Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Erscheint tätlich306 »’■ Telefon 39 25. ’ täglich außer Sonntag 207. Jahrgang/Nr. 80 Jieuefte Montag, 2. Oktober 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23. Tel. 39 25. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0,40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. > v. 1. 1. 1950. Preis 15 Pfennig *

Südkoreanische Streitkräfte überschreiten 38. Breitengrad

Tokio, 1. Oktober. (AP./dpa/BBC.) Starke südkoreanische Truppenverbände haben am Sonntag um 11.45 Uhr (Ortszeit) auf Befehl es „ mmändeurs der 8. Armee, General Walker, den 38. Breitengrad überschritten und sind ohne nennenswerten Widerstand bereits einige Kilometer nach Norden vorgestoßen.

Der Befehl zym Einmarsch nach Nordkorea wurde schon am Samstag erteilt und von einem Flugzeug über dem Hauptquartier der dritten südkoreanischen Armee abgeworfen.

Erstes Angriffsziel der Südkoreaner ist die nordkoreanische Stadt Yangyang, die an der Ostküste etwa acht Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Die vorrückenden Truppen sind bisher weder auf Befestigungsanlagen des Feindes, noch auf stärkere kommunistische Verbände gestoßen. Aufklärungsflieger berichten, daß sie etwa dreißig Kilometer über die Grenze hinausgeflogen seien, ohne auch nur einen nordkoreanischen Soldaten zu sehen. Starke Massierungen nordkoreanischer Truppen werden jedoch aus dem Raume von Chorwon in Nordkorea gemeldet. Hier sollen die Kommunisten angeblich 100 000 Mann frisch ausgehobene Truppen zusammengezogen haben und auch Befestigungen ausheben.

Kunsan genommen

An den anderen Fronten sind die Truppen der Vereinten Nationen weiter im Vormarsch. Einheiten der amerikanischen 25. Division haben am Sonntag die Stadt Kunsan an der Westküste Koreas erobert. Kunsan liegt etwa fünfzig Kilometer südwestlich von Taischon und ist neben Inchon und Mokpo der größte Hafen der Westküste.

In Söul gehen die Aufräumungsarbeiten weiter. Westlich der Stadt wird die Halbinsel Inchon nördlich des Flugplatzes Kimpo durch amerikanische Luftlandetruppen von den Kommunisten gesäubert. Die Zahl der seit Kriegsbeginn gefangenen Nordkoreaner wurde am Samstag vom Hauptquartier Mac Arthurs mit 15 517 beziffert. Die Verluste der Kommunisten sollen, ebenfalls nach dem amtlichen Bericht, in der vergangenen Woche weitere 19 125 Mann an Toten und Verwundeten betragen.

Kapltulations-Aufforderung

In seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinten Nationen hat General Mac Arthur am Sonntag die Nordkoreaner über den Rundfunk und durch Flugblätter zur Kapitualiton aufgefordert. Die Kapitulations-Aufforderung sieht vor, daß die nordkoreanischen Truppen sofort die Waffen niederzulegen und sich der Ueberwachung durch Streitkräfte der Vereinten Nationen zu unterwerfen hätten. Außerdem wurden sie aufgefordert, unverzüglich alle Kriegsgefangenen und Zivilinternierten freizulassen. Die Aufforderung General Mac Arthurs ist jedoch bis zur Stunde noch nicht beantwortet worden. Kurz vorher noch hatte der nordkoreanische Staatschef in einer Rundfunkansprache erklärt, daß seine Regierung entschlossen sei. mit Unterstützung der chinesischen Kommunisten bis zum Endsieg weiterzukämpfen. Politische Kreise in Tokio bezweifeln daher, daß die Nordkoreaner der Kapitulations-Aufforderung nachkommen werden

In einem über Radio Pyongyang verbreiteten Kommunique der Nordkoreaner wird erstmalig zugegeben, daß sich die Nordkoreaner aus Söul zurückgezogen haben, um „vorbereitete Stellungen nödlich der Stadt“ zu beziehen.

Peking droht

Peking, 1. Oktober. (HR/NWDR) Der Außenminister der kommunistischen chinesischen Regierung, Tschu-En-lai, erklärte, am Samstag über den Sender Peking, China werde nicht müßig zusehen, wenn imperialistische Mächte in Nordkorea einfallen sollten. China verfolge aufmerksam die Entwicklung in Korea nach der Invasion durch die Vereinigten Staaten. Tschu-En-lai sagte weiter, die Vereinigten Staaten hätten den Korea-Krieg dazu benutzt, die Mandschurei zu bombardieren und Formosa zu blockieren. Er bezeichnete die Vereinigten Staaten als den gefährlichsten Feind des Landes, der darauf warte, zu irgendeiner Zeit in China einzufallen. Das chinesische Volk werde jedoch jeder amerikanischen Aggression zu begegnen wissen und Formosa sowie andere von den Amerikanern besetzte Gebiete zu befreien.

Tschu-En-lai brachte ferner erneut die Entschlossenheit seiner Regierung zur „Befreiung“ Tibets zum Ausdruck.

Erfolgloser „Kommunisten“ -Sonntag

Polizei war wachsam und griff schlagartig zu

Frankfurt, 1. Oktober. (AP.) In mehreren Städten Westdeutschlands kam es am Sonntag zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Kommunisten, die das für das Wochenende in der ganzen Bundesrepublik ausgesprochene Versammlungsverbot übertraten. Insgesamt wurden rund 1000 Personen verhaftet.

Zu ernsthaften Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei kam es nur in Hamburg, wo 16 Polizisten teilweise schwer verletzt wurden und zum Auseinandertreiben von 3000 Demonstranten ein Spritzwagen eingesetzt werden mußte. 86 Personen wurden festgenommen. Im Ruhrgebiet, wo die Kommunisten ursprünglich große Kundgebungen angekündigt hatten, kam es nur zu kleineren Störungen in einzelnen Städten. In der Bundeshauptstadt herrschte vollkommene Ruhe.

In Mainz versuchten etwa 150 kommunistische Angehörige der Freien Deutschen Jugend einen Demonstrationszug mit Transparenten über die Große Bleiche zu veranstalten. Sie sammelten sich am Ahceplatz und kamen bis etwa zum Filmpalast. Als dort ein Redner ein Vordach ersteigen und eine Ansprache halten wollte, griff der zufällig in Zivil anwesende Polizeidirektor persönlich ein und untersagte dem Demonstranten seine Ansprache. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Polizeidirektor leichte Verletzungen davontrug. Zwei Polizeikommandos, die inzwischen herbeigerufen waren, räumten die Große Bleiche nach beiden Richtungen hin und nahmen zwei Personen fest.

Augenzeugen berichten, daß der kom-’ munistische Landtagsabgeordnete Schieder sich unter den Zuschauern befunden habe.

Ueberall war die Polizei in Alarmzustand, da die Kommunisten trotz der Verbote Kundgebungen angekündigt hatten. Noch in der Nacht zum Sonntag waren in zahlreichen Städten Plakate geklebt und Flugblätter verteilt worden, in denen die Bevölkerung zu kommunistischen Versammlungen aufgerufen wurde. Die Polizei bewachte die Zufahrtsstraßen zu allen großen Städten, um die Bewegung von verdächtigen Personen von. einer Stadt in die andere zu verhindern. Bereits seit einigen Tagen waren Gruppen der kommunistischen Freien Deutschen Jugend, die versuchten, aus der Sowjetzone nach Westdeutschland einzureisen, zurückgeschickt worden.

Beweis für deutschen Friedenswillen

Bundespräsident Heuss eröffnet „Industriemesse 1950” in Berlin

Berlin, 1. Oktober, (dpa) Vor mehr als tausend Ehrengästen aus dem In- und Ausland eröffnete Bundespräsident Prof. Heuss am Sonntagmittag die Deutsche Industrie-Ausstellung 1950 in der Festhalle am Berliner Funkturm. Er sprach den Wunsch aus, daß diese Ausstellung wie eine Posaune von dem Leistungswillen der Berliner und der gesamtdeutschen Wirtschaft auf ganz Deutschland und die ganze Welt wirken möge.

Der Bundespräsident kennzeichnete die Industriemesse als einen Beweis der Friedensarbeit des deutschen Volkes. Mit besonderem Ernst wies er auf die Arbeitslosigkeit in West-Berlin hin. Sie müsse durch die gesammelte Kraft ganz Deutschlands beseitigt werden. In diesem Zusammenhang forderte der Bundespräsident, daß vor allem auch die Bundesbehörden mehr Aufträge nach Berlin vergeben.

Vorher hatte der Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter die Gäste aus dem Bundesgebiet und dem Ausland in der Festhalle der Ausstellung begrüßt und besonders dem früheren Administrator für den Marshallplan Paul Hoffman für die Hilfe des amerikanischen Volkes beim Wiederaufleben der deutschen Wirtschaft gedankt. Diese Ausstellung zeige die Zusammengehörigkeit zwischen der Bundesrepubik und Berlin. Sie solle vor allem auch für die achtzehn Millionen Einwohner des sowjetischen Besatzungsgebietes ein Beispiel sein. Reuter verlas dann ein Glückwunschtelegramm des Bundeskanzlers Dr. Adenauer und erwiderte im Namen Berlins die Grüße.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, versichert in einei- Botschaft an Berlin zur Eröffnung der Deutschen Industrieausstellung, daß Amerika das deutsche Volk auch künftig unterstützen würde. „Die Berliner Messe ist ein eindrucksvoller Beweis für den Mut, den das deutsche Volk unter den schwierigsten Umständen entfaltet hat“, heißt es in der Botschaft. „Diesen Mut hat das amerikanische Volk durch seine wirtschaftliche Hilfeleistung belohnt. Diese Hilfe wird auch weiterhin bestehen bleiben, denn wir vertrauen darauf, daß das deutsche Volk und seine Republik bereitwillig mit den freien Völkern der Welt zusammengehen, um alles das zu verteidigen, was das Leben erst lebenswert macht.“

Der englische Außenminister Bevin hat der Stadt Berlin ebenfalls eine Botschaft gesandt, die vom Parlamentssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Lord Henderson, verlesen wurde. Darin heißt es, daß die westlichen Nationen Berlin als Bastion und festen Bestandteil der freien Welt betrachten.


Den Amerikanern fielen in Korea zahlreiche Gefangene In die Hand. Das Bild zeigt einen Gefangenen-Sammelplatz Foto: United Press
Den Amerikanern fielen in Korea zahlreiche Gefangene In die Hand. Das Bild zeigt einen Gefangenen-Sammelplatz Foto: United Press

„Rücksichtsloser Kampf“

Rede Dr. Schumachers in Berlin

Berlin, 1. Oktober, (dpa) Der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratischen Partei, Dr. Schumacher, warnte auf einer Kundgebung in Berlin die Angehörigen der Volkspolizei, ihre Machtmittel weiterhin gegen das eigene Volk zu benutzen. Es werde ihnen am Ende ebenso ergehen, wie den Nordkoreanern, die jetzt von den Sowjets feige im Stich gelassen worden seien.

Vor etwa 40 000 Berlinern kündigte Schumacher einen rücksichtslosen Kampf gegen die „Instrumente einer fremden Besatzungsmacht an. Das deutsche Volk will vom sowjetischen System und den Kommunisten nichts wissen, denn es will sein eigenes System“.

„Tahktisch wertvoll“

•** Die zum Wochenende geplanten Störungsversuche der „Jungen Friedenskämpfer“ und ähnlicher kommunistischer Organisationen haben nur in wenigen Städten, wie in Hamburg, München und Frankfurt zu Zusammenstößen geführt. Die Polizei war ala"miert und griff rechtzeitig ein. Das Verbot von Kundgebungen allein hatte die Kommunisten nicht abgeschreckt. Warum, das geht aus einem Aktenstück hervor, das die Essener Polizei bei der Kommunistischen Partei beschlagnahmt hat. Darin heißt es, daß die Freie Deutsche Jugend „unter allen Umständen“ am Wochenende Demonstrationen versuchen solle. Etwaige Opfer unter der Freien Deutschen Jugend bei Zusammenstößen mit der Polizei werden in dem Schriftstück als „taktisch wertvoll“ bezeichnet. Das heißt, es sollten „unter allen Umständen“ Märtyrer geschaffen werden.

Die Kommunisten werden sich daher mit ihrem Mißerfolg kaum abfinden, sondern weitere Möglichkeiten suchen, Unruhefi hervorzurufen. In welchem Sinne dies geschehen soll, zeigen die Vorgänge in Oesterreich, wo die Kommunisten am Mittwoch abermals in Streik treten wollen, wenn bis Dienstag, Mitternacht, ihre Lohnforderungen von der Regierung nicht erfüllt werden. Sie sollen dabei, wie beim letzten Streik beabsichtigen, Eisenbahnlinien und Verkehrsstraßen zu unterbrechen. Es steht zu erwarten, daß sie dabei wieder aktiv von den Russen unterstützt werden, was nach den Feststellungen der drei westlichen Oberkommissare im alliierten Kontrollrat für Oesterreich bei den letzten Unruhen der Fall gewesen ist.

In der Bundesrepublik können sich die Kommunisten nur mittelbar auf Hilfe aus der Sowjetzone stützen. Bei einer Kundgebung der Berliner Sozialdemokratischen Partei, die am Samstag von 40 000 Menschen besucht wurde, sprach Franz Neumann an die „SA der Kommunisten“ die Warnung aus, daß alle Friedensstörer sofort rücksichtslos entfernt würden. Und siehe da, die Kundgebung nahm einen ungestörte Verlauf. Dies ist der beste Beweis dafür, daß die Kommunisten vor einer festen Haltung zurückweichen und daß sie selbst keine große Neigung zeigen, zu Märtyrern zu werden.

Die Jugend will Europa

Bürokratische Bestimmungen verhindern Propaganda-Aktion in Wiesbaden

Ein Mitglied der Europa-Bewegung übermittelt uns die nachstehende farbige Schilderung einer verhinderten Propaganda-Aktion in Wiesbaden.

In der Nacht zum 30. September, wenige Stunden vor Morgengrauen, zogen Tausende junger Männer, in Kolonnen aufgeteilt, durch die Straßen von Straßburg, Paris, Amsterdam, Rotterdam und auch durch eine deutsche Landeshauptstadt, Wiesbaden. Es war die Avantgarde der Europa-Bewegung: Studenten, Angehörige der Gewerkschaftsjugend, der christlichen Jugendverbände, junge Kaufleute, Angestellte und Handwerker. In Trupps von je zwei Mann klebten sie an die Hauswände der Boulevards in Frankreich, an die Fabriktore von Citroen und Creuzot bei Paris, an die Kaimauern der großen holländischen und belgischen Häfen und an Regierungsgebäude in Deutschland Plakate: „Europa! — und Du?“.

Hunderttausende von diesen Plakaten prangten mit den Farben der Europa-Flagge am Samstagmorgen in den Städten Europas. Millionen Menschen haben die Frage gelesen und suchen jetzt nach einer Antwort — nur in Deutschland nicht!

Ohne Deutschland

Ich war bei den Jungen in Deutschland dabei. Ich kann berichten, wie es kommen konnte: ohne Deutschland.

Um ein Uhr morgens trafen wir uns in einer Villa im Außenbezirk der Stadt. Ein jünger Landwirt, der das Niederreißen der Zollschranken bei St. Germannshof anläßlich der Tagung des Europarates in Straßburg mit vorbereitet hatte, hielt einen kurzen Vortrag. Für Europa muß gehandelt werden! Das war die Losung. Alle Menschen sollen aufgerüttelt werden, sollen das große Ziel erkennen: Europa. Nur durch den Zusammenschluß der einzelnen Staaten kann Europa die Kraft für sein selbständiges Fortbestehen erwachsen, nur so kann Europa wieder Weltmacht werden und jedem Ansturm trotzen.

Dann fuhren wir mit den bereitstehenden Autos in unsere Klebereviere. Mein Freund und ich hatten die Innenstadt mit dem Regierungsviertel zugeteilt bekommen. In einer Seitenstraße parkten wir den Wagen und begannen mit unserer Arbeit am Landtagsgebäude. Vier Striche mit dem Kleisterpinsel, und das erste Plakat „Europa! — und Du?“ klebte über der Türklinke, die am nächsten Morgen die Volksvertreter fassen werden. Mit fünfzehn Plakaten am Eingang ließen wir es am Landtag genug sein. Wir fuhren weiter zur Privatwohnung des Ministerpräsidenten und plakatierten die gesamte Straßenfront seiner Villa; anschließend die Staatskanzlei, die einzelnen Ministerien, das Wohnungsamt — es wurde völlig mit Plakaten zugedeckt — und noch die Außenstelle eines Ministeriums.

Amerikaner: OK

Wir klebten gerade dort, als ein Jeep heranraste. „Stop!“ schrien zwei Offiziere vom Patrouillendienst des CIC, der amerikanischen Geheimpolizei. „You FDJ? Come here!“ Sie kontrollierten unsere Papiere. Wir erklärten, daß wir gegen den Kommunismus, für Europa arbeiteten.

Das Plakatieren sei aber nur während des Wahlkampfes gestattet. Wir dürften nur an die Anschlagsäulen gehen. Die sind für uns viel zu klein, wehrten wir ab. Dann müßten wir eben aufhören, sorry. Wir denken nicht daran, sagten wir. Wir wollen, was ihr schon längst habt. Ihr habt die Vereinigten Staaten von Amerika, wir wollen die Vereinigten Staaten von Europa. Das leuchtete den Amerikanern ein. „Oh! That’s 0.K.“ Sie stiegen wieder in ihren Jeep und brausten ab.

Deutsche Polizei: Verboten

Wir klebten in der Innenstadt weiter und nahmen uns eben einen großen Bauzaun vor, als im Laufschritt eine Doppelstreife deutscher Polizei kam. Sie hatten bereits ihre Gummiknüppel Josgehakt und riefen schon auf fünfzig Meter Entfernung: „Sofort stehenbleiben! Sofort stehenbleiben!“ Sie beruhigten sich, nachdem sie gesehen hatten, daß wir keine Kommunisten waren. „Sie müssen mitkommen ins Polizeipräsidium. Plakatieren ist nur während des Wahlkampfes gestattet.“ Wir erklärten ihnen das gleiche wie den Amerikanern. „Das interessiert uns alles nicht. Wir müssen wissen, wer Sie beauftragt hat, wer Sie bezahlt.“ Europa, antworteten wir. „Was soll das heißen? Was ist Ihre Partei? Haben Sie ein Parteibuch bei sich?“

Die Polizisten nahmen uns in die Mitte und brachten uns zum Polizeipräsidium. Dort wurden sofort die Plakate gezählt (mehrere hundert Stück) und mit dem Leimtopf beschlagnahmt. Warum? fragten wir. „Weil es verboten ist! Sie haben eine strafbare Handlung begangen. Wir werden gegen Sie Anzeige erstatten und das belastende Material an die Kriminalpolizei weitergeben." Nachdem uns ein Kommissar kurz vernommen hatte, hielten wir den Polizisten einen Vortrag über die Europa-Bewegung. Antwort des Kommissars: „Welcher Partei gehören Sie eigentlich an? Es muß Ihnen doch jemand Anweisungen erteilt haben. Wer sind Ihre Auftraggeber?“. „Europa, das Sie auch wollen“, antworteten wir. Der Kommissar dohend: „Was soll das heißen?“

Er machte die Tür vor uns zu. Nachdeni unsere Personalien in die Festgenommenenkartei eingetragen worden waren, konnten wir gehen. In der Stadt trafen wir Kameraden, mit denen wir weiterklebten.

Ueberfallkommando eingesetzt

Morgens, um halbfünf, fuhren wir noch einmal durch die Stadt. Durch alle Straßen gingen verstärkte Polizeistreifen und rissen unsere Plakate ab. Im Regierungsviertel war das Überfallkommando und eine Kradstreife eingesetzt worden, deren Besatzung an den jetzt erleuchteten Fronten des Landtags und der Ministervilla unsere Plakate abschabten. Um am Hauptbahnhof unsere Europa-Plakate abzureißen, hatte man Bahnpolizei und einen Auskunftsbeamten der Bundesbahn (!) aufgeboten. Fünf Straßen weiter trafen wir Trupps der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ). Wir kannten diese Burschen aus Versammlungen, in denen sie mit Stühlen auf die Polizisten einschlugen, die eine kommunistische Kundgebung aufgelöst hatten. In dieser Nacht waren sie von den Kommunisten als Wachtrupps eingesetzt worden, um zu verhindern, daß eventuell Aufrufe gegen die „ Blitz-Friedenstreffen“ geklebt würden. Jetzt rissen sie zusammen mit der Polizei die Europa-Pläkate ab.

So kam es, daß in Deutschland keine Plakate klebten: „Europa! — und Du?“. Diese Frage muß sich nun jeder selbst stellen.

Wir werden diese Frage beantworten. In unserer nächsten Großaktion werden wir nicht mit der Polizei Zusammenstößen. Europa ist nicht nur auf Plakate und die Straßenfronten von Ministervillen und Länderministerien angewiesen.

Das zwölfte Land

zz. Am 15. Oktober finden in. der Sowjetzone die Wahlen statt, mit denen man beabsichtigt, die Weltöffentlichkeit über den tatsächlichen Willen der Bevölkerung zu täuschen. Es war unbedingt notwendig, gerade jetzt den 'Deutschen hinter dem Eisernen Vorhang zu beweisen, daß sie in der Bundesrepublik nicht vergessen sind. Dieser Absicht diente am Wochenende die Eröffnung der deutschen Industrieausstellung und die Sondersitzung des Berliner Stadtparlamentes zum Inkrafttreten der neuen Berliner Verfassung. Bundespräsident Heuss hat dabei das richtige Wort gefunden, als er erklärte, die Dynamik der Ereignisse sei stärker als die Paragraphen. Wenn Berlin nach dem Recht auch noch nicht zwölftes Land sei, in Wirklichkeit sei es das zwölfte Land der Bundesrepublik. An uns allen liege es, diese Tatsache zum Ausgangspunkt unseres Handelns zu machen. Auch wenn Berlin Hunderte von Kilometern von unseren künstlichen Grenzen entfernt liege, so sei es doch die Zentrale, die Kraft der Mitte.

In einer wirtschaftspolitischen Kundgebung hat sich die westdeutsche Industrie bereit erklärt, Berlin in jeder Weise zu unterstützen. Dies ist um so notwendiger, als die Zahl der Arbeitslosen in Berlin heute noch annähernd dreihunderttausend beträgt und die Produktion erst ein Drittel von der des Jahres 1936 erreicht hat, während Westdeutschland bereits bei 115 Prozent angelangt ist.

Die offiziellen Kundgebungen, bei denen auch der britische Außenminister Bevin in einer Botschaft der Berliner Bevölkerung versichern ließ, seine Regierung werde ihren Kampf um die Sicherung ihrer Freiheit unterstützen, wurden wirkungsvoll durch eine Erklärung Kurt Schumachers auf einer Massenkundgebung unterstützt. Er wiederholte dabei das Angebot auf freie Wahlen in ganz Deutschland und ganz Berlin, um die Einheit Deutschlands wiederherzustellen. Dabei betonte er, wenn die „Sowjetrussen deutscher Zunge in der Pankower (Sowjetzone) Regierung“ den Mut hätten, freie Wahlen in der Sowjetzone abzuhalten, dann würde dies das „Hinwegwischen des Systems der Diktatur“ bedeuten.

Man darf sicher sein, daß die Berliner Kundgebungen von der Bevölkerung der Sowjetzone als Rückenstärkung empfunden werden.

Kapitunlation?

en. Die Aufforderung zur Kapitulation, die von dem südkoreanischen Ministerpräsidenten Syngman Rhee an die Nordkoreaner gerichtet worden war, ist inzwischen von General Mac Arthur in einer Rundfunkansprache an das nordkoreanische Oberkommando wiederholt worden. Sie wurde ebenfalls durch zweieinhalb Millionen Flugblätter über Nordkorea verbreitet.

Man hatte gestern geglaubt, die Nordkoreaner würden ihren aussichtslosen Kamnf aufgeben. Wenige Stunden vor der Rundfunkansprache Mac Arthurs hat jedoch der nordkoreanische Ministerpräsident ebenfalls durch den Rundfunk erklärt, er sei entschlossen, mit Unterstützung der chinesischen Kommunisten weiterzukämpfen, bis der Endsieg erreicht sei.

Wollen die Chinesen tatsächlich in den koreanischen Konflikt eingreifen? Es scheint nicht ausgeschlossen, denn der Außenminister Rot-Chinas Tschu-Enlai erklärt in einem Artikel in der Sonntagsnummer der Moskauer „Prawda“ China könne gegenüber dem Schicksal seiner Nachbarn, die das Opfer einer imperialistischen Aggression geworden seien, nicht gleichgültig bleiben. Die Ueberschreitung des 38. Breitengrades kann daher für Krieg und Frieden ebenso entscheidend werden wie seinerzeit Cäsars Uebergang über den Rubikon. Nach vorliegenden Meldungen ist der entscheidende Schritt bereits getan worden. Allerdings nicht von Einheiten der Vereinten Nationen, sondern von südkoreanischen Truppen. Wird ein Nichteingreifen von Truppen der Vereinten Nationen genügen, die Chinesen Gewehr bei Fuß stehen zu lassen?

