Protest gegen die Ostgrenze General Tschuikow zugestellt
Bonn, 4. Oktober, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat die Westmächte in einer Note ersucht, wegen der Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als endgültiger deutscher Ostgrenze bei einer Reihe osteuropäischer Staaten vorstellig zu werden.
Die Oberkommissare haben die Note dem sowjetischen Oberbefehlshaber in Deutschland, General Tschuikow, übermittelt. Sie wurde außerdem den Chefs der polnischen und tschechoslowakischen Militärmission in Berlin und allen in Bonn akkreditierten ausländischen Mis.- sionschefs zugestellt.
Der Bundeskanzler legt in der Note im Namen der Bundesregierung gegen das zwischen der Sowjetzonen-Republik und Polen über die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als endgültige Staatsgrenze getroffene Abkommen Verwahrung ein. Er weist darauf hin, daß das Gebiet östlich ’der Oder-Neiße-Linie nach wie vor ein Teil Deutschlands sei und gemäß dem Potsdamer Abkommen als Teil der sowjetischen Besatzungszone der Republik Polen lediglich zur einstweiligen Verwaltung übergeben worden sei. Die Grenzen Deutschlands könnten nur durch einen Friedensvertrag geändert werden.
Dr. Adenauer stellt fest; daß die Regierung der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik nicht berechtigt ist, vertragliche Bedingungen einzugehen. Sie habe einem Friedensvertrag vorgegriffen, obgleich sie sich nicht auf freie demokratische Wahlen stützen könne und nicht vom Mehrheitswillen des deutschen Volkes getragen sei. D:e Regierung der Bundesrepublik Deutschland betrachte das Abkommen über die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen daher als rechtswidrig und ungültig.
Die Oberkommission hat zugleich mit der Uebergabe der deutschen Note an die Sowjets und die anderen ausländischen Regierungen betont, daß die deutschen Grenzen nach der in Potsdam erzielten formellen Uebereinkunft erst im Friedensvertrag endgültig festgelegt werden sollen. Die Oberkommission müsse daher das zwischen der Sowjetzonen-Republik und Polen in Görlitz unterzeichnete Abkommen über die Oder-Neiße-Linie als Verstoß gegen die von den vier Großmächten übernommenen Verpflichtungen ansehen.
Wieder 350 000 Wohnungen
Bonn, 4. Oktober, (dpa) Auch im kommenden Baujahr sollen 350 000 neue Wohnungen gebaut werden, kündigte Bundeswohnungsbauminister Eberhard Wildermuth am Mittwoch vor dem Bundestagsausschuß für den Wohnungsbau in Bonn an.
Der Minister teilte mit, daß für das kommende Baujahr bereits 400 Millionen Mark aus Bundesmitteln fest zugesagt seien. Nach Zusagen des ERP-Ministers Blücher könne aus ERP-Mitteln mit 225 Millionen Mark gerechnet werden. Hiervon seien 90 Millionen Mark für das erste Halbjahr gesichert. Die Länder sollten wie im vergangenen Baujahr 400 Millionen Mark aufbringen. Die Gesamtkosten für 350 000 Wohnungen werden zunächst mit 3,5 Milliarden Mark veranschlagt.
4436 Umsiedler
Göttingen, 4. Oktober, (dpa) 4436 Umsiedler aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie wurden im September über das Lager Friedland bei Göttingen in das Bundesgebiet aufgenommen. Außerdem passierten 113 Heimkehrer aus Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und aus der Sowjetunion und 90 Flüchtlinge das Lage Friedland.
„Völkermord der Sowjets“
Jugoslawische Beschuldigungen
Belgrad, 4. Oktober. (AP.) Die Sowjetunion wird von der jugoslawischen Presse angeklagt, sich durch die Massendeportation von Hunderttausenden von Angehörigen völkischer Minderheiten in Osteuropa des Völkermordes schuldig gemacht zu haben.
Das amtliche Blatt „Politika“ erklärt, die Sowjetunion habe sich wegen dieser Massenverschleppungen auch in den Vereinten Nationen dagegen gewandt, daß Deportationen unter den Begriff des Völkermordes fallen.
Als Beispiel für die Maßnahmen der Sowjets verweist das Blatt auf die vom Kreml angeordnete Deportation der in Bulgarien lebenden Türken. Es handle sich dabei um einen ganzen „Volkskörper“, dem hunderttausende in Bulgarien wohnender Türken angehörten.
Blockade Wiens nach Berliner Muster?
Kommunistischer Aufruhr in Wien / Ein Hauptpostamt gestürmt
Wien, 4. Oktober (dpa/AP.) Nachdem die österreichische Regierung das Ultimatum der Kommunistischen Partei, die Löhne für Arbeiter und Angestellte heraufzusetzen, abgelehnt hatte, riefen die Kommunisten zum Generalstreik auf. Die sozialistischen Gewerkschaften haben sich den Streikenden nicht angeschlossen, jedoch über achtzigtausend Arbeiter der von den Sowjets kontrollierten Betriebe in dem russischen Sektor von Wien.
Nachdem der Mittwochvormittag in völliger Ruhe verlaufen war, stürmten am Nachmittag etwa 7000 kommunistische Demonstranten das Hauptpostamt von Wiener-Neustadt in der sowjetischen Zone. Ein 150 Mann starkes Polizeiaufgebot, das versuchte, das Postamt zu schützen, wurde von den Kommunisten überrannt. Der Straßenverkehr im sowjetischen Sektor von Wien ist durch russische Soldaten und kommunistische Demonstranten zum Stillstand gebracht worden. Kommunisten mit roten Armbinden beschlagnahmten die Straßenbahnwagen und zwangen die Fahrer, kommunistische Transporte aufzunehmen. Versuche der Kommunisten, auch in den Westsektoren den Straßenbahnverkehr lahmzulegen, sind gescheitert. Starke österreichische Polizeibereitschaften trieben die Demonstranten auseinander und verhafteten 150 Kommuni qfpn
Nach Beginn der kommunistischen Unruhen in Wien ist die Alliierte Kommandantur zu einer Sitzung zusammengetreten. Es soll der Protest der österreichischen Regierung gegen die von russischer Seite geleistete Unterstützung der kommunistischen Aufrührer beraten werden. Für die alliierten Besatzungstruppen in den Westsektoren Wiens wurde Ausgangssperre verhängt. Die Alarmbereitschaften der österreichischen Polizei patrouillierten in Stahlhelmen mit Karabiner und aufgepflanztem Bajonett.
In den von den Westmächten besetzten Zonen Oesterreichs und in der russischen Zone hat der kommunistische Generalstreik bisher keine Anhänger gefunden. Jedoch erwartet die Regierung, daß es auch dort noch zu kommunistischen Unruhen kommen kann. In Regierungskreisen rechnet man mit der Möglichkeit, daß die Kommunisten versuchen werden, den Eisenbahnverkehr und die Telefon- und Telegraphenleitungen zwischen Wien und den Westzonen abzuschneiden. Eine Unterbrechung der Verbindungen auf längere Zeit, ohne Aussicht auf ein Eingreifen der sowjetischen Behörden würde einer Blockade der Viermächte-Stadt nach berliner Muster gleichkommen.
Der kommunistische Generalstreik dient nach Ansicht der österreichischen Regierung dem Ziel, in Oesterreich eine „Volksdemokratie“ zu errichten. Die Regierung glaubt jedoch, mit jedem Putschversuch fertig zu werden. Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums teilte mit, daß die Besatzungstruppen der Westmächte in Oesterreich jedem Putschversuch der Kommunisten mit Gewalt entgegentreten würden.
Jugendverbände rufen zum Kampf
gegen den Kommunismus auf
Frankfurt, 4. Oktober, (dpa) Die im „Ring politischer Jugend Hessens“ vereinigten Jungsozialisten, Junge Union und Deutschen Jungdemokraten sowie der überparteiliche Bund deutscher Jugend haben in Hessen durch Plakate und Flugblätter zum aktiven Kampf gegen den Kommunismus aufgerufen. Die Sprecher der einzelnen Organisationengaben in Frankfurt bekannt, daß zum ersten Jahrestag der Gründung der Sowjetzonenrepublik am kommenden Wochenende in mehreren großen Städten des Bundesgebiets Kundgebungen stattfinden werden, auf denen Vertreter der deutschen Jugend und der politischen Parteien über die kommunistische Gefahr sprechen werden. Die Jugendvertreter betonten, daß die ganze deutsche Jugend zum Kampf gegen den Kommunismus aufgerüttelt werden müsse.
Am Vorabend der Sowietzonenwahl wollen die politischen Jugendverbände ferner entlang der Zonengrenze Feuer entzünden und Kundgebungen in Grenzorten veranstalten.
Antonio Maria Aguirre wurde zum Chef der spanischen diplomatischen Mission bei der Oberkommission in Bonn ernannt.
Pyöngyang gibt Befehl zum Rückzug
Südkoreaner vor Tongschon / Massengräber in Söul und Yangyong
Söul, 4. Oktober. (AP./dpa/BBC.) Nach einer Mitteilung des kommunistischen Senders Pyöngyang vom Mittwoch haben die Einheiten der nordkoreanischen Volksarmee den Befehl erhalten, sich an allen Fronten zurückzuziehen, um neue Aufgaben zu übernehmen.
Allem Anschein nach ist dieser Befehl erteilt worden, um die vor den vordrängenden südkoreanischen Verbänden zurückflutenden Kommunisten, deren Verbände zum Teil zersplittert und uneinheitlich sind, wieder zu sammeln und eine geschlossene Verteidigungsfront zu errichten.
Erfolge der Südkoreaner
Die Vorausabteilungen der dritten südkoreanischen Division haben inzwischen nach der Einnahme von Kosong den Raum südlich Tongschon an der Ostküste erreicht. Sie stehen damit bereits über hundert Kilometer tief im feindlichen Hinterland. Nach Berichten der vorrückenden Südkoreaner haben sich vor Tongschon stärkere kommunistische Verbände eingegraben, so daß in Kürze mit heftigen Kämpfen zu rechnen ist.
In Südkorea sind britische und australische Truppen mit der Säuberung des südlichen Geländes nördlich der Südküste beschäftigt. Südkoreanische Truppen haben den Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt Tschuntschon in Mittelkorea etwa 24 Kilometer südlich des 38. Breitengrades besetzt.
Mit Aexten erschlagen
Die Truppen der Vereinten Nationen stoßen bei ihren Säuberungsmaßnahmen in Südkorea immer wieder auf frische Massengräber. Ein Todeslager, in dem die Leichen von .siebenhundert südkoreanisehen Zivilisten, darunter zahlreichen Kindern, gefunden wurden, ist in Yangyong, in der Nähe von Söul entdeckt worden. Ueber einen weiteren Massenmord an zweitausend Südkoreanern bei Chonju hat am Mittwoch ein Ueberlebender der Untersuchungskommissipn der Vereinten Nationen Bericht erstattet. Der Zeuge erklärte, daß vor dem Abzug der roten Truppen die Ermordung aller Gefangenen angeordnet worden sei. Er selbst habe sich verstecken können und zugesehen, wie die Gefangenen, darunter auch Frauen, mit Gummischläuchen und Knüppeln erschlagen, ihre Kehlen durchschnitten und ihre Köpfe mit Aexten gespalten worden seien.
Kommunistische „Volksgerichtshöfe"
Aus Söul berichtet der Leiter des südkoreanischen Informationsdienstes, Lee Joong Choon, daß während der Besetzung der Stadt durch die Kommunisten mindestens zehntausend Einwohner ermordet 'worden seien. Mehrere tausend Leichen lägen noch in den Hügeln vor der Stadt, und viele seien einfach in die Flüsse geworfen worden.
Zehn Tage nach dem Einmarsch in Söul hätten die Kommunisten bereits „Volksgerichtshöfe“ eingesetzt. Politische Gefangene wurden vor das Gebäude des Stadttheaters geführt. Dort sei vom Balkon herab die Anklageschrift verlesen und dann die Frage an die Menge gerichtet worden „schuldig oder nicht?“. Die Todesurteile seien immer vollstreckt worden. An anderer Stelle wurde jedoch erklärt, daß die Massenmorde nicht nur das Werk der Nordkoreaner waren, sondern, daß nach der Rückkehr der Südkoreaner in die Stadt i auch von diesen Einwohner getötet worden seien, die während der Besetzung mit den Kommunisten zusammengearbeitet hätten.
Spiegelfechterei?
*** Wie man sich erinnert, hat der Bundestag vor kurzem die Schale seines Zornes über die Presse ausgegossen, weil sie die Diäten für die Delegierten zum Europarat in Straßburg sensationell aufgebauscht habe. Der Bundestag mußte sich darüber belehren lassen, daß die Presse ihre Folgerungen aus einer falschen amtlichen Information bezogen hatte, und der Aeltestenrat war vernünftig genug, den Bonner Journalisten schriftlich zu bestätigen, daß das Gros der beim Bundestag beglaubigten Journalisten seine Aufgaben gewissenhaft erfülle.
Nun versucht man in Bonn abermals die Presse in ein schiefes Licht zu setzen. Die Wochenschrift „Der Spiegel“ hat in ihrer letzen Nummer aufsehenerregende Angaben von Bundestagsabgeordneten wiedergegeben, die man nicht anders als skandalös bezeichnen kann, wenn sie zutreffen. Vor der Abstimmung über die Hauptstadtfrage Bonn oder Frankfurt sollen demnach etwa einhundert Abgeordnete mit einem Betrag von insgesamt zwei Millionen Mark bestochen worden sein, ihre Stimme für Bonn abzugeben. Es wird weiter als wahrscheinlich hingestellt, andere Abgeordnete hätten Geldsummen angenommen, um für Frankfurt zu stimmen.
Es ist selbstverständlich, daß der Bundestag diese ehrenrührigen Behauptungen nicht auf sich sitzen lassen darf. In seiner Sitzung am heutigen Donnerstag wird er daher über einen Antrag der Bayernpartei beschließen, der die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses verlangt, dem es obliegen soll, die Behauptungen nachzuprüfen.
Soweit ist alles selbstverständlich. In dem Antrag der Bayernpartei heißt es jedoch, „in einem Presse-Organ“ sei die passive Bestechlichkeit von Abgeordneten behauptet worden. Diese Darstellung ist falsch, zumindesten ungenau. Die Behaup¬ -tung ist nämlich nicht vom „Spiegel“ sondern von Mitgliedern des Bundestages selbst aufgestellt worden, deren Aeußerungen die Zeitschrift wiedergegeben hat. Das muß rechtzeitig und eindeutig festgestellt werden, damit die zu erwartenden Erörterungen im Bundestag nicht zu einer neuen Spiegelfechterei gegen die Presse benutzt werden.
Wenn dem „Spiegel" von Abgeordneten so schwerwiegendes Material zugeleitet wurde, so war es auch unserer Meinung nach seine publizistische Pflicht, durch eine Veröffentlichung den Bundestag zu veranlassen, gewissenhaft zu untersuchen, ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind oder nicht.
Layern vor den Sandtagswahlen
Von unserem Münchener We-Korrespondenten
Es mag unpassend erscheinen, die Tatsache des Oktoberfest-Schlusses an den Beginn einer politischen Chronik zu stellen. Aber es bestehen da gewisse Zusammenhänge, die man in dieser Form nur in Bayern antreffen kann. Schon historische Dokumente haben ausführlich berichtet, man sehe „fast bei allen Gelegenheiten die höchsten Civil- und Militärbeamten unter dem Volke, seine Fröhlichkeit, seine Lust theilend“. Das hat sich bis heute nicht geändert. Auch dieses Jahr war die Theresienwiese der Tummelplatz aller Größen der bayerischen Politik (und übrigens auch der zu den Wochenenden herbeigeeilten Bonner Abgesandten Bayerns), die hier in friedlichem Streitgespräch sämtliche einschlägigen Probleme spielend lösten. Es schien, als hole man vor den kommenden Wochen noch einmal tief Luft, in denen es etwas rauher zugehen wird.
Beinahe unbemerkt von der breiteren Oeffentlichkeit blieb ein Vorgang, der diesen Wahlen eine noch größere Aufmerksamkeit einbringen wird, als sie es ohnehin verdienen. Der Münchner Stadtrat beschloß, in der Landeshauptstadt zugleich eine Volksbefragung über die europäische Union durchzuführen. Daß dieser Entscheidung zur Einmütigkeit vier von 34 Stimmen fehlten, lag an den Kommunisten. Sie hätten stattdessen gern eine Abstimmung über die Frage der Remilitarisierung Westdeutschlands gesehen, aber hier zeigten sich wiederum die anderen Fraktionen weniger geneigt. Ein Bekenntnis Münchens (es hat nach der Septemberzählung 831 000 Einwohner) zum europäischen Gedanken wäre allein schon ein beachtliches Ergebnis, ' aber es besteht durchaus die Möglichkeit, daß dieses Beispiel in anderen Teilen Bayerns Schule macht und ein noch gültigerer Querschnitt zustande kommt. Wie man weiß, gibt es in Bayern Leute, die mit dem Wunsch nach einem vereinten Europa die Hoffnung verbinden, man könne dabei den lästigen Umweg über den Bund aussparen.
Das Problem der Flüchtlinge
Es sind noch verschiedene Unbekannte in den Wahlrechnungen, die bereits jetzt aufgemacht werden. Die gewichtigste ist die Ungewißheit über die Haltung der Flüchtlinge. Sie stellen nahezu ein Drittel der Wahlberechtigten und sind 1946 nur in bescheidenem Umfang zum Zuge gekommen. Sie verlangen gemäß ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung vierzig bis fünfzig Abgeordnete in der Volksvertretung anstatt drei wie bisher. Gelingt es rechtzeitig, ähnlich wie in Schleswig-Holstein, den nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten nun auch hier gegründeten Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten genügend schlagkräftig zu machen, so könnte das für die bayerische Innenpolitik noch nicht absehbare Folgen haben.
Kommunistische Agenten
Ebenso bezweifelt auch bei den Ausgewiesenen kaum jemand, daß Bayern, zugleich Auffangstellung für ständig nachdrängende Massen echter politischer Flüchtlinge aus dem Osten und eines der Hauptzentren für die Infiltration kommunistischer Agenten, nur bis zu einem gewissen Grade aus eigener Kraft der immer unerträglicher werdenden Bürde Herr werden kann. 50 000 Flüchtlinge leben augenblicklich noch in Massenlagern und es werden täglich mehr. Planmäßig wächst auch die Zahl der kommunistischen Flugschriften, die in den Lagern verteilt werden. Der bayerische Staatssekretär für das Flüchtlingswesen hat jetzt mit aller Schärfe verlangt, man solle endlich die Schotten dicht machen gegen die politischen Sendboten des Ostens.
Die Exklave Lindau
Von den 203 Sitzen, die der neue Landtag zu vergeben hat (nachdem er noch rechtzeitig vor den Wahlen sehr zum Verdruß der Opposition seine Abgeordnetenzahl für die kommende Sitzungsperiode um ein Viertelhundert erhöhte), wird nach einem eben verabschiedeten Gesetz einer auf den Vertreter Lindaus entfallen. Das ist eine Geschichte für sich. Lindau, seit fünf Jahren bayerische „Irredenta“, wurde 1945 der französischen Besatzungszone einverleibt, weil die Franzosen einen Korridor zu dem von ihnen besetzten österreichischen Vorarlberg brauchten. Die Bayern haben es nie verwunden, daß ihr Vorposten am Bodensee einen Vertreter in das Parlament von Südwürttemberg entsenden mußte, anstatt ihn nach München schicken zu dürfen, wo er hingehörte.
Landtagsdebatten
Der Landtag hat zum Beispiel dieser Tage nach stundenlanger Debatte mit knapper Mehrheit die Errichtung von Spielbanken in Bayern abgelehnt. Teils aus Gründen der Moral, teils aus anderen. Ganz genau war das am Schluß nicht mehr zu ermitteln. Reichenhall, Garmisch-Partenkirchen und Kissingen bekommen also kein Kasino. Ob sich die Lindauer das ihre, das ein ganz großes Geschäft ist, auf dem Weg über den „Anschluß“ nehmen lassen, erscheint sehr fragwürdig. Zur gleichen Zeit hat man aus dem schwer notleidenden bayerischen Etat aber eine halbe Million zur Förderung des Fremdenverkehrs bewilligt und einen Sparkommissar mit weitreichenden Vollmachten eingesetzt. Den für den Staat recht einträglichen Fußballtoto gibt es noch in Bayern, doch die Streiter für die Spielbanken haben boshafterweise durchblicken lassen, man werde nunmehr vielleicht einen Antrag auf Beseitigung des Totobetriebes stellen. In den Haushaltsberatungen wird scharf geschossen. Es gab verschiedentlich Anlaß dazu. So stellte es.sich heraus, daß für die seit dem 30. Juni de jure aufgelösten Ernährungsämter auch im neuen Haushaltsjahr noch einmal an die 1,4 Millionen Mark ausgegeben werden. Der bayerische Landwirtschaftsminister ist von jeher ein vorsichtiger Mann. Er meint, eines Tages könnte wieder die Rationalisierung von Lebensmitteln eingeführt werden. Die anderen finden, es sei ein wenig zu teuer, die unansehnlichen Restbestände der Zwangswirtschaft bis dahin in guter Form zu konservieren. Auch hat Bayern noch ein Verkehrsministerium, während Nordrhein-Westfalen keines benötigt.
Die Freunde der Pfalz dagegen haben von Staats wegen keine Mittel zu erwarten, wie der Pfalzausschuß betrübt zur Kenntnis nehmen mußte. Der an die Adresse der Regierung von Rheinland-Pfalz gerichteten Versicherung, Bayern gedenke keine Revolution in der Pfalz zu machen, darf man glauben. Das Geld würde nicht einmal für eine ganz kleine reichen.
„Geisterdivisionen“
Fi. Als am 26. September über dem Capitol von Söul die Flagge der Vereinten Nationen gehißt wurde, feierte die Welt mit den Truppen, die unter diesem Zeichen in Korea gegen die Kommunisten kämpften, einen großen Sieg. Denn am gleichen Tage war es den Streitkräften des Westens gelungen, die aus dem Brükkenkopf Pusan vorstoßenden amerikanischen Verbände mit denen der Invasionsarmee von Inchon zu vereinigen. Damit war die gewaltige Zange geschlossen, durch die Mac Arthur die Vernichtung der im Süden stehenden kommunistischen Einheiten erzwingen wollte.
Inzwischen ist gut eine Woche vergangen. Südkoreanische Truppen haben den 38. Breitengrad erreicht und nach kurzem Halt überschritten. In Südkorea sind neun Zehntel des Gebietes von amerikanischen Truppen besetzt’ Nur ein ständig kleiner werdender Teil an der Westküste bei Tschondschu und ein schmaler Streifen südlich des 38. Breitengrades werden noch von den Kommunisten verteidigt. Aber die erwarteten Erfolgsziffern an Menschen und Material blieben aus. Die angeblich eingeschlossenen hunderttausend Nordkoreaner sind innerhalb von vier Tagen spurlos verschwunden. Niemand, selbst nicht der amerikanische Geheimdienst, weiß, wo sie geblieben sind. Die Vermutungen darüber gehen weit auseinander. Vordringlich bleibt jedoch die Annahme, die Nordkoreaner hätten sich mit Hilfe von Zivilkleidern in Partisanenverbände aufgelöst und hielten sich im gebirgigen Gelände des Mittelabschnitts verborgen. Diese These wird vom amerikanischen Generalstab immer wieder und mit Nachdruck vertreten. Doch scheint sie — bei näherer Betrachtung — wenig stichhaltig.
