Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Taablatt Verlag^Dar^stämer tRIhH dombR°WSKI. Darms ta ™t äßhpwT?gbnatt L' C‘ wittlch. Erscheint tä^i r h aße »3‘ Telefon 39 25- ‘ täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 88 öeffiföe Tieueffe ^ia^ri^fen Mittwoch, 11. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße23.Tel 39 25. Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Erhard: „Die Preisbewegung wird sich wieder beruhigen“

Auf der Hauptdelegierten-Versammlung der Hauptgemeinschaft es deutschen Einzelhandels gab der Bundeswirtschaftsminister Professor Dr. Erhard seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die Preisbewegung auf den Weltmärkten wieder beruhigen werde.

Köln, 10. Oktober, (dpa) Einen Ausschuß, der die Bundesregierung'in Preis- und Lohnfragen beraten soll, schlug der Präsident der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels, Hans Schmitz, am Dienstag auf der dritten ordentlichen Delegiertenversammlung der Hauptgemeinschaft in Köln vor. Der Ausschuß solle sich aus solchen Vertretern der Gewerkschaften und des Unternehmertums zusammensetzen.

Energisch wandte sich Schmitz gegen Behauptungen, daß der Einzelhandel an Preiserhöhungen interessiert sei. „Das kaufmännische Interesse des Einzelhandels ist ausschließlich auf die Aufrechterhaltung einer möglichst weiträumigen Mengenkonjunktur bei relativ stabilen Preisen gerichtet. Wir fordern eine objektive Untersuchung der wahren Hintergründe für die Preissteigerungen, ehe der Handel einseitig diffamiert wird.“

Bundeswirtschaftsminister Professor Ludwig Erhard betonte, er erwarte, daß sich die Preissituation auf dem Weltmarkt beruhigen wird. Der Einbruch der Preiserhöhungen für Rohstoffe auf dem Weltmarkt könne in der deutschen Wirtschaft sicher nicht von heute auf morgen aufgefangen werden, wohl aber auf die Dauer durch den Wettbewerb. Die Bundesregierung werde alles tun, um diesen Wettbewerb nicht erlahmen zu lassen, und auf jeden Fall eventuelle Spekulationen abbremsen. „Für einen unkontrollierten Preisauftrieb ist nicht mehr der geringste Raum und jede Spekulation wird sich bitter rächen.“

Erhard versicherte in diesem Zusammenhang, daß die D-Mark stabil bleiben wird. Die Anforderungen, die die Verteidigung Westeuropas an die deutsche Wirtschaft stellt, sollen nach Ansicht Professor Erhards nicht in erster Linie durch Einsparungen, sondern durch Mehrleistungen aufgebracht werden.

Heinemann bei Heuss

Da. Bonn, 10. Oktober. (Eigener Bericht.) Im Anschluß an einen Empfang Dr. Heinemanns durch Bundespräsident Professor Heuss am späten Nachmittag erfuhren wir, daß der Bundespräsident die endgültige Entscheidung über das Entlassungsgesuch des Ministers voraussichtlich am Mittwoch treffen wird. Unterrichtete Kreise zweifeln nicht daran, daß der Bundespräsident die Demission des Ministers genehmigen wird.

Holzapfel Nachfolger?

Bonn, 10. Oktober (dpa) Dem Bundestagsabgeordneten Dr. Friedrich-Wilhelm Holzapfel (Christlich-Demokratische Union) ist nach dem Rücktritt Heinemanns das Bundesinnenministerium angeboten worden.

Geheimsitznung in Sonn

Bonn, 10. Ok'ober. (AP.) Das Bundeskabinett beriet am Dienstag in einer längeren Geheimsitzung den Rücktritt fies Bundesinnenministers Dr. Heinemann.

Ein Regierungssprecher erklärte, das letzte Wort liege nun beim Bundespräsidenten. Bundeskanzler Dr. Adenauer habe dem Bundespräsidenten das Rücktrittsgesuch Dr. Heinemanns vorgelegt. Der Regierungssprecher teilte mit, der Bundeskanzler habe in einem Brief an Dr. Heinemann in der Auseinandersetzung über die Frage der Sicherheit festgestellt, seine Auffassung und die des Bundesinnenministers über die „politischen Gegebenheiten und Notwendigkeiten gehen so weit auseinander, daß eine fruchtbare Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist“.

Truman—Mar Arthur

Washington, 10. Oktober (AP.) Präsident Truman wird am kommenden Wochenende im Pazifik mit General Mac Arthur Zusammentreffen.

Aus dem Weißen Haus verlautet, daß die Vorbereitungen für das Zusammentreffen bereits abgeschlossen seien. Es ist nicht bekannt, ob der Präsident mit dem Oberkommandierenden der Streitkräfte der Vereinten Nationen auf einer Insel oder an Bord eines Kriegsschiffes Zusammentreffen wird.


Die Karte veranschaulicht die geographische Lage Koreas zu Rot-China (Mandschurei) und der Sowjetunion. In dem Vorrücken der Alliierten auf nordkoreanisches Gebiet erblickten Sowjet-Rußland und Rot-China eine Bedrohung, ihrer Grenzen. Mit der Protestnote gegen angebliche Bombenabwürfe durch amerikanische Flugzeuge auf sowjetrussisches Gebiet sucht Rußland jetzt nach China eine Begründung seiner Befürchtungen zu geben.
Die Karte veranschaulicht die geographische Lage Koreas zu Rot-China (Mandschurei) und der Sowjetunion. In dem Vorrücken der Alliierten auf nordkoreanisches Gebiet erblickten Sowjet-Rußland und Rot-China eine Bedrohung, ihrer Grenzen. Mit der Protestnote gegen angebliche Bombenabwürfe durch amerikanische Flugzeuge auf sowjetrussisches Gebiet sucht Rußland jetzt nach China eine Begründung seiner Befürchtungen zu geben.

Südkoreaner erobern Wonsan

Heftiger Widerstand der Kommunisten am 38. Breitengrad

Tokio, 10. Oktober. (AP / dpa) Südkoreanische Truppen haben am Dienstagfrüh nach blutigen Straßenkämpfen den größten Teil der wichtigen nordkoreanischen Hafenstadt Wonsan .besetzt und sind anschließend weiter nach Norden vorgestoßen. Die Eroberung dieser Stadt hat für die Streitkräfte der Vereinten Nationen eine dreifache Bedeutung: einmal ist die einzige große Straße von Pyöngyang nach Wladiwostok unterbrochen, zum anderen können die südkoreanischen Truppen jetzt direkt nach Westen auf die nordkoreanische Hauptstadt vorstoßen und schließlich ist der Flugplatz Wonsan, der von den Japanern gebaut wurde und eine betonierte Bollbahn hat, einer der besten in ganz Korea Die südkoreanischen Trunpen heben" bei ihren Kämpfen um die Stadt rund tausend kommunistische Gefangene gemacht

In der Nähe der Westküste ist nunmehr die ganze erste amerikanische Kavallerie-Divison aus dem Raum von Kaisong auf vierzig Kilometer Breite zum Angrif’ übergegangen. Nach unbeqfätieten Meldungen sollen alle Einheiten der Division bereits den 38. Breitengrad überschritten haben und bis etwa fünf Kilometer nördlich der Grenze vorgestoßen sein. Die Komrnunisten setzten den vorrückenden Verbänden so heftigen Widerstand entgegen, daß der Angriff zeitweise zum Stehen gebracht wurde. Die .Nordkoreaner haben sich entlang der Straße Söul—Pyöngyang eingegraben und verteidigen mit großer Hartnäckigkeit jeden Meter Bodens. Im Mittelabschnitt macht der Angriff der südkoreanischen achten Division weiter gute Fortschritte.

Von Flugzeugen der alliierten Luftstreitkräfte werden an allen Fronten Tausende von Flugblättern mit der Uebergabeaufforderung General Mac-Arthurs abgeworfen. Durch riesige Lautsprecheranlagen werden die Kommunisten darauf hingewiesen, daß ihre Lage aussichtslos sei und sie sich ergeben sollten.

Moskau protestiert

Moskau, 10. Oktober, (dpa) Der stellvertretende sowjetische Außenminister Gromyko hat am Montag gegen die Verletzung sowjetischen Hoheitsgebiets durch amerikanische Flugzeuge protestiert. Er verlangte strenge Bestrafung der Schuldigen und Zusicherungen über Maßnahmen zur Verhinderung weiterer „Provokationen dieser Art“. Der amerikanische Botschaftsrat Barbour, dem Gromyko die Protestnote aushändigen wollte, lehnte die Annahme der Note mit der Begründung ab, daß in dem fraglichen Gebiet Streitkräfte der Vereinten Nationen operieren und der Protest darum an die Vereinten Nationen geleitet werden müsse.

Vernichtungsschlacht in Indochina

Schwere Verluste der Franzosen / Verhandlungen über Waffenruhe

Saigon, 10. Oktober. (AP./dpa) Im Nordosten Indochinas tobte in den letzten Tagen die bisher größte Schlacht seit Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und Aufständischen. Sie begann, als Vietminh-Verbände die französischen Truppen angriffen, die sich aus dem Grenzposten Caobang zurückzogen. Nach mehreren Tagen erst trafen die Ueberreste der französischen Einheiten in der Festung Thatkhe ein. Auf ihrem Rückzug hatten sie jeden einzelnen Felsen gegen die Uebermacht der. Aufständischen verteidigt. Zwei Bataillone der Ffemdenlegion wurden völlig aufgerieben. Die französischen Verluste werden in Paris auf etwa 4000 Mann Elitetrupen geschätzt. Die Stärke der Aufständischen wird mit zwanzig- bis fünfzigtausend Mann angegeben.

Die Aufständischen wurden durch Artilleriefeuer unterstützt, während die französischen Einheiten fast ausschließlich mit leichten Waffen ausgerüstet waren. Schlechte Wetterverhältnisse verhinderten einen starken Einsatz der französischen Luftstreitkräfte. Die Garnison der Festung Thatkhe ist inzwischen weiter verstärkt worden.

Eine französische Kampfgruppe in Stärke von hundert Mann ist aus dem Kessel ausgebrochen und hat sich durch die feindlichen Linien nach Thatkhe durchschlagen, Nach Ansicht von militärischen Beobachtern ist es jedoch fraglich, ob es dem Gros der eingeschlossenen Verbände gelingen wird, sich wieder freizukämpfen. Eine Vernichtung der eingeschlossenen ZElitetruppen würde die schwerste militärische Niederlage seit drei Jahren in Indochina darstellen.

Das Rote Kreuz der Vietminh hat an das französische Rote Kreuz durch Rundfunk das Angebot gerichtet, die Verwundeten aus dieser Kesselschlacht auszutauschen. Wie ein Sprecher der französischen Armee am Dienstagabend mitteilte, wollen außerdem französische Vertreter und Abgesandte der Vietminh-Aufständischen noch im Laufe des späten Abends Zusammentreffen, um nach der Vernjchtungsschlacht eine begrenzte Waffenruhe zu vereinbaren. Die Initiative für diese Verhandlungen ging ebenfalls von den Aufständischen aus.


Das Kreuz bezeichnet das Gebiet, in dem sich die Kämpfe abspielen
Das Kreuz bezeichnet das Gebiet, in dem sich die Kämpfe abspielen

Gefährliche Grenzen

*** Die Truppen der Vereinten Nationen sind weiter in Nordkorea vorgedrungen. Militärische Beobachter rechnen damit, die Kampfhandlungen würden vielleicht schon im Oktober beendet sein. Die Befürchtungen, Mao Tse-tung und der Kreml könnten in der Besetzung Nordkoreas einen Anlaß zum unmittelbaren Eingreifen sehen, scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Die Sowjets überlassen die Nordkoreaner ihrem Schicksal. Das kann man als Zeichen dafür nehmen, daß sie in einem unmittelbaren Eingreifen ein zu großes Risiko sehen.

Mehrfach ist darauf hingewiesen worden, die Russen würden in einer Besetzung ganz Koreas eine Bedrohung ihres wichtigen Kriegshafens Wladiwostock erblicken, der 160 Kilometer von der Nordgrenze Koreas entfernt liegt. Der angebliche Angriff zweier amerikanischer Düsenjäger auf einen Küstenflugplatz nicht weit von Wladiwostock hätte ihnen den Vorwand zu einem Ultimatum bieten können. Sie haben sich auf einen Protest beschränkt. Auch diese Zurückhaltung beweist, daß die Russen zur Zeit keinen dritten Weltkrieg her auf beschwören wollen.

Immer deutlicher wird die russische Taktik, Satellitenstaaten vorzuschicken, die sie bei einem Mißerfolg fallen lassen. Vermutlich werden sie jetzt den Schwerpunkt für einen neuen Vorstoß in Indochina suchen, wo die aufständischen Vietminh-Truppen zwei Bataillone der Fremdenlegion — in der sich jedenfalls viele Deutsche befanden — völlig aufgerieben haben. Dieser schwerste französische Rückschlag seit drei Jahren erfolgte ebenfalls an einer gefährlichen Grenze. Die Aufständischen können nämlich jederzeit nach China ausweichen und von dort aus unterstützt werden.

Vorerst erklären amerikanische Kreise, man sei nicht in der Lage, den Franzosen militärische Hilfe in Indochina zu gewähren. Die Verhältnisse können sich jedoch so weiter entwickeln, daß die Vereinten Nationen auch hier eingreifen müssen, um ein Vordringen des Bolschewismus über eine gefährliche Grenze zu verhüten. Die vietnamesischen Aufständigen sind zwar größtenteils Nationalisten, die sich von der französischen Kolonialherrschaft befreien wollen, ihr führender Kopf, Ho-Tschi-minh, ist aber ein Beauftragter Moskaus und leistet mit seinem Aufstand bewußt dem Bolschewismus Vorspann.

Unklarheiten um Heinemann

Von Hans Baumgarten

Es ist betrüblich, wenn Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei so geachteten Persönlichkeiten, wie es Adenauer und Heinemann sind, mit einer Trennung enden. Noch bedauerlicher ist es, wenn in so entscheidungsvollen Wochen ein Bundeskanzler und sein Innenmifiister sich aus politischen Gründen trennen. Aber es ist immer noch besser, einen Schnitt rechtzeitig zu tun, als künstlich zusammenhalten zu wollen, was auseinanderstrebt.

Kirche und Politik

Im Ablauf dieser Ministerkrise hat es Augenblicke gegeben, in denen die Gegensätze überbrückt schienen. Aber es hat sich stets nur um Überkittungen gehandelt. Die Gegensätze zwischen Adenauer und Heinemann lagen zu tief im Politischen, ja im Weltanschaulichen begründet. Dieser mit 51 Jahren junge Minister ist durch sein ganzes Denken in den Grundsätzen der Bekennenden Kirche verankert, zu deren Organisatoren und Führern er zwischen 1933 und 1945, zusammen mit Niemöller, gehört hat. Deshalb horchte man auf, als Pfarrer Niemöller unter dem 4. Oktober an Adenauer schrieb, es halte sich hartnäckig die Behauptung, zwischen dem Bundeskanzler und dem amerikanischen Oberkommissar McCloy bestünden Abmachungen üßer die Errichtung einer Anzahl deutscher Divisionen. Die evangelischen Christen würden sich jeder Remilitarisierung widersetzen und sich dabei auf das Grundgesetz stützen.*' Sollte dieses geändert werden, „so müsse man sich wieder einmal darauf berufen, daß man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen“. Gleichzeitig hatten Vertreter der Bruderschaften der Bekennenden Kirche unter dem Vorsitz ihres hessischen Kirchenpräsidenten Niemöller den Kanzler in einem offenen Brief aufgefordert, das deutsche Volk in neuen Bundestags^ wählen darüber entscheiden zu lassen, ob es wieder aufgerüstet werden wolle. —• Der Kanzler bat damals Niemöller um Aufklärung, ob sein Schreiben seine eigene Meinung oder die der Evangelischen Kirche ausdrücke. Der Pfarrer bekannte, seine Äußerung sei die eines Privatmannes gewesen. Er fügte aber hinzu, er habe das Gefühl, daß man sich in Bonn an seinen Beweisen für die angelaufene Remilitarisierung vorbeidrükken wolle.

Für den Außenstehenden war nicht verständlich, welche Beweise Niemöller damit meint. Vor allem aber drängte sich die Frage auf, wie wohl sein enger Freund, der Privatmann Heinemann, über die gleiche Angelegenheit der Wiederaufrüstung denke. Und weiter fragte man sich, ob und wie der Privatmann von dem Innenminister Heinemann abgeschaltet werden könnte, wenn es darum gehen würde, sich mit der gleichen Frage nicht individuell und kirchlich, sondern ministeriell und politisch zu befassen. Die Überlegung ist um so berechtigter, als Präsident Brunotte, vom Rat der Evangelischen Kirche, erklärt hat, daß sich der Rat der Evangelischen Kirche mit dem Wiederaufrüstungsproblem noch nicht befaßt habe und daß die Evangelische Kirche sich mit dem Schreiben Niemöllers an den Kanzler nicht identifiziere.

Der Minister ist vorsichtig

Die Unklarheiten sind mit Heinemanns Rücktritt nicht beseitigt. Nach seiner

eigenen Erklärung liegt der Hauptgrund für seine Abdankung in Meinungsverschiedenheiten mit dem Kanzler über eine Teilnahme der Bundesrepublik an der westdeutschen Verteidigung: „Im Gegensatz zum Bundeskanzler stehe ich auf dem Standpunkt, daß wir weder eine Beteiligung anbieten noch darum nachsuchen sollen“. Nun haben die Bundesregierung und der Kanzler immer Wert auf die Feststellung gelegt, daß die deutsche Regierung und Adenauer selbst niemals eine deutsche Bewaffnung angeboten oder gefordert haben. Außerdem hat nach Heinemanns Rücktritt Adenauer noch einmal die Behauptung als frei erfunden bezeichnet, wonach die Bundesregierung über eine Remilitarisierung Deutschlands verhandele. Nun ist Heinemann vorsichtiger als sein Freund Niemöller; er behauptet solche Verhandlungen nicht, wenigstens nicht mit klaren Worten. Er erklärt nur, daß er sie im Gegensatz zum Bundeskanzler für unzweckmäßig halte. Das ist freilich etwas ganz anderes als „Beweise für eine bereits erfolgte Remilitarisierung“, von denen Niemöller in seinem letzten Brief spricht.

Unter solchen Umständen könnte der Außenstehende Heinemanns Formulierungen dahin auslegen, daß der Kanzler im Kabinett darum ringe, daß demnächst die deutsche Remilitarisierung den westlichen Alliierten angeboten werde. Efas bisherige Verhalten des Kanzlers widerspricht auch solcher Vermutung. Adenauer mahnt immer wieder dazu, daß Westdeutschland sich nicht festlege, bevor die Alliierten uns nicht mitteilen, zu welchen Ergebnissen sie untereinander gekommen seien und was sie daraufhin von uns wünschen. Insofern müßte man sogar auf einige Übereinstimmung zwischen Kanzler und Innenminister schließen. Denn Heinemann hat, als er nach seinem Rücktritt vor der Presse Remilitarisierungs-Verhandlungen ablehnte, hinzugefügt: Eine deutsche Teilnahme an der militärischen Verteidigung Westeuropas müsse nach seiner Ansicht von den konkreten Umständen abhängig gemacht werden, die die Westmächte anbieten würden.

Der Streitpunkt sitzt tief

Uebrig bliebe die Erklärung, daß Kanzler und Innenminister — milde ausgedrückt — aneinander vorbeireden — grob gesagt —, daß sie einander mißtrauen. So nimmt man in Bonner Kreisen an, daß sich die Auseinandersetzung auf die allerdings wesentliche Unterscheidung zuspitzen könnte, ob in den Unterhaltungen des Kanzlers auf dem Petersberg der Kanzler oder die alliierte Seite eine deutsche Beteiligung an der Aufrüstung angeboten habe und ob man womöglich die Eingliederung deutscher Kontingente gar nicht als ..deutsche Wiederaufrüstung“ verstanden wissen wolle. Für den Kenner politischer Gespräche liegt es allerdings näher, überhaupt kein Angebot zu vermuten. Diplomatische Gespräche pflegen sich unverbindlicher zu vollziehen. Nur deuten Niemöllers Brief und der Rücktritt Heinemanns dahin, daß man in diesen Kreisen darüber mißtrauisch ist, ob der Kanzler jederzeit eine solche feine Gienze einhalten und ob er, wenn er darüber hinausginge, das Kabinett rechtzeitig ins Bild setzen würde. Ueber diese Dinge wird man hoffentlich in der heutigen Rundfunkrede Adenauers Befriedigendes hören. Wir sagten es schon: die Gründe des Zwiste liegen tief.

Vielleicht sind sie aber auch in einer anderen Richtung, wenn auch der gleichen Tiefe, zu suchen. Heinemann hat unmittelbar nach seinem Rücktritt die Forderung nicht zu unterdrücken vermocht, daß es notwendig sei, unter Umständen das Volk zu befragen, ob es remilitarisiert werden wolle. Schon durch diese Bemerkung klingt der offene Brief der Bruderschaften hindurch. Außerdem glauben gewisse Kreise der Bruderschaften der Bekennenden Kirche, daß es unchristlich sei, sich gegen Druck von außen zu wehren und daß man ihn als Fügung Gottes in Ergebenheit hinnehmen müsse. Man kann auch aus diesem Grund schwer umhin, den Zusammenhang zwischen den Aktionen Niemöllers und Heinemanns Rücktritt außer acht zu lassen. Geht es andererseits um den weltanschaulichen Zusammenhang, müßte man schon wegen des zeitlichen Zusammenhangs beider Vorgänge annehmen, daß Heinemann wenigstens den politischen Behauptungen Niemöllers nicht fernbleiben wolle. In diesem Fall darf man fordern, daß er sich zu den angeblichen Aufrüstungsangeboten des Kanzlers oder den „Abmachungen'1 zwischen diesem und McCloy über die Errichtung deutscher Divisionen einwandfrei äußert. Und ebenso sollte er auf Niemöllers „Beweise für eine angelaufene Remilitarisierung, an denen man sich in Bonn vorbeidrücken wolle“, eingehen und, wenn möglich, recht deutlich. Uns scheint, ein solches Bekenntnis zur Wahrheit und Klarheit sei der bekennende Christ und der Minister Heinemann der Oeffentlichkeit schuldig. Gibt es jedoch, wie wir annehmen, solche Beweise nicht, so sollte Heineman auch das klipp und klar eingestehen. In jedem Fall wird man achten, wenn ein aufrechter Mann aus weltanschaulichen oder politischen Ansichten auf seine Ministerstellung verzichtet. Gleichzeitig wird man allerdings die Annahme des Verzichtes durch den Bundeskanzler billigen. Die Zeit ist zu hart, als daß sie es gestatten würde, den staatlichen Willen schon in seiner Entstehung spalten zu lassen.

Ellis Island

-el Ellis Island, die letzte Station vor dem Eintritt in das Land der einst unbegrenzten Möglichkeiten ist in diesen Tagen von einer ständig sich mehrenden Zahl von Menschen bevölkert, denen auf Grund der neu erlassenen Sicherheitsgesetze die Einreise in „Gottes eigenes Land“ verwehrt werden muß. Denn neben Kommunisten wird nach den Bestimmungen auch allen früheren Mitgliedern von Naziorganisationen die Einreise in die Vereinigten Staaten verboten. Dem österreichischen Pianisten Gilda zum Beispiel. der in seinem zehnten Lebensjahr als Pimpf in die einstige Hitlerjugend gepreßt wurde, wurde nach zweitägiger Internierung lediglich gestattet, statt einer einer geplanten Konzertreise ein Konzert in der Carnegie-Hall zu geben.

