Westmächte wollen 45 Divisionen zwischenßheinund Elbeaufstellen
Paris, 26. September, (dpa) Der Chef-Korrespondent der amerikanischen Nachrichtenagentur International News Service (INS), Kingsbury Smith, will von diplomatischen Kreisen in Paris erfahren haben, die drei westlichen Großmächte hätten beschlossen, 1951 eine gemeinsame Armee der Atlantikpaktstaaten in Europa aufzustellen, die sich voraussichtlich aus 45 Divisionen zusammensetzen werde.
Diese gemeinsame Streitmacht solle aus amerikanischen, britischen, französischen, holländischen, belgischen, luxemburgischen, norwegischen, dänischen, italienischen und möglicherweise kanadischen Verbänden gebildet werden. Sie werde einem amerikanischen Chef unterstehen und zwei Verteidigungslinien an der Elbe und am Rhein beziehen.
Die Frage der deutschen Kontingente
Die Außenminister und die Verteidigungsminister der drei Westmächte hätten in Neuyork auch die Möglichkeit einer Einbeziehung von sechs bis acht deutschen Divisionen erörtert. Großbritannien habe sich mit diesem Vorschlag einverstanden erklärt. Die französischen Minister Schuman und Moch hätten sich jedoch dagegen ausgesprochen. Schließlich sei man übereingekommen, daß sie die französische Regierung und sodann vielleicht die französische Nationalversammlung befragen sollten.
Nach Informationen des Internationalen News Service sollen die drei Westmächte in Neuyork bereits endgültig festgelegt haben, daß keine ehemaligen deutschen Generalstabsoffiziere herangezogen würden, wenn deutsche Verbände in die gemeinsame atlantische Streitmacht eingegliedert würden.
Abschlußbesprechungen
Die Außenminister der zwölf Staaten des Atlantikpakts haben sich am Dienstag zu abschließenden Besprechungen über die Aufstellung einer europäischen Armee in Neuyork getroffen. Die Minister hatten sich bereits vor acht Tagen grundsätzlich mit der Aufstellung einer solchen Armee einverstanden erklärt. Sie vertagten ihre Besprechungen dann vorübergehend, um sich mit ihren Regierungen über die Verwirklichung dieses Vorschlages zu beraten. Als möglicher Oberbefehlshaber ist wiederholt General Eisenhower genannt worden.
Schweres Grubenunglück
83 Todesopfer in England
Worksop, 26. September. (AP/BBC) Ein schweres Bergwerksunglück hat sich am Dienstagmorgen in einer Zeche der mittelenglischen Stadt Worksop ereignet. Gegen fünf Uhr früh brach in der Grube ein Feuer aus, dem kurze Zeit später eine schwere Explosion folgte. Dabei sind achtzig Bergleute unter Tage abgeschnitten worden. Am Dienstagmittag wurde mitgeteilt, daß alle Rettungsversuche hatten eingestellt werden müssen. Mit dem Tode aller Verunglückten müsse gerechnet werden. Alle Versuche, die Leichen zu bergen, seien zum Scheitern verurteilt, und könnten nur zu weiteren Menschenverlusten führen. Ueber die Hälfte der Bergleute, die in der Nachtschicht arbeiteten, konnten sich, zum Teil mit Brandwunden, retten. Drei Bergleute wurden bereits tot an die Oberfläche gebracht.
Von Engländern beschlagnahmt
Das kommunistische Parteihaus
*Fö. Düsseldorf, 26. September. (Eigener Drahtbericht.) Das erst vor kurzem fertiggestellte neue fünfstöckige Bürogebäude der Kommunistischen Partei Westdeutschlands in Düsseldorf ist am Dienstag durch den britischen Landeskommissar von Nordrhein-Westfalen, General Bishop, beschlagnahmt und von einer Kompanie britischer Militärpolizei besetzt worden. Die britische Landeskommission hat in einer Veröffentlichung dazu erklärt, die Beschlagnahme des kommunistischen Parteigebäudes sei notwendig geworden, um im Zuge der Verstärkung der Besatzungstruppen zusätzliche Räumlichkeiten für die Unterbringung neuer Truppenformationen zu schaffen. Die Wahl sei dabei auf das neue Gebäude des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Westdeutschlands gefallen, um Härten, die für die Bevölkerung durch die erneute Beschlagnahme von Wohnungen entstehen würden, zu vermeiden.
Wie damals in Berlin
Russischer Nervenkrieg jetzt auch in der österreichischen Hauptstadt
Wien 26. September. (AP.) Die bahnverbindungen zwischen Wien und dem Westen Oesterreichs smd Xn?sten n veran^wor°tlichrc Das Ausmaß der Verkehrsstörungen ist nicht genau bekannt. ,
V qnrecher der Verwaltung der 2hischen Bundesbahn erklärte, Sttag seien keine Züge se 1 y7j„n abgegangen oder in Wien em-V°? ffon mit Ausnahme eines einzigen Ä*". der »ul einer wenig benutzten Strecke eingefahren sei.
sind die Fernsprechverbm-Gleichzei undesbahn mit Wien lahmdun^n den. Von den Wiener HauptgelA-^konnten Verbindungen nur bahnhofen hergestellt werden, das bls ^^^Wefie zur Grenze der amen-
Polizei wurde zurückgehalten
_ _ or qentember. (AP.) Ueber vier¬ . Wie“: kommunistische Arbeiter aus den tausend J°^™waiteten Fabriken Wiens haben am Dienstag vor der österreichischen Bundeskanzlei gegen das vorgeschlagene neue Lohn- und Preisabkommen demonstriert. Eine Stunde lang war der Verkehr im Zentrum der Stadt, vor allem in der Nähe der Ring-Straßen, lahmgelegt.
Den vom Innenministerium angeforderten Polizeiverstärkungen, die die Demonstranten in Schach halten sollten, wurde von den sowjetischen Behörden die Durchfahrt nach der Kanzlei verboten. Die Sowjets errichteten mehrere Straßensperren und wiesen die Polizeireviere an, daß kein Polizist das ihm zugeteilte Revier verlassen dürfe. Zwei Polizisten wurden bei den Demonstrationen verletzt.
Durch das neue Abkommen, das in der Kanzlei vom Kabinett erörtert wurde, würden die Preise und Löhne in Oesterreich zum vierten Male seit Kriegsende erhöht. Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten einer Wiener Arbeiterfamilie würden um rund 55 Schillinge im Monat steigen.
Der Haushalt des Bundesgerichtshofes ist vom Haushältsausschuß des Bundestags für das Haushaltsjahr 1950 gebilligt worden, der in Einnahmen und Ausgaben mit 2,25 Millionen Mark abschließt.
Die Südarmee eingeschlossen
Die amerikanischen Angriffsspitzen bei Suwon vereinigt / Söul gefallen
Tokio, 26. September. (AP./dpa.) Die Zangenbewegung der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea ist vollendet. Die aus dem Raum von Söul nach Südosten vorstoßenden Streitkräfte haben sich etwa 55 Kilometer südlich von Suwon mit nordwestlich vorrückenden Einheiten der Vereinten Nationen vereinigt. Damit sind in Südkorea rund drei Divisionen der Nordkoreaner abgeschnitten.
Die südkoreanische Hauptstadt ist am Dienstag gefallen, die Kommunisten ziehen sich nach Nordosten zurück. Stärkere eingeschlossene Verbände der Kommunisten gehen in der Stadt ihrer Vernichtung entgegen.
Große Mengen an Munition erbeutet
Weiter südlich haben Vorausabteilungen der 24. amerikanischen Infanteriedivision auf dem Vormarsch nach Taidschon die Stadt Yongdong erreicht. Ein Regiment der 2. Division hat weiter südlich Kochang besetzt und zahlreiche Geschütze und große Mengen an Munition erbeutet.
Nördlich und südlich von Hyopchon gehen eingekesselie Verbände der nordkoreanischen Armee ihrer Vernichtung entgegen. Panzerverbände der 25. Division sind über Chinju im Süden hinaus nach Westen und Nordwesten vorgestoßen. Der Nam-Fluß ist an allen Stellen überschritten. Auch die Stadt Myriong wurde besetzt.
Ein Sprecher des Hauptquartiers des Generals Mac Arthur erklärte, es sei nicht anzunehmen, daß die vor den Einheiten der 1. Kavalleriedivision nach Norden fliehenden Nordkoreaner vor dem 38. Breitengrad eine neue Verteidigungslinie errichten würden.
Südkoreanische Truppen sind am Dienstag auf der Insel Chimi unmittelbar südlich des 38. Breitengrades vor der Westküste Koreas gelandet.
Sechs Verbrennungsmotoren und vier Düsenmotoren geben dem neuesten amerikanischen Bombenflugzeug eine Leistung von 40000 PS und eine Geschwindigkeit von 750 Stundenkilometer. Das Flugzeug kann eine Höhe von über 15 000 Meter erreichen
Der 38. Breitengrad
Inoffizielle Besprechungen in Neuyork
Neuyork, 26. September. (H./R.) Wie verlautet, haben die amerikanischen Delegierten bei den Vereinten Nationen beschlossen, mit anderen Delegierten bereits jetzt inoffizielle Besprechungen über die Lösung des Koreaproblems aufzunehmen. Bei den Verhandlungen soll es vor allem um die Frage gehen, ob die Truppen der Vereinten Nationen am 38. Breitengrad haltmachen oder ihren Vormarsch auf nordkoreanisches Gebiet fortsetzen sollen.
Formosa und Tibet
Kampfziele Rot-Chinas
Peking, 26. September. (BBC) Der Ministerpräsident der kommunistischen Regierung Chinas, Mao Tse-tung, hat auf einer Massenversammlung von Soldaten und Arbeitern in Peking erklärt, China habe zwei große Aufgaben zu erfüllendie Errichtung einer starken Armee zur Verteidigung seiner Grenzen und den Aufbau einer starken Wirtschaft. Der stellvertretende Ministerpräsident Tschute erklärte, der Befreiungskrieg sei noch nicht zu Ende. Es verbleibe noch die Aufgabe, die Ueberreste der Kuomintang-Streitkräfte zu vernichten und Formosa und Tibet zu befreien. Korea oder Indochina wurden von den Rednern nicht erwähnt.
Vor der Elbe
lü Die Westmächte beabsichtigen, eine beträchtliche internationale Streitmacht am Rhein und vor der Elbe aufzustellen. Es wird die Zahl von fünfundvierzig Divisionen genannt. Ob sie ausreicht, müssen die Fachleute entscheiden. Doch neigen offenbar die meisten zu der Ansicht, daß angesichts der Stärke einer neuzeitlichen Division fünfundvierzig solcher Verbände selbst einem sowjetischen Angriff standhalten könnten.
Natürlich sind diese fünfundvierzig Divisionen noch längst nicht da. Die weitaus meisten von ihnen müssen erst noch aufgestellt werden. Das wird lange Zeit beanspruchen. Das Werk wird schwierig sein, sehr viel Kräfte und übrigens auch sehr viel Geld erfordern. Aber man sieht keine andere Möglichkeit, die Freiheit wenigstens von Rest-Europa zu schützen. Diese Armee wird nicht im eigentlichen Sinne eine übernationale Truppe sein, wie es bis 1918 die Armee der Donau- Monarchie gewesen ist, die uns heute als Vorbild dienen kann. Ein solches Heer, in dem die verschiedenen Völker des Westens miteinander verschmolzen wären, würde der stärkste Ausdruck des Willens einer neuen Zeit sein. Es würde auch die Eifersüchteleien, die oft in Koalitionsheeren so hinderlich gewesen sind, am ehesten unmöglich machen. Aber so fortgeschritten ist der Geist unter den westlichen Völkern noch nicht. Die Nationen werden durch selbständige Truppen innerhalb der internationalen Armee vertreten sein. Deutschland wird nicht dabei sein. Der französische Widerstand hat noch nicht völlig überwunden werden können. Aber nur noch wenige Beurteiler zweifeln daran, daß auch in Paris eines Tages das Einverständnis ausgesprochen werden wird. Dann wird die Schicksalsfrage, die sich in diesem Jahre bereits erhoben hat, auch auf amtlichem Wege an die Bundesregierung herangebracht werden. Ist das deutsche Volk bereits psychologisch genügend darauf vorbereitet?
Auch Stalin hat Nerven
an Die Nachricht, daß Jakob Alexandrowitsch Malik eine Zusammenkunft zwischen führenden Politikern Amerikas und der Sowjetunion — also praktisch zwischen Truman und Stalin — befürwortet hat, ist in der Presse mit ganz verschiedenen Akzenten wiedergegeben worden. Ein Teil der Blätter hat ihre Nachrichten damit begonnen; andere haben der Meldung einen mittleren Platz gegeben; die „Neue Zeitung“ aber hat bezeichnenderweise die Erklärung Maliks nur ganz klein und unscheinbar im Innern des Blattes wiedergegeben, was natürlich den höchsten Grad von Geringschätzung gegenüber den Mitteilungen Maliks bedeutet. In der Verschiedenartigkeit der Bewertung durch die Zeitungen drückt sich eine gewisse Zwiespältigkeit in der Beurteilung durch die Oeffentlichkeit aus.
Vor einem Jahre noch hätten solche Erklärungen, wie sie am Montag der sowjetische Delegierte abgegeben hat, die Welt auf das äußerste erregt, und sie hätten zu den wildesten und kühnsten Vermutungen Anlaß gegeben. Inzwischen hat die Sowjetunion so viel dazu getan, überall Mißtrauen gegen ihre Absichten wie gegen ihre Beteuerungen zu erregen, daß viele und wohl die meisten Beobachter sich weigern, ihren Erklärungen noch Vertrauen zu schenken—auch dann, wenn sie es zufällig einmal ehrlich meinen sollte. Nichts ist weniger durchsichtig als die Politik des Kremls. Die Welt hat sich daran gewöhnt, alles und jedes bei ihr für möglich zu halten; im Zweifelsfalle aber zieht sie es vor, das Ungünstigste von ihr zu glauben. Das ist die Frucht langer und bitterer Erfahrungen, und nach dem Echo in den amtlichen Kreisen der Westmächte zu rechnen, muß jetzt Malik für die Sünden seiner Vorgänger und Amtsgenossen büßen. Weder im Weißen Hause noch in der Downing Street noch im Quai d’Orsay will man es recht wahrhaben, daß Malik die wirklichen Absichten der Moskauer Regierung kundgetan haben könne.
Wie dem auch immer sei, dies eine scheint uns sicher, daß seine Erklärung ein politischer Fehler ersten Ranges war — wegen des Zeitpunktes nämlich, an dem sie abgegeben wurde. Seit einigen Tagen sind die Bundesgenossen der Sowjetunion, die vom Kreml zu einem blutigen und opfervollen Kriege verführten Soldaten der nordkoreanischen Regierung, in regelloser Flucht begriffen. Als Malik am Montag sprach, hat er wohl bereits gewußt, daß Söul gefallen war oder doch im Begriff war zu fallen. In dem Zeitpunkt der militärischen Katastrophe vom Frieden zu sprechen, heißt seine Schwäche der ganzen Welt bloßstellen, heißt eingestehen, daß man sich selber überschätzt hat, heißt offen zugeben, daß alle politischen und militärischen Berechnungen zuschanden geworden sind. Hätte Malik seine Aeußerungen zur Zeit des nordkoreanischen Vormarsches getan oder hätte er jetzt wieder noch ein Vierteljahr damit gewartet, so hätten sie eher als Beweis für eine überlegene Diplomatie gelten können. Daß er eine Konferenz zum Abschluß des Kalten Krieges vorgeschlagen hat in derselben Zeit, in der die Sache der Sowjetunion unter den Schlägen des Generals Mac Arthur und seiner Panzer in Korea zusammengebrochen ist, läßt Rückschlüsse auf die Geistesverfassung der Machthaber des Kremls zu. Maliks Erklärungen geben im Grunde eine willkommene Bestätigung der These, daß man sich vielfach doch ein legendäres und darum höchst übertriebenes Bild von dem Weitblick, der Kaltblütigkeit und der Unerschütterlichkeit der sowjetischen Diplomatie macht. Auch Stalin hat Nerven, und sie scheinen im Augenblick etwas mitgenommen zu sein.
Nach einem Vierteljahr ist es gestattet festzustellen, daß der Ueberfall in Korea ein schwerer politischer Fehler war. Die Gegenseite war nicht so willensschwach, wie man es in Moskau vermutet hatte. Das Bild, das man sich dort von der ewigen Nachgiebigkeit des Westens gemacht hatte, war falsch. Seine Widerstandskräfte sind sehr stark auf moralischem, auf wirtschaftlichem und damit eines Tages auch auf militärischem Gebiet. Am 25. Juni hat Stalin das nicht gewußt. Aber kein Ereignis gibt so einprägsame Lehren wie eine militärische Niederlage. Sie hat den Männern in Moskau schmerzlich deutlich gemacht, um wieviel anders die Welt ist, als sie sie sich vorgestellt hatten. So versucht man in Moskau, sich mit einem kühnen Sprung wieder aus einer unerfreulichen Lage zu befreien. Das ist der Sinn der Malikschen Erklärung.
Welche Absichten im einzelnen hinter ihr stecken, vermag im Augenblick außer zehn oder zwölf Leuten im Kreml niemand zu sagen. Vielleicht ist Maliks Aeußerung, wie man in Kreisen der Vereinten Nationen annimmt, reine Propaganda, zu dem Zweck bestimmt, leichtgläubigen Menschen den Blick für die entscheidenden Tatsachen zu vernebeln. Vielleicht ist ihr Ziel, die Wachsamkeit der Westmächte einzulullen. Vielleicht aber ist sie auch ein echter Friedensfühler. Wer will das bei diesen Leuten mit völliger Sicherheit wissen? Sicher ist jedenfalls, daß die Westmächte, so groß auch ihre Zweifel sein mögen, eine echte Möglichkeit zu Verhandlungen nicht verwerfen würden. Sie müßten nur den Eindruck haben, daß die Sowjetunion bereit ist, tatsächlich etwas zu tun, um die Zeit der Spannungen zu beenden. Ihnen diesen Eindruck zu geben, ist gegenwärtig Sache der Sowjetunion.
Auf die Dauer aber wird, das haben die Ereignisse des letzten Vierteljahres mit wahrhaft erschütternder Deutlichkeit erwiesen, Friede nicht möglich sein, wenn die Sowjetunion den Verhandlungspartner für schwach hält. Die einzige Sprache, die man in Moskau versteht, ist nicht die eines gefühlsmäßigen Appells, sondern die eines würdigen und nicht aggressiven, aber doch unmißverständlichen Selbstbewußtseins. Es gibt in der Welt nur eines, vor dem sie Respekt hat: das sind Stärke und Entschlossenheit. Sie hätte am 25. Juni nicht angegriffen, wenn sie vorher gewußt hätte, daß ihre Bundesgenossen keinen militärischen Spaziergang auszuführen hätten, sondern daß sie sich über kurz oder lang sechs oder sieben wohlbewaffneten amerikanischen Divisionen gegenübersehen würden. Keine Erklärung Maliks und, wenn es zustande käme, kein Treffen Trumans mit Stalin würde darüber hinwegtäuschen dürfen, daß man sehr stark sein muß, auch militärisch sehr stark, wenn man eine solche Macht davon abhalten will, weitere Ueberfälle zu versuchen. Die Kraft der Westmächte ist, auf die Dauer und auf die Jahre gesehen, der russischen weit überlegen. Aber für den Anfang ist das Verhältnis umgekehrt. Die Anstrengungen des Westens, sich wenigstens annähernd auf die Ebene der militärischen Schlagkraft der Sowjetunion auch für die ersten Monate einer Auseinandersetzung zu heben', dürfen nicht aufhören, mit und ohne Friedensfühler, mit und ohne Verhandlungen. Wären die Amerikaner aus dem Landekopf von Pusan herausgeworfen worden, kein Malik hätte sich gefunden, der von Frieden gesprochen hätte. Die Lehren daraus sind klar.
Panikkäufe in Ungarn
Wien, 26. September. (AP.) Aus ungarischen Zeitungen geht hervor, daß im kommunistischen Ungarn zur Zeit Panikkäufe und das Horten von Lebensmitteln an der Tagesordnung sind. Die Zeitungen berichten von Polizeiaktionen, die die Panik aufhalten sollen.
Klabunde
zz. Als der Bundestag seinem gepreßten Herzen Luft machte und in einer unverantwortlichen Weise die Presse angriff, haben wir sofort dazu ausführlich Stellung genommen. Wir wiesen darauf hin, daß die Presse ein ebenso wichtiger Faktor im öffentlichen Leben sei wie die Parlamente,'räumten allerdings ein, beide Institutionen seien noch nicht vollkommen, da nach dem Zusammenbruch gute, erprobte Kräfte ausgeschaltet wurden, auch unter den Parlamentariern.
Nun hat sich das Merkwürdige begeben, daß der Vorsitzende des Journalisten-Verbandes, der Abgeordnete Klabunde, in einer anschließenden Pressekonferenz die Bonner Journalisten nicht in Schutz nahm, sondern mit in das Horn der Bundestagsabgeordneten stieß. Der Leser wird sich fragen, wie so etwas möglich war. Die Erklärung dafür ist, daß Klabunde auf zwei Schultern trägt. Er ist Vorsitzender des Journalisten-Verbandes, aber gleichzeitig Bundestagsabgeordneter, er empfindet bei einer Pressekritik also die gleichen Schmerzen wie diese. Zudem kann man Klabunde nicht zu den alterprobten Journalisten zählen, er besitzt nicht einmal eine richtiggehende Redaktionspraxis und gelangte zu seinem Amte als Vorsitzender des Journalisten-Verbandes, wie nach dem Zusammenbruch manch anderer Bundestagsabgeordneter, der sich nicht bewährt hat, ein Mandat erhielt.
Nach dem Vorfall im Bundestagshaus und der anschließenden Pressekonferenz wird Klabunde wohl kaum mehr lange für sich in Anspruch nehmen können, im Namen der Presse sprechen zu dürfen. Die in der Bundes-Pressekonferenz zusammengeschlossenen Journalisten haben jedenfalls, ohne ihn zu ihrem Vormunde zu machen, an das Bundestagspräsidium einen Protest gerichtet. In diesem weisen sie darauf hin, daß die Presse einen integrierenden Bestandteil im politischen Leben der Demokratie bildet und daß die in Bonn akkreditierten Journalisten auch weiterhin zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Parlament bereit sind. Sie verwahren sich jedoch in der schärfsten Form gegen die Diffamierung der Presse in ihrer Gesamtheit und erwarten, daß ihr Einspruch in geeigneter Form vom Bundestag gewürdigt wird. Sollte dies nicht geschehen, so sehen sich die Bonner Journalisten im Interesse des Ansehens ihrer Mitglieder und der deutschen Presse überhaupt zu weiteren Schritten gezwungen.
Das ist eine offene Kampfansage, denn sie erfolgt nicht zum ersten Male. Als im alten Reichstag der Abgeordnete Gröber die Presse beleidigte, stellten sämtliche Reichstagsjournalisten ohne Unterschied der Partei ihre Tätigkeit ein. Reichskanzler von Bülow, der gerade eine Rede halten wollte, sagte diese ab, da er ohne Presse nicht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit sprechen wollte. Daraufhin wurde der Fall sehr schnell beigelegt, indem der Abgeordnete Gröber- sich offiziell vor der Presse entschuldigte. Die zunehmende Pressefeindlichkeit bei Behörden und Parlamenten würde auch heute einen Pressestreik der Parlamentsjournalisten rechtfertigen. Im Interesse der Oeffentlichkeit hoffen wir, daß es zu einem Ausgleich kommen wird. Andernfalls wird es sich auch diesmal erweisen, daß die Presse wohl existieren kann, ohne ihren Lesern von der Arbeit der Behörden und Parlamente Kenntnis zu geben, daß die Parlamente jedoch ohne Presse ihre Reden in den leeren Raum halten.
