Adenauer: Keine Abmachungen über deutsche Remilitarisierung
Bonn, 11. Oktober, (dpa) Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer versicherte am Mittwochabend, daß die Bundesrepublik Deutschland keine Verpflichtungen zur Remilitarisierung eingegangen ist.
Er habe den Westmächten mitgeteilt, daß nur der Deutsche Bundestag entscheiden könne, ob wieder deutsche Divisionen aufgestellt werden sollen, und daß der Bundestag darüber erst dann entscheiden könne, wenn die Westmächte an Deutschland genaue und offizielle Fragen hierüber gestellt haben. Eine Volksbefragung oder Parlamentsauflösung könne es wegen der Remilitarisierung nicht geben, weil das Grundgesetz sie dafür nicht vorsehe.
Dr. Adenauer gab diesen Standpunkt dem deutschen Volk in einer Rundfunkansprache bekannt, die er selbst unter das Thema stellte: „Die internationale Lage und Deutschland“.
Die Drohung aus dem Osten
Der Bundeskanzler wandte sich mit dieser Feststellung auch gegen öffentliche Erklärungen, in denen in letzter Zeit behauptet worden war, die Wiederaufrüstung Deutschlands laufe mit Hochdruck an. Adenauer sprach dabei auch von offenen Briefen, ohne direkt zu erwähnen, daß dieses Thema auch in offenen Briefen des Bruderrates der bekennenden Kirche und des Kirchenpräsidenten Niemöller an ihn erwähnt worden ist. Er wies alle Gerüchte über eine bereits angelaufene deutsche Wiederaufrüstung oder deutsch-alliierte Abmachungen über eine deutsche Wiederaufrüstung als frei erfunden und absurd zurück.
Der Bundeskanzler sprach in seiner Uebersicht von den gefährlichen Spannungen zwischen den beiden Mächtegruppen dei’ Erde. Ernste Anzeichen für die Deutschen seien die Anhäufung sowjetrussischer Truppen in der Sowjetzone, die Volkspolizeiarmee in der Sowjetzone und die drohenden Worte, die von den verantwortlichen Männern der Sowjetzonenrepublik gegen die Bundesrepublik gebraucht wurden.
Die Sicherheitsgarantie
In dieser Situation sei es äußerst wichtig, daß die Außenminister der Westmächte in Neuyork die äußere Sicherheit des Bundes und Berlins garantiert hätten. Diese Garantie bedeute, daß die Alliierten jeden Angriff gegen die Bundesrepublik oder Berlin schon an der Grenze zurückschlagen und unmöglich machen würden. Damit gehöre der früher einmal ausgesprochene Gedanke von einer hinhaltenden Verteidigung bis zum Rhein und westlich des Rheins endgültig der Vergangenheit an. Gleichzeitig aber seien die Truppen, die von den Westmächten künftig im Bundesgebiet stationiert würden, keine Besatzungstruppen mehr, sondern Sicherheitstruppen.
Vertrauen für das deutsche Volk
Dr. Adenauer bat noch einmal um Vertrauen für das deutsche Volk. Es habe in den letzten Jahren eine Haltung eingenommen. die dieses Vertrauen wohl rechtfertige. Die Bitte gelte besonders Frankreich. Die Bundesrepublik habe ihre Entschlossenheit, künftig mit Frankreich gemeinsam zu gehen, so oft erklärt und bewiesen, daß Frankreich nicht wieder mit Mißtrauen kommen sollte.
Zum Schluß bekannte sich Adenauer zu den Zielen der westlichen Welt. Die Bundesregierung und der Bundestag bejahten den Standpunkt der Vereinigten Staaten, daß man mit Sowjetrußland nur auf dem Boden der Gleichheit verhandeln könne und rüste, um den Frieden der Welt zu sichern. Deutschland liebe’ den Frieden über alles. Weil es aber wisse, was Sklaverei bedeute — und zwar aus der nationalistischen Zeit und durch das Regime in der Sowjetzone — liebe es die Freiheit und stehe aus ganzem Herzen und vollster Ueberzeugung im Lager der Freiheit.
Dr. Adenauer auf dem Petersberg
Bonn, 11. Oktober, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am Donnerstag mit den drei alliierten Oberkommissaren auf dem Petersberg über die vorgesehenen deutsch-alliierten Fachausschüsse verhandeln, die die Neuyorker Außenminister-Beschlüsse verwirklichen sollen.
Nordkorea lehnt Uebergabe ab
Eine Rundfunkansprache des kommunistischen Ministerpräsidenten
Tokio, 11. Oktober. (AP.) Der nordkoreanische Ministerpräsident und Oberbefehlshaber Kim 11-sung hat am Mittwochmorgen über Radio Pyöngyang die Uebergabeaufforderung General Mac-Arthurs zurückgewiesen und die nordkoreanischen Truppen und Partisanen aufgefordert, „bis zum letzten Atemzug“ zu kämpfen. Alle Teile der Bevölkerung müßten der Front dr . Rücken stärken und „zum Endsieg“ beitragen. Südkoreanische Truppen haben im
Mittelabschnitt der Ko^eafront am Mittwoch nach schnellem Vormarsch den wichtigen Straßenknotenpunkt Kumwha, 32 Kilometer nördlich des 38. Breitengrades, besetzt. Andere Verbände sind bis in die Nähe von Chorwon vorgedrungen. Nördlich von Yonchon sind heftige Kämpfe im Gange.
In der Nähe der Westküste ist der mittlere Stoßkeil der ersten amerikanisehen Kavalleriedivision entlang der verminten Straße Söul—Pyöngyang zehn Kilometer auf nordkoreanisches Gebiet vorgestoßen. Der südliche Angriffskeil der Division hat die Stadt Paekchon, wenige Kilometer von der Grenze entfernt, besetzt. Die Kommunisten versuchen, mit allen Mitteln den Angriff der amerikanischen Truppen aufzuhalten. Der Kommandeur der Division, Generalmajor Robert Gay, erklärte jedoch, daß der Widerstand bereits nachgelassen habe und die Eroberung der nordkoreanischen Hauptstadt nur noch eine Frage der Zeit sei.
In und um Wonsan gehen die Säuberungsaktionen gegen die eingeschlossenen Truppen ihrem Ende entgegen. In den Bergen westlich der Stadt halten die Nordkoreaner noch ihre Stellungen. Die Stadt selbst ist ein einziges Flammenmeer.
Neuer Bundesinnenminister
Kabinettskrise schnell behoben — Dr. Lehr ernannt
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 11. Oktober. Die durch den Rücktritt Dr. Heinemanns ausgelöste Kabinettskrise konnte bereits am Mittwoch bereinigt werden. Als Nachfolger Dr. Heinemanns übernimmt Dr. Dr. Robert Lehr das Bundesinnenministerium. Der Vorschlag wurde vom Vorstand der Bundestagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union gemacht, nachdem Dr. Holzapfel aus gesundheitlichen Gründen die Uebernahme des Innenministeriums abgelehnt hatte.
Wie wir erfahren, wurde gegen eine Ernennung des vierzigjährigen Dr. Schröders (Christlicher Demokrat) eingewendet, daß er 1937 in dje nationalsozialistische Partei eingetreten war. Auch die Tatsache, daß er 1941 austrat, schien maßgebenden Führern der Christlich-Demokratischen Union keine ausreichende Entlastung.
Mit Dr. Lehr übernimmt eine Persönlichkeit das Bundesinnenministerium, die sich allgemein-? eines großen Ansehens erfreut. So erklärte der Abgeordnete Euler (Freie Demokratische Partei) unserem Korrespondenten, daß er die Ernennung Dr. Lehrs sehr begrüße. Dr. Lehr sei ein Mann, zu dessen Lauterkeit und zu dessen Charakter man ebensoviel Vertrauen haben könne, wie zu seinen Erfahrungen in den Fragen der inneren Verwaltung und des ge-
samten öffentlichen Lebens. Ebenso anerkannte der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Menzel die fachliche Eignung des neuen Innenministers. Dr. Lehr dürfte auch nach sozialdemokratischer Auffassung der geeignetste Mann sein, den die Christlich-Demokratische Union augenblicklich für das Amt des Bundesinnenministers vorschlagen konnte.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dgß das frühere Vorurteil, wonach Dr. Lehr als Erzreaktionär galt, im Laufe des letzten Jahres mehr und mehr geschwunden ist. So weiß man unter anderem, daß Dr. Lehr hinter dem Entwurf der Christlich-Demokratischen Union zum Mitbestimmungsrecht gestanden habe und daß er dem Gedanken einer großen Koalition sehr viel Sympathien entgegengebracht habe. In dieser Frage scheint er, wie übrigens nicht zum ersten Male, ein Gegenspieler zum Bundeskanzler gewesen zu sein.
Es gibt eine gewisse Tradition in dem Gegensatz Dr. Adenauer—Dr. Lehr, da er mit dem traditionellen Gegensatz Köln—Düsseldorf zu tun hat, wo Dr. Adenauer und Dr. Lehr vor 1933 Oberbürgermeister gewesen sind. Schon bei der Bildung der Bundesregierung galt Dr. Lehr als der aussichtsreichste Kandidat für das Innenministerium und er selbst hatte damals den Eindruck, daß die alte Rivalität bei der endgültigen Entscheidung des Kanzlers eine gewisse Rolle gespielt habe. Viel wichtiger aber noch dürfte damals gewesen sein, daß mit Dr. Heinemann die führende Persönlichkeit der evangelischen Kirche in das Kabinett aufgenommen werden konnte.
Die Arbeiten am Amsterdam-Rhein-Kanal, der mit der Fertigstellung von Europas größter Schietisenanlage bei Tiel (Holland) eine direkte Schiffsverbindung zwischen Amsterdam und dem Rhein herstellt, machen gute Fortschritte. Das Bild zeigt die riesigen Schleusentore. Foto: dpa
Peking warnt erneut
Peking, 11. Oktober, (dpa) Die Regierung der Volksrepublik China warnte die Vereinigten Staaten am Mittwoch zum zweiten Male innerhalb von zehn Tagen davor, ihre Truppen in Nordkorea eindringen zu lassen. In der vom Sender Peking veröffentlichten Erklärung des chinesischen Außenministeriums heißt es: „Die amerikanischen Streitkräfte machen jetzt den Versuch, den 38. Breitengrad in einer größeren Operation zu überschreiten. Das chinesische Volk kann einer so ernsten Situation nicht untätig zusehen. Das chinesische Volk besteht darauf, daß die Angreifer für alle Konsequenzen zur Verantwortung gezogen werden müssen, die sich aus ihren wahnwitzigen Handlungen zur Ausweitung ihrer Aggression ergeben.“
Nicht leere Worte
*** Kirchenpräsident Martin Niemöller hatte am 5. Oktober an den Bundeskanzler ein Schreiben gerichtet, das nicht nur in der deutschen Oeffentlichkeit große Beunruhigung hervorrief. Es war nämlich darin gesagt worden, trotz aller gegenteiligen Zeitungsnachrichten werde die Remilitarisierung Westdeutschlands, das heißt die Wiederaufrüstung deutscher Menschen für einen möglichen Krieg zwischen Ost und West, mit allen Mitteln betrieben. Wenn aber die westlichen Alliierten von Westdeutschland einen Beitrag an Waffen und Soldaten verlangten, dann sollten sie das selbst offen befehlen und sich nicht hinter einer deutschen Demokratie verstecken.
Der Kanzler hat in seiner Rundfunkrede am Mittwochabend eingehend zu den Befürchtungen Niemöllers Stellung genommen und erklärt, die Behauptung, wonach Abmachungen über die Aufstellung einer ganzen Anzahl deutscher Divisionen bestünden, sei mehr als absurd. Man wird es dem Bundeskanzler glauben müssen, daß solche Verpflichtungen nicht vorliegen und daß die politischen und staatsrechtlichen Verhältnisse so gelagert sind, wenn er versichert, nur der Bundestag könne eine Entscheidung über einen militärischen Beitrag Deutschlands treffen. Noch seien aber der Bundesrepublik von den Westalliierten keine genauen und offiziellen Fragen gestellt worden.
Man darf es begrüßen, daß Dr. Adenauer in dem Hauptteil seiner Rede den Westmächten bestätigt hat, daß sie in aller Form die Garantie für die Sicherheit der Bundesrepublik und Berlins übernommen haben. Ferner, daß sie nicht mehr eine hinhaltende Verteidigung bis zum Rhein und westlich des Rheins erwägen, sondern gewillt sind, einen Angriff schon an der Grenze der Bundesrepublik zurückzuschlagen und unmöglich zu machen.
Mit besonderer Betonung wies der Bundeskanzler darauf hin, bei den Erklärungen der Westmächte handele es sich nicht um leere Worte. Da er selbst die internationale Lage als ernst ansieht, wird er sich, bevor er diese Ueberzeugung aus- # sprach, eingehend darüber unterrichtet haben, daß die Vorkehrungen der Westmächte vorläufig einen genügenden Schutz der Bundesrepublik gegenüber der Bedrohung aus dem Osten darstellen.
Die Luft muß klar sein
Von Paul SetheDer amerikanische Oberkommissar hat in diesen Tagen zum deutschen Volk gesprochen. Er tat das nicht als Vertreter einer Siegermacht, sondern als der Abgesandte einer befreundeten Macht. Er hgt mit Nachdruck abgelehnt, die deutsche Wiederbewaffnung erkaufen und erfeilschen zu wollen. Aus freien Stücken und mit eigenen Wünschen müsse sie vollzogen werden. Daß aber auch die Vereinigten Staaten diese Wiederbewaffnung wünschten, daran hat er keinen Zweifel gelassen. Dies ist zum erstenmal, daß die Nation unmittelbar von einer hohen Stelle des Auslandes her angesprochen wird in der Angelegenheit, die sie in diesen Monaten am meisten beschäftigt. Das deutsche Volk muß es sich besonders sorgfältig überlegen, was es darauf zu antworten hat.
Wieder Soldaten?
Man kann darüber kaum nachdenken, ohne zu dem Ausgangspunkt zurückzukehren, an dem diese Gespräche vor etwa einem Jahr begonnen haben. Damals gingen die Anregungen noch nicht von amtlichen Stellen, sondern von Privatleuten, Abgeordneten und Journalisten aus. Als die Weltöffentlichkeit zum ersten Male auf diese Weise abgetastet wurde, ergab es sich, daß alle Befürworter einer deutschen Wiederbewaffnung von einer falschen Grundauffassung ausgingen: daß nämlich die Deutschen nichts sehnlicher wünschten, als wieder eine Uniform zu tragen. Diese Meinung wurde vielleicht noch dadurch verstärkt, daß einige Kreise in Deutschland, die ihre privaten Gefühle und Temperamente mit politischen Ueberlegungen verwechselten, dem Auslande treuherzig versicherten, daß Deutschland tatsächlich gerne bereit sei, wieder die „Last des Gewehrs“ auf sich zu nehmen. Erfreulicherweise haben die Bundesregierung, die Parteien und der überwiegende Teil der öffentlichen Meinung die Dinge kühler beurteilt und dem Auslande deutlich zu machen versucht, wie sich die Dinge tatsächlich verhalten. Keine Politik kann gut sein„ die den nüchternen Tatbestand verkennt. Tatsache aber ist, daß große Teile des deutschen Volkes, wahrscheinlich die Mehrzahl, dem Gedanken einer Wiederbewaffnung unfreundlich gegenüberstehen. Die Gründe sind so wohlbekannt, daß sie nicht wiederholt zu werden brauchen. Es ist denn auch in der Tat gelungen, maßgebende Stellen des Auslandes davon zu überzeugen, was die wirkliche Meinung der Deutschen ist.
Wer sich frei von Wunsch- od°r Haßbildern von der Wirklichkeit Rechenschaft ablegen will, muß davon ausgehen, daß der Waffendienst für den Deutschen ein Opfer bedeuten würde, das ihm mindestens so schwer erscheint wie dem Amerikaner, dem Briten oder d^m Franzosen; vielleicht aus mancherlei Ursachen noch schwerer. Wenn es sich dennoch als notwendig erweist, daß junge Deutsche wieder Waffen tragen, so wäre es der falsche Weg, wenn man sie dadurch überzeugen wolle, daß man ihnen das Opfer verniedlicht. Mit Buntdruckbildern und Liedern „Wie schön ist das Soldatenleben“ ist nicht viel zu erreichen. Man muß ihnen den Sinn ihrer Aufgabe anschaulich machen. Das ist das einzige Mittel, das wirken kann.
Das Ziel !m Zwielicht
Das Ziel einer deutschen Wiederbewaffnung ist von den Staatsmännern des Auslandes in Worten klar umrissen worden:
möglichst Erhaltung des Friedens; im äußersten Fall aber Verteidigung des Rechtes und der Freiheit, der Ideen also, die alle westlichen Völker einigen.
Es erhebt sich sofort die Frage, ob dieses Ziel den Deutschen bereits ganz sichtbar sein kann. Es ist zu fürchten, daß wir noch nicht soweit sind. Das muß offen gesagt werden, auch auf die Gefahr hin, das Stirnrunzeln einflußreicher und sonst wohlwollender Kreise des Auslandes zu erregen. Der amerikanische Oberkommissar McCloy hat vollständig recht, um so ernste Dinge wie die Wiederbewaffnung, also unter Umständen um das Leben Tausender unserer Landsleute von jungen Menschen darf nicht gefeilscht und nicht gehandelt werden. Aber die Luft muß ganz klar sein. Sonst gibt es eine böse Halbheit.
Natürlich würde es möglich sein, auch im Zwielicht ungelöster Probleme, im Halbdunkel eines unklaren Zustandes deutsche Truppen aufzustellen. In einem Lande, in dem Tausende und aber Tausende von Berufssoldaten im Elend leben, in dem Millionen von anderen Menschen bittere Not leiden, wird man immer, sagen wir, zweihunderttausend Mann zusammenrufen können, wenn sie endlich wieder das Gefühl der Sicherheit ihrer Existenz haben. Aber wem wäre damit geholfen? Die Westmächte wollen nicht einfach Uniformträger, die stolz sind auf ihr schmuckes Aussehen, sich der Pünktlichkeit ihres Soldes freuen und von den jungen Mädchen bewundert werden. Die Alliierten wollen genau das, was wir schon einmal hatten: den deutschen Soldaten, der in der eisigen Starre des Winters auch gegen eine Uebermacht die Stellung hält.
Die Kraft der Idee
Dazu muß etwas gesagt werden, was dem Auslande offenbar ebenso unbekannt ist wie vor einigen Jahren die Kühle des Durchschnittsdeutschen gegenüber einer Wiederbewaffnung. Die übermenschlichen Leistungen des deutschen Soldaten im letzten Krieg gegen die überwältigende Stärke der Sowjets entsprangen nämlich nicht nur der Tatsache, daß unser Volk eine große soldatische Ueberlieferung besitzt. Es waren auch keineswegs alle Soldaten begeisterte Anhänger Hitlers. Es waren Millionen und aber Millionen unter ihnen, Konservative und Liberale, Christen und Sozialisten, die Hitler gründlich haßten. Aber sie haben dennoch gekämpft, nicht nur weil es ihnen befohlen war, sondern weil sie das Gefühl hatten, ihr Land und seine nationale Freiheit nach außen zu verteidigen. Wenn sie aber das Gefühl von halber Fremdherrschaft in ihrem Lande gehabt hätten — die Russen wären früher durchgebrochen, als es tatsächlich geschehen ist. Das Wort, das ein Bundesminister vor einem Jahre in die Oeffentlichkeit rief: „Nur freien Männern sollte man Waffen geben!“ ist seitdem oft angeführt worden, aber es hat noch nichts an innerem Ueberzeugungswert verloren. Ohne die Leuchtkraft einer großen Idee sind auch die Preußen nur bis Jena gekommen. Sehen die Deutschen sie nicht, so werden sie kaum mehr als bewaffnete Haufen bilden.
Über die Folgerungen braucht man nicht zu sprechen. Sie liegen offen vor aller Augen. Wenn deutsche Stellen diese Zusammenhänge erwähnen, so tun sie ps vor allem, weil sie wissen, daß die Alliierten auf nichts so sehr Anspruch erheben können als auf unsere unbedingte Ehrlichkeit. Es wäre das gefährlichste
Ereignis von der Welt, wenn Deutschland in die* Wiederbewaffnung ginge mit unausgesprochenen Vorbehalten. Beide Partner müssen wissen, woran sie sind. Die Luft muß erst klar sein.
Und Europa?
Man kann dabei unmöglich die Bemerkung unterdrücken, daß die Deutschen, die sonst leider selten mit den politischen Meinungen ihrer westlichen Nachbarn übereinstimmen, ihnen in dem Meinungsstreit dieser Tage jedenfalls in einem Punkte herzlich Beifall zollen: in der Forderung danach, daß deutsche Soldaten möglichst in eine europäische Armee eingegliedert werden sollten. Gemeint ist dabei natürlich nur die Übereinstimmung im Grundsätzlichen. Daß die Franzosen zur Zeit noch manche Einschränkungen machen, die ihre Forderung nach der europäischen Gesamtarmee etwas fragwürdig erscheinen lassen, ist eine Tatsache, über die später noch gesprochen werden kann. Auf jeden Fall beginnt das übernationale Ideal der europäischen Einigung sich in Deutschland immer stärker mit dem alten Nationalgefühl zu verschmelzen. Wer es mit Ernst zu verwirklichen trachtet, wird leichter als bisher die Deutschen davon überzeugen können, daß auch sie wieder in den Kreis der bewaffneten Völker einrücken sollen.
Dr. Robert Lehr
Der neue Bundesinnenminister Dr. Robert Lehr stammt aus Celle und ist 67 Jahre alt. Gewirkt hat er vor allem in Nordrhein-Westfalen. In Düsseldorf wurde er, 32jährig, Beigeordneter der Stadt und 1924 Oberbürgermeister. Damals gehörte er der Deutschnationalen Volkspartei an, war Vorstandsmitglied des deutschen, preußischen und rheinischen Städtetages.
1933 wurde er verhaftet und seines Amtes enthoben. Seitdem arbeitete Dr. Lehr in der Widerstandsbewegung.
Sofort nach Kriegsende griff Dr. Lehr wieder aktiv in das öffentliche Leben ein Er half die Christlich-Demokratische Union gründen, war Oberpräsident der Nordrhein-Provinz, Vorsitzender des Zonenbeirates in der damaligen britischen Zone, Landtagsmitgl’ed von Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Parlamentarischen Rates.
Nach wie vor dafür
Acheson zur Frage des deutschen Verteidigungsbeitrages
Washington, 11. Oktober, (dpa) Außenminister Acheson erklärte auf e;ner Pressekonferenz, die Vereinigten Staaten seien nach wie vor dafür, Truppenkontingente der deutschen Bundesrepublik in eine künftige gemeinsame nordatlantische Armee aufzunehmen. Die Vereinigten Staaten seien zur Zeit eingehend mit den Vorbereitungen für ihren Beitrag zu dieser internationalen Streitmacht beschäftigt.
Die Grundlage für die amerikanische Befürwortung einer deutschen Teilnahme an der geplanten internationalen Streitmacht sei die Einstellung einiger „fortschrittlicher Politiker in der Bundesrepublik“, die die Ansicht zum Ausdruck gebracht hätten, daß die Deutschen an der Verteidigung der Bundesrepublik teilnehmen sollten. Dies scheine dem amerikanischen Außenministerium eine vernijnftige Idee zu sein.
Acheson wies Berichte der französischen Presse zurück, in denen behauptet worden war, Acheson habe französischen Politikern in Neuyork erklärt, wenn Frankreich sich nicht mit der Eingliederung deutscher Einheiten in die künftige atlantische Armee einverstanden erkläre, würden die Vereinigten Staaten keine zusätzlichen Truppen nach Europa schicken.
Die Vereinigten Staaten, fuhr der Außenminister fort, hätten bei der letzten Drei-Mächte-Außenministerkonferenz in Neuyork einen Vorschlag zu der Gesamtfrage einer gemeinsamen Streitmacht zur Verteidigung Westeuropas einschließlich der Verwendung deutscher Einheiten eingebracht. Ueber diesen Vorschlag werde auf der Konferenz der Verteidigungsminister der Nordatlantikpaktmächte Ende Oktober in Washington verhandelt.
Fünfmächte-Treffen?
