Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt VpHLREnAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI Darm«?^^ L- c- Wittich, Eichern ;äRhunSlraße 23 Tele*°n 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 79 öeffiföe Jleuefte Tla^ri^fen Samstag, 30. September 1950 ezugspreis: H^Ä^HW?Fizuzüglich 0.40 DM Trägerlohn, enprelse: Preisliste Nr 3 v. I 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

„Nur Stärke gibt Hoffnung auf Einigung mit Rußland“

Washington, 29. September, (dpa) Präsident Truman hat eine Erklärung über die amerikanische Außenpolitik veröffentlicht, in der es heißt, der Hauptinhalt der amerikanischen Politik im Jahre 1950 sei die Schaffung von Stärkepositionen in vielen Teilen der Welt. Diese Politik lasse noch immer die Hoffnung, eine Einigung mit der Sowjetunion zu erreichen.

Der Grundgedanke der amerikanischen Außenpolitik sei das Bestreben, daß die Vereinigten Staaten eine freie und unabhängige Nation bleiben und anderen Völkern bei der Erlangung der Unabhängigkeit und bei der Erreichung der Segnungen der Freiheit zur Seite stehen wollten.

Aus den Grundzügen der amerikanischen Politik ergebe' sich die aktive Beteiligung an der Erfüllung der Satzungen der Vereinten Nationen, damit diese Organisation als mächtiges Bollwerk des Friedens und als Abschreckung gegen jede Aggression dienen könne. Daraus ergebe sich ferner im Rahmen der Satzung der Vereinten Nationen der Ausbau und die Zusammenfassung der militärischen Verteidigung der Vereinigten Staaten und anderer freien Nationen.

Kommunistischer Druck

Die Bemühungen der Vereinigten Staaten über die Vereinten Nationen, die internationale Sicherheit zu fördern, seien dadurch behindert worden, daß sich die Sowjetunion der Mitarbeit entzogen und wiederholt den Geist und den Buchstaben der Satzungen der Vereinten Nationen verletzt habe. Die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch kommunistischen Druck habe zur Verkündung der Truman-Doktrin und zur Ausdehnung der wirtschaftlichen und militärischen Hilfeleistungen auf Griechenland und die Türkei, zum panamerikanischen Pakt von Rio und zum atlantischen Verteidigungssystem geführt. Im Zusammenhang mit der Aggression in Korea seien die Kommunisten auch für die gegenwärtigen amerikanischen Bemühungen um die Stärkung der Verteidigung der freien Welt verantwortlich.

Kein Status quo

Das Ziel der amerikanischen Politik sei keineswegs die Aufrechterhaltung des Status quo. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten sei ein Ausdruck der revolutionären demokratischen Ideen, n ach denen die Amerikaner lebten. Seit dem zweiten Weltkrieg hätten über fünfhundert Millionen Menschen die Unabhängigkeit erlangt, und acht neue Staaten seien geschaffen worden. Die Vereinigten Staaten hätten zu dieser Entwicklung beigetragen.

„In Korea war es das Ziel der Vereinigten Staaten, die Unabhängigkeit des Landes wieder herzustellen und den Koreanern die Möglichkeit zu geben, ein geeintes Volk zu werden. Das tragische Schicksal Koreas zeigt deutlich die Schwierigkeiten auf, vor denen junge Nationen stehen, die in der Nachbarschaft einer beutesüchtigen Macht ein unabhängiges Leben führen wollen. Allen großen und kleinen Nationen wird dadurch vor1 Augen geführt, daß kollektive Sicherheit die einzige wirkliche Sicherheit ist und die einzige Hoffnung auf Frieden in einem energischen kollektiven Vorgehen der anständigen und rechtlichen Mitglieder der Völkergemeinschaft liegt.“

Die endgültige Befreiung Chinas von ausländischer Beherrschung werde von dem Wüllen des chinesischen Volkes und der Energie der anderen asiatischen Völker abhängen, ihre Unabhängigkeit gegen kommunistischen Druck zu behaupten. Eine weitere Voraussetzung dafür sei die Unterstützung dieser Völker durch die freie Welt.

Rotchina wird angehört

Neuyork, 29. September. (AP.) Der Weltsicherheitsrat hat mit sieben gegen vier Stimmen beschlossen, den chinesischen Kommunisten die Teilnahme an der Debatte über Formosa im Sicherheitsrat zu gestatten. Die Frage wird nach dem 15. November behandelt werden. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat die Niederlande und Brasilien am Freitag zu neuen nichtständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrates gewählt.

Vorstoß über den 38.Breitengrad?

Unterrichtete Kreise halten es für möglich

Washington, 29. September. (dpa/AP.) Präsident Truman hat am Donnerstag auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz zu verstehen gegeben, daß eine Erklärung des Generals Mac Arthur bevorstehe, in der der Oberbefehlshaber der Vereinten Nationen in Korea die Kapitulation von Nordkorea fordern werde. Truman betonte, daß die Anweisungen der Vereinten Nationen für den General sehr umfassend gehalten seien. Eine Ueberschreitung des 38. Breitengrades sei nicht ausgeschlossen. Der Präsident weigerte sich jedoch, nähere Auskünfte über diese Anweisungen zu geben.

In gut unterrichteten Kreisen der amerikanischen Hauptstadt werden diese Bemerkungen Trumans als eine Andeutung aufgefaßt, daß die Truppen der Vereinten Nationen den 38. Breitengrad überschreiten, wenn sich die Nordkoreaner nicht mit einer Kapitulation und einer Kontrolle durch die Vereinten Nationen einverstanden erklären sollten.

Unterrichtete militärische Kreise in Tokio waren am Freitag der Ansicht, daß die Streitkräfte der Vereinten Nationen voraussichtlich den Befehl erhielten, auf nordkoreanisches Gebiet vorzustoßen und das Land bis an die Grenzen des kommunistischen Chinas zu besetzen.

Der südkoreanische Staatspräsident Syngman Rhee hat am Freitag auf eine Frage geantwortet, das Ziel dieses Krieges sei es, den 38. Breitegrad zu überschreiten.

Söul der Regierung übergeben

Söul, 29. September. (AP.) Die Hauptstadt der südkoreanischen Republik, Söul, ist am Freitag wieder der südkoreanischen Regierung übergeben worden. Die Straßen der schwer mitgenommenen Stadt waren voll von jubelnden Menschen, als General Mac Arthur und der Präsident der südkoreanischen Republik Syngman Rhee zur Uebergabezeremonie fuhren. General Mac Arthur übergab danh offiziell die Hauptstadt dem Präsidenten Rhee.

Der Vorsitzende der Kommission der Vereinten Nationen für Korea sagte, die Wiedervereinigung Koreas sei das einzige Ziel der koreanischen Kommission der Vereinten Nationen.

Wenige Stunden vor der Ankunft des Generals Mac Arthur in Söul war in dem Gebäude der Siegesfeier eine Bombe entdeckt worden, deren Dynamitladung nach Angaben amerikanischer Abwehroffiziere ausgereicht hätte, die gesamte Vorderfront des Hauses zu zerstören.

Alarmbereitschaft im Ruhrgebiet

Alle Versammlungen der kommunistischen Jugend verboten

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Fö. Düsseldorf, 29. September. Die für Samstag und Sonntag angekündigten Demonstrationen der Freien Deutschen Jugend und anderer kommunistischer Tarnorganisationen in einer Reihe von Großstädten in Nordrhein-Westfalen werden von den Polizeidienststellen und Behörden des Landes mit Ruhe erwartet. Wenn auch über die Einzelheiten der Vorbereitungen verständlicherweise im allgemeinen nichts gesagt wird, so kann doch mit der Bereitschaft von Polizeikräften in Stärke von insgesamt mindestens dreißigtausend Mann gerechnet werden. Außerdem hält die britische Besatzungstruppe eine Gardebrigade in Bereitschaft, die am Sonntag von den zur Zeit im Gebiet des Sennelagers stattfindenden britischen Herbstmanövem ins Ruhrgebiet kommen soll.

Nachdem Demonstrationen der Freien Deutschen Jugend und ihrer Tarnorganisationen unter freiem Himmel durch den Innenminister für ganz Nordrhein-Westfalen bereits vor mehreren Wochen verboten worden sind, hat Ministerpräsident Arnold am Freitag im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nun auch alle Versammlungen der Freien Deutschen Jugend und ähnlicher Organisationen für Samstag und Sonntag untersagt. In dem Erlaß, der den örtlichen Polizeichefs des Landes mit dem Ersuchen zugestellt wurde, im Einvernehmen mit den jeweiligen kommunalen und Verwaltungsstellen alle Versammlungen zu verbieten, stellt der Ministerpräsident fest, daß derartige Versammlungen in geschlossenen Räumen nach den bisher gemachten Erfahrungen ausschließlich zur Vorbereitung und als Ausgangspunkt für verbotene Demonstrationen gedient hätten. Damit sei bewiesen, daß es sich hierbei also nicht um friedliche Zusammenkünfte handele. Versammlungen in geschlossenen Räumen könnten daher auch nicht unter dem Schutz des Grundgesetzes stehen.

Außerdem hat Ministerpräsident Arnold am Freitagabend über den Kölner Sender des Nordwestdeutschen Rundfunks an die Bevölkerung und die Jugend von Nordrhein-Westfalen appelliert, allen Ansammlungen und Demonstrationen fernzubleiben, um sich nicht unnötigen Gefahren auszusetzen.


Als Maßnahme gegen die Behinderung des Schiffsverkehrs nach Westdeutschland durch die Sowjets, kontrollieren die Engländer an den Schleusen der Berliner Kanäle Schiffe, die in die Sowjetzone wollen. Als Folge der nach russischem Muster vorgenommenen Ueberprüfungen warten an den Westschleusen etwa hundertfünfzig Schiffe auf ihre Abfertigung Foto: United Press
Als Maßnahme gegen die Behinderung des Schiffsverkehrs nach Westdeutschland durch die Sowjets, kontrollieren die Engländer an den Schleusen der Berliner Kanäle Schiffe, die in die Sowjetzone wollen. Als Folge der nach russischem Muster vorgenommenen Ueberprüfungen warten an den Westschleusen etwa hundertfünfzig Schiffe auf ihre Abfertigung Foto: United Press

Auch in Lerlin Demonstrationen?

Berlin, 29. September, (dpa) Der Berliner Sekretär der Sozialistischen Einheitspartei, Jendretzky, hat am Freitag Demonstrationen gegen Bundespräsident Professor Heuss und die Bundesminister und Bundestagsabgeordneten angekündigt, die am Wochenende zur Eröffnung der Industrieschau nach Berlin kommen wollen. Jendretzky bezeichnet die Gäste aus der Bundesrepublik als „Bonner Quartiermacher für Not und Tod“. Sie dürften sich nicht wundern, wenn ihnen ungeachtet aller Terrormaßnahmen des Ausnahmezustandes auch in Berlin jener Ruf entgegenschalle, den Theodor Heuss schon in Bochum gehört habe: „Wir wollen nicht Soldaten sein, ihr Bonner Herren geht allein — nicht Bonn am Rhein, Berlin soll unsere Hauptstadt sein.“

Frieden in Sicht?

*** Die Ereignisse in Korea überstürzen sich weiter. Am Donnerstag hatte Präsident Truman angekündigt, Mac Arthur werde voraussichtlich am Freitag Nord-Korea zur Kapitulation auffordern. Diese Aufforderung ist nicht durch den Oberbefehlshaber der Vereinten Nationen erfolgt, sondern merkwürdigerweise durch den südkoreanischen Staatschef Syngman Rhee, als ihm von den siegreichen Truppen in Söul wieder die zivilen Regierungsvollmachten für Süd-Korea übertragen worden waren. Wie man sich erinnert, hatte Mac Arthur kurz nach der Landungsoperation bei Inchon die in Süd-Korea stehenden nordkoreanischen Truppen durch Flugblätter zur Kapitulation au ff ordern lassen. Nicht allzu viele kamen dieser Aufforderung nach, es bedurfte noch erbitterter Kämpfe, um die abgeschnittenen Divisionen der Nordkoreaner aufzureiben.

Werden die Nordkoreaner auf die Aufforderung Syngman Rhecs hin die Waffen strecken? Sie wissen, daß sie den Kampf verloren haben und daß weder Stalin, noch Mao Tse-tung geneigt sind, um Nord-Koreas willen einen Weltkrieg zu entfesseln. Noch sitzen aber die Nord-Koreaner auf einem hohen Roß, denn sie haben zwar die Vereinten Nationen ersucht, einen Waffenstillstand zu vermitteln, machen jedoch zur Bedingung, daß die Expeditions-Streitkräfte der Vereinten Nationen Südkorea verlassen. Auf diese Bedingungen eingehen, hieße, die eben befreiten Gebiete erneut dem Bolschewismus ausliefern. Damit es wirklich zum Frieden kommt, wird es unvermeidlich sein, den 38. Breitengrad zu überschreiten und zumindest die nordkoreanische Hauptstadt Pjoengjang zu besetzen. Garantien sind unerläßlich. Es darf nicht wieder dahin kommen, daß zwar ein Krieg gewonnen, aber ein Frieden verloren wird.

Das Spieglein an der Wand

Von Erich Dombrowski

Man muß nicht immer bloß mit bitter ernster Miene durch die Geschichte schreiten, jederzeit seine Weltanschauung schußbereit an den Gürtel geschnallt. Wie der Engländer nicht ohne seinen Regenschirm, so geht der Deutsche nicht ohne seine Weltanschauung aus. Aber die Geschichte hat auch ihre Geschichten. Es wimmelt geradezu davon in all den vielen Jahrhunderten, auf die wir zurückblicken können. Diese Geschichten, meist raschelte ein Frauenrock dazu, sind oft viel entscheidender gewesen, als die lange Reihe der Königs- oder Krieger-Daten. So verlohnt es sich, heute einmal durch die Politik zu schlendern, diesen dämmrigen Vorraum der Geschichte. Wir sind zwar in den letzten Jahren daran gewöhnt worden, in den Kategorien det Weltpolitik zu denken. Unsere Gedanken kreisten wieder und wieder um das zähe und unerbittliche Ringen zwischen Ost und West. Aber schließlich: daheim ist daheim. Hier ist der Boden, auf dem wir mit beiden Füßen stehen. Hier ist es gemütlich. Was darüber hinausgeht, ist in dieser aufgeregten Zeit ungemütlich. Aber ist es denn auch wirklich bei uns so gemütlich, daß man sich in der Bauernstube, die Pfeife anzündend, auf die Bank am Kachelofen setzen und Gott und die Welt einmal sich selbst überlassen kann? Ach nein, so ist es nicht. Wir haben neben unseren ganz großen Sorgen mittlere und kleinere. Von diesen kleineren, also von den Geschichten, soll heute die Rede sein. Nicht nur im glatten Meer, sondern auch im vergessenen Tümpel an der Landstraße spiegelt sich der Himmel mit all seinem Glanz, mit all seinem Unwetter. Diese Landstraße führt uns nach Bonn. Da geht’s gerade hoch her. Kabinettskrise? Außenpolitischer Donner? Tobender Kampf der Parteien? Keine Spur. In dieser Hinsicht steht das Thermometer im Augenblick auf Zimmertemperatur. Was aber denn?

Der innere Feind stand vor der Tür. Der Kommunismus natürlich? In diesem Zusammenhänge ist diesmal keine Rede davon. Der innere Feind, das heißt der innere Feind des Bundestages, war die Presse. Die alten Germanen saßen bekanntlich an beiden Ufern des Rheins und tranken ihren Met. Vorwiegend in der Gegend zwischen Neuwied und Bonn, wo Julius Cäsar, laut dem Unterricht in der Tertia, jene Brücke mit den schrecklich vielen Vokabeln über den Rhein geschlagen hat, um die Deutschen ein wenig näher kennenzulernen. Gleich diesen alten Germanen sprangen die Bundestags-Abgeordneten, auf das Stichwort Presse, auf, schwangen in trauter Harmonie von links nach rechts die Keulen, um mit ihnen auf die Presse loszuschlagen. Sie ist unfähig. Sie lebt von der Sensation. Sie setzt die unglaublichsten Geschichten (da haben wir’s wieder) in die Welt. Die Staatsanwälte wurden wie in einer spiritistischen Sitzung als drohende Geister wider die Journalisten heraufbeschworen. Die Demokratie ist in Gefahr. „Wenn es schon solche Leute gibt“, rief der Abgeordnete Bausch von der Christlich-Demokratischen Union, in Bausch und Bogen, aus, „die genau nach den Methoden der Nationalsozialisten mit diesem Staat verfahren, dann müssen sie, das ist meine feste Ueberzeugung, unverzüglich hinter Schloß und Riegel gebracht werden, damit sie dort Zeit haben, über ihre Schlechtigkeit nachzudenken“. Brausender Beifall in der Mitte, auf der Rechten und bei der Sozialdemokratie, verzeichnet das Sitzungsprotokoll. Als ein anderer Abgeordneter der Christlich-Demokratischen Union in der erregten Debatte einzuwenden versudhtevdaß der größte Teil der Presseleute seine Sache doch wirklich ernst nehme, wird er durch den wilden Widerspruch auf den Bänken der Regierungs-

Parteien und der Sozialdemokratie zugedeckt. Als der Redner fortfahren will, steigert sich die Unruhe so sehr, daß die Glocke des Präsidenten dazwischenbellen muß. Der sozialdemokratische Abgeordnete Klabunde, der Präsident des Deutschen Presseverbandes, schweigt in sieben Sprachen, zieht sich, als er nachher von seinen Kollegen gestellt wird, hinter sein Abgeordneten-Mandat zurück und spielt die eine Seele gegen die andere in seiner Brust aus. Ludwig Uhland hat in seinem Gedicht über den Kampf der Kreuzritter mit den Seldschuken, auf der Höhe des Schlachtgetümmels, diesen Moment festgehalten: Zur Rechten, sah man, wie zur Linken, einen halben Türken vom Sattel heruntersinken. (Frei aus dem Gedächtnis zitiert.) So auch Klabunde. Er machte nur eine halbe Runde. Schweigen rechts und Schweigen links, durch das er hindurchzuschlüpfen trachtete. Ja — und warum all dieser Klamauk? Wegen der Diäten der Herren Bundestagsabgeordneten. Die Amfortas-Wunde des Parlamentes, die sich nicht schließen will.

Natürlich müssen die Abgeordneten ihre Diäten haben. Anständige sogar. Niemand wird sie ihnen bestreiten wollen. Auch wenn sie völlig steuerfrei sind. In Wirklichkeit sind es Gehälter plus Diäten. Auch dagegen wird man nichts einzuwenden haben. Die Abgeordneten haben ihre Pflicht, wie jeder Berufsstand, zu erfüllen. Die meisten Abgeordneten müssen, weil oft bis zum Letzten beansprucht, ihren bürgerlichen Beruf sozusagen abschreiben, sich daheim vertreten lassen, was nicht geringe Kosten verursacht, und haben einen Teil ihrer parlamentarischen Einkünfte auch noch an ihre Fraktion abzuführen, um den Büro-Apparat in Gang zu halten. Ihre Arbeit besteht ja nicht bloß in gelegentlichen Reden vor der Vollversammlung, die in den Zeitungen registriert werden, sondern auch in den mühsamen und aufreibenden Beratungen der verschiedensten Ausschüsse, in der Vorbereitung und Bearbeitung des sinnverwirrenden gesetzgeberischen Materials, nicht zuletzt in dem ständigen Verkehr mit den Wählern, vor denen sie Rede und Antwort zu stehen haben und die sie täglich mit Anregungen, Beschwerden, Bitten und Wünschen aller Art bestürmen. Darüber sollte kein Wort verloren werden. Aber es geht nun einmal in der Welt recht menschlich zu. Besonders menschlich, nach der unangenehmen Seite hin, wenn wir in einer Zeit leben, wo jeder in dem zertrümmerten Deutschland seine Bedrängnisse hat und diese Bedrängnisse anfangen und aufhören mit den Pfennigen im Portemonnaie, die niemals recht zureichen wollen. Auf die Redaktionen der Zeitungen ergießen sich denn auch in ununterbrochener Folge aufgeregte Fluten über diese vielumstrittenen Diäten, und keine Bemerkung in der parlamentarischen Presse-Auseinandersetzung hat so viel böses Blut in der breiten Masse der Bevölkerung gemacht als die, daß die Zeitungen vor allem mit den Leser-Zuschriften, die Böswillige Tummelplatz für Grautierchen nennen, endlich aufhören sollen. Das Merkwürdige aber an allem ist die Tatsache, daß der Streit sich an einer Berichterstattung der Zeitungen über die Diäten für die Wahrnehmung des Straßburger Europa-Rates entzündet hat, über Feststellungen, die von amtlicher Seite ausgegeben und nicht etwa der Phantasie oder der Sensationslust der Presse entsprungen waren. Daß die veranschlagten hohen Diäten später nur in wesentlich niedrigeren Sätzen in Anspruch genommen wurden, rechtfertigt nicht diesen Sturm im Wasserglase über die Mitteilungen der Zeitungen. Sie waren nur ihrer Informationspflicht nachgekommen. Die Adresse der Angriffe war falsch. Man

hatte Ursache und Wirkung verwechselt. Die Ursache war von den amtlichen Stellen ausgegangen, die der Presse den Voranschlag über die Diäten gegeben hatten. *

Es wird allemal gesündigt. Im Parlament. In der Presse. Kaum jemals war der Kampf mit dem Unzulänglichen, wo es auch sei, heißer denn je. Der Nachwuchs, nach dem Ausfall einer ganzen Generation, trägt alle Mängel der hinter uns liegenden politischen und kriegerischen Wirren an sich. Die Kritik daran darf nicht überraschen. Peinlich aber, wenn Kritik aus unzulänglichem oder persönlich verärgertem Munde geäußert wird. Das sollten Parlament und Presse Verstehen, und die eine Lehre, die man aus diesem Zusammenstoß zwischen Bundestag und Presse ziehen soll, ist die Wahrung der Selbstdisziplin und, darüber hinaus, die Disziplinierung der Unerfahrenen und Unüberlegten durch die Erfahrenen und Überlegenen. Wenn der Schuß des Parlaments, der sich nach den Mitteilungen der Presse über die Diäten für Straßburg entladen hat, diesmal auch fehlgegangen ist, so hat er doch mit erschreckender Deutlichkeit die tiefe Kluft gezeigt, welche die beiden Organe der Öffentlichkeit,' Parlament und Presse, voneinander trennt. Das ist im Interesse der Demokratie, zu deren Aufbau diese beiden Faktoren vornehmlich berufen sind, außerordentlich bedauerlich. Es muß also wieder ein Brückenschlag, auf beiden Seiten, gefunden werden. Regierung und Parlament werden fortan bemüht sein müssen, die Journalisten nicht als einen unbequemen Mückenschwarm von sich abzuwehren, sondern sie, dürch eine laufende einwandfreie Unterrichtung, zu gemeinsamer Arbeit heranzuziehen. Daran hat es bisher gefehlt. Und die Presse ist zur Zeit in der gewiß nicht angenehmen Lage, sich wieder mit dem Parlament kritisch auseinanderzusetzen und auf eine restlose Aufklärung jener Behauptungen des „Spiegels“ zu dringen, wonach Abgeordnete im Zusammenhang mit der Wahl der Bundeshauptstadt Bonn Zuwendungen erhalten haben. Mit Genugtuung verzeichnen wir, daß der Ältestenrat sofort einen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses eingebracht und die verdächtigten Abgeordneten aufgefordert hat, Strafanzeige gegen die Zeitschrift zu stellen. Die detaillierten Mitteilungen jener Wochenschrift sind so ungeheuerlich, daß sie das Ansehen des Parlaments und seine Vertrauenswürdigkeit aufs äußerste schädigen müssen, wenn nicht sofort für Klarheit und Sauberkeit gesorgt wird. Die Presse, die vom Parlament viel befehdete und viel geschmähte, hat hier, als das andere Organ der Öffentlichkeit, die Aufgabe, nach dem Rechten zu sehen. Nicht zuletzt aber auch die Parteien selbst. Denn schon künden sich Neuwahlen in verschiedenen Ländern an. Und der Wähler wird sich fragen, ehe er seinen Stimmzettel abgibt: Spieglein, Spieglein, an der Wand, 'wer ist die Sauberste im ganzen Land? i

Pressekonflikt beigelegt

R. Bonn, 29. September. (Eigener Drahtbericht.) Vizepräsident Dr. Carlo Schmid hat den Bonner Journalisten schriftlich mitgeteilt, daß Vertreter aller Fraktionen des Bundestages erklärt hätten, daß die im Bundestag geübte Kritik sich nur auf Einzelfälle bezogen habe und daß Uebereinstimmung bestehe, daß das Gros der beim Bundestag beglaubigten Journalisten seine Aufgaben gewissenhaft erfülle. a i j. _iT\/Tzin

Der Aeltestenrat sei einmütig der Meinung, daß die Bande zwischen Presse und Bundestag so eng wie irgend möglich geknüpft werden sollen. Der Vizepräsident schlägt vor, daß jeweils ein Journalist bei jedem Bundestagsausschuß akkreditiert werden solle, um über die Arbeiten des Ausschusses informiert zu werden. Die beim Bundestag beglaubigten Journalisten nehmen diese Stellungnahme des Bundes-

Walker: „Der Krieg ist praktisch vorbei“

Umgruppierungen am 38. Breitengrad

Tokio, 29. September, (dpa) Die südkoreanischen Truppen haben am Freitag an der Ostküste in schnellem Vorrücken den 38. Breitengrad erreicht. Die kommunistischen Truppen sind auf einer Hügelkette an der Grenze in Stellung gegangen.

Im Raum von Söul verfolgen amerikanische Truppen die völlig aufgelösten nordkoreanisdien Einheiten auf ihrer Flucht nach Norden und haben sich dem 38. Breitengrad bis auf 30 Kilometer genähert.

Die südkoreanischen Einheiten, die am Freitag den 38. Breitengrad erreicht haben, sind angewiesen worden, ihren Vormarsch einzustellen und sich „umzugruppieren“. Ein Sprecher im Hauptquartier der achten Armee erklärte hierzu, er könne nicht sagen, welche Befehle die südkoreanischen Einheiten nach der Umgruppierung erhalten würden.

Der Oberkommandierende der 8. Armee in Korea, General Walker, hat am Freitag bekanntgegeben, daß die Kommunisten seit ihrem Ueberfall auf Südkorea vor drei Monaten 75 000 Mann an Toten verloren haben. „Der Krieg ist praktisch vorbei“, erklärte der General, „Die feindliche Armee ist vollkommen aufgelöst. Es bestehen nur noch kleinere Kessel, die keine Offensivkraft mehr haben.“ Die feindlichen Verluste würden sich noch erhöhen, bevor die Säuberung beendet sei. Walker gab zu, es habe Augenblicke gegeben, da er selbst nicht gewußt habe, ob die amerikanische Front zu halten sei. Manchmal habe er nur eine einzige Kompanie in Reserve gehabt. In der ganzen amerikanischen Geschichte gebe es wohl kaum ein Beispiel hierfür.

Am 6. September sei es offensichtlich geworden, daß der Feind seine Schlagkraft erschöpft hatte. Der entscheidende Durchbruch, den er seit dem 1. September gesucht habe, sei ihm nicht gelungen.

Die amerikanischen Truppen haben in der Nacht zum Freitag in Taidschon die Leichen von fast vierhundert südkoreanischen Zivilisten und Polizeibeamten gefunden, die offensichtlich von den Kommunisten ermordet worden sind; bereits am Donnerstag waren die Leichen von vierzig amerikanischen Kriegsgefangenen gefunden worden, die von den Kommunisten vor der Aufgabe der Stadt erschossen worden waren.

Die Kommission der Vereinten Nationen hat eine Untersuchung aller Berichte über angebliche nordkoreanische Kriegsverbrechen eingeleitet. Amerikanische Abwehroffiziere erklärten, sie hätten bereits Listen mit den Namen von Nordkoreanern aufgestellt, denen Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden.

Nacti Schätzungen dieser Abwehroffiziere sind bei den Kämpfen um Söul dreißigtausend koreanische Zivilisten ums Leben gekommen, deren Leichen zum größten Teil noch unter den Trümmern liegen. Die Nordkoreaner hätten während ihrer Herrschaft in Söul zwanzigtausend Zivilisten — zumeist aus politischen Gründen — getötet und vor ihrem Rückzug weitere zwanzigtausend mit auf dem Rücken gebundenen Händen auf Lastwagen über den 38. Breitengrad verschleppt. /' {

Eine Preisfrage

Fi. Es gibt eine gewisse Art der Fragestellung, die deshalb eigentlich keine ist, weil mit der Frage selbst die Antwort schon vorweggenommen wird. Im politischen Kampf spiel geübter Dialektiker sind solche Scheinfragen eine beliebte Methode, um den Gegner von hinten aus dem Sattel zu stoßen. Das heißt, um ihn suggestiv zu einer Stellungnahme zu zwingen, die vielleicht nicht seiner wirklichen Ansicht entspricht.

Auf der gefährlichen Plattform solcher Meinungs-Beeinflussung bewegt sich eine Leserumfrage der in Bad Nauheim erscheinenden Zeitschrift „Zusammenarbeit“. Darin heißt es in Heft 2, „Preis-Quiz“, Frage 7: Die in der Bundesrepublik lebenden deutschen Flüchtlinge aus dem Osten waren vor dem Krieg . . . a) genau so mittellos und arm wie heute? b) größtenteils Parteigenossen? c) den Westdeutschen ähnlich? Um dem Leser die Beantwortung dieser Frage etwas schmackhafter zu machen, sind Buchpreise für die „richtige“ Lösung ausgesetzt. Das ist gewiß ein wertvoller Anreiz. Nur haben wir den Eindruck, als wären die vom Fragesteller unter a) bis c) vorgesehenen Antworten wenig geeignet, mit ihnen eine ehrliche Stellungnahme zum Vertriebenenproblem zu beziehen. Um es gerade herauszusagen: Wir halten sie sogar, den Heimatlosen gegenüber, samt und sonders für tendenziös und niederziehend. Eine Lösung bieten sie nicht. Sofern derartig schwerwiegende Probleme von einer Zeitschrift überhaupt diskutiert werden sollen, wäre dafür die mindeste Voraussetzung Sachkenntnis und Takt. Beides müssen wir hier leider vermissen.

Es scheint uns daher müßig, die von der Zeitschrift mit soviel gewollter Harmlosigkeit ausgelegten Antworten der Wahrheit nach zu korrigieren. Wer ein wenig in seinem Vaterland bewandert ist, wird sich selbst ein Urteil über den deutschen Osten bilden können. Allerdings mag es sein, daß es auch heute noch Leute gibt,die — wie unter Antwort b) — Wert darauf legen, ihren Nächsten nach seiner Zugehörigkeit zu einer nationalsozialistischen Organisation zu beurteilen. Das soll jedem Unverbesserlichen ganz belassen bleiben. Die Statistiken der einzelnen Landesteile über die Wahlen im Januar 1933 sind noch vorhanden. Aus ihnen mögen sie herauslesen, wie seinerzeit der Osten und wie der Westen gestimmt haben. Ob sie danach noch Lust verspüren weiterzbforschen, ist zweifelhaft.

Für uns jedenfalls bleibt von den ganzen Fragen nur noch eine, die uns wichtig scheint: Die erwähnte Zeitschrift nennt sich „Zusammenarbeit“. Ihr Untertitel lautet: „Interkonfessionelles Organ zur Besserung menschlicher Beziehungen“. Was denn, so möchten wir wissen, versteht diese Zeitschrift unter ihrer Aufgabe „Besserung menschlicher Beziehungen?“ Darauf eine Antwort zu geben, wäre einen Buchpreis wert.

Differenzen wegen der neuen Polizei

Der Gegensatz zwischen Regierung und Opposition wirkt sich aus

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 29. September. Die Konferenz des Bundeskanzlers mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer am Samstag bedeutet den Auftakt zur Verwirklichung der von den Alliierten vorgeschlagenen Bereitschaftspolizei auf „Länderbasis mit Bundesbefugnissen“, Solche Doppelzuständigkeiten sind immer schwierig abzugrenzen, und die Besprechungen zwischen der Bundesregierung und den Ländern über das Polizeiabkommen in Form von Staatsverträgen werden für nicht leicht gehalten.

Schon die Stationierung eines Viertels der neuen Bereitschaftspolizei an besonderen Schwerpunkten außerhalb einer Aufteilung auf die Länder in einer Relation zu deren Größe hat lebhafte Debatten ausgelöst. Die Aufbringung der Kosten muß geregelt werden. Die klare Formulierung der Kommandogewalt der Bundesregierung über diese „halbe Bundespolizei“ wird ein schwieriges Problem werden und über die Auswahl des Offizierkorps hat sich bereits ein sehr lebhafter Streit erhoben.

Schon bei der ersten Begegnung zwischen den Sachverständigen der Bundesregierung und den Vertretern der Länder in der Traunsteiner Konferenz ist die grundsätzliche Verschiedenheit zutage getreten, daß die Länder die höheren Dienstgrade der Bereitschaftspolizei den Reihen der Polizei der Länder entnommen wissen wollen, während die Bundesregierung auch ehemalige Wehrmachtsoffiziere heranziehen will, die der Weimarer Polizei angehört haben, aber zu der heutigen Polizei in keiner Beziehung stehen. Die Behauptung der Länder, daß die Bundesstellen Wehrmachtsoffiziere vorgeschlagen hätten, die nie etwas mit Polizei zu tun gehabt hätten, ist vom Bund zurückgewiesen worden. So ist auch der Sachverständige der Bundesregierung für Polizeifragen, Generaloberst von Zangen, ein Angehöriger der alten deutschen Armee, der dann Polizeioffizier wurde, um später wieder in die neue Wehrmacht einzutreten.

Wenn auch persönliche Fragen bei dieser Differenz eine Rolle spielen mögen, bleibt doch der grundsätzliche Gegensatz, daß die Sozialdemokratie in der Berufung ehemaliger Wehrmachtsoffiziere den Versuch sieht, über die Bereitschaftspolizei die Remilitarisierung auf kaltem Weg vorzubereiten. So wurde auch der Gedanke einer fünfhundert Mann starken Bereitschaft für Bonn nicht nur als Vorschlag einer Bonner Hausmacht bezeichnet, sondern vor allem als der Plan abgelehnt, der Bundesregierung ein Kaderkorps für den Fall der Uebernahme der Befehlsgewalt über die ganze Polizei zu geben. Einige Dissonanzen von Traunstein sind anscheinend ausgeräumt, und auch die von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz ausgesprochene Zurücknahme der Bereitstellung ihrer Polizeischulen für die Ausbildung der neuen Einheiten soll wieder aufgehoben worden sein.

Dividendenstopp aufgehoben

R. Bonn, 29. September. (Eigener Drahtbericht.) Das Bundeskabinett hat in seiner hundertsten Sitzung am Freitag die Aufhebung der Dividendenstoppverordnung von 1941, welche eine Ausschüttung von mehr als sechs Prozent untersagt, beschlossen. Die Aufhebung wurde nach Mitteilung eines Sprechers der Regierung vor allem beschlossen, um dem ausländischen Kapital einen Anreiz zur Anlegung in Deutschland zu geben.

Nach einer vom Kabinett gebilligten Rechtsverordnung werden im Zuge der Unterbindung des illegalen Interzonenverkehrs die Postsendungen aus der Ostzone, in denen sie Waren vermuten, den Zollstellen zur Prüfung zugeleitet. tages mit Befriedigung zur Kenntnis.

Die Liberale Partei Großbritanniens ist ist nach wie vor gegen jeden Zusammenschluß mit den Konservativen.

Stimmen der Anderen

Auf halbem Wege

„Christ und Welt" schreibt zu den Neuyorker Beschlüssen:

„Westdeutschland bleibt ein Staat minderen Rechts. Von den materiellen Nachteilen, die sich hieraus ergeben, soll hier nicht die Rede sein. .Christ und Welt' wird demnächst eine umfassende Darstellung des Besatzungsstatuts und der Besatzungskosten veröffentlichen, in der man die Einzelheiten finden’ wird. Wichtiger sind die psychologischen Nachteile. Niemand in der Welt ist unbeliebter als der Querulant. Er hat immer etwas auszusetzen und wird sich selbst zum Feind. In genau diese Rolle bringt man das deutsche Volk. Um jeden einzelnen Posten muß weiterhin gerungen werden: um das Ende der Demontagen und Industriebeschränkungen, um die wirkliche Freigabe der Schiffahrt, um die Besatzungskosten, um die Einbeziehung der Kosten für die Polizei, um die Botschafter in den drei westlichen Metropolen, um die Beseitigung des Begriffes ,Besatzung' überhaupt — kurz, üm einige Dutzend Hauptfragen und mehrere hundert Nebenpunkte (wie Dekartellisierung, IG-Farben usw.). Damit schafft man eine Verdrossenheit, die wiederum ungünstig für die Entstehung der europäischen Einheit ist. Man holt die deutschen Vertreter nicht an den runden Tisch. Man spricht sich nicht mit ihnen aus. Sie stehen noch immer vor der Tür. Man schafft eine Atmosphäre, bei der die Deutschen als ewige Bittsteller alle jene Komplexe wieder in sich aufsaugen, die zwischen 1920 und 1933 sich so unheilvoll ansammelten. Straßburg, der Schuman-Plan und vieles andere hat bewiesen, daß die Wirklichkeit viel weiter ist als der Buchstabe in Neuyork es ausdrückt. Im Grunde genommen wissen die Beisatzungsmächte selbst, daß die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung früher oder später unvermeidlich ist. Aber noch wollen sie sich nicht dazu entschließen.

Freilich dürfen wir als Deutsche bei all dem eines nicht vergessen: Bis vor fünf Jahren standen uns die Westmächte in einem Kampf auf Leben und Tod gegenüber. Um die Vorstellungen grundsätzlich abzuändern, die damals in der Welt über uns bestanden, und die zum Teil durch entsetzliche Bluttaten Deutscher hervorgerufen wurden, bedarf es einer gewissen Zeit. Wir mögen die damals bestehende Feindseligkeit als übertrieben empfinden — wir müssen mit ihr als einer Tatsache rechnen. Es könnte sein, daß die alliierten Staatsmänner etwa ebenso rasch ihre Politik gegenüber Deutschland ändern, als ihnen dies die sich wandelnde Stimmung ihrer Völker erlaubt.

Während der Neuyorker Verhandlungen hat sich herausgestellt, daß .ohne deutsche Beteiligung stets Kompromisse erzielt werden, bei denen das jeweilige opponierende Land sich durchsetzt. In der Frage des deutschen Beitrags zur europäischen Armee stand Schuman gegen Acheson. In der Frage der Umwandlung der Oberkommissare in Botschafter war Bevin durchaus zu einer solchen Regelung bereit. Acheson aber widersprach. In diesem Zusammenhang erwähnt die Zürcher Zeitung in einem Bericht aus London .eine gewisse Hausmachtpolitik der Gewaltigen auf dem Petersberg'. Wie immer dem sei — mit der bisherigen Methode werden immer nur Teilerfolge zu erreichen sein, die an die Echternacher Prozession erinnern.

Wer hat das bestellt?

R. Bonn, 29. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundespressechef hat am Freitag vor der Presse erklärt, daß die vom Bonner Untersuchungsausschuß lebhaft kritisierten teuren Anschaffungen für das Bundespresseamt zum größten Teil ohne das Dazutun und sogar gegen den Willen des ehemaligen Leiters des Amtes, des heutigen stellvertretenden Bundespressechefs Dr. Böx, vorgenommen worden seien.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Etstabdrudc Alle Rechte beim Wolfgang-Ktüger-Verlag, Hamburg

25) „Mademoiselle!“ riefen sie, „wo bleiben Sie denn?“ Sie erhob sich, um zu ihnen hinauszugehen, aber als sie durch die hohe Glastür trat, hatte sie nicht die Pracht der Sonne und der See und nicht das warme Gold der reifenden Früchte am Spalier vor den kalkweißen Mauern im Sinn. Sie sah die gequälten, unvergeßlichen Schriftzüge auf einem blauen Papierfetzen vor sich und jene nebeneinanderliegenden Räume in dem Haus der Rue du Faubourg Saint Honore, die nur ein paar Schritte, aber auch ein sich ständig vertiefender Abgrund von Bitterkeit und Haß trennten.

„Wenn es nach unserer Rückkehr nicht besser wird,“ beschloß sie, „muß ich gehen; dann muß ich mir eine andere Stellung suchen.“ Aber sie sagte sich das ohne Ueberzeugung, als. wüßte sie jetzt schon, daß ihr die Trennung nicht so leicht gemacht werden würde. Der September hüllte die Insel in flimmernden, köstlichen Dunst.

Auf dem einsamen Strand, auf dem die Kinder mit ihren halbnackten Ferienfreunden aus den benachbarten Fischerdörfern spielten, glänzte jede von der Flut zurückgelassene Pfütze wie ein unförmiger Spiegel, und jede Muschel, jeder Seestern und jeder glatte Kiesel wurde zu einem neuen Wunder des Staunens und Entzückens.

Henriette fühlte sich in diese Veränderung mit einbezogen. In der üppigen Fruchtbarkeit rings um sie her löste sich auch ihre innere Spannung. Sie gab sich ganz der Sonne und der salzigen Luft hin und dem Duft der süßen Trauben an den Stöcken, die, zäh sich anklammernd, die steilen Hügel hinaufwuchsen. Sie schlief ruhig ein, den Klang der fernen Brandung im Ohr; und des Morgens wächte sie erfrischt auf mit einem hoffnungsfrohen Wohlgefühl.

Der Herzogin Schien es jetzt besser zu gehen als je, seit Henriette in ihr Haus gekommen war. Ein-, zweimal hatte sie sich sogar mit einer schüchternen Freundlichkeit der Erzieherin ihrer Kinder zu nähern gesucht, wenn auch ihre interesselose Apathie immer noch vorherrschte.

„Mittwoch ist Mamas Geburtstag,“ verkündete Isabella eines Morgens mit wichtiger Miene. „Deswegen haben wir unsere Abreise auch auf Freitag verschoben. Großvater gibt ihr zu Ehren ein Fest, und er hat gesagt, daß Louise und ich hinterher ‘runterkommen dürfen und der Musik zuhören.“

„Ja, aber was sollen wir ihr bloß für ein Geschenk machen?“ fragte Louise.

„Du mußt eben bis dahin deine Handarbeit fertig haben,“ entschied Henriette. „Hol mal gleich deinen Nähkorb, und dann zeig mal, wieviel du in vier Tagen schaffen kannst. Isabella, du hättest mir das eher sagen müssen. Es wird dir nun nichts anderes übrig bleiben, als ein Gedicht in deiner schönsten Handschrift zu schreiben und die Buchstaben mit Farbe auszumalen. Wenn du vorsichtig damit umgehst, kannst du meine Farben und meinen Zeichenblock benutzen.“

Mademoiselles Erfindungsgabe mußte auch für die Geschenke von Berthe und Raynald sorgen. Das war nicht so ganz einfach bei den beiden Klemen, deren Gedanken noch mutwilliger hierhin und dahin hüpften als die hiesigen Zicklein, und deren Finger noch ganz ungeschult waren. Aber auch diese Aufgabe wurde gelöst: Berthe verfertigte eine Rose mit Kohlblättern, in blutigstem Rot und giftigem Grün mit einem „Chere Maman-Souvenir de Berthe“ in krakeliger Schrift darunter, während Raynald winzige Muscheln sammelte, die Mademoiselle auf einen Rahmen klebte. Beide Kinder standen wie überwältigt von Ehrfurcht vor der gemeinsamen Schöpfung.

„Wann haben Sie denn Geburtstag, Mademoiselle?“ fragte Berthe, während die Geschenke eingepackt wurden. „Ich male Ihnen dann ein viel, viel, viei schöneres Bild!“

„Ja,“ fiel Raynalds helles Stimmchen ein, „und ich schenke Ihnen das Stück Koralle, das ich gefunden habe. Es ist mein größter Schatz.“

Henriette dankte Ihnen lächelnd, aber sie war doch froh, daß niemand dieses Gespräch mit angehört hatte.