Wer einstmals NSV-Beiträge hat bezahlen müssen, dem sei dringend von der kostspieligen Ueberfahrt abgeraten. Bei uns bemüht man sich, einen Schlußstrich unter die unselige Entnazifizierung zu ziehen. In den Vereinigten Staaten feiert sie wieder tragikomische Urständ. Schüttet man damit nicht das Kind mit dem Bade aus. wenn man bedenkt, wieviele Millionen Bundesbürger einstmals als gepreßte Mitglieder einer der zahlreichen gleichgeschalteten Organisationen angehört haben? Wo bleibt da die Möglichkeit persönlicher Fühlungnahme im Zeichen der Völkerverständigung über den großen Teich, wenn man drüben noch immer die von maßgebenden Amerikanern als falsch erkannten Maßstäbe von 1945 anlegt und damit neunzig Prozent aller Deutschen von dem Besuch Amerikas ausschließt.

Kein politischer Einfluß der Generale

Grundsätzliche Entscheidungen für den Aufbau der Sicherheitsbehörden

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 10. Oktober. Wie wir erfahren, ist von Bundeskanzler Dr. Adenauer bereits eine grundsätzliche Entscheidung darüber getroffen worden, daß' die obersten Spitzen der deutschen Stellen, die künftig mit dem Problem der Sicherheit sich befassen werden, nur mit zivilen Persönlichkeiten und nicht mit ehemaligen Generalen besetzt werden. Im Bundeskanzleramt wurde am Dienstag erklärt, auch der deutsche Vertreter in dem deutsch - alliierten Sicherheitsausschuß werde keinesfalls ein ehemaliger General sein. Die Nachricht, daß der ehemalige General der Panzertruppe, Graf Schwerin, in diesen Ausschuß entsandt werden würde, treffe nicht zu.

Der Kanzler scheint fest entschlossen zu sein, den Generalen keine Gelegenheit zu bieten, über den Rahmen rein militärischer Aufgaben hinaus den Militärs irgendwelchen politischen Einfluß einzuräumen. Sollte es jemals dazu kommen, daß ein deutsches Verteidigungs- oder Sicherheitsministerium geschaffen werden müßte, so erklärt man schon heute, daß an der Spitze dieses Ministeriums und auf allen entscheidenden Posten nur zivile Personen stehen sollten.

Aus diesem Grundsatz sind für den Fall, daß eines Tages im Rahmen einer europäischen Armee deutsche Truppenkontingente aufgestellt werden müssen, schon sehr weitgehende Konsequenzen gezogen worden. Bereits jetzt steht fest, daß eine solche Truppe nicht für Paradezwecke verwendet werden soll und daß das „Griffekloppen“ entfallen würde. Der Untergebene würde nur seine direkten Vorgesetzten zu grüßen haben und selbst einem General, der nicht sein direkter Vorgesetzter wäre, keine Ehrenbezeigung zu erweisen brauchen.

Als erste Aufgabe für den deutschalliierten Sicherheitsausschuß wird in Bonner Regierungskreisen die Unterbringung der alliierten Truppenverstärkungen genannt. Genaue Anforderungen

liegen bisher nur für die britischen und belgischen Truppen vor, die in Nordrhein-Westfalen untergebracht werden sollen. Die hierfür beanspruchten Kasernen sind gegenwärtig zu einem großen Teil von Flüchtlingen und Ausgebombten bewohnt. Allein der Bau von Ersatzwohnungen wird fünfzig bis sechzig Millionen Mark kosten. In Regierungskreisen hofft man, daß sich die Alliierten entschließen, die für den Raum Köln Aachen vorgesehenen belgischen Truppen in Belgien zu belassen. Man weist darauf hin, daß es außerordentlich schwerfallen würde, diese Truppen in dem stark zerstörten Gebiet, das für sie in Aussicht genommen wurde, unterzubringen und daß es für den Einsatz der belgischen Truppen kaum einen Unterschied machen würde, ob sie in Belgien selbst oder in Aachen und Düren stationiert sind.

Als weitere Standorte für die Truppenverstärkungen werden Köln - Mülheim, Westhofen, Berg.-Gladbach, Paderborn, Soest und Münster genannt. Für die anderen Bundesländer liegen noch keine genauen Anforderungen vor. Es kann als sicher angenommen werden, daß amerikanische Truppenverstärkungen nach Niedersachsen und britische nach Schleswig-Holstein kommen werden.

Aumer verweigerte die Aussage

Dramatischer Verlauf der Vernehmungen in Bonn

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 10. Oktober. Bundesfinanzminister Dr. Schäffer bestätigte am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuß, daß der Bundestagsabgeordnete Donhauser aus einem Wahlfonds Geld zur Begleichung von Wahlschulden erhalten habe. Der Minister betonte aber, daß diese Zuwendungen zwar nach der Abstimmung Bonn-Frankfurt, aber nicht im Zusammenhang mit ihr erfolgt seien. In Zusammenhang mit Bonn-Frankfurt habe er niemals über finanzielle Zuwendungen gesprochen und er habe auch nie etwas gegeben.

Auch der Kölner Bankier Dr. Pferdmenges, der der Bundestagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union angehört, bestritt entschieden, der Bayern-Partei je einen Groschen gegeben zu haben. Nie in seinem Leben, so erklärte er, habe er einen Pfennig für schmutzige Dinge hergegeben, auch nicht im Zusammenhang mit der Entscheidung Bonn-Frähkfurt.

Der Abgeordnete der Bayern-Partei Dr. Etzel, der die Abstimmung Bonn-Frankfurt als den Beginn der Auseinandersetzungen innerhalb der Bayern-Partei bezeichnete, sagte aus, daß sich nach seiner Auffassung hohe Regierungsstellen bemüht hätten, durch die Gruppe Donhauser die Bonner Regierungsbasis zu erweitern und außerdem eine politische Gleichschaltung von München und Bonn herbeizuführen.

Die Vormittagssitzung hatte stellenweise einen dramatischen Verlauf genommen, da sich der Abgeordnete Dr. Aumer weigerte, auf die Fragen des Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei Dr. Arndt zu antworten, von welchen Personen der Erdölindustrie er Gelder erhalten habe. Nach, eineinhalbstündiger Beratung entschied der Ausschuß, daß Dr. Aumer die Frage beantworten müsse. Als sich Dr. Aumer auch dann noch weigerte, wurde er von dem Vorsitzenden, Dr. Reismann, darauf aufmerksam gemacht, daß er mit erheblichen Geldstrafen,zu rechnen habe und eventuell verhaftet werden könnte.

Dr. Arndt begründete seine Frage, indem er erklärte, daß die Erdölleute eventuell als Zeugen darüber vernommen werden müßten, ob das Geld zweckgebunden gegeben worden sei. Es kam zu einer erneuten Ausschußberatung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, in der sich der Ausschuß dafür entschied, notfalls die angedrohten Strafmaßnahmen gegen Dr. Aumer zu ergreifen. Als Dr. Aumer dann mit größter Nachdrücklichkeit vom Vorsitzenden zur Aussage verwarnt wurde, %ab er schließlich unter Protest bekannt, daß er Gelder von dem Direktor der Gewerkschaft Elverath in Hannover, Celle, erhalten habe. Dr. Aumer fügte hinzu, daß es die Art, wie gegen ihn vorgegangen werde, in keinem demokratischen Land gäbe.

Sabotage am Nord-Ostsee-Kanal

Unveränderte Streiklage an den Wasserstraßen

Hamburg, 10. Oktober. (NWDR/AP.) Der Streik hat sich seit Dienstagmorgen verschärft, da sich ein Teil der Hafenarbeiter dem Streik angeschlossen hat. Wie aus Köln gemeldet wird, werden im Hafen von Duisburg-Ruhrort Schiffe, die aus den westdeutschen Kanälen kommen, nicht mehr entladen. Auch der Kohlenumschlag im Hafen wird behindert, da die Gleise im Hafen durch Waggons verstopft sind.

Der Schiffsverkehr durch den Nord-Ostsee-Kanal wurde in der vergangenen Nacht nach Mitteilung der See- und Wasserstraßendirektion Kiel durch bisher unbekannte Elemente für kurze Zeit unterbrochen. Kanalbeamte, die an den Weichen den Notdienst versahen, wurden gewaltsam an der Arbeit gehindert. Außerdem wurden zwei Tore einer Schleuse durch Beschädigung der elektrischen Anlagen vorübergehend unbrauchbar gemacht. Elektriker, die den Schaden beheben sollten, konnten das Schleusengelände nur unter polizeilichem Schutz betreten. Bisher sind acht Personen festgenommen worden.

Nach polizeilichen Vermutungen handelt es sich um einen Sabotageakt, der möglicherweise von den seit Freitag im Ausstand befindlichen Schleusenarbeitern verübt wurde.

Die Streiklage im Bundesgebiet wird von den Wasserstraßenämtern nach wie vor als unverändert bezeichnet.

Am Dienstag sind jedoch erneute Verhandlungen in Königstein/Taunus zwischen der Regierung, der Tarifgemeinschaft der Länder und der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr aufgenommen worden. Wie berichtet wird, hofft man auf Seiten der Gewerkschaften mit einem positiven Verlauf der Verhandlungen, da die Arbeitgeber bereits grundsätzlich die Berechtigung der Lohnerhöhungen anerkannt hätten.

Offene Wahlen in der Ostzone

Berlin, 10. Oktober. (NWDR) Die Durchführung offener Wahlen in der Ostzone haben sämtliche Ostzonenparteien nach einer Meldung aus Berlin am vergangenen Mittwoch in Ost-Berlin beschlossen. Der Vorschlag, am 15. Oktober auf geheime Wahl zu verzichten, war auf einer Sitzung des kommunistischen Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes und der kommunistischen Freien Deutschen Jugend eingebracht worden. Die Sozialistische Einheitspartei hat die volkseigenen Betriebe durch die Gewerkschaften aufgefordert, für eine offene Stimmabgabe einzutreten.

Italien ehrt deutsche Gefallene

Rovereto, 10. Oktober, (dpa) In die Glocke von Rovereto (Südtirol), die die größte Glocke Italiens ist und nach dem ersten Weltkrieg zum Gedenken der Gefallenen aller Nationen gegossen wurde, ist nunmehr auch ein besonderes Gedenkwort für die deutschen Gefallenen eingraviert worden.

Türkei strategische Luftbasis

für den östlichen Mittelmeerraum

Istanbul, 10. Oktober, (dpa) Die türkische Regierung soll mit amerikanischen und deutschen Firmen ein Abkommen ■über den Bau von 26 neuen Militärflugplätzen in der Türkei abgeschlossen haben. Die Istanbuler Presse mißt diesem Abkommen größte Bedeutung bei. Türkische militärische Kreise betonen, daß die Türkei damit zum wichtigsten Stützpunkt der alliierten Luftstreitkräfte im östlichen Mittelmeerraum wird.

Die vom nordafrikanischen Bomberflughafen Mellaha aufsteigenden schweren Bomber könnten so von den türkischen Basen aus durch türkische und alliierte Jäger wirkungsvoll unterstützt ■werden.

Stimmen der Anderen

Der Rücktritt Heinemanns

Die Begründung Dr. Heinemanns für seinen Rücktritt erwecke den Eindruck, als sei der Bundeskanzler „ein Befürworter der Remilitarisierung, während der Innenminister ihr Gegner sei“, erklärte der Pressedienst der Christlich-DemokratischenUnion am Montagabend.

Es bestehe jedoch „nicht der geringste Zweifel an der klaren Haltung" des Kanzlers gegen „jedes militärische Denken und Handeln“.

„Es darf kein falsches Bild entstehen, wie es hier zwischen den Zeilen herauszuschauen droht: hie Militarist, hie Antimilitarist.“ Die Debatte darf nicht „von interessierten Kreisen auf ein falsches Geleise geschoben werden“.

In der vom Pressedienst der Sozialdemokratischen Partei herausgegebenen Erklärung heißt es, die Sozialdemokratische Partei behalte sich eine endgültige Stellungnahme vor, bis der volle Text des Rücktrittsschreibens D^ Heinemanns bekannt werde.

„Aus einem Brief Heinemanns an den Bundeskanzler, dessen Inhalt im Auszug bekanntgegeben wurde, geht hervor, daß Adenauer in seinem Memorandum an die Oberkommissare schon vor der Neuyorker Konferenz einen deutschen Beitrag zur westeuropäischfin Verteidigung angeboten hat. Diese Tatsache war bisher der deutschen Oeffentlichkeit nicht bekannt, sie ist ein neuer Beweis für die schon mehrfach kritisierte Art des Kanzlers, außenpolitische Angelegenheiten eigenmächtig zu regeln.“

Der „S ü d k u r i e r“ Konstanz schreibt: „Sein Ausscheiden bedeutet immerhin einen Verlust für das Kabinett. Die gerade Art und die hohe Auffassung von den Pflichten seines Amtes haben ihm das Vertrauen weiter Kreise gesichert. Dr. Heinemann hat als christlicher Mann und Politiker gehandelt und die Konsequenzen gezogen, als er glaubte, den Anforderungen, die an ihn 'gestellt wurden, nicht mehr genügen zu können.“

Die „Stuttgarter Nachrich¬ t e n“ bemerken:

„Es ist beachtenswert, daß der endgültige Bruch zwischen Dr. Heinemann und Dr. Adenauer zeitlich mit dem persönlichen Brie/ Niemöllers an Adenauer zusammenfällt. Die ausgestreute oder vermutete Auffassung, daß Heinemann in der Frage der Remilitarisierung mit Niemöller völlig oder weitgehend übereinstimmt, wirft ein bemerkenswertes Licht auf die Situation.'^

Verbrannte Grde

Die Zurücknahme der Hauptmacht der kommunistischen Streitkräfte nach Norden durch das nordkoreanische Oberkommando berichtete erst am vergangenen Freitag die sowjetamtliche Zeitung „Praw da “. Der Sonderkorrespondent des führenden sowjetischen Blattes, Sergei Borzenko, gibt zu, „derartige Operationen ließen sich nicht ohne Verluste durchführen“. Borzenko schreibt weiter:

„General Mac Arthur hatte gehofft, von der Bevölkerung mit Blumen empfangen zu werden. In Wirklichkeit wurde ihm ein Empfang mit Dolchen und Karabinern bereitet. Wo immer er auch einzog, fand er nur verbrannte Erde vor. Die Südkoreaner kämpften bei Tag und Nacht von den Bergen herunter gegen ihn. Tausende amerikanischer Verwundeter müßten die Nächte unter freiem Himmel zubringen, da keine Häuser mehr vorhanden sind. Außerdem hatte man alle Brunnen stark versalzen.

Deutsche Beobachter

Bonn, 10. Oktober, (dpa) Der Vollversammlung der Vereinten Nationen werden für die Beratungen über die Zurückbehaltung deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion Ende Oktober deutsche Beobachter beigegeben

Die beiden Beobachter sollen auch für notwendig werdende Rücksprachen zur Verfügung stehen.

Hölle wo ist Dein Sieg?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag, Hamburg

34)

Aber Remey schüttelte den Kopf. Solch grausige Geschichten einer dichterischen Phantasie waren nichts für ihn. Für eine Frau besaß Henriette einen Verstand, wie er ihm selten anregender begegnet war. Es war ein Jammer, daß sie sich mit so wertlosen Büchern abgab. Aber warum über diese Belanglosigkeit am Silvesterabend streiten! Schließlich war sie bei all ihrer Intelligenz eben eine Frau, und man konnte von ihr nicht erwarten, daß sie es jemals in der Gelehrsamkeit zu etwas bringen würde.

Und dann wieder nach Hause durch den Schnee in einer Mietskutsche. Man hatte sie nur mit Mühe auftreiben können, und der Kutscher verlangte einen unverschämten Preis. Aber es war ja Neujahrsnacht und jedes Gefährt eine Rarität. Sonst wäre Henriette wahrscheinlich nicht so ohne weiteres darauf eingegangen, aber jetzt fühlte sie sich nicht zum Feilschen aufgelegt. Eine, wenn auch nur bescheidene Unbekümmertheit trug über ihre ökonomischen Bedenken den Sieg davon. Sie war warm und fühlte sich im besten Einvernehmen mit der ganzen Welt, als sie Madame Le Maire in den Wagen half.

Jeh setze Sie vor Ihrer Türe ab“, beruhigte sie sie. „Nein, es ist nur ein kleiner Umweg, und ich werde Sie doch nicht in einer solchen Nacht allein umherflanieren lassen.“

„Nun, wenn Sie schon einmal leichtsinnig sein wollen, kann ich ja auch davon profitieren. Sie sind großzügig, Henriette, ja, das muß ich zugeben.“

Henriette lächelte im Schutze der Dunkelheit.

„Wer weiß“, dachte sie, während der Wagen durch die tief verschneiten .Straßen kroch, „vielleicht bin ich eines Tages auch so 'alt und einsam wie sie.“

Aber der Gedanke beunruhigte und betrübte sie nicht, weil sie nicht daran glaubte. Unmöglich, mit dreißig Jahren, wenn das Blut warm in den Adern pulste, wenn ein neues Jahr vor einem lag — unmöglich, dann an ein freudloses Alter, an Einsamkeit und ans Sterben zu denken.

Madames Stimme unterbrach ihren Gedankenflug. Ja, bestätigte sie, der Abend war sehr gelungen gewesen. Die Remeys seien doch reizende Gastgeber, und sie sei froh, die beiden so glücklich zu wissen. Und sie hoffte, daß der Arbeit, zu der Albert aufgefordert worden sei, noch viele andere folgen würden.

„Die werden sich schon immer durchschlagen“, sagte Madame Le Maire. „Das kommt daher, weil Sie an Raben glauben.“ „An Raben, Madame?“

»Ja, wenn man zum Beispiel nicht weiß, woher man das Geld für die monatliche Miete oder das Abendessen hernehmen soll, dann kommen einem auf rätselhafte Weise die Raben zu Hilfe. Sie waren auch nur ein Werkzeug dieser Raben, als Sie ihm diese Stellung verschafften. Es ist- eine Gottesgabe, dieser Glaube an die Raben, und sie werden einen niemals im Stich lassen, wenn man ihnen wirklich vertraut. Leider haben eie immer gewußt, daß ich skeptisch war.“

Henriette lachte. „Ich habe auch nie an sie geglaubt, wenn ich's mir recht überlege.“

„Nein, Sie gehören auch nicht zu der Sorte Menschen, die das tun. Die Raben mögen auch nur so hilflose, sanftmütige Leutchen wie Albert und Marie. Si e sind viel zu unabhängig, aber Sie werden es schon schaffen. O ja, Sie werden es schon noch zu etwas bringen in dieser Welt. Das sah ich gleich, bevor ich noch zwei Worte mit Ihnen gewechselt hatte.“

Der Kutscher riß sein Pferd scharf zurück und schimpfte zu einem anderen Wagen hinüber, der die Einfahrt in die Rue du Harlay versperrte. Als das Durcheinander und das Geschrei vorüber waren und sie wieder weiterfuhren, fing Madame Le Maire an, ihre Sachen zusammenzusuchen, ohne sich dadurch im Reden stören zu lassen.

„Ich habe schon viele junge Menschen kommen und gehen sehen, einige sahen gut aus, andere waren gescheit, wieder andere hatten beides und wußten weder mit dem einen noch mit dem anderen etwas anzufangen. Aber Sie besitzen etwas, was keiner von ihnen besaß, und das wird sich nicht abnutzen und verloren gehen wie ein rosiger Teint und eine gute Figur.“ Sie bückte sich, um ihren Schirm aufzuheben, und Henriette mußte etwas warten, ehe sie das abschließende Urteil über ihre Person vernahm. „Sie sind wie Hefe. Man kann Sie irgendwohin tun, und Sie werden sogleich beginnen, nach oben zu streben. Man kann Sie nicht unten halten, und Sie würden nicht unten bleiben können, selbst wenn Sie es versuchten. Nun also, ein frohes neues Jahr, was immer es uns allen auch bringen mag!“

„Ich bin nicht so ganz sicher, ob das ein Lob sein sollte oder nicht“, dachte Henriette, als sie allein weiterfuhr. „Auf jeden Fall kann ich nicht sagen, daß ich gerade sehr begeistert davon bin, mit Hefe verglichen zu werden.“

■“Vic vcxgHUICH WCIUCII. In der Rue du Faubourg Saint Honor6 fand sie nur den Nachtwächter vor, um ihre Neujahrswünsche zu erwidern, als sie um halb zwölf dort anlangte. Wäre nicht der schneidende Wind gewesen, hätte sie gute Lust gehabt, bis zur vollen Stunde weiterzufahren, aber so war sie dankbar, wieder in ihr gemütliches Zimmer zu kommen. Es gab Schlimmeres, als das neue Jahr allein begrüßen zu müssen.

Sie schraubte die Gasflamme hoch und sah sich in dem kleinen Raum um, der nunmehr schon genau so zu ihr zu gehören schien wie die Handschuhe, die sie eben abstreifte.

Ein Klopfen an der Tür schreckte sie aus ihren Träumen hoch. Sie ging zur Tür in der Erwartung, Maxine oder eines der Hausmädchen zu sehen, und war überrascht, als sie sich dem Kammerdiener gegenüber sah. Sie nahm das kleine Schächtelchen, das er ihr auf einem silbernen Tablett hinhielt, und ging dann wieder zu ihrem Feuer zurück.

Die Umhüllung verriet nichts, wenn auch die Schachtel selbst den Namen eines der teuersten Geschäfte der Rue de Rivoli trug, an dem sie oft vorübergegangen war. Neugierig untersuchten ihre Finger die Watte und stießen auf einen runden, glatten Gegenstand. Jetzt hielt sie ihn in der Hand — ein Briefbeschwerer war es aus kristallklarem Glas mit einem kleinen, rotbemäntelten Figürchen darin. Bei ihrer Berührung erhob sich ein Miniatursturm von weißen Flöckchen, die um die winzige Gestalt wirbelten. Sie sah diesem Schauspiel gebannt zu, bis der Sehneesturm sich gelegt hatte. Dann setzte sie die Kugel auf den Tisch nieder und ging langsam zum Fenster. Es erübrigte sich, das Kästchen nach der Karte zu durchsuchen, die sie doch nicht finden würde.

Mitternacht: die ersten feierlichen Schläge erschollen — von ihrer eigenen Uhr und anderen in dem großen Haus und von noch vielen in ganz Paris. Sie schob die Vorhänge zurück und preßte ihre heiße Wange gegen die eisige Scheibe. Wieder ein neues Jahr, und alle Glocken läuteten es mit ehernem Klange ein. Sie fühlte Tränen in ihre Augen steigen, und ihr Herz begann ein grundloses Klopfen, das sie nicht zu bezwingen vermochte. Sie empfand plötzlich Furcht vor ihrem eigenen Herzen. Noch nie hatte es sie so verraten. Warum stand sie da, zugleich so glücklich und so traurig, so viele Fragen auf der Zunge wie ein verängstigtes Kind? Sie fand keine Antwort.

Es ist nicht gut, dem eigenen Herzen Fragen zu stellen.

Elftes Kapitel

Der Frühling des Jahres 1844 segelte auf Blütenwolken dem Sommer zu. In Melun hatten Kirsche und Pfirsich kaum ihre letzten Blütenblätter dem Wind und der Erde überantwortet, als auch schon die Apfelbäume in den Obstgärten sich in wundersames Weiß und Rosa kleideten; und ihre Süße erfüllte die Luft mit solch zartem Wohlgeruch, daß Henriette allnächtlich von neu erwachender Unruhe befallen wurde.

(Fortsetzung folgt.)

