Sprecher aller Bonner Parteien lehnen Lurussteuer-Gesetz ab
Bonn, 6. Oktober, (dpa) Das neue Luxussteuergesetz hat keinen guten Start gehabt. Im Bundestag ist es am Freitag von Sprechern aller Parteien in der vorliegenden Form abgelehnt worden.
Das Gesetz, das unter anderem für Personenkraftwagen, Lederwaren, Spirituosen und einige Delikatessen eine Sondersteuer vorsieht, wurde von Dr. Höpker-Aschoff (Freie Demokraten) in den Bereich des „Steuerdilettantismus“ verwiesen.
Dr. Koch (Sozialdemokrat) sagte, die Opposition sei nicht bereit, der Regierung Hilfestellung bei Scheingefechten zur Beruhigung ihres sozialen Gewissens zu leisten. In seiner vorliegenden Form stelle das Luxussteuergesetz Qualitätsarbeit unter Geldstrafe.
Neben diesem interessanten Thema standen noch mehrere wichtige Gesetze und Anträge zur Debatte. Dazu gehören die Aufhebung der Immunität des sozialdemokratischen Abgeordneten Kalbfell, die Aufhebung der sechsprozentigen Gehaltskürzung für Bundesbeamte und -angestellten, die Anerkennung von Nottrauungen, Vorschläge zu einem Personalausweisgesetz und eine Verordnung über die Getreidepreise.
Die Immunität Kalbfells wurde vom Bundestag aufgehoben, da das Innenministerium von Südwürttemberg-Hohenzollern gegen Kalbfell in seiner Eigenschaft als Reutlinger Oberbürgermeister ein Disziplinarverfahren einleiten will. Die Essener Zeitschrift „Der Fortschritt“ hatte Kalbfell vorgeworfen, er sei an der Hinrichtung von vier Geiseln beteiligt gewesen, die im November 1945 in Reutlingen durch ein französisches Bataillon erschossen wurden.
Ein vom Bundestag einstimmig angenommenes Gesetz verfügt, daß alle in der Zeit vom ersten Januar 1945 bis zum ersten August 1948 erfolgten Eheschließungen, die nicht rechtswirksam sind, weil sie nicht von einem Standesbeamten vollzogen wurden, vom Zeitpunkt ihres Bestehens an voll anerkannt werden, wenn diese Anerkennung bis Ende nächsten Jahres beantragt wird.
Eb nfalls einstimmig billigte das Plenum die Vorschläge eines Vermittlungsausschusses zu einem Gesetz über Personalausweise. Danach soll bis zum 31. Dezember 1954 jeder mit einem Lichtbild versehene alte Ausweis gelten Schließlich billigte der Bundestag eine Aenderung der vorläufigen Geschäftsordnung, wonach die Beschlußfähigkeit des Plenums nur von mindestens fünf Abgeordneten bezweifelt werden kann.
Gegen Wiederanfrüstung
Die Haltung der französischen Regierung
Paris, 6. Oktober. (AP.) Ein großer Teil der französischen Kabinettsmitglieder soll sich am Freitagnachmittag auf einer Sitzung trotz des amerikanischen Druckes gegen eine Wiederaufrüstung der Bundesrepublik zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgesprochen haben, verlautet aus gutunterrichteten amerikanischen und französischen Kreisen in Paris.
Gleichzeitig ist der amerikanische Botschafter, David K. Bruce von seiner Regierung aufgefordert worden, sofort zu Besprechungen nach Washington zurückzukehren.
Erdbeben in Costarica
San Jose, 6. Oktober, (dpa) Teile des mittelamerikanischen Staates Costarica wurden von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Auch die Hauptstadt San Jose wurde von dem Beben betroffen.
Die Sowjets verloren eine Schlacht
Der kommunistische Generalstreik in Oesterreich ist zusammengebrochen
Wien, 6. Oktober. (AP.) Der von den Kommunisten propagierte Generalstreik in Oesterreich ist in der Nacht zum Freitag restlos zusammengebrochen. Ruhige Passivität der Bevölkerung und entschiedener Widerstand aller Behördenangestellten auch in der russischen Zone und im Sowjetsektor Wiens haben damit den Kommunisten eine der entscheidendsten Niederlagen in Europa beigebracht. Von internationaler Bedeutung ist es, daß die Kommunisten ängstlich vermeiden, irgendwelche Zwischenfälle, die internationale Weiterungen ergeben hätten, herbeizuführen. Diese Tatsache beweist, daß die Sowjetunion nicht gewillt ist, gegenwärtig eine Situation zu provozieren, die einen Krieg mit den Westmächten heraufbeschwören könnte.
Der Zugverkehr in Oesterreich konnte am Freitag normal abgewickelt werden. Die Wiener Straßenbahnen verkehrten fahrplanmäßig. Während 50 000 kommunistische Streikende ihre Arbeit wieder aufgenommen hatten, demonstrierten 10 000 anti-kommunistische Arbeiter am Freitagmorgen in Wiener-Neustadt, der Hochburg des Kommunismus, gegen den „Roten Generalstreik“.
Rentenkürzung für Kommunisten
Forderung des „Deutschen Bundes“
Düsseldorf, 5. Oktober, (dpa) Der Landesbezirk Nordrhein-Westfalen des „Deutschen Bundes“, einer Organisation von Sowjetzonen-Flüchtlingen, hat den Nordrhein-Westfälischen Landtag um ein Gesetz gebeten, durch das die Unfall- und Hinterbliebenenrenten für Mitglieder der Kommunistischen Partei oder der ihr angeschlossenen Gliederungen auf etwa vierzig Prozent der jetzigen Höhe eingeschränkt werden. Die dadurch ersparten Gelder sollen den Opfern des Kommunismus zukommen.
FRAUEN
im Sturm der Zeiten
So heißt die Artikelserie, die in der heutigen Sonntagsbeilage des „Darmstädter Tagblatts“ beginnt und die unsere Leser, ganz besonders die Frauen, lebhaft interessieren wird. Denn hier schildert ein ausgezeichneter Kenner der Materie die Schicksale bekannter Frauen der Weltgeschichte. Die Charaktere dieser Frauengestalten sind so plastisch gezeichnet, daß wir ihre Schicksale persönlich mitzuerleben glauben. Im Hintergrund der Geschehnisse lodern die Fanale staatlicher jind monarchischer Wirrnisse.
Diese Serie wird heute mit dem Lebensweg von Mari Antoniette eröffnet, der unglücklichen Gemahlin Ludwigs XVI. von Frankreich. Damit erfährt das beliebte Sonntagsblatt des „Darmstädter Tagblatts" eine weitere wertvolle Bereicherung.
Der Sicherheitsrat soll entscheiden
MacArthur erbittet Weisungen zur Frage des 38. Breitengrades
Tokio, 6. Oktober. (AP./dpa) Wie aus zuständigen Kreisen der Vereinten Nationen in Tokio verlautet, hat General Mac Arthur vom Sicherheitsrat eine besondere Entscheidung erbeten, ob die Streitkräfte der Vereinten Nationen den 38. Breitengrad überschreiten dürften.
In Tokio wird darauf hingewiesen, daß amtiche Kreise in Lake Success diesen Schritt Mac Arthurs als nicht notwendig bezeichnet haben. Der General habe jedoch Zweifel geäußert, ob die Sicherheitsrats-Entschließung vom 27. Juni ihn zum Einmarsch nach Nordkorea ermächtige. Er habe daher um eine besondere Genehmigung in Form einer neuen Entschließung ersucht.
An der Ostküste Nordkoreas geht der Vormarsch der südkoreanischen Truppen weiter. Verbände der dritten südkoreanischen Division durchbrachen hier am Freitag die nordkoreanischen Verteidigungslinien und drangen bis zu einer Entfernung von rund fünfzig Kilometer auf den wichtigen Hafen und Verkehrsknotenpunkt Wonsan vor. Die Südkoreaner hatten Verstärkungen angefordert, als ihre Angriffsspitzen in der Nähe der Küste von einem kommunistischen „Selbstmord-Bataillon“ aufgehalten wurden. In heftigen Kämpfen, die zum Teil in unübersichtlichem und gebirgigen Gelände stattfanden, gelang es dann den Südkoreanern, die nordkoreanischen Gegenangriffe zurückzuschlagen, die Front zu durchbrechen und in schnellem Vorstoß fast dreißig Kilometer an der Ostküste nach Norden vorzudringen. Die Vorausabteilungen der südkoreanischen Division stehen nunmehr am Stadtrand von Tongchon.
Die Division „Söul“, die nach dem Überschreiten des 38. Breitengrades nach Westen in das Landesinnere abgebogen war, hat den Soyangjang überschritten und die Stadt Inje genommen. Die Vorhut der Divisionen ist weiter noch nach Nordwesten vorgestoßen und hat nach Ueberwindung des feindlichen Widerr Standes den Raum nordöstlich Hwachon erreicht. Hwachon bildet den Eckpfeiler der nordkoreanischen Verteidigungslinie am 38. Breitengrad.
Nach Schätzungen des amerikanischen Hauptquartiers haben die Kommunisten seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten am 25. Juni 200 000 Mann verloren. In dieser Zahl sind etwa 40 000 Gefangene einbegriffen, die von den Truppen der Vereinten Nationen bisher eingebracht wurden. Unter diese Schätzung fallen auch die Verluste der Kommunisten an Nachschub- und Versorgungstruppen und an Einheiten des Ersatzheeres. Der Verlust-Anteil der kämpfenden Truppen ist jedoch nicht bekannt. Demgegenüber sollen die Verluste der amerikanischen Streitkräfte in diesem Zeitraum nur 20 756 Mann betragen, von denen 2954 gefallen sind.
Alliierte Lufstreitkräfte haben ihre Angriffe auf die feindlichen Verbindungswege in Nordkorea fortgesetzt. Zwei große Lastwagenkolonnen, die mit Nachschub an die Front rollten, sind vernichtet worden. Nachtjäger und Bomber haben im Norden des Landes Eisenbahnlinien, Tunnels und Brücken mit Erfolg angegriffen.
Die Aufforderung der demokratischen Parteien und des Magistrats von West-Berlin zur Volksbefragung nach freien Wahlen für ganz Berlin hat bei den Bewohnern des sowjetischen Sektors außerordentlichen Widerhall gefunden. Im Schöneberger Rathaus sind bereits mehrere hunderttausend Stammabschnitte der Lebensmittelkarten, die als Ja-Stimmen gelten, aus dem Ostsektor eingetroffen. Foto: United Press
Abgeblasen
♦ * * Urplötzlich ist der Generalstreik in Oesterreich abgeblasen worden. Als die Kommunisten sahen, daß die Bevölkerung und der größte Teil der Arbeiterschaft, — besonders außerhalb des sowjetischen Sektors — sich ablehnend verhielt, waren die Streikenden zu offenen 'Terrorakten übergegangen. Kein Zweifel, der Bolschewismus wollte in Oesterreich „aufs Ganze gehen“.
Im Kreml muß man sich jedoch, unter dem Eindruck der Niederlage in Korea bewußt geworden sein, die Weltsituation sei neuen bolschewistischen Uebergriffen nicht günstig. Nach Mitteilungen, die dem westlichen Geheimdienst vorliegen, sind im letzten Augenblick fünf Mitglieder des Kcminform in Wien erschienen und haben die Streikführer angewiesen, ihre Pläne zur Machtergreifung in Oesterreich aufzugeben. Daraufhin hat der kommunistische Aktionsausschuß mit vierhundert gegen drei Stimmen die Beendigung des Streiks beschlossen. Das Machtwort des Kominform genügte, um dieses Abstimmungsergebnis zu erzielen.
Der Aktionsausschuß versichert, der Kampf werde in anderer Form weitergeführt werden. Daran ist nicht zu zweifeln. Aber auch daran nicht, daß der Bolschewismus zurückweicht, wenn ihm von der Bevölkerung und von den Vereinten Nationen eine entschlossene Haltung gezeigt wird. Diesen Anschauungsunterricht wird man auch in der Bundesrepublik beherzigen.
Die Augst vor dem Nein
Von Reinhold ZenzDer 7. Oktober wird in der Sowjetzone als „Tag der Republik“ gefeiert, da ein Jahr zuvor das volksdemokratische Kabinett die Regierung übernahm. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine ostdeutsche Regierung, es gibt nur eine sowjetdeutsche Clique, die sich Regierungsrechte anmaßt. Zuständig für ganz Deutschland ist allein die deutsche Bundesrepublik.
Die Sowjetzonen-Regierung kam auf Grund von Wahlfälschungen zustande, denn auch durchstrichene Wahlzettel wurden als gültige Ja-Stimmen gewertet. Die oberste Wahlleitung vertrat nach entsprechender Information durch die sowjetische Besatzungsmacht die Auffassung, der Wähler habe sich nicht darauf beschränkt, sein Kreuzchen in den Ja-Kreis einzuzeichnen, sondern habe dieses in seiner Begeisterung über den ganzen Stimmzettel augedehnt!
Die „Begeisterung" für das Sowjetzonen-Regime ist im Verlauf des letzten Jahres noch erheblich gestiegen. Seine sowjetdeutschen Funktionäre konnten zwar nicht umhin, für den 15. Oktober dieses Jahres Neuwahlen für die Volkskammer auszuschreiben. Ihre Angst vor dem Nein der Bevölkerung ist jedoch so groß, daß sie praktisch eine Wahl durch raffiniert ausgeklügelte Wahlbestimmungen unmöglich gemacht hat.
Die neue Vollmacht
Morgen in acht Tagen werden Millionen deutscher Menschen in der Sowjetzone an die Wahlurne gezwungen, um einigen Zehntausenden von verhaßten Funktionären eine erzwungene Vollmacht auszustellen. Diese Vollmacht soll ihnen den Rechtsanspruch darauf geben, die Bolschewisierung in der Sowjetzone weiter voranzutreiben und Ostdeutschland endgültig zum Satellitenstaate machen.
Kann die Bevölkerung der Sowjetzone irgendein Interesse daran haben, die Wiederwahl ihrer bisherigen Machthaber zu wünschen? Noch heute nimmt sich der Staats-Sicherheitsdienst das Recht, Personen wegen angeblicher politischer Vernehmung nach Gutdünken zu verhaften. Seit dem Zusammenbruch 1945 sind in die Konzentrationslager der Sowjetzone dreihunderttausend Menschen eingeliefert worden. Ein Drittel ist gestorben. Ein Drittel wurde entlassen, während sich ein Drittel noch heute in der Sowjetzone in Haft befindet, oder in die Sowjetunion verschleppt worden ist. Wer einen größeren bäuerlichen Besitz hatte, wurde durch ein besonders hohes Ablieferungssoll ruiniert. Die Industrie ist bis auf fünfzehn Prozent des Gesamtproduktionswertes in sowjetische Aktiengesellschaften oder volkseigene Betriebe übergeführt worden. Das Handwerk wurde zu einem Hilfsorgan der Staatsbetriebe herabgewürdigt. Das Arbeitslosenproblem wußte man zu lösen, indem man ein Handarbeiter-Sklaven-Heer die Arbeit der demontierten Maschinen verrichten läßt. Die Lebensmittelverhältnisse sind auch heute noch derart schlecht, daß die Sterblichkeit in den Städten mit dreißig bis 110 Prozent die Geburten überwiegt. Eine bezeichnende Aeußerung eines Bewohners der Sowjetzone faßt die Stimmung der Bevölkerung in dem Satz zusammen: „Die Gewißheit, daß es noch eine andere Welt gibt, als diejenige in der wir leben müssen, hält uns allein aufrecht.“ Kann die Sowjetzonen-Regierung unter diesen Umständen überhaupt damit rechnen, durch eine Willenskundgebung des Volkes bei einer freien Wahl eine neue Vollmacht zu erhalten? Nein.
Der Wahlbetrug
Ein Vergleich zwischen der Verfassung der Sowjetzone mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik ergibt, daß zwar eine formale Uebereinstimmung besteht, daß diese jedoch durch die Handhabung in der Sowjetzone weitgehend aufgehoben ist. Die sogenannten bürgerlichen Parteien sind durch die Blockpolitik der Sozialistischen Einheitspartei auf eine Linie gezwungen worden und bestehen nur noch dem Namen nach. Es gibt lediglieh eine Einheitsliste. Die Wahl selbst, die am 15. Oktober vorgenommen werden soll, ist nach den Worten des amerikanischen Außenministers Acheson ein schamloses Beispiel für die Entwürdigung der demokratischen Formen.
Nach dem Wahlgesetz sind keine Vorkehrungen dafür getroffen, daß der Wähler eine geheime Wahl vornehmen kann. Es ist vorgesehen, daß der Wähler beim Betreten des Wahllokals einen Stimmzettel erhält. Sein Name wird auf einer Liste abgehakt. Dann könne er, wenn er es wünsche, Veränderungen auf dem Stimmzettel vornehmen, der keine Nein-Rubrik vorsieht. Für einen Vermerk auf dem Stimmzettel ist keine Wahlzelle vorgesehen. Wird eine Veränderung vorgenommen, geschieht dies unter den Augen des kommunistischen Wahlvorstandes, der damit einwandfrei .feststellen kann, wer gegen die Einheitsliste und damit gegen die Kommunisten stimmen will.
Der Wähler weiß also von vorneherein, daß er sich schwersten Folgen aussetzt, wenn er von seinem Recht der freien Willensäußerung Gebrauch macht. Er kann sich aber auch nicht der Wahl entziehen. Dann verrät dies die Wählerliste. Ja, er kann nicht einmal der Wahlurne ferribleiben, denn es ist dafür gesorgt, daß die Wähler als Betriebs- oder Hausgemeinschaften geschlossen zum Wahllokal geführt werden.
„Wir wissen, Ihr meint nein“
Man kann von der Bevölkerung nicht verlangen, sie solle sich bei der kommenden Wahl in Gefahr für Leib und Leben begeben. Bundesminister Kaiser hat den bedrängten Menschen in der Sowjetzone die Versicherung abgegeben: „Wir wissen, Ihr meint „nein“, wenn Ihr am 15. Oktober „ja“ sagen müßt."
Nun wird man sich erinnern, daß die Goebbelsschen Wahlfälschungen im Auslande immerhin großen Eindruck gemacht und bei den freien Völkern die Ueberzeugung erweckt »hab&n, 99 Prozent der Deutschen seien fanatische Nationalsozia.- listen. Die Wahlziffern des „Tausendjährigen Reiches“ sind nicht zuletzt bestimmend dafür gewesen, wenn von einer Kollektivschuld der Deutschen gesprochen wird. Wird man im Auslande das jetzt schon feststehende Wahlergebnis in der Sowjetzone nicht auch als Beweis dafür ansehen, die Bevölkerung habe sich mit dem bolschewistischen System abgefunden? Nein, das Ausland sieht heute klarer, wie die Beurteilung der Sowjetzonen-Wahlen durch den amerikanischen Außenminister beweist. Man wird die Volkskammerwahlen allgemein als das beurteilen, was sie sind, als einen plumpen Uebertölpelungs-Versuch der eigenen Wähler und der freien Völker.
Die Gegenprobe
Die russische parteiamtliche Zeitung „Prawda“ behauptete vor vierzehn Tagen, am 15. Oktober werde das deutsche Volk zum ersten Male in seiner Geschichte Abgeordnete wählen, die als wahre Diener am Volke gälten. Der Erste Vorsitzende des kommunistischen Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Sowjetzone, Herb. Warnke, hat jedoch beim Pfingsttreffen der Freien Deutschen Jugend unbewußt das richtige Urteil über jene Wahlen gesprochen, als er (im Hinblick auf die Bundesrepublik) sagte: „Man darf die Resultate politischer Wahlen nicht mit der Stimmung der Massen verwechseln." Die Stimmung der Massen ist durchaus an einem Wahlergebnis zu erkennen, wenn freie demokratische Wahlen vorgenommen werden. Sie kann nicht zum Ausdruck kommen, wenn der Wähler, wie in der Sowjetzone, an der freien Willensäußerung gehindert wird.
Die bürgerlichen Parteien West-Berlins und auch das Berliner Stadtparlament haben einen geschickten Schachzug gemacht. Sie haben die Bevölkerung des sowjetischen Sektors von Berlin aufgerufen, in der Zeit vorn 3. bis 10. Oktober durch Teilnahme an einer Volksbefragung die Forderung nach freien Wahlen in
ganz Berlin zu erheben. Durch eine wirkliche Bekundung des Volkswillens soll das erbärmliche Theater in der Sowjetzone entlarvt werden.
Die Volksbefragung geschieht auf höchst einfache und sinnvolle Weise. Wer eine Ja-Stimme abgeben will, braucht nur den Stammabschnitt der September-Lebensmittelkarte in einem unfrankierten Briefumschlag in einen West-Berliner Briefkasten zu werfen. Um die Identität des Absenders zu schützen, könne Name und Nummer vorher von dem Abschnitt entfernt werden. Die eingehenden Stimmzettel werden am kommenden Donnerstag in voller Oeffentlichkeit und nach den Bestimmungen der West-Berliner Wahlordnung gezählt.
Obwohl die Funktionäre des Sowjetsektors versucht haben, die Volksabstimmung zu stören, indem sie straßenweise, angeblich um der Bevölkerung weitere Umstände zu ersparen, die Stammabschnitte einsammelten, sind bereits in den ersten Tagen über hunderttausend Abschnitte in West-Berlin eingegangen. Die rechtzeitige Bekanntgabe ihrer endgültigen Zahl dürfte ein weit richtigeres Bild von der Stimmung der Bevölkerung vermitteln, als die Sowjetzonen-Wahlen, die am Sonntag darauf stattfinden.
Die wahre Stimmung, mit aer sicn aie Deutschen jenseits des Eisernen Vorhanges am 15. Oktober an die Wahlurne begeben, kann kaum besser charakterisiert werden, als durch einen Kommentar, den ein Einsender seinem Stammabschnitt beifügte: „Wenn Du zur Wahl gehst Schritt für Schritt, / denk stets an „ Uhri-Uhri“ und „Frau komm mit“. Die Machthaber der Sowjetzone könnten mit Engelszungen reden, sie würden die Bevölkerung der Sowjetzone nicht davon überzeugen können, daß die Russen die besten Freunde der Deutschen sind und daß das bolschewistische System für uns wünschenswert wäre.
Der Bundesausschuß für Gesamtdeutsche Fragen ist bemüht, die sogenannten Wahlen in der Sowjetzone zu einer europäischen Frage zu machen. Sie ist mehr noch als dies, sie ist eine Frage der gesamten freien Nationen. Es steht ZU erwarten, daß sie vor dem Forum der Vereinten Nationen behandelt wird.
Chineseu in Schlesien
Berlin, 6. Oktober. (AP.) Unter der Ueberschrift „Chinesen siedeln in Schlesien“ bringt die West-Berliner Zeitung „Der Tag“ einen Eigenbericht aus Breslau, über die Einwanderung chinesischer Arbeiter in die verschiedenen Gebiete
Schlesiens. Anfangs, so heißt es in der Meldung, beschränk1 e sich die Ansiedlung chinesischer Arbeiter auf das oberschlesische Gebiet. Jetzt würden aber auch laufend Chinesen im Waldenburger Bergland und in den niederschlesischen Industriebetrieben eingesetzt. Zum Teil hätten diese Arbeiter ihre Familien aus Asien nachkommen lassen. Die Einwanderung der Chinesen nach Oberschlesien hätte zur Folge, daß auch chinesische Belange m bezug auf Lebensgewohnheiten berücksichtigt werden müßten. So gäbe es beispielsweise in Kattowitz und Beuthen chinesische Viertel, die ausschließlich von Chinesen bewohnt werden. •
In Niederschlesien, so berichtet die Zeitung weiter, sei die Ansiedlung von Chinesen Anfang dieses Jahres im Glatzer Bergland vor sich gegangen. Nachdem die Sowjets in Seitenberg im Glatzer Gebiet ein größeres Uranvorkommen entdeckt hatten, habe sofort der Einsatz von 500 chinesischen Arbeitern begonnen. Auch in der Holzindustrie im Gebiet von Habelschwerdt lasse man Chinesen arbeiten. Größere Transporte seien jedoch erst im Mai 1950 nach Breslau und Waldenburg geleitet worden, wo die chinesischen Arbeiter im Steinkohlenbergbau und in der Metallindustrie eingesetzt werden.
Bis Ende dieses Jahres sollen weitere 20 000 Chinesen angesiedelt werden.
Frankreichs innere Fronten
Von unserem Pariser Korrespondenten
Die eine Front, auf die die ganze Welt sieht, besteht in der Fünften Kolonne der Kommunisten. Eine Regierungsverordnung hat jetzt die „Garde Territoriale“ gegen sie geschaffen, eine Art Heimwehr, die aus Zivilisten und Reservisten älteren Jahrganges gebildet und aus örtlichen Gruppen zusammengefaßt werden soll. Sie wird eine doppelte militärische Aufgabe erfüllen: einerseits die Bodenabwehr gegen den Fallschirmkrieg und andererseits — die wahrscheinlich wichtigere Aufgabe — die Abwehr gegen die Sabotagetätigkeit der Fünften Kolonne hinter den eigentlichen Kampflinien bilden. Daß mit dieser Aufgabe das Richtige getroffen wurde, bestätigen die wilden Proteste der Kommunisten. Die paar Kostproben, die ihre Anhängerschaft vor Monaten mit einigen Sabotageakten anläßlich von Waffentransporten für den Fernostkrieg geliefert hat, rechtfertigen allein schon die Schaffung der Heimwehr. Die Unterlassung einer solchen Maßnahme wäre gleichbedeutend mit einem jener strategischen Fehler, deretwegen man nicht bloß eine Schlacht, sondern einen Krieg verlieren kann. Die wirkliche Schwierigkeit bei der jetzt in Angriff genommenen Organisation dieser „Strategie en surface“ — Bodenabwehr —, wie die neue Waffe genannt wird, liegt in dem Problem, wie man die Kommunisten, die, die es offen und die anderen, die es geheim sind, von der neuen Hinterlandsarmee ausschalten soll. Es hat im Jahre 1946 immerhin fünf Millionen kommunistischer Wähler gegeben...
Strategische Aufgabe
Die andere Innenfront wird durch die Spekulanten und Preistreiber gebildet. Der Kampf gegen diesen Teil der inneren Front ist vielleicht noch schwieriger als der gegen die Fünfte Kolonne. Bei diesem sind in der Umsicht des Kommandos und im Patriotismus des einzelnen Heimwehrsoldaten ausreichende Garantien für eine erfolgreiche Abwehr gegeben, während unter den Urhebern der Preisinflation der Feind viel schwerer zu fassen ist. Er steht in den eigenen Reihen.
Die Bekämpfung der Inflation ist heute zu einer strategischen Aufgabe im Atlantikraum geworden. Ihre Bedeutung ist nicht geringer als etwa die Zahl oder die Güte von Panzerdivisionen, denn ein Unterliegen in der Inflations-Bekämpfung würde jenen Teil der arbeitenden Bevölkerung, der nicht kommunistisch ist, es aber in dem Maße, in dem es ihm schlecht geht, werden kann, zu einer kommunistischen Reservearmee machen. Da würde auch keine Heimwehr nützen, im Gegenteil, ihre Aktion würde einem Bürgerkrieg gleichkommen, also einen Programmpunkt des Kominform erfüllen. In diesem Abschnitt der Front darf (es keine halben Maßnahmen geben. Gerade das aber scheint die Regierung Pleven getan zu haben...
Seit dem Ausbruch des Koreakonfliktes sind die Lebensmittelpreise in Frankreich, nachdem etwa seit einem Jahr endlich eine leidliche Stabilität erreicht worden war, erheblich gestiegen: durchschnittlichzwischen 15 bis 30 v. H., ohne daß ein triftiger oder ersichtlicher Grund dafür vorhanden wäre. Die Preise stiegen und steigen mitten im Überfluß und reißen, weil diese Psychose die ansteckendste ist, natürlich alle anderen Sektoren mit. Dabei hat sich der Franken nach Überwindung einer kurzen Nervenkrise wieder erholt. Es handelt sich also um eine künstliche, um eine kalte Inflation. Welche katastrophalen Aussichten sie für den sozialen Frieden eröffnen, mag man aus folgenden Zahlen ersehen: im Frühjahr wollten die Arbeitgeber von einem monatlichen Mindestlohn von 14 000 Franken (etwa 170 Mark) nichts wissen, während jetzt die Regierung das sogenannte Lebensminimum mit 16 000 Franken gutzuheißen bereit ist, was selbst eine so konservative Zeitung wie der „Figaro“ für unzureichend erklärt.
Organisierter Preisterror
Das Anziehen der Lebensmittelprelse wird, das ist ein offenes Geheimnis, nicht von der Landwirtschaft, od£r in nur sehr geringem Ausmaß von ihr, sondern vom Groß- und Zwischenhandel des Nährstandes organisiert. Angesichts des Preisterrors, den diese Leute seit Jahren ausüben, schon in der Zeit, in der es noch eine Preisüberwachung gab, wie seit der vollständigen Freigabe des Handels, hat man den Eindruck, daß sie die einzigen im Lande sind, die sich aufs Organisieren verstehen. Ihr Reichtum, der amerikanische Maßstäbe angenommen hat, macht aus diesem Stand, der Disziplin und Solidarität kennt wie kein anderer in Frankreich, eine politische Macht, mit der eine Regierung auch dann nicht gerne in Konflikt geraten möchte, w’enn nicht, wie jetzt, Parlamentswahlen vor der Türe stehen würden...
Die Regierung verfügt praktisch über nur geringe Mittel gegen diesen Stand, weil die Wiedereinführung der allgemein gehaßten Preiskontrolle nicht nur gegen die Wirtschaftsauffassung der Mehrheit der Parteien wäre, sondern weil sie gar nicht mehr den Beamtenapparat der Kontrolle besitzt. Das einzige Mittel, das sie im Rahmen der Handelsfreiheit anwenden kann, nämlich die Steigerung der Einfuhr, um indirekt auf die Preise zu drücken, dieses Mittel hat sie jetzt gewählt. Aber die Devisenknappheit, die noch gesteigert wird durch die Einschränkung der großen Fleischausfuhr und des Exportes gewisser strategischer Industrieprodukte und Rohmaterialien, setzt dem löblichen Beginnen ein leicht voraussehbares Ende. Der Feind — vom Volksmund schlicht Gangster genannt — kann einen Ausfall von erheblichen Mehrverdiensten leicht ertragen, er ist ja nur vorübergehend. Er weiß, daß keine Regierung das liberalistische Wirtschaftssystem antasten wird, unter dessen Deckmantel er seine gewinnbringenden Operationen mit Überlegenheit führen kann.
Damit ist aber das Problem nicht gelöst. Es ist kein wirtschaftliches Problem mehr, sondern eines der Landesverteidigung. Und da Frankreich, das den Ehrgeiz hat, die erste militärische Macht im europäischen Atlantikgefüge zu sein, einen wichtigen Sektor im System der Westverteidigung darstellt, d,arf man die Bewältigung dieses Abschnittes der „Inflationsfront“ als ein Problem der europäischen Rüstung bezeichnen. Wird es sich auf diesem Gebiet der großen Aufgabe gewachsen zeigen? Paul Medina.
Die angeblichen Bestechungsgelder
Baumgartner-Protokoll vor dem Bonner Untersuchungsausschuß
Bonn. 6. Oktober. (AP.) Etwa 100 Abgeordnete seien mit Beträgen zwischen 1000 und 20 000 DM bestochen worden, verlas .der Abgeordnete Baumgartner (Bayernpartei) aus einem Gedächtnisprotokoll vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß, der am Freitag zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammentrat. Diese Behauptung soll gemäß Protokoll von dem Abgeordneten Aumer im Zusammenhang mit der Bundeshauptstadtwahl aufgestellt worden sein.
„Es ist an Abgeordnete aller Fraktionen ein Betrag von insgesamt zwei Millionen D-Mark bezahlt worden,“ habe Aumer weiter gemäß Baumgartners Aufzeichnungen erklärt. In den Aufzeichnungen Baumgärtners heißt es weiter, daß Aumer im Verlauf der Unterredung zugegeben habe: „Ich habe 1000 D-Mark von Erdölleuten erhalten dafür, daß ich für den 53-Pfennig-Preis im Bundestag spreche.“
Baumgartner erklärte, der Abgeordnete Donhauser sei kurz vor der Abstimmung über die Bundeshauptstadt zu Besold gekommen und habe diesen gefragt, für welche Stadt er stimmen werde. Auf die Antwort „für Frankfurt“ habe Donhauser empfohlen: „Sei nicht so dumm, stimm’ für Bonn, dafür gibt’s Geld.“
Aumer. der als nächster Zeuge ver¬ „nommen wurde, erklärte, er habe von der Erdölindustrie zur Unterstützung der politischen Tätigkeit der Gruppe Donhauser Geld erhalten. Er betonte, daß er weder für eine Rede im Bundestag, noch für eine Abstimmung jemals von irgendeiner Seite Geld erhalten habe. Aumer stritt weiter wiederholt' ab. daß er geäußert habe, etwa 100 Abgeordnete seien bestochen worden, oder überhaupt Mitglieder der Bayernpartei hätten Geld für Abstimmungen erhalten. Es sei jedoch üblich, daß verschiedene Kreise politische Parteien finanziell unterstützten. So sei auch er. Aumer. auf der Suche nach Geldgebern gewesen.
MeCloy protestiert
Frankfurt am Main, 6. Oktober. (AP.) Die amerikanischen Behörden in Deutschland haben gegen das neue amerikanische Einwanderungsgesetz, das nahezu 90 Prozent aller Deutschen vom Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ausschließen werde, schärftens protestiert.
Wie am Freitag verlautet, hat Oberkommissar McCloy in einem eindringlichen Bericht nach Washington angekündigt, daß bei genauer Anwendung der neuen Vorschriften das demokratische Ausbildungsprogramm der Studienreisen Deutscher nach den Vereinigten Staaten Schiffbruch erleiden würde.
Labourkongreß gegen Schumanplan
Jahrestagung der englischen Arbeiterpartei beendet
Margate, 6. Oktober, (dpa) Die Jahreskonferenz der Labour Party wurde am Freitag in Margate mit der fast einstimmigen Annahme einer Entschließung beendet, in der die Politik der britischen Regierung, dem Schuman-Plan für eine europäische Montanunion nicht beizutreten gebilligt wird.
In einer entsprechenden Entschließung wird die Weigerung der britischen Labourregierung begrüßt, Großbritannien im voraus auf den Schuman-Plan zu verpflichten, ohne daß ausreichf de Sicherheiten für verstaatlichtes Eigentum - gewährleistet sind.
Dalton, der seinerzeit als Vorsitzender des internationalen Unterausschusses der Labour Party das „Braunbuch“ über die Haltung der Partei zum Schuman-Plan' verfaßt hatte, brachte noch einmal alle bekannten Argumente der britischen Regierung gegen den Schuman-Plan vor.
Großbritannien wolle seine wirtschaftliche Gesundung .nicht dadurch aufs Spiel setzen, daß lebenswichtige Entscheidungen über seine Industrie einem übernationalen Parlament zugestanden werden. Es sei jedoch bereit, soweit wie möglich mit der geplanten Montanunion zusammenzuarbeiten.
Stimmen der Anderen
Die wahre Niederlage
Es dürfe keinesfalls vergessen werden, schreibt Richard Tüngel in der „Z e i t“, daß „amerikanische Soldaten in Korea, viele Tausende von Kilometern von ihrer Heimat entfernt, sich mit äußerster Bravour geschlagen haben, — um der Gerechtigkeit willen, die in der Welt herrschen soll“. Wer in Korea eine Niederlage erlitten habe, das seien nicht so sehr die nordkoreanischen Kommunisten: es sei der Kreml selber:
„Der Kreml verfügt heute noch über genau so viele Panzer und Flugzeuge wie vor dem Korea-Konflikt. Aber die Angst vor ihnen ist verschwunden, seit man gesehen hat, daß es in der Welt Soldaten gibt, die um der Freiheit willen zu sterben verstehen. Das ist die große Lehre, die der erste militärische Zusammenstoß mit einem Sowjetstaat den freien Völkern erteilt hat. Die vom Kreml beherrschte Welt muß dies zur Kenntnis nehmen. Die sowjetischen Vertreter und die der Satellitenstaaten haben es erfahren. Ueberall, wo sie auftraten, schlug ihnen — anders als früher — eine Welle von Empörung und Verachtung entgegen. Darin zeigte sich die wahre Niederlage, die der Kreml erlitten hat.“
Heldenmütter und Hennecke-Väter
Die Wochenzeitung „Christ und W e 11“, Nummer 40 vom 5. Oktober, schreibt zu dem jüngsten Appell des ostzonalen Ministerpräsidenten Grotewohl:
„Otto Grotewohl, Ministerpräsident der .Deutschen Demokratischen Republik', hat bevölkerungspolitische Absichten. Er appellierte darum jüngst an die Gebärfreudigkeit der deutschen Frau, die Zeügungsfreudigkeit des deutschen Mannes. Die Einwohnerschaft der .Deutschen Demokratischen Republik' müsse .quantitativ und qualitativ gesteigert' werden.
Nun ja: die moralische Kluft zwischen der Verleihung bronzierter, versilberter und vergoldeter Mutterkreuze als Dank des Führers an kinderreiche Mütter und der Verleihung der Titel .Heldenmutter' oder .Henneckevater' kann nur von Unbelehr-. baren und Böswilligen geleugnet werden. Gar nicht davon zu reden, daß Hitler die Serienfertigung biologisch hochwertigen Menschenmaterials nur zu fördern gedachte, um es gegen die Garanten der fortschrittlichen Moral, die Männer im Kreml, in die Schlacht treiben zu können — während es doch hier um die behre Pflicht geht, Friedenskämpfer gegen die imperialistischen Kriegstreiber vom Schlage der Erzfaschisten Churchill, Acheson und Adenauer und die moralisch verseuchte Clique der westlichen Bourgeoisie zu schaffen. Bedenklich ist lediglich, daß hier wie dort nicht mehr geboren werden soll, um Kindern das Leben, sondern um den Führern das Leben der Kinder zu schenken.“
Ein Framzose steht Deutsfchland
„Der Deutsche hat sich in seinen Grundeigenschaften nicht gewandelt. Das deutsche Volk ist weiterhin stark, arbeitsam und mutig.“ Zu diesem Urteil kam der französische Journalist Michel Rivery nach einem kurzen Besuch des Ruhrgebiets. Der erste Teil seines Reiseberichts wurde am Freitag von dem Pariser Blatt „A u b e“ veröffentlicht.
„Gleich zu Beginn gewinnt man den Eindruck, Deutschland ist nicht vernichtet, trotz aller Verluste, die es erlitten hat. Man raucht, singt, tanzt und spielt. Glauben sie nicht, daß die Deutschen noch unter irgendwelchen Einschränkungen leiden. Die Bevölkerung verhält sich dementsprechend ruhig. Sie ist durchaus nicht beunruhigt oder deprimiert. Der Deutsche scheint eher zum Vergessen als zum Nachdenken zu neigen. Die Zeit von 1933 bis 1945 bedeutet für ihn eine Lücke. Es ist zwecklos, bei einem deutschen Gesprächspartner nach der geringsten Reaktion (iu diesem Thema) zu forschen. Er antwortet nicht. Ist es Widerwille, Furcht oder Scham? Dies ist sehr schwer zu entscheiden.“
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag. Hamburg
81) „Wie schön!“ murmelte sie. „Auf den Straßen wird es jetzt eisig, und die zugigen Zimmer am linken Ufer sind gewiß bitterkalt. Nun, dagegen ist nichts zu machen. Ich habe versprochen zu kommen, und Marie und Albert werden mich schon erwarten.“
Sie wollte ihren heutigen halben freien Tag dazu benutzen, um mit dem jungen Paar Remey zusammen zu essen. Madame Le Maire gedachte, sich ebenfalls zur Mahlzeit einzufinden, und die Verabredung war schon vor vierzehn Tagen getroffen worden. Es war nun bereits sechs Monate her, seit Albert Remey den Unterricht von Isabella und Louise übernommen hatte außer den Malstunden, die Henriette weiter behielt. Das gab ihr mehr Zeit für Berthe und Raynald und ermöglichte es ihr, die beiden älteren Mädchen auf ihren Besuchen in den Museen, Theatern und Konzerten zu chaperonnieren. Als der Herzog darauf bestanden hatte, daß sie einen Hilfslehrer hinzuzog, hatte sie sich für Albert entschieden. Und diese Wahl hatte sich als eine sehr glückliche erwiesen. Der junge Remey zeigte sich als ein ausgezeichneter Pädagoge gewissenhaft, respektiert und vielseitig gebildet. Und vor allem: Henriette wußte, sie konnte sich auf seine persönliche Ergebenheit Verlassen. Eine Intrige mochte sich direkt unter seiner Nase anspinnen, er würde es nicht merken.
