Atlantikrat: Vorläusig keine dentschen Truppeneinheiten
Neuyork, 27. September. (AP.) Der Rat der Atlantikpakt-Mächte 3 abschließenden Sitzung am Dienstag beschlossen, so schnell wie möglich eine gemeinsame Westarmee zur Verteidigung Europas aufzustellen. Nach der Sitzung gab der Rat ein Kommunique heraus, das folgende Punkte umfaßt:
1. Aufstellung einer gemeinsamen Armee innerhalb der Atlantikpakt-Organisation.
2. Diese Armee wird einem Oberbefehlshaber unterstehen, der ausreichende Vollmachten erhält, um die Ausbildung und Organisierung der nationalen Truppenkontingente im Krieg und im Frieden sicherzustellen.
3. Dem Oberbefehlshaber wird ein internationaler Offiziersstab beigegeben werden, der sich aus Vertretern aller Teilnehmerstaaten zusammensetzt und ihn bei seinen Arbeiten unterstützt.
4. Bis zur Ernennung eines Oberbefehlshabers wird ein Stabschef mit der Aufstellung und Ausbildung der Armee beauftragt werden.
5. Für die strategischen Aufgaben der gemeinsamen Armee wird ein ständiges Komitee des militärischen Anschusses der Atlantikpakt-Organisation verantwortlich sein.
Der Verteidigungsausschuß, der sich aus den Verteidigungsministern der Mitgliedstaaten zusammensetzt, wurde angewiesen, die Frage der Aufstellung deutscher Truppenkontingente zu erörtern und dem Rat Empfehlungen für . die zweckdienlichste Verwendung deutscher Verbände zu unterbreiten.
Nur bei Gleichberechtigung
Die deutsche Stellungnahme
Bonn, 27. September. (AP.) In Bonner Regierungskreisen äußerte man sich am Mittwoch nach der Kabinettssitzung sehr zurückhaltend zu den Beschlüssen des Rates der Atlantikpakt-Mächte. Es wird darauf hingewiesen, daß eine Mitwirkung Westdeutschlands an der am Dienstag von den Atlantikpaktstaaten beschlossenen Westarmee „nur auf dem Boden absoluter Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung“ erfolgen könne.
Die Westmächte trügen gegenwärtig entsprechend der Deutschland gegebenen Sicherheitsgarantie die ungeteilte Verantwortung für die Sicherheit der Bundesrepublik und Berlins. Der Wert der Sicherheitsgarantie werde davon bestimmt werden, wie weit die Alliierten gewillt seien, starke Kräfte der europäischen Armee in das Gebiet der Bundesrepublik zu entsenden.
Man zitiert in diesem Zusammenhang die Erklärung eines Sprechers des amerikanischen Außenministeriums in der vergangenen Woche, nach der deutsche Einheiten unter direkte Kontrolle des Oberbefehlshabers der gemeinsamen Streitmacht gestellt werden und nicht der Kontrolle der Bundesrepublik unterstehen sollen.
Ein solches Prinzip werde deutscherseits nur dann diskutiert werden können, wenn es auch auf alle anderen nationalen Bestandteile einer europäischen Armee angewendet würde.
Befriedigung in Paris
P. M. Paris, 27. September. Die in Neuyork beschlossene Schaffung einer gemeinsamen Atlantikarmee wird von der französischen Oeffentlichkeit mit allergrößter Befriedigung aufgenommen. Vor allem ist es die Gemeinsamkeit der militärischen Anstrengung, die das bisher in Frankreich vorherrschende Gefühl beruhigt, daß es in der Hauptsache auf sich selbst angewiesen bleibe. Daß das Problem einer deutschen Bewaffnung im Augenblick nur in sehr unpräziser Form berührt wird, vergrößert die günstige Wirkung des Neuyorker Beschlusses. Mit diesem vorübergehenden taktischen Erfolg des französischen Standpunktes wird im Lande vor allem der Eindruck einer Nötigung in dieser Frage vermieden.
Empfangsraum für 20 000 Mark
Scharfe Kritik an den Ausgaben in Bonn
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 27. September. Der Untersuchungsausschuß des Bundestages für die Bundesbauten in Bonn hat am Mittwoch eingehend einige Ausgabenpositionen zur Einrichtung von Bundesbehörden behandelt. Der Vorsitzende des Ausschusses erklärte, es könne vor der Oeffentlichkeit nicht vertreten werden, daß beim Bundespresseamt zwanzigtausend Mark für einen Empfangsraum und über elftausend Mark für das Arbeitszimmer des Leiters des Amtes aüfgewandt worden seien und daß man die Möbel in Einzelfertigung habe herstellen lassen. Auch Staatssekretär Wandersieb gab zu, daß diese Ge¬ -chichte völlig aus dem Rahmen gefallen sei.
Aber auch die Aufwendungen im Innenministerium wurden lebhaft kritisiert, nachdem festgestellt worden war, daß’das Arbeitszimmer des Ministers vierzehntausend das Arbeitszimmer des Staatssekretärs über zwölftausend Mark und das Vorzimmer rund siebentausend Mark gekostet haben. Vom Ausschuß wurde von einem ungewöhnlichen Aufwand der Einrichtungen gesprochen, über den dem Bundestag berichtet werden müsse. Ein Mitglied des Ausschusses, der Vertriebener ist wandte sich empört gegen solche b-n^ni’eligen Einrichtungen. Auf Befrawurde erklärt, daß Innenminister Heinemann selbst diese Ausstattung ausgesucht habe.
Eine Unklarheit über die Verantwortlichkeit ergab sich beim Finanzministerium in dem das Ministerzimmer über neuntausend Mark, das Staatssekretär-
zimmer über siebentausend Mark gekostet hat. Während nämlich der Finanzminister dem Ausschuß mitgeteilt hat, daß er von diesen Einrichtungen nichts gewußt habe und auch keine Bundesbeamten an der Beschaffung beteiligt gewesen seien, wurde von der Beschaffungsstelle erklärt, der Minister sei selbst mit diesen Dingen nicht befaßt worden, aber Beamte seines Ministeriums hätten sich bei der „geschmacklichen Auswahl“ beteiligt, ohne daß dabei die finanzielle Seite besprochen worden sei. Staatssekretär Wandersieb erklärte mit einiger Erregung, die Beschaffungsstelle, die ihm unterstellt gewesen sei, habe die Anforderungen eines Ministers in der Ueberzeugung erfüllt, daß so hohe Persönlichkeiten dann auch die Verantwortung dafür übernehmen würden.
Endlich befaßte sich der Ausschuß auch mit der Anschaffung von je 24 versilberten Bestecken bei drei Ministerien, die als etwas ungewöhnlich bezeichnet wurde, und der Beschaffung eines Horch-Sportkabriolets im Werte von 16 300 Mark für einen Minister (für den Vizekanzler Blücher). Dabei hat das Ministerium die Beschaffungsstelle für verantwortlich erklärt, während die Beschaffungsstelle sagt, das Ministerium habe diese Lieferung gewünscht.
Der Leiter des Bundespresseamtes, Ministerialdirektor Dr. Brand, hat vor der Presse betont, daß er zu der Zeit, in der die getadelten Anschaffungen für dieses Amt gemacht worden seien, dieses Amt noch nicht geleitet habe.
Das Fraktionsrecht aberkannt
Maßnahmen gegen die Kommunisten im Landtag von Nordrhein-Westfalen
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Fö. Düsseldorf, 27. September. Der Landtag vonNordrhein-Westfalen hat am Mittwoch nach einer bewegten Sitzung den Abgeordneten der Kommunistischen Partei die Eigenschaft einer Fraktion aberkannt.
Dieser Beschluß wurde nach der voraufgegangenen Annahme eines Antrages der Christlich-Demokratischen Union gefaßt. Dieser Antrag, der die knappe Mehrheit der Christlich-Demokratischen Union und des Zentrums fand, bestimmt, daß einer Fraktion die Anerkennung des Landtages versagt werden kann, wenn ihre Abgeordneten oder deren Partei die verfassungsmäßige Ordnung im Lande stören. Die Sozialdemokraten enthielten sich in beiden Fällen der Stimme, während die Freien Demokraten dem ersten Antrag nicht, wohl aber dem zweiten Antrag zustimmten. Mit diesem Beschluß verlieren zum ersten Male in einem deutschen Parlament die kommunistischen Abgeordneten das Stimmrecht in den Ausschüssen sowie ihre Sitzungsgelder.
Im Verlauf der Sitzung hatte Ministerpräsident Arnold in Beantwortung einer Reihe von Anfragen und Anträgen der Kommunistischen Partei zu den bisher von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen gegen die Tätigkeit der Freien Deutschen Jugend und anderer getarnter kommunistischer Organisationen Stellung genommen. Arnold schilderte einige Beispiele gewalttätiger Störungsversuche, darunter auch den Fall Bochum vom letzten Sonntag, und stellte fest, daß in allen Fällen mindestens der juristische Tatbestand des öffentlichen Aufruhrs, teilweise in Tateinheit mit Körperverletzung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt, erfüllt gewesen sei. Wenn die aufgeführten Tatbestände für sich allein betrachtet auch nur Einzelangriffe gegen die öffentliche Ruhe und Sicherheit sein mögen, so sei es klar erkenntlich und entscheidend für die politische Beurteilung, daß diese Einzelangriffe Bestandteil des vorbedachten Gesamtplanes seien, der nicht in deutschen Köpfen entstanden sei, aber die Vernichtung von Verfassung, Recht und Freiheit in Deutschland zum Ziele habe.
Anträge und Anfragen der Kommunisten in diesem Haus seien daher schon allein ein Mißbrauch der durch die Verfassung und die Grundordnung gewährleisteten Rechte.
Der Ministerpräsident teilte dem Hause weiter mit, daß sogenannte „Friedensfreunde“ in anonymen Briefen die Chefs der Polizei und sogar ganze Polizeidienststellen aufgefordert haben, die ihnen im Zusammenhang mit der Bekämpfung kommunistischer Störversuche gegebenen Anordnungen „im Sinne der Friedensfreunde auszulegen, das heißt sie nicht zu befolgen und zu sabotieren“. Den Polizeibeamten sei in diesen Briefen sogar mitgeteilt worden, daß sie es durch entsprechendes Verhalten in der Hand hätten, für ihre persönliche Sicherheit zu sorgen.
Arnold bezeichnete diese Briefe als „Beamtennötigyng im schwersten Sinne“ und einen „Versuch, die Staatsaütorität zu untergraben“. Die Demokratie sei zwar „eine Staatsform der Nachsicht, der Toleranz und Geduld, sie ist aber nicht die Staatsform des politischen Selbstmordes“.
Das Parteigcbäude der Kommunistischen Partei in Düsseldorf, das, wie bereits berichtet, auf Befehl des britischen Landeskommissars, General Bishop, beschlagnahmt worden ist Foto: dpa
Besetzung Nordkoreas?
*** Die strategischen Pläne Mac Arthurs haben derartige Erfolge gezeitigt, daß nunmehr die Frage auftaucht, was weiter geschehen soll, wenn die nordkoreanischen Truppen in Südkorea außer Gefecht gesetzt sind. Soll man am 38. Breitengrade, der Trennungslinie zwischen Nord- und Südkorea stehenbleiben und dort eine Art von Stellungskrieg führen, oder soll man auch Nordkorea von der bolschewistischen Herrschaft befreien? Die Verhältnisse in Korea liegen etwas anders als in Deutschland. Nordkorea war Besatzungsgebiet der Russen, aber diese haben das Land geräumt, um den Vorstoß der Nordkoreaner als Bürgerkrieg tarnen zu können. Die Russen besitzen also keine rechtliche Handhabe, sich gegen ein Vordringen der Streitkräfte der Vereinten Nationen über den 38. Breitengrad hinaus zu verwahren.
Bisher bestand die Gefahr, daß sowohl die Russen wie Rotchina das Vordringen auf nordkoreanisches Gebiet als einen Anlaß zum Eingreifen betrachten würden. Wie man jetzt erfährt, hat jedoch Mao Tse-tung auf indische Vorstellungen hin die Versicherung abgegeben, er werde weder nach Korea Truppen entsenden nooh in Formosa oder Indochina eingreifen. Auch die Russen zeigen wenig Neigung, offiziell mit den Nordkoreanern gemeinsame Sache zu machen. Es erhält sich: im Gegenteil hartnäckig das Gerücht, sie seien zu Friedensbesprechungen geneigt
Unter diesen Voraussetzungen darf man annehmen, daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen am Freitag beschließen wird, auch Nordkorea zu besetzen, in beiden Landes teilen demokratische Wahlen auszuschreiben und ein demokratisches Regime einzurichten. Immerhin scheint man bereit zu sein, insofern Rücksicht auf die Empfindlichkeit der Russen und Chinesen zu nehmen, als man erwägt, daß die Amerikaner am 38. Breitengrade haltmachen, um Nordkorea nur durch die sonstigen Truppen der Vereinten Nationen, wie Engländer, Australier und Philippiner besetzen zu lassen. Die Engländer haben bereits Vorschläge ausgearbeitet, wie Gesamtkorea verwaltet werden soll. Wesentlich dürfte dabei jedoch sein, daß die Nordkoreaner, unter anderem durch eine auch von den Vereinten Nationen anerkannte Bodenreform, für die Demokratie gewonnen werden.
Die „soziale Atombombe“
Von Reinhold ZenzNicht von ungefähr ist bei allen großen Tagungen, die in der letzten Zeit abgehalten wurden, in erster Linie die Frage der Vertriebenen und der Ostflüchtlinge behandelt worden. Auf dem Europarat in Straßburg, auf der Konferenz der europäischen Parlamentarier in Konstanz und auf dem Selbsthilfekongreß in Frankfurt. Gerade heute, da die Bundesrepublik im Spannungsfeld des Ost-West-Konfliktes liegt, gilt es nach den Worten des Bundesverkehrsministers Seebohm, die soziale Atombombe, die das Problem der Millionen von Heimatvertriebenen darstellt, zu entschärfen.
Es ist nicht so, als ob diese Bevölkerungsgruppe ein unsicheres Element sei, nicht so, als ob sie besonders anfällig für kommunistische Ideen sei, im Gegenteil, diejenigen, die die Segnungen des Kommunismus am eigenen Leibe erfahren haben, sind die leidenschaftlichen Vorkämpfer der Bundesrepublik für Freiheit und Einheit. Da sie jedoch bisher erst zu einem geringen Teil in die Wirtschaft eingegliedert werden konnten, stellen sie ein Passivum dar, das jede geordnete Wirtschaftsführung unmöglich macht. Es gilt daher, dieses Passivum auszugleichen, mehr noch, das Passivum in ein Aktivum zu verwandeln. Die Voraussetzungen dazu sind gegeben. Es gilt nur die brach liegenden Kräfte dieser Bevölkerungsschicht nutzbar zu machen.
Noch einmal Zahlen
Es muß immer wieder gesagt werden, wieviel Deutsche ihre angestammte Heimat verloren haben. Aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie und der Stadt Danzig sind 8,8 Millionen Menschen ausgetrieben und in die Bundesrepublik hineingepreßt worden. Wenn man die Vertriebenen hinzuzählt, die in der Sowjetzone leben, sind es schätzungsweise sogar zwölf Millionen, die ihre Heimat verloren haben. In der Bundesrepublik leben außerdem 1,5 Millionen politische Flüchtlinge aus der Sowjetzone. Ihre Zahl wächst täglich im Durchschnitt um tausend Menschen. Was dies bedeutet, kann man erst ermessen, wenn man dagegenhält, daß die Niederlande keine zehn Millionen Einwohner umfassen. Belgien hat 8,4 Millionen, Norwegen und Schweden zusammen zehn Millionen Einwohner.
Die Austreibung und die Verpflanzung der Einwohner eines eroberten Landes ist durch die Beschlüsse von Potsdam und Jalta nicht zum ersten Male in der Geschichte erfolgt. Der asyrische König Tiglat-Pileser 111. (746—777 vor Christus) hat urkundlich zum ersten Male dieses grausame Mittel angewandt, um Gebiete im Sinne des Eroberers „zu befrieden“. In der ganzen Geschichte gibt es jedoch kein Beispiel, das der Massenaustreibung und dem Elend der deutschen Vertriebenen und Flüchtlinge gleichkommt.
Die Eingliederung
Gewiß ist mancherlei getan worden, um die Vertriebenen und die Flüchtlinge in den Wirtschaftsprozeß der Bundesrepublik einzugliedern. Durch sie wurde aber der Bedarf an Arbeitsplätzen in Deutschland um fünf Millionen vermehrt, und nur durch größte Anstrengung ist es möglich geworden, etwa 3,5 Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze zu schaffen. Das Leid der Arbeitslosen drückt sich eindeutig in der Arbeitslosenziffer aus. denn Mitte August waren von tausend Einheimischen 31 arbeitslos, von tausend Vertriebenen und Flüchtlingen jedoch 79. Der Fleiß und die Zähigkeit der Neubü-ger wird dadurch bewiesen, daß sie 45 000 Handwerker-Betriebe und an 3000 industrielle Betriebe einrichten konnten. Durch das Flüchtlings-Siedlungs-Gesetz konnten jedoch bisher erst 6000 vertriebene Bauernfamilien angesiedelt werden, während gerade die Mehrzahl der heimatlos gewordenen aus Bauern besteht. Am schlimmsten sind die früher Selbständigen daran. Es mögen ihrer 170 000 sein, von denen erst 40 000 wieder selbständig werden konnten. Gerade sie verfügen aber über eine Unsumme von Wissen und Können, das für die Allgemeinheit brach liegt.
Auswandern?
Immer wieder wird die Frage erwogen, ob der Menschenüberschuß der Bundesrepublik nicht in andere Länder abgeleitet werden kann. Der Walter-Plan sah die Aussiedlung von einer Million Deutschen, möglichst in geschlossenen landwirtschaftlichen Grunnen, nach wirtschaftlich zurückgebliebenen Gebieten vor. Zunächst haben jedoch in den letzten Tagen zwischen amerikan’schen Dienststellen und den zuständigen deutschen Bundesministerien Besprechungen über das neue amerikanische Gesetz stattgefunden, das die Einwanderung von 54 744 vertriebenen Volksdeutschen in die Vereinigten Staaten vorsieht, die neuerdings als heimatlose Ausländer (DPs.) gelten.
Die Mehrzahl der deutschen Heimatlosen hat sich gegen eine Auswanderung ausgesprochen, wenn auch nur in der Hoffnung, in absehbarer Zeit in die alte Heimat zurückkehren zu können. Man muß es begrüßen, daß wir nicht durch eine Massenauswanderung beste Arbeitskräfte verlieren, die wir nach dem großen Aderlaß des Weltkrieges nicht entbehren können. Andererseits bildet diese Hoffnung auf Heimkehr für die Masse der Vertriebenen eine gewisse Gefahr, da sie ihren Zustand als vorübergehend ansieht, und viele sich daher gegen eine nutzbringende Eingliederung sträuben. Dieser Gefahr muß mit allen Mitteln entgegengewirkt werden. Mit den beschränkten Mitteln der Bundesrepublik allein kann dies allerdings nicht geschehen. Daher muß man es dankbar begrüßen, daß neun amerikanische Sachverständige für Wirtschaft und Sozialpolitik unter Führung des Neuyorker Bankiers Hans Christian Sonne am 21. September aus den Vereinigten Staaten zu einem dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland abgereist sind, um das Flüchtlingsproblem an Ort und Stelle zu studieren. Das Wesentliche bei diesem Besuch ist, daß die Sachverständigen nicht wiederum eine Aussiedlung im Auge haben. Sie sind vielmehr, auf Grund privater Verträge von der Bundesregierung verpflichtet worden, eemeinsam mit deutschen Vertretern ’f”l¬ - zur Eingliederung der Vertr>' nen in das deutsche Wiftschaftsleb auszuarbeiten.
Staatshilfe und Selbsthilfe
Mit dieser Untersuchung durch Wirtschaftspraktiker nähern wir uns dem eigentlichen Problem. Die Kardinalfrage für die Flüchtlinge in aller Welt ist nämlich nicht die, wie sie unterstützt werden sollen, sondern wie ihnen die Grundlage für eine neue Existenz geschaffen werden kann. Der Minister für Angelegenheiten der Vertriebenen, Lukaschek, hat auf der Tagung des ständigen Ausschusses für Selbsthilfe in Frankfurt erklärt, die Vertriebenen dürften auf keinen Fall nur ein Objekt der Wohlfahrt sein, und von einem Vertreter des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften wurde darauf hingewiesen, es sei bisher zu wenig beachtet worden, daß die Vertriebenen nicht nur eine Belastung bedeuteten. Dies werde offenbar, wenn es gelänge, alles zu mobilisieren, was die Vertriebenen an Kenntnissen, Erfahrungen und Initiative mitgebra^ht hätten.
Die Mittel hierfür können nicht allein vom Staate kommen. Audi nicht von einer Auslandshilfe, so sehr wir mit einer solchen rechnen müssen. Der eigene Leistungswille des einzelnen muß ebenso mithelfen wie das Verantwortungsbewußtsein der Wirtschaft, auch der Gewerkschaften. Vor der mat'riellen Hilfsbereitschaft muß jedoch die seelische Hilfsbereitschaft stehen. Und diese muß unterstützt werden durch die wirkliche Hilfe, die nach den Worten des Bundespräsidenten nicht darin besteht, den sozial und wirtschaftlich Schwachen das Wort Selbsthilfe entgegenzuhalten, sondern dem Nachbarn die Hand zu reichen. Mit anderen Worten, auch im Hinblick auf die Vertriebenen müssen wir zu einem gemeinschaftlichen Denken und zu einer gemeinschaftlichen Hilfe kommen, die die Vertriebenen und Flüchtlinge von dem Zwang befreit, Wohlfahrtsempfänger zu sein, und ihre Kräfte für die Gesamtheit produktiv machen.
Das Kabinett berät
die Neuyorker Beschlüsse
R. Bonn, 27. September. (Eigener Bericht.) Das Bundeskabinett hat sich am Mittwoch sehr eingehend mit den Beschlüssen der Neuyorker Außenministerkonferenz und den dazu gegebenen Erklärungen der Oberkommissare befaßt. Ein Sprecher der Regierung konnte darüber nichts Weiteres mitteilen, außer daß der Kanzler sicherlich bald selbst zu diesem Thema auf einer Pressekonferenz sprechen werde und daß man jetzt daran gehe, die deutschen Mitglieder für die gemischten Ausschüsse zur Beratung des neuen Petersberg-Abkommens zu bestimmen.
Wie wichtig eine klare Darlegung der Dinge durch den Bundeskanzler wäre, geht nach Auffassung hiesiger Kreise daraus hervor, daß zum Beispiel der Hauptausschuß der Freien Demokratischen Partei die unverzügliche Errichtung eines deutschen Außenministeriums gefordert hat, aber die Zulassung dieses Ministeriums durch die Alliierten zunächst, wie fast alle anderen Erleichterungen der alliierten Kontrollen, von der Erfüllung der von alliierter Seite dafür gewünschten deutschen Zusagen abhängt.
Zentrale Industrieplanung?
Umfrage der Gewerkschaft
F. A. Z. Köln, 27. September. Aus der Automobil-Industrie wird bekannt, daß der Vorstand der Industriegewerkschaft Metalle für die Bundesrepublik eine große Industrieerhebung angeordnet hat.
Die Umfrage an die Betriebsrats-Vorsitzenden erregt beträchtliches Aufsehen. Denn diese weitgehende Industrieerhebung läßt, so meint man, darauf schließen, daß die Gewerkschaften hoffen, mit Hilfe der im Mitbestimmungsgesetz vorgesehenen Aufsichtsratssitze eine zentrale Industrieplanung einleiten und jedenfalls wirtschaftspolitische Einflüsse nehmen zu können, die in Kompetenzen der Bundesregierung eingreifen.
