Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23 Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 78 Beffiföe Tieuefie TtadoWen Freitag, 29. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L.. C. witticn. Darmstadt, Rheinstraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. I 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Nordkorea besiehlt Rückzug hinter den 38. Breitengrad

Söul, 28. September. (dpa/AP.) Der nordkoreanische Staatschef Kim 11-sung hat angeordnet, daß sich die nordkoreanischen Truppen von den .Streitkräften der Vereinten Nationen absetzen und hinter den 38. Breitengrad zurückziehen sollen.

Der amerikanische Erkundungsdienst Tat einen Geheimbefehl Kim 11-sungs an die nordkoreanischen Truppenbefehlshaber abgefangen, in dem diese angewiesen werden, so viele Truppen wie möglich nach Nordkorea zurückzuführen und nach Möglichkeit auch alle Waffen und Ausrüstungen in Sicherheit zu bringen. Leitende Offiziere des amerikanischen Erkundungsdienstes sollen zunächst Zweifel an der Echtheit des aufgefangenen Geheimbefehls gehabt haben. Die Ereignisse auf dem Schlachtfeld im Zusammenhang mit Meldungen über Friedensfühler schienen aber jetzt zu beweisen, daß der nordkoreanische Staatschef einen solchen Befehl tatsächlich erlassen hat.

Ueberraschung

Der Geheimbefehl enthält eine Anweisung, nach der der Rückzug der nordkoreanischen Truppen hinter den 38. Breitengrad so geordnet wie möglich vorgenommen werden soll.

Trotz dem aufgefangenen Geheimbefehl sind militärische Beobachter über den schnellen Zusammenbruch jeden organisierten nordkoreanischen Widerstandes überrascht. Man verweist darauf, daß sich die Nordkoreaner noch vor zehn Tagen in der Offensive befunden und kurz vorher sogar eine äußerst bedrohliche Lage geschaffen hätten. Jetzt haben die Streitkräfte der Vereinten Nationen bereits wieder die Hälfte Südkoreas besetzt.

Man glaubt jetzt Beweise dafür zu haben, daß die Verteidigung Söuls durch die Nordkoreaner nur eine Verzögerungstaktik war.

Unaufhaltsam weiter

Der Vormarsch der Streitkräfte der Vereinten Nationen geht unaufhaltsam weiter. Die Stadt Taidschon, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt an der Straßen- und Eisenbahnlinie Söul—Taiku, wurde nach heftigen Kämpfen von amerikanischen Truppen erobert. Zwei Stoßkeile der 25. Infanteriedivision haben sich im Süden bei Namwon, 110 Kilometer südlich von Taidschon, vereinigt und befinden sich weiter auf dem Vormarsch nach der Westküste.

Aus dem Gebiet östlich von Söul sind die amerikanischen Truppen nach Norden abgeschwenkt. Die Truppen der Vereinten Nationen sind nur noch 30 Kilometer vom 38. Breitengrad entfernt.

Walker: Volle Auflösung

Der Befehlshaber der 8. amerikanischen Armee, Generalleutnant Walker, deutete am Donnerstag an, daß er in Kürze Instruktionen erwarte, ob er über den 38. Breitengrad vorstoßen solle. Die nordkoreanische Armee befinde sich in voller Auflösung, als organisierte Streitmacht existiere sie nicht mehr.

In dem großen Kessel zwischen Chinju und Namwon, der durch den blitzschnellen Vorstoß der Amerikaner entstanden ist, sind südkoreanische Truppen mit der Säuberung der Berge von kommunistischen Partisanen beauftragt worden.

Zum erstenmal seit Beginn der Offensive der Vereinten Nationen wurden am Donnerstag größere feindliche Truppenansammlungen aus dem Raum von Suwon und bei Taidschon gemeldet.

Südkoreanische und kanadische Marinetruppen haben am Donnerstag an der Südküste Koreas weitere Inseln besetzt und zum Teil vom Feind gesäubert.

Um entscheidend zu schlagen

Vormarsch nach Nordkorea wird erwartet

Washington, 28. September, (dpa) In Washington herrscht der Eindruck vor, daß die Streitkräfte des Generals Mac- Arthur den 38. Breitengrad überschreiten werden, um die kommunistischen Truppen entscheidend zu schlagen.

Ein amtlicher amerikanischer Sprecher hat darauf hingewiesen, daß die • Beschlüsse des Sicherheitsrats General Mac Arthur ermächtigten, mit seinen Truppen den 38. Breitengrad zu überschreiten, wenn dies militärisch notwendig sein sollte.

Keine Friedensfühler

London, 28. September. (AP.) Ein Sprecher des britischen Außenministeriums hat am Donnerstag erklärt, er habe nichts davon gehört, daß die Nordkoreaner bei den Vereinten Nationen oder über eine Mittelsmacht Friedensfühler ausgestreckt hätten.

Fonds für,,unvorhergesehene Zwecke“

Schäffer muß aus ihm bezahlen

Drahtbericht unsere« Korrespondenten

R. Bonn, 28. September. Das Dunkel, das bis heute über der Verteilung der Kosten für den Ausbau Bonns zwischen dem Bund und Nordrhein-Westfalen liegt, hat sich in der Sitzung des zuständigen Untersuchungsausschusses des Bundestags am Donnerstag noch vertieft. Der Vorsitzende mußte feststellen, daß selbst der Rechnungshof keine genaue Übersicht über diesen Punkt erlangt habe, und ein Vertreter des Bundesfinanzministeriums gab bekannt, daß Nordrhein-Westfalen dem Bundesfinanzministerium zu dessen völliger Ueberraschung eine neue Rechnung von 1,3 Millionen Mark zur Bezahlung vorgelegt habe. Dabei hat sich das Land bis jetzt geweigert, dem Bund den Prüfungsbericht seines Rechnungshofs über die von ihm in Bonn gemachten Ausgaben zuzuleiten, wie auch noch keine genaue Abrechnung über die Forderungen des Landes dem Bunde zugegangen ißt. Der Vorsitzende erklärte sehr bestimmt, es sei allerhöchste Zeit, daß endlich eine Klärung herbeigeführt werde, da sonst gar nicht zu übersehen sei, welche Kosten der Bund insgesamt aufgewandt habe.

Eine kleine Debatte entspann sich dann über die für 173 000 Mark angekauften dreihundert Kunstwerke zur Ausstattung der Ministerien. Diese Werke wurden von einer Jury ausgewählt, lagerten dann aber ein halbes Jahr im Depot, da niemand sie bezahlen wollte. Erst als vom Parlament erklärt wurde, diesem öffentlichen Skandal müsse ein Ende bereitet werden, entschloß sich der Finanzminister schweren Herzens, wie erklärt wurde, zur Bezahlung. Der Ausschuß fand es aber sehr seltsam, daß die Mittel dafür aus dem Fonds für unvorhergesehene Zwecke genommen wurden, der sicher nicht für den Ankauf von Kunstwerken bestimmt sei.'

Endlich versucht der Ausschuß zu klären, wo einige besonders teuere Stahlmöbel geblieben sind, die von einer später aufgelösten Dienststelle angeschafft und dann an andere Dienststellen weitergegeben wurden. Es wurde festgestellt, daß keine ordnungsgemäße Inventarisierung vorgenommen worden • ist.. Der Ausschuß legt großen Wert darauf, daß diese Angelegenheit geklärt werde, um festzustellen, ob etwa auf dunklen Wegen etwas verschwunden sei.

Bradley: Diesmal vorher da sein

Der Chef des Generalstabes über die Verteidigung Europas

Washington, 28. September, (dpa) Der Chef, des amerikanischen Generalstabes Bradley hat sich in Washington auf einem Empfang des Presseklubs, erneut für eine Teilnahme Deutschlands an der Verteidigung Westeuropas ausgesprochen. Er sagte, für eine ausreichende Verteidigung Westeuropas werde Deutschland benötigt. Deutschland wisse, daß seine Freiheit oder seine Versklavung von der Stärke der Atlantikgemeinschaft abhänge. Die militärische Haltung der Vereinigten Staaten befürworte eine Einbeziehung deutscher Streitkräfte in die Verteidigung Westeuropas. Eine solche Entwicklung müsse bei einem logischen Fortschreiten der Dinge kommen.

Die Bundesrepublik werde aber nicht auf die Seite der freien Völker gezogen werden, ohne daß ihr die Möglichkeit und die Mittel gegeben würden, sich gegen den Kommunismus zu verteidigen. Die Vereinigten Staaten müßten ihre Frontlinie jenseits des Rheins errichten, um Westdeutschland vor den Sowjets zu bewahren. Eine Verteidigungslinie am Rhein würde die Bundesrepublik der Sowjetunion ausliefern.

Die gegenwärtig in Europa stehenden Streitkräfte könnten eine Aggression nicht aufhalten. Der Krieg in Korea habe bewiesen, daß eine starke Kollektivstreitmacht, die einem plötzlichen Angriff entgegentreten und schnell zurückschlagen könne, notwendig sei. Zweimal hätten amerikanische Soldaten bereits in Europa Krieg führen müssen. „Diesmal wollen wir mit unseren Freunden dort sein, bevor er ausbricht.“


Das letzte deutsche Kriegsschiff, das 4 800 BRT große ehemalige Schnellbootbegleitschiff „Hermann von Wißmann“, verließ im Schlepp den Kieler Hafen und trat seine Fahrt nach dem Bestimmungshafen in Belgien an. Belgien hat das Schiff als Restitutionsgut zugesprochen erhalten Foto: dpa
Das letzte deutsche Kriegsschiff, das 4 800 BRT große ehemalige Schnellbootbegleitschiff „Hermann von Wißmann“, verließ im Schlepp den Kieler Hafen und trat seine Fahrt nach dem Bestimmungshafen in Belgien an. Belgien hat das Schiff als Restitutionsgut zugesprochen erhalten Foto: dpa

„Auch ohne Frankreich“

Bern, 28. September, (dpa) Der Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ berichtet aus Washington, General Marshall bestehe darauf, die Frage der deutschen Mitwirkung an der Verteidigung Eurepas in den nächsten fünf Wochen zu entscheiden. Die französische Regierung, die ursprünglich gehofft habe, diese umstrittene Frage um ein Jahr oder doch wenigstens um einige Monate vertagen zu können, stehe jetzt vor der Notwendigkeit, in Kürze ihre Entschlüsse zu fassen. „Fällt die Entscheidung Frankreichs, wie man allgemein annimmt, nach gehöriger innenpolitischer Erörterung der Frage positiv aus, so werden die Verteidigungsminister im Oktober die Einzelheiten festlegen. Fällt der Entscheid negativ aus, so werden die anderen elf Partner des Atlantikpaktes allein vorangehen. Ja, man spricht sogar davon, daß Amerika und Großbritannien in diesem Fall dann eben mehr in ihren Besatzungsgebieten im Einvernehmen mit der deutschen Regierung mit der Rekrutierung gewisser Einheiten beginnen würden. Ein Plan dazu aus der Feder des Generals Schwerin, des militärischen Beraters Adenauers, soll den angelsächsischen Außenministern bereits vorliegen.“

Nicht unterschätzen

*** Die provisorische Volkskammer der Sowjetzone hat ihre letzte Sitzung vor den Oktoberwahlen abgehalfen. In einer von Außenminister Georg Dertinger verlesenen Regierungserklärung, die von sämtlichen Fraktionen gebilligt worden war, wurde insbesondere die Bevölkerung Westdeutschlands und West-Berlins aufgeforderf, den „Nationalen Widerstand“ zu verstärken.

Man darf diese Tatsache nicht unterschätzen, denn es hat sich erwiesen, daß die Kommunisten in der Bundesrepublik sich stur an alle Anweisungen halfen, die von der Regierung oder anderen bolschewistischen Zentralen der Sowjetzone erlassen werden. Die „Nationale Front“ und die Sozialistische Einheitspartei legen sicherlich größten Werf darauf, vor den Wahlen darauf hinweisen zu können, es habe für die Bewohner der Sowjetzone keinen Sinn, sich weiterhin gegen das bolschewistische Regime zu sträuben, denn auch in der Bundesrepublik werde der Wille der Bevölkerung zur Nationalen Front und zu einem bolschewistischen Einheitsdeutschland nur noch mit Hilfe von Gummiknüppeln niedergehalten.

Wir werden also voraussichtlich in den nächsten vierzehn Tagen in steigendem Maße mit Unruhen zu rechnen haben, wie sie sich in den letzten Tagen in Düsseldorf ereigneten, oder auch in Oesterreich, wo ein offener Aufruhr von den Kommunisten selbst im letzten Augenblick jedenfalls nur deshalb abgeblasen worden ist, weil der antikommunistische Widerstand sich noch allzugroß erwiesen hat.

Selbst Mißerfolge werden die Kommunisten nicht von neuen Versuchen, Unruhe zu stiften, abhalten. Jeder Zusammenstoß ist für die östliche Propaganda doppelt wertvoll, denn man glaubt mit ihm die Bevölkerung der Sowjetzone weiter einzuschüchtern und die der Bundesrepublik zu zermürben. Nur eine teste und geschlossene Abwehr, für die sich jeder einzelne verantwortlich fühlen muß, kann diese Absichten unwirksam machen.

Frankreich ist allein

an Die Ueberschrift des Artikels stammt nicht von uns. Sie ist französischen Blättern entnommen. In einem Teil der französischen Oeffentlichkeit hat man mit tiefem Unbehagen festgestellt, daß der Vertreter ihres Landes bei den Beratungen in Neuyork sich einer geschlossenen Front aller anderen Minister gegenübergefunden hat. Alle waren für die Wiederbewaffnung Deutschlands; selbst Ernest Bevin war schließlich dem Werben seines amerikanischen Amtsgenossen erlegen; nur Frankreich beharrte noch im Widerstand. Das entspricht dem Verlangen der Mehrheit des französischen Volkes; aber man kann unmöglich in Paris Freude an einem Zustand empfinden, in dem Frankreichs Meinungen von niemandem geteilt werden. So drückt jener Satz, den wir über diesen Artikel gestellt haben, das beträchtliche Mißvergnügen aus, das wenigstens ein Teil der französischen Oeffentlichkeit empfindet und sich unüberhörbar in die Genugtuung darüber mischt, daß sich die französische Haltung durchgesetzt habe.

Es ist verständlich, daß andere französische Blätter in diesen Tagen melancholische Betrachtungen darüber- anstellen, wie schnell sich die internationale Stellung der französischen Diplomatie geändert hat. Im Sommer, als der Schuman-Plan bekannt wurde, hatte Frankreich die geistig-politische Führung in Europa. Das ganze Festland folgte den Rufen, die am Quai d'Orsay ausgegeben waren; Zustimmung tönte auch aus Washington herüber; und daß sich Großbritannien dem Losungswort der französischen Regierung verschloß, wurde ihm bitter übel genommen. Heute beteuert man in allen Hauptstädten den größten Respekt vor den Gründen der französischen Unnachgiebigkeit; aber man schließt sich ihr nicht an. Frankreich ist allein.

Es wird nicht allein bleiben. In anderen Fragen wird sich schnell wieder zeigen, wieviel Zuneigung und wieviel Achtung das französische Volk überall in der Welt genießt. Aber auch wenn die Neuyorker Ereignisse, von Frankreich aus gesehen, nur ein Zwischenspiel bleiben, so enthalten sie doch eine Lehre, die offenbar nachdenklichen Gemütern in Frankreich nicht entgangen ist: Ihr Land errang die Höhe diplomatischer Führerschaft in Europa, als es im Sommer entschlossen einen Weg zur Einigung Europas wies und darin Deutschland ausdrücklich einschloß; es geriet in diplomatische Vereinsamung, als es den Werberufen seiner Bundesgenossen nur sein altes Mißtrauen gegen Deutschland entgegenstellte.

Wir denken, wir werden nicht so mißverstanden, daß wir die Franzosen überreden möchten, ihre Haltung in Neuyork zu ändern. Alle Welt weiß, daß die überwiegende Mehrzahl der Deutschen immer noch einer Wiederbewaffnung höchst kühl gegenübersteht Es würde ihnen schlecht anstehen, wollten gerade sie nun von ihrem westlichen Nachbarn eine größere Herzhaftigkeit verlangen. Auch würden die Franzosen sicherlich von niemandem einen Rat gerade in dieser Frage weniger gern annehmen als von den Deutschen. Aber wir meinen doch, die Entwicklung des letzten Vierteljahres könne auch in einem größeren Zusammenhang gesehen werden als nur in dem. der sich aus der Wiederbewaffnung Deutschlands ergibt Unumstößlich deutlich ist geworden, daß die innere Haltung gegenüber der Einheit Europas und gegenüber Deutschland den Rang der französischen Außenpolitik beeinflußt.

Einige Pariser Blätter stellen die bittere Frage, ob Frankreich auch in die Rolle des alleinigen Nein-Sagers gekommen wäre, wenn es seit 1945 eine tatkräftige eigene Wehrpolitik getrieben hätte. Mit zwanzig gut ausgerüsteten Divisionen brauchte es den Ruf nach einer Wiederbewaffnung Deutschlands nicht anzuhören. Nun, wir haben während der letzten Jahre gegenüber Franzosen im Gespräch oft darauf hingewiesen, daß die militärische Selbstbescheidung des Landes auch seiner Außenpolitik einen Teil ihrer Entscheidungsfreiheit rauben müsse. Aber wir haben aus den Antworten nur immer wieder herausgehört, daß auch die Franzosen das Problem in seiner ganzen Schwere wohl sahen, daß aber — „ich bitte Sie, zwei lange Kriege; diese Verluste; diese Verarmung; wir sind nicht mehr so stark wie 1914 . . .“

Frankreich kann ebenso wie Deutschland nicht mehr darauf hoffen, auf die allerersten Plätze unter den Nationen dieser Erde zu gelangen. Die Geschichtsforscher sagen uns, daß die Entscheidung darüber schon vor Jahrhunderten gefallen sei. Aber erst jetzt kommt sie den Völkern ganz zum Bewußtsein. Der Streit um die Weltherrschaft wird zwischen Russen und Angelsachsen ausgefochten. Frankreich und Deutschland mögen nun zehn oder zwanzig Divisionen aufstellen, fünf oder fünfzehn Millionen Tonnen Stahl erzeugen — gegenüber der gewaltigen weltpolitischen Erschütterung, die wir erleben, wirken sie beide doch wie „ausgebrannte Krater der Machtpolitik“. Das mag nicht jeder. Franzose und nicht jeder Deutsche gerne hören; doch es ist die Wahrheit.

Aber es wäre jammervoll, wollte man deshalb in tatenlose Ohnmacht versinken. Auch in der zweiten Reihe der Nationen kann eine führende Rolle erkämpft werden. Die tiefe Sehnsucht der europäischen Völker zu verwirklichen, den anderen voranzugehen in dem großen Werk der Einigung, unsern alten Erdteil zusammenzuschließen und so seine geistige Schöpferkraft auch für die Zukunft zu sichern, ist immer noch eine Aufgabe von wahrhaft königlichem Rang. Als Frankreich im Sommer die Bewunderung der anderen Staaten gewann und als die westlichen Völker hoffnungsvoll auf dieses eine Land blickten, zeigte es, wenn auch auf einem Teilgebiet, den Weg nach vorne. Auf diesem Weg wollten die anderen folgen.

Aber die führende Stellung ist nicht zu behaupten, wenn man sich von der Vergangenheit nicht losreißen kann. Bisher war es in Frankreich üblich, den Deutschen außer Hitler auch Wilhelm 11. und Bismarck vorzuwerfen. Der Minister Schuman hat jetzt in Neuyork sogar das Gespenst des Grafen Yorck beschworen, um zu beweisen, daß die Deutschen unzuverlässige Verbündete seien. Es ist schmerzlich, einen Mann nur nach dem Gestern und Vorgestern schauen zu sehen, der im Sommer dem Willen zur Zukunftsgestaltung so starke Impulse gegeben hatte. Eine Politik, die nur aus der Vergangenheit lebt, wird immer unfruchtbar sein. In diesem Jahrhundert der ungeheuersten Umwälzungen muß sich d~s noch schneller zeigen als früher. Nur c e Entschlossenheit des Handelns auf ein größeres Ziel hin kann wahrhaft zukunftzeugende Gewalt haben, nur mit ihr kann eine Macht noch heute den Anspruch auf Führerschaft behaupten.

Frankreich ist allein, sag - französische Blätter. Es braucht nicht allein zu sein. Es braucht nur zu wollen.

Arithmetik der Wahlen

-y- Die „Nationale Front“ der Sowjetzone ist eine Tatsache, eine lebhaft umstrittene zwar, aber immerhin, sie ist es. Und mit Tatsachen soll man rechnen. Das ist zumindest die Meinung ihrer Väter, der nimmermüden Kämpen der Sozialistischen Einheitspartei der Sowjetzone. Und dennoch, selbst in diesen Kreisen geht die Rechnung nicht immer auf, wie dieser Tage eine lehrreiche Episode bewies. Da kam, wie das Thüringer Organ dieser Partei, „Das Volk“, zu vermelden weiß, in die thüringische Gemeinde Ramsla ein Wanderprediger der Nationalen Front und stellte an das Oberhaupt benamster Gemeinde die Gretchenfrage, ob und was er denn schon in seinem Wirkungskreis an Aufklärungsarbeit geleistet habe, um auch hier den Oktoberwahlen zum Erfolge zu verhelfen.

