Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag -DaS^ ERICH DOMBROWSKI. D a r m s?a aV* Tagblatt L. C. Wittich, Er sc hei nV* ^heJnstraße 23. Telefon 3925. erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nr. 82 sefftfd)e Jieuefie Tia^ric^fen Mittwoch, 4. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25 Bezugspreis: 2,90 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Gespannte Lage erfordert in aller Kürze eine mobile Polizei

Bonn, 3. Oktober. (dpa/AP.) Die Bundesregierung ist in den Besitz kommunistischer Geheim-Dokumente gelangt, aus denen der Umfang beabsichtigter Terror-Versuche hervorgeht. Bei dieser gespannten Lage wünscht die Bundesregierung, daß die 30 000 Mann starke mobile Polizei so schnell wie möglich aufgestellt und die Länderpolizei reorganisiert wird.

Als Ergebnis der Polizeiverhandlungen wird erwartet, daß die mobile Polizei den Ländern unterstellt werden soll, jedoch einem der Bundesregierung beigegebenen Generalinspekteur besondere Vollmachten für Ausbildung, Ausrüstung und Einsatz übertragen werden. Wie die finanziellen Mittel für diese Polizei aufgebracht werden, ist noch nicht geklärt. Auf keinen Fall sollen nach einer Mitteilung des Bundeskanzleramtes die gesamten Kosten von den Ländern allein übernommen werden.

Sabotage-Akte

In den kommunistischen Geheimplänen, die in den Besitz der Bundesregierung gelangten, ist vorgesehen, daß vor allem im rheinisch-westfälischen Industriegebiet Sabotageakte unternommen werden sollen. Wie bereits gestern berichtet, wurde am Sonntag bereits von unbekannten Tätern zwischen den Kölner Bahnhöfen Kalk und Gremberg ein unterirdisches Kabel mit einem Beil durchschlagen und ein Stück davon entwendet. Das Kabel lag in zwei Meter Tiefe, den Tätern muß die Kabelführung bekannt gewesen sein. Als Folge dieses Diebstahls waren für kurze Zeit die elektrischen Zugsicherungen auf dem Verschiebebahnhof Gremberg, einem der größten in Westdeutschland, ausgefallen. In der Nacht zum Montag wurde auch bei Mannheim ein wichtiges Fernmeldekabel auf einer Strecke von etwa zehn Metern ausgegraben, abgehackt und mitgenommen. Die Polizei ist der Ansicht, daß es sich bei beiden Kabel-Diebstählen um kommunistische Sabotageakte handelt.

Funktionäe verhaftet

Die Hamburger Polizei hat am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft 130 führende Funktionäre der Kommunistischen Partei und der Freien Deutschen Jugend verhaftet, die sich bei den kommunistischen Ausschreitungen gegen die Hamburger Polizei am vergangenen Sonntag beteiligt haben. Nach Ansicht der Hamburger Staatsanwaltschaft ist bei den Verhafteten der Tatbestand des Aufruhrs gegeben. Erwiesener Aufruhr kann mit hohen Zuchthausstrafen geahndet werden.

7000 Sowsetzonen-Kommunisten

waren im Bundesgebiet

Düsseldorf, 3. Oktober, (dpa) In der vergangenen Woche waren etwa 7000 Kommunisten aus der sowjetzonalen Republik ins Bundesgebiet gekommen, um an den für Sonntag geplanten Störversuchen teilzunehmen. Die meisten von ihnen waren, wie die Polizei in Düsseldorf am Dienstag bekanntgab, als Angehörige von Theateroder Sportgruppen getarnt. Die meisten von diesen Kommunisten gingen jedoch, als sie das große Polizeiaufgebot sahen, wieder freiwillig in die Sowjetzone zurück. Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen am vergangenen1 Samstag und Sonntag 285 Kommunisten aus der Sowjetzone festgenommen und über die Zonengrenze abgeschoben.

Kommunistische Postzensur

Berlin, 3. Oktober, (dpa) In allen Postämtern Ost-Berlins und der Sowjetzone müssen auf Anordnung des Staatssekretärs im Sowjetzonen-Postministerium, Dr. Schroeder, jetzt deutsche Zensurstellen eingerichtet werden. Als Zensoren dürfen nur linientreue Kommunisten vorgeschlagen werden.

Ein Sicherheitspakt

Athen. 3. Oktober, (dpa) Zwischen Griechenland und der Türkei finden Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitspaktes statt. Weder Griechenland noch die Türkei gehören dem Atlantik-Pakt an. Von der nordatlantischen Paktorganisation soll jedoch angeregt worden sein, daß die Türkei, Griechenland, Italien und Jugoslawien Sicherheitsabkommen schließen sollen.

„Fürchtet Euch nicht vor der Gewalt“

Wiener Regierung ruft zum Widerstand gegen die Kommunisten auf

Wien, 3. Oktober, (dpa/AP.) Das österreichische Kabinett hat beschlossen, das kommunistische Ultimatum zur Lohn- und Preisfrage zurückzuweisen. In dem Ultimatum waren weitgehende Lohnerhöhungen gefordert worden.

Für den Fall der Ablehnung des Ultimatums haben die Kommunisten den Generalstreik angekündigt, der am Mittwoch um null Uhr beginnen soll. Die österreichische Regierung hat umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, nachdem ihr Berichte zugegangen sind, daß die Kommunisten beabsichtigen, Postämter, Bahnhöfe, Telefonvermittlungen und wichtige öffentliche Gebäude zu besetzen. Die Kommunisten werden weiter versuchen, den Eisenbahnverkehr von und nach Wien zu stören. Die Regierung hat angekündigt, daß die Feuerwehr gegen jeden, der auf Eisenbahnschienen sitze, mit ihren Spritzen vorgehen wird.

Die österreichische Polizei wird heute, Mittwoch, mit Gewehren und Stahlhelmen ausgerüstet auf den Straßen patrouillieren. Für die gesamte österreichische Polizei und Feuerwehr ist am Dienstagnachmittag um 17 Uhr höchste Alarmbereitschaft angeordnet worden. Außerdem sind Maßnahmen ergriffen worden, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung auch dann sicherzustellen, wenn die Kommunisten Eisenbahnstrekk oder Straßen unterbrechen.

Die Wiener Regierung hat zu dem Generalstreik folgenden Aufruf erlassen: „Bürger Oesterreichs, wir rufen Euch mit ernster Stimme auf, verte'digt die Freiheit Eures Landes. Fürchtet Euch nicht vor der Gewalt. Weicht nicht vor den Kommunisten zurück, jeder muß an seinem Platz sein. Keine Fabrik darf unter dem Druck ausländischer Agenten ihre Arbeit einstellen. Zerstört die illegalen Straßensperren. Werft Aufrührer aus Euren Fabriken.“ Die Regierung weist darauf hin, daß es sich nicht um einen wirtschaftlichen Streik, sondern um eine Kraftprobe der kommunistischen Aufrührer handele.

Der Aufruf schließt mit den Worten: „Oesterreichische Bürger! Zeigt Eure Tapferkeit bei der Abwehr dieses verbrecherischen Angriffs!“

Ein Generalstreik würde seine Hauptanhängerschaft in den von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten Betrieben finden, in denen rund 50 000 Arbeiter beschäftigt sind. Obwohl es den Kommunisten inzwischen gelungen ist, in den Industriezentren in der britischen Zone und in Oberösterreich in der amerikanischen Zone die Führung der Arbeiterschaft bei der gegenwärtigen Lohn-Preis-Auseinandersetzung für sich zu gewinnen, glauben unterrichtete Kreise, daß eine große Mehrheit der Arbeiter, vor allem in Mittel- und Westösterreich, weiterhin auf der Seite des von der Sozialistischen Partei beherrschten Gewerkschaftsbundes steht.

Vorstoß auf Wonsan

Weiterer Geländegewinn der südkoreanischen Truppen

Tokio, 3. Oktober. (AP./dpa/NWDR) Vorausabteilungen der südkoreanischen Armee sind am Dienstag an der Ostküste der Halbinsel über Konsan hinaus vorgestoßen und befinden sich nach den letzten Meldungen 80 Kilometer nördlich des 38. Breitengrades.

Bei dem schnellen Vorstoß der südkoreanischen Verbände wurden täglich nur etwa 50 bis 75 Gefangene gemacht. Zum Teil sind die Nachrichtenverbindungen unterbrochen, so daß das amerikanische Hauptquartier über die Kampfhandlungen nur unzureichend informiert ist. Nach dem letzten Vorstoß befinden sich die Südkoreaner nur noch 70 Kilometer von dem Industrie-Zentrum Wonsan entfernt, wo die Nordkoreaner angeblich starke Verteidigungsstellungen bezogen haben sollen. Ueber Wonsan laufen die Hauptverbindungen von der nordkoreanischen Hauptstadt Pyöngyang nach der Sowjetunion.. Der Besitz dieser Stadt würde es den Südkoreanern ermöglichen, Pyöngyang sowohl vom Süden als auch vom Osten her anzugreifen.

Neue Greueltaten

Im Südwesten von Korea steht die Säuberungsaktion kurz vor dem Abschluß. Südkoreanische Marinetruppen haben die Hafenstadt Mokpo besetzt. Vor dem Abzug hatten die Kommunisten alle südkoreanischen Gefangenen erschossen. Die genaue Zahl der Ermordeten steht jedoch noch nicht fest. Südkoreanische Offiziere erklärten, daß in Mokpo über siebentausend gefangene Südkoreaner untergebracht waren. Weiter haben überlebende Bewohner des Dorfes Chungyong an der Westküste Koreas berichtet, daß kommunistenfreundliche Dorfbewohner, die vor den vorrückenden Truppen geflüchtet waren, dort 82 Männer, Frauen und Kinder zusammengetrieben und mit Bambusspeeren niedergemetzelt hätten.

Folgen die Amerikaner nach?

Wie ein amerikanischer Stabsoffizier in Tokio berichtet, haben die Streitkräfte der Vereinten Nationen seit Beginn des Feldzuges in Korea etwa zwischen 25 000 und 35 000 Gefangene gemacht. Alliierte Flugzeuge hätten in dieser Zeit rund tausend kommunistische Panzer beschädigt oder vernichtet. Der Offizier erklärte weiter, daß die amerikanischen Streitkräfte ebenfalls den 38. Breitengrad überschreiten würden. Der einzige Grund, weshalb dies bisher noch nicht geschah, sei der, daß sie ihn noch nicht erreicht hätten. Ein amtlicher Sprecher des Hauptquartiers dagegen lehnte vor Pressevertretern eine Beantwortung der Frage ab, ob die Südkoreaner einen Befehl zum Ueberschreiten des 38. Breitengrades erhalten hätten. Er ließ den Korrespondenten die Wahl, zwischen „Befehl“, Ermächtigung, Billigung oder stillschweigender Erlaubnis.

Kolonnen aus der Mandschurei

Flugzeuge der Vereinten Nationen haben am Dienstag lange Wagenkolonnen bombardiert, die sich auf der Straße von der mandschurischen Grenze zur nordkoreanischen Hauptstadt Pyöngyang bewegten. Nach Aussagen der Piloten sollen die Kolonnen aus der bereits in der Mandschurei und damit in China liegenden Stadt Antung gekommen sein. Ein Sprecher der Luftwaffe lehnte jedoch jede Auskunft über den Herkunftsort und den Umfang der Wagenkolonnen ab.


In allen Ortschaften, durch die amerikanische Truppen bei ihrer Verfolgung der Nordkoreaner kommen, werden sie freudig von der Bevölkerung begrüßt Foto: UP
In allen Ortschaften, durch die amerikanische Truppen bei ihrer Verfolgung der Nordkoreaner kommen, werden sie freudig von der Bevölkerung begrüßt Foto: UP

Chinesen?

*** In Washington hat man der Warnung des chinesischen Außenministers Tschu En-lai, das chinesische Volk werde auf keinen Fall „eine imperialistische Aggression“ gegen seine Nachbarn dulden, keine besondere Bedeutung beigelegt. Südkoreanische Truppen haben ohne Rücksicht auf seine Warnung den Rubicon des 38. Breitengrades überschritten und von amerikanischen Stellen ist erklärt worden, auch die Truppen der Vereinten Nationen würden notfalls eingreifen, um die Reste der nordkoreanischen Streitkräfte nördlich des Breitengrades zu vernichten.

Nun liegt eine Meldung vor, wonach Flugzeuge der Vereinten Nationen lange Wagenkolonnen bombardiert haben, die sich,von der mandschurischen Stadt Antung auf die nordkoreanische Hauptstadt Yongyang bewegten. Die Frage ist nun, ob die Kolonnen ein Eingreifen Pekings in Nordkorea ankündigen.

Die Annahme, die bombardierte Wagenkolonne müsse als Vorhut chinesischer Divisionen angesehen werden, scheint verfrüht. Die Chinesen haben nach den langen Bürgerkriegen genug mit sich selbst zu tun, um sich ein neues militärisches Risiko zweimal zu überlegen Bevor das Gegenteil erwiesen ist, darf man annehmen, es handle sich um neue nordkoreanische Divisionen, die auch früher schon auf chinesischem Gebiete ausgebildet und ausgerüstet wurden. Oder aber um jene, schon öfter erwähnten Nordkoreaner, die im chinesischer. Bürgerkrieg auf der Seite Mao Tse-tungs mitkämpften und die jetzt aus der chinesischen Armee herausgezogen und als Hilfstruppen zusammengestellt worden sind.

Die nächsten Tage werden ergebt«*, ob diese Annahme richtig ist. Jedenfalls deutet Rußlands Verhalten bei den Vereinten Nationen nicht unbedingt auf eine Erweiterung des koreanischen Konfliktes hin.

Ein schwieriges Problem

Von Reinhold Zenz

Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat der amerikanische Außenminister Acheson eine programmatische Rede gehalten, in der er die Sicherung der Menschenrechte als erstes Gebot bezeichnete. Er führte dabei aus, für die Amerikaner bedeute Frieden mehr, als daß kein Krieg sei. Der Friede, den die Welt wünsche, müsse frei sein von Furcht, und zwar frei von der Furcht vor einer Invasion, frei von der Furcht vor einem Staatsstreich und frei von der Furcht, daß jemand um Mitternacht an die Türe hämmere.

Die totalitäre Gefahr

Verlangen wir in Deutschland etwas anderes, als frei zu sein von solcher Art von Furcht? Nein. Wir verwahren uns ebenso gegen eine Invasion wie gegen einen Staatstreich. Wir haben lange genug unter der Herrschaft der Gestapo gelebt, um nachzufühlen, mit welcher Beängstigung die Einwohner der Sowjetzone Schritte auf der nächtlichen Straße laut werden hören, denn jederzeit kann der Vater oder der Sohn verhaftet werden, um spurlos in einem Konzentrationslager zu verschwinden. Das totalitäre System duldet seinem Wesen nach keine menschliche Freiheit, keine freie Meinungsäußerung.

Man will uns von der Sowjetzone her mit dem gleichen System beglücken, in dem Moskau das alleinige Heil für die Menschen sieht Es macht den maßgebenden Männern des Komiriform nichts aus, daß die Kommunisten in der Bundesrepublik eine Wahlniederlage nach der anderen erlitten haben, und daß die Zahl ihrer Mitglieder kaum fünf Prozent der Bevölkerung ausmacht. Der Bolschewismus ist auch anderswo, wie zum Beispiel in der Tschechoslowakei, nicht auf legalem Wege zur Macht gelangt. Er hat es verstanden die Schlüsselpositionen zu besetzen und auf diese Weise nicht’ etwa eine Diktatur des Proletariats zu errichten, sondern eine Diktatur über das Proletariat.

Die Vorgänge in Oesterreich und am 1. Oktober in der Bundesrepublik haben bewiesen, daß ähnliches wie in den Satellitenstaaten auch in der Bundesrepublik versucht werden soll. Weit gefährlicher als die offenen Versuche Unruhe zu stiften, durch die Märtyrer geschaffen weraen und gleichzeitig die Widerstandskraft der Polizei und der Bevölkerung selbst erprobt werden soll, sind die getarnten Organisationen und das ausgedehnte Netz von kommunistischen Geheimagenten. Wie das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen festgestellt hat, befinden sich unter ihnen viele frühere deutsche Abwehrspezialisten.

Der Aufbau der Polizei

Gewisse Anzeichen ließen befürchten, auch die Polizei der Bundesrepublik sei kommunistisch verseucht. Die Kommunisten waren auch nicht davor zurückgeschreckt, die einzelnen Polizeibeamten zu bedrohen. Es wurde ihnen gesagt, falls sie gegen die Unruhestifter durchgriffen, würden sie als erste gehenkt, sobald der Bolschewismus seine Herrschaft über die Bundesrepublik ausgedehnt habe. Man kann jedoch dem Bundesinnenminister beipflichten, wenn er nach dem Fiasko der kommunistischen Störaktionen am ersten Oktober erklärte, die westdeutsche Polizei sei besser als ihr Ruf. Sie hat sich rückhaltlos eingesetzt, um die Unruhestifter niederzuhalten und persönliche Opfer dabei nicht gescheut.

Wenn jedoch der Innenminister meint, er könne sich nur über die „Unverfrorenheit“ der Kommunisten wundern, die doch genau wußten, daß 98 Prozent der Bevölkerung diesen Rummel ablehnten, so verkennt er den blinden Gehorsam, mit dem von den Kommunisten die Befehle Moskaus befolgt werden. Wir werden auch weiterhin und gerade vor den Wahlen in der Sowjetzone mit neuen Unruheversuchen zu rechnen haben. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß sich die Innenminister der Länder für die Ausrüstung der gesamten Polizei mit Schußwaffen eingesetzt haben. Sie wollen weiterhin bei der Oberkommission die Genehmigung dazu beantragen, daß die Polizeieinheiten in allen Ländern dem Landesinnenminister unterstellt werden.

Polizeistaat?

Das Dilemma

Die Schwierigkeit, eine wirksame Abwehr gegen den Bolschewismus zu schaffen, liegt auf einem anderen Gebiete. Die Bundesregierung hat bestimmt, daß die Mitglieder von gewissen Organisationen, die dem Bolschewismus dienstbar sind, zu entlassen seien, weil sich ihre Zugehörigkeit mit dem Diensteid nicht wahren lasse. Die Länder haben auf Aufforderung der Bundesregierung ähnliche Bestimmungen erlassen. Man kann von einem Staate nicht verlangen, daß er Kräfte besoldet, die offen gegen ihn arbeiten. Das wäre Selbstmord.

Nun hat sich aber etwas begeben, was auch uns zu denken geben wird. In den Vereinigten Staaten ist ein scharfes Antikommunistengesetz in Kraft gesetzt worden. Aber kein Geringerer als Präsident Truman hatte vorher sein Veto dagegen eingelegt. Er sah in diesem Gesetz üne unzulässige Beschränkung der persönlichen Freiheit, die ein Ueberwuchern der Polizeigewalt befürchten und die Gefahr jener Gedankenkontrolle heraufziehen lasse, die George Orwell in seiner Zukunftsphantasie „Im Jahre 1984“ so anschaulich geschildert hat.

Wir wissen uns noch genau zu erinnern wie nach dem Zusammenbruch die Fragebogenseuche über uns hereinbrach, und es ist ein offenes Geheimnis, daß damals sehr viele, die für ihre Existenz fürchteten, Fragebogenfälschungen begangen haben. Von Einsichtigen ist auch bald dagegen Einspruch erhoben worden, daß ein Gesetz mit rückwirkender Kraft erlassen wurde, daß also Menschen abgeurteilt wurden, weil sie zu einer Zeit in die Partei eingetreten waren, als der Nationalsozialismus international als legale Macht in Deutschland anerkannt war.

Wird sich jetzt’hicht ähnliches begeben? Nach dem Zusammenbruch haben gerade die Westmächte größten Wert darauf gelegt, Kommunisten in alle Pehördenstellen aufgenommen zu sehen und nicht weniger in den Gewerkschaften. Es ist durchaus möglich, daß ehemals überzeugte Kommunisten sich inzwischen in ihrer Gesinnung gewandelt haben, ohne daß sie, ähnlich wie viele Nationalsozialisten, den Mut fanden, aus der Partei auszutreten. Sollen sie ebenfalls für eine frühere Gesinnung bestraft werden, die damals höchst ehrenhaft erschien? Werden nicht viele von ihnen zur Notlüge greifen, um ihre Existenz zu sichern und ihre Zugehörigkeit zu einer verfemten Organisation bestreiten? Schon wird bekannt, daß die kommunistische Parteileitung in Nordrhein-Westfalen kommunistischen Behördenangestellten und Beamten Bescheinigungen über ihren angeblichen Parteiaustritt ausgestellt hat, die auf das Jahr 1949 zurückdatiert sind.

Es ist ein Verhängnis, daß ein demokratischer Staat zu seinem Selbstschutz undemokratische Methoden anwenden muß, durch die er Gefahr läuft, sich dem totalitären System anzunähern. Wird die Bundesrepublik aus diesem Dilemma herauskommen, ohne an ihrer Seele zu leiden?

Der Bezirksausschuß der Sozialdemokratischen Partei in Rheinhessen hat nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, die Bekämpfung der Kommunistischen Partei sei mit Ausnahme der Verfolgung von offensichtlichen Verbrechen ein politisches Problem, das nicht mit „stumpfsinnigen Polizeimaßnahmen“ gelöst werden könne. Der Bezirksausschuß hat dabei ebenso wie der Parteivorstand verlangt, bei notwendig erscheinenden Entlassungen von Kommunisten müßten die Gewerkschaften und die Betriebsräte gehört werden. Dieses Verlangen könnte man ohne weiteres billigen, wenn man nicht wüßte, daß auch in den Gewerkschaften Kommunisten tätig sind. Entlassungen, d.e in der letzten Zeit erfolgten, haben das bestätigt.

Das ganze Problem wäre weniger schwer zu lösen, wenn man nicht vermeiden müßte, die Kommunisten in die Illegalität zu verdrängen, wo sie noch weniger überwacnt werden Kuhnen als bisner. v*o ist die Grenze zwischen der Gesinnungsschnüifeiei eines Polizeistaates und einer berechtigten Abwehr bolschewistischer Umsturzbewegungen zu ziehen?

Man aari mit rsestimmmeit annehmen daß 98 Prozent der Bevölkerung gegen den Kommunismus sind. Sollte es nicht möglich sein, daß sie selbst in ihren Reihen alle Elemente ausschaltet, die den Umsturz der bestehenden Ordnung anstreben? Die Garantie der Westmächte für den Schutz der Bundesrepublik, der Mißerfolg des Bolschewismus in Korea und das Fiasko der Kommunisten am 1. Oktober in der Bundesrepublik werden auch vielen Schwachmütigen das Gefühl der Stärke zurückgegeben haben. Aus der Gewißheit heraus, daß wir der bolschewistischen Wühlarbeit nicht schutzlos preisgegeben sind, können wir die innere Kraft aiü'bringen, die Sendlinge des Kommunismus bei jeder Gelegenheit zurückzuweisen und sie die Zwecklosigkeit ihres Treibens erkennen zu lassen.

Uull Uhr

zz. Die Kommunisten Oesterreichs wollen es auf eine neue Machtprobe ankommen lassen. Sie haben der Regierung ein Ultimatum zugestellt, in dem sie für Mittwoch, null Uhr, einen Generalstreik ankündigen, falls ihre Forderung auf Lohnerhöhung und Preissenkung nicht erfüllt wird. Die österreichische Regierung weist in einem Aufruf darauf hin, es handle sich nicht um einen wirtschaftlichen Streik, sondern um eine Kraftprobe der kommunistischen Aufrührer. Sie fordert die Bevölkerung auf, der Streikparole nicht zu folgen und aufrührerische Arbeiter aus den Fabriken zu entfernen.

Wenn nicht alles täuscht, wird es in Oesterreich nicht ohne ernste Zwischenfälle abgehen. Die Kommunisten haben bereits jetzt Straßensperren errichtet. Sie werden wahrscheinlich auch ähnliche Sabotage-Akte versuchen, wie sie jetzt bei Köln und Mannheim festgestellt worden sind. Dort sind unterirdische Kabel ausgegraben, abgezwickt und mitgenommen worden. Für die österreichische Regierung ist die Lage deshalb besonders ernst, weil die kommunistischen Arbeiter in Mödling einen „Marsch auf Wien“ angekündigt haben, wobei sie zweifellos von den Sowjets unterstützt werden.