Wo sind die kommnnistischen Divisionen?
Die Truppen der Vereinten Nationen vor einem Rätsel / Nur noch starke Nachhuten in Südkorea
Söul, 27. September. (AP.) Die Schlacht um Söul ist geschlagen. Nur noch vereinzelte Widerstandsnester in der Stadt müssen gesäubert werden. Am Mittwoch wurden das südkoreanische Parlament, die französische und die russische Botschaft besetzt. Nördlich der Stadt konnten die amerikanischen Einheiten beherrschende Höhenzüge einnehmen. Sie drohen, dem flüchtenden Feind den Rückzugsweg über den 38.’ Breitengrad abzuschneiden.
Nach dem Schließen der Zange hat Mac Arthur am Mittwoch bekanntgegeben, daß alle brauchbaren Rückzugsstraßen nach Norden für die Nordkoreaner abgeschnitten worden seien und daß damit das Schicksal dieser Truppen besiegelt sei.
Die Vermutungen über die Zahl der eingeschlossenen Truppen der Nordkoreaner im Süden der Halbinsel gehen weit auseinander. Während einige Berichte von hunderttausend Mann sprechen, sind es in anderen nur vierzigtausend Nordkoreaner. Und von der Front selbst kommt die Nachricht, daß die Soldaten außerordentlich beunruhigt seien über ein Rätsel, das sich vor ihnen aufgetan hat. Während sie in unbesetztes Gebiet vorstoßen, steht vor ihnen die Frage: wo befinden sich die roten Divisionen, die noch vor der Landung bei Inchon der 8. Armee im Süden des Landes so zugesetzt haben? Der Korrespondent Whitehaed der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press schreibt von der Hauptkampflinie:
„Die roten Divisionen scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Ueber Nacht verschwanden die kommunistischen Divisionen an der Südfront, als oben im Norden, bei Inchon, die Invasion begann. Weder der amerikanische Nachrichtendienst noch die Luftaufklärung konnten das Geheimnis der verschwundenen Divisionen lüften. Es wurden keinerlei Truppenbewegungen nach Norden beobachtet, keinerlei größere Marschkolonnen sind im feindlichen Hinterland gesichtet worden, und doch sind die kommunistischen Einheiten bis auf starke Nachhuten abgezogen worden. Wohin?“
Vierhundert alliierte Soldaten sind befreit worden, die von den Nordkoreanern gefangengenommen worden waren. Ein Sprecher des alliierten Hauptquartiers erklärte am Mittwoch, daß amerikanische Truppen die Verfolgung der nach Norden flüchtenden Feindverbände aufgenommen hätten. Die amerikanischen Streitkräfte hätten die Verbindung mit den nordkoreanischen Nachhuten nicht verloren. Zur Zeit sei allerdings nicht bekannt, wie weit die Truppen der Vereinten Nationen bereits nach Nqrden vorgestoßen seien.
Von den Fronten werden die größten Erfolge von südkoreanischen Truppen an der Ostküste Koreas gemeldet. Weiter landeinwärts geht der Vormarsch etwas langsamer vorwärts, da das Gelände sehr gebirgig ist. Im Mittelabschnitt erreichten amerikanische Truppen Taidschon und südlich von Kochang die Stadt Anui. An der Südküste Koreas sind Verbände nordwestlich von Chinju 25 Kilometer weit vorgestoßen. In dem hügeligen Gelände halten sich jedoch noch zahlreiche starke kommunistische Truppen auf, die gut bewaffnet sind und hartnäckigen Widerstand leisten.
Nach Ansicht amerikanischer Offiziere in Korea werden die Kommunisten südlich des 38. Breitengrades eine neue Verteidigungslinie nicht mehr aufbauen.
Wieder Gefangene erschossen
Tokio, 27. September. (AP.) Einheiten der 25. amerikanischen Division haben nach der Eroberung von Chinju die Leichen von zwölf amerikanischen Soldaten vorgefunden, deren Hände auf den Rücken gefesselt waren. Zwei schwerverletzte Soldaten waren noch am Leben. Wie das amerikanische Hauptqartier mitteilt, haben die Nordkoreaner kurz vor dem Fall Chinjus die vierzehn gefangenen Amerikaner gefesselt, in eine tiefe Schlucht gebracht und mit Maschinengewehren erschossen.
Amerika bedauert
Die Bomben auf mandschurisches Gebiet
Neuyork, 27. September. (AP.) Die Vereinigten Staaten haben die Möglichkeit zugegeben, daß ein amerikanisches Flugzeug am 27. September versehentlich Bomben auf mandschurisches Gebiet abgeworfen habe. In einem Schreiben an den Generalsekretär der Vereinten Nationen Trygve Lie drückt die amerikanische Regierung ihr Bedauern über die Verletzung chinesischen Hoheitsgebietes aus. Sie werde alles tun, um ähnliche Zwischenfälle zu vermeiden. Die Vereinigten Staaten seien bereit, eine Entschädigung zu zahlen, falls eine Untersuchung der Vereinten Nationen an Ort und Stelle die Grenzverletzung bestätige.
In dem Schreiben wird jedoch darauf verwiesen, daß die Sowjetunion gegen die Entsendung einer solchen Kommission ihr Veto eingelegt habe.
Doch höhere Besatzungskosten?
Die britische Ansicht über den deutschen Anteil für die Sicherheit
Drahtbericht unseres Korrespondenten
F.A.Z. Frankfurt, 27. September. In britischen Kreisen der Oberkommission wird erklärt, daß eine Erhöhung der Besatzungskosten (die gegenwärtig 4,05 Milliarden Mark betragen) zur Zeit nicht zur Frage stehe. Von der Gesamtsumme der Besatzungskosten würden rund 75 bis 80 Prozent für die Besatzungstruppen und die zugehörigen Dienste ausgegeben. Eine Erhöhung der Besatzungstruppen um fünfzig Prozent werde jedoch die Ausgaben bestimmt nicht im gleichen Verhältnis anwachsen lassen. Die Verstärkung der alliierten Truppen in Deutschland werde auf ein unmittelbares deutsches Ersuchen vorgenommen. Da Francois-Poncet im Namen der Oberkommission ausgeführt habe, daß die Besatzungstruppen nunmehr auch als Schutztruppen betrachtet werden müßten, treffe der Ausdruck „Besatzungskosten“ deshalb nicht mehr ganz das Richtige.
Es treffe zu, daß die Verteidigungsausgaben in den westeuropäischen Ländern rund zehn Prozent ihres Nationaleinkommens ausmachten. Die Besatzungskosten in Westdeutschland stellten weniger als fünf Prozent des Nationalein-
kommens dar. Der Anteil der Verteidigungsausgaben in den nationalen Budgets der westeuropäischen Länder sei ebenfalls beträchtlich höher als der Anteil der Besatzungskosten in den zusammengenommenen Bundes- und Länderbudgets. Deutschlands finanzielle und wirtschaftliche Lage sei nach britischer Ansicht als ein Ergebnis des Krieges von derjenigen anderer westeuropäischer Länder nicht wesentlich verschieden.
Der von verschiedenen deutschen Stellen in den letzten Tagen vorgetragene Wunsch, die Besatzungskosten zu senken, ist in alliierten Kreisen mit Kritik aufgenommen worden. Dazu wurde am Mittwoch von maßgebenden Beamten darauf hingewiesen, daß Westdeutschland zur Zeit nur die Unterbringung der alliierten Truppen, die Löhne und Gehälter für deutsche Besatzungsangestellte und ähnliche Leistungen aufbringe, während die Kosten für die militärische Ausrüstung, Sold und so weiter von den alliierten Regierungen bestritten würden. Falls Westdeutschland eine eigene Armee besäße, würden die Heeresausgaben um ein Vielfaches höher sein.
Kommunistischer Aufruhr in Linz
Der Bahn- und Straßenverkehr ist unterbrochen
Wien, 27. September (AP.) Kommunistische Demonstranten haben nach einer Meldung der österreichischen Presseagentur das Gebäude der Arbeitskammer in Linz gestürmt und dort eine illegale „provisorische örtliche Exekutive“ eingesetzt. Die Kommunisten sollen das ganze Gebäude besetzt halten.
Linz liegt in der amerikanischen Besatzungszone Österreichs, dicht an der Grenze der sowjetischen Zone.
Die Kommunisten zwangen den Präsidenten der Arbeitskammer und den Sekretär der Linzer Gewerkschaftsleitung zum Verlassen des Gebäudes.
Vorsitzender der Exekutive soll ein kommunistischer Betriebs-Vertrauensmann namens Pötscher sein. Die Linzer Polizei besetzte inzwischen den Sender Linz der Sendergruppe Rot-Weiß-Rot. Es ist nicht bekannt, ob sie gegen die Kommunisten irgendetwas unternommen hat.
Die österreichische Polizei hat in der Hauptstadt Wien das Gebäude der Bundeskanzlei gegen mehrere tausend kommunistische Demonstranten mit einem starken Sicherheitskordon abgesperrt. Im britischen Stadtsektor versuchten die Demonstranten vergeblich, ein Elektrizitätswerk zu besetzen und stillzulegen.
Der Bahn- und Straßenverkehr von der Stadt Mödling nach Wien wurde von den Demonstranten unterbrochen, ebenso wird eine Bahnstrecke in der Nähe St. Pöltens blockiert. Hingegen soll der Zugverkehr nach dem südlich von Mödling gelegenen Baden, dem Sitz des sowjetischen Hauptquartiers, reibungslos vonstatten gehen.
Oesterreichische Regierungskreise sind der Ansicht, daß dieser kommunistische Aufruhr auf Anregung der sowjetischen Militärverwaltung erfolgte, um die Regierung zu stürzen. Die Kommunisten begründen ihre Demonstrationen mit dem neuen Preis- und Lohnabkommen, das von der Regierung mit den Gewerkschaften vereinbart wurde. Auf Grund dieses Abkommens sind Lebensmittelpreise und Löhne heraufgesetzt worden.
Letzte Telegramme
Streik abgeblasen
Wien, 27. September. (AP.) Die österreichischen Kommunisten haben beschlossen, ihren Streik abzublasen und am Donnerstag die Arbeit wieder aufzunehmen.
Stimmen der Anderen
Und der 38. Grad?
Der Umschwung der militärischen Lage in Korea und die sich daraus ergebenden diplomatischen und politischen Möglichkeiten beanspruchen das Interesse der Schweizer Presse. Der in Reichweite gerückte Zusammenbruch der kommunistischen Truppen könnte nach Ansicht verschiedener Zeitungen die Basis für neue Verhandlungen zwischen West und Ost — nicht nur über das koreanische Problem — abgeben.
„Die Sowjetpolitik befindet sich auf dem vollen Rückzüge, es zeigt sich indessen, daß die diplomatische Entwicklung in der koreanischen Frage mit der militärischen nicht Schritt hält. Man hat den Eindruck, daß die Vereinten Nationen etwas lange zögern, um die politischen Folgen aus den Erfolgen der Truppen zu ziehen, die in ihrem Namen in Korea kämpfen. Vorläufig stehen die Propagandamanöver des Herrn Malik im Vordergrund. Es ist zu warnen vor der altbekannten Taktik Moskaus, sich in Rückzugsperioden als Vorkämpfer der internationalen Verständigung zu gebärden. Jedenfalls könnte die Liquidierung der koreanischen Angelegenheit einen ernsten Prüfstein für die gegenwärtigen Dispositionen Moskaus abgeben.“
Deutsche Konkurrenz?
Der „M anchester Guardian“ äußert ernste Besorgnis über die deutsche Konkurrenz für den britischen Export nach der Türkei. Das Blatt zitiert einen Bericht der britischen Fachzeitschrift des Exporthandels „British Manufacturer“, wonach der deutsche Export nach der Türkei jetzt gute Fortschritte macht.
„Sie können unsere Preise wesentlich unterbieten. Außerdem kann Deutschland rascher liefern. Schwerindustrielle Erzeugnisse und Maschinen werden von Deutschland gewöhnlich mit acht- bis zwölfmonatiger Lieferfrist angeboten, während die britischen Lieferfristen für die entsprechenden Waren zwei! Jahre und länger betragen. Was für den Export nach der Türkei zutrifft, ist nur ein kleiner Anfang der deutschen Konkurrenz, die beträchtlich wachsen muß. Ist die Regierung davon überzeugt, daß die überlastete britische Wirtschaft in der Lage ist, ihr zu begegnen?“
Vielleicht ein Ausgangspunlkt
Zu der Erklärung des sowjetischen Delegierten Malik, daß er für eine Zusammenkunft zwischen den sowjetischen und amerikanischen Regierungsspitzen eintrete, schreibt die „Yorkshire Pos t“:
„Möglicherweise ist dies der Ausgangspunkt für nützliche Verhandlungen. Die gefährlichste Seite der wachsenden weltpolitischen Spannung seit 1945 lag in der Art und Weise, in der die Sowjetregierung die militärische Ueberlegenheit ausgenutzt hat, die ihr die Friedenspolitik der Westmächte gab. Der Westen muß auf dem jetzt eingeschlagenen Wege fortfahren, die volle militärische Gleichheit mit der Sowjetunion anzustreben. Auf andere Weise kann kein dauerhafter Friede erzielt werden.“
Rundfunk am Armband
Im „Sonntagsblatt“ lesen wir: „Die Diktatur muß nicht unbedingt aufgezwungen werden. Viel gefährlicher ist es, wenn sie sich unauffällig einschleicht und die Betroffenen sich ihr sogar freiwillig und freudig unterwerfen. Das könnte der Fall sein, sobald Rundfunkempfänger wie eine Armbanduhr am Handgelenk zu tragen sind. Es wird dann Menschen geben, die keinen Scnritt mehr tun, ohne von den Meinungen, Meldungen und Berichten des Rundfunks begleitet zu sein. Sie werden das Denken und Nachdenken allmählich ganz verlernen. Das steht uns anscheinend nahe bevor. Die amerikanische Rundfunkindustrie arbeitet mit großem Erfolg daran, Einzelteile für einen Empfänger zu entwickeln, deren Röhren die Größe von Papierschnitzeln haben.“
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg
23) Unterdrücktes Flüstern, erwartungsvolle Seufzer liefen wie kleine Wellen von Stuhlreihe zu Stuhlreihe.
Auch Henriette atmete tief und neigte sich vor; wie stets bei ihren bisher so seltenen Theaterbesuchen fühlte sie sich vor Spannung nahezu zum Ersticken. Obwohl sie den Stuhl fühlte, auf dem sie saß, und obwohl sie die Veilchen und das Programm auf ihrem Schoß liegen sah und sich der Gegenwart des Mannes und des Mädchens neben sich bewußt war, fühlte sie doch, wie ein Teil ihres Wesens sich von ihr loslöste und in den großen Zuschauerraum emporschwebte, bis er gleichsam mit dem auf steigenden Vorhang verschmolz. Und in diesem Augenblick der Unbeschwertheit erfuhr sie, was es heißt — Ekstase!
Also hob sich der Vorhang vor den gemalten Zelten in Holofernes“ Kriegslagen. Die Trommeln rollten dumpf, die Trompeten schrillten. Vom Licht umflossene Gestalten schritten einher und sprachen aufrührerische Worte. Die Bühne selbst schien mit dem ganzen Publikum atemlos auf das Erscheinen der größten Tragödin jener Zeit zu warten. Und sie kam dann, leichtfüßig, mehr ein Wind als eine Frau. Ein wallendes Gewand umhüllte ihre zarte, fast kindlich anmutende Gestalt, die dort regungslos stand und mit einer Geste ihrer ausgestreckten kleinen Hand tausend Menschen in ihren Bann schlug.
„O ja, sehr schön,“ pflegte Henriette später zum Lobe dieser oder jener Schauspielerin zu sagen, „eine ausgezeichnete Leistung, aber wer einmal die Rachel gesehen hat —“
Als der Vorhang nach dem ersten Akt sich wieder senkte und das Haus in einen tosenden Beifallssturm ausbrach, blieb Henriette sitzen. Einer aufgehenden Sonne huldigte man nicht durch Händeklatschen, und einem feuerstrahlenden Meteor jubelte man nicht zu. „Nun, Mademoiselle Deluzy,“ — die tiefe Stimme des Herzogs brachte sie wieder auf die Erde zurück — „entspricht die große Rachel Ihren Erwartungen?“
„Ach, Monsieur,“ sie seufzte, als fiele es ihr schwer, sich wieder an eine andere Luft zu gewöhnen, „was bleibt da noch zu sagen?“ Ihre Antwort schien ihn 2u freuen, und er wandte sich seiner Tochter zu, die vor Ergriffenheit ganz außer sich war.
„Ja,“ er erhob sich, um im Foyer einen kurzen Rundgang zu machen, „sie ist wirklich eine große Künstlerin. Sonst könnte sie nicht Louise in eine Frau verwandeln und sie wie ein Kind aussehen lassen."
Henriette bemerkte kaum, daß er wieder neben ihr Platz genommen hatte, denn das Spiel nahm seinen Fortgang, und sie gab sich völlig der Entwicklung des Dramas hin. Holofernes litt die Qualen seiner Liebe zu der betörenden Verräterin, und Rachel näherte sich mit der gefährlichen Anmut eines Panthers der Mordszene. Judith hatte triumphiert. Ihre Listen hatten den Feind ihres Volkes unschädlich gemacht, und sie trug das Haupt des Feldherrn hoch in den Händen einher. Grauen und Leidenschaft und wilde Schönheit hielten die Zuschauer gefangen. Und dann war es vorbei. Die bleiche Heroine der Apokryphen war verschwunden, und an ihrer Statt wurde eine müde junge Frau vor den Vorhang geführt, um den Beifall entgegenzuzunehmen. Von allen Seiten regnete es Blumen auf die Bühne.
„Meine auch, Papa, meine auch! “Louise zwang ihrem Vater ihren Veilchenstrauß auf.
Einen Augenblick zögerte er; dann bewog ihn das eifrige Gesicht seiner Tochter, ihrem Wunsch nachzukommen, und er lehnte sich über die Brüstung und warf das Bukett ebenfalls hinunter. Es fiel der Schauspielerin direkt vor die Füße, und wenn sie es auch nicht aufhob, so schien es doch, als ob sich ihre dunklen Augen fragend auf die Loge mit dem blonden Herm und seinen beiden Damen richteten.
„O, Papa!“ Louise war- viel zu aufgeregt, um darauf zu achten, daß Henriette ihr den Mantel umlegte. „Hast du gesehen? Sie hat hierher geguckt. Ich freue mich aber doch, daß Holofernes auch herauskam und sich verbeugte. Er war viel zu nett, um geköpft zu werden, fandest du nicht auch? Ich habe richtig geweint, Mademoiselle; hier sehen Sie, die Tränen haben mein Kleid ganz fleckig gemacht“
Der Herzog lächelte zu dem erregten Geplauder seiner Tochter.
„Ich für meinen Teil ziehe ein Lustspiel vor,“ meinte er, als sie die Loge verließen. „Man sagt, das sei eine Alterserscheinung, aber ich kann es nicht ändern. Es gibt genug Gefahr und Grauen in der Welt — und Tränen braucht man nicht zu kaufen.“
Seine Lippen preßten sich nach diesen Worten fest aufeinander. Die Menge, die sich im Vorraum drängte, war so groß, daß es seiner ganzen Geschicklichkeit bedurfte, um Louise und sie sicher hinauszugeleiten. Auf dem Wege zur Straße fielen Henriette die neugierigen Blicke auf, die dem Herzog galten. Sie hörte seinen Namen aussprechen und erhaschte die Bewunderung in den Augen der Leute, an denen sie vorübergingen, und die Neugierde und Bewunderung schienen merkwürdigerweise ihre Person nicht auszuschließen. In einer besonders unverschämt starrenden Gruppe erkannte sie die Leute wieder, die sie schon von der Seitenloge aus so unverfroren gemustert hatten. Wieder verbeugte sich der Herzog förmlich in Beantwortung eines grüßenden Winkens. Er blieb aber nicht stehen, wie seine Bekannten es offenbar von ihm erwarteten, sondern bahnte seinen Schützlingen einen Durchgang hinaus auf die Straße, wo die Kutschen ausgerufen wurden. Henriette hjelt sich dicht an seiner Seite. Der Gedanke daran, wie die beiden Herren sie kühl abschätzend fixiert hatten, trieb ihr das Blut ins Gesicht. Ihre Blicke waren stechend und so vernichtend gewesen, dachte sie, wie Konvexspiegel, die etwas Natürliches zu einem Teufelsspuk verzerren.
ACHTES KAPITEL
Das sommerliche Korsika hatte für Henriette die Unwirklichkeit eines Fiebertraumes. Eine ungezähmte Schönheit ruhte auf jenen Küsten und eine Unnahbarkeit, die sie beim ersten Anblick frösteln machte. Sie sollte niemals die Erinnerung an die Meerenge von Bonifatius im frühen Morgenlicht vergessen mit dem fernen Korsika und Sardinien, die zu beiden Seiten wie die Szylla und Charybdis aufragten. Als das Schiff, das der alte Marschall Sebastiani gemietet hatte, um seine Tochter und seine Enkelkinder von Marseille zu ihrem jährlichen Besuch bei ihm herüberzubringen, sich den schroffen Felsen stetig näherte, überwältigte sie die seltsame Gewaltsamkeit dieser Landschaft.
Es war, als steuerten sie die Mondberge an, so verödet lagen die finsteren Höhlen und Täler da; die vorspringenden Halbinseln und die schattigen Buchten ohne jedes Zeichen von Leben und Bewohntsein. Sogar noch, als Henriette hier und dort ein paar weit verstreute Bauernhäuser erkennen konnte, eine Gruppe Fischerboote im Hafen oder eine farblose Steinkirche, eine winzige Hütte in einer Talsenke, blieb doch ein Eindruck von düsterer Wildnis bestehen. Sie vermochte sich nicht von einem Gefühl der Angst zu befreien.
„Da Ajaccio!“ sagte ein Matrose zu ihr, als ein unansehnliches Häusergewirr sichtbar wurde. „Napoleon Buonaparte wär dort ein Kind.“ Henriette betrachtete das Städtchen mit den vereinzelt daliegenden Häusern mit neuem Interesse. „Ja,“ dachte sie und wandte sich Isabella und Louise zu, die gerade aus ihrer Kabine an Deck gekommen waren ,So herrlich die Landschaft auch ist, sie mutet mich doch sehr fremd an. Ich wünschte, wir reisten ab, statt anzukommen.“
Während all dieser Wochen von Sonnenschein und Seeluft, in denen die Kinder in ungebundener Freiheit herumspielten und plantschten und so braun wurden wie der Tang. der. von der Flut ans Ufer gespült, am Strand trocknete, wurde sie das Gefühl des Fremdseins nicht los. (Fortsetzung folgt.)
Landtagsdebatte über Haushaltsplan
Heute weitere Etatberatungen / Jagdgesetz einstimmig angenommen
Wiesbaden, 27. September. (Eigener Bericht.) Im Mittelpunkt der gestrigen Plenarsitzung des Hessischen Landtages standen die Beratungen zum Staatshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950/51. Zu Beginn°der mehr als sieben - stündigen Debatte, die am Donnerstag über die Etats des Finanzministers sowie über den Außerordentlichen Haushalt fortgesetzt wird, lagen dem Haus über fünfzig Anträge mit Aenderungswünschen der Fraktionen vor. In zweiter und dritter Lesung wurde einstimmig das neue Hessische Jagdgesetz- verabschiedet. Das von der Landesregierung vorgelegte Schußwaffengesetz ging nach kurzer Begründung ohne Aussprache an den Rechtsausschuß.