Die Säuberung in Hessen

„Erst nach Fühlungnahme mit Bonn"

Wiesbaden, 1. Oktober. (LH) Der aus Mitgliedern der Ministerien und des Landesparlaments bestehende Ausschuß für die „Säuberung des öffentlichen Dienstes von links- und rechtsradikalen Staatsbediensteten“ . wird kommende Woche erneut zusammentreten. Der Ausschuß soll jedoch erst mit seiner Arbeit beginnen, wenn die in Bonn vorgesehene Fühlungnahme der westdeutschen Innenminister erfolgt ist, auf der die Frage der Koordinierung der Maßnahmen in Westdeutschland besprochen werden soll.

Nach der Ansicht des hessischen Kabinetts sollen beim Erlaß der Richtlinien für die Säuberung die rechtsstaatlichen Grundsätze beachtet werden. Eine fristlose Entlassung von „Radikalisten“ ist nicht geplant, eher ist anzunehmen, daß man sich bei der Koordinierung der Richtlinien auf die Durchführung von Dienststrafverfahren einigen wird, wie sie bei der Bundesregierung und der Landesregierung von Rheinland-Pfalz bereits vorgesehen sind.

Für stärkeren Lastenausgleich

Ravensburg, 1. Oktober. (AP.) Aus dem Lastenausgleich könne man gut u. gern 1,5 Milliarden DM herausholen, sagte Bundesflüchtlingsminister Dr. Lukaschek auf einer Kundgebung vor 10 000 Heimatvertriebenen. Der Bundesminister betonte erneut, daß die Flüchtlinge ihren Anspruch auf die alte Heimat niemals aufgeben werden.

Freie Demokraten eröffnen Wahlkampf

Euler sprach über die „Kampflinie“ in Hessen

Frankfurt, 1. Oktober (LH) „Vom Bund zum Reich“ laute die Mission, von der sich eine neue hessische Regierung unter Führung der Freien Demokratischen Partei leiten lassen müsse, erklärte Landesvorsitzender August Martin Euler am Samstag in Frankfurt auf der Landesversammlung der Freien Demokratischen Partei Hessens in einer Rede über die Kampflinie seiner Partei.

Als dringlichste Regierungsaufgaben im Falle eines Sieges der Freien Demokraten bei den kommenden Landtagswahlen bezeichnete Euler die sofortige Beendigung des „Kollektivismus der Entnazifizierung“, eine Verwaltungsreform und eine Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts. Kein materielles Problem könne mit Erfolg in Angriff genommen, werden, solange es keinen geeigneten Arbeitsapparat gebe. Bei einem Wahlsieg werde die Freie Demokratische Partei ferner noch in der ersten Woche ein Gesetz über die Herabsetzug der Ministergehälter und eine Umwandlung der- Ministerpensionen in höchstens zweijährige Übergangsgelder schaffen, und jeden Repräsentationsaufwand unterdrücken. Desgleichen müsse ein Gesetz über das Berufsbeamtentum geschaffen werden. Bei der Auswahl eines Beamten könne nur die Qualifikation entscheiden.

Kulturpolitisch wende sich die FDP gegen die Bekenntnisschule, die besonders das Zusammenleben zwischen den in Hessen wohnenden Sudetendeutschen und den Einheimischen erschwerte. Das System des höheren Schulwesens solle prinzipiell erhalten bleiben. Euler forderte eine Reform der hessischen Verfassung, bei der vor allem der „Sozialistische Parteiismus“ ausgemerzt werden müsse.

Über die „Politik der Bundestagsfraktion“ sprach der Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Dr. V. E. Preus k e r. Die einzige Lösung des Flüchtlingsproblems, so erklärte er, sei die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat. Der Lastenausgleich dürfe die Grundlagen der Produktion nicht zerstören und müsse daher so gestaltet werden, daß eine freiwillige Rückkehr möglich bleibe.

Die Delegiertenversammlung der Freien Demokraten Hessens ersuchte die Bundestagsfraktion und die Bundesminister der Freien Demokraten, in einer Entschließung, mit stärkstem Nachdruck für die sofortige Verabschiedung derjenigen Gesetze einzutreten, die die Voraussetzung für die Sicherung des sozialen Friedens und für die Schaffung einer gegen die kommunistische Unterwühlung gefeiten Volksgemeinschaft bilden. Dazu gehörten vor allem die „Ehrenschuld“ einer wirklich ausreichenden Kriegsopferversorgung, die Wiederherstellung gleicher Rechte für die unter Artikel 131 fallenden Personengruppen und ein produktiver Lastenausgleich.

Auf der nächsten Landesdelegiertenversammlung der Partei am 14. und 15. Oktober ip Gießen soll die Landesergänzungsliste festgelegt werden.

Wildermuth in Fulda

Fulda, 1. Oktober. (LH) Seit der Währungsumstellung hätten sich die Sparkassen als die sozialen Säulen des sozialen Aufbaus erwiesen, erklärte Bundeswohnungsminister Wildermuth auf einer Tagung des hessischen Sparkassen- und Giroverwaltungsverbandes in Fulda., Allerdings, so fügte Wildermuth hinzu, sei die Spartätigkeit in den Monaten Juli, August und September in erschreckendem Maße zurückgegangen. Die Spareinlagen bei den hessischen Sparkassen betrugen bis zum 30. Juni dieses Jahres 226,5 Millionen DM. Das sind, umgerechnet auf den Kopf der Bevölkerung, 52 DM.

Neue Lohnabkommen

für Papiererzeugung und Kautschuk

Wiesbaden, 1. Oktober. (LH) In den Betrieben der papiererzeugenden Industrie Hessens trat am 1. Oktober ein neues Lohnabkommen in Kraft. Die Stundenlohnverbesserungen betragen sechs bis 23 Pfennige in den einzelnen Tarifklassen.

Die neuen Frauenlöhne in der papiererzeugenden Industrie belaufen sich auf 72 bis 80 Pfennige. Auch für die Angestellten der papiererzeugenden Industrie werden auf der Grundlage des Angestelltentarifs Gehaltserhöhungen erreicht.

V<- X 1 VQX IXO vZ XXUI UuVX XX V/X XVA X t X XV. XuXX v» In der hessischen Kautschukindustrie in Hanau ist eine Steigerung der Tariflöhne um 10 Pfennig für alle Lohngruppen und Ortsklassen rückwirkend ab 1. September 1950 vereinbart worden.

Zusätzliche Besatzungskosten

London, 1. Oktober, (dpa) Ein Sprecher des britischen Außenministeriums erklärte, es sei klar, daß die Bundesregierung die Kosten zu tragen haben würde, die durch Verstärkung der Besatzungstruppen in Deutschland entstünden. Nach britischer Auffassung werden Einsparungen bei den zivilen Besatzungskosten ausreichen, um den Unterhalt derjenigen alliierten Besatzungstruppen zu decken, die in der Bundesrepublik stationiert werden sollen.

Auf der Londoner Commonwealth- Konferenz ist ein Fünf-- Dollar-Programm (21 Milliarden D-Mark) zur Hebung des Lebensstandards und zur Abwehr des Kommunismus in Südostasien ausgearbeitet worden.

Als Schauspieler und Boxer getarnt

Hessische Polizei wies 8 Omnibusse mit sowjetzonalen FDJ-Gruppen zurück

Wiesbaden, 1. Oktober (Eig. Bericht) Als Schauspieler-Ensembles, Boxmannschaften und Sportvereine getarnt versuchten sowjetzonale FDJ-Gruppen vor allem in der Nacht zum Samstag über die thüringisch-hessische Zonengrenze nach Westdeutschland einzureisen. Da die auf den Interzonenpässen angegebenen Reiseerklärungen offensichtlich falsch waren, mußten allein an den hessischen Zonenübergangsstellen acht Omnibusse mit FDJ-Angehörigen zurückgewiesen werden. Eine Omnibusbesatzung wollte u. a. zu einer Boxveranstaltung nach Düsseldorf fahren, ohne daß dort, wie auf Nachfrage festgestellt wurde, eine derartige Veranstaltung anberaumt worden war.

Zinnkann: „Glatte Lüge“

Jugendverbände dementieren

Wiesbaden, 1. Oktober. (LH) Ein Flugblatt, das zur Teilnahme an einem für Sonntag in Frankfurt geplanten „Friedensfest“ aufforderte, enthält die Behauptung, die katholische Jugend, die evangelische Jugend, die Falken, die Landjugend und andere Jugendorganisationen hätten sich im Sinne der FDJ für den Frieden ausgesprochen. Diese Behauptung wies Innenminister Zinnkann als glatte Lüge zurück.

Sabotage an der Bundesbahn

Köln, 1. Oktober (ap) Der Chef der Kölner Bahnpolizei teilte mit, daß das Haupttelefonkabel der Bundesbahn zwischen Köln und Bonn am Sonritag bei Köln durch Beilhiebe gewaltsam durchschnitten wurde. /

Das Nachrichtennetz der Bundesbahn sei dadurch für einige Stunden gestört gewesen. Die Bahnpolizei vermutet, daß es sich bei den Tätern um kommunistische Saboteure handelt, nach denen zur Zeit noch gefahndet wird.

Eine Stärkung der Polizeigewalt

Bonn, 1. Oktober, (dpa). Die elf Innenminister der Bundesländer haben am Sonntag Bundeskanzler Dr. Konrad ‘ Adenauer gebeten, bei den alliierten Oberkommissaren darauf hinzuwirken, daß die bisher bestehenden dezentralisierten Polizeieinheiten den Länderinnenministern unterstellt werden sollten. Ferner soll der Bundeskanzler die Alliierten ersuchen, die Polizei einheitlich mit Schußwaffen auszurüsten.

Die Ausschüsse der Ministerpräsidentenkonferenz werden Anfang der Woche ihre Arbeit in Bonn aufnehmen. Vorsitzender des Finanzausschusses wird der hessische Finanzminister Dr. Hilpert sein.

Kein Marsch anf Bonn

Bonn, 1. Oktober. (AP.) Der von den westdeutschen Kriegsbeschädigten seit geraumer Zeit angekündigte „Marsch auf Bonn“ wurde „angesichts der augenblicklichen politischen Lage“ abgesagt, verlautet am Sonntag aus Vorstandskreisen des Verbandes der Kriegsbeschädigten.

Der Verband wünsche eine beschleunigte Verabschiedung des großen Sozialgesetzes und werde es außerordentlich begrüßen, „wenn die Beratung im Bundestag nicht durch Parteipolemiken beeinträchtigt wird“.

Unerwünschte Ausländer

Schutzmaßnahmen der Vereinigten Staaten

Washington, 1. Oktober. (AP.) Das amerikanische Außenministerium wird in Kürze neue Richtlinien für seine konsularischen Vertretungen im Ausland erlassen, um die Einreise unerwünschter Ausländer und Agenten totalitärer Ideen weiter einzuschränken.

Wie von unterrichteter Seite hierzu verlautet, werden diese Maßnahmen auf Grund des Antikommunisten-Gesetzes ergriffen, das vom Kongreß gegen das Veto Präsident Trumans erlassen wurde. Nach den neuen Bestimmungen dürfen an drei Personengruppen keine Einreisevisa ausgestellt werden. Dies sind Personen, die in die USA einreisen wollen, um dort mit solchen Stellen Verbindung aufzunehmen, die die Wohlfahrt und Sicherheit des Landes gefährden könnten; Personen, die Mitglieder kommunistischer, nationalsozialistischer oder faschistischer Parteien oder irgendeiner ihrer Organisationen waren oder sind, oder deren totalitäre Maßnahmen in Wort oder Schrift unterstützen; Personen, die im Verdacht stehen, Spionage- oder Sabotageaufträge zu haben oder Unruhen und Umstürze zu planen.

Hallstein berichtet

Bonn, 1. Oktober, (dpa) Der Leiter der deutschen Schumanplan-Delegation, Staatssekretär Prof. Hallstein, unterrichtete Bundeskanzler Dr. Adenauer in Bonn über den Fortgang der Sechsmächteverhandlung. Bonner Regierungskreise rechnen damit, daß der Vertragsentwurf für eine europäische Montanunion Mitte Oktober fertig ist, so daß die einzelnen Regierungen demnächst dazu Stellung nehmen können.

Vier uene Generalkonsuln

Bonn. 1. Oktober, (dpa) Die Regierungen von Italien, Belgien, Griechenland und Luxemburg haben der deutschen Bundesregierung mitgeteilt, daß sie die Exequaturen für die Einrichtung deutscher Generalkonsulate erteilt haben. Diese gelten für Dr. Clemens von Brentano in Rom, für Dr. Anton Pfeiffer in Brüssel, für Dr. von Grundherr in Athen und für Dr. Busch in Luxemburg.

Ein grundsätzliches Urteil

Düsseldorf, 1. Oktober. (AP.) Die achte Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf hat den Antrag des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen den Bund der Verfolgten des Naziregimes (BVN) kostenpflichtig abgewiesen.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes hatte gefordert, daß es dem Bund der Verfolgten des Naziregimes untersagt werde, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes als eine kommunistisch getarnte Organisation zu bezeichnen.

Ein koreanisches Nürnberg?

Keine Rache, aber Gerechtigkeit für alle

Washington, 1. Oktober (AP.) Die amerikanische Regierung hat beschlossen, keine Rachepolitik gegen das geschlagene Nordkorea zu führen.

An zwei verhältnismäßig kleinen Gruppen, den Führern des nordkoreanischen Regimes und denjenigen, die Grausamkeiten an Soldaten der Vereinten Nationen begangen haben, wird jedoch strenge Gerechtigkeit geübt werden, wenn man ihrer habhaft werden kann.

Washingtoner Stellen beabsichtigen, die Angehörigen beider Gruppen vor Gericht zu stellen. Es wird erwartet, daß die politischen Führer größtenteils rechtzeitig mit ihrem Anhang über die Grenze nach China oder der Sowjetunion gehen.

Es ist noch unbekannt, wie einige der rechtlichen und politischen Probleme in der Endphase des koreanischen Krieges gelöst werden sollen. Zum Beispiel könnten die Führer Nordkoreas, wenn sie gefaßt werden, entweder vor ein südkoreanisches oder ein von den Vereinten Nationen eingesetztes internationales Gericht gestellt werden. Wegen der gegen die Truppen der Vereinten Nationen verübten Grausamkeiten könnten die Schuldigen entweder von den Südkoreanern oder von den Truppen, an deren Soldaten die Grausamkeiten verübt wurden, festgesetzt werden.

In gemäßigter Form

Washington, 1. Oktober. Die Uebergabe-Aufforderung Mac Arthurs an die Nordkoreaner ist nach Ansicht politischer Kreise Washingtons in durchaus gemäßigter Form erfolgt.

Amerika wünscht keineswegs, wie amerikanische diplomatische Kreise betonen, China oder die Sowjetunion durch massierte Truppenkonzentrationen an der sibirischen oder mandschurischen Grenze zu provozieren.

Moskan schweigt

Moskau, 1. Oktober, (dpa) Weder aus der sowjetischen Presse, noch aus Aeußerungen der führenden Staatsmänner der Sowjetunion sind irgendwelche Anhaltspunkte über die sowjetische Haltung im Falle einer Ueberschreitung des 38. Breitengrades durch die UNO-Truppen zu gewinnen. Ausländische Beobachter in der sowjetischen Hauptstadt glauben jedoch, daß keinerlei Anlaß zu der Annahme besteht, daß sich die Einstellung der Sowjetunion zu dieser Frage seit dem Beginn des Koreakonfliktes geändert habe.

Indische Befürchtungen

zur Ueberschreitung des 38. Breitengrades

Lake Success, 1. Okt. (AP.) Als erster UN-Delegierter hat der indische Vertreter Sir Benegal Rau am Sonntag Befürchtungen zu der Ueberschreitung des 38. Breitengrades geäußert.

Die indische Regierung sehe die Erklärung des Ministerpräsidenten des kommunistischen Chinas, Tschu-En-lai, daß China nicht gleichgültig zusehen könne, wenn seine Nachbarn von den Imperialisten angegriffen würden, als ernst an.

Ein Sprecher der amerikanischen Regierung legte der neuen Erklärung Tschüs nicht viel Bedeutung bei. Die Vereinigten Staaten seien der Ansicht, daß die Sowjetunion Korea abgeschrieben habe und das kommunistische China nicht beabsichtige, ernsthafte Aktionen zu unternehmen.

Siamesische Zwillinge in Fulda

Fulda, 1. Oktober. (AP.) Eine Arbeiterfrau aus Fulda gebar am Sonntag siamesische Zwillinge, die jedoch kurz nach der vierstündigen schweren Geburt wieder starben.

Die Zwillinge, zwei vollausgewachsene Mädchen mit zwei Köpfen, Vier Armen und vier Beinen, aber nur einem Nabel, waren mit der Brust zusammengewachsen. Sie waren 50 Zentimeter groß, teilt der behandelnde Arzt mit.

Stimmen der Anderen

Wie sieht die Wahrheit aus?

Der liberale „Manchester Guardian“ wirft in einem Leitartikel die Frage auf, ob die Polizei der Ostzone für eine Invasion Westdeutschlands schlagkräftig genug sei oder ob sie lediglich einen Vorposten der kommunistischen Einflußsphäre darstelle.

„Wenn die Westmächte der Meinung sind, das erste sei der Fall, dann sollten sie die Deutschen im Westen einladen, sich in ihre Verteidigungsfront einzugliedern, nicht aber es ihnen befehlen. Trifft aber das zweite zu, so brauchen sie nichts weiter zu tun, als den Deutschen in Westdeutschland Vertrauen zu schenken, ihrer Regierung größere Macht einzuräumen und ihre eigenen Streitkräfte zur Abwehr der sowjetischen Aggression zu verstärken. In diesem Falle sollte man von den Deutschen nur guten Willen und praktische, friedliche Zusammenarbeit in ihrem eigenen Lande als Beitrag verlangen.

Man fördert die Sache des Friedens nicht, wenn man ein Volk vorzeitig bewaffnet, das den Militarismus vergessen will und lieber unter dem Schutze der Alliierten für sein Wohl arbeitet, und das alles vermeidet, was der schließlichen Wiedervereinigung Deutschlands hinderlich sein könnte.“

Nach dem „Manchester Guardian“ gibt es im Westen viele Leute, die einfach erklärten, „die Deutschen werden sich zum Schutze ihres .Vaterlandes1 mit Freuden an der westlichen Verteidigung beteiligen und warten nur auf die graziöse einladende Geste, die es ihnen erlaubt, ihrer angeborenen Vorliebe für den Paradeschritt zum Badenweiler Marsch nachzukommen“. Das möge früher einmal der Fall gewesen sein.

„Wie aber sieht die Wahrheit heute aus?“ fragt die' Zeitung.

’ „Die neuesten Analysen der öffentlichen Meinung zeigen, daß mehr als die Hälfte der Deutschen im Westen allein schon das Wort .Krieg1 satt haben und sich der Aufrüstung in jeder Gestalt widersetzen, es mag nach all dem nicht leicht sein, ein Volk zu einem rein westlichen Verteidigungsgedanken zu bekehren, das unter fremder Besatzung lebt, zwischen zwei Mächteblocks geteilt und keinerlei Versprechen dafür in Händen hält, daß seine Wiederaufrüstung dieser Teilung ein Ende macht und ihm die großen Gebiete wieder zurückgibt, die ihm genommen worden sind.“

Angestellte warten ab

Na Mainz, 1. Oktober. (Eigener Be¬ richt.) Die Berufsgruppe „Angestellte des öffentlichen Dienstes“ in der „Deutschen Angestellten-Gewerkschaft“ (DAG) hielt am Freitag und Samstag ihre erste Bundestagung in Mainz ab, auf der die Delegierten von etwa 90 000 öffentlichen Angestellten über die Fragen und Nöte ihres Berufes berieten.

Im Vordergründe des Interesses stand naturgemäß die Forderung nach einer Erhöhung der Gehälter. Noch am ersten Tage konnte der Leiter der Berufsgruppe, Bernhard Bockelmann, bekanntgeben, daß seine Organisation nicht an einen Streik denke, solange nicht die Verhandlungen fortgeführt und ein genaues Bild über das zu erwartende Ergebnis zeigen würden. Gleichzeitig wurde in einem Telegramm an das Bundeskabinett und den Bundesfinanzminister dagegen protestiert, daß seit den Verhandlungen, die am 19. September in Königstein stattfanden, nichts weiter geschehen sei. Weiter teilte Bockelmann mit, daß am heutigen Montag in Bonn neue Verhandlungen mit der Bundesregierung stattfinden. Die Leitung der Berufsgruppe werde je nach dem Ergebnis der Bonner Verhandlungen die erforderlichen Maßnahmen treffen und sich dieserhalb sofort mit den Orts-Organisationen in Verbindung setzen.

Am ersten Tage der Beratungen waren nähere Angaben über die Forderung der öffentlichen Angestellten gemacht worden. Danach sei zwar eigentlich durch die Preissteigerungen eine Erhöhung der Gehälter um dreißig bis vierzig Prozent notwendig. Da man aber wisse, daß die öffentliche Verwaltung solche ’ Ansprüche nicht erfüllen könne, habe man sich auf 15 Prozent beschränkt.

Weiter setzen sich die öffentlichen Angestellten für die Errichtung eines Personalamtes und die Ausschreibung freier Stellen ein, wobei die Mitwirkung der Gewerkschaften gefordert wird. In der Frage des Mitbestimmungsrechtes wird eme besondere Gesetzgebung für den öffentlichen Dienst ebenso verworfen wie die bekannte Regelung der Unterbringung und Entschädigung der „verdrängten Beamten“ nach Artikel 131 des Grundgesetzes, da dies einen Lastenausgleich auf Kosten eines einzelnen Standes darstelle.

Der Rat der evangelischen Kirche in Deutschland tritt am 5. Oktober in Berlin zusammen.

Darmstadt und Umgebung

Sterne flogen über den Meßplatz

Aus den Straßen standen die Photoamateure, mit Dreifüßen und wachsamer Linse um die ernsten Sternkaskaden auf die Platte zu bannen. Was auf der Meßplatz selbst an Menschenmengen zu sehen war, glich einem Volksaufstand. Zum unwidei rufhch letzten Male gingen die „artistischen Großstadtsensationen“ über die ■ * u \dle Dame ohne Körper lächelte m Anbetracht ihrer baldigen Erlösung, die letzte Wurst wurde angeboten, ehe ein neuer Korb voll auf den Rost geschüttet wurde, und zwischen Teddybärverlosung, Geisterbahn und Mosquitokarussell quetschten sich die Darmstädter aus Stadt und umliegenden Ortschaften um des historischen Augenblickes zu harren.

Er kam sozusagen ohne Anmeldung. Im gleichen Moment, wo ein harmloser Besucher für dreißig Pfennig seines Kopfes beraubt werden sollte, ging der Donner los. Erst ein furchtbarer Schlag, von dem Zischen eines asthmatischen Dinosauriers begleitet, und dann stieg Rakete auf Rakete in den Himmel, um Sternen und Mond Konkurrenz zu machen. Was für die Menge zu sehen war, das war ein Feuerwerk! Riesige Palmfächer sprühender Sterngirlanden schraubten sich in die Luft, winzige Kugeln schossen gedankenschnell in die Höhe, um oben mit einem Knall zu zerplatzen, blaue und dunkelrote Sterne freigebend, die verlöschend über die Achterbahn hinzogen. Hunderte kleine Feuerräder drehten sich in rasender Geschwindigkeit um ihre Achse, als habe sie jemand mit ihrem Punkt am Himmel festgespießt. Eiige von den Raketen resignierten und gaben die Sache nach kurzem Puffen auf. Sie platzten anstandshalber, warfen ein oder zwei mittelmäßige Sternchen aus und sanken nach unten. Aber die Masse von ihnen erfüllte treu und bieder ihre Aufgabe, die Mensch enzu erfreuen, und einen eindrucksvollen Abschluß der diesjährigen Herbstmesse herbeizuführen.

Als der letzte Stern verglomm, packte die Dame ohne Körper ihren Kasten zusammen, die letzte Wurst war tatsächlich die letzte, und der Meßplatz versank im Dunkel der Nacht, um erst im kommenden Frühjahr wieder zu neuem Leben zu erwachen. -st

Modenschau im Kaufhof

In dem bunten Reigen der Herbstmodeschauen schwingt auch der Kaufhof mit, der im 2. Stockwerk seines großen Hauses in ansprechender Weise Raum und Laufsteg für seine Damen- Herren- und Kindermannequins geschaffen hatte.

Daß die Modeschau — mehrfach wiederholt — im eigenen Verkaufsraum, von eigenen Angestellten erarbeitet und dargeboten wurde, gab ihr die eigene und so erfreuliche Note: die Atmosphäre wohlwollender Zusammenarbeit, aus der die begleitenden, fein und nett gesprochenen Worte des Herrn Sittard kamen, von der die Art und Weise der Vorführung bei den Kolleginnen und Kollegen bestimmt war.