Der Bürgermeister, ein wahrhaft ruhender Pol in der Flucht der Sowjetzonen-Erscheinungen, war um die Antwort nicht verlegen. Das heißt, er gab überhaupt keine oder doch wenigstens nicht die erwartete, sondern er erklärte brav und bieder, an diesem Tage, dem 15. Oktober, würde überhaupt nicht aufgeklärt, da besagtes Ramsla — Kirmes feiere. Einen Schimmer von Hoffnung ließ er dem verdutzten Amtsträger der Nationalen Front aber doch. Er ließ schlicht und einfach durchblicken, daß der Herr Funktionär, wenn er an diesem Tage genügend Geld mitbringen und der Jugend einen „ausgeben“ würde, möglicherweise, je nach dem Grade ihrer fortschreitenden Aufgeschlossenheit, ihr unter anderem auch einiges über die Ziele der Nationalen Front und den bisher noch im Verborgenen liegenden Sinn der Wahlen sagen dürfte.

Die Angelegenheit verdient, analysiert zu werden. Es will uns dünken, als gäbe es hier nur noch die berühmten zwei Möglichkeiten: Entweder der Funktionär setzt sich durch, dann geht der Bürgermeister, oder aber der Bürgermeister behält recht, dann geht der Funktionär! Auf die höhere Ebene übertragen, würde das dann heißen: Siegt die Nationale Front, dann geht das Volk — einen noch schwereren Weg, oder aber das Beispiel des Bürgermeisters von Ramsla macht Schule, dann geht die Sozialistische Einheitspartei, das Volk aber einer besseren Zukunft entgegen!

Weinkönigin

ch In den ersten Oktobertagen wird in Neustadt an der Weinstraße die Deutsche Weinkönigin für 1950/51 gewählt, oder auf altdeutsch: gekürt. Jedes Weinbaugebiet entsendet eine Thronanwärterin. Einer von ihnen wird man besonders die „Kur machen“, dem Winzermädel von der Saar. Abseits der großen Politik und dennoch sie berührend, ist das im Wüste der Nachrichten endlich eine erbauliche: die Winzer von der Saar bekennen sich zu Deutäthland und entsenden als Ausdruck dieser untrennbaren Verbundenheit ihre charakteristische Winzerschönhes, die die Heimat an der Saar am schönsten verkörpert. Noch ist nicht sicher, ob die Tausende im Saalbau zu Neustadt sie zur Deutschen Weinkönigin wählen werden. Schön wärs und sinnfällig dazu, voll auch des politischen Gehaltes, den wir den weinfrohen Wählern wohl nicht erst des langen und breiten darstellen müssen.

Doch, noch ein Hinweis: am 24. September hat die zur Zeit regierende Weinkönigin das Weintor in Schweigen an der pfälzisch-elsässischen Grenze eingeweiht. Dieses wiederaufgebaute Ende der pfälzischen Weinstraße soll ein Ausdruck der deutsch-französischen Versöhnung sein; das wurde in den zahlreichen Festansprachen betont. Am Wahltag in Neustadt kann dieser Versöhnungswille einen neuen Ausdruck finden, daß dem Winzermädel von der Saar rechtzeitig der Einreisepaß zugestellt wird, denn ohne ihn keine Weinkrone!

Schnmacher ist zuversichtlich

„Kommunisten werden Bundesrepublik nicht erschüttern“

Berlin, 28. September, (dpa) Dr. Schumacher hat am Donnerstag vor Pressevertretern in Berlin gesagt, er sei überzeugt, daß die im Bundesgebiet geplanten kommunistischen Störaktionen die politische Gesamtlage in der Bundesrepublik keineswegs erschüttern würden. Voraussichtlich würden die mehrfach angekündigten Blitzaktionen der Kommunisten am 1. Oktober in acht oder neun Städten des Bundesgebietes zu erwarten sein. Schumacher nannte die Städte Solingen, Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum, Hagen, Bielefeld, Dortmund und Gelsenkirchen als voraussichtliche Zentren der geplanten Aktionen. Es sei möglich, daß kommunistische Störtrupps versuchen würden, eine vermeintliche Schwäche der Polizei festzustellen. Er sei jedoch überzeugt, daß die Machtmittel völlig ausreichten, um die Staatsautorität durchzusetzen.

Die in den Neuyorker Beschlüssen über Deutschland festgelegten gemeinsamen Sicherheitsgarantien der Westmächte für

die Bundesrepublik und Berlin nannte Schumacher „eine starke neue effektive Position für die Argumente der Befürworter eines Anschlusses Berlins als zwölftes Land an die Bundesrepublik“. Eine Revision des kleinen Besatzungsstatuts für Berlin müsse Hand in Hand mit den Aenderungen des allgemeinen Besatzungsstatuts vorgenommen werden. Jede größere Differenz zwischen den Rechtsverhältnissen im Bundesgebiet und in Berlin müsse künftig vermieden werden.

Schumacher kritisierte, daß Bundeskanzler Dr. Adenauer seinen ursprünglich geplanten Besuch am 1. Oktober in Berlin abgesagt habe. Das sei keine bessere Außenpolitik. Er bedaure die Entscheidung außerordentlich.

„Kein Mündel mehr“

Wuppertal, 28. September (dpa) Der Erste Vizepräsident des Bundestages, Professor Carlo Schmid, hat in einer Ver- Sammlung der Sozialdemokratischen Partei in Wuppertal erklärt, er habe in Straßburg zu Churchill gesagt, die bedingungslose Kapitulation sei nicht gut gewesen, aber eine bedingungslose Mobilmachung sei auch nicht gut.

Das Besatzungsstatut müsse grundlegend geändert werden. Fünf Jahre nach Kriegsende könnten die Besatzungsmächte mit Deutschland nicht mehr umgehen wie der Vormund mit dem Mündel. Wer glaube, die Deutschen in diesem Zustand erhalten zu wollen, solle darauf verzichten, aus ihnen Demokraten zu machen.

Falkenhausen verteidigt sich

Brüssel, 28. September, (dpa) General Alexander von Falkenhausen hat am Mittwoch vor dem Militärgericht in Brüssel erklärt, er habe sich eine Zeit mit dem Gedanken getragen, zurückzutreten oder sogar Selbstmord zu begehen, um Hitlers Befehl für die Hinrichtung von Gseln nicht nachkommen zu müssen. „Mein Rücktritt wäre aber in Berlin niemals angenommen worden. Hätte ich Selbstmord begangen, so wäre ein Zivilgouverneur gefolgt, der das belgische Volk noch grausamer behandelt hätte.“

Falkenhausen erklärte sich voll verantwortlich für alle Maßnahmen, die in Belgien von ihm und seinen Untergebenen getroffen worden seien. Nicht verantwortlich sei er für Handlungen, die außerhalb seiner Anweisungen oder auf Befehle vorgenommen worden seien, von denen er keine Kenntnis gehabt habe. Im Juli 1944 sei er von der Gestapo verhaftet worden. Sie habe ihm vorgeworfen, er habe nicht genügend Geiseln hinrichten und nicht genügend Zivilisten zur Zwangsarbeit deportieren lassen. Jetzt sei er angeklagt, weil er zuviel Geiseln habe hinrichten und zuviel Zivilisten habe deportieren loccarr

Mehr Kinder, mehr Frauenarbeit

Maßnahmen zur Erhöhung der Bevölkerungszahl in der Sowjetzone

Drahtbericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 28. September. Die Regierung der sowjetischen Zone hat am Mittwoch eine Aktion zur Erhöhung der Bevölkerungszahl im sowjetisch besetzten Gebiet eingeleitet, um mehr Arbeitskräfte zu erhalten. Sie hat von der Volkskammer ein Gesetz verabschieden lassen, das den Namen „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ trägt. Dieses Gesetz stellt nicht nur den vielumstrittenen Paragraphen 218 in vollem Umfange wieder her, sondern strebt auch auf jede andere Weise die Vermehrung der Bevölkerung an. Zu diesem Zweck werden umfangreiche finanzielle Beihilfen für kinderreiche Familien und gleichzeitig weitgehende Erleichterungen für alleinstehende Mütter vorgesehen, denen der Staat, wenn die Mutter es wünscht, die Versorgung des Kindes vollständig abnimmt. Bei der Geburt des dritten Kindes werden hundert Mark, bei der Geburt des vierten Kindes 250 Mark und bei der Geburt jedes weiteren Kindes fünfhundert Mark gezahlt. Außerdem werden für das vierte Kind zwanzig Mark und für jedes weitere Kind 25 Mark monatlich bis zum vierzehnten Lebensjahr bezahlt.

Der erneuerte Paragraph 218 sieht vor. daß eine Unterbrechung der Schwangerschaft nicht nur von der Voraussetzung abhängig ist, daß andernfalls das Leben oder die Gesundheit der Frau ernstlich gefährdet ist, sondern daß die Entscheidung darüber nur von einer Kommission getroffen werden darf, der außer Aerzten auch Vertreter des Gesundheitswesens und des Demokratischen Frauenbundes angehören.

Alles das wird unter dem Motto der Gleichberechtigung der Frau angeordnet. Das bisherige Alleinbestimmungsrecht des Mannes in allen Angelegenheiten des ehelichen Lebens wird durch das gemeinsame Entscheidungsrecht beider Eheleute ersetzt. Ferner wird die volle Gleichstellung des nichtehelichen Kindes mit dem ehelichen Kind herbeigeführt.

Da der Vergleich dieser Bevölkerungspolitik mit der entsprechenden nationalsozialistischen Methode auf der Hand liegt, hat Ministerpräsident Grotewohl ausdrücklich versichert: „Die faschistische Bevölkerungspolitik diente dem Kriege und dem Untergang. Unsere Bevölkerungspolitik dient dem Frieden und dem Wohlstand.“ Grotewohl forderte, daß die Bevölkerung quantitativ gesteigert und qualitativ verbessert werden müsse. Ferner sagte Grotewohl, der starke Bedarf an Arbeitskräften mache eine Erhöhung des Prozentsatzes der arbeitenden Frauen notwendig. Nach dem Fünfjahresplan solle er von 37 auf 42 Prozent gesteigert werden.

Pfändungen in Mecklenburg

Berlin, 28. September. (AP.) Gegen rund 12 000 landwirtschaftliche Betriebe in Mecklenburg hat die Sozialversicherungsanstalt dieses Landes wegen rückständiger Beiträge Pfändungs- und Ueberweisungsbeschlüsse erlassen. Damit sind etwa acht Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Zahlungsverzug geraten.

Ein Appell an die Oberkommission

Chemische Industrie: „IG-Entflechtung völkerrechtlich unzulässig“

Bonn, 28. Sept. (AP.) Die Arbeitsgemeinschaft Chemische Industrie richtete am Donnerstag einen „dringenden Appell“ an die alliierte Oberkommission, „unter Wahrung rechtsstaatlicher Normen“ das kürzlich erlassene - Farben-Entflechtungsgesetz neu zu formulieren. Gleichzeitig wandte sie sich an die Bundesregierung mit der Bitte, ihrerseits alles zu tun, um die Entkartellisierung der IG-Farben in deutsche Hände zu überführen.

Im Namen von 3000 chemischen Werken und ihrer 300 000 Angestellten nahm der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Chemische Industrie, W. A. Menne, auf einer Pressekonferenz zu aem neuen Entflechtungsgesetz Stellung, das er als „diskriminierendes Ermächtigungsgesetz“ bezeichnete. Die Chemische Industrie wende sich nicht gegen die von dem alliierten Gesetz Nr. 35 verkündete Absicht, die IG-Farben in eine „Reihe von wirtschaftlich gesunden und wettbewerbsfähigen Einheiten“ aufzuteilen, „sie nimmt aber mit großem Nachdruck dagegen Stellung, daß ein Gesetz von so einschneidender Wirkung für die deutsche Gesamtwirtschaft ohne Mitwirkung oder Anhörung deutscher Stellen erlassen wurde und daß seine Durchführung ausschließlich in alliierten Händen liegen soll“, die Chemische Industrie bestreite außerdem die völkerrechtliche Zulässigkeit eines solchen Gesetzes unter dem Besatzungsregime. Das Gesetz sei ein „bedauerlicher Rückfall in eine vergangene Ära“. „Wir hatten geglaubt, daß diese Ära abgeschlossen ist.“

Nach Ansicht der Chemischen Industrie sollte bei der geforderten Neuformulierung des Entflechtungsgesetzes nacht folgenden Punkten verfahren werden:

Die Neuordnung der IG-Farbenindustrie ist deutschen Stellen zu übertragen. Sie hat nach anerkanntem Recht an Stelle von völkerrechtlich umstrittenem Besatzungsrecht unter Mitwirkung der Aktionäre und der Belegschaften zu erfolgen.

Die Neuregelung ist unter Wahrung privatrechtlicher Grundsätze, unter Beachtung der Rechte aus privatem Eigentum der Aktionäre, unter Anerkennung aller sonstigen wohlerworbenen Rechte sowie unter Aufrechterhaltung aller rechtlichen und sozialen Verpflichtungen gegenüber Belegschaften und Werkpensionären durchzuführen.

Zum internationalen Wettbewerb erklärte Menne, daß Industriezweige wie die pharmazeutische, Lack- und Kunststoffindustrie „weitgehend von der Bereitstellung von Vor- und Zwischenprodukten durch Werke der IG abhängig“ seien.

Menne betonte besonders die Notwendigkeit einer Steigerung des deutschen Exports an chemischen Erzeugnissen. „Wenn im Rahmen des Marshallplanes die deutsche chemische Industrie im Jahre 1952 einen Ausfuhrwert von 300 Millionen DM erreichen soll, so ist sie hierzu nur unter besonders günstigen Bedingungen imstande, die heute auf dem Weltmarkt nicht gegeben sind.

Stimmen der Anderen

Zu dreien?

In der „Schwäbischen Zeitung" lesen wir:

„Wenn die Volksbefragung über den Südweststaat nicht erst jetzt, nachdem sich die hohen Regierungen am Ende ihres Latein« sahen, sondern schon vor zwei Jahren stattgefunden hätte, wäre ihr Resultat eindeutig und unzweifelhaft für den Südweststaat ausgefallen. Freudig und in Eintracht wäre man damals von allen Seiten her an den Umbau gegangen und der Wille des Volkes hätte die zögernden Regierungen mitgeris-- sen. So aber hat man geredet, gehandelt und gefeilscht, bis der schönste Impuls zum Teufel war und die Gegner Zeit hatten. Zwietracht zu säen. Heute sieht das Resultat für alle Teile recht kümmerlich aus, und man wird daraus schwerlich etwas Brauchbares machen können. Das Schlimmste aber ist, daß sich zwischen Baden und Württemberg, die doch wenigstens gute Nachbaren sein sollten, als eine schwere Hypothek für die Zukunft ein Berg des Mißtrauens, ja des Hasses aufgetürmt hat. Nicht zuletzt darum sind so viele Württemberger der Abstimmung ferngeblieben, weil sie sich fragten, was das für eine miserable Eintracht und für ein schlechtes Zusammenleben in dem neuen Staate geben werde, wenn man sich vorher-alle Schandtaten ins Gesicht gesagt hat. Es gibt darum keine dringendere Aufgabe, als die Wiederherstellung normaler freundnachbariicher Beziehungen zwischen Baden und Württemberg.

So unentschieden aber die Volksbefragung im Hinblick auf die beiden Fragen, die gestellt worden sind, ausgegangen ist — denn auch eine Herstellung der alten Länder erweist sich als unmöglich, da drei Viertel der Gesamtbevölkerung dagegen gestimmt haben —, so klar hat sich etwas anderes ergeben, nämlich der Wille der Mehrheit, auf keinen Fall den jetzigen Züstand beizubehalten. Man sage nicht, die Nichtwähler seien die Anhänger des Status quo, nein, es sind politisch gleichgültige, indolente Mitbürger, die keine Meinung haben, oder die sich von dem Anblick der Streitenden angewidert abwandten.

Es zeigt sich nun, wie verderblich und unklug diese Fragestellung in der Form der Alternative war. Sucht man einen Ausweg aus der Situation, und zwar einen Ausweg, welcher dem Willen der Mehrheit am besten gerecht wird, dann wäre es nur der Zusammenschluß zu dreien, nämlich Süd Württembergs — Nordwürttembergs — Nordbadens. Diese drei streben, wie die Abstimmung zeigt, zu einer Vereinigung. Das würde bedeuten, daß Wohleb in Südbaden versuchen müßte, seinen eigenen Weg zu gehen. Er wird sehen, wie weit er kommt. Zwar haben sich die Oberkommissare ein Einspruchsrecht gegen ein Gesetz zur Neugliederung der südwestdeutschen LändeV Vorbehalten, es ist jedoch kaum anzunehmen, daß sie einer so starken Bekundung des Volkswillens gegenüber von diesem Rechte Gebrauch machen.“

Italien und Deuntschland

Italiens betont positive Haltung in der Frage der Wiederbewaffnung Deutschlands findet in der Schweizer Presse steigende Beachtung. An der Seine könne man die Befürwortung eines deutschen Wehrbeitrags durch die „lateinische Schwester“ nicht übersehen.

Das „Journal de Geneve“ meint: „Roms deutschlandfreundliche Politik in der Wiederbewaffungsfrage ist auf zwei Motive zurückzuführen. Italien befürchtet eine bolschewistische Aggression, und eine solche Gefahr vermindert sich stark, wenn die gegenwärtig brachliegende Militärkraft der Deutschen aktiviert würde. Ein anderer Beweggrund für den deutschfreundlichen Kurs Italiens ist die Ueberlegung de Gasperis, daß Italien im diplomatischen Spiel noch nicht über genügend gute Karten verfügt. Eine Trumpfkarte könnte die deutsch-italienische Freundschaft werden.“

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdrude Alle Rechte beim Wolfgang-Ktflger-Vetlag. Hamburg

24) Selbst wenn sie die unberührte Urwüchsigkeit der Landschaft in ihrem Skizzenbuch festzuhalten suchte, überkam sie beim Nachzeichnen der kühnen Umrisse der steilen Felsgrate und der primitiven Takelung der Fischerboote dieses unbestimmte Etwas wie eine Art Furcht, die sich nicht in Worte fassen ließ. Auf Schritt und Tritt hatte sie das Empfinden, daß Korsika und die Herzogin auf eigentümliche Weise miteinander verwachsen waren. Die dunkle Frau mit den schwermütigen Augen und ihren schwankenden Stimmungen zwischen Verzweiflung und Jähzorn, mit ihrer dumpfen Apathie und ihren hemmungslosen Zärtlichkeitsaus-^ brüchen gehörte so unzweifelhaft hierher, als habe die Insel ihr eigenes Temperament durch irgendeinen unerklärlichen Vorgang auf dieses menschliche Gegenstück übertragen. Hier in dem reichen Olmeto, wo sie immer noch das verwöhnte einzige Kind eines begüterten, mächtigen alten Mannes war, mit der Schar ihrer gutgeratenen Söhne und Töchter als sichtbarem Beweis einer erfolgreichen Ehe mit einem Mitglied der französischen Hocharistokratie, konnte Fanny, Herzogin von Praslin, es sich leisten, ihre Erzieherin gönnerhaft zu behandeln.

„Sie wurzelt hier im eigenen Boden,“ machte Henriette sich schon zu Beginn ihres Aufenthaltes klar. „Wahrscheinlich will sie mir auch zu verstehen geben, wo das Geld herkommt. Kein Wunder, daß er es vorzieht, in Paris zu bleiben, anstatt seinen prahlenden Schwiegervater ständig ihr Lob singen zu hören.“ Ohne die Zustimmung und Unterstützung des Herzogs hatte Henriette jetzt nicht mehr dieselbe Autorität über die jüngeren Kinder. Zwar blieben sie ihr so zugetan wie nur je: kein Ausflug war ohne Mademoiselle vollkommen; kein Tag verging, an dem ihr nicht das eine oder andere Kind ein Geschenk brachte ein Stückchen Koralle vom Strand, merkwürdig geformte Muscheln, Steinchen mit eigenartiger Zeichnung, die erste reife Pflaume aus dem Garten. Aber die Nachsicht ihres Großvaters blieb ihnen natürlich nicht verborgen, und sie zogen ihren Vorteil daraus. Bei den vielen Ablenkungen, die von früh bis spät verlockten, sah Henriette sich fast unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber, wollte sie den gewohnten regelmäßigen Tagesablauf, wie er in Paris festgelegt worden war, einhalten. Der Versuchung, die gesattelte Eselchen zu einem Ritt in die Berge boten oder lustig bemalte Schiffe mit den dunkelhäutigen, stets lächelnden Fischern, die jederzeit bereit waren, die jungen Praslins über die weiten Buchten und in die versteckt liegenden Küsten ein schnitte zu segeln, war schwer zu widerstehen. An jedem schönen Tag wurden neue Ausflüge geplant und unter der Führung des alten Marschalls veranstaltet; Henriettes Einwände, der Klavierunterricht dürfe nicht vernachlässigt, der wöchentliche Brief der Kinder an ihren Vater nicht vergessen werden, wurden einfach beiseitegeschoben. Jetzt waren Ferien, trumpften die Herzogin und der Marschall auf.

„Sie sind ja nur einmal jung, Mademoiselle Deluzy,“ sagte der begeisterte Großvater, während er Berthe, an der er einen besonderen Narren gefressen hatte, übers Haar strich. „Bevor wir's uns versehen, sind säe alle verheiratet und haben vollauf mit ihren Männern und Haushalten zu tun. Ist es nicht so, Fanny?“

Und die Herzogin pflegte dem mit einem Seufzer beizustimmen und sich über die seltsame Auffassung des Herzogs von der Erziehung seiner Töchter zu beklagen — sie hatten es doch weiß Gott nicht nötig, all diese Sachen zu lernen, da sie ja niemals darauf angewiesen sein würden, sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu müssen.