Gedenkschrift für Manstein
Hamburg, 26. September, (dpa) Im Hamburger Verlag H. H. Nölke ist eine Denkschrift über die Verteidigung des Generalfeldmarschalls Erich von Manstein erschienen. Die Denkschrift ist von einem der Verteidiger Mansteins, dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Leverkühn, verfaßt worden.
Keine Radikalisierung der Gewerkschaften
Eine Kundgebung in Düsseldorf / Dr. Agartz zu den Forderungen des Gewerkschaftshundes
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Fö. Düsseldorf, 26. September. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat am Dienstag in Düsseldorf eine programmatische Kundgebung unter dem Titel „Die Gewerkschaften in der Bundesrepublik“ abgehalten. Der Erste Vorsitzende Dr. Böckler erklärte, die Gewerkschaften stünden zur Bundesregierung, wenn auch diese Regierung ein Bekenntnis zu der großen Schicht der Arbeitnehmer durch die Anerkennung ihrer berechtigten wirtschaftlichen und sozialpoltischen Forderungen bisher noch schuldig geblieben sei.
Strukturwandel
Das Hauptreferat auf der Kundgebung, an der Vertreter der Oberkommissare, mehrere Bundesminister, der sozialdemokratische Parteivorsitzende Dr. Schumacher und für die Bundestagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union Dr. von Brentano teilnahmen, hielt im Auftrage des Bundesvorstandes Dr. Agartz. Der Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften wandte sich gegen die Auffassung von einer Radikalisierung der Gewerkschaften, die seit dem Abbruch der Gespräche über das Mitbestimmungsrecht um sich gegriffen habe. Er erklärte, die Anschauungen und die Zielsetzung der Gewerkschaften wurzelten in der Gesamtlage, die sich nach dem Kriege ergeben habe. Die Gewerkschaften gingen dabei von der Tatsache aus, daß sich im Aufbau der deutschen gesellschaftlichen Ordnung ein Strukturwandel größten Ausmaßes vollzogen habe.
Neuordnung der Wirtschaft
Die Forderungen nach einer Neuordnung der Wirtschaft, die durch die Gewerkschaftsvorlage zum Mitbestimmungsrecht erhoben würden, beträfen die Demokratisierung wirtschaftlicher und betrieblicher Organisationsformen und die gleichberechtigte Anerkennung aller in der Wirtschaft tätigen Menschen. Die Gewerkschaften sähen Demokratie dann verwirklicht, wenn der Bürger an allen öffentlichen Angelegenheiten, zu denen auch die Wirtschaft gehöre, direkt beteiligt sei. Es sei deshalb eine Ver-
kennung der gewerkschaftlichen Absichten, wenn man die Forderung auf paritätische Handelskammern als Selbstverwaltungskörperschaften als eine Forderung zur Erfüllung gewerkschaftlichen Machtanspruches ansehe.
Die zweite Kernforderung verlange die paritätische Besetzung der Aufsichtsräte größerer Unternehmen. Die Gewerkschaften sähen in der Erfüllung dieser Forderung allein eine Möglichkeit, ein von der Eigentumsseite nicht mehr herstellbares Verhältnis in den Großbetrieben neu ordnen zu können.
Löhne und Preise
Zur Lohn- und Preisfrage erklärte Agartz, wenn zu Beginn des Bauarbeiterstreiks in Bonn erklärt worden sei, niemand sei berechtigt, seine privaten Interessen über die der Allgemeinheit zu stellen, so bedauerten die Gewerkschaften, daß solche Ermahnungen immer dann kämen, wenn es sich um die Interessen der Arbeitnehmerschaft handele. „Wenn nach der Geldreform Industrie und Handel nicht die geringsten Hemmungen hatten, die Marktlage für sich auszunutzen, dann kann der Arbeitnehmerschaft nicht verwehrt werden, ihren Lohn den veränderten Verhältnissen anzupassen. Eine Tarifkündigung oder ein Streik ist nicht unvernünftiger als alles das, was wir mit der Geldreform bei der Einkommensverteilung und bei den Preisen erlebt haben.“
Seit der Geldreform seien über zwanzig Milliarden deutsche Mark investiert worden, während das Sparkapital der Kleinsparer bis heute ein Zehntel dieser Summe betrage. Es sei falsch, das Einkommen des arbeitenden Menschen von dem Lohnverhältnis des Industriearbeiters her zu sehen. Im Monat Mai hätten im Bundesgebiet von dreizehn Millionen Beschäftigten 56 Prozent aller Arbeiter, Angestellten und Beamten unter einem Monatseinkommen von 250 Mark gelegen.
Aktive Arbeitsbeschaffung
Zur Wirtschaftspolitik der Bundesregierung erklärte Dr. Agartz, das Arbeitsbeschaffungsprogramm wolle nur Finanzhilfe leisten. doch habe die Regierung anscheinend nicht den Willen, die Arbeitsbeschaffung selbst aktiv zu betreiben. Trotz der augenblicklichen konjunkturellen Besserung müsse das Arbeitsbeschaffungsprogramm aber ein Bestandteil der deutschen Wirtschaftspolitik werden, um gerade die strukturelle Arbeitslosigkeit systematisch zu vermindern.
Wo war die Jugend?
Zur Abstimmung über den Südwest-Staat
Wr. Bei der Volksbefragung in Baden und Württemberg hat sich ein Vorgang vollzogen, der zu denken gibt: Die älteren und alten Stimmberechtigten sind in solcher Anzahl zur Abstimmung gegangen, daß sie vielfach in langen Reihen Schlange stehen mußten, wie wenn es sich um Margarine, Zucker oder Schuhe gehandelt hätte, — die jüngeren Jahrgänge haben gefehlt, nicht' überall und nicht gänzlich, aber zumeist. Warum?
Die Frage, um die es ging: die Neugliederung und Neuabgrenzung des Heimatlandes, betraf das Dasein und politische Schicksal der Jugend weit stärker als das der Alten. Hat die Jugend diese Tatsache nicht begriffen oder war sie ihr gleichgültig? War sie zu unreif und unernst? Zu sehr von Samba, Rumba und dergleichen in Anspruch genommen?
Das wäre eine allzu billige und bequeme Erklärung. Sie kommt deshalb hier nicht weiter in Betracht.
Eine andere Erklärung: Für die' Alten ging es an der Urne um das Alte, um die schöne und glückliche Vergangenheit ihres Landes, die sie, um ihrer Jungen willen, wiederhergestellt sehen wollten. Die Jugend selber hat von jenen Zeiten nichts gekannt; sie hat keine Erinnerung daran, keine Vorstellung davon. Weiterhin: Diese Jugend ist stark und allzustark umfochten vom Denken an Europa, an Korea, an die Ostzone, — die Grenzen ihres kleinen Heimatlandes gelten ihr nicht viel. Aber man fühlt es in den Fingerspitzen: Diese Erklärung reicht nicht aus. Sie ist zu wohlgefällig. Eine üble Möglichkeit lauert im Hintergrund.
Oder kann es nicht so sein, daß die Parteien, die hier im Widerstreit gegeneinander standen, bei den Jungen samt und sonders nicht viel gelten? Daß den Jungen das eine oder andere, was sie von ihnen hörten, zwar durchaus einleuchtete, daß ihnen jedoch die Gesamtheit dessen, was ihnen von den Parteien her entgegentrat, irgendwie ungenügend, wenn nicht abstoßend vorkam?
Wir wagen keine Entscheidung. Die Frage, die hier zu stellen ist, geht ,die Parteien an, — falls sie am Bestände der Demokratie ein Interesse haben. Dann allerdings haben sie eine strenge Selbstbesinnung nötig. Jugend, das weiß man, kann äußerst grausam sein.
„Zeit für entschlossenere Taten“
Jakob Kaiser auf dem Exil-Parteitag in Berlin
er. Berlin, 26. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Exilparteitag der Christlich-Demokratischen Union der sowjetischen Besatzungszone in Berlin, der von Jakob Kaiser geleitet wird, verfolgt das Ziel, den Mitgliedern der Christlich-Demokratischen Union in der sowjetischen Zone einen stärkeren Rückhalt zu geben. Jakob Kaiser erklärte auf einer Kundgebung im Titania-Palast, in der er die Mitglieder der Partei in der sowjetischen Zone zur Aktivität aufrief: „Wir glauben, daß es in der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus höchste Zeit ist, zu entschlosseneren Taten zu kommen. Niemand verlangt oder erwartet von Euch, daß Ihr Euer Leben ohne Not in Gefahr bringt. Das heißt also, wir wissen, Ihr meint nein, wenn Ihr am 15. Oktober ja sagen müßt.“
Bundesminister Jakob Kaiser wurde am Montag mit 160 von 161 abgegebenen Stimmen zum Vorsitzenden der Christlich-Demokratischen Union im Exil gewählt. Stellvertretender Vorsitzender wurde Ernst Lemmer.
Ein erpreßtes Geständnis
R. Bonn, 26. September. (Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige sozialdemokratische Parteisekretär von Spandau, Wilhelm Lohrenz, der von November 1946 bis Ende 1949 in der sowjetischen Zone verhaftet war, hat am Montag vor der Presse erklärt, sein Geständnis, das vor einiger Zeit in der sowjetischen Zone veröffentlicht worden sei. sei ihm unter Todesdrohungen ajagepreßt worden. Er habe im Gefängnis einmal vier Tage und Mächte lang an die Wand seiner Zelle gefesselt stehen müssen. Mehrere Male sei er nackt bei einer Temperatur von minus fünfzehn Grad mit kaltem Wasser begossen worden. Dann wieder sei er in eine Zelle mit einer Hitze von fünfzig Grad gesperrt worden, und endlich habe ihm General Jelinkow ein langes Schriftstück vorgelegt, das er als sein Geständnis habe unterschreiben sollen, andernfalls er den Tod zu erwarten habe.
Die Eehaltskürzung soll fallen
Zr Bonn, 26. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Haushaltsausschuß des Bundestags hat den Bundesfinanzminister ersucht, eine neue Vorlage zur Frage der sechsprozentigen Gehaltskürzung für alle im Dienst des Bundes stehenden Beamten auszuarbeiten. Nach dieser Vorlage soll die sechsprozenti^e Gehaltskürzung sofort für alle Bundesbeamte aufgehoben werden. Der Haushaltsausschuß sprach sich mit Mehrheit dafür aus, daß eine Verbindung dieser Maßnahme mit dem dreiprozentigen Notopfer zum Gesetz über die Rechtsverhältnisse der verdrängten Beamten nicht vorgenommen werden dürfen.
Stimmen der Anderen
Gescheitert?
Die in Basel erscheinende „Nationale Zeitung“ schreibt in einem Korrespondenten-Bericht aus Freiburg:
„In Gesamtbaden ergibt sich eine Mehrheit von rund 51 Prozent für die Wiederherstellung des alten Landes Baden. Bei dieser äußerst knappen Mehrheit ist man geneigt, von einem Ergebnis zu sprechen, das keine Entscheidung gebracht hat. Die Tatsache, daß sich in Südbaden 58 Prozent der Stimmbeteiligten für die Wiederherstellung Altbadens aussprachen, ist immerhin ein schlagender Beweis dafür, daß das badische Zusammengehörigkeitsgefühl und die badische Staatsidee so stark sind, daß ihnen weder die willkürliche Trennung nach 1945 noch die einseitig betriebene Propaganda ernstlich Abbruch tun konnte. Das badische Volk hat damit erneut jenen politischen Verstand bewiesen, der ihm seit jeher unter allen deutschen Ländern nachgerühmt worden sei. In richtiger Würdigung dös sonntäglichen Plebiszits werden die drei südwestdeutschen Regierungen sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß der Zusammenschluß zum Südweststaat von der badischen Bevölkerung abgelehnt und der Südweststaatgedanke damit endgültig gescheitert ist.“
An die SS
Jean Schlummberger schreibt im „Figaro“:
„Die SS-Leute sollten schweigen, statt direkt oder indirekt, vor allem in der Presse, gegen das ,Gesetz von Oradour’ anzugehen. Wir sind die ersten, die das Gesetz als im Widerspruch zum französischen und internationalen Recht stehend betrachten, gefährlich wegen des Mißbrauchs, den mit diesem Gesetz jeder Sieger jedem Besiegten gegenüber treiben könnte. Wenn man es anwendet, werden wir immer prptestieren. Aber nehmt zur Kenntnis, daß durch seine Anwendung noch nicht ein einziger Kriegsverbrecher hingerichtet worden ist. Bis zu diesem Augenblick habt ihr noch nicht das Recht zu schreien. Es ist anständiger, zu schweigen, und korrekter, wenn gesprochen wird, nicht von der Lex Oradour, sondern vom .Gesetz des 15. September 1948 über die Kollektivschuld' zu sprechen.
Gegen den Einwand, durch dieses Gesetz könnten Unschuldige bestraft werden, ist das folgende Gegenargument vorzubringen: Ihr stellt eure Kameraden, die bei uns der Kriegsverbrechen angeklagt sind, als dem Schlächter ausgelieferte Lämmer dar. Es liegt an euch, ihre Unschuld zu beweisen. Die Verbrechen sind tatsächlich begangen worden. Diejenigen unter euch, die sie begangen haben, sollten den Mut haben, sich selbst anzuzeigen. Die deutschen Zeitungen sollten diese Aufforderung verbreiten. Sie würden damit beweisen, daß sie nicht an eurer Ehre zweifeln.
Es ist grotesk, auf juristischen Unzulänglichkeiten herumzureiten, wenn man von 1933 bis 1945 mit Hilfe der Gestapo jedes Recht zerstört hat. Und nun, nachdem so große Anstrengungen zur Aussöhnung gemacht werden, erhebt ihr wieder das Haupt, als ob ihr absichtlich den guten Willen der Franzosen entmutigen und den Anhängern des genannten Gesetzes Argumente liefern wolltet.“
In Korea gefangengenommen
Ein vermißter deutscher Kriegsgefangener
Gifhorn, 26. September, (dpa) Eine Frau in Tülau-Fahrenhorst im Kreise Gifhorn hat jetzt die Nachricht des Roten Kreuzes erhalten, daß ihr in Rußland vermißter Mann in Südkorea von Amerikanern gefangengenommert worden sei und sich auf dem Heimweg befinde. Die Frau hatte nach der Todeserklärung ihres Mannes wieder geheiratet.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruds Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlas. Hamburg
22) „Mademoiselle! Mademoiselle!“ So vertieft war sie gewesen, daß sie die eilig sich nähernden Stimmen und Schritte überhört hatte. Als sie aufblickte, sah sie eine hochgewachsene Männergestalt in der Tür und ein atemloses Mädchen mit verwehtem Haar, das mit ausgestreckten Armen auf sie zukam.
„Louise!“ Sie erwiderte die Umarmung. „Wo kommst du so spät her? Das ist aber eine Ueberraschung, Monsieur! Ich hoffe, es ist nichts vorgefallen?“ Im Nu war die Atmosphäre des Schulzimmers mit Leben geladen. Frage und Antwort jagten einander bei der freudig erregten Begrüßung; die Lampe schlug gleichsam einen magischen Kreis um die drei, die sich in ihrem gedämpften Licht zusammensetzten. Ein Diener brachte ein rasch zubereitetes Mahl — kaltes Fleisch, Salat und Brot; Milch für Louise und eine Karaffe Wein für den Herzog.
Henriette hörte der Erzählung der beiden zu und beantwortete gelegentlich Fragen; doch während der ganzen Zeit konnte sie ihre Augen nicht von der Karaffe mit der dunklen Glut ihres Inhalts und von den edel geformten Händen abwenden, die sorgfältig zwei Gläser füllten. Dar Gegensatz zwischen der zarten Blässe der Haut und dem leuchtenden Rot des Weines faszinierte sie. Ein verschütteter Tropfen lag wie ein Blutstropfen auf der weißen Hand: der Herzog wischte ihn mit seinem Taschentuch fort und beugte sich über den Tisch.
„Mademoiselle, Sie werden es mir doch nicht abschlagen, ein Glas mit mir zu trinken? Es trinkt sich nicht gut allein.“ Lächelnd nahm sie das Glas entgegen. Sein Gesicht kam ihr jetzt im Lampenschein ganz verändert vor. Sein Stirnhaar leuchtete wie Gold, und seine Augen unter den dichten Wimpern wirkten jetzt eher grün als braun. Sie konnte nur hoffen, daß ihr das künstliche Licht ebenso gut stand. Sein Blick, der auf ihren Locken zu beiden Seiten der Wangen verweilte, schien es zu bestätigen. „Ja, der Herzogin ist der Landaufenthalt sehr gut bekommen,“ hörte sie ihn eine Frage beantworten, von der sie nicht mehr wußte, daß sie sie ihm gestellt hatte. „Sie geht fast ganz in der Sorge für die Armen des Dorfes auf,"-
„Ihre Güte muß ihr sehr viel Liebe einbringen — aber, Louise, was ist denn mit deiner Backe los? Sie ist ja geschwollen!“ Und jetzt erfuhr Henriette v,on dem schlimmen Zahn, der nicht aufhören wollte, zu schmerzen, und wie Papa sich kurzerhand entschlossen hatte, sie mit nach Paris zu nehmen, wo er ohnehin morgen geschäftlich zu tun habe.
„Sie sollen mich zum Arzt begleiten, Mademoiselle,“ fuhr Louise fort, „und wenn der Zahn gezogen werden muß und ich tapfer bin, dann hat Papa mir eine Ueberraschung versprochen. Wir haben uns das auf der Herreise im Zug ausgedacht. Nicht wahr, Sie können nicht raten, was es wohl sein mag?“
Wenn sie es rät, wird es doch keine Ueberraschung mehr sein, Louise!“ erinnerte der Herzog seine übereifrige Tochter.
„Aber mit mir hat das ja auch nichts zu tun,“ wandte Henriette ein, „mein Zahn tut ja nicht wehr.“
„Aber sie sollen trotzdem mit dabei sein, Maderqoiselle. Wir werden unsere besten Kleider anziehen und in einer Loge sitzen und nicht vor Mitternacht zu Bett gehen. Können Sie immer noch nicht raten?“
Der Herzog lächelte belustigt und zündete sich kopfschüttelnd eine Zigarre an. Er sah Louise zärtlich an, während er dann auf Raynald und Angelegenheiten des Haushalts zu sprechen kam. Henriettes Bericht war klar und sachlich. Er hörte ihr aufmerksam zu und nickte voller Zufriedenheit durch den blauen Rauch, der dem nüchternen Schulzimmer einen Hauch von männlicher Weltlichkeit verlieh.
„Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, Mademoiselle," sagte er und erhob sich. „Ihr Regiment während meiner Abwesenheit ist allen Lobes wert. In wenigen Tagen werden wir alle zusammen nach Melun zurückfahren, und es dürfte sie vielleicht interessieren, zu erfahren, daß Mademoiselle Maillard uns im August verlassen wird.“
Sie hatte nur noch Zeit, ihm einen erleichterten Blick zuzuwerfen, und dann war er gegangen.
„Mama wollte nicht, daß Mademoiselle Maillard weggeht,“ vertraute Louise ihr an. „Sie hat deswegen geweint, aber wir nicht. Wir freuen uns, daß sie weggeht, und Berthe hat es ihr sogar ins Gesicht gesagt. Und wissen Sie was, Mademoiselle? Die Ueberraschung stammt, von Papa, weil er sich erinnerte, daß sie die Rachel noch nie spielen gesehen haben.“ Späterhin dachte sie an die berühmte Schauspielerin immer im Zusammenhang mit dem Duft von Veilchen. Ein Blumenhändler hatte seinen Korb in den Wagen gereicht, als er vor dem erleuchteten Eingang des Theatre francais vorfuhr, und der Herzog hatte ihm eine Münze zugeworfen. Ein Sträußchen für Mademoiselle und eins für die aufgeregte Louise. Die Geste wollte weiter nichts besagen, und die Blumen hatten schon etwas von ihrer Lieblichkeit eingebüßt, aber trotzdem wurden die beiden Veilchenbuketts zum Symbol für den unvergessenen Zauber jenes Abends. Louise schritt zwischen dem Herzog und Henriette einher mit so glühenden Wangen, daß die Schwellung von ihrem kranken Zahn kaum bemerkbar war. Sie ging wie auf Wolken in ihrer jugendfrischen Begeisterung.
„Sie ist wie ein junges Blatt, das in seinem eigenen Schatten tanzt,“ mußte Henriette denken; und ein Schauer überrann sie, als sie an den Schatten des Alters dachte, der Jahr für Jahr das Leben jedes Menschen mehr und mehr verfinstert.
Aber sie verweilte nicht länger bei diesen Ueberlegungen, denn Louises Freude war ansteckend. Selbst der Herzog, ein so abgebrühter Theaterbesuchei' er auch war, wurde von der erwartungsvollen Stimmung seiner Gäste mitgerissen. Henriette bemerkte, wie beifällig er ihre Toilette musterte, als er ihr den Umhang abnahm. Es war ihr altes Abendcape; ihr neues grünseidenes Kleid jedoch verfehlte seinen vorteilhaften Eindruck nicht, obwohl es nicht dekolletiert war. Im stillen bedauertö sie. daß ihr Hals und ihre Schultern verborgen bleiben mußten; immerhin war es eine Genugtuung, zu wissen, daß ihre Taille fehlerlos geschnitten war und daß das matte Grün ihre Haut noch leuchtender hervortreten ließ und den warmen Farbton ihres Haares so günstig zur Geltung brachte. „Ich fürchte ja nur, daß .Judith' schwerlich das geeignete Stück ist, um Louise mit dem Theater bekannt zu machen.“ Ihr Gastgeber beugte sich zu ihr hinüber, um ihr ein Programm auf den Sdioß zu legen. „Aber es blieb mir ja keine Walil, da die Rachel heute vor ihrem Gastspiel in England zum letztenmal auftritt.“
„Ich glaube nicht, daß Louise sich daran stoßen wird,“ versicherte sie ihm. „Unschuld, wie sie wissen, ist sich selbst ihr eigener Wächter. Meiner Ansicht nach finden wir in Büchern und Theaterstücken — oder im Leben, Monsieur — doch nur, was wir darin suchen.“ „Nun, vielleicht haben Sie recht.“ Er lächelte und hob seine breiten Schultern. „Jedenfalls werde ich es Ihnen überlassen, Louise Rede und Antwort zu stehen, falls sie morgen irgendwelche peinlichen Fragen stellt.“
„Papa,“ unterbrach ihn das Mädchen, „darf ich mal durch dein Opernglas gucken? Da hinten sitzen ein paar Leute, die uns dauernd anstarren.“
Henriette folgte Louises Blick zur Seitenloge, in der soeben vier Besucher Platz genommen hatten. Eine vornehme alte Dame und eine jüngere Begleiterin setzten sich in den Samtstühlen zurecht, während die beiden Herren ihre Gläser auf den Herzog und seine Damen richteten. Der Herzog verbeugte sich steif zu ihnen hin und widmete sich dann ganz seiner Tochter.
Langsam wurden im ganzen überfüllten Haus die Lichter kleiner geschraubt. Die Gasflammen an der Rampe leuchteten heller auf. Der Vorhang glich jetzt einem blitzenden Lichtwall, während die Geigen und Cellos aufklangen, schluchzten und jubelten und plötzlich wieder schwiegen.
(Fortsetzung folgt.)
Jagdgesetz wird verabschiedet
auf der heutigen Landtagssitzung
Landtag wtad 26’September- Der Hessische das d?n-Seiner heutigen Sitzung Schieden dritter Les^ng VerThc^-n^ Im Zusammenhang mit der die Frakt^ Ung dieses Gesetzes werden die Fraktionen der SPD, CDU und FDP durch Antra§ einbringen, Shd> i, ve Landesregierung ersucht defkn d ch Vorstellungen bei dem Landeskommissar und über die Organe der Bundesrepublik Deutschland bei dem amerikanischen Oberkommissar darauf hinzuwirken, daß dessen Verordnungen Nr. 5 und 6 vom 11. August 1950 geändert werden.