Die österreichische Regierung versichert zwar, einem Streik gegenüber besser gerüstet zu sein denn je und sich auf ihre Polizei verlassen zu können. In Oesterreich stoßen sich jedoch die Sachen noch härter im engen Raume als anderswo, etwa in der Bundesrepublik, denn die sowjetische Besatzungsmacht besitzt dort ganz andere Möglichkeiten, die Aufrührer unmittelbar zu unterstützen. Daß sie nicht davor zurückschreckt, dies zu tun, ist ihr von den drei westlichen Oberkommissaren Oesterreichs nachgewiesen worden.

Finnische Wahlen

Erfolge der Kommunisten

Helsinki. 3. Oktober. (AP.) Die größten Gewinne bei den Wahlen für das Stadtparlament von Helsinki konnten die Kommunisten erzielen. Während auch die Liberalen Gewinne buchen konnten, schnitten alle anderen Parteien schlechter ab als bei den Wahlen 1947.

Entflechtung hemmt Zusammenarbeit

Der Protestschritt Dr. Reuschs / Deutsche Gegenvorschläge erwartet

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 3. Oktober. Der Sprecher der deutschen Schuman-Plan-Delegation, Staatssekretär \ Professor Dr. Hallstein, ist am Dienstag nach viertägigem Aufenthalt in Bonn nach Paris zurückgekehrt. Unterrichtete Kreise in Bonn erklären, daß ein Protestschritt Dr. Hermann Reuschs wegen der alliierten Entflechtungsmaßnahmen die Erteilung neuer Instruktionen an Professor Hallstein notwendig gemacht hatte. Professor Hallstein wurde während seines Aufenthaltes in Bonn auch von Bundeskanzler Dr. Adenauer empfangen.

Dr. Hermann Reusch, der Vorsitzende des Vorstandes der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, hatte am Freitag vergangener Woche dem Sekretariat für den Schuman-Plan in der Dienststelle für auswärtige Angelegenheiien schriftlich mitgeteilt, daß er seine Tätigkeit im Unterausschuß für Eisen und Stahl niederlegen müsse. Dr. Reusch begründete seinen Entschluß mit den Verordnungen der alliierten Oberkommission über die Entflechtung der Montanindustrie. Nach seiner Auffassung machen diese Verordnungen eine Zusammenarbeit auf zwischenstaatlicher Ebene im Sinne des Schuman-Plans unfruchtbar.

Auch Bonner Regierungsstellen erklären, d^ß das Wasser der Entwicklung der letzten Wochen an den Stellen der Oberkommission vorbeigeflossen sei, die diese En' f'.echtungsmaßnahmen ausgearbeitet hätten. Der deutschen Schwerindustrie und dem Kohlenbergbau müsse die Mög-

lichkeit gegeben werden, die Betriebe so aufzubauen und zu gestalten, daß sie d'e höchstmögliche Leistung erreichen könnten. Man sei nicht prinzipiell gegen eine Entflechtung, jedoch habe die Bundesregierung bereits die Oberkommission von ihren Bedenken in Kenntnis gesetzt, daß die drei Durchführungsverordnungen zum Gesetz Nr. 27 die Verhandlungen über den Schuman-Plan hemmen und seine Zielsetzung gefährden könnten.

Die Bundesregierung ist, wie wir erfahren, nicht zu den äußersten Folgerungen entschlossen, die Dr. Reusch gezogen hat, sondern will nach wie vor alle Anstrengungen machen, um die dauernde deutsch-französische Zusammenarbeit zu ermöglichen, die das politische Ziel des Schuman-Plans darstellt. Von Regierungsseite wird betont, daß man bereit sei, für dieses politische Ziel wirtschaftliche Opfer zu bringen. Zugleich aber wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die alliierte Oberkommission deutsche Gegenvorschläge zur Entflechtung der Monianindustrie einholt. Es kann nicht übersehen werden, daß sich andernfalls gegen die Pariser Verhandlungen, die jetzt in ihr entscheidendes Stadium eintreten, in Kreisen der deutschen Wirtschaft eine starke Opposition geltend machen wird.

Herr,General-Hofrat“

Die Republik Oesterreich schafft sich ein Heer

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Wien, 3. Oktober. In Wien beendete ein militärischer Sachverständigenausschuß als Keimzelle eines kommenden österreichischen Kriegsministeriums in aller Stille die Vorbereitungen für die Aufstellung eines künftigen 53 000- Mann-Heeres, wonach diese neue österreichische Wehrmacht genormtes amerikanisches Kriegsmaterial, Panzerabwehrgeschütze, 40-t-Panzer, 70 Düsenjäger und Jeeps erhalten soll.

Dabei wurde bekannt, daß es im besetzten Oesterreich seit dem 8. Mai 1945 trotz Fehlens einer Armee zahlreiche Geheimbeförderungen ehemaliger höherer österreichischer Offiziere in den Generalsrang gegeben hat, und zwar unter der Tarnbezeichnung „General-Hofrat“, worauf sich der Beförderte bisher unauffällig nur „Hofrat“ nannte.

Da diese für die Schlüsselstellen der neuen österreichischen Armee vorgesehenen Generale aber alle seinerzeit ob ihrer Verdienste um Schuschnigg-Oesterreich von der deutschen Wehrmacht nicht übernommen, also im zweiten Weltkrieg nicht dabei waren, wird ihnen von einer starken Opposition jüngerer Offiziere bereits „verhängnisvoller Praxismangel“ vorgeworfen, da sich die Erfahrungen von sechs Kriegsjahren nicht aus noch dazu ausländischen Büchern und Vorschriften beziehen ließen. Außerdem sei bei ihrer Beförderung Parteipolitik betrieben worden.

Während Oesterreichs Regierungsparteien, Christliche Volkspartei und Sozialdemokraten, noch zwischen „stehender Truppe mit beschränkter Dienstpflicht“ und „nicht aktiver Bürgerarmee mit zweijähriger Dienstpflicht“ schwanken, erklärten sich Außenminister Gruber und Bundeskanzler Figl offiziell für den amerikanischen Vorschlag eines österreichischen Armeekontingents in einer Europawehrmacht.

Oesterreichs Kommunisten starteten natürlich eine erbitterte Propagandaaktion gegen das „Wiedererstarken des Militarismus im Lande“. Sie behaupteten, bei den Heimkehrerstellen mehrten sich die Gesuche gewesener Offiziere um nachträgliche Bestätigung ihrer seinerzeit im Zusammenbruch untergegangenen „fälligen“ Beförderung.

Die österreichische Regierung erwiderte darauf, „gewisse Mächte“ wollten nur ein schutzloses Oesterreich. Solange jeder Dieb den wenigen Zoll- und Polizeikräften an Waffen überlegen sei, diene der junge Oesterreicher zum Schutze Westeuropas lieber ein Jahr in einem österreichischen, als unbestimmte Zeit in einem „kominformgelenkten“ Heer!

Aussprache Adenauer-Schumacher

Erörterung der aktuellen politischen Fragen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Da. Bonn, 3. Oktober. Bundeskanzler t)r. Adenauer empfing am Dienstagvormittag den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Dr. Kurt Schumacher, zu einer politischen Aussprache, deren Inhalt nicht bekanntgegeben wurde. Dr. Schumacher erklärte nach seiner Unterredung mit dem Bundeskanzler, daß die aktuellen Probleme besprochen worden seien. Er habe am vergangenen Sonntag in Berlin eine Aussprache mit dem amerikanischen Oberkommissar McCloy gehabt, an der auch Administrator Hoffman vorübergehend

teilgenommen habe, und er werde in den nächsten Tagen eine Aussprache mit dem britischen Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick haben.

Auf die Frage unseres Korrespondenten, ob in der nächsten Woche die bereits angekündigte außenpolitische Aussprache des Bundestags stattfinden werde, erwiderte Dr. Schumacher, daß die Erklärungen abgewartet werden müßten, die der Kanzler am Freitagnachmittag vor dem Außenpolitischen Ausschuß abgeben werde. Weiter wies Dr. Schumacher darauf hin, daß die französische Kammer am 17. Oktober zusammentritt. Es besteht anscheinend die Möglichkeit, daß die außenpolitische Aussprache des Bundestags bis nach dem Zusammentritt der französischen Kammer verschoben wird. .

Eine Stellungnahme, zu der neuesten Entwicklung in der Polizeifrage lehnte Dr. Schumacher noch ab. Er unterstrich nur erneut, daß die Polizeifrage und die Militarisierungsfrage auf das strengste auseinandergehalten werden müßten. Bei der Frage der Organisation der Polizei, so erklärte Dr. Schumacher weiter, sei eine gewisse Entwicklung möglich.

Weiter ging aus den Aeußerungen Dr. Schumachers hervor, daß die Sozialdemokratie bereit sei, mit der Forderung nach Neuwahlen zurückzuhalten, sofern ihr die Erklärungen des Bundeskanzlers vor dem Bundestag keinen besonderen Anlaß zu einer verschärften Opposition bieten werden.

Attlee: Es ist unsere Pflicht

Rechenschaftsbericht der Labour-Regierung auf dem Parteitag

London, 3. Oktober. (AP./dpa) Ministerpräsident Attlee sprach am Dienstag auf dem Parteitag der Labour-Partei. Er gab eine Übersicht über die Leistungen der Regierung seit dem Kriege. Dann sagte er, seit den Unterhauswahlen im Februar habe die Notwendigkeit, die Verteidigung Großbritanniens zu verstärken, alle anderen Probleme in den Schatten gestellt. Es sei unzweifelhaft Englands Pflicht gegenüber der Welt, dafür zu sorgen, daß die Freiheit nicht wegen Mangel an Verteidigungsmitteln untergehe. Die Ereignisse der nächsten Jahre könnten sehr wohl für Jahrzehnte, ja für Jahrhunderte der kulturellen Entwicklung entscheidend sein.

Attlee behauptete, nur ein demokratischer Sozialimus könne ein wirksames Gegengewicht zum totalitären Kommunismus bieten. Die Arbeiterpartei und die von ihr gestellte Regierung habe stets danach gestrebt, den Lebensstandard aller Völker zu erhöhen und die sozialen Voraussetzungen, aus denen ein Krieg entspringen könne, zu beseitigen.

Zur Innenpolitik sagte Attlee, eine Koalition in Friedenszeiten könne nicht in Frage kommen. Die Regierung der Arbeiterpartei beabsichtige, die Regierung selbst zu führen und denke nicht daran, die Politik ihrer Gegner zur Ausführung zu bringen.

Die Delegierten wiesen die bisherige Lohnstoppolitik der Regierung zurück und haben in einer einstimmig angenommenen Resolution eine Verbesserung der Reallöhne durch schärfste Maßnahmen gefordert.

Stimmen der Anderen

Der „rote Sonntag“

Die Mißerfolge der westdeutschen Kommunisten am „roten Sonntag“ werden in der gesamten Schweizer Presse stark beachtet. Die Basler „N a t i o n a 1 - Z e i t u ng“ schreibt in einem längeren Kommentar:

„Es ist den Kommunisten also trotz erheblicher Anstrengungen nicht gelungen, die bürgerliche Sonntagsruhe in Westdeutschland ernstlich zu stören, und sogar die schwachen Polizeikräfte, über die Westdeutschland vorläufig noch verfügt, waren ohne weiteres imstande, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Sobald nun die vom Bonner Kabinett verlangte Säuberungsaktion beendet ist, dürften die Kommunisten in Westdeutschland kaum mehr irgendeinen staatsgefährdenden Einfluß ausüben können. Hingegen beginnt man sich in denjenigen Kreisen Westdeutschlands, die es mit der Demokratie sehr genau nehmen, mit einer anderen möglichen Gefahr zu beschäftigen. Die Art und Weise, wie man da und dort versucht, die Kommunisten auszuschalten, ist rein juristisch nicht immer einwandfrei, und es gibt leider schon wieder Leute, an oft sehr einflußreichen Stellen, die im Brusttöne der demokratischen Überzeugung dem Kommunismus den Kampf ansagen, unter Kommunismus aber schlechterdings alles verstehen, was politisch links von ihnen steht.“

Was wird aus Korea?

Die Entwicklung in Korea und die Debatte des Ersten Politischen Ausschusses der Vollversammlung der Vereinten Nationen — insbesondere der Wyschinski-Vorschlag — stehen am Dienstag im Mittelpunkt der französischen Pressekommentare.

Die den Gaullisten nahestehende „Aurore“ schreibt:

„Die Friedensaussichten in Korea hängen ausschließlich von der Sowjetunion ab. Man kommt immer wieder zu dem Schluß, daß der Frieden davon abhängt, in welchem Umfang die Sowjetunion bereit ist, an seiner Sicherung mitzuarbeiten. Die Westmächte wollen nicht um des eigenen Vorteils willen Nordkorea besetzen. Die Nord- und die Südkoreaner müssen ihr Schicksal selbst regeln. Freie Wahlen können jedoch nur von den Vereinten Nationen garantiert werden. Wyschinski fordert jetzt eine Einstellung der Kämpfe. Daran hätten die Sowjets früher denken sollen. Die Forderung hätte ein anderes Echo gefunden, wenn sie erfolgt wäre, als die Kommunisten noch in der Lage zu sein schienen, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen.“

Mit Verspätung

Der linkssozialistische „Franc-Tireur“ meint:

„Wyschinskis Vorschlag kommt mit einer leichten Verspätung von drei Monaten. Solange das Waffenglück dem Angreifer lachte, war die Sowjetunion gegenüber allen Appellen der Klugheit taub. Infolge der Niederlage ihres Satelliten entschließt sie sich jetzt, präzise Friedensvorschläge zu machen. Aber besser spät als nie. Heute gibt Stalin vor, anzubeten, was er gestern verwarf. Die Angst, in Korea alles zu verlieren, ist für ihn der Anfang der Weisheit. In der Diplomatie und im Geschäftsleben verlangt man zunächst ein Höchstmaß, um sich dann mit einem Minimum zufrieden zu geben.“

Viele Stimmen am ersten Tag

bei Volksbefragung in Ost-Berlin

Berlin, 3. Oktober, (dpa) Schon am ersten Tag der Volksbefragung, zu der die Berliner demokratische Partei die Ost-Berliner Bevölkerung aufgerufen hatte, gingen im Schöneberger Rathaus zahlreiche Stimmen ein. Die Ost-Berliner sollen durch Abgabe des Stammabschnitts der Lebensmittelkarte für September erklären, daß sie für freie und geheime Wahlen in ganz Berlin sind. Die Volksbefragung soll eine Woche dauern.

lieber tausend Apotheker werden zum Hessischen Apothekertag erwartet, der am 14. und 15. Oktober in Marburg abgehalten wird.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

ErstabdrucS Alle Rechte beim Wolfgang Krüger-Verlag, Hamburg

28) < Ein gebeugter Mann machte sich an einer Grube zu schaffen, in der ein helles Reisigfeuer brannte. Henriette stand wie angewachsen an den frostigen Boden. Sie konnte kaum an die Wirklichkeit der Szene vor ihr glauben; es mutete wie ein heidnisches Bild an: das knisternde Feuer und der Alte, der immer neue Zweige aufhäufte, als befolgte er irgendeinen geheimnisvollen Ritus, der so alt war, daß nicht einmal er seine Bedeutung wußte. Fast bedauerte sie es, als sie Berthe in den Lichtkreis des Feuers stürzen sah und Stimmen hörte, die sich mit ganz alltäglichen Worten begrüßten. „Es ist der alte Loti, Mademoiselle“, erklärte Isabella. „Er sammelt Holz für unsere Oefen und hält den Park in Ordnung.“

„Ja“, fiel Louise ein, „Papa sagt, er ist älter als irgend etwas in der Welt außer unseren Teichkarpfen, und sie sind doch über hundert Jahre alt.“

Henriette glaubte ihr das gern, als sie sein verwittertes, runzliges Gesicht sah. Er hätte eine wieder zum Leben erweckte Mumie sein können, wären nicht die beiden kleinen leuchtenden Punkte seiner Augen gewesen, die den Feuerschein widerspiegelten. Seine dürren, sehnigen Arme und Beine waren kaum mehr als dünne Aeste, die sich unter seiner vertragenen Kleidung .abzeichneten. Und seine Hände glichen erdschwarzen Wurzeln, wie die ausgedörrten krummen Finger wieder ein Reisigbündel ergriffen oder die Glut mit einem eisernen Rechen schürten.

„Er sagt, er will gerade Bratäpfel zu Allerheiligen machen“, kam Berthe wieder herangesprungen, um es den anderen mitzuteilen. „Es ist eine Art Zauberei; können wir nicht bitte bleiben, Mademoiselle? Er sagt, er hat für jeden einen und für Sie auch.“

Henriette zögerte. Sie wußte, eigentlich müßten sie jetzt zu Hause sein und nicht hier draußen in dem frostigen Zwielicht. Trotzdem spürte sie selbst die Versuchung, hier beim Feuer zu verweilen. Ihr seltsamer Wirt, der sich mit der ruckartigen Lebhaftigkeit einer alten Heuschrecke bewegte, erregte ihre Neugierde. Wie ein lebendig gewordener Holzschnitt aus den Märchenbüchern ihrer Kindheit sah er aus.

„Es bringt Glück, wenn man heute abend einen Bratapfel noch heiß vom Feuer ißt und dabei den Toten etwas Gutes wünscht“, erzählte ihr Louise.

„Und er sagt, der Mond wird bald aufgehen, Mademoiselle“, beschwor Isabella sie. „Es wird dann so hell.wie am Tag.“

„Nun —?“. Henriette ließ sich willig überreden, „aber Raynald muß versprechen, sich nicht zu erkälten.“ Sie knöpfte sein Mäntelchen zu und wickelte den Schal fester um seinen Hals. Sie setzten sich auf einen Baumstamm ans Feuer, während der alte Loti alles zum Aepfelbraten vorbereitete.

Das war offensichtlich eine wichtige Zeremonie und durfte nicht nachlässig ausgeübt werden. Zuerst schleppte er zwei Eisenpfannen aus der Hütte herbei und ein Bündel langer, spitzer Stöcke. Jeder Apfel wurde genau untersucht, dann in einen Krug Wasser getaucht und in etwas gerollt, das wie ein Gemisch von Zucker und Zimt aussah. Nachdem dies alles geschehen war, bohrte er die Spitze eines Stabes tief in den Apfel und gab jedem der Kinder eine dieser Kostbarkeiten in die Hand. Die Stöcke waren lang und stark genug, um sie über das Feuer halten zu können, ohne daß der Haltende Gefahr lief, zu nahe mit der Hitze in Berührung zu kommen. Er zeigte ihnen, wie man den Stock drehen mußte, damit der Apfel schön gleichmäßig gar wurde und nicht auf der einen Seite verkohlte. Das Allerwichtigste aber sei, schärfte er ihnen nachdrücklichst ein, nachdem jeder seinen Apfel bekommen hatte, ihn nur ja nicht ins Feuer fallen zu lassen, denn dadurch würde das Glück verscheucht, und man habe sieben Jahre lang Unglück. Und sobald die Aepfel fertig wären, müßten sie mit Stumpf und Stiel gegessen werden bis auf das Gehäuse, das man sich aufheben, und die Kerne, die man zählen müßte. Bei einem Mädchen, erklärte er bedeutete die Anzahl der Kerne die Jahre, die man warten müßte, bevor man heirate; bei einem Jungen dagegen verrate sie einem, wieviele Kinder man haben würde.

„Zwölf hatte ich voriges Jahr", kicherte der Alte und warf Henriette einen verschmitzten Blick zu. „Aber wer kann wissen, ob es nicht noch Wunder gibt.“

Henriette lächelte ihm zu, als sie ihren Apfel in Empfang nahm.

„Für mich hat es keinen Sinn, die Kerne zu zählen“, meinte sie, während sie ihren Apfel ins Feuer hielt. „Wieso? Darf Mademoiselle nicht heiraten?“ erkundigte sich Louise, ohne vom Feuer aufzusehen.

„Verboten ist es ja nicht“, erwiderte Henriette, „aber es kommt eben selten vor.“ „Warum denn?“ Raynald war neugierig.

„Ach, im allgemeinen ist sie zu sehr damit beschäftigt, auf kleine Jungen und Mädchen aufzupassen. Vorsichtig, mein Herz du hältst deinen Apfel viel zu dicht an die Flamme.“

Sie half ihm, seinen Stock in die richtige Lage zu bringen, und bald barsten die Aepfel aus ihrer verschrumpelten Schale. Das Feuer zischte ein wenig auf, als einige Tropfen und der geschmolzene Zucker hineinfielen. Die Gesichter glühten vor Hitze, aber hinter ihnen wurde die Luft frostig mit zunehmender Dunkelheit.

Jetzt begann der Alte mit einer dünnen, eingerosteten Stimme wie eine zirpende Grille zu singen. Seine welken Lippen bewegten sich kaum, so daß der Laut nicht so sehr von ihm zu kommen als ein Bestandteil der Nacht und des Feuers und der brutzelnden Aepfel zu sein schien. Das Lied war Henriette fremd, und wenn sie auch manche Worte nicht verstand, so erfaßte sie doch, daß der Text sich auf Allerheiligen bezog und auf die ruhelosen Seelen, die jetzt, leichter als ein vertrocknetes Blatt, umherirrten.

„Mademoiselle!“ Raynald drängte sich enger an sie. „Ich fürchte mich. Wir wollen nach Hause gehen.“

„Psch!“ Sie legte den Arm um ihn. „Es gibt nichts, wovor du Angst zu haben brauchst; es ist nur ein altes Lied. Paß nur schön aufs Feuer und deinen Apfel auf.“

Die eintönige, alte Stimme sang weiter, und nach einer Weile griffen Isabella und Louise den Refrain mit ihren hohen, vogelähnlichen Stimmchen auf:

Salz und Brot stehen dir bereit; Asche und Rauten sind dir gestreut; wir beten hienieden — ruhe nun in Frieden!

Wie Henriette dasaß und in die lodernden Flammen schaute und zuhörte, glaubte sie beinahe selbst an den alten Aberglauben. „Ob heidnisch oder christlich“, dachte sie, „was macht das aus, solange nur ein so -schöner und ergreifender Brauch sich von Generation auf Generation forterbt. Es war nur recht, daß die Lebenden wenigstens in einer Nacht des Jahres der Toten gedachten.“

Sie aßen ihre Aepfel, während der große volle Herbstmond sich allmählich über die Baumwipfel schob. Der heiße Saft der Aepfel verbrannte ihre ungeduldigen Zungen; Lippen und Finger waren klebrig von dem süßen, rauchigen Gewürz. Raynald vergaß und warf sein Apfelgehäuse ins Feuer, und Berthe ließ ihres aus Versehen fallen und trat darauf. Die älteren Mädchen knüpften ihre Kerne sorgfältig in ihren Taschentüchern zusammen, um sie zu Hause zu zählen. Sie wollten sich gerade auf den Heimweg machen, da bewegte sich etwas am Rande der Lichtung. Furchtgebannt starrte die kleine Gruppe hinüber.

„Ein Gespenst! Mademoiselle, ein Gespenst!“ Raynald vergrub seinen Kopf in Henriettes Schoß und wimmerte. Ain _ -i .

Als sie sich zu ihm niederbeugte, um ihn zu beruhigen, hörte sie Loti kichern.

„Das ist aber mal ein handfestes Gespenst! Kennt ihr euren eigenen Vater nicht?“

(Fortsetzung folgt.)

Briefzensur in der Ostzone

Ein neuer Verfassungsbruch der Kommunisten

Drahtbericht unseres Korrespondenten

RIA«: F^.ankfurt> 3- Oktober. Wie der Sender amerikanische Rundfunk-Ostzon? erfährt. besteht in der Die«, t Deutschlands eine Briefzensur. 8 widerspricht dem Artikel schtn & Verfassung der Deuteinnt Demokratischen Republik, der be-Ä,r tFreiheit der Person, die Unxerietzhchkeit der Wohnung, des BrieffewäfSSt "nd die Frelzl“W"“

Ein Opfer dieser Zensur ist eine ge-Hd", Clris,a Wagner au" Sr Dobeln in Sachsen. Sie wurde kürzlich zu achtzehn Monaten Gefängweil sie einen Brief an q” uK ,S ^schrieben hatte. Wie die „Sächsische Zeitung“ meldete, habe dieser Brief den größten Feind de 9 deutschen Volkes, den amerikanischen Imperialismus vertreten. Die Volkspolizei beschlagnahmte den Brief, nachdem der Zensor festgestellt hatte, daß in ihm gegen das kommunistische Regime Ostdeutschlands gerichtete Anschauungen wiedergegeben waren. Frau Wagner wurde vom Volksgericht in Freiberg verurteilt.

