Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ERIGH DOMBROWSKI. nYr m s?y^tS änur Tagblatt L. C. Wittich, Ft.ehVlV1? • Rhe nstraße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 84 Heueffe Jla^rt^fen Freitag, 6. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 39 25 Bezugspreis 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn, Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v l 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Bonner Bundestag überprüft „Sauberkeit“ der Abgeordneten

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Dä. Bonn, 5. Oktober. Der Bundestag hat am Donnerstag einen fünfzehnköpfigen Untersuchungsausschuß eingesetzt, der alle Fälle aufklären soll, in denen Bundestagsabgeordnete der Bestechlichkeit verdächtigt worden sind.

Die Untersuchung soll sich nicht nur auf die Hauptstadtstreitigkeit, sondern auch auf andere Angelegenheiten erstrecken. Wie verlautet, liegen auch Beschuldigungen vor, die in der Zeitschrift „Spiegel“ nicht erwähnt worden waren. Der Ausschuß, der noch am Donnerstag von dem Abgeordneten der Christlich-Demokratischen Union, Dr. Lehr, zu seiner konstituierenden Sitzung einberufen wurde, soll in Permanenz tagen und die Untersuchungen in zwei, höchstens drei Wochen abgeschlossen haben.

Säuberung des Bundestages von allen Abgeordneten, die den hohen moralischen Ansprüchen nicht genügen würden, welche an einen Bundestagsobgeordneten gestellt werden müßten, forderte Dr. Seelos (Bayern-Partei), als er zum Beginn der Donnerstagssitzung einen interfraktionellen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses begründete. Dr. Seelos betonte, daß es nicht genüge, wenn sich ein Abgeordneter nur im strafrechtlichen Sinne nicht vergangen habe. Er empfahl die Einsetzung eines Ehrengerichtes als ein Mittel, um den Ausschluß solcher Abgeordneten zu ermöglichen.

Auf die Aufforderung des Vizepräsiden¬ ten Professor Carlo Schmid, gegen den „Spiegel“ Strafanzeige zu stellen, haben bis jetzt die Abgeordneten Aumer, Besold. Falkner, Funk, Mayerhofer und Dr. Pferdmenges zustimmend geantwortet. Von den Abgeordneten Freiherr von Aretin, Dr. Baumgartner und Donhauser war auch am Donnerstag noch keine Erklärung eingegangen. Die Frage, ob auch Finanzminister Dr. Schäffer Strafanzeige stellt, soll von der Bundesregierung geklärt werden.

Ein Antrag der Sozialdemokraten wurde der Bundesregierung als Material überwiesen, in dem gefordert wird, den jährlichen Grundbetrag für die Renten der Arbeiter an den Grundbetrag für die Renten der Angestellten anzupassen. Bundesarbeitsminister Storch begründete dann die Regierungsvorlage eines Heimarbeitsgesetzes, das alle, die nicht in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, vor Ausbeutung schützen soll. Das Gesetz soll Tarifverträge auch für Heimarbeiter ermöglichen. Das Heimarbeitergesetz wurde nach erster Lesung an den Ausschuß für Arbeit überwiesen.

(Siehe auch Seite 3: „Eine Lücke“.)

Zehn Kasernen

Stuttgart, 5. Oktober. (AP.) Der amerikanische Landeskommissar für Württemberg-Baden, General Gross, hat angekündigt, daß für die Unterbringung der zu erwartenden neuen Kontingente der Besatzungsstreitkräfte zehn Kasernen in Württemberg-Baden in Aussicht genommen seien.

Diese Kasernen, die zur Zeit von Verschleppten bewohnt sind, müßten bis zum ersten Dezember geräumt sein. Neue Beschlagnahmen von deutschen Wohngebäuden würden auf ein Minimum beschränkt werden.

Ost-Berliner für freie Wahlen

Berlin, 5. Oktober, (dpa) Bereits in den ersten beiden Tagen der von den demokratischen Parteien Berlins veranstalteten Volksbefragung haben eine große Zahl Wahlberechtigter des Berliner Ostsektors für freie Wahlen in ganz Berlin gestimmt. Im Schöneberger Rathaus, dem Sitz des gewählten Berliner Magistrats, sind bereits zehn Postsäcke mit Stammabschnitten von Lebensmittelkarten eingegangen, mit denen die Ost-Berliner ihre bejahenden Stimmen abgeben. Der Briefkasten in der Vorhalle des S-Bahnhofes Neukölln im amerikanischen Sektor mußte mehrmals außer der Zeit geleert werden, weil er mit solchen Ost-Berliner Wahlbriefen verstopft war.

Stassen schrieb Stalin

Neuyork, 5. Oktober. (AP./dpa) Harold Stassen, ein führendes Mitglied der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten, teilte mit, er habe Stalin in einem Schreiben um eine persönliche Zusammenkunft ersucht. Diese solle der Förderung des Weltfriedens dienen.

Das amerikanische Außenministerium erklärte dazu, daß Stassens Brief nicht von amtlicher Seite angeregt worden sei.

„Gefahrenherd Deutschland“

Reden Bevins und Shinwells auf dem Labour-Kongreß

Margate, 5. Oktober. (AP.) Deutschland bleibe so lange ein Gefahrenherd, wie im Osten des Landes ein autoritäres System unter sowjetischer Kontrolle bestehe, erklärte Außenminister Ernest Bevin am Donnerstag auf dem Jahreskongreß der Labour Party.

Die Westmächte seien dabei, Deutschland wieder viele demokratische Rechte einzuräumen. Es sei bedauerlich, daß man diese nicht auf den Osten ausdehnen könne. Auch auf außenpolitischem Gebiet erhalte die Bundesrepublik jetzt große Vollmachten. Die Bemühungen, Deutschland auf demokratischer Basis neu aufzubauen, werden jetzt intensiviert.

Man habe kein militärisch wieder aufgebautes Deutschland gewollt. - Jetzt müsse man jedoch Entschlüsse fassen, die zu dem Bedenken Anlaß gäben, ob sie ' ’-'t doch zu einem Wiederaufleben des ■ hen Militarismus führen könnten. ■ 'n gehe dabei große Risiken ein. Bevin forderte die Nordkoreaner auf, den Kampf einzustellen und sich zu ergeben. Die Nordkoreaner sollten sich den Vereinten Nationen anvertrauen und der Friedensorganisation gestatten, sich der Probleme des Landes anzunehmen, ohne daß die Kommunisten oder irgendjemand anders intervenieren könnten.

Zu äußersten Schnelligkeit in der Wiederaufrüstung forderte Verteidigungsminister Shinwell auf. Er bezifferte die sowjetische Stärke auf 175 Divisionen, 2,8 Millionen Mann unter Waffen und 25 000 Panzer. Die sowjetischen Luftstreitkräfte besäßen 19 000 Maschinen, darunter Düsenflugzeuge.

Shinwell erklärte, eine fortgesetzte Schwäche angesichts wachsender militärischer Stärke auf der Gegenseite sei eine Quelle der Gefahr. Die westliche Militärmacht sei geringer, als man sie zu sehen wünsche. Man müsse daher auf der Hut sein. Jede Unterlassungssünde könne tödliche Folgen haben.

Südkoreaner erobern Changjong

Der kommunistische Widerstand versteift sich

Tokio, 5. Oktober. (AP/BBC/dpa) Verbände der südkoreanischen Division haben am Donnerstag nach heftigen Kämpfen die Stadt Changjong an der Ostküste Koreas erobert. Damit befinden sich die Südkoreaner nur noch siebzig Kilometer von der wichtigen Hafenstadt Wonsan entfernt. Die Nordkoreaner leisten jetzt den vordringenden Verbänden überall heftigen Widerstand. Die Kommunisten, die sich bei Changjong in einer Stärke von über zweitausend Mann eingegraben hatten, haben überall starke Straßen- und Minensperren, Stacheldrahtverhaue und tiefgestaffelte Flakstellungen angelegt.

Munsan besetzt

Aus dem Abschnitt Söul nach Norden vordringende amerikanische Einheiten standen am Donnerstag etwa elf Kilometer vor dem 38. Breitengrad. Sie haben den Eisenbahn-Knotenpunkt Munsan, 48 Kilometer nördlich von Söul besetzt. Die militärische Rückeroberung Südkoreas kann damit nahezu als abgeschlossen gelten.

Auch die Umgruppierung der Truppen der Vereinten Nationen südlich des 38. Breitengrades geht,ihrem Abschluß entgegen. Ein Teil der auf dem Kriegsschauplatz eingesetzten Commonwealth-Truppen wurden aus ihrem bisherigen Einsatzraum auf dem Luftwege in die Nähe des 38. Breitengrades befördert. Damit stehen jetzt ungefähr 175 000 Mann zum Einmarsch nach Nordkorea bereit. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Hauptquartiers werden sie die Demarkationslinie überschreiten, sobald es die militärische Lage erfordert.

Verstärkte Partisanentätigkeit

Eine verstärkte Pertisanentätigkeit wird in den letzten Tagen aus vielen Teilen des bereits besetzten Gebietes gemeldet. Die versprengten Kommunisten versuchen den amerikanischen Nachschub zu stören und die südkoreanische Bevölkerung durch Terrorakte einzuschüchtern. In Wonju, neunzig Kilometer östlich von Söul, sind Partisanenverbände in Stärke von rund zweitausend Mann überraschend in die Stadt eingedrungen und haben die zahlenmäßig unterlegene Besatzung niedergemacht. Etwa zweitausend Personen, darunter sämtliche Offiziere der südkoreanischen Garnison und fünf amerikanische Verbindungsoffiziere wurden getötet. Nachrichten von kommunistischen Greueltaten und der“ Entdeckung von Massengräbern werden ebenfalls immer häufiger. Bisher sind die Leichen von 25 000 Männern, Frauen und Kindern gefunden worden, die in zum Teil bestialischer Weise ermordet wurden.

Kommunistische Truppenkonzentrationen

Nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Flieger, die am Donnerstag etwa hundert Beobachtungsflüge über Nordkorea ausführten, konzentrieren die Kommunisten starke Truppenverbände in ihren alten Vorkriegs-Verteidigungsstellungen nördlich des 38. Breitengrades. Die Nordkoreaner sollen nach diesen Berichten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ihre Truppen in langen Kolonnen dorthin zurückführen. Auch aus dem Raum von Toktchon, achtzig Kilometer nordöstlich von Pyöngyang, ist eine Kolonne von etwa hundertfünfzig Fahrzeugen gemeldet worden, die sich in südlicher Richtung bewegt.


Der Schwerpunkt der Kämpfe auf dem Kriegsschauplatz in Korea hat sich mit dem Überschreiten des 38. Breitengrades nach Nordkorea verlegt. Auf der Straße bei Antung an der Grenze zwischen Korea und der Mandschurei sind mehrfach Wagenkolonnen beobachtet worden, die sich in südlicher Richtung bewegen. Es ist aber nicht festgestellt worden, ob diese Verstärkungen wirklich aus chinesischem Hoheitsgebiet kommen.
Der Schwerpunkt der Kämpfe auf dem Kriegsschauplatz in Korea hat sich mit dem Überschreiten des 38. Breitengrades nach Nordkorea verlegt. Auf der Straße bei Antung an der Grenze zwischen Korea und der Mandschurei sind mehrfach Wagenkolonnen beobachtet worden, die sich in südlicher Richtung bewegen. Es ist aber nicht festgestellt worden, ob diese Verstärkungen wirklich aus chinesischem Hoheitsgebiet kommen.

Unter Terror

* * ♦ Der Generalstreik, den die Kommunisten für Oesterreich ausgerufen haben, schien zunächst zu einem Fehlschlag zu werden. Die Bevölkerung in den drei westlichen Sektoren verhielt sich völlig ablehnend. Auch die Arbeiter machten bis auf wenige Fabriken, in denen die Kommunisten die Oberhand haben, nicht mit. Dies ist um so bemerkenswerter, als die bolschewistischen Drahtzieher Lohnforderungen zum Vorwand ihrer umstürzlerischen Absichten gemacht haben.

Das Bild hat sich am Donnerstag verändert. Die Kommunisten sind namentlich in der sowjetischen Besatzungszone zu offenen Terrorakten übergegangen. Sie haben den Schienen- und Straßenverkehr lahmgelegt und praktisch die Stadt Wien blockiert, die ähnlich wie Berlin mit eigenen Sektorengrenzen innerhalb der sowjetischen Besatzungszone liegt. Der Sinn dieser Aktionen wird deutlich, seit durch den Präsidenten des Gewerkschaftsbundes, Nationalrat Böhm, bekanntgeworden ist, daß führende Kommunisten Oesterreichs auf einer Geheimkonferenz die Einsetzung einer bolschewistischen Regierung beschlossen haben. Hinter dem Putschversuch kann nur die eiskalte Berechnung des Kremls stehen, der nach einer schwachen Stelle sucht, um die Bolschewisierung Europas vorwärtszutreiben. Es ist bezeichnend, daß in Wiener-Neustadt (Sowjetzone) die Polizei, die das von den Kommunisten besetzte Postamt gesäubert hatte, sich auf sowjetische Anordnung wieder zurückziehen mußte.

Da die Kommunisten begonnen haben, auch die Westsektoren zu terrorisieren, ist es kaum denkbar, daß die Westmächte tatenlos zusehen. Das Kabinett hat bei den drei Außenministern der Westmächte und bei dem Alliierten Rat für Oesterreich Protest gegen die Unterstützung der Putschisten durch die Russen erhoben. Die Westmächte werden umgehend Stellung nehmen müssen.

Der britische Außenminister Bevin hat zwar gerade geäußert, nach dem Erfolg der Vereinten Nationen würden die Sowjets vorsichtiger sein und künftig von vorneherein alles vermeiden, was sich für sie nicht lohne und undurchführbar sei. Die Vorgänge in Oesterreich sprechen jedoch kaum dafür, daß der Kreml gewillt ist, einen Pflock zurückzustecken.

Es geht sehr schnell

Von Paul Sethe

Das Eis des französischen Widerstandes gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands schmilzt langsam dahin. Noch hält der Verteidigungsminister Jules Moch an seinem eisernen „Nein“ fest. Der Vater zweier hoffnungsvoller Söhne, die in deutschen Konzentrationslagern elend umgekommen sind, hat aus so schrecklichem Erlebnis alle Gefühle bitterer Feindschaft gegen Deutschland gezogen. Diesem Volk noch einmal Waffen geben? Niemals! Aber es scheint, als sei dem kühler denkenden Außenminister bereits nicht mehr ganz wohl, wenn er an seinen Kampf mit Acheson zurückdenkt. Soll Frankreich immer allein bleiben? Noch ist das Gerücht weder bestritten noch bestätigt, die Vereinigten Staaten und Großbritannien würden einfach allein in ihren Zonen Deutsche rekrutieren, wenn Frankreich nicht mitmache. Das Gerücht mag gegenwärtig seine Dienste als Druckmittel tun. Wie dem auch sei, der Tag wird kommen, an dem Frankreich, wenn auch mit dem berühmten „schweren Herzen“, der Wiederbewaffnung Deutschlands zustimmt. Vielleicht hatte der Widerstand der Regierung am Ende den Sinn — wir sagen nicht die Absicht —, der Bevölkerung genügend Zeit zu geben, sich an die Vorstellung zu gewöhnen, daß man Schulter an Schulter mit den Boches marschieren, üben und, wer weiß vielleicht eines Tages kämpfen müsse. Es geht alles sehr schnell; schneller, als wir 1945 gedacht hatten; und manchmal scheint uns: viel zu schnell. Es mag wohl richtig sein, was die Fachleute sagen, daß man bald beginnen müsse, gerade in einem Lande, in dem seit fast sechs Jahren jede militärische Ueberlieferung abgerissen sei, dürfe man keine Zeit mehr verlieren. Aber noch bleibe das Gefühl der Betäubung, der Ratlosigkeit, der inneren Ablehnung bei vielen Deutschen bestehen. Die Gründe dafür sind oft genannt worden; man kann heute auf ihre Aufzählung verzichten. Da die Ereignisse drängen, wenden sich die Kräfte der politischen Kreise in Bonn allmählich der Frage zu, wie man die Abneigung von Millionen Deutschen gegen einen neuen Waffendienst überwinden könne. Das wird keine leichte Aufgabe sein, und schon darum wäre es gut gewesen, man hätte uns Deutschen Zeit gegeben, uns zu besinnen und im freien Gedankenaustausch die Meinungen abzuwägen. Aber die Mächtigen dieser Welt haben Eile, und ehe wir uns recht von unserer Verblüffung erholt haben, will man uns bereits das Gewehr in die Hand drücken.

Doch ist nichts oder so gut wie nichts dazu getan, den Deutschen klarzumachen, daß sie die Waffen nicht nur für die Alliierten, sondern auch für sich selber, für ihre eigene Freiheit und ihre eigenen Landsleute tragen sollen. Die Bundesregierung, die als erste diese Aufgabe ins Auge fassen sollte, hat bisher keinen Ansatz zu solcher schwierigen Arbeit getan. Zwar darf man annehmen, daß sie die Wiederbewaffnung für unvermeidlich hält. Der Kanzler selber, der in seinem Leben nie eine Uniform getragen hat und schon deshalb des Militarismus unverdächtig ist, und den zugleich seine rheinische Herkunft und Erziehung kaum zum Freund preußischen militärischen Wesens stempeln können, hat sich längst mit dem Gedanken vertraut gemacht, sehr bald einen Verteidigungsminister in sein Kabinett aufnehmen zu müssen. Aber auch sein Volk von dieser Notwendigkeit zu überzeugen, hat er bisher unterlassen. Nichts wäre ungerechter, als ihm und seinen Kollegen daraus einen Vorwurf zu machen. Erinnern wir uns, daß nur wenige Monatb

seit der Zeit vergangen sind, in denen es deutschen Politikern verboten war, an ein deutsches Heer überhaupt zu denken. Jede Entfaltung wehrpolitischer Werbungskünste hätte nur Mißtrauen erregt, und nichts war so gerechtfertigt wie die Zurückhaltung der Bundesregierung in dieser Frage. Aber nun rückt der Tag der Entscheidung immer näher, und wenn man sich in Bonn für eine deutsche Beteiligung entschieden hat, sieht man sich zugleich auch den schwierigsten psychologischen Problemen der Innenpolitik gegenüber. Eine große Rolle dabei wird das Verhältnis zur Sozialdemokratie spielen. Ein Wehrgesetz, das gegen eine starke Minderheit in Bonn durchgebracht wäre, hätte nur einen bescheidenen Wert. Die Last einer Spaltung des deutschen Volkes würde sich wie ein Bleigewicht an jede deutsche Truppe hängen. Vor einigen Wochen hat fast das ganze Ausland erleichtert aufgeatmet, als der Führer der deutschen Opposition seinen Widerstand gegen die Wiederbewaffnung aufgegeben zu haben schien. Das war, als man eine europäische Verteidigungsarmee nur dann für sinnvoll erklärte, wenn sie stark genug sei, die politische Verteidigung auch offensiv vorzutragen — bis zur Weichsel (womit übrigens wohl bewiesen ist, daß der Hauptmann außer Diensten Kurt Schumacher vom Krieg etwas mehr versteht als die goldbestickten Exzellenzen, die jahrelang die Welt mit ihren fragwürdigen Empfehlungen des Widerstandes von irgendeiner mehr oder weniger imaginären Flußlinie beunruhigt haben)? aber die letzten Tage haben deutlich gemacht, daß der Beifall ein Mißverständnis war. Die Sozialdemokratie wird der Regierung (und dem Auslande) in dieser Frage offenbar noch manche Schwierigkeiten bereiten. Es wäre ernsthafter Überlegung wert, wie man es erreichen könnte, in dieser Frage eine Einheitsfront Adenauer-Schumacher zu schaffen, wie sie in Großbritannien von Attlee zu Churchill reicht.

Das Entscheidende freilich zur Ueberwindung der psychologischen Hemmnisse müssen immer noch die Alliierten tun. Es liegt mehr in ihrer Hand, das deutsche Volk zu ihrer Auffassung zu bekehren, als sie im Augenblick noch zu wissen scheinen. Es ist glaubwürdig berichtet worden, die Amerikaner versuchten die Franzosen dadurch zu überreden, daß sie ihnen versprächen, die deutsche Regierung werde, anders als die ü’ rigen Regierungen, keine Weisungsbefugnis an ihre Offiziere haben. Mit Recht ist in Bonn hierzu kühl erklärt worden, entweder werde kein Land diese Befugnis haben oder alle; sonst solle man gar nicht erst anfangen. Vielleicht ist es gut, an Beispielen, die in das tägliche Leben jedes Bürgers eingreifen können, deutlich zu machen, welche Unterschiede immer noch in den Auffassungen von Bundesgenossenschaft bestehen. Den Deutschen ist in den letzten Wochen versichert worden, die künftigen Beschlagnahmungen von Wohnungen für Besatzungstruppen würden schonend vorgenommen werden. Das hört man gerne. Wie aber, wenn man auf den Gedanken käme zu sagen, daß unter Bundesgenossen die fremde Macht überhaupt nicht eigenmächtig beschlagnahmen darf (und in einem so zerstörten Lande wie Deutschland schon gar nicht)? Wie, wenn man daran erinnerte, daß ein britischer Oberst, der mit seinem Stabe in Lüttich Quartier nehmen will, nicht einfach sich dort die Räume aussuchen darf; weil nämlich Belgien kein unterworfenes sondern ein verbündetes Land Ist? Wir wissen, was auch der wohlwollendste und „deutschfreundlichste“ Alliierte denkt, wenn man ihm solche Fragen vorlegt. Schon seinem Gesicht ist es anzusehen: „Diese Deutschen..., nun werden sie schon wieder frech...“ Und wir möchten die alliierte Stelle sehen, die das nicht auch denkt, wenn sie diese Zeilen liest. Wir wollen darum nicht streiten. Uns kam es nur darauf an, zu zeigen, daß nicht nur die Deutschen, daß auch die Alliierten sehr vieles vergessen und viel lernen müssen, wenn sie ein Verhältnis herstellen wollen, das den Namen der Bundesgenossenschaft verdient. Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Und es wird noch manches bittere Wort fallen, bis Tomy Atkins, der Poilu und der „Fritz“ Schulter an Schulter marschieren.

Gewerkschaftssoldaten

-y- Garry Solomons, ein maßgeblicher Funktionär der britischen Arbeiterpartei, forderte auf der Jahrestagung dieser Partei allen Ernstes die Aufstellung von Gewerkschaften bei den britischen Streitkräften. Er erklärte, die britischen Soldaten müßten als „Männer unter Waffen“ und nicht als „waffentragende Jungens“ behandelt werden. Eine Armee-Gewerkschaft könne sich nur zum Besten für die Angehörigen der Streitkräfte auswirken. Soweit Herr Solomons.

Wenn man von Gewerkschaften spricht, denkt man in unwillkürlicher Gedankenverbindung sofort an Ueberstunden und Lohnerhöhung, an Betriebsräte und Mitbestimmungsrecht, um nur an weniges zu erinnern. Alles Dinge, die aus dem Alltag des schaffenden Menschen nicht mehr fortzudenken sind.

Bei der Armee jedoch scheint uns die Sache neu, interessant und vielversprechend. Man kann sich reizende Varianten ausdenken: Der Kompaniechef hat Nachtübung angesetzt. Der Betriebsrat tritt zusammen und kann sich nicht schlüssig werden, ob man ohne Ueberstunden- und Nachtdienstzuschläge der Befehlsbitte des Herrn Kompanie-Führers nachkommen solle. Wie peinlich wäre es, wenn bei Tarif Streitigkeiten die Urabstimmung eines Regiments ergeben würde, daß keiner der „Männer unter Waffen“ geneigt wäre, auch nur sein Gewehr zu reinigen, ehe nicht der Rubel, in diesem Fall der Schilling, stärker rollte. Und ganz schlimm würde es wohl im Ernstfall. Es wäre nicht auszudenken, wenn bei künftigen wirklich kriegerischen Verwicklungen der Betriebsrat einer Heeresgruppe, fußend auf seinem guten Mitbestimmungsrecht, dem Kommandierenden zu wissen gäbe, so lange es regne, fände der Krieg im Saale statt.