Der alte Marschall übertraf sich selbst, um den Geburtstag würdig zu begehen. Schon lange vor Tagesanbruch prasselten die Herdfeuer unter den Töpfen und Pfannen für das Festmahl; der Garten gab seinen Ueberfluß an Blumen her, um die ganze Villa in ein Blütenmeer zu tauchen. Seltene Jahrgänge in verstaubten Flaschen wurden aus dem Weinkeller geholt, und den ganzen Tag lang brach der Strom der Pächter und Bauern nicht ab, die mit bunten Sträußen der Tochter ihres Gutsherrn ihre Aufwartung machen wollten. Henriette merkte es der Herzogin an, daß diese bescheidenen Beweise freundlicherer Gesinnung sie rührten; sie war gegen alle liebenswürdig, und doch zeigte sie sich niemals richtig herzlich, als schwebe sie in einer Wolke unpersönlicher Leutseligkeit. Es war offenbar, daß ihre Gedanken gar nicht bei diesem Fest, dessen Mittelpunkt sie war, weilten. Selbst die Geschenke, die ihre Kinder ihr brachten, vermochten ihr Interesse nur vorübergehend zu wecken.

„Madame,“ redete Henriette sie an, als sie ihr ihre Gabe überreichte, „ich kann Ihnen nur ein Werk von meiner Hand darbieten. Mit meiner Kunst ist es ja nicht weit her, aber da das Bild Ihrer reizenden Tochter immerhin ähnlich geworden ist, hoffe ich, daß Sie es mit meinen allerbesten Wünschen entgegennehmen.“

„Ihre guten Wünsche sind mehr als genug.“ Die Herzogin hob ihre müden Lider und blickte Henriette vorwurfsvoll an.

„Madame.“ fuhr Henriette fort, ohne sich von dem tiefen Seufzer und der Gleichgültigkeit ihrem Geschenk gegenüber, das noch unbeachtet auf dem Tisch lag, beirren zu lassen, „die frommen Klosterschwestem lehrten mich als Kind, jeden Geburtstag als den Beginn eines neuen Jahres zu feiern. Mein Herz sagt mir, daß ich hoffen darf, den heutigen Tag als einen solchen neuen Anfang zu betrachten. Wenn mir Fehler unterlaufen sein sollten oder ich meine Pflichten vernachlässigte, sagen Sie es mir bitte offen und lassen Sie mich Ihre Wünsche wissen!"

„Meine Wünsche,“ wiederholte die Herzogin in einem Ton verwunderter Ironie, „meine Wünsche haben aufgehört, eine Rolle zu spielen. Sie müßten noch dümmer sein, als ich annahm, Mademoiselle, wenn Sie das noch nicht begriffen haben.“

„Aber, Madame, ich bitte Sie .“ Ehe Henriette noch diesem unerwarteten Ausfall begegnen konnte, kam Berthe aus dem Garten hereingelaufen. „Mama!“ Das Kind zeigte ungeduldig auf das noch eingepackt daliegende Geschenk, „Du hast dir ja noch gar nicht angesehen, was du von Mademoiselle bekommen hast. Da —“ Berthe zwängte ihrer Mutter das Paket in die Hände — „ich habe viele Stunden lang mäuschenstill gesessen, nicht wahr, Mademoiselle?“ „Ja, Liebchen, du warst ein sehr artiges Modell!“

Die Unterbrechung war sehr gelegen gekommen, und als das bezaubernde Pastellporträt ausgewickelt war, zeigte die Herzogin sich aufrichtig erfreut darüber. Henriette hatte die Aehnlichkeit ungewöhnlich gut getroffen, und Berthes rundes Blondköpfchen sah mit großen unschuldsvollen Augen aus dem Passepartout. Doch hinter den kindlich weichen Lippen wurde die überraschende Aehnlichkeit mit dem Vater sichtbar. Zu spät machte Henriette sich klar, daß es wohl taktvoller gewesen wäre, die brünette Louise oder Raynald als Modell zu wählen, in deren schwarzen Augen und Brauen das korsische Erbe stärker hervortrat.

Aber die Herzogin ließ sich jedenfalls nichts anmerken, falls ihr die Pras .linschen Züge in dem Porträt überhaupt aufgefallen waren. Ihre Lobes- und Dankesworte klangen echt, und die Spannung, die wenige Minuten vorher noch das Zimmer erfüllt hatte, verflog. (Fortsetzung folgt.)

Klärung tut not

J. Sch. Jedes Regierungssystem muß vor dem sachlichen und vernünftigen Urteil des Volkes bestehen können. Wenn es an Vertrauen fehlt und die Gründe dafür nicht abgestellt werden, drohen gefährliche Entwicklungen, die man nicht unterschätzen soll. Wir haben in diesem Punkt eine bittere Erfahrung gemacht, die uns veranlassen müßte, die lebendige Demokratie höher einzuschätzen als die rein' formale. Wenn die offene Kritik freier und unabhängiger Persönlichkeiten ausbleibt — der Kreis dieser Männer und Frauen ist leider sehr gering —, dann schleicht sich das Mißtrauen um so schneller ein, je weniger das Parlament und die Parteien in der Lage sind, die Kontrolle durchzuführen, die im öffentlichen Leben unbedingt notwendig ist.

Nicht nur in Bonn ist gesündigt worden. Auch sonst beobachtet man manche Erscheinungen, die die. Freunde einer wahren Demokratie mit Sorge erfüllen. In Hessen beschäftigt sich das Volk zur Zeit sehr viel mit dem Fall des Wirtschaftsministers Wagner. Den Anstoß dazu bot der Ausgang eines von dem Minister angestrengten Beleidigungsprozesses gegen einen Namensvetter. Dieser hatte in einem Brief an den Ministerpräsidenten unter anderem darauf hingewiesen, daß der jetzige Wirtschaftsminister früher nationalsozialistische Literatur verkauft habe. Der Angeklagte wurde freigesprochen, da die Tatsache als erwiesen galt. Man wird diese Bücherverkäufe verschieden beurteilen, je nachdem wieweit man gewillt ist, sie aus der damaligen Zeit und unter Berücksichtigung des besonderen Falles zu würdigen.

Minister Wagner wurde während des Prozesses in mehreren Punkten als Zeuge vernommen. Die Verteidigerin des Angeklagten stellte dann gegen den Minister beim Oberstaatsanwalt in Limburg Strafanzeige wegen falscher, nicht unter Eid gemachter Aussagen vor Gericht und bat um Aufhebung seiner Immunität. Daraufhin befaßte sich die Sozialdemokratische Partei, deren Mitglied Minister Wagner ist, wiederholt mit dem Fall. Der Bezirksvorstand Hessen-Süd verlangte Mitte des Monats die Demission oder die Abberufung Wagners. Die Landtagsfraktion verschob ihre Entscheidung. Minister Wagner erklärte, er denke nicht daran, irgendwelche Folgerungen zu ziehen; über seine weitere Tätigkeit als Minister habe allein die Landtagsfraktion zu entscheiden. In der vergangenen Woche beschäftigte sich die sozialdemokratische Landtagsfraktion erneut mit dieser Angelegenheit, fällte aber keine Entscheidung, da sie die Begründung des Urteilsspruches abwarten wollte. Der Bezirksvorstand Hessen-Süd revidierte seine vorherige scharfe Haltung. Er beschloß, nach der Wiedergenesung des Ministerpräsidenten, die inzwischen gute Fortschritte gemacht hat, spätestens aber nach den Landtagswahlen, für die der Termin im November noch nicht genau feststeht, eine endgültige Entscheidung herbeizuführen.

Was sich in diesem zeitweise dramatischem Kampf im einzelnen hinter den Kulissen abgespielt hat und noch vor sich geht, ist nicht genau bekannt. Auch innerhalb seiner Partei hat Wagner schon lange eine starke Gegnerschaft. Es kann nicht geleugnet werden, daß seine Arbeitskraft trotz seiner eigenwilligen Natur geschätzt wird. Er hat es jedenfalls erreicht, daß die Ausgaben seines Ministeriums im abgelaufenen Jahr ganz erheblich gesunken sind, eine Leistung, die auch dann beachtlich bleibt, wenn man die hier vorliegenden besonderen Verhältnisse berücksichtigt.

Wenn der Ministerpräsident in Kürze seinen Dienst wieder aufnehmen wird, muß sich entscheiden, ob die Klärung des Falles Wagner noch vor den Wahlen erfolgt oder nicht. Denn im Wahlkampf wird ihm voraussichtlich eine große Bedeutung zukommen, zumal weitere unkontrollierbare Gerüchte im Umlauf sind. Klare Verhältnisse sind ganz besonders heute erforderlich. Es geht nicht zuletzt um das Ansehen der Demokratie und ihrer Methoden in dem Bewußtsein des Volkes.

Das Preisgesetz

im Ausschuß verabschiedet

R. Bonn, 29. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Bundestages hat nach monatelangen Beratungen den Entwurf eines Preisgesetzes in einer gegenüber der Regierungsvorlage sehr veränderten Form verabschiedet. Preisgebunden bleiben hauptsächlich Brotgetreide, Brot, Milch, Butter, Schmalz, Fette, Zucker, Kohle, Briketts, Koks, Roheisen und Walzwerkerzeugriisse, Gold, Platin, Elektrizität, Gas, Wasser, Treibstoffe und Düngemittel, Wohnungsmieten und Mieten für gewerbliche Räume, soweit diese bis zum 31. Dezember 1949 fertiggestellt worden waren.

Ebenso bleiben gebunden die Eintrittspreise für Filmtheater, wobei es sich um praktisch zu Festpreisen gewordene Höchstpreise handelt, die Filmverleihgebühren unter der Voraussetzung einer gründlichen Reform des Verleihsystems, Kraftfahrzeug-Versicherungsprämien, die Gebühren der Krankenanstalten und die Verkehrs- und Posttarife. Frei werden unter anderem die Beherbergungspreise, der Grundstücksverkehr mit hinreichend bebauten Grundstücken, Verkauf und Verpachtung landwirtschaftlicher Grundstücke und die Architektengebühren. Die Preisauszeichnungspflicht bleibt bestehen.

Erhard verhandelt mit Monnet

Paris, 29. September. (AP.) Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard, der gegenwärtig in der französischen Hauptstadt weilt, hat Besprechungen mit führenden Wirtschaftlern Frankreichs gehabt. Wie verlautet, wurden bei den Verhandlungen mit dem Staatssekretär im französischen Wirtschaftsministerium Buron Einzelheiten der deutsch-französischen Handelsbesprechungen erörtert. Dabei sollen die auch bei dem Schuman-Plan aufgetretenen Schwierigkeiten zur Sprache gekommen sein. Bei einer Unterredung mit dem Chef der französischen Delegation auf der Schuman-Plan-Konferenz, Monnet, hat Professor Erhard erneut zum Ausdruck gebracht, daß sich die Bundesregierung zu den Grundsätzen der geplanten Zusammenfassung der europäischen Montanunion bekennt.

Deutsche Kontingente

London, 29. September. (AP.) Die Konservative Partei Großbritanniens wird auf ihrer bevorstehenden Parteikonferenz die Einbeziehung deutscher Truppenkontingente in eine gemeinsame europäische Armee fordern. In einer Resolution wird die Ernennung eines Oberbefehlshabers für diese Armee vorgeschlagen werden, der dem Europarat gegenüber verantwortlich sein soll.

Stützpunkte in Spanien?

Washington, 29. September. (AP.) Korrespondentenmeldungen zufolge hat der Exekutivausschuß der Atlantikpaktsmächte die Errichtung militärischer Stützpunkte in Spanien befürwortet. Nach Mitteilung unterrichteter Kreise in Washington soll damit eine strategische Koordinierung ganz Westeuropas von der Deutschen Bundesrepublik bis zu den Pyrenäen ermöglicht werden. Ein entsprechender Antrag sei von der portugiesischen Delegation eingebracht worden.

Ein Friedensvertrag für Japan

London, 29. September. (AP.) Ein Vertreter des britischen Außenministeriums hat am Freitag bekanntgegeben, zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien würden seit acht Tagen inoffizielle Besprechungen über einen Friedensvertrag mit Japan abgehalten. Großbritannien begrüße die amerikanische Initiative und hoffe, daß die Gespräche zu einer weitgehenden Uebereinstimmung führten.

Man nimmt an, daß die Vereinigten Staaten auch mit den anderen Mitgliedern der Elf-Mächte-Kommission für den Fernen Osten Fühlung genommen haben. Die Sowjetunion gehört diesem Gremium gleichfalls an.

De Lattre: Mehr Divisionen

„Das Ganze halt“ an der Weser / Die britischen Manöver beendet

A.W. Hameln, 29. September. Zum Abschluß der britischen Herbstmanöver haben in der Abschlußbesprechung bei Hameln der Chef des britischen Empire-Generalstabes, Feldmarschall Sir Wuliam Slim, und der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Westunion, der französische General De Lattre de Bassigny, gesprochen. Anwesend waren der britische Kriegsminister Strachey, Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick, Mitglieder des Unterhauses und Offiziere von 27 verschiedenen Armeen sowie mehrere britische Luftmarschälle und zahlreiche Generale aus Europa.

Einheitlicher Geist

General De Lattre de Tassigny forderte nach einer Kritik des Manövergeschehens mehr Divisionen für Europa. Er betonte, daß nicht nur die jetzt vermehrte anlaufende Produktion von Ausrüstiftig und Material, nicht die Normung der Waffen das Entscheidende sei, sondern die gleiche Idee, derselbe Geist die interalliierte Armee zusammenhalten müsse. De Lattre de Tassigny schloß dabei auch die Amerikaner ein. Als Vertreter der Westunion regte er an, sofort Übungslager einzurichten, in die alle westlichen Armeen ihre Offiziere zur gemeinsamen Schulung auf taktischem und operativem Gebiet entsenden sollten. Der Austausch der Offiziere solle in viel größerem Maße betrieben werden als bisher. Er mache seine Vorschläge in voller Übereinstimmung mit Feldmarschall Montgomery.

Rhein und Elbe

Der Chef des britischen Empire-Generalstabes, Feldmarschall Sir William Slim, sagte, daß bei diesen britischen Manövern, an denen auch andere europäische Armeen teilgenommen hätten, vor allem die Verteidigung eines Flußüberganges geübt worden sei. Als er dabei erklärte, eine Truppe solle sich niemals krampfhaft an eine Flußlinie halten, denn niemals in der Kriegsgeschichte sei ein Fluß nicht überschritten worden, wußte jeder der Zuhörer, daß Slim dabei an die mehr politische als militärische Linie des Rheins und der Elbe dachte. Nicht einen Fluß gelte es im Kriege zu halten, sondern die feindlichen Armeen zu vernichten. Die britische Armee habe nur einen Auftrag, die Verteidigung der westlichen Kultur, und das könne man nur mit einer guten und starken Armee.

Inzwischen haben die britischen Manöver an der Weser ihren Abschluß gefunden. „Das Ganze halt“ ist im Raum zwischen Teutoburger Wald und dem Wesergebirge geblasen worden. Bei regenschwerem Wetter schlugen britische Pioniere in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag eine Fünfzigtonnen-Brücke über die Weser. Zum Abschluß der Übung wurde diese Brücke von der Brigade der schweren britischen Centurion-Panzer überschritten.

Deutsch-französische Agrar-Union?

Viele Punkte sind noch zu berücksichtigen

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Hi. Bonn, 29. September. (Eigener Drahtbericht) Die im Juli begonnenen Besprechungen zwischen französischen und deutschen Landwirtschaftsvertretern haben nun zu weiteren Abstimmungen über die Möglichkeiten einer deutschfranzösischen Agrar-Union geführt. Man hat diese Pläne etwas großzügig als „Schumanplan für die Landwirtschaft“ bezeichnet. Es dürfte schon jetzt feststehen, daß eine deutsch-französische Agrar-Union in der Praxis schwieriger ist als der Versuch, eine europäische Marktordnung auf dem Agrarsektor herzustellen.

In den bisherigen deutsch-französischen Verhandlungen ist lediglich in der Getreidefrage Übereinstimmung erzielt worden. Dagegen sind alle anderen Fragen mehr oder weniger offen geblieben. Es hat sich gezeigt, daß kein zweiseitiges Zuckerabkommen zu erreichen ist, sondern daß ein Zuckerpool erstrebt werden soll, der über mindestens sechs europäische Länder geht. Als weiterhin sehr schwierig hat sich die Weinfrage erwiesen. Denn nicht nur die Bundesrepublik und Frankreich, sondern auch Italien stehen hier untereinander in scharfem Konkurrenzkampf. Die Franzosen wollen den Versuch machen, die Italiener durch einen Weinpool auf Grund von Marktabreden zusammen mit dem deutschen Partner zu bringen und dadurch eine europäische Marktordnung für Wein herzustellen.

Auch in der Abstimmung über Obst und Gemüse hat sich gezeigt, wie schwierig eine solche Agrar-Union ist. Während bei Gemüse allenfalls eine europäische Marktordnung als möglich angesehen wird, wird sie bei Obst für ausgeschlossen gehalten, da bekanntlich die Ernten in Europa ziemlich zusammenfallen. Bei Fleisch und Vieh sieht man gewisse Möglichkeiten, mit den Franzosen zu einer Einigung zu kommen, doch übersieht man dabei nicht die großen Gefahren, die in diesem Falle für unsere Veredelungswirtschaft bestehen. Wenn man sich bei diesen Fragen die Tatsache vor Augen hält, daß Frankreich und Italien monatelang vergeblich versucht haben, eine Zollunion zu errichten, und wenn man weiß, daß diese Zollunion hauptsächlich wegen der gegenseitigen Konkurrenz auf dem Agrargebiet nicht zustande gekommen ist, so beleuchtet diese Tatsache jetzt nur die Schwierigkeiten einer deutsch-französischen Agrar-Union und darüber hinaus auch eines westeuropäischen Agrarpools.

Rauschgiftschmuggler

el. Cuxhaven, 29. September. (Eigener Drahtbericht.) Der westdeutschen Kriminalpolizei in Cuxhaven ist es nach mehrmonatigen Ermittlungen im gesamten Bundesgebiet und in Oesterreich gelungen, gemeinsam mit der Zollfahndung und amerikanischer Militärpolizei den vermutlich größten Ring von Rauschgift- Schmugglern seit 1945 aufzudecken. Als mutmaßliches Haupt der Schmugglerbande konnte der Inhaber einer pharmazeutischen Großhandlung in Cuxhaven verhaftet werden. Zwei Kilogramm Morphium, das von einem früheren Chemiker der IG-Farben geliefert worden sein soll, wurden bisher sichergestellt. In die Rauschgiftschmuggelaffäre sollen über 20 Personen verwickelt sein.

Die Sicherheit des Mittelmeeres

Die Türkei zu Besprechungen eingeladen

Neuyork, 29. September. (AP.) Die Türkei ist von den Westmächten eingeladen worden, Generalstabsbesprechungen mit dem Ausschuß der Gruppe Mittelmeer des Atlantikpaktrates aufzunehmen. Diesem Ausschuß gehören Großbritannien, Frankreich und Italien an.

Im Geist von Locarno

Sinn und Zweck der deutsch-französischen Kulturtage in Wiesbaden

Von Oberbürgermeister H. H. Redlhammer

Mitte Oktober jährt sich zum 25. Male der Tag, an dem in Locarno der Vertrag paraphiert wurde, der die deutsch-französische Grenze sicherte und damit einer aufrichtigen Verständigungsmöglichkeit zwischen den beiden Staaten den Weg ebnete. Ich entsinne mich des historischen Augenblicks, als von einer hoch gelegenen Kapelle in der Abenddämmerung das Wort „pax“ in hellem Schein aufleuchtete; man sah es auf dem Lago Maggiore ebenso wie auf dem Lande weithin. Alle Teilnehmer der Konferenz waren sich der großen Bedeutung der Stunde bewußt. Die drei Hauptbeteiligten, Außenminister Dr. Stresemann, Briand und Sir Austin Chamberlain, waren ebenso wie der damalige Reichskanzler Dr. Luther — übrigens der einzige noch lebende Unterzeichner des Vertrages — von dem ehrlichen Willen durchdrungen, das so hoffnungsvoll Begonnene mit Klugheit weiterzuführen, um Europa den Weg zur Einigkeit und zum dauernden Frieden zu sichern.

Wenn ich an die Tage von Locarno heute zurückdenke, die ich, damals noch junger Diplomat, als Generalsekretär der deutschen Delegation miterleben durfte und vor meinem geistigen Auge die dann folgenden Jahre der günstigen Aufwärtsentwicklung und Befriedung bis zu den Haager Reparationskonferenzen und die bald nach Stresemanns Tod heraufziehende Katastrophe, die durch den Bruch dieses Vertrages eingeleitet wurde, vorüberziehen lasse, so drängt sich mir immer wieder die Frage auf, ob wir heute, wo eine neue Verständigungsmöglichkeit mit Frankreich aufscheint, alles in unseren Kräften Stehende unternehmen — um für immer den unheilvollen, durch die Jahrhunderte hindurch sich so tragisch oft wiederholenden Kampf zwischen den beiden großen Nationen endgültig unmöglich zu machen.

Ich glaube, was bisher geschah, reicht noch nicht aus. Wir haben die Deutsch-Französische Gesellschaft gegründet, um sowohl innerhalb unseres Volkes für den Verständigungsgedanken einzutreten, als auch den Weg zu unserem Nachbarn im Westen zu suchen, um in voller Gleichberechtigung eine aufrichtige Zusammenarbeit zu fördern. Wir haben im Dienste dieser hohen Aufgabe vor einem Jahre die deutsch-französischen Kulturwochen in Wiesbaden mit gutem Erfolg abgehalten; wir haben dank der großzügigen Unterstützung des Magistrats französische Kinder zu uns eingeladen und französische Lehrer im vergangenen Sommer hier als Gäste begrüßen können. Aber wir müssen doch feststellen, daß wir nur schrittweise vorwärtskommen. Es liegt nicht an uns; wir sind innerhalb Deutschlands in überwältigender Mehrheit Menschen guten Willens, wir wollen den Frieden, wir wollen die Zusammenarbeit, aber man sollte in Frankreich diesem Wollen viel breitschichtiger entgegenkommen, als es bisher noch der Fall ist. Ich glaube, die Verständigungsarbeit liegt noch zu sehr in amtlichen Sphären. Das soll keineswegs eine Kritik, sondern nur eine Feststellung sein. Amtliche Wege sind naturgemäß mit Hemmungen und Schwierigkeiten belastet. Deswegen spreche ich immer wieder den Wunsch aus, daß von Mensch zu Mensch die Bande fester geknüpft werden müssen. Dies soll erleichtert werden, indem wir innerhalb der Deutsch-Französischen Gesellschaft unserem Volk das französische Geistesleben, französisches Denken, französische Mentalität nahe zu bringen versuchen, gleichzeitig aber in gleicher Berechtigung unsere eigenen Kunstwerke in Vollendung sprechen lassen.

Ueber dieser Arbeit leuchtet von der Ferne das Wort „pax“ von den Alpenhöhen über dem See von Locarno. Möge durch Gottes Hilfe der Friedensstrahl so tief in die Herzen des französischen und des deutschen Volkes dringen, daß sich Franzosen und Deutsche zu einer echten Eidgenossenschaft zusammenfinden, die stark genug ist, um als europäisches Friedenspotential den Weltfrieden sichern zu helfen.

Paris kann sich nicht entscheiden

Gegensätze zwischen Moch und Schuman über den deutschen Beitrag

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P. M. Paris, 29. September. Die französische Regierung hat in der Kabinettssitzung vom Donnerstag, in der Verteidigungsminister Moch über die Neuyorker Verhandlungen berichtete, keine Entscheidung in der Frage einer deutschen Bewaffnung treffen können, weil diese Frage auch innerhalb der Regierung keineswegs ' geklärt ist. Die Abwesenheit Schumans war also nur einer der Gründe des Aufschubs. Der Hauptgrund, den zu verneinen sich das offizielle Communique allerdings sehr bemüht, liegt in den nicht unwesentlichen Gegensätzen, die zwischen Moch und Schuman, den beiden Vertretern Frankreichs an den Neuyorker Besprechungen, bestehen.

Unvermeidliche Zugeständnisse

Schuman hält es für notwendig, einige unvermeidlich gewordene Zugeständnisse an Amerika zu machen, um wenigstens formale und einige praktische Zugeständnisse als Gegenleistung zu erhalten. Er verfolgt dabei das höhere Ziel, das Zustandekommen des Montanplanes und damit die deutsch-französische Annäherung nicht zu gefährden, während Moch auf dem doktrinären Standpunkt der Sozialisten beharrt, die auch von einer teilweisen Aufrüstung Westdeutschlands nichts wissen wollen.

Die Auffassung Schumans gründet sich auf die zweifache Ueberlegung, daß der Mangel an Waffen dem ganzen Problem zunächst ohnedies die aktuelle und praktische Bedeutung nehme, und dann auf sein Wissen, daß ohne die innere Zustimmung Deutschlands, die von gewissen moralischen Faktoren bedingt bleibe, alle Beschlüsse der Alliierten wenig praktischen Wert haben müßten, die diese Faktoren nicht berücksichtigen. Moch, dessen Auffassung sich im übrigen mit der des Staatspräsidenten Auriol deckt, und seine Anhänger wollen dagegen deutsche Verbände nur mit Offizieren höchstens im Rang eines Obersten als „Beitrag“ annehmen. Das Communique deutet dies an, indem es an Stelle des in Neuyork gewählten Ausdruckes „Einbeziehung“ Deutschlands in die europäische Verteidigung geflissentlich das Wort „Beitrag“ Deutschlands zu dieser Verteidigung anwendet. Die Uebereinstimmung der beiden Minister, auf die das Communique hinweist, bezieht sich offenbar auf ihre in Neuyork gemachten Vorschläge einer europäischen Armee im Rahmen des Atlantikpaktes.

Eine Kompromißformel

Ein weiterer Kabinettsrat wird sich in der nächsten Woche nach der Rückkehr Schumans aus Neuyork mit dem Problem auseinandersetzen und versuchen müssen, eine Kompromißformel zu finden, welche die Einheit des Kabinetts in dieser Frage aufrechterhält. Die dann gewonnenen Klarheiten sollen in der Form von technischen Vorschlägen in einem dritten Memorandum spätestens am 15. Oktober dem Atlantikrat übergeben werden. Diese endgültige Stellungnahme der französischen Regierung wird dann bald danach in der Nationalversammlung Gegenstand einer großen und grundsätzlichen Debatte bilden.

Willkür in der Sowjetzone

Eine Bilanz der Rechtsprechung über das Jahr 1950

Draht bericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 29. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Justizminister der Sowjetzone, Fechner, hat vor Vertretern der sächsischen Justizbehörden eine Bilanz der Rechtsprechung in der Sowjetzone im Jahre 1950 gegeben. Für den Außenstehenden ergibt sich ein erschreckendes Bild willkürlicher politischer Strafjustiz. Die Zahl der politischen Prozesse ist nach Fechners Mitteilungen im ersten Halbjahr 1950 um 57 Prozent höher gewesen, als im gesamten Jahr 1949. Das sei ein Beweis für die größere Schlagkräftigkeit der Justizbehörden. In den letzten vierzehn Tagen sind Strafen von insgesamt 271 Jahren Zuchthaus gegen rund vierzig Angeklagte verhängt worden, was auf die am 14. September erlassene Verfügung „gegen Saboteure, Agenten und Verbrecher“ zurückgeht. Fechner fügte hinzu, daß bis zu den Wahlen am 15. Oktober noch einige hundert Jahre Zuchthaus bevorstünden.

Gleichzeitig häufen sich aus der ganzen Sowjetzone Meldungen von verschärften politischen Urteilen. In Güstrow in Mecklenburg wurden wegen der Verbreitung von Flugblättern acht Personen zu Strafen von zehn Jahren Gefängnis bis zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, wobei der sogenannte Rädelsführer, ein Oberschüler Enno Henke, lediglich auf Grund seiner Jugend die mildeste Strafe von zehn Jahren Gefängnis erhielt. In allen diesen Fällen werden die Urteile mit der Begründung bekanntgegeben, es handle sich um „Agenten und Spione des amerikanischen Spionagedienstes“. Durch diese Formulierung soll die wachsende Widerstandsbewegung in der Sowjetzone diskreditiert werden.

Bemerkenswert ist ein anderer Fall, in dem ein 26jähriger Arbeiter vom Meininger Landgericht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, weil er erklärt hatte, sein in Rußland kriegsgefangener Vetter sei jetzt in Korea in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten und habe von dort geschrieben. Die Milde der Strafe geht darauf zurück, daß der Angeklagte ein Register von Selbstbeschuldigungen im Stil der Schauprozesse bekanntgab.

Die von Fechner angekündigten weiteren Prozesse liegen zum Teil auf dem Gebiet der sogenannten Wirtschaftssabotage. Der ehemalige Geschäftsführer der enteigneten Meininger Lederfirma Emanuel Julius Berger wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er 170 000 Mark Schulden des ehemaligen Privatbetriebs an eine West-Berliner Firma ausgezahlt hatte. — Die kommunnistische Parteiführung verspricht sich trotz des ungünstigen Lichts, das diese Fülle von Prozessen auf Verwaltung und Wirtschaft der Sowjetzone wirft, eine einschüchternde Wirkung zugunsten der Oktoberwahlen.

Wirtschaftsbhlatt

Zweckentfremdet

In München forderte die Fachabteilung Straßenbau im Hauptverband der deutschen Bauindustrie Regierungsmaßnahmen, die dem Tiefbau helfen sollen. Man verlangte dort ein Finanzierungsprogramm der Bundesregierung, dessen Mittel eventuell durch eine Anleihe aufgebracht werden sollen. Nicht nur der Zustand unseres Straßennetzes fordert eine solche Maßnahme, sondern auch die große Zahl der arbeitslosen Straßenbauarbeiter. Es stehen heute immer noch den rund 21 000 Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig annähernd 13 000 Arbeitslose gegenüber. Der Sraßenbau bietet nicht nur gute Möglichkeiten, diese Arbeiter zu beschäftigen — der Lohnanteil macht über 60 Prozent der Kosten aus —, sondern es können auch viele ungelernte Arbeiter hier Beschäftigung finden.

Wer sich an den Zustand unseres Straßennetzes nach der Kapitulation erinnert, kann feststellen, daß auf diesem Gebiete schon viel getan wurde. Nach einer Ermittlung der Fachabteilung Straßenbau müssen aber immer noch 23 Prozent aller Straßen von Grund auf erneuert werden und 42 Prozent bedürfen einer gründlichen Überholung. In normalen Zeiten liegt die Wiederherstellungsquote dagegen bei 7 Prozent. Dazu steht heute nur die Hälfte der benötigten Mittel von 265 Millionen DM für den Straßenbau zur Verfügung.

Woher soll der Bund die fehlenden Mittel nehmen? Der Weg über eine Anleihe wird kaum Erfolg haben. Die bisherigen Versuche auf einem solchen Wege haben dies gezeigt. Der Blick fällt auf die Beträge, die über die Kraftfahrzeugsteuer und den Benzinverkauf eingehen. Diese verschwinden aber heute im Haushalt der Bundesregierung zur Deckung des Defizites. Bei der Einführung der Kraftfahrzeugsteuer dachte man daran, mit diesen Mitteln die Straßen auf einem guten Stand zu halten. Gewiß, es waren damals bessere Zeiten und eine Regierung brauchte nicht so sehr mit jedem Pfennig zu rechnen wie heute. Aber man sollte sich doch überlegen, ob man diese Gelder nicht wieder dem ursprünglichen Zweck zuführen sollte. Ein Großteil des Verkehrs wickelt sich auf der Straße ab'. Schlechte Straßen sind zudem bestimmt kein Mittel, um zum Beispiel den Fremdenverkehr zu fördern.

Zur Preis- und Lohn- Stabilisierung

Bonn, 29. 9. (zr.) Die Wirtschaftssachverständigen der Regierungsparteien im Bundestag und die Bundesminister haben in einer gemeinsamen Beratung eine Empfehlung ausgearbeitet, nach der die Bundesregierung ein - Punkte-Programm zur Gewährleistung der Stabilität von Lohn und Preisen vorlegen soll. Es wurden folgende Vorschläge unterbreitet:

1. eine unbedingte prohibitive Kreditpolitik gegenüber allen Kreditwünschen zu Hortungszwecken; 2. zeitweise Aufhebung oder Herabsetzung bestimmter Einfuhrzölle für lebensnotwendige Güter; 3. äußerste Einschränkung des Kreditbedarfs der öffentlichen Hand: 4. Herabsetzung der Kaffee- und Tabaksteuer zur Erhöhung der Realkaufkraft: 5. Gewährung von bevorrechtigten Einfuhrmöglichkeiten als Prämie für besonders verantwortungsbewußte Preisgestaltung; 6. Ausnutzung aller Einfuhr- und Vorratsmöglichkeiten unter Einschaltung von Importhandel und Wirtschaft, sowie Einsatz von Vorräten bei nervöser Uebersteigerung der Nachfrage; 7. Umbau des gesamten Lohnsystems auf leistungsbezogene Löhne; 8. beschleunigte Verabschiedung der drei restlichen Agrargesetze und Aufnahme der marktregelnden Funktion mit marktkonformen Mitteln; 9. Aenderung der Steuerpolitik und zwar derart, daß ein Teil der bisher für die Selbstfinanzierung gewährten Vergünstigungen nur noch für die Anlage in Aktien und anderen Kapitalmarkttiteln gewährt wird.

Seabehm gegen IG-Gesetz

Hamburg, 29. 9. (el.) Bundesverkehrsminister Seebohm hat in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Partei auf .einer Kundgebung in Hamburg erklärt, er habe das Gefühl, als ob die Gewerkschaften wieder in den Geist des Klassenkampfes zurückgefallen seien. Seebohm wandte sich scharf gegen die Ankündigung der Gewerkschaften, jede Preiserhöhung mit Lohnkämpfen zu beantworten. Wenn Deutschland wettbewerbsfähig bleiben und seine Exportchancen nicht verfehlen wolle, müsse es die Gewinnspannen so niedrig wie möglich halten. „Aber so, wie wir ablehnen, daß Unternehmerverbände ihre eigene Politik treiben, so lehnen wir auch ab, daß die Gewerkschaften zum Staat im Staate werden“, erklärte Seebohm wörtlich. In den alliierten Gesetzen zur Entflechtung der IG-Farben und der Stahltrusts feiere der Geist von Potsdam des Jahres 1945 „fröhliche Urständ“.

Die Ernteergebnisse im Rolweingebiet der Ahr sind uneinheitlich. Fachkreise schätzen den Mengenertrag je nach Lage auf s/s bis 3/< eines Vollherbstes.

Steuerbegünstigter Export

Bonn, 29. 9. (zr.) Zwischen dem Bundesfinanzministerium und den Bundesratsausschüssen für Wirtschaft und Finanzen wurde jetzt eine Einigung über die steuerlichen Maßnahmen zur Exportförderung erzielt. Nach dem Gesetzentwurf, den der Bundesfinanzminister vorbereitet hat, können Exporteure und Lieferanten des Ausfuhrhandels bis zu ein Drittel der Exportgewinne als Sonderausgabe vom Gesamtbetrag der zu versteuernden Einkommen abziehen. Der Abzug erhöht sich auf zwei Drittel für Exportgewinne, die auf einer Erhöhung der Ausfuhr gegenüber dem Durchschnittsexport der letzten drei Jahre beruhen. Die gleiche Regelung gilt für die Körj^erschaftssteuer. Die Umsatzsteuer soll für den Exportumsatz auf 1.25 Prozent ermäßigt werden.

Gutachten zur Gewerhefreiheit

Bonn, 29. 9. (zr.) Im Bundeswirtschaftsministerium wurde ein Gutachten über die Frage der Gewerbefreiheit ausgearbeitet, das sich gegen die völlige Gewerbefreiheit und für die Beibehaltung einer Reihe von Beschränkungen ausspricht. Das Gutachten stützt sich auf eine Umfrage, die das Bundeswirtschaftsministerium Mitte Juni innerhalb der Bundesregierung, bei den Länderministerien, bei den Flüchtlingsverbänden und bei 38 Industrie- und Wirtschaftsverbänden veranstaltet hatte. Das Gutachten soll die Grundlage für eine bundesgesctzliche Regelung der Gewerbefreiheit bilden.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z An der Frankfurter Börse kam es am Freitag bei relativ kleinem Geschäft im allgemeinen nur zu geringfügigen Kursveränderungen. Lediglich einige Spezialpapiere hatten stärkere Veränderungen zu verzeichnen. Kleine Rück- und Deckungskäufe führten am Montanmarkt zu Kursbefestigungen bis zu 1.5 Punkten. Die übrigen Märkte lagen etwas uneinheitlich, durchschnittliche Abweichungen nach beiden Seiten gingen nicht über zwei Punkte hinaus.

Freie Devisenkurse

Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 29. 9. 1950 (in Klammern jeweils Schlußnotierungen der Vorwoche) der US-Dollar mit 5.15—5,55 (5.25—5,65) DM. das engl. Pfund mit 12—13 (12.50—13,50) DM, der Schweizer Franken mit 1.15—1,25 (1,17— 1,27) DM, der holl. Gulden mit 1,15—1,25 (1,17—1,27) DM, die dänische Krone mit 0,50—0,54 (0,50—0,54) DM, die schwedische Krone mit 0,75—0,80 (0,75—0,80) DM.

Berliner DM-Wechselkurs

F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 29. 9. 1950 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.

Deutsche NE-Metallpreise

Notierung für Kupfer (30. 9.) 239,50 DM, für Zinn (29. 9.) 983 DM.

Tagung des Einzelhandels

Als oberste Zielsetzung der Uracher Jahreshauptversammlung des Hauptverbandes des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels, Sitz Wiesbaden, wurde Ruhe und Stabilität im Preis- und Lohngefüge genannt. Der bisherige Präsident Adolf C. Nickelsen wurde wieder für zwei Jahre gewählt und als Vizepräsident Ludwig Rosmanith (Wiesbaden).

Zur Preisentwicklung wurde ausführlich Stellung genommen. „Wenn man den Preis nicht meistern kann, greift man die Handelsspanne an!“ erklärte Dr. Moje und stellte fest, daß von überhöhten Handelsspannen bei einem Berufe' nicht gesprochen werden könne, in dem 40 Prozent aller Betriebsinhaber weniger als 250 DM Monatseinkommen hätten. Die Tagung nahm mehrere Entschließungen an. Zur Gewerbezulassung fordert der Lebensmitteleinzelhandel, daß .bei der Errichtung und der Uebernahme von Geschäften dieses Wirtschaftszweiges nur Personen zugelassen werden, die die erforderliche Zuverlässigkeit besitzen und die notwendige Fachkunde nachweisen können.

Energisch verwahrt sich der Lebensmittelhandel gegen die Behauptung, daß die Preiserhöhungen der letzten Zeit auf dem Lebensmittelsektor die Folge der Handelsweise des Lebensmittelhandels sei. Das wirtschaftliche Interesse des Lebensmitteleinzelhandels bestehe in der Erzielung mengenmäßig hoher Umsätze bei niedrigen Preisen. Deshalb unterstütze der Lebensmitteleinzelhandel das Programm der Bundesregierung zur Stabilität v®n Lohn und Preis und fordert Fortsetzung der Subventionspolitik, insbesondere für Getreide, selbst auf der Basis von Juni 1950. Große Bedeutung wurde einem organisierten Zusammengehen von Verbraucher und Einzelhandel, evtl, sogar mit dem Mittel des Käuferstreiks zur Beeinflussung der Preisbildung zugemessen. Abbau der steuerlichen Kosten müsse die Zielsetzung der Steuerpolitik sein. Nicht Pläne zur Erhöhung der Umsatzsteuern seien zu erwägen, sondern es komme darauf an, die Umsatzsteuer für sozialkalkulierte Lebensmittel wie Zucker, Fette, Kartoffeln zu senken. Besonders vordringlich wird die Bearbeitung der Anträge des Lebensmitteleinzelhandels erachtet, nach. denen alle Verbrauchssteuern entscheidend gesenkt werden solren. — Als Ziel der Steuerpolitik wird gefordert, daß bei Umsatz- und Verbrauchssteuern nicht die Minderung der Kaufkraft durch hohe Steuern in Erscheinung trete, sondern das gleiche Steueraufkommen durch hohe Umsätze bei niedrigen Steuern zu erreichen.

Das wirtschaftliche Interesse des Lebensmitteleinzelhandels ist mit der Zielsetzung der Verbraucherschaft aufs engste verbunden. Deshalb wehrt sich der Einzelhandel gegen die Vorwürfe, daß die Handelsspanne des Lebensmitteleinzelhandels zu hoch sei und wünscht durch seine Entschließungen, dazu beizutragen, daß die Lohn-Preisspirale nicht in Gang gesetzt wird.

Kurz gemeldet

Gewerbefreiheit für jedermann forderte die Arbeitsgemeinschaft der Lebensmittelfilialbetriebe, der 83 Firmen mit 4100 Verkaufsstellen angehören, auf einer Tagung in Neuenahr. Eine Preissenkung durch Rationalisierung sei anzvstreben.

Das neue interzonale Handelsabkom¬ men wird nicht abgeschlossen, solange Ost-Berlin die Stromlieferungen nach West-Berlin sperrt, erklärte der Bundesbevollmächte Dr. Vockel.

Rund 2000 Zentner Delikateß- und Schlangengurken erster Qualität haben, nach einer Mitteilung der Freiherrlichen Oecklingschen Gutsverwaltung in Rust bei Lahr (Baden), keine Abnehmer gefunden und sind dort auf dem Feld verfault. Hunderte von Zentnern Tomaten verfaulten ebenfalls, ebenso gingen 40 000 Stück Blumenkohl auf dem Feld zugrunde.

Das Eigentum führender saarländischer Industriewerke, die bisher unter Sequester gestanden hatten, ist zu einem Teil an Frankreich übertragen worden. Es handelt sich um Material und industrielle Einrichtungen der Roechlingschen Eisen- und Stahlwerke GmbH Völklingen, der Neunkirchener Eisenwerk - AG, Neunkirchen, der Mannesmann-Röhrenwerke in Bous und der Dynamit-AG in Saardellingen.

w Eine weitere Zuteilung von Wei߬ zucker aus England für die Bienenvölker ist erfolgt. Der Zucker trifft laufend ein. Auf ein Bienenvolk kommen 1,3 kg.

Ein vereinfachtes Verfahren für die Inanspruchnahme von Sicherheitsleistun¬ gen des Bundes beim Warenbezug aus Berlin sieht unter anderem vor, daß der westdeutsche Besteller auf Antrag eine Garantieerklärung erhält, die für die Dauer von drei Monaten gegen Verluste beim Bezug von Waren aus Groß-Berlin schützt.

Gute Absatzmöglichkeiten für Spitzen¬ erzeugnisse der deutschen Motorrad¬ industrie, besonders in den schweren Klassen bestehen nach den Vereinigten Staaten, nach den Beobachtungen des Verkaufsleiters der Bayerischen Motorenwerke.

Feld, Hof und Garten

Schweinezucht - aber richtig

Der augenblicklich hohe Preis, der das Halten eines Zuchtschweines eigentlich rentabler macht als das Mästen eines Schweines, ist die Veranlassung, das neue „Gelegenheitszüchter“ wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch zur Schweinezucht gehören, wenn sie sachgemäß und mit Erfolg ausgeübt werden will, gewisse Kenntnisse und Erfahrungen. Im folgenden sollen kurz einige Ratschläge dazu gegeben werden. Vielfach kann man die Feststellung machen, daß die Jungsauen zu früh erstmalig gedeckt werden. Die Folgen sind zumeist Schwergeburten sowie schlechte Entwicklung und Verluste unter den Ferkeln. Die Muttertiere bleiben außerdem leicht klein und sind weniger widerstandsfähig gegen Krankheiten. Am zweckmäßigsten erfolgt das erstmalige Paaren der Jungsau am Ende des 8. Monats, noch besser im 9. oder 10. Monat, jedoch auch nicht später, weil dann die Säue vielfach zu fett und deshalb schlecht tragend werden. Das Decken erfolgt im Zeitpunkt der Brunst, die sich bekanntlich durch Schwellung, Rötung des Wurfes, Unruhe, geringere Freßlust (die oft Veranlassung zu Krankheitsverdacht gibt), sowie schließlich durch Aufspringen auf andere Schweine bemerkbar macht. Nicht selten kommt es vor, daß die Jungsauen nicht brünstig werden wollen. Zuweilen erzielt man Erfolg, wenn man den Tieren Keimweizen oder Keimhafer verabreicht, und zwar gibt man davon 14 Tage lang täglich frühmorgens nüchtern zwei Handvoll dem Tiere: will sich auch danach das Rauschen nicht einstellen, hilft in den me'sten Fällen die Injektion irgendeines Geschlechtshormons (C-yren B, Sexocretin, Prolan usw.), die vom Tierarzt vorgenommen werden muß. Die Dauer der Brunst bei der Sau beträgt 2 Tage. Der günstigste Zeitpunkt für den Deckakt ist der 2. Tag. Da bei jedem Sprung eine ungeheure Zahl von Samenfäden in die Scheide gelang, genügt ein Sprung des Ebers vollständig. Der in der Praxis vielfach übliche 2. Sprung ist also überflüssig. VZenn man jedoch einen solchen vornehmen läßt, dann sollte zwischen dem 1. und 2. Deckakt mindestens eine Zeitspanne von 12 Stunden liegen. Was die günstigste Jahreszeit für das Decken anbelangt, so hat die Erfahrung gelehrt, daß die Ferkelverluste bei Würfen in den Wintermonaten, also November bis Februar, größer sind als bei Ferkeln, die in den Monaten März bis Oktober fallen. Der günstigste Zeitpunkt für das Paaren sind deshalb die Monate Novembei’ bis Juni. Wie lange darf man eine Sau zur Zucht benutzen? Hierzu ist kurz zu sagen: „So lange, wie die Zuchtleistung befriedigt." Läßt die Fruchtbarkeit und die Milchergiebigkeit und damit die erwünschte gute Entwicklung der Nachkommenschaft nach, dann werden die Säue zur Mast gestellt. Der Gebrauchs- und Gelegenheitszüchter läßt seine Säue im allgemeinen nur zwei- bis dreimal ferkeln. Dann mästet er sie, um noch eine möglichst gute Milch- und Fleischqualität zu erzielen, die bei alten Säuen meist zu wünscheh übrig läßt.