Vorausgesetzt, den Nordkoreanern wäre in der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, eine solche Umorganisation technisch gelungen, so müßten sich ihre Verbände jedenfalls noch innerhalb des amerikanischen Kessels befinden. Dort sind sie aber nachweislich nicht aufzuspüren. Weiter hätte eine Aufgliederung in Partisaneneinheiten nur erfolgen können unter Verzicht auf Panzer und schwere Waffen, die beide im Gebirge, Wald oder Sumpf nicht operationsfähig sind. Aber auch darüber geben die Beutezahlen keine Auskunft. Die Kommunisten sind und bleiben samt ihren Panzern und Geschützen verschwunden. Dem unbefangenen Beobachter drängen sich daher bei der Beurteilung dieser seltsamen taktischen Situation zwei Lösungen auf, die beide im Bereich des Möglichen liegen. Einmal wäre anzunehmen, daß die Amerikaner die Zahl der eingeschlossenen Kommunisten, vielleicht aus psychologischen Gründen, weit überschätzt haben. Das hieße, daß in Wirklichkeit nicht hunderttausend Mann, sondern weit geringere Kräfte zur Einkesselung gezwungen wurden. Oder aber, als zweites, das Gros der Nordkoreaner ist überhaupt nicht eingeschlossen worden, sondern hat sich, vielleicht in Nachtmärschen, rechtzeitig dem amerikanischen Zugriff entziehen können.
Nach dem Stand der augenblicklichen Operationen ist noch kein genaues Urteil darüber zu bilden, welche der beiden Lösungen die richtige ist. Vorderhand gilt nur die Tatsache, daß die angeblich eingeschlossenen starken Verbände wie Geisterdivisionen aus dem Kampfraum verschwunden sind. Sollten sich unsere Vermutungen jedoch — so oder so — bestätigen, so wäre das, trotz aller Bravour der amerikanischen Führung, gleichbedeutend mit einer Fehlkalkulation in der Planung Mac Arthurs. Der westliche Erfolg würde zwar taktisch glänzend, aber strategisch nicht von überwältigender Bedeutung sein. Denn nach wie vor gilt in der militärischen Führung der Grundsatz, daß die Vernichtung des Feindes wichtiger ist als Gewinn an Raum und Boden. Die nächsten Tage werden erweisen, wieweit das Mac Arthur gelungen ist.
Gegen die Parolen des Klassenkampfes
Arbeitgeber-Verbände zum Programm des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Wiesbaden. 4. Oktober, (dpa) „Im Bewußtsein der Verantwortung, die den Organisationen der Unternehmer und der Arbeitnehmer vor dem Volk und vor der Geschichte obliegt, haben die Unternehmer bisher den Weg der Gemeinschaft mit dem sozialen Partner gesucht. Es wäre ein Verhängnis, wenn die von ihnen begehrte Fortsetzung dieses Weges an der Parole des Klassenkampfes scheitern müßte.“
Diese Erklärung gab die Vereinigung der Arbeitgeberverbände zu dem Programm des Deutschen Gewerkschaftsbundes ab, das am 26. September in Düsseldorf vom Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes der Gewerkschaften, Dr. Agartz. im Namen des Bundesvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes abgegeben wurde.
In der Erklärung der Arbeitgeberverbände wird festgestellt, daß die Unternehmervertreter die Beratungen mit den Gewerkschaften über das Mitbestimmungsrecht im Sinne der Mahnung des Bundeskanzlers zu innerem sozialem Frieden begonnen hätten. Diese Beratungen dienten der „hohen politischen Aufgabe, eine neue Sozialordnung zu schaffen, die auf der1 Grundlage einer von der Gemeinschaft der beiden Sozialpartner getragenen eigenverantwortlichen Selbstverwaltung beruhen soll“. Die Stellungnahme der Arbeitgeberverbände verweist darauf, daß die Verhandlungen über das Mitkjgstimmungsrecht in Maria Laach mit einem gemeinschaftlich von beiden Verhandlungspartnern veröffentlichten Bekenntnis zur Gemeinschaftsarbeit abgeschlossen hätten. Die gemeinsame Erklärung habe jedoch nicht die Zustimmung des Gewerkschaftsbundes gefunden. Durch die Ankündigung der Anwendung gewerkschaftlicher Kampfmittel wurde, so heißt es in der Erklärung der Arbeitgeber, „an Stelle des bis dahin verfolgten Weges der Gemeinschaft zweier. Partner der Weg des gegnerischen Kampfes angekündigt. Im Falle seiner Ausführung würde dies politisch den Versuch bedeuten, die gewählte Volksvertretung mit den Mitteln eines zentral organisierten Streiks zu zwingen, sich dem Willen einet’ einseitigen, eine Minderheit vertretenden Interessenorganisation zu beugen.“
In der Stellungnahme zu dem gegenwärtigen Lohn-Preis-Problem würden von den Gewerkschaften volkswirtschaftliche Ueberlegungen betont zugunsten von gewerkschaftlichen Forderungen zurückgestellt. Diese Forderungen gipfelten dann in dem gefährlichen Grundsatz, daß es ohne eine Bewilligung der weitgehenden gewerkschaftlichen Forderungen auf wirtschaftliche Mitbestimmung auch keine wirtschaftliche Verantwortung der Gewerkschaften gegenüber der Allgemeinheit gebe. Mit der in der Düsseldorfer Erklärung vertretenen These werde eindeutig ausgesprochen, daß die gegenwärtig von den Gewerkschaften betriebenen lohnpolitischen Aktionen Mittel zu weitgespannten Zielen im Sinne machtpolitischer Bestrebungen des Gewerkschaftsbundes zur Durchführung planwirtschaftlicher Grundsätze seien.
Gewerkschaften lehnen ab
Düsseldorf, 4. Oktober, (dpa) Der Deutsche Gewerkschaftsbund wies die Stellungnahme der Arbeitgeberverbände zum Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern zurück. In einer von der Pressestelle des Gewerkschaftsbundes veröffentlichten offiziellen Erklärung wird gesagt, daß die Arbeitgeber-Erklärung jeden konstruktiven Gedanken einer sinnvollen Zusammenarbeit vermissen lasse. Sie könne nicht als ein Beweis des guten Willens der Arbeitgeberverbände angesehen werden und wiederhole nur die allgemein bekannten Argumente der Unternehmer.
Es erübrige sich, auf den erneut erhobenen Vorwurf einzugehen, daß die Gewerkschaften die Schuld für das Scheitern der Mitbestimmungsgespräche trügen. Die Pressestelle habe der Oeffentlichkeit dokumentarisches Material vorgelegt, aus dem eindeutig hervorgehe, daß die Unternehmerverbände bisher nicht den ehrlichen Willen gehabt hätten, eine lebensfähige soziale Ordnung im Bundesgebiet zu schaffen.
Das Mitbestimmungsrecht
Bonn, 4. Oktober (dpa). Die Bundestagsausschüsse für Wirtschaftspolitik und Arbeit haben am Mittwoch die Bildung eines fünfzehnköpfigen Arbeitskreises beschlossen, der die Beratungen über das Mitbestimmungsrecht vorbereiten soll.
Protest der Sozialdemokraten
gegen saarländische Reparationen
Saarbrücken. 4. Oktober, (dpa) Der Wahlkreisverband Neunkirchen der Sozialdemokratischen Partei des Saarlandes hat dagegen protestiert, daß wesentliche Teile der industriellen Einrichtungen und des Materials von vier saarländischen Hüttenwerken Frankreich übertragen worden sind. In einer Entschließung heißt es. daß die saarländische Hüttenindustrie nach der Verfassung dem Saarvolk übergeben werden muß. Die Landtagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei wird aufgefordert, einen entsprechenden Gesetzentwurf einzubringen.
Die Bundesregierung ist enttäuscht
Die alliierte Verordnung zur Liquidierung der Stahlkonzerne
Bonn, 4. Oktober. (AP.) Die Bundesregierung sei enttäuscht über die alliierte Durchführungsverordnung zur Liquidation der westdeutschen Stahlkonzerne, verlautet aus höchsten Regierungskreisen.
Bundeskanzler Dr. Adenauer habe zu dieser Frage eine entscheidende Aussprache mit dem Leiter der deutschen Schumanplandelegation, Prof. Hallstein, gehabt, und es -sei zu erwarten, daß die deutsche Vertretung bei den kommenden Schumanplanverhandlungen „etwas mehr aus sich herausgehen“ werde als bisher.
Die Regierung sei jedoch nicht gewillt, eine so radikale Haltung einzunehmen wie der Generaldirektor der Gutehoffnungshütte AG., Dr. Hermann Reusch. Dieser hat sein Amt im Schumanplanausschuß mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Seiner Ansicht nach nähmen die Alliierten der deutschen Stahlindustrie gegenüber eine Haltung ein, die eine zwischenstaatliche Zusammenarbeit unfruchtbar erscheinen lasse.
Der Bundeskanzler stehe auf dem Standpunkt, daß alle Anstrengungen, um das politische Ziel des Schumanplanes, eine dauernde und festbegründete deutschfranzösische Zusammenarbeit zu erreichen, gerechtfertigt seien.
Aus den gleichen Kreisen verlautet ferner, man sei bereit, diesem Ziel wirtschaftliche Opfer zu bringen. Es wurde betont, daß es gerade angesichts der Anforderungen, die in diesem Zusammenhang an die deutsche Wirtschaft gestellt werden können, notwendig sei, der deutschen Schwerindustrie und dem Kohlenbergbau die Möglichkeit zu geben, die Betriebe so aufzubauen und zu führen, daß sie Höchstleistungen erreichten. Man sei grundsätzlich nicht gegen den Gedanken einer Entflechtung eingestellt, glaube aber, daß die Oberkommission zu ihren eigenen Plänen deutsche Alternativvorschläge einholen und berücksichtigen sollte. Der Bundeskanzler werde jedoch vermutlich keinen Protest gegen die Durchführungsverordnung bei der Oberkommission erheben, wurde auf Anfrage mitgeteilt.
11,5 Millionen für Forschung
Bonn, 4. Oktober (dpa) 11 551 600 Mark hat der Haushaltsausschuß des Bundestages im voraus für Forschungszwecke bewilligt. Für Forschungsaufgaben der Wirtschaft sind 9 284 600 Mark, für die wissenschaftliche Forschung 1 809 000 Mark, für die Förderung der Blindenfürsorge 400 000 Mark und für die Gesundheitsforschung 58 000 Mark vorgesehen.
Die Delegierten schwiegen
Englische Wiederaufrüstung stößt auf Zurückhaltung
Margate, 4. Oktober. (AP.) Der stellvertretende Ministerpräsident Morrison hat am Mittwoch auf dem Jahrestag der Labourpartei in Margate erklärt, das Sozialisierungsprogramm der Regierung sei noch nicht abgeschlossen. Der Gedanke, die Versicherungen für die Zement- und Zuckerindustrie zu verstaatlichen, sei durchaus nicht fallen' gelassen worden, ebenso wie auch noch andere Industriezweige und Dienstleistungen in das Programm einfcezogen werden könnten.
Der Vollzugsausschuß der Labourpartet hat in einer Erklärung an den Jahreskongreß der Partei auf die Notwendigkeit einer Wiederaufrüstung hingewiesen und betont, daß andernfalls mit großer Sicherheit mit einem Krieg zu rechnen sei.
Nach Ansicht gutunterrichteter Kreise soll die Erklärung den Zweck haben, die in weiten Kreisen der Partei herrschende ablehnende Haltung gegenüber der Wiederaufrüstung und der damit verbundenen Einschränkung des Lebensstandards zu beseitigen.
Die Delegierten hatten die Feststellung Attlees mit tiefem Schweigen aufgenommen, daß Großbritannien seine Anstrengungen verdoppeln müsse, um seine Aufrüstungspläne zu erfüllen und den erzielten Fortschritt im Wiederaufbau aufrechtzuerhalten.
Miß Alice Bacon wurde von den Delegierten zum Parteivorsitzenden für die nächsten zwölf Monate gewählt. Sie ist Lehrerin und die Tochter eines Bergmannes.
Amerika stoppt Unterstützung
London, 4. Oktober. (AP.) Die Vereinigten Staaten haben das britische Gesuch um 1,5 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Wiederaufrüstung innerhalb von drei Jahren abgelehnt, verlautet am Mittwoch in London aqs gut unterrichteten Kreisen.
Von amerikanischer Seite wird nach Aussage der Gewährsleute eingewandt, Großbritannien lege trotz der gespannten Weltlage ein zu großes Gewicht auf seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau.
Stimmen der Anderen
Wieder Seidener Vorhang?
Der „Sozialdemokratische Pressedienst“ bezieht sich auf einen Bericht der „Neuen Zürcher Leitung“ aus Neuyork, daß die Verteidigungsminister des Atlantikpakts Ende Oktober wieder in Washington zusammentreten werden und daß auf dringendes Verlangen des amerikanischen Kriegsministers Marshall zu diesem Termin bereits Vorschläge über Deutschlands Wiederbewaffnung auszuarbeiten seien. Sollte bis Ende Oktober sich Frankreich npeh zu keinem „positiven Entscheid“ durchgerungen haben, spreche man sogar davon, „daß Amerika und Großbritannien in diesem Falle dann eben in ihren Besatzungszonen im Einvernehmen mit der deutschen Regierung mit der Rekrutierung gewisser Einheiten beginnen würden. Ein Plan dazu aus der Feder des Militärberaters Adenauers, Graf Schwerin, solle den angelsächsischen Außenministern schon vorliegen.“
Der „Sozialdemokratische Pressedienst“ meint dazu:
„Der Bericht ist bisher von niemandem dementiert worden, auch von der Bundesregierung nicht. Die darin enthaltenen Vorgänge-sind aber von solcher Bedeutung für Westdeutschland, daß Bonn nicht umhin können wird, dazu etwas zu sagen. Vor allem dazu, daß man sich damit einverstanden erklärt, in einer so einschneidenden Frage wie der der Wiederbewaffnung notfalls zweierlei Rechtauf westdeutschem Boden aufzurichten. Käme es tatsächlich zu keinem „positiven Entscheid“ Frankreichs und somit zu einer Remilitarisierung nur der englischen und amerikanischen Besafzungszone, dann könnte jeder Deutsche, der sich der „Rekrutierung gewisser Einheiten“ nach dem . Plan Schwerins entziehen wollte, Zuflucht in der französischen Besatzungszone suchen. Andererseits könnten die französischen Besatzungsbehörden jeden Angehörigen „gewisser Einheiten“, der sich in die französische Zone verirrt, wegen Verstoß gegen ein Kontrollratsgesetz (Verbot des Waffentragens) einsnerren, ähnlich wie es die Alliierten in West-Berlin mit Volkspolizisten tun. Die Komplikationen, die sich aus dieser Situation ergäben, sind damit nicht erschöpft; sie sind so schwerwiegend, daß praktisch der Seidene Vorhang, der mit der Errichtung der Bundesrepublik hochgezogen wurde, wieder herniedergelassen würde. Etwas drastisch ausgedrückt: die Bundesrepublik würde nunmehr aus der englischen und amerikanischen Zone bestehen. Das wäre, wenn er schon bestünde, ein Thema für den Bundesverfassungsgerichtshof.“
Adenauer und die Polizei
Die Baseler „Na ti onal zei t ung“ beschäftigt sich mit dem „überraschenden Nachgeben“ Dr. Adenauers in der westdeutschen Polizeifrage. Die Zustimmung des Bundeskanzlers zu dem Beschluß, die neue Bereitschaftspolizei grundsätzlich den Ländern zu unterstellen, sei in erster Linie eine Konzession an die bayerische Christlich-Sozäale Union, da es sich Dr. Adenauer offenbar nicht leisten könne, kurz vor den bayerischen Landtagswahlen einen Konflikt mit der bayerischen Gruppe seiner eigenen Partei heraufzubeschwören.
„Die Position der Länder in der Polizeifrage ist schließlich auch durch die Vorgänge vom vergangenen Sonntag gestärkt worden, als es sich erwies, daß selbst die heute vorhandenen Polizeikräfte durchaus in der Lage sind, kommunistischer Störversuche Herr zu werden. Es bestehen also nach Ansicht der Ländervertreter keinerlei Gründe, eine Bundespolizei aufzustellen. Ja, angesichts der finanziellen Lasten, die die neue Bereitschaftspolizei dem Lande auferlegt, beginnt man sich bereits zu fragen, ob es tatsächlich nötig sei, ganze dreißigtausend Mann auszuheben, oder ob nicht eine kleinere Zahl vorläufig durchaus genügen würde.“
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruds Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Vetlag, Hamburg
29) „Papa! Papa!“ Sie liefen alle auf die Gestalt zu, die aus den Bäumen herausgetreten war. Die schnellfüßige Berthe war zuerst bei ihm — ein aufgeregter Wortschwall von Gespenstern und Feuern und Äpfeln stürzte ihr holter-di-polter über die Lippen. Der Vater hob sie auf seine Schultern und schritt auf den Lichtkreis zu. In- dem niedergebrannten? hin und her flackernden Feuer wirkte er wie ein goldgepanzerter Riese aus der Sage; sein Haar leuchtete kupfern und die Falten seines langen braunen Mantels schimmerten wie Bronze. Genau so mußten die Helden der Edda ausgesehen haben, wenn sie, von blutiger Schlacht kommend, ihre stolzen Gesichter gen Walhalla wandten.
„Ich dachte mir schon, daß ich euch hier finden würde“, sagte er lachend und klopfte dem Alten auf die gebeugte Schulter. „Loti hat schon Aepfel für mich gebraten, als ich noch so klein wie Raynald war.“
„Nehmen Sie meinen, Herr, und wohl bekomm’s!“ Loti drängte dem Herzog seinen Apfel auf. „Ich habe ihn noch nicht angebissen, und wer weiß, vielleicht findet sich drinnen eine Ueberraschung für S'e.“
Aber der Herzog schüttelte nur lächelnd den Kopf.
„Für mich ist es vorbei mitdemKernezählen, Lotk Mit neun Kindern habe ich genug zu tun, danke. So, Raynald, jetzt bist du an der Reihe, huckepack zu reiten, und ihr anderen haltet euch dicht hinter mir; der Mond wird uns schon heimleuchten.“
Seiner hohen Gestalt im Gänsemarsch folgend, drangen sie wieder in den Wald ein, erst die drei Mädchen und zuletzt Henriette. Der Pfad hob sich undeutlich vor ihnen ab, abwechselnd im Licht und im Schatten liegend. Henriette hielt ihren Blick auf den Führer geheftet, dessen unbedeckter Kopf vom Mondlicht hell beschienen wurde, wie er da mit großen Schritten voranstrebte. Bisweilen blickte er sich um und blieb stehen, bis sie ihn eingeh oft hatten.
„Ich vergesse immer, daß ich so lange Beine habe“, entschuldigte er sich, „außerdem kenne ich diese Wälder so gut, daß ich mich auch mit geschlossenen .Augen darin zurechtflnden würde. Es würde mir sofort auffallen wenn auch nur ein Baumstumpf oder eine Wurzel fehlten.“
Das ist ja beinahe wie ein sechster Sinn“, meinte Henriette.
„Nein, es ist viel einfacher. Man muß nur in einer Gegend aufgewachsen sein, um ihre Geheimnisse ergründen zu lernen. Ich denke oft — ach, der Gedanke an die Jugendzeit macht einen leicht sentimental, vor allem, wenn es sich um die eigene handelt.“
Als endlich das Schloß in Sicht kam, bemerkte Henriette sogleich, daß nur die Räume der Herzogin nicht erleuchtet waren.
„Die Herzogin hat Sie nicht hierher begleitet?“ fragte sie höflich. „Nein, sie ist in Paris geblieben. Ich bin nur für ein paar Tage hergekommen, um die Arbeit an dem Anbau zu überwachen. Doch muß ich gestehen, daß ich mich auch nach dem Anblick dieser vier sehnte; es ist doch sehr einsam in Paris ohne sie.“
„Darf ich fragen, ob die Kur der Herzogin bekommen ist?“ „In gewisser Hinsicht, ja.“ Er sprach zurückhaltend. „Aber sie ist immer noch weit davon entfernt, völlig gesund zu sein, und nach wie vor leicht erregbar. Ich fürchte, die Aerzte können wenig für sie tun.“
Henriette sagte nichts mehr. Sie fühlte, daß er keine Lust hatte, das Thema fortzusetzen, und sie ihrerseits empfand nur Erleichterung über die Abwesenheit, der unglücklichen Frau. Wenigstens würde es heute abend und morgen früh zu keinen unliebsamen Auftritten kommen können. Vor dem Kamin im Kinderzimmer ging es sehr lustig her. Der Herzog speiste nicht allein in dem blaugoldenen Salon, sondern ließ sich das Essen zusammen mit den Kindern servieren. Später ^nackten sie Nüsse am Feuer, das leise auf dem Rost knisterte, während draußen das Sausen des Windes nur dazu beitrug, das Gefühl des warmen Geborgenseins hinter den zugezogenen Vorhängen noch zu verstärken. Der stundenlange Aufenthalt in der frischen Luft, das warme Essen und das warme, helle Zimmer erfüllte sie alle *mit wohliger Zufriedenheit. Und die Gegenwart des Herzogs verlieh ihrem Beisammensein eine festliche Stimmung. Henriette saß bei ihrer Handarbeit am Tisch und sah und hörte von dort aus der kleinen Gruppe am Feuer zu. Sie bewunderte von neuem, wie gut dieser Vater mit seinen Kindern umzugehen verstand
„Ja“, dachte Henriette, als sie die beiden Kleinen in ihr Schlafzimmer brachte, „er ist mehr als nur ein Vater. Diese Begabung, mit Kindern umzugehen, grenzt schon ans Geniale. Ein Glück, daß er sie hat; denn er muß ihnen ja Vater und Mutter zugleich sein.“ Als sie zurückkehrte, fand sie die beiden Mädchen noch immer bei ihrer Diskussion über die Anzahl Kerne, die ihr Apfelgehäuse enthalten hatte. „Wir wälzen hier ein sehr schwieriges Problem“, sagte der Herzog mit ernster Miene, wenn auch seine Augen verschmitzt blinzelten. „Es hat sich herausgestellt, daß Louise sechs Kerne hat und Isabella acht. Was ist da zu tun Mademoiselle Deluzy?“
Daß er sie mit ihrem Namen anredete und nicht nur mit dem unpersönlichen .Mademoiselle“, bewies ihr, daß er sie im Gegensatz zu ihren bisherigen Brotgebern nicht nur als Erzieherin, sondern auch als Menschen schätzte.
„Ich bin kaum die Richtige, um da einen Rat zu geben“, antwortete sie. „Aber es ist doch möglich, daß eine jüngere Schwester zzuerst heiratet, nicht wahr, Mademoiselle?“ drang Louise in sie.
„Ja, natürlich, das ist schon möglich." Henriette lächelte. „Ich * glaube, mal irgendwo gelesen zu haben, daß eine ältere Schwester, die auf der Hochzeit ihrer jüngeren Schwester in Strümpfen tanzt, binnen eines Jahres auch einen Mann findet.“
„Diejenige, die zuerst heiratet, muß nicht immer am glücklichsten werden“, schloß der Herzog die Unterhaltung ab. „Und jetzt schleunigst ins Bett, ihr beiden, und zerbrecht euch nicht weiter den Kopf über eure zukünftigen Männer. Wenn ihr erst erwachsen seid, werdet ihr euch vor Verehrern nicht retten können.“
Er küßte sie und blickte ihnen nach, wie sie Arm in Arm den langen Korridor hinuntergingen. Als er sich wieder ins Zimmer zurückwandte, gewahrte Henriette, daß zwischen seinen Brauen eine leichte Falte stand.
„Wenn die Töchter erst einmal anfangen, von ihren Männern zu sprechen, dann beginnt ein Vater sich alt zu fühlen. Mir kommt es vor, als ob meine eigene Hochzeit erst 'gestern gewesen wäre, und dabei bin ich schon siebenunddreißig Jahre alt. Bevor ich mich s recht versehe, werde ich Großvater sein.“
„Sie werden gewiß einen reizenden Großvater abgeben, Monsieur. Und ich glaube, diese Rolle würde Ihnen selbst Spaß machen.“
„Vielleicht“, gab er zu. Er schwieg einen Augenblick und fuhr dann fort: „Ich muß mich ja doch damit abfinden, daß meine Töchter schnell groß werden. Vier, fünf, höchstens sechs Jahre noch, und wir werden uns nach Freiern für sie umsehen müssen. Ja, ja.“ Er seufzte und starrte gedankenschwer ins Feuer. „Es ist doch ein barbarischer Brauch — dieses ganze Getue mit angemessenen Mitgiften und standesgemäßen Heiraten. Ich überlege mir manchmal, ob die Engländer über diese Dinge nicht etwas vernünftiger denken als wir. Was wissen denn schon ein Mädchen mit achtzehn und ein junger Mann von zwanzig von der Liebe und was es heißt, eine Familie großzuaiehen?“
(Fortsetzung folgt.)
