherrschte Gebiet möglichst schnell völlig zu bolschewisieren und zu einem zuverlässigen Satellitenstaat des Kremls zu machen. Die für diesen Sonntag angesetzten Terrorwahlen sollen nichts anderes bezwecken, als den Anschein zu erwecken, der Volkswille habe ihnen die Vollmacht erteilt, dem Moskauer Auftrag uneingeschränkt nachzukommen.
Was ist die höhere Form der Demokratie in russischem Sinne? Die „Süddeutsche Zeitung“ hat vor kurzem darauf hingewiesen, der russifizierte Kommunismus habe gegenwärtig jenes Stadium erreicht, das Dostojewski in den „Brüdern Karamasow“ an dem Beispiel einer von ihm erdachten Kirche als die Herrschaft des Großinquisitors beschreibe. Wunder, sprich vaterländischer Sieg und Personenkult (neuerdings sind in der Sowjetzone die Schüler aufgefordert worden, daheim Wohnungsecken mit Bildern Stalins und anderer „Führer“ in der Art eines „Herrgottswinkels“ einzurichten) —. Geheimnis, sprich Polit-Büro, Autorität, snrich Stalin. Das seien die drei Mächte, die er nenne, um Schwache zu fesseln, auf daß sie sich „freuen, wieder wie eine Herde geleitet zu werden“. Was verlangt werde, sei Gläubigkeit, Gehorsam und Disziplin. Bei Dostojewski heiße es von dem einmütigen Ameisenhaufen: „Völlig werden sie es zu schätzen wissen, was es bedeutet, sich ein für allemal zu unterwerfen, denn sie halten ihre eigene Religion nicht aus, die starken Unbotmäßigen vernichten sich selbst und die trotzigen Schwächlinge vernichten sich untereinander. Alle übrigen suchen die Knechtschaft und wollen anbeten. Denn nichts ist jemals für den Menschen und seine Gesellschaft unerträglicher gewesen als die Freiheit.“
Nach dieser russischen Staatsauffassung soll nach den Wahlen am Sonntag in der Sowjetzone der letzte Rest des Freiheitswillens unerbittlich ausgemerztwerden. Im Sinne dieser Staatsauffassung soll, wie Wilhelm Pieck ankündigt, nach der Wahl „der Kampf des nationalen Widerstandes aller patriotischen Kräfte in Westdeutschland“ begonnen werden.
Es helfen nur Soldaten
Noch ist die Bevölkerung der Sowjetzone innerlich nicht reif für die höhere Form der Demokratie, mit der sie bedacht werden soll. Die Machthaber der Sowjetzone wissen das sehr genau. Bei einer
wirklich freien, demokratischen Wahl, wie sie von der Bundesrepublik mehrfach vorgeschlagen und von Grotewohl erneut mit aller Entschiedenheit abgelehnt worden ist, würden sie einfach hinweggefegt werden. Bei den Wahlen zum Volkskongreß im vergangenen Jahr mußte man trotz allen Wahlfälschungen zugeben, daß ein Drittel der zwölf Millionen Wähler mit „Nein“ gestimmt habe. Das darf und wird diesmal nicht der Fall sein. Dafür sind alle Vorkehrungen getroffen worden. Bei den Wahlen am Sonntag gibt es nur einen Stimmzettel, bei dem keine Nein-Rubrik vorgesehen ist. Die sowjethörigen Organisationen drängen darauf, der Wähler solle seinen Stimmzettel offen abgeben, denn er habe ein „Bekenntnis“ abzulegen. Der Staatssekretär im Innenministerium der Sowjetzone stellte in einem Rundfunk-Interview die naive Frage: „Warum soll es nicht demokratisch sein, wenn die Bürger von .ihrem Recht Gebrauch machen', in den Wahllokalen offen die einheitliche Kandidatenliste zu wählen?“ Die letzte Ausflucht der Wähler, sich Wahlscheine geben zu lassen, damit sie an einem anderen Orte unbemerkt der Wahl fernbleiben könnten, ist ihnen ebenfalls genommen worden. Die bereits ausgegebenen Wahlscheine wurden ungültig erklärt.
Nach einem raffiniert ausgeklügelten System sind alle Vorkehrungen dafür getroffen worden, daß dem Wähler nichts anderes übrig bleibt, als seinen Wahlzettel so abzugeben, wie es von ihm verlangt wird, wenn er nicht als Gegner der Nationalen Front wegen Kriegstreiberei und Sabotage zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt werden will. Sollten die 95, 98 oder 100 Prozent Ja-Stimmen dennoch nicht zusammenkommen, dann ist dafür gesorgt, daß „zuverlässige“ Wahlhelfer bei der Auszählung der Stimmen das gewünschte Ergebnis herbeizaubern. Die Bevölkerung der Sowjetzone ist völlig entmachtet. Wie gemeldet wird, hat sie versucht, in verschiedenen Provinzen sich gegen den Wahlterror aufzulehnen. Da erinnerte sich aber die Sowjetzonenregierung an ein Wort, das während des Revolutionsjahres 1848 im Umlauf war: „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.“ Sie setzte die Volkspolizei ein, die Kurt Schumacher als den „bewaffneten Hausknecht einer fremden Besatzungsmacht gegen das eigene wehrlose Volk“ bezeichnet hat. Die höhere Form der Demokratie wird sehr schnell im russischen Sinne weiterentwickelt.
Pläne nach der Wahl
Die sowjetisch geleitete „Tägliche Rundschau“ hat vor den Wahlen einen langen Artikel über „die alles bezwingende ideologische Waffe des Bolschewismus“ gebracht. Darin wird der Sozialistischen Einheitspartei als Beispiel vorgehalten, was gegenwärtig in den „Volksdemokratien“ getan werde: „Die kommunistischen und Arbeiterparteien festigen mit allen Mitteln die volksdemokratische Macht, die die Funktionen der Diktatur des Proletariats ausübt.“ Die nach den Terrorwahlen sich als einstimmig beauftragter Vollstrecker des Volkswillens fühlende Sowjetzonenregierung wird nicht verfehlen, der Aufforderung der „Täglichen Rundschau“ Folge zu leisten.
Zu der völligen Bolschewisierung der Sowjetzone wird auch die Liquidation der Kirchen gehören. Der Innenminister der Sowjetzone, Dr. Karl Steinhoff, hat offen angekündigt, ein halbes Jahr nach den „Volkswahlen“ werde es in der Sowjetzone keine Kirchenfrage mehr geben. Der Staat werde nach den Wahlen keine Rücksicht mehr auf die „reaktionären Kirchenleitungen“ nehmen können, die sich der von ihnen geforderten Mitarbeit in der kommunistischen „Nationalen Front“ widersetzten. Das Organ der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“ hat bereits einen entsprechenden Vorstoß unternommen und angebliche dokumentarische Beweise dafür veröffentlicht, daß der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, D. Dr. Otto Dibelius, ein Antisemit sei und die Machtergreifung der Nationalsozialisten gefördert habe. Solche persönlichen Verunglimpfungen und Verdächtigungen sind immer der Auftakt einer kommunistischen „Kampagne“.
Ministerpräsident Grotewohl hatte die Stirn, bei dem eingangs erwähnten Staatsakt zu behaupten, das erste Jahr seiner Regierung habe die Kluft zwischen Volk und Regierung im sowjetischen Besatzungsgebiet beseitigt. Wie man sieht, soll alles getan werden, um diese Kluft weiter zu vergrößern und zu vertiefen.
Die Glocke der Freiheit
Was die Bevölkerung der Sowjetzone in Wirklichkeit denkt und will, hat die Volksbefragung im sowjetischen Sektor von Berlin ergeben (der an den Volkskammerwahlen nicht teilnimmt). Die aus freien Stücken eingesandten Stamm-r abschnitte der Lebensmittelkarten beweisen eindeutig den Willen der Bevölkerung nach Beseitigung der kommunistischen Terrorherrschaft, nach Wiederherstellung eines freien und geeinten Berlins, und eines freien und geeinten Deutschlands durch freie und geheime Wahlen.
Am 24. Oktober, am Tag der Vereinten Nationen, wird General Lucius D. Clay, der frühere amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, in West-Berlin die zehn Tonnen schwere bronzene Freiheitsglocke einweihen. Die Glocke ist die Stiftung einer Freiheitsbewegung, die in einem „Kreuzzug“ die Mittel in den Vereinigten Staaten aufgebracht hat. Der Klang dieser Glocke wird weit in die Sowjetzone hinüberdringen. Er wird ihre Bewohner immer wieder daran erinnern, daß es noch eine demokratische Freiheit in- der Welt gibt, deren auch sie wieder zuteil werden sollen. Die Vereinten Nationen werden sich mit den Terrorwahlen in der Sowjetzone nicht abfinden können. Sie werden sich auf die Dauer auch nicht damit begnügen können, dem bolschewistischen Vordringen an der Grenze der Sowjetzone Einhalt zu gebieten. Sie werden ihren ganzen Einfluß aufbieten müssen, daß die Menschen hipter dem Eisernen Vorhang, die nach Freiheit und nach Demokratie verlangen, aus ihrer Knechtschaft erlöst werden.
Gtrümpfe nnd Poelitik
-y- Die Aufforderung an die Bewohner des Berliner Ostsektors, durch Einsendung der 'Stamniabschnitte der September-Lebensmittelkarte zu bekunden, daß sie für geheime Wahlen in der Sowjetzone sind, ließ die sowjetischen Stadträte des Berliner Ostsektors nicht ruhen. Sie kündeten an, auf die verfallenen oder dem Bekenntnis zur geheimen Wahl dienenden Stammabschnitte werde eine Sonderzuteilung von Strümpfen ausgegeben. Wer die ständigen Kleidersorgen der Ost-Berliner kennt, der weiß, wie sehr man sie damit ins Herz treffen wollte. Und dennoch, die raffiniert erklügelte Gegenmaßnahme erfüllte ihren Zweck nicht. Der Strom der Lebensmittelkartenstammabschnitte im Rathaus zu Schöneberg riß darum nicht ab. Zu denen also, die ohne Ahnung des ihnen entgehenden einheitsparteilichen Sondergeschenks ihre Abschnitte bereits eingesandt hatten, kamen noch neue Tausende und aber Tausende, die nun im vollen Bewußtsein eines Opfers nicht zögerten, zu bekennen, daß sie lieber auf Sowjetstrümpfe oder Socken, als auf Freiheit verzichten.
Abgeordneter Anmer erhielt 20 000 Mark
Die Vernehmungen von Schmidhuber und Telle vor dem Untersuchungsausschuß
Da. Bonn, 13. Oktober. Der Diplomkaufmann Theodor Telle, Vorstandsmitglied der Mineralölgewerkschaft Elverath Hannover, dessen Namen der Abgeordnete Aumer erst nach längerem Widerstreben bekanntgegeben hatte, wurde am Freitag vor dem Untersuchungsausschuß vernommen. Es ging um jene Stelle im Gedächtnisprotokoll Dr. Bauingartners, in der es heißt, daß Aumer zugegeben habe, daß er für seine Bündestagsrede zum 53-Pfennig-Benzinpreis von Erdölleuten eintausend Mark erhalten habe. Wie Telle vor dem Untersuchungsausschuß erklärte, zahlte er dem Abgeordneten Aumer aus Mitteln der Gewerkschaft Ende Dezember vorigen Jahres 7500 Mark. Weitere 5000 Mark und eine Summe von 9000 Mark und etwas mehr habe er dem Abgeordneten im ersten Halbjahr dieses Jahres gezahlt,
Die Deutsche Presse-Agentur meldet dazu: Der Münchener Konsul Dr. Wilhelm Schmidhuber sagte aus, er habe der Bayernpartei zur Bundestagsnachwahl in Kulmbach fünftausend Mark, davon zweitausend direkt an Donhauser, gegeben. Dieses Geld habe er von dem Syndikus Heinrichsbauer erhalten, der ihm als Mittelsmann der Industrie bekannt sei. Durch die Geldzuwendungen sollte erreicht werden, daß sich die Bayernpartei oder wenigstens die Gruppe Donhauser dem bürgerlichen Wahlblock der Christlichen und Freien Demokraten für Kulmbach anschließe.
Donhausers Schulden
Daneben habe er Donhauser laufend Geld gegeben. Donhausers politische Richtung sei ihm sympathisch gewesen und er habe das Geld gezahlt, weil Donhnuser durch die Verwendung seines Vermögens für seine politischen Ziele große Geldschwierigkeiten gehabt habe. Insgesamt habe Donhauser vierbis fünftausend Mark erhalten. Außerdem habe er für ihn Bürgschaften und Wechselobligos in Höhe von etwa achtbis zehntausend Mark übernommen, die aber nicht wirksam geworden sind, weil Donhauser seine Kredite und Wechsel zurückzahlte. Seines Wissens habe Donhauser, antwortete Schmidhuber auf eine Frage, noch mehr Schulden gehabt.
Schmidhuber will Baumgartner verklagen
Die in dem Baumgartner-Protokoll enthaltene Beschuldigung, er und der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Aufbauvereinigung, Loritz, hätten Gelder von den Russen erhalten, wies Schmidhuber empört zurück. Er kündigte an, daß er in dieser Angelegenheit einen Strafantrag gegen Baumgartner stellen werde. T-> I 1 — — — N -A« zl n n l vi* zsl 1 zi * Pol 1 ö
Der niedersächsische Industrielle Telle gab den interessiert aufhorchenden Anwesenden bekannt, daß fast alle Parteien von ihm oder von anderen Kreisen der Erdölindustrie Geld erhalten hätten. Mit Sicherheit könne er nur sagen, daß die Kommunisten nichts bekommen haben. Er sei nicht genau darüber orientiert, ob auch der Sozialdemokratie Zuwendungen gemacht worden seien. Ein „Nein“ könne er allerdings nicht beschwören.
Die Gelder für Aumer
Im vergangenen Herbst habe er die Bekanntschaft des Abgeordneten Aumer gesucht, berichtete Telle im einzelnen, weil seine Erdölgewerkschaft auch Interessen in F vern habe und Aumer außerdem Vorsitzender des Unterausschusses Mineralöl beim wirtschaftspolitischen Bundestagsausschuß sei. Er habe Aumer, wie vielen anderen Abgeordneten, Material über die Erdölindustrie gegeben und sei häufig mit ihm zusammen gewesen. Eines Tages habe ihn Aumer um eine Zuwendung für die Bayernpartei ersucht. Er habe ihm dann, ohne irgendwelche Bedingungen daran zu knüpfen, Ende Dezember vorigen Jahres 7500 Mark und in der ersten Hälfte dieses Jahres einmal 5000 Mark und einmal 9000 Mark gegeben. Das Geld stammt, wie Telle berichtete, aus der Kasse der Gewerkschaft Elverath, deren Vorsitzender er sei, und sei dort ordnungsgemäß als Spende verbucht worden.
Der Industrielle bestritt nachdrücklich, irgendwelche Bedingungen mit der Zuwendung verbunden zu haben. Die Industrie sei an der Höhe des Benzinpreises für den Verbraucher, ob er nun 53 oder 55 Pfennig pro Liter betrage, vollständig uninteressiert, denn der Preis, den die Industrie erziele, hänge im wesentlichen von änderen staatlichen Maßnahmen wie Steuern und so weiter ab. Andere Abgeordnete und Persönlichkeiten, mit denen er Fühlung genommen habe, hätten kein Geld erhalten.
Das Baumgartner-Protokoll
Die Sekretärin der Landesleitung der Bayernpartei, die zierliche 19jährige Cäcilie Hiergeist, sagte über die Anfertigung des Baumgartner-Protokolls aus. Sie legte dem Ausschuß das Stenogramm vor, in dem das Gedächtnisprotokoll Baumgartners festgehalten war. Dieses Stenogramm hatte sie in ihrem Schreibtisch aufbewahrt, weil es ihr wichtig erschien. Neben den drei oder vier Exemplaren, die sie im Februar schrieb, hat sie im Auftrage Baumgartners im September Auszüge aus dem Protokoll angefertigt. Darüber, wer diese Auszüge erhalten hat, konnte sie keine Auskunft geben. Ihr dem Ausschuß vorgelegtes Protokoll ist wesentlich umfangreicher, als die Wiedergabe im „Spiegel“.
Korrespondent ausgeschlossen
Nach der Vereidigung der Zeugin zitierte der Abgeordnete Arndt Teile eines Kommentars des in Bonn arbeitenden Korrespondenten des Sowjetzonen - Nachrichtenbüros (ADN) W. K. Gerst in der „Berliner Zeitung". Dann wird behauntet, Arndt habe vor dem Ausschuß erklärt, daß Abgeordnete ohne rechtliche Bedenken Schmiergelder annehmen könnten. Hunderte von Bundestagsabgeordneten hätten nach dieser Aeußerung erleichtert aufgeatmet. Arndt erklärte dazu, die Bundespressekonferenz sei zu beglückwünschen, daß sie „einen solchen Lumpen“ unter sich habe. Nach kurzer Beratung beschloß der Ausschuß, den Korrespondenten wegen bewußter Irreführung der Oeffentlichkeit von der Teilnahme an den Sitzungen auszuschließen. Dem Präsidium des Bundestages wurde empfohlen, Gerst die Erlaubnis zur Berichterstattung aus dem Bundestag zu entziehen.
Alfred Lorit sagt aus
Der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Aufbauvereinigung, Alfred Loritz. sagte am Nachmittag aus, er sei vor der Hauptstadtwahl gefragt worden, was es koste, wenn seine Fraktion für Bonn stimme. Im Vorraum des Bundesrestaurants habe sich ein Herr an ihn gewandt, den er „mehrfach“ am Tische des Ministerialrats Blankenhorn gesehen habe. Dieser habe sich mit den Worten eingeführt: „Sie sehen, ich habe gerade eine wichtige Besprechung gehabt. Sie wissen, wie wichtig es für die Regierung Adenauer ist, wenn Bonn Hauptstadt wird und nicht Frankfurt Was kostet es, wenn Ihre Fraktion für Bonn stimmt?“
Seine Antwort sei gewesen: „Wenn Sie nicht augenblicklich verschwinden, haue ich Ihnen ein paar runter, damit Sie wenigstens wissen, was die Frage gekostet hat.“
„Die Unterredung war sehr kurz, und der Herr ist schnell verschwunden“, sagte Loritz.
Auf die Frage, warum er sich nicht an Blankenhorn gewandt habe, um die Angelegenheit aufzuklären, antwortete Loritz, damals sei die Aufhebung seiner Immunität akut gewesen, und er habe „sehr, sehr vorsichtig“ sein müssen.
Keine Stellungnahme Adenauers
Bonn, 13. Oktober. (AP.) Bundeskanzler Dr. Adenauer lehnte es ab, sich über die in Interviews des ehemaligen Bundesinnenministers Dr. Heinemann enthaltenen Angaben zur Aufrüstung zu äußern. „Er lehne es ab, die Erklärungen Heinemanns überhaupt zu lesen. Im übrigen habe er bis jetzt über die Angelegenheit geschwiegen und könne auch weiter schweigen.“
Josef Pembaur
München, 13. Oktober, (dpa) Der Pianist und Komponist Professor Josef Pembaur ist in der Nacht zum Freitag im Alter von 75 Jahren in München gestorben. Pembaur war einer der bedeutendsten Interpreten Beethovenscher und Lisztscher Klaviermusik,
Zwischenfall im Falkenhausen-Prozeß
Der deutsche Verteidiger soll Dokumente ins Gefängnis geschmuggelt haben
Brüssel, 13. Oktober. (AP.) Im Prozeß gegen den ehemaligen deutschen Militärbefehlshaber von Belgien, General von Falkenhausen, und seine Mitangeklagten von Claer, Bertram und Hans Reeder, kam es am Freitag zu einem Zwischenfall, als der Gerichtspräsident Achille Marchal den deutschen Verteidiger Professor Hachenbach beschuldigte, er habe seine Stellung als Anwalt zu ungesetzlichen Handlungen mißbraucht. .
Marchal erklärte, er habe den Verdacht, daß Hachenbach Reeder Dokumente in das Gefängnis geschmuggelt und die Aussage des Zeugen der Anklagevertretung, Hans-Günther Heym, dahingehend beeinflußt habe, daß sie sich zum größten Teil mit der Aussage der Verteidigung deckte.
Hachenbach wurde vom Gerichtspräsir denten aufgefordert, während der Untersuchung des Falles den Saal zu verlassen-Der Gerichtshof wird auf seiner nächsten Sitzung am Montag bekanntgeben, ob Hachenbach die Verteidigung Reeders weiterführen darf und ob die Zeugenaussage Heyms als gültig angesehen werden kann.
Vor diesem Zwischenfall war Reeder über die Deportierung belgischer Arbeiter nach Deutschland vernommen worden. Reeder berief sich auf einen Bericht, aus dem hervorging, daß in Belgien nur zehn Proze(.t der Fremdarbeiter zwangsweise nach Deutschland gebracht wurden, gegenüber 73 Prozent in Holland.
Der Zeuge Harry von Craushaar sagte, daß er in vielen Gesprächen mit Reeder und von Falkenhausen habe feststellen können, daß beide stets gegen die Erschießungen von Geiseln als Vergeltungsmaßnahme gewesen seien.
Stimmen der Anderen
Viel Schatten
Zu dem kommunistischen Versuch, die von West-Berlin aus seit einigen Tagen über Leuchtbänder in den Ostsektor gestrahlten Nachrichten durch Gegenscheinwerfer zu stören, schreibt der „Daily Telegraph“:
„Ohne Zweifel ist dies ein recht naiver Versuch, die Wahrheit zu unterdrücken und damit ein Bekenntnis der Schwäche. Man muß annehmen, daß alle Nachrichten, die nicht aus kommunistischer Quelle stammen, den Verantwortlichen drüben Kopfschmerzen bereiten, so wie die Flammenschrift an der Palastwand in Babylon beim Gastmahl Nebukädnezars die Gäste in Schrecken versetzte. Den Berlinern kann beim Anblick der kommunistischen Scheinwerfer nur der Gedanke kommen, daß dort viel Schatten sein muß, wo so viel Licht ist."
Frankreichs Widerstand
Der liberale „Manchester Guardian" vertritt die Auffassung, daß der französische Widerstand gegen den Gedanken einer deutschen Wiederbewaffnung im Schwinden begriffen sei.
„Selbst in Frankreich glaubt man, der Widerstand des französischen Außenministers Schuman gegen die Einschaltung der Bundesrepublik in die europäische Verteidigung werde auf die Dauer keinen Erfolg haben. Die französischen Politiker sind sich darüber im klaren, daß die Deutschen jeden Beitritt zum Atlantikpakt entschieden ablehnen, wenn ihnen nicht die Gleichberechtigung mit den übrigen Paktmitgliedern geboten wird. Gegenüber den Verlockungen einer Ostorientierung Deutschlands hofften die Franzosen auf den Erfolg des Schumanplans, der die deutschen Interessen durch die Bildung eines einheitlichen Kohle- und Stahlmarktes im Westen wirksam an die französischen binden solle. Die Aufforderung zur Wiederbewaffnung könnte die Erfolgsaussichten des Schumanplans nach französischer Auffassung gefährden, weil Deutschland auf diese Weise ein großer Teil der wirtschaftlichen und politischen Selbständigkeit angeboten würde, die es erst durch einen Teilverzicht auf seine Souveränitätsrechte im Schumanplan gewinnen sollte.
Aber die politische und psychologische Situation ist im Fluß, und es gibt Anzeichen dafür, daß man morgen glauben wird, was heute noch als Ketzerei gilt. Der Widerstand gegen den Gedanken der deutschen Wiederbewaffnung ist im Schwinden begriffen. Der Schumanplan selbst hat dazu geführt, daß man, wenn auch mit einer gewissen Vorsicht, von dem Gedanken der Zusammenarbeit mit Deutschland ausgeht. Immer nachdrücklicher spricht man von Deutschland als dem Schutzschild Westeuropas, und die Franzosen würden es natürlich lieber sehen, wenn die Deutschen — unter angemessener Kontrolle — ai?. der Elbe kämpfen, als wenn dies die Franzosen allein tun müßten. Vor allem aber befürchtet man, daß Deutschland sich auf Kosten seiner Nachbarn am Ueberseeexport bereichern könnte, wenn es nicht seinen Teil zu der Verteidigung des Westens beiträgt.“
Hölle wo ist Dein Sieg?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag, Hamburg
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Später an diesem Nachmittag, als die Sonne ihre langen goldenen Pfeile über das glänzende Grün der Rasenflächen verschoß und die Eichen majestätisch aus ihrem eigenen Schatten emporragten, als eine leichte Brise die langersehnte Kühle brachte, verließ Henriette das Haus, um sich auf der breiten Terrasse zu ergehen. Raynald war in erschöpften Schlaf gefallen, und das ganze Schloß war ausgeflogen bis auf des Herzogs Mutter in ihrem Seitenflügel. Henriette verspürte große Lust, die freundliche alte Dame aufzusuchen, aber sie fürchtete, sie unnötig durch ihre frühe Rückkehr aus dem Dorf zu erschecken. So ging sie denn allein, sah, wie die Dämmerung aus dem Walde kam, und hörte durch das Plätschern des Springbrunnens die hellen scharfen Schreie der Vögel. Sie versuchte, sich ganz diesem abendlichen Frieden hinzugeben; aber sie war todmüde. Der Kopf schmerzte ihr von der schwülen Luft und den langen Fahrten, und sie dachte mit Schrecken an die Heimkehr der Familie.
Und da waren sie auch schon, bevor sie noch wahrgenommen hatte, daß die Wagen in die Anfahrt eingebogen waren, die beiden ältesten Söhne zu Pferde neben ihrem Vater.
„Mademoiselle! Mademoiselle!“ übertönten die hellen Mädchenstimmen das Knirschen der Hufe und Wagenräder im Kies. Im Nu waren sie auch schon her-
ausgesprungen und eilten mit ausgestreckten Händen auf sie zu, daß die leichten Kleider wie Fahnen um sie wehten. Henriette blickte zu den Wagen hinüber und sah, wie eine schwere Gestalt in Lila sich herunterhelfen ließ. Irgend etwas in diesem Anblick verursachte ihr Unbehagen. Selbst aus dieser Entfernung erkannte sie, daß die Schwerfälligkeit nicht nur körperlicher Art war. Sie hoffte, die Herzogin würde sogleich ins Haus gehen, aber diese blieb im Gegenteil ruhig stehen und schaute den davonwirbelnden weißgekleideten Mädchen nach, die losstürmten, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen.
„Ja, Berthe, das ist ein wunderschönes Taschentuch. Das hast du wirklich für mich auf dem Jahrmarkt gekauft? Und was für ein reizendes Kettchen, Louise! Und eine Trillerpfeife und ein Messer für Raynald — das wird ihn schnell darüber hinwegtrösten, daß er nicht dableiben konnte.“
Sie hörte ihre Stimme dies alles zu den Kindern sagen, doch die ganze Zeit über horchte sie angespannt, ob sie nicht etwas anderes vernähme. Sie wagte nicht, ihre Augen zu jener Gestalt dort bei den Pferden zu heben.
„Mein Gott“, dachte sie, „wird denn dieser Tag niemals zu Ende gehen?“ Sie befand sich bereits inmitten der plappernden Mädchen auf der Treppe, als ein Laut sie plötzlich alle erschreckt verstummen und die Kinder sich ängstlich an sie drängen ließ. Es kam von unten herauf, ein herzzerreißender Ton halb Schluchzen, halb Lachen, dann stammelnde schreiende Worte.
„Nein, nein! Rühr mich nicht an, Theo! Laß mich doch. Ich bin es ja gewohnt. Ich hab' jetzt genug. Du wirst schon sehen, daß ich's diesmal ernst gemeint habe!“
Henriette erreichte mit ihrer Schar die vertraute Stille des Schulzimmers. Berthe hatte sich fest an ihren Rock geklammert, und die Aelteren sahen mit großen, furchtsamen Augen wie schutzsuchend zu ihr auf. Ihre eigenen Hände zitterten, als säe ihre Geschenke auf den Tisch legte, aber sie brachte es doch fertig, ruhig zu sprechen, als ob nichts geschehen wäre.
„So, meine Lieben“, sagte sie, „ihr habt heute einen heißen, anstrengenden Tag hinter euch. Deshalb geht erst auf eure Zimmer und zieht euch etwas anderes an und macht euch ein bißchen frisch. Dann ist noch genug ^eit vorm Essen, um das nächste Kapitel in unserem Buch zu lesen.“
„Aber, Mademoiselle, bitte, ich würde lieber hier bei Ihnen bleiben.“
„Mademoiselle, hörten Sie das eben auch? Mama war schon den ganzen Nachmittag so merkwürdig Und hat auf der Heimfahrt kein Wort mit uns geredet “
—v «ui uigereuei. „Wahrscheinlich war sie sehr müde, Isabella; es hat nichts zu bedeuten.“
„Aber das war es ja nicht allein. Ich hörte, wie sie zu Papa sagte, am liebsten würde sie sich um —“
„Seht!“ Henriette legte schnell ihre Hand auf die bebenden jungen Lippen. „Was sie auch gesagt haben mag, sie wollte gewiß nicht, daß ihr es hörtet. So, und jetzt geht ihr bitte gleich alle in eure Zimmer!“
Das Abendessen verlief ungewöhnlich still. Statt lebhafter Stimmen, die sich gegenseitig unterbrachen, um irgendein Erlebnis vom Festtag zu erzählen, saßen schweigende Mädchen gedrückt und blaß um den Tisch. Selbst als Henriette zum Nachtisch noch eine Schachtel mit Süßigkeiten spendierte, zeigten sie sich nur mäßig begeistert. Und Henriette ertappte sich dabei, daß sie unwillkürlich auf irgendwelche Geräusche aus den Wohnzimmern der Eltern lauschte.
Sie wußte, daß er kommen würde, aber als er kam, wagte sie kaum, seinem Blick zu begegnen.
„Was macht ihr denn alle hier für lange Gesichter?“ Er lächelte und grüßte wie unbekümmert, zwickte Isabella in die Wange und zog Louise an sich in vorgetäuschter Fröhlichkeit. Henriette merkte seinem Lächeln jedoch das Gezwungene an. Auch fiel es ihr auf, daß er seinen rechten Arm nicht bewegte und seine rechte Hand in den Rock geschoben hielt.
„Mama ist schon zu Bette gegangen; sie hatte wieder Kopfschmerzen“, tat er die besorgten Fragen leichthin ab. „Die Hitze und das Gedränge sind ihr zuviel geworden. Sie läßt euch allen gute Nacht wünschen.“
Nachdem die beiden Kleinen schlafen gegangen waren, schickte Henriette auch die älteren in das Nebenzimmer und ließ sie dort ihre Klavier- und Zeichenübungen fortsetzen. Endlich waren sie und er allein, wenn auch die Töne eines Menuetts, das Isabella mit fleißigen Fingern einstudierte, deutlich herüberklingend ihre Worte begleiteten. Das Zwielicht der langenv Frühsommerdämmerung lag über dem Zimmer und ließ das Gesicht des Herzogs unnatürlich bleich und abgespannt erscheinen.
„Oh, Monsieur!" Henriette sank auf den Stuhl am Fenster und beugte sich zu ihm vor. Ihr Antlitz befand sich jetzt auf gleicher Höhe mit dem seinen, nur der Tisch trennte sie. „Sagen Sie mir die Wahrheit. Sie hat doch nicht —“ „Nein.“ Er schüttelte müde seinen Kopf. „Sie hat sich nichts getan. Idi weiß nicht, wieviel Sie gehört haben, aber ich danke Gott, daß es Ihnen gelang, die Kinder rechtzeitig aus dem Weg zu bringen.“
Mit leiser, beinahe monotoner Stimme erzählte er ihr dann von dem Versuch der Herzogin, Hand an sich zu legen; von dem arabischen Dolch, der als Andenken im Wohnzimmer hing und den sie in ihrer Raserei ergriffen hatte. Doch es war ihm geglückt, ihr die Waffe zu entreißen. Wie sie seinem kurzen Bericht lauschte, gewann Henriette den Eindruck, daß er es kaum über sich brachte, ihr von der Tragödie, die er eben erst verhindert hatte, in so nackten Worten zu sprechen.
„Und was ist Ihnen zugestoßen, Monsieur?" Sie zeigte auf die Hand, die er noch immer verborgen hielt. Auch sie sprach leise, doch selbst das Hämmern auf dem Klavier nebenan kennte nicht die tiefe Besorgnis in ihrer Stimme übertönen. „Warum halten Sie ihre Hand so?“
„Ach, das, das ist nichts. Ich wollte nur die Kinder nicht erschrecken.“ Zögernd zog er seine Hand hervor. Sie sah. daß sie verbunden und daß ein dunkler Fleck durch den Verband gedrungen war. Ihre eigene Hand zitterte, als sie sie behutsam auf die seine legte. Ihre Geste war spontan gewesen, und nicht bevor sie die lebendige W’ärme unter ihren kalten Fingern spürte, wurde ihr die Kühnheit ihres Handels bewußt. (Fortsetzung folgt.)
Vor einer nenen Landung in Korea?
Schwere Kämpfe im Raum von Kumchon
Tokio, 13. Oktober (AP/dpa) Amerikanische Panzerverbände haben am Freitag den Schlüsselpunkt Kumchon der nordkoreanischen Verteidigungslinie umgangen und sind fünf Kilometer nördlich an der Straße nach Pyöngyang in die Ortschaft Hanpo eingedrungen. Südkoreanische Verbände nähern sich von Südosten her ebenfalls Hanpo und drohen damit die südlich davon stehenden Kommunisten einzuschließen. Um den drohenden Zusammenbruch ihrer Verteidigungslinien zu verhindern, sollen die Nordkoreaner zwei neue Divisionen an die Kumchon-Front geworfen haben. Die Kämpfe um diese Stadt sind erbittert. In Frontberichten wird immer wieder von Kumchon als dem „kleinen Stalingrad“ gesprochen. Mit Todesverachtung greifen die Kommunisten an und verteidigen jede kleine Ortschaft bis zur letzten Patrone. Seit dem Vortage, an dem von einem nachlassenden Widerstand gesprochen wurde, sind nunmehr, am Freitag, die Kämpfe an allen Fronten mit großer Heftigkeit wieder aufgelebt.
An der Nordostfront sind südkoreanische Truppen im Anfangs-Stadium einer groß angelegten Zangenbewegung gegen die nordkoreanische Hauptstadt Pyöngyang von Wonsan aus weiter nach Westen vorgerückt. Im Mittelabschnitt setzt die 8. südkoreanische Division ihren Vormarsch nach Norden
und Nordwesten fort. Starke Flotteneinheiten der Vereinten Nationen haben am Freitag die Beschießung der nordkoreanischen Küste fortgesetzt. Außer Mochon wurden die Städte Tanchon, Songjen, Sangodong und zum zweiten Male Chongjin mit schweren Schiffsgranaten unter Feuer genommen. Die außerordentlich heftige Beschießung der Ostküste Nordkoreas wird von militärischen Beobachtern als Anzeichen für eine neue Landungsoperation der Truppen, der Vereinten Nationen in diesem Raum gewertet. Mit einer solchen Landung könnten die westlichen Truppen die nordkoreanischen Nachschublinien nach der Mandschurei und nach Sowjetrußland unterbrechen. Die Zahl der nordkoreanischen Ge-
fangenen hat sich nach einem Bericht aus dem Hauptquartier General Mac-Arthurs auf 60 000 erhöht.
Truman in Honolulu
Honolulu, 13. Oktober, (dpa) Präsident Truman ist am Freitag auf seiner Reise zu der Zusammenkunft mit General Mac-Arthur in Honolulu eingetroffen.
In wenigen Zeilen
Die englische Regierung verfügte die Zurückstellung von Ansprüchen auf in England beschlagnahmtes deutsches Eigentum.
* Ein hoher Beamter des ungarischen Verteidigungsministeriums kündigte den weiteren Ausbau der ungarischen Armee an. *
Island wird seine Moskauer Gesandtschaft aus Sparsamkeitsgründen schließen. *
Die belgische Regierung billigte eine Gesetzesvorlage, die eine Verlängerung der Militärdienstpflicht um zwölf Monate auf zwei Jahre vorsieht. *
Die am 2. Oktober von der Ost-Berliner Volkspolizei verhafteten führenden Mitglieder der katholischen christlichen Arbeiterjungend, Werner und Walter Martin, sind wieder aus dei’ Haft entlassen worden. •
Friedrich Ebert, der Oberbürgermeister der Berliner Sowjetzone, wurde von der Kommunistischen Industriegewerkschaft Textil gebeten, dem Mangel an Kinderwäsche und Kinderschuhen im Berliner Sowjetsektor abzuhelfen. *
145 Insassen des Flüchtlingslagers Stephanskirchen bei Rosenheim stehen seit dem 1. Oktober im Hungerstreik. *
Die Bundestagsabgeordneten Tichi, Fröhlich und Weickert haben ihren Austritt aus der Fraktion der wirtschaftlichen Aufbauvereinigung erklärt.
Der bayerische Ministerpräsident Dr. Ehard ist zu einem Staatsbesuch nach Italien abgereist.
In Bad Ems wurde eine „ Hotel-Gesellschaft“ gegründet, die auf breiter Basis die Mittel zum Ausbau leerstehender Häuser für Hotelzwecke beschaffen will. *
Mathilde Coppins, die älteste Frau Englands, wurde 108 Jahre alt. *
Das neue Dogma der katholischen Kirche über die körperliche Himmelfahrt Mariä wird von der anglikanischen Hochkirche nicht anerkannt.
Ein Appell an die Welt
Deutsche Frauen sollen aus Rußland zurückkehren
Erlangen, 13. Oktober, (dpa) Das Evangelische Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene in Erlangen appelliert an die ganze Welt, nach Möglichkeiten Zu suchen, um den in der Sowjetunion festgehaltenen schuldlosen Frauen und Müttern endlich die Heimkehr zu schenken. Die große Hoffnung, daß die deutschen Zivilinternierten aus der Sowjetunion — besonders alle Frauen — 1950 heimgeschickt werden, habe sich bisher nicht erfüllt. Auf dem Wege in die Heimat seien Hunderte von Frauen in Brest-Litowsk festgehalten, in das sogenannte Moskau-Lager in der Nähe von Brest gebracht und nach jahrelanger Gefangenschaft wieder zur Arbeit eingesetzt worden. Es ist dem Hilfswerk bekannt, daß diese Frauen, die schwere körperliche Arbeiten leisten und beispielsweise Reis, Getreide und Kohlen verladen müssen, körperlich und seelisch am Ende ihrer Kräfte sind.
Schuhwall gegen Asien
Köln, 13. Oktober. (AP.) Anläßlich des Bundestreffens der Schlesier, das vom 8. bis 15. Oktober in Köln stattfindet, sprach am Freitag Bundesflüchtlingsminister Lukaschek in einer „Festlichen Stunde“ über die historischen Aufgaben der vertriebenen Schlesier. Die Schlesier müßten den Schutzwall gegen Asien bilden. Nachdem sie dies räumlich nicht mehr könnten, müßten sie diese Aufgabe im geistigen Sinne übernehmen, sagte Lukaschek. „Wir müssen leben, als ob es keine Heimkehr gäbe, denn unsere Aufgabe ist es, die Bundesrepublik aufzubauen, da diese Bundesrepublik, wenn sie das Herz eines neuen und freien Europas geworden ist, die Vorbedingung für unsere Heimkehr ist.“ ’
Reimanns Immunitätaufgehoben
Bonn, 13. Oktober, (dpa) Der Bundestag nahm gegen die Stimmen der Kommunisten die Anträge des Geschäftsordnungsausschusses an, vier Eingaben für ungeeignet zur Beratung im Bundestag und drei Eingaben als erledigt zu erklären. In den Eingaben war gegen die Aufhebung der Immunität des kommunistischen Abgeordneten Max Reimann protestiert worden.
Auf 100 Männer 113 Franen
Die neue hessische Bevölkerungsstatistik
Wiesbaden, 13. Oktober, (dpa) Nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung betrug die hessische Bevölkerung am 13. September 1950, 4,3 Millionen. Davon waren 2,3 Millionen Frauen. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, ist damit die Bevölkerung gegenüber der Volkszählung im Jahre 1946 um 305 000 oder acht Prozent gestiegen.
Männertag 1950
Ha. Frankfurt, 13. Oktober. (Eigener Bericht.) „Wir sind keine Frauen- und Kinderkirche, sondern eine politische Männerkirche!“ sagte Propst Lic. Nieden, Leiter des evangelischen Männerwerkes, in einer informativen Pressekonferenz zu dem dritten Landestag des evangelischen Männerwerkes in Frankfurt. Propst Nieden erklärte damit diesen Männertag zu einer politischen Aktion.
Das Männerwerk stellt innerhalb der Evangelischen Kirche keine politische Richtung, wie in ihrer Auswirkung etwa die Bekennende Kirche, sondern eine Arbeitsgemeinschaft von Männern dar. Größle Aufgabe dieser Arbeitsgemeinschaft ist es, ihre Kirche wieder zu einem Pfeiler im brandenden politischen Tagesgeschehen zu machen: Zu einem Mahnmal das die Politiker an ihr christliches Bekenntnis erinnern und veranlaßt, christlich zu handeln und das Halt für alle Gläubigen sein soll. Das evangelische Männerwerk will zu allen politischen Fragen erklärend und richtungweisend Stellung nehmen, ohne selbst Politik zu machen. In diesem Sinne ist der Männertag in Frankfurt eine politische Aktion.