Ein wichtiger, oft nicht beachteter Punkt ist auch der Futterzustand der Säue. Ein Zuchtschwein, besonders eine Jungsau, soll sich im Zeitpunkt der Paarung wohl in einem guten, aber nicht in einem mastigen Ernährungszustand befinden, da dies sowohl zur Verhinderung der Befruchtung als auch zu kleinen Würfen und zu Schwergeburten führen kann. Tritt keine Befruchtung ein, dann kommt es nach etwa 2 bis 3 Wochen zum erneuten Rauschen, umgekehrt (wenn auch nicht immer) ist mit einem Trächtigsein zu rechnen.

Solange die Säue niedertragend sind, können sie ohne Bedenken herdenmäßig zusammengehalten und gefüttert werden. Handelt es sich um kleinere Bestände, kann man sie zu mehreren in Abferkel- oder Mastbuchten unterbringen. Wo irgendwie die Möglichkeit dazu vorhanden ist, soll man die Tiere auf die Weide bringen. Ohne irgendwelchen Schaden können die Zuchtschweine von Mitte April bis zum Frosteintritt weiden. Ueberhaupt ist für die Muttersau viel Aufenthalt und Bewegung in Luft, Licht und Sonne, schon im Interesse einer gesunden Nachkommenschaft bzw. zur Vermeidung des bekannten „Ferkelsterbens“ unbedingt erforderlich. Besteht keine Möglichkeit zum Weidegang, dann sollten die Säue, wenn irgend möglich, wenigstens täglich bewegt, zum mindesten auf den Hof herausgelassen werden. Des weiteren ist zur Erzielung gesunder, lebensfähiger Ferkel dafür zu scrgen, daß die Muttersäue in trockenen, hellen, luftigen und warpien (12—15 Grad) Stallungen untergebracht werden. Man sorge auch stets für guten Jaucheabfluß. Das bei manchen Schweinehaltern geübte Dämpfen der Kartoffeln im Stalle ist unbedingt zu vermeiden. Wichtig ist endlich eine einwandfreie Streu (kein schimmliges, dumpfiges Stroh) sowie eine einwandfreie Fütterung: kein Raps, keine Eicheln, keine gekeimten Kartoffeln, keine einseitige Nahrung! Dr. D. L.

Welche Rüben zuerst roden?

Öie Zuckerfabriken beginnen in diesem Jahr außerordentlich früh mit ihrer Kampagne, um die Ernte verarbeiten zu können. Als Anreiz für die Anlieferer werden Frühbezugsprämien gegeben und mengenmäßig wird die Lieferung bis 15. 10. nicht beschränkt. Welche Rüben soll man nun zuerst roden?

Nach den jetzt durchgeführten Proberodungen und gleichzeitigen Zuckergehaltsfeststellungen empfiehlt es sich, zuerst die Rüben zu roden, die in der Reife am weitesten vorgeschritten sind. Es sind dies Sorten des N-Typs, sofern sie früh- und mittelfrüh, also nicht als letzte gedrillt wurden. Auch die Rüben, die nicht nach Gemüse, Kartoffeln oder Klee als Vorfrucht folgen, können gerodet werden, sofern sie frühzeitig bestellt wurden. Nicht roden sollte man die Rüben, deren Blatt noch dunkelgrün scheinend erkennen läßt, daß sie noch nicht reif sind und daher noch mit einem erheblichen Zuwachs an Gew ich tf günstige Witterung für die Zukkerbildung vorausgesetzt, auch noch mit einem fühlbaren Steigen des Zuckergehaltes gerechnet werden kann. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Frührodung uns auch nicht zu unterschätzende betriebswirtschaftliche Vorteile sichert. Man derke an die frühe und damit längere Verwertung von Frischblatt die Verteilung der Winterweizensaat und die teilweise gegebene Möglichkeit, Arbeitsspitzen in den Hackfruchtwirtschaften bei ihrer "besonders angespanten Arbeitslage während der Herbstmonate zu begegnen. L.

Ätzkalk zur Komposthereitung

Beim Abernten der Gemüsebeete im Herbst sammelt sich immer ein großer Haufen Abfall an, der teils wegen Krankheit, teils wegen tierischen Parasiten nicht auf den Komposthaufen wandern darf. Verbrennen, wie oft geraten wird, kann man aber bei feuchtnasser Herbstwitterung die Rückstände nicht. Hier bietet sich im Aetzkalk ein sehr, gutes Mittel an, um alle Krankheiten abzutöten, und auch aus diesen Abfällen eine sich rasch zersetzende Kompostmasse zu bereiten. Man streut reichlich Aetzkalk lagenweise zwischen die zerkleinerten Abfälle (nur von Kohlhernie befallene Strünke müssen, wenn Verbrennen nicht geht, einen Meter tief in die Erde vergraben werden). Im Winter wird der Haufen dann zweimal durchgearbeitet Mittels Aetzkalk kann man auch aus Queckenwurzeln mit der Zeit nahrhaften Kompost bereiten, man muß sie aber für sich allein kompostieren, da sie schwerer verrotten. H. S.

Ein Wort zur Roggenbeizung

Seit vielen Jahren hat die ’ Landwirtschaft erkannt, daß die Beizung des Winterweizens notwendig ist, um den gefährlichen Weizensteinbrand vorbeugend zu bekämpfen. Die Beizung des Winterweizens hat sich heute allgemein so stark eingebürgert, daß es nur noch selten vorkommen dürfte, daß Weizen wegen seines Gehaltes an Brandbutten nicht mehr als Mahlgetreide verkauft werden kann. Infolge der allgemeinen Einführung der Saatgutibeheizung ist also der Weizensteinbrand zu einer Seltenheit geworden.

Es gibt aber noch andere Getreidekrankheiten, die nicht so in Erscheinung treten, die aber trotzdem einen starken Einfluß auf den Ertrag ansüben. Der Schneeschimmel des Roggens z. B. kann am Saatgut nur vom Fachmann erkannt werden. Rotspitzige Roggenkörner sind von dieser Krankheit befallen. Solches Roggensaatgut leidet schon im Herbst beim Aufgehen unter dem Schneeschifnmelpilz. Der Pilz entwickelt sich mit dem Keimling und schwächt diesen so stark, daß er nicht mehr genug Kraft hat, die Erdschicht zu durchstoßen, um an das Tageslicht zu gelangen. Wir finden dann im Erdboden Roggenkörner, deren Keime ■sich korkenzieherartig im Boden winden, aber zu schwach sind, die Erdkruste zu durchstoßen. Roggen von solcher Beschaffenheit läuft schon im Herbstschwach und lückenhaft auf. Im Laufe des Winters kann aber die Roggensaat nochmals stark durch den Schneeschimmelpilz leiden, der sich besonders unter einer Schneedecke günstig entwickelt. Der Schneeschimmelpilz tritt aber nicht nur in schneereichen Gegenden und nach einem starken Winter auf. Im vergangenen Winter hatten wir in vielen Gegenden Nordwestdeutschlands, obwohl nur wenig Schnee gefallen war, doch recht lückigen Roggen. Diese Lückenhaftigkeit hat Bodennässe, Bodenverschlemmung gemeinschaftlich mit- dem Schneeschimmelpilz verursacht. Um diese Schäden nach Möglichkeit zu vermeiden! ist es also empfehlenswert, im Herbst grundsätzlich auch den Roggen zu beizen. Lbt.

Alle Saat beizen!

Alljährlich treten bei ungebeizten Saaten Schäden auf. Weizensteinbrand und Schneeschimmel bei Roggen lassen sich durch Beizen erfolgreich bekämpfen.

Gegen beide Krankheiten — ebenso gegen Streifenkrankheit bei Gerste und Haferflugbrand — können bekannte Beizmittel als Trockenbeize oder Kurznaßbeize angewandt werden. Das früher übliche Tauchverfahren ist zu umständlich, weil das gebeizte Saatgut wieder getrocknet werden muß. Das Benetzen ist unzureichend. Wir verwenden daher heute immer eine Beiztrommel. Für kleinere Mengen ist das Trockenbeizen unbedingt einfach und daher vorzuziehen.

Trockenbenizmittel werden 100 g auf 50 kg Saatgut angewendet. Zugclassen sind folgende Universal-Trockenbeizmittel: Abavit-Neu, Ceresan, Fusaricl und Germisan. Alle sind giftig, da quecksilberhaltig.

Zur Kurznaßbeize werden folgende Beizmittel angewendet;

Beizmittel werden in Wasser aufgelöst. Keine Tränkgeschirre zur Bereitung der Beize verwenden! Zum Beizen werden Beiztrommeln verwendet. Saat und Beizmittel werden eingeführt und 3—4 Minuten mit 50 Umdrehungen in der Minute gedreht. Hände vor dem Essen waschen. Bei Trockenbeizen Mund und Nase mit Tuch schützen. Im Freien beizen. tz.

Naßbeizmittel Gramm auf Liter zu
Abavit und 10 1 Wasser 50 kg Saat
Ceresan zu Weizen 100 2
zu Roggen 175 1,5
Fusariol-Neu z. Weizen 200 1,5
und zu Roggen
Germisan zu Weizen 200 1,5
zu Roggen 175 1,5

Wenn die Hühner mausern

Es ist ein großer Irrtum zu glauben, die Hühner während der Mauser, „da sie doch nicht legen“, weniger sorgfältiger füttern zu brauchen als sonst. Gerade aber während der Mauser, wenn das Tier seine alten Federn durch neue ersetzt, werden an den Körper der Henne größere Anforderungen gestellt als während des Eierlegens. Man muß bedenken, daß die neuen Federn durch das Blut des Huhnes erzeugt werden. Unser Bestreben muß es sein, durch sachgemäße Pflege und Fütterung dafür zu sorgen, daß die Mauser einen schnellen und guten Verlauf nimmt, denn während dieser Zeit werden nur wenig Eier gelegt, je schneller die Mauser aber vorüber ist, desto früher beginnt die Henne wieder mit der Eiablage. Man muß während der Mauserzeit die Ställe vor Zugluft schützen, das Futter darf nicht plötzlich gewechselt werden und soll sehr eiweißreich sein. Fleischmehl, Fischmehl, Knochenschrot sind besonders eiweißreich. Gut ist es dieser Zeit täglich früh ein Weichfutter zu geben, das man mit Mafer" °uer Buttermilch angefeuchtet hat. Je, fy1 j $ Gramm gekochten Leinsamen nebst den dabei entstandenen Schleim beizumengen, kann empfohlen werden ebenso aber auch Hanf, Sonnenblumenkerne und die fetthaltigen Talggrieben. Germge Gaben von phosphorsaurem Kalk und ab und zu eine Wenigkeit Schwefelblüte beschleunigen die Erneuerung der Federn.

Ebenso ist es gut, im Trinkwasser etwas Eisenvitriol aufzulösen. Die übliche Körnerration setzt man während der Mauser nicht herab, man sollte vielmehr etwas mehr Mais geben. Howe

Darmstadt und Umgebung

Drinnerum un drumerum

Mer kann gedrost behaubde, daß die himmlische Wedderinschenjeor do owwe e genäa Kadodhek fiehrn un daß dene ihr ResehiLdrauur in de Reih ist. Bei dem Akdestick, betreffend „Darmstädter Meß“, haaßt’s jedesmcl Wiedervorlage genaa uff de selwe Daach im Friejohr un im Herbst un dehinner is die Akdenoditz gekritzelt: R ä j e ! Soll emol aaner saache, deß dhet net immer klabbe. Wann an dene Daache do owwe grad aaner Dienst hot, der wo gern noch e bißche gelebt hett un zu frieh fori,gemißt hot, do kann mer’s begreife, daß der acht Daach hinnernanner räjene leßt,. aus lauter Aerjer, daß er net mehr debei seu kann. Wann awwer dann zufeilig en echte Damstädter, so en richdisch gudmfedische Heiner, die Akde in die Finger krickt, do leßt der als emol Gott en gute Mann seu un leßt hie un do emol die Sunn e bißje dorch die Wolke dorch, weil er gern selwert Widder mol en sehnsichdische Blick enunner werfe will. Un in de vergange Woch hot scheints so en aide Schbezel vup mir am Vendiel gehoggt, d^n mer die par druggene Stunde zu verdangige hawwe. Un ich hab se ausgenitzt. Wisse se, die goldig Kreizschbinn hot mer am Herz geläje. So e schee Kebbche un hinnedro nix mehr. Mit meune Lißbedd kann ich mich dodriwwer net unnerhalde, mer kann nie wisse, wie’s ausgeht.

Awwer deß is mer klor, mit meune Fraa weem die Schbutze net zu mache, ich kennt mer net vorstelle, wo un wie die ihr Hinnerdahl verleichne kennt. Ich hab se mol mit in die Geisterbahn genumme. Erst hot jo net gewollt, wie ich se awwer an de Ehr agegriffe un gesacht hab, sie dhet sich bloß ferchde, do wars bassiert. Sie hot mich doch fest am Arm genumme, wie mer so im Dunkle um die viele Korfe rumgeholwert sin un is emol zusammegezuggd, wie in ere Eck de Dod seu knechern Kreiz in die Heh gehowwe hot. Un noochher hot se bloß gesacht, war deß alles?

Sie war schun Widder mit ihre Gedangge wo ganz annerster. Uff de Achterbahn hot se nemlich es Knorzeis ihr Marriche mit eme Ami hogge sehe um hot beowacht, wie die bei de Abfahrt die Geläjenheit benutzt hot, ihrm Gäjeniwwer um de Hals zu falle. Wann der net gemerkt hot, daß deß kaa Ohnmacht, sundern Absicht war, do werd se schun in e par Daach Widder Märry haaße. Hoffendlich muß se net noch emol umgedaaft wern, wie im Friejohr, dann so Messeschätzhalde meistens net lenger, wie grgd die acht Räjedaach.

Ich fer meu Daal hab als noch iwwer die Geisterbahn noochdenke misse. Ei, dodrin is mer jo sicherer, wie uff de Stroß. Die Benzinbrieder fahrn der jo ewe en Stoff zämme, daß mer sich garnet vorstelle kann, daß die e ernstgenumme Fahrschul mitgemacht un e handfest Briefung bestanne hawwe. Do kann jo beim Iwwerhole kaum noch aaner abschätze, wie er zu fahrn hot, wenn er kaan znmmerenne will. Was nitzt do aa Verkehrsiwwerwachungswoch, dene muß alle Daach uff die Pode geklobbt wem.

Wann der eich morje ins Freie wagt, do mißt der die Aage hinne un vorne uffmache, wann der net unner die Räder kumme wollt, wann der e Baa gebroche habt, nitzt eich dem seu bißje Gefengnis nix mehr.

Drum alles Gude Eier Anton Berzel.

Lastenausgleich in entscheidentem Stadium

Oberbürgermeister a. D. Dr. Blaum warnt vor ungerechter Durchführung

In der fast voll besetzten Aula der T.H. erläuterte Oberbürgermeister a. D. Dr. Blaum in einer Versammlung des Bundes der Flieger- und Währungsgeschädigten nach einleitenden Worten des Geschäftsführers Stiepel des Kreisverbandes Darmstadt als Sachkenner und Praktiker auf diesem Gebiet die Grundzüge des Lastenausgleiches. Große Zustimmung erhielt der Redner von den Versammelten, als er die Hinausschleppung des Lastenausgleichs und des Wohnungsbaues in den ersten Nachkriegs jähren und das psychische Unverständnis von Regierung und Parteien gegenüber den Forderungen der Geschädigten kritisierte. Die Schaffung von gerechten, gesetzlichen Maßnahmen für den Lastenausgleich stelle das sozialste und schwierigste Problem der Gegenwart dar.

Als Gegner des Lastenausgleichs seien die Siegermächte, die hohe Finanz, Großindustrien, die in den Kriegsjahren Gewinne geschöpft hätten, und die noch glücklichen Besitzenden aufgetreten. Es zeuge von wenig politischem Mut, so führte der Redner aus, daß die Regierung den Lastenausgleich, der den Geschädigten in erster Linie den Aufbau einer Existenz, einigermaßen geordnete Wohnverhältnisse und die Sicherung vor Notfällen ermöglichen sollte, so hinausgezögert habe.

Geschäftsführer Stiepel erklärte, daß die Etatmittel der Bundes- und Länderregierungen mit zu dem Lastenausgleich herangezogen werden müßten. Der Verband stehe hinter der Forderung Minister Lukaschecks nach einer Hausratssteuer und einer Vermögenszuwachssteuer. Stellvertretender Landesvorsitzender Beeth betonte: „So lange man im Herzen Europas nicht die soziale Frage löst, wird es wenig nützen, sich über die Sicherheit durch Polizeikräfte zu unterhalten.“ Gegen die Absicht des Bundesfinanzministers Schäffer, die Hauptent¬ ^chädigung in Form von Certifikaten erst 1956 zu regeln, müsse Protest eingelegt werden. t-s

Rot-Kreuz-Lotterie

Ab Sonntag, den 1. Oktober d. J., wird auf Straßen und Plätzen, an Bahnhöfen, in Gast- und Geschäftslokalen, bei Veranstaltungen und an Verkehrszentren im ganzen Land Hessen die Rotkreuz-Lotterie wieder in Erscheinung treten.

Bi9, zum Ablauf dieses Jahres am 31. Dezember werden nicht nur die öffentlichen Losverkäufer, sondern auch die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen vom Roten Kreuz Hessen bemüht sein, durch ihren Einsatz dazu beizutragen, die Finanzlage der Verbände des Roten Kreuzes Hessen zu verbessern. Das Rote Kreuz war bei Umstellung auf seine Friedensaufgaben gezwungen, sich immer mehr den Kriegsfolgen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege und der sozialen Hilfe für alle Bedürftigen und Notleidenden zu widmen. Demgegenüber sind seine Einnahmen stetig und fühlbar abgesunken, so daß alle Möglichkeiten zur Beschaffung der für seine erweiterten Friedensaufgaben nötigen Gelder ausgeschöpft werden müssen.

Angesichts der bitteren Not in weiten Kreisen der Bevölkerung und der großen Aufgaben, die hier auch in Zukunft erwachsen, bittet das Rote Kreuz zur Verbesserung seiner finanziellen Verhältnisse um weitestgehende Unterstützung bei der Durchführung seiner am 1. Oktober d. J. beginnenden Rotkreuz-Lotterie.

Jugend in Gefahr

Das Forum Darmstadt diskutierte ein brennendes Problem

Bei verhältnismäßig guter Beteiligung besprachen Erzieher, Lehrer und Eltern am vergangenen Donnerstagabend im Forum Darmstadt ein brennendes Probleim. Die Gefährdung der Jugend. Der Forumsvorstand hatte als ausgezeichnete Referenten den Jugendpsychologen und Pädagogen Dr. P o 1 i t s c h und Fräulein Hermann vom Jugendamt gewonnen, so daß unter Diskussionsleitung von Herrn P f e n g ein angeregter und anregender Diskussionsabend zustande kam.

Einleitend sprach Herr Zander über den Zweck des Abends. Er wies darauf hin, daß die Not der Jugend besser erkannt werden und man Maßnahmen ergreifen müsse, ehe es zu spät sei. Fräulein Hermann berichtete über das erschreckende Ansteigen der Jugendkriminalität in diesem Jahr, die Ende Juli den Gesamtstand des Vorjahres bereits erreicht habe.

In einem von außerordentlichem Wissen und persönlicher reicher Erfahrung fundierten Referat wies Dr. Politsch auf die psychologischen Hintergründe der kindlichen Eigentumsdelikte und Sexualvergehen hin. Alle Vergehen seien individuell bestimmt und immer sei nach seinen Erfahrungen irgendein Mißton im Familienleben der betreffenden Kinder festzustellen, so daß die Schuld mehr bei den Erwachsenen liege. Jugendvergehen könnten an sich aber nicht unmöglich gemacht werden, so wenig, wie man Krankheiten verhindern könne. Man müsse jedoch die äußeren Bedingungen des Stehlens und der Sexualvergehen studieren, um geeignete Schranken zur Vermeidung zu errichten. Kinder sollten sich vor allem zu Hause wohlfühlen. Das Vertrauensverhältnis zu den Eltern sei Grundbedingung zur Vermeidung von Vergehen. Ferner wies Dr. Politsch auf seine bereits mehrjährige Forderung nach geeigneten Hilfsschulklassen für die betreffenden 258 Kinder in Darmstadt hin. Was heute an Geld fehle für diese schwachen und gefährdeten Kinder, müsse später mit hohen Zinsen zur Einrichtung von Gefängnissen bezahlt werden. '

In, der anschließenden Diskussion wurde vor allem die lange Zeitspanne zwischen Tat und gerichtlicher Bestrafung durch das Jugendgericht beanstandet. Bei Jugendlichen müsse aus psychologischen Gründen die Strafe auf dem Fuße folgen. Eine entsprechende Anregung wurde unter anderem zum Schluß der Diskussion schriftlich niedergelegt.

Als wesentliche Erkenntnis schälte sich jedoch in der Diskussion heraus, daß vor allem in der Zerrüttung des Familienlebens die Ursache der Jugendverwahrlosung zu suchen sei. Das gelte sowohl für die berufstätige Frau, die sich nicht um ihre Kinder kümmern könne, wobei kein Kinderhort die Liebe einer Mutter ersetzen könne, als auch für die durch Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot gestörten Familienverhältnisse. In seinem Schlußwort, in dem er auf das Problem der sexuellen Aufklärung einging, vertrat Dr. Politsch die Ansicht, daß die Schule nur wenig geeignet dazu sei. Das sei Aufgabe des Elternhauses, den allein richtigen Zeitpunkt zu erfassen.

Wenn auch dieser Diskussionsabend zu praktischen Maßnahmen der Behörden keine Möglichkeit geben konnte — schriftliche Anregungen wurden trotzdem beschlossen —, so konnten die Forumsbesucher durch die außerordentlich einleuchtenden Anregungen von Dr. Politsch doch die Erkenntnis mitnehmen, daß jeder verantwortungsbewußte Erzieher in seinem kleinen Wirkungskreis Wesentliches tun kann durch liebevolle Stärkung der kindlichen Seele zum Schutz gegen Gefährdung von außen. agt


„Nun noch eine Bitte, um deren Erfüllung ich Dich herzlich ersuche... Die Wendeltreppe im Pädagogio zu Darmstadt ist in der Tat ein größeres Meisterstück, als man dort glaubt und weiß.“ So steht in einem Briefe zu lesen, den Georg Friedrich Lichtenberg seinem Schulfreunde Amelung nach dem Pfungstädter Pfarrhaus schrieb. Der Göttingeü Professor der Physik wünscht den inneren Durchmesser des Turms, die Länge und Zahl der Staffeln und noch manche anderen Maße zu erfahren. Dann bittet er um ein kleines Stückchen, wenn es auch nur eine Haselnuß groß wäre, um „die Art und Konsistenz des Steins“ zu erfahren. Wenn Lichtenberg heute noch lebte, so würde es keiner ÄJühe bedürfen, den letzten Teil seiner Bitte zu erfüllen. Trümmer, Mauer- und Steinreste gibt es genug in und um den Bau des „Piu“, von dem nur noch kaum aufzubcuende Mauerreste stehen. Aber wie Lichtenbergs Erinnerung nicht nur von professoraler Wißbegierde angeregt war, sondern ebenso an den Räumen und an den Menschen haftete, so ist auch der heutigen Generation das Pädagog selbst als Ruine noch wert und lieb. Es barg die Vorschule des Alten Gymnasiums. Als Bau genommen, war es freilich alles andere denn ein Schulhaus in heutigem Sinn, denn der Bau „glich mehr einer mittelalterlichen Festung als einer Anstalt der Humanität, dessen Mauern mir heute noch so dick vorkommen wie die der Kreuzritterburg in Akko“. So schrieb Kasimir Edschmid, der am 5. Oktober Sechzigjährige, seine räumlichen Eindrücke von der Schule wieder, in die er am ersten Schultage nicht ging, sondern mit dem Schlitten gefahren wurde. pd.
„Nun noch eine Bitte, um deren Erfüllung ich Dich herzlich ersuche... Die Wendeltreppe im Pädagogio zu Darmstadt ist in der Tat ein größeres Meisterstück, als man dort glaubt und weiß.“ So steht in einem Briefe zu lesen, den Georg Friedrich Lichtenberg seinem Schulfreunde Amelung nach dem Pfungstädter Pfarrhaus schrieb. Der Göttingeü Professor der Physik wünscht den inneren Durchmesser des Turms, die Länge und Zahl der Staffeln und noch manche anderen Maße zu erfahren. Dann bittet er um ein kleines Stückchen, wenn es auch nur eine Haselnuß groß wäre, um „die Art und Konsistenz des Steins“ zu erfahren. Wenn Lichtenberg heute noch lebte, so würde es keiner ÄJühe bedürfen, den letzten Teil seiner Bitte zu erfüllen. Trümmer, Mauer- und Steinreste gibt es genug in und um den Bau des „Piu“, von dem nur noch kaum aufzubcuende Mauerreste stehen. Aber wie Lichtenbergs Erinnerung nicht nur von professoraler Wißbegierde angeregt war, sondern ebenso an den Räumen und an den Menschen haftete, so ist auch der heutigen Generation das Pädagog selbst als Ruine noch wert und lieb. Es barg die Vorschule des Alten Gymnasiums. Als Bau genommen, war es freilich alles andere denn ein Schulhaus in heutigem Sinn, denn der Bau „glich mehr einer mittelalterlichen Festung als einer Anstalt der Humanität, dessen Mauern mir heute noch so dick vorkommen wie die der Kreuzritterburg in Akko“. So schrieb Kasimir Edschmid, der am 5. Oktober Sechzigjährige, seine räumlichen Eindrücke von der Schule wieder, in die er am ersten Schultage nicht ging, sondern mit dem Schlitten gefahren wurde. pd.

Küß und pikant

< Unter dem Motto „Feingebäck zu Tee und Wein wird stets der Gäste Freude sein“ eröffnete die Südhessische Gas- und Wasser-AG. Darmstadt am Donnerstagabend in dem geschmackvollen Vorführungsraum Luisenplatz 4 die Vortragsreihe des Winterhalbjahres.

Bevor die zahlreichen Hausfrauen und einige Hausherren ihre Plätze einnahmen, konnten sie schon auf den Seitentischen die vorgerichteten Gebäcke und Speisen bewundern, deren Geheimnisse der Zubereitung im Vortrag verraten wurden, während sie in den verschiedenen Herden ihrer Vollendung entgegengarten.

Frau Koenig wußte, wie immer, über die Koch-, Brat-, Grill- und Backkunst so ansprechend und lebendig zu sprechen, daß ihr großer Hörerkreis aufmerksam und heiter aufgeschlossen mitging. Wo viele ‘Hausfrauen achtgeben, verbrennt der Kuchen nicht und kommen Auflauf, Vanille-, Käse- und Kümmelstangen, Mohrenköpfe und Grillbraten rechtzeitig aus dem Herd. Die praktischen Ratschläge für sparsamen Gasverbrauch und leicht auch noch nach arbeitsreichem Tage herzustellende süße und pikante Gerichte und Gebäcke für einen frohen Gästekreis fanden offene Ohren, während die Augen das mühelose Hantieren an den schönen Herden verfolgen konnten.

Prächtig mundeten die Kostproben, und für die angekündigten Lehrkurse, in denen die Frauen selbst Rezepte ausprobieren und an den Herden kochen, braten, grillen und backen dürfen, zeigte sich viel Interesse. Di.

WIE WIRD DAS WETTER

Freundlicher

Vorhersage: Zum Wochenende dunstig und bewölkt mit Zwischenaufheiterungen, überwiegend trokken. Mittags etwas wärmer als seither. Südwestliche bis südliche Winde.

Weitere Aussichten: Nächste Woche nochmalige Verschlechterung.



Gedanken eines Radfahrers

zum Abschluß der Verkehrserziehungswoche

Ich bin ein leidenschaftlicher Radfahrer. Nicht im übertragenen Sinne dieses Wortes, wie Sie vielleicht denken könnten, sondern im wörtlichen, sportlichen Sinn. Seit mehr als 19 Jahren schon trete ich meine alte, verrostete und klapprig gewordene Mühle über deutsche und ausländische Landstraßen, bergauf und bergab. Oft habe ich über Autofahrer geflucht, wenn sie mit 100 Sachen durch die Gegend rasten, die Straßen unsicher machten und den bescheidenen Radler mit protzigem, ungeduldigem Gehupe von der Straßenmitte zu verscheuchen suchten. Aber von der Natur haben die nichts, die hochnäsigen Autofahrer rasen an den schönsten Stellen vorbei und freuen sich, wenn sie uns mit ihrer blöden Huperei aufregen können.

Gestern nun lud mich ein Freund zu einer Autotour ein. Wir fuhren früh los, und spät in der Nacht erst kehrten wir heim. Und — ich muß es vorweg nehmen — von meiner Passion für das Radfahren war nicht mehr viel übriggeglieben. Man wird denken, daß ich mich über die Vorteile und Bequemlichkeiten des Autofahrens gegenüber dem Kräfteaufwand und der mühsamen Strampelei auf dem Fahrrad auslassen will. Weit gefehlt! Ich bin nach wie vor ein leidenschaftlicher Radsportler.

Kurz nach dem Start schon begann es: aus einer Seitenstraße, die mit einem Stoppschild versehen war, schoß ein Radfahrer heraus, der offensichtlich die Absicht hegte, uns über den Haufen zu fahren. Natürlich hielt unser Wagen dem massiven Angriff stand. Nicht so der Angreifer, der sich ziemlich unsanft auf den Hosenboden setzte. Mein Begleiter erging sich in weniger freundlichen Aev.ßerungen über die Radfahrer im allgemeinen und diesen im besonderen. Mir hingegen fiel ein, daß ich einmal auf dem Weg zu einem Rendevouz auf einen parkenden Lastwagen aufgefahren war.

Bald darauf überfuhren wir am Rande einer Ortschaft ein Huhn, das anscheinend dringend auf der anderen Straßenseite zu tun hatte. Wir mußten es leider seinem Schicksal überlassen, da die in der Nähe befindlichen Einwohner Miene machten, zu den Mistgabeln zu greifen.

Einige Zeit später war es eine alte Frau, die hinter einem haltenden Omnibus hervor, direkt auf unser Auto zulief, und erst beim durchdringenden Quitschen der Bremsen laut schreiend im letzten Augenblick kehrt machte. Daraufhin bestellte ich mir einen Schnaps im nächsten Wirtshaus. Für ein Weilchen gab mir das meine innere Ruhe wieder. Aber nicht lange. Es war gerade Sonntagnachmittag, und da wir im Jahrzehnt der Kirchweih-, Hundert-Jahr-, Heimat-, Bauern-, Winzer-, Sport-, Sänger- oder Feuerwehrfeste leben, begann nun der Slalom durch die Fußgänger, Kinderwagen, Hunde, Radfahrer und Angesäuselten. „Da haben wirs als Radfahrer doch besser“; dachte ich bei mir. „Die, die ich angefahren habe, leben alle noch munter und fidel.“

Als es schließlich dämmerte, begann es zu regnen. Die Straßen wurden zusehends leer, und da die Vergnügungslustigen zum großen Teil gottlob wohl endlich vor ihren Schoppen saßen, kamen wir erheblich schneller vorwärts. Nun begegneten wir Radfahrern, die, mit dicken Tornistern bepackt, tapfer durch den Nieselregen strampelten. „Die fahren auch nur dann hintereinander, wenn sie rechtzeitig einen Polizisten entdecken“, empörte sich mein Begleiter, als wir vier nebeneinander fahrende Radfahrer überholten, die sich durch unser Hupen nicht aus der Ruhe bringen ließen. Ich mußte daran denken, wie oft auch ich so gefahren war, und noch nachträglich wurde mir ganz übel beim Gedanken an die Gefahren, in denen ich geschwebt hatte.

Es wurde dunkel. Jetzt schimpfte mein Freund nicht mehr allein auf die Radfahrer, er fluchte vor allem über die vielen entgegenkommenden Wagen, die nur zu oft nicht für nötig hielten, ihr Scheinwerferlicht abzublenden. In solchen Momenten spürte ich stets ein Kitzeln in der Magengrube und hatte ein Gefühl, als plumpste ich mit geschlossenen Augen in ein schwarzes Loch.

„Das sind die Fälle, in denen man in der Regel auf unbeleuchtet parkende Lastwagen auffährt, oder einen der unzähligen Radfahrer ohne Rücklicht als Kühlerflgur mitnimmt“, kommentierte mein Freund. „Eigentlich sollte man jeden Radfahrer einmal 24 Stunden im Auto herumfahren“, sagte ich zu meinem Begleiter, als wir schließlich allen Gefahren entronnen und glücklich zu Hause gelandet waren. „Ich glaube, den meisten erginge es ähnlich wie mir. Es erscheint mir wie ein Wunder, daß ich bisher mit heiler Haut davongekommen bin.“

„Ja, ja“, sagte mein Freund nachdenklich, „es ist gut, daß man in der Beurteilung anderer meist von sich und seinen Perspektiven ausgeht. Es wäre nett, wenn du mich nächsten Sonntag zu einer Radtour mitnehmen würdest.“ L. L.





Der „Datterich“ in der Wirtschaftsoberschule

'Gestern nachmittag feierte die Wirtschaftsoberschule (Fachschule für Verwaltung und Wirtschaft) ihren diesjährigen Semesterabschluß. In dem Eberstädter Gasthaus „Zur Eisenbahn“ fand aus diesem Anlaß ein dreiteiliges Programm statt, das von Schülern und Schülerinnen der Wirtschaftsoberschule bestritten wurde. Nach dem Eröffnungsmarsch, der von Fred Essinger und Günter Bayer gespielt wurde, folgte ein Vorspruch, den Kurt Heiß zu Gehör brachte. Klavierstücke, Gedichte und Chorlieder lösten sich in bunter Folge ab, und besonders die Mundartgedichte hatten einen großen Erfolg. Alle Darbietungen wurden von Schülern durchgeführt.

Nach einer kurzen Pause ging Niebergalls „Datterich“ über die Bretter. Günter Horn, Klaus Oesner, Werner Dielmann und Werner Schäfer sowie Helmut Albrecht, Hilde Freudei, Horst Grasm ü c k , Paul Mo n - nard, Klaus Mengler und W. Müller waren die Personen der Handlung. Sie zeigten ein Laientheater, das in seiner Natürlichkeit und bezwingenden Heiterkeit großen Anklang fand. Der letzte Teil des Programms war dem Motto „Unser Odenwald“ gewidmet, und in ihm wurden Lieder, Volkstänze und Gedichte vorgetragen, die die enge Verbundenheit zur Heimat bekundeten. Ausgeführt wurde dieser Programmteil von Schüler und Schülerinnen der Klassen U 1 und U 2.

Zum Abschluß der Feier fand ein gemütliches Beisammensein statt, bei dem auch der Tanz der Jugend zu seinem Recht kam. Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, die sicherlich einen nachhaltigen Eindruck bei Beteiligten und Besuchern hinterlassen haben dürfte. -st

In der Stadt notiert

Das Erntedankfest wird am morgigen Sonntag in allen evangelischen Gemeindn Darmstadts feierlich begangen. Nur die Martinsgemeinde hält es am Sonntag, dem 8. Oktober, ab. Gottesdienstbeginn ist um 9.30 Uhr, in der Bessunger Kirche jedoch schon um 9 Uhr.

Eine Junglehrerfreizeit veranstaltet der Bezirksverband Darmstadt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vom 2. bis 8. Oktober auf dem Heiligenberg in Jugenheim. DT.

Das 1. Sinfonie-Konzert des Landes¬ theaterorchesters, das für den 2. Oktober in der Stadthalle geplant war, muß wegen notwendiger technischer Veränderungen an der Stadthallen-Bühne auf den 10. Oktober verlegt werden.

Das Landestheaterorchester gibt in dieser Spielzeit acht Sinfonie-Konzerte im Abonnement. Die Mietabteilung des Landestheaters, die täglich von 9 bis 12.30 Uhr und von 16 bis 18.30 Uhr geöffnet ist, nimmt Bestellungen entgegen.

Eine Jugendfunktionärschulung führt die Gewerkschaft Chemie, Papier und Keramik am Samstag und Sonntag im Riedbergheim in Eberstadt durch. Eine Besichtigung der Grube Messel ist geplant. t-s.

Kennkarte mißbraucht

Von einem ausgerissenen Häftling

Zu sechs Wochen Gefängnis wegen vorsätzlicher Täuschung im Rechtsverkehr verurteilte das Bezirksschöffengericht Darmstadt den 22jährigen Bäckerlehrling Karl B. aus Griesheim. Er, der zur Zeit eine 44monatige Haft im Gefängnis Darmstadt verbüßt, war am 25. Mai ausgerissen. Tags darauf paßte er seinen Vetter vor dessen Wohnung ab und bewog ihn, ihm seine Kennkarte zu überlassen. Das Versprechen, sie innerhalb von drei Tagen wieder zurückzusenden, hielt B. jedoch nicht, Er versteckte sich vielmehr in der Wohnung einer Frau und wies sich bei Personenkontrolle den Polizeibeamten gegenüber mit der Kennkarte des Vetters aus. Am 7. Juni wurde er wieder aufgegriffen und ins Gefängnis eingeliefert. Dabei konnte die Kennkarte sichergestellt werden. Vorher hatte B. versucht, sie zu vernichten.

Der Vetter war mitangeklagt, weil er B. den Ausweis überlassen und sich durch die falsche Angabe, er habe seine Kennkarte verloren, eine Zweitausfertigung besorgt hat. Er erhielt 40 DM Geldstrafe, wst.

Wohin gehen wir heute?

Landesthcater: Orangerie, 19.30 Uhr: „Maß für Maß“, Schauspiel von W. Shakespeare; Ende gegen 22.00 Uhr. Lichtspieltheater: Union: „Wenn eine Frau liebt“; Thalia: „Schwairzwaldmädiel“; Belida: „Ich mach Dich glücklich“ und Nachtvorstellung 22.30 Uhr: „Roman eines Spielers“; Palast: „1-2-3 Corona“; Hansa: „Himmel auf Erden“ und Nachtvorstellung 22.30 Uhr: Bühnengastspiel: „Die Amnestierten“ mit ihrem Erfolgsprogramm „Pst, Feind hört mit“. Stadthalle: 19.30 Uhr, Opernschule und Orchester der Landesmusikschule zeigen: „Der Holzdieb“, Oper von Heinr. Marschner.

und morgen?

Landestheater: Orangerie, 18.00 Uhr: „Tannhäuser“, Oper von Richard Wagner; Ende gegen 21.30 Uhr. Lichtspieltheater: Wie am Samstag, außerdem Hansa: 10.30 Uhr ..Hamlet“ und 14.00 Uhr Jugendvorslellung „Das große Spiel. Nachtvorstellung keine.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10 bis 18 Uhr. Ausstellung: „Gesundes Leben“.

Bereitschaftsdienste

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst: (v. 30. 9., 13 Uhr—7. 10., 8 Uhr). Darmstadt: Apotheke am Justiz-

palast, Bismarckstraße 17 (Tel. 636); Hirsch-Apotheke, Nieder - Ramstädter Straße 21 (Tel. 39 26).

Da-Eberstadt: Alte Eberstädter Apotheke, Darmstadt-Eberstadt, Oberstraße 10 (Tel. 219),

Da-Arheilgen: Goethe - Apotheke, Darmstadt - Arheilgen, Darmstädter Straße 65 (Tel. 20 22).

Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10 bis 12 Uhr). Zahnarzt Dr. Kallmeyer, Darmstadt, Liebigstraße 32 (1. 10.).

Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr). Dentist Philipp Wesp, Darmstadt-Arheilgen, - Thälmann-Straße 27 (1. 10.).

Ein amerikanischer Präsident aus Wolfskehlen

Der Präsident der Steubengesellschaft besucht Darmstadt

Es war keine der sonst üblichen Pressekonferenzen, die uns in das Dienstzimmer unseres Oberbürgermeisters führten. Es war eine Aussprache von Mench zu Mensch, die in ihrer Natürlichkeit überraschend war. Ludwig Hofmann stammt aus Wolfskehlen, und heute ist er der Besitzer einer großen amerikanischen Flugzeugersatzteilefabrik, und darüber hinaus Präsident der Steubengesellschaft im Staate Connecticut.

Was er aber nicht verleugnen konnte und will, das ist seine deutsche Herkunft, die sich in Sprache und Gebärde deutlich erweist, die ihn zu einem sympathischen und angenehmen Plauderer machen. In vier Wochen seines jetzigen Deutschlandaufenthaltes hat er nicht weniger als 45 000 Kilometer in seinem Personenwagen zurückgelegt, und schon alleine daraus ist ersichtlich, daß es ihm ernst ist mit dem Studium der deutschen Probleme. In Gernsheim hat er vor den Kindern der dortigen Schule gesprochen, er hat mit Bundesminister Schäffer konferiert und wird in den nächsten Tagen mit den höchsten Beamten der deutschen Regierung verhandeln. Und das, was er auf seiner Deutschlandfahrt zu sehen und zu hören bekam, wird sicherlich bei seinen Ansprachen in Amerika nicht ohne Einfluß bleiben.

Hofmann ist einer der Gründer der American relief, und für diese Hilfsorganisation ist er an vielen Städten der Staaten herumgereist und hat dort die nowendigen Einrichtungen organisiert. Beachtlich sei, daß das Deutschamerikanertum seit dem Kriege etwa 400 Millionen Dollar gesammelt habe, um damit den Hilfsbedürftigen in Deutschland Pakete zu schicken. Zunächst habe diese Organisation mit den Quäkern gearbeitet, sich aber bald getrennt, da die Quäker eigene Abgeordnete nach Deutschland entsenden wollten, und die American relief befürchtete, daß bei diesen Reisen, die zwar aus den Privattaschen der Quäker bezahlt werden mußten, bei den Deutschen der Eindruck entstünde, daß wesentliche Gelder für die Spesen verwendet würden. Nach dieser Trennung schloß sich diese Hilfsorganisation der Cralog an, die ihre Gaben von drüben zur Geschäftsstelle des Zentralwohlfahrtsverbandes nach Bremen schickte, die die Sendungen in die notleidenden Gemeinden weiterleitete. Besonders für Kinder und notleidende Kranke war diese Hilfe gedacht.

Durch Mitglieder dieser karitativen Organisation wurden im Laufe der Jahre mehr als 350 Millionen Pakete nach Deutschland verschickt. Es ist viel zu wenig bekannt, daß auch in Amerika nicht alles aus der Westentasche bezahlt werden kann. So .haben sich zum Beispiel viele Frauen, die niemals beruflich tätig waren, eine Arbeit gesucht, um mit dem Erlös die Hilfsorganisation der Steubengesellschaft unterstützen zu können. Es sind sogar Fälle bekannt geworden, in denen Hausbesitzer Hypotheken auf ihre Grundstücke aufgenommen haben, um ihrer menschlichen Verpflichtung zur tätigen Hilfe nachzukommen. Es darf nicht verkannt werden, mit welcher Liebe die Deutsch-Amerikaner an ihrer alten Heimat hängen. Selbst während des letzten Krieges konnte es ihnen nicht verwehrt werden, daß sie deutsch sprachen und deutsche Lieder sangen. Jetzt sind selbstverständlich die Spendeneingänge geringer geworden, aber immer noch gilt der Hauptaugenmerk den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen.