Neuyork, 11. Oktober, (dpa) Die Sowjetunion schlug am Mittwoch im ersten politischen Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen formell ein Treffen der fünf Großmächte vor, auf dem über die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit beraten werden soll. Wie es in einem entsprechenden sowjetischen Entschließungsentwurf heißt, der am Mittwoch unter allen Delegationen verteilt wurde, soll dieses Treffen stattfinden, bevor dem Sicherheitsrat Streitkräfte zur Verfügung gestellt werden.
Einheiten des Nahost-Kommandos der britischen Luftstreitkräfte nehmen an den augenblicklichen Luftmanövern zur Prüfung der Schlagkraft der britischen Luftverteidigung teil.
Gelder, die nach Bonn geflossen sind
Ein Vertrauensmann der Industrie vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 11. Oktober. Im Zuge der Untersuchung der angeblichen Bestechung von Bundestagsabgeordneten erschien Mittwoch vormittag erstmalig ein Mann vor der Oeffentlichkeit, der als ein Vertrauensmann der Industrie politische Parteien und Gruppen finanziell unterstützt und dessen Tätigkeit naturgemäß Anlaß zu vielen Gerüchten bietet. Der Syndikus Heinrichsbauer vertritt, wie er vor dem Untersuchungsausschuß erklärte, ein Konsortium von Unternehmen der Industrie gegenüber Behörden, Parlament und Presse und hat ein Büro sowohl in Frankfurt als auch beim Bundesverband der deutschen Industrie in Köln.
Der Zeuge Heinrichsbauer
Bei der Vernehmung des Zeugen Heinrichsbauer zeigten sich die sozialdemokratischen Ausschußmitglieder bestrebt, die dem Ausschuß gestellten Aufgaben möglichst weit auszudehnen und nicht nur die Zuwendungen an einzelne Abgeordnete, sondern auch an politische Parteien zur Sprache zu bringen. Dieses Thema ist aber dem Untersuchungsausschuß nicht gestellt worden. Es kann erst akut werden, wenn die Parteien nach einem Parteiengesetz gemäß den Vorschriften des Grundgesetzes über die Herkunft ihrer Mittel öffentlich Rechenschaft geben müssen.
Heinrichsbauer bestritt entschieden, an Abgeordnete für ihre persönlichen Zwecke Zuwendungen gemacht zu haben. Vor allem sei das nicht in Zusammenhang mit der Frage Bonn-Frankfurt geschehen, da er selbst der schärfste Verfechter Frankfurts gewesen sei. Im übrigen betonte er, daß Geld immer nur im Zusammenhang mit Wahlen gegeben und nie an konkrete politische Zusagen gebunden worden sei. Der Geldstrom fließe leider nicht laufend. An wen im einzelnen Geld gezahlt worden sei, könne er nicht mehr feststellen, da die Zahlungen ohne Quittung erfolgt seien. Der Kreis, den sein Büro subventioniere, sei nicht identisch mit dem Kreis,
der die Wahlgelder für die Bundestagswahlen aufgebracht habe.
Für die Kulmbacher Nachwahl
Im Falle des aus der Bayern-Partei ausgeschiedenen Abgeordneten Donhauser gab Heinrichsbauer die Möglichkeit zu, daß 5000 Mark, die vor zwei bis drei Monaten einem Konsul Schmidhuber in München gezahlt worden seien, von diesem an Donhauser weitergeleitet wurden. Das Geld sei zur Unterstützung der bürgerlichen Parteien in der Kulmbacher Nachwahl bestimmt gewesen, die als eine Testwahl auf der Basis gemeinsamen Vorgehens der bürgerlichen Parteien betrachtet worden sei. Heinrichsbauer fügte hinzu, daß er den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, den in Kulmbach gewählten Abgeordneten Dr. Semler, bis zum heutigen Tage nicht'gekannt habe. Der Abgeordnete Donhauser, so sagte Heinrichsbauer weiter, sei vor etwa einem Jahr zum ersten Male wegen der Finanzschwierigkeiten der Bayern-Partei bei ihm gewesen und sie hätten über finanzielle Dinge gesprochen. An späteren Besprechungen habe auch der Abgeordnete Aumer teilgenommen. Heinrichsbauer bestätigte, daß in diesen Gesprächen davon die Rede gewesen sei, es sei zweckmäßig, die Gruppe Donhauser zu unterstützen, weil dadurch die Bonner Regierungsbasis erweitert werden könne.
Dr. Falkner bestätigt
Als erster Zeuge in der Mittwochsitzung des Ausschusses hatte der Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der Bayernpartei, Dr. Falkner, die Richtigkeit des Baumgartnerschen Gedächtnisprotokolls übei- das D-Zug-Gespräch mit Aumer am 28. Februar in allen Punkten bestätigt. Falkner war bei diesem Gespräch zugegen und erklärte, daß er auch dabei gewesen sei, als das Gedächtnisprotokoll am folgenden Tage diktiert wurde.
Laut Gedächtnisprotokoll hat Aumer auf der Eisenbahnfahrt erklärt, etwa einhundert Abgeordnete hätten für die Abstimmung Bonn-Frankfurt Geld erhalten. Auch die in dem Gedächtnisprotokoll enthaltene Erklärung Aumers, daß er für die 53-Pfennig-Benzinpreis-Rede von den Erdölleuten eintausend Mark erhalten habe, wurde von Dr. Falkner als dem Wortlaut des Gesprächs entsprechend bezeichnet.
McCloy: Schutz kostet Geld
Der Oberkommissar über die kommende Erhöhung der Besatzungskosten
Frankfurt, 11. Oktober (NWDR). Der amerikanische Oberkommissar McCloy teilte am Mittwoch in einem Presseinterview mit, daß noch nicht darüber entschieden sei, welchen Betrag die Bundesrepublik für den Unterhalt der einzelnen Truppen und die Zivilverwaltung in Zukunft aufbringen müsse.
Die Alliierten würden, so versicherte der amerikanische Oberkommissar, die wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik bei ihren Anforderungen berücksichtigen. So weit wie möglich würden Einsparungen vorgenommen werden. So würden nach den Worten des Oberkommissars die Ausgaben für den persönlichen Unterhalt der Angehörigen alliierter Truppen um etwa fünfzig Prozent gekürzt werden. Abschließend verwies der amerikanische Oberkommissar darauf, daß die Alliierten heute kaum noch „Besatzung“, sondern eher ein Schutz der Bundesrepublik seien. Jeder Schutz koste aber Geld.
Die veränderte Lage solle schon in Kürze dadurch angedeutet werden, daß die alliierten Etats nicht mehr Besatzungskosten genannt werden.
Keine Neutralität
Frankfurt a. M„ 11. Oktober, (dpa) Der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick sagte am Mittwoch vor rund 400 amerikanischen Beamten in Frankfurt, daß die Bundesrepublik und West-Berlin, selbst wenn sie wollten, unter den gegenwärtigen weltpolitischen Voraussetzungen nicht neutral bleiben könnten. Sie müßten sich für die eine oder andere Seite entscheiden.
Spionageprozeß in Frankfurt
Frankfurt, 11. Oktober. (AP.) Der wegen Spionage für die Sowjets angeklagte Wiesbadener Holzkaufmann Coßmann sagte vor einem amerikanischen Gericht in Frankfurt aus, er sei von einem amerikanischen Untersuchungsbeamten durch Schläge zum Geständnis gezwungen worden.
Coßmann gab zu, daß er den Untersuchungsbeamten mehrere Tage vor Unterzeichnung seines Geständnisses nicht mehr gesehen habe, behauptete aber, aus Angst vor weiteren Mißhandlungen das Geständnis unterschrieben zu haben. Der Untersuchungsbeamte, Joseph Burwasser, bestritt, Coßmann jemals geschlagen oder mißhandelt zu haben. Das Gericht wird am Donnerstag entscheiden, ob es Coßmanns Behauptung als freiwilliges Beweismaterial zulasssen wird. (Es handelt sich hier um eine spezifisch amerikanische Verfahrensregel.)
Der Angeklagte behauptete außerdem, er sei fünf Wochen lang gefangengehalten worden, ohne einen Rechtsanwalt konsultieren zu können, und sei auch dem Untersuchungsrichter nicht vorgeführt worden.
Coßmann und Günther Scholz, ein deutscher Angestellter der Abteilung für militärische Sicherheit der amerikanischen Oberkommission, werden beschuldigt, den Sowjets militärische Karten und andere Dokumente geliefert zu haben.
Stimmen der Anderen
Mit eisernem Besen
Zu dem Vorwurf der Bestechlichkeit von Bundestagsabgeordneten schreibt der Deutsche Union-Dienst:
„Nach dem Gebot journalistischer Anständigkeit, in ein schwebendes Verfahren nicht einzugreifen, muß man es sich gegenwärtig versagen, zu diesem Fragenkomplex Stellung zu nehmen.
Aber es gibt noch einige andere recht bedauerliche Episoden. Alfred Loritz, der Vorsitzende .der Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung, mußte wegen einer verhältnismäßig geringen Schuld gepfändet werden. Ein der Oeffentlichkeit namentlich noch nicht bekannter Abgeordneter verschanzt sich gegenüber den Unterhaltsansprüchen seiner Ehegattin hinter der Unpfändbarkeit der Diäten. Dem Abgeordneten Dr. Fritz Doris (Sozialistische Reichspartei) wird vorgeworfen, er habe auf Staatskosten 10 000 Liter Benzin sowie eine große Menge Diesel-Kraftstoff und Autoöl verbraucht. Nimmt man die schweren Vorwürfe hinzu, die vor einiger Zeit gegen den Abgeordneten Günther Goetzendorff erhoben wurden und dazu führten, daß diesem Mann der Charakter eines ,Flüchtlingsvertreters‘ entzogen wurde, dann rundet sich das Bild in wenig erfreulicher Weise ab.
Nach der zwölfjährigen parlamentslosen Zeit muß sich der Bundestag die Achtung des Volkes durch den Ernst seiner Arbeit und die persönliche Sauberkeit seiner Mitglieder erst erwerben. Wer dieser Aufgabe zuwiderhandelt, reiht sich unter die Totengräber der Demokratie ein, weil er die Achtung des Volkes vor seinen gewählten Vertretern zerstört. Deshalb müssen alle auf politische Sauberkeit bedachten Elemente in gemeinsamer Anstrengung Ordnung schaffen und mit eisernem Besen auskehren. Mit eisernem Besen! In erster Reihe ist dazu der Bundestag selbst berufen. Er muß auf strengste Sauberkeit in den Reihen seiner Mitglieder sehen und Unwürdige daran hindern, die Ehre und damit das Ansehen der Volksvertreter zu besudeln. Reichen die ihm zur Verfügung stehenden Mittel nicht aus, dann kann er kraft seiner gesetzgeberischen Vollmachten geeignete Instrumente schaffen. Zur Säuberung berufen sind ferner die Parteien. Sie sind es, die zu Wahlzeiten die Kandidaten nominieren, und sie haben daher die Pflicht, nicht nur auf rhetorisches Feuerwerk, sondern auch auf Sauberkeit des Charakters ihrer Kandidaten zu achten. Berufen ist schließlich aber auch das Volk selbst. Niemand möge behaupten, das Volk habe .nichts zu sagen'! Unser Wahlrecht ist vorläufig doch schon zu 60 Prozent auf der Idee der Persönlichkeitswahl aufgebaut.“
Die deutsch-alliierten Ausschüsse
Vor neuen Besprechungen auf dem Petersberg
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Da. Bonn, 11. Oktober. Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am Donnerstag auf dem Petersberg eine erneute Aussprache mit den drei Oberkommissaren haben. Am Mittwoch fand auf dem Petersberg eine Aussprache statt, an der von alliierter Seite die drei stellvertretenden Oberkommissare und von deutscher Seite der Leiter der Verbindungsstelle zur Oberkommission, Ministerialdirektor Blankenhorn, und Professor Kaufmann teilnahmen. Die Aussprache betraf die Organisation und die Gestaltung der Arbeit in den deutsch-alliierten Ausschüssen, die für die Durchführung der Neuyorker Beschlüsse gebildet werden sollen. Ferner wurden die stellvertretenden Oberkommissare über die Vorarbeiten unterrichtet, die von der Bundesregierung für die Aufstellung der Landesschutzpolizei und die Reform der Länderpolizei durchgeführt worden sind.
Wie wir erfahren, werden die deutschalliierten Ausschüsse ihre Tätigkeit in der nächsten Woche aufnehmen. Von der Bundesregierung ist hierfür eine Reihe von Vorbereitungen getroffen worden. Es
ist inzwischen Material gesammelt worden für die Prüfung der Fragen, die sich auf die Anerkennung der Schulden des früheren Deutschen Reiches durch die Bundesregierung beziehen. Ferner wurden die Gesetze und Verordnungen zusammengestellt, die nach der Erklärung der Beendigung des Kriegszustandes geändert werden sollen.
Dentsche Unterlagen
zur Zurückhaltung der Kriegsgefangenen
Bonn, 11. Oktober. (AP.) Eine deutsche Delegation wird den Vereinten Nationen in Kürze Material über die Zurückhaltung von Kriegsgefangenen in der Sowjetunion übergeben. Der deutschen Delegation gehören die Bundestagsabgeordneten Dr. Eugen Gerstenmaier (Christlich-Demokratische Union), Herbert Wehner (Sozialdemokratische Partei) und Raimund Hergt als Vertreter des Justizministeriums an. Der Generalsekretär der deutschen Europa-Delegation, Dr. Georg Federer, wird die deutsche Vertretung in die Vereinigten Staaten begleiten.
Hölle wo ist Dein Sieg?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstaWuck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag. Hamburg
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Eine Schönheit wie diese war zu groß für einen Menschen, um sie allein zu ertragen, dachte sie; und sie war froh, als ein schwerer Regen die Pracht an einem Nachmittag vernichtete. Die Natur spottete ihrer allenthalben mit ihrem Ueberfluß an Fruchtbarkeit. Sie konnte eich der Verheißung dieses knospenden Wachstums um sie herum nicht verschließen?'Selbst in das Bewußtsein der Kinder schien dieses neue Werden eingedrungen zu sein. Ständig verfolgten eie sie mit Fragen, die wie an eine Wunde in ihr rührten, während sie versuchte, eine zufriedenstellende Antwort darauf zu geben.
„Mademoiselle, wird aus jeder Blüte ein Apfel?“ „Nein. Berthe, nicht aus jeder.“ „Warum denn nicht?“
„Weil die Zweige unter der Last abbrechen würden und es gar nicht genug Keller und Fässer gibt, in die man die Aepfel sammeln könnte, wenn jede Blüte zur Frucht heranreifte.“
„Aber wer bestimmt denn das, Mademoiselle? Wer bestimmt, aus welcher Blüte ein Apfel werden soll?“ „Das weiß nur Gott“, dachte Henriette und sah den beiden Jüngsten zu, die vor ihr hertanzten so ausgelassen wie junge Lämmer im Frühling. „Nur Gott kann diese Frage beantworten.“
Und dann war der Sommer da mit den langen warmen Tagen strahlenden Sonnenscheins auf Rasenflächen und Buchenwäldern. Die Rosen durchtränkten alle Zimmer mit ihrem Duft, und in den Weizenfeldern brannte der flammende Mohn. Die drei Schwestern kamen aus dem Sacre Coeur, und auch die beiden älteren Brüder trafen mit ihrem Lehrer ein. Nur die Herzogin hielt sich zu Henriettes Erleichterung noch in Paris auf. Der Herzog hingegen tauchte seiner Gewohnheit entsprechend mal für einen Tag, mal für eine ganze Woche unangemeldet auf, und sein Kommen verbreitete stets bei allen erst die richtige Ferienstimmung.
Seine alte Mutter hatte sich in einem der Flügel des Schlosses eingerichtet, und Henriette war über ihre Anwesenheit sehr froh. Ganz davon abgesehen, daß sie eine nachsichtige, liebevolle Großmutter war, besaß sie auch einen bemerkenswerten Charakter — sanft und doch willensstark und von einer bei einer Frau ihrer Stellung seltenen Einfachheit. Henriette lernte die täglichen Besuche bei der alten Dame bald schätzen, und es vergingen nicht viele Wochen, bis sich zwischen diesen beiden Frauen von so verschiedenem Alter und so verschiedener Herkunft eine aufrichtige Zuneigung herausbildete.
Dor Herzog schien sich Ober diese Freundschaft zu freuen, und so oft er kam, gesellte er sich ihnen zu. „Mein Sohn achtet Sie sehr hoch“, sagte ihr die alte Herzogin mehr als einmal. „Wir können alle dem Tag dankbar sein, der Sie zu uns führte.“
Henriette murmelte irgendeine höfliche Erwiderung, konnte jedoch nicht umhin, einen Stich zu empfinden, weil die Worte so unpersönlich klangen. .Achtet Sie sehr hoch' — mehr durfte eine Erzieherin gewiß nicht verlangen, und doch sehnte sie sich nach einer weniger förmlichen Anerkennung.
Der Juni verstrich friedlich und ereignislos, und selbst, als die Herzogin dann ankam, schien sie weniger reizbar und bedeutend ruhiger und gleichmäßiger in ihrem Umgang mit den Kindern.
„Sie erkennt mich endlich an“, glaubte Henriette daraus folgern zu können. „Vielleicht ist sie jetzt glücklicher mit ihm, und ich brauche nicht länger auf Eiern zu gehen.“
Aber diese Hoffnung war nicht von langer Dauer, und bald hallte das Schloß von Zwistigkeiten wider. Die Herzogin, die sich zunächst ebenfalls zu den Mahlzeiten im Kinderzimmer einfand, verließ eines Tages brüsk ihren Platz und weigerte sich wiederzukommen. Als Henriette die beiden Jüngsten zu ihr hinaufbrachte, traf sie sie mit verweinten Augen und in mißmutiger Stimmung auf ihrem Sofa liegend an. Die Herzogin umarmte Raynald so leidenschaftlich, daß das Kind sich losriß und zu Mademoiselle flüchtete. Als darauf Berthe, nur zögernd der vorherigen Anweisung folgend, der Mutter einen Strauß Feldblumen reichte, bezeugte die Herzogin ein leichtes Interesse und zog das kleine Mädchen an sich. „Für dich, Mama“, piepste Berthe gehorsam mit einem lobheischencjen Blick zu Henriette hin.
„Hast du die alle ganz allein für mich gepflückt, mein Liebling?“ „Ja, aber Mademoiselle hat's mir gesagt. Mademoiselle kann Blumen noch besser binden als F^lix, findest du nicht auch, Mama?“
Die Herzogin legte den Strauß mit rasch erloschener Freude beiseite, und als die drei sich eine halbe Stunde später verabschiedeten, ließen die blauen Wegwarten mit den zarten Farngräsern schon verdurstet die Köpfe hängen.
„Warum mag Mama Sie nicht, Mademoiselle?“ fragte Berthe plötzlich, als sie sich dem Schulzimmer näherten.
„Ja“, fiel Raynald ein, bevor sie antworten konnte, „warum, Mademoiselle?“
„Ach, da irrt ihr euch aber.“ Henriette versuchte, die Fragen mit einem Lächeln abzutun. „Mama ist nur oft müde und krank, und deshalb glaubt ihr vielleicht, daß sie mich nicht mag.“
„Aber wenn ich krank und müde bin, mag ich Sie doch“, beharrte Raynald. „Ich mag Sie sogar noch viel lieber, wenn ich krank bin.“ Henriette beugte sich zu ihm nieder und schlang ihren Arm um seine Schultern. Er wuchs jetzt schnell heran und war lang und stakig für sein Alter, aber er bewahrte ihr noch dieselbe Zuneigung wie das zarte Kind, das sie dem furchtbaren Ansturm der Diphtherie abgetrotzt hatte.
„Es ist viel netter, wenn nur Sie und Papa hier sind“, fuhr Berthe in der unbarmherzigen Urteilsverkündung ihrer neun Jahre fort. „Ich wünschte Mama würde nicht zu dem Fest nach Mel’un mitkommen.“
In letzter Zeit war häufig von dem bevorstehenden Fest zu Ehren des hei hgen Ambrosius die Rede gewesen einem Ereignis, das in dieser Gegend eine große Bedeutung hatte, da der alte römische Heilige der Schutzpatron des Dorfes und der umliegenden Gehöfte war. Die älteren Kinder hatten das Fest bereits mitgemacht, aber dieses Jahr durften auch Berthe und Raynald dabei sein. Zuerst würde ein Gottesdienst in der alten Steinkirche stattfinden, und danach würde es allerlei Kurzweil im Dorf zu sehen geben mit einem Wanderzirkus und bunten Zeltständen, in denen man sich die lustigsten und leckersten Dinge erstehen konnte. Henriette hatte schon seit Wochen von nichts anderem gehört als von den wunderbaren Dingen, die ihrer am Namenstag des Heiligen warteten.
Glücklicherweise hielt sich das Wetter sonnig und wolkenlos, wenn es auch so warm war, daß der Herzog über seinem Kaffee den Kopf schüttelte und meinte, die Pferde würden schweißbedeckt sein, bevor man noch halbwegs im Dorfe sei, und er selbst zöge es eigentlich vor, den Tag mit seinen Söhnen am Fluß zu verbringen. Aber ein Fest ohne die Praslins wäre undenkbar gewesen. Er wollte mit den älteren Jungen voranreiten, und der Landauer und die Chaise sollte die anderen um elf Uhr aufnehmen.
„Wird die Herzogin uns begleiten: fragte Henriette, als er sdeh zum Gehen anschickte.
„Aber gewiß. Meine Frau hat seit unserer Heirat nur ein einziges Fest ausgelassen, und das war damals nach Ronalds Geburt, als sie noch krank war. Henriette war mit ihrem Anblick im Spiegel sehr zufrieden, als sie die Bänder ihres Strohhutes unter ihrem K’rm zusammenband. Sie befeuchtete mr Taschentuch mit Kölnischem Wasser und ging zu den Kindern.
(Fortsetzung folgt.)
Kasernen-Räumunng vordringlich
Vorerst keine Umsiedlertransporte nach Hessen
Wiesbaden, 11. Oktober. (LH) Die im Oktober für Hessen vorgesehenen Umsiedlertransporte aus Schleswig - Holstein sind vom Landesamt für Flüchtlinge abgesagt worden. Diese Maßnahme hängt nach Mitteilung des Leiters des Landesamtes, Wenzel Jaksch, mit den Aufgaben zusammen, vor die sich die hessischen Flüchtlingsdienststellen durch die anderweitige Unterbringung der bisher in Kasernen lebenden heimatlosen Ausländer und deutschen Flüchtlinge gestellt sehen. Wegen der für die Räumung der Kasernen gestellten kurzen Fristen hätten alle Dispositionen geändert werden müssen.
Zunächst befasse sich das Landesflüchtlingsamt mit der Unterbringung der bisher in den Kasernen in Hanau und Butzbach wohnenden Ausländer und Flüchtlinge. Zu der Forderung der Landeskommission, die heimatlosen Ausländer in Privatquartieren unterzubringen, erklärte Jaksch, darunter sei nicht die Unterbringung in Privatzimmern zu verstehen. Es habe sich auch bei der inzwischen begonnenen Verlegung in Baracken gezeigt, daß die Ausländer lieber in Gemeinschaft zusammen blieben. Eine „erstaunliche Feststellung“ habe man bei den mit der Räumung der Kaserne in Butzbach zusammenhängenden Maßnahmen gemacht, fügte Jaksch hinzu. Eine Reihe von heimatlosen Ausländern, die in die deutsche Wirtschaft eingegliedert werden sollten und bereits vor einiger Zeit in verschiedene hessische Kreise eingewiesen worden seien, hätten sich in Butzbach, ohne die Arbeit aufzunehmen, wieder in die Betreuung der IRO begeben. Von ihrem Vorhandensein habe man in Butzbach nichts gewußt, da man sie bereits in den deutschen Arbeitsprozeß eingegliedert glaubte. Jetzt müßten sie bei der Unterbringung früherer Kaserneninsassen mit berücksichtigt werden.