Wachsender Widerstand

Berlin, 3. Okt. (AP.) In den letzten zwei Wochen häufen sich in der Sowjetzone die Prozesse, in denen überaus schwere Zuchthaus- und Gefängnisstrafen gegen Personen ausgesprochen werden, die sich in irgendeiner Form gegen das herrschende kommunistische System gewandt haben. Für das kommunistische Regime scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, mit allen Mitteln jeden Widerstand in der Sowjetzone zu ersticken.

Diese Prozesse beweisen nach Ansicht westlicher politischer Kreise, daß es in der Sowjetzone tatsächlich einen Widerstand gegen das kommunistische Regime gibt. Offensichtlich handele es sich jedoch nicht um eine organisierte Widerstandsbewegung,' sondern um Einzelaktionen freiheitlich gesinnter Menschen.

Perscheid erhielt Asylrecht

Uelzen, 3. Oktober, (dpa) Der im Juli aus der Sowjetzone geflohene 34jährige Volksstaatsanwalt Heinz Perscheid wurde als politischer Flüchtling anerkannt und in die Bundesrepublik eingewiesen. Perscheid konnte nächweisen, daß er in mehreren Schauprozessen gegen Wirtschaftsführer der Sowjetzone den Freispruch der Angeklagten erwirkt und dadurch ihre Flucht in das Bundesgebiet ermöglicht hat. Außerdem hatte er in seiner Eigenschaft als Ankläger die Akten für das geplante Ermittlungsverfahren gegen den im Januar dieses Jahres ip die Bundesrepublik geflohenen thüringischen Finanzminister Leonhard Moog nach West-Berlin geschafft und dort dem Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen der Sowjetzone zur Verfügung gestellt.

Willmann wurde ausgestoßen

Kommunisten werfen Landtagsabgeordneten Willmann „Feigheit“ vor

Wiesbaden, 3. Oktober. (LH.) Der frühere KPD-Abgeordnete im Hessischen Landtag, Karl Willmann, ist-als „Feigling und Verräter“ mit sofortiger Wirkung aus der Kommunistischen Partei ausgestoßen worden. Wie der Landesvorstand der KPD in Hessen am Dienstag mitteilt, habe Willmann sein Landtagsmandat ohne Befragung oder gar Zustimmung der Partei niedergelegt und damit einen „Akt der Desertion“ begangen.

Willmann ist Angestellter des hessischen Finanzministeriums. Der Präsident des Hessischen Landtags, Otto Witte, hatte in der letzten Landtagssitzung bekanntgegeben, daß Willmann sein Mandat „aus gesundheitlichen Rücksichten“ niedergelegt habe. In einigen Zeitungen war dieser Vorfall mit den Maßnahmen zur Entfernung von Kommunisten aus dem öffentlichen Dienst in Zusammenhang gebracht worden.

Noch 26 Gesetzentwürfe

Wiesbaden, 3. Oktober. (Eigener Bericht.) In der heutigen Mittwoch-Vollversammlung des Hessischen Landtags, dessen erste Legislaturperiode in sechs Wochen zu Ende geht, wird voraussichtlich der Gesetzentwurf über die Feststellung des Haushaltsplanes 1950/51 endgültig verabschiedet. Insgesamt liegen dem Plenum noch 25 weitere unerledigte Gesetzentwürfe vor. Einige von ihnen, so die Gesetzentwürfe über die Sozialgemeinschaften, über die Schulverwaltung, über ein neues hessisches Beamtenrecht sowie eine neue Gemeinde-Ordnung sind insofern besonders umstritten, weil innerhalb der Koalitionsparteien keine Einigung darüber besteht, ob sie noch in dieser Wahlperiode des Landtags verabschiedet werden sollen. Parlamentarische Kreise rechnen damit, daß zumindest noch das Sozialisierungsgesetz und wahrscheinlich auch noch die neue Gemeinde-Ordnung zur Verabschiedung kommen werden.

Die Kartoffelpreise

Wiesbaden, 3. Oktober. (Eigener Bericht.) Das hessische Wirtschaftsministerium weist darauf hin, daß Preisabsprachen zwischen örtlichen Bauernverbänden oder sonstigen landwirtschaftlichen Organisationen über die Festsetzung der Kartoffelpreise nicht gestattet sind, da sie gegen die Preisbestimmungen und die Dekartellisierungsvorschriften verstoßen. Die Preise sollen vielmehr frei gebildet und von jedem Erzeuger auf Grund seiner eigenen Betriebskalkulation festgesetzt werden. Die Preisüberwachungsstellen sind angewiesen, die Durchführung dieser Bestimmungen zu überprüfen und Zuwiderhandlungen zu ahnden.

Liquidator ernannt

Wiesbaden, 3. Oktober. (Eigener Bericht.) Das hessische Finanzministerium hat die „Garantie- und Abwicklungsbank“ in Frankfurt-Main zum Liquidator der Jüdischen Industrie- und Handelsbank AG. in Frankfurt bestellt. Die beauftragte Bank wird einen Liquidationsmodus aufstellen, der als Grundlage für die Form der Abwicklung der Jüdischen Industrie- und Handelsbank dienen soll. Gleichzeitig soll versucht werden, eine Klärung der durch das Geschäftsgebaren der Handelsbank verursachten Schäden herbeizuführen, wobei insbesondere die ungesetzliche Auszahlung eines Betrages von 4,7 Millionen DM an einen Devisenausländer untersucht werden soll.

Für jeden Grustfall vorbereitet

Handy über die Stärke der Besatzungstruppen

Heidelberg, 3. Oktober, (dpa) Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Europa, General Thomas D. Handy, sagte am Dienstag in Heidelberg, daß die amerikanischen Truppen in Europa aufs modernste ausgerüstet und ausgebildet und für jeden Ernstfall vorbereitet sind. Ihre Stärke betrage gegenwärtig rund 100 000 Mann. Verstärkungen würden demnächst erwartet.

Die Soldaten sollen — soweit dies noch nicht geschehen ist — mit den neuesten amerikanischen Waffen ausgerüstet werden, die sich in Korea bewährt haben. Handy betonte, daß die amerikanischen Truppen in Deutschland stehen, um die öffentliche demokratische Ordnung auf-, rechtzuerhalten und die Bundesrepublik vor einer eventuellen kommunistischen Aggression zu schützen. 87 Prozent der Kosten für die Besatzungstruppen würden vom amerikanischen Steuerzahler und 13 Prozent von der Bundesrepublik getragen.

50 000 Mann Volkspolizei

Der Leiter der Sicherheitsabteilung im US-Hauptquartier, Oberst Morin, gab die Stärke der Volkspolizei der Sowjetzonenrepublik mit rund 50 000 Mann an. Die mit Panzern und Artillerie ausgerüstete Volkspolizei sei ein rein militärisches Organ. Von einer direkten Kampfausbildung sei jedoch auf amerikanischer Seite nichts bekannt. Morin sagte ferner: „Wir beobachten sorgfältig jede extreme politische Partei und ihre eventuellen umstürzlerischen Versuche. Die Kommunisten haben keine Chance.“

US-Luftwaffe mit neuen Maschinen

Die in Deutschland stationierten amerikanischen Luftwaffenverbände sind, wie die amerikanischen Stabsoffiziere mitteilen, mit Flugzeugen modernster Bauweise ausgerüstet. Alle noch vorhandenen alten Typen sollen im Laufe der Zeit ausgewechselt werden. Die Maschinen seien in ständiger Bereitschaft und können sofort eingreifen. In Deutschland seien nur Jagdmaschinen und Jagdbomber stationiert. Die amerikanischen Bomber lägen in Großbritannien.

Fußtritt für Wallare

Moskau, 3. Oktober, (dpa) Die Moskauer Literaturzeitschrift bezeichnet den ehemaligen Vorsitzenden der amerikanischen Fortschrittapailei Henry WaUace am Dienstag als politischen Geschaftemach _r, der den Kriegshetzern seine besonder Gunst dadurch gezeigt habe. ..daß eiserne Maske im geeigneten Augenblick fallen ließ. nun der Fort-

Wallace war im August aus aer x schrittspartei ausgeschieden und hatte e klärt daß er im Koreakonflikt die X aer USA und der UNO unterstütze und die der Sowjetunion verurteile

Vizekonsul ausgewiesen

Prag, 3. Oktober. (AP). Die tschechoslowakische Regierung hat ini einer~ Pi - testnote, die der britischen Botschaft in Prag am Dienstagabend überreicht wurde, die Abberufung des britischen Vizekonsuls in Preßburg, Lawrence Gorden Gaze, wegen Spionage gefordert, meldet der Prager Rundfunk.

Gaze soll mit seiner Frau Jarmila, einer gebürtigen Tschechoslowakin, das Land innerhalb von 48 Stunden verlassen.

Ruhrkohlenverkauf selbständig

Oberhausen. 3. Oktober. (AP.) Im Zuge der Dezentralisierung des „deutschen Kohlenverkaufs“, der den Verkauf der Kohle im gesamten Bundesgebiet unter sich hatte, hat die Oberkommission Anweisung gegeben, auch den Ruhrkohlenverkauf zu verselbständigen, teilt die deutsche Kohlenbergbauleitung am Dienstag mit.

Wirtschaftsblatt

Aus Prestigegründen?

v. G. In den nächsten Wochen wird hoffentlich nun endlich auch das Vieh- und Fleischgesetz vom Bundestag verabschiedet werden, das seit seinem ersten Entwurf vor über einem halben Jahr so viele Abänderungen durchgerhacht hat. In seiner jetzigen Form scheint es weitgehend den Wünschen der Landwirtschaft ebenso Rechnung zu tragen, wie den Forderungen des Handels. Sie hatten auf diesem Gebiet nur wenig Meinungsverschiedenheiten. Eine Freizügigkeit des Handels, durch Festpreise zu beschneiden, würde niemandem dienlich sein, sondern nur den schwarzen Markt fördern. Allzustarke Schwankungen der Preise aber, die der Bauer nicht schätzt, erhöhen auch das Risiko des Handels nicht unerheblich, und damit die Verbraucherpreise. Ein Abfangen großer Schwankungen, eine gewisse Stetigkeit der Preisbildung wird also allerseits angestrebt.

Das wesentlichste Instrument zur Regelung der Preise durch Angebot und Nachfrage werden nun in Zukunft die Großmärkte sein. Sie sind dadurch besonders privilegiert, daß in ihrem Marktgebiet keine unmittelbaren Käufe geduldet werden, sondern alles Schlachtvieh über dessen Agenturen an den Metzger abgegeben werden muß. Dieses Marktgebiet soll so bemessen sein, daß dem Großmarkt eine preisbestimmende Wirkung in weitem Umkreis gesichert wird, und man spricht davon, daß ein Durchschnitts-Auftrieb von mindestens 300 Stück Großvieh angestrebt werden sollte. Während in den ersten Entwürfen jedoch eine Festlegung der Großmärkte durch Gesetz vorgesehen war, hat man auf Einspruch des Bundesrates diese Entscheidung den Ländern überlassen. Ob das sehr klug war, wird die Zukunft lehren.

Wir haben in unserer Nähe zwei Beispiele dafür, daß ein gewisser Lokalpatriotismus die Benennung von Großmärkten zur Folge haben könnte, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen. Mannheim und Ludwigshafen sind nur durch den Rhein getrennt. Während drüben durchschnittlich 400 Stück Großvieh aufgetrieben werden, sind es hüben mit Mühe und Not 90. Nicht ganz so kraß, aber doch ähnlich, wirkt sich das Verhältnis zwischen den Nachbarstädten Wiesbaden und Mainz aus, wo der Wiesbadener Markt dem Mainzer den Auftrieb abnimmt, der ihn zu einem wirklichen Großmarkt machen könnte. Genügt es nicht, wenn auf der hessischen Seite Frankfurt seinen überragenden Einfluß ausübt?

Es ist also bei der endgültigen Abfassung des Gesetzes noch manches zu bedenken. Ob es irgend jemandem von Nutzen ist, wenn allzuviele Entscheidungen den Ländern überlassen werden, möge der Bundestag entscheiden. Im Sinne aller Beteiligten wäre gewiß eine Beschränkung des Titels „Großmarkt“ auf jene Plätze wünschenswert, die wirklich einen starken Einfluß auf ihre Umgebung ausüben können. Oder ist es mit dem Prestige einer Landeshauptstadt und eines so bedeutenden Landesteiles wie der Pfalz nicht vereinbar, die größeren Ochsen dem Nachbarn zu überlassen?

Kein voller Anspruch auf Wohnungsgeld

Das Landesarbeitsgericht hatte kürzlich in einem Urteil einen Erlaß des hessischen Finanzministers vom 10. 7. 46 für rechtsungültig erklärt und damit den weiblichen Angestellten des öffentlichen Dienstes das volle Wohnungsgeld zugesprochen. In dem Bericht des „DT“ über diesen Entscheid (27. 9. 50. „Voller Anspruch auf Wohnungsgeld“) besagte der letzte Satz, daß dieses in einem Einzelfalle ergangene Urteil auch für alle gleichgelagerten Fälle gültig sein werde.

Von gewerkschaftlicher Seite wird dazu berichtet, daß diese Feststellung vom Finanzminister Dr. Hilpert nicht geteilt werde. Der Erfolg dieser Ablehnung ist nun der, daß jede weibliche Angestellte einzeln ihren Fall einklagen muß. So liegen allein bei der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr 70 Klagen, die sich alle auf einen gleichgelagerten Fall beziehen. Die Gewerkschaft rechnet mit noch mehreren hundert Klagen, die je nach der Höhe des Streitwertes die Finanzen des hessischen Staates belasten, ganz abgesehen davon, daß das Urteil schon bei fast allen Klagen im voraus feststehen dürfte. Bn.

Kohlenmangel und Kohlenverteilung

Ruhrbehörde auf der Suche nach einer Lösung

(hi) Die völlig veränderte Lage auf den Kohlenmärkten wird auf der Mittwochsitzung der Ruhrbehörde Punkt 1 der Tagesordnung sein. Bekanntlich hat vor kurzem der Generaldirektor der Deutschen Kohlenbergbauleitung Kost erklärt, bei Anhalten der gegenwärtigen stürmischen Nachfrage würden die Haldenbestände bis Oktober geräumt sein und die Nachfrage müsse sich dann mit dem Angebot aus der laufenden Förderung begnügen. Ruhrbehörde und ihr deutscher Vertreter, Vizekanzler Blücher, stehen vor der Frage, wie die Kohle auf Grund der in- und ausländischen Anforderungen verteilt werden soll.

Wie unser Bonner Vertreter aus Kreisen um Vizekanzler Blücher erfährt, wird es sich darum handeln, einen gerechten Mittelweg zwischen den in- und ausländischen Ansprüchen bei diesen Besprechungen zu finden. Vom Bundeswirtschaftsministerium wird unserem Bonner Vertreter erklärt, daß die Alliierten auf alle Fälle die deutsche Forderung annehmen, mindestens zehn Millionen Tonnen für die Bevölkerung als Hausbrand abzuzweigen. Das Bundeswirtschaftsministerium betont erneut, daß keine Kohlenbewirtschaftung eingeführt werde und daß die Versorgung quantitätsmäßig ebenfalls besser sei als im Vorjahre. Der Hausbrand habe den Vorrang.

Gasanfall und Kohlenmangel

Hd. Die durch die steigende Beschäftigung hervorgerufene Mehranforderung der Industrie kann zwar durch die derzeitigen Reserven in der Gasversorgung auch im Winter gedeckt werden. Es fehlt jedoch die Möglichkeit des Spitzenausgleichs. Infolgedessen wird die westdeutsche Industrie im Winter gegebenenfalls mit Einschränkungen rechnen müssen, wenn lange Kälteperioden eintreten. Die Industrieunternehmungen im Ruhrgebiet werden infolgedessen darauf hingewiesen, möglichst weitestgehend die für die Gasentnahme schwachen Stunden, vor allem die Nachtstunden, auszunutzen, um Störungen in der Gasversorgung zu vermeiden.

Doch Pfund-Aufwertung?

AP. Großbritannien hat bekanntgegeben, daß sich die britischen Gold- und Dollarreserven seit der Abwertung des englischen Pfundes vor einem Jahr mehr als verdoppelt haben.

Gerüchte aus Finanzkreisen und in der Presse sprachen von dem Plan einer 10- prozentigen Aufwertung des Pfundes auf 3,08 Dollar. Australien und Pakistan sollten ähnliche Maßnahmen beabsichtigen. Der bevorstehende Besuch des britischen Wirtschaftsministers in Nordamerika hat den Gerüchten über eine beabsichtigte Aufwertung des Pfund Sterling neue Nahrung gegeben.

4 Mill. Dollar für Reisen

vwd. Das deutsch-italienische Zahlungsabkommen wird in Kürze offiziell bekanntgegeben werden. Die wichtigste Neuerung ist die zweiseitige Kontenführung bei der Bank deutscher Länder und beim Uffizio Italiano dei Cambi In Landeswährung und Fakturierung in DM, Lire oder einer anderen Währung.

In dem Zusatzprotokoll zum Zahlungsabkommen ist das am 28. September vorigen Jahres geschlossene Filmabkommen bis zum 30. Juni 1951 verlängert worden. Der für sonstige deutsche Reisezwecke zur Verfügung stehende Betrag von 2,8 Millionen Dollar zuzüglich 1,2 Millionen Dollar für Pilgerreisen verteilt sich auf das ganze Vertragsjahr. - *

IG-Aktionäre

vwd. Ein Round-Table-Gespräch über die Zukunft der deutschen chemischen Industrie forderte der Vorsitzende der Schutzvereinigung der IG-Aktionäre, Staatssekretär a. D Schmid, in einer Protestversammlung der IG-Aktionäre in Köln. Wenn man sich am runden Tisch geeinigt habe, sollten die Alliierten die Ausführung der IG-Neuordnung den deutschen Stellen überlassen.

Zahlungsbilanz mit rund 127 Millionen Dollar passiv

vwd Die Fortführung der Liberalisierung und das Problem des Zahlungsausgleichs werden auf der in Paris beginnenden Ratstagung der OEEC im Vordergrund der Besprechungen stehen. Von besonderer Bedeutung für die deutsche Bundesrepublik ist die Frage des Zahlungsausgleichs, nachdem sich die deutsche Gesamtverschuldung gegenwärtig auf rund 127 Millionen Dollar beläuft, davon allein 85 Millionen Dollar gegenüber Frankreich, so daß nunmehr Gold- oder Dollarzahlungen von rund 12,8 Millionen Dollar fällig werden. Von deutscher Seite dürfte in Paris darauf hingewiesen werden, daß zwar die Zahlungsbilanz des Bundesgebietes einen Passiv-Saldo aufweist, das jedoch auf Grund der Struktur der deutschen Ausfuhr einen Ausgleich der Konten bis zum Jahresende ermöglichen würde.

Erhöhte Goldreserven

(vwd) Die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten im Verkehr mit den übrigen Ländern der Welt wies im zweiten Vierteljahr 1950 ein Defizit von 637 Millionen Dollar auf. Einem Ausfuhrüberschuß der Vereinigten Staaten in Höhe von 726 Millionen Dollar standen Leistungen der amerikanischen Regierung im Rahmen der Auslandshilfsprogramme, Zuwendungen privater Organisationen und Privatanleihen an andere Staaten sowie Auslandsinvestitionen in Höhe von 1,363 Milliarden Dollar gegenüber.

Die Länder des Sterlingsblocks konnten durch die Transaktionen mit den Vereinigten Staaten ihre Gold- und Dollarreserven in der Berichtszeit um etwa 280 Millionen Dollar erhöhen, die übrigen Marshallplanstaaten um rund 230 Millionen Dollar.

Von Wechselsteuer befreit

Bz. Bekanntlich hat die Bank deutscher Länder eine Refinanzierungszusage von 300 Millionen DM gemacht. Von diesen Krediten können nun die deutschen Lieferanten nach einem Erlaß des hessischen Finanzministers vom 26. 6. 1950 in der Weise Gebrauch machen, daß sie Sola-Wechsel mit einer Laufzeit von drei Monaten ausstellen, die dann erforderlichenfalls prolongiert werden können. Für solche Wechsel erfolgt eine Befreiung von der Wechselsteuer.

Die Einschaltung der Zechenstromer¬ zeugung des Steinkohlenbergbaus an der Ruhr in die öffentliche Stromversorgung soll nunmehr auf Grund eines dreißigjährigen Stromabnahmevertrags erfolgen, den das R. W. E. mit der Steinkohlen-Elektrizitäts-AG Essen abgeschlossen hat» Um 241,2 Millionen DM hatten die Kredite der Bank deutscher Länder an Wirtschaftsunternehmen im Bundesgebiet in der ersten Septemberhälfte zugenommen. Sie belaufen sich nun nach Mitteilung der Bank deutscher Länder auf rund 8.3 Milliarden DM.

Die Opel-Werke in Rüsselsheim stellten 6568 Personen- und Lieferwagen, darunter 3454 Olympia- und 801 Opel-Schnelllieferwagen 1950 im September her.

Mit der Auslieferung eines neuen 5,5 Tonnen Lastkraftwagens hat die Büssing-Nutzkraftwagen GmbH, in Braunschweig begonnen, zum Preis von 23 500 DM.

3110 Personenwagen, 535 Lastwagen und 88 Omnibusse hat die - Benz-AG im September gebaut.

Die Produktion eines neuen 4 t Diesel- Lastwagens und des Hansa-1500 Kastenwagens lief bei den Bremer Borgward-Werken an.

Hundert Güterwagen für Pakistan und 15 Gepäckwagen für die Türkei wurden bei der Maschinenbau-Anstalt in Helmstedt in Auftrag gegeben.

Ein Zuteilungssystem für Wolle mit festen Preisen wird, so erwartet man die Delegation der Vereinigten Staaten auf der in London eröffneten Vierteljahres-Konferenz der internationalen Studiengruppen für Wolle einbringen. Auch von Australien und Neuseeland werden Vorschläge auf eine neue Marktregelung im Wollverkauf erwartet.

vwd. Devisen in Werten von annähernd 620 000 Dollar für die Einfuhr von 560 000 Sack Zement aus der deutschen Bundesrepublik hat Brasilien freigegeben.

Kurse vom 2. Oktober 1950

Neuyork Getreide: Weizen, hardwinter Nr. 2 261,25; Mais, gelber Nr. 2 180; Hafer, weißer N. 2 99,5; Roggen, Western fob NY. 175,75; Gerste, Nr. 2 —; Mehl, hardwinter 5,75—95; Roggenmehl 4,70—85.

Kolonialwaren: NY. Zucker, Nr. 5 loco 6.25; NY. Kaffee, Santos loco 55,50; NY. Kakao. Accra loco 37,62.

Fette und Oele: Chicago, Schweine, leichte 19.00; Chicago, Schmalz, loco 11,75.

Textilrohstoffe u. Häute: NY. Baumwolle, loco 42.05j»N0. Baumwolle, loco 40.75; Sao Paolo, Bäwnwolle 275,6; Jute, Ld Daisy V» 111; Häute, NY. 27,44.

Kautschuk; London, loco 44,50; Neuyork, loco 52,50.

Neuyork loco-Metalle: Aluminium 17,50-19; Blei, loco NY. 16; Kupfer, midwest. 245/s; N ckel 48; Quecksilber, einh. 87—93; Zink, St. Louis 17,50; Zinn. Grad „A“ 104.

Alexandria Baumwolle: Karnak 99,10; Ashmouni 99.30.

Westdeutsche Metalle: Hüttenzink 995.

Börsen und Warenmärkte

Frankfurter Börse

Bz. Die Börse war bei etwas kleinerer Umsatztätigkeit weiterhin freundlich gestimmt. Trotz der sehr knappen Geldmarktverhältnisse infolge der Erhöhung der Mindestreserven stellten sich auf den verschiedenen Märkten einzelne Käufe ein. Bevorzugt wurden Siemens Stamm- und Vorzugs-Aktien mit je 46,50 (d. h. pl. 1,5). Aber auch sonst gab es vielfach noch Steigerungen von 1 bis 1,5 Punkten. Im Freiverkehr standen Berliner Werte erneut im Vordergrund mit Steigerungen bis zu zwei Punkten. Am Rentenmarkt kam weiter etwas Material heraus, das glatt Aufnahme fand.

Freie Devisenkurse

Bz. Frei bewertet wurden am 3. 10. der US-Dollar mit 5,15 bis 5.55 DM, das engl. Pfund mit 12—13 DM, der Schweizer Franken mit 1,15—1,25 DM, der holl. Gulden mit 1,15 bis 1,25 DM, die dänische Krone mit 0,48 bis 0,52 DM, die schwedische Krone mit 0,72 bis 0,78 DM.

In den Berliner Wechselstuben wurden am 3. 10. für eine DM-West 5 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.