Dank der Bemühungen der Steubengesellscb''ft, die einen großen Einfluß auf die 34 Millionen deutschstämmige Wähler ausübt, ist es gelungen, die deutschstämmigen Heimatvertriebenen in der DP-Act aufzunehmen, so daß nun jährlich 54 000 von ihnen nach Amerika auswandern können, die die Reise vom amerikanischen Staat bezahlt bekommen. Der Präsident der Steubengesellschaft, Ludwig Hofmann, sieht seine vordringlichste Aufgabe darin, die eingewandfrten Deutschen in Amerika seßhaft zu machen. Ebenfalls trete die Steubengesellschaft für einen gerechten Frieden mit Deutschland ein. und es sei zu begrüßen, wenn in Zukunft die deutschen Diplomaten enge Verbindung mit dieser Organisation aufnehmen würden, um sich die notwendigen Wege ebnen zu lassen. Dank des intensiven Einsatzes der Organisation sei es gelungeh, den Anteil Deutschland im amerikanischen Haushaltsetat um weitere 52 Millionen Dollar zu vermehren. Die Steubengesellschaft stehe auf dem Standpunkt, daß das Problem der Heimatvertriebenen von den Schultern der Deutschen genommen werden müsse, da die Amerikaner letzten Endes schuld daran seien, daß diese Verhältnisse überhaupt eingetreten seien.

Im ganzen betrachtet war es eine angenehme Ueberraschung, einen Vertreter des Deutsch-Amerikanertums zu treffen, der ohne Umschweife sagte, was er dachte, der die guten und schlechten Seiten der augenblicklichen Besatzungspolitik einsah, und der ein objektives Urteil fällen konnte, das von semer Verantwortung gegenüber Deutschland diktiert wurde. hfl

Musikalische Vesper in der Pauluskirche

Seit einem Jahr sind in regelmäßigem vierzehntägigem Rhythmus musikalische Vespern in der Pauluskirche bei langsam wachsender Besucherzahl veranstaltet worden. Unter Mitwirkung verschiedener musikalischer Kräfte ist damit in der Form schlichter Feiern eine Fülle kirchenmusikalischer Werke dargeboten worden, die sonst selten zu Gehör kommen.

Die heutige Vesper um 20 Uhr bietet unter Mitwirkung von Frau Aga Z e h - Landzettel und Konzertmeister Paul Schnurrbusch folgende Werke von Joh. Seb. Bach: Andante aus dem Violinkonzert in a-moll, zwei Arien für Alt mit Violine und Orgel und eine Orgelpartie über den Choral: „Christ, der Du bist der helle Tag.“ DT

Der Intendanz des Landestheaters ist es gelungen, Kammersänger Joachim Sattler auch für die am Sonntag, dem 1. Oktober, stattfindende Tannhäuser-Aufführung als Gast für die Titelpartie zu gewinnen. Die Aufführung beginnt um 18 Uhr. DT

Schwimmhalle wird eingewetht

Morgen um 15 Uhr wird vor etwa 500 geladenen Gästen Direktor S t r a h r i n - ge r unserem Oberbürgermeister die Schwimmhalle übergeben. In äußerst geschmackvollen zarten Farben präsentiert sich die Schwimmhalle; wunderbar ist die Beleuchtungsfrage gelöst, und die Wasseraufbereitung ist so vorbildlich, daß das Wasser ununterbrochen Tag und Nacht durch große Spezialfllter gereinigt wird. Kurz und gut: Man hat an alles gedacht. Darmstadt dürfte mit dieser Schwimmhalle, die ab Montag 9 Uhr dem öffentlichen Badebetrieb zur Verfügung steht, eine der schönsten Anlagen im gesamten Bundesgebiet besitzen. — Für unsere Schwimm vereine ist die Eröffnungsfeier ein Festtag. Können doch die Darmstädter Schwimmer, die eine große sportliche Tradition aufzuweisen haben, endlich wieder in einer Schwimmhalle trainieren und auch während der Wintermonate wertvollste Jugendarbeit leisten.



Die Abschlußprüfung bestanden

im Staatlichen Seminar für Kindergärtnerinnen

Am 26. September haben 17 Schülerinnen des Seminars für Kindergärtnerinnen, Lagerhausstraße 7, nach zweijähriger Ausbildung ihre. staatliche Prüfung bestanden. 11 Schülerinnen erhielten die Note „gut“, 6 die Note „genügend“.

Die Erziehung des Kindes als das künftige Aufgabengebiet erforderte eine Ausbildung, in der die erziehungswissenschaftlichen Fachgebiete neben der Einführung in die Praxis der Kindergartenarbeit den Vorrang haben.

Herr Oberschulrat Dr. Mahr, der Direktor der Anstalt, begrüßte hierbei alle Anwesenden und entließ die jungen Kindergärtnerinnen mit den besten Wünschen für ihre Berufsarbeit. Die Gestaltung der Feier lag in den Händen der Unterstufe, die seit Ostern d. J. das Seminar besucht. Auch jetzt soll am 12. Oktober wieder ein Kursus eröffnet werden, in den Mädel mit „mittlerer Reife“, aber auch tüchtige Volksschülerinnen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, aufgenommen werden können.

DAS DT MÄRCHENSCHIFF



Der Drachen Jürgen

... Und näher, ganz nahe brauste der Flug der Vögel. Als sie die Stimme hörten, wurden sie traurig und zerrissen dem Drachen Jürgen die Leine. Der Drache Jürgen fiel zur Erde zurück und war ärgerlich, weil sein Wunsch nicht erfüllt wurde. Der Junge lief zu dem Drachen und freute sich sehr, weil er so gut gestiegen war und nicht mit den Schwalben in die heißen Länder geflogen war. Danach nahm er seinen Drachen und die Kordel und ging heim. Albrecht Weiß, 8 Jahre * *

Und näher, ganz nahe brauste der Flug der Vögel, und sie rissen die Schnur im Fluge ab. Da war der Wunsch des Drachen Jürgen erfüllt. Der Wind trieb ihn höher, und der Drachen jauchzte auf und ließ sich zu den Wolkenbergen treiben. Aber Jürgen, der Knabe, stand unten auf der Erde und weinte bitterlich. Er ging heim und erzählte das Unglück seiner Mutter, die versuchte ihn zu trösten und versprach, ihm einen neuen Drachen zu schenken. Jürgen schluchzte aber: „Es gibt keinen mehr so schön wie Jürgen war“. Als die Mutter ihn abends zu Bett brachte, weinte er sich in den Schlaf und träumte, sein Drachen wäre wieder zu ihm gekommen. Indes flog der Drache Jürgen immer schneller den Wolkenbergen entgegen, und schließlich setzte er sich auf den höchsten. Dieser segelte mit ihm viele Stunden immer nach Westen zu. Endlich kamen sie zu dem Schloß der Wolkenfee, und das Ziel der großen Wolke war erreicht.

Die Wolkenfee war eine gütige Frau und die Mutter der vier Winde. Sie wußte bereits um die Geschichte mit dem Drachen Jürgen und wiegte überlegend ihr Haupt, denn sie wollte den Drachen dem Jungen zurückschicken. Da kam ihr Sohn Westwind herein. Mit dem schickte sie den Drachen zurück zu Jürgen, der gerade aufwachte, als der Westwind ihm den Drachen aufs Bett wehte.

Da war die Freude groß! Dem Drachen Jürgen wurde eine noch viel längere Leine angeknotet, so fest, daß sie nicht wieder abreißen konnte. Als der Westwind sich auf die Rückreise machte, stieg der Drache wieder in die Luft und sagte zu dem Wind: „Vielen Dank, daß du mich wieder zu Jürgen gebracht hast. So kann ich ja auch ein Stückchen Erde sehen“. Dann flog der Wind weiter. Und jeden Herbst wurde Jürgen, der Drachen, wieder vom Wind in die Luft gepustet, aber wenn der Westwind um seine Ohren pfiff, freute er sich am meisten. Hannelene Kimberger, 12 Jahre

Da habt ihr euch nun selbst die Geschichte vom Drachen Jürgen zu ende erzählt, vielen Dank, daß ihr so fleißig geschrieben habt! Leider konnte das Märchenschiff nicht alles mitbringen, was ihr Mädchen und Buben vom Drachen Jürgen wußtet. Aber darum seid nicht betrübt, später werdet ihr ^jcher alle einmal schöne, lange Märchen schreiben können. Unsere beiden hier aber, Hannelore und Albrecht, werden ihre kleine Belohnung ins Haus geschickt bekommen.

Doch nun müßt ihr wissen, daß das Märchenschiff, das ihr selbst heute mit Fracht beladen habt, seine letzte Fahrt macht. Eine Geschichte für euch zum Sonntag findet ihr künftig in der neuen Sonntagsbeilage. Aber das Märchenschiff muß seine Fahrten einstellen, wenn es uns auch noch so leid tut. Ich hoffe ihr werdet gern die Geschichten lesen, die euch die neue Beilage unter der Schrift „Ins Kinderland“ erzählt; und so laßt euch heute zum letztenmal grüßen von eurem Märchenschiff.

Feuilleton

Neue Filme in Darmstadt

BELIDA: „Ich mach Dich glücklich/*

In diesem Comedia-Film hat Heinz Rühmann ausreichend Gelegenheit, sein Repertoire trockenen Humors neu zu zeigen. Sein Witz benötigt nicht die Stelzen früherer „Gasmann“ - Erfolge (oder anderer Rollen), sondern bringt eine noch kompaktere Originalität seiner Darstellungskunst, wozu ihm in diesem Fall die filmische Forderung: Fixigkeit des Reporters einer Großstadt, hilft. Die erstaunten Kulleraugen, der schreckhaft vorgereckte Hals läßt ihm die Zeit, seine berühmten Pointen mit Mutterwitz noch schlagkräftiger vorzubringen. Der ganze Rühmann ist knapper, noch präziser geworden. So empfindet es das Drehbuch und der Zuschauer als gerecht, daß seine gegnerischen Partner, würdevoller, exzellenter und gesellschaftlich gewandter gegen ihn abfallen. Dabei versteht es Schönböck allerdings, dem weinerlichen, konventionellen, im Grunde gutmütigen „Viktor“ die Glaubhaftigkeit verwaschener Intelligenz und jugendlicher Troddeligkeit zu geben. Schönböck ist in dieser Rolle besser denn je. Hertha Feiler, Rühmanns Frau im. Film und in der Wirklichkeit, hätte man der Handlung nach gerne etwas wertiger kapriziös gesehen, aber sie gibt der „Barbara“ so viel Wärme (gegen Ende des Stückes), daß man die anfängliche Routine als bewußte Gegensätzlichkeit zu dem jungenhaften Hauptdarsteller buchen möchte. Dorit Kreißler, wie immer gut Und schrill, Margaret Hagen als Frau Geheimrat, knöchern (aber verständnisvoll) und Fritz Kampers, leider nur kurz, wie immer prägnant.

Die Regie von Alexander v. Szlatinay, hatte wohl die Absicht diesen gescheiten und geschickten Film völlig locker ablaufen zu lassen. Die ewig gehetzte Redaktion mit Hans Leibelt als dem Chef an der Spitze könnte in der Wirklichkeit bestehen. Ein Reporter ist nicht hektisch, und gemütliche Presse-Clubs gab es tatsächlich vor dem Krieg.

Der spritzige und eindrucksvolle Film hat mehr Niveau als manche Tragödie UG.

PALAST: „1-2-3 Corona“. Endlich mal was anderes, möchte man befreit sagen, wenn man diesen Film gesehen hat. Er kündet keine Stars an — die Hauptdarsteller sind Jugendliche — und ist deshalb gut. Ein Film, der im Milieu Berliner Nachkriegsepoche gedreht wurde und sich mit dem Problem unserer „verwahrlosten“ Jugend auseinandersetzt. Der Film fesselt einen, begeistert, läßt einen schmunzeln und laut auflachen. Eine tolle Geschichte, meisterhaft gemacht und von einem Regisseur (Hans Müller) mit tiefem psychologischen Verständnis geleitet. — Wenn ein Film so brillant ist soll man mit seinem Lob nicht hinter dem Berge halten. Wir sind die Letzten, die das täten. -zr-

Neue Kräfte am Landestheater

PAUL CADOW

war bevor er als Chordirektor zu uns kam am Lübecker Theater als Sanger engagiert In Lübeck geboren, hatte er in Berlin an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik studiert. Während seiner langährigen Tätigkeit in Kassel schrieb er Schauspielmusiken, liturgische Kompositionen und Kammermusiken.



Notizen

Im Gastspiel erfolgreich

Vom Landestheater Darmstadt gastierten Nicolo Jussa als Radames (Aida) an den Städtischen Bühnen in Frankfurt und Franz Köth als Belmonte (Entführung aus dem Serail) am Württemberg: sehen Staatstheater in Stuttgart. Beide Künstler hatten mit ihrem Gastspiel großen Erfolg.

Internationaler Geigerwettbewerb in Rom. Der Konzertausschuß der National-Akademie von Santa Cecilia in Rom hat zum Gedenken an Arigo Serato einen internationalen Wettbewerb für Geiger ausgeschrieben, an dem auch Deutsche teilnehmen können. Nach einer Mitteilung des Kultusministeriums von Rheinland/ Pfalz dürfen die Teilnehmer das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Als erster Preis sind 500 000 Lire, als zweiter Preis 300 000 und als dritter 200 000 Lire ausgesetzt. .

Das leuchtende Fenster

EIN BEITRAG ZUR WOCHE DES DEUTSCHEN FILMS

„Vielleicht wird der Film dereinst das mächtigste Förderungsmittel der seelischen Revolution gegen den Sachglauben gewesen sein. Denn er ist es, der die Massen, die Millionen zum Phantasieleben aufrüttelt, der den Durst nach Traum und Erschütterung in die untersten Volksschichten trägt. Er ist es, der die primitivsten Menschen in Sibirien und Mexiko gelehrt hat, Erdachtes und Erfabeltes im Bild als wirklich zu erleben und zu verstehen“. (Franz Werfel)

Als im Jahre 1945 das fünfte Dezennium seit der Erfindung des Films abgeschlossen war, wußte man wohl, daß diese „siebente Kunst“ noch immer die Windeln eines Säuglings trägt. Was bedeutet schon ein halbes Jahrhundert im Säkulum der Kunst? Eine kurze Spanne nur, die aber in ihrer Entwicklung bis heute stets vom Geiste des Fortschritts getragen war. Der vollendete, der „erwachsene“ Film kommt einem Ideal gleich, das sich womöglich nie verwirklichen läßt. Jedoch im ständigen Wachstum begriffen, geht dieses „Mischwerk“ aus Kunst und Technik den Annäherungswerten einer Vollendung entgegen, in der alle Dimensionen menschlicher Sinneswahrnehmungen angesprochen werden. Dann erst wird das Zeitalter des „totalen Films“ angebrochen und damit eine Entwicklung gekrönt sein, die so viele Stadien einer bewegten Geschichte von der Verdammung bis zum Triumph auskosten mußte.

Es soll in diesem Zusammenhang nicht untersucht werden, ob der Film überhaupt Kunst sein kann oder ob seine Leistungen nur von der seelenlosen Maschinerie der Technik bestimmt werden. Die Auseinandersetzung mit dieser grundsätzlichen Frage bedarf einer besonderen Abhandlung. Hier geht es darum, dem deutschen Filmschaffen, dem Film überhaupt, aus Anlaß dei' Woche des deutschen Films eine Art von jener „Liebeserklärung“ zu machen, die sich auch durch Neckereien, Beschimpfungen und allerlei kleine Unflätigkeiten nicht beirren läßt.

Die Woche des deutschen Films hat einen demonstrativen Charakter. Sie will bewußt keine Leistungsschau sein. Indem sie ausschließlich auf das deutsche Filmschaffen hinweist, stellt sie eine Aktion zu seiner Stützung dar und sie hat dabei vornehmlich die Aufgabe, dieser jungen Produktion neue Anhänger, neue Freunde zuzuführen. Neben dieser ideellen Seite hat die Woche des deutschen Films aber noch eine materielle: mit den Einspielergebnissen der westdeutschen Filmtheater sollen qualitativ hochwertige Filme gedreht werden. Bei dieser Ankündigung ist man zunächst geneigt, etwas skeptisch zu sein. Die Skepsis hat sich aus mancher schlechten Erfahrung der jüngsten Zeit ergeben. Sie zu hegen und zu pflegen, wäre allerdings gleichzusetzen mit einer künstlichen Zucht von Vorurteilen, die wohl eines Tages nich’t mehr zu rechtfertigen sein werden. Es ist ungerecht und töricht, den jungen deutschen Nachkriegsfilm kollektiv zu verwerfen. Wenn in den Jahren von 1946 bis 1949 also auch in einer Zeit, in der jeder Nagel, jeder Leimtopf und weiß Gott was sonst noch durch „Kompensation“ erworben werden mußte, wenn in diesen Jahren allein hundert deutsche Filme von „Die Mörder sind unter uns“ angefangen bis zur „Nachtwache“ hergestellt werden konnten, dann ist schon allein eine physische Leistung aufgewendet worden, die auch bei der Beurteilung der künstlerischen Arbeit aus der Not der Zeit heraus nicht übersehen werden darf. Das Wort von der sogenannten „Filmkrise“ ist selbst schon eine Krise geworden, da es zu sehr strapaziert worden ist. Die Krise abzuleugnen, wäre eine Aussage wider besseres Wissen, sie aber auf den Piedestal eines Idols zu heben, statt durch bessere Vorschläge zu beseitigen, das ist nicht mehr das wirkungsvolle Mittel, wodurch man ihrer Herr werden könnte.

Auch der von Schwächen und Mängeln behaftete deutsche Film der Nachkriegszeit hat sich seine Welt erobert. Er war und bleibt die der Masse zugänglichste Kunst. Damit ist auch gleich gesagt, daß die Krise des Films nicht nur wirtschaftlich bedingt ist, sie ist in erster Linie eine Krise des sogenannten Publikumsgeschmacks, der wiederum in den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit seine stärkste Quelle und seine erklärlichen Gründe hat. Eine allmähliche Beruhigung auf allen Gebieten des Lebens wird auch eine Beruhigung des Kunstschaffens und eine klarere Scheidung der Geister mit sich bringen. Dann wird auch das, was man schlechthin die Masse nennt, wieder zu einer Revision ihrer Geschmacksrichtung kommen und womöglich wird die Glorifizierung des Häßlichen und Bösen einer Philosophie des Schönen in der Welt Platz machen. Schon die jüngste Entwicklung des Films — wenn man von aller Seichtheit und allem Kitsch absieht — hat gezeigt, daß man nicht mehr dem Trümmerfilm den Vorzug geben will, sondern jenem Erzeugnis einer geläuterten Filmkunst, die versucht darzulegen, wie man die Trümmer hinwegräumen kann.

Von den sogenannten „Klassikern“ des deutschen Films von Wienes „Kabinett des Dr. Caligari“, Leontine Sagans „Mädchen in Uniform“, Piscators „Revolte der Fischer“, Lupu Picks „Silvesternacht“ und Paul Lenis „Wachsfigurenkabinett“ bis zu „In jenen Tagen“, zur „Treppe“ oder zum Käutnerschen „Epilog“ war ein weiter Weg, dessen Marschroute doch immer vom Fortschritt bestimmt war. Auch die Deklassierung des Films zum publizistischen Mittel der totalitären Staatsführung konnte seine technische und künstlerische Weiterentwicklung nur hemmei}, aber nicht zerstören. Als nach der Katastrophe von 1945 ein neuer Anfang gesucht wurde, konnte der junge ' Film zunächst nichts anderes sein als ein aus unzulänglichen Mitteln erarbeiteter Wert, dei’ in den Klammern der Re-education vorläufig festgelegt war.

Inzwischen hat der deutsche Film immer wiedei' Versuche gemacht, neue Wege zu finden. Voi' allem haben sich begabte Regisseure bemüht, in die Bezirke der Avantgarde einzubrechen, wenn auch nur mit kleinen Anfängen. Audi der Film als Avantgarde ist nie massenfremd gewesen. Er vibriert mit seiner Zeit und handelt wie keine andere Kunst von Massen selbst und wieder für die Massen. Griffith und Eisenstein haben Volksbewegungen eingefangen und die Geschichte zum Epos und zur Legende gestaltet. Die Franzosen übernahmen das nationale Erbe des naturalistischen Romans und vor allem der impressionistischen Malerei. Utopische Filme von Rene Clair und Capra entstanden in der Atmosphäre großer Reforpabewegungen. Auch die großen deutschen Filme von Fritz Lang und G. W. Pabst spiegeln noch heute die geisterhaft ausweglose Situation der Massen. Der Film entdeckt Höhen und Unterwelten der Gesellschaft. Er geht auch dann noch mit der Masse, wenn er ihr irgendwie zu entrinnen sucht. Hier liegen die Wurzeln des guten, des künstlerisch wertvollen Filmes und nicht etwa in jener dunklen geisterhaften Quelle, die so oft mit dem Begriff „Traumfabrik“ identifiziert wird.

Das deutsche Filmschaffen steht noch in den Anfängen seiner Entwicklung. Neue wirtschaftliche Chancen sind ihm geboten, und wenn nicht alles trügt, darf mit einigem Optimismus angenommen werden, daß es bald wieder ein leuchtendes Fenster in der Ladenstraße der internationalen Produktion werden kann. Die deutsche Filmwoche soll dazu ein Auftakt sein. Martin Ruppert


OKTOBERSTIImUNC Foto; Ha„s Kenn„
OKTOBERSTIImUNC Foto; Ha„s Kenn„

Aus der Welt der Insekten

Im Rahmen der Volkshochschule hielt der Direktor des Zoologischen Instituts der Technischen Hochschule, Prof. Dr. W. Ankel, einen Lichtbildervortrag „aus der Welt der Insekten“. Das Riesenreich der Kerbtiere, dessen vieltausendfache Arten und Gattungen auch dem Fachmann Schwierigkeiten bereiten, gehört zu den interessantesten Lebensäußerungen der Natur. Wer selbst einmal entomologisch gearbeitet hat, wer nachts mit seinen Geheimrezepten, Aepfel mit Bier und Honig, Insekten geködert hat, der steht immer wieder bewundernd vor der Vielfalt der Arten, vor der sinnreichen Einrichtung ihrer Körper und ihrem staatsbildenden Instinkt.

Insekten sind so alt wie die Erde, im Laufe von Jahrzehntausenden haben sie sich aus den primitivsten Ringelwürmern der Meere zu hochentwickelten und komplizierten Geschöpfen entwickelt. Sie haben alle Elemente erobert, das Wasser, aus dem sie stammen, die Erde und die Luft, und in ihrer Entwicklung vom Ei zum ausgewachsenen Insekt durchlaufen sie zum großen Teil nochmals alle Stadien ihrer Geschichte. Das, was Menschengeist in vielen Jahrhunderten an technischen Erfindungen entwickelt hat, gibt es im Reiche der Insekten seit undenkbarer Zeit. Sie benutzen teilweise Werkzeuge, wie die Weberameise, die kunstvoll Blätter mit Hilfe ihrer spinnenden Larven zusammenwebt, sie klopfen mit Sandkörnchen Erdhöhlen zu, wie eine kleine Wespenart, die Raupen ansticht, daß sie gelähmt sind, in das Tier ihr Ei versenkt, und den lebenden Kadaver dann in einer Höhle vergräbt. Sie sind mit einem unerklärlichen Instinkt begabt, wie zum Beispiel die Larve des Hirschkäfers, die vor ihrem Ausschlüpfen „weiß“, ob sie ein Männchen oder Weibchen wird, da sie danach den Raum bemißt, der für ihre Entwicklung erforderlich ist. Bei männlichen Hirschkäfern wird diese Larve auf die Ausdehnung des Geweihes Rücksicht nehmen. Verschiedene Ameisenvölker legen unterirdische Pilzkulturen an, von denen sie leben, und wenn eine Ameisenkönigin auswandert, um sich ein neues Volk aufzuziehen, dann nimmt sie ein Pilzflöckchen mit.

Der Vortragende verstand es, mit humorvollen Worten auf die Eigenarten und Sonderheiten der Insekten einzugehen, aber die Fülle des Vorgetragenen bedeutet nur ein Bruchteil von dem, was über Insekten heute bekannt ist. und sicherlich gibt es noch tausenderlei Dinge, die einer Aufklärung durch die Wissenschaft harren. hfl.

Große Sängerin im Amerikahaus

Das Amerikahaus, das in ’der letzten Zeit die Qualität seiner musikalischen Programme stetig verbesserte, stellte in einem Liederabend mit Ellen Repp einen illustren Gast vor. Die Sängerin besitzt einen dramatischen Sopran von seltenen Ausmaßen, kräftig und stark in allen Lagen, abgerundet und wohlklingend im Ton. Diese organischen Vorzüge gestatten es ihr, bei der- Interpretation von Arie und Lied ihre Stimme in allen Schattierungen spielen zu lassen. Vom strahlenden Forte bis zum hauchzarten Pianissimo verwendet sie viele abgestufte Nuancen zur dynamischen Phrasierung und gestaltet unter bevorzugtem Einsatz dieser Mittel die Wiedergabe der Werke. Wenn man bedenkt, daß diese amerikanische Sängerin die großen Bühnenrollen ihres Fachs kreiert und die dramatischen Frauengestalten Wagners zu ihrem prädestinierten Repertoire gehören, so schätzt man ihre künstlerische Befähigung um so höher ein, wenn sie schlicht und warm norwegische und amerikanische Volkslieder vorträgt. Auch mit den Liedern Hugo Wolfs und besonders Richard Strauss’ ist sie eng und innig verbunden und deckt in seelischer Größe das musikalische Ethos von Beethovens Arie „Ah! Perfido!“ auf. Geistige Kultur und gesangliche Schönheit sind bei dieser Künstlerin im höchsten Maße vereint.

Als Begleiterin am Flügel wirkte Virginia Pleasants mit allen Vorzügen gestalterischen Mitempfindens. Der Saal im neuen Amerikahaus schien zu klein für die vielen Besucher, die sich mit herzlichem Beifall für den erlesenen Kunstgenuß bedankten. G. I.

DT Film-Forum

„Eine Wiener Norwegerin”

Man kann von ihr mit Recht sagen, daß i sie einen Typ darstellt, der im Bereich ; der deutschen Sprache selten ist; und so ; versteht es sich leicht, daß Maria Holst gerade hier eine glänzende Karriere machen konnte. Sie ist ein starkes Talent, und darüber wundert man sich nicht mehr, wenn man hört, daß ihre Mutter Norwegerin, ihr Vater Wiener ist. Wo so verschiedenartige Blutströme zusammenkommen, gedeihen oft die stärksten Persönlichkeiten, und wenn dann noch dazu schon die Mutter ein Universalgenie war, die sich in schlechthin allen Künsten nicht nur versucht, sondern erfolgreich betätigt hat, dann ist es ja kein Wunder, daß in der Tochter solche Begabung elementar zum Durchbruch kam.

Sie gehört zum deutschen, zum deutschsprachigen Film — und ist dennoch in einem erfreulichen Maße von provinzieller und enger nationalstaatlicher Klassifizierung frei. In sehr jungen Jahren kam sie von Wien nach Paris, erhielt an der Comedie ffancaise Schauspielunterricht, bekam dann in Wien bei Margit von Tolnay den letzten Schliff, und trat dann in der Schweiz auf, in Zürich. „Mädchen in Uniform“, „Ein Sommernachtstraum“ und „Don Carlos“ waren die ersten Etappen, die sie in Zürich durcheilte. Dann ging es wieder nach Wien, dort hat sie u. a. mit Ernst Deutsch zusammen in den Kammerspielen in der Josephsstadt, im Volkstheater gespielt, dort stand sie neben Zarah Leander in „Axel an der Himmelstür“, dort hat sie auf der Bühne des Burgtheaters gestanden. Und dann ging es 1949 nach Berlin.

Daß der Film sich in diesem Entwicklungsgang eines Tages meldete und Maria Holst entdeckte — das ist kein Wunder, und es war Willi Forst, der ihr in „Operette“ eine schöne Chance gab, der sie wiederum in „Wiener Blut“ herausstellte, und dann kam Geza von Cziffra mit dem Film „Hundstage“ und Ucicki mit dem Film „Der gebieterische Rui“. So war sie dem deutschen Filmpublikum bekannt geworden, ihr Gesicht prägte sich unvergeßlich ein.

Und was treibt sie privat? Selbstverständlich ist sie verheiratet, mit einem Wiener Graphiker und Maler. Selbstverständlich hat sie auch kleine Liebhabereien, und ihre Privatliebhaberei sind ... Hunde. Ihnen gilt ihre Liebe und Zuneigung in besonderem Maß, und ihr Mann teilt diese Vorliebe. So verstehen die beiden Eheleute sich auf einem besonderen Gebiet ganz besonders, und ein kleines Büchelchen, das in Kürze in Oesterreich herauskommen wird: „Heitere Hundekunde in Vers und Bild“ wird der Oeffentlichkeit Zeugnis davon ablegen, wie tief die Liebe zu diesen Vierbeinern in ihr und ihrem Mann festsitzt, zu welchen reizenden Versen und Zeichnungen diese beiden von ihren vierbeinigen Freunden begeistert wurden.

Nach dem Zusammenbruch 1945 hat sie sich mit ihrem Mann in der Nähe von Linz angesiedelt und dort ihre Zeit abgewartet, und diese Zeit kam. Die Männer, die ihre alten Filme kannten, die Regisseure, die sich an ihrem aparten Profil, an ihrem Können begeistert hatten, erinnerten sich daran, daß da solch eine besonders interessante Schauspielerin war und so holte man sie auch ihrer Einsiedelei fort, zu neuen Filmen. In Wien drehte sie den Film „Märchen vom Glück“, und in Wiesbaden den Film „Mordprozeß Dr. Jordan“ ... und damit begann nun ihre neue Filmserie, in denen wir ihr ausgeprägtes Gesicht sehen und ihre Schauspielkunst bewundern können.


MARIA HOLST
MARIA HOLST

(Foto: Merkur/Eichberg/Herzog-Fita)
(Foto: Merkur/Eichberg/Herzog-Fita)

STARKENBURG

Denn bei der Post...

Erbach und Michelstadt könnte man fast für ein einziges Stadtgebilde halten. Viele Leute hüben und drüben würden es sogar begrüßen, wenn es tatsächlich so wate. Immerhin, offiziell und vor allen Dingen für die Post handelt es sich noch um zwei Orte. Mit Fe r n zustellverkehr. Das muß offenbar sehr wörtlich genommen werden, wie ein Michelstadter, der der „Conti* wohnt, erfahren mußte. Am Mittwoch, 27. September, um 14.30 Uhr, brachte ihm der Briefträger eine Glückwunschkarte zu seinem Geburtstag ins Haus, der bereits in der vergangenen Woche war. Nach dem gut lesbaren Poststempel war die Karte am 18. 9. 1950 um 12 Uhr in Erbach aufgeliefert worden. Der Empfänger ließ es sich den „Sprit" kosten und fuhr mit dem Motorrad zu dem Absender, um ihn über den genauen Absendetag zu befragen. Und tatsächlich! Die Karte war für den zwei Kilometer langen Weg von Erbach nach Michelstadt genau neun Tage, zwei Stunden und 30 Minuten unerwegs. -ch

Fehlender Aufwind

Die Odenwald-Ballone des JRK flogen nicht weit. Sechs Wochen nach dem Start stand nun das endgültige Resultat des Ballon - Wettfliegens des Deutschen Jugend-Rot-Kreuzes am „Tag des guten Willens“ für die Teilnehmer aus dem Kreis Erbach fest. Durch die Ungunst der Witterung kam keiner der im Odenwald gestarteten Ballone an die Entfernungen heran, die zur Erlangung einer Erholungsreise ins Allgäu notwendig gewesen wären. Bekanntlich flog der Ballon, der den ersten Platz belegte, 935 km weit. Dagegen legte der Ballon von Gertrud Angele, Erbach, nur 247 km zurück, was aber immer noch zum ersten Platz im Kreis Erbach reichte. 240 km flog der Ballon der JRK-Gruppe Erbach; dann folgen Karl Kreuzer, Günterfürst, 220 km; Philipp Müller, Mümling-Grumbach 213 km; Gerda Altmeier, Erbach, 206 km; Eckhard Siebeneicher, Erbach, 194 km; Elisabeth Friedrich, Günterfürst 170 km; Klaus Unger, Erbach 163 km; Norbert Schäfer, Erbach, 152 km; Karl Miltenberger, Günterfürst, 145 km; Inge Friedrich, Günterfürst, 140 km; Gerhard Orth, Erbach, 126 km; Ellen S t eil wa g , Erbach, 98 km und Rosi Ripper, Schönnen, 92 km. Diesen 14 „Wettfliegern“ konnte das JRK Erbach im Rahmen einer kleinen Feier Preise überreichen, die Erbacher Geschäftsleute zu diesem Zweck gestiftet hatten. —ch

Vorm „Lieschen“ weggehüpft

und vom Personenwagen erfaßt

Kinder suchen sich die seltsamsten Spielplätze aus. Ein Ei enbahnkö-pet dürfte aber einer der unpassendsten sein, selbst wenn es sich um den einer Kleinbahn wie das „Odenwald-Lieschen" handelt, das zwischen Reinheim und Reichelsheim verkehrt. Etwa 500 Meter vor der Haltestelle Nieder-Kainsbach stieben am Dienstagnachmitteg zwei kleine Kinder zwischen den Sdiienen. Plöfdich sahen sie aus Richtung Brensbach einen Personenzug auf sich zukommen. Hurtig sprang das Kind auf einen Acker neben der Bahnlinie, die 7jährige Erika Biermann au; Nieder-Kainsbach dakge i nadi der anderen Seite aut die pa a tel zur Bahn verlaufende Straße. Im tel.en. Augenblick fuhr ein Personenwagen aus Groß-Gerau vorüber und erfaßte; das Kind, das durch den Anprall weit über die Straße geschleudert wurde. Mit Unterschenkelbrüchen an beiden Beinen, Schädelbiuch und schwerer Gehirnerschütterung mußte es in lebensgefährlichem Zustand ins Luisenkrankenhaus nach Lindenfels gebracht werden, -ch

Täter ermittelt

Wie wir jetzt erfahren, wurden bei dem in der Mittwoch-Ausgabe gemeldeten Einbruch in der Groß-Gerauer Siedlung, am Frischsee 6, nicht 1500,— sondern nach neueren Feststellungen 900,— DM sowie ein Trauring im Werte von 50,— DM entwendet. Beides gehörte einem dort wohnenden Verwandten des Hausbesitzers. Da der Wagen, mit dem die Einbrecher zu dem Tatort fuhren, bei einer Verkehrskontrolle wegen einiger Mängel aufnotiert wurde, konnte jetzt festgestellt werden, daß er das Kennzeichen H 41-3335 trägt und Marian Jakobsen, Frankfurt-Main, Hostdado 4a, gehört.

Ersprießliche Meckerei im Erbacher Fornm

Lebendiges Bindeglied zwischen Bürgerschaft und Stadtverwaltung

Die erste Versammlung des öffentlichen Bürgerforums von Erbach nach der Sommerpause fand am Donnerstagabend so lebhaften Zuspruch aus allen Kreisen der Bevölkerung, daß der große Saal der Gastwirtschaft „Zum Hirsch" übervoll war.

Diese starke Beteiligung ist der beste Vertrauensbeweis der Einwohnerschaft für die Arbeit des öffentlichen Forums, dessen Ziel es ist, lebendiges Bindeglied zwischen Bevölkerung und Stadtverwaltung zu sein, gewissermaßen als erweitertes Gemeindeparlament, oder wie es der Sprecher des Forums ausdrückte, als Familienrat aller Erbacher.

„Heute wird gemeckert“ stand als Thema über diesem Abend. Es kam darauf an, kritisch zu untersuchen, was von den Beschlüssen der 4 Sitzungen des Erbacher Forums vor der Sommerpause verwirklicht wurde und wo Wünsche offen blieben. Berichter zu den 4 Themen waren Mitglieder des Forumsvorstandes.

Otto Lange behandelte die seinerzeitige Frage des Forums „Wohnungsamt oder nicht?“. Er gab einen Rechenschaftsbericht über die gemeinsamen Anstrengungen von Stadtverwaltung, Baugesellschaft, Interessenverband der Heimatvertriebenen und privaten Bauherren zur Schaffung neuen Wohnraums. (Wir berichteten hierüber bereits.) In der Aussprache wies Stadtinspektor Johann Stell wag auf die vorteilhaften Auswirkungen des steuerbegünstigten Sparens auf die örtliche Bautätigkeit hin.

Die zahlreichen Anregungen des Forums zur Förderung des Fremdenverkehrs und der Ortsbildverschönerung behandelte Bruno Kraft. So sehr sich auch die Stadtverwaltung bemüht habe, die Vorschläge des Forums zu verwirklichen, so teilnahmslos habe sich der größte Teil der Einwohnerschaft verhalten. Das sei deshalb so unverständlich, da doch gerade die Bevölkerung selbst der erste Nutznießer der angestrebten Maßnahmen gewesen wäre. Anerkennend hob der Referent die neu erbaute Jugendherberge hervor, die einen wertvollen Beitrag zur Fremdenverkehrsförderung darstelle. Uebereinstimmend wurde dagegen festgestellt, daß der Erbacher Verkehrsverein seiner Aufgabe nicht genügte. Lehrer Falter schlug erneut einen Blumenschmuck-Wettbewerb für 1951 vor.

Die Notlage des Elfenbeinkunsthandwerks untersuchte Wilh. Weg e 1 und stellte zusammenfassend fest, daß nur durch Anpassung der eigenschöpferischen Form der Elfenbeinschnitzer an den Zeitgeschmack die ökonomische Krise des Gewerbes überwunden werden könne. Direktor G 1 en z von der Staatl. Fachschule pflichtete dieser Meinung bei und zeigte im einzelnen die Mängel auf, die dringender Abstellung bedürfen. Dazu gehört auch die würdigere Unterbringung des Elfenbein-Museums. Vor allen Dingen müßten die Elfenbeinschnitzer selbst bereit sein, die vom Forum eingeleiteten Hilfsmaßnahmen anzunehmen.

Adolf Egner erörterte als letzter Referent die Vordringlichesten Sportaufgaben der Kreisstadt. Erfreulicherweise konnte festgestellt werden, daß die Stadtverwaltung sämtliche diesbezüglichen Anregungen des Forums genehmigt habe. Im nächsten Ausspracheabend des Forums, der in die Zeit vom 15. bis 20. Oktober fallen wird, sollen wichtige Fragen und die Arbeit des Verkehrs Vereins erörtert werden. -ch


16 Nationen unterzeichneten 1947 den Pariser Bericht (aus der ERP-Ausstellung in Groß-Umstadt) DT-Foto: Schröder
16 Nationen unterzeichneten 1947 den Pariser Bericht (aus der ERP-Ausstellung in Groß-Umstadt) DT-Foto: Schröder

Zwingenbergs Haushaltsplan vor dem Stadtrat

Bürgermeister Kiel leitete die erste Sitzung

Am Donnerstagabend traten Zwingenbergs Stadtväter zum ersten Male nach der Bürgermeisterwahl un^er dem Vorsitz ihres neuen Oberhaupts, Bürgermeister Kiel, zusammen, um über den Entwurf für den Haushaltsplan 1950 zu beraten.

Ehe man zur Tagesordnung schritt, stellte Stadtrat Gerhardt zu seiner höchsten Verwunderung fest, daß Stadtrat Däch er t, der seinen Wohnsitz schon eine geraume Zeit in Eberstadt habe, immer noch Mitglied des Stadtrates sei. Zu seiner Entlastung erklärte Dächert, daß er nach wie vor ordnungsgemäß in Zwingenburg polizeilich gemeldet sei und dem Gesetz nach noch mehrere Wohnsitze außerhalb Zwingenbergs haben könne, ohne gezwungen zu sein, sich vorher ab- oder umzumelden. Er erklärte, daß er sich ab 1. Oktober nach Eberstadt ummelden werde. Als sich die Diskussion über diesen Punkt unnötig in die Länge zu ziehen drohte, erklärte Bürgermeister Kiel abschließend, daß er kein gesetzmäßiges Recht habe, Herrn Dächert aus dieser Versammlung auszuschließen, er rate jedoch, falls man damit nicht einverstanden wäre, über das Verwaltungsgericht ein Verfahren gegen Herrn Dächert anzustrengen.

Nach einigen Änderungen in den Listen nahm der Bürgermeister zu Punkt 0 bis 72 des Haushaltsplanes Stellung. Über die letzten Punkte 90 bis 97 soll erst in der nächsten Sitzung eingehend diskutiert werden, da die Einnahmeseite noch nicht ganz klar zu übersehen ist. Er trat dafür ein, daß vor allem etwas zur Verschönerung Zwingenbergs getan werden müsse; der Verkchrsverein brauche die nötigen Mittel, um wirklich fruchtbare Arbeit leisten zu können. Das Wohnungselend sei in manchen Fällen einfach erschütternd, auch hier müsse unbedingt etwas unternommen werden. Für den Äus- und Umbau der Schule wurden 15 000 DM im Haushaltsplan festgesetzt. Ein Grundstück neben der Melibokusschule soll als Kinderspielplatz hergerichtet werden. Nach kurzer Diskussion schritt man zur Frage einer Bürgschaft der Stadt Zwingenberg für den Winkelbachverband in Höhe von 2772 DM, die gegen eine Stimmenthaltung bewilligt wurde. Für einen neu zu bildenden Wohlfahrtsausschuß bat der Bürgermeister um die Vorschläge der einzelnen Fraktionen. (HB)

Dirigenten tagten

in Groß-Bieberau

Die Dirigenten der Kreisgruppe Gersprenz im Deutschen Allg. Sänderbund hatten sich in Groß-Bieberau zu einer Besprechung eingefunden, wobei die Liedertage in Ober-Kainsbach und Ober-Klingen einer Kritik durch Kreischorleiter G. Greim unterzogen wurden. Außerdem wurden wichtige Hinweise für das im nächsten Jahr stattfindende Wertungssingen gegeben. Großes Interesse fanden die Ausführungen von Musiklehrer Klingler, Reinheim, bezüglich neuer Chorliteratur. Anfang November soll eine Schulung unter Leitung von Professor Noack, Darmstadt, in Groß-Bieberau stattfinden. Abschließend gab Kreisschrif führer E. Berndt. Reichelsheim, einen kurzen Bericht über die Landeskonferenz des DAS in Kelkheim.

Was aũch interessiert:

Tisch und Stuhl schlug ein Gast aus Habitzheim entzwei und zertrümmerte eine Fensterscheibe, nachdem er sich im Lokal des Bürgermeisters von Ober-Klingen betrunken und darauf des Hauses verwiesen wurde. Da er sich weigerte den Schaden aus freien Stücken zu ersetzen, erstattete der Wirt Strafanzeige. RG

Die Erdölsuche im Ried geht weiter, Kürzlich traf ein mit drei Spezialwagen ausgerüsteter Bohrtrupp der Firma Elwerath in Goddelau ein, um in dieser Gemarkung Bodenuntersuchungen anzustellen. kr

Ihren Lastzug lieh im Juli dieses Jahres die Nährmittelfabrik Brot ar y einem Eberstädter und einem Pfungstädter Einwohner zu einer Probe-^ fahrt. Beide, die von dieser Fahrt nicht zurückgekehrt waren, konnten dieser Tage festgenommen werden. Sie hatten mit dem Wagen Fahrten in ganz Westdeutschland gemacht und auf eigene Rechnung erhebliche Aufträge ausgeführt. Der Wagen steht der Firma bei der Hamburger Polizei zur Verfügung. ler

Die Gründung eines Forums für Beerfelden ist geplant. Alle Interessenten werden für Donnerstag, den 5. Oktober, um 20.30 Uhr, in die Gastwirtschaft „Zum Bären“ eingeladen. -ch

Dem Umstädter Landsgemeindetag beizutreten wurde in der letzten Gemeinderatssitzung von Kleestadt einstimmig beschlossen. gi

Im Krcisgesmdbeifscmf Erbach findet die nächste orthopädische Sprechstunde am 2. Oktober von 14 bis 16 Uhr statt, -chi


RATHAUS ZU SEEHEIM Das im Jahre 1599 erbaute Seeheimer Rathaus ist eines der künstlerisch bedeutendsten Rathäuser Starkenburgs. Sein mit Schnitzereien geziertes Fachwerk über dem massiven Erdgeschoß weist eine reiche Hölzeranordnung auf. Der Giebel wird von einem Uhrtürmchen gekrönt. Zeichnung: E. Meier
RATHAUS ZU SEEHEIM Das im Jahre 1599 erbaute Seeheimer Rathaus ist eines der künstlerisch bedeutendsten Rathäuser Starkenburgs. Sein mit Schnitzereien geziertes Fachwerk über dem massiven Erdgeschoß weist eine reiche Hölzeranordnung auf. Der Giebel wird von einem Uhrtürmchen gekrönt. Zeichnung: E. Meier

Kein „gentleman-agreement“ums Dreieckrennen

Dieburger Synagoge sucht Käufer — Auflösung der Wohnungskommission vorgeschlagen

Der Dieburger Gemeinderat behandelte in seiner Donnerstagsitzung einige Fragen, die über ihre natürliche örtliche Bedeutung hinaus das Interesse weiterer Kreise beanspruchen konnten. Bürgermeister Steinmetz deutete im Laufe der Beratungen an, daß der kommende Gemeindehaushalt voraussichtlich mit einem Defizit abschließen werde, zumal sich die Forderungen des Staates auf Zuschuß zum Unterhalt des Realgymnasiums erhöht hätten.