Hessens Appell an die freie Welt
Der Etat mit 47 Millionen Defizitverabschiedet
Wiesbaden, 4. Oktober. (Eigener Bericht.) Der Hessische Landtag schloß sich in seiner Mittwochsitzung dem Appell des Deutschen Bundestages an die Demoraten der Welt, dem deutschen Volke im Kampfe gegen den Kommunismus beizustehen, an. — Ferner verabschiedete das Plenum mit den Stimmen der CDU gegen die der Freien Demokraten und der Kommunisten das Gesetz über die Feststellung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1950/51. Der hessische Staatshaushalt weist bereits bei seiner Feststellung ein rechnerisches Defizit von 46,9 Millionen D-Mark auf.
Außerhalb der Tagesordnung gab der Alterspräsident des Landtages, Jakob Husch (CDU) eine gemeinsame Erklärung der drei großen Fraktionen bekannt, in der sich die SPD, CDU und FDP die Erklärung des Bundestages zu eigen machen, worin der unerschütterliche Wille des ganzen deutschen Volkes zu seiner nationalen Einheit zum Ausdruck kam.
Die Erklärung, die mehrmals sowohl durch Beifallskundgebungen als auch durch Zwischenrufe der Kommunisten unterbrochen wurde, stellt fest, daß das deutsche Volk in der Anerkennung der Oder-Neiße-Linie, in der Verteidigung der unmenschlichen Behandlung deutscher Kriegsgefangener und Verschleppter sowie in der Mißachtung des Schicksals und des Heimatrechtes der Vertriebenen Verbrechen an Deutschland und gegen die Menschlichkeit sieht. Allein für diese Verbrechen Verantwortlichen müsse das Recht abgesprochen werden, im Namen des deutschen Volkes zu handeln. Das deutsche Volk wolle den Frieden in der Freiheit nach innen und außen, den Frieden in der Gemeinschaft freiet1 Völker.
Der Hessische Landtäg schloß sich dem Appell des Bundestages an die Demokratien der Welt an, dem deutschen Volk in diesem Kampf beizustehen. Ebenso forderte er die Durchführung freier, allgemeiner, geheimer und gerechter Wahlen in allen vier Besatzungszonen zu einem gesamtdeutschen Parlament.
Im Namen der Landesregierung brachte der stellvertretende Ministerpräsident und Finanzminister Dr. Hilpert die enge Verbundenheit der hessischen Bevölkerung mit . den Deutschen im Osten und den Wunsch auf Wiedervereinigung mit ihnen zum Ausdruck. Die Regierung schließe sich vollinhaltlich der Erklärung des Landtages an und sei bereit, alles für ihre Durchführung zu tun,
Ordnungsruf für KPD-Fraktionsführer
Der Fraktionsvorsitzende der KPD, Keil, der nach seinem mehrmonatigen Ausschluß erstmalig wieder an der Plenarsitzung teilnahm, versuchte durch dauernde Zwischenrufe, die ihm schließlich einen Ordnungsruf eintrugen, die Abgabe der Erklärung des Alterspräsidenten zu stören. Als er sich dann zu Wort für eine Gegenerklärung meldete, wurde ihm diese vom Landtagspräsidenten Witte verwehrt.
Der Haushaltsplan verabschiedet
Ohne Berichterstattung ging das Plenum dann zur Aussprache über die anstehende endgültige Verabschiedung des diesjährigen Haushaltsplanes über, der in seinen Einnahmen und Ausgaben eine Milliarde D-Mark übersteigt. Der bei selber Feststellung bereits vorhandene Fehlbetrag von 45 Millionen DM erhöhte sich im Laufe der Etat-Beratungen auf 46,9 Millionen DM.
Bei den Einzelplänen 1 bis 15 des Gesamtetats hatte der Haushaltsausschuß in seinen vorangegangenen Sitzungen keine Aenderungen mehr vorgenommen. Lediglich beim Einzelplan 7 Abwicklungsamt des Ministeriums für politische Befreiung wurden gegenüber der ursprünglichen Absicht die Abstriche von 12 500 auf 50 000 D-Mark vergrößert. Die Aussn r a ch e eröffnete der Fraktionsvorsitzende der Kommunisten, der Abgeordnete Keil, der für seine Partei erklärte, daß die Etatvorlage in keiner Weise den sozialen Anforderungen gerecht werde. Der Abgeordnete Dr. Großkopf (CDU), begründete zunächst die von seiner Fraktion eingebrachten sechs Abänderungsanträge. Die Neuaufteilung der Steuerquellen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, sowie die Möglichkeiten der Kreditgewährung an die Länder seien die unerläßlichen Voraussetzungen, um künftig die Länderhaushalte einigermaßen in Ordnung zu bringen. Nach Ansicht seiner Partei ist die finanzielle Gesamtsituation der Länderhaushalte noch ungünstiger als die der Gemeinden und Gemeindeverbände.
FDP lehnt Haushaltsplan ab
Der Fraktionsvorsitzende der Freien Demokraten, der Abgeordnete Bleek, bezeichnete die noch in letzter Minute eingebrachten Abänderungsanträge der CDU als Wahlpropaganda. Eine politische Stellungnahme zum Haushaltsplan erübrige sich für seine Partei. Da eine Zu- Stimmung zur Etatsvorlage gleichzeitig auch ein Vertrauensvotum für die Regierung bedeute, das man dieser jedoch nicht geben könne, müsse der Haushaltsplan von der FDP abgelehnt werden. ‘
Der Abgeordnete Bodenbender (SPD) griff vor allem die Finanzpolitik der Bundesregierung an, die den Ländern und Gemeinden nicht die Möglichkeit gebe, ihren mannigfaltigen Aufgaben auf sozialem Gebiet, insbesondere aber hinsichtlich der Fürsorge, nachzukommen.
Die zahlreichen noch vor der endgültigen Verabschiedung des Haushaltsplanes eingebrachten Abänderungsvorschläge der beiden Regierungsparteien und der Kommunisten wurden zum Teil angenommen, zum Teil den Arbeitsausschüssen zur weiteren Bearbeitung überwiesen. Unter den gegen die Stimmen der Freien Demokraten angenommenen Anträgen befindet sich auch ein Antrag der CDU, wonach die Landesregierung ersucht wird, im Bundesrat darauf hinzuwirken, daß unverzüglich eine neue Verteilung der Steuerquellen- zwischen Bund, Ländern und Gemeinden vorgenommen wird.
In einem von der gleichen Partei an den Rechtsausschuß überwiesenen Antrag wird der Ministerpräsident ersucht, den Abschluß der politischen Befreiung in Hessen dadurch zu beschleunigen, daß die vorliegenden Anträge auf Gnadenerweis unverzüglich nach gewissen, noch festzulegenden Grundsätzen erledigt werden.
Bekenntniskirche fordert Neuwahlen
Ein offener Brief an den Bundeskanzler
Darmstadt, 4. Oktober. (AP.) Die „Bruderschaften der Bekennenden Kirche" haben am Mittwoch in einem scharf formulierten offenen Brief an Bundeskanzler Adenauer die Neuwahl des Bundestags gefordert, „in der das deutsche Volk selbst entscheidet, ob es wieder aufgerüstet werden will“.
In dem Schreiben, das am Mittwoch auf einer Tagung der „Bruderschaften der Bekennenden Kirche“ von 37 Pfarrern aus allen Teilen Westdeutschlands in Darmstadt unterzeichnet wurde, wird erklärt, daß zuverlässigen Informationen nach ehemalige Wehrmachtsgenerale bereits mit der Aufstellung eines deutschen Truppenkontingents begonnen hätten und „die Rüstungsindustrie entsprechende Aufträge“ erhielt.
„Sie sollen wissen, Herr Bundeskanzler, daß wir die über den Kopf unseres Volkes hinweg geschaffenen 'Tatsachen nicht anerkennen. Wir werden nichts unterlassen, um alle, die unsere Stimme erreicht, über diese Vergewaltigung unseres Volkes aufzuklären“, heißt es in dem offenen Brief.
Gegen Bundestagswahlen
Bonn, 4. Oktober, (dpa) Der Pressedienst der Christlich-Demokratischen Union wandte sich am Mittwoch in Bonn gegen den Vorschlag des zweiten SPD-Vorsitzenden Erich Ollenhauer, Neuwahlen für den Bundestag auszuschreiben, da das bestehende Parlament nicht das gegebene Organ sei, um über die Remilitarisierung zu entscheiden. Von der. Sozialdemokratischen Partei seien schon mehrfach Forderungen nach Neuwahlen geäußert worden, keine sei jedoch bisher „so absurd begründet worden wie diese“. Schon in ruhigeren Zeiten wechselten die Aufgaben eines Parlaments innerhalb von vier oder fünf Jahren ganz entscheidend. „Wer käme auf die Idee, ein Parlament neu zu wählen, nur weil eine solche Aufgabe beim Wahlkampf nicht zur Debatte gestanden hat?“ Ein Wahlkampf, der wochenlang unter der Parole „Für oder gegen Wiederaufrüstung“ stattfände, würde nur Verwirrung ins Volk tragen und unerwünschte Figuren an die Oberfläche spülen. Im Parlament fänden sich genügend Abgeordnete, denen man zutrauen dürfe, stellvertretend für das deutsche Volk alles zu sagen, was zu diesem Thema zu sagen ist.
Nur mit den Stimmen der Regierungsparteien
Das Plenum verabschiedete das Gesetz über die Feststellung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1950'51 mit den Stimmen der beiden Regierungsparteien gegen die der Freien Demokraten und der Kommunisten.
Der zur ersten Lesung anstehende Gesetzentwurf über die Freistellung von Betriebsratsmitgliedern für Betriebsratslehrgänge wurde ohne besondere Debatte dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Auch die Regierungsvorlage über den Aufbau der hessischen Forstverwaltung wurde dem Kommunalpolitischen Ausschuß überwiesen.
Gerechtigkeit für Besatzungsgeschädigte
Eine längere Aussprache, an der sich alle vier Fraktionen beteiligten, gab es noch zur großen KPD-Anfrage über die beschlagnahmte Wohnungssiedlung „Zeppelinheim“ beim Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt/Main. Alle Redner betonten übereinstimmend die Notwendigkeit der baldigen Schaffung von sogenannten Schiedskommissionen mit deutschen Vertretern, um endlich Gerechtigkeit bei den Besatzungsgeschädigten sowie die gerechte Regelung der Entschädigungsfrage überhaupt herbeizuführen.
Innenminister Z i n n k a n n gab zu bedenken, daß im Interesse aller ^riegs- und Sachgeschädigten sowie Heimatvertriebenen die Landesregierung eine Sonderbehandlung irgendwelcher einzelner Gruppen nicht vornehmen könne.
Im Falle der Besatzungsgeschädigten bei der Siedlung Zeppelinheim habe die Regierung sich bereit erklärt, 160 000 DM als Landesbaudarlehen für den Bau von 32 Wohnungen in diesem Jahr zur Verfügung zu stellen. Weitere Beträge könnten jedoch erst im nächsten Jahr wieder bewilligt werden. Im übrigen aber warnte Innenminister Zinnkann davor, mit der Not der Mitmenschen politische Geschäfte zu machen.
Schließlich nahm das Plenum noch den FDP-Antrag über eine einheitliche Bekämpfung des Kartoffelkäfers im Wirtschaftsjahr 1951 an.
Das Haus vertagte sich auf den 19. Oktober. Dies wird dann voraussichtlich die vorletzte Plenarsitzung dieses Landtags sein.
Lastenausgleich nach der Dringlichkeit
Noell von der Nahmer: Feststellung der Schäden wird Jahre dauern
Drahtbericht unseres Korrespondenten
hi Bonn, 4. Oktober. Das Mitglied des Bundestagsausschusses für den Lastenausgleich, Universitätsprofessor Dr. Noell von der Nahmer, erklärte unserem Bonner Vertreter, die Ueberleitung von der Soforthilfe zum endgültigen Lastenausgleich werde erhebliche Zeit beanspruchen und das Soforthilfegesetz bedürfe einer längeren Anlaufzeit, da nach dem Anlaufen des endgültigen Lastenaüsgleichs die Vermögensschäden erst festgestellt werden müßten. Die Kriegsschädenfeststellung sei Voraussetzung für den endgültigen Lastenausgleich. Erst müsse dieses Gesetz verabschiedet sein, um das Lastenausgleichsgesetz überhaupt verabschieden zu können.
Nach Meinung von Professor Dr. Noell von der Nahmer werde das Bonner Parlament noch monatelang in den Ausschüssen über den Lastenausgleich zu beraten haben. Der Lastenausgleichsausschuß hat angesichts der Millionenziffern von Feststellungen, die notwendig sein werden, den Vorschlag gemacht, nach einer Dringlichkeitsskala zuerst die Vermögensschäden der über 65 Jahre alten Personen feststellen zu lassen, an zweiter Stelle die Schäden aller Personen, die Unterhaltshilfe erhalten und dann erst die Masse der übrigen Schäden.
Da diese Gesamtfeststellung Jahre dauern dürfte, solle somit wenigstens versucht werden, den sozial Schlechtesten zuerst zu helfen. Diese Ueberlegungen bewiesen erneut, wie falsch es wäre, anzunehmen der Lastenausgleich würde noch in diesem Jahre in Bonn verabschiedet werden können. Die ungeheuren technischen, sozialen und sonstigen Schwierigkeiten, die bei diesem größten Gesetzeswerk immer wieder auftauchten, sind doch vielfach unterschätzt* worden.
Vargas in Führung
Rio de Janeiro, 4. Oktober (AP.) Der ehemalige Diktator Brasiliens, Getulio Vargas, liegt nach den ersten inoffiziellen Ergebnissen der am Dienstag stattgefundenen Präsidentschaftswahlen aus sechs Städten mit 2424 Stimmen in Führung. Generalleutnant Eduardo Gomes erreichte bisher 887 und Christiano Machado 669 Stimmen.
Eine Erklärung Willmanns
zu seinem Ausschluß aus der Kommunistischen Partei
Darmstadt, 4. Oktober, (dpa) Der von der Kommunistischen Partei Hessen nach Aufgabe seines Landtagsmandats aus der Partei ausgeschlossene frühere Abgeordnete Karl Willmann bestritt die Behauptung des Landesvorstandes, er habe sich geweigert, eine Große Anfrage der kommunistischen Landtagsfraktion zur sogenannten Dietz-Affäre, die sich gegen den Finanzminister Werner Hilpert richtete, zu unterzeichnen. Tatsächlich habe er die Anfrage unterschrieben, und bisher sei es der Partei auch nicht eingefallen, ihm diesen Vorwurf zu machen. Willmann fügte hinzu, daß er seit zwei Jahren, wie die Hälfte der Parteimitglieder in Darmstadt, im Widerspruch zu der Politik des Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Ludwig Keil, gestanden habe. Er habe nicht die Absicht gehabt, aus der Partei auszutreten, der er 22 Jahre angehört habe. Allerdings habe er eingesehen, wohin die Politik der Kommunistischen Partei im Westen führe und deshalb beschlossen, sich wieder seinem früheren Beruf als Bilanzbuchhalter zu widmen.
Protest der Zeugen Jehovas
Berlin, 4. Oktober. (AP.) Die Zeugen Jehovas wenden sich am Mittwoch mit aller Schärfe gegen die Anschuldigungen des Obersten Gerichts der Sowjetzone. Kurz nach Beendigung des Prozesses gegen Anhänger der Religionsgemeinschaft, wird in einer Stellungnahme erklärt, das Verfahren sei unter Ausschluß det Oeffentlichkeit ausgetragen und den Angeklagten kein ausreichender Rechtsschutz gewährt worden. Die Offizialverteidijnng könne keinesfalls als Rechtsschutz angesehen werden.
Wirtschaftsblatt
Neue Liberalisierungsliste
vwd. Die sofortige Anwendung der 60- prozeqjigen deutschen Liberalisierungsliste für Importe aus allen Mitgliederländern der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) wurde in einer Verlautbarung der Bundesministerien für Wirtschaft, Ernährung und Marshallplan - Angelegenheiten bekanntgegeben. Damit können vom 4. Oktober an alle in der Freiliste aufgeführten Waren aus den siebzehn Mitgliederländem der OEEC ohne mengenmäßige Beschränkung eingeführt werden.
Die. Verfügung enthält Sicherungsvorechriften, um zu gewährleisten, daß die einzuführenden Waren tatsächlich in dem Lieferland hergestellt sind. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß durch die Aufhebung der mengenmäßigen Einfuhrbeschränkungen nicht die Einfuhrverbote und -beschränkungen außer Kraft gesetzt werden, die in anderen Gesetzen und Verordnungen niedergelegt sind. Es handelt sich hierbei um die Beschränkungen, die in der Anleitung für die Zollabfertigung vom ehemaligen Reichsfinanzministerium zusammengestellt wurden und im Bundeszollblatt ständig ergänzt werden.
Schaufenster des Westens
Deutsche Industrie-Ausstellung mit starker Ausländsbeteiligung
Von unserem 81-Sonderkorrespondenten in Berlin
Berlins Hotels und Pensionen sind ausverkauft. Verdoppelt und verdreifacht ist der Kraftfahrzeugverkehr. Dolmetscher stehen für mehr als zwanzig Sprachen zur Verfügung. Wirtschaftsminister Professor Erhard jagt von Rednerpult zu Rednerpult. Er sprach vor überfüllten Sälen bei der Eröffnung der Deutschen Industrie-Ausstellung, auf der Tagung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, dem Weltwirtschaftstag der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft, der Jlandwerkskamrfler und dem Deutschen Volkswirte-Tag.
Mit eigenen und mit drei Millionen DM ERP-Mitteln wurde Berlins Ausstellungsgelände in weniger als drei Monaten auf 42 000 Quadratmeter Hallen und rund 10 000 Quadratmeter Freigelände vergrößert. Prunkstück der neuen Bauten ist das zu repräsentativer Dauerverwendung bestimmte George C. Marshall-Haus, das jetzt die Gemeinschaftsschau der Vereinigten Staaten birgt. Seine Einweihung durch den bberkommissar Mc-Cloy und den bisherigen Marshallplan-Administrator Hoffman war das diplomatisch-gesellschaftliche Ereignis, das der Industrieschau den großen Auftakt gab.
1400 Einzelstände, zum Teil große Sonderausstellungen, verzeichnet der Katalog. Mehr als 600 weitere Firmen stellen in Sammelschauen aus, wie sie zum Beispiel die Eisen und Stahlindustrie, die Industrie der Kunststoffe, das Berliner Handwerk und Kunsthandwerk durch 42 Innungen, und andere mehr zeigen. Neben den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind Frankreich, die Schweiz, Italien und Belgien mit geschlossenen Ausstellungen in eigenen Gebäuden vertreten.
Die Industrieschau zeigt Berlins wiedererstandene Bedeutung und Leistung als Ausstellungsstadt. Sie zeigt aber auch, wie geschlossen sich die deutsche Industrie und die Wirtschaft der ERP-Länder beteiligt hat, das „Schaufenster nach Osten“ überzeugend zu gestalten. Die Rundfunksender und der Deutsche Gewerkschaftsbund sind vertreten. Was sie und das Handwerk zeigen, gehört zu dem Schaufenster, das dem Osten zeigen will, welche Leistungen in einer freien Welt möglich sind.
Diese Ausstellung ist politisch, aber durchaus nicht nur politisch. Sie will verkaufen und Arbeit schaffen. In erster Linie für Berlin, das noch immer 300 000 Arbeitslose und eine nur zu 25 bis 40 Prozent ausgenutzte industrielle Kapazität hat und sich lieber aus eigener Arbeit als aus Bundeszuschüssen erhalten möchte. Erhebliche Devisenkontingente stehen für die ausländischen Aussteller zur Verfügung.
Die als „bundeswichtig“ erklärte Ausstellung bringt zahlreiche Neuheiten und Spitzenleistungen. Bestes Beispiel ist die im Betrieb (mit Preßluftantrieb) vorgeführte 2000-PS-Schiffsmaschine der wiedererstandenen Borsig-Werke, die von der Ausstellung sofort zum Einbau in ein darauf schon wartendes Schiff nach Hamburg geht. Wesentlich ist ferner, daß die Neuheiten aus allen Gebieten industriellen Schaffens fast durchweg wissenschaftlich und konstruktiv erarbeiteten Fortschritt (zum Beispiel bei Meßgeräten, neuen Werkstoffanwendungen, im Wirkungsgrad verbesserten Maschinen) bedeuten. So konnte Minister Erhard seine ersten Eindrücke dahin zusammenfassen, die Ausstellung beweise, wie sehr Deutschland auf dem Wege sei, das Veredelungsland par excellence zü werden.
Umsat~steuer nicht erhöht
dpa. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums dementierte offiziell Meldungen, nach denen eine Erhöhung der Umsatzsteuer als Ersatz für die Luxussteuer geplant sei. Er wies darauf hin, daß das Luxussteuergesetz schon vom Kabinett gebilligt worden ist. Sein Ersatz durch eine veränderte Umsatzsteuer sei nicht beabsichtigt.
Gegen Inventur-Ausverkauf
Nach den bisher aus dem Bundesgebiet vorliegenden Aeußerungen zu der Frage, ob der kommende Winterschlußverkauf Ende Januar 1951 einmalig zu einem gemeinsamen Inventur - Ausverkauf für den gesamten Einzelhandel ausgeweitet werden sollte, liegen bisher aus Einzelhandelskreisen überwiegend ablehnende Erklärungen vor.
Wie die Hauptgemeinschaft des Einzelhandels mitteilte, sind die aus der Zeit um die Währungsreform noch im Einzelhandel befindlichen Warenbestände, die durch die Steigerung von Qualität und Ausrüstung unverkäuflich geworden sind, anscheinend nicht mehr so groß, als daß zu ihrer Räumung eine Sonderveranstaltung notwendig wäre. Bestände, die aus späteren Zeiten stammen, und durch eine falsche Beurteilung der Absatzmöglichkeiten die Liquidität beeinträchtigen, könnten ebenfalls nicht ’die allgemeine Rückkehr zum Inventur-Ausverkauf rechtfertigen.
12,5 Milliarden Vorkriegsschulden
Bz. Die Bank deutscher Länder wird ermächtigt, deutschen Schuldnern die Genehmigung zu erteilen, freundschaftliche Abmachungen mit ihren ausländischen Gläubigern zu treffen über Abänderungen der Bedingungen von Darlehen und über die Abwicklung von Devisenverpflichtungen durch Zahlungen in Deutscher Mark auf D- Mark-Sperrkonten der ausländischen Gläubiger.
Der Zentralbankrat tagte
In der Mittwochssitzung, der üblichen, turnusmäßigen Zusammenkunft, wurden allgemeine Wirtschafts- und Außenhandelsfragen besprochen. Besondere Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Heute wird weiter beraten.
Heizöl statt Kohle
vwd. Es ist beabsichtigt, für den Industriebedarf Heizöl einzuführen, wobei diese Importe voraussichtlich zollfrei abgewickelt werden. Es ist bereits Heizöl importiert worden, jedoch machte der relativ hohe Einfuhrzoll von 17,68 DM je einhundert Kilo den Import unrentabel. Man spricht davon, daß vierteljährlich dreihunderttausend Tonnen Heizöl aus Importen und aus deutscher Raffination zur Verfügung gestellt werden sollen.
Alle Anbaubeschränkungen für Baum¬ wolle sind in den USA für das Jahr 1951 aufgehoben worden. Durch die erhöhten Anforderungen werden im nächsten Jahr 65 Prozent mehr Baumwolle benötigt als die diesjährige Ernte erbrachte.
Die Spareinlagen im Bundesgebiet haben im August um 8,8 Mill, auf rund 2667 Mill. DM zugenommen.