Vrankfurter Vier-Großmarkt

Bz. Das Geschäft am Eiermarkt lag sehr ruhig. Auslandsware. Holland und Nordware SS 26, S 25. A 23,5, B 22,5, C 21,5 Pfennig (alle ohne Aenderungen), D 19,5 nach 20,5 Pf. in der vorangegangenen Woche. Junghenn-Eier stellen sich auf 18 bis 15 (18 bis 15,5) Pfennig, Ostware Vs bis 1 Pfennig niedriger.

Feuilleton

Der Weg Kasimir Edschmids

Zu seinem 60. Geburtstag am 5. Oktober

VON FRANK THIESS

Nicht viele, die heute in Kasimir Edschmids Büchern lesen, werden wissen, daß der Dichter, der am 5. Oktober vor 60 Jahren in Darmstadt zur Welt kam, einst der führende Revolutionär unter den expressionistischen Avantgardisten gewesen ist. Ein großer Lebensbogen, der unvereinbare Widersprüche zu umspannen scheint, wölbt sieh über einem schriftstellerischen Werk, dessen Bedeutung uns erst klar wird, wenn wir uns jener bewegten Epoche der deutschen Literatur nähern, die man oft mit dem Sturm und Drang verglichen hat. 1913 erschienen Franz Werfels erste Gedichte, 1915 Kasimir Edschmids erste Novellen: „Die sechs Mündungen“, 1916 „Timur“, 1920 „Die Fürstin“ und der Roman „Die achatenen Kugeln“. Wenige Jahre früher hatte Gottfried Benn der deutschen Lyrik ein neues Gesicht gegeben. Damit sind die drei dem Range nach bedeutendsten unter den Expressionisten genannt.

Edschmid, der Prosaist unter den Lyrikern Benn und Werfel. Als eine in jedem Betracht auffällige Erscheinung betrat er die Bühne der Literatur. Gewiß, das Auffällige, Krasse, Laute, Unbürgerliche war allen Expressionisten eigen, doch Edschmids Radikalismus zeigte so entschiedene Züge von Geist, daß es unmöglich gewesen wäre, bei der Tatsache einer bloßen Obstruktion gegen alles Herkömmliche und Geprägte stehenzubleiben.

Dieses Herkömmliche und Geprägte, die Welt zwischen konventionellen Grenzen, die Kunst des Naturalismus (Momentphotographien mit sozialen Ambitionen) neigte sich dem Ende zu, und es war das unzweifelhafte Verdienst der Expressionisten, eine innerlich ausgehöhlte literarische Form zerschlagen zu haben. Edschmids Stil nun ging über jeden nur möglichen Kompromiß, wie er sich etwa in den Werken Heinrich Manns abzeichnete, hinaus. Er zerriß das farblos und brüchig gewordene Gewand der deutschen Sprache zu Fetzen. Es war ein rebellischer, ein anarchischer Stil, der keine akademische Regel gelten ließ, sondern als das einzig ihn bestimmende Gesetz den Ausdruck gelten ließ.

Ausdruckskunst!. Noch in einem 1949 erschienenen Buch hat Gottfried Benn diese Wortformel für seine Forderung nach einer literarischen Wertbasis übernommen. Kein Zweifel, daß mit diesem aus dem Expressionismus abgeleiteten Begriff das Wesen des Dichterischen an seinem wichtigsten Punkte erfaßt wurde. Der provinziale Charakter der deutschen Epik, selbst dort, wo sie künstlerischen Rang vorwies, ergab sich aus dem erprobten und konsequent weiterverfolgten Prinzip der Schilderung. Edschmid begriff, daß keine noch so vollkommene Schilderung imstande sein konnte, den Sinn-Kern eines Geschehens herauszuheben, weil die bloße Verkettung von Tatsachen stets im Kausalen hängenblieb. Nun aber verläuft das Leben weder nach kausalen Gesetzen, noch handelt der Mensch logisch, auch wenn er dies zu tun glaubt, vielmehr haben alle Impulse ihre Ursache in einer Dynamik, die sich aus dem Unbewußten speist. Auf die den Vorgang aufdeckende innere Dynamik kam es an! Dichtung war niemals Kunstphotographie, sie war Enthüllung.

Das alles ist uns heute mehr oder weniger vertraut, aber damals stellten Werke,, die es unternahmen, ein solches Programm radikal durchzuführen, doch etwas bestürzend Neues, etwas Niedagewesenes auf den Plan. Die konsequente Durchpeitschung aller Programmpunkte führte unweigerlich zu Extremen, ja Extremitäten, und man braucht nur an den Sturm und Drang zu denken, um festzustellen, daß selbst große Talente, sogar Genies wie Goethe, nicht immer der Gefahr des Überakzentuierens, Übertreibens und Überstülpens entgangen sind. Aber in den Jahren des Sturm und Drahg. wie zur Zeit des Expressionismus, wollte man ja übertreiben, man wollte die Schläfer wecken, man wollte beunruhigen, man wollte aufstören und verletzen.

Das gelang Edschmid in einem bewunderungswürdigem Maße. Am lautesten schossen „Die sechs Mündungen“, das eigentliche Bannerwerk der Bewegung, dem fünf Jahre später der expressionistische Roman „Die achatenen Kugeln“ folgte. In diesen fünf Jahren gelang es ihm nicht nur, seine deutschen Leser auf das stärkste zu fesseln. Auch in England, Frankreich, Belgien, in den Niederlanden, Österreich und Italien sah man in Edschmid die interessanteste Erscheinung im Raume des deutschen Schrifttums.

Der Ruhm war verdient. Dieser Revolutionär, mehr Mirabeau als Jakobiner, hatte nicht nur den Mut gehabt, eine literarische Tradition kurzerhand abzubrechen, er hatte auch seinem Stil Möglichkeiten abgerungen, die partienweise überraschende seelische Zusammenhänge freilegten. Mit Hilfe dieses gleichsam gefeuerten Ausdrucksstils, dessen Syntax dem inneren Gesicht der Vorgänge rücksichtslos angepaßt wurde, glückten ihm Temporaffungen, Farbeffekte, Vierteltöne, auch Überschneidungen physischer und seelischer Begebenheiten, die bei aller Outriertheit etwas Neues in die Welt setzten: eine explosive Dynamik.

Zu Anfang der zwanziger Jahre griff ich Edschmid öffentlich an, weil ich fest überzeugt war, daß seine große Begabung unweigerlich sich in einer sterilen Manier festlaufen mußte, falls er so fortfuhr. Ich selber war nur durch die Randgebiete des Expressionismus gegangen, aber sosehr ich die in dieser Bewegung wirkende echte Glut und das Geistrevolutionäre ihrer Ideen bewunderte, ich sah, daß Edschmid mit der Überprüfung aller Möglichkeiten der deutschen Sprache und der Niederschlagung des Naturalismus und Symbolismus seine Aufgabe erfüllt hatte, und daß es äußerst bedenklich wäre, den Kurs noch länger halten zu wollen.

Es ist mir stets als ein Beweis für Kasimir Edschmids souveräne Intelligenz erschienen, daß er gleichsam von heute auf morgen die Periode des Extremismus beendete und zum Entsetzen vieler ehemaliger Kampfgenossen allem Anschein nach in das bürgerliche Lager einschwenkte. Schon das „Bücher-Dekameron“, brillante Essays aus dem Jahre 1923, war ein Abschluß. In diesen Jahren befand er sich auf Reisen, anfänglich in Europa, später in Südamerika, Afrika, Syrien, Kleinasien. Die Perspektive, aus der Edschmid bisher die Verhältnisse in der Heimat erblickt hatte, mochte sich stark verschoben haben, jedenfalls deckte sie sich nicht mehr mit dem literarischen Sansculottentum. Älter, reifer geworden, sah Edschmid wohl auch ein, daß die expressionistische Stilform sich nicht für die Wiedergabe von Eindrücken, die er in fernen Kontinenten gewonnen hatte, eignete. Er trat einen Rückzug an, der unvermeidlich war, falls er nicht auf der Stelle versinken wollte. Edschmid versuchte in dem Roman „Der Engel mit dem Spleen“ eine etwas zurückgelegte Stellung zu halten, doch d;e Bedeutung innerhalb seiner Produktion hatte sich bereits auf ein anderes Gebiet verlagert.

Er schrieb Bücher, die ihm den Namen eines „Reiseschriftstellers“ eintrugen, weil man gewöhnt war, daß nur Reporter sich damit befaßten, fremde Länder zu schildern. Man hatte nur vergessen, daß von Xenophon bis zu Gregorovius in allen Jahrhunderten die größten Meister der Feder diesen Gegenstand für nicht unwürdig sorgfältiger Bemühung gehalten und auf das Niveau erlesener Literatur gehoben hatten. Die ersten Werke dieser Art, „Das große Reisebuch“, „Stiere, Basken, Araber“, die Werke über Afrika und Südamerika hielten sich noch im Rahmen einer schriftstellerischen Brillanz, manches darin blieb wirklich nur Reportage, manches Skizze, manches farbig-lebendige Impression.

Doch in aller Stille wuchs bereits ein Werk, an dem Edschmid über 15 Jahre arbeitete und das ihn zum unbestrittenen Meister dieser Gattung werden ließ: „Italien“.

Die fünf Bände des großen Italienwerkes sind ein unvergleichliches Zeugnis der Verbindung von Dichter und Wissenschaftler. Alles Erarbeitete, Gesammelte, Geschaute, Gefundene ist darin aufgelöst in eine ihm allein eigene Form der Gestaltung, deren unmittelbare Plausibilität nur noch von der Kunst übertroffen wird, mit der hier Ernstes und Nächstes miteinander verbunden sind. Er sieht das Vaterland unserer Kultur, ganz ähnlich wie Goethe, als sinnlich Momentanes und zugleich als Produkt eines ungeheuren, z weitausendj ährigen geistesgeschichtlichen Prozesses.

Unter den Romanen und zahlreichen Novellen, die während der Riesenarbeit am Italienwerk herauskamen, möchte ich nur die erwähnen, die für Edschmids literarischen Weg charakteristisch sind: „Die gespenstischen Abenteuer des Hofrats Brüstlein“, das er im Jahre 1948 umarbeitete und „Pourtales Abenteuer“ nannte. Die Spuren des Expressionismus sind noch erkennbar, doch die Dynamik des akausalen Geschehens bereits verwandelt in einen halb romantischen, halb surrealistischen Stil. Dann 1937 „Deutsches Schicksal“, einer der vielleicht erregendsten, brillantesten und spannendsten seiner Romane, auch er die Frucht seiner großen Länder- und Menschenkenntnis. Wenige Jahre später erschien „Der Liebesengel“, das menschlich ergreifendste seiner Bücher. Und neben kleineren Romanen endlich die Nicht-Romane „Lord Byron“, „Das gute Recht“ und „Der Zauberfaden“.

An ihnen wird nun deutlich, daß die Rückkehr zum Romantypus älteren Schlages uns durch Einsichten in das wild Romanhafte der Existenz schlechthin versperrt ist. Man kann nicht mehr so tun, als wolle man dem Leser ein unerhörtes Begebnis erzählen, während weit unerhörtere Begebnisse den Charakter unseres Daseins bestimmen. Vor die Frage gestellt, ob denn überhaupt das Einmalige der legitime Gegenstand des Romans oder der Novelle sei und nicht vielmehr das Allgemeine, eingebettet in ein individuelles Schicksal, entschied auch Edschmid, wie es nicht anders zu erwarten war, gegen den Roman als „Roman“.

Aehnlich wie 30 Jahre früher, als Edschmid von der Notwendigkeit überzeugt war. man müsse zur expressiven Darstellungsweise übergehen, um die Milieukunst des Naturalismus zu überwinden, versuchte er in seinem 1945 vollendeten Buche „Das gute Recht“ einen „Roman“ aus der Preßluft-Atmosphäre der nationalsozialistischen Zeit entstehen zu lassen. Keine „Fabel“, keine dramatische „Ballung“, keine „unerhörten Ereignisse“, nichts als die Reaktionen eines geistigen Menschen auf eine mit jedem Tag unerträglicher werdende Welt. Ja selbst in der Ortswahl ging er der Versuchung aus dem Wege, durch Bombenregen oder Gestapomilieu den Gegenstand interessanter zu machen. Er sollte nicht interessanter werden, er sollte dokumentarisch echt sein. Er sollte in den einfachen Erlebnissen eines Menschen die Gefühle von Millionen spiegeln. Das ist ihm gelungen, und er hat mit dem „Guten Recht“ dem deutschen Schrifttum ein Werk unverfälschter Wahrhaftigkeit geschenkt. Sein Verdienst, daß er nicht einen mit äußeren Spannungen geladenen Roman mit einer romanhaft aufgedonnerten Epoche um die Wette laufen ließ, daß er vielmehr alle Spannungen nach innen verlegte und jedem krachenden Konflikt aus dem Wege ging, dieses Verdienst hielt man für die große Schwäche des Buches. Es war seine Stärke.

Wie verschieden immer „Die achatenen Kugeln“ und „Das gute Recht“ sein mögen, es zeichnet sich doch bei sorgfältiger Betrachtung jene tiefere Gemeinsamkeit ab, die in der Natur des Autors begründet ist: eine unbeugsame Entschlossenheit, den ihm allein gemäßen Weg zu gehen. Ein abseitiger Weg, aber mir will scheinen, als habe er im Laufe von über dreißig Jahren nicht nur von den Landstraßen der Literatur fort-, sondern auch hinaufgeführt in jene stillen und reinen Regionen, von denen erst ein weiter, ein wissender Blick über die Welt möglich ist.

Entnommen detrßuch „Kasimir Edschmid — Ein Buch der Freunde“, gemeinsame Ausgabe der Verlage August Bagel, Düsseldorf, und Kurt Desch, München.


KASIMIR EDSCHMID
KASIMIR EDSCHMID

Der Schrei

Die Frau tauschte den Mantel gegen die Schürze, räumte das Eingekaufte aus der Handtasche und begann das Zimmer zu säubern. Alles mit hastigen Bewegungen, denn die wenigen Stunden nach Feierabend mußten für vieles reichen. Auch über den Spiegel fuhr der Lappen. Nur bei dem Bild auf dem Eckschrank wollte die Hand nicht weiter. Das einzig Greifbare des Mannes; Kopf und Hals, mit dem Auge des photographischen Apparates gesehen, auf einer viereckigen Pappscheibe. Sein Abbild. Sechs Jahre war es her, daß er sie damit allein lassen mußte.

Die Finger der Frau griffen wieder um das Tuch. Sie wollte sich beeilen. Vor dem Schlafengehen mußte noch Zeit zum Auffädeln der Tabakblätter bleiben. So schmackhaft wie gekaufter sollten sie werden. Hermann rauchte so gern. Nicht daran denken, daß er seit sechs Jahren nicht geschrieben hatte.

Als die Frau gerade die Kartoffeln für die Pfanne holte, fuhr ein Schrei durch das Haus. Als wenn jemand zum Sterben gebracht werden sollte. Sie ließ alles stehen und rannte dorthin, von wo der schreckliche Ton gekommen war.

Da saß Martha auf dem Bett, den Kopf in den Händen und durchschüttelt von Schmerz. „Er ist tot“, kam es zwischen würgendem Schluchzen aus ihrem Mund. Und der Fremde neben ihr sagte zu der Eingetretenen: „Ihr Mann war mein Kamerad. Wir mochten ihn alle gern. Er ist im September vor sechs Jahren gefallen. Mit vielen anderen am selben Tag. Kopfschuß. Ein guter Tod.“ Und dann wußte er nichts mehr zu tun, als seine Adresse niederzuschreiben und fortzugehen.

Die Frau legte Martha beide Hände auf die gekrümmten Schultern. „Nun hört das Hin und Her auf“, sprach sie so leise und eindringlich. „Nun weißt du, woran du bist. Du wirst dich daran gewöhnen. Man gewöhnt sich an das Schlimmste. Er hat einen leichten Tod gehabt, brauchte sich nicht zu quälen. Du mußt so weiterleben, wie er es gewollt hat. Er wollte bestimmt nicht, daß du so dasitzt wie jetzt.“ Dann sammelte sie die verstreuten Knöpfe in den Kasten neben der Flickarbeit, kochte eine Tasse Tee, den sie Martha gab, und stellte mit einigen Griffen die Ordnung im Zimmer her.

Als das Schluchzen zu gleichmäßigem Weinen erschöpft war, verließ sie leise die Trauernde. Sie richtete sich das Essen, brachte ein paar Löffel voll-herunter und sah noch einmal nach Martha. Dann holte sie sich ein Stück Schnur und setzte sich an den Tisch. Stumm fädelte sie Blatt für Blatt den Tabak auf. Aber in ihrer Kehle hockte lauernd ein gleicher furchtbarer Schrei, wie er vorhin durch das Haus geklungen war. Dorothee Naumann

Notizen

Sechzehn Originalbriefe von Ricarda Huch sind im Besitz der Sozialpolitikerin Dr. Marie Baum in Heidelberg, die länger als fünfzig Jahre lang mit der 1947 verstorbenen Dichterin befreundet war. Für ein umfassendes Lebensbild, das Frau Dr. Baum unter dem Titel „Leuchtende Spur“ demnächst im Rainer-Wunderlich-Verlag Hermann Leins in Tübingen veröffentlicht, sind diese Briefe als Quellen verwendet worden.

Der spanische Film „Porta Closa“ von Enrique Fite ist auf den in Cannes abgeschlossenen dritten Festspielen der Filmamateure mit dem „Großen Ehrenpreis des Präsidenten der Republik“ ausgezeichnet worden.

38 000 000 Exemplare von Stalins „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion“, Kurzausgabe, sind in den letzten zwölf Jahren in 248 Ausgaben und 66 Sprachen erschienen, berichtet die sowjetische Agentur TASS.

Karl Maria Zwißler leitet im Rahmen der deutsch-französischen Kulturwoche in der Staatsoper Wiesbaden am 10. Oktober eine Neueinstudierung von Glucks „Iphigenie auf Tauris“ und am 15. Oktober die Uraufführung von Hermann Reutters „Topsy“.

Verwandelte Bühne in Oberammergau

Der Festspielsommer in Oberammergau ist zu Ende, unwiderruflich. Zwar wurde von manchen Seiten eine Nachspielsaison propagiert, aber die Gesamtheit der Spieler sprach sich in einer einmütigen Abstimmung dagegen aus.

Die letzten beiden Spieltage des Sommers waren vielleicht besser geeignet, die besondere Situation des Passionsspiels zu kennzeichnen, als der ganze festliche Rummel, der ihnen vorausging. An diesen Tagen nämlich wurden alle verfügbaren Karten — und das sind mit Nebenplätzen über 6000 — in den anliegenden Landkreisen angeboten und — verkauft. Es war eine Prozession Anteilnehmender nicht Sensationshungriger, die am 28. und 29. September in Sonderzügen der Bundesbahn und in Omnibussen von Weilheim, Mittenwald und Garmisch kommend, das herbstnebelfeuchte Tal nach Oberammergau hinauffuhr. Das Frühstück im Netz, die Wolldecke unter dem Arm, keineswegs ein Theaterwilliges oder — gewohntes Publikum, so kamen sie in tausendfacher Auflage und Variationen, um die Passion zu sehen. Dabei hielten sich die Eintrittskarten in der gewohnten Grenze zwischen 9 und 15 DM, was angesichts des vorwiegend ländlichen Publikums eine erhebliche, zumeist nur unter Opfern mögliche Belastung darstellen dürfte.

Es kam dafür bei den letzten Spielen zu der überaus glücklichen Konstellation, daß Spielende und Schauende von derselben Grundhaltung ausgingen. Sie verstanden sich in ihrem religiösen Anliegen, der Ausdruck ihrer Frömmigkeit fand sich ohne gedankliche Hypothese ohne weiteres in den eindringlichen Bildern ihres Glaubens. Ist an und für sich schon der Katholizismus bilderseliger als jede andere christliche Konfession, so findet er obendrein in Bayern Interpreten, die ihre auffällige sinnenstarke und leibhaftige Vorstellung auch unmittelbar wieder in Bilder auflösen können. In dieser intuitiven Erfassung der geistigen Vorlage scheint mir der ungewöhnlich starke Erfolg der Oberammergauer Festspiele zu liegen.

Dem entsprechend ist der hauptsächliche Wirkgrund des Spiels die farbige Szene. Unglaublich feinfühlig sind die Farben gegeneinander und aufeinander gestimmt und die Bewegungen gegeneinander abgegrenzt. Jede Geste in ihrer Hindeutung auf die nächste, Vordergrund, Uebergang und Horizont stehen im Verhältnis meisterhafter Proportion. Das gilt sowohl für die lebenden Bilder wie auch für die bewegte Szene. (Zumal in den Massenszenen fühlt man sich an die alten Meister erinnert.)

Die Spieler, die in bewunderungswürdiger Feinfühligkeit die Grenzen des Laienspielers kaum durch ungekonntes Pathos durchbrechen, wirken durch ihre menschliche Unmittelbarkeit. Die Gestalt des Christus rührt nicht nur zu Tränen — etwa in der Gethsemane-Szene, die wohl den Höhepunkt des Spiels darstellen dürfte — sondern sie erschüttert. Dasselbe gilt für Petrus und Judas in ihren großen Monologen. Die Frauengestalten haben es dagegen schwerer, ihre Rollen entbehren von vornherein so sehr der dramatischen Dynamik, daß ihnen keine andere Entfaltungsmöglichkeit bleibt, es sei denn auf der Ebene des Gefühls. (Die Taschentücher traten denn auch bei dem Erscheinen der Maria und ihrer Frauen stets mächtig in Aktion.)

Hier liegt eine Gefahr — vorausgesetzt, daß man überhaupt es wagt, das Passionsspiel mit den Maßstäben der Aesthetik zu messen. Die Texte, die daran gehen, die prägnanten Aussagen der Heiligen Schrift in endlose Dialoge aufzulösen oder mit einer Unzahl von Worten zu kommentieren, sind für den ernsthaften Vorwurf häufig peinlich trivial. Wären z. B. die langatmigen Verhöre Christi in der Bewegung farbiger Fülle nicht eine Augenweide, so würden sie den Zuschauer töten. Auch Prolog und Musik, zweifellos bestmöglich dargeboten, können nicht an allen Stellen allzu billiger Thematik entgehen. Sie streifen das Revier Sentimentalität eben gerade.

Dennoch sind diese Bedenken — von Anfang an nur zögernd geäußert — keineswegs zentral. Die Kraft der Aussage liegt nach wie vor auf religiösem Gebiet. Man tut deshalb gut daran, sich grundsätzlich der Pilgergemeinde anzuschließen, der es weder um Unterhaltung noch um Kunst, sondern um die religiöse Erhebung zu tun ist. —

Nun liegt der Festspielsommer hinter uns. Der eiserne Vorhang hat sich vor dem Bühnenhaus geschlossen, und der Himmel, der einen Sommer lang mit Regen und Sonnenschein, Hagel und Schnee die Szene verwandelt und bewegt hat, verhängt nun die offene Zwischenbühne mit herbstlichen Nebelschleiern. Die Gäste, die Hunderttausende, sind abgereist, und zirpend fliegen die Schwalben aus ihrem sommerlichen Wohnsitz im Festspielhaus nach Süden. kä

Kasimir Edschmid.

ein Buch der Freunde

96 Seiten, kart. DM 1,20, Ganzl. DM 1.80, Gemeinschaftsverlag August Bagel, Düsseldorf, Kurt Desch, München.

Zum 60. Geburtstag von Kasimir Edschmid haben seine Verlage eine kleine lebendige Festschrift herausgebracht, die der Bedeutung des Autors voll gerecht wird. Sie spiegelt die Anerkennung, die Kasimir Edschmid weit über Deutschland hinaus durch seine Reisebücher und Romane gewonnen hat. Frank Thieß bekennt sich in einem ausgewogenen Essay zum menschlichen und literarischen Rang seines Freundes.

Zahlreiche führende Persönlichkeiten bringen dem Autor ihre Glückwünsche dar. Günter Schab gibt einen ausführlichen Ueberblick über die literarische Entwicklung des Dichters, liebevoll, kritisch und gründlich. Eine sorgfältig gearbeitete Bibliographie beschließt das kleine Werk, das geeignet ist, diesem vielseitigen Autor neue Freunde zu gewinnen. Kurz: eine Festschrift, die über den Tag hinaus Bedeutung behält.

Darmstadt und Umgebung

Ob er steigen wird?