Zeitlich den breitesten Raum nahm der erste Punkt der Tagesordnung ein: Antrag des Motorsport-Clubs Darmstadt auf Uebernahme einer Bürgschaft in Höhe von 10 000 DM. Diese Frage stand sowohl in mehrfachen persönlichen Unterredungen als auch in verschiedenen nichtöffentlichen Gemeinderatssitzungen zur Debatte. Alle anwesenden Fraktionen — die beiden Vertreter der KPD waren diesmal der Sitzung ferngeblieben — beteuerten auch jetzt wieder ihr Interesse an der Weiterführung des Dieburger Dreiecksrennens, doch erschien ihnen das mit der Bürgschaftsübernahme verbundene Risiko zu hoch, es sei denn (so wurde von der SPD angeregt), daß der MCD als eingetragener Verein die Rückversicherung übernehme.

Das Angebot des Antragstellers, die Stadt Dieburg solle beim nächstjährigen den gesamten Kartenverkauf übernehmen, so daß damit eine Gewähr für den Eingang des genannten Betrages gegeben sei, konnte den Gemeinderat nicht zu einem zusagenden Bescheid veranlassen, „da man ja nicht wissen könne, wie sich die Verhältnisse bis zum kommenden Spätsommer gestalten“.

Etwa eine Viertelstunde nach Ablehnung des Antrags — während der Beratung des nächsten Punktes — erschienen vier Vertreter des Motorsportclubs in der Sitzung. Mit allseitigem Einverständnis sprach Rennleiter Gustav Petermann noch einmal zu diesem Thema. Er wies, wie schon in früheren Besprechungen, auf den großen ideellen und sportlichen Wert des Dieburger Dreiecksrennens hin, das den Namen der Stadt weithin bekannt gemacht habe. Er erkannte die Bereitschaft der Kreissparkasse Groß-Umstadt zur Hergabe des Kredits an (allerdings unter der Bürgschaft der Stadt Dieburg, so wurde dazu aus dem Gremium bemerkt) und versicherte, daß der MCD nicht beabsichtige, der Stadt den Rücken zu kehren. Da jedoch die stillschweigende Voraussetzung dafür — die Bürgschaftsübernahme — auch jetzt nicht erfüllt wurde, verließen die Herren mit Worten des Dankes an die Stadt für ihre Unterstützung bei den seither abgehaltenen drei Rennen die Sitzung.

Aus den Schlußbemerkungen Gustav Petermanns hatte nichtsdestoweniger der Vorwurf mangelnden Verständnisses und ungenügenden Weitblicks geklungen. Unter diesen Umständen müsse der MCD aus der nun geschaffenen Situation die Konsequenz ziehen. Mit diesem Nachspiel hat das heikle Problem „Dieburger Dreiecksrennen“ seinen vorläufigen Abschluß gefunden. Oder war das etwa eine Absage ein für allemal?

Auf dem Gebiet des Wohnungsbaues bzw. der Baulandbeschaffung will Bürgermeister Steinmetz nötigenfalls ein Exempel statuieren: Erstmalig im Regierungsbezirk Darmstadt, so erläuterte er die am kommenden Montag im Kreisausschuß stattfindende Güterverhandlung, müsse Dieburg unter Umständen den Weg der Enteignung beschreiten, um Baugelände zu erschließen. Unter den zunächst für die Enteignung in Frage kommenden Grundstücken im Baugebiet Aschaffenburger Straße befindet sich der Garten des Forstamts Dieburg, der Eigentum des Staates ist. Wenn die Güterverhandlung nicht zum Ziel führen sollte und der Staat sich gegen die dann auf Grund des Aufbaugesetzes vorzunehmende Enteignung mit Erfolg wehre, werde er, der Bürgermeister, auch die Enteignung jeglichen Privatbesitzes ablehnen. Im übrigen wurde vom Gemeinderat für das zur Verhandlung stehende Gelände und weitere Grundstücke zwischen Schießmauer, Kettelerstraße und Realgymnasium ein Angebot für 1 DM je Quadratmeter festgesetzt.

Nach dem Wegzug der etwa 1000 Juden aus Dieburg im Frühjahr 1949 soll die Dieburger Synagoge nun verkauft werden. Sie steht zur Zeit unter der Verwaltung einer jüdischen Treuhänderorganisation — der JRSO. Für das Gebäude mit 3000 qm Gelände wird ein Betrag von 12 000—15 000 DM gefordert. Der Gemeinderat hat das an ihn in diesem Sinne ergangene Angebot abgelehnt, zumal die auf dem Grundstück ruhende städtische Hypothek von 7000 DM nicht angerechnet werden soll.

Zum Schluß der Sitzung kam Rat Grohe (FDP) auf mehrere Beschwerden zu sprechen, die bei ihm als Mitglied der Wohnungskommission eingegangen sind. Dazu erklärte Bürgermeister Steinmetz, daß die Einberufung der Kommission einzig und allein Sache des Bürgermeisters sei. Rat Grohe, dessen Auffassung von der Wertlosigkeit dieser Kommission auch vom Bürgermeister aus den Erfahrungen bei der Entwicklung der Wohnungswirtschaft in jüngster Zeit bestätigt wurde, schlug vor, unter diesen Umständen die Wohnungskommission aufzulösen. RG

Bensheimer Stadtrat hält Danersitzung

Einspruch gegen Ueberschreitung von Voranschlägen

Am Mittwochnachmittag trat der Bensheimer Stadtrat nach langer Pause wieder zu einer ordentlichen Sitzung im Sitzungssaal des Rathauses zusammen.

Als Nachfolger des ausgeschiedenen SPD-Stadtrats Schmidt wurde Karl Sattler 5. in sein Amt eingeführt. Bürgermeister Treffert benutzte die Gelegenheit, allen, die beim Winzerfest mitgewirkt haben (insbesondere der Polizei, die während der Festwoche einen anstrengenden Dienst hatte!) herzlich zu danken. Sodann verlas der Bürgermeister die Ergebnisse der Volkszählung. Demnach hat Groß-Bensheim 22 278 Einwohner, davon entfallen 14 821 auf Bensheim-Mitte. Insgesamt sind in Bensheim 2558 Flüchtlinge untergebracht. Ueber die im Laufe der Bauarbeiten am Schulhaus im Wambolderhof und an den Wohnungen über der Garage in der Platanenallee durch Veränderungen und Verbesserungen entstandenen Mehrkosten von rund 60 000 DM kam es zu heftigen Debatten. Die Sprecher der SPD- und FDP-Fraktion protestierten gegen die Ueberschreitung der Kostenvoranschläge für städt. Bauarbeiten in letzter Zeit ohne den Stadtrat vorher zu fragen. Hierzu erklärte Bürgermeister Treffert, daß er selbstverständlich die volle Verantwortung übernehmen werde, daß er aber darauf dringen werde, daß in Zukunft alle derartigen Arbeiten erst dann begonnen würden, wenn die dafür erforderlichen Gelder vom Stadtrat bewilligt seien. Die 60 000 DM wurden genehmigt. Bei den Instandsetzungsarbeiten der Neckarstraße wurden 3000 DM eingespart, dem Vorschlag weitere 5000 DM zu bewilligen, damit auch der untere Teil der Straße ausgebaut werden kann, wurde zugestimmt. Der Antrag der FDP, mehrere Bensheimer Straßen, die den gleichen Namen tragen, umzubenennen, um Verwechslungen zu vermeiden, wird dem Bauausschuß zur Ueberprüfung vorgelegt.

Die Pflegegelder für die im Altersheim untergebrachten Personen wurden von 2,10 DM auf 2,75 DM erhöht, der Antrag der KPD, die monatlichen Taschengelder der alten Leute von 6 auf 10 DM zu erhöhen soll erst im Wohlfahrtsausschuß und mit der Heimleitung besprochen werden. Für die Instandsetzungsarbeiten am Kinderheim in Schönberg wurden 1000 DM bewilligt. Ein einmaliger Zuschuß von 500 DM für den Zoo wurde gewährt. Die Volksbücherei, die gegenwärtig über 1000 Bände verfügt, soll in einem Teil des Sitzungssaales eingerichtet werden, für 1000 DM sollen weitere Bücher neu beschafft werden. Von der Einrichtung eines Lesezimmers und der Anstellung eines Bibliothekars wird vorläufig Abstand genommen. Die Stadt Bensheim hat sich bereit erklärt, eine Bürgschaft von 12 000 DM für den Winkelbachverband zu stellen, da die Instandsetzungsarbeiten am Winkelbach unaufschiebbar sind und dem Verband eine ganze Anzahl kleinerer wenig bemittelter Gemeinden angehört.

Die verschiedenen Ausschüsse und Kommissionen, die seither mit je einem Mitglied von jeder Partei besetzt waren, werden nun nach dem Verhältniswahlsystem neu besetzt und zwar 3:2:1. Für die Bildung einer Kommission zur Ueberprüfung der Verhältnisse der Wirtschaftsbetriebe sollen von den Fraktionen Vorschläge gemacht werden. Wegen der Frage des Kreissitzes gab Bürgermeister Treffert einen kurzen Ueberblick über die Entstehung der ganzen unerfreulichen Debatte und betonte, daß er niemals Heppenheim gegenüber feindlich gesinnt gewesen sei, er habe nur ein altes Recht der Stadt Bensheim vertreten und gemahnt die ganze Sache nicht zu übereilen. Auch die FDP sprach sich für eine vernünftige Lösung dieser Frage aus. Die Stadt Bensheim ist bereit, dem Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge beizutreten, wenn dieser ihr bei der Beschaffung eines neuen Platzes für den Soldatenfriedhof und bei der Neugestaltung behilflich sein will. Die Kanalisationsarbeiten sollen möglichst in den Haushaltsplan aufgenommen und Anträge auf Zuschüsse gestellt werden. Der Antrag der KPD, die Gelder für die Fürsorgeempfänger zu erhöhen wird dem Wohlfahrsausschuß zur Ueberprüfung vorgelegt. (HB)

Handarbeit - Herzstück der Mädchenerziehung

Ausstellung von Handarbeiten der Volksschulen des Landkreises Darmstadt in Seeheim — DT-Unterhaltung mit Schulrat Dr. Plötz — Ein großer Teil der technischen Lehrerinnen wird entlassen

Zur Eröffnung einer Handarbeitsausstellung, von den Volksschulen des Landkreises Darmstadt zusammengestellt, waren wir nach Seeheim eingeladen worden. Im Schulsaal empfangen uns Schulrat Dr. P 1 öt z und Fräulein Blaß, die Leiterin des früheren Handarbeitsseminars in Darmstadt.

Entzückt schweifen die Augen über die ausgelegten Handarbeiten, die weiße Wäsche und die bunten Farben der Musterentwürfe, ausgeführten Stickereien, der Schürzen und Stricksachen. Nur wer vom Fach ist, vermag Fleiß, Mühe, Schönheitssinn und Kenntnisse der Schülerinnen richtig einzuschätzeii, deren Arbeiten in so reichhaltiger Auswahl hier vorliegen.

„Dabei ist alles nicht einmal im Hinblick auf eine Ausstellung angefertigt worden“, erklärt uns Schulrat Dr. Pöltz, „erst vor zehn Tagen wurde von mir die Aufforderung an die Schulen gegeben, Arbeiten der Schülerinnen für eine Ausstellung zu senden. So, wie die Dinge im Laufe der letzten Schulwochen gefertigt wurden, kamen sie hier zusammen.“ Deshalb gibt es auch angefangene Arbeiten zu sehen, Musterentwürfe, aus denen man nur erst die geplante Gestaltung erkennt, Strickarbeiten, deren Maschen noch auf den Nadeln liegen.

„Wir sehen im Handarbeitsunterricht ein Herzstück der weiblichen Erziehung. Hier lernen die Mädchen das Praktische mit dem Schönen zu verbinden, wie es später ihre Aufgabe als Hausfrau und Mutter sein wird, sie erwerben sich gründliche Kenntnisse des Materials und bekommen Freude am eigenen Entwerfen und Gestalten“, sagt Schulrat Dr. Plötz und fährt fort: „Sie werden gewiß deshalb ermessen können, was fehlt, wenn nun plötzlich der Handarbeitsunterricht in den Schulen auf ein äußerstes Mindestmaß beschränkt werden muß. Eine Maßnahme des hessischen Finanzministers Hilpert fordert, daß nur noch 6 Prozent der Lehrkräfte unserer Schulen technische Lehrkräfte sein dürfen; für unseren Bezirk von rund 40 Gemeinden mit ihren Schulen kommen damit nur noch 14 Handarbeitslehrerinnen zum Einsatz die anderen müssen ihre Stellen bei uns verlassen.“

Was für Probleme tun sich hinter diesen knappen Worten auf! Probleme pädagogischer, sozialer, menschlicher Art, die für die öffentliche Meinung, insbesondere für die Elternschaft nicht ohne Interesse sein dürften. Es gibt Handarbeitslehrerinnen, die in Zukunft nun in 5 Dörfern den Handarbeitsunterricht erteilen müs-

sen. Zu der steten Umstellung, die bei diesem Dienst erforderlich ist, kommen die weiten Wege, die größtenteils zu Fuß zurückgelegt werden müssen und deren Bewältigung bei schlechtem Wetter größte Strapazen darstellt.

Das Leistungsniveau des Handarbeitsunterrichts aber wird in Kürze absinken denn es ist ausgeschlossen, daß mit den wenigen Lehrkräften noch die Aufgaben erfüllt werden, von denen gerade diese Ausstellung in Seeheim ein so unmittelbar lebendiges Bild gibt. Bisher wurde gründliche Kenntnis im Stopfen, Flicken und Säumen erworben, die Knopf- und Knopflochleisten. Die Probetücher für einfache Maschinennähte, die gestrickten Socken und Mützen, die gehäkelten Beutel, Topflappen und vieles mehr zeugt von der Erziehung zur praktischen Handarbeit, die dem Täglichen in der Sorge für die Familie dient. Darüber hinaus sprechen die Wäscheeinsätze, die Strickereien, die kunstvollen Hohlsaumarbeiten nach eigenen Entwürfen vom Sinne für schöne, werkgerechte Gestaltung.

Der Handarbeitsunterricht in den Volksschulen soll die Voraussetzung dazu schaffen. daß die künftigen Hausfrauen und Mütter für die Kleidung ihrer Familie und das Gepräge ihres Heimes sachkundig und mit. Freude am eigenen Gestalten sorgen und damit einen großen Teil des Volksvermögens richtig verwalten können. Der kommenden Frauengeneration und damit dem späteren Familien- und Volksleben wird manches an entscheidenden Werten fehlen, wenn in der Schule dem Handarbeitsunterricht der Platz entzogen wird, der ihm seinei’ Bedeutung nach zukpmmt. D-S


DT-Foto: Schröder
DT-Foto: Schröder

Lefriedigende Ergebnisse

Nach längerer Pause fand in H e p p e nh e i m eine Sitzung des Kreisjugendausschusses statt, die von Jugendsekretär Werner, Bensheim, geleitet wurde. Über den Entwurf für die Satzungen des KJA entstanden längere Debatten. Es wurde betont, daß sich das Fehlen eines Jugendpflegegesetzes nachteilig bemerkbar mache, so daß die Satzungen nur auf Grund der z. Z. geltenden Bestimmungen aufgebaut werden könnten. Ein starkes Selbstverwaltungsorgan Sei maßgeblich für den Aufbau der ganzen Jugendarbeit im Kreisgebiet. Man müsse bestrebt sein, die Verantwortung des Kreisjugendpflegers als Geschäftsführer diesem Organ gegenüber fest zu verankern. Am Ende eines jeden Rechnungsjahres soll eine Hauptversammlung mit Entlastung und Neuwahl des Vorstandes einberufen werden. Das Ergebnis des diesjährigen Jugendsammeltages wurde als befriedigend bezeichnet, es sind rund 1000 DM mehr eingegangen als im vergangenen Jahr. Weiterhin berichtete Kreisjugendpfleger Dixkes über die Verhandlungen der Jugendvertreter mit Finanzminister Hilpert und einigen hessischen Landtagsabgeordneten über den Jugendpflegeetat, deren Ergebnis durchaus positiv sei, jedoch seien die Verhandlungen im Kreis Bergstraße noch nicht abgeschlossen.

Landflucht im Spiegel der Volkszählung

Kreis Erbach hat 66 965, Michelstadt über 6000 Einwohner

Während sich Wilhelm Kumpf, der Kreisstatistiker des Landratsamtes Erbach, mit riesigen Paketen von ansehnlichem Gewicht abmüht, die die verschiedenen Fragebogen der Volkszählung aus den einzelnen Kreisgemeinden enthalten, haben wir schnell ein paar Fragen über die ersten Ergebnisse der Zahlung im Kreis Erbach stellen können. Viel Zeit blieb uns nicht, denn die Paketberge, die zusammen über eine Tonne schwer sind, mußten schnellstens versandfertig gemacht werden nach Wiesbaden zum Statistischen Landesamt

Was uns Herr Kumpf so zwischen Tür und Angel über das vorläufige Zählergebnis im Landkreis Erbach sagte, wie es sich auf Grund der Schnellmeldung der einzelnen Bürgermeister darstellt, ist recht interessant. Danach zählt der Kreis jetzt 66 965 Seelen, wobei die weiblichen mit 35 496 in der Ueberzahl sind. Die männlichen Kreisbewohner zählen nur 31 469.

Nach den Vergleichszahlen befragt, gibt uns Herr Kumpf gleich zwei, die aber sehr voneinander abweichen. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 1946 hatte der Kreis Erbach 66 053 Einwohner, so daß bis heute ein Zuwachs von rund 900 zu verzeichnen wäre. Auf Grund der letzten Lebensmittelkartenausgabe im Oktober 1949. nach der in der Zwischenzeit immer die Einwohnerstatistiken geführt wurden gab es aber 69 373 Kreiseinwohner, so daß danach die Bevölkerungsziffer um rund 2500 gesunken wäre. Unsere mutmaßliche Erklärung für diese Differenz, der eine oder andere Einwohner habe offenbar zwei oder sogar mehrere Lebensmittelkarten bezogen, konnte der Kreisstastistiker mit dem Nachweis entkräften, daß viele in Gemeinschaftsverpflegung gewesene Personen außerhalb des Kreises wohnten, aber in Betrieben im Kreisgebiet beschäftigt waren.

Die Uebersicht der einzelnen Gemeindeergebnisse läßt eine bedenkliche Entwicklung deutlich erkennen, über die in jüngster Zeit schon mehrfach geschrieben und gesprochen wurde, die sich aber nun an Hand von Zahlen genau nachweisen läßt: die Landflucht. Die kleinen Bauerngemeinden, die abseits der Hauptstraßen und Bahnlinien liegen und außer der Landarbeit keine anderen Beschäftigungsmöglichkeiten bieten können, haben teilweise ganz erhebliche Bevölkerungsverluste aufzuweisen. So betrugen die Rückgänge der Einwohnerzahl in Rehbach 30 Gammelsbach 36, Ober-Ostern 39, Olfen 40, Unter-Sensbach 42, Hesselbach und Güttersbach je 43, Rothenberg 49, Erlenbach 52, Vielbrunn 60, Ober-iMossau 62. Kirch-Brombach 78 und Unter-Mossau sogar 99. Das sind nur einige Beispiele. Demgegenüber haben die Orte mit Industrie, vor allem die an der Bahnlinie im Mümlingtal, fast alle zugenommen. Mit 438 hat Erbach, mit 540 Michelstadt die höchsten Zugänge. Michelstadt ist mit 6 054 Einwohnern die größte Kreisgemeinde und die einzigste, die bisher die 6000-Grenze überschritten hat.

Diese in der Bevölkerungsstatistik deutlich werdende Mutation bildet eine wesentliche Unterlage für die Siedlungsplanung der Zukunft, vorausgesetzt, daß. Ernährungsverhältnisse, wie sie vor der Währungsreform herrschten, nicht eines Tages wieder eine Bewegung in umgekehrter Richtung povozieren. Für die Landwirtschaft bedeutet der Blick auf die Bevölkerungsstatistik eine Mahnung zu beschleunigter Betriebsrationalisierung durch Anschaffung neuzeitlicher Maschinen, eventuell auf genossenschaftlicher Basis. Jedenfalls gibt die Auswertung der Volkszählung viele interessante Aufschlüsse, worüber noch manches zu sagen sein wird. -ch

Pk rammt Pferdefuhrwerk

Am Freitagabend ereignete sich bei der Groß-Gerauer Helvetia-Plantage ein schwerer Unfall: Tierarzt Dr. Wa 11 her, Büttelborn, fuhr, aus Richtung Mörfelden kommend, von hinten auf ein Fuhrwerk, das mit Kartoffeln beladen war, auf. Der Bauer Heinrich Leus 1e r, der gerade die Pferde ausspannen wollte, um ein anderes Fuhrwerk zu holen, wurde von dem durchgehenden Gespann mitgeschleift; man fand ihn 20 Meter weiter mit zerfetztem Unterkiefer und anderen Verletzungen. Er mußte in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht werden; der Tierarzt erlitt nur eine geringfügige Kopfverletzung, Frau Dr. Hölzer, Groß-Gerau, die sich mit ihrer Tochter in dem Wagen befand, wurde mit einer größeren Schnittwunde im Gesicht in das Groß-Gerauer Krankenhaus gebracht. Das Kind trug eine Gehirnerschütterung und Blutergüsse davon. Die Motorhaube des Pkw. wurde völlig eingedrückt, die Windschutzscheibe sowie die Scheibe der rechten Seite zertrümmert. Nach Aussagen von Dr. Walther war das Fuhrwerk unbeleuchtet. Cg

Unsere Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herr Jakob Glanzner und Ehefrau, Lorsch, Gabelsbergerstraße 10 und Herr Adam Schnitzer und Frau, Lorsch, Sandstraße 6, Herr Gg. Seeger und Frau, Bensheim, Obere Hasengasse 12 (30. 9.).

45. Arbeitsjubiläum: Herr Johann Reuter, Höchst i. 0., bei der Kreissparkasse Höchst.

25. Arbeitsjubiläum: Herr Christian Fieberling, Zwingenberg / 8., Kleiner Berg 2, bei der Gemeindeverwaltung Zwingenberg.

85. Geburtstag: Frau Berta Kullmann, und Herr Otto Müller, Bensheim, Gartenstraße 24 (1. 10.).

80. Geburtstag: Fr. Christine Schmitt, Bensheim-Auerbach, Darmstädter Str. 22 (1. 10.).

St. Geburtstag: Herr Schneidermeister Adam Holz, Groß-Bieberau, Schustergasse 3.

Zweitausend erleben die ostdeutsche Heimat

Lichtbildervortragsreihe mit Dr. Aschenbrenner im Kreis Bergstraße

Bereits anläßlich des Ostdeutschen Tages an der Bergstraße besuchte Dr. Aschenbrenner von der Kulturstelle des Landesverbandes der Heimatvertriebenen in Hessen den Kreis Bergstraße und brachte in seinen Lichtbildervorträgen über Sudetenland, Menschen und Landschaft, den Schicksalsgefährten die zur Zeit verlorene Heimat wieder nah.

Dr. Aschenbrenner verstand es, in geradezu hervorragender Weise alle Besucher, ob Heimatvertriebene oder Altbürger, in das seit Jahrhunderten deutsche Sudetenland zu führen und Landschaft, Mensch und Leistung auf allen Gebieten deutschen Werteschaffens neu erstehen zu lassen. Ausgehend von den südlichsten Gebieten des Böhmerwaldes durchwanderte man das Egerland, Erzgebirge und Nordböhmen, um dann das Herz dieses Landes, Prag, mit seinen vielen Baudenkmälern und seiner großen Bedeutung deutschen Geisteslebens zu besuchen. Zurückkommend in die Sudetengebiete erstanden dann die Berge des Rübezahl, der dem Gesamtdeutschtum inzwischen zu einem Begriff bester deutscher Sage wurde — das Riesengebirge, und dann ging es hinüber ins nordmährische und Sudetenschlesische Land mit dem Altvater, von wo aus man die weitere ostdeutsche Heimat, das Glatzer Bergland, übersehen konnte.

So ließ Dr- Aschenbrenner vor den geistigen Augen der Anwesenden ein Stück deutschen Ostens wieder neu erstehen.

Prag selbst ließ jeden Besucher von neuem erkennen, daß es allein schon architektonisch gesehen eine deutsche Vergangenheit hat und seit über 600 Jahren an der deutschen Karlsuniversität höchstes deutsches Geistesleben pulsierte. Sitten und Bräuche der einzelnen Landschaften des Sudetenlandes verstand der Referent besonders gut ins Gedächtnis der Besucher zurückzurufen. Dabei wurden die Anekdoten des deutschen Dichterfürsten Goethe anläßlich seines Aufenthaltes im Weltkurort Karlsbad anfangs des 19. Jahrhunderts genau so mit Heiterkeit aufgenommen wie der echte Volkshumor des damaligen Erzdechanten Wenzel Hocke aus Politz, der den Sudetendeutschen unter dem Namen Hocke Wanzl ein Begriff ist. Für die internationale Welt aber waren die Bäder Karlsbad, Marienbad, Franzensbad und Teplitz ein einzigartiger Anziehungspunkt. Menschen aus aller Welt fanden durch diese Heilquellen Hilfe und Genesung.

Der Vortragende brachte in leicht verständlichen Worten an allen Abenden den Vertriebenen ihre angestammte Heimat nah. Den Einheimischen jedoch waren diese Abende ebenso ein besonderes Erlebnis, weil sie vielfach dadurch erst so richtig ermessen konnten, welche ungeheuren ideellen und wirtschaftlichen Werte die Menschen dieses Landes geschaffen haben. Der Bürgermeister einer aufstrebenden Stadt war z. B. zutiefst beeindruckt und versicherte dem Vortragenden, daß er während seines kommenden Aufenthaltes in Amerika alles tun wird, um das Gewissen dieses Landes und seiner maßgebenden Stellen wachzurütteln und auf die schwere Lage der Heimatvertriebenen hinzuweisen.

Vor den 7-Uhr-Zug wollte sich aus bisher ungeklärten Gründen eine 27jährige Frau aus D i e b b u r g werfen. Der Aufmerksamkeit eines Eisenbahners, der die Frau von diesem Schritt zurückhalten konnte, ist es zu danken, daß es nicht zur Ausführung des Vorhabens kam. RG.

Nächtliche Orgien

Mutter verkuppelte 13jährige Tochter

Ein trauriges, aber in der heutigen Zeit durchaus nicht seltenes Sittenbild ergab die gestrige Beweisaufnahme einer Schöffengerichtsverhandlung in Darmstadt. Angeklagt wegen Kuppelei saß da eine 40jährige Frau und Mutter. Olga H. aus Gustavsburg, eine geborene Französin, hatte ihren Ehemann bei den Kämpfen im Osten verloren. Sie wurde ausgebombt und erhielt mit ihrer Tochter in Gustavsburg ein Zimmer und eine Küche.

Bald nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen verkehrten in ihrer engen Wohnung fortgesetzt amerikanische und französische Besatzungsangehörige, Sie fanden hier ein Absteigequartier. Gegen 6 Uhr morgens verließen sie erst das Haus, nachdem man wie die Zeugen sagten nächtliche Orgien gefeiert hatte- Das Treiben nahm schließlich einen solchen Umfang an, daß sich Polizei und Kreisjugendamt veranlaßt sahen, zum Schutze, der jugendliehen Tochter und der empörten Mitbewohner einzuschreiten. Wegen sittlicher Verwahrlosung ordnete das Amtsgericht Groß-Gerau im Dezember 1949 die Unterbringung der Tochter in ein Erziehungsheim an.

Im Jahre 1946 hatte die damals erst dreizehnjährige Tochter ihre erste „Straßenbekanntschaft“ mit nach Hause zu der Mutter gebracht. Diese hatte keinerlei Einwendungen, daß der Amerikaner mit dem Mädchen in dem einen Zimmer übernachtete. Bald ging ein neuer Freund, ebenfalls ein Besatzungssoldat erst morgens aus dem Haus. Auch mit einem französischen Besatzungsangehörigen aus Afrika knüpfte die Tochter mit Wissen der Mutter eine „Liebschaft“ an ...

Während die Angeklagte leugnete und die Tochter, ein zierliches Mädchen, gestern die Aussage verweigerte, berichteten eine große Anzahl von Zeugen über „sittlich unglaubliche Zustände“. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre. Das Gericht entschied auf ein Jahr Gefängnis. wst.

Dekanatssynode in Zwingenberg

Gegen unwürdige Sammeltätigkeit — Konfirmationsnöte

„Christus hat dem Tode die Macht genommen und Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht.“ Mit diesem Bekenntnis in Gottesdienst und Predigt eröffnete Pfarrer Balz, Gronau, die Synode des neugegründeten Dekanats Zwingenberg, das nach den Darlegungen des Synodal-Vorsitzenden, Pfarrer Ullmann, Jugenheim, 17 Gemeinden mit 40 000 Seelen umfaßt und die der Bergstraße sowie etliche des vorderen Odenwaldes und des Rieds umschließt.

In seinem einleitenden Tätigkeitsbericht über das seither ungeteilte Dekanat nannte der Synodalvorsitzende mehrere Glockenweihen, Kirchentage und die Einweihung von Pfarr- und Gotteshäusern. Mit besonderer Wärme gedachte er der Erstehung des Betsaals zu Mörlenbach, wo in vorbildlicher Zusammenarbeit die gesamte Bevölkerung, ohne Unterschiede der Bekenntnisse, durch Geldspenden und persönliche Arbeitsleistung zum Gelingen beigetragen hatte.

Vordringlichste Aufgabe der Synode war die Wahl des Synodalvorstandes, in den zum Vorsitzenden einstimmig Dir. Prof. Dr. Trost, Jugenheim, gewählt wurde. Ihm zur Seite stehen im Vorstand die Synodalen Beltz. Seeheim, Köhnlein, Heppenheim, und Pfarrer Dr. Jacob, Bensheim. Einmütige Annahme fand auch eine Entschließung, die ihr Befremden darüber ausdrückt, daß eine Sekte unter Mißbrauch der Begriffe „Mission“ oder gar „Innere Mission“ die Arglosigkeit evangelischer Gemeindeglieder ausnützt, um ihre Schriften abzusetzen. Die Synode sieht in solch unwürdigen Machenschaften eine bewußte Irreführung und empfiehlt den Gemeindegliedern, bei allen Sammlern stets nach der Empfehlung durch das zuständige Pfarramt zu fragen.

Da das Kreuz kein Ehrenzeichen, sondern ein Symbol der Verpflichtung und der Mahnung ist, wünschte die Synode in Uebereinstimmung mit der Tradition auch in Hessen, daß künftig die Pröpste bei Amtshandlungen wieder das Kreuz als sichtbares Zeichen des Amtes u•• des Dienstes tragen. Nachdem die Kirchenleitung für 1951 die Konfirmation abgesetzt hat und sie nur unter kirchlich besonders bedingten Gründen zuläßt, wurde einem Antrag des Synodalvorstandes stattgegeben, daß beide Osterfeiertage von Konfirmationen und Konfirmationsgedenkfeiern freigehalten werden, um nicht das Fest der Auferstehung Christi irgendwie zu beeinträchtigen. Mit überwältigender Mehrheit entschied man sich für den „Weißen Sonntag“. Die Sorge um die konfirmierte Schuljugend rief eine rege Aussprache hervor, an der sich in gleicher Weise Pfarrer wie Laien beteiligten. , (rh)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Messel. — Der Gemeinderat beschloß u. a., für ein Darlehen der Teilnehmergemeinschaft Messel (Feldbereinigung) die Bürgschaft zu übernehmen. es.

Wembach/Hahn. Im Koloniewald wird augenblicklich die Grenzaufteilung vorgenommen. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Rohrbach und Wembach/Hahn besichtigten die neuen Gemarkungsgrenzen und erkannten die Aufteilung an. Im Herbst wird ein Grenzgang durchgeführt, an dem sich die Einwohner der beiden Gemeinden beteiligen können. -D-

Ober-Ramstadt. Die Volkszählung ergab: 941 Gebäude, 1942 Wohnungen, 2427 Haushalte, 402 Arbeitsstätten und 7618 Personen (3635 männliche, 3983 weibl.). Im Vergleich zum Jahre 1946 zählt die Gemeinde heute 351 Personen mehr.

Ober-Ramstadt. — Die Ortsgruppe des Verbandes der Heimatvertriebenen hielt kürzlich eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab. Vorsitzender Alex. v. Majewski erledigte eine Reihe lokaler Angelegenheiten und berichtete, daß die Mitgliederzahl auf fast 300 gestiegen sei.

Ober-Ramstadt. — Der Chor der Sängervereinigung 1871 (in der SKG) wird heute im Saalbau Suppes ein Konzert geben. D—

Nieder-Ramstadt. — Ein neues Cafe Restaurant unter dem Namen „ Datterich-Klause. wird heute abend 17 Uhr im Hause „Reform“ neben der Bürgermeisterei eröffnet. Die Gaststätte ist zentral gelegen und verfügt über einen bewachten Parkplatz. Der Eröffnungsabend wird durch Frau Elfi Lederer-Kilian vom Ballett-Opernhaus Bremen und Nicolo Jus s a vom Landestheater Darmstadt verschönt. Her

Pfungstadt. Der Ortsverband der Heimatvertriebenen hat eine Kindergruppe gegründet, der ungefähr 50 Kinder angehören. Man will durch die Pflege alter Lieder und Tänze, durch Sagen und Dichtung die Liebe zur alten Heimat erhalten. ler

Bickenbach. — Der Ortsjugendausschuß veranstaltet heute im Gasthaus „Zum Hirsch“ einen Jugendabend. erw

DIEBURG

Dieburg. Zu dem Erweiterungsbau des Kreiskrankenhauses St. Rochus wird am Montag, 2. Oktober, nach einem Gottesdienst in der Kapelle um 7.45 Uhr der erste Spatenstich vollzogen. RG

Dieburg. Bei günstiger Witterung findet am Sonntag um 11 Uhr im Pechenbachschen Schloßpark das zweite Platzkonzert der Stadtkapelle unter Leitung von Hermann Holzapfel unter dem Motto „Für jeden etwas“ statt. RG Groß-Umstadt. Heute abend veranstalten die Umstädter Vereine unter Beteiligung der Freiwilligen Feuerwehr einen Heimatabend im Winzerhof. AV

Habitzheim. Anläßlich des Erntedankfestes kommt morgen durch den evangelischen Kirchenchor unter Mitwirkung des Streichorchesters der Chor „Die güldene Sonne'- (Musik von Georg Ebeling — 1666 —, Text von Paul Gerhard) in der evangelischen Kirche zu Gehör. Jg

Reinheim. Der „Bund der Heimatver¬ ■friebenen“ veranstaltet heute abend im Reinheimer „Volkshaus“ den ersten Heimatabend. Dabei wird in erster Linie die Jugend der Flüchtlinge zu Wort kommen.

Groß-Bieberau. Nur 14 Tiere waren zum Ferkelmarkf aufgetrieben. 4 Ferkel und 10 Läufer. Der nächste Markt finde' am 9. Oktober statt. G D

ERBACH

Michelstadt. Die Deutsche Beamtenkrankenkasse hielt im „Altdeutschen Hof“ eine Tagung des Bezirks Frankfurt ab, der zur Zeit alleine rund 26 000 Mitglieder zählt. Direktor Meyer gab den Geschäftsbericht. —ch

Bad König. Dei' in der letzten Gemeinderatssitzung gefaßte Beschluß, die sanitären Anlagen des alten Schulhauses zu verbessern, wird seit Ferienbeginn von den Gemeindearbeitern in die Tat umgesetzt. Bauunternehmer Willi Ries wird demnächst mit der Neugestaltung der gesamten Anlage beginnen. pi

Ober-Ostern. Die Arbeiten an der Gemeindewasserleitung sind beendet. Die alten Rohre wurden gegen geringe Preise an Interessenten abgegeben. ptoo.

Reichelsheim. Der Diskussionskreis bringt am Mittwoch, dem 11. Oktober, einen Film-, und Lichtbilderabend bei dem Dr. P. Reinshagen, Alsbach, über das Thema „Als Einwanderer im Lande der Inkas“ sprechen wird. tm

BERGSTRASSE

Bensheim - Auerbach. Am Sonntag spricht der Landesvorsitzende des Bundes der Fliegergeschädigten, Professor Dr. Ziegler (Frankfurt) in einer Versammlung der Auerbacher Ortsgruppe im Gasthaus „Wuchenauer“ über den Lastenausgleich. Die Versammlung beginnt um 15 Uhr. HB.

Lorsch. Zu der Tageshauptversammlung des hessischen Obst- und Gartenbauvereins am Samstag und Sonntag in Wetzlar, bei der Schwedens Vertreter Dr. Stoy über den nordischen Stand des Obstbaues und Direktor Schröder über die wirtschaftliche Lage im Obstbau referieren wird, können die Lorscher Mitglieder am Sonntag, dem 1. Oktober, 6 Uhr, dem Omnibus in Lorsch zusteigen. Fahrpreis beträgt 8 DM. Anmeldung bei der Landwirtschaftsschule Heppenheim. — Tel. 456. el.

Biblis. Der Verein für deutsche Schäferhunde Ortsgruppe Biblis veranstaltet am 8. Oktober auf dem Trainingsgelände an den Erlen eine Sonderschau. Der Schirmherr dieser Veranstaltung ist Bürgermeister Reichert. MW.

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Der Kreisverband der Freiwilligen Feuerwehren für den Landkreis Groß-Gerau hält am kommenden Sonntag von 8 bis 17 Uhr im Hof der Schillerschule einen Maschinisten-Kursus ab. Zu diesem Kursus sollen von jeder Gemeinde zwei Maschinisten entsandt werden.

Der Sport

Gegen BC Augsburg ist ein Heimsieg fällig

Die 98er mit Michel und Reeg, aber ohne Schmidtmer — Wird Ruhl seine „Münchner“ Leistung wiederholen? Beide Mannschaften benötigen dringend Punkte

Die Gäste aus der Fuggerstadt verfügen über eine der stärksten Abwehrreihen der 1. Liga Süd, wodurch ihre guten Leistungen am Bornheimer Hang und Bieberer Berg erst möglich wurden. Mit dem 21jährigen Torhüter Schmidt aus Sonthofen steht ein sehr begabter Mann zwischen den Pfosten, der von den beiden schnellen und energisch dazwischenfahrenden Verteidigern Ludwig und Mahn bestens assistiert wird. Als Ersatz für den verletzten Hilner hat sich der Amateur Leipold als unnachgiebiger. Stopper ausgezeichnet gemacht und bildet zusammen mit Niklasch und dem trickreichen Hampel (früher Schwaben Augsburg) eine schwer zu durchbrechende Abwehrreihe. Den Mittelstürmerposten hat wieder Platzer eingenommen, obwohl ihn Bundestrainer Herberger bei einem Duisburger Lehrgang als Standard-

Verteidiger neben Streitle für die Ländermannschaft vorgesehen und ihm diesen Posten auch in seiner Vereinself anempfohlen hatte. Die Schwächen im Augsburger Sturm ließen ihn aber wieder nach vorn rücken, wo er sich jedoch nicht mehr so gut anläßt wie noch vor ein oder zwei Jahren, als seine kraftvollen Schüsse Gefahr für jeden Torwart bedeuteten. Das zweite As im BCA-Sturm ist der ballverliebte Halbrechte Schlump, dessen Alleingänge noch immer Verwirrung in jede Hintermannschaft bringen. Sein Außen ist F r i t z, der von seinen Spielen beim FSV Frankfurt vielen Darmstädtern noch in Erinnerung sein dürfte. Es ist jedoch fraglich, ob er aufgestellt wird, da er bisher noch keinen Kontakt mit seinen Nebenleuten finden konnte. Die linke Seite wird von dem Einfädler und Torschützen Müller und dem fleißigen und angriffsfreudigen Hagen gebildet.

Beide Teams, die sich am Sonntag um 15 Uhr im Hochschulstadion treffen, hegen punktgleich im unteren Teil der Tabelle und werden auf Sieg spielen müssen, da sie sich einen weiteren Abrutsch nicht leisten können. Schon diese latsache läßt die Begegnung reizvoll erscheinen. Zum anderen interessiert vor allem das Debüt Ruhls vor eigenem Publikum. Der neue Torwart, den man nach dem Spiel in München sogar als „neuen Kreß“ zu bezeichnen wagte, hat zu beweisen, was er kann. Wunderdinge sollte man von ihm nicht verlangen. Auch die Hereinnahme von Michel, der als Zubringer den Aktionen des Sturmes durch seine sichere Ballkontrolle vielleicht wieder größeren Fluß verleihen kann, und das Wiedererscheinen Reegs, der gestern begnadigt wurde, auf Rechtsaußen, werden dazu beitragen, das morgige Spie! noch zugkräftiger zu gestalten.

Man weiß nicht, welche taktischen Ratschläge der altinternationale Pöttinger seinen Schützlingen geben wird, ob die Blau-Weißen die 98er so ernst nehmen, daß sie wie in Frankfurt nur aus der Defensive heraus ihr Spiel machen, oder auf Torerfolge ausgehend die Läuferreihe nach vorn drücken lassen. Die beiden Teams sollten sich — insgesamt gesehen — nicht viel nehmen, beide pflegen mit unerhörtem Einsatz zu kämpfen und das rein Spielerische hinanzusetzen, bei beiden ist der Sturm das Schmerzenskind, hier die Ungewißheit, ob der neue rechte Flügel Reeg—Michel funktionieren wird, dort die Tatsache, daß Platzer und Schlump nicht mehr so zwingend wie ehedem wirken und die beiden guten slowakischen Neuzugänge Kajnil und Hinduliak noch nicht freigegeben wurden.

Wenn man die letzten Ergebnisse der Gäste (0:0 beim FSV, 0:1 in Offenbach und 2:1 gegen VfR Mannheim) den vier Niederlagen (Torverhältnis 1:12) der Lilien gegenüberstellt, so ist man versucht, den Einheimischen wenig Chancen einzuräumen. Die Kritiken, die unsere Elf bei ihren beiden letzten Auswärtsspielen von der süddeutschen Presse erhielt und von denen wir in den „Dienstags-Presse-Stimmen“ unseren Lesern jeweils einen Auszug gaben, waren alles andere als schmeichelhaft. Wir haben es abgelehnt, uns an dem frühzeitigen Grabgesang zu beteiligen, da wir unsere Elf besser zu kennen glauben und von ihr in Zukunft nicht nur Negatives erwarten. Den Lilien jetzt schon den sicheren Abstieg zu prophezeien, erscheint uns etwas zu kühn, nachdem von insgesamt 34 Begegnungen erst 6 gespielt sind. Schon die siebte kann eine Wendung bringen. Leider muß der erkrankte Schmidtmer aussetzen, für den Herder in die Mitte rückt und Müller auf seinem alten Verteidigerposten erscheint. Von dem durch Reeg und Michel verstärkten Angriff möchte das Darmstädter Publikum wieder einmal Tore sehen.