Aufhebung gefordert

Der Boykott gegen Spanien

Newyork, 5. Oktober, (dpa) Sieben lateinamerikanische Staaten haben bei den Vereinigten Nationen die Aufhebung des diplomatischen Boykotts gegen Spanien gefordert. Sie traten außerdem für die Beseitigung aller Hindernisse ein, die einer Teilnahme der spanischen Regierung an mehreren Sonderorganisationen der Vereinten Nationen entgegenstehen.

Das Ingendschutzgesetz

. Bonn, 5. Oktober, (dpa) Im Bundestagsausschuß für Jugendfürsorge haben jetzt alle Fraktionen dem Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der Jugend in der Oeffentlichkeit zugestimmt. Mit diesem Gesetz wird die alte Polizeiverordnung vom 10. Juli 1943 auf gehoben.

Das neue Gesetz bestimmt, daß Jugendliche unter sechzehn Jahren sich während der Dunkelheit nicht herumtreiben dürfen. Ihnen ist die Teilnahme an öffentlichen Tanzlustbarkeiten und der Zutritt zu Variete-, Kabarett- und Revueveranstaltungen und jugendgefährdenden Schaustellungen verboten.

Kommunistischer Aufruhr in Oesterreich

Wiener Regierung protestiert gegen Streikhilfe durch die Sowjets

Wien, 5. Oktober. (dpa/AP.) Die österreichische Regierung hat bei den Außenministern Großbritanniens, der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und Frankreichs gegen die russische Unterstützung der kommunistischen Streiks und Demonstrationen telegraphisch protestiert. Ein Sprecher der Regierung erklärte, der russische Kommandeur in Niederösterreich habe verboten, daß österreichische Polizei und Gendarmerie innerhalb der sowjetischen Besatzungszone verschoben oder aus anderen Besatzungszonen herangezogen wird. Damit ist es der österreichischen Polizei unmöglich gemacht worden, Pölizeiverstärkungen an Unruheherde zu entsenden.

Eisenbahnlinien blockiert

Die kommunistischen Aufrührer in Oesterreich haben sämtliche Eisenbahnlinien in Wien und alle nach außen führenden Bahngeleise — ausgenommen die Verbindung zum sowjetischen Hauptquartier in Baden — blockiert. Im russischen Sektor von Wien ist der Straßenbahnverkehr stillgelegt worden. In mehreren Stadtbezirken wurden Straßenbahnwagen aus den Schienen geworfen und der Verkehr durch umgestürzte Lastwagen gesperrt. Verschiedentlich wurden die Fahrgäste aus den Straßenbahnwagen herausgetrieben und die Fahrzeuge über die Donaubrücken in die Sowjetzone gebracht. An den Brücken standen überall Streikposten, die den Verkehr kontrollierten und nur Kommunisten und Fahrzeuge der Alliierten durchließen. Kommunistische Terror-Gruppen haben auch Straßensperren in den Westsektoren von Wien errichtet. Demonstrantenzüge von mehreren tausend Streikenden zogen einer nach dem anderen durch die Straßen West-Wiens und versuchten, auch in den Geschäftsvierteln Barrikaden zu errichten. Starke österreichische Polizeiaufgebote mit aufgepflanztem Bajonett konnten dort die Kommunisten in den Sowjetsektor zurücktreiben.

Blutige Zusammenstöße

Im Ostsektor und in der russischen Besatzungszone ist es zwischen den wenigen zur Verfügung stehenden österreichischen Polizisten und Zehntausenden von Kommunisten zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Das am Mittwoch von den Streikenden gestürmte Hauptpostamt von Wiener Neustadt ist in der Nacht zum Donnerstag von der Polizei wieder besetzt worden. Auf Befehl des russischen Stadtkommandanten mußte die Polizei jedoch wieder das Gebäude verlassen. Als sich die Polizei-Kordone wieder zurückzogen, wurden sie von einem Stein-

hagel der Kommunisten empfangen. Dabei ist einer der Demonstranten getötet, 175 teilweise schwer verletzt worden. Im zweiten Stadtbezirk von Wien versuchten die Kommunisten ebenfalls die Schließung des Postamtes zu erzwingen. Zweimal konnte die Polizei das Postgebäude zurückerobern. Zur Zeit ist es wieder in der Hand der Kommunisten.

Kommunistische Terrorakte

Kommunistische Banden in Stärke von mehreren hundert Mann ziehen durch die Städte und Ortschaften der sowjetischen Zone und versuchen, die öffentliche Ordnung zu stören. Der Bahnhof, das Elektrizitätswerk und das Postamt in St. Pölten wurden von den Kommunisten besetzt. In Floridsdorf zerstörten die Streikenden zahlreiche Wagen der Straßenbahngesellschaft. In einem Depot vernichteten sie sämtliche Stromverteiler. Die Straße von Tulln, wo sich ein großer amerikanischer Flugplatz befindet, ist von den Kommunisten ebenfalls gesperrt worden.

Die österreichische Regierung nimmt an, daß die 50 000 Arbeiter der von den Sowjets kontrollierten Fabriken in Wirklichkeit gar nicht streiken, sondern nach Feierabend die Tagesschicht abends und die Nachtschicht morgens ihre Demonstrationen veranstalten.

Ruhe in den Westzonen

In den von den Westmächten besetzten Zonen Oesterreichs ist der kommunistische Generalstreik gescheitert. Als die

Kommunisten versuchten, in den Donawitz-Metallwerken in Graz sämtliche Schmelzöfen zu löschen, wurden sie von nichtkommunistischen Arbeitern in heftiger Gegenwehr aus der Fabrik hinausgetrieben. Auch in den Stahlwerken bei Linz sind sämtliche Arbeitsplätze besetzt.


Die Bundesrepublik Oesterreich mit den wichtigsten Industrie-Zentren
Die Bundesrepublik Oesterreich mit den wichtigsten Industrie-Zentren

Oesterreich und Atlantik-Pakt

London, 5. Oktober, (dpa) In Anbetracht der gegenwärtigen Unruhen in Oesterreich nahm ein Sprecher des britischen Außenministeriums zu der Frage Stellung, auf welche Weise Oesterreich durch den Atlantik-Pakt geschützt ist.

Der Pakt, sagte der Sprecher, würde automatisch in Kraft treten, wenn die Besatzungstruppen (der Westmächte) in Oesterreich angegriffen werden. Im Gegensatz zu den Mitgliedstaaten des Atlantik-Paktes sei Oesterreich durch den Pakt allerdings nicht gegen eine Revolution geschützt. Doch könnte die österreichische Regierung die (westlichen) Besatzungstruppen offiziell um Hilfe bitten, wenn ihre Polizeistreitkräfte angegriffen werden.

Vatikan meldet Verhaftungen

Vatikanstadt, 5. Oktober, (dpa) Der Vatikan berichtet, daß die katholischen Geistlichen in der Tschechoslowakei neuem Terror und neuen Gewalttätigkeiten ausgesetzt seien.

Die anhaltende Verhaftungswelle habe jetzt zur Folge gehabt, daß der Rektor des Prager Seminars, die Kanoniker des Prager St.-Veits-Domes und mehrere Professoren der theologischen Fakultät von Königgrätz verschwunden seien. Ferner seien die Sekretäre mehrerer katholischer Bischöfe von der tschechoslowakischen Geheimpolizei verhaftet worden.

Kirche kündigt Mitarbeit

am kommunistischen Rundfunk

Berlin, 5. Oktober, (dpa) Die Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirchenleitungen in Berlin haben die Mitarbeit an den Morgenfeiern des kommunistisch geleiteten „Berliner Rundfunks“ und des „Deutschlandsenders“ eingestellt. Der Beschluß der Kirchenleitung wird damit begründet, daß trotz wiederholt gegebener Zusicherungen die klare christliche Verkündigung in den beiden Sendern in Frage gestellt sei.

Teilweise Aufhebung

London, 5. Oktober. (AP.) Großbritannien wird das Waffenembargo, das sofort nach Beginn der verstärkten Aufrüstungsanstrengungen in Kraft trat, für Griechenland und die Türkei aufheben.

Korea-Friedensplan angenommen

Sowjetischer Gegenplan von den Vereinten Nationen abgelehnt

Lake Success, 5. Oktober. (AP.) Der politische Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat den Acht Mächte-Plan zur Wiederherstellung des Friedens und zur Wiedervereinigung Koreas mit 47 Stimmen gegen die fünf Stimmen der Ostblockstaaten angenommen. Sieben Delegierte enthielten sich der Stimme. Der Plan wird Ende dieser Woche der Vollversammlung zur Entscheidung vorgelegt werden. Mit der zu erwartenden Annahme würden die Truppen der Vereinten Nationen stillschweigend die Ermächtigung erhalten, den 38. Breitengrad zu überschreiten.

Der sowjetische Korea-Plan und ein indischer Vorschlag, einen Kompromiß zwischen beiden Plänen zu suchen, wurden abgelehnt. Für den sowjetischen Plan hatten wieder nur die fünf Ostblockstaaten ihre Stimme abgegeben. 46 Delegierte lehnten ihn ab, während acht sich der Stimme enthielten. Der indische Vorschlag war mit 32 gegen 24 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt worden.

In dem sowjetischen Plan war die sofortige Feuereinstellung, und Zurückziehung der Truppen der Vereinten Nationen aus Korea vor der Abhaltung von Wahlen gefordert worden. Im Gegensatz hierzu sieht der Acht-Mächte-Plan vor, daß die alliierten Truppen erst nach den von den Vereinten Nationen beaufsichtigten Wahlen zurückgezogen werden sollen.

Ein Vermittlungsversuch

im indonesischen Konflikt

Djakarta, 5. Oktober. (AP.) Die Kommission der Vereinten Nationen für Indonesien hat am Donnerstag bekanntgegeben. daß sie beabsichtige, in den Konflikt zwischen Indonesien und der aufständischen „Republik der Südmolukken“ einzugreifen, um eine Einstellung der Feindseligkeiten zu er¬ wirken.

In der Verlautbarung heißt es, daß die Kommission unverzüglich versuchen werde, Näheres über die gegenwärtige militärische Situation auf den Süd-Molukken zu erfahren. Es werde bereits zur Zeit beraten, welche Schritte zur Einstellung des Blutvergießens unternommen werden können.

Weitere französische Erfolge

in Indochina

Saigon, 5. Oktober. (AP.) Starke französische Einheiten, die von That-khe aus nach Nordwesten vorstoßen, haben in schweren Kämpfen mit Vietminh-Truppen strategisch bedeutsame Stellungen erobert, wird am Donnerstag offiziell in Saigon bekanntgegeben.

Stimmen der Anderen

Die Labour-Konferenz

Die Züricher „Tat“ nennt den Labour-Kongreß in Margate eine „lauwarme Angelegenheit“. Die Konferenzatmosphäre sei müde und gelangweilt.

Der Wortschwall, der über das dornige Problem der Preise, Löhne und Dividenden niederging, ist bereits verrauscht, ohne daß einstweilen zu erkennen wäre, ob sich die Regierung wirklich zu einer neuen Anstrengung aufraffen will. Verschiedene ministerielle Redner deuteten zwar dunkel an, daß etwas getan werden müsse, und sie wiesen vor allem auf neue Steuermaßnahmen gegen die Reichen als einen möglicherweise gangbaren Weg hin. Ob dieser verhaltene Konferenzdonner wirklich neue Maßnahmen in dieser Richtung ankündigt oder ob es sich bloß um eine kleine Demonstration zur Besänftigung der Unzufriedenen handelt, kann vorderhand nicht gesagt werden. Der Höhepunkt der Konferenz, die Rede Außenminister Bevins, steht noch bevor. Aber im Grunde genommen rechnet niemand damit, daß Old Ernie der Konferenz mehr Leben einpauken kann, als sie hat. (Bevin hat inzwischen gesprochen. Bericht in dieser Ausgabe. Die Red.)

Staubsauger Rußland

Der Berliner Korrespondent des „Daily Telegraph“ vertritt dif Ansicht, Stalin könne unbewußt zum Retter der westlichen Zivilisation werden. Seine Politik führe zur Verelendung der Länder hinter dem Eisernen Vorhang und schaffe gleichzeitig im Westen eine neue Einheit, die aus dem gemeinsamen Widerstand gegen die Drohung aus dem Osten entstehe.

„Hinter dem Eisernen Vorhang liegt wirklich ein sonnenloses Land, weder der Ausschluß unabhängiger Beobachter noch die wortreiche Propaganda oder die künstlich herbeigeführten Jugenddemonstrationen können seinen wahren Charakter verbergen. Ostdeutschland ist verarmt, Ungarn und Rumänien, Länder von ungeheurem Agrarre'ichtum, die früher große Mengen Lebensmittel ausführten, hungern jetzt. In der Tschechoslowakei ist alles knapp, Sofia ist wie eine tote Stadt. Die Sowjetunion wirkl wie ein riesiger Staubsauger, der alles wegschluckt. Die Regimes in den Satellitenstaaten werden nur durch Furcht zusammengehalten, und sie würden sofort zerfallen, wenn die Macht im Mittelpunkt zerstört werden sollte.

Die sowjetische Bedrohung der Zivilisation sei so offensichtlich, daß sie dazu dienen könnte, die Zivilisation zu retten. Geschieht das, wird der unbewußte Erbauer Joseph Wissarionowitsch Stalin gewesen sein — wenn nicht, so wird die Schwache und Unentschlossenheit des Westens und nicht die Stärke des Ostens daran schuld sein.“

Die „Sühne“ des Chefredaltteurs

Berlin, 5. Oktober. (AP.) Der ehemalige Chefredakteur des Parteiorgans der Sozialistischen Einheitspartei, „Neues Deutschland", Lex Ende, arbeitet jetzt als „Sühne“ in einem sächsischen Eisenwerk. Auch die frühere Bundessekretärin des „Demokratischen Frauenbundes“, Maria Weiterer, muß „Sühnearbeit“ leisten. Beide wurden kürzlich aus der Sozialistischen Einheitspartei ausgeschlossen.

Ganeval verläßt Berlin

Berlin, 5. Oktober. (AP.) Mit einer Ansprache vor dem Berliner Stadtparlament verabschiedete sich am Donnerstag der französische Stadtkommandant, General Jean Ganeval, von Berlin.

Der General übernimmt den Posten eines französischen Vertreters im alliierten Sicherheitsamt in Koblenz. Sein Nachfolger in Berlin ist General Pierre Carolet, der bereits vor einiger Zeit aus Wien nach Berlin kam.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag. Hamburg

30) „Die junge Queen Victoria scheint in ihrer Wahl mehr als glücklich“, warf Henriette ein, die damit beschäftigt war, einen Strang bunter Seidenfäden auszusörtieren. „Aber sie ist wohl kein typisches Beispiel.“

Er antwortete nicht gleich, sondern lehnte sich in seinen Stuhl zurück und streckte die langen Beine zum Kamin aus. Sie hatte nicht erwartet, daß er nach der Schlafenszeit seiner Kinder noch verweilen würde; aber da er es nun einmal tat, schien es die natürlichste Sache auf der Welt zu sein, daß er ihr dort an der anderen Seite des Tisches gegenübersaß.

„Mademoiselle Deluzy“, brach er endlich das Schweigen, „ich hatte nicht beabsichtigt, jetzt davon zu sprechen; aber weil wir gerade von Heiraten reden, will ich Ihnen sagen, was mir durch den Kopf geht. Isabella und Louise werden es in den nächsten Jahren schwer haben. Sie reifen rasch heran. Körperlich sind sie fast schon Frauen, obwohl sie in ihrem Wissen und ihrem Wesen noch sehr kindlich sind. Ich möchte, daß sie in diesen Uebergangsjahren ihre Kindheit verlassen, ohne weiterhin. von den Aufregungen und Veränderungen, wie sie zuletzt so häufig vorkamen, beeinflußt zu werden. Dieses ewige Kommen und Gehen von Kinderfräuleins und Gouvernanten und dazu noch die angegriffene Gesundheit der Herzogin" —. Er breitete seine Hände in einer Geste der Hilflosigkeit aus — „aber was kann ich Ihnen noch sagen, was Sie nicht selber schon wissen!“

„Bitte, sprechen Sie doch weiter, Monsieur. Wenn ich es an irgend etwas habe fehlen lassen, so möchte ich, daß Sie es mir sagen.“

„Nein, nein!“ Er beugte sich über den Tisch und sah sie ernsthaft an. „Ich habe nichts zu tadeln, nur zu loben und zu danken für alles, was Sie an meinen Kindern getan haben. Sie haben Ruhe und Ordnung in ihr Leben gebracht, das bis dahin voller Wirren war.“ „Es ist doch selbstverständlich, daß ich mich nach besten Kräften darum bemüht habe, aber ich weiß, ich habe oft Fehler ge “

Mit einer Handbewegung schob er ihre Worte gleichsam beiseite. „Ich hatte schon vergessen, was Frieden heißt“, fuhr er fort, „aber heute abend in diesem Zimmer habe ich es wieder erfahren. Wissen Sie, ich glaube, es ist eine Ewigkeit her, seit ich dies alles nicht mehr erlebt habe — ein stilles Zimmer, ein gemütliches Feuer im Kamin, die brennende Lampe auf dem Tisch, eine Frau bei ihrer Handarbeit und Kinder, die ohne Tränen zu Bett gehen.“ Seine Worte rührten sie, aber die tiefere Bedeutung, die hinter ihnen lag, machte sie auch verlegen. Er hatte sich abrupt unterbrochen und sah nun vor sich hin, während seine Finger nervös mit einer Seidentroddel spielten, die Henriette vom Schoß geglitten war. Im hellen Lampenlicht fiel es Henriette auf, wie müde er aussah. In seinen Augen lag ein Ausdruck von Demütigung und Beschwörung. Seine Mundwinkel waren herabgezogen. In diesen Minuten, in denen er seine Zurückhaltung aufgegeben hatte, erkannte sie plötzlich, daß er in Wirklichkeit gar nicht der in Gold gekleidete, große, mächtige Held war, als der er ihr im Wald erschien. Er war nur ein gut aussehender, unglücklicher Mann auf der Höhe seines Lebens, den es ebensosehr nach ihrem Beistand verlangte wie seine Kinder.

„Verlassen Sie uns bitte nicht!“ Seine Stimme klang heiser. „Nehmen Sie nicht diese Zuflucht von uns, die Sie uns allen bereitet haben. Ich weiß, ich verlange viel von Ihnen. Ich kenne die Kränkungen und Zurücksetzungen, die Sie auf sich nehmen müssen. Gott weiß, daß mir das alles nicht unbekannt ist, und trotzdem bitte ich Sie, Ihren Stolz hintanzustellen und zu bleiben — zu unser aller Bestem.“

„Ich kann Ihnen das nicht versprechen, Monsieur. Es steht Ihnen frei, mir zu kündigen, und ich muß mir das gleiche Recht Vorbehalten, wenn es notwendig werden sollte. Vieles kann sich über Nacht verändern.“ Seiner Kehle entrang sich ein eigenartiger Laut, halb Seufzer, halb Stöhnen. Sie zögerte etwas und fuhr dann hastig fort: „Nicht, daß ich beabsichtige zu gehen. Ich möchte gern bleiben. Ich liebe die Kinder und möchte Sie und die Herzogin so gern zufriedenstellen “

,— falls das möglich ist', wollte sie hinzufügen, unterdrückte diesen Nachsatz aber.

„Ich will es Ihnen gut lohnen“ beharrte er. „Wenn Sie bleiben, bis Isabella heiratet. werde ich dafür sorgen, daß Sie eine Rente erhalten. Sie brauchen darüber nicht mit der Herzogin zu sprechen; aber ich werde das von meinem Anwalt schriftlich festlegen lassen, so daß Sie völlig sichergehen.“

„Aber, Monsieur, Ihr Wort genügt mir doch. Idi brauche keine weitere Sicherheit."

„Es wäre immerhin möglich“, fuhr er fort, „daß mir etwas zustößt; und dann hätten Sie doch außer meinem Wort noch etwas, worauf Sie sich stützen könnten. Mademoiselle Maillard ist fort; es wird Ihnen also nach Ihrer Rückkehr nach Paris niemand mehr in die Erziehung der Kinder dreinreden. Von jetzt an soll alles in Ihren Händen liegen, und wenn Sie irgendwelche Hilfe brauchen, dann sollen Sie selbst bestimmen dürfen, wen Sie dazu haben wollen. Sagen Sie ja, Mademoiselle Deluzy, damit ich nicht jedesmal, wenn ein Koffer aus unserem Hause getragen wird, fürchten muß, daß Sie es sind, die uns verläßt.“

Es war schwer, ihm zu widerstehen, wenn er so wie jetzt den ganzen Charme seiner Persönlichkeit auf sie wirken ließ, aber sie verteidigte hartnäckig ihren Standpunkt.

„Ich kann kein Versprechen abgeben, das ich vielleicht einmal brechen muß“, wiederholte sie, „doch will ich mein Bestes tun. Sie können sich darauf verlassen, daß ich mir künftig Kränkungen nicht so leicht zu Herzen nehmen werde. In meinem Beruf lernt man ja, sich damit abzufinden. Vielleicht habe ich zu viel Stolz besessen; aber .sehen Sie, das war meine einzige Mitgift.“

Er nickte. Die Seidentroddel war mittlerweile in seinen Händen zu einem unentwirrbaren Knäuel geworden.

„Es wird mir jetzt leichter fallen, nun ich Ihr Vertrauen besitze.“

Draußen hatte der Wind an Stärke zugenommen. Sie konnten ihn in den Eichen vor dem Haus hören und wie er die welken Ranken des wilden Weins gegen das Fenster peitschte. Auf dem Kaminsims schlug die plumpe Marrn oruhr zehn silberhelle Schläge. Der Herzog zog seine Taschenuhr mit den schweren goldenen Berlocken hervor, verglich die beiden Zeiten und erhob sich.’ Er trat zum Fenster und starrte' eine Weile durch die Vorhänge hinaus, als sähe er da draußen mehr als nur die dunkle Fensterscheibe. „Allerheiligen!“ sagte er. „Fast hätte ich’s vergessen, wenn ich mich nicht des alten Loti erinnert hätte.“

„In der Stadt vergißt man so etwas leicht, weil dort die Zeit nur den Lebenden gehört.“

„Nun“, er wandte sich zur Tür. „Wir wollen den Toten ihr Vorrecht nicht mißgönnen. Wir haben ja alle anderen Nächte vom Jahr für uns. Gute Nacht, Mademoiselle Deluzy. Morgen beim Mittagessen sehe ich Sie wieder.“

Sie hörte ihn die Treppe hinuntergehen, und der Klang seiner Schritte hallte noch lange in ihren Ohren nach, nachdem sich die Ruhe längst über das Haus gesenkt hatte.

Zehntes Kapitel

Im Jahre 1842 gab es keine weißen Weihnachten, aber am Silvesternachmittag schien die Sonne so blaß wie ein abgegriffener Kupferpennig und verzog sich schließlich hinter einen Vorhang von dahintreibenden Flocken. Henriette stand an ihrem Fenster und sah zu, wie der winterliche Garten in der Rue du Faubourg Saint Honore sich mit einem märchenhaften Weiß bedeckte.

(Fortsetzung folgt.)

Am 19. November Landtagswahl

Einigung für den Wahltermin in Hessen

Wiesbaden, 5. Oktober. (Eigener Bericht.) Nachdem die beiden Regierungs-Pa^ e#«n Vereinbarung über den Termin der hessischen Landtagswahlen getrotien haben und nach der am Donnerstag erfolgten Anerkennung des LandtasswaMgesetzes durch die Oberkommission wird die Landesregierung den 19. November zum Wahltag in Hessen bestimmen.