Die Roheisenerzeugung hat sich im September auf 886 666 Tonnen gegenüber 867 491 Tonnen im August erhöht.
Die hessische Wirtschaft führte im ersten Halbjahr 1950 Waren im Werte von 314,7 Millionen DM aus und überschritt damit den gesamten Exportumsatz Hessens vom Vorjahre um 77,4 Millionen DM.
Im linksrheinischen Braunkohlenrevier wurden im September 5,31 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert gegenüber 5,41 Millionen Tonnen im August.
5,25 Millionen Kronen wurden von Schweden für die Einfuhr kontingentierter Waren aus der Bundesrepublik bereitgestellt.
Etwa 200 000 Tonnen hochwertigen Stahlschrotts will die Bundesregierung nach den USA ausführen. Die ersten Schiffsladungen sind bereits in Baltimore eingetroffen.
Börsen und Warenmärkte
Bz. Bei weiter freundlicher Grundstimmung bewegte sich der Geschäftsumfang auf der Frankfurter Börse zur Wochenmitte in engem Rahmen. Die Haltung war an den einzelnen Märkten nicht ganz einheitlich. In der Mehrzahl lagen die Kurse nahezu unverändert.
Freie Devisenkurse
Bz. Frei bewertet wurden am 4. 10. 1950 der US-Dollar mit 5,15—5.55 DM, das englische Pfund mit 12—13 DM, der Schweizer Franken mit 1,15—1,25 DM, der holländ. Gulden mit 1,15—1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48—0,52 DM, die schwedische Krone mit 0.72—0,78 DM.
In den Berliner Wechselstuben wurden am 4. 10. für eine DM-West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.
Mainzer Schlachtviehmarkt
AZ. Auftriebszahlen für die Zeit vom 27.9. bis 3. 10. 1950. Auftrieb: Großvieh 143, Kälber 73, Schweine, 550, Schafe und Ziegen 66. Schlachtungen. Großvieh 114, Kälber 73, Schweine 380, Schafe und Ziegen 66. Abtrieb: Großvieh 29, Schweine 170. — Preise: Ochsen 63—80, Bullen 72—84, Kühe 83—85, Rinder 71—90, Kälber 80—110, Schweine 125 bis 132. Schafe nicht notiert.
Neue Filme in Darmstadt
Der neue Realismus
ALFRED BRAUN ÜBER SEINEN FILM „DIE TREPPE“
Alfred Braun ist der alten Generation noch ein Begriff von seinen Bühnenerfolgen. Niemand hat in Berlin seinerzeit so oft und mit solchem beispiellosem Erfolg den Karl-Heinz in „Alt-Heidelberg“ gespielt, wie er. Das ist nun allerdings schon mehr als ein Vierteljahrhundert her. Dann kam der Rundfunk und Alfred Braun, der von jeher ein eindrucksvoller Sprecher war, wurde der erste deutsche Rundfunkstar, e r betätigte sich da mit gleichem Erfolg als Ansager, Schauspieler in den ersten Hörspielen und Rundfunkrenorter; bis die Nazis ans Ruder kamen. Dann folgten Jahre in der Schweizer Emigration und nach dem Kriege ein mißlungener Versuch, in dem Rundfunkhaus in der Masurenallee, der Stätte seiner früheren Erfolge, wo aber jetzt die Sowjets das Heft in den Händen hatten, erneut Fuß zu fassen. Dann holte ihn der Film als Regisseur: nach „Mädchen hinter Gittern“ inszenierte er in Wiesbaden „Die Treppe“, deren deutsche Uraufführung am 14. September in Wiesbaden stattfand.
Als Vorbereitung auf die Unterhaltung mit Alfred Braun hatten wir bereits das Drehbuch seines Films „Die Treppe“ gelesen und fragten ihn nun daraufhin: „Der Stoff behandelt ähnlich wie in Wilhelm Raabes berühmter .Chronik der Snerlingsgasse' die Schicksale in einem Hause, ein Stück heutiger sozialer Wirklichkeit: schwebte Ihnen nun dabei etwas Aehnliches vor, wie die - Zille-Filme, die früher einmal in Berlin gedreht wurden, oder dachten Sie an den italienischen Neorealismus, wie er besonders von Rossellini gepflegt wird?“
„Das Drehbuch hätte wohl auch den Vorwurf zu einem Heinrich-Zille-Film abgeben können, aber wir wollten keinen Berliner Milieu-Film machen und schon aus dem Grunde war es auch ganz gut, daß die Aufnahmen nicht in Berlin, sondern in Wiesbaden stattfanden. Die Geschehnisse spielen sich in einem vierstöckigen Mietshaus ab, wie es in jeder größeren deutschen Stadt stehen könnte. Um die größtmögliche Lebensnähe zu erzielen, habe ich es-hier in der Tat einmal mit dem neuen Realismus versucht, aber ich konnte dabei nicht ganz so weit gehen, wie Rossellini. Sein Stil ist ein großer Wunschtraum für einen Regisseur, aber das läßt sich bei uns kaum durchführen, weil diese Arbeitsweise zeitliche Anforderungen stellt, die keine Produktionsfirma erfüllen kann. Es kostet ungeheuer viel Zeit, wenn man wie Rossellini zur Erziehung der letzten Lebensnähe mit Nichtschauspielern arbeitet, denn man muß sich ja die richtigen Typen nicht nur mühsam zusammensuchen, sondern es erfordert dann nochmal viel Zeit, um diese Menschen aus sich heraus zu locken, daß sie wirklich echt vor der Kamera agieren. Wir sind daher im Bemühen u n einen realistischen Stil einen mittleren. Weg gegangen, indem wir möglichst vermieden, in den tragenden Rollen bekannte Gesichter zu zeigen, von denen die Zuschauer womöglich manches aus ihrer privaten Existenz wissen, denn das stört, die Illusion. Namentlich in den jugendlichen Rollen bringen wir ganz neue Gesichter, die zum Teil noch Anfänger und Neulinge vor der Kamera waren. Unsere Liebhaberin Liane Croon filmte hier z. B. zum erstenmal und ihr Partner hatte vordem nur einmal eine winzige Nebenrolle gespielt. Dadurch erzielen wir eine ähnliche Wirkung, wie die italienischen Neorealisten mit ihren Nichtschauspielern, und da die Wiesbadener Selbstkontrolle unserem Film das höchste Prädikat zuerkannt hat, scheint uns dieser Versuch ja auch nicht ganz danebengelungen zu sein.“
Zur Zeit arbeitet Alfred Braun mit Hochdruck an der endgültigen Fassung des Drehbuchs zu seinem neuen Film „Pikanterie“, mit dem er bereits in wens¬ - Tagen in Tempelhof ins Atelier geht. Er erzählt uns darüber:
„Es wird eine Komödie nach einem Theaterstück von Griewitz, das im Herbst in Wien herauskommt. Der Versuch eines deutschen Autors, die Stimmung eines französischen Lustspiels einzufangen. Die Handlung spielt in Paris unter französischen Menschen. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht ein Autor, der über pikante Frauenabenteuer schreibt, aber selbst ein asketischer Arbeitsfanatiker ist und nichts dergleichen erlebt hat. Zwei Frauen, ehemalige Schulfreundinnen, von d nen die eine große Lebedame geworden ist, sind nun dazu ausersehen, ihn aus seiner fast mönchischen Arbeitsbesessenheit zu retten. Mehr will ich vorläufig über meinen neuen Film noch nicht verraten, zumal das Drehbuch noch ständig kleine Veränderungen erfährt, so daß es mittlerweile schon ganz etwas anderes geworden ist, als die ursprüngliche erste Fassung; aber je länger man sich mit einem Stoff beschäftigt, um so mehr Einfälle kommen einem dazu und diese Besessenheit, in die jeder unwillkürlich hineingerät, ist ja das schönste an der Filmarbeit.“ F.E.O.
„STAATSGEHEIMNIS“' Ein London-Film mit Douglas Fairbanks jr. und Glynis Johns in den Hauptrollen. Der Arzt John Marlowe wird nach Vosnien berufen, um dem Diktator dieses Landes durch eine Operation das Leben zu retten. Durch eine unglückliche Verkettung von Zufällen wird er zum störenden Fremdkörper in der Staatsmaschinerie, und nur die Flucht kann ihn noch retten, dessen Leben keinen Pfennig mehr wert ist, dessen Tod aber aus Gründen des „Staatswohls“ von allerhöchster Stelle gewünscht — und damit bestimmt wird. (Im Union.) ' Foto: London-Film
„ANNA LANS“ Ein Film mit Viveca Lindfors, die als Anna Lans den elterlichen Hof verläßt und nach Stockholm geht. Glanz und Elend der Großstadt erlebt sie, gerät zeitweise auf die schiefe Bahn, ihre Ehe ist gefährdet, aber nach schweren Prüfungen geht sie gelautert einer besseren Zukunft entgegen. (Im Palast.) Foto: Prisma
Angeklagter: Errol Flynn
VON HERBERT TIMMIch werde Errol Flynn verklagen!
Bis gestern wußte ich noch nicht einmal, was das ist. Ich hielt es für eine Art Mottenvertilgungsmittel. Heute weiß ich, daß es einer jener schönen Männer ist, die man ausrotten müßte, weil sie nichts als Unheil stiften. Er schuldet mir 33,65 DM. Abgesehen davon, daß er mein Lebensglück vernichtet hat.
Sie kennen Elly nicht, sonst würden Sie ermessen können, was man mir angetan hat. Bis gestern waren meine Tage ausgefüllt mit dem, was man eben so tut und läßt, wenn man auf der Welt ist. Ich schlenderte nichtsahnend durch das Leben — bis vor das Schaufenster von Lehmann & Co. Dort stand sie und betrachtete einen Bikini-Badeanzug mit neuartiger Hüftsicherung. Ihr Lächeln traf mich wie im vorigen Jahr der Stich im Ischiasnerv — nur höher. Mein Herz zitterte. Ich hatte mir fest vorgenommen, es im Frieden niemals zittern zu lassen, aber jetzt war es soweit.
Und dann begann ich zu schweben! Auf einer rosaroten Wolke schwebte ich auf sie zu. Verzeihen Sie die alberne Ausdrucksweise, aber so war mir! Elly ist das hübscheste, klügste und scharmanteste Mädchen, das mir je begegnet ist. Außerdem hat sie leise vibrierende Nasenflügel. Dagegen bin ich schon immer machtlos gewesen. Im Nacken, gleich hinter dem rechten Ohr, hat sie ein winziges braunes Muttermal. Ich erschrak, als ich es zum ersten Mal sah. Es war wie ein Versprechen. Aber sie hat es nicht gehalten.
Sie wollte über die Straße gehen, zö¬ gerte aber, weil die Autos sich nicht um sie kümmerten. Ihre Augen waren hilflos, und ich nahm ihren Arm. Auf der anderen Straßenseite behielt ich ihn. Nun schwebten wir beide. Die rosarote Wolke hatte Platz genug. Das Leben war ein Blütentraum. Und im Cafe Royal verzehrte Elly drei Stück Sachertorte mit Schlagsahne. Ich freute mich und bezahlte. Dann schwebten wir weiter, zurück zu Lehmann & Co. Der Bikini! O Freunde, ich wurde bei der Anprobe zu Rate gezogen! Schweigen wir davon — die Wolke war ein Flammenmeer!
Dann wollte Elly ins Kino. Es sei dort so schön dunkel. „Und, nicht wahr, wir nehmen einen zweisitzigen Logensessel. Ich fürchte mich im Dunkeln immer...“ Es war dunkel, aber nun lernten wir Errol Flynn kennen. Das ist ein Filmschauspieler; entsetzlich schön, entsetzlich männlieh — entsetzlich, entsetzlich! Elly seufzte vor Entzücken und rückte von mir ab.
Als wir wieder herauskamen, wollte ich meinen Arm um sie legen. Es sollte noch ein recht schöner Abend werden. Sie stieß mich von sich, als hätte sie ein ekles Reptil berührt. Ihre Nasenflügel vibrierten vor Verachtung. Ihre Augen maßen mich — ja, sie maßen mich buchstäblich! Riesengroß stand Errol Flynn zwischen uns: strahlend, entsetzlich kühn, entsetzlich männlich — entsetzlich! Ich wurde eine häßliche kleine Kröte. Elly gab sich keine Mühe, diesen Eindruck zu verbergen. Dann drehte sie sich wortlos um und ging davon. Ich habe sie nicht wiedergesehen ...
Wenn ich es mir recht überlege, dann ist %ie eigentlich, gar nicht hübsch. Und eine kluge Frau ist sie auch nicht, sonst würde sie ein glattes Gesicht nicht höher bewerten als einen standfesten Charakter. Und scharmant? Na, und überhaupt, wer schon Schlagsahne zur Sachertorte ißt... Aber diesen Errol Flynn werde ich verklagen. Er schuldet mir 33,65 DM. Denn den Bikini-Badeanzug habe ich auch bezahlt.
Die lachende Leinwand
• Otto Gebühr mußte in dem Film „Die Lüge“ eine Leuchtpistole abschießen. Im Atelier war dicke Luft, weil die Munition nicht funktionierte. Man einigte sich schließlich, daß der Regisseur Gustav Fröhlich einem Requisiteur ein Zeichen geben wollte, woraufhin in einer Ecke eine Platzpatrone abgeschossen werden sollte.
Fünfmal war die Szene schon gedreht, ohne daß die Ersatzmunition losgegangen wäre. Fröhlich tobte. Die Stimmung war mehr als geladen. Zum sechsten Male surrte die Kamera. Gebühr hatte die Leuchtpistole noch gar nicht richtig in der Hand, da knallte aus der Ecke ein Schuß. Gebühr drehte sich lachend zu Fröhlich und rief: „Hurra, ein Vorschuß, den kann ich gebrauchen!“ •
Viktor de Kowa, privat Anhänger des Weltbürgergedankens, unterhielt sich mit einem Angehörigen der Heilsarmee. Der Mann von der Heilsarmee lehnte es ab, sich mit der irdischen Struktur der Gesellschaft und der Völker zu befassen. „Bedenken Sie“, sagte er, „ich bin ein Soldat des Himmels!“ „Ein bißchen weit zur Kaserne“, meinte Viktor. •
Hannelore Bollmann und Rudolf Schündler spielten in dem National-Film „Liebe auf Eis“ ein Ehepaar. Schündler ist oft zu Scherzen und Hänseleien aufgelegt. Einmal wurde es Hannelore aber zu bunt, und sie drohte: „Noch ein Wort, und ich bin Film-« Witwe!“
„SCHRITTE IN DER NACHT“ Ein Kriminalfilm, der im vorigen Jahr in Locarno preisgekrönt wurde. Morgan ist ein Schwerverbrecher, der Polizisten und Kriminalisten immer wieder ein Schnippchen schlagen kann, mit List und Tücke und Maschinenpistole die Verfolger abwimmelt, um schließlich doch noch nach einer aufregenden Jagd durch die unterirdischen Kanäle der Stadt gestellt und unschädlich gemacht wird. In der Hauptrolle: Richard Basehort. (Im Belida.) Foto: Omnium-Film
„DITTE, EIN MENSCHENKIND“ Nach einem Roman von Andersen-Nexö entstand dieser in Venedig preisgekrönte Omnium-Film, der das Heranwachsen Dittes, eines unehelichen Kindes, in ärmlichen Verhältnissen zum frühreifen, durch Leid und Not geprüften Menschen zum Thema hat. Graue Jahre mit nur wenigen frohen Augenblicken unbeschwerter Kindheit aber können nicht das große, innere Leuchten im Herzen dieses Mädchens zum Verlöschen bringen. (Im Hansa.) Foto: Omnium-Film
Hollywood-Star sehnt sich nach Deutschland
Viveca Lindfors will Menschen gestalten
Das Leben der Schwedin Viveca Lindfors muß unter einem besonders glücklichen Stern stehen. Nicht nur, daß sich in ihrer künstlerischen Laufbahn Erfolg an Erfolg reiht, ein ungewöhnlicher Zauber der Natürlichkeit schlägt jeden in Bann und ebnet ihre Wege. Im kultivierten Elternhaus in Stockholm — ihr Vater ist einer der bedeutendsten Verleger — verlebte sie eine unbeschwerte und an Anregungen reiche Jugend. Kaum sechzehnjährig, bestand sie die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule des berühmten Königlichen Theaters der schwedischen Metropole, ein Jahr später stellt sie bereits auf der Bühne und bald darauf erstmalig vor der Kamera.
Der erste Film schlug ein und eine ganze Reihe weiterer folgte, darunter als interessantester Streifen „Anna Lans“. Ihre erste Ehe mit dem Kameramann Harry Hasso war nur eine Zwuschenstation auf dem Wege zum Lebensglück, das sie an der Seite ihres jetzigen Mannes, eines Stockholmer Rechtsanwalts, gefunden hat. 1946 folgte sie dem Ruf nach Hollywood, eigentlich nur aus Neugierde.
Die Amerikaner lieben diese Frau mit dem seltsamen Namen, der sich so zärtlich. aussprechen läßt. Sie mögen sie, obwohl sie sich mit kindlichem Staunen auf Veranstaltungen herumreichen läßt und nur fragt: „Warum, wozu dies alles?“ Sie hat, was Hollywood am meisten bedauert, keinen Sinn für „Publicity“. Viveca .arbeitet, spielt mit ihren beiden Kindern, die sie mitgenommen hat, und kümmert sich sonst um nichts. Das ist neu für Hollywood, weil man merkt, diese Art zu leben, ist Bedürfnis und keine Maniriertheit. 1947 erspielt sie sich einen großen Erfolg als Partnerin von Ronald Rogan in „Nacht für Nacht“ und später mit Errol Flynn in „Die Abenteuer des Don Juan“. Im allgemeinen aber bestehen ihre Filmrdllen lediglich darin, gut fotografiert zu werden. So wagte sie, was sich noch kein Hollywood-Star „angemaßt“ hatte: Sie kritisierte im „Life“ die Mentalität der Hollywood-Produktion. Das imponierte zwar dem amerikanischen Publikum — um so weniger aber den amerikanischen Produzenten.
Einige Monate später geht Viveca Lindfors wieder in Stockholm spazieren. Christian Jaque drehte hier den schwedisch-französischen Gemeinschaftsfilm „Singoalla“, in dem Viveca für die Hauptrolle verpflichtet war — man hatte sie von Hollywood „beurlaubt“. Während der Dreh arbeiten zu diesem Film war das zweite Jahr ihres Vertrages abgelaufen. Er wurde nicht verlängert. „Das hätte ich mir denken können“, sagte
Viveca Lindfors, „aber es ist wohl gut so, denn ich möchte in einem Film nicht nur fotografiert werden, sondern Menschen gestalten. Vieleicht könnte ich das in Deutschland."
Bestimmt! möchten wir sagen, denn wir glauben nicht, daß die deutschen Produzenten sich dieser Anregung versagen werden.
Notizen vom Film
Fritz Kampers vollendete kurz vor seinem Tode seine letzte Filmrolle in dem Allegro-Film „Die Nacht ohne Sünde“, der demnächst anlaufen wird.
Luise Ullrich und Paul Hartmann werden die Hauptrollen in dem Siegel-Monopol-Film „Alexa“ spielen, mit dessen Fertigstellung etwa zum Jahresschluß gerechnet wird.
Peter Igelhoffs neuester Schlager, der „Jammerfox“ wird in dem Film „Nacht ohne Sünde“ zu hören sein. Sybille Schmitz hat die einzige Frauenrolle in der Kriminalkomödie „Sensation im Savoy“, die soeben uraufgeführt wurde.
Paul Dahlke spricht die Rolle des Ka¬ pitän Kidd in dem Film „Unter schwarzer Flagge“ als „unsichtbarer“ Charles Laughton.
Dick und Doof beenden an der Riviera die Außenaufnahmen zu ihrem Film „Atoll K“.
Alida Valli, die „Dritte-Mann“ -Partnerin, spielt mit Jean Marais in einer neuen ’ italienisch-französischen Gemeinschaftsproduktion.
Rene Clements „Rendezvous in Paris“ mit Michele Morgan und Jean Marais befindet sich zur Zeit im Schnitt. Er kommt noch in diesem Jahr im Verleih der Prisma in die deutschen Theater.
Jean Simmons hält sich zur Zeit in Amerika auf, um dort der Premiere ihres neuesten Films „Trio“ bei zuwohnen.
Filmclub Mainz gegründet. Die Aufgaben der bisherigen Arbeitsgemeinschaft für Filmfragen an der Johannes- Gutenberg-Universität in Mainz übernimmt in Zukunft der neugegründete „Mainzer Filmclub e. V.“, der auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft gegründet wurde und dem namhafte Persönlichkeiten nicht nur der Universität, sondern auch aus Wirtschaft und Politik der rheinland - pfälzischen Landeshauptstadt angehören.
Der deutsche Kulturfilmproduzent Curt Oertel hat neben seiner Funktion als Ehrenpräsident der Spitzenorganisabion der Fiilmwirtschaft (Spio) nunmehr auch das Präsidium des Hauptausschusses der freiwilligen FiilmseJibstkontralle übernommen. Der bisherige Präsident der Filmselbstkontrolle, Professor Dr. Karl Geiler, ist nach Mitteilung der Spio aus jeder Tätigkeit bei der Filmselbstkontrolle aiusgeschieden. •
Otto Gebühr fuhr mit der Bahn von Berlin zu Aufnahmen nach Hamburg. Im gleichen Abteil saßen zwei ältere Damen, die Gebühr unentwegt anstarrten und dann miteinander flüsterten.
Endlich hatte eine der Damen den Mut gefaßt und fragte: „Verzeihung, mein Herr! Wir wissen, daß Sie ein bekannter Filmschauspieler sind, der berühmte Rollen gespielt hat. Wir zerbrechen uns nur den Kopf, und kommen nicht darauf, wen Sie dargestellt haben.“
Gebühr lächelte verbindlich: „Ich war Tarz””.“
Darmstadt und Umgebung
Henriette gesucht
HGR. Kürzlich erzählte mir ein Statistiker, der sich seit über 15 Jahren mit der Frage beschäftigt, warum so oft geradezu unbedeutende Mädchen eines Tages die ersehnte gute Partie oder beim Film das große Glück machen, daß sehr häufig wir Zeitungsleute daran schuld seien. Einerseits war ich froh über diese Worte, denn ich bin nicht der Meinung, daß zum Beispiel zum Film nur protegierte Mädchen kommen, andrerseits mißfiel mir aber der ironische Ton meines Bekannten, der mich zum Widerspruch reizte, obgleich mir klar war, daß es keinen Widerspruch geben konnte. Das Beweismaterial des Statistikers war erdrückend ...
Daran mußte ich denken, als mich in diesen Tagen ein Postbeamter aufsuchte, der aus seiner verwetterten Posttasche umständlich eine Ansichtskarte hervorkramte, die er mir mit einem verlegenen Lächeln überreichte. Die Karte war — wie mir der Stempel verriet — in Gorizia (Italien) abgeschickt worden. Der Absender, ein Deutscher namens Christoph Teuffenbach, wohnhaft in Diello del Truili (oder so ähnlich — die Schrift war durchgeistigt, deshalb vermutlich undeutlich) schrieb der Postbehörde in Darmstadt folgende nette Zeilen: „Der Unterzeichnete erlaubt sich, sich an die deutsche Post, deren Gründlichkeit auch im Ausland bekannt ist, mit der Bitte zu wenden, beiliegende Ansichtskarte mit mangelhafter Anschrift weiterzuleiten an
Fräulein Henriette aus Darmstadt. „Teil kenne“, so fährt der Schreiber fort, „Darmstadt leider nicht. Aber wenn dort alle so liebenswürdig sind wie sie, so denke ich, wird die Karte sicher in die Hände der Adressatin gelangen...“
Da der Schreiber „sie“ klein geschrieben hatte, ist nicht sicher zu sagen, wen er eigentlich für liebenswürdig hält: Fräulein Henriette oder die Post. Vielleicht beide? — Ich bin kein Hellseher, sondern habe Tatsachen festzustellen. Eine dieser Tatsachen ist die, daß Herr Teuffenbach Fräulein Henriette vermutlich im August dieses Jahres kennengelernt hat. Henriette soll sehr groß, sehr hübsch (er spricht nur in Superlativen — das ist bedenklich) sehr blond sein und außerdem sinnende himmlichblaue Augen haben, wie er sie noch nie gesehen ha,t. So ganz am Rande konnte ich dann noch lesen, daß Henriette in irgendeinem Darmstädter Heim beschäftigt sei.