Freiheit!“ Dieses Leitwort ist das brennendste und aktuellste politische Thema Der zurückgetretene Bundesinnenminister Dr. Heinemann, Präses der evangelischen Laienbewegung, Bischof Dibelius aus Berlin und Kirchenpräsident Niemöller werden dazu sprechen. Heinemann wird, so wurde angekündigt, unter anderem über Freiheit und umgestoßene Ministersessel reden. Dibelius über Freiheit und Terror, wozu die am gleichen Tage stattfindenden ostzonalen Wahlen besonders geeignet sind. Und Niemöller? Dieser Mann hat seine Meinung von der Freiheit erst kürzlich dargelegt. Es heißt, daß er zu seinen bisherigen politischen — privaten — Erklärungen neue hinzufügen werde.
Jeder von diesen Rednern wird etwas anderes zu sagen wissen. So soll es auch sein. Dem Männerwerk geht es nicht um gleichgeschaltete, uniforme Meinungen, sondern um wesentliche Aussagen. Eine Stellungnahme dazu soll später erfolgen.
Niemöller äußert sich ernent
Frankfurt'Main, 13. Oktober, (dpa) Kirchenpräsident D. Niemöller erklärte am Freitag einem dpa-Vertreter in Frankfurt zur Ernennung Dr. Lehrs zum neuen Bundesinnenminister: „Adenauer schließt seine Reihen.“ Der Bundeskanzler habe einen Mann gesucht, der seine Linie zur Wiederbewaffnung des westdeutschen Teiles von Deutschland ‘verfolge. Diesen Mann scheine er auch, nach den ersten Aeußerungen Dr. Lehrs zu schließen, gefunden zu haben.
Wirtschaftsblatt
Eine Fürsorge
Ho. Eine Grundlage des endgültigen Lastenausgleichs ist das Problem: Soll die Höhe der Entschädigung im Lastenausgleich nach dem Umfang der erlittenen Schäden und Verluste berechnet werden oder sollen die Hilfeleistungen für die Geschädigten nach sozialen Belangen, nämlich dem Grad der Bedürftigkeit des einzelnen, erfolgen? Natürlich können die Geschädigten in jedem Falle nur- mit einer teilweisen Wiedergutmachung der erlittenen Schäden rechnen. Es ist wie in einem Konkurs, in dem der Gläubiger auch nur eine Quote seiner Forderung erhält. Aus der Konkursquote heraus erklärt sich die Wortprägung: „Quotaler Lastenausgleich“ als Teilentschädigung nach der Höhe des erlittenen Schadens und „sozialer Lastenausgleich“ als Hilfeleistung für den Geschädigten nach dem Grad seiner Bedürftigkeit.
Der Entwurf des Bundesfinanzministeriums (BdF) versucht einen Mittelweg zu gehen. Er sieht eine Lösung des quotalen Entschädigungsprinzips mit starken sozialen Akzenten vor. Den Umfang der Entschädigung macht er von der Schadenshöhe abhängig. Für die Reihenfolge der Entschädigungszahlungen aber läßt er Gesichtspunkte sozialer und volkswirtschaftlicher Dringlichkeit maßgebend sein. Die Vertreter der Geschädigtengruppen neigen überwiegend einer Regelung zu, bei der die Leistungen auf die erlittenen Schäden abgestellt sind. Ueber den Grad wirtschaftlicher und sozialer Indikationen gehen die Meinungen auseinander.
In dem Bestreben, möglichst große Beträge aus dem Ausgleichsfonds für die produktiven Ausgleichsleistungen, die Eingliederungshilfe und Wohnraumhilfe, zu gewinnen, hat der BdF-Entwurf für Alte und Erwerbsunfähige statt der bisherigen Unterhaltshilfe eine Kriegsschadensrente geplant. Diese Kriegsschadensrente soll den Geschädigten keine Vollversorgung bringen. Es sollen vielmehr die Bedürftigen wieder der öffentlichen Fürsorge überantwortet werden. Zusätzlich zur Fürsorge und unabhängig von dieser, aber auch unabhängig von sonstigen Einkünften soll der Geschädigte die Kriegsschadensrente erhalten. Die Kriegsschadensrente des BdF- Entwurfs folgt dem Entschädigungsgedanken und soll je nach der Schadenshöhe gestaffelt sein. Sie bringt den Geschädigten in der Mehrzahl der Fälle zweifellos höhere Beträge als die seitherige Unterhaltshilfe. Sie birgt auch sonst mancherlei Vorteile, weil sie einen Ausgleich der erlittenen Schäden darstellt. Trotzdem ist die Kritik an der Regelung des BdF-Entwurfs einhellig. In den Ausschüssen wird einmütig die Auffassung vertreten, daß es den Kriegsgeschädigten nicht zugemutet werden kann, wieder Almosenempfänger zu werden. So wird nämlich allgemein eine Rückkehr zur öffentlichen Fürsorge aufgefaßt. Die psychologische Seite der Sache ist stärker als die wirtschaftlichen Gedankengänge des BdF. Es ist gerade der Sinn des Lastenausgleichs, den Geschädigten einen Teil ihres Verlustes zu ersetzen. Sie haben Ansprüche und wollen keine Almosen. Auf ihre Alters- ünd Invaliditätsversorgung machen sie darum Rechtsansprüche geltend.
Es bleibt darum Sache der Ausschußarbeit, den Entschädigungsgedanken mit den sozialen Grundsätzen in diesem Punkte zu koppeln und Wege zu finden, den Alten und Erwerbsunfähigen eine Vollversorgung mit Rechtsanspruch zu gewähren. Diese muß mindestens das Existenzminimum erreichen; Zugleich aber soll sie eine Staffelung der Rentenbeträge nach der Höhe des nachgewiesenen Schadens oder der Höhe des Verlustes am früheren Einkommen in sich tragen. Wer auf Grund eines Rechtsanspruchs Unterhaltshilfe nach dem Soforthilfegesetz erhält, sollte bereits heute die Gewißheit haben, daß er diese Leistungen in Zukunft bei gleichbleibenden Voraussetzungen aus dem Lastenausgleich, und zwar’ ebenfalls auf Grund eines Rechtsanspruchs, mindestens in der bisherigen Höhe erhalten wird.
Eine Rückverweisung in die öffentliche Fürsorge ist auch aus rechtlichen Gründen untragbar. Schließlich muß die öffentliche Finanzmasse als Einheit betrachtet werden. Es dürfte nicht schwierig sein, die Mittel, die für die öffentliche Fürsorge zur Verfügung stehen, in einem gemessenen Anteil dem Ausgleichsfonds zuzuführen. Hier die geeigneten Wege und Maßnahmen zu finden, wird die Aufgabe der derzeitigen Ausschußarbeit sein.
Haftet der Aufsichtsrat?
R. F. Der Zusammenbruch der „Jüdischen Industrie- und Handelsbank GmbH“ muß um so schärfer unter die Lupe genommen werden, als es sich dabei in erster Linie um die Verwaltung fremden Vermögens gehandelt hat. Das Institut, das sich früher „Jüdische Wiedergutmachungsbank GmbH“ nannte, hat nämlich beträchtliche Gelder von gutgläubigen ausländischen Wiedergutmachungs- und Rückerstattungsberechtigten erhalten.
Wie man hört, sollen die Statuten dieser GmbH einen finanziellen Rückgriff auf den Aufsichtsrat ausschließen. Es wäre bedauerlich, wenn die für die Geschäftsführung der zusammengebrochenen Bank verantwortlichen Mitglieder des Aufsichtsrates aus formaljuristischen Gründen einer Haftung entgingen. Es besteht jedenfalls ein moralischer Anspruch der geschädigten Einleger, daß die Aufsichtsratsmitglieder mit zur Verantwortung gezogen werden. Auch dürfte der Aufsichtsrat nach allgemeinen Rechtsgrungsätzen der GmbH gegenüber haften, wenn sich ein Verschulden nachweisen läßt.
In der deutschen Wirtschaftsgeschichte gibt es ein passendes Beispiel dazu. Um die Jahrhundertwende machte der Zusammenbruch der sogen. „Trebertrocknungsgesellschaft GmbH“ in Berlin viel von sich reden. Damals wurden auch die Mitglieder des Aufsichtsrates wegen mangelnder Aufsichtspflicht zur Verantwortung gezogen.
Großaufträge für das Baugewerbe
Bz. Im Baugewerbe sind bei führenden Gesellschaften und Arbeitsgemeinschaften neue Großaufträge verschiedener Art eingegangen. Besprechungen mit zuständigen Stellen haben Aufträge auf Millionenobjekte in Mannheim und Kaiserslautern gebracht. Hierbei handelt es sich u. a. auch um Neubauten und Umbauten von Kasernen für die geplanten Verstärkungen der Truppen der Besatzungsmächte.
Zum Importproblem
(vwd) Der Außenhandelsbeirat des Bundestages befaßte sich auf seiner Sitzung mit dem Problem der Ausschreibungen und der Vorratslage. Dem Beirat lag ein vertraulicher Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums über die Rohstoffsituation vor. Die Passivität der Zahlungsbilanz begründete das Bundeswirtschaftsministerium im wesentlichen mit dem sprunghaften Ansteigen der Weltmarktpreise und den spekulativen Tendenzen bei der Erlangung von Importlizenzen.
Einfuhren ausgeschrieben
vwd Die im Rahmen des Einfuhrsicherungsprogramms der Bundesregierung geplanten gewerblichen Importe sind nunmehr restlos ausgeschrieben. Es stehen nur noch die Ausschreibungen einiger landwirtschaftlicher Positionen dieses Programmes aus.
Schäffer zum Lastenausgleich
WI. Bundesfinanzminister Schäffer hat dem Kabinett eine Reihe von Ergänzungsvorschlägen zu seinem Lastenausgleichs-Entwurf zugeleitet, die auf Vorschlägen des Unkeler Kreises beruhen. Der Bundesfinanzminister ersucht das Kabinett um Entscheidung, ob die Ergänzungsvorschläge an die Stelle seines Entwurfes treten sollen.
Zu der Forderung des Unkeler Kreises auf besondere Verzinsung macht Schäffer Vorbehalte. Er schlägt vor, daß auf 27 Jahre einschließlich der Zeit der Soforthilfe vom gewerblichen Vermögen 6 v. H., vom Haus- und Grundbesitz 5 v. H. und vom landwirtschaftlichen Vermögen 4v.H. Zinsen und Tilgung erhoben werden sollen. Eine verschieden lange Laufzeit der verschiedenen Abgaben sei undiskutabel. Daneben soll eine Vermögenssteuer von 1 v. H. als zusätzliche Lastenausgleichs-Abgabe erhoben werden.
Außerdem wird vorgeschlagen, Aktien und sonstige Anteile an Kapitalgesellschaften von der Abgabepflicht auszunehmen. Kriegsschäden sollen bis 150 DM berücksichtigt werden. Erträge auf Umstellungsgrundschulden nach dem Jahre 1952 sollen nicht mehr in vollem Umfange zum Wohnungsbau verwendet werden. Es wird empfohlen, sie in ständig steigendem Maße zur Befriedigung der Ansprüche Geschädigter zu verwenden. Alle diejenigen, die 1949 und 1950 ein Jahreseinkommen von weniger als 8000 DM hatten oder an Vermögen weniger als 20 000 DM besaßen, sollen einen Rechtsanspruch auf Hausratshilfe erhalten, der zwischen 400 und 1000 DM schwankt
Börsen und Märkte
Bz. Trotz der prekären Devisenlage der Bank deutscher Länder, die zu dem zeitweiligen Abrufstopp geführt haben, zeigte die Frankfurter Wochenschlußbörse freundliche Grundhaltung. Bei einer Reihe von Spezialwerten stellten sich erhebliche Kurssteigerungen ein. An der Spitze standen Accumulatorenfabrik nach Pause 102 b, d. h. plus 16, Dürr-Ratingen 110 (pl. 7), Dt. Atlanten Telegrafen 19 (pl. 3). Im Gegensatz hierzu bröckelten jedoch Montanwerte meist etwas ab. Am Rentenmarkt zeigte sich nach dem Abgang des Zinsunterschieds ( Oktober-Coupons) eine Beruhigung. 4°/o Hess. Ldb. Pf. 7,75 (pl. 0,25).
Freie Devisenkurse
Bz. Am 13. Oktober wurden in Frankfurt (Main) frei bewertet der USA-Dollar mit 5,15—5,25 DM, das englische Pfund mit 12,50 bis 13,50. der Schweizer Franken mit 1,15 bis 1,25 DM, der holländische Gulden mit 1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48—0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72—0,78 DM und der österreichische Schilling mit 0,14 bis 0,16 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden am 13. Oktober 1950 für eineD-Mark-West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark 1 DM-Mark-West geboten.
Tabak-Rekordernte im Ried
Id Auf dem nördlich -Mannheim gelegenen nordbadischen und südhessischen Tabakanbauflächen, dem Ried, wurden in diesem Jahre auf 320 Hektar Anbaufläche rund 15 000 Zentner Tabak geerntet. Davon waren 10 000 Zentner Hauptgut, 4000 Zentner Sandblattqualitäten und 1000 Zentner Grumpen.
IG kein Experimentiertisch
Von Fritz Peter ClausDie alliierten Entflechtungsspezialisten sind hochgradig aktiv geworden. Sie wollen die IG noch möglichst vor Jahresende dem schon lange beabsichtigten tiefgreifenden operativen Eingriff unterziehen. Drei alliierte Dekartellisierungssachverständige arbeiten zur Zeit Einzelheiten zur praktischen Durchführung des alliierten IG-Farbengesetzes aus. Die Alliierten wollen also das Gesetz 35 bald verwirklichen.
Die Reaktion auf dieses Gesetz ist nachhaltig. Sie kam in den Protesten der IG-Aktionäre und der Betriebsvertretungen ebenso zum Ausdruck wie in der Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Chemische Industrie. Auch die Betriebsvertretungen der IG-Farben haben mit ihrem Protest gegen das Gesetz 35 die Forderung verknüpft, einen Ausschuß deutscher Sachverständiger damit zu beauftragen, den Umfang der nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten neu zu bildenden Gesellschaften festzusetzen. Ihre Vorschläge auf eine vernünftige Entflechtung sollen die Grundlagen für die Entflechtungsmaß-
nahmen schaffen. Sie sollten, das ist die Anschauung der verschiedensten deutschen Kreise, durch deutsche Stellen in Gesetzesform gegossen und unter Aufsicht der Alliierten zur Durchführung kommen.
Grenzen der Mitarbeit
Der im Gesetz 35 zum Ausdruck gekommene Wille der Alliierten steht allerdings mit diesen deutschen Wünschen in Widerspruch. Das Gesetz 35 hat zwar das Kontrollratsgesetz Nr. 9 äußerlich überwunden. Mit dem Urteil des amerikanischen Militärgerichtes Nr. 6 in Nürnberg, das die leitenden Direktoren der IG von der Anklage der Vorbereitung und Durchführung von Angriffskriegen und einer Verschwörung zur Begünstigung von Verbrechen gegen den Frieden freigesprochen hatte, war dem berüchtigten Gesetz Nr. 9 bereits der Boden entzogen worden. Aber der Geist, aus dem dieses Gesetz geboren worden war, ist zäh und langlebig. Im Gesetz 35 hat er sich von neuem bemerkbar gemacht.
Es ist richtig, die deutsche Seite soll Vorschläge zur endgültigen Gestaltung dieses Gesetzes ausarbeiten. Auch den Wunsch auf eine enge Zusammenarbeit zwischen der alliierten Oberkommission und der Bundesregierung haben die Alliierten ausgedrückt. McCloy hat in seiner Rundfunkansprache den Willen der Alliierten, sich mit den deutschen Stellen zu beraten, nochmals unterstrichen. Die Alliierten haben auch Richtlinien angedeutet, nach denen nunmehr die Entflechtung verlaufen soll. Die neuen Gesellschaften sollen wirtschaftlich gesund und unabhängig sein. Die Berechtigten sollen eine angemessene Entschädigung erhalten. Der Ausschuß zur Liquidierung der IG wird, das ist weiterhin in Verbindung mit dem Gesetz 35 zum Ausdruck gekommen, aus Deutschen bestehen.
Das Ermessen der Alliierten
Das alles sind zweifellos beachtliche Fortschritte gegenüber der bisherigen Lage. Aber garantieren diese Konzessionen bereits eine Neuaufteilung der IG, die nach den Interessen der deutschen Volkswirtschaft, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und unter voller Beachtung der Rechte der Aktionäre und der rechtlichen Verpflichtungen auch gegenüber den Pensionären zur Durchführung kommt? Das Gesetz 35 trägt den Charakter eines Ermächtigungsgesetzes. Es setzt die alliierte Oberkommission in die Lage, die Aufteilung nach ihrem freien Ermessen und ihrer freien Entscheidung vorzunehmen. Ueber die Vermögenswerte kann die alliierte Oberkommission dementsprechend durch Verkauf oder sonstwie verfügen. Auch die Angemessenheit, die Höhe und der Zeitpunkt der Entschädigung unterliegt ihrem Ermessen Die Ernennung der Mitglieder des Liquidationsausschusses steht ebenfalls allein der Oberkommission zu.
Den Hauptträgern des Entflechtungsgedankens, den Amerikanern, ist sehr wohl bekannt, daß über 57 Prozent der Werke und Beteiligung der IG heute außerhalb des Bundesgebietes liegen und damit verloren sind. Die fast 43 Prozent der Werte, die noch im Bundesgebiet erhalten blieben, stellen bereits einen schwer amputierten Restkörper dar. Einen Vergleich mit den führenden Chemiekonzernen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien kann dieser Torso nicht aushalten. Trotzdem drängen gerade amerikanische Kreise auf eine Zerlegung nach dem freien Ermessen der Alliierten.
Fragen der Abgrenzung
Unter solchen Umständen ist das deutsche Mißtrauen gegen das neue Gesetz besonders begreiflich. Die Fragen, inwieweit die Alliierten den Vorschlägen des Fardip-Ausschusses folgen und die vorgeschlagenen drei großen Kombinate aus den Kernwerken abgrenzen werden, bekommen dadurch besonderes Gewicht. Alle diese Zusammenhänge drängen zu der Forderung, das Entflechtungsgesetz neu zu formulieren und die Neuordnung deutschen Stellen in eigner Verantwortung unter Mitwirkung der Aktionäre und der Belegschaften zu übertragen. Lebens- und wettbewerbsfähige Unternehmen müssen entstehen, die in der Lage sind, großzügig zu forschen und sich im Wettbewerb auf den internationalen Märkten durchzusetzen. Man kann die deutsche Sachkenntnis von der aktiven Mitwirkung ausschließen. Das heißt aber, die deutsche Wirtschaft zum wirtschaftlichen Experimentiertisch machen. Ist das nicht gefährlirh?
Darmstädter Tagblatt
„Die Ehrlichen sind dumm!“
Gemeinhin bewegt man sich als ehrlicher Mensch durchs Leben, und wenn ich so darüber nachdenke, komme ich zu dem logischen Schluß, daß man auf diese Art auf keinen grünen Zweig kommen kann. Ehrliche Menschen laufen Gefahr, als verdächtige Subjekte der Gesellschaft mit dem Bannstrahl der Masse bedacht zu werden, was wiederum darauf schließen läßt, daß es sehr wenige geben muß. Gestern geschah auf dem Luisenplatz eine denkwürdige Szene, die sich um einen Fünf-Mark-Schein drehte. Es war ein ganz ordinärer Geldschein, und eben weil er so ordinär und beschmutzt war, hatte er Wert. Dies dachte zweifellos auch ein jüngerer Mann, der besagten Lappen aufhob und ihn abwägend zwischen den Fingern drehte. 'lch will nicht sagen, daß er in einem grimmigen Streit mit seinem besseren Ich lag. Aber selbst, wenn, dann gewann das Gute im Menschen die Oberhand. Heureka! Er kam auf mich zu. hielt mir den Schein unter die Nase und stellte fest, daß ich ihn verloren haben müßte. ..Ausgeschlossen, mein Bester“, sagte ich. „Er kann unmöglich von mir sein. Ich habe überhaupt keinen Fünf-Mark-Schein in der Tasche.“ „Aber ich habe es gesehen“, sagte der Mann. „Er ist Ihnen. Nehmen Sie ihn.“ Ich fühlte, wie mir die Tränen der Rührung in die Augen schossen. Das war ein Mensch, einer vom guten alten Schlag. Nein, den konnte ich nicht enttäuschen. Seine Ehrlichkeit mußte belohnt werden. Außerdem standen neben mir zwei Personen. die dem Gespräch mit Interesse lauschten. „Mein Schein ist es nicht“, sagte ich nochmals entschieden. „Behalten Sie drei Mark und liefern sie die restlichen beiden auf dem Fundbüro ab. Was unter drei Mark ist. kann man behalten.“ Der Mann sah mich an und dann den Schein, aber ehe er antwortete, mischte sich ein anderer ins Gespräch und schüttelte dem ehrlichen Finder bewegt die Hand. „Eben merke ich. daß ich ihn verloren habe“, meinte er. nahm den Schein und stieg in die Straßenbahn. Das ärgerte mich, da ich als korrekter Mensch dafür bin. daß Ehrlichkeit anerkannt werden muß. Ich zückte mein Etui, bot ihm Zigaretten an und bestieg die nächste Straßenbahn in dem Gefühl eines Menschen, der die Ehre seiner Mitmenschen durch eine gute Tat anerkannt hat.
Aber als ich zahlen wollte, stellte ich fest, daß mein Fünf-Mark-Schem verschwunden war. Hols der Teufel, die Ehrlichkeit. HFL
Ein Freispruch
Adam K. unschuldig verurteilt
Vor der Dritten Darmstädter Strafkammer wurde der 44jährige Buchhalter Adam K. aus Darmstadt, der tim Oktober vergangenen Jahres in einem ersten Verfahren eine Gefängnisstrafe von 14 Monaten erhalten hatte, freigesprochen. K. war beschuldigt worden, im Frühjahr 1933 als Hilfspolizist im Gefängnis Bensheim einen damaligen politischen Häftling schwer mißhandelt zu haben. Kurz nach seiner Verurteilung hatte K. versucht, sich zu vergiften. Durch eine sofortige Behandlung konnte er jedoch gerettet werden. Unter dem Einfluß des Giftes sprach er damals in völliger Bewußtseinstrübung von seiner Unschuld und schimpfte ständig auf das Urteil. Diese Tatsache teilte der behandelnde Arzt in einem Gutachten dem Anwalt von K. mit, dessen zweimaliger Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens allerdings erfolglos blieb. Erst als er einen neuen Entlastungszeugen namhaft machte, verwies man das Verfahren nochmals an die erste Instanz.
Obermödlzinalrat Dr. Kinsberger erklärte in der neuen Verhandlung als Sachverständiger, die von K. seinerzeit eingenommene Giftdosis hätte die gleiche Wirkung wie das sogenannte „Wahrheitsserum“ gehabt. Die durch das Bewußtsein verursachten Hemmungen seien dadurch verschwunden und der Beschuldigte habe in diesem Zustand zweifellos die Wahrheit gesagt. "Diese Feststellung und die Aussage des Entlastungszeugen bewogen das Gericht zu dem Freispruch. wst.
Erika - der fahrende Fußgänger
Von modernen Rittern der Landstraße
Was ein „Anhalter“ ist, das wissen heute die meisten Menschen. Früher gab es nur einen, den „Anhalter-Bahnhof“ in Berlin. Dann kam der Krieg und die Menschen zogen in riesigen Kolonnen durch Europa. Militär auf Vor- und Rückzügen, Flüchtlingstransporte, die von Osten nach Westen und von Norden nach Süden trampten, fern jeglicher Roma ntik, den grausamen Realitäten des Lebens ausgesetzt. Wahrscheinlich ist der „Anhalter“ so alt, wie es Räder auf der Welt gibt.
Jeder, der als Soldat im Ausland war, der kennt den „Anhalter“ als sicherste Möglichkeit, in die Etappe oder auf den nächsten Hauptverbandsplatz zu kommen. An jeder Dorfausfahrt entstanden „Anhalter-Bahnhöfe“, und die vorbeikommenden Kraftfahrzeuge hielten mit der Sicherheit der Bundesbahn, um nach den Fahrtwünschen zu fragen. Nach dem Krieg, als das Eisenbahnnetz in Deutschland monatelang durch Bombenschäden und Lokomotivenmangel lahmgelegt war, übernahm die Zivilbevölkerung den „Anhalter“ und ließ sich durch ihn von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort befördern, auf der Jagd nach Kartoffeln oder Kohlen, auf dunklen Schleichhandelspfaden mit „Amis“ und Kaffee.
Heute ist der „Anhalter" nicht mehr das, was er früher war. Der öffentliche Verkehr funktioniert wieder, die meisten Menschen, die damals den „Anhalter“ benutzten, weil einfach keine andere Fahrtmöelichkeit bestand, reisen nun mit der Bahn oder mit eigenem Wagen, Die „Umsteigebahnhöfe“ an den Ausfallstraßen sind seltener geworden. Aber immer noch gibt es eine ganze Re’he von Menschen, die an den Landstraßen stehen und winken, in der Hoffnung, daß sie mitgenommen werden. Was sind es nun für Personen, die als Ritter der Landstraßen der Aerger fast jedes Kraftfahrers sind?
An der Darmstädter Einfahrt zur Autobahn steht eine Großtankstelle, auf dessen Parkplatz ständig schwere Ueberlandtransporte halten. Betrachtet man für einige Stunden bei gutem Wetter den Betrieb, muß man feststellen, daß sich Menschen um die Lastzüge sammeln, die so aussehen, als hätten sie nichts zu tun. Einige schleppen Rucksäcke mit sich, einen alten Tournister oder verbeulte Pappkoffer. Da ist ein junger Mann, der aus Hannover kam, wo er die tierärztliche Hochschule besucht. Er will nach München, wo seine Freundin wohnt. Bis Frankfurt kam er im Lkw. Dann nahm ihn ein Personenwagen nach Darmstadt mit und hier steht er nun und sucht Anschluß nach Süden.
Ein Mann und eine Frau stehen abseits. Sie auf einem Margarineknrton hingekauert, er mit glimmendem Zigarettenstummel im Mundwinkel. Beide sehen aus, als kämen sie aus einem ungarischen Zigeunerlager. Auf eine Frage dreht sich der Mann schweigend um und sieht in den Himmel. Dann kommt ein Lastwagen. Der Student winkt, die Bremsen ziehen an und der Fahrer sieht aus dem Wagen. „Wir fahren nach Heidelberg. Einer kann mit." Der Student schwingt sein Bündel über Bord und zieht sich hoch.
Zwei ausgetakelte Mädchen schnattern eifrig englisch. Feuerrot geschminkt, penetrante Duftwolke nach Soir de Paris. Ich höre, daß sie nach Ulm wollen, vielleicht auch nach Stuttgart, sie wissen es noch nicht genau. Eine fragt mich, ob ich mit „von der Partie“ sei. Redet dann weiter, völlig ungeniert. „Ist nichts mehr los in Darmstadt“, sagt sie. „Die Polente ist schwer auf Draht. Und Geld habende doch keins mehr, pah.“ Sie zieht sich die Lippen nach. Aufschlußreicher Blick in die Handtasche, na. danke! Die andere schiebt sich ihre schmutzige Seidenbinse glatt und schimnft. daß vor kurzer Zeit ein Lastwagenfahrer sie mitnehmen wollte. Hu, auf Mehlsäcken! Sil wäre besseres gewohnt.
Während ich mich mit einem abgehärmten Mann unterhalte, der als Arbeitsloser versuchen will, in Bayern unterzukommen, sehe ich, wie ein amerikanischer Wagen hält und die beid°n „Blüten“ mit Handtasche, hellem Koffer und triumphierendem Lächeln einsteigen. Sonst sind die Aussichten schlecht, Niemand hält. Die, Fahrer werfen einen Blick auf die paar Menschen und treten auf das Gaspedal.
„Nee, sagte mir ein Lastzugfahrer, „kommt nicht in die Tüte. Ein, zwei Mädchen, wenn sie nett sind. Aber Männer? Ausgeschlossen. Kürzlich hat mir einer während der Fahrt eine Kiste aufgebrochen und ich hab’ ihm noch runtergeholfen, wo er die ganze Aktentasche voll geklauter Konserven hatte. Natürlich, es gibt arme Schweine, die wirklich das Geld für die Fahrt nicht haben. Aber in der Hauptsache sind es Jugendliche, und da besonders Mädchen, die von Stadt zu Stadt reisen und hinter ihren Amis herziehen.“
Wer heute noch per Anhalter reist, das sind, bis auf wenige Ausnahmen, Entwurzelte unserer Zeit, denen Krieg und Nachkriegszeit die Heimat genommen und sie aus der Bahn eines geregelten Lebens geworfen haben. Es ict der Bodensatz der Existenzlosen, die Stadt um Stadt auf einer immerwährenden Jagd nach Gelegenheiten abreisen, denen der „Anhalter“ die Drehscheibe ihrer Existenz ist, eine Sammlung anklagender Schicksale unserer Generation.
Neu und wieder
Darmstädter Geschäfte eröffnen zum Wochenende
Solange Menschen planen und aufbauen, schaffen sie Neues oder'knüpfen an Gewesenes wieder an. Anfang und Wiederkehr sind die Marksteine der Hoffnung und des Fortschrittes, die niemals ganz verloren gehen können. Immer wieder erhebt sich der Mensch aus seinen schweren Niederlagen, erinnert sich an seinen Verlust und sucht ihn zu überwinden. Mit der Kraft seiner Hände und der Konzentration seines Geistes schafft er wieder, was er verloren hat — unermüdlich genährt von seiner Erinnerung. Aber mehr noch: So sehr auch der menschliche Wille zunächst nach dem getreuen Abbild streben mag, so wenig befriedigt es ihn auf die Dauer. Aller Auftrieb, alle Hoffnung die im Menschen stecken, verwandeln sich sofort in den Wunsch nach Neuem. Man sieht es deutlich an unserer Stadt, die vor aller Augen wieder ersteht und neu ersteht. Auch an diesem Wochenende können wir zu einer ganzen Reihe Geschäftseröffnungen unsere Glückwünsche aussprechen.
Am selben Platz in der Elisabethenstraße 22, in dem schon im Jahre 1899 Peter Ludwig Röth sein Geschäft hatte, eröffnet nun der Sohn, Ludwig Röth, sein groß gewordenes, rein medizinisches Fachgeschäft. Schon im September 1948 begann er mit dem Wiederaufbau seiner orthopädischen Werkstatt. Stein um Stein wurden seitdem geschichtet, bedächtig immer die Grenze der zur Verfügung stehenden Mittel im Auge behaltend, baute Herr Röth, bis er nun endlich nach 25 Baumonaten sein schönes Geschäftslokal beziehen kann. Die solide und geschmackvolle Inneneinrichtung wurde von der Firma Heil (Fränkisch-Crumbach) ausgeführt.
Und am Samstag gehen wir in das neue Cafe Soravia, wo wir im Sommer italienisches Eis gegessen haben. Nun erwarten 100 Stühle, eine zackige Kapelle und die berühmten italienischen Spezialitäten im Winter viele frohe Gäste.
Drei unter einem Dach haben sich in der Pankratiusstraße 2 zusammengefunden. Das Feinkostgeschäft Lad ac h kannten wir noch von früher aus der Nieder-Ramstädter Straße, und ältere Darmstädter erinnern sich noch daran, daß sie vor 1931 ihren Grieß und ihren Reis bei Herrn Ladach auf dem Ebertplatz gekauft haben. Seine Geschäftsnachbarn versuchen es nun zum erstenmal mit einem offenen Laden. Herr Lau, ein gelernter Radiotechniker, hat zwar zuvor schon viele Radiokunden von seiner Werkstatt aus bedient, aber eine solche Auswahl neuer Schallplatten, Plattenspieler und Radios, wie er nun zum Verkauf anbietet, findet sich erst jetzt bei ihm. Auch Herr Rehm kommt aus seinem eigenen Handwerksbetrieb, den er übrigens in der Schloßgartenstraße 49 weiterführt. Als orthopädischer Schuhmacher bringt er alles Zeug zum Führen eines Schuhgeschäfts mit. Kä.
Schon in der dritten Generation
Die Hirsch-Apotheke in neuen Räumen
„Wir verwilligen und verordnen auf beschehenes und unterthänigstes Nachsuchen, bewandten Dingen und Umbständen nach, hiermit gnädigst daß Joh. Simon Stübler von hier, nicht nur die dritte (Stadt) Apotheke in unserer hiesig fürstlichen Residenz auf- und anzurichten erlaubt und verstattet, sondern auch ihm das erforderliche Privilegium darüber ertheilt werden solle, wonach sich zu richten. Darmstadt, den 10. May 1730“
So lautet die erste Urkunde zur Eröffnung der dritten Stadtapotheke in Darmstadt, die seit 1879 in ununterbrochener Folge im Besitz der Familie Hess ist. Bis 1895 am Marktplatz (früher landgräfliches Palais) gelegen, wurde die Apotheke danach in die - Ramstädter-Ecke Hochstraße verlegt, wo sie 1944 durch Luftangriff völliger Zerstörung anheimfiel. Nunmehr kann die Familie Fritz Hess jun. am kommenden Montag die völlig neugebaute Apotheke am alten Platz wieder eröffnen.
Das ist die nüchterne, chronologische Folge einer alten hessischen Familie, deren frühe Vorfahren aus Butzbach stammen. Einem Urahnen schenkte der Graf von Butzbach einen kostbaren Renaissance-Schrank, der vor den anrückenden Schweden während des 30jährigen Krieges mit dem gesamten gräflichen und kirchlichen Silber vergraben wurde. Leider ging dieses Stück, für das schon ein Platz im hiesigen Museum vorgesehen war, — ebenfalls bei dem Luftangriff verloren. Erhalten blieb jedoch ein Mörser aus dem Jahre 1656, der noch bis 1944 zum Anrichten von Tinkturen benutzt wurde. Dieses Gerät aber, sowie die dazu gehörigen Stösel wurden infolge des Durcheinanders im nächtlich brennenden Darmstadt gestohlen. Von höchster Stelle wurde Herr Hess anfangs des Jahres mitgeteilt, daß ein ehemaliger Gehilfe der Apotheke diese historisch wertvollen Stücke erkannt und aufgefunden hätte. Wahrscheinlich ist der Mörser (die Inschrift lautet: Anno 1656 last Herr Johannes Gottfreud diesen Mirsl durch H. H. Weidnauer wiederum gießen) ursprünglich eine Glocke gewesen, da Guß und Metall sowie die oben genannte Inschrift darauf schließen lassen. Von den 5 Stöseln ist nur einer, allerdings der größte, wieder zurückgekommen.
In den neuen Räumen — mit drei großen Fenstern, anschließender Spezialitätenkammer und den Schränken und Regalen aus Eiche —, wird der letztverbliebene, traditionelle Familienbesitz einen Ehrenplatz erhalten. Sg.
Die obere Rheinstraße
Wie ein Ei dem anderen gleicht, so glichen sich die zwölf Häuser der neuen Schloßgasse, die zur Regierungszeit Ernst Ludwigs zwischen den Jahren 1696 und 1703 erbaut worden waren. So wollte es der Landgraf, der den Bauwilligen alle Vergünstigungen hatte zuteil werden lassen. Nicht nur, daß er für den Aufbau der neuen Vorstadt Gelände seines Hofgartens opferte, daß es zwölf Jahre Steuerfreiheit gab, auch Holz, Kalk, Steine und Ziegel wurden geliefert. So entstandt der Stadt vornehmstes Viertel. Noch hundert Jahre später rühmen die Fremden ihm nach.es habe „ein modernes, prächtiges Ansehen“. Nur das Jagdhaus an der Nordseite blieb bis zur Zerstörung der Stadt unverändert erhalten. Unse Bild vermittelt einen Eindruck von der Geschlossenheit der einstigen Häuserzeile. Wie fein ist sie doch auf das barocke Schloß abgestimmt. Auch wer sich den Notwendigkeiten des Verkehrs und der geschäftlichen Werbung nicht entzieht und ganz für das sachliche und kalkweiße ist, wird doch einen Augenblick innehalten und nachdenklich werden beim Betrachten der oberen Rheinstraße wie sie einstmals war. P.D.
Drínnerum und drumerum
Kennt mer do net deß Gewärzel krieje? Jetzt, wo die Eumachzeit vabei is, do is de Zugger widder haufeweis zu hawwe. Deß war der doch zum Leis krieje. Ich hett billig Quetsche kaafe kenne, soviel ich gewollt hett. Awwer was soll ich ohne Zugger mit en afange? Mir hawwe uns jo e Säckelche voll im Bratowe gedärrt fer su de Ausgeschebbde im Winter, wo mer sich sowieso bei dene deiern Flaaschbreise kaan Kulasch dezu leiste kann. Awwer es leeft mer deß Wasser im Maul zamme, wann ich bloß an die sießsauere Quetsche denk, die wo ich for mei Läwe gern eß. Un wie se meu Lißbedd eumacht, do missese sich emol es Rezebd vun er gäwwe losse. Mir zu lieb wollt se jo e Dibbche voll bloß in Essig leje un hot gemaant, mer kennt sedo später noch emol mit Zugger uff koche. Do war ich awwer net defor. Do wers uns grad so gange, wie mit de Johannesbiern. Do hot de Saft stundelang gekocht, awwer de Schilee hot sich mit dem bißje Zugger, deß wo mer noch hatte, abselut net gestellt, net for e Gas. Un jetzt hot er Haar, die wo schun dorch die Lecher dorchwachse, die wo ich mit de Gawwel dorchs Babier gestoche hab.
Aan Drost, uns is es jo net allaa so gange. Alle Aagebligg is e anner Freindin kumme un hot vum Eumache geredd, bloß weil se hinerum heern wollt, wies meu Fraa ohne Zugger fertig bringt. Dodebei hot mer an dem ganze Geschwätz gemerkt, daß se selwert schun alles Meegliche browiert hatte un neugefalle sin. Die zuggersieße Ratschleek, die wo se aam gäwwe hawwe, kenne de Zugger all net ersetze un hawwe aach bloß den aane Zweck, daß am grad so wie dene de Kram kabutt geh sollt. Wass hette die sich ins Faistsche gelacht, wann mer druff neugefalle wern.
Un jetzt froch ich mich, wo kimmt utf aamol iwwer Nacht der viele Zugger her. Vun dere neie Ernt kann er noch net seu, dann die Riewe stegge jo noch. Also muß er erjendwo geläje hawwe. E Wunner is es bloß gewäse, deß er net uffgeschlache is. Ich hatt schun Angst, die Brieder dhete defor sorje, daß aach uns deß Korea deier zu steh kem.
Endlich heert mer emol, daß aach die Kaschierung gemerkt hot, wie ewe alle Breise in die Heh gehn. Es hot werklich e bißje lang gedauert, awwer dodefor krieje mer jetzt zum Drost erklert, vun heit ab dhete die Breise stabil bleiwe. Deß haaßt doch soviel wie, die maßgebende Stelle wem zufriede, wann die Breise net noch mehr in Heh geh dhete. Ich maan, die mißte sich aach defor indressiern, wie un warum alles uffgeschlache is.
Vor korzem hots noch gehgaße, die Bauern kennte ihr Ebbel net an de Mann bringe, mer dhet en so wenig defor biete, daß se se liewer an de Beern henke losse dhete. Wie verdrekt sich dann deß mit de Breise uff em Mackt un in de Gemiesläde? Un wie werds mit de Kadoffel wem? Do heert mer schun Zahle nenne, bei dene aam die Haarn zu Berg stehn. Do is es awwer noch Zeit, emol enerschisch dezwische zu fahrn. Bei de Kohle is nix mehr zu mache, die danze schun uff em hohe Saalche un wann mer se jetzt- net deier eukaafe will,
Das sO.iährige Stiftungsfest des Bundes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten findet am 15. November in den Räumen des Concordiasaales statt. Zu ihm sind Behörden und Innungen eingeladen. Die Veranstaltung soll gleichzeitig als Weihnachtsfeier gelten. -st
Ein „Großes Oktoberfest“ veranstaltet der Männergesangverein„Sängerlust 1849“ am Samstag, den 21. Oktober, um 20 Uhr, auf dem „Heilig Kreuz“. Es spielt das Darmstädter Orchester Werner Hinze. Ende gegen 4 Uhr morgens. -st do kann mer vielleicht im Winter kalt hogge misse. Un wann der eiern Wintermantel net bei Zeit gekaaft habt, do werd ihr eier blau Wunner sehe, wann der nooch em Breis frache dhut.
Ich hoff, daß eier alter Mantel noch e Johr mitgeht, wann die Mottelecher e biß,je sauwer gestobbt sin, is er fast Widder wie nei. In so iwwerzwärche Zeide mißt ihr eich halt begniege mit dem, was der habt, wie eier wohlmeunender Anton Berzel
WIE-WIRD-DAS-WETTER
Noch freundlich
Vorhersage: Am Wochenende anfangs noch heiter, spä-1- ter Bewölkungszunahme, aber noch trocken. Temperaturen wenig verändert. Schwache bis mäßige Winde aus Süd-Südwest. Weitere Aussichten: Be¬ wölktes und dunstiges Wetter.
Wohin gehen wir heũte?
Landestheater: Orangerie: 20 Uhr, „Fra Diavolo“, Komische Oper von Frangois Auber; Ende gegen 22.15 Uhr. Darmstadt Lokales Martens
Lichtspieltheater: Union: „Der Mann, der sich selber- sucht“; Thalia: „Arabische Nächte“; Beli da : „Vogelfrei“ und Nachtvorstellung: „Die Brillanten der Fürstin Batjanoff“; Palast: „Dämon Geld“; Hansa: „Der Pfarrer von Kirchfeld“ und Nachtvorstellung: „Sturm über Arizona“.
Landesmuseum: 10—16 Uhr, „Gedächtnisausstellung“ (Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann). • —et -lx A ~ ~ i .
Christengemeinschaft, Herdweg 31: 19.30 Uhr, Vortrag von R. Wagner, Mainz, über „Menschsein zwischen Osten und Westen“.
