Nach harten Straßenkämpfen im Zentrum von Höul
Pusan, 22. September (AP./dpa/Reuter.) Die heftige Schlacht in den Straßen von Söul hält an. Die Amerikaner, die mit drei Panzerkeilen aus nördlicher, nordwestlicher und südlicher Richtung in die Stadt hineinstoßen, befinden sich mit vordersten Teilen nur noch einen Kilometer vom Stadtkern entfernt.
Zum Teil war der Widerstand der Nordkoreaner besonders heftig. Die Nordkoreaner, die sich zwar nur mit rund achtzehntausend Mann in der früheren südkoreanischen Hauptstadt verteidigten, setzten zahlreiche Scharfschützen ein. Das Artilleriefeuer steigerte sich zeitweilig auf beiden Seiten zu einem Feuerorkan. Hinter Sandsäcken, Steinbarrikaden und aus Kellerlöchern schossen die Nordkoreaner außerdem mit automatischen Waffen auf die vordringenden Amerikaner. Die von Panzern unterstützten Marinetruppen räumten jedoch Straßenzug um Straßenzug und räucherten mit Bazookas und Flammenwerfern die einzelnen Stadtviertel aus. Die Verluste auf beiden Seiten sollen sehr hoch sein.
Die Bevölkerung hilft
Die Bevölkerung von Söul hilft den vordringenden Amerikanern. Sie zeigt ihnen die Verstecke der Kommunisten und führt die amerikanischen Soldaten auf Umwegen hinter die feindlichen Feuerstellungen. Die in Straßenkämpfen geschulten roten Truppen verwenden alle Tricks, wie sie in Bürgerkriegen üblich sind. Sie verstecken sich in Stadtteilen, die schon längst in der Hand der Amerikaner sind, um plötzlich aus Hinterhöfen, in denen sie Panzer zurückgehalten haben, gegen die Verbindungslinien vorzudringen.
Der heftige Widerstand der Roten in Söul soll jedoch gebrochen sein. Dennoch rechnen Militärsachverständige, daß die gesamte Stadt nicht vor acht Tagen in der Hand der Amerikaner sein wird. Bei den Kämpfen haben sich südkoreanische Verbände hervorragend bewährt. Sie haben fast ausschließlich mit den amerikanischen Panzern die Angriffsspitzen gebildet.
Die amerikanische Führung war bei dem Angriff auf Söul psychologisch vor eine schwierige Aufgabe gestellt worden. Für sie war zu entscheiden, ob Söul nicht durch ständige Bombenangriffe der strategischen Luftwaffe zerstört werden sollte, um damit den Widerstand des Feindes endgültig und ohne Verluste zu brechen. Dieser technischen Frage stand das Problem gegenüber, ob dadurch nicht das moralische Ansehen der Amerikaner bei der koreanischen Bevölkerung gefährdet werde. Auf der anderen Seite ist für die amerikanische Führung der vornehmste Auftrag, das Blut der eigenen Soldaten zu schonen. Schweren Herzens hat sich die amerikanische Führung entschlossen, Söul nicht aus der, Luft zu vernichten, sondern mit Bodentruppen einzunehmen.
Einkesselung bei Pohang
Im großen Brückenkopf Pusan gehen die Offensivbewegungen der Vereinten Nationen mit gutem Erfolg voran. Bei Pohang sind die südkoreanischen Verbände acht Kilometer über die Stadt vorgestoßen und drehen zur Einkesselung des Feindes nach Nordwesten ein. Die mit Basis Taiku operierenden amerikanischen schnellen Verbände sind über Waegnan weiter nach Kumschon vorgestoßen und haben die Stadt eingenommen. Trotz des heftigen Widerstandes der Nordkoreaner am Abschnitt der Masan-Front geht der Vormarsch der amerikanischen Verbände hier planmäßig vorwärts. Die Einheiten der 25. amerikanischen Infanterie-Division haben die Hälfte des Weges zwischen Masan und Schinju zurückgelegt. Die rote Führung, die ihren Verbänden den Auftrag gegeben hat, im Süden der Front nachhaltigen Widerstand zu leisten, versammelt die Masse ihrer im Norden und Süden stehenden Verbände in der Höhe des 37. Breitengrades in Anlehnung an das Verkehrszentrum Schungju.
Russische Flak für Ungarn
Budapest, 22. September (dpa) Die Luftabwehr der ungarischen Hauptstadt wird zur Zeit verstärkt. Modernste Luftabwehrbatterien werden dazu von den Russen zur Verfügung gestellt. Außerdem legt die Bevölkerung von Budapest augenblicklich modernste Luftschutzkeller an.
Nachts mitLrot üůüber die Sektorengrenze
Die Lebensriiittelindustrie West-Berlins soll geschädigt werden
Drahtbericht unsere« Korrespondenten
er. Berlin, 22. September. West-Berlin wird, wie bereits kurz berichtet, seit einigen Tagen von Brot aus dem Ostsektor überschwemmt.,Rund 100 000 Brote zum Preise von 1,05 Ostmark, was bei einem Umrechnungskurs von einer Westmark gleich fünf Ostmark einem Preis von 25 Westpfennig entspricht, werden von Händlern des Ostsektors und West-Berliner Kommunisten des Nachts nach West-Berlin transportiert. Es handelt sich bei dieser Aktion um einen wohl organisierten Plan, dessen Ziel es ist, die Lebensmittelindustrie West-Berlins schwer zu schädigen. Die Brote kommen aus dem zum freien Handel ermächtigten staatlichen Läden.
,Um die Zahl derjenigen West-Berliner, die im Ostsektor infolge des günstigen Kursverhältnisses Brot, Kartoffeln und Gemüse billiger kaufen als in West-Berlin zu vergrößern, ist geplant, in den staatlichen Läden Berlins die Preise für Fleisch und Fett weiter zu senken. Sie sollen, wenn man wiederum vom Umrechnungskurs 1:5 ausgeht, niedriger liegen als in West-Berlin, daß heißt, ein Pfund Margarine, das in West-Berlin eine Westmark kostet, soll in den staatlichen Läden für weniger als fünf Ostmark verkauft werden. Eine Senkung der Preise für Fleisch und Fett in den staatlichen Läden der Sowjetzone selbst ist nicht vorgesehen.
Um zunächst den Schmuggel mit Brot zu unterbinden, hat der Verband der West-Berliner Brot- und Backwarenindustrie den Magistrat ersucht, die Lieferung der im Bundesgebiet bestellten automatischen Ofenanlagen nach Ost-Berlin und der Sowjetzone zu verhindern. West-Berliner, die „Ostbrot“ kaufen oder Ost-Berliner Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sollen ihre Bezüge mehrere Monate zu hundert Prozent in Ostmark erhalten.
Deutsche Soldaten in Korea?
Dortmund, 22. September, (dpa) In Geseke, Kreis Lippstadt, erkannte kürzlich eine Kinobesucherin unter den in der Wochenschau gezeigten nordkoreanischen Gefangenen ihren seit vielen Jahren vermißten Mann. Wie die westfälische Rundschau“ am Donnerstag berichtet, wurde der Frau die Wochenschau nach Schluß der Vorstellung noch einmal vorgespielt, wobei sie ihren totgeglaubten Mann wieder mit Sicherheit erkannte. Daraufhin wurde der Streifen aus der Wochenschau herausgeschnitten, um die notwendigen Schritte unternehmen zu können.
Im Schatten der Kapitulation
Vor den Besprechungen auf dem Petersberg
Draht bericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 22. September. Die ersten Ausführungen des amerikanischen Oberkommissars vor der Presse nach seiner Rückkehr aus Neuyork haben in Bonn eine verstärkte Vorsicht bei der Prophezeiung der Ergebnisse der Verhandlungen auf dem Petersberg bewirkt, die am Samstag beginnen.
Dazu muß auch darauf verwiesen werden, daß die Lockerungen auf dem wichtigen Gebiet der beschränkten und verbotenen Industrien nicht auf dem Petersberg, sondern im Rahmen der Londoner alliierten Studienkommission der Außenministerkonferenz erörtert werden, während allerdings Besprechungen über die Polizeifrage vom amerikanischen Oberkommissar angekündigt worden sind. Das von den Alliierten-in diesem Punkt gefundene Kompromiß zwischen der. angelsächsischen und der französischen Auffassung über eine, Bundespolizei hat die Unklarheit, die solche Kompromisse oft haben, da es einerseits von „Länderbasis“, andererseits von „ausreichenden Bundesvollmachten“ spricht. So wertet das Bundesinnenministerium die genaue Auslegung dieser Bestimmungen durch die Oberkommission ab, ehe es in die weiteren Verhandlungen mit den Ländern über den Abschluß von Verwaltungsabkommen wegen Bundesbefugnis über diese Teile der Länderpolizei eintritt.
Eine Erhöhung der Besatzungskosten durch die, Verstärkung der Besatzungstruppen wird vom Bund als dem Träger der Besatzungslasten übernommen werden müssen. Dazu wird in Bonn betont, daß früher von alliierter Seite erklärt worden sei, zwar sei eine Senkung der gegenwärtigen Besatzungskosten unmöglich, dafür brauche aber auch vielleicht keine Erhöhung einzutreten, wenn die Besatzüngstrüppen verstärkt würden.
Die Ausführungen des amerikanischen Oberkommissärs haben gezeigt, daß diese Ansicht anscheinend nicht mehr aktuell ist. Man erklärt in deutschen Kreisen, Deutschland werde selbstverständlich die für seine Sicherheit notwendigen Opfer bringen, um so mehr aber müsse dem deutschen Ersuchen Rechnung getragen werden, bei der Aufstellung des Besatzungskosten-Haushalts beteiligt zu werden, um eine rationelle Verwendung der Aufbringungen zu ermöglichen. •
Sowjetische Soldaten haben an der Zonengrenze zwischen russischem und britischem Sektor in Berlin zwei Schlagbäume um 150 Meter in den britischen Sektor hinein versetzt. Das Bild zeigt britische und russische Offiziere, die wegen dieser Maßnahme verhandeln. Foto: dpa
Schluß mit Demontagen
Forderungen des Bundestages
Bonn, 22. September, (dpa). Der Bundestag hat am Freitag einstimmig einen sozialdemokratischen Antrag gebilligt, in dem außer der Beendigung der Entmilitarisierung auch die Einstellung aller Demontagen gefordert wird.
Der Bundestag nahm ferner in zweiter und dritter . Lesung einen Gesetzentwurf zur Verlängerung des Notgesetzes für die deutsche Hochseefischerei einstimmig an und verwies den Entwurf eines Zolltarifgesetzes nach erster Lesung an die zuständigen Ausschüsse. Das Haus vertagte sich dann auf den 5. Oktober.
Vor der Stadtmitte
tü Die Truppen der Vereinten Nationen stehen in dem Augenblick, in dem diese Zeilen geschrieben werden, dicht vor der Mitte der südkoreanischen Hauptstadt. Damit strebt der Krieg im Fernen Osten einem sehr dramatischen Höhepunkte zu. Es sind kaum zehn Tage vergangen, seitdem manche Pessimisten die Lage der Amerikaner in Korea für so hoffnungslos hielten, daß sie einen Befehl des Generals Mac Arthur zum Rückzug von der Halbinsel für richtig gehalten hätten. Jetzt steht die nordkoreanische Hauptmacht zwischen zwei Feuern und die wichtigste Stadt des ganzen Landes ist zu einem Teil bereits von den Truppen der Vereinten Nationen zurückerobert.
Söul ist nicht allein die politische Hauptstadt Südkoreas, sondern vor allem auch ein wichtiger Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt ersten Ranges. Schon jetzt wird man sagen dürfen, daß der Nachschub für die Fronttruppen der Nordkoreaner bisher noch niemals so bedroht gewesen ist wie gegenwärtig. Darüber hinaus müßte ein Verlust der vor wenigen Wochen eroberten südkoreanischen Hauptstadt nach allen psychologischen Gesetzen auf die Moral der nordkoreanischen Truppen eine höchst ungünstige Wirkung ausüben. Ein nordkoreanischer Generalstabsofflzier, der in diesen Tagen gefangengenommen wurde, äußerte melancholisch, er glaube noch immer an den Kommunismus, aber er glaube doch auch, daß Rußland diesen Krieg um seinetwillen und nicht um Koreas willen begonnen habe. Militärische Niederlagen fördern politische Erkenntnisse; das ist eine alte Erfahrung. Es ist zu erwarten, daß sie sich auch nach einem Falle von Söul bestätigen würde.
Wer macht das Hindernisrennen?
Von Erich DombrowskiDas sind heute unterhaltsame Zeiten. Haben wir Krieg? Haben wir nicht Krieg? Kalt oder warm? Bitte, sprechen wir lieber nicht davon. Niemand will das so genau wissen. Es wird Herbst. Die Abende werden länger. Man soll nicht zu früh die Lampe anzünden. In dieser Dämmerstunde ist die Jahresversammlung der Vereinten Nationen zusammengetreten. Man kann nicht gerade sagen in einer Stimmung der Harmonie oder auch nur der allseitigen Bereitwilligkeit, das erheblich schwankende Gleichgewicht der Welt wieder herzustellen. Es hat gleich zu Anfang Krach gegeben. Und das schon, als die Verhandlungen noch gar nicht begonnen hatten, als man sich erst zu einem Empfang beim Gouverneur der Stadt Neuyork einfand. In seiner Begrüßungsansprache klagte Mister Dewey, der Gastgeber, die Sowjetunion an, zehn bis fünfzehn Millionen Menschen in ihrem Bereiche als Sklaven arbeiten zu lassen. Das ist zweifellos eine unbestreitbare politische Tatsache, auf die man immer wieder im Interesse der menschlichen Freiheit hinweisen muß. Ob es aber, aus Gründen des Taktes und der Taktik, richtig war, mit diesem knallenden Vorwurf die Russen als Gäste willkommen zu heißen, muß man füglich bezweifeln. Man hätte wohl besser getan, sie dann nicht erst einzuladen. Das wäre natürlich auch nicht gegangen. Denn schließlich war zu Ehren der gesamten Vertreter der Vereinten Nationen dieses Fest im prunkvollen Waldorf Astbria-Hotel veranstaltet worden. Auf alle Fälle ist dieser Mißklang ein wenig günstiger Auftakt für die Verhandlungen, deren Dauer auf zwei Monate berechnet ist. Die abschließende Bemerkung Mister Deweys, daß er sich durch den Abzug dieser Leute nur geehrt fühle, als Wyschinski mit seiner Begleitung den Saal protestierend verließ, zeigt, wie in einem Blitzlicht, die bodenlose Tiefe des Abgrundes zwischen Amerika und Rußland.
♦ Die Tagesordnung der Jahresversammlung, soweit sie bisher vom Lenkungsausschuß vorgesehen ist, gleicht dem Programm eines Hindernisrennens, eines Gewirrs von Stacheldraht-Schranken, die kaum von den kühnsten Reitern auf temperamentvollsten Pferden genommen werden können. Es sind nur sechs Punkte, die man sich vorerst vorgenommen hat. Jeder dieser sechs Punkte wird uferlose Debatten entfesseln, und man braucht kein Prophet zu sein, um heute schon zu sagen, daß jede mit einer schrillen Dissonanz zwischen Ost und West (wenn überhaupt) ausgehen wird, die kein moderner Komponist, und sei er noch so atonal, in Musik umzusetzen vermöchte. In dieser politischen Stickluft haben die Amerikaner, mit verblüffender Entschlossenheit,, den ersten Vorstoß ins Freie unternommen. Acheson hat der Versammlung, einen eingehend begründeten Vorschlag zur dauernden Sicherung des Weltfriedens gemacht, richtiger: zur erfolgversprechenden Abwehr jeden Angriffsversuchs einer Macht, die den Frieden anzutasten, besser noch zu überrumpeln, versucht. Nach dem gegenwärtig geltenden Statut des Sicherheitsrats kann jede der fünf Großmächte durch ihr Veto in dieser Richtung hin alles lahmlegen. Zu diesen fünf auserwählten Staaten gehören, außer den drei Westmächten, Rußland und China. Jetzt soll, nach dem Vorschläge Achesons, die Vollversammlung innerhalb von vierundzwanzig Stunden einberufen werden können, wenn der Sicherheitsrat durch ein einseitiges Veto einen Friedensbruch durch - gehen lassen muß. Unabhängig von dieser möglichen Zuspitzung eines Konfliktes soll eine Sicherheits- oder Friedenspatrouille auf gestellt werden, um durch ständige Beobachtungen und unparteiische Berichte rechtzeitig Gefahren signalisieren zu können. Eine solche ■ Einrichtung hatten sich die alten Römer bereits in ihren Wachtürmen längs ihrem Limes, ihrem Schutzwall gegen die Barbaren in Europa, Afrika und Asien geschaffen- Wichtiger aber noch ist die Anregung, alle Mitglieder der Vereinten Nationen zur Bildung gemeinsamer Streitkräfte zu veranlassen, die jederzeit einsatzbereit sein sollen. Man wird sich daran erinnern, daß der Völkerbund, der nach dem ersten Weltkriege, freilich ohne die Amerikaner, zustande kam, daran schließlich zugrunde ging, daß er kein Exekutivorgan hatte, das im Falle einer Gefahr den Friedensstörer mit Gewalt zur Ordnung rufen konnte. Die Franzosen waren es damals, die immer wieder darauf drangen, sich aber nicht durchsetzen konnten. Das Genfer Protokoll, das diese Idee zu verwirklichen trachtete, blieb ein loses Stück Papier unc} man gab sich zu guter Letzt, in den Auseinandersetzungen mit Deutschland, als Ersatz mit dem Locarno-Abkommen, dieser vermeintlichen Friedensgarantie für Europa, zufrieden. Deutschland gehörte damals noch nicht dem Völkerbund an. Aber rückschauend auf all das, was seitdem der Welt beschieden war, muß man zugeben, daß es wohl besser gewesen wäre, wenn die Franzosen sich seiner Zeit behauptet hätten, auch wenn das Genfer Protokoll in der Hauptsache dem französischen Sicherheitsbedürfnis gegenüber Deutschland entsprach. Jetzt kehrt man zu diesem einst zu sehr umstrittenen Ausgangspunkt zurück. Und man tut recht daran. Denn nur so, wenn man einen beobachtenden Polizisten auf die Straße setzt und wenn eine Polizeitruppe auf dem nächsten Revier in Bereitschaft steht, um auf Anruf jedem Verbrechen schlagartig zu begegnen, kann man die Furcht der friedliebenden Völker vor dem Kriege in die Furcht der kriegslüsternen Gewalthaber vor dem Friedensbruch umwandeln. *
Der Vertreter Rußlands, der Außenminister Wyschinski, hat die Vorschläge Achesons, die die ganze freiheits- und friedensliebende Welt nur stürmisch begrüßen kann, sofort mit einem Gegenvorschlag beantwortet. Drei Punkte umfaßt er. Die Verurteilung jedweder Kriegspropaganda. Das bedingungslose Verbot der Atomwaffen. Die Annahme eines Abkommens zwischen den fünf Großmächten zur Sicherung des Friedens und die Verringerung der gegenwärtigen Streitkräfte um ein Drittel. Wenn man das so obenhin liest, könnte man das für recht vernünftig halten, das heißt wenn es in der Welt nur Schafe gäbe und keine wilden Tiere, angefangen von den Wölfen und endend mit den Löwen. Wenn Vertrag gleich Vertrag wäre, und jeder Partner sich für alle Zeiten moralisch nicht nur an jeden Buchstaben, sondern auch an den Geist der Abmachungen hielte. Aber wir wissen aus der Theorie und der Praxis des Kommunismus, daß jeder Vertrag für ihn nur ein Mittel zum Zweck ist und ohne weiteres von ihm für hinfällig erachtet wird, wenn der Zweck: die kommunistische Weltrevolution andere Mittel erfordert. Das wesentliche fehlt denn auch in dem russischen Vorschläge: die internationale Kontrolle. Die Westmächte waren durchaus bereit, die Herstellung und Anwendung von Atombomben allgemein zu verbieten. Aber sie bestanden, mit Recht, auf einer ständigen internationalen Kontrolle. Denn sonst hätte man .ja keine Gewähr für die Durchführung des Verbots. Und damit keine Sicherheit. Es waren allein die Russen, die eine solche Kontrolle ablehnten, da sie mit ihren Souveränitätsrechten nicht vereinbar sei. Das gleiche läßt sich zu der russischen Anregung sagen, die gegenwärtigen Streitkräfte um ein Drittel herabzüsetzen. Auch diese Forderung ist, ohne Kontrolle, ein Messer ohne Klinge. Im übrigen sind diese schon einmal von den Russen vorgebrachten Dinge von der Vollversammlung der Vereinten Nationen abgelehnt worden. Ein gleiches Schicksal wird ihnen auch diesmal beschieden sein. Denn seitdem haben sich die Verhältnisse nicht verändert. Die Einsichten in die Methoden der russischen Taktik und Politik haben sich seitdem nur noch vertieft. Es gibt in der deutschen Sprache keinen Superlativ zu dem Wort Mißtrauen. Sonst müßte er hier verwendet werden. Die Russen müßten erst zahlreiche Beweise ihres guten Willens erbringen, wirklich mit den andern Völkern für F^iheit und Frieden zu arbeiten, wenn man ihren Worten Glauben schenken soll. Noch immer haben sie ihre Worte in schärfsten Gegensatz zu ihren Täten gestellt. Auch heute treiben sie eine lärmende Friedenspropaganda über den ganzen Erdball, während im Fernen Osten unter ihrer Patenschaft die Waffen klirren und überall in der Welt politische Minen mit Zeitzündern gelegt werden.
Das ist die Atmosphäre, in der die Jahresversammlung der Vereinten Nationen ihre Beratungen begonnen hat. Schon der erste Punkt: die Sicherung des Friedens, wird eine Wegscheide bedeuten. Wird die Tagesordnung Achesons angenommen, dann werden die Russen vor die schwerwiegende Entscheidung gestellt, ob sie mitmachen oder sich trennen sollen. Machten sie mit, dann gäben sie ihr Vetorecht in einem ernsten Konfiiktfalle auf, unterstellten sie sich, genau wie die anderen Staaten, einer internationalen Kontrolle und beteiligten sich an den übernationalen Sicherheits-Streitkräften. Ist solch ein Wandel der Politik möglich? Nein. Selbst bei größter Selbstverleugnung nicht. Es gibt eine Grenze, wo selbst alle inneren unausgesprochenen Vorbehalte versagen, weil die Tatsachen stärker sind, und das sind sie in dem wohldurchdachten Plane Achesons. Es scheint daher, daß dieses große Hindernisrennen in Neuyork schon beim ersten Sprung die Entscheidung, so oder so, bringen wird.
Anton Kippenberg gestorben
Luzern, 22. September, (dpa) Professor Dr. Antön Kippenberg, der Verleger der „Insel“ und Hüter von Goethes Hinterlassenschaft, ist am Donnerstag in Luzern im Alter von 76 Jahren gestorben. Sein Name ist mit dem Insel-Verlag verbunden.
Betten im Parlament
Teheran, 22. September (AP.) Sechs Mitglieder der Opposition des persischen Parlaments haben ihre Betten im Plenum des Parlamentsgebäudes aufgestellt, um dort so lange zu übernachten, bis das hohe Haus bereit ist, die Kritik der Opposition an der amerikafreundlichen Politik der augenblicklichen persischen Regierung anzuhören.
Presse und Parlament
*** Bonn hatte gestern seinen großen Tag. Im Parlament machte man einer lang aufgestauten Erbitterung über die deutsche Presse Luft. Es ist selbstverständlich für niemanden angenehm, wenn ihm ein anderer ständig über die Schultern sieht und auf die Finger guckt. Das bei den Bündestagsabgeordneten zu tun, ist nun einmal eine der Aufgaben, deren sich die Presse nicht begeben kann. Soweit sie verantwortungsbewußt ist, hat sie selbst durchaus nichts dagegen, wenn sie, noch weit mehr in der Oeffentlichkeit stehend als das Parlament, ebenfalls bei ihrer Arbeit beobachtet und bei Fehlern kritisiert wird. ,
Im Bundestag hat man der Presse den Vorwurf gemacht, daß sie nicht in allen Fällen die richtigen Leute nach Bonn geschickt habe. Hierzu muß ein Wort gesagt werden. Nach dem Zusammenbruch wurden zahlreiche erfahrene Journalisten, die keineswegs ausgesprochene Nazis waren, aus der Presse ausgeschaltet. Ein geeigneter Nachwuchs war nicht ohne weiteres zu finden, und dies war ja nicht allein bei der Presse der Fall, auch bei den Parteien. Selbst im Parlament kann längst nicht jeder, der an die Oeffentlichkeit herantritt, die höchste Qualifikation für sich in Anspruch nehmen. In der Presse ist man allerdings seit langem bemüht, ungeeignete Kräfte wieder auszuschalten. Wir können wohl sagen, daß dies bei verantwortungsbewußten Zeitungen in erfreulichem Maße gelungen ist. Daß es im Parlament noch daran mangelt', zeigen bedauerliche Aeußerungen von Bundestagsabgeordneten in der Pressedebatte. ■ 1
Die Aussprache hat zumindest ein Gutes gehabt, die Abgeordneten mußten sich davon überzeugen, daß in vielen Fällen — sö auch bei den Diäten für den Europarat — die Presse sich nichts aus den Fingern gesogen hatte, sondern daß widersprechende oder sogar falsche Informationen von maßgebenden Stellen vorlagen. Wenn die Presse aber nicht richtig informiert-wurde, so kann sich das Parlament nicht darüber beklagen, daß aus falscher oder ungenügender Information Schlüsse gezogen werden, die den Mit-1 gliedern der Regierung oder des Bundestags nicht angenehm sind.
Wir würden es sehr bedauern, wenn die Pressefeindlichkeit maßgebender Stellen, die wir wiederholt festgestellt haben, sich auf die Debatte im Bundestag hin verstärken würde. Es käme nichts Gutes dabei heraus. Auch nicht für das Parlament. Eine ersprießliche Zusammenarbeit ist nur möglich, wenn amtliche Stellen und die Abgeordneten der verschiedenen Parlamente ein richtiges Vertrauensverhältnis zur Presse finden. Wer die Presse nicht enttäuscht, wird auch von ihr nicht enttäuscht werden.
Die gescholtenen Minister
Die Debatte über die Ministerreden im Bundestag
R. Bonn, 22. September. Selten wird es in einem Parlament vorkommen, wie es am Donnerstag in der Aussprache des Bundestages über die außenpolitischen Reden von Bundesministern geschah, daß der Regierungschef sehr betont feststellt, daß er die Rede des Oppositionssprechers nicht bestellt habe. Es ist auch anzunehmen. daß der sozialdemokratische Abgeordnete Lütkens, als der außenpolitische Referent der sozialdemokratischen Fraktion neuerdings sehr in den Vordergrund getreten, seine Kritik an einzelnen Ministerreden nicht auf Bestellung des Bundeskanzlers gehalten hat. Aber es liegt auch die Annahme nahe, daß dem Kanzler diese Rede nicht ganz unwillkommen kam, da sie ihm die Gelegenheit gab, alle Mitglieder der Bundesregierung zur Zurückhaltung in außenpolitischen Aeußerungen zu ermahnen. Denn der Kanzler lehnte eindeutig nur die Annahme des Oppositionsredners ab. daß diese Ministerreden außer zu Demarchen der Oberkommissare in offizieller und diskreter Form zur Schädigung der außenpolitischen Entwicklung für die Bundesrepublik geführt hätten. Die von der Sozialdemokratischen Partei geübte Kritik an den Reden einzelner Minister dagegen bestätigte Dr. Adenauer direkt mit der Erklärung, daß Entgleisungen vorgekommen seien, indirekt mit seiner Versicherung, die Kabinettsmitglieder davon überzeugen zu wollen, daß sie auch in ihrer Eigenschaft als. Parteiredner an ihre Eigenschaft denken sollen. Minister zu sein.
Mit diesen Erklärungen wird jedoch ein schwieriges Problem der parlamentarischen Demokratie aufgeworfen, die Verbindung von Ministeramt und Parteiführung. Es ist kein Zufall, daß fast alle die kritisierten Minister Leiter von Parteiverbänden sind. Man kann Parteivorsitzenden nicht verbieten und verübeln, daß sie sich zu den außenpolitischen Fragen äußern. Sie müssen in dieser Eigenschaft zu diesen Problemen reden, wie sie andererseits als Bundesminister zu ihnen schweigen sollen. So stellt sich die Frage, ob es gut ist. Fachministerien mit Spitzenreitern der Regierungsparteien zu besetzen, eine Frage die auch unter dem Gesichtspunkt der Ueberlastung durch diese Doppelung der Aufgaben einmal geprüft werden sollte.
Es wurde aber in dieser Debatte auch die Frage gestellt, ob die Bundesminister nach dem Grundsatz wirklich nur Staatssekretäre seien, und die Opposition machte ihnen unverhohlen den Vorwurf, sich zwar gelegentlich privat an der Brust der Opposition auszuweinen, aber nicht auf dem Erlaß der Geschäftsordnung des Kabinetts zu bestehen, welche offensichtlich als eine magna Charta der Minister gegenüber dem Bundeskanzler angesehen wird. Dabei erwähnte die Opposition sehr bewußt, daß diese Geschäftsordnung nicht nur vom Kabinett, sondern auch vom Bundespräsidenten gebilligt werden müsse,
Dr. Adenauer müßte nicht der gewandte Taktiker sein, wenn er nicht auch aus diesen Dornen Honig hätte saugen können. Er erklärte mit höflicher Verbeugung zur Opposition, daß diese völlig richtig die Schwäche der Befugnisse des Kanzlers nach dem Grundgesetz geschildert habe. Auf die Frage der Geschäftsordnung allerdings ging der Kanzler nicht ein; aber er legte Wert auf die Bemerkung, daß er nicht der Vorgesetzte der Mitglieder des Kabinetts sei, sondern gegen einen Minister nur auf die Art vorgehen können, daß er dem Bundespräsidenten dessen Entlassung vorschlage. Es blieb den Hörern überlassen, diese Feststellung als eine strafrechtliche Bemerkung oder als eine Warnung zu verstehen.
Scharfe Angriffe gegen die Presse
Eine erregte Debatte im Bundestag wegen der Straßburger Diäten
R. Bonn, 22. September. Im Bundestag ist am Freitag über die Bezüge der deutschen Delegation im Europarat debattiert worden. Ein Abgeordneter, der zugleich der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes ist, hat nach der Sitzung erklärt, die Beule des Grolles gegen die Presse sei aufgeplatzt. Redner verschiedener Fraktionen kritisierten erregt die Berichte und Kommentare der Zeitungen zu dem Kostenvoranschlag, in dem die Summe von einer viertel Million Mark genannt worden war. Die Redner sprachen von Querschüssen gegen die Straßburger Delegation und verallgemeinernd davon, daß die Presse an die niedrigsten Neidinstinkte appelliere, Sensationen und Stunk produziere und das Ansehen des Parlaments untergrabe.
Man wandte sich gegen die Veröffentlichung von Leserbriefen, mit welcher Methode ein großer Teil der Presse sich auf einem schlechten Wege befinde. Die Presse trete mit ihrer Kritik an Diäten die Nachfolgerschaft der Polemik der Hugenberg-Blätter in der Weimarer Zeit an. Ein Abgeordneter sprach von falschen Berichten über Beschlüsse des Haushaltsausschusses und erklärte, der Staat müsse sich seiner Haut wehren. Er verwies dabei auf die Bestimmungen der geplanten Strafrechtsnovelle gegen die politische Lüge. Die von diesen Bestimmungen betroffenen Leute sollten hinter Schloß und Riegel gesetzt 'Verden, um über ihre Schlechtigkeit nachzudenken.
Bei dieser Kritik wurde zwar von Teilen der Presse gesprochen, als aber ein Abgeordneter, der selbst Journalist ist, das Haus aufforderte, im Interesse der Objektivität nicht zu verallgemeinern und den größten Teil der Presse in Schutz nahm, erschollen im ganzen Haus erregte Rufe „Nein, nein, nein“. So wurde auch später im Gespräch von Abgeordneten nicht dementiert, daß das Parlament einen Generalangriff in Bausch und Bogen gegen die Presse gerichtet habe. Es kennzeichnete die Atmosphäre der Debatte, daß der dann von Abgeordneten für falsch-erklärte Eindruck entstand, als ob die Kritik an Abgeordneten und am Parlament als Angriffe auf die Demokratie aufgefaßt* würden. v
Dabei wurde von einer Abgeordneten selbst bemerkt, daß die so angegriffenen ersten Berichte über die Straßburger Diäten nicht aus den Fingern gesogen worden seien. Staatssekretär Hartmann vom Finanzministerium teilte mit, daß tatsächlich zuerst dem Finanzministerium 250 000 Mark als Vorschuß für alle Fälle angegeben worden seien, worauf der Minister das Parlament ersucht habe, diese Plafondsumme doch auf 175 000 Mark zu beschränken. Bis jetzt sind 55 000 Mark ausgegeben worden. Es wird noch ein kleiner Nachtragsetat erwartet, aber die Frage wurde im Parlament gar nicht aufgeworfen, warum denn fast das Fünffache des tatsächlichen Aufwandes vorsorglich angefordert worden war. Es mußte auch zugegeben werden, daß der Presse ihr Material aus amtlichen Quellen übergeben worden war, ohne daß gesagt werden konnte, dieses Material sei falsch gewesen. Es wurde lediglich hart getadelt, daß eihe solche Bekanntgabe amtlichen Materials möglich gewesen sei. (Siehe auch Seite 3.)
Henderson bei Adenauer
Besprechung der Neuyorker Beschlüsse
Bonn„ 22. September, (dpa). In Bonp ist am Freitag zwischen dem Unterstaatssekretär für Deutschlandfragen im britischen Außenamt, Lord Henderson, und Bundeskanzler Dr. Adenauer in einer zweistündigen Unterredung ausführlich über die Neuyorker Beschlüsse der Außenminister gesprochen worden. Von deutscher Seite nahmen an den Besprechungen außer dem Leiter der auswärtigen Dienststelle der Bundesrepublik, Ministerialdirektor Blankenhorn, auch Bundesfinanzminister Schäffer und der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union, Dr. von Brentano, teil. Von britischer Seite war der stellvertretende britische Oberkommissar Steel anwesend.
26 diplomatische Vertretungen
Bonn, 22. September, (dpa) Die Bundesregierung plant, zunächst in 26 Ländern deutsche diplomatische Vertretungen zu errichten. Außerdem sieht der Bundeshaushalt 1950/51 dreizehn Generalkonsulate und vier Konsulate vor. Die 26 diplomatischen Vertretungen verteilen sich über den gesamten Erdball. Sie sollen errichtet werden in Buenos Aires, Sydney, Brüssel, Rio de Janeiro, Santiago, Kopenhagen, Paris, Athen, London, Kalkutta, Dublin, Rom, Tokio, Montreal, Mexiko, Den Haag, Solo, Wien, Lissabon, Stockholm, Bern oder Zürich, Madrid, Ankara, Johannesburg, Neuyork und Djakaria. Generalkonsulate sind geplant in Aegypten, Kolumbien, Italien, Luxemburg, Panama, Pakistan, Persien, Peru, der Schweiz, Uruguay, Venezuela, Chikago und San Franzisko. Die Konsulate sollen in Sao Paulo, Marseille, Detroit und Neu Orleans errichtet werden. Rund 27,5 Millionen Mark sieht der Bundeshaushalt für das laufende Finanzjahr insgesamt für den auswärtigen Dienst vor.
Der hessische Ministerpräsident Stock ist an einer Lungenentzündung erkrankt, so daß mit einer Wiederaufnahme seiner Geschäfte in den nächsten drei Wochen nicht gerechnet werden kann.