Der Termin des 19. November für die Landtagswahl ist auf einer Besprechung des Kabinetts mit den führenden Vertretern der hessischen SPD- CDU-Regierungskoalition vereinbart worden. Gleichfalls am Donnerstag ließ der amerikanische Landeskommissar den hessischen Innenminister wissen, daß die Oberkommission sowohl das Landtagswahlgesetz als auch die Novelle zum Beamtengesetz in der vom Hessischen Landtag am 13. September verabschiedeten Form genehmigt hat. Das neue Landtagswahlgesetz muß nun bis spätestens zum 19. Oktober — vier Wochen vor dem Wahltag — verkündet werden. Der neu zu wählende Landtag, der nur aus 80 Abgeordneten bestehen wird und in dem Staatsbeamte nicht vertreten sein werden, wird auf Grund des Artikels 83 der Hessischen Verfassung bereits am 7. Dezember zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammentreten. Der Artikel 83 der Hessischen Verfassung bestimmt, daß der Landtag kraft eigenen Rechts am 18. Tag nach der Landtagswahl zusammenzutreten hat.

Erhöhung der Fürsorge-Richtsätze

Dringlichkeitsantrag der Sozialdemokraten / Winterhilfe wird erwogen

Wiesbaden, 5. Oktober. (Eigener Bericht.) In gemeinsamer Sitzung befaßte sich am Donnerstag der Wirtschaftspolitische und der Sozialpolitische Ausschuß des Hessischen Landtags mit dem Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion über die Preisentwicklung und Lohnbewegung. In dem Antrag fordern die Sozialdemokraten Sofortmaßnahmen gegen die dauernden Preissteigerungen sowie eine Sicherung des Realeinkommens der arbeitenden Bevölkerung und der sozial schlechter gestellten Bevölkerungskreise.

Der Leiter der hessischen Wirtschaftsverwaltung, Ministerialdirektor Dr. Magnus, erklärte in seinem Referat, daß auf Grund der Entwicklung der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt weitere Preissteigerungen, vor allem bei Textilien und Lederwaren, zu befürchten seien, wenn diese nicht durch eine Verringerung der Zwischenspannen aufgefangen werden könnten. Hierfür allerdings habe die Bundesregierung bereits entsprechende Maßnahmen in Aussicht genommen. Allerdings seien die Maßnahmen der Bundesregierung auf dem Lebensmittelsektor noch nicht wirksam geworden. Die Mehrheit der Mitglieder des Wirtschafts- und Sozialpolitischen Ausschusses vertrat die Auffassung, daß die Zurückführung der Preise durch die in Hessen leider nur beschränkt möglichen Maßnahmen weder erreicht wurde noch erreicht werden kann. Auf dem Fleischmarkt sei zwar durch die Importe eine Senkung der Marktpreise, aber nicht eine solche der Verbraucherpreise eingetreten.

Der Vertreter der Freien Demokraten lehnte eine Zustimmung zum Dringlichkeitsantrag der SPD ab. Die Mehrheit des Ausschusses schloß sich der Auffassung an, daß auf eine Erhöhung der Fürsorge-Richtsätze für Unterstützungs- und Renten-Empfänger nicht verzichtet werden könne. Der Ausschuß wird in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch endgültig über den Dringlichkeitsantrag der SPD beschließen. Eine Winterbeihilfe zur Kartoffel- und Hausbrandversorgung für Minderbemittelte soll dann ebenfalls erörtert werden.

Alle Schleusen werden stilliegen

Vor einem Streik der Beschäftigten an den Wasserstraßen

Stuttgart, 5. Oktober. (AP.) Rund 20 000 Beschäftigte der Wasserstraßen sowie der Schiffahrtsverwaltungen des staatlichen Seeverkehrs und der Bundesschleppbetriebe treten am Freitagmorgen für unbegrenzte Zeit in den Ausstand. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Alfred Kummernuß, liegen ab Freitagmorgen alle Schleusen im Bundesgebiet still, keine Tonne Kohle, Getreide oder Erz kann auf dem Wasserweg befördert werden, die Schleppdampfer und Lotsen in den Häfen sowie die Feuerschiffe auf See werden ihre Tätigkeit einstellen.

Kummernuß erklärte vor der Presse, der Streik sei die Folge der Verständnislosen Haltung der Bundesregierung zu den Lohnforderungen der Gewerkschaft. Die Gewerkschaft hatte eine Lohnaufbesserung von rund 15 Prozent und eine Aufbesserung der Gehälter um 35 DM gefordert.

Ob die etwa 700 000 Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst, Transport und Verkehr in den nächsten Tagen ebenfalls in den Ausstand treten werden, hinge von den weiteren Beschlüssen der Gewerkschaftsvorstände ab. Von den 400 000 Mitgliedern der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr hätten sich nach den bisher vorliegenden Meldungen der Urabstimmung etwa 94 Prozent für einen Streik ausgesprochen.

Aufrüstung nur nach Volksbefragung

Ein Brief Niemöllers an Bundeskanzler Dr. Adenauer

WT. Wiesbaden, 5. Oktober. Kirchenpräsident D. Martin Niemöller hat zur Frage der Wiederaufrüstung an den Bundeskanzler ein Schreiben gerichtet, dem wir folgendes entnehmen: „Trotz aller gegenteiligen Zeitungsnachrichten wird die Remilitarisierung Westdeutchlands, d. h. die Wiederaufrüstung deutscher Menschen für einen möglichen Krieg zwischen Ost und West, mit allen Mitteln betrieben. Es erhält sich hartnäckig die Behauptung, daß alsbald eine ganze Anzahl deutscher Divisionen aufzustellen ist, als deutscher Beitrag für eine westeuropäische Streitmacht, die der „Verteidigung“ dienen soll.

Die Evangelische Kirche hat keinen Zweifel gelassen, daß sie einer Remilitarisierung nicht das Wort reden könne weder im Osten noch im Westen. Darüber hinaus werden sich evangelische Christen jeder Remilitarisierung praktisch widersetzen und sich darauf berufen, daß ihnen die Bundesverfassung dieses Recht gibt. Und wenn ihnen durch eine Verfassungsänderung dieses Recht wirklich entzogen werden sollte, so werden wir uns wieder einmal darauf berufen müssen, daß man Gott mehr gehorchen muß als den Menschen. Vor den Augen und Ohren des gesamten deutschen Volkes bitte ich Sie, Herr Bundeskanzler, in dieser entscheidenden Stunde nicht vollendete Tatsachen zu schaffen, ohne eine vorherige, echte Befragung der Bevölkerung des Bundesgebietes. Wenn diese Befragung auf Grund der Bundesverfassung nicht als Volksabstimmung geschehen kann, so müßten Neuwahlen vorgenommen werden. Diese Neuwahlen hätten aber so zu geschehen, daß die deutsche Bevölkerung in der Lage ist, die von ihr zu wählenden Kandidaten eindeutig zu fragen, ob sie sich in ihrer Amtsführung für oder gegen diese „Wiederaufrüstung“ einsetzen werden.

Wenn der gegenwärtige Bundestag über diese Frage entscheidet, so käme das einem Volksbetrug gleich, da kein deutscher Wähler bei der Wahl im Sommer 1949 die Absicht gehabt hat, dem Deutschen Bund die Vollmacht zu einer Kriegsrüstung oder Kriegsbeteiligung zu geben.

Wenn die westlichen Alliierten von Westdeutschland einen Beitrag an Waffen und Soldaten verlangen, dann sollen sie das selbst offen befehlen und sich nicht hinter einer deutschen Demokratie verstecken.“

Freistellung der Betrtebsrũte

Nun auch für die „Nichtorganisierten“

Wiesbaden, 5. Oktober. (Eigener Bericht.) Der Sozialpolitische Ausschuß des Hessischen Landtags befaßte sich am Donnerstagnachmittag mit dem Gesetzentwurf über die Freistellung von Betriebsratsmitgliedern für Betriebsratslehrgänge. Den Vorschlägen der CDU folgend wird die Regierungsvorlage dahin abgeändert, daß nicht nur gewerkschaftlich organisierte, sondern auch nichtorganisierte Betriebsräte zu den anerkannten Betriebsräte-Schulen freigestellt werden können. Weiterhin wurde den Arbeitgeberverbänden, die auch die Kosten für die Freistellung von Betriebsratsmitgliedem zu diesen Lehrgängen bezahlen, zugebilligt, bei der Aufstellung der Lehrpläne mitzuwirken.

Mit Panzer zusammengestoßen

Berlin, 5. Oktober. (AP.) Dreißig Personen seien getötet oder schwer verletzt worden, als am Mittwochabend ein mit Arbeitern vollbesetzter Eisenbahnzug und ein sowjetischer Panzer in der Nähe von Nauen zusammenstießen, meldet die West-Berliner Zeitung „Der Abend“ am Donnerstag.

Auf telephonische Anfrage bei der ostzonalen Eisenbahndirektion Berlin wurde das Unglück als solches zuerst in Abrede gestellt, später jedoch mit dem Bemerken bestätigt, daß es dabei nur zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte gegeben habe.

.. . Vater sein dagegen sehr

Landau/Pfalz, 5. Oktober, (dpa) Eine junge Frau legte am Mittwoch vor einer Wohnungstür in einem Landauer Haus einen etwa acht Tage alten Säugling nieder, klingelte und verschwand rasch. Die von den aufgeregten Hausbewohnern alarmierte Kriminalpolizei stellte fest, daß es sich um ein uneheliches Kind handelte, das dessen Mutter vor die Tür des säumigen Vaters gelegt hatte, um ihn so an seine Pflichten zu erinnern.

Wirtschaftsblatt

Rationalisiertes Bauen

F. C. Normung und Typisierung sind Kinder des Massendenkens. Sie setzen die Herstellung gleichmäßiger Gebrauchsgüter in großer Zahl voraus. Sie sind kein Ideal. Aber sie sind unter Umstän-

den sehr notwendig. Von solchen Gesichtspunkten hat sich auch die Hauptabteilung Wiederaufbau des Ministeriums für Finanzen und Wiederaufbau von Rheinland-Pfalz beim Blick auf den sozialen Wohnungsbau leiten lassen. Die beschränkten Geldmittel und die durch Flüchtlingsscharen verschärfte Wohnungsnot drängten zu einem Denken in Normen und Typen. Die Lohnerhöhungen im Baugewerbe und die Preissteigerungen für eine Reihe von Baumaterialien haben solche Gedanken

besonders begünstigt. Die bereits erreichten Erfolge sind beachtlich. Auf Grund von Normen gelang es, die Beschaffungskosten für Türen, Fenster und Treppenstufen in einem Ausmaß bis zu 35 Prozent zu senken. Auch die Geschoßhöhe hat das Wiederaufbauministerium festgelegt. Nicht zuletzt hat das Ministerium bestimmt, daß Wohnungen aus öffentlichen Mitteln in Rheinland-Pfalz nur noch dann gefördert werden, wenn die Bauherren die vorgeschriebenen Normen respektieren. Die Hand des Ministeriums kann naturgemäß nur in den mit Staatsmitteln geförderten Wohnungsbau eingreifen. Aber genügen diese Methoden der Rationalisierung, um die durch die jüngste Entwicklung ausgelöste Erhöhung der Baukosten aufzuhalten und auszugleichen? Bisher hatten die für den sozialen Wohnungsbau ausschlaggebenden Kreise die Ansicht verfochten, daß es notwendig sei, bestimmte Bauvorhaben unter besonderen sozialpolitischen Gesichtspunkten ohne eine enge Rücksichtnahme auf die Kostenhöhe zu verfolgen. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es aber Bauträger, die mit mehr oder weniger hohen Zuschüssen aus den Kassen der öffentlichen Hand auskommen. Zwingt nicht die Knappheit der Mittel und die Steigerung der Baukosten dazu, nunmehr jene Bauträger zu bevorzugen, die die geringsten öffentlichen Mittel für gewisse Projekte beanspruchen?

Auch die Ausstattung der Wohnwagen steht angesichts der erhöhten Kosten zur Debatte. Den Wohnungen des sozialen Wohnungsbaues hat man bisher in den meisten Fällen eine Badeeinrichtung gegeben. Die Aufwendungen für fünf Badeeinrichtungen entsprechen aber heute den Baukosten für eine Wohnung. Soll man also mit Badezimmer weiterbauen und dafür auf Hunderte von Wohnungen verzichten? Oder soll man wenigstens vorläufig die kostspieligen Badeeinrichtungen zurückstellen und dafür etwa 15 Prozent mehr Wohnungen jährlich errichten? Diese Fragen wird man gerade im Hinblick auf die Unterbringung der Flüchtlinge und Ausgebombten klarblickend entscheiden müssen.

„Schwarzes“ Benzin als Betriebsausgabe

Ho. in den gegebenen Zeitverhältnissen ist es nicht zu vermeiden, daß Gewerbetreibende ab und zu oder auch regelmäßig mit den ihnen zugeteilten Treibstoffkontingenten nicht ausreichen und für geschäftliche Kraftwagenfahrten „schwarzes" Benzin beziehen müssen. Erfahrungsgemäß stellen die Tankstellenverwalter über solche Benzinlieferungen meist keine Belege aus.

Für den Steuerpflichtigen, der in seinem Geschäftsbetrieb eine ordnungsmäßige Buchführung hat, darf sich das Fehlen eines Beleges in solchen Fällen nicht nachteilig auswirken. Ganz gleich, ob das für die Geschäftsfahrten benötigte Benzin legal oder „schwarz“ bezogen worden ist, bleibt die Kaufpreiszahlung für den Kaufmann eine Betriebsausgabe. Daß diese Betriebsausgabe nicht mit den Bewirtschaftungsbestimmungen inEinklang steht, ändert hieran nichts.

Dies muß auch dem Finanzamt gegenüber Geltung haben. Die Finanzverwaltung achtet grundsätzlich nicht darauf, ob ein Tatbestand gegen ein gesetzliches Gebot oder Verbot odez gegen die guten Sitten verstößt. Sie erhebt ihre Steuern auch aus strafbaren, nichtigen oder aus anfechtbaren Rechtsgeschäften, sofern die Beteiligten das wirtschaftliche Ergebnis des Rechtsgeschäftes eintreten und bestehen lassen. Die Finanzverwaltung darf umgekehrt keinen Vorteil daraus ziehen, daß aus Gründen der Illegalität des Benzinbezugs der Steuerpflichtige für seine Betriebsausgabe keinen Beleg erlangen konnte. Treu und Glauben fordern, daß das Finanzamt dem Steuerpflichtigen eine Möglichkeit zugesteht, diese Betriebsausgabe in anderer Form nachzuweisen. Die Oberfinanzpräsidien München und Hamburg haben dies nunmehr ausdrücklich anerkannt. Die Finanzämter im übrigen Bundesgebiet werden dem folgen müssen. Der Steuerpflichtige darf hiernach sich selbst einen Ersatzbeleg ausfertigen, auf dem neben Datum, Preis und Menge des bezogenen Benzins der Tankstellenbesitzer zu benennen ist und auf dem weiter zu vermerken ist, daß die Erteilung eines Belegs verweigert wurde. Nach Möglichkeit soll ein Zeuge noch die Richtigkeit des letzteren Vermerks bestätigen. Der bloße Ansatz eines allgemeinen Pauschbetrags von 20 Dpf. für den Kilometer kommt für den buchführenden Gewerbetreibenden nicht in Betracht. Daß das Finanzamt den Ersatzbeleg im Einzelfall dahin überprüfen kann, ob die in der Buchführung als Benzinverbrauch verbuchte Betriebsausgabe tatsächlich für geschäftliche Zwecke aufgewendet worden ist, daß also kein bloßer Scheinbeleg ausgefertigt wurde, versteht sich von selbst.

Starke Konjunktursteigerung

(lid) Das Landesarbeitsamt von Rheinland-Pfalz stellt fest, daß im August ein erheblicher Teil der Exportindustriebetriebe höhere Auslandsaufträge hatte als im Vormonat. Die Ausfuhr hat sich im August weiter erhöht, der Gesamtwert belief sich auf 753 Millionen Mark, das bedeutet gegen den Vormonat eine absolute Steigerung von 23 Millionen Mark. Die Steigerung des Exportes entfiel vor allem auf Werkzeug- und Kraftmaschinen, Personenautomobile und Teerfarbstoffe. Der Einkauf des Inlandshandels war stärker als im Juli. Die Industrie konnte — trotz höherer Erzeugung — der gesteigerten Nachfrage nicht in vollem Umfange gerecht werden. Die industriellen Lagerbestände mußten daher stark in Anspruch genommen werden.

Steuersenkung für Tabak

Hi Bundesfinanzminister Schäffer will in den nächsten Tagen Besprechungen mit Vertretern der Zigarettenindustrie führen, welche die Möglichkeit der Senkung der Zigaretten- und Tabaksteuer zum Gegenstand abenh sollen. Auf die Frage unseres Bonner Vertreters, ob eine solche Steuersenkung jetzt möglich sei, erklärte der Bundesfinanzminister, so, wie die Lage jetzt sei, müsse er sich eher mit den Möglichkeiten von Steuererhöhungen als mit einer Herabsetzung der Steuersätze beschäftigen. Trotzdem glaubt man in Kreisen des Finanzausschusses des Bundestags, daß ein Weg gefunden werden könne, der die Möglichket biete, die Verbrauchssteuer, wenn auch nicht generell, so doch etwa bei Zigaretten und Tabak zu senken.

Die Arbeitsgemeinschaft des Kartoffel¬ großhandels im Bundesgebiet weist den Vorwurf zurück, der Kartoffelgroßhandel habe seine Handelsspanne heraufgesetzt und damit zu der Kartoffelpreiserhöhung beigetragen. Bei einem Erzeugerpreis von 4,50 DM belaufe sich der Einstandspreis des Großhandels je nach Entfernung vom Erzeuger zum Verbrauchsort auf 5,10 bis 5,40 DM. Dabei betrage die Versandhandelsspanne nur zwanzig bis fünfundzwanzig Pfennig je Zentner.

Lahntalsperren könnten 400 Millionen kWh erzeugen. Das Wasserwirtschaftsamt Dillenburg hat in einem Untersuchungsbericht festgestellt, daß die Lahn bei Errichtung einiger Talsperren und Ausnutzung der gesamten im Niederschlagsgebiet der Lahn anfallenden Wasserkraft 400 Millionen kWh jährlich erzeugen könnte. Die Talsperren im Kreis Wittgenstein, im Dillkreis und im Weiltal könnten 40 Mill. kWh erzeugen. Das Wasserwirtschaftsamt Dillenburg hat nunmehr in einem Generalplan die Erbauung einiger Talsperren erwogen.

Im Mahnbachtal (Siegbezirk) soll eine neue Talsperre mit einem Fassungsvermögen von rund 4 Mill, cbm Wasser errichtet werden. Mit staatlichen und kommunalen Stellen über die Finanzierung wird verhandelt.

Eine polnische Vieheinkaufskommission hat jetzt im nordhessischen Zuchtgebiet 1600 Zuchtschafe der Rasse „Schwarzköpfiges deutsches Fleischschaf“ für Polen aufgekauft. Die Preise lagen zwischen 75 und 80 DM.

Dem Weltmarktpreis angenähert

Lederindustrie gegen liberalisierte Importe

Die Hausse auf den internationalen Warenmärkten hat auf die Preisentwicklung des Binnenmarktes verschiedene Auswirkung gehabt. Während der Textilimport durch vorsichtige Dispositionen an den ausgesprochen wilden Spekulationen des internationalen Marktes, die jetzt einige Korrekturen erfahren, vorbeigegangen ist, haben auf dem Viehhäutemarkt Preissteigerungen ungewöhnlichen Ausmaßes stattgefunden. so daß die Binnenmarktpreise Anfang September auf der Auktion in Essen mit etwa 20 Prozent über dem Weltmarktpreis lagen. Die Entwicklung an den internationalen Warenmärkten wurde verschärft dadurch, daß Argentinien seit Wochen keine Preise mehr bekanntgibt und dort infolgedessen nur wenige Käufe getätigt werden konnten. Damit ging die Nachfrage auch auf solche Länder über, die vorher von der allgemeinen Aufwärtsentwicklung der Preise weniger berührt worden waren, sich daraufhin aber der nach oben gerichteten Tendenz für Rohhäute und Felle anschlossen.

Nach der Versteigerung in Essen begann auf dem deutschen Markt wieder eine rückläufige Bewegung, die sich zuerst auf der Auktion in Stuttgart zeigte und sich in Hannover und Mainz in weiteren Abschlägen fortsetzte. Im Verlauf dieser Entwicklung dürften die deutschen Häutepreise nunmehr sich auf dem Niveau der Weltmarktpreise bewegen und damit für die kommenden Wochen, vielleicht sogar Monate, eingespielt haben.

Im Bundesgebiet reagierten sowohl die die Oeffentlichkeit als auch die verarbeitende Industrie sowie schließlich die Behörde auf die sich abzeichnenden Erhöhungen. Es ist aber anzunehmen, daß die erwähnte rückläufige Bewegung mehr auf den Eindruck der entspannten internationalen Lage und damit auf die Erwartung entsprechender Korrekturen auf den internationalen Märkten, zumindest für übersteigerte Spekulationen, zurückzuführen ist.

Ein anderes Kapitel ist die Bekanntmachung des Bundeswirtschaftsministeriums. wonach Leder nunmehr auf die Freiliste gesetzt ist. Die ledererzeugende Industrie macht hiergegen ernste Bedenken geltend. Die Gefahr einer übergroßen Einfuhr aus dem Auslande dürfte allerdings wegen der dort im Augenblick herrschenden starken Nachfrage nicht allzu groß sein. Im Falle einer Wandlung der Verhältnisse allerdings glaubt die ledererzeugende Industrie, daß der Binnenmarkt in bedenklicher Weise mit Importen überzogen werden könnte, zumal die deutschen Zollsätze niedriger sind als die des Auslandes und das Ausland weitgehend billiger produzieren kann als die Industrie des Bundesgebietes.

Neue Einfuhrfreigaben

(vwd) Der interministerielle Einfuhrausschuß genehmigte die Einfuhr von verschiedenen Rohstoffen sowie Halb- und Fertigwaren im Werte von 39 113 347 Dollar. Von dem Gesamtbetrag entfallen auf die gewerbliche Wirtschaft 30 092 847 Dollar, auf Ernährung und Landwirtschaft 9 020 500 Dollar. Im Rahmen dieser Ausschreibungen wurden Beträge in der Gesamthöhe von vierzehn Millionen Dollar für Bezüge auf Grund des deutsch-brasilianischen Handelsvertrages freigegeben.

Gegen Schaumweinsteuer

Die Industrie- und Handelskammern von Rheinland-Pfalz haben sich in einer gemeinsamen Eingabe erneut für die Beseitigung der Sektsteuer ausgesprochen. Ebenso wie die Landwirtschaftskammer von Rheinland-Pfalz haben sie darauf hingewiesen, daß die Höhe der steuerlichen Belastung des Schaumweines den Absatz drosselt, sowohl wirtschaftspolitisch als steuerpolitisch verfehlt ist und den Weinbau im Lande angesichts der zu erwartenden Ernte besonders benachteiligt.

Bößrsen und Warenmärkte

Bz. Die Frankfurter Börse am 5. 10. zeigte kein einheitliches Bild. Für einzelne Spezialwerte bestand weiterhin Interesse. So zogen Hanau Hofbrauhaus 5 Punkte auf 55, BBC auf 115, Schramm Lackfabriken auf 103 (also je 3 Punkte) an. Im Freiverkehr waren Porzellanaktien gefragt und konnten sich um 1 bis 2 Prozent verbessern. Dagegen konnte man einige Abgaben in Bergbauwerten als Folge des Austritts von Gen.-Dir. Reusch aus der Schuman-Plan-Delegation beobachten. Buderus notierten 80 (pl. 1,5), im Freiverkehr Gutehoffnungshütte 70 (— 0,75), Eisenhütte Köln 45,50 (— 0,75), Stahlverein 55 (— 0,75), Klöckner 69, Burbach Kali 64,50, Wintershall 49,50 (je — 1). Maschinenwerte stellten sich in der Mehrzahl 1 bis 2 Prozent höher, Chemiewerte waren voll behauptet,

Freie Devisenkurse

Bz. Am 5. Oktober 1950 wurden frei bewertet der US-Dollar mit 5,15—5,55 DM, das engl. Pfund mit 12—13 DM, der Schweizer Franken mit 1,15—1,25 DM, der holländ. Gulden mit 1,15—1,25 DM, die dänische Krone mit 0,85—0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72—0,78 DM. In den Berliner Wechselstuben wurden für eine DM-West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.