Der Gesamtetat, also der ordentliche und der außerordentliche Haushalt, schließt in den Einnahmen mit 1,034 Milliarden DM und in Ausgaben mit 1,079 Milliarden DM ab. Das Staatsbudget weist aber einen rechnerischen Fehlbetrag von 45 Millionen DM auf, der sich aller Voraussicht nach noch um einiges erhöhen wird.
Nach den am ersten Tage abgeschlossenen Beratungen der 12 Einzelpläne steht zu erwarten, daß der Gesamthaushaltsplan am Donnerstag in zweiter Lesung nur die Billigung der beiden Regierungsparteien erhält, während sich die FDP der Stimme enthalten wird. Die KPD wird ihn ablehnen. Am ersten Beratungstag fand lediglich der Einzelplan des Landtags die einstimmige Billigung des Plenums.
Aussprache über die Einzelpläne
Bei der Behandlung des Etats des Innenministers machten die Sprecher der SPD, CDU und FDP einige grundsätzliche Ausführungen. Uebereinstimmend wurde bedauert, daß die Verwaltungsreform auf halbem Wege stehen blieb, obwohl die Erfolge beim Innenministerium, insbesondere aber beim Ministerium für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, als recht erfreulich zu bezeichnen seien. Es müsse eine der ersten Aufgaben des neuen Landtags und der neuen Regierung sein, die Verwaltungsreform insbesondere hinsichtlich der Mittelinstanzen und der Kommunalverbände schnellstens fortzuführen.
Zinnkann: „Es geht um Sein und Nichtsein!“
Zu einer scharfen Kontroverse kam es dann zwischen Innenminister Zin n - kann und den Kommunisten, die die Polizeikosten als zu hoch kritisierten und dabei den Minister wegen seiner Maßnahmen gegen die KPD scharf angriffen. „Ich werde mich durch Ihre Drohung von meiner Pflicht nicht abhalten lassen“, erklärte Zinnkann und wies dabei auf die täglich zunehmende Agententätigkeit hin. „Die offen angedrohten Putschversuche werde ich, wenn nötig, mit Waffengewalt niederschlagen, denn es geht nunmehr um Sein oder Nichtsein.“
Wagner weist Ersparnisse nach
Nach der Erklärung des Ministers für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Albert Wagner, sind die Ausgaben seines Ministeriums gegenüber denen der drei Ministerien im Vorjahre um fast die Hälfte gesunken.
Der Kultur-Etat
Bei der Behandlung des Etats des Ministers für Erziehung und Volksbildung forderte der Sprecher der SPD die Erhöhung der Zahl der Volksschullehrer.
Jagdgesetz verabschiedet
Einstimmig und ohne besondere Aussprache verabschiedete das Plenum das Jagdgesetz, das nunmehr ein einheitliches Jagdrecht für ganz Hessen herstellt.
Zinnkann begründet Schußwaffengesetz
Innenminister Zinnkann selbst begründete den zur ersten Lesung anstehenden Gesetzentwurf über die Anwendung unmittelbaren Zwanges bei Ausübung öffentlicher Gewalt (Schußwaffengesetz). Die Neuregelung des Waffengebrauchs sei unbedingt erforderlich, da die zur Zeit geltenden Bestimmungen selber bei alltäglichsten Vorkommnissen unbrauchbar seien.
Der Gesetzentwurf enthält in drei Abschnitten die Vorschriften für die Polizei, für den Bereich der Justizverwaltung sowie für die Forst-, Jagd- und Fischereischutzberechtigten. Der Gesetzentwurf wurde dem Rechtsausschuß überwiesen.
Keine Verzögerung der Wahlvorarbeit
Interfraktionelle Besprechungen im Landtag / Novelle zum Beamtengesetz
Wiesbaden, 27. Sept. (Eig. Bericht.) Um einem möglichen Veto der Landeskommission gegen das Landtagswahlgesetz hinsichtlich der Wählbarkeit der Beamten vorzubeugen, haben sich am Mittwoch in längeren interfraktionellen Besprechungen die drei großen Fraktionen des Landtags für eine Aenderung des bestehenden Beamtengesetzes entschlossen. In der heutigen Plenarsitzung wird der Initiativantrag voraussichtlich in allen drei Lesungen vom Landtag verabschiedet werden. Auf diese Weise hoffen die Regierungsparteien, daß eine weitere Verzögerung der Wahl-Vorbereitungen und der Festlegung des Wahltermins vermieden werden.
„Nach den Landtagswahlen“
Fall Wagner erneut vertagt
Frankfurt, 27. Sept. (LH) Der Bezirksvorstand Hessen-Süd der Sozialdemokratischen Partei hat sich auf einer Sitzung am Mittwoch in Frankfurt erneut mit Vorwürfen gegen den hessisehen Minister für Wirtschaft. Landwirtschaft und Arbeit Albert Wagner (SPD) befaßt, ohne zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen. Der Bezirksvorstand bedauerte, daß die ernstliche Erkrankung des hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock zur Zeit eine endgültige Erörterung des Sachverhalts unmöglich mache. Wie vom Parteivorstand mitgeteilt wird, ist beschlossen worden, nach der Wiedergenesung des Ministerpräsidenten, spätestens aber nach den Landtagswahlen, Ende November, eine endgültige Entscheidung herbeizuführen.
Der Parteivorstand hatte bereits vor zwei Wochen Ministerpräsident Stock und die Landtagsfraktion aufgefordert, sich von Wagner zu distanzieren, weil dieser wegen der gegen ihn anhängigen Gerichtsverfahren für die Partei nicht mehr tragbar sei. Die Landtagsfraktion hatte sich in einer Sitzung am Dienstag entgegen allgemeine Annahme nicht mit dem „Fall Wagner“ befaßt.
Sicherheit nicht ohne erhebliche Kosten
Eine Erklärung des britischen Oberkommissars
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 27. September. Auf seiner ersten Pressekonferenz in Bonn erklärte der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick zum Neuyorker Programm der Westmächte, daß nach dem Abschluß des vorgesehenen zweiten Petersbergabkofnmens die Bundesrepublik praktisch ihr eigener Herr und Meister sein werde und die Oberkommission kaum mehr als eine beobachtende Rolle spielen werde.
Wenn unverantwortliche Abgeordnete des Bundestages heute das erste Petersbergabkommen schon zehn Monate nach seinem Abschluß verwerfen zu können glaubten, würden sie eine politische Unreife zeigen, die den Deutschen peinlich sein müsse, die jetzt die Beziehungen zu den Westmächten auf eine Vertragsbasis stellen wollten.
Der Oberkommissar hob hervor, daß die Außenminister zwischen der inneren und der äußeren Sicherheit der Bundesrepublik klar zu unterscheiden hätten. Damit bestehe kein Grund mehr, für die in gewissen deutschen Kreisen ausgesprochene Befürchtung, daß die neuen Polizeibereitschaften den geheimen Kern einer Armee bilden sollten. Deren Ausbildung werde streng auf die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung beschränkt sein. Hinsichtlich der äußeren Sicherheit würden die Besatzungsstreitkräfte in Deutschland erheblich verstärkt werden. Dieser Entschluß bedeute eine größere finanzielle Belastung Englands, Amerikas und Frankreichs, und diese Verstärkungen, die auf deutschen Wunsch erfolgten, würden auch für die deutsche Bevölkerung finanzielle Opfer und Ungelegenheiten mit sich bringen. Man werde alles tun, um diese zu erleichtern. Die Last der Besatzungskosten werde wahrscheinlich verhältnismäßig leichter bleiben als die Last der Wiederaufrüstung, die England auf sich nehmen müsse.
Gegenüber dem Argument, daß Deutschland einen solchen Kapitalverlust erlitten habe, daß eine mit den Aufwendungen der alliierten Länder vergleichbaren Last für Verteidigungszwecke nicht getragen werden könne, erinnerte der Oberkommissar an den Verlust, den England hinsichtlich seiner Auslandsguthaben erlitten habe und daran, daß Millionen englischer Häuser zerstört oder beschädigt worden seien. Er unterstrich auch, daß die Freigabe des Schiffsbaues für Exportzwecke eindeutig zeige, daß diese Beschränkung bisher nicht aus Konkurrenzgründen, sondern rein aus Sicherheitsgründen vorgenommen worden sei.
Kirkpatrick teilte mit, daß die Alliierten ihre Befugnisse zur Ueberwachung der deutschen Verfassungen aufgeben würden, sobald das Bundesverfassungsgericht gebildet sei. Ebenso könnte die Entkartellisierung in deutsche Hände übergehen, wenn die Deutschen die notwendigen Gesetze erlassen hätten. Die Entflechtung werde durch alliierte Gesetze vorgenommen, die bis Januar erlassen sein sollten. So werden nach den Erklärungen Sir Ivones weder das IG-Gesetz, soweit es die Entflechtung betrifft, noch die Durchführungsverordnung zum alliierten Gesetz Nr. 27 über die sechs Stahlkonzerne von der Revision des Besatzungsstatuts berührt.
Hinsichtlich des Problems der deutschen Vorkriegsschulden erklärte der britische Oberkommissar es für sehr wahrscheinlich, daß auch die auf Reparationskonto verkauften deutschen Güter auf die Auslandsschulden angerechnet werden könnten.
Wirtschaftsblatt
Reform des Aktienrechts
sp. Es müßte sich doch eigentlich bis zum letzten Aktionär herumgesprochen haben, wie wichtig die DM-Eröffnungsbilanzen für die künftige Rentabilitätsrechnung unserer Aktiengesellschaften sind. Man hätte daher eigentlich annehmen müssen, daß zumindest in Hauptversammlungen, bei denen die neuen Bilanzen festgestellt werden, die Aktionäre nicht so ganz wortlos die Vorschläge der Vorstände hinnehmen und eingehende Erläuterungen und Auskünfte verlangen würden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist jedoch das Gegenteil der Fall. Langweilig wie eine Hauptversammlung, dieser Satz ist fast schon sprichwörtlich geworden.
Das große Schweigen in den Hauptversammlungen hat natürlich seinen guten Grund. Es wird kein Geheimnis verraten, wenn man feststellt, daß echte Entscheidungen, auch bei der Aufstellung der DM-Eröffnungsbilanzen, meist nur in den Aufsichtsräten gefällt werden. Liegt dem Minderheits- oder Einzelaktionär erst der gedruckte Geschäftsbericht in den Händen, mit dem er vielleicht — zu Recht oder zu Unrecht — gar nicht einverstanden ist, dann resigniert er meist u,nd verzichtet auf Proteste: „Gegen die Mehrheit komme ich doch nicht auf und wirklichen Einblick habe ich auch nicht.“
In dieser Situation dürfte der Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz zur Reform des Aktienrechtes bei der Masse der kleinen Aktionäre lebhafte Zustimmung finden. Neben der Bevorzugung der Namensaktie fordert Staatssekretär a. D. Schmid die Aufteilung der Aktionärsfunktionen in die Gruppen der Mehrheits-, Minderheits- und Einzelaktionäre. Hierdurch soll erreicht werden, daß auch die Vertrauensleute kleiner Aktionäre in den Aufsichtsrat kommen. Die drei entscheidenden Grundrechte des Aktionärs, die unbedingt garantiert werden müßten, sind nach Schmid die grundsätzliche Gleichheit des Stimmrechtes, der grundsätzliche Anspruch des Aktionärs auf Gewinnausschüttung und Bindung der Selbstfinanzierung an einen qualifizierten Aufsichtsratsbeschluß sowie erweiterte Informationen für den Aktionär. Sollten diese Forderungen in einem künftigen Gesetz realisiert werden, so dürfte wohl auch die gähnende Langeweile aus den Hauptversammlungen verschwinden.
Ledereinfuhr wird liberalisiert
Bonn, 27. 9. (hi) Der Bundeswirtschaftsminister hat infolge der gesteigerten Nachfrage nach Leder und der hierdurch verursachten Preisentwicklung auf dem Leder- und Schuhgebiet entschieden, dem von der Schuhindustrie gestellten Antrag auf Liberalisierung von Leder stattzugeben. Durch diese Maßnahme, so heißt es in einer Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums, dürfte die Gewähr gegeben sein, daß die deutschen Leder- und Schuhpreise das europäische Preisniveau nicht übersteigen.
Zucker-Versorgungsplan
Bonn, 27. 9. (HR) Das Bundesernährungsministerium will für das kommende Wirtschaftsjahr insgesamt 1,4 Millionen Tonnen Zucker für die Versorgung der Bevölkerung bereitstellen. Diese Menge entspricht einem Monatsdurchschnitt von 116 000 Tonnen. Demgegenüber liegt der Durchschnittsverbrauch im ersten Halbjahr 1950 nur bei 93 000 Tonnen pro Monat. Von den 1,4 Millionen Tonnen sollen 750 000 Tonnen aus der deutschen Ernte gewonnen werden, während 650 000 Tonnen eingeführt werden müssen.
Markt- und Börsenberichte
Frankfurt, 27. 9. An der Londoner Börse standen nicht nur Kautschukwerte erneut im Vordergrund des Interesses, sondern auch Zinn-Aktien und fernöstliche Bank- und Schiffahrtsanteile. Sehr fest lagen ferner deutsche Bonds. So notierten die 7prozentige Dawesanleihe 26V2 gegen 25 am Vortage und die ö'/a¬ --prozentige Young-Anleihe mit 19'4» gegenüber 18. In Paris zeigte sich eine starke Nachfrage nach deutschen Anleihen.
Freie Devisenkurse
Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 27. 9. 1950 der US-Dollar mit 5,20—5,60 DM, das engl. Pfund mit 12—13 DM, der Schweizer Franken mit 1,15—1,25 DM, der holl. Gulden mit 1,15—1,25 DM. die dänische Krone mit 0,50—0,54 DM, die schwedische Krone mit 0,75—0,80 DM.
« F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 27. 9. 1950 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5,— Ostmark eine DM-West geboten.
Bz Columbit, Filter- und Apparatebau GmbH., Wiesbaden. In dem Konkursverfahren soll eine Gläubigerversammlung, verbunden mit einem nachträglichen Prüfungstermin. am 13. Oktober sein.
Bz Didier-Werke AG., Wiesbaden. Die Gesellschaft legt der Hauptversammlung am 14. Oktober den Jahresabschluß vom 1. 1. bis 20. 6. 1948, die DM-Eröffnungsbilanz sowie den ersten DM-Abschluß vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 vor. Außerdem sollen Satzungsänderungen und AR-Wahlen vorgenommen werden.
Bz. Hinterkappenwerk GmbH., Weinheim a. d. B. Die Firma ist gemäß Beschluß der Gesellschafterversammlung aufgelöst. Dr. Helmut Fabricius, Weinheim a. d. 8., wurde zum Liquidator bestellt.
Bz Schönberger GmbH., Bensheim-Auer¬ bach. Die Gesellschaft ist von Amts wegen gelöscht worden.
bt Mitteldeutsche Hartstein-Industrie AG., Frankfurt am Main. Das Rumpfjahr (1. 1. bis 20. 6.) 1948 schloß mit 0,035 Millionen RM Gewinn. Hierdurch wird der aus 1947 übernommene Verlustvortrag von 0,050 Millionen RM entsprechend reduziert. In der DM-Eröffnungsbilanz ergibt sich ein Vermögensüberschuß von 1,10 Millionen DM. Das Grundkapital und die gesetzliche Reserve von 0,100 Millionen RM werden im Verhältnis 1:1 umgestellt. Mit der Umstellung zur völligen Mechanisierung der zwei Betriebe wurde’ in der zweiten Halbjahreshälfte 1949 begonnen. Laut Gewinn- und Verlustrechnung beziffert sich der auf neue Rechnung zu übernehmende kleine Gewinn für das erweiterte erste Bilanz-DM-Jahr vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 auf 0,006 Millionen DM.
Bz. Rheinische Kreditbank, Zweigstelle Oberstein-Idar. Aus dem Vorstand dieser Bankniederlassung sind Dr. Karl Ernst Sippell und Prof. Dr. Heinrich Hunke, beide früher Berlin-Dahlem, ausgeschieden.
Deutschland in Torquay
Von Herbert GrossHeute wird in Torquay (England) die 3. Internationale Zollkonferenz eröffnet.
Der 28. September 1950 ist für die weltwirtschaftliche Rückgliederung Deutschlands ein bedeutsamer Tag, weil wir erstmals als gleichberechtigte Partner an einer wichtigen Welthandels-Konferenz teilnehmen und seit mehr als zehn Jahren wieder echte Verträge über Zollsenkungen und Zollbindungen abschließen können. Zugleich sind damit die Voraussetzungen für unseren Beitritt zum großen internationalen Handelsvertragswerk des GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) geschaffen, zu jenem Auszug aus der Welthandels-Charter von Havana, die 1948 nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen fast 60 Nationen entstand und einen Codex gesunden kaufmännischen Verhaltens und sinnvoller Spielregeln der internationalen Handels- und Wirtschaftspolitik darstellt. Die Zollvertragskonferenz von Torquay, die heute beginnt, ist die dritte ihrer Art, nach den Konferenzen von Annecy (1949) und Genf (1947). Auf ihr sind 39 Staaten versammelt, darunter sieben zum ersten Male (unter ihnen Deutschland, Oesterreich, die Türkei, Uruguay und Peru). In Genf kamen 123 Verträge, in Annecy 147 zustande; von Torquay erhofft man bis zu 400; Deutschland kann theoretisch bis zu 38 Zollverträge abschließen. Ein Vertrag mit der Tschechoslowakei wird aus politischen, mit anderen kleineren Staaten wegen ungenügender Handelsverflechtung nicht in Frage kommen; mit etwa 15—20 Verträgen aber werden wir rechnen können, darunter mit USA, Großbritannien, Brasilien, der Türkei und einer Reihe anderer führender Handelspartner.
Zölle — Meistbegünstigung
In Torquay werden echte Zollverträge geschlossen, im Rahmen eines seit dem Genfer Vertragswerk bestehenden Systems multilateraler Verhandlungen, wonach sich die einzelnen Partner nur über solche Zollpositionen aussprechen, in denen sie unmittelbar führende Lieferanten oder Abnehmer sind. Die zweiseitigen Gespräche werden dadurch wesentlich rationalisiert, weil sie von allen zweitoder drittrangigen Zollpositionen entlastet werden. Solche Positionen werden vielmehr in Gesprächen mit anderen Partnern behandelt, in denen diese führende Lieferanten oder Abnehmer sind. Mit anderen Worten: Deutschland verhandelt über jede Zollposition nur einmal und jeweils mit dem wichtigsten Partner; alle anderen genießen die zugestandenen Senkungen und Bindungen aber kraft vertrags-rechtlicher Meistbegünstigung mit.
Eie wichtige Neuerung ist ferner die Meistbegünstigung kraft „contractual right“; danach haben die Torquay-Partner nicht nur das allgemeine Meistbegünstigungsprivileg; sondern der Mitgenuß von Zollsenkungen zwischen dritten Partnern steht allen als rechtlicher Anspruch zu; kein Land kann einen Zoll erhöhen, solange nicht auch sämtliche 38 mitgenießenden Partner ihre Zustimmung geben oder durch neue Konzessionen für ihren Verzicht entschädigt werden.
Ein Vertragswerk
In Torquay wird ein „ Torquay-Vertragswerk“ entstehen, ähnlich dem „Genfer Vertragswerk“ bzw. dem „ Annecy-Vertragswerk“. Jeder einzelne Vertrag ist Bestandteil einer universalen Zollsenkungsaktion. In Torquay wird gleichsam eine Zollsenkungslawine ausgelöst, die Tausende von Zöllen senken oder binden wird. Am Schluß der Konferenz werden alle vereinbarten Zölle in einheitlichen und für alle Partner verbindlichen Listen festgelegt werden, und diese Listen stellen den Inhalt des „ Torquay-Vertragswerks“ dar. Die Bedeutung dieser sich gegenseitig verstärkenden Zollsenkungen kann gerade im jetzigen Augenblick nicht überschätzt werden, nachdem die europäische Liberalisierung 60 Prozent erreicht hat und auf 75 Prozent zusteuert, und nachdem die Europäische Zahlungsunion (EPU) den europäischen Zahlungsverkehr so wesentlich gelockert hat. Es wäre katastrophal, wenn der Abbau von Einfuhr- und Devisenquoten nur erfolgte, um dahinter gigantische Zollmauern bloßzulegen.
Deutschlands Beitrag
Deutschland wird mit einer ansehnlichen Delegation, zunächst von Dr. von Malzan, später von Dr. Ludwig Imhoff geleitet, vertreten sein. Alle führenden Länderchefs des Bundeswirtschaftsministeriums sind in Torquay vertreten, so daß jeder Torquay-Partner mit uns positive Gespräche führen kann. Wir werden mit einem neuen Zolltarif, einem reinen Wertzolltarif, mit wesentlich vereinfachter Nomenklatur und klarem und einfachem Verzollungs- und Bewertungsverfahren aufwarten. In Reserve haben wir einen „Obertarif“, einen sogenannten Kampftarif gegen solche Länder, die gegen uns diskriminieren; der Obertarif, den wir hoffentlich niemals anzuwenden brauchen, gestattet die Verdreifachung der normalen Tarife und die Verzollung selbst von Waren der Freiliste. Unsere Zollsätze sind mäßig, und unsere Zollsenkungsbereitschaft ist groß, wenn immer man uns mit eignen Zollsenkungen entgegenkommt.
Torquay wird erstmals beträchtliche Senkungen solcher Zollsätze draußen bringen, die für unseren Export besonders wichtig sind. Die Mehrzahl dieser Sätze blieb in den letzten Jahren unverändert, da wir noch keine Zollverhandlungen führen konnten. Wie unüberspringbare Stümpfe ragen die Sätze auf deutsche Importe in den Zolltarifen beispielsweise von USA, aber auch anderer Länder empor. Es ist höchste Zeit, daß wir das Zollgespräch nun eröffnen können, v
Die Auslandsschulden werden überprüft
Frankfurt, 27. 9. (K) In Auswirkung der Neuyorker Beschlüsse soll jetzt ein deutsch-alliierter Ausschuß eingesetzt werden, der feststellen wird, in welcher Form die deutschen Auslandsschulden geregelt werden sollen. Aus alliierten Kreisen verlautet hierzu, daß mit der Anerkennung der deutschen Auslandsschulden oder deren Ermittlung nicht auch eine Zahlung und Tilgung verbunden sein müsse, sondern es vorerst darauf ankomme, eine klare Rechtsgrundlage zu schaffen. Seitens der Alliierten wurde betont, daß nicht daran gedacht sei, die deutsche Wirtschaft durch drükkende Rückzahlungsverpflichtungen zu schwächen.
Neuer Tarif der Holzindustrie
Der neue Tarifvertrag, der bis zum 31. Januar 1951 gilt, sieht für die Arbeiter des holzverarbeitenden Handwerks und der Holzindustrie in Hessen eine Erhöhung des Stundenlohnes um 7 Pf. vor. Zusammen mit der bisherigen Teuerungszulage von 11 Pf. beträgt der Mindestlohn in der Spitze der Ortsklasse I 1,30 DM. Für die Arbeiter im Sägegewerbe und in der- Sperrholzindustrie erhöht sich der Lohn im gleichen Verhältnis. Die neuen Löhne werden vom 15. September an gezahlt.
Kurz gemeldet
Eine Verringerung der Zahl der Gro߬ viehmärkte im Bundesgebiet um sechs Märkte haben die Vertreter der Landesregierungen und des Bundesernährungsministeriums erwogen. Zw’ei bisherige Mittelmärkte sollen Großmärkte werden. Ein Wochenumschlag von etwa dreihundert Großvieheinheiten soll unterste Grenze für einen Großmarkt sein.
Rund 114 Prozent der Erzeugung des Jahres 1936 hat nunmehr die Gesamtproduktion der westdeutschen Industrie im August erreicht. Neue Nachkriegshöchstzahlen konnten unter anderem die Seifen-, Automobil- und Zementindustrie erzielen.