Henriette schwieg wohlweislich bei solchen Bemerkungen. Sie war viel zu vernünftig, um sich mit der Herzogin zu streiten, zumal jetzt, da ihr mächtiger Verbündeter ihr keinen Beistand leisten konnte. Der alte Marschall pries ihr bescheidenes Wesen und beglückwünschte seine Tochter mehr als Einmal zu ihrer vorbildlichen Erzieherin. Er scheute sich auch nicht, dies in Henriettes Gegenwart laut werden zu lassen, und sie protestierte dann, indem sie das Lob als unverdient hinstellte.

„Ich möchte den Kindern ja nur von Nutzen sein.“ sagte sie ihm, „und bin bestrebt, es den Eltern recht zu machen. Und wenn ich es bisweilen an etwas fehlen lassen sollte, dann kann das niemand mehr bedauern als ich selbst."

„Meine Tochter ist eine der Heiligen in dieser Welt,“ vertraute ihr der Marschall wenige Tage später an einem Nachmittag an, als sich die Herzogin mit einem ihrer Migräneanfälle zurückgezogen hatte.

Henriette konnte nicht umhin, zu bemerken, daß die Kopfschmerzen unmittelbar nach der Ankunft der Pariser Post eingesetzt hatten. Sie hatte gesehen, wie die weichen, blassen Hände den Briefstapel durchwühlt, einen Brief herausgenommen und ihn in fieberischer Hast aufgerissen hatten. Der Inhalt eines einzelnen Bogens schien der Herzogin mißfallen zu haben; denn sie zerknüllte das Blatt und ging gleich darauf in ihr Zimmer. Daran mußte Henriette jetzt denken, während sie dem besorgten alten Herm zuhörte, wie er seine Tochter in den Himmel lobte. „Ja,“ fuhr er fort. „Fannys Großzügigkeit ist beinahe schon ein Fehler. Sie würde ihr Leben hingeben für die, die sie liebt.“

„Wer würde das nicht?“ dachte Henriette bei sich. „Es ist viel schwieriger, zu leben und leben zu lassen.“ Aber sie wartete in respektvollem Schweigen, bis er weitersprach. „Neunmal hat meine arme Fanny neues Leben mit dem Einsatz ihres eigenen geboren. Sie ist mit prächtigen Söhnen und schönen Töchtern gesegnet worden; doch manchmal muß ich denken, daß der Einsatz zu groß gewesen ist. Mit jedem Jahr hat sie mehr und mehr ihre Kraft edngebüßt, und seit Raynalds Geburt ist sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.“

„Und Raynald wurde im Juni doch schon vier Jahre alt. Die Aerzte müßten doch irgendein Mittel “

„Es ist nicht nur das, Mademoiselle."— Der alte Herr seufzte. „Ihr Leiden ist grausam, und was nützt mir schon mein ganzer Reichtum, wenn ich ihr in ihrem Schmerz nicht helfen kann?“ “Glück ist nun einmal nicht zu erkaufen, weder für uns, noch für unsere Lieben, nicht wahr, Monsieur?“

„Nur allzu wahr!“ pflichtete er bei, von ihrem Interesse angenehm berührt. „Fanny brachte eine Mitgift mit in die Ehe, wie man es in Frankreich selten erlebt hat,“ fuhr er fort, „alles schien ihnen damals zu lächeln, den beiden—“ er brach ab und seufzte von neuem wie ratlos auf.

Henriette äußerte sich nicht dazu, aber ein altes Sprichwort fiel ihr ein, das sie in England vor Jahren gehört hatte: .Eine große Mitgift füllt das Ehebett bisweilen mit Brennesseln.'

..Ja, die Zeit hat schon manchmal süßen Zucker in bitteres Salz verwandelt,“ fuhr er fort, ohne ihr Schweigen zu beachten. „Sie müssen mir verzeihen, Mademoiselle, daß ich so geschwätzig wurde; aber ich bitte Sie, nicht gekränkt zu sein, wenn meine Tochter gelegentlich niedergeschlagen ist. Ueben Sie Geduld, Mademoiselle, es soll Ihnen nicht vergessen werden.“

Damit verließ er das Zimmer, bevor sie Zeit zu einer Entgegnung fand und bevor sie sich darüber klar werden konnte, ob seine Worte gleichsam als Bestechung gemeint waren oder einfach dem Bemühen eines alten Mannes entsprangen, für seine Tochter um Mitleid zu werben. Draußen schien die Sonne strahlend hernieder, und zwischen den Zypressen im Garten leuchtete das Meer in unwahrscheinlicher Bläue herauf. Sie konnte die Stimmen von Berth'' undßaynald hören, die da zwischen den Weinstöcken spielten.

(Fortsetzung folgt.)

Für 64 Mill. DM Wohnungsbauten

Hessen Vorbild für Bundesgebiet — Landtag beendet Haushaltsdebatte

Wiesbaden, 28. September. (Eigener Bericht.) Der Hessische Landtag verabschiedete auf seiner Donnerstagsitzung ohne Aussprache in allen drei Lesungen eine Novelle zu dem geltenden Hessischen Beamtengesetz. Die Gesetzesänderung bestimmt, daß Mitglieder des Landtages gleichzeitig nicht auch Bedienstete des Landes sein können.

Nach zweitägiger Aussprache beendete dann das Plenum die zweite Lesung über den Staatshaushaltsplan 1950/51. SPD und CDU billigten die Finanzvorlage, während sich die Freien Demokraten der Stimme enthielten. Der Haushaltsplan wurde zur Vorbereitung seiner endgültigen Verabschiedung an den Haushaltsausschuß zurückverwiesen.

Die zweitägig^ Aussprache über den Haushaltsplan für 1950z51, der bereits bei seiner Feststellung mit einem rechnerischen Defizit von 46 Mill. DM. abschließt, beschloß Finanzminister Dr. Hilpert. Er erklärte, daß sich das deutsche Volk schon im Hinblick auf die in den nächsten Wochen zu erwartenden „zusätzlichen Ausgaben“ in jedem Falle mit einer ganz bestimmten Steuerhöhe werde abflnden müssen. Dabei hätten nicht nur diejenigen ihrer staatsbürgerlichen Pflicht und somit vor allem der Steuerehrlichkeit nachzukommen die „eine Lohntüte mit nach Hause brächten“, sondern auch diejenigen aus den freien Berufen und der freien Wirtschaft.

Zum Haushalt bemerkte der Finanzminister, daß er an eine Beseitigung des Fehlbetrages durch Anleihen nicht glaube. Der Staat könne günstigenfalls nur mit Kommunalkrediten helfen.

Aller Voraussicht nach werde es ohne rigorose Kürzungen bei den Ausgaben nicht abgehen, erklärte Dr. Hilpert. Im Falle weiterer Belastungen der Länder-Haushalte werde auch die Bank deutscher Länder nicht umhin können, genau wie dem Bund, auch den Ländern entsprechende Kreditmöglichkeiten zu schaffen.

Finanzminister Dr. Hilpert gab dann die bisherigen Leistungen der Regierung auf dem Gebiete des sozialen Wohnungsbaues bekannt und betonte, daß sie für das Bundesgebiet vorbildlich seien. Bis Mitte September waren insgesamt 5231 Anträge mit einem Gesamtbeträge von 64 Mill. DM bewilligt, die den Bau von 20 586 Wohnungen ermöglichten. Hiervon entfielen allein 8975 Wohnungen auf Vertriebene, 5784 auf Kriegsbeschädigte und 359 Wohnungen auf Schwerbeschädigte.

Die Abstimmung — FDP-Stimmenthaltung

Während der außerordentliche Haushalt, der mit 136,6 Mill. DM in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen ist, von der übergroßen Mehrheit des Hauses gebilligt wurde, fand der gesamte Haushaltsplan nur die Zustimmung der beiden Regierungsparteien. Die Freien Demokraten enthielten sich der Stimme, die Kommunisten stimmten dagegen.

KPD-Willmann scheidet aus

Zu Beginn der Donnerstagsitzung hatte Landtagspräsident Witte noch bekanntgegeben, daß der kommunistische Abgeordnete Karl Willmann „aus gesundheitlichen Gründen“ auf sein Landtagsmandat verzichtet habe.

Die nächste Plenarsitzung des Landtags ist auf den 4. Oktober festgelegt worden.

„Auch wir sind wachsam“

Hessische Gewerkschaftsführung zur Säuberungsaktion

Frankfurt, 28. September. (LH.) „Auch wird sind wachsam gegen kommunistische Versuche, Einfluß auf die Gewerkschaften zu gewinnen“, erklärte am Donnerstag in Frankfurt ein führender Funktionär des Deutschen Gewerkschaftsbundes Hessen im Hinblick auf den Beschluß des Bundeskabinetts, Kommunisten und Rechtsradikale aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen. Zur Zeit sei jedoch in den hesf sischen Gewerkschaften ein nennenswerter kommunistischer Einfluß kaum vorhanden. Im Vorstand des DGB Hessen, der sich aus den Vorsitzenden der einzelnen Fachgewerkschaften zusammensetzt, befinde sich nur ein Kommunist, der Vorsitzende der hessischen Gewerkschaft Leder, Wilhelm Buckpesch.

Der führende Gewerkschaftsfunktionär vertrat die Auffassung, daß es nicht ratsam sei, die kommunistischen Elemente durch eine plötzliche Entfernung aus irgendwelchen Positionen zu „Märtyrern“ zu machen. Der hessische DGB-Vorstand werde sich jedoch vorbehalten, Kommunisten die in irgendeinem Unterbezirk zu Funktionären gewählt werden sollten, nicht zu bestätigen.

Die Kommunisten in der Gewerkschaftsbewegung seien meist aktive und geschulte Diskussionsredner, deren Agitationsparolen von der „Remilitarisierung“ als Ursache der erhöhten Lebenshaltungskosten vor allem bei jüngeren und unerfahrenen Gewerkschaftlern gelegentlich Aufmerksamkeit fänden. Wie aus zahlreichen Beispielen der letzten Zeit hervorgehe sei es jedoch den Funktionären fast immer möglich, durch eine mutige und klare Entgegnung die Gewerkschaftsmitglieder vom wahren Sachverhalt zu überzeugen.

Wiedergntmachnung abgelehnt

Darmstadt, 28. September. (AP) Die Wiedergutmachungskammer beim Landgericht Darmstadt hat am Donnerstag den Haftentschädigungsantrag des ehemaligen Wehrmachtsstadtkommandanten von Frankfurt Main, Generalmajor a. D. Leopold Rieger, abgelehnt.

Rieger hatte als Frankfurter Stadtkommandant am 20. Juli 1944 vom Generalkommando in Kassel den Befehl erhalten, die Gebäude der Partei zu besetzen und die Naziführer zu verhaften. Noch als er den Befehl seinen Offizieren weitergab und die nötigen Anordnungen traf, kam ein neuer Anruf aus Kassel, der den Befehl widerrief und von dem mißglückten Attentat auf Hitler berichtete.

Ende Juli 1944 wurde Rieger verhaftet und bis Kriegsende in Haft gehalten. Die Kammer begründete ihre Ablehnung damit, daß Rieger nicht aus weltanschaulichen und politischen Gründen gegen die Nazis aufgetreten sei, sondern nur auf Befehl gehandelt habe.

Sechs Punkte für Koren

Ein Programm der Amerikaner

Neuyork, 28. September, (dpa) Amerikanische Kreise haben am Donnerstag mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten ein Sechs-Punkte-Programm für Korea ausgearbeitet hätten. In dem Programm werde ein einheitliches Korea gefordert, das wirtschaftlich durch die gemeinsamen Hilfsquellen der Vereinten Nationen unterstützt werden solle.

Der amerikanische Plan ähnelt dem britischen Entschließungsentwurf über die Zukunft Koreas. Er enthält folgende Punkte:

1. Die amerikanische Regierung wird die Vereinten Nationen auffordern, ihre gesamte Autorität zum Wiederaufbau und zur Weiterentwicklung Koreas einzusetzen.

2. Korea muß frei, unabhängig und geeint sein.

3. Die Einigung des Landes kann am besten durch eine starke Kommission der Vereinten Nationen herbeigeführt werden, die ihre Tätigkeit an Ort und Stelle auszuüben hätte.

4. Das koreanische Volk soll durch Wahlen über seine Meinung befragt werden.

5. Die Friedensregelung in Korea soll nicht durch irgendeine einzelne Nation vorgenommen werden. Die Vereinigten Staaten wollen keine Militärstützpunkte in Korea.

6. Die Vereinigten Staaten treten dafür ein, daß Korea so schnell wie möglich in die Vereinten Nationen aufgenommen wird.

Die Ausarbeitung der Waffenstillstandsbedingungen für die Nordkoreaner soll den Militärs obliegen.

Die Rheinarmee wird aufgefüllt

Eine Ankündigung des britischen Kriegsministers Strachey

AW. Sennelager, 28. September. Der britische Kriegsminister Strachey hat am Donnerstagabend vor der internationalen Presse, die zu den britischen Herbstmanövern in Deutschland eingeladen ist, gesprochen. Zu den Beschlüssen der Neuyorker Konferenz, die britischen und amerikanischen Kräfte in Deutschland zu erhöhen, sagte Strachey bestätigend, daß England die 1. Panzer-Division auf den Kontinent verlegen werde. Sonst sei an keine zusätzliche Entsendung taktischer Einheiten gedacht. Dafür würden aber die bereits bestehenden Verbände der Rhein-Armee mannschaftsmäßig voll aufgefüllt.

Ruhe und Ordnung

Englische Truppen zur Verfügung gestellt

Sennelager, 28. September. (AP.) Eine britische Gardebrigade wird sofort nach Abschluß der gegenwärtigen britischen Herbstmanöver ins Ruhrgebiet zurückkehren, um am Wodienende die deutsche Polizei bei etwaigen kommunistischen Unruhen an der Ruhr zu unterstützen. Der Dortmunder Polizeidirektor hat am Donnerstag Pressevertretern mitgeteilt, daß der britische Sicherheitsoffizier der Stadt ermächtigt worden sei, am kommenden Sonntag britische Truppen anzufordern, wenn es der deutschen Polizei nicht gelingen sollte, bei den erwarteten kommunistischen Unruhen die Ordnung selbst wieder herzustellen.

Slim und de Lattre de Tassigny

bei den britischen Manövern

A. W. Sennolager, 28. September. (Eigener Drahtbericht.) Auf dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn ist der Chef des britischen Empire-Generalstabes, Feldmarschall Sir William Slim eingetroffen. Der französische General de Lattre de Tassigny, der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Westunion, ist gleichfalls am Donnerstag auf dem früheren deutschen Truppenübungsplatz angekommen. Beide Offiziere werden an den britischen Herbstmanövem teilnehmen, die mit dem Uebengang über die Weser am Wochenende ihren Abschluß finden.

Der britische Kriegsminister Strachey und Abgeordnete des britischen Unterhauses sowie der australische Botschafter in London befinden sich ebenfalls im Manövergelände.

Wirtschaftsblatt

Die Stahlquote

In der amtlichen Verlautbarung der drei Außenminister nach den Neuyorker Beratungen heißt es, daß die deutsche Stahlquote erhöht wird, wenn dies für die Verteidigungsmaßnahmen des Westens erforderlich ist. Warum diese Einschränkung? Fürchtete man bei einer völligen Aufhebung der Begrenzung unangenehme außenpolitische Wirkungen? Oder will man eine Quotierung der deutschen Stahlerzeugung auf jeden Fall beibehalten?

Die Stahlquote in Höhe von 11,1 Millionen Tonnen Rohstahl war für den deutschen Bedarf einschließlich des indirekten Eisenexportes der deutschen Eisenverarbeiter berechnet worden. Die Stahlquote ist nicht wegen der heutigen Lage auf dem deutschen Markt erhöht worden. Diese Frage wurde in Neuyork von den Außenministern nicht behandelt. Nur der durch den Koreakonflikt ausgelösten Rüstungskonjunktur und den dadurch vermehrten Einfuhrwünschen nach deutschen Eisen- und Stahlerzeugnissen wurde Rechnung getragen. Man hat mit der Erhöhung aber auch die Notwendigkeit eines direkten Exports von Eisen und Stahl anerkannt.

Bisher war die Kapazität der westdeutschen Eisen- und Stahlwerke nur zu 75 Prozent ausgelastet. Theoretisch ist eine Stahlerzeugung von 14,5 Millionen Tonnen möglich. Aus technischen Gründen wird aber doch nur eine Quote von 13,5 Millionen Tonnen erreicht werden können. Es sind beträchtliche Investitionen notwendig, um die Stahlproduktion über diese Zahl hinaus zu steigern. Kann die Stahlindustrie die dafür notwendigen Mittel erhalten? Eine andere schwere Sorge der Eisenindustrie ist heute aber auch ausreichende Beschaffung von Erzen, Koks und Schrott. Zwei Engpässe also, die nur schwer zu überwinden sind.

Neben der besseren Kapazitätsausnutzung der deutschen Stahlwerke wird nun die Inbetriebnahme eines Siemens-Martin-Stahlwerkes in Dortmund-Hoerde und eines Thomas-Werkes in Duisburg-Hamborn möglich werden. Erneut steht aber auch die Inbetriebnahme der August-Thyssen-Hütte zur Debatte. Hier wurde die Demontage gerade noch rechtzeitig beendet, um einen Wiederaufbau der Kapazität auf rund 40 Prozent der früheren (2,3 Millionen Tonnen Rohstahl im Jahr) zu gestatten. Noch verbieten einen solchen Aufbau die Petersberger Beschlüsse. Sind diese aber nicht schon durch die Erhöhung der Stahlquote hinfällig geworden? Jedenfalls erscheint es unsinnig, sie heute noch aufrechtzuerhalten. Die ehemals größte und modernste Hütte Europas, die Äugust-Thyssen-Hütte, muß in das neu aufzustellende Produktionsprogramm einbezogen werden. Legen die Westmächte auf deutsche Stahllieferungen wirklich großen Wert, dann müssen sie uns ermöglichen, durch Ausnutzung aller verfügbaren Kapazitäten auch und zuerst den inländischen Markt zu befriedigen.

Weiterverarbeitung geht verloren

Auswirkungen der Liquidation der westdeschen Montankonzerne

BH. Der Befehl zur Liquidation der sechs großen westdeutschen Montankenzerne hat in der westdeutschen Stahlindustrie große Ueberraschung ausgelöst. Gerade im gegenwärtigen Augenblick wurde eine solche Durchführungsverordnung mit einer äußerst knapp bemessenen Frist nicht erwartet.

Die Liquidation bedeutet, daß die Montankonzerne, die ohnedies bereits durch die Beschlagnahme des Kohlenbesitzes und durch die Entflechtungsaktion der Stahlindustrie ihrer Kernstücke beraubt worden waren, nun auch ihre Tochtergesellschaften der Weiterverarbeitung verlieren. Trotz des Verlustes der Kohlezechen und des größten Teiles der Eisen und Stahl herstellenden Werke waren die Konzerne, wie auf den Hauptversammlungen erklärt worden war, noch innerlich gesund. Das Aktienkapital galt als voll gedeckt aus den noch vorhandenen Vermögenswerten. Man hätte daher auf eine Kapitalumstellung im Verhältnis 1:1 rechnen können, wenn die Oberkommission im Zuge der Revision der bestehenden Anordnungen und Gesetze auch auf die Liquidation der Konzerne verzichtet hätte. An der Rheinisch-Westfälischen Börse galten die Aktien der Montagkonzerne als erheblich unterbewertet.

Filmindustrie wünscht Marktregelung

Deutsche Streifen haben einen schweren Stand

Die deutsche Filmproduktion, die praktisch erst 1947 wieder angelaufen ist, ringt auch weiterhin um ihre Existenz. Begünstigt durch die besonderen politischen Verhältnisse ist dem Hereinströmen ausländischer Filme keine Grenze gesetzt.

Man könnte geltend machen, daß der gute Film sich von selbst durchsetzt und daß die Freizügigkeit des Filmabsatzes gewährleistet sein muß. Dabei muß man aber berücksichtigen, daß andere Länder marktregelnde Maßnahmen zur Einschränkung der Filmimporte getroffen haben. In der Praxis sperrt sich selbst ein so exklusiver Markt wie der amerikanische gegen ausländische Filmeinfuhren. Der enge Zusammenhang von Produktion und Verleih sowie Theaterbesitz in den USA läßt hier eine genaue Kontrolle über das zu, was man im äußersten Falle an ausländischen Filmen hereinnehmen will.

Solange im Bundesgebiet die finanziellen Schwierigkeiten für den Wiederaufbau einer deutschen Filmwirtschaft bestehen, solange das Hereinfluten meist sehr alter ausländischer Filme ein so starkes Ausmaß hält, wird man im Bundesgebiet nicht drum herumkommen, marktregelnde Maßnahmen zu treffen, die der deutschen Filmindustrie wenigstens einen bescheidenen Schutz bieten. Das Bundesgebiet kann im Jahr 250 bis 300 Filme verkraften. Um der deutschen Filmproduktion einen angemessenen Anteil zu sichern, sind Vorschläge gemacht worden, das Verhältnis von ausländischen Filmimporten und deutschen Filmen auf 60:40, ja auf 65:35 festzulegen. Diese Vorschläge sind aber daran gescheitert, daß schon die amerikanischen Interessenten für sich allein eine Quote von 350 US-Filmen pro Jahr gefordert haben.