1300 Flüchtlinge warten noch
Die Einstellung im öffentlichen Dienst
Wiesbaden, 11. Oktober. (Eig. Bericht.) Nach einer Anweisung des Direktors des Landespersonalamtes Hessen werden die staatlichen Behörden angewiesen, zunächst diejenigen Bewerber zu berücksichtigen, die in Hessen ihren Wohnsitz haben und sich als ehemalige, öffentliche Bedienstete seit langem um eine Anstellung bemühen. Aus dem Erlaß geht hervor, daß in Hessen noch etwa 250 Zusicherungsträger im öffentlichen Dienst untergebracht werden müssen. Ferner liegen Bewerbungen von etwa 1300 Flüchtlingen vor, die nach dem Flüchtlingsgesetz Anspruch auf eine Anstellung im öffentlichen Dienst haben.
Das Problem der Preise
Maßnahmen und Vorschläge der hessischen Regierung
Wiesbaden, 11. Oktober. (Eigener Bericht.) Mit dem gegenwärtigen Mißverhältnis zwischen Realeinkommen und allgemeiner Preisentwicklung befaßte sich am Mittwoch nicht nur das hessische Kabinett, sondern auch der wirtschafts- und sozialpolitische Ausschuß des Hessischen Landtags. Dabei schlägt die Landesregierung dem Bund eine einmalige fühlbare Winterbeihilfe für Minderbemittelte, sowie Teuerungszuschläge auf Fürsorgerichtsätze und Renten vor. Im letzteren Falle soll dabei das entsprechende Verhältnis zu den Mindestlöhnen beachtet werden.
Weiterhin wird die Landesregierung von sich aus eigene Maßnahmen gegen die Preissteigerungen ergreifen. Dabei plant sie vor allem eine verschärfte Preisüberwachung, die’Beseitigung der hemmungslosen Handelsspannen sowie eine Anweisung an die Staatsanwälte, die gesetzlichen Maßnahmen gegen den Preiswucher usw. strenger anzuwenden.
Die in einer gemeinsamen Sitzung tagenden wirtschafts- und sozialpolitischen Ausschüsse billigten einstimmig die Kabinettsbeschlüsse. Ferner erwarten sie von der Regierung Vorschläge für eine einmalige Winterbeihilfe an Minderbemittelte. Die vier Abgeordneten des sozialpolitischen Ausschusses, Moosdorf, Frau Dr. Schiffler, Göbel und Krüger werden dabei das Kabinett über die Höhe der Beihilfe, über die Abgrenzung des Personenkreises sowie über die Aufbringung der Mittel, die gegebenenfalls als Folge des Vorgriffes auf Bundesgelder erfolgen soll, beraten. Das Kabinett verabschiedete in seiner Mittwochsitzung dann noch ein Brandschutzgesetz, das das Feuerschutzwesen in Hessen auf eine gesetzlich-einheitliche Basis stellen soll.
Auch in Hessen wird — einer Anregung der Bundesregierung folgend — der 26. Oktober als „Tag der deutschen Kriegsgefangenen“ begangen werden. In einer feierlichen Stunde der Landesregierung in der Wiesbadener Staatsoper werden der stellvertretende Ministerpräsident, Dr. Hilpert, sowie ein Vertreter der Heimkehrer sprechen.
Die Beratungen über den Entwurf eines Fischereigesetzes wurden in einer zweitägigen Sitzung des agrarpolitischen Ausschusses des Landtags abgeschlossen. Die Gesetzesvorlage erfuhr eine wesentliche Abänderung dahin, daß der Regierung, den Regierungspräsidenten, sowie den Landräten und Oberbürgermeistern sogenannte Fischereibeiräte zum Zwecke der Beratung aller die Fischerei betreffenden Fragen beigegeben werden.
Der Kampf um das Veto-Recht
Neuyork, 11. Oktober, (dpa) Der sowjetische Außenminister Wyschinski setzte sich im politischen Ausschuß der Vollversammlung mit Nachdruck für die Aufrechterhaltung des Veto-Rechts im Sicherheitsrat ein. Eine Schwächung des Sicherheitsrats bedeute eine Schwächung der Vereinten Nationen. Er wandte sich ferner gegen die Schaffung eines besonderen Ausschusses zur Ueberprüfung von Sicherheitsfragen, weil damit in die Rechte des Sicherheitsrats eingegriffen werde. Ebenso nachdrücklich lehnte Wyschinski die Bestimmung des Sieben-Mächte-Antrages ab, daß die Vollversammlung binnen 24 Stunden einberufen werden kann, wenn der Sicherheitsrat durch ein Veto am Eingreifen gegen eine Aggression verhindert ist.
Ein Parteiengesetz?
Bonn, 11. Oktober, (dpa) Der Rechtsausschuß des Bundestages wünscht, daß der Bundesregierung nahegelegt wird, ein Gesetz über politische Parteien auszuarbeiten.
Artikel 21 des Grundgesetzes legt die Prinzipien fest, denen, die im Bundesgebiet tätigen politischen Parteien entsprechen müssen. Insbesondere muß ihre innere Ordnung demokratischen Grundsätzen gerecht werden. Parteien, die die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand der Bundesrepublik gefährden, sind verfassungswidrig.
Ohne Verantwortung
Berlin, 11. Oktober, (dpa) Die evangelische Kirchenleitung Berlin-Brandenburg wertet die jetzt von den kommunistisch geleiteten Rundfunkstationen „Berliner Rundfunk“ und „Deutschlandsender“ als „evangelische Morgenfeiern“ verbreiteten Sendungen nicht mehr als evangelische gottesdienstliche Feiern. Wie betont wird, trägt die evangelische Kirche für diese Sendungen keine Verantwortung.
Bisher einzig in Hessen
Marburg, 11. Oktober (dpa) Der Stadtjugendring Marburg hat — als bisher einziger in Hessen — den Ausschluß der kommunistischen Freien Deutschen Jugend abgelehnt. Der Vertreter des „Jugendbundes für Entschiedenes Christentum“ erklärte, gerade wegen der weltanschaulichen Gegensätzlichkeit könne nicht auf eine Zusammenarbeit mit ihr verzichtet werden, da sonst ihren Angehörigen die einzige Berührungsmöglichkeit mit anderen Anschauungen entzogen würde.
Kein Kommnnalverband Darmstadt
Eine Stellungnahme der Stadt- und Landkreise
DT. Darmstadt, 11. Oktober (Eigener Bericht). Gemäß einem im März d. J. durch die Kreisausschüsse und Landräte des Regierungsbezirks Darmstadt erteilten Auftrage, die Frage der Bildung eines Bezirkskommunalverbandes für den Regierungsbezirk Darmstadt zu überprüfen, fanden sich die Vertreter der Land- und Stadtkreise des Regierungsbezirks Darmstadt zusammen. Nach Ansprachen der Vertreter der beteiligten Land- und Stadtkreise konnte folgendes festgestellt werden:
Die oberhessischen Kreise wünschen zunächst nicht, daß die Bildung eines Bezirkskommunalverbandes Darmstadt weiter erörtert wird. Sie halten den gegenwärtigen Zeitpunkt für ungünstig und beantragen Vertagung.
Die Vertreter der südhessischen Kreise sprachen sich für die Bildung eines Bezirkskommunalverbandes aus. Sie wiesen darauf hin, daß es insbesondere soziale Fragen seien, die unerledigt bleiben müßten, weil die einzelnen Kreise finanziell nidit in der Lage sind, übergebietliche Aufgaben, besonders hinsichtlich der Bekämpfung der Tuberkulose, der Wiedereinrichtung von Alters- und Erziehungsheimen und zur Unterbringung von Geisteskranken zu erfüllen. Besonders aber der schlechte Zustand der Straßen zwingt zu entscheidenden Maßnahmen.
Die Vertreter der südhessischen Kreise (frühere Provinz Starkenburg) einschließlich der Stadt Offenbach, kamen überein, unter sich in dem gesamten Fragenkomplex weiterzuarbeiten, damit ihnen nicht der Vorwurf gemacht werden könne, in der Lösung sozialer Probleme etwas unterlassen zu haben.
Kommunistische Betriebsräte
Amerikaner warnt Gewerkschaften
Wiesbaden, 11. Oktober (Eig. Bericht) In den Gewerkschaften Hessens ist der kommunistische Einfluß stark im Sinken begriffen, erklärte Josef I. Taylor, der Leiter der Abteilung für Arbeitsangelegenheiten bei der amerikanischen Landeskommission. Er stellte fest, daß die Bemühungen der Gewerkschaften um eine Ausschaltung der Kommunisten aus der Verwaltung und Organisation der Gewerkschaften erfolgreich gewesen seien. Als Gegenmaßnahme — so erklärte Taylor — versuchen die Kommunisten jetzt, sich in den Betriebsräten festzusetzen. Taylor forderte die Gewerkschaften auf, gegen diese antidemokratische Infiltration anzukämpfen.
Normalisierung
des westdeutschen Außenhandels
Nach den Ergebnissen des Statistischen Amtes in Wiesbaden sind von Januar bis Juni 1950 Waren im Werte von 4,7 Milliarden DM oder 1,12 Milliarden Dollar in die Bundesrepublik eingeführt und von 3,3 Milliarden DM oder 778 Millionen Dollar aus ihr exportiert worden. Die Handelsbilanz Westdeutschlands schloß demnach mit einem Fehlbeträge von 342 Millionen Dollar ab. Wenn man bei der Einfuhr nur diejenigen Bezüge berücksichtigt, die aus eigenen Mitteln finanziert wurden, so verringert sich das echte Defizit sogar auf 109 Millionen Dollar. Während der gleichen Zeit des Vorjahres betrug das Defizit in der Doppelzone 466 Millionen Dollar.
Man sollte meinen, daß sich die günstige Entwicklung der Außenhandelsziffern auch in der räumlichen Verteilung widerspiegelt, doch lassen hier die Ziffern noch zu wünschen übrig. Von Januar bis Juni 1950 hat sich die Einfuhr der Bundesrepublik aus Europa von 50,8 Prozent des Gesamtimportes nur auf 51,3 Prozent gehoben. Der Export nach Europa ist von 79,1 Prozent der Gesamtausfuhr unbedeutend auf 78,8 Prozent gefallen.
Bei den Vereinigten Staaten als dem deutschen Hauptlieferanten zeigt der Verlauf der westdeutschen Einfuhr ein freundlicheres Gepräge. Im Laufe des ersten Halbjahres 1950 ist der Import von dort von 24,1 Prozent der Gesamteinfuhr auf 18,3 Prozent im Juni gefallen. Die Belebung der Ausfuhr läßt dagegen leider noch auf sich warten. Im Vergleich zur Gesamtausfuhr ist sie sogar von 4,1 Prozent im Januar 1950 auf 3,4 Prozent im Juni abgesunken. Infolgedessen hat die westdeutsche Wirtschaft alle Veranlassung, den Dollar-Drive zu unterstützen, für dessen Gelingen allerdings eine wesentliche Verbesserung in den einfuhrhemmenden amerikanischen Zöllen und Zollpraktiken die Voraussetzung bildet.
Bei der warenmäßigen Verteilung des deutschen Außenhandels mögen zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage das Steigen der Rohstoffimporte und die Zunahme der Fertigwaren-Exporte erwähnt werden. Der Anteil der Fertigwaren-Ausfuhr an der Gesamtausfuhr ist von 55,1 Prozent im Januar auf 61,5 Prozent im Juni gestiegen, während dieser Anteil in der Hälfte 1949 sich nur um etwa 42 Prozent bewegte. Allerdings ist auch auf diesem Gebiete noch eine beträchtliche Anstrengung erforderlich, wenn der Vorkriegsstand annähernd wieder erreicht werden soll. Als eine erfreuliche Entwicklung wird es angesehen, daß die Ausfuhr von Brennstoffen aus der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 1950 nicht das Uebergewicht mehr hatte wie bisher.
Vermögens-Freigabe in den USA
vwd Ueber das während des Krieges in den Vereinigten Staaten eingefrorene ausländische Vermögen soll in Kürze entschieden werden. Das Amt für ausländisches Eigentum (Office of alien property) hat eine endgültige Erhebung über derartige Guthaben angekündigt, um sie entweder den früheren Eigentümern zurückzugeben oder auf die amerikanische Regierung zu übertragen. Wie ein Sprecher des Amtes Pressevertretern sagte, werden die Berechtigten ihr Eigentum zurückerhalten, wenn sie nachweisen können, daß kein feindliches Interesse daran besteht.
Ursprünglich waren Vermögen im Werte von sechs Milliarden Dollar von der Sperre betroffen. Nach amtlichen Schätzungen handelt es sich gegenwärtig noch um 150 Millionen Dollar, von denen wahrscheinlich 125 Millionen Dollar in das Eigentum des amerikanischen Staates übergehen werden, da die Berechtigten keine Ansprüche geltend machen.
Von der angeordneten Erhebung werden zwar sämtliche betroffenen Auslandsvermögen erfaßt werden, nach Mitteilung des Amtes für Auslandsvermögen werden jedoch Guthaben von ungarischen, rumänischen, bulgarischen, lettischen, litauischen, estnischen, finnischen, polnischen und tschechoslowakischen Staatsbürgern vorläufig nicht in das Eigentum des amerikanischen Staates übergeführt werden.
USA kürzen Baumwoll-Ausfuhr
vwd Um die amerikanische Inlandsversorgung mit Rohbaumwolle zu sichern, hat die USA-Regierung die Baumwollausfuhr nach allen Ländern, mit Ausnahme von Kanada, gekürzt. Vom Landwirtschaftsministerium wird hierzu erklärt, daß in den acht Monaten vcm 1. August 1950 bis zum 31. März 1951 2 Millionen Ballen, für die gesamte Saison 1950/51, die am 1. August 1951 zu Ende geht, 3 Millionen Ballen Rohbaumwolle ausgeführt werden dürfen. In der vergangenen Saison belief sich die nordamerikamsche Ausfuhr von Rohbaumwolle auf fast 6 Millionen Ballen einschließlich Kanadas.
Genügen die Kohlen?
vwd Die für das vierte Quartal dieses Jahres geplante Stahlproduktion im Bundesgebiet von 3.2 Millionen Tonnen hängt im wesentlichen von der ausreichenden Brennstoffversorgung der Hütten- und Stahlwerke ab. Für die Produktion der veranschlagten Menge Rohstahl sind 4,2 Millionen Tonnen feste Brennstoffe erforderlich. Sie werden nach Ansicht unterrichteter Kreise nur zur Verfügung gestellt werden können, wenn die Steinkohlenförderung zunimmt und die hohen Exportanforderungen herabgesetzt werden.
Banknotenumlauf gestiegen
Bz. Der zusammengefaßte Ausweis der Bank deutscher Länder und der Landeszentralbanken zeigt zum 30. September eine beträchtliche Kreditbeanspruchung. Inlandswechsel stiegen um 644 Millionen D-Mark auf 3,235 Milliarden D-Mark. Auch die Schatzwechsel des Bundes und der Länder nahmen um 71 (im August um 47) Millionen D-Mark auf 297,69 Millionen DM zu. Bei den Lombardforderungen zeigt sich eine Steigerung um 50,8 (August 20,3) Millionen DM auf 312 Millionen DM. Dagegen konnten die Vorschüsse und kurzfristigen Kredite des Bundes und der Länder um 175 Millionen DM auf 946 Millionen DM vermindert werden. Unter den Passiven ist neben dem Banknotenumlauf von 8,21 (im August 8,02) Milliarden DM der Posten „Verbindlichkeiten aus der Abwicklung des Auslandsgeschäftes“ mit seiner Steigerung um 688 Millionen DM auf 2,25 (im August 1,55) Milliarden DM besonders beachtenswert.
Außenhandelsdefizit verringert
vwd. Der Passivsaldo im Außenhandel der Bundesrepublik hat sich von 53,2 Millionen Dollar im Juli auf 27,8 Millionen Dollar im August verringert, da die Einfuhr in der gleichen Zeit um 6,4 Prozent abgenommen hat, während die Ausfuhr um achtzehn Prozent anstieg.
Seifenproduktion erhöht
(hi) Die Produktion von Seife steigerte sich im August gegenüber dem Juli nach dem Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums um über 40 Prozent. Die Produktion erreichte in diesem Monat mit 15 700 Tonnen einen neuen Höchststand.
Dieselmarken nicht abgenommen
(hi) Bezugsmarken in Höhe von 15 000 Tonnen wurden im August nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums bei Dieselkraftstoff nicht abgenommen. Dagegen ist die Versorgung mit Vergaserkraftstoff noch immer nicht ausreichend.
Kündigung von Tarifverträgen
Hi. Der Bundestagsausschuß für Arbeit wird dem Bundestag vorschlagen, den von der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei eingebrachten Entwurf eines Gesetzes über die Kündigung von Tarifverträgen abzulehnen. Sowohl der Vertreter der Vereinigung der Arbeitgeberverbände als auch der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft hatten vor dem Ausschuß dieses Gesetz abgelehnt.
Die Lohnverhandlungen für die hessische Textilindustrie brachten kein Ergebnis und wurden auf den 24. Oktober vertagt. Gefordert waren 15 Prozent, geboten wurden 7 Prozent, ein Vermittlungsvorschlag- lag bei 11 Prozent,
Zu den Auseinandersetzungen über die Kartoffelpreise erklärte der Hauptgeschäftsführer des Hess. Bauernverbandes, wenn man die Gestehungskosten zur Grundlage nehme, würde sich der Kartoffelpreis frei Keller von 5,20—6,00 DM ergeben. Dieser Betrag sei nach Ansicht des Bauernverbandes berechtigt. Der Kartoffelpreis werde in diesem Jahr wieder demagogisch mißbraucht.
Rund 400 000 neue Kraftwagen benötigt Australien für die nächsten Jahre. Bisher wurden 80 Prozent aller Wagen aus Großbritannien geliefert.
Einer einheitlichen Regelung der auf ausländische Währunglautendendeutschen Schuldverschreibungen hat Großbritannien zugestimmt. Danach wird Großbritannien nun auch in einem bereits ausgearbeiteten Gesetzentwurf zur Bereinigung von Fremdwährungsanleihen einbezogen werden.
Um weitere sechs Prozent hat die Aussaatfläche für Winterweizen in diesem Jahre zugenommen. Die Ausdehnung erfolgt zum größten Teil auf Kosten des Anbaus von Winterroggen.
Die Errichtung eines Instituts für Grünland Wirtschaft und Futteranbau in der Eifel wird vorbereitet. Die Woliverkäufe sollen auch in Zukunft in Form öffentlicher Versteigerungen durchgeführt werden. Die zwanzig Delegierten auf der Sitzung der internationalen Wollstudiengruppe stimmten dieser Regelung zu.
Das Auftragsvolumen der von der Auftragseingangsstatistik erfaßten Zweige der westdeutschen Industrie ist im August gestiegen. Verglichen mit dem Monatsdurchschnitt von 1949 war der Auftragseingang im August beispielsweise bei Stahlwalzwerken viermal so hoch, bei den Eisen- und Stahlgießereien, im Maschinenbau, in der Eisen-, Stahl-, Blech- und Metallwarenindustrie sowie in der Textilindustrie nahezu doppelt so
hoch. . , _ Die Niederrheinische Papier- und Pappenfabrik AG, Neuß a. Rh„ schlägt der HV am 26 Oktober vor, das AK im Verhältnis 1:1 auf 2,080 Millionen DM umzustellen und aus dem im ersten DM-Geschäftsjahr (21, 6. 1948 bis 31. 12. 1949) erzielten Ueberschuß eine Dividende von 6 v. H. p. a. auszuschütten.
Chemie gegen Holzzerstörung
Vierzig Prozent der Häuser sind vom Hausbock befallen
F.C. Kahlschlag ist heute für einstmals waldreiche Gebiete auch in Rheinland-Pfalz und Hessen charakteristisch. Es gilt deshalb nicht nur den wichtigen Grundstoff Holz rationell zu verwerten. Fäulnis und Wurmfraß haben solche Ausmaße angenommen, daß ein systematischer Kampf gegen die Träger dieser Zerstörungen notwendig geworden ist.
Haben nicht aber unsere Väter und Vorväter Holz, nicht zuletzt im Wohnungsbau, im weiten Umfang eingesetzt, das oft Jahrhunderte überdauert hat? Die gesteigerte Nachfrage nach Holz in der jüngsten Vergangenheit hat dazu verführt, in zunehmendem Maß frisches Holz zu verarbeiten. Das hat sich schwer gerächt. Die Larven des Hausbocks, der auch unter dem Namen großer Holzwurm berüchtigt ist, haben im frischen Holz den besten Nährboden für ihre Entwicklung und Ausbreitung gefunden. Nach einer Statistik sind heute zum Beispiel in Schleswig-Holstein 40 Prozent aller Häuser vom Hausbock befallen.
Auch Pilze gehen in zunehmendem Maß zum Angriff auf das verarbeitete Holz über. Auch diese Feinde des Holzes sehen sich dur.ch die Verwendung von frischem Holz besonders in Neubauten in ihrer zersetzenden Tätigkeit begünstigt. Das Holz in zerstörten Häusern nährt die Pilze die ihr Fadennetz durch das Mauerwerk in die angrenzenden unzerstörten Häuser treiben. Die Ausbreitung des Hausschwammes wird noch durch die Wiederbenutzung von Holzresten aus Ruinengrundstücken erleichtert.
Abwehrmaßnahmen sind um so schwieriger, als die Pilze als Träger der Holzfäule, insbesondere der Hausschwamm, oft nach außen hin unsichtbar bleiben und erst nach dem Zusammenbruch von Dachbalken oder Treppen ihre Zerstörende Tätigkeit offen enthüllen. Unsichtbar arbeitet auch der Hausbock. Ein einziges Hausbockweibchen, das 50 Eier in das Dachgebälk eines Hauses legt, kann nach 35 Jahren eine Nachkommenschaft von 90 Millionen fressender Larven haben. Den Sommer über pflegen die im Holz lebenden Larven Tag für Tag ihren eigenen Körperinhalt an Holz zu vertilgen. Allein diese Gefräßigkeit der Larven, die 7 bis 14 Jahre zu ihrer Entwicklung im Holz benötigen, kennzeichnet die Größe der Gefahr.
Fäulnispilze und Hausbock sind die Hauptfeinde des Holzes. Sie sind nicht die einzigen. Zu ihnen gesellen sich der Klopfkäfer, der Fichtensplintbock und die Holzwespe. WasserumSpültes Holz reizt den Appetit der Bormuschel. Rund 60 Termitenarten haben schließlich das Holz zum Gegenstand ihrer zerstörenden Gefräßigkeit gemacht. Für Westdeutschland stellen diese Termitenvölker heute
allerdings noch keine Gefahr dar. Das schließt nicht aus, daß die deutsche chemische Industrie als Träger des Kampfes für den Holzschutz auch Abwehrmittel gegen Termiten entwickelt. Die Versuchsstationen der Farbenfabriken Bayer in Leverkusen berichten davon. Sie haben es ermöglicht, die verschiedensten Holzkonservierungsmittel meist in Form von Imprägniersalzen zu finden. Die Farbenfabriken Bayer, Krefeld-Uerdingen stellen, wie dieses im Rahmen einer Pressebesprechung in Frankfurt am Main dargelegt wurde, allgemeine und spezielle Holzschutzmittel her. Unter anderem werden Mastenhölzer heute mit Schutzsalzen im Kesseldruck-, Einlauge-, Saftverdrängungs- oder auch im Ossmoseverfahren, Grubenhölzer mit Fluornatriumkromgemischen, imprägniert. Basilite ist ein Begriff geworden. Großversuche in hessischen Buchenwäldern haben gezeigt, wie man mit chemischen' Mitteln auch die Verstockung von Laubhölzern verhindern kann.
Börsen und Märkte
Bz. Die Frankfurter Börse erzielte zur Wochenmitte auf den meisten Aktienmärkten Kursgewinne von durchschnittlich 1 bis 2 Punkten. Auch Montanaktien konnten einen Teil der Einbußen der letzten Tage um durchschnittlich ein Prozent hereinholen. So Stahlverein 54 dann 54.75 (+ 0.75). Für Sonderwerte stellten sich erneut größere Kurssteigerungen ein. So Ettlinger Spinnerei auf die starke Beschäftigung 160 (+ 5), Hutschenreuther Porzellan 70 (+ 6), Rosenthal 81 (+■ 1), Rhein. Strohzellstoff 113 (+3), Kammgarn Kaiserslautern 94 (+ 4), Aschaffenburger Zellstoff 64 (+ 2). Einzelne Maschinenaktien stellten sich bis 1.75 Prozent höher, von Chemiewerten Goldschmidt 61 (+ 2), dagegen Degussa 78 (—’A), VDM 65 (—1). Am Markt der Festverzinslichen Preuß. Landesnfandbriefe 7.5 (+ U«), dergl. K. O. 7.25 (+ 0.25), Dekosama 17.50 nach 17.75.