Einigungsformel gefunden

Der Wasserstraßenstreik vor seiner Beilegung

Königstein (Taunus), 10. Oktober. (AP.) r^^ V!rhandlun-en zwischen der Gewerkschaft ~Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr“ und den Tarifgemeinschaften der Länder und Gemeinden endeten am Dienstagabend mit einer imgung der beiden Partner über einen Kompromiß.

Nach dem Abkommen sollen, wie Tagun^steilnehmer berichten, die Stundenmhne für Arbeiter im öffentlichen Dienst ^•^Un^fennig erhöht und die Monatsgehälter für Angestellte bis zu einer Höhe D-Mark ohne Wohnungsgeld um 20 D-Mark aufgebessert werden. Das Abkommen soll für den Bund, die Länder und. die Gemeinden Gültigkeit haben. Zwei technische Kommissionen werden am Mittwoch die Einzelheiten der Vereinbarung festlegen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Kummernuß, teilte mit. daß der Streik der Arbeiter und Angestellten auf den Wasserverkehrsstraßen zunächst jedoch nicht eingestellt werde, da die anwesenden Vertreter der Bundesregierung keine Vollmachten gehabt hätten, das Abkommen ebenfalls anzuerkennen. Am Mittwoch würden die Gewerkschaften an die Bundesregierung herantreten. Erst wenn das Kabinett seine Zustimmung zu dem Abkommen gegeben habe, werde der Streik beendet.

Generalstreik genehmigt

Königstein, 10. Oktober, (dpa) Der Vorsitzende der Gewerkschaft Oeffentliehe Dienste, Transport und Verkehr, Adolf Kummernuß, ist bevollmächtigt, einen Generalstreik im öffentlichen Dienst auszurufen, wenn die Tarifverhandlungen auf diesem Gebiet in Königstein im Taunus scheitern. Kummernuß , setzte den Vorsitzenden der Tarifgemeinschaft deutscher Länder, den hessischen Finanzminister Dr. Werner Hilpert, am Dienstag bei den Verhandlungen von dieser Vollmacht in Kenntnis und wies darauf hin, daß bei einem Generalstreik nur die lebensnotwendigen Betriebe des öffentlichen Dienstes ausgenommen würden.

Ein Appell Schumachers

Eschwege, 10. Oktober, (dpa) Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Schumacher, appellierte auf einer Grenzlandkundgebung an der Zonengrenze in Eschwege an die Bevölkerung der Sowjetzone, sich nicht durch die Machthaber der Sowjetzone provozieren zu lassen. „Wir wissen, daß die Bewohner der Ostzonenrepublik das verruchte System hassen und verachten“, sagte Schumacher.

Zum Thema Remilitarisierung wiederholte er die sozialdemokratische These, daß Deutschland bereit sei, einen Beitrag zur militärischen Sicherheit zu leisten, wenn das Schicksal des Westens unlösbar mit dem deutschen verbunden werde. Auch Gleichheit in Opfer, Risiko und Chance verlangte Schumacher.

Jetzt wieder in Baracken

Dr. Nahm über die Unterbringung der Flüchtlinge

Wiesbaden, 10. Oktober. (Eigener Bericht.) Ministerialdirektor Dr. Nahm vom hessischen Innenministerium erklärte am Dienstag, daß die von der amerikanischen Landeskommission verlangte Räumung der Hanauer Kaserne zum 1. November termingerecht durchgeführt werde. Von den 632 Insassen werden 367 Ausländer und Deutsche mit Familienanhang in der Nähe ihrer Arbeitsplätze in Hanau und Frankfurt in Baracken untergebracht. 124 Arbeitslose und Arbeitsunfähige werden mit ihren Familien dem Lager Bensheim - Auerbach zugeführt werden. Die 90 alleinstehenden erwerbstätigen Insassen der Hanauer Kaserne werden jeweils in Frankfurt, Hanau und Offenbach eingewiesen werden. Der Rest von 51 alleinstehenden unbeschäftigten Insassen wird auf die Regierungsbezirke Wiesbaden und Darmstadt verteilt.

Nactf einer weiteren Mitteilung von Ministerialdirektor Dr. Nahm ist auch für die 124 Insassen der Butzbacher Kaserne, die bekanntlich ebenfalls zum 1. November geräumt sein muß, eine ähnliche Lösung in Vorbereitung.

Flüchtlingstragödie

Kopenhagen, 10. Oktober, (dpa)- Eine deutsche Flüchtlingstragödie ereignete sich in der Ostsee beim Wrack der „Gneisenau“ zwischen Gjedser und Warnemünde. Zwei Ehepaare mit zwei kleinen Kindern versuchten in einer offenen Jolle über die Ostsee aus der Sowjetzone zu fliehen. In dem heftigen Sturm war ihre kleine Jolle ein Spielball der Wellen. Bei dem Schiffswrack der „Gneisenau“ suchten sie Schutz. Dabei wurde das Boot gegen die Schiffswand geschleudert und zerschlagen.

Es gelang den Flüchtlingen jedoch, an Bord des Wracks zu kommen. Ein holländischer Dampfer beobachtete ihre Notsignale. Da er selbst nicht an das Wrack herankommen konnte, unterrichtete er durch den Schiffsfunk Radio Lvngby bei Kopenhagen. Ein dänischer Marinekutter kam von Gjedser und nahm die sechs Flüchtlinge an Bord. Da gleich darauf ein Dampfer vorbeikam, der nach der Bundesrepublik fuhr, übernahm dieser die sechs völlig erschöpften Flüchtlinge und brachte sie nach einem westdeutschen Hafen.

Bleibtren wird gesucht

Frankfurt, 10. Oktober, (dpa) Amerikanische Behörden fahnden gegenwärtig nach dem österreichischen Journalisten Bleibtreu, der von sich behauptet, Göring die Zyankali-Kapsel verschafft zu haben, mit der sich der verurteilte ehemalige Reichsmarschall 1946 vor seiner Hinrichtung vergiftete.

Wege zur Vollbeschäftigung

Birkelbach sprach in Wiesbaden

Wiesbaden, 10. Okt. (Eig. Bericht.) Auf einer Veranstaltung der SPD empfahl der Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Willy Birkelbach, der Leiter der Gewerkschaftsschule in Oberursel, monetäre sowie steuerpolitische Maßnahmen und wirtschaftliche Kontrollen, um eine dauerhafte Vollbeschäftigung sicherzustellen. Die durch den Korea-Krieg hervorgerufene Wirtschaftsbelebung sei ein Beweis dafür, daß die Möglichkeiten zur Steigerung der Zahl der Erwerbstätigen durchaus gegeben sind. Birkelbach vertrat die Auffassung, daß sich eine Geldschöpfung in gewissen Grenzen halten müsse. Die Vollbeschäftigung müsse von Bonn aus für das gesamte westdeutsche Währungsgebiet angestrebt werden. Die Wirksamkeit der wirtschaftlichen Kontrollen hänge davon ab, ob den Betriebsräten eine ausreichende Kenntnis volkswirtschaftlicher Zusammenhänge vermittelt werden könne.

Nechts-Wahlbündnis

„Block der Vaterländischen Einigung“ Wiesbaden, 10. Okt. (LH) Auf einer gemeinsamen Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Wiesbaden der Nationaldemokratischen Reichs-Partei (NDRP) und der Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung (WAV) erklärte der Landesvorsitzende der Nationaldemokratischen Reichs-Partei, Kadesch, bei den Landtagswahlen sei die politische Lage günstig, da seine Partei als einzige Rechtspartei in die Wahlen gehe. Der Landesvorsitzende der Wirtschaftlichen Auf bau-Vereinigung, Johann Rehbein, unterstrich die Bereitwiligkeit seiner Partei, mit der Nationaldemokratischen Reichs-Partei einen „Block der Vaterländischen Einigung“ zu bilden. XT Coi In TrQvlailfpf

Von unterrichteter Seite verlautet, nau die beiden Parteien am kommenden Wochenende in Wiesbaden getrennt Hessische Parteitage abhalten wollen. Am 22. Oktober würde außerdem eine gemeinsame Delegiertenversammlung versuchen, eine Landesliste aufzustellen.

500 Hänser vernichtet

Neu-Delhi, 10. Oktober. (AP.) Ein Großfeuer. das in der Nacht zum Dienstag aus bisher ungeklärter Ursache im Basarviertel von Neu-Delhi entstand, hat etwa 500 Häuser und Geschäfte vernichtet und schätzungsweise einen Schaden von über 8 Millionen D-Mark verursacht.

Zinnkanns Schußwaffen-Gesetz

Der Landtagsausschuß macht Vorbehalte

Wiesbaden, 10. Oktober. (LH.) Der Rechtsausschuß des Hessischen Landtags hat am Dienstag die Vorlage für’ ein Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwanges bei Ausübung öffentlicher Ge walt beraten. Der Ausschuß kam überein, die Regierung aufzufordern, Vorschläge für die Angliederung eines besonderen Abschnittes, in dem das Problem der Haftpflicht geregelt wird, zu untei breiten. Nac Ansicht des Ausschusses fehlen ^ sogenannten Schußwaffengesetz noch Bestimmungen die die Wiedergut machung eines Schadens sicherstellen der im Zuge einer zwar rechtmäßigen Handlungsweise aber Unschuldigen zugefuat wurde.

"Wie verlautet, wird sich der Ausschuß möglicherweise noch mit einei - rung der sogenannten Generalklausel des Schußwaffengesetzes befassen Diese sieht vor daß Polizeibeamte, Bedienstete de Justizverwaltung und die F°rst-, Jagd- und Fischereischutzberechtigten bei der rechtmäßigen Dienstausübung. einen unmittelbaren Zwang gegen Peisonen oder Sachen anwenden dürfen, wenn ihre Aufgaben nicht in anderer Weise durchgeführt werden können.

Dr. Marin entlassen

Frankfurt/Main, 10. Oktober (dpa). Der frühere Geschäftsführer der jüdischen Industrie- und Handelsbank in Frankfurt, Dr. Marin, der am 15. September im Verlauf der Ermittlungen über das Geschäftsgebahren der Bank festgenommen worden war, wurde aus der Haft entlassen.

Atom-Zentralheizung

London, 10. Oktober (dpa). In dem britischen Atom-Forschungszentrum Harwell werden gegenwärtig Pläne für die erste Atom-Zentralheizung der Welt ausgearbeitet. Man hofft, in absehbarer Zeit alle Gebäude in Harwell durch Atomkraft heizen zu können. Später könnte man daran denken, ganze Städte durch Atomkraft mit Wärme zu versorgen.

Wirtschaftsblatt

Muß das sein?

b. Durch den verlorenen Krieg haben viele Deutsche ihre Vermögen im Ausland verloren. Auch sie müssen eine Entschädigung erhalten. Nach dem Gesetzentwurf zum allgemeinen Lastenausgleich soll für Deutsche, die ihr Auslandsvermögen durch Liquidation verloren haben, aber erst eine spätere besondere Gesetzgebung maßgebend sein. Das allgemeine Lastenausgleichsgesetz erfaßt nur Schäden und Verluste, die Deutsche durch Vertreibung oder durch Kriegssachschäden im Ausland erlitten haben. Solche Geschädigte haben einen doppelten Anspruch. Sie brauchen auf das verbliebene Inlandsvermögen keine Lastenausgleichsabgabe zu leisten. Darüber hinaus können sie später mit einer Entschädigung (Ausgleichsleistung) rechnen.

Gegen den Vorbehalt, die Entschädigung für Auslandsverluste durch Liquidation mit Hilfe eines besonderen Gesetzes zu regeln, bestehen an sich keine Bedenken. Vielleicht erscheint es sogar zweckmäßig, diese Schäden nicht im allgemeinen Lastenausgleich zu behandeln. Sollen aber die Auslandsgeschädigten auf das ihnen verbliebene Inlandsvermögen eine Abgabe leisten? Sie haben einen begründeten Anspruch darauf, daß man ihre Verluste ebenso berücksichtigt wie zum Beispiel die Verluste der Bombengeschädigten. Kann man die durch Liquidation der Auslandsvermögen entstandenen Schäden nicht den Kriegsschäden gleichstellen? Die Auslandsverluste werden bei der Regelung der Reparationen angerechnet. Sie stellen also wirtschaftlich gesehen eine Vorwegnahme der Leistungen für den Lastenausgleich dar.

Glaubt man in Bonn auf die Lastenausgleichsabgabe dieser Geschädigten nicht verzichten zu können? Man könnte doch bei einer späteren Regelung, die eine Entschädigung festlegt, die nicht erhobene Abgabe verrechnen. Man sollte schon deshalb diesen Weg wählen, weil der heutige Stand der Dinge und die Erfahrungen nach dem ersten Weltkrieg, eine ins Gewicht fallende Entschädigung garnicht erwarten lassen. Jedenfalls wäre es ein Gebot der Gerechtigkeit, diese schwer Geschädigten nicht noch durch die Erhebung einer Abgabe weiter zu belasten.

Konjunkturspitze überwunden?

Der Inlandverbrauch ist teilweise stark gestiegen

Be Die konjunkturelle Verschärfung auf den Rohstoffmärkten ist .allem Anschein nach einer ruhigeren Entwicklung gewichen. Dies gilt sowohl für die Rohstoffmengen als auch für die Rohstoff-r preise. Am kritischsten ist noch die Lage auf dem Gebiet der Kohlenförderung, aber auch hier ist ein Rückgang der Aufträge von ihrem überhöhten Stand zu erwarten. Wieder einmal zeigt es sich daß bei der Beurteilung wirtschaftlicher Tatbestände die psychologischen Einflüsse nicht außer acht gelassen werden dürfen. Durch verschiedene Lenkungsmaßnahmen will die Regierung ungerechtfertigten Preistendenzen und Hortungsbestrebungen begegnen.

Bei den Nichteisenmetallen hat in den jüngsten Monaten der Inlandsverbrauch um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent zugenommen. Lieferschwierigkeiten bei Kupfer, Nickel und Zink werden in Kürze auf Grund neuer Einfuhrabschlüsse (je 10 000 Tonnen bei Kupfer und Zink) überwunden werden können. Für Kupfer werden Lenkungsmaßnahmen erwogen. Seit dem Frühjahr ist der Verbrauch an Aluminium um 60 bis 65 Prozent gestiegen. An Benzin sind Vorräte für rund zwei Monate und an Dieselöl für vier Monate vorhanden. Auf dem chemischen Gebiete ist die Versorgungslage im allgemeinen befriedigend. Auch auf dem Kautschukmarkt kann die Gefahr von Engpässen vermindert werden. Die Bestände an Baumwolle reichen für drei bis vier Monate und an Wolle für 11/» Monate. Die Preise sind beträchtlich gestiegen, bei Wolle um etwa 100 Prozent und bei Baumwolle um etwa 40 Prozent. BeiO Rundholz, Schnittholz und Faserholz ist der Bedarf für etwa 6 bis 8 Wochen gedeckt. In Leder sind Vorräte für etwa einen Monat vorhanden. Fast überall ist der Bedarf für den späteren Zeitraum bereits durch feste Abschlüsse gedeckt worden. Zum Teil ist die Ware bereits verladen. Insgesamt ist die gewerbliche Wirtschaft für etwa ’/* Jahr sicher versorgt. In der Landwirtschaft ist allerdings die Lage nicht gleich günstig.

1,5 Milliarden Wohnungsbau-Hypotheken

Hi. Die Kapitalsammelstellen einschließlich der Bausparkassen erhöhten ihre Zusagen an Wohnungsbauhypotheken von 1,44 Milliarden DM Ende Juli auf 1,56 Milliarden DM bis Ende August. Die Auszahlungen auf diese Zusagen beliefen sich bis Ende AugusJ auf 751 Millionen DM.

Von der Refinanzierungszusage bei dem Zentralbanksystem haben die Kapitalsammelstellen bisher nur in Höhe von etwa 40 Millionen DM Gebrauch gemacht. Der Pfandbriefabsatz, der im Juni nur 15,6 Millionen DM betrug, erreichte im Juli und August 18,8 bzw, 25,5 Millionen DM.

Warenaustausch von 189 Millionen

AP. Die Verhandlungen zwischen einer deutschen und einer ägyptischen Handelsdelegation über ein neues Handels- und Zahlungsabkommen sind erfolgreich beendet worden. Der Text des Abkommens soll nach der Unterzeichnung gleichzeitig in Kairo und Frankfurt veröffentlicht werden.

Auf deutscher Seite hoffte man, einen Warenaustausch in Höhe von 189 Millionen DM erreichen zu können. Der alte Handelsvertrag über 162,1 Millionen DM war am 30. Juni abgelaufen.

Gegen freie Brennholzausfuhr

Id. Gegen die freigegebene Brennholzausfuhr hat die südbadische Landesforstverwaltung mit Rücksicht auf die Interessen der Verbraucher und im Hinblick auf die nicht völlig befriedigende Kohlenversorgung Einspruch erhoben. Die Landesforstverwaltung wünscht eine auf Überschußgebiete beschränkte und kontrollierte Brennholzausfuhr, wie sie bisher mit Erfolg und zur Befriedigung aller Beteiligten durchgeführt worden sei.

Zolltarifentwurf gebilligt

vwd Der deutsche Zolltarifentwurf, der demnächst als Zolltarifgesetz in Bonn verabschiedet werden soll, ist grundsätzlich von den Verhandlungspartnern in Torquay anerkannt worden. Mit der grundsätzlichen Anerkennung des deutschen Tarifes können nunmehr die bilateralen Gespräche zwischen der Bundesrepublik und ihren Verhandlungspartnern in Torquay beginnen. Ueber deh Inhalt der Verhandlungen kann bis zum Abschluß nichts gesagt werden.

Ein neues Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Dänemark soll in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Das Abkommen sieht einen Warenaustausch in Höhe von 850 Millionen Kronen (475 Millionen DM) vor. Dänemark soll landwirtschaftliche Produkte und die Bundesrepublik dafür Kohlen, Koks und Stahlerzeugnisse liefern. .

Das rach dem Kriege in Holland be¬ schlagnahmte deutsche Vermögen soll in absehbarer Zeit zurückerstattet werden. Die Rückerstattung wurde bereits mit der Uebergabe von Rheinkähnen, darunter auch solchen, die während des Krieges auf holländischen Werften gebaut wurden, eingeleitet.

Börsen und Warenmärkte

Bz. Bei kleinerer Geschäftsbetätigung waren Montanwerte an der Frankfurter Börse zunächst etwas rückläufig, zum Schlüsse konnte- sich abei- stellenweise eine leichte Befestigung durchsetzen. Gutehoffnungshütte 68,50, dann 69 (+ 0,5), Eisenhütte 44.75 nach 44 (unv). Elektro- und Versorgungswerte zeigten eher nachgebende Haltung. Felten 69.50 (- 1). RWE 76 (— 1.50). Siemens schwankend 45 7/s, dann 46 (— 0.75). Industrieaktien lagen une:nheitlich. einzelne Spezialwerte konnten sich aber leicht befestigen Im Freiverkehr lagen Zel’.stoffaktien gut behauptet, zum Teil freundlicher. Renten hatten einen kleinen Markt.

Freie Devisenkurse

Bz. Frei bewertet wurden am 10. Oktober 1950 der USA-Dol’ar mit 5.15 bis 5,25 DM, das englische Pfund mit 12.50 bis 13.50 DM, der Schweizer Franken mit 1.15 bis 1-25 DM, der Holland-Gulden mit 1,15 bis 125 DM, die dänische Krone mit 0.48 bis 0.52 DM. die schwedische Krone mit 0.72 bis 0.78 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden für eine D-Mark West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine D-Mark West geboten.

Internationale Warenpreise

New York Getreide 6. 10. 10. 10.
Weizen. Hardwinter Nr. 2 ... 258’/ 258.50
Mais, gelber Nr. 2 179.25 178.50
Hafer, weißer Nr. 2 100,— ' 100.25
Roggen, western tob NY. ... 176.— 176 —
Gerste Nr. 2
Mehl, hardwinter 5.80-95 N 5,85-6,00 N
Roggenmehl 4,75-90 N 4,75-4.90 N
Kolonialwaren
NY. Zucker Nr. 5 loco 6,25 6.25
NY. Kaffee, Santos loco .... 54,25 N 54.25 N
NY Kakao. Accra loco 37.12 N 37,75 N
Fette und Oele
Chicago Schweine, leichte .. 17,75 18,—
Chicago Schmalz, loco 12.—N 11,75 B
Textilrohstoffe und Häute NY. Baumvolle; loco 41,90 41,93
NO. Baumwolle, loco 41,10 41.10
Sao Paolo Baumvolle per Okt. 279,50 281.10
lute. Ld. Daisv 2 '3 111,— 111,—
Häute. Nv per Dez 27.40 27,60 0
Kautschuk
London, loco 46,— 49,—N
New York, loco 58,—N 58,—N
New York Loco ■ Metalle Aluminium 19,— 19,—
Blei, loco NYj» 16,— 16,—
Kupfer, midwest 24% 24%
Nickel 48,— 48,—
Quecksilber, einh. 90—95 90—95
Zink, St. Louis 17,50 17,50
Zinn Grad „A“ 107,50 N 109,25
Alexandria-Baumwolle
Karnak per Okt 105,80
Ashmouni per Nov —- 99,40
Westdeutsche Metalle Blei 164,38 164,38
Hüttenzink 171,88 171,88
Kupfer 239,50 239,50
Zinn 102,— 105,30

Fehlkäufe in Landmaschinen

JK. Die deutsche Landwirtschaft muß im Hinblick auf die zunehmende Liberalisierung des Handelsverkehrs alle Anstrengungen machen, um mit ihren Produkten auf dem Agrarmarkt qualitativ und preislich konkurrieren zu können. Das bedeutet einmal Rationalisierung der Wirtschaftsweise mit dem Ziel der Senkung der Gestehungskosten und zum andern Intensivierung, vor allem der Qualitätsleistungen.

Auf beiden Gebieten konnte im Durchschnitt der Betriebe bisher noch bei weitem nicht der Höchststand erreicht werden. Zahlreiche Bauernbetriebe haben bei der Anschaffung von Maschinen nach dem Kriege die richtige und zweckmäßige Einordnung der maschinellen Hilfskräfte in den Betriebsorganismus vermissen lassen. Sie handelten beim Maschinenkauf in vielen Fällen nicht nach wirtschaftlichen Grundsätzen, so daß Kapital investiert wurde, das aus den Vorteilen der Maschinenverwendung weder verzinst noch amortisiert werden kann. Im Maschinenpark der deutschen Landwirtschaft ist, zumal soweit klein- und mittelbäuerliche Betriebe in Frage kommen, bereits wieder viel totes, zum mindesten nicht ausreichend produktiv arbeitendes Kapital festgelegt worden.

Einen interessanten Einblick in die Verhältnisse auf diesem Gebiet bieten Feststellungen, die vom landwirtschaftlichen Zentraldienst Stuttgart-Hohenheim veröffentlicht worden sind. In diesen Verlautbarungen heißt es, daß von rund 200 000 landwirtschaftlichen Betrieben in Württemberg - Baden nur 2300 ein Vielfachgerät, dagegen 28 000 eine Schrotmühle besitzen, ferner nur 6400 einen luftbereiften Ackerwagen ihr eigen nennen, während 37 000 Landwirte eine Dreschmaschine, die ausschließlich im eigenen Betrieb arbeitet, zum Bestandteil ihres Maschinenparks zählen.