Auf schlicht, dezent, sportlich und gefällig ist heuer die ewig junge Frau Mode gestimmt. Den grellbunten Farben des Sommers ist die Einfarbigkeit, braun aller Schattierungen türkis, grau, tintenfarbe, gefolgt oder die in Kontrast und Ergänzung wohltuende Zweifarbigkeit, grau-flieder, braun-türkis und das immer vornehme schwarz-weiß. Besonders gefiel ein neuartiger Karo-Wollstoff. Unmöglich, die geschmackvollen, fröhlichen Verspieltheit der Mode im einzelnen alle zu nennen, die bei der reichhaltigen Modeschau des Kaufhofes zu bester Wirkung kamen. Bewußt auf die Bedürfnisse des berufstätigen Menschen, die einfachere Dame abgestellt, zeigte die Kollektion gute Qualitäten in aparter Verarbeitung, die dem Geschmack entsprechen und ihn zugleich erziehen.

Tropische Bäder für Darmstadt

Reise an die Riviera wird überflüssig

Einfach war es nicht, das steht fest. Bisher mußten 400 000 DM aufgebracht werden, um die größere der beiden Hallen, das Männerschwimmbad, in einen gebrauchsfähigen Zustand zu versetzen'. Durch Sammlungen konnten fast 110 000 DM zu dieser Summe zugesteuert werden, bei denen sich auch die HEAG und die Südhessische Gas- und Wasser-AG. großzügig beteiligten.

Der erste Eindruck, den der Besucher beim Betreten des neuen Hallenschwimmbades empfängt, ist überwältigend. Die Wände des breiten Ganges, der zur Kasse führt, sind in ganz hellen Farben gehalten, moderne Deckenlampen mit Leuchtröhren sorgen für ein angenehmes Licht, und sogleich verspürt man den warmen Wassergeruch, der durch sämtliche Gänge und Räume zieht. Das alte Becken des Männerbades wurde etwas verändert, die längste Stelle beträgt nun 27 Meter bei einer Breite von über 10 Meter. Durch eine eingeschobene Metallwand wurde die Länge auf 25 Meter verkleinert, um die erforderlichen Maße für sportliche Wettkämpfe zu erhalten. Diese abgeschnittenen zwei Meter sind als Plantschbecken für die Kleinsten vorgesehen. Das Becken selbst faßt 530 Kubikmeter Wasser, das in etwa vier bis fünf Stunden einfließt.

Zwei sinnreiche Kreislaufsysteme sorgen dafür, daß das Wasser erstens durch ständigen Dampfzusatz auf einer Temperatur von 22 Grad Celsius gehalten wird und daß es in dem zweiten Kanalnetz laufend gefiltert wird. In sieben Stunden fließt die Gesamtmenge einmal durch die Wärmeanlage und alle vierzehn Stunden wird der Inhalt des Beckens bis auf den letzten Tropfen filtriert. Das Wasser wurde nur zu einem geringen Prozentsatz chloriert, und zwar 0,3 Milligramm pro Liter.

Rings um das Becken herum schlängeln sich Heizungsrohre unter den Kacheln entlang, womit erreicht wurde, daß man keine kalten Füße bekommt, wenn man aus dem Wasser steigt. Auch die Lufttemperatur kann reguliert werden. Die Wasserdünste ziehen durch große Siebe an der Hallendecke ins Freie ab. Alles ist weiß oder hellgrün gestrichen. Vom „ersten Rang“ aus, in dem sich rings um das Becken die Umkleidekabinen ziehen, sieht man durch das Wasser hindurch jede einzelne Kachel auf dem Grund des Schwimmbeckens. Dort, wo sie dunkler werden, ist die tiefste Stelle, die mit 3,4 Meter auch akrobatischen Sprüngen vom 3- Meter-Brett gewachsen sein dürfte.

Geöffnet ist das Hallenschwimmbad täglich von 9 Uhr morgens bis 20 Uhr für Männer und Frauen als eine Art Familienbad. Ab 20 Uhr ist das Becken für Vereine reserviert. Bedauerlich ist nur, daß es ausgerechnet an den Sonn- und Feiertagen geschlossen bleibt, wenn die meisten Menschen Zeit und Gelegenheit hätten, sich mit ihren Kindern von der Alltagswoche zu erholen.

Es ist zu hoffen, daß die Bevölkerung von ihrem neuen Schwimmbad recht rege Gebrauch machen wird, damit eines Tages auch der Ausbau des kleinen Frauenbades erfolgen kann, für das nochmals etwa 300 000 DM aufgewendet werden müßten. Wenn jetzt der Winter mit Eis und Schnee kommen sollte, so steht uns nichts mehr im Wege, unsere „private Darmstädter Riviera“ aufzusuchen, um sich im warmen Wasser der Illusion des Mittelmeeres und des blauen Himmels hinzugeben. -st

Der Erpander der Besatzungsgeschädigten

Am Sonntagvormittag fand eine Zusammenkunft der Darmstädter Ortsgruppe der Interessengemeinschaft der Besatzungsgeschädigten im „Ritter Georg“ statt, auf der Herr Heimann aus Friedberg über seine Erfahrungen im dortigen Kreisgebiet berichtete.

Während bisher im allgemeinen 7 Prozent des Einheitswertes den Besatzungsgeschädigten für ihre beschlagnahmten Häuser als Mietentschädigung ausbezahlt wurden, seien es in Friedberg 10 Prozent gewesen. Nach der jetzt in Kraft getretenen Besatzungsleistungsverordnung sei eine Entschädigung in Höhe von 12 Prozent des Einheitswertes vorgesehen. Um aber diese Erhöhung der Mietsätze für beschlagnahmte Häuser durchzusetzen, sei es erforderlich, daß sich alle Geschädigten zusammenschlössen, um gemeinsam gegen das Unrecht der Hausbeschlagnahme vorzugehen.

Der Redner betonte, daß große Kreise mit der Arbeitsweise und der Machtanmaßung des Vorsitzenden, Dr. Neubrunner, nicht einverstanden seien. Dr. Neubrunner, der Leiter der Frankfurter Interessengemeinschaft, des Landesverbandes Hessen, und des West- und Bizonenverbandes sei, habe satzungsgemäß ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Trotzdem sei man bereit gewesen, ihm in Anbetracht seiner hohen Aufgaben eine Entlohnung in Höhe von 400 DM zuzusichern. Dr. Neubrunner habe es aber verstanden, diese Bezahlungen von allen Verbänden zu fordern und zu erhalten, in denen er führend in der Leitung tätig sei. Demzufolge könne er kaum noch Interesse daran haben, daß der Verband der Besatzungsgeschädigten nach Erreichung seines einzigsten Zieles, der Freigabe der beschlagnahmten Häuser, aufgelöst werde.

Das ist mit ein Grund, warum sich in Hessen 5 Ortsgruppen vom Landesverband gelöst, und weitere fünf bis sechs hätten vorsorglich ihre Mitgliedschaft gekündigt. Der neue Zusammenschluß bezeichne sich als „Notgemeinschaft Hessen“. Gerade in Anbetracht der Tatsache, daß neuerdings wieder willkürliche Mietfestsetzungen erfolgten, sei es erforderlich, daß in Resolutionen an die Bundesrepublik, wie an die Landesregierung auf die Lage der Besatzungsgeschädigten hingewiesen werde.

Die einstimmig angenommene Resolution fordert, daß die Interessengemeinschaft des Stadt- und Landkreises Darmstadt Einspruch dagegen erhebt, daß fünf Jahre nach Kriegsende immer noch die Beschlagnahmungen aufrechterhalten würden. Es sei dringendstes Gebot, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um den Wiederbezug der Häuser zu ermöglichen, hfl

„Fra Diavolo“ oder der humanisierte Räuber

Auber in der Neuinszenierung des Landestheaters

Es geht nichts über einen gesunden Humanismus. Man erreicht ihn durch Demilitarisierung einer zackig-preußischen Häs’cherschar, die nach langem Mühen den Räuber entkommen läßt unter dem Motto: „Laßt ihn laufen, wir wissen ja jetzt, wie er aussieht.“

Sollte das eine Taktik des Parodieverfahrens sein, so hätte die Regie ihre Strategie von Anbeginn auf den gesamten Vorgang des Stückes in dieser Art einrichten müssen. Leider lugte aber nur ab und zu einmal die Selbstironisierung in persona hindurch. Als gelungenes Beispiel seien das Kellerversteck oder der Messertanz der Banditen erwähnt. Es fehlte aber die Einheitlichkeit der Gesamtkonzeption, so daß man sieh die Brocken der Persiflage zwischen dem bitteren Ernst der Kirchenchöre. Romanzen usw. und zwischen den komischen Situationen selbst heraussuchen mußte. Auch die Striche haben nicht konsequent genug den Willen des Regisseurs Curt Haug erkennen lassen. Das ist umso bedauerlicher. als er ein reizendes Bühnenbild mit einem vieretagigen Haus (Keller unteres und oberes Parterre, 1. Stock) in Auftrag gegeben hatte, das Elli Büttner Bühnenbildnerin ausgezeichnet ausführte. Die Gesamtanlage hinterließ jedoch trotz mancherlei guter Einfälle einen unterschiedlichen Eindruck und neigte mehr zum gut bürgerlichen Idyll mit komischen Zwischenfällen als zum witzigen Humor mit ironisierender Parodie.

Die schönen Kostüme waren von Fili Büttner entworfen. Sie kamen auch dem Ballett zustatten, das Ingeburg Niederberger in einigen beschwingten ländlichen Tänzen auftreten ließ.

Arthur Schmittenbecher betreute als Gast den musikalischen Teil und musizierte sorgfältig und präzis, im Dynamischen allgemein diskret, im Tutti zu pompös. (Der Schlagzeuger haute durchweg zu laut auf die Pauke!) Die pointillierte Akzentuierung, jene Feinnervigkeit in der Musik der Opera comique, die sich im Rhythmus und Ausdruck widerspiegelt, war nicht immer getroffen. Beachtlich die Salonensemble, die aus vier Stockwerken harmonisch zusammenkamen. Die Anvertrauung eines weiteren Werkes an den Dirigenten wäre zu empfehlen.

Ein Verdienst des neuen Chordirektors Paul Cadow ist zweifellos, daß die Chöre nicht fliehr schreien, sondern singen. Der Chor nimmt „klingende Formen“ an, wohltuend für den Sänger und für die Zuhörer.

Unter den Darstellern schossen Heinz Pribyt und Ferdi Küppers, der sich damit als Buffo gut einführte, im Räuberhabit den Vogel ab. Franz Köth sang den Lorenzo mit Freude am bunten Theaterspcel, trefflich sekundiert von Ruth Wilke (Zerline), der dieses Mal der Koloraturreichtum dieser Rolle etwas Mühe machte. Ihre Beanspruchung im Spielplan ist groß und vielseitig. Zuverlässig und sympathisch wie stets Heiner Horn als Gastwirt Matteo. Petra Böser und Theodor Maaß mimten mit Laune das englische Ehepaar, in der Komik allerdings recht schwer und nicht immer drastisch genug. Ihre fachliche Veranlagung liegt eben auf einem anderen Gebiet. Das gleiche gilt für Nicolo Jussa. Die umfangreiche Tonskala seiner Partie, die immer wieder Tiefe und Mittellage voll beansprucht, machte ihm reichlich zu schaffen, und er fühlte sich erst wohl, wenn er die strahlende Höhe erreichte. Man kann aber für Besetzungsfragen nicht die Sänger verantwortlich machen, die ihr Bestes gaben. Schon bei der Aufstellung des Spielplans müssen die Gegebenheiten in Rechnung gestellt werden. Das Publikum unterhielt sich gut bei der leichten und illustren Kost. G. J.


Petra Böser und Nicolo Jussa in „Fra Diavolo" Foto: Landestheater
Petra Böser und Nicolo Jussa in „Fra Diavolo" Foto: Landestheater

Ein neuer Film

Thalia. Schwarzwaldmädel. Der erste neue deutsche Farbfilm wurde mit viel Spannung erwartet. Hans Deppe, der Regisseur, hatte es gewiß nicht leicht, unter den heutigen finanziellen und technischen Verhältnissen einen guten Film zu machen, dessen Aufnahmen in geschickter Mischung zwischen Baden-Baden und Schwarzwaldlandschaften hin- und herpendeln. Der Film ist nach Motiven der gleichnamigen Operette gedreht und verleugnet diese Herkunft natürlich nicht. Wir finden auch hier den beliebten Wechsel zwischen Stadt und Land, zwischen Bühnen- und Landluft. Sogar Lydia Veicht mit ihrem Eisballett, leider fast nur in Großaufnahmen, ist für die ersten Szenen bemüht. Die Farben kommen an sich nicht schlecht heraus, aber viele Aufnahmen wirken doch wie billige Ansichtspostkarten einer überwundenen Zeit, und nur zu oft hat der Betrachter den Eindruck, als ob die Kamera nur von der Sucht nach „schönen“ Bildern geführt worden ist. Natürlich sind auch prächtige Aufnahmen, besonders in den Fernsichten dabei. Die Handlung? Selbstverständlich kriegen sich die Richtigen, und allerlei Zufälle, lustige wie überraschende Szenen sind mit viel Geschick hineinverflochten. Unter den Darstellern ragen außer einigen wegen ihres merkwürdigen Typs besonders herausgesuchten PaulHörbiger (Am Schluß freilich arg, arg sentimental), Sonja Ziemann und Rudolf Prack hervor. Ansonsten freut man sich, Hans Richter wieder zu begegnen, einem der wenigen Filmdarsteller, der es vom Filmkind auch als Erwachsener zu Filmrollen von Profil gebracht hat. H.W.W.

Pferde zeigten, was sie können

Fernfahrt Butzbach—Darmstadt zur Hengstparade

W. Kuhl, Gambach, gewann Preis der Stadt Darmstadt

Von mehreren tausend Besuchern war die Reitbahn des Hessischen Landgestütes »« Darmstadt umlagert, als Landstallmeister Dr. Frielinghaus unter Begrüßung der zahlreichen' Ehrengäste in einer Ansprache den Wert des Pferdes in heutiger Zeit hervSrhob.

Eine Schlitzer Trachtengruppe eröffnete mit buntem Volksreigen das Programm, das ausgezeichnet zusammengestellt und organisiert, Fachleute und Laien oftmals zu großen Beifallsstürmen hinriß. Den Landwirten lachte das Herz im Leibe über die „Staatsgäul“, die da ihr Können und ihre Schönheit zeigten. Während dieser Leistungsschau referierte Dr. Frielinghaus fortlaufend über die Besonderheiten und Leistungen der aufmarschierenden Pferde, deren Felle im unvermuteten Sonnenschein glänzten.

Nach den züchterischen Vorführungen, deren Höhepunkt die Vorführung von 3 Warmbluthengsten im Trab und ein abschließender Galopp von 18 Kaltblütlern bildete, folgten reitsportliche Wettkämpfe, wobei Gestütswärter A. Schmitt im Jagdspringen und in der Dressurprüfung und Gestütswärter Thierau II in der Fahrprüfung den 1. Preis errang.

Bei der Siegerehrung der Fernfahrt Butzbach—Darmstadt, einer Strecke von 115 Kilometern, gewann das Gespann des Züchters W. Kuhl aus Gambach den Preis der Stadt Darmstadt für schwere Warmblutpferde. Den zweiten Preis erhielt O. Walter, Ossenheim, dann folgten W. Freund, Neu-Isenburg und H. Heil, Habitzheim, mit dem dritten und vierten Preis.

Die Kleinpferde und Ponies, die die gleiche Strecke zurückgelegt hatten, machten einen besonders guten Eindruck il^er Leistungsfähigkeit. Frau Körner, Hanau, errang den Sieg und Ne u - schäffer, Dillenburg, den zweiten Preis für Kleinpferde. Den Sieg der Ponies errang Prinz Reuß, Weiherhof. Es folgten Arndt (Ennerich), Kloos (Frankfurt) und die neunjährige Hedda Arndt mit dem zweiten bis vierten Preis.

Wahlausschuß nicht einverstanden

Der Wahlausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat in seiner Sitzung am 29. September 1950 unter Vorsitz von Stadtkämmerer Dr. Feick festgestellt, daß der als Nachfolger für den ausgeschiedenen Stadtverordneten Dr. Koch (FDP) nominierte Kandidat Heinrich Pfeng nicht bestätigt werden konnte, da das Gesetz zur Abänderung des Gemeindewahlgesetzes vom 9. 7. 49 ein Nachrücken von Bewerbern, die nicht auf der ursprünglichen Kandidatenliste des Wahlvorschlags genannt sind, ausschließt.

Ueberfall auf Reg.-Baurat Storck

Am 1. Oktober 1950, gegen 9 Uhr vormittags, wurde auf den Regierungsbaurat a. D. Karl Storck, geboren am 24. Mai 1884 in Darmstadt, wohnhaft bei Ober-Kainsbach, in einem einzelstehenden Haus auf der Höhe am Waldrand ein Ueberfall verübt, wobei Herrn Storck mit einem ViZoll starken, etwa 35 Zentimeter langen Wasserleitungsrohr der Schädel in Gegend des linken Ohres lebensgefährlich zertrümmert wurde. Der Verletzte wurde gegen 11 Uhr in das Kreiskrankenhaus Erbach eingeliefert. Es besteht Lebensgefahr. Die Fahndung nach dem Täter wurde sofort aufgenommen.

Kommunistische Störungsversuche

Wie im gesamten Bundesgebiet, stand gestern auch in Darmstadt die Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft. Die kommunistischen Tarnorganisationen beschränkten sich jedoch auf Störversuche von geringer Bedeutung.

So wurde am Morgen durch ein irreführendes Telefongespräch Polizei zum Hauptbahnhof zu einem angeblich eintreffenden Zug mit FDJ-Angehörigen gelockt, während sich auf dem Lichtenbergplatz eine Demonstration bildete, bei der geredet und Sprechchöre geschrien wurden. Von dort formierten sich zwei Demonstrationszüge, deren einer sich unter Kirchgänger am Schloßgartenplatz mischte und dadurch der Polizei das Eingreifen erschwerte. Ein Mann, der eine Ansprache halten wollte, wurde verhaftet. Am Nachmittag verteilten Kommunisten in der Menschenmenge auf dem Meßplatz Fähnchen mit Parolen, die von der eingreifenden Polizei beschlagnahmt wurden.

In der Stadt notiert

3 Unfälle in Darmstadt

In der Heidelberger Straße geriet gestern morgen in der Nähe di r Straßenkreuzung zur Bessunger Straße ein Kleinkraftrad auf d"n regennassen Straßenbahnschienen ins Schleudern, wobei der Kraftfahrer stürzte. An dem Fahrzeug entstand Sachschaden. DT *

Um 12 Uhr stießen zwei in der Unteren Rheinstraße in entgegengesetzter Richtung fahrende Personenkraftwagen zusammen, als der von Griesheim herkomende Kraftwagen nach links zum Hauptbahnhof einbiegen wollte. Personen kamen nicht zu Schaden, jedoch wurden beide Fahrzeuge beschädigt. DT •

Auf der Kreuzung der PankraHus- und Fuhrmannstraße stießen am N ^chmittag ein Lastzug und ein PKW zusammen wobei an beiden Fahrzeugen Sachschaden entstand. DT

„Für was fühlte ich mich bernfen?“

Abiturienten wollen sich entscheiden

In der letzten Woche herrschte wieder einmal reges Leben auf dem Heiligenberg. Vom Arbeitsamt, Abt. Berufsberatung, durchgeführte berufskundliche Tagung für Abiturienten vom 26. bis 30. September vereinte sehr viel mehr jun"e Gaste als sich ursprünglich angemeldet hatten. Am Donnerstag reichen die Raume des Pädagogischen Instituts nicht für die Teilnehmer aus; es mußte in Jugenheims Kinosaal getagt werden.

Vom ersten bis zum letzten Tage fanden die Vorträge offene Ohren und Herzen. Die Referenten über die verschiedenen Berufsarten wußten jeder in seiner Weise das große Gebiet ihres Schaffens, „Jetzt ist uns die Wahl noch schwerer geworden als vorher“, hören wir immer wieder aus dem Hörerkreise. Nun, die Mühe und Arbeit, die nötig waren, um eine solche Tagung zuwege zu bringen, sollte den jungen Menschen nicht die Entscheidung abnehmen oder gar leicht machen. Vielmehr sollten die Gedanken,

die um die Berufswahl kreisen, zu verantwortlichem Abwägen gebracht und in jene Tiefe gelenkt werden, wo es um ethische Werte und soziale Verpflichtungen, um den Menschen selbst und das Miteinander der Menschen in Volk und Staat, öffentlichem und politischem Leben geht. Daß nicht nach äußerlich glänzenden Vorstellungen, ichbetonten Wünschen und erstrebenswerten Lebensumständen allein entschieden werden darf, sprach eindringlich jeder der Vortragenden aus. Ohne den frohen Jugendmut, das Wagenwollen und frische Zugreifen zu dämpfen, wurde damit doch ein ernstes Besinnen auf die entscheidenden Gewichte bei der Berufswahl bewirkt.

Fräulein Dr. Karbe von der Abteilung Berufsberatung beim Arbeitsamt Darmstadt leitete die Tagung mit der Sicherheit, dem Freimut und der fraulichkameradschaftlichen, unbetonten Ucberlegenheit, die das Vertrauen der Jugend sofort gewinnt. So konnte sie in den Einzelberatungen manchem einen Weg zeigen, der rings die Schwierigkeiten um seine Berufswahl sich türmen sah, und manche Hilfe damit leisten, die sich nicht nur für den einzelnen, sondern für den größeren Kreis im Guten auswirkt.

Freizeit und fröhliches Beisammensein am Abend waren getragen von dem frischen Geist gesunder Jugend, die sauber und klar von ganzem Herzen vergnügt sein kann. d_s

WIE-WIRD-DAS WETTER

Zwischenbesserung

Vorhersage: Am Montag wolkig, zeitweise auch heiter. Nur örtliche Schauer. Temperaturen nicht ganz so hoch, westliche Winde.

Weitere Aussichten: Weiterhin unbeständig.



Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Union: „Wenn eine Frau liebt ; T h a 1 i a : „Schwarzwaldmädel“; Beli da : „Ich mach Dich glücklich“; Palast: „1 —2 — 3 Corona“; Hansa: „Himmel auf Erden“.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10—18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“. Amerika-Haus (Krone): 19.30 Uhr, Fdlmabend: „Hafen von Neuyork“, „ Lincoln-Tunnel“, „Enträtselte Technik“.

Heppenheímer Bauerntag 1950

Arbeitstagung südhessischer Bürgermeister / Industrie-, Handels- und Gewerbemesse eröffnet Festzug und Festspiel / Bauernkundgebung in der Stadthalle

Die ersten Anzeichen des Heppenheimer „Bauerntags 1950“ stimmten nicht allzu optimistisch. Wenn auch Bürgermeister Holzamer einen Pakt mit dem Wettergott geschlossen zu haben schien (obwohl die Bensheimer — wie böse Zungen behaupteten — bei aller Rivalität sich bereit erklärt hatten, 800 Regenschirme zu liefern), hatten die ersten Stunden des Samstagnachmittag trotz Fahnen, Girlanden und Transparenten ein weniger festliches Gepräche. Dies insofern, als eine gewisse Passivität der Bevölkerung wohl nicht wegzuleugnen war, die erst zu nächtlicher Stunde sich lockerte und .in weinselige Stimmung überging.

Gewiß umstanden am Abend bei festlicher Fackelbeleuchtung Tausende den Marktplatz. Wohl ebensoviele umsäumten die Straßen, durch die sich der Festzug bewegte, der in dem Huldigungsakt am Rathaus endete. Schwer aber war es, die Massen zu begeistern, die trotz aller Aufforderungen zu den notwendigen „Vivat“-Rufen der Statisterie bei diesem Spiel nur wenig aus sich herausgingen. Einzig und allein die Romantik der Nacht, die brennenden Fackeln und die festlich erleuchteten Fenster der angrenzenden Häuser im Zusammenklang mit den historischen Gewändern der Festzugteilnehmer und Spieler waren es, die den Rahmen zu einem Ereignis gaben, dessen Erfolg nicht von der Hand zu weisen ist.

Erklärende Worte aus den überall aufgestellten Lautsprechern schufen die Verbindung zu dem Geschehen in den Straßen und Gassen. Mittendrin das Stadtoberhaupt, da und dort ordnend eingreifend und auch ein klein wenig aufgeregt, — denn es war sicherlich nicht allzu leicht, die große Zahl aller Mitwirkenden so zu lenken, daß keine Risse in dem wohldurchdachten Gefüge des Spiels entstanden. Immerhin darf man aber mit Fug und Recht behaupten, daß es am Nachmittag des Sonntags wiederholt und vor noch mehr Zuschauern aus nah und fern wie am Vorabend dargeboten, in seiner Art eine Note besitzt, die Heppenheim und die Bewohner seiner Umgebung, wie auch die zahlreichen Gäste, bisher noch nicht in solch eindringlicher Art erleben durfte.