Stimmen der Anderen
Unglückliches Echo
Recht kritisch schreiben die „Basler Nachrichten“ zum Presseecho in der Bundesrepublik auf Neuyork:
„In einem großen Teil der deutschen Presse ist Enttäuschung das Leitmotiv, jedoch in einem Maße, das weit über den vom deutschen Regierungschef angeschlagenen Ton hinausgeht und, bei nüchterner Betrachtung, in weder erwarteter noch verständlicher Weise über das Ziel hinauszuschießen scheint. Es ist schon mehr als Mangel an politischem Augenmaß, wenn in zahlreichen Zeitungen die Beibehaltung des Besatzungsstatuts beklagt und heftig kritisiert wird. Noch weniger dürfte der deutschen Sache damit gedient sein, daß von vielen Seiten, fast stärker als die Befriedigung über die Erhöhung der alliierten Streitkräfte, der im Zusammenhang seltsam berührende Gesichtspunkt herausgestellt wird, jene Verstärkung berge in sich den wirtschaftlichen Nachteil, daß wir zahlen müssen, ohne jedoch kontrollieren zu dürfen, ob wir für die Besetzung oder für die Sicherheit zahlen. Auch der Bundesregierung ist diese Art der Resonanz offenbar als politisch höchst unglücklich, weil ungerechtfertigt und deshalb sehr störend erschienen.“
„Frankreich ist allein“
Das komplizierte Aufrüstungsproblem und die schwierige Lage Schumans bei der Verteidigung des französischen Standpunktes ist das Hauptthema der französischen Presse. Nach einem Bericht des Linksblattes „C omb at“ von den Neuyorker Verhandlungen ist Schuman wegen der manchmal geradezu frontal vorgebrachten amerikanischen Forderungen sehr entmutigt.
„Der französische Außenminister hatte bittere Worte für die britische Fahnenflucht zumindest in der Frage der deutschen Aufrüstung und beklagt sich über den Streich, den sein Freund Sforza ihm im Namen Italiens gespielt habe, als er ohne Zögern und ohne vorherige Warnung die amerikanische These unterstützte. Kurzum, Frankreich ist allein.
Sehr skeptisch ist der französische Außenminister jetzt über die Erfolgsaussichten des Schuman-Planes. Der Plan bekam immer mehr Blei angehängt, da durch die Ereignisse seine Gestalt und sein Inhalt verwandelt wurden und da Bonn bereits mehr oder minder die Zusicherungen und Vorteile erhielt, die ihm sonst der Schuman-Plan auf lange Sicht hin und in einem anderen Klima gebracht hätte. Dr. Adenauer weiß, wohin er will und wer ihn begleitet und stützt.“
Friede mit Japan?
Der liberale „M a n ehest er Guardian“ begrüßt die Absicht der Vereinigten Staaten, mit Japan Frieden zu schließen und ihm milde Bedingungen aufzuerlegen.
~ES ist anzunehmen, daß Japan als Gegenleistung (für die milden Bedingungen) mit dem Verbleiben amerikanischer Truppen einverstanden sein wird. Der amerikanische Entschluß ist ein Experiment politischer Großzügigkeit, das ob seiner Seltenheit in der Welt von heute Unterstützung verdient. Zweifellos werden die sehr feinfühligen Japaner wenigstens zur Zeit mit großer Herzlichkeit darauf reagieren.“
Verteidigungsminister beraten
Neuyork, 22. September (dpa) Die Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs (Marshall, Shinwell und Moch) sind am Freitag zu ihrer ersten Konferenz im Neuyorker Waldorf-Astoria-Hotel zusammengetreten. Im Mittelpunkt ihrer Besprechungen steht die bisher offengebliebene Frage einer Einbeziehung deutscher Verbände in eine atlantische Streitmacht.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg
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Auf ein Zeichen ihrer Herrin zog sich Marguerite mißmutig ins Schlafzimmer zurück. In dem Schweigen, das sich wieder über das Zimmer gesenkt hatte, hörte man ihren schweren Schritt und das Auf- und Zuschlägen der Kofferdeckel.
„Madame“, hub Henriette wieder an, ihrem Takt vertrauend, das richtige Wort zu finden, „es rührte mich tief, daß Sie mir so geschrieben haben, wie Sie es taten. Glauben Sie mir, auch ich wünsche Eintracht über alles. Nichts kann mir lieber sein, als Ihren Wünschen in bezug auf die Kinder nachzukommen, ganz besonders, was Raynald anbetrifft, und ich bitte Sie, ganz offen mit mir zu sprechen. Wenn ich meine Pflichten in irgendeinem Punkt vernachlässigt haben sollte, will ich mich bemühen, meinen Fehler wieder gutzumachen.“
„Ich habe niemals behauptet, daß Sie Ihre Pflichten vernachlässigt haben, Mademoiselle. Im Gegenteil, ich fand Sie allzu eifrig bemüht.“
„Es lag nicht in meiner Absicht, die Grenzen meiner Stellung zu überschreiten. ES tut mir leid, wenn ich es getan habe. Wenn Sie sich etwas bestimmter äußern wollten, würde ich vielleicht in Zukunft weniger Anlaß zur Klage geben.“
„In Zukunft — ach, wer weiß?“ Die Herzogin seufzte tief, wie es ihre Gewohnheit war, und hob bekümmert ihre schweren Lider, als erwarte sie vom Himmel eine Antwort.
„Ich habe versucht, die Anweisungen des Herzogs zu befolgen“, beharrte Henriette. „Und auch Ihnen würde ich gern folgen, Madame, wenn Sie mir nur welche geben würden. Der Herzog schien mit dem Betragen der Kinder und ihren Fortschritten im Unterricht zufrieden zu sein; wenigstens hat er bisher noch nichts daran auszusetzen gehabt.“
„Ich mische mich niemals in die Anordnungen ein, die der Herzog trifft. Die Erziehung der Kinder liegt ausschließlich in seinen Händen.“
„Aber, Madame, sollte es nicht möglich sein, Sie beide zufriedenzustellen? Eine Erzieherin kann sich nicht richtig ihrer Aufgabe widmen, wenn sie nicht das Vertrauen beider Eltern genießt. In diesem einen Monat habe ich Ihre Kinder lieben gelernt, und Raynalds Krankheit hat ihn mir besonders teuer gemacht. Vielleicht habe ich mir in meiner Sorge um ihn unabsichtlich etwas zuschulden kommen lassen, aber Sie müssen mir glauben, wenn ich Ihnen sage, daß ich Ihnen nur Unannehmlichkeiten ersparen und dem ärztlichen Befehl nachkommen wollte.“
„Der Doktor hatte nicht befohlen, daß Sie und der Herzog ein krankes Kind am offenen Fenster einem kalten Luftzug aussetzen sollten; aber das ist ja jetzt gleichgültig; wie durch ein Wunder hat es ihm ja nichts geschadet, und nach Ihrer eigenen Auffassung haben Sie ja treu und aufopfernd für ihn gesorgt. Wir wollen also alles auf sich beruhen lassen.“
„Aber ich merke doch, daß Sie mir Ihr Wohlwollen immer noch vorenthalten, und ich möchte doch so gern Ihre Wünsche berücksichtigen, wenn Sie sie mich nur wissen lassen würden.“
„Nun denn, Mademoiselle, ich kann nur meinerseits wiederholen, was jede Mutter erbitten und erwarten darf — daß sie bei ihren Kindern zuerst kommen soll. Nichts darf sich zwischen mich und die Liebe meiner Söhne und Töchter stellen — nichts, hören Sie!“
„Aber das ist doch selbstverständlich." Henriette sprach ruhig, ohne die Spitze in den Worten der Herzogin zu beachten. „Aber Kinder werden größer und bedürfen nach und nach auch der Hilfe Außenstehender. Eine Mutter kann sie nicht in alle Ewigkeit wie Säuglinge halten. Ihre Kinder sind intelligent und charaktervoll; sie erwiedern die Zuneigung, die man ihnen entgegenbringt, aber wenn man sie ihnen abverlangt, springen sie wie störrische Jungpferde beim ersten Anblick des Zaumzeugs davon.“ *
Henriette sprach nicht weiter, denn die andere hörte ihr offensichtlich nicht mehr zu. Die Aufmerksamkeit der Herzogin hatte sich von den Kindern dem anliegenden Zimmer zugewandt, aus dem ein Geräusch herübergedrungen war. Das Quietschen eines sich öffnenden Fensters hatte ihrem Gespräch ein Ende gemacht, gerade, als es sich seinem Höhepunkt näherte. Wie sie die Frau da vo’r sich sah, den Kopf verstohlen lauschend zum Nebenzimmer geneigt und das ganze Gesicht auf einmal angespannt vor Erwartung, wußte Henriette, daß es immer so sein würde; die einzige Wirklichkeit, die für die Herzogin existierte, beschränkte sich auf die magnetische Anziehungskraft, die die Gegenwart ihres Mannes auf sie ausübte.
„Nein“, dachte sie, wie sie da neben dem Sofa stand, ohne daß ihre Anwesenheit von der Herzogin überhaupt noch beachtet wurde, „sie haßt mich nicht aus irgendeiner persönlichen Abneigung; die Kinder und ich sind ihr gleichgültig, wir existieren für sie nur, insofern ihr Mann uns sein Interesse zuwendet.“
Die Unterredung war zu Ende, und Henriette mußte sich eingestehen, daß sie jetzt noch ratloser war als zuvor. Die Herzogin hatte alles um sich her vergessen und lauschte nur mehr angespannt auf die Geräusche aus dem Nebenzimmer. Alle ihre Gedanken und Sinne sehnten sein Erscheinen herbei, und Henriette sah, daß es keinen Zweck haben würde, das Thema, das sie hergeführt hatte, weiter zu verfolgen.
„Ich kann nur' wiederholen, Herzogin, daß ich Ihnen für Ihre Geschenke danke und daß ich hoffe, Sie werden mir vertrauen und mich Ihre Wünsche wissen lassen. Ich wünsche Ihnen eine gute Reise und ein fröhliches Wiedersehen mit Ihren Töchtern. Seien Sie versichert, daß es Raynald an nichts fehlen wird, bis Sie uns nachkommen lassen.“
Als die Tür sich hinter ihr schloß, atmete Henriette tief auf. Es war alles vergeblich gewesen. Ihr guter Wille und ihre Worte hatten nicht mehr Eindruck gemacht, als wenn sie auf ein Federbett eingespröchen hätte. Aber wenigstens waren ihr keine weiteren Anklagen entgegengeschleudert worden. In Zukunft würde sie den Weg, den ihre Pflicht ihr wies, gehen, ohne zu versuchen, das Rätsel um diesen hintergründigen Zwist zu lösen, in den sie sich ohne ihr Zutun verstrickt sah.
„Hat sie denn gar keinen Stolz?“ dachte sie. „Hätte ich einen solchen Mann und solche Kinder und dazu noch all dies andere — —““ Sie beendete ihren Gedankengang mit einem ausdrucksvollen Achselzucken, und während sie den Korridor entlangschritt, beschloß sie, sich die ganze verwirrende Angelegenheit aus dem Kopf zu schlagen.
Aber als sie an der Tür zu den Räumen des Herzogs vorüberkam, stutzte sie und blieb stehen, da ihr Blick auf einen Brief fiel, der zur Hälfte unter die Türschwelle geschoben war. Sogar in der Dämmerung, die im Flur herrschte, kam ihr etwas daran bekannt vor. Sie beugte sich nieder und erkannte das Papier von demselben ungewöhnlichen Blau des Briefes, der an diesem Morgen neben ihrer Kaffeetasse gelegen hatte.
Sie mußte immer an diese Ecke von dem blauen Umschlag, der da hervorgelugt hatte, denken, sogar zwischen den Zeilen der Geschichte, die sie Raynald yorlas, tauchte er auf — so klar sah sie ihn vor sich, daß sie beinahe glaubte, das hellblaue Dreieck aus der Brusttasche des Herzogs leuchten zu sehen, als er nach dem Mittagessen seinen Sohn besuchte.
Sie forschte in seinem Gesicht, um herauszufinden, ob er wohl von ihrem Besuch bei der Herzogin unterrichtet sei. Doch nichts in seinem Ausdruck und seiner Haltung ließ darauf schließen, daß seine Frau ihm ihre Version über die Unterredung im Boudoir mitgeteilt hatte. Er schien so strahlender Laune zu sein wie schon lange nicht mehr, und nichts hatte ein glänzenderes Bild sorgloser Kraft bieten können als seine hochgewachsene helle Gestalt in dem maulbeerfarbenen Rock und den taubengrauen Hosen.
(Fortsetzung folgt.)
Darmstadt und Umgebung
Driunerum un drumerum
Ich bin bestimmt net awergleiwisch un 10ß mer net so leicht was vormache awwer mit dene Erdstrahle, do is deß doch so e Sach. Begreife dhu ichs net, awwer gugge se emol, do hot doch de alt Hinkel in de Mansadd alle Samstag e blau Aag un jedesmol haaßts, er wer am Freidaach uff em Haamwäk gestolwett un hiegefalle. Deß muß mit de Lohndutt zammehengge. Die wirkt wie e Winschelrut un reißt en jed Woch um. Un wie is es bei unsere Fußballer? Die hawwe doch als so schee gekennt un uff aamol nix mehr, awwer aach garnix. Do misse aach Strahle schuld seu. Un wann deß zutreffe dhut, do is doch aach des ganz Tibbe for die Gens. For die meiste is es jo aach ohne Erdstrahle for die Gens. Do kann awwer aach e bißje Bech debei seu un wann mer Bech hot, do bricht aam de Finger in de Nas ab. Meu Lißbedd hot e Mordsangst vor dene Strahle un maant, mer kennt sich schitze, wann mer seu Baa, wie die elektrische Dräht, iseliern dhet. Un dodewäje zieht se jetzt nachts wollene Sogge aa und die warm Unnerhos zieht se iwwerhaubt net mehr aus. Leffelsches schlofe mer aach net mehr. Meu Reiße in de Baa kem vun eme mangnedische Feld unner meum Bedd, sekt se, un do schlubbt se net mehr zu mer. Un was hawwe mer uns als so schee gäjeseitig gewärmt. Deß is doch werklich iwwerdriwwe. Mer kann doch net alles uff die Erdstrahle schiewe. Ganz bestimmt net, wann im Wald vun ' Männer blaggeweis Nacktkuldur gewwe werd. Komisch is do doch, daß F S Sort-Strahle bloß uff die Menner Stä ifluß hawwe. Ich bin leider noch kaam einlädche begäjent, des mich uff die Weis errett ferchdisch mache kenne. Ganz verkehrt misse die Strahle scheints uff ältere Menner wirke, weil ewe so viel, die wo ihr ganz Läwe e astennig Familieläwe gefiehrt hawwe, sich uff aamol for de annere Leit ihr Kinner indressiern. So aam mecht ich emol begäjene. Aach uff em Land zeige sich Strahlunge, die mer net mehr mit de menschliche Vernunft begreife kann. Borjemasterkolik in Gernsem, Zwingeberg oder Umstadt, deß is doch aans un desselwe, d. h. de Unnerschied is bloß der, ob die Strahle vum Borjemaster oder vun de Wehler aus ans Daacheslicht kumme, Baabrich kanns in jedem Fall gewwe. Do lob ich mer unsern Ower, der strahlt aach, awwer mit em ganze Gesicht un mit dickere Backe extra, daß er Widder bei uns seu derf. Er hot garnet abwarte kenne, bis er Widder do war un hot extra e Fluchzeig genumme. Un mir strahle, daß mern Widder hawwe un daß er all deß, was er driwwe gesehe un gelernt hot, for unser Wohl gesammelt hot. Mir hawwen en also net for nix un Widder nix fortgelosse. Aans hot mich jo e bißje kobbschei gemacht, weil er glei gesacht hot, in dene ameriganische Großstädt, do hettem die weiträumig Bauweis un die brate Verkehrsstraße ganz besunners imbeniert. So brauch er seum Baudirekter bloß uff die Gei zu redde, do macht der ganz Darmstadt nooch un nooch zu ere aanzige Verkehrsstroß. Dodemit dhete awwer die Dodesstrahle for Darmstadt gradezu gereizt wern, e Wertche mitzeredde. Indem ich unsern Ober, aach in eierm Nome, herzlich in seune Heinerheumat begrieß, winsch ich ihm un eich allminanner en net zu kiehle Sunndach
Eier Anton Berzel.
Herrscherin Mode
im Café Schwarz
Gestern nachmittag fand im Cafe Schwarz eine große Modeschau mit 70 Modellen der Firma W. & P., Damenmoden, statt, an deren Gestaltung auch die Firmen Grete Welter. Schnellbacher, Rieske und Steinmetz sich beteiligt hatten.
Wir werden am Montag eingehender darüber berichten. Heute sei nur der Gesamteändruck festgehalten: die vier Mannequins wußten die jeweils von ihnen getragenen Modelle, vom Morgenrock bis zum Abendkleid, zu voller Geltung zu bringen. Mit der eigenen Note und großzügigen Linienführung der Kostüme. Mäntel und Kleider harmonierten Frisur. Hut. Handtasche aufs beste, so daß der Beifall stes der Gesamtkombination gelten konnte.
Die Preise überraschten zum Teil im guten Sinne, doch konnte auch den verwöhnteste Geschmack in höheren Preislagen befriedigt werden.
Durch die Wiederholungen der Mode¬ ' schau am heutigen Samstagnachmittag und -abend ist noch vielen Gelegenheit gegeben, gute Kleiderkultur zu sehen und anregende Stunden zu erleben. Di.
Plaudereien über Moden
Modeinformationen nennt der Kauijiof seine Modeschauen, die er auf Wunsch der Kundschaft auch in diesem Herbst wieder veranstaltet. Aber es ist mehr als eine Information. Es ist eine richtige, ausgewachsene Schau, mit Musik und der ganzen Atmosphäre, die nun einmal zur Vorführung von Kleidern gehört. Natürlich sollen keine Modelle gezeigt werden, die dem Sinn des Kaufhofes nicht entsprächen. Aus dem riesigen Lager kommen Kleider und Mäntel zur Vorführung. Heute findet die erste Modeinformation im Saalbau Suppes in Ober-Ramstadt um 20 Uhr statt. Nach Ende der Modeschau um 23 Uhr. wie nach dem anschließenden Tanz um 1 Uhr nachts fährt jeweils ein Sonderomnibus der Heag bis Ernsthofen. Am Sonntag, dem 24. September. wird die Schau in Seeheim, im Hotel Hufnagel, um 15.30 Uhr wiederholt. bei der. wie auch bei den drei Tagen in Darmstadt. Kinder»als Mannequins teilnehmen werden. In Darmstadt finden die Modeinformationen im zweiten Stock des Textilhauses des Kaufhofs statt, -st.
Meldefrist bis 7. Oktober
Erfassung des Personenkreises gemäß Artikel 131 des Grundgesetzes
Auf Anordnung' des Bundesministers des Innern werden im Gebiet des Landes Hessen ein Teil der Personen erfaßt, die am 8. Mai 1945 im öffentlichen Dienst standen und zur Zeit dort nicht wieder verwendet werden. Plakate, die eine Aufforderung an die beteiligten Bevölkerungskreise enthalten und den in Betracht kommenden Personenkreis fest umreißen, sind inzwischen an den öffentlichen Anschlagstellen zum Aushang gebracht worden. [
Im Stadtkreis Darmstadt werden die Meldungen in der Zeit vom 29. September bis 7. Oktober 1950 bei den zuständigen Polizeirevieren entgegengenommen. Diese verfügen auch über die notwendigen Formblätter, die von den Betreffenden in doppelter Ausfertigung ausgefüllt werden müssen. Den Meldebogen sollen nach Möglichkeit im eigenen Interesse beglaubigte Abschriften von Ernennungsurkunden, Verdienstbescheinigungen, BDA-Berechnungen usw. beigefügt werden.
Wir machen nochmals ausdrücklich auf die Meldefrist aufmerksam und weisen darauf hin, daß Meldungen, die nach Ablauf der vorgesehenen Frist eingehen, nicht mehr berücksichtigt werden und daß damit ein Verlust der Ansprüche eintreten kann. DT
Falls es heute regnen sollte ...
Falls es heute regnen sollte, an einem Sonnabend, dann hat die Meß begonnen. Das ist ebenso Tradition, wie die Bauern aus dem Odenwald sich auf der Dippe-Meß früher grundsätzlich ihre Milchkrüge kauften und die Kinder ihren Kuckuck aus Ton. Was aber unter allen Umständen geblieben ist, das sind die überfüllten Züge anläßlich der Meßtage.
Der Fremde muß über die Frömmigkeit einer ganzen Familie erstaunt sein, die von der Großmutter bis zum Enkel mit Inbrunst von der Meß reden, und die Mutter sagt mit erhobener Stimme: „Ja, die hab ich noch nie versäumt.“ So .schweigt er kleinlaut, bis ihm klar wird, daß mit den Zuckertüten, der Meerjungfrau und den Luftballons nicht der morgendliche Kirchgang gemeint sein kann.
Womit ich nicht beabsichtige, die Darmstädter Meß ihres beinahe heiligen Glanzes zu berauben, sondern mit einem Blick vor die Kulissen auf dasjenige hinweisen will, was es anläßlich der heutigen Eröffnung zu sehen geben wird. Dabei soll man nicht die Tapferkeit der Eisbuden verkennen, die in ihrer schlichten Vielzahl und bei kaltem Wetter den entschwundenen Sommer dar stellen. Sie überstehen Wind und Regen wie Eis-Notverordnungen, d. i. Suche nach Bakterien und Steueraufschläge. Es haben sich auch manche Neuerungen gegenüber früheren Zeiten aufgetan. Die Windhose zum Beispiel, die man überschreiten mußte, bevor man auf die Teufelsscheibe kam, und deren Attraktion: Sichtbarmachung dessen, was man im Wäschegeschäft kauft, was viele Männer dazu bewegte, eine Dauerkarte zu lösen. Man kann sagen was man will, aber die zersägte Jungfrau ist immer dieselbe, ihr Alter muß inzwischen zugenommen haben. Der Feuerfresser war schon den unteren Klassen der Schule bekannt geworden, seine Technik meine ich, und bei der teuflischen Windhose passierten Frauen aller Altersstufen das Moralin-Gebläse, worunter wahrscheinlich einige auf die Bezeichnung hinter der Säge Anspruch erheben konnten.
Im Herbstsemester der Messe wird eine riesige Achterbahn zu sehen sein wie noch nie. Sie ist ebenso groß wie die Geisterbahn, erstmalig wieder in Darmstadt. Ein kleiner Junge stand gestern bei den Arbeitern und fragte: „Ei, san die Preis bei ihne ihre Geister aach angezoge?“ Womit er sich schon vorher über den sonntäglichen Verbrauch seiner fünfzig Pfennig klar werden wollte, und noch unschlüsssig zwischen der „Moskitobahn“, dem „Indischen Fakir“, einem Luftballon und dem Besuch der Luftschaukel schwankte, deren Eingang mit frisch bemalten pausbäckigen Engeln geschmückt
Selbst wenn es heute bei der Eröffnung regnen sollte, wäre es eine Ungerechtigkeit, unsere alte Darmstädter Meß nicht gebührend zu berücksichtigen. Sie ist und bleibt das Paradies der Kinder und derjenigen Erwachsenen, die noch eine Spur von Romantik besitzen, wenn sie heute wieder dem uralten Zauber der Buden und Stände, der magischen Jungfrau und den Anpreisungen der Glücksräder und Zauberer, Feuerschlucker, den Drehorgeln und dem glücklichen Lachen der Kinder erliegen. -ng-
ist. Der Platz mit den vielen Buden wirkt so beruhigend, weil aufgebaut und nicht demontiert wird.
Pionierarbeit gegen den nassen Tod
Kyritzschule htat 73 Rettungsschwimmer
Gestern morgen versammelten sich in einem Hausflur der Kyritzschule ihre beiden obersten Klassen und eine Klasse der Goetheschule, um der Aushändigung von 33 Grundscheinen der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft an ihre Mitschüler beizuwohnen.
Lehrer W i 1 k i n g, der selbst Anwärter auf den Lehrschein im Rettungsschwimmen ist, hatte es sich zur Aufgabe gestellt, seine Jungen im Schwimmen zu unterrichten und möglichst viele von ihnen zu Rettungsschwimmern auszubilden. Rektor Buß von der Kyritzschule förderte diesen Gedanken, so daß Herr Franz, technischer Leiter der DLRG in Darmstadt, in seiner Ansprache erklären konnte, daß damit an der Kyritzschule eine vorbildliche Pionierarbeit geleistet worden sei, denn in keiner hessischen Schule sei ein derartiger Eifer bis jetzt zu verzeichnen. Es ließen sich bestimmt viele Unfälle beim Schwimmen vermeiden, wenn die Schulbehörden mehr Aufmerksamkeit der Ausbildung im Rettungsschwimmen bei Lehrern wie Schülern schenken würden.
In Zusammenarbeit mit Bademeitser Feldmann hatte Lehrer Wilking in diesem Jahre zwei Kurse im Woog abgehalten, dessen letzter vom 12. August bis zum 4. September für die 13- bis 14jährigen Jungen außerhalb der Schulzeit bei freiwilliger Teilnahme der Schüler lief. Mit den neuen Grundscheininhabem ist die Gesamtzahl der Rettungsschwimmer in der Kyritzschule auf etwa 73 gestiegen. Durch 130 Freischwimmer in diesem Jahr stieg die Gesamtzahl der Schwimmer auf etwa 400. Schon die 12jährigen werden planmäßig zum Schwimmunterricht herangeholt, und im nächsten Jahr beabsichtigt Lehrer Wilking, schon die 11jährigen auszubilden und ihnen dadurch die nötige Sicherheit im Wasser zu geben. Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Schüler der Oberklassen können noch nicht schwimmen.
Nach der Eröffnung des Hallenschwimmbades beabsichtigt Lghrer Wilking mit Badewärter Feldmann während des Winters Rettungskurse für Lehrer abzuhalten, damit in Zukunft alle Eltern ohne Sorge ihre Kinder zum Schulschwimmen im Woog gehen lassen können. agt
Pfarrer Theodor Kempf gestorben
Im 85. Lebensjahr starb Pfarrer Theodor Kempf, der langjährige verdiente evangelische Seelsorger der Gemeinden Zwingenberg und Groß-Gerau. Der Verewigt^ war am 30. März 1866 in Darmstadt geboren und nach Beendigung seiner Theologiestudien und Absolvierung des Predigerseminars im Herbst 1893 als Vikar in Wimpfen zuerst in das geistliche Amt der Landeskirche gekommen. In Steinbach bei Offenbach, wo er im Januar 1896 zum Pfarrverwalter ernannt war, übernahm er am 28. März 1897 als definitiver Pfarrer die dortige Pfarrstelle, um von hier im Sommer 1908 zum zweiten Pfarrer in Groß-Gerau berufen zu werden. Am 29. August 1917 kam er als Seelsorger in die Pfarrei Zwingenberg a. d. 8., wo er auch innerhalb des dortigen Dekanatswahlbezirkes von 1928 bis 1934 dem Zweiten Evangelischen Landeskirchentag angehörte. se
Die Erinnerung daran, was die „Meß“ noch zu Jahrhundertbeginn für Darmstadt und seine weitere Umgebung bedeutete, lebt unverlöscht noch in der älteren Generation weiter. Unser Foto, das wir dem Stadtarchiv verdanken, zeigt die Zeltstadt auf dem Marktplatz. „Weltbazar Kairo“ nennt sich der eine Stand. Daneben gab es noch den Balkan- und den Konstantinopel-Bazar. „Echte“ Teppiche und bunte Tücher hielten sie feil. Vom Schnürriemen über die Hosenträger zu den Ohrmützen war alles zu haben, von den Dippe, die traditionell auf der Messe erstanden wurden, ganz zu schweigen. Als um 1905 die „Schloßfreiheit“ kam, wurde die ganze Messeherrlichkeit auf den Mercksplatz verlegt, auch die Schaubuden und Karussells, die auf dem -Ludwigs- und dem Ludwigsplatz ihren Stand hatten. Die schönste Reitschule besaß damals Peter Eckert aus Osthofen. Bei ihr hingen die Pferde und Schwäne nicht mehr frei in der Luft, sondern standen auf festem Boden.
Wovon man diese Woche sprach
Eine Planderei zum Sountag
Sehr freundlich war das Wetter in der letzten Woche nicht. Die Sonne hatte sich hinter dunkelgraue Wolken zurückgezogen. Hin und wieder wagte sie sich für ein paar Minuten schüchtern hervor. Dann begrüßte man sie wie einen alten Freund, von dem man weiß, daß er nur noch selten zu Gast sein wird. In den Tageszeitungen liest man jetzt die abgedroschenen Lokalspitzen über „Kastanien“. Schon daran erkennt man, daß es Herbst wird, daß sich die Menschen um den Ofen sammeln und alte Geschichten auskramen, Geschichten meist, die mit Kastanien oder Herbstzeitlosen eingeleitet werden. Es ist immer dasselbe ... Wenn sich die Natur zum Winterschlaf vorbereitet, sehnt sich auch der Geist nach Ruhe und Entspannung. Dies äußert sich zunächst darin, daß er unbewußt den Trägheitsgesetzen folgt. Deshalb die Kastanien ...
In etwa hängt das auch mit den Festen zusammen, die hier und dort noch gefeiert wurden und werden. Wenn man nämlich im Kalender nachblättert, kommt kein nennenswertes Fest mehr. Wahrscheinlich haben daß die Bessunger von anno dazumal genau gewußt oder mit Bauernschläue einkalkuliert. Sie rechneten sicher damit, daß die Arheilger, die Eberstädter und auch die Darmstädter zu ihrer Lappingskerb kommen würden. Gewiß haben sie auch dieses Jahr richtig getippt, denn wir waren auch da, haben, wie viele andere, einige neue papierene Markscheine an den Buden und in den Gaststuben liegen lassen. Da jedoch, wie oben bereits festgestellt, der Geist anfängt, träge zu werden, bedauern wir das nicht, sondern bedanken uns sogar noch bei den Bessungern für die schönen Stunden, die sie uns bereitet haben. Ein Glück, daß der Lapping am geschmückten Kerwebaum hochgezogen wurde. Er hätte sonst — hätte er tiefer gehangen — in den drei Tagen seiner symbolischen Haltung höchstwahrscheinlich einen sehr penetranten Geruch von sich gegeben. Andrerseits war das Wetter für den Lapping selbst sehr günstig — es war kühl und feucht —, für die Kerwebesucher hingegen war es weniger angenehm, da sie mehr oder minder ans Festzelt gefesselt waren, vorausgesetzt, daß es ihnen im „Paradies“ nicht besser gefiel. Immerhin behaupten manche Besucher, die Bessunger Lappingskerb sei für sie eine Erholung gewesen.
Bestimmt aber glauben wir das den Darmstädter Kindern, die von einem sechswöchigen Erholungsurlaub aus Borkum zurückgekommen sind. Prachtvoll, diese Kleinen zu sehen, deren von Seeluft geröteten pfirsichweichen Wangen vor Erregung glühten, als sie ihre Muttis oder Vatis umhalsten und voller Eifer berichteten, daß „Tante Hanna“ ganz prima gewesen sei. Manche Mutti, die neugierigeifersüchtig die Frage stellte, ob Sputzi kein Heimweh gehabt habe, schlug enttäuscht die Wimpern nieder, wenn sie hören mußte, daß Sputzi kein Heimweh gehabt, sondern im Gegenteil fast geheult habe, als es von Tante Hanna den Abschiedskuß bekommen habe. Oh, sagte da die Mutti und wurde ganz still. Vielleicht spürte sie zum ersten Male, daß ihr Kind ihr nicht immer gehören wird. Das tut im ersten Augenblick weh. Sehr weh. Aber dann ist Mutti wieder ganz Mutti, und ihr Sputzi darf so lange erzählen, bis es übermüdet im Schoß der Mutti die Augen schließt. Das ist dann der Augenblick, in dem die Mutti über das seidenweiche Haar ihres Kindes streicht und sich an ihre eigene Kindheit zurückerinnert.
Nicht ganz so gelöst wird es der Mutter zumute sein, deren läjähriger Junge, ein etwas zu schnell gewachsener, intelligenter Bursche, in diesen Tagen zu einem Jahr Jugendgefängnis verurteilt wurde. Die Hintergründe, warum der Junge auf die schiefe Bahn gekommen war, kennt man nicht genau. Man weiß nur, daß er bis zur Schulentlassung makellos war, dann seinen Meister bestahl, 20 Mark, die er von seiner Mutter bekommen hatte, um eine Rechnung zu begleichen, unterschlug und Sich in einem Keller in der Künstlerkolonie einquartierte, von wo aus er seine Räuberfeldzüge unternahm. Angeblich liebte dieser Junge die Freiheit über alles. Er liebte aber auch billige Kriminalromane und Abenteuer- und Wildwestfilme. Die alte Geschichte, die uns wieder einmal beweist, daß es höchste Zeit ist, Kitschromane und -filme aus dem Verkehr zu ziehen. Schon oft haben wir uns über das mangelnde psychologische Verständnis manches Filmtheaterbesitzers gewundert. Müssen wir es erst aussprechen, daß die Jugend, die sich in den Pubertätsjahren befindet, von einem Heldendasein träumt und davon, wie sie die Polizei naseführen kann? Ihr sind ihre Handlungen meist unbewußt. Bewußt aber ist ihr, daß sie in Kitschromanen und Kitschfilmen Anregungen bekommen kann. Der verurteilte Junge sagte zu dem Richter: „Ich wollte mehr Geld haben ...“ Und wie man auf leichte Art zu Geld kommen kann, wird einem in diesen Filmen nahegebracht. Gibt das nicht zu denken? Jedenfalls ist es höchste Zeit, daß der Schmutz- und Schund-Parasit auf dem Scheiterhaufen endet.
Erfreulich, daß unsere turbulenten Zeitverhältnisse hin und wieder mal eine gute Frucht treiben. Angenehm empfinden wir es, daß sich das „Nachbarschaftsheim“ um gute, erzieherisch wirkende Jugendliteratur bemüht. Durch seine finanzielle Lage ist das Nachbarschaftsheim leider nicht in der Lage, die von ihm geplante Bibliothek aus eigenen Mitteln anzuschaffen. Zugleich mit dem Nachbarschaftsheim verbinden wir die Bitte, daß die Bevölkerung einmal ihre geretteten Bücherbestände durchschauen und spenden möge, was sie entbehren zu können glaubt. Gesucht werden vom Nachbarschaftsheim Bilderbücher, Märchen und Sagen, gute Erzählungen, Kurzgeschichten, Romane, Reise- und Abenteuerbücher, kurz Bücher, die von seltsamen Wundern berichten, von denen die Menschen umgeben waren und umgeben sind, und die die Phantasie der Jugend zum Guten anregen. „Schenkt uns gute Bücher“ lautet der Mahnruf, mit dem das Nachbarschaftsheim an die Bevölkerung herantritt. Man wünschte, daß dieser Ruf nicht ungehört verhallen möge. Maximilian
Zum Gedenken
von Robert Schneider und Heinrich Rüthlein.
„Dem feiernden Gedächtnis zweier Darmstädter Mundartdichter ist der heutige Abend geweiht“, sagte Lehrer Luckow zur Einführung seiner Rezitationen von Heinrich Rüthlein und Robert Schneider und umriß die Entwicklung und den Lebenslauf der „in ihren Anlagen nicht ohne Aehnlichkeit“ gewesenen Dichter. „Beide absinkend von einer gewissen Erfolgshöhe in ein frühes seelisches Altern der Vergrämtheit im Kampf mit äußeren und inneren Nöten.“ — Aus innerer Verwandtschaft veranlaßte Heinrich Rüthlein auch, anläßlich der Enthüllung der Gedenktafel für Robert Schneider die Schwanenstraße in Robert-Schneider-Straße umzubenennen.