Neuerdings nun hat der Verband deutscher Produzenten Vorschläge über marktregelnde Maßnahmen für den Filmmarkt unterbreitet. Darin ist zunächst keine feste Quote für Auslandsfilme festgelegt, vielmehr soll der Bundeswirtschaftsminister am 30. Juni jedes Jahres diese Quote festsetzen. Für das erste Jahr der Geltung dieser Marktregelung ist daran gedacht, 240 ausländische Filme neben etwa 60 deutschen Filmen zuzulassen. Für das folgende Filmjahr (51/52) würde dann der deutsche Anteil um etwas erhöht werden können. Man nimmt aber auch in deutschen Produzentenkreisen nicht an, daß der deutsche Anteil im Bundesgebiet auf mehr als 40 Prozent zu stehen kommen wird.

Bei der Einfuhr der vielfach sehr alten Reprisen darf nicht übersehen werden, daß hierbei das Ausland mit geringsten Kosten arbeiten kann. Es ist nichts dagegen zu sagen, daß bedeutende Filmwerke des Auslandes den Zugang in das Bundesgebiet finden müssen. Die Überschwemmung mit alten Reprisen von vielfach zweifelhaftem Wert ist dagegen unerwünscht. Es kommt hinzu, daß der Film auch Nebenwirkungen hervorbringt, die nicht unterschätzt werden sollten. Selbstverständlich wird es ^Aufgabe der deutschen Filmproduktion*sein, ihre Leistungen qualitativ zu verbessern. Dies wird zugleich der beste Weg sein, den deutschen Verleih für sich zu gewinnen. Um aber die Startbedingungen hierfür zu schaffen, muß etwas geschehen. Marktregelnde Maßnahmen bleiben also für eine gewisse Zeitspanne unentbehrlich.

Markt- und Börsenberichte

F. A. Z. An der Frankfurter Börse fanden die letzten Aeußerungen zur Entflechtung der Montanindustrie, in denen die unnachgiebige Haltung der Alliierten nochmals unterstrichen wurde, Beachtung und führten auch im Zusammenhang mit Ultimoglattstellungen zu Abschwächungen bis zu 2 Punkten am Montanmarkt. Bei ruhigem Geschäft war die Kursentwicklung an den übrigen Märkten bei nicht unfreundlicher Grundstimmung etwas uneinheitlich. Bei überwiegend unverändertem Kursniveau gingen beiderseitige Veränderungen im Durchschnitt nicht über 0,5 bis einen Punkt hinaus.

Deutsche NE-Metallpreise

Notierung für Kupfer (29. 9.) 239,50 DM, für Zinn (28. 9.) 981,— DM.

Internationale Warenpreise

Chicago (Mtttelkurse. Cents
per bushel Weizen per Dez. 26. 9. 27. 9.
Mais, per Dez 223,19 222,56
Hafer, per Dez 144,50 143,75
Schweine, schwere (höchster 79,50 79,50
Preis per Ib.) 21,40 21,35
Schmalz, loco New York (Cents per 1b.)...
Zucker Nr. 4 per Jan ... 5,30 5,05
Kaffee „D“ per Dez 52 40 N
Kakau, Accra loco Kakao, Bahia, 10c0... 39, N 37 50 N
Häute, per SepL 27,9 G/28,1 B'' 27^50
Baumwolle, loco 42 41 95
Baumwolle per Okt. 50 .... 40,86 40^85
Baumwolle per Dez. 50 40,70 40,49
Baumwolle per Dez. 51 40.68 34,75
Baumwollsaatöl per Okt. .. 18,61 18.70
Kammzüge, loco 278,—N 273 N
Kautschuk, loco 59,— N 57, N
Kautschuk per Sept. 50 58,150/60,75 B 47,75 B
Kautschuk per Dez. 50 49,75 43,50 B
Kautschuk per Mai 51 42,50 B 40,50 B
Kupfer, Weitexport, fas. ... 24,50 24,50
Blei, gewöhnlich 16,— 16.—
Zink, Easi St Louis ....... 17,50 17,50
Zinn, straits 104,25 N 103,75 N
London, Zinn, Settlement RI 1 — 801 - ■
Kautschuk loco . 48 —N 46 N
(pence per Ib.) Alexandria, Baumwolle, futly goöd (tallaris pei cantar) Ashmount 102,95 106,45 N
Karnak 114 55
Zamora • • • • • •••• 101^95 104^95 N
Glza . . . ........VftgrfrW 101,95 105.45

Bauland durch Enteignung

Die wichtigsten Gedankengänge des neuen Gesetzentwurfes

S. Z. Das Wohnungsbauministerium hat zwei Gesetzentwürfe zur Baulandbeschaffung fertiggestellt und dem Kabinett zugeleitet. Der große Gesetzentwurf sieht eine umfassende Neuregelung des gesamten Bodenrechtes vor, der kleine Gesetzentwurf enthält nur die wichtigsten Bestimmungen über die Landbeschaffung und ist als Uebergangsgesetz für ein Jahr gedacht. Durch ihn soll Zeit gewonnen werden, um das große Gesetz anschließend zu beraten, ohne den Wohnungsbau 1951 wegen Baulandmangel in Schwierigkeiten zu bringen.

Der kleinere Gesetzentwurf, der zur Zeit mit den interessierten Orgar'sationen durchgesprochen wird, sieht die schleunigte Beschaffung von Bauland vor für Gebäude, die allein oder zu einem erheblichen Teile Wohnzwecken dienen. Zu diesem Zweck kann Grundbesitz enteignet werden; das ist der Grundinhalt des Gesetzes. Man vermißt jede Einschränkung und sei sie nur derart, daß die Enteignung erst erfolgen darf, wenn geeignete Grundstücke im freien Verkehr nicht zu erwerben sind.

Unter den besonders für die Enteignung heranzuziehenden Grundstücken sind die Trümmergrundstücke, die Grundstücke mit unvollendeten Gebäuden und solche Grundstücke, die zur zweckmäßigen Gestaltung anderer Grundstücke erforderlich sind, aufgeführt. Darüber hinaus kann die Enteignung alle Grundstücke erfassen, die als Bauland geeignet sind, und schließlich sogar als Ersatzland für entzogene Grundstücke jeden anderen Grundbesitz. Es fehlt jedoch die Verpflichtung der öffentlichen Hand, in erster Linie ihren Grundbesitz, der bekanntlich in vielen Gemeinden den Baulandbedarf für einige Jahre decken kann, als Bauland zur Verfügung zu stellen. Der Gesetzentwurf verpflichtet die öffentliche Hand ausdrücklich, enteignete Grundstücke alsbald der Bebauung zuzuführen und gibt ihr das Recht, das enteignete Land auch im Wege des Erbbaurechtes zur Bebauung weiterzugeben. Das Gesetz fördert also sehr stark die Vermehrung des Grundbesitzes der Gemeinden.

Die Entschädigungsfrage ist insofern in Uebereinstimmung mit Art. 14 des Grundgesetzes geregelt, als der Grundstückswert in Höhe des im Geschäftsverkehr zu erzielenden Kaufpreises entschädigt werden soll. Der Ersatz für sonstige Schäden soll sich dagegen nach der Billigkeit richten. Eine solche Einschränkung erscheint nicht gerechtfertigt, wenn man bedenkt, wie erheblich der Schaden sein kann, der mit dem Verlust eines Grundstücks zusammenhängt. Die Entschädigung soll nicht in jedem Fall in Geld erfolgen.

Kurz gemeldet

Der Vorschlag eines Zusammenschlus¬ ses der europäischen Agrarerzeugung wird von mindestens acht europäischen Ländern, insbesondere von den landwirtschaftlichen Verbänden, in der Bundesrepublik, in Frankreich, Italien Belgien, Holland, Luxemburg, Dänemark und der Schweiz unterstützt.

Den schleppenden Absatz der qualitativ guten Tabakernte in der Bundesrepublik, deren Wert auf achtzig Millionen DM geschätzt wird, führt der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Tabakbauvereine in erster Linie darauf zurück, daß der Bundesfinanzminister den Tabaksteuer-Gesetzentwurf nicht vorlegt und daß der Bundeswirtschaftsminister weitere fünf Millionen Dollar zum Einkauf von USA-Tabaken freigegeben hat.

Diamanten im Wert von insgesamt 1,3 Millionen Pfund Sterling, vor allem Rohdiamanten, hat Belgien im August eingeführt. Während die gesamte Ausfuhr an geschliffenen und Industriediamanten einen Wert von 1,58 Millionen Pfund Sterling erreichte.

Eine europäische Organisation für das Kühlwesen soll, wie Delegierte von zwölf europäischen Ländern nach dem gemeinsamen Studium von Gefriereinrichtungen in USA erklärten, ins Leben gerufen werden.

In nachgebender Tendenz schloß der letzte Tag der September wo 11 Versteigerungen in Sidney, und zwar vor allem auch die Spitzenqualitäten und gröberen Sorten.

Ein Entflechtungsplan für die Reichs¬ werke Watenstedt-Salzgitter, den Otto Dinkelbach ausgearbeitet hat, sieht vor. den Salzgitter Erzbergbau in das Eigentum der Ruhrind ustrie zu überführen, während die derzeitigen Hüttenwerke Watenstedt Salzgitter GmbH in fünf Gesellschaften aufgespalten werden sollen.

Bz Spinnfaser AG., Kassel. Die Gesellschaft, deren Grundkapital von 24 Mill. RM sich ganz im Besitze der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG., Wuppertal-Elberfeld, befindet, meldet für das letzte Reichsmarkjahr (vom 1. 4. 1947 bis 20. 6. 1948) 1,975 Mill. RM Ueberschuß.. Hierdurch erfährt der aus den Vorjahren übernommene Verlustvortrag von 13,040 Mill. RM eine entsprechende Senkung auf 11,065 Mill. RM.

Bz Bauverein für Arbeiterwohnungen Gemeinnützige AG., Darmstadt. Im letzten Reichsmarkjahresabschluß ist die Ertragsrechnung nach Zuweisung von 0,350 Mill. RM zur Hilfsrücklage wieder entsprechend dem Charakter des Unternehmens ausgeglichen. Zum 21. 6. 1948 erfolgte eine Kapitalsumstellung im Verhältnis 2:1 auf 0,350 Mill. DM (seither 700 000 RM).

Bz Metallwerke Starkenburg AG., Bensheim-Auerbach a. d. B. In der Zeit vom 1. 1. bis 20. 6. 1948 ergab sich ein Gewinn von 0,28 Mill. RM, der sich einschl. Vortrag aus 1947 auf 0,035 Mill. RM bei 76 000 RM AK. erhöht. Der erste DM-Abschluß zum 31. 12. 1949 mit einer Kanitalumstellung 1:1 auf 76 000 DM brachte 16105 DM Gewinn. Hieraus werden 9 Prozent Dividende erteilt.

Feuilleton

Leicht und bekömmlich

Aus der geistigen Umwelt von Aubers „Fra Diavolo“

Handlung und Musik der komischen Oper „Fra Diavolo“ oder „Das Wirtshaus von Terracina“ sind so eingängig, leicht faßbar und spontan wirksam, daß es kaum irgendwelcher einführenden Worte bedarf. Ihre enthusiastisch aufgenommene Uraufführung war im Januar 1830 in Theätre Feydeau, der damaligen Opera comique. In dieser Zeit war man bereits an Marsch- und Tanzchöre, an vokale Duette und Quintette gewöhnt, die Formen der Cava^ine, Romanze, Barcarole hatten schon ihre ausgiebige Verwendung in den Gesangssoli der romantischen Oper gefunden. Konnte man also in musikalischer Hinsicht dieses Werk für die damalige Zeit als liebenswert bezeichnen, so wurde das Sujet als besonders anziehend für die geistige Verfassung jener Tage angesehen.

Auber hatte sich zu Beginn der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts mit dem Librettisten Eugene Skribe verbunden. Dieser Vielschreiber, versierte Vaudevillist, Komödiendichter des Bürgerkönigtums, Autor zahlreicher politischer Lustspiele, hatte den Romantikern, Hugo u. a., sämtliche Tricks abgeguckt. Mit dem Raffinement eines geschäftstüchtigen Theaterdichters suchte er die schwachen Seiten seines Publikums und verstand es auch, den Komponisten darauf aufmerksam zu machen, der nun ebenfalls alle pikanten Wendungen melodiöser Art und all die kleinen Reizmittel verwendete, die das Ohr kitzelten und ihre Wirkung nicht verfehlten. Da nun Skribe Textbücher lieferte, die selbst in den denkbar schwierigsten Situationen, worin seine Personen scheinbar nur noch den Hals brechen konnten, mit unerschütterlicher Gleichmut ihre Themen fortspannen, bis der Dichter endlich mit der Geschicklichkeit eines Taschenspielers alles zum guten Ende führte, war der halbe Erfolg einer Aufführung bereits gesichert. Wenn jetzt Auber noch treffsicher in der Musik die lebensfrischen und graziösen Eigenschaften französischen Geistes aufdeckte und wirken ließ, den beliebten Konversationsstil seiner Landsleute in die musikalische Form einwebte, dann war ihm und seinem Werk die allgemeine Zustimmung gewiß.

Die Frage bleibt offen, warum die damalige literarische und musikalische Serienproduktion beim Publikum einen solchen Anklang hatte. Der Franzose, der sonst mehr Gefallen an der Satire fand, ereiferte sich plötzlich für die romantischen Stoffe. Diese „Sucht“ trat immer stärker auf, je weiter man sich von den Revolutionsjähren und der Napoleonära entfernte. Es ist daher durchaus möglich, daß man die Ursachen dieser Bewegung im Leben und der Psyche des französischen Volkes selbst suchen muß, wenn auch der Einfluß der deutschen und englischen Romantik nicht übersehen werden darf. Die Kinder der Revolution und des napoleonischen Imperiums, die in ihrer Jugend die Schrecken der Umwälzung, die Glanzzeit des Kaiserhofes erlebt hatten, zehrten von alten Erinnerungen, dem einzigen, was ihnen geblieben war. Die Söhne wollten in ihrem Privatleben mit den gleichen Vorstellungen der Geschichte auftreten. Durch die politische Stagnation zur Untätigkeit gezwungen, verbrachte man zwischen 1825 und 1845 die Tage damit, zu träumen, was nicht mehr erlebt werden konnte. Die großen Abenteuer wurden erdacht und ersonnen, man frönte der Leidenschaft, davon zu lesen und zu hören. In dieser Atmosphäre entstanden nun eng verbunden das romantische Drama Chateaubriands, Victor Hugos, Mussets, George Sands, Delavignes, A. Dumas’ und die große Oper Mehuls, Cherubinis, Spontinis, Aubers, Herolds, denen sich Rossini, später Meyerbeer, Halevy u. a. einreihten. Im selben Strom segelte aber auch die komische Oper, die oft die gleichen Komponisten zu Autoren hatte. Im harten Widerstreit lagen italienische und französische Musiker. Formelemente beider Musikländer gingen ineinander über, als Textdichter behaupteten jedoch bald nur die Franzosen das Feld. Der gefällige, in aller Welt beliebte Konversationston der opera comique, die musikalische Schwester des französischen Lustspiels, eroberte sich im Nu den bürgerlichen Boulevard in Paris und die Bühnen in Europa. Das Thema war stets zeitgemäß, mit dem Einzug in das Haus der Opera comique erhielt es seine Sanktionierung als literarisches Genre. Grund genug, ihm aus psychischen, ästhetischen und künstlerischen Ambitionen heraus zu huldigen. Die Mentalität einer geistigen Vakanz war getroffen, es hieß jetzt, die Hausse am Markte der Bühne auszunutzen. Und es fanden sich neben wenigen Genies der Talente genug, die am laufenden Band den Bedarf deckten.

Mit einem gewissen Neid schauen wir heute auf jene überfruchtbare Periode zurück. Mehr denn je vermissen wir in der Gegenwart jene leichtlebige Gattung der zeitgewürzten Spieloper, die uns Illusion und Romantik, Wahrscheinlichkeit und Satire, Spannung und Humor im Text und in der Musik vermitteln könnte und doch ihren Anspruch auf künstlerischen Wert nicht vermissen ließe.

Übrigens war Darmstadt damals bei der Aufführung von „Fra Diavolo“ auch den deutschen Bühnen vorangegangen. Nach und mit Berlin, Wien, München und Stuttgart, erschien sie 1833 erstmals im Spielplan des Hoftheaters und hatte bis 1890 bereits über 50 Aufführungen zu verzeichnen. G. I.

Nene Kräfte am Landestheater

spielt gegenwärtig den Claudio in „Maß für Maß“ und wird die Rolle des Carlos übernehmen. In Frankfurt geboren, hat er in Dresden Abitur gemacht und dort auch seine Schauspielausbildung empfangen. An den Städtischen Bühnen Hannover war er zweiter jugendlicher Held und am Stadttheater Lüneburg Liebhaber und erster jugendlicher Held.


JOHANNES KRAUS
JOHANNES KRAUS

Musica sacra von H. F. Micheelsen

Eine „Geistliche Abendmusik“

Der Strukturwandel, der sich während der zwanziger Jahre in der Musik vollzog, erfaßte das weltliche und geistliche Schaffen gleichermaßen. In Deutschland, wo sich bald ein eigenständiger Kreis mit fest umrissenen Stilprinzipien herausschälte, wirkten mehrfache Faktoren auf dem neuen Wege mit, die besonders auf die geistliche Musik stärksten Einfluß ausübten.

Einmal war es die Singbewegung, die aus der Jugendbewegung heraus eine heftige Reaktion gegen den überkommenen Romantizismus einleitete und sich in der Wiederentdeckung vorbachischen Musiziergutes neue Anregungen schuf und dabei auch wieder auf den „reinen Choral“ stieß; zum anderen war es die Orgelbewegung, die etwa 1925 einsetzte, und die nach der Wiederherstellung der sog. Praetorius-Orgel den Klangrausch und die Farbenpracht des fin de siede abtat und sich zur klaren Zeichnung, scharfen Konturen und einfachen, aber eindringlichen Klangwirkung bekannte. Zu den schöpferischen Musikern, die in dieser Atmosphäre heranwuchsen, gehört auch Hans Friedrich Micheelsen.

In der geistlichen Abendmusik, die der Darmstädter Singkreis unter der bewährten Leitung von Heiner Lautenschläger ausschließlich mit Werken von Micheelsen bestritt, in der der Komponist selbst eine Reihe seiner Orgelstücke spielte und auch die Orgelbegleitung in den konzertanten Vokalformen übernommen hatte, erlebte man einen Querschnitt durch Micheelsens vielseitiges Schaffen.

Die Anlehnung an den Stil der Schütz-Zeit und an die zeitlich weiter zurückliegenden Grundsätze eines Michael Praetorius und Josquin ist evident und scheint immer wieder in der Melodiebildung, im harmonischen und satztechnischen Gefüge durch. Auch die Gesinnung, in der die Musik als dienendes Glied im Gottesdienst steht, ist die gleiche wie in jenen vergangenen Jahrhunderten. Die Bescheidung auf kleine diatonische Schritte, die Bevorzugung der Quarte, das Zurückgreifen auf einfachste Elemente und das Loslösen von reizvollen Effekten, die Anwendung bescheidener Mittel in der Melodik und im Zusammenklang, aber in einer selbständigen linearen Durchführung der einzelnen Stimmen, das sind kurz die Merkmale dieser Musik. Alle diese positiven Eigenschaften täuschen jedoch hicht über eine gewisse Monotonie und Starrheit im Klangganzen hinweg, die um so hörbarer wird, sobald ein ganzer Abend mit Werken Micheelsens ausgefüllt ist. Die vollendete satztechnische Arbeit, bei Hindemith geschult, und die Kleinarbeit der Form hält trotzdem nur mit Mühe die stete periodische Wiederkehr simpler Floskeln und Formeln zusammen. Zentrifugal kreisen oft von einer Quarte oder einem Motiv melodische Wellen, denen harmonisch und rhythmisch die Kraft des eigenen Daseins fehlt und deren Manierismus auf die Dauer nicht zu verleugnen ist. Auch den Akkorden fehlt beispielsweise im „Präludium in D“ die immanente Spannung, die Bewegun-smotive entbehren des Vorwärtstriebes. Sie bleiben statisch und ohne Entwicklung. Daher begegnet man in der Choralmusik für Orgel, Teil I, oder der Orgelpartita „Wie schön leuchtet“ immer wieder den gleichen Klang-, Motiv- und Ausdrucksphänomenen, die nur eine Abwicklung aber keine Entwicklung durchmachen.

Modulationsreicher sind die „Hamburger Motetten“ ausgefallen, die vom Darmstädter Singkreis in schönster Präzision und klangreiner Ausgewogenheit gesungen wurden. Im geistlichen Konzert „Was betrübst du dich“ hatte die Altistin Evi Kraemer, Gießen, das Solo übernommen. Die Sängerin verfügt über eine gutgeschulte, warme Stimme und weiß Wohlklang mit stilistischer Sicherheit und sauberer Intonation zu verbinden. Gerd Exner spielte den Violinpart mit geigerischer und musikalischer Gewandtheit. Eine große Verehrergemeinde der Musica sacra hatte sich im 'Paulskirchensaal eingefunden. G. I.


„MARIA MIT DEM KIND“ von Odin Greiner
„MARIA MIT DEM KIND“ von Odin Greiner

Menschen Länder Völker

„Wenn Mohamed den Himmel verspricht..