Man darf den Initiatoren, vor allem Dr. Winter, dem Urheber des Spiels ohne Einschränkung gratulieren. Es wäre zu wünschen, daß man sich an diesem Geschehen für spätere Zeiten ein Beispiel nehmen würde, da es dazu angetan war, die Vergangenheit so in die Gegenwart zurückzurufen, wie sie sich einmal den Augen und Ohren unserer Vorfahren bot. Leichter und beschwingter wurde die Stimmung anschließend im Weindorf und in den zahlreichen Gaststätten der Stadt, wo prämiierte Weine und vor allem der „Federweiße“ die Zungen lösten. ' öde


Marsch der Zünfte zum Empfang des Königs
Marsch der Zünfte zum Empfang des Königs

Űberregíonale Bergstrȁßer Messe

Gestaltung nach großen Vorbildern / Geschickter Aufbau / Schöne Stände

Der „Bauerntag 1950“ in Heppenheim begann am Samstag mit einer kleinen Eröffnungsfeier für die erste Bergsträßer Industrie-, Handels- und Gewerbemesse (IHAGE) im Restaurationszelt auf dem Ausstellungsgelände am Schwimmbad.

Die feierliche Eröffnung

Bürgermeister Holzamer entbot nach dem klingenden Spiel des Spielmannszugs der Heppenheimer Feuerwehr (Tambourstab und einiges andere erinnerte die nicht allzu zahlreich erschienenen Gäste an längst vergangene Zeiten) den Gruß der Stadt. Er wies in seiner Ansprache darauf hin, daß es nicht leicht gewesen sei, diese erste Ausstellung zustande zu bringen. Einmal sei es die allgemeine wirtschaftliche Lage, zum anderen aber die Vielzahl ähnlicher Veranstaltungen gewesen, die sich hindernd in den Weg gestellt hätten. Es sei daher für ihn eine besondere Ehrenpflicht, den Herren Peters und Marx für ihre im Interesse der „IHAGE“ geleistete Arbeit zu danken. Danken müsse er aber auch den Aus-

Stellern, die sich besondere Mühe mit ihren Ständen gemacht hätten. Selbst der Wettergott habe ein Einsehen gehabt, so daß auch von dieser Seite her nicht nur die Messe, sondern auch der gesamte Bauerntag gesichert sei, während dem er allen Besuchern erlebnisreiche Tage und frohe Stunden der Erholung von dem schweren und unsicheren Alltag wünschte.

Herr Stephan bat im Namen der Aussteller um Entschuldigung für die noch nicht bezogenen oder fertig aufgebauten Stände und begründete diesen Mangel mit dem nicht rechtzeitigen Eintreffen des Ausstellungsmaterials.

Gang durch die Ausstellung

An der Fläche gemessen mag die erste Bergsträßer Industrie-, Handels- und Gewerbemesse hinter vielen der zahlrichen im Laufe des Sommers auch auf dem flachen Land veranstalteten Ausstellungen zurückstehen. Aufbau und Gestaltung aber gehen unseres Erachtens weit über das im allgemeinen nicht allzu hohe Niveau hinaus. In einem großen Zelt und auf dem Freigelände haben neben einer ganzen Reihe kleinerer Firmen, die sich sehr viel Mühe machten, auch Firmen von Rang und Namen ausgestellt, die für die Gestaltung ihrer Stände bekannte Werbefachleute herangezogen haben.

Dem von uns geübten Brauch folgend (auch der beschränkte Raum zwingt uns dazu), sollen hier nur Stände namentlich genannt werden, die sowohl nach der positiven als auch nach der negativen Seite hin aus dem Rahmen fallen. Es sei vorweg gesagt: Wir sahen in der ganzen Ausstellung keinen ausgesprochen schechten Stand. Nur schien uns die Placierung der Bilder des in Heppenheim wohnenden Malers Stephan (recht sauber gemalte Landschaften) neben einem Ackerschlepper und weißen Mäusen wenig glücklich.

Beherrscht wird das Ausstellungszelt von dem Stand der „HEAG“, der vom Atelier Delp, Darmstadt, unter sehr geschickter Nutzung der Gegebenheiten gestaltet wurde. Auch für den Stand der

„Liberty “-Zigarettenfabrik zeichnet das Atelier Delp verantwortlich. Ein Stand, der neben dem von „Coca-Cola“ mit den besten Eindruck machte. Nett auch die Lampertheimer Firma Fo 11 z , die sich zur Vorführung ihrer entzückenden Regenmäntel und Pelerinen ein ebenso entzückendes Mannequin mitgebracht hatte.

Im Freigelände sah man vor allem landwirtschaftliche Maschinen. Besonders fiel ein gewaltiger Aufbau aus Leitern aller Art und verschiedener Größen auf. Neu für die Bergstraße das Ki p p - to r für Autogaragen.

Zusammenfassend darf noch einmal festgestellt werden, daß in Heppenheim mit einigem Erfolg versucht wurde, eine Messe aufzubauen, die für den Besucher mehr ist als nur ein Lager schon längst bekannter Waren. We


Der propagandistisch wirksam ausgeführte Stand der „Liberty“-Zigarettenfabrik, ausgeführt vom Atelier Delp, Darmstadt
Der propagandistisch wirksam ausgeführte Stand der „Liberty“-Zigarettenfabrik, ausgeführt vom Atelier Delp, Darmstadt

Die HEAG zeigt an ihrem Stand die modernsten elektrischen Geräte im Betrieb
Die HEAG zeigt an ihrem Stand die modernsten elektrischen Geräte im Betrieb

Gegen Planwírtschast - für sozíale Marktwírtschaft

Die Bundestagsabgeordneten Rüdiger und Gerns in Heppenheim

Der Vorsitzende des Bauernverbandes im Kreis Bergstraße, Glaser, konnte in der nur mäßig besuchten Stadthalle neben den beiden Bundestagsabgeordneten auch Ministerialdirektor Dr. Keil vom Landwirtschaftsministerium, Landrat Dengler, Dr. Seidel vom Landwirtschaftsamt und den Bürgermeister der Stadt Heppenheim, Holzamer, begrüßen.

Bürgermeister Holzamer hieß im Namen der Stadt vor allem die beiden Bundestagsabgeordneten willkommen, die nach seiner Meinung dazu berufen seien, die Lage der Landwirtschaft in der besten Form beurteilen zu können. Er gab seiner Freude über die Anwesenheit der hohen Behördenvertreter und der Presse Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß die Teilnehmer an der Kundgebung das mit nach Hause nehmen möchten, was sie selbst erwarteten.

Bundestagsabgeordneter Rüdiger (FDP) stellte am Anfang seines Referates fest, daß er trotz der durch die Umstände bedingten Schwierigkeiten gern und vor allem aus Liebe zur Sache der Bauern, die er aus innerster Ueberzeugung vertrete, nach Heppenheim gekommen sei. Rückschauend auf das vergangene Jahr müsse man sagen, daß die teilweise überreiche Ernte Anlaß genug sei, das Erntedankfest zu feiern.

In nicht mißzuverstehender Form übte er Kritik an der Bundesregierung, von der man das Gefühl habe, daß sie zwar den besten Willen, aber nicht den Ueberblick habe, der zu einer klaren Beurteilung der Lage der Landwirtschaft nötig sei.

Mit außerordentlicher Schärfe wandte sich Bundestagsabgeordneter Rüdiger gegen die Kampfmethoden der Gewerkschaften, die den Bauern die Schuld an den hohen Lebensmittelpreisen gäben. Das wäre eine bewußte Verdrehung der Tatsachen, sei doch trotz der gestiegenen Preise für Schweine der Gesamtlebenshaltungsindex im letzten Jahr von 161 auf 155 gefallen. Erschüttert hätte ihn, daß die Gewerkschaften sogar gegen die Erhöhung der Kartoffelpreise in so scharfer Form Stellung genommen hätten. Dabei lägen gerade die Kartoffelpreise weit unter den Gestehungskosten.

„Ich bin kein Interessenvertreter“, rief der Redner aus, „und ich fühle mich auch den anderen Volksgenossen gegenüber verpflichtet, aber wie es heute ist, geht es nicht weiter. Wenn man sieht, was heute mit unserer Ware geschieht, für die wir uns abgerackert haben, dann bleibt einem die Spucke weg!“

Durch Beispiele bewies der Abgeordnete, in welche „unvorstellbarer“ Weise der Handel durch nicht berechtigte Gewinnspannen die landwirtschaftlichen Erzeugnisse für den Verbraucher verteuere.

Mit diesem Preiswucher müsse ein für allemal Schluß gemacht werden. Auch die Liberalisierung des Außenhandels sei in der derzeitigen Form für die Landwirtschaft nicht tragbar. Die Bauern würden zwar keine Zwangswirtschaft verlangen, müßten aber eine „gewisse, geregelte Wirtschaft fordern.

Zur Frage des Milchpreises erklärte der Redner, daß es darum gehe, einen Preis zu erzielen, der einmal die Kosten decke, zum anderen aber auch stabil sei, da der Erlös aus dem Milchverkauf die einzige regelmäßige Einnahme sei, die der Bauer habe.

Einen breiten Raum in den Ausführungen des Bundestagsabgeordneten Rüdiger nahm dessen Stellungnahme zu den Obst- und Gemüseeinfuhren' ein. Mit voller Berechtigung müsse die Forderung nach der Ausschaltung der unlauteren Konkurrenz des Auslandes erhoben werden, bevor die deutsche Landwirtschaft durch sie den Todesstoß erhalte. Aus preislichen Gründe müsse sich die Geschmacksrichtung der Verbraucher ändern.

Man müsse aber auch fordern, daß die deutschen Verbraucher sich in ihren Ansprüchen nach der jeweiligen Marktlage richteten und nicht im Januar Spargel oder Tomaten wollten, die es zu einer anderen Zeit aus der deutschen Ernte gäbe. 1949 hätte man den Roggen kaum absetzen können, weil die Bevölkerung nur nach dem Weißbrot gegriffen habe. Apfelsinen, Bananen und Weintrauben würden immer Abnehmer finden, während deutsche

Aepfel kaum abzusetzen seien. Während alles auf das teure Schweinefleisch stürze und damit die Preise noch mehr in die Höhe getrieben würden, läge das Hammelfleisch auf der Straße.

Bundestagsabgeordneter Rüdiger erkannte die soziale Verpflichtung des Bauernstandes beim Lastenausgleich an, warnte aber eindringlich die- Regierung, zu einer Lösung zu kommen, die den „irrsinnigen und utopischen“ Vorschlag des Bundesflüchtlingsministers L u k a s c h e k akzeptiere. Am Schlüsse seiner temperamentvollen und immer wieder vom Beifall unterbrochenen Rede faßte Abgeordneter Rüdiger noch einmal die von ihm herausgestellten wirtschaftspolitischen Gesichtspunkte zusammen:

Keine Autarkie — Keine Planwirtschaft, denn jeder Plan führt irgendwann einmal zum Zwang dafür aber eine soziale Marktwirtschaft, die den bäuerlichen Verhältnissen Rechnung trägt.

Der Bundestagsabgeordnete Ger n s zeichnete in einem ausführlichen Referat ein Bild der geschichtlichen Entwicklung der letzten fünfzig Jahre. Auch er stellte die wirtschaftliche Bedeutung des Bauernstandes heraus, darüber hinaus aber noch fest, daß der bäuerlichen Versorgung auch ein ganz besonderer biologischer Wert zugemessen werden müßte, da sie es sei, die die Bevölkerung der Städte „blutmäßig wieder auffrische“. Der Redner sprach sich deutlich für die Beteiligung Deutschlands an der europäischen Verteidigung aus. Zuvor müsse man aber den Offizieren und Soldaten, denen man 1945 die Ehre genommen habe, diese Ehre wieder zurückgeben.

Zum Abschluß der Kundgebung ergriff der Kreisvorsitzende Glaser noch einmal das Wort. Er dankte vor allem dem Redner, stellte fest, daß der Bauernverband eine unpolitische Organisation sei und bleiben müsse.

Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren der Toten und Kriegsgefangenen von den Plätzen.

Mit dem Wahlspruch „Deutschland muß leben!“ wurde die Kundgebung geschlossen. We


Die Königin, von Heidelberg kommend, reitet in die Stadt ein
Die Königin, von Heidelberg kommend, reitet in die Stadt ein

Bauerngruppe aus dem Festzug
Bauerngruppe aus dem Festzug

Brettl vor leeren Bȁnken

Eine Veranstaltung, die man zu besuchen versäumte

Es muß einmal in aller Offenheit gesagt werden: Was sich nach dem Festzug und dem Spiel am Samstagabend im Restaurationszelt des Messegeländes, das in dieser Woche noch manche Sonderveranstaltung erleben soll, abspielte, war wert, vor einem übervollen Zelt dargeboten zu werden.

Auf den Brettern, die am Nachmittag unter dem ohrenbetäubenden Lärm eines Spielmannszuges erzitterten, wickelte sich ein kleines, aber um so sehens- und vor allem hörenswerteres Programm einer kleinen Künstlergruppe ab, die sich trotz der gähnenden Leere des Zeltes vor den wenigen Zuhörern und den etwas zahlreicheren Gästen am „Ausgang“ in einer ausgezeichnet stimmungbringenden Folge vorstellte und leider nicht den Widerhall fand, den sie verdient hätte.

Allen voran die Werner-Boys, selbst Heppenheimer Jungs, mit ihrem Solisten Werner Meyer, welche in kleinster Besetzung eine dezente Musik hören ließen, die Anspruch erheben darf, noch öfter erlebt zu werden. Christl Skoda, charmant und sicher im Auftreten, begeisterte durch vertraute und beliebte Chansons. Im Zusammenwirken mit Gustl Reuter soll nicht unerwähnt bleiben, soll nicht unerwähnt bleiben, daß man nicht versuchen darf die eigene Linie zu verlassen. Clou des Abends: der Guitarrist Rolf Schuchmann, der in herzerfrischender Weise auf seiner elektrischen Guitarre tingelte, daß es eine Wonne war. ihm zuzuhören, sei dies nun bei seiner ..Reise durch die Welt“ oder zusammen mit Christl Skoda parodierend. Als Zugabe: „Das kleine weiße Haus“, eine nahezu vergessene Melodie, die auch he”te noch ihren besonderen Reiz hat.

Verbindende Worte sprach Jochem Schlieper, bekannt aus dem Film „Befreite Hände“. Die Kühle des Abends wirkte sich begreiflicherweise auch auf ihn aus, so daß außer einigen originellen „eigenen Werken“ verdichterter Prosa nicht allzuviel (außer der Mitwirkung in einem Sketch) von ihm zu hören war. Wo der herzliche Beifall eines aufgeschlossenen und umfangreichen Publikums fehlt, darf man von einer nüchternen Regie und ebenso lustlosen Conference nicht überrascht sein.

Die geschickte Art der Zusammenstellung der Vortragsfolge, die nur torsoartig dargeboten wurde, verdient das Prädikat „Jammerschade“, — für die nämlich, die den Weg und die Zeit scheuten. Für die Anwesenden war es ein genußreiches Spiel in intimem Kreise. öde


König Joseph beim Einzug in die Stadt DT-Fotos (6): Schröder.
König Joseph beim Einzug in die Stadt DT-Fotos (6): Schröder.

STARKENBURG

Die Giftschleuder

Nachwort zur Bauernkundgebung In Heppenheim

Wenn m einer großen Kundgebung zwei Redner von der Bedeutung der Bundestagsabgeordneten Rüdiger und S mUB Sich der BeSUklaren Sein’ daß Umstanden Dinge gesagt werden, die oft nur für einen begrenzten Personenkreis bestimmt sind und die eine bestimmte Wirkung haben sollen. So war das wohl auch bei der großen Bauernkundgebung in Heppenheim.

Ob es aber richtig war, der anwesenden Presse aufzutragen, Dinge, die von dem Bundestagsabgeordneten Gerns gesagt wurden, nicht zu veröffentlichen, steht dahin. Wenn Herr Gerns zum Beispiel Feststellungen macht und ausspricht, die die Besatzungsmacht belasten, dann muß e r das verantworten und nicht die Presse, die nur über Tatsachen zu berichten hat. Nicht der Presse sollte er einen Maulkorb vorzubinden versuchen, sondern er selbst muß das, was ihm nicht zur Veröffentlichung geeignet erscheint, für sich behalten.

Den zweiten Fauxpas leistete sich der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes, Glaser, der die Presse bat, aufzuhören, „Gift gegen die Bauern zu schleudern“. Zum ersten kann man nicht einfach sagen: „Die Presse!“ Wir können uns nicht vorstellen, daß es eine vernünftig redigierte Zeitung in Deutschland gibt, die sich den berechtigten Forderungen der Bauern gegenüber verschließt und in ihren Kommentaren Stellung gegen die bäuerliche Bevölkerung nimmt. Wenn man aber mit dem „geschleuderten Gift“ die Meinungsäußerungen einzelner politischer oder wirtschaftlicher Gruppen meint, die als Nachrichten in der Zeitung zu lesen sind, dann stellen diese Aeußerungen anderer nicht die Meinung der Zeitung dar, die mit der Veröffentlichung dieser Nachrichten nur ihrer Chronistenpflicht genügt. We

Auferstehung „bei Traase“

Eröffnung der Datterich-Klause in Nieder-Ramstadt

Wenn die Spießgesellen des seligen „Datterichs“ über die Dörfer gingen, um an geeigneter Stelle einen oder mehrere zu „verlöten“, und sich von dem fuchsschlau-dämlichen Urtyp des Lokalhelden kräftig über den Löffel halbieren zu lassen, kamen sie allemal bis „Traase“. Hätte es damals schon eine Obus-Verbindung nach Nieder-Ramstadt gegeben, sicherlich hätte Datterich das Ziel seiner Wanderungen um einige hundert Meter hinausgelegt. Er wäre dann vermutlich auf ein Lokal gestoßen, das, siehe da, seinen Namen trägt: die .Nieder-Ramstädter „Datterich-Klause“ in der Ober-Ramstädter Straße 44.

Am Samstag wurde sie feierlich eingeweiht. Die Familie Rattei-Schafranek ist ein Flüchtlingsehepaar, das früher in Prag ein großes Gasthaus betrieb. Im Oktober vergangenen Jahres übernahmen sie in Darmstadt in der Lichtenberg-Straße eine kleine Wirtschaft, den „Henninger-Bräu“, in dem sie zu Weihnachten 1949 45 armen Kindern eine zünftige Nikolausfeier ausrichteten. Sie, die selbst aus dem Nichts anfangen mußten, scheuten sich nicht, ihrer Dankbarkeit um eine wiedergefundene Existenz sol-

cher Art Ausdruck zu verleihen. Nun waren sie soweit, auch in Nieder-Ramstadt ein neues Lokal eröffnen zu können, das den Namen des unsterblichen „Datterichs“ neuen Glanz verleihen wird. In einem für Wohlfahrtszwecke bestimmten Raum der Füllfederhalterfabrik „Reform“ hat Familie Schafranek ein gemütliches und intimes Lokal ausgebaut, das das erste dieser Art in Nieder-Ramstadt sein dürfte. 120 Gäste haben darin Platz. Geschmackvolle Holzleuchter an der Decke und den Wänden verbreiten ein angenehmes, warmes Licht, großblumige Vorhänge lassen die Tageszeiten in Vergessenheit geraten, und auf einer Miniaturbühne stghen Plattenspieler und Radio, um mit dezenter Musik die Stimmung zu erzeugen, die beim Genuß einer guten Flasche Wein am Platze ist.

Der Name ist nicht zufällig gewählt worden, er ist ein Beweis dafür, daß die Nieder-Ramstädter nicht Provinz sind, sondern daß sie zu Darmstadt gehören, da sie den Vorschlag machten, das neue Lokal nach „ihrem“ Datterich zu benennen, — was also geschehen ist. Bürgermeister Keil war zur Eröffnung erschienen; Nicolo Ju ss a vom Landestheater und Elfi Lederer-Kilian vom Ballett der Bremer Oper gaben der Einweihung den feierlichen Rahmen.


Blick in die geschmackvoll eingerichtete „Datterich-Klause“ DT-Photo: Schröder
Blick in die geschmackvoll eingerichtete „Datterich-Klause“ DT-Photo: Schröder

Eine Karriere des Verbrechens ging zu Ende

Autospringerbanditen landen hinter Zuchthausmauern

Urteilsverkündung im Autospringer-Prozeß / Hohe Zuchthaus- und Gefängnisstrafen Allmann ließ die Tränen rinnen

Der Autospringerspuk der letzten beiden Jahre auf der Autobahnstrecko Frankfurt—Mannheim und den Landstraßen zwischen Darmstadt und Aschaffenburg hat sein strafrechtliches Ende gefunden. Die Haupttäter, die sich in einer viertägigen Hauptverhandlung vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt zu verantworten hatten, sind abgeurteilt.

Der von der Oeffentlichkeit mit lebhaftem Interesse verfolgte Prozeß gegen 12 Aegeklagte endete am Samstag mit der Verhängung von insgesamt 10 Jahren und 7 Monaten Zuchthaus, 10 Jahren und 10 Monaten Gefängnis sowie 9 Jahren Ehrverlust. Der Gerichtssaal war brechend voll, als Landgerichtsdirektor For c h nach eineinhalbtägiger Beratung gegen 14 Uhr die Urteilssprüche verlas.

Die Urteile

Zuchthaus erhielten: Der 25- jährige Hauptangeklagte Emil Dietrich vier Jahre sowie drei Jahre Ehrverlust wegen vollendeten und versuchten schweren und einfachen Diebstahls in 52 Fällen.

Der 24jährige Fritz Heß zwei Jahre sechs Monate sowie zwei Jahre Ehrverlust wegen der gleichen Delikte in 21 Fällen.

Der 23jährige Alfred Karrer zwei Jahre vier Monate sowie zwei Jahre Ehrverlust wegen der gleichen Delikte in 16 Fällen.

Der 25jährige Heinrich Haller ein Jahr neun Monate sowie zwei Jahre Ehrverlust wegen fortgesetzter gewerbsmäßiger Hehlerei.

Gefängnis erhielten: Der 23jährige Wolfgang Roth zwei Jahre sechs Monate wegen schweren Diebstahls in 14 Fällen.

Der 41jährige Johann Kumpf ein Jahr zehn Monate wegen vollendeten und versuchten schweren und einfachen Diebstahls in 5 Fällen, Beihilfe und Sachhehlerei.

Der 21jährige Karl Allmann ein Jahr sechs Monate wegen schweren Diebstahls in sieben Fällen.

Der 23jährige Heinrich Roth ein Jahr zwei Monate wegen einfachen Diebstahls in 5 Fällen und Sachhehlerei.

Der 39jährige Karl Horst elf Monate wegen eines schweren Diebstahls, Personen- und Sachhehlerei.

Der 21jährige Walter Korndörfer neun Monate wegen Diebstahls in drei Fällen und Sachhehlerei.

Der 23jährige Rudolf Bey sei wegen einfachen Diebstahls in vier Fällen acht Monate und der 18jährige Norbert Schneider ein Jahr sechs Monate (Jugendgefängnis) wegen eines schweren Diebstahls, eines versuchten Einbruchdiebstahls und Sachhehlerei.

Außer im Falle Korndörfer wurden alle Haftbefehle aurecht erhalten. Die bisher erlittene Untersuchungshaft wird allen Angeklagten angerechnet.

Die Angeklagten

Wie an den vorausgegangenen Verhandlungstagen waren auch diesmal die Angeklagten wieder salopp gekleidet. Eine kleine Episode sei hier erwähnt: Erstaunt meinte das junge Lehrmädchen eines Anwaltes „Ich war zum ersten Male im einer Gerichtsverhandlung, um Verbrecher zu sehen. Ich sah aber nur junge, hübsche Männer“. Dies ist bezeichnend. Alle Angeklagten stammen durchweg aus guten Verhältnissen und besaßen keinen schlechten Leumund. Keinen der Angeklagten konnte man als einen geborenen Platz nehmen“ und das Gericht zur Urteilverkündung erschien, machte sich eine innere Erregung bei allen bemerkbar. Nachdenklich senkte Dietrich den Kopf, während ihm Schweißperlen auf der Stirn standen. Am meisten beeindruckt waren Heß und Karrer, die in der Verhandlung am freimütigsten zu ihrer Tat standen. Sie nahmen auch ihre Strafe sofort an. Nicht so Dietrich und Haller. Tränen gab es bei Allmann.

Die Urteilsbegründung

Zu Beginn seiner Ausführungen dankte Direktor Forch zunächst den Beamten der Gendarmerie und Kriminalpolizei, die dem Autospringerunwesen durch ihre Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit ein Ende bereitet hatten. Er erwähnte besonders Gendarmeriemeister Axel, dem es durch kluge Ueberlegung damals geglückt sei, den Haupttäter Dietrich dingfest zu machen. Mit Recht, so führte der Richter weiter aus, habe der Staatsanwalt darauf hingewiesen, daß die Sicherheit des Autoverkehrs auf den Straßen durch hohe Strafen gegen Autospringer geschützt werden müsse.

Gemeindetag beim Baunerntag

Bürgermeister Sudheimer, Biebesheim, hatte zum Samstagvormittag die Arbeitsgemeinschaft des Hessischen Gemeindetages für den Regierungsbezirk Darmstadt in Verbindung mit der Eröffnung des Bauerntages nach Heppenheim geladen.