Nach dem mit herzlichem Beifall aufgenommenen Vortrag las die Tochter Robert Schneiders, Frau Stolzenberger, aus den Werken ihres Vaters. Auch hier Freude und Beifall der Zuhörer für die humorvoll vorgetragenen Gedichte und Erzählungen. Rüthleins Dichtungen werden übrigens vom C. L. Wittich-Verlag herausgegebeh. Sg.
Das Promenaden-Konzcrt Im Herrn¬ garten, ausgeführt vom Darmstädter Orchester für Berufsmusiker, findet, wie üblich, am Sonntagmorgen von 11 bis 12 Uhr statt.
WIE-WIRD-DAS- WETTER
Trocken und wärmer
Vorhersage: Am Samstag wechselnd bewölkt mit Aufheiterungen, nur noch vereinzelt Schauer. Am Sonntag heiter bis wolkig und trocken Tagestemperatur etwas ansteigend, nachts noch sehr frisch. Abflauende westliche Winde. Weitere A u s sichten: Trocken und tagsüber wärmer.
Hinter der Stadtkirche am 14. Juli 1835...
Alte Grundsteinlegungsurkunde freigelegt
Bei der Sprengung von Grundmauerresten unter Leitung von Sprengmeister S c h m u n k auf dem Platz hinter der Stadtkirche wurder gestern nachmittag von Maurerpolier Georg Herbert von der Strabag und Bauarbeiter Ludwig G e r n a n d von der Städtischen Trümmerbeseitigung ein Grundstein aus rotem Sandstein freigeigt, der die Inschrift „Den XIIIL Juli 1835“ trug. Bei der Oeffnung des GUrundsteines unter Aufsicht von Herrn Beyer vom Stadtarchiv kam ein interessantes Stück Darmstädter Geschichte zutage, an der Stelle, an der jetzt unter der Leitung von Architekt Georgi die „Läden hinter der Stadtkirche“ entstehen sollen.
In dem roten Sandstein war in einer verlöteten Zinkkapsel eine mit Zink zugepfalzte Glashülse eingeschlossen, die die auf Pergament geschriebene Grundsteinurkunde und ein bei gelegtes Stadtsiegel der alten Art mit Kugel und Balken und der Umschrift ..Bürgermeisterev Darmstadt“ enthielt. An dieser Stelle wurde im Jahre 1835 die evangelische Mädchenschule erbaut, die später zur Städtischen Feuerwache umgewandelt wurde. Die Urkunde hatte unter anderem folgenden Inhalt: ..Im Jahre Christi Eintausend Acht Hundert Fünf und Dreißig.am 14. Juli und im fünften Jahre der glorreichen Regierung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein Ludwig 11. wurde der Grundstein dieses zur Bildung der Schuljugend der hiesigen evangelischen Stadtgemeinde bestimmten Gebäudes gelegt in Gegenwart des Großherzogbchen Provinzial Commissair der Provinz Starkenburg und Kreisrath des Kreises Darmstadt Carl Ernst August Rinck Freiherrn von Starck, des die Stelle eines Bürgermeisters versehenden ersten Beigeordneten Andreas Darmstaetter und des hier unterschriebenen Gemeinderaths ..“
Sodann wird mitgeteilt, daß die Kosten des Gebäudes von der Stadtkasse getragen wurden und die Bauleitung der Großherzogliche Provinzial- und Kreisbaumeister Dr. Georg August Lerch inne hatte. Von besonderem geschichtlichem Interesse für Darmstadt sind die Unterschriften des „Gemeinderathes“, denn unter ihnen finden sich eine große Anzahl bekannter Namen, die trotz der Zeit von 115 Jahren nicht ihren Glanz in Darmstadt verloren haben.
Andreas Darmstätter wurde später Bürgermeister. Georg Liebig war der Vater von Justus von Liebig und führte in der Großen Kaplaneigasse einen Handel mit Farben und Chemikalien. Ernst Emil Hoffmann baute die Darmstädter Wasserleitung. E. (manuel) Merck gründete die große chemische Fabrik. W. Wenck wurde mit seinem Namen oder mit dem eines Anverwandten durch die Wenckstraße verewigt. Ja u p wurde später Ministerialrat. H. Böttinger, F. L. Soeder und Valentin Allmann sind uns unbekannt. I. G. Kahlert wurde später Oberbürgermeister, wurde durch die Benennung einer Straße nach ihm geehrt und gründete die Versicherungsfirma I. G. Kahlert. Ludwig Boßler ist als Name einer Firma noch heute bekannt. Johann Nicolaus Gütlich unbekannt. W.
Kr i e gc k schrieb als Historiker in späteren Jahren seine Darmstädter Jugenderinnerungen. Ph. Wiener ist möglicherweise der Begründer der gleichnamigen Brauerei und Namensgeber der Wienerstraße. J. J. Diefenbach gründete die noch heute bestehende Essig- und Weinhandlung. Johann Jordan, A. Schwarz, Carl Netz, Michael Harr e s , Aug. Emmerling sind uns nicht bekannt.
Den Abschluß der Urkunde bildet die Unterschrift des Kreisbaumeisters Georg August Lerch und des Bauaufsehers G. Stössel.
Auf diesen Fund, der vom Stadtarchiv in Verwahr genommen wurde, schauten gestern, nach 115 Jahren, 2 Monaten und 6 Tagen erstmalig wieder die Augen vieler neugieriger Darmstädter, die zu der Baustelle durch da- schnell bekanntgewordene Ereignis gelockt worden waren.
Anm. der Redaktion: Einen besonderen Briefkasten für alle diejenigen, die über die Mitglieder des damaligen Gemeinderates mehr wissen, als wir gestern abend wußten, haben wir bereits aufgestellt. DT
In der Stadt notiert
Zu einer Bach-Feier versammelten sich am 21. September im Saale des Amerika-Hauses die Lehrer, Schüler und Elternbeiratsmitglieder des Liebig-Realgymnasiums. Gesangschöre, Klavier-, Lied- und Gedicht-Vorträge umrahmten die Gedenkrede von Oberschullehrer Ehm. Eine Trio-Sonate, dargeboten durch das Münch-Trio und ein Cello-Vortrag von Dr. Büttenbender trugen in hohem Maße zum Gelingen der Feier bei.
Ein Schulfest veranstaltet am Samstag, dem 23. September, im Gasthaus „Zum Schwanen“ in Arheilgen das Ludwigs-Real-Gymnasium. t-s
Der Verband der Burschenschaftler wurde dieser Tage wieder für Darmstadt konstituiert. An der am 23. und 24. September in Bingen stattfindenden großen Burschenschaftlertagung werden Alte Herren und Delegierte der 6 Darmstädter Burschenschaften teilnehmen. Das für diesen Winter ausgearbeitete Programm sieht neben verschiedenen gesellschaftlichen Veranstaltungen Vorträge aus allen Wissensgebieten durch hervorragende Fachleute und Besichtigungen von Ausstellungen und größeren Bauwerken vor. t-s
Die ersten Flugmeldungen des Luft¬ ballon-Wettfliegens des Jugendrotkreuzes vom 16. September in Darmstadt liegen bereits vor. Die Ballone sind zum größten Teil nach Baden und Württemberg abgeflogen, ein Teil blieb schon im Odenwald hängen. Insgesamt sind bisher 90 Grüße mit den anhängenden Flugkarten eingetroffen. Der bisher weiteste Flug wurde aus der Schweiz (St. Gallen) gemeldet, auf der Karte Nr. 26095.
Opernschule und Orchester der Hes¬ sischen Landesmusikschule führen heute in der Stadthalle die Oper „Der Holzdieb“ von Heinrich Marschner, die in Darmstadt bis jetzt noch nicht gebracht wurde, auf. Der Abend beginnt mit der vom Orchester begleiteten Kantate „Von edler Art“ von Wilhelm Petersen.
Ein Platzkonzert in Eberstadt veranstaltet heute das Darmstädter Orchester für Berufsmusiker in der Zeit von 16 bis 17 Uhr. Ein gleiches Konzert wird am darauffolgenden Samstag in Arheilgen veranstaltet werden.
„Verbaost“, der Verband ostvertriebe¬ ner Beamter und Angestellter der öffentlichen Dienste, Kreisverband Darmstadt, hält seine nächste Zusammenkunft heute im Hotel Knauf, Bleichstraße, um 17 Uhr ab.
Zur Besichtigung unserer zertrümmer¬ ten Stadt besuchte gestern morgen eine schwedische Reisegesellschaft aus Nyköping Darmstadt. DT
Das Darmstädter Forum wird in seiner am Donnerstag, dem 28. September, um 20 Uhr, in der Technischen Hochschule stattfindenden Versammlung über das Thema „Jugend in Gefahr“ diskutieren.
In lebensgefährlichem Zustand mußte arr Freitag ein Kind ins Krankenhaus eingeliefert werden, das die Bessungerstraße überqueren wollte und dabei gegen den vorderen Kotflügel eines Personenwagens lief. st.
Verkehrsregeluns auf der Herbstmesse
Das Polizeipräsidium macht darauf aufmerksam, daß nach den Bestimmungen der Polizeiverordnung vom 6. 12. 24, die Abhaltung der Frühjahrs- und Herbstmesse betreffend, aus Gründen der Verkehrssicherheit Fahr- und Motorräder, Hunde, Kinder- und Handwagen aller Art nicht auf den Meßplatz mitgebracht werden dürfen.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie: 19.30 „Maske in Blau“, Operette von Fred Raymond, Ende gegen 22.00. T.iräiteniplthpai.Ai“ TTninn’ Tr» rlor»
uicntspieitheater: Union: „In den Klauen des Borgia“; Thalia: „Sindbad der Seefahrer“; Belida: „Venus im Auto“ und Nachtvorstellung: „Faustrecht der Prärie“; Palast: „Die Hölle von Oklahoma“; Hansa: „Königsliebe“ und Nachtvorstellung: „Orient-Expreß“.
Amerikahaus: 19.30 Film- und Lichtbildervortrag: „Von Kapstadt bis Tripolis durch unbekanntes Afrika“ von Karl Oelbermann.
Techn. Hochschule: 15.00 Aula: Allgem. Beamtenschutzbund; Sprecher: Reg.-Dir. a. D. Dr. Krummacher, Kassel, „Ueber die Grundlagen des Staates“.
Da-Eberstadt: 16.00 bis 17.00 Bürgermeisterei: Platzkonzert vom Darmstädter Orchester für Berufsmusiker.
„Verbaost“, Hotel Knauf: 17.00 Zusammenkunft des Kreisverbandes Stadt und Land.
...und morgen?
Landestheater: wie Samstag Lichtspieltheater: wie Samstag Stadt-Herrngarten: 11.00 bis 12.00 Platzkonzert vom Darmstädter Orchester für Berufsmusiker.
Treuhänderschaft der Heimkehrer: Alexanderstraße 23 (Brauerei Fey), 10.00 monatl. öffentl. Aussprache und Vortrag: „Pflicht- und freiwillige Mitgliedschaft“ von Direktor Heil, AOK Darmstadt.
Bereitschaftsdienst am Sonntag
Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst: (vom 23. 9. 13.00 Uhr bis 30. 9. 8.00 Uhr).
Darmstadt: Adler-Apotheke, Mathildenplatz 20; Gutenberg-Apotheke, Kittlerstr 34.
Darmstadt-Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Str. 26.
Darmstadt-Arheilgen: Arheilger Apotheker, Dieburger Str. 20.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst (v. 10 bis 12 Uhr): 24. 9. Zahnarzt D r. Fuchs, Darmstadt, Prälat-Diehl-Str. 38.
Sonntagsdienst der Dentisten (v. 10 bis 12 Uhr): 24. 9. Dentist Wilhelm Weidner, Darmstadt, Landwehrstr. 14.
Wir gratulieren
75. Geburtstag: Herrn Philipp Nothnagel, Darmstadt, Im tiefen See 24 (24. 9.).
Acht-Tagesjagd auf die Verkehrssünder
Verkehrserziehung soll Pflichtfach in den Schulen werden
In der Woche vom 23. bis 30. September wird in Hessen eine Verkehrsüberwachungswoche durchgeführt. Alle bisher in dieser Hinsicht durchgeführten Aktionen haben zu keinem nennenswerten Erfolg geführt. Die ständig steigenden Verkehrsunfallziffern zeigen vielmehr, daß das Gegenteil der Fall ist. Die Stunde fordert die Erschöpfung aller Mittel, um dieser unheilvollen Entwicklung mit Erfolg entgegenzutreten.
Die Kurve der Unfälle ist in den letzten Jahren erschreckend angestigen. Waren es 1947 3537 Verkehrsunfälle mit 472 Toten, so sprang die Ziffer 1948 auf 4966 Unfälle, die 543 Tote verursachten. 1949 waren es bereits 15 865 Verkehrsunfälle, bei denen 469 Menschen ums Leben kamen und für 3,7 Millionen DM Sachschäden verursacht wurden. Aber immer ist die Kurve noch im Steigen. Allein im ersten Halbjahr 1950 zählte man 10 588 Verkehrsunfälle mit 224 Toten und einem Gesamtschaden von 2,8 Millionen DM. Das Problem des Verkehrsunfalles geht jeden — einerlei ob Kraftfahrer, Radfahrer oder Fußgänger — an. Deshalb ist auch die Mithilfe der Bevölkerung nicht zu entbehren. Von ihrer Seite her ist von der freiwilligen Selbsthilfe mancher Erfolg zu erwarten, weil dadurch der Gedanke der Unfallverhütung an die weiteste öffentlichkeit herangetragen wird. In diesem Zusammenhang ist auch an die Wiedereinrichtung der Verkehrs wacht gedacht worden, die vor dem Krieg bereits bestand, und deren Tätigkeit zu Anfangserfolgen geführt hat. Diese Einrichtung soll alle erfassen, die für eine sinnvolle Gestaltung des Straßenverkehrs in Frage kommen: die Kraftfahrer — vertreten durch ihre Organisationen — die Straßenverkehrsgenossenschaft — die die Transportunternehmer umfassen — weiter die öffentlichen und privaten Omnibusunternehmen, die Straßenbahngesellschaften, die technischen Überwachungsvereine, die Sachverständigen und Fahrlehrer, die Autofabriken, -händler und -reparateure, Parkplatzunternehmer u. a. m.
Im Mittelpunkt der Aufgaben, die dem Verkehrsproblem dienen, muß aber die behördliche Lenkung stehen, die laufend die neuesten Erkenntnisse und Erfahrungen auswertet, die bei der Verkehrsüberwachung gemacht werden. Deshalb wurde z. B. der Landespolizeischule in Hofgeismar ein Verkehrsreferat angegliedert. Zu seiner Unterstützung wurde ein aus anerkannten Fachleuten bestehender Verkehrsausschuß ins Leben gerufen.
Verkehrserziehung fängt bei der Jugend an
Eines der wirksamsten Mittel zur Hebung der Verkehrssicherheit ist die Verkehrserziehung. Die vielfach in den Städten veranstalteten Verkehrserziehungswochen haben sich allerdings nicht besonders bewährt, weil der Aufwand in keinem Verhältnis zu der Wirkung stand. Es ist vielmehr besonderes Gewicht darauf zu legen, die Jugend durch einen lehrplanmäßigen Unterricht in den Schulen durch pädagogisch befähigte Polizeibeamte über die Verkehrsgefahren und die Verkehrsvorschriften zu belehren. In Hessen ist derartiger Unterricht bereits in einigen Schulen eingeführt, und es ist erstrebenswert, Verkehrsunterricht in allen öffentlichen Schulen als Pflichtfach einzuführen. Bei der Durchführung dieses Unterrichts wäre Bedacht darauf zu legen, daß die Kinder selbst handelnd mitwirken. So werden sie am ehesten zu verkehrsmäßigem Verhalten angeregt. Die Stadt Hamburg gibt hier ein lehrreiches Beispiel, denn dort ist die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Kinder um 50 Prozent zurückgegangen. Dabei wirken Kinder, die im Verkehrswesen unterrichtet wurden, verkehrserzieherisch auch auf ältere Angehörige ein.
Hand in Hand mit einer intensiven Verkehrserziehung muß naturgemäß eine zielbewußte Verkehrsüberwachung gehen. Das gilt insbesondere für die letzte Septemberwoche. Standkontrollen, fliegende Streifen der Gendarmerie und Polizei, die Beamten des Zoll- und Fahndungsdienstes werden ein besonderes Augenmerk auf folgende Punkte richten: Verkehrsrichtiges Verhalten aller Verkehrsteilnehmer, Überprüfung des technischen Zustandes aller Fahrzeuge, Überprüfung des Ladegewichts und (bei Personenbeförderung) der bestehenden Sicherheitsvorschriften, Einhaltung der Geschwindigkeitsvorschriften, Kraftfahrzeugpapiere, Fahndung nach gestohlenen Fahrzeugen. Zusätzlich sind landwirtschaftliche Fahrzeuge aller Art zu überprüfen mit besonderem Augenmerk auf die Verwendung der in der Land- und Forstwirtschaft benutzten Anhänger, mit denen oft wesensfremde Fahrten durchgeführt werden. Die Kontrollen werden ununterbrochen vorgenommen; alle Verkehrsdelikte werden unnachsichtig zur Anzeige gebracht, verkehrsgefährdende Fahrzeuge sichergestellt. RG
Der Allgemeine Beamtenschutzbund hält am Samstag, dem 23. September, in der Aula der Technischen Hochschule, nachmittags 15 Uhr, eine Mitgliederversammlung ab. Regierungsdirektor Dr. Krummacher aus Kassel spricht über „Die Grundlagen des Staates“. t—s
DT Film-Forum
So frisch und natürlich!
Nicht wahr, das sieht man . . . und es müßte doch wahrhaftig seltsam zugehen, wenn man das nicht gern sehen würde! Kindlich frisch, unbekümmert, nicht etwa ein Stückchen Land in künstlicher Aufmachung, sondern ein echtes Landkind, bodenständig gewachsen: So blickt sie uns an, die junge Lore Frisch, deren Name so hundertprozentig zu ihr paßt.
Zunächst einmal erfahren wir von ihr, daß sie vom dicken Lande stammt. Mit allerlei Tieren hatte sie von klein auf zu tun, ritt auf Ochsen und Pferden, rutschte auf dem Heuboden herum und fuhr am liebsten auf rumpelnden Leiterwagen. Wenn es regnete, saß sie am liebsten im Holzschuppen und träumte vor sich hin — draußen trommelte der Regen auf Dächer und Baumblätter herab, kn Holzschuppen aber roch es nach Baurnrinde, Harz und Sägespänen. In solcher ländlichen Umgebung wurde Lore Frisch ein frisches, kerngesundes großes Mädchen.
Daß sie schon mit fünf Jahren schwimmen konnte, mit sechs Jahren ski- und Schlittschuhlaufen, daß sie schon als kleines Mädel große Radtouren gemacht hat — das paßt wundervoll zu allem, was man von ihr hört und was man ihr eigentlieh schon ansieht. Aber nicht nur in diesen sehr ländlichen Uebungen trainierte sie sich frühzeitig: Akrobatik und Spitzentanz kamen bei ihr zu den bubenhaften Betätigungen bald genug hinzu. Entzückend weiß sie von all ihren kleinen Jugenderlebnissen zu berichten. Sie lernte einerseits die Klassiker kennen und zugleich anderseits . • . kochen! So unbekümmert stellt sie Schiller und Goethe neben die nahrhafte Kochkunst! Für ein richtiges Kind vom Lande gehört es sich wohl so ... Die Klassiker studierte sie zu ihrer eigenen Freude, das Kochbuch zur Freude ihrer Mutter. Jeder bekam sein Teil, und die Lore Frisch gedieh dabei ganz ausgezeichnet!
So ausgezeichnet, daß sie nach beendeter Schulzeit im Reichenhaller Bauerntheater mitspielte. Dann allerdings forderte man andere Pflichten von ihr: fünf Monate Landarbeit, sieben Monate Munitionsfabrik. Da wurde ihr nichts geschenkt, da hieß es zupacken und hart arbeiten! Aber bei all dieser Arbeit blieb die Sehnsucht rach dem Theater immer lebendig, denn keine Macht der Welt kann sie zum Schweigen bringen, wenn sie erst einmal erwacht ist. Doch alle Sehnsucht nützte nichts, zunächst ging es nun einmal abwechslungshalber zur — Marine! Zwei Jahre tat Lore Frisch Bienst als Sanitätshelferin, sah viel Leid und erlebte manche kleine bescheidene Freude und war eines Tages restlos begeistert, denn da gab es eine kleine Soldatenbühne, und als Hilde in „Hilde und die 4 PS“ konnte sie wieder Bühnenluft atmen. Es war ein kleiner Besuch beim Theater. Nach Kriegsende mußte sie bei einem Gärtner arbeiten, umleben zu können, und da paßte dies Landkind ganz gut hin, bis ... bis es endlich doch wieder zur Bühne hinfand. In den „Ostfriesischen Kammerspielen“ fing endlich das erträumte Bühnenleben an. Freilich zunächst als ...Souffleuse! Dann durfte sie aber auch schon mal ein Dienstmädchen spielen, danach die Magdalena im Apostelspiel, es kam die Paula in der Spanischen Fliege, das Trudchen in Johannisfeuer .. .-und so ging es also weiter, aufwärts.
Dann ist sie beim Film angekommen, als Nannerl in der „Seltsamen Geschichte des Brandner Kaspar“, und so wird sie nun der breitesten Oeffentlichkeit bekannt.
Was wir ihr — und 4ns — wünschen? Daß sie immer ein wenig von ihrer oberbayerischen Gebirgsatmosphäre behalten möge. So viel Frische wie bei Lore Frisch tut unserem deutschen Film auf alle Fälle gut... (Foto: Bavaria-Film)
LORE FRISCH
Neue Filme in Darmstadt
PALAST. „Die Hölle von Oklahoma“. Der Titel verrät schon einiges von der Handlung des Films, die — nachdem wir den Import der begehrten Wildwestfilme über uns ergehen lassen mußten — durchaus nichts neues bringt, den Besuchern jedoch vom ersten bis zum letzten Bild fesselt. In der Tat: „Caramba!“ möchte man manchmal rufen und sich — wie die verwegenen Wildwestreiter — den Ärger von der Seele schlagen. Gedroschen wird ganz gehörig in diesem Film, Tote gibt es überraschend wenig. Die Helden sind diesmal auch dieselben, die wir aus anderen Filmen her kennen: Er, ein hochgewachsener Kanadier mit breiten Schultern, schmalen Hüften und einem faszinierenden Lächeln um männlich schöne Lippen, Sie, diesmal eine Schriftstellerin, die sich von ihm und seiner harten Umwelt erst belehren lassen muß, daß man auf theoretischen Prinzipien kein Leben aufbauen kann. Ums Geld geht’s schließlich aber allen, womit wieder einmal der Beweis erbracht wurde, daß es auch zur Zeit der amerikanischen Oelpioniere wenig Idealisten gegeben hat. Im übrigen ist der Film rechf gut gemacht und durch überraschende Gags wurde erreicht, daß das Publikum hin und wieder den Atem anhält und Sekunden später erlöst aufseufzt. zr
BELIDA. „Venus im Auto“, ein Film, unbeschwert von Problemen, mit geringer Kernhandlung und viel Aufwand. Aber der Aufwand ist nett, spritzig und humorvoll. Bis auf wenige Szenen, die als überdehnt langweilen, ist das Ganze ein einfallsreicher Streifen, der zeigt, zu welch komischen Verwirrungen die durch Kriminalromane genährte Abenteuerlust eines weltfremden, jungen Wissenschaftlers führt. Die Synchronisation ist gut gelungen, die Kamera arbeitet flott Und fügt der szenenbeherrschenden Handlungskomik manche visuelle im raschen Vorübergehen hinzu. Das französische Ensemble mit; Micheline Presle, Gerard Philipe, Marcelle Arnold in den Hauptrollen zeigt amüsantes Zusammenspiel, und der Regie von Jean Boyer glückte es, aus dem Nichts ein harmlos vergnügliches Etwas zu machen. Di
Neue Kräfte am Landestheater Curt Haug Oberspielleiter der Oper, kommt von den Bühnen der Stadt Göttingen, an denen er von 1948 bis 1950 in der gleichen Position tätig war. Als 1. Regisseur der Oper wirkte er von 1943 bis 1948 in Leipzig. In seiner Inszenierung wird am Freitag dem 29. September, die Oper Fra Diavolo“ von Francois Auber ihre Neuauf-Juhrung erleben. Foto: Refoli-Göttingen
Der „Theaterring Odenwald-Bergstraße“ des Landestheaters kann für die Spielzeit 1950/51 über 2000 Theaterfreunde aus 78 Orten in der weiteren Umgebung aufweisen. Die Theaterbesucher werden in dreiwöchigem Abstand mit Omnibussen zu den Vorstellungen nach Darmstadt gebracht.
STARKENBURG
Tendenz: steigend
Es gehört heute beim Lesen einer Zeitung keine besondere Aufmerksamkeit dazu, eine klare und erschreckende Feststellung treffen zu können, die so bedenklich ist, daß man nicht mit einem Achselzucken an ihr vorbeigehen kann.
Wollte man als Redakteur einer Tageszeitung, um diesen Vorgang noch besser zu veranschaulichen, dazu übergehen, die täglichen Meldungen, die beispielsweise: „Vom Start in den Tod... Mistgabel diang ins Bein... Beim Obstpflücken verunglückt... Im Salto in den Graben ...“ usw. lauten, besonders kenntlich machen, So würde man sie gesammelt an eine bestimmte Stelle der Seite setzen (wie wir dies bereits ausführten). Der Leser könnte dann die Feststellung treffen, daß sich der Raum dieses Platzes ständig vergrößern und bald einen gewissen täglichen Rahmen sprengen würde.
Läßt man sich nun nicht nur vom optischen Vorgang beeindrucken, sondern nimmt die Statistik zur Hand, die ja nun einmal alle Fälle registriert, so sind die auf tretenden Zahlen eine erschreckende Mahnung. Während in Hessen die Verkehrsunfälle sich im Jahre 1947 auf insgesamt 3537 Fälle beliefen, wuchs diese Zahl im Jahre 1948 auf 4966 an, um 1949 bereits 15 865" zu umfassen.
In diesem Jahr nun besteht die Aussicht — so bedauerlich dies auch sein mag — einen „Rekord" aufzustellen. In den ersten sechs Monaten waren nämlich bereits 10 588 Unfälle zu verzeichnen. Und während der entstandene Schaden im vergangenen Jahr insgesamt 3 700 000 DM betrug, ist in der ersten Hälfte des laufenden Jahres bereits ein Schaden von 2 800 000 DM entstanden. Das heißt, ganz nüchtern betrachtet, daß er bei anhaltender Entwicklung zum Ende des Jahres jenen des Vorjahres um 51 Prozent übersteigen wird!
Eine Feststellung, die zu denken gibt. Die nicht zuletzt dazu führte, daß der Innenminister für die Zeit vom 23. bis 30. September die Durchführung-einer Verkehrs überwac h u n g s wo ehe in Hessen angeordnet hat. Sicherlich wird es hierbei wieder genügend Beanstandungen geben. Weil sich die Wenigsten Kraftfahrzeugbenützer die Zeit nehmen, ihre Fahrzeuge einer laufenden Instandsetzung zu unterwerfen. So daß ständig Fehler auftreten, die zum großen Teil verkehrsgefährdend sind. Die nicht rechtzeitig abgestellt werden, wenigstens solange nicht — reden wir doch offen — bis es wieder einmal geknallt hat. Dann ist es jedoch meist zu spät. Upd das Krankenhaus kann einen neuen Insassen aufnehmen. Oder der Standesbeamte schreibt eine Sterbeurkunde aus ...
Man sollte daher noch einmal an das Gewissen der Kraftfahrer appelliereri—, wehn das aber nichts nützt, strengste Strafen für jeden ansetzen, der das Leben und das Eigentum des anderen gefährdet oder beschädigt. Die Statistik ist ein unbarmherziger Mahner. Ich weiß nicht, ob wir es uns leisten können, auch weiterhin von der steigenden Tendenz der Unfälle sprechen zu müssen. . Arco.
Präsident der Amerikahilfe in Wolfskehlen
DT-Interview mit Mr. Hofmann
Der Präsident und Gründer des amerikanischen Hilfswerks für Deutschland, Mr. Hofmann, sprach am Donnerstag abend im überfüllten Rathaussaal in Wolfskehlen zu der Jugend und den zahlreich erschienenen Einwohnern.
Mr. Hofmann, ein gebürtiger Wolfskehlener, ist bereits vor 30 Jahren nach Amerika ausgewandert. In einem Kurzreferat schilderte er die Verhältnisse, wie sie in Amerika sind, gegenüber denen in Deutschland und wie die Deutsch-Amerikaner während des Krieges behandelt wurden.
Mr. Hofmann führte aus, daß sie, die Deutsch-Amerikaner, als die Vertreter Deutschlands in Amerika betrachtet werden. Keiner würde erkennen, wie sehr sie im Ausland für Deutschland arbeiten. Nach dem Kriege hätten die Deutsch-Amerikaner besonders gezeigt, daß sie deutsches Blut in den Adern haben, als sie gleich nach 1945 das Deutsch-Amerikanische Hilfswerk gründeten. Dieses Hilfswerk sammelte ungefähr 370 Millionen Dollar und schickte unzählige Pakete in die alte Heimat. Zum Schluß brachte er den Wunsch zum Ausdruck,, daß Deutschland Amerika die Hand reichen möge, um mitzuarbeiten zum Frieden der gesamten Welt.
Wir hatten anschließend Gelegenheit, noch einige Fragen an Mr. Hofmann zu richten: ~ _
„Mr. Hofmann, würden Sie unseren Lesern sagen, ob Sie in Ihrer Eigenschaft als Präsident des Amerikanischen Hilfswerks oder nur zum Besuch Ihres Bruders nach Deutschland kamen?“
„Ja, meine erste Aufgabe war die* mich nach dem Rechten zu erkundigen, ob die zu Millionen nach Deutschland verschickten Pakete und Spenden auch richtig verteilt wurden und inwieweit wir unser Hilfsprogramm noch verbessern müssen. Als zweite und Hauptaufgabe stellte ich mir das Flüchtlingsproblem, das ja für Sie hier in Deutschland auch fast, ein unlösbares ist. Unsere Bestrebungen gehen dahin, den Flüchtlingen die 'Einwanderungsmöglichkeiten nach Amerika zu erleichtern. Wir wollen deshalb erreichen, daß die Einwanderungskosten aus Mitteln des Marshalljfianes bestritten werden.“
„Haben Sie auch noch andere Länder besucht und sich mit den maßgebenden Herren unterhalten?“
„Ja, ich bin gerade vorige Woche aus Frankreich und der Schweiz zurückgekehrt,“
„Wie lange gedenken Sie noch in Deutschland zu bleiben?“
„Ich werde ungefähr noch 3 Wochen bei meinem Bruder in Worfelden bleiben. In 14 Tagen ist Worfelder Kerb und die möchte ich unter keinen Umständen versäumen!“ . -od
Noch einmal:
„Was ihr wollt“
Die realgymnasiale Aüfbauschule Darmstadt in Traisa, die mit der Freilichtaufführung von Shakespeares Schauspiel „Was ihr wollt“ im Traisaer Steinbruch einen so außerordentlich beachtlichen Erfolg verzeichnen konnte, hat sich entschlossen, eine Wiederholung der Aufführung mit der Musik von Filip Razlag am morgigen Sonntag um 19 Uhr im Gasthaus Scherer in Traisa vorzunehmen.
Was aǔch interessiert:
d’Alberts einaktige Oper „Die Abreise" gelangt als letzte Veranstaltung dieses Jahres am Sonntag, um 19.30 Uhr, auf der Gartenterrasse des Hauses Veite in Trautheim, Lindenbergweg, zur Aufführung. DT
Zu einer öffentlichen Weinprobe lädt der Bergsträßer Weinbauverein am .kommenden Sonntag in den „Winzerkeller“ Heppenheim, ein. Bei Johann Katzenmeier, Wilhelmstraße, Heidrich Freiberger, Hermannstraße und im Winzerkeller werden Eintrittskarten ausgegeben. Die Weinprobe beginnt um 15 Uhf. HB
Das Langener Realgymnasium feiert am 23. und 24. September das hundertjährige Bestehen der Anstalt. Sportliche, kulturelle und gesellige Veranstaltungen bilden ein reichhaltiges Programm. prs.
Das vielbelachte Schauer-Drama „Blut und Liebe“, das im Mittelpunkt des kürzlich veranstalteten Gemeindeabends von Ober-Ramstadt stand, wird am Sonntagabend im Schützenhof wiederholt. D
„Die Erlenbacher“ führen am kommenden Sonntag um 20 Uhr in der Turnhalle von Lorsch das Lustspiel „Ein Blitz aus heiterem Himmel“ auf. el
Mit einem Schlüsselbeinbruch mußte ein älterer Mörlenbacher Einwohner in ärztliche Behandlung gebracht werden, als er mit seinem Fahrrad auf der schlechten Durchfahrtsstraße von Weiher stürzte. Die Straße war zwar kürzlich aufgefüllt worden, ist durch Regengüsse aber wieder zerstört.
Außerordentliche Kraft - Attraktionen künden Riesenplakate eines Variete-Managers für Sonntag und Montag abend im Saalbau Suppes in Ober-Ramstadt an.
Den Gerichtsvollzieher sperrte ein Reinheimer Bürger in ein Zimmer ein und ließ ihn erst wieder frei, als der „Kuckucksmann“ ihn auf die Folgen seiner Handlungsweise hingewiesen hatte.
Die Teilstrecke der Bundesstraße 26 Guctavcburg — Bischofsheim ist mit behördlicher Genehmigung von Montag, 25. September, bis einschließlich Mittwoch, 27. September, gesperrt. cg
Viechereie
Jed’ Jahreszeit die hott en Hooke. — Jetzt petze aam die bleede Schnooke un dhun mit allerlei Finesse, an uns ihm derre Bauch vollfresse. Besunners owends, schnell un wendig, werrn Schnookebiester bees lewendig un steche aam dorch jeden Zippel. Un de Erfolg sinn nix wie Knibbel.
Kaa Päärche kann mehr engumschlunge lustwandle gehn mit Lieweszunge, schun macht-es: „siliht“ un dappt 'ins Volle un gtei is erjendwas geschwolle. Mer rollt nur dauernd noch die Aage, sucht Schnookeviechär dhotzehaage un juckt un kratzt un schennt uffs Neie, dann Widder uff so Viechereie.
Mickedormel.
Fernlaster zermalmnt Radfahrer
Auf der Bundesstraße 26, zwischen Groß-Gerau und Nauheim, wurde am Freitagmorgen, gegen 6.20 Uhr, der 49 jährige Elektriker Robert Reichenbach aus Geinsheim von einem mit Holz beladenen Femlastzug getötet. Robert’ Reichenbach fuhr in Richtung Bischofsheim, .als, er 350 m vor der Abzweigung nach Nauheim von dem Lastzug, der nach Aussagen des Fahrers ins» Rutschen kam, erfaßt wurde. Der Lastzug riß sodann noch einen Apfelbaum ünd einen Telegrafenmast ab und fuhr über die Straße hinaus, wo er in dem weichen Boden versank, so daß beide Beine des Radfahrers, die unter der Vorderachse lagen, zermalmt wurden. Schon vorher war dem Verunglückten der Schädel aufgerissen worden. Reichenbach war sofort tot. Ueber die Schuldfrage sind noch Ermittlungen im Gange. Der Kraftfahrzeugsachverständige Schreiner aus Darmstadt wurde zur Ueberprüfung des Fahrzeugs hinzugezogen. cg
Vorfahrtsrecht nicht beachtet
Arp gestrigen Vormittag stießen in Heppenheim an der Ecke Gräß- und Wilhelmstraße zwei Pkw. zusammen. Der Fahrer des die Gräßstraße mit erheblicher Geschwindigkeit herunterkommenden Pkws hatte das Vorfahrtsrecht in der Wilhelmstraße nicht beachtet, rutschte beim Abbremsen auf dem glatten Asphalt aus und'wurde gegen den zweiten Wagen geschleudert. Es entstand Sachschaden. ck H.B.