Die genannten Verordnungen enthalten Eingriffe in deutsches öffentliches ünd privates Eigentum und das aus diesem „g®ntum fließende Jagdrecht, die mit dem Völkerrecht nicht im Einklang stehen.
Diese Eingriffe sollten beseitigt und durch eine Regelung ersetzt werden, die völkerrechtlichen Grundsätzen, der innerdeutschen Rechtsordnung und berechtigten deutschen Interessen besser gerecht wird.
Der gemeinsame Antrag der führenden hessischen Parteien entspricht der Stellungnahme des „Darmstädter Tagblatts“ vom 23. September 1950 zu diesen Fragen. Die amerikanischen Jagdverordnungen Nr. 5 und 6 besitzen heute, da die Alliierten sich anschicken, den Kriegszustand zu beenden, den Charakter der Verewigung des Ausnahmerechts. Die Einsicht des Siegers sollte ihre Grenze in der Erkenntnis finden, daß das Recht auch nicht die geringste Einengung verträgt, ohne schwere Schäden für das gesamte Rechtsempfinden heraufzubeschwören. Man kann den Eingriff in das Privatrecht, ein Durchbrechen des allen zivilisierten Völkern verbindlichen Haager Landrechts nicht in Deutschland gutheißen und gleichzeitig in der übrigen Welt verdammen oder gar Urteile auf einem Recht aufbauen, die lediglich gegen den Besiegten in Anwendung kommen.
Beratung des Haushaltsplanes
Wiesbaden, 26. Sept. (Eig. Bericht) Die Vollversammlung des Hessischen Landtags wird sich am Mittwoch und Donnerstag mit der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes über die Feststellung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1950/51, zu dem eine größere Anzahl von Abänderunganträgen eingebracht wurde, beschäftigen. Weiterhin beschloß der Aeltestenrat, auch in der ersten Oktoberwoche den Landtag einzuberufen, um noch eine Reihe der anstehenden Gesetzentwürfe zu verabschieden. Die Sprecher der CDU und FDP erklärten hierzu, es könne sich dabei nur um sogenannte Routine-Gesetze handeln, also keineswegs um Gesetze problematischer Natur, wie etwa die Gemeindeordnung oder das Schulverwaltungsgesetz.
Ebenso wie die QDU lehnt auch die FDP den 26. November als Wahltag ab. Wie es in der Begründung heißt, sei der Totensonntag ein Tag der Besinnung und Einkehr; die Freie Demokratische Fraktion hätte kein Verständnis dafür, daß ein solcher Tag für die Neuwahlen in Erwägung gezogen würde.
Spanien auf der Tagesordnung
Flushing, 26. September. (AP) Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am Dienstag in ihrer Nachmittagssitzung mit 45 gegen neun Stimmen bei zwei Enthaltungen beschlossen, die Spanienfrage auf die Tagesordnung zu setzen. Eine entsprechende Entschließung würde die Empfehlung der Vereinten Nationen aufheben, daß Mitgliedstaaten keine Botschafter . und Gesandten nach Madrid entsenden sollten.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde eine amerikanische Resolution, die Rußland zu einem Rechenschaftsbericht über Tausende von deutschen und japanischen, noch nicht entlassenen Kriegsgefangenen auffordert, mit 43 zu fünf Stimmen bei fünf Enthaltungen auf die Tagesordnung gesetzt. Die sowjetische Delegation führte an, die Resolution sei „verleumderischer Natur“ und bedeutungslos.
Der Punkt „russische Beschuldigungen einer amerikanischen Aggression gegen China“ wurde dann mit 31 zu sechs Stimmen bei sechs Enthaltungen in die Tagesordnung aufgenommen.
Ohne deutsche Mitwirkung
Die Vereinigte Stahlkontrollgruppe zur Liquidierung der Stahlkonzerne
Drahtbericht unseres Korrespondenten
hd Düsseldorf, 26. September. Auf einer Pressekonferenz der Vereinigten Stahlkontrollgruppe ist am Dienstag mitgeteilt worden, daß die deutsche Bundesregierung vor dem Erlaß der drei Durchführungsverordnungen zum Gesetz 27 (Neuordnung der Ruhrindustrie) nicht konsultiert worden sei. Es handele sich lediglich um Durchführungsverordnungen zu einem alliierten Gesetz. Es wäre angeblich kein Widerspruch zum Petersberger Abkommen, wenn die Alliierten die Liquidierung der Stahlkonzerne nach eigenem Gutdünken angeordnet hätten.
Der Liquidierungsbefehl für die Stahlkonzerne wurde dahingehend präzisiert, daß von alliierter Seite sowohl der Verkauf bestimmter zu den Konzernen gehörender Werksteile angeordnet, als auch der in Frage kommende Käuferkreis bestimmt werden könne. Wenn man auf die Vorstände der Konzerne als Liquidatoren zurückgegriffen habe, so sei dies geschehen, um Zeit zu gewinnen und den Auflösungsprozeß zu beschleunigen.
Bureau, das französische Mitglied der Vereinigten Stahlkontrollgruppe wies als Leiter der Pressekonferenz darauf hin, daß leider bis zur Stunde die Pläne für die Neuordnung der deutschen Stahlindustrie noch nicht veröffentlicht werden konnten. Es werde allerdings noch im Laufe dieser Woche mit der Bekanntgabe des Planes für eine neue Kern-Gesellschaft gerechnet. Im Laufe der nächsten Wochen sollen von den Stahltreuhändern weitere Neuordnungspläne für einzelne Gesellschaften vorgelegt werden.
Ueber die Neufestsetzung der Stahlquote befragt, erklärten die Mitglieder der Stahlkontrollgruppe, daß sie nicht befugt seien, zu den Neuyorker Außenminister-Beschlüssen einen Kommentar zu geben. Man glaube jedoch, daß sich die derzeitige deutsche Stahlkapazität zwischen 13,5 und 14 Millionen Tonnen im Jahr bewege. Leider wurden auf der Pressekonferenz manche angeschnittene Fragen nur mit äußerster Vorsicht beantwortet, so daß in mancher Hinsicht ein unbefriedigendes Resultat zu verzeichnen war. Auch die Frage nach der eventuellen Uebertragung der Kompetenzen von der Kohlen- und Stahlkontrollgruppe auf die Ruhrbehörden wurden nicht beantwortet.
Empfänge in Bonn
Oberkommissare bei Heuss und Adenauer
Bonn, 26. September (dap/AP.) Bundespräsident Professor Heuss hat am Dienstag den französischen Oberkommissar Francois-Poncet auf Viktorshöhe zu einer längeren Aussprache empfangen. Fran-Cois-Poncet, der augenblicklich Vorsitzender des Rates der Alliierten Oberkommission ist, unterrichtete den Bundespräsidenten über den Verlauf und die Ergebnisse der Neuyorker Außenministerkonferenz.
Der britische Oberkommissar, Kirkpatrick, und sein Stellvertreter, Steel, waren am Dienstag Gast des Bundeskanzlers im Palais Schaumburg. Nach einem Essen führte Kirkpatrick mit dem Kanzler eine mehrstündige Unterredung, an der auch der Leiter des Amtes für auswärtige Angelegenheiten, Ministerialdirektor Blankenhorn, teilnahm.
Die Länderchefs beim Kanzler
Bonn, 26. September, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am Samstag mit den Ministerpräsidenten der elf Bundesländer in Bonn Fragen der inneren Sicherheit erörtern. Die Konferenz soll die bereits mit den Ministerpräsidenten aufgenommenen Besprechungen über die Reorganisation der Länderpolizei fortsetzen.
„Fried enskundgebunge“
in Frankfurt verboten
FAZ Frankfurt, 26. September. Der Frankfurter Polizeipräsident hat bis emui Stah 1 Oktober alle Veranstaltungen schließlichOrganisationen verbotan™ Das Verbot umfaßt Demonstrationszüge Unterschriftensammlungen das Verteilen von Flugblättern und Werbevertenei en Jugendhche unter 18 £hrZn gegen dieses Verbot verstoßen. Jahren g g hungsberechtigten wegen vSS^afgung ihrer Aufsichtspflicht bestraft.
Wolkenbrüche in Afrika
Mehr als achtzig Tote
Casablanca, 26. September, (dpa) Ein schweres Unwetter, das in der Nacht zum Dienstag Französisch-Marokko heimgesucht hat, hat nach am Dienstagabend vorliegenden Berichten mindestens 82 Todesopfer gefordert. Es ist jedoch damit zu rechnen, daß die endgültige Zahl der Toten einhundert übersteigen wird.
Am schwersten wurde das Gebiet von Sefrou südöstlich von Fez betroffen. Gewöhnlich ausgetrocknete Flußläufe verwandelten sich durch die wolkenbruchartigen Regenfälle plötzlich in reißende Ströme. An mehreren Stellen unterspülte das Wasser die Lehmhütten, von denen viele zusammenstürzten und die Bewohner unter den Trümmern begruben.
Außer den Personenverlusten ist ein Sachschaden von mindestens vierhundert Millionen Francs entstanden.
Erst im Oktober
Die Konferenz der Verteidigungsminister
Washington, 26. 'September. (AP.) Der amerikanische Verteidigungsminister General Marshall hat am Dienstag bekanntgegeben, daß die Besprechungen der Verteidigungsminister der Atlantikpaktmächte und der Militärsachverständigen um zwölf Tage verschoben worden seien. Die Besprechungen würden zwischen dem 24. und 28. Oktober in Washington abgehalten. Die Vertagung habe sich durch die ausgedehnten Besprechungen der Außenminister der Paktstaaten ergeben, die längere Zeit in Anspruch genommen hätten, als man habe voraussehen können.
Auch Dänemark
für ein deutsches Kontingent
Neuyork, 26. September (AP.) Der dänische Außenminister Rasmussen hat am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Neuyork erklärt, Dänemark werde einer deutschen Beteiligung an gemeinsamen europäischen Verteidigungsstreitkräften in angemessener Form zustimmen.
Wirtschaftsblatt
Zweischneidig
F. C. Die Bank deutscher Länder hat beschlossen, ab 1. Oktober die Kreditschraube fest anzuziehen. Die Erhöhung der Mindestreserven der Kreditinstitute um durchschnittlich fünfzig Prozent trifft naturgemäß die Banken und Sparkassen nachhaltig. Vor allem die Banken sahen sich noch vor etwa drei Monaten einem Block von eingefrorenen Debitoren gegenüber. Die Sonnenstrahlen der Konjunktur haben diesen erstarrten Block aufgetaut. Jedoch war die Zeit zu kurz, um die eingefrorenen Kredite völlig aufschmelzen zu können.
Um so stärker empfinden heute die Kreditinstitute die angeordnete Erhöhung der Mindestreserven. Können da die Kreditinstitute noch hoffen, den begonnenen Auftauungsprozeß weiter fortzusetzen? Es bleibt darüber hinaus eine offene Frage, ob es überhaupt möglich ist, einen großen Teil der kurzfristigen Kredite in kurzer Zeit wieder hereinzuholen.
Über die Kreditinstitute hinaus wird aber auch die gesamte Wirtschaft mehr oder minder stark von der Art berührt, wie die Bank deutscher Länder die Kreditbremse anzieht. Zeiten steigender Preise und Verknappungen auf dem Rohstoffmarkt regen naturgemäß immer wieder spekulative Elemente zu Hortungskäufen an, die volkswirtschaftlich unerwünscht sind. Heute kämpfen aber auch Staaten- und Finanzgruppen auf den Weltmärkten um möglichst große Rohstoffanteile. Muß da nicht auch die deutsche Wirtschaft versuchen, sich noch einigermaßen preisgünstig einzudecken? Die Einfuhr als solche ist in den letzten Wochen ein Sorgenkind geworden. Die südamerikanischen Staaten, vor allem Mexiko, nutzen die Chance, Rohstoffe und Nahrungsmittel zu günstigen Preisen und wirklichen Dollars nach den Vereinigten Staaten zu liefern. Die an der Einfuhr interessierten deutschen Wirtschaftskreise sehen sich deshalb der Tatsache gegenüber, daß ein Teil unserer Handelspartner zwar deutsche Maschinen und Investitionsgüter freudig annimmt, mit den Gegenlieferungen aber zögert. Der Wirtschaftsminister hat ein Importsicherungsprogramm aufgestellt. Dieses Programm soll die notwendigsten Einfuhren sicherstellen. Die Einschnürung der Kredithergabe trifft aber zwangsläufig die Rohstoffbeschaffung auch aus dem Ausland. Hier zeigt die Drosselung, die in starkem Maß durch den Kampf des Wirtschaftsministers gegen den Preisanstieg im Inland bedingt ist, ihren Pferdefuß. Sie kann leicht zu einem zweischneidigen Schwert werden. Vorsichtig und als Übergangsmaßnahme sollte man es deshalb handhaben.
Voller Anspruch auf Wohnungsgeld
Ein Erlaß des hessischen Finanzministers als rechtsunwirksam erklärt
-ch Das Landesarbeitsgericht Frankfurt hat jetzt einen Erlaß des hessischen Finanzministers vom 10. Juli 1946 als rechtsungültig erklärt, durch den verheirateten weiblichen Angestellten des öffentlichen Dienstes der Wohnungsgeldzuschuß um die Hälfte gekürzt worden ist. (Aktenz. 111 LA 192/50.) Entgegen der gültigen Tarifordnung für Angestellte (TOA), die bei der Zahlung von Wohnungsgeldzuschuß keinen Unterschied zwischen verheirateten männlichen und weiblichen Angestellten macht, war. durch den Erlaß bestimmt worden, daß diese wie verheiratete weibliche Beamte zu behandeln seien, deren Wohnungsgeldzulage Durch Gesetz vom 28. 2. 46 um die Hälfte gekürzt worden ist.
Das Land Hessen hatte in der Berufungsverhandlung gegen eine Angestellte des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden geltend gemacht, daß die aus dem Jahre 1943 stammende Tarifordnung nur für die Kriegsdauer gegolten habe und „nationalsozialistisches Gedankengut“ enthalte. In der Urteilsbegründung wird jedoch festgestellt, die Entwicklung sei bereits vor dem letzten Kriege dahin gegangen, mehr Frauen im öffentlichen Dienst zu beschäftigen. Sie hätten sich dabei sehr bewährt und verdienten ihr Gehalt wegen der gleichen Leistungen wie die Männer.
Der Erlaß des hessischen Finanzministers ist aber auch deshalb als rechtsunwirksam erklärt worden, weil er eine Machtüberschreitung darstelle. Nach Beseitigung der nationalsozialistischen Einrichtung der „Treuhänder“ stehe weder einem Lande und noch weniger einem Minister das Recht zu, Tarifverträge durch Erlasse abzuändern. Nach Wiedereinführung der Vereinigungsfreiheit und der Selbstbestimmung könnten solche Vereinbarungen nur zwischen den Sozialpartnern getroffen werden, und es würde geradezu nationalsozialistisches Recht wieder eingeführt werden, wenn der Staat die Stelle des Treuhänders einnähme und auf diese Weise in Tarifverträge eingreife. Auch die erstrebte Gleichstellung von Beamten und Angestellten könne nicht als Begründung angeführt werden. Eher tauche umgekehrt die Frage auf, ob nicht auch der Anspruch auf Wohnungsgeld bei verheirateten weiblichen Beamten, denen der Wohnungsgeldzuschuß gekürzt worden ist, unverzichtbar sei. Im übrigen enthalte die Tarifordnung Mindestsätze. Auf ihnen baue sich die wirtschaftliche Existenz der Angestellten auf, und die Wohnungsgeldzulage sei ein wesentlicher Teil ihres Gesamteinkommens. Dieses in einem Einzelfalle ergangene Urteil dürfte für alle gleichgelagerten Fälle gültig sein.
Aus Vermögenskontrolle entlassen
Bonn, 26. 9. (AP.) Die alliierte Oberkommission hat die Vermögenskontrolle über folgende neun westdeutsche Kohlenbergwerksunternehmen auf gehoben: Gewerkschaft Karl Alexander, Steinkohlenwerk Baesweiler, Gewerkschaft Carolus Magnus, Steinkohlenbergwerk Palenberg, "Eschweiler Bergwerksverein Kohlscheid, Gewerkschaft Sophia Jacoba Steinkohlenbergwerk Hückelhoven, alle im Aachener Gebiet; im Gebiet von Köln das Braunkohlenbergwerk und die Brikettfabrik Liblar GmbH., Liblar; im Ruhrgebiet Steinkohlenbergwerk Heinrich Robert AG. Herringen, Steinkohlenbergwerk Friedrich Heinrich AG. Kamp Lintfort, Bergwerksgesellschaft Dahlbusch. Gelsenkirchen, und die Gewerkschaft Xanten in Wuppertal-Oberbarmen.
25 Milliarden Auslandschulden
Bonn, 26. 9. (zr.) Die Bank deutscher Länder registriert zur Zeit die Auslandsschulden Deutschlands. Diese Verschuldung bewegt sich nach den Erhebungen in einer Größenordnung von etwa 15 bis 25 Milliarden DM. Bei einem Zinssatz von 5 Prozent würde jährlich eine Zinsrate von rund einer Milliarde aufzubringen sein.
Noch alliierte Befehlspolitik
Bonn, 26. 9. (zr.) Im Bundeswirtschaftsministerium fanden am Dienstag die ersten Besprechungen über die drei Durchführungsverordnungen zum Gesetz Nr. 27 statt. In Bonn werden die alliierten Maßnahmen als unve: tändlich und als ein schwerer politischer Fehler bezeichnet. Erst kürzlich sei erklärt worden, so wurde zum Ausdruck gebracht, die Zeit der Befehle sei vorbei. Die Durchführungsverordnungen zum Gesetz Nr. 27 stellten aber nichts anderes dar, als einen Akt von alliierter Befehlspolitik. Der Bundeskanzler hat bei der alliierten Oberkommission bereits Vorstellungen erhoben und erklärt, daß durch die alliierten Durchführungsverordnungen die Schuman - Plan - Verhandlungen gestört werden könnten.
Aenderung der USA-Kreditpolitik?
Washington, 26. 9. (vwd) Der Umsatz des Einzelhandels in den USA ist trotz der in der vergangenen Woche eingeführten „milden Kontrollen“ der Kundenkredite nicht zurückgegangen. Die Preise zeigen weiterhin t steigende Tendenz. Die amerikanischen Automobilfabriken Kaiser-Frazer und Nash haben Preiserhöhungen vorgenommen und die General Electric Co. bietet ihre Haushaltsmaschinen mit einem Aufpreis von 6 bis 13 Prozent an. Wie die „New York Times“ in diesem Zusammenhang berichtet, ist das Direktorium damit beschäftigt, seine Kreditregulierungspolitik zu revidieren. Die ausstehenden Kundenkredite werden gegenwärtig mit rund 60 Milliarden Dollar veranschlagt.
Kurz gemeldet
Die Zeitlöhne der Beschäftigten über 21 Jahre in den Gerbereien werden rückwirkend ab 28. Februar um acht Prozent, die Zeitlöhne für Frauen und Jugendliche um zehn Prozent erhöht. Den Angestellten wird eine monatliche Gehaltserhöhung von 20 DM gewät rt.
Die Ecklöhne in der Schuhindustrie werden in den Ländern der französischen Zone auf 1,18 DM festgesetzt. Die weiblichen Löhne betragen generell 80 Prozent der Männerlöhne.
Die neue sechzigprozentige Freiliste tritt ab sofort auch gegenüber Großbritannien in Kraft. Auch die britische Freiliste gegenüber der Bundesrepublik soll zum gleichen Termin Gültigkeit erhalten.
Gegen eine Marktregelung, wie sie Filmproduzenten für die Einfuhr ausländischer Filme anstreben, wendet sich der Filmverleih. Es wird befürchtet, daß jede Einschränkung für die Einfuhr ausländischer Filme in gleichem Maße den Export deutscher Filme beschränkt.
fe. Die Henninger-Bräu AG., Frankfurt/M., hat die Hauptversammlung, auf der die DM-Eröffnungsbilanz und der erste DM-Abschluß für die Zeit vom 21. 6. 1948 bis 31. 8. 1949 vorgelegt werden soll, auf den 21. Oktober 1950 einberufen. Wie wir erfahren, wird der Hauptversammlung vorgeschlagen, das Grundkapital von 4,82 Millionen RM im Verhältnis 1:1 auf DM umzustellen. Für das verlängerte Geschäftsjahr 1948/49 sollen 3 Prozent Dividende auf 4,80 Millionen Stammaktien zur Verteilung kommen.
Ein Apfel-Dumping
Rr. In zahlreichen Schreiben, Stellungnahmen und Anordnungen hat die alliierte Oberkommission darauf hingewiesen, daß sie gegen jede „unfaire“ deutsche Konkurrenz auf den Auslandsmärkten einschreiten und ein künstliches Niedrighalten der deutschen Exportpreise nicht dulden werde. Die Ursache für diese ständigen Mahnungen an die deutsche Adresse dürften vor allem darin zu sehen sein, daß im Ausland von Zeit zu Zeit und je nach Bedarf immer wieder die alte Mär von den deutschen Dumpingmethoden aufgewärmt wird. Daß es sich bei diesen Behauptungen in der Regel um recht „unfaire“ Konkurrenzmanöver gewisser ausländischer Kreise handelt, wurde von deutscher Seite schon oft genug nachgewiesen. Dennoch scheint die Zwangsvorstellung von einer möglicherweise „unfairen“ deutschen Konkurrenz auch weiterhin zu bestehen. Vor allem die amerikanischen Stellen in Deutschland warnen immer wieder vor dumpingähnlichen Methoden, obwohl bei uns die Subventionspolitik, im Gegensatz zu England und Amerika, bis auf einen bescheidenen Rest beseitigt ist, so daß also bei uns heute keine Möglichkeit mehr besteht, mit Hilfe öffentlicher Entschädigungen die Exportpreise künstlich unter die Inlandspreise zu drücken. Um so mehr wird man der amerikanischen Auffassung zustimmen müssen, daß Dumpingmethoden, insbesondere die staatliche Subventionierung der Exportpreise, unlauter ist und als schwerer Verstoß gegen den gesunden Wettbewerb angesehen werden muß.
Bei dieser strengen amerikanischen Auffassung, wie sie sich zumindest in Deutschland äußert, mutet es allerdings recht sonderbar an, wenn jetzt aus Washington gemeldet wird, die amerikanische Regierung habe sich entschlossen, amerikanische Aepfel und Birnen weit unter dem Inlandspreis im Auslände zum Kauf anzubieten. Um das Preisgefälle auszugleichen, sollen den amerikanischen Erzeugern staatliche Subventionen bis zu 50 Prozent der Inlandspreise gezahlt werden. Begründet wird diese Maßnahme vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium mit dem Hinweis, daß es notwendig sei, den amerikanischen Obsterzeugern auch weiterhin ihre überseeischen Märkte zu erhalten.
Wahrscheinlich wird es dem Leser genau so schwer fallen wie uns. diese Maßnahme mit den besonders von amerikanischer Seite in Deutschland immer wieder vertretenen Prinzipien in Einklang zu bringen, denn hier ist der Tatbestand des Dumpings in geradezu idealer Form erfüllt. In Deutschland würde von den amerikanischen Vertretern eine solche Politik auch keinesfalls erlaubt. Aber irgendwo müssen ja schließlich die so oft verkündeten Prinzipien und Grundsätze verwirklicht werden.