SV 98 Darmstadt: Ruhl; Müller, Abt; Leichtlein, Herder, Barth; Reeg, Michel, Thalheimer (Mühlbach), Bohmann, Herwig. BC Augsburg: Schmidt; Ludwig, Mahn; Niklasch, Leipold, Hampel; Fritz, Schlump, Platzer, Müller, Hagen.

Um 13.15 Uhr spielen die Reserven beider Mannschaften.


Wenn Heimspielpunkte so schwer wiegen, ist BCA auch kleinzukriegen.
Wenn Heimspielpunkte so schwer wiegen, ist BCA auch kleinzukriegen.

„He! Kan ich nicht auch mal weiterfahren?“
„He! Kan ich nicht auch mal weiterfahren?“

Die Mühlchesleute in Bamberg

Mahr als Mittelläufer — Kaut und Wenschel bleiben daheim

Den Leuten vom Mühlchen steht morgen wieder ein schwerer Gang bevor. Der guten Partie gegen Regensburg folgte am letzten Sonntag eine schwächere, deren Ursache vor allem darin lag, daß man den Sieg schon in der Tasche hatte, ehe das Spiel begonnen wurde. Das auf eigenem Platze noch ungeschlagene Bamberg wird trotz der Niederlage vom letzten Sonntag — oder erst recht — alles von den Hessen fordern, wenn sie einen oder gar beide Punkte nach Arheilgen entführen wollen. Mahr steht erstmals wieder zur Verfügung und die Vorstädter werden gut beraten sein, wenn sie vor allem für eine Verstärkung der hinteren Reihen besorgt sind. Die Arheilger haben bisher zwei Tore mehr geschossen, als ihr morgiger Gegner, aber hinten hält Arheilgen den Rekord. Nach den Plustoren müßten die Mühlchesleute einen guten Mittelplatz halten. Allem Anschein nach läßt die innere Geschlossenheit der Mannschaft zu wünschen übrig. Es fehlt der Mann, der das Kommando in die Hände nimmt und die Mannschaft zusammenreißt und unter seiner Führung die geschlossenen Kräfte taktisch richtig und entscheidenden einsetzt.

Bamberg hat am letzten Sonntag in Bökkingen eine schwere Niederlage von 5:1 erlitten. Diese Mannschaft wird nun alle Register ziehen, die Scharte wieder auszumerzen und durch einen Heimsieg im Mittelfeld zu bleiben. Stark ist Bamberg in der Verteidigung, etwas schwächer im Sturm. Kämpfen die Mühlchesleute wie vor 14 Tagen, ist es nicht ausgeschlossen, daß nicht nur ein Punkt nach Hessen entführt wird. Bamberg ist zu schlagen, auch auf heimischem Boden, wenn die Gäste von allem Anfang an mit vollem Ernst und in sieggewollter Entschlossenheit den Kampf aufnehmen.

Die SGA fährt am kommenden Sonntag mit veränderter Mannschaft nach Bamberg.

Kaut, der die letzten Spiele nicht mehr in Form war, wird durch Mahr, der wieder genesen ist, ersetzt. Wenschel. der als Verteidiger wohl sehr einsatzfreudig ist, ist körperlich zu schwach, so daß er ebenfalls aussetzt. Die Mannschaft spielt in folgender Aufstellung: Seibel; Becker, Traser; Müller. Mahr, Zöjler; Dilfer, Barnewald, Lieber, Wendler und Kirchrath.

Die Elf der SGA fährt bereits am Samstag um 14.30 Uhr mit dem Omnibus nach Bamberg. Teilnehmerkarten zum Preise von 8 DM sind noch im Vereinshaus zu haben.

Am kommenden Sonntag veranstaltet die SGA in sämtlichen Räumen ihres Vereinshauses in der Frankfurter Straße ein großes Oktoberfest. Neben dem Bayernverein Darmstadt und der Radfahrabteilung des Vereins, werden vereinseigene Kräfte für die nötige Wiesenstimmung sorgen, und die bekannte Kapelle Fischer wird dem Treiben den entsprechenden Rhythmus verleihen.

Gefahr für die „Reisenden“

In der hessischen Landesliga müssen die beiden Mannschaften aus unserem Gebiet reisen: Opel Rüsselsheim nach Biedenkopf, während Olympia Lampertheim in Hersfeld gegen „Hessen“ antritt. Das bedeutet Gefahr, wobei Lampertheim aber am stärksten betroffen erscheint. Weiter spielen: Rot-Weiß Frankfurt—Borussia Fulda, Union Niederrad—Eintracht Wetzlar, Griesheim 02 —SV Kassel, Hess. Lichtenau—Bad Homburg, Hermannia Kassel—Rödelheim.

Lokalderby in der Bezirksklasse

In der Fußballbezirksklasse Darmstadt weist die Gruppe II drei Lokaltreffen auf. die wieder einmal Tausende auf die heimischen Sportstätten locken.

So stehen sich am „Eichenhügel“ in Urberach der KSV und die Favoritenmannschaft Germania Ober-Roden Gegenüber. Das großartige Ueberraschungsspiel der Gäste wird ausschlaggebend sein für den gesamten Spielverlauf. In erster Aufstellung werden beide Teams ehrgeizig um die Punkte ringen. Auf eine angenehme Ueberraschung wartet diesmal der Anhang des Eppertshausener FV, der am Kerbesonntag den SV 1919 Münster zu Gast hat. Hartig. Gruber, Lippert und Hiemenz werden alles daransetzen, um beide Punkto sicher in den Hafen zu steuern. Das große Odenwaldderby bestreiten Erbach und der VfL Michelstadt. Dünnebier beim Gastgeber und Torsteher Glas auf der Gegenseite werden den beiden Fünferreihen manche Nuß zu knacken geben. Der jetzige Tabellendritte Nauheim empfängt auf eigenem Rasen die spielstarke Elf aus Mörfelden Ersterer wird jedoch alles aufbieten, um weiterhin in der Spitzengruppe zu marschieren. Der Viertletzte der Tabelle, Wixhausen, reist zu den Dieburger Hassianern und wird beide Punkte den Platzherren überlassen müssen. Messel, ein Neuling und Ueberrascher zugleich, fährt mit einigen Chancen nach Bischofsheim. Die SG Egelsbach erwartet das Schlußlicht Trebur und wird ohne große Mühe des Gastes Verlustpunkte auf 10 erhöhen.

Nur ein Derby von Größe und Spannung steigt in der Gruppe I. Drittletzter in der Tabelle, Pfungstadt, begrüßt den VfR Roßdorf, der erst am letzten Sonntag in ausgezeichnetem Spiel die Bensheimer 5:2 kanterte. Ein guter Start wird im Treffen Eberstadt gegen Bürstadt den gesamten Spielverlauf bestimmen. Erst in Urberach bewiesen die Gastgeber ihren unbeugsamen Siegeswillen. Groß-Rohrheim muß sich in Biblis kräftig anstrengen, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Mit 1:7 Punkten muß Hofheim das Schlußlicht der Gruppe markieren. Auch am kommenden Spielsonntag bestehen wenig Hoffnungen das Verhältnis zu bessern, denn Bobstadt als stolzer Tabellenzweiter wird seine Chance zu nutzen wissen Die „Zuckerfabrikler“ aus Groß-Gerau müssen an die sonnige Bergstraße zum FV Bensheim, der in Heimspielen vielfach der Spielmacher ist.

Es spielen in Gruppe I: Eberstadt — Bürstadt, Biblis — Groß-Rohrheim. Pfungstadt — Roßdorf, Bobstadt — Hofheim, Bensheim — Groß-Gerau.

Gruppe II: Dieburg—Wixhausen. Nauheim — Mörfelden. KSV Urberach — Ober-Roden, Erbach — Michelstadt, Egelsbach — Trebur, Bischofsheim — Messel, Eppertshausen — Münster. -gi-

Bekanntmachungen der TSD 1875

Unseren Mitgliedern geben wir bekannt, daß die erste Schwimmstunde im Hallenbad am Mittwoch, dem 4. Oktober, um 21 Uhr stattfindet. Unsere Uebungsstunden sind': Mittwoch von 21—22 Uhr und Samstag von 20—21 Uhr.

Hallenbad-Einweihung. Sämtliche Teilnehmer, die bei dem Eröffnungsschwimmen teilnehmen, treffen sich am Sonntag, dem 1. Oktober, um 14.15 Uhr vor dem Hallenbad.

Die große Ehren-Urkunde des Landessportbundes Hessen E. V. wurde dem 2. Vorsitzenden der TGD 1875 und Kreisvorsitzenden der Turner Philinp Matthes verliehen. kof.

Short in Kürze

Die Fußballabteilung der TG „Union“ Bessungen gibt bekannt, daß die Vereinsführung beabsichtigt, außer der Jugend'abteilung noch Schülermannschaften aufzustellen. Alle Jugendlichen und Schüler werden daher gebeten, am kommenden Montag, dem 2. Oktober 1950, um 17 Uhr, auf der Rennbahn zum Training zu erscheinen. W. B.

„Klippen“ in allen Oberligen

Am Sonntag werden die Tabellen durchgeschüttelt

f. kr. Der Verlauf der ersten Soielsonntage hat in allen Fußball-Ligen gezeigt, daß es nicht angeht, von vornherein auf Favoriten zu setzen. Vielleicht ist es m Norddeutschland wieder der HSV? Aber wer sich in den anderen Gruppen durchsetzt, ist heute noch völlig unklar. Hier kann der Sonntag schon wieder Ergebnisse bringen, die die Favoriten zurückwerfen. Süddeutschland und Westdeutschland bieten da noch alle Möglichkeiten. Die nachstehenden Paarungen sprechen meist für sich selbst:

Oberliga Süd, 1. Division Vfß Mühlburg — 1860 München Spvgg Fürth — SSV Reutlingen Kickers Offenbach — 1. FC Nürnberg VfR Mannheim — FC Singen 04 Darmstadt 98 — BC Augsburg FSV Frankfurt — VfL Neckarau Schweinfurt 05 — SV Waldhof Schwaben Augsburg — Eintr. Frankfurt Bayern München — Vfß Stuttgart

Oberliga Süd, 2 Division Wacker München — TSV Straubing Bayern Hof — Union Böckingen 1. FC Bamberg — SG Arheilgen VfL Konstanz — Ulm 1846 ASV Cam — Jahn Regensburg 1. FC Pforzheim — ASV Durlach Freiburg —* Viktoria Aschaffenburg Stuttgarter Kickers — SV Wiesbaden Hessen-Kassel — SV Tübingen

Oberliga West Bor M.-Gladbach — Duisburger SpV Spvgg Erkenschwick — Rheyter SpV Preußen Dellbrück — RW Oberhausen Rot-Weiß Essen — Schalke 04 Preußen Münster — 1. FC Köln STV Horst — Sportfr. Katernberg Alemannia Aachen — Bor. Dortmund Hamborn 07 — Fortuna Düsseldorf

Oberliga Nord St. Pauli — Eintracht Osnabrück Hamburger SV — Werder Bremen Vfß Oldenburg — TSV Eimsbüttel Arm. Hannover — Concordia Hamburg Bremer SV — Altona 93 Bremerhaven 93 — Göttingen 05 VfL Osnabrück — Eintr. Braunschweig Holstein Kiel — SV Itzehoe

Süddeutschlands erste Liga ist wieder gespickt mit „Leckerbissen“. Mühlburg, Offenbach, Darmstadt, Schweinfurt, Augsburg und München sehen Treffen, in denen alles drinn ist. Sogenannte „große Favoriten gibt es an diesen Plätzen nicht, jeder Spielausgang ist möglich Mit den zu erwartenden Platzvereinssiegen in den anderen Spielen können sich in der Tabelle erhebliche Verschiebungen ergeben. Die zweite süddeutsche Liga hat ihr Treffen in Cham, wo Jahn Regensburg antritt. Stark von Einfluß auf die Tabellengestaltung werden auch die Spiele in Hof, Freiburg und auf der Degerlocher Höhe in Stuttgart sein. .

Westdeutschland wartet mit einigen Schlagern auf. Kann sich Schalke bei Rot-Weiß Essen durchsetzen? Kommt Borussia Dortmund über die Klippe am Aachener „Tivoli“ hinweg? Wird der 1. FC Köln die starke Deckung von Preußen Münster bezwingen können? Das sind die drei Hauptfragen, welche die westdeutsche Fußballgemeinde bewegen. Aber auch noch andere Paarungen lassen die Frage nach dem Sieger offen.

Natürlich hat auch der Norden seine kritischen Treffen. Während man dem HSV einen Sieg über Werder Bremen zutraut, ist der Ausgang des Spieles in Osnabrück recht offen. Auch Göttingen hat in Bremerhaven noch nicht gewonnen. Dagegen wird man St. Pauli wohl in Front und damit weiter in der Spitzengruppe sehen.

Zweierlei Sport

f. kr. — Am 1. Oktober soll der Verstand des DFB zusammentreten. Dabei soll auch über die kürzlich wieder aufgetauchte Frage einer „Bundesliga“ gesprochen werden. Der DFB hat vorher bei seinen Verbänden bzw. bei der Oberliga Nachfrage gehalten. Die Antwort ist nicht gerade ermutigend für Befürworter der Bundesliga ausgefallen. Norddeutschland, das durch die Bestrebungen der Hamburger Finanzbehörden, gleich 50 Prozent der Reineinnahmen einzusacken, der gefährdeten (steuerlichen) Front am nächsten sitzt, hat eindeutig abgelehnt. Aus Bayern und Hessen ist eine ähnliche Antwort von der Oberliga gekommen, und nun winkt auch der Westen ab. Nur Schalke 04 bildet hier (vielleicht auch nur theoretisch) eine Ausnahme. Aber Schalkes Lebensbedingungen sind von jeher andere gewesen als die anderer Vereine. Wenn je, dann wird wohl im westdeutschen Industriegebiet der Berufsfußball geboren werden.

Interessant wäre nur, zu erfahren, wer dem DFB wieder diesen „Bundesliga“- Floh ins Ohr gesetzt hat. Daß eine Bundesliga auf Vertragsspielerbasis nicht durchführbar ist, sollte man dort genau wissen. Man müsse wissen, daß, wenn zum Beispiel in Frankfurt, Mannheim, München (um nur im Süden zu bleiben), wo je drei Vereine der Spitzenklasse angehören, nur ein Verein in diese Bundesliga käme, dann in jeder dieser Städte zwei an Ansehen und Tradition gleichwertige Vereine zurückgesetzt werden müßten. Wir meinen, daß schon deshalb im Süden das Zusammengehörigkeitsgefühl obsiegen würde. Meint man beim DFB aber mit der Bundesliga eine Berufsspielerliga? Dann müssen die Dinge steuerlich schon sehr weit fortgeschritten sein. (Wir weisen nur auf die Hamburger Forderung hin.) Ein Wunder wäre das natürlich nicht. Meldungen von Ausgaben für Vertragsspieler, bekanntgewordene Abrechnungen verschiedener Vereine, die Beträge von einer halben Million überschreiten und nicht zuletzt hier und da geäußerte Absichten von — Nachtspielen bei künstlicher Beleuchtung, sind Dinge, die auch an Steuerbehörden nicht ganz unbeachtet vorübergehen. Wir meinen, daß man Fußball auch ohne Hinzunahme dar Nächte spielen kann; andere meinen, damit eine größere Attraktion bieten zu müssen. Sie werden, sofern sie in den Kreisen der Vereine sitzen, diese Zeche mit schweren Einbußen ihrer Vereine zu bezahlen haben.

Bei München ist vor einiger Zeit ein großes Landes-Sportheim errichtet worden. Es liegt in der Nähe von Hellabrunn eingefügt in das herrliche Gelände an der Isar. Der Landessportbund Bayern, der Bayerische Fußballverband und die Landesregierung haben das Projekt gemeinsam verwirklicht. Sportschule, Jugend- und Erholungsheim, Gaststätten für die Sportler, Unterkunftsräume für fremde Sportmannschaften und Gäste sowie alle notwendigen Sportanlagen enthält diese zehn massive Gebäude einschließende mustergültige Stätte. Hier haben jene Kreise, denen der Sport mehr ist als nur die Möglichkeit erhöhter Einnahmen aus bestimmten Veranstaltungen, etwas geschaffen, was wirklich dem Sport dient. Erfreulich war es, zu hören, in wie kultivierter Weise hier Sport und Kunst gemeinsam die festlichen Rahmenveranstaltungen durchgeführt haben. Es war alles da, angefangen von einer Festvorstellung der „Aida“ bis zu einem schlichten Essen. Bayerisches Symphonie-Orchester und Regensburger Domspatzen boten dabei ihre Gaben Tausenden. Ist das nicht etwas anderes als der ewige Streit um die Vertragsspieler und ihre „Divisionen“? Man sollte sich überall (allen Ernstes) einmal wieder auf jene Ebene zurückbegeben.

Handball am Sonntag

Verbandsliga Süd Offenbach — SG Kempten Mombach — VfR Wiesbaden Herrnsheim — Gelnhausen Dietzenbach — Griesheim

Handball-Gruppenliga 4

Am kommenden Sonntag findet diie Fortsetzung der Verbandsrunde der Gruppenliiga 4 statt, wobei sich wohl eine weitere Klärung der Stärkeverhältnisse der einzelnen Vereine ergeben wird. Da seit dem letzten Sonntag alle Vereine im Wettbewerb sind, läßt sich schon leichter eine Voraussage über den Ausgang der kommenden Spiele machen. — Am Sonntag., dem 1. Oktober finden folgende Spiele statt: SSC Alzey—TSG 46 Darmstadt TSV Pfungstadt—SG Wörrstadt SG Bretzenheim—SKG Bauschheim SV Kostheim—TG Rüsselsheim TSV Braunshardt—Cone. Gernsheim Alzey wurde am letzten Spielsonntag in Pfungstadt unter Wert geschlagen. Die Darmstädter scheinen sich jedoch noch rechtzeitig gefunden zu haben und werden mit aller Macht bestrebt sein, Punkte zu sammeln die in Alzey auch nicht gerade in den Schoß fällen. Pfungstadt wird sich vor heimischem Publikum die Punkte von Wörrstadt wohl kaum entführen lassen. Bauschheim ist bei dem Tabellenletzten in Bretzenheim zu Gast und wird sich gewaltig ansitrengen müssen, um den sich jetzt langsam findenden. Mainzer Vorstädtern den Sieg zu entreißen. — An der Mainspitze in Kostheim steigt so eine Art Lokalderby, wobei der Liganeuling Rüsselsheim in seiner jetzigen Form wohl kaum von dem dortigen SV geschlagen werden kann und die Punkte in die Opelstadt mitnehmen wird. Braunshardt wird es gegen die z. Z. in Unterform spielenden Concorden aus Gernsheim nicht all zu schwer haben, um seine Spitzenposition zu festigen. -th-

Bezirksklasse Odenwald

Fränkisch-Crumbach—Langen Urberach—Seeheim Mörfelden—Reichelsheim Groß-Biebenau—Kirch-Brombach Mörfelden spielfrei Am kommenden Sonntag spielen die führenden Mannschaften zu Hause und sollten wohl zu weiteren Punkten kommen. Am schwersten wird es Fränkisch-Crumbach gegen die eifrige Elf aus Langen haben, da man drei sehr gute Deckungsspieler ersetzen muß. die verletzt sind. Durch Heranziehung bewährter Kräfte ist vielleicht diese Lücke zu schließen. Allerdings muß gegen die gute Gäste-Hintermannschaft der einheimische Sturm, das Schmerzenskind im letzten Spiel gegen Urberach, größere Durchschlagskraft zeigen. Das Spiel findet im Rahmen des Micheismarkts statt und beginnt deshalb schon um 13 Uhr.

In Urberach müßte der Neuling Seeheim schon seine Langener Form erreichen, um Punkte zu erringen. Wiederholt die Urberacher Mannschaft ihre Leistung vom letzten Sonntag, dann dürfte der Sieg sicher sein. Auch der zweite Neuling Reichelsheim hat in Mörfelden kaum Gewinnaussichten und muß um ein gutes Torergebnis bemüht sein.

In Groß-Bieberau treffen zwei Odenwaldmannschaften aufeinander, die sich aus vielen Begegnungen her gut kennen. Kirch-Brombach konnte am letzten Sonntag keineswegs überzeugen und wird eine, wenn auch vielleicht knappe Niederlage hinnehmen müssen.

Bezirksklasse Ried

Pfeddersheim—Crumstadt Mörstadt—Erfelden Wies Oppenheim—Westhofen Das wichtigste Spiel ist hier die Begegnung in Pfeddersheim, wo zwei noch ungeschlagene Mannschaften um die weitere Führung kämpfen werden. Der Gastgeber ist als die beste linksrheinische Mannschaft anzusprechen und wird dem Tabellenführer Crumstadt alles abverlangen. Die Tagesform sollte hierbei entscheidend sein. Auch Erfelden hat in Mörstadt einen schweren Stand, doch könnte die größere Routine zugunsten der Gäste den Ausschlag geben. In Wtes-Oppenheim erwartet man die am letzten Sonntag so überzeugend spielende Mannschaft aus Westhofen, welche wohl zu weiteren Punkten kommen sollte. Bobstadt und Hofheim haben ihre Mannschaften zurückgezogen. Pfifflighedm, Bürstadt, Offstein und Heppenheim sind spielfrei.

Handball-Kreisklasse Erbach

In der Handball - Kreisklasse Erbach werden nur drei Spiele ausgetragen. Momart empfängt Höchst, das sich mit dem Gedanken trägt, seine Mannschaft aus der Verbandsrunde herauszunehmen. Ein eindeutiger Erfolg für Momart steht in dieser Partie außer jedem Zweifel. Auch Zell ist gegen Böllstein das größere Plus einzuräumen. Beerfelden müßte sich in Pfaffen-Beerfurth bei einigem Einsatz durchsetzen können. Mit Rücksicht auf das Fußballspiel Erbach-Michelstadt wird die Handballbegegnung Michelstadt—Erbach verschoben. Sie wird voraussichtlich am 12. November, nach Schluß der Verbandsrunde, nachgeholt werden.

Handballkreisklasse Dieburg

Eine Fülle aufschlußreicher Spiele über die künftige Tabellengestaltung finden am kommenden Sonntag statt. In Gruppe I spielen: Richen—Kl.-Umstadt; Schaafheim—TV Reinheim; Semd—Langstadt-Schlierbach II; Langstedt-Schlierbach I—Babenhausen. Gruppe II: SV 45 Reinheim—'Münster; Gr.-Zimmern— Habitzheim; Gundernhausen—Tschft. Ober-Roden. Eine Klärung am Tabellenende bringt die Begegnung in Richen. Die beiden einzigen noch verlustpunkitfreien Mannschaften in der Gr. I, Schaafheim und Landstadt I, müssen sich vor ihren Gästen sehr in acht nehmen. Großer Favorit ist Semd gegen Langstadt 11. In der Gruppe II wird sich der Tabellenführer SV 45 Reinheim gegen die schnelle Mannschaft aus Münster sehr anstrengen müssen. Offen ist die Begegnung in Gr.- Zimmern. Ober-Roden dürfte gegen den Tabellenletzten auf dessen Platz sicher zu den beiden Punkten kommen. -ff-

VCD-Fahrer auswärts

Auch am kommenden Sonntag ist der VCD wieder bei auswärtigen Rennen hervorragend beteiligt.

Die Sieger des „Großen Blaupunktpreises“ am vergangenen Sonntag in Darmstadt, der ehemalige Deutsche Meister Erich Barth fährt mit dem Hessenmeister Paul Nester den Großen Herbstpreis auf der Bahn in Mainz, ein Zweier-Mannschaftsfahren nach Sechstageart über 120 Runden.

Siegfried Volkhammer startet beim Großen Rhönpreis, ein Rundstreckenrennen über 90 Kilometer in Dipperz-Fulda.

Schließlich trifft Willi Brunner beim Steherrennen in Haßloch auf Umbenhauer, Hilbert, Böttgen und den zum ersten Male hinter Motoren fahrenden Theo Intra, Frankfurt. Des weiteren trifft sich der VCD am kommenden Sonntag in Langen, Gasthaus „Zur Traube“, mit dem VC Frankfurt und dem Offenbacher Bicycle-Club. Ein Treffen, das früher traditionsgemäß alle Jahre stattfand und nach langer Pause am kommenden Sonntag zum ersten Male wieder staittfindet.

Abfahrt 14.00 Uhr am Theaterplatz (Landestheater).

Clubmeisterschaft des DRC

Am Sonntag, dem 1. Oktober 1950, trägt der Darmstädter Radsport-Club 1919 den 5 .und letzten Lauf für die Junioren-Klasse zur Clubmeisterschaft auf der Strecke Darmstadt — Ober - Ramstadt — Ernsthofen — Brandau — Lützelbach—Steinau—Niedernhausen—Groß Bieberau—Reinheim—Roßdorf—Ziel Löwentor aus. (Ca. 70 km.)

Der Start für die Junioren-Klasse erfolgt um 8.30 Uhr am Böllenfalltor. Mit dem Eintreffen die Fahrer dürfte gegen 10.30 Uhr zu rechnen sein.

Die Jugend-Klasse, deren Start ebenfalls am Böllenfalltor um 8.45 Uhr ist, fährt über die Strecke Ober-Ramstadt —Roßdorf mit dem Ziel Löwentor. (Ca. 20 km.)

In der Junioren-Klasse dürfte es zu einem interessanten Zweikampf zwischen Heil und Lücker kommen, da beide in der Gesamtwertung fast punktgleich liegen.

Kanumeisterschaften der TSG 46

Am Sonntag, dem 1. Oktober, vormittags 10.00 Uhr, führt die Paddelabteilung erstmals wieder nach dem Krieg ihre Vereinsmeisterschaften in der kurzen Strecke auf dem Altrhein bei Erfelden durch. Gefahren wird im Einer-Faltboot und Zweier-Kajak über 600 m. Start an der Pappelallee und Ziel vor dem TSG-Bootshaus.

Das Meldeergebnis verspricht scharfe Kämpfe in den gut besetzten Jugend-, Aktiven- und Altersklassen zwischen dem Nachwuchs und den älteren Fahrern. Nachmittags trifft sich die Abteilung zu gemütlichem Beisammensein im Bootshaus, hgt.

Die Kreisklassen am 1. Oktober

Kreisklasse Darmstadt

Auch in den zwei niedrigsten Klassen des großen Hauses des Fußballs gibt es gewisse Abwechslung und Ueberraschungen. Es spielen: Hahn — SSG Langen Seeheim — Gräfenhausen (morg. 10 Uhr) Griesheim — Nieder-Ramstadt Alsbach — Bickenbach Hähnlein — Weiterstadt TSG 46 Darmstadt — Erzhausen (wurde nach Darmstadt umgelegt) Im Vordergrund steht wohl das Lokalderby gegen den derzeitigen Tabellenführer Bickenbach. Wenn auch Alsbach seine alte Spielform noch nicht ganz erreicht hat, so darf der Gast es trotzdem nicht zu leicht nehmen und seinen gelernten Fußball spielen.

Hähnlein empfängt den Zweiten der Tabelle und sollte sich anstrengen, um endlich einmal seine schon im Vorjahre gezeigten Leistungen wieder zu erreichen und vom Ende wegzukommen. Erzhausen fährt nach Darmstadt und trifft dort eine junge, völlig umgestellte Elf auf der Woogswiese an. Wer hier siegreich aus dem Rennen geht, bleibt abzuwarten.

Griesheim, das immer noch am entsprechenden Ersatz für die abgewanderten Spieler leidet, wird auch diesmal, trotz des Platzvorteils, um eine Niederlage nicht herumkommen.

Seeheim hat dem Antrag seines Gegners stattgegeben und das Spiel schon iporgens 10 Uhr angesetzt. Die Gäste aus Gräfenhausen werden sich besonders anstrengen, zu weiteren Punkten zu kommen, es feiert sich nachher besser Kirchweih.

Einen etwas schweren Gang muß SSG Langen nach Hahn antreten. Dort sollte bei normal verlaufendem Spiel und guter Platzverhältnisse ein Unentschieden möglich sein.

In der B-Klasse spielen: Nieder-Beerbach — SC Griesheim Brandau — Eschollbrücken Jugenheim — Traisa Union Darmstadt — Ober-Beerbach VfR Langen Soma — SV 98 II Darmstadt spielfrau ist Rohrbach Obwohl Nieder-Beerbach eine wesentliche Formverbesserung aufzuweisen hat, aber trotzdem vom Pech verfolgt ist, dürfte es auch gegen den SC, den ungeschlagenen Tabellenführer, nicht viel ausrichten können. Brandau hat den Dritten der Tabelle als Gast und wird alles versuchen, ehrenvoll abschneiden zu können.

Traisa fährt nach Jugenheim und trifft dort auf eine zähe Elf, die weiterhin Punkte sammeln möchte. Hoffentlich geht es dem Neuling Ober-Beerbach in Darmstadt bei der Union nicht wieder so wie am letzten Sonntag.

Für die ausgeschiedenen Arheilger ist die Soma vom VfR Langen eingesprungen und empfängt die 11. des SV Darmstadt. Dem Können beider Mannschaften entsprechend sollte das Spiel offen und ausgeglichen werden. nd.

Kreisklasse Erhach

Wenn auch der kommende Sonntag für die Freunde des Fußballsnorts des hinteren Odenwaldes von dem Bezirksklassenderby Erbach gegen Michelstadt überschattet wird, sollte in der A-Klasse vor allem die Begegnung Sandbach^Lützel-Wiebelsbach mit der ihr gebührenden Aufmerksamkeit notiert werden. Die junge Gästeelf scheint sich endlich in ihrer neuen Aufstellung gefunden zu haben, was nicht zuletzt aus dem überzeugenden 7:3-Erfolg gegen Steinbach hervorgeht. Da der Tabellenerste Sandbach in Neustadt nicht restlos gefallen konnte, wäre eine Punkteteilung, genau wie bei den beiden Pflichtspielen der vergangenen Saison, nicht ausgeschlossen.

Steinbach, noch immer ohne Pluspunkte am Tabellenende,, muß sich vor einheimischem Publikum mächtig anstrengen, wenn es gegen die wiedererwgchte Höchster Elf mit Waldhaus, Benschek, Eckert, Kretschmann, Pilger und Urban keine erneute Niederlage hinnehmen will.

Der weit größeren Erfahrung von Neustadt kann Günterfürst, von dem man in dieser Runde seither nur überraschend wenig zu sehen bekam, nur den Platzvorteil entgegenhalten. Die Gäste, die auch hier noch ohne die gesperrten Petri und Friedrich (eventuell auch ohne den erkrankten Müller) antreten, sollten trotzdem in Günterfürst erfolgreich bleiben.

Nachdem sich Würzberg inzwischen als ausgesprochene Heimmannschaft erwiesen hat. ist dem Neuling in Hainstadt papiermäßig kaum eine Chance einzuräumen. Eine auf dem körperlichen Einsatz der Gäste basierende Ueberraschung wäre allerdings nicht ausgeschlossen.

Obwohl Rimhorn seit dem vergangenen Jahr eine wesentliche Verbesserung erfahren hat, ist es unwahrscheinlich, daß such Bad König, gegenwärtig auf dem achten Tabellenplatz, vor einheimischem Publikum überfahren läßt. Im Rimhorner Sturm ist lediglich Schimpf gefährlich, der jedoch in Diehl oder Triebs einen sicheren Bewacher finden wird.

Die Erbacher Sondermannschaft ist in Beerfelden zu Gast. Da beide Mannschaften ein technisches Spiel dem rein körperlichen Einsatz vorziehen, dürfte der Platzvorteil für den Sieg den Ausschlag geben. -ppi.

In der B-Klasse Gruppe Oberzent erwartet Sensbachtal, das am Vorsonntag allein durch Hofmann gegen die Beerfelder Sondermannschaft viermal erfolgreich war, Schöllenbach. Die Gäste werden sich wohl auch in dieser Partie mit einer Niederlage abfinden müssen. Gammelsbach wußte durch seinen 7:1-Erfolg in Steinbuch zu gefallen und sollte vor einheimischem Publikum auch gegen Finkenbach erfolgreich bleiben. Steinbuch, dem es noch immer an der notwendigen Erfahrung mangelt, dürfte auch in Rothenberg kaum etwas zu bestellen haben.

In der Gruppe Unterzent trifft Haingrund, das am Vorsonntag eine Sil-Niederlage gegen Wald - Amorbach hinnehmen mußte, auf Mümling-Crumbach. Diese Partie trägt einen offenen Charakter. Die Sonderriannschaft des TSV Höchst erwartet Kirch-Brombach. Man rechnet mit einem knannen Erfolg der Platzherren. Vielbrunn fährt nach Fürstengrund, wo ihm der Neuling wohl nichts schenken wird. Vor einhe’mischem Publikum sollte der VfL Höchst gegen Wald-Amorbach keinen allzu schweren Stand haben.

Kreisklasse Dieburg

Mit Ausnahme von Offenthai, das bei Ober-Roden zu Gast ist, möchte man diesmal den Heimmannschaften den Vorzug geben, zumal sie sich bisher alle leidlich durchgesetzt haben. Lengfeld wird zwar seinen 6:1-Sieg vom letztenmal nicht wiederholen können, aber schon die gesunde Rivalität gegenüber dem Nachbarn Groß-Umstadt wi-d die Elf ganz auf Sieg spielen lassen. Zweimal 0 würden wir lediglich für das Kleestädter Treffen tippen.

Es spielen: Reinheim — Spachbrücken, Nieder-Roden—Klein-Zimmern, Lengfeld—Gr.- Umstadt, Kleestadt—Götzenhain, Ueberau— Mosbach, Groß-Zimmern — Dreieichenhain, Ober-Roden—Offenthai.

In der B-Klasse, Gruppe I, darf man von Fränkisch-Crumbach Michaelismarktlaune zugestehen. Die anderen Gernsprenztäler Mannschaften, besonders die, die auf Reisen gehen, werden sich die Punkte, so sie sie erringen, ehrlich erkämpfen müssen. Es spielen: Fränkisch-Crumbach—Niedernhau~en, Wersau— Hassia 11, Hering—Nied/Oberklmgen, Georgenhausen—Brensbach (spielfrei Groß-Bieberauj.

In der Gruppe II finden nur drei Begegnungen statt, bei denen die Heimmannschaften, wenn sie einigermaßen in Form sind, befriedigend abschneiden dürften. Es spielen: TV Groß-Umstad’—Münster (13.30 Uhr), Hergershausen—Klein-Umstadt, Heubach —Raibach (spielfrei Wiebelsbach, Schaafheim).

Kreisklasse Groß-Gerau

Nach den überraschenden Ergebnissen am vergangenen Sonntag stehen sich in der Fußball -A - Klasse Groß - Gerau in der 4. Runde folgende Vereine gegenüber: Walldorf — Stockstadt Ginsheim — Büttelborn Biebesheim — Gustavsburg Gernsheim — Wolfskehlen Klein-Gerau — Dornheim Astheim — Raunheim 07 In Walldorf wird es am Sonntag einen harten Kampf geben. Die Gäste wie auch die Platzbesitzer befinden sich zur Zeit in ausgezeichneter Verfassung. Eine Vorhersage über den Spielausgang ist hier schwer.

Büttelborn will sich in Ginsheim mit einer völlig umgestellten Mannschaft vorstellen. Mit dem erstmals wieder in der-Verteidigung spielenden Imhof sowie dem zurückgezogenen Thalheimer will Büttelborn eine gute Lösung gefunden haben. Die Schlußlichter der A-Klasse treffen in Biebesheim zusammen. Die Biebesheimer bestreiten am Sonntag ihr erstes Heimspiel und werden versuchen, möglichst gut abzuschneiden.

Der bisher ungeschlagene Tabellenführer Gernsheim hat den vorjährigen Tabellenletzten zu Gast. Obwohl Wolfskehlen in den letzten Spielen recht beachtlich abschnitt, hat es kaum Aussicht auf Erfolg. Nach den am Sonntag gezeigten Leistungen dürfte es Klein-Gerau nicht schwer fallen, auf eigenem Platz den Dornheimern die Punkte abzunehmen.

Der Neuling Astheim ist zu Hause immer gefährlich; was die Astheimer an Ehrgeiz aufbringen, werden die Raunheimer an Erfahrung mitbringen.

In der B - K 1 a s s e fährt Königstädten nach Erfelden an den Rhein und dürfte dort als Favorit gelten. Leeheim muß sich bei dem Nachbarn Geinsheim mächtig anstrengen, um wenigstens einen Punkt zu erhalten. Wallerstädten hat in Raunheim gegen den FSV eine harte Nuß zu knacken. Wer Sieger wird, entscheidet wohl die Tagesform. Ob Worfelden zu Hause gegen Goddelau zu Sieg und Punkten kommen wird, werden die Goddelauer entscheiden. Spitzenreiter Opel Rüsselsheim Tb trifft auf seinen Ortsrivalen TSV Rüsselsheim. Der Papierform nach müßte Opel gewinnen. Beschofshe'm Ib ist spielfrei.

Kreisklasse Bergstraße

Nachdem nun die Terminliste für die Kr-;!skla^se vor liegt, besteht die Möglichkeit, s-jtens der Vereine entsprechend zu dispon’ercn' und eigene Absichten zu verwirklichen. Sie sieht, abgesehen vom Totensonnt?g (26. November) durchweg fünf bis sechs Treffen pro Sonntag vor.

Am kommenden Sonntag spielen: FC Fürth—Lindenfels Waldmichelbach—Affolterbach Vfß Lampertheim—Aschbach Reichenbach—Auerbach Fehlheim—Weiher Einhausen und Mörlenbach sind antragsgemäß spielfrei.

Der FC Fürth gilt im Heimspiel gegen Lindenfels zweifellos als Favorit. Der Neuling hat sich rasch in die Kreisklasse-Atmosphäre eingelebt und führt mit Reichenbach die Tabelle an. Lindenfels wird am Sonntag vor einer schwierigen Aufgabe stehen.

Waldmichelbach empfängt mit Affolterbach den ältesten Kreisligisiten, gegen den cs sich auch auf eigenem Gelände schwer tun wird. Da die Begegnung lokalen Charakter trägt, darf eine hartnäckige Auseinandersetzung mit knappem Ende erwartet werden. Vfß Lampertheim hat mit Aschbach einen Gegner zu Gast, der im Ried bisher wenig glücklich operierte. Trotzdem bot er auf Grund seiner Kampfkraft etwas größere Gewinnchancen als die Platzherren, denen es noch etwas an Stehvermögen mangelt.

Auerbachs Reise zu Reichenbach dürfte zu einem bitteren Weg werden, auch wenn John wieder die Fäden so gut knüpft wie am Vorsonntag. Essinger, Kindinger und Genossen dürften dem Gästehüter soviel unlösbare Probleme aufgeben, daß der Reichenbacher Sieg deutlich ausfallen sollt».

In Fehlheim stehen siich zwei Neulinge gegenüber. Man wird bei Abschätzung aller Eventualitäten den Gästen aus Weiher die größeren Chancen einräumen müsseh. (ni.)

B-Klasse Odenwald

Die B-Klasse Odenwald sieht für kommenden Sonntag folgende Treffen vor: RW Wahlen—SV Hammelbach KSG Mitlechtern—KSG Rimbach FC Ober-Abtsteinach—SV Unter-Abtsteinach KSG Reichelsheim—Odin Unter-Schönmattenwag frei: SV Fürth und TV Zotzenbach Wahlen dürfte mit dem Nachbarn Hammelbach keine Sorgen haben und seine Spitzenstellung auch toremäßig erneut bekräftigen.

Rimbach fährt ebenfalls zum Nachbarn Mitlechtern und sollte dort auf harten Widerstand gefaßt, aber letztlich doch Sieger sein.

Die diribte Lokalbegegnung, im Steinachtal Ober- und Unter-Abtsteinach zusammenführend, wird ein harter Strauß werden, dessen Sieger schwer vorauszusagen ist, wenngleich die Platzherren papierformmäßig etliche Vorteile haben sollten. Reichelsheim erwartet mit Untier-Schönmattenwag eine Elf, die zu Hause weit stärker als auswärts ist, so daß auch hier ein Sieg der Platzherren am ehesten wahrscheinlich ist. (nii.)

In der B-Klasse Ried spielen: Riedrode—SV Bensheim Zwingenberg—Schönberg Hüttenfeld—RW Heppenheim Hambach—N or dheii m Gadernheim—Elmshausen

Riedrode sollte, zumal zu Hause, auch gegen die stärker gewordenen Bensheimer zum Siege kommen. Zwingenberg und Schönberg dürften sich eine zähe Auseinandersetzung liefern, deren Sieger schwer vorauszubestimmen ist. Gefühlsmäßig: Zwingenberg. RW Heppenheim wird auch aus Hüttenfeld ohne Punkte zurückkehren, wenn die Platzherren ähnlich geschlossen agieren wie seither. Hambach und Nordheim sollten sich gegenseitig nicht viel herausgeben Der Platzvorteil könnte hier zugunsten der Einheimischen sprechen. Gadernheim empfängt mit Elmshausen einen Gegner, gegen den es sich schwer bemühen müßte, um zum Siege zu kommen. Wir erwarten hier die Gäste vorn. (ni.)

Rollhockey-Turnier in Frankfurt

Der REC „Blau-Rot“ Frankfurt veranstaltet am Samstag und Sonntag auf der Rollschuhbahn im Brentanobad ein Rollhockey-Turnier um den von der Stadt Frankfurt gestifteten Wanderpreis. Teilnehmen können alle Vereine, die einem Rollsportverband im Bundesgebiet angehören. Der gestiftete Wanderpreis wird erstmals 1950 ausgespielt und läuft über 3 Jahre. Nach dem dritten Turnier erhält ihn der Punktsiege/ aus den vorausgegangenen Turnieren endgültig. Das Turnier am kommenden Wochenende wird nach dem Punktsystem (jeder gegen jeden) ausgetragen. Die Spielzeit beträgt zweimal zwanzig Minuten. Die Leitung des Turniers liegt in den bewährten Händen von Wilhelm Heberer, Frankfurt am Main.

Die TSG Darmstadt hat mit Bqnning, Mangold, Przementski, Fuß, Zergiebel, Häuser und Schlötzer eine starke Mannschaft zu den Spielen gemeldet, die einen spannenden Verlauf nehmen werden. Zö

Jugendtag im Rollsportstadion

Bevor die Rollsport-Saison für dieses Jahr endgültig abgeschlossen wird, haben nochmals die Jugendlichen in einem eigenen Programm am kommenden Samstag das Wort. Die männliche Jugend trägt ein Rollhockey-Turnier um einen Wanderpreis aus. Spannende Spiele werden zu erwarten sein, denn die Mannschaften aus Frankfurt, Langen und Darmstadt wollen den Siegeslorbeer mit nach Hause nehmen. Einen Favorit zu nennen, wäre fehl am Platze, denn gerade unsere Jugend ist bei solchen Turnieren unberechenbar. Umrahmt wird dieses Turnier von den Kunstläuferinnen des RSC, so daß dieser Nachmittag das Prädikat eines Jugendtages erhalten kann. - eri -

Die Schwimmwettkämpfe im Hallenbad

Eröffnet werden die Wettkämpfe mit einem Aufschwimmen der Kleinsten. TSG 46, DSW 12 und TG 75 stellen je 10 Kinder unter 10 Jahren, die in diesem Sommer das Schwimmen erlernt haben, vor. Und dann folgen — wie man in der Schwimmersprache sagt — zackige Staffelkämpfe. In der Eröffnungs-Kraulstaffel 10X50 m für Herren stellen TSG 46, DSW 12 und TG 75 fünf Mannschaften, die sicli fesselnde Kämpfe liefern werden. Die dann folgende Damen-Bruststaffel 6^'so m sieht ebenfalls fünf Mannschaften der vorgenannten Vereine am Start. Im Kunstspringen, das in zwei Teilen vorgeführt wird, ist die gesamte hessische Spitzenklasse mit Fräulein Schwuttge, Fräulein Weber (beide Frankfurt) und den Herren Meyer, Frankfurt, Baumgartner, Wetzlar, und Bresler, Rüsselsheim, am Start. — Dann folgen Schlag auf Schlag „spritzige“ Staffelkämpfe: Herren-Lagenstaffel 9X50 m, Damen-Kraulstaffel 4x50 m, Herren-Bruststaffel 10x50 m und Damen-Lagenstaffel 3x50 m. Den Abschluß der Kämpfe bildet das Wasserball-Lokalderby TSG 46 gegen DSW 12 unter Leitung des Landeswasserballwarts Grohmann, Frankfurt. Für die einzelnen Staffelkämpfe stellen TSG 46 und DSW 12 je zwei Mannschaften, die TG 75 eine Mannschaft. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zeigt zwischen den einzelnen Wettkämpfen ganz kurze Ausschnitte aus der DLRG-Arbeit. — Wir müssen darauf hinweisen, daß zu dieser Veranstaltung nur geladene Gäste, die sich ausweisen können, Einlaß in das Hallenbad erhalten können. Das Fassungsvermögen der Schwimmhalle ist wohl groß, aber über sämtliche Plätze ist bereits disponiert. te.