Amerikaus: 19.30 Uhr, Konzert des Stuttgarter Kammerorchesters. (Werke von Bach, Honegger, Pergolesi u. a.).
Altersheim, Emilstraße 1: 17 Uhr, Vortrag der Vereinigung ~Alt-Darmstadt“ mit Lichtbildern: „Vom Hoftheater zum Landestheater“ von Studienrat H. Kaiser.
Pauluskirche: 20.00 Uhr, „Musikalische Vesper“, Werke von Joh. Seb. Bach, an der Orgel: Liesel Jäger.
Konkordia-Saal, 20 Uhr, „Schweizer Volkskonzert“ ausgeführt vom Schweizer Handharmonika-Orchester.
Haus der Jugend, Fichtestraße: 16 Uhr, Märchensniele.
Stadthalle: 20 Uhr: Oeffentliche Diskussion „Wirkungen der Literatur“, ein Darmstädter Gespräch der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
...ũnd morgen ?
Landestheater: Orangerie, 19.30 Uhr: „Die Csardasfürstin“, Operette von Emmerich Kalman; Ende gegen 22.15 Uhr.
Lichtspieltheater: wie am Samstag. Landesmuseum: 10 bis 16 Uhr: „Gedächtnisausstellung“ (Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann).
Hygiene - Lichthof, Neckarstraße 3: 10 bis 18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.
Hessisches Landgestüt, Rheinstraße 102: 9 bis 11 Uhr und 14 bis 17 Uhr: „Tag des Pferdes“, Stallbesichtigung und nachmittags 14.15 und 16 Uhr: „Quadrillen“.
Technische Hochschule: Aula, 15 Uhr: „Stunde der Heimatvertriebenen“.
Orangerie: 11.15 Uhr: Matinee der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, „Kasimir Edschmid und Otto Flake lesen aus eigenen Werken“, anschließend: Uebergabe des Georg-Büchner-Preises.
Pauluskirche: 17 Uhr: Bachkonzert des Kammerorchesters der Technischen Hochschule, Leitung Professor Marguerre.
Wir gratũlieren
80. Geburtstag: Herrn Johannes Kugler, Darmstadt, Liebfrauenstraße 33 (am 15. Oktober).
„Wann dürfen wir wieder in unsere Häuser?“
Besatzungsgeschädigte trafen sich im Forum Darmstadt
ve^an”en»nen°rtlentliCh starken Zuspruch hatte die Forumsveranstaltung am aktuell das in Darmstadt «n letzter Zeit besonders der Technik ”D e Lage dcr Besatz«ngsgeschädigten“. Die große Aula wenigen Ai ocilscKule konnte die Besucher kaum fassen. Es waren mit werden ih.» ^me? PesatzunBsgeschädigte, die seit fünf Jahren auf das Frei-Bangen auf a,E‘wu1“1"1® .UnÜ Wohnun&en warten und nun mit Hoffnung und «ngen auf das Wohnungsbauprojekt der Besatzungsmacht in Darmstadt blicken.
htszustand der Besatzungsgesehadigten muß geklärt werden!“
ctoiu der Forumsversammlung tlrln w\Bad^ndleck'^^ in bitteren Worten die Rechtlosigkeit der Besatzungsgeschädigten dar. Sie sei um so schwerwiegender, als jetzt mehr und mehr ein freundschaftliche Annäherung a^C^en>^Amerikanern und Deutschen anoestrebt werde. Die um Hilfe für die Besatzungsgeschädigten angegangenen deutschen und amerikanischen Dienstwurden nur Versprechungen auf Abhilfe geben. Getan werde jedoch nichts. Im Gegentei! steige jetzt die Besorgnis, daß durch die Verstärkung der Besatzungsmacht noch mehr Wohnraum beschlagnahmt werde.
Vor allem müsse jetzt einmal der Rechtszustand der Beschlagnahmung geklärt werden, die praktisch eine Enteignung darstelle. Die einzige Möglichkeit sei eine Klage gegen die deutschen Behörden, denn die Situation verstoße gegen aas Grundgesetz, das das Eigentum schütze und allen Bürgern gleiches Recht und gleiche Lasten einräume.
Staat wolle das Gelände nach ursprünglicher Zusicherung nicht mehr freiwillig hergeben, die Verhandlungen seien im Fluß und im übrigen müsse die Stadtbauverwaltung darauf achten, daß bei solchen Bauprojekten unnötige Kosten der Erschließung möglichst gering gehalten würden. Deshalb seien von Prof. Grund auch andere Pläne einer stadtnaheren Bebauung entworfen worden. Die Besatzungsmacht bestehe aber aus unbekannten Gründen auf dem Geländ an der Ludwigshöhe zur Bebauung.
Aus der Zuhörerschaft wurde nach die sen Ausführungen in scharfen Worte gefordert, daß die Amerikaner zur Bc schleunigung des Verfahrens den Grun und Boden beschlagnahmen sollten.
In einem Schlußwort versicherte M: Gotcheus, daß Bürgermeister Schröde alles getan habe, um das Bauprojekt zi beschleunigen, versprach selbst sein möglichstes zu tun und bat um Verständnis für seine Lage als Amerikaner, der die Belange seines Staates in der Versammlung verteidigen mußte.
Abschließend wurde die Abfassung einer Resolution und deren Versendung an alle maßgeblichen Dienststellen beschlossen. agt
US-Resident officer Mr. Gotcheus »mitten unter den Wölfen“
Überraschend für die, meisten Anwesenden erhob sich mitten aus den dicht besetzten Bankreihen der US-Resident officer, Mr. Gotcheus, und erläuterte den amerikanischen Standpunkt. Er vertrat die Ansicht, daß das amerikanische Verhalten durch die Haager Konvention gerechtfertigt sei und wies darauf hin, daß die Wehrmacht nicht anders gehandelt habe. Daraufhin wurde ihm allerdings später erklärt, daß die Wehrmacht nur im Kampfbereich die Eigentümer der Wohnungen herausgesetzt und allgemein mit der einheimischen Bevölkerung zusammen gewohnt habe. Mr. Gotcheus, der mehrmals das Wort ergriff, versicherte, daß von amerikanischer Seite in Darmstadt alles getan werde, die Wohnblocks für die Amerikaner möglichst schnell zu errichten, um die Wohnungen der Deutschen wieder zurückgeben zu können.
Auf die Frage Dr. Badendiecks, warum bei der ausreichenden Mietezahlung der Amerikaner für die beschlagnahmten Wohnungen die deutschen Eigentümer „nur ein Butterbrot“ bekämen, erklärte Mr. Gotcheus, daß diese Ansicht eine falsche Information sei. Kein Amerikaner bezahle Miete für seine Wohnung, denn die US-Army sei nach amerikanischem Gesetz zur Gestellung der Wohnung den Armee - Angehörigen gegenüber verpflichtet. •
Auch auf die Fragen anderer Besatzungsgeschädigter, die sich über die sinnlosen Nachlässigkeitsreparaturen auf ihre Kosten, über das Verkommen der Ernte in ihren Gärten, über die Notwendigkeit amerikanischer Familien in Deutschland ausließen, versuchte Mr. Gotcheus die bestmöglichsten Antworten zu geben, so daß ihm während der Diskussion Herr Pfeng als Diskussionsleiter unter dem Beifall der Anwesenden für seine Fairness dankte, „sich einfach unter die Wölfe zu setzen“.
„Baut schnellstens Wohnungen für die Amerikaner!“
Nach den Vorschlägen, zur Abwechslung jetzt einmal andere Häuser zu beschlagnahmen und nach den Forderungen einer gerechten Möbelentschädigung, Mietfestsetzung und sachgemäßer Hausreparaturen referierte Baurat Müller von der Stadtbauverwaltung über de geplanten Wohnblocks an der Ludwigshöhe. Der
Wohnungen ohne Laukosteuzuschuß
Richtfest der „HEGEMAG“ in der Aanastraße
Mit dem Richtfest ihres Wohnungskomplexes in der Abnastraße 12 und 14 konnte die „Hessische gemeinnützige Gesellschaft für Kleinwohnungen“ ihren erfolgreichen Anfang in Darmstadt feiern. Mit weiteren Projekten soll noch in diesem Jahr begonnen werden.
Unter dem Schmuck des traditionellen Richtkranzes sagten die Zimmermeister Veit, Beerfelden, und Crößmann, Pfungstadt — sie hatten die Dachstühle aufgestellt —, den Richtspruch und tranken das Glas Wein auf Glück und Gelingen.
Der Leiter des Unternehmens, Regierungsrat Stork, begrüßte die Gäste von Staat, Stadt und Behörden.
Zu einer gemütlichen Feier bei „Rippche“ und Bier im Restaurant Sitte fanden sich anschließend noch einmal Architekt Kappler — von ihm stammen die Entwürfe —, der leitende Bauingenieur Schröck, die Betriebsangehörigen der ausführenden Baufirma Adam Sturm, Weiterstädter Straße, und die geladenen Gäste zusammen.
Die HEGEMAG, die noch in diesem Jahr den Grundstein zu neuen Kleinwohnungen am Donnersberg und an der Bismarckstraße, zwischen Feldberg- und Herrenackerstraße legen will, ist ein gemeinnütziges Unternehmen. Ihr Grundkapital soll noch in diesem Jahr von 250 000 DM auf 1,5 Millionen erhöht werden. Aktionäre sind dabei das Land Hessen und die Gemeinden. Die Gesellschaft wird in Selbstbeschränkung nur im Gebiet des ehemaligen Volksstaates Hessen verbleiben.
In Isenburg, Rüsselsheim, Alsfeld, Friedberg, Erbach, Michelstadt, Mainz und Gießen stehen ebenfalls Wohnungen im Bau und konnten zum Teil schon bezogen werden. In Darmstadt selbst sind weitere 25 Wohnungen in der Roßdörfer und Gabelsberger Straße geplant.
Besonders erfreulich ist, daß sämtliche Bauten und Planungen bereits finanziert sind und die Mieter weder einen Baukostenzuschuß noch eine Mietvorauszahlung leisten müssen.
Mit Gesang, Tanz und Fröhlichkeit brachten die Anwesenden ihre Freude am Werk zum Ausdruck. Sg.
In der stadt notiert
Einen Erdbrand mußte gestern nachmittag die Feuerwehr in etwa dreistündigem Einsatz in der ehemaligen Grube „Prinz von Hessen“ ablöschen. Aus bisher unbekannten Gründen war der torfartige Untergrund in Brand geraten.
Ein Lkw. und ein Pkw. stießen gestern morgen auf der Kreuzung Feldbergstraße und Weiterstädter Straße zusammen. Es entstand nur Sachschaden.
Ein amerikanischer Lkw. rammte einen Pkw. gestern nachmittag, als er von der Nebenausfahrt der Autobahn in die Untere Eschollbrücker Straße einbiegen wollte. Der Fahrer des deutschen Personenwagens wurde leicht verletzt. Es entstand Sachschaden.
Ein Pkw. schob ein Beiwagenmotorrad gegen die Straßenbahn, als gestern mittag die beiden Kraftfahrzeuge aus Richtung Dieburger Straße durch die Alexanderstraße kommend, in die Fahrbahn entlang des Schlosses nach links einbiegen wollten. Dei’ Motorradfahrer beabsichtigte, die entgegenkommende Straßenbahn der Linie 6 vorbeizulassen, wurde jedoch von dem nachfolgenden Personenwagen, dessen Fahrerin vom Bremspedal auf das Gaspedal abgeruscht war, gegen den Straßenbahnanhänger gedrückt. Es entstand leichter Sachschaden.
Seinem Freund winken wollte ein in der Nieder-Ramstädter Straße mit dem Fahrrad fahrender Schüler. Als er die Lenkstange losließ, geriet er durch einen angehängten Koffer aus dem Gleichgewicht und wurde von einem ihm im gleichen Augenblick überholenden Omnibus angefahren. Der Schüler wurde leicht verletzt.
Der ehemalige Vizekanzler Franz von Papen besuchte gestern auf der Durchreise durch Darmstadt das Parkhotel, wo er mit Gattin und Tochter das Mittagessen einnahm. -st
Alexander Spoerl, der Sohn des bekannten Schriftstellers und Autors des „Gasmanns“ und des „Maulkorbs“, ist gestern mit seiner Gattin im Parkhotel abgestiegen. -st Eine musikalische Vesper findet heute,,
Samstagabend, um 20 Uhr in der Pauluskirche statt. Es werden Werke von Joh. Seb. Bach auf der Orgel von Liesel Jäger zum Vortrag gebracht.
Bereitschaftsdienste
Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom 14. 10.. 13 Uhr bis 21. 10., 8 Uhr.) Darmstadt: Nordend-Apotheke, Friedrich-Ebert-Platz 17 (Tel. 978); Stadt-Apotheke, Rheinstraße 32 (Tel. 3460); Bessunger-Apotheke. Hermannstraße 4, (Tel. 598.)
Da.-Eberstadt: Alte Eberstädter Apotheke. Oberstraße 10 (Tel. 219.)
Da.-Arheilgen: Goethe-Apotheke, Darmstädter Straße 65 (Tel. 2022.) Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10 bis 12 Uhr.) 15. 10.: Zahnarzt Krost, Darmstadt. Osannstraße 28.
Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr.) 15. 10.: Dentist Heinz Barne wal d , Darmstadt- Arheilgen, Felsbergstraße 26.
Zwölfhundert Quadratmeter neue Verkaufsfläche
Heute errichtet in seiner neu eingerichteten 11. Verkaufsetage die Firma Henschel & Ropertz seine erweiterten Verkaufsabteilungen für Teppiche, Gardinen, Berufskleidung und Herrenkonfektion.
„Helles“ Mädchen mit dunkler Vergangenheit
Ihre glanzvolle Vergangenheit endete im Gefängnis
Zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, 650 DM Geldstrafe und zwei Jahren Ehrverlust wegen fortgesetzten Rückfallbetruges, Untreue, Diebstahls und Urkundenfälschung verurteilte gestern abend die Zweite Darmstädter Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Zimmermann die fünfmal vorbestrafte, 30jährige kaufmännische Angestellte Margarete M. aus Darmstadt. In diesem Urteil sind zwei frühere Strafen enthalten.
Das Gericht hatte sich mit einer Angeklagten zu befassen, die Ende 1949, kaum aus der Strafanstalt entlassen, eine Unzahl von Hochstapeleien und Betrügereien im Raume zwischen Darmstadt, Heidelberg und Mannheim in der raffiniertesten Weise beging, um zu Geld zu kommen. Gestern gab es bei ihr viel Tränen und Reue. Sie gestand alle ihre Betrügereien, so daß die Beweisaufnahme rasch ablaufen konnte.
Ihre Ehe mit einem Steiermärker war 1943 geschieden worden. Bis Ende des Krieges diente sie als Wehrmachtshelferin. 1949 aus dem Gefängnis entlassen, fand sie — zunächst arbeitslos — in einem Kiosk in Darmstadt Arbeit. Allerdings erhielt sie hier kaum Geld. Da sie dieses jedoch benötigte, schwindelte sie dem Bruder eines Freundes vor, sie könne ihm eine Wohnung beschaffen. Für „Auslagen“ ließ sie sich 250 DM aushändigen. Zur Tarnung kaufte sie sich in einem Papiergeschäft ein Mietvertragsformular, füllte es aus und quittierte eine angebliche Mietrate mit falscher Unterschrift.
Um weiter zu Geld zu kommen, verfiel sie auf einen raffinierten Trick: Sie täuschte bei vielen Personen vor, sie habe gute Verbindungen zu einem US-Kaufhaus und könne billig Zigaretten, Kaffee und andere Waren besorgen.
Als ihr der Darmstädter Boden zu heiß wurde, freundete sie sich mit einem Eberstädter Cafebesitzer an. Sie gab sich als reiche Erbin der österreichischen Firma Mauthner-Markhoff aus, sprach von Wiedergutmachungsansprüchen als Halbjüdin und Verwandtschaften zu Sektfabrikanten und anderen reichen Geschäftsleuten in Oesterreich. Weil aber der Cafebesitzer von seinen Gläubigern bedrängt wurde, übernahm sie großzügig einen Teil der Schulden, so daß diese von weiteren Schritten Abstand nahmen, bis sie erkannten, daß sie betrogen wurden.
Ihre nächste Station war Bensheim. Hier betrog sie Taxichauffeure und Metzger um Geld. Man fiel überall leichtfertig auf die Hochstapeleien der „reizenden Dame“ hinein. Mit einem Polen siedelte sie auf das Auerbacher Schloß. Hier erleichterte sie einen Geschäftsmann um 600 DM. Bei einem Telefonat gab sie sich als Tochter
eines emigrierten Rechtsanwaltes aus. Am 30. März verschwand sie im Wagen eines unbekannten Geschäftsmannes, den sie mit dem „Zigarettentrick“ um 600 DM hineinlegte. Sie entfärbte zwischendurch ihre Haare und kleidete sich neu ein. In Heidelberg und Eberbach setzte sie ihre Betrügereien fort. In Mannheim gab sie sich dann als Amerikanerin aus. Als ihr das Geld zur Neige ging, half sie si.ch wieder mit dem Zigarettentrick und „Leihen“ von Geld. Nächste Station: Neckargemünd. Hier hieß sie „Margit von Berger“ oder „Seeburger“, blieb die Miete schuldig und prellte einen Kioskbesitzer um 500 DM. Als sie angezeigt wurde und die Polizei nach ihr suchte, konnte sie noch nach Neckarelz flüchten. Dort schnappte man sie jedoch am 23. April. Ihre Betrügerlaufbahn, die rund sechs Monate dauerte und bei der sie etwa 4000 DM sich erschwindelte, war zu Ende. Die Gefängnistore öffneten sich für sie .. . wst.
„Tag des Pferdes“
im Hessischen Landesgestüt
Wie überall in Westdeutschland, wird auch beim hiesigen Hessischen Landgestüt der „Tag des Pferdes“ begangen.
Da das Pferd heute in einem lebhaften Daseinskampf gegen die Verdrängung durch die Technik steht, aber noch weiteste Volksschichten mit dem Pferd verbunden sind, soll die Zuneigung und Liebe des deutschen Menschen zum Pferde erhalten werden. — Wir erfahren durch Landesstallmeister Dr. Fri e - 1 i n g h a u s folgendes Programm für den morgigen Sonntag:
Von 9—ll und 14—17 Uhr sind die Stallungen des Gestüts kostenlos zur Besichtigung offen. Je eine Kaltblut, und Warmblutpferde-Quadrille werden um 14.15 und 16 Uhr geritten. Den Kindern äst Gelegenheit zum Fahren und Reiten geboten.
Wir Darmstädter erinnern uns noch alle an die kürzlich veranstaltete erste Hengstparade, die einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.
Auftakt zur Akademie-Tagung
Eröffnung der ersten Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung / Frank Thieß sprach zu Ehren Kasimir Edschmids / Büchner-Preis auf 3000,— DM erhöht
In den Ausstellungsräumen auf der Mathildenhöhe gab die Stadt Darmstadt der Akademie für Sprache und Dichtung, am Vorabend ihrer ersten Tagung einen Empfang, zu dem von außerhalb bereits viele Mitglieder der Akademie und Gäste erschienen waren: Baronin Gertrud von Le Fort, Rudolf Alexander Schröder, Frank Thieß, Dr. Oskar Jancke, Otto Flake, Hermann Stahl, Rudolf Hagelstange, Gerhart Pohl, Werner von der Schulenburg, Fritz Usinger, Wilhelm Lehmann, Otto Rombach, Karl Friedrich Bor ree, Richard Gerlach, Josef Winckler, Harry Reuß-Löwenstein, W. E. Süßkind, Prof. Dr. Bruno Snell, Alexander von Bernus. Auch Frau Alice Schiebelhuth, die Witwe des in Amerika verstorbenen Darmstädter Dichters Hans Schiebelhuth. Prinz Ludwig von Hessen und Professor Ludwig Bergsträsser waren anwesend.
In schlichten Worten hieß Oberbürgermeister Metzger die Mitglieder der Akademie in Darmstadt herzlich willkommen. Er gab die Erhöhung des Büchner-Preises von 1000 auf 3000 DM bekannt und eröffnete den Beschluß, daß künftig die Akademie für Sprache und Dichtung beteiligt sei an der Verleihung, die nicht mehr nur an hessische Dichter, sondern an einen aus dem größeren Kreise der jungen deutschen Dichter erfolgen solle.
Der Präsident der Akademie, Dr. Rudolf Pech e 1, brachte den Dank der Akademie zum Ausdruck und den Wunsch auf fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt; die sich die Akademie zu Sitz und Heimat erwählt hat. Die Mitverantwortung für den Büchnerpreis empfinde die Akademie als Ehre. Rasch und elastisch, erfüllt von dem, was es nun zu sagen galt, trat Frank Thieß ans Rednerpult, um Kasimir Edschmid zu seinem 60. Geburtstag zu feiern.
Unmittelbarer noch als die Gedanken, die er in der Schrift „Kasimir Edschmid — Ein Buch der Freunde“ ausgesprochen hatte, ging die lebendig und geistvoll gehandhabte Rede zu Herzen der aufgeschlossenen Hörerschaft.
Frank Thieß zeigte, wie Edschmids Weg und Werk eingebettet waren in die allgemeine literarische und geistesgeschichtliche Entwicklung und zugleich als mitbestimmende Kräfte darin wirkten. Er, der den Expressionismus mit zu den letzten Folgerungen trieb, wandte sich auch rechtzeitig und gründlich von ihm ab, um wieder in die Welt einzutreten als ein Lernender und Schauender, der die Erscheinungen nicht als bloße Gegebenheit nimmt, sondern immer wieder mit Ernst bestrebt ist, sie von innen her aus ihrem Sein zu fassen, zu ordnen und in Beziehung zu setzen. Insofern sind Edschmids Reisebeschreibungen ebenso Frucht seines künstlerischen Bemühens wie seine Novellen und Romane, die in Gestalten und Geschehnissen verborgene Wahrheit sichtbar machen und immer wieder eine neue Tiefe, eine besondere Seite des Rätsels „Mensch“ offenbaren.
Die Darstellungsart Edschmids — so führte der Freund aus — verrate jedem die westliche Heimat und hessische Volksatmosphäre, wie denn auch der, den es zu feiern gelte, aus der Ferne und allem Schweifen heimgekehrt sei nach Hessen, nach Darmstadt in den Lebenskreis, der seinem Wesen vertraut ist.
Die von warmer Freundschaftlichkeit getragenen, oft heiter überglänzten Ausführungen wiesen vielfach hinaus auf die währenden, wogenden Probleme unserer Zeit, öffneten den Blick für Vergangenes und lenkten ihn in mögliche Zukunft. Sie waren zugleich ein unabdingbares Bekenntnis dazu, daß in der Einheit des künstlerisch schaffenden Menschen allein Maß und Wert des Werkes gegeben sind.
Seine Bewegtheit ins Launige und Ironisierende wendend, dankte Kasimir Edschmid dem Freunde und den Versammelten.
Der 2. Satz von Schumanns a- moll-Konzert, gespielt vom Müller- Gündner-Quartett, das eingangs den 1. Satz zu Gehör gebracht hatte, beschloß die Feierstunde.
Eröffnungssitzung auf der Mathildenhöhe
Rudolf Pechei sprach über die Situation der Deutschen Akademie
Am Freitagmorgen versammelten sich die Mitglieder der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auf der Mathildenhöhe, um die Tagesordnung mit der Begrüßungsansprache des Präsidenten der Akademie, Dr. Rudolf Pechei, zu eröffnen. Der Redner stellte fest, daß Darmstadt mit der Aufnahme der Akademie eine alte kulturelle Tradition fortgeführt habe. Schon die „Vorausabteilung“ sei bei ihren vorbereitenden Besprechungen liebenswürdig empfangen worden. Bereits am 1. April nächsten Jahres könne die Akademie in ihr neues Gebäude einziehen. Die Verhandlungen der Deutschen Akademie, eine eigene Zeitschrift zu schaffen, seien befriedigend gediehen. Das Blatt, das den Namen „Literarisches Deutschland“ tragen soll, wird kein akademisches Organ werden, sondern will Stellung zu den Dingen nehmen, die den Bestrebungen der Akademie entsprechen. Es sei aber auch bereit, Strömungen anzugreifen, die mit den Richtlinien der Akademie nicht vereinbar seien. Die Aufstellung eines festen Etats wäre trotz größter Bemühungen nicht gelungen. Es sei beschämend, daß Dienststellen und Behörden, denen die kulturelle Aufgabe Herzensangelegenheit sein sollte, nicht in der Lage seien, die Bestrebungen der Akademie finanziell zu unterstützen. Es wäre traurig und peinlich, daß einige Ämter in Deutschland auf die Anfragen und dringenden Ansuchen der Akademie es noch nicht einmal für notwendig erachtet hätten, zu antworten.
Die Anwesenden erhoben sich dann zu Ehren der verstorbenen Mitglieder der Deutschen Akademie, Elisabeth Langgässer und Werner Milch. Gerhard Pohl sprach Werke der Würdigung für Elisabeth Langgässer, die bewiesen habe, daß die deutschen Autoren Wesentliches zu sagen hätten. Die Ansicht, daß die Schubladen der verbotenen Autoren nach der Kapitulation leer gewesen seien, könne durch das „Unauslöschliche Siegel“ widerlegt werden.
Oskar Jancke würdigte anschließend die Bedeutung Werner Milchs, mit dem ihn alte Freundschaftsbande verknüpften. Seiner Arbeit sei es in der Hauptsache zu verdanken, daß die Genealogie der Familie Brentano in weiteren Kreisen bekanntgeworden sei.
Nach dem Bericht des Sekretärs der Akademie folgten die Berichte über die Arbeitskreise. Prof. Dr. Bruno Snell sprach über die Sprachkurse der Studenten. Mit dem Referat des Präsidenten über den „Berliner Kongreß für kulturelle Freiheit“ und der Beratung der Satzungen schloß der erste Sitzungstag. hfl.
Elisabeth Langgässer
erhält den Büchnerpreis
Im Rahmen einer Morgenveranstaltung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wird morgen vormittag im Organgeriehaus der Georg-Büchner-Preis der Stadt Darmstadt an die am 25. Juli dieses Jahres verstorbene Dichterin Elisabeth Langgässer vergeben werden. An Stelle der Verstorbenen wird ihr Gatte, der Philosoph Wilhelm Hoffmann, den Preis entgegennehmen.
Notizen
Mit einer musikalischen Festwoche, die vom 3. bis 9- Mai 1951 geplant ist, wird in London die neue Konzerthalle eingeweiht werden, die man soeben nach großzügigen Planungen am südlichen Themseufer errichtet Die Festkonzerte werden von Toscanini, Adrian Boult, Malcolm Sargent, Thomas Beecham, John Barbirolli, Serre Koussewitzky, Leopold Stokowskv, Eduard van Beinum und Rafael Kubelik dirigiert.
Im Mai 1951 wird in einem Konzert des Züricher Motettenchores (Leitung Bernhard Seidmann) Willy Burkhards „Kleiner Psalter“
uraufgeführt. Frank Martin hat jetzt auch für das Violoncello eine Ballade geschrieben, d'e das Züricher Collegium musicum unter Paul Sacher uraufführen wird.
Im Rahmen der Basler Volks-Sinfoniekon¬ zerte (Leitung Alexander Krannhals) sind gerade zwei neue Werke uraufgeführt worden: eine Passacaglia für Orchester des Zürcher Komponister Armin Schibier und ein Konzert für Trompete, Oboe, Fagott, Violine und O-chester von Hans Brunner, der in Basel lebt.
STARKENBURG
Amtliches Sozialgefühl
Uns liegen drei Urkunden vor, in denen sich die Tätigkeit der Verwaltung abspiegelt: Eine Postkarte, mit der einer alten Frau bescheinigt wird, daß sie unter die „Weihnachtsamnestie“ der Entnazifizierung fällt, eine Mitteilung des Finanzamts in Dieburg, wonach Gebühren hierfür nebst Kosten mit 14,20 DM durch Versteigerung gepfändeter Möbel beigetrieben werden, wenn nicht binnen zehn Tagen Zahlung erfolgt, und ein Schreiben des öffentlichen Klägers. Die dritte Urkunde ist die Interessanteste: sie datiert vom 14. September, und besagt, daß eine Eingabe der alten Frau vom 14. Januar „leider eine erhebliche Verzögerung“ erlitten habe, und daß sie nun rasch ein volles halbes Dutzend Unterlagen einreichen soll, darunter „beglaubigte Abschrift des Spruchkammerbescheides“, um nämlich die durch das Heraussuchen der eigenen Akten der Spruchkammer „bedingte nochmalige Verzögerung zu vermeiden“. Der Oeffentliche Kläger also, der in acht Monaten auf eine Eingabe nichts veranlaßt hat, erwartet, daß die Betroffene auf ihre Kosten beglaubigte Abschriften anfertigen läßt, weil sie nicht zahlen kann, und das Finanzamt versteigert die Möbel der gleichen Frau, weil der öffentliche Kläger keine Zeit hat. Zur Bestätigung steht auf dem Dokument, das die achtmonatige Untätigkeit der öffentlichen Verwaltung beurkundet, der Satz, daß dieses Verfahren „die Beitreibung nicht aufschiebt und Vollstreckungsmaßnahmen nicht unterbricht“. Wir bemerken nur beiläufig, daß das Opfer dieser „Regierungsweisheit“ eine Frau im siebzigsten Lebensjahr ist, deren Mann im vorigen Krieg fiel, und die heute von Soforthilfe leben muß. Aber es wäre nicht anders, wenn' die persönlichen Verhältnisse besser wären: auch dann wäre der Anspruch, für eine Postkarte 14 Mark zu erhalten, maßlos, die Verzögerung eine Bankerotterklärung der Behörde und die Pfändung eine Barbarei. Das Ganze aber ist hessische Staatsweisheit, wenige Wochen vor den Landtagswahlen 1950. L. C.
Alte Symbolik in moderner Gestalt
Darmstädter Künstler malt das Kirchenschiff in Wixhausen aus
Erst jetzt, über fünf Jahre nach Kriegsende, hat die Gemeinde Wixhausen die Möglichkeit, die Flakbeschuß- und Bombenschäden an ihrer Kirche auszubessern und dem Raume wieder ein würdiges Aussehen zu geben. Auf kleiner Erhöhung durch Buschwerk und Baumbestand natürlich abgegrenzt,’ erhebt sich das ehrwürdig-mächtige Gemäuer. In der Ecke zwischen Turm und Schiff hat sich eine Kastanie emporgeschoben, Nachbar und Bruder des acht Jahrhunderte alten Fliehturmes, durch dessen Pforte wir in das Kircheninnere gelangen. Ein klarer, hoher, frisch hergerichteter Raum umfängt uns, erhellt vom Nachmittagslicht des sonnigen Herbsttages, der durch die neuen, blanken, im Wabenmuster gefaßten Fensterscheiben hereinschaut. Kunstmaler Eberhard Schlotter, Darmstadt, wurde mit der Ausmalung beauftragt. In liebevoller Kleinarbeit renoviert er die Rokokobilder an der Brüstung der Orgel-Empore. Die sonst schlicht weiß getünchte Decke des Kirchenschiffs schmückte er in den Ecken und um die Lampen mit der Luther-Rose.
Das neue Wandgemälde (DT-Foto: Sdhröder.)
Splittet der Wedle
Tagtäglich fahre ich mit dem Omnibus. Frühmorgens nach Darmstadt —, am Abend wieder nach Hause. Sie fragen wohin? In den Odenwald. Bei diesen Fahrten fällt mir so manches auf. Angenehmes—,und Unangenehmes. Und weil das Unangenehme abgestellt werden müßte, soll von ihm besonders die Rede sein.
Irgendwo steigt ein Ehepaar zu. Beide haben die Fünfzig schon überschritten. Und er geht am Stock. Unsicher. Die Beine wollen nicht mehr so, wie er möchte. Im Wagen aber ist es dunkel. Nicht weil es draußen bereits Nacht ist, sondern weil der Fahrer gar nicht daran denkt, das Licht einzuschalten. So tappt der Alte sich mühsam von Sitz zu Sitz. Beinahe wäre er hingefallen. Nicht weil es immer noch dunkel ist, sondern weil der Fahrer keine Zeit hat, solange zu warten, bis seine Fahrgäste einen Platz gefunden haben. Obwohl der Wagen noch gut im Kurs liegt und die Fahrplanzeit eingehalten wurde. Hinter mir hörte ich ein erleichtertes Aufatmen. Aber keine verärgerten Worte. Es war einer, der sich beherrschen konnte. Ich aber ärgerte mich über so viel Unhöflichkeit. So geschehen auf einer Omnibuslinie zwischen Darmstadt und Niedernhausen. Höflichkeit und guter Ton sind eng miteinander verbunden. Aber lassen Sie mich von anderen Tönen sprechen, die oft begeistern, oft aber auch deprimieren können. Wenn sie nicht sogar vollkommen fehl am Platze sind. _ —4. _ m Kon 45wawa 4- i m — Begeistert war bestimmt ,iener Schreiber, der kürzlich in einem „Anzeigenblatt“ wörtlich schrieb: „Zum feierlichen Hochamt wurden alle Chöre vom Bahnhof von einem zackigen Spielmannszug und der Feuerwehrkapelle abgeholt.“ Die Querpfeifer bliesen, was durch die Löcher ging. Die Trommler bearbeiteten das Fell, daß es krachte. Zackig —, zackig. Der Herr Pfarrer aber mag wohl in der Kirche solange mit dem Hochamt gewartet haben, bis die Kolonne im Gleichschritt ankam, um ebenso zackig durch das Portal zu ziehen. Peinlich, peinlich, meine ich, wenn einem so etwas „zackiges“ durch die Lappen ging. So geschehen irgendwo im Ried. • Nichts für ungut! Götz von Gumpen
N.B. Doch noch eine Freude zum Wochenende: Aus Jugenheim schickte man mir Blumen. Genauer gesagt, Veilchen. Mitten im Oktober. Und sogar Walderdbeeren. Weil man gelesen hatte, daß auch in Habitzheim Veilchen blühen. Jetzt stehen sie auf dem Schreibtisch. Als besondere Freude nach all diesen weniger angenehmen „Splittern“. Herzlichen Dank! An den beiden Längswänden aber, rechts und links vom Altar, ist sein Hauptwerk zu sehen: der in schönet Schrift gemalte Spruch und, ihm entsprechend, das Bild der Auferstehung Christi. Schlotter hat es symbolisch gestaltet und Natur- und Menschenleben in die Darstellung einbezogen. Schwarz-braune, erdige Gestalten ducken sich um das Grab, nichts begreifend vom Wunder der Wiedererstehung. Blumen stehen erdwärts gewendet, andere daneben zum Lichte erschlossen, wie • auch der blattlose Baum das Geäst trauernd senkt, während grün und voll Leben der andere neben ihm steht. Der Vogel im Gezweig, der Fisch im Wasser sind uralte Symbole, die über die christliche Tradition zurück ins Mythische reichen und deren Sinngehalt nun hinaufgesteigert wird in der hohen dem Grab entstiegenen Christusfigur zu überstrahlender Wirklichkeit. Daß dies Gemälde damit zugleich beides: Gedenktafel für die Toten und Mahnmal zum Leben ist, bedarf keiner Erläuterung. Pfarrer Schuchmann, der uns im schlichten Arbeitszeug in der Kirche empfing, betrachtet mit glücklichen Äugen den so verwandelten Raum, in dem er seinesSeelsorgeramtes nun mit noch stärkerer Freudigkeit walten wird. D-s
DT-Reporter schrieben und bebilderten die „Wochenend-Reportage“
Schon elf Generationen formten mit ihren Händen den Ton
Ein Besuch in der Waltherschen Töpferei in Bad König / Engove-Malerei mit dem Gänsekiel / Kontrolle der Brennöfen bei Tag und Nacht / Hauptabsatzgebiet: der Niederrhein
Wenn wir durch die Stadt hasten und hie und da an einem Schaufenster haltmachen, in dem bunte, handgemalte Töpferware ausgestellt ist, schauen wir uns wohl den Preis der einzelnen Stücke an und überdenken auch, meist zuerst, wie sich das eine oder andere Tongeschirr in unserer Wohnung ausnehmen würde. Wieviel Mühe und Geschick aber notwendig waren, es entstehen zu lassen — darüber machen wir uns selten Gedanken. Kürzlich haben wir deshalb die Gelegenheit wahrgenommen, einen Töpferei-Betrieb zu besichtigen. An einem der letzten Häuser von Bad König, an der Straße nach Michelstadt, hängt, nur einem aufmerksamen Beobachter sichtbar, ein Glaskasten mit ein paar bunten Kannen und Tellern. Das ist di« ganze Reklame einer Firma, die seit 40 Jahren dort ansässig ist. Daß die Walthersche Töpferei trotzdem im weiten Umkreis bekannt ist, sahen wir schon, als wir in die Werkstatt eintraten. Ein Lehrer mit seiner Klasse war aus einer anderen Gemeinde eigens hierhergekommen, um den Kindern die Eigenart eines solchen Handwerks-Betriebes zu zeigen. Meister Walther erzählt uns, daß seine Vorfahren aus dem Badischen eingewandert sind. Längere Zeit in Michelstadt ansässig, entschloß sich sein Vater beim Aufkommen des Kurbetriebes, nach Bad König umzusiedeln. Das war im Jahre 1909. — Mit einem Gehilfen zusammen hatte der Vater im jetzigen Anwesen begonnen. Heute arbeitet man mit 4 Gesellen und einem Lehrling, wobei die Frau des Meisters nicht zu vergessen ist, die den größten Teil der Handmalerei ausführt. Als Wilhelm Walther im letzten Krieg einberufen wurde, lag 5 Jahre lang die Last des Betriebes auf ihren Schultern. In einem Schuppen neben dem Haus lagert in einem großen Bottich der Ton aus dem Bruch. Zunächst wird er von Steinen und Holzteilen gereinigt, mit einer Sense geschnitten und in einer Maschine zermahlen. Aber noch ist er nicht werksgerecht, da viele Luftblasen, die erst mit einer Art Schneebesen herausgeschlagen werden müssen, das gleichmäßige Drehen behindern. Aus verschiedenen Tonsorten wird dann eine Mischung hergestellt, die, in jahrelanger Praxis erprobt, von jedem Töpfer als „Betriebsgeheimnis“ gehütet wird. Der formgerechte Ton kommt nun zur Drehscheibe. Die Scheibe, die sonst mit dem Fuß in Drehung versetzt wird — eine solche ist noch vorhanden und ab und zu auch in Betrieb —, wird bei Walther elektrisch getrieben. Alles andere wird nach wie vor mit der Hand geformt. Bis zu lederhartem Zustand wird das fertige Stück auf großen Regalen luftgetrocknet, um dann mit der Grundfarbe begossen zu werden. Später wird es bemalt. Dabei wird die Farbe nicht etwa mit einem Pinsel aufgetragen, sondern aus einem eigens da-
für angefertigten Tontöpfchen läuft durch einen Gänsekiel die flüssige Farbe —■ sogenannte Engove-Malerei —, eine Arbeit, die sehr viel Geschick erfordert. Zuletzt wird das Stück glasiert und kommt in den Ofen. In ihm erhalten die Farben durch den Oxydationsvorgang beim Brennen die satte, freundliche, prächtige Leuchtkraft. — Gebrannt wird nachts. Der Meister hat zu Kontrollzwecken eine Lampe an seinem Bette brennen und läßt sich dreimal durch den Wecker wecken, um an seiner Kontroll-Lampe die rechte Temperatur des Ofens — der ebenfalls elektrisch geheizt wird — ständig zu überprüfen. Im ersten Stock sahen wir einen anderen Arbeitszweig des Gewerbes: Dort standen auf langen Tischen Gipsformen, in denen ebenfalls Kannen, Töpfchen und in erster Linie Puddingförmchen „gegossen“ werden. Flüssige Tonmasse wird in die Form gekippt und eine Weile stehengelassen. Da der Gips das Wasser aus dem Ton heraussaugt, setzt sich am Rande der Form eine feste Schicht an. Der restliche
Inhalt wird ausgegossen, das Werkstück trocknen gelassen und aus der Form entnommen. Die weitere Bearbeitung ist ganz die gleiche wie bei handgeformtem Ton. Im Ausstellungsraum des Betriebes stehen auf den Regalen Teller, Tassen, Zierschalen, Kaffee- und Teekannen, Obstschalen, Wandteller, Bauernservice und Blumenvasen in den, herrlichsten Ausführungen. Dabei handelt es sich um Muster, die oft schon von alters her übernommen sind. Aber auch neue Motive kommen stets hinzu. Man bekommt ein ganz anderes Gefühl für den Wert eines Tongefäßes, wenn man erst einmal gesehen hat, wieviel Kleinarbeit, Konzentration und Fingerspitzengefühl, technisches Können, Fleiß und Schweiß sjeh hinter der kleinsten bunten Scherbe verbirgt. Gehen wir deshalb künftig nicht mehr gedankenlos an einem Laden oder Stand auf dem Markt vorbei, der Töpferware zum Kauf anbietet. Es liegt viel Liebe zum handwerklich Schönen vor unseren Augen. -bst
Sind Dammbrüche wirklich uninteressant?