Internationale Warenpreise

Kurse vom 5. Oktober 1950

Alexandria Baumwolle: Karnak per Nov. 107,25; Ashmouni per Okt. 102,00. — Westdeutsche Metalle: Kupfer 239,50; Zinn 992. — Neuyork Getreide: Weizen, hardwinter Nr. 2 258*/s; Mais, gelber Nr. 2 178’/s; Hafer, weißer Nr. 2 99*/a; Roggen, westem fob NY. 1743/<; Mehl, hardwinter 5,80—5,95 nom., Roggenmehl 4,75—4,90 nom.— Kolonialwaren: NY. Zucker Nr. 5 loco 6,25; NY. Kaffee, Santos loco 55,00 nom.; NY. Kakao, Accra loco 33,75 nom. — Fette und öle: Chicago Schweine, leichte 11,75; Chicago, Schmalz, loco 11,62. — Textilrohstoffe und Häute: NY. Baumwolle, loco 41,55; NO. Baumwolle, loco 40,60; Sao Paolo Baumwolle per Okt. 278; Jute, Ld. Daisy 2/3 111; Häute, NY. per Dez. 27,65 g 85 b. Kautschuk: London, loco 47'/s nom.; Neuyork, loco 581/z nom. — Neuyork Loco-Metalle: Aluminium 19; Blei, loco NY. 16; Kupfer, midwest. 245/s; Nickel 48; Quecksilber, einh. 87—93; Zink, St. Louis 17V2; Zinn Grad „A“ 106V2.

Reorganisation der Viehmärkte

(ld) Im Rahmen der Reorganisation der Viehmärkte im Bundesgebiet sollen in Rheinland-Pfalz die in Koblenz, Mainz und Ludwigshafen bestehenden Viehmärkte in Großmärkte umgewandelt werden.

Als Viehgroßmarkt für Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern wird Stuttgart fungieren. In Nord- und Südbaden sollen die bisherigen Viehgroßmärkte in Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg in Zukunft als mittelgroße Märkte gelten. Im übrigen kommen als Viehgroßmärkte für Süddeutschland noch München und Frankfurt, unter Umständen auch Nürnberg in Betracht.

Feuilleton

Der Begrisff des Klassischen

VON THOMAS STEARNS ELIOT

Der bedeutende englische Kulturhästo. riker und Dichter T. S. Eliot (Nobelpreisträger 1948) hielt im Oktober 1944 vor der Virgil-Gesellschaft in London eine Ansprache, der nachfolgender Auszug entnommen wurde. Diese Ansprache ist, obwohl sie in ihrer Verkennung der weltliterarischen Bedeutung Goethes deutscherseits zur Kritik herausfordert, bezeichnend für Eliots „perspektivischen“ Blick auf die Höhen und Niederungen abendländischer Dichtung.

Wenn man sich auf die Begriffe einläßt, wie sie in der Auseinandersetzung zwischen klassisch und romantisch als Spielregeln dienen, wird das Prädikat „klassisch“ in Hinsicht auf ein Kunstwerk alsbald zu einem Ausdruck des höchsten Lobes oder der wüstesten Beschimpfung, je nachdem man zu der einen oder der anderen Partei gehört. „Klassisch“ vermittelt dann den Eindruck ganz bestimmter Vorzüge oder Mängel: einer formalen Vollkommenheit, einer ins Extrem getriebenen Kälte. Ich aber möchte eine bestimmte Gattung der Kunst umschreiben und strebe nicht nach dem Ziel, sie für absolut oder in irgendeiner Weise besser oder schlechter als andere Gattungen zu erklären.

Wenn es ein Wort gibt, auf das wir uns festlegen und von dem wir ein Höchstmaß dessen erfahren können, was ich mir unter dem Begriff „ein Klassiker“ vorstelle, so ist es das Wort „Reife“. Ich unterscheide hier zwischen dem universellen Klassiker wie Virgil und dem Klassiker, der es nur im Verhältnis zu den übrigen Literaturerzeugnissen in seiner Sprache ist oder im Hinblick auf die Lebensauffassung eines bestimmten Geschichtsabschnittes. Ein klassisches Werk kann nur entstehen, wenn eine Kultur reif ist, wenn Sprache und Literatur reif sind. Und auch dann noch muß es das Werk eines reifen Geistes sein. Der Bedeutungsgehalt, die Autorität einer solchen Kultur, einer solchen Sprache ist es, die zusammen mit der umfassenden Geisteskraft' des betreffenden Dichters den Charakter des Universellen verbürgt.

Reife der Sprache wird, wie man annehmen darf, eine Begleiterscheinung sein von Reife des Geistes und der Sitten. Die Sprache nähert sich wohl in dem Augenblick der Reife, in dem sie erfüllt ist von kritischem Gefühl für die Vergangenheit und ungetrübtem Vertrauen zur Gegenwart, während an der Zukunft noch nicht bewußt gezweifelt wird. In der Literatur heißt dies, daß der Dichter sich seiner Vorläufer bewußt ist und daß auch wir von den hinter seinem Werk stehenden Vorläufern eine Vorstellung haben, so wie wir zum Beispiel an einer individuell ausgeprägten, einmaligen Persönlichkeit doch gewisse Züge ihres Ahnenerbes wahrnehmen können. Die Vorläufer sollen ihrerseits große, in Ehren gehaltene Erscheinungen sein. Doch muß ihr Werk den Eindruck erwecken, daß in der Sprache noch unausgenützte Quellen vorhanden sind, und darf den jüngeren Schriftstellern nicht das bedrückende Gefühl einflößen, alles, was in der Sprache zu erreichen sei, sei schon geschehen.

Für den Dichter bedeutet es sicher auch in einem reifen Zeitalter einen Auftrieb, wenn er hoffen darf, etwas zu vollbringen, was seine Vorläufer noch nicht geleistet haben. Er wird sich unter Umständen sogar in Aufruhr gegen- sie befinden, so wie ein hoffnungsvoll#' Jüngling sich gegen die Glaubenssätze, die Gewohnheiten und Sitten seiner Eltern auflehnt. Trotzdem erkennen wir in der Rückschau, daß er ebenso der Fortsetzer ihrer Ueberlieferungen ist, wesentliche Familieneigentümlichkeiten bewahrt und in seiner von der ihren unterschiedenen Haltung nur den Unterschied zum Ausdruck bringt, der sich aus den Voraussetzungen eines veränderten Zeitalters ergibt.

Das klassische Werk muß, soweit es die Begrenzungen der Form erlauben, in einer maximalen Weise den gesamten Gefühlsbeieich ausdrücken, der für die jene Sprache sprechenden Menschen bezeichnend ist. Und zwar ausdrücken in aller erdenklichen Fülle und Tiefe und gleichzeitig so, daß es auf die Menschen den denkbar größten Eindruck macht: unter denen, die es angeht, wird das klassische Werk bei allen Klassen und Ständen gleichermaßen Widerhall finden.

Weist ein Werk der Literatur nun gar außer der Eigenschaft des Umfassenden (in Hinsicht auf die eigene Sprache) auch noch einen ähnlichen Bedeutungsgrad im Hinblick auf fremde Sprachen und deren Literatur auf, so kann man sagen, daß es Universalität besitzt. Wir dürfen zum Beispiel mit gutem Grund von dem dichterischen Werk Goethes behaupten, daß es den Begriff des Klassischen darstellt, nämlich in Ansehung des Ranges, den es innerhalb seiner Sprache und Literatur einnimmt. Andere Gründe aber — eine gewisse einseitige Parteinahme, eine gelegentlich wahrnehmbare Ungleichwertigkeit des Inhalts und das sehr Deutsche, um nicht zu sagen „Germanische“ der Empfindung; auch der Umstand, daß Goethe für das Auge eines Fremden doch stark fixiert ist durch sein Zeitalter, seine Sprache und seine Kulturepoche, so daß er nicht als Repräsentant der gesamteuropäischen Tradition gelten kann und, ähnlich wie unsere englischen Autoren des 19. Jahrhunderts, ein wenig provinziell anmutet — alle diese Gründe verbieten es uns, ihn als universellen Klassiker zu bezeichnen. Er ist ein universeller Autor, das will heißen ein Autor, mit dessen Werken jeder Europäer vertraut sein sollte. Aber das ist etwas anderes.

So wird sich in jeder modernen Sprache der eine oder andere Gesichtspunkt ergeben, der es uns unmöglich macht, das klassische Werk in ihr auch nur annähernd verwirklicht zu finden. Wir müssen uns vielmehr den beiden toten Sprachen zuwenden, und zwar ist es von Wichtigkeit, daß sie tot sind, denn durch ihren Tod sind wir in den Genuß der Erbschaft gekommen. Die Tatsache, daß sie tot sind, würde ihnen an sich natürlich keinen Wert verleihen, wenn nicht die Tatsache hinzukäme, daß sämtliche Völker Europas ihre Nutznießer sind.

Von den großen Dichtern Griechenlands und Roms nun wieder ist Virgil wohl derjenige, dem wir für unseren Begriff des Klassischen am meisten zu verdanken haben: das läuft nicht auf die Behauptung hinaus, daß er der Größte von allen wäre oder daß wir uns gerade ihm in jeder Hinsicht am meisten verpflichtet fühlen müßten. Die Dankesschuld, von der ich spreche, ist von einer ganz besonderen Art. Das Umfassende seines Werkes, die ganz besondere Qualität, die es aufzuweisen hat, rührt daher, daß in unserer Geschichte das Römische Reich und die lateinische Sprache eine ganz einzigartige Stellung einnehmen, eine Stellung, die geradezu unser geschichtliches Schicksal bestimmt.

Aehnlich dürfen wir von der römischen Literatur denken. Auf den ersten Blick ist es eine Literatur von begrenzter Reichweite, mit einem Aufgebot großer Namen, aber eben universal, wie keine andere Literatur es sein kann. Eine Literatur, die unbewußt, ihrem Schicksal in Europa gemäß, alle Fülle und Mannigfaltigkeit späterer Sprachen dahingibt, um dafür, zu unserem Besten, das Klassische hervorzubringen. Es genügt, daß diese Norm ein für allemal gesetzt ist, es braucht ein zweites Mal nun nicht mehr zu geschehen. Daß wir die Norm jedoch aufrechterhalten, ist der Preis unserer Freiheit, die Verteidigung der Freiheit gegen das Chaos.

Indien, selbst erlebt

Vor Hörern der Volkshochschule hielt Hans Joachim Jenke einen Filmvortrag über seine Erlebnisse als Pflanzer in Niederländisch-Ipdien. Zweiundzwanzig Jahre arbeitete der Sprecher als Tee- und Kaffeepflanzer in den Tropen auf Sumatra, und in dieser Zeit gewann er einen tiefen Einblick in das Leben der Einheimischen, in ihre Sprache und Mentalität.

Zwei Eigenschaften seien es, .die den Deutschen im Ausland in Mißkredit bringen: zum ersten seine unbezähmbare Arbeitswut, und zum zweiten seine Ueberheblichkeit allen Dingen gegenüber, die nicht „made in germany“ sind. In den Tropen werde mit anderen Zeitmaßstäben gerechnet, seine Geschäfte wickele man im Club zwischen einem Whisky-Soda und der nächsten Golfpartie ab, und es sei schon lange so, daß auch das Ausland Erzeugnisse herstelle, die zum mindesten mit denen deutscher Herkunft konkurrieren könnten. Der erste Film, der während des Vortrags gezeigt wurde, behandelte die Teegewinnung in Indien, zeigte die vielfachen Arbeitsgänge vom Pflücken bis zur duftenden Tasse Tee. Der zweite Tonfilm zeigte Ausschnitte aus der ältesten Kunst der Menschheit, dem Tanz. Gerade hierin sind die Inder unbestrittene Meister. In Jahrhunderten haben sie starre Regeln der Choreographie entwickelt, die zu beherrschen jahrelanges Training voraussetzt. Das indische Tanzzeremoniell kennt Hunderte von Gebärden, die alle ihre bestimmte Bedeutung haben. Mit ihnen lassen sich ganze Sagen tanzen, die jede den einheimischen Zuschauern verständlich ist, obwohl nur bei den wenigsten der monotone Chor die Erklärungen gibt. Der letzte Film zeigte das Leben in einem kleinen indischen Dorf im Ablauf des Jahres. Hier wird der Inder aller Romantik der Fabel entkleidet, hier ist nicht von Edelsteinen und Radschas die Rede, sondern von dem einfachen Bauern, der das Rückgrat und die uralte Kraft dieses jahrtausendealten Erdteils ist. Das zahlreich erschienene Publikum dankte Redner wie Volkshochschule gleichermaßen für diese interessante Veranstaltung. _st

Notizen

Das Kasseler Staatstheater hat mit fast dreitausend eingeschriebenen Abonnenten für die Winterspielzeit seine höchste Abonnentenziffer seit 25 Jahren erreicht. Die Zahl der Abonnenten hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Professor Dr. Nicolai Hartmann, Ordinarius für Philosophie an der Universität Göttingen, ist nach Erreichung der Altersgrenze emeritiert worden. Professor Hartmann, der am 20. Februar 1882 in Riga geboren wurde, gilt als einer der führenden deutschen Philosophen. Nach seiner Lehrtätigkeit in Marburg, Köln und Berlin wurde er 1946 auf den Lehrstuhl für systematische Philosophie in Göttingen berufen. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen „Das Problem des geistigen Seins“ und „Ethik“.

DT Film-Forum

1 gewendeter Mantel, 2 Blusen, 1 Hut ...

Wer heute OlgaTschechowa sieht, und an die große Serie ihrer Filmerfolge zurückdenkt, dem wird es kaum möglich erscheinen, daß diese reizende, charmante, schöne und elegante Frau einmal im Trubel der Großstadt Berlin stand, angetan mit einem gewendeten Mantel, zwei Blusen als Besitz und einem alten Hut auf dem Kopf. Zwei Ringe hatte sie allerdings auch noch, aber das war tatsächlich nun all ihr Hab und Gut, und übrigens kannte sie in Berlin keine Menschenseele. Daß sie aus solcher Tiefe sich zu der wirklich weltberühmten Spitzenstellung emporgearbeitet hat, das verdankt sie ihrem Talent und dem unbeirrbaren Willen, der sie beseelt hat.

Hätte es damals schon den Tonfilm gegeben, wir würden wahrscheinlich keine Olga Tschechowa kennengelernt haben, denn damals beherrschte sie die deutsche Sprache noch keineswegs, sie mußte sie sich erst mühsam in eifrigem Studium bis zur vollkommenen Beherrschung aneignen. Damals aber hatten wir — es war im Jahre 1921 — den Stummfilm, und da war es ganz gleich, was einer sprach, wenn er vor der Kamera stand: Nur die Mimik herrschte im Film, der Ton war noch nicht zu hören... so konnte Olga Tschechowa alle ihre Talente im Film voll entfalten, und die waren nicht gering! <

Sie war ja in einer Umgebung groß geworden, die voller künstlerischer Strömungen war! Ihr Onkel, der russische Schriftsteller Anton Tschechow, hatte um sich einen Kreis hochgeistiger und vielseitig interessierter Menschen gesammelt, und in diesem Kreis wuchs die kleine Olga auf, als sie von Alexandropol im Kaukasus, wo sie geboren war, nach Moskau kam. Ihr Vater war als Ingenieur im Kaukasus bei Bahnbauärbeiten beschäftigt gewesen; nun atmete sie Großstadtluft und kam mit einer Unzahl von künstlerischen Anregungen in Berührung. Sie begann zu zeichnen, zu modellieren — was sie heute noch gern tut — sie lernte Theater, Tanz, Literatur kennen und verlebte also eine überglückliche und schöne Jugendzeit. Eine romantisch vorschnell geschlossene Ehe mit einem Vetter Michael Tschechow war nicht von Dauer, es kam die russische Revolution, es kam all das namenlose Elend der Bürgerkriegsjahre, und dann also stand sie, ein Flüchtling, in Berlin und mußte sich durchbeißen.

Sie hat hier in Berlin, in Deutschland ihren Weg gemacht, sie hat hier „ihr Publikum“ gefunden. Von Hollywood, wohin sie einen Abstecher machte, kehrte sie 1930 wieder zurück: Sie hatte doch in Deutschland schon zu feste Wurzeln geschlagen. Und in der nun anbrechenden Tonfilmzeit steigerten sich ihre Erfolge ... Mit Jannings stand sie zum erstenmal vor der Tonfilmkamerä.

Heute sehen wir sie nun abermals, in einer dritten Epoche ihres Filmwirkens, und wir erfahren, daß sie nun nicht nur selbst vor der Kamera steht, wie schon immer, sondern daß sie auch als Filmproduzentin tätig ist: Die „Venus“-Filmist ihre in Gemeinschaft mit Richter-Constantin gegründete Filmgesellschaft. Ungebrochen an Schaffenslust, ungeschmälert an Charme und Liebreiz tritt sie vor uns hin, „die Frau, der keine Zeit etwas anhaben kann...“ Welch ein Geheimnis ist es, daß dieser Frau solche Schaffenskraft, so viel Jugend, Schönheit, strahlende Heiterkeit verleiht? Vielleicht liegt die Erklärung in dem kleinen Büchlein, das sie jetzt herausgibt: „Plaudereien über die Schönheit“. Woher es auch komme: Sie ist eine unserer großen Darstellerinnen und heute so lebenssprühend wie am ersten Tag, und dafür dürfen wir dem Geschick dankbar sein!


OLGA TSCHECHOWA
OLGA TSCHECHOWA

(Foto: CCC-Film/Artur Grimm)
(Foto: CCC-Film/Artur Grimm)

Ueber die Kunst Harald Kreutzbergs

Es gibt wenig Menschen, denen aus dem Stegreif mehr weltberühmte Vertreter der Tanzkunst einfallen, als sie an den fünf Fingern einer Hand aufzählen können. Ein Name aber ist in den breitesten Schichten eines Publikums zweier Erdteile in erstaunlichstem Maße geläufig: Harald Kreutzberg.

Wo dieser Name, der in fast allen Sprachen der Welt von den Plakatsäulen leuchtet, auf taucht, entsteht die Vertrautheit einer Kunstgemeinde in Erinnerung oder Erwartung eines großen künstlerischen Ereignisses, Dabei haftet dem Andrang zu diesen Abenden nichts von den billigen Ingredienzien der puren Sensation, welchen sich der laute Ruhm mit Vorliebe zu akkompagnieren pflegt. Gerade Kreutzbergs Kunst eignet jene große Schlichtheit, jene stille Verhaltenheit und Einfachheit, welche die Kennzeichen klassischer Werke sind. Seit beinahe zwei Jahrzehnten haftet ihm in gleichbleibendem Glanze der Ruhm an. Seit Jahren stellt die zünftige Kritik von Mal zu Mal den Scheitelpunkt seiner Kunst fest und das Publikum erwartet von Mal zu Mal das neue Programm, wie den Kampf eines Weltmeisters, der seinen Teil zu behaupten hat.

Daß er ihn wieder zu behaupten vermag, liegt nicht so sehr, wie viele Kritiker glauben möchten, in der ständigen Wandlung von Kreutzbergs Kunst. Sein Tanz ist einem Stil überhoben, den wir mit dem Begriff „modern“ zu bezeichnen pflegen.

Die Befreiung des Tanzes aus den Fesseln der Technik des klassischen Balletts geschah vor mehr als einem Vierteljahrhundert und der Jubel, der damals die Vorkämpfer dieser Tat in Deutschland umbrauste, ist seit geraumer Zeit einem Katzenjammer gewichen gegenüber der Tatsache, daß das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde.

Der Irrtum, Kreutzbergs Größe in seiner „modernen Richtung“ zu suchen, hat beim tänzerischen Nachwuchs die ähnlichen Resultate geliefert wie etwa bei Picasso in der Malerei. Ein Vergleich dieser beiden Künstler ist übrigens insofern nicht abwegig, als wir bei der Deutung ihrer Kunst einen großen Raum für dep Begriff: Geheimnisse der künstlerischen Persönlichkeit, aussparen müssen.

Gerade diese Ueberhöhung der Kunst Kreutzbergs über das „Nur Moderne“, dieses Bleibende, was seinen Tänzen trotz aller Stilwandlungen anhaftet, macht ihre Größe aus und gibt ihnen den Charakter des Klassischen. So erscheint uns Kreutzbergs Tanzkunst einen Grad erreicht zu haben, die ihr den Stempel der Zeitlosigkeit, vielleicht der Einmaligkeit, auf jeden Fall aber den der Unnachahmlichkeit verleiht.

Rilke sagt über die Plastik Rodins: „Dieser Gehende, der wie ein neues Wort für Gehen stand.“ — Diese Worte könnten für Kreutzbergs Tanz geschrieben sein.

Die Macht, mit der er es versteht, der alltäglichen Geste einen neuen Klang zu geben, der seinen humoristischen Tänzen den bestrickenden Zauber verleiht und uns in keinem Moment den großen Tänzer vergessen läßt, umgibt auch die ernsten Gestalten seiner Kunst: den „Engel der Verkündigung“, den „Zeremonienmeister“, das „Sternenlied“, den „Hiob“ mit jener Atmosphäre der Abgeklärtheit, wie sie nur um die großen Dinge der Kunst ist — eine dem Alltäglichen Abgewandtheit und Inständigkeit, und wir vermögen es kaum zu begreifen, daß diese Werke — Tragik der tänzerischen Materie — einmal für immer vergangen sein werden.

Wenige wissen, wie groß der Anteil ist, den die musikalische Mitarbeit von Fritz Wilckens an Kreutzbergs Tanzwerk hat. Die Einheit von Musik und Tanz in Kreutzbergs Kunst ist in einem solchen Grade gefördert, zu einer solchen Selbstverständlichkeit gemacht, daß wir uns der hierfür notwendigen Partnerschaft oft erst erinnern, wenn Fritz Wilckens beim Schlußbeifall aus den Kulissen vor den Vorhang tritt. Die vornehm bescheidene Art, in der er das tut, mag Aufschluß geben über das Phänomen, daß er seit Jahren seine Kunst und berechtigten künstlerischen Ehrgeiz einzig in den Dienst am Werke Kreutzbergs gestellt hat. Es ist dies neben anderen einer der Glücksfälle in der künstlerischen Laufbahn Harald Kreutzbergs.


HARALD KREUTZBERG Der Tänzer, der sich mit seiner Kunst die Welt eroberte, wird morgen abend um 20 Uhr in der Stadthalle in Darmstadt gastieren. Foto: Enkelmann, Berlin
HARALD KREUTZBERG Der Tänzer, der sich mit seiner Kunst die Welt eroberte, wird morgen abend um 20 Uhr in der Stadthalle in Darmstadt gastieren. Foto: Enkelmann, Berlin

Neue Filme in Darmstadt

UNION. — „Staatsgeheimnis“. Irgendwo liegt Vosnien, und in diesem Staat regiert der Diktator General Niva. Statt „Guten Tag“ sagt man dort „Vitasi Niva“ (auf deutsch „Heil Hitler“), die Polizei trägt Uniformen in bestem SS-Schnitt, die „Hohen“ fahren in schnittigen amerikanischen Wagen, die Sprache klingt leicht slawisch. Ein Arzt (Douglas Fairbanks jr.) wird aus dem kapitalistischen England gerufen, um dem Diktator durch eine Operation das Leben zu retten. Aber nach dem Motto „Operation geglückt, Patient tot“ entwickelt sich alles weitere. Der Tod muß Staatsgeheimnis bleiben, um die auf 99,9 Prozent Ja-Stimmen festgelegte Wahl in zwei Monaten nicht zu gefährden. Der Arzt soll daher liquidiert werden. Und jetzt gehts los: Doktor rückt aus, Polizei, Heer und Geheime Staatspolizei hinter her. haben ihn manchmal beinahe — kriegen ihn schließlich doch, soll erschossen werden — da schießts im Radio — Niva tot (der Doppelgänger) — Doktor gerettet — uff.