Bauchlandung auf dem Kühler
Ein bei seinen Kameraden als „Rennfahrer“ bekannter löjähriger Schüler des Heppenheimer Realgymnasiums fuhr gestern mit erheblicher Geschwindigkeit mit seinem Fahrrad vom kleinen Markt die abschüssige Straße in Richtung Graben hinunter. Als er sich nach seinen hinter ihm fahrenden Kameraden umgesehen hatte, bemerkte er plötzlich einen amerikanischen PKW. Durch das plötzliche Auftaucflen des Wagens erschreckt, verlor er die Herrschaft über sein Rad und raste mit voller Geschwindigkeit gegen den rechten, vorderen Kotflügel. Er wurde hochgeschleudert und landete mit dem Bauch auf dem Kühler. Wie durch ein Wunder blieb der Schüler unverletzt. — Fahrrad und PKW erlitten Sachschaden. H.B.
Bürgermeister diskutieren Gemeindeordunng
Sitzung des Arbeitsausschusses des Kreises Groß-Gerau im Hessischen Gemeindetag
Bürgermeister Dörfler, Rüsselsheim, eröffnete am Freitag morgen im Volkshaus zu Büttelborn die Sitzung des Arbeits-Ausschusses Kreis Groß-Gerau des hessischen Gemeindetags. Nach den Begrüßungswerten des Büttelborner Bürgermeisters Führer gab es ein Schülerchor der Sitzung eine musikalische Einleitung.
Bürgermeister Sudheimer, Biebesheim, begann sein Referat mit dem Hinweis, daß er mit seinen Ausführungen über den Entwurf der neuen Hessischen Gemeindeordnung eine Diskussionsgrundlage schaffen wolle und ei' deshalb vor allem das wesentlich Neue dieser Gemeindeordnung hervorheben würde. So erwähnte der Referent, daß der Entwurf für Gemeinden über 3000 Einwohner eine Magistratsverfassung vorsehe, da man aüf diese Weise das Leben der Gemeinde demokratisch gestalten wolle. Indessen habe die Gemeinde die Möglichkeit, sich für eine Bürgermeister-Verfassung zu entscheiden.
Hinsichtlich der Aufwandsentschädigung für Bürgermeister befürwortete der Referent lediglich eine Festsetzung von Mindestsätzen. Die Festsetzung von Mindestsätzen und Höchstsätzen würde zwischen Gemeinderat und Bürgermeister zu einem Feilschen um die Höhe der Aufwandsentschädigung führen; dies, habe sich gerade kürzlich im Kreis Groß-Gerau an einem Falle gezeigt. Der Ruf nach größerer Freiheit für die gemeindliche Selbstverwaltung habe, so schloß Bürgermeister Sudheimer, einen klaren Ausdruck gefunden.
Dr. Brandstädter, Rüsselsheim, warnte vor Beginn der Diskussion davop, das „Gespenst“ einer Magistratsverfassung allzusehr zu fürchten. Bürgermeister Klingler, Mörfelden, sagte, daß es in einer kleineren Gemeinde sehr schwierig Wäre, Leute zu finden, die Zeit, Lust und die nötigen Eigenschaften hätten, um sich an der Arbeit im Magistrat beteiligen zu können. Im übrigen halte er eine Magistratsverfassung für eine Verteuerung der Verwaltung.
Bürgermeister Dr. Lüdecke, Groß-Gerau. stimmte diesen Ausfüh”V.ngen im wesentli'Mnn zu und setzte sten dafür ein, daß der Bürgermeister in Urabstimmung von der Bevölkerung direkt gewählt würde. Auch Bürgermeister Schellhaa s, Crumstadt, schloß sich diesem Vorschlag an.
Landrat Harth meinte, daß in größeren Gemeinden gewiß eine Magistratsverfassung vorteilhafter wäre und empfahl für kleinere Gemeinden eine Bürgermeister-Verfassungi Bürgermeister Sudheimer faßte den Inhalt der Diskussion abschließend zusammen und die Versammelten stimmten dem Vorschlag zu, an die maßgeblichen Körperschaften eine Stellungnahme zu richten, die folgende Wünsche enthalten soll:
„Der Bürgermeister solle möglichst vom Landrat in sein Amt eingeführt werden. Bei der Aufwandsentschädigung sollen nur Mindestsätze angegeben werden, die in Anbetracht der gegenwärtigen Mehrbelastung der Bürgermeister den seitherigen Höchstsätzen entsprechen sollen. Für Orte über 3000 Einwohner soll nicht die Magistratsverfassung als das Primäre herausgestellt werden, sondern die Bürgermeister-Verfassung möge ihr gleichwertig zur Seite stehen. eg
70 Jahre Kirchweihe
in Langstadt
Am 19. September 1870 wurde in Langstadt, Kreis Dieburg, in einem feierliche^ Festakt die neuerbaute Kirche eingeweiht, nachdem zwei Jahre vorher der Grundstein für den Neubau gelegt und die Ruine des alten Gotteshauses beseitigt war. Der hohle Grundstein enthält neben einer Urkunde, einer Flasche Langstädter 1876 er und einigen damals gebräuchlichen Münzen, ein Exemplar der „Darmstädter Zeitung“ und des Odenwälder Boten. Weithin überragt der Turm der im gotischen Stil erbauten Kirche den Bachgau. Das hohe Gewölbe des Schiffs hat eine sehr gute Akustik, So daß die von Bechstein, Groß-Umstadt, erbaut Orgel sehr gut zur Geltung kommt. Am 24. und 25. September wird dieses Ereignis festlich begangen werden.
PORTAL DES GROSS-UMSTÄDTER RATHAUSES Schönstes Schmuckstück des Groß-Umstädter Rathauses, einem Bauwerk der Renaissance, mit den Figuren der Justitia und Minerva geziert, ist das Portal mit dem hessischen und kurpfälzischen Wappen. Eine Inschrift: „MD. Salus populi suprema lex esto CXXV“, zu deutsch: „Die Wohlfahrt der Bürger sei das oberste Gesetz“ stammt aus dem Jahre 1625. Der Bau wurde 1596 bis 1605 aufgeführt. Foto: Dr. Hotz
Turbulentes Leben auf der Weininsel
Der „Gailsmäärt“ ist tot — es lebe die „Umstädter Woche“!
Heute beginnt die seit langem mit Umsicht und Einsatzfreudigkeit vorbereitete Groß-Umstädter Woche. Der Hauptausschuß war nach reiflichem Ueberiegen zu dem Entschluß gekommen, den traditionellen „Ochsen- und Gailsmäärt“ mit dem Sammelnamen „Umstädter Woche“ umzutaufen, um eine Einheit zwischen Pferdemarkt, Winzerfest und Gewerbemesse zu schaffen. Groß-Umstadt, das alte 1200 jährige Städtchen, wird die kommende Woche über das Ziel Tausender Besucher sein, die den Ruf dieses beliebtesten und volkstümlichsten Heimatfestes weit über seine Grenzen hinaus ins Land tragen werden.
Wer am Freitagnachmittag nach Groß-Umstadt hineinfuhr, der konnte glauben, die Straßenränder und Gehsteige seien zu Birkenschonungen geworden. Große Stapel junger Bäumchen lagen in den Ecken herum, Männer mit gewichtigen Gesichtern bohrten Löcher in das Pflaster, versenkten dann die Stämme mit feierlichen Gebärden im Boden und gingen zufrieden von dannen, in dem Gefühlt, etwas Beträchtliches zum Gelingen des Festes geleistet zu haben.
Marschmusik klang durch die Gassen, aus unzähligen Lautsprechern, die an Mauerecken und Bäumen angebracht waren. Selbst über dem mit Tannengrün bekleideten Triumphbogen am Ortseingang sah das Zyklopenauge eines Lautsprechers dämongleich in die Landschaft und hauchte kräftige Melodien aus, in deren Rhythmus Hämmer geschwungen und Besen gehandhabt wurden. Man sollte nicht glauben, wieviele Quadratmeter Kuchen über das Pflaster getragen wurden, mit und ohne Rosinen, mit^viel Tortenboden und wenig, ganz nach persönlichem Geschmack. Auf dem Platz vor dem alten Rathaus war ein großes Zelt aufgeschlagen worden, das vom heutigen Tag an bis nächsten Sonntag zum Winzerdorf erhoben wurde. Stapel mit Sägespänen wurden sachgemäß ausgebreitet, günstige Aussichten für Dauerzecher und Leute, die wenig vertragen.
Bürgermeister Hartmann hegte die Befürchtung, daß die heutige Weinprobe einen durchschlagenden Erfolg haben wird. 33 Sorten harren der durstigen Kehlen, und wenn man sie alle der Reihe nach durchprobiert hat, dann ist der Magen um eineinhalb Flaschen der besten Lagen reicher, der Geldbeutel um drei Mark ärmer und die Stimmung garantiert um hundert Prozent gestiegen. Für fünfzig Pfennig bekommt man sogar das Glas mit, wie beim Senfkaufen!
Auf den Straßen fuhren Lautsprecherwagen herüm, die wahrscheinlich die Befürchtung hatten, daß die Musik nicht überall zu hören war. Sie taten ihr Mög^ lichstes, um etwaige Zweifel zu beheben. Auf dem Hof der Bürgermeisterei hatten vorsichtige Leute eine hölzerne Burg abgestellt, die dem großen Festzug am Sonntag als Wahrzeichen Groß-Umstadts vorausgefahren werden soll. Vor wenigen Jahren noch hätte man diese Burg bei Nacht und Nebel geschleift und sie im Ofen demontiert, aber inzwischen sind gottlob die Zeiten etwas besser geworden, was sich am deutlichsten in der Schule dokumentiert, in der die Gewerbemesse' ihren Platz gefunden hat.
Im Klassenzimmer der IV. ist eine Kantine eröffnet worden und an der Außentüre steht der lapidare Satz: „Unbefugten ist jegliche Störung des Unterrichtes verboten.“ Dick unterstrichen! Herrliche Zeiten für Schüler. Es war ein Mordsbetrieb. Der Bürgermeister stand auf der Straße, eine dicke Zigarre in der Jackentasche, und dirigierte mit Seelenruhe die Vorbereitungen. Die ganze Stadt war unterwegs, Fenster wurden geputzt, Maschinen auf dem Schulhof für die Messe aufgestellt, und einige Herren taten am Zelt der ERP-Ausstellung sehr geschäftig. In Anbetracht der Wichtigkeit ihrer völkerverbindenden Mission hatten sie ausländische Gesichter aufgesetzt und sprachen ein einwandfreies Groß-Umstädterisch. Ein Zug der Zeit, in der die Grenzen aufspringen und selbst der hinterste Odenwäldler einen Hauch der großen. Welt verspürt, wenn er in den nächsten Tagen die Umstädter Festwoche beehren wird, um sich unter die Masse der 20 009 erwarteten Gäste am Samstag zu mischen und ausgiebig von den männermprdenden Weinen und der Feststimmung Gebrauch zu machen.
Der alte „Ochsen- und Gailsmäärt“ ist tot, aber hurra, es lebe die „Umstädter Woche 1950“! hfl.
Betriebarũte werden geschult
In der Volksschule, Marieticfraße, beginnen am 2. Oktober in Dieburg die Kurse für Betriebsräte und Vertrauensleute. Träger der Veranstaltungen ist der Freie Deutsche Gewerkschaft^ und. Die Durchführung übernimmt der Kulturbund Darmstadt.
Unsere Geburtstagskinder
91. Geburtstag: Herr Wilhelm Hickler I, Maurermeister, Messel.
84. Geburtstag: Frau Elisabeth Keil, Winterkasten. (24. 9.).
82. Geburtstag: Herr Karl Heß, Bischofsheim, Bahnhofstraße 18.
80. Geburtstag: Her- Wilhelm Wiemer, Wixhausen, Ärheilger St?aßä 8 (24. 9 )
79. Geburtstag: Herr Jakob Thomasberger, Glattbach.
77. Geburtstag: Herr Michael Pfeifer, Schannenbach (24. 9.).
7Ö. Geburtst~g: Herr Georg Adam Schmitt, SchlieAach (24. 9.).
74. Geburtstag: Herr Johannes Peter, Beedenkirchen; Frau Luise Heberle, Hammelbach, Lützelbacher Straße; Frau Elise Sommer,' Lindenfels, Gumpener- K-euzstraße 10 (24. 9.).
71. Geburtstag: Herr Jakob Weickert, Geinsheim, Neustraße 28.
70. Geburtstag: Herr Oberlehrer i. R. Emil Thiel, Bickenbach.
Havanna und Brasil -„made in Heppenheim
DT-Besuch in einer Bergsträßer Zigarrenfabfrik / So entstehen Raucher sfreuden, die den „blauen Dunst“ erzeugen
Von Sandblatt oder Havanna spricht man meist in ehrfurchtsvollem Tone. Aber die Zigarren mit und ohne Bauchbinde kommen nicht fertig von Sumatra hierher, sondern werden beispielsweise von der Zigarrenfabrik Dr. Vogel in Heppenheim hergestellt.
Nicht nur zu einem Direktor gehört unbedingt die Zigarre, die eine Atmosphäre gemütvoller überlegener Ruhe schafft, sondern auch der sogenannte profane Raucher ohne schweren Mercedes sollte versuchen, zu einer Tasse Kaffee oder zu anstrengender Arbeit sich mit der Zigarre anzufreunden.
Und wenn er das nicht kann oder möchte, so möge er uns, sicherlich interessiert, zuhören, wenn wir von den Tabakballen bis zur fertig gelagerten Kiste berichten:
Im Keller lagern die schweren Ballen, die man über Bremen bezieht. Es muß hier hinzugefügt werden, daß, wie Herr Dr. Vogel sagte, man sich nunmehr auf die Güte der Importware — die Sumatra- und Java-Blätter sind die besten und geeignetsten — vollauf verlassen kann und durchaus in der Lage ist, über eine längere Zeitspanne hinaus Güte, Qualität und Geschmack zu bestimmen.
Bevor die von einem Korbgeflecht umgebenen Ballen zur Verarbeitung gelangen, müssen die Blätter auseinandergebreitet werden. Sie können zudem nur im feuchten Zustand dem Arbeitsprozeß zugeführt werden.
Die Rippmaschine, die, wie der Name sagt, Rippen und Fasern entfernt, ist in der Lage, pro Tag ca. 200 Kilogramm Tabakblätter zu entrippen. Die Blätter kommen feucht in die Maschine und werden vom Keller aus durch ein breites Rohr in die auf dem’Boden angebrachte Trockenanlage hinaufgeblasen. Hier werden sie in einem dicken, rohrförmigen Kasten, dessen Vor- und- Rückwärtsgang für gute Durchwirbelung und damit vollkommene Trockenheit sorgt, dauernd durcheinandergemischt. Ein am Ende der Trockenanlage angebrachtes Rohr bläst den Tabak selbsttätig aus. Nach mehreren Tagen Lagerung wird er in Kisten verpackt und kann sodann der Verarbeitung zugeführt werden.
In dem großen Zubereitungssaale sitzen Frauen und Mädchen, die im Interesse der Güte des Produktes die verschiedenen Sorten mit der Hand wickeln. Aus einem am Arbeitstisch angebrachten Kasten nimmt die Arbeiterin die sogenannte „Einlage“, das sind die inneren Tabake, fügt das Umblatt hinzu und gibt dem Stück mit der Hand zunächst die erforderliche Fasson. Eine geschickte Arbeiterin kann in einer halben Stunde gut zwanzig Zigarren drehen.
In Formen, das sind hochgestellte Holzrahmen, die durch zwanzig Einschnitte aufgeteilt sind, und der Stärke, bzw. dem Umfang des gewünschten Formates entsprechen, erhalten die Zigarren durch eine Presse die nötige Festigkeit. Ueberstehende Tabakreste werden an den Enden abgeschnitten. Die Umhüllung mit dem Deckblatt geschieht durch „Lufteinschlag“, d. h. also, daß das Blatt ohne die Hilfestellung einer Untertage gewickelt wird. Das ist jedoch verschieden, und je nach Fasson kann der Zigarre der Abschluß gebende Vorgang auch „am Brett“ ausgeführt werden.
Die andere Form der Herstellung kann halbautomatisch betrieben und in etwas schnellerer Art durch den Hartwickler vor sich gehen: Im großen und ganzen gesehen dem Prinzip der Zigarettenmaschine entsprechend.
Aber auch die Kisten nebst der erforderlichen Bebilderung und Beschriftung stellt die Firma selbst her. In einem besonderen Schrank, der ungefähr 12 000 Zigarren faßt, werden dann die fertig gepackten Kisten in der nötigen Temperatur von 45 Grad, reguliert durch Asbestplatten mit elektrischen Fäden, aufbewahrt. Bei vermehrter Hitze odei- zu niedrigem Stand setzt die technische Vorrichtung die Temperatur automatisch wieder auf den gewünschten Wärmegrad.
Damit ist aber noch nicht alles gesagt. Das intensive Beschäftigen mit jedem einzelnen Arbeitsvorgang käme einer Doktorarbeit gleich. Und wenn die 13 verschiedenen Sorten, die Dr. Vogel herstellt, vom Kunden nicht so stark gefragt wären, könnten die fertigen Kisten sogar die geforderten drei bis sechs Monate lagern.
Fall Sie also jetzt einen Stumpen oder gar eine Zigarre aus Heppenheim rauchen, dann wissen Sie also jetzt, wie ihre Fertigstellung zustande kam. Aber machen Sie bitte das genußreiche Produkt nicht auseinander, denn so, wie die 113 Arbeiterinnen und 4 Meister, bekäme man die Zigarre nie wieder zusammen . . . ng
DT-Montage: Schröder
Mehr Freude im Schulleben
Bachfeier der Groß-Gerauer Volksschule
In der Groß-Gerauer Turnhalle veranstaltete Donnerstag abend die Volksschule eine Bachfeier, bei der auch Bürgermeister Dr. Lüdecke, Kreisschulrat Schwedes und Direktor Barth vom Realgymnasium zugegen waren. In seiner Eröffnungsansprache dankte Rektor Philipp besonders dem Instrumentalkreis der Landesmusikschule Darmstadt, der sich bereit erklärt hatte, unentgeltlich an der Gestaltung der Feier mitzuwirken.
Musiklehrer Eitel schilderte den zahlreichen Zuhörern das Leben und Wirken von Johann Sebatsian Bach. Darbietungen des Instrumentalkreises der Landesmusikschule, des Groß-Gerauer Lehrersingkreises sowie eines Schülerorchesters sorgten für ein abwechslungsreiches Programm.
In einer anschließenden Ansprache wünschte Kreisschulrat Schwedes, die Schule möge diesen Weg weiter beschreiten; die Kunst und insbesondere die Musik lockere die Kinder innerlich auf und trage Freude in das Leben der Schule. (cg)
Es ging auch ohne Bůhne
„Die glücklichen Tage“ als Zimmertheater in Erbach
So viele Besucher auf einmal wie am Donnerstagabend hatte die Amerikanische Lesehalle Erbach bisher noch nie. Kein Wunder, gab es doch eine Ueberraschung, die in mehrfacher Hinsicht bei den Erbachern Interesse fand; -erstmals eine Zimmertheateraufführung von Claude Andre Pugets netter Komödie „Die glücklichen Tage“, wobei der Erbacher Schauspieler Georg Wendel im Rahmen des Nachwuchsstudios der Bühnengenossenschaft Frankfurt mitwirkte und der Rolle des leicht vertrottellten Bernard mit viel Geschick Gestalt gab. Hinzu kommt, daß die Veranstaltung wie immer in der amerikanischen Lesehalle, bei kostenlosem Eintritt durchgeführt wurde, also Gründe genug für den überfüllten Saal. Selbst im Vorraum drängte sich noch das verspätete Stehparkett.
Zunächst war man in den vorderen Sitzreihen etwas skeptisch, so unmittelbar vor den Requisiten des Spiels zu sitzen, aber als es dann erst begonnen hatte, ■fühlte man sich direkt einbezogen in die Handlung. Die Darsteller waren entsprechend dezent geschminkt. Jedenfalls vermißte niemand die Bühne,, im Gegenteil. Das flüssige Zusammenspiel des Ensembles haben wir gelegentlich des Heppenheimer Gastspiels besprochen, so daß wir nur noch festzustellen brauchen, daß der Versuch eines Zimmertheaters in Erbach durchaus gelungen ist und zu weiteren Aufführungen dieser Art angeregt hat. -ch
Vorhaben „Mönchbruch“ abgelehnt
Neubürgerversammlung in Königstädten
Bei der im Saale der Bürgermeisterei stattgefundenen Versammlung der Neubürger referierte Kreisvorsitzender Reit zn e r über die Entwicklung der Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen im Kreisgebiet. Er sprach sich für die Gründung einer Ortsgruppe, wie im Kreis Groß-Gerau bereits 29 bestehen, aus, was von der Versammlung lebhaft begrüßt wurde. Nach verschiedenen Vorschlägen wurde folgender Vorstand einstimmig gewählt: 1. Vorsitzender Josef Köhler, 2. Vorsitzender Otto Mannet, Schriftführer Wilhelm Gessel und Kassierer Eduard Roth. Zu Beisitzern wurden Frau Dr. Plaß und Josef Köhler ernannt. ,
Eine besonders lebhafte Aussprache entspann sich, als Herr Reitzner auf die geplante Neubürgersiedlung in der Nähe des ehemaligen Jagdschlosses Mönchsbruch zu sprechen kam. Trotz der bisher vorgebrachten Einsprüche glaubt Herr Reitzner, daß das Programm jetzt doch verwirklicht wird. Der größte Teil der Anwesenden lehnte ebenfalls aus volkswirtschaftlichen und soziologischen Gründen dieses Vorhaben ab. KB
Zufriedenstellende Bilanz
der Erbacher Werbe- und Verkaufsmesse
Der Erbacher Gewerbeverein hatte am Donnerstagabend die Aussteller der „Verkaufs- und Werbeschau Erbacher Betriebe“ im Rahmen des diesjährigen Wiesenmarktes zur Entgegennahme der Schlußabrechnung eingeladen. Der 1. Vorsitzende, Kaufmann Johann Ste 11 er , konnte in seinem Bericht die erfreuliche Feststellung machen, daß trotz der Ungunst der Witterung, die sich besonders stark zu Beginn der Ausstellung ausgewirkt hatte, der Besuch und auch der Verkauferfolg zum Schluß doch noch so gut wurden, daß die vorjährigen Besucherziffern beinahe erreicht wurden. Jedenfalls waren sich alle Aussteller in der Meinung einig, daß die Verkaufs- und Werbeschau trotz der gegenwärtigen Inflation derartiger Veranstaltungen bereits als wesentlicher Bestandteil zum Wiesenmarkt gehört und nunmehr alljährlich durchgeführt werden soll.
Kaufmann Heinrich Brand erstattete den Kassenbericht, der bei einer Gesamteinnahme von 9514,85 DM und Ausgaben von 9228,14 DM einen kleinen Überschuß erbrachte, der auf einstimmigen Beschluß dem Gewerbeverein überwiesen wurde. Direktor G 1 en z von der Staatlichen Fachschule für Elfenbeinschnitzerei dankte dem Vorstand des Gewerbevereins und der Ausstellungsleitung im Namen aller Aussteller. Herr Stetter sprach abschließend die Hoffnung aus, daß die Ausstellung im nächsten Jahr noch schöner und sorgfältiger durchgeführt werden könne. -ch
Narrhalla Ob.-Ramstadt startklar
Je mehr man sich dem Stichtag der Karnevalssaison, dem 11. November, nähert, desto lebendiger wird es in all den Vereinen, die sich dieser Zeit verschrieben haben. Bedingt durch den Rücktritt des bisherigen Elferratspräsidenten Heinz Baumunk, der gleichzeitig auch das Amt des 1. Vorsitzenden innehatte, sah sich der 2. Vorsitzende gezwungen, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Mit ’/i-Mehrheit wurden verschiedene Satzungsänderungen angenommen, u. a. auch, daß der Vorstand ■nicht mehr wie bisher auf fünf, sondern nur auf ein Jahr gewählt wird. Der bisherige Vorstand wurde entlastet und die Wiederwahl ergab als 1. Vorsitzenden Franz H a h n , 2. Vorsitzenden Hch. Müller; Rechner, Schriftführer und Kassierer wurden wiedergewählt. Grundsätzlich wurde der Standpunkt vertreten, daß kein Elferratsmitglied mehr dem Vorstand angehören soll, damit sich die Elfer nur ihrer eigentlichen Aufgabe widmen können. Als Elferratspräsident wurde der sich bisher gut bewährte Elfer Arthur Andreas berufen. Für die Veranstaltung am 11. 11. wurden die Arbeitsausschüsse gebildet, die die unsichtbare, aber eminent wichtige Arbeit „hinter den Kulissen“ zu leisten haben.
Streit um Fußball-Tip
Auf der Heimfahrt von der Arbeitsstätte diskutierten 2 Opel-Arbeiter aus Trebur über einen Fußballtip so lebhaft, daß sie in einen Streit gerieten. Die beiden, die begeisterte Anhänger des SV Darmstadt 98 sind, stritten sich über das Spiel am kommenden Sonntag gegen 1860 München. Die Meinungen über Sieg oder Niederlage gingen schließlich derart auseinander, daß sich der eine gezwungen sah, seine Ansicht mit einem stilvollen K.-0.-Schlag zu verteidigen. KB
40 Veronal brachten den Tod
In Zell i/O. war einem Einwohner aufgefallen, daß er seinen Nachbar, den 34 jährigen Schreiner Johann Ludwig Münch, seit Tagen nicht mehr gesehen hatte. Als er dessen unverschlossene Wohnung betrat, fand er den Mann tot im Bett. Neben ihm lagen ein Abschiedsbrief an seine Frau und an seine Mutter sowie vier leere Veronal-Hülsen. Vermutlich hat er die 40 Tabletten eingenommen, um seinem Leben ein Ende zu machen, das er sich selbst verpfuscht hatte. Erst seit 1946 verheiratet, machte er seiner Frau durch Trunksucht und eheliche Untreue das Leben zur Hölle, bis sie sich im August eine Arbeitsstelle in Darmstadt gesucht hatte. Durch Müßiggang und Ausschweifungen war der Mann dann derart verschuldet, daß er keinen anderen Ausweg mehr wußte. * ch
Ohnmüächtig am Straßenxrand
Katastrophaler Straßenzustand Reinheim—Lengfeld
Der in Reinheim beschäftigte Arbeiter Wilhelm Z. aus Nieder-Klingen benutzt bei seinen Berufsfahrten mit dem Motorrad die Straße Reinheim— Lengfeld. Die Straßendecke ist jedoch in einem solch verkehrsgefährdenden Zustand, daß Z., der mit stark verminderter Geschwindigkeit fuhr, in mehrere große, dicht beieinanderliegende Schlaglöcher geriet, ins Schleudern kam, seine Maschine aber zunächst wieder abfangen konnte. Im nächsten Augenblick kam er durch ein weiteres Schlagloch zu Fall und blieb ohnmächtig am Wegrand liegen. Ein ein wenig später vorüberkommender Einwohner aus Nieder-Klingen brachte ihm die erste Hilfe. Z. hatte bei dem Sturz mehrere Rippenbrüche und e'nen Bluterguß an der Schulter davongetragen, so" daß er etwa vier Wochen in Krankenhausbehandlung bleiben muß. RG
Beim Ueberholen zusammengestoßen
Auf der Fahrt nach Erbach stießen zwei aus Bullau stammende Motorradfahrer beim Ueberholen zusammen, da der vordere Fahrer unvermittelt nach links ausgebogen war. Der Fahrer der zweiten Maschine, Johann Oswald, und sein Soziusfahrer wurden durch den Zusammenprall gegen einen Straßenbaum geschleudert und verletzt. —ch
Gegen die Wand gedrückt
Als der 41 Jahre alte Johann Beck aus Lützel-Wiebelsbach mit seinem fchwerbeladenen Kartoffelwagen in die Scheuer einfahren wollte, drückte ihn die Deichsel seines Fuhrwerkes gegen die Wand.. Mit einigen Rippenbrüchen mußte er 'in das Krankenhaus in Bad König eingeliefert werden. (hm)
Vom Prellblock gestürzt
Ein schulpflichtiges Mädchen, das im Pfungstädter Bahnhofsgelände spielte, hatte sich einen Prellbock hierzu ausgesucht, auf den es hinaufkletterte. Es stürzte dabei herunter und trug neben einem komplizierten Oberschenkelbruch weitere Verletzungen davon, die ein Verbringen in das Krankenhaus erforderlich machten. ler.
Auf der Kchiffschaukel verunglückt
Trotz geschlossenen Scherengitters kletterte in '.Weiher ein sechsjähriger Junge auf die Schiffschaukelrampe. Er wurde von einem ausschwingenden Schiff derart unglücklich am Leib getroffen, daß er mit inneren' Verletzungen in das Weinheimer Krankenhaus eingeliefert werden mußte. -r
„Im sůdlichsten Eunropa“
Ein Lichtbildervortrag in der amerikanischen Lesehalle in Heppenheim
Am Donnerstagabend sprach Bergingenieur K. Herdemerten in der amerikanischen Lesehalle über das Thema: „Im südwestlichsten Europa, eine Spanienreise.“ Eine Völkerfamilie sei, so führte der Redner aus. ein Verband von Völkern, die im gleichen Raum nebeneinander leben. Während die einzelnen Völker durch Ländergrenzen voneinander getrennt seien, hätten sich die verschiedenen Kulturen wie beispielsweise Gotik, Renaissance oder Barock ungeachtet dieser Grenzen über weite Teile Europas hin ausgebreitet.
Die Aufgabe des Abendlandes sei die Verbreitung christlicher Kultur, und diese Aufgabe habe Spanien als erstes Land und mit Erfolg in Südamerika durchgeführt. Noch heute seien die südamerikanischen Staaten weitgehendst nach Spanien hin orientiert.
Aehnlich England sei Spanien abseits gelegen, durch das hohe Pyrenäengebirge vom Festland getrennt. An Hand von zahlreichen, wundervollen farbigen Lichtbildern führte uns die Reise von Valencia am Mittelländischen Meer mitten durch Spanien hindurch über Madrid, das fast ausschließlich eine moderne Stadt ist. über die hohen, unbewaldeten Gebirgszüge, durch einsame, trostlose Gegenden hinüber nach der fruchtbaren, feuchten Atlantikküste. Weiter ging es, wieder über gewaltige Gebirgszüge mit wunderlichen Felsbildungen zum Golf von Biskaya, bis die Reise dann in dem modernen Hafen von Bilbao endete:
Der, reiche Beifall' des zahlreich erschienenen Publikums dankte am Schluß dem Redner für seine Ausführungen. (HB)
Rege Vorbereitungen
für die Heppenheimer Industrieschu
Der Ausschuß, der für die diesjährige Industrie-, Handels- und Gewerbeschau in Heppenheim zuständig ist, hat augenblicklich Hochbetrieb. Es werden Firmen aus der ganzen Bundesrepublik in Heppenheim ausstellen, und die Beteiligung ist sehr groß. Unter anderen werden ganz neuartige Schädlingsbekämpfungsmittel gezeigt. Ein modernes Spezialfahrzeug für die Landwirtschaft (250 PS Leistung/, der sogenannte UNIMOG und der im Eigenbau von der Firma Riesenacker in Seckenheim gebaute 750 er Rennwagen werfen ebenfalls zu sehen sein. Eine der drei großen Ausstellungshallen am Schwimmbad soll als Viehhalle eingerichtet werden. Hier findet der Verkauf von Großvieh und Pferden aus bekannten Viernheimer Ställen statt. Es wird noch viel Arbeit bis zum Tage der Eröffnung (am 50. September, nachmittags) geben, aber dafür wird die diesjährige Heppenheimer Industrie-, Handels- und Gewerbeschau auch etwas ganz Besonderes zu bieten haben. (HB)
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Morgen nachmittag um 16.00 Uhr hält die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft im Saale des Gasthauses „Germania“ ihre 28. ordentliche Generalversammlung ab. Die im Mittelpunkt stehenden Bilanzen und Geschäftsberichte liegen heute im Geschäftszimmer der Genossenschaft zur Einsicht offen. S 1
Ober-Ramstadt. Der Kaufhof Darmstadt hat die hiesige Bevölkerung zu einer kostenlosen Modeschau heute in den Saalbau Suppes eingeladen. Anschließend Tanz. D.
Pfungstadt. Der Ortsjugendausschuß veranstaltete einen Filmabend. Es wurden „Eskimo-Jäger“, „Die Gesichte vom Mais“, „Am Fuße der Rocky-Mountains“ und eine Wochenschau gezeigt. Die Veranstaltung war gut besucht. ler
Seeheim. Morgen um 20 Uhr hält der Deutsche Gewerkschaftsbund im Gasthaus Hill eine Mitglieder-Versammlung ab. P. Größ ma n n spricht über die wirtschaftliche Lage der Arbeitnehmer, hl.
DIEBURG
Epperthausen. - Der bevorstehenden Feldbereinigung wegen müssen alle Felder bis Mitte Oktober abgeerntet sein. Die erste Zuweisung von Grundstücken erfolgt am 2. Oktober. —- Die Gemeinde hat aus dem Lager Rollwald eine Holzbaracke erworben. In ihr sollen Wohnungen eingerichtet werden. gi
Gondershausen. - In der Septemberversammlung der Heimatvertriebenen sprach der neue Vorsitzende Bruno Nispel über Fürsorgeunterstützung, Sterbegeld,Sonderaussiedelungsverfahren Hausratshilfe, Lastenausgleich und die geplante Weihnachtsfeier. sl
Babenhausen. - Die Ortsgruppe des VdK. hält heute im Restaurant „Zum Schwanen“ ihre Monatsversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht der Bericht über die Kreiskonferenz und das neue Bundesversorgungsgesetz.
Groß-Bieberau. - Die Treuhänderschaft der Heimkehrer hielt kürzlich im Gasthaus „Zur alten Post“ einen Ausspracheabend ab. GD.
ERBACH
Höchst. • - Landrat Neff-ehrte zwei Veteranen der. hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, den Zugführer Wilhelm Bohländer’.für 50jährige Dienstzeit und den Löschmeister Georg für 25- jährige Zugehörigkeit.
BERGSTRASSE
Heppenheim. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Heinrich von Brentano spricht heute Abend um 20 Vhr in der Stadthalle über die Ergebnisse der Außenministerkonferenz und ihre Auswirkungen auf Deutschlahd. HB
Einhausen. - Am Sonntag wird das neue Gedenkkreuz auf dem Marktplatz geweiht. ei
Hirschhorn. - Am kommenden Sonntag findet im Saale Noll ein Instrumentalkonzert, veranstaltet von der „Konzertgemeinschaft blinder Künstler“, statt, -r
Neckarsteinach. Am Samstagabend veranstaltet die Volksschule anläßlich der 200 jährigen Wiederkehr des Todesjames von Johann Sebastian Bach einen MuSikabend.
GROSS-GERAU
Mörfelden. Die zwölf Häuser des ersten Bauabschnittes der Schlichtesiedlung konnten nun bezogen werden. Im zweiten Bauabschnitt sind zwanzig Häuser vorgesehen. Die Vermessungsarbeiten hierfür sind bereits abgeschlossen.
Biebesheim. Der Vorstand des MGV. >,Harmonie“ ruft alle aktiven Sänger auf, im Hinblick auf die Herbstveranstaltun - gen an den allwöchentlichen Uehungsstunden im Vereinslokal Reibold teilzunehmen. kr
DT am Sonntag
WOCHENEND-BEILAGE DES DARMSTÄDTER TAGBLATTS
Reise nach Mexiko
Von James WilkinsonAutorisierte Uebersetzung von Adolf Ziegler
London, 23. Februar 1950.