Ein Wort zur Finanzierung der Winkelbach-Regulierung
„Wenn die Wiederherstellungsarbeiten von Dammbrüchen des Winkelbachs im Jahre 1947'48 98 000 DM gekostet haben, so sollte jeder Bürger annehmen, daß auch der Herr Landrat des Landkreises Bergstraße interessiert sein müßte, alle vorbeugenden Maßnahmen hierfür zu unterstützen. — Leider sieht es jedoch anders aus. Der Wasserverband zur Unterhaltung des Winkelbaches umfaßt 13 Gemeinden und wurde am 1. Juli 1948 als Folge des größten Dammbruches im Jahre 1947'48 gegründet. Der Winkelbach ist 17 Kilo-
Zu dem obigen Thema schreibt uns das Kreistagsmitglied des Kreises Bergstraße, Fritz Lühnsdorf, Bensheim-Auerbach, die folgenden Zeilen, die wir ungekürzt und ohne Stellungnahme veröffentlichen.
meter lang, von Bensheim bis Gernsheim. Die staatliche Aufsicht des Verbandes untersteht dem Landrat des Kreises Bergstraße. Seit dem Bestehen des Verbandes wurde im Jahre 1949z50 die erste Bachregulierung durchgeführt und zwar von Gernsheim bis Langwaden. Die Kosten betrugen 64 607,41 DM. Die Regulierung des 2. Abschnittes von Langwaden bis Bensheim ist seit dem 26. 6. 1950 im Gange und ist mit 80 000 DM veranschlagt. Die Finanzierung ist gesichert durch: Staatsbeihilfen aus den Mitteln der Landesmilioration 21 500 DM Staatsdarlehen aus ERP- Mitteln = 36 000 DM Grundförderung seitens des Arbeitsamtes = 22 500 DM Dies sind insgesamt: 80 000 DM Trotzdem müssen die Arbeiten eingestellt werden, da die Finanzierung bisher nicht realisiert werden konnte. Die finanzschwachen Gemeinden können weder ihre Pflichtumlagen bezahlen — es stehen noch 12 482,18 DM aus — noch können sie die Bürgschaft der Finanzierung übernehmen. Dem Landrat des Kreises Bergstraße wurden Berichte und Anträge vom 21. November 1949, 5. Dezember 1949, 30. Mai 1950 und 2. Juni 1950 zugeleitet. Endlich am 9. September 1950, erhielt der Wasserverband vom Landrat die Aufforderung, daß zunächst die rückständigen Verbandsumlagen eingezogen werden sollen. Nach Kenntnis dieser Vorgänge hat die FDP-Fraktion des Landkreises Bergstraße einen Dringlichkeitsantrag gestellt, daß die Bürgschaft für die finanzschwachen Gemeinden der Landrat übernehmen soll. Auch wenn die Satzungen nicht vorhanden wären, müßte der Herr Landrat trotzdem nach den Berichten erkennen, daß hier Gefahr im Verzug ist. Wenn Gemeinden durch ihr Steueraufkommen nicht einmal in der Lage sind, die Pflichtumlage des Wasserverbandes zu zahlen, wie sollen sie die Bürgschaftsleistung anteilmäßig leisten? Sollen die zahlungskräftigen Gemeinden Kreisaufgaben übernehmen, weil der Kreis sie nicht erkennt? Und wie denkt das Wasserwirtschaftsamt Darmstadt als technische Aufsichtsbehörde darüber?
Aktuelles zwischen gestern und heute
Lokomotive tötet Arbeiter
Am Freitagmorgen ereignete sich gegen 12 Uhr auf dem Gelände des Groß-Gerauer Bahnhofs ein tödlicher Unfall. Der Bundesbahnbetriebsarbeiter Oskar Ka s 11, Klein-Gerau, Mainzer Straße 6, wurde beim Weichenschmieren von der Verbindungsbahn, die zwischen den Bahnhöfen Groß-Gerau und Groß-Gerau—Dornheim verkehrt, überfahren. Er war sofort tot. cg.
Während der Vorstellung bestohlen
Einem jungen Mädchen aus Stockstadt fiel während der Filmvorstellung im Kino ein Schlüssel und eine Geldbörse mit 33 DM auf den Boden. Erst nach Beendigung der Vorstellung konnte der Verlust der Börse festgestellt werden, während der Schlüssel noch am Boden lag. Die Geldbörse hatte inzwischen den Besitzer gewechselt. KB.
Vom Fernlaster erfaßt
Auf der Landstraße Mörfelden-Walldorf kam es in den Mittagsstunden des Freitag zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer wurde von dem Anhänger eines Fernlastzuges aus Wuppertal gestreift und einige Meter zur Seite geschleudert. Der hilfsbereite Fernfahrer, der den Unfall bemerkte und sofort hielt, legte dem Verunglückten, der Verletzungen im Gesicht und Rücken- Prellungen erlitten hatte, einen Notverband an. Das Motorrad wurde schwer beschädigt. KB
Riesenbrand in Gernsheim
Am Freitag brach gegen 23 Uhr in der Süddeutschen Malzfabrik in Gernshe’m aus bisher unbekannten Gründen ein Schadenfeuer aus, das sich rasch zu einem Riesenbrand entwickelte. Das Feuer, um dessen Eindämmung sich die Feuerwehren mehrerer Nachbargeme nden bemühten, ergriff zunächst die Getreidespeicher der Fabrik, in der die Vorräte lagerten. Der Brand dauerte bei Redaktionsschluß noch mit unverminderter Heftigkeit an. Kr.
Rauferei bei Klein-Gumpen
Am Ortseingang von Klein-Gumpen gerieten ein mit einem Kuhgespann fahrender Landwirt und ein ihn verfolgender alter Mann von 72 Jahren in Streit. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen zog der alte Mann ein Messer und stach den Gespannführer in die linke Schulter.
O diese Wildsäue!
Es ist nicht der erste Fall, der sich in der letzten Zeit ereignete. Auch jetzt wieder lief einem Einwohner aus H a inst a d t. der abends mit seinem Motorrad unterwegs war. in der Nähe des Neustädter Hofes bei Mömlingen eine etwa eineinhalb Zentner schwere Wildsau in das Fahrzeug. Der Fahrer stürzte und blieb bewußtlos liegen. Durch einen nachfolgenden Radfahrer wurde auch der Schwarzkittel unweit der Unglücksstätte aufgefunden. Der sofort benachrichtigte Jagdpächter brachte das Tier zur Strecke, hm
Philipp und Heiner in Roßdori
Heute und morgen abend werden in den „Glorialichtspielen“ und im Cafe „Ohl“ in einer humorvollen Funkparade unter dem Motto: „Oft gehört — nie gesehen“ der Komponist Bobby Kamp von Rias Berlin mit seinen bekannten Schlagern, und Philipp und Heiner (Botho Jung und Heinz Erke) im Radio Frankfurt als Plauderer und Ansager gastieren. St
Forum Vielbrunn gegründet
Das Oeffentliche Bürgerforum Vielbrunn hat nun seinen Vorstand gewählt, dem die Herren Willi Wams se r, Gg. Corell, Gg. Meng le r j r., Gg. Schmaus, Ad. Lautenschläger, Jakob Brohm, Dr. Fritz Welzel und Frau CI. Heinz 1 angehören. Der erste öffentliche Diskussionsabend wurde auf den 28. Oktober im Gasthaus „Zum Hirsch“ angesetzt. Aussprachethema „Das Verhältnis des Bürgers zu seiner Gemeindeverwaltung“. Referent: Bürgermeister Schwabe, Lindenfels. -ch
DIE EVANGELISCHE KIRCHE IN GROSS-GERAU
Die im letzten Krieg zerstörte Kirche war eine dreischiffige Anlage, die verschiedentlich umgebaut wurde und auf einen Gründungsbau aus dem Jahre 1470 und eine spätere Erweiterung durch den Baumeister Johann Wilhelm Pfannmüller — in den Jahren 1630/32 — zurückging. / Die auf dem Bilde sichtbare Partie zeigt im wesentlichen die Kennzeichen eines Umbaus, der 1867/70 vorgenommen wurde. Zur Zeit werden — wie wir bereits berichteten — an der Kirche Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, um den Zerfall der Mauern zu unterbinden. Zeichnung: E. Meier
Die beste Konkurrenz ist eine gute Qualität
Rückblick auf den diesjährigen Obstmarkt in Zwingenberg
Allmählich wird es in der Großmarkthalle in Zwingenberg still, bald werden auch die letzten Aepfel und Spätbirnen abgeliefert sein, und dann kommt eine lange ruhige Zeit bis zu den ersten Kirschen im nächsten Frühjahr.
Auf -unsere Frage antwortet uns der Leiter der Großmarkthalle, Herr Nikkeis, daß der Obstmarkt in diesem Jahr eigentlich sehr gut war. Die Erzeuger seien bemüht gewesen, durch regelmäßige Schädlingsbekämpfung, Pflege der Bäume und fachmännische Sortierung die Qualität zu verbessern, und das sei auch dringend notwendig, da gerade das importierte, qualitativ hochwertige ausländische Obst eine große Konkurrenz für den deutschen Obstmarkt darstelle.
ln den Jahren der Zwangsbewirtschaftung, wo der Verbraucher kritiklos die höchsten Phantasiepreise bot, habe sich mancher Erzeuger eine gewisse Nachlässigkeit bei der Pflege und Sortierung des Obstes angewöhnt, die heute jedoch nicht mehr möglich sei. Die große Zukkerknappheit in den vergangenen Monaten wirkte sich besonders auf den Absatz von Johannisbeeren und Zwetschen nachteilig aus. Auch die' Konservenfabriken, die sonst immer Großabnehmer waren, hätten sich während diese/ Zeit sehr zurückgehalten.
Die Anlagen von Beerenobst habe man in der Zeit der Zwangsbewirtschaftung stark erweitert, so daß jetzt fast ein Ueberangebot bestehe. Es sei daher nicht ratsam, die vorhandenen Anlagen noch mehr zu vergrößern, da der Verbraucher, der ja heute wieder Fett, Fleisch und Milch in jeder Menge kaufen könne, gar nicht mehr in dem Maße auf Obst ange-
wiesen ist, wie vor der Währungsreform. Die einzige Möglichkeit, der starken Konkurrenz des ausländischen Obstes, das die deutschen Preise ganz erheblich herabdrücke, wirksam entgegenzutreten, sei eine dauernde Verbesserung der Qualität des deutschen Obstes, denn diese wird schließlich beim Absatz auf dem Markt ausschlaggebend sein. HB
Ein 90jähriger Jubilar
Heilte begeht in selten geistiger ün d körperlicher Frische Herr Ludwig Nold, Groß-Geraii, Friedrichstraße 51, seinen 90. Geburtstag.
Der Jubilar blickt auf ein langes arbeitsreiches Leben zurück und wurde auch von der harten Hand des Schicksals nicht verschont. Im ersten Weltkrieg verlor er einen Sohn, im zweiten fielen Scheune, Stall und ein Teil des Wohnhauses einem Fliegerangriff zum Opfer. Kurz vor Einmarsch der Alliierten wurde das Wohnhaus durch Artilleriebeschuß schwer 'beschädigt. In unermüdlicher Arbeit baute der Greis mit Hilfe meines Sohnes die Hofreite wieder auf.
Der Landrat des Landkreises Groß-Gerau und das hessische Staatsministerium gedenken des Jubilars an seinem Ehrentage durch Ehrenurkunden. Auch wir wünschen ihm zu seinem Festtage alles erdenklich Gute und einen schönen Lebensabend im Kreise seiner Angehörigen. th
betrifft mordsache möser
Kriminalinspektion Darmstadt ersucht um sachdienliche Mitteilungen
Vor vier Jahren, am 28. Mai 1946, wurde bei einem Jagdhaus im Gemeindewald von Hainstadt (Kreis Offenbach) der Gendarmeriewachtmeister Möser, auf dem Rücken liegend, tot aufgefunden. Die Schädeldecke war durch Schläge mit einem harten Gegenstand vollkommen zertrümmert. Bisher blieb in dieser rätselhaften Mordsache die Suche nach dem Täter erfolglos.
Die Kriminalinspektion Darmstadt, die vor einiger Zeit mit der Aufklärung des Falles beauftragt worden ist, hat neue Ermittlungen eingeleitet. Wie nun der Besitzer des Jagdhauses, der Schweizer Oskar Meyer angibt, sind an dem Tage vor dem Mord von unbekannten Dieben folgende Bekleidungsstücke und Gegenstände aus der Hütte entwendet worden:
1. Tafelsilber kompl. (Slteilig), und zwari Löffel, Gabeln, Messer, Dessertlöffel, -gabeln, -messer, Fischbestecke, Kaffeelöffel. Mokka- und Eislöffel, sämtliche Vorlegebestecke sowie Tortenschaufeln.
Alle Bestecke haben auf der Vorderseite das Monogramm „O. M.“ eingraviert und waren „800“ gestempelt. Es handelt sich um schweres Silber mit einfachem Rand ohne irgendwelche besondere Verzierung. Die Vorderteile der Mokka- und Eislöffel, evtl, auch die Kuchenbestecke und Tortenschaufe n waren vergoldet. Alle Stücke waren m einem Moltontuch eingewickelt und befanden sich in einem dunkelbraunen Rindslederhandkoffer mit grauem Segeltuchüberzug. Die Schlüssel des Koffers sind noch im Besitz des Geschädigten.
2 Ein dunkler Sakko, gefertigt aus einem dunkelgestreiften Anzugstoff, hochgeschlossen mit Kragen und Hakenversch’uß. Die Aermel waren vorn zum Knöpfen. Gefüttert war er mit einem d’bergrauen Lammfell (auch die Ärmel). Am unteren Ende der Aermel war ein
Streifen weißes Lammfell, das nachträglich angesetzt wurde. Der Sakko war für die Jagd angefertigt worden.
Alle Personen, die die bezeichneten Gegenstände gesehen haben oder wissen, wer sie im Besitz hat, werden gebeten, dies der Kriminalpolizei-Inspektion Darmstadt, Holzhof allee 25, mitzuteilen. Auf Wunsch werden die Mitteilungen vertraulich behandelt. wst.
Er vergaß seine Schuhe
Abzuholen bei Radio-Bauert in Auerbach
Als in der Nacht zum 7. Oktober ein bis jetzt noch unbekannter Täter einen Einbruch in Bensheim-Auerbach verübte, gelangte er u. a. auch in das Schlafzimmer, in dem der Hausherr mit seiner Familie schlief. Bei diesem etwas zu kühnen Untenehmen wurde er jedoch plötzlich gestört und mußte schleunigst Reißaus nehmen. Hierbei vergaß er seine Schuhe und muß nun barfuß seine Wege wandern, während die Schuhe im Schaufenster der Firma Radio-Bauert in Auerbach ausgestellt sind.
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Fahndung nach dem Täter und nimmt sachdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, jederzeit entgegen. U. a, wurden eine goldene Herrenarmbanduhr, Marke Rolex, Nr. 520 892 und amerikanische Benzinscheinblocks für September und Oktober mit den Nummern 76 555 entwendet. HB
Leserwünsche, die wir gern erfüllten
Im Sonderauftrag in, Rübezahls“ Reich
Nochmaliger Besuch auf dem Jungholz bei Hambach / Eintrittspreis: 1 DM / Kinder zahlen halbe Preise / Unser ng-Reporter erklärt über Ellerbrock: „ ... nicht nur originell, sondern auch von seiner Sache überezugt“
Eine größere Anzahl unserer Leser hat uns auf Grund unserer letzten Wochenend-Reportage: „Seit 18 Jahren unter der Erde“ gebeten, noch etwas mehr über den „Rübezahl der Bergstraße“ zu berichten. Einige haben sogar präzise Fragen gestellt, zu deren Beantwortung wir unseren ng-Reporter nochmals an die Bergstraße schickten. Was er bei einem erneuten Besuch erfuhr, erzählen die folgenden Zeilen:
Zur gleichen Zeit unseres Besuches stand noch ein anderer Herr an der Pforte, und da das Schild: „Eintritt verboten, hier rufen“ uns veranlaßte, einige Minuten zu warten, hatten wir Muße, den weiten Blick bis über den Rhein hinaus zu genießen, bis E,l lerbrock, ein wenig zögernd wie uns schien, an dem mit Knüppeln versperrten Eingang auftauchte und nach unserem Begehr fragte. Bevor wir das Grundstück betreten durften, hatten wir erst — das Erstaunen war nur auf unserer Seite — einen Obulus von 1 DM zu entrichten. (Es muß hinzugefügt werden, daß sich die Höhe des Eintrittsgeldes nach den Einkommensverhältnissen des jeweiligen Besuchers richtet.) Die Erwähnung dieses Punktes ist einigermaßen wichtig, da Ellerbrock kein Heiliger zu sein beabsichtigt, sondern, wie aus seinem Prospekt hervorgeht, Vorstand oder Mitglied einer „Sang-Musik-Bewegung, Rohkost-Lehr-und-Speisestätte in harmonischem Kreise“.
Ich hatte mir verschiedene Fragen vorgemerkt, die ich ihn bat, zu beantworten.
Seine hauptsächlichste Beschäftigung
Ellerbrock arbeitet den ganzen Tag auf seinem etwa vier Morgen großen Grundstück. Wie er sagte: „Alles mit der Hacke, da die steinigen Terrassen keine Arbeit mit dem Pflug zulassen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, oft noch im hellen Mondschein.“ Er bohrt einen neuen Brunnen, baut einen neuen Backofen für die Wohnung, repariert die Schuhe, die Töpfe und Haushaltsgeräte, stellt neue Handwerksgeräte her, verbessert und vergrößert ständig seine Wohnung oder ist am Neubau des angrenzenden Schuppens, da der vorherige eingestürzt ist, tätig.
„Meine Frau arbeitet in erster Linie im Haushalt, stopft und flickt dort, bereitet das Essen zu und muß die Bevorratung und das Eintrocknen der verschiedenen Früchte vornehmen. Sie können sieh daher vorstellen, daß auch sie bis spät in die Nacht mit Arbeit überlastet ist.“
Berufstätig ist der Einsiedler nicht. Er arbeitet auch nicht mehr auf einem Baubüro oder als Architekt, ist aber bereit, auf Anforderung hin bei guten Bekannten oder guten Menschen — so sagte er — seine Erfahrung in der Architektur zu verwerten.
Ellerbrock ist 68 Jahre alt und außer drei Unfällen seit seiner vegetarischen Lebensweise noch nie krank gewesen. Das Alter seiner Frau wollte er nicht gerne angeben, da ihm schon oft böswillige Absichten unterschoben worden seien. Sie ist mit der Lebensweise einverstanden, fühlt sich auch wohl und gesund und hat die Tochter Ute nur mit der Hilfe ihres Mannes zur Welt gebracht.
Was leistete er bisher?
Über seine bisherige Lebensleistung befragt, sagte „Rübezahl“:
„Nach meiner Ausbildung war ich als Architekt und Bauunternehmer in Hamburg tätig und blieb in diesem Beruf bis zum 50. Lebensjahr. Es ging mir gut, und ich hatte zu keiner Klage in materieller Hinsicht Anlaß. Mein Entschluß, mich der völlig natürlichen Lebensweise zuzuwenden, hatte nichts mit wirtschaftlich depressiven Lebensumständen zu tun. Ich begann diese Daseinsform aus der Überzeugung heraus, daß nichts auf der Welt verkehrter und verfehlter sein kann als das Töten von Tieren. Abgesehen davon, daß Menschen natürlich unter keinen Umständen vernichtet werden dürfen. Ohne Politik und ohne Gott wollte ich im landläufigen Sinne leben und den Menschen zeigen, daß man auch ohne ein Frömmigkeits-Dogma ein guter Mensch sein kann.
Voraussetzung ist allerdings, daß man kein Fleisch ,frißt* (ich bezeichne das als .Fressen* und bitte, diese Bezeichnung auch in derselben Art zu schreiben!) Denn in dem Vertilgen des tierischen Kadavers sind alle Giftstoffe, die den Menschen krank und schlecht machen, enthalten.“
Ellerbrocks Einstellung zum Volksganzen
„I c h bin es gar nicht gewesen, der sich absöndern wollte. Ich kam mit dem besten Willen hierher, aber die Menschen sonderten sich von mir ab. Ich will auch nicht ein Heiliger sein, sondern weiter nichts als das Beispiel einei- natürlichen Lebensform geben, auf daß die anderen Menschen mir nacheifern möchten.“
Zu seinen persönlichen Lebensumständen sagte er:
„Ich besitze kein Geld, und deswegen bitte ich jeden, mir eine Kleinigkeit zu geben, wenn er mein Grundstück besichtigt. Das ist mein Recht aus materieller Not heraus, und ich habe überhaupt schon daran gedacht, meine Frau und Tochter Ute zu Familien in die Stadt zu senden, um den Menschen die wahre Rohkost-Küche zu zeigen. Gegen ein Entgelt natürlich. Ansonsten möchte ich allen anderen helfen, mit Rat und Erfahrung.“
Ich sah mir noch das Haus, oder besser die Hütte, an und konnte feststellen, daß zwar alles eng und improvisiert ist, die ganze Anlage aber doch eine praktische Aufteilung zeigt. Einige Zeichnungen der 13jährigen Tochter hingen an den Wänden: gute Strichführung und natürliches Sehen der Perspektiven. Sie geht in die Odenwaldschule und soll dort mit guten Zensuren aufwarten. Alles andere will ihr der Vater selbst zu Hause beibringen.
Als ich mich verabschiedete, versprach Ich noch, die Bitte weiterzugeben, daß die Familie auf dem Berge „für alte Schuhe oder Kleidung dankbar“ sei. Beim Abstieg von den sonnigen Terrassen glaubte ich nicht nur einen originellen, sondern auch einen von seiner Sache überzeugten Menschen kennen gelernt zu haben, dessen Anschauungen ich an dieser Stelle unseren Lesern wiedergab.
Nun auch im Kreis Dieburg
Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten
Auf Grund einer Einladung des Kaufmanns Bruno Nispel, Gundernhausen, traf sich am Mittwoch im „Erbacher Hof“ in Dieburg ein Personenkreis aus einigen Orten des Kreises zur Gründung des Preisverbandes Dieburg des Blödes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE).
Als 1. Vorsitzender wurde der sudetendeutsche Arzt Dr. Edmund W. S. Hartweger, Gundernhausen, gewählt. In dem weiteren Vorstand befinden sich als 2. Vorsitzender Bruno Nispel, Gundernhausen, ferner Max Gröger, Dieburg, M. G r i t z, Groß-Umstadt, und R. Adam, Dieburg. Durch diese Gründung ermöglicht, wird auch der Kreis Dieburg bei der Landesausschußversammlung des BHE in Gießen am 14. Oktober mit 4 Delegierten vertreten sein.
Noch vor den Landtagswahlen wird der Kreisverband Dieburg des BHE in allen Orten des Kreises Ortsgruppen bilden, wozu der Start bereits am Dienstag, 17. Oktober, um 20 Uhr in Dieburg (Weißes Roß) erfolgen wird. BHE
Zunftgeist ohne Resonanz
Zu einer Vorstandssitzung kamen am Mittwochabend die Mitglieder des Gewerbevereins Gernsheim in der Gastwirtschaft Hallmann zusammen. Der Vorstand führte Klage darüber, daß die Stadtverwaltung sich bisher noch nicht zu der Eingabe wegen Maßnahmen zur Stadtverschönerung geäußert habe. Weiterhin wandte sich der Gewerbeverein gegen die in letzter Zeit vom Finanzamt an verschiedene Betriebe gerichteten Nachnahmen, denen nach Auffassung des Gewerbevereins eine vorherige Benachrichtigung hätte vorausgehen müssen.
Die Versammlung nahm verschiedene Anträge, daruntei- einen an die Stadtverwaltung gerichteten, an, worin der Gewerbeverein um die Uebereignung des im Gernsheimer Hafen liegenden Schwimmbades nachsucht. Ein weiterer Antrag, dem die Versammlung zustimmte, war an die örtliche Postverwaltung gerichtet und schlug zur reibungslosen Abwicklung in den Hauptverkehrszeiten eine doppelte Besetzung der Schalter und der Telefonzentrale vor. Von den insgesamt bisher vom Gewerbeverein eingereichten Anträgen, deren Gegenstand hauptsächlich eine Hebung des Ansehens der Gemeinde war, hat bis heute noch keiner eine Resonanz gefunden. kr,
„Volks-“oder „Stadtbücherei“ in Beusheim?
Die ersten 160 Bände wurden eingekauft / Auch örtliche Buchhändler sollen berücksichtigt werden
Es war Im vergangenen Frühjahr, als man in Bensheim den Entschluß faßte, eine städtische Bücherei einzurichten. Allerdings stieß man bei der Ausführung des Planes auf erhebliche Schwierigkeiten. Vor allem fehlten die erforderlichen geldlichen Mittel. Leider sind auch heute noch die Buchpreise sehr hoch, so daß es immer noch schwierig ist, das Geld wirklich zweckmäßig anzulegen.
Immer wieder wandte sich Bürgermeister Treffert in Aufrufen mit der Bitte an die Bevölkerung, die Stadtverwaltung bei dem Aufbau einer Volksbücherei durch Bücherspenden helfend zu unterstützen. In der Tat kam auch auf diese Weise eine ganze Anzahl guter und schöner Bände zusammen, so daß wenigstens ein Grundstock gelegt war. Für die Eröffnung einer Bücherei reichten jedoch die vorhandenen Bücher immer noch nicht aus.
In der letzten Stadtratssitzung wurden nun erhebliche finanzielle Mittel für Bücheranschaffungen bewilligt, und so konnte man inzwischen für 1000 DM etwa 160 Bände bei der Einkaufszentrale für öffentliche Büchereien in Reutlingen kaufen. Weitere 1000 DM sollen bei Bensheimer Buchfirmen angelegt werden. Die staatliche Volksbüchereistelle in Darmstadt steht als Beratungs- und Vermittlungsstelle mit der Bensheimer Bücherei in ständiger Fühlung und unterstützt sie mit Rat und Tat. Herr Schader von der Kulturstelle
der Bensheimer Stadtverwaltung hat nun die Aufgabe übernommen, diese städtische Bibliothek zusammenzustellen und einzurichten. Vorläufig soll die Bibliothek in einem abschließbaren Teil des Sitzungssaales im Rathaus untergebracht werden. Auf die Einrichtung eines Lesezimmers und die Anstellung eines hauptamtlichen Bibliothekars muß vorläufig noch verzichtet werden. Man hofft, in Kürze diese neue Bücherei eröffnen zu können, ist sich aber noch nicht im klaren, ob die Bibliothek den Namen „Volks“- oder „Stadtbücherei“ tragen soll. HB.
Dorfbücherei aus eigenen Mitteln
Auch die Jugend des Odenwalddörfchens Hummetroth hatte den Wunsch geäußert, einmal einen Dorfjugendabend zu gestalten. Frl. Bauch und Herr Staedter vom Amt des Kreisjugendpflegers Erbach kamen dieser Bitte nach und zeigten den jungen und alten Hummetröthern, die den Schulsaal bis auf den letzten Platz füllten, Wochenschauen und einen Kulturfilm aus Mittelamerika. Heitere Spiele führten zu ausgelassener Fröhlichkeit. Die Hummetröther Dorfjugend ist außerordentlich aufgeschlossen. In schöner Zusammenarbeit hat sie mit ihrem Lehrer Vogel ganz aus eigenen Mitteln heraus eine Dorfbücherei angelegt, die sie selbst verwaltet. ‘ -ch
Tagung für Gesundheitspädagogik
Im Educatlon Service Center in J u - gen heim findet vom 16. bis 18. Oktober eine Tagung für Gesundheitspädagogik statt. Die Reihe der Vorträge eröffnet Prof. Dr. H. Wittmann mit einem Referat über „Ganzheitliches Rechnen mit einem Ausblick in den mathematischen Unterricht auf der Oberstufe“. Im Laufe der Tagung wird Prof. Dr. Wittmann u. a. noch Vorträge über „Ganzheitlichen heimatkundlichen Unterricht“ und „Erziehung und Unterricht unter der Idee der Ganzheit“ halten. Die Vorträge beginnen um 9 Uhr vormittags und dauern bis 12 Uhr. Der Beginn der Aussprache am Nachmittag ist nicht festgelegt, hl.
Erbach. Heute abend veranstaltet der VdK Erbach einen großen bunten Abend in der Städtischen Festhalle unter Mitwirkung der Chorvereinigung „Liedertafel“ und der Radsportabteilung der Gemeinde. Die Ansage übernahmen Heinrich Köhler und Karl Holm vom Karnevalsverein „Ulk“. -ch.
Was aũch interessiert:
„OMA“, die bekannte Mohrenkopf-Fa¬ brik, hat nach längerer Stillegung ihren vollen Arbeitsbetrieb wieder aufgenommen. -el-
„Das Glück am Rhein“ ist der Titel eines Öpereftenabends, den der Volkschor Pfungstadt am Samstag, Sonntag und Montag zur Aufführung bringt. Es ist dies der zweite Teil der vom gleichen Vere n im vergangenen Jahre aufgeführten Operette „Winzerliesel“, die ein voller Erfolg war. ler
Zwei weitere Glocken wird in Kürze die auf den Grundmauern der 1461 errichteten Kapelle von 1719 bis 1789 entstandene katholische Kirche in Unter-Schönmattenwag erhalten. -r Ein musikpädagogischer Lehrgang be-
ginnt auf Schloß Helligenberg (Jugenheim) am Freitag, dem 20. Oktober, und wird am Sdnntag, dem 22. Oktober beendet. Die Leitung hat Dr. Hans Teuscher. Meldungen bis 14. Oktober an das Sekretariat des Pädagogischen Institutes in Jugenheim. hl.
Auf eine 25jährige Tätigkeit als Seel¬ sorger der Gemeinde Ginshe/m blickt am 18. Oktober der evangelische Pfarrer Wilhelm Blum, gebürtiger Darmstädter, zurück. se
Unsere Geburtstagskinder
Goldene Hochzeit: Herr Philipp Kunst und Frau Dorothea geb. Kuhn, Wolfskehlen.
90. Geburtstag: Herr Ludwig Nold, Groß-Gerau, Friedrichstraße 51.
88. Geburtstag: Herr Peter Engel, Klein-Gerau, Mainzer Straße 15, und Herr Georg Lorenz, Trebur, Kümmelgasse 11 (am 15. 10.)
87. Geburtstag: Herr Leonhard Wießmann, Wagnermeister, Altheim bei Dieburg, Hauptstraße 29 (15. 10.)
86. Geburtstag: Frau Johanna Kunz, Trebur, Friedhofstraße 4 (15. 10.)
84. Geburtstag: Frau Marie Nold, Groß-Gerau, Rheinstraße 13 (15. 10.)
80. Geburtstag: Frau Schmitt, Hahn bei Pfungstadt, Obergasse 2 (15. 10.)
79. Geburtstag: Frau Laura Bertermann, Biebesheim, Rathausstraße 5.
78. Geburtstag: Herr Landwirt Christian Jo x 1., Altheim b. Dieburg, Hauptstraße 17 (am 15. 10. )
76. Geburtstag: Herr Maurermeister Si¬ mon W a s s a m , Bad König, Kimbacher Straße, und Frau Marie Raitz, Bad König, Lindenstraße.
73. Geburtstag: Frau Julchen Schürer, Groß-Gerau, Helwigstraße 48.
72. Geburtstag: Herr Heinrich Wolf, Walldorf, Bürgerstraße 15, und Herr Rudolf Stübner, Worfelden, Schulstraße 12 (am 15. 10.)
71. Geburtstag: Frau Katharina Treute 1, Walldorf, Ludwigstraße 19, und Herr Friedrich Schmenger ,11., Trebur, Astheimer Straße 13 (beide am 15. Oktober).
70. Geburtstag: Frau Elise Wedel, Biebesheim, Ob.-Beinstraße 16 (am 15.10.)
Herbstblatter der Mode
BEILAGE DES DARMSTÄDTER TAGBLATT • O KTOBER 1950
Was trägt die Frau?
Zweimal im Jahre überraschen die Modenhäuser — von den Zwischenkollektionen ab» gesehen — mit neuen Kreationen, die jedes Frauenherz in heftige Bewegung geraten lassen. Reines, platonisches Entzücken rufen großenteils die Vorschläge der Pariser Haute Couture hervor, da sie meist so extravagant sind, daß man sie in normalen Verhältnis» sen weder erschwingen noch tragen kann — allerdings hat sich jetzt in Paris eine Gesell» schäft von fünf Modeschöpfern zusammen» getan, die früher als Modellisten gute Namen hatten, die ihre Modelle nun konfektionieren, das heißt, sie in allen Größen und Ausfüh» rungen auf den Markt bringen, so daß selbst das billigste Modell noch den Modestempel mit der Pariser Firma trägt. Sie sollen zu ver» hältnismäßig billigen Preisen auch zu uns ex» portiert werden. Zwiespältig aber werden die Frauen, wenn sie bei den Vorführungen un» serer ausgezeichneten deutschen Haute Cou» ture die etwas gemäßigteren Auslegungen der Pariser Kollegen dargeboten bekommen. Dann vollziehen sich auf einige Wochen mehr oder minder gelinde Seelenstürme, bis Wunsch ^nd Geldbeutel in Einklang ge» bracht worden sind.
Der langjährige Modebetrachter, der aus eigener Freude oder von Berufs wegen alle Modeschauen besuchte, konnte stets fest» stellen, daß vor allem solche Vorschläge herz» Uchen Beifall errangen, die unseren Bedin» gungen entsprechen, zugleich aber auch modisch und kleidsam sind. Wenn sich uns auch heute wieder alle Einkaufsmöglichkeiten er» öffnet haben, so bleibt doch immer die finan» zielle Frage, die häufig wohl die Anschaffung von zwei Kleidern zuläßt, darüber hinaus aber dominiert die platonische Liebe nach wie vor.
Dem Wunsch nach Vielfältigkeit kommt die Herbst» und Wintermode 1950 freundlichst entgegen: da sich in der allgemeinen Mode» richtung wenig verändert hat seit dem Früh» fahr, befaßt sich die schöpferische Phantasie mit den Möglichkeiten der Verwandlung und spielt und zaubert an einem einzigen Kleid mit allen möglichen Effekten, so daß immer wieder andere modische Wirkungen ent» stehen. Beim sportlichen wie beim eleganten Nachmittagskleid läßt sich so vielseitig kom» binieren — gerade bei der augenblicklichen Vorliebe für Jacken» und Jäckchenkleider. Ausgehend vom Kostüm, als dem Grund» stock einer zeitgemäßen Garderobe, wird munter variiert nach Lust und Laune mit verhältnismäßig geringem Aufwand: zum geraden Rock die sportliche Bluse mit Streifen oder Pünktchen, der Ärrhel ist enorm weit und am Bündchen ganz schmal zu» sammengefaßt, dazu ein breiter rundgearbei» teter Lackgürtel — ein frische, jugendliche Kleidung für's Büro. Westen mit großen Revers ergänzen den Anzug. Ersetzt man die Seidenbluse durch einen.Pullover, oder einen Jerseyjumper, der mit zarten Goldfäden durchwirkt ist, so gewinnt man eine elegante Nachmittagskombination, oder disponiert gleich für den Abend und trägt eine Samt» oder Seidenbluse mit dem großen Ausschnitt, oder, wenn es winterliche* wird, eine strenge Samtjacke. Ein Bolero zur Abwechslung und eine lose, grellfarbige Jacke, zudem noch die reguläre Kostümjacke — das ergibt eine mathematische Aufgabe, alle Möglichkeiten auszurechnen, und das Resultat wäre eine „unendliche Reihe".
Oder nehmen Sie das sogenannte „schlichte* schwarze Kleid, den „basic dress" der Ame» rikanerin und den Liebling der Französin, genau so unentbehrlich für beide wie das Kostüm. Welche Vielfalt läßt sich mit Schürzenteilen, abnehmbaren Schößchen, verschie» denen Gürteln, Jacken, Boleros und weißen Garnierungen schaffen. Ein Berliner Haus hat eine besonders reizende Idee in ihrer Herbstkollektion entwickelt, die der Beach» tung wert ist: das schmale Woll» oder Seidenkleid trägt an den Hüften, der Seitennaht folgend, zwei anliegende Schlaufen, durch die verschiedene Schals gezogen werden, deren Enden dekorativ flattern oder auch nach rückwärts gebunden werden. Karierte oder glatte Seide, Wollstoff in abstehender Farbe, auch zweifarbig, aus dem Kleidmaterial, lang oder kurz: Variatio delectat.
Eines allerdings darf man bei den Verwandlungskleidern noch weniger übersehen, als bei der Auswahl der übrigen Garderobe: das Material! Trotz aller Variationen muß sowohl Harmonie wie Stil gewahrt bleiben, beides nur durch Farbensinn und gute Stoffe erreichbar. Man könnte ... ach ja, was man nicht alles könnte, nicht wahr?! Dr. Mimi Rupprecht-Thiele
Modell: Ellen ▼. Besack, Wiesbaden. Foto: Hilde Laskawy, Wiesbaden
Dame vor dem Spiegel
von Rainer Maria RilkeWie in einem Schlaftrunk Spezerein löst sie leise in dem flüssigklaren Spiegel ihr ermüdetes Gebaren; und sie tut ihr Lächeln ganz hinein.
Und sie wartet, daß die Flüssigkeit davon steigt; dann gießt sie ihre Haare in den Spiegel und, die wunderbare Schulter hebend aus dem Abendkleid,
trinkt sie still aus ihrem Bild. Sie trinkt, was ein Liebender im Taumel tränke, prüfend^ voller Mißtraun; und sie winkt
erst der Zofe, wenn sie auf dem Grunde ihres Spiegels Lichter findet, Schränkt und das Trübe einer späten Stunde.
„So anmutig wie nur möglich...“
Ich bin einem jungen Mädchen begegnet. Sie hatte ein einfaches, hübsches Herbstkleid an. Gedämpft heller Stoff mit asternfarbigen Blumen, als hätte jemand ein Beet, das langgestreckt in der letzten Septembersonne gelegen, vorsichtig ringsum ausgeschnitten, hochgehoben, die Erde herumgeschüttelt, so daß nur noch Blumen und Sonnenglanz übrig blieben, hätte das Ganze zierlich gefaltet, ein Kleid daraus geformt und dem Mädchen über den Kopf gestreift. Ihre Arme schlenkerten an dem offenen Herbstmantel entlarig. Die Hände steckten in schneeweißen Handschuhen mit umgerollten Rändern. Man mußte ganz nüchtern und sachlich an weiße Rosenblätter denken. Sie strahlte mich an und sagte: „Schönes Wetter heute!" Dabei war die Sonne kaum ein paar Minuten herausgekommen und legte gerade zur Täuschung wieder einen matten Schein auf's Pflaster.
~Ach", erwiderte ich, noch ganz benommen vom täglichen Zeitungswesen und den ebenso erregenden wie spannenden Zwiegesprächen mit dem eigenen Ich. „Ach, wenn doch eine Legion solc h e r Mädchen vom Himmel herabgesendet würden, solche Worte zu verkünden! Wir Männer sagen auch: schöne Nachrichten heute in der Zeitung, und sehen dabei in die Ferne, als kämen die Sendboten des Jüngsten Gerichtes geradewegs auf uns zu.“
„Ist es denn", entgegnete das Mädchen, indem es stehen blieb, den Kopf seitwärts neigte und an meinem Rockknopf drehte, „ist denn die Politik so wichtig, daß sie es wagen darf, euer Dasein bis in alle Wurzeln eures Leben: beharrlich zu beschatten? Politik sollte keinen anderen Zweck haben, als euch schleunigst durch kluges Handeln wieder dem eigenen, privaten, unbeschwerten Leben zurückzugeben. Wenigstens nach Geechäftsschluß. So plagt ihr euch Tag und Nacht mit dem elenden Zeug herum. In Angst und Hoffnung."
„Ja", meinte ich schüchtern, „schon ganz recht. Wir würden sehr glücklich sein, wenn es wieder einmal anders kommen würde und wir erstreben es auch an... aber und ich sah dabei an ihr von oben bis unten herunter — „Ihr habt es doch besser als wir."
„Was?" fuhr da die Kleine los, „wir Millionen Propagandistinnen für die Rechte des Lebens, jenes Lebens mein Herr, das immer weiter geht und den eigentlichen Sinn des Daseins ausmacht, in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wir sind ausnahmslos Arbeiterinnen in Büro, Fabrik, Amt, Schule. Die paar Mark, die wir bekommen, gehören nur zu einem kleinen Teile uns selber. So ein Kleid, wie wir es anhaben — und ist es nicht hübsch?, ach es gibt Hunderte solcher famoser, einfacher und doch eleganter Tuche, — kostet nicht viel. Wir kaufen es uns eben! Dabei lebt von unseren Geldern immer jemand mit, eine Schwester, ein Bruder, Versicherungen werden davon bezahlt, Gasrechnungen. Und meinen Sie, ihr alleine leidet unter der Politik? Wir leiden genau so, vielleicht noch mehr, weil wir die allgemeine Bedrückung fühlen, die dem Leben den freundlichen, ruhigen Schimmer nimmt, in dem wir Frauen, das wißt ihr ganz genau, am besten gedeihen. Während ihr Männer einherschleicht mit mürrischen Gesichtern und jeder von euch finster auf den anderen sieht und in ihm gleich einen Gegner wittert, ziehen wir Mädchen und Frauen, wenn es draußen — und manchmal auch drinnen — trübe wird, uns so hübsch und so anmutig wie nur möglich an, setzen unsere Hüte keck auf's Haupt, als wollten wir im nächsten Augenblick der ganzen verrückten Welt die Zunge rausstrecken, damit sie nicht meint, wir nehmen sie wichtiger als sie es verdient. Und wenn die Sonne gar nicht herauskommen will, werden wir euch Männern mit unseren Kostümen, Kleidern, Hüten, Handschuhen, Blicken, so viel Sonne vormachen, daß ihr euch die Hand vor Augen halten müßt, wenn wir daherkommen, wir oder eure Ehefrauen.
Aber jetzt muß ich fort. Holen Sie mich doch um fünf Uhr nachmittags nach Büroschluß ab. Ich möchte ihnen noch ein bißchen weiter die Meinung sagen. Wir können übrigens für fünfzig Pfennige eine Stunde auf einem kleinen Rheindampfer spazierenfahren; dann kaufen wir uns etwas Kaltes zum Essen, setzen uns in ein gemütliches Weinstübchen und um acht Uhr bringen Sie mich zum Abendkurs."