Höherer Ausfuhrüberschuß
Bonn, 26. 9. (AP.) Der Gesamtwert der Ausfuhr der Bundesrepublik ist im August um weitere 3 Prozent gestiegen, während die Einfuhr um 9 Prozent abnahm. teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Die Ausfuhr erhöhte sich von 730 Millionen im Juli auf 753 Millionen DM im August. Die Einfuhr betrug dagegen im August nur 864 Millionen gegenüber 949 Millionen DM im vorangegangenen Monat. Die erneute Zunahme der Ausfuhr entfiel überwiegend auf Werkzeug- und Kraftmaschinen, Personenautomobile und Teerfarbstoffe, die vor allem nach China und Argentinien geliefert wurden. Die Ausfuhr von Koks erreichte mit 876 000 Tonnen im August den hohen Stand der Koksausfuhr des Reiches von 1929. Dagegen verzeichnete die Ausfuhr von Schrott. Steinkohlen und Chemiefasern einen starken Rückgang.
Deutsche Ufa-Entflechtung
Bonn, 26. 9. (zr.) Die Oberkommission hat die Bundesregierung aufgefordert, einen Beirat für die Ufa-Entflechtung aus zehn Mitgliedern namhaft zu machen. Dem Beirat sollen Mitglieder der Bundesregierung, Länderregierungen, Industrie- und Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften angehören. Er soll zwischen dem alliierten Gesetz und den Erfordernissen der deutschen Filmwirtschaft ein Uebereinkommen finden und gemeinsam mit der Bundesregierung Durchführungsverordnungen ausarbeiten.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse kam es am Dienstag bei etwas uneinheitlicher Grundtendenz auf allen Marktgebieten wieder zur Kurserholungen. Deckungskäufe der Kulisse führten, insbesondere am Montanmarkt, sowohl bei effektiven als auch Girowerten zu durchschnittlichen Kursverbesserungen von 1 bis 2 Punkten. Demgegenüber hatten verschiedentlich Werte, die nach Pause notierten, noch Kursverluste bis zu 4 Punkten zu verzeichnen.
Freie Devisenkurse
Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 26. 9. 1950 der US-Dollar mit 5,25 bis 5,65 DM, das engl. Pfund mit 12,50 bis 13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,17 bis 1,27 DM, der holl. Gulden mit 1,17 bis 1,27 DM, die dänische Krone mit 0,50 bis 0,54 DM, die schwedische Krone mit 0,75 bis 0,80 DM.
F. A.Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 26. 9. 1950 für eine DM-West 4,90 Ostmark gezahlt und für 5,10 Ostmark eine DM-West geboten.
Feuilleton
„Wer vieles bringt...“
NACHWORT ZUR FRANKFURTER BUCHMESSE 1950
Der erste und auch der bleibende Eindruck von dieser' Frankfurter Buchmesse 1950 ist der einer wohlgeordneten Wirrnis. Die kühnste überblendende Fotomontage vermöchte nicht annähernd darzustellen, was auf der Netzhaut und im Kopf des Besuchers durch die 15 000 Buchtitel und Einbände von insgesamt fast 400 Verlagen erzeugt wird. Ich fühle mich, seit ich durch die Wandelgänge der Paulskirche und die gegenüberliegenden Römcrhallen gegangen bin, wie von Büchern verfolgt. Die Frankfurter Buchausstellung überfällt jeden, auch den Verleger, durch ihre beängstigende Fülle. Es ist sicher nicht von ungefähr, daß sogar die Männer des Buchgewerbes diese Empfindung häufig aussprachen. Und ebensowenig scheint es zufällig, daß der eine öder andere Verleger sich über mangelnde Publizität und mangelnde Beachtung, auch von seifen der Presse, beklagt. Eine riesige Verlagsproduktion trifft auf den immer akuter werdenden Zeitmangel. Wer in aller Weit soll denn all diese Bücher, die nur eine Herbstproduktion darstellen und im nächsten Jahr bereits, kaufmännisch gesprochen, altes Eisen sein werden, lesen? Durch eine solche Ausstellung, deren händlerische Notwendigkeit selbstverständlich außer Frage steht, kann einem das Buch zum filmischen Phantom werden. Viel tragen dazu die einander überschreienden Schutzumschläge bei. Gegen die Argumente der Werbefachleute, denen man in diesem Jahrhundert der Massen und Propaganda immer größere diktatorische Vollmachten einräumt, scheint kein Kraut gewachsen. Und so schreien die Bücher und überschreien sich. Die Leselust wird durch solches Geschrei nicht gerade gefördert. Da sieht man die Memoiren des Herrn Staatssekretärs a. D. Meißner, das markante, schmissige Profil vor dem Hintergrund der Fahnen, denen der Mann gedient, von schwarzrotgold über schwarzweißrot zum Hakenkreuz, ein anderer Titel blendet ein, weil er in die ex’stentialistische Modesüchtigkeit paßt. „Begegnung mit dem Nichts“, und quer dazu bleibt einem ein anderer von dümmlicher Heiterkeit „Herrlich ist die Erde“ einen Augenblick lang haften. Dann erblickt man P.ommel in jeder Pose und Göring in taubengrauer Uniform, dazwischen kunsthandwerkliche Einbände christkatholischer Verlage, die ihre Vorliebe für Veit Stoß und Tilman Riemenschneider auf Fotoeinbänden bestätigen. Dann wieder glänzt einem Benrath cellophanverpackt entgegen, genau so cellophanverpackt wie Gide. Der Bucheinband hat so etwas wie einen Nylonstil entwickelt. Die ganze Messe wetteifert in Einbänden, Papierqualitäten und Ausstattung, viel Leinen mit Goldaufdruck — und gespenstisch mutet es an, wenn man zur Illustration dieser Fassaden von dem einen oder anderen Verleger zu hören bekommt, daß das Papier schon wieder sehr knapp sei, mit erheblichen Verspätungen geliefert werde und unter Umständen das erwartete Weihnachtsgeschäft in die Brüche gehen könnte. Man tritt, noch völlig betäubt von der schreienden Kpalligkeit der Einbandplakate, an einen Stand mit wissenschaftlichen Büchern und ruht sich an den nüchtern-kahlen Deckeln aus. Mancher belletristisch-philosophische Verlag wie etwa Klostermann verzichtet auf die bunten Plakate. Aber die es mit der Schlichtheit halten, sind eine verschwindende Minderheit. Der Bücherfreund bedauert, daß so viel Kosten in die Schutzumschläge gesteckt werden und fragt sich, ob es wirklich dem Publikum dienen heißt, wenn man ihm ein überflüssig verteuertes Buch anbietet. Buch ist doch nicht Parfüm!
Diktat oder Reklame?
Oder ist Buch in der nivellierenden Einschätzung als Messeware tatsächlich Parfüm? Viele süßliche, mit horizontal hingegossenen, schleierbekleideten, hauchzarten Mannequins bedruckte Buchumschläge lassen einen samt den dazugehörigen Titeln wahrhaftig daran zweifeln, ob hier Buch und Sprache nicht selbstverständlich mit Parfüms oder Produkten aus Kunstseide gleichgesetzt werden. Da lobt man sich den ollen Rowohlt, der für seine bedenkenlos knalligen Pocketbüchereinbände 1,50 DM nimmt und in die „attraktiven“ Hüllen große Literatur wickelt: Hamsun und Graham Greene, Kipling, Hemingway, Cronin, Bernanos, Camus und H. G. Wells. Man wird bei den meisten Buchpreisen, die sich knapp unter oder über zehn Mark bewegen, nicht recht froh. Nicht als ob den Verlegern bestritten werden sollte, daß die Herstellung die errechneten Preise nicht rechtfertigten. Womit man nicht froh wird, ist die unnachgiebige Starrheit, mit der hier ein unbewiesener und unbeweisbarer durchgängiger Publikumsgeschmack diese üppige Buchausstattung und damit auch die Preise diktieren soll. Broschüren haben wir auf der Ausstellung mit Ausnahme von vereinzelten wissenschaftlichen Werken und von der erfreulicherweise wieder blühenden Reclamschen Universalbibliothek nicht gesehen.
Der Buchhändler .
Es ist nun an der Zeit, von dem Mann zu sprechen, für den diese Fachmesse veranstaltet wurde, vom Buchhändler. Eine Buchmesse ist ja nicht für die Käufer da, sondern für die Verkäufer, die man Sortimenter zu nennen gewohnt ist. Ein richtiger Sortimenter bietet — daher der Name — seinem Kunden das ganze Jahr hindurch und besonders im Herbst zu Beginn der Lesezeit eine Buchmesse im kleinen. Wie sich aber der Buchhändler auf der großen Herbstmesse zurechtfindet, bleibt trotz eifriger Erklärungen aus Verlegermund einigermaßen unklar. Die Verleger hängen vom Buchhändler ab. Noch mehr hängen die Autoren vom Buchhändler ab. Unser gesamter geistiger Zustand hängt von diesen Leuten ab. Es ist aus mancherlei Gründen dahin gekommen, daß die Rezension an Einfluß eingebüßt hat. Was macht der Buchhändler inmitten einer chaotisch anmutenden Produktion? Er hält sich zunächst an das Bewährte, das heißt an den ihm bekannten Verlag. Damit ist gesagt, daß er entweder den Typ S. Fischer, Claassen, Suhrkamp samt Insel, Heimeran und Lambert Schneider bevorzugt und sich auf das verläßt, was ihm von den Genannten, das heißt also Thomas Mann, Werfel, Hesse, Kasack, Langgässer angeboten wird, oder er hält sich an Westermann, Francksche Verlagsanstalt, Umschau, Bertelsmann — oder er macht aus Kohlhammer, de Gruyter, Hermann Rinn, K. F. Koehler eine Gruppe. Ein andrer Sortimenter geht zu Rowohlt und Kiepenheuer, Herbig, Karl Rauch und vielleicht dem Verlag der Frankfurter Hefte. Natürlich mischt der versierte Buchhändler die genannten Gruppen, zu denen sich noch zahllose andere, vor allem die konfessionellen, hinzufügen ließen. Aber es gibt gewisse Bevorzugungen zwischen modern und konservativ, mehr links oder mehr rechts, mehr literarisch oder mehr Lesestoff im weitesten Sinne, mehr gemütlich-provinzieller, man möchte sagen Onkelliteratur oder scharf moderner Literatur — kurzum der Unterscheidungen sind viele.
Daß man sich in der sinnverwirrenden Fülle der Messe solchermaßen leiten läßt, leiten als Kaufmann und Vermittler des Buches, ist durchaus sinnvoll und wir können von Glück sagen, daß im Verlagsbuchhandel noch so viel alte Strukturen erhalten oder wiederaufgebaut worden sind, daß Verlage ihr Profil haben.
Das echte Buch
Man fragt sich aber in all diesem Betrieb, was denn nun mit dem einen oder den zwei wesentlichen, neuen deutschen Büchern literarischen Charakters geschehen werde. Wie überhaupt sie ausmitteln, wenn sie vorhanden sind? Wie darüber hinaus geistige Richtungen und Tendenzen erkennen hinter all den einander erschlagenden Einbandplakaten? Ich sprach mit einzelnen Leuten aus Verlag und Buchhandel und machte eine überraschende Entdeckung. Einmal eine gewisse Skepsis gegenüber der neuesten amerikanischen Literatur, deren Kraft und Wert zwar nicht bestritten werden, deren Krisencharakter aber als für uns wertlos angesehen wird. Dann die Forderung an eine neue deutsche Literatur: einen Weg zu weisen. Man fragt sich, was damit gemeint sein könnte. Ein Weg wie etwa „Verlust der Mitte“? Ist das denn ein Weg, ist es nicht vielmehr eine mit aller Gescheitheit unternommene romantische Retrospektive? Ein Verlagsvertreter in mittleren Jahren, gelernter Buchhändler und offenbar ein Mann von einigem Horizont, erwiderte mir, als ich ihm den Hinweis auf den Erfolg von Götter, Gräber und Gelehrte (Ceram) als nicht beweiskräftig zurückwies, daß es „das“ große „wegweisende“ deutsche Buch zur Zeit nicht gebe. Solchen Satz aus dem Munde eines Verlagskaufmanns zu hören ist ebenso überraschend wie erfreulich, zeigt es doch einen unbedingten Anspruch.
Solide,s Wissen
Vielleicht aber befindet sich doch ein neues entscheidendes Buch unter den fünfzehntausend ausgestellten? Das zu ermitteln wird eine Aufgabe sein ähnlich der allgemeinen Aufgabe, die uns heute gestellt ist, aus dem Massenbetrieb zum Wesentlichen zu finden. Wir sind nicht pessimistisch. Es wurden uns auf der Ausstellung einige Winke gegeben, die vielleicht weiterführen können. So gab uns Reclam ein Bändchen Briefe und Tagebuchaufzeichnungen eines in Rußland gefallenen Dozenten der Literaturwissenschaft, Harry Mielert, „Russische Erde“ in die Hand. Eine knappe Stunde Lektüre hat uns den Trubel der Messe vergessen und eine Begegnung mit einer echten Aussage haben lassen. Oder wir nahmen die Festschrift für Heidegger in die Hand und faßten sofort den Entschluß, dieses Buch zu lesen, nicht nur um eines Essais von Ernst Jünger willen. Wenn man freilich ein Buch in die Hand nimmt, das dem Fall des 17jährigen Doppelmörders Helm eine Groß-Reportage und psychosoziologische Erhellung widmet, dann wird einem die Problematik des Buches heute blitzartig klar. Man wird sich daran gewöhnen müssen, traditionelle hohe Begriffe wie Dichter und Dichtung sehr behutsam zu verwenden und das Buch endlich einmal in seiner heutigen Umwelt zu sehen. Diese Umwelt heißt: Reportage, Zeitung, Radio, Gallup, Reklame heißt kurz: moderne Massen weit. Wenn man nach flüchtiger Orientierung, der es freilich mehrerer halber Tage des ermüdenden Wanderns durch die Bücherstände bedurfte, eine typisch deutsche Tendenz erkennen konnte, dann die des soliden Nachschlage- und Gebrauchsbuchs. Da sind die beiden Bände Brockhaus, da ist der Volksherder, der bewährte Diercke-Atlas, eine ganze Reihe von vorzüglich illustrierten Veröffentlichungen über Bauwesen und Städtebau! Vielleicht stecken in solchen Büchern die neuen Ideen? Äußerer Anlaß dazu ist uns ja genug gegeben.
Wiedergeborene
Eine andere durchgängige Erscheinung möchte man erheitert mit dem Namen Renaissance belegen. Bekanntlich ist Göring wiederholt als letzter Renaissancemensch rubriziert worden von wegen Leibesumfang und viel Kunst. Göring feiert tatsächlich zur Zeit seine erste eigene Renaissance. Aber er ist nicht allein wiedergeboren. Hans Grimm füllt mit dem kuriosen Buch, in dem gut die Hälfte aller Abschnitte mit „Herr Erzbischof, wie wirkt, wem dient?“ anfängt und wo man Substantiva wie „mein Erleben“ und Zusammensetzungen wie „zeitlose Kunst“ häufig antrifft, ein ganzes Regal. Wo der grimme Lippoldsberger thront, ist Will Vesper nicht fern, dessen bekannte und in den Jahren viel verbreitete Lyrikedition wieder da ist. Man kann in diesem Felde noch manche Entdeckung machen, und es hat gar keinen Zweck, sich darüber zu ereifern. Hätte man so manchen aus dieser Ecke bereits 1946 ungehindert schreiben lassen, dann besäßen wir sehr wahrscheinlich eine Reihe von Auslassungen zur Demokratie und Abschwörungen, die uns jetzt die Renaissance der Langeweile und der Bardenbärte ersparte.
Vor der Schwelle
Worum uns inmitten dieser Schau der verlegerischen Anstrengungen und Leistungen bange ist, das ist — wir wiederholen es — das wirklich wesentliche neue Buch unserer Epoche. In der nationalsozialistischen Zeit gab es noch den sehr jungen Eugen Gottlob Winkler, gab es Schröders Zyklus „Die Ballade vom Wandersmann“, Jüngers „Marmorklippen“ und Andres „Wir sind Utopia“. Heute schreibt ein Franzose namens Camus „Die Pest“, die unser Thema ist, während bei uns die Wiederaufnahme bewährter Bucherfolge von Fallada über Spoerl und Eugen Roth zu Ringelnatz, Bergengruen, Saint-Exupery und wie sie alle heißen, einen fast ebenso breiten Raum einnimmt wie die riesige Rezeption moderner amerikanischer Literatur. Natürlich schreiben bei uns eine ganze Reihe von Leuten Memoiren (vieles darunter ist Onkelliteratur, siehe oben) und andere experimentieren sehr bemüht nach Vorbildern. Was aber den anderen draußen gelingt, Chaos, Krise, Angst, Haß, Zerfall und Behauptung, das Ungeheuer Mensch und den guten Menschen, Untergänge und wunderbare Rettung in weite soziale und zeitgeschichtliche Aspekte zu stellen, scheint uns, die wir doch am meisten erlebt haben, verwehrt. Warum ist das so? Wer darauf eine Antwort zu geben wüßte, der hätte der deutschen Gegenwartsliteratur und unserem noch immer stagnierenden Geistesleben aufgeholfert. Es hieße aber eine Buchmesse überfordern, wenn man von ihr und ihren Trägern, den Verlegern, den Durchstoß erwartete. Es ist nur so, daß sich das eigentliche Problem bei dieser Gelegenheit wieder einmal mit bohrender Schärfe aufdrängt. Wir haben nicht den Eindruck, als sei der Schritt über die Schwelle bereits getan. Karl Korn
Neue Kräfte am Landestheater
FREDI KÜPPERS studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln und war Schüler von Professor Heinz Stadelmann. Als Tenorbuffo arbeitete er dann an den Städtischen Bühnen in Gladbach-Rheydt. Nach der Gefangenschaft gastierte er in Köln, Düsseldorf, in München, Nürnberg und Hamburg.
Erstes Kammerorchester-Konzert im Rundfunk
Klassische und moderne Musik bei Radio Frankfurt
Die Reihe der sechs, mit ebenfalls reizvollen Programmen ausgestatteten Kammerorchester-Konzerte dieses Winters ist im Hessischen Rundfunk nun auch eröffnet worden. Das erste bot überwiegend programmatische Musik von ähnlicher illustrativ-eleganter Gestik: gar nicht beschwerend und auf angenehme Weise unterhaltend.
Respighis Orchestersuite „Die Vögel“, in dem leicht archaisierenden Ton, den der Italiener gerne anschlug, verwendet geschickt die verschiedenen Instrumentengattungen zur Charakteristik der Vogelarten. Taube, Henne, Nachtigall und Kuckuck gurren, gackern, schluchzen und schlagen, in fast realistisch getreuer, sehr amüsanter Klangimitation, wobei etwa bei der „Henne" Rameaus witziges Vorbild (La poule) zum Vorschein kommt. Das Ganze ist nicht schwer zu nehmen, ebenso wenig wie Arthur Honeggers Sinfonisches Gedicht „Pastorale d’ete“, ein frühes Werk, noch vor seinen ersten großen Erfolgen, dem Oratorium „König David“ und dem Orchesterstück „Pacific 231“, entstanden. Dieses Sommer-Pastorale ist von mildem Glanz erfüllt, sein Klangkolorit noch impressionistisch getönt. Kaum läßt sich hier schon die eruptiv-dramatische Kraft des. späteren Honegger erahnen. Schließlich Richard Strauss: die Orchestersuite zu Molieres „Bürger als Edelmann“, die bei der Umarbeitung der ersten ~Ariadne“-Fassung von diesem Bühnenwerk abgespalten wurde. Hier ist im schimmernden, federnden, spritzigen Orchesterklang der größte Aufwand erforderlich, insbesondere bei den mancherlei vertrackten Partien der Solo-Instrumente; eine klingende „Seifenblase“, die mit Charme und Witz zu einem Nichts zerplatzt.
Das Rundfunkkammerorchester (mit den Solostreichern: Helmut Schuhmacher, Alexander Presuhn und Hans Andrä, den Solo-Bläsern: Willi Schmidt, Herbert Deckers, Helmut Peukert und dem Pianisten Wolfgang Rudolf) traktierte sie mit virtuoser Verve. Die Spieler hätten ohne weiteres auch noch mehr Eleganz und Plastik in der Klanggebung erzielen können, als der Dirigent Kurt Schröder ihnen abverlangte. Mit der an ihm gewohnten Routine leitete Schröder außer den genannten Werken auch das Cello-Konzert von Haydn. Anneliese Schmidt trug es als Solistin (in der Urfassung) vor: mit großer Musikalität und einem weichen, singenden Ton. den sie mit elastischer Technik fortzuspinnen versteht. Ein paar nervöse Trübungen der Tongebung zu Beginn beeinträchtigten den vortrefflichen Gesamteindruck nicht. Lebhafter Beifall. H. W.
Soloklasse für Violine
Die Staatliche Hochschule für Musik, Frankfurt, eröffnet zum kommenden Wintersemester die Soloklasse für Violine (Leitung Professor Wrtlhar Djvisson, unter Mitwirkung des Hochschullehrers Gustav Lenzewski). Meldungen von Studierenden zur Aufnahmeprüfung sind unter Vorlage eines handgeschriebenen Lebenslaufes und der beglaubigten Abschrift des letzten Schulzeugnisses, evtl, noch der Nachweise über die bisherige musikalische Ausbildung, an das Sekretariat der Hochschule. Cederweg 5, zu richten. Dort können auch die näheren Bedingungen des Studiums erfragt werden. Bewerbern, welche sich vor längerer Zeit haben vormerken lassen, wird empfohlen, ihre Anmeldung mit den erwähnten Unterlagen zu wiederholen.
DT Film-Forum
Autor, Regisseur und Schanspieler
Er ist alles zusammen, der ehemalige „Naturbursche“ Volker von Colla nde. Und damit rangiert er in einer Spitzengruppe des deutschen Films, denn so vielseitige Persönlichkeiten machen ja den Film erst wirklich reich; sie geben ihm Anregungen über Anregungen, weil sie ihre Filmarbeit nicht nur mit den Augen des einen oder anderen, sondern vielseitig sehen ...
Dabei ist er bescheiden, behauptet keineswegs, alles zu können, sondern nur, daß ihm im Film keiner ein X für ein U vormachen könne. Er hat ja allerdings auch einen guten Weg beim Film schon hinter sich gebracht, er hat ja seine Erfahrungen! 1932 bis 1933 war er Sprecher und Regieassistent beim Stuttgarter Rundfunk, und von dort hat er seinen Filmstart gemacht: 1933 in „Rivalen der Luft“, bei der Ufa in Berlin. Pausenlos ging es dann voran: bis zu seiner Kommiszeit im Jahre 1943 hat er nicht weniger als 45 Filme mitgeschaffen!! Waldwinter, Caprioien, Eine Frau wie Du, Schwarzfahrt ins Glück, Das Ziel in den Wolken sind Etappen seines Werdegangs als Filmschauspieler ... Dann kamen die Filme, in denen er Regie führte: Zwei in einer großen Stadt, Fritze Bollmann wollte angeln, Das Bad auf der Tenne und ... Eine kleine Sommermelodie. Aber dieser letztere kam nicht mehr heraus, er wurde verboten, und Volker von Collande wurde auf Befehl von Goebbels Soldat. Geboren ist er in Dresden, sein Vater war Kunstmaler und Bühnenbildner, Großvater und Großmutter waren berühmte Schauspieler, seine Schwester Gisela ist eine bekannte Schauspielerin: Also typischer Fall von erblicher Belastung. Studiert hat er Architektur, praktisch gearbeitet hat er damals als — Maurer. Er ist also eigentlich ein ganz zeitgemäßer Mann, der alles tut und alles kann!