Die TEC-Junioren weiterhin aktiv

Obwohl die Tennissaison praktisch schon zu Ende ist, haben die eifrigen Junioren des TEC noch keine Lust, ihre Rackets wegzulegen. Sie spielen am Sonntag gegen die Junioren von Bad Soden in der Aufstellung: Wittmann, Jayme, Müller, Wittich, Schöpf, Geiß, Karsten, Eisele und den Juniorinnen Jayme, Geiß, Müller-Donges und Oechler. Die Spiele beginnen um 9.30 Uhr am Böllenfalltor. Die Juniorinnen Kaffenberger und Vierheller fahren nach Frankfurt, um dort gegen den KSV Hessen Kassel um die hessische Mannschaftsmeisterschaft der Mädchen anzutreten. -gw-

Jahn Regensiburg unterlag am Mittwoch in Kapfeniberg/Oberösterreich in einem Freundschaftsspiel einer österreichischen Auswahl vor 12 000 Zuschauern mfit 1:7 Toren.

Am Sonntag, dem 1. Oktober 1950, beginnt für den Kreis Darmstadt in der Gastwirtschaft Arnold, Darmstadt, Bdsmarckstraße, morgens 9 Uhr, ein neuer Lehrgang für Schiedsrichter (Fußball). Nach den Satzungen des Hessischen Fußball-Bundes E.V. sind die Vereine verpflichtet, für je eine aktive Mannschaft auch einen Schiedsrichter zü melden. Den Vorsitzenden der einzelnen Vereine ist hierdurch Gelegenheit gegeben, durch Namhaftmachung geeigneter Kräfte ihr Soll zu erfüllen.

Wohin am Wochenende?

SAMSTAG:

16 Uhr: Rollsporttag der Jugend. Hinter dem Orpheum.

20 Uhr: Boxen ABC—Tura Ludwigshafen. „Zum Schwanen", Eberstadt.

20.30 Uhr: Ringen. Oberliga SV 98 gegen Eiche Hanau. Goetheschule.

SONNTAG:

8.30 Uhr: Radsport-Meisterschaften des DRC. Böllenfalltor.

9.30 Uhr: Tennis. Junioren TEC—Bad Soden. Böllenfalltor.

15 Uhr: Fußball. 1. Liga Süd SV 98 gegen BC Augsburg. Hochschulstadion.

15 Uhr: Fußball. Kreisklasse. Union Bessungen—Ober-Beerbach. Rennbahn.

16 Uhr: Schwimmwettkämpfe im Hallenbad.

Von ihrem schweren Leiden wurde am 26. September 1950 meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, Frau Marie Dächert geb. Laun durch einen sanften Tod erlöst. Auf Wunsch der Entschlafenen fand die Beisetzung in aller Stille statt. Im Namen der Hinterbliebenen: JAKOB DÄCHERT Darmstadt-Eberstadt (Müllerstr. 8), 29. September 1950 Schlitz und Hornberg Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen.

IHRE VERMÄHLUNG GEBEN BEKANNT: Dr. iur. HORST PZILLAS FRAU HETTY verw. Inacker geb. Weihl BONN 11 DARMSTADT Bwm. Frankensteinstr. 63 30. September 1950

Nachruf In den frühen Stunden des 29. September 1950 ist Herr Karl Oppenheimer Direktor der Deutschen Effecten- und Wechselbank Frankfurt/M. unerwartet im Alter von nicht ganz 63 Jahren verschieden. Der Verstorbene, der mehrere Jahre als 1. Vorsitzender dem Aufsichtsrat unserer Gesellschaft angehörte, hat in vorbildlicher, selbstloser Weise in den schweren Nachkriegsjahren seine großen Erfahrungen unserem Unternehmen zur Verfügung gestellt. Wir verlieren in dem allzu früh Dahingeschiedenen einen Freund unseres Hauses, dem wir stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. Aufsichtsrat, Vorstand und Belegschaft der Veith - Gummiwerke Aktiengesellschaft Höchst/Odenwald, den 30. September 1950.

Ihre Vermählung geben bekannt Walter Henßel Helene Henßel geb. Riedich Darmstadt, 30. September 1950 Müllerstraße 27 Kirchliche Trauung um 14.00 Uhr Kapelle Altersheim

WIR GESTALTEN IHR

Wie wohnen?

VON HELMUT MÜLLER-WELLBORN, GRIESHEIM/DARMSTADT

Kleidung und Wohnung oder gar ein eigenes Haus, das sind Dinge, die wir in den vergangenen Jahren entbehren mußten. Mit dem fortschreitenden Wiederaufbau, der Belebung unserer Wirtschaft und der zunehmenden Bautätigkeit wird uns nun die Möglichkeit gegeben, unsere eigene Umwelt neu zu gestalten.

Für seine Kleidung hat der Einzelne eine gewisse individuelle Auswahlmöglichkeit, die seiner gesellschaftlichen

Stellung und seinem Geldbeutel entspricht und die es darüber hinaus zuläßt, seinem eigenen Geschmack Ausdruck zu verleiheh und ihm das Gefühl einer Persönlichkeit zu geben.

Diese Freiheit hat er für seine Mietwohnung nur zum Teil. Man muß sich meistens mit den angebotenen Raumverhältnissen zufriedengeben, handelt es Sich beim Miethausbau doch vornehmlich um „Konfektionswohnungen“. Die Räume sind durchweg knapp bemessen, auch bei Häusern für gehobene Ansprüche.

Beim Bau eines Eigenheimes, auch in der Form eines Kleinhauses, können die Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse des Bauherrn und seiner Familie weitgehend berücksichtigt werden. Die künftigen Bewohner können auf die Raumordnung und -gestaltung einen entscheidenden Einfluß nehmen. Mit einem Wort: das Eigenheim schafft Persönlichkeitswerte, deren sozialpolitische Bedeutung nicht stark genug unterstrichen werden kann.

Die privaten Bausparkassen haben in den letzten 25 Jahren in dieser Hinsicht wahrhafte Pionierarbeit geleistet und tragen heute in immer stärker werdendem Maße entscheidend dazu bei, wirkliche Wohnwerte zu schaffen. Mit dem von ihnen propagierten Eigenheimbau fördern sie nicht nur die seelische und geistige Gesundung unseres Volkskörpers, sondern sind dazu bestimmt, durch Neubildung kleinen Eigentums den Menschen dem Vermassungsprozeß unserer Tage zu entreißen und ihn zu einer Persönlichkeit zu formen. Neben der sozialpolitischen Bedeutung des Eigenheimbaues kommt dem Bausparen in wirtschaftspolitischer Hinsicht ein besonderer Wert zu.

Doch zwischen Kleidung und Bauwerk steht die Ausstattung des Wohnraumes als der engste architektonische Rahmen unseres privaten Lebens. Praktische Notwendigkeiten und persönlicher Geschmack sind entscheidend für die Auswahl des Mobiliars. Die Freiheit, die hier jedem einzelnen gegeben ist, trägt aber von vornherein in sich die Möglichkeit des Mißbrauches. Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, welche Gründe zu den tiefen Unsicherheiten führten, die heute zum größten Teil alles das bestimmen, was mit Bauen und Wohnen zusammenhängt. Es kann und soll hier nur auf einen der wichtigsten Punkte hingewiesen werden: Die auftauchende Welt der Industrie, die Maschine, gestattete die Herstellung pomphafter Möbel zu billigen Preisen. Die „Pracht für jedermann“, die Imitationen, die wir in den Möbelformen um die Jahrhundertwende finden, nötigen uns heute ein geringschätziges Lächeln ab. Wir fühlen uns restlos erhaben über diesen „Kitsch“. Aber in Anbetracht der heutigen Angebote müssen wir die Frage stellen: Machen wir es wirklich so viel besser und klüger als die Menschen um 1900?

Ja, aber was für Möbel sollen wir uns anschaffen? Die Antwort ist nicht schwer: Vor allen Dingen kein „modisches“ Möbel. Modern erinnert an Mode, Mode ist etwas Zeitbedingtes, und Modisches wirkt bereits nach kurzer Zeit lächerlich. „Wahrhaft“ gestaltete Wohnungseinrichtungen allein sind von dauerndem Wert.

Ob Eigenheim oder Mietwohnung, ganz gleich, unsere Wohnverhältnisse werden auch künftig bescheiden sein. Es ist aus mit Herrenzimmer, Speisezimmer und Salon. Wir sind daher gezwungen, unser Wohnzimmer so einzurichten, daß es uns eine gewisse Wohnlichkeit und Gemütlichkeit zu bieten vermag. Alles zweckmäßig in der Wohnung am rechten Platz angeordnet, macht unser Heim erst wohnlich und menschlich. Es kommt darauf an, daß die Möbel standfest und haltbar sind und nicht etwa verspielt und zerbrechlich erscheinen und daher selten zu gebrauchen sind.

Das einwandfrei gestaltetete Möbel gibt auch dem Menschen mit schmalem Einkommen eine Umgebung, in der er sich wohl fühlt und die trotz räumlicher Kleinheit vom kulturellen Standpunkt aus gesehen „wahrhaft“ und einwandfrei ist. Der Hausrat soll mit dir. und deiner Familie leben und eine glückliche und harmonische Einheit bilden.

Zusammenfassend läßt sich sagen: Wir brauchen für die Ausstattung unseres neuen, eigenen Heimes massive Möbel und einfache, zweckmäßige Serienmöbel, die ohne falschen Aufwand unseren kulturellen Ansprüchen genügen und für breite Schichten der Bevölkerung erschwinglich sind. xr rtrwy linnene

Der Vorraum unseres heutigen Hauses oder unserer Wohnung gleicht nicht mehr dem pompösen Eritree der früheren „Villen“, aber immer noch bestimmt er entscheidend das Gesicht des Heimes. Ist er groß genug, kann man ihm durch eine schlichte, einfach gestaltete Sitzecke etwas Anheimelndes geben (Abb. 1). Ebenso gut können wir uns diese gemütliche Gruppe im Wohnzimmer vorstellen. Hier ruht sich die Hausfrau nach ihrer schweren Tagesarbeit mit einer Handarbeit aus, hier entspannt sich abends der Hausherr bei einem guten Buch, hier läßt es sich so nett beim Kaffeeklatsch plaudern oder hier wird ein kräftiger Männerskat „gedroschen“.

Meistens wird der Wohnraum auch zugleich der Eßplatz der Familie sein, wenn man sich nicht dazu entschließt, eine Wohnküche einzurichten. Ob die Wohnküche die ideale Lösung darstellt, mag dahingestellt bleiben. Daß sich aber auch hier ansprechende Gestaltungen und die notwendige Wohnlichkeit finden lassen, zeigt uns der Entwurf von Architekt Paul Heim (Abb. 2). Die nach Worpsweder Art gearbeiteten Stühle und Sitzbank nehmen dieser Eßecke das Kalte und Nüchterne gebräuchlicher Küchenmöbel. Es bleibt der Hausfrau überlassen, diese Wirkung durch eine freundliche Tischdecke, eine Obstschale und ein paar duftige Bilder noch zu erhöhen.

Zählen wir zu den Glücklichen, die über mehr als nur einen Wohnraum verfügen, werden wir, je nach Geschmack und Veranlagung, uns ein Eßzimmer einrichten (Abb. 3). oder eine Eßecke mit einer gut durchgearbeiteten Eckbank (Abbildung 4) im Wohnraum wählen. Die Polstermöbel, Couch und Sessel, die unserem Wohnzimmer die wohnliche Note geben, müssen sich harmonisch in die Architektur des Mobiliars einfügen und in ihrer Farbgestaltung auf das Material, die Teppiche und Fenstervorhänge abgestimmt sein.

/ Etwas, was bei der Wohnungseinrichtung meistens stiefmütterlich behandelt wird, ist das Kinderzimmer. Entweder pumpt man sich die Möbel in der näheren und weiteren Verwandtschaft zusammen oder kauft eine billige Einrichtung aus nicht harmonierenden Einzelstücken in einem Warenhaus. So finden wir hauptsächlich Kinderzimmer, die ein zusammengewürfeltes Mobiliar aufweisen und daher vielfach unschön und primitiv wirken.

Einsichtsvolle Eltern wissen, wie sehr die Umgebung auf den Charakter des Kindes einwirkt, und werden folglich bei der Einrichtung des Kinderzimmers besondere Sorgfalt und Ueberlegung walten lassen.

Die Formen der Kinderzimmermöbel sollen einfach sein, denn alles Ueberladene widerspricht dem kindlichen Wesen. Kinderzimmer müssen licht und froh, mit lustigen Farben gestaltet sein, um kindliche Fröhlichkeit und Unbeschwertheit zur Entfaltung zu bringen. Und bei den Möbeln fängt es an: Kinderzimmer sollen in hellen, naturfarbig belassenen Hölzern gearbeitet sein (Abb. 5). Zur Belebung des Naturholzes wählt man einen buntgewürfelten Bettbezug und eine helle, freundliche Tapete.

Nach und nach werden kleine Geschenke von Keramikvasen, netten Bildern und dergleichen das ganz persönliche Reich unserer Kinder ergänzen und bereichern. So wachsen die Kinder schon früh in einer anständig und ehrlich geformten Umgebung der Schönheit auf und erhalten schon in ihrer Jugendzeit ein Vorbild alles Schönen, Echten und Wahrhaftigen.

Handwerklich gearbeitete Möbel kommen nicht aus der Mode und behalten ihren Wert, so daß der Vorwurf, ein derartiges Kinderzimmer komme zu teuer, nicht stichhaltig ist; außerdem können diese Möbel später für die Ausstattung eines dritten Zimmers, eines Gastzimmers, Verwendung finden.

Wer glücklich wohnen und seinen Kindern eine frohe Jugend schenken will, wird also vor allen Dingen bestrebt sein, sich ein. eigenes Heim zu schaffen und diese Umgebung für sich und seine Kinder wahrhaft und ungekünstelt, schlicht und handwerklich echt, frohgemut und sonnig zu gestalten. „Zeige mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist.“ Alle Fotos wurden uns von der Zeitschrift „Glücklich wohnen“, Frankfurt, zur Verfügung gestellt.


Abb. 1: Die Sitzecke aus einfachen Kleinmöbeln auf der Diele oder im Wohnraum gibt unserer Wohnung eine anheimelnde Note. (Foto: Elisabeth Hase)
Abb. 1: Die Sitzecke aus einfachen Kleinmöbeln auf der Diele oder im Wohnraum gibt unserer Wohnung eine anheimelnde Note. (Foto: Elisabeth Hase)

Abb. 2: Die von Arch. Paul Heim gestaltete Eßecke gibt der Wohnküche die oft fehlende notwendige Wohnlichkeit. (Foto: Willi Moegle)
Abb. 2: Die von Arch. Paul Heim gestaltete Eßecke gibt der Wohnküche die oft fehlende notwendige Wohnlichkeit. (Foto: Willi Moegle)

Abb. 3: Im Eßzimmer bilden Möbel, Polstermöbel, Teppiche, Fenstervorhänge und Beleuchtungskörper eine harmonische Einheit. (Arch. G. Schaupp, Frankfurt.
Abb. 3: Im Eßzimmer bilden Möbel, Polstermöbel, Teppiche, Fenstervorhänge und Beleuchtungskörper eine harmonische Einheit. (Arch. G. Schaupp, Frankfurt.

Abb. 4: Arch. Johannes Krahn, Frankfurt, schuf diese handwerklich einwandfreien Wohnzimmermöbel. Eßecke mit Eckbank im großen Wohnraum, Couch, Anbaumöbel und Sessel im kleinen Arbeitszimmer des Hausherrn. Foto: Artur Pfau
Abb. 4: Arch. Johannes Krahn, Frankfurt, schuf diese handwerklich einwandfreien Wohnzimmermöbel. Eßecke mit Eckbank im großen Wohnraum, Couch, Anbaumöbel und Sessel im kleinen Arbeitszimmer des Hausherrn. Foto: Artur Pfau

Abb. 5: Ein Kinderzimmer von Prof. Dr. Gretsch. Helle Naturholzmöbel, helle Tapeten, ein bunter Bettbezug und ein paar Kleinigkeiten geben unserem Kind eine saubere und freundliche Umgebung. (Foto: Willi Moegle)
Abb. 5: Ein Kinderzimmer von Prof. Dr. Gretsch. Helle Naturholzmöbel, helle Tapeten, ein bunter Bettbezug und ein paar Kleinigkeiten geben unserem Kind eine saubere und freundliche Umgebung. (Foto: Willi Moegle)

Die Sendeprogramme vom 1. bis 7. Oktober 1950

Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)

Mittelwelle: 208,5 m (1439 kHz)

UKW-Sender: Feldberg 95,7 MHz, 3-m-Band

Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der

hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Westter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.

Sonntag, 1. Okt. 6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Katholische Morgenfeier 9.15 Marie von Ebner-Eschenbach 9.30 „Komm, güldner Friede“ Lyrik des Barock 10.00 Kammermusik-Matinee 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Unterhaltungs-Matinee 13.00 Virtuose Musik 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungsmusik 14.30 Froher Erntetag bei Onkel Karlemann und Tante Anna 15.00 Der gemeinsame Weg 15.15 Die Stunde des Chorgesangs 15.45 Das Königreich Hanauisch-Indien 16.00 Musikalischer Zeitvertreib, dazwischen: Sportreportagen 18.00 Willy Berking spielt zum Tanz 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Bunter Erntekranz 21.00 Drei besinnliche Geschichten 21.15 Peter Tschaikowsky 22.10 Sportberichte z 2.30 Kabarett zu zweien 23.00 Tanzmusik

Montag, 2. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Hessische Schüler musizieren 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Negerlieder 16.00 Musik aus Italien 16.45 Die Geistinger Eine Wiener Geschichte 17.00 Der Kuckuck und die Nachtigall 18.00 Von der Verantwortung des Dichters 18.30 Feierabend-Intermezzo 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Was wird hier gespielt? 21.00 Probleme der deutschen Politik 21.15 Aus der Welt der Oper 22.15 „Ein Lied klingt durch den Raum ...“ 23.00 50 Jahre Schlagerlyrik

Dienstag, 3. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkouzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Törn Sawyer 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Stimmen des Alltags 14.15 Schulfunk: Huckleberry Finn 15.10 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 16.00 Orchesterkonzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Kleine Stücke und Lieder 18.00 Begegnungen mit Künstlern um 1930 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.30 Zärtliche Weisen 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Ein Tanzpotpourri mit Willy Berking 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21.05 Auf geht’s Buaml 22.15 Das Abendstudio

Mittwoch, 4. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.05 Fünf Minuten Außenhandel, anschl. Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Nadel, Faden und Fingerhut 12.00 Musik zur Unterhaltung 13 00 Sport aus aller Welt 13.10 Musik der Werktätigen 14.00 Kompositionen von Gustav Adolf Schlemm 14.15 Schulfunk Die Geschichte des Insulin 14.45 Das Rote Kreuz forscht nach Vermißten 15.05 Ein Ständchen für die Hausfrau 15.45 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Der Dichter und sein Werk 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.25 Entspannende Musik 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Oeffentliches Sinfonie-Konzert 22.15 Filmrevue aus aller Welt 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz

Donnerstag, 5. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Peter Zenger 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk Wem die Stunde schlägt 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Hausfrauenkonzert 16.50 Vom Lebensgenuß 18.00 Hörerlieblinge Gerhard Winkler 18.15 Aus der Wirtschaft 18.30 Eine fröhliche Viertelstunde 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Der Wunschzettel 21.00 Blick auf Europa 21.10 Untrrhaltungsmusik von heute 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Romantische Lieder und Klaviermusik 23.00 „Nur die Ruhe ..." Ein Nachtkabarett 23.15 Tanzmusik aus Hamburg

Freitag, 6. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk Der Geschichtenerzähler besucht den Taunus 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kulturelle Wochenschau 14.15 Schulfunk * Der Geschichtenerzähler besucht den Odenwald 16.45 Für junge Menschen 17.00 Froh und heiter -7.40 „Man spricht von .. 18.00 Funk-Feuilletön 18.30 Konzert für die Jugend 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Grazie und Heiterkeit Ballettmusik 20.30 Kommentar von Mr. Boerner 20.35 Der rote Jim Kriminalhörspiel ' 22.15 Frankfurter Komponisten 23.00 Briefmarkenplauderei 23.15 Der Jazzclub

Samstag, 7. Okt. 5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Das Riesenspielzeug 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 „Das aktuelle Interview“ 15.10 Musik an zwei Klavieren 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 „Wellenfieber“ 16.50 Unterhaltungskonzert 18.00 Recht für Jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 18.45 Hier spricht Deutschland 20.00 Operettenrevue 21.00 Wienerisches in der Musik 21.30 Musik der Heimat 22.10 Sportergebnisse 22.20 Noten und Anekdoten 23.00 Zwischen heute und morgen

Südwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 291 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz), 195 m (1538 kHz) (Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen, Reutlingen) Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr

12.20 Johann Sebastian Bach Kantate Nr. 148 13.30 Volksmusik und Chorgesang 14.00 „Hier spricht Deutschland“ 14.15 Frohe Melodien 15.30 Viel Musik und wenig Worte 17.00 - Unterhaltungs-Orchester 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Sinfoniekonzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Andre Maurois: Kursus über Eheglück (IV)

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik am Nachmittag 16.15 Die Welt der Frau 17.20 Solisten-Konzert 18.20 Aus der Welt des Sports 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland" 20.00 Drittes Internationales Musikfest Aix-en-Provence „Cosi fan tutte", Oper von Wolfgang Amadeus Mozart 22.30 Klaviermusik 23 15 „Tausend bunte Noten“

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Sinfonie-Konzert 16.30 Sang und Klang im Volkston 17.15 Zeitgenössische Unterhaltungsmusik 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland“ 20.00 Operettenkonzert 20.30 ROM — Die antike und die moderne Weltstadt 22.30 Werke von Paul Hindemith 23.25 Jazz 1950!

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musikalische Teestunde 17 15 Solisten-Konzert 18.10 Nachrichten aus Rheinland-Pfalz 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland" 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Konzert des Orchestre National Paris 22.30 Klaviermusik 23.15 Tanzmusik

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 16.00 Lyrik der Zeit 16.15 Nachmittags-Konzert 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.10 Nachrichten aus Rheinland-Pfalz 18.20 Jugend spricht zu Jugend 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein Tanzabend 21.10 „Hab oft im Kreise der Lieben“ 22.30 Die großen Meister

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik zur Teestunde 16.30 Klaviermusik 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.20 Frauen von heute 18.10 Nachrichten aus Rheinland-Pfalz 18.30 Musik zum Feierabend 19.20 „Hier spricht Deutschland" 20.45 Bei Venus Fähnrich, bei Bacchus Korporal Eine Hörfolge 22.30 Moderne Unterhaltungsmusik

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Frohes Wochenend 15.15 Opernmelodien 16.00 Unser Samstagnachmittag! 17.15 Sang und Klang im Volkston 17.45 „Hier spricht Deutschland“ 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Unterhaltungskonzert 20.30 „Die Zwei-Pfennig-Oper“ Eine Dokumentar-Sendung aus Berlin 22.30 Der SWF bittet zum Tanz!

Süddeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 522 m (575 kHz) (Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim) Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,212.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr

— Südfunk 11.50 Musik am Mittag 13.00 Das Streichorchester Heinz Hoffmann-Glewe 14.00 Stunde des Chorgesangs 15.00 Nachmittagskonzert 17 00 „Stadt am Strom — Stadt zwischen zwei Landschaften1 17.45 Brahms — Liszt 20.05 Komponistenwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks 22.00 Italienische Kammermusik 22.20 Im Rhythmus der Freude 24.00 Die Rundfunktanzkapelle

12.00 Musik am Mittag 15.00 Schulfunk: Erdkunde 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher 17.00 Konzertstunde 18.25 Frisch vom Plattenteller 19.30 „Die Zeitung — Für und Wider“ 20.00 Musikalische Abendunterhaltung 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.00 Komponistenporträt „Igor Strawinsky“

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Kleines Konzert 18.20 Klänge der Heimat 20.00 Opernkonzert 21.00 „Herz im Stacheldraht" 21.50 Blick in die Welt 22.00 Wir bitten zum Tanz 22.45 Lyrisches und Satirisches 23.15 Tonfilm-Melodien

12.00 Musik am Mittag 14.00 Unterhaltungsmusik 16.00 Von Dichtern und Dichtung 16.15 Konzertstunde 17.15 Volksweisen aus aller Welt 18.20 Musik zum Feierabend 20.00 „Belagerungszustand" Ein Schauspiel von A. Camus 21.05 Zeitgenössische Musik 22.00 Streicherserenade 22.30 „Politik als Wissenschaft“

12.00 Musik am Mittag 15.30 Akkordeonklänge 16.00 Nachmittagskonzert 17.10 Junge Künstler stellen sich vor 18.25 Schöne Opernmelodien 20.00 „Der Zigeunerprimas“ Operette von Emerich KAlmän 21.50 Blick auf Europa 22.00 „Ritter und Asket" Bildnis des T. E. Lawrence 22.45 Franz Schubert o.osJazz im Funk

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 16.45 Wir sprechen über neue Bücher (Studio Karlsruhe) 17.00 Froh und heiter 18.30 Musik zum Feierabend 19.30 Im Namen des Gesetzes 20.00 Symphoniekonzert 21.05 „Ostasien — Gestern und heute“ 22.00 Tanzmusik 23.15 Bunte Unterhaltung

12.00 Musik am Mittag 15.00 Unsere Volksmusik 16.00 Nur Im Dreivierteltakt 17.15 Zum Fünf-Uhr-Tee 16 45 Filmprisma 18.20 Kleines Konzert 20.00 Frohes Raten — Gute Taten 20.45 „Wie Sie wünschen!" 22.00 Schöne Stimmen 23.00 Melodie zur Mitternacht

Nordwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 309 m (971 kHz)

(Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)

Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr

12.00 Sang und Klang 15 30 Was ihr wollt 17.30 Unterhaltungsmusik 18.00 Meisterwerke der Musik 20.00 Abendkonzert zum Erntedanktag 22.20 Im Rhythmus der Freude 23.50 Gedichte und Prosa 00.05 Berlin am Mikrofon

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Filmmusik 14 30 Musik von Max Bruch 15.40 Wo die Moldau fließt 16.50 Französische Kammermusik 18 00 Eine bunte Stunde 20.00 Sinfoniekonzert 22.45 Tanzmusik

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Unterhaltungsmusik aus Frankreich 14.30 Barnabas von Geczy spielt 15.00 Virtuose Unterhaltungsmusik 16.50 Lieder von Kurt Thomas 18.00 Musik zum Feierabend 19.45 Die ungarische Hochzeit Operette von Nico Dostal

12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik von Schallplatten 14.15 Operettenmelodien 15.40 Orchesterkonzert 16.25 Filmmusik aus aller Welt 16.50 Balladen von Loewe und Wolf 17.10 Kammermusik 20.00 Der NWDR bittet zum Tanz

12.00 Musik zur Mittagspause 14.15 Unterhaltungsmusik 15.00 Melodien aus Alt-Wien 15.40 Das Radio-Tangoorchester 17.05 Lieder in altnorwegischer Sprache 20.00 Der eiserne Besen 22.15 Musik von Nicci Casavetti 22.30 Tanzmusik

12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Melodien, die jeder kennt 14.15 Musik aus aller Welt 15.40 Musikalische Kleinigkeiten 18.00 Musik zum Feierabend 18.30 Das große Hamburger Rundfunk-Orchester 20.00 Hoffmanns Erzählungen.

12.00 Frohes Wochenend 13.20 Mittagskonzert 14.15 Froh und heiter 17.00 Musikalisches Mosaik 18.30 Volksmusik 20.00 Tanzmusik für jung und alt 22.15 Anton Dvorak 23.00 Tanzmusik

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Der Versteigerungsvermerk ist am 15. Oktober 1940 in das Grundbuch eingetragen worden. Grundbuch für Ober-Ramstadt, Band 30, Blatt 2239: Ord.-Nr. 1, Flur 1, Nr. 522: Hofreite im Ort, 140 qm, geschätzter Betrag 6000,— DM. Ord.-Nr. 2, Flur 3, Nr. 66: Acker im Beckersbörnche, 1369 qm, geschätzter Betrag 547,60 DM. Ord.-Nr. 3, Flur 3, Nr. 67: Acker daselbst, 1369 qm. geschätzter Betrag 547,60 DM. _ Ord.-Nr. 4, Flur 43, Nr. 7: Acker am Küchler, 1169 qm. geschätzter Betrag 467,60 DM. Ord.-Nr. 5, Flur 3, Nr. 70. Acker im Beckersbörnche, 1287 qm, geschätzter Betrag 514,80 DM. Ord.-Nr. 6, Flur 3. Nr. 71: Arker im Beckersbörnche. 1238 qm, geschätzter Betrag 515,20 DM. Zulässiges Höchstgebot ebenso. Darmstadt, den 25. September 1950. Amtsgericht, Abt. 3 Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 30. September 1950 Wcchenschlußandachten: 17.00 Uhr, Bcssunger Kirche: 19.00 Uhr, Paul-Gerhardt-Haus Jugendandacht; 20.00 Uhr, Pauluskirche. Musik. Vesper: 20.00 Uhr Johannesgemeinde. Elisabethenstift und Martinsstift. Sonntag, den 1. Oktober 1950 (Erntedankfest) Bessunger Kirche: 9.00 Uhr Hgd. m. hl. Abdm., Pfr. Weiß; 12.00 Uhr Tgd.; 14.30 Uhr Kgd. Stadtkirche: 10.00 Uhr Hgd. m. hi. Abdm.; 11.15 Uhr Kgd.. Pfr. Knodt. (Mi., 4. Oktober, 20.00 Uhr, Kriegsgefangenengebets¬ gottesdienst.) Vereinigte Martinsgemeinde: 10.00 Uhr Hgd.. Pfr. Stühlinger; 11.15 Uhr Kgd., Pfr. Stühlinger; 11.15 Uhr Kgd., Pfr. Stüh¬ linger; 11.15 Uhr Kgd. im Martinsstift, Pfr. Widmann; 17.00 Uhr Agd. Pfr. Widmann Matthäuskirche: 9:30 Uhr Hgd. m. hl. Abdm.; 11.00 Uhr Kgd. Pfr. Stenger Johannesgeminde: 9.30 Uhr Hgd. m. hl. Abdm.; 11.00 Uhr Kgd. u. Taufen, Pfr. Orth. (Mi. 4. Oktober, 20.00 Uhr, -Gemeinde¬ abend: Oberbürgerm. Metzger berichtet von. seiner Ainerika¬ reise; tägl. 7.30 Uhr u. donnerstags 6.45 Uhr Morgengebet.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Uhr Hgd. m. hl. Abdm.; 11.15 Uhr Kgd., Pfr. Ring Pauluskirche: 9.30 Uhr Jgd. m. hl. Abdm., Pfr. Britz; 11.00 Uhr Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Uhr Hgd. m. hl. Abdm.; 11.00 Uhr Kgd. Stadtmission: 7.30 Uhr EC. Weihestunde; 8.30 Uhr Gebetsst.; 11.00 Kgd.; 15.30 Uhr Erntedankfest; 17.00 EC. Jgdbd. (Do. 5. 10.—Sa. 7. 10. Zeltnachklang, 20.00 Uhr Evang. Vorträge Kahlertstr. 24, Evangelist Didschun.) Da.-Eberstadt: 7.30 Uhr Ev. M.; 9.45 Uhr Jgd.; 11.15 Uhr Kgd. Da.-Arheilgen: 8.00 Uhr Schloßkirche Kranichstein; 10.00 Uhr Hgd., 11.15 Uhr Kgd.; 15.00 Uhr Dekanatsmissionsfest. (Mo. 2. Oktober, 20.00 Uhr Mütterabend; Do. 5. Oktober, 20.00 Uhr Gemeindeabend über den Essener Kirchentag.) Evang. Stadtkirchengemeinde Darmstadt: Selbständige Lutherische Kirche (Pfr. Müller, Erbach). 16.00 Uhr Stadtkirche (Beichte 15.30 Uhr). Katholische Gottesdienste Sonntag, den 1. Oktober 1950 St. Ludwig: (Niederramstädter Straße 3 0) Rosen¬ kranzfest; 6.30 Frühm.; 8.00 Singm. m. Pr.! 9.30 Hochamt m Pr.; 11.00 Singm. m. Pr.; 18.00 Eröffnung der Rosenkranz¬ andacht (Werktagsgd. tägl. 6.45 u. 7.30 hl. M.; Beicbtgel. 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Darmstädter Tagblatt am jonntag Samstag/Sonntag, 30. September/1. Oktober 1950

Wenn Lese ist...

Die frühen Sorten sind schon gelesen und vielfach ist auch die Vorlese im Gange oder schon beendet, so daß man von einem be-

ginnenden Herbst schreiben kann. Die Weinfeste des Jahres sind zum größten Teil vorübergerauscht und es wurde manches über die Fröhlichkeit berichtet, die bei diesen Veranstaltungen geherrscht hat. Deshalb laßt uns der Lese selbst ein Wort widmen, die doch die Grundlage aller Weinfeste bildet und von der Goethe auch einmal behauptet hat, daß sie zur Ausgelassenheit Anlaß gebe.

Man hat diese Formulierung des Dichters vielfach als Irrtum bezeichnet und auf die Beschwerlichkeiten hingewiesen, die die Lese mit sich bringe. Man tut wohl gut daran, wenn man in diesem Streit der Meinungen den goldenen Mittelweg geht. Eins ist gewiß, die Weinlese ist kein reines Vergnügen und auch kein Kinderspiel, und wenn das Wetter dem Winzer einen Sireich spielt, so ist die Arbeit recht beschwerlich. Wenn frühmorgens in den Wingerten die kalten Nebel brauen oder wenn es gar in Strömen regnet oder der erste Reif das Blattwerk anfällt, dann macht die Lese keinen Spaß. Die Finger werden klamm und die Füße zu Eis.

Wenn aber die Sonne scheint und ihr letztes Gold in die Hänge wirft, dann hellen sich die Gesichter der Leserinnen auf, und manches vergnügte Wort wird gewechselt. Auch der Winzer freut sich dann mit ihnen, denn die Weinlese ist eine Ernte, die ihre eignen Reize hat. Sie ist die Krönung der Jahresarbeit. Es liegt eine Erwartung in der Luft: Wie wird der „Neue“ werden?

An kalten oder regnerischen Tagen sind die Gesichter der Leserinnen vermummt Man zieht bei der Lese derbe Kleidung an und niemand fragt danach, ob sie die Anmut von Gesicht und Gestalt unterstreicht. Später, wenn die Lese vorüber ist und daheim der „Schluß“ gefeiert wird, macht man sich für ein Tänzchen fein, aber im Wingert sehen die Winzerinnen nicht so aus, wie sie oft in Magazinen „bei der Lese“ gezeigt werden. Das ist nicht die Wirklichkeit. Die ist viel derber und rauher.

Früher. so erzählt man sich, hätten die Weingutsbesitzer ihre Leserinnen bei der Arbeit singen lassen, um zu verhindern, daß zu viel süße Beeren ins „Kröpfchen“ gewandert seien. Und von diesem Gesang hätten die Fremden dann die „Lustigkeit“ und „Ausgelassenheit“ hergeleitet. Wer singt, kann keine Trauben essen. Gewiß, aber die Legende scheint doch hier ein gewichtiges Wörtchen mitgeredet zu haben, denn man kann sich an Trauben auch nur satt essen, und diese Sättigung ist bald erreicht. Das weiß je-; der, der einmal gelesen hat.

Aber — Traubenlesen ist eine Kunst. Es geht dabei nicht nur um die Fixigkeit, sondern wichtig ist vor allem, daß sorgfältig gelesen wird, damit beim „Stoppeln“ kein Halbs lück mehr nach Hause getragen werden kann. So haben die Leserinnen einen Beruf, der wenn auch nur saisonbedingt einer gewissen Praxis bedarf. Zur technischen Vollkommenheit wird die Arbeit, wenn die Möglichkeit besteht, eine Trockenbeerenauslese oder eine ro'- weiß-Edelbeerenauslese nach Hause zu bringen. Da haben die Leserinnen nur in guten Jahren kommt das vor • an ihrem Lesebüttchen noch ein halbmondförmiges, emailliertes Auslesegefäß hängen, in welchen die einzeln ausgelesenen, edelfaulen, zum Teil schon rosinenartig eingeschrumpften Beeren gesammelt werden. Da könnte es dann wirklich wie im Märchen: „Die gu en ins Töpfchen, die schlechten ms Kröpfchen“ heißen. Bei dieser schwierigen Lesetätigkeit ernten etwa 70 Leserinnen an einem Tag nicht mehr als zwölf bis zwanzig Liter Most. Ein ungünstiger Tag kann bis zu 20 Grad Mostgewicht kosten. Die Sonne ist nun einmal der „Herrgott der Traube“ und man müßte sie eigentlich wie der Spanier „el so'.“ — „der Sonne“ nennen.

Und wie wird der „Neue“? Wie w:rd der 1950 er? Das ist noch Geheimnis. Man soll nie Prognosen über einen.Jahrgang stellen, der noch nicht im Faß ist. „Man kann ihn noch im Glas verschütten“ sagt der Volksmund und „man steckt nicht drin“, der Winzer. J-


Weinherbst 1950 bei Bingen; die frühen Sorten wurden schon gelesen. Aufnahme: Jung
Weinherbst 1950 bei Bingen; die frühen Sorten wurden schon gelesen. Aufnahme: Jung

UNSER HEIMATLAND

Die alte Dampfbahn bimmelt

Eine Mainzer Erinnerung wird wach

Wer von der jüngeren Generation weiß es noch, daß früher einmal eine prustende Dampfbahn durch die Mainzer Straßen zockelte? Wohl kaum jemand. Die älteren Semester aber- können sich noch sehr gut auf jene Epoche besinnen, die von ihnen so gern als „gute alte Zeit“ bezeichnet wird.

Der Mann, mit dem wir kürzlich zusammensaßen, erinnert sich dieses „Dampfbahn-Zeitalters“ noch so gut, als ■sei es erst gestern gewesen. Es ist kein geringerer als der in Mainz wie in Rheinhessen wohlbekannte Johann Senger aus Finthen, weiland Dampfbahnschaffner der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft. Im Oktober kann er auf 75 Lenze zurückblicken. Lassen wir unseren Meister Senger also in der Erinnerungskiste seiner sechsunddreißigjährigen Schaffnerpraxis kramen ...!

Bim! Bim! Bim!, läutete damals die Tokomotivglocke tagaus, tagein, wenn das Bähnchen von der Ausgangsstation in der Rheinstraße (am heutigen Weinhaus Schreiner) seinen Weg über Fischtor, Stadthalle, Große Bleiche, Münsterplatz, Bingerschlag, Gonsenheim nach Einthen nahm. Doch es ging . nicht immer mit Bimbim, sondern meist dann, -wenn eine Querstraße kam oder ein Tuhrwerk die Straße versperrte.

Am Linsenberg war damals noch ein Tunnel durch die Befestigungswälle, der aber schon vor dem ersten Weltkrieg abgeräumt wurde. Wenn das Bähnchen mit seinen vier Wagen sehr stark geladen hatte, drohte ihm am Bingerschlag die Puste auszugehen. Am Friedhof aber lag das Depot („Debbo“), aus dem zur Verstärkung geschäftig eine zweite Lokomotive geschossen kam, die dann unter Gefauche und Funkenregen mithalf, die schwere Fracht über den Berg zu bringen. Am Bingerschlag teilten sich, wie auch heute, die Schienen, von wo aus eine andere Bahn nach Bretzenheim und ■weiter nach Hechtsheim führte.

Im Winter kannte man damals den „Komfort“ einer Dampfheizung noch nicht. Da bollerte in jedem Wagen ein Kanonenofen, der vom Schaffner ständig unterhalten werden mußte. Ein wachsames Auge galt auch den dazugehörigen Brikettkästen. Denn die Briketts wurden "von den Reisenden allzu gerne mitgenommen. Zur Beleuchtung der Wagen dienten im Anfang noch Kerzen, später schwang man sich zu Petroleumlampen auf.

Das mag heute alles reichlich kurios anmuten. Vor dem Fahrplan von damals und der Fahrzeit müssen wir jedoch den Hut ziehen! Die Dampfbahn fuhr nämlich damals alle halbe Stunden. Und wenn man bedenkt, daß die Fahrzeit von Finthen bis zur Bahnhofsbrücke nur 22 Minuten betrug, so war das durchaus eine beachtenswerte Leistung. In dieser Ansicht müssen wir Meister Senger ohne weiteres recht geben.

Man bespöttelt die Einrichtungen der alten Zeit sehr gern. Doch man sollte nie vergessen, daß die Mainzer Dampfbahn zu ihrer Zeit das Verkehrsmittel war und dementsprechend ernst genommen wurde, wie überhaupt ein Eisenbahnschaffner damals eine „Respektsperson“ darstellte.

Es gab freilich noch andere Respektspersonen, die besonders bei den Finthener und Gonsenheimer Marktfrauen gefürchtet waren, wenn diese ihre Ware in die Stadt fuhren. Das war der Städtische Zoll, der sogenannte „Oktrua“ (franz, octroyer = aufdrängen), der es, wie uns Meister Senger erzählte, vor allem auf das Geflügel abgesehen hatte, das die Frauen mit sich führten. Mancher Marktfrau, die sich einer beachtlichen Korpulenz erfreute, kam dies sehr zustatten, indem sie ihre Gänse einfach unter der Bank der Dampfbahn versteckte und sie damit den Blicken der gestrengen „Oktruas“ entzog. In späteren Jahren richtete man sogar einen besonderen Marktwagen ein, der wohl unseren heutigen Abteilen „Für Reisende mit Traglasten“ gleichzusetzen ist.

Als 1922 das „Bim-Bim“ der Dampfbahn verstummte, gab es unter der Mainzer Bevölkerung einen heftigen Disput. Man wollte sich von ihr noch nicht trennen. Aber die elektrische Straßenbahn, die schon lange vorher auf einigen Strecken fuhr, hatte sich doch bald das Feld erobert. R. B.

Rheingauer Traubendiebe einst und jetzt

Zwei- und vierbeinige Plünderer gab es schon vor Jahrhunderten

Aus Lorch und Kiedrich wurde in letzter Zeit mehrfach berichtet, daß die Weinberge von Wildschweinen verwüstet worden seien und daß diese manchen Zentner Trauben gefressen hätten. In Rüdesheim und anderen Gemarkungen haben Fremde nach dem Weinbergschluß die Umzäunungen scharenweise überklettert und ganze Weinberge in wenigen Stunden geplündert. Kürzlich wurde gleichfalls aus Rüdesheim gemeldet, daß ein Weinbergarbeiter bei Nacht und Nebel junge Reben gestohlen und sie unter Preis wieder verkauft hatte.

Dem unbefangenen Leser mag es auf den ersten Blick erscheinen, als ob sich hier eine neue Kategorie von Straftaten eröffnet habe. Wer aber die Geschichte des Weinbaus kennt, der weiß, daß Traubendiebstähle und auch Weinbergfrevel so alt sind wie der Weinbau selbst. In den Strafgesetzbüchern unserer Vorväter finden wir immer wieder Bestimmungen, die die Bestrafung von Dieben und Frevlern dieser Art betreffen. Auch gegen die „Stoppler“ sind die Behörden schon vor Jahrhunderten eingeschritten, obwohl das „Stoppeln“ niemals ganz unterbunden werden konnte und man oft ein Auge zudrückte, wenn es sich bei den Tätern um „arme Leute und Kinder“ handelte. Man trug dabei dem Umstand Rechnung, daß manchmal Trauben aus „Unvorsichtigkeit“ hängen blieben und daß „christliche Hauswirte“ nach Beendigung der Lese dann in großzügiger Weise die Wingerte für einige Tage freigaben.