Verschwunden war sie.
Geisenheyner.
Modebrief für Männer
Poststempel: Herbst
Lieber Freund!
Sie kennen meine „große Leidenschaft” ... Schaufensterauslagen zu betrachten, und ich kenne Ihre Abneigung dagegen. Ich weiß, daß Sie als Mann, behaftet mit den kleinen Schwächen, die das „starke Geschlecht" nun einmal auszeichnen, an allen, für Frauenaugen so verlockend ausgestellten Moderequisiten vorübergehen, und ihnen erst Beachtung schenken, wenn sie am lebenden Modell Revue passieren. Um so erstaunter bin ich, daß Sie neuerdings auf Ihrem abendlichen Bummel durch die Stadt hie und da vor erhellten Läden stehen bleiben. Ist gar ein Flirt Ursache dieser unerwarteten Vorliebe für „Äußerlichkeiten", oder sind Sie wirklich nur auf der Suche nach einer wärmenden Hülle für den Winter — wie Sie mir, meinen Rat erbittend, gestehen?
Hier meine Vorschläge: Da Sie oft auf Reisen sind, sollten Sie einen weit und lose fallenden Sportmantel kaufen. Aber wenn Sie konservativ, wie ich Sie kenne, lieber wieder zum zweireihig geknöpften Ulster greifen, sind Sie durchaus nicht unmodern gekleidet, denn das Modell mit dem zweiteiligen Rückengurt wird weiterhin das Straßenbild beherrschen. Für Besuche allerdings hat der „Chesterfield" den Vorrang, ein dem Sakko ähnelnder Typ, dessen von der Hüfte ab etwas fülliger Schnitt bequeme Gehweite garantiert. — Achten Sie aber, ganz gleich, welches Modell Sie wählen, darauf, daß der Stoff zwar gedeckt, aber nicht zu dunkel ist, denn nichts stimmt melancholischer, als trist gekleidete Menschen an einem trüben Wintertag.
Einen neuen Anzug werden Sie auch wieder brauchen, schätze ich. Nehmen Sie getrost einen einreihigen, denn nachdem jahrelang das zweireihige Jackett dominiert hat, verlangt jetzt das auf zwei oder drei Knöpfe geschlossene sein Recht. Darunter trägt man die ,ein- oder auch zweireihig gearbeitete Weste aus dem gleichen Stoff oder eine andersfarbige Phantasieweste, die auch durch einen langärmeligen Pullover aus dünner Wolle ersetzt werden kann. Hauptmerkmale der modischen Jacken sind breite, wenig wattierte Schultern — wobei Sie ja mit einem Mindestmaß an Watte auskommen werden — füllige Weite in Brust und Rücken, nur leicht angedeutete Taille und schmale Hüfte. Der verbreiterten Schulterpartie geben verbreiterte Taschenklappen, deren Ecken fast immer stark gerundet sind, das Gegengewicht, und der fülligen Oberweite entsprechen füllige Ärmel, die allerdings nach unten schmal zulaufen.
Die Hosen zeigen Anklänge an die Rockmode der Damen, einer alten Tatsache gemäß, daß die Herren ja doch immer hinter den Damen herkommen. Denn man trägt die Hosen nun auch bei uns in Deutschland enger (Fußweite 48—50 cm) und kürzer (sie sitzen auf dem Fußspann ohne einzuknicken)- Auch die Mäntel sind wesentlich kürzer geworden. Sie enden schon etwa 40 cm vom Boden entfernt. Hemd, Krawatte, Handschuhe, Schal, Hut und Socken sind die Kleinigkeiten, die, farblich gut aufeinander abgestimmt, für Eleganz, gute Erscheinung und ... Erfolg garantieren. Man trägt nicht mehr so grellbunte Zusammenstellungen Wie im Frühjahr, kaum mehr Kreppsohlenschuhe, sondern schmal geschnittenes Schuhwerk in einfacher Form mit Ledersohle; und Ringelsocken sind nun auch passe.
Zum Schluß noch einen wohlgemeinten Rat. Wollen Sie durchaus die ganze neugekaufte Herrlichkeit durch einen Landregen verderben lassen, oder geben Sie endlich Ihr Vorurteil gegen Schirme auf? Wenn Sie sich immer noch scheuen, einen mit Bambusknauf spazieren zu tragen, dann erstehen Sie wenigstens einen jener Knirpse für Herren, die sich so bequem In der Aktentasche unterbringen lassen. Ihre Begleiterin wird es Ihnen zu danken wissen, nachdem sie schon beim ersten Regentropfen um ihre neue Herbstgarderobe bangte.
Hoffentlich haben Sie die vielen „anzüglichen Bemerkungen" nicht mißverstanden, sondern gut auf genommen und gönnen mir einmal das Vergnügen, Sie im neuen Gewand zu bewundern. Sie kennen ja meine „große Leidenschaft" ... Schaufensterauslagen zu betrachten ... und vielleicht wissen Sie sogar, daß es Ihnen wohl nicht allzu schwer werden wird, als lebendes Modell alle toten Schaufensterpuppen aus dem Felde zu schlagen!
Jeanette
Reif und doch reizvoll
Der geistreiche Dichter Oscar Wilde sagte einmal: „Solange eine Frau zehn Jahre jünger aussieht als ihre Tochter, ist sie vollkommen glücklich!" Das dürfte etwas übertrieben sein, aber gestehen wir ehrlich: Jeder Frau tut es wohl, für die Schwester ihrer Tochter gehalten zu werden. Bei der heutigen Mode, dem kutzen Haarschnitt und den Hilfsmitteln der modernen Kosmetik ist das gar nicht schwer zu erreichen. Zwei Dinge gehören dazu: Sicherer, guter Geschmack und seelisch junges Temperament. Zwei andere Dinge sind zu vermeiden, nämlich: krampfhaft ein jugendliches Äußere bewahren zu wollen und mit 50 Jahren noch den Ehrgeiz haben, die Lebensform der Zwanzigjährigen nachzuahmen.
Die heutige Mode gibt auch der reifen Frau die Möglichkeit, jung auszusehen. Sie darf alle Farben tragen, außer Rosa, Hellblau und Weiß mit Blümchen. Sie muß nur auf gute Qualität des Stoffes und Schnittes achten und jedes schmückende Zuviel vermeiden.
Für das seelische Temperament gibt es kein Rezept. Das hängt immer nur von der inneren Reife und der persönlichen Lebenskunst ab. Um so mehr Rezepte für ewige Jugend bietet die Kosmetik. Das Gesicht einer Fünfzigjährigen soll in erster Linie durch den Ausdruck wirken und durch ein dezentes make=up unterstrichen werden. Die tägliche Pflege muß sorgfältiger und regelmäßiger durchgeführt werden, als es in jüngeren Jahren nötig war. Daß Farbe von Rouge, Stift und Puder auf den persönlichen Typ abgestimmt sein müssen, versteht sich von selbst.
Ungemein wichtig ist der Schlaf, und zwar der sogenannte „Schönheitsschlaf" vor Mitternacht. Morgens und abends ein paar Atemübungen, fünf bis zehn Minuten Gymnastik und — wenn möglich — einmal in der Woche eine gute Körper- -und Gesichtsmassage helfen ungemein, die schlanke Linie und frische Gesichtshaut zu bewahren E. S. (TIP)
Rund ums Köpfchen
PLAUDEREIEN ÜBER HAARPFLEGE UND FRISUREN
Unterschätzen Sie auch das Haar, den natürlichsten und wandlungsfähigsten Freund Ihrer fraulichen Anmut nicht, meine Damen. Einen Freund, den uns ein weises Schicksal zugedacht, einem /eden von uns, ob mit oder ohne Geld, ob extravagant modern oder fraulich bescheiden. Ob goldblond oder schwarz, ob braun oder tizianrot, schmeichelt die duftige Fülle Ihres Haares nicht Ihrem Gesicht und umfängt den zarten Zauber ihrer Züge?
Kurz: Vergessen Sie nie, daß man auch mit den allergeringsten Mitteln und einem bißchen Liebe sich diesen Scharm erhalten kann. Man sollte dieses Kleinod mehr in Ehren halten und beachten. Schenken Sie der Pflege Ihrer Haare einen kleinen Teil ihrer Zeit und Sie werden über den Erfolg erstaunt sein.
Das A und O der Haarpflege ist das tägliche Bürsten der Haare Beugen Sie den Kopf nach vorne und bürsten Sie Ihr Haar kräftig mit und gegen den Strich. Sie werden die wohltuende Wirkung schon spüren und die tägliche Kopfmassage wird Ihnen ein Bedürfnis sein. Versäumen Sie vor allem nicht, die Haare vom Nacken nach dem Kopfe hin zu bürsten, die Haare erhalten dadurch Ihre duftige Lockerheit, die man heute besonders schätzt.
Der zweite, äußerst wichtige Punkt, der zum guten Sitz des Haares unbedingt erforderlich ist, ist ein guter Haarschnitt. Vermeiden Sie selbst an Ihren Haaren herumzuschneiden und vor allem, gehen Sie zu einem guten Frisör. Nicht jedes frischgeschnittene Haar bürgt für guten Sitz.
Denken Sie auch an die äußerst schlichte Form des heutigen Haarschnitts. Der Tituskopf und die stufenförmige Abstufung des Haares sind im großen und ganzen passd. Man neigt vielmehr dazu, die Haare bis zu ihrer Schnittfläche glatt zu halten und nur die äußersten Spitzen leicht zu kräuseln. Wenn Sie sich also zu einer neuen Dauerwelle entschließen, vermeiden Sie eine Kopfkrause, sondern begnügen Sie sich damit, nur die Spitzen der Haare einer Dauerwelle zu unterziehen, einer Dauerwelle, die unauffällig und dezent sein muß.
Ich möchte Ihnen empfehlen, sich eine Nacht vor Ihrer Haarwäsche die Haarspitzen gut mit öl einzufetten, um so das Sprödewerden zu verhindern. Das überflüssige öl verliert sich bei der Haarwäsche. Wichtig ist, das Haar nach der Wäsche gut zu spülen und dem Wasser zpm Schluß einen Schuß Essig beizufügen. Lassen Sie das Haar eine halbe Stunde an der Luft trocknen und unterziehen
Vornehmer Breitschwanz-Persianer. Er zeigt die neue Linie mit tief eingesetzten Ballonärmeln und einem Kelchkragen.
Sie dann mit Hilfe einer Haarwasserwäsche Ihre Kopfhaut einer gründlichen Massage. Sehr zu empfehlen ist, einfache Haarklemmen statt der gewöhnlichen Lockenwickel zu benutzen. Sie vermeiden die starke Kräuselung des Haares, verhindern das Brechen der Haare durch zu häufiges Aufwickeln und wenn Sie Ihre Haare über Nacht einlegen wollen, vermeiden die Klemmen das häßliche Druckgefülrl Beim Herausnehmen der Wickel vergessen Sie nicht das gründliche Durchbürsten der Haare. Den Locken schadet das Bürsten nicht, Sie werden sie jederzeit wieder in ihre alte Form bringen können, die Haare aber werden viel gefälliger sitzen und einen bezaubernden Glanz erhalten.
Wenn Sie sich zu einer neuen Frisur entscheiden, meine Damen, bedenken Sie folgendes; Wahren Sie Ihre persönliche Note. Gerade die jetzige Haarmode bietet ihnen so reiche Auswahl an Frisuren, daß sich wohl für jeden etwas Passendes finden läßt. Daß der kurze Haarschnitt das Feld beherrscht, wissen Sie. Unterwerfen Sie sich dieser Forderung aber nicht bedingungslos, seien Sie nicht der Auffassung: Ganz egal, die Hauptsache kurz. Hüten Sie .sich auch vor dem Fehler, eine Frisur, die Ihnen an einem Ihrer Bekannten besonders gut gefällt, unbedingt selbst tragen zu wollen, Sie werden dann vielleicht über den geringen Effekt enttäuscht sein. Die Form und den Ausdruck eines jeden Menschen müssen Sie in Rechnung ziehen. Ist Ihr Kopf besonders klein, so müßte man doch auf alle Fälle zu einer nicht zu kurzen Frisur raten. Sie können die Haare ja am Hinterkopf zusammenfassen mit einer aparten Spange, so daß frptz alledem die Wirkung des modernen Stils erzielt wird. Dagegen kann sich ein junges Mädchen mit hoher Stirn und schmalem Gesicht schon einmal eine Pony-Frisur oder einen Garson-Schnitt leisten. Es wäre aber unsinnig, einem besonders fraulichen Typ diese Mode aufzuzwingen. Eine solche Frau könnte vielmehr, wenn sie noch im Besitz ihrer langen Haare ist, mit einem großen, lose im Nacken geschlungenen
Knoten oder einer an das Griechische erinnernden Frisur ihrem Typus gerecht werden. Überhaupt möchte Ich den Damen, die sich von ihrem langen Haar nicht trennen' können, noch einen anderen Vorschlag machen. Wickeln Sie Ihr Haar stark auf, so daß es sich zu einer schönen Innenrolle fügt. Trotz Ihrer Haarfülle ist es Ihnen auf diese Weise möglich, die Haare eng am Kopf liegend zu tragen, wie es die heutige Mode fordert. Wenn Sie mögen, fügen Sie dieser Frisur ein
paar kurze Ponys bei und Sie werden entzückt über die Wirkung sein.
Die Parole ist immer wieder, das Haar so glatt und natürlich wie möglich erscheinen zu lassen, die Zeit des Wuschelkopfes ist vorbei, sie mußte der gepflegten Frisur von heute das Feld räumen,
Reizend und vor allem äußerst schmeichelhaft sind die Garson-Frisuren, die das Modebild ja weitaus beherrschen. Wer über eine hübsche Nackenpartie und weiche Gesichtszüge verfügt, sollte unbedingt eine dieser Frisuren wählen. Besitzen Sie ein wenig natürliche Lockenfülle, so sollten Sie sich einmal zu dem ganz einfachen^Pagenkopf entschließen; die natürliche Wellung des Haares, die diesen Damen zu Hilfe kopimt, und die richtige Pflege lassen auch diese an und für sich strenge Frisur äußerst fraulich wirken. Sehr modern ist es, die Haare an den Seiten leicht locker zu tragen, den Nakken dagegen völlig glatt und kurz zu halten. Diese Frisur allerdings bedarf einiger Pflege und vor allem einer sehr guten Kopfform. Äußerst elegant wirkend ist die sogenannte Windstoßfrisur. Dazu muß das Haar besonders kurz geschnitten werden. Wie von einem Windstoß getragen wendet es sich dem Gesicht zu. Die Haarenden werden bis zu den Ohren leicht gebogen. Bei passender Kleidung erweist sich diese Frisur als äußerst reizvoll. Durch eine kleine Stirnlocke oder ein paar glatte Ponys läßt sich jede Frisur leicht Ihrem persönlichen Geschmack anpassen und reizvoller gestalten.
Wenn wir schon von gestalten reden, ein wenig Gestaltungskraft ist natürlich zur Schöpfung einer
neuen Haartracht hötlg und — ein wenig Selbsterkenntnis zur Wahl derselben. Aber diese Tugenden haben wir ja alle aufzu-Weisen, nicht wahr? K. G i e s e
Olivfarbener Woll-Velour mit betont großem Kragen und Persianerbesatz. Zeichnungen: Reg
Revolution in der Hutmode
ZUM WINTER 1950/51
Eine der bekanntesten Putzmacherinnen aus Paris, Jane Blanchot, äußerte sich kürzlich einmal, befragt nach der Modetendenz der kommenden Wintermodelle, daß die ersten Modelle der Hutmode zum Winter als „Stein des Anstoßes" bezeichnet werden können. Die Pariser Modistinnen planen nämlich eine Resolution in der Hutmode. Was sieht man nun derzeitig in Paris an neuen Hutmodellen? Dominierend scheint die hohe Form zu sein. Verschiedene Modelle erinnern an umgekehrte Trinkschalen. In den Salons von Maud und Nano findet man Modelle, ähnlich spitzen Mützen nach dem Märchenbuben Pinocchino. Für die Breite ist Lemonnier, der seine Inspirationen von den alten Aegyptern und Venezianern empfängt. Er kreiert auch handgewebte Abendmützen, hergestellt in den Gobelinwerkstätten von Aubusson. Weitere Modelle empfangen Anregung von den bekannten Holländerhäubchen, die besonders ein schmales Gesicht vorteilhaft verbreitern.
Es steht außer Zweifel, daß die Hutmode durch die Frisur beeinflußt, sogar von ihr bestimmt wird. Wie man in Fachkreisen hört, soll die Nackenpartie auch weiterhin kurz bleiben, allerdings besteht die Neigung, nach vorne die Haare etwas länger und lockiger zu halten. Der Ponyschnitt wird durch eine Welle in der Stirnpartie verdrängt. Zu solchen Frisuren passen natürlich Hüte, die in die Stirn gesetzt werden und den an sich kahlen Nacken mit einer wuchtigen Schleife veroder beflecken, In den Grundformen dieser Modelle hat man Anleihen bei den amerikanischen Baretts gemacht, die meist aus Pelzmaterial angefertigt sind. Überhaupt kann man sagen, daß derartiges Material bevorzugt verwendet wird. So u. a. Fischotter, Nerz, Ozelot, Zabel und sogar auch Fuchs. Verziert werden diese Hüte durch Schleifen und Bänder, die in variierter Form dekoriert zoerden.
Diese neuartigen Modelle, die teils sogar sehr schwer zu tragen sind und daher mit besonderen Befestigungseinrichtungen versehen werden müssen, erinnern in ihrer Form an Krater und Vulkane. An Verzierungen werden Falten, Plissees oder Federgestecke verwendet. Die neue Hutmode bezweckt im Grunde genommen nichts anderes, als Modelle einzuführen, die Stirn und Seitenpartien bedecken und als tief sitzende Modelle geführt werden. Bis heute hat sich diese Richtung noch nicht durchzusetzen vermocht. An Material verwendet man vornehmlich flämisch langhaarigen Filz, Pelzsamt, glänzendes Satinband, seidige und glatte Velours. An Farben bevorzugt man die breite Variation der grauen Töne, sandfarbene und schildpattfarbene Nuancen, aber auch Kastanienbraun wird gerne verarbeitet. G. Kölbach
Eleganter Pelzmantel aus Indisch-Lamm'mit breiten Silberfuchsmanschetten an den Ärmeln und reizvollem Silberfuchsbesatz am Mantel.
Knöpfe und Löcher...
AUFRUF AN DIE MÄNNLICHE JUGEND
Liebe Leidensgenossen!
Wir sind immer in Gefahr, den Knopf zu verlieren. Wer kennt die Heimtücke eines gerissenen Fadens, der uns tagelang betrügt mit scheinheiliger Haltbarkeit? Keiner weiß, wann die Stunde kommt, keiner mißt die heimlichen Dehnungen eines Knopfloches. Hier walten die dunklen Mächte noch blindlings mit zerrender Gewalt.
Stündlich müssen wir auf der Hut sein, wir geplagten Männer, die wir schwitzend am Schraubstock stehen, die Hüften verdreht, die wir müde am Schreibtisch sitzen, mit einem Bauch voll Weisheit, und — vergessen wir es nicht — die wir brausende Reden halten müssen, stolzgeschwellt und mit geschwollenem Hals.
Überall, Genossen, lauert dieses lockere Bürschchen, der Hosenknopf, der Kragen-
knopf, der Manschettenknopf, überall droht Abfall der zersetzenden Kräfte von der wohl-
genähten Ordnung unseres Kostüms. Leider sind wir noch auf die Knöpfe angewiesen. Alle Zwirnsfäden, Patentkragen und Eisenhaken haben die Herrschaft des Knopfes nicht brechen können. Mit penetranter Frechheit sitzt er an den nervösen Stellen unseres mühsam gebauten Anzugs. In diesem flatternden Bau hält er Türen und Fenster besetzt, und alle Fassaden stützt er im entscheidenden Punkt.
Dieser Punkt ist ein Loch. Darüber, Genossen, müssen wir uns jetzt klar werden: wenn unser Anzug keine Löcher hätte, gäbe es keine Knöpfe. Wir müssen die Wurzel des Übels in den Löchern suchen, in den getarnten Schlitzen, die so schön die Gefahr verdecken, und die uns über unser Elend hinwegtäuschen wollen.
Aber was finden wir? — Nichts! Nur abgründige Tiefe gähnt uns an, und wieder einmal müssen wir erschüttert feststellen, daß der Nihilismus die Ursache alles Übels ist, daß entweder ein Nichts unter unserem Anzug steckt, oder ein Teufel.
Genossen, das kann und das darf nicht so weiter gehen. Wölben wir endlich die Brust! Krempeln wir die Ärmel hoch! öffnen wir mutig das Hemd! Laßt uns frei sein von der
zersetzenden Diktatur der dekadenten Knöpfe, laßt uns radikal vernichten deren spalterische Gesellen, die friedensstörenden Knopflöcher! Wir wollen uns heute ein Beispiel nehmen an den edlen Frauen, die den Knopf schon längst unter Druck gesetzt haben, die nimmer müde geworden sind, die Kleidung frei davon und unabhängig zu machen.
Gummi und Reißverschluß, diese fortschrittlichen Friedenskämpfer, haben hier die Posten der Knöpfe und Knopflöcher übernommen. Wenn auch da und dort hinter dem Rücken der Frauen noch einige Knöpfe lauern, die die absolute Sicherheit des Kleiderstaats sabotieren möchten, so sind wir dennoch gewiß, daß am Ende die fortschrittlichen Kräfte des Reißverschlusses siegen werden.
Weil die Frauen erkannt haben, um was es in diesem schweren Kampfe geht, müssen wir von ihnen lernen. Knopf und Knopfloch haben seit je nur darum zusammengehalten, weil sie uns vereint mit Hinterlist entzweien wollten. Ihrer Gemeinschaft fehlt vollkommen die große zusantmenschweißende Idee, es ist eine Gemeinschaft von Dieben, die uns unserer einzigen Sicherheit berauben will. Wenn das Werk getan ist, fällt sie kraftlos auseinander, alles mit ins Verderben reißend, was ihrer schäbigen Harmlosigkeit vertraute.
Vertrauen wir Knopf und Knopfloch nicht länger mehr! Entzweien wir sie selber, indem wir auf sie verzichten. Schlagen wir sie getrennt! Dann werden die Löcher, die dunklen Höhlen des Lasters und Verderbens, sich schließen, und die Knöpfe werden hilflos im Leeren baumeln, einsam, unnütz, aus der Gesellschaft des Staates ausgestoßen.
Aber, liebe Genossen, laßt uns nicht allzu grausam sein. Denn auch der Knopf hat .ein Herz. Wenn zwar durchlöchert, so kann es doch wieder schlagen für die hohe Idee der Ordnung, der Freiheit und des Friedens. Großmütig, wie wir immer waren, werden wir dann den Knopf an unsere reißverschlossene Hemdbrust drücken und ihn zur Ehre und zum Schmuck unseres Staates glänzen lassen.
Nehmt euch wiederum ein Beispiel an den Frauen! Überreich ist der verbannte Knopf in diesem Herbst zurückgekehrt, ohne Knopfloch, frei zur Zierde des schönen Geschlechts. In Reihen marschiert er auf mit vielen Genossen, um seiner Majestät, der Mode, zu huldigen. Auf den Ärmeln blinkt er, auf den Schultern und an den Brüsten, und selbst die Schenkel schmückt er bei jedem zierlichen Schritt. So reich beschenkt, darf er sogar an sein eigenes Kleid denken, und stoffüberzogen, perlmuttern oder hölzern verwandelt er sich zu gekerbten, runden, kantigen und geriffelten Formen.
Das alles verdankt er den Frauen, den edlen Befreierinnen. Schließen wir uns an! Laßt uns nachdenken, wo wir die Genossen Knöpfe zum Wohle des Staates ansetzen können. Unseren Hüten fehlt ein glitzernder Rand, rundherum wäre reichlich Platz für bunte Messingknöpfe. Die Ärmel und die Hosennaht waren schon immer ein Ort besonderer Auszeichnung, laßt sie besetzen mit Holzknöpfen. Unsere Brust atmet sehnsüchtig nach Zierrat und Orden, laßt sie behängen mit Blechknöpfen, groß und geprägt mit den Zeichen unseres ehrbaren Namens.
Genossen, es ist noch so viel Platz in unserem Kleiderstaat. Wenn jeder sein Pflicht tut, so werden wir die Knechtschaft abschütteln und besseren Zeiten entgegengehen, frei vom Knopfloch, reich an Knöpfen und Arm in Arm mit den Frauen, den Trägern der Zukunft! G. P.
Modische Kleinigkeiten
Das Geheimnis der Eleganz, ob bei der Frau oder dem Mann, liegt stets in der geschmackvollen Zusammenstellung der Ensembles. Die vielen Kleinigkeiten, die dem Ganzen erst die gute Note geben, aber durchaus nicht auffällig, sondern geschmackvoll wirken sollen, wollen wir auch in diesem Herbst und Winter nicht vergessen.
Zum Mantel gehört unbedingt ein in der Farbe harmonisch abgestimmter Schal in Georgette, Seide oder auch leichter Wolle, der in den schönsten Dessins zu haben ist. Die gute Gesamfwirkung wird erhöht, wenn er im Ton mit Handschuhen und Schuhen sowie auch der Handtasche harmoniert.
Die Schuhe des Herbstes sind in allen Farben zu haben. Es wird viel Wildleder getragen. Schwarz dominiert. Ein Sport- oder Straßenschuh in Wildleder, mit Eidechse oder Lackleder verarbeitet, ist führend. Immer gern
getragen und zu jedem Kleid und Mantel passend ist der Pumps, der Schuh für alle Gelegenheiten. Stets wirkt er vornehm und elegant. Friedensmäßig ist zu jedem Abendkleid jetzt auch wieder der Pumps oder ein sehr weit ausgeschnittener Schuh, mit schmalen Riemchen, die bis zur Fessel reichen, zu haben.
Zum Abendkleid paßt die kleine Beuteltasche aus Velourleder besonders gut. Auch als Tagestasche wird die Beuteltasche gern getragen, man hat sie aber auch in vielen anderen Formen, mit Metallverschluß in Leder, Wildleder, Pythonschlange sowie in vielen und oft sehr guten Imitationen.
Der Schmuck verleiht dem Ganzen dann den besonderen Glanz. Er muß stets mit Geschmack gewählt sein und darf nie überladen wirken. Zum Abendkleid und bei festlichen Gelegenheiten ist eine gewisse Großzügigkeit im Tragen von elegantem Schmuck erlaubt.
Bei der Wahl der Handschuhe müssen wir besonders vorsichtig sein. Man kann sie
in vielen schönen und dezenten Farben haben. Neutral gewählt, geben sie immer die Möglichkeit, sie oft zu tragen. Hier sollte eine nicht passende Farbe nie die Harmonie der Gesamtkleidung stören.
Die neuen Garnituren für Kleider sind so phantasievoll gearbeitet, daß sie auch das älteste Kleid wieder elegant erscheinen lassen. Ein netter Kragen mit geknöpften Stulpen, daran die Spitzenberandung, oder die schmale Westenform, der Schalkragen mit Languetten oder Lochstickereien, die großen Ausschnittrevers mit Fälbchenberandung kosten nicht die Welt. Die Pailletten-, Perlen- und Metallstickereien werden am vornehmen Nachmittags- oder Abendkleid der Dame nicht fehlen. Auch Tresse und Soutache stehen wieder hoch im Kurs und werden sehr viel verarbeitet.
Für kalte Tage empfiehlt sich ein kleines Pelzkäppchen, das den Kopf eng um-
schließt sowie der dazu gearbeitete Muff, der sehr praktisch ist und außerdem elegant wirkt.
Der passende Schirm versöhnt mit trüben Tagen, und die so gut eingeführten Nylons gehören ganz selbstverständlich zum wesentlichen „Beinschmuck" der Frau auch im Winter.
Man braucht also nicht unbedingt ein großes Portemonnaie. Einzig und allein ist in modischen Dingen der Geschmack ausschlaggebend. Wir müssen nur wissen, wie weit sich über den guten Geschmack nicht streiten läßt. Wenn wir glauben, hier nicht immer das Richtige zu treffen, lassen wir uns ruhig ein wenig beraten. Monika
Hüte für den Herbst
Wie hat der Mann es doch so gut! Braut draußen kühl die Nebelsuppe, greift er nach seinem alten Hut und stülpt ihn auf die Schädelkuppe. Erledigt, aus! Die Frau hingegen muß lange es sich überlegen, welch ein Modell in diesem fahr am besten paßt zu Haut und Haar.
Die Mode hält die Frauen frisch; sie wechselt ständig mit den Normen und bringt, weil sie erfinderisch, auch jetzt entzückend neue Formen. Bevorzugt ist der Hut mit Schleier, doch sehr apart wirkt auch ein Reiher, wie auch der Hut, der hinten sitzt und kleidsam die Figur beschützt.
Doch für die reizend kleinen Dinger, hübsch malerisch aufs Haar gesetzt, ist das Int'resse jetzt geringer, sie werden nicht mehr so geschätzt. Der Hut soll das Gesicht erhellen und soll's nicht in den Schatten stellen. Der neue Hut entspricht dem Zweck — der Mann — er lacht und zückt den Scheck. Willi Lindner
Neue Filme in Darmstadt
PALAST: „Dämon Geld.“ Es sind nur sehr wenige südamerikanische Filme, die zu uns nach Deutschland kommen, aber sie unterscheiden sich in einem sehr wesentlichen Punkt von Streifen, die ansonsten importiert zu werden pflegen — sie haben Qualität. „Dämon Geld“ ist ein grandioses Gemälde der menschlichen Leidenschaft, der Sucht nach Geld, Besitz und Macht. Daß sich der Film in seinen darstellerischen Mitteln einer bewußten Realistik bedient, ist nur von Vorteil.
Der Stoff selbst scheint auf den ersten Blick nicht von dem anderer Kriminalfilme abzuweichen. Aber man muß gesehen haben, mit welch dramatischer Dichte die Handlung, mit einem feinen Gefühl für die psychologische Seite, abrollt. Hier erhebt sich der Film über den „Reißer“.
Wir kennen gleiche Vorwürfe, wie etwa Falladas „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“, oder die literarischen „Triller“ Graham Greens. Sie alle haben es nicht verschmäht, das Abenteuerliche zum Gegenstand ihrer Kunst zu machen, weil sie die Fähigkeit hatten, über den Dingen zu stehen. Dieser Film steht diesen Werken ebenbürtig zur Seite, weil hinter der Fassade der Sensation ewigkeitsgültige Werte des Menschen behandelt werden. Meisterlich neben der Darstellungskunst der Hauptperson ist die weiche Photographie, die Einstellungen der Kamera kennt, die öine avantguardistische Richtung der südamerikanischen Filmproduktion kennzeichnet. -st.
THALIA. - „Arabische Nächte“. Jetzt haben wir Harun als Raschid persönlich kennengelernt, und Scheherazade, die allbekannte Märchenerzählerin aus Tausendundeiner Nacht entpuppte sich als eine entzückende Dame mit Sex-Appeal, hochfliegenden Plänen und — ach so kleinem — Herzchen. Und der böse Bruder des herrlichen Haruns macht ein kleines Revolutiönchen. und beinahe wäre die Sache schief geeaneen für Held Harun. Aber mit dem Namen seines geliebten Kalifen als Schlachtruf auf den Lippen erscheint Sabu persönlich mit markigen Kriegern und bringt die Rettung.
Wir haben in letzter Zeit öfter Filme mit Motiven aus der orientalischen Märchenwelt gesehen, um sagen zu können, daß dieser hier getreulich in die Spuren seiner Vorgänger tritt. Er bringt nichts Neues und läßt dem Zuschauer genügend Muße, sich an bessere Filme dieser Art zu erinnern, hn
BELIDAx „Vogelfrei“. Wieder einmal ein Wildwestfilm, damit auch der letzte von uns noch hineingeht. Diesmal aber sentimental-tragisch. so daß man eigentlich gar’nicht recht weiß, was man damit anfangen soll. Held der Handlung ist der Gauner Wes McQueen, von Joel McCrea mit Hingabe und echten Leidenstönen gespielt. Er bekommt zum Ausbruch aus einem Gefängnis verhelfen, hat eine Vision des anständ gen Lebens und versucht, dieses im „Wilden Westen“ der Staaten in die Tat umzusetzen. Daß es ihm nicht gelingt, ist neuartig und verdächtig. Denn es paßt so gar nicht in die Linie der bislang üblichen Wildwestreißer. Tote Städte, Aasgeier und menschliche Gerippe, brüllende Colts und brutale Banditen sorgen für das notwendige Lokalkolorit. Aber
PHOTO-HAUSCHILDT DARMSTADT LUDWIGSTR.J3 >
irgend etwas stimmt mit diesem Film nicht. Da, wo er eine leichte Ironie der Situation erfordert hätte, verbreitet er sich mit tierischer Sentimentalität, und wo die Dramatik der Handlung eine stille Träne des Zuschauers notwendig macht hätte, beginnt man zu grinsen. Hurra, die Linie liegt fest, zu guter Letzt ist Held und Heldin, eine kleine Fesche mit kirschrotem Korallenmund, einwandfreiem make up und mottendurchlöchertem Hemd von schätzungsweise fünfhundert Gramm Blei durchsiebt. Die Gerechtigkeit hat gesiegt und beim Zuschauer bleibt ein bitterer Geschmack auf der Zunge zurück, da die Rechnung nicht aufgeht. Die Photographie ist gut, die Regie zeigt Andeutungen an die Frühzeit des Kintopps, hier und dort Tricks zeigend, die fast schon wieder modern werden. hfl
Gesegnete Mahlzeit
Während der Außenaufnahmen zu dem RKO-Film „Tarzan in Gefahr“, der in Kenya — Englisch-Ostafrika — gedreht wird, wurde der Dschungel-Heros von einem Krokodil angefallen. Die Eingeborenen konnten das Tier erlegen und brieten es am Spies zum Mittagessen. Die Schwarzen waren tief enttäuscht, als sich der Gerettete hartnäckig weigerte, auch nur einen Bissen von dem leckeren Braten zu kosten.
DER SPORT
Wendet sich morgen das Schlachtenglück?
SV 98 gegen VfL Neckarau 15 Uhr im Hochschulstadion / Die „Lilien“ erneut umgestellt: Barth im Sturm, Mühlbach in der Verteidigung / Herwig und Schmidtmer wieder dabei
der Sturm J ^atnen ’n den letzten Wochen nicht mehr richtig zum Zuge, da tisch kiueo I > ■ Feldüberlegenheit keine Schußstiefel anhatte und eine tak- 98er nun am «*e Wflse vermassen ließ. Gegen den VfL Neckarau werden es die soll neben ai °"nlas wieder mit einer neuen Aufstellung versuchen. Mühlbach Sturm ,i„. „ -J" deL Verteidigung erscheinen und Barth als Halbrechter dem recht eliir'tii/’h ° T .Durchschlagskraft verleihen. Wir halten diese Lösung für chen -U o- S,?d gespannt, ob somit gegen diesen verhältnismäßig schwam Sieg herausspringt, den die „Lilienträger“ dringend nötig haben.
Die beiden bereits schwer angeschlagenen Neulinge wollen in diesem Jahre den mühsam erkämpften Platz an der Sonne hTlten ^Plätzeri^d'p^5110^?^’ SlCh Wn den atzten ’d t AbstleS bedeuten, rechtz«tig fernzuhalten. Die Mannheimer Vorstädter waren erst 1948 aus der Oberliga ausgeschieden verfehlten 1949 knapp dtn Aufstieg hatten es 1950 schwerer als die 98er und konnten sich erst nach einem Entscheidungsspiel gegen Ulm 46 durchsetzen. In der obersten Spielklasse konnten sie bisher auswärts zu keinem Erfolge kommen wurden von Offenbach, Schwaben Augsburg,’ Vfß Stuttgart, FSV Frankfurt und VfR
Mannheim Jeweils deutlich mit 3 bzw. 4 Toren distanziert, verloren daheim gegen den 1. FC Nürnberg 0:2, trennten sich mit Bayern München 1:1 und gewannen lediglich, gegen Schweinfurt 3:0. Somit liegen sie in der Tabelle um 2 Punkte schlechter als die Darmstädter. Trainer Polsterl hat mit seinen Schützlingen fast die gleichen Sorgen wie Snopek mit den 98ern. Auch an der Altriper Fähre spielt vor einer recht zuverlässigen Hintermannschaft ein schußschwacher Sturm, und das, obwohl in ihm ein Balogh steht, der in der vergangenen Saison hinter den
Gebr. Walter und Basler an 4. Stelle in der deutschen Torschützentabelle rangierte. Aber das Spiel der Blau-Weißen ist zu sehr auf ihn zugeschnitten, wird er kaltgestellt, zerfällt die Fünferreihe, in der noch Preschle hervorzuheben ist. Für den am vergangenen Sonntag herausgestellten Linksaußen Kreis wird Zeilfelder neben Gärtner und Sander im Sturm erscheinen. In der Läuferreihe steht neben den altbewährten Kräften Klostermann und M- Gramminger der Neuling Uhrig, der gut einschlug und durch sein energisches Dazwischenfahren aufflel. Der junge Grund verteidigt zusammen mit dem wirkungsvoll zerstörenden M. Gramminger, und im Tor steht der sprungkräftige, tollkühne Riese Nenninger. Die Mannheimer Vorstädter zeichneten sich bisher mehr durch Eifer und Kampfgeist aus als durch technische Reife. Klostermann, Preschle, Balogh und die Zwillingsbrüder Martin und Karl Gramminger spielten bereits vor 1948 in der Neckarauer Oberligamannschaft.
Für die 98er gilt es diesmal, den Vorteil des eigenen Platzes zu nutzen und sich beide Punkte zu sichern. Bei dem morgigen Gegner sind die Chancen dazu besser denn je.
SV Darmstadt 98: Ruhl; Mühlbach, Abt; Herder, Schmidtmer. Leichtlein; Reeg, Barth, Thalheimer, Bohmann, Herwig.
VfL Neckarau: Nenninger; Grund, K. Gramminger; Uhrig, Klostermann, M. Gramminger; Sander, Preschle, Balogh. Gärtner, Zeilfelder.
Das Vorspiel im Stadion bestreitet um 13.15 Uhr die Juniorenmannschaft des SV 98 und der derzeitige Tabellenführer der Juniorenverbandsrunde Frankfurt-Ost, SG Rosenhöhe Offenbach. Ein Privatspiel der Reserven des SV 98 und des VfL Neckarau findet auf dem Uebungsfeld statt.
Ob auf dem Weg, der die Punkte verspricht, auch diese Sprosse nicht haltbar ist?
Arheilgen morgen an der Isar
Der Hof-Bezwinger bei Wacker München
Am Sonntag spielt die SG Arheilgen in München bei den „Blausternen“. Wacker ist jene Mannschaft, die zu Beginn der Runde die tollsten Kapriolen schlug. Nachdem die Bayern zu Hause 5:0 gegen Aschaffenburg verloren, stürmten sie am darauffolgenden Sonntag die Wiesbadener Festung glatt 3:0. Seit jener Zeit sind die Münchner eine gefürchtete Mannschaft mit einem Sturm, der in seinen 24 Plustoren an zweiter Stelle hinter den Stuttgarter Kickers mit 25 steht. Wacker liegt zur Zeit an fünfter Stelle mit einem Punktkonto von 9:7. Am letzten Sonntag erzwangen sie bei der wiederstarkten Union Böckingen ein 1:1, was zweifellos als ein Erfolg gewertet werden muß.
Die Mannschaft ist in allen Reihen ausgeglichen und spielt einen technisch reifen Fußball. Ihr gefährlichster Mann ist der Mittelstürmer, der in jedem Spiel für mindestens ein Tor gut ist. Gelingt es den Gästen, diesen Gefahrenpunkt zu bereinigen, steigen die Chancen für einen Punktgewinn erheblich.
Arheilgen fährt mit derselben Mannschaft, die am vergangenen Sonntag den Spitzenreiter Hof entthronte. In der augenblicklichen Form ist die Verteidigung wohl schwer zu schlagen. Lediglich im Sturm — übrigens wie überall — muß noch flacher und direkt weitergespielt werden. Auch mangelt es noch am harten placierten Schuß, d. h. es wird immer wieder abgespielt, statt herzhaft aus 15 bis 20 Meter geschossen. Kaut, der körperlich nicht fit ist, wird längere Zeit aussetzen müssen, so daß Mahr, der am vergangenen Sonntag seine Sache ausgezeichnet machte, den Stopperposten in Erbpacht nehmen wird.
Auch in München wind nur mit Wasser gekocht, aber die Bayern werden alles daran setzen, keine Ueberraschungen zu erleben. Die Mühlchesleute haben sich für dieses Spiel wärmstens empfohlen und sind nicht gewillt, Punktlieferant zu werden. Wenn auch die Chancen für München stehen, die Mannen um Mahr geben kein Spiel vor dem Schlußpfiff verloren. Eine Punkteteilung dürfte nicht Überaschen.
Da beide Münchner Oberligavereine auswärts spielen, werden die Darmstädter Vorstädter vor einem zahlreichen und kritischen Publikum die Aufgabe haben, die 93er-Schlappe wieder gutzumachen. Hewe.
Bezirksklasse Gruppe I
Bleibt Lorsch wieder ungeschlagen?