Ka. - Ein Ruck an der Schnur, ein Knistern und Knallen in dem dünnen Seidenpapier — und der Drachen steht im Wind, zum erstenmal in diesem Jahr. Ob er steigen wird? Er ist so schön bunt aus lotem und gelbem Papier auf biegsame Latten geklebt, und der Schwanz ist fein säuberlich gefaltet von schwärzlichen Bubenfingern, die wohl wußten, wie lang und wie schwer er sein müßte. Aber nun ist er vielleicht doch ein bißchen zu gewaltig geraten. Der Drachen schwankt und wackelt auf seiner Wolke von Wind, als sei er beschwipst. Die Schnur gibt nach in des Heiner Hand, aber da läuft der Bub auch schon, als sei er vom Teufel gejagt über den Feldweg und über die Stoppeln, und der Stoppelwind wuschelt ihm die Haare ins Gesicht, und die Füße fegen über den Boden, als berührten sie ihn nicht. Der Heiner bemerkt es nicht und hält erst ein, wenn sich die Schnur in seiner Hand wieder strafft. Dann dreht er sich — im Lauf noch — um und schaut zum Himmel hinauf, wo jetzt sein Drachen steht, durchsichtig glänzend wie ein eigenartiger Vogel.

Rückwärts geht er noch ein paar Schritte weiter und beginnt nun stehend Lage um Lage seiner Spule abzuwickeln, indes der bunte Freund immer höher steigt. Unermüdlich fährt der Wind unter das gestraffte Papier wie unter die Schwingen eines Vogels. Es hebt und senkt sich unter seinem Atem, und der Heiner spürt, wie es sich gegen ihn stemmt und freut sich.

Stolz leuchtet aus seinen Augen, wie er da auf dem Oberfeld steht, verschwitzt, windzerzaust und-mit schiefen Absätzen. Er hat doch recht gehabt: Der Schwanz war nicht zu lang. Der Drachen steigt!

Soll Darmstadt eine Aufbaunschule bekommen?

Zu unserem gestrigen Artikel „Zuviel Schulraum in Darmstadt?“, in dem wir die Vermutung aussprachen, daß wahrscheinlich im Parterregeschoß der Diesterwegschule die Aufbauschule untergebracht werden würde, erhielten wir von maßgeblicher Seite folgende Zuschrift:

Darmstadt bekommt keine Aufbauschule, denn es hat schon eine. Seit dem 17. Dezember 1945 nämlich war die „Realgymnasiale Aufbauschule Darmstadt“ in Traisa im ehemaligen Kinderheim Waldeck, eröffnet worden. Dort, wenn auch nicht im Kinderheim, das die Stadt Darmstadt wieder zurückhaben möchte, aber in unmittelbarer Nachbarschaft davon, hofft die Schule für die Dauer sich einrichten zu können. Dahin gehen die Wünsche der Direktion und des Lehrkörpers, vor allem aber die Wünsche der Schüler und der Eltern, die im Mai dieses Jahres, als von einer Verlegung nach Bensheim die Rede war, einmütig ihr Verlangen an die Regierung herantrugen: Daß die junge Schule zwar in der Nähe der Stadt bleibe, nicht aber in diese selbst, oder gar in ein Landstädtchen verlegt werde. Auch die Stadt Darmstadt wünscht, daß ihr diese neue, zukunftweisende Schulgattung nicht verloren gehe.

Das kann sie allerdings nur verhindern, wenn sie baldmöglichst das Baugelände zur Verfügung stellt, um das die Direktion und andere staatliche Stellen sich schon lange bemühen. Ein anderer Plan, der nämlich, die Aufbauschule in das in Aussicht genommene große Schuldorf bei Jugenheim a. d. B. einzubeziehen, zu dem die Amerikaner große Zuschüsse versprochen haben, könnte die Verwurzelung in der unmittelbaren Nähe Darmstadts vereiteln.

Es wäre immerhin eine Lösung, wenn auch eine Notlösung. Die Beteiligten würden nur mit schwerem Herzen diesem Plane zustimmen, wenn die Stadt Darmstadt und die oberste Schulbehörde den wohl erwogenen und oft vorgetragenen Gründen der Direktion und des Elternbeirats sich verschließen sollten.

Im Dienste des Ostens?

Wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, veröffentlichte das „Aktionskomitee gegen die Fünfte Kolonne“ eine Liste mit 84 Namen von Personen, die in Westdeutschland „aktiv in den kommunistischen Tarnorganisationen tätig sind“. Unter diesen Namen standen aus Darmstadt H. Benz, als Mitglied des Landeskomitees Hessen der „Kämpfer für den Frieden“ und Frau Dr. Richtzenhain als Mitglied des gleichen Komitees.

Prof. Meßmer fliegt nach USA

Der Rektor der Darmstädter Technischen Hochschule, Prof. Dr. Gustav Mesmer erhielt einen Ruf an die Washington University in St. Louis im Staate Missouri. Für die Dauer eines Jahres wird Prof. Mesmer, der gestern mit dem Flugzeug Deutschland verließ, Vorlesungen über höhere Mechanik halten. Gleichzeitig wird er mit der dortigen Industrie Verbindung aufnehmen. Noch im Dezember dieses Jahres soll ihm seine Familie nach den Staaten folgen. Für die Dauer seiner Abwesenheit übernehmen Prof. Maguerre und Prof. Karas die Vertretung des Rektors in Prüfungen und Vorlesungen. Das Amt des Prorektors ist noch unbesetzt, da die. Entscheidung aus Wiesbaden aussteht. Wahrscheinlich dürfte Prof. Busch das Prorektorat übernehmen. -st

Beginn der Vorprüfungen

in der Technischen Hochschule

Die Diplom-Vorprüfungen in den Fakultäten Architektur, Bauingenieur, Vermessungswesen, Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathematik, Physik und Kultur- und Staatswissenschaften (Wirtschaftsingenieure) werden in der Technischen Hochschule in der Zeit vom 9. bis 28. Oktober abgehalten. Zur Zeit laufen die Hauptprüfungen für das Bauingenieurwesen, für Maschinenbau und Elektrotechnik. “st

Mit der Badehose umgezogen

Jetzt kann niemand mehr sagen, daß er keine Gelegenheit zum Schwimmenlernen gehabt hat, wenn im nächsten Jahr die Badesaison beginnt. Für die Mutlosen winkt das warme Wasser des Darmstädter Hallenschwimmbades, und die wachsamen Augen des Schwimmmeisters werden verhüten, daß er seine ersten Versuche auf dem Grund macht.

Seit Montag, dem ersten Tag des Badebetriebs, hat ein ständiger Strom von Besuchern eingesetzt, die ein unheimliches Reinigungsbedürfnis an den Tagen legen. Montagabend erschien der erste Verein mit 145 kräftigen Mannen und auch zehn Schwimmiünger haben sich der Angel des Meisters anvertraut. Lufttemperatur 27 Grad, Wassertemperatur 23 Grad — ein Paradies für Badelustige. Wenn es auch im Woog 124 000 Sonnenfreudige waren, die diesen Sommer die einheimischen Gewässer durchruderten, zu denen noch 37 000 Schwimmer im Arheilger Mühlchen und 18 800 im Eberstädter Bad hinzugerechnet werden müssen, so ist doch zu hoffen, daß diese Zahlen wenigstens annähernd im neuen Hallenschwimmbad erreicht werden. Tagsüber sind es bisher fast ausschließlich Jugendliche, die ihre Schulferien im Kachelbecken verbringen, und erst abends, nach 18 Uhr kommen die Vereine, um hier, unabhängig von Regen und anderen Witterungseinflüssen für ihre kommenden Wettkämpfe im Frühjahr zu trainieren. hfl.

Erntedankfest in Eberstadt

Wie alljährlich beging die evangelische Kirchengemeinde Eberstadt den Erntedanktag mit einem Festgottesdienst, in dem Buben und Mädchen mit dem mit bunten Bändern geschmückten Erntekranz in die Kirche einzogen und die Erntegaben zum Altar brachten.

Am Abend traf sich die Gemeindejugend im Gemeindehaus, das mit herbstlichem Laub von den Mädchen geschmückt worden war. In einem Teil der Räume schenkten Winzerinnen süßen Apfelmost aus und servierten belegte Brötchen. Mit Gesang, Volkstanz und Spiel erlebten die etwa 100 versammelten jungen Eberstädter zusammen mit Pfarrer Weisgärber einen frohen Abend. t-s

Eine Mitgliederversamml. der Deut¬ schen Angestelltengewerkschaft, Ortsgruppe Darmstadt, fand am vergangenen Sonntag im Hotel „Knauf“ statt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Eduard Götz, gab einen Bericht von der Deutschlandtagung der kaufmännischen Angestellten in Bochum, dem sich eine lebhafte Diskussion anschloß.

Sinfonie mit dem Paunkenschlag

Präsident Heuss rettet Ansehen Darmstadts

Wir bilden uns in Darmstadt schon seit jeher etwas darauf ein, daß wir, nicht zuletzt durch unsere Schulen und die Technische Hochschule, einen weltweiteren Horizont haben. Das hat sicherlich seine Berechtigung. Wir spielen in der Sinfonie der Völkerverständigung zwar nicht die erste Geige, aber immerhin einen ganz ordentlichen Bratsch^npart, der das Musikstück so richtig abrundet. Beweis dafür: Die Reise unseres Oberbürgermeisters nach den Vereinigten Staaten; Einladungen führender Männer unserer Stadt nach „drüben“ und die namhaften Besuche, die wir in letzter Zeit in unseren Mauern begrüßen durften. Selbst bei ernster Kritik muß man feststellen, daß dieses Orchester einen gewissen Wohlklang hat.

Nur mit dem Paukist, da stimmt manchmal etwas nicht. Entweder schläft er, oder er ist in den Noten nicht so sicher, wie man das für einen ausgebildeten Büro-, Verzeihung, Demokraten und Solisten erwarten müßte. Unser Paukist schlug also einmal kräftig auf die Pauke, und wenn schon nicht das Kalbfell platzte, so doch wenigstens ein Kragen und der Glaube an den gesunden Menschenverstand. Da kam Mister Salil Kumar Dutta direkt aus dem sonnigen Indien nach Darmstadt, um sich hier an der Quelle der exakten technischen Wissenschaft ausgiebig zu laben. Das erste, was er tat, war, wie bei normalen Menschen üblich, daß er sich ein Zimmer suchte, und solches durch Vermittlung des Studentenwerks zugewiesen erhielt.

Aber die Sache hatte einen Haken, alldieweil das Zimmer nicht frei war. Nicht etwa, daß in ihm jemand wohnte, es war nur beschlagnahmt, und zwar durch ein fossiles Amt, dem . . ~ na, Sie werden es erraten. Da kam einer, stellte fest, tfhd wies aus. Binnen weniger Stunden. Warum? Damit unter Umständen ein anderer einziehen kann, ein Befugter, sozusagen.

Mister Dutta schrieb einen Brief an Herrn Heuss und stellte sein Befremden darüber fest. Umgehend antwortete ihm ein Bundesregierungsrat und sagte zu, daß dieser Fall geprüft werden würde, und nach Stellungnahme durch unseren Oberbürgermeister bekäme Mister Dutta einen abschließenden Brief von Bundespräsident Heuss zugestellt. Wir loben: die Schnelligkeit, mit der die Regierung auf diese Eingabe geantwortet hat, und den sachlichen und angenehmen Ton.

Wir wundern uns aber, daß der gesunde Menschenverstand ausgestorben ist, selbst wenn Verfügungen und Bestimmungen hundertmal Recht haben sollten, aber hier geht es nicht um Verfügungen, sondern um das Prestige der Stadt, und das scheint doch einen kleinen Knax bekommen zu haben. hfl

Wieder bei Gräfenhausen

Verkehrsunfall durch Teilabsperrung der Autobahn

Infolge der Absperrung der einen Fahrbahn der Autobahn bei Gräfenhausen ereignete sich am Montag, gegen 11 Uhr, ein Verkehrsunfall. Ein aus Richtung Darmstadt kommender Lastzug mit zwei Anhängern wollte in die linke Fahrbahn einbiegen, als zu gleicher Zeit ein amerikanischer Pkw zum Ueberholen ansetzte. Der Personenwagen stieß dabei dem Motorwagen des Lastzuges in die Seite. Es entstand an beiden Fahrzeugen Sachschaden. DT

Straßenbahn stieß auf Pkw.

Ein amerikanischer Personenkraftwagen, der gestern abend gegen 19 Uhr die Rheinstraße in Richtung Luisenplatz befuhr und plötzlich vor dem Cafe Hauptpost anhielt, wurde von einem nachkommenden, in gleicher Richtung fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 9 gerammt. Es entstand Sachschaden; Personen wurden nicht verletzt.

Unfall auf der Rheinstraße

In den späten Abendstunden lief vor dem Cafe Hauptpost ein amerikanischer Besatzungssoldat in ein in Richtung Luisenplatz fahrendes Beiwagen-Motorrad. Der Amerikaner stürzte und zog sich Verletzungen zu. Mehrere US-Soldaten brächten den Verunglückten in das Cafe, wo sie ihm erste Hilfe leisteten. Der überraschte Kraftfahrer wurde aufgefordert, seine Fahrt umgehend fortzusetzen. Sg.

Fost eine halbe Million

für Darmstadts Studentenschaft

Der Studentenschaft der Darmstädter Technischen Hochschule ist von Hochkommissar McCloy der Betrag von 430 000 DM zur Verfügung gestellt worden, der ausschließlich für ihre Zwecke verwendet werden soll. Mit diesem Geld sollen in der Otto-Berndt-Halle eine große Mensa, ein kleines Theater, Clubräume und ein Studentenrestaurant ausgebaut werden. Der Senat der Technischen Hochschule hatte ursprünglich beabsichtigt, in den Wiederaufbau der Otto-Berndt-Halle den Ausbau der ehemaligen Alexanderkaserne einzubeziehen. Das Geld muß nach den amerikanischen Anweisungen bis zum 31. Dezember 1950 verbaut sein. -st.

Hervorragende Hundedressur

Dressurgemeinschaft 1913 Arheilgen führt ihre Hunde vor

Die sonntägliche Veranstaltung wurde mit Gehorsamsübungen eröffnet, an denen zwanzig Hunde teilnahmen. Auffallend hierbei: Der Sprung einer Schäferhündin über die zwei Meter hohe Kletterwand sowie über fünf nebeneinandergestellte Fahrräder. Die sprichwörtliche Ruhe ihrer Rasse bestätigte eine Boxerhündin, die sich auch durch brennende Reifen nicht nervös machen ließ. Ein Auto-Ueberfall zeigte, daß ein guter Hund auch durch List nicht zu überwinden ist. Daß Hunde nicht auf bestimmte Personen abgerichtet sind, sondern jeden Verbrecher stellen, zeigte ein 13 Monate alter Airedale-Terrier-Rüde. Aus dem, die Veranstaltung abschließenden Hetzen aller Hunde konnte man nochmals deren hohen Ausbildungsstand bewundern. Sg.

Vorläufig nur im Modell

Schaufliegen auf dem Griesheimer Sand

Sonntagmorgen starteten seit langer Zeit wieder zum erstenmal Segelflugzeuge — allerdings nur im Modell — auf dem Griesheimer Sand zum Schaufliegen. Außer der Darmstädter und Griesheimer Gruppe nahmen noch einige auswärtige Gruppen teil. Durch das böige, regnerische Wetter kamen von den 18 gestarteten Modellen einige zu Bruch. Interessenten und Sportfreunde des Modellbaues bewunderten die tadellose Konstruktion der einzelnen Modelle. Besondere Beachtung fand die Griesheimer Gruppe mit ihrem Benzinmotorflugzeug, dessen neuartige Konstruktion in Fachkreisen lebhaft diskutiert wurde.

Das Schaufliegen bewies, daß der deutsche Segelflugsport trotz längerer Pause leistungsmäßig Schritt gehalten hat. ms

Zum Welt-Tierschutztag 1950


„Das Tier hat ein fühlendes Herz wie Du, das Tier hat Freude und Schmerz wie Du, das Tier hat den Hang zum Streben wie Du, das Tier hat ein Recht zu leben wie Du!" Diese Worte Peter Roseggers mögen al!e Menschen ermahnen, ihre vierbeinigen oder gefiederten Freunde mit der Liebe zu behandeln, die ihnen als Geschöpfe der Natur eigentlich zusteht. Foto: Kenner
„Das Tier hat ein fühlendes Herz wie Du, das Tier hat Freude und Schmerz wie Du, das Tier hat den Hang zum Streben wie Du, das Tier hat ein Recht zu leben wie Du!" Diese Worte Peter Roseggers mögen al!e Menschen ermahnen, ihre vierbeinigen oder gefiederten Freunde mit der Liebe zu behandeln, die ihnen als Geschöpfe der Natur eigentlich zusteht. Foto: Kenner

Am Tier übt sich Barmherzigkeit

Tierschutzverein in Darmstadt noch nicht wieder in Betrieb

Interview unseres Sg.-Mitarbeiters mit Dr. Heldmann zum Welt-Tierschutztag 1950

„Wir sollten nicht das Tier von dem Podest der Ueberheblichkeit aus behandeln, sondern versuchen, in seine Psyche einzudringen. Eines hängt vom andern ab, der stoffliche Unterschied zwischen Mensch und Tier sei dabei, wenn vorhanden, nicht das Wesentlichste“, sagte Dr. Heldmann, ein berufener Sprecher und Vertreter des Tierschutzgedankens. Es seien zu wenig Mitarbeiter vorhanden und der Kampf gegen den Sadismus mancher Menschen reiße nicht ab. Bei der Wichtigkeit des Problems registriere man die Tatsache, daß es nicht möglich sei. das Tierschutzheim am Sensfelder Weg in Darmstadt seiner Bestimmung wieder zuzuführen: nämlich den vielen gequälten Tieren Schutz und Unterkunft zu gewähren.

In Selbsthilfe und mit Hilfe guter Menschen wurde es wieder instandgesetzt, die Bewohner der Siedlung stimmten im Verhältnis 7:1 für die besagte Einrichtung, und trotzdem verhinderten unangebrachte Widrigkeiten den Bestand eines Heimes, das eine selbstverständliche Forderung der Pietät sei.

Wer gegen Tiere grausam sei, könne kein guter Mensch sein. Das sollten sich jene Erwachsenen merken, die etwa ihren Dackel mit Benzin begießen, einen in die Wohnung zugelaufenen Hund so zu hetzen, daß er aus dem Fenster des 4. Stockes springen muß, oder den vierbeinigen, staupekranken „Freund“ im Garten liegen lassen.

Das sind z. B. 3 Fälle, in denen der Darmstädter Tierschutzverein augenblicklich Prozesse führe. Wer jemals ein Pferd im Kriege schreien gehört, werde nicht leugnen können, daß es eine Seele habe.

Wenn man die negative charakterliche Eigenschaft der Verrohung bei Erwachsenen gerne zwei aufeinanderfolgenden Kriegen zuschreibe, so sei bei den Kindern das Verhältnis zum Tier un4er allen Umständen eine Frage der Erziehung: „Kein 12jähriger würde, glaube ich“, erklärt Dr. Heldmann, „die Eier in den Vogelnestern mutwillig zerstören, wenn ihm eindrucksvoll gesagt werde, wie viel schädliche Larven und Käfer von den Vögeln vernichtet werden und wenn er begreifen würde, wie ängstlich das brütende Weibchen den menschlichen Störenfried betrachtet und niemals zu den einmal berührten Eiern zurückkehrt. Wenn das naturkundliche Fach in den Schulen stark vernachlässigt ist, dann müssen eben die Eltern das Kind an die Hand nehmen und ihm an vielfachen Beispielen Achtung vor den Geschöpfen der Natur beibringen. Dann werden Blaumeisen od r RoHreh’chen nicht mehr mit Katapulten oder Luftgewehren aus bloßer Halali-Freude getötet . . .“

Zu erwähnen sei, daß es Dr. Heldmann gelungen ist — er brauchte vier Jahre dazu — an Stelle einer übermütigen Spatzenschar im Herrng rt’en Blaumeisen in die Nistkästen zu bekommen. Sie werden durchaus nicht zah’reicher, wenn bloßer Uebermut sie verfolgt.

Vor Uebereifer warnt

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Landesverband Hessen, nimmt zu den innenpolitischen Maßnahmen in einem Schreiben an den Herrn Kultusminister Dr. Erwin Stein folgendermaßen Stellung:

~Die GEW ist mit allen verantwortlichen Kreisen der Auffassung, daß dem demokratischen Staat und seiner Verfassung der größtmöglichste Schutz gegeben werden muß. Wo immer vom öffentlichen Bediensteten gegen den Bestand des Staates etwas unternommen wird — ganz gleich von welcher Seite eine Gefährdung ausgeht — ist es Aufgabe von Regierung und Parlament, nach sorgfältiger Prüfung die geeigneten Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.

Die GEW, Landesverband Hessen, erhebt aber als zielbewußter Förderer einer Erziehung zur Achtung der Demokratie und des Gesetzes dringend Einspruch gegen überstürzte Maßnahmen wider einzelne ihrer Mitglieder aus politischen Gründen ohne vorhergehende rechtliche und individuelle Ueberprüfung des Einzelfalles.“

In der Stadt notiert

Eine Unterstellhalle im Rodensteinweg wird zur Zeit an der Endstation der Linie 1 von der HEAG errichtet. Damit geht der Wunsch vieler Straßenbahnbenutzer in Erfüllung, die seither immer Wind und Wetter ausgesetzt waren. -th-

Die Darmstädter Musikzentrale gibt wie im vorigen Jahre für Schüler, Studenten, Schwerkriegsbeschädigte und Erwerbslose für sämtliche Kammerkonzerte Sonderpreise. Zur reibungslosen Abwicklung dient ein in der Geschäftsstelle, Mathildenplatz 20, erhältliches Antragsformular. Diese Formulare müssen am Termintage bis 13 Uhr ausgefüllt bei der Musikzentrale vorliegen.

Auf der internationalen Hundeausstel¬ lung am 1. Oktober 1950 in Karlsruhe erhielt Züchter Peter Schwebel mit seinen persischen Windhunden Astrid und Asur vom Löwenthor die Note „vorzüglich 1“, während Abir vom Löwenthor mit „sehr gut 1“ abschnitt.

Die Marktordnung und interne Vereinsangelegenheiten waren das Thema der außerordentlichen Vereinsversammlung der Erzeugergenossenschaft in Griesheim. ms

Nach Schweden und umgekehrt können im Rahmen der geltenden Devisenvorschriften alle laufenden Zahlungen geleistet werden, die während der Gültigkeit des am 18. September 1950 in Kraft getretenen Abkommens zwischen Schweden und der Bundesrepublik fällig werden.

Der Mittelrheinische Architekten- und Ingenieur-Verein, Gruppe Darmstadt, veranstaltet am Mittwoch, dem 4. Oktober 1950, vormittags 10.30 Uhr, in den „ Belida-Lichtspielen“ wieder einen Filmvortrag durch Obering. W. Vieweg, Mettmann, Rheinland, über das Thema „ Zweckmäßiger Kälte-, Wärme- und Schallschutz Im Hochbau sowie Fragen der Trittschalldämmung bei Massivdecken“ mit anschließender Diskussion. Ferner werden die Filme „Gasbeton“ und „Holzschutz im Bauwesen“ gesagt. Bei freiem Eintritt sind alle Interessenten eingeladen.

WIE-WIRD-DAS- WETTER

Freundlicher

Vorhersage: Nachts frisch, westliche bis südwestliche Winde.

Weitere Aussichten: Am Donnerstag keine wesentliche Aenderung.



Wohin gehen wir heute?

Landestheatcr: Orangerie, 20 Uhr, „Helden“, Komödie von B. Shaw; Ende gegen 22.15 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Staatsgeheimnis“; Thalia: „Schwarzwaldmädel“; Belida: „Im Tempel der Venus“; Palast: „1—2—3 Corona“; Hansa: „Das große Spiel“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10 bis 18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.

Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr, „Schallplattenkonzert“; es singt: die amerikanische Altistin Marian Anderson.

Techn. Hochschule, Raum 167: 19.30 Uhr, „Plauderei über das Leben in Indien“ (mit Filmvorf. von Hans Joach. Jenke).

Hausfrauen-Nachmittag: Konkord ia - saal, Adelungstr. 33: 15.00 Uhr, 19.30 Uhr, Familienabend ( Modenschau-Ausstellung, Hausfrauen-Quiz, Verlosung).