Es ist das satirisch und zynisch angefaßte Thema von der „Volksdemokratie“. Besonders in den Dialogen entwickelt sich in aller Schärfe die Polarität zweier Weltanschauungen. Manchmal geht es aber auch so zu, wie sich der kleine Moritz die Diktatur vorstellt. Die Flucht nimmt mit allen technischen Mitteln, mit genialen Einfällen, mit einem phantastisehen Reichtum an Einzelepisoden, mit einer gut geführten Kamera gut zwei Drittel des ganzen Streifens ein, zweifellos im allgemeinen sehr spannend — aber schließlich wird doch ein bißchen zu lange geflüchtet. Prächtig sind die schauspielerischen Leistungen von Douglas Fairbanks jr., Glynis Jones und Jack Hawkins. -n

HANSA: „Ditte — ein Menschenkind“. Es ist nicht selten, daß das Problem eines unehelichen Kindes vom Film aufgegriffen worden ist. Selten — um nicht zu sagen einmalig — ist jedoch diese preisgekrönte Produktion der A/S Nordisk Films Kompagni Kopenhagen. Der Film, der nach dem Roman von Martin Andersen-Nexö gedreht wurde, ist so voller Dramatik und so realistisch, wie man es bislang selten oder gar nicht gesehen hat. Die straff geführte Regie (Lavard Friisholm) duldet keine Längen, ist gefeilt bis ins letzte, reißt den Zuschauer mit, um den sich keine langweilige, sentimentale Story webt, sondern ihm das Schicksal Dittes, eines unehelichen Kindes, nahebringt, ihn das Leben erleben läßt. Man kann sich nicht freimachen von dem Bann, der einen vom ersten bis zum letzten Bilde fesselt. Die Fotografie ist eindringlich, kommentiert, was nicht gesprochen wird. Man möchte wünschen, daß dieser Film beim Publikum die Resonanz finden möge, die ihm gebührt. —zr—

Darmstadt und Umgebung

Henriette gefunden

HGR. Daß wir Henriette so schnell finden würden, hätte gestern, als wir an dieser Stelle „Henriette“ suchten, niemand gedacht. Bestimmt auch nicht die Post, die schon mehrere Wochen nach ihr fahndete, wie unsere Leser wissen, ergebnislos. Wir hatten eben Glück.’

Kaum hatte ich heute morgen die Redaktion betreten, ging es los: „Haben Sie die Karte?“, tönte es mit sonorer männlicher Stimme aus der Muschel des Telefonhörers. Ueberflüssig zu sagen, daß mir schlagartig alle meine Sünden einfielen. Sollte Henriette etwa doch verheiratet sein? Ich gab mir einen Ruck und fragte scheinheilig: „Bitte, welche Karte meinen Sie, mein Herr?“

„Ei, die von der Henriette“, kam es ungeduldig.

„Ach so ... (ein tiefer Atemzug). Nein, die habe ich nicht. Die liegt bei der Post. — Hm, kennen Sie eigentlich Henriette näher?“ warf ich schüchtern ein.

„Und ob. Sie ist nämlich meine Kollegin ...“

Ich gab mir noch einmal einen Ruck: „Ist sie verheiratet?“ Ich hörte mein Herz bis zum Halse klopfen und lauschte angespannt in den Hörer hinein. Am anderen Ende vermeinte ich ein unterdrücktes Kichern zu hören. Ich mußte mich aber getäuscht haben, denn die Antwort war knapp und drastisch: „Natürlich“. Dann machte es klick, und die Verbindung war weg . . .

Ich beriet mich mit meinem Kollegen. Dann taten wir das, was Journalisten tun müssen, wenn sie sich nicht mit halber Lösung zufriedengeben wollen: Wir recherchierten, um Henriette zu finden. Und wir fanden sie.

Sie ist wirklich hübsch. Herr Christoph Teuffenbach hat nicht übertrieben. Heute nachmittag werden wir Henriette interviewen. Beim Kaffee . . .

Arbeiterwohlfahrt sammelt

Die Arbeiter-Wohlfahrt wird vom 6. bis 15. Oktober diesen Jahres eine Landessammlung durchführen. Sie wendet sich in dieser Zeit an alle sozial empfindenden Menschen mit der Bitte um Spenden, die es ermöglichen sollen, die umfangreichen Aufgaben auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege zu erfüllen.

Die A.W. Hessen unterhält 10 Kinder-Erholungsheime mit insgesamt 530 Plätzen, 3 Erholungsheime für Werktätige und Rekonvaleszenten mit 140 Plätzen, 4 Altersheime mit 234 Plätzen, 22 Kindergärten und 140 Nähstuben mit 280 Nähmaschinen. Diese Einrichtungen müssen unterhalten und ausgebaut werden.

Darüber hinaus müssen Mittel zur Verfügung sein, um persönliche Unterstützungen in Form von Geld- und Sachspenden gewähren zu können. Wenn auch vom Staate und von den Städten große Mittel zur Bekämpfung wirtschaftlicher Not bereitgestellt werden, sie reichen nicht aus, die Not der Erwerbslosen, der Kleinrentner und deren Kinder zu beseitigen. Zahlreich sind die Gesuche um eine Beihilfe, die die Arbeiter-Wohlfahrt laufend erreichen und die sich vermehren werden, je näher wir dem Winter kommen.

Die Not der Mitbürger zu lindern, muß vornehmste Verpflichtung sein für alle, die dazu in der Lage sind.

Modeschau - Hausfrauen-Quiz und Verlosung

Ein unterhaltender Nachmittag des Hausfrauenbundes

Für den Mittwochnachmittag und -abend hatte der Hausfrauenbund, Darmstadt, zur Feier seines Ijährigen Bestehens in den Concordiasaal eingeladen. Schon vor 15 Uhr herrschte frohes, erwartungsvolles Treiben, denn es war mit Modeschau, Hausfrauen-Quiz und Verlosung viel versprochen worden.

Nach der herzlichen Begrüßung durch die stellvertretende Vorsitzende des Hausfrauenbundes nahm das Programm

seinen geplanten Verlauf, musikalisch geleitet von einer Studentenkapelle der Technischen Hochschule, angesagt von Lotte Heinen, Stuttgart, die in Vertretung für den Conferencier Michael Arco gekommen war.

Der Kaufhof zeigte einen Teil seiner reichhaltigen Herbstkollektion, die schon vielerorts über den Laufsteg gegangen ist, und immer wieder Bewunderung und Beifall erregte, da die von den Damen, Herren und Kindern in so ansprechender Weise vorgeführten Modelle den Dreiklang: praktisch, geschmackvoll, preiswert in sich vereinen. Herr Sittard vom Kaufhof sagte die Schau an. Der herzliche Applaus galt jeweils außer den Mannequins und Moden auch seiner netten Vortragsart. Nachdem der festliche Brautzug mit Blumen streuenden Kindern Brautjungfern und vornehm in Schwarz gekleideten „Muttis“ über den Laufsteg gezogen war, trat eine Pause ein, während der Besucherinnen und Besucher die Stände der ausstellenden Firmen umlagerten.

Da waren die Persil- und Flammerwerke mit ihren bekannten Wasch- und Reinigungsmitteln vertreten, die Imhausen-Forschung präsentierte ihre Warta-Erzeugnisse, die frischfarbenen Glücksklee-Milchdosen leuchteten von schön geordneten Regalen, Krafts Knäckebrot, Maggi-Erzeugnisse und Nescafe — Nestlemilch warben von Tischen und Plakaten. Doch nicht genug mit der prächtigen Vielfarbigkeit und den zahllosen Werbeschriften: Kost- und Warenproben gab es in großzügiger Menge, ohne daß die Haushaltskasse eine Ausgabe verbuchen mußte. Ebenso willkommen waren den glücklichen Gewinnern bei Quiz und Verlosung die von den Firmen gestifteten reichhaltigen Preise, zu denen auch Darmstädter Geschäfte beigesteuert hatten.

Die Quiz-Fragen waren nicht allzu schwer. Lotte Heinen entledigte sich dabei ihrer Aufgabe mit Geschick und Humor. Was sie sonst als Ansagerin bot, lag bei allem anheimelnden „Schwäbeln“ leider nicht über dem gewöhnlichen Niveau der Adam-Eva-Anzüglichkeiten und „Kindermund“-Geschichten. Auch ist es vielleicht nicht ganz passend, gerade bei einer Veranstaltung, die von Müttern und Hausfrauen getragen wird, das Wiedersehen von Mutter und aus Rußland heimkehrendem Sohne zum Thema eines Chansons zu machen. Doch gingen die Gäste mit freundlichem Applaus darüber hinweg und bewahren gewiß ingesamt den Eindruck einer wohlgelungenen, erfreulichen und praktisch ergiebigen Veranstaltung. Di » » »

Am Dienstag, dem 10. Oktober, veranstaltet der Hausfrauenbund in Verbindung mit dem Presse-, Werbe- und Verkehrsamt eine Autobusrundfahrt durch Darmstadt, um Neubauten und Siedlungen zu besichtigen. Die Führung über-

nimmt die Stadtbauverwaltung. Abfahrt 14.00 Uhr am Heag-Haus, Luisenstraße. Karten zum Preise von 1,40 DM sind im Reisebüro, Rheinstraße, zu erhalten.





Neue Heimat zwischen Kiefernwäldern

Zum Fest der Ungarndeutschen in der „Donausiedlung“

Wenn man sagt, daß Ungarn da anfängt, wo die erste Paprikaschote auf dem Boden liegt, so beginnt es am Stadtrand von Darmstadt. Fährt man die Eschollbrücker Straße hinaus, dann liegt zur linken Hand die Heimstättensiedlung, die seit einiger Zeit in „Donausiedlung“ umgetauft wurde.

Seit Monaten wird dort emsig gearbeitet, und am kommenden Sonntag ist es soweit, daß die ersten 19 Doppelhäuser ihrer Bestimmung übergeben werden können, womit die Ungarndeutsche Bauhandwerkersiedlung ihren ersten Bauabschnitt beendet. Diese Siedlung geht auf die Initiative der Landesstellenleiterin des Ungarndeutschen Hilfskomites in Hessen, Frau Dr. Irma Steinsch, zurück, die in den Novembertagen des Jahres 1948 auf der Suche nach Gelände für eine Siedlung der ungamdeutschen Heimatvertriebenen nach Darmstadt kam, und hier dank des Weitblicks unseres Oberbürgermeisters 12 ha Land für 100 Doppelhäuser zur Verfügung gestellt bekam. Jeder der Siedler erhält nun einen Bauplatz mit 600 qm mit einem halben Doppelhaus, in dem die meist sehr großen Familien untergebracht werden.

Am 25. April 1949 begannen 38 ungarndeutsche Siedler mit dem ersten Spatenstich, um in ihrer Freizeit in Selbsthilfe und in Gemeinschaftsarbeit ein neues Heim zu schaffen. Es war selbstverständlich, daß der Plan bei Behörden und auch in den Reihen der Ungamdeutschen mancherlei Bedenken auslöste, die erst durch die wohlgeleitete Arbeit der Genossenschaft zerstreut wurden. Da die Siedler als Fachkräfte aus dem Baugewerbe kommen, konnte eine fünfzigprozentige Selbsthilfe geleistet werden, durch die es

gelang, ein Doppelhaus mit 4 Wohnungen zu je 2 und 21/* Räumen für den halben Kostenpreis zu bauen. Wichtigste Voraussetzung einer Siedlung ist der Arbeitsplatz des Siedlers. Alle 38 Siedler konnten bei Darmstädter Firmen untergebracht werden und stellen heute gesuchte Fachkräfte dar. Wenn sie am Sonntag aus ihren recht kümmerlichen Notunterkünften ausziehen werden, dann ist der erste Schritt zur Eingewöhnung in die neue Heimat getan.

Im Rahmen der Uebergabe der Neubauten an die Siedler wird über das Wochenende eine kleine Festfolge veranstaltet, die mit der samstäglichen Ausstellungseröffnung „Alte und Neue Heimat“ im Siedlungshaus Nr. 7 beginnt. Der Sonntag wird mit einem Festgottesdienst in der Matthäuskirche eingeleitet, den Pfarrer Stenger und Pfarrer Spiegel-Schmidt, der Bundesleiter des Ungarndeutschen Hilfskomites und Geschäftsführer des Ostkirchen-Ausschusses halten werden. Dabei werden die Vertreter der evangelischen Landeskirche und des evangelischen Hilfswerkes sprechen. Um 10.30 Uhr findet im Festzelt auf dem Siedlungsgelände der eigentliche Festakt statt. Oberbürgermeister Metzger, wie Ministerialdirektor Dr. Nahm vom Ministerium, Ministerialdirektor Wenzel Jaks ch , Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, des Landesverbandes der Ausgewiesenen in Hessen und Dr. Heinrich Mühl, der Sprecher der Ungarndeutschen Landsmannschaft in Baden werden anläßlich der Feierstunde das Wort ergreifen. Anschließend erfolgt die Einweisung der 38 Siedler in ihre neuen Heime. Nach dem Mittagessen wird die Ausstellung besichtigt und am Nachmittag beginnt die Festveranstaltung, mit Spielen der ungarndeutschen Siedlerkinder und Liedern der Jugendgruppe der Matthäusgemeinde. Der Abend bleibt als Ausklang einem großen Volksfest vorbehalten. hfl

traßenbahnzug riß auseinander

Gestern abend geriet der Anhänger eines Straßenbahnzuges der Linie 2 beim Umrangieren vor dem Hauptbahnhof aus den Schienen und riß vom Motorwagen ab. Er lief auf dem Pflaster neben diesem ein Stück her und kam unmittelbar daneben zum Stehen. Personen kamen durch die Vorschrift der HEAG, während des Umrangierens keine Fahrgäste mehr in den Wagen zu dulden, ni,cht zu Schaden.

Ostzonenflüchtlinge tagten

In einer Veranstaltung der Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzone im Gasthaus „Zur Sonne“ (Eberstadt) beanstandete der Vorsitzende der südhessischen Vereinigung, Bilger, am Anfang seiner Ausführungen, daß der Aufbau einer wirklichen demokratischen Verwaltung bei den Behörden und der Bundesrepublik erschreckend langsam vor sich gehe. Besonders nachteilig wirke sich das für die Flüchtlinge aus der Sowjetzone aus, für deren Schutz noch jede Gesetzgebung fehle.

Nach längeren Ausführungen forderte der Redner zum Schluß eine klare Anweisung der obersten Verwaltungsstelle über die neue Meldeordnung an die untergeordneten Stellen und deren Bekanntgabe durch die Presse. Für das Jahr 1951 hoffe er, daß die Flüchtlinge aus der Sowjetzone endlich einmal bei der Verteilung der ERP-Kredite zur Schaffung von Wohnraum berücksichtigt würden. t-s

Lastzug gegen Schloßmauer

Gestern nachmittag parkte ein Lastzug, der in Roßdorf 11 Tonnen Steine geladen hatte, auf dem Marktplatz. Die beiden Fahrer gingen in ein benachbartes Geschäft und fanden zu ihrem Entsetzen bei ihrer Rückkehr ihren Lastzug nicht mehr am alten Platz. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit selbständig gemacht, war quer über den Marktplatz und die Straße gerollt und hatte einen Teil der Schloßmauer in den Schloßgraben gestürzt. Der massive Rest konnte jedoch die selbständige Fahrt aufhalten, so daß kein weiterer Schaden entstand und der Lastzug mit eigener Kraft seine Fahrt fortsetzen konnte.

Neues Banzentrum an der Heidelberger-Straße

Verwaltungshaus für die Deutsche Bausparkasse

Dieser Tage begannen die Vorbereitungen für ein neues repräsentatives Bauvorhaben in der Heinrichstraße, Ecke Heidelberger Straße. Die Deutsche Bausparkasse errichtet dort ihr neues Verwaltungshaus. Seit das ehemalige Gebäude der DBS, das 1928 erworben worden war, dem großen Bombenangriff zum Opfer fiel, hatte sich die Direktion mit einem Behelfsgebäude im Hintergrund des Grundstückes begnügen müssen.

Bewußt war auf die Ausstattung dieses Hauses kein allzu großer Wert gelegt worden, da man unnötige Kosten vermeiden wollte. Das neue Gebäude wird, im Gegensatz zu dem zerstörten, näher an die Straße herangerückt werden, und bildet in seiner Lage einen Blickfang, da die Ecke der Heinrichstraße abgerundet wird, und so von der Eschollbrücker Straße, wie von beiden Seiten der Heidelberger Straße eingesehen werden kann. Die Vorderfront soll mit hellen Muschelkalkplatten verkleidet werden. In seiner ruhigen Sachlichkeit dürfte das Bauwerk als Muster für die Anlieger dienen, die hoffentlich bald die Lücken der noch in Trümmer liegenden Grundstücke beseitigen werden.

Die Pläne für den Verwaltungsbau der DBS entstanden unter Beratung von Oberbaudirektor Prof. Grund, der manche Anregung zur zweckmäßigen Ausgestaltung gab. So wird dem Haupthaus ein Pavillon aus Stahl und Glas vorgelagert werden, der für Ausstellungszwecke gedacht ist. Das gesamte Grundstück wird als ein großei' freier Platz angelegt, mit Grünanlagen und Springbrunnen. Das Gebäude besitzt vier Stockwerke, ist dreizehn Meter breit und sechsunddreißig Meter lang. Im Kellergeschoß werden die Tresoranlagen eingebaut, das Parterre dient den Räumen für die Publikumsabfertigung. der Maschinenbuchhaltung und der Kasse, während im ersten Obergeschoß die Direktionszimmer und die Sitzungssäle Aufnahme finden werden.

Die Baustoffe liefert die Firma Strabag, Backsteine und Trümmersplittsteine die aus den „einheimischen“ Rohstoffen gewonnen werden. Vorstand und Aufsichtsrat haben beschlossen, den Bau in eigener Regie zu unternehmen. Architekt Dipl.-Ing. Steinigeweg hat die Bauleitung übernommen. Finanziert wird das Verwaltungsgebäude nicht etwa aus den Zuteilungsmitteln der Deutschen Bausparkasse. sondern ausschließlich aus eigenen Mitteln der Genossenschaft, denn der Grundsatz der DBS ist. daß in erster Linie die Wohnungsnöte ihrer Bausparer behoben werden sollen. Li



Philologen tagten in Fulda

Ergänzend zu unserem gestrigen Bericht über die Philologentagung in Fulda, geben wir einem Tagungsteilnehmer Raum über seine persönlichen Eindrücke zu berichten.

Fulda, die Stadt, in der sich die älteste Schule Deutschlands befindet, hatte mit großem Anteil an dieser Tagung teilgenommen. Die Schulen und Orangerie im Fahnenschmuck, der Oberbürgermeister Dr. Raabe, M. d. L„ hielt in der öffentlichen Kundgebung eine Rede über die Probleme der Schule vom Standpunkt des Parlamentariers und Kommunalpolitikers aus. Fulda, als ein geistiges Zentrum Hessens, sprach den Wunsch aus, jährlich diese Tagung in den Mauern der alten Bischofsstadt zu sehen.

Professor Dr. Ullrich, Universität Gießen, umriß in seiner Festrede die Stellung der höheren Schule im Rahmen der deutschen Volksbildung. Die wichtigsten aktuellen Schulprobleme wurden in weitem Umfange behandelt, Schulverwaltungsgesetz, Lehrerfortbildung und Reformen des Schulwesens lebhaft diskutiert. In Verhinderung des Hessischen Kulturministers Dr. Stein tat zu diesen Fragen Oberstudiendirektor Dr. Gerhard die Ansichten des Ministeriums kund und nahm andererseits die Ansichten der Tagungsteilnehmer entgegen.

Das hohe geistige Niveau und die positive Anteilnahme der Teilnehmer ließen die Veranstaltung zu einem Höhepunkt schulpolitischer Arbeit werden, wobei festzustellen ist, daß man hier von einer wirklichen Demokratisierung bei der “ ehandlung von Schulproblemen sprechen kann. Denn der Hessische Philologenverband als die auf freiwilliger Basis gebildete Berufsorganisation der Lehrer an höheren Schulen kennt kein anderes Ziel, als in Zusammenarbeit mit der Regierung, der Elternschaft, anderen Lehrerorganisationen und allen am Schulwesen interessierten Kreisen an den großen Problemen der Erziehung mitzuarbeiten. * -s

Ein treuer Hausgeist

Vor wenigen Tagen wurde in einem Hause der Eberstädter Villenkolonie das seltene Jubiläum gefeiert, daß der gute Geist des Hauses. Fräulein Anna Ziegler. schon 45 Jahre im gleichen Haushalt tätig war. Als junges, 27jähriges Mädchen war sie damals im Jahre 1905 am 1. Oktober in den Haushalt des Herrn Ferdinand Vogler, jetzt Rittmeister a. D„ in Straßburg eingezogen, hatte nach dem ersten Weltkrieg die Uebersiedlung nach Darmstadt mitgemacht und blieb, nachdem die Frau des Mannes gestorben war, die Haushälterin ifires bejahrten Herm bis zum heutigen Tage. Schon selbst in dem Alter, in dem man gerne im Ruhestand lebt, kennt sie auch heute noch keine Rast, ist unermüdlich tätig und hilfsbereit überall, wo es notwendig ist.

Der Bund ehemaliger Wehrmachtsange¬ höriger hält am Samstag, dem 7. Oktober, um 15 Uhr, im Saal der Stadtküche in der Bessunger Straße eine Versammlung ab, bei der Generalleutnant a. D. Keim über „Neueste Informationen aus Bonn“ sprechen wird.

In der Stadt notiert

Das Rote Kreuz sucht die Angehörigen des Philipp Massing, geb. 1924/25, Soldat, Angehöriger der FP-Nr. 32270 C, vor seiner Einberufung wohnhaft in Griesheim. Mitteilungen sind erbeten an den Bezirksverband Darmstadt, Wilhelmstraße 36.

Senatspräsident Dr. Engel, Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Darmstadt, wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1950 zum Rechtsrat der Technischen Hochschule Darmstadt ernannt.

Prof. Mesmer, von dessen einjähriger Gastprofessur in den USA wir am Mittwoch, dem 4. Oktober, berichteten, ist Prorektor unserer Technischen Hochschule und nicht Rektor, wie wir versehentlich schrieben.

Wolf Hirth, der Altmeister des Deut¬ schen Segelfluges, wird am kommenden Montag, dem 9. Oktober, um 20 Uhr im Zintl-Institut der Technischen Hochschule einen Film- und Lichtbildervortrag über „Das Segelfliegen in aller Welt“ halten.

In der vergangenen Nacht verstarb der bei dem gestern von uns gemeldeten Verkehrsunfall auf der Autobahn in der Nähe der Snack Bar schwer verletzte Motorradfahrer im Eberstädter Krankenhaus.

Über Wurmkrankheiten spricht Dr. Orth am Donnerstag, dem 12. Oktober, vor der Arbeiterwohlfahrt, Ortsgruppe Eberstadt, im Rathaussaal. t-s

WIE-WIRD-DAS- WETTER

Trocken, mild

Vorhersage: Am Freitag nach Morgennebel heiter und trocken, mittags sehr mild. Schwache Winde. Weitere Aussichten: Noch keine durchgreifende Aenderung.



Wohin gehen wir heute?