Am Sonntag wird kreuz und quer gefahren. Dabei sind mit Ausnahme von Lorsch, dem ungeschlagenen Tabellenführer, der 2.—6. auswärts. Hauptspiel ist das Treffen Lorsch gegen Bürstadt. Der Gast könnte überraschen, wenn auch das Lorscher Torverhältnis 19:3 für besondere Zuverlässigkeit der einheimischen Hintermannschaft spricht. Der VfR Langen ist zur Zeit in so guter Verfassung, daß ihn auch die Fahrt nach Heppenheim nicht aus dem Gleis werfen dürfte, zumal die von der Starkenburg bis jetzt noch nicht allzu viel gezeigt haben. Den gleichen Tabellenstand haben Bensheim und Bobstadt; die „Booschder“, die am Sonntag in Bürstadt ein gewichtigtes 2:2 herausspielten, werden sich an der Bergstraße auch nicht ins Bockshorn jagen lassen. Ihre Hauptstärke ist das Spieltempo, das sie vom Anpfiff an zu forcieren verstehen; Aussticht auf Erfolg hat hier nur eine Mannschaft, die mithalten kann. Ober-Ramstadt hat die Bibliser bei fünf eigenen Treffern ohne Gegentor nach JJausg^geschickt, es wird bei Pfungstadt, das an Angriff und Verteidigung noch keineswegs sattelfest ist, mit Chance gastieren. Die Erfolge, die sich Roßdorf und Groß-Gerau vor acht Tagen geholt haben, lassen einen bestimmten Typ für ihr Spiel nicht zu. Eberstadt fährt zu Biblis, einer Mannschaft, die schon stärker vom Leder ziehen muß, als bisher, wenn sie ihren guten Mittelplatz behalten will. Viktoria Urberach hat in Groß-Rohrheim keine allzu schwere Aufgabe. Sie wird einer Mannschaft gegenüberstehen, die sich .im Augenblick zu keiner geschlossenen Leistung aufschwingen kann.
Es spielen: Groß-Gerau—Roßdorf; Biblis —Eberstadt; Heppenheim—'Langen; Lorsch— Bürstadt; Groß-Rohrheim—Viktoria Urberach; Pfungstadt—•Ober-Ramsitadt; Bensheim—Bobstadt. Hofheim frei.
Bezirksklasse Gruppe II
Bischofsheims schwerstes Spiel
In dieser Gruppe könnte es zu einem Wechsel in der Tabellenführung kommen, denn Bischofsheim sowohl als auch Mörfelden haben vor acht Tagen mit je einem Tor Unterschied gesiegt, dabei wiegt Bischofsheims Sieg in Ober-Roden schwerer. Für Dieburg war Urberach schon immer ein schwerer Boden, die Aussicht aber, bei Sieg unter Umsatz aller Kräfte sein. Leichtes Uebergewicht ständen (Mörfelder Niederlage) auf den zweiten Platz aufzurücken, sollte Anlaß zum Einbringt Germania Ober-Roden mit nach Nauheim es könnte zu einem doppelten Gewinn ausreichen. Erbach hat daheim gegen Wixhausen größere Siegesaussichten als Michelstadt (nach dem 2:2 in Egelsbach) in Walldorf. Bei Eppertshausen—Messel und Egelsbach—Münster wird allein die Tagesform den Ausschlag geben.
Es spielen: Erbach—Wixhausen; KSV Urberach—Dieburg; Nauheim—Germania Ober-Roden; Bischofsheim—Mörfelden; Eppertshausen—Messel; Walldorf—Michelstadt und Egelsbach—Münster. Trebur spielfrei. RG
ABC boxt gegen verstärkten BC Egelsbach
Heute 20 Uhr im „Schwanen“ Eberstadt
Die Staffel des ABC hat sich für den heutigen Kampfabend die junge, aufwärtsstrebende Mannschaft des BC Egelsbach verpflichtet, die ihr Nichterscheinen im Juli 1949 mit einer durch Offenbacher Kämpfer verstärkten Staffel ausgleichen will.
In den Schüler- und Jugendkämpfen werden die Egelsbacher Strecker, Daußmann und Müller gegen Hörr, Ott und Lidtke die Handschuhe kreuzen. Im Mannschaftskampf stehen sich im Fliegengewicht Maul (Offenbach) und Weigel (ABC) gegenüber, die sich schon einmal unentschieden getrennt haben. Im heimischen Ring wird Weigel zu beweisen versuchen, daß er der bessere Boxer ist. Im Federgewicht trifft der starke und schnelle Stroh (Egelsbach) auf A. Knieß, der sich immer gut zu schlagen weiß, zumal er die Eigenschaft besitzt, sich auf seinen Gegner einzustellen und dem Kampf die Farbe zu verleihen, die die Zuschauer immer wieder in den Bann zieht. Im Leichtgewicht trifft Nicolay (ABC) auf den famosen Ebelsbacher Geiß, dessen Angriffsgeist bekannt ist. Aber auch Nicolay, neben A. Knieß das 2. As im ABC, besitzt kämpferische Qualitäten, die ihn schon oft ausze'chneten. Den 2. Leichtgewichtskampf bestreiten der sehr flinke Müller (Offenbach) und Kohl, der ruhende Pol in der ABC-Mannschaft, der bei dieser harten Auseinandersetzung sein ganzes Können wird ausspielen müssen, um
zu einem klaren Erfolg zu kommen. Beim Weltergewichtskampf Schreibweiß (Egelsbach) gegen Ströhe (ABC) wind der Darmstädter sein ganzes technisches Rüstzeug in die Waagschale werfen müssen, um sich den robust angreifenden Gegner auf Distanz zu halten, was ihm bei seiner derzeitigen Form nicht schwer fallen sollte. Der gute Mittelgewichtler Strecker (Egelsbach) konnte sich gegen Formella (ABC) im Vorkampf ein sehr schmeichelhaftes Unentschieden erkämpfen, so daß die Begegnung offen erscheint, wenn auch Formella immer um so besser wird, je härter der Kampf ist. Im Schwergewicht boxt Lahr (Egelsbach) gegen den stark verbesserten Heinz (ABC), der seine Hemmungen zum größten Teil abgelegt und eingesehen hat, daß der Angriff stets die beste Verteidigung ist. Er will beweisen, daß er auch gegen einen so guten Mann wie Lahr bestehen kann.
Die Kämpfe beginnen pünktlich um 20 Uhr unter der Leitung des Kampfrchferobmannes G. Zeller (Offenbach). Für Straßenbahnverbindungen wird gesorgt. -Z-
Ringer beenden Vorrunde
Oberliga:
ASV 86 Frankfurt—Eiche Hanau SG Eckenheim—Vorwärts Groß-Zimmern Germania Dettingen—Germania Hösbach Darmstadt 98 frei
In der hessischen Ringer-Oberliga wird der letzte Kampftag der Vorrunde nur für die Spitzengruppe von ausschlaggebender Bedeutung sein Das Schlußlicht, SV 98. pausiert am Wochenende und muß den Begegnungen in der Rückrunde entgegensehen. Die°einzige Mannschaft, die verlustpunktemäßig den Lilienträgern am nächsten steht, ist die Mannschaft des ASV Frankfurt, die am Samstagabend Eiche Hanau empfangt. Nach der klaren Niederlage von Hanau gegen Eckenheim und der Sperre von Fleischer dürften die Gastgeber, die wieder mit ihrem Meister Henze antreten, sicher den Kampf zu ihren Gunsten entscheiden. In Eckenheim wird auch für die Groß-Z’mmerner Mannschaft nichts zu holen sein Dettingen sollte sich auf eigener Matte über Hosbach durchsetzen.
Landesliga:
Darmstadt 1910—SKG Ober-Ramstadt Athiletia Wiesbaden—SG Arheilgen SKG Sprendlingen—Kostheim KSV Neu-Isenburg frei
Ober-Ramstadt trifft am Samstagabend 20 Uhr 30 in der Diesterwegschule auf den Tabellenführer 1910 Darmstadt. Die Gaste, die auf fremder Matte nicht die Gefährlichkeit besitzen, werden wohl um eine Niederlage nicht herumkommen. In Wiesbaden wird die Vorentscheidung für den Abstieg fallen. Die Gastgeber, die bisher noch keine Punkte sammeln konnten, sollten auch in diesem Kampf nicht zum Siege kommen. Ein Erfolg der Arheilger wurde für die Gastgeber den kaum noch zu entrinnenden Abstieg bedeuten. Die SKG Sprendlingen wird über Kostheim als Sieger erwartet. -eri-
Der 'Turnverein 1846 e. V. Groß-Gerau veranstaltet morgen in der Turnhalle sein diesjähriges Abturnen. Die Wettkämpfe werden um 8 30 Uhr eröffnet und n^hmnn nachmittags ab 1 Uhr mit dem Turnen der Kinder ihren Fortgang. -od- TSG 46. Am Montag, dem 16. Oktober 1950, 20.00 Uhr, findet im Tennishaus die nächste Vorstandssitzung statt. In Anbetracht der Wichtigkeit ist dringendes Erscheinen erforderlich.
Wohin am Wochenende?
SAMSTAG:
16 Uhr: Klubkämpfe des VCD auf der Bahn. Radrennbahn. 20 Uhr: Basketball, Oberliga BCD gegen Heidelberger TV, Quatermaster-School. 20 Uhr: Boren ABC— BC Egelsbach. „Zum Schwanen“ Eberstadt. 20.30 Uhr: Ringen Landesliga Darmstadt 1910—SKG Ober-Ramstadt. Diesterwegschule.
SONNTAG:
8 Uhr: Tischtennis Landesliga SV 98 gegen SG Höchst, Damen und Herrn. Eleonorenschule. 9.30 Uhr: Klubmeisterschaften des VCD Letzter Lauf auf der Straße. Forsthaus Eberstadt. 10 Uhr: Fechten DFC—TV Pforzheim. „Heilig Kreuz". 15 Uhr: Fußball, Oberliga SV 98 gegen VfL Neckarau. Hochschulstad.
Oslo ist doch vergeßlich
Man darf es den Norwegern nicht verübeln, wenn sie uns immer noch nachtragen, daß die deutsche Wehrmacht 1940 wenige Stunden vor den Engländern ihr Land besetzte. Nur haben andere Länder, die die gleiche unangenehme Last langer Besetzungsjahre tragen mußten, dies inzwischen auf das Konto des Krieges geschrieben und jene Zeit dem deutschen Sport nicht vergelten lassen. Das zeigten sie, als sie — wie Frankreich — die sportlichen Beziehungen wieder aufnahmen und für eine Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen im Exekutivkomitee des IOK ihre Stimme abgaben.
Als Norwegen 1936 bei den Garmisch-Partenkirchener Olympischen Spielen Gast des deutschen Olympischen Komitees war, nahmen seine Sportler viele olympische Medaillen mit in ihre Heimat, und ihre Leistungen wurden von Zehntausenden von Deutschen ehrlich umjubelt und anerkannt. Auf den kommenden Winterspielen wünscht man aber in Oslo — fünf Jahre nach dem Kriege! — immer noch keine deutschen Sportler zu sehen.
Dies ließ bekanntlich das norwegische Organisationskomitee verlauten, das darüber zu entscheiden hat, welchen Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees man Gastfreundschaft gewähren will. Norwegens Komitee ist nicht verpflichtet, den deutschen Sport einzuladen, selbst wenn dieser — was beim Wiener Kongreß im Frühjahr 1951 zu erwarten ist — wieder dem lOK angehört.
Laßt uns daher eine Erinnerung wachrufen an das Jahr 1939, als die politischen Spannungen in der V.Telt den letzten Höhepunkt vor dem Einbruch der dann folgenden Katastrophe bereits erreicht hatten. Noch im Juni sah sich das lOK veranlaßt, einen Ort für die Austragung der Olympischen Winterspiele 1940 zu suchen, da das ursprünglich vorgesehene Saporo in Finnland wegen des Winterkrieges mit der Sowjetunion den Auftrag zurückgeben mußte und das dann vorgeschlagene St. Moritz sich nicht dazu in der Lage fühlte, so spät die Spiele zu übernehmen. Wenige Wochen vor Kriegsausbruch beschloß das Internationale Olympische Komitee — überraschend und ohne jeden deutschen Auftrag — in geheimer schriftlicher Abstimmung, die Olympischen Winterspiele 1940 erneut Garmisch-Partenkirchen zu übertragen. Die Wahl der deutschen Olympiastadt erfolgte einstimmig, also auch mit Zustimmung des norwegischen IOK-Vertreters!
Wie weit hat sich doch Norwegen heute vom olympischen Geist entfernt, der zutiefst die Idee des Friedens und der Versöhnung in sich trägt. In der Antike schwiegen selbst die Waffen, wenn die Zeit Olympischer Spiele gekommen war. Es blieb Norwegen Vorbehalten, sie im übertragenen Sinne zu schärfen. H. S.
„Starker Toback" in allen Fußball-Ligen
Können die Tabellenführer ihre Positionen verteidigen?
H. KI, Lokalkämpfe im Süden, das Zusammentreffen von Alemannia Aachen und Fortuna Düsseldorf sowie Dellbrück und Schalke im Westen und einige saftige Brokken an der Waterkant im Norden kennzeichnen eigentlich schon zur Genüge die spannunggeladenen Erwartungen, die bereits jetzt an den Fußballsonntag der ersten Ligen im Bundesgebiet geknüpft sind Im einzelnen sieht das Programm folgende Begegnungen vor:
Süd 1. Liga
VfR Mannheim — SV Waldhof Darmstadt 98 — VfL Neckarau Vfß Mühlburg — FC Singen Spvgg Fürth — BC Augsburg SSV Reutlingen — 1860 München FSV Frankfurt — Eintracht Frankfurt Schweinfurt 05 — Vfß Stuttgart Schwaben Augsburg — 1. FC Nürnberg Offenbacher Kick. — Bayern München
Süd 2. Liga
Hessen Kassel — TSV Straubing Stuttgarter Kick.— Jahn Regensburg FC Freiburg — SV Tübingen 1. FC Pforzheim —SV Wiesbaden Vikt. Aschaffenburg — ASV Durlach ASV Cham — Union Böckingen Wacker München — SG Arheilgen Bayern Hof —TSG Ulm 1846 VfL Konstanz — 1 FC Bamberg
West 1. Liga
Alem. AaCh’en — Fortuna Düsseldorf Hamborn 07 — Duisburger SV Rot-Weiß Essen — 1. FC Köln Spvgg Erkenschwick — RW Oberhausen Bor. M.-Gladbach — Rhevdter Sv Preußen Dellbrück — Schalke 04 Pr. Münster — Sportfr. Katernberg STV Horst-Emscher — Bor. Dortmund
Nord 1. Liga
Göttingen 05 — Hamburger SV Bremer SV — Werder Bremen FC St. Pauli — Hannover 96 Altona 93 — Eintracht Osnabrück VfL Osnabrück — Concordia Hamburg Arm. Hannover — Bremerhaven 93 Vfß Oldenburg — Eintr. Braunschweig
Im Süden stehen sich also wieder einmal die beiden „feindlichen Brüder“ aus Frankfurt gegenüber. Wenn auch der Tabellenführer FSV als ausgesprochener Favorit in den Kampf geht, so heißt das noch lange nicht, daß die Eintracht auf verlorenem Posten steht, denn schließlich rechnen sich auch die Eintrachtler eine reelle Chance aus, noch in die Spitzengruppe zu kommen. Der SV Waldhof kann mehr als sein miserabler Tabellenplatz anzeigt, ob es aber gerade beim Lokalrivalen VfR Mannheim möglich sein wird, die Pechsträhen zu beenden, scheint doch recht fraglich zu sein. Die Offenbacher Kickers werden sich für die sensationelle Niederlage in Reutlingen nun auf dem Bieberer Berg an Bavern München schadlos zu halten versuchen. Von den übrigen Begegnungen ist das Hauptaugenmerk auf die Schweinfurter Auseinandersetzung zu richten, wo der Deutsche Meister Vfß Stuttgart noch lange nicht gewonnen hat.
Auch die 2. Liga Süd hat einige dicke Rosinen in ihren Sonntagskuchen eingebacken. Die erste ist das Spiel des Spitzenreiters Jahn Regensburg bei den Stuttgarter Kickers, die sich nach schwachem Start nun wieder Aussichten auf den Aufstieg ausrechnen. Der Kampf mas ausgehen wie er will, lachender Dritter wird in jedem Fall Bayern Hof sein, das mit einem Sieg über Ulm seine Position festigen wird. Der SV Wiesbaden wird in Pforzheim versuchen. Anschluß an das Mittelfeld zu erlangen.
Gleich vier Paarungen können in der ersten Liga West von vorentscheidender Bedeutung sein. Dortmund hat nach dem Abzug von vier Punkten bei Horst-Emscher Boden gut zu machen und Alemannia Aachen muß gegen Fortuna Düsseldorf beweisen, daß sein Unentschieden gegen Borussia kein Zufallserfolg war. Schließlich stehen auch noch Schalke 04 und der 1 FC Köln in Deilbrück bzw. Essen vor hohen Hürden
Im Norden werden sich die Lokalrivalen Bremer SV und Werder Bremen ein erbittertes Gefecht liefern. Der Hamburger SV darf seinen Kampf beim Tabellendritten Göttingen nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn er weiterhin an der Spitze bleiben will. Der „ewige Zweite“ FC St. Pauli wird dem Meister auf jeden Fall mit einem Erfolg über Hannover 96 auf den Fersen bleiben.
Erstes Heimspiel des BC Darmstadt
Spannende Paarungen in der Basketball-Oberliga
Am dritten Spieltag treffen in der Basketball-Oberliga Südwest die bisher ausnahmslos siegreichen Mannschaften aufeinander, so daß mit Spannung den Spielen des kommenden Samstags entgegengesehen werden darf.
Die Darmstädter Basketballfreunde dürfte besonders das Treffen des BC Darmstadt gegen den Heidelberger TV 1846 am Samstag um 20.00 Uhr in der Quartermaster-School interessieren. Nachdem das für vergangenen Samstag angesetzte Spiel gegen Gießen auf einen späteren Termin verlegt wurde, darf man gespannt sein, wie sich die Darmstädter in ihrem ersten Heimspiel schlagen werden. Beide Mannschaften haben je einen Sieg zu verzeichnen, aber es scheint, als wiege der Auswärtserfolg des BCD gegen Bad Homburg doch schwerer als das verhältnismäßig knappe 38:28 der Heidelberger gegen den BC Karlsruhe. Die Darmstädter Mannschaft dürfte wohl für einen Sieg gut sein.
Der VfL 1848 Bad Kreuznach fügte seinem Gießener Erfolg einen zweiten auf eigenem Boden gegen Bad Homburg an und liegt augenblicklich an der Spitze der Tabelle. Ob allerdings am Samstag die führende Position im Heimspiel gegen den Turnerbund Heidelberg gehalten werden kann, scheint sehr fraglich, denn die Heidelberger sind bedeutend höher einzuschätzen als Gießen oder Bad Homburg. Trotzdem wird der VfL 48 seinem spielstarken
Gast die Punkte nicht ohne härteste Gegenwehr überlassen Die bereits mit vier Verlustpunkten behafteten Karlsruher empfangen den MTV Gießen und werden natürlich versuchen, ihren ersten Sieg zu landen. Die Nordhessen jedoch werden sich nicht leichten Kaufs um die Punkte bringen lassen und mit erhöhtem Einsatz den Platzvorteil des Gegners auszugleichen versuchen. Es ist also auch in Karlsruhe mit einem interessanten Kampf zu rechnen. Die Mannschaft der Bad Homburger Turngemeinde ist spielfrei, -er-
Hockey:
Schwacher Betrieb am Böllenfalltor
dr. Die Damen des TEC empfangen am Sonntag, um 8.15 Uhr die Damenelf des FSV zum fälligen Verbandsspiel. Das Treffen ist offen. — Anschließend kreuzen die Alten Herren des TEC mit denen des FSV ihre Schläger. Hierbei sollten die Darmstädter wohl zu einem klaren Siege kommen. — Die ersten Herren, die zur Zeit noch die Tabelle anführen, sind am Sonntag wieder spielfrei und werden dadurch den ersten Platz einbüßen.
Des Südens Handballauswahl,
die morgen in Ketsch in der Handball-Pokal-Vorschlußrunde auf die Vertretung des Südwestens trifft, wurde nach einem Trainingsspiel in Karlsruhe auf Grund der gezeigten Leistungen wie folgt aufgestellt: Erwin Thome (TSV Rot) — Winterlin (SG Dietzenbach). Bernhard (München) — Walter Thome (TSV Rot), Jül'ch (SKG Bürkenau), Spahr (TSV Schnaitheim) — Schäfer (SV Darmstadt). Sutter (SV Harleshausen), Bernhard Kempa (Frischauf Göpp ngen). Jegeler (SG Leutershausen), Wöhler (Nürnberg).
Kurz — aber interessant Wegen einer Gehirnerschütterung kann der Offenbacher Torhüter Schepper am kommenden Sonntag im Spiel gegen Bayern München nicht zwischen den Pfosten stehen.
Der Deutsche Leichtathletikverband erkannte den Rekordlauf von Werder Bremen über 3XIOOO m in 7:28,2 Min. (aufgestellt in Stuttgart) als neuen Deutschen Rekord an.
Die Krefelder Preußen haben ihre Eishockey-Neuerwerbungen jetzt schon auf eigenem Eis. Der bisher in der Schweiz gewesene Ulrich, der Schwede Johansson und der Exfüssener Poitsch sind bereits am Werk. Die Krefelder erwarten nun noch den Exiltschechen Malcek, der aus London kommt.
Nicht weniger als neun Sechstagerennen wollen die Australier Strom—Arnold in diesem Winter bestreiten. Hannover und Berlin werden sie am Start sehen.
Als vierter deutscher Verein wird neben 1860 München, dem HSV und Werder Bremen nun auch Schalke 04 (12. November) die brasilianische Fußball - Elf von Bello Horizonte empfangen.
Hervorragend in Form war der französische Europameister Bally. Nach seinem Sieg über 100 m in 10,5 Sek. startete er anschließend über die 800-m-Strecke und gewann sie durch einen fabelhaften Spurt in 1:54,7 Min. vor Hansenne.
Eine neue Welt - Jahresbestleistung im Speerwurf stellte der finnische Europameister Toivo Hyytiainen auf, als er das Gerät 74,45 m weit schleuderte.
Die bekannten Fußballspieler von Vienna Wien Sabeditsch, Schaffer und Strittich wurden von einem Wiener Schöffengericht wegen Opiumschmuggels zu mehrmonatigen Zuchthausstrafen verurteilt. * Der Deutsche Keglerbund soll am 14. Oktober in Bielefeld anläßlich der Deutschen Keglermeisterschaft auf Schere wieder ins Leben gerufen werden.
Einen neuen tschechoslowakischen Rekord im Diskuswerfen für Frauen stellte die tschechische Meisterin Jungrova auf, die bei einer Weite von 46,03 m ihren eigenen Landesrekord um 2,74 m überbot.
Hermann Schwarz, der als Torhüter von Hertha BSC Berlins Farben 38mal repräsentativ vertrat, erlitt einen Autounfall und wurde schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert.
Hibernlan Edinburgh (3:1 über Queen of the South) und Motherwell (4:3 über Ayr United) erreichten das Endspiel um den schottischen Pokal.
Die Sendeprogramme vom 15. bis 21. Oktober 1950
Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)
Mittelwelle: 208,5 m (1439 kHz)
UKW-Sender: Feldberg 92,9 MH?, 3-m-Band
Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der
hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.
Sonntag, 15. Okt.
6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Evangelische Morgenfeier 9.15 „Was geschieht in Caux?“ 9.30 Weinlese, in Gedicht, Prosa und Musik 10.00 Volkstümliche Musik 11.00 Sinfoniekonzert des Wiener Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Wilh. Furtwängler 13.00 Musik nach Tisch 13.45 Wiederholungssendung 14.30 Trara, trara, die Kinderpost ist wieder da 15.00 Kriegsgefangenen- und Heimkehrerprogramm 15.15 Stunde des Chorgesangs 15.45 Hersfeld, Bildnis einer Stadt 16-05 Sport und Musik 17.00 Alte und neue Tänze 17.45 Das Sinfonie-Orchester Boston spielt 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Zauber der Melodie 22.10 Sportberichte 22.25 Musikalisches Kabarett 23.00 Tanzmusik
Montag, 16. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Motgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Das Spiel vom Thomaskantor 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Hessische Schüler musizieren 14.15 Kindersuchdienst 16.00 Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ 16.45 Alle Sehnsucht verweht der Monsun. Ein Seemannsbericht 17.00 Lieder und Tänze 18.00 Unsere Lohntüte 18.30 Feierabend-Intermezzo 13.45 Hier snrift Der ' I 20.00 Der Schnee vo.a/J'.i.nandscharo, von Ernest Hemingway 20.45 Musik der Heimat 21.45 Probleme der deutschen Politik 22.15 Musik von Cesar Franck 23.00 Briefmarkenplauderei 23.15 Barmusik
Dienstag, 17. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert c 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Hessische Schüler musizieren 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Schulfunk: Wie sprechen wir? 14.45 Kindersuchdienst 16.00 Orchesterkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Eine Wanderung im Lied 18.00 Wie lebt die argentinische Frau heute? 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.25 Auf der Kino-Orgel 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Tanzabend 22.15 Das Abendstudio, Technik und Denken
Mittwoch, 18. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Ein fröhlich Musizieren 9.05 Fünf Minuten Außenhandel 9.10 Kammermusik von Marais und Brahms 11.15 Schulfunk: Wie sprechen wir? 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Musikalisches Allerlei 14.00 Frankfurter Komponisten 14.15 Schulfunk: Paul Eipper erzählt 14.45 Musik an zwei Klavieren 15.05 Unterhaltende Musik 15.40 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Der Dichter und sein Werk 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.20 Heiße Zonen - heiße Liebe 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 öffentliches Sinfonie-Konzert 22.15 Was gibt es Neues? Von Bühne und Film 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz
Donnerstag, 19. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Paul Eipper erzählt von Menschenaffen 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Des Kaisers Kulis 15.05 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Vertraute Melodien in neuem Gewände 16.50 Was Frauen Interessiert 17.00 Sang und Klang aus dem Egerland 18.00 Hörerlieblinge. Es singt Sven Olaf Sandberg 18.15 Aus der Wirtschaft 18.30 Rhythmische Klänge , 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Waldteufeleien 21 00 Blick au! Europa 21.10 Klaviermusik und Lieder von Beethoven, Schumann u. Mahler 23.00 Tanzmusik
Fieitag, 20 Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 F üäkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.55 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk: Des Kaisers Kulis 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Das Panorama. Kulturelle Wochenschau 14.15 Schulfunk: An der Küste und im Watt 16.00 Alte und neue Musik aus Frankreich, Portugal und Spanien 13.45 Für junge Menschen 17.40 „Am Rande . . .“ 18.00 Funk-Feuilleton 18.15 Konzert für die Jugend 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Im Filmexpreß rund um die Welt 21.00 In diesen Tagen 21.10 Die beiden Schützen. Komische Oper von Albert Lortzing 23.25 Der Jazzclub
Samstag, 21. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau, Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Musik zum Wochenende 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: 1 Pfund Butter 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 „Das aktuelle Interview“ 15.10 Durch die weite Welt: Norwegen 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 Der Wunschzettel 17.00 Populäre Melodien großer Meister 18.00 Recht für Jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Bunter Abend 22.10 Sportergebnisse 22.20 Klassisches - Allzuklassisches 23.00 Tanz zum Wochenende
Südwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz) 195 m (1538 kHz!
(Rheinsender, Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen)
Nachrichtensendungen: 6.00. 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr
12.20 Johann Sebastian Bach. Zum 200. Todestag. Kantate Nr. 5 13.30 Volksmusik und Chorgesang 14.15 Frohe Melodien 17.00 Das Südwestfunk-Unterhaltungs-Orchester 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Sinfonie-Konzert 21.15 Das Buch der Woche 22.15 Sport und Musik 23.00 Nachtgespräch: Aberglaube und Musik 23.30 „Im Rhythmus der Freude“
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik am Nachmittag 17.00 Literatur der-Landschaft 17.20 Solisten-Konzert 18.20 Aus der Welt des Sports 18.30 Musik am Feierabend 20.00 „Bunt sind schon die Wälder“ Ein Volksliederspiel 21.00 „Der Mantel“. Einakter von Giacomo Puccini 22.30 Klaviermusik 22.45 Nachtgespräch: Die Arktis 23.15 „Tausend bunte Noten“
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Sinfonie-Konzert 16.30 Sang und Klang im Volkston 17.00 Leo Tolstoi, Bußprediger und Dichter 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operetten-Konzert 20.45 Hörspiel: „Hero und Leander 1950“ 22.30 Musik der Welt 23.15 Unsere kulturpolitische Glosse
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Alte und neue Schallplatten 15.30 Musikalische Teestunde 17.15 Solisten-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer aufl Die bunte klingende Filmschau des SWF 21.00 Das Prisma 22.30 Klaviermusik 22.45 Nachtgespräch 23.15 Schlager der Woche 0.10 Swing-Serenade
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 16.00 Dichtung der Zeit 16.15 Nachmittags-Konzert 17.15 Virtuose Violinmusik 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein Tanzabend im Südwestfunk 21.10 Unterhaltungsmusiker von heute: Werner Eisbrenner 22.30 Die großen Meister. Bach: Die Kunst der Fuge 23.30 Erneuerung der Welt durch den Glauben
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Für die Schuljugend: Umweltkunde 15.30 Musik zur Teestunde 16.15 Seltsame Einfälle der Natur 16.30 Klaviermusik 17.00 Pems Panoptikum 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Kammermusik 20.45 „Der wilde Schweizerkari“ Eine Hörfolge 21.30 Volksmusik und Chorgesang
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musikalische Grüße 14.00 Wir jungen Menschen 14.30 Frohes Wochenend 15.15 Opernmelodien 16.00 Unser Samstag-Nachmittag 17.15 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20 00 „Der fidele Bauer", Operette von Leo Fall 22.15 Sportrundschau und Musik 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! 0 10 Tanzmusik
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 523 m (574 hHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00, .12.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr
12.05 Musik am Mittag 13.00 Das Streichorchester Heinz Hoffmann-Glewe 14.00 Stunde des Chorgesangs 14.30 „Die Zwerge im Hübichenstein“ Hörspiel 15.00 Nachmittagskonzert 17.00 „Belagerungszustand" Ein Hörspiel von Albert Camus 18.05 Kammermusik 19.30 Der Sport am Sonntag 20.05 Meister der Unterhaltung 22.20 Im Rhythmus der Freude 24.00 Wir tanzen weiter...
12.00 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk: Lerne deinen Nachbarn kennen 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Musik um Shakespeare 18.25 Musik zum Feierabend 20.00 Musikalische Abendunterhaltung 21.00 Europas gemeinsame Kultur 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.00 Zeitgenös'is'he Musik 22.45 Vom Elend der Soziologie 23.15 Hugo Wolf: Aus dem spanischen Liederbuch
12.00 Musik am Mittag 13.10 Unterhaltende Musik 15.00 Schulfunk: Dramen der Weltliteratur: „Der Geizige“ von Molifere 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Kleines Konzert 19.30 Mensch und Arbeit 20.00 „Der Freischütz“, Oper von Carl Maria von Weber 22.20 Blick in die Welt 22.30 Wir bitten zum Tanz
12.00 Musik am Mittag 14.00 Unterhaltungsmusik 15.00 Schulfunk: Gemeinschaftskunde: Mensch und Gemeinde 15.30 Ken Griffin an der Hammond-Orgel 16.00 Von Dichtern und Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.15 Volksweisen aus aller Welt 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 „Das Diamantenhalsband“ Ein Hörspiel 21.05 Das Original 22.00 Neue Schallplatten
12.05 Musik am Mittag 15.00 Schüler singen für Schüler 15.30 Das Heinz-Lucas-Quintett 16.50 „Der Baron auf dem Laufrad" 17.10 Neue Musik für alte Instrumente 18,25 Schöne Opernmelodien 19.30 Sport gestern und heute 20.u0 Ein bunter Abend mit jungen Künstlern 22.00 Einführung in die Badische Klaviermusik 22.30 Der Dresdner Mozartchor 0.05 Jazz im Funk
12.00 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk: Geschichte: Der Weg in den Abgrund 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Froh und heiter 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 21.05 „Ostasien - gestern und heute“ 22.00 Tanzmusik 22.45 Die Schmunzelecke 23.15 Zur Unterhaltung
12.00 Musik am Mittag , 13.45 Sportrundschau ’ 15.00 Unsere Volksmusik 17.00 Vom Guten das Beste 17 15 Alte Bekannte r 18.20 Kleines Konzert 20.60 Frohes Raten — Gute Taten 20.45 Wie Sie wünschen . .. 22.0? Die schöne Stimme Franz Völker, Tenor ‘ 22.30 Die Rundfunktanzkapelle 24.00 Das Nachtkonzert. Richard Strauß: „Daphne“, bukolischi Tragödie
Nordwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 309 m (971 kHz)
(Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)
Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr 12,45, 16.45, 19.45, 21.45 24.00 Uhr
12.00 Sang und Klang 17.30 Bekannt und beliebt 18.00 Meisterwerke der Musik 20.00 Wer hört, gewinnt 20.45 Der Gong 22.20 Im Rhythmus der Freude 23.50 Zur Nacht: Jahre und Zeiten 0.05 Berlin am Mikrofon
12.00 Musik am Mittag 13.20 Musik am Mittag 14.15 Musik nach Tisch 15.40 Unterhaltungskonzert 16.50 Zeitgenössische Kammermusik 18.00 Gut aufgelegt 20.00 Sinfoniekonzert 23.00 Melodische Rhythmen
12.00 Operettenmelodien 13.20 Musik am Mittag 14.15 Georg Haentschel spielt eigene Kompositionen 15.40 Musikalisches Allerlei a der Schweiz 18.00 Und jetzt ist Feierabend 20.00 „Der Zigeunerbaron", Operette von Johann Strauß
12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Operettenmelodien 15.40 Kleines Unterhaltungskonzert 18.05 Musik zum Feierabend - 18.30 Melodische Rhythmen 20.00 Köln bittet zum Tanz 23.15 Nachtprogramm 0.05 Berlin am Mikrofon
12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Unterhaltungsmusik 15.40 Das Hamburger Radio-Tangoorchester 16.50 Johann Sebastian Bach Aus dem Kammermusikschaffen 18.00 Zwischen sechs und sieben 22.05 Zur Nacht: Umgang der Jahre 22.15 Tanzmusik
12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Musik aus aller Welt 15.40 Nachmittagskonzert 16.50 Lieder von Joseph Haas 18.00 Musik zum Feierabend 20.00 Robert Schumann 20.25 „Hans Heiling“, Romantische Oper von Heinrich Marschner 23.00 Nachtprogramm
12.00 Frohes Wochenend 15.00.Schwarz auf weiß 15.30 Chormusik 16.00 Der frohe Samstagnachmittag 20.00 Tanzmusik 21.00 Kabarett 22.15 Sin'oniekonzert 22.50 Tanz am Wochenende
Feld, Hof und Garten
Das Einsäuern von Kartoffeln
Siloraum findet sich überall
Die diesjährige reiche Kartoffelernte wird in besonderem Maße durch Fäulnis bedroht. Felder, die in stärkerem Maße von Krautfäule befallen waren, haben meist einen großen Prozentsatz von Kartoffeln erzeugt, die zur Braunfäule neigen und leicht schlecht werden. Da nun ohnehin die Verfütterung der Kartoffeln an Schweine ihre rentabelste Verwendung darstellt, muß man größere Geldverluste durch Einsäuern im Herbst vermeiden. Das hat den Vorteil, daß weitere Verluste praktisch ausgeschlossen werden und die Kartoffeln nahezu unbegrenzt als Futterreserve zur Verfügung bleiben.
Am einfachsten ist es, wenn man die Kartoffeln gleich in größeren Mengen durch genossenschaftliche Dämpfkolonnen oder durch Behelfsvorrichtungen im Anschluß an Molkereien, Brennereien oder ähnliche dämpfen kann. Es genügt praktisch, wenn man durch einen Kastenwagen ein oder mehrere Dampfrohre durchlegen kann und diesen von allen Seiten dann gut abdtchtet. Aber wo gibt es derartige Möglichkeiten? Man sollte jedoch auch jede Gelegenheit ausnutzen, um mit dem gewöhnlichen Futterdämpfer auf Vorrat zu arbeiten. Regentage sind dafür gerade richtig. Wenn der Kessel nämlich den ganzen Tag geheizt wird, erhitzt sich die Füllung schnell, und es ist leicht möglich, am Tage etwa 25 Zentner Kartoffeln zu dämpfen. Das reicht für etwas mehr als einen Kubikmeter Siloraum und gibt wertvolles Futter, das als Zugabe für ein Schwein nahezu ausreicht.
Der Mangel an Siloraum sollte kein Hindernis sein. Am besten ist natürlich eine gemauerte Silogrube, die schmal und lang gehalten wurde, um beim Abstechen des Silofutters der Luft nur wenig Zutritt zu gewähren. Den gleichen Zweck erfüllt aber auch eine Erdgrube, die mit Silopapier ausgelegt wird oder eine gut abgedichtete, unbenutzte Schweinebucht. Bei Erdgruben hat sich eine Tiefe von 1 Meter bei 80 Zentimeter Grabensohle und 1 Meter Durchmesser an der Oberfläche als zweckmäßig erwiesen. Sehr wesentlich ist es, daß die gedämpften Kartoffeln immer schön festgestampft werden, so daß keine Luft im Futterstock zurückbleibt. Obenauf kommt wieder ein Lage Silopapier und ein Lehmschlag von 20 bis 30 Zentimeter. Für die Gärung brauchen wir keine weiteren Zusätze, da Kartoffeln ja sehr stärkehaltig sind. Nach etwa sechs Wochen ist das Futter durchgegoren und kann verfüttert werden. Es hält sich aber auch praktisch unbegrenzt.
Bei der reichlichen Kartoffelernte dieses Jahres sollte man die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, gewisse Futterreserven einzulagern. Was an Kartoffeln zur diesjährigen Mast nicht benötigt wird und für andere Zwecke keinen Absatz findet, sollte unbedingt noch im Herbst einsiliert werden. g
Gegen Stachelbeermehltau
Will man den amerikanischen Stachelbeermeltau im nächsten Jahr nicht wieder an den Sträuchern finden, dann Ist es im Herbst nötig, die befallenen Sträucher gründlich vorzunehmen. Alle befaU lenen Triebe (die kranken Stellen sind braun gefärbt und von kümmerlichem Wuchs), an denen die Wintersporen des Pilzes als kleine schwarze Pünktchen sitzen, sind abzuschneiden bis ins gesunde Holz. Der Abfall muß unbedingt verbrannt werden. Auch das abgefallene Laub dieser Sträucher darf nicht untergegraben werden, wir harken es zusammen und verbrennen es. Nachdem die Sträucher auch gelichtet sind, bespritzen wir sie gründlich mit Kalkmilch, der Vs Obstbaumkarbolineum beigemischt werden soll. Auch der Boden weit im Umkreis der Beerensträucher muß gekalkt werden, man rechnet auf 100 Quadratmeter 25 Kilogramm Kalk. Außerdem sorgen wir dafür, daß die Sträucher nicht zu eng stehen. Wo eine undurchdringliche Hecke entstanden ist durch zu enge Pflanzung und triebigen Boden, nehmen wir hier und da einen Strauch heraus, und versetzen ihn, denn wenn Licht und Luft an alle Zweige kommen und gute Luftzirkulation ist, dann vermehrt sich der Pilz nicht so stark. Die Winterbehandlung ist wichtiger als die Sommerbehandlung, weil wir damit die Dauersporen vernichten.
Zuckerrüben in der Schweinemast
Kurz vor dem Kriege wurde auf Grund eingehender Untersuchungen in den Gegenden, wo der Rübenbau den Vorrang vor dem Kartoffelbau hat, die Schweinemast mit Zuckerrüben besonders empfohlen Das hatte seinen guten Grund, denn Zuckerrüben enthalten mit ihren 16 bis 18 Prozent Zucker gerade die Nährwerte, die das Schwein zu schnellem Mastansatz braucht, und bringen einen hohen Mengenertrag auf die Fläche. Allerdings ist die Getreidemast und auch die Kartoffelmast einfacher, weil die benötigten Futtermengen geringer sind. Die Verwertung der Zuckerrübe ist beim Schwein jedoch besser als bei irgendeinem anderen Tier.
Wegen der Härte der Rübe muß das Futter für Schweine stark zerkleinert oder sogar in Mußform gereicht werden. Es gibt geeignete Rübenmühlen dafür von verschiedenen Firmen. Im Gegensatz zur Verfütterung von Kartoffeln können Zuckerrüben unbedenklich roh oder gekocht verfüttert werden. Selbstverständlich müssen sie sauber verabreicht werden. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, das Rübenfutter mit Kartoffeln zu mischen. Versuche ergaben, daß 50 Teile Kartoffeln und 50 Teile Zuckerrüben den gleichen Masterfolg bringen wie reine Kartoffelmast. Eine Futterration für die Schnellmast besteht beispielsweise darin, daß man täglich pro Tier etwa 1 kg Getreideschrot und Eiweißfuttermittel im Verhältnis 3:1 gibt und dazu als Sättigungsfutter gedämpfte Kartoffeln und Zuckerrüben zu gleichen Teilen. Das Grundfutter bleibt während der ganzen Mastperiode ungefähr gleich, die Menge des Sättigungsfutters steigert sich mit dem Aufnahmevermögen der Tiere. Uebrigens sei darauf hingewiesen, daß auch Rübenschnitzel, insbesondere die vollwertigen Zuckerschnitzel, ein vorzügliches Schweinefutter darstellen, das angesichts der hohen Milokorn- und Maispreise als Zufutter gut geeignet ist. Lbt,
Beizung und Spurendüngung
Vor kurzem haben wir an dieser Stelle auf die Wichtigkeit der Saatgutbeizung hingewiesen. Neuerdings ist nun neben den genannten Beizmätteln ein neues Erzeugnis der Albert-Werke auf dem Markt, das in seiner Beizwirkung dem amtlich anerkannten „Albertan“ entspricht. Darüber hinaus sind aber dem neuen Mittel „D y n a m a 1“, das nur wenig teurer ist, wesentliche Spurenelemente beigemischt, die Mangelerscheinungen verhindern. Ueberall dort, wo man Stockungen des Wachstums beobachten mußte, die durch Düngermangel oder andere Faktoren nicht zu erklären waren, empfiehlt sich eine solche Anwendung von Spurendünger. Wesentliche Aufwendungen kann man sich sparen, indem man in einem Gang mit dem Beizvorgang durch Anwendung von „Dynamal“ auch Spurenelemente an die Pflanzen heranbringt, die einen Ausgleich solcher Mangelerscheinungen bewirken. Man wird also durch eine Anwendung von „Dynamal“ im Vergleich mit unbehandelten Flächen unschwer feststellen können, ob dort Mangelerscheinungen vorliegen oder nicht. Bei stärkerem Mangel an Spurenelementen, wie Bor, Mangan und anderen, hilft bekanntlich die Anwendung entsprechender Zusatz-Düngemittel. et.