Die Dankbarkeit der Remeys gegenüber Henriette war rührend, wenn sie auch bisweilen ein wenig lästig wurde. Henriette seufzte, als sie ihr altes, blaues Wollkleid herausnahm anstatt des neuen, roten Samtkleides, das sie eigentlich hatte anziehen wollen. Da sie doch ohnehin nur so selten allein fortkam. war es wirklich schade, daß das Wetter ihr einen Strich durch die Rechnung machen mußte.
Sie kam selten mit leeren Händen zu den Remeys, und auch heute, als sie sich auf den Weg machte, fiel es ihr schwer, sich außer mit dem Muff und kleineren Päckchen auch noch mit dem großen Fruchtkorb in bunter Papierhülle abzuschleppen. In den Paketen trug sie Nüsse und Pralinen, die sie von ihrem reichen Gabentisch aufgespart hatte, und Taschentücher für Marie und Madame Le Maire, von ihr selbst mit dem zierlichen Muster aus der Klosterschule bestickt. Der Pförtner würde ihr eine Droschke heranwinken, oder falls er schlechter Laime und kein Mietwagen in der Nähe sein sollte, würde sie eben so lange zu Fuß gehen, bis sie einem begegnete.
„Mademoiselle Deluzy!“ Sie war gerade im Korridor angelangt, der zum Ausgang führte, als sie ihren Namen hinter sich rufen hörte.
Als sie sich umdrehte, sah sie den Herzog die Treppe hinter ihr hinuntereilen, immer zwei Stufen auf einmal wie ein Schuljunge, mit wehendem Mantel und Stock und Hut unterm Arm.
„Wohin gehen Sie denn so beladen?“ fragte er, als er herankam. „Warum lassen Sie sich nicht von einem der Diener helfen — der Korb ist Jhnen doch viel zu schwer!“ Er nahm ihn ihr ab und wog ihn in seinen Händen.
„Oh“ — sie lächelte — „ich kann schon allein fertig werden. Ich mag so ungern jemand an meinen freien Nachmittagen belästigen. Bitte, Sie sollen sich wirklich meinetwegen keine Mühe machen, gerade, wo Sie selbst ausgehen wollen.“
Aber der Herzog gab den Korb nicht her. Er überantwortete ihn auch nicht dem Diener, der die Tür aufhielt, noch dem Pförtner, der diensteifrig herbeieilte. Vor dem wartenden Wagen hielt er an. „Ich werde Sie und Ihre Geschenkfracht erst sicher in den Hafen bringen.“ Er lächelte. „Heute ist kein Wetter für Sie, zu Fuß zu gehen.“
Trotz ihrer Einwände saß sie gleich darauf neben dem Herzog auf dem Polstersitz. Eine Decke wurde ihr über ihre Knie gebreitet. Der Wagen war halb offen, so daß ihre Köpfe und Schultern vor dem Schneetreiben geschützt waren, aber die Decke sammelte in ihren Falten bald ganze Schneewehen, und auf dem schwarzen Pelzmuff lagen die weißen Flocken, ohne zu schmelzen, wie kunstvolle kleine, gefiederte Sternchen.
„Sie frieren nicht, Mademoiselle?“ hörte sie ihn fragen. „
Höflich antwortete sie darauf, sie habe es schön mollig, danke. Mollig — was für ein unzureichendes Wort für dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, das sie empfand, wie sie da die bekannte Straße entlangrollten, die ihr plötzlich so abenteuerlich fremd vorkam. Von der Rue de Marengo bogen sie nun in die breitere Rue de Rivoli ein mit ihren glitzernden Schaufenstern auf der einen Seite und dem offenen Platz vor dem Louvre auf der anderen. Obgleich es noch nicht vier Uhr war, brannten die Gaslampen allenthalben in den Geschäften, Und die Auslagen der Juweliere, Hut- und Blumenläden schimmerten in kalter Pracht durch den fallenden Schnee.
„Wenn das anhält“, sagte der Herzog, „werden wir die Schlitten herausholen müssen.“
„Und Paris wird das neue Jahr mit hoch mehr Glocken einläuten können“, antwortete Henriette. „Schlittenglocken klingen so nach Ferien, finden Sie nicht auch?“
„Ja, aber man muß sie auf dem Lande hören, wenn sie von fernher langsam näherkommen. Ich Wünschte, wir wären doch über die Feiertage nach Melun gefahren. Es muß jetzt dort im Schnee wunderschön sein.“
Tiefes Schweigen lag über dem Fluß, als sie den Pont-Neuf passierten. Die hohen alten Häuser am linken Ufer schimmerten undeutlich wie aus einer Geisterwelt durch das Treiben, und der wuchtige Bau der Notre-Dame ragte von der Insel auf wie ein eckiger Fels, dessen Spitzen sich im Schneegestöber verloren.
„Ich fürchte", begann Henriette wieder, „daß ich Sie zu weit von Ihrem Weg abgebracht habe.“
„Mein Weg“, wiederholte er, „nun, wenn Sie es wissen wollen, heute nachmittag ist es der Ihre.“ „Das ist ganz besonders liebenswürdig von Ihnen.“
Er wehrte Ihren Dank ab.
„Sie sind die Liebenswürdige“, behall tete er. „Ich langweilte mich näm' tödlich, Mademoiselle Deluzy. Die I der waren mit dem Großvater spazier, ngegangen, und meine Frau erwartete den Besuch des Abbe; übrigens macht sie sich gar nichts aus Schriee. Ich wäre wahnsinnig geworden, wenn ich am Schreibtisch oder bei dem Feuer sitzengeblieben wäre — in einem Haus, das niemals das meine sein wird.“
Erschreckt von seinen Worten und seiner Stimme sah sie hoch. Um seinen Mund lag wieder dieser bittere Zug, und seine dichten Brauen hatten sich verfinstert.
„Aber, Monsieur", — sie versuchte, ihn nicht ernstzunehmen—, „das können Sie doch nicht meinen wollen! Natürlich hat man während der Ferien, wenn alle Kinder zu Hause sind, das Gefühl, daß ihnen und ihrem Treiben alles gehört. In der nächsten Woche ist das schon wieder anders.“
„Ich meine auch nicht die Kinder. Ich danke Gott, daß sie im Hause sind. Aber das Haus selbst gehört einem Sebastian!, nicht einem Praslin, verstehen Sie? Dem alten Marschall gehört es. Er kommt und geht, wie es ihm Spaß macht. In Melun dagegen ist das anders.“
Er brach ab, und beide sagten lange Zeit nichts. So persönlich wie eben jetzt hatte er seit jener Herbstnacht in Melun vor mehr als einem Jahr nie wieder gesprochen. Im Nu hatte er sich wieder in der Gewalt und sprach jetzt mit ihr über gleichgültige Dinge. Sie ließ sich jedoch nicht täuschen. Sie war selbst so daran gewöhnt, ihre Gefühle zu unterdrücken, daß sie für die Gefühle anderer hellhörig geworden war.
(Fortsetzung folgt.)
Dreizehn Parteien kandidieren?
Die Vorbereitungen der Landtagswahl
Wiesbaden, 6. Oktober. (Eigener Bericht.) Die Wahlordnung für die Landtagswahl in Hessen am 19. November soll, wie aus dem Innenministerium verlautet, spätestens in der kommenden Woche erlassen werden. Die Wählerverzeichnisse werden in der Zeit vom 29. Oktober bis 4. November öffentlich ausgelegt werden. Als letzter Termin für die Einreichung von Wahlvorschlägen wurde der 2 November bestimmt.
. .B’s haben sich beim Landeswahlburo für die Landtagswahl in Hessen 13 Parteien beworben. Außer den vier bisher im Landtag vertretenen Parteien haben noch ihre Kandidatur angemeldet: das Zentrum, die Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV), die beiden Rechtsparteien. NDP und NDRP (Leuchtgens), die drei Flucntlmgsgruppen BHE (Bund der "“^atvertriebenen und Entrechteten), }Bund der Vertriebenen und Ent-L, ,in Oherramstadt) und UDG (Unabhängige deutsche Gemeinschaft), ferner die „Arbeiterpartei“ in Offenbach und die SRP (Soziale Reichspartei).
Zur Zeit schweben zwischen verschiedenen Gruppen und kleineren Parteien Koalitionsverhandlungen. Nach dem zu erwartenden Abschluß solcher Wahlbündnisse ist anzunehmen, daß etwa sieben bis acht Parteien den kommenden Wahlkampf in Hessen bestreiten werden.
Zusammenschluß mit der FDP~
Zwischen der Freien Demokratischen x artei Hessens und dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) werden zur Zeit Verhandlungen über ein Wahlbündnis für die kommende Landtagswahl geführt. Dies wurde in einer gemeinsamen Erklärung des FDP-Vorsitzenden in Hessen, August Martin Eule r, und Dr. Herbert Fuchs, dem Vorsitzenden des hessischen Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten, mitgeteilt. Wie aus gut unterrichteten Quellen in Wiesbaden verlautet, werden diese Verhandlungen zu einem positiven Abschluß kommen. Die Kandidaten des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten sollen auf den Listen der FDP etwa im Verhältnis 2:1 berücksichtigt werden. Bei befriedigendem Verlauf der jetzigen Verhandlungen zwischen FDP und BHE soll den Landesdelegierten-Versammlungen der beiden Parteien am 14. und 15. Oktober in Gießen der Entwurf eines Wahlabkommens zur Billigung vorgelegt werden.
Die Ernennung des Landeswahlleiters für die Landtagswahl am 19. November wird in aller Kürze erfolgen. In politischen Kreisen der Landeshauptstadt nimmt man an, daß Innenminister Zinnkann dem Leiter der Verfassungs- und Rechtsabteilung, Ministerialrat Dr. Hans Mayer, diese Aufgabe übertragen wird.
„VVN bleibt Tarnorganisation“
Eine Erklärung des Innenministeriums
Wiesbaden, 6. Oktober. (Eigener Bericht.) Nach einer Vorsprache von drei Beauftragten des Landesvorstandes der Vereinigung der Verfolgten in Hessen beim Minister des Innern wurde vom Innenministerium eine Mitteilung herausgegeben, in der es unter anderem heißt: Bei der Unterredung hat Innenminister Zinnkann zum Ausdruck gebracht, daß er alle Machtmittel des Staates einsetzen werde, um die öffentliche Sicherheit im Lande aufrecht zu erhalten. Die VVN würde solange keine andere Behandlung wie die kommunistischen Tarnorganisationen zu erwarten haben, solange Personen wie Carlebach, Kuper und ähnlich eingestellte Funktionäre maßgeblichen Einfluß in der VVN ausüben. Insbesondere ist zum Ausdruck gebracht worden, daß die Teilnahme von Kuper am kommunistischen Nationalkorigreß in Berlin Ende August des Jahres Hochverrat darstelle.
Nehru warnt erneut
Vor Ueberschreitung des 38. Breitengrades durch die UN-Truppen
London, 6. Oktober. (AP.) Der indische Ministerpräsident Pandit Nehru hat die britische Regierung darauf hingewiesen, daß nach seiner Ansicht das kommunistische China in den koreanischen Krieg eingreifen werde, wenn die Truppen der Vereinten Nationen den 39. Breitengrad überschreiten. Er erklärte, daß nach indischen Informationen starke Truppenteile der chinesischen Kommunisten an der mandschurisch-koreanischen Grenze zusammengezogen worden seien. Indien ist das einzige größere nichtkommunistische Land, das mit dem kommunistischen China volle diplomatische Beziehungen unterhält und über die Vorgänge im Lande gut unterrichtet ist. Nehru soll erneut betont haben, daß irgendeine Lösung der Fernostprobleme die Hinzuziehung des kommunistischen Chinas erfordere, wenn die Vereinten Nationen dies ablehnten und überdies noch an die Grenzen der Mandschurei vorstoßen wollten, bestehe eine erhebliche Gefahr für die Ausweitung des Korea-Krieges.
Kurz nach dem Eintreffen von Nehrus Schreiben hatte der rotchinesische Au- Benminister Tschou En-lai erklärt, sein Land werde nicht zusehen, wenn die Imperialisten einen Nachbarstaat angreifen sollten.
Wie bekannt wird, soll Bevin den Empfang des Schreibens bestätigt haben, jedoch nicht auf die Befürchtungen Nehrus eingegangen sein.
45 000 Flüchtlinge
für die Vereinigten Staaten
Neuyork, 6. Oktober. (AP.) Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (IRO) hat sich bereit erklärt, 45 000 volksdeutsche Flüchtlinge nach den Vereinigten Staaten zu bringen. Die amerikanische Kommission hatte zugesagt, die Beförderungskosten zu übernehmen.
Die Deutsche Bundesregierung wird für diese Flüchtlinge Sammelstellen in Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart und München einrichten, die in Oesterreich lebenden volksdeutschen Flüchtlinge werden über Salzburg geleitet werden.
Eine Bundesanleihe?
Bonn, 6. Oktober. (AP.) Der Bundesfinanzminister will eine Bundesanleihe von 709 Millionen D-Mark für den außerordentlichen Bundeshaushalt aufnehmen, gab ein Regierungssprecher am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt. Weitere 70 bis 80 Millionen D-Mark sollen aus dem ERP-Fonds dem außerordentlichen Haushalt zufließen, so daß sich der Etat des außerordentlichen Bundeshaushalts auf knapp 800 Millionen D-Mark belaufen wird.
Adenauer an Niemöller
Bonn, 6. Oktober. (AP.) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat den Kirchenpräsidenten von Hessen-Nassau, Pastor Martin Niemöller, am Freitag in einem Schreiben um Aufklärung darüber gebeten, ob in Niemöllers kürzlichem Schreiben über die Wiederaufrüstung die Meinung der Evangelischen Kirche oder seine eigene zum Ausdruck gebracht worden sei.
Nach einer Mitteilung des Bundespresseamtes hat der Bundeskanzler gleichzeitig den Eingang von Niemöllers Brief bestätigt, in dem dieser Bundestagsneuwahlen gefordert hatte, damit das deutsehe Volk über seine etwaige Wiederaufrüstung entscheiden könne.
In der Mitteilung heißt es weiter, Präsident Brunotte vom Rat der deutschen Evangelischen Kirche habe dem Bundespresseamt bereits erklärt, daß sich der Rat der Evangelischen Kirche mit dem Wiederaufrüstungsproblem noch nicht befaßt habe und die Evangelische Kirche sich im übrigen nicht mit dem Schreiben Niemöllers an den Kanzler identifiziere.
70 000 Arbeitslose weniger
Bonn, 5. Oktober (dpa) Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ist im September um 69 559 zurückgegangen.
Sparkommissar gefordert
Stuttgart, 6. Oktober, (dpa) Der Bund der Steuerzahler forderte die Bundesregierung auf, einen Bundessparkommissar einzusetzen. Der Bundessparkommissar müßte von jeder behördlichen oder politischen Instanz unabhängig sein und die Stellung' eines obersten Richters erhalten.
115 Flugzeuge aus amerikanischen Heeresbeständen sind von Schweden zu Ausbildungszwecken angekauft worden.
15000 Uhren kaum aufzuziehen
„Alarmierende Vorfälle“ im ostzonalen Export
Berlin, 6. Oktober. (AP.) Eine scharfe Rüge erteilte am Freitag der Vorsitzende der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle, Fritz Lange, ostzonalen Exporteuren und Betriebsleitern von Werken, die hauptsächlich für den Export arbeiten.'
In einem Artikel in der sowjetamtlichen „Täglichen Rundschau“ schreibt Lange, ”es gibt etliche alarmierende Vorfälle, die uns veranlassen sollten, dem Außenhandel eine größere Beachtung zu schenken“. T rjiacnm *7.11 co mmPHh P) n 0
Lange nennt in diesem Zusammennang die volkseigene Lederfabrik Hirschberg in Thüringen, die im Rahmen eines Lohnveredelungsabkommens, das zwischen der Volksrepublik Polen und der Deutschen Demokratischen Republik abgeschlossen worden war, 150 Tonnen gesalzene Schweinehäute (55 670 Stück) erhalten hatte, um sie zu Oberleder und die höchstmögliche Menge (bis zu 90 Prozent) zu Velour und Rauhvelour zu verarbeiten. Bei der Abnahme der ersten Teilpartie fertiger Leder stellte sich heraus, daß von den vorgelegten 12 013 Stück insgesamt 11 336 Stück, also 94,3 Prozent, als sogenannter Brack-Ausschuß aussortiert werden mußten.
„Was hat sich unsere Uhrenindustrie gedacht“, fährt Lange fort, „als sie 15 000 Uhren nach Polen lieferte, die dort aber nicht abgenommen werden konnten, weil sie zum großen Teil überhaupt nicht gingen und teilweise nicht einmal aufgezogen werden konnten.“
„Können wir es uns leisten“, so fragt Lange weiter, „40 500 Dollar einfach deswegen zu verbuttern, weil bei Zeiß-Ikon in Dresden die Abnahmekontrolle nicht funktioniert und 300 Contax-Apparate wegen eines Konstruktionsfehlers zurückgenommen werden müssen?“
Abschließend stellt Lange die Frage: „Riecht das nicht alles penetrant nach Sabotage?“ gleichzeitig gibt er bekannt, daß „etliche Saboteure“ der Hirschberger Lederfabrik bereits verhaftet worden sind.
Wirtschaftsblatt
Die Rohstoffversorgung
Be Die Versorgung der deutschen Industrie ist auf Grund des Einfuhr-Sicherungsprogramms der Bundesregierung, wie aus dem Bundeswirtschaftsministerium bekannt wird, bis zum Jahresende auf jeden Fall gesichert. Das Einfuhr-Sicherungsprogramm hat Beträge von rund 400 Mill. Dollar mobilisiert. Davon stammen 50 Mill, aus der Devisen-Reserve der Bank deutscher Länder, 35 Mill, aus Handelsverträgen mit dem Westen und 70 bis 80 Mill, aus Handelsverträgen mit dem Osten. 180 bis 200 Mill. Dollar wurden im Rahmen der EPU verfügbar gemacht und aus dem ERP-Programm 30 Mill. Die Ausschreibungen für die gewerbliche Wirtschaft sind voll, die für die Landwirtschaft bisher nur etwa zur Hälfte vorgenommen worden.
Die Kohlenversorgung bereitet wegen der Spannung zwischen Förderung und Bedarf Schwierigkeiten. Es wird erwogen, den Ausgleich durch eine Drosselung der Ausfuhr, für die im Jahresdurchschnitt 7 Mill, t angefordert werden, zu erreichen. Gegebenenfalls soll die Moskauer Skala wieder in Kraft gesetzt werden. Für die Versorgung der Wirtschaft wird die Einrichtung einer Schleusenstelle erörtert. Für den Hausbrand ist ein Lieferplan aufgestellt worden, der allerdings eine Abgleichung der Lieferrückstände von 700 000 t nicht gestattet.
Zur Sicherung der Inlandsversorgung mit Stahl wird eine Einschränkung der Ausfuhr angestrebt. Durch Einspruch bei der Oberkommission soll erreicht werden, daß die Stahlquote ausschließlich- zur Verfügung des Inlandes steht. Der Anstieg der Aufträge von 1,835 Mill, t im Mal auf 2,286 im August wird als spekulativ angesehen. Daher wird erwogen, eine Anzahlungspflicht bei der Auftragsvergebung vorzuschreiben.
Die in Aussicht genommenen Lenkungsmaßnahmen sollen den Hortungstendenzen und dem Bestreben auf Preiserhöhung entgegenwirken. Die Verwirklichung des Einfuhr-Sicherungsprogramms wird von der Bundesregierung trotz der ungewöhnlichen Anspannung der deutschen Devisenlage als notwendig angesehen, um Engpässe in der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen zu vermeiden.
Schilling abgewertet
(vwd) Die österreichische Nationalbank hat die internationale Parität des Schillings auf 21,36 Schilling für einen Dollar festgesetzt gegenüber bisher 14,40 Schilling. Der neue Verrechnungskurs entspricht dem bisherigen Misch- und Handelskurs des Schilling. Das bisherige Staffelsystem verschiedener Verrechnungskurse wurde teilweise auf gegeben. Neben dem neuen Grundkurs bleibt nur noch der schon bisher geltende Kurs von 26 Schilling für einen Dollar für den Touristen- und Kapitalverkehr in Kraft. Für eine DM ergibt sich auf der Basis des neuen Grundkurses für den Dollar ein Verrechnungskurs von 5,009 Schilling.
Der Wechselkurs des australischen Pfundes soll nach Mitteilung des australischen Ministerpräsidenten nicht geändert werden.
Deutsche Wagen in Paris
(vwd) Auf der diesjährigen internationalen Automobilausstellung in Paris stehen 88 Automobilwerke miteinander in Wettbewerb. Fabrikate vom transkontinentalen Reiseomnibus mit sämtlichem Komfort bis zum Fahrrad mit Hilfsmotor sind ausgestellt. Zum ersten Male nach dem Kriege bieten auch wieder deutsche Automobilfirmen auf dem Pariser Autosalon an. Mercedes, Opel, Borgward und andere geben eine Uebersipht über die gegenwärtige deutsche Produktion. Nicht vertreten ist allerdings der Volkswagen. Von den deutschen Ständen ist vor allem Mercedes-Benz mit seinen Typen 170 S und 170 D umlagert. Der Dieselwagen, der einzige Pkw-Diesel der Ausstellung, fand reges Interesse. Ebenfalls sehr besucht ist der - Meteor-Rennwagen der Rastatter Werke. Opel ist mit dem Olympia und Kapitän, Borgward mit dem Hansa 1500 erschienen. Gutbrod zeigt ein Cabriolet sowie Kleinlastwagen. Auch der Porsche-Wagen übt eine starke Anziehungskraft aus. Bei den Motorrädern ist das Erscheinen von Zündapp, NSU, Horex und Imme zu verzeichnen. Bei den großeh Nutzfahrzeugen fällt vor allem der neue Büssing-Omnibus auf. Französische Automobilfachleute sprachen von der Renaissance der deutschen Automobilindustrie.
Gulden-Akzepte auf Holland
Bz. Ab 10. Oktober 1950 kaufen die Landeszentralbanken Hollandgulden -Akzepte zum Zinssatz von drei Prozent je Jahr an. Den gleichen Diskontsatz werden sie beim Ankauf von Wechseln berechnen, die auf D-Mark lauten und von Personen und Firmen mit Sitz in Holland akzeptiert worden sind.
Fleisch-und Geflügeleinfuhr
(VWD) — Der Interministerielle Einfuhrausschuß genehmigte die Einfuhr von Fleisch und Geflügel im Wert von insgesamt 3,49 Millionen Dollar. Im einzelnen können von westdeutschen Importeuren lebende Schlachtschweine aus Polen für 3,0 Millionen Dollar, gefrorene Schweinehälften aus Südafrika für 90 000 Dollar, Fleischkonserven aus der Tschechoslowakei für 40 000 Dollar und Geflügel, frisch geschlachtet, aus Bulgarien für 100 000 Dollar und aus Polen für 300 000 Dollar eingeführt werden. Der Einfuhrausschuß stellte ferner für den Ankauf von Nutz- und Zuchtvieh aus der Schweiz 50 000 Dollar bereit.
Wissenschaft und Verkehr
An der Hauptversammlung und wissenschaftlichen Tagung der Deutschen verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft, die am Freitag in Wiesbaden begann, nehmen neben Mitgliedern und Gästen aus dem ganzen Bundesgebiet auch namhafte Verkehrswissenschaftler aus dem Auslande teil.
Das Ziel der Tagung ist es, durch die Zusammenführung von Praxis, Lehre, Forschung und Konstruktion für alle Zweige des Verkehrswesens eine Gesamtbehandlung der Verkehrsfragen zu erreichen. Die verkehrswissenschaftliche Gesellschaft erstrebt wissenschaftliche Betätigung und Weiterbildung ihrer Mitglieder, die sich aus allen verkehrsinteressierten Kreisen zusammensetzen. Die Untersuchungen verkehrswirtschaftlicher, rechtlicher, technischer und betrieblicher Art für die Gesamtheit des Verkehrswesens, welche die verkehrswissenschaftliche Gesellschaft durchführt, unterstützen Gesetzgebung und Verwaltung.
Die Reihe der Vorträge während der wissenschaftlichen Tagung am heutigen Samstag eröffnet Professor Dr. Ing. Carl Pirath, Stuttgart, mit „Das gemeinwirtschaftliche Prinzip im Wandel der Verkehrswirtschaft“. Den zweiten Vortrag, „Die Brennkraftmaschine im erdgebundenen Verkehr“, hält Dr.-Ing. G. A. Gäbler. Offenbach.
Streik der Lederhandschuhindustrie
Nachdem die Lohnverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Leder und dem Arbeitgeberverband der hessischen Lederhandschuhindustrie in Wetzlar ergebnislos verlaufen waren, sind am Donnerstag 200 Arbeiter der Lederhandschuhindustrie im Kre>s Wetzlar in den Streik getreten. Es wird damit gerechnet, daß sich weitere Arbeitnehmer der Lederhandschuhindustrie in Hessen dem Streik anschließen.
Die Gewerkschaft hatte am Mittwoch zunächst eine 20%ige, dann eine nur 12°/oige Lohnerhöhung für alle Arbeitnehmer der hessischen Lederhandschuhindustrie gefordert. Die Arbeitgeber waren jedoch nur bereit, einer 10%igen Lohnerhöhung zuzustimmen, wie sie von der Hauptgewerkschaft in Stuttgart ursprünglich gefordert worden sei.
Arbeitslosigkeit in Hessen geringer
Bz. - Bei den Männern nahm die Zahl der Arbeitslosen in Hessen um 5677, bei den Frauen um 1664 ab. Mit 1279 682 beschäftigten Arbeitern, Angestellten und Beamten (männlich 921460, weiblich 358 222) war am 30. 9. 1950 ein Beschäftigungsstand erreicht, der um 44 992 Personen höher lag als am 30. 6. 1950.
Eine polnische Einkaufskommission weilt in Nordhessen, um in Verbindung mit dem kurhessischen Schafzüchterverband 1500 deutsche schwarzköpfige Fleischschafe für Polen zu kaufen. In Kassel wurden auf der ersten Absatzveranstaltung bereits etwa eintausend Tiere an die polnischen Interessenten verkauft.
Börsen und Warenmärkte
Bz. Die Frankfurter Wochenschlußbörse begann zurückhaltend. Für Spezialwerte, wie Südd. Zucker 105 (pl. 1), Stollwerck Gebr. 78 (pl. 4), Salzwerk Heilbronn 105 (— 1), Veithwerke 120, Seilwolff 90, Baumwoll-Erlangen 127 (je pl. 2), — sehr fest Feinmechanik Jetter 86 (pl. 3) — zeigte sich erneut Kaufneigung. Chemiewerte waren gehalten, ebenso die Mehrzahl der Maschinen- und Elektropapiere, nur Lahmeyer 80 (- 4).
Freie Devisenkurse
Bz. Frei bewertet wurden am 6. Oktober 1950 der USA-Dollar mit 5,15—5,55 DM. das englische Pfund Sterling mit 12—13 DM, der Schweizer Franken mit 1,15—1,25 DM, der Holland-Gulden mit 1,15—1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0,52 DM. die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM.
In den Berliner Wechselstuben wurden am 6. Oktober 1950 für eine DM-West 5 Ostmark gezahlt bzw. für 5 Ostmark eine DM-West geboten.
Seziermesser gegen Stahlindustrie
Von Fritz Peter ClausDie von den Alliierten angeordnete Liquidation der'sechs größten westdeutschen Montankonzerne hat lebhafte Reaktionen ausgelöst. Generaldirektor Dr. Reusch hat sein Amt als deutscher Experte im Unterausschuß der Schumanplan-Kommission für Eisen und Stahl aufgpgeben. Sein Rücktritt ist ein demonstrativer Protest gegen den Liquidierungsbefehl der Alliierten.
Die alliierte Entscheidung wird nicht nur in Kreisen der westdeutschen Wirtschaft als ein Schlag gegen den deutschen Wiederaufbau und die europäische Zusammenarbeit empfunden. Auch die Gewerkschaften lehnen die Art und die Methoden ab, die in der alliierten Entflechtungspolitik der jüngsten Vergangenheit zum Ausdruck gekommen sind. Auf der vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Düsseldorf veranstalteten Tagung hat auch Dr. Agartz die amerikanische Dekartellisierungspolitik scharf kritisiert. Das von ihm ironisierte Bestreben der Amerikaner, am liebsten aus jeder Schachtanlage ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Verluste ein selbständiges Unternehmen zu machen, führte Dr. Agartz auf eine Gruppe von Fachleuten innerhalb der amerikanischen Militärregierung zurück, die fast alle Vertreter von amerikanischen Konkurrenzkonzernen sind. Die Pläne, die westdeutsche Montanindustrie zu entflechten, lassen sich sicherlich nicht allein aus solchen Zusammenhängen erklären. Die Träger der Neuordnung haben stets den Gedanken in den Vordergrund geschoben, optimale Betriebsgrößen zu schaffen. Die deutschen Montankonzerne sind nicht immer organisch gewachsen. Die betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich zweckmäßigste Betriebsgröße war in manchen Fällen überschritten.
Einer vernünftigen Aufgliederung übermäßig in die Breite und in die Höhe gewachsener Gesellschaften haben sich deshalb die einsichtsvollen Kreise der deutschen Wirtschaft nicht widersetzt. Um so nachdrücklicher wenden sie sich aber gegen die Absicht, die deutsche Montanindustrie auf den Seziertisch zu legen und in kleinste Betriebseinheiten zu zerstückeln. Die Art und Weise, wie schon bisher das Seziermesser an die Großbetriebe der Montanindustrie gelegt worden ist, gab bereits zu stärksten Bedenken und Widerspruch Anlaß. Um so untragbarer erscheint der alliierte Beschluß, sechs große gemischte Montankonzeme sofort zu liquidieren.
Die in Frage kommenden Konzerne, der Stahlverein, die Friedrich Krupp, Mannesmann, Klöckner, Hoesch und die Gutehoffnungshütte, hatten bereits das Messer der alliierten Entflechtungschirurgen nachhaltig zu spüren bekommen. Im Zusammenhang mit der Bildung von 24 Betriebsgesellschaften, der Abtrennung der Kohlenzechen und der Weiterverarbeitung sind hier nur noch Konzernreste übriggeblieben. Nach den bereits erfolgten Amputationen bleiben die sechs genannten westdeutschen Stahlgesellschaften weit hinter der amerikanischen Ansicht von außergewöhnlicher Machtzusammenballung, die für amerikanische Gesellschaften in den Vereinigten Staaten gelten, zurück.
Aber nicht nur der Liquidationsbefehl als solcher hat unangenehm überrascht. Der Hinweis auf die einstweilige Bestellung der deutschen Direktoren zu Liquidatoren und die Möglichkeit, diese Liquidatoren innerhalb von 90 Tagen auszuwechseln, wird als besonders drückender Eingriff empfunden. Schwierige wirtschaftliche Probleme, diese Schlußfolgerung drängt sich auf, will die Besatzungsmacht, gestützt auf die ihr gegebene Gewalt, eilig durchexerzieren. Erhebliche Störungen in der gesamtdeutschen Leistungskraft zeichnen sich ab. Sie müssen auf die Fähigkeit der deutschen Montanindustrie zurückwirken, ihren Beitrag für die gerade von den Amerikanern propagierte Kräftigung Westeuropas zu leisten.
Wie läßt sich darüber hinaus der alliierte Liquidationsbefehl mit den Anforderungen vereinbaren, die gerade die Vereinigten Staaten nach Erhöhung der Stahlquote im Rahmen ihrer Aufrüstung an die westdeutsche Montanindustrie stellen? Und wie ist schließlich dflese Demonstration, die deutsche Montanindustrie nach außerhalb Deutschlands liegenden Interessen umzugestalten, mit dem Schuman-Plan in Uebereinstimmung zu bringen? Im Rahmen des Schuman-Planes sollen die Stahlwerke und Kohlenzechen an der Ruhr ein starkes Rückgrat im westeuropäischen Aufbauprogramm werden. Die Verhandlungen in Paris um die europäische Montanunion räumen deshalb den deutschen Hütten und Zechen einen besonderen Platz ein. Dr. Reusch hat aus der Atmosphäre der Verhandlungen heraus den Liquidierungsbefehl der Alliierten alg einen Pfeilschuß empfunden. Er kann das sich langsam bildende feine Gewebe europäischer Zusammenarbeit in wichtigen Wirtschaftsbereichen zerstören. Dem Entstehen und der Kräftigung dieses Gewebes steht aber auch die französische Forderung im Weg, die Preise für deutsche Kohlen und damit auch für deutschen Stahl im Rahmen des Schumanplanes nachhaltig zu erhöhen.
Diese Entwicklungen müssen die Alli— irten sehen. Sie sollten sich deshalb entschließen, die Ruhrkontrollen aufzuheben und die Umgestaltung der deutschen Montanindustrie der deutschen Gesetzgebung zu überlassen. Die Franzosen aber sollten darauf verzichten, aus dem Schumanplan einen FJaschenzug zum Hochheben des deutschen Preisgefüges zu machen. Allein auf solche Weise ist das organische Zusammenwachsen der europäischen Wirtschaft gewährleistet.
Feuilleton
Doppelausstellung im Landesmuseum
ELISABETH FREUND-FISCHER UND ANTON HARTMANN
Elisabeth Freund -Fischer und Anton Hartmann, zwei hervorragende Vertreter der Malerei, beide das künstlerische Schaffen Darmstadts in den letzten 30 Jahren mitbestimmend, zeigt, in vorbildlicher Weise von Direktor Wiese zusammengestellt, diese eindrucksvolle Ausstellung. Es ist nicht so einfach, zwei so grundverschiedene Temperamente in solch einem Rahmen zusammenzufügen. Doch es bestätigt sich frappant, daß gute Kunst sich immer mit guter Kunst verträgt, ganz gleich welche Voraussetzungen durch die einzelnen Persönlichkeiten dokumentiert werden.
Elisabeth Freund-Fischer wurde am 25. August 1882 in Metz geboren. Schon früh fand sie den direkten Weg zur Kunst. Von 1912 bis 1914 in München, nach 1918 zwei Jahre Meisterschülerin bei Adolf Hölzel in Stuttgart. Hölzel, der große Ahnherr des blutvollen und brennenden Expressionismus, bestimmt in einem großen Maße den künstlerischen Reifungsprozeß dieser sensiblen und aufnahmefähigen Natur. Während sie zeitweise unter dem Einfluß des konstruktiv musikalischen Franz Mark stand, löst sich bei Hölzel ihre Wesensart zur freien impulsiven Farbhandschrift. Hier tritt unmittelbar Persönliches auf, und es ist erstaunlich, mit welcher Konsequenz trotz der ständigen Schwankungen der Einflüsse von außen sich diese Uranlage durchkämpft. Der rote Kahn, eine Arbeit aus der Zeit bei Adolf Hölzel, ist ein beredter Zeuge des durch den Geist verarbeiteten Naturalismus, die Farbwerte werden hier bereits inhaltsvoll und geladen von den Geheimnissen hinter der Realität. Das Bild, ursprünglich größer, besitzt nichts Fragmentarisches, ein Ausschnitt, der sich zum selbständigen Kunstwerk erhebt. Es ist bezeichnend für sie, daß der unmittelbare Eindruck des Empfangens aus den Bezirken der Außenwelt sich bei ihr sofort verdichtet und zur Entäußerung wird. Hier spürt man das spezifisch Weibliche, ausgestattet mit dem feinsten nervlichen Reaktionsvermögen, muß es sich entladen. Wundervoll sind die Mädchen auf der Straße, schwarz, rotviolett und grün auf okrigem Grund, dazu die fast kindliche Freude an den Farbstiften, mit denen es gemalt wurde. 1938 entstehen aus ähnlicher Voraussetzung wieder drei Mädchen unter einem Baum vor einer warm-rosa Hauswand. Das Bild ist innerlich dichter geworden als das frühere, ein breiter schöner Vortrag stellt an das geschulte Auge große Ansprüche, Indigo gegen kaltes Grün, dazu ein Rosa, eine Akkordreihe der Farben, wie sie nur die großen Franzosen haben.
Mit dem Altern kommt etwas Neues in ihr Wesen, ein seltsam tragischer Unterton. Der schmerzliche Verlust ihres bedeutenden Mannes, ein Opfer der grauenhaften Verfolgung der Vergangenheit, macht sich bei ihr bemerkbar. Ein Stillleben mit braunem Obst und schwarzen, gespenstig züngelnden Bäumen ist ein tiefes Symbol dieser leidgeprüften Künstlerin.
Bei den Angriffen auf Darmstadt verlor Elisabeth Freund-Fischer fast ihr ganzes Lebenswerk, insofern ist es eine besondere Leistung, diese gezeigten Bilder so vorzutragen, daß der große Eindruck erhalten bleibt. Man hat den Eindruck unmittelbar. Am 3. Oktober 1947 starb sie plötzlich während eines Aufenthaltes in der Schweiz.
Anton Hartmann, geboren am 24. Mai 1904 in Darmstadt. Durch Wilhelm Michel und Hugo Lang, Lektor des Koch-Verlages, erfolgt die frühzeitige Auseinandersetzung mit geistig-künstlerischen Problemen. Somit beginnt er den Weg eines typisch modernen Künstlers. Staatsstipendien in Rom und Florenz, Akademie München, Düsseldorf, Schüler von Klee im Bauhaus, sowie längerer Aufenthalt in Paris sind äußeres Zeichen seiner Beweglichkeit und seines Könnens.
Dies starke Temperament drängt sofort ins Revolutionäre und doch ist es mehr als das, denn die Kräfte sind seltsam verteilt. Je mehr Ausdrucksmöglichkeiten in einem Künstler angelegt sind, um so größer wird der Radius und um so voluminöser wird das Lebenswerk. Man kann bei Anton Hartmann von einem genial veranlagten Künstler sprechen. Er ist ein typischer Zeichner, ein Mann, der durch den Geist zur Kontur kommt und diese Linie in ständiger Selbstkritik so verselbständigt, daß sie Ausdrucksträger der feinsten Wahrnehmungen seiner Sensibilität wird. Hier hat man das Gefühl, es handele sich um sublim kleine Formate, doch trägt er es im Gegenteil .auf die Wand in überlebensgroßer, weiträumiger Dimension. Die Fidelis-Kirche in Darmstadt ist das Großartigste, was Darmstadt an neuen Wandbildern besitzt. Die Farbe hat bei Hartmann die Aufgabe, sich der Zeichnung unterzuordnen, so kann man seine Malerei Kolorismus nennen und trifft den Wesenskern, wenn man diesen Kolorismus als aus einer anderen Schicht seiner Natur kommend bezeichnet. Hier muß etwas gesagt werden, das den modernen Künstler auszeichnet. Das Fragmentarische unserer Zeit ist in Ihm angelegt, so daß er, um Instrumentation zu schaffen, sämtliche Register dieser gespaltenen Menschheit ziehen muß, ganz gleich, ob er will oder nicht. Bei Anton Hartmann ist es sein Wesen, das in die Saiten greift. Hier Revolution, dort Lyrik, mit Sehnsucht auf einer Aeolsharfe gespielt, hier Dokument, dort Assoziation. Bewundernswert feinnervig ist das Kaltnadelblatt „Stehendes Mädchen“ von 1930, unmittelbar sinnlich im Eindruck. Doch darüber hinaus wacht eine Linie, die aus formaler, bewußter Kraft kommt und diesem Blatt größte künstlerische Aussage verleiht. Seine späte Zeit ist ein lyrischer Gesang mit dem tragischen Unterton traumhafter Todesahnung.
Am 21. Juli 1943 fiel Anton Hartmann in Rußland. Der größte Teil seines Werkes ging beim Angriff verloren. Mit ihm beklagt Darmstadt den Verlust eines bedeutenden Vertreters der jungen deutschen Malerei. es.
Es herbstelt am Steinbrücker Teich Foto: Kenner
Zweites Meisterkonzert
der Darmstädter Musikhochschule
PROFESSOR CONRAD HANSEN, ein Schüler von Edwin Fischer, gibt am Montag, dem 9. Oktober um 20 Uhr, in der Stadthalle einen Klavierabend. Das Programm bringt Werke von Busoni (Sonatina), Beethoven (Sonate A-dur op. 101), Schumann (Davidsbündler Tänze) und Schubert (Wandererfantasie),
Eine Woche in Paris
VOLKSHOCHSCHULE BESUCHTE FRANKREICHS METROPOLE
In der vorigen Woche trafen die Teilnehmer der ersten Studienfahrt der Darmstädter Volkshochschule nach Paris wieder in Darmstadt ein. Welche Erlebnisfülle hinter den Worten „Acht Tage in Paris!“ verborgen liegt, weiß jeder, der diese Stadt einmal gesehen hat, deren Zauber auch nach der Rückkehr als eine immerwährende Sehnsucht wirksam bleibt.