Gefangenschaft hat er natürlich wie jeder deutsche Mann mitgemacht, danach wurde er Spielleiter am Rundfunk in Saarbrücken. Dort hat er mit einem wahren Bienenfleiß, mit einer wirklichen Wut sich in die Arbeit gestürzt, und seinem rastlosen Schaffen verdankt der Saarbrücker Rundfunk nicht weniger als 60 Hörspiele in einem Jahr! Was er da hinzugelernt hat, was er dann weiterhin während seines Aufenthaltes in Paris neu in sich aufgenommen hat — das alles ist, wie er selbst sagt, „ein Sack voll guter Filmstoffe“, und deshalb ist ihm auch für seine private Zukunft gar nicht bange.
Interessant ist, was wir über seinen ersten Nachkriegsfilm hören: Er hieß „Stein auf Stein“ und wurde in Säarbrücken mit großem Erfolg aufgeführt. Er meint, daß dieser umfangreiche Dokumentarfilm für ihn eine Probe aufs Exempel gewesen sei.denn er hatte damals nur sehr wenig Geld, arbeitete mit einer kleinen Handkamera, mußte den Filmschnitt aus eigener Hand ohne Schneidetisch machen, und alle kopiertechnischen Arbeiten in fremden ungewohnten Werkstätten in Paris erledigen. Das Fazit. all dieser Arbeiten unter so ungewöhnlichen und beschwerlichen Umständen erfüllt ihn mit Genugtuung: „Ich kann es noch!“... Und, nach seinen neuen Plänen gefragt, verweist er sowohl auf ein neues Film-Manuskript, das er in Arbeit hat, wie auch auf die Tatsache, daß er angefüllt mit vielen guten und neuen Ideen an die Arbeit geht. „Ich lasse alles getrost an mich herankommen. Ob ich nun als Autor, Regisseur oder Schauspieler arbeiten werde, ich werde alles mit gleicher Freude tun. Gelernt ist gelernt und meine Ideen haben mich, toi, toi, toi, noch nicht im Stich gelassen.“ So stellt er sich mit seiner Arbeit dem Urteil des Publikums. Er kann was... ‘
VOLKER VON COtLANDE
(Foto: Junge-Fibn-Union, Foto-Wesel.)
Buchhändlerische Verantwortung
In dem Verleger Karl Rauch (Bad Salzig) hat der deutsche Buchhändlernachwuchs einen verständnisvollen Freund und Lehrmeister. Der Vortrag, den Rauch im Anschluß an die Buchmesse vor dem Arbeitskreis Frankfurter Jungbuchhändler im Goethesaal hielt, war nicht allein eine kluge Analyse des gegenwärtigen geistigen Notstandes, sondern vor allem ein Aufruf zu aktiver Teilnahme an dem erstrebten Gesundungsprozeß, in dessen Dienst sich die Jugend mit größerer Sachkenntnis und Verantwortungsfreudigkeit zu stellen habe. Das Buch sei zwar Handelsware und setze beim Sortimenter merkantile Kenntnisse voraus, gleichzeitig und in erster Linie sei es aber auch Zeugnis abendländischen Geistes und Waffe im Kampf gegen die tolalitäre Bedrohung aus dem Osten. Die kulturelle Abdrosselung, die sich für die Menschen in der Ostzone vielleicht noch verhängnisvoller auswirke als dkr niedrige Lebensstandard und die persönliche Unsicherheit, könne wenigstens zum Teil durch Bücherspenden aus dem Westen behoben wurden. In diesem Zusammenhang wurde eine Resolution an den Börsenverein angenommen, in der die Beseitigung der Beschränkungen im Buchvorkehr mit Ostdeutschland gefordert wird. R.
Notizen
Hedwig Wangel 75 Jahre alt. Die Schau¬ spielerin Hedwig Wangel feierte in Göttingen, wo sie zur Zeit bei der Domnick-Produktion in dem Film „Unsterbliche Geliebte“ mitwirkt, den 75. Geburtstag.
Briefwechsel Gandhi—Tolstoi. Der Briefwechsel zwischen Mahatma Gandhi und Leo N. Tolstoi wird in einem prachtvollen Band, den der indische Historiker Kalidas Nag zusammengestellt hat, in Kürze von Neu-Delhi nach Moskau gebracht und am vierzigsten Todestage des russischen Dichters und Denkers an dessen Grabe in Jasnaja Poljana niedergelegt. Jasnaja Poljana, der Landsitz Tolstois, wird von der sowjetischen Regierung als Museum zu Ehren des Autors von „Krieg und Frieden“ unterhalten.
Die Eger-Festspiele mit der Freilicht-Aufführung von Schillers Wallenstein-Trilogie finden in diesem Jahre erstmalig in Braunschweig vor der Burg Dankwarderode am 30. September und 1. Oktober statt. Die Stadt Braunschweig hat die Schirmherrschaft übernommen. Die Leitung der Aufführung liegt in Händen von Oberspielleiter Gieseler. G.
Darmstadt und Umgebung
Darmstadt bleibt Fußball - Stadt
”Jeder kann nur einem Herren dienen c ' P,1 nUJ €'n bekanntes Sprichwort, „■ , ~rn eS dat sic^ auch des öfteren als cph „fL erWiesen, daß zum Beispiel nerllngSsammler nicht beabsichtig sollen, Auto-Rennfahrer zu sein, da man im Grunde genommen nur einer rassion erfolgreich nachgehen kann. Jeher hat sein Steckenpferd. Der eine sammelt krumme Nägel, der andere hackt sich zum Baden das Eis an winterlichen ■Mussen auf, und der Dritte spielt enthusiastisch als Zuschauer beim Fußball dann’ wenn sich die bekannte Fußballbraut wegen mehrerer einsam verbrachter Sonntagnachmittage aus eben diesem Grunde scheiden lassen würde. Die Veranlassung zur Schilderung der folgenden Begebenheit sind die „Lilien“, die trotz der letzten Knicke hoffentlich weiterhin blühen und gedeihen werden. Da kam vor kurzem ein Herr in eine hiesige Bank, und legte ein Scheck über eine geringe Summe vor. Der Beamte ging nach hinten, kam stirnrunzelnd zurück und sprach in leisem aber eindringlichem Tone von der nicht-gedeckten Summe. Der vor dem Schalter ließ sich nicht beirren, und war auch keineswegs erstaunt, sondern versuchte dem Beamten die Wichtigkeit der Auszahlung dieser Summe klar zu machen. Die Pointe der Unterhaltung: es drehte sich um den Betrag von ganzen 5 DM, und der Besucher brauchte das Geld schon am Dienstag, da er zu einem späteren Termin keine günstige Platzkarte mehr für das Fußballspiel der 98er auf eigenem Platze bekäme.
Schmunzelnd ließ die verständnisvolle Bank das Konto um fünf DM überziehen, und der Mann konnte sein Spiel von einem guten Platz, und mit Temperament betrachten.
Schulschluß vor Eintritt der Dunkelheit
Elternabend der Bessunger Knabenschule
Mit der Forderung „Schulschluß vor Eintritt der Dunkelheit“ der Elternschaft der Bessungen Knabenschule, der für 21 Klassen nur acht Unterrichtsräume zur Verfügung stehen, weil die Feuerwehr das restliche Gebäude belegt hat, wirft sich zugleich das Problem der anderweitigen Unterbringung der Feuerwehr auf und damit das Projekt des Neubaues der Hauptfeuerwache am Steubenplatz mit einem Kostenaufwand von immerhin 500 000 DM.
Trotz einer gewissen Entlastung durch die Neubauten der Schillerschule und der Heimstättenschule nimmt die Schülerzahl der Bessunger Knabenschule, bedingt durch die neue Postsiedlung am Südbahnhof und die Blaupunktsiedlung an der Hindenburgstraße, ständig zu, und damit wird eine Aenderung der Verhältnisse an dieser Schule unaufschiebbar. Hinzu kommt, daß die Feuerwihr den Schulhof durchfahren muß, was in den Pausen zur Katastrophe werden kann. Um ein Haar wäre es kürzlich zu einem schweren Unglücksfall gekommen. Die Eltern fordern deshalb die Trennung von Schule und Feuerwehr zur Verhütung von Unfällen einerseits, anderersollen dadurch weitere vier Klassenräume gewonnen und dadurch ein so rechtzeitiger Schulschluß ermöglicht werden, daß die Kinder vor Dunkelwerden zu Hause sind.
Die Elternschaft führt gewichtige Gründe ins Feld, so u. a., daß die Kinder auf Grund des Schulpflichtgesetzes zur Schule gingen und dadurch dem Staat die Sorge der leiblichen Sicherheit für die Kinder obliege. Auch das Jugendschutzgesetz mache es den Eltern zur Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Kinder mit Dunkelwerden von der Straße kommen. Daß die Kinder gewissermaßen mit obrigkeitlichem Zwang noch auf der Straße seien, schwäche den Sinn dieser vorbeugenden Maßnahme, zu der wir in Darmstadt allen Grund haben, nicht ab. Jedenfalls rumort es in der Elternschaft, woran weder die beruhigenden Worte des Rektors, noch die sachlichen Darlegungen des anwesenden Herrn Oberbürgermeisters oder die scharfe Ablehnung eines Schulstreiks durch den Vorsitzenden des Elternbeirats etwas ändern können. Immerhin löste ein Scherzwort des Oberbürgermeisters die kritische Stimmung und gab Gelegenheit, die Debatte auszusetzen, die sich nun wohl zwischen den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen der Behörden fortsetzen wird. Im Interesse der Kinder wäre es wirklich zu wünschen, daß sie nicht noch weitere zwei Jahre diese Verhältnisse ertragen müssen. —Z—
Neue Ausbildungskurse
der Landesmusikschule
Ein neuer Seminarkurs, der in drei Jahren für die staatliche Privatmusiklehrer-Prüfung vorbereitet, beginnt am 12. Oktober 1950. Gleichzeitig mit diesem • Termin beginnt ein neuer Chorleiterkurs, der ein Jahr lang an jedem Donnerstag sieben Stunden Ausbildung umfaßt. Der bisherige Kurs ist durch eine Prüfung abgeschlossen worden. Ebenso wird fachmännischer Laienunterricht im Akkordeon und für Kinder Mundharmonika eingeführt, der in der Hand von in Trossingen ausgebildeten und staatlich geprüften Lehrern liegt. — Für die Volksschüler in den Zweigen Musiklehrerseminar, Orchesterschule und Opernschule besteht — soweit sie Hessen sind — Schulgeldfreiheit in auf eine bestimmte Zahl beschränktem Umfang. Aus diesem Grund müssen für Neueintretende Prüfungen abgehalten werden, ob sie zur Mitarbeit imstande sind.
Anmeldungen täglich im Sekretariat der Schule, Hermannstraße 4.
Das Ludwigs-Realgymnastum
feierte sein Schulfest
Nahezu 1000 Menschen, Schüler, Lehrer, Eltern und „Ehemalige“, füllten den großen Saal des „Schwanen“ in Arheilgen. um das Schulfest des Ludwigs-Realgymnasiums (früher Ludwigs-Oberrealschule) mitzuerleben.
Herr Oberstudiendirektor rink e n - wirth eröffnete mit einem frohbeschwingten. alle Schulstrenge hinter sich lassenden Begrüßungsgedicht das Fest. Darauf folgte ein bunt zusammengestelltes Programm, zu dem alle Klassen, von Sexta bis Oberprima; ihren Beitrag gegeben hatten.
Heimatverbunden durch die wohlgelungene Aufführung einiger Szenen aus dem Datterich“, die die Oberprima einstudiert hatte, weltoffen durch den sehr sut gebrachten Sketch in englischer Snrache der Schüler der Untersekunda, zeigte das Programm seine eigene Note. In beiden Stücken wurden die weiblichen Rollen von Schülerinnen der Flponorenschule wirkungsvoll dargestellt. D e Kostüme stellte das Landestheater zur Verfügung. Die Akteure verdienen alle das gleiche Lob.
Abschluß des wohlgelungenen Fs «“de “r Freude t' Schüler von allen das Tauchern geschwungen^
Kriminalbeamter verletzt
Wie wir erst jetzt erfuhren, wurde am Samstagabend in der Rheinstraße ein Beamter der Kriminalinspektion Darmstadt bei einem Ueberfall durch Besatzungssoldaten erheblich im Gesicht verletzt. Die Soldaten, die betrunken waren, hatten randalierend einem Zivilisten den Hut vom Kopfe geschlagen, worauf der Beamte die Soldaten zur Rede stellte und dabei seine Kripo-Marke vorzeigte. Daraufhin erhielt er von einem der Soldaten einen schweren Schlag ins Gesicht, so daß er zu Boden stürzte. Auch ein zweiter Beamter, der hinzueilte, erhielt einen Schlag. Man verständigte die Militärpolizei, die sofort eintraf und einige Soldaten, darunter den Hauptschläger, mitnahm. Der Beamte mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.
Die Kriminalbeamten befanden sich außer Dienst. DT.
Bei Kilometer 512 keine Ruhe
Er fuhr in die Straßenabsperrung
Während seit einiger Zeit die östliche Fahrbahn der Autobahn in der Nähe von Gräfenhausen zur Vermeidung weiterer Unfälle — durch Schleudern auf der nassen Strecke — aufgerauht und instandgesetzt wird, reißt, wie durch em Verhängnis, die Kette der Unfälle in diesem Teil der Autobahn nicht ab. Nachdem erst am Sonntag ein amerikanischer Pkw sich überschlug und zwei Kilometer’ weiter ein Personenwagen beim Ueberholen umstürzte, gegen einen Brückenpfeiler stieß und wieder auf die Räder zu stehen kam, raste am Montagabend um 18.45 Uhr ein Kleinlieferwagen bei der Fahrt in Richtung Frankfurt in die mehrfachen Absperrungen der rechten Fahrbahn, die er durchbrach. Der Wagen geriet dadurch ins Schleudern, überschlug sich und stürzte die Böschung hinunter, wobei er im FeH wieder auf die Räder fiel. Der Fahrer des Wagens wurde verletzt und mußte in ein Krankenhaus eingöliefert werden.
Ein Radfahrer und ein Motorradfahrer stießen an der Ecke Schützen- und Hügelstraße zusammen. Der jugendliche Radfahrer kam unter das Motorrad zu liegen, zog sich jedoch nur geringfügige Verletzungen zu. Es entstand Sachschäden an beiden Fahrzeugen.
Häuser und Straßen als kulturgeschichtliches Ereignis
Erinnerungen an das alte Darmstadt
VON GABRIELE KÄFERWenn man heute, von der Annastraße durch die Eichbergstraße kommend, in die Wilhelmstraße einbiegt, so legt sich einem die Oede wie ein Schatten auf die Seele. Es ist schon viel Gras gewachsen über diese Ruinen, die einstmals die glänzendsten Häuser der Stadt waren. Goldregen quillt erbarmungsvoll aus den Kellerfenstern, und junge saftige Eschenbäume krallen sich mit ihren Wurzeln in die brüchigen Mauerreste. Ein grüner Schimmer von Kraut und Gesträuch umwebt das tote Gestein wie Algen ein Wrack auf dem Meeresgrund wohl umweben mögen.
Das Bild verrät mehr als nur die erschreckenden Ueberreste der Katastrophe. Es ist nicht nur ein Mahnmal, das wir urtsern Kindern mit erhobenem Finger zeigen: Da seht, soweit ist es gekommen. Diese Straßen sind die Zeugen einer wahrhaft toten Zeit. Auch anderswo hat der Krieg Mauern gespalten, Firste zerbrochen und Dachstühle in den Himmel brennen lassen. Die Familien, die diese stattlichen Häuser bauten und darin wohnten, sind tot oder sie leben irgendwo verarmt. Ihre Nachkommen haben sich in alle Winde zerstreut. Das Band, das sie einst so fest und festlich zusammenhielt, ist zerrissen, der Rahmen ihrer Gemeinsamkeit ein für allemal zersprungen. Hier starben nicht Menschen, fielen nicht Häuser in Asche, hier starb —■ in jahrzehntelanger Agonie — die Gesellschaft.
Das mag viel heißen oder wenig. Aber einmal schlug hier das Herz Darmstadts. Als unsere Stadt noch Residenz hieß, als alle Augen auf den Hof gerichtet waren und sich in selbstverständlicher Hierarchie um „unsern Großherzog“ ordneten, da fiel der erste Abglanz auf eben jene Leute, die westlich der Wilhelminenstraße in vornehmer Zurückgezogenheit oder in der Geborgenheit ihres Reichtums ihre stattlichen Häuser bestellten. So wie Prinzessinnen, Pagen und goldene Kutschen unbedingt zu den Märchenkönigen gehören, so gehörte die vornehme Gesellschaft vor 50 Jahren unbedingt zu dem Bilde von Darmstadt. Mehr noch, sie gab ihm Ansehen und unverwechselbare Züge.
Das gehobene Bürgertum als eigentlicher Repräsentant jenes liberalen Zeitalters lockerte die konservative Aera auf das glücklichste auf und errichtete selbstbewußt und stolz seine festen Häuser neben denen der Aristokratie. Mehr noch prägte es mit seiner klugen Gediegenheit und jenem nüchternen Geist, der Wohlstand erwirbt, den eigentlichen Stil der Zeit, der es Prinzen von Geblüt, adligen Offizieren, Beamten und Professoren möglich machte nicht nur friedlich sondern im Einklang mit der gesetzten Ordnung beieinander zu wohnen.
Die Wilhelmstraße um die Jahrhundertwende ist ein kulturgeschichtliches Ereignis.
Muß es nicht schön gewesen sein, als noch hochherrschaftliche Viktorias mit eleganten Damen, auf deren wagenradgroßen Hüten die Straußenfedern wippten, durch weitgeöffnete Gattertore in die gepflasterten Höfe einfuhren? Kann man sich nicht vorstellen, wie die jungen Beamtentöchter hinter den Fenstern standen, wenn die rotbefrackten Reiter auf dem Weg zur Hubertusjagd in der Tann vorüberritten?
Manchmal kam auch Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin persönlich die Wilhelminenstraße , hinaufgefahren und bog in die Wilhelmstraße ein — etwa, um bei ihrem Kammerherrn vorzusprechen oder um die Prinzessin Solms zu besuchen. Das war dann ein Ijesonderes, aber keinesfalls ein sensationelles Ereignis. Jeder freute sich über die Ehre und fand sich der Ehre wert. Und des Morgens konnte es wohl passieren, daß man durch ein Ständchen geweckt wurde, das stramme Dragoner ihrem Kommandeur (oder' seiner verehrten Gattin) zum Geburtstag darbrachten. Ohne Soldaten war das Stadtviertel jenseits der Wilhelminenstraße überhaupt nicht zu denken. Es verging kein Tag, an dem nicht die roten Dragoner (es können auch die weißen gewesen sein) mit klingendem Spiel und flatternden Fähnchen auf den Lanzen durch die Eichbergstraße ritten. Bei Gotti Das gab es damals noch! Und den Mädchen schlug das Herz höher, wenn sie das Hufgetrappel auf dem Pflaster mH die Helmbüsche von weither wehen sahen.
Abends freute man sich dann, daß es so schöne Bäume straßauf straßab gab, zwischen denen die verliebten Pärchen lustwandeln konnten. Die schmucken Dienstmädchen und Kammerkätzchen gaben ihren stattlichen Soldaten nichts nach, und es war überall unter dem runden alten Mond ein Gelächter und Geflüster — wie heutzutage. Nur daß dann auf einmal der Zapfenstreich geblasen wurde und die zärtlichen Umarmungen jäh auseinanderbrachen.
Tempi passati! Heute gibt es keinen Zapfenstreich und keine schmucken Dragoner mehr. Aber es gibt noch eine Menge Leute in Darmstadt, die sich daran erinnern. Und wenn sie dann mit ihrem Blick die nackten Grundmauern zwischen Gebüsch und Gesträuch abtasten, dann haben sie noch den Klang der Fanfaren und das unbeschwerte Lachen einer festlichen Gesellschaft in den Ohren, der einstmals hier lebendig war.
Stimmbegabte Frauen
Vom MGV Germania 1894 Da-Eberstadt gesucht
Eine größere Anzahl stimmbegabter Frauen und Mädchen haben sich in diesen Tagen zu einem Frauenchor in der „Germania“ zusammengefunden. Sie singen gleichfalls, wie der Männerchor, unter Leitung von Chormeister Gottfried Geiß, Darmstadt. Mit Eifer und Freude sind die Frauen bei der Sache und es wäre zu wünschen, daß noch mehr stimmbegabte Frauen und Mädchen dem Chor beitreten würden. Der MGV Germania 1894 lädt alle Interessenten zur Chorprobe, jeweils donnerstags, abends 19.30 Uhr, ins Vereinslokal „Zur Linde“ (Eidemüller) herzlichst ein.
Der Männerchor des MGV Germania 1894 singt am Sonntag, 15. Oktober, morgens 8.30 Uhr, aus dem kleinen Sendesaal bei Radio Frankfurt im Rahmen einer Morgenfeier verschiedene Chöre. Interessenten, die nach Frankfurt mitfahren wollen, werden gebeten, sich auf der Geschäftsstelle des Vereins, 1. Vorsitzender Gg. Hagen, Mühltalstraße 33, zu melden.
Im Autobus an die Mosel
Am Sonntag unternahmen die Mitglieder des Odenwaldklubs eine Autobusfahrt an die Mosel, die Herr und Frau Eigner gut vorbereitet hatten. Die Fahrt ging über Mainz, Bingen durch den Soonwald und Hunsrück nach Bernkastel, dem fröhlichen Weinstädtchen, das von den Ausflüglern besichtigt wurde. Im Orte „Kus“, der über der Mosel liegt, nahmen die Teilnehmer ein vorzügliches Mittagsmahl ein. Entzückt von dem herrlichen Moseltal, fuhren die Eeberstädter durch die bekannten Weinorte Graach, Zeltingen und Cröv, wo so manche Flasche Cröver Nacktarsch im Autobus verstaut wurde. Herr Eigner, der als „Reisebegleiter“ in humoristischer Weise durch das Mikrophon die schöne Mosellandschaft erläuterte, hatte die Lacher auf seiner Seite. Nach dem Besuch der Orte Erden, Erdner Treppchen und Traben-Trarbach wurde in allerbester Stimmung die Heimfahrt angetreten.
Ein Wanderplan für die Mitglieder des Odenwaldklubs und Gäste hängt bei der Drogerie Ludwig Stöhr, Darmstädter Straße 32, gegenüber der Wartehalle aus. t-s
Zu einem leichten' Verkehrsunfall kam es gestern kurz vor 17 Uhr an der Kreuzung der Darmstädter- und Schillerstraße in Eberstadt. Ein Lastkraftwagen und ein Personenwagen stießen zusammen. Es entstand an beiden Fahrzeugen Sachschaden.
Das ist eine Puppenhochzeit auf dem Lande, ebenso gescheit in der Idee, wie geschickt in der Ausführung. Lebendig-echt kommt der Zug daher, Braut und Bräutigam, in richtiger Hochzeitskleidung, an der Spitze, die Gäste in würdig-langsamen Schritt und gebührendem Abstand dahinter, und die Kinder an der Dorfmauer kommen aus dem Staunen nicht heraus. — Das Schaufenster ist in Eberstadt, und die Ausgestalter haben weder die kleine Schleierträgerin vergessen, noch das Blumen streuende Mädchen, sowie die neugierigen Enten am Wege. Die Vorbeigehenden sehen in dem Fenster eine geglückte Komposition. ng.