Arbeitskalender für den Kleintierhof
HÜHNER
Junghennen aus Frühbruten müssen jetzt mit dem Legen beginnen. Es ist darauf zu achten, daß die Tiere zur Eierablage die Legenester aufsuchen. — Jetzt noch mausernde Hennen sind möglichst im Stall zu halten und besonders gut zu füttern, damit sich der Federwechsel rasch vollzieht und die Tiere bald wieder mit dem Legen einsetzen. Schwächliche Jungtiere aus Frühbruten werden am besten abgeschlachtet. Auch die überzähligen Hähne sollten jetzt abgeschlachtet und verkauft werden, um Futter einzusparen.
GÄNSE UND ENTEN
Für das Wassergeflügel ist im Stall für stets trockene Einstreu zu sorgen. Legeenten, die auch im Winter fleißig legen sollen, müssen eine Beigabe von 25'/» animalischem Kraftfutter zu ihrem Weichfutter erhalten. Da Enten in der Regel in den frühen Morgenstunden ihre Eier ablegen, empfiehlt es sich, die Tiere nicht zu zeitig ins Freie zu lassen. Gänse, die im November geschlachtet werden sollen, erhalten neben der Weide eine Zufütterung von gestampften Möhren mit Weizenschalen, Haferschrot und etwas Körner am Abend. Zur Vormast dienen Kartoffeln. In den letzten Wochen werden reichlich Körner gegeben.
TAUBEN
Bei den Tauben muß nun die Zucht ruhen. Man nimmt die Nester heraus und reinigt den Schlag gründlich. Alle überzähligen Tauben, die nicht zur Zucht für das nächste Jahr gebraucht werden, sind zu schlachten oder zu verkaufen. Die Tiere finden auf dem Felde reichlich Futter. Sie dürfen nicht aus der Hand gefüttert werden, soll die Zucht einen Nutzen abwerfen, Wo allerdings Polizeiverordnungen den Ausflug verbieten, bleibt nichts anderes übrig.
KANINCHEN
Nach Ansetzen des zweiten Wurfes muß den alten Häsinnen die notwendige Winterruhe gegönnt werden. Die Junghäsinnen sind noch nicht zuchtfähig. Zur Fütterung können die Abfälle der Garten- und Feldfrüchte mit benutzt werden. Wenn sie nicht alle verbraucht werden, so können sie zur Gärfutterbereitung dienen. Alle zwei Wochen sind die Stallungen zu reinigen. Haut-, Fell- und Krallenpflege müssen Beachtung finden. Wenn die Fellbildung abgeschlossen ist, kann mit der Abschlachtung der überzähligen Kaninchen begonnen werden. Beim Schlachten muß das Fell noch frisch auf ein Spannbrett gebracht werden. Die Trocknung muß an einem luft.gcn, schattigen Ort erfolgen.
ZIEGEN
In diesem Monat werden die meisten Ziegen brünstig. Sie müssen am ersten Tage der Brunst zum Bode geführt werden, damit keine Mißerfolge eintreten. Der Milchertrag sinkt etwas nach der Begattung, steigt aber wieder bei leichtverdaulicher Fütterung. Bei B—9 Monate alten Lämmern übergeht man zweckmäßig die ersten zwei Brunstperioden und läßt sie erst bei Eintritt der dritten Brunst zum Bock führen. Die Uebergehung einer weiteren Brunst ist nicht ratsam, weil dann oft Unfruchtbarkeit eintritt. Die Grundlage jeder Ziegenzucht ist eine geordnete und leistungsfähige Bock¬ haltung. Etwas Hafer und Gerste muß dem Bock das ganze Jahr gegeben werden, damit er mit Erfolg benutzt werden kann. An sonnigen Tagen muß eine ausgiebige Lüftung erfolgen und auf eine trockene warme Streu geachtet werden, da die Nächte bereits kalt sind und sonst die Milchleistung stark zurückgeht und die Trächtigkeit gestört wird. Die Stall- und Klauenpflege darf nicht versäumt werden. *
SCHAFE
Die jetzt zur Zucht anstehenden Mutterlämmer und Mutterschafe werden gedeckt. Mit der Lammung ist dann im März zu rechnen. Im Oktober ist es nun an der Zeit, den Stall gründlich zu säubern, zu weißen und alle Schäden auszubessern, damit er im Winter wind- und regendicht ist. Kartoffeln und Futterrüben sind als Winterfutter zu beschaffen. Die Gärfutterbehälter können nunmehr restlos gefüllt werden. Vor allem sind es Rübenblätter, die jetzt reichlich anfallen. Das Herbstlaub der Bäume wird als Streu für den Stall gesammelt und trocken aufbewahrt.
BIENEN
Bei allen Arbeiten der vorhergehenden Monate muß der Imker sich von dem Gedanken leiten lassen, daß nicht die Zahl der Völker ausschlaggebend ist für den reinen Imkererfolg, sondern ihre Beschaffenheit. Schwache Völker können jetzt vereint werden. An die Wachsmottenbekämpfung ist fortgesetzt zu denken. Fluglochschieber sind anzubringen und Abwehr vor sonstigem Raubgesindel. Leere Waben sind zu schwefeln. Das Flugleben ist einzustellen. Lbt.
Streustroh lang oder kurz?
Zwischen Langstroh oder Kurzstroh in der Einstreu ist ein großer Unterschied. Kurzstroh, je kürzer, um so besser, saugt sich voll Urin und hält die aufgenommene Flüssigkeit fest. Darum ist Stalldünger aus Kurzstroh gehaltreicher. Beim Stapeln auf der Dungstätte setzt sich der Kurzstrohmist besser zusammen und vergärt gleichmäßiger. Neben diesen Vorzügen scheint mir aber sehr viel wichtiger, daß der kurze Stalldünger sich viel leichter bearbeiten läßt. Das Ausmisten, das Stapeln auf der Dungstätte, das Aufladen, das Abladen und vor allen Dingen das Breiten des Stallmistes werden wesentlich einfacher, wenn wir Kurzstroh einstreuen. Sofern wir keine Häckselmaschine haben, mit welcher wir Kurzstroh etwa B—l 2 Zentimeter lang schneiden können oder von der Dreschmaschine Kurzstroh schneiden lassen können, behelfen wir uns mit einem Strohschneider.
Es reicht aber nicht, wenn wir die Strohbunde nur ein- oder zweimal durchschneiden. Die geringe Mehrarbeit, die vier- bis sechsmaliges Schneiden der Bunde auf zirka 15 Zentimeter Länge macht, bezahlt sich, wie wir gesehen haben, vielfach. Darum sollten wir immer nur in allen Ställen Kurzstroh verwenden, es erleichtert die Arbeit und verbessert den Wert des Stalldüngers.
Statt Karten ^l^ 1 Gott, der Allmächtige, hat heute unsere liebe und unver- | geßliche Tochter Karola I nach schwerer, mit großer Geduld ertragener Krankheit, g unerwartet im Alter von fast 22 Jahren, gestärkt durch die Tröstungen der katholischen Kirche zu sich genommen. Durch ihre edle Gesinnung erwarb sie sich die Liebe und g Freundschaft aller, die sie kannten. Prof. Dr.-Ing. H. J. Menges und Frau Gretel geb. Bohrer ■ ; Dieter Menges als Bruder Gerd Wenner ■ und alle übrigen Verwandten | l Limburg/Lahn, Eschhöfer Weg 1, den 12. Oktober 1950 $ Die Beerdigung findet in Limburg am Montag, dem 16. Oktober, 14.30 Uhr | 1 von der Trauerhalle des Friedhofes aus statt. Das feierliche Seelenamt ist H | am gleichen Tage um 6.45 Uhr im St.-Georgs-Dom
Bestattungen am Samstag, dem 14. Oktober 1950 | BEERDIGUNGEN: Arheilger Friedhof: 13 30 Uhr: Tiefei, Wilhelm, 55 Jahre, Darmstädter Straße 63 H Waldfriedhof: 10 4« uhr- Hartmann, Anna, 75 Jahre, Heinheimer Straße 13 g lEIS Uhr: Biedenkatt, Else, 37 Jahre, Eschollbrücker Str. 33' ». g
da« mir entgegengebrachte Vertrauen, die zahlreichen HückwünscÄe und Blumenspenden anläßlich memes 25- Geschäftsjubiläum möchte ich hiermit nochmals eV wirdtauäinkweiterhin mein Bestreben sein, durch eine reelle Geschäftsführung den guten Ruf meines Hauses zu wahren. Lilli Schneider we. Inhaberin des Textilhauses Hans Schneider Nieder-Ramstadt, im Oktober 1950
Die Zuckerrübenschwemme
In einer Sitzung aller am Zuckerrübenanbau und der Verwertung beteiligten Kreise in Stuttgart wurde eingehend über die derzeitige Zuckerrübenschwemme und ihre Folgen gesprochen.
Der Landesverband der Hessen-Nassauischen Zuckerrübenanbauvereine Zwingenberg a. d. B. hat aus diesem Grunde den nachstehenden Aufruf an alle Anbauer erlassen und fordert darin zum sofortigen Anlieferungsstopp für Zuckerrüben auf.
An unsere Rübenanbauer!
Unserer Aufforderung, so frühzeitig wie möglich mit der Rübenlieferung zu beginnen, ist mit großer Bereitwilligkeit entsprochen worden. Sie übertraf bei weitem die Erwartungen, die wir nach den Erfahrungen früherer Jahre selbst bei weitgespannter Hoffnung hegen durften. Der erfreuliche Erfolg ist, daß ein Teil der Zuckerfabriken bereits in den letzten September- und die restlichen in den ersten Oktobertagen die Rübenverarbeitung aufnehmen konnten,
Weniger erfreulich ist, daß über die Verarbeitungsmöglichkeit hinaus über 1 Million dz Rüben, d. h. der Bedarf für eine volle Woche, bei den Fabriken auf Vorratslager genommen werden mußte, und darüber hinaus von den Rübenanbauern erhebliche Mengen geerntet sind, die nicht abgeliefert werden konnten.Die Zusage, die Rübenlieferung bis zum 14. Oktober freizugeben, konnte nicht aufrecht erhalten werden.
Jetzt schon in großen Mieten gelagerte Rüben halten sich nicht. Die Außentemperatur ist zu hoch, die Reife zu gering. Sie müssen beschleunigt der Verarbeitung zugeführt werden, wenn empfindliche Schäden zum Nachteil von Rübenbau, Zuckerindustrie und der Volksernährung verhindert werden sollen. Einschränkung des Verladeprogramms bzw. der Anlieferungspläne und — wenn die Lage es erfordern sollte — vorübergehende Einstellung der Anlieferung bei einzelnen Fabriken sind zwingende Notwendigkeit geworden.
Wir fordern daher unsere Rübenanbauer auf, mit dem Roden der noch im Boden stehenden Rüben sofort auszusetzen. Die Verladung der Rüben, deren vorzeitige Einlagerung auf auswärtigen Abnahmestellen nicht zu vermeiden war, ist zu veranlassen.
Rübenanbauer!
Es war notwendig, mit der Ernte zu beginnen, ehe die Rüben voll ausgereift waren. Von jetzt ab kann nicht Parole sein, Ernte und Ablieferung so -schnell wie möglich zu beenden. Die noch auf dem Felde stehenden Rüben müssen ausreifen.
Der endgültige Rübenpreis hängt vom Zuckergehalt ab. Er liegt heute noch wesentlich unter 16%. Das sonnige Wetter der letzten Tage hat erst Besserung gebracht. Erntet Rüben erst dann, wenn Möglichkeit zur Ablieferung besteht. Verteilt die Ernte auf die nächsten sechs Wochen.
Rübenanbauer! Wir wissen, daß die Forderung, die Ablieferung bis Ende des Jahres zu erstrecken, Euch ungewohnt ist. Ihr müßt einsehen, daß hier eine unabänderliche Notwendigkeit vorbegt. Wir wissen, daß Außenseiter bestrebt sind, sich über die Ordnung hinwegzusetzen. Versuchen, d'e Lieferpläne nicht nicht zu beachten, müssen wir entgegentreten im Interesse der Gesamtheit. Wer ohne Ermächtigung Rüben frei Fabrik 'bzw. Abnahmestelle anliefert oder mit der Eisenbahn verladet, kann mit einer Buße von 20 Pfg. je Doppelzentner zugunsten der Kasse des Landesverbandes belegt werden.
Mannheim, Darmstadt, Zwingenberg a. d. B„ den 13. 10. 1950. SÜDD. ZUCKER-AG. Mannheim VERBAND SÜDD. ZUCKERRÜBENBAEUR DARMSTADT LANDESVERBAND der HESS,-NASS. ZUCKERRÜBENVEREINE ZWINGENBERG a. d. B.
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Betreffend: Genehmigung einer Haus- und Straßensammlung In der Zelt vom 1. bis 10. Cezember 1950 Der Herr Hessische Minister des Innern in Wiesbaden hat dem Präsidium des Roten Kreuzes in Frankfurt a. M., Junghofstr. 26. auf Grund des § 1 des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (RGBI. 1 S. 1086) und der hierzu ergangenen Durchführungs¬ verordnung vom 14. Dezember 1934 (RGBI. I S. 1250) die Ge¬ nehmigung erteilt, in der Zeit vom 1. bis 10. Dezember 1950 eine Sammlung von Geld- und Sachspenden von Haus zu Haus unter Benutzung von Sammellisten sowie unter Benutzung von Sammelbüchsen auf öffentlichen Straßen, Plätzen und in jeder¬ mann zugänglichen Räumen durchführen zu lassen. Die Genehmigung gilt für den gesamten Bereich des Landes Hessen. Im einzelnen gelten für diese Genehmigung folgende Bedingungen: a) Jeder Sammler ist mit einem entsprechenden Ausweis zu versehen, der von der Ortspolizeibehörde auszustellen ist. Die Ausweise sind nach Ablauf der Sammlungsgenehmigung an die ausstellende Behörde zurückzugeben. b) Die einzelnen Beträge sind in Listen gegen Quittung des Spenders einzutragen. Die Listen müssen numeriert sein und überprüft werden können. c) Die Sammler in jedermann zugänglichen Räumen sowie auf öffentlichen Straßen und Plätzen haben sicher verschließbare Sammelbüchsen, deren Beschaffenheit Veruntreuungen aus¬ schließt, zu verwenden. An jeder Büchse muß der Name des Veranstalters der Sammlung deutlich sichtbar angebracht sein. d) Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei der Durchführung der Sammlung auf öffentlichen Straßen und Plätzen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mitwirken. Die Heranziehung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht gestattet. Erbach, den 11. Oktober 1950 Der Landrat
Betrifft: Genehmigung eines Preisausschreibens Der Herr Hessische Minister der Finanzen in Wiesbaden hat dem Fliedner-Verein Butzbach e. V. in Betzbach.Hessen, Kleeberger Straße 23, ausnahmsweise, unter Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs, die Durchführung eines Preisausschreibens genehmigt. Die Genehmigung ist begründet in § 1 der Verordnung über die Genehmigung öffentlicher Lotterien und Ausspielungen (Lotterie¬ verordnung vom 6. 3. 1937 — RGBI. I S. 283) in Verbindung mit dem Runderlaß des RMdl. vom 8. 3. 1937 (MBL V S. 385) und der organisatorischen Anweisung Nr. 4 der Militärregierung für Groß-Hessen vom 20. 10. 1945. Erbach, den 11. Oktober 1950 Der Landrat
Betreffend: Höchstzulässige Fahrgeschwindigkeiten für Kraft¬ fahrzeuge Durch die Verordnung Nr. 7 des Hohen Kommissars der Ver¬ einigten Staaten für Deutschland vom 31. 7. 1950 ist die Ver¬ ordnung Nr. 9 der amerikanischen Militärregierung über höchst¬ zulässige Fahrgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge aufgehoben werden. Es gelten danach nunmehr wieder die in § 9 StVO, festgelegten Höchstgeschwindigkeiten, und zwar: a) Innerhalb geschlossener Ortschaften: für Kraftfahrzeuge aller Art, 40 Kilometer je Stunde. b) Außerhalb geschlossener Ortschaften und auf den Reichs¬ autobahnen: “ 1. für Personenkraftwagen sowie für Krafträder mit und ohne Beiwagen, 80 Kilometer je Stunde; 2. für Lastkraftwagen, Omnibusse und alle übrigen Kraft¬ fahrzeuge, 60 Kilometer je Stunde. Unbeschadet der vorstehenden Beschränkungen hat der Fahr¬ zeugführer die Fahrgeschwindigkeit so einzuschränken, daß er jederzeit in der Lage ist, seinen Verpflichtungen im Verkehr Genüge zu leisten, und daß er das Fahrzeug nötigenfalls recht¬ zeitig anhalten kann. Das gilt besonders an unübersichtlichen Stellen und an Eisenbahnübergängen in Schienenhöhe. (§ 13 StVO.) Wer in eine Hauptstraße einbiegen oder diese überqueren will, hat mäßige Geschwindigkeit einzuhalten. Wenn an Haltestellen von Schienenfahrzeugen die Fahrgäste auf der Fahrbahn ein- und aussteigen, darf nur in mäßiger Ge¬ schwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, daß die Fahrgäste, nicht gefährdet werden; nötigenfalls hat der Fahrzeugführer anzuhatten. Erbach, den 10. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Erbach Im Odenwald
Betr.: Unterbringung von Kindern in Pflege. Durch Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse eingetretene Umstände ergibt sich öfters die Notwendigkeit der Unterbringung von Kin¬ dern in fremde Pflege gegen Zahlung von Pflegegeld. Trotz des Bedarfs an Pflegestellen muß festgestellt werden, daß Familien vorhanden sind, die Pflegekinder suchen, aber nicht wissen, wohin sie sich wegen Zuweisung eines Pflegekindes wenden müssen. Sie wenden sich an Kinderheime, Verbände und dergl., nicht aber an das Jugendamt, das vor allem die Pflegestellen auf Eignung zu prüfen und zu genehmigen hat. Personen, die ein Kind gegen Zahlung von Pflegegeld oder auch unentgeltlich in Pflege nehmen wollen, müssen sich, unter An¬ gabe des Alters, des Geschlechts und der Religion des gewünsch¬ ten Kindes an das für ihren Wohnort zuständige Jugendamt wenden. Erbach, den 4. Oktober 1950. Der Landrat des Kreises Erbach.
Betr.: Veröffentlichung eines Preissilbenrätsels Im Organ des VdK Hessen. Der Herr Hessische Minister der Finanzen hat mit Erlaß vom 30. 8. 1950 dem Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinter¬ bliebenen und Sozialrentner Deutschlands, Landesverband Hessen in Frankfurt a. M., Eschersheimer Landstr. 5—7 H., die Frist für die Veröffentlichung seines Preissilbenrätsels bis zum 15. 10. 1950 verlängert. Erbach, den 11. Oktober 1950. Der Landrat
Betr.: Genehmigung einer Sammlungsaktion. Der Herr Hessische Minister des Innern hat mit Erlaß vom 21. 9. 1950 dem Evangelischen Hilfswerk für Internierte und Kriegs¬ gefangene in Erlangen die auf den 30. September 1950 be¬ fristete Sammlungsgenehmigung bis zum 30. November 1950 unter den gleichen Bedingungen verlängert. Erbach, den 11. Oktober 1950. Der Landrat
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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 14. Oktober 1950 Wochenschlußandachten: 17.30 Marstinsstift; 20.00 Johannesgemeinde, Elisabethenstift, Pauluskirche (musik. Vesper). Sonntag, den 15. Oktober 1950 Bessunger Kirche: 9.30 Hgd.; 12.00 Tgd.; 14.30 Kgd. Pir. Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd. Pfr. Knodt. Ver. ev. Martinsgemeinde: 10.00 Hgd. Pfr. Köhler; 11.15 Kgd. Martinsstitt Pfr. Köhler; 11.15 Kgd. öemeindehaus Pir. Stühlinger; 17.00 Agd. Pir. Heß. Altersheim: 10.00 Gottesd., Pir. Stühlinger. ttatthäuskirche: 9.30 Hgd.; 10.45 Kgd. Pfr. Mappes. lohannesgemeinde: 9.30 Hgd. Pir. Jaeschke; 11.00 Kgd. (Mi. 18. 10-, 20.00: Agd. Ptr. Jaeschke; Freit., 20. 10., 20.00: ~Deutsche Messe“; fägl. 7.30 Morgengebet, Do. 6.45 u. 7.30). Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd. Pir. Ring. Pauluskirche: 8.00 Abdm.-Gd. Pir. Wintermann; 9.30 Hgd. Ptr. Wintermann; 11.00 Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm.; 11.00 Kgd. Stadtmission: 830 Gebetsstd.; 11.00 Kgd.; 15.30 Evangelisation; 17.30 Jgd. Bd. f. EC. (Do., 19. 10., 20.00: Bibelstd., Mühltraße 24.) Da.-Eberstadt: 7.30 Evg.-Messe; 9.45 Hgd.: 11.15 Kgd. Da.-Arheilgen: 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd.; 15.00 Landeskirchl. Gemeinsch. (Di., 17. 10., 20.00: Männerabend: „Der Christ und der Krieg“; Do., 19. 10., 20.00: Hausmusik d. Fam. Knab, Gemeindehaus.) Katholische Gottesdienste Sonntag, den 15. Oktober 1950 St. Ludwig, Nieder-Ramstädter Straße JO: 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Hochamt m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 18.00 Rosenitranzandacht. (Werktagsgottedienst: tägl. 6.45 u. 7.30 hl. Messe; Di. und Fr. 19.30 Rosenkranzandacht; Beichtgel.: Sa. v. 18.00—20.00.) Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 Andacht. (Werktags: tägl. 6.30 hl. Messe; Di., Mi., Fr. U. Sa. 2. hl. Messe 8.05; Do.. 19.00: Jugend- u. Kindermesse; jed. Mi. 8.05 Gemeinschaftsmesse für die Frauen.) St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm.; 9.00 Kgd.; 10.15 Hochamt; 20.00 Rosenkranzandacht m. Anspr. u. Segen. (Di. u. Fr., 18.00: Rosenkranzandacht. Mi. 6.00 Jugendgemeinschaftsmesse; Do., 20.00: Frauenabend m. Vortr.; Beichtgel.; Sa. V. 16.30—18.30 und 20.00.) St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schw, (Feldbergstr. 32); 6.45 Beichte; 7,30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Kinderkomm.; 9.45 Aussprachekreis d. Männerw. i. Schwesternhaus; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm, in der Pfarrkirche und in Weiterstadt; 18.00 Rosenkranzandacht. (Werktags: hl. Messe 6.30 und 7.30; Do., 8.00: Frauengcmeinschaftsmesse m. Anspr.; tägl. 18.00 Rosenkranzandacht b. d, Schw.; Sa. Beichte 17.00—19.00 und ab 20.00 v. jed. hl. Messe.) Da.-Eberstadt: 7.00 Gemeinschaftsmesse; 9,30 Hochamt m. Pr. u. Kinderkomm.; 18.45 Abendand. m. Segen. (Werktags: 7.00 Amt oder hl. Messe.) Da.-Arheilgen: 7.00 hl. Messe; 8.30 Kgd.; 9.45 Hochamt; 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunustr. 40: 14.30 Sonntagsgottesdienst; Mittwoch, 18.30 (Zeugnisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 Sonntags 10.00. dienstags 7.00, Mittw. u. Samst. 8.p0: Menschenweihehandlung.
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Spielplan vom 14. bis 22. Oktober 1950: ORANGERIEHAUS Sa. 14. 10., 20.00 (E'2) Fra Diavolo So. 15. 10., 19.30 Die Csärdäsiürstln Mo. 16. 10., 19.30 (Volksbühne 1) Othello DI. 17. 10., 19.30 (W/l) Die Csärdäsfürstln Mi. 18. 10., 20.00 (8/2 und TB 1) Ma6 für Maß Fr. 20. 10., 20.00 (D 2 und TD/1) Fra Diavolo Sa. 21. 10., 20.00 (E 3) Helden So. 22. 10., 15.00 (Sonntagsmiete 2) Tannhäuser Stadthalle Heute, Samstag, den 14. Oktober, 20 Uhr Wirkungen der Literatur Ein Darmstädter Gespräch mit Emil Belzner, Kasimir Edschmid, Wilh. I ehm nn, Ot’o Rombach, Friedrich Schnack, R. A. Schröder, Fritz Usinger. Eintritt 1,- DM Vorverkauf Darmstädter Musikzentrale, Mathildenstraße Orangerie h aus Sonntag, 15. Okt., 11.15 Uhr Matinee Kasimir Edschmid und Otto Flake lesen aus eig. Werken Vorwort: Frank Thiess Übergabe des Georg-Büchner-Prcises 1950 Würdigung des Preisträgers: Prof. H. W. Eppelsheimer Eintritt frei/! Die Spezialwerkstätte für Ladeneinrichtungen Schaufensteran'agen, Inneneinrichtungen Glasaufsätze, Giasvitr nen Philipp Dietrich - Ladenbau * Lindenfels Die Werkstätte der soliden handwerklichen Meisterarbelf Entwurf • Zeichnung . Ausführung
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Woher Reinheim seinen Namen hat
Eitle (neue) Sage des Odenwalds
In jenen alten Zeiten, als die Christenheit die Kreuzzüge unternahm, um die Stadt Jerusalem und das Heilige Grab zu erobern, lebte in Mitteldeutsch» land ein edler junger Herzog. Er hatte gerade ein liebes Weib als Herzogin auf seine Burg geführt, als zu einem neuen Kreuzzug aufgerufen wurde. Der Herzog, von frommer Begeisterung erfaßt, ent» schloß sich, an ihm teilzunehmen, so schwer ihm auch die Trennung von seiner Gemahlin wurde. Er war einer der Ersten, die bei der Eroberung der Stadt die Mauern erstiegen. Wohlbehalten durfte er heimkehren. Groß waren darum der Jubel seines Volkes und die Freude seiner Gemahlin. Bald aber kam ein schweres Leid über das herzog» liehe Paar. Ein treuer Diener des Herzogs hatte eine böse Krankheit, den Aussatz, aus dem Morgenland mitgebracht, und es geschah, daß die Herzogin, die den Kranken pflegte, von der abscheulichen Seuche befallen wurde. Der unglückliche Herzog tat alles, was in seinen Kräften stand, um sie zu retten. Die berühmtesten Ärzte seiner Zeit wurden befragt, aber keiner konnte der Kranken helfen. So entschloß er sich zu einer Wallfahrt nach Rom, um in allen Kirchen für seine Gemahlin zu beten. In Rom erfuhr er auch, daß in Sizilien ein über 100 Jahre alter Einsiedler lebe, der über wunder» bare hellseherische Kräfte verfüge. Zu diesem wanderte der Herzog. Nachdem er ihn angetroffen und sein Anliegen vorgebracht hatte, fastete und betete der Greis acht Tage und Nächte lang. Sodann erklärte er dem Wartenden, daß die Herzogin rein und gesund werden könne, wenn sie von der reinsten und edelsten deutschen Jungfrau gepflegt werde. Sie wohne in einem kleinen deut» sehen Orte zwischen Rhein, Main und Neckar. Den Namen des Ortes jedoch könne er freilich nicht nennen.
Hoffnungsvoller kehrte der Herzog in seine Hei» mat zurück. Mit seiner kranken Gattin zog er nun durch das Land zwischen den drei genannten Flüs» sen, um den Ort und die reinste Jungfrau zu suchen. Sie zogen von Ort zu Ort und von Stadt zu Stadt. Nirgends aber fanden sie Einlaß. Man wies sie ab, weil man die Ansteckung fürchtete. Das Paar und sein Gefolge mußte vor den Toren der Städte und den Häusern der Dörfer nächtigen.
Die Herzogin schien schon dem Tode nahe zu sein, als sie zu einem kleinen Orte an der Gersprenz am Rande des Odenwalds kamen, das den Namen „Schlechtheim" führte.
Schlechtheim hatte damals nur eine Straße, an deren beiden Enden Tore und Torwächtertürme standen. Aber auch da ließ man die Kranke und ihre Begleitung nicht ein. Draußen, vor dem Ober» tore, mußten sie in einem Zelte wohnen. Nun hatte der Torwächter ein liebes Töchterlein. Katharine ließ es, das bedeutet auf deutsch: die Reine, und der Name paßte auch so gut zu dem Wesen der Jungfrau. Von ihrem Fensterlein sah sie die leidende Her» zogin, die von ihrem in der Sonne bereiteten Lager traurig und hilfesuchend zu ihr aufschaute. Da erfaßte ein unendliches Mitleid der Jungfrau Herz. Sie entschloß sich, soweit es in ihren Kräften stand, der Kranken zu helfen und ihr das Sterben leichter zu machen.
Als eine tiefdunkle Nacht kam und alles schlief, auch der Vater, der Torwächter, schloß sie das Tor auf, holte die Herzogin herein, legte sie in ihr eigenes Bett und pflegte sie mit größter Hingabe und Treue. Niemand wußte davon. Und siehe da, mit einem Male wurde es mit der Herzogin besser. Von Tag zu Tag wich der Aussatz mehr von ihr, und schließlich war sie wieder ganz rein und gesund. Der Herzog, überglücklich voll Freude und Dank, bot der Jungfrau Gold, Perlen und Edelsteine zum Geschenk an. Sie aber nahm nichts an. „Ich habe es um des Heilands willen getan", sagte sie. Da ging der Herzog zum Schultheiß von Schlechtheim und forderte ihn auf, einen Wunsch für sein Dorf aus» zusprechen. Wenn er irgendwie könne, wolle er ihn erfüllen. Der Schultheiß antwortete, er habe freilich einen Wunsch. Er hätte gern für sein Dorf Schlechtheim einen anderen Namen. Der Herzog versprach ihm, bei dem Kaiser vorstellig zu werden, daß der Name geändert werde. Er reiste zum Kaiser und erzählte ihm die Geschichte von seiner Gattin, wie diese von der Jungfrau in Schlechtheim geheilt und vom Aussatz frei geworden sei und was der Schultheiß des Ortes für einen Wunsch habe. Der Kaiser befahl, sofort eine Urkunde auszustellen, daß Schlechtheim sofort den Namen Katharinen» heim oder vielmehr auf deutsch „R einh ei m" führen solle zur Erinnerung an die reinste Jungfrau des Reiches, an Katharina, des Torwächters Töch» terlein.
So heißt seitdem der Ort, die spätere Stadt an der Gersprenz am Rande des Odenwaldes: Rein» heim. • Dr. M.
Lesezeit
Es reift der Wein, Die Lese beginnt. O lustvoll Sein, Die Kelter- rinnt. Das Spiel des Lichts Neigt sich zu Ende Heit’ren Gesichts Zur Jahreswende. O trunkner Chor Der tausend Sonnen Am Himmelstor Vrewger Bronnen. H. J.
Die Mordkammer
Im 5. Jahrhundert hatte unsere engere Heimat Heimat unter den räuberischen Einfällen der Hun» nenscharen viel zu leiden. Darum flüchteten die Bewohner des Wormsgaues und rings um Alzey nach dem Donnersberg mit seinen tiefen Wäldern. Aber auch hier spürten die Hunnen sie auf, und in einem verschänzten Lager in der Nähe von Wein» heim wurden die Geflüchteten allesamt von den Hunnen grausam ermordet. Seitdem heißt die Schlucht, die solches gesehen hatte, „die Mord» kammer", der Berg aber zur Erinnerung an das schreckliche Blutvergießen „Heilig=Blut=Berg". Noch heute soll man beim Sturmesbrausen in den tiefen Wäldern die Erschlagenen rufen und wehklagen hören, erzählt man sich im Volk. »illi»
Frettenheim im Wandel der Zeiten
Von Georg WendelWenngleich Frettenheim eine der kleinsten Gemeinden des Kreises ist, gehört das Dorf doch zu den allerältesten Siedlungen im ehemaligen Worms» gau. Wie die Bodenfunde beweisen, war der Raum um Frettenheim schon viele Jahrtausende vor Christi Geburt von Menschen bewohnt. Die Bronzezeit» menschen bebauten den fruchtbaren Boden; nach ihnen siedelten hier fleißige Hallstattleute und Kel» ten. Die Ausgrabung einer römischen Ansiedlung, bei der ein ausgemauerter Brunnen, römische Ziegel, römische Münzen und eine ganze Anzahl von Gebrauchsgegenständen und Sigillata=Gefäßen gefun» den wurden, führen uns auf die Spuren der Römer» herrschaft. Es folgten die unruhigen Zeiten der Völkerwanderung. Als die Franken etwa um das Jahr 600 Ruhe ins Land brachten, sich in unserer Gegend seßhaft machten und Dörfer gründeten, entstand als fränkische Siedlung auch Frettenheim. Schon 766 wird der Ort in den Lorscher Sehen» kungsakten urkundlich unter dem Namen Fritten» heim genannt. 774 heißt das Dorf Fruttenheim und von 1402 an Frettenheim. Nach dem Alzeyer Saal» und Lagerbuch von 1429 zählte der Ort unter die» jenigen Dörfer, „welche zu allen Geboten der Burg von Alzey zu dienen schuldig waren". Die Vogtei trug ein im Dorfe ansässiges Geschlecht, derer von Frettenheim, denen das Dorf von Kurpfalz als Lehen gegeben war. Als um das Jahr 1575 dieses Adels» geschlecht mit Friedrich von Frettenheim erlosch, wurde das ganze Lehen von Kurpfalz eingezogen. Frettenheim wurde kurpfälzisch und blieb bei der Pfalz bis zu den Wirren am Ende des 18. Jahrhun» derts (1797). Abgabepflichtig war das Dorf außer an die Burg zu Alzey an den Junker Hund von Saulheim. Von 1755 an aber waren die Freiherren von Heddersdorf die Zehntherren.
Schon vor 1500 stand in Frettenheim eine Kirche,
die „Allen Heiligen" geweiht war. Im Baubuch des Oberamtes Alzey wird vom Jahre 1587 berichtet, daß „es dem Gotteshaus an nichts mangele". Später kam das Gebäude aber in Zerfall, so daß es von etwa 1670 an nicht mehr als gottesdienstliche Stätte benutzt werden konnte. Am Ende des 17. Jahrhun» derts war nur noch eine Ruine vorhanden. Dieses ehemalige erste Gotteshaus wurde bei der Pfälzer Kirchenteilung 1706 den Reformierten zugespro» eben, die aber die zerfallene Kirche nicht mehr auf» bauten. Sie erbauten sich vielmehr im Jahre 1755 eine neue Kirche, welche heute noch der evange» lischen Gemeinde dient. Auch die Katholiken er» bauten im Jahre 1749 eine neue Kirche und weihten sie dem hl. Georg Der Altar stammt aus der kur» fürstlichen Kapelle zu Mainz.
Frettenheim war schon vor der Reformation Pfarr» ort und blieb es bis in die zweite Hälfte des 17. Jahr» hunderts. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Pfarrstelle nicht mehr besetzt. Von 1572 bis 1577 amtierte als Pfarrer in Frettenheim Jakob Haccamar, von 1596 bis 1603 Andreas Friderici. Die Namen der früheren Pfarrer sind nicht bekannt. Auf die Vergangenheit zurückblickend kann gesagt werden, daß ein jedes Dorf, und sei es noch so klein, seine Geschichte hat. Irgendwo und irgend» wann hat es im Laufe der Jahrhunderte einmal als kleines, unscheinbares Rädlein im großen Welt» getriebe mitgespielt. So auch unser Frettenheim. Anmutig liegt es da, in einer fruchtbaren Mulde, die von den Abhängen des Kloppberges und des Wintersberges gebildet wird, umgeben von aller» bestem Ackerland, das wiederum von einem Kranz von Weinbergen umsäumt ist. Das Dorf macht einen gepflegten Eindruck. Saubere Straßen und geräumige Bauernhöfe verraten reiches Besitztum um den Wohlstand der Bevölkerung.
Frauen IM STURM DER ZEITEN
1. Fortsetzung
Schon hassen sie die Österreicherin, die Tochter des „Erbfeindes", bevor sie sie gesehen haben. Aber wie sie sich langsam wieder emporrichten, fliegt doch Erstaunen über ihr Gesicht. So viel Anmut, so viel Jugendfrische, so viel eben aufblühende Schönheit sind selbst in Versailles und in Paris selten. Diese federnde Leichtigkeit der Bewegung, diese stolze Haltung des jungen Leibes, dieses leuch» tende Blond auf dem Haupte, diese zarte Linie des Profils, dem selbst die stärkere Habsburger Unter» lippe einen eigentümlichen Reiz verleiht — es ist nicht anders möglich: wer dies zum ersten Male sieht, muß wohl entzückt sein, wenn sein Herz nicht ganz verknöchert ist.
In der Mitte des Saales steht der Tisch, der die Grenze andeutet. Neben ihm die Gräfin von Noailles, von dieser Stunde an die Oberhofmeisterin des Hof» staates der Kronprinzessin. Sie wird die Ehre haben, als erste Französin die Erzherzogin zu begrüßen. Gemessen und anmutig zugleich, wie es das Zere»
moniell vorschreibt, geht Marie Antoinette auf sie zu. Aber wie nun die Deutschen allmählich Zurückbleiben, da ihre bisherige Herrin doch nicht mehr zu ihnen gehört, fällt das Gefühl der Einsamkeit drückend auf die jungen Schultern des kaiserlichen Kindes. Plötzlich beschleunigt es seinen Schritt, und dann fliegt es mit einem Aufschluchzen der Gräfin von Noailles in die Arme, und die Tränen überströmen das Gesicht. Marie Antoinette drückt die blasse Wange dicht an ehe Schultern der Gräfin — die rührendste Bitte um Freundschaft und Hilfe, die man sich denken kann.
Die Herren und Damen beider Höfe stehen starr. Dergleichen war nicht einmal in Wien bei der warmherzigen Maria Theresia denkbar gewesen; im etikettebeschwerten Versailles schon gewiß nicht. Halb mitleidig und halb entsetzt sieht alles zu diesem merkwürdigen Mädchen hin, das mit einem einzigen Schritt das ganze Programm zu sprengen droht, das in monatelangen Beratungen von Ministern und Zeremonienmeistern entworfen ist. So ein überströmendes Herz also hat sie! Aber was soll das an einem Hofe?
Inzwischen hat sich die Gräfin von Noailles wieder gesammelt. Mit einer zugleich sanften und festen Bewegung hat sie Marie Antoinette wieder von sich geschoben. In feierlichen und würdevollen Worten begrüßt sie die kaiserliche Braut. Mit zuckenden Lippen spricht diese die eingelernte Antwort, tönende Phrasen, deren Sinn sie nur halb versteht. Dann verabschiedet sie ihre bisherigen Landsleute mit einem Handkuß. Sie ist nun zusammen mit ihrem neuen Hofstaat, und es wird ein wenig geplaudert. Da sieht auch sie die Teppiche mit dem unheilvollen Inhalt. Ein Erschrecken überkommt sie. Sie wendet sich wie hilfeflehend an ihre Umgebung. Die versucht sie zu beruhigen und abzulenken. Mit den neuen Landsleuten zusammen geht Marie Antoinette in den westlichen, den französischen Teil des neuen Holzhauses. Ihr Herz ist sehr schwer, aber sie hat sich gefunden. Man soll über die Tochter Maria Theresias nicht spotten. Aber wenn sie in die kühlen Gesichter ihrer neuen Umgebung schaut, fühlt sie ihr Herz wieder ängstlich schlagen. Sie fühlt sich grenzenlos allein ...
Erste Enttäuschung
14- Mai 1770. Auf einer Lichtung im Walde von Compiegne steht der französische Hof versammelt. In seiner Mitte, ein wenig von den anderen getrennt, ein großer, noch jetzt an der Schwelle des Alters schöner Mann, eine wahrhaft majestätische Erscheinung, der
VON PETER GRIESENBRUCHregierende König Ludwig XV. Ihm zur Seite ein jüngerer, halb Knabe, halb Jüngling, mit unfertiger Gestalt und unfertigen Gesichtszügen, mit lin» kischen Bewegungen und schüchternem Ausdruck: der Enkel des Königs, wie dieser Ludwig geheißen, sechzehn Jahre alt, Kronprinz von Frankreich, Ver» lobter der Erzherzogin Marie Antoinette. Der König spricht lange und lebhaft, der Enkel hört ehrerbietig zu, bei Fragen errötet er vor Verlegenheit, und stammelnd ist seine Antwort.