Am 15. März werden wir nach Göteborg in Schweden fahren und uns am 18. nach Mexiko einschiffen. Das Schiff ist klein, 8000 Tonnen, und die Fahrt durch die Nordsee wird kein Vergnügen sein. Ich weiß noch nicht, was ich in Mexiko tun werde; vielleicht male ich Theater-Kulissen, vielleicht fürs Kino. Man sagt: Mexiko sei das schönste Land der Erde. Für die beiden Amerika ist es, was für Europa Aegypten ist. Wir werden in Oslo und Bergen anlegen, dann in Havanna. Erst am 11. April werden wir in Verakruz sein. Dann sind es noch zwölf Stunden bis Mexiko. Wir werden durch Puebla kommen, der zweitwichtigsten Stadt Mexikos, am Fuße des 5653 Meter hohen Vulkans Orizaba (Chitlaltepetl). Man sagt, daß das Licht dort so hell und intensiv sei, daß man schwarze Augengläser tragen muß. Wenn Mexikaner nach der „Alten Welt“ kommen, finden sie, daß dort alles trostlos grau ist. ♦
An Bord, 2. April.
Wir halten Kurs auf die Bermudainseln. Zwei Tage sind wir in Göteborg giblieben. Dann legten wir in ein paar norwegischen Häfen an; zuerst in Drammen, nicht sehr interessant aber sympathischer als das, was wir von Schweden gesehen hatten. Die Norweger gefallen mir; sie sind von entgegenkommender, natürlicher Einfachheit. Die zerklüfteten Steilküsten, die tiefen Fjorde sind von überwältigender Schönheit. Es wäre wie die Riviera oder die Bucht von Rio de Janeiro, wen es nicht so kalt wäre. Wir waren in Aalesund. Es liegt zwischen Inseln,' im Schutze hoher, steiler schneebedeckter Berge, die in der Sonne glitzern wie ein durchsichtiges Kristallgebirge. Wir legten auch in einem kleinen Hafen am Ofot-Fjord an, nicht weit von Narvik. Es war bitter kalt, aber das Meer lag spiegelglatt, wie ein See. Zwetschenblau das hochragende Vorgebirge, dahinter samtbraune Töne und schneeige, gleißende Gipfel am Horizont. Niemals zuvor sah ich eine so zauberhafte, hochragende, zerklüftete, fast unwirkliche Landschaft. Wir fuhren durch Fjorde, die zuweilen so eng waren, daß man glaubte, nicht durchzukommen. Manchmal waren sie so düster, daß uns ein Schauder überlief, und doch sind sie für große Schiffe befahrbar. Dann begann die große Ueberfahrt, nördlich der Färöer (Schafinseln), die den Dänen gehören. Wir fuhren nahe an Island vorbei. Ich habe all dies in der Nacht gesehen, mittels des Radargerätes. Eine wunderbare Erfindung! Alles wird auch bei Dunkelheit auf dem Leuchtschirm sichtbar. Man sieht die Landschaft wie auf einem Plan. Die konzentrischen Kreise geben die Entfernungen vom Zentrum, dem lichten Punkt an, der das Schiff darstellt.
Dann bewegte See. Nicht sehr schlimm. Plötzlich Windstille, aber grau und kalt. Nachher waren wir zwei Tage in einem furchtbaren Sturm, der mich das Schlimmste befürchten ließ. Wir tanzten auf den Wellen in unbeschreiblicher Weise. Man mußte sich anklammern, um nicht umgeworfen zu werden. Ich war unsagbar müde, angeekelt, nervös, ohne Schlaf in der Nacht. Ich konnte nicht einmal lesen und glaubte, den Verstand zu verlieren. Der Kapitän sagte nur: „Schlechte See, wie gewöhnlich.“ Aber gestern nacht legte sich das Unwetter; heute morgen war es viel besser, und jetzt fahren wir auf einem glatten, blauen Meer, das bereits die heißen Länder ankündigt, obwohl es immer noch kalt ist. Wir haben Aufenthalt gehabt und werden erst am Ostersonntag in Havanna sein. Man ißt immerzu, man liest, man schläft und ißt wieder. Der schwedische „Smörgasbord“ ist ganz ausgezeichnet ... einmal, von Zeit zu Zeit, aber zweimal jeden Tag, das ist des Guten zuviel! Die Schweden scheinen von „hors d’oeuvres“ zu leben und alle sind mehr oder weniger gezuckert, die gesalzenen Anschovis sind gezuckert. Man serviert uns mit der ernstesten Miene einen gebratenen Hering, der mit Konfitüren gefüllt ist. Ein honigsüßer Schwedenpunsch begleitet die Bohnensuppe. Ich habe Eile an Land zu kommen, um dem „Smörgasbord“ zu entrinnen.
Außer uns beiden sind noch sieben Passagiere an Bord. Alles reizende Leute. Eine charmante Mexikanerin, ein mexikanischer Professor, eine liebenswürdige Dänin, ein kleines, liebes finnisches Mädchen, sehr gut erzogen, ein lebenslustiger Finnländer, der trostlos ist, daß wir andern so ernst und so mäßig sind, denn er liebt seinen Schnaps und möchte gern in Gesellschaft kneipen.
Der „Herr Käpten“ und der Chefingenieur, die mit uns speisen, sind einfache, sehr umgängliche Leute, die beiden Kellner sind schön wie junge nordische Halbgötter, überaus zuvorkommend und aufmerksam. Die Kabinen sind sehr luxuriös und so geräumig, daß man, wie in einem schönen Hotelzimmer lange Zeit hier verweilen könnte, aber wenn alles um uns her plötzlich tanzt und schwankt und fliegt, ist man anderer Meinung. Stellen Sie sich vor, daß wir seit unserer Abfahrt aus Norwegen nicht ein einziges Schiff gesichtet haben. Nur die Seevögel haben uns einige Zeit begleitet, aber auch sie sind unseren Augen entschwunden. Gestern sahen wir eine Gruppe Delphine, die um unser Schiff spielten. *
4. April
Ein Meer wie Oel! Aus blauem Himmel brennt heiß die Sonne. Wir fahren zwischen den Bermuda-Inseln und den Vereinigten Staaten, der Küste entlang an Miami und Palm Beach vorüber. Dann zwischen den Bahama-Inseln und Florida.
6. April.
Havanna hat mir nicht sonderlich gefallen. Die Gebäude sind von einem überschwenglichen Luxus.’ Es ist wie die Dekoration für die Operette der Dollar-Prinzessin, die von einer Negertruppe gespielt würde.
Zwei Tage später sind wir in Verakruz. Welcher Szenenwechsel! Keine Neger mehr, nur noch Indianer! Ihre Haut ist so dunkel, daß sie erschrecken, besonders die Polizisten. In Verakruz erwarteten uns unsere Freunde mit ihrem Wagen. Was für eine Reise! Ueber 600 Kilometer und immer aufwärts, elf Stunden lang. In Verakruz endlich vom „Smörgasbord“ befreit, habe ich von den guten Sachen mehr gegessen, als mir zuträglich war, und ich wurde unterwegs krank wie ein Hund. Ich glaubte, nicht lebend ans Ziel zu kommen. Die Straße war aber so interessant, daß die wechselnden Bilder einen tiefen Eindruck auf mich machten.
So weit das Auge reicht, eine unvorstellbare wüste Steppe ohne Kulturen. Die tropische Zone hat das, was von selbst wächst. Man pflanzt nicht. Wir passieren die heiße Zone (tierra caliente). Einige hübsche kleine Städte, ganz im spanischen Kolonialstil. Strecken von 50 Kilometern, wo es absolut nichts anderes als Riesen-Kakteen und Feigenkakteen...; es wirkt wie eine Mondlandschaft in erschütternder Einsamkeit und Stille. Im Hintergrund die steilen Berge. Drei erloschene Vulkane, so hoch und so fern, daß man kaum weiß, ob es Gipfel oder Wolken sind. Plötzlich klärt sich die Sicht, und sie treten aus dem Gewölk in ihrer schrecklichen Größe.
Der Popocatepetl raucht immer. Er ist regelmäßig wie der Fujiyama, nur viel höher als dieser (5452 Meter). Er ragt über einer Hochebene von 2000 Meter, und rings die Wüstenei der Steppe und Täler in furchtbarer Einsamkeit. Die erstarrte Lava mit ihren porösen Gebilden gleicht versteinerten Schwämmen.
Die paar Indianer, die man antrifft, leben von nichts. Sie hausen unter aufgeschichteten Lavabrocken, andere in Hütten von vertrockneten Feigenkakteenstämmen, mit einem Dach aus alten Oelkanistern. Diese Indianer sind dieselben seit Jahrtausenden und selbst in der Stadt Mexiko, wo fast alle Indianer sind, begegnet man solchen Bettlern, die uns mit Augen anschauen, die den Bau der großen Pyramiden von Teotihacon gesehen haben, den Fall des Reiches vor den Azteken, die kurze Blütezeit der Usurpatoren, die Ankunft der „Conquistadores“ und ihren Sturz, aber für diese Augen der Ewigkeit ist der Fall oder der Triumph eines Reiches ohne Bedeutung.
Die Stadt Mexiko ist enorm. Es gibt dort die spanischen Altertümer. Paläste in Ruinen, Verfall durch die Zeit und die zahlreichen Erdbeben. Alles hat den Ausdruck gewaltiger Kräfte und tragischen Reiz. Die Kathedrale ist riesig groß und erinnert an El Pilar in Zaragoza, nur alles in größeren Ausmaßen, sie ist aber niedriger und viel übertriebener in ihren Einzelheiten, denn die Spanier haben hier einheimische Baumeister und Künstler verwendet und diese waren Azteken. Mit den Vulkansteinen, die porös, sehr hart und von einem warem Grau sind, entstanden einmalige Bauten. Es gibt Hunderte von Kirchen und Palästen. Daneben Wolkenkratzer mit hydraulischen Kompensatoren zum Schutz gegen die Erdbeben, ganz aus Stahl und Glas und viel moderner als in den Staaten. Inmitten dieses Luxus wimmeln auf den Fußsteigen primitive Händler, die alles feilbieten, was man sich nur denken kann. Viele neue Gebäude, Kaufhäuser und prächtige teure Läden, großer Pariser, Londoner, Berliner Warenhäuser beweisen, daß hier viel Geld ist. Der Verkehr ist von ungeheurer Intensität. Die Omnibusse, „Sandwichs“ genannt, rasen, wie die Autos, mit erschreckender Geschwindigkeit durch die Stadt. Bei jedem Schritt riskiert man, überfahren zu werden. Die Taxis haben keinen Preisautomaten. Man muß den Preis vorher ausmachen oder sich Übervorteilen lassen.
Wie heute an allen Ecken der Welt, wird auch hier viel gestohlen, sogar Kanaldeckel. Es gibt keine Briefkästen. Briefmarken bekommt man auf der Post, aber spärlich.
Was aber das Malerische anbetrifft, so ist dieses Wort für Mexiko viel zu schwach. Man müßte ein Wort erfinden, das der unbegrenzten Intensität der Fülle und Ueppigkeit der Eindrücke dieses Begriffes gerecht wird. Hier ist Spanien, hundertfach gesteigert, durchsetzt mit all dem indianischen Aberglauben. Man ist fanatischreligiös; in den Kirchen rutscht man auf den Knien, die Kraftfahrer haben wahre Altäre vor sich auf der Windschutzscheibe. Ueberall Madonnen, Medaillen, Blumen, ein kleines rotes Licht, Bilder von der Sonne und dem Mond und alle nur denkbaren Fetische. Das Kolorit ist düster und tragisch neben den herrlichen Blumen und Früchten.
Mexiko liegt 2240 Meter hoch über dem Meere, und wir haben uns noch nicht an diese Höhe gewöhnen können. Man fühlt sich nicht wohl, man ist immer müde. Es wird erst nach Mittag heiß, die Nächte sind frisch. Alles ist ausgetrocknet. Nichts wächst auf dieser ausgedorrten Erde. Zyklone wirbeln zuweilen den gelben Staub auf, der sich wie ein Nebelschleier über die Stadt legt und das Atmen beschwerlich macht.
Man hat die Seen geleert, um die dort vermuteten Schätze der Azteken zu heben. Man hat sie nicht gefunden, hat aber jetzt kein Wasser, um die Seen wieder zu füllen. ♦
14. Juni.
Die Eindrücke hier sind für uns von größtem Interesse. Wir sind nun in der schlechtesten Zeit, in der Regenperiode. Ich nehme es kaum wahr, denn es regnet nur von Zeit zu Zeit und nicht lange. Das nützt nicht viel, denn alles bleibt trocken und staubig. *
27. Juli.
Wir haben die Grotten von Cacahuamilco besucht, das Großartigste und Erstaunlichste, was ich sah. Sechzig Meter hohe Gewölbe. Sie waren das einstige Bett eines unterirdischen Flusses, der sich unter den alten neue Grotten gräbt. Keine Stalaktiten und Stalagmiten, aber riesige Felsblöcke, Gewölbetrümmer, die herunterbrachen, bilden diese grandiose Unterwelt*
Unterwegs haben wir in Cuernavaca Halt gemacht. Hierher kommen die Menschen zum Wochenende herunter, um sich von dem Höhenklima zu erholen. In Cuernavaca ist das Interessanteste die,, Kathedrale, alt und primitiv, mit all den’ Stein-Broderien, die die Indios so lieben, die die bereits überladene spanische Ornamentik des XVII. Jahrhunderts ihrer Art gemäß kopiert und mit aztekischer Mentalität noch bereichert haben. Der „Palaciö de Cortes“, von dem man so viel spricht, sagt mir nicht viel. Er ist indessen authentisch, im -Gegensatz zu vielen anderen. Es ist ein stilloses häßliches Gebäude, backsteinrot angestrichen. Im Inneren sind die berühmten Fresken von Diego Rivera — nach meinem Geschmack schrecklich. Es gibt allerdings Leute, die diese Malerei neben die Michelangelos stellen. In Cuernavaca sind prächtige Gärten, denn hier gibt es mehr Wasser und weniger Staub als in den tropischen Regionen und dem hoch gelegenen Mexiko. Man sagt mir, daß im Winter die Atmosphäre hier kristallklar ist, und daß im ganzen Land die Blumen sprießen. Jetzt sieht man nichts davon, nur die eindrucksvollsten Riesenkakteen und Feigenkakteen, aus denen der „Pulque“ gemacht wird, mit dem sich die Armen in Mexiko berauschen, um ihr Elend zu vergessen.
In Mexiko wimmelt es von fliegenden Händlern mit Töpferwaren und allen nur denkbaren Dingen
Einer der Altäre in der Kirche von Tepozotlän. Alle Wände dieser ^^ mrt vergoldeten Skulpturen bedeckt. Das wirkt wie eine Grotte ohne eine fingerbreite alatte Fläche. Es ist wie ein Alpdruck von Gold undPoiychromie.Der^ schreienden, dramatischen und realistischen Bilder verursacht fast Schmerz,
Der landläufige aztekische Indianertyp, der den präcortesischen Skulpturen sehr ähnlich ist.
Die große Pyramide von Teotihuacin (toltekisch), 45 Kilometer von Mexiko
"Indiarter mit seinem ärmellosen Poncho
Phantastische Landschaft
Im magisch blauen hohen Himmel thront Zu später Morgenstunde noch der Mond, Aus quellendvoller runder Scheibe rollt Weit in die Landschaft hin sein rötlich Gold, Das über Bergwelt, Höhen, Tiefen rinnt Und jedem Winkel webend sich verspinnt.
Indes nur mählich blaßt des Mondes Bahn, Steigt ostwärts schon die Sonne himmelan, In weltlicher und himmlischer Verbundenheit
klingt auf der Tagchoral: Unendlichkeit..
Elisabeth Styx-Drügg
Feuilleton
Der arme Poet
KLEINE STUDIE ZU EINEM SPITZWEG-BILD
Am 23. September 1885 starb Carl Spitz we g , der unvergleichliche Maler des Biedermeiers, in München.
Da liegt er nun in der Dachstube auf einem dürftigen Lager, unser Poet Cyriakus Sonnenstößer. Der Ofen ist kalt, draußen jagen dunkle Regenwolken am Himmel und werfen Tropfen trommelnd gegen die hälbblinden Scheiben. Cyriakus hat an einer Ecke sein Schloß Monrepos aus einigen Bett- und Wolldecken aufgebaut, einen Stapel Bücher als Mauer gegen die harte Wand errichtet, die Schlafmütze 'über die Ohren gezogen, damit er nur himmlische Hymnen höre. Im Zimmer herrscht eine geniale Unordnung: Das Taschentuch, das einzige, ist zum Trocknen auf einem quer gespannten Strick auf gehängt, denn schließlich ist es sein Riechorgan, das auf die Uhbilden des Wetters zuerst reagiert hat und ihn immer wieder aus seinen Träumen weckt. Der Gänsekiel in der Hand beginnt die unsterblichen Worte des Cyriakus Sonnenstößer auf das Papier für die staunende Nachwelt festzuhalten. Da fällt von der Decke ein Tropfen auf die Stirn des Dichters. Cyriakus hält inne. Er beginnt zu überlegen: die Nase ’ kann es nicht sein, denn noch immer gehorchen alle Gegenstände, auch die flüssigen Körper, dem Gesetz der Schwerkraft. Ein zweiter Tropfen klatscht auf die edle Stirn des Dulders. Reglos liegt Cyriakus, nur daß jetzt seine Brille etwas verdunkelt, ist. Daher schielt er hinter-den Gläsern hervor und betrachtet aufmerksam das Balken- und Bretterwerk der schrägen Wand. Sieh, dort oben sammelt sich an einem Riß wiederum ein Tropfen, schwillt an, löst sich und trifft auch wieder die Stirn, hinter der sich die Gedanken jagen. Der Tropfen wird Cyriakus zu einem hohen Sinnbild: gerade so sammeln sich in der Seele des Dichters, dem die Musen einen scheuen Kuß auf die Lippen gedrückt haben, die hohen und edlen Gedanken, wachsen, runden sich zur Vollkommenheit, einer Kugel, lösen sich dann, Und... da trifft auch genau zu rechter Zeit der neue, vollkommene Körper das erwählte Ziel. Diesmal aber beginnt es zu fließen ... Damit aber kommt dem armen Poeten der Gedanke, für Abhilfe zu sorgen. Was macht man bei Regenwetter? Einfach, man spannt einen Schirm auf.
Es fröstelt Cyriakus etwas, als er aus seiner warmen Brutstätte aufsteht und den alten, an einer Seite schon zerschlissenen Schirm aus einer Ecke hervorholt, ihn aufspannt und über sein Monrepos hält. Schließlich aber kommt ihm auch die Erkenntnis, daß er ihn ja nicht halten kann! Er ist ja kein Schirmherr! Bei diesem Gedanken lächelt er etwas: Schirmherr! Ausgezeichnet! Muß man sich merken! Für einen humoristischen Roman: Der Schirmherr!
Seine Augen suchen einen Halt für den Schirm. Nichts, gar nichts! Einen Nagel her! Eine Welt für einen Nagel! In der Tisch-Schublade lag vor einem halben Jahr noch ein Haken. Da ist er ja! Und nun die Kohlehschaufel, unnützes Ding, denn es sind keine Kohlen zürn Schaufeln da, aber jetzt kann sie ihre Daseinsberechtigung nachweisen: Quer durch den Stoff bohrt sich „des Hakens grimmige Schärfe, getrieben von mächtiger Hand...“ Gut, der Schirm hält. Er ist zwar „im Innersten“ verwundet, aber ergeht es ihm, Cyriakus Sonnenstößer, anders, der mit wunder Seele die Schmach der lästernden Welt ertragen muß?
„Nun rinne, Regen, rinne, rauschend rieselnd rase ...“
Mit einem zufriedenen Lächeln sinkt Cyriakus wieder auf das Lager, wischt die Brillengläser mit einem 'Zipfel der Decke ab, stützt das Kissen in den Rükken, zieht die Khie an, die nun die Manuskriptblätter bequem stützen, und versinkt von neuem in Träumen.
Der Gänsekiel fliegt über das Papier, die Regentropfen den Schirm herab, dort eine Lache, breiten sich aus, beginnen die Unterlagen zu durchdringen.
Cyriakus merkt es nicht. Seine Seele schweift abseits der gewohnten Straßen, Pegasus trägt ihn in sphärische Höhen ... Und Gottvater, der seine Freude an allen Geschöpfen hat, schaut durchs Dachfenster auf den armen Poeten und schmunzelt ... Werner Jde
CARL SPITZ WEG: DER ARME POET
Lebendiges China
Ein Vortrag im Amerikahaus
Es gibt wohl wenige Europäer, die derartige Kenntnisse über das wirkliche China gesammelt haben wie Martin Steinke, der im Darmstädter Amerikahaus über das „lebendige. China“ sprach. Der Vortragende, der den buddhistischen Ehrennamen Tao-Chün trägt, ist wohl einer der wenigen Weißen, die die Weihe eines „Bhikkhu“, eines buddhistischen Mönches erhielten. Fast sein ganzes Leben brachte er damit zu. die Lehren der fernöstlichen Welt an ihrem Ursprung in sich aufzunehmen. In seinem Vortrag im überfüllten Saal des Amerikahauses gelang ,es ihm, einen Bruchteil seines reichen Wissens den Zuhörern nahezubringen.
China ist ein Land der ungeheuren Gegensätze, der Paradoxone. die in ihrem Zusammenhang Zu erfassen nur wenigen Ausländern zuteil wird. Alle Bücher, Schriften und Filme über dieses unendliche Land geben immer nur kleine Einblicke. Der Chinese vertritt die Welt des Pragmatismus, ein reines Nützlichkeitsdenken. in der die Familie der Mittelpunkt allen Denkens ist. Es geht hier weniger um die' vergängliche irdische Familie. als um die himmlische, da für die Chinesen der Himmel das Symbol der Allmacht und der Harmonie ist. China hat keine Religion in unserem Sinne, und niemals konnte eine andere Religion in China Fuß fassen. Es gibt keine Priester, denn jeder Beamter eist gleichzeitig Berichterstatter an den Himmel, der je nach Rang und Würde ein jährliches Tieropfer bringen mußte, das als Staatskult das geistige Zentrum des „Reiches der Mitte“ darstellt. Erst die Kulturinvasionen des Buddhismus brachte eine heue Idee des Begriffs „Mensch“. Eine jahrtausendealte Kultur basiert auf den drei Tugenden der chinesischen Menschheit, der Kardinaltugend', die die Beamten zu einer unteren Laufbahn befähigte, die Sozialtugend, die den Aufstieg zur mittleren Laufbahn ebnete, und als höchste Vollendung die Universaltugend, die, dem chinesischen Staatsideal entsprechend, den Inhaber zur Bekleidung höchster Staatsämter befähigte.
China ist eine Welt, die aus einem anderen Wissen kommt, dessen Denken und Erkennen in der Kausalität begründet liegt, und nur die Sicherheit einer fast 5000 jährigen Kultur ist in der Lage, die Diskrepanz zwischen der Assimilieru"- d-r Technik und bodenständigen Kulturüberlieferungtn ohne Schaden für die Seele des chinesischen Menschens zu überstehen, hfl
Der Holzwurm geht um
VON LORENZ STROBELDer Pfarrer von Bachham ist ein wirklich seelensguter Mann, den nicht so leicht etwas aus der Ruhe bringen kann. Aber einmal wäre ihm das Gifthaferl doch bald übergelaufen.
Es war um die Zeit, als die Heimatvertriebenen in unsere altbayerischen Dörfer strömten. Da der Winter hart und kalt gewesen, karrten sie aus den Wäldern das Dürrholz zusammen, und die Bauern brummten wohl ein wenig darüber. „Das ist Notschutz“, predigte der Pfarrer von Bachham von der Kanzel, „und da müßt ihr halt ein bißerl Verständnis haben!“ — „Notschutz“, überlegt der Dürnhammer Beni, ein eingesessener, ausgekochter Tagdieb, der zeitlebens auf der Suche nach jenem war, der die Arbeit erfunden hatte. Sein Winterholz hatte er sich noch allemal aus den Bauernwäldern zusammengestohlen und sich beileibe nicht mit dem Dürrholz abgebuckelt, sondern immer die dicksten Stämme umgelegt und heimgefahren. Ein halbdutzendmal hat er wegen Holzfrevel schon im Amtsgerichtsgefängnis gesessen, aber jetzt..“ „Notschutz hat er gesagt, der Hochwürden? So probieren wirs halt amal mit dem Notschutz!“
Mit dem Schubkarren, darauf Säge und Axt, walzt der Beni am hellen Nachmittag in das Pfarrholz. Just zur gleichen Zeit macht auch der alte Pfarrer einen Spaziergang durch seinen Wald und hört da von ungefähr im Hochwald drüben den „Holzwurm“ picken. Der Pfarrer biegt vom Wege ab, duckt sich durch das Dikkicht und geht also geschützt von der Seite den „Holzwurm“ an.
„Schau, schau!“ Unter der breitästigen Wettereiche verschnauft der gute Herr, denn drüben im Hochtann liegt eine mannsdicke Fichte quer in den Himbeerstauden und der Dürnhammer Beni ist grad dabei, den Stamm sauber abzuästen.
Der Pfarrer strauchelt beim Näherschleichen über eine Föhrenwurzel. Der Beni schaut auf und nimmt die Pfeife aus dem Maul. „Ah, der Herr Hochwürden!? Auch auf die Füaß bei dera Hitzen?“ Er ist kein bisserl verlegen. Lupft das schmierige Filzhütchen und fährt mit der pechigen Pratzen durch die brandroten Haare auf seinem Schädel.
„Aber Beni“, meint der Hochwürden vorwurfsvoll, „was machst denn da?“
„Notschutz, Herr Pfarrer.. Notschutz!“ Und dabei schäupelt er frischen Tabak aus der Schweinsblase in die Holzpfeifen.
„Notschutz sagst? Das ist aber ein bisserl viel Notschutz! Meinst net auch, Beni?“
„Der Winter ist oft lang, Hochwürden!“ Der Beni grinst und blinzelt mit verschlagenen Augen . aus den buschigen Brauen heraus.
„Ja sag einmal, Beni: Gehört der Wald eigentlich dir, weil du den schönsten Stamm abhaust?“ — „Mir net!“ Der Beni beutelt den Kopf. •— „Wenn dann?“ Der Pfarrer laßt net aus.
„Zur Kirchen gehört er wohl“, schmunzelt der Beni und pafft aufs neue seinen Kloben an. „Zur Kirchen und dem Pfarrhof halt.“
„So, und der Kirchen stiehlst du das Holz? Ausgerechnet der Kirchen. Und da machst du dir kein Gewissen daraus, Dürnhammer Beni?“ der Pfarrer legt die Stirn in Falten.
„A G’wissen?“ Verwundert schaut Beni auf. „Dös wohl net... aber a neie Bretterwand für mein’ Saustall, Hochwürden. Ja, a Bretterwand für den Saustall.“ Da hat mit einem Mal der Pfarrer einen Lacher aufgeschlagen, daß dem Beni schier die Pfeifen aus dem Mund gefallen wär. Über den gefällten Baum hinweg hat er dem „Holzwurm“ seine Tabaksdose gereicht.
„Bist ein alter Planer, Beni... Aber wann du mal gar auf den Gedanken kommst, dein Häusl umzubaun, gelt Beni, da drüben steht dem Donibauern sein Wald. Der hat um fuffzig Tagwerk mehr und kann den Notschutz leichter vertragen als der kleine Pfarrer von Bachham. Verstehst?“
Neuerscheinungen der Stadtbücherei
W: 5 Carossa, H.: Gesammelte Werke. Bd. 1 u. 2; 10 Goethe, J. W. v.: Westöstlicher Divan.
G: 6 Behn, Fr.: Vorgeschichte Europas; 10 Meißner, E.: Zwiespalt im Abendland. Ein Kommentar zur deutschen Geschichte von 1517—1939; 15 Goebbels, J.: Goebbels Tagebücher. Aus den Jahren 1942—43. Mit anderen Dokumenten. 15 Loßberg, B. v.: Im Wehrmachtführungsstab. Bericht eines Generalstabsoffiziers. 15 Michel, K.: Ost und West. Der Ruf Stauffenbergs. 20 Hoetzsch, O.: Grundzüge der Geschichte Rußlands. 25 Benz, R.: Deutsches Barock. Kultur des 18. Jh. T. 1. 25 Siebenborn, CI.: Unter den Linden. Galanter Bilderbogen um Berlins berühmte Straße. 30 Eulenberg, H.: Cicero. Redner, Denker und Staatsmann. 30 Corti, E. C.: Elisabeth, die seltsame Frau.
Km: Schindler, A.: Biographie von Ludwig van Beethoven.
Ku: Langewiesche Bücherei: Der Breisacher Altar; Der Dom zu Aachen; Das Freiburger Münster; Caspar David Friedrich; Heckel, A.: Die Wies (u. a.).
L: Roch, H.: Das Elternhaus. Briefe großer Deutscher. Wolf, R.: Land der Liebe. Eine Kindheit in Schlesien.
N: 10 Grzimek, B.: Die Elefantenschule. 10 Katz, R.: Kleinode der Natur. Diamanten, Orchideen und Kolibris. 10 Koenig, O.: Weg ins Schilf. Erlebnisse mit Tieren. 12 Francö-Harrar, A.: Mensch GmbH. 25 Niklitschek, A.: Ausflug ins Sonnensystem. 35 Colerus, E.: Vom Punkt zur vierten Dimension. Geometrie für jedermann.
Phil: Hattingberg, H. v.: Ueber die Liebe. Eine ärztliche Wegweisung.
Pr: 5 Vogt, W.: Die Erde rächt sich. 10 Dabeistein, E.: Wände und Grate. 10 Himalaya. Schweizer Expedition 1947.
Re: 15 Bell, G.: Persische Reisebilder. 15 Biebl, R.: Bei Lappen und Rentieren. 15 Gardi, R.: Nordland. Unter Fischern an Norwegens Küsten. 15 Hagen. V. W. v.: Südamerika ruft. 15 Schaefer, E.: Fest der weißen Schleier. Eine Forscherfahrt durch Tibet nach Lhasa, der hl. Stadt. 15 Schwarz, Fr.: Bakschisch und Feidah. Erinnerungen an Afghanistan.
Der interessante Kurzhericht
„Herr Direktor, ich kann Gold machen!“
In der Strafanstalt Tanta in Ägypten ließ ein Sträfling sich bei der Direktion melden und versicherte, er habe auf mystischem Wege das Geheimnis erkundet, Gold zu billigsten Preisen herzustellen’ Er bot dem Direktor gegen sofortige Freilassung eine 50prozentige Beteiligung an. Der Direktor machte nicht mit und stellte fest, daß es sich um einen Taschenspieler handelte, der in seinem Rockfutter Goldstaub verborgen hatte, den er bei den Experimenten in die Retorten fallen ließ.
LA PRESIDENTA Evita Peron
Schönste Frau Argentiniens - Der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel
5. Fortsetzung
Die beiden Frauen schauten in die Sonne und sprachen dann — wovon sollten sie sonst schon sprechen, nachdem sie über die Kinder und ihre Männer alles gesagt hatten — von — Evita.
„Sie gehört zu uns. Sie ist eine von uns, Was man jetzt auch gegen sie sagen mag! Mit bloßen Füßen entlief sie den Eltern und stieg dann Stufe um Stufe empor Mit den gleichen nackten Füßen, die auch wir haben, weil wir uns keine Schuhe bezahlen können. Eine von uns! Und sie versteht uns, weil sie einmal bei uns war!“
„Aber jetzt geht es ihr gut. Ich habe vorhin dort im Rinnstein eine Zeitung gefunden. Ich kann nicht lesen, aber auf den Bildern habe ich sie erkannt. Und ein anderer hat mir gesagt, es, stünde darunter, sie sei die schönste und die am
besten angezogene Frau von Argentinien. Jetzt ist sie reich. Ob sie überhaupt noch an uns denkt?“
„Reich! Wer von uns möchte das nicht eines Tages sein? Sie kennt den Weg nach oben! Sie bewies uns. daß jeder von uns eines Tages .“
Die andere lachte.
„Glaubst du denn, daß auch du ...“
„Ich nicht, aber vielleicht meine Tochter — morgen — eine von meinen Töchtern. ..“
„Und du meinst wirklich, sie werde es schaffen?“
„Sprichst du jetzt von meiner Tochter o3er von der Presidenta? Evita besinnt sich auf uns. Ist sie nicht an der Spitze der .Hemdlosen*. der Aermsten unter uns, mutig durch Buenos Aires marschiert?“
■ „Ha — damals! Um ihren Juan auf den Ministerstuhl zu geleiten!“
„Haben wir nicht alle einen Juan, dem wir dorthin helfen möchten?“
„Und das Wahlrecht für die Frauen kommt auch erst 1952 — bis dahin ist
noch lang!“ „Aber wir warten darauf seit 150 Jahren. Und jetzt fehlen nur noch rund 600 Tage. 600 mal Schlafengehen und wiederaufstehen — und dann graut der Morgen!“
„Welcher Morgen?“ „Sie hat uns ja damals versprochen, daß alles anders würde. Und das wird auch so sein!
Mein Mann ist jetzt bei den Syndikalisten. Sie wissen ganz genau, was sich in Buenos Aires in den Büros tut. Alles
ändert sich. Eine ganz neue Zeit zieht für Argentinien herauf.
Und wenn Peron es nicht schafft, dann wird es ein anderer können, denn der Gang der Zeit ist nicht mehr aufzuhalten — hat mein Mann gesagt. Und er weiß es aus der Versammlung der Syndikalisten.“
Die andere verstand nichts von Gewerkschaften und Syndikalisten. Ihr Mann war zu bequem gewesen, abends in die Besprechungen zu gehen. Er hatte sich immer gleich schlafen gelegt. Aber wenn die andere meinte, daß es nun anders werde *. . .
Wie Peitschenschläge waren die Rückschläge für Juan Domingo gekommen.
Als er 1945 zur Macht gelangte und 1946 noch einmal seine großen Versprechungen bekräftigte, da war die Welt noch hungrig. Da war Argentinien ein Land, das mit Trümpfen in der Hand spielen konnte, die Hunger und Elend und Jammer in einer vom Krieg gequälten Welt heißen. Wenn man solche Karten in der Hand hält, wenn man unvorstellbare Mengen Rindvieh und Häute und viel Getreide, vor allem aber Fleisch und Mehl und Oel und Zucker anbieten kann, dann zahlt derjenige, dem es schlecht geht, jeden Preis, bis er satt ist.
Alles, was man in den letzten Kriegsmonaten und in den ersten Monaten nach dem Zusammenbruch nicht gleich loswerden konnte, das gesalzene und gedörrte Fleisch, das Carne seca, das Trockenfleisch also, die Fleischertrakte, die eingedickten Fleischbrühen, und was sonst alles noch dazugehört, das konnte map zu jedem beliebigen Preis verkaufen. Was machte es denn unter solchen Umständen schon aus, wenn Peron auf den Hebel drückte und sagte, daß die Forderungen der Arbeiter befriedigt werden müßten. Man konnte sogar von der Regierung aus riesige Zuschüsse zahlen, so daß den Gewerkschaften, den Syndikalisten mitunter der Atem wegblieb und ihnen die letzte Waffe einer Gegenpropaganda, aus der auf dem Weg über die Opposition jeder Fortschritt erwächst, aus der Hand geschlagen wurde. Peron war kein Zauberkünstler. Peron mußte sein Geld auch nach den Gesetzen der Währung abdecken. Aber Peron hatte die Mangelware einer notleidenden Welt zu mittleren Preisen bei den Erzeugern in Argentinien aufgekauft und mit ungeheurem Gewinn an das Ausland abgestoßen.