Nicht anders wie in Württemberg-Baden liegen die Verhältnisse in Rheinland-Pfalz. Wir hatten vor kurzem Gelegenheit, den Stand der Mechanisierung der rheinisch - pfälzischen Höhengeliirgslandwirtschaft stichprobenweise zu überprüfen. Dabei ergab sich, daß in einer Reihe von Betrieben mit einer bewirtschafteten Fläche von 12—18 Morgen ein Heugebläse arbeitet, daß dagegen keine Drillmaschine vorhanden ist. Die Zahl der Schrotmühlen übersteigt auch dort diejenige moderner, praktischer Bodenkulturgeräte. Motordreschmaschinen werden auch in solchen Betrieben als Bestandteil des betriebseigenen Maschinenparks gehalten, in denen auf Grund der Getreideanbaufläche innerhalb von längstens acht Tagen im Jahr die ganze Druscharbeit geleistet werden kann. Nur in einer verhältnismäßig kleinen Zahl besonders fortschrittlich eingestellter Gemeinden werden Maschinen dieser Art, ferner Kartoffeldämpferkolonnen und Saatgutreinigungs-Anlagen auf genossenschaftlicher Grundlage gehalten.

Die Feststellungen in Württemberg-Baden und in Rheinland-Pfalz, wadie kleinlandwirtschaftliche Betriebsstruktur vorherrscht, beweisen, daß sich der Bauer beim Kauf einer Maschine nicht immer von betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten läßt. Die Folge ist, daß solche wenig sinnvollen und vor allem überhöhten Kapitalinvestierungen betriebsbelastend wirken. Hier wäre eine landtechnische Binzeiberatung erforderlich, die dem Betriebsinhaber den Wert der Landmaschinen vor Augen führen würde. In diesem Zusammenhang könnte auch die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit einer Maschinengemeinschaft oder die Einschaltung der Dorfgenossenschaft bei der Anschaffung kostspieliger Maschinen oder maschineller Anlagen geprüft werden.

Die deutsche Landwirtschaft befindet sich seit einigen'Jahren im Zeichen des Aufbaues. Sie muß — gemessen an dem Leistungsstand des Auslandes — noch manches nachholen. Insbesondere auch auf maschinentechnischem Gebiet. Dabei kommt es weitestgehend auf Anpassungsfähigkeit und nicht zuletzt darauf an, bei der maschinentechnischen Ausgestaltung der Betriebe den richtigen Weg zu beschreiten. Jede betriebliche Verbesserungsmaßnahme will gründlich durchdacht sein. Nicht schematische, sondern individuelle Lösungen führen zum Ziel und bringen den angestrebten Wirtschaftserfolg.

Geringere Steuereinnahmen

Die Einnahmen aus Steuern des Bundes und der Länder betrugen im August 1052 Millionen DM und lagen damit um rund 14 Millionen unter dem Ergebnis des Vormonats und um über 175 Millionen unter dem Ergebnis vom August 1949. Von den gesamten Steuern wurden 776,2 Millionen für Rechnung des Bundes mit 275,7 Millionen für Rechnung der Länder verbucht.

Befürchtung unbegründet

vwd. Zu der in dem Protest des deutschen Importhandels gegen den Einfuhrstopp geäußerten Annahme, daß der Importhandel dadurch nicht mehr in der Lage wäre, seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Auslande zu erfüllen, wird von amtlichen Stellen erklärt, daß diese Befürchtung unbegründet sei. Es wird nochmals ausdrücklich betont, daß von der bekanntgegebenen Maßnahme der Bank deutscher Länder die Liberalisierung der deutschen Einfuhr grundsätzlich nicht berührt werde und daß vom 16. Oktober an neue Einfuhrlizenzen erteilt werden.

Feuilleton

Forschung, Lehre und Leben

HAUPTVERSAMMLUNG DER MAX-PLANCK-GESELLSCHAFT

Auf der ersten öffentlichen Hauptversammlung, die die Max- Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Ende voriger Woche in Köln abhielt, wurden vor einer Versammlung der bedeutendsten Wissenschaftler und Forscher Deutschlands Probleme behandelt, die wegen ihrer tief und entscheidend das Leben unserer heutigen Menschheit beeinflussenden Auswirkungen höchst bedeutsam sind. Prof. Dr. Otto Hahn, dem wegen seiner Atomforschungen der Nobelpreis verliehen wurde, berichtete als Präsident der Max-Planck-GesellschaT über ih^e Geschichte und Tätigkeit. Bundespräsident Heuss legte in seiner bekannten bedachtsamen Art den Finger auf jene Stelle der wissenschaftlichen Entwicklung, die viel erörtert und oft bedauert wird: Trennung zwischen Forschung und Lehre oder nicht? Und dann gab der Physiker. Professor Dr. Freiherr von Weizsäcker einen Ueberblick über die Segnungen und Gefahren der modernen Wissenschaft, der die Zuhörer bis zum Schluß gespannt aufmerken ließ. In einer Zeit, wo sich alle Denkenden über die einschneidenden Folgen ernste Sorgen machen, die aus der. Erbfolge: Naturwissenschaft - Technik - Wirtschaft - Politik mit überstürzender Geschwindigkeit erwachsen, waren diese beiden Stunden prall gefüllt mit Gedanken, Erkenntnissen und — vorsichtigen — Voraussagen, die man noch lange diskutieren wird.

Die „Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ ist zwar nicht ganz im juristischen, aber doch im tatsächlichen Sinne die Nachfolgerin der alten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. 1911 in einer Zeit des äußeren Reichtums gegründet, sollte sie die Universitäten entlasten oder ergänzen und der reinen, zweckfreien Forschung dienen, ohne sich mit dem wichtigsten Anliegen der Hochschule, dem Lehren, zu beschäftigen. Heute umfaßt das Verzeichnis der Institute drei Sektionen: 15 Institute, die sich mit chemischen, physikalischen, technischen Aufgaben befassen. 17, deren Arbeitsbereich Biologie und Medizin sind, und zwei, in denen internationale juristische Fragen erforscht werden. Entscheidend ist neben der Beschränkung auf die Forschung die völlige Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Staat und Wirtschaft.

Vor und bald wieder nach dem ersten Weltkrieg konnte dieser Grundsatz gewahrt bleiben. Reiche Spenden flossen der damaligen „Kaiser- Wi’helm-Gesellschaft“ zu. Sie lohnte es ihrerseits durch zahllose Forschungsergebnisse, die der deutschen Wirtschaft und Technik die Möglichkeit gaben, einen hohen Rang in der Weltwirtschaft zu erreichen. Für die Kaiser-Wilherm-Gesellschaft selbst sagt es durchaus genug, daß sie nicht weniger als 18 Nobelpreisträger in ihren Reihen zählt, von denen inzwischen neun verstorben sind.

Aber gerade dies — so ungefähr formulierte es der Bundespräsident in seiner Ansprache — machte nach dem Zusammenbruch auch die - Wilhelm-Gesellschaft den Alliierten verdächtig und unheimlich. Sie beschlossen die Auflösung der Gesellschaft. Die Kluft zwischen Ost und West ließ es aber zur Ratifizierung nicht kommen. Die Institute in den drei Westzonen konnten zum allergrößten Teil Weiterarbeiten — soweit sie nicht durch schwere Schäden daran gehindert waren — die führenden Forscher allerdings wurden zunächst „ein wenig eingesperrt“ (so sagte Prof. Hahn) und waren längere Zeit, nicht ganz freiwillig, auf Urlaubsreisen außerhalb Europas.

Die Gesellschaft änderte dann ihren Namen in „Max-Planck-Gesellschaft“. Das war eine Formalität — und zugleich eine Ehrung für den Mann, der seinerzeit in Göttingen seinen weltbekannten Namen und seine Kraft zur Verfügung stellte, um die Gesellschaft zu leiten Bedeutsamer aber ist. daß die verschiedenen Institute, die vorher zum größten Teil in Berlin-Dahlem lagen, überall in Westdeutschland zerstreut wurden, wobei sich Schwerpunkte in Göttingen und Tübingen bildeten. Aber an die Problematik des Prinzips rührte es, daß nun die deutschen Länder einspringen mußten, um die Gesellschaft und ihre Institute am Leben zu erhalten. 1949 gaben s’e an die 12,5 Millionen, 1950 11,8 Millionen. Audi die völlige Trennung von Forschung und Lehre ist nicht mehr völlig durchführbar, viele Institutsleiter sind gleichzeitig Universitätsprofessoren.

Es war bezeichnend für die ganze Haltung von Theodor Heuss, daß er gleich im Anschluß an den Bericht Otto Hahns keineswegs um die Probleme herumging. Daß die Wissenschaft unteilbar sei, könne er leider noch nicht sagen, denn die deutsche Wissenschaft stehe noch unter politischer Kontrolle, aber viel schneller als nach dem ersten Weltkrieg se’en doch die Gegner von gestern die Helfer von heute geworden. Dann erinnerte der Bundespräsident an den ursprünglichen, bei der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft betonten Wunsch nach Lockerung der Bindungen an den Staat, nach Unabhängigkeit von der Wirtschaft und an die heutige Notwendigkeit für die Länder, die Max-Planck-Gesellschaft zu unterstützen. „Wann wird in Deutschland wieder eine Schicht entstehen, die aus freiem Willem dem Staat einen Teil der Sorgen für Kunst und Wissenschaft abnimmt?“, fragte er und ergänzte sogleich, daß die Mühseligkeiten der Wirtschaft zwar nicht zu leugnen, aber doch auch erhebliche Summen verdient würden. Der Verlust der alten Rentenvermögen werde sich wohl noch lange bemerkbar machen. Um so größer sei das Verdienst der Länder, die in die Bresche gesprungen seien. Diese Länder aber sähen mit gleicher Sorge auf ihre Universitäten. Die wachsende Zahl der Institute, die sich der Grundlagen-Forschung widmen, bedeute auch die Gefahr der übersteigerten Spezialisierung, und die Verstreuung dieser Institute könne den Schnitt zwischen Forschung und Lehre noch vertiefen.

Erkenntnisse zu pflegen, schließe eigentlich in sich, daß man diese Erkenntnisse weitergebe, also gleichzeitig forsche und lehre. Und mehr noch: Wer nach Naturerkenntnis strebe, der wünsche auch die Natur zu beherrschen und dies wieder enthalte die Gefahr der Verführung zum Mißbrauch. So gelte letzten Endes auch in der Wissenschaft, daß die Kontrolle durch das menschliche Gewissen notwendig sei. (Schluß folgt.) Dr. Na.


Gerhard Marcks: „Noah"
Gerhard Marcks: „Noah"

Die „Grüne Insel“

Ein Farbfilm über Irland

Die schönsten, reizvollsten und charakteristischsten Teile der grünen Insel Irlands besucht eine amerikanische Familie, die mit der ..Pan American World Airways“ aus den Staaten kommt. Dieser Besuch kann oder will symbolisch gewertet sein, da beinahe 20 Millionen Iren und Irenabkömmlinge in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland leben, deren Vorfahren infolge der ewigen englischirischen Auseinandersetzungen auswandem mußten, und erst der blutige Bürgerkrieg im Jahre 1921 brachte die Anerkennung des Irischen Freistaates.

Der Buntfilm im Amerikahaus führte an uralte keltische Kulturfragmente, wunderschöne gotische Bogen und Dome, verweilte bei den Naturidyllen des ewig grünen Eire. Man reitet in die hohen Berggruppen, die im Südwesten des Landes bis zu 1000 Meter ansteigen, man bewundert die Steilküsten im Osten des Landes, eine schwermütig-schöne Landschaft. deren Menschen ihre Volkstänze nach der Musik des Dudelsacks zeigen. Die Besucher werden in die Gegend erfolgreicher Landwirtschaft geführt — Irland exportiert vor allem lebende Tiere, Bier. Speck und Butter — und beteiligen sich an einer Parforcejagd mit der Meute der berühmten Irish-Setters. Kostbare Pferde sieht man in den Gestüten, deren Wert mit 15 000 Dollar angegeben wird. Ein Land dessen Natur vielfältig ist, dessen Menschen als ausdauernd, fleißig und bescheiden gerühmt werden. ng.

Wien rettet seinen Stefansdom

Vom Wahrzeichen der einstigen Kaiserstadt

Der Wiener Stefansdom, der im Kriege schwer beschädigt wurde, soll, abgesehen von seiner Innenausstattung, bis Weihnachten 1950 wiederhergestellt sein.

Wer die Kärtner-Straße in Wien hinuntergeht, wird immer Wieder von dem zugleich feingliedrigen und wuchtigen Monumentalbau des Stefansdomes gefesselt, diesem Wunderwerk aller mittelalterlichen Künste. Er wurde bei Kriegsende durch Artilleriebeschuß und verheerende Brände, die ein rauchgeschwärztes Trümmerfeld hinterließen, schwer beschädigt. Die Wiener begannen jedoch sogleich mit der Wiederherstellung ihres stolzen Wahrzeichens, wobei Hand-, werker, Frauen, Studenten und Akademiker, die selbst zu Pickel und Schaufel griffen, einträchtig zusammenwirkten. Von der Einwohnerschaft wurden nicht weniger als 250 000 Dachziegel freiwillig gespendet, so daß es möglich war, den Stefansdom bis auf die noch zur Hälfte zerstörte Innenausstattung wiedererstehen zu lassen. Die letzten Bildhauer- und Steinmetzarbeiten dürften allerdings nicht vor 195 vollendet sein.

Der Stefansdom ist eine Schöpfung einer jener berühmten Bauhütten, die bereits um das Jahr 700 entstanden sein sollen, die Hauptträger des gotischen Baustils waren und sich in ihrer Blütezeit über ganz Europa erstreckten. Er wurde von Heinrich 11. (mit dem eigenartigen Beinamen Jasormirgott) begründet und erhielt von 1300 bis 1510 seine gegenwärtige Gestalt.

Die Entstehungsgeschichte des altehrwürdigen Kulturdenkmals hat manche Kuriosa aufzuweisen. So wurde in den Jahren 1450 und 1456, in denen der Rebensaft besonders schlecht geraten war, der Mörtel zum Turmbau mit — Wein angerührt. Man erreichte dabei schließlich eine Höhe von 140 Metern. Ueber dreihundertvierundfünfzig Stufen gelangt man in das Türmerstübchen des Stefansdoms, das allein schon eine Sehenswürdigkeit ist. Man findet dort zwei schwere eiserne Kanonenkugeln, „Andenken“ an jene kriegerischen Tage, als die Türken und später die Franzosen unter Napoleon I. vor den Toren Wiens standen. Auch entdeckt man in dem Raum ein altes Sprachrohr, das angeblich aus der Zeit um 1600 stammt. Es diente einst dazu, die Passanten in der Umgebung des Stefansdoms über den Ausbruch einer Feuersbrunst zu unterrichten, wurde aber auch in der Türkenzeit dazu verwendet, der Menge zu Füßen des Turmes die Bewegungen des Feindes mitzuteilen. Heute wacht in diesem historischen Stübchen Oskar Skx'obanek, Löschmeister der städtischen Feuerwehr, über die Sicherheit des riesigen Häusermeeres.

Die Neuzeit wird durch einen Blitzableiter vertreten, an dem erstmals im Jahre 1888 der Grazer Georg Pyrcher emporkletterte, um an der Turmspitze eine Fahne zu befestigen. Als größte Merkwürdigkeit aber ist zu erwähnen, daß die Turmspitze des Stefansdoms bei besonders starkem Sturm in Schwingungen gerät, die bis zu achtzig Zentimeter ausmachen. Gegenüber dem wundervollen, schlanken Hauptturm des Domes nehmen

sich die vier Nebentürme, die „nur" bis fünfundsechzig Meter Höhe erreichen, fast wie Zwerge aus. Die in Form eines lateinischen Kreuzes angelegte dreischiffige Hallenkirche selbst ist hundertacht Meter lang, im Innern siebenundzwanzig Meter hoch, bis zu siebzig Meter breit und umfaßt einen Flächenraum von 3240 Quadratmetern.

Das Innere des gewaltigen Baues enthielt eine Anzahl wertvollster Kunstschätze, die bis jetzt nur zum Teil wiederhergestellt werden konnten. Hierzu gehören der 1657 von Jakob Beck angefertigte Hochaltar aus schwarzem Marmor, die 1430 durch Anton Pilgram geschaffene gotische Kanzel, die Grabmäler des Prinzen Eugen und des Feldmarschalls Emanuel von Savoyen sowie ein Denk-- mal zur Erinnerung an die Befreiung Wiens von den Türken.

Jahrzehntelang lag das Kirchenschiff in mystischem Halbdunkel, bis man es 1940 einer umfassenden Reinigung und Erneuerung unterzog. Dabei stieß man an einigen Stellen auf nicht weniger als fünf übereinanderliegende Farbschichten. Auch wurden bisher verborgene Skulpturen freigelegt.

So offenbart der „alte Steffl“, wie ihn die Wiener nennen, immer wieder neue Geheimnisse und Wunder. Die rasche Behebung seiner überaus schweren Kriegsschäden zeugt jedenfalls auch im kulturellen Bereich für die Lebenskraft des verarmten Oesterreich. John Mayne.

Solange du das noch weißt...

VON JOSEFA BERENS-TOTENOHL

Es ist lange her. sicher ein halbes Jahrhundert. aber ich weiß es noch. Ich fuhr mit meinem Großvater vom Felde heim. Wir saßen auf einem nach Honig duftenden Fuder Klee. Es war roter Klee, den die Hummeln lieben. Sie umschwärmten uns noch mit ihrem Gebrumm, das so wohlig klingt. Es war die Stunde des Sonnenuntergangs, eine Feier, die sich die scheidende Herrin des Tages bereitete. Am Firmament waren alle Feuer angezündet, und ihre Flammen reichten über den ganzen weiten Himmel hin. Im Westen über den letzten Bergen, wo sie versinken sollte, stand eine Nebelbank. auf die sie sich niederließ wie auf einem Thron. Es war ein Flammenthron vom tiefsten Rot bis zum dunkelsten Violett.

In diesen ungeheueren Glanz hinein ragte wie eine Insel unser Dorf: der graue Kirchturm mit den alten Linden auf der Berghöhe, dann klein und bescheiden den Hang hinunter die schwarzweißen Häuser Unten im Tal. wie die Schleppe einer Fürstin ausgebreitet, zog sich der größere Teil des Dorfes hin. Grün umsäumte die Häuser, und die Buntheit des Sommers glänzte aus den Gärten her. Ueber allem aber lag die Verklärtheit des Abends, und die Sonne stand segnend über der Welt

Wir fuhren langsam in den Abend hinein. Zwei rotbunte Kühe zogen den Wagen. Sie waren Mütter, und jede hatte ihr Kälbchen zur Seite. Wenn wir sonst vom Felde kamen, mein Großvater und ich, dann wurde gesprochen. Ich fragte. Der Großvater anwortete. Er hatte viel erlebt und wußte zu erzählen. Er kannte viele Gedichte. Woher er sie hatte, weiß ich nicht mehr. Er trug sie auch vor, wenn wir miteinander waren. Und er erzählte Märchen und Geschichten. Idi glaubte alles, denn ich war in dem Alter, in welchem das Geschehen noch aus dem Geheimnis hervorquillt, in dem noch das Wunder gilt und in dem der Tag und die Nacht nichts anderes sind als ein Warten darauf.

An- diesem Abend blieben wir stumm. Die gewaltige Schönheit um uns und über uns wirkte. Wir mußten schauen, nichts als schauen. Unsere guten geduldigen Tiere schienen zu ahnen, daß sich etwas begab und gingen langsam, Schritt für Schritt. Keines hatte Eile. So kamen wir dem Dorf nahe. Schon roch man den Hevdrauch. der aus den Kaminen aufstieg. Die Hausmütter standen am Feuer und kochten die Abendsuppe. Hie und da wurden die Kinder ins Haus gerufen. Der Abend war gekommen.

Der Großvater erwachte zuerst. „Hast du es gesehen?“ fragte er. Ich nickte.

„Merke dir: solange du das noch weißt, dies alles in dir noch lebt, kann es in dir nie ganz dunkel werden!“

Seine Hand beschrieb einen Bogen, und in eben dem Augenblick sank die Sonne in jene violette Wolke hinab.

Es ist lange her. sicher ein halbes Jahrhundert. aber ich weiß es noch, und es bat mir in manch*“ Nacht hineingeleuchtet daß ich meinen Weg wohl hab' finden können.

Der internationale Busoni-Preis ist Igor Strawinsky zugesprochen worden. Er wird grundsätzlich nur an eine künstlerische Persönlichkeit verliehen, die weitgehende Bedeutung für das musikalische Leben besitzt.

Ein „Monat der jungen Generation“ hat in Recklinghausen begonnen, in dessen Verlauf musikalische und literarische Novitäten aufgeführt und vorgetragen werden. Ein Eröffnungskonzert brachte neben dem Violinkonzert von Hans Werner Hentze (Solist Heinz Stanske) und der kleinen Sinfonie von Zehden zwei Uraufführungen; ein Concertino von Otto Schauerte und ein Thema mit Variationen von Gerhard Scholz.

Jugendkulturwoche in Wiesbaden

Die erste Jugendkulturwoche in Wiesbaden, als überverbandlicher Fachkurs für 130 Jugendleiter aus ganz Hessen gestaltet, ist erfolgreich zu Ende gegangen. Unter den aus allen Westzonen berufenen Referenten nennen wir Frl. Naumann (Darmstadt), die Herren Pe c cihk o (Kronberg), Woh ma n n (Darmstadt) und Röhler ( Darmstadt-Mörstadt).

Die Themen Tanz und Bewegung, Film, Laien- und Puppenspibl, Werkerziehung und Musik sowie Jugendbuch wurden vormittags in Referaten und nachmitags in Arbeitsgruppen eingehend behandelt.- In einer ganzen Reihe von Vorstellungen wurden Filme, Laien- und Puppenspiele vor einer größeren Öffentlichkeit gezeigt. Darüber hinaus war Gelegenheit gegeben, die durch Anschauungsmaterial vertretbaren D’sziplinen wie Werkarbeit, Jugendbücher, Film und Puppenspiel in sehr instruktiven Sonderausstellungen zu besichtigen, die mit der praktischen Tätigkeit der Gruppen eng verbunden waren.

Die Kulturwoche, die nicht nur bei den Teilnehmern, sondern auch bei Behörden und der Presse viel Beachtung fand, stand unter der ebenso sorgsamen wie straffen Leitung von Dr. Kniffler (Wiesbaden), der auch das einleitende Referat „Jugend und Kultur“ übernommen hatte. Die Kulturwoche, dte vom Landesjugendausschuß für Hessen mit Unterstützung des Beirats für Jugendfragen durchgeführt wurde, soll i. J. 1951 wiederholt werden und. wenn möglich, sollen die 'einzelnen Fachgruppen in Sondertagungen zusammentreten, um das bisher Erreichte zu erweitern und zu vertiefen. Die Jugend war erfreulicherweise mit ganzer Seele bei der Sache, sparte nicht mit offener Kritik und gab mancherlei praktische Anregungen für die weitere Arbeit. sm.

Die Engelsstimme

„Um Gottes willen, da kommt der Gerichtsvollzieher!“ rief Frau Gilles. — „Ich kann nicht zahlen“, erklärte der Mann.

„Jetzt wird unser Vertiko oder unser Sofa gepfändet!“ rief die Frau. Ignaz, das Jüngelchen, begann zu weinen. „Schuldig bist du die 489 Mark“, begann die Frau wieder, „du hättest dich auf die faule Spekulation in Gips nicht einlassen sollen! Du bist ein Tor!“

„Wenn du nicht den Modefimmel hättest, brauchte ich nicht zu spekulieren!“ verteidigte sich der Mann, nahm schnell noch die geschnitzte Schwarzwälder Kuckucksuhr von der Wand und schob sie unters Sofa. Und wie man in der Verwirrung stets das Verkehrte tut, zog Frau Gilles die alte schäbige Wachstuchdecke vom Tisch und stopfte sie zerknüllt in den Ofen. Das Jüngelchen lief mit dem Schultornister in die Bodenkammer und warf ihn hinter einen Koffer.