Der Kronprinz ist sehr verdrießlich; aber er ist ein zu braver Junge, als daß er seinen Unmut zeigte. Wie schön wäre es, heute im Walde zu jagen, statt hier auf ein Mädchen zu warten, das er nicht kennt und dessen Bild ihm nichts sagt. Und wenn man nicht jagen könnte, dann hätte man vielleicht den lieben langen Tag das neue Türschloß zurechtfeilen können, das ihn schon seit vier Tagen beschäftigt und über dessen Fortschritte sich sein Lehrmeister so anerkennend geäußert hatte. Jagen und Schlosser» arbeiten sind die Dinge, die außer der Religion das
Herz des Jünglings füllen. Von Mädchen weiß er nichts und will er nichts wissen, von Politik versteht er nichts und will er nichts verstehen. Er war sehr traurig, als man ihm bedeutet hatte, er müsse heiraten. Er hat sich gefügt, wie er sich immer fügt; aber hier zu stehen und zu warten auf eine Frau, die er nicht lieben und nicht einmal begehren kann, weil ihm die Natur die Fähigkeit dazu nicht gegeben hat — dies ist für den Kronprinzen Ludwig eine schwere Qual.
Der König ist es schließlich leid, auf seine Fragen nur immer wieder dieses Stocken und Stammeln zu hören. Armer Kleiner, denkt er bedauernd, er ist bescheiden und so freundlich, aber er ist der größte Stoffel am ganzen Hofe und wird es wohl immer bleiben. Seufzend verstummt er; ungeduldig richten sich seine Blicke nun nach Osten. Will die Braut des Enkels denn noch immer nicht kommen?
Endlich wird in der Feme die Wagenreihe sichtbar. Nun halten die Ankömmlinge; aus dem prunkvollsten Wagen steigt an der Hand der Gräfin von Noailles die Erzherzogin. Der Elof des Königs lüftet die Federhüte, schweigend und wie festgebannt steht die glänzende Versammlung da. Mit raschem Schritt löst sich der König von ihr und geht der Erzherzogin entgegen. Marie Antoinette beginnt den tiefen Hofknix, der einem Kniefall ähnlich sieht, wie ihn die Etikette vor der Majestät des Königs vorschreibt. Aber noch beim Beginn der Beugung hat der König sie erreicht und fängt sie in seinen Armen auf. Beglückt hat der erfahrene Kenner der Frauen der jungen und anmutigen Gestalt entgegengesehen, beglückt schaut er jetzt in das Mädchengesicht, mit allen frischen Farben der Jugend und mit jenen kleinen Unregelmäßigkeiten, die eine schöne Frau erst wirklich anziehend machen. Leicht verwirrt schaut ihn auch Marie Antoinette an. Ah, das ist wahrhaft ein König!
Arme Marie Antoinette! Ein wenig hat sie in Wien wohl gehört von einer gewissen Gräfin Dubarry, die den König in ihre Netze geschlagen hat. Daß sie eine gewöhnliche Straßendirne ist, die ihren Mann und ihren Titel gekauft hat, hat sie auch schon gehört. Aber daß dieser schöne und immer noch blühende Mann in Wirklichkeit die schändlichste Figur im ganzen Königreich ist, daß er sein alterndes Herz nicht nur an die Dubarry, sondern an andere zahllose, andere käufliche Frauen verschwendet, daß er seit seiner Jugend immer nur in Liebschaften und kostspieligen Vergnügungen sein besseres Selbst längst erstickt hat, daß seine Klugheit und seine Menschenkenntnis längst von einer fürchterlichen Trägheit des Herzens überschwemmt sind — dies alles weiß dieses junge und reine Herz nicht Sie sieht nur Schönheit und Güte, ihr Herz ist gefangen; zum ersten Male seit der Insel auf dem Rhein fühlt sie sich nicht ganz verlassen.
Aber da wendet sich der König mit halber Handbewegung an den Kronprinzen, und nun kommt der jüngere Ludwig heran, täppisch und ungeschickt, mit all dem Glanz seiner Kleidung und seinem Galadegen, doch unköniglich, irgendein Junge aus niedrigem Stande, dem man reiche Kleidung angezogen hat, und auf dem Gesicht weder Freude, noch Stolz, sondern nichts als Dumpfheit und Beschränktheit und dazu gräßliche Verlegenheit — das Herz des Mädchens schlägt plötzlich schmerzhaft: dies also ist der Mann — ihr Mann. An der Seite dieses Tölpels soll sie, die junge, die lebensprühende, die lebensgierige Marie Antoinette ihr ganzes Dasein verbringen! Und da er sie nun jetzt auf Befehl des Königs umarmt, spürt sie unter dieser täppischen Bewegung wieder den feinen Stich im Herzen. Sie weiß nicht viel von Liebe und Ehe, dieses halbe Kind; aber eins weiß sie: glücklich wird sie durch Ludwig niemals sein.
Erste Begegnung
14. Mai 1770. Im kleinen Schloß von La Muette stehen die Herren und Damen des königlichen Hofes in den Räumen vor dem Speisesaal. Nur eine kleine, auserlesene Gesellschaft ist heute anwesend; sie wird die Ehre haben, als erste mit der Frau Kronprinzessin zu speisen.
Aus der Halle kommt der König; an seinem Arm geht das Mädchen, das morgen durch feierliche Trauung Gemahlin des Thronfolgers werden wird. Der König trägt weißen Atlas, das Gesicht strahlt vor Laune und Fröhlichkeit, der Sechzigjährige ist noch immer einer der schönsten Männer Frankreichs. Aber aller Blicke richten sich doch auf Marie Antoinette in ihrem perlgrauen Kleid, das einigen sparsamen Schmuck trägt; und alle sind entzückt Auf ihrem Gesicht ist gerade die kleine Verlegenheit, die junge Menschen gut kleidet, aber besiegt doch durch Anmut und natürliche Hoheit. Niemand hier am Hofe, außer dem König, mag Marie Antoinette; aber jeder muß sich schweigend gestehen, daß Auf dem französischen Thron eine der schönsten Frauen sitzen wird, die jemals eine Krone getragen haben.
Der König macht seine Schwiegerenkelin mit den Mitgliedern seines Hofes bekannt, die ihr bis zur Stunde noch nicht vorgestellt waren. Für jeden hat sie ein freudliches Wort, irgendeine Nidrtigkeit; in diesem Kreise von erlauchten Müßiggängern, deren einziges Talent es ist, Geld zu verschwenden, Liebe* leien zu haben und die Etikette zu beobachten, ist dennoch jedes Wort der Erzherzogin von ungeheurer Wichtigkeit. Morgen wird ihr „Ach, ich habe schon viel Gutes von Ihnen gehört" oder ihr „Wie geht es der Frau Herzogin, Ihrer Mutter? — die Fürstin
Ludwig XVI.
Schwarzenberg hat mir in Wien viel von ihr erzählt", morgen also wird jeder dieser kleinen Sätze wie ein Lauffeuer durch Tausende von Ohren und von Tausenden von Mündern wiederholt werden; und jedes Wort wird aufmerksam, zweifelnd und beglückt geprüft werden, und zum Schluß wird dieses ganze hohle und leere Gelichter finden, daß sich Marie Antoinette sehr angemessen benommen hat..
Die Wangen der Erzherzogin sind gerötet. Ihr beginnt der Hof Vergnügen zu bereiten. Von In» trigen und Ränken weiß sie nichts. (Fortsetzung folgt.)
PARADIES PENANG
Nnicht alle Schiffe machen in Penang Prince of Wales Island an der Küste von Malakka Station, denn diese Insel ist nur 280 qkm groß und die Passagiere, die hier eine geschäftliche Angelegenheit zu erledigen haben, sind verhältnismäßig selten. Bevorzugt wird Penang von den Fahrgästen der Luxusschiffe, die hier eine will» kommene Gelegenheit sehen, das langweilige Bord» leben wieder einmal durch einen Landbesuch unterbrechen zu können.
Paradiesisch schön präsentiert sich Penang. Wie ein tropisches Märchen taucht es aus den Fluten des Ozeans. Das Klima ist heiß, aber gesund. Keine Fieberkranken, keine Lepra» und Choleraverdächtigen wie in den anderen asiatischen Anlegeplätzen, völlig staubfreie Asphaltstraßen und ringsum Berge und Urwald.
Die Hotels von Penang gleichen weißen Tempeln. Sie sind das Vollkommenste, was die Hotelerie der Welt zu bieten hat mit künstlich gekühlten Schlaf» räumen und nach innen gebauten Gastzimmern, in denen es immer licht und luftig ist, so daß man die Hitze dieser Breiten kaum gewahr wird. Dazu eine Verpflegung, die ganz den Ansprüchen der verwohnten Luxusdampferpassagiere entspricht: Viel Obst, Kaltschalen und Menüs, die mit Raffinement aus allen Speisezetteln der Welt zusammengestellt sind.
Aber auch die Eingeborenen wohnen gesund und unbeschwert. Keine Wellblechbaracken, sondern Hütten aus Bambus und Stroh, die in lauschigen Palmenhainen versteckt liegen. Das Meer ist nur einen Büchsenschuß weit entfernt und es rauscht Hotelgäste und Eingeborene in den Schlaf. Diese leben vom Fischfang und von dem, was der liebe Gott draußen wachsen läßt. Sorge um das tägliche Brot macht sich niemand. Mutter Natur deckt auf die vielfältigste Art den Tisch.
Aber Penang hat noch ein anderes Gesicht. Die Asphaltstraßen führen nicht nur zu den weißen Hotels, sondern auch in die Dschungel, die ganz in der Nähe des Meeres beginnt. Da stoßen sich die Gegensätze im Raum. Wie eine Mauer erhebt sich der Urwald plötzlich. Rechts und links dehnt sich eine Symphonie des Schmarotzertums, Lianen und Orchideen hüllen die Bäume ein, die so stehen, daß sie sich im Wachstum zu hindern scheinen. Bunte Vögel schauen aus den Wipfeln auf die Straße herab und es kreischt und kläfft, fiept und knurrt in den Aesten, scharrt und rennt, singt und poltert, daß es einem in den Ohren gellt. Ganze Affenherden jagen über den Weg und plötzlich senkt sich die Urwalddämmerung herab. Die Sonne vermag Gerank und Schlingwerk nicht mehr zu durchdringen. Ringsum ist grünes Licht und ein schwerer betäubender Duft von Orchideen bedrängt die Sinne. Hier ist auch die Temperatur drückend heiß. Über die Straße gaukeln große Falter mit unwahrscheinlich bunten Flügeln. Sie setzen sich auf die Kühler der Autos, als wollten sie die Fahrer ein Stück begleiten als Erinnerung an diesen Ausflug in den Urwald.
Dann tauchen Gummiplantagen auf und Schatten huschen von Baum zu Baum, die Gummizapfer mit dem charakteristischen Näpfchen in der Hand, in das die Gummimilch fließt, die die Zapfer in einen Eimer laufen lassen. Als über dem Gummimarkt Brasiliens die Sonne unterging, stieg sie über Singapore empor, und diese Stadt ist der Sammelplatz für die
(Fortsetzung auf Seite 5)
Fischfang im Schatten der Palmen
Eingeborenen-Dorf auf Penang
Das Tagewerk ist nicht schwer Aufnahmen: Jung
Breslauer Erinnerungen
Wir wollen doch mit unserem Besuch noch einen Bummel durch Breslau machen", sagte Mutter damals am Mittagstisch, „denn Fritz muß doch unsere schöne Stadt kennenlernen." So wurde dann beschlossen, am anderen Vormittag nach Breslau zu fahren, und ich durfte mit dabei sein.
Schon von weitem grüßten die Türme der Hauptstadt Schlesiens. Die Häupter des Doms, der Elisabeth=, Magdalenen^, Dorotheen= und Lutherkirche ragten ehrwürdig in den Himmel hinein. Auf der Oder und den Schiffahrtskanälen zogen die Kähne stromauf= und stromabwärts, ein farbenprächtiges Bild. Dann waren wir am Hauptbahnhof. Ach war das ein Betrieb!
Eine Weile sahen wir dem Treiben der Schwäne auf dem Stadtgraben zu und fütterten die dicken Karpfen. Dann ging es auf die Liebichshöhe, und wir kletterten auf den Aussichtsturm. Wir hatten gerade sehr gute Sicht und konnten weit ins Schlesierland hineinschauen. Die Trebnitzer Berge, das Eulengebirge, Zobten, Glatzer Bergland, und sogar, ganz weit als leichter Schimmer am Horizont, die Schneekoppe waren zu sehen. Prächtig war das gewaltige Stadtbild mit seinem Leben und Treiben unter uns. Man sah den Kuppelbau der Jahrhunderthalle, der, 1913 erbaut, der größte der Welt genannt wurde und die größte und schönste Orgel in sich barg. Die Grünanlagen, die sich durch die ganze Stadt hinzogen, der Scheitniger Park, dahinter das Stadion und die vielen Randsiedlungen, deren rote Dächer in der Sonne leuchteten, boten einen imposanten Anblick. Von der Liebichshöhe ging es weiter, die
Ohlauer Straße entlang zum Rathaus, welches mit zu den schönsten und ältesten Schmuckstücken Breslaus zählte. Es stammte aus dem 12. Jahrhundert und wurde von 1260 bis 1559 erbaut. Eine Führung durch die Räume, wie Remter und die anderen Sitzungszimmer in gotischem Stil war eine Erbauung. Vom vielen Schauen waren wir müde, durstig und hungrig geworden. Wir stärkten uns nun erst mal in dem historischen Schweidnitzer Keller, den jeder besucht haben mußte. Nachdem auch wir uns mit Bier, schlesischen Würstchen und Semmeln gestärkt hatten, setzten wir unseren Rundgang um den Ring fort, besichtigten die Elisabeth= und Magdalenenkirche, und Vater erklärte uns den Stil der Bauten. Mit der Linie 9 fuhren wir dann von der „Becherseite" des Rings hinaus nach Scheitnig. In der Tiergartenstraße lag der große Komplex der Universitätsklinik. Am Zoo stiegen wir aus und ergötzten uns im Tiergarten. Ruhe und Erholung fanden wir im Scheitniger Park. Der Japanische Garten stand gerade in vollster Blütenpracht. Wir setzten uns zu einer Tasse Kaffee in die „Terrassengaststätte der Jahrhunderthalle". Mit der Linie 18, die aus „Zimpel" kam, ging es zurück über die Kaiserbrücke bis zum Opernhaus in der Schweidnitzer Straße. Nun waren wir auf der berühmten und so beliebten „Schwo" mit den schönen Auslagen in den eleganten Geschäften. Vater zog seine Uhr; es war Zeit, zum Bahnhof zu gehen. An einer Würsteibude wurden schnell noch ein paar „heiße Wiener" gegessen. Es war allmählich dunkel geworden, und die Großstadt schwamm in einem Lichtermeer.
Auf der Heimfahrt meinte Vater, alle Schönheiten und Sehenswürdigkeiten könne man ja in den paar Stunden nicht besichtigen, dazu brauche man wohl eine geraume Zeit. Zu einem Besuch von Schloß Universität, Dom und Klößltor hatte es nicht mehr gereicht. Lange schaute ich noch aus dem Fenster des fahrenden Zuges, bis auch die letzten Türme und Lichter der Großstadt meinen Augen entschwunden waren. G. K.
Blick über die Oder zur Sandinsel; links oben: Madonna aus St. Magdalenen in Breslau Aufnahmen: Heinze, Pergamon-Archiv
Zum Gedenkeu
von Joseph Freiherr von EichendorffDie Sehnsucht nach der Heimat lebt in den Liedern des größten oberschlesischen Dichters Freiherrn Josef von Eichendorff, der in Lubowitz bei Ratibor geboren wurde.
Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh’? Das Horn lockt nächtlich dort, als ob's mich riefe. Am Abgrund grast das Reh; Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe. — O stille! Wecke nicht! Es war als schliefe, Dort unten ein unnennbar Weh. *
Kennst du den Garten? — Wenn sich der Lenz erneut, Geht dort ein Mädchen auf den kühlen Gängen, Still durch die Einsamkeit, Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen, Als ob die Blumen und die Bäume sängen, Rings von der alten, schönen Zeit! »
Ihr Wipfel und ihr Brunnen, rauscht nur zu! Wohin du auch in wilder Lust magst dringen, Du findest nirgends Ruh', Erreichen wird dich das geheime Singen, — Ach, dieses Bannes zauberischem Ringen, Entfliehn wir nimmer, ich und du! lIII■I■IIIII■IIIIIIII■IIIIIIIIIIIIII■IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII■IIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIII■■
Paradies Penang
(Schluß von Seite 4)
gesamte Gummiausfuhr Großbritanniens geblieben. Auch Penang nimmt an der Belieferung teil.
Am Rande der Gummiplantagen liegt ein buddhistischer Tempel, aus dem ein betäubender Weihrauchduft strömt. Vor einem altarähnlichen Aufbau knien die Gläubigen, und der Weihrauchduft hüllt zwei große chinesische Vasen ein, auf denen die heiligen Schlangen ruhen, die durch den Dunst in ständiger Betäubung gehalten werden. Nur während der Fütterung entzieht man ihnen die Narkose. Der Tempelbau zeugt von Geschmack und Wohlhabenheit der Erbauer; Ausstattung und Stil stehen hier in wohltuendem Gegensatz zu der Primitivität ähnlicher Tempel in Hongkong.
So ist alles gediegen und echt auf dieser Insel. Nur die Andenken, die die Händler am Eingang der Hotels und der Tempel feilbieten sind Talmi: Siamesische Aquamarine, Goldtopase und Saphire. Sie funkeln in der Sonne und erscheinen in Farbe und Schliff untadelig. Nur haben sie den Fehler, daß sie falsch sind. Weil es aber nie an Käufern fehlt, so stirbt die Zunft dieser Händler nicht aus. H. J.
Am Klößltor
Der Rechtsberater das Wort
Eigentümer gesucht
Prokurist Hirschmann sitzt nach leckerem Mittagsmahl am offenen Fenster seines Zimmers. Als äußerliches Zeichen seines Wohlbefindens zündet er sich gerade seine Spezial-Havanna-Sandblatt mit leuchtender Bauchbinde an. Kaum hat er die ersten Züge getan, so steigt ihm ein Übelsein in der Magengegend hoch. Mißmutig schleudert er das teure Stück über den Vorgartenzaun hinweg auf die Straße.
Da kommt gerade der sechsjährige Zeitungsjunge Peter Schmitz vorbeigetrabt. Zu seinen Füßen fällt die kaum angerauchte schwere Havanna. Da er sich unbeobachtet fühlt, hebt er sie auf, um sie, wenn nicht auf einmal, so in Etappen fertigzurauchen. Aber auch ihm bekommen die ersten Züge gar nicht. Sein Übelsein sitzt weiter unten als bei Prokurist Hirschmann. Auch er wirft daher entgegen seinem Vorsatz die schöne Zigarre in die Gosse. Der die Straße heraufkommende Dienstmann Nr. 2 hebt seinerseits die Zigarre auf. Ihm mundet sie, er hat schon lange nicht mehr solche Qualitätsware geraucht. Ist Dienstmann Nr. 2 auch wirklich Eigentümer der Zigarre geworden?
Prokurist Hirschmann war zweifellos Eigentümer der Zigarre. Er hat sie im Zigarrenhaus Müller am Vormittag gegen Barzahlung gekauft. Wenn nun Türschmann entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten als sparsamer Hausvater sie nicht bis zum wiedererlangten Wohlbefinden aufhebt, sondern sie hoch im Bogen auf die Straße wirft, so hat er den Besitz an der Zigarre aufgegeben und mit dieser wegwerfenden Bewegung seine Eigentumsverzichtsabsicht ausgedrückt.
Die Zigarre wurde damit herrenlos (§ 959 BGB). Der Junge Peter hat an dieser herrenlosen Zigarre durch die Ergreifung des Eigenbesitzes Eigentum erworben. Seine Geschäftsunfähigkeit als sechsjähriger Junge schadet hierbei nicht, denn die Aneignung einer herrenlosen Sache ist kein Rechtsgeschäft, die volle Geschäftsfähigkeit verlangt, sondern sie ist eine Tathandlung, zu der die natürliche Willensfähigkeit eines Kindes vollständig ausreicht. Peter ist sonach stolzer Eigentümer seiner Havanna geworden. Wie steht es aber nachher, wenn Peter seine Zigarre wegwirft? Die Besitzaufgabe mit Eigentumsverzichtsabsicht ist, anders als die Aneignung einer herrenlosen Sache durch Ergreifen des Eigenbesitzes, ein Rechtsgeschäft, und zwar eine einseitige, nicht empfangsbedürftige Willenserklärung. Zu ihr braucht Peter unbeschränkte Geschäftsfähigkeit. Da Peter aber erst sechs Jahre und geschäftsunfähig ist, kann er ja das Eigentum an der Havanna gar nicht aufgeben. Infolgedessen hat auch der Dienstmann Nr. 2 gar keine Zigarre „gefunden". Finden kann man nur etwas Verlorenes. Also eine Sache, die dem unmittelbaren Besitzer ohne seinen Willen abhandengekommen ist. Die Zigarre ist ja gar nicht verloren. Infolgedessen ist der Dienstmann Nr. 2 auch nicht Eigentümer geworden. Peter ist Eigentümer geblieben. Dr. St.
Der neugierige Geselle
Bei Prokurist Hirschmann herrscht helle Aufregung. Die Lichtanlage im Wohnzimmer funktioniert nicht. Infolgedessen kann auch das Netzgerät nicht zur Unterhaltung der Familie beitragen. Frau Hirsch» mann ruft sofort bei Installateur Schmitt an. Dieser schickt seinen Gesellen, um den Schaden beheben zu lassen.
Der Geselle stellt fest, daß eine neue Steckdose angebracht werden muß. Bei der Montage sieht der Geselle zum Fenster hinaus. Infolge seiner Unauf» merksamkeit fährt ihm die Zange aus der Hand und beschädigt ein neben der Steckdose hängendes echtes Ölgemälde erheblich. Der Geselle ist auch ein neu» gieriger Bursche, denn er kann es nicht lassen, Pen» del und Gewichte einer großen Kuckucksuhr zu befühlen und daran herumzuhantieren. Dabei wirft er die Uhr herunter. Sie geht in Trümmer. Als der Installateur seine Rechnung für die Arbeit des Geseilen vorlegt, lehnt Herr Hirschmann die Bezahlung ab und verlangt außerdem noch Ersatz für Ölgemälde und Uhr von dem Installateur Schmitt, denn bei dem GeseUen ist nichts zu holen. Wird Herr Hirschmann Erfolg haben?
Für die Durchführung der Installationsarbeiten ist der Geselle Erfüllungsgehilfe des Meisters Schmitt. ut Grund des zwischen Hirschmann und Schmitt bestehenden Schuldverhältnisses muß Schmitt die Reparatur an der elektrischen Leitung vornehmen, y enn nun Schmitts Erfüllungsgehilfe unachtsam arbeitet und bei Vornehmen der Reparatur das öl» gemälde beschädigt, so haftet nach § 278 BGB der Installateur für das Verschulden seines Gesellen.
Anders ist aber die Situation bei Hirschmanns Ersatzansprüchen für die beschädigte Kuckucksuhr. Wenn der Geselle nur bei Gelegenheit seine Installationsarbeiten infolge seiner Neugierde die Uhr beschädigt oder wenn er gar einen Brillantring entwendet hätte, so stehen diese Handlungen außerhalb des Vertragsverhältnisses zwischen Schmitt und Hirschmann. Auf Grund des Reparaturvertrags kann! also Hirschmann von Schmitt keinen Ersatz für die Uhr erlangen. Aber auch nach den Grundsätzen der erlaubten Handlung (§ 851 BGB) würde der Geschäftsherr Schmitt nicht haften, da die Handlung des Gesellen nicht als „in Ausführung" der Reparaturarbeiten begangen anzusehen wäre. Dr. St
Was ist Entgelt?
Für die Berechnung der Beiträge und Leistungen in der Sozialversicherung spielt der Begriff „Entgelt" eine bedeutende Rolle. Was als Entgelt anzusehen ist, bestimmt der Paragraph 160 der Reichsversicherungsordnung. Zum beitragspflichtigen Arbeitsentgelt in diesem Sinne gehören neben Gehalt oder Lohn auch Gewinnanteile, Sach» und andere Bezüge, die der Versicherte, wenn auch nur gewohnheitsmäßig statt des Gehalts» oder Lohnes oder neben ihm von dem Arbeitgeber oder einem Dritten erhält. Hieraus ergibt sich, daß Gehalt oder Lohn im engeren Sinn (Stundenlohn, fester Wochen» oder Monatslohn, Akkordlohn, Erziehungsbeihilfen) Bezüge, die statt des Gehalts oder Lohnes (Sachbezüge, Pro» Visionen, Trinkgelder im Gaststätten» oder Beher» bergungsgewerbe, vom Arbeitgeber übernommene gesetzliche Lohnabzüge) sowie Bezüge, die neben Gehalt oder Lohn gewährt werden (einmalige Zuwendungen, Urlaubsabgeltungen, Erschwerniszuschläge usw.) als Entgelt im Sinne der Sozialversicherung anzusehen sind.
Einmalige Zuwendungen dürfen nach dem geltenden Recht nicht wie bei der Berechnung der Lohnsteuer auf einen längeren Zeitraum verteilt werden, sondern sind in dem Zeitabschnitt zu berücksichtigen, in dem sie gewährt, d. h. gezahlt werden. Zuschläge zur Grundvergütung für Mehrarbeit sind beitragsfrei und werden zur Beitragsberechnung nicht herangezogen.
Begriff „Invalidität“
Bis zum Inkrafttreten des Sozialversicherungsanpassungsgesetzes am 1. Juni 1949 galt als Invalide der Versicherte, der infolge von Krankheit oder anderen Gebrechen oder Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte nicht imstande war, durch eine Tätigkeit, die seinen Kräften und Fähigkeiten entsprach und ihm unter billiger Berücksichtigung seiner Ausbildung und seines bisherigen Berufes zugemutet werden konnte, ein Drittel dessen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art, mit ähnlicher Ausbildung, in derselben Gegend zu verdienen pflegten.
Ab i. Juni 1949 ist für die Versicherten der Invalidenversicherung insofern eine wesentliche Verbesserung eingetreten, als es für einen Anspruch auf Invalidenrente schon genügt, wenn er nur noch die Hälfte der Erwerbsfähigkeit einer vergleichbaren Person besitzt. Diese Neuregelung gilt aber nur für Versicherungsfälle, die nach dem 51. Mai 1949 eingetreten sind.
Witwenabfindung
Die Witwenrenten aus der Invaliden» und Angestelltenversicherung fallen mit dem Ablauf des Monats weg, in welchem die Witwe wieder heiratet. Für diesen Fall sehen aber die Paragraphen 1287 der Reichsversicherungsordnung und 41 des Angestell» tenversicherungsgesetzes vor, daß die Witwe eine Abfindung in Höhe des Dreifachen der Jahresrente erhält. Die Witwe erhält also auf ihren Antrag, den sie an die für sie zuständige Landesversicherungsanstalt richten muß, die Rente für drei Jahre im voraus. Mit einer solchen Zahlung sind aber sämtliche Ansprüche für die Zukunft abgegolten. Eine Rentenabfindung hat aber keinen Einfluß auf die Waisenrente, die die Witwe neben ihrer Rente für ihre minderjährigen Kinder erhält. Der Anspruch auf die Waisenrente bleibt auch nach der Abfindung der Mutter im Falle der Wiederverheiratung bestehen.
Sprechstunde des Hausarztes
Sind Sie wetterfähig oder wetterempfindlich? Zahlen-Suchbild
Von Dr. Wilhelm Münch, Bad Nauheim
Das Lieblingsthema der meisten Menschen'ist die Unterhaltung vom Wetter. Manche behaupten, sie könnten eine Wetterveränderung vorausfühlen. Man nennt solche Patienten wetterfühlig. Schon seit vielen Jahrhunderten wurden Wetterschmerzen an den verschiedensten Narben beobachtet, besonders an solchen, die mit der Knochenhaut verwachsen waren, z. B. Amputationsstümpfen.
Entweder sind solche Narben nach Entzündung an den verschiedensten Organen von selbst entstanden oder im Anschluß an eine Operation. Wetterschmerzen bevorzugen vor allem Nerven und Muskeln, auch Hühneraugen und Frostbeulen. Bereits ein bis zwei Tage vor Ausbruch des schlechten Wetters macht sich Reißen und Ziehen in den erkrankten Teilen bemerkbar, das beim Eintritt von Niederschlägen oder beim Fallen von ersten Regentropfen nachläßt. An der Richtigkeit solcher Beschwerden kann nicht gezweifelt werden, da sie häufig in der gleichen Form auftreten und angegeben werden. Einer der ersten Ärzte, die auf die Wichtigkeit der Wetterreaktionen im menschlichen Körper hinweisen, war der Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann (1757—1843). Allerdings wurde nach seiner Auffassung nicht die Krankheit beeinflußt, sondern einzig und allein der kranke Mensch in seiner gesamten Reaktionslage.
Solche allgemeine Änderungen im Organismus im Sinne von Schmerzreaktionen entstehen beim Durch» zug von Wetterfronten. Als solche wurden von dem verstorbenen Frankfurter Meteorologen Linke Wei» lenbewegungen im Luftkörper der Erde, so u. a. Un» stetigkeitsschichten an der Vorder» und Hinterseite von Tiefdruckgebieten bezeichnet. Während man allgemein vom Wetter abhängige Störungen (Witte» rungsneurosen) als eigentliche Wetterempfindlich» keit bezeichnet, wendet man den Begriff der Wetter» fühligkeit zweckmäßig auf örtlich begrenzte Empfin» düngen, z. B. für die soeben geschilderten Narben» schmerzen an. Wie soll man sich nun die Wetter» fühligkeit erklären? Zweifellos spielt der Feuchtig»
keits- und Elektrizitätsgehalt der Luft eine wichtige Rolle. Verändern sich doch die Spannungen der Haare im feuchten Raum, wie wir aus dem Physikunterricht wissen. Deshalb benutzt man sie als Feuchtigkeitsmesser in Instrumenten. So kann man auch verstehen, warum die mit den Knochen verwachsenen Narben in feuchter Luft quellen und dann die Schmerzen verursachen. Die Rheumatiker sind gegen Feuchtigkeit besonders empfindlich. Schon vor über 100 Jahren hat der homöopathische Arzt Dr. von Grauvogel, der berühmte Begründer der Konstitutionslehre des Menschen, einen Menschentyp beschrieben, den sogenannten hydrogenoiden Typ, der schlecht auf Feuchtigkeit reagiert und sich in nebliger Luft, an großen Flüssen und am Meer krank fühlt. Vor allem im Frühjahr und Herbst macht sich bei sehr empfindlichen Menschen die Wetterfühligkeit bemerkbar. Auch die Jahreszeit zeigt merkwürdige Zusammenhänge zwischen den Wetterschwankungen und dem Gefühlsleben des Menschen. Man spricht direkt von wetterwendischen Menschen.
Nach Ansicht von Lombroso ist der Frühling besonders die Zeit der geistigen, dichterischen und künstlerischen Hochleistungen. Häufig hört man aber auch in dieser Zeit vom Ansteigen der Selbst» morde und der Zunahme von Geistesgestörten. Kommende meteorologische Veränderungen werden von Wetterempfindlichen nicht nur im Freien, son» dern auch im Zimmer und im Bett gespürt. So bekam ich selbst jedesmal in Südtirol beim Auftreten des Schirokkos einen heftigen Migräneanfall. Sobald die Wetterfront gekommen ist, lassen die feinsten Wirkungen nach. Um die Wetterfühligkeit zu be» seitigen, muß man die Krankheitsherde, von denen die Störungen ausgehen, möglichst völlig beseitigen. Die Wetterempfindlichkeit wird besonders beein» flußt durch Klimawechsel, der leider in der heutigen Zeitlage selten möglich ist. Wichtig ist die Abhärtung des Körpers und vitaminreiche Nahrung. Erfreulich ist die Feststellung, daß man auch ärztlicherseits die Klagen über Wetterempfindlich» und Wetterfühligkeit nicht mehr bagatellisiert, sondern ernst nimmt. In diesem Zahlenfeld ist eine Figur verborgen. Ihr findet sie heraus, wenn ihr mit dem Stift von i aus« gehend die Zahlen in der richtigen Reihenfolge 1,2, 3, 4 usw. verbindet, bis die Figur geschlossen ist. Die anderen verschiedenen Zahlen alle laßt links und rechts liegen, sie wollen euch nur beirren! Das rieh« tige Bild zeigt euch die nächste Sonntagsbeilage.
In Kinderland
Das Karotten Liesel
Ein Märchen vom FeldDiesmal, liebe Kinder, will, ich euch von dem Karotten=Liesel erzählen. Ihr kennt doch sicher alle die Karotte, die kleine, gelbe Rübe. Also hört zu, wie es dem Liesel ergangen ist: Im Frühjahr, wo man das Gemüse sät, hatte Bauer Johann im Sa« men das Liesel mit auf den Acker geworfen.
Nun sollte es viel Säfte und Nährmittel aus dem Boden saugen, damit einmal eine große Karotte aus ihm würde. Denn wie ihr sicher wißt, hat die Karotte kleine Wurzeln, mit denen sie sich Nahrung aus dem Boden holt. Liesel machte auch anfangs ganz gute Fortschritte. Aber auf einmal wurde es faul, es hatte keine Lust mehr. Liesels Mutter war ganz betrübt darüber, wußte sie doch, daß der Bauer eine kleine Karotte ihm Herbst nicht mit nach Hause nimmt. Das sagte sie immer wieder zu ihrem Karottenkind, aber das wollte einfach nicht hören. Alle Karottenkinder ringsum wurden groß und kräftig, nur Liesel blieb ein kleines Ding.
Da kam der Herbst. Bauer Johann kam mit seinem großen Wagen angefahren, um alle Karotten vor dem Winter nach Hause in die Scheune zu holen. Er grub sie aus, betrachtete sie, ob sie auch schön kräftig seien und lud sie dann auf. Da wurde es auf einmal unserem Liesel doch angst und bang. Ob die Mutter wirklich recht hatte? Denn wenn es jetzt an sich herunterblickte, merkte es doch, daß es im Vergleich zu den anderen Karottenkindern doch sehr mager war. Und richtig, Bauer Johann sah sich das Liesel an, warf es zur Seite und sagte: „So ein Schwänzchen kann ich nicht gebrauchen." Liesel blieb also ganz allein auf dem weiten, großen Feld zurück. Nun weinte es Tag und Nacht. Es wollte doch zu seinen Schwesterchen. Aber es half nichts mehr. Der Bauer holte es nicht. Liesels Mutter konnte ihm jetzt auch nicht mehr helfen, denn die hatte der Bauer mitgenommen. Ausgerissen lag Liesel da und heulte bitterlich. Jetzt mußte es im Winter erfrieren.
Doch, was war das? Etwas hatte Liesel an ihren Würzelchen gezwickt. Es sah sich um und erblickte ein kleines Mäuschen. „Was ist denn mit dir los", fragte das kleine Tierchen. „Ach", sagte Liesel, „ich hab’ nicht essen wollen, und weil ich so klein und mager geblieben bin, hat mich Bauer Johann aus« gerissen und nicht mit nach Hause genommen. Jetzt muß ich hier auf dem Felde umkommen." Weil Lie«
sei doch gar zu sehr weinte, tat es dem Mäuschen leid.
„Wenn du mir versprichst", sagte das Tierchen, „daß du im nächsten Jahr schön essen willst, nehme ich dich den Winter über mit in mein Loch." Oh ja, Liesel versprach alles, wenn es nur nicht hier liegen bleiben mußte. Das Mäuschen nahm Liesel in sein kleines Mäulchen und lief mit ihm davon. „Wie heißt du denn"?, fragte das Tierchen. „Ich bin das Karotten=Liesel." „Und ich heiße Putzi", sagte das Mäuschen. Von nun an waren die beiden gute Freunde. In Putzis Loch war es schön warm und von dem kalten Winter merkten die beiden nicht viel unter der Erde. Putzi huschte ab und zu einmal hinaus, um nachzuschauen, ob es wieder wärmer ge« w^den wäre.
Eines Tages war es soweit. Das Frühjahr war gekommen, und es mußte wieder neu eingesät werden. Als Putzi nach Hause kam, sagte es daher zum Lie« sei: „Hör mal, Karottenkmd, Bauer Johann kann jeden Tag kommen und das Feld wieder mit Karotten neu einsäen. Ich trag dich raus und stecke dich ganz am Rande des Feldes wieder in die Erde. Dann mußt du aber den Sommer über tüchtig essen, denn ein zweites Mal hole ich dich nicht vom Feld."
Und so geschah es. Keines von den neu ein« gesäten Karottenkindern merkte, daß Liesel schon vorher dagewesen war. Und Liesel strengte sich an; es aß, was nur hineinging und wurde groß und dick. Als diesmal die Zeit der Ernte kam, war Liesel kein Schwänzchen. Es war die größte und dickste Karotte auf dem ganzen Feld. Das sah auch Bauer Johann. „Du bist aber ein schönes Stück", sagte er. „Dich nehme ich nicht mit in die Scheune, du kommst gleich in die Küche, damit wir heute mittag ein gutes Essen haben." Wie freute sich Liesel da, denn nun war es doch das schönste von allen anderen Karotten« kindern geworden.
Wer lacht mit ?
Stammbuchvers der Woche
„Diese Pflaumen sind voll Maden!" Ruft Herr Kunze zorngeladen, Und mit demutsvoller Miene, Geht von dannen Frau Malwine . ..
Neue Pflaumen stellt sie hin, Wilder noch wird Kunzes Sinn: „Was mag das für Ware sein — Nicht mal Maden traun sich rein!"
Offenheit
Sie: „Ich gestehe ganz offen, wenn du mal sterben solltest, ich heirate gleich wieder!" Er: „Da tust du ganz recht." Sie: „So wenig berührt dich das?" Er: „Was geht mich denn der Kummer eines Mensehen an, den ich gar nicht kenne?" =er. •
Unerwartete Antwort
„Bist du noch immer mit Annie verlobt?" „Nein!" „Menschenskind, hast du aber Glück gehabt! Wie bist du die dumme Gans denn losgeworden?" „Ich bin mit ihr verheiratet!" *
Er seufzte
Die Dame des Hauses war von ihrer herbstlichen Erholungsreise zurückgekommen und fragte das Mädchen: „Nun, Anna, hat sich mein Mann sehr nach mir gesehnt?" „Ja", antwortete das Mädchen, „besonders in den letzten Tagen habe ich ihn oft seufzen hören!" «er.
Strengste Diät
Hans Moser war einmal vom Arzt das Rauchen verboten worden — nicht gerade ganz verboten, aber doch soweit, daß nur eine Zigarre nach dem Mittag« essen erlaubt war.
Nach einer Woche kam Hans Moser wieder zum Arzt, der seine helle Freude an ihm hatte. „Blendend sehen Sie aus!" rief der Doktor. „Da sehen Sie, wie schnei] man gesund wird, wenn man die Anordnungen des Arztes genau befolgt!"
„Na, also, Herr Doktor, ich muß schon sagen", er» widerte Moser, „gar so wunderbar ist das auch wie» der nicht, wo ich fünfmal am Tage Mittag gegessen habe!" «er.
Beim Zeitunglesen
„Sag mal, Werner, gehören die Katzen eigentlich zu den Raubtieren?" „Ja, mein Kätzchen!"
Zerstreut
Karl Valentin, der Münchener Komiker, wurde von einem jungen Mann angesprochen, der behauptete, Valentin einmal in der Eisenbahn angetroffen zu haben. Valentin erinnerte sich wirklich nicht und sagte:
„Dös kann schon sein! Aber mei' Gedächtnis ist halt wie a Sieb! Denken's bloß, da hab' ich vorhin amal husten wollen, und was hab' ich getan? Ge» niest hab' ich!" «er.
Trost
Fritz ist Ehemann geworden. Nach einem halben Jahr trifft ihn Franz. „Wie geht's denn so, Fritz, als Ehemann?" — „Gut geht's Franz. Nur eins, weißt du, so 'ne Frau kostet doch 'ne Menge Geld." Tröstet Franz: „Das schon, aber dafür hast du sie auch lange."
Unterhaltsam
Paul und Emmy, das junge Brautpaar, waren in der Oper „Tristan und Isolde". „Na, habt ihr euch gut unterhalten?" werden sie nach der Heimkehr gefragt. „Oh, zum Anfang schon", meint Emmy etwas gedehnt „Nur zum Anfang? Und nachher?" „Nachher haben sich unsere Nachbarn das verbeten!"
„Du hast also zu Günter gesagt, daß du ihn liebst?" „Er preßte es aus mir heraus!"
Blick in die Welt
Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung Hermann Jung
Der kleinste Wagen der Internationalen Pariser Automobilausstellung. Lr wiegt 300 Pfund und läuft 80 Kilometer je Stunde. Er kostet 1900 DM
Truppen aes Kommumstiscnen Aninas souen in ivora= 1 ibet stenen. Wang Krien erKiarte, truppen aer Volksarmee hätten zuvor die Provinz Sinkiang „befreit".
Links: Aufnahme des Olympischen Stadions in Heb sinki. Hier sollen im Jahre 1952 die XIII. Olympisehen Spiele abgehalten werden. Aufnahmen: dpa
Krieger unterm Sonnenschirm: Kobert Taylor und Deborrah Kerr als Hauptdarsteller in dem in Rom gedrehten Monumentalfilm „Quo vadis", an dem 6000 Komparsen teilnahmen.
Ein „König aer Landstreicher" auf dem dänischen Vagabundenkongreß bei Odense. Er wurde einstimmig zum Chef gewählt.
AUS DEM INHALT: Woher Reinheim seinen Namen hat S. 2 Trauen im Sturm der Zeiten S. 3 Paradies Penang S. 4 Breslauer Erinnerungen S. 5 Sind Sie wetterempfindlich? S. 6 Blick in die Welt S. 8