Paris hat etwas Strahlendes. Selbst an trüben, regnerischen Tagen wirkt diese Stadt nie stumpf oder grau. Es ist das Licht, mit dem sich hier die Erde schmückt und ihre Menschen glücklich werden läßt. Dieses Erlebnis macht Paris und Frankreich zur Heimat der Maler. Wer die Galerie mit den Werken der Impressionisten und der Modernen besucht, erfährt, was das Licht Frankreichs für die europäische Malerei und die moderne Plastik bedeutet.
Bewundernswert ist auch die bauliche Anlage dieser Stadt in dem breithügeligen Land am Seinebogen. Fast gradlinig wird sie von großen, breiten Straßen durchzogen, die das System ihrer Struktur erkennen lassen, ohne aber dadurch den Besucher, den großzügig angelegte und mit Bauten und Denkmälern geschmückte Plätze immer wieder in die Freiheit führen, zu ernüchtern.
Flachgeschwungene Brücken verbinden die Stadtteile diesseits und jenseits der Seine und die beiden kleinen Inseln im Strom miteinander. Auf einer dieser Inseln wurde „Notre Dame“ erbaut, und auf diesem Platz vor der Kathedrale, so behauptet es der Franzose, schlägt das Herz Frankreichs. In unmittelbarer Nähe des großen Gotteshauses lebt in ruhiger Heiterkeit der Blumenmarkt. Auf diesem Markt, wo jeden Tag nur Blumen verkauft und gekauft werden, hört man an Sonn- und Feiertagen lustiges Vogelgezwitscher, denn an diesen Tagen dürfen nur Vögel verkauft werden. Welch reizender Einfall: Blumen und Vögel!
Von der stillen, fast zurückhaltenden Vornehmheit dieses Quartiers — bei uns Viertel genannt — erreicht man in wenigen Minuten die unterschiedlichsten Stadtteile, alle erfüllt von einem fröhlichlärmenden Verkehr. Da es keine Straßenbahnen gibt, fahren Autos und Omnibusse mit großer Geschwindigkeit, und das knirschende Geräusch rasch angezogener Bremsen gehört zur Lärmmusik des farbenfreudigen Pariser Straßenbildes.
Dimes. Für viele war es ein besonderes Vergnügen, an den Quais entlang zu bummeln und in den auf den Quaimauern aufgeschlagenen Buchkästen der Bouquinisten zu wühlen. Eine der Teilnehmerinnen kaufte fast die gleiche Goethe-Ausgabe wieder, die ihr im Jahre 1944 in Darmstadt verbrannte. Sie konnte es kaum glauben, daß das im Jahre 1855 erschienene 40bändige Werk nur 1000 Frs., das sind ungefähr 10 DM kosten sollte.
Vielleicht kann dieses Erlebnis als Symbol gesehen werden für die Gastfreundlichkeit Frankreichs und seiner Hauptstadt Paris, dem großzügigen Gastgeber der Welt. Alle Sprachen erklingen in dieser gastlichen Stadt, Menschen aller Länder und Rassen sind in ihr vereint.
Auch das Elend wird nicht verdeckt. Wer könnte jene Gestalten vergessen, die, in Lumpen gehüllt und oft nur mit Zeitungspapier bedeckt, schlafend unter den Seinebrücken liegen? Die Armut aber wird gemildert durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie getragen und geduldet wird. Unmittelbar daneben spielen an den Seineufern glückliche Kinder, biedere, gut angezogene Männer stehen schweigsam da und angeln, kleine Angestellte essen dort ihr Weißbrot in der Mittagspause und Liebespaare umarmen sich in fröhlicher Unbekümmertheit.
Bis tief in die Nacht hinein ist Leben in dieser großen Stadt, und noch in der Frühe um 5 Uhr sieht man späte Zecher in den Bars ihr Gläschen trinken. K.
Mein Fräulein Tochter
Wie erzieht man eine vierjährige Eva? — „Wenn du wieder so dickköpfig bist, bekommst du heute keinen Pudding und Sonntag keine Schlagsahne!“
„Ach, weißt du, Vati — Pudding und Schlagsahne, das macht doch nur dick. Es ist ganz gut, wenn ich mal aussetze.“ Das nächstemal versuchte ich es so:
„Dir kann ja das Essen nicht schmecken, wenn du dauernd Süßigkeiten schleckst. Ich sehe schon kommen, daß du eines Tages häßliche, schwarze Zähne hast.“
„Ach, weißt du, Vati — laß dir von Mutti mal über Schäkitt-Kronen erzählen. Die Männer sollen das eigentlich wohl nicht wissen, aber die meisten schönen Frauen haben Schäkitt-Kronen, oder wie das heißt.“ — Vielleicht gelang es mir damit:
„Jedesmal, wenn du vorlaut oder trotzig bist, wird dir eine dicke Sommersprosse auf der Nase wachsen.“
Lange tasteten zwei große Kinderaugen meine Nase ab. Dann schmiegte sich das kleine Ding fest an mich: „Ich will’s auch nicht wieder tun. Und es ist lieb von dir, daß du mir das früh genug sagst. Aber sag mal: — Deine Eltern wußten wohl nichts davon?“ W. O.
Argentinien verbietet Filme aus der Sowjetzonenrepublik. Die Vorführung sowjetischer und deutscher Filme aus der Sowjetzonenrepubliik ist von der argentinischen Regierung verboten worden. Von der Neuregelung wird auch der DEFA-Film „Affaire Blum“ betroffen, der in Buenos Aires mit großem Erfolg gezeigt wurde. Der Artkino-GmbH., die in Argentinien Filme aus dem Einflußbereich der Sowjetunion und der osteuropäischen Länder verbreitete, ist jede weitere Tätigkeit untersagt worden.
Das Bildnis des Großen
So sehr Tizian der Auftrag ehrte, den Kaiser zu malen, so sehr ärgerte er sich bei der Arbeit. Er. der Gstalter seelischen Ausdruckes, blickte in das blasse Gesicht des Kaisers, suchte die Gelassenheit zu durchdringen, an den Menschen heranzukommen, aber die Deutung gerade dieses Gesichtes schien dem Meister versagt. Das Antlitz schwieg wie von mönchischer Zucht beherrscht. Auch die Teilnahme des Kaisers am Werden des Bildes war überlegtes Warten.
Die Wechselrede zwischen beiden Männern floß träge dahin. Im Meister wehrte sich das Temperament. Warum gab sich der Kaiser nicht zu erkennen? Wie war er eigentlich? Wo blieben im Blick der dunklen Augen die Boten des Herzens? Unbewegt saß der Kaiser da. Tizian war an den Grenzen seiner Selbstbeherrschung. wie ein Standbild — als habe er sich selbst überlebt — wirkte der Kaiser auf seinen Maler.
Aus Zorn und Ungeduld geschah es, daß dem Maler der Pinsel aus der Hand schnellte, dicht vor des Kaisers Füße. Unverzüglich bückte sich der Kaiser und reichte Tizian den Pinsel. Bestürzt nahm ihn der Maler. Er sah in des Kaisers Gesicht. In blitzartiger Helligkeit war es den Blicken des Meisters freigegeben. Wie demütig war es in seinem Ausdruck! Wie flüchtig war die Freude, wie bedrohlich, wie schmerzhaft einsam war dieser Mensch! Er wehrte Tizians Dank. „Nicht Ihr, ich habe zu danken, daß Ihr so viel Geduld mit mir habt.“
Also hatte der Kaiser den Meister erkannt. Das Bildnis wuchs schnell, denn mit aller Leidenschaft war Tizian am Werke. In Ganzheit und durchdringender Klarheit hob sich die Gestalt Karls V. vom geheimnisvollen Hintergründe seiner Zeit. M. R. Treuhan
Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
Zu ihrer ersten Tagung kommt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die sich im vergangenen Jahr konstituierte und als ihren Sitz Darmstadt bestimmte, in der Zeit vom 12. bis 15. Oktober zusammen. Die Reihe der Veranstaltungen wird durch einen Empfang der Stadt Darmstadt am Abend des 12. Oktobers auf der Mathildenhöhe eröffnet, dem eine kleine Feier anläßlich des 60. Geburtstages von Kasimir Edschmid vorausgehen wird. Am 13. und 14. Oktober finden jeweils abends um 20 Uhr in der Stadthalle öffentliche Diskussionen über „Die Wirkungen der Literatur“ statt, an denen sich u. a. Kasimir Edschmid, Emil Belzner, Wilhelm Lehmann, Otto Rombach, Fritz Usinger und Friedrich Schnack beteiligen werden. Am Sonntagvormittag lesen im Orangeriehaus Kasimir Edschmid und Otto Flake aus eigenen Werken. Die Einführung in diese Matinee gibt der Vizepräsident der Akademie, Frank Thieß. Anschließend wird der Büchner-Preis der Stadt Darmstadt verliehen werden. Professor Eppelsheimer wird in einer Ansprache die Würdigung der Preisträger vornehmen.
Lyreley im Herbst
Die Sonne dieses blassen Tages ist wie eine kranke Jungfer mit glasdünnem Plerzen, die nicht tanzen und singen mag und um jeden Schmerzensstich bangt. Sie hat einen spinnwebfeinen Chiffonschleier aus Wollken und Nebelhauch umgetan und geht auf leisen Schuhen einher. Ihre Hände sind so durchsichtig und schwach, als seien sie im letzten Abendrot entblutet. Sie haben die wehe Gebärde des Genesens an sich, wenn sie spärliche Wärmehüllen um schauernde Schultern ziehen.
Wenn du lärmst, erschrickt die Jungfer, und ihr Herz klirrt wie Zittergras im Nachtwind. Ihre Wangen werden bleich wie die Haut verwaister Birkenkinder, wenn sie der gespenstische Flügelschlag von Erlkönigs Nebelvögeln streift.
Dann hält der Himmel bestürzt den Atem an, und seine Vögel drücken sich scheu zur Erde. Die letzten Rosen erglühen vor Scham über ihre grausamen Dornen und vergessen das Duften. Das Weinlaub entfärbt sich bang in den Gärten, und die Kirchenglocken erklingen wie über Kindergräbern. Die Jungfer Sonne friert und birgt sich in die Federmäntel fernster Wolken, daß auf einmal alle Schatten größer werden und die Herbstahnung grau durch die Lande strömt.
Hörst du, wie ängstlich eine Lokomotive dort hinten ruft?
Langsam, langsam. Wir wollen doch nicht an Vergänglichkeit denken. Freilich, irgendwo jenseits der Berge oder weit im Norden hocken schon diie grämlichen Krähen in Schwärmen, lauert eisiger Wind. Sie kommen, wenn des Jahres verkämpfte Gestalten aus Wolkenfalten freudlos niederblicken. Jetzt aber: feuriger Herbst! Noch ist der Becher voll von Rausch und heimlicher Glut. Wir heben ihn schon wieder zum lachenden Munde. Nur nicht furchtsam sein, nicht lärmen, nicht fordern!
Wir trinken ihn wieder, den Rausch, wenn die Sonne ganz genesen ist. Jetzt ist sie also wie eine kranke Jungfer mit glasdünnem Herzen, die nicht tanzen und singen mag und falterzart ihre Blicke über die Erde, über die Felder und Gärten sinnen läßt. Langsam, langsam. Eine kurze Spanne der Ruhe. Vielleicht morgen schon, dann steht sie auf und läßt die blitzenden Drommeten des Frühlichts durch den blauen Hlimmeisdom schmettern — und noch einmal hebt ein Sonnenglück an.
Dann steigen wir von dem fahlen Ufer d'eser Tage in das bunte Boot neuer Abenteuer. Irgendwo muß es sich lohnen, zu leben und zu lachen! Martin Raack.
Notizen
Das Nachbarschaftsheim veranstaltet am Sonntag, dem 8. Oktober, um 20 Uhr ein Opernkonzert, bei dem Operntenor Otto Bley Arien aus deutschen, französischen und italienischen Opern singen wird. Am Flügel Dr. Erich B o n y e. Der Instrumentalkreis der Landesmusikhochschule gestaltet die musikalische Umrahmung des Abends.
Die Darmstädter Musikzentrale gibt ihr zweites Abonnementskonzert am Montag, dem 9. Oktober, um 20 Uhr in der Stadthalle. Professor Conrad Hansen wird Werke von Beethoven, Schumann, Schubert und Busoni spielen. a • , _ « . ...
Ein Orgelkonzert in der Pauluskirche mit Werken von Joh. Seb. Bach wird Prof. Helmut Walcha, Frankfurt, am Mittwoch, dem 11. Oktober, um 19.30 Uhr, geben.
Ein Operettenkonzert im Rathaussaal Eberstadt findet am Sonntag, dem 8. Oktober, 20 Uhr, statt. Es wirken mit: Opern- und Konzertsängerin Hella W o 1 f - K a mp e r (Sopran), Heinrich Schleinkofer (Tenor) (Landestheater Darmstadt), am Flügel Kammermusiker Hans Horan (Landestheater Darmstadt). t-s
Ein Operettenabend im Eberstädter Rathaus findet am Sonntag, dem 8. Oktober, um 20.00 Uhr. unter Mitwirkung von Hella Wolf-Kamper (Sopran), Heinrich Schleinkofer (Tenor / Landestheater Darmstadt) und Hans Horan (Flügel/ Landestheater Darmstadt) statt.
„Der Wildschütz“ von Albert Lortzing, in der vergangenen Spielzeit des Landestheaters besonders erfolgreich, wird am Samstag, dem 7. Oktobe. um 19.30 Uhr, im Orangeriehaus wieder gegeben werden. Musikalische Leitung: Hans Mikorey (Augsburg) als Gast.
Schweizer Handharmonikaspieler und Jodler werden auf Einladung des Handharmonika - Spielrings Darmstadt am Samstag, dem 14. Oktober, im Concordia-Saal ein Konzert geben. Das auf einer Deutschlandtournee befindliche Schweizer Harmonika-Orchester unter Leitung von A. Dobler, Zürich wird Operetten- und Volksmusik, die zwei Schweizer Jodlerinnen Büthmann und Krauer werden Volsklieder zu Gehör bringen.
Neuer Oberspielleiter
Intendant Dr. Skraup verpflichtete als Oberspielleiter des Schauspiels Herrn Walter Grüntzig, bisher Oberspielleiter in Bochum.
„Csardasfürstin“ im Landestheater
Nach einer Pause von 18 Jahren bringt das Landestheater am Freitag, dem 13. Oktober wieder Emmerich Kalmans berühmte Operette „Die Csardasfürstin“. In der Inszenierung von Kurt Haug und unter der musikalischen Leitung von Hans Mikorey a. G. wird die neuverpflichtete Sängerin Dita Dreesen die Titelpartie singen. Die Tanzleitung hat Ingeburg Niederberger, die Chöre studiert Paul Cadow ein. Das Bühnenbild für die Neuinszenierung entwirft Wolfram Münz.
Ein neuer Film
BELIDA:
„Schritte in der Nacht." Man zieht in diesem Film zu viele Parallelen. Parallelen. die einen an den „Dritten Mann“ erinnern. Nur ist man ein wenig enttäuscht. Man spürt, daß es in der Tat nur einen „Dritten Mann“ gibt. Der Film ist nicht schlecht gemacht. Durchaus nicht. Aber das gewisse Etwas, das man erwartete, zumal er in Locarno preisgekrönt worden war. fehlt. Die Szenen sind nicht so durchgefeilt, wie es Carol Reed gezeigt hat. Vor allem wirkt blaß und ideenlos der Kampf in den Katakomben der Stadt, in denen der Verbrecher seine Zuflucht sucht. Lobend zu erwähnen ist die schauspielerische Leistung des Verbrechers (Davis Morgan) Er kennt keine Liebe, außer die zu seinem Hund und zu seinen technischen Apparaten. Er ist allein, wie ein Wolf. Man lernt ihn hassen und bemitleiden. Doch bleibt eigenartigerweise nichts zurück. als er endlich' den Tod findet. Die Handlung hätte zugunsten mancher hervorragenden Szenen gestrafft werden können. Die Fotographie bezwingt und enttäuscht zugleich. -zr-
Darmstadt und Umgebung
Interview mit Henriette
HGR. Das war eine tolle Geschichte. Der erste Akt ist zu Ende. Wir haben Henriette gefunden und gesprochen, schneller, als es irgendwer gedacht hatte. Wir interviewten nicht nur sie, wir sprachen auch mit dem verantwortlichen Herm vom Postamt. Selbstverständlich in Henriettens Gegenwart, denn sie mußte doch die Karte in Empfang nehmen, die ihr Herr Christoph, der sie suchte, aus Italien geschrieben hatte. Henriette war sehr überrascht. Sie stammelte nur immer wieder: „Die Presse, nein die Presse“, was übrigens gut zu ihrem, von braunen Locken umwallten, Gesichtchen stand. Ueberraschter noch als sie schien der Herr vom Postamt. Er erzählte lächelnd, daß. nachdem alle seine Nachforschungen ergebnislos verlaufen seien, er sich an eine alte Geschichte erinnernd an die Presse gewandt habe. Die Geschichte, die er meinte, spielte sich vor Jahr und Tag in Neuyork ab. Dort habe sich ein Auswanderer aus Oberramstadt nach der Ausschiffung an einen Bekannten erinnert, dessen Vornamen er nur wußte. So annoncierte er in den drei führenden Tageszeitungen, daß er in dem und dem Hotel wohne und „Jakob suche“. Schon am anderen Morgen konnte er seinen Bekannten in die Arme schließen ... Henriette war übrigens nicht in Italien. Sie lernte Herrn Christoph während einer D-Zug-Reise, von Norddeutschland kommend, kennen. Eigentlich nichts Besonderes, denn wer lernt auf einer solchen Reise nicht wen kennen? Das Besondere an der Geschichte ist nur, daß Herr Christoph Henriette näher kennenlernen wollte, was ihm während der - Zug-Fahrt leider nicht glückte, da Henriette eine Begleiterin bei sich hatte. Abgesehen davon, daß Henriette von Zug-Bekanntschaften aus Prinzip nicht viel zu halten scheint. Verständlich.
Weniger verständlich ist mir, daß die Personalbeschreibung des Herrn Christoph gar nicht zu Henriette paßt. Sie ist nicht groß, sondern mittelgroß, sie hat keine himmelblauen Augen, sondern rehbraune, sie ist nicht hellblond, sondern brünett; nur eins stimmt: sie ist in der Tat hübsch. Daraus könnte man den Schluß ziehen, daß Herr Christoph auf seiner Reise nach Italien eine zweite Henriette kennengelernt hat. die er mit der ersten verwechselte. Henriette bestritt das energisch. Kein Wunder, in diesem Punkt war sie nicht Henriette, sondern eine Frau. Welche Frau würde zugeben, daß ein Mann auch einer anderen „schöne“ Augen machen könnte, wenn er offensichtlich nur für sie Interesse gezeigt hat?
Wie's weitergeht? — Wir können nur die Schulter zucken und das Weitere der Post und dem lieben Gott überlassen. Die Post wird zunächst Herrn Christoph schreiben, daß Henriette gefunden worden sei. Das Folgende könnte dann so ablaufen, wie wir's aus dem Film kennen. Immerhin ist dabei zu überlegen, daß Henriette selbst das bewußte „Zünglein an der Waage“ sein wird. Wie das Zünglein ausschlagen wird, kann man nicht sagen. Sicher ist, daß Henriette, diese hübsche, selbstbewußte junge Dame, weiß, daß man mit dem Glück nicht spielen darf.
Schon wieder bei Kilometer 512
An der gesperrten Straße der Autobahn bei Kilometer 512 ereignete sich in der Nacht zum Freitag schon wieder ein Unfall durch unvorschriftsmäßiges Fahren auf dem abgesperrten Stück. In dem starken Nebel versuchte ein aus Darmstadt kommender Lastwagen an einer verbotenen Stelle auf die freie Fahrbahn überzuwechseln, wobei zugleich ein nachkommender Spezialkraftwagen verkehrswidrig zum Ueberholen ansetzte. Beide Fahrzeuge streiften sich und erlitten Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt.
Abiturienten-Lehrgang
für Heimkehrer
Das Hauptbüro Hannover des Evangelischen Hilfswerkes wird voraussichtlich noch einen, und zwar den letzten Abiturienten-Lehrgang für Heimkehrer mit 32 Plätzen im Christlichen Jugenddorf Adelheide über (23) Delmenhorst von November 1950 bis April 1951 durchführen. Dieser Lehrgang steht allen Heimkehrern bzw. Kriegsteilnehmern offen, die im Besitze des Reifevermerkes sind oder den fünfmonatigen Besuch der früheren 7. Klasse nachweisen können. Bewerber dürfen indessen nicht nach der Kapitulation wieder eine höhere Schule besucht haben und müssen dieses durch eidesstattliche Erklärung versichern. Auskunft erteilt das Sozialamt. Darmstadt, Alexanderstraße 35. Zimmer 2.
Besuch der Diesterwegschule
Oberbürgermeister Metzger besichtigte gestern morgen de Amtsräume der in der Diesterwegschule untergebrachten städtischen Dienststellen. Er unterhielt sich mit den Dienststellenleitern über deren Sorgen und Nöte und informierte sich über die Möglichkeiten, die städtischen Dienststellen anderweitig unterzubringen, um die Diesterwegschule für den Schulbetrieb wieder frei zu bekommen.
Die verschwundenen Schwäne
Schloß Kranichstein, das beliebte Ausflugsziel aller Menschen, die sich noch an schöner Romantik erfreuen können, liegt in den Schwaden der Herbstnebel den Fäden des Altweibersommers, zwischen Kastanien- und Nußbäumen in den verträumt - sentimentalen Herbsttagen und ihrer Landschaft. Und die Schwäne in dem Teich waren der sanfte Stolz des Besitzers und der vielen großen und kleinen Gäste während der vergangenen drei Monate. Von Ulm an der Donau hatte man sie hertransportiert, und die schneeweiße Grazie der Tiere hätte man noch bis auf den heutigen Tag bewundern können ... wenn sie noch da wären.
Hier hört der lyrische Teil auf. bzw. er wird von der militanten Periode abgelö't, einer Aktualität in der Art des Wildschützen hinter dem Baume. Die Muskete räumte gründlich mit der Romantik von Ledas Gefolgschaft auf. Schon vor vier Wochen hatte die Knallerei am Teich begonnen, obwohl das ganze Gebiet seit 1937 Jagdschutz- Revier ist. Zwanzig Meter neben dem gerade zur Ruhe gekommenen Schwanenpaar spielten sich die separaten Herbstmanöver ab und trieben die Tiere sogar wahrscheinlich von ihrei*“Spätbrut fort. So konnte das Männchen im schönen Nest des umgebrochenen Schilfes den trauernden Gesang seines Geschlechtes über das verschwundene Weibchen nicht mehr anstimmen, da es sich ängstlich in einem anderen Winkel des Teiches vor dem Jagdeifer (man schoß mit „Shurshot“ Nr. 12, die Hülsen sind vorhanden) der mutigen Jäger verstecken mußte.
Vorgestern flog nun auch das Männchen fort. Fremde sahen den mühsamen Flug — trotz der bis auf die Knochen gestutzten Fittiche — in Richtung Egelsbach, d. h. nach Westen. Fs will sich dort sein Weibchen zurückholen, oder d’e Täter nach Nürnberg bringen. — Ein schönes Märchen ging zu Ende.
Das Happy-End: Trotz allem werden bald wieder neue Schwäne auf dem Schloßteich zu sehen sein. Hoffentlich ist dann auch hier der Friedensschluß erfolgt.
Hundesport in Eberstadt
Große Werbeschau des Eberstädter Dressurvereins
Am kommenden Sonntag veranstaltet der Dressurverein für Gebrauchshunde in Eberstadt im Schulhof in der Gabelsberger Straße eine große Werbeschau.
Um 15 Uhr wird ein reichhaltiges und interessantes Programm mit der Vorführung der verschiedenartigen Rassenhunde nach der Prüfungsordnung in den Klassen I, II und 111 beginnen. Als besondere „Leckerbissen“ wurden das Vorführen eines Hundes auf Sichtzeichen, das Apportieren über eine Kletterwand, Sprünge durch Reifen und brennende Ringe, das Ueberwinden einer drei Meter hohen Stehleiter und die „Mannarbeit“ entsprechend der Prüfungsordnung angekündigt.
Diese Werbeschau soll mit einem bunten Tanzabend im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ abgeschlossen werden. wst.
Unbeleuchtetes Fahrrad
gegen Straßenbahn
Gestern abend gegen 18.30 Uhr fuhr zwischen der Eberstädter Villenkolonie ein vierzehnjähriger Schüler aus der August-Bebel-Straße kommend auf einem unbeleuchteten Fahrrad, um nach Ueberqueren des Straßenbahnkörpers in die Darmstädter Straße einzubiegen. Im glei-
chen Augenblick kam ein Straßenbahnzug der Linie 1 aus der Richtung Darmstadt, gegen dessen Motorwagen der Junge etwa in der Mitte anrannte. Er kam zu Fall und zog sich Verletzungen am Obel schenke! und Hautabschürfungen am Kopfe zu. Der Junge mußte durch das Rote Kreuz in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden.
Tanusend Darmstädter Schwarzhörer
Sie gingen freiwillig zur Post
Durch die gesamte Presse unseres Gebietes gingen im Verlaufe der letzten Wochen Berichte über das „Schwarzhörerteufelchen“, ein von der Bundespost zur Standortfeststellung von Rundfunkapparaten entwickeltes Meßgerät. Wir selbst hatten vor wenigen Tagen noch einmal auszugsweise die Rundfunkbestimmungen gebracht, die allen Zweiflern Klarheit über den Begriff des „Schwarzhörens“ gaben.
Wie wir nun vor wenigen Tagen vom Darmstädter Postamt erfuhren, hatten unsere Hinweise überraschenden Erfolg. Allein in Darmstadt und seiner nächsten Umgebung — soweit sie postalisch dem Darmstädter Hauptpostamt unterstellt ist —• meldeten sich bis zum Ende der straffreien Meldefrist am 3. Oktober so viele Rundfunkhörer mit ihren Geräten an, daß die betreffende Abteilung des Postamtes eine besondere Aushilfe zur Bewältigung des Schriftverkehrs beschäftigen mußte. Weit über tausend Rundfunkgeräte wurden angemeldet, so daß nach den Erfahrungen des Postamtes etwa 1000 Rundfunkhörer von den Neuanmeldern in Darmstadt und Umgebung seither „schwarz“ hörten.
Sie dürften in der nächsten Zeit ruhig schlafen, „denn ein rein Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen“. Aber die anderen, die den Weg noch nicht zur Post fanden — 1
Presse und Werbung
im Versicherungswesen
Die Zweigstelle Darmstadt des Vereins für Versicherungswirtschaft und -praxis in Hessen hielt in einem Hörsaal der Technischen Hochschule eine Mitgliederversammlung ab, in der Dr. L. Schiffler, der Leiter der Gemeinschaftswerbung des Verbandes der Lebensversicherungsunternehmen über das Thema „Presse und Werbung im Versicherungswesen“ sprach. Anhand einer großen Zahl von Lichtbildern zeigte der Vortragende die verschiedenen Arten der Werbungen, die Motivwerbung und die Werbung im Rahmen der Gemeinschaftswerbung. Gerade im Versicherungswesen sei die Werbung eines der tragenden Momente, besonders, da hier keine realen Gegenstände, wie Kühlschränke oder Autos, angeboten würden. Es handele sich daher darum, die Interessenten durch graphische und typographische Werbeideen neugierig zu machen und sie für den Abschluß einer Versicherung zu interessieren. -st
Ban-Sachverständige tagten
Am 3. Oktober fand im Hotel Knauf, Darmstadt, die Monatsversammlung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Bauwesen (ASB), Bezirksgruppe Darmstadt, statt.
Nachdem der bisherige Obmann der Bezirksgruppe, Architekt Hölscher,, Biblis, nunmehr zum Landeshauptvorstand gehört, wurde an dessen Stelle Dipl.-Ing. Oberbaurat B e i n t k er, Darmstadt. durch den Landesvorsitzenden Baurat Lenz. Darmstadt, als neuer Bezirksobmann eingeführt. Zum weiteren Vorstand gehören Dipl.-Ing. Schild, Neu-Isenburg, als Obmannsstellvertreter und Wirtschaftsprüfer Dr.-Ing. Baurat Klemann. Jugenheim, als Beisitzer.
Der fachliche Teil brachte eine rege Aussprache und eine einheitliche Klärung technischer und sachlicher Fragen. Am 20. und 21. Oktober findet in Kassel die erste Jahreshauptversammlung der ASB statt.
Das 62. Jahresfest der Darmstädter Stadtmission wird am kommenden Sonntag, dem 8. Oktober, gefeiert. Im Festgottesdienst um 9 30 Uhr im Johannesgemeindesaal in der Kahlertstraße wird Pfarrer Blümler, Oppenheim, predigen. Die Nachfeier beginnt um 15 Uhr.
Wessen Kindheit noch in die Jahrhundertwende zurückreicht, erinnert sich gewiß noch des Baues, den unser nach einer Vorlage des Stadtarchivs wiedergegebenes Bild zeigt. Es ist die „Großherzogliche Münze“. Sie stand, obwohl sie ihren Betrieb 1881 eingestellt hatte und dem Steueramt diente, am Maintor. 1903 niedergerissen, machte sie dem Justizgebäude Platz. Die Darmstädter Münze hatte im Inlande und auch außerhalb Deutschlands einen hervorragenden Ruf, nicht zuletzt wegen ihrer technischen Ausstattung. Drei Angehörige der Familie Rößler — Großvater, Enkel und Sohn — verdankt sie ihren Aufschwung. Hier wurde 1830 die erste Dampfmaschine in Hessen aufgestellt. Von hier bezogen die Münzen in Frankfurt, Stuttgart, Straßburg, Wiesbaden und Bern Walzwerke und Prägewerke. Ein Mitglied der Münzmeisterdynastie Rößler, Viktors ältester Sohn Fritz, ist übrigens auch der Begründer der Frankfurter Gold- und Silber-Scheideanstalt.
Totschlagsversuch an dem Sohn
Seltsames Tatmotiv eines Vaters und bisher unbescholtenen Mannes
Eine tiefe Tragik lag über dem Fall, über den gestern Darmstadts Geschworene zu Gericht saßen. Wegen versuchten Mordes an seinem eigenen Sohn angeklagt, stand ein seither unbescholtener und braver Mann vor dem Gericht.
Mit dem stumpfen Teil einer Axt hatte am 18. April der 63jährige Gärtner Hugo H. aus Offenbach plötzlich mehrfach auf den Schädel seines am Tisch sitzenden Sohnes geschlagen. Während dieser blutüberströmt mit einer schweren Kopfwunde davonrannte, schluckte der verzweifelte Vater Rattengift und schoß sich mit einem Revolver in die Schläfe. Wie ein Wunder mißglückten beide Selbstmordversuche. Im Krankenhaus konnten beide wieder geheilt werden. Der Sohn erstattete Anzeige, der Vater kam in Haft . . .
So einwandfrei der von dem Angeklagten völlig zugegebene Tatbestand war, so merkwürdig und doch glaubhaft mutete das Tatmotiv an. Der angeklagte Vater gab nämlich an, er habe seinen Sohn „aus Sorge um diesen“ umbringen und mit sich in den Tod nehmen wollen. Es sei seine Empfindung gewesen, daß es der Sohn im Leben zu nichts bringe.
Um dieses „anomale Motiv“ — wie es der Vorsitzende bezeichnete — zu verstehen, befaßte sich das Gericht ausführlich mit der Persönlichkeit und den häuslichen Verhältnissen des 63jährigen. Er, der durch seine urwüchsige Redseligkeit und seine Aufrichtigkeit einen guten Eindruck vor Gericht hinterließ, hatte seit 63 Jahren ein einwandfreies und arbeitsreiches Leben geführt. Recht und schlecht ernährte er seine Familie aus den Einkünften eines selbst aufgebauten Gärtnereibetriebes. Er war ein ordnungsliebender Mensch und führte ein Leben von minuziöser Regelmäßigkeit. Nicht so sein Sohn und seine Frau. Ihr warf er vor, sie könne nicht wirtschaften, ihm, er wolle nichts arbeiten. Er erkannte, daß sein Sohn kein großes Interesse an der Gärtnerei besitzt, nicht besonders fleißig und ein wenig leichtlebig ist, sowie gegen seinen Willen ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau unterhält. Dies ärgerte den alten zielstrebigen Mann, zumal der Sohn offenbar von seiner Mutter „im Kampf um die Autorität“ innerhalb der Familie unterstützt wurde. Hinzu kam, daß infolge Alterserscheinungen die begrüßenswerten Charaktereigenschaften des Vaters sich übersteigerten und seine Sparsamkeit zu Geiz, seine Genauigkeit
Die Böschung hinab fuhr gestern morgen um 10.30 Uhr ein aus Ulm stammender Lastzug auf der Autobahn bei Lorsch. Der Fahrer war anscheinend durch lange Fahrt und schwerer durch Nebel behinderten Sicht eingeschlafen. Es entstand lediglich Sachschaden. zur Kleinlichkeit wurden. Der Sohn bemühte sich keineswegs, dies zu verstehen. Die kleinsten Reibereien fraß der 63 jährige in sich hinein, so daß sich in ihm eine Spannung speicherte. Auch wirtschaftliche Schwierigkeiten ließen den Mann nicht mehr zur Ruhe kommen. Die Steuerlast drückte und es kamen nur wenig Einnahmen herein. In seiner Verzweiflung schritt er dann zu dieser Tat, die er gestern selbst als „Blödsinn“ bezeichnete.
Unter Zubilligung des § 51 Absatz i verurteilte ihn das Schwurgericht wegen versuchten Totschlags zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Die Untersuchungshaft wird ihm voll angerechnet, der Haftbefehl aufrechterhalten. wet
Drínnerum und odrnmerum
Mer sekt immer, die Dumme wern net all. Jetzt hab ich mich iwwerzeiche losse, daß aach immer Schlaue do sin, wo jemand zu belemmern is. Nemlich de Hinkel in de Mansadd, der wo schun seit Johrn Schwazzherer war, net allaa, weil mer emol e Zeitlang net alles hot abhorche derfe, sondern aach wäje seune dreggische Ohrn, der hot die vorig Woch seun Rundfunk bei de Post abgemeldt. Dem seu Unnermiedern hot vun ihrm Schatz en Radio krickt un gleich agemeldt. Deß hat dem Geizkrache vun Hinkel grad so gehaßt, dann er maant, wann jetzt die Schniffeler vun de Post mit ihrm Abberadche kumme, kennt er immer saache, jawohl meine Herrn, sie hawwe richtig geheert, awwer meu Unnermiedern hot ordnungsmäßig em Brieftreger gesacht, daß sie bezahle will. Do hot er noch net emol geschwindelt un die Schniffeler mißte schun en zwaaspennische Abberad mitbringe, wann se merke wollte, daß hinner de Glasdier mehr wie aaner hogge dhet, der wo billig wisse will, was in de Welt los is. Ich will jo de Hinkel abselut net eneureide, dann ich bin mer klor, daß noch mehr Radiobesitzer den Boche haushawwe.
Ich hab geglaabt, die Post weer schun hinner die Schlich kumme, weil vor e par Daach in de Mitt vum Riegerblatz so e Maschinerie eugegrawe un uffgestellt worn is un war gespannt druff, was dodebei erauskumme dhet. Scheinbar nix, dann zwaa Daach speder war deß Ding Widder fort un deß mit vieler Mieh gemachte Loch sauwer zugeschebbt. Was deß war? Wers waaß, werds wisse. En ganz erfreiliche Fortschritt is es, daß mer Widder e effendlich Schwimmbad hawwe, wo mer sich aach im Winter paradiesisch erhole kann. Do brauch ich mer doch kaa'Kobbweh zu mache, wann ich mich wäjem schlechte Wedder net mehr an de Gichtmauer wärme kann. E ganz groß Idee is es gewäse, unserm Ower e sozusaache amtlich abgestembelt Badhos zu iwwerreiche. Deß hot doch en Sinn, dann so en Ower muß schwimme kenne, wann er emol ins Feddnäbbsche gedrete hot un muß aach rette (un redde) kenne, wann emol ebbes denäwe gerade is. Un wann e bei Geläjenheit seu Stadträt emol net so wolle, wie er, dann steht ern doch net so nackisch gäjeniwwer.
Es gibt awwer aach Sache, die trotz allem Fortschreite doch kaan Fortschritt bedeite. Deß nei Haus an de Eck vun de Kasinostroß war mer schun immer en Dorn im Aach un jetzt, wo’s, wie ich gelese hab, nach Aennerung des Bauplans endlich fertiggebaut werd* is es noch schlimmer. Daß deß alt Bankhaus jetzt dodal versteggeld is, do will ich noch nix degäje saache, wanns aach schad is. Awwer, emol ehrlich! War deß nei Parkhotel mit seune scheene A’lage net e Schmuckstick in unsere geschunnene Rheinstroß un hatte mer net all unser Fraad an dem scheene A’blick? Muß mer grad do, wo’s garnet hiebaßt, e Hochhaus baue, deß wo alle Haiser runderum dodschleekt? Die Darmstädter Bauweis werd unsere Enkel emol manch Retsel uffgäwwe.
Gottlob werd wenigstens die alt Reschierung am Luwieseblatz widder genaa so, wie se war, uffgebaut. Wollte Gott, deß Gebaide dhet aach in Zukunft widder wie frieher for de ganze Reschierungsabberad ausreiche und es wern aach kinfdisch net mehr Beamde, so vun dere aide Sort, needig, wie damols, wo de Karrn ganz prima gelaafe is. Winsche un hoffe kann mer jo viel, wann aach nix draus werd.
Wann ich eich awwer en frohe Sunndaach winsch, do kimmt deß vun Herze, awwer daß er aach so werd, do mißt ihr schun e bißje mithelfe. Eier Anton Berzel
Bereitschaftsdienste
Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst: (vom 7. Oktober. 13.00 Uhr. bis 14. Oktober, 8.00 Uhr). Darmstadt: Frankenstein-Apotheke,
Darmstadt, Heidelberger Straße 85 (Tel. 925) und Löwen-Apotheke, Darmstadt, Magdalenenstraße 23 (Tel. 814); Johannes-Apotheke, Darmstadt. Landwehrstr I'/» (Tel. 3338).
Darmstadt-Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Straße 26. (Tel. 221).
Darmstadt-Arheilgen: Arheilger Apotheke, Dieburger Straße 20, (Tel. 604).
Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10.00 bis 12.00 Uhr).
8. Oktober: Zahnarzt Dr. Hurtig, Darmstadt, Wilhelm-Leuschner-Straße 7, Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10.00 bis 12.00 Uhr).
8. Oktober: Dentist H^ns Zimmerschi tt Da.-Eberstadt. Darmstädter Straße 59.
Wohin gehen wir heunte?
Landestheater: O ran gerie, 19.30 Uhr: „Der Wildschütz“, Kom. Oper von Albert Lortzing; Ende gegen 22.30 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „Staatsgeheimnis“; Thalia: „Schwarzwaldmädel“ und Nachtvorst. : „1000 Worte Hessisch“ mit dem Rundfunkhumoristen Wolf Schmidt und Gretl Pilz und Beiprogramm; Belida: „Schnitte in der Nacht“ u n d Na ch t v rs t. : „Die Wölfe von Kansas“; Palast: „Die seidene Schlinge“; Hansa: „Ditte — ein Menschenkind“ und Nachtvorst.: „Abenteuer in Brasilien“.
Christengemeinschaft, Herdweg 31: 19.30 Uhr, Vortrag von A. Schütze, Frankfurt am Main: „Vom Wesen des Kultus“.
Ausstellung der Ungarndeutschen: (Siedlungshaus Nr. 7, Donau-Siedlung, Darmstadt, Sternweg) 15—19 Uhr: „Alte »und Neue Heimat“.
... und morgen?