Wir gratulieren

75. Geburtstag: Frau Christine Stössel geb. Schiedel, Darmstadt, Dieburger Str. 120.

STARKENBURG

Kopfstand im Straßengraben

In der Kurve der Bundesstraße 26 Darmstadt—Aschaffenburg zwischen der Eisenbahnunterführung Babenhausen und dem Regierungslager ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall, der vier Verletzte forderte. Eine amerikanische Taxe aus Aschaffenburg, die außer dem Fahrer mit zwei amerikanischen Soldaten und einer Frau besetzt war, wurde wahrscheinlich auf Grund zu hoher Geschwindigkeit aus der Fahrbahn getragen und stürzte die zwei Meter hohe Böschung hinunter. Das Fahrzeug blieb mit den Rädern nach oben liegen. Die Insassen des Wagens mußten in das amerikanische Armeehospital in Frankfurt eingeliefert werden. RG

Dreiste Schwarzkittel

Dem Fabrikarbeiter Schäfer aus Breitenbrunn i. O. lief ein Rudel Schwarzkittel über den Weg, als er von seiner Arbeitsstätte mit seinem Motorrad nach Hause unterwegs war. Anscheinend waren die Wildschweine durch den Scheinwerfer des Motorrades geblendet und gingen zum Angriff über. Einer Sau gelang es, den Motorradfahrer aus dem Sattel zu heben. Dieser landete umsanft im Straßengraben und erlitt leichte Verletzungen. hm

Tot neben dem Fahrrad

Ein in der Nacht zum Dienstag auf der Bundesbahn 26 fahrender Lkw-Fahrer sah kurz vor All h e i m mitten auf der Fahrbahn einen menschlichen Körper. Er hielt sein Fahrzeug an und stellte fest, daß es sich um einen Radfahrer handelte, der vermutlich einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen war und dabei ums Leben kam. Das bei ihm liegende Fahrrad war merkwürdigerweise unversehrt. Der tödlich Verletzte ist der in Altheim wohnende Heimatvertriebene 50 Jahre alte Gastwirt Schnaubei. RG

Ohrfeige mit Bluterguß

Der in Nieder-Klingen wohnende Georg Otto W. wurde auf dem Rückweg von einer kirchlichen Veranstaltung in Ober-Klingen von einem frei herumlaufenden Hund angefallen, gegen den er sich mit dem Knie wehrte. Daraufhin ging der Eigentümer des Hundes auf ihn zu und versetzte ihm eine so kräftige Ohrfeige, daß das Trommelfell platzte und W. außerdem ihm Ohr einen Bluterguß davontrug.

Gendarmeriebeamter überfallen

In der Nacht vorn 1. zum 2. Oktober wurde gegen 4 Uhr morgens ein Beamter der Gendarmeriestation Biblis auf dem Heimweg nach seiner Wohnung In Bürstadt von mehreren jungen Burschen zunächst angepölelt und, nachdem er sich ausgewiesen hatte, zusammengeschlagen und schwer verletzt. Als Täter kommen mehiere junge Burschen aus Bürstadt in Frage, die von der Polizei er* mittelt wurden. H. B.

Stark allein macht der Wein!

Am Sonnfagmorgen erhielt um 4 Uhr in Heppenheim ein ’Po'i eibeamter von einem Jugendlichen zwei Schläge ins Gesicht. Wie die Ermittlungen ergaben, handelt es sich um einen 18jährlgen, der dem „Federweißen“ zu sehr zugesprochen hafte und nun hier eine Probe seiner Kraft ab’egen wollte. Als er jedoch dem vernehmenden Kommissar vorgeführt wurde, war er bereits wieder nüchtern und machte einen recht kläglichen Eindruck. Er wird sich für sei e Tat noch zu verantworten haben. H. E.

Von der Schaukel getroffen

Auf der Kirchweihe in Lichtenberg im Odenwald ereignete sich ein folgenschwerer Unfall: Während der Fahrt fiel einem jungen Burschen die Brieftasche aus der Jacke und flog über das Boot auf die Erde. Die 14 Jahre alte Helga H. aus Niedernhausen, die trotz Absperrung und Warnrufe die Brieftasche aufhob, wurde von der Kufe der zurückschwingenden Schaukel am Kopf so stark getroffen, daß sie einen schweren Schädelbruch davontrug. Sie wurde in das Elisabethenstift Darmstadt eingeliefert, wo sie lebensgefährlich verletzt darniederliegt. RG


Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es in der Nacht zum Dienstag gegen 1 Uhr auf der Autobahn unweit der Tankstelle bei Lorsch. Ein Lastzug aus Hamburg mußte wegen Motorschaden bei seiner Fahrt in Richtung Mannheim an der Fahrbahn anhalten. Ais Fahrer und Beifahrer noch mit der Instandsetzung ihres Fahrzeuges beschäftigt waren, streifte ein in gleicher Richtung fahrender Lastzug aus Schweinfurt den geparkten Zug, fuhr mit großer Geschwindigkeit daran vorbei und stürzte etwa 20 Meter weiter durch Bruch des rechten Vorderrades die 15 Met. hohe Böschung hinunter. Der Fahrer des Schweinfurter Lastzuges wurde schwer verletzt in das Heppenheimer Krankenhaus eingeliefert, der Beifahrer und eine mitfahrende Frau wurden mit leichteren Verletzungen nach Heidelberg gebracht. An dem geparkten Lastzug entstand lediglich Sachschaden.
Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es in der Nacht zum Dienstag gegen 1 Uhr auf der Autobahn unweit der Tankstelle bei Lorsch. Ein Lastzug aus Hamburg mußte wegen Motorschaden bei seiner Fahrt in Richtung Mannheim an der Fahrbahn anhalten. Ais Fahrer und Beifahrer noch mit der Instandsetzung ihres Fahrzeuges beschäftigt waren, streifte ein in gleicher Richtung fahrender Lastzug aus Schweinfurt den geparkten Zug, fuhr mit großer Geschwindigkeit daran vorbei und stürzte etwa 20 Meter weiter durch Bruch des rechten Vorderrades die 15 Met. hohe Böschung hinunter. Der Fahrer des Schweinfurter Lastzuges wurde schwer verletzt in das Heppenheimer Krankenhaus eingeliefert, der Beifahrer und eine mitfahrende Frau wurden mit leichteren Verletzungen nach Heidelberg gebracht. An dem geparkten Lastzug entstand lediglich Sachschaden.

Typisches Bild einstiger „politischer“ Greignisse

Straftat aus dem Jahre 1933 jetzt mit Gefängnis gesühnt

Die Erste Darmstädter Strafkammer befaßte sich gestern mit einer Straftat, die bereits 17 Jahre zurückliegt. Die Verhandlung gewährte einen tiefen Einblick in die unglückseligen Geschehnisse des Jahres 1933, in dem die Verfolgung und Mißhandlung politischer Gegner der Nationalsozialisten an der Tagesordnung waren.

Kurz nach dem Umsturz wurde damals in Heppenheim der KPD-Mann und Angehörige des antifaschistischen Kampfbundes, Philipp Schwab, mehrfach von SA-Männern behelligt, verhaftet, wieder freigelassen und erneut festgenommen. Am 1. Mai 1933 holten ihn ein drittes Mal SA-Leute. Er wurde in das SA-Wachlokal Eulenburg gebracht und anschließend im Kreisgefänenis Heopenheim eingesperrt. Unter jenen SA-Leuten befand sich auch der heute 57jährige Elektromeister Walter Böttinger, der jetzt in Niedersachsen wohnt. Ihm, der sich gestern wegen den Vorgängen im Jahre 1933 vor Gericht verantworten mußte, legte die Staatsanwaltschaft weiterhin zur Last, rmT'ähderen SA-Leuten den inhaftierten Schwab im Gefängnis zwecks einer „Abreibung“ aufgesucht zu haben. Wie diese „Abreibung“ aussah, bewies die Tatsache, daß Schwab 40 Monate im Krankenhaus lag, viermal operiert und als Krüppel entlassen werden mußte. Bis 1940 bewegte er sich an Krücken. In der Nacht war Böttinger mit weiteren SA-Leuten — die inzwischen abgeurteilt wurden, gestorben oder noch flüchtig sind — in das Gefängnis eingedrungen. Einer holte auf der Wache den Schlüssel; in unmenschlichster Weise schlug man dann in der Zelle auf Schwab ein. Ohnmächtig brach dieser unter Gummiknüppelhieben und Fußtritten zusammen.

Böttinger gab in der Verhandlung zu, bei der Mißhandlung dabei gewesen zu sein, bestritt aber, sich daran beteiligt zu haben. Durch Zeugenaussagen konnte er jedoch überführt werden. Das Gericht verurteilte ihn wegen Freiheitsberaubung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. wst

Christoph Columbus,entdeckte“auch die ersten Gummibälle

Er sah die Eingeborenen auf Haiti „mit Bällen aus elastischem Baumharz“ spielen — Deutschland braucht rund 7 Prozent des Welt-Rohkautschuks — Ein Besuch in einer einheimischen Fabrik für Gummiklebstoffe und Lacko

Autodecken und Schuhe mit Kreppsohlen gibt es wieder in genügender Menge, und man ist geneigt, die Engpässe der Lieferung und Herstellung zu vergessen. Kautschuk ist der häufige Grund schwerwiegender wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen gewesen. Versuche zu synthetischer Herstellung, um von den Ursprungsländern unabhängig zu sein, verschlangen — grade in Deutschland, und nach dem Krieg auch in verstärktem Maße in den USA — große Summen.

Man schrieb außer fachlichen Abhandlungen ausführliche Schilderungen, um auch dem „Mann auf der Straße“ die Wichtigkeit natürlicher oder synthetischer Kautschukprodukte klar zu machen. Im Gefolge der Kriegs- und Nachkriegsereignisse die einen verstärkten Verbrauch erforderten, stieg der Preis des wertvollen Rohstoffes um das Dreifache.

Die Firma Kömmerling, Pfungstadt und Pirmasens, Hauptlieferant in Gummiklebstoffen der führendsten deutschen Schuhfabriken, gab uns die Möglichkeit, den Produktionsvorgang vom Rohkautschuk bis zum fertigen Konzentrat zu schildern.

Eine Walze, die mit einem 50-PS-Motor angetrieben wird, übernimmt zunächst in etwa halbstündigem Druckprozeß das Mastizieren (Abbau), also das intensive Pressen und Auswalzen des Rohproduktes. Das Ergebnis sind teppichartige Platten, die in Streifen zerschnitten und im Rührwerk unter Beimischung von Benzin und Benzol oder anderen Lösungsmitteln zu flüssigem Klebstoff verarbeitet werden. Dieser wird sodann in Dosen und Kannen gefüllt und über den Lederhandel an das Schuhgewerbe, bzw. an die Schuhfabriken direkt geliefert.

Wir sind heutzutage im allgemeinen auf den Import synthetischer Produkte amerikanischer Herkunft angewiesen, weil die Nachkriegsbestimmungen die Herstellung des Buna in Deutschland verbieten.

„Kautschukersatzprodukte gibt es nicht“, sagt Herr Dr. Aschoneit, der Leiter des Pfungstädter Unternehmens, „wenn man unter ,Ersatz' Nachahmungen versteht, die dem Vorbild der Naturprodukte unter allen Umständen gleichen. Eine bewertende Leistungsnorm ist nicht aufzustellen. Ob Natur- oder Kunstkautschuk verarbeitet wird, richtet sich nach dem jeweiligen Verwendungszweck, denn beide haben voneinander abweichende Eigenschaften. Im großen und ganzen gesehen, kann man sagen, daß der Kunstkautschuk dem Naturkautschuk gleichkommt“.

Klebstoffe werden aber nicht nur auf Kautschukbasis sondern auch aus Nitrosellulose (mit Colodiumwolle und Celluleudabfällen) hergestellt. In einer Ecke des Zubereitungsraumes liegen die zusammengepreßten Matten des Naturkautschuks: der aus dem Gummibaum gewonnene Milchsaft — er enthält durchschnittlich 33 % Kautschuksubstanz — wird filtriert, verdünnt und ausgewalzt; dabei verschwinden Teile der Nicht-Kautschukstoffe. Die „Sheets“ — so heißen die fertigen Platten, erhalten ein Muster aufgepreßt und werden geräuchert, so daß sie gegen störende Witterungseinflüsse unempfindlich sind.

Diese Aufbereitungsart hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der von den Eingeborenen des Amazonas von jeher ausgeübten Konservierungsmethode. (Jedoch ist das Malaysche Archipel, in dem die Engländer schon vor der Jahrhundertwende mit Anpflanzungen begannen, der heutzutage maßgebendste Lieferant). Die Milch als solche, also die unmittelbar zweite Stufe der Gewinnung, kann natürlich auch versandt werden: sie ist aber weitaus emnfindlicher als die obengenannten „Sheets“.

Intensive Arbeit und Forschung ließen ein Klebestoffkonzentrat entstehen, welches nicht nur Aufsehen erregte und da£ mit starke Publikation in der Fachnresse hervorrief, sondern auch einen beachtenswerten Schritt zu erfolgreichen neuen deutschen Forschungen darstellt. Die Firma beschränkt sich jedoch nicht nur auf Gummi-verwertende Produkte, sondern stellt auch Farben und Lacke, sie hat sich auf Industrielacke spezialisiert, von Grund auf und unter Verwendung von Walzenstühlen (Reibmaschinen) modernster Konstruktionen her. ng



Damit Unrecht gesühnt wird...

Ein Blick in die vielseitige Arbeit unserer Polizei

Nach einer Mitteilung der Station Gernsheim der Wasserschutzpolizei wurde am Dienstag, 19. September, in Winkel im Rheingau die Leiche eines neugeborenen Kindes aus dem Rhein gelandet. Die Leiche lag etwa fünf Tage im Wasser. Nach dem Sektionsbefund hat das Kind nach der Geburt gelebt. Da es sich um einen Kmdesmord handelt, wird die Bevölkerung um Mitfahndung gebeten. Zweckdienliche Angaben nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Mit dieser nüchternen Meldung wendet sich die Polizei durch die Presse an die Bevölkerung, um eine Tat aufzuklären, die im Gegensatz zum Recht steht. Wir haben uns, als Polizei-Oberinspektor Leers von der Wasserschutzpolizei uns diese Meldung überbrachte, einmal' mit ihm über die vielseitige Arbeit der Polizei

unterhalten. Als wir dem erfahrenen Beamten gegenüber etwas erstaunt erklärten, daß Winkel, wo man die Leiche des Kindes aus dem Wasser gezogen hat, doch außerhalb des Verbreitungsgebietes unserer Zeitung liegt, gab er uns folgende einleuchtende Erklärung. „Sehen Sie, Winkel liegt nördlich von Gernsheim, also kommen als Tatorte nur die in engere Wahl, die oberhalb des Fundortes liegen“. „Außerdem ersehen Sie aus dem Bericht, daß die Leiche bereits fünf Tage im Wasser gelegen hat. In dieser Zeit kann sie ein beachtliches Stück abgetrieben sein.“

Aber damit gaben wir uns noch nicht zufrieden, denn uns war es nicht ganz klar, wieso die Polizei behauptet, daß das Kind gelebt haben soll, eine Tatsache, die für die strafrechtliche Würdigung der Tat von großer Bedeutung ist. Auch hier konnte uns der Polizeibeamte sehr rasch aufklären, indem er darauf hinwies, daß die Leiche gerichtsärztlich untersucht worden sei. Dabei habe man festgestellt, daß die Lunge des getöteten Kindes mit Wasser gefüllt gewesen war. Daraus lasse sich der Schluß ziehen, daß die Lunge bereits gearbeitet habe.

Oberinspektor Leers erzählte uns aus seinen reichen Erfahrungen im Dienste . der Polizei, von vielen ähnlichen Fällen, die auf den ersten Blick fast unaufklärbar erschienen, die aber manchmal erst nach vielen Jahren und durch Zufälle eine Aufklärung gefunden hätten. Den Uneingeweihten überkommt ein Grauen, wenn er dem schier unerschönflichen Repertoire eines Beamten lauscht, der seit vielen Jahren fast täglich mit diesen Dingen zu tun hat. *

Landkreise fordern Gleichberechtigung

SECHSER-KARTEN DER BUNDESBAHN SOLLEN AUCH IN LÄNDLICHEN BEREICHEN EINGANG FINDEN

Der Hessische' Landkreistag, der sämtliche 39 Landkreise des Landes Hessen mit rund 70 Prozent der Bevölkerung umfaßt, strebt seit geraumer Zeit an, daß der günstige Sondertarif der Sechserkarte der Bundesbahn auch in ländlichen Bereichen Eingang findet. Die Arbeitsgemeinschaft Wiesbaden des Hessischen Landkreistags hat bei ihrer Tagung in Dillenburg am 6. September die nachstehende Entschließung gefaßt, die sich in beredten Worten für eine endliche Abstellung der Benachteiligung der Landkreise einsetzt:

Dreimal im Laufe eines Jahres, am 6. September 1949, am 18. März und 22. Juni 1950, hat der Hessische Landkreistag, der für rund 70 vom Hundert der hessischen Bevölkerung spricht, das dringende Verlangen zum Ausdruck gebracht, die Deutsche Bundesbahn möge auch im Bereich ländlicher Gegenden den bisher ü.ibilligerweise allein den Großstädten vorbehaltenen bewährten Sondertarif der Sechserkarten einführen. Die am 6. September 1950 in Dillenburg versammelten Landräte des Regierungsbezirks Wiesbaden müssen mit Bedauern feststellen, daß die wohlbegründeten Wünsche der Landkreise im wesentlichen unberücksichtigt geblieben sind.

Im Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt sind inzwischen lediglich für die Mittelstädte Gießen, Limburg und Offenbach zusätzlich Sechserkarten eingeführt worden, während im Eisenbahndirektionsbezirk Kassel die gleiche Maßnahme nur für Fulda und Marburg in Aussicht genommen ist. Für zahlreiche mittlere und kleinere Städte, insbesondere für die Kreisstädte, die in aller Regel auch den verkehrsreichen wirtschaftlichen Mittelpunkt ihres Gebietes darstellen, fehlt die Sechserkarte nach wie vor.

Indessen wandert der Verkehr je länger je mehr von der Schiene ab, da der überhöhte Normaltarif der ländlichen Bevölkerung die Benutzung der Eisenbahn weiterhin unmöglich macht. Das mangelnde Verständnis der Leitung der Bundesbahn für lebenswichtige ländliche Belange zwingt die Allgemeinheit wie auch die verantwortlichen Dienststellen der inneren Verwaltung mehr und mehr zur Erkenntnis, daß der Übergang eines immer größeren Anteils am Gesamtverkehr auf das wendige Verkehrsmittel des Kraftwagens unvermeidlich ist.

Es kann für den Kundigen keinen Zweifel darüber bestehen, daß die Vorenthaltung der Sechserkarten für Gegenden außerhalb des unmittelbaren Einflußbereichs der großen Städte einer günstigen Entwicklung des Schienenverkehrs einen erheblichen Abbruch tun muß. Wenn neue Omnibusverbindungen auch im unmittelbaren Bereich der Bundesbahn und teilweise sogar im Parallelverkehr wie Pilze aus dem Boden schießen, so hat dies nicht zuletzt seinen Grund darin, daß die Bundesbahn für einen großen Teil der Reisenden zu teuer ist. Zwischen den sozialen Tarifen wie den Arbeiterwochen- und den Monatskarten, die bei der Bundesbahn eine erfreulich preiswerte Beförderung bieten, sowie den Fahrkarten zum normalen Tarif klafft ein erhebliches Mißverhältnis, so daß ein mittlerer Tarif, wie ihn die Sechserkarte darstellt, nur verkehrsbelebend wirken kann.

Auch im Darmstädter Bereich wären Sechserkarten für weitere Städte als Darmstadt selbst dringend erwünscht. Im Kreis Bergstraße kämen als Ausgabe- und Zielorte zunächst in Frage Bensheim und Heppenheim, im Kreis Dieburg neben der Kreisstadt als weitere Mittelpunkte Babenhausen, Groß-Umstadt und Reinheim. Im östlichen Odenwald stellen Erbach und Michelstadt derart bedeutende Verkehrszentren regionaler Art dar, daß auch dort Sechserkarten im üblichen Bereich von 40 km aufzulegen wären. Je großzügiger die Bundesbahn in dieser Beziehung verfährt, um so eher wird sie darauf rechnen können, sich den noch verbliebenen Verkehr zu erhalten und bereits abgewanderten Verkehr wiederzugewinnen. Hoffentlich verfehlt der aus genauer Kenntnis der ländlichen Verhältnisse und aus ernster Sorge um die Zukunft der Bundesbahn geborene Warnruf dieses Mal seinen Zweck nicht, -pu-

Bach zu Ehren

Die Aufbauschule in Traisa beschloß das Sommerhalbjahr der Schularbeit mit einer Bach-Feier im Saale von Scherers Gasthaus, Traisa.

Chor, Streichergruppe und Spinett ließen sicht zu Ehren des großen Tonmeisters hören. Es machte das Herz warm, Schüler und Schülerinnen so ernsthaft bei der Sache zu sehen, und unwillkürlich7 drängte sich der Gedanke an alte Bilder auf, die musizierende, singende junge Menschen darstellen. Zu Beginn trugen Streicher und Chor den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ vor und brachten zusammen im Verlauf der Feierstunde den fröhlichen Bach mit zwei Stücken aus der Bauernkantate zu Gehör. Auf dem Spinett wurden sauber und wohlklingend zwei Präludien aus dem „wohltemperierten Klavier“ gespielt: selbst ein Duett aus der Kantate „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ gelang den jungen Musikern unter der sicheren Leitung von Herrn Lorenz, der die Feier insgesamt vorbereitet und besonders bei dem Schlußchoral „Ehre und Preis sei Gott“ eine schöne Leistung erarbeitet hatte.

Studienrat Dr. Heyl hielt die Ansprache zum Gedächtnis des Menschen und des Genius Bach. Er hatte sie auf das Verständnis der Schüler und Schülerinnen abgestellt. Seine schlichte, warmherzige Wortfügung wurde dabei dem Kantor der Thomaskirche gerechter als manche Festrede an musikwissenschaftlichen Tagungen. So war die Feierstunde allen Teilnehmenden ein Erlebnis. D-s

Diskussion um Schulprobleme

Auf Anregung des Kreisvorsitzenden der „Jungen Union“, Studienassessor Hans Wagner, findet heute vormittag in Hirschhorn eine Besprechung des hessischen Ministeriums für Erziehung und Volksbildung mit dem Landrat des Kreises Bergstraße und Vertretern der höheren Schulen über die aus der Grenzlage einiger Gemeinden entstandenen Schiulprobleme statt. H. B.

„Nickel“-eien in Heppenheim

Bunter Abend mit bekannten Künstlern

Einen schönen Abschluß der Sonntagsveranstaltungen am Bauerntag in Heppenheim bildete ein bunter Abend mit Tanz in der Stadthalle, die wieder bis auf den letzten Platz besetzt war. Zum Tanz spielte die Kapelle Ilona aus L.o r s c h , die es ausgezeichnet verstand, für die richtige Stimmung zu sorgen. Wolf Schmitt erzeugte mit seinen Dialektimitationen und echt frankfurterischen Telefongesprächen wahre Lachsalven und begeisterten Applaus-. Für Schwung, Rhythmus und Humor sorgten die ebenfalls vom Funk her bekannten „3 Nickels“ mit ihren Liedern, so daß man eigentlich bedauerte, daß das Programm nur so kurz war. (HB)

„Der Ruf“ in Erbach

Auf seiner Gastspielreise durch den Odenwald kommt der Spielkreis des Evangelischen Gemeindedienstes Württemberg „Der Ruf“ für die Zeit vom 6. bis 10. Oktober nach Erbach. Er zeigt in der Städtischen Festhalle am Freitag, 6. Oktober, „Potamiäna“, ein Spiel aus der Christenverfolgung, am Samstag, 7. Oktober, „Mene Tekel“, die Geschichte eines Gottesleugners, und am Sonntag, 8. Oktober, „Rebell in der Arche“, die Geschichte eines Gottesfeindes. In der Evangelischen Stadtkirche kommen zur Aufführung am Montag, 9. Oktober, „Der Totentanz“, die Predigt vom Leben und Sterben, und am Dienstag, 10. Oktober, „Der Zweifler“, das Spiel von einem, der nicht glauben konnte. Die Aufführungen beginnen jeweils um 20.15 Uhr und sind nur für Erwachsene gedacht. Eintritt wird nicht erhoben, da-, gegen wird der Spielkreis eine Sammlung durchführen. -ch

Das Lenzewsky-Quartett gibt am kommenden Sonntag um 17.15 Uhr im Rahmen der Veranstaltungen der Goethegesellschaft in der neuhergerichteten Turnhalle des Bensheimer Gymnasiums einen Kammermusikabend. Für auswärtige Besucher bestehen gute Omnibusverbmdungen. H. B.