„Der Kerl fliegt mit einem Fußtritt hinaus!“ tobte Herr Gilles. „Das verschlimmert nur unsere Lage!“ polterte Frau Gilles.

„Du hast mich angehalten, das große Los zu spielen!“ ) „Mumpitz — auf solchen Zufall zu bauen!“

„Ich leiste den Offenbarungseid!“

VON JOSEF WINCKLER

„Alles Unsinn, Unsinn!* „Ich müßte einen raffinierten Rechtsanwalt nehmen!“

„Hilft nichts mehr — keine Macht der Welt — wir sind verloren!“ jammerte Frau Gilles. „Gleich werden wir gepfändet.“ In ihrem neuesten Kleid sank sie auf dem -Stuhl zusammen.

„Halt, erst muß ich persönlich zur Zahlung aufgefordert werden“, erinnerte sich der Mann, „und erst dann, wenn ich mich weigere oder nicht zahlen kann, wird gepfändet. Himmel, ich bin ja aufgefordert — !“

„Also schnell dort in den Kleiderschrank!“ rief die Frau. „Ich selber verschwinde aufs Oertchen und riegele inwendig ab! Nur“ Ignaz bleibt hier und empfängt den Gerichtsvollzieher.“

„Ich bin nach Frankfurt verreist!“ rief der Vater und zog bereits die Schranktür hinter sich zu.

„Vielleicht glückt ein anderes Geschäft“, überlegte die Frau, „und holt den Schaden beim Gips wieder herein — nur Zeit gewinnen!“

„Mutter, ich habe meinen Tornister auch schon versackt!“ triumphierte das Jüngelchen, wieder ins Zimmer stürmend.

„Ignaz!“ rief Vater jetzt aus dem Kleiderschrank, „wenn der Lump dich gleich fragt, wo ich wäre, so sage: Vater ist nach Frankfurt verreist! Hast du mich verstanden?“

„Jawohl, Vater, hab keine Angst!“ tröstete Ignaz und kam sich als Retter der Familie recht wichtig vor. Die Mutter verschwand wie der Blitz zum Oertchen.

Stille in der ganzen Wohnung. Schwere Tritte knarren die Treppe von Stufe zu Stufe empor. Ignaz hockt tief gebeugt über einem Märchenbuch. Draußen wird vergebens die Klingel geprobt — sie funktioniert nicht. Ignaz lauscht atemlos.

Da klopft es laut und drohend an die Scheibe der Etagentür, und Vater macht vorsichtig die Schranktür halb auf und flüstert: „Er ist da — geh hin und sag: Vater ist nach Frankfurt verreist!“

Ignaz läßt den Gerichtsvollzieher herein. Der klemmt den eisernen Zwicker auf die Nase, zieht die Aktenmappe unterm Arm hervor, nimmt ein Blatt heraus, befeuchtet den Zeigefinger und blättert — aber das Licht auf dem Flur flimmert dämmrig, und so tritt er in die offene Stube, liest das Urteil und fragt:

„Bin ich hier bei einem gewissen Hubert Gilles?“

„Das sind wir!“ tönt eine helle Kinderstimme.

„Ist der Vater zu Hause?“ „Vater ist nach Frankfurt verreist.“ „Und die Mutter?“ „Mutter ist auch fort.“

„Soo? Wann kommt der Vater zurück?“ Ignaz schweigt verlegen. Der Gerichtsvollzieher donnert: „Kannst du Bengel nicht antworten? Wann kommt der Vater zurück, frage ich dich?“

Da läuft Ignaz eilfertig zum Schrank, klopft an die Schranktür und fragt: „Papa, wann bist du aus Frankfurt zurück?“

Entsetztes Schweigen. — Wankt das Haus?

Der Gerichtsvollzieher nimmt den Zwicker wieder von der Nase, und da er das hilflos verschüchterte Bürschlein sieht und das Unwetter ahnt, so auf dieses Haupt niederschlagen wird, kullert ihm Geschmunzel aus beiden Mundwinkeln und er geht gelassen an die Schranktür: „Herr Gilles — wann wollen Sie zurück sein?“

Und drinnen im Schrank stottert es: „Sagen wir, in drei Wochen.“ — „Gut!“ die Treppe hinunter, Stufe für Stufe nimmt das Geräusch ab. Vor der rührenden Unschuld des Bübleins schmolz die Strenge des Gesetzes und — Vater stieg aus dem Schrank. Mutter kam vom Oertchen.

Und Ignaz erntete keine Prügel, sondern einen fröhlichen Kuß. Auch über Leichtsinn und Narrheit triumphiert zuweilen ein kindlich Gemüt.

Darmstadt und Umgebung

Die verpaßte Chance

iunge Frau Zue X? TrePPe waL rollte der BaLstei?h^ Und damPfend aus der S und "So ein Pech!“ keuchte fen Uhdn®tapfte ärgerlich wieder die Stu-Ür » ’Der Zug war Pünklich“, scheinUr-b eam*e an der Sperre, „wahrdumm ‘ Ihre Uhr na*“. - »Zu S erwiderte die Frau und biß sich harrJ nLIhPe”’ Sle schien ratlos und verheh" m einen Augenblick nachdenkversucht?™^ Sle einen &Pateren Zug“, juchte sie der Beamte zu trösten, „es hhn 1 x der letzte“- Sie schüttelte ablehnend den Kopf: „Ich hatte eine Verabrcdung“, gestand sie kleinlaut und verließ medergeschlagen den Bahnhof. Sie ~tp^pnldlt nUr den Zug verpaßt, sondern zweifellos eine wichtige Begegnung, für 7 mindesten wichtig, denn sie hatte nicht Zeit und Geld für die Reise ge-Jhr- Gesicht war der deutliche Ausdruck eines Verlustgefühls. Sie hatte eine Chance, zu was auch immer, verpaßt und verloren.

Wievieler, solcher verpaßter Gelegenheiten werden wir oft erst später inne, während uns der Augenblick der Entscheidung und des raschen Handelns gar nicht so wichtig schien.

Zy/ei Freunde, die sich zufällig vor dem Arbeitsamt treffen, plaudern länger miteinander. als es dem einen, der eilig ist, erwünscht kommt. Als er schließlich an den Schalter tritt, muß er erfahren, daß soeben die Stelle, für die er vorgesehen, einem anderen zugesprochen wurde. Er sei leider zu spät gekommen. Ein wahrscheinlich oberflächliches und höchst unnützes Gespräch hat ihn um seine Chance gebracht.

Es brauchen aber nicht gerade berufliche Dinge und wichtige Fragen der Lebensführung zu sein, bei denen durch Zaudern und Säumen eine Chance verloren gehen kann. Oft ist es nur ein kleines Erlebnis, eine stille Freude, eine Stunde der Erbauung, die wir verpassen. Und gerade die seelischen und herzlichen Gewinne des Tages erfüllen unseren Abend mit goldener Heiterkeit und innigem Behagen, so daß wir dankbar auf die vielen Begegnungen und Geschehnisse zurückblicken können in dem Bewußtsein, unsere Chancen genutzt zu haben.

Nichts wirft uns weiter zurück und löst größere Verstimmung aus. als eine verpaßte Gelegenheit, die unwiederbringlich dahin ist. Sie kann sich wie ein Schatten über viele Tage ausbreiten und ein Unlustgefühl zu jeglicher Unternehmung auslösen, das wir geradezu wie eine Lähmung empfinden. Eine verpaßte Gelegenheit kann einen ganzen Lebensplan zunichte machen, ein ersehntes Ziel in unerreichbare Fernen rücken, kann uns wie ein Schiff, schon nahe dem Hafen, aufs neue hinauswerfen in die stürmische See.

Die Chance nützen, den Augenblick beim Stirnhaar packen, heißt: dem Schicksal in den Rachen greifen, das Glück beschwören und den ertrotzten Gewinn als köstliche Beute heimtragen.

Chauffeur für vier Tage - Anruf genügt

Studenten helfen sich selbst

.Wenn.die Semesterferien in die Universitäten und Hochschulen einziehen sind die wenigsten Studenten in der Lage, diese Ferien für eine Erholungsreise auszunutzen. Viele von ihnen sind aber gezwungen, die wenigen Wochen zwischen den Semestern nutzbringend auszufüllen, um die schmalen Geldbörsen etwas aufzufrischen, um hier und dort einen Gelegenheitsverdienst zu ergreifen, der die finanzielle Durchführung des nächsten Semesters sichert.

Wir alle haben noch aus der Zeit der Lebensmittelkarten die studentische Selbsthilfe in bester Erinnerung, als die Studierenden uns jeden Monat die bunten Zettel ins Haus brachten und wir die Gefälligkeit gerne mit fünfzig Pfennig oder einer Mark honorierten. Gott sei Dank sind inzwischen die Lebensmittelkarten den Weg alles Irdischen gegangen, sie fielen der Vergessenheit anheim, und damit ging eine sichere Einnnahmequelle der Studenten verloren. Es war nun an der Zeit, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen. Daß dies bei der geistigen Beweglichkeit und Erfindungsgabe unserer Studierenden umgehend der Fall war, nimmt nicht weiter wunder.

Heute versuchen sich einige, mit mehr oder minderem Erfolg, im Hausverkauf von Rasierklingen, oder sie arbeiten für verschiedene Firmen als Propagandisten oder Werber, obgleich diese Geschäftszweige nicht sehr beliebt sind, da der Erfolg in den meisten Fällen in keinem Verhältnis zu der aufgewandten Mühe und Arbeit steht. Noch vor zwanzig Jahren würde es jeder Student mit Entrüstung abgelehnt haben, auf die kleinen Kinder zahlungsfähiger Familien aufzupassen, aber heute gibt es kaum einen Zweig der studentischen Selbsthilfe, der mit verhältnismäßig geringer Arbeit einen derart

klingenden Lohn verspricht. Inzwischen können die Eltern unbesorgt ins Theater oder ins Kino gehen, da sie wissen, daß zu Hause ein Student sitzt, der auf den ungestörten Schlaf des Stammhalters aufpaßt und der ihn nötigenfalls auch auf den Topf setzt.

Der studentische Schnelldienst, wie er auch an der Technischen Hochschule besteht, vermittelt darüber hinaus auch Kräfte für Umzüge und Möbeltransporte. Es werden Schreibarbeiten jeglicher Art erledigt, Nachtwachen in Geschäftshäuser, Fabriken und Privatwohnungen durchgeführt, und es gibt wohl keine Artbeit, die ein Mann ausführen könnte, für die beim Schnelldienst innerhalb weniger Stunden sich nicht die geeignete Kraft finden ließe.

Auch als Chauffeure betätigen sie sich. Kürzlich verlangte z. B. eine Dame einen Studenten, det sie für einige Tage mit ihrem Wagen in den Schwarzwald fahren könnte. Zum richtigen Großeinsatz kommen sie aber erst bei Veranstaltungen, wie sie das Dieburger Dreiecks-Rennen oder das Riedringsrennen in Lorsch zeigten. Der gesamte Kartenverkauf ging durch die Hände der Studenten der Darmstädter Technischen Hochschule, und wenn die Veranstalter feststellen, daß ihr finanzieller Erfolg in der Hauptsache der Initiative ihrer „akademischen Kartenverkäufer“ zu verdanken sei, so beweist das, daß sich die Studenten zu helfen wissen. Was sie machen, das machen sie ganz. Selbst der Bürgermeister von Heppenheim ist an die ASTA, den Allgemeinen Studentenausschuß der TH, herangetreten, um wegen des Kartenverkaufes zum Heppenheimer Bauerntag durch Studenten zu verhandeln.

Wer unter den angeführten Möglichkeiten keine Verdienstchance findet, der kann noch als Kellner aushelfen oder sich in den drei Studentenkapellen betätigen, die auf Wunsch vom schrägsten Hot bis zur seriösesten Kaffeehausmusik jegliches Stück auf Lager haben, zum Wohl ihrer Brieftasche und zur Freude der Zuhörer. Sollten Sie, lieber Leser, ein Klavier auf den Boden zu schaffen haben, ein männliches Kindermädchen für abendliche Ausflüge benötigen, brauchen sie jemanden zum Holzhacken oder Autofahren, so wenden Sie sich vertrauensvoll telefonisch an den ASTA, Telefon 3851, Apparat 17, Sie können versichert sein, daß Sie zuvorkommend bedient werden. -st.

In der Stadt notiert

Von der Grönlandexpedition Prof. Alfred Wegeners wird am Mittwoch, dem 11. Oktober, um 19.30 Uhr, im Raum 167 der Technischen Hochschule Dr. habil. Walther Kopp, selbst ein Teilnehmer jener Expedition, in einem Filmvortrag der Volkshochschule berichten.

Der Frauenbund Darmstadt plant, wie uns die 1. Vorsitzende Frau Walk mitteilt, für den Herbst folgende Vorträge: Kriminalinspektorin Elsa Wüst spricht über die weibliche Polizei, deren Ausbildung und Tätigkeit, Frau Henny Schuchmann und Fräulein Liesel Hermann halten Vorträge über die Fürsorgearbeit in Darmstadt. Außerdem findet ein Rundgespräch zwischen Vertretern der Wohlfahrtsverbände über private Hilfeleistung für allgemeine Not statt. t-s

Prof. Dr.-Ing. A. Kleinlogel wurde von einer Beton-Fachfirma als Sachverständiger für einige Zeit nach Holland berufen. Er hofft, zu Beginn des Wintersemesters wieder in Deutschland *u sein.

Der Bund der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten, Ortsgruppe Darmstadt, hält am Mittwoch dem 11. Oktober um 24.00 Uhr. in der Gaststatte Fink,’ Gardistenstraße^ seine Monatsversammlung ab.

Der Verband der Heimatvertrie¬ benen. Ortsgruppe Darmstadt veranstaltet atü Sonntag, dem, 15. Oktober, um 19 Uhr im „Concordia“-Saal, Adelungstraße eine Mitgliederversammlung, bei der über soziale und politische Fragen Kreiseeschäftsführer Lamann und über Hausrat Kleinkredit, Existenzaufbau, Lehrlingsbeihilfe“ Herr Mühle referieren wird. Die Versammlung, der sich ein gemütliches Beisammensein mit Tanz anschließen soll, wird musikalisch von einer Jugendgruppe umrahmt.

Oberbürgermeister Metzger wird am 17 Oktober in einer öffentlichen Veranstaltung in der Stadthalle über seine Amerikareise berichten.

Abschied von Dr. Koch

In einer einfachen Feierstunde im Kirchensaal der Paulusgemeinde nahm Dr. Koch von seinem kirchlichen Wirkungskreis Abschied. Als Medizinalrat bei der Darmstädter Regierung lange tätig, hat sich Dr. Koch auf seinem großen Arbeitsgebiet, auch in sozialer Hinsicht, einen Namen gemacht. Seine nun endgültige Berufung nach Bonn in die Bundesregierung wird ihm die Fortsetzung seiner Arbeit auf einem erweiterten Aufgabengebiet ermöglichen. Lange Zeit gehörte Dr. Koch als Kirchenvorsteher der Paulusgemeinde an, darüber hinaus war er der Gründer und Leiter des Ev. Männerwerks dieser Gemeinde. Pfarrer Wintermann und andere Redner, darunter ein Vertreter des Männerwerks gaben Dr. Koch zum Abschied recht herzliche Worte des Dankes mit und Ministerialrat Dr. Koch betonte in seiner Antwort, daß er an die vielen Jahre, die er — während seines Wanderlebens am längsten in einer Stadt — .in Darmstadt zugebracht habe, immer zurückdenken und Darmstadt wie die Darmstädter nicht vergessen werde. H. W. W.

Sechs Unfälle in Darmstadt

Die Serie der Unfälle in Darmstadt eröffnete gestern morgen ein amerikanischer Pkw., der vor der Hessischen Bank, in Richtung Schloß fahrend, plötzlich bremste. Ein nachfolgendes Motorrad mit Beiwagen konnte nicht mehr schnell genug abbremsen und fuhr auf.

Ein junger Fachschüler, der in dem Personenwagen einer Autofahrschule gestern morgen die Bessunger Straße und Ludwighöhstraße befuhr, gab plötzlich Vollgas und brauste mit seinem Wagen gegen eine Hausmauer. Personen kamen nicht zu Schaden.

Auf einen in Richtung Innenstadt fahrenden Pkw? mit Anhänger fuhr gestern mittag in der Heidelberger Straße ein Sanitätskraftwagen auf. Um die gleiche Zeit wurde an der Kreuzung Heidelberger Straße und Hermannsstraße ein Radfahrer, der nach links in die Hermannsstraße einbiegen wollte, von einem in gleicher Richtung fahrenden Personenkraftwagen erfaßt und umgefahren. Der Radfahrer wurde leicht verletzt.

Ein Fußgänger in Begleitung von zwei Personen zog gestern nachmittag auf der Dieburger Straße einen beladenen Handkarren, mit dem er in die Heinheimer Straße einbiegen wollte. Bei. seiner Weiterfahrt in der steilen Straße streifte er einen dort geparkten Lieferwagen, dessen linke Karosserieseite er beschädigte.

Der sechste Unfall ereignete sich aufder Kreuzung Soder- und Beckstraße, auf der gestern nachmittag ein Pkw. und ein Motorrad zusammenstießen. Der Kraftfahrer wurde verletzt. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

Lehrgang über Steuerrecht

Die DAG - Schule Darmstadt, die im 2. Semester 1950 mehrere berufsbildende Kurse begonnen hat, wird ab 13. 10. 1950 einen Lehrgang über „Steuerrecht“ durchführen. Hierbei werden die Grundfragen des Steuerrechts und der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre — Verfahren (Einkommen-, Körperschafts-, Umsatz- und Gewerbesteuer) behandelt. Anmeldungen sind an die DAG-Schule Darmstadt, Steubenplatz 12, zu richten.

Kein wildes Plakatieren

Beschmieren der Mauern beim Wahlkampf verboten

In Anbetracht der bevorstehenden Landtagswahl und des damit verbundenen Wahlkampfes trafen die vier politischen Parteien für Darmstadt eine Vereinbarung, um das wilde Plakatieren und das Beschmieren, von Mauern und Zäunen mit Wahlparolen zu verhindern. Der Vorschlag, zum Wahlkampf besondere Plakattafeln zu errichten, wurde von den Vertretern der Parteien abgelehnt.

Die Vereinbarung lautet

1. Ungeachtet der Rechte der Deutschen Städte-Reklame aus dem mit der Stadt abgeschlossenen Vertrag über das Anschlagwesen haben die Parteien das Recht, im Benehmen mit der Stadtbauverwaltung aus Anlaß des bevorstehenden Wahlkampfes (Landtagswahl) Anschlagtafeln für ihre Zwecke innerhalb des Stadtgebietes aufzustellen und zu benutzen, ohne daß hierfür eine Entschädigung an die Deutsche Städtereklame zu zahlen ist. Die Parteien verpflichten sich, lediglich mindestens einen Anschlag über die offiziellen Anschlagstellen der Deutschen Städte-Reklame laufen zu lassen.

2. Denkmäler, Mauer- und Häuserfronten werden von Werbeplakaten jeder Art freigehalten.

3. Die Parteien beschränken sich auf Plakate und benutzen keine Farbe, welche auf Mauern usw. aufgetragen wird.

4. Die Parteien verpflichten sich, innerhalb von 2 Wochen nach der Wahl die Ueberreste des Wahlkampfes, insbesondere die vorübergehend errichteten Anschlagtafeln zu beseitigen.

Höflichster Eisenbahner gesucht

Höflichkeitswettbewerb der Eisenbahndirektion

Es ist gut, daß die Bundesbahn erklärt hat, daß sie den höflichsten ihrer Mitarbeiter sucht, denn, das muß der. Neid ihr lassen, an höflichen Beamten ist kein Mangel mehr bei ihr. Die Bundesbahn legt außerordentlichen Wert auf höfliche und freundliche Bedienung ihrer Fahrgäste und Verfrachter, und schon bald nach dem Kriege verschwanden wieder die schimpfenden Fahrkartenverkäufer hinter den Schaltern und die rechthaberischen Schaffner aus den überfüllten Zügen. Man stellte sie, wenn sie nicht umlernen wollten, an Plätze, an denen sie kein Unheil anstiften können.

Und nun sucht die Eisenbahndirektion Frankfurt in ihrem Bezirk nach dem höflichsten Beamten. Wer das sei, darüber sollen die Fahrgäste und Verfrachter in der Zeit vom 15. bis 21. Oktober entscheiden. Es wird also in dieser Woche — noch mehr als sonst — dem Fahrgast eine Welle der Höflichkeit und Freundlichkeit entgegenschlagen und er wird nichts anders tun können, als sich am nächsten Fahrkartenschalter eine Abstimmpost-; karte zu holen um darauf den Namen des allerhöflichsten Eisenbahners zu verzeichnen.

Auch diese Mühe für die Bahn soll nicht umsonst geleistet werden und so hat die Eisenbahndirektion auf die nummerierten 5000 Abstimmkarten Preise in Form von Freifahrten bis zu 300 km ausgesetzt. Für den Darmstädter Bezirk sind etwa 800 dieser Karten vorgesehen. agt.

Geburtstagsfeier der 30jäůhrigen am Mühlchen

Die Angehörigen des Jahrganges 1919z20 hatten sich nach dem Kriege schon zweimal getroffen, aber der gemütliche und bunte Abend am Sonnabend dürfte doch die Krönung des Bisherigen gewesen sein. Immerhin 90 bis 100 Personen waren zusammengekommen, die Herr Petri begrüßen konnte. Das Treffen sollte bewußt ^inoffiziell sein, man wollte nur ganz einfach im Kreise der alten Kameraden Erfahrungen austauschen und den Abend mit lustigen Vorträgen und Gesangseinlagen auflockern. Das ist auch vollkommen gelungen, — man kann nur immer wieder die Amateur-Künstler bewundern. Die Eintracht der Zusammenkunft wurde durch die „Rippche mit Kraut“ bestärkt. ng.

Terrarien-Schau geplant

In diesen Tagen fand die allmonatliche Versammlung des Aquarien- und Terrarienvereins „HOTTONIA“ statt. Hauptthema des Abende war: „Was bietet unsere Freilandanlage im Jahre 1951?“ Der Vorstand konnte zur allgemeinen Befriedigung der Mitglieder feststellen, daß die Arbeiten auf der Freilandanlage so weit fortgeschritten sind, daß im Juni kommenden Jahres eine Aquarien- und Terrarien-Schau auf der Freilandanlage am Judenteich gestartet werden kann, im erweiterten Umfang wie die Ausstellung im Vorjahre im Amerikahaus. Alsdann soll die Anlage laufend der Jugend, insbesondere den Schulklassen zu Lehrzwecken, zur Verfügung stehen. An Sonn- und Feiertagen ist die Anlage allen Besuchern geöffnet.

Eine „Fahrt ins Blaue" veranstaltete die Innung des Bekleidungshandwerks dieser Tage in den Odenwald, das Maintal hinauf nach Mespelbrunn.

Unfälle auf der Antobahn

Eine Volkswagenfahrerin aus Darmstadt wollte von der Autobahn in der Nähe von Langen einen aus Mannheim kommenden Lastzug mit zwei Anhängern überholen. Sie kam hierbei ins Schleudern und fuhr seitlich zwischen den ersten und zweiten Anhänger. Ihr Fahrzeug drehte sich auf der Stelle und kam in Fahrtrichtung Frankfurt zum Stehen. Es entstand Sachschaden.