Eine Form der internationalen Zu¬ teilung von Wolle, wenn auch vorläufig nur im Rahmen eines allgemeinen Zuteilungssystems für verschiedene Rohstoffe, soll auf der Londoner Wollkonferenz des britischen Commonwealth besprochen worden sein.
Ein Ausschuß für wirtschaftliche Ver¬ waltung, der die Rationalisierung der gewerblichen Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung fördern will, ist in Frankfurt am Main neu gegründet worden.
Weitere Kontrollmaßnahmen zur Sicherstellung des Rohstoffbedarfes für das erweiterte Verteidigungsprogramm der Vereinigten Staaten, unter anderem wahrscheinlich auch Produktionsverbote für bestimmte Güter, für deren Herstellung die Rohstoffe knapp sind, stellte Handelsminister Sawyer in Aussicht.
Mindestens 350 000 bis 400 000 neue Wohnungen im Bundesgebiet erwartet das Bundesministerium für Wohnungsbau für das Jahr 1951.
Filme, die wir morgen sehen
Kernfragen des deutschen Films
Produzenten, Spielleiter und Darsteller äußern sich zur „Filmkrise“
Im ersten Halbjahr 1950 wurden in den Lichtspielhäusern in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover und München durchschnittlich nur 27,3 deutsche Filme der neuen Produktion und 13,1 ’/• deutsche und österreichische Reprisen terminiert. Außer den 6.8 ’/• österreichischen Filmen sahen auch die Besucher der insgesamt 3 895 Lichtspielhäuser des Bundesgebiets und West-Berlins nur ausländische, überwiegend amerikanische Bildstreifen.
Es hieße Vogel-Strauß-Politik treiben, wenn man die Schuld dieser Tatsache allein dem großen Angebot ausländischer Filme zuschreiben wollte. Die ausländischen Verleiher besitzen gegen früher keinerlei Monopole mehr, sie stehen in freiem Wettbewerb mit dem inländischen Angebot an recht zahlreich gewordenen deutschen Titel - Angeboten. Ihre Stärke ist oft neben unzweifelhafter Qualität ihrer Streifen der kapitalkräftigere Aufwand an Propaganda, gewiß, aber die manchmal beklagte Terminnot deutscher Produktion rührt zweifellos auch von der sehr unterschiedlichen Qualität der deutsehen Streifen aus der Nachkriegsproduktion her.
Verschließen wir uns dieser objektiven Tatsache nicht und untersuchen wir die Ursachen, warum die deutsche Nachkriegs-Filmproduktion bisher nur selten das Niveau der Vorkriegs- und Kriegsproduktion und der neueren Auslandsstreifen erreicht hat, so stoßen wir in erster Linie auf die Tatsache, daß nach dem Verlust der Ostgebiete die deutschen Filmstreifen ihre zumindest gleichgebliebenen oder sogar durchschnittlich höheren Herstellungskosten (500 000—800 000 DM) auf der schmalen Inlandstheaterbasis nur nur knapp einspielen können. Ganz abgesehen davon, daß der früher hauptsächlich von Deutschland versorgte Filmmarkt des Südostens völlig verloren ging und auch im Westen und Norden Europas sich die ausländische Konkurrenz der Märkte bemächtigt hat.
Die meisten Fachleute sind sich auch darüber einig, daß die sogenannte deutsche Filmkrise vor allem eine Qualitätskrise ist. Richard Eichberg, der bekannte Spielleiter und Produzent zahlreicher Erfolgsfilme, als heimgekehrter Deutsch-Amerikaner mit dem deutschen Filmschaffen fest verwachsen und zugleich ein guter Kenner der ausländischen Filmprobleme meint zu den Gegenwarts- und Zukunftsfragen des deutschen Films:
„Mit dem Wort ,Filmkrise‘ wird zu viel umhergeworfen. Wir haben auch in Amerika eine Filmkrise. Die Geschmacksrichtung des Publikums hat sich nicht zuletzt unter dem Einfluß der guten ausländischen Filme, darunter vor allem auch der deutschen Vorkriegs- und teilweise sogar der Spitzenproduktion der ersten Kriegsjahre wesentlich gewandelt. Auch das amerikanische Publikum ist gleich dem europäischen kinomüde geworden. Es verlangt mehr denn je statt Illusion und Traumfabrik echte Probleme und lebensnahe Darstellung. Die Zeit des reinen Schönheitsideals ist vorbei, man ruft nach dem echten Menschenantlitz. Der eine Unterhaltungsfilm, der sich an die pure Schaulust wendet, ist darum noch lange nicht abgemeldet, weder im Ausland noch in Deutschland. Die gesunde Mischung zu finden, ist die Aufgabe der Regisseure und Autoren aller Länder. Auch in Deutschland muß es bald so weit kommen, daß man keine Rollen für Stars sucht, sondern für die Stoffe die geeigneten Darsteller. Vor allen mangelt es in Deutschland an Autoren- und Darsteller-Nachwuchs. Im allgemeinen sollte man bei uns praktisch und mutig an die Lösung der Probleme herangehen, mit dem Starkult aufhören und gute, handfeste Unterhaltungsfilme drehen, dann kommt auch das Publikum und bringt das Geld zurück.“
Willie Hoffmann - Andersen, Inhaber der Apollo-Film-Gesellschaft, die einen Lustspielfilm („Die Sterne lügen nicht“) in der deutschen Filmwoche startet, erklärt: „Zugegeben: Qualitätskrise. Wenn wir es mehr denn bisher im deutschen Nachkriegsfilm wagen wollen, innerhalb der Halbmillionengrenze oder nicht viel teurere gute Filme zu drehen, können wir gegen die Auslandskonkurrenz nicht aufkommen. Das ist aber an sich ein Wagnis. Denn Nachwuchsschauspieler sind indirekt ebenso teuer wie die heute schon wieder zu anspruchsvollen Stars. Die Arbeit mit ihnen muß sorgfältiger sein, erfordert mehr Zeitaufwand in jeder Hinsicht und öftere Wiederholung der Einstellungen. Also mehr Atellertage und Material sowie Tagesgagen. Aber es ist der einzige Weg, der uns aus der Krise herausführen kann. Und der Verleih muß seinen (Aber-) Glauben an die alleinige Zugkraft der bekannten Namen revidieren und den Produzenten mehr freie Hand in der Besetzung gewähren.“
Magda Schneider, Olga Tschechowa und der jüngstverstorbene Fritz Kampers vertraten übereinstimmend die Ansicht, daß die Filmkrise identisch mit der Stoff- oder Themenkrise sei. Das, was Verleiher und Produzenten den Schauspielern als Filmplanungen vorlegen, sei oft so befangen im Stil der Traumfabrik von ehedem, die Rollen seien so schematisch und „papiern“, daß sie viel öfter ablehnen müßten, als sie meist nur zögernd annehmen könnten. Auch sie rufen nach dem Dichter als Filmautor.
Der bekannte und erfolgreiche Drehbuchautor, Bühnen- und Filmspielleiter Jürgen von Alten steht auf dem Standpunkt, man dürfe nicht vergessen, daß der Film in erster Linie eine Industrie sei — früher der drittgrößte Devisenbringer des deutschen Exports — die künstlerische Fähigkeiten verwertet. Film ist aber nicht nur Industrie oder Kunst, sondern Symbiose der beiden. Daß diese Forderung nur selten erfüllt werden, sieht er als Ursache dafür an, daß nach 1945 nur wenige wirklich überragende deutsche Filme entstehen konnten. Denn entweder waren die Produzenten nur Industrielle oder reine Künstler, die jeden kaufmännischen Gesichtspunkt ignorierten. August von Karner
„1 — 2 — 3 CORONA“ Zwei Jungengruppen suchen nach dem Zusammenbruch das Leben irgendwie zu bewältigen. Um Corona, der zarten Artistin eines Wanderzirkus’, beizustehen, verbünden sie sich, bewirken aber im Uebereifer selbst, daß Corona vom Trapez stürzt. Schuldbewußt übernimmt Gerhards Jungengruppe die Pflege. Sie improvisieren einen kleinen Zirkus, um mit der Vorführung der Genesenden Freude und Mut zu machen. Ein vom Arzt eingeladener Zirkusdirektor erkennt Coronas Begabung als Artistin und stellt sie groß heraus. Die Jungen, die es wünschen, erhalten bei ihm eine kostenlose Ausbildung als Artisten, und Gerhard und Dietrich, Rivalen im Einsatz für Corona, werden nun ihre beiden Partner in der großen Trapeznummer „Drei Corona“ Ein DEFA-Film (im Palast). Foto: DEFA-Film, Verleih Herzog.
„WENN EINE FRAU LIEBT“ Maler Martin und Frau Monika sind glücklich verheiratet. Aber die Selbstkritik des talentierten Künstlers geht so weit, daß er kein Bild verkaufen will. Um der ärgsten Not zu wehren, bringt Frau Monika manches Opfer und sucht schließlich durch einen Betrug das Lebensschifflein wieder flottzumachen. Martin hilft dazu, doch kommt es dabei durch Eifersucht fast zum Bruch. Das mutige Geständnis Monikas vor der Festversammlung bei der Lucas-Cranach-Preisverteilung bringt Martin zum wohlverdienten Ruhm und gibt beiden das Glück wieder. Nach der Komödie „Versprich mir nichts“ (Meteor-Film GmbH.). In den Hauptrollen: Hilde Krahl, Mathias Wiemann, Johannes Heesters. (Im Union.) Foto: Lantin
Wir sehen demnächst:
„Hochzeitsnacht im Paradies“ mit Johannes Heesters und Claude Farell. Regie Geza von Bolvary. „Unsterbliche Geliebte“, nach der Novelle „Aquis submersus“ von Theodor Storm. In den Hauptrollen: Kristina Söderbaum und Hans Holt. Regie Veit Harlan.
„W ild w e s t“, ein - Goldwyn-Film mit Gary Cooper. „Unser eigenes Ic h“, ein Goldwyn-Film, der mit den Konflikten eines jungen Mädchens in die Welt junger Menschen einführt. Er wurde im Juli in Neuyork uraufgeführt.
„Der rote Teufel“, Arbeitstitel für einen abenteuerlichen Film, den Hans Haß (bekannt durch „Menschen unter Haien“) zur Zeit am Roten Meer dreht. „Die Sünderin“, ein - Forst-Film, der die Stationen der Liebe eines Mädchens behandelt, mit Hildegard Knef (wieder aus Amerika zurück) und Gustav Fröhlich. Produktion: Junge Film-Union.
„Jetzt schlägts 13“, ein übermütiger Ulk mit Theo Lingen, Hans Moser, Susi Nicoletti, Josef Meinrad u. a. Regie: E. W. Emo. Produktion: Helios-Film.
„Die Abenteuer des Marco Pol o“, mit Gary Cooper, Sigrid Curie, Basil Rathbone u. a. bringt die Abenteuer eines berühmten Reisenden im Fernen Osten. Regie: Archie Mayo. Produktion: Samuel Goldwyn.
„San Franzisko im Gold f i e - be r“ (Barbary-Coast), mit Miriamam Hopkins. Edward G. Robinson und Joel McCrea. Regie: Howard Hawks. Produktion: Samuel Goldwyn.
„SCHWARZWALDMÄDEL“ Aus der weltbekannten Operette entstand ein Farbfilm der BerolinalHerzog-Film GmbH. „Muß denn die Lieb’ stets Tragödie sein?“ Dieser Schlager durchklingt das heitere Geschehen, bei dem es nach vielerlei Verwirrung zwischen Liebenden und Verliebten, Rivalen und Freunden schließlich drei glückliche Paare gibt. Der erste neue deutsche Farbfilm, Regie Hans Deppe und mit Paul Hörbiger. Trude Wilke-Roßwog, Sonja Ziemann, Fritz Kampers, Lucie Englisch in den Hauptrollen. (Im Thalia.) Foto: Berolina-Füm/Herzog-Film GmbH.
Zur Woche des Deutschen Films
In deutschen Kinos deutsche Filme
In der Woche vom 29. September bis zum 5. Oktober 1950 sollen laut Beschluß der Spitzen-Organisation der deutschen Filmwirtschaft nur deutsche Filme der neuen Produktion in deutschen Lichtspielhäusern gezeigt werden. Der Beschluß wurde durch die Tatsache veranlaßt, daß die Spieipläne unserer Filmtheater weitgehend von ausländischen Filmen beherrscht werden.
Ludwig Fasler, Darmstadt, der Präsident der Spitzen-Organisation der deutschen Filmwirtschaft, erklärte, daß die am 29. September anlaufende Filmwoche keine Leistungsschau sein, jedoch zeigen solle, „daß sich die Qualitätsverbesserung der Filme auf einer aufwärtssteigenden Linie befindet“. Selbstverständlich sei, wie nach jedem Kriege, in den künstlerischen Ausdrucksformen ein Wandel zu verzeichnen- Trotz teilweise erfolgreicher Versuche sei auch im Film die gleichbleibende künstlerische Linie, die durch das ganze Schaffen führen soll, noch nicht erreicht. Mit dem Suchen nach neuen Ausdrucksformen gingen die durch intensives Erleben veränderten Publikumswünsche parallel. Beide Richtungen müßten aufeinander abgestimmt werden. Erst dann könne die Filmwirtschaft künstlerisch und wirtschaftlich mit Erfolgen rechnen, die eine gesunde Weiterentwicklung garantieren.
Die bunte Filmpalette
Alexander Golling wird in dem Tourjansky-Film „Vom Teufel gejagt“ erstmalig seit Kriegsende wieder auf der Leinwand erscheinen.
Dieter Borsche spielt nach seinem großen Erfolg als Kaplan in „Nachtwache“ nun die männliche Hauptrolle in dem Rudolf- Jugert-Film „Es kommt ein Tag“.
Lil Dagover wird neben Albers und Birgel in „Vom Teufel gejagt“ zu sehen sein, da sie die für Olga Tschechowa vorgesehene Rolle übernahm. Ihr Gatte Georg Witt stellt den Film in eigener Produktion her.
Willy Forst hat die Vorarbeiten zu seinem neuen Film „Die Sünderin“, der in künstlerisches Neuland vorstoßen soll, beendet.
Hilde Hildebrand wurde von Helmut Käutner für seinen großartig besetzten CCC-Film „Epilog“ verpflichtet.
Rudolf Platte sorgt zusammen mit Ursula Herking in dem Real-Film „Mädchen mit Beziehungen“ dafür, daß auch die Lachmuskeln gut trainiert werden.
Paul Henckels erscheint in dem „Camera“-Film „Insel ohne Moral“ seit längerer Zeit wieder auf der Leinwand. Luis Trenker hat einen neuen Film „Duell in den Bergen“ fertiggestellt.
Bertha Drews, die Witwe Heinrich Georges, übernahm eine Hauptrolle des Eugen-York-Films „Der Totschläger“. Sie hat seit Kriegsende bisher nur in „Mädchen hinter Gittern“ gefilmt.
Georg Thomalla wurde von Carl Froelich für „Drei Mädchen spinnen“ verpflichtet.
Paul Dahlke spielt nach „Der Schatten des Herrn Monitor“ und „War Peter Rabanser der Täter?“ in „Gute Nacht, Gloria“. Charlotte Ander kehrt nach vielen Jahren wieder auf die Leinwand zurück: in dem Defa-Film „Jahre der Entscheidung“, den Slatan Dudow inszeniert.
Alte Filme auf der Leinwand
Die National-Filmgesellschaft hat in ihre Zwischenstaffel 1950 eine Reihe alter deutscher Filme wieder aufgenommen, denen man gerne noch einmal begegnet, zumal darin mehrere inzwischen verstorbene bekannte Schauspieler zu sehen sind:
„Der Postmeister“» mit Heinrich George t. Hilde Krahl, Siegfried Breuer, Hans Holt, Ruth Hellberg.
„Der Verteidiger hat das Wort“, mit Heinrich George f, Carla Rust, Rudolf Fernau, Margit Symo.
„Stern von Rio“, mit La Jana f, Gustav Dießl t, Fritz Kampers f, Max Gülstorff f, Harald Paulsen, Hubert von Meyerinck.
„ T r a u m u 1 u s “, mit Emil Jannings f, Hilde Weißner, Harald Paulsen, Hannes Stelzer t> Hilde von Stolz, Hans Brausewetter t, Ernst Waldow.
„Altes Herz wird wieder jung“, mit Emil Jannings t, Maria Landrock, Viktor de Kowa, Elisabeth Flickenschildt, Will Dohm f, Harald Paulsen, Paul Henckels, Paul Hubschmid.
„Freunde “, mit Ferdinand Marian t, Attila Hörbiger, Sonja Ziemann, Hanna Witt, Hilde von Stolz.
„So endete eine Liebe“, mit Paula Wessely, Willi Forst, Gustaf Gründgens.
„ICH MACH’ DICH GLÜCKLICH“ Der Reporter Peter Krüger nimmt die Interessen seiner Zeitung bestens wahr, bis er selbst wahrgenommen wird von einem frischen, jungen Mädel, Tochter des Chefredakteurs, die sich an ihrem Geburtstag vorgenommen hat, den ersten besten Menschen, der das Redaktionsgebäude betritt, glücklich zu machen. Durch eine Kette von Mißgeschicken raufen sich Barbara und Peter zusammen, um zu guter Letzt von Herzen glücklich miteinander zu werden. Ein Film der Comedia-Film GmbH, mit Heinz Rühmann, Hertha Feiler, Karl Schönböck in den Hauptrollen; Regie: Alexander von Szlatinay. (Im Belida.) . Foto; Comedia-Filmgesellschaft
Darmstadt und Umgebung
Parkplatz im Herzen der Stadt
Unter den Vorlagen, die heute die Stadtverordneten beschäftigen, befindet sich ein Antrag des Magistrats über den Fluchtlinienplan der verlängerten Schleiermacherstraße. Er dürfte, nachdem er bereits den Bau- und den Finanzausschuß ohne Anstände passiert hat, zwar keine besondere Aussprache auslösen, doch verdient er allgemeines Interesse. Es geht dabei um die Bebauung der nördlichen oberen Rheinstraße und den Block zwischen ihr und der Zeughausstraße.
Die Eckgebäude dieses Häusergevierts im Herzen der Stadt sind sämtlich zerstört. An der Ecke zum Friedensplatz, an der einst das Jagdhaus stand, gähnt heute eine tiefe Baugrube. Es besteht sichere Aussicht, daß der hier geplante Geschäftsbau nun doch bald erstellt werden kann. Ebenso dürfte der Wiederaufbau der Merckschen Apotheke in absehbarer Zeit begonnen werden. Aenderungen bei den ursprünglichen Plänen der Stadtverwaltung sind jedoch für die Ecke Friedensplatz—Zeughausstraße notwendig geworden. Die Stadt hätte gewünscht, daß sie nicht ausgebaut würde. Da es sich aber um staatlichen Bodenbesitz handelt, war der Fiskus zu befragen. Der Denkmalpfleger forderte den Wiederaufbau des einstigen „Leibstalls“. Er wird das Staatl. Hochbauamt aufnehmen. Der Staat hat die Mittel dafür schon bereitgestellt und mit dem Bau soll bald begonnen werden. Die nun geänderten Fluchtlinienpläne sehen die Anlage eines großen Parkplatzes und von Garagen im Inneren des Blockes vor. Die Zufuhr zu den Geschäftshäusern in der oberen Rheinstraße von der verlängerten Schleiermacherstraße erfolgen.
Streifzüge durch die Jagdgründe des Ried
Daß auch scheinbar reizlose Landschaften dem Wanderer einen Reichtum an Eindrücken vermitteln können, das erlebten die Teilnehmer der letzten Septemberfahrt der Ortsgruppe Darmstadt des Odenwaldklubs, die sich um die Führer Landesforstmeister Dr. Hesse und Theodor Leh gesammelt hatten. Start in Klein-Gerau, Ziel in Groß-Gerau. Was kann schon dieser Raum bieten, dessen höchste Erhebung 13 Meter beträgt, kein Berg, kein Tal den Blick fesseln, wo träge durch mangelndes Gefälle die Wasser von Apfel-, Heeg- und Schwarzbach dahinschleichen und die Morast-Landschaft mit ihrem Bruchwald gestaltet haben?
Und wer denkt daran, daß abseits vom Weg, nur wenigen bekannt, der zweitstärkste Baum Hessens steht, die Ludwigs-Eiche, der 1859 Großherzog Ludwig 111. „allergnädigst geruhte, seinen Namen zu verleihen“. Die Jugendzeit dieses Riesen, den 7 Männer gerade umfassen können, reicht an die Zeiten Barbarossas, wo dieses Land noch zum königlichen Bannforst Dreieich gehörte. So gelangten die Wanderer zur ersten Rast nach Mönchbruch.
In Groß-Gerau fand diese an Ueberraschungen reiche Wanderung ihr Ende. Stadtarchivar Fuchs zeigte den Wanderern noch die reichen Schätze des Heimatmuseums aus Stein-, Römer- und Frankenzeit. Bei der Schlußrast im Hotel „Adler“ gab der 2. Vorsitzende, Wanderkamerad Salomon, den Dank der Teilnehmer für die ausgezeichnete Führung in herzlichen Worten Ausdruck. sp.
In der Stadt notiert
Alle sogenannten Friedenskundgebungen, Demonstrationszüge, Unterschriften-Sammelaktionen und ähnliche Unternehmungen, die von der FDJ, dem Komitee der Friedenskämpfer oder anderer getarnter kommunistischer Organisationen in der Zeit vom 27. September bis 1. Oktober 1950 im Stadtkreis Darmstadt beabsichtigt sind, wurden vom Polizeipräsident der Stadt Darmstadt auf Grund der ministeriellen Erlasse vom 8. und 20. September verboten.
Die Sport- und Kulturgemeinde Eberstadt hält am Samstag, dem 30. September um 20 Uhr im Gasthaus „Zur Rose“ ihre Mitgliederversammlung ab.
Die evangelische Paulusgemeinde begeht, wie alljährlich, den Michaelistag am Freitag, dem 29. September, mit einem besonderen Abendgottesdienst um 20 Uhr.
„Das Schuldorf Bergstraße“ wird Thema einer eingehenden Aussprache maßgeblicher deutscher und amerikanischer pädagogischer Stellen am Samstag, dem 30. September, in Jugenheim a. d. B. sein. DT
Die Interessengemeinschaft der Be¬ satzungsgeschädigten von Darmstadt und Umgebung hält am 1. Oktober vormittags 10 Uhr ihre Mitgliederversammlung in der Gastwirtschaft Anton Schäfer „Zum Ritter Georg“ in der Ludwigshöhstraße 35 ab. DT
Drei Unfälle in Darmstadt
Ein polizeieigener Lkw befuhr gestern um 8.25 Uhr die Rheinstraße in Richtung Griesheim und bog beim Gerichtsgebäude am Interniertenlager nach links ein. Ein hinter ihm fahrender Lkw mit Anhänger bremste beim Einbiegen des vorderen Lkw so stark, daß durch die Straßenglätte der Anhänger den Motorwagen quer zur Straße schob. Die Kupplung des Anhängers wurde dabei beschädigt.
An der Ecke Riedlinger- und Mühlstraße stießen gestern 11.20 Uhr ein Dreirad-Lieferwagen und ein Lkw zusammen, wobei geringer Schaden am Dreirad-Lieferwagen entstand.
Zwei Leichtmotorräder befuhren die Hindenburgstraße in südlicher Richtung. Beim Ueberholen stieß das nachfolgende mit dem vorfahrenden Rad zusammen. Es entstand an beiden Fahrzeugen Sachschaden. DT
Das Schwarzhörer-Teufelchen geht um!