Reg.-Dir. Kuhn überbrachte Grußworte des Reg.-Präsidenten Arnoul, Bürgermeister Holzamer hieß die zahlreichen Teilnehmer im Namen seiner Stadt willkommen.

Bürgermeister Dr. Lüdecke. Groß-Gerau, berichtete von den Ergebnissen der internationalen Konferenz für Sozial-Arbeit in Paris, an der er als Vertreter des Hessischen Gemeindetages teilgenommen hatte. Die interessanten fachlichen Ausführungen über die ersprießliche Zusammenarbeit mit den Vertretern von rund 20 Nationen gipfelten in der mit Genugtuung aufgenommenen Mitteilung, daß die deutsche Delegation nicht nur absolut gleichberechtigt zugezogen, sondern ausgesprochen freundlich aufgenommen wurde.

Im weiteren Verlauf der Heppenheimer Tagung wurde die Einberufung einer Arbeitsgemeinschaft der kreisangehörigen Städte und Gemeinden über 5000 Einwohner beschlossen und für die Städte, die an einer Ueberlassung der Kreiskompetenzen im Rahmen des Aufbaugesetzes interessiert sind, ein Arbeitskreis gebildet.

Verwaltungsrechtsrat Dr. Köbel berichtete über den guten Fortgang der Gemeinde-Vertreter-Lehrgänge im Lindenfelser Freiherr-vom-Stein-Institut und bat die anwesenden Kommunalpolitiker sehr herzlich, von der Einladung des Institutes zahlreichen Gebrauch zu machen.

Die arbeitsreiche Tagung, an der auch Landrat Dengler sowie Bürgermeister Dey Mühlheim als Präsident und Herr Munt zk e als Hauptgeschäftsführer des Hessischen Gemeindetages teilnahmen, ließ sich die wirklich vielseitige und ersprießliche Arbeit einer Organisation erkennen, die höchste Anerkennung verdient und aus dem kommunalen Leben unserer Tage nicht mehr wegzudenken ist. s-s

Hölle wo ist Dein Sieg !

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruds Wie Rechte beim Wolfgang Kröger-Verlag. Hamburg

26) Für neue Bezieher! Kurze Inhaltsangabe des bisher erschienenen Teils:

Die 28jährige Henriette Desportes kommt nach einem Aufenthalt in England nach Paris zurück und wird Erzieherin im Hause des Herzogs Choiseul-Praslin. Mit Rücksicht auf ihren Großvater, dem das Haus Choiseul-Praslin verhaßt ist, läßt sie sich von der herzoglichen Familie Mademoiselle Deluzy nennen. Ihr sind die vier jüngsten Kinder zur Erziehung anvertraut, die vierzehnjährige Isabella, die zehnjährige Louise, die sechsjährige Berthe und der_ yieriährige Raynald, der ein schwächlicher Knabe ist. Während Henriette sich vom ersten Tage an mit dem Herzog in allen Fragen der Kinder erziehung bestens versteht, stoßt sie be der Herzogin auf Mißtrauen und Ableh nung. Die Herzogin, eine temperamentvolle Tochter Korsikas, aus dem reiche Hause der Sebastiams ist von eine krankhaften Liebe zu ihrem Gatten und von einer maßlosen Eifersucht erfüllt. Der Herzog und Henriette werden unschuldigen Opfer ihrer Temperamentausbrüche. Für Henne ist es unter diesen Umstanden fast be denklich, daß die Kinder mit ^^cher Liebe an ihr hängen und daß auch da Verhalten des Herzogs ihr gegenüber viel

gewinnender ist als der ewig ungerechten Herzogin gegenüber. Als der Herzog Henriette als Begleiterin Louises eines Abends mit in die Oper nimmt — in Abwesenheit der Herzogin —, wird dieser Schritt zum Anfang eines Skandals, der später zu einer Katastrophe führt. Inzwischen ist die herzogliche Familie nach Korsika gefahren, und auch Henriette ist Gast im Hause Sebastani.

„Glauben Sie mir, Madame“ — Henriette blieb noch stehen, nachdem Berthe wieder an ihr Spiel gegangen war — Jeh meinte wirklich, was ich eben sagte. Sie müssen mir glauben, daß es mir ernsthaft um ein harmonisches Zusammenleben zu tun ist.“

„Vielleicht habe ich Ihnen unrecht getan“, sagte die Herzogin müde, aber ohne den Anflug von Bitterkeit, den Henriette in ihren Worten zu finden gewohnt war. „Gott weiß, daß ich niemanden kränken möchte, so wie ich gekränkt worden bin. Aber es ist nicht leicht, sich von Zweifel und Verdacht freizumachen, nachdem sie sich einmal in einem festgesetzt haben. Hier in Korsika, wo meine sorglose Kindheit mich bei jedem Schritt begleitet, kann ich beinahe vergessen, welchen Schimpf ich erlitten habe. Ich könnte sogar fast wieder an eine Welt glauben, In der diejenigen, die wir lieben, uns nicht gleichgültig gegenüberstehen.“

Diese Bitte um Mitgefühl machte Henriette verlegen. So offen einzugestehen, nicht geliebt zu sein, war schon nahezu ein Verstoß gegen die gute Sitte. Aber trotz ihrer Abneigung gegen eine derartige Zurschaustellung von Gefühlen konnte sie sich's nicht verhehlen, daß dieser Notschrei aus einem bedrängten Herzen kam. Sie hörte sich in dem beruhigenden Tonfall antworten, den sie anwandte, um den übereregten Raynald zu beschwichtigen.

„Es ist doch manchmal notwendig, Madame, die Zuneigung anderer zu uns als selbstverständlich anzunehmen. Sobald wir zweifeln, fällt ein Schatten zwischen sie und uns. Liebe ist nun einmal nicht wie so und so viel Zucker oder Tee, wie etwas, was wir wiegen und messen können.“

„Sie scheinen eine ganze Menge über die Liebe zu wissen, Mademoiselle?“ Henriette gab durch nichts zu erkennen, daß dieser Stich getroffen hatte. Sie sprach gleichmäßig ruhig weiter. „Ich stehe allein in der Welt, Madame, und ich habe es gelernt, mir das bißchen Liebe, das mir da und dort begegnet, zu nehmen und zusammenzustücken, so gut es geht, um mich daran zu erwärmen, ungefähr so wie diese Decken, die aus den Flicken von anderer Leute Kleider zusammengesetzt sind.“ Sie hielt inne, erstaunt, daß sie sich dieser anderen Frau, die allem äußeren Anschein nach alles im Lqben Begehrenswerte besaß, so freimütig mitgeteilt hatte. „Neiden Sie mir doch nicht, was ich an Zuneigung in Ihrem Hause erfahren mag“, schloß sie, „denken Sie bitte immer daran, wie wenig das ist im Vergleich zu dem Vielen, was Ihnen gehört.“ „Aber selbst kleine Stückchen können mit der Zeit größere Lücken hinterlassen. Vergessen Sie das nicht, Mademoiselle, da Sie gerade von Flicken sprachen.“

Als Henriette diesen Abend vor dem Spiegel stand, fiel ihr diese Unterhaltung wieder ein. Es ärgerte sie, daß die Herzogin das letzte Wort behalten hatte. Es war für ihre Lage keineswegs von Vorteil, brachte sie überdies der Versöhnung, die sie angestrebt hatte, auch nicht um einen Schritt näher. Es schien unmöglich zu sein, daß sie sich auf dem neutralen Boden des Verhältnisses zwischen Herrin und Angestellten bewegten.

So, ihre Abendtoilette war beendet. Die Falten ihres Seidenkleides flossen grün wie Meerwasser zu ihren Füßen hinunter; die langen Linien betonten ihre Schlankheit, und ein Spitzenfichu umrahmte ihren weißen Hals. Ihre Wangen waren gerötet, und das wellige Haar fiel ihr in die Stirn und auf die Schultern. Seit jenem Abend im Theater hatte sie dieses Kleid nicht wieder getragen. Als sie sich näher im Spiegel vorbeugte, um eine Locke festzustecken, ertappte sie sich bei dem Gedanken: wenn doch der Herzog heute auf der Gesellschaft unten mit dabei wäre! Die Gäste hatten sich seit Anbruch der Dämmerung versammelt, und jetzt mußte die Festlichkeit bald ihren Höhepunkt erreichen. Der Klang von Bogen auf gespannten Saiten drang zu ihr in an- und abschwellender Melodie von dem Treppenflur, wo die Musikanten untergebracht waren. Es war eine Zigeunerkapelle aus Olmeto. Henriette und die Kinder hatten ihre Ankunft in einem alten Leiterwagen beobachtet — drei Geigen, zwei Gitarren, ein Tamburin und eine Flöte. Sie kannte die Lieder nicht, und sie stimmten sie traurig und unruhig.

(Fortsetzung folgt.)

„Bundestag gleicht mittelmäßiger Ehe“

Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel sprach auf der „Umstädter Woche“ Ausklang und Höhepunkt des Festes

Am Samstagnachmittag begannen mit dem Wiederaufleben des Volksfestes im Winzerdorf Auftakt und Ausklang der „Umstädter Woche“. Der Heimatabend der Umstädter Vereine fand hierbei ein übervolles Zelt.

Verbrecher ansehen. Es war nach den Worten des Vorsitzenden kaum zu fassen, daß diese Leute in solchem Ausmaße kriminell geworden sind. „Ohne den furchtbaren Krieg, die Nachkriegszeit und das, was man in den Schwarzmarkt- und sonstigen Irrsinnszeiten erlebt hat, wäre diese Kriminalität nicht geschehen“, erklärte Landgerichtsdirektor Forch. Die Erlebnisse im Krieg — wo die jungen Angeklagten als Fallschirmjäger und Waffen-SSler zum Draufgängertum erzogen worden seien — ein gewisser romantischer Schwung und ihre teils begeisterte Neigung zum Kraftverkehr hätten sie zu den Taten getrieben.

Vor der Urteilsverkündung waren die Angeklagten auffallend lebhaft. Als der Gerichtswachtmeister jedoch rief: „Bitte,

Der Turnverein zeigte Keulenübungen, Reifenspiele und Barrenturnen der Frauen und Männer, der Männergesangverein brachte Chöre zu Gehör, und auch der „Liederzweig“ brillierte mit seinen Leistungen. Selbst die Gesangsabteilung des Wander- und Musikvereins „Frohsinn“ war mit von der Partie. Der Leiter des Festausschusses. F ü s s 1 e r. begrüßte die große Zahl der erschienenen Teilnehmer und gab einen kurzen Querschnitt durch die Vereinsarbeit. Bürgermeister Hartmann stellte fest, daß die 1500 Gäste der beste Beweis dafür wären, welchen Ausklang die „Umstädter Woche“ bei alt und jung gefunden habe.

Der Sonntag begann mit einer Tagung der Arbeiterwohlfahrt des Kreises Dieburg in der Säulenhalle des Rathauses. Gleichzeitig wurde auf dem Sportplatz im Raibachertal das ..Umstädter Sportfest“ gestartet.

Am Nachmittag versammelten sich in der Säulenhalle die Bürgermeister und Gemeindevertreter des Landkreises Dieburg. um die erste Gemeindarbeitstagung durchzuführen. Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel hatte hierzu das Hauptreferat übernommen, um über das „Problem der deutschen Selbstverwaltungß zu sprechen. Der Redner führte aus, daß die Lage der Gemeinden heute trostloser sei, denn je. Ursprünglich sei beabsichtigt gewesen, eine Tagung des Landesgemeindetags durchzuführen. In ihr sollten nicht nur die Vertreter der Gemeinden. sondern die stimmberechtigten Bürger zu Worte kommen, um an den Erörterungen der schwebenden Probleme teilzunehmen.

Ritzel führte weiter aus. daß die Lebensinteressen des Odenwälder Fremdenverkehrs sehr vernachlässigt worden seien. Um diese Mängel zu beheben, sei die Mitarbeit aller Kräfte erforderlich. Die gesamte interessierte Bevölkerung müsse dazu mobilisiert werden. Der Mangel an Initiative sei zum großen Teil auf das Fehlen der Zivilcourage zurückzuführen. was auch leider bei verschiedenen Bürgermeistern festzustellen sei.

Das Bonnr Grundgesetz zur Regelung der finanziellen Belange der Gemeinden stehe auf schwachen Füßen. Der Bundestag gleiche einer „mittelmäßigen Ehe. die von bösen Zungen schlimmer gemacht würde als sie sei—die aber auch schlechter ist. wie sie nach außen hin den Anschein gibt. Wer in die Schule der hohen Politik gehen will

Auch dem Artikel 131 des Bundesgesetzes widmete der Redner einen breiten Raum. Es gehe nicht an. daß die Last der vertriebenen Beamten auf die Kommune abgewälzt würde. Die Versorgung des im Artikel 131 bezeichneten Personenkreises sei ausschließlich Angelegenheit des Bundes. Die Gemeinden müßten einen gewissen Spielraum haben, um si cheinen fachkundigen Nachwuchs heranzuziehen, was aber unmöglich wäre, wenn der Bund die Kommune mit der Versorgung dieser Beamten beauftrage.

Landrat Ritzert wies darauf hin, daß die Gemeinde der Pfeiler sei, auf dem der Staat ruhe. Ihn zu zerstören hieße, den Staat zusammenbrechen zu lassen. Bedenklich sei außerdem, daß, wie Abgeordneter Ritzel ausgeführt habe, im Bundestag äußerst wenig kommunalpolitisch geschulte Abgeordnete vorhanden seien. Man müsse sich fragen, wer denn überhaupt die Interessen der Gemeinden wahrnehme. In der Diskussion forderte Bürgermeister Steinmetz, Dieburg, daß die Urwahlen der Bürgermeister, wie in der neuen Gemeindeverordnung vorgesehen, nicht nur in Gemeinden bis zu 3 000 Einwohnern durchgeführt werden mögen.

Ein großes Volksfest im Winzerdorf beendete die „Umstädter Woche“ und der Trubel, der in allen Gasthäusern der Feststadt herrschte, läßt darauf schließen, daß es eine in jeder Hinsicht gelungene Veranstaltung war, die noch lange in der Erinnerung aller Beteiligten nachklingen' wird. hfl

Der Sport

SV 98 mußte um den Ausgleich kämpfen

SV Darmstadt 98—BC Augsburg 1:1 (0:1) / Das traditionelle Führungstor der Gäste / Auch mit Reeg war der Liliensturm zu schwach / Den Chancen nach 5:2 für Darmstadt / Platzer fehlte dem BCA

Mit diesem Spiel der Darmstädter nach den 90 Minuten gegen die Augsburger ist verstandesmäßig eigentlich schlechter fertig zu herden als zuvor. Der Aufstellung der Mannschaft nach waren die Lilien durch das Wiederkommen Michels und Reegs in allen Reihen verstärkt, gute Kräfte standen auch in der Verbinderreihe und der Verteidigung. Aber nur in der letzten halben Stunde machte sich das in wünschenswerter Weise bemerkbar. Vorher waren die Augsburger Schlußleute in erster Linie die Sieger im Feldspiel.

SV Darmstadt 98: Ruhl; Müller, Abt; Barth, Herder, Leichtlein; Reeg, Michel, Muehibach, Boehmann, Herwig.

BC Augsburg: Schmidt; Ludwig, Mahn; Niklasch, Hilner, Hampel; Fritz, Mueller, Schlumpp, Nettel, Hagen.

Schiedsrichter: Gloeckner (Pirmasens). Zuschauer: knapp 7 000.

Vom Anstoß der Darmstädter weg schießt Bohmann recht verheißungsvoll, aber der Ball steigt zu steil und kurvt übers Tor ins Aus. Von da an macht sich das bemerkbar, was der Augsburger Verteidigung vorausgesagt wurde: Sie hält außerordentlich dicht; Ludwig und Mahn stehen immer auf dem rechten Fleck zur Abwehr, und oft ist Hilner in zurückgezogener Position der dritte Mann, der abriegeln hilft. In der 10. Minute wäre es fast zum ersten Darmstädter Tor gekommen. Niklasch läßt einen Ball über den Fuß rollen, gibt ungenau zurück, so daß der entgegenlaufende Schmidt das Leder nicht mehr erreichen kann. Zum Glück für die Augsburger, zur Enttäuschung für die vielen Darmstädter aber läuft das Leder knapp am Pfosten vorbei. Zwei Minuten später flitzt eine scharfe Flanke von Reeg haarscharf an die Torlinie, aber die Ausburger Verteidigung kann durch Fußabwehr ein Tor gerade noch verhindern. In der 18. Minute lassen Herwig und Müehlbach in aussichtsreicher Position einen aus der Läuferreihe vorgelegten Ball nach rechts passieren, Reegs Flanke geht hin'ers Netz. In der 19. Minute mußte der Ball zum ersten Male wieder in die Feldmitte gesetzt werden. Die Darmsiäd’er Verteidigung nimmt einen Angriff der Augsburger allzu sorglos auf,

Hagen nimmt einen leicht an der Außenlinie vorgelegten Ball an und trabt mit ihm fast gemächlich dem alleinstehe ien Ruhl e itgegen, der gegen das mit der Fußspitze eingekippte Leder mach* los ist. Die leichte Feldüberlegenheit der Gase, die bis zum Sei'enwechsel anhält, resultiert in der Hauptsache aus schnellerer und exakterer Ballabgabe sowohl aus den hinteren Reihen in den Sturm, als auch innerhalb der Angriffsreihe. In der 26. Minute hat Ruhl zum ersten Male Gelegenheit, seinen in München gewonnenen Ruf zu festigen. Ein von Nettel scharf auf sein Gehäuse getretener Strafstoß landet sicher in seinen Händen. Die Darmstädter Angriffe sind zwar formgerecht angesetzt, kommen aber in keinem Fall über die gute Deckung der Augsburger hinaus, die vor allem ein sehr gutes Stellungsspiel liefern. In der 37. Minute senkt sich eine t'lachflanke Reegs Bohmann vor die Füße, der schießt entschlossen, aber Schmidt im Augsburger Tor ist gleichfalls fix und schnappt sich den Ball im Flug. Trotz der Spielsicherheit der Gästeverteidigung hätte ein aufmerksameres Zusammenspiel des Darmstädter Innentrios erfolgreicher sein können.

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit war Bohmann die Gelegenheit gegeben, das 1:1 zu erzielen. Aber sein Schuß, unbehindert abgegeben, findet das gegnerische Tor nicht. Zwar landen die aufbauenden Bälle der Darmstädter Hintermannschaft immer noch zu oft bei einem Augsburger Spieler, doch ist jetzt ein merklicher Druckwechsel zu beobtchten. Nach einer Viertelstunde hab^n si h die Vorzeichen sichtlich zugunsten der Darms'ädter geändert. Vor dem Augsburger Tor wird es immer öfter tritisch, aber da ist es wirklich Pech, wenn der Ball — aus nächster Nähe getreten — nicht über die Linie kommt. So söÄkt sich ein Hochball Bohmanns die Querlatte streifend auf die Torlinie, aber im letzten 'entscheidenden Moment findet sich doch wieder ein Augsburger Fuß, der ihn der Mittellinie zusteuert. Die Verlagerung des Feldspielvorteils löst tausendfache Anfeuerungsrufe der Zuschauer aus. die ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Lilienelf kommt jetzt so ins Rollen, wie man es bei ihr gern von Anfang an gesehen hätte. Jedenfalls zeigt sich, daß diese Mannschaft zu einem guten Oberligaspiel fähig ist. Nur die stoische Ruhe und Sicherheit der sehr verstärkten Augsburger Verteidigung verhindert den längst fälligen Ausgleich. Es war oft buchstäblich zum Verzweifeln, daß den nun wirklich eifrigen Darmstädtern einfach nichts gelingen wölbe. Die 80. Minute endlich bringt den Augleich. Aus einem Gedränge vor dem Augsburger Tor kommt der Ball zur Mittellinie. Die zwei allein noch vorne Stehenden Augsburger S.ürmer steuern fast ungehindert — weil die Darmstädter Verteidigung ist etwas zu weit aufgerückt — auf Ruhl zu. Der aber steht auf dem einzig richtigen Platz, um den scharf geschossenen Ball abzufangen. Seine Vorgabe kommt auf die rechte Außenlinie. Reeg spielt sich mit dem Leder bis in Tornähe und im Gewimmel der Abwehr können weder Schmidt noch ein Verteidiger den aus unmöglichem Winkel abgegebenen Schuß verhindern.

Das bringt begreiflicherweise Schwung und Tempo in den Darmstädter Angriff, der nun wirklich alle Register zieht, um in den letzten 10 Minuten doch noch den zweiten Punkt zu holen. Nur einmal noch kommen die Augsburger in Ruhls Nähe, der die Situation richtig erfaßt und ebenso folgerichtig reagiert und mit herzhaftem Zugriff das 1:1 rettet.

Die .enttäuschende Leistung der Darmstädter Elf besonders in der ersten Halbzeit ist weniger auf die Zusammensetzung des Teams, als vielmehr darauf zurückzuführen, d; ß vor allem der Sturm nicht beizeiten den nötigen Konnex fand. Herwig war offensichtlich indisponiert, während Bohmann und Michel zeitweise konfus schienen. Einzig Reeg schloß an seine seitherige Form an. In der Läuferreihe darf Herder an erster Stelle genannt werden, aber auch Leichtlein scheint sich hier wohler zu fühlen als in der Verteidigung, wo Mueller sichtlich auf einem ihm am besten gelegenen Platz steht, denn sein Spiel, vor allem in der Zerstörung, gleicht stark dem seines immer zuverlässigen Partners Abt. Ruhl hatte zwtr bei weitem nicht so oft Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu zeigen wie in München, und doch ließen sie sich erkennen. Kaltschnäuzig, mit gutem Instinkt für richtiges Stellungspiel, sicher im Griff nach dem Ball und mit viel Mut im Herzen bring, er sicherlich in Zukunft viel wertvolle Ruhe in das Schlußtrio.

Die Augsburger haben das gehalten, was man ihnen vorausschickte. Sie haben in den hinteren Reihen so geschickte Leute Stehen, daß sich ihr Sturm auf sie verlassen kann. Der Fünferreihe allerdings möchte man trotz recht geschickten Einzelspiels und auch manch schöner Kombination doch mehr Druck aufs Geanertor wünschen... denn sonst könnte es dem BCA mehr als einmal schlechter gehen als gestern.

Reserven 4:2 für BC Augsburg. RG


Ludwig (BC Augsburg) köpft eine Flanke vor Herwig und dem sehr offensiv spielenden Seitenläufer Leichtlein ins Feld zurück. Foto: Hemme
Ludwig (BC Augsburg) köpft eine Flanke vor Herwig und dem sehr offensiv spielenden Seitenläufer Leichtlein ins Feld zurück. Foto: Hemme

Der richtige Tip

(ohne Gewähr)

Hessen: 1,1, 0,0, 1,1, 1,2, 2,2, 1,1, 1, 1. Bayern: 1,1, 1, 1. 0,1, 0,1, 1,1, 0. 1,1, 2. Württemberg-Baden: 1,1, 0,0, 1,1, 1, 2,2, 2, 1. 2, 1. 1. Rheinland-Pfalz: 1,1, 1,2, 1,0, 0,1, 0, 2,0, 2,1, 0. Nordtoto; 0,0, 1, 2. 1, t 2,2, 1,2, 1,1,1, 0. Westdeutschland: 1,2, 2,1, 0,1, 2,2, 1, 0,2, 0, 1.

FSV Frankfurt neuer Tabellenführer

Der „Club“ und Vfß Stuttgart in der Süd-Oberliga geschlagen

ng. Frankfurt. (Eigener Bericht.) In der Süddeutschen Oberliga trat ein Wechsel in der Tabellenführung ein, denn sowohl der 1. FC Nürnberg als auch der seitherige Zweite Vfß Stuttgart büßten die Punkte ein. Neuer Spitzenreiter ist der FSV Frankfurt, der am Bornheimer Hang in einem flotten Spiel den VfL Neckarau mit 3:0 besiegte. Zwölftausend Besucher erlebten auf dem Bieberer Berg zwischen den Offenbacher Kickers und dem siebenfachen deutschen Altmeister 1. FC Nürnberg einen farbigen Kampf. Der Offenbacher Mittelstürmer Maier brachte die Mainstädter in der 42. Minute 1:0 in Führung und der gleiche Spieler beruhigte die Nerven der Offenbacher nach dem Wechsel mit einem zweiten Treffer. Erst kurz vor dem AbpfTf konnte der „Club“ durch Morlock das Anschlußtor erzielen. Bei Offenbach imponierte vor allem Stopper Picard, während im Sturm Weber und Kaufhold wie „einst im Mai“ spielten. Die Nürnberger Fünferreihe war zu unentschlossen, dagegen spielten die Außenläufer Ucko und Baumann sehr stark.