Im Rahmen der Vortragsreihe der Volkshochschule „Menschen — Länder — Völker“ erzählte Herr Pfarrer Klöß, Gernsheim, von seinen Reisen im „Vorderen Orient“ und seinem Aufenthalt im Libanon. —

Der Libanon sei eines der schönsten und der kleinsten Länder, ein Gebiet der orientalischen Superlative, ein Paradies nicht nur der Naturschönheiten, sondetn auch des Partikularismus. Neben der Eleganz der Hotels, der Luxus-Bahn nach Damaskus, der im amerikanischen Stil aufgezogenen Universität in Beirut, dem Reichtum des Publikums, kann man die Elendsquartiere der Flüchtlinge sehen. 1920 kamen die emigrierten Armenier, und 1948 die arabischen Flüchtlinge. Das Land, welches man in 4% Autostunden von Nord nach Süd, und in 2% Stunden von West nach Ost durchqueren kann, das verschiedene „Massaker“, unter anderem den Drusen-Aufstand über sich ergehen lassen mußte, nahm sie alle' auf. — Zwischen Syrien und dem Golf von Akaba gelegen, — die Römer, Griechen und Türken besaßen sie einstmals nacheinander — gehört diese Gründung der Phönezier zu den ältesten Kulturstätten der Alten Welt. In Babylon wurde das eigentliche Alphabet erfunden, und Baalbek (Heliopolis) im „hohlen Syrien“ gelegen, könnte den Kunsthistoriker veranlassen, monatelang in den alten Tempeln und Säulengängen interessanten Studien nachzugehen.

Die Lichtbilder aus eigenen Sammlungen vervollständigten den überaus lehrreichen Vortrag. ng.

Vom Lehen der Sprache

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache veranstaltete einen Vortrag, in dem Dr. Geyl über die „Bedeutung der Sprachpflege“ wesentliche Ausführungen machte. Die Sprache gelte" als das vollkommenste Ausdrucksmittel des Volkes, und die deutsche Sprache sei nicht wertvoller oder besser wie andere. Sie habe ihre verschiedenen Mängel aufzuweisen, sie sei keine Ursprache wie das Griechische und des Römische, und auch der Wohlklang des italienischen und des spanischen fehle ihr. Sie ist, im Gegensatz zu anderen Sprachen, starr an ihre Regeln gebunden, und wo das Italienische einen neuen Artikel gefunden hat, nur um den Wohlklang zu wahren, da gibt sich das Deutsche mit einer Aneinanderreihung harter Konsonante zufrieden. Dagegen sei unsere Sprache überaus dehnbar und begriffsreich. Ihr Grundcharakter liege in der deutschen Gefühlswelt begründet, in dem Begriff der Heimat und in einer unverkennbaren Sentimentalität, die bodenständige Wurzeln habe. Diese Kollektivseele der Völker drücke sich jeweils in ihrer Sprache aus, und es sei oberstes Gebot, die volkshaften Eigenarten zu bewahren. Die Sprache habe die Aufgabe, Organisches und Verbundenes zu pflegen, während sie sich in Wirklichkeit von den konkreten Dingen entfernt habe, und zur Abstraktion übergegangen sei. Wie die große Gefahr der Wissenschaft darin liege, daß die Wirklichkeit verfälscht wird und nicht ganz erfaßt werden kann, so würden heute die typisierten Schlagwörter dazu beitragen, die Verdummung und Vermassung der Menschen zu fördern, da sie gar nicht mehr in der Lage seien, den wahren Gehalt dieser Begriffe zu verstehen. Es sei notwendig, der Abstraktion und den formelhaften Begriffen schärfsten Kampf anzusagen, um die deutsche Sprache wieder rein und sinnvoll erstehen zu lassen. —st

„Wenn eine Frau liebt“

Neuer Film im Union-Theater

Die nicht unbekannte Komödie „Versprich mir nichts“ hatte vor Jahren den Erfolg, den ein in sich abgerundetes Stück voll Scharm, feinem Humor und Intimität der ausgefeilten Szenen verlangen kann.

Es wäre ungerecht, für den Streifen der „Meteor-Film GmbH.“ die Neuauflage bereits gehabten Beifalls zu erwarten, sozusagen den Erfolg a priori in der Tasche zu sehen. — Die thematische Stellung: das arme, aber glückliche Künstlerehepaar, bei dem man nicht weiß, was größer ist, die Leistung oder der Hunger, gibt es in der Wirklichkeit mehr als einmal, so daß die Handlung sowie die tapfere Frau — sie stellt sich schützend vor den von Haushaltsgeld-Vorstellungen nicht beschwerten Maler und wehrt gleichmäßig mit immer neu gewitzter Nonchalance die Schuldner ab, — nicht gesucht wirken kann.

Hilde Krahl als Monika Pratt steht das Boheme einschließlich unbezahlter Miete gut. Sie beherrscht alle Nuancen zwischen Tragik und Glück: mit einer Bewegung der Hand oder dem Herabziehen des Mundwinkels. Sie braucht nicht wie Wiemann — als Mäzen und Kunsthändler — die Skala der Ausdrucksmöglichkeiten durchzurudern. Wiemann gibt seiner Rolle die Verhaltenheit des gereiften Mannes ohne graumelierte Ambitionen. Und J. Heesters (Maler Pratt) bringt es fertig, cholerische Kraft neben subtilstem Erfassen zu zeigen. Auffallend Fritz Remond: sein kaufmännischer Berater ist als Typ neu, unter allen Umständen gekonnt. — Zum heutigen Beginn der Filmwoche repräsentiert der geglückte Streifen. sg

Erinnerungen

eines großen Sängers

Ein gut aussehender älterer Herr betritt elastisch und frisch die Bühne im Amerikahaus: Walther Kirchhoff. Einstmals gefeierter Opernstar auf allen großen europäischen Bühnen, von 1926 bis 1931 Angehöriger der Metropolitan-Oper in Neuyork, bewunderter Stolzing in Bayreuth, Mitglied der Berliner Bühne, um die zwanziger Jahre auch Gast am Darmstädter Theater, plaudert heute aus dem reichen Schatz seiner Erinnerungen als Heldentenor. Große Namen klingen auf aus Deutschlands großer Theaterzeit, mit humorigen Worten wird von Stagioneepisoden in romanischen Ländern erzählt, das Stelldichein der berühmten Stars an der Metropolitan eingehend geschildert, organisatorische und künstlerische Fragen leicht gestreift — und schließlich werden noch Proben einstmaligen Stimmenglanzes vermittelt.

Besuch bei dem Bildhauer Odin Greiner

Ein Leben für die Kunst aus der Kunst, zu leben

Fast am Anfang des Stettbacher Tales in Jugenheim grüßt das mit künstlerischen Arbeiten geschmückte alte Haus, wo Odin Greiner in derselben Werkstatt wie einst sein Vater, Dr. Daniel Greiner, Kunstwerke aus Marmor, Stein und Holz schafft. — In Daniel Greiner, dem Sohn eines Missions-Predigers, trat der künstlerische Gestaltungstrieb so stark hervor, daß er als Dreißigjähriger seinen Beruf als Pfarrer aufgab und Bildhauer ward. Nach Absolvierung seines Studiums in Frankreich rief ihn ein Auftrag nach der Künstlerkolonie in Darmstadt. Später verzog Greiner nach Jugenheim und eröffnete eine Bildhauerwerkstatt.

In den Jahren fleißigen Schaffens entstanden viele Werke. Es gibt kaum einen Friedhof im weitesten Umkreis, auf dem nicht Grabdenkmäler aus seiner Werkstatt stehen.

Unser Bild zeigt ein kürzlich vollendetes Kunstwerk: Maria mit dem Kind. Es schmückt ein Grab jenseits des Rheins.

Bekannt wurde der Künstler vor allem durch Herausgabe seltener Kunstwerke: der Greiner-Bibel im Jahre 1920 und der Greiner-Edda 1927. Der textliche Inhalt ist zugleich in wertvollen Holzschnitten ausgedrückt. Diese Werke fanden besonders in Fachkreisen größte Anerkennung.

Der Berufswechsel ließ Daniel Greiner keineswegs' seiner Berufung untreu werden. Alle seine Schöpfungen sind Ausdruck tiefster Religiosität. — Im Jahre 1934 gab Dr. Greiner das Buch: „Bummel in mein Kinderland“ heraus. Die schlichten, lebensfrischen Erzählungen und Holzschnitte geben Einblick in des Verfassers sonniges und geordnetes Elternhaus.

Und dort, wo der Vater das Handwerkszeug niederlegte, begann sein Sohn Odin und schafft weiter im Sinne des Verstorbenen. Auch Odin besah sich die Welt und sammelte Erfahrungen und neue Eindrücke in Frankreich, Oesterreich und in Italien. — Nach vollständiger Ausbombung in Darmstadt gründete er im väterlichen Haus ein neues Heim für seine Familie, in dem warme, künstlerische Atmosphäre herrschte. Des Eintretenden Blick fällt sogleich auf die große Madonna und auf Dr. Greiners Porträt in Eichenholz. Die markanten Gesichtszüge kennzeichnen eine ungewöhnliche Persönlichkeit.

Odin Greiner ist schaffender Künstler und Lebenskünstler zugleich. Seine bescheidene Zurückhaltung, eine Vielseitigkeit und sein Arbeitseifer sind bewundernswert. Er malt mit derselben Begeisterung, mit der er dem nüchternen Marmor, Gestein oder Holz durch plastische Gestaltung Leben verleiht. Und mit derselben Begeisterung baute Odin Greiner ein Auto, zu dem er nur den Motor kaufte. Alles andere ist seine eigene Arbeit. „Hinaus in die Ferne“ mit Frau und Kindern ist Greiners Ziel am Wochenende. In des Waldes Stille oder am plätschernden Bächlein findet der Künstler die rechte Entspannung und Kraft für neues Schaffen. erw

Deutsches Komitee des Weltstudenten¬ werks. Zum Präsidenten des auf der Jahreskonferenz des Weltstudentenwerks (ISS) in Marburg gegründeten „Deutschen Komitees“ ist der Rektor der Heidelberger Universität, Professor Dr. Gerhard Heß, gewählt worden. Ziel der Vereinigung ist, die internationale Verbindung der Hochschulen zu fördern und in Zusammenarbeit mit Akademikern die Universitäten zu Stätten internationaler Gemeinschaft werden zu lassen. Das Deutsche Komitee wird vor allem die internationale Erziehung durch Seminare und Ferienkurse in Deutschland fördern, wie auch Studienreisen und Austausch.

Darmstadt und Umgebung

Unser ältester Tagblatt- Leser?

Vater Jost besuchte die Redaktion

Vor einigen Tagen sprach bei uns auf der Redaktion ein vom Alter gebeugter, aber frisch dreinschauender weißhaariger Herr vor.

Es war der 81jährige Landwirt und Schreinermeister Jakob Jost, der in Eberstadt, Wilh.- Leuschner - Straße 21, wohnt. Schon sein Vater. der Seme; tiermeister Karl Heinrich Jost, war Abonnent des Tagblattes. Bei ihm ging 1883 der damals 14jährige Jakob in die Lehre, besuchte drei Jahre lang in den Wintermonaten die Landesbaugewerbeschule und konnte schon in jungen Jahren den Meistertitel führen.

Mit dem ersten Weltkrieg kam das Unglück über die Familie. Sein Vater starb, er mußte ins Feld, der Betrieb wurde verkauft, sein einziger Sohn war einige Jahre vorher als kleines Kind gestorben. Nach dieser Zeit führte Herr Jost seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit 36 Morgen.

Heute, im Herbst seines Lebens, bewohnt der alte Herr nur ein kleines Zimmerchen in seinem eigenen Haus und seinen 81. Geburtstag, den er am 9. August feierte, verlebte er ohne Blumen und Gratulanten, denn alle die ihm nahestanden, hat der Tod in den vergangenen Jahren zu sich geholt.

tut Autofcbrr Am 1. Oktober sind es 60 Jahre, daß der ehemalige Hufbeschlag-Lehrmeister an der Veterinärklinik Gießen, Ernst F. L. Mohrmann, in der damaligen Hofwagenfabrik in Darmstadt seinen Betrieb für Hufbeschlag und Wagenbau eröffnete. Nach dem Weltkrieg fand die Umstellung des Betriebes auf die einschlägigen Reparaturen im Kraftfahrzeugwesen statt, und man spezialisierte sich auf die Herstellung und Instandsetzung von Autofedem. Nach dem Hinscheiden des 73- jährigen Firmengründers im Jahre 1922 wurde das Geschäft vom Sohn übernommen und erfolgreich weitergeführt. Die bisherigen Werkstätten in der Bleichstraße 15 erwiesen sich bald als zu klein, weswegen im März 1934 mit dem gesamten Betrieb in die Pallaswiesenstraße 25 umgezogen wurde. Aus gleichem Anlaß modernisierte man auch den Maschinenpark und rationalisierte den Betrieb, der bald in ganz Starkenburg einen Namen hatte. Der jetzt 65jährige Inhaber, Herr Ernst Mohrmann, hat mehrere Jahrzehnte ununterbrochen im Dienste seiner Berufsorganisation gestanden, als Innungsmeister und Landesinnungsmeister, und war maßgeblich an der Arbeit der früheren Spitzenorganisation in Berlin b°teiligt. _st.

Ein Dekanatsmissionsfest findet am kommenden Sonntag, dem 1. Oktober, um a 5 in der Evangelischen Kirche in Arheilgen statt. Missionar Engel aus Crumstadt wird aus seiner 23jährigen Missionstätigkeit in China berichten.



Neue Straßennamen

in Darmstadt

Im Zuge des Ausbaues des Gebietes am Exerzierplatz entstehen fünf neue Straßen.

Die Verlängerung des Groß-Gerauer Weges von Holzhofallee bis Rheinstraße wird Gerauer Allee benannt. Zur Erinnerung an den ehemaligen Exerzierplatz erhält eine Querstraße der Gerauer Allee die Bezeichnung Am Ex er t. Eine durch das Gelände der früheren Dragoner-Kaserne führende Straße soll Reite r p f a d genannt werden. Eine weitere Verbindungsstraße zwischen Holzhofallee und der Straße am Exert wird nach dem Erfinder der Buchdruckerschwärze und Mitarbeiter Gutenbergs Schöfferstraße benannt, da in dieser Straße sich fast ausschließlich Druckereibetriebe angesiedelt haben. Eine in südwestlicher Richtung verlaufende Verbindungsstraße zwischen Haardtring und Gerauer Allee erhält die Bezeichnung Pfalzweg.

Ursulinenschule

wird weitergebaut

An der linken Seife der Liebfrauenkhche in der Seekatzstraße hat im Laufe dieses Jahres der Aufbau der Ursulinenschu'.e große Fortschritte gemacht. Im Laute des Winters soll der Innenausbau der Schule, von deren Fenster die Schülerinnen den schönsten Ausblick ins Grüne haben, beendet we den. Zur Zeit werden die sechs Klassen der Schule, von Sexta bis Obertertia, darunter zwei Sexten, von 284 katholischen und evangelischen Schülerinnen besucht. Der Unterricht erfolgt in den bereits fertiggesfellten Räumen.

Wie uns die Direktion mitteilte, könnte sie den Anmeldungen nach fast das Doppelte an Schülerinnen aufnehmen. Ihre größte Klasse hat 54 Schülerinnen. An Ostern 1951 wird die Schule bis zur Oberprima weiter ausgebaut. Wenn ein weite es beantragte^ Darlehen zum Aufbau der Schule bewilligt wird, soll auch eine Turnhalle erstellt werden.

Für fünf Sitzungen ausgeschlossen

Stadtverordnetenversammlung mit ständigen Unterbrechungen - Polizei wird geholt - Beschlüsse gegen die Stadtverordneten Becker und Keil - Das übrige wurde im Galopp erledigt

„Bei Philippi sehen wir uns wieder“ und „Ihr versteht ja nichts von Politik“ — das waren nach vielen vorausgegangenen Ausführungen die letzten Worte, mit denen Stadtv. Keil, Fraktionsvorsitzender der Kommunisten im Darmstädter Stadtparlament, den Büchnersaal verließ. Er tat es nicht freiwillig, sondern — wie er nochmals ausrief — „der Gewalt weichend“. Diese Gewalt war in vier Polizisten verkörpert. Sie waren vom stellv. Stadtverordnetenvorsteher Pfeiffer gerufen worden, der vorher vergeblich versucht hatte, sein Hausrecht durchzusetzen. Mit dem Stadtv. Keil entfernten sich seine Fraktionskollegen aus der Sitzung. Zuvor war, ebenfalls unter Mitwirkung höflicher und korrekter Polizisten, der neue kommunistische Stadtverordnete Becker nach anfänglicher beharrlicher Weigerung aus dem Sitzungsraum gewiesen worden. Knapp zwanzig Minuten vorher hatte er durch Handschlag sich Oberbürgermeister Metzger gegenüber verpflichtet, Verfassung und Gesetze einzuhalten.

Um die „Dringlichkeit“

Von den Grundrechten und der Verfassung war zu Beginn der Sitzung viel die Rede gewesen und zwar in Dringlichkeitsanträgen der Kommunistischen Partei. Der erste wandte sich gegen das Verbot einer im September von deren Fraktion einberufenen öffentlichen Einwohnerversammlung, der zweite gegen die Vorgänge bei der ebenfalls verbotenen und unter Anwendung polizeilicher Mittel auftragsgemäß aufgelösten Kundgebung auf dem Friedensplatz. Die Kommunisten hatten im Stadtparlament die Untersuchung der Vorgänge gefordert und die Dispensierung von ihnen namentlich bekannte Polizeibeamte gefordert. Bei der Abstimmung über die Dringlichkeitsfrage hatte sich im ersten Fall Stadtv. Keil, im zweiten Stadtv. Becker „zur Geschäftsordnung“ zum Wort gemeldet. Nach der Meinung des Vorstehers sowie nach der der nichtkommunistischen Vertreter wurde von beiden nicht dazu, sondern zu den Anträgen selbst gesprochen. Es kam zu lebhaften Zwischenrufen, die Glocke wurde eifrig geschwungen, es gab zweimal Ordnungsrufe und dann Wortentziehungen. Während Stadtv. Keil sich anfänglich zufrieden gab, mußte der Vorsteher, weil Stadtv. Becker beharrlich und erregt weitersprach, die Sitzung unterbrochen. Der Aeltestenrat trat zusammen. Becker wurde von der Sitzung ausgeschlossen und leistete der Aufforderung, fortzugehen, nicht Folge. (Zuruf Keil: „Becker bleibe hier!“ — Zuruf aus der FDP: „Auf Keils Befehl.“) Wieder gab es eine Unterbrechung, eine neue Aufforderung und schließlich dann die Polizei- — Die Dringlichkeit beider Anfragen wurde gegen die Stimmen der Kommunisten verneint.

Viel Aufregung

Nach Wiederaufnahme der Sitzung brachte Stadtv. Keil die dritte kommunistische Anfrage vor. Sie zielt darauf hinaus, daß die Stadt Darmstadt der Empfehlung der Landesregierung, Beamte und Angestellte bestimmter poltischer Richtung zu entlassen, nicht folgen soll Hierbei wiederholten sich die gleichen Szenen. Es wurde durcheinander geredet, auf den Tisch geschlagen, geschellt. Den Ausgang siehe oben. Nach diesen tumultarischen Vorgängen wurde die Sitzung geschlossen. Eine Viertelstunde später trat man zu einer neuen zusammen.

Verletztes Hausrecht

Inzwischen hatte der Aeltestenrat beschlossen, dem Plenum vorzuschlagen, den Stadtv. Keil wegen seines Verhaltens, das als eine Verletzung des Hausrechtes, von Stadtv. Goebel (SPD) sogar als Hausfriedensbruch betrachtet wurde, für weitere fünf Sitzungen auszuschließen. Stadtv. Stöcker (SPD) beantragte, gegen Becker ebenso vorzugehen und weiter wurde beantragt, beiden für die Dauer des Ausschlusses auch die Aufwandsentschädigungen zu entziehen. Dementsprechend wurde gegen wenige Stimmen auch beschlossen, mit 14 gegen 11 Stimmen jedoch die Stellung von Strafanträgen wegen Hausfriedensbruches abgelehnt.

Ein vierter kommunistischer Antrag, der sich gegen das Verbot wendet, Unterschriften für die Aechtung der Atombombe zu sammeln, wurde auf Antrag Zie g s (SPD) als gegenstandslos erklärt.

Stimmung lustlos

Dann erst, nach anderthalb Stunden, wurde die Tagesordnung beraten. Das ging mit einer ungewöhnlichen Geschwindigkeit. Nicht nur, daß unter den 33 Punkten die Grundstücksübertragungen und -käufe — in den Ausschüssen einstimmig gutgeheißen — debattelos und en bloc genehmigt wurden, auch Prof. Grund wurde zu seiner sichtlichen Zufriedenheit der Aufgabe entzogen, die Aenderungen der Fluchtlinienpläne zu verteidigen. Sie betrafen die Passage zwischen Ernst-Ludwigs- und Ludwigstraße (Bauvorhaben Unger), den Platz hinter der Stadtkirche, die Verlängerte Schleiermaherstraße und die Rheinstraße zwischen Kasino- und Georgenstraße, wo die Firma Müller und Ober Einspruch erhoben hatte, sowohl gegen die Zumutung, Arkaden entschädigungslos erstellen zu müssen, wie auch gegen die Errichtung einer Straßenbahnhaltestelle (Verkehrsinsel) vor ihrer Einfahrt.