Über 500 Darmstädtern schlug das Gewissen
Seit ein paar Tagen schauen von den Plakattafeln und Litfaßsäulen schwarzweiße Plakate den Straßenpassanten an, aus deren Mitte das „Schwarzhörerteufelchen“ seine Höllenanwärter warnt, denn es sind nur noch wenige Tage, die der Hessische Rundfunk Geduld mit den Schwarzhörern haben will. Dann hat’s geklingelt:
Eines Tages stehen ein paar unauffällige Herren vor der Haustür und fragen nach der Rundfunkgenehmigüng. Wehe, wer sie nicht hat! Den holt der Teufel, eben jener von den Plakaten, der ansonsten in dem unscheinbaren kleinen Kasten mit der handgroßen Antenne steckt, mit der man den Standort jeden Rundfunkempfängers und sogar das augenblicklich gehörte Programm feststellen kann.
Aber, so stellten wir beim Postamt am Hauptbahnhof bei den zuständigen Herren fest, da sind eine ganze Menge Leute, denen in den letzten 14 Tagen das Gewissen geschlagen hat. Die Leute von der Post haben gestaunt! Vielleicht auch nicht, weil sie ihre Pappenheimer kannten. Jedenfalls haben sich seit Beginn der Schwarzhöreraktion fast eintausend neue Rundfunkhörer allein im Bereich des Postamtes Darmstadt — also in Darmstadt und dessen nächster Umgebung gemeldet, und die Herren von der Rundfunkabteilung beim Postamt meinen, daß davon über die Hälfte einwandfrei Gewissensbisse bekamen. Das sind immerhin so etwa tausend DM, die das Darmstädter Postamt in diesem Monat mehr buchen kann und über 500 Leute, die jetzt nachts mit reinem Gewissen in Darmstadt schlafen können.
Bei dieser Gelegenheit erheben sich bei vielen Rundfunkhörern eine ganze Reihe Fragen, die täglich der Post und in der letzten Zeit auch unserer Redaktion vorgetragen wurden. Wir haben deswegen einen unserer Mitarbeiter an die 43seitige Rundfunkordnung der Post mit allen ihren „wenn“ und „aber“ gesetzt, und nachdem er sich durch die Paragraphen hindurchgewühlt hatte, stellte er die nachfolgenden allgemein gültigen Bestimmungen fest. Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine Anzahl besonderer Bestimmungen, die hier den Durchschnittsrundfunkhörer nicht interessieren und die im Sonderfalle beim Postamt am Hauptbahnhof, Rundfunkstelle, erfragt werden müssen.
1. Wer darf Rundfunk hören?
Zur Aufnahme der Rundfunkdarbietungen ist berechtigt, wer die Befugnisse zur Errichtung und zum Betrieb einer Rundfunkempfangsanlage von der Post durch entsprechende Rundfunkgenehmigungsurkunde hat.
2. Wie bekommt man die Rundfunkgenehmigung?
Durch entsprechenden Antrag bei der Post und laufende Zahlung der monatlichen Rundfunkgebühren von 2 DM.
3. Muß man für ein zweites Rundfunkgerät Genehmigung haben und Gebühren bezahlen?
Man muß für ein zweites und drittes Rundfunkgerät keine besonderen Gebühren bezahlen, wenn es im eigenen Privathaushalt auf dem auf der Rundfunkgenehmigung bezeichneten Grundstück betrieben wird. Man kann also in jedem Zimmer seiner Wohnung ein anderes Radio sausen lassen.
Man muß jedoch eine besondere Genehmigung besitzen, wenn man ein weiteres Rundfunkgerät im Geschäft, im Sommerhäuschen oder als Kofferradio im Paddelboot in Betrieb hat! Für ein zweites, außerhalb des Privathaushaltes betriebenes Rundfunkgerät — auch Kofferradio! — muß also eine zweite Genehmigung beantragt und die entsprechenden Gebühren bezahlt werden.
4. Wie steht es mit dem Rundfunkgerät im Auto?
Wer schon zu Hause eine Genehmigung für ein Rundfunkgerät hat, braucht für seinen Autoempfänger nur eine Zusatzgenehmigung und muß monatlich weitere 0,50 DM Gebühren zahlen. Besitzt er kein sonstiges Rundfunkgerät, braucht er eine normale Genehmigung. Autofahrer müssen bei Verkehrskontrollen mit den Fahrzeugpapieren ihre Rundfunkgenehmigung oder Zusatzgenehmigung vorweisen können.
5. Muß der Untermieter Rundfunkgebühren bezahlen?
Gehört der Untermieter mit zur Wohngemeinschaft — wenn er „zur Familie gehört“, und mitißt—, dann braucht er keine besondere Genehmigung zu haben. Jeder selbständige Untermieter benötigt jedoch eine Genehmigung und muß monatlich 2 DM bezahlen.
6. Darf der Nachbar mit einem Lautsprecher mithören?
Der Nachbar in einer anderen Wohnung darf nicht mithören, wenn er nicht eine besondere Genehmigung besitzt.
7. Wie lange darf der neue Apparat ~Probe“ laufen?
Ein neu oder alt gekaufter Apparat darf grundsätzlich nicht „Probe“ laufen. Erst muß die Genehmigung da sein, dann darf eingeschaltet werden. Nur wenn der Rundfunkhändler dem Käufer die Durchschrift einer Probebetriebsanmeldung mit dem Gerät aushändigt, darf ein neuer Apparat acht Tage lang zur Probe laufen.
8. Kann man von den Rundfunkgebühren befreit werden?
Nur ein sehr kleiner Personenkreis — zumeist Fürsorgeempfänger, mittellose Kranke usw. — kann bei dem zuständigen Fürsorgeamt oder bei ländlichen Gemeinden auf der Bürgermeisterei Antrag auf Erlaß der Rundfunkgebühren stellen. Solche Anträge sind jedoch nicht an das Postamt zu richten.
9. Muß ein Gerät außer Betrieb angemeldet sein?
Wenn man sein Rundfunkgerät nicht mehr in Betrieb hat. etwa weil es reparaturbedürftig und kein Geld dazu da ist, so kann man es abmelden, denn der Besitz eines Rundfunkgerätes ist nicht genehmigungspflichtig. Wer es aber trotzdem in Betrieb nimmt, hat mit hohen Strafen zu rechnen.
10. Wer überprüft die Beachtung der Vorschriften?
Den Beauftragten der Bundespost ist das Betreten der Grundstücke und Räume, in denen sich Rundfunkgeräte oder deren Teile befinden, jederzeit zu gestatten.
Neuer Pfarrer für Johannisgemeinde
Die durch die Uebersiedlung durch Propst Weinberger nach Gießen erledigte Pfarrstelle der Johannesgemeinde-Süd wurde ab 1. Oktober Pfarrer Hans Werner Jaes ch k e definitiv übertragen, der bereits seit dem 1. Mai 1948. aus dem schlesischen Liebenzig kommend, in der Gemeinde amtiert. Pfarrer Jaeschke ist am 20. November 1911 in Nowawes geboren und wurde 1936 in Salzbeuren ordiniert. Die Pfarrstelle des Nordbezirks erhielt, ebenfalls definitiv, Pfarrer Hans Orth, der nach seiner Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft im Herbst 1948 Pfarrvikar in der Matthäusgemeinde und seit dem 16. Februar vorigen Jahres Pfarrverwalter in seiner jetzigen Gemeinde war. Pfarrer Orth ist am 23. Mai 1914 in Darmstadt geboren und war vor seiner Einberufung zur Wehrmacht Pfarrassistent in Steinbach i. O. und in Beerfelden.
Altherrentagung in Bingen
Den ersten Festvortrag der diesjährigen Altherrntagung der deutschen Burschenschaften in Bingen, zu dem sich am Wochenende Vertreter von über 130 Altherrnverbänden ganz Deutschlands, auch aus der Ostzone, aus Graz und Wien getroffen hatten, hielt Direktor Schöberl von der „Germania“ Darmstadt. Der Redner erinnerte an einen der größten deutschen Staatsmänner, den alten Burschenschafter Stresemann, dessen burschenschaftliche Gesinnung Vorbild sein müßte, und bedauerte, daß das Streesemann-Denkmal durch ruchlose Hände zerstört worden sei.
Dr. Kaupisch vom Hessischen Rundfunk sprach über die Stellungnahme der Burschenschaften zu europäischen Problemen. Den Höhepunkt des Altherrntages bildete der große Festkommers in der Binger Stadthalle, an dem unter den ca. 700 Teilnehmern auch Vertreter der sechs Darmstädter Burschenschaften zugegen waren. Ein Prof, der Universität Heidelberg überbrachte die Grüße der Stadt Heidelberg.
Gefängnis für Todesstich
Die Bluttat in der Ploenniesstraße vor dem Schwurgericht
In der Nacht zum 1. Juli hatte sich in einer Wohnung der Ploenniesstraße in Darmstadt eine schwere Bluttat zugetragen. Während eines heftigen, nächtlichen Streites erstach der 77jährige Rentner Wilhelm Pf. mit einem Brotmesser seinen bei ihm wohnenden Sohn, den Heag-Angestellten Willi Pf. Noch bevor die Mordkommission eintraf, hatte sich der Täter der Polizei gestellt. Gestern morgen war diese furchtbare Familientragödie Gegenstand einer Hauptverhandlung des Schwurgerichts Darmstadt.
Auf der Anklagebank saß ein bleicher, alter Mann. Keinerlei Anzeichen der Rührung oder Reue waren diesem Vater von sieben Kindern anzumerken. Fast gleichgültig folgte er dem Verhandlungsverlauf. Gespannt lauschten dagegen Buben und Mädels Darmstädter Schulklassen mit ihren Lehrern dem Geschehen im überfüllten Gerichtssaal. Als Ergebnis ihres Anschauungsunterrichts fällten sie in der Pause vor dem Urteilsspruch gewichtig und eifrig „ihr Urteil“, um das sie der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Hahn, gebeten hatte. (Daß es später dem des Schwurgerichts gerade entgegenstand, veranlaßte viele von ihnen zu erregten Debatten.)
Die Beweisaufnahme ergab ein klares Bild. Seit längerer Zeit bestanden zwisehen dem alten, alleinstehenden Pf. und dem jungen Ehepaar Pf. Reibereien. Obwohl man für den alten Mann sorgte, ohne daß er etwas außer einem kleinen Mietbeitrag zu bezahlen brauchte, gab es jene Unstimmigkeiten, die sich oft ereignen, wenn verschiedene Familien oder Generationen zusammenleben müssen. Zum Teil lag die Ursache in der Halsstarrigkeit des alten Mannes und in der Tatsache, daß er mindestens dreimal in der Woche abends ein junges Mädchen in seine Wohnung kommen ließ und mit diesem „66“ spielte. So war es auch an jenem 1. Juli. Länger als sonst widmeten sich der 77jährige und die 29jährige dem Spiel. Der Sohn, der mit seiner Familie im Nebenzimmer schlief und früh morgens zur Arbeit mußte, ärgerte sich über das nicht gerade lautlose „Auftrumpfen“ beim Kartenspiel. Gegen 0.30 Uhr stürzte er plötzlich aus dem Schlafzimmer und schlug — völlig erregt und mit den Worten „Raus“ — auf die beiden ein, die sich gerade zum Weggehen fertig machten. Er drängte den Vater in dessen Schlafkammer und wandte sich dann wieder dem Mädchen zu. Der 77jährige — für einen Augenblick völlig allein — griff zu einem scharfen Messer, stürzte mit ihm seinem Sohn nach und stieß es dem Ueberraschten in den Rücken. Mit den Worten „Du, Schuft, schäme dich, den eigenen Sohn zu erstechen“ brach dieser innerlich schwerverletzt zusammen. Ein herbeigeholter Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der 77jährige ging anschließend sofort zum Polizeirevier und ins Untersuchungsgefängnis ...
„Ich wollte ihn nur kampfunfähig machen“, behauptete er gestern und meinte, er sei in seiner „Notwehrstellung“ nicht mehr Herr über sich gewesen.
Der Sachverständige sprach von einem zunehmenden Altersabbau des 77jährigen und billigte ihm den Schutz des § 51 Absatz 2 zu. Staatsanwalt Keppel führte in seinem Plädoyer aus, es sei zwar nicht der Tatbestand eines Totschlages, jedoch einer vorsätzlichen Körperverletzung und ein^r fahrlässigen Tötung gegeben. Im Zorn habe der Angeklagte zugestochen und die Grenzen der Notwehr eindeutig überschritten. Zweifelsfrei liege ein beiderseitiges Verschulden vor, da auch der Sohn durch sein „brutales Auftreten“ das Ereignis provoziert habe. Er beantragte zwei Jahre Gefängnis.
Der Verteidiger forderte für seinen Mandanten Freispruch wegen einer rechtsmäßigen Notwehrhandlung Nach einstündiger Beratung schloß sich das Schwurgericht dem Antrag des Staatsanwaltes an und verurteilte Pf. wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren. „Der Angeklagte hat in Notwehr gehandelt, sie jedoch dadurch überschritten, daß er ohne einen zwingenden Grund ein Messer gegen den körperbehinderten Sohn, der keinerlei Waffe oder Werkzeug besaß, benutzt hat“, erklärte der Vorsitzende. DJe Tatsache, daß dem Angeklagten der § 51/2 zugebilligt werde, die Gegenseite durchaus nicht schuldlos an dem schlechten Verhältnis und Pf. bisher ein unbestrafter Mann gewesen sei, spreche zu seinen Gunsten. wst.
In Märchen und Sagen sind die Zwerge noch nie auf einem Pferd geritten, sondern das Getier des Waldes, die Vögel und Käfer, die Rehe und Frösche machten sich den hilfreichen kleinen Geistern gerne dienstbar. Und wenn solch ein geplagtes Menschenkind am anderen Morgen aufwachte, war das schwierigste Stück, oder gar die ganze schwere Arbeit schon getan. — So ist der Gnomen, der Fliegenpilz und der Frosch, mit dem wunderbar stilisierten Reh, aus Zement und Rheinsand geformt, zu verstehen, und man kann, wenn man Zeit hat, diese Gruppe in einem Garten in Eberstadt bewundern. Foto: Hemme
Naturschutz der Landschaft
Landschaftspflege im Vordergrund der Naturschutzarbeit
In einer zum ersten Mal nach dem Krieg stattgefundenen Versammlung des Bezirksausschusses der Naturschutzstelle Darmstadt in der Gaststätte Knauf erinnerte der Beauftragte für die Naturschutz- und Landschaftspflege des Regierungsbezirks Darmstadt, Oberforstmeister H e i d e n r e i c h, zunächst daran, daß die Naturschutzarbeit in den Kriegs- und Nachkriegsjahren völlig brachgelegen habe. Erat im letzten Jahr hätte man Wieder mit dem Aufbau des Naturschutzapparates begonnen.
Der Redner erläuterte die rechtlichen Grundlagen des Naturschutzes, die Organisation der Naturschutzstellen, deren Aufgaben und die im Regierungsbezirk Darmstadt geleistete Arbeit. Ohne eine hinreichende Erziehung der Jugend hänge der Naturschutz völlig in der Luft. Namentlich bei Ausflügen müßte auf die Jugend eingewirkt und der Natunschutzunterricht auf ein höheres Niveau gebracht werden. — Da sich die Technik immer mehr der Natur bemächtige, sei es heute zu einem Problem geworden, wie der Erbauung®- und Erholungswert der Landschaft erhalten werden könne. Der deutsche Natunschutzring, dem 60 größere Zentralverbände angehörten, wolle wieder für den Naturschutzgedanken freie Bahn schaffen. Das Reichsnaturschutzgesetz mache allen Dienststellen zur Pflicht, bei Planungen und Maßnahmen, die zu wesentlichen Veränderungen der freien Landschaft führen können, die Naturschutzbehörden rechtzeitig zu befragen. Hierzu gehörten Planungen für den Bau von Siedlungen, Flurbereinigungen und Meliorationen und Anlagen für die Wasserwirtschaft. Der Redner gab bekannt, daß zweimal im Jahr eine Arbeitstagung der Kreisbeauftragten und der Sachbearbeiter der Naturschutz stellen stattflnden würde. Die Versammlung stimmte seinem Vorschlag bei, den aus den Vertretern der verschiedensten Behörden und Sachverständigen bestehenden 12köpfigen Bezirksausschuß noch um zwei Vertreter — je einen für Oberhessen und einen für die Schulverwaltung — zu erweitern.
Oberforstmeister Heidenreich erwähnte ferner, daß im Vogelsberg, auf dem Hohenrodskopf und am Taufstein neue Naturschutzgebiete in Vorbereitung stünden. Schutzverordnungen lägen auch für die Sandfloren der Malchner Tanne, für den Griesheimer Sand, für das Pfungstädter Moor und für lichtstehende alte Eichen im Groß-Gerauer Staatswald vor. Besondere Naturschutzmaßnahmen für den Kühkopf würden bearbeitet. t-s.
Das Sportfest der Bessunger Knaben¬ schule, daß am Mittwoch, dem 27. September. auf der Rennbahn durchgeführt werden sollte, fiel heute wegen Witterungsschwierigkeiten aus. Die endgültige Festsetzung der Veranstaltung wird nach den Ferien bekanntgegeben. ng
WIE-WIRD-DAS- WETTER
Noch unbeständig
Vorhersage: Am Donnerstag stark bewölkt und noch nicht regensicher. Temperatur wenig geändert. Teilweise wieder lebhafte Winde aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten: Wechselnd bewölkt, etwas wärmer und meist trocken.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie. 19.30 Uhr: „Maske in Blau“, Operette von Fred Raymond; Ende gegen 22.00 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „Wenn eine Frau liebt“; Thalia: „Der Weg ins Freie“; Belida: „Der dritte Mann“; Palast: „Die Hölle von Oklahoma“; Hansa: „Symbol des Glücks“.
Amerikahaus: 19.30 Uhr Konzert der amerikanischen Mezzosopranistin Ellen Repp (Werke von Beethoven, Richard Strauß, Hugo Wolf, Faurö, Carpentier, Horsman u. a.).
Hygiene-Lichthof, Neckarstraße 3: 10 bis 18 Uhr, Ausstellung: „Gesundes Leben“.
Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr, Prof. Dr. W. Ankel: „Aus der Welt der Insekten“ (mit Lichtbildern).
Techn. Hochschule: Aula, 19.30 Uhr: Versammlung der Flieger- und Währungsgeschädigten, Kreis verband Darmstadt; Oberbürgermeister a. D. Dr. Blaum: „Grundzüge des Lastenausgleichs“.
Hess. Landesmusikschule Darmstadt: Herdweg 31, Saal der Christengemeinde, 17 und 19 Uhr: 2 Aufführungen von Ausbildüngsschülern.
Woogswiese: 8.30 Uhr: Schulsportfest des Liebig-Realgymnasiums.
Gas-Vortrag: Luisenplatz 4, 19.30 Uhr: Südhess. Gas- und Wasser-AG., Eintritt frei — Kostproben.
STARKENBURG
Zunehmende „Schweinerei“
Die diesjährige Herbst - Zählung des Schweinebestandes im Landkreis Erbach ergab gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs eine Zunahme um rund 2000 Stück auf insgesamt 17 809 Schweine. Im September 1949 zählte man nur 15 805 Stück. —ch
Gefängnis für Unzucht
Die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verurteilte gestern den 36jährigen, vorbestraften brufslosen Johann Rudi R. aus Bensheim wegen Unzucht an Kindern unter 14 Jahren zu einem Jahr Gefängnis. Der Angeschuldigte hatte Anfang Juni dieses Jahres im Bensheimer Schwimmbad sich an einem kleinen Mädchen in unzüchtiger Weise vergriffen. wst.
„Corrigez la fortune!“
Fast alle Toto-Schwindeleien sind bisher schief gegangen. Trotzdem glaubt immer wieder dieser oder jener, den mit reichen Erfahrungen gesegneten Totogesellschaften doch ein Schnippchen schlagen zu können. Eine solche gestrandete „Glücksritterin“ aus Hassenroth i. O. stand vor dem Amtsgericht in Höchst, weil sie mit einer Toto-Postanweisung einen zwar fingerfertigen, aber dennoch plumpen Dreh gemacht hatte, durch den sie vom Württemberg - Badischen Fußballtoto runde 50 000 DM zu erhalten hoffte. So leicht lassen sich jedoch die Totoleute nicht reinlegen. Nachdem die Angelegenheit anrüchig wurde, Übergabe man sie einfach der Kriminalpolizei. Diese fragte kreuz und quer. Bald hatte sich die gute Frau in ihren Widersprüchen verfangen und mußte ihren Schwindel eingestehen.
Die Hauptverhandlung sah zunächst so aus, als wäre sie bald abgewickelt. Plötzlich erklärte die Angeklagte aber, das seinerzeitige Geständnis sei von ihr erpreßt worden. Sie habe damals nur ja gesagt, um endlich Ruhe zu haben. Dem Gericht blieb nichts anderes übrig, als zur Beschaffung weiteren Beweismaterials die Verhandlung noch einmal zu vertagen. Einige Tage Zeit hat die Angeklagte ja nun gewonnen, ob sie aber auch die 50 000 DM noch gewinnt, so aus der „Hinterhand“, — das bleibt abzuwarten. -ch
Pulsader aufgeschnitten
Ein junger Mann aus Leeheim, der seit 4 Wochen verheiratet war, versuchte am Montag seinem Leben ein Ende zu machen, indem er sich die Pulsadern durchschnitt. Das schnelle Hinzukommen eines Arztes verhinderte, daß der Lebensmüde den Tod erlitt. Die Gründe sind bisher unbekannt. kr-
Zu späte Hilfe
Als sich die 84jährige Frau Lisette Müller in Michelstadt an ihrem Kochherd zu schaffen machte, fingen ihre Kleider plötzlich Feuer. Bis man den Unfall bemerkte und der alten Frau zu Hilfe kam, hatte sie bereits am ganzen Körper schwere Branwunden 3. Grades erlitten. Im Michelstädter Krankenhaus ist sie ihren Verletzungen erlegen. —ch
Die Kuh war an allem Schuld
In der Nähe des Bahnhofes Zotzenbach entwand sich eine Kuh ihrem 21jäh~ rigen Hütejungen und sprang auf die Fahrbahn unmittelbar vor ein Motorrad. Der Fahrer, Dieter Grünig, stürzte und zog sich leichte Hautabschürfungen zu; seine Maschine wurde schwer beschädigt, (-r)
Dr. Geldmacher plädiert:
Hohe Zuchthausstrafen für die Autospringer
Sicherheitsverwahrung für Dietrich beantragt
Im Autospfinger-Prozeß vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt stellte gestern abend Staatsanwalt Dr. Geldmacher nach einem über vierstündigen Plädoyer folgende Strafanträge:
Emil Dietrich aus Groß-Zimmern wegen Bandendiebstahls acht Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.
Fritz Heß aus Darmstadt wegen Bandendiebstahls sechs Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust.
Wolfgang Roth aus Groß-Zimmern wegen Bandendiebstahls drei Jahre Zuchthaus.
Alfred Karrer aus Griesheim wegen Bandendiebstahls drei Jahre Zuchthaus. Karl Allmann aus Spachbrücken we¬ gen Bandendiebstahls ein Jahr und sechs Monate Gefängnis.
Johann Kumpf aus Darmstadt wegen Bandendiebstahls und Hehlerei zwei Jahre und sechs Monate Zuchthaus. Walter Korndörfer aus Groß-Zimmern wegen Bandendiebstahls ein Jahr und zwei Monate Gefängnis.
Norbert Schneider aus Darmstadt wegen Bandendiebstahls und Hehlerei Jugendgefängnis von unbestimmter Dauer. Karl Horst aus Darmstadt wegen Hehlerei ein Jahr und zwei Monate Gefängnis.
Heinrich Haller aus Groß-Zimmern wegen Betrugs und fortgesetzter gewerbsmäßiger Hehlerei vier Jahre und acht Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust.