Die Münchener Bayern ließen überraschend dem Vfß Stuttgart keine Chance und siegten verdient 3:0 (2:0). Mit dem gleichen Ergebnis unterlag München 1860 bei dem zu Hause schier unbezwingbaren Vfß Mühlburg. Im Fürther Ronhof war man mit den „Kleeblättern“ nicht zufrieden, in einem leistungsschwachen Kampf siegte der süddeutsche Meister gegen den SSV Reutlingen 3:0. Auch in Mannheim vermochten die Rasenspieler gegen den „Favoritenschreck“ Singen nicht zu überzeugen, immerhin gibt das 4:0 (3:0) den Spielverlauf Wieder. Schweinfurt stellte sich im Willi-Sachs-Stadion in guter Verfassung vor und bezwang den im Sturm schwachen SV Waldhof 4:1, nachdem die Mannheimer bei der Pause noch 1:0 in Führung gelegen hatten. Die Frankfurter Eintracht erkämpfte sich bei den Augsburger Schwaben ein beachtliches 1:1

HSV und St. Pauli führen

FS. Hamburg. (Eig. Bericht.) In der Norddeutschen Oberliga fiel Göttingen 05 durch seine 4:3-Niederlage bei Bremerhaven 93 vom zweiten auf den fünften Tabellen¬ •platz zurück. Da sich der HSV zu Hause gegen Werder Bremen mit einem 1:1 begnügen mußte, St. Pauli dagegen Eintracht Osnabrück mit 5:1 sicher niederhielt, übernahmen die beiden Hamburger Vereine gemeinsam die Tabellenführung. 23 000 Besucher sahen am Rothenbaum ein tempogeladenes Treffen. In der 37. Minute ging Werder Bremen durch Rechtsaußen Klinger 1:0 in Führung. Die ausgezeichnete Läuferreihe des HSV sorgte schließlich für eine klare Feldüberlegenheit des dreizehnfachen norddeutschen Meisters, aber erst in der 78. Miniite fiel der verdiente Ausgleichstreffer. Bei Werder bot der Stüpmer Hagenacker als Verteidiger eine überzeugende Leistung, auch Ilic im Tor hielt fgrhos. Der Ex-Nürnberger Pöschl fiel durch Fouls Unangenehm auf. Ueberraschend kommt der 2:1-Erfolg des TSV Eimsbüttel beim Vfß Oldenburg,

Arheilgen wieder ohne Punkte

SG Arheilgen — 1. FC Bamberg 0:2 (0:1)

—SG Arheilgen—l. FC Bamberg 0:2 (0:1) Gd Kurz vor Spielbeginn ging ein heftiger Regen nieder, der das Feld naß und schwer machte. So kamen keine flüssigen Kombinationen zustande, da die Leute Mühe hatten, sich auf dem schweren, lehmigen Boden zu halten. Technisch war Bamberg besser, bei Arheilgen ließen Müller und Kirchrath Wünsche offen. In der achten Minute schoß Kirchrath, der Ball prallte ab und lag sekundenlang auf der Linie. Auch der Nachschuß ging nicht ins Ziel. In der 17. Minute schießt Zöller knapp daneben. In der 24. Minute kam eine hohe Vorlage in den Gästestrafraum. Mahr köpft bedrängt einem Gegner den Ball vor die Füße, der kurz entschlossen zum ersten Tor verwandelt. In der 30. Minute schoß Kirchrath darüber, und in der 38. Minute wurde eine Lieber-Bombe gehalten. Nach der Pause ging Kirchrath in der 46. Minute allein durch und schoß in bester Stellung darüber. In der 54. Minute hält Seibel eine Fünf-Meter-Bombe glänzend. In der 60. Minute ging Dilfer allein durch, doch auch er verfehlt das Tor. Gleich darauf verpaßt Mahr einen hohen Ball, den Schuß aus drei Meter Entfernung wehrt Seibel ab, doch den Nachschuß verwandelt Neller zum 2:0. In der 75. Minute gibt es eine längere Debatte, weil Kirchrath den vom Gegner zum Strafstoß gesetzten Ball forttrat. Er kam gerade noch am Platzverweis vorbei. In der 76. Minute hält Seibel, am Boden liegend, wiederum prächtig. In der 82. Minute erzielt Arheilgen den Anschlußtreffer, doch da ein Gegner vorher Hand gehabt hatte, entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter, der von Müller getreten und von Torwart Bögelein sehr gut gehalten wird.

In der ersten Hälfte war Bamberg überlegen, während in der zweiten Hälfte das Spiel ausgeglichen war. Hewe.


Der Augsburger Torhüter Schmidt bekam viel Arbeit. Hier fängt er eine hohe Flanke ab, während sein Verteidiger ihm den hinzueilenden Reeg vom Halse schafft.
Der Augsburger Torhüter Schmidt bekam viel Arbeit. Hier fängt er eine hohe Flanke ab, während sein Verteidiger ihm den hinzueilenden Reeg vom Halse schafft.

Favoritensiege in der 2. Liga

Stuttgart. (AZ) In der zweiten süddeutschen Division gab es am Sonntag keine eigentlichen Ueberraschu.ngen. Die führenden „Bayern“ aus Hof fertigten Union Böckingen überzeugend 5:1 ab, während sich die Jahnelf aus Regensburg beim ASV Cham sicher mit 4:1 durchsetzte. Fein herausgemacht hat sich Wacker München, das bereits am Samstag den TSV Straubing mit 8:1 geradezu deklassierte. Wenn eine Mannschaft vom Pech verfolgt ist, so ist es die des SV. Wiesbaden. In Stuttgart wußten die Kurstädter zu gefallen, dennoch hieß es am Ende 3:2 für die „Kickers“, die mit diesem Sieg den Anschluß an die beiden führenden Teams aus Bayern hielten. Hessen Kassel erfreute seinen Anhang mit einem klaren 6:1 über den recht spielschwachen SV Tübingen. Beim FC Freiburg setzte sich die Aschaffenburger Viktoria mit ihrem besseren Zusammenspiel 5:2 durch. Etwas unerwartet kommt die O:l-Heimmederlage des-VfL Konstanz gegen Ulm 46, das seither nicht zu überzeugen vermochte. Der FC Pforzheim schickte den ASV Durlach nach einem überlegen durchgeführten Kampf mit 5:1 geschlagen nach Hause.

Darmstädter Basketball-Sieg

Homburg im 1. Verbandsspiel 45:24 gestoppt

BC Darmstadt holte sich gegen einen guten, hart aber fair kämpfenden Gegner die ersten zwei wertvollen Punkte in der Südwest-Basketball-Oberliga.

Der Kampf wurde in der Frankfurter Stadion-Sporthalle ausgetragen. Sogleich nach Beginn diktierten die Darmstädter den Bad Homburgern das Treffen. Trotz der leichten Ueberlegenheit in den ersten Spielminuten blieben jedoch Korberfolge zunächst aus. Die Mannschaft wirkte überhastet. Erst nach ungefähr fünf Spielminuten gelang den Darmstädtern der erste Erfolg, und mit ihm fanden die Spieler ihre Sicherheit zurück. Im Abstand von 40 Sekunden erzielten sie hintereinander sechs Körbe, und alles sah nach einer haushohen Niederlage der TG Bad Homburg aus. Aber weit gefehlt. Weder

durch den 12:0-Rückstand, noch durch die währende Feldüberlegenheit der Gäste ließen sich die Frankfurter Vorstädter entmutigen, zäh und verbissen kämpfend waren sie bald ein ebenbürtiger Gegner. Nur das Glück war nicht auf ihrer Seite. Durch ihr großes Schußpech gerieten sie bei der Halbzeit in einen 21:10-Rückstand.

Die 2. Halbzeit gestaltete sich noch spannender. Das Tempo steigerte sich immer mehr, und alle 10 Darmstädter gaben ihr Bestes. Homburg versuchte den Gästen den Sieg zu entreißen. Aber der Club verteidigte zäh seinen Korb und seinen Vorsprung. Ueberraschend griff er aus der Defensive wieder den Gegner an und erzielte ein Schlußergebnis von 45:24.

Der Turf

Frankfurt, den 1. Oktober 1950 1. Rennen: 1. Tinnt (G. Welz), 2. Kriegskind, 3. Opal, Toto: 26/11, 16, 12, E.-Wette 300, 2. Rennen: 1. Accord (G. Arndt), 2. Diana, 3. Felicia, Toto: 17/12, 20, 20, E.-Wette 300, 3. Rennen: 1. Pfalztraube (R. Schmidt), 2. Saxonia, 3. Graf, Toto: 56/12, 11, 13, E.-Wette 68, 4. Rennen: 1. Schwarzenstein (H. Albers) und Meerwind (K. Buge) (totes Rennen), 3. Celeferro, Toto: 31/27, 0/13, 24, E.-Wette 56, 5. Rennen: 1. Bona Organda (G. Arndt), 2. Niederrhein, 3. Falkenier, Toto: 50/11, 11, 13, E.-Wette 64, 6. Rennen: 1. Morgentau (E. Genee) und Fita (W. Straub) (totes Rennen). 3. Marietta, Toto: 31'21, 37 27, 29, E.-Wette 150, 7. Rennen: 1. Dirigent (G. Richter), 2. Lümmel, 3. Vogelschau, 4. Willigis, Toto: 41/14, 21, 17. 28. E.-Wette 300, 8. Rennen: 1. Gustel (G. Richter), 2. Colombina, 3. Blaumeise, 4. Gewitterstunde, Toto: 29/14, 52, 14 16, E.-Wette 300.

1950 noch keine Bundesliga

Hannover, (dpa) Der Spielausschuß des Deutschen Fußballbundes (DFB) beschloß am Wochenende in Hannover, für die kommende Spielzeit 1951/52 noch keine Bundesliga vorzuschlagen. Obwohl die sportliche Notwendigkeit einer Bundesliga bejaht wurde, steht der Spielausschuß auf dem Standpunkt, daß die Schaffung einer solchen Spitzenklasse die Einführung des vollen Berufsspielertums voraussetzt. In Zusammenarbeit mit dem Amateur- und Profiausschuß sollen die einschlägigen Fragen weiter behandelt und dem DFB-Vorstand zu gegebener Zeit ein Vorschlag unterbreitet werden.

Zahlen und Tabellen

Fußball

Süd 1. Liga

Bayern München — Vfß Stuttgart 3:0 Vfß Mühlburg — 1860 München 3:0 Spvg Fürth — SSV Reutlingen 3:0 Kickers Offenbach —l. FC Nürnberg 2:1 VfR Mannheim — FC Singen 04 4:0 SV Darmstadt 98 — BC Augsburg 1:1 FSV Frankfurt — VfL Neckarau 3:0 Schweinfurt 05 — SV Waldhof 4:1 Schwaben Augsbvrg — Eintracht Ffm. 1:1

Süd 2. Liga Wacker München — TSV Straubing 8:1 Kickers Stuttgart —SV Wiesbaden 3:2 Bayern Hof — Union Bückingen 5:1 1. FC Bamberg — SG Arheilgen 2:0 VfL Konstanz — Ulm 1846 0:1 ASV Cham — Jahn Regensburg 1:4 1. FC Pforzheim — ASV Durlach 5:1 FC Freiburg—Viktoria Aschaffenburg 2:5 Hessen Kassel — SV Tübingen 6:1

West 1. Liga

München Gladbach — Duisburger SV 0:1 Erkenschwick — Rheydter SV 1:0 Preußen Dellbrück — RW Oberhausen 2:0 RW Essen — Schalke 04 0:2 Preußen Münster — 1. FC Köln 1:0 Horst Emscher — Katernberg 5:1 Alem. Aachen — ^nrf’ma Düsseldorf 0:3

Nord 1. Liga

St. Pauli — Eintracht Osnabrück 5:1 HSV — Werder Bremen 1:1 Vfß Oldenburg — Eimsbüttel 1:2 Arminia Hannov. — Concordia Hamb. 2:1 Bremer SV — Altona 93 2:0 Bremerhaven 93 — Göttingen 05 4:3 VfL Osnabrück — Eintr. Braunschw. 1:1 Holstein Kiel — SV Itzehoe 2:0

Rheinland-Pfalz 1. Liga ASV Landau — FK Pirmasens 0:4 Phönix Ludwigsh. — TuS Neuendorf 4:4 Eintracht Kreuznach — Mainz 05 2:0 VfL Neustadt — Eintracht Trier 2:1 VfR Kaiserslautern —l. FC Kaisersl. 0:3 FV Engers — Andernach 4:0 Wormatia Worms — Tura Ludwigsh. 7:2

Vertragsliga Berlin

Hertha BSC — Südring 5:0 BSV 92 — Wacker 04 0:3 Tasmania — Alemannia 2:1 Tennis-Borussia — Blau-Weiß 3:2 SC Wcstend — Vfß Britz 0:3 Spandauer SV — Minerva 93 2:1 Viktoria 89 — Union 06 0:2

Ost 1. Liga

Turbine Halle—Motor Dessau 3:0 Grube Marga—Vfß Pankow 4:1 Motor Zwickau—Thale 4:1 Lokomotive Stendal—Mechanik Gera 3:4 Rotation Dresden—Polizei Dresden 0:3 KWU Erfurt—Lichtenberg 47 4:0 L^nion Oberschöneweide—Einheit Meerane 2:1 Altenburg Nord—KEW Erfurt 2:0 Chemie Leipzig—Rotation Babelsberg 2:1

England 1. Division

Arsenal—Westbromwich Albion 3:0 Aston Villa—Tottenham Hotspur 2:3 Burnley—Stoke City 1:1 Chelsea—Everton 2:1 Dergy County—Blackpool 4:1 Liverpool—Bolton Wanderers 3:3 Middlesbrough—Huddersfield Town 8:0 Portsmouth—Fulham l;0 Sheffield Wednesday—Newcastle United 0:0 Sunderland—Charlton Athletic 4:2 Wolverhampton Wanderers —Manchester United Q:0

Landesliga Hessen

Hessisch Lichtenau—Bad Homburg 0 4 VfL Biedenkopf—Opel Rüsselsheim 4 2 Tlermannia Kassel—FC Rödelheim 3:1 Rot-Weiß Frankfurt—Borussia Fulda 3:1 Kassel 03—Germania Bieber 2 0 Griesheim 02—SV Kassel 2 1 Union Niederrad—Eintracht Wetzlar 3:2 Vfß Friedberg—VfL Marburg 0 2 VfL Kassel—Hanau 93 1:0 Hessen Hersfeld—Olymnia Lampertheim 0:0

Tabelle
FSV Frankfurt 7 5 1 1 17:7 11:3
Spvg Fürth 7 5 0 2 15:5 10:4
Bayern München 6 4 1 1 16:8 9:3
1. FC Nürnberg 7 4 1 2 16:4 9:5
Kickers Offenbach 7 4 1 2 14:7 9:5
Vfß Stuttgart 7 4 1 2 15:10 9:5
FC 05 Schweinfurt 6 4 0 ,2 10:8 8:4
Vfß Mühlburg 7 4 0 3 22:11 8:6
VfR Mannheim 7 4 0 3 23:13 8:6
Eintr. Frankfurt 7 3 2 2 12:10 8:6
Schwaben Augsb. 7 2 3 2 12:11 7:7
FC Singen 04 6 2 1 3 7:18 5:7
SV 98 Darmstadt 7 2 1 4 11:18 5:9
BC Augsburg 7 1 3 3 680 5:9
1860 München 6 2 0 4 6:11 4:8
Waldh. Mannheim 7 1 2 4 7:14 4:10
VfL Neckarau 7 1 1 5 8:21 3:11
SSV Reutlingen 7 0 0 7 3:34 0:14
Tabelle
Bayern Hof 7 6 1 0 13:4 13:1
Jahn Regensburg 7 6 0 1 20:7 12:2
Kickers Stuttgart 7 4 2 1 21:14 10:4
Hessen Kassel 7 3 3 1 17:12 9:5
ASV Cham 7 3 3 1 12:9 9:5
Wacker München 7 4 0 3 23:15 8:6
1. FC Pforzheim 7 3 2 2 19:14 8:6
Union Bückingen 7 4 0 3 14:14 8:6
VfL Konstanz 7 4 0 3 12:13 8:6
1 FC Bamberg 7 3 2 2 9:10 8:6
Vikt. Aschaffenburg 7 3 1 3 17:12 7:7
TSG Ulm 1846 7 3 1 3 9:14 7:7
TSV Straubing 7 2 1 4 18:19 5:9
ASV Dur lach 7 2 0 5 15:17 4:10
FC Fredburg 7 1 2 4 12:21 4:10
SV Wiesbaden 7 1 1 5 10:14 3:11
SG Ar heiligen 7 1 1 5 9:23 3:11
SV Tübingen 7 0 0 7 5:25 0:14
Tabelle
Schalke 04 6 5 1 0 20:2 11:1
1. FC Köln 6 5 0 1 14:3 10:2
Fortuna Düsseldorf 6 4 2 0 9:2 10:2
Borussia Dortmund 6 4 1 1 15:8 9:3
Preußen Münster 6 4 0 2 7:4 8:4
Preußen Dellbrück 6 3 1 2 9:6 7:5
RW Essen 6 3 0 3 15 9 6:6
Horst Emscher 6 2 2 2 12:9 6:6
Erkenschwick 6 2 2 2 4:5 6:6
Rheydter SV 6 3 0 3 10:14 6:6
Hamborn 07 6 2 0 4 8:14 4:8
RW Oberhausen 5 1 1 3 5:10 3:7
Alemannia Aachen 5 1 1 3 4:11 3:7
Katernberg 6 1 1 4 8:16 3:9
Duisburger SV 6 1 0 5 2:8 2:10
Borussia Gladbach 6 0 0 6 4:25 0:12
Tabelle
HSV 6 4 2 0 26:8 10:2
St. Pauli 6 4 2 0 21:8 10:2
Eimsbüttel 6 4 1 1 15:8 9:3
VfL Osnabrück 6 3 3 0 18:10 9:3
Göttingen 05 7 4 1 2 26:16 9:5
Eintr. Braunschwg. 6 3 2 1 15:9 8:4
Werder Bremen 7 3 2 2 19:13 8:6
Bremerhaven 93 7 3 2 2 15:16 8:6
Bremer SV 6 3 1 2 12:11 7:5
Arminia Hannover 6 3 0 3 12:8 6:6
Holstein Kiel 6 3 0 3 10:12 6:6
Vfß Oldenburg 6 1 3 2 8:10 5:7
Hannover 96 5 1 1 3 8:10 3:7
Concordia 6 1 1 4 8:21 3:9
Altona 93 6 1 0 9 9:28 2:10
Eintr. Osnabrück 5 0 1 4 6:14 1:9
SV Itzehoe 6 0 0 6 6:32 0:14
Tabelle
1. FC Kaiserslautern 5 5 0 0 15:1 10:0
Wormatia Worms 6 5 0 1 26:7 10:2
FK Pirmasens 5 4 1 0 14:2 9:1
Phönix Ludwigsh. 6 3 2 1 26:11 8:4
VfR Kaiserslautern 6 2 2 2 6:12 6:6
VfL Neustadt 7 2 1 3 6:14 5:7
ASV Landau 6 2 1 3 6:20 5:7
Eintricht Trier 5 2 0 3 8:7 4:6
FV Engers 6 2 0 4 8:16 4:8
TuS Neuendorf 4 1 1 2 10:14 3:5
Mainz 05 5 1 1 3 5:10 3:7
Spvgig Andernach 6 1 1 4 10:18 3:9
Eintracht Kreuznach 3 1 0 2 4:4 2:4
Tura Ludwigshafen 5 1 0 4 7:15 2:8
Tabelle
Olympia Lamperth. 6 4 2 0 7:2 10:2
03 Kassel 5 4 1 0 12 4 9:1
Borussia Fulda 5 4 0 1 20:6 6:2
VfL Marburg 6 4 0 2 13:8 8:4
FC Rödelheim 6 4 0 2 17:13 8:4
Griesheim 02 6 4 0 2 9:6 8:4
VfL Bad Homburg 5 3 0 2 15:8 6:4
Union Niederrad 5 2 2 1 8:4 6:4
Hermannia Kassel 5 3 0 2 5:4 6:4
Rot-Weiß Frankfurt 6 3 0 3 10:7 6:6
Opel Rüsselsheim 6 2 2 2 15:16 6:6
Eintracht Wetzlar 5 2 1 2 7:7 5:5
VfL Biedenkopf 5 2 1 2 10:12 5:5
Hanau 93 4 1 2 1 10:8 4:4
Spielverein Kassel 6 2 0 4 12:9 4:8
Hessen Hersfeld 6 1 1 4 3:12 3:9
VfL Kassel 6 1 1 4 5:14 3:9
Germania Bi eber 5 1 0 4 5:14 2:8
Vfß Friedberg 6 0 2 4 4:9 2:10
Hessisch-Lichtenau 6 0 1 5 5:28 1:11

Großartige Finale der Leichtathleten

Lundberg übersprang mit dem Stab 4,25 m / Deutsche Bestleistungen

an dem auch^ L*lC|?ath,etiksaison 1950 wurde am Sonntag mit einem Internationalen Sportfest in Bad Kreuznach beendet, Stabhochsnri 016 ’n Deutsch,and weilende Schwedenauswahl letztmals an den Start ging. Der schwedische Europameister im Sprüngen hat"Raffnar Lundberg sprang 4,25 Meter und erreichte damit eine Höhe, die er in Deutschland noch nicht über-

in 11 0 Seknn^on Geister, der und den (München) mit 11,1 mit 11,2 auf die Pläf^. fer fandt <stl,ttßart) Harbig-GedäXnia^ Den »udolfaich Cleve (kJÄ' Meter holte (Bremen) in kV» 5 1:5°'4 VOr Bohna Eckfeld in 200 ?’8 tt^ dem Schweden Kage gab es wieder ~Ueber \!° M®l^ Hürden Ragnar ’nen scbwedischen Sieg.

Mclf f -aruson (Schweden) kam mit 664 Meter auf den dritten Platz. Den Hochmrung te^vor B^N8^” (Frankfurt> mit 1,80 Me-X- Bo Nordquist (Schweden) mit der der^we^OHr4,°2 Metern holte sdch aer Schwede Otto Bengtson den Sieg im 44P1 r waen vo^ Hornberger (Kreuznach) mit 44,13 Metern. Im Diskuswerfen belegten Sven Roos (Schweden) mit 46,11 MeternBden mT48,52 Meterh^^ SePP Hipp (Balin®en)

Pj®Ha<;he Siegerin bei den Frauen wurde Metlrrii^lp6a die die 100 s®kunden vor Marga Petersen ^’7 Swarrn und auch über 80 Meter Hürden in 12,3 Sekunden vor Seonbuchner (Nürnberg) siegte. Schließlich gewann sie noch mit 5,35 Meter den Weitsprung vor Seonbuchner mit 5,31 Mnter.

Nachkriegsrekord für Will: 66,64 m

Has internationale Sportfest am Hamburger Rothenbaum brachte den schwedischen Gästen von IFK Vaxjö fünf Siege. Die erfreulichste Leistung aber gab es im Speerwerfen. In Abwesenheit des schwedischen 70-m-Mannes Gunnar Petterson steigerte sich der- Rendsburger Heiner Will, der in den letzten Wochen unter der Anleitung von Olympiasieger Gerhard Stock trainierte,, auf 66,64 m und übertraf damit die deutsche Nachkriegs-Bestleistung des Düsseldorfers Herbert Hauer um neun Zentimeter.

Den besonderen Beifall der 2000 Zuschauer fand der Stabhochsprung des Schweden Birger Hultkvist, der 4,10 m übersprang, an 4,21 m jedoch scheiterte. Diese Höhe wäre allerdings auch eine persönliche Bestleistung für den jungen Schweden gewesen. Hindernis-Olympiasieger Tore Sjöstrand blieb auch in Hamburg von seiner Bestform weit entfernt. So gelang dem Bremer Brinkmann im Endspurt ein Erfolg über Sjöstrand. Der Sieg fiel jedoch in 8:35,6 Minuten an Erik Ahlden, den Olympia-Vierten über 5 000 m, dessen Spurtkraft entscheidend war.

Ulzheimer empfiehlt sich für Mailand

Stuttgart war ein gutes Omen für Mailand. Von den ächt deutschen Spitzenkönnern, die Sm nächsten Sonntag in Mailand starten sollen, bewiesen vier beim Schwedensportfest im Stuttgarter Neckarstadion, daß sie zur Zeit noch immer in bester Form sind. Der ehemalige deutsche 800-m-Meister Heinz Ufzheimer (Eintracht Frankfurt) erreichte über 400 m Hürden zum Auftakt der Veranstaltung vor 4 000 Zuschauern mit 54,3 Sekunden die vorjährige Nachkriegsbesfzeit des Koblenzers Hubert Hupperts. Snrintermeister Werner Zandt (Stuttgarter Kickers) überzeugte auch nach soeben überstandener Verletzung durch so prächtige Zeiten wie 10,6 und 21,6 Sekunden, die ihm knappe Siege vor Sturm (Phönix Ludwigshafen) und dem Mailand-Fahrer Haas (I.FC Nürnberg) brachten, dem in 21,7 Sekunden erneut die Revanche gegen Zandt mißlang. Schließlich unterstrich auch Gerd Luther (München 60) seine stabile Form. 7,29 m auf der bekannt schweren Bahn im Neckarstadion waren eine prächtige Leistung.