Der Fahrer eines Lastzuges verlor bei Weiterstadt seinen schwerbeladenen 15- Tonnen-Anhänger. Der Anhänger rollte noch etwa vierzig Meter auf der Fahrbahn entlang und blieb dann mit dem rechten Vorderrad am Abhang einer hohen Böschung stehen. Der Fahrer bemerkte das Fehlen des Anhängers erst nach etwa fünfzehn Kilometern. *

Bei seiner Fahrt in Richtung Mannheim verlor gestern morgen um 9.45 Uhr ein amerikanischer Lastkraftwagen mit Spezialanhänger und aufgeladener Straßenbaumaschine auf der Autobahn in der Nähe von Lorsch ein rechtes Vorderrad. Das Rad rollte quer über die Fahrbahn und rammte einen auf der Gegenfahrbahn fahrenden deutschen Pkw. Die linke Seite der Karosserie dieses Wagens wurde schwer beschädigt (siehe Bild.)



Stadtrundfahrt für Einheimische

Hausfrauen auf den Spuren neuer Siedlungen Darmstadts

Weit über hundert Hausfrauen hatten sich am gestrigen Nachmittag vor dem Verwaltungsgebäude der Heag eingefunden, um in drei Omnibussen durch die neuen Darmstädter Siedlungen eine Rundfahrt zu unternehmen, zu der der Verkehrs- und Verschönerungsverein den Akademikerinnen- und Hausfrauenbund eingeladen hatte.

Die Fahrtteilnehmer waren teilweise der Meinung, es gälte eine gemütliche Kaffeefahrt zu unternehmen. Diese Erwartungen mußten allerdings enttäuscht werden, denn das, was es zu sehen gab, war zwar interessant, aber anstrengend. Die erste Etappe der Rundfahrt war die St.-Stefan-Siedlung bei Griesheim, wo der Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Herr Meisel, die Gäste begrüßte und Baurat Teubner einige Worte sprach.

Die St.-Stefan-Siedlung wird von den ungarndeutschen Weinbauern bewohnt. In Zukunft sollen an die dort erstellten Doppelhäuser Ställe angebaut werden. Die Gebäude sind verhältnismäßig billig, sie kosten etwa 10 000 DM pro Doppelhaus, wenn man von der Selbsthilfearbeit absieht, die etwa 60 Prozent ausmacht. Bevor man die Omnibusse bestieg ,um in die Heimstättensiedlung zu fahren, war noch ein Hund zu besichtigen, der gerade ein paar echt ungarische Bratwürste verspeiste.

Die Heimstättensiedlung hat sich unterdessen zu einem ganz beträchtlichen Stadtteil ausgewachsen, der sich nach Norden hin verbreitert und dort in einiger Zeit an die „Donausiedlung“ der ungarndeutschen Bauhandwerker, und darüber hinaus an die Buchenlandsiedlung anschließen wird. Hier sind 122 Wohnungen geplant oder zum Zeil im Bau. Selbst die Unlustigen bei der Sache stiegen aus, als die Omnibusse an der Heim¬ \ Stättenschule hielten. Der ganze Schwarm ergoß sich in die Lehrräurhe und einige konnten es nicht lassen, kleine Männchen und der „Leerer ist doof“ an die Tafeln zu schreiben. Versuche, den einzigen Zierfisch im Aquarium zu fischen, schlugen fehl.

An der Buchenländersiedlung ging es vorbei,- von der allerdings durch Bäume und Unterholz nur wenig zu sehen war, und an der Baustelle in der Moßbergstraße, die von der Baugenossenschaft des hessischen Handwerks, in Verbindung mit der Nassauischen Heimstätte, errichtet wird, hielten die Omnibusse. 3- und 2-Zimmer-Wohnungen. An den Große Besichtigung und Erklärung der Bauten der Hegemag und der Baugenossenschaft „Daheim“ in der Wilhelminenstraße geht es vorbei zur unteren Rheinstraße und von dort zur Postsiedlung, dem interessantesten Studienobjekt der Rundfahrt. Hier haben die Küchen eingebaute Wandschränke, die nur etwa 160 DM Mehraufwand erfordern, aber viel Bauplatz sparen.

Alles in allem war es eine sehr lehrreiche Fahrt, und wenn auch einige nicht auf ihre Kosten gekommen sind, was den Kaffee und den Kuchen anbelangt, so haben sie doch sicherlich den Eindruck mitgenommen, daß in Darmstadt in der letzten Zeit etwas geleistet wurde, das wert ist, besichtigt und bewundert zu werden. hfl

WIE-WIRD-DAS -WETTER

Allmählich freundlicher

Vorhersage: Am Mittwoch anfangs noch einige Regenfälle, nachfolgend trocken, zeitweise Bewölkungsauflockerung. Keine wesentliche Temperaturänderung. Südwestliche Winde.

Weitere Aussichten: Dunstig, zeitweise auch sonnig und trocken.



Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Union: „Der Mann, der sich selber sucht“; Thalia : „Schwarzwaidmädel“; Beli d a : „7 Jahre Pech“; Palast: „Die seidene Schlinge“; Hansa: „Sommernächte“.

Landesmuseum: 10—16 Uhr: „Gedächtnisausstellung“ (Elisabeth Freund-Fischer und Anton- Hartmann). Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 15—20 Uhr. Ausstellung: „-Gesundes 'Leben“.

Pauluskirche: 19,30 Uhr. „Orgelkonzert“ von Prof. Helmut Walcha. Frankfurt (Werke von Johann Sebastian Bach).

Christengemeinschaft, Herdweg 31: 19.30, öffentlicher Vortrag: „Von Wort und Geist der Offenbarung“ von Matth. Reisch, (Darmstadt.

Technische Hochschule; Raum 16 7: 13.30 Uhr: Vortrag von Dr. Walther Kopp: „Mit Prof. Alfred Wegener durch Grönland“ (mit Film).

Wir gratũlieren

73. Geburtstag: Herrn Heinrich Hafner, Schneider, Darmstadt, - Leuschner-Straße 44.

STARKENBURG

Schutzlos preisgegeben

Am Freitag, dem 29. September d. J., flüchtete gegen 17.20 Uhr bei Außenarbeiten in der Nähe von Nieder - Klingen der Strafgefangene Fred Elke, der sich bis dato in der Haftanstalt Dieburg befand. 14 Tage später sollte er übrigens schon entlassen werden!

Diese Flucht allein, kurz vor dem Entlassungstenmin, wirft ein seltsames Licht

auf den Fall: Wer seine Zeit so lange absaß, hat es wohl nicht nötig, sich durch einen unüberlegten Sprung in die Freiheit, diese für weitere Wochen zu verscherzen. Danach könnte man annehmen, daß der Flüchtling allen Grund besaß, sich aus dem Staub zu machen. Falls er z-B. noch einiges auf dem Kerbholz hatte, von dem man bisher nichts wußte. Dies zu ergründen, müßte man allerdings den Kriminalisten überlassen . . .

Was schwerer wiegt, ist die Tatsache, daß zwei Tage später, also am 1. Oktober, gegen 9 Uhr vormittags, in Obe r - Kainsbach Reg.-Baurat a. D. Karl Storck in seinem Hause am Wald überfallen wurde. Und zwar — wie man auf Grund einer Vermutung eines Fern-

Schreibers des Kreis- Gendarmerie-Kommissariats Erbach und der eingehenden Ermittlungen zweier Beamten der gleichen Dienststelle annahm — eben von jenem Elke. (Inzwischen glaubt man allerdings, einem zweiten Täter auf der Spur zu sein. Trotzdem Storck den Elke mittels Foto identifizierte. Aber auch darüber haben die Kriminalisten zu entscheiden.)

Dies alles geschah nun, weil Elke sich ungehindert umhertreiben konnte. Weil nämlich niemand — außer dem Direktor der Haftanstalt Dieburg, seinem Personal, der Gendarmerie und der Kripo — wußte, daß einer flüchtig war. Das bedeutet zumindest, daß die Bevölkerung der Umgebung einem Sträfling ausgeliefert war, von dem sie nichts oder alles zu erwarten hatte.

Nehmen wir noch einmal die Uhrzeit zur Hand: 29. September, 17.20 Uhr. Das sind noch etliche Stunden, bis zum Redaktionsschluß der Tageszeitungen. D. h. Stunden, in denen es möglich gewesen wäre, die Fahndung nach dem Flüchtigen so publik zu machen, daß jeder Leser einer Zeitung am Morgen des 30. September gewußt hätte, was notwendig ist: Nämlich Augen auf und äußerste Vorsicht. Zudem gerade die Bevölkerung schon manches Mal wertvolle Hinweise geben konnte.

Wie leicht hätte es im Kainsbacher Ueberfall zum Mord kommen können. Selbst wenn Elke es nicht gewesen sein wollte. Sondern der zweite Täter. Aber auch dann wäre es sicher richtiger gewesen, eine sofortige Fahndung nach Elke durch die Presse zu unternehmen.

Ausbrecher sind schließlich keine allzu großen Menschenfreunde. Besonders dann nicht, solange sie in Sträflingskleidung in der Gegend herumlaufen! — Oder sollten S i e etwa anderer Meinung sein? Götz von Gumpen



Lewegung - die Mitte musischer Erziehung

Professor Georg Götsch hielt Rhytmik-Kurs auf dem Heiligenberg

Während am Sonntag in Dieburg die musische Woche im Beisein von Kultusminister Dr. Stein ihren festlichen Abschluß fand, versammelte sich im P. I. auf dem Heiligenberg eine kleine Gemeinde Eingeweihter um Professor Georg Götsch, der wohl als einer der bedeutendsten Vorkämpfer der musischen Bildung angesehen werden darf.

Aus der Singbewegung hervorgegangen, ist er seit 1928 in Verbindung mit dem Musikheim Frankfurt (Oder) bekannt geworden und hat sich in Deutschland wie auch im Ausland mit seinem „Deutschen Singkreis“ viele Freunde erworben. Heute ist man bestrebt, die durch den Krieg verwirrten und zerrissenen Fäden insofern wieder anzuknüpfen, als sich eine Gesellschaft der Freunde des Musikheims in Westdeutschland konstituiert hat, die in einer Musischen Akademie den lebendigen Erfahrungen Georg Götschs einen neuen fruchtbaren Acker bereiten will.

Auf Einladung der Pädagogischen Arbeitsstelle Wiesbaden hält nun Professor Götsch augenblicklich einen Kurs auf dem Heiligenberg ab, der 50 junge Lehrer und Jugendleiter mit der Gedanken- und Vorstellungswelt der musischen Bildung vertraut machen soll. Es wird dabei, gemäß der Tradition des Musikheims, von der Erkenntnis ausgegangen, daß alle wirkenden Kräfte im Menschen Bewegungskräfte seien und als solche empfunden .werden müßten. Deshalb handelt es sich nicht um Chorsingen oder Zeichnen, Tanzen oder Sprechen als eigengeartete Aeußerungen, sondern um die Zurückführung aller dieser auf das ursprüngliche, heute meist verdeckte Bedürfnis nach rhythmischer, hin- und widerflutender Bewegung.

Zumeist nur noch an der Peripherie ansprechbar, erscheint es für uns Heutige besonders wichtig, daß wir uns die wahren Zusamemnhänge ins Bewußtsein führen, um der zentral gelagerten musischen Kräfte im Menschen wieder teilhaftig zu werden. Die Anteilnahme an diesen Bestrebungen ist größer als man gemeinhin denkt. Im Laufe der letzten Woche kam eigens eine Spielgemeinschaft der Odenwaldschule Oberhambach auf den Heiligenberg, um ein selbstverfaßtes Laienspiel zur Diskussion zu stellen. Am vergangenen Sonntag war der Darmstädter Singkreis zu Gast und tauschte seine Erfahrungen mit denen der Freunde aus. Dort, wo man sich um die musische Bil-

düng des Menschen bemüht, trifft man auf die Erkenntnis Götschs, daß die Melodie eines Liedes, die Linien einer Zeichnung und die Folge gesprochener Worte nur in ihrer Uebereinstimmung mit einer natürlichen körperlichen Bewegung zu einem reinen Ausdruck kommen. Es wird deshalb immer noch mehr Wert auf Singen im Zusammenhang mit tänzerischer Bewegung gelegt, so besonders im figurenreichen Kontratanz, aber auch in der einfacheren Folge getanzter Kanons.

Wenn es das Verdienst Martin Luserkes war (der übrigens auch in naher Beziehung zu dem Musikheim stand), das Laienspiel als Bewegungsspiel wiederzuentdecken, so gebührt Georg Götsch der Anspruch, ein Erneuerer des Chorgesangs zu sein. Es wäre zu wünschen, wenn ihm alsbald ein festumrissenes Arbeitsgebiet im Rahmen der musischen Bildung wieder zur Verfügung gestellt würde. Kä.

Was aũch interessiert:

„Als Einwanderer im Lande Inkas" ist das Thema des Lichtbilderabends, den der Diskussionskreis Reichelsheim am Mittwoch Jm Gemeindesaal durchführt. Sprecher ist Dr. P. Weiß - Rainshagen, Alsbach a. d. B.

Rund 300 Liter gekelterten Rebensaft betrug die Ernte des von K. H. K r e h vor drei Jahren in Schaafheim angelegten Weinberges. Ein verheißungsvoller Auftakt. io

Einen Vortrag in deutscher Sprache hält am kommenden Donnerstag um 20 Uhr Ernst Viel, Bensheim, über das Thema: „Das gesellschaftliche Moment im amerikanischen Roman mit besonderer Beziehung auf Theodor Dreiser, Upton Sinclair und Sinclair Lewis“ in der amerikanischen Lesehalle, Bensheim. (HB)

Für Wildschäden wurden der Gemeinde Rai-Breitenbach von der Kreisverwaltung 2000 DM und der Gemeinde Hainstadt 1000 DM vergütet. Der Schaden belief sich in beiden Gemeinden auf weit über das Doppelte, hm

Eine zünftige Schlägerei lieferte sieh dieser Tage „Fahrendes Volk“, das sich mit einigen Wagen am Waldesrand von Bürstadt niedergelassen hatte. Die sofort herbeigerufene Polizei fand, wie das in solchen Fällen üblich zu sein scheint, nur ein „friedliches“ Völkchen vor. el

„Volksschul-Abschlußjahr“ als verlängerte Schulzeit

Planmäßige Vorbereitung auf das Berufsleben

Aus den Kreisen der Elternschaft, des Handwerks und der Industrie werden immer wieder Fragen gestellt, die sich auf das Volksschul-Abschlußjahr beziehen. Wir erhielten von einem Kreisschulamt dazu folgende Antwort:

Im Hinblick auf die durch die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse verursachten Bildungslücken und in Würdigung der Lage auf dem Arbeitsmarkt hat der Hessische Landtag am 27. 4. 1950 ein Gesetz beschlossen, das alle in den Jahren 1942—1947 in die Schule aufgenommenen Kinder zu achteinhalbjährigem Schulbesuch gesetzlich verpflichtet. Diese Kinder werden also nicht im Herbst, sondern erst an Ostern des kommenden Jahres entlassen. So will es das von unseren Volksvertretern verabschiedete Gesetz. Die Schulämter sind daran gebunden und können vorzeitige Entlassungen zum Antritt einer Lehrstelle nicht genehmigen. Alle anderslautenden Gerüchte und Veröffentlichungen sind irrig.

Das hessische Kultusministerium bezeichnet die verlängerte Schulzeit als das „Volksschul-Abschlußjahr“. Es sind dafür sorgfältig abgestimmte Lehrpläne ausgearbeitet worden, die vornehmlich der Berufsfindung dienen sollen. Die Schüler kleinerer Gemeinden werden zu Bezirks-Klassen zusammengefaßt. Besonders ausgewählte Lehrkräfte der Volks- und Berufsschule teilen sich in die Aufgabe, das „Berufsbild“ aller Zweige unserer Wirtschaft zu vermitteln. Auch Meister des Handwerks warden dazu herangezogen. Besichtigungen von landwirtschaftlichen und industriellen Betrieben führen in die lebendige Praxis ein. In eigenen Konferenzen werden die Abschluß-Lehrkräfte immer wieder mit den einschlägigen Stoffgebieten und Methoden vertraut gemacht.

Ouverson hilft den Elfenbeinschnitzern

PX-Läden verkaufen Odenwälder Schnitzereierzeugnisse

Mr. Robert L. Ouverson, der amerikanische Resident-Officer für den Landkreis Erbach, bemüht sich schon seit seinem Dienstantritt im Mai dieses Jahres, Mittel und Wege zu finden, um die schwierige Wirtschaftlage des Odenwaldes als altem Notstandsgebiet nach besten Kräften zu beleben und dadurch der Bevölkerung zu besseren Lebensbedingungen zu verhelfen.

Hierbei beschränkt er sich nicht nur auf Aussprachen mit der Bevölkerung zur Erforschung der Notstände. Er ergreift auch persönlich die Initiative, so beispielsweise zur Erschließung neuer Absatzmöglichkeiten für die in besonders schwerem Existenzkampf stehenden Elfenbeinschnitzer des Odenwaldes.

Da der Mangel an langfristigen und regelmäßigen Aufträgen die gefährlichste Klippe des Elfenbeinkunsthandwerks darstellt, an der schon mancher Klein-, Mittel- und sogar Großbetrieb gescheitert ist, bot Mr. Ouverson die Erzeugnisse der Odenwälder Elfenbein- und Holzschnitzer den amerikanischen PX-Läden zum Verkauf an. Zusammen mit einem Vertreter des Außenhandelsverbandes für das Elfenbein- und Drechslerei-Kunstgewerbe, Wilhelm Ell, Erbach, besuchte er die Zentrale der PX-Läden in Ansbach.

Die dort vorgelegten Muster von Schmucksachen und Kleinplastiken aus Elfenbein und Holz fanden in jeder Hinsicht Anklang. Die PX-Zentrale entschied sich zunächst für einen probeweisen Verkauf dieser Erzeugnisse des Odenwälder Kunsthandwerks in den fünf größten Verkaufsstellen der Zone in Wiesbaden, Frankfurt, Heidelberg, Stuttgart und München. Immerhin beträgt die Gesamtsumme dieses Auftrags schon 21 400 DM.

Wenn die Odenwälder Elfenbein- und Holzschnitzereien bei der amerikanischen Kundschaft der PX-Läden den erwarteten Anklang finden werden, soll der Vertrieb in sämtlichen Verkaufsstellen der ameri-

kanischen Zone aufgenommen werden. Damit wäre dann den Odenwälder Schnitzern auf dem Inlandsmarkt eine laufende und zweifellos einträgliche Absatzmöglichkeit erschlossen, die gleichzeitig auch die Auslandswerbung für ihre Erzeugnisse belebt, weil die hier gekauften Stücke doch eines Tages von ihren Käufern mit nach Amerika genommen werden. -ch. So geschieht von seiten der Schulbehörden alles, um eine fruchtbare Auswirkung des neuen Gesetzes zu sichern. Der Erfolg wird aber nur dann eintreten, wenn auch die Eltern von der Notwendigkeit der Lückenauffüllung und von dem Segen einer planmäßigen Vorbereitung auf das Berufsleben überzeugt sind, wenn sie die Sehule unterstützen und den Eifer ihrer Kinder anspornen.

Es wäre darum dringend zu wünschen, daß alle Versuche, eine vorzeitige Entlassung zu erwirken, unterblieben. Sie bedeuteten für das Schulamt in den letzten Wochen eine ungeheure Belastung, großen Aufwand an Zeit und Kraft. Es gibt gewiß zahlreiche Fälle, in denen man gerne einer sofortigen Entlassung das Wort reden möchte, weil die Notlage durchaus anerkannt werden muß. Wo aber sollte dann die Grenze gezogen werden? Wer will überhaupt den Grad der Not genau bestimmen? Der Erlaß des Kultusministers, der im Vorjahre, als noch keine gesetzliche Regelung vorhanden war, Ausnahmen weitgehend gestattete, ist ausdrücklich zurückgenommen worden. Man möge also in Elternkreisen. bei der Industrie und im Handwerk Verständnis für dieses Gesetz aufbringen und es nicht als böswillige Schikane der Schulbehörde ansehen.

Es geht ernstlich darum, der Jugend eine abgerundete Vorbildung und ein konkretes Berufsbild zu vermitteln und dazu noch den Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Das hier angeschnittene Thema böte einen sehr geeigneten Stoff zur Behandlung in den Elternversammlungen. Bei gutem Willen aller Beteiligten dürfte es nicht notwendig werden, daß der Gesetzgeber sich die Durchführung seines Willens mit den üblichen Mitteln erzwingen müßte.

Aktuelles zwischen gestern and heute

Dreijährige lief in den Tod

Die gefährliche Unsitte kleiner Kinder, auf verkehrsreichen Straßen zu spielen, forderte am Dienstagnachmittag wieder ein Todesopfer. Die drei Jahre alte Ute S c h o r k spielte in Hiltersklingen auf der Hauptstraße in der Nähe der Gastwirtschaft Helm mit ihrer älteren Schwester. Als ein Motorradfahrer aus Richtung Hüttenthai angefahren kam, liefen die Kinder blindlings nach rechts über die Straße. Obwohl der Fahrer sofort bremste, lief die dreijährige Ute gegen sein linkes Knie, fiel rückwärts um und war auf der Stelle tot. Das Kind hatte keine äußeren Verletzungen davongetragen.

Auf dem Rücken im Graben

Auf der Nibelungenstraße, etwa 300 Meter oberhalb des Ortes Hutzwiese, brach am Personenwagen eines Viehhändlers aus Groß-Zimmern beim Bremsen in der Kurve die linke Hinterachse unmittelbar an der Radnabe ab. Der Wagen kam ins Schleudern, stürzte in den Straßengraben und blieb mit den Rädern nach oben liegen. Der Fahrer und sein 13jähriger Sohn krochen unverletzt aus dem schwer beschädigten Wagen.

Geistesgegenwart rettete das Leben

In eine gefährliche Lage geriet in Stockstadt ein lOjähriger Junge, der mit einem Handwagen einen auf der Hauptstraße parkenden Lastkraftwagen überholen wollte, als er plötzlich dicht vor sich und zur gleichen Zeit auch hinter sich zwei Fahrzeuge sah. Der Junge sprang geistesgegenwärtig zur Seite und ließ den Handwagen zurück, der total zertrümmert auf der Straße liegen blieb. Vr

Bensheimer Zinkmarder gefaßt

In der Nacht vom Freitag zum Samstag voriger Woche drang ein Pole aus Viernheim durch einen Hintereingang in das Schmelzwerk Zieringer in Bensheim ein und entwendete 9 Preßpakete Zink, die er auf ein Motorrad mit Beiwagen, an das noch ein Anhänger gekoppelt war, zum Abtransport lud. Schon in den vorhergegangenen Wochen hatte der Täter das Schmelzwerk um größere Mengen Metall erleichtert (in einer Nacht hatte er ca. 7 Zentner Zink gestohlen). Als ihn in der letzten Nacht Polizeibeamte mit einem roten Stopplicht zum Halten aufforderten, brauste er mit Vollgas auf sie los und ließ sich auch durch Schüsse, die die Beamten abgaben, nicht beeindrucken. Als er jedoch in die Wormser Straße einbiegen wollte, wurde er infolge der hohen Geschwindigkeit aus der Kurve geschleudert und raste mit seiner Begleiterin im Beiwagen und dem schwer beladenen Anhänger in den Graben. Während der Täter selbst bis zum Eintreffen der Polizei entkommen konnte, war seine Begleiterin mit verstauchtem Fuß und Hautabschürfungen in einem anliegenden Garten gelandet. Es gelang jedoch der Polizei schon wenige Stunden später, den Dieb zu fassen. Auch die Hehler konnten inzwischen ermittelt werden. Von dem in den vergangenen Nächten geraubten Metall konnten ebenfalls ‘größere Mengen sichergestellt werden. HB

Untermieter mit „Liebhaberei“

Bei einer Frau K. in Münster bei Dieburg hatte sich vor etwa zwei Monaten' ein polnisches Ehepaar eingemietet. Vor ungefähr einer Woche verließ es das Haus, ohne bis heute zurückzukehren. Inzwischen hat die Vermieterin ‘festgestellt, daß aus dem in dem vermieteten Zimmer stehenden unverschlossenen Schrank Kleider und Wäsche im Werte von 250 DM verschwunden sind. RG.