Pferdeschau beim Heppenheimer Bauerntag

30 Pferde und drei Fohlen wurden prämiiert

Am Montag veranstaltete der Kreispferdezuehtverein Bergstraße anläßlich des Bauerntags in Heppenheim die nach dem Kriege 2. Pferdeschau mit Prämierung im Schulhof des Realgymnasiums. Zirka 30 Pferde und drei Fohlen wurden vorgeführt.

Als Ehrengäste waren Landrat Dengler, Direktor Seibel von der Landwirtschaftsschule in Heppenheim, Landesstallmeister Dr. Friehlinghaus, Darmstadt, und der Geschäftsführer des Landesverbandes der Pferdezüchter, Dr. Uppenborn, Frankfurt, erschienen. Nach einigen kurzen Begrüßungsworte:! des Vorsitzenden des Kreispferdezuchtvereins Bergstraße, Philipp Ritzert, Schwanheim, wurden die Pferde eingehendst geprüft. Das Preisrichterkollegium setzte sich aus den Landwirten Weber. Brandau, und Sturm, Goddelau. sowie Dr. Friehlinghaus, Dr. Uppenborn und Landwirtschaftsrat Berg zusammen.

Bei der Abteilung A: Kaltblüter, erhielten in der 1. Klasse (3jährige Stuten) „Laube“ (Besitzer W. Ruhl. Riedrode) den ersten und „Capri“ (W. Hölzel, Schwanheim) den zweiten Preis. In der 2. Klasse (4jährige Stuten) bekamen „Quadrille“ (A 11 bro t. Stubenwald), „Alma“ (V. Keilmann, Bürstadt), „Amanda“ (V. Keilmann. Bürstadt) und „Diana“ (Fr. Schulte, Heppenheim) den ersten „Behlani“ (Ad. Zeiß 11. Fürth), „Suleika“ (A 11 bro t, Stubenwald), „Meta“ (M. Joch im , Reisen) und „Iris“ (A. Berg. Fehlheim) den zweiten Preis. In der 3. Klasse erhielten den ersten Preis: „Vroni“ (P. Jäger. Mörlenbach), „Berna“ (Ad. Zeiß 11.. Fürth), den zweiten Preis: ,-Metina“ (P. Jochim, Reisen), „Lotte“ (L. Otto, Annenhof), „Liebe“ (W. Ruhl, Riedrode), „Quaste“ (L. Brunnen gräb e r, Fehlheim), „Malta“ (M. Joachim. Reisen) und „Lona“ (L. Otto. Annenhof). Bei der Abteilung B: Warmblut, gab es in der 1. Klasse (2jährige Fohlen) nur einen ersten Preis, den „Bella“ (Ph. Ritzert, Schwanheim) erhielt, während „Tulbe“ und „Malve“ (Tschirner, Hohenstein) den zweiten Preis davontrugen. Aus der 2. Klasse (3jährige Stuten) ging die Stute „Tenella“ (Johann Schmitt, Fürth) mit dem ersten, „Lieselotte“ (Joh. Dewald, Lorsch) mit dem zweiten und „Mina“ (M. Jochim, Reisen) mit dem dritten Preis hervor. In der 3. Klasse (4jährige Stuten) erhielten „Liane“ (Altbrot. Stubenwnld), „Birona“ (Ad. Zeiß, Fürth) und „Ewija“ (Joh. Schmitt. Fürth) den ersten, „Berta“ (Ph. Ritzert. Schwanheim) und „Agi“ (Ritzert) den zweiten, „Lilie (Fr. S c h o r k , Erbach) den dritten Preis. Je einen ersten Preis erhielten die Familie Kaltblut der Gebrüder Jochim, Reisen (1 Mutter, 3 Töchter, 1 Sohn und eine Enkeltochter) und die Familie Warm¬ (Züchter) und Ad. Zeiß 11., Fürth.

Wesentlicher Rückgang

der Verkehrsunfälle im Kreis Erbach

Die Verkehrsunfallstatistik des Gendarmeriekreiskommissariats Erbach weist für den Monat September einen spürbaren Rückgang der Verkehrsunfälle im Landkreis Erbach aus. Bei 11 Unfällen mit Personen- und Sachschaden machen sie genau die Hälfte der Unfällle des Vormonats aus. Die Gesamtzahl des 3. Vierteljahrs 1950 liegt dagegen mit 54 noch ziemlich hoch, wenn man die des 1. Quartals mit 24 dagegen hält. Im Monat September registrierte die Gendarmerie zwei Selbstmorde im Kreisgebiet. -ch

Oeffentliche Warnung!

Der Kreisvorsitzende des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen, Darmstadt Stadt und Land, Winterstein, übergab uns die nachstehende Erklärung, die wir ungekürzt im folgenden wieder geben:

Warnungs an die Heimatvertriebenen:

In den letzten Wochen besucht ein junger Mann von 25 Jahren namens Arnim aus Ober-Ramstadt die Gemeinden des Landkreises Darmstadt, ruft Flüchtlingsversammlungen ein und gibt sich dabei als Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschböhmen und Mähro-Schlesier aus. Er verkauft dabei Vordrucke, die von den Heimatvertriebenen ausgefüllt und als „Einspruch gegen die Verweisung aus der Heimat und die entschädigungslose Enteignung“ an die UN weitergeleitet werden sollen. Auf der Rückseite der Vordrucke ist die „Eichstädter Adventsdeklaration“ auszugsweise mit den Namen Sudetendeutscher Persönlichkeiten u. a. Hans Schütz Mdß., Richard Reitzner Mdß., Wenzel Jaksch, die diese Deklaration seinerzeit verfaßt und unterzeichnet haben, wiedergegeben, anscheinend um den Eindruck zu erwecken, daß auch diese Männer sich für die Geltendmachung des Schadenersatzes bei der UN einsetzen.

Der Kreisverband der Heimatvertriebenen für Stadt und Land Darmstadt erklärt hierzu im Auftrage von Herrn Jaksch, daß er (Herr Jaksch) mit der Sache Arnim nicht das Geringste zu tun hat und genau wie der Kreisverband die Machinationen von Arnim als einen ganz gewöhnlichen Bauernfang betrachtet.

Der Kreisverband der Heimatvertriebenen betrachtet es als Betreuer der Heimatvertriebenen für seine Pflicht, die Heimatvertriebenen, sich auf diese Art Geld herauslocken zu lassen, zu warnen.“

Was aũch interessiert:

39 Freiplätze für Kriegsbeschädigte und Sozialrentner stellen die Erbacher Lichtspiele während der Deutschen Filmwoche bei jeder Werktagsaufführung zur Verfügung. Die Freikarten werden durch die KB-Organisation verteilt. -ch

Eine Omnibusverb ndung zwischen Worms und den Riedgemeinden führt seit kurzem die Firma P h. Bormuth, Bib 1 i s, durch. Der Bus verkehrt auf der Strecke Worms — Hofheim — Nordheim— Wattenheim — Biblis und zurück über Bobstadt — Hofheim — Worms. Die Strecke wird vorerst nur an Wochentagen zwischen 9 und 12 sowie 13 und 16 Uhr befahren. Einsteigemöglichkeiten für Biblis am Bahnhof und am Rathaus.

aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Nieder-Ramstadt. Die sozialdemokratische Partei hält am Donnerstag, um 20 Uhr im Gasthaus Hyronimus, Dornweghöhenstraße 1, eine Parteiversammlung ab, Thema: Landtagswahlen und Kandidatenaufstellung.

Hähnlein. — Die Bearbeitung aller Besatzungsangelegenheiten ist dem Staatlichen Besatzungskostenamt, Darmstadt, Rheinstraße 110 (früheres Internierungslager) übertragen. hl.

Alsbach. — Bürgermeister Engel und das Gemeinderatsmitglied Kemna nehmen vom 9. bis 13. Oktober an einem Lehrgang im Freiherr-v.-Stein-Institut in Lindenfels teil. Die Vertretung des Bürgermeister übernimmt der 1. Beigeordnete Dörr. hl.

DIEBURG

Altheim. Mit einer Reihe von Winterveranstaltungen will der rührige Männergesangverein in der Saison 1950/51 aufwarten. Bis je' t wurden vom Vorstand ein Liederabend am 1. Adventssonntag, die Weihnachtsfeier am Abend des 25. Dezember, der traditionelle Neujahrsball am 1. Januar und ein Theaterabend Anfang März in Aussicht genommen. (se)

Zeilhard. Eine Junggeflügelschau fand am Sonntag im Saale Göckel statt. In der reichlich beschickten Schau war Gelegenheit zum Kauf geboten. gi

Dorndiel. Die Gemeinde hat Mittel bereitgestellt, um verschiedene unbefahrbare Waldwege instandzusetzen. gi Groß-Bitberau. — Die Voiksbüche-e!

beginnt am kommenden Donnerstag, in der Zeit von 19.33 bis 21 Uhr mit c'er Ausleihe. -ch.

Groß-Umstadt. Beim Zusammenstoß zweier Kleinkrafträder wurde der Landwirt Otto B. aus Klein-Umstadt verletzt. Der Fahrer der anderen Maschine hatte das Rad ohne Wissen des Eigentümers benutzt und ohne Führerschein eine Spritztour unternommen. RG

ERBACH

Erbach. Die nächste Säuglingsberatungsstunde findet am Mittwoch um 15 Uhr im Kreisgesundheitsamt statt. ch

Breitenbrunn. - Im Gasthaus Lautenschläger fand in Anwesenheit von Kreisamtmann Sattler eine Bürgerversammlung statt. Haupfgegensfand der Verlammlung war die Anlage eines Löschwasserteiches für die Feuerwehr;, -hm-

Bad König.- Als ein aus Etzengesäß kommender Lastkraftwagen aus Höchst links in den Feldweg nach Fürsfengrund einbiegen wollte, fuhr ihm ein würtfem-Lergischer K’einkra Kradfahrer, der im selben Augenblick überholen wollte, in die Flanke. Während der Fahrer glimpflich davonkam, wurde sein Fahrzeug schwer beschädigt. -ch.

BERGSTRASSE

Lorsch. Ueber die Wohnungsnot und den Wohnungsbau sprach Bürgermeister Werner kürzlich im Gasthaus „Zum Lamm“ in einer Versammlung der Heimatvertriebenen. Gemeindeflüchtlingsvertrauensmann Walter Sia r a nahm zu allgemeinen Fragen Stellung. bl.

Sandbach. Am Rathausneubau sind die Weißbinderarbeiten in vollem Gange, hm

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Kürzlich fand in der Turnhalle ein Abschlußball des von Tanzlehrer Ph. Hauf geleiteten Tanzkurses statt, an dem Eltern und Verwandte der Tanzschüler teilnahmen, cg

Gernsheim. Der Verwaltungsangestellte Hans Gutjahr wurde mit Wirkung vom 20. September zum stellvertretenden Standesbeamten des hiesigen Standesamtsbezirks ernannt. ■ pe

Ein segensreiches Werk

Taubstumme besuchen den Gottesdienst

Als wir vor kurzem den kleinen Hinweis brachten, daß ein Gottesdienst für Taubstumme in der evangelischen Kirche Bensheim stattfinden werde, kamen von verschiedenen Seiten Fragen aller Art, und es wurde der Wunsch laut, einmal etwas mehr über diese Art des Gottesdienstes zu hören. Wir sind deshalb zu Pfarrer Dr. Jakob gegangen, der in Bensheim diese Gottesdienste selbst leitet, und haben dort über alles freundliche Auskunft bekommen.

Es ist zweifellos ein hartes Schicksal für diese armen Menschen, weder hören noch sprechen zu können, und es ist verständlieh, daß auch sie den Wunsch hegen, mit der Außenwelt in Verbindung treten und am Leben teilnehmen zu können. Während ein Taubstummer früher oft einsam und unbeachtet dahinleben mußte, so ist dies doch mit der Einrichtung von Taubstummen-Lehranstalten allmählich anders geworden.

Eine solche Taubstummenanstalt bestand früher in Bensheim. Von der Kirchenleitung wurden nun, wie in allen größeren Stadtgemeinden, besondere Andachten für Gehörlose eingerichtet. Diese finden vierteljährlich statt. An Hand eines im Amtsblatt veröffentlichten Planes kann jeder Einsicht nehmen, wo, zu welchen Zeiten und wie oft solche Gottesdienste abgehalten werden. Es hängt nun in erster Linie von der Zahl der Teilnehmer ab, ob diese Andachten wöchentlich, monatlich oder nur vierteljährlich abgehalten werden. Die Andacht selbst hält der jeweilige Ortspfarrer, wobei es lediglich wichtig ist, daß er möglichst langsam und deutlich spricht, damit die Gemeinde ihm die Worte von den Lippen ablesen kann. Es eignet sich aus diesem Grunde nicht jeder Geistliche für Taubstummengottesdienste, und es sind hierfür besonders intensive sprachtechnische Studien nötig. Die Liturgie und die Lieder werden auf Handzetteln aufgeschrieben und verteilt, so daß der Taubstumme den gottesdienstlichen Handlungen genau folgen kann.

Der Einrichtung solcher Taubstummen-Gottesdienste wäre sehr zu wünschen, daß auch solche Taubstumme, die bisher nichts von ihrer Existenz wußten oder Hemmungen hatten, den Weg dorthin fänden.

Schlachtviehmarkt Darmstadt

Marktbericht vom 3. Oktober 1950

Auftrieb: 97 Großvieh (26 Ochsen, 1 Bulle, 22 Kühe und 48 Färsen), 89 Kälber, 533 Schweine, 72 Hämmel.

Markt verlauf : Großvieh schleppend, 14 Stück Uaberstand. Kälber lebhaft, geräumt. Fettschweine lebhaft, übrige Schweine ruhig, 70 Stück Ueberstand. Hämmel rege, geräumt. — Fleischmarkt 5 t Inlandfleisch.

Preise (in Dpf für je 500 g Lebendgewicht): Ochsen aa 80—90, a 71—82; Kühe aa 73—80, a 58—71, b 54—68, c 40—55; Färsen aa 82—94, a 78—89; Kälber a 123—130, b 115—125, c 95—115, d 60—100; Schweine Durchschnittspreis 136, a, bl 136—139, b 2 135—109, C 133—138, d 130—187, gl 120—133; Hämmel a 55—65, b 40—50. Qualität: Großvieh gut, Kälber und Schweine mittel bis gut, Hämmel .gut.

Ab 1. Oktober 1950 findet der Auftrieb zum Schlachtviehmarkt jeweils montags von 7—lB Uhr statt.

Unsere Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herrn Rektor a. D. Heinrich Ostheimer und Ehefrau Babette geb. Eyselein, Bad König, Helm der Inneren Mission.

Der SPORT

Handball in den Heimatkreisen

Bezirksklasse Odenwald

Fränkisch-Crumbach—Langen 8:2 (3:2) Mörfelden—Reichelsheim 8:6 (4:0) Groß-Bieberau—Kirch-Brombach 10:9 (3:5) Urberach—Seeheim 13:11 (9:3)

Die Spiele endeten wohl mit den erwarteten Siegen der Platzmannschaften, doch fielen diese im Torergebnis zum Teil sehr knapp aus. Reichelsheim hatte in Mörfelden in der ersten Halbzeit wenig zu bestellen. Erst beim Stande von 6:0 kamen die Gäste stark auf und konnten, begünstigt durch leichtsinniges Deckungsspiel der einheimischen Hintermannschaft, noch ein knappes Torverhältnis herstellen.

Langen konnte in Fränkisch-Crumbach durch verstärkte Abwehr das Spiel in der ersten Halbzeit offen halten. Erst gegen Ende des Spiels gelang Fr.-Crumbach die klare Torchance. Trotz der 8 Tore aber konnte der einheimische Sturm im Feldspiel keineswegs überzeugen. Die Torschützen für Fr.-Crumbach waren Schnatz (4), Katzenmeier (3), H. Zörgiebel (1) und für die Gäste Jähnert (2). Die Reserven spielten 8:3 für Fr.-Crumbach.

In Groß-Bieberau hätte es fast eine kleine Ueberraschung gegeben. Die Gästeelf aus Kirch-Brombach überzeugte in der ersten Halbzeit durch ein schnelles Spiel und konnte bis zur Halbzeit mit 5:3 in Führung gehen. Nach dem Wechsel kam die Platzelf stark auf und erzielte in einem kraftvollen Endspurt einen knappen Sieg. Das Spiel der Reserven endete 11:9 für Kirch-Brombach.

In Urberach sah man die Einheimischen bis zur Halbzeit klar in Front. Erst gegen Ende des Spiels konnte die eifrige Elf aus Seeheim das Torverhältnis günstiger gestalten. Das Spiel der Reserven endete 10:5 für Urberach. Trotz dieses dritten Sieges rutschte der Tabellenführer Urberach auf den 7. Platz, da die beiden gewonnenen Spiele gegen Kirch-Brombach und Fr.-Crumbach als verloren für Urberach gewertet werden. In diesen Spielen spielte in der Mannschaft ein Jugendspieler mit, der noch keine Spielerlaubnis für die 1. Mannschaft hatte. So bedauerlich dieses Urteil vom sportlichen Standpunkt aus für Urberach sein mag, so notwendig ist diese Maßnahme für die Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Spielbetriebs. Die gegen Kirch-Brombach und Fr.-Crumbach bestrittenen Spiele werden mit den Torquoten 5:0 und 4:0 für diese beiden Vereine in der folgenden Tabelle berücksichtigt.

Bezirksklasse Ried

Pfeddersheim—Crumstadt 3:6 Mörstadt—Erfelden 10:6 Wies-Oppenheim—Westhofen 3:11 Der letzte Sonntag brachte Crumstadt die alleinige Tabellenführung, da gleichzeitig Erfelden in Mörstadt strauchelte. Allerdings mußte Crumstadt in Pfeddersheim schwer kämpfen, um die von einem fanatischen Publikum angefeuerten Einheimischen zu besiegen. Erfelden konnte in Mörstadt in der ersten Halbzeit eine klare Führung (5:2 für Erfelden) erzielen, war aber in der zweiten Halbzeit dem robusteren Gegner nicht mehr gewachsen. Die starke Elf aus Westhofen zeigte in Wies-Oppenheim eine gute Mannschaftsleistung und gewann klarer als erwartet.

Kreis Dieburg

Einen bedauerlichen Spielabbruch gab es in Schaafheim. Der nicht immer sattelfeste Schiri mußte vier Spieler des Reinheimer TV des Feldes verweisen. Sicherer als erwartet siegte der TSV Langstadt-Schlierbach gegen Babenhausen. Einen neuen (inoffiziellen) Torrekord schoß der TSV Richen gegen Kl.- Umstadt heraus. Ueberraschend kommt der sichere Sieg des SV 41 Reinheim in Münster. Pfuhl (6), Knecht, Stühlinger und Nelius W. schossen die Reinheimer Tore. Eine schwache Vorstellung gab. der KSV Habitzheim in Groß-Zimmern. Auch bei seinem 4. Spiel kam Gundernhausen nicht um eine neuerliche Niederlage herum, nur daß das Resultat keine so astronomische Formen annahm.

Nach dem fünften Sonntag sind in der Gruppe I nur noch Langstadt-Schlierbach I und Schaafheim und in der Gruppe II gar nur der SV 45 Reinheim ohne Punktverlust. Nach den fünf ersten Spieltagen ergibt sich in beiden Gruppen folgender Tabellenstand: -ff¬

Fr.-Crumbach
4 4 0 0 36:11 8:0 Mörfelden
3 3 0 0 22:16 6:0 Eppertshausen
3 2 0 1 19:19 4:2 Kirch-Brombach
4 1 1 2 26:23 3:5 Langen
4 1 1 2 21:29 3:5 Groß-Bieberau
2 1 0 1 17:21 2:2 Urberach
3 1 0 2 13:20 2:4 Seeheim
4 1 0 3 28:31 2:6 Reichelsheim
3 0 0 3 15:27 0:6
Crumstadt 4 4 0 0 56:12
8:0 Pfeddersheim 4 3 0 1 43:20
6:2 Westhofen 3 2 0 1 40:22
4:2 Erfelden 3 2 0 1 34:23
4:2 Mörstadt 4 2 0 2 31:32
4:4 Bürstadt 2 1 0 1 12:13
2:2 Offstein 3 1 0 2 23:37
2:4 Pflffligheim 3 1 0 2 20:39
2:4 Wies-Oppenheim 3 0 0 3 14:34
0:6 Heppenheim 3 0 0 3 13:53
0:6
-ei-
Gruppe ' I:
Langstadt-Schl. I 3 3 0 0 34:14 6:0
Schaafheim 3 3 0 0 28:18 6:0
Semd 2 1 0 1 20:14 2:2
TV Reinheim 3 1 0 2 36:26 2:4
Babenhausen 3 1 0 2 17:26 2:4
Richen 4 1 0 3 34:35 2:6
Klein-Umstadt außer Konkurrenz 2 0 0 2 5:41 0:4
Langstadt II 4 0 0 Gruppe II: 4 25:61 0:8
SV 45 Reinheim 4 4 0 0 47:18 8:0
Groß-Zimmern 5 3 1 1 55:32 7:3
TuS Ober-Roden 4 3 0 1 42:29 6:2
Münster 5 2 1 2 38:42 5:5
Habitzheim 3 1 1 1 31:22 3:3
Groß-Umstadt 3 1 1 1 23:29 3:3
Nd.-Klingen 4 1 1 2 34:40 3:5
Brensbach 4 0 1 3 36:52 1:7
Gundernhausen 4 0 0 4 18:60 0:8

Fußball-A-Klasse Erbach

Mit unerwarteten Ergebnissen hat die diesjährige Saison in der Fußball-A-Klasse Erbach ihren Auftakt genommen. Auch nach dem vierten Spielsonntag ist dies nicht anders geworden. Der Tabellenführer Sandbach kam vor einheimischem Publikum gegen Lützel-Wiebelsbach über ein mageres 2:2 nicht hinaus, einem Unentschieden, genau wie bei den beiden Spielen der vergangenen Verbandsrunde. Steinbach blieb mit 2:0 Toren gegen den favorisierten TSV Höchst, der Neuling Günterfürst 4:3 gegen den vorjährigen Spitzenreiter Neustadt erfolgreich. Beerfelden trotzte der Erbacher Sondermannschaft ein 4:3, die seit dem vergangenen Jahr stark verbesserte Rimborner Elf in einem Auswärtsspiel Bad König ein beachtliches 3:2 ab. Nur Hainstadt behauptete sich gegen Würzberg, das sich in den letzten Spielen als eine ausgesprochene Heimmannschaft erwiesen hat, mit 4:3.

In Sandbach gingen die Gäste in der 34. und 37. Minute durch Eckert und Orth 2:0 in Front. Nur durch die ausgezeichnete Abriegelung der Sandbacher Hintermannschaft wurden weitere Erfolge der ständig mit großem Eifer stürmenden Gäste verhindert. Erst 15 Minuten vor Abpfiff gelang Böhm der Anschlußtreffer und zwei Minuten später die Punkteteilung. Schiedsrichter Reichert (Ober-Roden) leitete korrekt.

Nachdem die Gäste in Beerfelden bereits in der ersten Viertelstunde 1:0 in Führung gegangen waren, glichen‘die Platzherren aus und stellten auf eine präzise Vorlage von Holzschuh zu Hans Müller den 2:1 -Pausenstand sicher. Erst als Heinz Lang nach dem Wechsel von halblinks für Beerfelden noch einmal erfolgreich gewesen war, kamen die Gäste auf 3:2 heran. Obwohl Höß den alten Torabstand für die Einheimischen wiederherstellen konnte, verbesserte Erbach erneut auf 4:3.

Die durch Jugendspieler verjüngte Steinbacher Elf kam gegen Höchst in der 4. Minute durch Hagenlocher 1:0 in Front. Nachdem bei diesem Stand die Seiten gewechselt worden waren, brachte der Nachwuchsspieler Brumund den zweiten Treffer unter. Obwohl die Gäste die Partie größtenteils überlegen gestalteten, blieben ihnen jegliche Torerfolge versagt. Entstandene Unstimmigkeiten, die schließlich in Tätlichkeiten ausarteten, hatten in der 70. Minute den Spielabbruch zur Folge.

Ein Selbsttor des Gästeverteidigers brachte Ha.instadt 1:0 in Führung. Diehl und Heckler erhöhten noch vor der Pause auf 3:0. Nach dem Wechsel kam Reubold für Würzburg zum ersten, Trumpfheller zum zweiten Gegentreffer. Nachdem Diehl auf 4:2 erhöht hatte, traf Trumpfheller für die Gäste noch einmal ins Schwarze.