Europarekordmann Ragnar Lundberg überragte im Stabhochsprung nicht in dem gleichen Maße wie in Kiel, Berlin und Oberhaus, da einmal die hereinbrechende Dunkelheit die vergeblichen Versuche des Schweden über 4,30 m behinderte, zum anderen der talentierte Pforzheimer Schneider, der ohne Zweifel ein sicherer Vier-Meter-Mann werden kann, seine persönliche Bestleistung von 3,92 m auf 4,00 m steigerte.

Bobstadt mußte Federn lassen

Bba’^^’^sklasse Gruppe I hat sich Bobstadt den gröbsten Schnitzer geleistet, denn ein Spielgewinn hätte die Mannschaft vor die pausierenden Lorsebracbt- so aber nabm Hofheim beide Punkte mit und lii 1 Position verbessern können. Recht gut schnitt Pfungadt ab, das den Vorteil des eigenen Platzes auszunutzen verstand und die Roßdorfer punktleer ausgehen ließ.

Eberstadt — Bürstadt 0:1 Biblis—Groß-Rohrheim 4:1 Pfungstadt — Roßdorf 2:0 Bobstadt — Hofheim 0:1 Bensheim —Groß-Gerau 1:0

Eberstadt — Bürstadt 0:1 (0:0) abgebr.

In einem schönen und schnellen Spiel waren die Gäste leicht überlegen. Sie erzielten nach torloser Halbzeit durch den Halbrechten den einzigen Treffer des Tages. Zwanzig Minuten vor Spielende wurde der Kampf vom Schiedsrichter abgebrochen, nachdem ein Eberstädter Spieler ihm gegenüber .tätlich geworden war.

Biblis—Groß-Rohrheim 4:1 (2:1)

Dieses eine der beiden Lokalderbys im Ried war ein schönes und spannendes Spiel, das die Platzbesitzer dem Spielverlauf nach zu hoch gewannen. Die Gäste mußten mit drei Ersatzleuten antreten und nahmen u. a. ihren Torwart Koerschen (Dieter) auf Rechtsaußen, wo er sich gut bewährte. Die Gäste spielten sich in der ersten Halbzeit e:ne leichte Ueberlegenheit heraus. Die Bibliser scheiterten immer wieder an der stabilen Gästedeckung.Nachdem Lutzi für Biblis einen Elfmeter verschossen hatte, erzielte Koerschen in der 14. Minute für Rohrhedm das Führungstor. Nach weiterem Drängen der Gäste ergab ein Handelfmeter in der 30. Minute, den Schweizer verwandelte, den Ausgleich. Trotz weiterer Ueberlegenheit der Gäste konnte Lutzi kurz vor dem Wechsel die 2:1-Führung für Biblis erzielen. Derselbe Spieler schuf nach der Pause mehrere gefährliche Momente vor dem Rohrheimer Tor, die von Evraett in der 55. und von Lutzi in der 57. Minute zu zwei weiteren Toren ausgenutzt wurden.

TSV Pfungstadt — Roßdorf 2:0 (2:0)

Pfungstadt riß gleich zu Beginn die Führung des Geschehens an sich, die es auch nicht mehr abgab. Sturm und Verteidigung

verstanden sich ausgezeichnet und waren denßoßdörfern immer um eine Nasenlänge voraus. So konnte Pfungstadt nach turbulenten Szenen vor dem Roßdörfer Tor in der 13. und 24. Minute durch Daum die beiden Treffer des Tages erzielen. Die ausgezeichnete Läuferreihe und die aufmerksame Verteidigung verhinderten den Ausgleich. Platzverweis eines Roßdörfer Spielers wegen Schiedsrichter-Bedrohung brachte starke Mißstimmung, die schließlich in ein Handgemenge ausartete, so daß die Polizei Ordnung schaffen mußte.

Bobstadt—Hofheim 0:1 (0:1)

Das zWeite Lokalderby im Ried beim Tabellenzweiten Bobstadt erbrachte die Ueberraschung des Tages. Hofheim gelang es, aus der Höhle des Löwen beide Punkte mitzunehmen, obwohl man die angewandten Mittel der Gäste nicht immer als sportlich bezeichnen kann. Das harte Spiel wurde sehr durch den Wind beeinträchtigt, und das mag auch der Grund sein, daß die Bobstädter nicht zu der gewohnten Form aufliefen. Gegen den Wind erspielte sich Bobstadt zwar eine leichte Ueberlegenheit, kam aber gegen die harte Gästeverteidigung nicht zu einem Torerfolg. Zwei Minuten vor dem Wechsel nutzte Hofheims Linksaußen einen Deckungsfehler aus und schob aus kurzer Entfernung zum einzigen Tor des Tages ein. Die nach dem Wechsel angewandte Ausball-Taktik der Hofheimer ließ kein rechtes Spiel mehr aufkommen. Trotz Ueberlegenheit reichte es den Bobstädtern nicht zum Sieg. Bobstadt, gleichgut in allen Mannschaftsteilen, ließ jedoch den placierten Torschuß vermissen. Hofheim hatte wie immer seine Stärke in der Hintermannschaft.

Bensheim—Groß-Gerau 1:0 (0:0)

Der Neuling Groß-Gerau gab eine gute Vorstellung und hätte fast einen Punkt mit nach Hause genommen. Besonders die Hintermannschaft hatte einen guten Tag und gab dem schwachen Bensheimer Sturm nur wenig bhancen. Ueberhaupt hätte man diesmal ein blaues Wunder erlebt, wenn d:e Hintermannschaft nicht stabil gewesen wäre. Das Spiel war hart aber fair. Den Einheimischen lag das hohe Spiel der Gäste nicht, Und sie fanden sich nicht zum gewohnten Flachpaß. So konnte der Neuling die 90 Minuten offen gestalten. Die erste Halbzeit endete torlos und erst in der 62. Minute gelang dem Außenstürmer Schulz das einzige Tor. Groß-Gerau zeigte in diesem Spiel, daß auch auf auswärtigen Plätzen mit ihm zu rechnen ist. Für Bensheim bleibt zu hoffen, daß es endlich eine befriedigende Lösung für das Stürmer-Problem findet.

Lorsch
4 4 0 0 17:3 8:0 Bürstadt
4 3 0 1 11:5 6:2 Bobstadt
5 3 0 2 15:5 6:4 VfR Langen
3 2 1 0 9:6 5:1 Biblis
5 2 1 2 14:17 5:5 Vikt. Urberach
3 2 0 1 10:7 4:2 Heppenheim
3 2 0 1 7:7 4:2 Ober-Rambach
4 2 0 2 9:13 4:4 Bensheim
4 2 0 2 5:8 4:4 Roßdorf
5 2 0 3 17:20 4:^ Pfungstadt
4 1 1 2 5:9 3:7 Messel
4 1 0 3 12:16 2:6 Hofheim
5 1 1 3 2:6 3:7 Groß-Gerau
4 1 0 3 7:10 2:6 Groß-Rohrhelm
4 0 1 3 2:10 1:7

Starkes Spitzenfeld in Gruppe II

Die Walldorfer Pause und die Niederlage der Ober-Rodener in Urberach haben diesen beiden Mannschaften keinen Punktgewinn gebracht — Bischofsheim, Dieburg. Egelsbach und Erbach dagegen sind als Sieger vom Platz gegangen und haben nun gleich den beiden Spitzenmannschaften je 6 Pluspunkte. Im übrigen stand dieser Sonntag bei der Gruppe II meist im Zeichen der Heimsiege, denn nur Nauheim und Eppertshausen mußten sich in die Punkte teile”

Dieburg — Wixhausen 3:1 Nauheim — Mörfelden 0:0 Urberach — Oberroden 3:1 Erbach — Michelstadt 5:2 Egelsbach — Trebur' 3:1 Bischofsheim — Messel 5.2 Eppertshausen — Münster z.z

Nauheim—Mörfelden 0:0

Nauheim war in diesem Spiel leicht überlegen; Mörfelden konnte in der 2. Hälfte zwei (Abseits)tore erzielen. Das Spiel war sehr rauh und hart, so daß gegen Schluß von jeder Mannschaft ein Spieler herausgestellt wurde.

KSV Urberach — Germania Oberroden 3:1 (0:0)

Zu einem überaus harten und mit Spannung geladenen „Lokalderby“ kam es am Urberacter Eichenhügel. Außerordentliches Pech der Gäste bei Strafstößen und im Feldspiel zeichneten die erste Hälfte aus. Ein großer Nachteil für die Gastmannschaft war das Ausscheiden des verletzten Aufbauspielers Kronenberg in den ersten 10 Minuten. Ohne Tore wurden die Seiten gewechselt. Nach anfänglichen Vorteilen der Gastmannschaft nahmen die SKVler in den zweiten 45 Minuten durch ihre Härte das Heft in die Hand. Das von Keck für Oberroden in der 50. Minute erzielte Führungstor wurde von Kraus fünf Minuten snäter egalisiert. Ein Kopfball, wiederum von Kraus, ergab in der 65. Minute das 2:1. Jetzt schied B. Gotta als zweiter Verletzter der Gäste aus. Ununterbrochen mußte Oberroden nun abwehren, ohne jedoch das dritte, von Gruber verwandelte Tor, verhindern zu

Erbach—Michelstadt 5:2 (1:0)

Mit nahezu 3000 Zuschauern hatte das Odenwald-Derby einen großen Rahmen. Das Spiel selbst zeigte die größere Erfahrung der nunmehr im 3. Jahr spielenden Erbacher. Dip Gäste enttäuschten vor allem durch ihre sonstigen Stützen Erl, Flechsenhaar und Torhüter Glas.

Erbach war in der 10. Minute durch Riefling 1:0 in Führung gegangen. Nachdem Michelstadt in der 47. Minüte durch Schäfer der Ausgleich geglückt war, schoß Gotter, der sich seiner Bewachung geschickt zu entziehen vermochte, in der 54. Minute völlig überraschend zum 2:1 ein. Schon vier Minuten später führte die zögernde Abwehr der Gäste zum 3:1 durch Riefling. Michelstadt kämpfte weiterhin mit großem Eifer. Se’n Verteidiger Niklas mußte in der 64. Minute verletzt ausscheiden. Damit stand der Sieg der Platzherren endgültig fest. In der 63. Minute schoß Savelsberg zum 4:1 ein, und nachdem Schäfer in der 77. Minute auf 4-2 herangekommen war, senkte sich in der 86. Minute ein von Köhler geschossener Ball zum Fndstand über fünf im Strafraum stehende Abwehrspieler ins Netz. ppi

Bischofsheim—Messel 5:2

Der Gast war in der ersten Hälfte mit dem Wind im Rücken leicht überlegen. Ein Selbsttor der Bischof=heimer verhalf ihm in der 20. Minute zur Führung. Nachdem Bischofshe’m in der 30. Minute einen Elfer verschossen hatte, kam es in der zweiten Hälfte ganz groß auf und erzielte hintereinander fünf Treffer. Acht Minuten vor Schluß kam Mensel zum 2. Tor. Die Torschützen waren für Bi¬ »ehofshe'm: Dorr (2), Becker, Ernst, Born und Schlegel je 1.

Eppertshausen—SV Münster 2:2 (1:0)

In Eppertshausen absolvierte der Fußballverein gegen den Lokalrivalen SV Münster 1919 sein drittes Heimspiel. Das 2:2 entspricht dem wechselvollen Spielverlauf, Eine anfängliche leichte Ueberlegenheit der Platzherren ist auch in dem Pausenstand von 1:0 aus gedrückt, das Stork nach einer schönen Vorlage bereits in der 10. Minute erzielte. J. Heckwolf setzte in der 80. Minute den Ball zum 1:1 in die Maschen. Herd erhöhte aus einer Tumultszene durch Kopfball in der 87. Minute zum 1:2 für Münster, und der großartig spielende Lippert konnte schließlich kurz vor Torschluß den Ausgleich erzielen.

Walldorf
4 3 0 1 0:3 6:2 Ober-Roden Bischofsheim Dieburg Egelsbach Erbach Nauheim Münster KSV Urbach Mörfelden Michelstadt Eppertshausen
4 4
5 5 5 5 5
4 4
5 5 3 3
3 3 3
2 2 2 2
2 0 0 0
0 0 0 2 1
1 1 0
3 n 1 1
2 2 2 1
2 1 1
3 2 Q 14:8 12:8 16:9 16:10 16:14 10:9 6:6
10:6 10:7 9:17 8:14 7:8 6:2 6:2
6:4 6:4 6:4 6:4 5:5 5:3 5:3 4:6 3:7 2:6 Wixhausen
Messel Trebur
4 4 5 1 1
0 u 0 0 3 5 12:16 2:19 2:6 0:10

Germ. Babenhausen—Dudenhofen 2:3 (3:2)

Beide Mannschaften zeigten ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. Wenn auch der Platzvorteil den Einheimischen ein geringes Plus gab, so reichte es doch nur zu einem Punkt. Hierbei hatten allerdings die Gäste mit dem Ausgleichstar einiges Glück, da es sehr stark nach „Abseits“ roch. NB.

Fußhall-Kreisklassen

B-Klasse Darmstadt

Niederbeerbach — Griesheim SG 0: 6 Brandau — Eschollbrücken 1: 2 Jugenheim — Treisa 5: 0 Union Darmstadt — Oberbeerbach 6: 0 VfR Langen Soma —9B Darmstadt II 1:13 Rohrbach spielfrei

A-Klasse Dieburg

Reinheim — Spachbrücken 3:1 Lengfeld — Groß-Umstadt 3:1 Kleestadt — Götzenhain 1:5 Oberroden — Offenthal 1:5 Niederroden — Klein-Zimmern 13'3 Lfeberau — Mosbach 5:1 Groß-Zimmern — Dreieichenhain 2:0

B-Klasse Gruppe I

Fränk. Crumbach — Niedernhausen 1:0 Wersau — Hasste Dieburg II 4:2 König — Ober/Nieder-Klingen 3:3 Georgenhausen — Brensbach 5:0

B-Klasse Gruppe I

TV Groß-Umstadt — Münster 0:6 Hergershausen — Klein-Umstadt 0:2 Heubach — Raibach 3:3

A-Klasse Groß-Gerau

Ginsheim — Büttelborn 5:1 Biebesheim — Gustavsburg 7:0 Walldorf — Stockstadt 0:2 Gernsheim — Wolfskehlen 3:1 Klein-Gerau — Dornheim 4:0 Astheim — Raunheim 6:3

B-Klasse Groß-Gerau

Geinsheim — Leeheim 9:0 FSV Raunheim — Wallerstädten 0:1 Worfelden — Goddelau 2:2 Erfelden — Königstädten 2:3

A-Klasse Bergstraße

SC Fürth — Lindenfels 2:2 Waldmichelbach — Affolterbach 2:0 Fehlhelm Weiher 1:3 Vfß Lampertheim Aschbach 0:2 Reichenbach Auerbach 5:1

B-Klasse Odenwald

Mitlechtern — Rimbach 0:4 Wahlen — Hammelbach 5:1 Reichelsheim — Unterschönmattenwaag 2:3 Oberabtsteinach — Unterabtsteinach 11:0

B-Klasse Ried

Riedrode — SV Bensheim 11:1 Hambach — Nordheim 6:4 Gadernheim — Elmshausen 3:4 Zwingenberg — Schönberg ausgefallen Hüttenfeld — Rot-Weiß Hofheim ausgefallen

A-Klasse Erbach

Sandbach — Lützel-Wiebelsbach 2:2 Steinbach — TSV Höchst i. O. 2:0 Hainstadt — Würzberg 4:3 Günterfürst — Neustadt 4:3 Bad König — Rimhorn 2:3 Beerfelden — Erbach Soma 4:3

B-Klasse Unterzent

Haingrund — Mümling-Grumbach 2:2 TSV Höchst Soma — Kirchbrombach ausgef. Fürstengrund — Vielbrunn 1:4 VfL Höchst — Waldamorbach ausgefallen

B-Klasse Oberzent

Gammelsbach — Finkenbach 6:3 Sensbach — Schöllenberg 16:1 Rothenberg — Hainbuch 2:2

A-Klasse Darmstadt
TSG 46 Darmstadt — Erzhausen 8:0 (0:0)
Alsbach — Bickenbach 1:2 (1:1)
Haehnlein i— Weiterstadt 2:4 (1:2)
Hahn — SSG Langen 2:1 (1:0)
Griesheim — Niedernamstadt 0:5 (0:4)
Seeheim — Grafenhausen 2:3 (0:2)

Mombach durchbrach die Regel

Sonst gab es klare Hessensiege in der Handball-Verbandsliga

SG Kempten—Offenbach 5:13 (3:5) Mombach—VfR Wiesbaden 9:6 (3:4) Gelnhausen—Herrnsheim 13:6 (8:3) Dietzenbach—Griesheim 15:4 (7:3)

Zum ersten Male ist die Phalanx der hessischen Vereine durchbrochen worden, denn der Eintracht Mumbach gelang es, den VfR Wiesbaden in einem dramatischen Kampf zu bezwingen und sich damit an die vierte Tabellenstelle zu setzen. Die beiden ungeschlagenen Tabellenführer Offenbach und Dietzenbach gewannen wieder in sicherer Manier, wobei der Erfolg der Kickers in Kempten am schwersten wiegt. Gegen den Wind spielend, konnten die Gäste bis zur Halbzeit nur einen knappen Vorsprung herauswerfen, aber nach Seitenwechsel änderte sich das Bild grundlegend, so daß Kemnten schließlich froh sein mußte, nicht noch höher geschlagen worden zu sein.

Dietzenbach hatte zu Hause gegen Griesheim, das durch diese Niederlage stark nach unten gerutscht ist, zunächst zu kämpfen, um sich der raschen Griesheimer Angriffe zu erwehren. Aber die Kampfkraft des Tabellenführers hatte am Schluß doch das bessere Ende für sich. Der Erfolg des SV Gelnhausen brachte die Mannschaf* ein starkes Stück nach vorne. Aber auch hier wurde der Sieg erst nach der Pause gesichert. Herrnsheim führte zunächst 3:1. Langsam machte sich dann der Platzbesitzer von der Umklammerung frei und nach der Pause war die Kraft des Neulings endgültig gebrochen.

Gruppenliga Süd

TSC Alzey—TSG Darmstadt 3:11 TSV Pfungstadt—TuS Wörrstadt 12:3 SG Bretzenheim—SKG Bauschheim 11:14 SV Kostheim—TG Rüsselsheim 7:14 TSV Braunshardt—Cone. Gernsheim 10:2

SSC Alzey—TSG Darmstadt 3:11 (2:3)

Am Sonntag standen sich in der Volkerßtadt Alzey die dortige SSC und die TSG 46 Darmstadt Im fälligen Punktspiel gegenüber. Der Gastgeber spielte in stärkster Aufstellung, in der der Repräsentatiivspieler Wolter heratusragte. Auch der Gast hatte seine besten Vertreter entsandt, um durch einen Sieg seinen Formanstieg unter Beweis zu stellen. Bereits nach 5 Minuten Spielzeit gingen die Gäste in Führung, aber Wolter konnte im Gegenzug egalisieren. Ueber die Zwischenstände von 1:2 und 2:2 ging es mit 2:3 für Darmstadt in die Pause. Nach dem Seitenwechsel zogen die Gäste alle Register ihres Könnens und spielten sich sozusagen direkt in die Herzen der Zuschauer. Die Erfolge konnten dabei nicht ausbledben. und in gleichmäßigen Abständen fielen die Tore. Erst beim Stande von 2:11, 3 Minuten vor Schluß, glückte den Gastgebern ein weiterer Treffer, der einzige in der zweiten Halbzeit. Endergebnis 3:11. Während der SSC Alzey in der ersten Halbzeit die Partie noch offen gestalten konnte, erlag er in der zweiten Hälfte seinem eigenen Tempo und wurde ausgespdeß. An dem schönen Erfolg war die gesamte Mannschaft der Woogsleute beteiligt, aber erst in der zweiten Halbzeit wurden Sieg und Punkte durch eine gewaltige Leistung sicher-gestellt. Im Vorspiel der Reserven gewannen die Darmstädter Vertreter mit 9:7 Toren, -th-

Braunshardt — Gernsheim 10:2 (3:1)

In Braunshardt sahen die Zuschauer ein Spiel ohne besondere Höhepunkte. Die Gastgeber festigten mit einem hohen 10:2-Erfolg ihre Spitzen-Position. Gernsheim stellte einen Sturm, der gegen die gute Braunshardter Deckung nichts ausrichten konnte. Gelang den Gästestürmem einmal ein herzhafter Schuß, wurde er von dem ausgezeichneten Torhüter Dechert zunichte gemacht. Aber auch der blauweiße Sturm wies Mängel auf. Besonders fehlte die Ballsicherheit. Da Rechtsaußen Becker keinen guten Tag hatte, wurde zu sehr im Innensturm gespielt. Die Beton-Deckung der Gernsheimer hatte daher leichtes Abwehren. Erst in der zweiten Spielhälfte kam mehr Schwung in das Braunshardter Stürmerspiel. Sieben schöne Tore waren die Ausbeute. Gegen den Wind spielend kam Wunderle zum Führungstreffer. Braunshardt konnte jedoch bis zur Pause ein 3:1 erzielen. Nach der Halbzeit wurde das Spiel der Gastgeber besser. Während Gernsheim nur noch einen Treffer anbringen konnte, kam Braunshardt noch siebenmal zum Erfolg. Reserven: 18:2. Jugend B-raunshardt — Jugend Griesheim 16:9. Schüler Pfungstadt — Schüler Braunshardt 0;14.

Bezirksklasse Odenwald

Kreisklasse Dieburg

Gruppe I Schaafheim—TV 88 Reinheim 12:7 abgebr. Langstadt I—Babenhausen 12:3 Semd Langstad>t II 18:4 Richen—Klein-Umstadt 21:1

Gruppe II

Münster—SV 45 Reinheim 2:9 Groß-Zimmern—Habitzheim 11:5 Gunder nhausen—TS Oberroden 4:10 -ff-

Kickers Offenbach 5 70:44 10:0
SG Dietzenbach 4 57:12 8:0
VfR Wiesbaden 5 46:32 6:4
Eintracht Mombach 3 31:28 4:2
TSV Nied 3 25:25 4:2
SV Gelnhausen 5 50:35 4:6
TSG Griesheim 5 34:48 4:6
SV 98 Darmstadt 3 36:48 2:4
SC Kempten 4 21:39 2.6
Wormatia Worms 3 16:29 0:6
TSV Herrnsheim 4 28:51 0:8
Tabelle
TSV Braunshardt 4 4 0 0 54:18 8:0
TSV Pfungstadt 4 3 0 1 39:24 6:2
SGK Bauschheim 5 3 0 2 55:47 6:4
TSG 46 Darmstadt 5 3 0 2 38:35 6:4
VfL Herrnsheim 2 2 0 0 25:11 4:0
TG Rüsselsheim 3 2 0 1 32:21 4:2
SV Kostheim 5 2 0 3 35:40 4:6
Concordia Gernsheim 5 2 0 3 27:41 4:6
SSC Alzey 2 0 0 2 8:20 0:4
SG Wörrstadt 3 0 0 3 13:39 0:6
SG Bretzenheim 4 0 0 4 25:58 0:8
Fr ä nkisch- Crum bach— Langen 8:2 (3:2)
Urberach—Seeheim 13:11 (9:3)
Mörfelden—Reichelsheim 8:6 (4:0)
Groß-Bieberau—Kirch-Bromach 10:9 (3:5)

Motorsport-Kehraus am Feldberg

H. P. Müller, Kluge, Wünsche und Hoske siegten in den Rennen der Solomaschinen

Oberreifenberg (Taunus). (AP.) Am ersten Oktobersonntag klang die deutsche Motorsportsaison 1950 auf dem 11,05 km langen Rundkurs um den Feldberg im Taunus aus. V/egen starkem Nebel und Regen mußten alle Läufe verkürzt werden. Trotz der schlechten Witterungsverhältnisse sah man teilweise sehr spannende Rennen. So lieferten sich H. P. Müller und Ewald Kluge lange Zeit in der 125 er Klasse einen erbitterten Kampf, der erst durch einen Maschinenschaden Kluges beendet wurde. Kluge hielt sich für sein Mißgeschick dann mit einem Sieg in der 250er-Klasse schadlos.

In der 125-cm-Klasse entwickelte sich vom Start weg ein scharfes Rennen zwischen den DKW-Fahrern H. P. Müller (Bielefeld) und Ewald Kluge (Ingolstadt). Kluge mußte in der vierten Runde wegen Maschinenschadens ausscheiden und gab damit den Weg für H. P. Müller frei, der das Rennen überlegen nach Hause fuhr. Ergebnis (sechs Runden): 1. H. P. Müller auf DKW/Kompr. 50:18,2 Min., 83 km/std.; 2. Friedel Schön (Frankfurt) auf Renn-Vespa 52:07,4 Min., 80,0 km/std.; 3.Willy Thorn (Wiesbaden) auf Renn-Vespa 52:18,6 Min. 79,8 km/std.