Psychologisch gesehen ist Herr Christoph Teuffenbach über beide Ohren in Fräulein Henriette verliebt, denn aus einer Augenblicksstimmung heraus ist diese Ansichtskarte sicher nicht geschrieben worden. Dafür sprechen die mangelhaften Angaben. Und Fräulein Henriette — die Schlanke, Blonde, Blauäugige, Hübsche? Warum hat sie ihm nicht mehr verraten als nur ihren Vornahmen? Wir wollen nicht weiterbohren, denn das muß Henriette selbst am besten wissen. — Vielleicht liest sie diese Zeilen, vielleicht entschließt sie sich, ein banges, harrendes Herz in Italien zu beruhigen.
Ich könnte es mir vorstellen, wenn ich sicher wüßte, daß Fräulein Henriette weder verlobt noch verheiratet ist.
Sängerfahrt nach Büdingen
Der Männerchor „Frohsinn-Harmonie" 1881 Darmstadt unternahm am vergangenen Sonntag mit 84 Sängern eine Sängerfahrt nach Büdingen. Einerseits, um mit seinem ehemaligen aktiven Mitglied, Heinz Dachsel, ein Wiedersehen zu feiern, andererseits, um mit dem dortigen Gesangverein „Liederkranz“, der in diesem Jahr auf ein HOjähriges Bestehen zurückblicken konnte, freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen.
Nach herrlicher Omnibusfahrt über Sprendlingen, Offenbach, Hanau, Gelnhausen wurde in sangesfreudiger Stimmung Büdingen erreicht. Schon der überaus herzliche Empfang durch die Büdinger Sänger und Bürgermeister Diemer ließ die schönen und genußreichen Stunden ahnen, die dieses wundervolle Städtchen mit seinen gastfreundlichen Bewohnern seinen Gästen darbot. Der Vormittag wurde ausgefüllt mit einer Besichtigung der Stadt unter sachkundiger Führung von Herren des Geschichtsvereins, wobei Büdingen sich als eine einzige Sehenswürdigkeit in einer Landschaft von gesammelter Kraft, reiner Lieblichkeit und reizvoller Schönheit dem Besucher offenbarte.
Hochbefriedigt und beeindruckt von all dieser Schönheit versammelten sich nach dem Mittagessen Liederkranz Büdingen und Frohsinn-Harmonie Darmstadt zu einem geselligen- Beisammensein im altertümlichen Rathaussaal. Unter der bewährten Leitung seines Chormeisters A. Simmermacher jun. brachte Frohsinn-Harmonie Kompositionen von Sendt, Paulig, Glessmer u. a., Solopartien sangen Friedel und Willi Thier, die mit reichem Beifall aufgenommen wurden. „Das einsame Glöcklein“, Tenorsolo Fr. Thier, versetzte die Zuhörer in Begeisterung und mußte wiederholt werden. Gemeinsam mit den Büdinger Sängern gesungene Chöre folgten und In fröhlich-gehobener Stimmung vergingen nur allzuschnell die schönen Stunden, in deren Verlauf durch die vereinende Kraft des deutschen Liedes eine Freundschaft Wurzel geschlagen hat, die sich immer enger gestalten und Liederkranz Büdingen und Männerchor Frohsinn-Harmonie Darmstadt für alle Zukunft eng miteinander verbinden wird. Schon im nächsten Jahr wird Frohsinn-Harmonie seine Sangesfreunde aus Büdingen zum Gegenbesuch in Darmstadt begrüßen. Sc.
Weniger Arbeitslose im September
Die Zahl der im Arbeitsamtsbezirk Darmstadt gemeldeten Arbeitslosen ging im Monat September 1950 um 764 Männer und 534 Frauen auf einen Gesamtstand von 9951 Personen zurück. Im Momat September 1949 lag die Arbeitslosenzahl um 542 höher. Textil-, Holz-, Metall- und Baufacharbeiter waren neben Elektrikern vor allem gefragt.
Von der Gesamtzahl der Arbeitslosen entfielen am Stichtag auf die Kreise Darmstadt Stadt und Land 3679. Bergstraße 3281, Erbach 1898 und Dieburg 1093. Im Durchschnitt entfallen dabei auf 1000 Beschäftigte 63 Arbeitslose, wobei die Lage im Kreis Dieburg mit 43 Arbeitslosen auf 1000 Beschäftigte besonders günstig ist. Ein ausgesprochener Mangel an guten Fachkräften besteht in der Metallindustrie, an guten Maurern und Verputzern im Baugewerbe sowie an Fachkräften im graphischen Gewerbe. xp
Darmstädter Pädagogen
im Philologenverband
Rund 150 Vertreter der Höheren Schulen Hessens hatten der Einladung des Hessischen Philologenverbandes nach Fulda Folge geleistet, um sich mit den aktuellen Problemen des Schulwesens und der Höheren Schule zu beschäftigen. Der erste Tag der Jahrestagung wurde mit einer öffentlichen Kundgebung eröffnet, der zweite Tag war den Berichten der Vertreter gewidmet. In einem bedeutsamen Referat behandelte der Darmstädter Studienrat Professor Dr. Karl Müller die Pädagogik des Faches und gab damit den^Auftakt zu den Sitzungen der Arbeitsgemeinschaften. Wie sehr die Versammlung mit der Arbeit des seitherigen Vorstandes einverstanden war, bewies dessen Wiederwahl mit einer Ausnahme. Oberstudiendirektor Binner (Frankfurt) wurde wieder zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der Bezirk Darmstadt ist durch den neuen Kassenwart Studienrat Mühl (Langen), den Referenten für Rechts- und Wirtschaftsfragen Studienrat Haas (Darmstadt) und als Mitglied des Verbandsschiedsgerichts durch Studienrat Wermbter (Darmstadt) vertreten. K.W.L.
Die Schwimmhalle
kostete keine 400 000 DM
Direktor W. Strahringer von der HEAG bittet uns um Veröffentlichung folgender Notiz:
In einer Notiz im „Darmstädter Tagblatt“ (2. 10.) könnte die Oeffentlichkeit zur irrtümlichen Auffassung verleiten, daß der Wiederaufbau der großen Schwimmhalle selbst 400 000 DM verschlungen habe. Dies trifft nicht zu. In den Gesamtbau sind bisher 400 000 DM hineingesteckt worden, also in die Wiederherstellung der Schwimmhalle wie der übrigen Baderäume, nämlich Wannenbäder, Brausebäder, medizinische Bäder und des Dampfbadteiles. Die Wiedererrichtung der Schwimmhalle hat nur etwa 150 000 DM gekostet.
Studenten suchen Zimmer
Aufruf des Rektors der Technischen Hochschule
Insgesamt 560 Studenten wollen im Winter-Semester ihr Studium an der Technischen Hochschule beginnen. Wir haben diesen unter großen Anstrengungen Studienplätze geschaffen, obwohl die Hochschule noch zu 60 Prozent zerstört ist. Damit sind nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Jetzt beginnt die Sorge um die Unterbringung. Deshalb wendet sich die Hochschule an die Darmstädter Bevölkerung. Es geht hierbei nicht zuletzt auch um die Zukunft unserer Hochschule und den Ruf Darmstadts als Hochschulstadt. Ueberprüfen Sie, ob Sie nicht ein Zimmer freimachen und es preiswert unseren Studenten zur Verfügung stellen können.
In den schwersten Jahren, die hinter uns liegen, haben wir in Zusammenarbeit mit den Darmstädter Bürgern unsere Studenten untergebracht. Dies läßt uns hoffen, auch für die Neuzugelassenen wieder Zimmer zu bekommen. Denken Sie an die Wohnungsnöte unserer Studenten. Melden Sie Zimmer mit oder ohne Möbel an die Wohnungsstelle des Studentenwerks.
Rektor Prof. Dr.-Ing. A. Mehmel
(Kriminalkommissar Georg Riesling, der Sohn des im In- und Ausland in Fachkreisen bekannten Kriminalrates Georg Riesling, wurde, wie wir bereits am 20. .September berichteten, zum Vertreter des mit der Leitung der Kriminalinspektion Darmstadt betrauten Kriminalkommissars Beyer berufen. Um Irrtümer zu vermeiden teilen wir mit, daß sein Vater — mit gleichem Beruf und gleichem Vornamen — nach wie vor als Kriminalrat und Leiter des Landeserkennungsdienstes in Wiesbaden tätig ist. DT
Gasbeton - ein neuer Baustoff
Eine Mischung aus Zement, Quarzsand, pulverisierten Aluminium, Gas und Wasser
Am Mittwochvormittag veranstaltete der Mittelrheinische Architekten- und Ingenieurverein im Lichtspieltheater „Belida“ einen Film- und Lichtbildervortrag über neue Bauelemente und über die Schädlingsbekämpfung im Holzbau.
Tm ersten Film wurde die Herstellung und die Verwendungsmöglichkeit der neuen Leichtbauplatte des Münchener Hebel-Werkes gezeigt. AUS einer Mischung aus Zement und Quarzsand, mit pulverisiertem Aluminium zugesetzt, die in Verbindung mit Wasser und Gas erzeugt wird, wird ein hefeartiger Teig bereitet. Aus ihm werden Bauplatten geschnitten, die in Oefen mit Ueberdruck gehärtet werden. Der große Vorteil dieser Platten ist, daß sie sogleich bei Wind und Wetter gelagert werden können, ohne daß sie dabei Witterungsschäden unterliegen. Die Größe der Bauplatten ist genormt, sie beträgt zwei und zweieinhalb Meter Länge, das heißt, daß man mit einer aufgerichteten Platte einen ganzen Stock errichten kann. Jede Platte wird Fuge an Fuge gestellt, und die Zwischenräume mit dünnflüssigem Beton ausgegossen. Alle Arbeiten können fast ausschließlich von unge- lernten Arbeitskräften ausgeführt werden.
Eine andere Art der Platte ist für die Herstellung der Decken entwickelt, so daß bei einem Bau mit diesem neuen Baustoff das Verschalen der Decken entfällt. Gleichzeitig können mit einem _ Spezialinstrument die Leitungen für die Lichtinstallation in die Wand eingekratzt werden, und der Wandverputz braucht nur noch zwei bis drei Millimeter dick aufgetragen zu werden. In 30 Tagen kann der Hausbesitzer in sein neues Heim einziehen.
Ein weiterer Film galt der Forschung auf dem Gebiet des Holzschutzes. Viele Hausbesitzer, die alte Holzkonstruktionen in ihren Gebäuden haben, kennen die Sorgen mit dem „Hausbockkäfer“. Seine Maden fressen sich in jahrelanger Arbeit kreuz und quer durch das Gebälk und unterminieren die Sicherheit der Holzkonstmktion. Viele Dachstühle sind dadurch der Gefahr des Einsturzes ausgesetzt. An Hand des geschickt aufgenommenen Filmes wurde gezeigt, was die Firmen zur Herstellung von Holzimprägnierungsmitteln an Laboratoriumsarbeit leisten, um dieser Gefahr Herr zu werden. In Hunderten von Versuchen werden zuverlässige Mittel entwickelt, die die Oberfläche des Nadelholzes imprägnieren, ohne Metall anzugreifen.
Oberingenieur W. Vieweg sprach abschliießend än einem Lichtbildervortrag über „Zweckmäßigen Kälte-, Wärme- und Schallschutz im Hochbau sowie über Fragen der Trittschalldämpfung bei Massivdecken“. Eine Anzahl Zeichnungen zeigte den anwesenden Architekten und Ingenieuren, wie man am vorteilhaftesten Glas- oder Mineralwolle im Husbau verwendet. Besonders in der Isolation der Außenmauern hat sie sich bewährt. Auch zur Schalldämpfung kann Glaswolle sicher verwendet werden. Die anwesenden Gäste dankten mit großem Beifall dieser wertvollen Veranstaltung. Li.
Oktoberfest
der Darmstädter Turngemeinde 1846
Für das seinerzeit den Witterungsverhältnissen zum Opfer gefallene Sommernachtsfest veranstaltet die TSG 46 am kommenden Samstag, dem 7. Oktober, um 20 Uhr im „Concordia“-Saal ein Oktoberfest. In dem bunten Programm werden neben der Gesangsabteilung .die Turner und Turnerinnen und die Rollschuhabteilung ihr Können zeigen. Die Ansage und den humoristischen Teil hat Richard Hinz übernommen. Die „Weda-Band“ sorgt für die musikalische Untermalung und wird nach dem offiziellen Teil zum Tanz aufspielen.
Grenze der Soforthilfe
Nur Fälle dringenster Not können berücksichtigt werden
Laut der Ende vorigen Monats veröffentlichten Bekanntmachung des Amts für Soforthilfe können für Personen, bei denen die Voraussetzungen des Soforthilfegesetzes gegeben sind, bis 31. Oktober dieses Jahres Anträge auf Hausrathilfe gestellt werden. Wir machen darauf aufmerksam, daß in Anbetracht der beschränkten Mittel nur die Fälle dringendster Not berücksichtigt werden können. Grundsätzlich kann die Beihilfe an Geschädigte gewährt werden, die als Alleinstehende oder Ehepaare ein monatliches Nettoeinkommen von nicht mehr als 100 DM beziehen. Dieser Betrag erhöht sich um je 30 DM für jedes unterhaltsberechtigte bedürftige Kind. Die monatliche Einkommensgrenze beträgt also für ein Ehepaar mit einem Kind 130 DM, mit zwei Kindern 160 DM usw. In Härtefällen kann die Hilfe auch gewährt werden, wenn diese Einkommensgrenze um nicht mehr als 10 Prozent überschritten wird. Dies gilt auch für Antragsteller, denen nachweislich größere Sonderaufwendungen für sich oder ünterhaltsberechtigte Angehörige entstehen (durch Krankheit, Siechtum und dergleichen).
Herbstfeier der Turner-Sänger
Am vergangenen Wochenende hielt die Gesangsabteilung der Darmstädter TSG 1846 im Büchnersaal, wie alljährlich, ihre Herbstfeier für die Vereinsmitglieder und deren Angehörige ab. Nach der Begrüßung durch Abteilungsvorsitzender F. Assmuth zeigte in dem etwa zweistündigen Programm der Männerchor unter Chormeister Karl Geiß sein Können in Werken von Schubert, Mozart, Strauß und anderen, boten die Solisten Hanny Assmuth (Sopran), Willy R ü gne r (Tenor), Wilhelm Koch (Tenor) bemerkenswerte Leistungen und Hermann Kraft bewies seine Meisterschaft auf dem Xylophon. Froher Tanz hielt die Gäste noch lange zusammen.
„Etliche hat er purgirt ...“
Der Gesundbrunnen bei Darmstadt ist vor 280 Jahren „mit großem Zulauf vieler Kranken glücklich gebraucht worden . .
Es war im Juni 1671, als in den Wiesen zwischen Griesheim und Goddelau eine Quelle entdeckt wurde, deren Wasser wohl nach Schwefel roch, aber, wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt, „wegen der gelinden Schärfe von Salz lieblich und schmackhaft gewesen“. Der Grund, aus dem das eigenartige Wasser emporsprudelte, war „fetter, weißer und graublauer Letten“, die Farbe des Wassers hell, klar und kristallisch. Landgraf Ludwig VI. ließ die Quelle alsbald fassen und eine Tafel anbringen, „die Leute zur Diät zu vermahnen“. Ein Brunnenmeister, „das Wasser zu schöpfen“, wurde bestellt, woraus zu schließend, ist, daß es sich um eine ziemlich tiefliegende Brunnenanlage handelte.
Ueber die Wirkung des Mineralwassers wird berichtet, daß es sowohl äußerlich, wie innerlich angewendet wurde und bei vielen Krankheiten Besserung, auch vollständige Heilung zur Folge hatte. Besonders wird von dem neuen Brunnen gerühmt: „Etliche hat er purgirt durch den Stuhlgang / etliche durch den Schweiß / etliche durch den Harn und viele an Geschwulst / Taubheit / Geschwähren / Fiebern /.Lähme / Wunden / Blutflüssen / Augenfehlern / und andere Gebrechen geholfen.“ Ueber die Heilkraft des Gesundbrunnens erschien alsbald nach seiner Entdeckung auf Veranlassung des Landgrafen ein medizinisches Gutachten, über welches in einer Chronik aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts berichtet wird: „Wie dieses alles D. Johann Tack / Fürstl. Hessischer gewesener Leib- und Hof-Medicus, und Professor zu Gießen / in einem zu Darmstatt gedruckten Tractätlein, / genannt Theosophica, weitläufig beschrieben ist.“
Wie lange der Gesundbrunnen im Gebrauche war, steht nicht fest. Offenbar hat er mindestens bis zum Jahre 1757 bestanden, da in einer um diese Zeit erschienenen Fortsetzung der als Quelle für diese Mitteilungen dienenden Chronik nicht davon erwähnt ist, daß er versiegt ist oder seine Wirkung verloren hat. Großen Zuspruch muß er aber später nicht mehr gehabt haben, da er zum Beispiel in dem „Darmstädter Antiquarius“ von Walther, der sonst alle Merkwürdigkeiten gewissenhaft registrierte, nicht erwähnt wird. H. K.
( niMruusus aas« hjcuxj. Sv« a^amo-
In der Stadt notiert
Auf der Autobahn stieß gestern nachmittag ein amerikanischer Pkw. mit einem Leichtmotorrad in der Nähe der Snack-Bar zusammen, als der Personenwagen den Kradfahrer gerade überholen wollte. Wie Augenzeugen berichteten, versuchte der Motorradfahrer quer über die Fahrbahn nach links einzubiegen. Eine Blutentnahme wurde veranlaßt.
Auf ein haltendes Motorrad fuhr gestern morgen gegen 11.30 Uhr in der Heidelberger Straße ein in gleicher. Richtung fahrender Personenwagen auf. Der Soziusfahrer wurde leicht verletzt.
Ein Motorrad und ein Personenwagen mit Anhänger stießen in der Nacht zum Mittwoch in der Nähe der Rennbahn in der Heidelberger Straße zusammen. Bei dem Zusammenstoß der in entgegengesetzter Richtung fahrender Fahrzeuge wurde der Kradfahrer erheblich verletzt. Die Polizei veranlaßte eine Blutentnahme, da der Verdacht auf Alkoholeinfluß beetand.
Ein Personenwagen und ein Radfahrer stießen gestern mittag am Roßdorfer Platz zusammen. Als der aus der Stadt durch die Nieder-Ramstädter Straße kommende Pkw in die Roßdorfer Straße fahren wollte, erfaßte er dabei das um die Straßenbiegung aus der Nieder-Ramstädter Straße kommende Fahrrad. Es entstand lediglich Sachschaden.
Zu einem Zusammenstoß zwischen einem radfahrenden Schüler und einem amerikanischen Pkw. kam es gestern mittag in der Eberstädter Villenkolonie, als der Kraftwagen von dem westlichen Fußweg der Darmstädter Straße über den Radweg in die Autofahrbahn einbiegen wollte. Es entstand lediglich leichter Sachschaden.
Ueber den Essener Kirchentag werden am Donnerstag, 5. Oktober, um 20.00 Uhr. im evangelischen Gemeindehaus in Arheilgen Pfarrer ■ Mochalski und einige Gemeindeglieder berichten.
Bundesarbeitsminister Storch spricht in einer öffentlichen Versammlung der CDU am Freitag, dem 6. Oktober, um 19.30 Uhr, im Concordia-Saal über ~Mitbestimmungsrecht, Preise und Löhne“.
Die Baha’i-Gemeinde Darmstadt veranstaltet am 5., 12., 19. und 26. Oktober öffentliche Versammlungen im „Kössler Eck“, Landwehrstraße, die jeweils um 17.30 Uhr beginnen.
Dje Hengstparade des Hessischen Land¬ gestütes kann, wie uns die Landgestütsverwaltung mitteilt, in diesem Jahre leider nicht wiederholt werden.
Bei der großen Hundeausstellung in Karlsruhe für alle Rassen, die von nahezu 600 Hunden beschickt war, waren folgende Züchter neben dem bereits von uns erwähnten Herrn P. Schwebel erfolgreich: H. Ze 11 er - Pfungstadt mit „vorzüglich“ für Boxer-Rüden, J. Steger-Hetschbach mit „vorzüglich“ für Zwergschnauzer-Rüden, W. Colmar -Arheilgen mit „sehr gut“ für - Terrier-Rüden.
Polizei gegen KPD-Augriffe
Die Polizeibeamten des Polizeipräsidiums Darmstadt nahmen in der am 28. September von dem Betriebsrat einberufenen und überaus stark besuchten Betriebsversammlung unter anderem Stellung zu jenem offenen Brief, den Herr Landtagsabgeordneter Ludwig Keil an die Herren Oberbürgermeister Metzger und Polizeipräsident Reib o 1 d gerichtet hat.
Die Polizeibeamtenschaft, beruflich, staatspolitisch und gewerkschaftlich zur Genyge geschult, protestierte nach Kenntnisnahme des Briefinhalts berechtigt gegen die unwahren und mit unlauteren Absichten durchsetzten Behauptungen des Briefschreibers. Durch einwandfreie Beweise wurde durch die verantwortlichen Betriebsratsmitglieder der Nachweis erbracht, daß die von Herrn Keil angeführten Argumente ausnahmslos unwahr sind und ohne Zweifel aus anderen, den Polizeibeamten erfahrungsgemäß wohl erwogenen Gründen erfolgten.
In einer eindrucksvollen und einstimmig angenommenen Entschließung brandmarkten die Polizeibeamten die ungerechtfertigte Handlungsweise des Briefschreibers und bekundeten durch ein Treuegelöbnis die Einsatzbereitschaft für ihre Vorgesetzten, die Herren Oberbürgermeister Metzger und Polizeipräsident R e ibo 1d .
WIE-WIRD-DAS WETTER
Mittags sehr mild
Vorhersage: Am Donnerstag nach Frühdunst oder Nebel heiter bis wolkig und trocken; weiter ansteigende Mittagstemperaturen; nachts frisch, südliche Winde. Weitere Aussichten:' Am Freitag keine Aenderung. v
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie: 19.00 Uhr, „Fra Diavolo“, Komische Oper von Francois Auber; Ende gegen 22.00 Uhr Lichtspieltheater: Union: „Staatsgeheimnis“, Thalia: „Schwarzwaldmädel“; Belida: „Im Tempel der Venus“; Palast: „1-2-3 Corona“; Hansa: „Das große'Spiel“ Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 15—20 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.
Wir gratulieren
70. Geburtstag: Herrn Ludwig Meyer, Darmstadt-Eberstadt, Ringstraße 20, (feiert am gleichen Tage sein 40jähriges Geschäftsjubiläum).
Tansend Worte Hessisch
im Thalia-Theater
Nächsten Samstag, den 7. Oktober, wird im Thalia-Theater in einer Spätvorstellung Wolf Schmidt — durch seine Sendungen bei Radio Frankfurt bekannt geworden — als Ansager, Plauderer, zusammen mit seiner Partnerin Gretl Pilz einen „Hessischen Abend“ gestalten, der seinen, sicherlich sehr zahlreichen Darmstädter Freunden, große Freude 'bereiten wird. Weiter wirken in dieser heiteren Nachtvorstellung Vera de Luca und Rene Slesina mit ihren „Chansons in vielen Sprachen“ mit. Vier Geschwister Heck bringen dazu Musik auf vielen Instrumenten.
STARKENBURG
Aufgehängt vorgefunden
Der von einer Kirchweih mit dem Fahrrad zurückkehrende Spengler Friedel Mohr, Babenhausen, Fahrstraße, hing sich auf dem Dachboden seines’ Elternhauses aus bis jetzt noch ungeklärten Gründen auf. Es wird vermutet, daß dies schon am Dienstag geschah.