Bis zur 28. Minute war Neustadt in Günterfürst durch seinen Halbrechten, durch Heusel und seinen rechten Läufer dreimal erfolgreich. Die Platzherren ließen sich durch diesen Anfangserfolg jedoch nicht erschüttern, sondern hatten die Tordifferenz durch Clemens (28. Minute) und Walter Holschuh (34. Minute) bis zur Pause auf 3:2 verringert. Die Unterstützung der Außenläufer ermöglichte Sattler nach einem abgewehrten Strafstoß den Ausgleich. Wiederum war es Sattler, der in der 83. Minute zum 4:3-Sieg einschoß. Schiedsrichter Böhm (Babenhausen), war ein gerechter Leiter.

In einer ausgeglichenen Partie hatte Bad König gegen Rimhorn einen 2:1-Pausenstand eichergestellt. Nach dem Wechsel kamen die Gäste besser zum Zug. Für Rimhorn waren Schimpf in der 15. Minute, Frieß in der 70. Minute und Knierim in der 72. Minute erfolgreich. Während bai Rimhorn Nolte im Tor überragte, gefiel bei Bad König der Mittelläufer. -ppi.

Kreisklasse Groß-Gerau

Der letzte Spielsonntag brachte in der A-Klasse des Kreises Groß-Gerau im allgemeinen Favoritensiege und keine besonderen Ueberraschungen. Durch klare Siege festigten Gernsheim und Geinsheim ihre Spitzenstellung mit noch keinem Verlustpunkt, gefolgt von Stockstadt, das auch noch immer ungeschlagen ist. Im Mittelfeld tummeln sich sechs fast gleichstarke Vereine, während Raunheim, Dornheim und Gustavsburg noch sieglos das Tabellenende zieren. Die Ergebnisse vom Sonntag:

Geinsheim—Büttelborn 5:1 (2:1) Biebesheim—Gustavsburg 7:0 (4:0) Walldorf—Stockstadt 0:2 (0:1) Geinsheim—Wolfskehlen 3:1 (2:1) Klein-Gerau—Dornheim 4:0 (0:0) Astheim—Raunheim 6:3 (4:1)

Ginsheim wahrte seinen Nimbus der Ungeschlagenhe't durch einen überzeugenden Sieg gegen Büttelborn. Während die Gäste die erste Halbzeit noch offen gestalten konnten, wurden sie in der zweiten Hälfte klar ausgespielt. — Biebesheim machte mit Gustavsburg kurzen Prozeß und schickte es hochgeschlagen nach Hause. Der Sieg war in dieser Höhe verdient. — In einem fairen Treffen gewann Stockstadt in Walldorf infolge besserer Balltechnik und größerer Schußkraft seiner Stürmer. — Obwohl Wolfskehlen nach etwa 20 Minuten in Gernsheim in Führung ging, errang der Gastgeber b;s zur Halbzeit eine 2:1-Führung und sicherte sich durch einen weiteren Treffer in der zweiten Halbzeit den Sieg. — Dornheim spielte in Klein-Gerau in der ersten Ha’bzeit eine leichte Feldüberlegenheit heraus, konnte sie aber nicht auswerten. Nach der Pause drückte der Gastgeber mit dem Wind im Rücken und errang durch vier Tore Sieg und Punkte. — Astheim spielte zu Hause gegen Raunheim von Anfang an überlegen, was auch in dem Halbzeitergebnis von 4:1 zum Ausdruck kommt. Nach dem Wechsel wurde die Partie gleichmäßiger, so daß auf beiden Seiten auch noch gleich viel Tore fielen.

Fußball-B'-Klasse

Erfelden—Königstädten 2:5 (1:2) Worfelden—Goddelau 2:2 (1:1) Raunheim—Wallerstädten 0:1 Geinsheim—Leeheim 9:0 (3:0)

Ueberraschungen gab es in der gesamten B-Klasse nur insofern, als Königstädten leichter und klarer als erwartet in Erfelden gewann. — Worfelden teilte sich nach ausgeglichenem Spiel mit Goddelau die Punkte.

— Wallerstädten gelang in Raunheim fünf Minuten vor Schluß der Siegestreffer. — Geinsheim war Leeheim in allen Phasen des Spieles klar überlegen und siegte nach einseitigem Spiel 9:0. -od-

Die neue Tabelle:
Sandibach 4 2 2 0 9:5 6:2
Rimhorn 4 2 1 1 13:12 5:3
Lützel-Wiebelsb. 3 1 2 0 10:6 4:2
Neustadt 3 1 1 1 5:5 3:3
Naunstadt 3 1 1 1 7:9 3:3
Wür ziberg 4 1 1 2 9:13 3:5
Beerfelden 2 0 2 0 4:4 2:2
Günterfürst 2 1 0 1 5:7 2:2
Bad König 3 1 0 2 10:8 2:4
Höchst 3 1 0 2 5:5 2:4
Steinbach 3 1 0 2 6:9 2:4
Erbach-lb a. K. 4 2 0 2 19:12 4:4

Unser Tip

für den Hessentoto

SSV Reutlingen—Kickers Offenbach 2 (2) Waldhof Mannheim—FSV Frankfurt 1 (0) Eintracht Frankfurt—Schweinfurt 05 1 (1) 1860 München—Spvgg Fürth 0 (1) BC Augsburg—Vfß Mühlburg 2 (0) FC Singen 04—SV Darmstadt 98 2 (0) 1. FC Nürnberg—Bayern München 1 (1) Sportfr. Katernburg—Rot-Weiß Essen 0 (2) Borussia Dortmund—Preußen Münster 1 (1) Werder Bremen—FC St. Pauli 0 (2) VfR Mannheim—VfL Neckarau 1 (1) Jahn Regensberg—KSV Hess.-Kassel 1 (1) Uim 1846—1. FC Bamberg 1 (0) Vikt. Aschaffenburg—l. FC Pforzheim 1 (1)

Die Spiele am 8. Oktober

Erste Liga Süd

VfR Mannheim—VfL Neckarau (Sa.) Eintracht Frankfurt—Schweinfurt 05 SV Waldhof—FSV Frankfurt SSV Reutlingen—Kickers Offenbach FC 04 Singen—SV 98 Darmstadt Vfß Stuttgart—Schwaben Augsburg 1860 München—SpVgg Fürth BC Augsburg—Vfß Mühlburg 1. FC Nürnberg—Bayern München

Zweite Liga Süd

SV Wiesbaden—FC Freiburg Viktoria Aschaffenburg—FC Pforzheim SG Arhedlgen—Bayern Hof Jahn Regensburg—Hessen Kassel TSV Straubing—ASV Cham SV Tübingen—Stuttgarter Kickers Union Böckingen—Wacker München Ulm 1846—1. FC Bamberg ASV Durlach—VfL Konstanz

Landesliga

Hess. Lichtenau—Vfß Kassel Homburg 05—Vfß Biedenkopf FC Rödelheim—Rot-Weiß Opel Rüsselsheim—Herman. Kassel Germania Bieber—Borussia Fulda Kassel 03—Griesheim 02 SV Kassel—Union Niederrad Eintracht Wetzlar—Vfß Friedberg VfL Marburg—Hessen Hersfeld Hanau 93—01. Lampertheim ‘J.

Abnahme des Bundes-Sportabzeichens

Am kommenden Sonntag findet die erste Abnahme im Radfahren statt. Teilnehmer treffen sich am Vormittag, 8.30 Uhr, in der Gaststätte Jung beim Bahnübergang in Kranichstein. Meldungen bis Samstag erbeten an Hugo Brunner, Ruthstraße 3. »

TG 75, Handball-Abteilung. Ab Donnerstag, den 5. Oktober, leitet das Handball-Training der Altinternationale Ludwig Delp (SV 98). Beginn ist pünktlich 19.30 Uhr, Sportplatz Ziegelbusch. Anschließend kann warm geduscht werden. Bei schlechtem Wetter im Versammlungsraum theoretischer Unterricht. gh

Als Rahmenkämpfe zu der Begegnung ten Hoff — Neuhaus am 15. Oktober im Dortmunder Stadion Rote Erde sind vorgesehen: Strelecki (Dortmund) gegen Marshall (USA) und Starosch (Essen) gegen Jackson (USA). Conny Rux soll bei seinem ersten Start im Westen gegen einen starken Franzosen, wobei an Bentz gedacht ist, boxen.

Schreibt an Fritz Knippelius

Klagen eines Wohnungsinhabers

Als Bezieher Ihrer werten Zeitung von 1918 bis zur Einstellung Ihres Betriebes im Kriege und neuerlicher Bezieher erlaube ich mir folgende Mitteilung:

Am 14. September 1950 brachten Sie den Verlauf einer Tagung des Zentralverbandes der Hausbesitzer. Darin verlautet, daß der Hausbesitz wieder rentieren soll. Wenn es aus der Erläuterung darauf ankommt, das Eigentum zu erhalten, wie sieht es denn mit den Sparern aus, die ihr Spargut verloren, in den letzten Kriegsjahren und danach keine Zinsen erhalten hatten? Ihre Nachricht vom 14. 9. und die einige Tage vorausgehende, von der Aufhebung des Preisstopps von Wohnungsmieten der Schweiz, werden von weniger guten Hausbesitzern als Ermunterung aufgenommen, die im Kriege oder durch langjährigen Verbrauch vernachlässigten Wohnungsreparaturen noch länger hinauszuschieben oder ganz zu unterlassen.

Nehmen Sie zum Beispiel zur Kenntnis, daß ich in 33 Jahren in meiner Wohnung einmal einen Zuschuß von 16 Mark zu einer Tapete erhalten habe. Im Herbst vorigen Jahres habe ich allein die Summe von 114 DM für Material zu einer teilweisen Herrichtung der Wohnung verausgabt, von den Kosten für Fußboden, Fenster, Rolladen, einen neuen Fensterrahmen, Scheiben und Wasserstein gar nicht zu reden. Heute fehlen vom Hause noch Scheiben. Wozu sind denn innere Instandsetzungskosten berechnet worden? Wie nennt man denn einen solchen Vorgang, wenn für einen Zweck Geld verrechnet wird, das anderweitig Verwendung findet? Im Hause läuft an schadhaften Stellen Wasser nutzlos fort. Dem Hausherrn fällt es gar nicht ein. den Schaden beheben zu lassen. In einer Wohnung muß aus diesen Gründen zum Nachspülen immer ein Eimer mit Wasser gehalten werden. Jetzt tritt der Zustand ein, daß vom Hausherrn nur das Wassergeld für den monatlichen Durchschnitt entrichtet wird, die anderen 30 Prozent in Abzug kommen.

Wenn eine behördliche Stelle die Wohnungen auf ihren Zustand nachprüfen und jene Hausherrn zwingen wür^e, die Instandsetzungskosten ihrem Zweck zuzuführen, dann käme eine ganze Anzahl Erwerbsloser von der Straße und den öffentlichen Kassen weg. Das allgemeine Vertrauen, welches eine Verbesserung vertragen könnte, würde etwas Auftrieb erhalten. Viele Ihrer Leser sind schon besitzlos geworden, und alle Teuerungen lassen den Lebensraum der am stärksten Betroffenen immer enger werden.

Der Mieter muß den gesetzlichen Bestimmungen nachkommen, während mancher Hausherr seinen Pflichten ausweicht. Mieter und Hausherr müssen Gemeinsinn zeigen. Sollten Sie in nächster Zeit wieder einen Vermerk über Wohnungen jn Darmstadt bringen, möchte ich ergebenst bitten, im angegebenen Sinne die Verhältnisse zu beleuchten. W. M., Darmstadt

Mit diesem Leserbrief haben wir einmal die Hausbesitzer- und Wohnungsinhaberfrage von der anderen Seite beleuchtet. Und jedes Ding hat zwei Seiten. Da gibt’s auf der einen Seite durchaus Hausbesitzer, die mit aller Gewalt Geld aus ihren Wohnungen schinden wollen und ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, trotzdem sie es könnten. Aber es gibt auch eine überaus große Anzahl von Hausbesitzern — vor allem alte Rentner und pensionierte Leute —, die gerne ihre Häuser wieder instand setzen würden, aber es einfach nicht können vor lauter Steuern, Versicherungen, Gebühren, sonstigen Abgaben und vor allem durch die Soforthilfeabgabe, die den Hausbesitzer ohne Bargeld und sonstiges Vermögen schwer getroffen hat. Hausbesitz ist auch nicht immer eine reine Freude. Das meint

Euer Fritz Knippelius

„Neues Industrieviertel“ :

Lieber Herr Knippelius!

Das Darmstädter Tagblatt bringt in Nr. 40 vom 16. 8. 1950 einen Aufsatz „Neues Industrieviertel im Südwesten unserer Stadt“ in dem gesagt wird, daß die Wiederaufbau-Gesellschaft in diesem Projekt bis jetzt schon etwa drei Millionen DM erbaut hat. Sitiilii— stusch etwas unglücklich, aber es soll wohl bedeuten, daß in kurzer Frist etwa Werte geschaffen wurden, die drei Millionen DM darstellen. Oder irre ich und soll es bedeuten, daß drei Millionen DM verbaut wurden. In beiden Fällen darf man sich wundern. Zunächst einmal über die Millionen, mit denen jongliert Wird und noch mehr über ihre Herkunft. Da liest man in Nr. 46 vom 23. August 1950, daß die Fertigstellung des Lehrlingsheims am Mercksplatz daran scheitert, daß die noch fehlenden 20 000 DM nicht von der öffentlichen Hand — Antikelschreiber „sehr gut“ für diese Bezeichnung — aufgebracht werden, können und deshalb wieder einmal diejenigen, die nicht alle werden, in die Tasche greifen sollen. Nebendran werden Millionen verbaut für Zwecke, die noch manchen Sturm auslösen werden, denn auf manchem neuen Giebel sitzt schon heute ein gewisser Vogel.

Wo kommen diese Baugelder her? Die Wiederaufbau-Gesellschaft besitzt ein Gesellschaftskapital von 20 000 DM und dieses harmoniemt nicht mit den verbauten drei Mullionen. Selbst wenn man annimmt, daß diese drei Millionen erbaut wurden, dann darf man ruhig bei einem städtischen Betrieb annehmen, daß totsicher zwei Millionen verbaut wurden und die restliche eine Million, noch als Trümmertorso gestanden hat. Werden dazu etwa die Landesbaudarlehen verwandt, die immer angeblich in hohen Beträgen zugeteii.lt werden und _ dann versickern? Vielleicht können Sie Auskunft geben! Heino Eller, Darmstadt.

Für uns als berichterstattende Zeitung war es die wesentliche Frage, daß aus diesen alten Kasernen Arbeitsstätten für Hunderte von Mitbürgern geschaffen werden» Wie das nun die Wiederaufbau-GmbH, im einzelnen geschafft hat, das ist nur mehr oder weniger ihre eigene Sache, finden wir. Wir hatten auch nicht den Eindruck, daß die dort sich emsiedelnden Firmen einen gewissen Vogel schon auf dem neuen Dachgiebel hatten, sondern stellten im allgemeinen eher fest, daß diese Firmen, mit meist sehr gutem altem Namen, sich vor Aufträgen kaum retten können.

Aber insofern haben Sie recht: Wenn öffentliche Finanzmittel dort verbaut werden, dann hat die Oeffentiichkeit auch ein Recht, zu erfahren, wie das geschieht. Es sei, so meinte Herr Architekt Jahn von der Wiederaufbau-GmbH. das nicht in zwei, drei Zeilen zu sagen. Aber er erbot sich sofort unserem Berichterstatter, besonderen Interessenten persönlich gerne Aufschluß über dlie verwickelte Finanzierung der Bauten zu gieben. Ihr Fritz Knippelius.

Gammelsbach kauft, Wald“

Die Gemeindeverwaltung hat die Absicht, zirka 4 Morgen Waldgelände aus privater Hand zu kaufen.

Beim Lesen dieser kurzen Notiz mag ■wohl so mancher an ein gepflegtes Waldstück denken, an starke Bäume, die abgeholzt .und verarbeitet werden können. Gegen einen derartigen Waldankauf wäre auch nicht das geringste einzuwenden und die Einwohnerschaft Gammelsbachs hätte die Gewißheit, daß die Verwendung ihrer Gelder nutzbringend erfolgt.

Leider ist es aber bei weitem nicht so-Bei dem beabsichtigten Waldankauf handelt es sich um ein Gelände, das zu 8/1o Buschwerk und zu 2/>o armstarke Stämmchen aufweisen kann. Es müßte umgehend auf” geforstet werden, wenn in 30 bis 40 Jahren die eingangs erwähnte Vorstellung passen sollte.

Es ist das Recht des Bürgers, nun zu fragen, wie die Gemeindeverwaltung dazu kommt, zu einer Zeit, in der Flüchtlinge und Evakuierte, ja selbst Einheimische zum großen Teil auf engstem Raum und unter den ungünstigsten Bedingungen zusammengepreßt wohnen, die wenigen Gemeindegelder auf eine solche Art anlegen zu wollen Merkt es der Gemeinderat nicht, daß die Wohnungsfrage überall als erster Punkt auf den Tagesordnungen steht? Weiß der Gemeinderat nicht, daß es in Gammelsbach Leute gibt, die bauen wurden, wenn sie nur das Baugelände hätten? Hat man es im Gemeinderat vergessen, daß nicht ein einziger gemeindeeigener Bauplatz vorhanden ist? Hat man es weiter vergessen, daß seit Wochen Bauplätze in zentraler Lage zum Ankauf bereitstehen?

Der Schreiber dieser Zeilen hat vor Wochen mit dten Gemeindevertretern über den Ankauf dieser Bauplätze verhandelt und das Ergebnis wär gleich null . Alles scheiterte, weil die Gemeinde nach den Aussagen der Gemeineräte arm sei und kein Geld habe. Um so mehr überrascht es, wenn man nun durch den besagten Waldkauf voraussichtlich 1000 bis 1200 DM als totes Kapital auf lange Sicht anlegen will, während die Wohnungsfrage nach einer raschen Lösung schreit.

Hat man bei den Beratungen über einen Walderwerb überhaupt an das Wohl der Gemeinde gedacht? Wir wissen es, daß Fehler überall gemacht werden, und entschuldigen gerne so manche Fehlentscheidüng. In diesem Falle aber, da es sich um Gelder dreht, die der Wohnungsangelegenheit zugeleitet werden könnten, gibt es keine Verzeihung. Wir sind überzeugt, daß die Gemeinderäte oft gegen ihre eigene Ueberzeugung stimmen, nur. weil sie immer wieder dem egoistischen und daher schädlichen Einfluß eines einzigen Ge* meinderates unterliegen, eine Schwäche, die für Männer äußerst beschämend wirkt. Aus dieser Tatsache ergibt sich zwangsläufig die Frage, ob diese Männer überhaupt eine Gemeindevertretung darstellen wie sie gerade Gammelsbach braucht und wie sie bei den Wahlen vom Jahre 1948 angestrebt wurde. Ohne Zögern muß diese Frage verneint werden. Eines aber steht fest, falls dieser Waldkauf zustande kommen sollte, eine Verantwortung muß und wird erfolgen. Jakob Zulauf Gammelsbach i. O.

kurze Meldungen aus der Stadt

Im Nachlbarsch.aftsh-im wird am Sonntag, dem 8. Oktober, Opernsänger Otto B 1 e y (Tenor) Arien deutscher, französi-cher und italienischer Opernkomponisfen zum Vortrag bringen.

Ein Bachkemerf veranstaltet der evangelische Kirchenchor in Ärheijgen am Sonntag, dem 8. Oktober, um 20 Uhr, in der evange ischen Kirche. Die Vorfragsfolge bringt Orgelkonzerte, Choräle, Motetten und eine Kantate von Bach. Als Mitwirkende haben sich Dr. Ludwig Borngässer-Darmstadt (Orgel), Grete Zo 1- Franklürt (Sopran), Hermann Diersch-Langen (Baß), der evangelische Kirchenchor und ein Streichorchester mit Bläsern zur Verfügung gestellt.

Nach den Staaten berufen wurde im Austausch gegen den ame iranischen Philologen Lloyd Jones der bisherige Assistent des Rektors der T. H., Dipl.-Ing. Drouven. -st

Zum Wintersemester der Technischen Hochschule haben sich eine ganze Reihe Ausländer eilgeschrieben. Als exotischer Gast traf dieser Tage der Inder Salil Kumar Dutta in Darmstadt ein. -st

Vierzig studentiscle Verbindungen be¬ stehen zur Zeit an der Technischen Hochschule. Als neueste ist jetzt die Landsmannschaft „Cheruskia“ hinzugekommen. -st

Das Wintersemester der Technisch n Hochschule beginnt am 50. Oktober mit den Vorlesungen und Hebungen. Die Einschreibungen erfolgen in der Zeit vom 3. Oktober bis 50. November. Der Schlußtermin des Wintersemesters ist der 24. Februar 1951. Vom 20. Dezember 1950 bis 8. Januar 1951 ruht der Vorlesungsbetrieb infolge der Weihnachtspause, -st

Eine Wanderung nach der Darmbach¬ quelle über die Ludwigshöhe und den Bismarckturm unternahm die Ortsgruppe der Naturfreunde Eberstadt am letzten Sonntag. t-s

Ein Schülertreffen ehemaliger Ballon¬ schüler (Jahrgang 1921/22, Lehrer Imbescheid) findet am Samstag, dem 7. Oktober, in der Gaststätte Ripper am Ostbahnhof um 19.30 Uhr statt. DT

Das Landestheater gibt bekannt, daß ab heute, Mittwoch, den 4. Oktober 1950, 9 Uhr bis 12.30 Uhr und 16 Uhr bis 18.30 Uhr in der Mietabteilung Großes Haus, die Mietkarten abgeholt werden können. Die Inhaber von Platzmieten, welche für die Konzertreihe Ermäßigung erhalten, werden gebeten, ihre Mietka^ten vorzulegen. Das erste Konzert findet, wie bereits gemeldet, am Dienstag, dem 10. Oktober, statt.

Das Landestheater gibt folgende Vorstellungsänderung bekannt: Wegen Erkrankung von Herrn Nicolo Jussa wird am Donnerstag, dem 5. Oktober, 19.30 Uhr, in Miete C/II „Maß für Maß“ aufgeführt.

Hanns Ernst Jäger, in den Spielzeiten 1940—44 Schwerer Held im Ensemble des Landestheaters Darmstadt, wurde an das Nationaltheater in Mannheim verpflichtet. Der gebürtige Wiener stand in Linz, Graz, Chemnitz und zuletzt in Baden-Baden auf den Brettern und war nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft ständiger Gast bedeutender Bühnen wie Karlsruhe, Essen, Düsseldorf, Wuppertal, Köln und Heidelberg. (see)

Herr Cesare Sarovia. Offenbach am Main, Sohn des in Darmstadt vor dem ersten Weltkrieg ansässigen Herrn Angelo Sarovia. Obsthändler und Eisdielenbesitzer in der Rheinstraße, erklärte, daß er mit dem Besitzer des jetzigen „Eispalastes“ in der Luisenstraße nicht verwandt sei.

Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner, Ortsgruppe Darmstadt, weist darauf hin, daß ab sofort alle Donnerstagabend, 20 Uhr, im Concordia-Saal, Adelungstraße, eine kostenlose Kulturfilm-Vorführung für die Mitglieder stattfindet.

Das Haushaltgeschäft W. Hertel eröffnete vor wenigen Tagen seine neuen Verkaufsräume an der Ecke der Liebfrauenstraße und Robert-Schneider-Straße, nachdem es seit mehreren Jahren gegenüber in einem behelfsmäßigen Ladengeschäft untergebracht war.

dt lllll^^Tlll|gll>T^^rTrTn~~^ Gott der Herr nahm heute meine liebe Tante Katharina Herbst Lehrerswitwe nach kurzem, schwerem Leiden im 81. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit. Im Namen der Trauernden: Otto Wörner Waldmichelbach im Odenwald, 1. Oktober 1950 | (früher Darmstadt, Clemensstraße 14) | Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 4. Oktober 1950, um 14.45 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.

Bestattungen am Mittwoch, dem 4. Oktober 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.00 Uhr: Kilian, Wilhelmine, 70 Jahre, Eckardtstraße 24 Waldfriedhof: 14.45 Uhr: Herbst, Katharina, 81 Jahre, Waldmichelbach Feuerbestattung: 14.15 Uhr: Schidlowsky, Jakob, 68 Jahre, Landwehrstraße 42

ERNST JUNG INGEBORG JUNG geb. Tramer VERMÄHLTE Darmstadt Mainz-Weisenau Friedrich-Ebert-Platz 16 Schulstraße 8 Landwehrstraße 33 Kirchliche Trauung: Samstag, 7. Oktober 1950, 12.00 Uhr, Pauluskirche Darmstadt

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