Verkannter Friedensstifter

Das Ehepaar W. M. in E p p e r t s h a us e n führt anscheinend ein nicht gerade friedliches Leben. Jedenfalls ist der Mann gegen seine Frau so nachdrucksvoll tätlich geworden, daß der hinzukommende Polizeidiener sich veranlaßt fühlte, beschwichtigend in diese Aktion einzugreifen. Der „Ehemann auf vollen Touren“ verkannte jedoch diese löbliche Absicht völlig, denn er versetzte dem Vertreter der Obrigkeit einen gepfefferten Kinnhaken. RG.

Schotteihaufen brachte Unglück

Das mit Kartoffeln beladene Fuhrwerk eines Schaafheimer Landwirts geriet auf der abschüssigen Radheimer Landstraße auf einen Schotterhaufen, wobei die Ehefrau, die absprang und vom Anhänger erfaßt wurde, eine schwere Oberschenkel-Verletzung erlitt. Ursache des Unfalls ist der außerordentlich schlechte Zustand der mit Schlaglöchern übersäten Straße, die in der Fahrbahnbreite durch angehäufte Schotterhaufen eingeschränkt ist. Diese wurden allerdings bereits schon vor zwei Jahren angefahren. Trotzdem die Gemeinde Schaafheim bereits ihren Anteil zur Instandsetzung der Straße seit längerem gezahlt hat, wurde bisher noch nichts zu deren Verbesserung unternommen. io

Unrecht Gut gedeihet nicht

In Zwingenberg wurde vorige Woche ein Fahrrad gestohlen. Der Täter, der sofort auf dem Rade das Weite suchte, konnte jedoch auf der Landstraße zwischen Bickenbach und Darmstadt-Eberstadt gefaßt und hinter Schloß und Riegel gebracht werden. HB

Aus dem Fenster gestürzt

Am Montag ereignete sich in Nauheim ein tragischer Unglücksfall, als das 20 Monate alte Töchterchen der Familie Adam Hock, - Mierendorf-Straße, in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster der im ersten Stock gelegenen Wohnung fiel. Das Kind erlitt schwere, innere Verletzungen und mußte sofort in das Krankenhaus eingeliefert werden. KB

Dreimal um die eigene Achse gedreht

An der Ortseinfahrt von Höchst, in der Nähe des Elektrizitätswerkes, kam am Montagabend gegen 23 Uhr ein Pkw aus Groß-Zimmern auf der regenfeuchten Asphaltstraße ins Schleudern, drehte sich dreimal um sich selbst und stieß mit solcher Wucht gegen einen Straßenbaum, daß der Wagen erheblich beschädigt wurde. Von den Insassen wurde eine ältere Frau und ein Junge verletzt. -ch

Einbrecher mit Holzaxt

In das alleinstehende Haus Heinrich von Stein an der Bundesstraße 47 bei Groß-Gumpen brach ein noch unbekannter Dieb ein, indem er mit einem Holzbeil, das er im angrenzenden Schuppen entwendet hatte, die Haustür und die Wohnzimmertür einschlug. Im Zimmer durchwühlte er alle Schränke und Behältnisse. Unter Mitnahme einer Geldbörse, einiger Zigarren des Hausherrn und eines Herrenfahrrades entkam der Einbrecher unerkannt. -ch

Für 52 Wochen in die USA

Kostenlose Amerika-Besuche / Jungbauern und Landmädels, Landwirtschaftslehrer und Frauen können sich melden

Zur Zeit befinden sich junge Burschen aus dem Kreis Erbach zu einjährigem Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten. Ihre Briefe und Berichte haben bei vielen ihrer Alterskameraden den Wunsch wach werden lassen, ebenfalls an einem derartigen kostenlosen Trip über den Großen Teich teilnehmen zu können.

Wie das amerikanische Resident-Office für den Landkreis Erbach mitteilt, ist ab sofort wieder die Möglichkeit dazu gegeben.

Für das neue Austauschprogramm können sich Bauernburschen und -mädchen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren melden, die durch die Brethren Service Commission of E^in kostenlos zu einem zwölfmonatigen Studienaufenthalt in die Vereinigten Staaten gebracht werden, wo sie in Farmersfamilien Aufnahme finden und für ein Jahr lang das Leben der jungen Amerikaner führen können. Sie erhalten ein auskömmliches Taschengeld, außerdem zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten. Während des Winters ist

der Besuch einer High-School vorgesehen.

Nur Burschen und Mädel, die von Bauernhöfen kommen und auch später in der Landwirtschaft bleiben wollen, sollen sich bewerben. Erwünscht ist eine abgeschlossene Ausbildung an einer Landwirtschafts- oder einer höheren Schule. Verlangt werden mindestens die Grundkenntnisse des Schulenglisch in Wort und Schrift. Protestantische Bewerber werden bevorzugt, andersgläubige jedoch nicht ausgeschlossen. Zu den Bewerbungen ist das Einverständnis der Eltern notwendig.

Interessenten wollen umgehend ihre Bewerbungen an das Resident-Office Erbach senden, da die Abreise voraussichtlich schon im November-Dezember erfolnen soll. Aus ganz Hessen können nur 40 Burschen und Mädel teilnehmen.

Für Landwittschaftslahrer stehen ebenfalls zehn Plätze zur Verfügung. Die Bewerber sollen nicht älter als 30 Jahre sein und mindestens zweijährige Lehrpraxis an einer Landwirtschaftsschule oder einem Forschungsinstitut haben. Englische Sorachkenntnisse in Wort und Schrift sind erwünscht. Von den ausgewählten Bewerbern sollen die ersten im Dezember oder Januar, der Rest im Mai 1951 abfahren.

Eine größere Anzahl Freiplätze für drei- und sechsmonatigen Aufenthalt in den USA stehen für Frauen zur Verfügung, die hier im politischen Leben, in der Gewerkschaftsparbeit, dem Erwachsenenbildungswerk, in der weiblichen Berufsberatung, in religiösen karitativen Organisationen oder auch in der Hauswirtschaftsschulurig tätig sind.

Für sämtliche Gruppen können die Bewerbungsunterlagen sofort beim amerikanischen Resident-Office für den Kreis Erbach, Landratsamt, angefordert werden. Sie sind dann, so bald wie möglich, wieder an diese Stelle zurückzusenden. -ch

Wir tanzen für Euch

Tanzabend in der Heppenheimer Stadthallle

Das Ballettstudio Sieglinde Leonor, Heppenheim, veranstaltet am 14. Oktober, 20 Uhr, in der Stadthalle einen Tanzabend. Die Laienschülerinnen werden nicht nur mit einem auserlesenen Programm und mit erstklassigen Leistungen, sondern auch erstmalig mit einheitlichen Tanzkleidern überraschen. Begleitung am Flügel: Monika Schonder-Lochn e r.

Die Veranstaltung soll den Wert der tänzerischen Schulung für die äußere und innere Haltung des jungen Menschen vor Augen führen, (Jenen dadurch die natür-r liehe Anmut erhalten bleibt. Wer sich von den Schülerinnen zum Tanz-Studio entschließt und vor allen Dingen die nötige Eignung besitzt, muß von AiÄdauer und Arbeitseifer erfüllt sein. Wie Frau Leonor berichtet, sind sechs bis acht Jahre intensivster Arbeit erforderlich, um als fertige Ballettänzerin mitwirken zu können.

Sieglinde Leonor, die im Januar 1949 in Heppenheim ihr Studio eröffnete, machte während ihres diesjährigen viermonatigen Aufenthaltes in England einen Kursus im berühmten Studio von Nedina Nicolaeva Legat mit, um Neues zu sehen und selbst wieder in dieser Methode zu arbeiten. erh.

Ausklang des Dieburger Sängerjubiläums

Totenfeier und Familienabend des Kellerschen MGV

Inh»“ Ke,lersche Männergesangverein Dieburg hatte die zu seinem 75jährigen n aum vorgesehenen Veranstaltungen auf einen größeren Zeitraum verteilt. , chluß bildeten am Sonntag Gedenkgottesdienst, Totenfeier und Mitgheaerehrung.

tt; „u Stu,nden in der evangelischen v“ ru Und der Gnadenkapelle. in denen der Chor unter Leitung von Adam S i mmerrnacher jr. die Deutsche Messe von Schubert zum Vortrag brachte, wäre.l! dem Andenken der gefallenen, vermißten und verstorbenen Mitglieder gewidmet. Bei der Feier am Nachmittag auf dem Friedhof sprach Kaplan Dr. *?.e ut (Offenbach) Worte des Gedenkens. Die Kapelle Hofmann spielte das Lied vom guten Kameraden, Präsident Jakob Kem legte einon Kranz nider. Musikstücke und Chöre bildeten den eindrucksvollen Rahmen.

Die Ehrung langjähriger und verdienter aktiver Sänger und Vereinsmitglieder war Mittelpunkt der abendlichen Familienfeier in der „Ludwigshalle“. Jakob Kern nahm die Ueberreichung der Urkunden, Plaketten, Ehrennadeln und Ehrengaben für den Verein vor, Kreisvorsitzender Direktor Fleckenstein überreichte zwei Ehrenbriefe des Allgemeinen Deutschen Sängerbundes an Peter Fröhner und Johannes Stemmler für 50- jährige aktive Sängerschaft, Ein von Sängern und Mitgliedern gestaltetes Programm fand stärksten Beifall, der

vor allem dem zum ersten Male auftretenden Sextett junger Sänger galt.

Es wurden geehrt! für mehr als 60 jährige Mitgliedschaft Martin Enders VIII und Jakob Enders IV; für 50jährige aktive Sängertätigkeit Johann Braun, Franz Diehl und Heinrich Rathmann; r 40jährige Mitgliedschaft Hans Dörr, Adam Enders, Josef Hach, Karl Herz, Josef Grohe, Franz Müth und Josef Wölfenschneider. 1 RG

Neue Rhein-Motorfähre

erleichtert Verkehr von Ufer zu Ufer

Die neue Rhein-Motorfähre Gernsheim — Eich, die wir vor einiger Zeit bereits unseren Lesern im Bild vorstellten, wird am Sonntag in festlichem Rahmen durch den Hessischen Minister für Arbeit, Wirtschaft und Landwirtschaft, Albert Wagner, dem Verkehr übergeben. Die Feier, bei der Regierungspräsident Ar no ul die Begrüßungsworte sprechen wird, findet vormittags 11 Uhr am alten Fährhaus in Gernsheim statt. Reg.-Baurat Tamm vom Wasser- und Schiffahrtsamt Gernsheim gibt hierbei einen Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Rheinüberfahrt Gernsheim. Nach der Inbetriebnahme spricht als Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz Ministerialdirigent Dr. Lichter. Im Anschluß erfolgt die erste Überfahrt zum linken Rheinufer, wo die Gäste vom Bürgermeister der Gemeinde Eich empfangen werden.

Die neue Fähre wird eine wesentliche Verbesserung des Verkehrs von Ufer zu Ufer herbeiführen, nachdem nun auch schwerere Fahrzeuge von ihr befördert werden können. DT

4500 Einwohner mehr

Vorläufiges Ergebnis der Volkszählung in Darmstadt-Land

Das Landratsamt Darmstadt-Land gibt als vorläufiges Ergebnis der Volkszählung vom 13. September 1950 für seinen Landkreis folgende Zahlen bekannt: Männlich: 39 407 Weiblich: 44 039 Ingesamt: 83 446 Bei der vorletzten Zählung vom 29. Oktober 1946 betrug die Gesamtzahl der Einwohner des Landkreises 78 883. Dies bedeutet ein Anwachsen der Bevölkerung um 4 563 Personen. , DT.

25 Jahre Textil-Schneider

Das Textilhaus Hans Schneider, Ni e - der-Ramstadt. konnte in diesen Tagen auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Aus den kleinsten Anfängen heraus entwickelte sich die Firma durch den Aufbauwillen ihres Gründers — und nach dessen frühzeitigem Hinscheiden durch die Tatkraft und den unermüdlichen Fleiß der jetzigen Inhaberin, Lilli Schneider Wwe,. zu einem Unternehmen, das weit über Nieder-Ramstadt hinaus geachtet und beliebt ist. Anläßlich des Geschäftsjubiläums überbrachte der erste Vorsitzende des Gewerbevereins, W. Steinmann, der Jubilarin die besten Glückwünsche des Ortsgewerbevereins.

Tendenz: Ueberstand

Bei dem am Montag in G r o ß - Bieberau stattgefundenen Ferkelmarkt waren 99 Tiere aufgetrieben: 79 Ferkel mit einem Preis von 40—60 DM, 17 Läufer mit einem Preis von 60—70 DM und 3 Einlegschweine, für die 100—110 DM geboten wurden. Der Marktverlauf war befriedigend mit Überstand. Die Qualität der Tiere war gut bis sehr gut. Der nächste Markt findet am 23. Oktober statt. GD

Familientag der Siefert

Aus dem ganzen südlichen Odenwald, aber auch aus Brandau, Heubach, aus Zwingenberg, Neckargemünd, Strümpfelbrunn und Weinheim kam am letzten Sonntag alles, was Siefert heißt, in der Gastwirtschaft Karl Siefert in Beerfelden zum ersten Familientag der Sieferts nach dem Kriege zusammen. Ueber 50 Vertreter des weitverzweigten Familienstammes hörten von dem Chronisten des Geschlechts, Lehrer Leonhard Siefert (Brandau), die neuesten Berichte der Familiengeschichte, die bis zum Jahr 1219 zurückreicht. Meister Syfrid von Goslar war wohl der Stammvater des Geschlechts, das einen Zweig der Sieverts in Westfalen, einen anderen, der sich Sifert schrieb, im Neckartal hatte. Die im Odenwald lebenden Sieferts stammen alte von dem früheren Hofbauern auf „Hohberg“, Ludwig Heinrich Sifert, dessen 300 jähriger Geburtstag zum Anlaß des Familientags genommen worden war. -ch

Scharfe Worte

In der Versammlung der FDP am vergangenen Sonntag in Bensheim beklagte sich Stadtrat Jung (FDP) unter anderem über die Langsamkeit des Landratsamtes in Heppenheim. Vor erniger Zeit sei vom Benshe'mer Stadtrat eine Bürgschaft für die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft bewilligt und dem Landrat zur endgültigen Entscheidung vorgelegt worden. Als endlich nach zwei Monaten der Antrag von der Aufsichtsbehörde genehmigt war und die Siedlungsgenossenschaft von dieser Bürgschaft Gebrauch machen wollte, war auf der Kasse über die Gelder bereits anderweitig verfügt worden. Stadtrat Jung wandte sich in scharfen Worten dagegen, daß Anträge oft mehrere Monate in Heppenheim unbearbeitet herumliegen, während man in Bensheim mit Ungeduld auf die Genehmigung warte. (HB)

Bau eines Mahnmals für die Toten Versammlung der Heimatvertriebenen in Roßdorf

In der monatlichen Mitgliederversammlung der Heimatvertriebenen Roßdorfs, in der auch Kreisgeschäftsführer L a m a n n anwesend war, sprach Kreisvorsitzender Winterstein über die Organisation im Kreis-, Landes- und Zentralverband. Weiterhin streifte der Redner in seinem Referat das Verhältnis zu den einzelnen Landsmannschaften, die im Landesverband der Heimatvertriebenen zusammengeschlossen sind und warnte vor einer Zersplitterung in kleinere Gruppen. Anschließend berichtete der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe über die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an die Toten der Heimat auf dem Roßdörfer Friedhof. Dieses soll bis zum nächsten Frühjahr fertiggestellt sein. sl.

Erweitertes Fortbildungswerk im Winter

Generalversammlung des Heimat- und Kulturvereins Lorsch

Im Gasthaus „Zum weißen Kreuz“ hielt am Freitag der Heimat- und Kulturverein Lorsch seine diesjährige Generalversammlung ab. Der erste Vorsitzende, Bürgermeister Werner, gab hierbei einen Bericht über die Vereinstätigkeit im letzten Jahr.

Nach dem Kassenbericht sprach Herr Heidorn über die Aufgaben des Fortbildungswerkes und das Winterprogramm. Im letzten Jahr wurden 8 Kurse und Vorlesungen abgehalten, die von 169 Personen besucht waren, davon 3 Stenographiekurse und je einen für Buchhaltung, Bilanz- und Steuerwesen, Technisches Zeichnen, Kunst- und Plakatschrift, Englisch und die Vorlesung „Recht im täglichen Leben“.

Der Plan für das kommende Winterhalbjahr ist wesentlich erweitert worden. Er umfaßt sieben Arbeitsgebiete und zwar Betriebswirtschaft, Technik, Volkswirtschaft, Steuern, Recht und Verwaltung, Sprachen, Tonfilme. In den Rahmen ist zum erstenmal ein Lehrgang über Motorenkunde und Kraftfahrzeuge eingefügt, der

besonderen Anklang bei der jüngeren Generation finden wird.

Ueber den Neuaufbau des Heimatmuseums, die Renovierung der Klosteranlagen und Fremdenverkehrswerbung berichtete Wolfgang Selzer, dessen Aufgabengebiet die Vervollständigung, Bereicherung und Vergrößerung des Heimatmuseums, die Neuanlegung der Klosteranlagen und eine aktive Fremdenverkehrswerbung umfaßt. In den letzten Monaten konnte bereits eine erhöhte Besucherzahl festgestellt werden.

In den Vorstand wurden gewählt: Bürgermeister Werner (1. Vorsitzender); Heinrich Heckmann (2. Vorsitzender); Hans De iß (Schriftführer); Karl Jäger (Kassenwart); Waldemar von Düngen (Kassierer); Werner Heidorn und Wolfgang Selzer (Beisitzer). (bl)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Ober-Ramstadt. Das hiesige Bürgerforum veranstaltet am Samstag um 20.00 Uhr im Saalbau Suppes seine zweite öffentliche Versammlung. Auf der Tagesordnung stehen allgemein interessierende Punkte, das Wohnungsproblem und der Gemeindehaushalt, prs

Roßdorf. Ein Gartengrundstück neben dem Gasthaus „Wieland“ in der Erbacher Straße wurde entfernt und damit eine wesentliche Verbreiterung des Bürgersteiges geschaffen. sl

DIEBURG

Urberach. Infolge dichten Nebels bemerkte auf der Straße nach Urberach ein Motorradfahrer ein unbeleuchtetes Fuhrwerk erst so spät, daß er stürzte und sich an beiden Beiden und Armen Verletzungen zuzog. RG

Harreshausen. Nach gewaltsamer Entfernung eines Vorhängeschlosses stahlen unbekannte Täter aus einem Geflügelstall zwei Gänse. RG

Groß-Bieberau. Die hiesige Ortsgruppe des Verbandes der Körperbeschädigten hatte mit ihren Mitgliedern eine Omnibusfahrt nach Heidelberg und Schwetzingen durchgeführt. GD.

ERBACH

Beerfelden. — Der hiesige Kulturring beginnt sein diesjähriges Winterprogrammm am Donnerstag um 20 Uhr im Rathaussaal mit einem Konzert des Pianisten Anatol von Roes se 1, der z. Z. als Musiklehrer an der Odenwaldschule bei Heppenheim tätig ist. -ch

Rothenberg. — Im Gasthaus „Zur Rose“ fand vor kurzem eine Versammlung der Heimatvertriebenen und Fliegergeschädigten statt. ptoo

BERGSTRASSE

Zwingenberg. Die nächste Mütterberatungsstunde findet am Donnerstag von 15 bis 16 Uhr im Rathaus statt. HB

Einhausen. Ein Radfahrer, der sich an einen Lastwagen angehängt hatte, kam in Einhausen-Nord zu Fall und verletzte sich schwer. el

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Um dem Verfall der noch stehenden Umfassungsmauern der Ruine der evang. Kirche entgegenzuwirken, werden zur Zeit Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, damit die bis jetzt noch gut erhaltenen Mauern zu gegebener Zeit zum Wiederaufbau verwendet werden können. -th-

Stockstadt. Bürgermeister Eisenhauer trat am Dienstag nach einer Krankheitsdauer von 16 Wochen seinen Dienst wieder an. kr

Biebesheim. Der hiesige Turnverein veranstaltete am Sonntag, wie in jedem Jahre, sein Sportfest, das am Abend bei fröhlichem Tanz ausklang. kr

Der SPORT

Europameister verabschieden sich

Abschluß der Rollhockeysaison bei der TSG — Baran/Falk, Karl Waldeck und Lotte Cardenbach begeisterten am Woog

Es mögen 800—1000 Zuschauer gewesen sein, die am Montagabend dicht an dicht die TSG-Bahn am Woog umsäumten und die kühle Witterung nicht gescheut haben, um die Paarlauf-Europameister Ria Baran/Paul Falk, den Zweiten der Europameisterschaft, Karl Waldeck, und die neue deutsche Kunstlaufmeisterin Lotte Cardenbach zu sehen. Sie wurden nicht enttäuscht.

Es war eine Rollsportveranstaltung, die sich sehen lassen konnte. Das geschickt zucammengestellte Programm begann mit s?™™ Tango des TSG-Paares Inge .Reimann/ Günter Jakob. Helmut Maunz schloß sich mit einem Einzellauf an, und Herta Merker tanzte auf ihrem „Teddybär" einen netten Fox In einem Triolauf stellten sich dann, vom Publikum stürmisch begrüßt, Ria Baran, Paul Falk und Karl Waldeck vor und be-Paul faiK u Beifall, daß sie noch kamen eine en mußten. Lotte Carden¬ h Zrtie deutsche Kunstlaufmeisterin 1950, baCh’ «tmals in Darmstadt zu sehen, und die ^ar harter dürften wohl kaum enttäuscht ge-Zuschauer Tanz , Jalousien» war ein schritten, Pirouetten und sicher Wiroel v cnrüngen. Inge und Irmela ReigeSt nuteten Pmit Einern Zweierlauf einen Rumba gefolgt von Günter Jakob, der seine Kür lief.

von einer deutschen Kunstlaufmeisterin Von ein yuschauer schon einiges. Was erwarten d bach mit ihrer Meisterkür gS Äl selbst die kühnsten Erwartunnen

wartete man dann auf die Kür Ge®Palk die im Rolh und EiskunstvonßaranFa deutsch 9 Paarlaufmeister lauf je v d den Titel eines Europa-S2Ä? Mrtn'

Jeder Sprung und Jede Drehung waren gekonnt und sicher, eine wirkliche Meisterkür. Irmela Reimann rollte dann auf einer „Fahrt ins Glück“, und der von Reimann/Jakob/ Maunz getanzte Samba schloß sich an. „Zigeunersehnsucht" hieß ein ungarischer Tanz von Lotte Cardenbach, natürlich wieder mit Zugabe. In sehr netten Kostümen liefen Baran/Falk ihren Rumba, gefolgt von einer Kür Inge Reimanns. Mit einem Pußtafox „improvisierte“ Exeuropameister Karl Waldeck, und die sympathische Lotte Cardenbach lief den Holzschuhtanz aus „Zar und Zimmermann“. Nach dem eindrucksvollen Kürtrio Baran/Falk/Waldeck erklatschte sich die Tribüne wiederum Zugaben. Den Abschluß der wirklich einmaligen Kunstlaufveranstaltung brachte der Walzer von Baran/ Falk, womit sich die TSG Darmstadt bis zum winterlichen Eissport verabschiedete. -Z>

Friedel Schön Zementbahnmeister

Wuppertal (dpa) Friedel Schön (Frankfurt) gewann am Montagabend in Wuppertal die deutsche Motorradmeisterschaft auf Zementbahn in der Klasse bis 350 ccm über 12,5 km in 5:41.1 Minuten (gleich 131.9 km/std) auf „Horex“ vor Aldinger (Stuttgart), Knees (Ahlshausen) und Eberhardt (Remscheid).