Freie Devisenkurse
Bz. Am 11. Oktober wurden frei bewertet der USA-Dollar mit 5.15 bis 5.25 DM, das englische Pfund mit 12.50 bis 13,50 DM, der holländische Gulden mit 1.15 bis 1.25 DM, der Schweizer Franken mit 1.15 bis 1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5 Ost-Mark gezahlt und für 5 Ost-Mark eine DM-West geboten.
Neue Filme ın Darmstadt
„Der Mann mit der beweglichen Hirnschale”
Aus den Kindertagen des Films
Erinnerungen verblassen oft schon nach wenigen Jahren. Kaum einer entsinnt sich mit Deutlichkeit noch der Zeit des Stummfilmes, in der der Grundstein zu einer Weltindustrie gelegt wurde. In den ersten Jahren nach Erfindung der kinematographischen Apparate erschöpfte sich die Stoffgestaltung in der Darstellung bewegter. Bilder, dem Einfahren eines Zuges in den Bahnhof, belebter Straßenszenen und verfilmter Karikaturen. Bald aber merkten die Filmerzeuger, daß das Publikum auf die Dauer mit derartigen Darbietungen nicht zufrieden war, daß der Inhalt interessanter werden mußte. Man begann also Geschichten zu suchen, und das bedeutete die Geburtsstunde des Spielfilms.
Was lag näher, als aus der Fülle der Weltliteratur die notwendigen Stoffe zu entnehmen, denn da die lebenden Autoren abseits standen, mußten die toten „auffrisiert“ werden. Die dramatischen Effekte erfuhren eine Steigerung, während die psychologische Charakterentwicklung der Helden auf den einfachsten Nenner herabgedrückt wurde. Unerhörter männlicher Ehrgeiz und Aufopferung paarten sich mit makellosem weiblichem Edelmut, finstere Schurken mit schmierigen Ballonmützen und verruchte intrigante Sünderinnen mit lockendem Augenaufschlag stellten für den Kintoppbesucher das A und O des menschlichen Handelns dar. Die unsterblichen Schätze der Weltliteratur sanken unter das Niveau der Hintertreppenromane.
Die ersten Filme jener Zeit waren alle unerhört tragisch, sie rissen das Publikum zu Tränenausbrüchen hin. Auf uns wirken sie heute mit unwiderstehlicher Komik. Was dem Film fehlte, war der Stil. Die Darsteller, die zum größten Teil aus den Reihen der Amateure kamen oder Schauspieler waren, die bis dahin an die Sprache als Empfindungsausdruck gewohnt waren, mußten plötzlich durch die Gestik den Reichtum und die Wandlungsfähigkeit des Wortes ersetzen. Auch das Publikum stand dem neuen Ausdruck hilf— los gegenüber, und der Ueberschwang der Mimik erschien allen Beteiligten als natürlichste Voraussetzung für eine künstlerische Arbeit.
Erst allmählich wurde man sich des Unterschiedes zum Theater bewußt, die „Bretter, die die Welt bedeuten“, versanken vor dem Flug in das Reich der Träume und der Phantasie. Es war nun möglich, das Reale mit dem Irrealen zu verbinden. Selbstverständlich gelang es nicht auf einmal, diese Ziele und Wünsche zu verwirklichen. Man kam dahinter, daß sich der Standort der Kamera während des Handlungsablaufes verändern läßt. Man fand eine filmeigene Dramaturgie, nach der in der Folge die Drehbücher geschrieben wurden. Aber noch war es nicht gelungen, den Film einer künstlerischen Sphäre zuzuführen. Die Wandlungsfähigkeit der Kamera, die Regie waren beschränkt. Unbeschränkt aber war die Phantasie in der, Gestaltung publikumswirksamer Filmtitel. Zuerst begnügte man sich in der Hauptsache mit der Gestaltung von Abenteuer- und Kriminalfilmen. „Der Mann mit der beweglichen Hirnschale“, der „Töter der Downing-Street“ und „Sherlock Holmes contra Professor Morjarti, ein Kriminalfilm von bleibendem Werte“, — nur eine kleine Auswahl aus einer endlosen Kette unversiegbarer Produktivität. Die Titel der Abenteuerfilme waren dagegen keiner Wandlung unterworfen, sie gibt es heute wie damals, vielleicht hat man die Worte umgestellt. Es wäre eine höchst lehrreiche Studie, wenn man sich die Mühe machen würde, die verschiedenartigen Filmsparten auf ihren Zeitzusammenhang hin zu untersuchen.
Mitte der zwanziger Jahre erschien der Sittenfilm auf dem Markt, der sich unter die Tarnflagge des Aufklärungsfilms begab. „Rückkehr zur Pflicht — Ein erwärmender Blick aus dem Frauenleben“, „Gebrochener Stolz — Die Tragödie eines europäischen Rasseweibes“: Sie fanden in allen Theatern ihre Liebhaber, der Titel konnte gar nicht schmalzig genug sein. Sicherlich waren unter den Filmen eine ganze Reihe, die knapp an der Pornographie vorbeigingen. „Hyänen der Lust — Der Weg, der zur Verdammnis führt. 2. Teil“ und „Opium — Ein Monumentalfilm in sechs Akten“ waren wohl die größten Reißer, die je in Deutschland gedreht wurden. In der Wirkung waren sie plump und nur auf den augenblicklichen Affekt abgestellt, in der künstlerischen Leistung rangieren sie außerhalb jeglicher Kritik. Sie suchten und fanden ein Publikum, das in der schwülen Atmosphäre der zwanziger Jähre Anreiz und Nahrung brauchte.
In den folgenden Jahren, gleich nach Entdeckung des Tonfilmes, wurden die gleichen Stoffe erneut auf die Leinwand gebracht, mit raffinierterer Aufmachung, mit geschickteren Titeln und besserer kameratechnischer Gestaltung. Alle diese Themen kommen wieder, jeder Titel findet einen neuen Produzenten und was uns heute irritiert, ist weniger die sensationelle Anpreisung eines durchschnittlichen Aufklärungsfilmes, als die Tatsache, daß wir glauben, jeder dieser Filme sei ein einmaliges Werk, das keine Vorbilder habe. Das Thema ist immer dasselbe, nur der Titel, die künstlerische Gestaltung und die Aufnahmetechnik verändern den Stoff derart, daß er sich wie eine Eigenschöpfung selbstbewußt in der Massenproduktion ausnimmt. HFL
DER PFARRER VON KIRCHFELD Der Seelsorger von Kirchfeld, Pfarrer Hell, ist in seiner Gemeinde allgemein beliebt. Trotz seiner Jugend soll er — nach der Diözese Salzburg versetzt — für größere Aufgaben bestimmt werden. Zu ihm kommt Annerl ins Haus, und böse Zungen bringen Verleumdung, Unfrieden und Verwirrung ins Dorf. Die Haltung des Pfarrers aber, seine innere Größe, lassen alle Beschuldigungen, allen Zwist überwinden. Der Film wurde nach Motiven von Anzengrubers Roman gedreht. (Im Hansa)
ARABISCHE NÄCHTE Wieder ein Film aus 1001 Nacht. Harun al Raschid und Scheherazade, der ungetreue Wesir Nadan und der aufrührerische Bruder des Kalifen sind die Kontrahenten. Die märchenhafte exotische Pracht des Orients ist aufgeboten für die Handlung, in der — nach anfänglicher Unterlegenheit — die gute Sache und die große Liebe siegen. In den Hauptrollen John Hall, Maria Montez und Sabu. (Im Thalia)
Kriminalfilm - so oder so?
Dunkle Nacht! Der Regen strömt. Schlürfende Schritte aus der Ferne. Ein leiser Fluch. Ein Schrei — und dann — der peitschende Schuß aus dem Revolver. Ein Mann liegt in einer Lache — blutend. Der Täter, den Mantelkragen hochgeschlagen, entwetzt um die nächste Ecke. Heulen der Polizeisirenen. Scheinwerfer auf. Schlagzeilen: Mord!
So oder ähnlich haben wir es oft im Film erlebt. Kalt lief es uns über den Rücken. Die Skala des Grauens war virtuos durchexerziert. Die peinlich gewissenhafte Arbeit der Polizei — die Suche nach dem Täter. Entführung, Gewalt, Schüsse und Sensation. Das ist der Kriminalfilm. Ist er es wirklich?
Nun — es gibt auch noch etwas anderes. Die elegantere Version sozusagen. Kein Mord. Nur ein Diebstahl, Juwelen vielleicht, keine Schüsse — nur Kinnhaken. Keine Polizei — Privatdetektive, echte und falsche und solche, die sich blamieren. Denn wir lachen gern einmal. Aber halt — da ist doch der Verbrecher immer noch. Aber nur Ruhe — auch er wird zur Strecke gebracht, nicht mit Gewalt, sondern mit List. War es wirklich ein Krimmalfilm? Es war so viel von Liebe die Rede. Und Musik umrahmte die Handlung. Aber spannend war es doch. Und ein Verbrecher wurde gejagt.
Es war eine Art Parodie auf den Kriminalfilm. Jene Art von Film, die mit leichter Hand die Knoten schürzt und drastische Wirkungen verabscheut. „Der
Mann, der Sherlock Holmes war“, hieß ein solcher Film einmal. Nun sollen natürlich nicht etwa alle Kriminalfilme mit Musik und Komik gewürzt sein. Der wilde Reißer, der atemraubende Gruselfilm — sie haben auch ihre Reize. Aber es ist eine Erweiterung der künstlerischen Mittel des Films, daß man dazu kommt, auch jene andere Form zu pflegen, die mit leichter Hand über das Drastische hinweggeht und das musikalische Lustspiel in Verbindung mit der kriminellen Handlung bringt. Nicht das Verbrecherische steht im Vordergrund, sondern eher eine spielerische Freude an der Ausnützung der Situation. Verwechslung und Trick, List und Taktik geben so dem Film die Note der geistigen Souveränität.
Kriminalfilm — so oder so. Gern läßt man sich von der nervenkitzelnden Spannung gefangen nehmen. Aber oft verläßt man eigentlich das Kino befriedigter, wenn das Kriminalistische nur ein Teil der Wirkungseffekte war, wenn Liebe und Musik auch ihren Anteil hatten. Der Nachkriegsfilm ist im Begriff, wieder einmal eine wichtige Hürde zu nehmen!
Fred Astaire tanzt an der Decke
Man ist von Fred Astaires Tänzen schon allerlei gewohnt. Immer wieder bringt er neue Tanzideen. Einen ganz originellen Tanz aber legt er jetzt für den MGM-Film „Königliche Hochzeit“ auf die Bretter. Das heißt, Bretter ist eigentlich falsch — besser gesagt an die Decke! Astaire tanzt in dieser Nummer nicht nur die Wände rauf und runter, sondern — wie gesagt — sogar an der Decke! Na, wenn das nichts ist.
Für historische Verdienste ...
Orson Welles und Cesare Borgias Kavalierskostüm
Orson Welles ist nicht nur als „Dritter Mann“ im zitherschlagenden Wien und als erster und zweiter Mann der „attraktivsten Frau der Welt“ bekannt, sondern Hollywood bewundert ihn als sein Genie und fürchtet ihn gleichzeitig als das unverbesserliche enfant terrible. Seine Ideen für Filmstoffe und seine impulsiven Anregungen während der Dreharbeiten sind ebenso unerschöpflich wie die Streiche, die er sich leistet, um seine Kollegen zu ärgern,
Während eines achttägigen Aufenthaltes in Rom lernte Welles eine italienische Adelsfamilie kennen, die sich rühmte, unter ihren Vorfahren einen Cesare Borgia zu haben, den hemmungslosen, despotischen Sohn des Papstes Alexander VI. Welles* Interesse an diesem explosiven Renaissaneefürsten entzündete sich neu, als ihm die italienischen Freunde das Prachtstück der Ahnengalerie zeigten: das schwarzseidene Kavalierskostüm, das Cesare ständig getragen haben soll,
Den stiernackigen, glutäugigen Welles umfloß das düstere, brüchige Gewand mit dem pompösen Schmuck, als sei es für ihn gemacht; er sah diabolisch aus. Nur schwer konnte er sich von dem sorgsam gehüteten Erbstück der Familie trennen.
Als ihm einige Zeit später in Amerika das Buch „Prince of Foxes“ von Shellabarger in die Hände fiel, regte er bei der 20th Century-Fox an, daß das dankbare Borgia-Thema als Vorwurf zu einem historischen Großfilm genommen wurde (der kürzlich unter dem Titel „In den Klauen des Borgia“ auch in Darmstadt lief).
Orson Welles als Titelheld ruhte nicht, bis die römischen Freunde seinen Bitten, Versprechungen, Schwüren und Gastgeschenken nachgaben und seinem Abgesandten Gewand und Schmuck des echten Borgia ausliehen.
In peinlichst genauer Arbeit wurde das von den Jahrhunderten zerschlissene Kostüm in einem Hollywooder Atelier bis auf den letzten Nadelstich getreu nachgebildet.
Nach beendeter Dreharbeit wurden die Kostbarkeiten in der Requisitenabteilung wieder sorgsam verpackt und mit allen Vorsichtsmaßnahmen auf den Heimweg nach Rom gebracht. Etwa acht Tage darauf erhielt Orson Welles ein Telegramm: „Erbitten umgehend Aufklärung Verbleib echten Kostüms. Kostümkopie geht zurück. Sind äußerst bestürzt.“
Mr. Welles rauchte. Er stürzte in die Requisitenabteilung. Der in Frage kommende Packer war auf Urlaub. Fluchend begann Welles unter den 23 000 Kostümen zu wühlen. Der Verwalter flehte am Telefon die Direktion um Hilfe an.
Die konnte im Moment auch nichts anderes tun, als eine großzügige Suchaktion einleiten. Orson war in einer üblen Lage. Erbost über die erfolglose Suche betrat er am Abend seine Wohnung. Ein Paket war für ihn abgegeben worden. Ahnungsvoll riß er die Papierumhüllung ab. An das liebevoll verpackte echte Borgiakostüm war ein Zettel geheftet: „Seinem lieben Orson Welles in Anerkennung seiner hervorragenden historischen Verdienste, Cesare Borgia, Herzog von Valentinois, Romagna, Perugia, Piombino und Urbino.“
Es dauerte einige Minuten, bis Welles über diese Rache seiner Kollegen lachen konnte. Sie hatten den Packer wohl den Schmuck einpacken lassen, ihm aber statt des zerschlissenen echten Gewandes das neue, nachgeahmte gegeben. Das echte ging am nächsten Morgen mit 40 000 Dollar Versicherung und einem dicken Brief Mr. Welles1 zurück an seine römischen Besitzer. Orson Welles soll daraufhin seine Kol-
legen mindestens sechs Wochen lang in Ruhe gelassen haben.
DÄMON GELD Ein realistischer Film, dem Herzen der Großstadt Buenos Aires entnommen, dem Zentrum, in dem alle Leidenschaften der durch die große Stadt gefesselten Menschen zum Ausbruch kommen. Er zeigt das Schicksal eines armen und ehrgeizigen jungen Mannes, aufgenommen an den tatsächlichen Schauplätzen der Geschehnisse. Jose Moran, das Sinnbild einer irrenden Jugend, seinem verhängnisvollen Ehrgeiz unterworfen, führt sein Leben auf der Bahn des Verbrechers. Ein Mann, der das Leben suchte und den Tod fand. (Im Palast)
DER MANN, DER SICH SELBER SUCHT Wenn einer aus lauter Liebe (oder Eifersucht?) die Juwelen seiner Angebeteten klaut, ein Hochstapler und Heiratsschwindler die Imitation erwischt und damit abhaut, ein Detektiv, der den mysteriösen Diebstahl aufklären soll, selbst hinter schwedischen Gardinen landet, die Besitzerin des Schmucks, eine hübsche, kapriziöse Dame, deren Papa „millionenschwer“ ist, letzten Endes ausgerechnet dtm „richtigen“ Dieb in die Arme sinkt — dann ist schon was los. Vera Molnar, Wolf Albach Retty, Rudolf Platte u. a. (Im Union).
VOGELFREI Wes McQueen ist zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Mitglieder seiner Bande aber verhelfen ihrem Chef zur Flucht, der jetzt ein neues Leben anfangen will, aber immer wieder, gewollt oder ungewollt, an Raubzügen seiner Bande teilnimmt. Die Handlung spielt um 1870 im amerikanischen Mittelwesten. Colts, rassige Pferde, Überfälle auf Postkutschen und Eisenbahnen, Feuergefechte zwischen Banditen und Polizisten, schöne und gefährliche Frauen geben diesem Wildwester die Atmosphäre. (Im Belida)
Darmstadt und Umgebung
„Das ist eine,ami lui Blim...“
Sg. - Herbstliche Königinen in Farbe und Form; das sind die Blumen, die in den Krügen und Vasen oder in den Gärten in Gruppen stehend, hier und dort, den Herbst noch schöner machen. — Wieviele Abstufungen es gerade hierbei zu bewundern gibt, konnten wir gestern in einer hiesigen Gärtnerei feststellen. Herr Schulz, der trotz der Kriegs- und Nachkriegszeit bereits wieder 15 000 Stauden angepflanzt hat und im letzten Jahre selbst drei eigene Züchtungen herausbrachte, kann mit den kleinen und kleinsten „Pong-Pong“ ebenso aufwarten, wie mit den Riesen-„Major Francis-Ottis“.
Daß Blumen im allgemeinen und Dahlienzucht insbesondere wie alles Lebende —, nicht nur Mühe und Können, sondern auch große Liebe und Sorgfalt verlangt, zeigte die geglückte Vielfalt der verschiedensten Sorten in den bunten Feldern draußen an der Erbacher Straße. Da ist die rosettenartige „Graf Folke Bernadotte“ und die schwarz-rote „ami lui Blim“, mit einer Farbgebung, die zu schön und eigenwillig für eine Vase erscheint, neben der als Neuheit herausgebrachten „Oker“ und „Schneeprinzessin“ in blendendem Weiß. Sie alle, wie „Sommerlachen“, karmesinrot mit weißen Spitzen, gehören der großen Gruppe der Orchideen- oder Seesternsorte an. Davor, der Größe nach geordnet: die Mignonart mit halbhohen Stauden und die „Bälle“, deren Kelche prall mit Blütenblättern gefüllt sind; dann die „Halskrause“ mit doppelreihigen Blättern, und die Kaktussorte mit Chrysanthemenformen in der Dolde.
Vom feurigsten Rot bis zum vornehmen cremefarbigen Gelb sind die Blumen. Sie scheinen noch einmal ihre ganze Pracht zeigen zu wollen, denn am Morgen nach dem ersten Nachtfrost sterben diese stolzen Pflanzen; und schon jetzt zaubert die Herbstsonne zarte Maserungen in manche Kelche.
In den großen Städten, die von der heimatlichen Gärtnerei beliefert werden, wünscht, liebt und kauft man die Dahlien. In grauen Tonkrügen oder zerbrechlichen chinesischen Vasen, je nach Farbtönung und Sorte, stellen die Menschen jene wunderbaren Blumen, und erleben in und mit ihnen das Bunte, Üppig-Vielfältige, das Flammende oder das Verhaltene des Herbstes. Sg.
Der kleine Kollege
Besuch beim Darmstädter „Schulkurier“
Es war wirklich eine Unterlassungssünde, daß wir uns erst jetzt mit unserm kleinen Kollegen dem „Schulkurier“ bekannt gemacht haben. So zahlreich die Schwierigkeiten waren, die er in den ersten beiden Jahren seines Bestehens zu überwinden hatte, so tapfer hat er sein Lehrgeld bezahlt.
Es war ein schwerer Start ohne Geld, ohne Erfahrung, ohne Tradition. Daß das nicht auf den Anhieb klappen konnte, ist beinahe selbstverständlich. Natürlich wollte man erst hoch hinaus, gab die Funkelnagelneuerscheinung regelrecht in Druck — und übernahm sich finanziell. Wer darüber zu lächeln wagt, versteht nichts von der Branche, wo selbst jedem Herausgeber das Herz blutet, wenn er wegen des leidigen Geldes von vorneherein auf die Aufmachung verzichten muß, die ihm andererseits die meisten Abonnenten bringen könnte.
Zum 2. Male versuchten es die Jungen mit Rotaprint. Das Pech folgte auf dem Fuß. Nicht nur, daß durch Verzögerung des Auslieferungstermins die einzelnen Nummern jeweils an Aktualität und somit an Reiz verloren, es stellte sich obendrein heraus, daß mit einer
spitzen Feder allein man noch lange keine Zeitung machen kann, sondern, daß auch viel Takt und Diplomatie dazugehört. Man ließ sich nicht entmutigen und versuchte es zum 3. Male. In neuer Regie kam die Schülerzeitschrift nun unter dem Namen „Schulkurier“ heraus, recht und schlicht auf der Matritze abgezogen, loyal im Ton und billig im Preis. Die Kinderkrankheiten scheinen nun wirklich überwunden zu sein, und man kann sich nun in Ruhe der redaktionellen Arbeit zuwenden.
Wir freuen uns, daß der „verantwortliche Redakteur“ Wolfgang Wacker (Altes Realgymnasium) offensichtlichen Sinn für das praktisch Mögliche mit der Freude am inhaltlichen Ausbau verbindet. Wenn ihm etwas zu fehlen scheint, so ist es Widerhall, Ansporn und Anregung aus seinen Mitschülerkreisen. Er meinte, als wir ihn fragten, daß es doch recht schwierig sei, die Idee einer Schülerzeitschrift „volkstümlich“ zu machen. Viele stünden abseits, wenige seien zur aktiven Mitarbeit zu bewegen, und irgendwelche Unterstützung von Seiten der Eltern und Lehrer sei leider nicht zu erwarten.
Wir vermißten vor allem Beiträge aus weiblicher Feder. Haben denn die Mädchen gar nichts auf dem Herzen, das sie in der Oeffentlichkeit diskutiert zu sehen wünschten? Die Zeitschreift — finden wir — wäre runder, wenn sie auch einmal ihre Meinung sagten. Und dann noch ein paar unterhaltende Beiträge, ein brennendes Problem im Spiegel der Memungen, Bekenntnis und Kritik (es gibt seit Rilke und George auch junge Autoren, für die man eine Lanze brechen kann . . .). Damit wäre durch einen geringen Mehraufwand von Witz und Verstand der Wirkungsgrad so verbessert, daß der Kreis der Anteilnehmenden sich ganz von selbst vergrößerte. Wir halten den Daumen, daß es unseren jungen Kollegen immer besser klappt! Kä
Feuerschutzwoche
Sie kamen daher wie die Feuerwehr und brachten das brennende Haus gleich auf dem LKW mit. Ein Lautsprecherwagen der MP verkündete, daß dies zur Demonstration der Feuerschutzwoche geschehe, die vom 8. bis 14. Oktober von der amerikanischen Feuerwehr zusammen mit der städtischen Feuerwehr veranstaltet wird. Die Darmstädter hatten etwas zu gucken: Blitzend vor blankgeputztem Messing und rotem Lack brausten Feuerwehrtrucks, ein Löschfahrzeug und ein Ausstellungswagen hinter dem brennenden Haus durch die Straßen.
An und für sich gilt die Veranstaltung vornehmlich den Amerikanern. In den nächsten Tagen sind für die amerikanische Wehrmacht in der - Ludwig-Kaserne und in der Quartermaster-School große Löschübungen vorgesehen. Am Samstag, dem 14. Oktober, um 16 Uhr, soll aber auch die Bevölkerung auf ihre Kosten kommen: Am Bahnhof-Hotel wird von den vereinigten Feuerwehren angesichts des Publikums ein großer Brandangriff durchgeführt werden. Kö.
Perfonenstands-Anfnahme
Mit dem Stichtag vom 10. Oktober 1950 wird in Darmstadt eine Personenstands- und Betriebsaufnahme durchgeführt. Diese Erhebung ist notwendig, um einmal die Unterlagen für die Ausstellung der Lohnsteuerkarten der Gehalts- und Lohnempfänger zu schaffen und zum andern den Steuerausgleich zwischen Wohn- und Betriebsgemeinden durchzuführen. Aus der Volkszählung können diese Angaben nicht entnommen werden, da dem Steueramt keine Einsicht in die Zählpapiere gewährt wird.