Landestheater: Orangerie, 14.30 und 19.30 Uhr: „Maß für Maß“, Schauspiel von William Shakespeare; Ende gegen 17.00 bzw. 22.00 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „Staatsgeheimnis“; Thalia: „Schwarzwaldmädel"; Belida: „Schritte in der Nacht“, Nachtvorst. : „Die Wölfe von Kansas“; Palast: „Anna Lans“; Hansa: „Ditte — ein Menschenkind“, Nachtvorst.: „Abenteuer’ in
Brasilien“. Hygiene-Lichthof, Nec k a rst r. 3: 10 bis
18 Uhr: Ausstellung „Gesundes Leben“. Operetten-Abend, 20 Uhr, Eberstädter Rathaus; Mitwirkende: Hella Wolf-Kamper, Sopran; Hch. Sehleinkofer, Tenor; am Flügel: Hans Horan (beide Landestheater Darmstadt). Nachbarschaftsheim, P r i n z-E m i 1-G a r-
te n : 20.00 Uhr, Opernkonzert. Ungarndeutsche Ausstellung (Darmstadt, Stirnweg): 17—19 Uhr. (Vorm. 10.30 und 15 Uhr: Ungarndeutsches Siedlerfest.)
WIE-WIRD-DAS WETTER
Noch beständig
Vorhersage: Uebers Wochenende vormittags verbreitet Nebel, sonst vielfach, heiter und niederschlagsfrei? Temperaturen wenig geändert, südwestliche bis' westliche Winde.
Weitere Aussichten: Bis Montag keine Aenderung abzusehen.
Wir gratulieren
80. Geburtstag: Herrn Emil Schliießm a n n, Darmstadt, Schwanenstraße 2.
Wer hat die Care-Pakete geschickt?
Oberbürgermeister Metzger sprach über das kirchliche Leben in Amerika
Während seiner Amerikareise hat Oberbürgermeister Metzger auch die Kirchengemeinden besucht, die seit Jahren in enger Beziehung zu Darmstadt stehen. Wie man weiß, wurden diese Beziehungen von ihm auf der Amsterdamer Kirchenkonferenz angeknüpft, wo Pastor Hollister aus Washington ihm sagte, daß seine Gemeinde gern bereit wäre, die Patenschaft für eine deutsche Gemeinde zu übernehmen. Ueber hundert Familien aus Washington und dem Darmstädter Johannesviertel haben so in den letzten Jahren sich brieflich kennengelernt. Von drüben kamen, zugleich für unsere Neubürgersiedlungen, in der größten Notzeit viele Liebesgaben.
Es war also zugleich ein Dankbesuch, den der Oberbürgermeister in Washington abstattete. Am Mittwoch erzählte er im vollbesetzten Johannessaal von den Spendern, dem kirchlichen Leben in den Vereinigten Staaten und von Darmstädtern, die er auf seiner Reise traf. Der Gemeindeabend, an dem der Kirchenchor mitwirkte, ließ, wie Pfarrer Jaeschke es in seinen Einführungsworten gewünscht hatte, etwas spüren von dem Segen, der von der Berührung mit der welteweiten Gemeinschaft der Christenheit ausgeht.
Jene Spender aus Washington, zu denen der Oberbürgermeister im Gottesdienst sprach — seine erste Rede drüben in englischer Sprache — kommen keineswegs aus begüterten Kreisen, aber sie sind getrieben von einer vorbildlichen Hilfsbereitschaft. Es gibt viele Familien, in denen die Frau arbeiten geht, damit sie Pakete schicken kann, denn der Dollar liegt drüben nicht auf der Straße. Zugleich zeigen sich diese Menschen aufgeschlossen für menschliches Schicksal. Eine gleiche außerordentliche Herzlichkeit der Aufnahme wurde dem deutschen Gast auch in der Baptistengemeinde Blew-Islands zuteil. Ueberall war der ehrliche Wille zu erkennen, in ein gutes Verhältnis zu Deutschland zu kommen.
Die Schilderung des kirchlichen Lebens drüben, war dazu angetan, manche schiefen Vorstellungen über amerikanische „Betriebsamkeit“ zu korrigieren. Der amerikanische Christ ist in seinem Glaubensleben unkompliziert aber nicht oberflächlich. Wenn er Weltliches in Kirchliches hineinzieht, dann ist das durchaus kein Schaden, denn es ist eine christliche Forderung an unsere Zeit, mitzuhelfen, daß Ernst gemacht wird mit den Lehren des Neuen Testamentes, die sich auch im persönlichen und praktischen Leben auswirken sollen. Mit besonderer Ergriffenheit vernahmen die Zuhörer auch von den emigrierten jüdischen Mitbürgern aus Darmstadt. Trotz des Unrechtes und der Verbrechen, die an ihnen und ihren verfolgten Familien getan wurden, zeigten sie keinen Haß, sondern Anteilnahme an der Heimatstadt und ihren Menschen. Der Oberbürgermeister berichtete dabei von seinen Besuchen bei den früheren Darmstädter Kaufleuten Emil Loeb und Friedrich Köhler (Höslein). Auch das gehöre zu den Aufgaben der Christen in Deutschland, jeden etwa neu auf kommenden Antisemitismus zu bekämpfen. Mancherlei Fragen wurden aus der Gemeindeversammlung noch gestellt und von dem Redner beantwortet, ehe Pfarrer Orth den Abend schloß. Er kündete an, daß am kommenden Mittwoch der Hilfswerkfilm „Es war ein Mensch“ im Johannessaal aufgeführt wird. pd
Darmstädter Jubilare
Bankdirektor Bochow
Heute feiert der frühere Direktor der Deutschen Bank in Darmstadt, Herr Hans Bochow seinen 70. Geburtstag.
Gerade als die Inflation begann, kam er im Jahre 1922 nach Darmstadt, um hier die Leitung der Zweigstelle zu übernehmen. Seinen Aufstieg — er diente von der Picke auf — nahm Herr Bochow in der Deutschen Bank, in deren Berliner, Frankfurter und Bad Nauheimer Filialen er früher schon tätig war.
Die verantwortungsvolle Darmstädter Tätigkeit nahm seine ganze Arbeitskraft in Anspruch, zumal er seit dem Jahre 1929 noch die Geschäfte der Deutschen Vereinsbank, Zweigstelle Darmstadt, übernehmen mußte und bei der Fusion mit der Diskontogesellschaft im gleichen Jahre wesentliche Arbeiten zu leisten hatte. Bei Erreichung der Altersgrenze konnte sich der Jubilar kurz nach dem Kriege in den verdienten Ruhestand zurückziehen. Trotzdem blieb er noch aktiv im Verein der „Freunde der Technischen Hochschule“, dem er schon früher angehörte, tätig. DT.
75 Jahre Ludwig Debus
Heute feiert die Firma Ludwig Debus am Hauptgüterbahnhof ihr fünfundsiebzigjähriges Geschäftsjubiläum. Im Laufe dieser Zeit ist sie zu einer der ältesten und führendsten Spezialfirmen des Darmstädter Bezirks geworden. Aber nicht nur in der engeren Heimat kennt man die Erzeugnisse der Steinholzfabrik, auch im Ausland hat diese Firma einen guten Klang. 1875 wurde sie vom Großvater des jetzigen Inhabers als Bau- und Möbelschreinerei in der oberen Stiftsstraße gegründet und später vom Sohn weitergeführt. Dann kam der große Aufschwung, als vor 44 Jahren als revolutionäre Neuheit in der Bauwirtschaft die Verlegung fugenloser Fußböden in die Firma aufgenommen wurde.
Man kann wohl sagen, daß der Vater des heutigen Inhabers ein Pionier in dieser Branche gewesen ist. Durch einen Bauunfall kam er ums Leben, und da der zweite Sohn seit dem letzten Krieg vermißt wird, liegt die Betriebsführung ausschließlich in Händen von Dr. W. Debus, der in dem väterlichen Betrieb von der Pike auf gedient hat. Dr. Debus hat mehrere wissenschaftliche Arbeiten über den Hauptgrundstoff der Steinholzfabrikation, Magnesit, geschrieben, und seinen Titel mit einer Dissertation über den Begriff des Handwerks erworben. Seine Erzeugnisse finden in den Kreisen der Industrie, wie in der Bau-, Maschinen-, Textil- und Radioindustrie willige Abnehmer. Auch Behörden, staatliche und städtische Verwaltungsstellen und Siedlungsgenossenschaften werden beliefert. -st.
30 Jahre Magsam
Am heutigen Samstag begeht die Firma Magsam OHG Darmstadt, ihr 30jähriges Geschäftsjubiläum. — Im Oktober 1920 legte Herr Georg Magsam den Grundstein zu einem Unternehmen, das bald einen starken Aufstieg nahm, und alle Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit überstehen konnte. Langjähriger Aufenthalt Herrn Magsams im Ausland, wo er seinen Blick erweitern konnte, und vorherige Tätigkeit als Leiter eines Herren-Konfektionsgeschäftes, gaben ihm die nötigen Erfahrungen, und trugen entscheidend zum Aufbau des Unternehmens bei. So mußte die Firma im Juni 1932 in die Ernst-Ludwig-Straße verlegt werden, da die Geschäftsräume am alten Platz den Ansprüchen nicht mehr genügten.
Im Jahre 1944 wurde der Betrieb durch Bomben total zerstört, und Herr Magsam verlor in dieser Nacht — er wurde vom Militärdienst durch eine „C-Depesche“ nach hier berufen — auch seine Familie. Trotz allem Unglück war sein Mut nicht gebrochen. Er verlagerte seine Firma nach Wersau i. Odenwald, wo auch dort, dank seines bekannten Namens, der Neuaufbau gelang.
Seine kaufmännische Regsamkeit vermochte im Laufe der folgenden Zeit alle Widrigkeiten zu überwinden, die der späteren Wiedereröffnung am 3. August 1948 in Darmstadt, Kirchstraße 19, im Wege gestanden hatten. ng.
Personenwagen auf geparkten Lastzug
Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag auf der Autobahn bei Weiterstadt. Ein in Richtung Frankfurt fahrender Lastzug mußte wegen Schaden am Anhänger anhalten. Um besser sehen zu können, setzte der Fahrer des Lastzuges seinen Motorwagen hinter den Anhänger und benutzte die Scheinwerfer als Lichtquelle. Während die Fahrer noch mit der Reparatur beschäftigt waren, fuhr ein aus gleicher Richtung kommender Personenwagen mit voller Wucht auf den geparkten Motorwagen auf. Der Fahrer des Personenwagens wurde schwer verletzt in ein Darmstädter Krankenhaus eingeliefert. An dem Personenwagen entstand erheblicher Sachschaden.
An der Stadt notiert
Das letzte Promenadenkonzert im Herrngarten für dieses Jahr wird am kommenden Sonntag von 11 bis 12 Uhr das Darmstädter Orchester für Berufsmusiker unter Leitung von Kapellmeister T r a s e r bringen.
Dem Dichter Kasimir Edschmid überreichte der Magistrat der Stadt Darmstadt anläßlich seines 60. Geburtstages ein zwölfbändiges Werk „Das malerische Deutschland“. Die Glückwünsche des Magistrats überbrachten Oberbürgermeister Metzger. Stadtkämmerer Dr. Feick und Stadtrat Julius Reiber.
Das Forum Darmstadt hat zum Thema seiner nächsten Veranstaltung am Donnerstag, dem 12. Oktober 1950, 20 Uhr, in der Technischen Hochschule „Die Lage der Besatzungsgeschädigten und das Bauprogramm der Besatzungsmacht“ gewählt. Der Hessische Bauernverband, Orts-
gruppe Darmstadt, feiert sein Erntedankfest heute, am Samstag, dem 7. Oktober, ab 20 Uhr in der Gaststätte „Heilig-Kreuz“.
Die Ortsgruppe des Odenwaldclubs Eberstadt unternimmt am Sonntag, dem 8. Oktober, eine gemeinsame Wanderung mit der Ortsgruppe Worms über den Frankenstein, Seeheim, Jugenheim nach Alsbach. Dort findet ein gemütliches Zusammensein statt. — Der Abmarsch erfolgt 9.30 Uhr ab Friedhof. t-s
Das diesjährige Abturnen in Ebersbach veranstaltet die Turn- und Sportgemeinde (Turnverein 1876) am Sonntag, dem 8. Oktober, 19 Uhr, in der Turnhalle. Anschließend findet ein gemütliches Zusammensein der Mitglieder in der Turnhalle statt. , t-s
Die Deutsche Bundesbahn stellt am 8. Oktober um 0.00 Uhr ihren Verkehr vom Sommer- auf den Winterfahrplan um. Der Unterschied ist im allgemeinen in den Abfahrts- und Ankunftszeiten am Darmstädter Hauptbahnhof nicht sehr wesentlich. Der größte Teil der Züge verkehrt nach dem alten Plan weiter, ein kleinerer Teil differiert nur um wenige Minuten.
Ueber den Stand der Schweißtechnik in USA berichtet in einem Vortrag am 10. Oktober, um 17.15 Uhr, im Amerika-Haus Dr.-Ing. Kauhausen, Düsseldorf. Lichtbilder werden den Vortrag unterstützen.
Das Uhrwerk der Eberstädter Kirche, das aus dem 16. Jahrhundert stammen soll, wurde kürzlich von Uhrmacher Meitzler völlig überholt. Nach Montage der neuen Zifferblätter wird es weiterhin seinen Dienst tun. t-s.
Eine zweite evangelische Pfarrei wird der Vorort Eberstadt erhalten. Der neue Pfarrer wird voraussichtlich Mitte November sein Amt antreten. Er soll den NordbeziA:. »ter von der Pfungstädter Straße begrenzt wird, selbständig verwalten. Zu seiner Begrüßung wird die ganze Gemeinde, Kirchenvorstand. Kirchengemeindevertreter. Frauenhilfe und Jugendgemeinde in die Turnhalle eingeladen. Die Darstellung lebender Bilder und die eventuelle Aufführung aus Eberstadts Geschichte wird vorbereitet. t-s
Die Sendeprogramme vom 8. bis 14. Oktober 1950
Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)
Mittelwelle: 208,5 m (1439 kHz)
UKW-Sender: Feldberg 95,7 MHz, 3-m-Band
Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der
hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr
Sonntag, 8. Okt.
6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Katholische Morgenfeier 9.15 Die Verantwortung der Frau in der Gegenwart 9.30 „Auf den Bergen ist Freiheit“ 10.00 Vokal- und Instrumentalmusik alter Meister 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Unterhaltungmatinä aus Bad Homburg 13.00 Musik nach Tisch 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung 14.30 Aus unserem Märchenbuch 15.00 Der gemeinsame Weg 15.15 „Meister ihres Faches“ 15.45 Die Königin der Sängerinnen 16.00 Gute Unterhaltung, lieber Hörer! Dazwischen Sportreportagen 18.00 Willy Berking spielt zum Tanz 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Kinder, ist das Leben schön 21.00 Pariser Spaziergang — Opera Comique 21.20 Anton Dvorak 22.10 Sportberichte 22.30 Musikalisches Kabarett 23.00 Tanzmusik
Montag, 9.0k1.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Hausmusik im Wandel der Zeiten 12.00 Musik zu Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.15 Schulfunk: Musik des 20. Jahrhundert 16.00 Musik nach Bildern 16.45 Sie finden dich überall 17.00 Slawische Weisen 18.00 Jugend und Presse 18.30 Feierabend-Intermezzo 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Neues uid Bewährtes aus dem Plattenalbum 21.00 Dolf Stemberger spricht 21.15 Filmrevue aus aller Welt 22.15 Frankfurter Komponisten 23.00 Zärtliche Weisen
Dienstag, 10. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: In 80 Tagen um die Erde 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Stimmen des Alltags 14.15 Schulfunk: Emil und die Detektive 15.10 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 16.00 Orchesterlieder 17.00 Bücherstunde 17.15 Lieder und Tänze aus Franken 18.00 Stiefväter 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.30 Rendezvous auf dem Rummelplatz 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Ein Tanzpotpourri mit Willy Berking 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21.05 Musikalischer Bilderbogen 22.15 Das Abendstudio
Mittwoch. 11. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.05 Fünf Minuten Außenhandel 11.15 Schulfunk: Till Eulenspiegel 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Musikalisches Allerlei 14.00 Lieder aus dem „Schi-King“ 14.15 Schulfunk: Glas 14.45 Das Rote Kreuz forscht Vermißten 15.05 Kanadische Sendung 15.20 Unterhaltende Musik 15.45 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Schule und Elternhaus 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Der werktätige Mensch 18.20 Entspannende Musik 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Othello, Oper von Verdi 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz
Donnerstag. 12. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Der Zentrumsturm 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Die Marokkokrisen 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Musik und Mode 16.50 Die Frau in der Arbeiterwohlfahrt 17.00 Aus Schlagermachers Schmalztöpfchen 18.00 Hörerlieblinge: Es singt Karl Friedrich 18.30 Eine Viertelstunde mit Adolf Wreege 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Der Wunschzettel 21.00 Blick auf Europa 21.10 Unterhaltungsmusik von heute 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Alte und neue italienische Kammermusik 23.20 Tanzmusik
Fieitaq, 13. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk: Binnenschiffer 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kulturelle Wochenschau 14.15 Schulfunk: Nomaden 16.00 Lieder und Klaviermusik 16.45 Für junge Menschen 17.00 Froh und heiter 17.40 „Man spricht von . . . 18.00 Funk-Feuilleton 18.30 Rhythmische Klänge 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Übertragung aus dem 1. öffentlichen Kammermusikabend des Hessischen Rundfunks in Verbindung mit der Frankfurter Museumsgesellschaft 20.45 Kommentar von Mr. Boerner 20.50 Der Tod des Handlungsfasenden von Arthur Miller 22.15 Unterhaltungskonzert 23.00 Höher, immer höher, Novelle 23.15 Musikalische Importe
Samstag. 14. Okt.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau, Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Das Spiel vom Thomaskantor 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 Das aktuelle Interview 15.10 Musik zu Dritt 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 Bitte, nicht ernst nehmen. Eine musikalisch gewürzte Unterhaltung 18.00 Recht für Jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Unterhaltung mit Erich Börschei 21.00 1000 Worte Hessisch 21.30 Von der Zither bis zum Dudelsack 22.10 Sportergebnisse 22.20 Von Brettl, Funk und Bühne 23.00 Zwischen heute und morgen
Südwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 291 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz), 195 m (1538 kHz)
(Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen, Reutlingen)
Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr
12.20 Volksmusik und Chorgesang 13.30 Operettenmelodien 14.00 „Hier spricht Deutschland" 14.15 Frohe Melodien 15.30 Viel Musik und wenig Worte 17.00 Das Südwestfunk-Unterhaltungsorchester 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Sinfonie-Konzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Nachtgespräch: Genius der Toscana 23.30 Fröhlicher Ausklang!
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Sinfonische Unterhaltungsmusik aus Amerika 17.00 „Literatur und Landschaft" 17.20 Solistenkonzert 18.20 Aus der Welt des Sport 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland“ 20.00 Musik für dich 21.00 Aus der Welt der Oper 22.30 Klaviermusik 22.45 Nachtgespräch
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.50 Unterhaltungsmusik 15.15 Unterhaltungsmusik 15.30 Sinfoniekonzert 16.30 Sang und Klang im Volkston 17.15 Zeitgenössische Unterhaltungsmusik 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland" 20.00 Operettenkonzert. Offenbach „Orpheus in der Unterwelt“ 20.45 Hörspiel „Eins, zwei, drei“ von Franz Molnar
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musikalische Teestunde 17.15 Kammermusik 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland“ 29.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Das Prisma 22.20 Aus issenschaft und Technik 22.30 Klaviermusik von Franz Liszt 22.45 Nathtgespräch 23.15 Eine bunte Schlager-Revue
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingeit 16.15 Nachmittagskonzert 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland“ 20.00 Tanzabend 21.00 Stimme der Gewerkschaften 21.10 Neue Schallplatten 22.30 Bach: Kunst der Fuge 23.30 Für Kenner und Liebhaber
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Europäische Volkslieder 15.30 Mbsik zur Teestunde 16.30 Klaviermusik 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland“ 20.00 Kammermusik 20.45 Die Versuchung des Pescara. Hörfolge 21.30 Volksmusik und Chorgesang 22.30 Klänge aus Lissabon
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Frohes Wochenend 15.15 Opernmelodien 16.00 Unser Samstagnachmittag 17.15 Sang und Klang im Volkston 17.45 „Hier spricht Deutschland“ }vir erfüllen Hörerwünsche 22.15 Sportrundschau und Musik bittet 2Um Tanz! 010 Gepfiffen klingt's so, gesungen klingt's sol
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 522 m (575 kHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nadirichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,212.45 Uhr
12.00 Musik am Mittag 13.00 Unterhaltungsorchester 14.00 Stunde des Chorgesangs 14.30 Lustiges Kasperle-Hörspiel 15.00 Frohes Raten — gute Taten 15.45 Nachmittagskonzert 17.00 „Die dritte Macht“. Ein Hörspiel 17.40 Kammermusik 18.15 Brillante Unterhaltungsmusik 20.15 Internationaler Musikwettbewerk Genf 1950 22.30 „in Dur und Moll“
12.00 Musik am Mittag 15.30 Spiele für die Kleinen 16.00 Nachmittagskonzert 18.25 Flotte Sachen 19.30 Wir diskutieren über das Thema: „Gibt es zuviele Zeitschriften?“ 20.00 Musik für jedermann 21.15 „Nehmt alles nur in allem.“ Eine Gedenksendung für den Schriftsteller Kurt Vetter 22.00 Zeitgenössische Musik Josef Mühlberger 23.15 Liederstunde
12.00 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk: Aus berühmten Opern 15.30 Das Heinz-Lucas-Quintett 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Klaviermusik von Walter Niemann 18.20 Klänge der Heimat 21.00 „Deutsches Weinlesefest“ 22.00 Musikalischer Bilderbogen aus Amerika 22.45 Ailes für zwei Groschen. Eine Kriminalparodie 23.15 Noch ein halbes Stündchen 12.00 Musik am Mittag 14.00 Unterhaltungsmusik 15.30 Wolfgang Geri, Klavier 16.00 Landschaft in der Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.15 Kleines Orchesterkonzert 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 Conrad Ferdinand Meyer. Zum 125. Geburtstag 21.00 Schweizer Kammermusik 22.00 Das Streichorchester Heinz Hoffmann-Glewe 23.00 „Triumph der Ehre"
12.05 Musik am Mittag 15.30 Das Frauenterzett 16.00 Nachmittagskonzert 16.50 „Du und der Chef" 17.10 Trossinger Musiktage 1950 18.25 Schöne Opernmelodien 19.30 Sport gestern und heute 20.00 „Ernst beiseite". Ausschnitte aus bunten Veranstaltungen 21.50 Blick auf Europa 22 00 „Hundert Kronen“. Ein Hörspiel 23.25 Prüderie Chopin
12.00 Musik am Mittag 15.30 „Singt mit!“ 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Froh und heiter 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 21.05 ~Ostasien — gestern und heute“ 22.00 Tanz und Unterhaltung aus Holland 22.45 „Die Schmunzelecke“ 23.15 Tanzmusik
12.00 Musik am Mittag 15.00 Unsere Volksmusik 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Filmprisma 17.00 Vom Guten das Beste 17.15 Zum Fünf-Uhr-Tee 18.20 Kleines Konzert 20.00 Zum Mitsummen 21.00 Familie Staudemaier, Heitere Chronik 22.00 Schöne Stimmen 22.30 Das Kmmertanzorchister
Norcdwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 309 m (971 kHz)
(Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)
Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr
12.00 Sang und Klang 13.00 Volkstümliches Konzert 15.00’ Leicht literarisch 15.30 Was ihr wollt 17.30 Heitere Operette 18.00 Meistervzerke der Musik 20.00 Man kann ja mal fragen! Eine bunte Sonntagsunterhaltung 22.20 Tanzmusik
12.00 Musik zur Mittagsstunde 13.20 Musik am Mittag 14.15 Filmmusik 15.40 Unterhaltungskonzert Komantische Kammermusik 18.00 Gut aufgelegt 20.00 Sinfoniekonzert 22.45 Tanzmusik
12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Unterhaltungsmusik aus Spanien 15.40 Bekannt und beliebt 16.50 Große Bachspieler 18.00 Musik zum Feierabend 20.00 Wie .es euch gefällt 22.50 Tanzmusik 23.15 Musikalisches Nachtprogramm
12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Mit Musik durch die Welt 15.40 Kleine Unterhaltungsmusik 16.15 Filmmusik aus aller Welt 16.50 Kammermusich 18.05 Musik zürn Feierabend 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank 21.00 Johann Sebastian Bach
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Heitere Ouvertüren 14.15 Unterhaltungsmusik 17.15 Gesänge aus dem „Spanischen Liederbuch von Felix Woyrsch 20.00 Candida von George Bernard Shaw 22.15 Das Montmartre-Kabarett 23.00 Nachtprogramm
12.00 Musik zur Mittagspause 15.40 Links der Donau — rechts der Donau 18.00 Clemens Schmalstich. Zum 70. Geburtstag des Komponisten 20.00 Der Mantel. Operneinakter von Puccini 20.55 Moderne Musik 22.15 Nachtprogramm
12.00 Frohes Wochenend 13.20 Mittagskonzert 15.30 Chormusik 16.00 Bunter Nachmittag 18.30 Hans Bund spielt 20.00 Brücken zur Heimat 22.15 Sinfoniekonzert
Feld, Hof und Garten
Das Einmieten der Kartoffeln
Wärme ist gefährlicher als Frost
Die diesjährige reichliche Kartoffelernte und die niedrigen Herbstpreise zwingen dazu, größere Mengen von Kartoffeln über den Winter zu lagern Es ist wenig bekannt, daß dafür der Keller nicht immer der richtige Platz ist, denn die Temperaturen sind dort meist zu hoch, die Luftungsmöglichkeiten zu gering, so daß starke Verluste durch Fäulnis unvermeidlich sind. Jetzt, wo Felddiebstähle auf ein unbedeutendes Maß zurückgegangen sind, sollten wir wieder mehr daran denken, daß Kartoffelmieten, richtig angelegt, den besten Schutz über Winter bieten und sowohl für Eß- wie auch für Saatkartoffeln die günstigste Ueberwinterungsmöglichkeit darstellen. Eines allerdings sei vorausgeschickt: Durch die Witterung dieses Sommers wurde die Phytophtora, die die Braunfäule bei den Kartoffeln hervorruft, stark begünstigt. Gerade in unserem Klima sind die Ausfälle duch diese Krankheit erschreckend hoch. Man sollte sich da keinen falschen Hoffnungen hingeben und die angekränkelten Kartoffelmengen lieber gleich einsäuern, am besten in einer gemauerten Silo-Grube, aber auch eine mit Papier ausgeschlagene Erdgrube erfüllt diesen Zweck. So verhindert man unnötige Verluste und behält ein ausgezeichnetes Schweinefutter, das noch im Sommer verfüttert werden kann.
Die Kartoffeln, die wir als Saatgut oder zum Verkauf bis zum Frühjahr lagern wollen, bringen wir in eine Miete. Sie soll möglichst geschützt liegen, damit nicht starke Ostwinde eine schnelle Unterkühlung bewirken können. Aber auch der ungehinderte Sonnenschein auf die Südseite kann im frühen Frühjahr die Miete unnötig erwärmen. Daß der Lagerplatz trokken gehalten werden muß, dürfte selbstverständlich sein. Man legt deswegen die Mieten gern in leicht hängigem Gelände an und zieht einen Graben um die Lagerstelle. Unter die Kartoffeln, und das ist sehr wichtig, kommt eine Lage Stroh und in der Mitte der Miete wird ein Luftkanal aus Brettern oder Stangen gebildet, der die Atmung des lebendigen Pflanzgutes ermöglicht. Obenauf wird nun wiederum eine Strohschicht aufgebracht, die zunächst einmal nur mit wenigen Spatenstichen Erde festgelegt wird, bis die Kartoffeln sich auf 4—B Grad abgekühlt haben. Wenn dann in einiger Zeit eine erste Erddecke aufgebracht wird, dürfen die Lüftungsschächte nicht vergessen werden.
Die günstigste Mieten-Temperätur beträgt 8 Grad und sollte möglichst den ganzen Winter über eingehalten werden. Es ist eine erstaunliche Tatsache, daß viel mehr Kartoffeln im Winter durch mildes Wetter verkommen, als durch Frostschaden. Selbst, wenn leichtsinnigerweise starker Frost eine ungenügende Deckschicht durchdringt, werden meist nur wenige Kartoffeln durch den Frost geschädigt. Man sollte deswegen mit der Winterdecke, also einer zweiten Strohschicht und der zweiten Erdbedeckung warten, bis wirklich Frost einsetzt. Ein wenig Kartoffelkraut um die Mieten ausgebreitet, hält immer genügend Erde locker, die auch bei Einsetzen des Frostes noch auf die Mieten aufgeworfen werden kann.
Es sei noch besonders darauf verwiesen, daß im Laufe des Winters im Landfunk laufend Hinweise zur Mietenbehandlung gegeben werden. Am besten überprüft man selbst von Zeit zu Zeit die Temperatur im Inneren der Miete, die zwischen 4 und 8 Grad betragen soll. Wenn diese Vorsichtsmaßregeln eingehalten werden, sind die Mietenkartoffeln im Frühjahr gesünder, als sie im warmen Hauskeller sein können. G.-
Zur Rübenblattfütterung
In vielen Betrieben ist es üblich, das Rübenblatt möglichst schnell frisch zu verfüttern. Dadurch, daß die Tiere satt Rübenblatt bekommen, wird das in ihm enthaltene Eiweiß nicht genügend ausgenutzt und daher verschwendet. Es ist daher zu empfehlen, je Kuh und Tag nicht mehr als etwa 50 bis 60 kg sauber gewonnenes Rübenblatt zu geben und das übrige, wenn auch behelfsmäßig, zu silieren. Durch das Silieren gewinnt man für längere Zeit ein recht eiweißreiches und# bekömmliches Saftfutter.
Bei der guten und reichlichen Luzerneernte dieses Jahres und den immerhin knappen Preisen für Luzerneheu lohnt es sich, dieses auch im Kuhstall zu verwerten und zu der oben angegebenen Rübenblattfütterung noch 3—4 kg Luzerneheu zu verfüttern. Außerdem gibt man gutes Futterstroh zur beliebigen Aufnahme. Die angegebene Fütterung reicht für Kühe mit etwa 20 bis 24 Liter Milchleistung im Eiweißgehalt vollkommen aus. Der Stärkewert reicht allerdings nur für etwa 14 bis 15 Liter, so daß die Zufütterung eines eiweißarmen aber recht stärkewerthaltigen Futters, wie etwa Trockenschnitzel, zu empfehlen ist.
Auch bei dieser Fütterung ist die Zugabe eines guten Futterkalkes zu empfehlen. Nähere Auskünfte erteilt die zuständige Landwirtschaftsschule. H. B.
Auswahl unter den Hennen treffen!
Unter den Junghennen treffe man nunmehr endgültig Auswahl. Alles, was nach den äußeren Merkmalen nicht auf eine gute Legerin schließen läßt, entferne man rücksichtslos. Bei manchen Tieren wird man allerdings mitunter noch kein abschließendes Urteil fällen wollen, bedenken muß man aber, daß jede unrentable Henne den Gewinn von ein bis zwei guten Hennen mit auffrißt. Sofern es noch nicht geschehen ist, müssen die Jungtiere mit in die Ställe der alten Tiere übergeführt werden. Man soll damit nicht warten, bis die Junghennen mit dem Legen angefangen haben, denn jeder Stallwechsel verzögert den Legebeginn.
Die Ställe müssen dicht und zugfrei sein. Schäden an Dach und Wänden sind vorher auszubessern. Ebenfalls ist auch eine gründliche Reinigung der Ställe vorzunehmen. Alle Einrichtungsgegenstände und Geräte werden mit einer heißen Sodalauge abgescheuert. Da die Ställe der Jungtiere Licht und Luft ungehindert einließen, denn die Vorderseite sollte zum größten Teil aus engmaschigem Drahtgeflecht bestehen, wäre es nicht richtig, wenn sie jetzt Aufenthaltsräume erhielten, die nicht gut gelüftet sind. Natürlich müssen sie zugfrei sein, sonst kann es leicht Erkältungen geben. Die Fenster sollen aber — sofern es die Witterung erlaubt — erst Ende Oktober wieder eingesetzt werden, bis dahin stellt man bei Regenwetter mit Sackleinwand bespannte Rahmen vor die durch Drahtgeflecht geschützten Fensteröffnungen.
Damit die Ställe nicht überfüllt werden, überprüft man nochmals den Bestand der alten Hennen. Auf einen laufenden Meter Sitzstangen rechnet man bei leichten Rassen 5 bis 6, bei schweren etwa 4 Stück. Ueberzählige Tiere sollten schon vor der Mauser geschlachtet sein, aber auch danach muß man überlegen, ob man nicht doch lieber diese oder jene Althenne noch ausmerzt. Hennen, die bis Oktober nicht mindestens 120 Eier in den vergangenen 12 Monaten gelegt haben oder nun älter als drei Jahre sind, werden abgeschlachtet. Vor dem Schlachten wird man die Althennen, aber auch die'aussortierten Junghennen einige Tage mästen.*ln Käfige oder in Ställe mit gerin- gern Auslauf werden sie — ohne Hahn — gesperrt und erhalten hauptsächlich ein Weichfutter aus gekochten Kartoffeln und Legemehl, dick mit Milch angerührt, außerdem gibt es aufgequollene Körner.
Noch nicht voll entwickelte Junghennen treibe man nicht durch zu eiweißreiches Legemehlfutter zum Legen, sie würden dann nur taubengroße Eier legen, kämen in die sogenannte Halsmguser und würden sich viel langsamer entwickeln, so daß sie erst später zum regelmäßigen Legen größerer Eier kämen. Howe.
Was mancher Bauer nicht weiß
Ein Zentner Rübenblatt reicht für die Erzeugung von mehr als 15 Liter Milch. Das wären über 3 DM.
‘Ein Zentner Rübenblatt ist im Werte mindestens einem Viertel Zentner Bohnen-Hafer vergleichbar. Das sind über 3 DM.
Ein Zentner Rübenblatt wird schnell zu einem Häufchen stinkenden Drecks, wenn es am Rande einer der üblichen Erdgfuben verfäult. Können Sie sich solche Verschwendung leisten?
Der Garten im Monat Oktober
Obstgarten
Die Obsternte äst zu beenden. Sämtliche abgefallenen moniliakranken Früchte (Fruchtfäule) sind zu sammeln und zu vergraben.
Das Obst ist im Lagerraum einer ständigen Kontrolle zu unterziehen und für die Zufuhr frischer Luft Sorge zu .tragen.
Die Baumbestellung'für Neuanlagen muß jetzt erfolgen. Mit dem Ausheben der Baumgruben kann begonnen werden. In günstigen Lagen und Bodenverhältnissen ist die Herbstpflanzung der Frühjahrspflanzung vorzuziehen, mit Ausnahme der Pfirsiche, die besser im Frühjahr gepflanzt werden. In schweren, kalten Böden wird allgemein erst im Frühjahr gepflanzt. Beim Pflanzen darauf achten, daß nicht zu tief gepflanzt wird, da der Boden sich noch etwa 10—15 cm setzt.
Die diesjährige Obsternte fiel im großen Teil des Landes sehr reich aus. Reiche Ernten bedeuten eine starke Erschöpfung der Bäume, weshalb man besonders auf eine kräftige Düngung bedacht sein muß. Stallmist oder Kompost wird im Spätherbst in offenem Boden sofort flach untergepflügt. In Gras.- gärten ist zu empfehlen, links und rechts von jeder Baumreihe Furchen zu machen und hier einen Teil der Düngemittel hineinzubringen.
Jungbäume verlangen eine große Baumscheibe von 2—3 m Durchmesser, die im Herbst flach zu graben ist. Thomasmehl, Kalidünger und Kalkstiickstoff werden bereits im Spätherbst ausgestreut, auch wenn nötig Kalk, wobei darauf zu achten ist, daß Kalk nicht gleichzeitig mit Stallmist angewandt werden darf, und die Kalkung bei trockenem Wetter und trockenem Boden erfolgen soll.
Ein Verjüngen der Pfirsich- und Sauerkirschbüsche ist zu empfehlen, wenn die Kronen ein besenartiges Aussehen bekommen haben oder wie beim Pfirsichbaum die Krone von unten herauf kahl wird und die Früchte zum größten Teil nur von geringer Qualität waren.
Bei den Erdbeerbeeten wird zwischen die Pflanzen kurzer Dünger ausgestreut. An den Brombeerstöcken ist das alte Holz jetzt auszuschneiden.
Leimringe sind anzulegen und auf ihre Klebfähigkeit zu kontrollieren. Schon jetzt an wirksamen Schutz gegen Wildverbiß, vor allem Hasen, denken!
Gemüsegarten
Ausgepflanzt wird Wintersalat, Adventskohl und Frühlingszwiebel. Überwinterungsgruben herrichten. Gemüse, das eingewintert werden soll, muß vollkommen ausgebildet und unbeschädigt sein. Zur Ernte trockenes .Wetter benutzen.
Bodenbearbeitung und Düngung stehen im Vordergrund. Sämtliche abgeernteten Beete bis zum Eintritt des Winters düngen und umgraben. Keine Kohlstrünke stehen lassen! Rhabarberstauden werden gut gedüngt und die Spargelbeete gejaucht.
Rote Rüben und Mohrrüben werden geerntet. Tomatenfrüchte, die gegen Frost empfindlich sind, werden abgeerntet und zum Nachreifen in einen warmen Raum gebracht.
Beete, Winterspinat und Feldsalat sind von Unkraut zu säubern. Für den Winterbedarf werden gut entwickelte Endivien mit Ballen in leere Mistbeetkästen gepflanzt und später abgedeckt.
Der Bepflanzungsplan für das kommende Jahr ist aufzustellen. Der Komposthaufen wird umgesetzt, wobei ein Einstreuen von Kalk-den Zersetzungsprozeß fördert.
Blumengarten
Lange Busch- und Hochstammrosen werden auf sechs Blätter eingekürzt. Dahlien, Gladiolen, Canna nach dem ersten Frost aush'eben und In einen frostfreien Raum bringen.
Ziersträucher werden gepflanzt und die Strauchhecken geschnitten, ebenso die Schlinggewächse schneiden und nachbinden.
Gepflanzt werden Goldlack, Bartnelken, Vergißmeinnicht und Stiefmütterchen. Blumenzwiebeln werden gelegt und Hyazinthen auf Gläser gesetzt.
Der Rasen wird im Oktober noch einmal kurz geschnitten. Hoppe
Spargelgras entfernen
Seit Kriegsende beobachten wir eine große Zunahme der Spargelanbauflächc. Die Erträge in den kommenden Jahren sind in erster Reihe davon abhängig, ob es uns gelingt, das Spargelgras gesundzuerhalten. Der Spargelrost ist z. Z. die gefährlichste Krankheit.
Die dunkelbraunen Wintersporen entwickeln sich jetzt in den gut erkennbaren braunen Stellen an den Stengeln. Es handelt sich um diejenige Fruchtform des Pilzes, welche die gefährjiche Krankheit in das nächste Jahr überträgt.
Die Wintersporen sind sehr widerstandsfähig und von der Witterung unabhängig. Selbst die mit Erde überdeckten Sporen bleiben lebensfähig. Je früher wir das kranke Spargelgras entfernen, desto mehr beugen wir einep weiteren Verbreitung vor. Da dieses Jahr der Spargelrost teilweise sehr stark aufgetreten Ist, müssen wir, je nach Witterung im kommenden Jahr mit einer Spargelrost-Epidemie rechnen. Es ist Pflicht eine« jeden Spargelanpflanzers, das kranke Spargelgras an Ort und Stelle sofort zu verbrennen. Schell
STARKENBURG
Herbstnebel
Es ist die Zeit, da der Deutschlehrer uns das Gedicht von der Droste „Der Knabe im Moor“ zU lernen auftrug und wo wir im Schulranzen eine Mustersammlung allerlei bunter Blätter mitschleppten, um deren naturgetreue Wiedergabe wir uns in der Zeichenstunde redlich bemühten.
Die Zeit der wandernden Schafherden, über denen Wolken von heißem Atem der Tiere leise mitziehen, die sich mit dem Nebel verweben, der unruhig an einer bleichen Sonne vorbeiflieht.
Nur das Nächste vermögen wir zu erkennen bei jedem Schritt in das weiße Ungewisse. Es gibt keine Ferne mehr. Die Bäume und Häuser am Wege scheinen mit ihren Kronen und Dächern in einen Himmel gewachsen zu sein.
Viel später erst gewinnen die Dinge um uns wieder Gestalt, wenn die Sonne sich in den blanken Scharen der Pflüge spiegelt, die allerorten durch das Land ziehen.