Die Weinbergschützen, die es schon im Mittelalter gab und die auch heute wieder bis zur Lese und auch noch während der Lese die Weinberge vor Unberufenen hüten, erhielten nach einer Verfügung vom Jahre 1626 damals schon ein eignes Häuschen und Brennholz, damit sie Menschen und Tier vertreiben konnten. Zweibeinigen Traubendieben, die auf frischer Tat ertappt wurden, ging man mit den verschiedensten Strafen zu leibe. In leichteren Fällen, vor allem wenn es sich um Mundraub oder Diebstahl aus „Not“ handelte, kamen sie mit öffentlicher Anprangerung davon oder wurden „in die Körb und Schellen öffentlich gesetzt“ und „ins Wasser gesprenget“, aber es durfte ihnen kein körperlicher Schaden zugefügt werden.

Exemplarische Strafen aber diktierten die Behörden den Weinbergfrevlern zu, die die Stöcke abschnitten oder ganze Weinberge verwüsteten. Diese Flurschädlinge, die aus Rache oder Mutwillen handelten, wurden öffentlich ausgepeitscht oder man ließ ihnen die rechte Hand abhauen und sie dann des Landes verweisen. Rückfällige Frevler verloren ihr Leben.

Ein Denkmal der Abwehr gegen die Traubendiebe ist heute noch im Rheingau zu sehen. Der Abt von Kloster Eberbach ließ einst um den über 100 Morgen umfassenden „Steinberg“ eine zwei Kilometer lange und dritthalb Meter hohe Mauer ziehen, um vor den zwei- und vierbeinigen Spitzbuben sicher zu sein. Sie hat dann auch bis zum heutigen Tag ihre Dienste getan. Die Diebe hatten es schon damals auf die unscheinbare, aber qualitativ hochwertige Rieslingtraube abgesehen.

Die heutige Gesetzgebung ahndet Traubendiebstahl mit Geld- oder Gefängnisstrafen, je nachdem, wie schwer das Delikt ist. Ungeahnte Ausmaße nahmen die Traubendiebstähle während der RModer wie man im Rheingau sagt, der „Schrotteizeit“ an. Da kamen ganze Diebesbanden aus den entferntesten Gebieten und plünderten die Gemarkungen bei Einbruch der Dunkelheit im Schein von Blendlaternen aus, so daß die Traubenschützen und selbst die zu Hilfe gerufenen Besitzer oft machtlos waren, da die Banden bewaffneten Widerstand leisteten.

Nach der Währungsreform sind die Traubendiebstähle sehr zurückgegangen. Bandendiebstähle kommen überhaupt nicht mehr vor. Wenn die Weinberge in vereinzelten Fällen von größeren Trupps heimgesucht werden, so handelt es sich hier meist um Fremde, die in Weinlaune das Gesetz übertreten. Es muß ihnen klar gemacht werden, daß die Weinberge keine Objekte sind, an denen man seinen Mutwillen auslassen kann. Die Polizei sieht daher auch diesen Frevlern streng auf die Finger und schon mancher hat seinen Uebermut empfindlich büßen müssen. H. J.



LA PRESIDENTA Eirta Peron

Schönste Frau Argentiniens — Der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel

6. Fortsetzung

„Ich halte mich — und «olange ich es will, auch Juan Domingo Peron — auf dem Wege über die Arbeiter!“ hatte einmal Seriora Peron sehr stolz und ein klein wenig anmaßend von sich selbst behauptet. Das geschah zu der Zeit, als sie als Generalsekretär bei den Gewerkschaften noch einen gewissen Luis Gay wußte. Dieser Luis Gay war ein geschickter Mann, der auf die Karte Evita setzte. Aber Gay konnte seinen Mund nicht halten. Er war in seinen eigenen Dingen und in denen der Gewerkschaft frech wie der Teufel

Und er konnte auch gegenüber Peron unausstehlich werden, wenn man sein Büro, also die oberste Gewerkschaftsbehörde, überging. In einem Augenblick, als Evita wieder einmal unter starker politischer Schwäche litt, holte Peron zum Schlag gegen Gay aus. Er zeigte Briefe vor, die er durch seinen Geheimdienst hatte abfangen lassen und durch welche Gay gegenüber den ausländischen Gewerkschaftsorganisationen als leicht „angefault“ erscheinen mußte. Als Evita aus Europa zurückkam, war ihr Freund Gay abgeschossen — das heißt also — aus seinem Posten verdrängt.

Sein Nachfolger wurde ein Mann, der ganz und gar auf Peron eingestellt war. Er hieß Aurelio Hernandez. Er war früher einmal Anarcho-Syndikalist gewesen und hatte sich von dort aus zu einem leidenschaftlichen Peronisten durchentwickelt, dem es aber in der Hauptsache auf sein Pöstchen ankam. In dem Maße, in welchem die schöne Evita mit den Gewerkschaften und mit den Arbeitern wieder in Fühlung kam, vermochte sie ihm das Stühlchen unter dem Rücken wegzuziehen. Aurelio fiel wirklich auf den verlängerten Rücken, als Evita, die Geschickte und Weitsichtige, die nur manchmal mit ihren Gefühlen etwas zu stark durchging, einen gewissen Jose Espejo an seine Stelle setzte. Von diesem Senor Espejo erzählt man sich, daß es sich um einen Mann handelt, den die Größe und die Bedeutung der Rolle, die man ihm zumutet, vollkommen erdrückt.

Ein paar junge Offiziere, die der älteren Evita die Treue halten, haben ihr erzählt, daß die Armee sich nicht stark genug fühle, gegen Peron, also den Presidente, schon jetzt vorzugehen, solange die hochgradige Wahrscheinlichkeit besteht, daß man auf die Arbeiter schießen müsse, sobald man von der Armee aus gegen Peron bzw. gegen das, was Peron bisher unternahm, vorgehen müsse. In den letzten sechs bis sieben Jahren, war es der Armee in Argentinien gelungen, bei den Arbeitern und den Gewerkschaften wenigstens einigermaßen als neutral zu gelten. Aber man wußte, daß dies nur der Fall war, weil Evita sich vor den Presidente und damit vor die Armee stellte. So entstand die heutige Situation, die recht doppelspurig erscheint. Es muß etwas geschehen!

Wie sehr es unterirdisch brodelt und kriselt, ergibt sich aus ganz einfachen Dingen, die man im Alltagleben jede Stunde in Argentinien beobachten kann. Evita ist gegen jede Kritik äußerst empfindlich geworden. Das war sie schon immer. Wir sprachen davon. Sie wollte — wie wir uns erinnern — nicht einmal, daß ihre früheren Gegenspielerinnen auch nur mit einer Zeile günstig in der Zeitung beurteilt würden. Sie kaufte u. a. eine der wichtigsten Zeitungen, die „Noticias Graficas“. Sie warf alle Redakteure auf die Straße und setzte Leute hinein, die haarscharf so zu schreiben gewillt waren, wie sie wollte. Eva Perons Zeitungskonzern war ein wichtiges Instrument — und ist es auch heute noch.

Aber sie hätte vielleicht besser getan, sich in jenem Jose Agusti, dem früher die Zeitung einmal gehörte, nicht einen Todfeind zu schaffen. Denn sie kann sicher sein, daß er und all seine Freunde scharfe Federn führen werden — und auch schon geführt haben.

Es gibt heute schon zahlreiche Südamerikaner, die Wetten miteinander abschließen, bis wann Perons Popularität den stärksten Tiefstand erreicht haben könnte. Mari rechnet eben damit, daß es schlimmer und immer schlimmer mit ihm werde —, und daß er eines Tages den Tiefpunkt erreicht haben werde, an dem es kein Aufwärts mehr gebe.

Die pessimistischen Voraussagen, die zur Zeit in der ganzen Welt in bezug auf Evita umgehen, liegen im Zuge der Entwicklung der Wirtschaft in ganz Südamerika, speziell aber in Argentinien. Es muß etwas geschehen! Es wird sogar etwas geschehen! Evita Peron hat in den letzten Wochen interessante Karten gemischt. Evita Peron hat in ihren Zeitungen fleißig die Werbetrommel rühren lassen. Evita Peron hat den ganzen Charme ihrer Persönlichkeit aufgeboten, um auf ihren Rundreisen auf das Land, die ihre Gegner gar nicht gerne sehen, bald hier und bald da mit wichtigen Leuten Kontakt zu bekommen.

Eva Peron, die alte Eva Maria Duarte, ist zur Zeit dabei, mit den Gewerkschaften fleißig ein kleines Verschwörerspielchen aufzuziehen. Es sieht jedenfalls alles nach Verschwörung aus.

Aber wer garantiert denn, daß sie es nicht selbst ist, die die Gerüchte verbreiten läßt, daß sie sich mit ihrem Mann, mit Juan, gar nicht mehr verstünde, und daß sie beide einander aus dem Wege gingen, weil sonst die Unterhaltungen immer einen etwas sehr unerfreulichen Charakter bekämen.

Die ganz mißtrauischen Gewerkschaftsleute überdenken jedes Wort, das sie mit Evita wechseln, denn sie glauben, in den Fingerspitzen zu fühlen, daß die angebliche Verschwörung gegen den Hausherrn, gegen Juan D. Peron, nur ein Trick ist, der Trick einer schönen Frau, die sich zu der Ueberzeugung durchgerungen hat, daß sie allein den Militärs früher oder später zum Opfer fallen wird — genau so gut wie Juan D. Peron allein den Arbeitern und den Gewerkschaften, den „Hemdlosen“ nicht die Stirn zu bieten vermag. Er hat niemals die „Hemdlosen“ zum Generalstreik und zur Massendemonstration aufgerufen. Aber — als sie — Evita — mit den „Hemdlosen“ in Buenos Aires eintraf, war es Juan, der mit seinen Kameraden vereinbart hatte, daß d.e e/entuelll zum Einsatz kommenden Waffen der Soldaten nicht geladen würden.

Wenn man die Bilder genau betrachtet, die in diesen Tagen von Evita Peron gemacht werden und von ihr zur Veröffentlichung und Verbreitung in der ganzen Welt freigegeben wurden—, dann stellt der aufmerksame Beobachter und Kenner fest, daß der Zug um den Mund etwas härter wurde, daß das Kinn sich ein wenig vorschob, daß die Augenbrauen ganz leicht gestrafft sind, wie man es bei Menschen sieht, die kurzsichtig sind oder waren oder es nicht wissen wollen.

Aber dennoch ist Evita Peron eine schöne Frau, eine sehr schöne Frau, die auch ohne die von ihr beherrschten Zeitungen manchem Bewunderer das Gutachten entlocken könnte, daß sie — wenn nicht die schönste, so doch eine der schönsten Frauen Argentiniens sein könnte.

Aber das darf man in Argentinien nicht sagen. Sie muß die Schönste sein, sie will die Erfolgreichste sein, sie will und muß die „Erste Frau der Pampas“, die „Erste Dame von Buenos Aires“, die erfolgreichste Frau unserer Tage sein. Und wer es ihr bestreiten möchte, den trifft der Bannstrahl ihres Zorns, von dem die Männer, die sie sehr anziehend fanden, versicherten, daß dieser sie noch schöner mache, als sie sonst schon sei.

Doch wer, wie der Philosoph, die Vergänglichkeit der Schönheit und aller irdischen Dinge kennt und jeden Augenblick im Auge behält, der wird ein wenig auf längere Frist rechnen. Und diese Rechnung geht dann für- keinen Sterblichen gut aus. Denn im ewigen Auf und Ab des Erfolges und der Niederlage ringen wir ohne Unterbrechung mit Höhenpunkten und mit Tiefenlagen — wobei eines Tages das Ende vom Lied da ist, ehe eigentlich der letzte Akkord erklang.

Ob die Verschwörung gegen den Hausherrn den letzten Akkord bildet? Ob es ein Trick ist, der in einer schrillen Dissonanz ausklingt? Die Prophezeiungen über Argentinien sprechen von einer Krise, die in den nächsten drei bis vier Jahren ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Das ist eine Krise, die mit einem Absinken der Weizenpreise und der Fleischpreise und ähnlichen Dingen zusammenhängt.

Doch solange Menschen von Mehl und Brot und Fleisch leben, wird das Getriebe des Daseins von diesen Dingen bestimmt, und erst in zweiter Linie von dem schönen Gesicht einer Frau, die heute noch La Presidenta ist, die den Sprung zum Gipfel tat, als Frau Botschafterin mit viel Charme im Gepäck durch die Welt zog und heute der Flüsterstimme eines Versuchers lauscht, weil sie hofft, ein Echo zu hören, das ihr den rechten Weg weist — für sich und, da es ohne ihn auch für sie kein wahres Glück mehr geben wird, für den Mann, den sie einst sehr liebte — mindestens aber so sehr wie sich selbst — Juan Domingo Peron, den sie damals liebte, als sie die ersten roten Schuhe, die sie in Buenos Aires als Malermodell verdiente, mit wundervollen Sandalen aus Schlangenhaut mit goldnen Spangen vertauschte.

Denn das war das erste Geschenk, das sie von Juan bekam. Schuhe bedeuten den Weg, den man geht. Es waren Schuhe aus Schlangenhaut...

— Ende —





TAN GER- ganz international?

Für jeden Mittelmeerreisenden war es vor dem Kriege Ehrensache, im Rahmen der Möglichkeit eineStipvisite nach Tanger zu machen. Und heute hat es noch die gleiche Anziehungskraft, obwohl es nicht ganz einfach ist, diesen Lieblingsaufenthaltsort aller Weltenbummler zu erreichen. Tanger ist wieder international, nachdem Franco dort während des Krieges für kurze Zeit spanische Alleinrechte geltend zu machen versucht hatte. Tanger ist international, seit England, Frankreich. Spanien und später Italien es nach den Marokkokrisen von 1906 und 1911 vertragsmäßig internationalisierten, wobei ein Gebiet im Umkreis von 15 km einbezogen wurde. Tanger ist seitdem autonom und entmilitarisiert. Ein marokkanischer Sultan führt hier das Regime, und in der gesetzgebenden Versammlung sitzen Engländer, Franzosen, Spanier, Italiener, außerdem je ein Amerikaner. Portugiese. Holländer und Belgier.

Tanger stellt als Reiseziel ein Kuriosum dar. Man erlebt Amerika und den Orient zu gleicher Zeit. Das beginnt bei der Zigarette, die, schwarz gekauft, billiger ist als im Laden und endet bei den Straßenschreibstuben in der Eingeborenenstadt Medina, die heute noch wie ein Märchen aus 1001 Nacht erscheint. Wohl selten sind die Gegensätze in einer Stadt so groß wie in Tanger. Im Europäerviertel findet man Bars mit Jazzkapellen und Steptänzern. Pariser Kostümen und üppig geschminkten Damen, im Eingeborenenviertel dagegen verschleierte Frauen, maurische Paläste. Moscheen und Minaretts. Man kommt sich vor wie ein Traumwandler, wenn man hier untertaucht.

Die Straße ist. wie überall im Orient, der Schauplatz für viele Geschäfte.- Das Klima läßt sich geradezu ideal an, weil der Temperaturunterschied das ganze Jahr hindurch bei Tage nicht mehr als ein Grad beträgt, so daß die Witterung die Transaktionen im Freien niemals beeinträchtigen kann. Auch „Banken“ und Wechselstuben haben ihre Quartiere häufig auf der Straße aufgeschlagen. Geld regiert die Welt, aber erst recht in Tanger. Von dem Inhalt der Brieftasche hängt es ab, ob man Tanger betreten darf und wie lange die Polizei Aufenthalt gewährt. Wer kein Geld hat. darf in Tanger auf keinerlei Entgegenkommen rechnen. Und weil Schwarzhändler im allgemeinen über Geld verfügen, so ist an ihnen kein Mangel. Da es in Tanger nicht nur schön, sondern auch billig ist, so können sich die Behörden begreiflicherweise vor Einreiseanträgen nicht retten. Gäbe es keine Beschränkungen, so hätte diese Stadt wahrscheinlich dreimal soviel Einwohner wie zur Zeit. In Tanger kann man fünfbis sechsmal so billig kaufen wie in spanischen Städten, obwohl n°ben dem Marokko-Franken auch die Peseta das Hauptzahlungsmittel ist.

Tanger ist ein geradezu idealer Platz, um Geschäfte zu machen, war es eigentlieh immer schon, aber seit Kriegsende sind die Chancen für Kaufleute aller Art noch größer geworden. Wer ein Büro hat — und sei es auch nur als Atrappe — kann sich registrieren lassen und hat damit die Erlaubnis, zu „importieren“ und zu „exportieren“. Da die Einfuhr ohne Zoll möglich ist. so kann man verstehen, daß es bei einiger Geschicklichkeit nicht schwer ist. hier sehr bald ein wohlhabender Mann zu werden, wenn die Aufenthaltsgenehmigung vorliegt.

Man handelt mit allem, was Wert hat, mit Kaffee und Zigaretten, Wolle und Gewürzen. Konserven und Waffen, optischen Geräten und Stoffen. Es soll Schmuggler geben, die über Tanger in kürzester Zeit steinreich geworden sind. Aber auch der Arbeiter kann Geld verdienen, weil körperlich Schaffende in der Minderzahl und daher sehr gesucht sind. Die Löhne sind in Tanger drei- bis viermal so hoch wie in Spanien, und wem es gelingt, von dort nach Tanger, ins „spanische Ausland“ zu gelangen, der hat nach Ansicht seiner Landsleute das große Los gezo""’l


Verschleierte Frauen huschen wie Gespenster durch die Gassen.
Verschleierte Frauen huschen wie Gespenster durch die Gassen.

tiunt und malerisch sind die Märkte
tiunt und malerisch sind die Märkte

Große Strohhüte schützen gegen die Sonne Aufnahmen: Jung
Große Strohhüte schützen gegen die Sonne Aufnahmen: Jung

VERLORENE HEIMAT

Unvergessenes Danzig

Seit der Krieg zu Ende ist, trauern wir vielen Städten nach, die das Opfer kriegerischer Einwirkungen geworden sind. Eins dieser Opfer

war Danzig, und zwar im doppelten Sinne. Es wurde nicht nur zerstört, sondern ging auch als Kind der östlichen Heimat verloren. Danzig galt als der Inbegriff der deutschen Stadtkultur und der deutschen Eigenart im Osten. Das Bild dieser Stadt war bis in die jüngste Vergangenheit, bis zur Zerstörung, so geschlossen, wie ein solches kaum zum zweitenmal in Deutschland bestanden hat. und die Zerstörungen, die durch den Krieg angerichtet wurden, sind so vollkommen, daß nur noch von einem Trümmerhaufen gesprochen werden kann. In memoriam! Blättern wir im Album der Erinnerung!

Wie heimelig war die Innenstadt mit der Langgasse und dem Langen Markt, wo sich ein Giebelhaus aus dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert an das andere reihte, die gleichsam einen Ringelreihn durch die ganze Stadt tanzten und dem neuzeitlichen Verkehr fast die brandende Wirkung nahmen. Tore und Türme ragten über diese Häuser, am Westende der Langgasse das Langgasser Tor aus dem Jahre 1912, davor der Stockturm aus dem XIV. und XVI. Jahrhundert und das Hohe Tor. Wie ein König erhob sich am Eingang der Langgasse das Uphagenhaus mit seiner wertvollen Rokoko-Einrichtung. Und der gotische Ziegelbau des Rechtstädtischen Rathauses mit seiner kostbaren Renaissanceeinrichtung gab Danzig jene Geruhsamkeit, die von einer großen Tradition bestimmt wird.

Und weiter blättern wir: Da war der Lange Markt mit dem Neptunsbrunnen aus dem Jahre 1633. Vom Reichtum der Bürger berichteten das Steffenhaus, das Schöffenhaus und der Artushof. einst ein Festhaus der Stadt aus dem 13. Jahrhundert, das aus hohen Spitzbogenfenstern in die Neuzeit blickte, als sei es verwundert über die bunte Welt da draußen. Hinter dem Grünen Tor lag das Idyll der Speicherinsel mit den alten Lagerhäusern, die Geschichten erzählen konnten von Handel und Wandel.

Wanderte man vom Rathaus nordwärts. fiel die gotische Marienkirche ins Blickfeld, und wenn die Kunsthistoriker sie als den großartigsten Kirchenbau an der Ostsee bezeichneten, so dürften sie ihr damit das schönste Zeugnis ausgestellt haben. Wie ein Traum aus versonnenen und versponnenen Tagen lag dann die Jopengasse vor uns mit dem Renaissancebau des Zeughauses. Ueberall trat uns das reiche Danziger Bürgertum entgegen, das nicht nur mit viel Geld, sondern auch mit ebensoviel Geschmack zu bauen verstanden hatte. Auf der Frauengasse und der Brotbänkengasse standen die Zeugen noch einmal in reichster Auswahl, darunter das Englische Haus, das man das schönste von Danzig nannte. Und an der Mottlau lag das Krantor als wuchtiger Zeuge der Vergangenheit.

Der Besucher wurde in dieser Stadt des Schauens nicht satt. Man konnte Tage und Wochen in den Straßen und Gassen verträumen und trunken werden von soviel gediegener Pracht.

Verlorene, aber nicht vergessene Heimat ist dieses Danzig samt seiner ländlichen Umgebung, die zum Ferienaufenthalt verlockte, denn die ganze Danziger Bucht lieh uns den Frieden und die Ruhe, die man benötigt, um zu neuem Schaffen gerüstet zu sein.

Dieses Kleinod unter den deutschen Städten mit nahezu 265 000 Einwohnern, in dem sich schon im XII. Jahrhundert deutsche Kaufleute ansiedelten, konnte bis zum letzten Kriege fast unzerstört sein Gesicht wahren. Und das war sein

ganzer Stolz. Dann aoer wurde es heimgesucht. Wir aber wollen ihm darum erst recht die Treue wahren, weil es ein Stück Heimat iqt. hg.


Oben links: Danzig besaß eins der schönsten Rathäuser. Der Krieg hat auch in der architektonisch stilvollen Langgasse große Verheerungen angerichtet und von der einstigen Schönheit ist fast nichts geblieben.
Oben links: Danzig besaß eins der schönsten Rathäuser. Der Krieg hat auch in der architektonisch stilvollen Langgasse große Verheerungen angerichtet und von der einstigen Schönheit ist fast nichts geblieben.

Unten: Der rege Schiffsverkehr entsprach einst der Bedeutung der Stadt. Blick auf die Lagerhäuser und das Krantor. Aufnahmen: Jung
Unten: Der rege Schiffsverkehr entsprach einst der Bedeutung der Stadt. Blick auf die Lagerhäuser und das Krantor. Aufnahmen: Jung

Mitte: Der Danziger Markt war immer reich beschickt aus dem fruchtbaren Hinterland. Man erlebte hier die geschäftige Emsigkeit die von Bürgertum und Landvolk gewoben wird.
Mitte: Der Danziger Markt war immer reich beschickt aus dem fruchtbaren Hinterland. Man erlebte hier die geschäftige Emsigkeit die von Bürgertum und Landvolk gewoben wird.

Der Rechtsberater hat das Wort

Rechtsfragen aus dem Alltag — kurz beantwortet

Spielschulden sind keine Verbindlichkeiten

Der Paragraph 762 des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt, daß durch Spiel oder Wette eine Verbindlichkeit nicht begründet wird. Daraus ergibt sich, daß entstandene Spiel- oder Wettschulden nicht eingeklagt und beigetrieben werden können.

Das gilt auch für eine Vereinbarung, durch die der verlierende Teil zum Zwecke der Erfüllung einer Spiel- oder Wettschuld dem gewinnenden Teile gegenüber eine Verbindlichkeit eingeht. Bei Wetten in diesem Sinne handelt es sich um private Abmachungen, bei denen sich die Partner zur Bekräftigung bestimmter widerstrebender Behauptungen gegenseitig verpflichten, daß der, dessen Behauptung sich als richtig erweist, eine Leistung erhalten soll. Hat aber der Spieloder Wettschuldner bereits geleistet, dann kann er ein Rückforderungsrecht nicht geltend machen.

Wird dagegen eine Wette bei einer behördlich zugelassenen Einrichtung eingegangen, dann wird ein klagbarer Anspruch auf Gewinnauszahlung erlangt.

Der Baum im Garten des Nachbarn

Nach,, Paragraph 910 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann der Eigentümer eines Grundstücks Wurzeln eines Baumes oder eines Strauches, die von einem Nachbargrundstück eingedrungen sind, abschneiden und behalten. Das gleiche gilt von überhängenden Zweigen, wenn der Eigentümer dem Besitzer des Nachbargrundstückes eine angemessene Frist zur Beseitigung bestimmt und die Beseitigung nicht innerhalb der Frist erfolgt. Erleidet der Baum durch die Entfernung der Wurzeln oder Zweige Schaden oder geht er ein, dann besteht kein An spr u ch auf Schadenersatz.

Fallen von einem Baum oder Strauch Früchte auf das Nachbar grundstück, dann gelten sie gemäß Paragraph 911 Bürgerliches Gesetzbuch als Früchte dieses Grundstückes. Der Besitzer des Baumes ist nicht berechtigt, die auf das Nachbargrundstück gefallenen Früchte an sich zu nehmen. Der Angrenzer hat. jedoch kein Recht, die Früchte von einem auf sein Grundstück überhängenden Ast zu pflücken, da er sich damit des Diebstahls schuldig machen würde.

Das Kind nach der Ehescheidung

Nach der Ehescheidung bestimmt das Vormundschaftsgericht, falls eine Einigung der Ehegatten nicht zustande gekommen ist, welchem von ihnen die Sorge für die Person des oder der gemeinschaftlichen Kinder zustehen soll. Einem Ehegatten, der allein oder überwiegend für schuldig erklärt worden ist, soll die Sorge nur übertragen werden, wenn dies aus besonderen Gründen dem Wohl des Kindes oder der Kinder dient. Das Sorgerecht kann auch einem Pfleger übertragen werden, wenn dies aus besonderen Gründen für das Wohl des Kindes erforderlich ist.

Gemäß Paragraph 75 des Ehegesetzes behält der Ehegatte, dem die Sorge für die Person des gemeinschaftlichen Kindes nicht zusteht, das Recht, mit ihm persönlich zu verkehren. Das Vormundschaftsgericht kann diesen Verkehr näher regeln. Diese persönliche Verbindung mit dem Kinde ist dazu bestimmt, dem nicht sorgeberechtigten Elternteil die Möglichkeit zu geben, mit dem Kinde in persönlicher Berührung zu bleiben, sich von dem geistigen und körperlichen Befinden zu überzeugen und so die durch Blutsverwandtschaft begründeten Beziehungen zu pflegen und aufrecht zu erhalten.

Erleichterung für Kriegsbeschädigte

Das Ministerium der Finanzen im Lande Rheinland-Pfalz hat angeordnet, daß die Grunderwerbssteuer ganz oder teilweise nicht erhoben wird, wenn dem Beschädigten tatsächlich eine Versorgungsrente nach dem Landesversorgungsgesetz gewährt wird und es sich um den ersten Grundstückserwerb handelt, den er seit dem 1. Februar 1949 tätigt. Das gleiche gilt für Witwen von Personen, deren Tod auf den Krieg zurückzuführen ist. Der Kriegsbeschädigte oder seine Hinterbliebenen haben bei der zuständigen Versorgungsdienststelle einen entsprechenden Antrag zu stellen, die dem Finanzamt eine Bescheinigung über das Vorliegen der Voraussetzungen für die Steuerbefreiung übersendet.

Die Anordnung des Finanzministeriums gilt für alle Grundstückserwerbe, für die die Steuerschuld nach dem 31. Januar 1949 entstand ist. Soweit bisher Grunderwerbssteuern bezahlt wurden, für die nach der Anordnung des Finanzministeriums Steuerfreiheit gegeben wäre, kann eine Rückerstattung bei dem Finanzamt beantragt werden, das die Zahlung angenommen hat.

Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten

Der Herr Bundespräsident übernimmt zur Ehrung kinderreicher, im Gebiet der Bundesrepublik Deutschlands wohnender, Familien deutscher Staatsangehörigkeit die Ehrenpatenschaft in solchen Fällen, in denen einschließlich des Patenkindes mindestens sieben lebende eheliche Kinder vorhanden sind. Diesen stehen gleich diejenigen vorehelichen Kinder, bei denen der Vater die Vaterschaft anerkannt hat. Voraussetzung ist, daß das siebente Kind nach dem 12. September 1949, dem Tage der Wahl des Bundespräsidenten, geboren wurde.

Irgendwelche Verpflichtungen für den Ehrenpaten, auch hinsichtlich der Gewährung des Patengeschenks, dürfen aus der Annahme der Ehrenpatenschaft nicht hergeleitet werden. Im Rahmen der verfügbaren Mittel übersendet der Bundespräsident jedoch ein Patengeschenk in Gestalt einer Geldspende. Diese Spende setzt er nach freiem Ermessen fest, wenn in der Familie eine Notlage besteht.

Anträge auf Uebernahme der Ehrenpatenschaft sollen nach Möglichkeit innerhalb eines Monats nach der Geburt des Patenkindes gestellt werden. Der Antrag ist von dem Vater des Kindes auszufüllen und bei der zuständigen örtlichen Behörde (Bürgermeisterei) einzureichen.

Sprechstunde des Hausarztes

Was wissen wir von der Kinderlähmung?

Die spinale Kinderlähmung fordert mehr Opi'er als zuvor. In Westdeutschland ist die Kurve der Neuerkrankungen anderthalbmal so hoch gestiegen wie im Vorjahre. Man rechnet mit über 2000 Fällen. In England, wo stellenweise regelrechte Epidemien ausbrachen, sind es bereits über 3000. In den USA droht die Seuche der Rekordziffer des Vorjahres mit 42 000 Fällen wieder sehr nahe zu kommen.

Die Wissenschaft ist gegen diesen heimtückischen, unsichtbaren Krankheitserreger immer noch machtlos. Er fällt über Naturvölker genau so her wie über das Publikum vornehmer Seebäder.

Ein amerikanischer Arzt behauptet, dieses winzigste Wesen, das einen Menschen töten kann, im Elektronen-Mikroskop gesehen zu haben. Es soll eine zylindrische Form haben und so klein sein, daß erst 40 000 aneinandergereiht den Durchmesser eines Stecknadelkopfs ergeben.

Seit über hundert Jahren versucht man diesem Virus auf die Spur zu kommen. In den neunziger Jahren traten die Lähmungserscheinungen erstmalig epidemisch auf. Damals starben an ihnen nur kleine Kinder, aber allmählich griffen sie auch auf Erwachsene über und selbst Fünfzigjährige blieben nicht verschont. Heute ist die Gefahr eines tödlichen Ausgangs um so größer, je älter der Patient ist.

Was man genau weiß, läßt sich in wenigen Sätzen sagen: Dringt der Erreger ins Gehirn oder Rückenmark ein, so zerstört er die motorischen Nervenzellen und lähmt Glieder oder Atmungsorgane. Der Krankheit erliegen eher kräftig gebaute, gesunde als schwächliche Kinder, sie tritt häufiger in Städten als auf dem La.nde auf. Sie kann durch offene Abwässer, infizierte Speisen, Husten, Niesen und Küssen übertragen werden und wird meist von Menschen verbreitet, die selbst nicht erkranken.

Das sind die wenigen, dürftigen Tatsachen. Was darüber hinaus geht, sind Vermutungen, die sieh oft widersprechen. Man glaubte anfangs, die Krankheit würde durch Schmutz und Unreinlichkeit begünstigt. Dann breitete sie sich gerade in den „saubersten“ Ländern, in Skandinavien, Westeuropa und den USA, aus. Australien und Neuseeland, die fortschrittlichsten Gebiete im Pazifik, erlebten die schwersten Epidemien, zugleich aber wurde auch die Mongolei von dieser angeblichen „Zivilisationskrankheit“ heimgesucht.

Lange Zeit vermutete man, daß Trockenes, heißes Wetter die Kinderlähmung aufflackern lasse. Aber die Temperatur- und Seuche-Kurven stimmen keineswegs überein. Während die Höhepunkte in nördlichen Breiten meistens im September, in der südlichen Hemisphäre im Februar erreicht werden, brach die Seuche im Winter 1948/49 plötzlich unter einigen Eskimostämmen aus — und zwar bei einer ungewöhnlichen Kälte. Die schlimmsten Epidemien haben sich auf Island ereignet.

Wie tritt die Krankheit auf? Meistens werden die ersten schweren Fälle gemeldet, ohne daß sich irgendwie nachweisen läßt, daß der eine Kranke den anderen angesteckt hat, wie es etwa bei Scharlach oder Masern der Fall ist. In Wirklichkeit hat in diesem Gebiet schon vor Monaten eine Epidemie mit leichten Magenstörungen, Fieber und Kopfschmerzen geherrscht, von der aber kaum jemand Notiz nahm. Jetzt plötzlich wird hier einem Kind der Hals steif, dort zeigt sich Muskelschwäche im Bein.

Können Eltern ihre Kinder vor diesem heimtückischen Virus schützen? Das ist sehr schwierig, da die anfänglichen Anzeichen: Fieber, Hals- und Gliederschmerzen, keineswegs eindeutig sind und auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten. Bei plötzlicher starker Blässe und undurchsichtigen Symptomen ist es ratsam, das Kind sofort ins Bett zu stecken und einen Arzt zu rufen. Absolute Ruhe im Anfangsstadium hat oft Lähmungserscheinungen verhindert.

Die Zahl der tödlichen Fälle hat durch die „Eisernen“ und „Gläsernen“ Lungen erheblich verringert werden können. Wird in der Nachbarschaft ein Fall bekannt, so ist das trotzdem noch kein Grund zur Panik. Selbst in Gebieten, wo eine schwere Epidemie herrscht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung nur 5000:1 und die eines tödlichen Ausgangs 40 000:1. Diese Gefahr ist also nicht einmal so groß wie für den Großstädter die ständige Drohung, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen.

An Anderlaud

Die Teufelswindmühle

Ein Märchen von Peter Pilz

In dem Dorfe Geizberg im Lande Nimmersatt hauste einst ein geiziges und gottloses Geschlecht. Es hatte mit dem Teufel einen Pakt abgeschlossen. Die Bewohner mischten das Mehl mit Sand, verdünnten die Milch mit Wasser und beschwerten die Kartoffeln mit Lehm, damit sie schwerer wogen. An dem Sandmehl verdienten die Bösewichte am meisten, und weil sie großen Bedarf daran hatten, so half ihnen der Teufel die Steine mahlen, die sie unter das Mehl mischten.

So wurden die Leute von Geizberg wahrhaft steinreich. Der Teufel ließ ihnen das ganze Geld. Dafür mußten sie ihm ihre Seelen verschreiben. So konnten sich die Geizberger die schönsten Häuser bauen und die herrlichsten Kleider kaufen. Sie hatten das fetteste Vieh im Stall und die Weiber trugen Ketten aus schwerem Gold um Hals und Arme. Aber glücklich war niemand unter ihnen. Der Geiz fraß ihre Lebensfreude auf. Nur wenn sie berauscht waren, zeigten sie eine erkünstelte Lustigkeit.

Eines Tages war der Teufel des ewigen Mahlens müde, denn kein Wind bewegte die Flügel der Mühle, und er suchte nach einem Gehilfen, der ihm die Arbeit abnähme. Und richtig, es erschien ein Riese, dessen Arme so dick waren wie Baumstämme, und der mit der Hand eine junge Eiche ausreißen konnte. Als dieser den Teufel so bei der Arbeit schwitzen sah, klatschte er in die Hände: „He“, rief er, „wollt Ihr stark werden, weil Ihr Euch so anstrengt?“

Der Teufel wurde rot bis unter die Hörner. Er hatte ein böses Wort auf der Zunge, aber er machte gute Miene zum bösen Spiel. „Was verlangt Ihr für Lohn, wenn ich

Euch die Arbeit überlasse?“ fragte er den Riesen mit scheinheiliger Miene. „Hm“, erwiderte der Gefragte, „wenn Ihr mir für den Tag einen Taler gebt und soviel zu essen und zu trinken, wie ich packen kann, dann sollt Ihr mit mir zufrieden sein.“

• Der Teufel schlug ein. Der Riese begann sogleich mit der Arbeit und die Windmühlenflügel eilten schneller als je zuvor. Am Abend war einer davon gebrochen, so schnell hatte der Riese gemahlen. Der Teufel mußte Ersatz schaffen und dann wollte der Riese zu essen haben. Er verschlang so viel Brot, daß es dem Teufel angst und bange wurde. Als Getränk verlangte der Riese Milch und er merkte es gleich, das sie Wasser enthielt. Da begehrte er auf: „Ich zerschlage Euch die ganze Mühle, wenn Ihr mich noch einmal betrügt“, rief er aus. Aber mitten im Satz griff er sich an den Magen, denn es packten ihn fürchterliche Leibschmerzen. Rasch lief er zum Backofen, holte eins der Brote heraus, von denen er gegessen hatte und siehe da, es rieselte purer Sand heraus. Als der Riese zurückkehrte, war der Teufel verschwunden.

Da fuhr dem Mann mit der unbändigen Kraft der Zorn ins Gemüt. Er setzte die Mühle wieder in Bewegung und warf

alles in den Mahltrichter, was er fand: Hühner und Enten, Gänse und Schweine und das Holz vor den Türen der Häuser. Schließlich begann er auch diese abzureißen, so daß die Bauern entsetzt davoneilten. Dächer und Mauern fielen der Wut und dem Mahltrichter zum Opfer, bis nichts mehr von dem Dorfe Geizberg stand.

Da setzte sich der Riese auf die Treppe der Mühle und wartete, bis der Teufel kam. Der hatte inzwischen ein Schläfchen gehalten. Als er zurückkehrte, blickte er sich erstaunt um, denn da war nichts mehr von dem Dorfe übrig als ein großer Sandhaufen, der neben der Mühle lag. Als der Leibhaftig« in greifbare Nähe des Riesen gekommen war, packte dieser ihn beim Schwanz und wollte den Bösewicht auch in den Mahltrichter stecken. Aber er entwischte ihm, und nur der Schwanz blieb ihm in der Hand zurück. Den zermahlte der Riese dann zu Staub. Da begannen sich die Windmühlenflügel immer schneller zu drehen, bis sie schließlich unter lautem Getöse barsten, als habe eine unsichtbare Macht sie zerbrochen. Ueber Nacht trug ein Sturm auch das Dach der Mühle davon. Da kehrte der Riese in sein Land zurück und freute sich, daß er beinahe den Teufel aus der Welt geschafft hätte.

Dort, wo die Muhle ernst gestanden hat, erhebt sich eine riesige Birke. Ringsum ist Heideland. Und wenn der Herbststurm allzu heftig tobt, dann tönt aus dem Baum ein Klagen und Stöhnen, als litten Menschen großen Schmerz. Die Aeste der Birke aber kreischen wie die Flügel einer Mühle, die der Sturm zerbrechen will.

Werlachtmit!

Vor Gericht

„Wollen Sie mir mal den Mann beschreiben, mit dem Sie den Einbruch begangen haben. War er groß?“

„Das kann ich leider nicht mehr sagen." „War er denn klein?“

„Das kann schon eher sein. Es war gerade so ein kleiner, knubbeliger Herr wie Ihr, Herr Richter.“ *

Aus einem Polizeibericht

„Als ich das Geräusch hörte, ging ich ihm nach und ertappte den Einbrecher auf frischer Tat. Als er sich widersetzte, schlug ich ihm auf den Kopf, daß derselbe in den Keller fiel.“

Erste Hilfe

Frau Krotzig kommt in die Apotheke:

„Sagen Sie, Herr Apotheker, Aspirin ist doch gegen Kopfschmerzen und Uebelkeit, nicht wahr?“

„Gewiß, gnädige Frau!“

„Und Pyramiden auch?“

„Auch das.“

„Aber Antipyrin soll manchen Leuten besser helfen.“

„Das ist möglich.“

„Dann geben Sie mir bitte eine Auswahl dieser Mittel.“

„Wieviel, gnädige Frau?“ '

„Ja, du muß ich erst einmal meinen Mann anrufen, wieviel Gäste er hat . .

„Unerhört praktisch —, an jeder Seite ein Aufhänger!“ (Eber)

Das Ständchen

„Komm runter, Philipp, wir haben ein Ständchen.“

„Was? Bei dem Regen, nicht für eine Million.“

„Wir kriegen pro Mann drei Mark und jeder drei Flaschen Wein.“

„Das ist was anderes. Wartet, ich komme gleich.“ »

Die gute, alte Zeit

„Aber, Herr Müller, schlagen Sie doch mal auf das Pferd ein, wir kommen ja nicht vorwärts. Zeit ist heutzutage Geld.“

„Sehen Sie, darüber hab ich mich auch schon gewundert. Vor 25 Jahren bin ich mit demselben Gaul in der Hälfte der Zeit von Mainz nach Darmstadt gefahren.“


„80jährige Professoren spalten Atorpe und du kannst nicht einmal ein Stück Holz spalten“
„80jährige Professoren spalten Atorpe und du kannst nicht einmal ein Stück Holz spalten“


Der Rätselonkel

Etwas zum Schieben

Immergrün, Alarich, Regierung, Grobian, Stoffballen, Oderberg, Fettpolster, Tuttlingen, Verordnung. Die Wörter sind untereinander zu schreiben und dann seitlich so zu verschieben, daß drei senkrechte Reihen je eine Oper nennen.

Zehn Minuten Geographie

Mülheim, Braunschweig, Rathenow, Göttingen, Bebra, Amiens, Nikolajew, Florenz, Avignon, Lübeck, Oldenburg. Es sind die Flüsse zu raten, an denen diese Städte liegen. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter nennen zwei Afrikaforscher des vorigen Jahrhunderts.

Opern-Komponisten gesucht

Hoffmanns Erzählungen; Der Wasserträger; Die sizilianische Vesper; Der Waffenschmied; Orpheus und Eurydike; Die lustigen Weiber von Windsor; Tosca; Palestrina; Alessandro Stradella; Fra Diavolo; Margarete; Die seidene Leiter; Der Bajazzo; Mathis der Maler; Die weiße Dame. Es sind die Komponisten dieser Opern zu raten. Ihre dritten Buchstaben nennen einen deutsch-italienischen Pianisten und Komponisten.

Auflösungen vom Samstag, 23. September

Geographisches Silbenrätsel. 1. Archangelsk, 2. Messina, 3. Meerane, 4. Allgäu, 5. Elbsandsteingebirge, 6. Chester, 7. Tataren, 8. Ibiza, 9. Ganges, 10. Südchinesisches Meer, 11. Thermopylen, 12. Ehrenbreitstein, 13. Nigeria, 14. Isergebirge, 15. Suwalki, 16. Trasimenischer See, 17. Wallis, 18. Eutin, 19. Rehoboth, 20. Stavanger, 21. Irtysch. — Am mächtigsten ist, wer sich selbst in der Gewalt hat.

Zwei Buchstaben zuviel. Schau in die Welt mit wachen Sinnen, wirst immer Neues ihr abgewinnen.

Rösselsprung. Sei stolz und frei beim Fühlen und beim Denken: Gott hat dir Herzensfreudigkeit gegeben, um alles rings mit Fülle zu beleben und Kraft genug, dein Erdenschiff zu lenken.

Carmen Sylva

Weltbild der Woche

Verantwortlich für Inhalt und Ausgestaltung: Hermann Jung


Ein neues Stahlbaugerüst, die Erfindung eines Münchner Spenglermeisters, das zusammengeklappt nur 3,20 Meter hoch und 2 Meter breit ist und von jedem Auto zu seinem Bestimmungsort transportiert werden kann. Das Gerüst läßt sich bis zu einer Höhe von 14 Metern ausziehen.
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„Heinrich der Hamsterer“ ist augenblicklich der größte Schlager auf den amerikanischen Bühnen. Der Komiker hält allen Hamsterern der Welt den Spiegel vor. „Um Himmelswillen! Was könnte morgen knapp werden?“
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Schweres Grubenunglück in England. In der Creswell-Kohlengrube brach ein Brand aus, dem eine schwere Explosion folgte. Etwa 80 Bergleute kamen in den Flammen um.
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Auf dem siegreichen Vormarsch der UN-Truppen in Korea benutzten Trucks und Träger zur Bereitstellung des Nachschubs eine sorgfältig abgesteckte Furt des Naktong-Flusses.
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Bild rechts: Bei den Kämpfen in Indochina wurden etwa 2000 Elefanten im Kampf gegen die schlechten Wegverhältnisse eingesetzt. Unser Bild zeigt eine Streife der französisch-vietnamesischen Streitkräfte. Fotos: United Press
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AUS DEM INHALT: Traubendiebe einst und jetzt .. S. 2 Tanger — ganz international? .. S. 4 Unvergeßliches Danzig S. 5 Wir und die Kinderlähmung .. S. 7 Weltbild der Woche S. S