Hatte er sich eigentlich nicht an fünf Fingern einer Hand ausrechnen können, daß dieses Spiel nicht immer so weitergehen konnte? Hatte ihm denn keiner gesagt, daß die großen Gewinne eines Tages aufhören würden und daß jeder, der etwas braucht, nachher nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage dort kauft, wo es am billigsten ist?
So kam es denn auch: Die Gewinne blieben aus. Die Unterstützungen, die die Regierung gezahlt hatte, damit die Löhne die geforderte Höhe und die Sozialleistungen das versprochene Niveau erreichten, mußten wegfallen.
In diesem Augenblick war die ganze Popularität eines Juan Peron verflogen. Er konnte einfach nicht mehr weiter Lohnerhöhungen diktieren, weil die Konjunktur-Welle, die Argentinien emporgetragen hatte, längst verebbt war.
Aber was hat Evita Peron mit all diesen Dingen zu tun? Wir wollten doch von der „Presidenta“ sprechen und nicht von der sozialpolitischen Lage in Argentinien!
Das eine hängt mit dem anderen zusammen. Wenn das eine stirbt, kann das andere nicht weiterleben.
Evita wußte ganz genau, daß die größte Gefahr für Juan, ihren Mann, bei den Arbeitern, bei den Gewerkschaften, bei dem soeben erwähnten Verlust an Popularität lag. Genau so, wie sie ihre eigenen Gegner haarscharf in den Militärs erkannte, auch wenn diese vielleicht von arideren, die aber bestimmt nicht die Arbeiter waren, vorgeschoben wurden.
Vor ein paar Monaten konnte man in Buenos Aires oder aus dem Munde von Argentiniern, die im Ausland weilten und vertrauensvoll einem Freund ihre Gedanken darlegen wollten, ganz klare Prognosen und Ueberlegungen vernehmen, deren tieferer Sinn etwa so lautete:
Peron, also Juan D. Peron, der Präsident, fällt als Präsident aus ohne daß Evita dabei zu Schaden kommt, die dann von den Gewerkschaften, von den Arbeitern überhaupt, nach oben getragen werden könnte — also noch höher, als sie augenblicklich schon steht.
Oder aber Evita fällt aus, ohne daß Peron davon betroffen wird. Sie könnte von ihrem Mann getrennt werden oder verunglücken oder sonst einen Aerger haben, der sie-zu veranlassen vermöchte, das Inland mit dem Ausland oder das Diesseits mit dem Jenseits zu vertauschen. In einem solchen Falle wäre möglich, daß die Gewerkschaften oder doch wenigstens deren Mitglieder gegen Peron oder gegen die Urheber dieser Beseitigung Evitas aufstünden. Dabei ist jeder Beobachter nüchtern genug zuzugeben, daß die Interessen einer syndikalistischen Gewerkschaftsgruppe in der Regel recht egozentrisch und nicht sehr menschlich sind.
Die dritte Möglichkeit wäre der Ausfall beider . . . und scheinbar setzt man in den Kreisen der Opposition am liebsten auf diese Karte. (Fortsetzung folgt.)
Die Heimat
Heilige Quellen im Odenwalod
VON DR. WALTER HOTZSeit grauer Vorzeit werden Quellen als Stätten der Gottesverehrung bevorzugt. Die lebenspendende und heilende Kraft frischen Wassers, die am augenfälligsten ist, wo es dem Boden entspringt, veranlaßte den Menschen immer wieder zu Huldigungen an die schenkende Gottheit. In der Poesie sind Quellen und ihr eigenartiger Zauber vielfältig besungen worden.
Auch im Odenwald finden wir eine Reihe von Quellen, deren kultische Ueberlieferung sich mancherorts sogar bis in die Römerzeit zurückverfolgen läßt. Von der berühmtesten unter ihnen, dem Amorsbrunn, wird sogar berichtet, daß dort die ersten Christen unserer Landschaft getauft worden seien. Schon früh — man nennt das 8. Jahrhundert — hat man bei dieser Quelle ein Kirchlein errichtet, das umgebaut, erweitert und erneuert bis zur Gegenwart erhalten blieb. Dem heiligen Amor sagt man nach, daß ein Trunk aus seinem Brunnen Kindersegen bringe — was auch bei dem Namen nicht verwundert.. Allerdings haben sich die klösterlichen Chronisten alle erdenkliche Mühe gegeben, eine Verwechslung des heiligen Amors von Amorsbrunn und Amorbach mit seinem? bislang nicht heiliggesprochenen antiken Namensvetter, welcher mit Pfeil und Bogen die Liebenden beunruhigt, auszuschließen.
Die Kapelle Amorsbrunn liegt in einem idyllischen Wiesental unterhalb der Straße von Boxbrunn nach Amorbach. Der heutige Bau geht zu Teilen noch auf das 12. Jahrhundert zurück, ist aber sonst im beginnenden 16. Jahrhundert entstanden. Eine Inschrift an der Pforte nennt das Jahr 1521, Das Innere des Kirchleins birgt einen wertvollen spätgotischen Schreinaltar mit einer Darstellung des Stammbaumes Christi. Er ist vom gleichen Meister geschaffen, der den heute in Erbach befindlichen Schöllenbacher Altar, von dem noch die Rede sein wird, verfertigte. Außer etlichen Statuen — darunter die des Pilgerabtes Amor mit modischer Kopfbedeckung und langem Bart aus dem Jahre 1446 — und zwei Altären nimmt unsere Aufmerksamkeit noch eine Inschrift an der Empore in Anspruch, die auf die wundertätige Hilfe des Amorwassers hinweist: „Wenn schwere Krankheit umringt dein Herz/und leidest gar großen Schmerz,/ warum gibst dem Arzt so große Gaben / und lässest fahren die göttlichen Gnaden? /Schau, allhier Sankt Amors Brunn entspringt,'/ welcher die vorige Gesundheit wiederbringt!“ Das Schöpfloch zu diesem Brunnen ist im Boden der Kirche. Durch einen Eimer kann man das Wasser heraufholen und sich gleich daran erlaben. Vom Amorsbrunn wird auch erzählt, daß u. a. Kaiserin Maria Theresia von seinem Wasser getrunken und aus Dankbarkeit für den eingetretenen Erfolg eine Meßstiftung gemacht habe.
Ein weiteres Quellheiligtum ist die Ottilienquelle zu Rüdenau. Ein dort eingemauertes römisches Relief mit drei Nymphen bezeugt die uralte Verehrung dieses Brunnens.
An den Ausläufern des Krähberges finden wir mehrere Quellkirchen, und zwar zu Falkengesäß, Schöllenbach, Hesselbach und Breitenbach. Wahrscheinlich war auch die Kirche zu Güttersbach ehedem ein Quellheiligtum. Im vorderen Odenwald sind als Quellenkirchen noch nachweisbar Neunkirchen und Reichelsheim. In der Mehrzahl der aufgezählten Orte läßt Bich lediglich geschichtlich ihre einstige Eigenschaft feststellen. Der Quellkult hat sich vor allem durch die Einführung der Reformation verloren. Geblieben ist er eigentlich nur in Breitenbach, wo die Wendelinusquelle entspringt und bis zu einem gewissen Grade auch in Hesselbach, wo die fast versiegte Ottilienquelle noch vorhanden ist.
Die bedeutendste unter den Quellkirchen am Krähberg war die Wallfahrtskapelle in Schöllenbach. Zu der reich fließenden Quelle, die auch heute noch das Dorf mit Wasser versorgt, trat noch ein wundertätiges Marienbild. Ihm zu Ehren ließ Schenk Philipp IV. von Erbach 1465 eine Kirche errichten. Sie besaß einen Westturm, ein dreischiffiges, von Säulen getragenes Langhaus und einen gotischen Chor.
Am 8. September 1465 ward sie unter großer Anteilnahme des Volkes durch den Bischof Siegfried von Cyrene geweiht und in den folgenden Jahren noch mit verschiedenen Stiftungen versehen. Von der sicher prächtig ausgestatteten Kirche ist nur der Chor geblieben, welcher 1783 wieder als Kapelle zu gottesdienstlichen Zwecken hergerichtet wurde. Die schönen gotischen Sterngewölbe, die ihn einst zierten, und von denen die Ansätze erhalten sind, wurden durch eine flache Holzdecke ersetzt, die hohen gotischen Fenster wurden verkürzt und mit runden Stürzen geschlossen, die Westwand nach dem Langhaus zu vermauert. Das ehemalige Turmportal blieb stehen und bildete fortan die Pforte zu dem um die Kirche gelegenen Friedhof. Ein paar Säulenstümpfe wurden teils am Kanzelfuß, teils am Brunnen außerhalb der Mauer wieder verwendet. Das schönste Schmuckstück der Kirche, der große Schnitzaltar, kam bereits 1601 in die Erbacher Friedhofskapelle und von dort 1872 in die Kapelle des Schlosses zu Erbach. Er war eine Stiftung des Grafen Eberhard I. von Erbach und dessen Gemahlin Maria von Wertheim. Dargestellt ist, wie zu Amorsbrunn, die Wurzel Jesse im Mittelschrein. Der schlafende Jesse ruht in der Predella. Die Flügel zeigen Reliefs aus dem Marienleben. Das alte Gnadenbild der Schöllenbacher Kirche ist verschollen.
In Hesselbach, wo sich einst ein Kiastell der römischen Mümlingslinde befand, steht eine 1768 erbaute und der hl. Lucia geweihte Pfarrkirche. Die hl. Lucia ist die Nachfolgerin der ursprünglichen Ortsheiligen, der hl. Odilia. Das schlichte Kirchlein enthält eine Reihe wertvoller Plastiken, die man dort gar nicht erwarten möchte. Das kommt daher, daß die Pfarrei vom Kloster Amorbach aus besetzt wurde und auf diese Weise „abgelegtes“, d. h. dem Zeitgeschmack des 18. Jahrhunderts nicht mehr entsprechendes Kunstgut dorthin kam. So finden wir in Hesselbach den vollständigen Altar aus der ehemaligen Michaelskapelle der alten Amorbacher Abteikirche mit einer packenden Darstellung des sterbenden Josefs und den Erzengeln Gabriel, Raphael und Michael.
Das Werk entstand in Amorbach 1693/94 durch den Miltenberger Bildhauer Franz Nagel. Die Josefsgruppe ist in Hesselbach aus dem Schrein herausgenommen und auf einem Seitenaltar aufgestellt. Der andere Seitenaltar zeigt eine wertvolle spätgotische Plastik: eine Muttergottes mit dem Kinde, in Hesselbach der dunklen Holzfarbe wegen „schwarze Madonna“ genannt. Sie ist erst vor wenigen Jahren zusammen mit anderen „ausrangierten“ Kunstwerken auf dem Kirchenspeicher zum Vorschein gekommen. Man möchte meinen, daß es sich in der ausdrucksvollen Plastik aus der Zeit um 1450 um ein besonders verehrtes Stück handelt — vielleicht ist es sogar, mit aller Vorsicht sei diese Vermutung geäußert, das verschollene Gnadenbild aus der Schöllenbacher Kapelle, das nach der Einführung der Reformation im erbachischen Schöllenbach nach dem katholisch gebliebenen Hesselbach gerettet wurde?
Die Wallfahrtskapelle in Schöllenbach, erbaut 1465 Foto: Dr, Hotz
Hl. Amor in Amorsbrunn (1446) Foto: Dr. Hotz
Phaetons Sturz aus dem Sonnenwagen
ZWEI VARIATIONEN VON DR. KARL DIELMan braucht ihn nicht unbedingt zu kennen und auch nicht sofort zu wissen, falls einem einmal sein Name begegnet, daß er Fa-e-ton, vorn betont, gesprochen wird. Denn er gehört nicht in den christlichen Himmel, sondern war einmal in dem der Antike, bis ihn sein selbstverschuldetes Mißgeschick daraus vertrieb. Wollen wir ihn nicht an der fernen Stätte seines Ursprungs ruhen lassen? Aber seltsam, er hat sich im Odenwald Heimatrecht erworben, schon in alter, aber auch in neuerer Zeit. Wir begegnen ihm unversehens und zermürben vergeblich unser Gedächtnis ob seiner Naturgeschichte. Denn es ist aus der Mode gekommen, Griechisch und Latein zu lernen, bei welcher Gelegenheit ja einst die illustren Göttersprößlinge der staunenden Jugend vorgestellt zu werden pflegten.
Man könnte nun ein modernes Fernrohr auf den Olymp richten oder die Annalen der Olympischen Kurie durchblättern oder in den dickleibigen Bänden altphilologischer Gelehrsamkeit oder gar in billigen Lesebüchern nach dem Götterjüngling fahnden. Nimmt man alles zusammen und komprimiert es auf das unbedingt Notwendige, dann ergibt sich: der olympische Referent der Sonne und Kontrolleur ihrer exakten Bewegung war im Zeitalter antiker Ordnung Vater Helios. Es muß ein schöner, innerhalb des Weltalls ziemlich bedeutsamer Posten gewesen sein. Helios hätte dieses Amt gerne in der Familie erblich gemacht. Als ihm daher ein Stammhalter geboren wurde, gab er ihm den Namen „Der Leuchtende“, dies bedeutet nämlich Phaeton.
Wenn nun Phaeton dem Vater Helios beim Lenken des Sonnenwagens zuschaute, der für unsere Begriffe mit einer lächerlichen motorischen Energie ausgestattet war, nämlich nur mit 4 PS (von 4 feurigen Pferden war der Sonnenwagen gezogen; es waren natürlich himmlische PS, das ändert dann doch die Sache), hätte er gern einmal das Steuer, vielmehr die Zügel, in die Hand genommen. Noch gab es keinen Führerschein. Phaeton tat wie unsere Söhne —, er hat das Verfahren überhaupt erfunden. Er eröffnete dem Vater zu guter Stunde, er verstehe alle Handgriffe und möchte doch so gern einmal diese Energien lenken; er bearbeitete die Mutter Klymene und diese machte dem Vater begreiflich, daß es an der Zeit sei, dem Wagemut der jungen Herrgotts Raum zu geben. Helios, nur an das Feuer der Sonne gewöhnt, schmolz vor diesen zusätzlichen beiden Feuern dahin und räumte den Führerstand. Und dann geschah das Unglück.
Die Kraft des Jünglings war nicht einmal diesen 4 PS gewachsen. Das feurige Vehikel raste um die ~!rde und berührte dabei die Wohnungen der Menschen. Es ist ja auch heute noch so, daß die Häuserreihen nicht aus dem Wege gehen. Flammen loderten auf, die Menschen, die dem himmlischen Verkehrsunglück in den Weg kamen, wurden vom Feuer geschwärzt (jetzt wissen wir auch, woher die Negerlein kommen), schon drohte das Weltall zu zerbersten, da griff Zeus mit seiner furchtbarsten Waffe zu, er schleuderte den Blitz auf Phaeton. Der unfähige himmlische Chauffeur stürzte in ■einen Fluß, dessen Nymphen ihn begruben und beweinte^. Ihre Tränen kann man noch heute an manchen Gewässern als Bernstein finden. Unser Sonnensystem aber, das fast in Atome zerstoben wäre, wurde noch einmal geflickt bis zur nächsten Atomkatastrophe.
Fehlt es dieser Geschichte auch nicht an alten und neuen Anknüpfungspunkten, so ist es doch erstaunlich, wie sie in den Odenwald kam. Saßen da vor etwa 1800 Jahren im Cafe Mithras in Dieburg drei gute Bekannte, Angehörige der römischen Besatzungsmacht, keine Soldaten, eine Art Zivilangestellte. „Also, Silvester, es bleibt dabei, du wirst hier gegenüber in unserem Mithräum einen Altar aufstellen, daß selbst weitgereiste Veteranen staunen“, sagte der Schuster Perpetuus. „Und in schönen Bildern die Geschichte unseres herrlichen Gottes Mithras zeigen“, ereiferte sich der Jüngling Aurelian. Mehr war nicht nötig, um den Angeredeten in die Glut der Begeisterung zu versetzen. „Wer von unserer ganzen Bildhauerinnung ist mit Händen und Meißel geschickter wie ich? Ihr sollt den unbesiegten Reiter Mithras schauen und seinen göttlichen Mitregenten Helios. Wie sehr begreift man doch hier im wolkigen Germanien, welchen Wert für alle Lebewesen der Lenker des Sonnenwagens hat! Von ihm weiß ich eine Geschichte, die will ich so groß und schön hervorzaubern, daß nichts Herrlicheres nördlich der Alpen zu sehen sein wird.“
„Und was ist das für ein neues Heliosabenteuer“, fragte der neugierige Schuhlieferant. „Nun man weiß doch, daß die Söhne der hohen Herren manchmal recht schauderhafte Dinge anstellen!“ — „Genau wie —“ „Pst“, beschwichtigte der Schuster. Hätte er den vorlauten Jüngling Aurelian nicht zum Schweigen gebracht, dann wüßten wir auch den äußeren Anlaß. Denn in Dieburg verwahrt man noch den Stein mit dem Namen der Stifter, aus der antiken Mithrastaverne, allwo sich die Neophyten nach ihren Verzükkungen wieder mit rheinischen Creszensen erdeten, ist ein modernes Cafe geworden, also wissen wir eigentlich genug darüber, wie Phaeton zum erstenmal in den Odenwald kam. Und wie köstlich hat Meister Silvinus seine Aufgabe gelöst. Vor dem himmlischen Thron des Helios bringt der kühne Phaeton seine Bitte vor, bewundert von einer weiblichen Pendantfigur. Unter dem von vier Säulen getragenen Baldachin erscheint (zumindest im Geiste und daher vom Bildhauer sichtbar gemacht) Klymene, während eine dienende Gestalt den Strahlenkranz des Helios übernimmt, damit der Jüngling sich ohne Gefahr der Blendung nähern kann. Bereits bringen vier Jünglinge, zwei zur Linken und zwei zur Rechten, die vier wilden Rossen, die dem Kühnen zum Verhängnis werden sollen. Zu Füßen des feurigen Gottes werden die drei anderen Elemente sichtbar, Wasser, Luft und Erde, mit ihren antiken Namen Oceanus, Caelus und Tellus.
Für mehr als ein Jahrtausend schließt sich der Vorhang vor dem Phaetonbild. Germanen vertreiben die römische Besatzungsmacht und tilgen die Spuren ihrer Werke. Nicht römisch-heidnische, sondern christliche Vorstellungen begleiten den Aufstieg unseres Volkes zu einer Kulturnation. Bis das Zeitalter des Humanismus und der Renaissance antike Vorstellungen wieder nahe rückt. Es war Graf Johann Kasimir von Erbach, der wenige Jahre vor Beginn des 30jährigen Krieges nach einem kunstgeübten Stukkateur zur Ausgestaltung seines neuerbauten Rittersaals auf der Burg Breuberg Ausschau hielt. Berief er Eberhard Fischer von Babenhausen, der in späteren Jahren die Jesuitenkirche zu Aschaffenburg stukkierte? Jedenfalls entwickelte der Graf seinem Stukkateur gegenüber einen üppigen Plan: die Wappen der väterlichen und mütterlichen Ahnen wollte er an der Decke innerhalb der Säulenreihen sehen, zwischen den Säulen und Wänden aber verlangte er antike Szenen, auch an dem ringsum laufenden Wandfries. Wenn man doch einmal einem solchen Gespräch zwischen einem Renaissancebauherrn und einem Renaissancekünstler hätte lauschen können!
Die eigentlichen Gottheiten erscheinen im Fries, jedoch die 6 größten Felder der Decke blieben vorbehalten für Andromeda, Phaeton, Venus, Dädalus-Ikarus, Amor, Prometheus. Nach eineinhalb Jahrtausenden hat sich der antike Götterhimmel wieder aufgetan. Freilich sind aus den Gottheiten poetische Figuren geworden, Sinnbilder der Naturgewalten, was sie ja auch einmal waren von Anbeginn. Und so begegnen wir wieder unserem kecken Jüngling, der vor der Feuersgefahr warnen soll. Im zweiten Feld der Hofseiteist er dargestellt während seines grauenvollen Sturzes. Oben schwebt der entgleiste Sonnenwagen, der ein Rad verloren hat. Wie Phaeton selbst, so stürzen auch die vier Pferde in die "Tiefe, allwo die Häuser lodern und brennen, und die Fluten sich kräuseln, die den Verwegenen aufnehmen sollen.
Zweimal Phaeton im Odenwald, das ist der Tatbestand. Dafür wird ein Erklärer gesucht; ich glaube, ich hätte einen. Es ist ein ganz gewöhnlicher Nachtwächter, älterer Odenwälder Jahrgang. Man müßte ihn natürlich erst einmal in sein Horn stoßen lassen, sonst fällt ihm sein Versehen nicht ein. Dann aber klingt der alte Ruf zu uns: „Bewahrt das Feuer und das Licht, daß unserm Haus kein Schad’ geschieht!“
Er hat nicht unrecht, unser Nachtwächter. Ob man seinen Ruf auch dort hört, wo bereits der Zunder des Krieges glimmt? Denn, wie eingangs gesagt, man kennt ihn nicht mehr, den Mahner, den Warner, den Beschwörer Phaeton. Wehe!
Eberhard Fischer (?): Phaetons Sturz (Rittersaal des Joh.-Casimir-Baus der Burg Breuberg)
„Schwarze Madonna" von Hesselbach (um 1450) Foto: Archiv Dr. Hotz (Raulfs)
Silvestrius Silvinus: Helios und Phaeton (im Dieburger Heimatmuseum)
Die Goldammer
VON WILHELM LEHMANNIch verwünsche, wer sich naht: Auf dem Telegraphendraht Sitzt die Ammer, alte Frau, Gelb der Latz, die Röcke grau; Zerrt ein Lied aus ihrer Tasche, Zischend strickt sie Masch’ an Masche, Für den Regen eine Schlinge, Hohe Zeit für Schmetterlinge. Bei der Nadeln Tropfenglanz Tanzt die Fliege Firlefanz, Denn, zu träge, sie zu- jagen, Läßt der Pferdeschwanz das Schlagen. Stör die goldne Alte nicht! Brombeerbusch, der für sie ficht Und dem Bold, der gottlos stapft, Blut aus Knie und Finger zapft. Unter ihrer Melodie Immer gleichem zi-zi-zi Brennt der Weg zu weißer Asche, Süßt, wie unter Lavastaube Am Vesuv gereifte Traube, Beere, die ich leise hasche.
DAS DT MÄRCHENSCHIFF
Der Drache Jürgen
Ein Knabe hieß Jürgen und sein Drachen hieß auch Jürgen. Er hatte ihn selbst gebaut, nur ein ganz klein wenig hatte der Vater dabei geholfen, der sich von früher her noch gut auf den Drachenbau verstand. Aber den prächtigen Schweif, bunt und sehr lang, hatte der Knabe Jürgen wirklich ganz allein gemacht, der Drache Jürgen war sehr stolz darauf und raschelte vornehm damit, als ihn sein kleiner Meister zum ersten Male auf das freie Feld zwischen Stadt und Wald hinaustrug.
„Leb wohl, Jürgen, steige hoch und fliege weit!“ rief dei- Knabe, als er Leine gab und über die Wiese rannte.
„Leb wohl, Jürgen!“ rauschte der Drachen wohlgemut, „ich werde die Wolken von dir grüßen“, und er stieg ruhig und sicher empor.
Er fühlte, wie der Wind ihn trug. „Höher“, mahnte er, „immer höher hinauf mußt du mich schaffen.“ „Will’s gern besorgen,“ lachte der Wind, „das gehört zu meiner Arbeit in jedem Herbst“, und bald konnte der Drache Jürgen weit über die Bäume und Häuser hinwegsehen. Es gefiel ihm über die Maßen gut.
„Wie frei und lustig es ist, hier oben zu schweben und sich schaukeln zu lassen vom Wind“, dachte er, „ich werde gar nicht wieder an die Erde zurückkehren. — Höre“, sprach er zum Wind, „behalte mich hier oben. Ich will mit dir ziehen, so weit deine Bahn geht.“
„Was willst du?“ rief der Wind und rüttelte den Drachen, „weißt du nicht, daß du angebunden bist und wieder zurück mußt, wann immer der Knabe Jürgen es will? Hier oben kannst du nicht bleiben!“
„Und doch will ich es!“ rief der Drachen böse, „und du sollst mir dabei helfen und die Schnur zerreißen, die mich hält!“
„Denkst du nicht daran, wie traurig der Knabe Jürgen sein würde, wollte ich dich ihm entführen? Das darfst du nicht von mir verlangen“, und der Wind wurde sehr zornig über den Wunsch des Drachen Jürgen. Er schnob gewaltig daher und trieb dabei den Drachen nur noch höher hinauf.
Der kleine Jürgen auf der Wiese schrie vor Freude, wie hoch sein Drachen stand. Aber nun war die Schnur ganz abgewikkelt und nur noch das letzte kleine Ende davon in seiner Hand.
„Laß mich los, laß mich los!“ rief oben der Drachen Jürgen, als er merkte, daß es nun wirklich nicht mehr höher ging. Er tanzte und zerrte, aber der Knabe Jürgen hielt fest und heiß die Finger um das Bindfadenende gepreßt.
Der Wind begann zu pfeifen und den Drachen zu verhöhnen, er zerrte ihn an dem schönen, bunten Schweif, ließ ihn sinken und riß ihn wieder hinauf.
Indem kam unter den grauen Wolken her ein großer Schwarm Schwalben geflogen, die sich auf ihrer Reise in die warmen Länder befanden. Der Drache Jürgen hatte sie gleich erspäht.
„Ihr seid frei und nicht angebunden!“ rief er ihnen entgegen, „nehmt mich mit, daß ich auch die warmen Länder zu sehen bekomme, nach denen mir der Sinn steht!“
Und näher, ganz nahe brauste der Flug der Vögel...
Und nun, meine kleinen Freunde! Wie ist es dem Drachen Jürgen wohl weiter ergangen? Wer Lust hat, es sich auszudenken, schreibt es auf und schickt es ans Märchenschiff zusammen mit seinem Namen, Anschrift und Altersangabe. Wer die Geschichte am schönsten zu Ende erzählt, dessen "Zeilen bringt das Märchenschiff am nächsten Samstag mit, und der Einsender wird auch eine kleine Belohnung bekommen.
Vom schlafenden Apfel
ROBERT REINICKIm Baum, im grünen Bettchen hoch oben sich ein Apfel wiegt, der hat so rote Bäckchen, man sieht’s, daß er im Schlafe liegt.
Ein Kind steht unterm Baume, das schaut und schaut und ruft hinauf „Ach, Apfel, komm herunter! Hör’ endlich doch mit Schlafen auf!“
Es hat ihn so gebeten, glaubt ihr, der wäre aufgewacht? Er rührt sich nicht im Bette, sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.
Da kommt die liebe Sonne am Himmel hoch spaziert. — „Ach, Sonne, liebe Sonne! Mach du, daß sich der Apfel rührt!“
Die Sonne spricht: „Warum nicht?“ Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht, küßt ihn dazu so freundlich; der Apfel aber rührt sich picht.
Nun schau, da kommt ein Vogel und setzt sich auf den Baum hinauf. „Ei, Vogel, du mußt singen, gewiß, gewiß, das weckt ihn auf!“
Der Vogel wetzt den Schnabel und singt ein Lied so wundernett, und singt aus voller Kehle; — der Apfel rührt sich nicht im Bett! —
Und wer kam nun gegangen? Es war der Wind, den kenn’ ich schon, der küßt nicht, und der singt nicht, der pfeift aus einem andern Ton.
Er stemmt in beide Seiten die Arme, bläst die Backen auf und bfäst und bläst — und richtig: der Apfel wacht erschrocken auf,
• Und springt vom Baum herunter grad’ in die Schürze von dem Kind. Das hebt ihn auf und freut sich und ruft: „Ich danke schön, Herr Wind!“
Das Begreifen
Im fernen Indien lebte einst ein weiser König, dessen Launen und Einfälle ihn weit über sein Land hinaus bekannt machten. So rief er eines Tages eine Schar Biwdgebo e :er zu sich und o derte sie auf, einen Elefanten zu betasten ung ihm sodann zu schildern, wie der Elefant aussehe.
Der eine betastete den Fuß des Elefanten und sagte: „Der Elefant ist eine aufsteigende rauhe Sau e.“
Der andere betastete den Rüssel und meinte: „Der Elefant ist eine Schlange.
Ein dritter betastete de.i Bauch und schwor: „Der Eleiant ist das Dach eines großen Zeltes!“
Der vierte faßte den Schwanz und rief: „Ich hab s! Der Elefant ist das schwingende Ende einer Liane!“
Jeder schilderte den Elefanten nach dem Teil, welchen er begriffen hatte. Und jeder bestand darauf, daß seine Schilderung die rechte sei. Da sich die Blinden nicht einigen konnten, begannen sie zu hadern und schließlich einander zu verhöhnen.
Der König aber lächelte überlegen und sagte zu seinen Freunden: „Da habt ihr ein Beispiel, wie töricht es ist, sich um Dinge zu streiten, die außer unseren Sinnen liegen, die wir vielleicht betasten, aber nie begreifen können.“
Postsack vom Morchen- Schiff
Bei der Jagd nach dem Tierlein im Zahlenfeld am letzten Sonnabend seid Ihr gewiß alle etwas ungeduldig geworden und das mit Recht, denn leider standen da einige Zahlen doppelt und ein paar sogar dreifach verzeichnet, wie Ihr Beiden, Doris und Gerd, in Eurem netten Brief, für den ich Euch herzlich danke, so fein säuberlich aufgeschrieben habt. Auch führte die Jagd durch recht unwegsames Gelände, gell? Aber nun ist das Tierlein doch erwischt worden, und hier springt’s aus dem Postsack: ein Eichhörnchen!
Und ich verspreche Euch: werdet Ihr wieder zur Jagd im Zahlenfeld eingeladen, sollen die Fehler nicht mehr passieren!
Darum nichts für ungut, und seht einmal zu, ob Ihr an diesem Sonntag die Geschichte von) Drachen Jürgen zu Ende dichten könnt!
Die freche Gesellschaft
Wir Kinder hatten im Garten gesessen, hatten getrunken dort und gegessen, gingen spazieren darauf durch die Büsche, kamen zurück und —ei, der tausend! Eine Gesellschaft fanden wir schmausend, trinkend und jubelnd an unserm Tische— ’s waren Leut’ ganz anders als wir, hatten so ihre eigne Manier: Schön in Kleidern mit Federn geziert, taten sie doch sehr ungeniert: standen frech auf Tisch und Bank, schrie’n gewaltig mit lautem Zank, konnten das Kratzen und Beißen nicht lassen,
stiegen zuletzt gar in Teller und Tassen— Ja, ihr meint, ’s wär nicht zu glauben? Gut, so hört die Namen an: Jungfer Ent und Fräulein Tauben, Madame Huhn, Herr Spatz, Herr Hahn nebst Familie waren da; Aber kaum, daß man uns sah, flogen sie alle mit Saus und Graus wie der Wind zum Garten hinaus, und aus war es mit dem Schmaus!
Robert Reinick
Die Sendeprogramme vom 24. bis 30. September 1950
Hessischer Rundfunk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)
Mittelwelle: 208,5 m (1439 kHz)
UKW-Sender: Feldberg 95,7 MHz, 3-m-Band
Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.
Sonntag, 24. Sept.
6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Evangelische Morgenfeier 9.15 Wiener Neuigkeiten 9.30 Der tägliche Kram Von Erich Kästner 10.00 Musikalische Bagatellen 11.00 Kammerorchesterkonzert 13.00 Musik nach Tisch 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung 14.30 Wie Bautz zum blauen Röckchen kam, Hörspiel f. Kinder 15.00 Der gemeinsame Weg 15.15 Es spielt das Vögh-Quartett 15.45 Dehaam is dehaam 16.00 Tanztee mit Willy Berking 17.00 Musikalischer Zeitvertreib dazwischen Sportreportagen 20.00 60 Minuten rund um Hans Albers 21.00 Geboren aus der Gasse von Paris 21.25 Sergej Rachmanlnoff Konzert f. Klav. u. Orchester 22.10 Sportberichte 22.30 Weintest am Rhein
Montag, 25. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Der Geschichtenerzähler besucht den Hexenturm 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk Klingende Elementarlehre V 16.00 Richard Strauss — populär 16.45 „Alinchen“ Eine Kindergeschichte 17.00 Klingende Landschaft 18.00 Auf Fahrt in Frankreich und Deutschland 18.30 Zum Feierabend 20.00 Neues und Bewährtes aus dem Plattenalbum 21.00 Dolf Sternberger spielt 21.15 Virtuose Orchestermusik 22.15 Kompositionen von Hans Pfitzner 23.00 Zärtliche Weisen
Dienstag, 26. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frülikonzert 8.15 Morgenmusik ’ 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Klingende Elementarlehre V 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Stimmen des Alltags 14.15 Schulfunk: Der Strom 15.10 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 16.00 Romantische Musik 17.00 Bücherstunde 17.15 Musik für Bläser 18.00 Gibt es männliche Frauen? 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.30 Intime Musik 20.00 Ein Tanzpotpourri mit Willy Berking 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21.05 „Mit Musik, mit Gesang, mit Humor“ 22.15 Das Abendstudio
Mittwoch, 27. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.05 Fünf Minuten Außenhandel anschl. Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Der Strom 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleines Solistenkonzert 14.15 Schulfunk Paul Eipper erzählt: Von Murmeltieren 15.05 Kanadische Sendung 15.20 Ein Ständchen f. die Hausfrau 15.45 Unser Purzelbriefkasten 16.00 Schule und Etlernhaus 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Der werktätige Mensch 18.20 Entspannende Musik 20.05 Die Hochzeit des Figaro Oper von Mozart 23.15 Willy Berking spielt zum Tanz
Donnerstag, 28. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk Paul Eipper erzählt: Von Murmeltieren 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Siegfrieden 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Hausfrauenkonzert 16.50 Eine Humoristin: Irmg. Keun 17.00 Operette — kurz gefaßt 18.00 Hörerlieblinge: Hz. Rühmann in Couplets und Chansons 18.30 Volkstümliche Musik 20.00 Der Wunschzettel 21.00 Blick auf Europa 21.10 Unterhaltsame Hausmusik 21.45 Passiert — glossiert 22.15 Kompositionen von Arthur Grenz und Hermann Albus 23.00 Nachtkabarett mit Edith Schollwer 23.15 Tanzmusik
Freitag, 29. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Kleine Anzeigen der Hessenrundschaau 11.15 Schulfunk: Siegfrieden 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Das Panorama 14.15 Schulfunk: Auf den Halligen 16.45 Für junge Menschen 17.00 Froh und heiter 17.40 „Man spricht von . , 18.00 Funk-Feuilleton 18.30 Rhythmische Klänge 20.00 Lieder und Tänze der Völker 20.45 Kommentar von Mr. Boerner 20.50 Geh nicht nach El Kuwehd Hörspiel 22.15 Unterhaltungskonzert 23.00 Stimmen der Ferne 23.15 Duke Ellington in Europa
Samstan, 30. Sent.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau, Morgenständch. 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Das Magazin des Schulfunks 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Kessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 Das aktuelle Interview 15.10 Musik zu dritt 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 Waidmanns Heil! 17.00 Unterhaltungskonzert 18.00 Recht für jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 „Es war in Schöneberg , . 21.00 Familie Hesselbach 21.30 Von der Zither bis zum Dudelsack 22.10 Sportergebnisse Konzertante Tanzmusik 23.00 Tanz und Unterhaltung
Süelwestdeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 291 m (1016 kHz), 363 m (827 kHz), 195 m (1538 kHz)
(Baden-Baden, Freiburg, Sigmaringen, Reutlingen)
Nadirichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Ühr _ 22.00, 24.00 Uhr
12.20 Volksmusik und Chorgesang 13.30 Opernkonzert 14.15 Frohe Melodien 15.00 Kinderfunk 15.30 Viel Musik und wenig Worte 17.00 Unterhaltungs-Orchester 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Sinfonie-Konzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Andre Marois: Kursus über das Eheglück 23.30 Fröhlicher Ausklang
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik am Nachmittag 17.00 „Der junge Mörike" 17.20 Lieder von Franz Schubert 18.20 Aus der Welt des Sports 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Musik für dich 21.00 Aus der Welt der klassischen Operette 22.30 Klaviermusik 22.45 Nachtgespräch 23.15 Ganz leis’ erklingt Musik...