Landestheater: Orangerie, 19.30 Uhr, „Maß für Maß“, Schauspiel v. Shakespeare, Ende gegen 22 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Staatsgeheimnis“; Thalia: „Schwarzwaldmädel“ und Nachtvorst.: „Helden der Landstraße“ (Deutschlandfahrt 1950); B e 1 i d a : „Schritte in der Nacht“ und Nachtvorst.: „Die Wölfe von Kansas“; Palast: „Anna Lans“; Hansa: „Ditte — ein Menschenkind“ und Nachtvorst.: „Abenteuer in Brasilien“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3: 10—18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.

STARKENBURG

Kirchenschänder aßen Hostien

In Steinheim bei Hanau gelang es der Stadtpolizei nach wochenlangen Ermittlungen zwei Kirchenräuber und Kirchenschänder festzunehmen. Es handelt sich um den 22jährigen Schreiner Hans Helmut Jung und den Feintäschner Robert Paul, beide aus Kl ei n -Auheim. Nachdem die Täter sich die Sakristeischlüssel beschafft hatten, erbrachen sie den Tabernakel und stahlen den Meßkelch und die geweihten Hostien. Beide nahmen an, daß der Kelch aus Gold sei und wollten ihn einschmelzen. Dies wurde durch die Polizei verhindert. Besondere Empörung hat bei der Bevölkerung die Tatsache hervorgerufen, daß die Diebe zugaben, sie hätten die gestohlenen Hostien zu Hause beim Kaffeetrinken gegessen. -gi-

Teure Zigaretten

Sechs Monate Gefängnis erhielt kürzlich ein junger Mann aus Kelsterbach, der vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt stand. Vor einiger Zeit hatte er mit seinem Freund eine Fahrradtour unternommen. Gegen Abend kam man in die Nähe des Sportplatzes des VfL Heilbronn-Sontheim. Man suchte ein Nachtlager und geriet dabei in das Klubhaus. Gerade als der gestern Angeklagte ein Paar Zigarettenpackungen in seiner Hosentasche verschwinden lassen wollte, wurde er von dem Wirt überrascht. In diesem Falle hatte er also tatsächlich „die Rechnung ohne den Wirt“ gemacht, wst

Vom Heuwagen überrollt

Tödlicher Unfall in Weiterstadt

Der Landwirt Adam Hamm aus Weiterstadt verunglückte am Mittwochnachmittag tödlich durch sein eigenes Fuhrwerk. Auf dem Heimweg mit zwei Wagen Heu rutschte er auf einem schlechten Feldweg aus und geriet hierbei unter den vollbeladenen Wagen. Durch Zuruf blieben die Pferde nicht sofort stehen, so daß beide Wagen über den Landwirt fuhren. Der Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus übergeführt, wo er noch am gleichen Abend starb. He.

Rücksichtsloser Pkw.-Fahrer

entzieht sich durch die Flucht

Am Dienstagabend wurde um 18.20 Uhr der 44 Jahre alte Landwirt Wilhelm Meister aus Güttersbach, der mit seinem Fahrrad auf der Provinzialstraße durch Hiltersklingen in Richtung Wegscheide fuhr, bei Kilometer 52 von einem überholenden Pkw. angefahren und zu Boden geschleudert. Dabei erlitt er drei Rippenbrüche, Verletzungen an der Stirn und am linken Arm sowie mehrere Prellungen. Das Fahrrad blieb an der Türklinke des Wagens hängen und wurde etwa 180 Meter weit geschleift. Der Kraftfahrer entledigte sich seiner, indem er kurz die Tür öffnete; dann fuhr er mit erhöhter Geschwindigkeit in Richtung Wegscheide davo, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Die Gendarmerie hat die Fahndung nach dem rücksichtslosen Autofahrer aufgenommen. -ch

Urteil der Geschworenen:

Lernbecher schoß, aber ohne zu zielen

Zwei Jahre Gefängnis wegen Widerstands / Schwurgericht geht über Staatsanwalts-Antrag hinaus

Im Schwurgerichtsprozeß gegen den 41jährigen August Lernbecher aus Bensheim gingen am gestrigen zweiten Verhandlungstag die Geschworenen über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus und verhängten zwei Jahre Gefängnis. Man konnte dem Angeklagten allerdings nur eine Widerstandshandlung gegen die Staatsgewalt und keine Tötungsabsicht — d. h. einen gezielten Pistolenschuß — nachweisen.

Bereits der Staatsanwalt hatte seine frühere Anklage wegen Mordversuchs fallen lassen. Bezüglich der Brandstiftung und der verschiedenen Diebstahlsanklagen erfolgte bis auf einen Fall — er wurde amnestiert — Freispruch mangels Beweises. Das Gericht rechnete dem Angeklagten drei Monate Untersuchungshaft an und hielt den Haftbefehl angesichts der Strafhöhe aufrecht.

In der Nacht vom 5./6. März 1949 waren in einem Randviertel Bensheims Schüsse gefallen. Der Angeklagte, der damals mit Säcken. Dietrichen, Schlüsselbund und einer mit sieben Schuß geladenen Pistole in der Manteltasche sein in der Nähe von Lagerplätzen gelegenes Haus verließ, um angeblich Kohlen zu stehlen, war an dem Anwesen K. von einer Polizeistreife gestellt worden. Trotz mehrmaliger Anrufe und Warnschüsse versuchte er sich durch die Flucht zu entziehen. Nach Angaben der Beamten blitzte plötzlich in Schulterhöhe des Flüchtenden ein Feuerschein auf. Die beiden Polizisten erkannten ihn als Mündungsfeuer und erwiderten kurz entschlossen mit einem gezielten-Schuß. Getroffen fiel Lembecher zu Boden. Man schaffte ihn ins Krankenhaus, aus dem er kurze Zeit später entfloh. In diesem Jahr stellte er sich — aus Holland kommend — freiwillig der Polizei.

Während Lernbecher bestritt, mit der ..zufällig in seiner Manteltasche befindlichen“ Pistole geschossen zu haben, hielten die beiden Polizeibeamten ihre Aussage aufrecht und wurden als Tatzeugen vereidigt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr acht Monate Gefängnis beantragt. Der Verteidiger setzte sich für einen Freispruch bezüglich des umstrittenen Schusses ein. Er hielt bei den seiner Meinung nach aufgeregten Beamten eine Sinnestäuschung für möglich. Eigenartig sei. daß die beiden Beamten ohne jede Vorsichtsmaßnahme und Bedenken zu dem Getroffenen geeilt und ihn nur nach seinem Befinden und nicht zunächst nach der Schußwaffe gefragt hätten.

Langerichtsdirektor Hahn erklärte in seiner Urteilsbegründung, das Schwurgericht hege keinerlei Zweifel daran, daß der Angeklagte gefeuert habe. Ob er allerdings auf die Beamten zielte, sei nicht erwiesen. „Ein Mann, der derart ausgerüstet bei Nacht und Nebel herumgeht. ist ein geborener Verbrecher,“ rief er und meinte ironisch, der Angeklagte habe seine Pistole bestimmt nicht mitgenommen, um sie „an die frische Luft zu führen, sondern um sie im gegebenen Moment zu gebrauchen“. Seine Flucht nach Holland spreche zudem für sein Schuldbewußtsein. Wenn er sich gestellt habe, so nur deshalb, weil er lieber einige Zeit im Gefängnis, als ein Leben in der Fremde zubringen wolle. Mit dem ausdrücklichen Bedauern, nicht höher gehen zu können, habe deshalb das Gericht auf die höchst zulässige Strafe von zwei Jahren Gefängnis erkannt. wst.

Streit um Fischgründe

In einer Versammlung der Berufsfischer in Gernsheim, die nach Ablauf der bisherigen Pachtverträge einberufen worden war, kam es kürzlich zu ernsten Meinungsverschiedenheiten. Diese waren entstanden, als die Neuverteilung der Fischereigebiete erfolgen sollte. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen mußte der als Gast geladene Vertreter der Wasserschutzpolizei zwei Strafanzeigen entgegennehmen. Wie wir erfahren, soll es im Anschluß an die Zusammenkunft zwischen einigen Fischern zu Tätlichkeiten gekommen sein. Stärker noch als die Wollhandkrabben, die in letzter Zeit in vermehrtem Umfange den Rhein bevölkern und die Fischjer bei ihrer Arbeit höchst unwillkommen sind, scheint die Verteilung der Fischgründe die Gemüter der Petrijünger zu erhitzen. kr.

Bunte Abende bei der IHAG

Auch am Samstag und Sonntag finden bunte Abende im Restaurationszelt der IHAG am Heppenheimer Schwimmbad statt. Die Ansage übernimmt wieder Ernst-Joachim Schlieper, ferner wirken mit: Die Drei Lu leis und Rolf Schuchmann (Guitarre). Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20.30 Uhr.

Nur „ausführendes Organ“

soll nach Hause gehen und Hosen flicken

Vor dem Amtsgericht Lampertheim kam am Dienstag eine Beleidigungsklage des Bürstadter Wohnungsamtsleiters Kaspar Schramm zur Verhandlung, der von dem Beklagten Jakob Oswald in einer öffentlichen Bürgerversammlung als „Schrecken der Gemeinde“ bezeichnet worden war. Oswald, der den Kläger außerdem im Verlaufe einer Auseinandersetzung als „Totdrücker“ bezeichnet hatte, gab den Tatbestand unumwunden zu.

In der Beweisaufnahme stellte jedoch das Gericht an Hand der Aussagen beider Parteien erhebliche Mängel in der Amtsführung Schramms fest. Es bezeichnete aber die Aufsichtsbehörde als zuständig für die Klärung dieser teilweise untragbaren Verhältnisse. Da deshalb nicht klar zu ersehen war, inwieweit Schramm die Beleidigungen durch seine Haltung im Amt selbst veranlaßt haben könnte, wurde das Verfahren vertagt, nachdem auch vom Staatsanwalt auf eine milde Bestrafung plädiert worden war.

Im Laufe der Verhandlung kam zur Sprache, daß Schramm sein Amt nunmehr seit etwa einem Jahre ohne jegliche Wohnungskommission führt, die sich seinerzeit selbst auflöste, da die meisten ihrer Beschlüsse von dem Kläger dicht beachtet wurden. Außerdem war bezeichnend für die Person Schramms, daß er selbst mit seiner Frau eine Küche und vier weitere große Räume innehat. Dem Versuch Schramms, seine Verantwortung in Wohnungsangelegenheiten auf den Bürstadter Bürgermeister abzuwälzen, da er, wie er vor Gericht betonte, nur ..ausführendes Organ“ sei, stellte dieser nur die Bemerkung entgegen, daß Schramm, der von Beruf Schneider ist, lieber nach Hause gehen und Hosen flicken solle. bb.

Neuer Bürgermeister

für Unter-Ostern gewählt

In geheimer Wahl wurde durch den Gemeinderat in Unter-Ostern der seitherige erste Beigeordnete Adam Thierolf mit 5 gegen 2 Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Bürgermeister Treusch wird bis zu dessen Vereidigung durch den Landrat die Geschäfte des Bürgermeisters weiterführen. ptoo.

Steuerhebesätze -Störenfriede der Gemeinschaft

Das einzig Trennende zwischen Ober- und Unterhiltersklingen

In Ober- und Unterhiltersklingen wurden die Gemeinde-Haushaltspläne für 1950-51 beraten und die Steuerhebesatze festgesetzt. Dabei wurde der emzg Unterschied offenbar, der zwischen den beiden politischen Gemeinden besteht, die praktisch ein einziges, geschlossenes Dorfgebilde darstellen.

Jeder, der auf der schönen Straße von Erbach durch das Marbachtal nach Heppenheim fährt, merkt es nicht, daß er in Hiltersklingen, dem letzten Ort vor der Wegscheide, gleichzeitig zwei Dörfer passiert, das eine links, das andere rechts der Straße. Diese heute unverständliche Zerreißung eines organisch zusammenhängenden Gemeinwesens geht auf die Zeit vor der Mediatisierung im Jahre 1806 zurück, wo hier die Grenze des kurmainzischen und gräflich erbach-erbachischen Gebietes verlief. Lange Zeit noch unterschied man „gräflich“ und „mainzisch“ Hiltersklingen.

Nachdem inzwischen die neue Provinzialstraße gebaut wurde, die in ihrer Linienführung etwas von der alten Straße abweicht, weiß heute kein Mensch in Hiltersklingen mehr genau, wo eigentlich die Grenze zwischen beiden Dörfern verläuft. Sie haben ja auch so vieles gemeinsam, die Post, die Schule, die Feuerwehr, den Friedhof, den Gemeinderechner und sogar — seit 1855 schon — den Bürgermeister.

Dennoch wurde der letzte Schritt über die trennende Straße nicht getan. Dabei sind weder die Bürger von Ober- noch die von Unterhiltersklingen im Prinzip Gegner der Zusammenlegung beider Gemeinden. Vereinigungsbestrebungen sind seit mehr als 100 Jahren im Gange. In den Akten des Landratsamts Erbach befindet sich eine Eingabe vom 12. Dezember 1849, in welcher die Vereinigung aus Zweckmäßigkeitsgründen angeregt wurde.

Trotzdem hat sich das Kuriosum bis heute erhalten. Es werden weiterhin unter Vorsitz desselben Bürgermeisters zwei verschiedene Gemeinderäte tagen, einer links, der andere rechts der Straße. Und jeder dieser Gemeinderäte hat nun wieder, wie alle Jahre, seinen eigenen Haushaltsplan aufgestellt, beraten und genehmigt. Der von Unterhiltersklingen schließt mit 13 661,50 DM, der von Oberhiltersklingen mit 7579,45 DM. Dieser Unterschied in den Endsummen hat weiter keine Bedeutung.

Ganz anders ist es dagegen bei den Hebesätzen für die Grundsteuer. Hier liegt, wie man zu sagen pflegt, „der Hund begraben“. Die Unterhiltersklingener sind in der Lage, ihren Hebesatz für die Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen auf 135 °/o und den für bebaute Grundstücke, also die Grundsteuer B, auf nur 90 °/o festzusetzen. Demgegenüber müssen die Oberhiltersklingener zum Ausgleich ihres Etats die Grundsteuer A mit 200 °/o und die Grundsteuer B mit 150 °/o erheben.

Dieser Unterschied macht die Vereinigung der beiden Gemeinden, jedenfalls vom Unterhiltersklingener Standpunkt aus gesehen, einfach undiskutabel. In allen anderen Steuerfragen sind sich beide Dörfer wieder einig. Die Gewerbeertragssteuer wird hüben wie drüben mit 245 °/o erhoben. Genau so ist es mit der Hundesteuer, die in beiden Gemeinden auf 12 DM je Hund festgesetzt wurde.

Wenn sich beide Gemeinderäte endlich einmal auf einen für beide Teile tragbaren Mittelsatz der Grundsteuer einigen könnten, wäre alles Trennende zwischen Ober- und Unterhiltersklingen beseitigt. Der Geldbeutel der Unterhiltersklingener würde dieses kleine Opfer bestimmt vertragen. Diese Generation könnte sich aber mit der Vereinigung die Auszeichnung verdienen, in den Annalen der Hjltersklingener Geschichte als die Fortschrittlichste der letzten hundert Jahre Vermerkt zu werden. -ch

Erfolgreiche Ingendarbeit im Kreis Bergstraße

Ein Rückblick auf die Tätigkeit während des vergangenen Sommers

An den 14tägigen Erholungsaufenthalten im Schwarzwald, in Bayern und an der Nordsee nahmen in der Zeit von April bis Mitte Oktober insgesamt 45 Jugendgruppen (Jugendorganisationen und Schul-Jugendgruppen) mit insgesamt 1500 Teilnehmern teil. Als letzte Gruppe fährt heute der Singkreis Lampertheim unter der Leitung von Lehrer Bischof zu einem 14tägigen Aufenthalt nach Immenstadt. Für diese Erholungsaufenthalte der Jugend gab der Staat einen Zuschuß von 30 Pf. pro Tag, ferner stellte der Kreisjugendausschuß einen Betrag von 2500 DM für Minderbemittelte zur Verfügung, und auch die Krankenkassen gewährten Zuschüsse für unterernährte, erholungsbedürftige Kinder. Auf diese Weise war es möglich, daß bei der hohen Teilnehmefzahl zirka 40 Prozent Minderbemittelte waren.

Im gesamten Kreis Bergstraße wurden während des vergangenen Sommers ungefähr 25 bis 30 Jugendzeltlager durchgeführt. In erster Linie beteiligten sich die religiösen Jugendgruppen wie katholische und evangelische Jugend, katholische und evangelische Pfadfinder. Ueber 5000 Jugendliche, meist im Alter von 12 bis 15 Jahren, nahmen teil. Auch hier gewährte der Staat einen Zuschuß von 30 Pf. pro Tag, der Kreisjugendausschuß unterstütze die Lager durch verbilligte Lebensmittellieferungen, im übrigen aber wurden sie in erster Linie durch finanzielle Opfer der einzelnn Jugendorganisationen und der Jugendlichen selbst ermöglicht.

An Jugendwanderungen und Fahrten beteiligten sich ungefähr 60 Jugendgruppen des Kreises Bergstraße. Die Wanderungen wurden meist in kleinen aus sechs bis zwölf Mann bestehenden Gruppen durchgeführt und hatten das Neckartal. den Schwarzwald oder Bayern als Ziel. Während des Sommers war der Kreis Bergstraße selbst mehrfach das Ziel wandernder Jugendgruppen aus Nord- und Südhessen: die verschiedenen Jugendherbergen weisen hohe Uebernachtungszahlen auf. Zum ersten Male seit Kriegsende kamen auch Jugendgruppen aus dem Ausland und übernachteten in den Jugendherbergen „Eulenburg“ in Heppenheim und Neckarsteinach. (HB)

Was aǔch interessiert:

Mit Blumenvase und Beil bearbeitete ein Habitzheimer Einwohner den Kopf seines Schwiegervaters bei einem Familienstreit. Der Verletzte mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Vor dem Gericht wird der Streit seine Bereinigung finden.

Eine Schulpfennigsammlung für das deutsche Jugendherbergswerk veranstalteten die Schüler des Realgymnasiums Groß-Bieber au. In der Sammlung wurden nahezu 1000 DM aufgebracht. Der Schüler Hans Keil sammelte allein 32 Mark. -gi-

Die Wasserversorgung der Gemeinde Sandbach eiiährt in Kürze eine wesentliche Verbe setung. Ein neuer 250 cbm fassender Hochbehälter soll demnächst in Betrieb genommen werden, hm

In den Bund der katholischen Jugend wurde die seit einigen Wochen bestehende Jungschar von R i m b a ch durch den Dekanats jugendseeelsorger May (Mörlebach) aufgenommen. -r

Vor Mitgliedern des Kettlerwerkes aus Waldmichelbach und Umgebung sprach Pfarrer Krämer über „Die Christliche Gesellschafts- und . Staatsordnung“. Der Vortrag stellte den Auftakt zu einer winterlichen Vortragsreihe dar, die am 29. Oktober fortgesetzt werden soll. -r.

In Anwesenheit von Kirchenpräsident D. D. Niemöller soll in den nächsten Tagen die neue evangelische Kirche in Mörlenbach eingeweiht werden Die katholische Pfarrgemeinde, örtliche Vereine und die durch die Gemeindeverwaltung aufgeforderte Gesamtbürgerschaft werden sich an dieser Feier beteiligen. -r

750 Sänger kommen am Sonntag zum Babenhäuser Liedertag, den der Gesangverein „Eintracht 1878“ um 14 Uhr im Saale des Hotels „Deutscher Hof“ abhält. Namhafte Vereine der engeren und weiteren Umgebung haben ihr Erscheinen zugesagt. Abends soll im Saale des Gasthofs „Adler“ ein zünftiger Oktoberrummel steigen. NB

lieber das Thema „Deutschland inner¬ halb der Europa-Union“ sprechen heute abend in Höchst im Hotel „Zur Post“ Landtagsabgeordneter Ackermann (SPD), Faßhauer (CDU) und Ing. Molter (FPD). Le.

Unsere Geburtstagskinder

87. Geburtstag: Frau Elise Ruckeishausen Wwe., Pfungstadt, Rügnerstraße 54.

80. Geburtstag: Frau Wilhelmine Schreher, Schloß Schönberg.

77. Geburtstag: Herr Adam Schlee, Biebesheim, Alb.-Hammann-Straße.

73. Geburtstag: Frau Elisabeth Witt¬ mann, Groß-Gerau, Schützenstraße 32.

70. Geburtstag: Frau Christine Müller, Nauheim, Bahnhofstraße 28.

Versunkene Indianer-Kulturen in Peru

EIN VORTRAG IN DER AMERIKANISCHEN LESEHALLE HEPPENHEIM

Ueber die Kunst und die Kultur der Chimu-Indianer in Peru sprach der Maler Rol' an d in der amerikanischen Lesehalle in Heppenheim. Begleitet von vielen eindrucksvollen Lichtbildern wurde das zahlreich erschienene Publikum für zwei Stunden in die Wunder weit dieser versunkenen und fast vergessenen Kultur geführt.

Die Indianer Amerikas, zu denen auch die Chimus gehören, sind asiatischer Abstammung, wie sich leicht durch Vergleich von Plastiken und Kunstgegenständen der Chimus und etwa der Chinesen nachweisen läßt. Lange vor der Zeitwende sind sie über die damals noch bestehende Landbrücke in Alaska nach dem amerikanischen Kontinent eingewandert und haben sich dort allmählich in mehreren Wellen verbreitet. Einer dieser Wanderzüge erreichte auch das heutige Peru und ist dort seßhaft geworden. Sie kamen als einfache Fischer und Jäger mit primitiven Kenntnissen in ihrer neuen Heimat an. Ihr Kulturstand indessen stand schon in Blüte und war sehr hoch entwickelt.

Die indianische Kunst wurde in ihrem Wert und ihrer Bedeutung erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erkannt. Die Kunst der Chimus, obwohl mit primitivsten Mitteln geschaffen, darf keineswegs als eine primitive bezeichnet werden. Auch die Bezeichnung der Chimukultur als eine „dämonische“ beruht auf einer Unkenntnis der mythologischen Zusammenhänge und der symbolischen Bedeutung der Darstellungen. Sie dienten zur Abwehr der bösen Götter. Nicht die Kunst ist dämonisch, sondern das Bildwerk, da alle diese Kunstwerke einen bestimmten Zweck erfüllten. Denn die Kunst der Chimus war eine reine Zweck-Kunst. Symbole, mit denen ihre Schöpfungen reich versehen waren und die einen Ersatz für die fehlende Schriftsprache bildeten, geben einen Einblick in die Gedankenwelt der Chimus. Ganze Erzählungen, ausgedrückt in Bildern oder Steinornamenten, berichten von ihrer Gefühls- und Ideenwelt, und überall tritt das rein Menschliche dieser Bildsprache deutlich hervor. Es wurden Ausdrucksformen geschaffen, die man mit dem Begriff „Zeitlose Kunst“ umreißen kann. Diese naturverbundenen Völker fanden die geometrischen Formen ihrer Kunst in Pflanzen und Kristallen vor und dachten sie wie die gesamte Natur mit Leben erfüllt; dieses Wunder beschäftigte ihre ganzen religiösen Vorstellungen.

Jedes Flußtal hat durch seine Abgeschlossenheit eine eigene Entwicklung durchgemacht, obwohl ein reger Austausch der einzelnen Stämme stattfand, so daß man eine Einheit der Grundformen der Chimukunst in allen Stilepochen feststellen kann. Seine größte Ausdehnung hatte das Reich unter dem großen Chimu und seinen Nachfolgern 500—900.