Straßenreinigungsgebühren

Debattiert wurde lediglich über die Straßenreinigungsgebühren vor Trümmergrundstücken. Hier setzten sich die Stadtverordneten Dr. Kraft und Dr. Köhler (FFP) für die Befreiung totalgeschädigter Althausbesitzer ein, da sie die Lasten nicht abwälzen könnten. Der Antrag der FDP wurde jedoch, nachdem u. a. Stadtrat Dr. Holtzmann sich für den von uns bereits mitgeteilten Magistratsvorschlag unter Hinweis auf seine „Billigkeits“-Bestimmungen eingesetzt hatte, gegen die Mehrheit der beiden anderen Parteien abgelehnt.

Den Abschluß der dramatisch begonnen und ermüdet beschlossenen Doppelsitzung bildete die Wahl von Stadtv. Brust in den Verwaltungsrat der Stadt- und Kreissparkasse und die Zustimmung zu einer Entschädigung an die Erben Stern für ein Grundstück an der Windmühle, auf dem die Nassauische Heimstätte bauen wird. pd

In der Stadt notiert

Die große Schwimmhalle des Städtischen Hallenbades, die am Sonntag, dem 1. Oktober, feierlich wiedereröffnet wird, konnte, wie uns die Stadtverwaltung mitteilte, mit Hilfe zahlreicher Spenden, Stiftungen und freiwilligen Arbeitsleistungen — vor allem durch die Hessische Elektrizitäts A.-G. unter Leitung von Direktor Strahringer — zusammen mit dem zweiten Abschnitt zum Wiederaufbau des Hallenbades nunmehr zu Ende geführt werden.

Die neuen Preise für das Hallenbad

nach vollständiger Renovierung und Anbringung zahlreicher Verbesserungen sind nach Beginn des öffentlichen Badebetriebes ab Montag, den 2. Oktober, werktäglich von 9 bis 20 Uhr für Gäste beiderlei Geschlechts folgendermaßen festgesetzt: Erwachsene 0,60 DM (Zehnerkarte 5,00 DM), Jugendliche bis zu 18 Jahren 0,50 DM (Zehnerkarte 4,50 DM), Kinder bis zu 14 Jahren 0,40 DM (Zehnerkarte 3,50 DM).

Ein Schülertreffen der ehemaligen Bal-

lonschüler des Jahrganges 1921/22 (Klasse Ib, Lehrer Imbescheid) findet am Sonntag, dem 7. Oktober, in der Gaststätte Ripper am Ostbahnhof um 19.30 Uhr statt. DT.

„Die Amnestierten“ werden am kommenden Samstag, dem 30. September, abends 22.30 Uhr, im „Hansa“-Theater in der Frankfurter Straße auf vielseitigen Wunsch ihr großes Erfolgsprogramm „P ss t! Feind hört mit!“ wiederholen. Dieses studentische Kabarett hatte vor kurzem im Thalia-Theater in Darmstadt einen ausgezeichneten Erfolg.

Die Luftballonflugkarte Nr. 26 289 vom Luftballonwettbewerb des Jugendrotkreuzes Darmstadt landete auf der Olympiaschanze in St. Moritz in der Schweiz. Bisher sind insgesamt drei Antworten aus der Schweiz eingetroffen. Einen vierbeinigen Finder hatte die Karte Nr. 14 089. Die Deutsche Schäferhündin „Ophetia vom Hain“ fand sie während einer Schutzhundeprüfung in Stockheim im Odenwald bei der Fährtensuche. Bis zum 26. September sind insgesamt 151 Flugkarten nach Darmstadt zurückgekehrt.

Eine gemeinsame Geburtstagsfeier veranstalten die 65jährigen Eberstädter am Samstag, dem 7. Oktober, im Gasthaus „Zur Rose“ in Eberstadt. t—s

Parade der Kraft und Schönheit

Generalprobe zur Hengstleistungsschau im Landgestüt

Am Donnerstagnachmittag fand im Hessischen Landgestüt die Generalprobe zur diesjährigen Hengstleistungsschau statt. Rings um die eingeebnete Bahn hatte man Zuschauertribünen errichtet, auf denen sich zur Hauptprobe in der Mehrzahl die Jugend drängte.

Hengstschauen sind nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern sie dienen darüber hinaus auch der Auswahl und Sichtung des Pferdematerials und geben einen umfassenden Ueberblick über die züchterischen Leistungen des Landgestüts. Nach der diesjährigen Deckperiode sind erstmals 60 Hengste nach Darmstadt zurückgekehrt, um hier die notwendige Ausbildung zu erhalten und die vorgeschriebenen Leistungsprüfungen abzulegen. Das umfangreiche Programm brachte als ersten Teil einen Blumenkorso mit einem Tanz hessischer Trachtengruppen. Landstallmeister Dr. Frielinghaus begrüßte die Gäste und wies auf die Notwendigkeit und die Bedeutung der hessen-nassauischen Pferdezucht hin. Anschließend wurden Kaltblut-Vierspänner vor Wirtschaftswagen in der Bahn gezeigt, schwere Pferde, für die die Arbeit eine Spielerei schien. Eine Reitquadrille mit sechzehn Warmblutpferden folgte. Hier handelt es sich um junge Tiere, die in einer Art tänzerischer Gymnastik an einen gleichmäßigen Schritt gewöhnt werden sollen. Die Pferde stammen aus Oldenburg, Ostfriesland und Hessen-Nassau. Die nächste Darbietung, das Koppeln von Klatbluthengsten hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Langgeschweifte und kupierte Fuchs- und Braunschimmelhengste gaben ein beredtes Zeugnis ihrer ungeheuren Kraft, ohne indessen, trotz ihrer körperlichen Fülle, an Temperament zu entbehren.

Während der Vorführung der Warmbluthengste gab Landstallmeister Dr. Frielinghaus durch den Lautsprecher eine züchterische Würdigung, ebenfalls bei den Darbietungen der Kaltbluthengste.

Nach einer Kaltblutquadrille mit 18 Hengsten und einer Quadrille, die von acht Warmblütern im Traberwagen gefahren wurde, ging das Programm von den Schaubildern zu den Leistungsprüfungen über. Im Jagdspringen der Klasse A konnte sich Uri mit seinem Reiter, Gestütswärter Pelke, die beste Placierung sichern. Aus den Leistüngsprüfungen für Hengste wurden einige Ausschnitte gezeigt, so unter anderem die Trabprüfung, bei der die Zeit gestoppt wird, die der Warmbluthengst zur Durchmessung einer vorgeschriebenen Strecke benötigt. Im Fahrschulwettbewerb wurden Kaltbluthengste vom Sattel aus gefahren,. in dem ein Reiter aus einem anderen Kaltblut durch Zügelung das vor ihm hergehende Tier dirigiert. Abschluß und Höhepunkt für den größten Teil der Besucher war zweifellos die Vorführung der alten Staatskutschen und Sommerwagen aus dem herzoglichen Marstall. Eine vierspännige Viktoria paradierte zusammen mit einer sechsspännigen Staatskarosse, und der vierspännige alte Sommerwagen mit Empiregeschirr vermittelte einen kleinen Eindruck von der Pracht und der Würde, die in damaliger Zeit Ausdruck aristokratischen Lebens und gesicherter Existenz waren.

Wenn es auch nur eine Generalprobe gewesen war, bei der naturgemäß einige kleine Fehler in der Organisation auftreten, so gab sie doch einen Vorgeschmack von dem, was die Besucher am Sonntag im Hessischen Landgestüt erwartet. Pferde und eine Anzahl prominenter Gäste, Kraft und Schönheit in vollendeter Gestaltung, all das verbindet sich mit dem Begriff der Hengstparade, die für alle Pferdeliebhaber zu einem bleibenden Ereignis werden dürfte. HFL


Zwei interessierte Zuschauer aus der Trachtengruppe
Zwei interessierte Zuschauer aus der Trachtengruppe

Die Quadrille Fotos (2): Hilde Roth
Die Quadrille Fotos (2): Hilde Roth

Wegen Toto und Kino

Mit drei jungen Burschen befaßte sich Darmstadts Jugendrichter. Sie hatten einige Metallplatten geklaut. „Wir waren arbeitslos und befanden uns in einer Notlage“, klagten sie. Einer von ihnen, der kleinste, hatte sich für den Beuteerlös ein Paar neue Schuhe gekauft, die er dringend brauchte. Die beiden anderen jedoch brauchten Geld, damit sie abends gleich zweimal ins Kino gehen und wöchentlich für 3 DM tipen konnten.

Der Jugendrichter ermahnte die drei Langfinger mit ernsten Worten und gab ihnen Jugendgefängnis von einigen Wochen bzw. eine Arbeitsauflage. wst.

Im Rahmen des Wiederaufbaus des Darmstädter Hauptbahnhofs bestiegen dieser Tage Dachdecker das altersgraue Haupt des Wasserturms am Hauptbahnhof und versahen dies mit einem Reparaturgerüst, so daß dort die letzten Spuren des Bombenangriffs in Kürze verschwinden werden. Außer dem Schieferbelag wird auch die Holzunterlage erneuert.

WIE-WIRD-DAS- WETTER

Etwas wärmer

Vorhersage: Am Freitag vorherrschend wolkig, ohne wesentliche Niederschläge, etwas wärmer. Zeitweise lebhafte auffrischende Winde aus Südwest—West. Weitere Aussichten: Leicht unbeständig.



Wohin gehen wir heute?

Landestheater: Orangerie: 19.30 Uhr: „Fra Diavolo“, komische Oper von Francois Auber, Ende gegen 22.00 Uhr.

Lichtspieltheater: Union: „Wenn eine Frau liebt“; Thalia: „Schwarzwaldmädel“; Belida : „Ich mach Dich glücklich“; Palast: „1-2-3 Corona“; Hansa: „Himmel auf Erden“.

Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr: Vortrag: „Der Mythos der Verlorenen Generation“ von H. Fr. Voß.

Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10—18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.

STARKENBURG

Mordanklage

Im Verfahren Rückert—Heil

Das Verfahren um den Mord an der Schwarzbach, der im Ried großes Aufsehen erregt hat, ist in ein neues Stadium eingetreten. Wie wir gestern erfuhren, hat nunmehr der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Darmstadt Anklage erhoben.

Der 42jährige Spengler Karl Rückert aus Stockstadt und die 40jährige Ehefrau Elisabeth Heil aus Goddelau werden darin des gemeinschaftlichen Mordes an der Ehefrau Helene Rückert beschuldigt. Sie stehen in dem dringenden Verdacht, diese Anfang März dieses Jahres erdrosselt und in die Schwarzbach geworfen zu haben.

Mit Strangulationsmerkmalen war Helene Rückert damals im seichten Wasser der Schwarzbach tot aufgefunden worden. Nach bereits zweitägiger Ermittlungsarbeit von Beamten der Kriminalinspektion erließ der Amtsrichter Haftbefehl gegen den Ehemann und Elisabeth Heil, die allgemein als Geliebte Rückerts bekannt war. Seit dieser Zeit befinden sich beide in Untersuchungshaft. Während Rückert bisher bekanntlich stereotyp bestritt, mit dem Mord an seiner Frau etwas zu tun zu haben, hatte die Heil Rückert in den ersten Verhören schwer belastet und eine umfassende Tatschilderung gegeben. Später widerrief sie jedoch ihr Geständnis.

Der Prozeß wird im Laufe der nächsten Sitzungsperiode des Darmstädter Schwurgerichts stattfinden. wst.

Im Autospringer-Prozeß:

Urteil am Samstag

Die Urteile der Ersten Darmstädter Strafkammer im Autospringer - Prozeß werden am Samstagmorgen ausgesprochen, teilte gestern Landgerichtsdirektor Forch im Anschluß an die Plädoyers der Anwälte mit. wst.

Chorleiter auf Abwegen

Nach kurzer Unterbrechung nahm dieser Tage eine Strafkammer des Landgerichts Darmstadt die Verhandlung gegen den wegen Vergehens nach § 175 angeklagten, 54jährigen Musiklehrer Heinrich S. aus Fürth i. O. wieder auf. Der Beschuldigte war Leiter eines Gesangsyereins und hatte nach den Chorstunden junge Burschen mit in seine Wohnung genommen, um sich in unzüchtiger Weise an ihnen zu vergreifen. Dafür schenkte er ihnen Geld oder hielt sie in Wirtshäusern frei.

Das Gericht sah in dem auf diesem Gebiet bereits einschlägig vorbestraften Mann einen Jugendverderber und verurteilte ihn zu der empfindlichen Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Ein Mitangeklagter erhielt zwei Monate Gefängnis. wst.

Fünfzehnjährige entführt

Der 22jährige G. Pf.,' der mit der 15jährigen L. B. aus Habitzheim ein intimes Verhältnis unterhielt, verschwand mit dieser am 24. 9. abends zwischen 20 und 21 Uhr und wollte mit ihr gegen den Willen der Mutter der B. in die Ostzone. Beide wurden von der Landpolizei südlich Aschaffenburg angehalten und da sie keine Ausweispapiere hatten, vorläufig festgenommen. Gegen Pf. wurde, nachdem die Mutter der B. Strafantrag gestellt hatte, Haftbefehl wegen Vergehen nach § 237 StGB, erlassen. Der Jugendrichter in Reinheim, dem die Jugendliche vorgeführt wurde, übergab diese auf Grund ihrer Angaben, überall hin nur nicht heim zur Mutter gehen zu wollen, dem Jugendamt Dieburg zur Einweisung in ein Heim. (Le.)

5 Monate Gefängnis

für Totoschwindel

Das Amtsgericht Höchst hat nach Wiederaufnahme der Hauptverhandlung gegen eine des versuchten Totoschwindels angeklagte Einwohnerin von Hassenroth wegen Urkundenfälschung und versuchten Totobetrugs eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten und die Kosten des Verfahrens verhängt. -ch

Frau wurde angefahren

Am 27. September, gegen 21,15 Uhr, wurde die 65jährige Mathilde Herbst aus Lautern in einer Straßenkurve von einem Radfahrer angefahren. Frau Herbst kam zu Fall und mußte in bewußtlosem Zustande in das Krankenhaus eingeliefert werden. Die Schuldfrage wird noch geklärt. HB

„Ein solennes Buß- und Dankfest“

Im Mümlingtal ist der Michaelistag lokaler Feiertag

Für die Gemeinden des südlichen Odenwaldes, besonders aber für die Städtchen und Dörfer des Mümlingtales, ist der Michaelistag, der 29. September, ein allgemeiner lokaler Feiertag zur Erinnerung an eine Hochwasserkatastrophe, die sich im Jahre 1732 nach einem achttägigen schweren Unwetter an diesem Tage ereignete und besonders schwer die Stadt Erbach heimsuchte.

Die Kirchenchronik der Grafschaft Erbach schildert ausführlich die Ereignisse dieses Unglückstages vor 218 Jahren. Das Wasser der Mümling schoß am frühen Morgen des Michaelistages in solchen Massen durch das Stadttor und zur Mühlgasse herein, daß Marktplatz, Schloßhof und Städtel in kurzer Zeit völlig überschwemmt waren. Die Fluten rissen die Brücke beim Lustgarten ganz und die Untere Brücke bis auf die Bögen fort. Eine Scheuer, mit Erntevorräten, und ein neues Wohnhaus wurden zerstört, wobei der gräfliche Rechnungsjustifikator Johann Albrecht Müller, seine Frau und deren 6jähriges Enkelkind sowie der 83 Jahre alte „gewesene Hammerfaktor Johann Georg Frölacher jämmerlich im Wasser umgekommen“ sind. Am Abend desselben Tages stürzten noch weitere Häuser ein. Menschenopfer waren aber nicht mehr zu beklagen.

Der folgende Morgen bot nach der Schilderung der Chronik ein Bild grauenhafter Verwüstung. Die Mauern vom Lustgarten und Graben lagen danieder und weithin in den Mümlingwiesen war alles mit Garben, Hausrat und Trümmern bedeckt. Aus anderen Orten wie Gammelsbach, Finkenbach, Fürstenau und König kamen ähnliche Hiobsbotschaften. Die Wege und Straßen waren lange Zeit unpassierbar und die Felder mußten neu eingesät werden.

Am 9. Dezember des Jahres 1732 erging eine gräfliche Verordnung, wonach von nun an alljährlich außer dem allgemeinen Buß- und Bettag in der Grafschaft Erbach „ein solennes Buß- und Dankfest angestellet werden solle und dabey in öffentlicher Kirche dem großen und all mächtigen Gotte vor solch wunderbarer Erhaltung in so augenscheinlicher Gefahr der schuldige Dank gesagt werden solle“.

Obwohl unsere Zeit in den Bombennächten des letzten Krieges schrecklichere Katastrophen erlebte, hat sich im Mümlingtal dieser Brauch l/;s auf den heutigen Tag erhalten. Wie alljährlich wird des Tages um 10 Uhr mit dem traditionellen Michaelis-Dankgottesdienst in der Erlbacher Stadtkirche gedacht. Bürgermeister Volk hat sich in einem Aufruf an die Erbacher Bevölkerung und alle Betriebe gewandt, des Tages in althergebrachter Weise durch Arbeitsruhe zu gedenken. -ch.

Presse bei Mr. Goodnight

dem Resident Officer des Kreises Bergstraße

Gestern nachmittag waren die Vertreter aller in den Bezirk Bergstraße reichenden Zeitungen Gast bei Mr. Goodnight, dem Resident Officer des Kreises Bergstraße. Die Einladung hatte lediglich den Zweck, eine Fühlungnahme zwischen amerikanischer Behörde und deutscher Presse herbeizuführen.

Freimütig beantwortete er alle an ihn gestellten Fragen, die hohe Politik und interne kommunalpolitische Probleme betreffend und versprach, sich einiger lokaler Mißstände, die ihm zu Gehör gebracht wurden — soweit es in seiner Kraft stehe — anzunehmen.

Hessischer Bauerntag in Heppenheim

Der Bürgermeister der Kreisstadt Heppenheim schreibt uns:

Wieviel ist über den Bauerntag schon gesprochen, geschrieben und diskutiert worden! Die einen sagen, das Wtetter sei in diesem Herbst zu ungünstig für die Abhaltung, die anderen meinen, die Kaufkraft der Besucher schwinde immer mehr, wieder andere, und das sind die von weither und besonders aus den Großstädten Kommenden, stoßen sich an dem Namen „Bauerntag“ und glauben, damit hätten sie zu wenig Verbindung und vieles andere mehr.

Das Wetter wird, wenn es in den letzten Wochen auch noch so sehr den politischen Schwankungen und Unsicherheiten gleicht, bis zum „Bauerntag“ bestimmt so werden, daß er keinerlei Beeinträchtigung erfährt.

In diesem Jahr sind wir 14 Tage früher dran und haben das Glück, daß die diesjährige Weinlese bis zum Bauerntag so gut wie beendet sein wird; wir werden sogar den begehrten „Federweißen“ schon genießen können. Sachkenner schätzen ihn aus den verschiedensten Gründen, vor allem, weil er so billig und doch so wirksam ist!

Was nun die vorgenommenen Absichten für die diesjährige Veranstaltung „Bauerntag“ und die dazu gefaßten Beschlüsse sowie in deren Auswirkung getroffene Maßnahmen und Vorbereitungen betrifft, so muß zegegeben werden, daß es gerade in diesem Jahr nicht leicht war, alles so zu gestalten, wie die Heppenheimer das gewohnt sind und wozu wir uns immer wieder verpflichtet fühlen!

Dem Festzug mit abschließendem Festspiel hat der höchststädtische Archivrat, Dr. Winter, dieses Mal eine wahre Begebenheit aus dem 18. Jahrhundert zu Grunde gelegt. Dabei wird der ganze Festzugsablauf zu einem lebendigen Geschehen auf den Straßen gestaltet. Es zieht also kein Zug gemächlich durch die Straßen und an den Augen der Zuschauer vorbei, wobei vielleicht dieser oder jener Wagen, diese oder jene Gruppe die besondere Bewunderung oder auch, wenn Sie wollen, die Ablehnung der Besucher hervorrufen — nein, wir spielen den ganzen Vorgang der Rückkehr des damaligen römischen Königs Josef I. von der Jagd aus dem Lorscher und Jägersburger Wald und anschließenden Empfang in dem Oberamt Heppenheim auf den Straßen. Auf die Kunde yon der Rückkehr des Königs von der Jagd zum Besuch in Heppenheim alarmieren Herolde die Honoratioren der Stadt, die Handwerker, Zünfte und anderes mehr der damaligen Zeit. Man zieht dem König entgegen, begegnet ihm etwa in der Lorscher Straße, die Gruppen vereinigen sich, ziehen gemeinsam zum Marktplatz — und treffen auf , diesem Wege plötzlich unerwartet auf die Gemahlin des Königs mit ihrem Gefolge, die sich nach der Chronik während der Jagdtage in Heidelberg aufgehaltenn hatte und ihrem königlichen Gemahl nach Heppenheim entgegengeeilt war. — Dann zieht der große Festzug zum Marktplatz, wo der König in einem kurzen Festakt die Begrüßung und Ehrung entgegennimmt.

Am Sonntagmittag wird der gesamte Festzug in allen seinen Einzelphasen, hoffentlich bei strahlendem Sonnenwetter mit all der Prachtentfaltung — die Kostüme vom Staatstheater Wiesbaden werden dazu wesentlich beitragen — wiederholt und erneut die Besucher in seinen Bann schlagen!