Mit Schokolade gelockt...
Unter Zubilligung des Paragraphen 51 Absatz 2 (verminderte Zurechnungsfähigkeit) verurteilte gestern die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt den 63jährigen Karl W. aus Darmstadt wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Der bisher unbescholtene Angeklagte hatte zwei Kinder mit Geld, Eis, Schokolade und Brötchen in seine Geschäftsräume gelockt und sich dort mehrmals an ihnen in unsittlicher Weise vergangen. wst.
Arheiterwohlfahrt in Griesheim
Die Woche vom 8. bis 15. Oktober steht in Griesheim im Zeichen einer Großsammlung der Arbeiterwohlfahrt. Man hat diesmal auf alle öffentlichen Veranstaltungen verzichtet und hofft, allem durch Haussammlung von Geld- und Sachspenden zu einem ergiebigen Resultat zu kommen. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sind zufriedenstellend. Die Arbeiterwohlfahrt, die in Griesheim bereits schon viel segensreiche Arbeit geleistet hat, gedenkt, diese Spenden Krankenhäusern, Altersheimen und anderen sozialen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. ms
Die Mutter ist immer bekannt
Zu einem Vortrag in der Volkshochschule über den Vaterschaftsnachweis
Professor Dr. Ferdinand W i e t h o 1 d , der seit 1941 Direktor des Instituts für gerichtliche Medizin und Kriminalistik an der Un'versität Frankfurt ist, sprach im Rahmen der Vorträge der Volkshochschule über „Die Nachprüfung der strittigen Vaterschaft mit H Ife ärztlicher Untersuchungsmethoden.“ Es gibt ein altes lateinisches Sprichwort: „Pater incertus, mater semper certa est“, das besagt, daß die Mutter immer bekannt ist, während der Vater unbekannt ist.
Im englischen Königshaus scheint man in früherer Zeit nicht dieser Auffassung gewesen zu sein, denn es bestand ein Gesetz, daß während der Geburt der Königin der Innenminister zugegen sein mußte, um Kindesunterschiebungen zu verhindern. Das Gesetzbuch dreht die Sache etwa herum und nimmt jeden als Vater eines Kindes an, der mit der Mutter verheiratet ist oder während der gesetzlichen Empfängniszeit ein Verhältnis mit ihr gehabt hat. Es liegt bei einer strittigen Vaterschaft auf Seiten des Mannes, zu beweisen, daß er nicht der Vater ist. Diese Frage taucht in vielen Unterhaltsprozessen auf, und die Medizin ist hier mit der verantwortungsvollen Aufgabe belastet, die Richtigkeit der Behauptung des angeblichen Vaters festzustellen.
Die Biologie kennt den anthropologischen Vaterschaftsnachweis und den Blutgruppennachwels. Mit beiden Methoden ist aber nur möglich, den negativen Beweis anzutreten, das heißt, daß nur die „Ausschließung der Vaterschaft“ festgestellt werden kann. Aber selbst bei den bekannten 288 Blutformeln besteht nur eine 45prozentige Ausschließungssicherheit. Der bezichtigte Vater kann also nur in der Hälfte aller Fälle nachweisen, daß er für die Vaterschaft nicht in Betracht kommt. Bei der anthropologischen Untersuchung werden die sichtbaren Erbeigenschaften mit dem angeblichen Vater verglichen, was um so sicherer ist, je älter das Kind ist. Bei der Blutgruppenbestimmung dagegen ist die Methode verhältnismäßig sicherer und schneller, da nach Bestimmung der Blutgruppe des Kindes und der Mutter oder nur nach der des Kindes festgestellt werden kann, ob der angebliche Vater für die Vaterschaft in Betracht kommt oder auszuschließen ist. Dank der bis jetzt bekannten serologischen Untersuchungsmethoden besteht aber die Hoffnung, daß in nicht allzulanger Zeit auch der positive Nachweis der Vaterschaft erbracht werden kann. hfl
Ausbildungs-Hilfe
Alle Heimkehrer, die sich in anerkannter Berufsausbildung befinden, können einen Antrag auf Ausbildungsbeihilfe stellen. Letzter Tag der Einreichung der Anträge ist der 14. Oktober 1950. Die Antragsformulare und alle weiteren Auskünfte gibt es in der Berufsberatung des Arbeitsamtes Darmstadt, Mornewegstr. 75, Zimmer Nr. 305.
Cberstandt und Worms
vertrugen sich gut
Die Ortsgruppe Eberstadt des Odenwaldklubs unternahm am Sonntag gemeinsam mit den „Wormser Staren“ ihre diesjährige 12. Wanderung auf den Frankenstein, in dessen Gaststätte nach offizieller Begrüßung Gesang und humorvolle Plaudereien miteinander abwechselten. Der Rückweg führte über Ober-Beerbach, das Stettbacher Tal. den Heiligenberg, Jugenheim nach Alsbach, wo im Gasthaus „Zur Krone“ gemütliche Rast gehalten wurde.
Wirkungen der Literatur
Ein zweites Darmstädter Gespräch
Zu dem in Verbindung mit der ersten Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stattfindenden Darmstädter Gespräch am Freitag, dem 13., und Samstag, dem 14. Oktober, je 20 Uhr, in der Stadthalle, hat neben Emil Belzner, Kasimir Edschmid, Wilhelm Lehmann, Otto Rombach, Friedrich Schnack und Fritz Usinger nunmehr auch Alexander Schroeder seine aktive Mitwirkung zugesagt.
Den Abschluß der Tagung bildet eine Matinee am Sonntag, dem 15. Oktober, 11.15 Uhr, im Orangeriehaus, in der Kasimir Edschmid und Otto Flake aus eigenen Werken lesen werden. Frank Thieß spricht hierzu einleitende Worte. Im Anschluß hieran findet die Verleihung des diesjährigen Georg-Büchner-Preises statt.
Prof. H. W. Eppelsheimer wird zur Würdigung des Preisträgers sprechen. Die Bevölkerung Darmstadts ist zur Matinee herzlichst eingeladen. Der Eintritt ist frei.
Vorverkauf zu den beiden Abenden des Darmstädter Gesprächs bei der Darmstädter Musikzentrale am Mathildenplatz.
Darmstädter Bevölkerung nimmt zu
Das vorläufige Ergebnis der Volkszählurig ergab für den Stadtkreis Darmstadt insgesamt 94 132 Einwohner. Die Frauen haben dabei mit einigen tausend die Ueberhand. Bei 44 040 männlichen Einwohnern zählt die Stadt 50 092 weibliche. Dieses vorläufige Ergebnis wird sich durch die Nachprüfung der Fehlerpapiere noch etwas verschieben.
Stunde der Heimat
Am Sonntag, dem 15. Oktober 1950, um 15 Uhr treffen sich die Ost- und Westpreußen, der Bund der Danziger, die Landsleute aus Pommern und dem Warthegau und der Verbaost in der Aula der Technischen Hochschule zu einer Stunde der Heimat. Landgerichtsrat Dr. Derbe, Eschwege, Landesverbandsvorsitzender der Ost- und Westpreußen in Hessen, spricht über das Thema: „Unser Recht auf die Heimat“. Außerdem wird Dr. Derbe zwei Lichtbildvorträge halten: 1. Ost- und Westpreußen; 2. Danzig, die sterbende deutsche Stadt. Umrahmt wird die Veranstaltung durch musikalische Darbietungen, Heimatlieder und Gedichte der Jugendgruppe unter Leitung von Herrn Schwarz. Alle Heimatvertriebenen und auch die einheimische Bevölkerung sei zu dieser heimatpolitischen und kulturellen Veranstaltung herzlich eingeladen, um den Osten unseres deutschen Vaterlandes in Wort und Bild zu sehen.
Schweißtechnik in USA
Zu einem Vortrag über den Stand der Schweißtechnik in USA hatte der Darmstädter Ortsverband des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik in den Vortragssaal des Amerikahauses am Dienstagnachmittag eingeladen. Einleitend teilte der Vorsitzende mit, daß im Laufe dieses Winters eine Serie von Vorträgen über die Schweißtechnik und die ihr verwandten Gebiete beabsichtigt sei. Im nächsten Vortrag, am 14. November im Amerikahaus, soll das Thema „Oberflächenbehandlung“ vorgetragen werden. Der Vorsitzende wies außerdem auf die in nächster Zeit beginnenden Schweißkurse in der Städtischen Ingenieurschule hin, in denen die Autogen-, Elektro- und als bemerkenswerte Neuerung die Kunststoffschweißung gelehrt wird. Die beabsichtigte Einführung eines „Schweißerpasses“, der die Ausbildung und Leistung jedes beruflichen Schweißers ausweisen soll, wurde angekündigt. Zur Abnahme von Schweißerprüfungen ist die Bildung eines Prüfungsausschusses in Darmstadt geplant.
Das Thema des Abends behandelte Ingenieur Jäger. Er berichtete, daß sich in den letzten Jahrzehnten in den USA die Schweißtechnik außerordentlich stark weiterentwickelt habe. Die zahlreichen Lichtbilder veranschaulichten durch Darstellung neuer Geräte und Verfahren die heutigen Leistungen in der Schweißung von Maschinenteilen, Tankanlagen, Hochbaukonstruktionen, im Waggonbau und in der Autoindustrie. DT
In der Stadt notiert
Einem Herzschlag fiel eine 62jährige Flüchtlingsfrau aus Pfungstadt zum Onfer, als sie am Dienstag gegen 17.30 Uhr in Eberstadt aus dem von Niederbeerbach kommenden Omnibus aussteigen wollte. t-s
Die traditionelle Kartoffelkerb in Fberstadt feiert am Sonntag, 29. Oktober, die Turn- und Sportgemeinde in der Turnhalle mit Tanz. t-s
Das Richtfest für den vierten Wohn¬ block der Kirchtannensiedlung Eberstadt w;rd am Samstag, dem 14. Oktober, im Gasthaus Wolf. 20.00 Uhr, gefeiert. t-s
Die Säuglingsberatungsstunde in Darm¬ stadt-Eberstadt findet nicht mehr wie seither dienstags, sondern montags statt; erstmalig am 16. Oktober 1950, 15 bis 16 Uhr im Gemeindehaus.
Der Kreisverband der Heimatvertr’e¬ benen. Ortsgruppe Eberstadt, bereitet zur Zeit das große Kreistreffen der Schlesier vor, das wegen der Landtagswahlen nicht am 18. und 19. November stattfinden kann, sondern auf einen späteren Termin verlegt werden muß. Eine Weihnachtsfeier ist ebenfalls in Vorbereitung. t-s
Das Forum Darmstadt wird heute abend um 20.00 Uhr in der Technischen Hochschule über „D’e Lage der Besatzunggeschädigten diskutieren.
Die Stadtverwaltung siegte mit 2:0 beim Fußballspiel, das sie am 6. Oktober gegen die Mannschaft von Donges-Stahlbau austrug.
Die Operette „Die Csardasfürstin“ bringt das Landestheater Darmstadt am 13. Oktober in neuer Inszenierung heraus. Die Vorstellung findet im Orangeriehaus statt und beginnt um 19.30 Uhr. Die erste Wiederholung ist am Sonntag, dem 15. Oktober, 19.30 Uhr.
Schauspieler Herbert Wien liest am Freitag, dem 13. Oktober, um 19.30 Uhr im Raum 167 der Technischen Hochschule Psalmen und Sprüche aus dem Alten und Neuen Testament.
„Vom Hoftheater zum Landestheater“ ist das Thema eines Lichtbildervortrages, den Studienrat H. Kaiser am Samstag, dem 14. Oktober, um 17.00 Uhr, im Saale des Altersheims, Emilstraße 1, auf Einladung der Vereinigung „Alt Darmstadt“ halten wird.
Darmstadts größte Schaufensterscheibe
Gestern morgen begannen unter der persönlichen Leitung ihres Chefs Angestellte der Bauglaserei Hermann Schulz, Saalbaustraße, die beiden größten Schaufensterscheiben, die augenblicklich in Darmstadt existieren, in das Geschäftshaus der Firma K a 111 er , Sanitätshaus und Stahlwaren, Rheinstraße 3, einzubauen. Trotzdem 13 Mann dabei Hand anlegten, ging alles gut, und die beiden je 400 Kilogramm schweren, 8 Millimeter dicken und 6 mal 3 Meter großen Kristallspiegelglas-Scheiben fanden den für sie bestimmten Platz.
Bei der Beobachtung der Fenstermontage konnten wir einen Eindruck von dem kurz vor der Vollendung stehenden vorbildlichen Geschäftshaus von Herrn K a 111 e r gewinnen. Unter dem Zwang, Arkaden bauen zu müssen, versuchte Architekt Dipl.-Ing. Arwed Hoyer die modernste und zweckmäßigste Lösung zu finden: Nur wenige Säulen tragen die Vorderfront des Hauses, eine moderne Glas-Metalldecke mit zahlreichen eingebauten Lichtquellen bildet die Decke des Arkaden-Durchganges und großflächige Schaufensterfronten gestatten dem Tageslicht den größtmöglichsten Zutritt in die beiden, tiefangelegten Geschäftsräume. Die Baufirma Adam Storm, Weiterstädter Straße, führte die Planungen des Architekten in dem vierstöckigen Gebäude aus, dessen beide oberen Stockwerke zu Wohnungen ausgebaut werden.
Herr Kattier hofft, in kurzer Zeit seine neuen Geschäftsräume eröffnen zu können. DT
Wem fehlt die Zahnprothese?
Was die Leute so alles im September verloren haben
Alles, was so in einen besseren Haushalt paßt, steht da auf dieser eng beschriebenen Liste, d;e das Städtische Fundbüro über seine „Erfolge“ im Monat September herausgab. Nein, was die Leute so alles verlieren! Daß einer, wenn er zum Baden geht, dort oder unterwegs seine Aktentasche mit der Badehose, dem Rasierzeug und einem Handschuh liegen läßt, das kann man noch verstehen. Aber wie mag dem zumute sein, der plötzlich seine Zahnprothesen aus dem Oberkiefer vermißt? Hoffentlieh hatte er sich nicht gerade vorgenommen, zu Mittag ein Schnitzel zu verzehren. Das müßte ihm dann schwergefallen sein. Uebrigens Aktentaschen: Das sind allein sechs Stück in verschiedener Ausführung und mit verschiedenem Inhalt — einmal ein Essentender und Kaffeeflasche, einmal .Mütze und Dachdeckerhammer, einmal Damenhemd, Schlüpfer und Unterkleid —, die da von ehrlichen Leuten zum Fundbüro getragen wurden. Und einer, dem es anscheinend nicht wehe tut, hat irgendwo Geldscheine im Betrag von 400 DM liegen lassen und sich bis jetzt noch nicht gemeldet. Im übrigen waren es noch sechs Geldbörsen zwischen 20 Pfennig und 43,31 DM Inhalt.
Und — ich sage ja! — natürlich die Frauen und die Kinder, d:eses unaufmerksame Volk, die haben wieder das meiste verloren: vier Anstecknadeln, einen Anhänger in Herzform — Wer hat sein Herz verloren? —, Damenregenschirme und Knirpse in jeder Menge, Damenschal und Damenmantel, Verzierung für Damenschuh und Handschuhe in allen Varianten, Knabenjacke, Kinderstrickweste, Kmderhandtäschchen usw.
Das „beste Stück“ aus seiner Bibliothek, „Die Geschichte der Kommunistischen Partei“, ließ einer — vielleicht gar nicht mal unfreiwillig? — hegen. Auf dem Fundbüro ist das Buch eingetroffen, nebst einer Stehleiter, 15 Flaschen Rotwein und einem Stadtplan von Langen, Das ist noch nicht alles! W’em sonst noch etwas fehlt, kann ja mal nachfragen.
Um wieder dienstlich zu werden Personen, die an diesen Gegenständen Eigentumsrechte geltend machen können, oder als Verlierer in Frage kommen, werden hiermit ersucht, bis spätestens 15. November 1950 bei dem Polizeipräsidium Darmstadt — Fundbüro — Zimmer 8, Nieder-Ramstädter Straße 177, vorzusprechen. ogt.
Im Hessischen Rundfunk wird am Sonntag, dem 15. Oktober, der Gesangverein „Germania“ Eberstadt singen, t-s
WIE-WIRD-DAS-WETTER
Trocken
Vorhersage: Am Donnerstag heiter bis wolkig, trokken. Mittagstemperaturen 10 b;s 15 Grad, nachts sehr frisch, schwache Winde.
Weitere Aussichten: Auch am Freitag nach Frühnebel trocken und mild.
Wohin gehen wir heũte?
Landestheater: Orangerie, 19.30 Uhr, „Der Wildschütz“, komische Oper von Albert Lortzing. Ende gegen 22.30.
Lichtspieltheater: Union: „Der Mann, der sich selber sucht“; Thalia: „Schwarzwaldmädel“: Belida: „Sieben Jahre Pech“; Palast: „Die seidene Schlinge“; Hansa: „Sturm über Arizona“.
Landesmuseum: 10—16 Uhr Gedächtnisausstellung Elisabeth Freund-Fischer und Anton Hartmann.
Hygiene - Lichthof, Neckarstr. 3: 10 bis 18 Uhr Ausstellung: „Gesundes Leben“.
Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. P. Requadt, Mainz, über: „Georg Christoph Lichtenberg“ (Darmstadt in Literatur u. Kunst). Forum Technische Hochschule, 20 Uhr: Die Lage der Besatzungsgeschädigten.
STARKENBURG
Alle Hände voll zu tun
Arbeitsbericht der Bensheimer Polizei
Die Bensheimer Polizei bearbeitete in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September folgende Straftaten: 12 einfache Diebstähle, 10 schwere Diebstähle, 10 Betrugsfälle, eine fahrlässige Brandstiftung, 5 Sittlichkeitsdelikte, 3 Körperverletzungen, 3 Unterschlagungen, eine Nötigung, einen Kfz.-Diebstahl. 27 Straftaten konnten aufgeklärt werden. Etwa 20 Personen wurden erkennungsdienstlich behandelt. In der genannten Zeit ereigneten sich in Bensheim ein Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang, 23 Verkehrsunfälle mit Sachschaden, 6 mit Personenschaden und 22 mit Personen- und Sachschaden. 26 Verhaftungen, 4 Vorführungen beim Amtsgericht, 12 Vollstreckungen von Haftbefehlen und 4 polizeiliche Zuführungen zur Volksschule wurden in der genannten Ze t vorgenommen, 4 Geldtransporte begleitet. Im Rahmen der Verkehrserziehungswoche wurden in den verschiedenen Bensheimer Schulen 22 Unterrichtsstunden abgehalten und 166 Stunden außerhalb der normalen Dienstzeit bei besonderen Anlässen geleistet. 27 Einschreitungen waren zur Aufrechterhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit, 15 Ueberführungen vom Amtsgerichtsgefängnis nach dem Schubwagen erforderlich. Die Bensheimer Polizei führte 13 Verkehrskontrollen durch und fertigte 96 Strafanzeigen aus. (HB)
Ein verdienter Pädagoge
Am 9. Oktober vollendete Lehrer Val. Löwenhaupt, Jugenheim, sein 68. Lebensjahr. Seit dem Jahre 1902 war der noch Rüstige als Pädagoge tätig. Nachdem er in Oberhessen und in Rheinhessen wirkte, kam er 1913 nach Jugenheim, wo er 1945 als Schulleiter aus dem Dienst ausschied. Lehrer Löwenhaupts Bestreben war jederzeit darauf gerichtet, den Kindern den Unterricht zu erleichtern und ihn durch Hinzuziehen wertvollen Bildmaterials anschaulich zu gestalten. Nach dem ersten Weltkrieg gab er ein Rechenheft: „Der große Krieg in Zahlen“ als Ergänzung zu den vorhandenen, sowie ein Lehrbuch für Erzieher: „Der Klassenlehrer“ heraus. Seine besondere Pflege galt der Heimatkunde. So hat Lehrer Löwenhaupt viel zur Erhaltung geschichtlicher Vorgänge beigetragen, erh
Achard sagte,Nein!“- und der Rohzucker unterlag
„Wir wünschen nicht, daß der Rübenzucker den Rohrzucker verdrängt! Widerrufen Sie die Ergebnisse Ihrer Arbeit! Verkünden Sie, daß der Rübenzucker unwirtschaftlich sei! Wir zahlen Ihnen 200 000 Taler dafür!“ „Sparen Sie Ihre Worte und Ihr Geld!“ entgegnete Achard.
Diese dramatische Wechselrede spielte sich vor 148 Jahren ab. Der Mann, der 200 000 Taler bot, soll ein Abgesandter der Rohrzucker-Importeure gewesen sein. Und der, der „Nein!“ sagte, war der Chemiker Franz Karl Achard, der Direktor der naturwissenschaftlichen Klasse der Berliner Akademie der Wissenschaften. Sei 1786 arbeitete Achard an der industriellen Herstellung des Rübenzukkers, den sein Lehrer Marggraf bereits 1747 nachgewiesen hatte. Achard kämpfte gegen schier unüberwindliche Schwierigkeiten an. Zweimal brannte seine Fabrik ab, in der er einige tausend Zentner Zuckerrüben in Rübenzucker verwandelte. Er züchtete in Mitteldeutschland und Schlesien die ersten Rüben, die die Rübenzuckerproduktion erst lohnend machten. 1811 stellte Napoleon I. eine Million Franken zur Verfügung und befahl 100 000 Morgen Land mit Zuckerrüben zu bebauen. Damit begann der Siegeszug des Rübenzuckers. *
Im Ried, der Hauptanbaufläche der Zuckerrübe in unserer engeren Heimat, und im Dreieck zwischen Rhein und Main werden zur Zeit die ersten Zuckerrüben geerntet und zur Zuckerfabrik Groß-Gerau gebracht. Dutzende von Bauernfuhrwerken, mit den kegeligen, süßen Rüben hochbeladen, rollen auf
allen Straßen nach Groß-Gerau. Vertreter des Werks und der Bauern prüfen gemeinsam die „Schmutz-Prozente“ jedes WagenS. In Zweifelsfällen entscheidet die „Waschprobe“. Es darf auch kein Grünzeug an den Rüben hängen, weil sonst der Zucker grau wird.
Gleichzeitig kommen täglich 40 bis 60 Eisenbahnwaggons an; auf jedem liegen 400 Zentner Rüben, die mit dem Greifer ausgeladen werden und sich bergehoch neben den Schienen türmen. Mitunter fallen über 16 000 Doppelzentner an einem Tage an. Nach einer mäßigen Schätzung dürften es 1,3 Millionen Doppelzentner sein, die bis zum Ende der Kampagne (Dezember-Januar) in Groß-Gerau ausgeladen werden. Im Mittel beträgt der Zuckergehalt der Rüben 14 bis 16 Prozent. Da die Rüben in diesem Jahr nicht genug Sonne bekamen, wird der Zuckergehalt nicht der höchstmögliche sein. Aber der Zucker ist deswegen nicht weniger süß. Seit Achards Zeiten haben Generationen von Züchtern die Qualität der Zuckerrüben verbessert und die hierzulande angebauten „Champagner-Rüben“ und die „Schlesischen Rüben“ gehören zu den besten ihrer Familie.
Unsere Hausfrauen brauchen nicht mehr sorgenvoll in die Zuckerdose zu blicken, der neue Zucker marschiert bereits vom Acker in die Fabrik, die Zuckerhamsterer können ihre Tätigkeit einstellen.
Die Zuckerkampagne hat begonnen. Zahllose mit Rüben beladene Bauernfuhrwerke streben auf allen Straßen des Rieds zur Groß-Gerauer Zuckerfabrik.
Aus dem Erdreich, das noch an den Rüben hängt, kann man keinen Zucker machen. Auch nicht aus Rübenblättern. Der Prozentsatz der Verschmutzung wird» von Vertretern der Fabrik und der Bauernschaft geschätzt. Im Streitfall entscheidet die „Waschprobe“.
Gewerbeverein will Wirtschaft ankurbeln
Ernsthafte Bemühungen um das Stadtwerden Gernsheim
Der Gewerbeverein Gernsheim trägt sich mit der Absicht, das Geschäftsleben in Gernsheim aus seinem bisherigen beschaulichen Dasein in ein lebendiges Leben zu überführen und dabei auch all die vielen kleinen Mängel, die heute noch das Stadtbild verunzieren oder ein fortschrittliches Bestreben hemmen, zu beseitigen.