Heinrich Roth aus Groß-Zimmern wegen schweren Diebstahls ein Jahr und sechs Monate Gefängnis.
Rudolf Bey sei aus Groß-Zimmern wegen schweren Diebstahls acht Monate Gefängnis.
Bei Dietrich beantragte der Staatsanwalt außerdem Sicherungsverwahrung. Die Angeklagten Dietrich, Heß, Roth, Karrer und Haller bezeichnete er als gefährliche Gewohnheitsverbrecher. wst.
„Führerschein“ für Eheleute
Am Dienstagabend diskutierte man im Rahmen der Groß-Gerauer Jugendwoche das im Entstehen begriffene Jugendgesetz. Bei der Frage, welche Maßnahmen zu einer besseren Jugend führen könnten, vertrat man die Ansicht, daß hierfür das Elternhaus eine grundsätzliche Voraussetzung sei. Man hielt es für zweckmäßig, Kurse zur Vorbereitung auf die Ehe einzurichten. So, wie man das Autofahren erlerne, könne man auch die Menschen auf die Ehe irgendwie vorbereiten.
Zu dem Thema „Schule“ bemerkte man, daß es häufig an innerlich wirklich berufenen Lehrkräften fehle; auch müsse den Elternbeiräten mehr Gehör geschenkt werden, was im Kreise Groß-Gerau schon verschiedentlich durchaus nicht der Fall gewesen sei. Direktor Barth vom Groß-Gerauer Realgymnasium wies darauf hin, eine welch bedeutsame Rölle Wissen und Können in unserer Zeit spielt.
Weiterhin empfahl man eine Hinführung zur Gemeinschaft und zu Verantwortungsbewußtsein, sowie eine Beseitigung des „Obrigkeitskomplexes“ als Wege zur Besserung der Jugend. (cg)
Richtfest in Goddelau
Am Sonntag wird die Richtkrone auf 27 Häusern der von der Baugenossenschaft Ried in der Gemeinde Goddelau erstellten Siedlung ankündigen, daß wiederum mehrere heimatvertriebene Familien bald einen eigenen Herd erhalten werden. Zur Feier des Richtfestes am Sonntagvormittag werden der Hess. Finanzminister Dr. Hilpert, Innenminister Zinnkann und andere Vertreter der Staatsregierung erwartet. kr
Ubermüdung fordert Todesopfer
Wie bereits in der Samstagausgabe berichtet, wurde am Freitagmorgen zwischen Groß-Gerau und Nauheim ein Radfahrer von einem Lastzug erfaßt und getötet. Von der Gendarmerie und dem Kraftfahrzeug - Sachverständigen Schreiner wurde nun festgestellt, daß an der Unfallstelle weder Brems- noch Rutschspuren zu erkennen waren. Uebermüdung des Fahrers wird als Ursache des Unfalles angenommen. cg
Kleintierschau in Dieburg
Der Kleintierzuchtverein 1896 Dieburg und der Reisevereinigung-Breiftaubenklub legten in einer gemeinschaftlichen Mitgliederversammlung für den 28. und 29. Oktober eine große Gemeinschaftsschau in der „Ludwigshalle“ fest. Zu dieser Schau werden zirka 500 Stück Geflügel, Tavbon und Kaninchen aller Rassen kommen. Die Prämiierung erfolgt durch erstklassige Preisrichter. Eine Tombola mit lebenden Preisen ist in Vorbereitung, (rfd)
„Wenn's Realgymnasium nicht wär'“
Neuer Dieburger Schwimmbadplan
lieber die Notwendigkeit der Schaffung eines zeitgerechten Schwimmbades für Dieburg gibt es keine Meinungsverschiedenheiten. Wenn auch bisher noch keine offizielle Ausschreibung erfolgte, so bestand doch immerhin schon mancher Plan, gab es Gutachten über die Eignung des Gersprenzwassers.
Alle diese Ratschläge und Feststellungen waren gut gemeint. Aber ihre Realisierung mußte letzten Endes am chronischen Geldmangel des Stadtsäckels <scheitern. Ein großer Schritt vorwärts wäre es, wenn die Stadt von den Lasten für die höhere Schule befreit würde.
Und doch ist das Projekt des Schwimmbades, mit dem sich der Gemeinderat schon mehrfach beschäftigte, und für dessen baldige Verwirklichung er sich wiederholt einstimmig aussprach, nicht in der Versenkung verschwunden. Im Gegenteil:
Auf Anregung von Bürgermeister Steinmetz hat das Wasserwirtschaftsamt Darmstadt die Möglichkeit der Errichtung eines Schwimmbades für die Kreisstadt Dieburg untersucht. Es ist dabei u. a. zu folgenden Feststellungen gekommen: In der Gersprenz befindet sich zwischen der Umgehungsstraße Darmstadt —Dieburg—Aschaffenburg und dem Hochwasserentlastungsgraben, dem „Herrengraben“, <Jie jetzige Badeanlage. Sohlenauskolkungen, verursacht durch Hochwasser und geringe Verbreiterungen des Laufes ergaben eine primitive Anlage, die in keiner Weise mehr den heutigen Forderungen entspricht. Besonders in hygienischer und sportlicher Hinsicht ist dringend Abhilfe geboten. Das' Wasser weist in einem Kubikzentimeter 1580 Keime auf; ferner werden vom Untersuchungsamt für Infektionskrankheiten 0,01 Darmbakterien nachgewiesen. Das Wasser kann also ohne entsprechende Aufbereitung nicht zur Füllung des Badebeckens verwendet werden. Auf eine Anlage in oder an der Gersprenz müßte unter diesen Umständen verzichtet werden, zumal auch in technischer Hinsicht große Schwierigkeiten bei der Beseitigung der ständig wiederkehrenden Verschlammung der nötigen Vertiefungen und Verbreiterungen im eigentlichen Flußbett entständen.
Der bestgeeignete Platz für das Schwimmbad ist nach Auffassung der Fachleute das Gelände auf der Todtenmarkt- und Schafwiese unmittelbar zwischen dem jetzigen Sportplatz im Schloßgarten und der Umgehungsstraße. Hier könnte eine mustergültige Wassersport- und Badeanlage geschaffen werden.
Das Schwimmbad selbst wäre leicht mit den Abmessungen anzulegen, wie sie für Städte mit 5000—20 000 Einwohnern (Dieburg hat heute nahezu 10 000 Einwohner) gefordert werden. Das Schwimmbecken mit Nichtschwimmerteil erhielte die Größe von 50X20 m, das hiervon getrennte Kinderfoecken 20X20 m. Um die Becken ist ein mit Platten belegter Fußweg vorgesehen, in den die Fuß- und Brausebäder eingebaut werden. Die vorzusehenden Umkleide-, Massen- und Einzelkabinen können auch als Wechselzellen ausgeführt werden. Die Kabinen sollten massiv oder als Holzbauten erstellt werden. Liegewiese und Wasserrutschbahn sind vorgesehen. Ein 1-m- und ein 3- m-Brett und ein Sprungturm mit 5- und 10-m-Brett sind vorgesehen.
Ohne die vorgeschlagene Form zu ändern, kann das Bad auch mit Leitungswasser gespeist werden. Die Kosten für diese Zuleitung würden sich etwa mit den Erstellungskosten für die Entnahme, die Aufbereitung und das Pumpwerk decken. Die Kosten für die gesamte Anlage werden auf 140 000 bis 150 000 DM geschätzt. Sie können durch Gemeinschaftshilfe, Notstandsarbeiten und Spenden herabgesetzt werden. Außerdem ist bautechnisch durchaus möglich, das Bad in Etappen durchzuführen. RG.
Neue Wasserleitung für Rimbach
Die unerwartete Entwicklung der Siedlung Albersbach, in der gegenwärtig vier Neubauten nahezu bezugsfertig sind und drei weitere Wohnhäuser in den Grundmauern stehen, stellte die Gemeinde Rimbach vor die Notwendigkeit, die einzöllige Wasserleitung durch eine druckstärkere zu ersetzen. Schwierigkeiten bereitete bisher lediglich die Unterführung am Bahnkörper. Nachdem die Bundesbahn unter der Voraussetzung, daß zusätzliche Ueberrohre sowie beiderseits des Kemers Schieber verwendet werden, ihre Zustimmung zum Ausbau gegeben hat, kann nun mit den Arbeiten begonnen werden.
„Sonderausschuß“ für Tische und Stühle
Lebhafte Diskussion um die Inneneinrichtung des Roßdörfer Rathauses
In seiner Dienstagsitzung berief der Roßdörfer Gemeinderat neben der Neuwahl des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr die festzulegenden Vergnügungssteuern für die diesjährige Kirchweihe und die Innenausstattung des wiederhergestellten alten Rathauses.
Zu letzterem stellte Bürgermeister Roßmann fest, daß in kurzer Zeit die Innen- und Außenverputzarbeiten fertiggestellt seien und dementsprechend die nächste Gemeinderatssitzung im Rathaus abgehalten werde. Es solle nun eine dem Baustil des Rathauses angepaßte Innenausstattung beschafft werden. Die Stuhl- und Tischfrage für den Sitzungssaal löste lebhafte Diskussionen aus und soll nochmals durch einen hierfür gebildeten Ausschuß überprüft werden.
Die in der letzten Generalversammlung beschlossene Neuwahl des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr konnte bisher durch den Landrat des Kreises Darmstadt und den Kreisfeuerwehrkommandanten nicht bestätigt werden, da den Bestimmungen entsprechend jeder neu zu wählende Kommandant die erforderliche Schulung in einem Grund- und Brandmeisterlehrgang der Feuerwehrschule Kassel erhalten haben muß. Demzufolge billigte der Gemeinderat den Vorschlag des Kreisfeuerwehrkommandanten, einen geeigneten Feuerwehrmann nach Kassel zu entsenden und den ehemaligen Kommandanten Emig so lange als Ersatz fungieren zu lassen, bis entsprechender Nachwuchs vorhanden ist und eine Neuwahl erfolgen kann.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde der Antrag eines prakt. Arztes um Bereitstellung entsprechender Räume zur Eröffnung einer Praxis, nicht gebilligt, da in Roßdorf bereits drei Aerzte ansässig seien und Wohn- und Praxisräume nicht zur Verfügung stehen.
Hinsichtlich der bestehenden Kirchweihe und der damit festzulegenden Vergnügungssteuer für die Gasthäuser mit Tanzsälen wurde einstimmig beschlossen, jeden Quadratmeter Vergnügungsraum mit 0,20 DM und, falls Eintritt durch die Gastwirte erhoben wird, diesen zusätzlich mit weiteren 10 Prozent zu besteuern. Weiterhin wurde beschlossen, die Kirchweihe wie bisher auf dem alten Sportplatzgelände abzuhalten. Um den Personendurchgangsverkehr von der Sackgasse über den Friedhof zur Beunegasse usw. zu unterbinden, wurde die Anbringung eines entsprechenden Drahtzaunes beschlossen.
Das Gesuch des Dachdeckermeisters Gg. Menzer auf Genehmigung eines Teuerungszuschlages für 3000 Tonziegel für das 3. Gemeindesiedlungshaus „Am steinigen Weg“ wurde genehmigt, jedoch die Zuschläge für weitere Materialien, wie Dachlatten und Fenster bis zur Erbringung des Nachweises zurückgestellt. In der anschließenden Aussprache wurden die Bauarbeiten in der Straße „Am Birke“ lebhaft diskutiert. Mehrere interne Fragen wurden in der folgenden nichtöffentlichen Sitzung behandelt. (sl)
Berta Karrillon 96 Jahre
Bertha Karrillon, die Gattin des am 14. September 1938 verstorbenen Odenwald-Dichters, Globetrotters und Arztes Adam Karrillon, feierte gestern in Weinheim ihren 96. Geburtstag. Durch die stetige Aufgeschlossenheit ihres Wesens, durch die Mithilfe am Werk ihres am 12. Mai 1853 in Waldmichelbach geborenen Mannes, durch hilfsbereites Zupacken dort, wo es zu helfen galt, hat sie selbst sich jene innere Herzensjugend bewahrt, die gerade einer Greisin, die im zehnten Lebensjahrzehnt steht, so wunderbar ansteht. Vor kurzem noch konnte sie in reger Anteilnahme am Geschehen ihrer Familie den jüngsten Nachkommen, die fünfte Generation, zum Taufbecken begleiten. Die Gemeinde Waldmichelbach, die das Geburtshaus des Heimatdichters, der weit über die eigentlichen Grenzen des Odenwaldes Verehrer gefunden hat, im Vorjahre instand setzen ließ, so daß die Gedenktafel wieder zu Ehren kam, die ihr neues, jetzt Volksschule und Realgymnasium beherbergendes Schulhaus auf den Namen ihres großen Sohnes taufte — sein vor nahezu 60 Jahren verstorbener Vater war selbst Schullehrer — gedachte des Geburtstages von Bertha Karrillon und entsandte außer telegraphischen Glückwünschen eine kleine Abordnung nach Weinheim, die dem betagten Geburtstagskind die Glückwünsche des Odenwaldes überbrachte. (-r)
Schulhauspläne begutachtet
In ihrer letzten Sitzung berieten die Gemeinderäte in Goddelau über zwei verschiedene Baupläne zum Neubau einer Schule. Nach eingehender Prüfung wurde der Plan angenommen, der neben vier Lehrräumen späterhin noch durch den Einbau von sechs Brause- und sechs Wannenbädern erweitert werden soll. Die vier Unterrichtsräume sollen so gebaut werden, daß sich je zwei gegenüberliegen. Die Beratung über die Wahrnehmung der Aufgaben einer Wohnungskommission endeten mit dem Beschluß, daß der Gemeinderat künftig dieses Amt mitübernehmen wird. kr
Bürstädter protestieren gegen Wohnungsamt
Gemeinderat vergibt 28 000 DM an gesperrten Rezeßholzgeldern als Darlehen für Fertigstellung von Wohnhäusern
In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in Bürstadt verlas Bürgermeister Held die Resolution einer Bürstadter Bürgerversammlung, die den Leiter des Bürstadter Wohnungsamtes, Kaspar Schramm, schärfstens angreift und seine unverzügliche Suspendierung vom Dienst fordert.
Gleichzeitig wurde die Gemeindeverwaltung wegen „ungenügender Bautätigkeit“ in dieser Resolution angegriffen. In der Diskussion über das Schreiben distanzierten sich verschiedene Gemeinderäte ebenfalls von Schramms Arbeitsweise, dem es vor allem an dem „gerade für dieses Amt nötigen Taktgefühl“ fehle.
Die örtliche Wohnungskommission in Bürstadt, die schon seit Monaten wegen Differenzen mit Schramm nicht mehr zusammengetreten ist, soll wahrscheinlich in der nächsten Bürgerversammlung neu gewählt werden. Die Vorwürfe wegen mangelnder Bautätigkeit in der Gemeinde entkräftete der Bürgermeister damit, daß in den ersten neun Monaten des Jahres 1950 25 Wohnhäuser fertiggestellt worden seien, während sich annähernd 100 andere noch im Bau befänden.
Die Gemeinde beginnt in diesen Tagen mit dem Bau ihres zweiten Doppelhauses und hat in dieser Sitzung die Arbeiten dazu vergeben. Ebenfalls fördernd auf die Bautätigkeit wird sich der Beschluß des Gemeinderates auswirken, die bisher gesperrten Rezeßholzgelder in Höhe von 16 000 bzw. 28 000 DM zur Fertigstellung von Wohnhäusern als Darlehen zu vergeben. Bei der Gemeinde stehen noch 5 500 DM Kanalgelder aus, die auf schnellstem Wege eingebracht werden sollen.
Zu der voraussichtlich im nächsten Jahre akut werdenden Frage der Versiedlung des Boxheimer Hofes soll eine Bauernversammlung und der Grundausschuß gehört werden. Man ist an diesem unrentablen Projekt, welches große Summen staatlicher Gelder verschlingen wird, nur insofern interessiert, als für die zehn, heute dort wohnenden, bei Versiedlung arbeitslos werdenden Familien Wohnungen beschafft und dafür vom Staat die nötigen Gelder angefordert werden müssen. Hinsichtlich der seit längerer Zeit laufenden Sparmaßnahmen der Verwaltung erklärte sich der Bürgermeister unter Beifallsrufen seiner Gemeindevertreter bereit, künftig auf alle Reisetagegelder freiwillig verzichten zu wollen, sofern er nicht über Nacht dienstlich unterwegs sein müsse. bb.
Sichtbare Verkündignug
„Der Ruf“ auf Gastspielreise im Kreis Erbach
Als anläßlich der Einweihung der Erbacher Jugendherberge der Spielkreis des Evangelischen Gemeindedienstes Württemberg, „Der Ruf“, unter Leitung von Thilde Wolf mit einer in jeder Hinsicht bemerkenswerten Aufführung von Alois Lippis „Totentanz“ in der Erbacher Stadtkirche Aufsehen erregte, wurde der Wunsch laut, mehr von der Arbeit dieser Gruppe, die längst nicht mehr als Laienspielschar angesprochen werden kann, zu erfahren.
Zwischen dem 1. und 20. Oktober kommt „Der Ruf“ nun zu einer Gastspielreise in den Odenwald und zwar vom 1. bis 5. 10. nach Beerfelden, vom 6. bis 10. 10. nach Erbach, vom 11. bis 15. 10. nach Höchst i. O. und vom 16. bis 20. 10. nach Michelstadt. An jedem Ort kommen fünf Spiele zur Aufführung und zwar immer an den drei ersten Tagen in einem weltlichen Saal als normale Schauspiele, während die beiden letzten in der Kirche gezeigt werden und in voll-liturgischem Rahmen stehen.
Aus der Erkenntnis heraus, daß der Mensch des 20. Jahrhunderts — des Hörens entwöhnt — viel leichter über die Wahrnehmung des Auges angesprochen wird, rief 1946 Prälat Lic. D. Schlatter den Spielkreis des Evangelischen Gemeindedienstes Württemberg ins Leben, der durch die Darstellung einen neuen Weg der Verkündigung beschreiten sollte. Anfänglich waren es Schüler, die über das Wochenende in der Umgebung von Stuttgart und Ludwigsburg ihre Spiele zeigten. Nachdem das Werk großen Anklang fand, wurden mit der Zeit junge Menschen, die arbeits- und heimatlos waren, zur hauptamtlichen Durchführung dieser Spiele gefunden. Heute besteht der Spielkreis zu 60 Prozent aus jungen ausgebildeten Schauspielern, die sich aus christlicher Ueberzeugung unter Verzicht auf persönlichen Ruhm oder Gewinn für die kirchliche Arbeit einsetzen. Der Spielkreis nennt sich jetzt „Der Ruf“ und ist seit zwei Jahren unermüdlich in Württemberg tätig. Auch in Hessen, so u. a. Ende Mai dieses Jahres in Darmstadt, hat er bereits großen Anklang gefunden.
Von den fünf Spielen, die an jedem Spielort zur Aufführung gelangen, stammen drei von Thilde Wolf, die nicht nur die Leitung des Spielkreises innehat, sondern auch darstellerisch mitwirkt und großes Können entfaltet. „Potamiäna“ ist ein Spiel in dem römischen Fort Alexandrien zur Zeit der Christenverfolgungen. Ebenfalls in den Tagen des werdenden Christentums spielt „Der Zweifler“, die Geschichte des Jüngers Thomas, dessen großer Verstand im entscheidenden Augenblick hemmend vor dem Glauben steht. Das dritte Werk ist ein Spiel um Schauspieler aus unseren Tagen „Mene Tekel“. Ein mythisches Gleichnis stellt Arnold Schwengelers „Rebell in der Arche“ dar. Alois Lippis „Totentanz“ hat das unerbittliche Gesetz alles Irdischen zum Vorwurf.
Der Spielkreis fordert von seinen Zuhörern nichts als andächtige, offene Herzen, und das kann jeder — auch der Aermste — mitbringen. -ch
Niemöller in Beerfelden
am Sonntag zum Dekanatsmännertag
Das Männerwerk der Evangelischen Kirche veranstaltet am Sonntag, 1. Oktober unter der Devise „Rettet den Menschen“ einen Dekanats-Männertag in Beerfelden. In der Ev. Stadtkirche findet vormittags eine Großkundgebung statt, wobei Pfarrer Karl Zeiß, Nieder-Eschbach, über „Rettet des Menschen Freiheit!“, Pfarrer Georg Neff, Beerfelden, über „Rettet des Menschen Heimat!“ und Pfarrer Kurt Wolf, Rodenbach, über „Rettet des Menschen Glauben!“ sprechen werden. Im Gemeindegottesdienst für Männer und Frauen am Nachmittag um 16 Uhr wird Kirchenpräsident D. Martin Niemöller die Predigt halten. ch
Kirchenmastkalische Abendfeier
Die evangelische Stadtkirche Michelstadt veranstaltete eine gut besuchte kirchenmusikalische Abendfeier, die ganz d'sm Schaffen Johann Sebastian Bachs gewidmet war. Die Organistin der S iadtkirche, Emma Krenkel, gab eine kurze Einführung in die eusgewählte Vortragsfolge, die sie an der Orgel zum großen Teil selbst bestritt. Als weitere Solisten wirkten Lilli Simon, Frankfurt (Mezzosopran) und Dr. Greb er t, (Violine) sowie der Kirchenchor unter der Leitung von Chr. Lerch mit Pfarrer Rohowski sprach über das Leitwort des Thomaskantors „Anders nicht als Gottes Ehre . . .“. -ch
Was aũch interessiert:
Der 18 Zentner schwere Gemeindefasel von Büttelborn drückte beim Füttern plötzlich seinen Wärter Philpp Weiß an die Wand und zerquetschte ihm einige Rippen. od
Ein delikates Mittagessen für 2 Personen wurde im Jägersburger Wald mit dem Fund eines Riesenchampignons entdeckt. Das Gewicht betrug 590 Gramm, Umfang des Pilzes 82 Zentimeter, Höhe 22 Zentimeter. MT
Als beste Rüden der Ortsgruppe des Deutschen Schäferhunde-Vereins, Babenhausen, nahmen am Sonntag die mehrfach mit „Sehr gut“ bewerteten Ausstellungshunde „Arno von der Wanzheck“ (Besitzer E. Ludwig Willand, Babenhausen) und „Armin vom Eulenpfad“ (Besitzer Friedel Knörr, Sickenhofen) mit gutem Erfolg teil. NB
Ein Gerät für Ultraschall-Therapie konnte sich Dr. Tomsche in Schaafheim anschaffen. Ein besonderer Vorteil für diese Landgemeinde und die umliegenden Ortschaften, die zu einer solchen Behandlung nicht mehr in eine größere Stadt reisen müssen.
Gernsheimer Motorfähre vor der Fertigstellung
Foto: Schuch In der Ruthof-Werft, der größten Schiffswerft am Rhein zwischen Rotterdam und Basel, wird seit vier Monaten an der Fertigstellung der Gernsheimer Motorfähre gearbeitet. Ohrenbetäubender Lärm in den riesigen Montagehallen: hier wird geschweißt, genietet und gestanzt. Im Freien befinden sich große schwenkbare Krane, die zentnerschwere Eisenteile durch die Luft befördern, dazwischen Schiffsteile, Motoren und halbfertiggestellte Wasserfahrzeuge. Die Gernsheimer Fähre liegt bereits im Wasser. Nur noch einige Kleinigkeiten sind bis zu ihrer Fertigstellung am 1. Oktober auszuführen. Sie besitzt eine Tragfähigkeit von 450 Personen (= ein Lastzug mit zwei Anhängern bis zu 36 Tonnen). Ausgestattet ist die Fähre mit einem 100-PS-Dieselmotor. Außerdem verfügt sie über zwei Propeller (hinten und vorn), die wechselseitig benutzt werden können. Damit hat der hessische Staat, denn er ist der Bauherr dieser Fähre, einen weiteren Rheinübergang für schwere Motorfahrzeuge (zwischen Mainz und Worms) geschaffen.