12.20 Mittagskonzert 13.15 Mmusik nach Tisch 15.30 Sinfonie-Konzert 16.30 Sang und Klang im Volkston 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operetten-Konzert 20.45 Hörspiel „Belagerungszustand" 22.30 Musik der Welt 23.15 Unsere kulturpolitische Glosse 23.25 Jazz 1950!
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musikalische Teestunde 16.30 Musikalische Teestunde 17.15 Solisten-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 20.45 Um Ehe und Familie 21.00 Das Prisma 22.20 Aus Wissenschaft und Technik s 22.30 Klaviermusik 23.15 Tanzmusik
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 16.00 Kunstspiegel 16.15 Nachmittagskonzert 17.00 Pariser Musikleben 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Tanzabend 21.10 Klingende Kleinigkeiten 22.30 Die großen Meister 23.25 Für Kenner und Liebhaber
12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik zur Teestunde 16.30 Klaviermusik 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Kammermusik 20.45 Die Narren und der Weise nach Wielands „Abderiten“ 21.30 Volksmusik und Chorgesing 22.30 Italienische Volksmusik 23.00 Mit dem Mikrofon in Pompeji 23.30 Musik zur Nacht
12.20 Mittagskonzert Jl™ r“! unti neue s<*allplatten 14.30 Frohes Wochenend 15.15 Opernmelodien 16.00 Unser Samstag-Nachmittag in’™ mn? “nd Klan? im ''olkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00, Wir erfüllen Hörerwünsche . 22.15 Sportrundschau und Musik 2n ?n Per SWF bittet zum Tanz! 0.10 Tanzmusik mal nicht im Swing-Rhythmus
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 522 m (575 kHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,212.45 Uhr -55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr
12.00 Musik am Mittag 13.00 Das Orchester Hans Carste 14.00 Stunde des Chorgesangs 14.30 Kinderfunk. „Der Jäger aus Kurpfalz“, Hörspiel 15.00 „Fahrt ins Blaue“ 17.00 Sendereihe „Recht und Gerechtigkeit“: „Kadett Winslow", Schauspiel 18.05 Orchesterkonzert 20.05 Volksweisen u. Unterhaltungsmusik 22.00 Unterhaltung und Tanz 24.00 Tanzmusik
12.00 Musik am Mittag 14.00 Schulfunk. Erdkunde: Forschung und Abenteuer 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Konzertstunde 18.00 Unterhaltungsmusik 20.00 Musikalische Abendunterhattg. 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.00 Zeitgenössische Musik 23.15 Liederstunde
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Kleine Stücke russischer Komponisten < 18.15: Klänge der Heimat 20.00 „Don Pasquale“, Komische Oper von Donizetti 22.05 Tanzmusik 22.45 „Die Liebe und der Angelhaken“. Ein heiteres Hörspiel 23.15 Musik aus London
12.00 Musik am Mittag 14.30 Unterhaltungsmusik 16.15 Konzertstunde 17.00 Christentum und Gegenwart 17.15 Kleiner Instrumentenwettstreit 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 „Es war ein ungewöhnlich langer Tag", Hörspiel 21.10 Soiistenkonzert 22.00 Das Kammertanzorchester 23.05 Anton Dvorak: 11. Symphonie
12.05 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.05 Hausmusik 18.00 Unterhaltungsmusik 19.30 Sport gestern und heute 20.00 „Wiedersehen mit Familie Staudenmaier" 20.40 Eins nach dem anderen 22.00 „Erinnerungen eines Schau-
spielers“. Besuch bei Albert Florath 23.00 Mozart — Haydn 0.05 Jazz im Funk
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Froh und heiter 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 22.00 Die Rundfunktanzkapelle 22.45 „Die Schmunzelecke“ 23.15 Tanzmusik
12.00 Musik am Mittag 13.10 Unterhaltende Musik 15.00 Unsere Volksmusik 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Zum Fün-Uhr-Tee 18.35 Kleines Konzert 20.00 Neuer Wein und alte Liebe 20.45 Das Planschbecken 22.00 Die schöne Stimme 23.00 Weltschlager-Export und ■lmport
Norcdiwestdeutseher Rundfunik
Mittelwelle: 309 m (971 kHz)
(Köln, Hamburg, Hannover, Berlin)
Nachrichtensendungen: 5.45, 6.45, 7.45, 8.45 Uhr
2.00 Sang und Klang 3.00 ''olkstümücTcs Konzert 15.00 Willy Reichert plaudert üu die Schwaben 15.30 Was ihr wollt 17.30 Musik zur Unterhaltung 18.00 Meisterwerke der Musik 20.00 105 unterhaltende Minuten 22.20 Tanzmusik
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik am Mittag 15.40 Kennst du das Land? 16.50 Kammermusik 18.00 Eine bunte Stunde 20.00 Sinfoniekonzert 22.45 Tanzmusik 23.30 Musik zur späten Stunde
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik am Mittag 15.40 Musik aus aller Welt 16.50 Kammermusik 17.20 Klaviermusik 18.00 Musik zum Feierabend 20.00 Mit Jagdgesang und Hörnerklang 20.30 Wie es euch gefällt
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik am Mittag 15.40 Orchester-Konzert 16.00 Musik an zwei Klavieren 16.50 Kammermusik 18.30 Melodische Rhythmen 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank 21.00 Johann Sebastian Bach
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Musik am Mittag 15.40 Das Hamburger - Tango-Orchester 16.50 Robert Schumanns Klavierwerke 17.10 Lieder von Rudi Stephan 20.00 Der Tod des großen Mannes 21.05 Unterhaltungskonzert
12.00 Musik zur Mittagspause 13.20 Mittagskonzert 15.40 Musikalische Kleinigkeiten 16.50 Kammermusik 18.00 Musik zum Feierabend 20.00 Aus der Welt der Oper 22.30 Melodien von Richard Rodgers
12.00 Froh und heiter 13.20 Musik am Mittag 15.30 Chormusik 16.00 Der frohe Samstag-Nachmittag 20.00 Tanzmusik 22.15 Sinfoniekonzert 22.55 Melodie und Rhythmus 01,00 Swingmusik
Es röhrt im Tann
Ein Brunitmorgen im Taunusrevier
Von Jürgen Hausmann^en Tanusbergen sind die Nächte kühl geworden. Auf den Sommer mit seinem leuchtenden Glanz folgen schwermütige Tage, trübes Wetter mit seinen Stürmen, der die Nebel durch die Waldtäler jagt. An den Jungfichten spinnt der Altweibersommer seine Fäden und die Ebereschen leuchten im Rot.
Hirschbrunft! — Vor Tagen noch, in der Feistzeit, zog das Rotwild behäbig über den Kahlschlag, und der starke Achterhirsch mit vier Spießern und drei Rottieren nahm meine Begegnung mit ihm des Morgens um Sonnenaufgang kaum übel. Nun aber ist suchende Unruhe in das Wild gefahren, und in den letzten Tagen hatte ich an den Fährten quer über die Holzabfuhrwege deutlich ablesen können, wie das alles durcheinander geraten war.
In dieser Spätnacht geht es zum Brunftplatz. Als wir in den verhängten Gespensterwald eintreten, wo die Eule mit unhörbarem Schwingenschlag lautlos über uns hinwegschwebt, und die schwarzen Schatten des Hochwaldes gerade noch einen Streifen am Sternenhimmel über uns lassen, als wir uns am Hochrand einer weiten, steil abfallenden Forstkultur. zwischen Wurzelstöcken und Felsen niedergelassen haben, fest in die Mäntel gehüllt, sind wir schweigend versunken in Spannung und Erwartung. Wie ein leiser Schauer legt sich die vollendete Stille hier oben unterm Berggipfel, diese Einsamheit auf uns. Nur zuweilen harten die alten Fichten.
Jäh stockt all unser Sinnen und Träumen. Irgendwo klingt — noch aus weiter Feme — verschwommen, ein baßtiefer Ruf. ein Grohnen an unser Ohr: die Ouvertüre! — Es geht eine ganze Weile hin, bis es von neuem näher, gerade im gegenüberliegenden Hang, anhebt. Ein unwilliges Knören zuerst; wohl vom Haupthirsch, der sein Rudel beisammen hält.
In der Dickung drüben beginnt es zu rumoren.
Und nun fängt das dröhnende Konzert erst richtig an: der Hirschruf voll schäumendem Trotz und wildheißem Begehren! —
Eine zweite Stimme meldet sich, abseits, bald orgelnd, bald trensend, herausfordernd. Doch die Antwort des Platzhirschs, ihre rauhe, gereizte Grundgewalt. übertönt die Stimme des Nebenbuhlers.
Da, wieder .ein Kampfruf aus vollem Halse. Ein Wechselspiel nun von Röhren und Orgeln. Kürzer und lauter, wütender, bis plötzlich ein wildes Brechen losgeht, quer durch den Hang: Der Alte hatte den Beihirsch auf Schwung gebracht. Lange Zeit Ruhe. Auch der schwächere Hirsch verschweigt. Die Gestirne verlieren ihren funkelnden Glanz. Der Atem des Waldes scheint zu stocken. Fern im Osten fliegt der erste rote Schein über die Welt. Ein Stimmlein nach dem andern wird wach.
Da sehe ich im Glas einen Schatten über die Blöße ziehen. Weitere hinterdrein: das Rudel. Und im Sichtigwerden hebt sich der Hirsch ab — von gespenstigem Ansehen —. ein ganzes Gestühl auf dem Haupt, dessen Enden wie die Kerzen im ersten hellen Schein blitzen; kaum zu zählen.
Sonne und Erde tauschen den ersten Morgengruß über dem fesselnden Bild. Blank steigt die Frühsonne weit hmter den Horizontlinien hoch. Ahnungsvolles Schauern ist Wirklichkeit.
Dad idt ded Jägerd ^hrendchild, 'Daß er bedchüt’zt und. hegt dein Oflild, Q^aidmännidd} jagt wie dich’d gehört. 'Den <Schöp/er im (nedchöp/e ehrt.
Mit Herrschergebärde steht die stolze Kreatur da, über der Zeit gleichsam. Eifersüchtig wacht der Geweihte über sein Bereich, jeder Zoll königliche Würde. Da wendet sich der Hirsch, treibt ein äsend abseits geratenes Schmaltier mit derbem Geweihschlag zum Rudel zurück; tritt unruhig umher: Irgend etwas stört ihn. Die weiblichen Stücke werfen auf, stehen unbeweglich mit steilen Lauschern, äugen starrend nach dem dunklen Forst hinüber.
Vom Grund her ruft ein Hirsch.
Der Herr des Brunftplatzes vor uns legt sein mächtiges Zwölfendergeweih zurück und stößt seine eherne Antwort langezogen, zornig in den Frühmorgen. Er setzt ab, tritt zum Rudel, treibt es und schiebt es zurück in den Fichtenschlag unerhalb der Bergblöße. j
Offenbar war dem Rivalen die Lust vergangen. Ein mürrisches Knören noch, ehe der Frühmorgensonnentag mit seiner feierlichen Ruhe alles wieder in seinen Bann schlägt.
Die Pflicht des Waidmanns
In der Oeffentlichkeit haben die Zeitungsnotizen über die Jagdberechtigung deutscher Jäger und die Jagdwaffenausgabe den Gedanken entstehen lassen, daß nunmehr ein altes Recht wiederhergestellt und bitteres Unrecht wiedergutgemacht sei. Auch die Jäger gaben sich einem vorzeitigen Optimismus hin.
Trotzdem wird der Tag kommen, an dem die Jagdhoheit wieder in deutsche Hände übergeht.
Wird unsere Jägerschaft, so wie sie sich z. Z. zusammensetzt, dieser ihr dann entstehenden Aufgabe gewachsen sein?
Schön einmal gab es eine ähnliche Zeit. Schon einmal meinten Zeitgenossen, daß die Jagd eine Frage des Geldes und des Prestiges sei. Sie trugen Waffen, die sie nicht kannten. Sie pachteten Reviere, ohne ein Reh von einem Hirsch unterscheiden zu können. Sie schossen die Kreatur zu Holze, daß sie einen elenden Ludertod starb. Sie haben nie das Hubertuskreuz zwischen den Geweihstangen eines Hirsches gesehen und waren schlimmer als die Pest im Revier. Nur eifi festes Jagdgesetz und das energische Eintreten beherzter Waidgenossen, denen das Geld nichts, das Wild alles galt, vermochten es, diese Pest auszurotten.
Leider vermißt man heute bei vielen, die den grünen Rock tragen, jene ethischmoralische Einstellung, die jedem echten Waidmann von altem Schrot und Korn innewohnt. Nur wenige alte Säulen im Tempel Dianens stehen noch. Es ist an der Zeit, diesen wenigen Ersatz aus den Reihen der wirklich begeisterten Hubertusjünger zu schaffen, damit das jagdliche Brauchtum, das in der langen Zeit toten Waidwerks verlorenzugehen drohte, wieder aufgerichtet und erhalten wird. In ihre Hände wird der Rest unseres Wildbestandes gegeben.
Unsere Jagd vereine erhalten ihre moralische Existenzberechtigung in ihrer Pflicht, die Jagdmoral ihrer Mitglieder mit allen Mitteln so zu heben, daß Vergehen gegen das Wild und die Rechte des Waidkameraden unmöglich werden. Dazu bedarf es höchsten und besten Geistes innerhalb der Vereinigung deutscher Jäger und eines tatkräftigen Jägermeisters, der den Titel im wahrsten Sinne des Wortes verdient. Er muß fähig sein, die jungen Kräfte um sich zu scharen, die alten Jäger aus der Opposition und Verbitterung herauszuholen und das jagdliche Brauchtum trotz oder gerade wegen seiner versonnenen Romantik wieder aufleben zu lassen. — Die Frage des Migtliederbeitrags mag er dann anderen zur Klärung überlassen.
Noch ist es nicht zu spät! —
Aber es erweckt ernste Besorgnis, wenn
beispielsweise Jahresversammlungen abgehalten werden, in denen das Wort Wild überhaupt nicht erwähnt wird. Es ist hohe Zeit, hier gründlich aufzuräumen. Sonst kann keinem Kreisjägermeister solcher Art und keinem Ehrengericht aus einem derartigen Gremium das Recht zuerkannt werden, über andere zu richten. Man fege den grünen Tisch sauber, Von dem hohe und ernste Worte fallen sollen. Erst dann werden diese Worte zum Nutzen des Wildes, der Jagd und der Waidgerechtigkeit ein Echo finden.
Dr. K. Weinholz.
Suchender Kronenhirsch Prof. Löbenberg
„Nadi Aegidius tritt der Hirsch in die Brunft“ Zeichnung: F. A. Hartlieb
Die US-Jagdverordnung untragbar
Die amerikanischen Jagdverordnungen Nr. 5 und Nr. 6 mit einigen Durchführungsbestimmungen sind erschienen, mit monatelanger Verspätung und schon deswegen für den deutschen Jäger mit bedrückendem Vorzeichen. Ihr Wortlaut vollends bringt Enttäuschung.
Schon der Artikel 1 besagt mit einer bedauerlichen Intransigenz grundsätzlich, daß die Besatzungsangehörigen nach Maßgabe dieser Verordnung auf allem Grund und Boden und in sämtlichen Gewässern der amerikanischen Zone ohne Rücksicht auf Eigentum, Pacht oder sonstige Rechte an Grund und Boden, Gewässern, Wild und Fischen, jagen und fischen dürfen.
Das stellt nichts anderes dar, als die zweite Neuauflage jenes „Beuteanspruchs“, wie er 1947 vom Amerikanischen Generalkommando in dem Circular 58 proklamiert wurde und wie er in der Aufhebung des Reichsjagdgesetzes für die amerikanische Zone eine dumpfe Begleitmusik fand. Mögen einige, für den zivilisierten Menschen selbstverständliche Ordnungsvorschriften und eine sehr bedingte Jagderlaubnis für Deutsche hinzugefügt worden sein: solange diese grundsätzliche Starre nicht Platz macht dem Geist einer in aller Welt längst anerkannten Achtung eines Volkes vor einer freilebenden Tierwelt, solange wird nichts als niederziehende Bitternis jene bewegen, die in der Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen eine Tugend sehen, die jene als sportlich und sicherheitsnotwendig motivierte Verewigung eines Kriegsbeuterechtes als schweres Unrecht empfinden.
Audi der Artikel 2 der Verordnung spricht ein ebenso niederschmetterndes Machtwort: Niederwild darf ohne Abschußgenehmigung allerorten gejagt werden! In der Praxis sieht das so aus, daß während der Schußzeit, abgesehen vor! mehr als dürftigen Stückzahlbeschränkungen, unsere Reviere frei nach Wahl zum Sportplatz gestempelt sind und das Niederwild vogelfrei ist.
Gerade hier wirft sich die Frage mit aller Deutlichkeit auf, ob ein solcher zusätzlicher „Beutesold in Naturalien“, der letzten Endes keine feste, ziffernmäßige Begrenzung aufweist, dem Besitzer fünf Jahre nach Kriegsschluß auf Kosten nicht nur eines Volksvermögens, sondern vor allem auf Kosten einer längst fälligen und anderwärts längst anerkannten Verständigung der Menschen untereinander zusteht.
Jagd ist in Deutschland kein Sport, kein Beutemachen sonder;? Wahl, keine Volksbelustigung!
Die Konstruktion dieser Verordnung macht es erkennbar, wie hier guter Wille amerikanischer Jäger gerungen haben mag mit Sportinteressierten, denen der Blick für die Tiefen der Mentalität jenes Volkes fehlt, unter dem sie einhergehen.
Die Verordnung Nr. 5 und 6 ist nicht nur untauglich, sie hinterläßt eine peinliche Betroffenheit bei allen. Sie ist untragbar um der anständigen, fairen Begegnung des amerikanischen mit dem deutschen Jäger willen, um der Würde und Achtung voreinander. Sie ist untragbar, weil sie den einen zum Kuli des anderen zu erniedrigen versucht. Sie wird in schneller Frist wohl ersetzt werden müssen durch eine bessere, wenn sie nicht Schaden an Gesinnung und Gut hinterlassen soll. Ein anderes würde die Sterilisierung der Freiheit, des Fortschritts und der Kultur bedeuten, die das Waidwerk des Abendlandes unbestritten in hohem Maße in sich birgt.
Bücher für den Jagdfreund
Rudolf Frieß: „Unsere Jagdhunde“. Bayerischer Landwirtschaftsvertrag Gm bH, München.
Diese gründliche Systematik der Jagdhunde wird von allen Jägern mit Freuden begrüßt werden. Neben einer aufschlußreichen Darstellung des Ursprungs und der Entwicklungsgeschichte unserer vierbeinigen Haus- und Jagdgenossen bietet das Buch einen erschöpfenden Ueberblick über die verschiedenen Typen der europäischen Jagdhunde, ihr Aussehen, ihre Eigenschaften, ihre Eignung zu Wald- und Feldjagd. Feine Einfühlung in die Psyche des Hundes und reiche persönliche Erfahrung des Verfassers machen seine Ausführungen besonders überzeugend und instruktiv. An den zahlreichen, manchmal in ihrer Echtheit geradezu unwiderstehlichen Abbildungen der geschilderten Hunderassen kann jeder Jäger sich unterrichten und freuen. cf
Hans Bruns: „Der Hirsch von Porstmoor“. Bayerischer Landwirtschafts-Verlag GmbH, München, 1949.
Dieser Hirsch von Porstmoor, dessen Geschichte Bruns in fesselnder, manchmal geradezu spannender Weise erzählt, voll Einfühlung in die Natur und ihr geheimnisvolles Leben und Treiben, ist einer jener Gewaltigen, wie sie selten in einem Jagdrevier auftauchen, gewaltig an Wuchs, unwahrscheinlich in der Entwicklung ihres Geweihs, aber vorsichtig und heimlich wie ein urweltlicher Spuk. Um seinetwillen verbringt der Waidmann Stunden und Stunden gespannter Erwartung, sein Anblick versetzt ihm den Atem in herzklopfender Erregung. Aber nicht nur die Geschichte eines solchen „Urhirsches“ allein bietet uns der Verfasser, sondern er singt zugleich das Hohelied alles gerechten und ehrlichen Waidwerkes und aller treuen Hege, die den Jäger vom „Schießer“ unterscheidet und erst zum Waidmann machen. Urbild eines solchen, trotz aller Schwierigkeiten, Opfer und Verkennung pflichtgetreuen Hegers und Schützers des ihm anvertrauten Wildes ist der Förster Berger im Revier Porstmoor. Mit liebevoller Sorge betreut er die Entwicklung seines Wildbestandes, hegt und behütet er die kräftigen, zukunftsträchtigen Tiere und verteidigt sein Revier mit Mut und Härte gegen alle Uebergriffe, mögen sie von gewinnsüchtigen Spekulanten kommen, die in der Kriegszeit ihr „Jägerherz“ entdeckt haben und unbesehen darauflosknallen, oder auch von Wildschützen und Schlingenstellern.
Es erfüllt den Leser mit Wehmut, wenn gerade dieser waidgerechte Heger am Ende treuen Wirkens in seinem Revier den herrlichsten Nachkommen seines „Sagenhirsches“, der das Erlebnis seines Jägerlebens gewesen, mit einem Fangschuß von den Qualen erlösen muß, die ihm unsichere Kugeln anderer geschlagen. Anschauliche, teilweise sogar recht anspruchsvolle Illustrationen beleben Bruns aus echtem Jägerleben geschaffene, sympathische Schilderung. ef.
Werner Siebold: „Kindheit zwischen Wald und See.“ Brühlscher Verlag, Gießen, 1949.
Es ist immer wieder reizvoll, zu sehen, in welch stets neuer Weise und in wie zahlreichen, nie ermüdenden Registern der Verfasser sein Thema der Schönheit und des Reichtums der Natur und der Weckung von Liebe und Verständnis für sie in jugendlichen Herzen abzuwandeln weiß. In unserem Buch sind es drei Brüder, die nach Versetzung ihres Vaters in ein Landstädtchen mit wachen, offenen Sinnen sich die abwechslungsreiche Umgebung ihrer neuen Heimat mit allem darin Lebenden erobern. Wie es sich für eine echte Jungengeschichte gehört, fehlt es auch nicht an aufregenden Abenteuern und herzhaften Balgereien. Behutsame Jagd mit der Kamera des ältesten der Brüder bietet dem Verfasser Gelegenheit, auch die scheuesten Waldtiere in ihrem Leben und Treiben uns vor Augen zu führen. Im Verkehr mit einem Tiermaler, der nur der liebevollen Beobachtung und Nachschöpfung der Natur lebt, und seinem im gleichen Sinn erzogenen Töchterchen tut sich den Knaben die Wunderwelt eines abgeschiedenen Sees auf mit allen schwimmenden, tauchenden, flatternden Wesen, die dieses Naturparadies beleben. Dr. Adolf Zänkert schuf reizvolle Illustrationen zu Siebolds Schilderungen. ef.
Werner Siebold: „Troll.“ Die Lebensgeschichte eines Rehbocks, ein Waldmärchen, Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart 1949.
Dieses Buch belebt von den einfühlsamen Zeichnungen Eugen Hirrlingers —, das man auch als Erwachsener mit Anteilnahme und Freude liest, möchte man in die Hände eines jeden Kindes wünschen, um ihm die Augen zu öffnen für die Schönheit der Natur, für die Vielfalt und Eigenart ihrer kreuchenden und fleuchenden Wesen und es hellhörig zu machen für die Sprache des Waldes und seiner Bewohner. In unaufdringlicher Weise weiß Siebold der Jugend nahezubringen. daß dem Menschen nicht nur die Herrschaft über die Tiere des Waldes, sondern auch ihre Hege und Pflege anvertraut ist und daß man auch ohne bösen Willen, aus Unüberlegtheit und Unkenntnis einem Wesen Angst und Schmerz bereiten kann. Mit schöner Selbstverständlichkeit und in feinfühliger, aber doch klarer Form versteht der Verfasser dem jugendlichen Leser auch das Geheimnis des immer wieder neu sich schaffenden und erhaltenden Lebens begreiflich zu machen. Dazu komint noch die echte Dichtergabe Siebolds, die Wald, Feld und See mit W.-sen ihrer Phantasie, mit Elfen und Zwergen, in neuer, anmutiger Weise zu beleben vermag. Auch die dunklen Gewalten des Kampfes und Todes in der Natur werden nicht übersehen oder verniedlicht. Aber auch über sie breitet die Poesie des Verfassers ein verklärendes Licht. Ein besonders liebenswerter Zug der Sieboldschen Bücher ist ihr warmer, herzlicher Humor. Eine wieviel bessere Jugend wird durch solche Bücher herangebildet als durch die Lektüre blutrünstiger Wildwestabenteuer der schwülstiger Magazinliteratur.
Maximilian Lizius: „Am Hüttenherd“. Bayerischer Landwirtschaftsverlag Gm bH, München.
Hier erzählt ein alter Waidmann von den Pirschgängen seines Lebens. Man sitzt mit ihm am knisternden Hüttenfeuer und lauscht seinen Worten, in denen die ganze sprossende Frische des Frühlingswaldes mit Auer- und Spielhahnbalz, mit Drosselschlag und Schnepfenstrich ebenso lebendig wird wie das Treiben auf Hase und Fuchs im weiten, herbstlichen Feld, das Röhren des Hirsches oder der Ansitz auf die Sau im neuverschneiten Winterforst. Auf halsbrecherischen Kletterpartien im Allgäu, in Tirol, am Fernpaß verfolgen wir mit dem Erzähler die flüchtige Gams am schwindelnden Grat oder im schneeschweren Latschenfeld. Meisterlich weiß der Verfasser seiner Ehrfurcht vor den Wundern der Natur Ausdruck zu geben.
Das Echo
„Ja, da haben wir bei uns ein ganz fabelhaftes Echo, das tönt achtmal wieder, aber erst nach eineinhalb Stunden.“
„Ganz nett, aber im Vergleich mit dem Echo, das ich in meinem Revier habe, gar nichts! Wenn ich in meiner Jagdhütte übernachte, dann rufe ich abends nur in die Berge: .Hermann steh auf', und dann weckt mich das Echo promt morgens halb fünf Uhr.“
Bauer: „Gratuliere, wo ham's denn den Hirsch geschosse?“
Sonntagsjäger: „Wat denn, wat denn, n‘ Hirsch war jarnich dran!“
Jagd im roten Rock
Wenn die ersten Blätter fallen und die Taunuswälder von zarten Nebelschleiern durchwoben werden, dann ertönen freudig die Jagdhörner und versammeln die Jäger der Fuchsjagden aus nah und fern zu fröhlichem Horrido. Der Geruch des herbstlichen Waldes mit dem des Pferdes und das unruhige Scharren und Tänzeln am Sammelplatz, das ist die prickelnde Atmosphäre, die jeden Jagdteilnehmer und sein Pferd in höchste Spannung versetzt, bis die Meute die Fuchsspur aufgenommen hat und der Master das Zeichen zur Verfolgung gibt. Dann gibt es kein Halten mehr. Ueber Stock und Stein, natürliche und künstliche Hindernisse, über Feld und Wiesen und quer durch den Wald geht die verwegene Jagd in Rot, vernimmt das Ohr das dumpfe Dröhnen der Pferdehufe bis zum Halali.
Umringt von Angehörigen und Schaulustigen wird der Sieger beglückwünscht und empfängt, noch ganz erhitzt von dem anstrengenden Ritt, als erster seinen Bruch und den stärkenden Bügeltrunk. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Wiesbadener Reit- und Fahr-Club wieder seine schon zur Tradition gewordenen Fuchsjagden in herrlichen Taunuswäldern um Wiesbaden, zu denen auch Gäste aus Frankfurt, Heidelberg, Mainz und Gonsenheim schon ihre Zusage gegeben haben. Höhepunkt und Abschluß aber bildet die Hubertusjagd mit anschließendem Hubertusball.
Grüne Splitter
Könnte man die Hasen „strecken“, ehe man sie streckt, man würde weniger oft hinten vorbeischießen.
Ein grober Keiler ist erst dann zur Strecke, wenn man sein Filet aus seinem „Teller“ ißt.
Das billigste Revier ist ein Hirschrevier. Es „wirft“ am meisten „ab“.
Die Lilien in der Löõwenhöhle
Mit Torwart Ruhl und dem neuen Trainer Snopek soll es diesmal klappen / 1860 München ist Favorit, aber vielleicht werden die 98er den „Löwen“ das Fell über die Ohren ziehen
Beide Mannschaften werden an der Grünwalderstraße einen harten Strauß ausfechten und ihren schlechten Tabellenplatz zu korrigieren versuchen. Die „Lilien“ müssen ihre 0:2-, 0:3-, O:4-Serie abstoppen, ihr Sturm wieder einmal zu Torerfolgen kommen, wozu ihnen der wunderbare Münchener Rasen eher verhelfen sollte als der Sand am Bornheimer Hang. Die Elf führt mit Ruhl und Becker II für Dr. Barth und Becker I nicht ohne Aussichten an die Isar, zumal sich die „Löwen“ bisher als ziemlich zahm erwiesen und auch ihre Aufstellungssorgen haben.
1860 München, Endspieifinalist von 1931 und deutscher Pokalmeister 1942, beendete die vergangene Saison auf dem 6. Tabellenplatz. Die Männer um den Trainer Dr. Schäfer haben sich durch ihre schöne und zweckmäßige Spielweise in München eine große und anhängliche Fußballgemeinde geschaffen, vor der sie sich an der Grünwalder Straße nur selten schlagen lassen. Obwohl die Elf kaum Abgänge zu verzeichnen hatte, hingegen in Lauxmann (früher Tübingen), Koller (früher Jahn Regensburg) und Zausinger (früher Spvgg Landshut) wertvollen Zuzug erhielt, hat sie in der letzten Zeit ihre alte Form nicht wieder erreichen können. Schwaben Augsburg wurde zwar im ersten Heimspiel mit 2:0 geschlagen, aber dann folgten drei Niederlagen gegen Schweinfurt (0:2), FSV Frankfurt (1:2) und VfR Mannheim (0:3). Die Mannschaft wendet noch immer das brasilianische System an, d. h. Viermännersturm und Doppelsicherung mit zwei Stoppern. Aber diese Devensivtaktik klappt nicht mehr richtig, die Festung ist nicht mehr sturmsicher, seitdem hinten der überragende Hammerl fehlt. Fast jeden Sonntag kam eine andere Elf aus den Kabinen, aber keine konnte gefallen.
Im Tor steht der 22jährige Strauß, der durch seine herrlichen Paraden den „Weiß-Blauen“ schon manchen Punkt rettete. Vor diesem großen Nachwuchstalent stehen der wuchtige Pledl, der Löwe der „Löwen“, und A. Sommer, beides richtige Heißsporne. Auf dem Mittelläuferposten findet sich der Student Müller, der ehemalige Verteidiger, nicht immer zurecht. Schmidhuber ist ein alter Routinier, und der rechte, etwas ruppige Läufer Seemann hat auch schon genügend Erfahrung in schweren Kämpfen gesammelt. Der Angriff hat seine alte Gefährlichkeit noch nicht wiedergefunden, obwohl außer Brück noch die alten Leute beisammen sind. Die fünf Stürmer sind quicklebendig und voller Spielwitz, lassen aber meist den gesunden Torschuß vermissen. Die Angriffe werden „auf brasilianisch“ aus der Devensive heraus vorgetragen. Fottner auf Linksaußen ist schnell und trickreich, der wendige Mondschein neben ihm kam gegen Ende der vorigen Saison ganz groß heraus. In der Mitte steht der spritzige Thanner, der den richtigen „Riecher“ für torreife Situationen hat. Rechts neben ihm wird wahrscheinlich F. Sommer stürmen oder Lauxmann, der sich allerdings noch nicht mit dem 60er Spiel abfinden konnte. Als gefährlichster Mann dieser Reihe gilt aber der kleine, wieselflinke Zausinger, der erst 20 Jahre alt ist und ein großer Stürmer zu werden verspricht.
Diese junge Elf — nur Pledl und Schmidhuber sind über die Dreißiger — sollte den Darmstädtern „liegen“. „Neue Besen kehren gut“ heißt es, und so erwartet man, daß mit dem ‘neuen Trainer, dem tschechischen Diplomsportlehrer Snopek, dessen Methode und erste Trainingsstunden gefielen, frischer Wind in die Mannschäft kommt. Seine Arbeit wird jedoch erst in einigen Wochen Früchte tragen. Zunächst hat er eine Umgruppierung auf zwei Posten vorgenommein Dr. Barth, der am Samstag in Frankfurt vollständig versagte, ohne daß man ihm als „Nichtfußballer“ und „Nichtvertragsspieler“ einen Vorwurf machen kann, wird durch Ruhl abgelöst, ebenso Becker I durch Becker 11, der zwar körperlich schwächer, aber beweglicher als sein Namensvetter ist.
Die „Löwen“ sind beim morgigen Spiel Favorit. Ob ihnen aber die ungewohnte Darmstädter Pflanzenkost als Festschmaus zum Oktoberfest zusagen wird, ist noch nicht sicher.
1860 München: Strauß; Pledl, A. Sommer; Seemann. Müller, Schmidhuber; Zausinger, F. Sommer (Lauxmann), Thanner, Mondschein, Fottner.
SV 98 Darmstadt: Ruhl; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Becker 11, Mühlbach, Thalheimer, Bohmann, Herwig.
Zur Fahrt nach München sind im Sondertriebwagen der Bundesbahn noch einige Plätze frei. Abfahrt heute 14.24 Uhr ab Hauptbahnhof. Näheres in der Geschäftsstelle des SV 98, Telefon 3102.
VfL Konstanz bringt Seeluft ans Mühlchen
SG Arheilgen vor dem zweiten Heimsieg?
Die SGA erwartet am morgigen Sonntag den VfR Konstanz am Mühlchen. Konstanz ist jene Mannschaft, die Straubing auf dessen Platz schlug, wonach Straubing Platzsperre bekam. Am letzten Sonntag mußte auch der SV Wiesbaden in Konstanz Federn lassen, so daß man auf das Erscheinen der Seehasen gespannt sein kann. Die Konstanzer sind eine gute Kcmbinationsmannschaft, deren Stärke vor al’em im Sturm liegt, der von dem schnellen und wendigen Vögele meisterhaft geführt wird. Doch der überragendste Mann der Mannschaft ist der Torwächter Prade, der von Kaufbeuren zu Konstanz gestoßen ist und dem eine große Zukunft vorausgesagt wird. Auch die Verteidigung ist standfest und schlagsicher und versteht es, den Angreifern das Leben sauer zu machen.
Arheilgen stützt sich auf dieselbe Mannschaft, die am vergangenen Sonntag nach ausgezeichnetem Spiel den sicheren Sieg durch außergewöhnliches Mißgeschick doch noch an Regensburg abtreten mußte. Trotz der Indisposition von Seibel und besonders Kaut war das Spiel der Mühlchesleute von solchem Elan getragen, daß selbst die beste Verteidigung der 2. Liga Süd ins Wanken geriet. Der Verteidiger Marko ist aus dem Krankenhaus entlassen und hat das Training wieder aufgenommen, kann aber vorerst noch nicht eingesetzt werden. Ob Mahr wieder spielt, entscheidet sich erst in letzter Minute.