Den ersten Schritt, die weit gesteckten Ziele dieses Vorhabens zu realisieren, stellt die kürzlich an die Stadtverwaltung gerichtete Petition in Form von verschiedenen Verbesserungsvorschlägen hinsichtlich einer Verschönerung des Stadtbildes.
„Es sind keine egoistischen Ziele, die wir bei unserer Arbeit verfolgen“, erklärte uns der Vorsitzende, Herr Förster, als wir uns mit ihm zusammensetzten, um Näheres über die Pläne dieser Vereinigung zu hören, der gegenwärtig etwa 10 Prozent aller Gewerbetreibenden in Gernsheim angehören. An Hand verschiedener Entwürfe für die zukünftige Arbeit des Vereins konnten wir feststellen, daß es sich um durchaus ernsthafte und vernünftige Dinge handelt, die hier von außerordentlich zielbewußten Geschäftsleuten angepackt werden. Allerdings kann diese Institution der Gernsheimer Geschäftswelt, die keine Anstalt des öffentlichen Rechts ist, nur in Form von Vorschlägen — wie es bereits
geschah — an die Stadtverwaltung herantreten. Jedoch — und das betonte der Geschäftsführer des Gewerbevereins, Herr Thyssen, besonders — will sich die Geschäftswelt mit allen Mitteln immer dann Gehör verschaffen, wenn es darum geht, Entschlüsse zu fassen, die in ihrer Auswirkung eine Belebung des städtischen Gewerbes bedeuten.
Dies bezieht sich vor allem auf die Ansiedlung von arbeitsintensiven Unternehmen, die nicht nur vielen Bürgern und Bürgerinnen der Stadt Arbeit und Brot verschaffen, sondern auch eine bedeutende Zunahme des Umsatzes und verbunden damit eine Erhöhung des Steueraufkommens zur Folge haben.
Neben solchen Fernzielen trägt sich der Gewerbeverein aber auch mit sehr konkreten Absichten, die in nächster Zukunft in Angriff genommen werden sollen. So soll das im Gernsheimer Hafen liegende Schwimmbad dem Gewerbeverein übereignet werden, um unter dessen Regie bereits in der Badesaison des kommenden Jahres wieder in Betrieb genommen zu werden.
Auch den in früheren Jahren traditionellen Ferkelmarkt will der Gewerbeverein wieder aufnehmen. Die Zukunft wird es zeigen, ob der Wille vorhanden ist, den vpm Gewerbeverein vorgezeigten Weg zu gehen. Die Geschichte der deutschen Städte hat zahllose Beispiele von tatkräftigen Zünften, deren neuzeitliche Nachfahren die Gewerbevereine sind, die damals ihren Städten zu Wohlstand und Ansehen verhalfen. Wir gewannen den Eindruck, daß die beiden Männer als Repräsentanten der organisierten Gernsheimer Geschäftswelt den alten Zunftmeistern von ehedem in nichts nachstehen und ihr Ziel auch erreichen könnten, wenn an maßgebender Stelle mitgehalten wird. kr
Ein zäher Freund
Helene muß dafür büßen
Helene arbeitete in einem Heppenheimer Haushalt Als Hausangestellte. Im Privatleben war ein Besatzungssoldat der Mann ihres Herzens. Seine Garnison befand sich jedoch in Darmstadt. Um ihm nun wieder einmal in die Augen schauen zu können, lieh sich Helene bei Nachbarn ein Fahrrad und radelte erwartungsvoll zu ihm. Ihr Rendezvous-Partner schien aller-
dings nicht allzuviel in seiner Brieftasche zu haben. Jedenfalls sah sich Helene gezwungen, ihr geliehenes Fahrrad zu verkaufen, wollte sie nicht auf eine schöne Partie verzichten. 60 DM erhielt sie dafür.
Ein Nachtlokalbesuch dezimierte den Betrag rasch um ein anständiges Sümmchen. Für den übriggebliebenen Rest kaufte die bis über beide Ohren verliebte Helene ihrem Bocfniend Rangabzeichen bzw. mietete sich in Darmstadt in einem Hotelzimmer» ein. Von nun ab ließ sich ihr Freund das Liebesglück etwas kosten. Er bezahlte nämlich, als Helene kein Geld mehr besaß, die Zimmermiete mit Kaffee und * Zigaretten. Zwei Monate ging das gut. Schließlich aber mußte Helene die bittere Frage beantworten, wo sie das geliehene Fahrrad gelassen hat. Dies war gestern vor dem Darmstädter Schnellrichter. Der schrieb ihr wegen Unterschlagung drei Monate ins Sündenregister. wst.
Wachsendes Interesse der Jugend
Vierte Forumsveranstaltung in Babenhausen — „Bund für Volksbildung“ in Vorbereitung
Kürzlich fand im Saale des „Micheisbräu“ die vierte Forumsveranstaltung statt. Unter den Anwesenden befanden sich Bürgermeister Melk, Beigeordneter Blümler und der Vertreter des Resident Officers B u x m e i e r. Erfreulicherweise war hierbei die Jugend stark vertreten.
Seit längerer Zeit bestehen Bestrebungen, einen „Bund für Volksbildung“ ins Leben zu rufen. Zu diesem Zwecke war vom Ausschuß für Erwachsenenbildung des Kreises Dieburg Herr Simon, Groß-Umstadt, erschienen, um den Sinn dieser
Institution zu erläutern. In der Aussprache erklärte A. Zimmer, die SKG habe mit dem Vortrag von Dr. P. Laven den Grundstock zu diesem Gedanken bereits gelegt. In den vorbereitenden Ausschuß für die Gründung des „Bundes für Volksbildung“ wurden Bürgermeister Melk, A. Zimmer, Rektor a. D. W. Müller, Herr Rackenberger, E. L. Willand und Fräulein Buchholz gewählt. Weitere Persönlichkeiten sollen für dieses Gremium noch herangezogen und die erste Veranstaltung bereits im November durchgeführt werden.
Auf der Tagesordnung stand weiterhin die Neuwahl des Forumsvorstandes. Die Herren R. Schäfer, Hch? Geißler und W. Eidebenz traten ihr Amt wieder an, während für zwei aus beruflichen Gründen zurückgetretene Mitglieder Frau Lingenberg und Herr Oelsner, beides Flüchtlinge, neu gewählt wurden.
Unter „Verschiedenes“ wurden Probleme der Winterarbeit diskutiert, wie z. B. Aufgaben und Gründung eines Ortsgewerbevereins, Heimatzeitung im Spiegel der deutschen Presse und Hebung des Fremdenverkehrs. Die Wiederherstellung der romanischen Säulenhalle am Schloß und anderer kulturhistorischer Gebäude wurden hierbei ebenfalls vorgeschlagen.
Im weiteren Verlauf des Abends regte man an, verschiedene Vorträge mit Rücksicht auf die finanzielle Belastung mit dem Bund für Volksbildung gemeinsam durchzuführen. (NB)
40 bis 60 Waggons Zuckerrüben rollen täglich in Groß-Gerau an. Mit dem Greifer wird ausgeladen, denn Schnelligkeit entscheidet auch in der Zuckerkampagne. Die zur Einhaltung der ersten Zuckerlieferungsterrnine nötigen Rübenmengen türmen sich bergehoch neben dem Anschlußgleis
Mit „Bella" auf Rebhühnerjagd
VON DR. LUDWIG ROTH
Besonders freudig sieht in diesem Jahre die Jägerei dem Aufgang der Hühnerjagd entgegen: Nach fünf langen Jahren wird sie endlich wieder Gelegenheit haben, die Hühner-Suche mit ihren Hunden ausüben zu dürfen. Manchem Jäger und Jagdfreunde wird es deshalb erwünscht sein, etwas über die Entwicklung, bzw. über die Geschichte der Jagd auf Rebhühner zu hören.
Sie geht Hand in Hand mit der Verbesserung der Feuerwaffen und mit der Heranzüchtung der treuen Gehilfen, der Hühner-Hunde. Man denke sich eine Hühner-Jagd ohne Hund! — Einfach unmöglich! — Und dann versetze man sich in die Zeit zurück, wo mit Pfeil und Bogen, dem Jagdspeer und der^ Armbrust gejagt wurde.
Griechische und römische Schriftsteller haben in prächtigen Schilderungen ihre Waffen, ihre Hunde, ihren Jagdbetrieb genau beschrieben. Daraus erfahren wir, daß deren Völker eine ganze Anzahl verschiedenartiger Netze angewandt haben, von der einfachen Netzwand, in der sie Hasen und Feldhühner fingen, bis zu großen, den Fischernetzen gleichenden „Gezeugen“, in die man Hirsche, Rehe und Sauen hineintrieb. Mit Schlingen fing man Drosseln und Wildtauben, auch größere Tiere und Vögel. In den Furchen des Ackers wurde ein Gewirr von Schlingen aufgestellt, in das man die Rebhühner durch Futter oder Locktöne hineinlockte — eine Kunst, die noch heute von Wilddieben geübt wird. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Jagd humaner und kultivierter geworden. Sie hat — von manchen Ausnahmen abgesehen — die Roheiten, die in früheren Jahrhunderten als solche nicht empfunden wurden, erkannt und beseitigt.
Wie aber betrieb man z. B. im Mittelalter die Jagd auf Rebhühner?
Man suchte sie mit Hilfe eines kleinen Hurtdes auf, der unter Wind die Fe1 der abrevierte und fest vorstand, sobald er
die Witterung von Hühnern in der Nase hatte. Zwei Jäger gingen alsdann von hinten vor, indem sie zwischen sich ein großes horizontales Netz trugen, das an den beiden schmalen Enden, wo die Jäger anfaßten, durch eine Stange begrenzt war. Mit diesem Netz bedeckten sie zugleich den Hund und die Hühner. Wußte man, wo die Hühner lagen, so stellte man hinter ihnen ein Netz auf, das aus einem langen Sack (Hamen) mit zwei Flügeln bestand und suchte nun, von der anderen Seite her, die Hühner langsam in das Netz zu treiben. Um den Treiber zu verbergen, trug dieser ein rotes Tuch in der Form eines Schildes vor sich her. Man hat dieses Verfahren später „die Jagd mit dem Treibzeug“ genannt. Denrote Schild wurde durch eine gemalte Kuh ersetzt. Wahrscheinlich war aber auch im Mittelp’ter schon das Schild in der Form einer Kuh gehalten.
Auch Fasanen wurden auf diese Art ins Netz getrieben. Die Wachtelhähne wurden von den Vogelfängern ins Garn gelockt, indem sie den Ruf bzw. die Stimme der Weibchen nachahmten. Rebhühner und Wachteln wurden mit Pferdehaar-Schlingen auf den Stonneln gefangen. Selbst Wasservö^el, Tauben und andere Vögel wurden auf diese Weise gefangen, und zwar mit Vorliebe an den Nestern, in denen sie brüteten. Es bestand nicht die leiseste Art einer Schonung oder einer Sorge für den Nachwuchs.
Im 16. Jahrhundert verdrängte die Büchse die bis dahin gebräuchliche Armbrust. Um das Jahr 1517 war in Nürnberg das Radschloß erfunden worden, welches die Lunte überflüssig machte. Die neuen Gewehre wurden als „zielselbstzündende und geschraubte Büchsen“ oder „Pirsch-Rohre“ bezeichnet. Auch auf das Wildgeflügel wurden die neuen Feuerwaffen benutzt. Colerus (Wittenberg 1632) rät dazu, die Wildgans, die Wildente, den Schwan und den Kranich zu „schießen“ und zwar im Herbst, denn im Frühling „verbirgt es sich, legt Eyer und brütet, so bekömpt man’s selten zu Gesicht, wäre auch schade, daß man sie alsdann schießen sollte“. Hier finden wir aISO — vor dreihundert Jahren — eine gewisse waidmännische Anschauung.
Da das Lauf- und Flugschießen erst mit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts gebräuchlich wurde, waren gute Flugschützen noch selten. So wurde noch immer die Netz-Jagd ausgeübt. Die Netze waren „vervollkommenet“ worden. Es gab Fallgarn, Netze und Stell-Stangen, die herabfielen und die Tiere fingen, wenn sie in das Netz hineinliefen oder -flogen. Klebgarn, senkrecht aufgehängte leichte Netze, in welche die Vögel sich beim Hineinfliegen verwickelten; bei den Rebhühnern hießen sie „Hochgarne“. Außerdem kannte man „Deck-Garne“, die man horizontal über die Vögel hinzog. Diese Art der Jagd wurde mit Vorliebe im Winter ausgeübt, namentlich bei Schnee, wenn man die Hühner liegen sah und mildes Frostwetter herrschte. Die Fänger hatten dann ein weißes Netz mit großen Maschen: das sogenannte Schnee-Garn in der Hand. „Waidgerechte“ Fänger verurteilten diesen Winter-Fang und nannten diesen Jagdbetrieb in verächtlichem Sinn die „Pfuscher-Zeit“. Noch Doebel ( Jäger-Practica, Leipzig 1746) nennt den Hühnerfang mit dem Treib-Zeug „das vornehmste Stück beim kleinen Waidwerk“, weil „hierzu schon ein wohlexercierter Jäger gehört“.
Allmählich fanden die großen Jagdherren ebenfalls Freude an der Hühnerjagd, die sie bis dahin der Berufsjägerei überlassen hatten. Die Fürsten von Nassau-Usingen bestimmten in ihrer Jagd- und Forstordnung vom Jahre 1757: . .Insbesondere wird verboten, daß kein Jäger in der Nähe der Residenzen, wo sich der Hof aufzuhalten pflegt, ohne besonderen Befehl Wild, Rehe, Hasen oder Hühner schießen oder fangen darf, sondern solches zum Vergnügen des Hofes geschont werden soll. Das Wildpret zu der Hofhaltung soll jedesmal, wo möglich an den Grenzen geschossen werden.“
Wollte man die Schieß-Jagd auf Rebhühner betreiben, so gehörte dazu neben dem verbesserten Gewehr auch ein guter Hund.
In der Literatur des Mittelalters sind Jagdhunde mehrfach nachweisbar. Geßner, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb, kennt nur den „Vogelhund“, den er auch „Wachtelhund“ nennt. C o 1 e r u s unterscheidet am Ausgang des 16. Jahrhunderts aber schon den „spanischen Hund“ (Spaniel) und den „Rebhühner-Hund“. Hohberg Anno 1682 kennt den „Beiß-Hund“ und den „Wachtelhund“ bzw. den „Hühnerhund“. Im Jahre 1751 sagt C. von Heppe („Vom Leithund“, August 1751) geradezu, daß die „Hühnerhunde“ auch „Wachtelhunde“ genannt würden. Daneben hat auch er den „Stöber“- oder „Spion-Hund“.
Mit der Zeit fing man an, bei der Jtgd den großen Hunden den Vorzug zu geben, weil der Vorsteh-Hund auch apportieren sollte, und zwar nicht nur das Huhn, sondern auch den Hasen; der damalige Spaniel war aber für diesen Zweck zu klein und zu schwächlich.
So liegt in der heutigen Ausübungsart der Hühnerjagd ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der Vergangenheit vor. Heute, der gute Jäger bzw. treffsichere Schütze und der ausgebildete Hund, damals Netzfang und die nach unseren Begriffen mit waidmännischer Gesinnung kaum vereinbare Erwürgung von Hühnern, Lerchen und Wachteln.
Bachkantate in Auerbach
Die vereinigten Chöre von Bensheim-Auerbach und Bensheim-Schönberg veranstalten am Sonntag gemeinsam mit dem Kammerorchester Bergstraße ein großes Bachkonzert in der evangelischen Kirche in Auerbach.
Zum ersten Male seit vielen Jahren unternehmen damit einmal wieder zwei Bergsträßer Chöre den Versuch, eine Bachkantate vollständig aufzuführen. Unter Mitwirkung von zahlreichen einheimischen und auswärtigen Solisten wird unter der Leitung von Ludwig Seitz die Kantate Nr. 115 „Mache dich, mein Geist, bereit“ zur Aufführung gelangen. Unter anderem wird das Kammerorchester Bergstraße unter der Leitung von Adam Rettig wieder das Brandenburgische Konzert Nr. 4 spielen. Als Solisten wirken mit: Felicitas Deubel (Sopran), Käthe Kickhefel (Alt), Horst-Heinrich Braun (Tenor), Rolf Meybom (Baß), Margot Gutbrod (Cello), Adam Rettig und Hermann Unge f u g (Violine), Willi Ha - fenreffer und Erik von Davidson (Flöte), Friedemann Etr i c h (Oboe), Inge Schuster (Klavier) und Artur Nassauer (Orgel). Das Konzert beginnt um 16.00 Uhr und wird am Sonntag, dem 22. Oktober, in der evangelischen Kirche in Bensheim-Schönberg um 15.00 Uhr wiederholt. In Schönberg leitet Artur Nassauer die Kantate. (HB)
Das erste große Nachkrie<gskonzert der Sängervereinigung 1871, Ober-Ramstadt, soll am Samstag, dem 28. Oktober, im Saalbau Suppes zu Gehör gebracht werden. Das Programm, das Vorträge des aktiven Chores, des Knabenchores, der „Modauspatzen“ und verschiedener Solisten vorsieht, wurde von Studienrat A. Born aufgestellt. -D-
Nene Pläne für Wiesenmarkt und Schulhans-Bau
Öffentliche Sitzung des Erbacher Stadtrats fast ohne Zuhörer
Die Erbacher Gemeindevertreter hielten am Dienstag eine öffentliche Beratung im Rathaussaal ab, zu der im Gegensatz zu früheren Sitzungen auffallend wenig Zuhörer erschienen waren. Dabei führte die Tagesordnung zu sehr aufschlußreichen Aussprachen, die wohl das Interesse der Bürgerschaft verdient hätten.
Für die Wahl eines neuen 1. Beigeordneten wurde aus den Ratsmitgliedern Stock, Ewald. Kitz, Neff und Kumpf ein Wahlausschuß gebildet. Bürgermeister Volk erstattete dann den Bericht einer Studienkommission, die den diesjährigen Dürkheimer Wurstmarkt besucht hatte, um Erfahrungen für den weiteren Ausbau des Erbacher Wiesenmarktes zu sammeln. Bei dieser Gelegenheit wurde zunächst ein öjähriger Vertrag mit der Firma Hugo Haase. Hannover, zur Beschickung des Wiesenmarktes mit zugkräftigen ..Hochgeschäften“ wie Achterbahnen, Wasserrutsch- und Schlangenbahnen usw. abgeschlossen. Die Firma Haase verpflichtet sich, jedes Jahr ein neues Hochgeschäft auf den Wiesenmarkt zu bringen einschließlich der festlichen Bogenbeleuchtung einer ganzen Marktstraße. wie sie auch in Dürkheim aufgebaut war.
In der Aussprache zu diesem Punkt wurde noch eine Reihe Verbesserungsvorschläge füi den Wiesenmarkt gegeben, so unter anderem für die Tanzhallen, die Anlage eines Wasserhindernisses für die Rennbahn, eine Auflage an alle Marktbeschicker. keine Schallpiattenanlagen mehr zu verwenden, sondern nur noch Orgeln und sonstige Musikinstrumente, die dem Charakter eines Volksfestes angepaßt sind. Auch hinsichtlich der Preisgestaltung soll die Stadt veranlassen, daß sie volkstümlich niedrig und einheitlich bleibt.
Ein aus Privatbesitz stammender wertvoller Elfenbeinpokal, eine Meist°rarbeit d^s 1. Leiters der Staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei. Göhrig, soll verkauft werden. Der Schätzwert der Innung ist 1000 DM. Bürgermeister und Gemeinderäte sind der Meinung, daß der Pokal der Eifenbeinstadt Erbach erhalten bleiben muß für das Elfenbeinmuseum. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, entweder einen Privatkäufer zu suchen oder aber den Pokal selbst zu erwerben.
Besondere Beachtung fanden die Berichte des Bauausschusses über den Schulhausneubau. Zunächst ist der Anbau zweier SeitanPügel an die Neue Schule in der Martin-Luther-Straße mit zusammen vier Sälen vorgesehen. Außerdem soll ein zweiter Bauplatz von 4 bis 5 Morgen ostwärts der Uhland- und Bachstraße für einen geplanten Schulhausneubau erworben werden.
Die Verbreiterungsarbeiten • an der Küchlerbrücke wurden an die MAN-Werke vergeben. D°r Gesamtkostenaufwand wird 16 000 DM betragen. Die Arbeiten müssen noch vor Weihnachten ab-
geschlossen sein, damit anschließend der Neubau der Schloßbrücke begonnen werden kann.
Durch Umdeckung der Festhalle ist die Gefahr für das Bauwerk für absehbare Zeit beseitigt. Der Einbau einer Warmluftheizungs- und Entlüftungsanlage wurde an die Firma Imhof vergeben.
Das für den Ausbau der Martin-Luther-Straße erforderliche Gelände soll von der Stadt erworben werden, die es dann kostenlos dem Stadtbauamt Bensheim zur Verfügung stellt. Die Verwaltung soll die entsprechenden Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern führen.
Zur Erhaltung des Landschaftsbildes an den „Schäferwiesen“ wurde beschlossen, den Anliegern der Sylvester-Stock-Straße die Errichtung von Hintergebäuden nach den Ortsbauvorschriften zu gestatten. Ein Gesuch zur Errichtung eines Verkaufskioskes am Landratsamt wurde abgelehnt. Eine nichtöffentliche Sitzung schloß sich an. -ch
Amerikanische Sendestation
auf dem ehemaligen Fliegerhorst Biblis
Die Bibliser Gemeindevertreter berieten über einen Vertrag, der bei der Gemeindeverwaltung vorliegt und die Errichtung einer amerikanischen Sendestation auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes vorsieht. Für diesen Zweck würden ca. 50 ha Land beansprucht, wovon jedoch nur zwei Hektar für Bauzwecke Verwendung Anden sollen, während der Rest bis auf Widerruf weiterverpachtet werden kann. Im Bereich der Anlage sollen etwa 200 Deutsche Beschäftigung Anden. bb.
Willi Reichert kommt nach Erbach
„Häberle und Pfleiderer“, die von Radio Stuttgart her bekannten schwäbischen Originale, kommen zu einem ersten Gastspiel am 17. 10. in die Erbacher Festhalle. Ein heiterer Abend mit und um Willi Reichert ist angekündigt, bei dem außer seinen Partnern Oscar Heiler und Elisabeth Amann auch Yory Tong und Desuta mit „Tänzen aus dem Orient“, sowie am Flügel Hellmuth Struckmann mitwirken werden. Die umfangreiche Vortragsfolge sieht auch ein Kurzlustspiel in vier Akten „Die Lumpen“ vor. ch
Erfolgreicher Taubenzüchter beim Verein „Heimatliebe“, Ob.-Ramstadt
Der Brieftaubenverein „Heimatliebe 0134“ Ober - Ramstadt konnte im abgelaufenen Flugjahr besondere Erfolge erzielen. Alle Flüge wurden innerhalb der Reisevereinigung „Starkenburg“ durchgeführt, in der Ober-Ramstadt als größter Verein eingereiht ist. Wenn auch dieses Jahr an die Vorkriegsflüge noch nicht angeknüpft werden konnte, so sind doch schon Entfernungen wie Regensburg und Passau als beachtlich anzusehen. In Ansbach, Neumarkt, Passau, Plattjing, Linz, Regensburg und Straubing wurden die Alttiere aufgelassen. Die Jungtiere (einjährigen) in Ansbach, Bad Mergentheim und Steinach. Am 11. Juni d. J. erzielten die Züchter H. Bayer, W. Alkemper und Phil. Weber die drei ersten Preise der Reisevereinigung. Die Bundesmedaille errang zweimal der Jungzüchter L. R o d e, dei’ bei zwei Flügen aus Passau fünf Tauben vorher bestimmte, die mit Sicherheit ihren Schlag wiederflnden würden. Beim Jungtierflug von Bad Mergentheim aus waren die Tauben des Jungzüchters Gg. Obmann mit dem 1. und 2. Preis erfolgreich. Außerdem erzielten mehrere Mitglieder durchweg Platzpreise. Die Ausfälle bei den insgesamt 13 Flügen waren gering. -D-
Hirschhorn. — Der Bebauungs- und Aufteilungsplan des Staatsbauamtes Bensheim wurde in der gestrigen Gemeinderatssitzung einstimmig angenommen. — Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 257 707 DM ab. Mit den Schulhausreparaturen, für die 3000 DM vorgesehen sind, wird in Kürze begonnen. (WL)
Unsere Geburtstagskinder
83 Jahre: Magdalena Schmidt, Ginsheim, Stegstraße 12.
78 Jahre: Valentin Wenner, Erfelden, Wolfskehler Straße 62.
77 Jahre: Plilipp Klein 111., Walldorf, Kelsterbacher Straße.
76 Jahre: Georg Wilhelm Schmidt, Geinsheim, Untergasse 82.
74 Jahre: Elise Blind, Goddelau, Bahnhofstraße 34.
72 Jahre: Rudolf Glaser, Klein-Rohrheim, Hauptstraße; Marie Wagner, Klein-Gerau, Mainzer Straße 22; Ida Schmelz, Walldorf, Mörfelder Str. 27.