Auch Fränkisch-Crumbach
feiert Micheismarkt
In der idyllisch gelegenen Odenwaldgemeinde Fränkisch-Crumbach herrscht am Wochenende Hochbetrieb: Man begeht am 29. September und 1. Oktober den traditionellen Micheismarkt. War schon der letzt jährige Micheismarkt mit seiner beachtenswerten Gewerbeschau ein wahres Volksfest für die ganze Umgebung, so wurde auch dieses Jahr keine Mühe gescheut, um dem Besucher nur das Beste und Wertvollste zu bieten. Neben der sehr erweiterten Gewerbeschau und Verkaufsmesse ist noch ein ausgedehnter Viehmarkt und eine umfangreiche Obstausstellung vorgesehen.
Am ersten Tag findet nach der Eröffnung der Gewerbeschau eine Reit- und Fahrvorführung des einheimischen Reitervereins auf dem Sportplatz statt und ab 20 Uhr ist Tanz in den Sälen. Der Samstagnachmittag gehört den Kindern. Zweifellos ein Höhepunkt des Micheismarkts ist der große bunte Abend im schönen und geräumigen Saal des Gasthauses „Zur Linde“. Der international bekannte Musikclown „Bolly“ wird hierbei seine Zuhörerschaft mit einem vollen Programm erfreuen. Vor kurzem erst war er in Schweden und wird bereits an Weihnachten auf großen Bühnen in England, im kommenden Jahr in Finnland auf treten. Alten Bekannten zuliebe macht er nun einen Trip nach Fränkisch-Crumbach, dessen landschaftlich schöne Lage er noch aus der Zeit seiner Rennfahrertätigkeit in angenehmer Erinnerung hat.
Der Sonntag bringt große sportliche Veranstaltungen auf dem Sportplatz. Nach dem Handballspiel Fränkisch-Crumbach gegen Langen findet unter Mitwirkung des Motorsportclubs Darmstadt ein Motorrad-Sportfest statt. Der Abend bringt als Festausklang nochmals Tanz in allen Sälen. -ei-
Gesangsabend
in der Ernst-Ludwig-Heilstätte
Im großen Aufenthaltsraum der Ernst-Ludwig-Heilstätte fand für die Patienten und Personalmitglieder ein Gesangskonzert statt. Mitwirkende waren Konzertsängerin Hanna Schödl, Opern- und Konzertsänger Siegfried Karras und die Organistin Charlotte Haber. Zum Vortrag kamen Werke von Bach, Händel, Schütz, Mendelssohn, Mozart und Schubert. Die Darbietungen waren von der gesanglichen Seite wie von der Begleitung aus gesehen gut vorbereitet und ausgezeichnet wiedergegeben. Andachtsvoll lauschten die zahlreichen Anwesenden. Es war eine Stunde der Besinnung und des Entrücktseins von den Sorgen des Alltags. Der Verwalter der Heilstätte, Oberinspektor Wesp, dankte am Schlüsse in herzlichen Worten der Künstlerschar. prs
Abschied vom Freiwasser
Mit einem Gesellschaftsabend beschloß am Samstag die Schwimmabteilung des Groß - Gerauer Turnvereins 1846 die diesjährige Freiwassersaison. Nachdem Abteilungsleiter Fink die Gäste begrüßt hatte, überreichte Dr. Lachmann, Darmstadt, 28 Grundscheine und einen Leistungsschein der deutschen Lebensrettungsgesellschaft und betonte, daß diese nicht nur Bescheinigungen für Geleistetes seien, sondern zugleich eine Verpflichtung für die Zukunft.
Man fand Worte der Anerkennung für Frau Metsch, Groß-Gerau, und Herrn Schaar, Gräfenhausen, die die beiden Rettungskurse geleitet hatten; der jüngste Kursusteilnehmer war 12 Jahre und der älteste 46 Jahre alt. Weiterhin wurde festgestellt, daß 28 südhessische Schwimmvereine eine 10-Besten-Liste aufgestellt hätten. Von den 10 Besten dieser Liste wären allein 5 aus Groß-Gerau.
Bachkonzert in Waldmichelbach
Vor ausverkauftem Saale konnte das Realgymnasium Waldmichelbach mit seinem aus Anlaß des 200. Todestages Johann Sebastian Bachs veranstalteten Konzertabend einen außerordentlichen Erfolg für sich verbuchen. In Irene Otto, Hella Nicklas und Hans Schmitt präsentierten sich drei vielversprechende junge Musiker, die nach Anlage, Talent und Einfühlung den Sternen des Abends, Elvira Neumann und Felix Moschner, nur wenig nachstanden. Auch das übrige, von zwei Schülerchören, dem Schülerorchester und zahlreichen Solo-Darbietungen ausgestaltete Programm, das seinen Höhepunkt in der Wiedergabe der Bauernkantate fand, wurde allgemein als begrüßenswerte Steigerung der ländlichen Kunstpflege anerkannt, zumal durch Einführungsvortrag, Lesungen und Zitate eine angenehme Auflockerung erzielt worden war. Die Gesamtleitung des Abends hatte Oberschullehrer Paul Dorminger', der auch mit einem Lied als Solist in Erscheinung trat. -r
„Bunt wie das Herbstlaub“
Unter diesem Motto veranstalten die Bensheimer Firmen Kaufhaus Krämer, Schuhhaus Stegmüller, Sporthaus Klingler, Goldschmied Heißer und Salon Heckmann eine große Herbstmodenschau am Freitag um 20 Uhr im Kolpinghaus. Die Firmen Radio Bauert (Musik), J. Kindler (Blumen) und Foto Van- Bosch werden sich ebenfalls an dieser Modenschau beteiligen. Für die Ansage wurde der beliebte Modenschau-Conferencier Carlhanns Waldeck gewonnen. Die Operettensängerin Margret Riemann (Stadttheater Greifswald) wird durch gesangliche Einlagen erfreuen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Kapellmeister Gustel Kaufmann, die fachliche Leitung hat Gerti Fuchs. Für günstige Omnibus- und Bahnverbindungen nach Schluß der Veranstaltung ist gesorgt. HB
Ständchen im Kraukenhaus
Die Freie Sänger-Vereinigung Dieburg brachte den Patienten des Kreiskrankenhauses St. Rochus ein Morgenständchen, das viel Freude bereitete. Neun Chöre, darunter zwei Frauenchöre, von Brahms, Hugo Distler, Sendt und Gastoldi brachte sie unter Leitung von Johannes Brand zum Vortrag.
Während der erbaulichen Stunde überreichten Helferinnen der Dieburger Arbeiter-Wohlfahrt den Kranken Geschenke.
Johannes Brand und Heinrich Knapp brachten in kurzen Ansprachen den Zweck des Besuches zum Ausdruck. Die Oberin des Krankenhauses und die Patienten verbanden ihren Dank für die freudige Ueberraschung mit der Bitte um ein baldiges Wiedersehen zum Ausdruck. RG
Kirchliche Personalnachrichten
Pfarrassistent Manfred Rochowski in Michelstadt hat die Pfarrstelle der Mariengemeinde in Frankfurt-Seckbach als Nachfolger von Pfarrer Goebels, des Propstes für Frankfurt, übertragen bekommen. Pfarrer Fritz Lorenz, bisher in Waldmichelbach, wird an seiner Stelle in Michelstadt amtieren. Pfarrer Hans Bekker, Wörrstadt, wurde mit der Krankenhausseelsorge in Mainz betraut und Pfarrer Dahmer, Griesheim, mit der Verwaltung der Pfarrstelle in Grebenau beauftragt.
aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Seeheim. Heute abend, 20 Uhr, treten die Gemeindevertreter zu einer Gemeinderatssitzung zusammen. hl.
Jugenheim. — Die Renten der Invaliden- und Altersversicherung sowie die KB-Renten werden für Jugenheim und Balkhausen auf der Zahlstelle der AOK Jugenheim (Hotel „Deutsches Haus) am 29. September von 8.30 bis 12 Uhr ausgezahlt. Zahltag für S e e - heim: 29. September von 14 bis 16.30 Uhr im Rathaus; für Alsbach: 30. September von 9 bis 11 Uhr im Rathaus. In Hähnlein erfolgt die Auszahlung am 30. September von 10 bis 12 Uhr im Rathaus. hl.
DIEBRURG
Dieburg. Im Saal des Fechenbachschen Schlosses findet heute Abend um 20 Uhr eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt, bei der verschiedene Punkte auf der Tagesordnung stehen, die in den vergangenen Sitzungen zurückgestellt werden mußten. RG
Schaafheim. Kürzlich fand im Ge¬ meindesaal eine Versammlung des Zuckerrübenanbau-Vereins statt, bei der auf das Erfordernis der Einmietung hingewiesen wurde, da die Verladung der Rüben erst für Januar-Februar vorgesehen sei. io
Babenhausen. — Im Alter von 61 Jahren starb Lehrer und Schulleiter Heinrich Klein. Der Verstorbene gehörte dem evangelischen Kirchenverstand an und war 16 Jahre Dirigent des Kirchenchors.
ERBACH
Erbach. Ein gemeinsames Richtfest für sämtliche Neubauten dieses Sommers begeht am Freitag, um 16 Uhr die Gemeinnützige Baugesellschaft Erbach m. b. H. an Baustelle 4 in der Uhlandstraße. Das diesjährige Bauprogramm umfaßte 36 Wohneinheiten. —ch
BERGSTRASSE
Waldmichelbach. Am Dienstagabend machte Bürgermeister Bachmann den ersten Spatenstich zu der Jugendherberge, die am neuen Sportplatz entstehen und durch Selbsthilfearbeiten der Turner über die Erdbewegungsarbeit hinausgetrieben werden soll. r.
GROSS-GERAU
Goddelau. Im Rahmen einer öffentlichen Versammlung wird der Kreisvorsitzende der FDP, Dr. Seipel, heute um 20 Uhr, im Saale der Gastwirtschaft Rupp über aktuelle Themen der deutschen Politik, und Gerhard Zimmermann über Probleme der Heimatvertriebenen sprechen. kr.—
Unsere Geburtstagskinder
73. Geburtstag: Herr Philipp Hennemann, Fränkisch-Crumbach, Schleiersbacher Straße 6.
Der SPORT
Was ist aus,Friedrichstadt“geworden?
Der Dresdener Sport-Club hat einst zu den führenden deutschen Sportvereinen gezählt. Seine Fußball-Mannschaft war wiederholt in den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft zu finden. Im Sportbetrieb der Sowjetzone konnte sich der alte DSC nicht halten, er wurde gleichgeschaltet und trug dann den Namen „Friedrichstadt“. Vor kurzem ist die gesamte erste Mannschaft dieses Vereins mit namhaften Spielern in den Berliner Westen geflüchtet. Was aber wurde aus „Friedrichstadt“? Diese Frage beantwortet uns ein Freund aus der Sowjetzone.
Das einem wirklichen „Endspiel“ entsprechende letzte Punktspiel um die erste Fußballmeisterschaft der Sowjetzone, das von der BSG Motor-Zwickau gegen Friedrichstadt gewonnen worden war, hatte bekanntlich ein Nachspiel: das Heinz-Steyer-Stadion, der ehemalige DSC-Platz, war auf die Dauer von sechs Monaten für alle Spiele über den Bezirksklassenmaßstab hinaus gesperrt worden. Diese Sperre hatte der Deutsche Sportausschuß damit begründet, daß „Zuschauer in provokatorischer Weise den Spielverlauf zu stören versuchten, wobei es zu Tätlichkeiten gegenüber den Spielern gekommen ist“. Als weitere Maßnahme war die Ueberführung der Friedrichstadter Ligaspieler in die VVB-Tabak erfolgt, in deren Reihen diese auch einige Spiele (6:1 in Görlitz und 5:1 in Lauter) austrugen. Ob die Tabak-Elf an Stelle der inzwischen aufgelösten SG Friedrichstadt in die Liga aufrücken sollte, ist, was nicht unerwähnt bleiben soll, offiziell nie entschieden worden, vielmehr war alles noch in der Schwebe, als die Mehrzahl der Friedrichstadter Spieler überraschend nach dem Berliner Westen übergesiedelt ist.
Friedrichstadts Ausscheiden aus der Liga hat sich dahin ausgewirkt, daß von den drei zum Abstieg verurteilten Mannschaften nur’ zwei abzusteigen brauchten (Altenburg gewann das Ausscheidungsspiel gegen Anker-Wismar). Die Elf der VVB-Tabak spielt heute in der sächsischen Landesklasse, also in der dritten Liga, wenn man die einzelnen Liga-Klassen einmal durchnumerieren will.
Der Platz der SG Friedrichstadt, also das Heinz-Steyer-Stadion im Ostragehege, das früher so manchen großen Länderwettkampf (u. a. den nach einem 0:3 -Pausenrückstand gegen Ungarn errungenen 5:3-Sieg) erlebt hat, ist der „BSG der Volkspolizei“ zur Verfügung gestellt worden. Die Volkspolizei ist bei der Erweiterung der Oberliga von vierzehn auf achtzehn Mannschaften gemeinsam mit den drei Vertretern des Berliner Ostsektors — Union - Oberschöneweide, Vfß - Pankow und SC 47-Lichtenberg — in die Oberliga gekommen, in die weiterhin noch die ersten drei der Aufstiegsrunde — Sachsenverlag-Dresden, KWU-Weimar und BSG des Eisen-Hüttenwerks Thale — eingezogen sind.
Der größte Teil der Mitglieder der ehemaligen SG Friedrichstadt ist in den
übrigen Dresdener Sportgemeinschaften aufgegangen. Die nach Berlin übergesiedelten Ligaspieler sind bei Hertha-BSC. Helmut Schön trainiert die Hertha-Elf. Birkner und Kreische haben bereits in der Berliner Stadt-Elf gestanden und hier den überraschenden 2:1-Sieg über Hamburg erringen helfen.
Vom einst so großen DSC ist heute nichts mehr übriggeblieben als die Erinnerung an seine Taten ...
Alterstreffen der Turner
Am 1. Oktober
Vielen Wünschen nachkommend, hat der Turnkreis Darmstadt für den kommenden Sonntag ein ’ Alterstreffen angesetzt. Treffpunkt ist der Sportplatz der TG 75 „Am Ziegelbusch“ in der Kranichsteiner Straße. Die Teilnehmer sammeln sich um 14 Uhr Ecke Rhönring und Kranichsteiner Straße. Turnerische Belange, insbesondere Fragen des Alters-Wetturnens, sollen den Gesprächsstoff bilden. kof.
Sattler Schachmeister
Nachdem die in fünf Runden von zehn Teilnehmern ausgetragene Schachmeisterschaft des Kreises Bergstraße abgeschlossen ist, qualifizierte sich Peter Sattler (Affolterbach) mit 4% von 5 möglichen Punkten zum ungeschlagenen Kreismeister, der lediglich eine Remispartie zur Hälfte abgeben mußte. An zweiter Stelle landeten mit je 3% Punkten die Bensheimer Gruel und Jung, Dritter wurde Bogius (Bensheim) mit 3 Punkten. Der junge Kreismeister wird nun in die Kämpfe um die Bezirksmeisterschaft eingreifen und dürfte auch hier keine untergeordnete Rolle spielen, (ni)
Abschluß der DMM-Wettkämpfe
Gleichbleibende gute Leistungen aller Teilnehmer sicherten dem SV 98 bei den letzten DMM-Durchgängen in Ludwigshafen und Darmstadt, trotz regnerischem und windigem Wetter, nach der neuesten Hessen-Rangliste in allen Klassen beachtliche Plätze. So erreichten die aktiven Männer in der A-Klasse mit 12111 Punkten den vierten Platz und verwiesen stärkste hessische Vereine auf die nächsten Plätze. Nicht anders machte es die männliche Jugend A in der Gruppe 2. Mit 7 519 Punkten folgt sie an dritter Stelle hinter Eintracht Frankfurt a. M., jedoch noch vor Wetzlar, Eschwege und FSV Frankfurt a. M. Die männliche Jugend B belegt mit 6 831 Punkten den zweiten Platz hinter KSV Hessen-Kassel, Vereine wie Eintracht, FSV und Höchst weit hinter sich lassend. In Gruppe 1 der weiblichen Jugend B steht mit 8 465 Punkten im SV 98 der Hessische Meister fest. Auch die erfolgreichen Schülerinnen der Klasse A setzten immer wieder ihren Ehrgeiz daran, um das bestehende Punktkonto zu verbesserdn. So gelang es ihnen beim letzten Durchgang, mit 9 541 Punkten den dritten Platz in der Rangliste zu belegen. Jedoch kann hier noch eine Platzänderung erfolgen. Es bleibt zu berücksichtigen, daß die Ergebnisse der anderen Vereine schon seit Wochen feststehen und die Punkte bei günstigstem Wetter gesammelt wurden. Die 98er dagegen starteten erst in diesem Monat bei schlechtesten Witterungsverhältnissen zu ihren Durchgängen. Dazu kommt noch, daß infolge Semesterferien, Urlaub, Erkrankungen und Verletzungen die jeweiligen Mannschaften nie in stärkster Besetzung antreten konnten.
Die wichtigsten Ergebnisse der letzten beiden Durchgänge:
Aktive: 100 Meter: Müller 11,3 Sek., Perchner 11,4. — 800 Meter: Krop 2,01,4. — Weitsprung: Reinhard 6,06 Meter. — Hochsprung: Maurer, Pfeffer, Reinhard je 1,70 Meter.
Männliche Jugend A: 100 Meter: G. Metzger 11,6 Sek. — Hochsprung: Delzeit 1,50 Meter. — 1000 Meter: Gönner 2.54,2. — Weitsprung: G. Metzger 5,94 Meter.
Männliche Jugend B: 100 Meter: Braun 11,9 Sek. — Ball-Weitwurf: Dicke 86 Meter. — 1000 Meter: Abel und Kunz je 3.02,8. — Weitsprung: Braun 5,15 Meter. — Hochsprung: E. Metzger 1,50 Meter.
Schüler A und C: 100 Meter: F. Engelhardt 14,8 Sek. — 100 Meter: A. Menger 16,2 Sek.
Weibliche Jugend B: 100 Meter: Sauer und Weiß je 13,5 Sek. — 4mal-100- Meter-Staffel: 54,8 Sek. E. v. d. Au. — Kugelstoßen: 8,00 Meter, Diskus: 26,31 Meter, V. Fey. — 80 Meter Hürden: 14,1 Sek., Weitsprung: 4,78 Meter. Hochsprung: Hildebrand 1,40 Meter.
Schülerinnen A: 100 Meter: Seifert 13,9 Sek., und Weitsprung: 4,33 Meter. — Hochsprung: Delp 1,25 Mtr. — Ballweitwurf: Schindel 54 Mtr. — 4-mal-100-Meter-Staffel: 57,6 Sek. -Mgr-
Als Abschluß der Saison fährt auf Einladung die Leichtathletikabteilung des SV Darmstadt 98 am kommenden Sonntag um 6 Uhr mit Omnibus ab Marstall zum internationalen Leichtathletik-Sportfest nach Kreuznach. Mit der Genehmigung dieser Fahrt würdigt der Verein den eifrigen Trainingsbesuch aller Aktiven, männliche und weibliche Jugend sowie Schüler und Schülerinnen. Auch anerkennt er damit die erzielten Erfolge der Abteilung, die Mühe und erfolgreiche Arbeit der Trainerinnen und Trainer sowie die geleistete Arbeit der Abteilungsleitung der jetzt zu Ende gehenden Wettkampfzeit. Von besonderem Interesse dürfte es jedoch noch für die 98er sein, wie’ hier Perchner über 400 Meter gegen den Jamaica-Studenten Herb. McKenley, Koob über 800 Meter gegen den Europameister Slijkhuis (Holland), Maurer und Pfeffer im Hochsprung gegen Nordqvist (Schweden) und die Sprinterinnen des Vereins gegen die deutsche Meisterin, Frau Sander-Domagalla, bestehen werden. -Mgr-
Der Kanusport in Hessen 1950
DSW 12 an der Spitze der Punkttabelle
Der Sommer ist zu Ende und mit der am 3. September in Aschaffenburg durchgeführten Kurzstreckenregatta ist auch die Regattasaison 1950 abgeschlossen. Der deutsche Kanusport hatte im abgelaufenen Jahre große Fortschritte zu verzeichnen, wenn auch nicht verkannt werden darf, daß die deutschen Kanusportler noch nicht wieder an die Weltklasse heranreichen, wie dies vor dem Kriege der Fall war. Dies hat eindeutig die Internationale Regatta in Essen am 18. 8. bewiesen, wo erstmalig nach dem Kriege wieder nach der am 6. 8. in Kopenhagen stattgefundenen Aufnahme des Deutschen Kanu-Verbandes in den internationalen Kanuverband die FIC, die nordischen Kanuten am Start waren. Die Art und Weise, wie die schwedischen Weltmeister Fredericson, Larsson, Glasser usw. die deutsche Spitzenklasse Noller-Mannheim, Knepper-Kleane aus Lünen usw. schlugen, war derartig überzeugend, daß es für uns immerhin eine große Ueberraschung bedeutete. Besser schnitten die deutschen Frauen sowie die Kanadierfahrer ab, die auch heute noch unbedingte Weltklasse darstellen.
Wenn wir heute uns den Kanusport in Hessen betrachten, so muß wiederum festgestellt werden, daß das Hauptgewicht des Rennsportes in dem Rhein-Main-Gebiet liegt. Wie in den beiden vorangegangenen Jahren konnte sich der Darmstädter Schwimm- und Wassersport-Club 1912 erneut an die Spitze setzen, wobei die Ueberlegenheit der Darmstädter noch klarer und eindeutiger war als 1949. Mit einem Vorsprung von über 700 Punkten beendeten der DSW 12 die Saison und kam dadurch in der Punktwertung in Süddeutschland mit knappen Rückstand unmittelbar hinter die Mannheimer Kanu-Gesellschaft mit ihren mehrfachen deutschen Meistern Nöller und Steinhauer. Von den zur Austragung gekommenen hessischen und süddeutschen Meisterschaften holten sich die Darmstädter vier hessische sowie fünf süddeutsche Meistertitel. Als sehr stark erwies sich wiederum die KRKG Mainz-Kastel, die in ihrem Altmeister Alex Kast nach wie vor einen Mann von Format besitzt. Etwas abgefallen ist in diesem Jahre der Wiesbadener Kanuverein, während sich aus Nordhessen der Kasseler Kanu-Club stark in den Vordergrund schieben konnte. Das Miittelfeld der Tabelle hat sich sehr stark verdichtet, ein Beweis für die gleichmäßige und gute Lehrgangsarbeit seitens des - Kanu-Verbandes. Erstmals erscheint auch in diesem Jahre wieder eine Mannschaft aus Frankfurt am Main, das früher eine Kanusporthochburg darstellte. Alles in allem kann gesagt werden, daß das Jahr wieder für den hessischen und darüber hinaus den deutschen Kanusport sehr erfolgreich war. Sehr stark zugenommen hat auch das Interesse des Publikums an den Kanuregatten, was die steigenden Zuschauerzahlen beweisen. 30 000 Zuschauer bei den deutschen Meisterschaften auf dem Maschsee in Hannover stellten eine noch nie dagewesene Zahl dar. Intensives Wintertraining muß nunmehr die Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden der deutschen Kanuten für dais kommende Jahr schaffen. Nachstehend die
Hessische Punkttabelle
DSW 12 Darmstadt 1490 Punkte KRKG Mainz-Kastel 761 Punkte WKV Wiesbaden 476 Punkte CKC Kassel 271 Punkte KC Madnz-Kostheim 216 Punkte Marburger KC 132 Punkte WSV Lampertheim 131 Punkte WS Wiesbaden 129 Punkte WVC Kassel 41 Punkte KV Hessen Kassel 35 Punkte SC 11 Wiesbaden 20 Punkte Kanusport Kassel 18 Punkte Frankfurter KV 16 Punkte KC Kelsterbach 3 Punkte
Schulsportfest
des Ludwigss-Realgymnasiums im Hochschulstadion
Der Wettergott meinte es mit dem Ludwigs-Realgymnasium gut und ließ die Sonne über der Sportanlage leuchten.