Herbsttage haben ein kurzes Leben. Ihr Werden und Vergehen ist in dichte Nebel verborgen, hinter denen sich die Natur zum Sterben bere'itet.
Es könnte uns dies alles ein wenig traurig stimmen, wenn wir nicht wüßten, daß die Blätter in jedem Jahr fallen müssen, um wiederzukehren. Eine Selbstverständlichkeit, die uns tröstet, weil sie zu einem Teil unseres Daseins geworden ist, womit zu befassen das Leben uns selten einen Augenblick erübrigt.
Aber wir wollen dem Leben, das mit solch gewohnter Selbstverständlichkeit — länger als wir zu denken vermögen — um uns ist, zuweilen doch mehr als den Augenblick gönnen,dessen es bedarf.—Um festzustellen, daß es Herbst geworden ist. Kr.
Dieburger Haushaltsplan abgelehnt
Debatte der Fraktionen / Aufsichtsbehörden zur Zwangsetatisierung aufgefordert / Schwere Sorgen um das Realgymnasium
Im allgemeinen kommt Gemeinderatssitzungen ihrer Natur gemäß nur örtliche Bedeutung zu. Anders beim diesjährigen Haushaltsplan der Stadt Dieburg, dessen einmütige Ablehnung durch alle Parteien nicht nur ein weites Interesse finden wird, sondern vor allem, weil als Hauptgrund für diesen ungewöhnlichen Schritt die Forderung des Landes Hessen zur Unterhaltung des Realgymnasiums anzusprechen ist.
Mit 773 700 DM in Einnahme und und 803 700 DM in Ausgabe — also mit einem Defizit von 30 000 DM — schließt der Dieburger Gemeindehaushalt für das Jahr 1950 ab. Der außerordentliche Etat ist mit 10 000 DM in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen.
Gemeinderat Diehl (SPD) betonte die widersprechende Methode, den Gemeinden gegenüber der den Kommunen eingeräumten Selbstverwaltung bei vielen Positionen von höherer Warte aus eine Zwangsjacke anzulegen. Rat Brand (SPD) ergänzte diese Ausführungen vor allem durch die Ablehnung der von der Gemeinde Dieburg für das laufende Geschäftsjahr geforderten 59 000 DM Zuschuß für die höhere Schule. Eine prozentuale Beteiligung der Stadt an den Schulkosten, die nach der Schülerzahl etwa 18 000 bis 20 000 DM ausmache, erachtete er unter Umständen als vertretbar. Zugleich brachte er einige Anträge zum Etat ein, so die Streichung des Wohnungsamts, zur Inventarisierung der Berufsschule 1 000 DM, für jede in der freien Wohlfahrtspflege stehende Organisation je 100 DM und eine Erhöhung des Betrags zur Unterstützung Hilfsbedürftiger (Weihnachtsbeihilfe) .um 5000 DM.
Für die CDU sprach Landtagsabgeprdneter Peter Keller, der vor allem hinsichtlich des städtischen Stellenplanes volle Selbstbestimmung verlangte. In dieser Frage wurde unter allgemeinem Einverständnis Bürgermeister Steinmetz mit der Klärung dieses Punktes beauftragt.
Eingehende Ausführungen machte der Redner über den Gemeindewald, welcher der Stadt bester Besitz sei. Unter den heute gegebenen Umständen müsse man sich die Frage vorlegen, ob es in Zukunft noch weiter möglich sei, Bauholz unter gleich günstigen Bedingungen wie derzeiten zu liefern. Es sei die Frage zu prüfen, ob man angesichts der unaufschiebbaren Notwendigkeit der Wiederherstellung des Gemeindewaldes nicht besser daran tue, Holz auswärts einzukaufen, um es zum Sebstkostenpreis abzugeben. Seine Partei habe an und für sich, so schloß Rat Keller, keine Einwendungen gegen den Haushaltsplan. Allerdings seien die Kosten für die höhere Schule derart hoch, daß sie ihn ablehnen müsse, um endlich einmal die große Oeffentlichkeit auf die Fehler der Schulordnung aufmerksam zu machen. Die Aufsichtsbehörden sollten dann eben zur Zwangsetatisierung schreiten.
Für die KPD sprach Landtagsabgeordneter Gondo If, der in der Aufstellung des Haushalts lediglich die Ausführung eines Auftrags erblickte Eine Belastung von 60 000 DM jährlich für eine Gemeinde mit 9 000 Einwohnern sei undiskutabel. Nach Unterstützung des Antrags der SPD hinsichtlich der Erhöhung des Unterstützungsfonds lehnte auch er den Etat ab.
Rat Gro h 6 (FDP) schloß sich dem Standpunkt der anderen Fraktionen an, erbat jedoch eine genaue Aufschlüsselung der verlangten 59 000 DM Schulzuschuß, die ihm damit gegeben wurde, daß für sächliche Aufwendungen 10 000 DM und 49 000 DM für persönliche Ausgaben anzusetzen seien. RG
Lieber Leser!
Gar manches steht geschrieben, was dem einen oder anderen nicht ganz behagt Das war nun einmal schon immer so und wird es auch bleiben. Seltsam wäre es jedenfalls, wenn die „Gleichschaltung“ bereits wieder so weit wäre, daß uns alle eine Meinung — freiwillig oder aufgezwungen — beherrschen würde. So auch in jenem Falle, der die Reden des Pastors Niemöller betrifft. Ueber die wir bisher zweimal ausführlich berichteten — und von denen die zweite uns eine Zuschrift eintrug, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Darin steht u. a. folgendes zu lesen „Der Bericht über die Niemöller-Rede in Beerfelden in Ihrer gestrigen Nummer (81/1950) hat mich und andere auf das tiefste empört. Ich kann nur bitten, solche demagogischen Auslassungen in Zukunft nicht zu bringen. Sie entsprechen weder der Würde eines Kirchenpräsidenten, noch der Haltung einer deutschen Zeitung nach dem Willen ihres Leserkreises.“
Ohne zu dem, was, Pastor Niemöller sagte, Stellung zu nehmen, darf ich Ihnen, verehrter Leser, daraufhin zwei Fragen stellen:
Wollen Sie über das, was wirklich geschah und gesprochen wurde, nur ungenügend und oberflächlich orientiert werden, oder besser gesagt: nur das lesen, was Ihnen gefällt, oder wollen Sie alles wissen, was wichtig ist, was notwendig ist, um sich ein eigenes Bild über irgendeine Person oder Sache zu machen?
Falls Sie verneinen, wäre dies ein Beispiel völliger Uninteressiertheit am Geschehen unserer Tage — falls Sie bejahen, werden Sie auch das hinnehmen müssen, was nicht ganz nach Ihrem Geschmack ist.
Erst in letzterem sind Sie jedenfalls in der Lage, zu erkennen, zu werten, zu urteilen oder zu verurteilen. So auch in der „Sache Niemöller". In der unsere objektive Berichterstattung mehr Staub aufwirbelte, als sie es vielleicht verdiente.
Denn der Kirchenpräsident kann schließlich tun und lassen, was er für richtig hält. Während wir berichten werden, was geschah und — gesagt wurde. Götz von Gumpen.
Heppenheimer Probleme unter der Lupe
Ein Besuch bei Bürgermeister Holzamer
Bel einem Streifzug durch das anheimelnde Heppenheim mit seinen selten schönen Fachwerkbauten gewinnt man den Eindruck, in einem von den Nöten und Sorgen der Zeit verschont gebliebenen Städtchen zu weilen. Besonders während des zur Tradition gewordenen Bauerntages erscheint alles im festlichen Glanz. Selbst die Menschen gehen beschwingter und froher durch die beflaggten Straßen, über die breite Bänder mit Willkommensgrüßen gespannt sind.
Doch auch in Heppenheim wird nicht alle Tage gefeiert, und so drängen sich uns viele Fragen auf. Bürgermeister Holzamer war gern bereit, sie zu beantworten:
„Haben sich die Wohnungsverhältnisse bereits gebessert und welcher Aufschwung nimmt die Bautätigkeit?“
„Der Wohnraum ist in Heppenheim ganz besonders knapp, denn im gesamten Kreis Bergstraße wurden bei der letzten Wohnraumerfassung die Küchen als Wohnraum bezeichnet. Das wirkt sich natürlich allein schon recht nachteilig aus. Die Stadtverwaltung hat alles getan, um die zirka 3000 Heimatvertriebenen und Evakuierten so gut wie möglich unterzubringen. Sie weiß aber auch, daß es viel auszugleichen gibt.
Um den Neubürgern zu angemessenen Wohnungen verhelfen zu können, hat der Stadtrat eine Resolution verfaßt und an den Staat eingereicht. Es wird vorgeschlagen. daß mit staatlichen Baumitteln bevorzugt bedachte Städte einen Prozentsatz der Gelder an die mit Heimatvertriebenen und Evakuierten überlagerten Städte abführen oder ihre Evakuierten zurückführen sollen, soweit diese den Wunsch dazu äußern. Auf diese Weise würde eine merkliche Lockerung der angespannten Wohnraumlage möglich werden. _
Die Bautätigkeit wird vor allem durch Mangel an Baugelände erschwert. Landenteignung ist unmöglich und wäre unsozial; sie würde eine Gefährdung der Existenz der Bauern bedeuten, da auf dem. Wege der . Flurbereinigung bereits reichlich und gutes Land an den Staat abgegeben werden mußte. Das wenige zur Verfügung stehende Bauland ist meistens sehr teuer,.“
„Wie sind die sozialen Verhältnisse allgemein?“
..Man kann sie nicht als vollbefriedigend bezeichnen. Mangel an heimischer Industrie begründet und erhöht die Erwerbslosigkeit. Außerdem fehlen dadurch der Stadt die Steuereinnahmen. Erfreulicherweise baut das Dachziegel- und Backsteingewerbe wieder auf, so daß ein Teil der Erwerbslosen auf baldige Beschäftigung rechnen kann.“
„Wie hat sich das Verhältnis zwischen Alt- und Neubürgern gestaltet?“
Bürgermeister Holzamer ist sichtlich erfreut, eine positive Antwort geben zu können: „Es hat sich ganz besonders in letzter Zeit außerordentlich gut entwickelt. Durch gegenseitiges Verstehen und Rücksichtnahme werden Reibereien vermieden.“
„Welche Entwicklung nahm das kulturelle Leben?“
„Wir hoffen, daß unsere Einwohner im kommenden Winter aufgeschlossener für kulturelle Veranstaltungen sind als bisher. Gerade in schwerer Notzeit, ist Entspannung und Ablenkung vom Alltag besonders erforderlich. Nur wenn auch Geist und Seele genährt werden durch Muse, Theater, Konzert und gute Literatur, kann der Mensch die täglichen Aufgaben meistern.“
Abschließend erwähnt der Bürgermeister, daß es eine große Aufgabe sei, die Jugendlichen auf eine gesunde, idealere Bahn zu führen, und diesen gelte in erster Linie alle Fürsorge. Aber auch die Alten weiden nicht vergessen. Es ist Bürgermeister Holzamer stets eine herzliche Freude, wenn er den Geburtstagskindern vom 75. Lebensjahr ab sowie den goldenen Hochzeitspaaren persönlich mit einer Flasche Wein gratulieren kann. Ein betagter Heimatvertriebener erzählte stolz: „Mei scheenste Freid zum 78. wor. als der Borgemaaster mir so scheene Worte sogte un de Hand drückte. Un die Flosch Woin, die wor gut, ’s wor a alter Johrgang. Hinnedrein fühlte ich mit wie a Junger.“ erw.
„Rübezahl“ hat seine eigene Kultur
Seit 18 Jahren unter der Erde
Höhlenmenschen der Neuzeit / Sie leben von Früchten und Kräutertee / Eine „Robinsonade“ an der Bergstraße
Am Rande des Alltags — und doch mitten unter uns, lebt am Hange des vorderen Odenwaldes, in der Nähe der Kreisstadt Heppenheim, in primitiver Abgeschlossenheit — so mag es uns wenigstens erscheinen — eine Familie ihr eigenes Dasein: „Rübezahl“ mit seiner Frau und Tochter Ute. Diesem Sonderling und seiner Behausung galt unser Besuch.
Weit oben am Waldrand, mit einem herrlichen Blick auf die Rheinebene und die Starkenburg, haust seit 18 Jahren der Natyrapostel Ellerbrock wie „Robinson“ auf seiner Insel. Vor Jahren kam er mit einem Esel an, den man vor einen selbstgezimmerten Wagen gespannt hatte, hoch auf dem Kutschbock thronte er selbst. Sein langes Haar und der Bart mit freier Brust ließen ihn wie „Rübezahl1' erscheinen, — und damit hatte er seinen Namen bis auf den heutigen Tag.
Seit seinem 18. Lebensjahr ist der Hamburger Architekt Vegetarier. Später nannte er sich „Naturapostel“. Und als sich auf seine Reden und Bekehrungsversuche keine Erfolge zeigten, schnürte er sein Bündel und zog aus, um ein neues Leben auf ganz „natürlicher Grundlage“ zu beginnen.
Butter, Milch und Eier verachtet er ebenso wie Nikotin und Alkohol. Auch Kaffee wird nicht getrunken, sondern nur Kräutertee, — und der wird kalt angesetzt. Das Brot backt man bei Ellerbrock's aus geschrotenem Korn oder Weizen. Hefe oder ein anderes Triebmittel werden nicht verwendet. Vornehmlich Pilze vervollständigen den Speisezettel, der beim Mittagsmahl z. B. aus halb gargekochten Kartoffeln, Tomaten und Gurken, die zu .einem Salat — ohne Salz und Essig — mit Oel und etwas Kümmel zubereitet werden. Wie aber sieht es nun bei „Rübezahl“ aus?
Als er das von ihm gesuchte Plätzchen fand, wo er der Zivilisation für immer entsagen wollte, um nach seiner Erkenntnis zu leben, umfriedete er zuerst sein Grundstück mit Beerensträuchern und Draht. Dann legte er Terrassen an, grub sich eine Höhle in den Hang, in der in jahrelanger Arbeit mehrere Gänge entstanden, die er zu Küche, Schlafzimmer und Keller einrichtete. In dem Kellergang bewahrt er die getrockneten Früchte für den Winter auf. Ein alter Herd und einige behelfsmäßige Möbel bilden die Küche.
Mit Stolz erklärt uns Frau Ellerbrock in der Unterhaltung, daß sich ihre an der Luft getrockneten Früchte sehr gut aufbewahren la&en. Ja sogar Tomaten und Gurken hat sie das ganze Jahr und das Einmachen in Gläsern und Dosen lehnt sie darum entschieden ab. Die ganze Familie steht auf dem Standpunkt, daß durch das Kochen der größte Teil der Nährwert verlorengeht. Wie Ellerbrock uns erklärt, ist er auf Grund der vegetarischen Lebensweise nie mehr ernsthaft krank gewesen.
Die 13jährige Tochter Ute aber teilt selbstverständlich das Los ihrer Eltern. Wenn man es als Los bezeichnen darf, sein eigenes Leben auf eigene Art zu meistern. Ohne Politik — ohne die Unruhe unserer Tage, inmitten seines Eilands lebt der „Robinson der Bergstraße“, der einsame und doch glückliche Ellerbrock.
Schadenfener in Ueberau
Gestern vormittag entstand gegen 11.00 Uhr im Anwesen des Oelhändlers Will in Ueberau. ein Schadenfeuer. Der Brand, der von der Scheune ausging, griff auf das Nebengebäude über. Durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr konnte er lokalisiert werden. Die Scheune mit einem Ausmaß von acht mal acht Meter, in der sich u. a. Oelfässer befanden, brannte vollkommen nieder. Am Nebengebäude entstand größerer Schaden am Dachstuhl. Die Brandursache ist noch un* geklärt. Gendarmerie und Kripo haben die Ermittlungen aufgenommen. Der Schaden soll etwa 10 000 DM betragen. -le
Sie fanden nur Eßbares
In einer der letzten Nächte stiegen Diebe durch das halbgeöffnete Kellerfenster in einem Haus in Heppenheim, Darmstädter Straße, ein und durchwühlten den Keller eines Mieters, in dem sie jedoch nichts Verwendbares vorfanden. Ein weiterer Keller wurde aufgebrochen. Hier labten sich die Täter, von denen jede Spur fehlt, an dem Eingemachten. Die nächtlichen Gäste haben die Kellerräume auf demselben Weg durch das Fenster wieder verlassen. Sachdienliche Mitteilungen werden von jeder Polizei-Dienststelle entgegengenommen. erh
Trotz Streik in Betrieb
Seit Tagen befinden sich die Arbeiter des Wasserstraßenamtes in Gernsheim und, wie wir erfahren, auch in vielen anderen Orten des Bundesgebietes im Ausstand. Die Gewerkschaft Verkehr hat zu diesem Streik aufgerufen, um eine Erhöhung der Löhne um 15 Pfennig pro Stunde durchzusetzen. Um den Fährbetrieb in Gernsheim aufrechtzuerhalten, wurde die Rheinfähre in den Morgenstunden des Freitag von Beamten des Wasserstraßenamtes besetzt, so daß der Verkehr weitergeführt werden konnte. Die Matrosen einiger Rheinschiffe, die gegenwärtig im Gernsheimer Hafen anliegen, sollen sich den Streikenden angeschlossen haben. kr
Volkshochschule in Rimbach
Das Kuratorium der Martin-Luther-Schule beschloß, im November Lehrgänge für Maschinenschreiben und Stenographie einzurichten, Kurse in kaufmännischem Rechnen sollen folgen. Sind darüber hinaus die Anmeldungen für andere Wissensgebiete ausreichend, so Ist mit einer Erweiterung der Lehrgänge auf Geschichte, Literatur und Fremdsprachen zu rechnen. Damit können dte vor allem während der Winfermonate abzuhaltenden regelmäßigen Vorträge und Lehrgänge zu ei..er Volkshochschule erweitert werden. (-r)
Unwandelbares Antlitz Astens
Ein Vortrag beim Bergsträßer Jugendklub in Heppenheim
Im Rahmen der Veranstaltungen des Bergsträßer Jugendklubs sprach am Mittwoch Generalkonsul a. D. Balser über „Japan und Korea seit dem ersten Weltkrieg“.
Der Redner, der selbst lange Jahre im Fernen Osten tätig war, gab einen Ueberblick über das Leben und die politische Entwicklung seit dem ersten Weltkrieg in Japan. Im öffentlichen Leben Japans spielen vor allem die Familien eine große Rolle, man versteht darunter die. Sippe, an deren Spitze das Familienoberhaupt und der Familienrat stehen. Bei der Wahl des Familienoberhauptes ist einzig und allein die Tüchtigkeit ausschlaggebend, Alter und Stand spielen keine Rolle. Vielfach frischen die Japaner ihre Sippen
durch Adoption oder Einheirat auf, wobei der junge Mann den Namen der Frau annimmt. So kommt es, daß viele japanische Familien auf eine 1000 jährige Tradition zurückblicken können. Heiraten werden durch besonders angesehene, vertrauenswürdige Sippenmitglieder vermittelt, doch bleibt den jungen Leuten im Gegensatz zu China stets die freie Wahl. Al«
Im Sinne des Familienwesens ist auch die Stellung des Kaisers zu verstehen, der in Japan oberster Priester und erstes Familienoberhaupt und nicht etwa ein Monarch in europäischem Sinne ist. General Mac Arthur hat sich daher große Sympathien erworben, als er 1945 die Stellung des Kaisers unangetastet ließ.
Der Redner gab einen Ueberblick über die politischen Ereignisse seit dem ersten Weltkrieg. Zuletzt kam Konsul Balser auf den Atombombenabwurf über Hiroshima zu sprechen, den er selbst in einer Entfernung von etwa 120 km miterlebte. Den ganzen Tag über sei ein beklemmendes Gefühl zu verspüren gewesen, das man sich nicht erklären konnte, und das nur auf eine große Naturkatastrophe schließen ließ. In einigen Bildern zeigte der Redner die verheerende Wirkung dieser Bombe, der in wenigen Minuten über 60 000 Menschen zum Opfer fielen, und die mit einem Schlag eine blühende Stadt dem Erdboden gleichmachte.
Zum Schluß gab Konsul Balser einen kurzen Ueberblick der politischen Entwicklung in Korea. (HB)
Schnelle Aufklärung im Kainsbacher Ueberfall
Findiger Fernschreiber ermittelt den Täter
DeF un^ e>n wenig Glück haben sich wieder einmal als wertvolle Helfer des Kriminalisten erwiesen: Ein Beamter der Fernschreibstelle des Gendarmerie-Kreiskommissariats Erbach hatte beim Durchlesen eines' Fernschreibens, in dem ein Häftling des Dieburger Gefängnisses, der bei Außenarbeiten in der Nähe von Nieder-Klingen geflüchtet war, gesucht wird, die Vermutung ausgesprochen es könne sich bei dem Gesuchten 32 Jahre alten Autovulkaniseurs Fred E 1 k e um den Täter des schweren Ueberfalls auf d enßegierungsbaurat a. D. Karl Storck handeln.
Beamte der KrinYnalpolizei-Leitstelle Süd griffen diese Anregung auf und konnten am Donnerstagabend an Hand einer Zigarettenspitze und anderer am Tatort gefundener Gegenstände in der Haftanstalt Dieburg die Bestätigung erhalten, daß die gefundenen Sachen tatsächl’ch dem geflüchteten Elke gehörten. Auch der schwerverletzte Regierungsrat Storck konnte* an Hand einer ausführlichen Personenbeschreibung und vorgelegter Lichtbilder die Identität Elkes mit dem Täter bestätigen. Das Amtsgericht Michelstadt erließ daraufhin am Freitagvormittag Haftbefehl gegen den flüchtigen Elke. Die Kriminalpolizei-Leitstelle Darmstadt nahm in Zusammenarbeit mit der Gendarmerie die Fahndung auf. Die Bevölkerung wird hierbei um Mithilfe gebeten, da vermutet wird, daß der Flüchtige versuchen wird, bei Bauern Unterschlupf zu finden.
Der am 5. 9. 1918 in Eisenach geborene Fred Elke ist 1.85 m groß, hat blondes Haar, blau-graue Augen, lückenhafte Zähne. Er war bekleidet mit einer blaugrauen Arbeitsjacke ohne Kragen mit Schulterklappen, einer blauen Arbeitshose, im Ton etwas dunkler als die Jacke, an deren Seiten sich ausgewaschene gelbe Streifen der Strafanstalt befinden. Er trug schwarze Schnürschuhe. Sämtliche Bekleidungsstücke sind mit dem Stempel GDR versehen.
Elke, der eine markante Adlernase besitzt, hat vermutlich Verletzungen am Mund und auf dem Kopf, die ihm bei der Gegenwehr durch Herrn Storck beigebracht wurden. Er ist im Besitz einer Shagpfeife mit auffallend kleinem Pfeifenkopf. Sachdienliche Mitteilungen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. -ch
Bahn frei für die Seifenkistl-Rennfahrer
Ganz Michelstadt wartet gespannt auf die „Kerwe-Sensation“
Rpnnon es in Midielstadt nur ein Gesprächsthema: das Seifenklstl-Snnntatr ‘sselberg, das die Sensation der Michelstadter Kerb am morgigen ienen Tv„ rstel,e” w>rd. Alt und jung erörtern an- und aufgeregt diesen oder ripm S V°-r' und Nachteile, tun geheimnisvoll oder neugierig, je nachdem, welche Rolle Sle gerade bei der Sache spielen.
Jedenfalls ist das allgemeine Interesse Veranstaltung der beste Beweis dafür, daß der Vorsitzende des Verkehrsvereins Michelstadt, Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel, mit dieser Idee haargenau das Richtige getroffen hat.
o - Ö'- lldL. Seit Donnerstag ist die Spannung auf dem Siedepunkt angelangt. Beim Wiegen auf der Gemeindeviehwaage in der Waldstraße und beim Vermessen der Rennwagen konnte man erstmals einen Ueberblick über das Aufgebot an Fahrzeugen und Fahrern gewinnen. 60 Nennungen liegen für die vier Klassen vor, die sich nach Bauart, Baumaterial und Gewicht unterscheiden. Sie müssen jeweils in mehreren Läufen gestartet werden. Bei den 12 Rollern und gar erst bei den drei Rollschuhläufern liegen die Dinge wesentlich einfacher. Rennleiter Helmut Hoffmann kommt schon seit Tagen nicht mehr zur Ruhe. Er kann aber auch mit Befriedigung feststellen, daß alles bestens vorbereitet ist
Die Rennstrecke am Kisselberg zählt mit ihren 380 Metern schon zu den „ Langstrecken“ für Seifenkisten. Die 2 leichten Kurven der Strecke sind durch ganze Gebirge von Strohballen gesichert. Außerdem wird morgen das gesamte Aufgebot an Michelstädter Polizei und Feuerwehr für die Absperrung eingesetzt. Da bei dem erheblichen Gefälle von maximal 11 Prozent mit sehr schnellen Rennen gerechnet werden kann, stellte GYA Darmstadt eine Anzahl gefährlich aussehender Sturzhelme zur Verfügung und setzte damit — aus der Perspektive der Rennfahrer gesehen — erst das Tüpfelchen aufs „I“. Für alle Eventualitäten wird für jeden Teilnehmer noch eine Unfall- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen, wozu die Mittel aus dem Verkauf einer entzückenden Anstecknadel beschafft werden.
Es versteht sich am Rande, daß Lautsprecheranlagen und Fernsprechverbindung über die ganze Rennstrecke bestehen. Es ist wirklich an alles gedacht. Jetzt fehlt nur noch schönes, trockenes Rennwetter, dann geht es morgen „mächtig rund“ am Kisselberg in Michelstadt, -ch
Mit feierlichem Ernst wird das Chassis vermessen, während der sechseinhalb Jahre alte „Rennfahrer“ Gerd Ens in ge r mit gelassener Ruhe hinter seinem riesigen Steuerrad sitzt. Er ist von seinem Vati in dieser Hinsicht „erblich belastet“. Das merkt man auch dem Wagen an, selbst als am Donnerstag bei der Abnahme noch die Verkleidung fehlte Foto: Tehad
Triumph der Airlenbacher Zucht
Neue Bullen mit Preisschildern ausgezeichnet
Zum erstenmal seit längerer Zeit konnte das Tierzuchtamt Darmstadt im Auftrag der Landwirtschaftskammer für die besten Bullen einer Auktion Preise vergeben. Die Bullen erhielten als besondere Auszeichnung Preisschilder, die an der Stirn getragen werden.
• Die vier 1. Preise fielen bei der gestrigen Auktion in Darmstadt an die Züchter Ludwig Kredel, Airlenbach (Besitzer: Karl Gaydoul, Wembach-Hahn), Lud” wig Kredel, Airlenbach (Besitzer: Martin Selzer, Kleestadt), Philipp Pfeifer 3., Bierbach und Heinrich Schäfer 3., Woifskehlen. 2. Preise erhielten die Züchter Wilhelm Schuster vom Häuserhof bei Groß-Umstadt, Adam Hoffarth, Rehbach, Georg Walter 3., Königstädten, Adam Mauß, Habitzheim und Georg Fr. Büchsler, Hippelsbach. t—> i 1 — i ö
Besonders hervorzuheben ist, daß die beiden Spitzenbullen aus der Zucht von Ludwig Kredel in Airlenbach i. O. stammen und auf die Blutlinie „Pelzjägerlein“ zurückgehen. Die vier Spitzenbullen erreichten Gebote zwischen 1900 und 2380 DM. Gute Bullen gingen aber auch noch zum Durchschnittspreis zwischen 1100 und 1600 DM ab.
Aufgetrieben waren 66 Bullen, die sämtlich verkauft wurden und mit einer Ausnahme in den Besitz Starkenburger Gemeinden übergingen. Die mit 1. und 2. Preisen ausgezeichneten Bullen wurden von den Gemeinden Groß-Umstadt, Pfungstadt, Goddelau, Nieder-Klingen, Kefenrod, Beerfelden, Semd, Elsbach und Wixhausen erworben. (oa)
Lehrabschlußprüfungen
an der Erbacher Elfenbeinfachschule
Unter Vorsitz von Obprregierungsrat Henrich, Darmstadt, wurden an der Staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei in Erbach die Lehrabschlußprüfungen durchgeführt. Mit „Gut“ bestanden: die Elfenbeinschnitzer Walter Stahl, Steinbach, Rudolf Egner, Erbach und Hertha Volk, Erbach; die Holzschnitzerinnen Ute Fleischmann, Erbach, Ursula G e i g er, Frankfurt, und der Schreiner Günter Ficker, Mannheim. Der Elfenbeinschnitzer Günter Ihrig, Hiltersklingen, erhielt das Prädikat „Bestanden“. Am 16. Oktober nimmt das Wintersemester der Staatlichen Fachschule seinen Anfang. -ch
Volles Verständnis für die Lage
Betriebsversammlung in Veith-Werken
Am Mittwochnachmittag gab der Betriebsrat der Veith-Gummiwerke in Sandbach vor versammelter Belegschaft einen Rechenschaftsbericht über das vergangene Jahr. Betriebsratsvorsitzender Luft ging in klarer und sachlicher Form auf die Entwicklung der sozialen Einrichtungen des Werkes ein. Die Werksküche und Werkskantine habe in der letzten Zeit einen großen Aufschwung erlebt und erfreue sich allgemeiner Beliebtheit. Der Industrie-Gewerkschaft „Kautschuk“ sei es gelungen, ab^l. September die Stundenlöhne aller Gruppen um 10 Pfennig zu erhöhen. Auch die Angestellten erhielten pro Monat eine Aufbesserung von 20 Mark. Der Redner führte aus, daß man allerdings mit diesem Ergebnis noch nicht zufrieden sei, aber für die allgemeine wirtschaftliche Lage Verständnis aufbringe. Anschließend sprach der Betriebsratsvorsitzende zu den Jugendlichen des Werks über aktuelle Jugendfragen, -hm-
Unfälle im Jägersburger Wald
In den frühen Morgenstunden des Freitag kam es auf der Autobahn bei Lorsch im Jägersburger Walde zu mehreren Unfällen.
Auf einem Lastzug fuhr ein Pkw-Fahrer aus Mannheim und auf diesen wieder ein zweiter Pkw aus Viernheim. Es gab 3 Verletzte und schwer verbeulte Fahrzeuge. Wenige Kilometer in Richtung Lorsch erkannte ein Motorradfahrer aus Pfungstadt die Abfahrt nach Worms zu spät, geriet dadurch auf die Zwischeninsel und stürzte. Verletzungen hinderten ihn am Weiterfahren. Ebenso ereigneten sich zu fast gleicher Zeit auf derselben Straße im Viernheimer Wald einige Unfälle, deren Details z. Z. noch nicht bekannt sind. (el)
Ein kleines Kunstwerk
stellt das Abzeichen zum Michelstädter Seifenkistlrennen am morgigen Sonntag dar Mit dem Erlös werden die Versiehe Zungen gegen Unfall u. a^estri^
Was aǔch interessiert:
Einen bunten Abend veranstaltet die Arbeiter-Wohlfahrt am Samstag in Gernsheim. Der Reinerlös dieser Veranstaltung soll Hilfsbedürftigen zugute kommen. kr
Die Herrschaft über seinen Traktor verlor der Landwirt B. aus Riedrode. Es entstand an dem Fahrzeug, das sich selbständig machte und gegen eine Hauswand rannte, erheblicher Sachschaden, el
2032,70 DM wurden im September durch die Gebührenkasse der Abteilung Handel und Gewerbe des Groß-Gerauer Landratsamtes eingebracht. eg
Wohltätigkeitszwecken dient der Reinerlös des Blindenkonzertes, das am 14. Oktober um 20 Uhr im großen Saale des Gasthauses „Zum goldenen Stern“ in Lorsch veranstaltet wird. el
Schulungskurse für Betriebsräte werden jeden Dienstag und Donnerstag in der neuen Schule in Höchst abgehalten. Die Jugend wird aufgefordert, sich rege an diesen Kursen zu beteiligen, hm
Sie fließen wieder
Steinbachs Brunnen nach der Ueberholung
Schon seit vorigem Jahr waren die Wasserverhältnisse in Steinbach bei Michelstadt recht besorgniserregend. Zeitweilig hatten die höhergelegenen Ortsteile überhaupt kein Wasser. Der Gemeinderat stand vor der Frage, entweder neue Quellen zu erschließen oder aber die vorhandenen Anlagen gründlich zu überholen. Nach mehrwöchiger Arbeit wurden nun unter Leitung von Inspektor Jung vom Wasserwirtschaftsamt Darmstadt die alten Brunnenstuben durch Betonmauern und Stampfletten sorgfältig abgedämmt. In der Zwischenzeit wurde die Gemeindewasserleitung durch die Quelle in Schloß Fürstenau gespeist. Jetzt ist die Wasserlage Steinbachs so gut, daß auch die fünf Laufbrunnen wieder in Betrieb gesetzt werden konnten. -ch
406 Ferkel verkauft
Auf dem Groß-Gerauer Ferkelmarkt wurden am Mittwoch 406 Ferkel aufgetrieben und verkauft. 4 bis 5 Wochen alte Ferkel kosteten 32 bis 35 DM, 5 bis 6 Wochen alte 35 bis 40 DM. 40 bis 50 DM wurden für Ferkel im Alter von 6 bis 7 Wochen bezahlt. Für 7 bis 8 Wochen alte Ferkel zahlte man 50 bis 60 DM. Die Läufer kosteten je nach Gewicht 120 bis 160 DM. Es wurde sehr gute Ware zum Verkauf angeboten. Der nächste Ferkelmarkt findet am 18. Oktober auf dem Groß-Gerauer Marktplatz statt, (cg)
Kellerscher Gesangverein feiert
Abschluß seines 75jährigen Jubiläums
Am Sonntag, dem Tag, an dem vor 75 Jahren der Kellersche Männergesangverein Dieburg gegründet wurde, begeht der Verein als Abschluß seiner diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten in besonders feierlicher Weise sein Stiftungsfest. Am Vormittag finden in den Kirchen beider Konfessionen Festgottesdienste statt, in deren Verlauf der aktive Chor die „Deutsche Messe“ von Schubert und weitere Chorwerke zum Vortrag bringen wird. Am Nachmittag gedenkt der Verein seiner gefallenen und verstorbenen Mitglieder. Mittelpunkt dieser Gedenkfeier ist eine Ansprache von Kaplan Dr. Reul. Mit einem Familienabend in der „Ludwigshalle“ wird das 75jährige Stiftungsfest und damit flas Jubiläumsjahr ausklingen (rfd)
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Die Ortsgruppe des Verbandes der Heimatvertriebenen hält am Sonntag um 15 Uhr im Saale des Gasthauses „Germania“ eine Mitgliederversammlung ab, bei der der 1. Kreisvorsitzende Winterstein und der Kreisgeschäftsführer L a mann sprechen werden. sl.
Seeheim. Um die Einwohner an der Bekämpfung der Rattenplage stärker zu. interessieren, hat die Gemeindeverwaltung beschlossen, für jede auf dem Rathaus abgelieferte Ratte oder jeden abgeliefertan Rattenschwanz eine Prämie von 20 Pfg zu zahlen. hl.
Alsbach. Die Ortsgruppe der Heimatvertriebenen hält am Montag, dem 16. Oktober, 20 Uhr, im Gasthaus „Zur Sonne" eine Mitgliederversammlung ab. hl.
Bickenbach. Die Spielschar 1946 spielt heute und morgen abend um 20 Uhr im Saal des Gasthauses „Zum Hirsch“ den Schwank „Die spanische Fliege“. — Der Ortsbezirk der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands hält am Sonntag, 9 Uhr, im Gasthaus „Zur Rose“ eine Mitgliederversammlung ab. Hch. Engel gibt einen Bericht über den G ?werkschaftstag. hl.
DIEBURG
Babenhausen. Die seit 1945 von der Ge¬ meinde verwaltete und jetzt neu hergerichtete Turnhalle, wurde bei der letzten nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates an dem Turnverein 1891 zurückgegeben. NB
Groß-Umstadt. Ohne auf den Gegenverkehr zu achten, bog ein hiesiger Motorradfahrer über die Höchster Straße in eine Tankstelle ein. Er stieß dabei mit solcher Wucht auf einen aus Höchst kommenden Pkw, daß er eine Gehirnerschütterung und weitere Verletzungen davon trug. RG
Heubach. In der letzten Gemeinderatsitzung wurde die Winterschafweide verpachtet. — Zusätzlich 3000 Mark mußte die Gemeinde auf bringen, um Feldwege wiederherzustellen, die durch die starken. Gewitterregen des letzten Sommers unbefahrbar wurden. hm
ERBACH
Bad König. Der Haushaltsplan für das (Rechnungsjahr 1950 wurde im außerordentlichen Haushaltsplan in der Einnahme und Ausgabe auf 20 000 DM festgesetzt. Der außerordentliche Haushaltsplan liegt in der Zeit vom 3. bis 10. Oktober im Rathaus aus, um der Bevölkerung Einblick zu gewähren. pf.
Unter-Ostern. Die Theaterspielschar des Gesangvereins „Liederkranz“ besprach in einer Zusammenkunft eventuelle Theateraufführungen und sonstige Veranstaltungen während der Wintermonate. — Der Gesangverein „Liederkranz“ brachte dem neuen Bürgermeister Thierolf ein Ständchen. ptoo.
BERGSTRASSE
Biblis. Die neue EWR-Bezirksstelle, mit deren Bau vor etwa drei Monaten begonnen wurde, ist soweit fertiggestellt, daß sie bis Ende Oktober bezogen werden kann. Gleichzeitig wurde mit dem Bau eines neuen Transformatorenhauses begonnen. Nach Fertigstellung und Umspannung der elektrischen Leitungen wird das alte Transformatorenhaus abgebrochen. MW.
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Der Tennisclub Rot-Weiß hält am kommenden Dienstag im Caf6 Menne seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Für den 14. Oktober ist eine gesellige Veranstaltung vorgesehen. cg.
Worfelden. Bel Bauarbeiten stürzte ein Frankfurter Maurer mit einem Kübel Mörtel von der Leiter und mußte mit schweren Prellungen und Kopfverletzungen in ein Krankenhaus überführt werden. KB.
DIE KAPELLE ZU BERKACH In Berkach, nahe bei Groß-Gerau, stand einst eine kleine Kapelle zum hl. Kreuz, die am 4. Juni 1660 vom Blitz getroffen wurde und niederbrannte. 1688 wurde an ihrer Stelle ein Neubau errichtet, der bis heute noch als Gotteshaus dient. Es ist ein einfacher Saal mit dreiseitig geschlossenem Chor und geschiefertem Dachreiter über der Giebelwand. Zeichnung: E. Meier
Stadtverwaltung kennt keinen 8-Stundentag
Ausgedehnte Debatten im Zwingenberger Stadtrat
Die Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend befaßte sich in erster Linie mit der Verabschiedung des Haushaltsplanes 1950/51. Ehe man zur Tagesordnung überging, führte Bürgermeister Kiel die von ihren Fraktionen als Nachfolger für die ausgeschiedenen Gemeinderäte nominierten Herren Zeiß (KPD), Roiz (SPD) und S ö 1 g (SPD) in ihr Amt ein.
Zunächst gab der Bürgermeister noch einmal einen Gesamtüberblick über den Haushaltsplan und beleuchtete besonders den Titel 90, der in der letzten Sitzung nicht zur Diskussion gestellt worden war. Die Rücklagebeträge für den Wohnungsbau, den Ausbau der Bleichstraße und des Orbisweges sollen noch in diesem Jahre, der Betrag für die Erweiterung der Schule erst im nächsten Jahr verwendet werden. Das Wasserwerk soll möglichst so ausgenützt werden, daß sich für die Gemeinde Zwingenberg Einnahmen und Ausgaben ausbalancieren und in künftigen Jahren keine Darlehen mehr aus Steuereinnahmen für diesen Zweck aufgebracht werden müssen.
Bei der Diskussion kam es besonders bei der Frage einer Rücklage, ferner über die Verwendung des Betrages von 1500 D-Mark für die Ortsverschönerung und die Anlage eines Kinderspielplatzes zu ausgedehnten und erregten Debatten. Auch über die Einschränkung beim städtischen Personal wurde ausgiebig debattiert. Bürgermeister Kiel betonte hierbei, daß es auf Grund der ungeheuren Arbeit im Augenblick völlig unmöglich sei, irgendeinen Angestellten zu entlassen. Mit 9 Stimmen wurde der Haushaltsplan bei 2 Gegenstimmen und vier Stimmenthaltungen angenommen. Dem Antrag, daß die Gemeinde die Grunderwerbssteuer für die Baugemeinschaft Selbsthilfe übernimmt, wurde einstimmig zugestimmt.