71 Jahre: Rosa Btaß, Walldorf, Bahnstraße 75; Elise Rauch, Ginsheim, Friedrichstraße 12; Franziska Franz, Astheim, Treburer Straße 5.
76. Geburtstag: Herr Jakob Götz, Hahn bei Pfungstadt, Obergasse 2.
Rätselhafte Landschaft sieht den Beschauer an. Stehen wir am Meer vor dem Hange einer Wanderdüne oder inmitten erstarrten Lavastroms nahe dem Krater eines erloschenen Vulkans? Warum in die Ferne schweifen? Das Bild zeigt einen Teil der Rückstandhalde der Messeler Grube! Foto: Hemme
Was aũch interessiert:
Ein Starkstromkabel, das man beim Dreschen in Nieder-Kingen über die Schulstraße geführt hatte, hing so weit durch, daß es nachts von einem Lkw erfaßt und aus seiner Steckdose herausgerissen wurde Die hierbei entstehende Stichflamme setzte die Schindeln des Hauses Schulstraße 11 in Brand. Nur dem beherzten Zugreifen des Fahrers ist es zu verdanken, daß größerer Schaden vermieden wurde. RG.
Eine böse Ueberraschung erlebte ein Motorradfahrer aus Bonsweiler, als er auf der Fahrt von Reisen nach Mörlenbach sich plötzlich einem Wildschwein gegenübersah, das,» er rammte. Das Borstenvieh nahm Reißaus, während der Fahrer kopfüber im Straßengraben landete und sein arg ramponiertes Krad in die nächste Werkstatt schieben mußte. -r
Sieben Monate Gefängnis und 150 DM Geldstrafe erhielt gestern ein 42j ähr'Ker Schreiner aus Raunheim, der sich wegen Diebstahls, Hehlerei und Urkundenfälschung vor dem Schöffengericht Darmstadt verantworten mußte. Gemeinsam mit einem Mitangeklagten aus Raunheim — der 50 DM Geldstrafe erhielt und im übrigen amnestiert wurde — hatte er 1948 und 1949 fortgesetzt aus der Firma Opel in Rüsselsheim, wo be’de arbeiteten. Autoersatz- und Autozubehörteile entwendet. Der Wert des gestohlenen Gutes betrug insgesamt über 3000 DM. Das Material verkaufte der Hauptangeklagte an eine Autofirma in Darmstadt. wst.
Einen 75jährigen Rentner aus Offenbach verurteilte gestern eine Strafkammer zu zehn Monaten Gefängnis, weil er versucht hatte, an zwei Kindern unter vierzehn Jahren Unzuchtshandlungen zu begehen. Der Angeklagte, der auf diesem Gebiet einschlägig — sogar mit Zuchthaus — vorbestraft ist, wird nach Strafverbüßung in einer Heil- und Pflegeanstalt untergebracht. wst.
Auf dem Kühler eines Wagens fand sich plötzlich ein Bürger aus Neustadt wieder, der zuvor ruhig seines Weges gegangen war. Der Fahrer des Wagens war durch ein entgegenkommendes Fahrzeug geblendet worden. hm
In eine Waschbütte mit kochendem Wasser fiel dieser Tage ein zweijähriges Kind aus Hassenroth. Mit schweren Brandwunden am Rücken mußte es ins Krankenhaus Bad König eingeliefert werden. hm
Die zweite Sitzung des Frauenarbeits¬ ringes findet heute um 20.15 Uhr im Groß-Gerauer Rathaussaal statt. Die Vertreterinnen verschiedener Organisationen und alle interessierten Frauen sind hierzu eingeladen. cg.
Die musikalische Komödie „Der Mann mit dem Zylinder“ von Just Scheu und Ernst Nebh ut wird im Rahmen der vom Stadttheater Worms vorgesehenen regelmäßigen Vorstellungen am kommenden Sonntag in der Ludwigshalle in Dieburg aufgeführt. rfd
Der SPORT
Von der Arbeit unserer Fechter
Auf dem „Heilig Kreuz“ ist im Winter Hochbetrieb
Mit dem Eintritt in die kühlere Jahreszeit werden die Fechter wieder aktiver als in den hochsommerlichen Monaten. Die seither stattgefundenen Aufstiegskämpfe des Hessischen Fechterverbandes lagen, bedingt durch die Tatsache, daß erst am Anfang des Jahres 1950 die Ausübung des Fechtsportes wieder gestattet wurde, gegenüber früher etwas ungünstig.
Für die folgenden Monate hat der DFC 1890 außer den Clubmeisterschaften noch verschiedene Clubkämpfe vorgesehen, so gegen TV Pforzheim, TV Weinheim, TV Aschaffenburg und FC Wiesbaden. Vereinbart sind Vor- und Rückkämpfe.
Wir nehmen die bevorstehenden Veranstaltungen zum Anlaß, die Arbeit unserer Fechter etwas näher zu betrachten.
Da wäre zuerst ein kurzer Ueberblick über die Waffen zu geben. Gefochten wird mit dem Florett, Degen und leichtem Säbel. Die beiden erstgenannten sind r eine Stoßwaffen, während der Säbel als Hieb- und Stoßwaffe Verwendung findet. Bei allen Waffen ist die Mensur beweglich und erfordert eine flüssige Beinarbeit. Gültige Trefffläche ist beim Degenfechten der ganze Körper, während beim Florettfechten der gültige Treffer auf dem Rumpf des Gegners ankommen muß. Beim Säbelfechter fallen lediglich die Beine als Trefffläche weg, so daß also der ganze Oberkörper einschließlich Arme und Kopf durch entsprechende Paraden zu schützen ist. Gefochten wird beim Degenfechten auf zwei Treffer auf einer Seite, während bei Florett und Säbel fünf Treffer auf einer Seite des Gefecht entscheiden. Ein Florettgefecht der Frauen wird dagegen bei vier Treffern auf einer Seite beendet.
"Wer einmal Gelegenheit hat, einen Trainingsabend unserer Darmstädter Fechter zu besuchen, wird erstaunt sein, wie vielseitig die Fechtkunst ist, und wie Geist und Körper in nie erlahmender harter Arbeit geschult werden müssen, um Fechter zu werden und als solcher bestehen zu können.
Mit einer Laufschule beginnend geht es über Spezialübungen zur Stärkung der Fußgelenke und Beinmuskulatur an die dem Fechtsport eigene flüssige Beinarbeit. Hiermit wird eine für den Fechter unerläßliche Grundlage geschaffen. Die gekonnte Beinarbeit ist die Voraussetzung für den Anfänger, wenn die Schulung mit der Waffe beginnen soll. Nach Beendigung der Beinarbeit beginnen die Einzelübungen mit den Waffen. Der Fechtmeister und die ihm zugeteilten Fechtwarte, alte erfahrene Fechter, vermitteln ihr Können und korrigieren die Hebenden. Fachausdrücke schwirren durch die Luft, Klingen blitzen und eine eigenartige Atmosphäre, Fechtbodenfluidum, macht sich im Raum breit. Der Fechter liebt diese Stimmung, denn sie beflügelt seine Arbeit. Nur zu schnell vergeht die Zeit und oft müssen ermahnende Worte an den Ablauf der Uebungsstunde erinnern.
Die Fechtkunst fordert kompromißlos den ganzen Menschen und nur wer den festen Willen hat, Fechter zu werden und bei der harten Arbeit und eventuellen Rückschlägen nicht gleich resigniert, kann es zum guten Fechter bringen. Blitzschnelles Reagieren in allen Situationen eines Kampfes und gutes Können müssen dem Fechter eigen sein. Die geistige Erfassung der Fechtkunst ist hierfür die Voraussetzung. Wer nur mit eingedrillten Aktionen arbeitet, bleibt bei allen eventuellen Erfolgen ein Stümper. Das Gefecht zweier wirklicher Könner, die eine saubere Klinge führen, ist nicht nur eine Prüfung der körperlichen Gewandtheit, sondern erstrebt vor allen Dingen den Sieg des Geistes. Ein gutes Gefecht ist eine Erbauung für die Fechter und die Zuschauer. Dem Laien wird ein Gefecht nicht viel geben können. Der Ungeschulte kann den blitzschnellen Aktionen nicht folgen und kann deren Bedeutung nicht ermessen. Trotzdem wird er an der Eleganz der Bewegungen seine helle Freude haben.
So arbeitet ein Völkchen selbstloser Sportler unverdrosen an seiner Sache und deren Ausbau. Sie werden nicht von der Masse als Stars gefeiert, sie ernten bei einem Sieg nicht den Beifall Tausender. Es sind Idealisten in des Wortes reinster Bedeutung und ihre größte Genugtuung ist es, daß es sich nur wenige erlauben können, an ihren Leistungen Kritik zu üben.
DFC gegen TV Pforzheim
Clubkampf auf dem „Heilig Kreuz"
Am Sonntag, 15. Oktober, 10 Uhr, empfängt der Darmstädter Fechtclub den TV Pforzheim auf dem „Heilig Kreuz“. Den Gästen, in deren Mannschaft der Vorsitzende des -Nordbadischen Fechterverbandes, 17ritz Schneider, steht, geht ein guter Ruf voraus. Es ist eine Mannschaft mit einem durchschnittlich guten Können. Der DFC, dessen Kampfmannschaft seit kurzem in einem verschärften Training bei Herrn Dipl. -Fechtmeister Kötting steht, stützt sich auf seine bewährten Fechter. Ob sich diese Trainingsarbeit bei der Kürze der Zeit schon auswirkt, wird der Kampf beweisen. Die letzten Begegnungen, und da speziell die Aufstiegskämpfe des Hessischen Fechterverbandes, haben wieder einmal mehr gezeigt, daß bestes Fechtermaterial im DFC vorhanden ist, und nur die intensive Schulung, als Folgeerscheinung des von Anfängern überfüllten Fechtbodens, durch den Fechtmeister gefehlt hat. Für die Kampfmannschaft wurde daher ein gesonderter Trainingsabend zusätzlich eingerichtet. Der DFC stellt folgende Mannschaften:
1. Damen, Florett: Frau Haun, Frl. Niebel, Frau Schreher und Frau Getrost.
2. Herren, Florett: Dr. E. Vix, Willi Leicht, K. H. Melcher und Willi Weicker. Ersatz: Heini Getrost.
3. Herren, Säbel: Adolf Schreher, Rolf Haun, K. H. Melcher und Willd Weicker. Ersatz: Franz Storck.
Als Kampfrichter stehen die Herren Steffan, Kurtz und Koch zur Verfügung, -icke-
Deutsche Skiprüfungen international
Das Wettkampfprogramm wurde in Lausanne beraten
In Lausanne berieten sich die mitteleuropäischen Skinationen (Schweiz, Frankreich, Italien. Oesterreich, Deutschland) über das Programm des kommenden Wettkampf-Winters. Erstmals nahmen auch deutsche Vertreter an den Besprechungen teil. Sie hatten die Freude, daß mehrere deutsche Veranstaltungen in das internationale Standard-Programm aufgenommen wurden. Die Internationale Wintersportwoche von Garmisch-Partenkirchen vom 18. bis 21. Januar (mit allen Disziplinen), die Internationale Skiflugwoche von Oberstdorf vom 28. Februar bis 4. März, der Sprunglauf und Spezialslalom am Feldberg am 25./26. März und das Dammkar-Städterennen bei Mittenwald arp 22. April.
Von weiteren wichtigen internationalen Veranstaltungen, an denen teilweise auch Deutsche teilnehmen, sind zu nennen: 13./14. Januar: Lauberhorn-Rennen (Abfahrt, S'.alom) in Wangen, Damenwettkämpfe in Grindelwald; 17. bis 30. Januar: Internationale Springerwoche in der Schweiz; 20./21. Januar: Schneider-Pokal (Abfahrt, Slalom) in St. Anton am Arlberg; 23. bis 31. Januar: Internationale Skiwoche in Cortina d’Ampezzi; 31. Januar bis 4. Februar: Mont-Blanc-Skiwoche in Chamonix; 7-/8. Februar: Hahnenkamm-Rennen (Abfahrt, Slalom) in Kitzbühel; 17./18. Februar: Weißes Band von St. Moritz (nordisch und alpin); 18. bis 25. Februar: Holmenkollen-Rennen in Oslo: 4. März: Parsenn-Derby in Davos; 9. bis 11. März: Kandahar-Rennen In Sestrieres; 8. .April: Marmalata-Rennen (Abfahrt, Riesenslalom); 20. Mai: Großglockner-Rennen.
Bei den Besprechungen, die auch schon den Olympiawinter 1951/52 betrafen, tauchte das Problem auf, das aus der beabsichtigten Nicht-Einladung Deutschlands durch Norwegen entstanden ist. Man betrachtete diese Haltung der Norweger jedoch noch nicht als endgültig und hofft, daß sich eine neue Sachlage ergibt, wenn die Vertreter der fünf mitteleuropäischen Ski-Nationen das nächste Mal (im Sommer in Venedig) Zusammentreffen.
Auch im dritten Kampf geschlagen
Istanbul, 11. Oktober. Die deutsche Ringer-Nationalmannschaft wurde am Dienstag in Istanbul von einer türkischen Auswahl im Freistil mit 8:0 Punkten besiegt. Trotz der hohen Niederlage sahen die 6500 Zuschauer schöne und teilweise recht ausgeglichene Kämpfe, bei denen sich vor allem der deutsche Fliegengewichtler Heinrich Weber großen Beifall holte. In seinem Kampf gegen den Türken Ali Yucel konnte er sich viermal hintereinander aus aussichtsloser Position retten. Der Punktsieg des Türken wurde vom Publikum mit heftiger Kritik aufgenommen. Nureddin Zafer wurde im Federgewicht kampflos Sieger über Ferdinand Schmitz, der infolge einer am Sonntag erlittenen Verletzung nicht antreten konnte.
Kreisturntag in Heppenheim
Der diesjährige Kreisturntag in Heppenheim erbrachte als Hauptergebnis einen klaren Vertrauensbeweis der Vereinsdelegierten für die seitherige Besetzung des Kreisvorstandes, der denn auch am Schlüsse einstimmig wiedergewählt wurde und sich somit zusammensetzt aus Nikolaus Bickel (Zotzenbach) als 1. und Philipp Rein (Lorsch) als 2. Vorsitzenden, Kreismännerturnwart und Kreiskinder'turnwart blieb August Held (Bürstadt), sein Stellvertreter Fr. Dietrich (Nieder-Liebersbach). Kreisfrauen- und -kinderturnwartin ist Käthe Strubel (Lampertheim), Vertreterin Eleonore Voos (Trösel); Volksturnwart und Fachwart für Sommerspiele ist H. Weise (Nieder-Liebersbach), Kampfrichterwart und Vorsitzender der APersturner P. Gaulrapp (Heppenheim); für Schrift- und Presseangelegenheiten ist H. Jäckle (Lorsch) zuständig.
Die Einleitung des Tages bildete die stimmungsvolle Wiedergabe der Ouvertüre von „Cavalleria Rusticana“, ehe Kreisvorsitzender Bickel das Wort ergriff, um kurz über Wesen und Sinn der Turnerei zu sprechen. Er leitete dabei aus den Verpflichtungen der Vergangenheit die Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben ab. Die Ehrung der Toten und Gefallenen und Händels „Largo“ beendeten die Feierstunde. Zu Beginn des offiziellen Teils
waren 45 Delegierte von 14 Vereinen anwesend. Der Jahresbericht ergab, daß es im Kreis 28 Turnvereine oder -abteilungen mit 2320 Mitgliedern gibt gegenüber 1436 im Vorjahre. Auch die Frauenturnabteilungen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten um 100 Prozent erweitert. Obwohl der Lehrgangsarbeit seither große Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, soll diese Aufgabe in Zukunft noch wesentlich forciert werden. Derzeit besuchen vier Kreisturner die Sporthochschule in Köln, die ihre Erfahrungen ihren Kameraden zugute kommen lassen sollen.
Die folgende Diskussion entwickelte sich sehr rege und gipfelte in einer Resolution an den Hessischen Landesturnfag um Aufklärung, weshalb anstelle des einstigen „ Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei“-Symbols der vier „F“ allein in Hessen jetzt deren zwei zum Symbol gewählt worden sind. Man beschloß dann noch einstimmig, aufbauend auf den im abgelaufenen Jahre in Liebersbach gewonnenen Erfahrungen, auch zukünftig die Kreisturnfeste in eigener Abwicklung durchzuführen. Am 1. Julisonntag jeden Jahres soll in Auerbach ein Bergturnfest abgehalten werden, während als Austragungsort für das Kreisturnfest 1951 Lampertheim bestimmt wurde. (ni)
Tischtennis
Tabellenstand der Jugend
Nach den ersten Spielsonntagen ist bei der Jugend lediglich die neu ins Jeeben gerufene Mannschaft der TGB 65 Darmstadt noch ungeschlagen. Die weibliche Jugend der Vereine SV Darmstadt 98, SKG Jugenheim und TGB 65 Darmstadt nehmen bei den Rundenspielen der männlichen Jugend teil. Die Tabelle hat folgendes Aussehen.
Jugendtennisturnier bei der TSG
Anschließend an das Clubturnier hatte es der Jugendsportwart Werner Wolf in dankenswerter Weise unternommen, ein Turnier für die Jugendlichen bis zu 18 Jahren durchzuführen, das großen Ankang fand. Spiel berechtigt waren alle diejenigen Jugendlichen, die noch nie in einem Turnier einen Sieg errungen hatten.
Bei den Junioren hatte sich Dielmann durch einen 6:0, 6:0-Sieg über Hübner in de Schlußrunde gespielt. Trotz der hohen Niederlage zeigte der Unterlegene eine gute Anlage zu einem sauberen Schlag. In der andern Hälfte kam Betz über Kappler mit 6:1, 6:0 in die Schlußrunde. Im Endspiel gab es dann im 1. Satz einen harten Kampf, als Betz nach einem 4:1-Rückstand auf 5:5 gleichzog. Dielmann hatte jedoch die größeren Reserven und holte sich den Satz mit 7:5. Den Verlust dieses Satzes nahm sich Betz so zu Herzen, daß er die Flinte ins Korn warf und den 2. Satz glatt mit 6:0 verlor. — Der Sieger Dielmann ist eine Zukunftshoffnung; bei nichtiger Anleitung sollte er in einigen Jahren ein guter Turnierspieler werden.
Die Juniorinnen kämpften mit gleichem Eifer um den Sieg. Hier hatte sich in der oberen Hälfte Frl. Kuhn durch zwei glatte Siege in die Schlußrunde gespielt, während unten Frl. Holzapfel dm Vorschlußrundenspiel gegen Frl. Schleenbecker mit 6:2, 6:4 schon wesentlich mehr aus siich herausgehen mußte. Mit Holzapfel und Kuhn waren die wirklich Besten ins Endspiel gekommen. Hier gab es einen völlig offenen, ausgeglichenen Kampf zweier gleichwertiger Gegnerinnen. Der erste Satz ging mit 6:4 an Frl. Holzapfel, der zweite mit dem gleichen Ergebnis an Frl. Kuhn. Der dritte Satz war lange unentschieden, doch im zehnten Spiel war Frl. Holzapfel die Glücklichere und gewann den entscheidenden Satz und damit den Turniersieg.
Sport in Kürze
Die Bundesbahn gibt bekannt, daß sie am 22. November zum Fußball - Länderspiel Deutschland—Schweiz von Darmstadt aus einen Sonderzug nach Stuttgart fahren läßt. Fahrpreis- beträgt 7,20 DM.
Die Darmstädter Turn-und Sportgemeinde 1846 hat ihren Uebungsbetrieb der Schülerinnen und Kleinkinder von der Woogswiese verlegt und turnt ab heute
Mittwoch: 17,30 Uhr Goetheschule die „Purzel“.
Mittwoch, 18,15 Uhr Goetheschule Schülerinnen Jahrgang 1937/40.
Donnerstag, 18,00 Uhr Eleonorenschule Schülerinnen Jahrgang 1941/43.
Der Boxclub Eiche Lorsch hat am Samstag, den 14. Oktober 1950, im Lokal Wiegand die Boxstaffel von Frankenthal zu Gast, (bl)
Einen Geräte-Vergleichskampf bestreiten am Samstag, dem 28. Oktober 1950, die Turnvereine Bensheim und Lorsch in der Lorscher Turnhalle. (bl)
| 1. | TGb 65 Darmstadt | 10:0 | |
| 2. | SSG Langen | 8:2 | |
| 3. | SG Arheilgen | 8:2 | |
| 4. | Darmstadt 98 | 6:2 | |
| 5. | SKG Ober-Ramstadt | 6:4 | |
| 6. | SKG Bickenbach | 4:4 | |
| 7. | TuS Griesheim | 2:6 | |
| 8. | SKG Ober-Ramstadt II | 2:6 | |
| 9. | SV Darmstadt 98 w. | 2:6 | |
| 10. | SKG Jugenheim w. | 2:8 | |
| 11. | TGB 65 Darmstadt w. | 0:10 | Ku. |
Schreibt an Jüte Knippelius
„Wohnblocks für die Amerikaner“
In Ihrer Nummer vom 28. 9. brachten Sie den Artikel (Leserbrief) „Wohnblocks für die Amerikaner“.
Darin ist die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne mit Theodor-Fritsch-Kaserne bezeichnet Der von Hitler in so schändlicher Weise behandelte General Freiherr von Fritsch hat mit dem üblen antisemitischen Schriftsteller Theodor Fritsch nicht das geringste zu tun, und unser damaliges Heer hat niemals daran gedacht, eine Kaserne nach diesem üblen Schriftsteller zu benennen.
öcnrnisieiier zu oenennen. Freiherr von Fritsch war aus dem Darmstädter Artillerie-Regiment Nr. 25 hervorgegangen und daher hat man ihm zu Ehren die Kaserne „Freiherr-von-Fritsch-Kaserne“ genannt — im übrigen ein Zeichen der Anti-Nazi-Gesinnung der Namensgeber!
Fritz Dreiheller, kaufmännischer Direktor der HEAG.
G. S. Darmstadt
Wir hätten auch Ihre Ansicht zu dem Thema gerne gebracht, aber Sie haben uns anonym geschrieben! Wir müssen nun mal wissen, das mußten wir schon oft betonen, mit wem wir es zu tun haben. Das hat nichts damit zu tun, daß wir die Namen von Leserbriefschreibern gegenüber unfairen Angriffen aus der Oeffentlichkeit auf Wunsch nicht veröffentlichen. Es ist selbstverständlich, daß die Namen von Briefschreibern dem Redaktionsgeheimnis unterliegen, also für Außenstehende nicht zu erfahren sind. Ihr Fritz Knippelius.
Da wo man singt ...
Vor einiger Zeit unternahm der Gesangverein „Liederkranz“ Darmstadt mit Mitgliedern und deren Angehörigen — insgesamt etwa 200 Personen — in Autobussen der Bundesbahn eine Fahrt durch den Odenwald nach Heidelberg. Dazu ging uns aus Heidelberg folgender Brief zu:
„Es war eine nette Überraschung gestern abend, als man gegen die achte Abendstunde über den Karlsplatz ging und plötzlich stehen bleiben mußte, weil einem ein wunderbares Erlebnis gefangen hielt: Ein Männerchor erfreute Herz und Ohr mit wunderschönen Volksliedern. Als Abschluß dieses Genusses folgte mit seiner ganzen Mächtigkeit der „Deutsche Sängergruß“. So hatte ein Teil unserer Bevölkerung einen herrlichen Sonntagsabschluß. Und noch lange sah man drei Autobussen mit ihren gigantischen Anhängern nach, die den Gesangverein „Liederkranz“ Darmstadt nach einer gelungenen Familienrundfahrt wieder nach Hause bringen sollten. Hoffentlich seid ihr lieben Darmstädter gut nach Hause gekommen? Nochmals von Herzen unseren Dank für den Kunstgenuß.