Sein Stadtverordneten-Mandat niedergelegt
Stadtverordneter Dr. Koch, Vorsitzender der FDP-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung Darmstadt, hat sein Mandat als Stadtverordneter niedergelegt, da er als Ministerialrat in die Gesundheitsabteilung des Innenministeriums nach Bonn berufen wurde und dadurch ihm die Ausübung seiner Funktionen als Stadtverordneter nicht mehr möglich ist. Nachdem die restlichen Mandanten des seinerzeitigem FDP-Wahlvorschlages ihren Verzicht erklärten, schlug der Ausschuß der Unterzeichner des Wahlvorschlages Herrn Heinrich Pf eng zum Stadtverordneten vor. Der Wahlausschuß der Stadtverordnetenversammlung wird am kommenden Freitag zusammentreten und zu dem Vorschlag Stellung nehmen. DT
Hunde-Vorführung in Arheilgen
Am kommenden Sonntag, dem 1. Oktober, findet in der Zeit von 14.30 bis 17 Uhr in der Schule in Arheilgen, Ernst-Thälmann-Straße, eine Leistungsschau der Dressur-Vereinigung Arheilgen statt. Bei dieser Veranstaltung werden etwa 25 Hunde der sechs Gebrauchshunderassen (Deutsche Schäferhunde, Deutsche Boxer, Airedale-Terrier, Rottweiler, Dobermannpinscher und Riesenschnauzer) vorgeführt. Es werden neben den in der Prüfungsordnung für Schutzhundeprüfung I bis 111 vorgeschriebenen Leistungen noch Spitzenleistungen der Hundeabrichtung zur Vorführung gelangen. Besonders die „Mannarbeiten“, in denen tüchtige Hunde zeigen, daß sie ihrer Aufgabe als Beschützer ihres Herrn in jeder Weise gerecht werden, nehmen großen Teil der Vorführung ein. DT
In der Stadt notiert
Die Oper „Der Holzdieb“ von Heinrich Marschner wurde nicht, wie wir berichteten, am vergangenen Samstag aufgeführt, sondern wird erst am folgenden Samstag, dem 30. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle durch Opernschule und Orchester der Hessischen Landesmusikschule zur Aufführung gelangen. Der Abend beginnt mit der Orchester begleiteten Kantate „Von edler Art“ von Wilhelm Petersen. DT
Das Hallenschwimmbad wird seine Wintersaison am Sonntag, dem 1. Oktober, nachmittags um 3 Uhr durch eine offizielle Feier unter Leitung von Oberbürgermeister Metzger und mit einer wassersportlichen Veranstaltung eröffnen. DT
Die Invaliden-, Angestellten und Körperbeschädigtenrenten werden für Monat Oktober 1950 am Freitag, dem 29. September, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr in der AOK Darmstadt, Taunusring, ausgezahlt. Die Schalter sind an diesem Tage für den sonstigen Publikumsverkehr geschlossen.
Mauer stürzte ein
Bei Abbrucharbeiten stürzte gestern nachmittag auf dem Grundstück Kiesstraße 18 in Darmstadt eine Mauer ein und verletzte dabei den dort arbeitenden Heinrich Petry aus Gräfenhausen. Mit Hautabschürfungen und einer starken Beckenprellung wurde der Verletzte zur ersten Behandlung gebracht.
WIE-WIRD-DAS- WETTER
Schauerwetter
Vorhersage: Am Mittwoch überwieg, bewölkt, Schauer, weiterhin kühl, lebhafte Winde aus West-Nordwest. Weitere Aussichten: Keine grundsätzliche Aenderung.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie, 20.00 Uhr: „Helden“, Komödie von B. Shaw; Ende gegen 22.15 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „In den Klauen des Borgia“; Thalia: „Der Weg ins Freie“; Belida: „Der dritte Mann“; Palast: „Die Hölle von Oklahoma“; Hansa: „Schwarze Narziß“.
Amerikaus: 20.00 Uhr Vortrag: „Die Metropolitan Opera, wie ich sie erlebte“; W. Kirchhof spricht und singt.
Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr, Pfarrer Ernst Klöß: „Der heilige Berg Libanon“, mit Lichtbildern (aus „Menschen — Länder — Völker“).
Hygiene-Lichthof, Neckarstr. 3: 15—20 Uhr Ausstellung: „Gesundes Leben“.
Techn. Hochschule: Raum 202, 20 Uhr: Einführung in die Oper „Fra Diavolo“ (mit musikal. Erläuterungen und sol. Darbietungen von A. W. Paets).
Wir gratulieren
90. Geburtstag: Herrn Reichsbahnobersekretär Gustav Schürmann, Darmstadt, Dieburger Straße 31. 80. Geburtstag: Frau Lina Nöll, Darmstadt, Eckhardstraße 7.
STARKENBURG
Ein leichtes Mädchen?
Beamte der Kriminalinspektion Darmstadt haben dieser Tage auf der Autobahn bei Lorsch die Arbeiterin Helene Werner aus Tondorf/Eifel festgenommen und am Montag dem Amtsrichter in Bensheim vorgeführt. Dieser erließ einen Haftbefehl, da die Werner keine Kennkarte besaß. Nach ihren Angaben ist sie einige Tage „per Anhalter“ durch Süddeutschland gereist. Sie war ohne Barmittel. Ihren Unterhalt will sie durch Geschenke bestritten haben, was der Kriminalpolizei jedoch unglaubhaft erscheint. Die Kriminalinspektion bittet alle Personen, die mit der Festgenommenen in Verbindung kamen oder von ihr eventuell geschädigt wurden, sich bei ihrer Dienststelle in der Holzhofallee 25, Apparat 734, zu melden. wst
Diebstahl von Telefonleitungen
Das Bezirksschöffengericht Darmstadt verhandelte gestern gegen vier Angeklagte aus Büttelborn. Drei von ihnen hatten gemeinsam im März und Mai dieses Jahres Telefonleitungen „demontiert“. Die Beute betrug etwa 500 kg Kupferdraht, den man zum Teil an den vierten Mitangeklagten verkaufte. Den Draht transportierte man dann mit Fahrrädern weg und versteckte ihn bis zum Verkauf. Insgesamt entstand ein Sachschaden- von 10 000 DM. 125 kg Kupferdraht konnte die Kriminalpolizei sicherstellen.
Bei den gestohlenen Leitungsdrähten handelte es sich nur um sogenannte Vorratsleitungen, doch bedeutete ihre unsachgemäße Entfernung eine schwere Gefährdung der übrigen Betriebsleitungen. Das Gericht verurteilte den 39jährigen Automechaniker Franz K. zu fünf Monaten, den 32jährigen Bauhilfsarbeiter Gustav S. zu vier Monaten Gefängnis und den Schrotthändler Georg H. zu 500 DM Geldstrafe. Der jugendliche Maurerlehrling K. erhielt eine Jugendarreststrafe. wst
1500 Mark gestohlen
Schwerer Einbruch in Groß-Gerau
Ein schwerer Einbruchsdiebstahl wurde am Montag in der Friedrichseestraße in Groß-Gerau verübt. Vor dem Haus Nr. 6 fuhr zwischen 10 und 11 Uhr ein blauer, neuer Opel-Kapitän-Wagen vor. Er trug das polizeiliche Kennzeichen H 41. Die Insassen des Wagens drangen, nachdem die Hausbesitzerin ihre Wohnung wegen eines Einkaufs verlassen hatte, in das Haus mit einem Nachschlüssel ein, durchsuchten alle Zimmer, erbrachen alle Schränke sowie Kisten und entwendeten 1500 DM. Ein Kasten mit sehr wertvollen Schmuckstücken, der im Hause versteckt war und auf den es die Täter offenbar abgesehen hatten, blieb jedoch unbemerkt zurück.
Die Polizei beschreibt die drei Täter wie folgt: 1. 1,70 m groß, schlank, 40 bis 45 Jahre, trug grünen amerikanischen Mantel mit Gürtel und braunen Hut. 2. 1,65 m groß, 38—40 Jahre, schwarzes gelocktes Haar, trug hellgrauen Mantel und war Fahrer des PKW. 3. 1,65 m groß, 38 bis 40 Jahre, schwarzes, gewelltes Haar, trug graugrünen Anzug ohne Mantel und Kopfbedeckung.
Die Täter sprachen gebrochen deutsch und sind vermutlich Ausländer (Polen). Die Kriminalinspektion führte während des gestrigen Tages Ermittlungen und bittet die Bevölkerung um Mitfahndung, wst.
In eine Tauschlinge verklemmt
Einem Schiffsjungen, der am Montag in der Schleuse bei Hirschhorn das Schiffstau eines in der Schleusenkammer liegenden Schliffes am Haltepflock befestigen wollte, wurde der rechte Fuß derartig fest in die Schlinge des Taues geklemmt, daß große Fleischteile bis auf die Knochen abgetrennt wurden. Er mußte in eine Heidelberger Klinik überführt werden. WL
Lastwagen rammte Pkw.
Am Dienstagmorgen ereignte sich in der Nähe des Friedhofeinganges in Weiterstadt ein Verkehrsunfall, bei dem ein Lastwagen und ein Personenwagen zu Schaden kamen. Ein aus dem Gartenweg aus Richtung Friedhof auf die Straße nach Darmstadt einbiegender Lkw fuhr einem in, Richtung Darmstadt fahrenden Personenwagen in die linke Seite. Beide Fahrzeuge erlitten Sachschaden. pos.
In die Flanke gefahren
Am 25. September fuhr an der Ecke Bahnhof- und Darmstädter Straße In Bensheim-Auerbach ein Motorradfahrer einem Dreiradaufo, das gerade um die F.cke biegen wollte, in die Flanke. Äußer einigen kleinere i Schäden an dem Dreirad kamen die Bef ei igten mit dem Schrecken davon. HB.
Laungfinger ernteten Trauben
Einem Heppenheimer Weinbergsbesitzer wurden in der Zeit vom 18. bis 21. September aus seinem in der Gemarkung, mittlerer Eckweg, liegenden Wingert etwa 6 Zentner erstklassige Weintrauben (Riesling) von bisher unbekannten Tätern gestohlen. Für die Ergreifung der Täter hat der Geschädigte eine angemessene Belohnung ausgesetzt. Sachdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden, nimmt die Heppenheimer Polizeiverwaltung jederzeit entgegen. H. B.
Der „Maulwurf“ auf der Umstädter Woche
Landwirtschaftliche Geräteschau der Frankfurter Landwirtschaftskammer
Anläßlich der diesjährigen „Umstädter Woche“ veranstaltete die Landwirtschaftskammer Frankfurt am Dienstagvormittag eine Vorführung moderner Kartoffelrodemaschinen. Auf dem Acker des G. L. Eidmann hatten sich eine große Zahl Interessenten eingefunden, die unbeirrt in Schlamm und Morast wateten, um aus den Darbietungen einiges zu profitieren.
Fünf verschiedene Geräte waren aufgeboten worden, die mit zwei neuen Traktoren, einem Lanz-Schlepper mit 25 PS und einem 15-PS-Urus-Allradtraktcr in der praktischen Arbeit gezeigt werden sollten. Mitten auf dem Acker stand ein Lautsprecherwagen, durch den Dipl.-Ing. Schröckert von der Landwirtschaftskammer die Einsatzweise und Bedienungsvorschriften der Geräte kommentierte. Der erste Vorratsroder mit Siebtrommel der Firma Schmotzer versagte, da der Boden zu schwer und zu naß war. Dieses Gerät ist nur für leichten siebfähigen Boden zu verwenden.
Der Doppeltiefenroder der Firma Holsten und Lürs zeigte dagegen ein besseres Ergebnis, wenn auch die Leistungen nicht voll befriedigten. Es handelt sich hierbei um ein Gerät, das in der gleichen Arbeitsweise wie die üblichen Vorratsroder funktioniert, nur daß die Pflugscharen tiefer in den Boden eingreifen, die Schleuder Erde und Frucht auf eine zweite Schleuder wirft, die den Boden zerstäuben soll, und dann die Kartoffeln seitwärts auswirft. Gezogen wurde das Gerät von dem bekannten Lanz-Schlepper, der die neue hohe Hinterradbereifung aufwies, die ihn besonders für Hackarbeiten geeignet macht.
Etwas völlig Neues auf dem Gebiet der Kartoffelrodung war der „Maulwurf“ der Rheinischen Landmaschinenfabrik. Es ist ein förderbandartiges Gerät, das auf zwei Gummiluftreifen aufgehängt ist. Zwei gegenständige Pflugschare heben den Boden der Kartoffelreihen aus und durch den Zug beim Fahren wird er auf das erste Förderband geschoben. In geringem Abstand liegen dünne Stahlstäbe quer zur Förderrichtung, die dem Boden Durchlaß gewähren sollen. Ein zweites Band der gleichen Konstruktion übrnimmt den Rest des Eodens mit den Kartoffeln und dem Kraut und befördert es in die Höhe. Am Rand des Förderbandes fallen die Kartoffeln hinab, wo sie von einem weiteren Band aufgenommen, und in eine mitgeführte Kiste geschüttet werden. Der Rest des Bodens wird nach hinten ausgeworfen, während das Kraut über ein weitmaschiges Band in die Höhe gehoben und ausgestoßen wird. Der Antrieb der Förderbänder erfolgt durch eine Zapfwelle über den Traktor, die eine Sicherung aufweist, falls das Band klemmen sollte. Dann rutscht die Zapfwelle über den Verbindungskonus, ohne die Achse zu den Förderbändern zu drehen. Es ist ohne Zweifel eine gutdurchdachte Konstruktion, die sich aber, ebenso wie die meisten anderen der gezeigten Geräte, nur bei leichtem Boden mit viel Sanduntergrund einsetzen läßt.
Des weiteren kam ein Anbauroder zur Vorführung, der einreihig auf Vorrat rodet. Die Firma Rin k a zeichnet für dieses Modell verantwortlich. Ferner war noch ein zweireihiges Lanzgerät VR 2 für Kartoffel und Rüben zu besichtigen. Wenn auch die eingesetzten Geräte nicht dazu dienten, eine überzeugende Leistung zu demonstrieren, so war das in erster Linie auf den Boden des Versuchsackers zurückzuführen, der tiefer als die Straße lag, und dadurch naturgemäß feuchter wie etwa die Aecker der Nachbarschaft. Jedenfalls diente die Vorführung der Landwirtschaftskammer Frankfurt in erster Linie der Demonstration der modernen Geräte. -st
Mossau vor großen Aufgaben
Pfarrer Moeseritz wirbt für fortschrittliche Neuerungen
Die evangelische Kirchengemeinde Mossau, die sich aus den selbständigen Dörfern Ober- und Unter-Mossau zusammensetzt, hielt am Sonntag — wie wir bereits gestern kurz berichteten — erstmals einen „Mossauer Gemeindetag“ ab.
Pfarrer Moeseritz, der die beiden Gemeinden seelsorgerisch betreut, ist ein Mann mit ausgeprägtem Sinn für alle Erfordernisse des praktischen Lebens, der seinen Bauern nicht nur seelischen Beistand in Stunden der Bedrängnis sein will, sondern gleichzeitig auch Berater in allen Fragen ihres täglichen Schaffens. Dabei entwickelt er Ideen von solch vitaler Fortschrittlichkeit, daß die von Natur aus etwas konservativen Odenwälder nur zögernd darauf eingehen.
Die interessanten Ausführungen Regierungsrat Zörgiebels über die „Zukunftsaufgaben eines Odenwalddorfes“, wobei der Vertreter des Landrats erneut die Notwendigkeit rationellerer Arbeitsweise in der Odenwälder Landwirtschaft durch Verwendung neuzeitlicher Maschinen, die Forcierung von Viehzucht, Milchwirtschaft und Edelobstbau, ganz besonders aber die Umstellung auf gutorganisierte und gepflegte Fremdenverkehrswirtschaft als die einzigen Garantien für einen gesicherten und auskömmlichen Lebensstandard der Bevölkerung des Odenwaldes herausstellte, boten reichlich Gelegenheit zu angeregten Diskussionen.
Die zahlreichen Verbesserungsvorschläge, die Pfarrer Moeseritz zu unterbreiten hatte, sind nicht etwa mit großen Unkosten verknüpft, im Gegenteil, sie hängen im wesentlichen nur von der guten Einsicht und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit ab
öcuaiueLidioeir. ao. . Aber auch den Behörden hatte er praktische Vorschläge zu machen, so den Daueranschlag der öffentlichen Sprechzeiten sämtlicher in Erbach und Michelstadt untergebrachten Behörden und Dienststellen an den Bekanntmachungstafeln der Gemeinden, die Wiedereinrichtung einer guten Schwesternstation in Mossau, eventuell auch die Ansiedlung eines befähigten jungen Arztes. Eine Fortschrittsmöglichkeit sei auch in der Anlage eines Sportplatzes und eines Bades gegeben. Von der Post erbat der Pfarrer auch an Sonntagen eine Kraftpostverbindung von und nach Erbach und Michelstadt, die sich an Werktagen so gut bewährt hat, obwohl auch sie anfänglich bei den Mossauem als „Bauernschreck“ verschrien war.
Bürgermeister Friedrich versicherte, daß die Mossauer Bauern — es gebe allerdings nur acht reine Bauernbetriebe — schon sehr fortschrittlich eingestellt sind und alle Voraussetzungen zur Produktionssteigerung schaffen. Aber in erster Linie sei das eine Frage tragbarer Kredite. Auch Kreislandwirt Pril i p p bestätigte diesen Sachverhalt und bezeichnete als einzig erfolgversprechenden Ausweg die, genossenschaftliche Selbsthilfe. Bürgermeister Friedrich teilte weiter mit, daß die Gemeinde für das kommende Jahr den Bau eines Brandweihers vorgesehen habe, der auch als Schwimmbad verwendet werden soll.
Amtsgerichtsrat Kitz betonte, daß der Staat mit allen Mitteln die aufs Land evakuierten Ausgebombten wieder an die Quellen ihrer Erwerbsmöglichkeiten zurücksiedeln müsse, da die derzeitige Struktur auf dem Lande nicht tragbar sei.
Geltene Flora am Pfungstädter Galgen
Die letzten Reste einstigen Pflanzenreichtums unserer Heimat
Landwirtschaft und Forstwirtschaft haben das ursprüngliche Landschaftsbiid so weitgehend verändert, daß es schwer ist, winzige Stellen zu finden, die geeignet sind, frühere Verhältnisse zu rekonstruieren. Diese kleinen Stellen sind dann auch die Fundorte floristischer Schönheiten und Seltenheiten, die uns ja nur ahnen lassen, wie reich unsere Heimat in dieser Richtung einst gewesen ist.
Wie stark die Eingriffe in das Landschaftsgefüge sind und welche nicht wieder gutzumachende Folgen dies mit sich bringt, wird heute an unserer vorderen Bergstraße demonstriert. Das Wenige, was Anspruch auf Erhaltung hätte, muß dem Begriff der Rentabilität weichen.
Ist man auf dem Wege von Eb erst a d t nach Pfungstadt und hat die Bahnüberführung hinte? sich, so sieht man die Eberstädter und die Malcher Tanne sich der Straße und der Modau nähern. Rechter Hand — unmittelbar auf die Heaghalle folgend — steht einer der wenigen noch erhaltenen Galgen. Er gehört in die Zeit vor 1571 und wurde von der Gemeinde Pfungstadt am äußersten Rande der Gemarkungsgrenze in Straßennähe errichtet. Grenzweg, Galgenschneise und Galgenmühle sind Einrichtungen, die zu diesem Ort gehören.
Man kann sich dort wunderschön ausruhen. Zwei stabile Bänke laden zur Rast. Der Blick fällt dabei weniger auf den Galgen als. auf eine Pflanzengesellschaft unmittelbar um die Bänke herum und besonders am vorderen Rande dieses Gebietes. Vorherrschend und besonders auffällig sind die hohen, kräftigen Blüten des Haar-Pfriemengrases (Stipa capillata. L.), das Hauptkennzeichen einer der beiden Gesellschaften, welche die freien Sande des Mainzer Beckens bewachsen, sofern die intensive Nutzung nicht etwas anderes daraus gemacht hat. Dieses Haar-Pfriemengras gruppiert Pflanzen der kontinentalen Kalk- und Silikat-Trockenrasen um sich, wie dies in einmaliger Schönheit in der äußersten Südwest-Ecke des Griesheimer Sandes zu bewundern ist. Demgegenüber steht als bestes Beispiel die unter Naturschutz stehende Eberstädter Düne, die der Ordnung der Silbergrasfluren mit dem Silbe r g r a s (Corynephorus canescens, subatlantisch-mediterraner Herkunft) und dem Schillergras (Koeleria glauca, europäisch-kontinentaler Herkunft) zuzuordnen ist. Zwischen diesen beiden Gesellschaftsgruppen finden sich natürlich Uebergänge und Sonderheiten, die eine feinere Gradation der Sandgesellschaften ermöglichen.
Was sich nun vor dem Pfungstädter Galgen hinzieht, ist eine Variante eines „Tragant-Pfriemengras-Rasens des Mainzer Beckens“, der an Charakterarten das Haar-Pfriemengras (3) und das Badner Rispengras (Poa badensis — 11) aufweist. Das Verbreitungsgebiet von Stipa ist aus der Karte zu ersehen, ihre Massenverbreitung liegt in den kontinentalen Steppenrasen, während sie gleichzeitig mit westlichsten Vorposten in unserem Mainzer Trockengebiet auftaucht. Das Herkuriftsgebiet vom Badner Rispengras liegt im europäisch-kontinentalen Gebiet. Die Pflanze ist leicht zu erkennen: sie bildet die kleinsten Horste; kurze, steife Blätter von bläulichgrüner Farbe, die mit weißem, knorpeligem Rande umzogen sind. Tragant, ein Schmetterlingsblütler, tritt erst weiter im Osten (mitteldeutsches Trockengebiet) zu dieser Trockenrasen-Gruppe hinzu.
Die Skizze vermittelt ein Bild dieses Pfriemengras-Rasens, der also kontinentalen Charakter trägt, jedoch auch noch mit anderen Elementen durchsetzt ist. Dazu kommt natürlich auch die Tatsache, daß sich die Gesellschaft am Rande eines „Moos-Kiefernwaldes“ hinzieht und von dort her ein schwaches Einsickern anderer - aber ähnlicher - Pflanzenelemente erfolgt. Die Durchmischung in umgekehrter Richtung- ist dagegen viel breiter und intensiver. Außerdem spielen die landwirtschaftlichen Nutzflächen mit ihren Unkrautgesellschaften eine Rolle. Geht man im Gelände in Richtung des auf der Skizze eingetragenen Pfeils weiter nach Westen, so verdichten sich dort die typischen Verhältnisse noch mehr, und die Stipa wächst auf breiterem Raume eng zusammen.
Aus Gründen der Uebersichtlichkeit sind nicht alle im Augenblick anzusprechenden Pflanzen in der Skizze eingezeichnet. Es fehlt vor allem das graugrüne Schillergras (Koeleria glauca) mit etwas größeren Horsten als das Badner Rispengras und der Schafschwingel (Festuca ovina glauca, mediterran) mit noch größeren Horsten. Alle drei Gräser ausgezeichnet — jedoch noch gut abgestuft — durch das charakteristische „Blaugrün“.
In der nachfolgenden Artenliste geben die pflanzengeographischen Bemerkungen nicht das Verbreitungsgebiet an, sondern nur den Raum ihrer Massenverbreitung (nach Oberdörfer).