Ausgetragen wurde ein Dreikampf in allen Schlagballweitwurf. Sieger: Wollert Vc. — Klassen. Unterstufe: 50-m-Lauf, Weitsprung, Mittelstufe: 75-m-Lauf, Hochsprung, Schlagballweitwurf. Sieger: Dicke U 111 a. — Oberstufe: 100-m-Lauf, Hochsprung, Kugelstoßen. Sieger: Michel O 11.
Die Durchschnittsleistung der Klassen: An erster Stellte steht die U 11, an zweiter die IV a, an dritter die U 111 a.
Wie schön wäre es, wenn im kommenden Jahr wieder Wettkämpfe der Schüler untereinander ausgetragen und in jeder Stufe der Stadtmeister ermittelt würde. Dabei werden Gedanken an eine Landesmeisterschaft und darüber hinaus an die Meisterschaft des Bundesgebietes wach. Aufstellung von Fußballmannschaften der einzelnen Schulen und auch hier Ermittlung des Stadtmeisters und weiter des Landes- und Bundesmeisters würden bestimmt bei allen Anklang finden.
Den Schülern Michel und Sulzmann wurde bei dem Schulfest des Ludwigs-Realgymnasiums als den ersten hier in Hessen das Bundessportabzeichen der Jugend durch Herrn Direktor Finkenwirth überreicht. (Bih)
Heute nachmittag findet im Rahmen des Schulsportfestes des Alten Realgymnasiums ein Tennis-Vergleichskampf zwischen dem Alten Realgymnasium und dem Ludwig-Georg-Gymnasium auf den Anlagen der TSG am Woog statt. Für das ARG spielen Polster, Nicklas, Wittich und Geiß, das LGG vertreten Jayme, Müller, Schöpf und Karsten.
Seeheim. Der Turnveerin 1893 gibt bekannt, daß heute, 17.30 Uhr, ein Trainingsabend stattfindet, während die Spielerversammlung um 20.30 Uhr beginnt. Der Vorstand weist darauf hin, daß der Verein am Sonntag, dem 1. Oktober, eine Fahrt mit einem Omnibus der Firma Auto-Glück zum Tabellenführer nach Urberach unternimmt. Interessenten sind herzlich eingeladen. Platz ist genügend vorhanden. hl.
Konsum Leipzig gewann die Leichtathletik-Mannschaftsmeisterschaft der Sowjetzone in Chemnitz mit 28 731 Punkten vor Nordost Berlin und KWU Halle.
Schreibt an Fritz Kuippelius
„Erdstrahlen“ am Luisenplatz
Ihre Meldung „Erdstrahlen“ sind von größtem Interesse, und ich selbst bin Ihnen sehr dankbar dafür, daß Sie dieses Problem aufgegriffen haben .. . Bezüglich Erdstrahlen ist äußerst zu bedauern, wenn wir bei diesem Bericht lesen: Die Untersuchungskommission war mißtrauisch . . . Solche Meldungen sind ja schließlich auch für Behörden zum Mitdenken der Presse zur Veröffentlichung gegeben . . . Erdstrahlen werden sich auch finden lassen am Luisenplatz, Haltestelle 5, rechts zum Monument sowie an der Wartehalle daselbst. Frau D. Darmstadt.
Dank und Bitte an die HEAG
Die HEAG hat sich in Jugenheim die Mühe gemacht, ihren Fahrgästen durch ein schön gefaßtes Trottoir das Einsteigen in die Linie 8 zu erleichtern. Besonders kleine Leute werden mit Dank zu würdigen wissen, daß auch sie den Schritt vom Boden in die Trambahn packen können, ohne Hilfe des Schaffners, nicht zu vergessen die vielen körperlich behinderten Menschen, denen es gewiß schwer gewesen ist, von der ebenen Erde hinaufzuklettern in die Bahn.
Nun hat man nicht bedacht, daß Stufen auch Gefahren bedeuten und daß vor allem bei Dunkelheit eine ausreichende Beleuchtung dafür Sorge tragen muß, daß Unglücke verhindert werden.
So kam am Sonntagabend ein junges Fräulein außer Atem angesprungen. Das Fahrsignal war schon gegeben und die Wagen rollten schon langsam, um die Anspringende doch noch mitzunehmen, als sie, geblendet durch das Licht der Straßenbahn, die ungewohnte Stufe vom Rinnstein nicht sehen konnte und mit dem Kopf genau auf die Schienen fiel, kaum zwei Meter vor dem Motorwagen. Nur die Geistesgegenwart des Schaffners, der stark bremste und die eines Mannes, der das zu Tode erschrokkene Fräulein schnell aufhob, verhinderte ein größeres Unglück. Marianne Greiner, Jugenheim adß.
Samstag Rundfunk-Programm
Da mir als Kranke das Radio manche Abwechslung bietet, bin ich von Ihrer Zeitung recht enttäuscht, da Sie nie das Vormittagsprogramm vom Stuttgarter Sender bringt! Oft fehlt überhaupt das Radioprogramm. Nun aber bitte nicht brummen, vielleicht läßt sich das kleine Uebel leicht abstellen; sehr dankbar wäre Ihnen Frau H. Ludendorff Villenkolonie Eberstadt
Liebe Frau Ludendorff! Gerade an dem Tage, als Ihre Karte bei uns ankam, lag die erste Zeitungsausgabe mit einem übersichtlichen Wochenprogramm der Sender Frankfurt, Stuttgart und Baden-Baden vor. Es hatte schon eine ganze Reihe von Lesern darum gebeten, und die Redaktion wird voraussichtlich an jedem Samstag das Rundfunk-Wochenprogramm in dieser Form erscheinen lassen, wenn es den Lesern so recht ist. In der Hoiffnung, daß auch Ihr Wunsch damit erfüllt ist, grüßt Sie freundlichst Ihr Fritz Knippelius
Ginkobäume in unserer Heimat
Der auf der Feuilleton-Seite der heutigen Ausgabe (2. September) in dem Aufsatz „Das Gihkoblatt — ein Symbol der Freundschaft“ erwähnte Baum Ginko biloba kommt auch bei uns in Darmstadt vor. Ein Exemplar dieses Baumes steht in der Hochschulstraße, und zwar an der Ecke gegenüber dem Herrngarteneingang, gegenüber dem Zintl-Institut. Hermann Specht Darmstadt
In unserem milden Bergstraßenklima ist dieser Ginkobaum durchaus lebensfähig. Ich kann mich an zwei Ginkobäume im Raibacher Tal bei Groß-Umstadt erinnern. Ihr Fritz Knippelius
Prospekt nicht von uns
Vor einiger Zeit erhielten wiir beiliegenden Prospekt entweder durch die Zeitung oder über die Post. Da die Anschrift unvollständig ist, bitten wir Sie, uns zu helfen. Wir möchten nämlich einige der Bücher bestellen. Könnten Sie uns wohl die vollständige Adresse der Firma besorgen? Bergsträßer Lesezirkel Jugenheim, Bergstraße
Dieser Bücherprospekt von L. Rankovic, Bücherdienst“ stammt nicht von uns. Wir konnten auch leider seine Herkunft nicht feststellen. Also muß er Ihnen wohl durch die Post zugegangen sein. Warum der Herr Rankovic seine Straße und Hausnummer nicht draufschreibt, wenn er einen Prospekt wegsdiickt, ist mir aber auch nicht erklärlich. Ihr Fritz Knippelius
Wohnblocks für die Amerikaner
Vor wenigen Tagen konnte man lesen: Beim Magistrat der Stadt Darmstadt hat die amerikanische Besatzungsmacht jetzt die Freigabe eines Areals von 350 000 qm südlich der „Quartermast-School“ erbeten. Auf dem Gelände sollen 36 Wohnblocks zu je 12 Wohnungen erbaut werden.
Meine erste Gefühlsregung beim Lesen dieser Zeilen war, als drehe sich mir Diverses im Leibe herum. Warum? Nun — in den dreißiger Jahren begann man die erste Verschandelung am Fuße der Ludwigshöhe durch den Bau der Theodor-Fritsch-Kaserne. Während und nach dem Kriege hat man diese Verschandelung in eklatant verständnisloser Weise durch Barackenbauten und sinnlosen Kahlschlag schönsten Waldbestandes fortgesetzt. Nach Normalisierung hat man sich dann, weil man wenigstens das Letzte retten wollte, um Aufforstung und Erhaltung der Restwaldungen bemüht bzw. sogar ministeriell verfügt.
Mitten in diese wohlgemeinten behördlichen Erhaltungstriebe platzt nun für die Oeffentlichkeit — Verhandlungen seien schon längere Zeit im Gange — die Bitte der Besatzung um ein Areal von 350 000 qm. Besagte Wohnblocks — ehemalige Kasernen werden oft auch Wohnblocks genannt; ob man zu künftigen Wohnblocks vielleicht mal . . ~ Sie verstehen mich? — sollen also zwischen der Quartermasterschool und der Eberstädter Villenkolonie erstellt werden, vornehmlich natürlich dahin, wo heute noch Wald ist. Früher — ja früher hat man solche Wohnblocks in Kasernennähe auch in den Wald gebaut — zu Tarnungszwecken. Wie angenehm doch für die Villenkolonie! Fürwahr ein würdiger Abschluß für diese früher mal geruhsame Großstadtoase. Nein, nicht Abschluß, sondern genial gelöster Uebergang vom Villenviertel über die Wohnblocks zur Kaserne. Heureka! Aber warum soll denn die „Owambo’sche“ erste Eselei nicht ad absurdum fortgesetzt werden? Hoffen wir, daß unserem O. B. bei seinem transozeanischen Aufenthalt beim Anblick von Villenvierteln nicht überall angrenzende Wohnblocks als Uebergang zu Kasernen auifgefallen sind. Denn sonst würde ihm hier an dem Plan ja gar nichts auffallen. Uns alten Darmstädtern fällt aber hier auf, daß ein Vorhaben an solcher Stelle eine städtebauliche Ohrfeige darstellt. Drum „empfehlen“ wir, dieser „Bitte“ jedenfalls an dieser Stelle nicht stattzugeben! Denn es gibt wahrhaftig hierfür an anderer Stelle noch genügend Baulücken für derartige Vorhaben, und wir wollen — weiß Gott — die Besatzungsmacht nicht daran hindern, Wohnblocks zu bauen, dazu noch aus Armee-Ersparnissen! H. W., Darmstadt.
Da hat aber mal ein Darmstädter aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und tüchtig losgewettert. Wohl ihm, wenn’s ihn erleichtert hat! Wöhl uns, wenn seine Einwände nicht unbeachtet bleiben, denn auch an behördlichen Stellen wurden zu dieser Frage ähnliche Meinungen gegen die Errichtung der Wohnblocks gerade an dieser Stelle geäußert.
Daß wir aber im übrigen im Interesse unserer über hundert besatzungsgeschädigten Hausbesitzer in Darmstadt heilfroh sind, wenn die Amerikaner ihre eigenen Wohnungen bauen und die Häuser auf der Rosenhöhe und in der Eberstädter Villenkolonie wieder ihren deutschen Eigentümern zurückgeben, wird uns jeder glauben. Ursprünglich sollten diese Wohnblocks entlang der Ludwighöhstraße zwischen Quartermasterschool und Landskronstraße erbaut werden. Warum man davon abkam, ist mir unbekannt. Läßt sich also nicht doch vielleicht eine andere Ecke in der Nähe der Quartermasterschool finden? Aber bald, damit die Wohnblocks bald angefangen werden können und die beschlagnahmten Wohnungen frei werden, denn das ist für uns voräufig der allerwichtigste Punkt. Euer Fritz Knippelius.
„Gute Freunde“ schreiben uns
An das Darmstädter Tageblatt! Wir haben jetzt genug Ihre Aufreizente Artikel gelesen. Sie allein stellen mit den Artikeln, Zwingenberg in ein schlechtes Licht. In der Volksversammlung waren noch keine 500 Menschen, meistens bestellte Männer u. ihre Frauen, 3300 Einwohner zählt Zwgb. Bei den 500 waren noch sehr viele Jugendliche dabai, die immer mitschrieen. Sie müssen sich auch erkundigen mit wem sie es zu tun haben. Sie können nicht von Einwohner schreiben; sehr, sehr viele sind anderer Meinung.
Was haben Sie alles über Herrn ... geschrieben, jetzt aufeinmal ist er Mitläufer. Ja, was ist denn Herr... ? Der bei der NSDAP Amtswalter war und ging mit seiner Uniform so hochnääsig an den Leuten vorbei. Es ist ein Hohn zu erklären, er sdünte über den Parteien. Früher hatten die Zwgb. keine Sympathie für ihn. u. jetzt gar nicht. Herr ... u. Herr ... sind von jeher groß Mäuler gewesen u. haben immer Skandal in den Sitzungen gemacht. Wir hatten ja 3 Zwgb. in letzter Zeit, mit denen noch immer Skandal war. Viele Einwohner sind der Meinung, daß ein Neutraler besser für Zwingenberg ist. In der ganze Angelegenheit spielt noch viel Eigennutz mit. Ansichten von anderen Einwohner Zwgb,-
Das sind die Briefe, die wir gerne haben! Jede Menge Schreibfehler, ein Deutsch wie aus der Wasser-Polackei, Fett- und Schmierflecke auf dem Papier und im Inhalt und darunter keine Namensunterschrift! So etwas spricht immer außerordentlich für den Briefschreiber! Vor allem ist an dem Wert des Inhalts für die Redaktion kein Zweifel, wenn ein „tapferer“ Briefschreiber schamvoll seinen Namen verschweigt.
Mit diesem anonymen Brief, den wir ausnahmsweise einmal veröffentlichen, ist nicht nur der einen Gruppe in Zwingenberg ein schlechter Dienst erwiesen, sondern auch unsre Berichterstattung als richtig bestätigt. Denn wer etwas mit ehrlicher Ueberzeugung zu sagen hat, hat es nicht notwendig, sich hinter einem anonymen Brief zu verstecken. Daß wir bis jetzt noch auf jede sachliche Ansicht und Meinung eingingen, die sich nicht mit der .unsrigen deckte, wird uns niemand abstreiten können.
Wenn wir unsre Lieserbriefe veröffentlichen und dabei auf Wunsch nicht den vollen Namen des Schreibers bringen, so ist jede ehrliche Meinung, die uns mitgeteilt wird, schon genügend gegen unlautere Angriffe von Einzelpersonen gedeckt, aber wir selbst halten uns für fair genug, jede, aber auch jede offen vorgetragene Meinung, die sich von .der unsrigen unterscheidet, sachlich würdigen zu können. Euer Fritz Knippelius
„Schwarzer“ Zucker
Ein Handelsvertreter hatte im Zeichen der Zuckerknappheit in Frankfurt Zucker „schwarz“ und zu überhöhten Preisen aufgekauft. Insgesamt waren es drei Zentner. Er setzte davon zwei Zentner xu dem gleichen erhöhten Preis an eine Geschäftsfrau ab. Den restlichen Zentner verteilte er an seine Brüder. Wegen Vergehen gegen das Wirtschaftsgesetz erhielt der Handelsvertreter gestern vor dem Schnellgericht Darmstadt eine Geldstrafe von 25 0 DM. Die Geschäftsfrau hat 40 DM zu bezahlen. Außerdem haben beide einen Wertausgleich für die drei „schwarzen“ Zentner zu entrichten. Gegen die Brüder wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt, wst.
Unter falschem Namen
Wegen Zechprellerei, Landstreicherei und Führens eines falschen Namens verhängte gestern das Schnellgericht Darmstadt gegen den 42jährigen, aus Leipzig stammenden Waldemar S. s e c h s Monate Gefängnis und acht Wochen Haft.
Der Angeschuldigte, der in diesem Jahr aus der Ostzone kam und seitdem dreimal wegen der gleichen Delikte bestraft wurde, hatte sich,bei seiner Festnahme den Gendarmeriebeamten gegenüber als Dr. ehern. Waldemar Walter ausgegeben. S. ging sowohl in der Ostzone als auch hier im Bundesgebiet keiner geregelten Arbeit nach. wst.
Feier der Vierzigjährigen
In diesen Tagen trafen sich die 40jährigen ehemaligen Schüler und Schülerinnen im „Löwen“, Arheilgen, mit ihren früheren Lehrerinnen und Lehrern zu einer Erinnerungsfeier, die von Kamerad Vög 1i n mit herzlichen Begrüßungsworten eingeleitet wurde. Nach dem Prolog, vorgetragen von Frau Straub, folgte ein buntes Programm, musikalisch umrahmt von der Kapelle Anthes und angesagt von Hans Herter-Micke d< orm el. Es sang Heinrich Laub, Baß, es tanzte Ruth Jährling und Helga Vika ry, es jonglierten Rolf Brandt und Partnerin und es spielten die Handharmonikavirtuosen Zöller und Appel. Hinzu kam das Gesangsduett Deitrich-Schaaf.
Alle Mitwirkenden gaben ihr bestes und wurden mit reichem Beifall belohnt. Lehrer Lösch dankte für die Einladung und gratulierte allen „Ehemaligen“ herzlich zum gemeinsamen Geburtstag. Die Polonaise, angeführt von den Kameraden Frey und Deitrich, war der Auftakt zum Tanz, der bis zum frühen Morgen dauerte. her DT
DI B Nach kurzem, schwerem Leiden entschlief unsere liebe Mutter, | Schwiegermutter, Großmutter und) Urgroßmutter, Frau Marie Schnell Wwe. geb. Gaum kurz vor Vollendung ihres 82. Lebensjahres. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Schnell Kittlerstraße 43 Familie Ludwig Schnell Spessartring 4 Darmstadt, den 27. September 1950 Gutenbergstraße 76 Die Beisetzung findet am Freitag, dem 29. September 1950, um 11.00 Uhr auf dem Alten Friedhof Nieder-Ramstädter Straße statt.
Bestattungen am Donnerstag, dem 28. 9. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: Wochen. Zeichnungen sind beim Zweigbaubiiro des Staatsbau- | Waldfriedhof: 9 11.15 Wilhelm Sehrer, Da-Eberstadt, Friedrichstraße 8 Da-Eberstadt: 15.00 Marie Dächert geb. Laun, 64 Jahre, Müllerstraße 8
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Öffentliche Ausschreibung der Be- und Entwässerungsarbeiten und sanitären Installation am ehemal. Leibstall zu Darmstadt, Friedensplatz. Angebote, solange Vorrat, ab heute vormittag 10.00 Uhr bei der ausschreibenden und zuschlagerteilenden Stelle: Staatsbauamt Darmstadt, Alicen¬ straße 25. Einreichungstermin: Freitag, 6. Oktober, vormittags 10.00 Uhr, bei gleichem Amt. Die Zuschlagsfrist beträgt zwei Wochen, Zeichnungen sind beim Zweigbaubüro des Staatsbauamtes, Landesmuseum (Turmbau), Friedensplatz, einzusehen. Staatsbauamt Darmstadt Am 29. September 1950 werde ich in Darmstadt versteigern: 1 Feldschmiede und 778 Westergranpipetten Bieter 10.00 Uhr Schloßgartenplatz, Eingang Schloßgarten. Illas, Obergerichtsvollzieher, Darmstadt Schlachthof (Freibank) Freitag von 8.00—11.30 Uhr- Nr. 501—1000 Samstag von 3.00—11.30 Uhr: Nr. 1001—1500 Betr.; Gewährung von Unterstützungen an Kriegsbeschädigte und deren Angehörige während der Dauer einer Heilbehandlung gemäß § 560 RVO. Der Regierungspräsident in Darmstadt, Hauptfürsorgestelle für Schwerbeschädigte, gibt mit Verfügung vom 28. 8. 1950 Nr. 1/12 — 50 e — 08/07/50 folgendes bekannt: Die KB-Hauptabteilung Frankfurt/M. hat in ihrem Rundschreiben Nr. 42/1950 vom 28. 7. 1950 die ihr unterstellten KB-Abteilungen erneut auf die Möglichkeit der Gewährung von Unterstützungen gemäß § 560 RVO. hingewiesen. § 560 RVO. bestimmt, daß dem Beschädigten und seinen Angehörigen während der Dauer der Heil¬ behandlung (Offene Krankenbehandlung, Heilanstaltspflege) eine besondere Unterstützung gewährt werden kann. Es handelt sich hier um eine Fürsorgemaßnahme, die sicherstellen soll, daß Beschädigte und deren Angehörige durch die infolge der Erkrankung notwendige Umstellung ihrer wirtschaftlichen Verhält¬ nisse nicht in eine Notlage geraten. Die Unterstützung kann nur für die Zeit bewilligt werden, während der die Heilbehandlung durchgeführt wird. Derartige Unterstützungen kommen dann in Frage, wenn das dem Beschädigten oder seinen Angehörigen während der Erkrankung zustehende Krankengeld bzw. Familiengeld nicht für den not¬ wendigen Unterhalt ausreicht, insbesondere also dann, wenn der Beschädigte bzw. seine Angehörigen während der Erkrankung außer dem Kranken- oder Familiengeld keinerlei Einkommen haben, für den Unterhalt mehrerer Angehöriger sorgen und unab¬ wendbare geldliche Verpflichtungen, wie z. B. Mieten, Versiche¬ rungsbeträge, Zinsen usw. auch während der Erkrankung erfüllen müssen. Die zu gewährende Unterstützung darf zuzüglich Kranken- und Familiengeld nicht den Betrag übersteigen, der bis zur Er¬ krankung dem Beschädigten zur Verfügung stand. Die Entschei¬ dung über derartige Anträge treffen die KB-Abteilungen. Ein Rechtsmittel hiergegen gibt es nicht. Heppenheim, den 21. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Bezirkslürsorgestelle — Dienstnachrichten Am 20. September 1950 wurde Maximilian Leiter, geb. 18. 6 1908, zum stellvertretenden Feuerwehrkommandant der Gemeindi Igelsbach verpflichtet.
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Heute, Orangerie, 19.30 Uhr (Theaterring) MASKE IN BLAU
AAI
Anläßlich der Woche des deutschen Films! Ein Spitzenfilm der neuen Produktion: II Ml AN WENN EINE FRAU LIEBT U H I V II mit Hilde Krahl, lohannes Heesters, Mathias Wieman u. a Eine entzückende Ehekomödie voller • Charm und Witz Anfang: 13.45, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr Die Filmwoche ist ein Bekenntnis zum Ruf 33 73 deutschen Film! Unterstützen Sie durch Ihren Besuch den deutschen Film. Sie verhelfen ihm dadurch zum Erfolg und früheren Weltgeltung T Uli I 1 Letzter Tag InALIA DER WEG INS FREIE mit Zarah Leander, Hans Stüwe, Sieg- • fried Breuer, Albert Florath Ein Frauenschicksal von bezwingender menschlicher Größe Ruf 33 90 Anfang: 14.00, 16.00, 18.15, 20.40 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr g £ I I D A Letzter Tag ULLII/M Die Filmsensation der Welt! Q DER DRITTE MANN Ruf 395 Anfang: 13.45, 16.00. 18.15. 20.30 Uhr PALAST Letzter Tag A DIE HOLLE VON OKLAHOMA Das Publikum ist begeistert! Ruf 2240 Anfang: 13.45, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr