Sicherheit Deutschlands aus Besatzungskosten finanziert
F. A. Z. Frankfurt, 21. September. Der amerikanische Oberkommissar McCloy hat am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt erklärt, daß sich die Sicherheitsgarantie der drei Westmächte für die Bundesrepublik auch auf einen eventuellen Angriff der Volkspolizei beziehe. Das Kommunique der drei Außenminister spreche ausdrücklich von Angriffen, „von welcher Seite sie auch immer kommen mögen“.
McCloy kündigte an, daß- die drei Oberkommissare am Freitag oder Samstag mit Bundeskanzler Adenauer Zusammentreffen werden. Dabei würden alle Fragen, die sich aus der Neuyorker Konferenz ergäben, mit dem Bundeskanzler besprochen werden. Der amerikanische Oberkommissar hält es für möglich, daß der Kriegszustand mit Deutschland durch eine gemeinsame Erklärung der drei Westmächte beendet werde. Ein Abkommen mit der Bundesrepublik sei dazu nicht nötig; es genüge eine einseitige Erklärung der Westmächte. Die legale Basis für das Verbleiben der Besatzungsmächte in Deutschland werde durch eine solche Erklärung allenfalls geschmälert, aber nicht beeinträchtigt. Es ereigne sich nicht zum erstenmal in der Geschichte, daß Besatzungsmächte in einem Lande verblieben, obwohl der Kriegszustand beendet gewesen sei. McCloy betonte, daß im Zusammenhang mit der Aufhebung des Kriegszustandes gewisse Vorbehaltsrechte der Alliierten erst dann aufgegeben werden könnten, wenn die Deutschen bestimmte Verpflichtungen eingegangen seien.
Polizoi und Stahlquote
Zur Frage der Bundespolizei sagte McCloy, daß ein gewisser Teil ihrer Ausrüstung von Deutschland beigesteuert werden könne. Einzelheiten über die Polizei könne man erst sagen, wenn man mit dem Bundeskanzler gesprochen habe. Was die Stahlquote angehe, so werde alle Stahlproduktion, die die gegenwärtige Begrenzung überschreite, nicht auf die Quote angerechnet, soweit der Stahl für europäische Verteidigungszwecke erzeugt würde. Was im einzelnen zur Verteidigungsproduktion gehöre, behalte sich die Oberkommission vor, zu bestimmen.
Zur Frage der deutschen diplomatischen Vertretungen in Washington, London und Paris sagte McCloy, daß die auswärtigen Beziehungen Deutschlands mit den drei Westmächten zwischen der Bundesregierung und der Oberkommission behandelt würden; deutsche Vertreter in den drei Hauptstädten hätten deshalb möglicherweise nicht genug zu tun, und die Duplizierung würde nur Verwirrung schaffen.
Keine Auflösung der Oberkommission
Gerüchte über die Beendigung seiner Tätigkeit als Oberkommissar und Spekulationen über die Auflösung der Oberkommissionen wies McCloy zurück. „Wir liegen nicht in den letzten Zügen, wir fühlen uns im Gegenteil sehr lebenskräftig.“
McCloy betonte, daß alle Beteiligten für die zusätzlichen Belastungen, die aus der Verstärkung der westeuropäischen Verteidigung entstünden, Opfer bringen müßten. So deutete McCloy an, daß die zusätzlichen amerikanischen Truppen, die nach Deutschland geschickt werden sollten, aus den Besatzungskosten finanziert werden müßten. Bei der Inanspruchnahme zusätzlichen deutschen Wohnraumes werde man so schonend wie möglich verfahren. McCloy wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß ihn in Neuyork die Begeisterung und die Bereitschaft beeindruckt habe, die Sache der Verteidigung der europäischen Freiheit jetzt mit Ernst und Nachdruck anzupacken.
Während der Pressekonferenz lag auf dem Schreibtisch McCloys das Buch von General Speidel „Invasion 1944“.
In einigen Monaten
Beendigung des Kriegszustandes
London, 21. September. (AP.) Ein Vertreter des britischen Außenministeriums hat am Donnerstag erklärt, die drei Westmächte würden gleichzeitig die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland verkünden. Dies bedinge allerdings eine Verzögerung von einigen Monaten, weil, wie in den Vereinigten Staaten, hierzu Beschlüsse durch die gesetzgebenden Körperschaften erforderlich seien. In Großbritannien könne der Kriegszustand durch eine von Mitgliedern des Geheimen Rates gegcxigezeichnete königliche Verfügung beendet werden.
Gemeinsam mit Deutschland
Neuyork, 21. September, (dpa) Der französische Außenminister Schuman hat am Mittwoch in Neuyork erklärt, Frankreich müsse sich mit der Bundesrepublik in die Aufgabe der Verteidigung Kontinental-Europas teilen.
1,5 Millionen Deutsche umgekommen
Ein amerikanischer Bericht über die Kriegsgefangenen in Rußland
Washington, 21. September. (AP.) Die amerikanische Regierung hat einen Bericht veröffentlicht, in dem die Zahl der in sowjetischen Lagern umgekommenen deutschen Kriegsgefangenen auf 1,5 Millionen geschätzt wird. Nach dem Bericht sind dies fünfzig Prozent der ehemaligen deutschen Wehrmachtsangehörigen, die als Vermißte oder Kriegsgefangene nach amtlichen Schätzungen in der Sowjetunion zurückgeblieben sind.
Der Bericht ist eine Entgegnung auf die Behauptung der Sowjetunion, die Westmächte hielten eine Liste mit den Namen von 1,5 Millionen gefallener deutscher Soldaten zurück. Der amerikanische Bericht weist darauf hin, daß die Sowjetunion die Zahl der Kriegsgefangenen auf rund 1,9 Millionen beziffert habe. Zähle man hierzu die 1,5 Millionen in sowjetischen Lagern gestorbenen Soldaten, so ergebe sich die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen, die nach amtlichen Schätzungen in der Sowjetunion zurückgeblieben seien. Die Zahl der Todesfälle in den ersten Tagen der Gefangenschaft und in den harten Wintern 1944 bis 1946 sei besonders groß gewesen.
„Zeit der Kefehle ist vorbei“
We. München, 21. September. (Eigener Drahtbericht.) Der amerikanische Landeskommissar für Bayern, Professor Shuster, hat auf einer Pressekonferenz am Donnerstag angekündigt, daß man auf amerikanischer Seite in Zukunft dem deutschen Jugendproblem das größte Gewicht beimessen werde. Man müsse dabei ganz klar sehen, daß die Zeit der Befehle vorüber sei. In Erziehungsfragen gehe es nicht darum, einander Systeme aufzuzwingen, sondern, man müsse sich gegenseitig befruchten. Für die Lösung des» Jugendproblems sei beachtliche finanzielle Hilfe zu erwarten.
Zur Frage eines Verbots der Kommunistischen Partei äußerte sich Shuster ablehnend. Stattdessen solle man die eigenen Ideen starkmachen und alle geistigen Kräfte mobilisieren.
Vor dem Fall von Söul?
Die Amerikaner dringen aus zwei Richtungen in die Hauptstadt ein
Pusan, 21. September. (AP./dpa/Reuter.) Amerikanische Truppen sind in Söul eingedrungen'. Verbände, die aus dem Nordwesten vorstießen, und Einheiten, die sich aus den südlichen Stadträndern vorschoben, konnten Einbrüche in die Verteidigungsstellungen der Bolschewisten in der früheren südkoreanischen Hauptstadt erzielen. Mehrere Straßenzüge und Häuserblocks, die zum Stadtkern gehören, sind in der Hand der heftig vordrängenden Amerikaner.
Die Nordkoreaner verteidigen verbissen die Häuser und Stadtteile. Vorerst sollen jedoch nicht mehr als 18 000 Mann aktiver Truppen auf der roten Seite im Kampf stehen. Für eine Millionenstadt mit der gewaltigen Ausdehnung von Söul ist das natürlic1 viel zu wenig. Der Feind kann sich auch nur beschränken, an den wichtigsten Knotenpunkten und Straßenzügen hinter Barrikaden und an Straßenschleusen Widerstand zu leisten.
Verstärkungen aus dem Norden und Süden sollen im Anrollen sein. Amerikanische Aufklärungsflieger konnten eine größere Panzerkolonne und Lastwagen der Bolschewisten ausmachen, die sich nur noch dreißig Kilometer von Söul entfernt befinden soll. Die Panzer wurden bereits entdeckt, als sie etwa dreißig Kilometer von der nordkoreanisch-mandschurischen Grenze sich in schneller Richtung von Norden nach Süden bewegten. Auch aus ■südlicher Richtung werden seit Tagen feindliche Kolonnen gemeldet, die auf Söul zustreben.
In Söul sind zur Verteidigung auch Schüler eingesetzt, die aus nordkoreanischen Schulen stammen und voraussichtlich als Zivilgarde in den Süden verlegt worden waren. In der Hauptstadt soll eine antikommunistische Untergrundbewegung einen Aufstand angezettelt haben. Die alliierte Luftwaffe bombardierte Flakstellungen im Zentrum der Stadt.
Im Süden der koreanischen Front, im großen Brückenkopf Pusan, machen die amerikanischen Offensivbewegungen überall Fortschritte. Der Erste Generalstabsoffizier der 13. nordkoreanischen Division begab sich bei Waegnan in amerikanische Gefangenschaft.
Die Luftstreitkräfte der Vereinten Nationen flogen am Mittwoch achthundertzwanzig Einsätze. Auf dem Flughafen Kimpo im Inchon-Landekopf wurden 1065 amerikanische Soldaten gelandet und 536 Tonnen Nachschubmaterial eingeflogen. General Mac Arthur, der die Front bei Söul besichtigte, ist wieder nach Tokio abgeflogen.
Nach amerikanischen Meldungen haben die Streitkräfte der Amerikaner bis zum 15. September folgende Verluste zu verzeichnen: Gesamtausfall 13 911. Davon 1684 Tote, 8709 Verwundete (von denen noch 174 gestorben sind) und 3518 Vermißte. Die Briten verloren bisher bei den Erdtruppen fünf Tote, 25 Verletzte und zwei Vermißte.
Mit besonderer Wirkung verwenden die Nahkampffliegerverbände der Vereinten Nationen eine Rakete, deren Durchschlagskraft kein Panzer standhält.
Der amerikanische Delegierte im Sicherheitsrat, Warren Austin, reichte eine sowjetische Maschinenpistole herum, die von den amerikanischen Truppen in Korea erbeutet wurde. Jakob Malik, Vertreter der Sowjetunion, verließ daraufhin den Sitzungssaal.
Nehrn übt Kritik
Neu-Delhi, 21. September. (AP.) Der Premierminister von Indien, Pandit Nehru, hat an der Vollversammlung der Vereinten Nationen Kritik geübt, weil sie den indischen Vorschlag, die kommunistische Regierung Chinas zu den Vereinten Nationen zuzulassen zurückgewiesen hat. Die kommunistische Regierung übe tatsächlich die Regierungsgewalt in China aus und der Staat China sei eine Realität.
Taten statt Worte
*** Die Möglichkeit des Vetos, die von den Russen oft genug benützt wurde, um einen Beschluß zu verhindern, hat dazu geführt, daß die Organisationen der Vereinten Nationen sich vielfach auf unfruchtbare Reden beschränken mußten. Wenn die Gemeinschaft der Völker einen Sinn und Zweck behalten soll, so muß sie auch in der Lage sein, in dringenden Fällen, besonders bei einem willkürlichen Angriff, bindende Beschlüsse zu fassen und unmittelbar einzugreifen.
Dies soll durch Vorschläge erreicht werden, die der amerikanische Außenminister. Dean Acheson der Generalversammlung der Vereinten Nationen unterbreitet hat. Seine Vorschläge, die „als der bedeutendste Vorschlag zur Erreichung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ bezeichnet werden, wollen der Generalversammlung Vollmachten für Bekämpfung von Angriffen an allen Punkten der Welt geben. Sie sehen vor, daß die Vollversammlung bei einem Friedensbruch innerhalb von vierundzwanzig Stunden zu einer Sitzung einberufen werden kann, wenn der Sicherheitsrat durch ein Veto an einer Beschlußfassung gehindert worden ist, da auf der Vollversammlung die Möglichkeit eines Vetos nicht besteht. Ebenso wichtig dürfte der Vorschlag sein, der die Mitgliedsstaaten verpflichtet, bestimmte Truppen-Kontingente bereitzuhalten, die dem Sicherheitsrat oder der Vollversammlung zur Bekämpfung von Friedensbrüchen auf Abruf zur Verfügung stehen.
Der russische Außenminister Wyschinski brachte seinerseits erneut Vorschläge ein, die wiederholt als irreführend und unfruchtbar abgelehnt worden sind. Wird Achesons Plan verwirklicht, so wird man endlich sagen können, daß der Krieg, dessen Schatten immer länger wurden, nicht mehr unvermeidlich sei.
Entmachtung des Bürgertums
Ha. Das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands hat anläßlich der Wahlen in der sowjetzonalen Republik am 15. Oktober alle Funktionäre der Landesverbände in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß „die Bündnispolitik der Sozialistischen Einheitspartei mit den bürgerlichen Parteien innerhalb der Nationalen Front nur vorübergehend ist.“
Diese Erklärung war zu erwarten. Nur die ganz Naiven konnten glauben, daß die vom Kreml gelenkte kommunistische Einheitspartei die Interessen des Bürgertums beziehungsweise die der Christlich-Demokratischen Union und der Liberal-Demokratischen Partei in der Ostzone achten würde. Neu ist, daß man im Politbüro schon jetzt die Zeit für gekommen hält, öffentlich die ^atze aus dem Sack zu lassen.
Erbarmungsloser Kampf
Inöffizieller Chef des Politbüros, des Generalstabs der Einheitspartei, ist Walter Ulbricht. Ein Mann, der schon mit sechzehn Jahren für die bolschewistische Weltrevolution gearbeitet hat, und der bereits vor dreißig Jahren als Spartakuskämpfer den erbarmungslosen Vernichtungskampf gegen das Bürgertum proklamierte. Er hat später, 1936, als sowjetischer Kommissar im republikanischen Hauptquartier in Spanien die Liquidierung des Mittelstandes in den besetzten Gebieten, soweit sein Einfluß reichte, angeordnet. 1945 war es wieder Ulbricht, der, nachdem er die Uniform eines sowjetischen Obersten abgelegt hatte, im damaligen Generalsekretariat der Einheitspartei die sofortige Enteignung der Privatunternehmen, die unerträglich hohen Steuern für die übriggebliebenen Kleinbetriebe, die Errichtung eines zentralgelenkten kommunistischen Gewerkschaftsbundes, die Zerstörung der Gutshäuser und die Anlage von Kolchosen forderte und durchsetzte. Er hat auch in Warschau den Verzichtvertrag auf die Gebiete jenseits der Oder und Neiße unterzeichnet und drei Wochen später die Stirn gehabt, bei einer Wahlversammlung in Leipzig zu erklären, daß Schlesien nur eine „Latifundie der Barone und des monokapitalistischen Bürgertums“ gewesen sei. Bevor für die kommenden Wahlen sogenannte Einheitslisten aufgestellt wurden, war es wieder Ulbricht, der in einer Sitzung des Politbüros die Parteilinie festlegte: „Wir werden“, sagte er, „die bürgerlichen Kandidaten aussuchen, die auf die Einheitsliste gesetzt werden dürfen. Diejenigen, die wir ablehnen, werden in die Gräber steigen müssen.“
Vorbild Stalin
Was ist das für ein Mann, dieser Walter Ulbricht, der alle Nichtproletarier so fanatisch haßt? Ihm untersteht in der sowjetzonalen Republik kein Ministerium. Nicht eine der neugegründeten politischen Gesellschaften trägt seinen Namen. Walter Ulbricht, der mächtigste Mann — übrigens mit einer früheren Sekretärin von Marschall Shukow verheiratet —, steht hinter den Kulissen. Er ist neben Nuschke (Christlich-Demokratische Union) stellvertretender Ministerpräsident und, das ist seine Schlüsselstellung, Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei. Der Posten eines Generalsekretärs wurde erst während des letzten Parteitages, am 25. Juli dieses Jahres, eingerichtet. Einzigster Kandidat war Ulbricht.
Generalsekretär der Partei war auch Stalin, als er nach Lenins Tode zum allmächtigsten Diktator wurde. Stalin ist Herr der Sowjetunion geworden, indem er einen nach dem anderen von den großen Parteiführern vernichtete. Zuerst Trotzki, dann Kamenjew, dann Herschel Jagoda, den er zehn Jahre lang seinen Freund nannte, dann Bulgarin und viele, viele andere.
Stalin ist das Vorbild von Ulbricht, was methodisches Vorgehen angeht. Ulbricht verfolgt die gleiche Taktik mit der gleichen Ausdauer. Seit 1945 hat Ulbricht 21 von seinen früheren Freunden, die 1933 mit ihm zusammen in die Sowjetunion geflüchtet waren, verhaften lassen. Zuletzt Goldhammer, den Chef des „ Nachrichten-Kontrollamtes“ der Sowjetzonenregierung. Dazu kommen noch viele andere Parteigrößen, wie Stempel, die als „Bürgerliche“ ohnehin seine Gegner waren.
„Alles ist relativ, alles fließt, alles ändert sich. Über die Politik, die wir heute noch verfolgen, darf morgen schon nicht mehr diskutiert werden. Das Ziel ist die kommunistische Diktatur.. und die Weltrevolution.“ Das schrieb Lenin in seiner programmatischen Schrift „Zwei Taktiken“ im Juli 1905. Lenin hat in Rußland nach diesem Grundsatz gehandelt. Ulbricht, ein Tyrann, mit der Veranlagung und den Methoden Stalins, ist schon 1920, nachdem er Lenin kennengelernt hatte, dessen fanatischer Parteigänger geworden. Über die Weltrevolution hat Ulbricht 1944 an der „Hochschule des Leninismus“ in Krasnogorsk bei Moskau Vorlesungen gehalten. In Deutschland wird Ulbricht nicht dozieren. „Unser Parteiprogramm kennt keine sozialistischen Umgestaltungen, sondern nur den sozialistischen Umsturz!“ Getreu diesen Worten Lenins, ebenfalls in den „Zwei Taktiken“, wird Ulbricht die kommunistische Diktatur errichten und das Bürgertum liquidieren, so, wie es Lenin auch getan hat.
Ende der Nationalen Front
Die Nationale Front, von Ulbricht ins Leben gerufen, dient mit ihren Einheitslisten der völligen Entmachtung der bürgerlichen Parteien in der Sowjetzone. Den nationalen Allmachtsanspruch wird man weiter vertreten, weil er zur Vorbereitung für einen Bürgerkrieg dienlich ist. Man wird jedoch nicht mehr die Innenpolitik nach diesen Parolen ausrichten. Nach den Wahlen werden die bürgerlichen Parteien bestenfalls noch Aushängeschilder für von der Sozialistischen Einheitspartei ausgeliehene Fraktionen in den Parlamenten sein. Das Bürgertum soll vollends proletarisiert werden. Für Nuschke ist dann kein Platz mehr in der Regierung. Ulbricht wird ihm zur Last legen, daß er sich für den zurückgetretenen Landesvorsitzenden der Christlichen Demokraten in Sachsen, Professor Hickmann, und den Landesvorsitzenden von Sachsen-Anhalt, Professor Fascher, eingesetzt habe, die beide inzwischen vom Politbüro, also von Ulbricht, als „Staatsfeinde und Hauptverräter Nr. 1“ verurteilt worden sind. Auch Nuschke wird noch ein „Verräter“ werden. ..
Staatspräsident Wilhelm Pieck ist jetzt schon zu einer Schaufigur degradiert worden. Er ist nur noch ein alter Mann mit gutmütigem Gesicht und weißen Haaren. Grotewohl, ein alter Sozialdemokrat, hat 1945 die Sozialistische Einheitspartei aus der Taufe gehoben. Er wird nur noch so lange Ministerpräsident bleiben, wie Moskau die „Einheits“-Politik nützlich erscheint. Ist diese Politik abgehalftert worden, so, wie demnächst die der Nationalen Front, wird Grotewohl, der Repräsentant dieser Politik, verschwinden.
Die kommunistische Politik in der Sowjetzone wurde bereits vor Monaten, als Ulbricht für mehrere Wochen in Moskau weilte, zwischen ihm und Stalin abgesprochen. Die erste Etappe, Ausgabe von Einheitslisten für ein völlig sowjethöriges Parlament, hat Ulbricht zurückgelegt. Ein noch schärferer Kurs, nach den Wahlen, wird nicht auf sich warten lassen.
Ohne Botschafter
an Amtliche britische Kreise drücken ihre Hoffnung aus, die Bundesregierung möge die diplomatischen Vertretungen, die sie nach den Neuyorker Beschlüssen errichten soll, möglichst schnell ins Leben rufen. Zur gleichen Zeit teilt der amerikanische Oberkommissar mit, daß nicht beabsichtigt sei, der Bundesrepublik die Errichtung von Botschaften in Paris, London und Washington zu gestatten. Die diplomatische Verbindung der Bundesrepublik mit diesen drei Städten werde weiter über den Petersberg vor sich gehen. Es ist also festzustellen, daß die Westmächte großen Wert darauf legen, daß wir bald durch Gesandte in Staaten vertreten sind, die gewiß eine beträchtliche Bedeutung im internationalen Leben haben, in denen aber die großen weltpolitischen Entscheidungen nicht gefällt werden. An den Brennpunkten der Weltpolitik dagegen soll Deutschland nicht die Möglichkeit haben, sich selber durch Diplomaten unterrichten zu lassen. Das ist ein Widerspruch, den aufzuklären den Westmächten sehr schwer fallen wird.