Kontinental, Hauptverbreitung im Schwarzerdegebiet des Kontinentes (Steppenrasen- und Steppenwaldpflanzen): Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) - 3 - Ohrlöffel-Leimkraut (Silene Otites) - 6 - Feld-Beifuß (Artemisia campestris) - 5 - Mistel (Viscum album var. microphyllum) - 2 - Gewöhnliche Hundszunge (Cynoglossum offlcinale)
Europäisch-kontinental, Verbreitungsschwerpunkt in den pannonisch-sarmatischen Trockengebieten SO-Europas:
Badner Rispengras (Poa badensis) - 11 -
Blaugraues Schillergras (Koeleria glauca)
Feld-Thymian (Thymus Serpyllum)
Eurasiatisch, Vorkommen durch Europa und Asien:
Sand-Kiefer (Pinus silvestris) -1 -, mit kontinentaler Ausbreitungsneigung, bei uns an der Westgrenze ihrer Verbreitung
Waldschilf (Calamagrostis epigeios) -16 -, mit kontinentaler Ausbreitungsneigung
Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) - 8 -, mit kontinentaler Ausbreitungsneigung
Behaartes Habichtskraut (Hieracium pilosella) - 14 -, Ausbreitungsneigung nach luftfeuchteren Gebieten
Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), nach luftfeuchteren Gebieten neigend
Berberitze (Berberis vulgaris) - 18 -, mit mediterraner Entfaltungsneigung
Mediterran, Hauptverbreitung vor allem im submediterranen-montanen Flaumeichengebiet des Mittelmeeres:
Sprossende Felsennelke (Tunica prolifera) - 9 -
Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) -10 -
Stein-Quendel (Calamintha acinos)
Schafschwingel (Festuca ovina glauca)z
Salzkraut (Salsola kali) - 15 -, mit kontinentaler Ausbreitungstendenz
Spargel (Asparagus officinalis) -4 -, Ost-mediterran
Hügel-Meier (Asperula cynanchica) -13 -, Mediterran-montan
Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) - 7 -
Frühlings-Fingerkraut(Potentilla verna) -19 beide zeigen eine geringe, aber doch erkennbare Verlagerung der Massenentfaltung in die gemäßigten Laubwaldbereiche West- und Mitteleuropas
Felsen-Fetthenne '(Sedum reflexum) - 12 wie Potentilla
Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna) -17 -, mit eurasiatischer Ausbreitungsneigung
Die Nummern I—l 91—19 stimmen mit denen der Skizze überein.
Heinz Ackermann
Skizze zu dem im Inhalt angegebenen Fflanzenvorkommen rund um den Pfungstädter Galgen
Verbreitungsgebiet mit Vorpostenbildungen des Haar-Pfriemengrases (stipa capillata), nach Braun-Blanquet
Herzliche Anssprache
zwischen Zotzenbachs Schule und Elfem"l betrat
Kürzlich fanden sich die Vertreter des Elfernbeirafs mit den Lehrkräften unserer Schule zu einer Aussprache im Schulhaus ein. Vorsitzender Bangert begrüßte die Erschienenen und erteilte dann dem neuen Schulleiter Bauer das Wort. Dieser stellte an die Spitze seiner Ausführungen die Bedeutung der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Sch'i’e und Elternhaus und brachte nochmals eine Klarstellung der Aufgaben des Eltembeirats. In Anbetracht der Bedeutung der von der Schule zu leistenden Erziehungs- und Bildungsarbeit, müs;q ihr im Rahmen der dörflichen Verbesserung sarbeiten eine besond • Stelle zugewe en werden. So könne die cringend notwendige Umzäunung des Lcnu’geländes durch Einsatz» der Schüler und freiwillige Arbeitskräfte aus den Reiben der Eltern mit geringstem Kostenaufwand ducchgeführt werden, damit Mittel für die Fülle anderer wichtiger Arbeiten frei werden. In der sich anschließenden herzlichen Aussprache fanden die Gedanken des Schulleiters höchste Anerkennung und Zustimmung von allen Anwesenden. Pfarrer Gebhard unterstützte mit herzlichen Worten die Pläne und Wünsche der Lehrerschaft und versprach seine voll“ Mitarbeit. Auch die im Elternbeirat zufällig vertretenen beiden Gemeinderäte wollen sich für die Belange der Schule einsetzen. *Da>
Wem gehören die Hunde
In den. letzten Tagen liefen einem Heppenheimer Einwohner zwei herrenlose hochwertige Rassehunde (ein deuf ch r Schäferhund und ein Irish-Sefter, Far-e weiß) zu. Die Eigenfünjer werden gebeten, sich umgehend bei der Polizei Heppen¬ -keim zu melden. HB.
Fahrlässige Tötung unter Alkoholeinfluß
vor dem Bezirksschöffengericht in Bensheim
Unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. verhandele das Bezirks-Schöffengericht Bensheim gegen den verheirateten Fernfahrer der Bundesbahn Georg Büttner aus Arheilgen rifffa,hr,assi&er Tötung in Einheit mit Uebertretung der Straßenverkehrsordnung Der Angeklagte ist nicht vorbestraft.
verhängnisvollen Junitag 1950 hatten der Angeklagte'und sein Beifahrer H a e f e 1 e mehr Alkohol zu sich genommen, als sie vertragen und besonders der Kraftfahrer am Steuer verantworten konnte. Der Alkoholgenuß des Fahrers war so stark, daß eine Blutprobe nach dem Unfall B. zur Führung eines Fahrzeuges unfähig erklärte. Trotzdem setzte er sich wieder ans Steuer und fuhr von seinem letzten Halt in Gadernheim mit dem 5-t-Lkw. in einem solchen Tempo los. daß er nach 300 Meter Fahrt schon eine Geschwindigkeit von 42 Kilometer hatte.
Mit dieser Geschwindigkeit durchfuhr er.noch innerhalb Gadernheim eine abschüssige und gefährliche Rechtskurve. In seiner Trunkenheit konnte er augenscheinlich nicht mehr die richtige Straßenseite erkennen, sondern fuhr völlig unvorschriftmäßig auf der linken Seite auf den ihm entgegenkommenden Pkw. des Kaufmanns Eugen Krume aus Westfalen auf. rammte diesen und schleifte den Pkw. 50 Meter weit, bis ein Straßengraben und eine Hauswand die Fahrzeuge aufhielt. Der Fahrer des Pkw. wurde dabei so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb. Der Angeklagte verhielt sich nach dem Unfall derart häßlich, daß dies nur mit seiner Trunkenheit erklärt werden kann.
Die Beweisaufnahme ergab den Tatbestand der Anklage und das äußerst fahrlässige Verhalten des Angeklagten, der als erfahrener Fernfahrer wissen mußte, daß er auf Fahrt keinen Alkohol zu sich nehmen durfte. Von seinen Dienstvorgesetzten wurde der Angeklagte jedoch als nüchterner, pflichttreuer Beamter geschildert. Unter Würdigung aller erschwerenden, aber auch aller mildernden Umständen beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von 12 Monaten. Das Gericht erkannte unter Würdigung aller Umstände auf eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten. Sn
Zwei Unfälle ein Toter
in Waldmichelbach
Der 28jährige Landwirt Val. Berg aus Fürth war kürzlich in der elterlichen Sandgrube damit beschäftigt, einen Wagen mit Sand zu beladen, als sich ein Teil der steilen Grubenwand löste und herunter stürzte. Berg wurde von diesen Massen getroffen und mit solcher Wucht gegen den vor ihm stehenden Wagen geschleudert — das Gesicht traf auf die Radnabe —, daß er mit einem Oberschenkelbruch und schweren Kopfverletzungen in das Luisenkrankenhaus nach Lindenfels gebracht werden mußte, von wo aus seine unverzügliche Ueberführung in die Spezial-Chirurgie nach Heidelberg veranlaßt wurde. Die Schädelverletzungen waren so schwer, daß er im Laufe des Montag starb.
Wie erst jetzt bekannt wird, verunglückte am Samstag vergangener Woche der 13jährige Herbert Keckeis aus Kirchhausen schwer. Er hatte .sich auf einen mit Gras beladenen Handwagen gesetzt, auf dem eine ungeschützte Sense lag, und rollte mit dem Wagen bergab, ihn mit den Füßen steuernd. In einer Kurve am Ortseingang Kirchhausen kippte der Wagen um, der Junge fiel dabei in die Sense und zog sich gefährliche Schnittwunden zu. -r
Erweiteter Autospringer-Prozeß
Jetzt 12 Angeklagte / Heute Plädoyers
Gestern morgen eröffnete die erste Darmstädter Strafkammer eine weitere Hauptverhandlung gegen einen der Angeklagten im Autospringer-Prozeß, den 25jährigen vorbestraften Kaufmann Heinrich Haller aus Groß-Zimmern. Mit ihm saßen die 23jährigen Heinrich Roth und Rudolf Beysel aus Groß-Zimmern auf der Anklagebank. Ihnen wird vorgeworfen, 1948 und 1949 aus dem Betriebsgelände der Opelwerke in Rüsselsheim fortgesetzt Lichtmaschinen, Verteiler, Zündspulen, Anlasser, Säcke mit Kugellagern und Benzinpumpen'entwendet, nachts mit einem Pkw abtransportiert und verkauft zu haben. Außerdem sollen sie Elektromaschinen auf tollkühne Art gestohlen haben. Die Beweisaufnahme gestaltete sich insofern schwierig, als die Angeklagten nicht mehr zu ihren früheren Vernehmungsprotokollen standen und behaupteten, daß diese unter Druck zustande gekommen seien.
Das Gericht beschloß, dieses Verfahren mit dem Autospringer-Prozeß zu verbinden, der heute fortgesetzt wird. Somit hat ’ sich die Zahl der angeklagten auf 12 erhöht. Die Anträge des Staatsanwaltes werden gegen Mittag erwartet, wst.
Brennendes Heu auf dem Dachboden
Es war eine grausige Reminiszenz an schreckenvolle Bombennächte, als in der mondhellen Montagnacht gegen 0.30 Uhr in Erbach die Sirene aufheulte. In Ebersberg hatte ein vorüberfahrender Motorradfahrer im Dachstuhl _ des unmittelbar an der Bundesstraße 45 liegenden Gasthauses Bonin Feuer bemerkt und sofort die bereits schlafenden Hausbewohner geweckt. Auf dem Dachboden zwischen zwei bewohnten Gauben waren Heu- und Ohmedstapel in Brand geraten. Man vermutet Selbstentzündung, obwohl die Vorräte gut trocken eingebracht worden waren. Die Freiwilligen Feuerwehren von Ebersberg und Schönnen waren schnell zur Stelle und bekämpften den Brand mit mehreren Schlauchleitungen. Auch der neue landeseigene Tanklöschwagen aus Erbach bestand seine erste Bewährungsprobe vorzüglich.
Mit fieberhafter Eile hatten die Bewohner des Hauses den größten Teil der Möbel auf die Straße gebracht. Inzwischen konnten aber die Wehren nach einstündiger Arbeit das Feuer bezwingen. Gastwirt Bonin hatte sich bei den ersten Löschversuchen Brandwunden zweiten Grades am linken Bein und an der Hand zugezogen. Die Zwischendecken in dem unter dem Brandherd liegenden Gebäudeteil sind durch Wassereinwirkung stark in Mitleidenschaft gezogen, ebenso die im Erdgeschoß stehenden Maschinen einer Schreinerwerkstatt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.
Lichtreklame gefährdet Bahnbetrieb
Der Landrat des Landkreises Groß-Gerau weist darauf hin, daß die mit der Belebung der Wirtschaft zunehmenden Lichtreklamen an Geschäftshäusern in der Nähe von Bahnanlagen den Eisenbahnbetrieb beeinträchtigen können. Es bestehen nach § 80 der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung Möglichkeiten, die Beseitigung oder Aenderung von Lichtreklamen zu verlangen, die den Bahnbetrieb gefährden. Um dadurch entstehenden nachträglichen Schwierigkeiten zu begegnen, wird auf ein Rundschreiben der ehemaligen Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn vom 1. August 1930 hingewiesen, auf Grund dessen seinerzeit die Baugenehmigungsbehörden angewiesen worden sind, vor der Genehmigung von Lichtreklamen, die vom Bahngebiet aus sichtbar sind, die Stellungnahme der Bahnbehörde einzuholen. -th-
Diebstahl oder Sabotage?
In der Gegend von Gernsheim, Klein-Rohrheim und Groß-Rohrh' ei m wurden in letzter Zeit mehrfach Fernsprechleitungen abgeschnitten und entwendet. Die polizeilichen Ermittlungen nach den Tätern sind im Gange. cg
„Abrechnung“
im Erbacher Forum
Nach Beendigung der Sommerpause beginnt das Oeffentliche Forum Erbach am Donnerstag, 28. September, um 20.15 Uhr im Saal der Gastwirtschaft „Zum Hirsch“ in der Bahnstraße wieder seine Ausspracheabende. „Heute wird gemeckert!“ ist die Losung des Abends, die deshalb besonderes Interesse findet, weil im allgemeinen im Forum als der Plattform objektiver Sachlichkeit „Meckern“ verpönt ist. Es handelt sich diesmal aber um eine Abrechnung über die bisherige Arbeit des Forums selbst. Vier Mitglieder des Vorstandes werden in Kurzreferaten kritisch untersuchen, was von den vier bisherigen Diskussionsabenden des Forums in Erbach verwirklicht wurde und wer die dem Allgemeinwohl dienenden Absichten ignorierte.
Es soll Klarheit gewonnen werden für die weitere Arbeit des Oeffentlichen Forums Erbach. -ch
Veränderungen
im Groß-Gerauer Krankenhaus
Am Montagabend gab Direktor Gladen von der Krankenhausvereinigung vor der erweiterten Groß-Gerauer Krankenhauskommission einen Prüfungsbericht über das Krankenhaus der Kreisstadt. Fragen der inneren und äußeren Gestaltung des Krankenhauses, sowie das Thema einer seitlichen Aufstockung desselben sollen in Kürze in einer Kommissionssitzung überprüft werden.
Weiterhin stellte man bei der Sitzung fest,, daß es unverständlich sei, wenn Aerzte häufig Ueberweisungen nach auswärts vornehmen, zumal’eine Ueberprüfung ergeben hat, daß Verpflegung,- ärztliche Betreuung und der Operationssaal allen Ansprüchen gerecht werden. Hinsichtlich der Verwaltung des Krankenhauses sind organisatorische Veränderungen beabsichtigt. (cg)
Großes Scholarentreffen
der „Vereinigung ehemaliger Bensheimer Gymnasiasten“
Am Wochenende veranstaltete die „Vereinigung ehemaliger Bensheimer Gymnasiasten“ ein großes Treffen, bei dem alle Altersklassen vertreten waren. In der Bahnhofsgaststätte fand am Samstagnachmittag eine Vorstandssitzung mit Neuwahl des Vorstandes statt. Zum Vorsitzenden wurde Landgerichtsrat Dr. Vock gewählt, in den Vorstand Studienrat Rettig, Studienrat Berg, Kaufmann Rettig, Rechtsanwalt Dexheimer, Rechtsanwalt Blechner und der Student Wolfgang Schmidt. Es wurde beschlossen, künftig alle 5 Jahre ein größeres Treffen zu veranstalten, und den Stammtisch, der vierteljährlich zusammenkommt, einmal im Jahr zu einem großen Stammtisch zu erweitern. Am Abend traf sich jung und alt zu einem festlichen Kommers im Hotel Weigold in Auerbach.
Den katholischen Gottesdienst am Sonntagvormittag hielt Oberstudiendirektor Dr. K o z e 1 k a, die Predigt der Geistliche Rat Ott, den evangelischen Gottesdienst Pfarrer Adam. Anschließend wurde gemeinsam das Gymnasium besucht und unter Führung von Dr. Kozelka besichtigt. Die Gedenkrede vor dem Gefallenendenkmal hielt Studienrat Eisenhauer. Den Nachmittag verbrachte man gemeinsam bei Kaffee und Kuchen im „Zeller Mühlchen“. HB
Bürgermeisterwahl in Unterostern
Am Donnerstag, 28. September 1950, wird laut Beschluß des Gemeinderats der neue Bürgermeister gewählt. Bis zum 20. dieses Monats hatten sich drei Bewerber gemeldet. Dei- 73 Jahre alte Bürgermeister Treusch scheidet aus gesundheitUchen Rücksichten aus.
Schlachtviehmarkt Darmstadt
Marktbericht vom 26. September 1950
Auftrieb: 93 Stück Großvieh (20 Ochsen, 8 Bullen, 24 Kühe und 41 Färsen), 53 Kälber, 383 Schweine, 34 Hämmel. — Marktverlauf: Großvieh ruhig, 6 St. Ueberstand. Kälber und Hämmel flott, geräumt. Fettschweine rege, leichte Fleischschweine langsam, 14 Schweine geringer Qualität Ueberstand. Fleischmarkt 6 Tonnen Inlandfleisch. — Preise (in Dpf. je 500 Gramm. Lebendgewicht): Ochsen aa 85—92, Ochsen a 76—84, Bullen aa 75—90, Bullen a 78—82, Kühe aa 88—91, Kühe a 72—88, Kühe b 60—67, Kühe c 50—55, Färsen aa 89—97, Färsen ä 83—92, Färsen b 75—83. Kälber a 125—130, b 115—125, c 90—115. Schweine: Durchschnittspreis 140, a, bl, b 2 138—142, c 136—142, d 133—140, e 123—135, gl 132—136. Hämmel a 60—65, b 45—55. Qualität: Großvieh gut, Kälber, Schweine, Hämmel mittel.
Ferkelmarkt
in Groß-Bieberau vom 25. 9. 1950
Auftrieb: 4 Ferkel und 10 Läufer. Bei guten Qalitäten wurden erzielt: Ferkel 55DM; Läufer 65 bis 75 DM. Marktverlauf: Geringe Nachfrage, Ueberstand 6 Läufer.
unsere Geburtstagskinder
87. Geburtstag: Herrn Jakob Hehl, Geinsheim, Obergasse. 80. Geburtstag: Frau Margarete Brauer, Gustavsburg, Gustav-Adolf-Straße 6. 76. Geburtstag: Herm Karl Sierig, Groß-Gerau, Mainzer Straße 34. 75. Geburtstag: Frau Theresia Glaser, Crumstadt, Friedrich-Ebert-Straße 36, und Frau Barbara Weber, Astheim, Hauptstraße.
73. Geburtstag: Herm Johann Wolf 7., Klein-Gerau, Gartenstraße 57, Frau Emilie Hammann, Biebesheim, Riedstraße 7, und Frau Emilie Schneider, Crumstadt. Wilhelm-Leuschner-Straße 18.
Der SPORT
Wer soll gegen die Schweiz spielen?
Ueberlegungen vor dem ersten Länderspiel
Nach der Aufnahme in den Internationalen Verband will der deutsche Fußball am 22. November in Stuttgart sein erstes Nachkriegs-Länderspiel austragen. Die Tatsache wird zweifellos viele Federn in Bewegung setzen, um Mannschaftsaufstellungen zu empfehlen. Allgemeingültige Ueberlegungen stellt in dem nachstehenden Beitrag Dr. Paul Laven an, der bei manchem Länderspiel der Vorkriegszeit am Mikrophon gestanden hat.
Vorschläge zur Bildung einer Nationalmannschaft zu machen, scheint auf den ersten Blick nicht schwierig. Wir haben bei uns mehr als elf gute Spieler und auch die nötigen Reserven. Das Geheimnis des Erfolgs aber ist es, aus ihnen das zu machen, was unseres Mannschaftssports schönster Teil ist, eben die Einheit, die kundige, wie von einem Willen und einem faszinierend klarem Klang beseelte Gruppe.
Wir sprechen viel von Stammannschaften und von ihrer Bedeutung. Wir sehen ihre nach Unterbrechungen fortwirkende Kraft beim deutschen Meister VFB Stuttgart, bei Schalke 04, bei den Offenbachern oder bei Fürth, und es ist uns besonders in den Wirren der Nachkriegszeit klar geworden: „fremde“ Spieler können, wenn sie die Voraussetzungen mitbringen, auch in Gemeinschaften, in denen sie nicht emporgewachsen sind, Wurzel fassen. Man braucht nur an Schade in Fürth zu denken, an de la Vigne in Mannheim und än Posipal in Hamburg. ‘ ..
UdIUMUIg. . Daß Herberger rastlos bei der Arbeit ist, weiß jeder. Fragt man ihn nach „Entschlüssen“, dann weicht der vorsichtige „weise“ Mann natürlich aus. Er hat aber immer noch eine Verbindung von „alten Spielern, das sind Internationale der Vorkriegszeit, mit „jungen“, d. h. nach 1945 gereiften Kräften im Auge.
Jeder Fußballfreund wird es verstehen, daß Fritz Walter der „Angelpunkt“ im Sturm werden muß. Der gerade in den Spielen (vor dem Rückschlag gegen Singen) „groß“ wieder gekommene Morlock vom 1. FC Nürnberg darf wohl auch nicht fehlen. Dann aber? Herberger stellt den HSV-Spjeler Posipal, den Stopper in seiner Vereinsmannschaft stark heraus. Dieser erst 23jährige Rumäniendeutsche, der nach neuesten Meldungen doch nicht auswandern will, ist ein erstaunliches Fußballtalent. Er ist wohl sicherer Anwärter auf einen Außenläuferposten.
Man fragt natürlich nach Streitle, dem so spielkundigen Münchener Verteidiger in großen internationalen Kämpfen. Dann ist noch Anderl Kupfer da, dessen „Reife“ so beispielhaft ist, und der einstmals mit seinem Vereinskameraden Kitzinger aus Schweinfurth sogar Außenläufer in der Kontinentmannschaft gegen England war. Zu lange liegt die Glanzzeit zurück . . .?
Wer weiß: Gerade Otto Nerz sagt das immer wieder und auch Herberger ist von dieser Ueberlegung durchdrungen, wie wichtig gerade beim Wiederbeginn die Gewöhnung an die zehrende Spannung des „internationalen Klimas“ ist, das läßt im Augenblick den Gedanken an die „Alten“ noch nicht los.
Man weiß, daß Herberger, mit vielen Ratschlägen anderer immerfort versehen, eben dabei ist, sich eine „Gesamtkonzeption“ für eine Ländermannschaft zu schaffen. Er studiert unsere Kräfteverhältnisse genau. Wenn man aus seinen Worten Hintergründe herauszulesen versteht, dann möchte man fast mit einem Allgemeinplatz sagen: Torwart mehr von schlichter Behendigkeit als von theatralischer Eigenart, Verteidiger wuchtig und so schnell wie möglich, ausgerüstet mit Stellungsinstinkt. Läufer, die nicht nur den Gedanken der Sicherheit im Kopf haben, sondern auch dem Angriff aufbauenden Schwung verleihen, wie wir es bei den großen „old timern“ Kalb, Riegel, Grämlich und manchen anderen sahen. Und der Angriff? Ja, da ist der Bundestrainer davon überzeugt, daß sich einige Leute um Fritz Walter scharen werden, die von diesem „Zauberer moderner Stürmerkunst“ den Schwung fein ineinander gegliederter „Vollstrecker“ erhalten. Dr. Paul Laven
Die Toto-Quoten
Hessen-Toto: 1. Rang (10 richtige Tips) 256 Gewinner je 55,— DM, 2. Rang 2 298 Gewinner je 6,10 DM, 3. Rang 9 282 Gewinner je 150 DM. Zusatzwette: 8 richtige Ergebnisse 136 Gewinner je 39,— DM.
Rheinland-Pfalz: 1 Rang 152 Gewinner je 56*7 DM-2. Rang 3 311 Gewinner je 25,75 DM3 37952 Gewtojr )= 2.25 DM. aas Gewinner je 72,55 DM.
Bayerntoto: 1. Rang (zwölf nötige Voraussa^en) 1313 Gewinner je 104,50 DM, 2 Rang 14 516 Gewinner je 9,60 DM, 3. Rang 64 604" Gewinner je 2,10 DM. Zusatzwette: ? Ran» (neun richtige Voraussagen) 1433 Äl’ 26,20 DM. 2. Bong 12 054 Gewinner je drei DM.
Württemberg-Baden: Erster Rang: 967 Ge-Wurttemo „ gQ DM, zweiter Rang; H ® Gewinner mit je 11,40 DM. Da die Gewinnquoten im dritten Rang unter einer DM regen wurde gemäß den Bestimmungen die Ausschüttung für diesen Rang den beiden erden Rängen zu gleichen Teilen zugeschlagen. In der Zusatzwette erhalten Hü? Gewinner je 8,25 DM.