Zu längeren Debatten kam es hingegen wieder bei der Frage der Wahl und Be- Setzung des Bau-, Finanz- und Wohlfahrtsausschusses. Es lag ein Antrag der SPD- und CDU-Fraktion, die genannten Ausschüsse neu zu bilden, vor. Auf Antrag von Stadtrat Gerhard wurde (mit 3 Stimmen dafür, 2 dagegen) die seitherige Baukommission aufgelöst, der Bau- und Wohlfahrtsausschuß mit je 3 Abgeordneten der SPD- und CDU-Fraktion besetzt, der seither aus 3 Mitgliedern bestehende Finanzausschuß auf 5 Abgeordnete erweitert. Einer Versicherung der Tiere des Faselhofes und der Zuteilung eines Bauplatzes an den in Zwingenberg wohnenden Flüchtling Adolf Heger wurde einstimmig zu gestimmt. (HB)
CGinen Schritt näher
zum Beerfeldener Forum
In der Gastwirtschaft Heß konstituierte sich am Donnerstagabend nach einleitenden Vorträgen von Herrn Pfaue von der Amerikanischen Zivilverwaltung Erbach und einem Sprecher des Erbacher Forums ein einstweiliger Vorstand für das öffentliche Bürgerforum von Beerfelden, dem Frau Beckert, Frau A. Hofmann und Frl. A. Dietzmann sowie die Herren Dr. G. Schmucker, Walter Heidel. Hugo Reis, Friedrich Ihrig, Bernh. Wielers. Hch. Veith, Wilh. Heß und Willi Uhrig angehören. . „
Bei einer weiteren Besprechung am Donnerstag, 12. Oktober, soll der Termin und das Thema für den ersten öffentlichen Diskussionsabend und dessen Referenten festgelegt werden. ' -ch
Jugendklub im Oktober
Vielseitiges Vortragsprogramm
Das Klubprogramm des Bergsträßer Jugendklubs für den Monat Oktober ist wieder sehr vielseitig. Aus technischen Gründen mußte jedoch edne Aenderung vorgenommen und der Vortrag von Generalkonsul a. D. Bal se n über das Thema: „Japan und Korea seit dem ersten Weltkrieg“ auf den vergangenen Mittwoch vorverlegt und statt dessen die ursprünglich vorgesehene Vollversammlung im Hotel Schloßberg in Heppenheim auf den 18. Oktober verschoben werden. Am 11. Oktober wird der Vortrag von Horst-Heinrich Braun (BJC), der im September ausfallen mußte, über das Thema: „Probleme der Opemregie" in Bensheim im Gasthaus „Zur Stadt Bensheim (Stock)“ nachgeholt. Am 25. Oktober ist ein Lichtbildervortrag von Oberstudiendirektor Dr. Kozelka, Bensheim, über die „Peterskirche in Rom“ vorgesehen. Dieser Vortrag wird aus technischen Gründen in Heppenheim im Resident Office gehalten. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20.15 Uhr. (HB)
Unsere Geburtstagskinder
Goldene Hochzeit: Herr Johann Wilhelm Hartmann und Frau Barbara geb Stephan, Erzbach i. Odenwald; Herr Ludwig Wachtel und Frau, Bensheim a. d. 8., Viehweg 10 d.
85. Geburtstag: Herr Johann Schader Bensheim, Hospital.
80. Geburtstag: Herr Schlossermeister Alois Saul, Heppenheim a. d. 8., Bensheimer Weg 11. 30jähriges Dienstjubiläum: Frau Hebam
79. Geburtstag: Frau Anna Schneider, Bickenbach, Karl-Liebknecht-Str.
30jähriges Dienstjubiläum: Frau Hebamme M. Groh, Bad König i. Odenw.
DER SPORT
SV 98 jetzt oder nie...
Darmstadt erwartet Sieg der Lilienträger beim FC Singen / Zwei Neulinge an der Schweizer Grenze im Kampf um den Anschluß / Trainer Snopek verzichtet auf Herwig zugunsten Thal eimers
Der FC Singen, der trotz seiner Ueberraschungserfolge gegen Offenbach und Nürnberg einer der Schwächsten in der 1. Liga Süd ist, kann auch auf dem holprigen Rasen des kleinen Waldeckplatzes geschlagen werden, wie es uns der FSV Frankfurt vorexerziert hat. Deshalb müssen auch die 98er unbedingt mit einem Sieg vom Bodensee zurückkehren, wenn ihr Punktestand nicht schon jetzt zu sehr nach der negativen Seite hin tendieren soll. Noch ohne Schmidtmer, auch ohne Herwig, dafür aber mit Thalheimer fährt unsere Elf bereits am Samstag gen Süden.
Die 20 000 Einwohner der kleinen Industriestadt in der hügeligen Landschaft des Hegaues hatten vor Monaten wohl kaum damit gerechnet, daß ihre Elf in die oberste süddeutsche Fußballklasse aufrücken würde. Nun, da es geschafft, stehen sie verständlicherweise wie ein Mann hinter ihren „Biau-Gelben“. Die Darmstädter werden also auf dem unebenen Platz am Fuße des Hohentwiel auf allerlei gefaßt sein müssen. Der Neuling aus der französischen Zone hat seine Reihen gut aufgefüllt und holte sich neben Gack, Boden, Sternberg, Schultz vor allen den sechsfachen Nationalstürmer Willimowski, der sich anderenorts recht unbe-
liebt gemacht hatte, auch nicht mehr einer der Jüngsten ist, dessen Einfälle und solide Technik aber n6ch gut und für die Leute aus Südbaden unentbehrlich sind. Durch Aufnahme des hochgeschossenen Läufers, geistigen Lenkers und Spielmachers Dr. Joachimski in die vordere Reihe ist der Innensturm recht gefährlich geworden. Aus der Hintermannschaft ragen der zuverlässige Torwart Gack und der Allroundspieler Zanin heraus, der nun endlich einen Stammplatz als Stopper gefunden zu haben scheint.
Die Singener, die sich durch ihre anständige Spielweise überall große Sympathien 'erwarben, arbeiten nicht mit großen technischen Mitteln, sondern bevorzugen das einfache, unorthodoxe Spiel, dem sie durch
Rasanz, durch Kampffreudigkeit und Schnelligkeit doch eine gewisse Linie zu geben vermögen. Ihren glatten Niederlagen gegen Bayern München (1:5), FSV Frankfurt (0:5) und VfR Mannheim (0:4) stehen ein 3:2 gegen Offenbach, ein 1:1 gegen Schwaben Augsburg und der überraschende 2:1-Erfolg im Zabo beim 1. FC Nürnberg gegenüber. Mannschaften also, die g'aubten, die Schützlinge des Trainers Karl Wunderlich leicht abtun zu können, sind dadurch rechtzeitig gewarnt worden Die 98er haben nach ihren In den letzten Wochen gezeigten Leistungen jedoch wenig Grund zur Ueberheblichkeit. Wohl ist in die hinteren Reihen, die leider noch ohne Schmidtmer auskommen müssen, durch Torwart Ruhls Sicherheit etwas mehr Ruhe eingekehrt, aber der Sturm ist nach wie vor das Sorgenkind. Mit Thalheimer als Mittelstürmer wird es vielleicht besser gehen als gegen den BC Augsburg, überraschend ist dagegen die Nachricht, daß Trainer Snopek diesmal auf Herwig verzichten will, der früher immer sehr zuverlässig war, in den letzten Spielen aber trotz seines Eifers recht unproduktiv wirkte. Hoffen wir, daß es dem abermals umgekrempelten Sturm in seiner jetzigen Formation gelingt, den Riegel im Singener Strafraum zu durchbrechen und die zwei sehr wertvollen Punkte mit an den Woog zu bringen. Der Oktober ist der Monat, in dem die „Lilien" noch einmal blühen müssen, bevor sie im November von den schweren Brocken Vfß Stuttgart, 1. FC Nürnberg und Offenbacher Kickers zugedeckt werden. FC Singen 04: Gack: Paprian, Homburger; Grable, Zanin. Boden: Schroff, Schultz, Dr. Joachimski, Willimowski, Sternberg.
SV Darmstadt 98: Ruhl; Müller, Abt; Barth, Herder, Leichtlein: Reeg, Michel, Thalheimer, Mühlbach, Bohmann.
Wohin am Wochenende
SAMSTAG:
9.30 Uhr: Tischtennis Hessische Landesliga SV 98—TTC Bad Nauheim, Eleonorenschule;
10.30 Uhr: Ringen Landesliga Arheilgen— Sprendlingen, Turnhalle.
SONNTAG:
13.00 Uhr: Handball, Frauen-SV 98—SG Arheilgen, Hochschulstadion;
15.00 Uhr: Fußball, 2. Liga Süd SG Arheilgen—Bayern Hof, am Mühlchen;
15.00 Uhr: Handball, Verbandsliga SV 98 geg. TuS Griesheim, Hochschulstadion;
15.30 Uhr: Rollkunstlauf bei der TSG mit Baran-Falk und Waldeck, Rollschuhbahn am Woog.
2. Liga Süd
Der Tabellenführer am Mühlchen
Gegen Bayern Hof biswher schwerstes Heimspiel der SGA
Man kann nicht gerade sagen, daß Fortuna in den letzten Spielen mit den Arheilgern gewesen sei. Es ergibt sich da eine gewisse Parallele mit dem großen Bruder aus der Stadt, der auch immer gut, aber ohne Glück spielte. Am vergangenen Sonntag schössen die Bamberger kein erspieltes Tor, lediglich zwei Zufallstreffer brachten . ihnen den Erfolg. Auf der anderen Seite wurden eine Menge sogenannter „Todsicherer“, ausgelassen, wobei sogar ein Elfer nicht das Ziel fand.
Nun haben die Mühlchesleute kommenden Sonntag Generalprobe. Der Tabellenführer der 11. Liga Süd, Bayern Hof. wird seine Visitenkarte abgeben und zeigen, ob er mit Recht das Unterhaus anführt. Die Bayern haben jedoch nicht nur das beste Punktekonto, sondern auch das beruhigendste Torverhältnis. In sieben Spielen ließ die Bombenverteidigung nur vier Gegentreffer zu, eine Leistung, die schon etwas besagen will. Die Bayern sind eine in sich ausgeglichene Mannschaft, aus der lediglich der Rechtsaußen Rauh und der Mittelstürmer Wellhöfer herausragen. Ihr Glanzstück ist die Läuferreihe mit den beiden glänzenden Außenläufern Achammer und Popp.
Die Vorstädter vom Mühlchen haben natürlich Aufstelluhgssorgen, das heißt sie sorgen sich darum, wie sie die beste Elf gegenüberstellen sollen. Marko, der wieder fest im Training ist. wird seinen alten Stammplatz als rechter Verteidiger beziehen. Im Stopperfeld wird wieder Mahr stehen, der in Bamberg eine gute Figur abgab. Kaut kann den linken Verteidigungsposten beziehen und den besten Stürmer Rauh bewachen. Wendler hat sich am vergangenen Sonntag seinen Stammplatz gesichert und wird mit Traser die Außenläuferfrage lösen Damit würde Becker für den Mittelstürmer frei und Lieber könnte wieder auf Linksaußen seine Gefährlichkeit beweisen. Man hat sich vorsichtshalber noch nicht ganz festgelegt und zwölf Spieler benannt, die die Vertretung übernehmet! sollen. Wer also aussetzen muß, entscheidet sich erst am Sonntag. Die zwölf Spieler sind: Seibel, Marko, Mahr, Kaut, Traser, Wendler, Müller, Dilfer, Becker, Lieber, Zöller und Barnewald.
Wie sind nun die Aussichten? Auch In Hof ist man trotz des 5:1-Sieges gegen Böckingen vom letzten Sonntag nicht glücklich, weil sich vorn und hinten Schwächen bemerkbar machten. Die Leute vom Mühlchen werden auf jeden Fall ihren schwersten Kampf der bisherigen Runde zu bestehen haben. Zum ersten Male wird die Mannschaft komplett sein. Jeder ist sich bewußt, daß nur eiserne Nerven und ein taktisch kluges Spiel Aussicht auf Erfolg haben. Vielleicht ist diesmal Fortuna doch bei den Vorstä&tern. Hewe,
Die übrigen Spiele der 2. Liga
Jahn Regensburg — liessen Kassel SV Tübingen — Stuttgarter Kiekers Aschaffenburg —FC Pforzheim Straubing — ASV Cham Böckingen — Wacker München ASV Durlach — Konstanz SV Wiesbaden — Freiburger FC
R. L. Der Tabellenführer Bayern Hof wird am Sonntag Mühe haben, seinen Vorsprung zu bewahren. Denn wenn auch Arheilgen einen schlechten Tabellenplatz einnimmt, so ist die Mannschaft vom Darmstädter Vorort zu Hause nur mit Aufbietung aller Mittel zu schlagen. In technischer Hinsicht sind die Bayern zweifellos überlegen, die Arheilger werden aber durch Schnelligkeit und Einsatzbereitschaft diese Ueberlegenheit auszugleichen versuchen.
Auch Jahn Regensburg hat keinen leichten Gegner. Die Wiesbadener haben gesehen. wie die Kasseler Hessen zu spielen verstehen, wenn sie auch zum Schluß auf dem Kleinfeldchen 4:1 verloren.
In Tübingen sind die Stuttgarter Kickers in Front zu erwarten und, nach den letzten Ergebnissen zu schließen, hat Pforzheim in Aschaffenburg, das seit Lehners Wiedermitwirkung wesentlich erstarkt ist, kaum eine Chance.
Cham hat das Glück, sein Auswärtssn'el gegen Straubing in Cham austragen zu können, da der Straubinger Platz wegen der Vorfälle beim Spiel gegen Konstanz noch gesperrt ist.
Wacker München hat zwar in pöc,-:-~-n noch nicht gewonnen, doch ist se:n gefährlicher Sturm mit dem ..Kleiderschrank" Schleicher als Mittelstürmer in der Lage, die für den Sieg notwendigen Tore zu schie- Ben. In Ulm sieht es beim Spiel gegen Bamberg nach einem Unentschieden aus, und die Konstanzer werden, wenn sie so weiter machen, gerade die Auswärtsspiele zu gewinnen, auch in Durlach erfolgreich bleiben.
Der Sportverein Wiesbaden hat den FC Freiburg, der in grauer Fußballvorzeit, schon einmal Deutscher Meister war, auf dem Kleinfeldchen zu Gast.
Zu einem Freundschaftsspiel fährt am 12. November der 1. FC Nürnberg zu Wormatia Worms.
Der brasilianische Fußballmeister Athletico Minero Belo Horizonte kommt zu drei Begegnungen nach Deutschland. Am 5. November wird er in Bremen gegen Werder spielen. Vorher sind Begegnungen gegen München 1860 und den Hamburger SV vorgesehen. Das für den 5. November angesetzte Oberligaspiel Werder Bremen—Göttingen 05 wird verlegt. •
Eine besondere Kommission sperrte Englands National-Mittellaufer Franklin (früher Stoke City), der ohne Zustimmung der Football Association in- Kolumbien spielte, bis zum 31. Januar 1951.
Um seine Naturalisation suchte Bert Trautmann, der Torhüter von Manchester City nach. Damit dürfte sein Plan, in Deutschland als Trainer tätig zu sein, vorerst hinfällig werden.
• Unter Tiefstrahlern schlug in Dresden eine Sachsenauswahl die Stadtvertretung von Dresden vor 12 000 Zuschauern mit 3:0 Toren.
Bleibt der FSV Frankfurt an der Spitze?
Streifzug durch die westdeutschen Fußball-Ligen
H. KI. Wird es dem FSV Frankfurt gelingen, seine am vergangenen Wochenende erkämpfte Tabellenführung in der 1. Liga Süd erfolgreich beim SV Waldhof zu verteidigen? Das ist die große Frage vor dem zweiten Oktobersonntag, die nicht nur den Süden selbst interessiert. Im Westen und Norden haben es dagegen die Spitzenreiter verhältnismäßig leicht, sich durchzusetzen. Aus folgenden Begegnungen setzt sich das Programm der maßgeblichen Fußball-Ligen am Wochenende zusammen:
Süd 1. Liga
VfR Mannheim—VfL Neckarau FC Singen—Darmstadt 98 BC Augsburg—Vfß Mühlburg München 1860—Spvgg Fürth SV Waldhof—FSV Frankfurt Eintracht Frankfurt—Schweinfurt 05 Vfß Stuttgart—Schwaben Augsburg 1. FC Nürnberg—Bayern München SSV Reutlingen—Offenbacher Kickers
Süd 2. Liga
Jahn Regensburg—Hessen Kassel SV Tübingen—Stuttgarter Kickers SV Wiesbaden—FC Freiburg Vikt. Aschaffenburg—l. FC Pforzheim TSV Straubing—ASV Cham Union Bückingen—Wacker München SG Arheilgen—Bayern Hof Ulm 46—FC Bamberg ASV Durlach—VfL Konstanz
West 1. Liga
Duisburger SV—Alemannia Aachen Rheydter SV—Hamborn 07 RW Oberhausen—Bor. M.-Gladbach Schalke 04—Spvgg Erkenschwick 1. FC Köln—Preußen Dellbrück Spfr Katemberg—RW Essen Borussia Dortmund—Preußen Münster Fortuna Düsseldorf—STV Horst Emscher
Nord 1. Liga
Hannover 96—Hamburger SV Werder Bremen—FC St. Pauli Eintracht Braunschweig—Bremer SV Vfß Oldenburg—Göttingen 05 Concordia Hamburg—Altona 93 Holstein Kiel—VfL Osnabrück Eintracht Osnabrück—Eimsbüttel
Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß sich das Bild der Spitzengruppe in Süddeutschlands 1 Liga am Sonntag abermals wesentlich verschiebt. Der FSV Frankfurt kann vom SV Waldhof wieder von seinem Thron herabgestoßen werden und auch der FSV-Verfolger Fürth hat bei 1860 München noch nicht gewonnen. Nutznießer der möglichen Punkteinbußen dieser führenden Mannschaften wären der Nürnberger „Club“ oder Bayern München, die sich in Nürnberg „bekriegen“.. Es könnte also sehr leicht der Fall eintreten, daß Nürnberg wieder die Spitze übernimmt, die es schon mehrmals in diesem Jahr erklettert hat. Die übrigen Treffen sind mehr oder Weniger bedeutende Positionskämpfe, die allerdings das Gesamtbild beeinflussen können.
Auch der Westen hat vor einer Woche mit Schalke 04 einen neuen Spitzenreiter erhalten, der den Platz an der Sonne ohne größere Schwierigkeit im Heimspiel gegen Erkenschwick behaupten wird. Der Schlager des Sonntags dürfte das Lokalderby zwischen dem 1. FC Köln und Preußen Delibrück sein. Im übrigen sollten sich in erster Linie die Platzvereine durchsetzen.
Der Norden blickt nach dem Seitensprung des HSV, der gegen Werder Bremen .emen Punkt kostete, mit gesteigerter Aufmerksamkeit nach Hannover, wo sich der HSV nun bet 96 vorstellen wird. So wie wir die Hamburger kennen, werden s.e allen Pessimisten einen Streich spielen und sich durchsetzen. Wesentlich schwerer wird es dagegen der FC St. Pauli haben, der bei Werder Bremen auf Granit beißen wird. Eimsbüttel und VfL Osnabrück werden die Verfolgung der führenden Hamburger Mannschaften nicht aufgeben. Wenig Verschiebungen sind in der 2. L i g a Süd zu erwarten. Die ersten drei Mannschaften, Bayern Hof, Jahn Regensburg und die Stuttgarter Kickers, werden in dieser Reihenfolge weiter vorne bleiben.
Jugenheim. Die nächste Mitglieder-Versammlung des Fußballvereins 1949 ist am Mittwoch, dem 11. Oktober, 20 Uhr, im Gasthaus „Zum Anker“, Hauptstraße. Um pünktliches Erscheinen aller aktiven und passiven Mitglieder wird gebeten. — Die 1. Mannschaft der SKG Jugenheim spielt am Sonntag, 15 Uhr, in einem Handball-Wettspiel gegen die 1. Mannschaft der SKG Bickenbach, bl;
Seeheim. Am Sonntag, 13.45 Uhr, treffen sich auf dem Seeheimer Sportplatz die 1. Mannschaft des TV 93 und die 1. Mannschaft von Kirch-Brombach zu einem Handball-Wettspiel. hl.
In einem fair durchgeführten Treffen siegte die Betriebsmannschaft der HEAG auf eigenem Platze gegen die spielstarke Mannschaft der LVA mit 4:0 Toren. Trotz größter Anstrengung blieb den Gästen der verdiente Ehrentreffer versagt. . , m -VT !_ li 1 L M wv» Cnv-intorf
Die TG 07 e. V. Eberstadt hält am Sonntag, dem 8. Oktober, ihr diesjähriges Abturnen auf dem Turnplatz in der Schloßstraße. Für den Nachmittag sind Spiele vorgesehen und am Abend fröhliches Beisammensein bei Schachner („Zum Bismarck“).
Drei Spiele mit Hochspannung
Urberach — Lorsch, Bürstadt — Bobstadt, Münster Dieburg
In der Gruppe 1 der Fußball-Bezirksklasse Darmstadt liegen sich drei Riedvereine dicht auf den Fersen Eine Aenderung in der Tabellenführung ist am kommenden Sonntag trotzdem unwahrscheinlich. Die noch ungeschlagenen Lorscher haben ein Aufwärtsspiel gegen Viktoria Urberach, die ihnen wohl nicht allzu gefährlich werden dürfte, wenngleich jeder Gast vor den Rodgauerjj auf der Hut senn muß. Heißer wird es ohne Zweifel bei dem Spiel Bürstadt—Bobstadt hergehen, das seines unstreitig lokalen Charakters und damit sehr starken Anhangs beider Mannschaften zu dem Treffen des Tages wird Aber selbst doppelter Punktgewinn des einen oder anderen kann Lorsch (auch bei unwahrscheinlicher Niederlage) nicht vom 1. Platz verdrängen, denn schlimmstenfalls rettet den Tabakstädtern das gute Torverhältnis die Spitze. Die beiden Bergstraßeventreter gehen auf Reisen. Von ihnen darf man Heppenheim in Roßdorf eher eine Chance einräumen als den Bensheimern beim VfR Langen, den man mit seinem 4. Platz immer noch zu den Tabellenersten rechnen darf Ober-Ramstadt empfängt Biblis und damit einen Gegner, dem es durchaus einen Punkt abknöpfen könnte. Bleibt in dieser Gruppe noch das Treffen Hofheim gegen Groß-Rohrheim, des 13. gegen den 15., bei dem am ehesten die Tagesform entscheiden dürfte, ebenso wie in Groß-Gerau, wo Pfungstadt auch das Spielfeld „gegen sich“ hat.
Es spielen: Groß-Gerau—Pfungstadt, Hofheim—Groß-Rohrheim, Roßdorf —Heppenheim, Viktoria Urberach—Lorsch, VfR Langen—Bensheim, Bürstadt—Bobstadt, Ober-Ramstadt—Biblis.
In der Gruppe 2 mußte Ober-Roden am vergangenen Sonntag bei der KSV Urberach die ersten Punkte lassen; es wird diesen Verlust diesmal zu Hause auch ohne Kronenbitter und W. Gotta wieder gutzumachen versuchen, aber Bischofsheim (auf dem 2. Platz und punktgleich) strebt verständlicherweise auch nach der Führung, so daß beide Mannschaften alle Register ziehen und sich einen scharfen Kampf liefern werden. Wixhausen hat gegenüber RW Walldorf einzig den Vorteil des eigenen Geländes, der aber kaum ausreichen wird, vom- Tabeilenende wegzukommen. Beruhigter dagegen kann Mörfelden antreten, dem es gelingen müßte, Eppertshausen mattzusetzen. Trebur stellt eine Mannschaft, die bei 2:8 Punkten in dieser Saison noch nicht allzuviel gezeigt hat. Es wäre erstaunlich, wenn diese* Elf gegen den Nachbarn Nauheim so . viel Ehrgeiz aufbrächte, daß es zu einem Heimsieg reicht, denn schließlich hat der Gastverein Interesse daran, seine gute Mi-ttelfeldlage zu verbessern. Michelstadt und Enigelsbach, die sich im Odenwald treffen, stehen wenn auch „im Unterhaus“ in den gleichen Schuhen wie Ober-Roden und Bischofsheim. Messel hat es schwer gegen die KSV Urberach, die wahrscheinlich mit dem gleichen Schwung aufwarten wird, der ihr vor acht Tagen den Sieg über Ober-Roden gebracht hat. Bleibt noch der Außenseiter: SV Münster—Hassia Dieburg. Außenseiter insofern, als da alle fachmännischen Berechnungen und klugen Tips über den Haufen gerannt werden können. Münster—Dieburg oder Diebung—Münster: über derlei Treffen liegt schon seit langen Jahren der Nimbus der gutnachbarlichen Rivalität, der einfach alle „wissenschaftlichen Voraussagen“ ausschließt. Hier geht es nicht um die Punkte schlechthin — hier geht es kurzweg immer „ums ganze“, hier heißt es eben „Hie Münster — hie Dieburg“.
Es spielen: Wixhausen—Walldorf, Mörfelden-Eppertshausen, Ober-Roden —Bischofsheim, Trebur—Nauheim, Messel—KSV Urberach, Münster—Dieburg, Michelstadt —Egelsbach, Erbach frei. RG.
Ringen
Die ersten Kämpfe der Kreisklasse
Die Kreisklasse beginnt am Wochenende mit ihren Verbandskämpfen in 2 Gruppen zu je 5 Staffeln. In der Gruppe 1 ringen Schaafheim gegen Groß-Zimmern 11. und KSV Wersau gegen Roßdorf, während Münster frei ist. In der Gruppe 2 trifft Rimbach auf Pfungstadt und Nieder-Ramstadt auf Bensheim. Ober-Ramstadt 11. ist frei.
Tennis
Am Sonntag spielen die TEC-Junioren in der Aufstellung Wittmann, Jayme, Müller, Wittich, Geiß, Koch und den Juniorinnen Kaffenberger, Jayme, Geiß und Müller-Donges gegen eine Juniorenmannschaft des Wiesbadener Tennis- und Hockeyclubs, -gw- «
In Kürze wird in Clausthal-Zellerfeld ein Eisstadion entstehen, das für Meisterschaftskämpfe im Eishockey zur Verfügung stehen wird. Die Mannschaft des Harzortes wird Niedersachsen in den Punktspielen vertreten. •
In der Seelenbinder-Halle im Berliner Ostsektor trennten sich Empor, Berlin, und Ostglas, Weißwasser, anläßlich der Eröffnung der deutschen Eishockeysaison 1950/51 unentschieden 4:4. ,
Um den „Preis der Deutschen Industrie-Ausstellung“ am 8. Oktober starten in Berlin eine Reihe der besten deutschen Straßenfahrer auf einer 1,8 km langen Rundstrecke hinter NSU-Fox-Maschinen.
* Es ist beabsichtigt, die fast beendete wissenschaftliche Auswertung der Oberstdorfer Skiflugwoche in Buchform der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Asse: Huppertz, Luther, Storch
Schweden führt in der Europarangliste der Leichtathleten / Deutschland 17 mal vertreten
Die europäische Leichtathletiksaison ist so gut wie beendet. Zwar stehen noch einige Veranstaltungen im Ausland bevor, für die Europarangliste 1950 werden sie aber kaum noch von Bedeutung sein. Das Bild hat sich endgültig gefestigt, und abermals erwies sich Schweden vor der Sowjetunion als stärkstes Leichtathletikland. Deutschland folgt hinter Frankreich und Finnland, knapp vor England, an fünfter Stelle.
Man erhält diese Nationenwertung aus der Liste der zehn besten Europäer bei Anwendung des üblichen Punktsystems von 10 Pkt. für den Europabesten bis zu einem Pkt. für den Zehntplacierten. In 19 leichtathletischen Disziplinen einschließlich des Zehnkampfes (nur der Marathonlauf gestattet wegen der unterschiedlichen Strecken keinen Vergleich) ergeben sich folgende Punktzahlen: 1. Schweden 172,5; 2. UdSSR 169; 3. Frankreich 104; 4. Finnland 94,6; 5. Deutschland 86,6; 6. England 85,4; 7. Island 56,4; 8. Tschechoslowakei 51,1; 9. Italien 46,5; 10. Norwegen 39,5 und 11. Ungarn 37,6 Punkte. Durch ausgezeichnete 10 000-Meter-Zeiten und Zehnkampfleistungen bei den kürzlich in Kiew durchgeführten Meisterschaften der UdSSR schlossen die Russen noch dicht zu Schweden auf.
Drei Paradedisziplinen
Dreimal sind deutsche Leichtathleten in den 19 olympischen Wettbewerben auf zweiten Plätzen zu finden. So blieb der Koblenzer Hub Huppertz über 400 Meter mit 47,4 Sek. nur um Vio Sekunde hinter Europameister Pugh (England) zurück. Gerd Luther (München) wurde im Weitsprung lediglich von dem Franzosen Faucher (7,59 Meter) um 15 cm übertroffen. Schließlich erzielte der Fuldaer Hammerwerfer Karl Storch gegenüber dem neuen Weltrekord des ungarischen Olympiasiegers Nemeth (59,88 Meter) eine Weite von 58 68 Meter, die ihm gleichfalls den 2. Rang eintrug.
Als beste deutsche Laufstrecke hebt sich in der Europarangliste der 400-Meter-Lauf heraus. in dem nach Huppertz der junge Krefelder Geister sowie Audorf (Koblenz) gemeinsam mit dem Franzosen Lunis in 47,6 Sek. den 3. Platz einnehmen .während das große Talent Hags (Nürnberg) sich mit zwei Ausländern (47,9 Sek.) den 7. Rang teilt. In den Sprung- und Wurfdisziplinen spielen der Weitsprung und das Hammerwerfen eine ähnliche Rolle. Außer Luther sind Steger (Augsburg) mit 7 30 Meter und Fallak (Hamborn) mit 7.26 Meter als Siebter und Neunter verzeichnet, während sein Jahresbestwurf von 57,41 Meter dem Karlsruher Bäckermeister Wolf im Hammerwerfen den 5. Platz eintrug.
Ganz ausgezeichnet schnitt der neue deutsche 5000-m-Rekordmann Herbert Schade (Barmen) in dem starken Feld der europäischen Langstreckler ab. Seine Rekordzeit von 14:22,8 Min. stellt ihn hinter dem tschechischen Laufroboter Zatopek und den beiden Finnen Mäkelä und Posti auf den 4. Rang. Auch der deutsche Sprinter-Doppelmeister Zandt kann damit aufwarten, doch wurde seine 200-m-Zeit von 21,5 Sek. noch von fünf Ausländern erzielt. Ueber 100 m erscheint Zandt mit neun ausländischen Läufern in 10,6 Sek. erst auf dem 8. Platz der Rangliste; ein Zeichen dafür, wie stark die deutschen Sprinterzeiten abgesunken sind.
Ueber 800 m ist Deutschland immerhin mit drei Läufern vertreten. Meister Steines (Koblenz) nimmt mit dem Schweden Linden (beide 1:50,9) Min. den 6. Rang ein; Cleve (Krefeld) und Ulzneimer (Frankfurt), die wie der Franzose Clare 1:51,4 Min. liefen, bilden den Schluß des Feldes. Erfreulicherweise konnten sich deutsche Leichtathleten auch über 110 m Hürden und im Dreisprung zur Geltung bringen. Zepernick (Osnabrück) teilt in der Hindernisstrecke (14,8 Sek.) mit drei Ausländern den 5. Platz, Becker ( Bremen) zählt zu den fünf 14,9-Läufern, die in der Liste gemeinsam auf dem 9. Platz stehen, und Bodenhagen (Wolfenbüttel) erreichte bei gleicher Sprungweite wie der Finne Uusihauta (14,82 m) den 7. Rang. Im Zehnkampf gelang es dem Balinger Sepp Hipp, mit 7074 Pkt. sich an die 6. Stelle der europäischen Mehrkämpfer zu setzen.
Neun Wettbewerbe ohne Deutsche
Unter den 9 Disziplinen, in denen sidi kein deutscher Leichtathlet placieren konnte, befinden sich auch solche, die früher einmal zu den erfolgreichsten unserer Leichtathletik zählten und in denen wir — wie im Kugelstoßen, Speerwerfen, im Stabhochsprung, Diskuswurf und den 400 m Hürden — vor dem Kriege Olympiasieger oder Europameister stellten. Die restlichen Wettbewerbe, entfernt haben, sind die 1500 und 10 000 m, die 3000 m Hindernis und der Hochsprung.
Im allgemeinen darf man sagen, daß die deutsche Leichtathletik die nunmehr beendete Zeit ihrer Isolierung gut überstand.
Deutsche gegen europäische Elite
Acht deutsche Leichtathleten im Mailänder Stadion am Start
Das zweite Oktober-Wochenende gilt nicht nur als Auskiang der diesjährigen Leichtathletik-Saison, sondern bringt darüber hinaus noch einmal zwei besonders interessante Veranstaltungen, die gerade im Hinblick auf die internationalen Kraftproben des nächsten Sommers besonders aufschlußreich zu werden versprechen. Am Samstag startet unser überragender Langstreckler Herbert Schade im Wuppertaler Stadion in seinem ersten 10 000-m-Lauf gegen Hermann Eberlein und Otto Eitel, die beiden Läufaj, die nach dem Kriege auf dieser Streck* die schnellsten Zeiten in Deutschland erreichten. Der Sonntag sieht dann im' Mailänder Stadion acht deutsche Spitzenkönner bei einem „Internationalen“ im Kampf mit europäischer Elite.
Dieses Meeting m Mailänder Stadion mit seiner bekannt schnellen 500-m-Bahn, auf der vor elf Jahren Rudolf Harbig seinen großartigen 800-m-Weltrekord von 1:46,6 Min. lief, stellt für die deutsche Leichtathletik ohne Zweifel den besten Maßstab gegenüber der internationalen Spitzenklasse dar. Ein Blick auf die Liste der italienischen Meister, die sich erst am letzten Sonntag bei den Turiner Titelkämpfen durchsetzten, zeigt klar, daß die acht deutschen Leichtathleten nur in „starken italienischen Wettbewerben“ nach Mailand eingeladen wurden.
Acht Deutsche und ihre Rivalen
Die nachstehende Aufstellung der italienischen Meister ergibt bei einem Vergleich mit den Jahresbestleistungen der acht deutschen Mailand-Fahrer folgendes Bild 100 m: Siddi 10,7 (Zandt 10,6, Fischer 10,7); 200 m: Leccese 21,8 (Zandt 21.5, Haas 21.7); m; Porto 47,8 (Geister 47,6, Haas 47,9); ''oo m Hürden: Filiput 51,8 (Ulzheimer 54,3); ■'Veitsprung: Ardizzone 7,13 (Luther 7,44); Hammerwerfen: Taddia 55,82 (Storch 58,63, Wolf 57,41),
Schreibt an Frite Knippelius
DT-Schlachtenbummler sind zufrieden
fü^,die Schlachtenbummler ist die Begleitung des SV 98 etwas Besonderes Elstens passiert dies nicht jeden Sonnta» und zweitens verändert sich nicht die finan¬ “fH® ^P^fn13”11 Entgegenkommens von senen des Darmstadter Tagblatt.
D.esesmal ging es nach München, wo nerade das dortige Oktoberfest auf Hochtou-DTrmsVad^h^t bei der .Zusammenkunft in H maJn glauben können, wir waren in Bayern, denn als gegen 14 Uhr des Hauptbahnhofs mit einer Mordsfeder am Hut betrat, fing alles an zu jodeln. Als sich dann unser em Setate’ d^ckte ein „Darmstadter Heiner“ in „echt bayeri¬ „^PPelhosen“ unserer Mannschaft beide Daumen. Unterwegs gab es im Abteil einen Knall welcher durch eine herunterfallende Aktentasche verursacht wurde Ist was kaputt?“ war die Frage. Nur eine Flasche Bier! Nun so etwas kann doch nur einem Optimisten passieren, denn nach München nimmt man doch kein Darmstädter Bier mit.
In der Gegend von Stuttgart war alles erschüttert .als wir hörten, daß der Zug erst um 21.30 Uhr am Ziel sein sollte, da uns doch als Ankunft 20 Uhr genannt worden war. Aber auch diese 90 Minuten vergingen sehr schnell. Am Münchner (Bahnhof angekommen, hatte sich das Häuflein bald geteilt. Die Mannschaft bezog ihr Quartier im naheliegenden Hotel. Außer der Mannschaft wollte niemand zu Bett. Man wollte zum größten Teil die noch vor uns liegende Nacht auf der Theresienwiese verbringen. Am nächsten Mittag um 15 Uhr bekam man sich erst wieder — wenn auch mit etwas dicken Augen — im Stadion zu sehen.
Nachdem das Spiel abgepfiffen war, bereitete man sich wieder so langsam auf die Heimfahrt vor, wobei über den Spielverlauf heftig diskutiert wurde. Mit einem einwandfreien Schiedsrichter und einem besseren Sturm hätte das Endergebnis besser ausfallen müssen, zumal das Münchner Publikum sehr schnell auf der Seite der Lilien war. Man hörte in der zweiten Halbzeit nur ein Wort und zwar: „Ruhl". Ebenso wurde die Verteidigung und Läuferreihe sehr gelobt.
Abschließend wünsche ich dem SV 98 den Verbleib in der 1. Liga Süd, dem Darmstädter Tag,blatt danke ich nochmals für diese nette Einrichtung und allen Lesern ■wünsche ich, „Einmal DT-Schlachtenbummler zu sein“.
Hermann Block, Nieder-Ramstadt
Denkt an unsere Brüder in der Ostzone!
Als Ostzonen-Flüchtling muß ich mit großem Bedauern feststellen, wie außerordentlich wenig man an unsere notleidenden Mitmenschen im Osten denkt, nur sein eigenes Ich vor Augen hat. In keiner Zeitung, an keiner Anschlagsäule, auf keinem Postamt, in keinem Film — wo sich wohl genug Möglichkeiten bieten würden — findet man den kleinen Hinweis: „Denkt an unsere Brüder in der Ostzone!“ Oder irgend ein Wort im Radio? Nichts! Es ist schön, wenn immer gesagt wird im Radio: Haltet aus!
Können Sie sich bei 40,— bis 50,— Mark Wochenlohn ein Paar Schuhe kaufen für 150,— Mark in der H. O.? Hier gibt es bei .40,— bis 50,— DM Wochenlohn fast zwei Paar gute Schuhe zu 25,— DM! Denken Sie bei jeder Ausgabe daran, daß es drüben Fürsorge-Ehepaare gibt, die mit 50,— Mark zu zweit, bei 20,— Mark Miete, auskommen müssen. Das ist pro Mensch 0.50 Mark pro Tag.
So könnte man viele Beispiele anführen! „Denkt an unsere Brüder in der Ostzone!“ S. F., Ostzonenflüchtling
„Sinfonie mit dem Paukenschlag“
Die Ausführungen des Berichterstatters in der Ausgabe des Darmstädter Tagblatts vom 4. Oktober 1050 zeugen zwar von musikalischem Verständnis, lassen aber auf einseitige Information schließen. In der Tat hatte Mister SaLil Kumar Dutta ein Zimmer bezogen, das — es sei gar nicht verschwiegen — vom Wohnungsamt erfaßt und zwei in Darmstadt arbeitenden Flüchtlingen bereits zugewiesen worden war. Mister Salil Kumar Dutta wurde daher über die Studentenwohnungsstelle bei der Technischen Hochschule höflichst gebeten, ein anderes Zimmer zu beziehen. Aus Indien kommend war Mister Salil Kumar begreiflicherweise überrascht, daß man zum Beziehen eines Zimmers einer Genehmigung bedarf. Er wird bei näherer vergleichsweiser Betrachtung der indischen und deutschen Verhältnisse sogar noch einige andere Unterschiede feststellen, ohne an dem gesunden Menschenverstand seiner Gastgeber zweifeln zu müssen. Im übrigen aber wird das „fossile Amt“ als notwendiges Uebel noch eine Zeitlang weiter konzertieren müssen, nur sei dem Herrn Berichterstatter das Notenstudium dringend empfohlen, damit er künftig seine Paukenschläge an der richtigen Stelle anbringen kann. Seffrin,
Reiter des Wohnungsamtes Darmstadt. Na also, das ist einmal eine Antwort nach unserem Geschmack! Die Antwort war wirklich nicht „fossil“! (Wir nehmen alles zurück und behaupten das Gegenteil!) Nicht zu vergessen, daß der Komponist jener ersten „Sinfonie“ beim Lesen dieser Antwort mit dumpfem Laut durch seine Pauke fiel. Die Runde war eindeutig 1:0 für das Wohnungsamt!