Hund verursacht Schädelbruch
Am Dienstagabend ereignete sich gegen 18 Uhr hinter dem Bahnübergang der Straße Groß-Gerau—Klein-Gera u ein schwerer Verkehrsunfall. Dem in Richtung Klein-Gerau fahrenden Motorradfahrer Karl Schick aus Gräfenhausen lief ein Hund, der einen Hasen verfolgte, in die Maschine. Schick stürzte von seinem Motorrad und wurde mit einem doppelten Schädelbasisbruch, Blutergüssen unter den Augen sowie mit Hautabschürfungen aufgefunden. cg
Als Mädchen verkleidet
In der Nacht vom 3. zum 4. Oktober wurde von der Nachtstreife der Heppenheimer Polizei ein als Mädchen verkleideter 17jähriger junger Mann festgenommen, der gerade in einen Kiosk in der Wilhelmstraße einzubrechen versuchte. HB
Der Verunglückte war betrunken
Anfang dieser Woche wurde, wie wir bereits berichteten, die Leiche des 50 Jahre alten Steinmetzen Schnaubei aus Altheim in der Nähe seines Wohnortes auf der Bundesstraße 26 aufgefunden. Dazu erfahren wir ergänzend, daß ein Verkehrsunfall im üblichen Sinne nicht in Frage komme. Die Untersuchung hat zu einer Teilaufklärung insofern geführt, als festgestellt wurde, daß der Verunglückte am Abend des betreffenden Tages in stark angetrunkenem Zustand in Dieburg war. Er muß an der späteren Unglücksstelle zu Boden gestürzt und nicht mehr fähig gewesen sein, sich aus eigener Kraft zu erheben. Nach dem Leichenbefund zu urteilen, wurde Sch. später von einem schweren Kraftfahrzeug überfahren.
Ueberfall aufgeklärt
Ergänzend zu unserem in der gestrigen Ausgabe veröffentlichten Bericht über den Ueberfall auf einen Gendarmerie-Beamten zwischen Biblis und Bürstadt teilen wir mit, daß es sich bei den Tätern um den 21 Jahre alten Eisendreher Walter Schreiner, den 17jährigen Schuhmacher Hans Herle, den 18jährigen Schuhfacharbeiter Erich Ruh und den 20jährigen Helmut Koch, alle aus Bürstadt, handelt. HB
Anhaltende Verkehrsunfälle
im Landkreis Bergstraße
In Hirschhorn fuhr ein Radfahrer unter Nichtbeachtung des Stoppschildes aus der steil abfallenden Ausfahrt des Marktplatzes in einen auf der Umgehungsstraße entgegenkommenden Pkw hinein und wurde verletzt.
An einem Bahnübergang zwischen Biblis und Bobstadt fuhr ein Pkw durch die geschlossene Bahnschranke und kam erst zwischen den Geleisen zum Stehen. Der Wagen konnte jedoch noch kurz vor dem Herannahen eines Güterzuges zurü'ckgeschoben werden. Ein Radfahrer, der ebenfalls an der geschlossenen Schranke stand, konnte sich nur durch einen Sprung in den Straßengraben vor dem Pkw retten, das Rad wurde jedoch erheblich beschädigt.
Zwischen Lindenfels und Gu m - pener Kreuz stießen ein Pkw und ein Omnibus der Bundespost zusammen: es entstand nur geringer Sachschaden. (HB)
Schulprobleme in den Grenzbezirken
Das Land Hessen ist großzügig
Unter dem fachlichen Vorsitz von Herrn Ministerialrat Dr. O. H. Müller, Wiesbaden, des Ministeriums für Erziehung und Volksbildung, fand am gestrigen Mittwoch in Hirschhorn a. N. eine Konferenz statt, welche diejenigen Fragen behandelte, die sich „aus der durch die Grenzlage einiger Gemeinden entstandenen Schulprobleme“ ergaben.
Bei der um 10 Uhr vormittags beginnenden Sitzung im traditionsreichen Gasthof „Zum Naturalisten“ waren mit dem Herrn Regierungspräsidenten Arnoul, Herr Reg.-Dir. Friedrich von der Schulabteilung des Reg.-Präsidiums, Herr Oberschulrat Dr. Ludwig, Wiesbaden, Herr Regierungs- und Schulrat Ständer, Wiesbaden, Herr Regierungs- und Schulrat Göbel, Schulabteilung beim Regierungs-Präsidium Darmstadt, Herr Justiciar Dr. Warlo, Herr Dir. Riess, der Leiter des privaten Realgymnasiums Viernheim, Herr Landrat Dengler, Heppenheim sowie die Herren Bürgermeister und Schulleiter der interessierten Gemeinden, anwesend.
Während des ersten Teiles der Tagung bemühte man sich um eine Lösung der Schwierigkeiten die sich aus der verlängerten Schulpflicht, die durch ministeriellen Erlaß in Hessen eingeführt wurde, für die Volksschüler der Grenzgemeinden ergab. Wenn man auch diese Verlängerung der Schulzeit richtig und begrüßenswert empfand, um die Bildungslücken der Vergangenheit auszufüllen, so beschloß man doch, dieses Gesetz nicht sklavisch auslegen zu wollen, sondern es, allerdings nur im Grenzgebiet Hessen-Württemberg, von Fall zu Fall zu behandeln. Voraussetzung zu dieser großzügigen Handhabung sei aber vernunftgemäße Mitarbeit aller maßgebenden Stellen, die die wirtschaftlichen Interessen einerseits, sowie die schulischen Notwendigkeiten andererseits berücksichtigen sollten.
Mehrere' Faktoren machten den Fragenkomplex: Ausgleich von unterschiedlichen Schulgeldbeträgen im Gebiet Hessen-Baden. differenzierter, da zu den bekannten Grenzfragen finanzielle Entscheidungen getroffen werden müssen. Der Staat Hessen, bzw. seine Vertreter machten einen großzügigen Vorschlag: Da die Eltern der hessischen Schüler in Baden monatlich 10 DM zu entrichten haben, die badischen Schüler in Hessen jedoch die bekannte Schulgeldfreiheit genießen, will Hessen die Differenz, die sich aus diesem Umstand ergibt, in Form einer staatlichen Beihilfe den betroffenen Familien zukommen lassen. Durch diesen Vorschlag machte Hessen einen positiven Schritt in der Entwicklung nicht nur des Gesamtproblemes, sondern auch dem umstrittenen Thema des kommerziellen Ausgleiches. „Man kann hinsichtlich der Entscheidung seitens des Landes Baden guten Mutes sein“, sagte einer der maßgebenden Herren zu der baldigst erwarteten positiven Erklärung des südlichen Gesprächspartners.
Ein aussichtsreiches Programm
Bensheimer Volkshochschule eröffnet Wintersemester
Auch dieses Mal ist es der Leitung der Bensheimer Volkshochschule wieder gelungen ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Eine Vortragsreihe: „Probleme der Zeit“ (6 Vorträge) behandelt die Gebiete: Philosophie, lebendige Demokratie, Mitbestimmungsrecht, Christentum und Naturwissenschaft, Entwicklung des Kommunismus in China usw. In der Reihe „Erlebte Welt“ geben Erlebnisberichte mit Farblichtbildern und Tonfilme einen Ein¬ ‘ blick in die Lebensweise, Sitten und Gebräuche ferner Länder. Die Vortragsreihe „Wir und die Kunst“ versucht dem Publikum moderne Malerei und Bildhauerei nahezubringen; es wird unter anderem auch ein Tonfilm über das Lebenswerk des Bildhauers Rodin gezeigt. Ferner sind die Vortragsreihen „Streifzüge aus Natur und Technik“ und „Klassische und moderne Erzählungskunst“ vorgesehen. Einzelvorträge behandeln die Themen: „Zivilisationskrankheiten“, „Das deutsche Volkslied“, „Die Kunst der Fotografie“ u. a. Kurse in Stenografie, Buchführung, Rechtschreibung und Handweben sollen ebenfalls wieder eingerichtet werden. Auch sind Sonderveranstaltungen wie z. B. die Vorführung von Kulturfilmen vorgesehen. Die Einschreibungen für das Wintersemester beginnen am 9. Oktober. (HB)
Kinder lernen,spielend“ das Lesen
Planungskreis für Arbeitsmittel tagte in Jugenheim
In Jugenheim waren im Education Service Center Erzieher und Freunde des Arbeitskreises für praktische Schulreform aus ganz Hessen zusammengekommen, um unter Leitung von Lehrer Wilkner (Wehen) über neuzeitliche Arbeitsmittel für die Schule zu beraten und ihre Erfahrungen auszutauschen.
Die alten und jungen Lehrer führten ihre selbsterdachten und erschaffenen Arbeitsmittel vor, die oft in jahrzehntelanger Arbeit erprobt und verbessert waren.
Man muß sich nur wundern, mit wieviel Liebe und mit welchem Idealismus alle diese Arbeitsmittel geschaffen wurden, um dem Kind das Lernen „spielend“ beizubringen. Besonders interessiert wurde die „Lesekiste“ aufgenommen und von dpn Anwesenden diskutiert. Mit bunten Würfeln, lustigen Bilderlottos, Legespielen und fröhlichen Lesekarten wird das Kind in Zukunft das Lesen lernen. Leuchtenden Auges stürzten sich die kleinen Anfänger in der Jugenheimer Schule auf die Spiele: An Hand der Würfel setzten sie sich ihre Namen aus bunten Buchstaben oder legten sie die Bilder und Wortkärtchen der Bilderlottos zusammen. Nur in einer Ecke stand ein kleines Mädchen mit langen blonden Zöpfen und weinte: „Ich hab’ nicht würfeln dürfen“. Aber die Lehrerin tröstete sie: „Nach den Ferien bekommen wir auch eine Leselüste“.
Um den Kindern in der Schule das Lesen und Rechnen „spielend“ nahezubringen, wurde beschlossen einen „Planungskreis für Arbeitsmittel“ zu gründen, mit dem Ziel, in gemeinsamer Arbeit neue Lernspiele für die Schule zu ersinnen und zu erproben. Um den Lehrern in den hessischen Schulen, die oft in mühevoller Arbeit alles selbst basteln müssen, ihre Arbeit zu erleichtern wäre es dringend erwünscht, daß der Staat — ähnlich wie seit langem in Bremen — dem Arbeitskreis für praktische Schulreform die unbedingt nötigen Geldmittel in die Hand gibt. Einige Serien dieser neuzeitlichen Arbeitsmittel gehen schon in den nächsten Tagen zur Erprobung an verschiedene hessische Schulen, andere sollen bis zur nächsten Zusammenkunft im Januar oder Februar vorbereitet werden. Die Teilnehmer hofften, im kommenden Jahr schon neue Kästen mit Rechnen — oder Deutschspielen an die Verlage geben zu können oder selbst in eigener Werkstatt herzustellen.
Eine kleine Sensation erregte Lehrer Kiessl (Trösel i. O.) mit der Vorführung eines neuartigen Lichtbildergerätes. Der „Perlux“, so nennt sich das Gerät. arbeitet bei Tageslicht in unverdunkeltem Raum und zeigt ein- oder mehrfarbige Dias klar und deutlich bei Tageslicht. Dieser Spezialprojektor benötigt wenig Raum und ist in jedem Klassenzimmer aufzustellen. Er steht hinter der Projektionswand, die abwaschbar ist, auch als Wandtafel dient. Dadurch ist es möglich, mit Buntkreide jede Zeichnung zu entwickeln, Umrisse einzuzeichnen und wichtige Teile des projizierten Bildes zu kennzeichnen. Aber dann ist die Verwendungsmöglichkeit des Projektors noch nicht erschöpft, denn auch die Selbstherstellung von Zeichnungen und Vorlagen ist mit diesem Apparat ein Kinderspiel. Ohne Zweifel reformiert der „Perlux“ die Methode des Lichtbilderunterrichts und führt zu der bisher nur in der Theorie angestrebten, aber in der Praxis nie erreichten Form des Unterrichts. hl.
Was auf dem Breuberg wirklich geschah
Mit geringsten Mitteln wurde viel zur Rettung der Burg getan
Auf einer Tagung des Bezirksjugendausschusses im Sitzungssaal des Stadthauses in Darmstadt wurde kürzlich die Frage „Was geschieht auf dem Breuberg?“ und die Behauptung aufgestellt, „der Hessische Staat, der sich zurzeit noch im Besitz des Breubergs befindet, bis die Anlagen wieder dem Jugendherbergsverband zurückerstattet werden, habe 8000 DM zur Verfügung gestellt, damit mit diesem Geld auf dem Breuberg eine Gastwirtschaft eingerichtet werden soll.“
Da erst Mitte des Jahres das Land Hessen als Eigentümer der Burg Breuberg das Hessische Staatsbauamt Erbach in Verbindung mit dem Denkmalspfleger für den Reg.-Bezirk Darmstadt, Dr. Müller, mit der Durchführung der zur Sicherung des vom Zerfall bedrohten Baudenkmals erforderlichen Arbeiten beauftragt hat, haben wir auf Grund der oben zitierten Feststellung Herrn Dr. A. R ö - der, Fürstenau, als den örtlichen Vertreter des Denkmalpflegers, befragt, wie es sich mit der Verwendung der vom Staat bereitgestellten Mittel verhält. Er schilderte uns ausführlich, was in den letzten Wochen tatsächlich auf dem Breuberg geschah.
Schon von weitem kann man erkennen, führte Dr. Röder aus, daß auf dem Breuberg in jüngster Zeit einiges geschehen ist, — an den hellen Farben auf den Dächern nämlich. Große Dachausbesserungen sind als vordringlichste Sicherungsaufgaben durchgeführt worden und zum Teil noch im Gange. Bisher hat das Land Hessen für die Sicherung der Burg in Dach und Fach einen Betrag von 35 000 DM bewilligt, von denen zunächst aber nur die erste Vierteljahresrate in Höhe von 8000 DM ausgezahlt worden ist. Mit dieser kleinen Summe, gemessen an den Kosten der insgesamt notwendigen Restaurierungen, wurde erstaunlich viel geleistet.
Gebälk und Ziegelbedeckung des Johann-Casimir-Baues, der besonders am Treppenturm sehr stark beschädigt war, wurden zuerst erneuert. Ebenso Gebälk und Dach des Annexbaues. Im nächsten Abschnitt wurden die Dächer des Küchenbaues sowie der Rentschreiberei im Holzwerk überholt, größtenteils neu gedeckt und mit Dachkandeln versehen, damit das. Traufwasser weit von den Fundamenten weggeleitet werden kann. Die Arbeiten am Dach des Torbaues sind im Gange. Im Frauenbau, dem oberen Saalbau, wurden die Binder des Dachgebälks erneuert und gesichert, in der’ Decke, in der sich schon ein großes Loch befand, alle morschen Balken ersetzt.
Diese Arbeiten werden planmäßig fortgesetzt. Als nächste kommen der Altbau, der Landratsbau und der Kapellenbau an die Reihe, ebenso der Obere SaalbaU, soweit es die Dachbedeckung betrifft. Auch die Wiederherstellung des Bergfrieddaches in der alten Form mit der Wetterfahne ist vorgesehen. Im westlichen Festungswerk ist ein zusammengefallener Pferdestall wieder aufgebaut worden.
Der Landesdenkmalpfleger hatte für die Innenraumgestaltung des großen Saales vorgeschlagen, die Deckenbalken sichtbar zu lassen und die Gefache in der stilgerechten alten Putztechnik wiederherzustellen. Da die bisher verfügbaren Gelder hierfür aber noch nicht ausreichen, wurden diese Pläne zugunsten der vordringlichen Sicherungsarbeiten zurückgestellt.
Nach der in der Feststellung des Bezirksjugendausschusses erwähnten „Burggaststätte“ befragt, stellte Dr. Röder fest, daß von einem Ausbau der Schankstube des Burglandwirts und Pächters der Burgschänke gar keine Rede sein könne. Von den 8000 DM sei kein einziger Pfennig für die Schänke verwen¬ det worden, da dieses Geld ausschließlich für die Restaurierung der Gebäude be¬ stimmt sei. Was die innere Instandhaltung der vom Schänkenwirt gepachteten Räume angeht, so werden diese Kosten wie bei allen staatlichen Häusern von der Liegenschaftsstelle getragen. Dafür hat der Wirt ja seine Pacht zu entrichten. Daß die Schankstube erhalten bleibt, ist nicht mehr als recht und billig, denn die große Zahl erwachsener Besucher der Burg, die nicht der Jugendherberge wegen heraufsteigen, haben vielfach das Bedürfnis einer Erfrischung. „
Die oben zitierte Feststellung läßt vermuten, daß in absehbarer Zeit die gesamte Burganlage an das Deutsche Jugendherbergswerk in Eigentum übergeben werden soll. Davon könne, wie der Vertreter des Landesdenkmalpflegers erklärte, gar keine Rede sein, da nur der Staat in der Lage sei, die baugeschichtlich wertvolle Burg in ihrer Gesamtheit zu erhalten. Der Staat habe dem Jugendherbergsverband und dem „Kreis der Breubergfreunde“ einzelne Gebäude zur kostenlosen Nutznießung für Jugendherbergszwecke überlassen. Auch für diese Gebäude habe der Staat die Unterhaltung in Dach und Fach übernommen, während die Unterhaltung der Innenräume Aufgabe dieser Organisationeri ist.
Abschließend erklärte Dr. Röder,-daß die Sicherungsarbeiten systematisch weitergehen. Wenn die weiteren Raten der bewilligten Gelder des Staates pünktlich eingehen, kann die Gefährdung des schönen Odenwald-Wahrzeichens durch Witterungseinflüsse bald als beseitigt angesehen werden. -ch
ECin Pionier handwerklichen Könnens
Scharfe Worte gegen die Bürokratie in Groß-Gerau
Anläßlich des 50jährigen Geschäftsjnbiläums und 75jährigen Geburtstags von Tapeziermeister Josef Dasbach hatten sich am Mittwochmorgen Vertreter von Gemeinde, Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft, der Volksbank, der Innungen und der Berufsschule im alten Groß-Gerauer Rathaussaal zu einer schlichten, aber von herzlichem Geiste getragenen Jubiläumsfeier zusammengefunden.
Geschäftsführer Schwerer von der Kreishandwerkerschaft würdigte die aufopferungsfreudige Arbeit Josef Dasbachs im früheren Ortsgewerbeverein, im Gewerbe-Bezirksverband, im Aufsichtsrat der Volksbank und in der Berufsschule.
Für die Pionierarbeit dieses Mannes im Dienste des Handwerks sei das gesamte Handwerk' des Kreises Groß-Gerau diesem Manne zu Dank verpflichtet. Die örtlichen Handwerksvertreter hätten sich auch deshalb bereit erklärt, dem ausgebombten Tapeziermeister Dasbach bei seinem Geschäftswiederaufbau praktische Hilfe zu leisten. Von der Handwerkskammer des Reg.-Bez. Darmstadt wurde dem Tapeziermeister eine Ehrenurkunde überreicht.
Bürgermeister Dr. Lüdecke betonte, daß Tapeziermeister Dasbach ein leuchtendes Beispiel des Handwerks sei. Vergeblich habe er gehofft, man könne heute am 75. Geburtstag des ausgebombten Tapeziermeisters den 1. Spatenstich zum Wiederaufbau seines Hauses tun. Der Verwaltungsrat der Sparkasse habe ein Darlehen gewährt, ebenso habe der Meister ein Landesdarlehen erhalten. Es sei jedoch unmöglich gewesen zu erreichen, daß die Soforthilfe rechtzeitig bewilligt wurde. Dies sei ein Schandfleck für das soziale Streben unserer Zeit und man müsse verlangen, daß Menschen aus dem öffentlichen Leben verschwinden, die nicht die notwendige Kombination von Herz und Geist besäßen, um ihre Stelle wirklich ausfüllen zu können. Abschließend dankte der Bürgermeister dem Jubilar für die Dienste, die er u. a. auch als Gemeinderat der Kreisstadt geleistet habe. cg
„Wir geben dem Handwerk vier Jahre Zeit“
Obermeistertagung in Heppenheim
Anläßlich des „Bauerntages“ veranstaltete die Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Darmstadt auf Wunsch von Bürgermeister Holzamer eine Obermeistertagung des Stadt- und Landkreises Darmstadt und des Kreises Bergstraße in Heppenheim, an der auch die Innungsvorstände teilnahmen.
Nach Begrüßung der erschienenen Obermeister erklärte der Präsident der Handwerkskammer, Gisbert, daß die augenblickliche Notlage des Handwerks nicht verkannt werden dürfe. Es sei an der Zeit, daß die Steuersätze einer grundlegenden Reform unterzogen würden und dem Wirrwarr der Steuergesetze ein Ende gemacht werde. Erfreulicherweise könne festgestellt werden, daß maßgebende Männer der Regierung in letzter Zeit die Notwendigkeit der Wiedereinführung des großen Befähigungsnachweises erkannt hätten. Scharfe Worte fand Präsident Gisbert für die unschönen Begleiterscheinungen der Gewerbefreiheit, die sich besonders auf handwerklichem Gebiete bemerkbar machten.
Regierungsrat Dr. Geist vom Hessischen Wirtschaftsministerium referierte anschließend über seine Eindrücke in Amerika. In den Vereinigten Staaten gäbe es kein Handwerk, wie wir es in Deutschland kennen würden. Immer wieder wäre von Amerikanern zu hören, daß in verstärktem Maße amerikanische Wirtschaftler nach Deutschland geschickt werden müßten, da hier die Berufsausbildung und die Qualitätsarbeit für viele überseeische Industriezweige vorbildlich seien.
Der Kreishandwerksmeister des Kreises Bergstraße, Schneider, begrüßte die Gäste und wünschte, daß die Stunden, die sie in Heppenheim verbrächten, ihnen allen in bester Erinnerung blieben. Präsident Gisbert sprach sodann über die Arbeit der Innungen und die Tätigkeit der Ortsgewerbevereine. Nur die Handwerkskammer sei in der Lage, die Belange ihrer Mitglieder der Regierung und anderen Stellen gegenüber mit Erfolg zu vertreten. Die Ortsgewerbevereine könnten fruchtbare Arbeit leisten, wenn sie sich auf die lokalen Angelegenheiten beschränkten. Weiter führte der Redner aus, daß die Jugend leider nicht in dem erforderlichen Maße zur Mitarbeit in der Handwerkskammer henangezogen werden könne. Innerhalb der Innungen müsse in der Folge eine Neubelebung des Innungswesens erfolgen.
In der Diskussion wurde festgestellt, daß zu wenig Handwerker im Bundestag die Interessen ihrer Stände vertreten würden.