Die Expedition für Mailand
Düsseldorf. (AP.) Für das internationale Leichtathletik-Sportfest in Mailand am 8. Oktober hat der Deutsche Leichtathletikverband auf italienischen Wunsch die folgenden Vertreter nominiert: Sprintstrecken: Fischer (Krefeld), Sturm (Ludwigshafen). 400-Meter-Lauf: Haas (Nürnberg), Geister (Krefeld). 400 Meter Hürden: Ulzheimer (Frankfurt). Weitsprung: Luther (München). Hammerwurf: Wolf (Karlsruhe), Storch (Fulda). Die deutschen Teilnehmer sollen am 7. Oktober von Frankfurt nach Mailand abfliegen.
Nachlese von den Handhballfeldern
Heppenheim schlug Einhausen mi’it 15:6, nachdem bei Halbzeit bereits ein 7:4 -Vorsprung henausgeholt war. Die Riedleute fielen nach Wiederbeiginn, nachdem sie die ersten 30 Minuten gut mitgie halten hatten und lediglich im Torschuß schwächer wirkten, dem Tempo zum Opfer.
Bonsweiler distanzierte Erbach mit 16:6 und demonstrierte dabei einmal mehr seine wirklich sehr solide Spielkunst, die sich vor allem im Zusammenwirken zwischen Hintermannschaft und Angriffsreihe zum Ausdruck brachte.
Kreddach kam überraschenderweise gegen den Nachbarn Siedelsbrunn ebenfalls zu einem 16:6-Erfolg, der in dieser Höhe völlig unerwartet kommt. Die Gäste, durch den Ausfall einiger bewährter Kräfte geschwächt, fanden in keiner Phase die richtige Einstellung auf den Gegner.
Die junge Zwingenberger Elf, brauchte zu lange, ehe sie sich gegen Zell zurechtfand und lag bereits mit 0:5 im Rückstand, bis die Reihen formiert waren. Da sie außerdem nur mit zehn Mann spielen mußte — ein Feldspieler hatte frühzeitig auf Geheiß des Schiedsrichters das Feld zu verlassen — war an ein Aufholen nicht mehr zu denken. Immerhin setzte man den weiteren sechs Gästetreffern fünf eigene entgegen.
Im Spiel Ober-Mumbach und Krumbach führten die Gäste bei Seitenwechsel mit einem Tor. Das bessere Stehvermögen der Platzherren brachte ahnen schließlich in der letzten Spanne den knappen, aber verdienten Sieg.
Kirchhausen hatte in Auerbach einen zähen Gegner zu Gast, der keinen Fußbreit Boden verschenkte und sich nur knapp mit 7:6 schlagen ließ.
TV Reisen, in der badischen Liga mitwirkend, konnte die Gäste aus Hohensachsen verdient mit 8:5 nach Hause schicken. Der Halbzeitstand von 5:2 wurde von den Gästen zwar innerwalb weniger Minuten nach Wiederbeginn zum 5:5 gestaltet, aber zwei weitere Reisener Treffer und ein Strafwurf in der letzten Spielminute stellte Sieg und Punkte sicher.
Nieder-Lieb ensbach machte mit dem Gast aus dem Kreis Mannheim, SC Käfertal,
In der ersten Runde des „2000- Pfund-Sterling-Hallen-Tennisturniers" der Berufsspieler in Wembley besiegte der als Nummer I gesetzte frühere Weltmeister Bobby Riggs (USA) den Schweden Kalle Schröder mit 6:3, 6:2. wenig Federlesens und schickte ihn 14:5 geschlagen nach Hause. Nur der Tatsache, daß die Deckung der Einheimischen sträflicherweise leichtsinnig operierte, verdanken die Gäste ihre fünf Gegentore.
Die im Rheinhessischen spielenden Bürstadter landeten gegen Wörrstadt einen knappen, aber verdienten 8:7-Sdeg, der allerdings erst im zweiten Abschnitt sichergestellt wurde, da die Gäste bei Seitenwechsel mit 5:2 im Vorteil lagen. Die letzten fünfzehn Minuten schließlich sahen die Bürstadter in der gewohnten Form, die den Eiin- Tor-Vorsprung sicherstellen ließ. (ni)
Fußball-B-Klasse Ried
SV Bensheim—Gadernheim 3:1 RW Heppenheim—Hambach 1:6 Elmshausen—Zvzingenberg 0:1 Nordheim—Riedrode 2:1 Schönberg—Hüttenfeld 5:5 Der erste Sieg des erst kürzlich gegründeten SV Bensheim fiel deutlicher als erwartet aus. Gadernheim konnte sowohl spieltechnisch wie hinsichtlich der Schnelligkeit nicht mithalten und wurde verdient besiegt.
Rot-Weiß Heppenheim hatte im Heimspiel gegen Hambach nur wenig Trümpfe aufzuweisen und wurde mit dem halben Dutzend Gästetreffern noch gut bedient, von denen vier bereits bei Halbzeit sichergestellt waren. Nach Wiederbeginn spielten die Gäste verhaltener, versuchten sich übertrieben oft mit Weitschüssen und kamen nur noch zweimal über die Linie.
In einem spannenden, bis zum Schlußpfiff offenen Spiel konnte Zwingenberg durch ein einziges „goldenes“ Törchen Sieg und Punkte mitnehmen. Die Platzherren verteidigten ihren Strafraum verbissen und vielbeinig und versuchten ihr Angriffsheil mit Gelegenheitsdurchbrüchen, die jedoch nichts einbrachten.
Der 2:1-Sieg Nordheims über Riedrode darf als schmeichelhaftes Ergebnis für die Platzbesitzer gewertet werden; ein Unentschieden hätte dem Feldspielverlauf zweifellos eher entsprochen, wenn auch Nordheim gelegentlich etwas entschlossener erschien.
Ein sehr torreiches Treffen lieferten sich Schönberg und Hüttenfeld. Nachdem man mit 3:1 für die Einheimischen die Seiten gewechselt hatte, schien die Sache für die Gäste verloren. Zähigkeit und Ausdauer aber- ließen es für Hüttenfeld im Endspurt gerade noch hinreichen, den Gleichstand zu erzwingen (ni)
Die Spiele am 1. Oktober
Erste Liga Süd
FSV Frankfurt—VfL Neckarau Kickers Offenbach—l. FC Nürnberg Darmstadt 98—BC Augsburg Schwaben Augsburg—Eintracht Bayern München—Vfß Stuttgart Spvgg Fürth—SSV Reutlingen Vfß Mühlburg—lß6o München VfR Mannheim—FC 04 Singen Schweinfurt 05—SV Waldhof
Zweite Liga Süd
Hessen Kassel—SV Tübingen Stuttg. Kickers—SV Wiesbaden FC Freiburg—Aschaffenburg 1. FC Bamberg—SG Arheilgen Bayern Hof—Union Böckingen VfL Konstanz—Ulm 1846 ASV Cham—Regensburg FC Pforzheim—ASV Durlach
Landesliga
VfL Kassel—Hanau 1893 Hess. Lichtenau—Homburg 05 Hermannia Kassel—l. FC Rödelheim Kassel 03—Germania Bieber Rot-Weiß—Borussia Fulda Union Niederrad—Eintr. Wetzlar Griesheim 02—Spv Kassel Hessen Hersfeld—Lampertheim Vfß Friedberg—VfL Marburg VfL Biedenkopf—Opel Rüsselsheim
SV 98 gibt bekannt
Der Vorstand des Sportvereins macht noch einmal darauf aufmerksam, daß der Zugang zu den Stehplätzen nur in der Kekulestraße ist.
Zwischen dem Spielfeld und dem Schwimmbecken sind 434 Sitzplätze neu nummeriert worden. Stehplatzbesucher können daher jetzt nur noch auf den Terrassen hinter dem Schwimmbecken und in den Kurven am Marathontor Platz finden.
Für das Spiel gegen BC Augsburg am 1. Oktober 1950 werden ab Mittwoch, 9 Uhr, bei den bekannten Vorverkaufstellen bei einem Aufschlag von 10 Dpf. für die Vorverkaufstelle nur Sitzplätze ausgegeben. Stehplätze werden nur an der Tageskasse verkauft. Die Mitglieder werden gebeten, ihre Mitgliedskarten vorzuzeigen. —
Betriebsfußball
HEAG—Donges & Wiest 8:2 (4:1)
Beide Martnschaften befleißigten sich eines fairen und schnellen Spieles, das teilweise unter dem etwas aufgeweichten Boden zu leiden hatte. Die HEAG zeigte das bessere Können und die größere Spielererfahrung und wußte die erspielte Ueberlegenheit durch ihren wendigen Sturm geschickt in Toren auszudrücken. Der Gegner verzettelte sich zu sehr in Einzelaktionen.
Für die HEAG spielten : Spengler, Geier, Stößel, Lerch, Senger, Hübner, Metz, Steinmetz, Rapp, Merz und Seeh.
Radsporttag in Lorsch
1. Rad-Rennen auf dem Ried-Ring
Die Ortsgruppe Lorsch des Rad- und Kraftfahrbundes Solidarität veranstaltete am Sonntag ihren diesjährigen Abschluß-Radsporttag. Am Vormittag wurde auf dem Ried-Ring das 1. Rad-Rennen ausgetragen. Nachstehend die Sieger: Schüler über 1 Runde: Lorenz, Mannheim, in 7,25 Minuten.
Jugendkl. B über 3 Runden: 1. Nolte, Lorsch in 17,21 Minuten; 2. Friedrich, Heidelberg; 3. Wagner, Heidelberg.
Tourenräder über 5 Runden: 1. Nikolaus Jäger, Lorsch, in 30,24 Minuten; 2. Erich Jakob, Lorsch; 3. Otto Brauch, Lorsch.
Jugendklasse A über 7 Runden: 1. Vock, Darmstadt, in 40,5 Minuten; 2. Kutner, Kirchheim; 3. Lücker, Darmstadt. Aktive über 18 J., 15 Runden: 1. Rexin,
Mannheim, in 83,07 Minuten; 2. Baumann, Heidelberg; 3. Krimmer, Mannheim.
Die Prämien, die für einzelne Runden ausgesetzt waren, wurden von der Lorscher Geschäftswelt gestiftet. Der Nachmittag war ausgefüllt mit Saalsport. Neben dem Reigen war auch Schul-, Kunst- und Einradfahren zu sehen. Zwischendurch wurden einige Radballspiele ausgetragen. Beteiligt waren hier die Mannschaften von Lampertheim, Mannheim-Schönau, Worms und Lorsch.
Mit der Siegerehrung und Tanz wurde der Radsporttag abgeschlossen. (bl)
Herbstturnfest in Nieder-Liebersbach
Rund 140 Aktive nahmen am diesjährigen Herbstsportfest des SV Nieder-Liebersbach, das miit dem Abturnen verbunden war, teil und stellten dieser kleinen, aber ungemein turnfreudigen Gemeinde ein neues gutes Zeugnis aus. Dank ausgezeichneter Organisation klappte die Veranstaltung, zu der sich zahlreiche Zuschauer auch aus den umliegenden Ortschaften eingefunden hatten, gut und ließ auch diesmal keine Wünsche offen. Beim abendlichen Festkommers in der „Rose“ konnte Sportwart Weise die Sieger der einzelnen Gruppen bekanntgeben: Herren Willi Emig; Junioren: Herbert Koch; A-Jugend Franz Clement; B-Jugend Rudolf Schmitt; A-Schüler Horst Geis; B-Schüler Manfred Hoffmann; Schülerinnen Renate Klein, Erika Clement und Traute Steinmann. (ni)
Kanumeisterschaften der TSG 46
In diesem Jahr standen der Paddelabteilung erstmals die unteren Räume ihres Bootshauses in Erfelden wieder zur Verfügung. Zu dem Stamm der alten Paddler kam eine größere Zahl Jugendlicher und Aktiver, die nach den Wanderfahrten des Sommers ihre Kräfte im Wettkampf messen wollen. Da die Abteilung durch die Nachkriegsereignisse ihr Rennboot-Material verloren hat, wird in Wanderbooten gefahren, wie in den Anfängen der Altrhein-Regatten.
Die Wettkämpfe finden am Sonntag, dem 1. Oktober 1950, vormittags 10 Uhr, auf dem Altrhein in Erfelden statt, Ziel TSG-Bootshaus. Auf dem Programm stehen Einer Faltboot und Zweier-Kajak für männliche und weibliche Jugend, Aktive und Altersklasse. hgt.
Die Auswahlmannschaft der Stadtverwaltung führt am Donnerstag, 17 Uhr, auf der Woogswiese das Rückspiel gegen die Elf der Firma Goebel durch.
* Der frühere deutsche Schwergewichtsmeister Walter Neusei erklärte am Montag, daß die Meldung, wonach er beabsichtige, ins Lager der Berufsringer überzutreten, völlig aus der Luft gegriffen sei.
Die Boxstaffel des ABC Dannstadt-Eberstadt kämpft am kommenden Samstag um 20 Uhr im Gasthaus zum „Schwanen“ in Eberstadt gegen die starke Staffel von Tura Ludwigshafen.
Unser Tip
für den Hessentoto
1. Kick. Offenbach—l. FC Nürnberg 1 1 2. Bayern München—VFB Stuttgart 1 1 3. Schwab. Augsburg—Eintr. Frankf. 1 0 4. Darmstadt 98—BC Augsburg 0 1 5. Arminia Hannov.—Con. Hamb. 1 0 6. Schweinfurt 05—Waldh. Mannh. 1 1 7. FSV Frankfurt—VfL Neckarau 1 1 8. VfL Konstanz—Ulm 46 0 1 9. ASV Cham—Jahn Regensburg 2 0 10. FC Freiburg—Vikt. Aschaffenburg 0 1 11. KSV Hess. Kassel—SV Tübingen 1 1 12. Stuttg. Kickers—SV Wiesbaden 1 1 13. Spvgg. Fürth—SSV Reutlingen 1 1 14. Vfß Mühlburg—lß6o München 1 1
Dl Bestattungen am Mittwoch, dem 27. 9. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.00 Kern, Frieda, Lichtenbergstraße 72, 73 Jahre Bessunger Friedhof: 15.00 Daub, Georg, Frankfurter Straße 19. 51 Jahre Waldfriedhof: 13.45 Kissel, Eva-Maria, Frankfurter Straße 109. 82 J. 14.15 Kühn, Martha, Groß-Gerauer Weg 34, 41 Jahre Feuerbestattung: 11.15 Storch geb. Hellandt, Lina, Steubenplatz 5, 75 J.
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Öffentliche Ausschreibung Die Arbeiten für die Ausführung von Fußsteigen und die Wieder, herstellung von Gußasphaltbelägen sollen an fachkundige Über¬ nehmer vergeben werden. Vordrucke sind bei der Stadtbauverwal¬ tung Darmstadt — Abteilung Tiefbau — erhältlich. Die Angebote sind in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift „Angebot für Fußsteigarbeiten“ bzw. „Angebot Gußasphaltbeläge“ bis spätestens den 2; Oktober 1950, 10 Uhr, einzureichen. Darmstadt, den 22. September 1950 Stadt Darmstadt — Stadtbauverwaltung Arbeits Vergebung Die Lieferung von Särgen und Ausführung der Beerdigungen von Verstorbenen, die aus öffentlichen Mitteln betreut werden, sollen ab 1. 10. 1950 im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Angebotsunterlagen sind bei dem Sozialamt der Stadt Darmstadt. Alexanderstraße 35, Zimmer 8, erhältlich. Die Angebote sind ver¬ schlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis späte¬ stens Donnertag, 28. 9. 1950, vormittags 10 Uhr, Zimmer 8, des Sozialamtes einzureichen. Darmstadt, den 26. September 1950 Stadt Darmstadt - Sozialamt Bekanntmachung Infolge Umbauarbeiten werden die Landstraßen I. Ordnung Nr. 3257 (7) und 535 (8) zwischen Unterflockenbach und Kreidacher Höhe ab 20. 9. 1950 für sämtlichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Birkenau—Bahnhof Zotzenbach. Heppenheim, den 21. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße I. A.: gez. Grein Bekanntmachung Betr.: Gesetz über die Gewährung von Pflegegeld an Zivilblinde (Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 31 vom 26. 8. 195 C). Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 8. 9. 1950 mache ich alle Personen, die Anspruch auf Pflegegeld nach diesem Gesetz erheben, darauf aufmerksam, daß die Vorarbeiten zur Durchführung dieses Gesetzes abgeschlossen sind. Voraussetzung zur Zahlung des Pflegegeldes ab 1. 9. 1950 ist die formlose Antragstellung im Monat September 1950 bei meiner Dienststelle. Die Zahlung des Pflegegeldes beginnt im übrigen mit dem 1. des Monats, in welchem der Antrag gestellt wurde. Der Antrag kann ohne weiteres formlos bei der Bezirksfürsorgestelle schon jetzt gestellt wenden. Erforderlichenfalls werden die Zivil¬ blinden in nächster Zeit der Reihe nach persönlich vorgeladen. Um unnötiges Warten zu vermeiden, bitte ich die Antragsteller, den Termin der Vorladung genau einzuhalten und die in der La¬ dung vermerkten notwendigen Unterlagen mitzubringen. Persön¬ liche Vorsprachen außerhalb des gesetzten Termins bitte ich nach Möglichkeit zu vermeiden. Heppenheim, den 22. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße —Bezirksfürsorgestelle — Zwangsversteigerung Ich versteigere am Donnerstag, dem 28. 9. 1950, in Darmstadt, meistbietend gegen sofortige Barzahlung: um 9.00 Uhr 1 Sessel. Zusammenkunft: Heidelberger Str. 69 um 9.15 Uhr 1 Lederklübsessel. Zusammenkunft: Hermannstr. 5 um 10.00 Uhr 1 Ausputzmaschine mit'Motor. Zusammenkunft: Niederstraße 23 um 15.00 Uhr 1 Fahrrad. Zusammenkunft: Ludwigshöhstraße 35 Neubert, Gerichtsvollzieher (b) Versteigerung Ich werde versteigern: am 28. 9. 50, 10 Uhr, Pfandkammer, Amtsgericht: 2 Oelbilder, 1 Radioapparat. Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b)
Amtsgericht Darmstadt Für Angaben in ( ) keine Gewähr Neueintragung 8 HRB 168: 12. Sektember 1950: Firma: Markewitz-Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. (Geschäftslokal: Darmstadt, Holzhofallee 35.) Gegenstand des Unternehmens ist die Herausgabe und der Vertrieb von Fach- und Adreßbüchern. Stammkapital: 20 000,— DM. Rechtsform: Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 4. Mai 1950 festgestellt und am 23. August 1950 geändert worden. Die Gesellschaft hat einen oder mehrere Geschäftsführer. Bei mehreren Geschäftsführern wird die Gesellschaft entweder durch zwei gemeinsam oder durch einen Geschäftsführer in Gemeinschaft mit einem Prokuristen vertreten. Geschäftsführer sind: Verlagsleiter Günter Langhans, Geschäftsfrau Ursula Langhans geb. Markewitz, beide in Darmstadt. Die beiden vorgenannten sind in Abweichung von der zuvor erwähnten vertraglichen Regelung jeder für sich zur Vertretung der Gesellschaft befugt. Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Der Gesellschafter Verleger Richajd Markewitz bringt außer seiner Bareinlage in die Gesellschaft ein: a) das Verlagsrecht bezüglich des Handbuchs der deutschen Kälteindustrie im Werte von 960,— DM; b) 900 Bücher aus dem Fachgebiet „Kältetechnik“ im Werte von 7060,— DM; c) 250 Bücher aus dem Fachgebiet „Feinwerktechnik“ im Werte von 1150,— DM; d) 200 Bücher aus dem Fachgebiet der Elektro- und Rundfunktechnik“ im Werte von 360,— DM; e) 500 Bücher aus dem Fachgebiet „Textiltechnik" im Werte von 470,— DM. Dieses Sacheinbringen wird ihm auf seine Stammeinlage mit 10 000,— DM angerechnet. Veränderungen: HRB 16: 13. September 1950. Firma: Carl Schenck, Maschinenfabrik Darmstadt, Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 1. Juli 1950 ist gemäß § 35 DM-Bilanzgesetz das Stammkapital von 1 750 000,— KM auf 1 750 000,— DM endgültig neu festgesetzt worden. Gleichzeitig sind die §§ 4 Satz 1 (Stammkapital), 5 Satz 1 (Stammeinlagen), 12 (Beschlußfassung, Stimmrecht) entsprechend geändert und neu gefaßt worden. HRB 76: 19. September 1950. Firma: Ropha, Gesellschaft mit beschränkter Haftung Organische Rohprodukte für pharmazeutische und chemische Industrie in Darmstadt. Der Metzgermeister Ludwig Dintelmann in Darmstadt ist als Geschäftsführer ausgeschieden. HRB 78: 12. September 1950. Firma: brotary Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Pfungstadt. Durch Beschluß der Gesellschaftsversammlung vom 7. Juni 1950 ist das Stammkapital von 100 000,— RM auf 100 000,— DM endgültig neu festgesetzt worden. Zugleich ist § 3 des Gesellschaftsvertrages — Stammkapital und seine Einteilung — entsprechend geändert, ergänzt und nach Inhalt der notariellen Niederschrift neu gefaßt worden. Neueintragungen: HRA 943: 11. September 1950. Firma: Gabriel Dressler u. Sohn Bauunternehmung Darmstadt in Darmstadt (Adelungstraße Nr. 30); Zweigniederlassung der Firma „Gabriel Dressler u. Sohn, Bauggeschätt Aschaffenburg"; Sitz: Aschaffenburg. Offene Handelsgesellschaft seit deih 1. Januar 1935. Gesellschafter: Gabriel Dressler, Bauunternehmer, Adam Dressler, Maurermeister, beide in Aschaffenburg. HRA 944: 12. September 1950. Firma: Richard Schurig, Darmstadt (Vulkanisieranstalt und Autoreifenhandel, Taunusring 22). Der bisher nicht handelsgerichtlich eingetragene vollkaufmännische Betrieb wurde 1948 beim Tode des Herrn Richard Schurig von der jetzigen Inhaberin, Frau Margarete Schurig geb. Gebhard, Darmstadt, übernommen. HRA 945: 12. September 1950. Firma: Heinrich Emich, Ober-Ramstadt (Papier- und Tabakwaren, Darmstädter Straße 47). Inhaber: Heinrich Emisch 14., Kaufmann, Ober-Ramstadt. HRA 946: 12. September 1950. Firma: Karl Fritz, Darmstadt-Arheilgen. (Haus- und Küchengeräte, Kleineisenwaren, Leder- und Spielwaren sowie Baumaterialien, Frankfurter Straße 5.) Inhaber: Karl Fritz, Kaufmann, Darmstadt-Arheilgen. HRA 947: 15. September 1950. Firma: Hotel Post Inh. Marla Schiel, Darmstadt (Poststraße 5). Inhaber: Maria Schiel geb. Kreß, Hotelinhaberin, Darmstadt. ’ Veränderungen: HRA 129: 15. September 1950. Firma: Rinck u. Co., Darmstadt (Pfarrwiesenweg 7; Verlag und Druck). Die Firma ist geändert in: Reinhard Wiesner vorm. Rinck u. Co. HRA 840: 12. September 1950. Firma: Eduard Fischbach, Pfungstadt (Eisenhandlung. Haus- und Küchengeräte; Rheinstraße 5). Emmy Gandenberger geb. Fischbach, Pfungstadt, ist Einzelprokuristin. Erloschen: " HRA 450. 18. September 1950. Firma: Schlacken - Bau ■ Messel. Offene Handelsgesellschaft Dipl.-Ing. Kristall und Co., Messel bei Darmstadt. Die Gesellschaft ist aufgelöst. Die Firma ist erloschen.
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