Für dankbare Heidelberger Fried Balz (Heidelberg).
„Wohnblocks für die Amerikaner?
Die uns bekannt gewordene Absicht der Amerikaner ließ unsere Hoffnung aufleben, nach Fertigstellung dieses Projektes unsere seit 1945 beschlagnahmten Häuser wieder selbst bewohnen zu können. Eine andere Notiz ließ bei uns jedoch den Verdacht aufkommen, daß bei den an der Besprechung im Darmstädter Wald teilgenommenen Herren und den von ihnen vertretenen Dienststellen nichts von der geradezu verzweifelten Lage, dem physischen Elend, der Rechtlosigkeit, der aus den Häusern Ausquartierten bekannt ist. Wir vermißten einen Artikel mit der Ueberschrift „Sorgen um unsere Besatzungsgeschädigten“, der endlich einmal unsere Leidenszeit und das täglieh an uns begangene Unrecht vor die Oeffentlichkeit gebracht hätte.
Wir müssen gegen den an der Ludwigshöhe begonnenen Kuhhandel — anders können wir dies bei allem Ernst nicht nennen — entschieden Stellung nehmen. Wir können uns des Gefühls nicht erwehren, daß hier durch Verhandlungen eine Entwicklung aufgehalten werden soll, die doch auf die Dauer nicht aufzuhalten ist. Der Wald, um den sie hier feilschen, wird eines Tages doch dem Drang der Verschmelzung von Darmstadt mit seinen Vororten zum Opfer fallen. Sie erreichen heute nur, daß der Amerikaner entweder das Projekt ganz fallen läßt, oder da verwirklicht, wo Darmstadt und wir keinen Nutzen haben.
Es geht hier um 440 Wohnungen, die in kürzester Frist erstellt werden sollen und damit könnten im nächsten Jahr wieder viele hundert Menschen glücklich sein, da sie endlich wieder ihr Eigentum bewohnen könnten.
Unterhalten Sie sich einmal mit Besatzungsgeschädigten, dann werden Sie zu der Ueberzeugung kommen, daß nicht mehr lange verhandelt, sondern gehandelt werden muß, sonst verlieren wir den Glauben an die Gerechtigkeit und Sie nehmen uns den Glauben an die Grundrechte der Verfassung. „Das Heim ist unantastbar!“ so lautet doch der oberste Grundsatz der Demokratie — wer verbürgt ihn uns?
Wissen Sie, daß die Nutzungsentschädigung für unsere beschlagnahmten Häuser in den ersten Jahren einem Trinkgeld gleichkam und heute 50 Prozent unter der Sollmiete liegt? Hiervon sollen alle Lasten wie Steuern, Grundumstellungsschulden, Hypotheken, Soforthilfe usw. bezahlt werden. Wissen Sie, daß wir mit den Häusern auch unsere Obstgärten verloren haben? Wissen Sie, daß die von den Amerikanern ohne Einwilligung an den Häusern durchgeführten Reparaturen uns an der Nutzungsentschädigung ohne Mitteilung, ohne Kontrolle der Rechtmäßigkeit, ohne Einspruchsmöglichkeit in Abzug gebracht wird? Wissen Sie um die Verluste durch Zerstörung, Beschädigung und Diebstahl des Mobiliars? Kennen Sie die seelische Belastung unserer Familien? — Wenn ja, — dann verstehen wir nicht Ihr Handeln an der Ludwigshöhe, wenn nein — dann empfehlen wir Ihnen schnellste Orientierung.
Wir verlangen von den deutschen Dienststellen vollste Unterstützung in unserer Forderung auf schnellste Rückgabe unseres Eigentums!
Interessengemeinschaft der Besatzungsgeschädigten für den Stadt- und Landkreis Darmstadt
Johann Eisenkopf, 1. Vors.
„Rehabilitierung des Deutschen Soldaten“
Erwiderung auf den Aufsatz von Herrn Generalmajor a. D. Herhudt von Rhoden, „Die Rehabilitierung des deutschen Soldaten“ (in der Ausgabe Vom 21. 9., Seite 2): Der Art, mit der die Ausführungen gemacht werden, entspricht auch der sachliche Inhalt, der an die Worte „gibt dir einer einen Streich auf deine linke Wange, so halte ihm auch die rechte hin“ erinnert. Ich stehe auf dem Standpunkt, wer eines anderen Ehre verletzt, 'besitzt selbst keine . ..
Dieser letzten Gruppe das Wort zu reden und ihren Standpunkt einzunehmen, ist eines Soldaten unwürdig, und ich rücke weit davon ab.... Im übrigen möchte ich dem Verfasser des o. a. Artikels zurufen: „O si taculsses, philosophus mansisses!“ Dr. Bruhnke, Oberstveterinär a. D., Darmstadt.
Zuganschluß in Babenhausen
An die Bundesbahndirektion Frankfurt ... Der Personenzug, der laut Fahrplan, von Aschaffenburg kommend, Babenhausen um 05.42 Uhr verläßt In Richtung Darmstadt, trifft fast durchweg mit Verspätung in Darmstadt ein. Die j; olge ist für viele hundert Arbeitnehmer ein durch Zuspätkommen bedingter Verdienstausfall.
Eine weitere Unannenmlichkeit, besonders in der kälteren Jahreszeit, ist das Warten auf den bereits mit Verspätung in Babenhausen eintreffenden Zug auf dem offenen Bahnsteig.
Auf Grund der vorjährigen Erfahrungen erlauben wir uns die Frage, ob nicht auch dieser Zug, wie bereits jetzt schon andere, beheizt werden kann.
Die Ursache für die Verspätungen liegt in dem Vorlassen von Eilgüterzügen.
Wir vertrauen auf die Verpflichtung, die die Bundesbahn gegenüber all ihren Fahrteilnehmern fühlt, auch denen, die zwangsläufig auf sie angewiesen sind, wie eben die zum Arbeitsplatz fahrenden Arbeiter, die fahren müssen, gleich, zu welchen Bedingungen. Ein Umstand, der Ihnen sicherlich nicht Veranlassung zu geringerer Fürsorge sein wird.
Wir erlauben uns daher die Anfrage, ob in den oben geschilderten Mißständen nicht Besserung möglich ist. Eine Besserung, die den berechtigten Ansprüchen vieler Hunderte von Arbeitern Rechnung trägt.
Oeffentliches Forum, Schaafheim.
Bestattungen am 12. Oktober 1950: M Feuerbestattung: Waldfriedhof: | 15.45: Wildner, Renate, 3 Jahre, Pfungstadt 0
Amtliche Bekanntmachungen Schlachthof (Freibank) Freitag von B—l 2 Uhr Nr. 1001—1300 Samstag kein Verkauf Betr.: Staatlich anerkannter Abiturienten-Lehrgang fllr Heim¬ kehrer. Das Hauptbüro Hannover des Evangelischen Hilfswerkes wird voraussichtlich noch einen, und zwar den letzten Abituri¬ enten-Lehrgang für Heimkehrer mit 32 Plätzen im Christlichen Jugenddorf Adelheide über (23) Delmenhorst von November 1950 bis April 1951 durchführen. Dieser Lehrgang steht allen Heim¬ kehrern bzw. Kriegsteilnehmern offen, die im Besitz des Reife¬ vermerks sind oder den fünfmonatigen Besuch der früheren 7. Klasse nachweisen können. Bewerber dürfen indessen nicht nach der Kapitulation wieder eine höhere Schule besucht haben und müssen dieses durch eidesstattliche Erklärung versichern. Der Unterrichtsplan umfaßt Deutsch, Englisch, Latein, Mathe¬ matik, Physik. Deutsch ist Pflichtfach, während unter den anderen vier Fächern nur zwei als Unterrichts- und Prüfungsfächer vom Bewerber aus¬ zuwählen und in der Anmeldung anzugeben sind. (Physik ohne Mathematik unerwünscht.) Eine Aufnahmeprüfung findet nicht statt, doch erfolgt die end¬ gültige Aufnahme erst nach zehntägiger Mitarbeit. Die Abschlußprüfung wird in Adelheide abgelegt und ergibt das Reifezeugnis mit Zensuren in den drei Fächern. Die Kosten betragen monatlich 66 DM für Unterkunft, Licht, Heizung und Verpflegung sowie 46 DM für Unterricht, Lehr¬ mittel und Prüfungsgebühren. Diese Beträge sind pünktlich monat¬ lich im voraus zu entrichten. Anträge auf Zuschüsse und Beihilfen sind unter Nachweis der Unterstützungsbedürftigkeit und Würdigkeit über die Bürger¬ meisterei der zuständigen Bezirksfürsorgestelle sowie gegebenen¬ falls unter Befürwortung des zuständigen Geistlichen an die betreffenden Hauptbüros des Evangelischen Hilfswerks bzw. des Caritas-Verbandes zu richten. Bewerbungen mit ausführlichem Lebenslauf (Abschriften des Reifevermerks sowie eidesstattlicher Erklärung, daß nach der Kapitulation keine höhere Schule besucht und keine Abschlu߬ prüfung abgelegt wurde) sind umgehend einzureichen an den Leiter des Abiturienten-Lehrganges für Heimkehrer im Christ¬ lichen Jugenddorf Adelheide über (23) Delmenhorst. Es wird darauf hingewiesen, daß der Lehrgang nur stattflhden kann, wenn sich eine genügende Anzahl von Teilnehmern dazu meldet. Baldige Meldungen sind daher sehr erwünscht. Heppenheim, den 6. Oktober 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Bezirksfürsorgestelle —
Am 13. 10. 1950 werde ich öffentlich meistbietend gegen Bar¬ zahlung versteigern: In Darmstadt: 10 cbm Buchenholz, geschnitten, 1 Dauerwellen¬ apparat, 1 Anrichte. Bieter 10 Uhr Schloßgartenplatz (Parkeingang). In Arheilgen: 1 Küchenschrank, 1 Waschtoilette. Bieter 12 Uhr am Rathaus. In Wixhausen: 1 Zugmaschine (Hanomag) mit Anhänger. Bieter 13 Uhr Untergasse 9. Illas, Obergeriditsvollzieher
Neueintragungen: Für Angaben in () keine Gewähr HRA 949: 28. 9. 1950: August Dörner. Darmstadt (Saalbaustr. 29; Lebensmittel-Feinkost). Inhaber: August Dörner, Kaufmann, Darmstadt. HRA 950: 28. 9. 1950: Altons Weinbach. Darmstadt (Elfeicher¬ weg 143; Blech-, Feineisen- und Maschinenbau). Inhaber: Alfons Weinbach, Kaufmann, Darmstadt. HRA 951: 29. 9. 1950: Horst Willy Spaethe, Darmstadt (Friedrich. Straße 4: Optisches Fachgeschäft). Inhaber: Horst Willy Spaethe, Augenoptikermeister, Darmstadt. HRA 953: 3. 10. 1950: Erich Gompf. Darmstadt (Heidelberger Straße 102; Handel mit Rundfunkgeräten und Zubehör sowie elektrischen Artikeln - Reparatur). Inhaber: Erich Gompf, Radio¬ händler, Darmstadt. HRA 954: 3. 10. 1950: Wilhelm Wacker, Eisenwarenhandlung, Traisa b. Darmstadt (Ludwigstraße). Inhaber: Wilhelm Wacker, Kaufmann, Traisa b. Darmstadt. Veränderungen: HRA 259: 3. 10. 1950: August Bender, Darmstadt (Hotel und Restauration; Georgenstraße l’/e). Die Firma ist geändert in Hotel Bender. August Bender. Inhaberin: Barbara Bender geb. Fecher, Hotelbesitzerin, Darmstadt. HRA 681: 28. 9. 1950: Eugen Lacher. Darmstadt (Wilhelminen¬ straße 28; Einzelhandel mit Großkücheneinrichtungen, Hotel- und Gaststättenbedarf, Glas und Porzellan). Die Erbengemeinschaft wurde auseinandergesetzt. Rudi Lacher ist durch Tod ausgeschie¬ den. Offene Handelsgesellschaft seit dem 1. Juli 1950. Gesell¬ schafter: Eugen Lacher, Johanna Lacher, Rosemarie Lacher, Gustav Lacher, Anneliese Lacher. Nur Eugen Lacher. Kaufmann, Darmstadt, ist vertretungsberechtigt. Johanna, Rosemarie, Gustav und Anneliese Lacher sind von der Vertretung ausgeschlossen. HRA 908: 18. 9. 1950: Fritzsche, Ludwig. Kommanditgesellschaft, Zweigniederlassung Darmstadt in Darmstadt, Sitz: Berlin (Gro߬ buchbinderei. Mappenfabrik, Papierverarbeitung; Holzhofallee 36 bis 38). Ein Kommanditist ist ausgeschieden. Die Kommandit¬ einlagen der vier Kommanditisten wurden in DM-West neu fest¬ gesetzt. Die Eintragung ist im Handelsregister des Gerichts der Hauptniederlassung in Berlin-Charlottenburg erfolgt und Im Ver¬ ordnungsblatt für Groß-Berlin, Teil 11. Nr. 77 bekanntgemacht. HRB 159: 19. 9. 1950: Ha!tpflichtka-se Deutscher Gastwirte (Haft¬ pflichtkasse des Hotel- und Gaststättenpewerbes) Versicherungs¬ verein aut Gegenseitigkeit mit Sitz in Darmstadt. Der Gastwirt Alfred Schmitz ist aus dem Vorstand ausgeschieden, Dr. Ludwig Ziegler in Darmstadt ist zum weiteren Vorstandsmitglied bestellt.
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Berurkundete Sterbefülle vom 11.—30. September 1950 Altmann geb. Staesel, Maria Salome, geb. 11. 6. 1873, Da.-Arheil¬ gen, Friedridistraße 11, gest. 19. 9. 1950. — Babitsch, Michael Iwan, geb. 11. 8. 1950, 0.-Ramstadt, Ammerbachstraße 6, gest. 21. 9. 1950. — Bock, Karl, geb. 17. 7. 1885, Zimmermann, Pfung¬ stadt, Seeheimer Straße 31, gest. 25. 9. 1950. — Becker, Heinrich Wilh., geb. 3. 2. 1907, Landwirt, Griesheim, Gellgasse 10, gest. 16. 9. 1950. — Büchler 11., Adam, geb. 28. 10. 1900, Schlosser¬ meister, Brensbach, Römerberg 16, gest. 12. 9. 1950. — Clever, Jakob Christoph, geb. 13. 6. 1368, Metzgermeister, Darmstadt, Alicenstraße 23, gest. 14. 9. 1950. — Dächert geb. Laun, Maria, geb. 8. 3. 1886, Da.-Eberstadt, Müllerstraße 8, gest. 26. 9. 1950. Danz, Christian, geb. 13. 4. 1883, Schmied (Pensionär), Weiter¬ stadt, Arheilger Straße 14, gest. 25. 9. 1950, — Eutemüller, Günter Ludwig, geb. 7. 6. 1950, Brensbach, Kömerberg 19, gest. 17. 9. 1950. — Fehrer, Wilhelm, geb. 12. 6. 1876, Werkzeug¬ händler, Da.-Eberstadt, Friedrichstraße 8, gest. 25. 9. 1950. — Feuerbach, Bernd, geb. 14. 7. 1950, Eberstadt, Neue Siedlung 5, gest. 15. 9. 1950. — Fischer, Hermann, geb. 29. 8.1876, Weichen¬ wärter i. R., Darmstadt, Heinheimer Straße 48, gest. 21. 9. 1950. Grün, Lina, geb. 2.5.1873, Darmstadt. Beckerstr. 23, gest. 15. 9. 1950. — Gutjahr, Heinrich, geb. 9.8.1872, Landwirt, Gernsheim, Einsiedlerstraße 12, gest. 15. 9. 1950. — Haeb geb. Klingler, Margarethe, geb. 17. 11. 1880, Darmstadt, Schrautenbachweg 4, gest. 9. 9. 1950 — Heid, Margarete Dorothea, geb. 22. 9. 1950, Darmstadt, Frankfurter Straße 48, gest. 22. 9. 1950. — Hofmann, Heinrich Hermann, geb. 9. 6. 1950, Fürth, Grumbacher Straße, gest. 22. 9. 1950. — Jahn, Martin Hermann Gustav, geb. 5. 8. 1889, Kaufmann, Darmstadt, Paliaswiesenstraße 30, gest. 10. 9. 1950. —Kern geb. Schäfer, Frieda, geb. 20. 12. 1877, Darmstadt, Lichtenbergstraße 72, gest. 24. 9. 1950. — Kern geb. Schwabe¬ land, Karolina, geb. 20. 11. 1877, Darmstadt, Mauerstraße 28, gest. 15. 9. 1950. — Kester, Lorenz Wilhelm, geb. 23. 6. 1863, Hausmeister, Darmstadt, Dieburger Straße 261/263, gest. 28. 9. 1950. — Kissel geb. Krausch, geb. 15. 12. 1868, Darmstadt, Frankfurter Straße 109, gest. 24. 9. 1950. — Knell, Marie, geb. 29. 10. 1875, Dieburg, Steinweg 40, gest. 22. 9. 1950. — Koch, Franziska, geb. 5. 6. 1888, Goddelau, Philippshospital, gest. 8. 9. 1950. — Krell, Philipp, geb. 16. 2. 1866, Vollziehungsbeamter, Niedernhausen, Schnurrgasse 7, gest. 17. 9. 1950. — Kropp, Katharina, geb. 8. 12. 1900, Darmstadt, Weiterstädter Straße 21, gest. 23. 9. 1950. — Kühn geb. Kreiter, Maria Margarethe, geb. 23. 12. 1878, Darmstadt, Emilstraße 21, gest. 18. 9. 1950. — Kuhn geb. Freter, Martha Selma, geb. 15. 7. 1909, Darmstadt, Groß-Gerauer Weg 34, gest. 23. 9. 1950. — Landau, Fritz, geb. 15. 10. 1877, Postbetriebs-Assistent, Darmstadt, Feldbergstr. 77, gest. 22. 9. 1950. — Lehr, Dieter Heinz, geb. 22. 9. 1950, Darm¬ stadt, Philipp-Röth-Weg 30, gest. 27. 9. 1950. — Leydhecker, August Karl Georg Wilhelm Otto, geb. 20. 11. 1869, prakt. Arzt, Dr. med., Darmstadt, Heinrichstraße 23, gest. 22. 9. 1950. — I Marquard geb. Aberle, Ottilie, geb. 27. 2. 1866, Darmstadt, Tau-
nusring 51, gest. 13. 9. 1950. — Maurer geb. Kurz, Anna Katha¬ rina, geb. 27. 10. 1895, Darmstadt, Barkhausstraße 19, gest. 22. 9. 1950. — Mießner geb. Ruppert, Marie-Aurelia, geb. 22. 7. 1899, Traisa, Darmstädter Straße 14, gest. 24. 9. 1950. —Mittermüller geb. Lau, Margarethe, geb. 17. 2. 1890, Darmstadt, Gervinus¬ straße 70, gest. 13. 8. 1950. — Müller, Franz, geb. 1. 10. 1873, Maurer (Inv.), Leeheim, Hauptstraße 66, gest. 10. 9. 1950. — Neumann geb. Weber, Elisabeth, geb. 16. 5. 1894, Worfelden, Darmstädter Straße 15, gest. 13. 9. 1950. — Niebel 11., Jakob, geb. 30. 5. 1872, Landwirt, Wersau, Backhausstraße 6, gest. 20. 9. 1950. — Nitz geb. Deutz, Helene, geb. 1. 10. 1866, Da.-Eber¬ stadt, Pfungstädter Straße 78, gest. 27. 9. 1950. — Obmann geb. Fink, geb. 25. 12. 1864, Da.-Eberstadt, Darmstädter Straße 8, gest. 10. 9. 1950. — oidigs geb. Orth, Johanna Katharina, geb. 19. 5. 1876, Darmstadt, Wittmannstraße 4, gest. 23. 9. 1950. — Piroth, Bernd Peter, geb. 23. 9. 1950, Groß-Zimmern, Friedens¬ straße 24, gest. 23. 9. 1950. — Restle geb. Ruckelshaußen, Maria, geb. 14. 9. 1880, Darmstadt, Kahlertstraße 51, gest. 15. 9. 1950. — Ritter geb. Kehrn, Katharina, geb. 10. 12. 1873, Darmstadt, Kahlertstraße 11, gest. 18. 9. 1950. — Roßmann, Peter, geb. 3. 7. 1884, Gastwirt und Metzger, Darmstadt, Frankfurter Straße 79, gest. 17. 9. 1950. — Rudolph geb. Best, Dora, geb. 21. 8. 1873, Arheilgen, Waldstr. 20, gest. 26. 9. 50. — Schaaf 1., Peter, geb. 29. 8. 87, Maurer (Inv.), Griesheim Schöne Weibergasse 50, gest. 15. 9. 50. — Schäfer, Otto, geb. 16. 7. 79. Bb.-Insp, i. R., Darm¬ stadt, Frankfurter Straße 74, gest. 26. 9. 1950. — Schäfer, Wil¬ helm, geb. 15. 2. 1886, Buchhalter i. R., Darmstadt, Kittlerstr. 4, gest. 26. 9. 1950. — Schmidt, Ludwig, geb. 4. 10. 1886, Rentner, Darmstadt, Heinheimer Straße 13, gest. 9. 9. 1950. — Sehne" geb. Gaum, Maria, geb. 15. 10. 1868, Darmstadt, Gutenbergstr. 76, gest. 26. 9. 1950. — Schröder, Magdalena, geb. 18. 9. 1950, Da.- Arheilgen, Bahnhaus 58, gest. 18. 9. 1950. — Schwan, Johann Georg, geb. 4. 10. 1882. Drogist. Darmstadt. Groß-Gerauer Weg 11, gest. 22. 9. 1950. —Schwarzbach, Heinrich Wilhelm, geb. 20. 5. 1892, Verw.-Angeste, Da.-Eberstadt, Miihltalstraße 85, gest. 16. 9. 1950. — Scior geb. Fendt, Wilhelmine, geb. 17. 11. 1876, Darmstadt, Kittlerstraße 4, gest. 16. 9. 1950. — Steinmetz geh. Klink, Dorothea, geb. 22. 4. 1891. Pfungstadt, Eberstädter Straße 21, gest. 15. 9. 1950. — Storch geb. Hollandt. Lina, geb. 2. 6. 1875, Darmstadt, Steubenplatz 5, gest. 24. 9. 1950. — Storck, Ingeborg, geb. 7. 5. 1950, Reinheim, Bach¬ gasse 10, gest. 22. 9. 1950. — Waßner geb. Grohe. Barbara, geb. 31. 5. 1867, Darmstadt, Pallaswiesenstraße 21, gest. 11. 9. 1950. — Weber, Johann Adam, geb. 26. 1. 1872. Schneider. Darmstadt, Taunusring 37, gest. 22. 9. 1950. — Wießmann, Norbert Helmut, geb. 11. 9. 1950, Reinheim, Wingert 2, gest. 14. 9. 1950. — Witt¬ mann geb. Krempf, Barbara, geb. 18. 6. 1910, Gernsheim, Worm¬ ser Straße 2. gest. 27. 9. 1950. — Wolf geb. Geyer, Anna Chri¬ stine, geb. 27. 5. 1880, Darmstadt. Niederstraße 18, gest. 16. 9. 1950. — Wulfe, Karl Jakob, geb. 20. 8. 1876, Glaser, Darmstadt, Jahnstraße 49, gest. 20. 9. 1950. — Zickler geb. Gerstmann, Ida Frieda, geb. 5. 12. 1894, Da.-Eberstadt, Oberstraße 20, gest. 30. 9. 1950. — Ztzalova, Olga. geb. 5. 11. 1931, Nürnberg, Reg.- Lager Valka, gest. 13. 9. 1950.
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