Bei der Stadt Tumbes im Norden kam Pizarro zum ersten Male mit den Chimus in Berührung. Er wurde von dem Küstenstamm freundlich aufgenommen und bewirtet. Was er bei dieser ersten Begegnung an wertvollem Schmuck, feinsten Geweben und sonstigen kostbaren Schätzen, besonders den ganz aus Silber bestehenden Dächern der Paläste, sah, ließ ihn ein Wiederkommen nicht vergessen. Der geringe Widerstand, den die Spanier bei der Eroberung des Chimureiches fanden, hat vielleicht in folgendem seine Erklärung: Der kulturbringende Gott der Chimus, der hellhäutig und bärtig war, war einst nach dem Osten verschwunden, nachdem er seinem Volke die Segnungen des Wissens gebracht hatte. Als die Spanier ankamen, die diese äußeren Merkmale des verschwundenen Gottes trugen, glaubten die Chimus an seine Wiederkehr und ergaben sich fast ohne Widerstand den Eroberern.

Die ersten Pyramiden sind aus „Adoben“, ungebrannten, nur an der Sonne getrockneten Ziegeln, errichtet. Diese dreistufigen, mit einer Freitreppe auf der einen Seite versehenen Pyramiden, die ein Charakteristikum der Baukunst der Chimus sind, waren Kult- oder Begräbnisstätten. Es kommen Größen vor von 120 mal 90 Meter Basis und einer Höhe von 70 Meter. Die dreistufige Treppe ist ein beliebtes Symbol schon zur Zeit des Frühstils. Viele übereinandergebaute Schichten konnte man dabei feststellen, die von der Rücksichtslosigkeit und Unbekümmertheit und der ganzen Mißachtung der jeweiligen Herrscher gegenüber der Vergangenheit zeugen, die sich nicht die Mühe machten, die alten Bauwerke zu erhalten, sondern ihren eigenen Stil darübersetzten.

In Chan-Chan, der nahe dem Meere gelegenen ehemaligen Hauptstadt des Chimureiches, von der nur noch die Grundmauern erhalten sind, begegnen wir einer Stadtanlage von gewaltigen Ausmaßen, die zeigt, welch großartige Baumeister die Chimus gewesen sein müssen. Eine Fläche von 15 Quadratkilometer, die von einer Hauptmauer umschlossen war, bedeckte der Raum dieser Stadt. Zwei riesige Paläste mit einer Grundfläche von 500 mal 400 Meter sind in dem heutigen Trümmerfeld noch deutlich zu erkennen. Ferner Wasser-Vorratsbecken, je 1 Gefängnis, ein versunkener Garten, der so tief in den Sand gegraben wurde, bis man auf das Grundwasser und fruchtbaren Boden stieß und der daher niemals vertrocknen konnte. Alle diese Anlagen waren von der Stadtmauer mit eingeschlossen. Die Planung und Anlage des Palastes, die Anordnung der Zimmer, der kleinen Wohnungen, der Innenhöfe, Gänge und Gärten war nach ganz modernen heutigen bautechnischen Auffassungen ausgeführt. Wunderbare Reliefarbeiten überzogen die bis zu acht Meter hohen Wände der Paläste. Die Dächer waren mit Platten aus reinem Silber bedeckt, die leider der Plünderung der Spanier zum Opfer gefallen sind. Unter den Schätzen, die von den Spaniern in den Pyramiden gefunden wurden, verdient ein goldener Fisch Erwähnung, der mehrere Kilogramm schwer war und dessen symbolische Bedeutung ungeklärt ist. Ebenso seien die vier wertvollen Masken nicht vergessen, die ein schreckhaftes Aussehen haben und die von den Priestern aufgesetzt wurden, wenn sie, um nicht erkannt zu werden, von den Mauern der Pyramiden göttliche Weisheit verkündeten. Gewaltige Bewässerungsanlagen, kilometerlange Kanäle und ein durch die Berge getriebenes Röhrensystem, dessen Verlauf bis heute noch unerforscht ist, Schleußenanlagen, wobei das Wasser in stets gleichbleibendem Gefälle vom Gebirge ins Tal geleitet wurde, machten und machen es bis heute überhaupt erst möglich, daß große Teile des Landes von Menschen besiedelt werden können. Man muß sich dabei nur erinnern, daß dies alles mit den primitivsten Werkzeugen und ohne Lasttiere ausgeführt wurde.

Mit der künstlerischen Ausgestaltung der evangelischen Kirche in Wixhausen, die ausgemalt werden soll, wurde der bekannte Darmstädter Maler Eberhard Schlotter, Trautheim, beauftragt. prs.

Zu einem Kursus für Laienspiel, Volkstanz und Singen hatte die katholische Jugend in ihrem neuhergerichteten Heim auf der Burg Breuberg bei Neustadt i. O. eingeladen. 100 Jugendiiche aus der näheren Umgebung hatten über das Wochenende Gelegenheit, Ideen für die Winterarbeit ihrer Jugendgruppen zu sammeln. hm.

Nene Behördenbauten für Groß-Gerau

Finanzamt, Staatsbauamt und Katasteramt erhalten neue Räume

In Groß-Gerau gestatten die Raumverhältnisse des Staatsbauamtes und des Finanzamtes zur Zeit nicht mehr die reibungslose Abwicklung der anfallenden Arbeiten. So sagt Regierungsbaurat Giesen beispielsweise, daß er gezwungen ist, Angestellten Urlaub zu geben, damit andere für ihre Arbeiten den nötigen Platz haben. Das Finanzamt, dessen Amtsgebäude sich in der Frankfurter Straße befindet, muß noch an fünf anderen Stellen Räume in Anspruch nehmen.

Um dieser Raumnot zu begegnen, sind gegenwärtig in Groß-Gerau zwei größere Bauvorhaben im Werden: In der Adolf-Göbel-Straße wird die Front des Gebäudes, in dem zur Zeit das Katasteramt und das Staatsbauamt untergebracht sind, um 18 Meter verlängert; in der Tiefe umfaßt die Bauerweiterung 13 Meter. Nach hinten schließt sich an dieses Gebäude eine 20 Meter lange und 3,50 Meter hohe Kassenhalle an. Das gesamte Gebäude ist der zukünftige Sitz des Groß-Gerauer Finanzamtes. An der Straßenfront August-Bebel-Straße wird außerdem bei diesem Gebäude ein Garagenbau errichtet; in dem ersten Stock desselben ist eine Hausmeisterwohnung vorgesehen. Bis Ende März 1951 wird der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein.

Auch soll bis zum 1. April des kommenden Jahres das Beamtenwohnhaus in der Helwigstraße 76 wiederaufgebaut sein. Hier wird im Parterre das Staatsbauamt seine neue Unterkunft finden. In den oberen Stockwerken werden vier Drei-Zimmer-Wohnungen mit Küche und zwei Zwei-Zimmer-Wohnungen mit Küche eingerichtet. Die Kellerräume dieses Baues sind bereits betoniert. Regierungsbaurat Giesen rechnet damit, daß bis Anfang November der Rohbau fertiggestellt ist.

Sobald dann im kommenden Sommer die Finanzbehörde das Gebäude in der Adolf-Göbel-Straße teilweise bezogen hat, wird man etwa acht Wochen lang damit beschäftigt sein, in dem jetzigen Finanzamt Zeichenräume für das (zur Zeit noch in der Adolf-Göbel-Straße untergebrachte) Katasteramt herzurichten. Am 30. März 1952 soll dann das dreistöckige Finanzamt in der Adolf-Göbel-Straße vollkommen bezugsfertig sein, so daß nach diesem Zeitpunkt endgültig das Finanzamt in der Adolf-Göbel-Straße, das Katasteramt in der Frankfurter Straße und das Staatsbauamt in der Helwigstraße eine Arbeitsstätte gefunden haben. (cg)

Modeschau in Gernsheim

Am 13. und 14. Oktober veranstaltet das Kaufhaus Förster in Gernsheim in Verbindung mit mehreren anderen Geschäften für modische Artikel im Kino eine Modeschau. Etwa 10 Mannequins werden bei dieser Gelegenheit die neuesten Wintermodelle über den Laufsteg tragen: für die Ansage sorgt ein bekannter Conferencier. Diese Veranstaltung ist die erste große Schau dieser Art in der Stadt und soll der Bevölkerung in Verbindung mit einem bekannten Ausstattungsfilm gezeigt werden, kr.-

Fall der „Gabelsberger“

Abschluß des 1. Vereins-Wettsdireibens

Der Stenographenverein „Gabelsberger“ Dieburg hatte kürzlich seine Mitglieder zum 1. Vereins-Wettschreiben nach dem Kriege in die Knabenschule eingeladen. Bei diesem Wettbewerb beteiligten sich Fortgeschrittene und Anfänger. Das Treffen wurde in einem Schnell-, Schön- und Richtigschreiben durchgeführt. Seine Leitung lag in Händen altbewährter Vereinsmitglieder. Das Ergebnis des Wettbewerbs wurde in einem am Wochenende stattgefundenen Stenoball bekanntgegeben. Es hat sich gezeigt, daß in allen Silbensparten sehr gute Leistungen erzielt wurden. Der vorherrschende Wille bei den Bewerbern und der Vereinsleitung wird auch in der Folge dafür sorgen, daß nicht Ruhe und Stillstand eintreten und die Leistungen auf ein erhebliches Niveau gesteigert werden.

Der Ball führte alle Mitglieder, Anhänger und Gönner zu einigen gemütlichen Stunden zusammen. Humorvolle Vorträge, alte und neue Tänze sorgten für ausreichende Unterhaltung und Stimmung. Der besonderen Aufgabe, den Abend zu verschönern, entledigte sich das kleine Ensemble mit Routine und Meisterschaft. R. Th.

Berufsschüler stellen aus

Am 14. Oktober soll im Fechenbachschen Schloß in Dieburg eine Ausstellung beginnen, die sich über drei Tage erstreckt. Die Berufsschule beabsichtigt Arbeiten aus Zwischenprüfungen von Lehrlingen des Küfer-, Wagner-, Sattler-, Schreiner- und Polsterhandwerks zu zeigen. Dadurch soll den Eltern der zur Entlassung kommenden Schüler die Berufswahl wesentlich erleichtert werden. Gleichzeitig will man den Lehrherren den Stand der erreichten Leistungshöhe der Berufsschüler vor Augen führen. -gi-

Alte Crumstädter“ geehrt

Die evangelische Gemeinde in Crumstadt veranstaltete kürzlich einen „ Alten-Nachmittag“, wozu sie die über 70 jährigen in das Gemeindehaus zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatte.

Nach einer kurzen religiösen Einleitung, gestaltet von Ortspfarrer Walter, konnten sich die etwa 63 betagten Gäste der Kirchengemeinde an vielen schönen Musikstücken und alten, längst verklungenen Liedern erfreuen. Schulkinder und Mandolinenklub sorgten für eine reichhaltige Unterhaltung. kr.

Hirschberger wieder in Sandbach

Im Rahmen einer schlichten Betriebsfeier hat Jakob Hirschberger, der Gründer und Besitzer der Gummiwerke „Odenwald“ in Sandbach bis zum Jahre 1938, nunmehr wieder die Leitung des Werkes übernommen. Aus diesem Anlaß stiftete er ein großes Sozialwerk für alle Betriebsangehörigen, gestaffelt nach ihrer Beschäftigungsdauer. -ch

Kreisjugendpfleger für Erbach

Nach langwierigen Vorverhandlungen und Beratungen hat der Kreisausschuß des Landkreises Erbach am Montag endlich die Neubesetzung der Stelle des hauptamtlichen Kreisjugendpflegers entschieden. Unter den von insgesamt acht Bewerbern übriggebliebenen viel' wurde das Amt dem 23 Jahre alten Karl Heinz Mayer aus Birkert, einem gebürtigen Darmstädter, übertragen. Er wird seinen Dienst bereits in den nächsten Tagen aufnehmen. Mayer war längere Zeit in der Jugendabteilung des Fürsorgeamtes der Stadt Frankfurt tätig. -ch

Mehr Zusammenhalt erforderlich

Kreisvorsitzender Reitzn er von der Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen sprach anläßlich der Hauptversammlung des IDH-Ortsverbandes D o r n h e i m über praktische Fragen der Vertriebenen und forderte die Anwesenden auf, den festen Zusammenhalt zu bewahren, um bei den Regierungsstellen Gehör zu finden. Die Versammlung wählte den bisher mit der kommissarischen Wahrnehmung der Geschäfte des ersten Vorsitzenden beauftragten Ing. Braun zum endgültigen Vorsitzenden des Ortsverbandes Dornheim. kr.

319 Kilometer Flugstrecke

Ergebnisse des Ballonwettfliegens in Babenhausen

Der Ortsverein des DRK Babenhausen gab dieser Tage die Resultate des Ballonwettfliegens bekannt. Trotz der damaligen Schlechtwetterlage haben viele Ballone beachtliche Strecken zurückgelegt. Den ersten Platz konnte der Ballon von Angelia Schöberl mit 319 Kilometer erreichen. Bis nach Thüringen (317 Kilometer) flog der Ballon von Rike Kausch. Es folgen Jürgen Bausch mit 297 Kilometer, Hans Drewes mit 233, Dieter Mohr 172, Klaus Bender 104, Gert Appel 104, Hilde Schwöberl 83 und Horst Muth 73 Kilometer. Die Preise wurden im Rahmen einer kleinen Feier an die Gewinner verteilt. -gi-

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Der Obst- und Gartenbauverein führt am Sonntag im Saale des Gasthauses „Adler“ eine Obstschau durch. Neben unserem einheimischen Obst werden Obstkonserven, Gemüse und Blumen gezeigt werden. ler.

Rohrbach. Am vergangenen Sonntag hielten die Gesangvereine Rohrbach-Wembach-Hahn, unter der Leitung von Dirigent G. Jäger, einen Liedertag ab. Auch die Gastvereine von Nieder-Modau, Ober-Ramstadt und Ernsthofen zeichneten sich durch sehr gute Leistungen aus und ernteten reichen Beifall.

Eich. Der langjährige Gemeinderechner Hennemann hat sein Amt niedergelegt. An seine Stelle wurde Lehrer W. Kaiser vom Gemeinderat als Nachfolger angenommen. Das Gemeinderatsmitglied Frau Hain is c h legte ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat nieder. An ihre Stelle rückt Neubürger Nieschke. ler.

DIEBURG

Groß-Zimmern. Fünfzehn Vereine nehmen am Sonntag an dem Liedertag des Männergesangvereins im Lindensaal teil. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr unter der Gesamtleitung von Chormeister P. M. Leist, Dieburg- -gi-

Georgenhausen. Bei der von dem „Verein deutscher Schäferhunde“, Ortsverein Groß-Zimmern, durchgeführten Junghunde- und Leistungsprüfung wurde dem Züchter Adam Weyrauch, Georgenhausen, der Vereins-Wanderpokal zugesprochen." We.

Babenhausen. — Der Ortsverein der SPD hält am Samstag um 20 Uhr eine öffentliche Versammlung im Gasthaus „Zum Adler“ ab. Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel spricht über das Thema: „Die Sozialdemokratie im Bundestag“. NB

ERBACH

Erbach. — Der ordentliche Haushaltsplan der Gemeinde für das Rechnungsjahr 1950 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 8 535,41 DM ab. Die Steuerhebesätze betragen bei der Grundsteuer A 260 v.H., B 180 v.H. und bei der Gewerbesteuer 350 v.H. Der Jahressteuersatz für den 1. und 2. Hund beträgt je 18 DM. ptoo.

Beerfelden. — Der Ferkelmarkt am Montag war mit zirka 120 Jungtieren' und Läufern guter Qualität beschickt. Bei lustlosem Handel konnte nur etwa die Hälfte des Auftriebs abgesetzt werden. _ -eh

Bad König. Am Samstag findet in der hiesigen evangelischen Kirche die Aufführung des „Antichrist“ statt. Die Ausführenden sind Mitglieder der evangelisehen männlichen Jugendgruppe Erbach. Der Eintritt zu dieser um 20.30 Uhr beginnenden Veranstaltung ist frei, pf.

Lützel-Wiebelsbach. Auf der Landstraße zwischen Rai-Breitenbach und Lützel-Wiebelsbach verunglückte ein Motorradfahrer. Er und sein Beifahrer erlitten erhebliche Verletzungen. -hm-

BERGSTRASSE

Reichenbach. Die weibliche Berufsschule wird gegenwärtig von Schülerinnen aus fünf Gemeinden besucht. Da sich die Gemeindeverwaltung vor die Notwendigkeit gestellt sieht, den im Rathaus befindlichen Saal, der gesundheitsgefährdend ist, in Kürze gründlich zu überholen, wird an die Schulortsgemeinden wegen eines finanziellen Beitrages herangetreten. (-r)

Unter-Schönmattenwag. Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurde nach einem Vortrag von Dr. Münch, dem kommissarischen Leiter des Realgymnasiums Waldmichelbach, beschlossen, dem Zweckverband beizutreten, um dessen finanzielle Grundlage zu erweitern, (-r)

Lampertheim. Zu einem kleinen Fest hatte der Bazar in der neuen Schule das vergangene Lampertheimer Wochenende gestaltet .Der Besucherstrom riß Samstag und Sonntag nicht ab, so daß der finanzielle Erfolg die Erwartungen übertraf.

Bürstadt. Ein Motorradfahrer, der an der Straßenmündung Lampertheim — Worms das Stoppschild nicht beachtete, stieß mit einem zweiten Motorrad zusammen. Beide Fahr.er mußten mit Verletzungen in ein Wormser Krankenhaus eingeliefert werden. el.

Hammelbach. In der evangelischen Pfarrei wurden für die Innere Mission insgesamt 293,— DM gesammelt. Gra s - Ellenbach brachte dazu 50,70 DM auf, Weschnitz beteiligte sich mit 20.— DM, der Rest von 222,30 DM stammt aus der Muttergemeinde. (-r)

Einhausen. Ein auf der Straße fußballspielender Junge wurde von einem Pkw. aus Ludwigshafen gestreift. Der Junge erlitt Verletzungen. Den Fahrer des Wagens trifft keine Schuld.

Birkenau. Die jetzt endlich erfolgte Aufstellung von Warnschildern vor dem ungeschützten Bahnübergang hat zur Beschwerde mehrerer Ortseinwohner geführt. da die Warnhaken teilweise so unglücklich auf gestellt sind, daß sie die reibungslose Zufahrt zu eigenen Hofeinfahrten unmöglich machen. -r-

GROSS-GERAU

Stockstadt. Eine Probeübung soll In nächster Zeit die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Ortsfeuerwehr unter Beweis stellen. Der Alarm zu dieser Einsatzübung wird durch die Sirene erfolgen, kr.

Der SPORT.

Handball-Lokalderby wieder mit Dr. Barth

SV Darmstadt 98 — TuS Griesheim am Sonntag 15 Uhr im Hochschulstadion

Die 98er haben 14 Tage pausiert und treffen am Sonntag auf ihren großen Rivalen TuS Griesheim. Die Darmstädter werden gegen die schnellen Griesheimer sehr auf der Hut sein müssen, um nicht erneut ein Fiasko zu erleben.

Die Mannschaft hat eine kleine Umstellung erfahren. Dr. Barth wird wieder als Handballstürmer in Erscheinung treten,, da die Fußball-Oberligisten in Ruhl nun doch den geeigneten Mann gefunden haben. Da Mark aus familiären Gründen nicht spielen kann, wird Creter seinen Posten eiinnehmen. Der erkrankte Peters wird durch Fischer vertreten, dessen Platz Spieker einnimmt.

Die Mannschaft steht mit Göbel; Creter, Glock; Emig, Fischer, Spieker; Schäfer, Lutz, Reinhardt, Dr. Barth und Lehning.

Die Reserven spielen um 13.45 Uhr. 13 Uhr findet das erste Verbandsspiel der Frauen gegen die Mädels von Arheilgen statt.

Beide Vorspiele finden bei gutem Wetter auf dem Hauptfeld des Stadions statt, bei schlechter Witterung auf dem Vorfeld.

Gruppenliga 4

Am letzten Spielsonntag siegten die favorisierten Mannschaften auf der ganzen Linie. Dabei setzten sich besonders die spielstarken Südhessen durch und bewiesen damit ihre Ueberlegenheit gegenüber den rheinhessischen Liga-Neulingen.

Am kommenden Sonntag finden folgende Begegnungen statt;

TSV Braunshardt — TSG 46 Darmstadt Concordia Gernsheim — TSV Pfungstadt SKG Bauschheim — TG Rüsselsheim SG Wörrstadt — SG Bretzenheim

Braunshardt ist am kommenden Sonntag Schauplatz eines der spannendsten und interessantesten Spiele der gesamten Verbandsrunde. Der dortige TSV eupfängt die TSG 46 Darmstadt. Wenn auch viele Handballexperten dem bisher ungeschlagenen Tabellenführer eine Favoritenstellung einräumen, so darf doch nicht vergessen und übersehen werden, daß sich die Gäste in letzter Zeit von Sonntag zu Sonntag in eine bessere Form hineinspielten und für eine Ueberraschung gut sind. Die Stärke des Gastgebers liegt besonders in dem schnellen und einfallsreich spielenden Sturm und dem ausgezeichneten Schlußmann. Außerdem führte der Kampfgeist die Mannschaft schon zu manchem Sieg. Der Gast errang nach der Umstellung seines Sturmes nur Siege und auch die gesamte Mannschaftsleistung hat sich sehr gebessert. Unserer Meinung nach dürfte ein knapper Spielausgang bei der Qualität der beiden Mannschaften garantiert sein. —Pfungstadt trifft, am Kaffeedamm auf die Gernsheimer Concordia, die in letzter Zeit unter einer starken Formkrise leidet. Dem Verhältnis der Spielstarke entsprechend müßten die Gäste die beiden Punkte auf ihr Konto gutschreiben können.

In Bauschheim findet so eine Art kleines Lokalderbv statt, wobei sich zwei alte Rivalen einen harten Kampf liefern werden. Den Opelstädtern darf man wohl die größeren Siegesaussichten zukommen lassen. In Wörrstadt stehen sich in der dortigen SG und der SG Bretzenheim zwei alte Bekannte der früheren rheinhessdsehen Liga gegenüber. Der Spielausgang kann als offen angesehen werden. —th—

Bezirksklasse Odenwald:

Eppershausen — Mörfelden Seeheim — Kirch-Brombach Langen — Groß-Bieberau Urberach — Reichelsheim Fränk.-Crumbach ist spielfrei.

In Eppertshausen muß Mörfelden schon alles Können aufbieten, um den diesmal spielfreien Tabellenführer Fränk.-Crumbach nach Punkten einzuholen. Der Neuling ist auf eigenem Platz ein sehr zu beachtender Gegner, so daß eine Niederlage Mörfeldens durchaus keine Ueberaschung wäre. Seeheim empfängt zu Hause die Mannschaft aus Kirch-Brombach und wird gut daran tun, das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Beide Mannschaften sind gleichwertig, so daß die Tagesform den Ausschlag geben sollte. In Langen stehen sich zwei gleichstarke Mannschaften gegenüber. Groß-Bieberau konnte in den bisherigen Spielen nicht überzeugen und wird in Langen einen schweren Stand haben. Auch hier ist der Spielausgang völlig offen. Der bisherige Tabellenführer Urberach, der durch Aberkennung von 4 Punkten auf den seiner Spielform nach nicht gemäßen 7. Tabellenplatz kam, dürfte gegen die noch ohne Pluspunkte am Tabellenende stehende Mannschaft aus Reichelsheim zu einem eindeutigen Sieg kommen. Doch auch hier zeigte der letzte Sonntag, daß das Spiel nicht zu leicht genommen werden darf.