Wir waren aufrichtig begeistert, daß hier ein Amt — bedenken Sie: eine Behörde! — nicht mit tierischem Ernst und behördlichem Beleidigtsein antwortete, sondern mit offenem Sinn für Kritik aus der Oeffentlichkeit, seinen Standpunkt klarlegte. Der gewinnt bestimmt an Wert und Ueberzeugungskraft, wenn er s o vongetragen wird
Daß der Humor dort nicht als verdächtige Erscheinung von höherer Stelle mit Pech und Schwefel ausgerottet werden möge hofft inständigst Fritz Knippelius.
Die nächste Juniorensitzung der In¬ dustrie- und Handelskammer Darmstadt findet Montag, den 9. Oktober, um 16.00 Uhr, im Sitzungssaal statti
Meine Verlobung mit Fräulein MARIANNE PRIESS Tochter des Herrn FRANZ PRIESS und Frau Gemahlin ANNA geb. Krieg, beehre ich mich anzuzeigen EUGEN FRHR. V. GEMMINGEN HORNBERG, cand agr. Fi ankisch-Ci umbach IVlarienborn (Odenwald) bei Mainz Oktober 1950
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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Allgemeiner Hinweis Es wird hierdurch darauf hingewiesen, daß im Monat Oktober 1950 folgende Steuern zu entrichten sind: 1. Zweite Rate Rentenbankgrundschuldzinsen, fällig am 1. Ok¬ tober 1950. ‘ ~ ' „ " 2. Umsatzsteuervorauszahlung der Monatszahler für Septem¬ ber 1950 und Umsatzsteuervofauszahlung der Vierteljahres¬ zahler für das 111. Vierteljahr 1950, fällig am 10. 10. 1950. 3. Lohnsteuer, Kirchenlohnsteuer sowie das Notopfer Berlin der Monatszahler für September 1950 und der Vierteljahreszahler für das 111. Vierteljahr 1950. fällig am 10. 10. 1950. 4. Landwirtschaftsabgabe 1950, fällig am 25. 10. 1950. Säumige Steuerzahler haben mit Mahn- und Vollstreckungs¬ maßnahmen zu rechnen und müssen außer der Steuer noch Säum¬ niszuschläge sowie Mahn- und Vollstreckungsgebühren nach Maßgabe besonderer Vorschriften entrichten. Es wird gebeten, die Steuern möglichst unbar unter Angabe der Steuernummer und des Verwendungszweckes bei den für die ein¬ zelnen Finanzämter maßgebenden Postscheckkonten bzw. Konten bei der Landeszentralbank einzuzahlen. Für Bareinzahlungen ist die Finanzkasse jeweils von Montag bis Freitag von B—l 2 Uhr geöffnet. Darmstadt, den 1. Oktober 1950 Die Finanzämter: Darmstadt, Bensheim, Dieburg, Fürth I. Odw. Groß-Gerau, Langen und Michelstadt. Zwangsversteigerung 3 K 14/50. Das untenstehend bezeichnete Grundstück, das zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen der Anna Behrmann Wwe., geb. Köbig, Darmstadt, im Grundbuch eingetragen war, soll am Montag, den 4. Dezember 1950, vormittags 9.15 Uhr durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude Mathilden¬ platz 12, Saal 303 versteigert werden. Die Versteigerung er¬ folgt zwecks Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Der Versteigerungsvermerk ist am 24. April 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. Grundbuch für Darmstadt Bez. 1, Band 26, Blatt 1215. Ord.-Nr. 1, Flur 1, Nr. 803, Hofreite Nr. 10, Schüt¬ zenstraße 214, Betrag der Schätzung 4500.— DM. Zulässiges Höchstgebot 5000,— DM. Darmstadt, den 4. Oktober 1950 Amtsgericht-Abt. 3 Betrifft: ' Bekanntmachung Genehmigung einer Sammlung in der Zeit v. 6. bis 15. Okt. 1950. Der Hessische Minister des Innern hat mit Erlaß vom 2. 9. 1950 II — e — 21 f — 5756/50 der Arbeiterwohlfahrt Hessen e. V., Frankfurt, auf Grund des § 1 des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (RGBI. I S. 1086) und der hierzu ergangenen Durchfüh¬ rungsverordnung vom 14. 12. 1934 (RGBI. I S. 1250) die Geneh¬ migung erteilt, in der Zeit vom 6. bis 15. Oktober 1950 eine Geldsammlung von Haus zu Haus unter Benutzung von Sammel¬ listen sowie unter Benutzung von Sammelbüchsen aut öffentlichen Straßen und Plätzen durchführen zu lassen. Im einzelnen gelten für diese Genehmigung folgende Bedingungen: a) Jeder Sammler ist mit einem entsprechenden Ausweis zu ver¬ sehen der von der Ortspolizeibehörde auszustellen ist. Die Aus¬ weise’ sind nach Ablauf der Sammlungsgenehmigung an die aus¬ stellende Behörde zurückzugeben, b) Die einzelnen Beträge sind in Listen gegen Quittung des Spenders einzutragen. Die Listen müssen numeriert sein und überprüft werden können, c) Die Sammler auf öffentlichen Straßen und Plätzen haben sicher ver¬ schließbare Sammelbüchsen, deren Beschaffenheit Veruntreuun¬ gen ausschließt, zu verwenden. An jeder Büchse muß der Name des Veranstalters der Sammlung deutlich sichtbar angebracht sein, d) Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei der Durchführung der Sammlung auf öffentlichen Straßen und Plät¬ zen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mitwirken. Die Her¬ anziehung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht gestattet. I Heppenheim, den 29. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße
Bekanntmachung Betr.: Industrieansiedlung Im Landkreis Bergstraße Die Bavaria GmbH., Knopffabrik In Regensburg, Landshuter Straße 74, beabsichtigt, ihren dortigen Betrieb wegen Raum¬ mangel nach dem Kreise Bergstraße zu verlagern. Sie stellt modische Knöpfe aller Art, sowie andere Metallwaren her. Zur Zeit werden 40 Arbeitskräfte beschäftigt. Weitere 40 bis 50 Per¬ sonen sollen nach erfolgter Verlegung und Neueinrichtung ein¬ gestellt werden. In zwei bis drei Jahren wird mit einer Gesamt¬ belegschaftsstärke von 150 bis 200 Personen gerechnet. Zur Produktion ist ein vorhandenes Gebäude mit ca. 2 500 qm not¬ wendig, welches sich, um größere Investierungen zu vermeiden, in einem guten Zustand befinden muß. Zur evtl. Erweiterung ist entsprechendes Gelände erwünscht. Notwendige Umbauten bedeu¬ ten kein Hindernis. Wasser- und Starkstromanschluß ist erfor¬ derlich, Gas ist erwünscht. Die Nettopreise hierfür sollen der Firma gegebenenfalls bekanntgegeben werden. Ein moderner Maschinenpark ist vorhanden, neue Maschinen für die geplante Erweiterung sind in Arbeit. Für vorhandene Spitzenkräfte werden zwei Zweizimmer- und zwei Dreizimmerwohnungen benötigt. Eine'Hausmeisterunterkunft, ein Zimmer und Küche, muß im Betriebsgebäude vorhanden sein. Durch die bisherige unermüdliche Arbeit ist nach Angaben dieser Firma der Betrieb finanziell einwandfrei gesichert. Auskünfte hierüber können bei der Bayerischen Vereinsbank, Filiale Regens¬ burg, und bei der Handelskammer Regensburg eingeholt werden. Bürgermeister im Kreise Bergstraße, denen Räumlichkeiten der gewünschten Art bekannt sind, wollen sich mit der Bavaria GmbH, in Regensburg in Verbindung setzen. Heppenheim, 3. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Aufbauabteilung
Bekanntmachung Die Schönauerst»aße in Richtung auf die Bundesstraße in Neckar¬ steinach ist zur Stopstraße erklärt- worden. Das aufgestellte Halteschild ist zu beachten. Heppenheim, 3. Oktober 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße I. A. G r e I n
Betr.: Genehmigung einer Sammlung In der Zeit vom 10. bis 19. November 1950 Der Herr Hessische Minister des Innern hat der Konferenz der Caritasverbände in Fulda, Wilhelmstraße 2, auf Grund des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (ROBI. I S. 1086) und der hierzu ergangenen Durchführungsverordnung vom 14. 12. 1934 (RGBI. I S. 1250) die Genehmigung erteilt, in der Zeit vom 10. bis 19. November 1950 eine Geldsammlung von Haus zu Haus unter Benutzung von Sammellisten sowie unter Benutzung von Sammelbüchsen auf öffentlichen Straßen und Plätzen durch¬ führen zu lassen. Die Genehmigung gilt für den gesamten Bereich des Landes Hessen. Im einzelnen gelten für diese Genehmigung folgende Bedingungen: a) Jeder Sammler ist mit einem entsprechenden Ausweis zu versehen, der von der Ortspolizeibehörde auszustellen ist. Die Ausweise sind nach Ablauf der Sammelgenehmigung an die ausstellende Behörde zurückzugeben. b) Die einzelnen Beträge sind in Listen gegen Quittung des Spenders einzutragen. Die Listen müssen numeriert sein und überprüft werden können. c) Die Sammler auf öffentlichen Straßen und Plätzen haben sicher verschließbare Sammelbüchsen, deren Beschaffenheit Veruntreuungen ausschließt, zu verwenden. An jeder Büchse muß der Name des Veranstalters der Sammlung deutlich sichtbar angebracht sein. d) Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei der Durchführung der Sammlungen auf öffentlichen Plätzen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mitwirken. Die Heran¬ ziehung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht gestattet. Erbach, den 2. Oktober 1950 Der Landrat
Anläßlich des 75jährigen Bestehens unseres Unternehmens sind uns von Behörden und aus Freundes-, Geschäfts- und Kundenkreisen Glückwünsche und Blumenspenden so zahlreich zugegangen, daß es uns nicht jnöglich ist, jedem einzelnen besonders zu Danken. Für alle diese Ehrungen sprechen wir auf diesem Wege unseren aufrichtigen und herzlichsten Dank aus. Baugeschäft Georg Heinrich Wolf Darmstadt, Hermannstraße 7
Betr.: Beratungsstelle für „Menschen In seelischer Not” Die nächste Beratungsstunde für „Menschen in seelischer Not“ findet am Dienstag, dem 10. Oktober 1950, 14.30 Uhr, im Kreis¬ gesundheitsamt Erbach statt. Erbach, den 4. Oktober 1950 Der Landrat
Betreffend: Aufbauhilfe — Existenzaufbau — nach § 44 SHG. Nach einer Weisung des Hauptamtes für Soforthilfe können ab sofort bis zum 13. 11. 1950 wieder Anträge auf Gewährung von Aufbauhilfe — Existenzaufbau — gestellt werden. Die Antrags¬ formulare sind von jedem Antragsteller persönlich beim Amt für Soforthilfe in Erbach abzuholen. Antragsberechtigt sind: 1. Flücht¬ linge. 2. Sachgeschädigte, 3. Spätheimkehrer, 4. pol. Verfolgte. Für die Gewährung der Aufbauhilfe müssen von den Antragstellern nachstehende Voraussetzungen erfüllt sein: a) der Antragsteller muß durch die Schädigung seinen Betrieb verloren oder einen erheblichen Schaden daran erlitten haben, oder b) bereits selbständig erwerbstätig sein, c) der Antragsteller muß nachweisen, daß er die volle fachliche Eignung für die zu fördernde Erwerbstätigkeit besitzt. Erbach i. 0., 3. Oktober 1950 — Amt für Soforthilfe —
Wedel contra Weber Vor kurzer Zeit hat der Inhaber der Firma Wilhelm Weber KG. in Groß-Zimmern gegen den Beigeordneten und Kreisdeputierten Ludwig Wedel aus Groß-Umstadt im Darmstädter Tagblatt einen Artikel „Alle gegen Alle!“ veröffentlicht, worin Wedel in den Augen der fleffentlichkeit herabgewürdigt wurde. Wedel hat deshalb gegen Weber Beleidigungsklage eingereicht. Der Inhaber der Firma Wilhelm Weber KG. hat nunmehr mit nachstehender Erklärung seine Behauptungen widerrufen und gleichzeitig Herrn Wedel berechtigt, diese Erklärung in sämt¬ lichen hessischen Tageszeitungen zu veröffentlichen: „Ich bringe hiermit zum Ausdruck, daß eine Veröffentlichung meines Artikels von mir nicht beabsichtigt war. Ich habe einen derartigen Auftrag der Redaktion nicht erteilt. Aus diesem Grunde bedauere ich. daß der Inhalt meines Schreibens durch die Drucklegung in die breite Oeffentlichkeit gedrungen ist, für die er nicht bestimmt war. Ich bedauere weiter, daß ich. nachdem ich von den Vorgängen in der Groß-Umstädter Gemeindepolitik Kenntnis erhalten hatte, in der ersten Erregung auf Grund meiner persönlichen Beziehun¬ gen zu Herrn Wedel an das Darmstädter Tagblatt den oben be¬ zeichneten Artikel schrieb. Die in diesem Artikel enthaltenen Vermutungen und Anspielungen nehme ich hierdurch zurück. Die in dem unter meinem Namen veröffentlichten Artikel genann¬ ten Gewährsmänner für meine Behauptungen waren von mir nicht über mein Schreiben an das Darmstädter Tagblatt unterrichtet und ihre Namensnennung erfolgte ohne ihr Einverständnis.“ Wilhelm Weber, Groß-Zimmern In Wilhem Weber KG.
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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 7. Oktober 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Uhr Bessunger Kirche; 17.30 Uhr Martinsstift; 20.00 Uhr Johannesgemeinde, Pauluskirche; 20.00 Uhr Elisabethenstift (Beichtgd.). Sonntag, den 8. Oktober 1950 Beitunger Kirch«: 9.30 Uhr Hgd.; 12.00 Uht Tgd.j 14.30 Uhr Kgd., Pfr. Calgan. Stadtkirche: 10.00 Uhr Hgd.: 11.15 Uhr Kgd., Pfr. Knodt. Ver. ev. Martinsgemeinde: Erntedankfest, 10.00 Uhr Hgd. m. hl. Abdm., Pfr. Widmann; 11.30 Uhr Kgd., Pfr. Widmann; 17.00 Uhr Abdgd., Pfr. Stühlinger. Matthäusklrehe: 9.00 Uhr Festgd. aus Ani. d. Einw. d. ungarn¬ deutschen Siedlung, Pfr. Stenger, Pfr. Spiegefschmidt. Johannesgemeinde: 9.30 Uhr Gd. z. Jahresfest d. Stadtmission, Pfr. Blümler, Oppenheim; 11.00 Uhr Kgd.. Pfr. Jeaschko. (tägl. 7.30 u. Do 6.45 Morgengebet i. Gemeindehaus; Mi 20.00 Uhr Gemeindeabend: Film d. ev. Hilfswerks: „Es war ein Mensch“.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd.; 11.15 Uhr Kgd., Pfr. Orth. Pauluskirche: 8.30 Uhr Chr. L.; 9.30 Uhr Hgd., Pfr. Britz: 11.00 Uhr Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abdm.; 11.00 Kgd. Stadtmission- Jahresfest, Kahlerstraße 24; 9.30 Festgd., Pfr. Blümler, Opnenheim; 15.00 Jahresfestfeier; 17.00 Feier d. lu¬ gend ni. Lichtbildern, Reichstagung Hannover: 11.00 Kgd. in der Mühlstraße 24: (Mo 20.00 Uhr Missionsabend d. Basler Mission, Insp. Kurz Basel; Do 20.00 Bibelstunde). Darmstadt-Eberstadt: 7.30 Ev' M.: 9.45 Hgd.; 11.15 Kgd. ” Darmstadt-Arhellgen: 8.00 Schloßkirche Kranichstein; 10.00 Hgd.; 11.15 Kgd.; 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft; 15.00 Ev. Frauenhilfe. Katholische Gottesdienste Sonntag, den 8. Oktober 1950 St. Ludwig (Nleder-Ramstätlter Straße): 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Hochamt m. Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.: 18 00 Rosenkranzandacht. (Werktagsgd.: tägl. 645 u. 7,30 hl. M.; Beichte: Sa v. 18—20 Uhr; Rosenkranzandachten Di u. Fr 19 30 ) Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.: 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kgd. m. Anspr.; 18.30 Andacht. (Werktags: tägl. hl. M. 6.30; Di, ML Fr u. Sa 2. hl. M. 8.05; Do 19.00 Jugend- u. Kindermesse; Jed Mi 8.05 Gem. M. f. d. Frauen.) St. Elisabeth: 6.30 Frühm.; 7.45 Singm. m. Pr. u. gern. Komm, d. Männer; (anscht. Vers. d. Männerwerks i. Vereinshaus): 9.00 Kgd.; 10.00 Hochamt m. Pr.; 20.00 Rosenkranzandacht m. Anspr.; (Di u. Do 18.00 Rosenkranzandacht m. Segen; Beichtgel.- Sa 16.30—18.30 u. 20.00). St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. 6. Schwest. (Feldberg¬ straße 32): 6.45 Beichte: 7.30 Singmesse m. Pr. u. Jugendkomm.; 8.45 Kinderm m. Pr u. Komm.; 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm.; 18.00 Rosenkranzandacht m. Segen. (Tägl. 18.00 b. d. Schwe¬ stern Rosenkranzgebet: Beichte: Sa. v. 17—19 Uhr u. ab 20.00 u. werktags vor jed. hl. Messe.) Darmstadt-Eberstadt: 7.00 Gem. M. d. Männer: 9.30 Hochamt m. Pr.; 18.45 Rosenkranzandacht m. Segen. (Werktags: 7.00 hl. Messe oder Amt; Di 18.00 u. Fr 19.30 Rosenkranzandacbten.) Darmstadt-Arhellgen: 7.00 hl. M.; 8.30 Kgd.; 9.45 Hochamt; 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ. Scientlst, Taunusstraße 401: Sonntags¬ gottesdienst 14.30; Mittwoch 18.30 (Zeugnisversammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 So 10.00: Di 7.00; Mi u. Sa 8.00 Menschenweihehandlung. kann immer größer werden und es besteht die Möglichkeit einer Brucheinklemmung, wenn Sie ein schlechtsitzendes Bruchband tragen. Schon Tausenden konnte ich helfen, und auch Sie werden überrascht sein, wie leicht und bequem sich Ihr Bruch zurück¬ halten läßt. Durch meine Spezialbandagen sind nachweisbar viel¬ fach sogar Heilungen erzielt worden. Machen Sie sich das Leben leichter und quälen Sie sich nicht unnötig ... auch für Ihren speziellen Fall gibt es eine Hilfe. — Kostenlose und unverbindliche Sprechstunde in ■roß-Gcrau: Mo., 9. Okt., von 14—18 Uhr im Gasthaus zum Jägerhof, am Bahnhof. Darmstadt: Di., 10. Okt., von 9—ll Uhr fm Hotel zur Post. Bentheim: Di.. 10. Okt., von 12—14 Uhr im Bahnhofshotel. Heppenheim: Di., 10. Okt., von 15—18 Uhr im Hotel Lammert. Ludw. Ruffing, Spezial-Bandagen, Xöln-Delibrück "Bensberger Marktweg 25
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UNSER HEIMATLAND
Auf den Spuren der Römer
In der Waldeinsamkeit des Kastells Hainhaus im Odenwald
Auf der Wasserscheide zwischen Mümling und Main, etwa anderthalb Wegestunden von Bad König entfernt, liegen, von dichtem Forst umgeben, auf einer Waldlichtung die Reste des Römerkastells Hain* haus. Vielen ist diese Stätte als Wanderziel oder Erholungsaufenthalt bekannt, aber nur wenige wissen um die große Vergangenheit des stillen Platzes.
Nichts stört die ideale Ruhe der Waldeinsamkeit, nur die Vögel zwitschern ihr Lied, und von ferne erklingt das monotone Hämmern des Spechtes, der seine Nahrung sucht. Dort, wo heute die Schritte des Wanderers auf dem Waldboden gedämpft verklin* gen, hallten vor zweitausend Jahren die Tritte römi* scher Legionäre.
Hainhaus liegt am Limes, dem römischen Grenz* wall gegen die noch nicht unterworfenen Germanen im Osten dieser Linie. Zusammen mit den Kastellen Eulbach und Würzberg hatte es die Aufgabe, den Grenzwall in seinem Verlauf auf den Höhen des Odenwaldes zu schützen. Durch in bestimmten Ab* ständen voneinander errichtete Wachttürme war die Grenzlinie weiter ausgebaut. Diese Türme waren zu* nächst einfache Holzbauten, auf einem Fundament von Trockenmauerwerk errichtet; sie wurden später durch steinerne Türme ersetzt, die mit Palisaden* schütz und Gräben versehen waren. Gleichzeitig mit ihnen baute man um das Jahr 150 n. Chr. auch den Palisadenzaun mit Graben, der den eigentlichen Limes, den Grenzwall, bildete. Der Palisadenzaun ist natürlich heute verschwunden, seine Lage aber noch durch eine grabenartige Vertiefung längs des Verbindungsweges markiert.
Allerorten im Limesbezirk findet man auch noch Reste der Wachttürme, die oft sehr schwer aufzufinden sind. Auch in der Nähe des Hainhauses findet man noch einen solchen Turm, er liegt nördlich der Waldlichtung, auf der das Kastell sich einst befand. Das Fundament ist noch gut erkennbar, so daß die Anlage rekonstruierbar ist.
In vorrömischer Zeit schon wird Hainhaus als germanische Richtstätte erwähnt. Als Kastell hatte es verschiedene Aufgaben zu erfüllen: Es war Militärlager, Siedlungsstelle und Hochgericht. Schottische Legionäre bildeten die Besatzung. Als der Limes an die Mainlinie vorgeschoben wurde, blieb die Be=Satzung in dem jetzt nicht mehr militärisch benutzten Kastell. Sie siedelte dort und errichtete sich eine dauernde Bleibe, kehrte also nicht mehr in ihre Heimat zurück.
An die Gerichtsbarkeit auf diesem Platze erinnern noch heute sechs Steinsessel, die wohl als Richter* sitze dienten. Sie sind das dem Besucher der Stätte wohl zuerst auffallende, wenn auch nicht das einzige Merkmal. Die Richtstätte selbst lag nahe beim Kastell, das durch drei Tore nach außen abgeschlossen war. Die Richtung der Mauer ist als wallartige Erhebung noch gut erkennbar. Der Boden der Waldwiese läßt kaum ahnen, daß er noch Teile des alten Kastells birgt, tatsächlich liegen aber unter dem Rasen noch Gesteinstrümmer, die zwar zu einem Teil von einem abgebrannten Forsthause stammen, zu einem großen Teil jedoch römischen Ursprungs sind.
Ein Bad sorgte für die Hygiene unter den Le* gionären. Auch hiervon sind noch geringe Reste vor* handen, die sich ebenfalls in der Nähe des Kastells befinden. Die beiden Haupträume des Bades waren durch Hohlziegel im Fußboden und in den Wänden heizbar. Die Beheizung erfolgte durch Heißluft. Der dritte Raum des Bades umfaßte neben dem Ankleide* raum noch ein gemauertes Becken für kalte Bäder. Ein solches Bad, wie es hier am Beispiel Hainhaus geschildert wurde, gehörte übrigens zur Einrichtung fast aller Kastelle am Limes und kann gut im ehe* maligen Militärlager Würzberg studiert werden, wo die Fundamente noch recht gut erhalten sind.
Einhundertundsiebzig Jahre herrschten die Rönet in unserem Odenwald, und in dieser Zelt schulen sie nicht nur militärische Anlagen, sondern besiedeln und kultivierten das Land in steigendem Maße. 260 n. Chr. überrannten die Alemannen den Limes, und die römischen Legionäre mußten das GeHel räumen, das sie mit so großem Erfolg lange behauptet hatten. Es wurde wieder still ums Hainhaus, moridi sanken im Lauf der Zeiten die Pfähla der Palisa® zusammen, Regen und Sturm brachen die Kraft let Mauerwerke und ließen die Arbeit der 170 Jahre ® sammensinken. Von Efeu und Brombeergestrüpp wu wuchert und mit Farnen bestanden liegen die Zeusp der Römerherrschaft im Dunkel des Waldes. Bet Wanderer aber rastet gerne, um sich sinnend iit bemoosten Wälle und die im Volksmund als „Rön® gräber" bekannten Hügel, die Reste der ehemalijer Wachttürme zu betrachten. Vor seinen Augen Steiper dann die Gestalten aus der großen Vergangenen der Odenwaldheimat auf, erstehen die alten Waat> türme und Kastelle wieder und hoch lodern von een Bergen die Signalfeuer. Und langsam sinkt der Train wieder in Asche zusammen. Uebrig bleibt nur las immerwährende Rauschen des Waldes, in des«) Baumkronen der Wind sein Lied singt. o.
Im Ried wird Tabak geerntet
Wer in diesen Tagen über die Felder von Lorsch, Einhausen und Lampertheim geht, dem steigt der würzige Tabakduft der neuen Bürley=Sorte in die Nase. Ueberall liegt er auf den Feldern und kündet, daß auch für den Tabakbauer die Erntezeit ange* brochen ist. Die starken Raucher werden sich freuen zu hören, daß der Ertrag um etwa ein Drittel höher liegt als im Vorjahre, und daß neben dem jetzt geernteten Sandblatt auch das Hauptblatt sehr schön steht.
Am frühen Morgen fährt der Tabakbauer mit seinen Leuten — meist sind es Arbeiterinnen — auf die noch taufrischen Felder mit ihren oft fast manns* hohen Pflanzen. Während dann Reihe für Reihe die goldgelben Sandblätter abgeerntet werden, geht zu* gleich ein Mann über den Acker, der die Pflanzen köpft, d. h. den Blütenstand abschneidet, damit das Hauptgut besser auswächst. Die Arbeit des Tabak* pflückens selbst wird fast ausschließlich von Frauen geleistet, die in vielen Fällen Hosen tragen. Das ist zweckbedingt, denn beim Pflücken werden die ab* gemachten Blätter jeweils zwischen die Beine geklemmt, bis ein größeres Bündel beisammen ist, welches dann am Ackerrande abgelegt und auf den Wagen verladen wird. Das Wetter hat in diesem Jahre die Blätter besonders groß werden lassen. Die Arbeiterinnen haben deshalb gut schwatzen und singen bei der Ernte. Daran können sie auch die
schwarzen Hände, die eine unangenehme Begleit* erscheinung beim Tabakpflanzen sind, nicht hindern. Wenn dann um die Mittagsstunde der vollbeladene Wagen heimwärts fährt, wartet in den meisten Gehöften schon jung und alt auf die Fuhre, und wäh* rend die Pflückerinnen vom Morgen sich eine kurze Mittagspause gönnen, beginnen di?/ anderen schon mit dem „Nähen". Blatt für Blatt wird „gestubbt", d. h. mit einer langen Nadel am Stielende auf kräftige Fäden aufgereiht und beiseite gelegt. Eine fertige Reihe legt sich auf die andere, und in gemeinsamer Arbeit kommt man in den Nachmittagsstunden zum Ende. Der Bauer aber und seine Gehilfen hängen die kostbaren Blätter hoch im Dachfirst der Scheune oder in Tabaktrockenschuppen auf, wo sie dann zu* sammen mit dem am Boden ausgebreiteten Grumpel trocknen und im warmen Sommerwind ihrer Boni* tierung im Spätherbst entgegenbaumeln. ms.
Hans Folz „von Worms“
Die Brüder Grimm, die aus Hanau stammen, haben nicht bloß Märchen gesammelt und aufgeschrieben, sie haben auch ein „Deutsches Wörterbuch" begönnen, das immer noch nicht abgeschlossen ist. Als vor etwa 25 Jahren der Artikel „Weinglas" für dieses Grimmsche Wörterbuch zu schreiben war, ordnete der bekannte Gießener Wortforscher und Universitätsprofessor Dr. Alfred Götze, der Nachfolger Geheimrat Behaghels, der damit beauftragt worden war, seine im Laufe von Jahrzehnten gesammelten „Weinglas"=Belege. Der älteste Beleg, der obenauf lag und in der bald angelegten „Weinglas"* Kartothek ganz vorn stand, führte nach Nürnberg und in das Ende des 15. Jahrhunderts. Ich sehe ihn noch deutlich vor mir, diesen Beleg Nr. 1, auf dem Professor Götze, der jahrzehntelang Bibliothekar an der Universitätsbibliothek in Freiburg im Breisgau war, mit seiner peinlich genauen lateinischen Schrift vermerkt hatte:
„Darnach ein jeder zum Weinglas greif Und sauf nit mer, dan drin müg sein ..."
Dieser Beleg stammte aus einem Fastnachtsspiel des angesehenen Nürnberger Barbiers, Wundarztes und Meistersingers Hans Folz von Wurmß, also eines Mannes aus Worms oder — wie die neuere Forschung meint — aus der Umgegend von Worms. Dieser Hans Folz nahm unter den berühmten Meistern der Nürn* berget Singeschule eine besonders angesehene Stelle ein. Er war wesentlich älter als Hans Sachs und ent Art Vorläufer und Vorbild dieses großen Voll« dichters. Während Hans Sachs von 1494 bis gelebt hat, wissen wir von Hans Folz nur, daßel von 1470 bis zu seinem Tod im Jahre 1515 in Nünj berg gewirkt hat'. Er hat zahlreiche Werke verfall: Schwänke, Fastnachtsspiele, Meisterlieder, Kam® gespräche, Rätsel und Neujahrsgrüße. An dieai Dichter erinnert in Worms das schlichte Hans=F<ln Gäßchen in der Wormser Altstadt, das Färbergas: Nr. 51 beginnt und nach der Schlossergasse führt.
Kaspar Scheidt aus Worms
Professor Götze konnte an Hand seiner zahlreich „Weinglas"=Belege zeigen, wie von Nürnberg cis» strahlend das Wort „Weinglas" in Deutschland ;ebraucht wurde und sich durchsetzte: in Augsbit^ Anno 1521, in Weimar Anno 1525, in Ostfrana Anno 1524, in der Wetterau Anno 1540 und il Worms Anno 1551! Es war der Wormser Lell und Dichter Kaspar Scheidt, der im „Grobiams einer Unterweisung über das Benehmen bei Tia voller Ironie bemerkte:
„Allzeit behalt mit ernst die zwey, Das weinglas und das gröst geschrey .. .*
An Kaspar Scheidt, der diese schönen Verse Arn 1551 schrieb, erinnert die Scheidtstraße in Worili die von der Speyerer Straße in östlicher Richtig nach der Gutleutstraße führt. Scheidt, der ein Vsi wandter des sprachgewaltigen Mainzer Schriftstehl Johann Fischart war, lebte bis 1565.
Die ersten 60 Wein=Gläser — Anno 14
Professor Gotzens früheste Nachweise für la Wort „Weinglas" führen in bürgerliche Kreise, i denen das künstlich hergestellte und leicht zerbrdi liehe Weinglas bis ins 16. Jahrhundert hinein li Luxusartikel gewesen ist. Die Fürstenhöfe waren la mit — genau wie mit anderem Tafel=Luxus, beispils weise der Gabel — vorangegangen, und zwar betiij ihr Vorsprung beim Weinglas etwa fünfzig Jah In einer Abrechnung der Vogtei Saalfeld von An 1440 ist zu lesen: „20 Groschen für ein Schock VI glas". — In Arnsburg an der Orla hielt Kurftr Friedrich am 4. Oktober 1440 Hof. Zu dieser Fs lichkeit waren die ersten sechzig Weingläser zu i fern, von denen wir auf deutschem Boden ausdrit lieh erfahren.
Alfred Götze, der vor fünf Jahren in Gießen sM schloß seine Weinglas=Forschüngen mit der Beni kung ab: Man wird behaupten dürfen, daß für 1 Deutschen die Neuzeit begann, als sie die mil( alterlichen Becher beiseite schoben und beganit den Wein aus Gläsern zu trinken.
Es ist schade, daß der große und unermüdlä Gießener Wortforscher nicht mehr das im Ani befindliche „Rheinhessen=Glas" erleben konnte, dem Rheinhessischen Weinbauverband sein Entst^ verdankt, er hätte bestimmt eine neue Kartoti dafür angelegt und alle Ausdrücke, die in Rhi hessen dafür geprägt werden, sorgfältigst gesamnt Wie es wohl zunächst heißen wird, dieses fant „Rheinhessen=Glas", dessen Aufgabe es sein wo „den freundlichen und wohlbekömmlichen rheinheii sehen Weinen die weingerechte Fassung zu geben
Frauen IM STURM DER ZEITEN
VON PETER GRIESENBRUCHWir beginnen heute mit dem Abdruck einer historischen Artikelserie, in der das Schicksal bekannter Frauen der Weltgeschichte aufgerollt wird. Der Verfasser hat die Charaktere dieser Frauen so plastisch gezeichnet, daß wir ihr Schicksal so stark erleben und erfühlen, als seien wir persönlich beteiligt. Im Hintergrund der Geschehnisse lodern die Fanale staatlicher und monarchischer Wirrnisse. Die Serie beginnt mit dem Lebensweg der Marie Antoinette, der unglücklichen Gemahlin Ludwigs XVI. von Frankreich
Eine Fünfzehnjährige heiratet...
io. Mai 1770. Die Frühlingssonne übergießt den Rhein mit einem goldenen Schein; herrlich steht der durchbrochene Turmhelm des Straßburger Münsters gegen den blauen Himmel. Einer der schönsten Tage für diese gesegnete Landschaft ist angebrochen. Vom linken Ufer her bewegt sich ein Nachen in gemächlicher Fahrt zur Mitte des Stromes, zu einer der Sandinseln hin. Er ist gefüllt mit jungen Männern in bürgerlicher, aber gewählter und zum Teil reicher Kleidung. Deutsche Studenten der Universität S raßburg fahren zu dem Bau, der auf der Insel errichtet worden ist, weil dort in einigen Stunden die Tochter ihres verstorbenen Kaisers dem französischen Hofe übergeben werden soll. Von hier aus wird sie dann weiter geleitet werden nach Versailles, wo ihr künftiger Gemahl, der Kronprinz Ludwig von Frankreich, der Enkel des Königs (dem sein Sohn allzufrüh verstarb) sie bereits erwartet.
Die jungen Männer wissen genug von Hof- und Staatsangelegenheiten, um sich ein Bild davon machen zu können, welch ein großes, Europa aufregendes z Ereignis sich hier abspielen soll. Der allmächtige Minister am Hofe von Versailles, der Herzog von Choiseul, ist der jahrhundertelangen Feindschaft Oesterreichs mit Frankreichs müde gewesen, er hat die Heirat zwischen dem Kronprinzen Ludwig und der Erzherzogin Marie Antoinette vermittelt. Freilich, wirklich umzustimmen hat der kühle Rechner den Hof nicht vermocht. Der König hat sich seinem überlegenen Willen gebeugt; in seiner Umgebung ist doch kaum einer, der dem Hause Habsburg wohlgesinnt wäre. Am liebsten möchte man diese politische Heirat wieder rückgängig machen. Aber das wäre eine zu offenkundige Beleidigung des angesehensten Fürstenhauses Europas, und derlei tut man licht in diesem monarchischen Europa.
Wohl, man führt zuweilen miteinander Krieg und «rgießt das Blut von Hunderttausenden und gibt Millionen von Talern aus, um dem andern, dem be> aeideten Fürstenhause zu schaden; aber beleidigen., las wäre undenkbar, auf einen solchen Plan kommt m Ernst niemand. Darum wird Marie Antoinette lech in einigen Tagen eintreffen, um aus einer »sterreichischen Erzherzogin und deutschen Kaisertochter eine französische Kronprinzessin und die Schwiegerenkelin des regierenden Königs zu werden. Seit Wochen ist sie bereits aus Wien mit ihrer Begleitung unterwegs, dreihundert Wagen zusammen, würdiges Gefolge für eine junge Dame, die mit ihren loch nicht fünfzehn Jahren zwar eigentlich noch ein Kind, aber eben eine Erzherzogin ist und eines Tages Königin sein wird. Und während die Finanzminister les Kaisers in Wien und des Königs in Versailles lohnen vor ihren leeren Kassen, und während ihre Untertanen jammern unter der furchtbaren Last der Steuern, sind in beiden Ländern bereits Millionen lusgegeben für prunkvolle Abschiedsfeiern und die Vorbereitung ebenso prunkvoller Empfangsfestlich-Leiten, für Girlanden und Teppiche und Bauten und festrr .der und Festgewänder. Und wenn Trinkiprücne zu feurigem und altem Wein, wenn Fest¬ ;edichte von Bischöfen und Grafentöchtern, wenn ier Kerzenglanz über Galagewändern und entblößen Schultern wirklich Glück versprächen, dann müßte ie junge Braut, die ihren Gemahl noch nie gesehen at, die glücklichste Ehefrau in beiden Ländern /erden ....
Vorahnung.. .
Während sich die jungen Leute über die junge rzherzogin und den Ruf ihrer Anmut unterhalten, ;t der Nachen ganz an die Insel herangekommen, ind schon sieht man durch das niedrige Gebüsch das deine Holzhaus schimmern, das dort in den letzten Vochen angelegt worden ist. Denn (so haben die iöflinge beider Reiche in monatelangen Beratungen ur tiefen Befriedigung aller Sachverständigen der Etikette herausgefunden), man muß einen Platz haben, auf dem die Braut gleichsam sinnbildhaft den deutschen Boden verläßt und sich ihren neuen Landsleuten ergibt. Dafür ist dieses Holzhaus mit» ten im Rhein, mitten zwischen Deutschland und Frankreich erbaut worden. Ganz Straßburg spricht von der Schönheit und der Kostbarkeit seiner Aus» stattung. Darum sind die deutschen Studenten ge» kommen, um den Platz zu sehen, an dem die Tochter ihres Kaisers nun bald Französin werden und damit erst recht eigentlich die Braut des künftigen Königs werden soll.
Aber wie sie an dem sandigen Ufer anlegen wol» len, springen zwei uniformierte Wächter aus dem Gebüsch mit Gewehr und kurzem Säbel bewaffnet, sie sind sehr unwirsch, sie rufen rauh und heftig den Studenten zu, daß sie hier nichts zu suchen hat» ten, daß es für einfache Bürgersleute verboten sei, hier zu landen und das Holzhäuschen zu besichtigen. Doch die Studenten bleiben gelassen, sie rufen heiter und unbekümmert zurück, sie scherzen mit den schnauzbärtigen Hütern der Insel, und jetzt zieht einer lachend einige Silberstücke aus der Tasche und läßt sie in der Sonne funkeln. Die Gesichter der beiden Wächter sind mager und von Not gezeichnet, ihre Gestalten dürr; man sieht ihnen an, daß sie und ihre Kinder nicht im Ueberfluß schwelgen; ihre Augen leuchten auf, als sie das Geld erblicken, sie sehen erst einander und dann die Studenten unschlüs» sig an, dann halten sie ihre Hand hin. „Also schön — weil Ihr gar so artig gebeten habt — aber laßt Euch nicht erwischen."
Und nun gehen die jungen Leute durch das Holz» haus und bewundern die höchst sinnreiche Anlage, von den gräflichen Zeremonienmeistern in langen Beratungen ersonnen, ein Triumph der internatio» nalen Etikette. Nach Osten, nach Kehl zu, liegen zwei kleine Räume; hier wird bald Marie Antoinette mit ihrem Gefolge hingeführt werden, wenn man sie vom Ufer herüberrudert. In der Mitte liegt ein großer Saal, wieder in dessen Mitte steht ein großer Tisch: die symbolische Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Hier, an diesem Tisch, wird die Erz» Herzogin von ihrem Gefolge den französischen Her» ren und Damen übergeben werden. Hier wird es sich vollziehen, daß sie aus einer österreichischen Erz» Herzogin eine französische Kronprinzessin wird. Und nach Westen, nach dem Straßburger Ufer, liegen wieder zwei kleine Räume; hier wird Marie»An» toinette zum ersten Male unter lauter Franzosen sein, wenn sich ihr deutsches Gefolge verabschiedet haben wird.