Obermeister Hübner stellte fest, daß sich das Handwerk mehr um seine ureigensten Angelegenheiten kümmern müsse. „Aus der Werkstatt muß für die Werkstatt gelehrt werden.“ Immer hätten die Handwerkerführer mit ihrem ganzen Einsatz die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, aber man müsse nun fordern, daß wenigstens diese Leistungen von den Mitgliedern anerkannt würden. Hübner rief aus: „Wir geben dem Handwerk noch vier Jahre Zeit, in der sich manches bessern muß.“
Abschließend stellte Präsident Gisbert nochmals fest, daß im Bereiche des Kammerbezirks Vertrauensleute in den rund 900 Orten eingesetzt werden müßten, um bei Rückfragen wegen Kreditgewährung an die Mitglieder der Kammer schnelle und sachliche Auskünfte geben zu können. Bevor der Punkt vier der Tagesordnung, die Frage der Ausschüsse für Lehrlingsstileitigkeften und das Prüfungswesen, zur Sprache kam, richtete Bürgermeister Holzamer einige Worte an die Gäste. Aus seinen Erinnerungen schilderte er die Lehrlingsausbildung in den großen Betrieben des Ruhrgebietes und stellte die Forderung auf, daß nur ein geistig gesunder und gutgeschulter Nachwuchs Deutschland wieder die Bedeutung im Ausland geben könne, die es in früheren Jahren gehabt habe. Die Obermeister verfaßten eine Entschließung an den Landtag und an die Regierung, in der darauf hingewiesen wird, daß nur der große Befähigungsnachweis im Verein mit einer vernünftigen organisationsredhtlichen Regelung auf Grund der vorliegenden Erfahrungen die augenblicklichen Verhältnisse im Handwerk zum Guten wenden könne. Ebenfalls wäre angebracht, daß Vertreter der Handwerkerschaft zu den Fragen der Steuergesetzgebung gehört würden. hfl
Was aũch interessiert:
Eine Kreiskonferenz für Volksbildungs¬ arbeit findet am Mittwoch, dem 11. Ok¬ tober in Groß-Gerau statt, bei der der Geschäftsführer der GesePschaft zur Förderung des öffentlichen Lebens Alfred Hooge, ein Referat hält. cg
Bischof Dr. Albert Stohr nahm am Sonntag- und Monlagmorgen in Groß-Gerau die Firmung von 344 Kindern und einigen Erwachsenen vor. Am Sonntagnachmittag begab sich der Bischof nach Walldorf und am Montagnachmittag nach Geinsheim. cg
Eine größere Menge Paprika von erheblichem Wert wurde aus einem Hause in der Aschaffenburger Straße Babenhausens gestohlen. Die Diebe waren durch den Garten in das Gebäude eingedrungen. — Aus einem unverschlossenen Verschlag in der Reitbahnsträße stahlen Diebe sechs Hühner. RG
Vermutlich die Jagdwaffe eines Wild¬ diebes, einen deutschen Karabiner, fanden kürzlich einige junge Männer beim Pilzesuchen in einem Tannendickicht in der Nähe von Lichtenberg. RG
D"r nei e Pesi'ent O'fic-r des Landk’jei es Bergstraße, Mr. Goodnight, hält am Donre -sfag in der ane i’ ani-ehen Lesehalle Heppenheim ei~en Vortag in eng’i'cher Sprache über das Thema: „Raciaf P oblems in Amerika“.
.Eine k’eve S Lw.irzLhrf wu de von ei em jungen Mann aus Langsfadt vor ei i en Tagen ui ferro mtr.en. Zu diesem Zwecke hatte er sich ungefragt ein Mofo rad ausge’e’ei. Die Fahrt endete in de- Kurve nach K’eecfadt, wo der jugend’iche Fah er stü-zte. Das Fahrzeug wu-de schwer beschädigt. gi
Einen Konzertatend füf Heimcfverü ebnne nnfer den Titel „Die Heimat itn Lieo‘ hafte der Gesangverein „Liederk anz‘, Michelstadt, gemein an mit dem Spie’kreis Müm'ingfal unter Leitung von Hermann Friedlich in „ Schmer-Lers Garten“ ve ansfalfef. Unter den Gästen befanden sich Land af Neff und Eundesfagsabgeordr.eter Heinrich Rif el. ch.
Die alte Barock-Orgel der evangelischen Kirche in All he i m wird gegenwärtig durch einen Orgelbaumeister aus Raubach einer gründlichen Renovierung unterzogen. Nach in der Tür gefundenen Aufzeichnungen wurde das Instrument schon im Jahre 1753 von einem Meister aus Lauffen am Neckar vollkommen überholt. ’ Se.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Roßdö r f e r Kirchweihfest durch das 100 jährige Jubiläum der Kirchengemeinde in diesem Jahre zu. Die Jubiläumsfeier der Kirche findet in drei Wochen, am 21. und 22. Oktober, statt. sl.
„Es war eine Rabenmutter“
Zwei Jahre Gefängnis für böswillige Kindesvernachlässigung und Kuppelei
neuXinS?7Schwurgericht verurteilte in seiner gestrigen Sitzung nach Viernheim F * 27jährige vorbestrafte Hausfrau Luise H. aus VernaehlT«^ f°rt^tzter gewohnheitsmäßiger Kuppelei und böswilliger Aberkennung v”8 ^*”des zu e,ner Gefängnisstrafe von zwei Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für ebenfalls zwei Jahre.
Es war ein besonders krasser Fall von sittlicher Verkommenheit und mütterlicher Verantwortungslosigkeit, mit dem sich die Geschworenen zu befassen hatten. Die Angeklagte, von einem Psychiater als Typ einer schwachsinnigen, morahsch und ethisch verflachten Prostituierten bezeichnet, lebte in einem Barackenhaus in Viernheim. Ihr Mann sitzt in Hatt, sie selbst wurde im Juni 1949 aus dem Gefängnis entlassen und bezog 83 DM Unterstützung für sich und ihre beiden Kinder. In ihrem Hang zum kupplerischen Treiben und in ihrer Vergnügungssucht — bereits während des Krieges wurde sie wegen Kuppelei bestraft — ließ sie nicht nur Amerikaner und deren Mädchen sowie andere Pärchen in ihrer Wohnung übernachten, sondern vernachlässigte auch ihr neugeborenes Kind auf das gröbste. Es starb im Alter von acht Monaten. Statt sich um das Kind zu kümmern, trieb sich die Angeklagte draußen herum. „Es w^r eine Rabenmutter, welche die moralische Schuld an dem Tod des Kindes trägt“, erklärte der Staatsanwalt, der zweieinhalb Jahre Gefängnis beantragt hatte.
In seinem Plädoyer führte der Verteidiger aus, die geringen Geldmittel der Angeklagten seien maßgeblich dafür gewesen, daß sie vor Gericht sitze.
Landgerichtsdirektor Hahn brandmarkte in seiner Urteilsbegründung scharf das Verhalten der Angeklagten und erklärte, mildernd könne man in diesem Falle nur die Zubilligung des § 51 Absatz 2 berücksichtigen. Es sei besonders verwerflich, daß diese Mutter ihre eigenen Interessen deüen ihres Kindes vorgezogen habe. Wenn sie sich auch nicht um das Kind bekümmert habe, so könne man ihr jedoch nicht den Tod des Säuglings zur Last legen. Das was sie allerdings getan habe, sei eine böswillige Vernachlässigung, die durch eine empfindliche Strafe gesühnt werden müsse. wst.
Kind mißbraucht
Gefängnis für einen Schwachsinnigen
Gestern stand der mehrfach vorbestrafte, 23jährige Arbeiter Josef H. aus Bürstadt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt, weil er am 23. Juli dieses Jahres auf einem Feldstück an einem Kind unzüchtige Handlungen vorgenommen hat. Die Verhandlung ergab, daß der junge Bursche, der bereits auch auf diesem Gebiete schon eine Vorstrafe besitzt, schwachsinnig ist.
Unter Zubilligung des § 51 Absatz 2 entschied die Strafkammer auf ein Jahr Gefängnis. Gleichzeitig ordnete das Gericht an, daß der Angeklagte nach Verbüßung seiner Strafe in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen wird,, damit sich die Aerzte weiter mit ihm beschäftigen können. Der 23jährige nahm sein Urteil gestern nicht an, war im übrigen jedoch geständig, so daß das Gericht von der unangenehmen Aufgabe entbunden wurde, das Kind als Zeuge zu vernehmen. wst.
Warum über Bickenbach?
Ein Wort zur Kraftfahrlinie Frankfurt—Heidelberg
Die neue Kraftfahrlinie Frankfurt— Heidelberg, welche die 85 Kilometer lange Strecke in zweiundeinviertel Stunden zurücklegt und zunächst zwei Fahrtenpaare aufweist, stellt eine willkommene Bereicherung der Verkehrsverbindungen unseres Raumes dar. Es muß indessen auffallen, daß leider die drei bedeutenden Luftkurorte Alsbach, Jugenheim und See he im an der Bergstraße nicht in die Verbindung einbezogen'worden sind. Auch nach dem Entwurf des ab 8. Oktober gültigen Winterfahrplans ist die Führung der Linie über Bickenbach geplant.
Wenn man erwägt, daß Bickenbach bereits zahlreiche gute unmittelbare Eisenbahnverbindungen mit Darmstadt, Frankfurt und Heidelberg besitzt und neuerdings sogar Übervier Eilzughalte verfügt, so muß es unverständlich erscheinen, daß die Gelegenheit, auch die verkehrsreichen durch besondere landschaftliche Schönheiten ausgezeichneten international bekannten Orte Alsbach, Jugenheim und Seeheim in den Durchgangsverkehr mit Frankfurt und Heidelberg einzubeziehen, ungenützt geblieben ist und offenbar noch weiter bleiben soll.
Der Gedanke liegt nahe, daß, wie in anderen Fällen so auch hier Erwägungen des Wettbewerbs der verschiedenen Verkehrsmittel zu^der unvollkommenen Lösung geführt haben. Das allgemeine Wohl erfordert, was klar und grundsätzlich betont werden muß, daß solche Regelungen gemäß den wohlverstandenen Interessen der Verkehrsnützer getroffen werden. Wenn dringende Gründe dafür sprechen, die neue Verbindung über Orte zu führen, denen infolge der für sie wenig günstigen Linienführung der Eisenbahn der direkte Anschluß an die großen Verkehrszentren bisher versagt geblieben ist so müssen Rücksichten auf andere Verkehrsunternehmer zum allgemeinen Vorteil zurückgestellt werden.
So ist dringend zu wünschen, daß die Kraftfahrlinie Frankfurt—Heidelberg der Bundesbahn zum Beginn des Winterfahrplans den verkehrlich besonders wichtigen drei Bergstraßengemeinden Alsbach, Jugenheim und Seeheim endlich die unmittelbare Einbeziehung in den Verkehr mit Frankfurt und Heidelberg bringt.
Richtfest in Groß-Gerau
Am Mittwochnachmittag feierte man in Groß-Gerau das Richtfest der neuen Landwirtschaftsschule. Ein Zimmermann verlas den Richtspruch vom Dachgerüst und zertrümmerte ein Glas an dem Balken, damit die Scherben dem neuen Bau Glück bringen möchten. Architekt H a mmel von der Bauabteilung der Landwirtschaftskammer schlug sodann den letzten Nagel des Dachgerüstes ein.
Im Auftrag von Präs. Lorberg dankte der Landtagsabgeordnete und Kammervizepräsident Rupp der Groß-Gerauer Stadt- und Kreisverwaltung für die enge Zusammenarbeit. Bürgermeister Dr. Lüdecke betonte in seiner Ansprache, die Kreisstadt Groß-Gerau wolle immer eng mit der Landwirtschaft verbunden bleiben. Er freue sich, daß die Gemeindevertretung einstimmig beschlossen habe, das Grundstück sowie das Bauholz für die Landwirtschaftsschule zur Verfügung zu stellen. Sodann folgte eine Besichtigung der im Rohbau fertigen Räume. cg
Aufrnf zur Glockenspende
über den Ortsrundfunk
Ueber den Ortsrundfunk wandte sich kürzlich Bürgermeister Sehnert an die Schaafheimer Bürgerschaft und rief zur Spende für die am Sonntag, den 8. Oktober nach Schaafheim kommende neue große Glocke auf. Er dankte Vereinen und Bürgerschaft, die bei der ersten Glockenspende bereits rund 3500 DM aufgebracht hätten und wies darauf hin, daß noch ein Restbetrag von rund 3000 DM zu tilgen sei. Im Anschluß an seine Worte und am Sonntagmorgen erklangen die Schaafheimer Kirchenglocken zu einem längeren Geläut, an das sich ein Turmsingen des Jugendchors von der Altane des Kirchturmes aus anschloß. Zusammen mit der neuen, großen Glocke wird das Schaafheimer Geläut wieder vollständig und, wie in früheren Zeiten, ein besonderer Stolz der Schaafheimer sein. io
Zweite Heimatkunde-Tagung
des Breubergbundes in Neustadt
Am 14. und 15. Oktober findet in Neustadt /Odw. die zweite heimatkundliche Tagung des Breubergbundes statt. Während die erste Tagung hauptsächlich den Problemen der ehemaligen Herrschaft Breuberg gewidmet war, wurde der Rahmen dieser zweiten Tagung wesentlich weiter gespannt. Ihre Eröffnung findet am Samstag, 4. Oktober, um 9.30 Uhr. im Gasthaus „Zum Ochsen“ statt. Dort wird Studienrat Hallstein, Sandbach, über den Breuberger Atlas aus dem Jahre 1757 sprechen. Lehrer Häns 1 e r, Rai-Breitenbach, hat sich zurti Thema seines Referates die „Flurnamen der Gemarkung Rai-Breitenbach“ gewählt, während Studienrat Dr. Weber, Groß-Bieberau, über die Erforschung alter Straßen im Odenwald berichtet.
Um 14 Uhr erfolgt die Eröffnung der Ausstellung, die umfassendes Material zu den einzelnen Referaten und einen Ausschnitt aus den Schülerarbeiten der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft des Realgymnasiums Groß-Bieberau bringen wird. U. a wird auch eine ganze Anzahl von Originaltrachten aus dem Odenwald und eine Reihe von
Drucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu sehen sein.
Anschließend wird Denkmalspfleger Dr. ’Mülülüeürü, Seligenstadt, über die Bautätigkeit Einharts in Steinbach und Seligenstadt berichten. Kirchliche Jugenderziehung in der Herrschaft Breuberg, dargestellt an Hand von Kirchen- und Schulordnungen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert ist das Thema von Pfarrer Lic. Dr. Steitz. Mainz-Bischofsheim. Uebe die Michelstadter Kirchenbibliothek wird Dr. Röder, Fürstenau, berichten. Lehrer Hö eth, M.- Cumbach spricht über die Mediatisierung der Odenwälder Kleinstaaten, und Bodendenkmalpfleger Dr. J o r n s, Darmstadt. über die Römerzeit im Odenwald. Letzteres Referat dient als Einlitung zu der am zweiten Tage stattfindenden Exkursion zum Limes, die unter Leitung von Dr. Jorns und Studienrat Dr. Weber steht. Der Samstag wird von einem öffentlichen Lichtbildervortrag von Studienrat Lic. Dr. von der Au, Darmstadt, beschlossen, dem das Thema: „Die Odenwälder Tracht — ihre Geschichte und Entfaltung“ zugrunde liegt. DT
Berufskundliche Unterweisung
der Volksschüler im Kreis Dieburg
Das Kreisschulamt Dieburg hat die dankenswerte Anregung gegeben, für den heu eingeführten berufskundlichen Velksschulunterricht, der den Berufsschullehrern übertragen wird, Werkzeuge und Geräte zu beschaffen. In der Tat erscheint der Unterricht nur dann sinnvoll, wenn die theoretische Unterweisung von praktischer Anschauung und vom Gebrauch des Werkzeuges begleitet wird. So würden den Schülern praktische Kenntnisse von Werkzeugen allgemein und für die einzelnen Berufszweige vermittelt und für die Berufswahl wichtige Anregungen gegeben werden.
Dr. Stein in Dieburg
Sonntag, den 8. Oktober d. J. wird Kultusminister Dr. Erwin Stein bei der Abschlußfeier der Musischen Woche über das Thema: „Die geistige und sittliche Bedeutung der Jugend- und Volkstumspflege“ sprechen. Die Veranstaltung, die uin 13.30 Uhr beginnt, findet in der „Ludwigshalle“ bei freiem Zutritt statt. Ortsansässige und heimatvertriebene Jugend bringen Ausschnitte aus ihrer kulturellen Arbeit.
Nene Rot-Kreuz-Station
in Lampertheim
Die in Selbsthilfe fertiggestellten, schön eingerichteten Räume der neuen Lampertheimer Rot-Kreuz-Station wurden nunmehr von Bürgermeister G ü n - der ot h der Lampertheimer Bereitschaft übergeben. In einer kurzen Ansprache würdigte der Bürgermeister die seitherigen Verdienste des Roten Kreuzes in Lampertheim, dessen opferwilligen Einsatz er besonders lobend erwähnte. Bereitschaftsleiter Klotz dankte für die Unterstützung der Gemeinde und sicherte auch weiterhin den selbstlosen Einsatz der RK-Bereitschaft in allen Fällen zu. bb.
SPD auf Kandidatensuche
Am Sonntag beginnt um 9 Uhr im Groß-Gerauer Adlersaal eine Kreisdelegierten-Tagung der SPD, wobei man den Kandidaten für die kommenden Landtagswahlen festlegen will. Regierungspräsident Arn ou 1 wird vor den Versammelten über das neue Wahlgesetz und die Tätigkeit der SPD in der abgelaufenen Legislaturperiode referieren. (cg)
Versammlungen? Ja!
Aber erst nach der Arbeit!
Trotz verschiedener Versprachen von Mr. Ouverson, dem Resident Office^ des Kreises Erbach, fand in Hiltersklingen bisher noch keine Bürgerversammlung statt. Versammlungen steht man in Hiltersklingen etwas skeptisch gegenüber; erst wenn die Herbstarbeiten der Bauern beendet sind, soll auch hier die erste Bürgerversammlung sein. ptoo.
Der SPORT
Wunsch der Turner
B.G. Die Turner wollen nicht nur noch vor der Proklamierung einer Deutschen Sport-Union die Kompetenzen geklärt wissen, sie wünschen für die künftige Dachorganisation von Turnen und Sport auch einen anderen Namen. Die alte Spitzenorganisation hat den Namen Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen getragen, und wenn auch später vor die Abkürzung DRL noch die beiden Buchstaben NS gesetzt worden sind, so hat dies nach Ansicht der Turner der wir uns ohne Zögern anschließen dem Begriff Leibesübungen nichts geschadet. Man muß den Wunsch der Turner würdigen. Mag auch der Laie Turnen, Sf>iel und Sport in einen Topf tun und das Ganze ungeniert Sport nennen/ für den Turner stehen diese Dinge scharf getrennt nebeneinander. Gegen seine Ansicht gibt es auch keinen begründeten Widerspruch. Tradition und Begriffstreue halten ihn dazu an, sich gegen die Absicht zu wehren, das Turnen in dem gleichmachenden und zumindest ungenauen Sammelbegriff „Sport“ untergehen zu lassen.
Soweit kann man also — bei gutem Willen ■— den Turnern folgen. Gegen den Namen Leibesübungen aber sträuben auch wir uns. Er dünkt" uns allzu hölzern und häßlich. Hinzu kommt die Frage, ob wenn nicht das Schuhputzen, jegliche Art von Arbeit und manche andere Tätigkeit gleichfalls eine Leibesübung sei... Will man schließlich auch einen Gegensatz zu „Hebungen der Seele und des Geistes?“
Es mag töricht scheinen, sich mit Ueberlegungen solcher Art zu plagen. Immerhin stehen wir aber vor der Namensgebung für eine Organisation, der Millionen Mitglieder angehören werden und die mit ihrer Firmenbezeichnung auch im Ausland auftreten soll. Da dünkt uns eine andere Lösung annehmbarer zu sein; wenn die Turner bei ihrem Widerstand verharren wollen, dann sollte man die künftige Dachorganisation unter einem Namen auftreten lassen der beide Begriffe in sich vereinigt, dann also — in Gottes Namen — „Deutscher Turn- und Sportbund“.
Schon 17 Sonderzüge
Zum Länderspiel Deutschland—Schweiz
Die Geschäftsstelle des Deutschen Fußball-Bundes teilt mit: Eine Verteilung von Eintrittskarten zum Länderspiel gegen die Schweiz am 22. November (Buß- und Bettag) durch den Deutschen Fußball-Bund direkt findet nicht statt. Grundsätzlich gehen alle Bestellungen über die zuständigen Landes-Fußballverbände (nicht Regionalverbände). Reisebüros und Reisegesellschaften müssen Eintrittskarten ebenfalls über die Verbände beziehen.
Folgende Eintrittspreise wurden festgelegt: Stehplatz: Kurve 1,50 DM, Stehplatz: Mitte 2,00 DM, Geländesitzplatz: 3,00 DM, Vortribüne 4,00 DM, Gegentribüne: 5,00 DM, Sondertribüne: 6,00 DM, Haupttribüne: 7,00 DM, Schüler und Studenten (mit Ausweis) 0,50 DM. Kriegsbeschädigte zahlen auf den für sie vorgesehenen Plätzen halbe Preise.
17 Sonderzüge sind bereits in Stuttgart angemeldet worden, und zwar aus Mainz (3), Mannheim, Karlsruhe, Würzburg, Aalen, Ulm, Tübingen, Nürnberg, Augsburg, München, Hannover (2), Hamburg und Dortmund.
Französische Saalradsport-Meister in Bischofsheim
Nach dem erfolgreichen Abschneiden der Bischofsheimer Saalradsportler bei den «Länderkämpfen in der Schweiz wartet man in der Heimat darauf, das Können der Mannschaft mit eigenen Augen bewundern zu dürfen. Die Möglichkeit hierzu bietet sich nun am kommenden Sonntag (14 Uhr), wo im Saalbau Srocka kein Geringerer als der französische Meister im Einer-Kunstfahren und Sechser-Kunstreigen, der RV Straßburg-Cronenburg, sowie die Zweier-Radballmannschaft des RV Straßburg-Bischheim, die hinter der Schweiz den zweiten Platz bei den Weltmeisterschaften belegte, sich vorstellen werden. Gegner der französischen Meistermannschaften sind im Sechser-Kunstreigen die deutsche Meistermannschaft des RV Bischofsheim und im Einerkunstfahren Karl Walther vom RV Bischofsheim. Im Zweier-Radball sind als Gegner der Straßburger Lucan/Anderlohr von „Wanderlust“ Frankfurt und Eidt/Rothengatter (Rüsselsheim) am Start. Man darf ein Programm erwarten, das besten Saalsport bringen wird.
Deutschland —Amerika im Gewicht¬ heben
Die amerikanische Gewichtheber-Nationalmannschaft, die als stärkste Staffel der Welt gilt, wird nach den Weltmeisterschaften (vom 13. bis 15. Oktober in Paris) zu drei Kämpfen gegen deutsche Auswahlmannschaften antreten. Am 20. Oktober wird der erste Kampf in München stattfinden. Am 21. Oktober steigt der zweite Kampf in Stuttgart-Fellbach. Der dritte Start der Amerikaner ist für Kaiserslautern vorgesehen.
Kurz aber interessant
Der „Tour-de-France"-Sieger Ferdi Kübler (Schweiz) gewann in Tarbes (Frankreich) ein 100-km-Rundstreckenrennen im Endspurt gegen Gino Bartall (Italien) und Jan Goldschmit (Luxemburg). *
Auf der nächsten Tagung der deutschen Toto-Gesellschaften am 24-/25. Oktober in Hannover soll auch die Frage entschieden werden, ob zukünftig wieder Eigenheim-Verlosungen stattfinden. «
Die Leitung der Pariser Winterbahn wird in Zukunft wieder deutsche Rennfahrer verpflichten; den ersten Vertrag erhielt bereits Ex-Stehermeister Walter Lohmann für den 15. Oktober. *
Der deutsche Mittelgewichtsmeister Peter Müller (Köln) soll am 11. Oktober in Frankfurt (Main) gegen einen noch nicht bekannten Gegner antreten. • I
Olympiasieger Rudi Ismayr ist dem neuen deutschen Mannschaftsmeister im Gewichtheben, München 1850, beigetreten.
98er Leichtathleten in Kreuznach
Beim internationalen Leichtathletiksportfest in Kreuznach waren die Spitzenkönner fast aller Disziplinen am Start. Neben 20 deutschen Meistern und Meisterinnen waren 12 schwedische Meister erschienen, deren Namen größtenteils unter den ersten der Welt- und Europa-Rangliste zu finden sind. Daß die Kämpfer des SV 98 bei dieser starken Konkurrenz einen sehr schweren Stand haben würden, war vorauszusehen. Um so erfreulicher war es, daß sie vier dritte, drei vierte und fünf fünfte Plätze belegten konnten, obwohl einige ihre besten Leute fehlten. Braun wurde als' B-Jugendlicher Dritter im 100-Meter-Lauf der A-Jugend in 12,2 Sekunden. In der 4XIOO - Meter - Staffel der weiblichen Jugend belegte die erste und zweite Mannschaft den vierten und fünften Platz vor Eintracht Wiesbaden und Saar Saarbrücken. Koop wurde im 800- Meter-Lauf in seiner persönlichen Bestzeit von 2.02,2 Fünfter. Cleve. Preußen Krefeld, gewann über diese Strecke in 1.55,5 vor Bonat (Werder Bremen), Eckfeld (Schweden) und Hochscheid (Rot-Weiß Oberhausen). Pfeffer sprang trotz Verletzung 1,75 Meter hoch, und nur fünf Zentimeter trennten ihn von dem Sieger Naumann (1888 Frankfurt) und Nordquist (Schweden) mit je 1,80 Meter sowie Koppenrath (1910 Krefeld) mit 1,77 Meter. Im Dreisprung belegten Pfeffer und Reinhard mit Weiten von 13,70 bzw. 12,80 Meter den dritten und vierten Platz. Hill wurde im Speerwerfen mit einem Wurf von 40,82 Meter Dritter hinter Bengtsson (Schweden), der 64,02 Meter erreichte. Mgr.