Baran-Falk und Karl Waldeck stellten sich zum Abschluß der Rollhockeysaison nochmals in Darmstadt vor, wo sie stetgz ein begeistertes Publikum gefunden hatten.
Baran-Falk und Karl Waldeck stellten sich zum Abschluß der Rollhockeysaison nochmals in Darmstadt vor, wo sie stetgz ein begeistertes Publikum gefunden hatten.

Unser Tip

für den Hessentoto

1. FSV Frankfurt — Eintr. Frankfurt 1 1 2. Darmstadt — VfL Neckarau 1 1 3. VfR Mannheim — Waldh. Mannheim 1 0 4. Schweinfurt 05 — Vfß Stuttgart 0 1 5. VfL Konstanz —l. FC Bamberg 1 0 6. Rot-Weiß Konstanz —l. FC Köln 0 2 7. Preußen Dellbrück — Schalke 04 2 0 8. Bremer SV — Werder Bremen 0 2 9. Göttingen — HSV Hamburg 2 2 10. Atem. Aachen — Fortuna Düsseldorf 0 1 11. Kickers Offenb. — Bayern München 1 1 12. Schwab. Augsburg—l. FC Nürnberg 0 2 13. Spvgg Fürth —BC Augsburg 1 1 14. SSV Reutlingen — 1060 München 2 0

Die Spiele am 15. Oktober

Erste Liga Süd

FSV — Eintracht Frankfurt SV 98 Darmstadt — VfL Neckarau Kickers Offenbach — Bayern München VfR Mannheim — SV Waldhof Spvgg Fürth — BC Augsburg Schwaben Augsburg — 1. FC Nürnberg Schweinfurt 06 — Vfß Stuttgart SSV Reutlingen — 1860 München Vfß Mühiburg — FC 04 Singen

Zweite Liga Süd

Hessen Kassel — TSV Straubing Vikt. Aschaffenburg — ASV Durlach 1. FC Pforzheim — SV Wiesbaden Wacker München — SG Arheilgen Stufig. Kickers — Jahn Regensburg FC Freiburg — SV Tübingen ASV Cham — Union Böckingen Bayern Hof— TSG Ulm 46 VfL Konstanz — 1. FC Bamberg

Hess. Landesliga

Germ. Bieber — 1. FC Rödelheim (Sa.) VfL Kassel — VfL Biedenkopf (Sa.) Hermannia Kassel — Homburg 05 Hess. Lichtenau — Hanau 1893 Rot-Weiß — Opel Rüsselsheim Griesheim 02 — Bor. Fulda Union Niederrad — Kassel 03 Vfß Friedberg — Spv Kassel Hessen Hersfeld — Eintr. Wetzlar Lampertheim — VfL Marburg

Pressestimmen

Zum Spiel SG Arheilgen—FC Bayern Hof

„8-Uhr-Blatt“, Nürnberg: „ ... eine Bombenüberraschung ... ein faires Spiel, in welchem die SG Arheilgen zu einer nicht gekannten Form auflief ...“

„Sportmagazin“, Nürnberg: „... Ein großartiges Spiel lieferte Seibel, überzeugend operierte auch der linke Flügel mit Zöllner und Lieber ~

„Deutsche Sport-Illustrierte“, Stuttgart: „ ... Wunder in Arheilgen ... die wenig beachteten Hessen seiften die Männer vom Strand der Saale ein ..

Sport-Kurier“, Ulm: „... das war wieder einmal der alte Kampfgeist von Arheilgen ... Hintermannschaft des Platzbesitzers in ausgezeichneter Form ..

„Sportexpreß“, Hof: „Der Gastgeber hatte in Seibel den Gewinner des Spieles. In der Läuferreihe gefiel der junge Traser, während im Sturm lediglich Linksaußen Lieber überzeugen konnte ...“

Neuhaus: „Idi bin nicht feige!“

Hein ten Hoff erwartet seinen Herausforderer zum Meisterschaftskampf in Dortmund

Es sind noch keine zwei Jahre her, daß der Dortmunder Sportjournalist Hermann Wiersch allen denen, die es hören wollten, sein Vertrauen zu dem von ihm väterlich betreuten Boxer Heinz Neuhaus verkündete. „Dieser Mann kommt, darauf könnt Ihr Häuser bauen“, versicherte er den Sportjournalisten, die sich anläßlich eines Herberger-Fußball-Lehrganges in Dortmunds Kampfbahn „Rote Erde“ getroffen hatten. Und gerade jenes Stadion „Rote Erde“ in Dortmund ist am Sonntag um 16 Uhr der Kampfplatz der 49. Deutschen Schwergewichts - Meisterschafts - Begegnung zwischen dem Meister Hein ten Hoff und Heinz Neuhaus.

24jähriger bedroht 31jährigen!

Neuhaus ist sich seiner großen Chancen voll bewußt. In einer Hamburger Rangliste stand er im Oktober 1949 noch nicht einmal verzeichnet und erst die amtliche Rangliste vom 19. 11. 49 kannte in Gruppe II einen „Neuhaus“, der sich kometenhaft nach oben arbeitete. Mit 1,87 m Größe und 93 kg nahm der Dortmunder jeden Kampf mit noch so geringer Börse an. Nach Börsen von 100, dann 300, 500 und 800 DM bekam er am 5. Mai 1950 gegen Kleinhoidermann bereits 5000 DM. Und nach seinen neuesten Erfolgen gegen Grupe und Seelisch war (außer Kohlbrecher und Conny Rux. den er einmal als Amateur besiegte) nur noch der 31jährige Meister Hein ten Hoff Gegner am deutschen Boxsporthimmel. Jetzt geht der 24jährige auf dieses nächste Ziel los.

Deutschlands Schwergewichtsmeister Hein ten Hoff, der nach 60 Monaten „ Profi-Dienstzeit“ den erst 18 Monate im Berufsboxsport tätigen Neuhaus annimmt, unterschätzt ihn nicht. Denn schließlich hat diesem der. USA-Neger „Tiger“ Jones den letzten Schliff, wertvolle Kampfkniffe und Taktik beigebracht Heinz Neuhaus erklärte: „Ich bin im Vollbesitz meiner Kräfte und traue mir eine Chance gegen Meister Hein zu. Alle meine Freunde wissen, daß ich nicht feige bin. Dem Mutigen gehört die Welt.“ E. L.

Tischtennis

SV Darmstadt 98 - Bad Nauheim 6:9

In der obersten Hessischen Tischtennis-Klasse brachte der Sonntag keine Ueberraschung, wenn man von dem Spiel TTC Biblis—Weiß-Blau Frankfurt absieht. Der * Tabellenführer SV Flörsheim siegte in Biblis

ungefährdet 9:3. Die Gastgeber, die in den vergangenen Jahren noch mit zu den Meisterschaftsfovoriten zählten, können in diesem Jahre diese Position nicht einnehimen. Gegen Eintracht Frankfurt wurde ebenfalls das Spiel glatt verloren. Der Meister SV Wiesbaden siegte klar in Rüsselsheim 9:0.

Auch än ihrem zweiten Helmkampf mußten die Lilienträger eine Niederlage hinnehmen, die bewies, daß zfir Zeit ein überragender Mann in der Mannschaft fehlt, der für beide Punkte bei den Einzelspielen gut ist. Darmstadts Spitzenspieler Zeglys wär nicht mit von der Partie. Hardt, 98, kannte gegen Bad Nauheims Spitzenspieler und hessischen Rangldstenspieler Mesch nichts ausrichten. Er verlor ebenso wie der jugendliche Hartmann, der allerdings einem Siege sehr nahe war und dem nur die nötige Erfahrung fehlte. Beide konnten am 2. Brett spielend über Eisele, Bad Nauheim, glatt gewinnen. Am 3. und 4. Brett gab es diesmal keine Punkte. Kappes, 98, verlor beide Einzelspiele, wenn auch recht unglücklich und Römer hatte nicht seinen besten Tag. Lutz und Wittmann konnten je ein Einzel zu ihren Gunsten entscheiden. Bei den ausgetragenen Doppelspielen fielen an die Darmstädter 2 Punkte, die durch Kappes/Handt und Römer/Hartmann errungen wurden.

Nach diesen Spielen hat die Mannschaft des SV 98 Darmstadt außer der Eintracht Frankfurt sämtliche Spitzenmannschaften in der Vorrunde als Gegner gehabt und müßte nun bei den nächsten Spielen zu Punktgewinnen kommen.

Die 2. Garnitur des SV 98 schlug in einem harten und ausgeglichenen Kampf die Mannschaft von Heppenheim. Besonders gefielen die beiden 98er Halter und Mees sowie der seit geraumer Zeit für den SV 98 wieder spielende Heldmann. Ku.

Der zweite Spielsonntag in der Bezteks-Iklasse brachte 1875 Darmstadt die Tabellenführung. Nach überlegenem Spiel schlugen sie die Mannschaft der SKG Jugenhe m mit 9:0. Die Spielstärke der aufgestiegenen Mannschaften ist beachtlich. Ku.


Hardt, SV 98, gewann sein Spiel gegen den einarmigen Eisele, Bad Nauheim, beim Tischtennis-Verbandsspiel am Sonntag. Foto: Hemme
Hardt, SV 98, gewann sein Spiel gegen den einarmigen Eisele, Bad Nauheim, beim Tischtennis-Verbandsspiel am Sonntag. Foto: Hemme

Ringen

SV 98 kommt in der Ringer-Oberliga nicht mit

SG Eckenheim wieder Tabellenführer

Am Wochenende setzte sich der Altmeister, die SG Eckenheim, wieder an die Tabellenspitze. Mit einem überlegenen Sieg bei Eiche Hanau wurde dieser schwere Auswärtskampf gewonnen. In Hösbach gab es für ASV 86 Frankfurt nicht viel. Ohne ihren Meister Bruno Henze antretend, ver-

loren sie glatt 2:6. Das Trefen der beiden am Tabellenende stehenden Mannschaften entschied Vorwärts Groß-Zimmern über Darmstadt 98 zu seinen Gunsten.

Eiche Hanau—SG Eckenheim 2:6 Germania Hösbach—ASV 86 Frankfurt 6:2 Vorwärts Groß-Zimmern—Darmstadt 98 6:2

Vorwärts Groß-Zimmern — SV Darmstadt 98 6:2

Im vorentscheidenden Kampf um den Verbleib in der hessischen Ringer-Oberliga standen sich am Samstagabend in Groß-Zimmern die Mannschaften des Gastgebers und die Lilienträger gegenüber. Beide Mannschaften befinden sich in der unteren Tabellenhälfte, weshalb man auf den Ausgang dieses Treffens sehr gespannt war. Leider konnten die Darmstädter nicht komplett antreten; so war Heckhaus. Ebert. Borowski und Dietrich nicht mit von der Partie. Unter diesen Umständen ist die klare Niederlage erklärlich, wodurch die Darmstädter fast hoffnungslos am Tabellenende hängen und die Aussicht auf Verbleib in der höchsten Klasse äußerst gering ist. Im ersten Kampf konnte Arancio/98 für die Gäste durch einen Wickler in der 2. Minute den ersten Punkt für Darmstadt holen. Im Schwergewicht gab es einen ausgeglichenen Kampf zwischen Gerhardt/98 und Pullmann/Groß-Zimmern. Der bessere Angriff von Pullmann sicherte ihm einen knappen

Punktsieg Im Bantamgewicht standen sich in Roth und Schnauber zwei alte Füchse gegenüber. Wie auch im Vorjahr, mußte sich Schnauber/98 durch eine Punktniederlage besiegen lassen. Noch einmal konnten die Lilienträger hoffen, als Scheidler/98 im Halbschwergewicht über Haas/Groß-Zim_ mern knapp nach Punkten siegreich bleiben konnte. Dieser Punktgewinn sollte auch der letzte dieses Abends für die Gäste sein. Im Federgewicht siegte Rudolph/ Groß-Zimmern über Marx/98 in der 6. Minute durch Eindrücken der Brücke. In den folgenden Kämpfen hatten die Gäste nichts zu bestellen und die Schultersiege der Einheimischen konnten bereits in den ersten Minuten erkämpft werden. So siegte Steinbeck im Mittelgewicht über Waldhaus/98 bereits in der 3. Minute durch Ueberroller, Dittmann über Mischky/98 in der 1. Minute durch Hüftschwung und Schwesinger/98 verlor in der 2. Minute durch Eindrücken der Brücke. -eri-

Darmstadt 1910 baut Tabellenführung aus

SG Arheilgen—SKG Sprendlingen 4:4 Kostheim—KSV Neu-Isenburg 4:4 SKG Ob.-Ramstadt—Athletia Wiesbaden 7:1

Obwohl der Spitzenreiter Darmstadt 1910 am Wochenende pausierte, konnte er seine Tabellenführung weiter ausbauen, da seine beiden hartnäckigsten Verfolger Neu-Isenburg und Sprendlingen jeweils einen Punkt verloren. In Arheilgen mußte Sprendlingen letzten Endes froh sein, wenigstens einen Punkt gerettet zu haben. Die Staffel von Neu-Isenburg konnte auf der gefürchteten Matte in Mainz-Kostheim einen wertvollen Punkt erringen. Durch den Sieg über Wiesbaden zeigte Ober-Ramstadt erneut, daß sie auf eigener Matte kaum zu schlagen sind. Die Gäste werden, nachdem, sie weiterhin ohne Punktgewinn sind, sich kaum in der Landesliga halten können.

Ober-Ramstadt — Wiesbaden 7:1

Mit jedem Kampf steigt die Begeisterung für die Schwerathletik in Ober-Ramstadt, was der ständige Zuwachs der Zuschauer noch besonders unterstreicht. Die Kämpfe am Samstagabend waren von der Wiesbadener Mannschaft aus jedoch keine Offenbarung. Zwei Mann hatten Uebergewicht (Die Kämpfe wurden auch als Freundschaftskampf von Ober-Ramstadt gewonnen, der Schwergewichtler fehlte, der Federgewichtler gab auf und der Mittelgewichtler stellte sich nicht auf der Matte. Mithin waren im Fliegengewicht Frankenberger (O.). im Mittelgewicht Becker (O ) kampflos Sieger. Im Fliegengewicht war Friedrich Katzenmeier (O.) über Pfannmüller (W.) durch Schleuder erfolgreich (Pfannmüller hatte Übergewicht). Da Oeschker (W) im Federgewicht aufgab, wurde Führer (O.) Sieger. Damit waren vier Kämpfe schon im voraus entschieden. Mehrscheidt (Junior). Wiesbaden,' überraschte im Bantamgewicht Kleppinger (O.) in der Bodenrunde durch Elektriker. Er sicherte damit den einzigen Punkt der Gäste. Eine ausgezeichnete Partie lieferte Katzenmeier, Robert (O.) im Leichtgewicht gegen den routinierten Becker (W.) und siegte durch Halbnelson. Im Weltergewicht machte Böttcher (O.) mit Boitkamp (W.) kurzen Prozeß und legte ihn in der dritten Minute durch Halbnelson auf die Schultern. Schaller (O.) mußte sich um seinen Sieg anstrengen, aber arbeitsmäßig war er Gruber (W.) klar überlegen. Die Kämpfe wurden vom Schiedsrichter-Obmann Heckmann, Darmstadt, sicher geleitet. -D-

SG Arheilgen — SKG Sprendlingen 4:4

In der gutbesuchten Schulturnhalle zu Arheilgen sah man am Samstagabend technisch schöne und erbitterte Kämpfe zwischen den beiden Ringerstaffeln der SG Arheilgen und der SKG Sprendlingen. Nach der hohen Niederlage der Gastgeber am vergangenen Wochenende war man allgemein auf dieses Treffen gespannt, liegt Sprendlingen mit nur zwei Verlustpunkten relativ mit Darmstadt 1910 am günstigsten in der Tabelle. Leider hatte die Begegnung in Kampfrichter Löbig (Dieburg) nicht den geeigneten Mann zur Stelle. Er benachteiligte beide Mannschaften und konnte nicht überzeugen.

Den Hauptkampf des Abends, der wohl auch die meisten Zuschauer angelockt haben mag, gab es im Schwergewicht zwischen Spatz/Arheilgen und Heinel/Sprendlingen. Beide Ringer zählen zur hessischen Spitzenklasse. In den bisherigen Freundschaftsbegegnungen konnte Spatz immer siegen. Diesmal war es umgekehrt, mit ungestümen Angriffsgeist griff Heinel an. Spatz konnte seinen gefürchteten Hüftschwung nicht anbringen, so daß Heinel das Kampfgeschehen eindeutig diktieren konnte. Sein Punktsieg war völlig verdient. Zuvor standen sich im Fliegengewicht Freudenberger/ SG Arheilgen und Schlapp, E./Sprendlingen gegenüber. Beide Ringer zeigten ausgeglichene Leistungen. Trotzdem war der Punktsieg von Freudenberger nicht gefährdet. Arheilgen konnte Im Bantamgewicht durch Ebert eine 2:1-Führunk herausholen. Er siegte bereits nach der 1. Minute durch Eindrücken der Brücke. Der unbeherzte Neubecker/Sprendlingen hätte ums Haar einen Kampfabbruch heraufbeschworen. Nachdem Fiedler/Arheilgen durch seinen Punktsieg über Schäfer im Halbschwergewicht die Führung weiter ausbauen konnte, glaubte man allgemein auf einen Sieg der Gastgeber. Die beiden nächsten Begegnungen gingen an die Gäste. Im Federgewicht verlor Dern/Arheilgen gegen Stork in der 6. Minute durch Armzug am Boden. Ueberraschend verbessert stellte sich Becker/Arheilgen im Mittelgewicht vor. Er führte klar seinen Kampf bis zur 6. Minute, als er zur allgemeinen Ueberraschung bei einer Unachtsamkeit durch Eindrücken der Brücke verlor. Die beiden letzten Begegnungen mußte die Entscheidung bringen. Kuchar/Arheilgen war es, der im Leichtgewicht in der 8. Minute durch Halbnelson über Schlapp gewann. Mit Specht/ Sprendlingen und Arnold/Arheilgen standen sich zwei gleichwertige Ringer gegenüber. Der knappe Punktsieg von Specht, der zuvor eine Verwarnung einstecken mußte, war überaus glücklich. -eri-

Die Ergebnisse der ersten Kämpfe in der Kreisklasse: Gruppe 1: Wersau — Roßdorf 5:3. Gruppe 2: Nieder-Ramstadt — Bensheim 7:1, Rimbach — Pfungstadt 3:5.

Fußball-Kreisklasse Dieburg

Ueberau und Niederroden führen mit 10:0

In der Fußball-A-Klasse des Kreis-ss Dieburg hat Ueberau seine Spielpause mit dem ersten Tabellenplatz bezahlen müssen. Es hat seine führende Stellung also nicht auf dem Spielfeld eingebüßt, und das nimmt dem Niederröder Sprung in den Sattel doch einige Bedeutung, zumal die Ost-Rodgauer in Dreieichenhain keineswegs bis zur letzten Konsequenz befriedigen konnten. Immerhin haben sie mit dem 3:1-Sieg das achtunggebietende Torverhältnis von 38:7 erreicht. Götzenhain hat sich durch den höchsten Sieg des Tages (4:0) — in die Tore teilten sich auch halbzeitmäßig Schäfer und Döring — über Reinheim auf den 4. Platz hinter seinen Nachbarn Offenthai gesetzt. Spvg. Groß-Umstadt wäre zu Hause von Schlußlicht Mosbach beinahe aus den Pantinen gekippt worden. Der Gast hatte durch l’ömschuß bereits das 0:1 erreicht, aber Arnold und Wolf sicherten doch noch den 2:1-Sieg. Spachbrücken konnte den Offenthalern keinen Respekt einflößen, denn erst bei der Gästeführung mit vier Toren kam es durch Poth zum Ehrentreffer. Lengfeld ast aus Klein-Zimmern nur mit halber Ladung heimgekehrt; Viktoria aber darf das 1:1 noch als Erfolg buchen, zumal der Gast dem Führungstreffer Schenks (gegen Ende der 1. Halbzeit) gegenüber nicht mehr als den Ausgleich herausholen konnte. RG

In der Gruppe 1 der Fußball-B-Klasse Dieburg fielen in vier Treffern 27 Tore, davon erzielten die Unterlegenen zusammen nur drei; die Siege sind also nicht nur eindeutig, sondern in zwei Fällen sogar pfundig ausgefallen. Am besten schnitt Hassia II ab, die unsere Voraussage erfüllte und daheim 9:1 gegen Niedernhausen gewann. Damit ist das Spielgeschehen gleichermaßen gekennzeichnet wie beim Heimsieg des SV 45 Groß-Bieberau über Hering mit 7:1. Dann gleitet die Skala der Sonntagssieger wieder um 2 ab; allerdings hatte jetzt der Gast den Vorteil, denn Brensbach mußte das Leder fünfmal (von Wersau) passieren lassen, ehe es die Heimniederlage auf 1:5 „verbessern“ konnte. Schließlich gab es noch ein 3:0, das Ober/Nieder-Klingen über Fränkisch-Crumbach erzielte. Also 9:1, 7:1, 1:5 und 3:0, das sind klare Sachen auf der ganzen Linie.

Noch genauer wie Dieburg wollte es in der Gruppe 2 Hergershausen wissen. Es hat sich von seiner voraufgegangenen Ueberraschungs-Heimniederlage sehr schnell und gut erholt, denn sein 9:0-Erfolg in Groß-Umstadt rechtfertigt diesmal seinen Namen „Kickers“. Elster, Koch, Saul und Witzel mit je zwei und Unkelmann mit einem Tor waren die Markeure. Die Freie Spvg. Münster ist auch über ihr schweres Spiel in Heubach hinweggekommen, denn mit zwei Zählern und nur einem Gegentor bleiben die Punkte beieinander. Immer schön halbiert haben die Schaafheimer Höreth (4), Kreher (2) und Sauerwein (1) ihre Torerfolge in Wiebelsbach. Damit sind die Viktorianer gleich den Kickers scharf hinter Münster her. Klein-Umstadt hatte gegen Raibach seine liebe Not, denn der Gast führte mit einem Tor. ehe die Umstädter sich besannen und noch in der 1. Halbzeit zweimal ins Schwarze trafen. Nach dem Wechsel wurde beiderseits so güt abgedichtet, daß nichts mehr schief ging.

Bestenliste der Leichtathleten

Die Kreisleichtathletikwarte und alle Mitarbeiter des L.-A.-Bezirkes Darmstadt werden gebeten, die noch ausstehenden Leistungen bzw. Wettkampflisten “der letzten Sportfeste an den Bezirkssportwart L. Jost, Darmstadt, Aeußere Ringstr. 106, oder an die Statistik Karl Ackermann, Darmstadt, Robert-Schneider-Straße 54. zu senden. Die Bestenliste kann ab sofort zur Korrektur eingesehen werden. -ck-

Bestattungen am Mittwoch, dem 11. Oktober 1950 | Beerdigungen: Waldfriedhof: 11.15 Johann Dingeldein, 79 Jahre, Nieder- I Ramstädter Heime, früher Darmstadt, ■ Nieder-Ramstädter Straße

Amtliche Bekanntmachungen Versteigerung Ich werde versteigern. 12. 10., 10 Uhr, Pfandkammer Amtsgericht: 2 Büfetts, Kredenz, Schreibtisch, Ausziehtisch, Plüschsessel, Radio, Vorwerk-Teppich 3X21/» m, Obstpresse. Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b)

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