Die jungen Studenten sind Söhne eines sich verwandelnden Zeitalters, von dem die Inhaber der Throne nicht viel ahnen. Sie spüren revolutionäres Feuer in ihren Adern, und sie spotten über diesen Triumph der höfischen Etikette. Auer ihre Aufmerksamkeit wird schnell abgelenkt durch den Anblick des Innern dieses kleinen Hauses, in das die reichen Straßburger Bürger ihre herrlichsten alten Möbel geliehen haben, während die Wände von der glühenden Farbigkeit der Teppiche geschmückt werden, die der Bischof zur Verfügung gestellt hat. Diese Teppiche vor allem sind es, die Bewunderung und Entzücken in den Studenten erregen. Vor allem einer von ihnen, einer mit dichtem braunen Haar, einer herrlichen Stirn und leuchtenden Augen, ist ganz trunken von so viel Schönheit und preist sie in feurigen Worten. Aber jäh hält er inne, und seine Stirn umwöikt sich. Sein schweifendes Auge hat jetzt erst aufgenommen, was die Bilderfolge der Teppiche auf der einen Längswand schildert: die Hochzeit Jasons mit Kreusa nach der alten griechischen Sage. Er sieht wohl den Ausdruck des Verlangens und des Glückes in dem Brautpaar, aber er sieht auch das entsetzliche Ende: Gattin und Kinder, in Qualen sich windend, durch die Nebenbuhlerin getötet, den Gatten selbst dann in lauter Verzweiflung sich selbst entleibend: die unheilvollste Hochzeit, von der das alte Griechenland gewußt hat.
Mit zornigen Worten schilt jetzt der junge Mann die Torheit der Behörden, die die junge Prinzessin bei ihrem Eintritt in das Land ihrer Zukunft mit so unheilvollen Zeichen schrecken. Muß man einem jungen Mädchen ein düsteres Gespenst bis an die Grenze entgegenschicken? Seine Freunde stimmen ein; aber dann führen sie ihn fort, sie zeigen ihm und sich die Schönheiten, die Bilder, die Sessel, den Damast der Bezüge, das Gold, mit dem das Holz verkleidet ist, sie sind bald wieder so munter und fröhlich wie vorher.
Aber die Wolke auf der Stirn des braunhaarigen Jünglings will nicht weichen, und noch wie sie sich wieder einschiffen, liegt ein düsterer Zug auf Seinem Gesicht.
Dieser junge Mann ist Student der Rechte, Sohn eines Kaiserlichen Rats aus Frankfurt, sein Name ist Johann Wolfgang Goethe. Manche seiner Freunde halten ihn für ein Genie, und sie sagen von ihm, daß sein Blick tiefer sehe als der anderer Leute...
Allein...
Wenige Stunden später ist alles wie verwandelt auf der Insel. Weiße, rote, blaue Uniformen schimmern auf, leuchtender scheint die Gold- und Silberstickerei auf den Galakleidern der Höflinge; bezaubert aber wird das Auge von den zarten Pastellfarben der Kleider von Hofdamen und Kammerfrauen. In dem östlichen Teil des kleinen Holzhauses, der den Deutschen vorbehalten ist, steht die fünfzehnjährige Erzherzogin inmitten ihres Hofstaates. Ihr schlanker Jungmädchenkörper zittert ein wenig wie von Sorge, die Hände spielen miteinander, als sollten sie Furcht verbergen, die Wangen glühen, und die Augen suchen in angstvoller Scham die Gesichter ihrer Umgebung. Mütterlich neigt sich die Gräfin Trautmannsdorf zu ihr hernieder: „Es hilft nichts, Kaiserliche Hoheit", sagt sie, und „es wird auch gleich vorüber sein."
Es wird gleich vorüber sein ... Nach uralter Sitte muß jede Prinzessin, und sei sie die Tochter des mächtigsten Fürsten der Erde, beim Betreten französischen Bodens ihre heimatlichen Kleider abstreifen und ein französisches Gewand anlegen; so will es das Gesetz, so will es die Nation, die nicht dulden kann, daß auf ihrem Thron jemals eine Frau sitzen solle, die nicht ganz und gar Französin ist. Noch vor der Heirat muß eine sinnbildhafte Handlung von der Verwandlung Kenntnis geben. Oft genug hat man es Marie Antoinette gesagt, sie hat diese Pflicht längst begriffen, aber da sie sich nun dazu verurteilt sieht, sind ihr doch die Tränen nahe.
Da nahen auch schon die Kammerfrauen, und während der Hofstaat taktvoll zur Seite blickt, fallen die Gewänder, fallen auch Hemd und Strümpfe. Für einen Augenblick leuchtet der weiße Körper des Mädchens in den Raum; dann ist es auch schon wieder neu gewandet mit den Kleidern, die ihm der königliche Schwiegergroßvater bis hierher geschickt hat. Und als Marie Antoinette an der Spitze ihres deutschen Gefolges den Mittelsaal betritt, in dem die Franzosen schon auf sie warten, ist sie bereits in den Kleidern eine französische Prinzessin geworden.
Tief neigen sich Hofherren und Hofdamen aus Versailles, als ihre künftige Königin ins Zimmer tritt. Das Gesetz der Etikette, das für sie heilig ist, zwingt ihren Nacken; ihre Herzen zwingt es nicht. Fortsetzung folgt
Jagendbildnis der Marie Antoinette
IM SCHLANGENZOO VON BUTANTAN
25 000 Reptilien beherbergt die berühmte brasilianische Schlangenfarm
I n dem hügeligen Gelände der brasilianischen Pro* •"“vinz Sao Paulo führen 300 Mediziner und andere Wissenschaftler einen unermüdlichen Kampf um einer furchtbaren Gefahr Herr zu werden. Sie droht der Landbevölkerung dieser Gegend in der Gestalt von Giftschlangen, deren Biß innerhalb weniger Stunden den Tod zur Folge haben kann.
Ein auf einer Kaffeeplantage beschäftigter Arbeiter wurde unlängst von einer Giftschlange in den Arm gebissen. Man fuhr sofort zum Krankenhaus von Butantan und brachte ihn in einen Saal, in dem eine lange Reihe von Glasgefäßen aufgestellt war. Sie ent* hielten Giftschlangen der verschiedensten Gattungen. Der Kranke wurde aufgefordert, an Hand dieser le* benden Kartei den „Bruder" des Reptils zu bezeichnen, das ihn gebissen hatte, damit ihm das richtige Serum verabfolgt werden könnte. Er tat es, und so wurde ein Menschenleben gerettet.
Der Fall ist typisch für die schnelle und beherzte Art der ärztlichen Hilfe des brasilianischen Schlan* geninstituts. Die Forschung der dort arbeitenden Wissenschaftler, die sich vor allem auf das Gebiet der Giftschlangen erstreckt, sich aber auch auf die meistverbreiteten Tropenkrankheiten wie Cholera, Pest und Lepra ausdehnt, hat das Institut weltbekannt gemacht
Die in seinen Laboratorien hergestellten Sera und Antitoxine (Gegengifte) gehen in fast alle Länder der Erde. In der Versandabteilung liest man auf den verschiedenen Sendungen Bestimmungsorte wie Born* bay, Kapstadt, Manila, Schanghai, Kairo usw. Eine Epidemie bricht in Hongkong aus: sofort schickt Butantan auf dem Luftwege die geeigneten Impfstoffe. Aus Rio wird ein bestimmtes Serum angefordert: in weniger als einer Stunde startet bereits ein Flugzeug in Richtung Hauptstadt.
Zu dem Institut von Butantan, das oberhalb Sao Paulos inmitten eines 450 Hektar großen und in 800 Meter Höhe gelegenen Anwesens liegt und vor einem halben Jahrhundert gegründet wurde, gehören La* boratorien, Forschungsstätten, Krankenhäuser und naturwissenschaftliche Museen, alle mit den mo* demsten Geräten und Klimaanlagen ausgestattet. Die wichtigste Abteilung ist jedoch die Schlangen* Zuchtanlage, die bedeutendste in der Welt.
Mehr als 25 000 giftige und ungiftige Reptilien aller Arten werden dort in kleinen Hütten gehalten und aufgezogen. Sie sind der Obhut erfahrener Wärter anvertraut, deren Arbeitskleidung aus einer Reithose und über die Knie reichenden Stiefeln besteht. Staunend betrachten die zahlreichen Besucher, die nach Butantan kommen, die sich in der Sonne wärmenden Klapperschlangen oder die sich um die Bäume windenden Riesenpythons. Ihre Augen folgen den geschickten Bewegungen eines Wärters, der sich einer zweieinhalb Meter langen Schlange bemäch» tigt, als ob dies das einfachste auf der Welt wäre, ihr die Kinnbacken öffnet und aus ihren Eckzähnen vorsichtig das Gift entnimmt, das später zur Serum» herstellung verwandt werden soll.
Außer diesem Schlangenzoo befindet sich in Butantan ein naturwissenschaftliches Museum, das für das Studium aller sonstigen Arten von giftigen Lebe* wesen wie Spinnen, Skorpionen und anderen gefährlichen Insekten bestimmt ist. Es sind auch Ställe und Weiden für Pferde vor* handen, die für Versuche mit Vakzinen und Anti* toxinen dienen, mit denen man die tödlichen Krank* heiten bekämpfen will. Tausende von Menschen in aller Welt verdanken ihr Leben den in Butantan hergestellten Impfstoffen.
Beim Gang durch das Laboratorium trifft man auf Aerzte und Forscher aus zwölf verschiedenen Ländern, die Experten auf den mannigfaltigen Ge bieten der Giftkunde sind. Dieser Gelehrte mit de grauen Schläfen z. 8., der gerade damit beschäftig ist, eine Flüssigkeit auf dem Bunsenbrenner zu ei wärmen, hat dreißig Jahre seines Lebens dem Stu dium der Tropenkrankheiten gewidmet. Im anlic genden Laboratorium arbeitet ein Chemiker, der vo dem Kriege einer der größten deutschen Spezialisten auf diesem Gebiet der Wissenschaft war. Nebel ihm vervollkommnet sich ein junger chinesischer Che miker in seinem Sonderfach. Man könnte Dutzend: von Namen und Spezialgebieten nennen. Gut sech bis sieben Sprachen hört man in Butantan, doch dii Sprache der Wissenschaft bleibt universal. A. R. I
Oben, von links nach rechts: hier sitzt der Giftzahn orientalischer Schlangenbeschwörer, für den die Rep tilien Spielzeug sind; ein gefährliches Experiment Unten: Butantan im Staate Sao Paulo. Aufnahmen: Jun;
VERLORENE HEIMAT
Ostpreußen Lans der Tehnsucht
Wer kennt es nicht, das alte, schlichte Heimatlied )stpreußens: .Land der dunklen Wälder". Mit wel=Ker Inbrunst wird es heute immer wieder bei den kimatvertriebenentreffen gesungen. Welch tiefes kimweh klingt leise in uns nach, wenn die letzte trophe verklungen ist.
„Erst wenn Du in der Fremde bist, weißt Du, wie chön die Heimat ist", stellte einst ein Redner an den (fang seines Vortrages, und er hatte eigentlich 1 Wahres damit gesagt. Richtig bewußt wird dem snschen das Schöne erst, wenn er es verloren hat. er dem ist nicht ganz so. Wir liebten und ver» rten schon immer unser Ostpreußen. Nur war les durch den Alltag und seine Sorgen nicht immer hervorgehoben.
Ostpreußen, einst die Kornkammer Deutschlands, * seinen lang dahinziehenden Getreidefeldern, dem Weideland und den dunklen, unendlich ausgedehnten Wäldern. Die großen und kleineren Güter und die Bauernhöfe boten den Anblick eines gediegenen Wohlstandes.
Herrlich schön waren in den Sommertagen die Spaziergänge durch Wald und Flur. Welch wohliges Gefühl war es, an einem warmen Sommertag im Schatten des Waldes zu liegen. Hoch über uns der blaue Himmel, das einschläfernde Rauschen in den Gipfeln der hohen Kiefern» und Fichtenstämme und dazu der reine harzige Duft des Nadelwaldes. Oder wie war es, wenn wir uns mit all unserer Kraft gegen den Nord=Ost=Sturm stemmten und am Ost» seestrand auf der Kurischen Nehrung oder an der Samlandküste dem Tosen der Wellen zusahen. Der schäumende Gischt ging hoch über die Molen hinweg, und mancher Spritzer erwischte uns, weil wir vor Begeisterung verfehlt hatten, das Weite zu suchen. Wie stolz waren wir, wenn es uns gelungen war, im Elchrevier auf der Kurischen Nehrung einen Elch zu Gesicht zu bekommen. Wenn er seinen schmalen Kopf mit dem gewaltigen Geweih hob und uns mißtrauisch ansah, um dann — man könnte fast sagen — mit majestätischer Haltung sich in das Dik» kicht des Waldes zurückzuziehen.
Waren diese kleinen Erlebnisse nicht schön, fühl» ten wir uns nicht irgendwie geborgen und glück» lieh, dieses Land unsere Heimat zu nennen? Welch eine seltene Schönheit barg das Masuren» land mit seinen vielen großen Seen und den dunk» len, schweigsamen Wäldern! Ein kleines Paradies für sich, das sich in den Sommermonaten eines regen Besuches erfreute. Von ganz besonderem Reiz waren stets die Ferien an der See, sei es in den Bädern des Samlandes oder der idyllischen Kurischen Nehrung. Weiße und bläulich schimmernde Muscheln, kleinere und größere Stücke Bernstein wurden noch lan^e als schöne Erinnerungsstücke aufbewahrt.
Welch eine Fülle des Reichtums boten die adligen Landsitze und die großen Gestüte. Wohlhabenheit und Gediegenheit atmete das ganze Land, sei es in den größeren und kleineren Städten, oder auf dem Lande. An der Spitze der Städte stand die Haupt» und Universitätsstadt der Provinz, unser liebes altes Königsberg. Dort pulste das Leben Ostpreußens. Weit schon sichtbar blitzten und blinkten die Türme der Stadt. Auf den Wegen der Grünanlagen am Schloßteich ließ es sich prächtig bei den Klängen von Walzermelodien lustwandeln. Mit Lampions ge» schmückte Boote zogen auf dem Schloßteich dahin und bei Gitarre» oder Lautebegleitung sangen die Studenten ihre fröhlichen Lieder. Den Dom, das Schloß, Universität, das Blutgericht, Tiergarten und Fischmarkt mußte man in Königsberg besucht haben.
Welch eine Liebe zur Heimat und gleichzeitig großes Weh liegt in den Worten des Gedichts „An Königsberg" unserer Heimatdichterin Agnes Mi e » gel, wenn sie sagt: „Ich möchte noch einmal an unserem Pregel stehen". Ob es Agnes Miegel, Char» lotte Kayser, Ernst Wiechert, Sudermann, Simon Dach oder all die anderen sind, die dem Ostpreußen» land entstammen. Sie alle haben immer wieder in ihren Gedichten und Werken die Liebe zur Heimat und ihre Schönheit hervorgehoben. G. K.
Oben rechts: Einsames Fischerdorf an der Kurischen Nehrung. — Mitte rechts und unten links: Marien* bürg, schicksalsverbunden mit Ostpreußen. — Mitte links: In Kähnen wird das Heu heimgeholf. Aufnahmen: Jung
Der Rechtsberater bat das Wort
Irene nur beschränkt geschäftsfähig
Der 21jährige Fritz Müller hat sich mit der 19- jährigen Irene Zimmermann ohne Kenntnis beider Eltern Zimmermann, die überhaupt nichts von Fritz Müller wissen wollen, heimlich verlobt. Da sie am 1. Mai heiraten wollen, kündigt Irene im Dezember ihre Stellung als Sekretärin in einem großen Industriebetrieb zum 1. April.
Als die Verlobung im März in der Zeitung veröffentlicht und gefeiert werden soll, erklärt Fritz Müller, eine Verlobung käme nicht in Frage. Er bricht die Beziehungen ohne nähere Begründung zu Irene völlig ab. Jetzt wird Irene am 1. April stellungslos. Irene verlangt von Fritz Müller Ersatz des Schadens, den sie dadurch erlitten hat, da sie in Erwartung der Verehelichung ihre Erwerbsstellung aufgegeben hat. Sie beruft sich dabei auf § 1298 BGB und den grundlosen Rücktritt von der Verlobung. Fritz Müller aber lehnt die Forderung entschieden ab, da ein Verlöbnis noch gar nicht vorgelegen habe. Die Verlobung sollte ja erst mit der Publikation und einer Familienfeier steigen. Die Verlobung sei erst in Aussicht genommen gewesen. Hat Irene oder Fritz recht?
Das Verlöbnis ist ein familienrechtlicher Vertrag und an keinerlei Form gebunden. Daß die Verlobung in der Zeitung veröffentlicht, daß Ringe gewechselt und ein Familienfest gefeiert wird, ist für das Vorliegen eines gültigen Verlöbnisses keineswegs Voraussetzung. Daher ist auch eine heimliche Verlobung, sofern nur die ehelustigen Leute sich die Ehe ernstlich versprechen, rechtswirksam. Der grundlose Bruch eines solchen Verlöbnisses steht unter dem Schutz der vom BGB zuerkannten Schadenersatzansprüche.
Anscheinend steht die Sache gut für Irene; auch unser Herz steht auf Seiten des geprellten Mädchens. Was aber sagt der nüchterne Verstand?
An einer Tatsache ist nicht vorbeizukommen: Irene ist mit ihren 19 Jahren nur beschränkt ge» schäftsfähig. Zum Abschluß der (heimlichen) Ver» lobung bedurfte sie nach § 107 BGB der Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters, also in erster Linie ihres Vaters. Da dessen Zustimmung fehlt, liegt ein gültiges Verlöbnis im Rechtssinn nicht vor. Fritz hat die vertrauensselige Irene genasführt. Trotz seines grundlosen Rücktritts hat Irene keine Schadenersatzansprüche für die Zeit ihrer Erwerbslosigkeit. F Dr. St.
Kann der Ehemann kündigen?
Das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt in Paragraph 1558 folgendes: „Hat sich die Frau einem Dritten gegenüber zu einer von ihr in Person zu bewirkenden Leistung verpflichtet (z. B. einen Dienstvertrag abgeschlossen), so kann der Mann das Rechtsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen, wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgericht dazu ermächtigt worden ist. Das Vormund» schaftsgericht hat die Ermächtigung zu erteilen, wenn sich ergibt, daß die Tätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt. Das Kündigungsrecht ist ausgeschlossen, wenn der Mann der Verpflichtung zugestimmt hat oder seine Zustimmung auf Antrag der Frau durch das Vormundschaftsgericht ersetzt
worden ist.“ Hiernach ist der Mann unter bestimmten Voraussetzungen in die Lage versetzt, einen Dienstvertrag seiner Ehefrau fristlos aufzulösen, wenn sie gegen seinen Willen eine Beschäftigung aufgenommen hat.
Die Hasftung des Gastwirts
Nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches hat der Gastwirt eine verschärfte Haftpflicht gegenüber seinen Gästen. Paragraph 701 Bürgerliches Gesetzbuch bestimmt, daß ein Gastwirt, der gewerbs» mäßig Fremde zur Beherbergung aufnimmt, dem Gast den Schaden zu ersetzen hat, den er durch Verlust oder die Beschädigung von eingebrachten Sachen erleidet.
Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden von dem Gast, einem Begleiter des Gastes oder einer Person, die er bei sich aufgenommen hat, verursacht wird oder durch die Beschaffenheit der Sachen oder durch höhere Gewalt entsteht. Ein Anschlag im Hause, durch den der Gastwirt die Haftung ablehnt, ist ohne Wirkung. Es ist gleichgültig, wodurch und durch wen der Schaden verursacht wird (den Wirt, seine Leute oder Dritte). Ein Verschulden braucht nicht vorzuliegen. Wenn also ein Gast sein Auto in der Garage des Gasthofes unterstellt, ein Dritter eine Schwarzfahrt damit macht und dabei gegen einen Baum fährt, dann hat der Gastwirt den Schaden zu ersetzen. Hängt der Hotelgast, sofern er dort wohnt, seinen Mantel im Speiseraum des Hotels auf, dann haftet der Gastwirt für den Verlust. Für Geld, Wertpapiere und Kostbarkeiten haftet der Gastwirt nur bis zum Betrage von 1000 DM, es sei denn, daß er diese Gegenstände in Kenntnis ihrer Eigenschaft als Wertsachen zur Aufbewahrung übernimmt oder die Aufbewahrung ablehnt, oder daß der Schaden von ihm oder von seinen Leuten verschuldet wird. Voraussetzung für die Ersatzpflicht des Wirts ist die Beherbergung. Deshalb hat der Schank» oder Speisewirt keine Verpflichtung, die von den Gästen im Gastlokal abgelegten Sachen besonders zu überwachen und Verluste zu ersetzen.
Der dem Gast zustehende Anspruch auf Ersatz erlischt, wenn er nach Kenntnis des Verlustes nicht unverzüglich dem Gastwirt Anzeige macht. Der Ersatzanspruch erlischt nicht für Sachen, die zur Aufbewahrung übergeben wurden.
Neues Adoptionsrecht
Durch ein Bundesgesetz zur Erleichterung der Annahme an Kindes Statt vom 8. August 1950 sind die Voraussetzungen für die Adoption eines Kindes we» sentlich geändert Worden. Das den besonderen Ver» hältnissen der Nachkriegszeit Rechnung tragende Gesetz bestimmt, daß das für die Bestätigung des Annahmevertrages zuständige Amtsgericht von dem Erfordernis der Kinderlosigkeit (Paragraph 1741 BGB) Befreiung bewilligen kann.
Das Amtsgericht hat die Beteiligten und das Jugend» amt zu hören und soll die Befreiung aussprechen, wenn der Annahme an Kindes Statt keine über» wiegenden Interessen des ehelichen Abkömmlings des Annehmenden entgegenstehen und wenn keine Gefährdung der Interessen des Anzunehmenden durch das Vorhandensein ehelicher Abkömmlinge zu be» fürchten ist. Vermögensrechtliche Interessen der Be» teiligten sollen in der Regel nicht ausschlaggebend sein. Ist eine Befreiung von dem Erfordernis der Kinderlosigkeit erteilt, dann bedarf es keiner beson» deren Befreiung von dem Alterserfordernis. Es ist also nicht mehr notwendig, daß der Annehmende das 50. Lebensjahr vollendet haben und mindesten 18 Jahre älter als das Kind sein muß.
Das zur Befreiung notwendige Gerichtsverfahen ist kostenfrei.
Bildungshilfe
In einer Durchführungsverordnung vom 13. Juli 150 zum Heimkehrergesetz hat die Bundesregierung Ria^ linien für eine großzügige Förderung der Berufsais« bildung für Spätheimkehrer erlassen. Als Späthem« kehret gilt, wer seit dem 1. Januar 1948 aus eil« Kriegsgefangenschaft entlassen worden ist.
Nach den Richtlinien werden Ausbildungsbeihilm zur Aufnahme, Fortsetzung und Beendigung a) einer praktischen Berufsausbildung in Beruf®, für die ein bestimmter Ausbildungsgang w« geschrieben ist, b) einer Berufsausbildung in staatlichen und stab lieh anerkannten Ausbildungsanstalten, c) eines Studiums an Hochschulen gewährt.
Die Ausbildungsbeihilfe umfaßt die Ausbildung kosten und den Unterhaltsbedarf für den Heiiu kehrer, seinen Ehegatten und seine Kinder. Sie Ard insoweit gewährt, als die Mittel für die Ausbildung kosten und zur Sicherung des Lebensunterhalts v:m Heimkehrer nicht aufgebracht werden können, Ali Ausbildungskosten gelten die erforderlichen Alk Wendungen für den Besuch von Ausbildungsanstaltn insbesondere für Schulgeld, Studien- und sonstj Gebühren, für die erforderlichen Lernmittel sod das Fahrgeld zur Erreichung der Ausbildungsstärt Der Lebensunterhalt ist als gesichert anzusehen, wai dem Heimkehrer außer den Mitteln für Ausbildung kosten zur Lebensführung monatlich 90 DM zuzfj lieh je 20 DM für seine Ehefrau und jedes Kind il zum vollendeten 18. Lebensjahr zur Verfügü stehen. Bei Rentenbeziehern bleibt ein Betrag » 30 DM monatlich außer Betracht. Die Beihilfe : den Lebensunterhalt darf 130 DM monatlich ruh übersteigen. In Härtefällen kann sie jedoch erhi werden.
Der Antrag auf Gewährung einer Ausbildun beihilfe ist vom Heimkehrer bei dem für seir Wohnort zuständigen Arbeitsamt auf dem v geschriebenen Formblatt einzureichen. Er hat dem 4 beitsamt alle für die Beurteilung des Antrages ni wendigen Unterlagen vorzulegen und sich den y dem Arbeitsamt oder Landesarbeitsamt gefordert beruflichen Eignungs- und ärztlichen Untersuchungi zu unterziehen.
Sprechstunde des Hausarztes
Kälte allein verursacht noch keinen Schnupfen
VON Dr. HERBERT ULLRICHEs sind nicht immer die fernliegenden und seltenen Erscheinungen unseres Lebens, die uns besonders rätselhaft sind. Oft sind es gerade die alltäglichen Vorkommnisse, deren Bild für den Fachmann noch weitestgehend verschleiert ist, ohne daß sich der Laie, der durch ihre Häufigkeit an diese Erscheinung gewohnt ist, darüber klar ist. Wer von uns hat nicht schon oft festgestellt, daß er sich erkältet hat.
Der deutsche Sprachgebrauch benutzt hierbei sowohl für die vermutliche Krankheitsursache als auch für den Krankheitszustand dasselbe Wort „Erkältung". Aber dieser altgewohnte und häufig benutzte Begriff „Erkältung" sagt dem Arzt recht wenig. Er entbehrt jeder Klarheit und meist auch jeden Inhalts. Immerhin können wir unter den Erkältungskrankheiten Krankheitsbilder verstehen, die zwar durch Kältereiz augenscheinlich ausgelöst oder begünstigt werden, bei denen aber die Kälte noch zu gering ist, um Erfrierungen hervorzurufen. Man unterscheidet daher zwischen Kälteschäden und Erkältungen. Eine Erkältung ist in diesem Sinne kein Kälteschaden. Freilich gibt es auch zwischen diesen beiden fließende Grenzen. So kann eine Lungenentzündung sowohl durch einen sehr starken als auch durch einen sehr schwachen Kältereiz ausgelöst werden. Der Kältereiz allein kann es nicht sein, der für die
Erkältungskrankheiten verantwortlich zu machen ist. Darauf weist schon die Tatsache hin, daß Eskimos und auch unsere Polarfahrer kaum unter Erkältungskrankheiten zu leiden haben. Man findet heute vielmehr die Erkältungskrankheiten in den Lehr- und und Handbüchern für Viruskrankheiten. Die bakteriologische Forschung vertritt dabei die Auffassung, daß Kältereize zwar die Disposition zur Kran heit schaffen, daß aber zu ihrem Zustandekomm Bakterien bzw. Viren notwendig sind. Auf eine ba) terielle Infektion deutet das Auftreten von Fieb? die mit der Erkrankung verbundene starke Sekr etil und schließlich vor allem auch die Ansteckungsfäh? keit, also die Uebertragbarkeit der Krankheit af unbeteiligte Personen, die dem Kältereiz nicht an gesetzt waren, hin.
Es ist noch umstritten, ob auch allein durch ph sikalische Reize, ohne die Beteiligung von Viren üb< haupt, Katarrhe ausgelöst werden können. Bei ei sprechenden Versuchen an Tieren ist es jedenfa gelungen, allein durch physikalische Reize eine se starke Sekretion der Schleimhäute hervorzuruft Uebrigens scheint auch die psychische Verfassung f das Zustandekommen oder Nichtzustandekommi von Erkältungskrankheiten nicht ohne Einfluß : sein, was man daraus schließt, daß z. B. Mensche die sich in Lebensgefahr befinden, selbst auf Eis ui Schnee liefen können, ohne von Erkältungskranl heiten befallen zu werden.
Man kann heute wohl als gesichert annehmen, d. Viren die Ursache von Erkältungskrankheiten sin Die Züchtung des Cold-Virus ist bereits gelunge doch ist es hier noch unentschieden, ob es neben di nachgewiesenen zwei Sorten noch weitere Varietäti gibt. Die zahlreichen experimentellen Untersuchung« ergeben noch kein klares Bild. Infektionsversuche n filtriertem Schnupfensekret ergaben in 42 v. H. d Versuche Schnupfen. Es erkrankten aber auch Pe sonen an Schnupfen, welchen man an Stelle des F trats lediglich eine sterile Kochsalzlösung in die Na geträufelt hatte. •
Im Kinderland
Die Klage an den Wald
Eine Geschichte für die Kleinen von Emil Grimm
Ein junger Bauer Ließ Konrad. Er hatte einen großen Besitz an Feld und Wald und war tüchtig und leißig, bis er eines Tages ans Kartenspielen geriet. Da dauerte es nicht lange, und er war all sein Geld os. Hätte er doch jetzt aufgehört! Aber er ruhte licht und spielte weiter, und so verlor er auch seine 'el der, seine Wiesen und seinen Wald, bis auf welige Morgen. Er war aber auch noch dreitausend faler schuldig für seine neue Scheuer, und weil er las Geld nicht bezahlen konnte, sollte auch noch das etzte bißchen Feld und Wald, das ihm gehörte, ver» iteigert werden.
Er ging zu seinen reichen Freunden, mit denen er Carten gespielt hatte, dem Baron, dem Müller und lern Bierbrauer, um sich von ihnen das Geld zu eihen. Aber sie hatten jeder eine andere Entschul» ligung und wollten ihm nicht aus seiner Not helfen.
Traurig ging Konrad in den Wald, in den Teil, ler ihm noch gehörte. Dort beklagte er sein Los und at einen Schwur, nie mehr im Leben eine Karte an= ;urühren.
Die Bäume hatten seine Klage und den Schwur gelört. Es war ihnen selbst und allem Getier des Wal» les leid, daß sie ihren Herrn verlieren sollten.
„Wir wurden stets gehalten, wie es recht ist", sagte ine Eiche, „und nie wurden wir vor der Zeit um» ;ehauen, wie es jetzt drüben unseren armen Brüdern rgeht."
„Auch uns Vögeln war unser Herr immer ein ;uter Freund", sprach das Rotkehlchen, „er hat dafür esorgt, daß Falken und Habichte nicht überhandlahmen."
„Wir wollen ihm helfen", sagte die Eiche, „er hat ä geschworen, daß er nie mehr Karten spielen will, r soll das Silber finden, auf dem wir stehen." „Ja, das ist ein guter Gedanke!", riefen die Bäume ingsum, „aber wie können wir's machen, daß er das Jeheimnis erfährt?"
„Ihr wißt", sagte die Eiche, „daß schon mancher unerer Brüder, der auf der Silberader stand, in laufe der Zeit vom Blitz als Leiter in die Erde mein benutzt wurde, denn am liebsten geht er da» in, wo Metalle in der Erde liegen. Meistens wur> en unsere Brüder dabei getötet, manchmal auch nur erwundet, denn der Blitz hat eine furchtbare Kraft. )amit nun unser Herr hinter das Geheimnis kommt, nixssen sich zwei Brüder beim nächsten Gewitter pfern, und wenn er dann noch nichts merkt, wie» lerum zwei. Ich selbst würde es wohl gerne tun, denn cli bin alt genug. Aber ich stehe ja nicht auf der iilberader."
Lich bin bereit, für unseren Herrn zu sterben!", ief eine Fichte. „Ich auch! Ich auch!" riefen noch fiele Bäume, und zwei Kiefern, die vor langer Zeit schon einmal vom Blitz gestreift worden waren, sagten: „Wir wollen die ersten sein, denn wir wer» len doch nicht wieder ganz gesund."
Indessen war der Himmel ganz schwarz geworden, ss donnerte und blitzte in der Ferne. Der Wind, der gehört hatte, worum es ging, trieb die Gewitter» volken gerade auf den Bergwald zu und drückte sie lort tief über die treuen Bäume herab.
Die zwei Kiefern machten ihre Kronen ganz dünn, un den Blitz sicher anzuziehen, und schon flammte rin Feuerstrahl aus den Wolken und fuhr an der einen hinab in die Erde. Der Baum stürzte tot zu Boden, und gleich darauf wurde der zweite von einem Blitz gespalten und gefällt.
„Sonderbar", dachte Konrad, als er tags darauf vorüberging, „zweimal hat es an derselben Stelle eingeschiagen, Wasser kann ja dort nicht sein."
„Er merkt es noch nicht", sagte die Eiche, „darum müssen noch einmal zwei von uns den Tod er* leiden", und der treue Wald wartete mit Ungeduld auf das nächste Gewitter.
Es kam schon nach wenigen Tagen, und wieder fällte der Blitz an der gleichen Stelle zwei Bäume. Als der Bauer Konrad die Gestürzten sah, rief er: „Hier muß ein Metall in der Erde verborgen sein! Ich will einmal nachsehen", und er begann an der Stelle zu graben.
Lange fand er nichts wie gewöhnliche Steine. Aber auf einmal stieß er auf einen großen, schwarzen Stein. Er schlug ihn entzwei und fand, daß die Bruch* stellen ganz weiß waren und in der Sonne glit* zerten. Das war das Silber. Ihr könnt Euch denken, wie sich Konrad und seine Frau freuten! Ein Berg» werk wurde gegraben, und viele Leute arbeiteten darin von morgens bis abends.
Nun wurde Konrad reich und konnte alle Besitz» tümer zurückkaufen, die er beim Kartenspiel ver» loren hatte, und vieles noch dazu.
Wenn nun aber seine Freunde kamen, der Baron, der Müller und der Bierbrauer, um ihn zum Karten» spiel zu bitten, schlug er’s jedesmal aus und hielt was er geschworen hatte.
Die komische Beschreibung
Ein Schreibspiel
An einem kalten Sommertag unternahm unsere wilde Klasse mit ihrem mächtigen Lehrer einen schwarzen Ausflug. Wir fuhren mit dem weinenden Omnibus an den kümmerlichen Rhein, wo wir einen rasenden Dampfer bestiegen. Bei der glücklichen Ab» fahrt ereignete sich das flinke Unglück, daß dem jämmerlichen Fritz seine vergnügte Mütze in das dicke Wasser fiel
Solcherlei komische Beschreibungen könnt ihr euch selbst anfertigen, wenn ihr bei dem schlechten Wetter doch nicht draußen spielt und drinnen nicht recht wißt, was ihr beginnen sollt. Eins schreibt einen Aufsatz ohne Beifügungen und fordert dann die anderen auf, irgendwelche Eigenschaftswörter zu nennen, die der Schreiber des Aufsatzes der Reihe nach seiner Beschreibung beifügt. Hernach .wird vor» gelesen, und ich glaube, es gibt allerlei zu lachen dabei!
Auf dem Jahrmarkt
Kleiner Herr, was soll es sein? Nur nicht fortgelaufen! Guck' dir alles einmal an, brauchst nicht gleich zu kaufen! Vieles gibt es hier zu seh'n: Marmeln, Ketten, Ringe, Klappern, Pfeifen und noch mehr kunterbunte Dinge. Wie das glitzert, flimmert, glänzt! Willst du nichts davon? Kleiner Herr, was soll es sein? „Ein roter Luftballon!" ]. Oelze
Wer lacht mit!
Diät
In der Pension saßen die Gäste beim Essen. Die Inhaberin unterhielt die Anwesenden damit, daß sie erzählte, die meisten Krankheiten kämen durch zu gutes Essen.
„Da ist bei Ihnen bestimmt noch niemand krank geworden", sagte einer der Mittagsgäste. *mpfo.
„Jetzt reißen sie sich vor Begeisterung ein Bein aus —, und morgen in der Straßenbahn steht keiner von den Brüdern auf!"
Kurz, aber erschöpfend Ein junger Mann, der stark annahm, daß er ein Dichter wäre, überreichte einst dem als kritische Autorität anerkannten Professor Engel einen Band seiner Gedichte, typische Produkte hormonal ange* regter, noch recht undurchsichtiger Erkenntnis=Morgendämmerung, mit dem apodiktischen Titel „So sind die Menschen!" und bat ihn um seine Meinung.
Nach einiger Zeit gab ihm Engel das Werk mit der Bemerkung zurüdk, er habe sie schriftlich bei* gefügt.
Der in seine Welt eingesponnene Jüngling suchte zu Hause krampfhaft nach diesem Urteil, vermochte jedoch lange nicht, es zu finden. Endlich entdeckte er — klein hinter dem Titel das Wörtchen „nicht" hin* zugesetzt.
Vorsicht!
Der bekannte französische Schriftsteller Fontenelle wurde hundert Jahre alt und bewahrte bis zuletzt die Klarheit und Wendigkeit seines Geistes.
Eines Abends in einer Gesellschaft sagte eine ebenfalls sehr bejahrte Dame zu ihm: „Ich glaube fast, der Tod hat uns beide vergessen."
„Pst!" machte Fontenelle. „Sprechen Sie bitte so leise Sie können, Madame! Er könnte sich sonst doch vielleicht an uns erinnern."
Der Schlüssel
Mizzi verreist mit Graf Bobby. Als die beiden aus dem Speisewagen zurückkommen, sind die Koffer fort. Mizzi schluchzt. „Mußt nit weinen", tröstet Graf Bobby. „Schau, der kann doch gar nix mit den Koffern anfangen. Ich hab' ja die Schlüssel!"
Erste Arbeit
„Sie wollen also Dompteur bei mir werden?", fragt der Zirkusdirektor. „Wann können Sie denn anfangen?"
„Sofort", sagt der Bewerber. „Schön", sagt der Zirkusdirektor. „Dann gehen Sie also in den Löwenkäfig und entfernen mal dort die Ueberreste Ihres Vorgängers." »mpfo.
Können Sie gut beobachten?
Im Maleratelier
Auf Bild 2 und 3 sind je drei Dinge anders als auf dem vorhergehenden Bilde. Vergleichen Sie die Bilder und stellen Sie fest, wer in Ihrer Familie die Unterschiede am schnellsten findet.
Auflösung:
Es fehlen auf Bild 2: Gesicht des Porträts unten Fnks: Linke Wolke des Gemäldes auf der Staffelei, fm Atelierfenster eine Querleiste. Auf Bild 3: Pinsel in der Fenster-Vase. Schlips des Malers. Eine Farbtube von rechts auf dem Tisch. (Deike)
Weltbild der Woche
Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung
Einmal im Jahr lebt in London der alte Glanz Pomp des Stadtoberhauptes wieder auf: Lordmayor Sir Frederick Rowland mit Barett in der 2. P.eihe. Schwertträger und Träger des Amtssymbols gehen voraus UP.-Bid
Die Flüchtlingssiedlung Hambühren in der Lüneburger Heide wurde auf Munitionsbunkern auf gebaut. DPA.=Bild
Links: An der Frankfurter Friedensbrücke wurl soeben die rechte Fahrbahnhälfte durch zwei riesi" Schiffskräne eingefahren. Damit ist ein Höhepunk des Brückenbaues erreicht worden, der als Die te ~ nische Glanzleistung bezeichnet werden darf, di', über den Rahmen dessen hmausgeht, was auf diesen Gebiet in der Vorkriegszeit geleistet wurde. DPA.=B:h
Pariser Mode, Herbst 1350: Etwas' offenherzig, abt trotz allem schick. ■ ' DP A.-81l
Vor mehreren Jahren schon war die Wollhandkrabb in größerer Zahl in der Elbe auf getaucht, wo si von Hamburg aus stromaufwärts gewandert wai Kürzlich fand man im Rhein bei Rüdesheim eine dieser Tiere, und nun machten Fischer in der Näh von Heidelberg im Neckar auch einen unerwartete Fang: Eine Wollhandkrabbe war ihnen ins Netz ge gangen. Das krebsartige Tier ist in den chinesische Gewässern zu Hause und bei den Fischern höchs unbeliebt, da es die Netze zerstört. Bisher konnti die Wollhandkrabbe im Neckar noch nicht festgestell werden und man hofft, daß es sich um ein einzeln? Exemplar handelt, das als blinder Passagier vi einem Schiff eingeschleppt worden ist. Schon vo dem Kriege wurde die Wollhandkrabbe in Berli festgestellt und als Delikatesse verkauft. Gerüchte die von einem seuchenhaften Auftreten der Woll handkrabbe in deutschen Binnengewässern wisse: wollen, haben sich nicht bestätigt. Die Wallhand krabbe ernährt sich nicht von gesunden, sondern v t von kranken und toten Fischen, Fotos: IIP, dpi
Aus dem Inhalt: Hans Folz „von Worms ...... S. 2 Frauen im Sturm der Zeiten S. 3 Im Schlangenzoo von Butantan . ... S. 4 Ostpreußen, Land der Sehnsucht ... S. 5 Durch Kälte allein noch kein Schnupfen S. 6 Weltbild der Woche . , , S. 8