Es hat sich in den letzten Jahren so herausentwickelt, daß zu jeder örtlichen Großveranstaltung eine Ausstellung gehört. Die 1. Bergsträßer Industrie-, Handels- und Gewerbemesse wird neben einheimischen Werbe- und Verkaufsständen insbesondere Produktionsteile erstklassiger Fabriken und Großhandelsfirmen zeigen und so den üblichen Rahmen weit durchbrechen. In drei großen Zelten, die nach künstlerischen Entwürfen sowohl im äußeren Bild wie auch in ihrer inneren Ausgestaltung am Schwimmbad errichtet sind, werden über 80 Ausstellerfirmen der verschiedensten Fabrikationszweige vertreten sein. In einem besonderen Restaurationszelt wird für auswärtige Besucher Gelegenheit geboten, ihre Geschäftsabschlüsse zu tätigen und sich auch in angenehmer Weise zu verköstigen.

Darüber hinaus plant die Ausstellungsleitung während der Dauer der Ausstellung allabendlich Sonderveranstaltungen im Restaurationszelt. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Daß wir im Rahmen des auch in diesem Jahr am Erntedanktag stattfindenden Bauerntages den an sich selbstverständlichen Dank-Gottesdienst ifi den christlichen Gotteshäusern nicht vergessen haben, versteht sich am Rande. Auswärtigen Besuchern ist am Sonntag, um 9.30 Uhr in der katholischen Kirche, dem Dom der Bergstraße, und um 10 Uhr in der evangelischen Kirche Gelegenheit zur Teilnahme am Erntedankgottesdienst geboten.

Und dann steigt die große Bauernkundgebung in der Stadthalle um 11 Uhr. In ihr werden die Bundestagsabgeordneten Rüdiger (FDP) und Gems (CDU) zu sicherlich sehr interessanten Themen und Problemen der Landwirtschaft, die gerade beim Bundestag in Mainz erneut akut geworden sind, das Wort ergreifen.

Wer Zeit hat — und wer möchte seine Stunden des Verweilens in Heppenheim nicht so lang wie irgend möglich ausdehnen —, der versäume nicht, den „Bunten Abend“ in der Stadthalle zu besuchen, bei dem zum Tanz Wolf Schmitt und die „Drei Nickels“, alle bestens bekannt durch den Rundfunk, mitwirken und für beste Stimmung sorgen.

Ob wir in den spätesten Abend- und Nachtstunden die Besucher des Bauerntages in feuchtfröhlicher Stimmung vom Weindorff zur Stadthalle und den übrigen Gaststätten der Stadt hin- und herflanieren sehen werden? Heppenheims Gastwirte haben sich auf Massenbesuch eingestellt und werden bemüht sein, überall und in jeder Beziehung Bestes zu bieten.

Wir Heppenheimer rechnen sehr damit, daß zu unseren Stammbesuchern aus den nächsten Nachbarstädten und Gemeinden all die Tausende hinzukommen, die im letzten Jahr nach Heppenheim aus diesem oder jenem Anlaß gekommen sind und dieses anmutige Kreisstädtchen irgendwie lieb gewonnen haben.

Sie alle seien in Heppenheim herzlich willkommen und sollen von uns freudigst und in jeder Beziehung auch bestens betreut werden.

Der Montag bringt noch die hochinteressante Kreispferdeschau mit Zuchtstutenprämiierung im Hofe des Realgymnasiums, zu der vorwiegend Pferdekenner und -züchter sich ihr Stelldichein geben werden.

Auch am Montag sollen im Weindorf, im Ausstellungsgelände, auf dem Rummelplatz am Graben und nicht zuletzt in allen Gaststätten der Stadt die Sorgen des Alltags für einige Stunden vergessen werden.

Die gesamte Bevölkerung der Kreisstadt wird zum Bauerntag das Städtchen in ein ganz besonders festliches Kleid stecken und dabei der besonderen Absicht der Festleitung weitestgehend Rechnung tragen. Sie wird so tätigen Anteil nehmen am restlosen Gelingen des

„Bauerntages 1950“

zu dem wir alle unsere Gäste von nah und fern auf diesem Wege herzlichst willkommen heißen! Heppenheim, den 26. 9. 1950 Der Bürgermeister: HOLZAMER


Brunnen und Apotheke in Heppenheim Foto: Schermer
Brunnen und Apotheke in Heppenheim Foto: Schermer

Dr. Heinrich Winter

Ein verdienter Förderer Heppenheims

Dr. Winter, der kürzlich mit der Einrichtung des Heppenheimer städtischen Archivs betraut wurde, ist auf das engste mit der Kreisstadt verbunden, in der er nun schon lange Jahre lebt und wirkt. Jedes Haus, jede Straße und jeder Stein sind ihm vertraut, und wenn er zu erzählen beginnt, dann ist es, als schlüge man ein altes, in kostbares Leder gebundenes großes Geschichtsbuch auf, denn Dr. Winter weiß auf das genaueste über Heppenheims historische Vergangenheit Bescheid. Einst schrieb er seine Doktorarbeit über die Stadt, deshalb hätte man auch wohl für die Einrichtung eines städtischen Archivs kaum einen geeigneteren Mann finden können, denn er verfügt nicht nur über die nötigen Kenntnisse, sondern geht auch mit viel Liebe und Geduld an die Sache heran.

An Bürgermeister Holzamer hat Dr. Winter einen verständnisvollen Förderer seiner Arbeit gefunden, denn auch der Bürgermeister ist bestrebt, den historischen Charakter der alten Stadt, die so reich an schönen Bauten und Fachwerkhäusern ist, besonders hervorzuheben. (HB)

Reinheims Stadtväter tagten

Um Wasserversorgung und Baugelände / Gg. Müller zweiter Beigeordneter

Ein wesentlicher Punkt auf der Tagesordnung der letzten öffentlichen Sitzung des Reinheimer Stadtrates, die am Mittwochabend im Sitzungssaal des Amtsgerichtes stattfand, war die Frage der Wasserversorgung. Zwar hat Reinheim in den letzten Jahren kaum Wassersorgen gekannt, aber durch den enormen Bevölkerungszuwachs, der allein in den Jahren seit 1939 über 1400 Köpfe ausmacht, sowie durch die anhaltende Erweiterung des bebauten Geländes tritt diese Frage immer mehr in den Vordergrund. Neben der Neulegung von Leitungen im Siedlungsgelände 'an der Groß-Bieberauer Straße, die mit zirka 35 000 DM' im Haushaltsplan vorgesehen werden muß. wird man um eine Erweiterung des Wasserbehälters um zwei bis drei Kammern, ja sogar um Neufassung von Quellen kaum herumkommen.

Die Kapazität des Wasserwerks ist zur Zeit voll ausgenutzt und die Förderleistung wird nach einem Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes nicht mehr zu steigern sein. Der Gemeinderat beschloß daher, Untersuchungen über Neufassungen von Quellen durch das Landesamt für Bodenforschung anstellen und einen Kostenvoranschlag machen zu lassen. Eine entsprechende Kommission wurde aus dem ersten Beigeordneten Coy sowie den Gemeinderäten Dehn, Leinert, Schmidt und Vonderschmidt gebildet. Auf Vorschlag von Gemeiderat Vonderschmidt (SPD) wird eine Gewann in der Nähe von Hof Illbach für Quellenforschungen in Aussicht genommen.

Mit fünf Stimmen der SPD, zwei Stimmen der KPD und zwei Stimmen der CDU wurde Georg Müller zum zweiten Beigeordneten der Stadt gewählt, nachdem dieser Platz durch den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Beigeordneten Walter frei wurde.

Die Winterschafweide wurde diesmal nicht, wie seither üblich, auf ein, sondern auf 5 Jahre an den Schäfer Fußmann vergeben. Die Pacht soll automatisch dann weitere 5 Jahre mit einjähriger Kündigungsfrist weiterlaufen.

Notwendig gewordene Reparaturarbeiten in einer Wohnung des Amtsgerichts will der Gemeinderat durch die Justiz übernommen sehen, weil die Justiz auch die Miete für diese neu geschaffene Wohnung vereinnahmt. Weiter soll das Preisamt um eine Neufest- Setzung der Gesamtpacht angegangen werden.

Sechs Anträgen auf Zuweisung von Bauplätzen in der Siedlung an der Groß-Bieberauer Straße konnte der Gemeinderat entsprechen. Dabei kam das Problem der Neubeschaffung von Bauland zur Debatte. Das bereits erschlossene Siedlungsgelände ist nunmehr bis auf wenige Plätze vergeben. Damit steht Reinheim vor der Erweiterung des Ortsbauplanes. Das Planungsamt beim Landratsamt soll deshalb den Auftrag erhalten, eine Neuplanung in der verlängerten Wilhelm-, Wingert- und Goethestraße vorzunehmen.

Dem Antrag einer Darmstädter Firma auf Erstellung von Plakattafeln auf gemeindeeigenem Gelände konnte der Gemeinderat nicht zustimmen. Der Firma soll empfohlen werden, sich an Private zu wenden. Der Antrag eines Einwohners auf Ankauf eines Geländestreifens an der Mühlbach wurde zurückgestellt.

Eine nichtöffentliche Sitzung schloß sich an. (eb)

Arbeiterwohlfahrt

auf der „Umstädter Woche“

Im Rahmen der Umstädter Woche, die ' eine Reihe von Tagungen verschiedener Organisationen und Körperschaften einschließt, veranstaltet die Kreisgruppe Dieburg der Arbeiter-Wohlfahrt am Sonntag, den 1. Oktober, 9 Uhr, in der Säulenhalle des Groß-Umstädter Rathauses eine Kreisvertreterkonferenz, an der der Landesvorsitzende der AW, Jan Brüntink, teilnimmt. Fragen der Fürsorgegesetzgebung, der verstärkten Kurverschickung erholungsbedürftiger Erwachsener und Kinder, die Durchführung der Landessammlung vom 6. bis 15. Oktober und die Schaffung von Frauen- und Jugendgruppen stehen zur Beratung. RG

Ernst und heiter

die vierte Jugendwoche-Veranstaltung

Als vierte Veranstaltung der Groß-Gerauer Jugendwoche brachte die Kantorei der Hessischen Landesmusikschule Darmstadt unter Leitung von Bruno Stürmer am Mittwochabend in der Aula des Realgymnasiums ein Konzert. Der erste Teil des Abends war dem Gedenken des 200. Todestages von Joh. Seb. Bach gewidmet. In dem zweiten, heitereren Teil, folgten drei Gesänge, die von Bruno Stürmer komponiert wurden. Mit Niederösterreichischer Volksmusik für Bläser fand das Konzert einen fröhlichen Ausklang. (cg)

Zusammenschluß

der Odenwälder Industrie

Auf Einladung namhafter Wirtschaftler des Odenwaldes hatten sich in Erbach am Mittwoch rund 50 Vertreter fast aller Industriefirmen des Kreises Erbach versammelt. Zweck der Zusammenkunft war die Schaffung einer gemeinsamen Basis für die Betriebe der verschiedenen Industriezweige, deren Fehlen bisher immer als Mangel empfunden wurde. Einstimmig wurde die Gründung der „Industrievereinigung des Kreises Erbach“ beschlossen. Zum I. Vorsitzenden wählte man Franz Holl von den Farben- und Lackfabriken Hermann Wiederholt, Werk EtZen-Gesäß, zum 2. Vorsitzenden das Vorstandsmitglied der Veith-Gummiwerke, Direktor Georg Kiel, Erbach, und zum Geschäftsführer Herrn Hartmann von der Woll Warenfabrik Zellt. In einem Beirat sind sämtliche im Kreis Erbach ansässigen Industriezweige vertreten. Alle größeren Industriefirmen des Kreises traten sofort der Vereinigung bei. -ch

Verkehrsverein

unterstützt Schüler

Der Groß-Gerauer Verkehrsverein hat den „Zweckverband Nördliches Ried“ gebeten, in dem Omnibusfahrplan mehr Rücksicht auf die Belange der Schüler des Groß-Gerauer Realgymnasiums zu nehmen, da die Schüler infolge der Verbindungen morgens zu spät kommen und nachmittags früher Weggehen müssen. Die Bitte ist mit 25 Unterschriften von Eltern versehen, die sich verpflichtet haben, bei Fahrplanänderung ihre Kinder regelmäßig zur Benutzung der Omnibusse zu veranlassen. (cg)


Bischof Dr. Albert Stohr wird am 1. Oktober in die Kreisstadt Groß-Gerau kommen, um den Kommunikanten das Sakrament der Firmung zu spenden. Foto: Hans Kenner
Bischof Dr. Albert Stohr wird am 1. Oktober in die Kreisstadt Groß-Gerau kommen, um den Kommunikanten das Sakrament der Firmung zu spenden. Foto: Hans Kenner

Was aũch interessiert:

Wegen seiner Trunksucht hatte sich die Berufsrhusikerin Maria V. aus Aschaffenburg von dem Musiker Johann F. aus Steinbach getrennt. Kürzlich griff dieser die Frau, die in einem Lokal in Münster engagiert war, tätlich an und kugelte ihr einen Arm aus, so daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. RG

Über das Schulprojekt Bergstraße sollte am kommenden Sonntag um 10.00 Uhr eine weitere Besprechung im Hotel „Goldene Krone“ in Jugenheim stattflnden. Wie wir von Landrat Wink erfuhren, wird diese Zusammenkunft auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Unsere Geburtstagskinder

Goldene Hochzeit: Herrn Robert John, Bensheim-Schönberg, Nibelungensfraße 33 und Herrn Korbflechter Lorenz Martin Unger und Ehefrau Agnes, geb. Lulay, Heppenheim a. d. Bergstr., Gräffstr. 26.

90. Geburtstag: Frau Sophie Jäger Wwe., geb. Rast, Steinbach, Neue Siedlung.

80. Geburtstag: Frau Christine May, geb. Arzt, Michelstadt, - Eberf-Sfräße 89.

76. Geburtstag: Herrn Karl Weißgerber, Gustavsburg, Bahnhofstraße 12.

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Bickenbach. — Der Ortsjugendausschuß führt am 30. September einen Werbea b en d im Gasthaus „Zum Hirsch“ durch. Hierzu werden der Regierungspräsident; der Landrat und der Resident Officer eingeladen. Jugendpfleger Liebig wird über das Thema „Jugend sucht neue Wege“ sprechen. rh

Jugenheim. Bürgermeister Schürrlein ist bis 16. Oktober d. J. in Urlaub. Die Amtsgeschäfte übernimmt während dieser Zeit der 1. Beigeordnete Forstrat a. D. Bechtel. hl.

ERBACH

Erbach. Die Kreisberufsschule Erbach will ihren landwirtschaftlichen Unterricht intensivieren. Unter Vorsitz von Gewerbeschulrat Stein, Darmstadt, wurden drei Kandidaten für das landwirtschaftliche Berufsschullehramt mit Erfolg geprüft. -ch

DIEBURG

Kleestadt. Gestern waren Bürgermeister und Kirchenvorstand beirrt Guß der neuen Glocken in Frankenthal zugegen. Die beiden Glocken kosten 8500 DM. Der Betrag wurde durch Sammlungen und freiwillige Spenden der Gemeinde, die nur etwa 750 Einwohner zählt, aufgebracht. -th-

Groß-Bieberau. - In der Volksbücherei wurde während der Sommerpause der gesamte Buchbestand überprüft, neu geordnet und beschriftet. Dank der Unterstützung der Gemeinde konnten 80 neue Bücher gekauft und eingestellt werden. Damit hat sich der Gesamtbestand der Bücherei auf über 330 Bände erhöht. GD.

BERGSTRASSE

Lorsch. - Der Geflügelzuchtverein hält am 1. Oktober im Gasthaus „Zum weißen Kreuz“ seine Junggeflügelschau ab. el

Mörlenbach. - Die Landstraße 11. Ordnung, zwischen Bonsweiher und Mörlenbach, wurde ab sofort wegen dringender Bauarbeiten für den Durchgangsverkehr gesperrt. Fahrzeuge über 15 Tonnen müssen einen Umweg von 17 Kilometern über Lörzenbach- Kirschhausen-Heppenheim-Erbach machen -r

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Am Samstag veranstaltet die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten im Saale des Hotels „Adler“ einen großen Unierhaltungsabend, bei welchem die Gesangvereine „Eintracht“ und „Liederkranz“ und der Handharmonikaspielzug mifwirken werden. kb.

Büttelborn. Philipp Schilling IV. wurde vom Landrat des Landkreises Groß-Gerau als Wiegemeister für die Gemeinde verpflichtet. -th-

Der SPORT

Kein Titel - aber 100000 Dollar für Louis

Der Sieger Ezzard Charles erhielt weniger Gage als der unterlegene Herausforderer

Neuyork. (dpa/AP.) Joe Louis verpaßte in der Nacht zum Donnerstag in Neuyork die Chance, durch die Wiedererringung der Schwergewichts-Weltmeisterschaft Boxgeschichte zu machen. Er wurde durch den 29jährigen Titelverteidiger Ezzard Charles über 15 Runden vollständig ausgeboxt und nach Punkten geschlagen.

Der einst unvergleichliche „Braune Bomber“ hat den Titel mehr als elf Jahre gehalten und mit 25 erfolgreichen Titelverteidigungen einen Rekord aufgestellt, ehe er den Titel zur Verfügung stellte. Er war sehr niedergeschlagen, als die einstimmige Entscheidung zugunsten Charles’ ■verkündet wurde. Wie so mancher große Schwergewichtler vor ihm, gelang es auch ihm nicht, die alte Ringweisheit zu widerlegen: „They never come back“.

Bis auf eine große zehnte Ründe, in der ein K.-0.-Sieg von Louis möglich schien, hatte er zu keinem Zeitpunkt eine Chance, diesen Kampf zu gewinnen. In dieser zehnten Runde sahen die Zuschauer etwas von dem alten Joe Louis. Obwohl er wie ein Tiger nachsetzte, vermochte er jedoch Charles nicht von den Beinen zu bringen. Dies war Louis’ Schwanengesang, denn auch im weiteren Verlauf des Kampfes fand er keine Gelegenheit mehr, den entscheidenden Schlag anzubringen. Immer weicher wurde er in den Knien, und von der 14. Runde ab war sogar die Möglichkeit einer K.-0.-Niederlage gegeben. Zwar schien Louis im Verlauf des Kampfes genau zu wissen, was er wollte, doch war er vollständig außerstande, es zu tun. Am Ende war er so fertig, daß er kaum eine weitere Runde überstanden hätte.

Louis erlitt damit seine erste Niederlage in einem Weltmeisterschaftskampf und wurde auch erstmalig nach seiner dramatischen K.-0.-Niederlage durch Max Schmeling im Juni 1936 geschlagen. Charles zeigte eine taktisch gute Leistung, ohne durch die große Vergangenheit seines Gegners eingeschüchtert zu sein. Seine Schnelligkeit, das boxerische Können und sein Mut machten die Aussichten von Louis auf einen K.-0.-Sieg zunichte. Der alte und neue Weltmeister hat seinen Titel nunmehr viermal erfolgreich verteidigt, seit er ihn durch einen Sieg über Jersey Joe Walcott (USA) im Juni vergangenen Jahres gewinnen konnte.

Die Zahl von 22 367 Zuschauern, die 205 380 Dollar zahlten, blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Als Grund hierfür wird die Tatsache angesehen, daß der Kampf durch Fernsehen übertragen wurde.

Louis tritt endgültig ab

Nach seiner Niederlage erklärte Joe Louis, daß er endgültig die Boxhandschuhe an den Nagel hängen würde. Aus seinem fast geschlossenen linken Auge blinzelnd, sagte er: „Ich bin am Ende, ich habe es nicht geschafft, obwohl ich mein Bestes gab.“

Louis war so ehrlich wie immer, als er erklärte, daß er sich in der dritten Runde seine linke Hand verletzt habe, was jedoch seine Schlagkraft nicht beeinträchtigt hätte. „Ich hatte Freude am Kampf, aber ich wußte von der siebenten Runde ab, daß ich es nicht schaffen würde“, fügte er hinzu. Ueber die Leistung von Charles befragt, antwortete Joe Louis: „Er ist in jeder Hinsicht gut.“

Charles sagte: „Ich war zu jeder Zeit in Gefahr, und vor allem in der zehnten Runde sah es schlecht für mich aus. Nun kann ich ermessen, warum Louis so lange Meister war.“ Ueber seine Zukunft befragt, antwortete der erstaunlich frisch wirkende Charles: „Wenn mein Auge wiederhergestellt ist, werde ich mich sofort erneut ins Training begeben und jeden guten Kämpfer annehmen. Ich glaube, ich habe die schwerste Aufgabe hinter mir.“

Fernsehübertragung bringt Geld

Trotz seiner Niederlage in der Schwergewichts-Weltmeisterschaft gegen Ezzard Charles aiv Mittwochabend im Neuyorker Yankee-Stadion verdiente Joe Louis 100 500 Dollar, die sich aus 35 Prozent der Nettoeinnahmen (54 000 Dollar) und den Radio- und Fernsehübertragungen (46 500 Dollar) zusammensetzen. Dagegen erhielt der Sieger Charles nur 57 300 Dollar (30 800 Dollar aus den Einnahmen und 26 500 Dollar aus den Fernseh- und Rundfunkübertragungen).