Konstanz steht genau in der Mitte der Tabelle und gleicht sich in den Plus- und Minustoren fast aus. Die Einheimischen werden gut tun, diesen Ueberraschungsgegner nicht leicht zu nehmen und mit demselben Ernst und Eifer an das Spiel heranzugehen wie am vergangenen Sonntag gegen Regensburg. Bleibt die Mannschaft in der in letzter Zeit so sichtbar gewordenen Aufwärtsentwicklung, ist ein großes Spiel zu erwarten. Nach Abwägung aller Umstände müßten die Arheilger nach hartem Kampf zu einem knappen Siege kommen. Daß aber die glorreiche Ungewißheit im Fußball öfters das letzte Wort redet, haben gerade die Mühlchesleute am letzten Sonntag zur Genüge erfahren. Die Mannschaften stehen mit:
Konstanz: Prade; Treutle, Zoch; Zettel, Reisavher, Klökler; Trautner, Binder, Vögele, Mosch und Reichle.
Arhei 1 g e n :'Seibel; Eecker, Mentschel; Zöller, Kaut, Traser; Dilfer, Müller Potrafke, Lieber, Kirchrath. Hewe.
Hessische Landesliga
Gastgeber als Sieger erwartet
Olympia Lampertheim und Borussia Fulda, die beiden Spitzenreiter der hessischen Landesliga, werden sich bei ihren Heimspielen ihre gute Spitzenposition nicht gefährden lassen. Auch bei den übrigen Paarungen ist mit Erfolgen der Gastgeber zu rechnen. Es spielen: Olympia Lampertheim — Vfß Friedberg, Borussia Fulda — Hermannia Kassel, Spvgg. Bad Homburg — VfL Kassel, Opel Rüsselsheim — Hess. Lichtenau, 1. FC Rödelheim — VfL Biedenkopf, Kassel 03 — RW Frankfurt, SV Kassel — Germania Bieber, Eintracht Wetzlar — Griesheim 02, VfL Marburg — Union Niederrad und Hanau 93 — Hessen Hersfeld.
Darmstädter Bezirksklasse
Gastmannschaften leicht favorisiert
In der Fußballbezirksklasse Darmstadt kommt es am Sonntag durchweg zu Begegnungen, die man mit Fug und Recht als völlig offen bezeichnen kann. Gewiß ist noch kein Verein auf seinem derzeitigen Tabellenplatz unverrückbar zuhause — dafür haben die Verbandsspiele ja erst begonnen — aber man darf den punktbesseren Mannschaften auch heute schon eine gewisse Spielstärke zusprechen. Und diese „Oberen“ müssen mit drei Ausnahmen auf Reisen gehen. Sie haben also nicht nur ihre elf Gegenspieler, sondern auch die fremden Platzverhältnisse in ihre Berechnung einzubeziehen.
In der Gruppe I können lediglich der Tabellenführer Lorsch und der Tabellenzweite Bobstadt mit einiger Zuversicht fahren, von den übrigen Mannschaften läßt sich ein voller Punktgewinn nicht ohne weiteres prophezeien, es sei denn beim VfR Langen.
Es spielen: Roßdorf — Bensheim; Groß-Rohrheim — Bürstadt; Ober - Ramstadt geg. Bobstadt; Langen — Biblis; Groß-Gerau — Lorsch; Hof heim —Heppenheim; Urberach — Eberstadt; Pfungstadt ist gpielfrei.
In der Gruppe II stehen die Nauheimer wohl vor der leichtesten Aufgabe; sie werden — wenn nicht alles trügt — die Spitze eine weitere Woche lang halten können. Am gefährlichsten ist es für Egelsbach auf dem dritten Platz, denn es muß zum Tabellenzweiten nach Ober-Roden.
Es spielen: Wixhausen — Münster; Mörfelden — Trebur; Ober-Roden — Egelsbach; Messel — Erbach; Michelstadt geg. Nauheim; Eppertshausen — Urberach; Walldorf — Dieburg; Bischofsheim ist spielfrei. RG.
B-Klasse Gruppe Odenwald
. In der Fußball-B-Klasse Gruppe Odenwald finden am kommenden Sonntag folgende. kurzfristig ausgelosten Spiele statt: SV Fürth—Rw Wahlen
Rimbach-Unterschönmattenwag Unter-Abtsteinach—Zotzenbach Ober-Abtsteinach—Mitlechtern Hammelbach und Reichelsheim spielfrei
SV Fürth dürfte auch zu Hause gegen Wahlen wenig Erfolgsaussichten haben und die Punkte ziehen lassen müssen. — Rimbach will die Scharte des Vorsonntags auswetzen und gegen Unter-Schönmattenwag energisch auftrumpfen. — Neuling Zotzenbach gastiert bei dem Ueberraschungssieger vom 17. 9. und sollte kaum Erfolgsaussichten geltend machen können. — Ober-Abtsteinach wird sich gegen Mitlechtern sicherlich anstrengen müssen, um zum Sieg zu kommen, denn die Gäste haben sich gegenüber dem Vorjahr merklich verbessert. . (hi)
Entscheidungsspiele bei Punktgsleichheit
Der Verbandsspielausschuß des Hess. Fußballverbandes hat für die ihm unterstellten Amateurspielklassen (Landesliga, Bezirks-, A- und B-Klasse) in der Frage der Punktgleichheit am Schluß der diesjährigen Meisterschaftsrunden entschieden, daß in solchen Fällen Entscheidungsspiele durchgeführt werden. Damit hat der Hess. Fußballverband von dem Recht, besondere Anordnungen treffen zu können, Gebrauch gemacht. Bekanntlich hat der DFB vor kurzem — im Gegensatz zum gleichen Spieljahr — für die kommende Saison das Divisionsverfahren bei Punktgleichheit für die 1. und 2. Division festgelegt. -gi-
Heags Goebel AG. 7:1 (3:1)
Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich am Donnerstag die beiden Betriebsmannschaften auf dem Heag-Sportplatz. Trotz großem Eifer und teilweise guten Einzelkönnern unterlagen die Goebelianer dem routinierteren Können der von Spiel zu Spiel besser werdenden Heagsmannschaft. Für die Heag spielten: Witzleb, Schmidt, Schecker, Ohlenmüller, Senger, Lerch, Metz, Steinmetz, Rapp, Merz und Seeh. —Se—
Vor der Aufnahme in die Fifa?
(dpa) Die Wiederaufnahme Deutschlands und Japans in den Internationalen Fußballverband (FIFA) steht auf der Tagesordnung der Sitzung des Exekutivkomitees der FIFA am 23. und 24. September in Brüssel. In Fachkreisen rechnet man allgemein damit, daß die beiden Verbände wieder in die FIFA aufgenommen werden. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist die Wahl eines neuen Generalsekretärs, für die der englische Verbandssekretär Sir Stanley Rous die besten Aussichten hat.
Im Tennis-Länderkampf zwischen Deutschland, Italien und Aegypten, der vom 4. bis 8. Oktober in Rom stattfindet, stützt sich der Deutsche Tennisverband auf die Hannoveraner von Cramm und Saß. Aegypten nominierte Drobny und Cernik, Italien Cucelli und die Gebrüder del 80110.
Plötzlich und unerwartet verschied nach kurzer Krankheit mein lieber, guter Mann, unser lieber, treusorgendpr Vater, Großvater, Schwiegervater und Onkel Friedrich Landau Postbetriebs-Assistent i. R. im 73. Lebensjahr. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Frau Sofie Landau verw. Röder und Söhne Darmstadt, Richmond-Hill (USA), den' 22. September 1950 (Feldbergstraße 77 II.) Beerdigung findet am Montag, dem 25. September 1950, 14.15 Uhr auf dem Waldfriedhof statt.
Nach kurzer Krankheit ist unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Wilhelmine Scior geb. Fendt im 74. Lebensjahre sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen: Erna Scior Hans Scior Ria Scior geb. Lenges Gisela Maus geb. Scior Heinr. Maus, Dipl.-Ing. Darmstadt, den 22. Sept. 1950. Die Einäscherung fand in aller Stille statt.
Bestattungen am 23. September 1950 Beerdigung: Arheilger Friedhof 10.00 Uhr: Altmann, Marie, 77 Jahre, Friedrichstraße 11. Feuerbestattung: Waldfriedhof 11.45 Uhr: Wulle, Karl, 74Jahre, Jahnstraße 49.
WIR VERLOBEN UNS am 24. September 1950 ILSE HAUSSMANN ADOLF METZNER DARMSTADT Otto-Wolfskehl-Straße 25 Riegerplatz 12
Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen GEORG HAACK URSULA HAACK geb. Erb Darmstadt, den 23. September 1950 Prälat-Diehl-Straße 50 Pankratiusstraße 68 Kirchliche Trauung: 15.30 Uhr, Pauluskirche
Statt Karten ^6^ Die glückliche Geburt eines gesunden JUNGEN zeigen in dankbarer Freude an Dr. med. G. Knoll und Frau Josefa geb. Müller Groß-Umstadt, 21. Sept. 1950
Ihre VERLOBUNG geben bekannt: Otti Hieb Heinz Kurz Darmstadt-Arheilgen, 23. Sept. 1950 Weiterstädter Straße 21 Gabelsbergerstraße 11
Fußball mit „Schlager“-Spielen
Aber auch sonst ein interessantes Sportprogramm am Wochenende
B. G. — Der Fußball steht im Sportprogramm am Wochenende nicht allein e,r überraSt nicht einmal, aber er hat „Schlager‘ auf seiner Karte, die ihm wieder die stärkste Anteilnahme der Sportplatzbesucher sichern werden. Interessante Veranstaltungen auf anderen Gebieten wie internationale Leichtathletik- und Tenniskämpfe, sowie die ADAC-Sechsstundenfahrt auf dem Nürburgring sorgen dafür, daß der Blick nicht nur auf die Fußballfelder gehen wird.
Die Leichtathletik bringt schwedische Athleten nach Deutschland und Deutsche nach Schweden. Unsere kleine Expedition wird auch bei ihrem zweiten Start in Göteborg das halten, was man sich bei nüchterner Erwartung von ihr versprechen durfte. Schwedische Gäste sieht man in Kiel (Samstag) und Berlin. Münchens Leichtathleten tragen einen Städtekampf gegen Zagreb (Agram) aus, Pfälzer Athleten fahren zu einem Auswahlkampf gegen die Saar nach Saarbrücken, Athleten aus der Sowjetzone werden zu einem Clubkampf von Rot-Weiß Oberhausen erwartet.
Das Unternehmen des ADAC auf dem Nürburgring hat eine erfreulich starke Unterstützung der deutschen Automobil-Industrie gefunden. Fast alle deutschen Werke, unter anderem auch Mercedes Benz, Volkswagen, Opel, Borgward und das Kölner Ford-Werk beteiligen sich, und auf ihren Wagen sitzen die meisten der bekanntesten deutschen Fahrer wie Glöckler, Ulmen, Rieß, Müller und Kling. Die Erfahrungen, die man bei der langen Fahrt der rund hundert Touren- und Sportwagen sammeln will, sollen dem deutschen Automobilbau im allgemeinen, im besonderen aber auch der Vorbereitung neuer deutscher Sport- und Rennwagen dienen.
Der Fußball sieht die gesamte erste und zweite Liga auf den Plätzen. In allen Gruppen ist das Programm sehr reizvoll. Unter anderem spielen im Süden: Eintracht Frankfurt—Bayern München (Tabellenführer), Vfß Stuttgart—Offenbacher Kickers (die Endspielgegner), Fürth gegen Mühlburg, Reutlingen—l. FC Nürnberg; iiiiiiiiniriiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiii im Süd westen: 1. FC Kaiserslautern gegen Phönix Ludwigshafen, Eintr. Trier gegen Wormatia; im Westen: 1 FC Köln —Erkenschwick, Borussia Dortmund—Rot-Weiß Essen; im Norden: Altona 93—Hamburger SV, St. Pauli—Bremer SV.
Weitere Veranstaltungen:
Handball: Meisterschaftsspiele der
Oberliga. Hockey: Meisterschafts- und Freundschaftsspiele in allen Bezirken; Auswahlspiel Berlin—Rheinland/Pfalz in Berlin.
Tennis: Internationales Turnier mit starker Besetzung in Baden-Baden; Rot-Weiß Köln in Zürich.
Turnen: Deutschlandriege in Hagen und Wuppertal; Hauptausschußsitzung des Turnerbundes in Frankfurt.
Schwerathletik: Deutsche Gewichtshebermeisterschaften in Essen.
Pferdesport: Galopprennen in Düsseldorf, München-Riem, Hannover.
Radsport: Steherrennen in Köln, Aachen, Nürnberg und Leipzig.
Telegramme
Zur ADAC-Sechsstundenfahrt auf dem Nürburgring sind fünf Sonderzüge aus Trier, Köln, Hagen, Recklinghausen und Duisburg angemeldet. Für Kraftfahrzeuge gilt ab Altenahr am Sonntag von 6—13 Uhr ahraufwärts und von 13—18 Uhr ahrabwärts Einbahnregelung.
Die deutschen Tennisspieler Dr. Günther (Wiesbaden), Hermann (Rheydt), Denker (Hannover) und Totta Zehden (Stuttgart) beteiligen sich am Wochenende beim Internationalen Lido-Turnier in Venedig.
Heinz Ließen, der Verteidiger des hessischen Landesligavereins Union Niederrad, ist als dritter Frankfurter in die Schweiz übergesiedelt, wo er bei den Grashoppers Zürich spielen wird.
Deutsche Erfolge in Malmö
Bel ihrem ersten Auslandsstart hielten sich unsere Leichtathleten ausgezeichnet
Malmoe, (ap) Zum ersten Mal nach dem Krieg trafen deutsche Leichtathleten auf schwedischem Boden in Malmoe auf beste internationale Gegnerschaft. Sie hatten dabei schöne Erfolge. Neben den Gastgebern waren einige Norweger, der holländische Langstreckenläufer Willy Slijkhuis und der hervorragende Jamaica-Neger Herb McKenley an den Wettbewerben beteiligt. Einen vielbejubelten Sieg holte der Deutsche Meister Herbert Schade in der für das kühle V/etter ausgezeichneten Zeit von 8:23,4. Bert Steines (Koblenz) siegte in dem schwedischen Wanderpokal über 100 und 200 Meter mit Zeiten von 10,9 und 22,4 Sekunden. Der schwedische Sprinter Lennart Strandberg, der bereits früher endgültig Pokalsieger war, hatte den Pokal erneut zur Verfügung gestellt. Steines muß jetzt noch zweimal erfolgreich sein, um den Pokal nach Deutschland entführen zu können.
Im 400-m-Lauf ließ McKenley in 47,2 Sekunden in der ersten Gruppe alle Gegner weit hinter sich. Zweiter wurde Huppertz (Deutschland) in 49,0 Sekunden vor G. Audert (Deutschland) mit 51,2 Sekunden. In der zweiten 400-m-Gruppe lief Herbert Behrens (Deutschland) in 50,8 Sekunden vor Willy Nause (Deutschland) mit 51,0 Sekunden durchs Ziel. Im 800- m-Lauf siegte Steines in 1:52,8 Minuten vor O. Aaberg (Schweden) mit 1:53,0. Europameister Slijkhuis (Holland) gewann die 1500-m-Strecke in 3:56,6 vor I. Bengtson (Schweden) mit 3:56,8 Minuten. Das Kugelstoßen sicherte sich K. Nilsson (Schweden) mit 14,85 Metern vor Gerhard Stock (Hamburg) 13,44 Metern. Im Hammerwerfen belegte Karl Storch (Fulda) mit 54,33 Metern den zweiten Platz hinter dem Norweger Sverre Strandli mit 56,89 Metern. Die 4- m-Staffel gewann die Mannschaft des Hamburger Sportvereins in 43,7 Sekunden, während Rot-Weiß Koblenz in der 1000- m-Staffel in 1:56,8 Minuten siegte.
Nochmals Leichtathletik
Der SV Darmstadt 98 hat sich trotz der vorgerückten Jahreszeit für kommenden Sonntag 13 Uhr die Aktiven, männliche und weibliche Jugend sowie die Schüler und Schülerinnen des FSV Frankfurt und die der Eintracht Wiesbaden zu einem letzten DMM-Durchgang auf der Woogswiese verpflichtet, da beim dritten Durchgang am letzten Sonntag in Ludwigshafen infolge der kalten Witterung sowie schlechter Bahnverhältnisse die Leistungen sehr beeinträchtigt und die Punktzahl der einzelnen Gruppen nur unwesentlich verbessert wurden. -Mgr-
Wer startet auf der Rennbahn?
Für den am Sonntag 14.30 Uhr auf der Rennbahn stattfindenden Großen Preis der Blaupunktwerke haben 10 Mannschaften ihre Meldung abgegeben, und zwar: Reitz /Hundertmark, Wiesbaden, Grunewald/Scherer, Wiesbaden, Frankfurt, Struck/ Grosse-Lohmann, Wiesbaden, Moos/Sauer, Frankfurt, Müller/Bardstübner, Frankfurt, Lindemann/ Savary, Frankfurt, Beutel/Neidhart, Darmstadt, Haase/Helfrich, Wiesbaden, Frankfurt, Sauter/Danz, Frankfurt, und der zweifache Hessenmeister der Jugend, Paul Nester, mit dem ehemaligen Deutschen Meister, Erich Barth, Mainz.
Mit diesem Start fährt Paul Nester zum ersten Male aktiv, und man darf ihm wohl in Verbindung mit dem alten Mannschaftsfuchs Erich Barth eine ernste Chance bei dem langen Rennen einräumen. Im übrigen ist das Fahrerfeld so stark, daß man weitere Voraussagen nicht treffen kann. Aber auch das Jugendfahrerfeld, u. a. mit Zahner, Ludwigshafen, Dold, Frankfurt, Schmidt, Wiesbaden, und Rauchenberger, Wiesbaden, ist so stark, daß unsere Darmstädter Hessenmeister-Mannschaft, die vollzählig am Start ist, alles daransetzen muß, wenn sie in diesem auserlesenen Feld das Rennen gewinnen will.
Ludwig-Fleischhacker-Gedächtnis-Rennen
Der Darmstädter Radsportclub 1919 führt am kommenden Sonntag, dem 24. September, ein Rennen zum Gedächtnis seines Mitgliedes, des Radrennfahrers Ludwig Fleischhacker, der in Frankreich gefallen ist, durch. Die Rennteilnehmer starterf 8.30 Uhr an der Windmühle, Pallaswiesenstraße. Die Strecke führt über Grafenhausen, Mörfelden nach der Gehspitze (Forsthaus Frankfurt) und zurück. Die Juniorenklasse fährt die Strecke einmal, 50 km, die anderen Teilnehmer haben die Strecke zweimal, also 100 km, zurückzulegen. Die Witwe Ludwig Fleischhackers hat als Wanderpreis einen Pokal zur Verfügung gestellt, den ihr Mann bei einem früheren Straßenrennen gewonnen hatte.
Jugenheim. Die nächste Mitglieder-Versammlung des Fußballvereins 1949 findet am Mittwoch, dem 11. Oktober, 20 Uhr, im Gasthaus „Zum Anker“’ Hauptstraße, statt. Um pünktliches Erscheinen aller aktiven und passiven Mitglieder wird gebeten. hl.
Freunde des Sports?
B. G. — Wem dient der Sport? Schnell fallen die Antworten der (immer noch vorhandenen) Gegner: Dem Vergnügen, der Kraftmeierei, der Sensationsgier. Achselzuckend wenden sich seine Freunde bei solchen Worten ab. Sie wollen nicht mehr aufklären, wo der gute Wille fehlt, die Verhältnisse richtig zu sehen.
Richtig ist, daß an der Außenseite des
Sports manche unangenehmen Erscheinungen pappen. Der Sport gibt aber auch Millionen Entspannung, Lebensfreude, Gesundheit. Wer denkt unter fortschrittlichen Menschen heute noch daran, die Jugend ohne Sport heran wachsen zu lassen?
Dient so der Sport nicht auch dem Staat, übernimmt er nicht Aufgaben, die sonst dem Staat zufallen müßten? Der klug geleitete Staat sollte den Sport fördern, wie er es bei den Schulen, dem Gesundheitswesen und anderswo als selbstverständlich hält. Was aber hat der Sport wirklich vom Staat? Zuweilen einige schöne Worte und auch ein wenig Anerkennung. Finanzielle Unterstützungen erhält er nicht oder nur in Dosen nach Apothekerbegriffen.
Auf geldliche Zuwendungen erhebt der Sport im allgemeinen nicht einmal Anspruch. Er weiß, daß er einen ohnehin überbeanspruchten Staatshaushalt nicht auch noch beanspruchen darf. Er möchte schon aus Eigenem zurechtkommen, aus den Erträgen von Mitgliedsgebühren und Eintrittsgeldern. Er hat seit einiger Zeit auch die Ueberschüsse aus dem Toto an seine Organisationen und gemeinnützigen Einrichtungen (Verbands- und Jugendheime) zu verteilen. Der Staat gibt dem Sport nichts, er nimmt nur von ihm. Er läßt die Vereine mit Vertragsspielern und die Veranstaltungen mit Berufssportlern dicke Steuerbrocken abliefern und er hat auch seinen munteren Anteil an den Toto-Erträgen. Sollte ihm das nicht genügen? Es genügt ihm nicht. Immer wieder treten seine Finanzsachverständigen auf und fahnden nach neuen Möglichkeiten. Die Forderungen, die großen Vereine mit der harten Körperschaftssteuer zu belasten, sind nicht neu. Wie oft schon hat der Sport auf die Unmöglichkeit eines solchen Verlangens, das die Vereine ruinieren und ihnen die Kraft nehmen würde, weiterhin kostspielige Jugendabteilungen zu unterhalten, hingewiesen. Die Versucher nähern sich trotzdem immer wieder den Ohren der Finanzminister.
Hat der Sport in den Parlamenten keine Freunde? Oder treten die Abgeordneten nur außerhalb der Parlamente, bei repräsentativen Sportveranstaltungen etwa, als Freunde des Sports auf?
Handhball Kreis Bergstraße
Entgegen dem bereits am 10. September mit einer Spielrunde in die Tat umgesetzten Entschluß, die diesjährige Verbandsspiele der Handballer im Kreis Bergstraße in zwei Gruppen durchzuführen, kam eine erneute Aussprache der Vereinsführer mit Kreisfachwart Robert zu der Ueberzeugung, daß es Zweckmäßiger sein wird, die verbleibenden dreizehn Handballvereine des Kreises — sieben spielen in Baden bzw. Rheinland-Pfalz — in einer geschlossenen Runde zu vereinigen. Bezirksspielwart Walter legte in längeren Ausführungen die Ursachen dar, die zur Abwanderung spielstarker hessischer Vereine in andere Landesverbände geführt haben. Man kam dann überein, die am 10. September ausgetragenen Spiele für die Gesamtrunde zu werten und setzte für den fest:
Zwingenberg—Zell Heppenheim—Einhausen Auerbach—Kirschhausen Kreidach—Siedelsbrunn Bonsweiher—Erbach Ober-Mumbach—Krumbach frei: Lorsch (ni)
Kreis Dieburs:
Am kommenden Sonntag finden im Kreis Dieburg folgende Handballspiele statt:
Gruppe 1: TV 88 Reinheim—Langstadt II.; Richen—Schaafheim; Babenhausen—Semd;
Gruppe 2: Münster—Nd.-Klingen; SV 45 Reinheim — Brensbach; Gundershausen — Groß-Zimmern. In beiden Gruppen ist in Kürze, wie uns der Klassenleiter Bausch mitteilt, eine Umgestaltung der Termine zu erwarten. -ff-
Kinderturnen am Ziegelbusch
Am Sonntagnachmittag, 14 Uhr, findet als Abschluß des diesjährigen Kinderturnens das Vereinsabturnen der Kinder von 6 bis 14 Jahren statt. Es wird geturnt ein Sechskampf, der 3 Geräte- und 3 sportliche Uebungen umfaßt.
Heute um 14 Uhr Filmvorführung für die Jugend. Kulturfilm und dazwischen der Jubiläumsfilm von der 75-Jahr-Feier. Um 16 Uhr Versammlung der Schwimmabteilung. Besprechung über das Hallentraining im Darmstädter Schwimmbad.
Wohin am Wochenende?
Samstag: 19 Uhr Rollsportveranstaltung des RSC, Hinterm Orpheum 20.30 Uhr Ringen Landesliga 1910 gegen Sprendlingen, Diesterwegschule 20.30 Uhr Ringen Landesliga SG Arheilgen — Kostheim, Turnhalle
Sonntag: 8 Uhr Tischtennis SV 98 — SV Wiesbaden, Eleonorenschule 10 Uhr Tennis Junioren TEC — TEV Kronberg, Böllenfalltor 13 Uhr Leichtathletik DMM — Durchgang SV 98, FSV und Eintracht Wiesbaden, Woogswiese 14.30 Uhr Radrennen, Rennbahn 15 Uhr Fußball 2. Liga Süd SG Arheilgen — VfL Konstanz, Am Mühlchen 15 Uhr Rollsportveranstaltung des RSC mit Rollhockeyspiel RSC — RSC Langen, Hinterm Orpheum
Ein Defizit
Oberhausen (dpa). Die Stadt Oberhausen hat die Bundesregierung gebeten, sich an der Abdeckung des 13 000- DM-Defizits aus dem kürzlich in Oberhausen ausgetragenen Schwimmländerkampf Deutschland—England zu beteiligen. Der Länderkampf hat die Stadt etwa 23 000 DM gekostet. Wegen der schlechten Witterung an den Kampftagen wurden jedoch nur 9000 DM eingenommen.
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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Betreffend: Durchführung des Gesetzes über den Aufbau der Städte und Dörfer des Landes Hessen (Aufbaugesetz) v. 25. to. 1948; hier: Ottenlegung des Fluchtlinienplanes der Gemeinde Etzen-Gesäß. Der von dem Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreistag des Landkreises Erbach am 14. 7. 1950 beschlossene Fluchtlinienplan der Gemeinde Etzen-Gesäß in der Gemarkung Etzen-Gesäß am Ortseingang östlich der Bundesstraße 45 ist nach förmlicher Feststellung des Fluchtlinienplanes durch den Kreisausschuß rechtswirksam geworden. Er liegt gemäß § 8 Abs. 7 des Aufbaugesetzes zwei Wochen, vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an, auf der Bürgermeisterei in Etzen-Gesäß zu jedermanns Einsicht offen. Erbach, den 20. September 1950. Der Landrat
Betrettend: Durchführung des Gesetzes über den Aufbau der Städte und Dörter des Landes Hessen (Aufbaugesetz) v. 25. 10. 1948; hier: Ottenlegung der Fluchtlinien¬ pläne der Gemeinde Neustadt Odw. Der von dem Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreis¬ tag des Landkreises Erbach am 14. 7. 1950 beschlossene Flucht¬ linien- und Bebauungsplan der Gemeinde Neustadt in der Ge¬ markung Neustadt Flur I beim Ziegelgraben und der Flucht¬ linienplan der Gemeinde Neustadt in aer Gemarkung Neustadt Flur 111 Im roten Rain sind nach förmlicher Feststellung der Fluchtlinienpläne durch den Kreisausschuß rechtswirksam ge¬ worden. Sie liegen gemäß § 8 Abs. 7 des Aufbaugesetzes zwei Wochen, vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an, auf der Bürgermeisterei in Neustadt zu jedermanns Ein¬ sicht offen. Erbach, den 20. September 1950. Der Landrat Betreffend: Durchführung des Gesetzes über den Aufbau der Städte und Dörter des Landes Hessen (Autbaugesetz) v. 25. 10. 1948; hier: Ottenlegung des Fluchtlinien¬ planes der Gemeinde Steinbach. Der von dem Kreisausschuß aufgestellte und von dem Kreis¬ tag des Landkreises Erbach am 14. 7. 1950 beschlossene Flucht¬ linienplan der Gemeinde Steinbach in der Gemarkung Steinbach Flur VIII Nr. 62, 63 und 59 ist nach förmlicher Feststellung des Fluchtlinienplanes durch den Kreisausschuß rechtswirksam geworden. Er liegt gemäß § 8 Abs. 7 des Aulbaugesetzes zwei Wochen, vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an, auf der Bürgermeisterei in Steinbach zu jedermanns Ein¬ sicht offen. Erbach, den 20. September 1950. Der Landrat Betreffend: Dlenstjublläum von Feuerwehrleuten. Für ununterbrochenen, treuen und aufopfernden Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Höchst habe ich dem Zugführer Wilhelm Bohländer anläßlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums und dem Löschmeister Georg Volk anläßlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums Anerkennung und Dank ausgesprochen. Erbach, den 20. September 1950. Der Landrat Bekanntmachung Der Metzger Karl Schmidt, wohnhaft in Falken-Gesäß, Ortsstraße 42, hat auf dem Grundstück in Falken-Gesäß, Orts¬ straße 42 Flur XI, Parzelle 82 5/10 der Gemarkung Falken- Gesäß ein Schlachthaus errichtet, für das nun nachträglich die Genehmigung erteilt werden soll. Dieses Vorhaben wird gern. § 17 der Reichsgewerbeordnung zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Etwaige Einwendungen sind innerhalb vierzehn Tagen — gerechnet vom Tage der Veröffent¬ lichung dieser Bekanntmachung ab —■ im Dienstgebäude des Landratsamts Erbach, Zimmer 28, schriftlich in zweifacher Aus¬ fertigung oder zu Protokoll geltend zu machen. Nach Fristablauf können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr berück¬ sichtigt werden. Zeichnung und Beschreibung zu der geplanten Anlage liegen in dem obengenannten Dienstzimmer während der Verkehrs¬ stunden (von B—l 28—12 Uhr) zur Einsicht aus. Erbach i. Odw., den 20. September 1950. Der Landrat Bekanntmachung Der Metzger Adam Jäger, wohnhaft in Güttersbach, Haupt¬ straße Nr. 37, beabsichtigt auf dem Grundstück in Güttersbach, Hauptstraße Nr. 37 die Errichtung eines Schlachthauses mit Wurstkuche und Laden. y°rhaben wird gern. § 17 der Reichsgewerbeordnung zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Etwaige Einwendungen sind innerhalb vierzehn Tagen — gerechnet vom Tage der Veröffent¬ lichung dieser Bekanntmachung ab — im Dienstgebäude des Landratsamts Erbach, Zimmer 28, schriftlich in zweifacher Aus¬ fertigung oder zu Protokoll geltend zu machen. Nach Fristablauf können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr berück¬ sichtigt werden. Zeichnungen und Beschreibung zu der geplanten Anlage liegen in dem obengenannten Dienstzimmer während der Verkehrs¬ stunden (von B—l 2 Uhr) zur Einsicht aus. Erbach i. Odw., den 20. September 1950. Der Landrat
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Bekanntmachung Der Metzgermeister Jakob Willenbücher, wohnhaft in Hetzbach, Oberdorf Nr. 88, beabsichtigt auf seinem Grundstück in Hetzbach, Oberdorf 88 die Veränderung seines Schlachthauses. Dieses Vorhaben wird gern. § 17 der Reichsgewerbeordnung zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Etwaige Einwendungen sind innerhalb vierzehn Tagen •—■ gerechnet vom Tage der Veröffent¬ lichung dieser Bekanntmachung ab — im Dienstgebäude des Landratsamt Erbach, Zimmer 28, schriftlich in zweifacher Aus¬ fertigung oder zu Protokoll geltend zu machen. Nach Fristablauf können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr berück¬ sichtigt werden. Zeichnung und Beschreibung zu der geplanten Anlage liegen in dem obengenannten Dienstzimmer während der Verkehrsstunden (von B—l 28—12 Uhr) zur Einsicht aus. Erbach i. Odw., den 20. September 1950. Der Landrat Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 23. September 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Uhr, Bessunger Kirche; 20 00, Martinsstift. Johannesgemeinde, Pauluskirche und El’isa¬ bethenstift. Sonntag, den 24. September 1950 Bessunger Kirche: 8.30 Kgd., 9.30 Hgd., 12.00 Tgd. Pf. Weiß. Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfarrer Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd., Pfarrer Stühlinger, 10 Hgd. Pfarrer Köhler, 11.15 Kgd. 1. Martinsstift Pfarrer Köhler, 11.15 Kgd. i. Gemeindehaus, Pfarrer Stühlinger. Matthäuskirche: 8.30 Chrl., 9.30 Hgd., 10.45 Kgd. Pfr. Stenger, Johannesgemeinde: 9.30 Hgd., 11.00 Kgd., Pfarrer Jaeschke (jeden Morgen 7.30 und Donnerstag auch 6.45 Morgengebet, Mittwoch 20.00 Agd., Pfarrrer Orth). Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd., 11 15 Kgd., Pfarrer Ring. Pauluskirche: Kirchweihtag der Pauluskirche. 8.30 Chrl., 9.30 Hgd., Pfarrer Wintermann, 11.00 Kgd., 19.15 Gemeindeabend. Elisabethenstift: 9 30 Hgd. mit hl. Abdm., 11 Kgd. Stadtmission, Mühlstr. 24: 8.00 öffentliches Singen des Stadt¬ missionschores a. d. Friedr.-Ebert-Platz, 8.30 Gebetsstd., 11.00 Kgd., 15.30 Evangelisation. M. I Folchert, 20.00 Ju¬ gendbd. f. EC. (Donnerstag 20.00 Bibelstunde). Darmst.-Eberstadt 7.30 Ev. M., 9.45 Hgd., 11.15 Kgd. (Freitag 20.00 Michaelisgd.). Da-Arheilgen: 10.00 Gd.. 11.15 Kgd., 15.00 i. ev Gemeindehaus: Vortrag Pfr. Knell über „Hoffnungslosigkeit oder lebendige Hoffnung“. Katholische Gottesdienste Sonntag, den 24. September 1950 St. Ludwig, Nloderramstädter Str. 30: 6.30 Frühmesse, 800 Singm. m. Pr., 9.30 Hochamt m. Pr., 11.00 Singm. m Pr 18.00 Andacht (Werktagsgd. tgl. 6 45 und 7.30 hl. Messe’ Beichtgelegenheit: Samstag von 18.00—20.00). Liebtrauen: 7.00 Singm. m Pr., 8.15 Hochamt m. Pr.. 10.00 Kgd. m. Anspr., 18.30 Andacht (Werktags: tgl. 6.30. hl Messe, Di, Mi, Fr u. Sa 2. hl Messe 8.05. Do-Abend 19 00 Jugend- u. Kinderm. jed. Mi 8.05 Gemeinschaftsm. f. d. Fr.). St. Elisabeth: 6.30 Frühmesse, 7.45 Singmesse, 9.00 Kgd., 10.15 Hochamt, 20.00 Andacht (Beichtgelegenheit- Samstag von 16.30—18.00 und 20.00) St. Fidelius: 6 00 Frühm. b. d. Schwestern (Feldbergstr. 32), 6.45 Beichte, 730 Singm. m. Pr. u. Komm. d. Frauen 8.00 Hochamt m. Pr. u. Komm, in Weiterstadt, 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm , 10.00 Hochamt m. Pr. u. Komm., 19.30 An¬ dacht mit Segen (Samstag von 17.00—19.00 und ab 20.00 Beichte. Werktags vor jedpr hl. Messe). Da-Eberstadt: 7.00 Gemeinschaftsmesse der Frauen und Mütter mit gern. Monatskommunion, 930 Hochamt mit Predigt 19.30 Frauen-Friedensandacht mit Segen (Werktags: 6.45 hl.’ Messe oder Amt, Samstag von 16.00—18.30. Beichtgelegenh ) Da-Arheilgen: 7.00 hl Messe, 8.30 Kindergottesdienst 945 Hochamt, 20.00 Andacht. Christengemeinschaft, Herdweg 31 Sonntag 10.00, Dienstag 7.00, Mittwoch und Samstag 8.00 Menschenweihehandlung. Freitag 19.30 Abendpr. z. Michaelistag Erste Kirche Christi, Wissenschafter (Frist Church of Christ, Scientist), Taunusstr. 40. Sonntagsd. 14.30. Mittwoch 18.30 (Zeugnisversammlung).
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