Bezirksklasse Ried:

Crumstadt — Offstein Westhofen — Bürstadt Pfifftigheim — Heppenheim

Der Tabellenführer Crumstadt wird in seinem Spiel gegen Offstein nicht nur zu zwei weiteren Pluspunkten gelangen, sondern auch das an sich schon sehr gute Torverhältnis erheblich verbessern. In Westhofen stellt sich mit Bürstadt ein starker Gegner vor, und die Platzelf muß schon ihre gute Leistung vom letzten Sonntag wiederholen, um Sieger zu bleiben. Vielleicht gibt hierbei der Platzvorteil die Entscheidung. Auch in Pfiffligheim wird der Tabellenletzte Heppenheim keinerlei Aussichten auf Punktgewinn haben. —li—

Kreisklasse Dieburs

Am kommenden Sonntag Anden folgende Spiele statt: Gruppe I: TV Reinheim —Semd (10 Uhr), Babenhausen — Richen, Langstadt/SchHerbach II — Kl.-Umstadt, Landstadt I — Schaafheim (16.15 Uhr); Gruppe II: Münster — Groß-Umstadt, Ober-Roden — Nd.-Klingen, Brensbach — Habitzheim. Die Begegnung in Langstadt dürfte zweifellos das Spiel des Tages sein. Bei den übrigen Spielen sollten die Platzbesitzer zu den Punkten kommen. Jedoch wird der TV Reinheim ohne seine gesperrten Spieler Kilian, Weber Ad., Weber G. und Arnold einen schweren Stand gegen Semd haben. Auch in der Gruppe II sind den Platzherren die größeren Chancen einzuräumen. —ff—

Kreisklasse Bergstraße

Die Handballkreisklasse Bergstraße hat diesmal wieder einige recht interessante Paarungen auf dem Programm. Es treten an: Mumbach—Siedelsbrunn, Bonnsweiher — Krumbach, Erbach — Einhausen, — Zell — Lorsch, Zwingenberg — Kirschhausen., Heppenheim — Auerbach. Mumbach dürfte sich nach Kampf gegen die schwächer gewordenen Siedelsbrunner behaupten können. Auch Bonsweiher hat Aussicht, gegen die gradlinige Angriffstaktik Krumbachs zum Erfolg zu kommen. In Erbach ist eine harte Auseinandersetzung zu erwarten, bei der Einhausen am Ende besser stehen könnte. Lorsch dürfte in Zell kein leichtes Spiel haben, sondern sich erheblich um den Sieg bemühen müssen, währerid Auerbach in Heppenheim auf einen Gegner stoßen sollte, der kaum zu bezwingen sein dürfte. —ni—

Kreisklasse Erbach

In der Handball-Kreisklasse Erbach werden folgende Spiele ausgetragen: Nieder-Kinzig — Michelstadt, Erbach gegen Böllstein, Höchst—Beerfelden, Bad König gegen Pfaffen-Beerfurth, Zell — Momart.

Dem Tabellenersten Michelstadt wird es bei seiner gefahrlosen Partie in Nieder-Kinzig vor allem auf eine Verbesserung seines Torverhältnisses ankommen. Nach dem 12:5-Erfolg von Böllstein über Zell, sollte sich Erbach mächtig anstrengen, wenn es nicht eine ähnliche Ueberraschung erleben will. Höchst trifft vor einheimischem Publikum auf Beerfelden, das die beiden Punkte schon jetzt an sein Banner heften darf. Bad König wird seine Begegnung mit Pfaffen-Beerfurth aller Voraussicht nach für sich entscheiden können. In dem Lokalderby Zell gegen Momart ist den Platzherren die größere Chance einzuräumen. —ppi.

Fußballkreisklasse Erbach

A- und B-Klasse auf vollen Touren

In der Fußball-A-Klasse Erbach stehen sich am Sonntae folgende Vereine eeeenüber: Rimhorn — Steinbach. Würzberg — Sandbach, Neustadt — Lützel-Wiebelsbach, TSV Höchst — Günterfürst, ' Erbach (Soma) — Bad König, Beerfelden — Hainstadt.

Die interessanteste Partie des fünften Spielsonntags dürfte wohl in Neustadt steigen, wo der letztjährige Spitzenreiter den gegenwärtig auf dem dritten Tabellenplatz rangierenden Verein aus Lützel-Wiebelsbach erwartet. Die junge Gästeelf, die am Vorsonntag pausierte, scheint sich endlich gefunden zu haben und sollte rein papiermäßig auch in dieser Partie beide Punkte mit nach Hause nehmen dürfen. Die Begegnung Rimhorn gegen Steinbach trägt einen offenen Charakter. Beide Mannschaften konnten ihr letztes Spiel. Steinbach gegen den TSV Höchst und Rimhorn gegen Bad König, siegreich beenden. Würzberg hat sich in den letzten Spielen als eine ausgesprochene Heimmannschaft erwiesen und sollte dem Tabellenführer Sandbach eine recht schwere Nuß zu knacken geben. Ob ihm allerdings der große Wurf gelingen wird, bleibt abzuwarten. Wir rechnen mit einem knappen Gästeerfolg Günterf^st wird in Höchst unter Beweis zu stellen haben, ob sein Sieg über Neustadt eine Ausnahmeerscheinung bildete oder ob der Neuling wirklich im „Kommen“ ist. T- Höchst hingen die Punkte bekanntlich schon immer recht hoch, so daß man mit Recht auf den Ausgang dieser Partie gespannt sein darf. Die Erbacher Sondermannschaft erwartet die TSG Bad König, die in diesem Jahr bisher noch herzlich wenig gezeigt hat. Ist sie trotz des talentierten Hofmann, trotz Diehl, Triebs und den beiden bewährten Verteidigern nicht einmal mehr vor einheimischem Publikum zu einem Sieg über Rimhorn fähig? Hainstadt ist in Beerfelden zu Gast. Die Platzherren haben durch ihre letzten Spiele bewiesen, welchen Wert sie auf eine gute Position in der Tabellenmitte legen. Da auch Hainstadt in diesem Jahr weit verbessert erscheint, treffen in dieser Partie zwei gleichstarke Mannschaften zusammen.

In der Fußball-B-Klasse Gruppe Oberzen t erwartet Steinbach, das sich am Vorsonntag gegen Rothenberg den ersten Pluspunkt holte, Hetzbach. Es ist durchaus möglich, daß die Platzherren ih-e Chance gegen den Neuling erkennen und abermals erfolgreich bleiben. Schöllenbach mußte ^egen den Tabellenzweiten Sensbachtal eine unerwartet hohe 16:l-Niederlage hinnehmen. So ist auch gegen die Beerfelder Sondermannschaft r:cht wahrscheinlich, daß es zu Erfolgen kommt. In einer offenen Partie stehen sich Finkenbach und Sensbachtal gegenüber. Rothenberg wird in Gammelsbach, das in seiner letzten Partie überraschend hoch mit 6:3 über Finkenbach erfolgreich blieb, um e;~- Niederlage nur schwer herumkommen können.

Fürstengrund, das ^"en Vielbrunn seine ersten Federn lassen mußte, empfängt in der Gruppe Unterzent in einer offenen Partie die Sondermannschaft des TSV Höchst. Wald-Amorbach fährt ^nch Mümling-Grumbach, das Haingrund ein beachtliches 2:2-Unentschieden abzutrotzen verstand. Papiermäßig ist hier ein knapper Sieg für die Platzherren vorauszusagen. Nach den letzten Ergebnissen zu urteilen, müßte sich Haingrund auch in TZ;’- ch-Brör~'bach durchsetzen können Auf eigenem Platz traut man Vielbrunn einen eindeutigen Erfolg über den VfL Höchst zu. -ppi

Basket-Ball

Mit drei Begegnungen werden am Samsttag die Basketballspiele der Oberliga Südwest fortgesetzt. Es kommen folgende Spiele zum Austrag:

BC Darmstadt—MTV Gießen VfL 1848 Bad Kreuznach—Homburger TG BC Karlsruhe—TB Heidelberg.

Der BC Darmstadt startet im Spiel gegen den MTV Gießen als hoher Favorit und wird sicherlich durch einen weiteren Erfolg die Chance wahrnehmen, seine Tabellenführung zu festigen. Die Gießener boten am vergangenen Samstag gegen den VfL 1848 Bad Kreuznach keine überzeugende Leistung und dürften wohl kaum den gut eingespielten Darmstädtern gefährlich werden.

Auch die Bad-Kreuznacher hoffen auf die Tabellenführung, denn sie empfangen die Homburger Turngemeinde, die auf dem gefährlichen Kreuznacher Boden keine Punkte holen wird.

Erstmalig greift der 2. Deutsche Meister, Turnerbund Heidelberg, in die Spiele ein. Er wird in Karlsruhe den dortigen Basketball-Club zum Gegner haben und gewillt sein, den Sieg mit nach Heidelberg zu nehmen. Nach den früheren Spielen beider Mannschaften zu urteilen, sollte den Heidelbergern dieses Vorhaben gelingen. -er-

Boxlehrgangs für Anfänger

Bezirk V Darmstadt, Fachgruppe Boxen. An alle Boxsportvereine und Abteilungen des Kreises Darmstadt! Am Sonntag, dem 8. Oktober, vormittags 10 Uhr, findet im Gasthaus „Zum Schwanen“, Eberstadt, ein Boxlehrgang für Anfänger statt. Als Trainingsleiter .wurde Karl Bork vom ABC Darmstadt/Eberstadt verpflichtet. Ziegler, Bezirkswart.

Heute, 16.45 Uhr, findet auf der Woogswiese ein Fußballspiel zwischen den Mannschaften der Stadtverwaltung und Donges-Stahlbau statt.

Sport in Kürze

Eine Bundes-Sportabzeichen-Prüfung in den leichtathletischen Uebungen findet am kommenden Sonntag um 9 Uhr auf den Waldsportplätzen in Pfungstadt statt. Prüfungsleiter ist K. Grünig.

Zu der am 7. Oktober 1950 um 17 Uhr stattfindenden Schiedsrichter-Sitzung in der Gastwirtschaft Arnold, Darmstadt, Bismarckstraße, lädt der Kreis- Schiedsrichter-Ausschuß nicht nur alle seine Mitglieder zum Erscheinen ein, sondern bittet auch die Vereinsvorstände sowie Spielausschuß-Vorsitzenden und Spielführer der einzelnen Mannschaften zu dem hochinteressanten Referat, welches der süddeutsche Landes-Schiedsrichter-Obmann, Herr Karl Weingärtner, halten wird, recht zahlreich zu erscheinen. Das zu behandelnde Thema, worüber Herr Weingärtner sprechen wird, ist nicht nur'für die Schiedsrichter-Kameraden sehr lehrreich, sondern für alle, die sich mit dem Fußballsport verbunden fühlen. Deshalb muß es sich jeder zur Pflicht machen, am Samstag um 17 Uhr pünktlich zu erscheinen. •

Der Stürmer Valentin Diehl (früher SG Einhausen) ist ab kommenden Sonntag für Olympia Lorsch spielberechtigt. (bl)

Kreisklassen setzen Tastversuche fort

Bleibt Bickenbach ungeschlagen?

Die für den 8. Oktober zusammengebrachten Paarungen sind ein weiterer Schritt zur Klärung der Lage. Es spielen: Bickenbach— Nieder-Ramstadt, SSG Langen—Alsbach, Weiterstadt—Seeheim, TSG 46 Darmstadt— Hahn, Erzhausen—TuS Griesheim und Grafenhausen—Hähnlein.

Nieder-Ramstadt, das erst ein Spiel verloren hat, ist bemüht, in Bickenbach mit seiner gut zusammengefundenen Elf zu einem Erfolg zu kommen. Der Gastgeber muß deshalb sehr wachsam sein, um den schnellen Sturm mit seiner Läuferreihe aufhalten zu können.

SSG Langen sollte auf eigenem Platz seinen Gast von der Bergstraße abstoppen und zum Siege gelangen können. Der Tabellenzweite Weiterstadt empfängt den Neuling Seeheim und gilt als Favorit. Seeheim könnte aber zum Zug kommen, wenn es eine zweckmäßiger aufgestellte Elf ins Feld bringen würde.

TSG 46 Darmstadt, die am letzten Sonntag einen hohen Sieg erfochten, haben auch diesmal wieder Chancen, ihre Gäste aus Hahn zu besiegen. Es darf hier aber nicht unerwähnt bleiben, daß auch Hahn zu kämpfen versteht.

Im Spiel gegen TuS Griesheim müßte Erzhausen daheim seit längerer Zeit wieder einmal zwei wertvolle Punkte sammeln können, da Griesheim über noch nicht erfahrenes Spielermaterial verfügt.

Zu einem interessanten Spiel kommt es in Gräfenhausen, das in Hähnlein einen starken Widersacher findet. Auch die B-Klasse birgt gutes Material und bringt schöne Spiele. Für Sonntag sind folgende Paarungen vorgesehen: VfR Langen (Soma)—Nieder-Beerbach, Eschollbrücken— Rohrbach, SC Griesheim—Union Darmstadt, Ober-Beerbach—Brandau und SV 98 ll.— Jugenheim. Traisa ist spielfrei.

Das spannendste Spiel dürfte in Griesheim zwischen dem SC und der Union steigen. Eschollbrücken sollte gegen Rohrbach als Favorit gelten und ebenfalls zu weiteren Punkten kommen. Die Soma Langen muß zu Hause gegen Nieder-Beerbach ihren Zuschauern diesmal etwas mehr zeigen, um den Odenwäldern das Siegen schwer zu machen. Ob Ober-Beerbach endlich mal gegen Brandau Tore schießt, bleibt abzuwarten. Vom Punkteholen kann bei normalen Umständen keine Rede sein. Jugenheim fährt nach Darmstadt und wird nur dann zum Erfolg kommen, wenn die etatsmäßige Elf fährt und eine geschlossene Mannschaftsleistung zeigt. nd.

Kreisklasse Dieburg

Ueberaus Spitzenstellung gefährdet

Von den beiden noch ungeschlagenen Tabellenersten der Fußball-A-Klasse Dieburg ist der Spitzenreiter Ueberau bei 10:0 Punkten spielfrei. Sein schärfster Konkurrent, SG Nieder-Roden, muß zwar nach Dredeichenhain, aber die Aussicht auf den ersten Platz dürfte bei ihr den Ausschlag zu einem Spiel mit allen Registern geben. Die bisherigen vier Begegnungen haben der SG 35 (!) Plustere gebracht, so daß selbst der magerste Punktgewinn (in 0:1) die Ueberauer verdrängt. Reinheim kann in Götzenhain schon eher zu Fall kommen, aber die Aussicht, bei Spielgewinn seinen guten Anschluß nach oben zu behalten, wird den Ex-Offenbachern einen kampfwälligen Gast bescheren, der sehr wohl bestrebt sein wird, in disem 6. Spiel zu seinem 4. Sieg zu kommen. Die TG Ober-Roden sollte sich ernstlich darauf besinnen, daß ein weiterer Punktverlust bald einen traurigen Rekord bedeuten würde. Zu Hause ist ihr gegen Groß-Zimmern, das bis jetzt auch nur einen einzigen Sieg aufzuweisen hat, eine Chance geboten, endlich vom Tabellenende wegzukommen, denn der Vorletzte, Mosbach, kann sich von seinem Spiel beim SV Groß-Umstadt nicht allzu viel versprechen. Die Tabellen-„Spanne“ schließlich zwischen den beiden restbleibenden Paarungen Klein- Zimmern—Lengfeld und Spachbrücken —Offenthal mit je sechs Plätzen Unterschied ist zwar die gleiche (dabei weilt der „obere“ beim „unteren“), der fremde Boden dürfte die Leistungen der Gastmannschaften aber nicht so stark beeinträchtigen, daß sie der kommende Sonntag alle Punkte kosten müßte.

Die A-Klasse Dieburg am Sonntag: Ober-Roden—Groß-Zimmern, Klein-Zimmern gegen Lengfeld, Groß-Umstadtr-^Mosbach, Götzenhain—Reinheim, Dreieichenhain gegen Nieder-Roden, Spachbrücken —Offenthal. R.G.

In der Gruppe 1 der Fußball-B-Klasse pausiert der Ueberraschungssieger vom Vorsonntag, Georgenhausen, so daß Groß-Bieberau zu Hause gegen Hering die Gelegenheit benutzen kann, die alte Rangfolge wieder herzustellen. Fränkisch-Crumbach, das sein Michaelisfest-Spiel nur äußerst knapp gewann, wird bei gleicher Leistung aus NiedertOber-Kldngen wohl kaum beide Punkte mitbringen. Brensbach hat seine hohe Niederlage in Georgenhausen wieder gutzumachen, sein Gegner und Nachbar Wersau aber hat von seinem Sieg über Dieburg II noch einigen Wind in den Segeln; das Spiel ist also eine offene Sache. Hassia II empfängt mit Niedernhausen eine Elf, deren Spielstarke nicht unterschätzt werden darf, doch sollte der eigene Platz den Ausschlag zugunsten der Kreisstädter geben.

In der Gruppe 2 dürfte es diesmal wieder der Fr. SpVgg Münster gelingen, auch aus Heubach „doppelt“ beladen zurückzukommen, selbst wenn ihr Gastgeber nicht die gleiche Unterlassungssünde begeht, seinen Gögner nicht ernst genug zu nehmen. Raibach wird sein Ueberraschungsresültat vorn vergangenen Sonntag in Klein-Umstadt picht wiederholen können, denn sein Gastgeber wird aus dem Fehler der Heubacher seine Lehre gezogen haben. TG Groß-Umstadt und sein Gast Hergershausen haben ihre Fehltritte vom Vorsonntag wiedergutzumachen; die größeren Aussichten, daß solches gelingt, haben allerdings die Gäste, die sich letztlich nur überrumpeln ließen.

Es spielen in Gruppe 1: Groß-Bieberau gegen Hering, Ober/Nieder-Klingen —Fränkisch-Crumbach, Brensbach—Wersau, Hassia ll—Niedernhausen.

Gruppe 2: Heubach—Münster, Klein-Umstadt—Raibach, TV Groß-Umstadt —Hergershausen, Wiebelsbach—Schaafheim.

In der B-Klasse Offenbach spielt SV Germania Babenhausen auf eigenem Platz gegen Rosenhöhe Offenbach. RG.

Kreisklasse Groß-Gerau

In Walldorf und Astheim fällt Vorentscheidung

Am zweiten Oktobersonntag stehen sich folgende Vereine der A-Klasse Groß-Gerau gegenüber: Büttelborn—Dornheim, Raunheim—Biebesheim, Walldorf—Ginsheim, Wolfskehlen—Gustavsburg, Stockstadt— Klein-Gerau und Astheim—Gernsheim.

Büttelborn trifft in seinem dritten Heimspiel auf Dornheim. Beide Mannschaften enttäuschten in den letzten Spielen sehr und konnten noch nicht an ihre Vorjahrsleistungen anknüpfen. Durch den Platzvorteil begünstigt dürfte Büttelborn in diesem Spiel die Oberhand behalten und zu Sieg und Punkten kommen.

Wenn die Biebesheimer Elf in Raunheim wieder so gut gelaunt ist, wie sie es am letzten Sonntag war, dann wird sie sicher als Sieger aus diesem Spiel hervorgehen.

Zu einem großen Derby wird es in Walldorf kommen, wo sich der zur Zeit in bester Spiellaune befindliche Tabellenerste vorstellt. Während Ginsheim über einen schußgewaltigen Sturm verfügt, liegt Walldorfs Stärke in der sehr sicheren Abwehr. Den Ausgang des Spieles wird die Tagesform der einzelnen Mannschaft entscheiden.

Gustavsburg soll in Wolfskehlen kaum Gelegenheit haben, zu seinem ersten Punktgewinn zu kommen. Mit P. Hauf und A. Fuchs in der Verteidigung hat Wolfskehlen eine wesentliche Verstärkung in seiner Abwehr erhalten.

Nach den am letzten Sonntag in Walldorf gezeigten Leistungen dürfte es Stockstadt nicht allzu schwer fallen, gegen Klein-Gerau zu einem doppelten Punktgewinn zu kommen.

Astheim hat zu Hause gegen Gernsheim eine harte Nuß zu knacken. Trotzdem sei Gernsheim Vorsicht geboten, denn die letzten Spiele zeigten, daß Astheim zu Hause sehr gefährlich werden kann. Ob Astheim für eine Ueberraschung sorgen wird?

In der B-Klasse spielen: Königstädten —Leeheim, Worfelden—Geinsheim, Wallerstädten—TSV Rüsselsheim, Goddelau— Erfelden, Opel Rüsselsheim Ib —Bischofsheim Ib.

Bis auf das Derby der Spitzenreiter Opel Rüsselsheim Ib und Bischofsheim Ib kann man den Gastgebern ausnahmslos die größeren Aussichten einräumen. -od-

Kreisklasse Bergstraße

Aschbach will Reichenbach verdrängen

Am kommenden Sonntag spielen: Aschbach — Affolterbach, Lampertheim — FC Fürth, Fehlheim — Waldmichelbach, Lindenfels — Einhausen, Auerbach — Mörlenbach und Weiher — Reichenbach.

Der erste Spielsonntag, an dem alle zwölf Kreisklassen-Mannschaften im Kampf stehen, bringt als Lokalderby die Begegnung Aschbach — Affolterbach. Da die Gäste auf vier ihrer Etatsmäßigen verzichten müssen, dürfte Aschbach vor einem klaren Sieg stehen.

Lampertheim erwartet Kreismeister Fürth. Die Odenwälder sollten stark genug sein, beide Punkte aus dem Ried zu entführen, zumal ihr Sturm wieder komplett ist.

Fehlheim erwartet den Tabellennachbarn Waldmichelbach. Es dürfte ein ausgeglichenes Treffen geben, bei dem der Platzvorteil zugunsten der Einheimischen, das bessere Stehvermögen zugunsten der Gäste sprechen.

Lindenfels, das dringend eine Aufbesse¬ rung seines Punktekontos benötigt, sollte, in der Hintermannschaft wesentlich verstärkt, gegen Einhausen sich und seinen Anhängern eine angenehme Ueberraschung bereiten und Sieger bleiben.

Tabellenschlußlicht Auerbach steht gegen Mörlenbach vor einer schweren Aufgabe. Trotzdem räumen wir angesichts der unterschiedlichen Leistungskraft Mörlenbachs den Platzherren Chancen auf beide Punkte ein.

Weiher empfängt mit Reichenbach den Tabellenführer, der sich auch hier behaupten sollte. Allerdings: Der kleine Platz mahnt die Lautertaler zur Vorsicht, und eine Ueberraschung wäre nicht unmöglich.

B-Klasse Gruppe Ried: SV Bensheim — Hambach, Elmshausen — Riedrode, Nordheim— Zwingenberg, Gadernheim — Hüttenfeld und RW Heppenheim — Schönberg.

Die drei Tabellenersten sind diesmal auf Reisen. Hambach wird sich in Bensheim wohl kaum überraschen lassen und sollte einen klaren Sieg landen. Riedrode, mit 6:2 Punkten an zweiter Stelle liegend, dürfte es in Elmshausen schon schwerer haben, um zu Sieg und Punkten zu kommen. Ein Unentschieden liegt hier wohl ebenso nahe wie in Nordheim, wo Nr. 3 und 4 (Zwingenberg) aufeinandertreffen. Wenn sich Gadernheim diesmal etwas mehr vorsieht als am Vorsonntag, sollte in der Begegnung mit Hüttenfeld der Sieg diesmal zu Hause bleiben.

B- Klasse Gruppe Odenwald: Wahlen — Reichelsheim, SV Fürth — Hammelbach, Unter-Schönmattenwag — Zotzenbach und Mitlechtern — Unter-Abtsteinach.

Die ersten drei der vier angesetzten Treffen scheinen klare Angelegenheiten für die Platzherren zu sein: Tabellenführer und Favorit Wahlen wird gegen die ersatzgeschwächten Reichelsheimer zu einem deutlichen Erfolg kommen. SV Fürth, zu Hause seit jeher stärker als auswärts, wird gegen das recht uneinheitliche Hammelbach kaum Schwierigkeiten haben und sollte sein Punktekonto damit aufbessern können, und Unter-Schönmattenwag, das am Sonntag in Reichelsheim angenehm überraschte, sollte dem Neuling Zotzenbach keine Chancen lassen. Offen ist lediglich das Treffen in Mitlechtern, wo die in Ober-Abtsteinach mächtig unter die Räder gekommenen Unter-Abtsteinacher Mühe haben werden, zu einem ehrenvollen Ergebnis zu kommen, (ni)

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