Darmstädter Tenniserfolge
FC Gelnhausen—SV 98 2:9 (Herren) TTC Wächtersbach—SV 98 3:9 (Damen)
Am Wochenende konnten die Lilienträger klare Erfolge buchen. So konnten die Herren ihr erstes Verbandsspiel in der obersten SpielklaSse klar zu ihren Gunsten entscheiden. Beim Neuling Gelnhausen wurde klarer als erwartet ein hoher Sieg herausgespielt, der noch höher geworden wäre, wenn die Gäste nicht nur mit fünf Mann gespielt hätten. In sämtlichen Spielen waren die Darmstädter ihren Gegnern überlegen. Besonders gefiel bei den Einzelspielen Römer (98), der nach einem Rückstand noch das Spiel gewinnen konnte. Die Mannschaft der Lilien trat in der Besetzung Hardt, Kappel, Hartmann, Römer und Lutz an. Außer Kappes, der ein Einzelspiel verlor, gingen sämtliche Einzel und Doppel an die Gäste.
Die Lilienträgerinnen sind auch in diesem Jahre wiederum mit der spielstarken Mannschaft der Eintracht Frankfurt nicht zu schlagen. In Wächtersbach wurde ein hoher Sieg errungen. Holzapfel, Nungesser, Römer und Nangot konnten beide Einzelspiele gewinnen, während ein Doppel und ein Einzel von FrL Guyot sowie die beiden EinzeLvon Frl. Pommer an die Gastgeber gingen. Da beim Stand von 9:3 das Spiel bereits entschieden war, werden die anderen Begegnungen nicht mehr berücksichtigt.
In der Landesliga-Süd II konnte die zweite Mannschaft des SV 98 in Auerbach einen knappen 9:7-Erfolg erringen.
In der Bezirksklasse unterlag die SG Arheilgen der spielstarken Mannschaft von 1875 Darmstadt mit 9:7. Mit dem gleichen Ergebnis gewann TSV Pfungstadt über die SKG Jugenheim. Ku.
Die Ringer nach vier Kampftagen
Hessische Oberliga
1. Germania Dettingen 7:3 2. SG Eckenheiim 6:2 3. Eiche Hanau 5:3 4. Germania Hösbach 4:4 5. Vorwärts Groß-Zimmern 3:5 6. ASV 86 Frankfurt 3:5 7. SV Darmstadt 1898 2:8
Hessische Landesliga, Gruppe I
1. Darmstadt 1910 8:2 2. KSV Neu-Isenburg 7:3 3. SKG Sprendlingen 6:2 4. Mainz-Kostheim 4:4 5. SKG Ober-Ramstadt 3:5 6. SG Arhedlgen 2:6 7. Athtetia Wiesbaden 0:8 -eri¬
In beiden Ligen sind noch zwei Kampftage bis zur Beendigung der Vorschlußrunde erforderlich. Die Oberliga hat in dem Neuling Dettingen einen starken Gegner erhalten, der im Kampf um die Tabellenführung als einzigster Verein in den letzten Jahren den deutschen Vizemedster SG Eckenheim besiegen konnte. Am Tabellenende wird es ein erbittertes Rjngen um den Abstieg geben. Bekanntlich steigt in jeder Klasse ein Verein ab. In diesem Jahr dürfte die Entscheidung zwischen Darmstadt 98, Groß-Zimmern und ASV Frankfurt liegen.
In der Landesliga Gruppe I hat sich dne junge Mannschaft von Darmstadt 1910 an die Tabellenspitze gesetzt, dicht gefolgt von den Mannschaften der SKG Sprendlingen und KSV Neu-Isenburg, dae beide erst eine Niederlage aufweisen. Der kommende Kampftag wird hier aber schon eine Vorentscheidung bringen. -eri- «
Die Tennisjunioren des TEC haben am Donnerstag und Freitag die Junioren des THC Hanau zu Gast.
TEC Junioren erfolgreich
Die TEC Junioren gewannen am Sonntag ihr Freundschaftsspiel gegen den TC Bad Soden. Bis auf ein Mixed, das beim Stande von 5:5 im 1. Satz abgebrochen werden mußte, wurden alle Spiele diunchgefühFt. Jayme, an erster Stelle, gewann »gegen Reiser 7:5, 6:0. Auch Wittmann, Müller, Meinert, Wittich und Koch, der zum 1. Male in der Mannschaft spielte und die Juniorinnen Jayme, Müll er-Dönges und Oechler konnten ihre Einzel gewinnen. Im Doppel blieben nur Geiß-Wittich und Jayme-Meinert siegreich. Frl. Jayme-Wittich und Frl. Oechler Jayme konnten auch im Mixed ihren Punkt erringen. Das Gesamtergebnis war 13:6. Die Mädchen des KSV Hessen Kassel traten am Sonntag in Frankfurt wegen des unsicheren Wetters nicht gegen die Mädchen des TEC an. gw.
Neue Kanumeister der TSG 46
Am Sonntag führte die Paddelabteiiung ihre ersten internen Wettkämpfe nach dem Krieg durch. Zweck der Veranstaltung war, eine Uebersicht über die Kräfte zu bekommen, welche für die Wiederaufnahme des Rennbetriebs im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Trotz Regen und böigem Wind lieferten siich die Schüler und Jugendlichen, aber auch die Altersklassen, erbitterte Rennen. Nachstehend die Ergebnisse:
Einer-Faltboot, 500 m: Schüler: 1. J. Rothmann, 2. H. Schmidt, 3. W. Rothmann; B-Jugend: 1. H. Fischer, 2. H. Breuer; B-Jugend, weiblich: 1. E. Ihl; A-Jugend: 1. H. Ruge, 2. M. Jäger; Aktive: 1. R. Ruge; Altersklasse: 1. A. Breuer; Altersklasse, weiblich: 1. A. Trumpf heller.
Zweierkajak, 500 m: Schüler: 1. J. Rothmann-Schmidt; B-Jugend: H. Fischer-Hof; A-Jugend: Schäfer-H. Ruge; Altersklasse: Ph. Rechel-G. Hergt; Gemischt (Damen und Herren): 1. R. Ruge-Mugler; 2. Gg. Hergt-G., Rechel. hgt,
RSC Darmstadt Turniersieger
Am vergangenen Sonntag kam die Rollsportjugend auf der herrlichen Rollschuhbahn hinter dem Orpheum ganz zu ihrem Recht. In einem Jugendrollhockeyturnier spielten die Mannschaften aus Frankfurt, Langen und Darmstadt den gestifteten Wanderpreis aus. Die schönen und durchaus fairen Spiele erreichten schon ein beachtliches Niveau. Die 1. Jugendmannschaft des RSC Darmstadt mit Keil, Spielberger, Frommann, Luley und Bölz konnte ungeschlagen als Sieger hervorgehen. Den 2. Platz belegte Frankfurt vor RSC Darmstadt 11. Dieses Turnier wurde von sämtlichen jugendlichen Kunstläuferinnen des RSC umrahmt, so daß die Zuschauer ein volles Jugendprogramm zu sehen bekamen. Die einzelnen Ergebnisse:
RSC Darmstadt I — Frankfurt 4:2, RSC Darmstadt I — Langen 5:1, RSC Darmstadt I gegen RSC Darmstadt II 4:1, Frankfurt — Langen 1:1, Frankfurt — RSC Darmstadt II 3:2, RSC Darmstadt II — Langen 2:0.
Altersturner trafen sich
Zum ersten Altersturnertreffen rief der Vorsitzende des Turnkreises Darmstadt, Philipp Matthes, auf. Es war kein großes Fest mit wohlvorbereiteten Vorführungen, sondern eine Zusammenkunft der Altersturner, die unter sich einmal die turnerischen Belange ihrer Altersstufen besprechen wollten. Nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden und einem regen Gedankenaustausch entwickelte sich über die künftige Arbeit der Altersturner eine lebhafte Diskussion, die zum Ergebnis hatte, daß dieser Zweig des deutschen Turnens in unserem Kreisgebiet eine weit größere Pflege erfahren soll. Alterstumwart Wilh. Kunz, Darmstadt, wurde, daher beauftragt, für die nächste Zusammenkunft am 3. Dezember in der Turnhalle der Bessunger Knabenschule schon den Uebungsstoff für das Turnen der Alten beim nächstjährigen Kreis-Turn- und Sportfest vorzubereiten.
„Es war schön“, sagte ein Turner über 70 Jahre, und auch alle anderen gingen befriedigt über das erste Zusammentreffen auseinander. kof.
Anleitung zum Flugmodellbhau
Heute, Donnerstag, 5. Oktober, ab 18 Uhr, und Samstag, 7. Oktober, ab 13 Uhr, können sich Jugendliche und Erwachsene in der neuen Flugmodellbau-Werkstatt im GYA-Haus, Fichtestraße, zum Bauen von Flugmodellen anmelden. Die Modellflugabteilung der Segelfluggruppe Darmstadt wird dort Anfänger und Fortgeschrittene beim Bauen anleiten, wozu besonders die Jugend Darmstadts eingeladen ist.
meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Pfungstadt. — Der Boxerrüde von Heinrich Zeller wurde auf der Hundeschau in Karlsruhe mit der Note V 2 bewertet, bei der starken Konkurrenz ein schöner Erfolg. ler
Nieder-Ramsf'’df. — Eine gemeinsame Gebu- fstagsfe:er begeben die jetzt 40- jäh i en ehema’igen Schüler utü Schülerinnen des Jahrgangs 1910 am kommenden Samstag im Saale Knapp, (her)
Jugenheim. — Der Männergesangver¬ ein gibt am Samstag im Hotel „Goldene Krone“ einen Familienabend mit Konzert und Tanz. hl
DIEBURG
Dieburg. — Der Sportklub „Hassia" hält am Samstag in der „Ludwigshalle“ einen Familienabend ab, der mit einer Ehrung der 1. Mannschaft des Vereins verbunden ist. rfd
Fränkisch-Crumbach. — Am Sonntag findet die diesiährige Hauptversammlung des Kreisverbandes der Feuerwehren des Landkreises Dieburg um 13.30 Uhr im Gasthaus „Zur Traube“ statt, rfd
SchaafheiAi. — Bei der Hühner- und Taubenausstellung des Kleintierzuchtvereins wurden 15 verschiedene Hühnerrassen und Tauben zur Schau gestellt. Zahlreiche der über 100 Ausstellungsexemplare konnten mit „Sehr gut“ ausgezeichnet werden. Da der Verein noch im Aufbau ist, stellten die Mitglieder die auf Geldprämien verzichteten, den eingesparten Betrag für weitere Anschaffungen zur Verfügung. io
Schaafheim. Auf dem Landgut Häuser Hof würde von unbekannten Dieben eine größere Menge Wäsche, Kleider und Strümpfe gestohlen. EG
Klein-Umstadt. Am Nachmittag des 8. Oktober wird in der Gemeinde das Dekanats-Missionsfest der Basler Mission abgehalten. Nach der Festpredigt von Pfarrer 111 ma n n (früher in Kamerun) gibt der Chiria-Missionar Engel den Missionsbericht. se.
Ober-Roden. In der Wohnkolonie Waldacker nahm sich in seelischer Depression der 50 Jahre alte 1946 aus der Tschechoslowakei eingewiesene Artur Sch. das Leben durch Erhängen. Er hatte schon des öfteren Selbstmordabsichten geäußert. RG
Raibach. Der Gemeinderat genehmigte den Nachtrag des Haushaltungsplanes für 1950. — Die Fütterung des Faselviehes ist neu vergeben worden. ko
Babenhausen. — Eine Wanderung nach Dudenho en—Olerßo en unterri nmf c'er Wanderklub „Berg Auf“ am kommenden Sonntag. In ei er Mitgliederversammlung wurde beschlossen, das Dekorielungs^esf, verbunden mit einem Theaterabend, am 11. November abzuhalten. NB.
ERBACH
Erbach. - Nach Abschluß der Filmwoche wird das hiesige Lichtspieltheater einen räumlichen Umbau erfahien. So soll der Vorführsaal Dämmplatten zur Ver e erung der Akustik erhalten.. Weitere Ver-Fes.e ungen hängen von einer Umfrage ab, die zur Zeit unter den Theaterbesuchern durchgeführt wird. -ch.
Sandbach. Mittels eines Großbaggers wurden die Ausschachtungsarbeiten für eine neue moderne Lagerhalle in den Veith-Gummiwerken vorgenommen. Das Gebäude wird in Stahlbetonbau errichtet. / hm.
Neickarsfeinach. Eine wesentliche Verbesserung erfährt zur Zeit die enge und nicht ungefährliche Ortsdurchfahrt durch Beseitigung der beiden Straßeniinr.en und Begradigung der Sfraßenwölbung.
BERGSTRASSE
Lorsch. — Der Heimat- und Kulturverein hält am Freitag seine Generalversammlung ab. — Für 14. und 15. Oktobet hat der Vogelfreunde- und Vogelschutzverein eine Vogelausstellung vorgesehen. bl
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. — Zu ihrer letzten Uebung vor der Inspektion tritt die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag an. — Der Frauenarbeitsring hat seine nächste Sitzung auf den 12. Oktober verlegt.
Groß-Gerau. Das Amtsgebäude des Landrats in Groß-Gerau, Darmstädter Straße, wird zur Zeit neu verputzt.
Groß-Gerau. Mitte Oktober wird Bürgermeister Dr. Lüdecke in einer öffentlichen Gemei deve.treter-Si zung über den Stand der Verhandlungen mit der Baugenossenschaft „Ried“ berichten; die Stadtverwaltung hat die Absicht, durch die Baugenossenschaft 60 Wohnungen an der Klein-Gerauer Straße errichten zu lassen. cg
Groß-Gerau. Der Arbeitsring für Erwachsenenbildung des Kreises erhielt von dem Schwalbacher Arbeitskreis die Einladung, ein Mitglied zu einem Kurs für Erwachsenenbildung nach dem Haüs Schwalbach zu entsenden. Schwester Lotte Bär, Groß-Gerau, wurde hierfür ausersehen. cg
Crumstadt. Am kommenden Samstag um 20 Uhr wird in der hiesigen Turnhalle ein Kunstturnwettkampf zwischen den Kreisen Kinzig und Groß-Gerau ausgetragen. , prs.
Gernsheim. Auf dem letzten Film-Jugendforum im Zeichensaal des Realgymnasiums wurde beschlossen, die Vorarbeiten zur Gründung eines Stadtjugendringes in Angriff zu nehmen, pe
Biblis. — Das EWR in Worms beginnt zur Zeit einem Antrag der Forstverwalfung Bensheim zufolge, mit dem Bau einer Lichf'eitung für das Forsthaus Jägersburg. Die Kosten für den Bau der Lichtleitung betragen etwa 15 000 DM. -MW¬
Seeheim erhält wieder Wohnungskommission
Rechenfehler „von einigen hundert Mark“ im Angebot für Rohrverlegungsarbeiten
Die letzte Seeheimer Gemeinderatssitzung beschäftigte sich u. a. mit den Kostenvoranschlägen und der Vergebung der Rohrgraben- und Rohrverlegungsarbeiten.
Die Grabenarbeiten wurden der Arbeitsgemeinschaft Eisinger-Weicker (Seeheim) übertragen. Die Angebote über die Rohrverlegungsarbeiten wurden wieder an das Wasserwirtschaftsamt zurückgegeben, weil in einem Angebot*ein Rechenfehler von einigen hundert Mark festgestellt wurde.
Ein Antrag, den Wohnraum in Seeheim neu zu erfassen, führte zu einer äußerst scharfen Kritik des Wohnraumerfassungsgesetzes. Gemeinderat Michels setzte sich entschieden für die Wiederbildüng der Wohnungskommission ein. Es ist nicht angängig, so war die Meinung einiger Gemeindevertreter, der Wohnungskommission nur eine beratende Funktion zu geben, während es dem Bürgermeister mit den Gesetzesbestimmungen an Hand gegeben ist, die ganze mühevolle Arbeit der Wohnungskommssion illusorisch zu machen. Eine Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Wohnungskommission sei erstes Erfordernis für eine reibungslose Funktion beider Teile. Dem Antrag des stellvertretenden Bürgermeisters Daum, aus den einzelnen Fraktionsmitgliedern eine Wohnungskommission zu bilden, wurde zugestimmt.
Wegen des Ankaufs eines Privatweges beschloß der Gemeinderat, die Straße — es handelt sich um ca. 600 bis 700 qm — zum Preise von 50 Pfennig pro Quadratmeter zu kaufen, jedoch erst im Grundbuch festzustellen, wer der rechtmäßige Besitzer der Straße ist. Dem Antrag der HEAG, die Bahnhofstraße mit Oberflächenteerung zu versehen, wurde in Erwägung gezogen.
Betrunkener Kraftfahrer
Das „Lieschen“ konnte nicht mehr fahren
Am Südausgang von Reinheim ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall.
Der Fuhrunternehmer W. M. aus Dieburg hatte mit seinem Lastzug den Bahnübergang nach Groß-Bieberau etwa 150 Meter außerhalb Reinheims überquert, als ihm ein Personenkraftwagen entgegenkam, dessen Fahrer beim Herannahen stark bremste. Sein Wagen kam dadurch von der Fahrbahn ab auf den angrenzenden, durch vorhergegangenen Regen stark aufgeweichten Radweg und geriet so stark ins Schleudern, daß er sich mehrere Male um seine Längsachse drehte und mit seiner rechten Seite gegen den Lastzug geschleudert wurde. Dabei wurde dessen Steuerschubstange abgerissen und die Vorderräder so stark zur Seite gedrückt, daß der Fernlaster nach links fuhr und querstehend auf den Grünstreifen zwischen Fahrbahn und den Bahnkörper der Strecke Reinheim —Reichelsheim geriet. Er rannte dabei einen Telefonmast um. Der Bahnverkehr wurde für längere Zeit unterbrochen. Einen wenig später herannahenden Personenzug konnte ein aufmerksamer Eisenbahner noch aufhalten, ehe er an die Unfallstelle kam. Bei dem Personenwagen wurden die beiden rechten Kotflügel, ein Vorderrad und der hintere Teil der Karosserie abgerissen.
Bei den von der Gendarmerie alsbald angestellten Ermittlungen stellte sich heraus, daß es sich bei dem Fahrer des Personenkraftwagens um den Händler Georg Brehm aus Reinheim handelt, der betrunken war.
= Nach kurzer schwerer Krankheit ist heute mein treusorgender Mann, unser innigstgeliebter Vater, Bruder, Großvater, Schwiegervater und Schwager, Herr Johannes Löhr Kaufmann im 71 Lebensjahr wohlvorbereitet in die Ewigkeit eingegangen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Maria Löhr geb. Joerg Else Lehn geb. Löhr Dr. Walter Löhr Darmstadt, den 3. Oktober 1950 Gabelsbergerstraße 28 Die Beisetzung findet in aller Stille statt. Das Requiem ist am Montag, dem 9. Oktober, 8 Uhr, in der Kapelle von St. Ludwig, Nieder-Ramstädter Straße 30. / Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen.
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Amtliche Bekanntmachungen Bekanntmachung Die in der Stadtverordnetenversammlung vom 28. September 1950 beschlossenen Fluchtlinienpläne und Bebauungspläne für: 1. Gebiet zwischen Eschollbrücker Straße — Bessunger Straße — Donnersbergring und Kattreinstraße, 2. Abänderung der Passage zwischen Ludwigstraße und Ernst- Ludwig-Straße, 3. die verlängerte Schleiermacherstraße in dem Baublock Luisen¬ straße — Obere Rheinstraße — Friedensplatz und Zeughaus¬ straße liegen bei der Stadtbauverwaltung, Abteilung Stadtplanung, Bessunger Straße 125, Zimmer 205, vom 7. bis 25. Oktober 1950, zur Einsicht offen. Einwendungen sind in der genannten Frist schriftlich bei der Sta ltbauverwaltung zu erheben, Darmstadt, den 4. Oktober 1950 Stadt Darmstadt — Stadtbauverwaltung Ungültigkeitserklärung Der Wandergewerbeschein „B" Nr. 52/50 des Paul Schwarz, ge¬ boren am 2. Juli 1904, wohnhaft in Seeheim a. d. 8., Schlo߬ straße 1, ausgestellt am 3. April 1950 vom Landrat des Land¬ kreises Darmstadt, ist verlorengegangen und wird hiermit für ungültig erklärt. Darmstadt, den 25. September 1950 Der Landrat des Landkreises Darmstadt — Ordnungsamt I. V.: gez.: Schön Arbeits Vergebung Die Gemeinde Nieder-Ranistadt vergibt die schlüsselfertige Her¬ stellung eines Wohnblocks mit 6 Wohnungen. Angebotsunterlagen nebst Plänen können auf der Bürgermeisterei, Zimmer 1, ein¬ gesehen werden und sind gegen Erstattung des Selbstkostenpreises zu haben. Preisangebote sind bis Dienstag, den 10. Oktober 1950, vormittags 11.00 Uhr. bei der Bürgermeisterei einzureichen, woselbst zum gleichen Termin die Öffnung in Gegenwart der Bieter erfolgt. Nieder-Ramstadt, den 3. Oktober 1950 Der Bürgermeister: Keil
DIE CHRISTENGEMEINSCHAFT Herdweg 51 Drei öffentliche Vorträge 7., 11.. 14. Oktober 1950,19.30 Uhr Alfred Schütze, Frankfurt: „Vom Wesen des Kultus" Matthäus Reisch, Darmstadt: „Von Wort und Geist der Offenbarung" Reinhard Wagner, Mainz: „Mensch sein zwischen Osten u. Westen"
Heute Orangerie. 19.30 Uhr (C/2). Vorstellungsänderunß „Maß für Maß'*
II AI 0 A M Des Jahres sensationellstes Filmwerk! U rl I V II Der Korda-Film Staatsgeheimnis • mit Douglas Fairbanks jr., Glynis Johns, Walter Rilla, Jack Hawkins, Karl Stepanek und anderen Ein Film ohne Beispiel, nach einem Drehbuch des Lebens mit einzigartigem Inhalt im Anfang: 13.45, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr nur 33 13 Vorverkauf ab 11.00 Uhr 1 U A I I 1 Zur Woche des deutschen Films lIIAL Iß den ersten neuen deutschen Farbfilm Schwarzwaldmädel e® mit Paul Hörbiger, Sonja Ziemann, Rudolf Prack, Lucie Englisch, Hans Richter,. Gretl Schörg, Fritz Kampers und Lydia Velcht mit ihrer Eisrevue. Das große deutsche Filmerelgnlsl Anfang: 14.00, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr Sie sehen und erleben den einzigen Film von der DEUTSCHLANDRUNDFAHRT 1950 „Helden der Landstraße" - morgen 22.45 Ruf 33 90 (Nachtvorstell.) u. Sonntag vorm. 11 Uhr Vorverkauf hat begonnen BELIDA Im Tempel der Venus mit Willy Birgel, Olga Tschechowa u, a. Im Beiprogramm: Katholikentag in Altötting/Passau Ruf 3 95 Anfang: 13.45 • 16.00 -18.15 -20.30 Uhr PALAST Letzter Tagl Der neue deutsche große Zirkusfilm o 1-2-3 Corona Ruf 22 40 Anfang; 13.45 -16.00 -18.15 - 20.30 Uhr HANSA „, zeigt in Erstaufführung Ditte - ein Menschenkind Fin Film von Wucht und Zartheit, der die Tiefen des menschlichen Herzens berührt. _ . Anfangszeiten: 14.00 - 16.00 - 18.15 Rüf 31 79 20.30 Uhr