Nach dem Kampf äußerte der amerikanische Schwergewichtler Lee Savold (Weltmeister englischer Version), daß er gerne gegen Ezzard Charles antreten wolle. Savold, der dem Kampf beiwohnte, sagte: „Charles zeigte eine sehr gute Leistung, während Louis zwar entschlossen war, es jedoch nicht schaffte. Er schwamm über weite Strecken des Kampfes.“

ABC-Boxer treffen auf Turo Ludwigshafen

Samstag 20 Uhr „Zum Schwanen“ in Eberstadt

Am Samstag kämpft der ABC gegen die gute Staffel von Tura Ludwigshafen, die für diese Begegnung alles aufgeboten hat, um in Eberstadt das 8:8 vom Vorkampf zu halten oder gar zu verbessern.

Die Paarungen des Abends sind so zusammengestellt, daß es vielleicht einige Ueberraschungen geben wird, die entweder für oder gegen den ABC sein werden. Wahrscheinlich gibt es Kämpfe, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen haben.

Schon der Anfang imJugend-Fliegengewicht, in dem erstmals der neue Deutsche Meister Heckhaus gegen Pfaad (Ludwigshafen) die Handschuhe kreuzt, wird es ausgezeichneten Sport zu sehen geben.

Im Jugend-Weltergewicht trifft Dieter ABC auf den sehr guten Korn, Ludwigshafen.

Im Fliegengewicht muß man den Ausgang des Kampfes Weigel (ABC) gegen Schröder (Ludwigshafen) als völlig offen betrachten. Man kann damit rechnen, daß es Weigel gelingt, seinen knappen Punktsieg vom Vorkampf gegen den verbesserten Schröder zu wiederholen.

Im Bantamgewicht kämpft Bischoff (BAC) gegen den zähen Kreß (Ludwigshafen), der ihm den Sieg sehr schwer machen wird, oder gar den Spieß umdreht und seine knappe Niederlage in Ludwigshafen wieder ausgleicht.

Im Federgewicht steht wieder einmal Ad|. Knieß seit langer Zeit im Mittelpunkt. Er hat in Stark (Ludwigshafen) einen der besten der gegnerischen Mannschaft, der ihm den Sieg nicht leicht machen wird. Da er, wie Ad. Knieß über eine enorme Schlagkraft verfügt, wird es einen Kampf auf Biegen und Brechen geben.

Im Leichtgewicht treffen Kohl und Nicolai auf die neuen Männer von Tura, auf Simson I. und Simson 11. Hier etwas zu sagen, wäre vollkommen verfehlt. Entscheidend wird die Tagesform der Kämpfer sein, die unbedingt gut sein muß, um nicht eine Ueberraschung zu erleben.

Im Weltergewicht hat H. Knieß in Hauptmann zweifellos den besten Kämpfer von Ludwigshafen zum Gegner, den er im Vorkampf knapp besiegen konnte. Hoffen wir, daß es ihm gelingt, seinen Sieg von Ludwigshafen in Eberstadt zu wiederholen.

Im Mittelgewicht trifft der mit guten Nehmerqualitäten ausgestattete Formella (ABC) auf den genau und hart schlagenden Renz (Ludwigshafen), der Formella über die Runden alles abverlangen wird. Der Auseang des Kamnfes ist offen.

Im Halbschwergewich t werden Schulz (ABC) und Amann (Ludwigshafen) gegeneinander boxen. Wir hoffen, daß Schulz diesmal das zeigt, was wirklich in ihm steckt, dann werden wir einen Kampf sehen, der so richtig nach dem Geschmack unserer Anhänger sein Wird.

Vor den Hauptkämpfen wird wieder die Jugend des ABC ihr Können zeigen.

Basketball

Die ersten Oberligaspiele

Seit dem 16. September steht die neu ins Leben gerufene Basketball-Oberliga Südwest „Gewehr-bei-Fuß“ und wartet auf das Startzeichen, das jetzt am kommenden Samstag gegeben wird.

Der erste Spieltag bringt gleich interessante Paarungen. Es fällt dabei sehr schwer, sichert Tips abzugeben. Nun kommt es darauf an, ob die einzelnen Oberligamannschaften die beiden ausländischen Spieler einsetzen können, die ihnen der abgeänderte Ausländerparagraph zugesteht. (Der Ausländerparagraph, der bisher allen ausländischen Spielern uneingeschränkte Spielerlaubnis in deutschen Mannschaften gewährte, wurde auf der 111. erweiterten Vorstandssitzung des Deutschen Basketball-Bundes am 23./24. September 1950 in Frankfurt am Main abgeändert..)

Der Basketball-Club Darmstadt muß zu seinem ersten Spiel nach Frankfurt reisen und trifft auf die letzthin sehr gut gewordene Mannschaft der Homburger TG. In den bisher ausgetragenen Verbandsspielen gelang es den Gastgebern nur einmal, und zwar 1948, den BC Darmstadt zu bezwingen. Alle anderen Spiele gingen größtenteils sehr deutlich an die Darmstädter, die sich, ungeachtet der Homburger Verbesserung, auch diesmal durchsetzen sollten.

Der dritte hessische Vertreter, der MTV Gießen, empfängt den - Pfalz-Meister VfL 1848 Bad Kreuznach und dürfte — kommen seine lettischen Spieler zum Einsatz — als Sieger den Platz verlassen. Die dritte Begegnung führt die beiden badischen Vereine Heidelberger TV 1846 und Basketball-Club Karlsruhe in der Heidelberger Klingenteichturnhalle zusammen. Nach Lage der Dinge werden sich die Heidelberger mit ihren guten amerikanischen Spielern Freitag und Bonis zu behaupten wissen.

Der Turnerbund Heidelberg, der mit seiner spielstarken Mannschaft eine Favoritenstellung in der Oberliga-Runde einnimmt, ist am ersten Spieltag spielfrei. - er -

Ringer mit vollem Programm

Am Wochenende werden sich die Ringer erbitterte Kämpfe um die Tabellenposition liefern. In der Ober- wie auch in der Landesliga kann man bis jetzt noch nicht von ausgesprochenen Favoriten sprechen. Größtenteils sind die Mannschaften ausgeglichen, so daß lediglich der Mattenvorteil von ausschlaggebender Bedeutung ist.

In der hessischen Oberliga stehen sich am Wochenende folgende Mannschaften gegenüber:

ASV 86 Frankfurt — Germania Dettingen SG Eckenheim — ASV Hösbach Darmstadt 98 —Eiche Hanau Vorwärts Groß-Zimmern kampffrei

Nachdem die Groß-Zimmerner Mannschaft kampffrei ist, gilt das Hauptinteresse der Begegnung des heimischen SV 98 gegen den derzeitigen Tabellenführer Eiche Hanau. Die Gäste, die in den letzten Jahren neben dem Meister Eckenheim in Hessen immer führend waren, werden beim Tabellenletzten sich die Chance des 1. Platzes nicht nehmen lassen wollen. Die Gastgeber, die in den bisherigen Kämpfen noch ohne Punkte geblieben sind, werden alles versuchen, um zu den ersten Punkten zu kommen, die bitter nötig sind, um nicht dem Abstieg zu verfallen.

Ein ausgeglichener Kampf wird in Eckenheim zu erwarten sein. Die Gastgeber sollten sich aber auf eigener Matte durchsetzen. In Frankfurt gilt nach dem Siege über Eckenheim die junge Dettinger-Mannschaft als Favorit.

In der hessischen Landesliga wird der 5. Kampftag mit folgenden Begegnungen fortgesetzt:

Wiesbaden — Darmstadt 1910 Sprendlingen — Ober-Ramstadt Neu-Isenburg—Arheilgen Kostheim kampffrei

Der Tabellenführer Darmstadt 1910 fährt bereits am Samstag nach Wiesbaden und müßte dort seine Tabellenposition verbessern können. Die Gastgeber, die in den bisherigen Punktekämpfen noch keinen Sieg verzeichnen konnten, werden auch gegen die komplett antretenden Darmstädter nichts ausrichten können. Einen schweren Kampf muß die SG Arheilgen in Neu-Isenburg austragen. Dort sind nur schwer Punkte zu holen, dennoch fährt die Mannschaft nicht aussichtslos. Mit Spatz haben sie wieder erheblich an Schlagkraft gewonnen. Entscheidend für die Vergebung der ersten Plätze wird die Begegnung in Sprendlingen sein, wo dieSKG Ober-Ramstadt ebenfalls einen schweren Kampf bestreiten muß. Die Gastgeber sollten trotz der vorsonntäglichen Niederlage auf eigener Matte zum Punktgewinn kommen. -eri-

Tischtennis

SV 98 vor seinem ersten Punktgewinn? SV Gelnhausen —98 Darmstadt (Herren) TTC Wächtersbach — 98 Darmstadt (Damen)

Die Mannschaften des SV 98 müssen am Wochenende reisen. So muß die 1. Herrenmannschaft derLilienträger nach Gelnhausen. Die Gastgeber, die erstmals in diesem Jahr in der obersten Spielklasse stehen, konnten gegenüber den anderen Mannschaften nicht überzeugen. Der SV 98, der trotz seiner Niederlagen eine starke Mannschaft hat, sollte in Gelnhausen zu den ersten begehrten Punkten kommen.

Die Damenmannschaft muß nach Wächtersbach und wird sich vorsehen müssen. Erst am vergangenen Wochenende schlugen die Gastgeber die Vertreterinnen von Bad Nauheim eindeutig. Die größere Spielerfahrung sollte aber hier den Ausschlag zugunsten der Darmstädterinnen geben können. Alles andere wie ein Sieg der Gäste wäre eine Ueberraschung. Die 2. Herrenmannschaft, die in der Landesliga Süd spielt, bestreitet am Sonntag zwei Spiele, und zwar in Bensheim und in Auerbach gegen die jeweils ersten Mannschaften. Der Spielausgang ist offen. Ku.

Am Sonntag, dem 1. Oktober, findet um 9 Uhr auf den Waldsportplätzen des TSV Pfungstadt eine Abnahme der leichtathletischen Uebungen für das Bundes-Sportabzeichen statt. Prüfungsleiter K. Grünig.

Bestattungen am Freitag, dem 29. 9. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: ■ i 11.00 Marie Schnell, Gutenbergstraße 76, 82 Jahre 15.00 Wilhelm Schafer, Kittlerstraße 4, 64 Jahre Arhellger Friedhof: 15.00 Dorothea Rudolf, Waldstraße 20, 77 Jahre Waldfriedhof: 10.15 Kind Dieter Lehr, Philipp-Röth-Weg 30, 3 Tage 11.15 Anna Schüßler, MettegangWeg 19, 66 Jahre

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Betr.: Zuckerpreise Es bestellt Veranlassung, darauf htazuweisen, daß die Zucker¬ abgabepreise, wie solche in der Anordnung des Bundesmini¬ steriums für Wirtschaft PR. Nr. 80/49 vom 30. 9. 1949 neu geregelt wurden, nach wie vor Gültigkeit haben (veröffentlicht im Amtsverkündigungsblatt Nr. 1 vom 6. 1. 1950). Es ist mir zur Kenntnis gekommen, daß die Zuckerknappheit in Einzel¬ fällen zum Anlaß genommen wurde, in den Handelsstufen höhere Abgabepreise zu verlangen. Solchen Tendenzen werde ich mit aller Schärfe begegnen. Ich habe meine Ueberwachungsorgane angewiesen, eingehende Kontrollen durchzuführen und jede Zuwiderhandlung zur An¬ :eige zu bringen. Bei Zucker ausländischer Herkunft müssen die Lieferausweise bzw. Rechnungen die Angaben über die von den Einfuhrpreis¬ stellen zugelassenen Abgabepreise bzw. Handelsspannen ent¬ halten. Sind solche Angaben nicht vorhanden, so kann nur der zulässige Preis nach der Anordnung PR. 80/49 gestattet werden. ' Erbach, den 27. September 1950. Der Landrat. Betr.: Genehmigung einer Sammlung In der Zeit vom 4. bis 15. Oktober 1950. Der Herr Minister des Innern hat der ArbeiterwohMahrt Hessen e. V. - Landesvorstand Frankfurt a. M., auf Grund des § 1 des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (RGBI. I S. 1086) und der hierzu ergangenen Durchführungsverodnung vom 14. 12. 1934 (RGBI. I S. 1250) die Genehmigung erteilt, in der Zeit vom 6. bis 15. Oktober 1950 eine Geldsammlung von Haus zu Haus unter Benutzung von Sammellisten sowie unter Benutzung von Sammelbüchsen auf öffentlichen Straßen und Plätzen durch¬ führen zu lassen. Die Genehmigung gilt für den gesamten Bereich des Landes Hessen. Im einzelnen gelten für diese Genehmigung folgende Bedingungen: a) Jeder Sammler ist mit einem entsprechenden Ausweis zu versehen, der von der Ortspolizeibehörde auszustellen ist. Die Ausweise sind nach Ablauf der Sammelgenehmigung an die ausstellende Behörde zurückzugeben. b) Die einzelnen Beträge sind in Listen gegen Quittung des Spenders einzutragen. Die Listen müssen «numeriert und überprüft werden können. c) Die Sammler auf öffentlichen Straßen und Plätzen haben sicher verschließbare Sammelbüchsen, deren Beschaffenheit Veruntreuungen ausschließt, zu verwenden. An jeder Büchse muß der Name des Veranstalters der Sammlung deutlich sichtbar angebracht sein. d) Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei Durchführung der Sammlungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mit¬ wirken. Die Heranziehung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht gestattet. Erbach, den 25. September 1950. Der Landrat. Der Landrat des Kreises Erbach — Versicherungsamt. Betr.: Festsetzung der Ortslöhne. Das Oberversicherungsamt Darmstadt gibt die nachstehende Bekanntmachung zur allgemeinen Kenntnis. Erbach i. 0., den 19. September 1950. Der Landrat des Landkreises Erbach 1. 0. Versicherungsamt. „Auf Grund der §§ 149 und 151 der Reichsversicherungs¬ ordnung und der 1. Hessischen Verordnung über die Festsetzung der Ortslöhne in der Sozialversicherung vom 24. 6. 1949 (GVBI. für das Land Hessen 1949, Nr. 17, Seite 60) wird der Ortslohn für den Regierungsbezirk Darmstadt für die Zeit vom 1. Juli 1950 bis 30. Juni 1951 in der gleichen Höhe wie für die Zeit vom 1. Juli 1949 bis 30. Juni 1950 (Staatsanzeiger für das Land Hessen 1949, Seite 449, Nr. 758) festgesetzt. Darmstadt, den 19. August 1950. Der Regierungspräsident In Darmstadt Oberversicherungsamt. Dienstnachrichten Herr Walter Helfert, geb. am 4. 3. 1922, Kirschhausen, wurde als Feuerwehrkommandant und Herr Robert Mits ch, geb. am 15. 4. 1921, Kirschhausen, als stellvertretender Feuer¬ wehrkommandant der Gemeinde Kirschhausen verpflichtet.

Bekanntmachung. Betr.: Gewährung von Aufbauhilfe (Existenzaufbau), Zweite Zuweisung. Auf Grund einer Verfügung des Hauptamtes für Soforthilfe, Bad Homburg, wird bekannt gegeben, daß am 13. 9. 1950 im Bundesanzeiger die Bedingungen veröffentlicht wurden, zu wel¬ chen in der Zeit vom 14. 9. 1950 bis zum 13. 11. 1950 wieder Anträge auf Gewährung von Aufbauhilfe (Existenzaufbau) ge¬ stellt werden können. Die Antragsformulare sind bei der Bürgermeisterei des Wohn¬ ortes des Antragstellers erhältlich. Für die Gewährung von Aufbauhilfe sind bei der zweiten Zu¬ weisung ebenfalls die Weisungen über die Gewährung von Auf¬ bauhilfe (Existenzaufbau) des Hauptamtes für Soforthilfe, Bad Homburg, vom 28. 4. 50 Az.: HB — 779 — mit Ausnahme der folgenden Aenderung maßgebend: 1. § 4 erhält folgende Fassung: § 4. Aufbauhilfe können Geschädigte erhalten, die a) durch die Schädigung ihren Betrieb verloren oder einen erheblichen Schaden an ihm erlitten haben, oder b) bereits selbständig erwerbstätig sind. Ausnahmsweise kann Aufbauhilfe auch an Geschädigte gegeben werden, bei denen die Voraussetzungen von a) und b) nicht vorliegen, wenn die Weigerung dieser Hilfe infolge Vorliegens besonderer Gründe eine unbillige Härte bedeuten würde. In allen Fällen muß die volle fachliche Eignung des Antrag¬ stellers für die zu fördernde Erwerbstätigkeit gegeben sein. Soweit nach landesrechtlichen Bestimmungen für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit eine besondere Genehmigung erforderlich ist, muß diese vorliegen. 2. § 13 erhält folgende Fassung: § 13. Innerhalb von 2 Monaten nach Veröffentlichung dieser „Wei¬ sung" im Bundesanzeiger sind die Anträge bei den Aemtern für Soforthilfe einzubringen. Diejenigen Personen, deren für die erste Zuweisung gestellte Anträge wegen der fehlenden Voraussetzung — Besitz eines eigenen Betriebes oder einer selbständigen beruflichen Existenz im Zeitpunkt der Schädigung — nicht bearbeitet werden konnten, werden in den nächsten Tagen durch eine getrennte Bekannt¬ machung unterrichtet, ob eine neue Antragstellung erforderlich ist oder ob, wie ursprünglich vorgesehen, eine Uebernahme dieser Anträge in die Gruppe der Darlehensgesuche für die zweite Ausschüttung erfolgen wird. Die Antragsteller werden gebeten, die Fragebogen in allen Teilen sorgfältig auszufüllen. Die Einsendung bitte idi über die zuständige Bürgermeisterei vorzunehmen. Die zum Beleg der gemachten Anlagen erforderlichen Unter¬ lagen bitte ich beizufügen. Insbesondere wird benötigt: Bei bereits selbständiger Erwerbstätigkeit bzw. selbständiger beruflicher Existenz Vermögensübersicht (Bilanz mit Verlust- und Gewinnrechnung), ausführliche Schilderung der Einkommensverhältnisse, bei nichtselbständiger Tätigkeit Vorlage einer Einkommensbescheini¬ gung des derzeitigen Arbeitgebers, Bestätigung des zuständigen Finanzamtes über den gewerb¬ lichen Gewinn und Angabe über etwaige Steuerrückstände, bei bestehenden Schuldverpflichtungen: Bestätigung der Kreditgeber über den derzeitigen Stand der Verpflichtungen sowie Tilgungs- und Zinssatz, sofern Antragsteller kriegsversehrt oder erwerbsbeschränkt: beglaubigte Abschrift des Rentenbescheides, für gemietete Gewerberäume des Antragstellers: beglaubigte Abschrift des Mietvertrages, ausführliche Schilderung des Verwendungszweckes des be¬ antragten Darlehens mit Kostenvoranschlägen bzw. Lieferanten¬ angeboten, t von Sachgeschädigten: Vorlage einer Bescheinigung des zu¬ ständigen Kriegsschädenamtes, aus welcher neben dem Umfang der Schädigung auch die Höhe der bereits erhaltenen Abschlags¬ zahlungen ersichtlich sein muß, bei Spätheimkehrern: von der Bürgermeisterei bestätigte An¬ gabe des Entlassungstages. Der Nachweis der fachlichen Eignung für die zu fördernde Erwerbstätigkeit ist unbedingt zu führen. Nur die vollständige Ausfertigung der Antragsformulare und die Beifügung ausreichender Unterlagen gewährleisten eine rasche Bearbeitung der Anträge. Heppenheim, den 25. September 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße Amt für Soforthilfe.

Der Landrat des Kreises Erbach — Versicherungsamt — Betr.: Freiwillige Selbstversicherung in der Rentenversicherung. Nach § 1243 RVO. sind zum freiwilligen Eintritt in die Ver¬ sicherung (Seibtversicherung) bis zum vollendeten 40. Lebens¬ jahr alle deutschen Staatsangehörigen im In- und Ausland be¬ rechtigt, die nicht versicherungspflichtig sind. Nach § 20 des Gesetzes vom 15. 1. 1941 sind ferner zum frei¬ willigen Eintritt in die Rentenversicherung bis zum vollendeten 55. Lebensjahr alle deutschen Staatsangehörgen und Volks¬ deutschen berechtigt, die nach dem 25. 8. 1939 aus dem Ausland in das Reichsgebiet heimgekehrt sind. Vorbehaltlich etwaiger Entscheidungen im Rechtszuge hat die Verwaltung für Arbeit die Ansicht vertreten, daß der § 20 des Gesetzes vom 15. 1. 1941 auch für die aus der Gefangenschaft heimkehrenden Kriegsgefangenen zu gelten hat, sofern sie wäh¬ rend des Kriegsdienstes bzw. in der Zeit der Kriegsgefangen¬ schaft ihr 40. Lebensjahr vollendet haben. Diese Bestimmung tritt jedoch mit dem Ablauf des Kalender¬ jahres, das der Beendigung des Krieges folgt, außer Kraft. In der amerikanischen Besatzungszone ist der Termin für die Beendigung des Ktieges noch nicht festgelegt, so daß die er¬ wähnten Personenkreise auch heute noch eine Berechtigung zum freiwilligen Eintritt sowohl in der Invaliden- als auch in der Angestelltenversicherung haben. Damit beim Eingang der ersten aufgerechneten Quittung«- oder Versicherungskarte sofort festgestellt werden kann, daß der In¬ haber zu diesem Personenkreis gehört wurde den Umtausch¬ stellen empfohlen, bei Ausstellung der ersten Karte den Ver¬ merk anzubringen „Ausgeste'lt gemäß § 20 des Gesetzes vom 15. 1. 1941.“ Erbach i. 0., den 18. September 1950. Versicherungsamt.

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