Der Lauf der 250-ccm-So!omaschinen wurde eine klare Sache für Ewald Kluge. H. P. Müller hatte Startschwierigkeiten und brauste erst drei Minuten nach dem Feld davon. Immerhin konnte er sich in großartiger Fahrt vom 13. auf den 7. Platz vorarbeiten, ohne allerdings in die Entscheidung eingreifen zu können. Otto Kohflnk (Bietigheim) auf DKW kam in der fünften Runde schwer zu Fall und mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Kohflnk hatte bereits beim Training am Samstag eine leichte Gehirnerschütterung erlitten, Ergebnis (fünf Runden): 1. Ewald Kluge auf DKW in 36:23,0 Min., 95,4 km/std.; 2. Karl Lottes (Marburg) auf DKW in 38:04,2 M:n., 91,3 km/std.; 3. Hermann Gablenz (Karlsruhe) auf Motorparilla in 38:31,0 Min., 90,1 km/std.

In Abwesenheit der NSU-Fahrer Böhm/ Fuchs gewannen Noll/Cron (Kirchhain) auf BMW/K. in 38:09,0 Min,, 91,1 km/std, den Lauf der Gespanne bis 600 ccm über fünf Runden. Die nächsten Plätze belegten Ziemer, Knees (Neuwied) auf NSU in 39:28,4 Min., 88,1 km/std. vor Vaasen/Sell (Düsseldorf) auf Norton in 42:30,0 Min., 81,7 km/std.

Das Rennen der Seitenwagenklasse bis 1200 ccm sah die Münchener BMW-Fahrer Sepp Müller/Minderlein in 37:54,8 Min., 91,7 km/std. für die fünf Runden in Front. Schäfer/Heller (München) auf BMW belegten in 37:57,0 Min., 91,6 km/std. den zweiten Platz. Von fünf gestarteten Maschinen kamen nur zwei ins Ziel.

Zehn Fahrer gingen im Lauf der Kleinst¬ rennwagen bis 500 ccm an den Start für fünf Runden. Huschke von Hanstein (Calenberg) auf Monopoletta kam als letzter weg und konnte sich trotz strömenden Regens und glatter Bahn auf den zweiten Platz vorarbeiten. Sieger wurde Gottfried Vollmer (Kettwig) auf Atlas in 40:16,6 Min., 86,3 km/std. vor von Hanstein in 40:31,0 Min., 85,7 km/std. und Walter Komossa (Recklinghausen) auf Scampolo in 40:55,2 Min., 84,9 km/std.

Das Rennen der 350-ccm-Klasse wurde eine sichere Beute von Siegfried Wünsche (Ingolstadt) auf DKW-Kompressor. Er ging vom Start weg in Führung und war bis zum Ziel nie ernstlich bedroht. Ergebnis: 1. Wünsche DKW in 34:37,8 Minuten, 100,3 km/std.; 2. Friedel Schön (Frankfurt) auf Horex in 35:39,2 Minuten, 97,4 km/std; 3. H. P. Müller (Bielefeld) auf DKW in 36:08,8 Minuten, 96,1 km/std.

Der deutsche Sportwagenmeister der 1100-ccm-Klasse, Walt. Glöckler (Frankfurt), ließ sich den Sieg in seiner Klasse nicht nehmen. In souveräner Ruhe drehte er, immer an der Spitze des Feldes liegend, seine Runden und gewann in 36:48,4 Minuten, 97,9 km/ std. Zweiter wurde Kurt Hennig (Kettwig) auf AFM in 37:52,2 Minuten, 91,5 km/std. vor Huschke von Hanstein auf Petrix/VW in 41:00,8 Minuten, 84,7 km/std.

In dem Rennen der Halbliter-Solomaschinen lieferten sich in Abwesenheit von Georg Meier und Heiner Fleischmann der BMW-Fahrer Hoske (Hameln) und Rührschneck (Nürnberg) auf Norton ein spannendes Duell. Bei ständigem Führungswechsel war schließlich Hoske der glücklichere und gewann mit einer Sekunde Vorsprung vor seinem Verfolger. Ergebnis: 1. Hoske auf BMW in 34:38,4 Minuten, 100,3km/std.; 2 .Rührschneck auf Norton in 34:39,2 Minuten, 100,2 km/std.; 3. Fuß (Baden-Baden) auf Triumph in 35:09,2 Minuten, 98,8 km/std.

Rührschneck fuhr mit 102,5 km/std. die absolut schnellste Runde des Tages.

Ein Festtag für Darmstadts Schwimmer

TSG 46 gewinnt sämtliche Kämpfe im neuen Hallenschwimmbad

Man muß die Begeisterung des Publikums gestern in der Schwimmhalle miterlebt haben, als im Rahmen der Einweihungsfeier Schlag auf Schlag der zweite Teil des Programms mit dem sportlichen Teil abgewickelt wurde.

Zunächst Hessens Springerelite mit Meister Gustl Meyer, Weiß-Blau Frankfurt und Meisterin Sigrid Schwuttge, Eintracht Frankfurt. Außerdem Liesel Weber, Frankfurt, Hermann Baumgartner, Wetzlar, und Günter Bresler, Rüsselsheim. Sehr schöne Sprünge wurden gezeigt und viel Beifall wurde gespendet. F. Franz, der technische Leiter der DLRG, zeigte mit seinen Schützlingen zwischen den einzelnen Kämpfen Ausschnitte aus der Lebens-Rettungsarbeit. Und dann die Begeisterung bei den großen Staffelkämpfen! Wie Pfeile spritzten unsere Sportschwimmer durch die Fluten und mancher Gast bekam einen tüchtigen Spritzer auf die Bekleidung.

In allen Staffelkämpfen errangen die Schwimmer und Schwimmerinnen der TSG 46 Siege, die meistens überlegen, waren. Auch im Wasserballspiel siegte die TSG 46. 3:1 lautete das Ergebnis, obwohl der TSG-Sturm nicht überzeugen konnte. Mindestens ein Dutzend todsichere Torgelegenheiten wurden verpaßt. Trotz Feldüberlegenheit der TSG 46 in der 1. Halbzeit ging der DSW 12 bis zur Pause 1:0 in Front. Sofort nach Seitenwechsel glich TSG durch Jobst aus, erhöhte durch Resch auf 2:1 und stellte, nachdem Dr. Sachs aus dem Wasser gewiesen wurde (Festhalten seines Gegenspielers), das Endergebnis auf 3:1. Schiedsrichter Grohmann, Frankfurt, war sehr gut.

Durch den Vorsitzenden des Bezirks Süd fm Hessischen Schwimm-Verband, Hans Nolte, Darmstadt, wurde das umfangreiche Gesamtprogramm sehr flott und umsichtig abgewickelt.

Ergebnisse:

Herren-Kraulstaffel 10x50 Mefer: 1. TSG 46 I. Mannschaft 5:23,5, 2. DSW 12 I. 5:23,9, 3. DSW 12 11. 5:58,7, 4. TG 75 I. 6:02,5, 5. TSG 46 11. 6:28,4.

Herren-Lagenstaffel 6x50 Meter:

1. TSG 46 I. Mannschaft 3:34,4, 2. DSW 12 I. 3:40,3, 3. TSG 46 11. 3:45,0, 4. DSW 12TL 3:52,5, 5. TG 75 I. 3:58,8.

Herren-Bruststaffel 10x50 Meter:

1. TSG 46 I. Mannschaft 6:33.7, 2. DSW 12 I. 6:52,1, 3. DSW 12 11. 7:27,8, 4. TSG 46 11. 7:29,9, 5. TG 75 I. 7:52,5.

Damen-Kraulstaffel 4x50 Meter:

1. TSG 46 I. Mannschaft 2:40,3, 2. DSW 12 I. 2:49,2, 3. DSW 12 11. 3:06,7, 4. TSG 46 11. 3:30,4.

Damen-Lagenstaffel 3x50 Meter:

1 TSG 46 I. Mannschaft 2:08,1, 2. TSG 46 11. 2:09,8, 3. TG 75 I. 2:17,0, 4. DSW 12 I. 2:17,1, 5. DSW 12 11. 2:21,4.

Damen-Bruststaffel 6x50 Meter:

1 TSG 46 I. Mannschaft 4:44,6, 2. TG 75 I. 4:54,3, 3 DSW 12 I. 4:54,6, 4. TSG 46 11. 4:594), 5. DSW 12 11. 5:12,4.

Wasserballspiel: TSG 46 — DSW 12 3:1 (0:1)

Mannschaften: TSG 46: Jacobi, Resch, Lautenschläger, Jobst, Friedrich: DSW 12: Schäfer, Bergmann, Dr. Sachs, Brandis, Sachs 11.

Ludwigshafener Boxer in Eberstadt

Ersatzgeschwächte ABC-Staffel verlor 8:6

Am Samstag hatten sich die Boxer des ABC Darmstadt/Eberstadt die starke Staffel von Tura Ludwigshafen zum Rückkampf eingeladen. Die sympathischen Gäste, die zur badischen Spitzenklasse gehören und daheim die erste Begegnung unentschieden gestalten konnten, kamen zu einem unerwarteten 8:6-Sieg über die Eberstädter, die ohne Kohl und den nicht erschienenen K. Knieß antreten mußten.

Die Einheimischen starteten recht verheißungsvoll, denn Weigel siegte im Fliegengewicht gegen Schroeder bereits in der 1. Minute durch K. 01, und A. Knieß konnte durch Aufgabe seines Gegners Bamberger auf 4:0 erhöhen. Dieser Kampf, in dem zwei alte Ringfüchse aufeinanderprallten, war der technisch schönste des Abends und so recht nach dem Geschmack der zahlreich erschienenen Zuschauer. Der 37jährige Ludwigshafener, der 1938 deutscher Meister im Fliegengewicht war, lieferte dem sich in alter Form präsentierenden Eberstädter ein bewegtes und fintenreiches Gefecht, das «r kurz vor Ende der 3. Runde wegen Luftmangels aufgeben mußte, nachdem er sich noch eine Minute lang durch Klammern über die Distanz zu retten versucht hatte.

Der Federgewichtler Nicolay hatte In Kreß einen sehr starken Gegner, der ihm hart zusetzte. Obwohl der Eberstädter große Nehmerqualitäten bewies, konnte er einen Punktsieg des genauer schlagenden Gastes nicht verhindern.

Da Kohl keinen Paß hatte, mußte Allmann im Leichtgewicht für ihn einspringen. Der Ersatzmann errang gegen den schwachen Simon I in einem wenig schönen Kampf leichte Vorteile und siegte nach Punkten.

Die drei oberen Gewichtsklassen kamen dann zu keinem Erfolg mehr. Dieter, der für H. Knieß boxen mußte, hatte nicht genügend Ringerfahrung, so daß er gegen Hauptmann keine glückliche Figur machen konnte, wenn auch sein Kampfgeist anerkennenswert war. Beim 6. Niederschlag wurde er schließlich in der 3. Runde ausgezählt.

Der Kampf der beiden harten Schläger Formella und Renz ließ die Wogen der Begeisterung noch einmal hochgehen. Der Eberstädter, der bereits in der 2. Runde angeknackt war und einmal zu Boden ging, überschüttete seine Gegner nochmals mit wütenden Schlagserien, mußte aber nach den drei Runden dem stets die Lage beherrschenden Renz den Punktsieg überlassen.

Bei den Halbschwergewichtlern war der Ludwigshafener Amann technisch besser, hatte gegen Schulz bereits in der 2. Runde sichtbare Vorteile und siegte nach Punkten, womit er den 8:6-Sieg seiner Staffel sicherstellte.

Bei den vorangegangenen Jugendkämpfen trennten sich im Federgewicht Gruber mit Fink und im Weltergewicht Dieter mit Korn unentschieden. Im Fliegengewicht stellte sich der deutsche Meister Heckhaus erstmals als Titelhalter im heimischen Ring vor. Im Kampf gegen den tapferen Ludwigshafener Pfaad verzichtete er auf den entscheidenden Schlag, der ein vorzeitiges Ende gebracht hätte, um dem begeisterten Publikum die ganze Fülle seiner Tricks zeigen zu können. In der 3. Runde mußte der Ringrichter aber doch den Kampf wegen allzu großer Ueberlegenheit des Meisters abbrechen.

Heil DRC-Clubmeister

Miit dem letzten Lauf zur Klubmeisterschaft 1950 hat der Darmstädter Radsport-Cliuib 1919 die diesjährige Saiison beendet. In fünf Läufen hat Horst Heil die Punkte für die Meisterschaft gesammelt. Vom Böllenfalltor ab über Ober-Ramstadt—Ernsthofen—■ Brandau Lützelbach Steinau Niedernhausen Gr.-Bieberau Reinheim Roßdorf Löwentor gab es hierbei ein dramatisches Rennen. Mit welcher Verbissenheit beim letzten Lauf die Entscheidung erzwungen wurde, zeigen die für die 70 km lange Strecke gefahrenen Zeiten. Horst Heil und Helmut Speckhardt, die auf Grund ihres Alters mit 2 Minuten Vorgabe starteten, fuhren vom Start weg ein scharfes Tempo und zeigten einen prächtigen Fahrstil, so daß sie in Brandau ihren Vorsprung bereits auf 2'/s Minuten erweitert hatten. Auf der Steigung nach Lützelheim fuhr Heil seinem Kameraden auf und davon und vergrößerte in prächtiger Fahrweise immer mehr seinen Vorsprung, galt es doch, dem Favoriten Hans Lücker die Punkte abzujagen. Seine Leistung ist um so höher zu bewerten, als er mehr als die Hälfte der Strecke im Alleingang zurücklegen mußte. Hans Lücker, der bei Steinau den Anschluß an Speckhardt fand, büßte zusammen mit Speckhardt durch Einfahren in die Steinauer Sackgasse über 1 Minute ein. Steinau sollte überhaupt die Klippe sein. Hier stürzte Baumann schwer und mußte erste Hilfe in Anspruch nehmen, und Kanold fuhr dem abrutschenden Vonderheid, der eben noch einem Sturz entging, in die Flanke und beschädigte dabei seine Maschine. Im Endspurt konnte sich Speckhardt dann noch vor Lücker setzen. 1. Horst Heil 1:30:03; 2. Helmut Speckhardt 1:35:00; 3. Hans Lücker 1:35:02; 4. Klaus Kanold 1:38:12; 5. Heinz Baumann 1:38:28; 6. Vonderheid 1:41:03 Damit ist Horst Heil mit 19 Punkten Klubmeister vor Hans Lücker mit 18 Punkten, Speckhardt 9 Punkte, Baumann 6 Punkte und Kanold 3 Punkte.

Beim 5. Lauf hatte die Jugend einmal die Run dstrecke B öllenfaHtor—Ober-Ramstadt— Roßdorf—Löwentor zu durchfahren. TrumpfheMer wurde 1. in der Zeit von 0:32:50; Riedüniger wurde 2. in der Zeit von 0:35:40. Jugendmeister 1950 wurde Riedlingen mit 18 Punkten vor G. Horn 11 Punkte, Trumpfheller 10 Punkte, Kempa 3 Punkte und Schwarz 3 Punkte.

Ein,Opfer des Sports“

Köln. (AP.) Der ehemalige Geschäftsführer ddr Westdeutschen Toto-G.m.b.H., Arthur Weber, wurde vom Kölner Landgericht von der Anklage der Untreue und Nötigung-frei - gesprochen. Weber war vorgeworfen worden, von der Auro-Gesellschaft, die für die Toto-G.m.b.H. die technischen Belange wahrnahm, persönlich 179 000 DM an Bestechungsgeldern erhalten zu haben. Der Staatsanwalt, der den Tatbestand als erfüllt ansah, hatte zwei Jahre Gefängnis und 50 000 DM Geldstrafe gefordert. Das Gericht stellte in der Urteilsbegründung fest, daß „es ihm schwer falle, den Angeklagten ohne Strafe laufen zu lassen“. Es sei Weber jedoch nicht nachzuweisen, daß er von der Auro Bestechungsgelder gefordert habe. Die Toto-G.m.b.H. habe durch die Zuwendungen keine Verluste erlitten, da die Auro die „Schmiergelder aus eigener Tasche“ bezahlt habe. Weber hatte in seinem Schlußwort betont, daß er „ein Opfer des Sports“ sei.

» Auf dem Kieselhumes in Saarbrücken spielte der derzeitige Tabellenführer der österreichischen Nitionalliga Austria Wien gegen den 1. FC Saarbrücken, die Wiener siegten wie sie wollten und gewannen mit 5:0 (2:0).

Frankreich schlägt Finnland

Paris. (AP.) Vor rund 7000 Zuschauern hat Frankreich den zweitägigen Leichbathletik-Länderkampf gegen Finnland im Pariser Colombes-Stadion mit 115 zu 95 Punkten gewonnen. Schon nach dem ersten Tag führten diie Gastgeber mit 50 zu 43 Punkten und konnten am Schlußtag ihren Vorsprung weiter ausbauen. Ausschlaggebend für den Erfolg Frankreichs war seine Ueberlegenhe.it in den Lauf Wettbewerben. Auch die Mittel- und Langstrecken, einst eine Domäne Finnlands, fielen zum großen Teil an die Franzosen, die in ihren Kolonialsportlern gute Stützen hatten.

Schweden auch in Hamburg

FS. Hamburg. (Eigener Bericht.) Dreitausend Zuschauer erlebten in der Hansestadt ein internationales Leichtathletik-Sportfest des Hamburger SV, bei dem es durchweg gute Leistungen gab. Die schwedischen Gäste von Kamraterna wurden sehr herzlich begrüßt. Eine neue deutsche Nachkriegsbestleistung gab es im Speerwerfen; der deutsche Meister 1948, Hans Will (Rendsburg), kam auf die beachtliche Weite von 66,64 m, der Olympiasieger 1936, Gerhard Stock, wurde mit 59,10 m Zweiter. Im Mittelpunkt des Interesses stand der 3000-m-Lauf, in dem der 35jährige Deutsche Brinkmann eine überaus gute Rolle spielte und im Endspurt sogar den schwedischen Olympiasieger über 3000 m, Sjoestrand, überholte. Sieger wurde der Schwede Erik Ahlden (8:35,6 Min.) vor Brinkmann, Bremen (8:39,4), und Sjoestrand (8:44,0). Der Koblenzer Günther Steines holte sich die 800 m überlegen in 1:54,7 Min. vor dem deutschen Ex-Meister Kluge (Bremen) in 1:56,2 Min. Bent Steines siegte über 100 m in 10,8 Sek. vor Golgert (Lübeck) in 10,9 Sek., und den 200- m-Lauf gewann Golgert in 22,4 Sek. Die Schwedenstaffel gewann der HSV in 2:02,5 Min. vor Kamraterna Vaezjoe in 2:13,6 Min. Im Stabhochsprung erzielte Hultkvist (Schw.) 4,10 m im Alleingang. Die Koblenzer Gebrüder Steines wurden aus Stockholm telegrafisch zurückgerufen, nachdem sie ursprünglich am Sonntag in Stockholm starten sollten. Die kurzfristige Absage der Deutschen verursachte bei dem schwedischen Klub einige Verstimmung.

Wieder Heiner Schwarzer

Heinrich Schwarzer (Hannover) konnte seinen Erfolgen in der abgelaufenen Straßensaison am Sonntag in Stuttgart zwei neue Siege anreihen. Er gewann die Deutsche Verfolgungsmeisterschaft der Berufsradfahrer und zusammen mit Harry Saager auch die Deutsche Meisterschaft im 100- Kilometer-Mannschaftsfahren.

Schwarzer-Saager stellten sich dem begeisterten Publikum in einer großartigen Form vor und gingen vom Start weg in Führung. Bereits nach wenigen Minuten hatten sie dem Feld eine Runde abgenommen und konnten alle Angriffsversuche abschlagen

Ergebnis der Deutschen Meisterschaft im 100-km-Mannschaftfahren: Erste Schwarzer-Saager 2:16.13 Stunden und 24 Punkte. 2. Gebrüder Hörmann (München) eine Runde zurück und 20 Punkte, 3. Weimer-Müller (Stuttgart-Schwenningen) eine Runde zurück und 19 Punkte, 4. Pankoke-HolthÖfer (Bielefeld) eine Runde zurück und 8 Punkte, 5. Mirke-Preiskeit, zwei Runden zurück und 29 Punkte.

Darmstadts Ringer ohne Punktverlust

SV 98 — Eiche Hanau beim Stande von 3:3 abgebrochen

In der hessischen Ranger-Oberliga standen sich am Samstagabend in der Goetheschule Tabellenletzter und Tabellenführer gegenüber. Die Lilienträger hatten ihre Mannschaft umgestellt. Wie der Kampfverlauf bewies, waren sie damit erfolgreich. Verbissen wurden die Kämpfe, soweit sie wenigstens ausgetragen wurden, durchgeführt. Kampfrichter Braun, Groß-Zimmern, hatte dabei kein leichtes Amt. Hoch schlugen die Wogen nach dem Mittelgewichtskampf. Gerhardt (98) wurde zum Punktsieger erklärt, eine Entscheidung, die durchaus gerecht war. Der Gästeringer Fleischer griff daraufhin den Kampfrichter tätlich an, der kurz entschlossen den Kampf abbrach. Somit dürften die Lilienträger zu ihren beiden ersten Punkten gekommen sein.

Der KampfverJauf zeigte, daß auch bei Durchführung der Kämpfe zumindest ein Teilerfolg nahe lag. Hätte Arancio im Fliegengewicht kein Uebergewicht mit auf die Waage gebracht, so wäre bei Abbruch des Kampfes Darmstadt bereits 4:2 in Front gewesen.

Im Fliegengewicht siegte Arancio (98) bereits nach der 1. Minute durch Schulterdrehgriff und Eindrücken der Brücke. Der Punkt ging jedoch, wie bereits erwähnt, durch Uebergewicht an die Gäste. Im Schwergewicht mischte Dietrich (98) mächtig mit, ein Armdrehzug in der 6. Minute brachte durch Hestermann (Hanau) den 2. Gäsiteerfolg. Den ersten Punkt für die Gastgeber holte Schnauber. Der Punktsieg war äußerst knapp, beide Ringer sind alte Füchse, und so kam keiner zu einem Schultersieg. Den schönsten Kampf gab es schließlich im Halbschwergewicht. Hier hatte Scheidler (98) in Schultheiß, K. einen äußerst harten und zähen Gegner vor sich. Der Punktsieg von Scheidler war zwar knapp, aber verdient. Der Federgewichtskampf brachte eine klare Entscheidung für die Gäste. In Schrankler hatten die Hanauer einen Mann, der für einen Punkt gut war und so kam auch Heckhaus (98) um eine Schulterniederlage nicht herum und verlor in der 2. Minute durch Eindri A li der Brücke. Der Mittelgewichtskampf sollte der letzte des Abends sein. Fleischer konnte zu Beginn zwei Wertungen erzielen, die Gerhardt ausglich. Der Angriff von Gerhardt sicherte diesem den Sieg, der jedoch auch zum Abbruch des Kampfabends führte.

Mit den ersten Punkten, gegen den Tabellenführer erzielt, können die Lilienträger wieder ruhiger in die Zukunft sehen.

7:1-Sieg von Darmstadt 1910

Der Tabellenführer 1910 Darmstadt stellte eich am Samstagabend in Wiesbaden vor und siegte nach technisch einwandfreien Kämpfen klarer als erwartet über die Mannschaft aus Wiesbaden. Die Gäste, die komplett antreten konnten, hatten eine in allen Teilen gut besetzte Mannschaft zur Stelle. Die Gastgeber hatten trotz des eigenen Mattenvorteils keine Chance zum Punktgewinn. Den schönsten Kampf des Abends zeigte Ditter, H. im Federgewicht gegen den früheren Deutschen Meister Meerscheidt, den er nach Punkten gewann.

Die Kämpfe, die vor etwa 300 Zuschauern ausgetragen wurden, verliefen fair. Im Fliegengewicht konnte Geron (1910) einen klaren Punktsieg erringen. Im anschließenden Kampf mußte Merkl (Wiesbaden) aufgeben, 60 daß Veith, Gg. jun. zum Siege kam. Im Bantamgewicht siegte Ditter, K. über Meerscheidt, H. in der 8. Minute durch Uebeln wurf. Veith, Gg. sen. konnte im Halbschwergewicht einen Blitzsieg feiern. Bereits in der 2. Minute besiegte er seinen Gegner durch Nackenhebel. Im Federgewicht siegte schließlich Ditter, H. über Meerscheidt, Peter knapp nach Punkten. Den einzigen Erfolg der Gastgeber gab es im Mittelgewicht. Schäfer (Darmstadt 1910) mußte eine knappe Punktniederlage einstecken. In den beiden letzten Begegnungen waren wieder zwei Gästesiege sicher. So konnte Trüber im Weltergewicht in der 8. Minute durch Hammerlock siegreich bleiben. Der talentierte Winkel (1910) benötigte nur 2 Minuten, um zum Siiege zu kommen. Durch einen Armzug am Boden stellte er schließlich den Sieg, der selbst in dieser Höhe durchaus verdient war, sicher.

Kampfrichter Aßmuß, Sossenheim, hatte bei der fairen Kampfweise beider Mannschaften ein leichtes Amt. Trainer Paul Schwarz (Darmstadt 1910) konnte nach diesen hervorragenden Kämpfen mit seinen Schützlingen zufrieden sein. Nach diesem Sieg kann die Darmstädter Mannschaft weiterhin die Tabellenspitze halten. -eri-

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