Was diesen Vorschlag der Alliierten so besonders fatal macht, ist der Umstand, daß auch nicht der leiseste vernünftige Beweggrund dafür zu finden ist. Was könnte es der internationalen Sicherheit oder dem Weltfrieden oder sonst irgendeiner löblichen Idee schaden, wenn Deutschland nicht nur in Rom und Madrid, in Bern und im Haag vertreten wäre, sondern auch in den Hauptstädten der Großmächte? McCloy hat gemeint, daß die Duplizität der Arbeit auf dem Petersberg und in den großen Hauptstädten verwirrend sein könnte. Mit derselben Beweiskraft könnte tnan sagen: Der englische Botschafter in Paris genügt durchaus; ein französischer Botschafter in London würde nur verwirrend wirken. Natürlich würde das niemand überzeugen; aber wen wird die Argumentierung der Westmächte überzeugen?
So bleibt die bedauerliche Tatsache bestehen, daß aus reinen Etikettegründen die Tatsache des Besatzungsregimes in Deutschland noch einmal peinlich unterstrichen wird. Das ist psychologisch nicht klug, es wird ganz unnütz manches von den Absichten gefährden, die das Kommunique der drei Außenminister in Neuyork verfolgt hat.
Im Hungerstreik
er. Berlin, 21. September. (Eigener Drahtbericht.) Die in West-Berlin verhafteten 44 Volkspolizisten sind in den Hungerstreik getreten. Von den Berliner Tageszeitungen, die ihnen gegeben wurden, lasen sie nur die sowjetisch lizenzierten. Sie sangen mehrfach Lieder der Freien Deutschen Jugend.
Aus Rußland zurück
Berlin, 21. September. (AP.) 218 deutsche Facharbeiter, die vor mehreren Jahren nach Rußland hatten gehen müssen, sind am Dienstag mit ihren Familienangehörigen wieder in Frankfurt/Oder eingetroffen. Es sollen ehemalige Angestellte der Junkerswerke sein.
Das Defizit bleibt
Der verstaatlichte Verkehr in England
London, 21. September. (AP.) Das verstaatlichte britische Verkehrswesen hatte im vergangenen Jahr ein Defizit in Höhe von 20 Millionen Pfund (240 Millionen Mark). Das Defizit des laufenden Jahres wird auf 15 Millionen Pfund (175 Millionen Mark) geschätzt.
Alkohol macht beredsam
Washington, 21. September, (epd) Die Methodisten haben einen Feldzug zur Trockenlegung Washingtons eröffnet. Sie erklären, der Alkohol mache die Beamten der amerikanischen Regierung, die mit Geheimnissen vollgestopft seien, allzu beredsam.
Alliierte Manöver sind auch im Gebiet der Berliner Westsektoren abgehalten worden.
Gedämpfte Erwartungen in Bonn
Vor den Verhandlungen Adenauers mit den Oberkommissaren
R. Bonn, 21. September. Die Stimmung, die in Bonn nach der Bekanntgabe der Neuyorker Beschlüsse und vor den ergänzenden Mitteilungen der Oberkommissare und des Vertreters des Foreign Office herrscht, kann am besten als eine Verbindung von gedämpfter Enttäuschung im Rückblick auf die Außenministerkonferenz und gedämpfter Erwartung beim Ausblick auf die Konferenzen auf dem Petersberg bezeichnet werden. Die „großen Erwartungen“ der Bundesregierung haben nie in dem von der Opposition angenommenen Ausmaß bestanden. Die deih Bundeskanzler während der Vorbereitungszeit der Außenministerkonferenz zugegangenen Berichte konnten ihm keinerlei Anlaß zu überschwänglichen Hoffnungen geben.
Dennoch ist der Bundeskanzler überzeugt, daß in Neuyork wesentliche Fortschritte in der Deutschlandpolitik der Besatzungsmächte erzielt worden sind. Man darf annehmen, daß der Wunsch nach einer Ablösung des Besatzungsstatuts durch Verträge weniger eine Sofort-Forderung als eine Zielsetzung für die Zukunft bedeutet. Der Grundsatz, daß die Befugnisse der Besatzungsmächte nicht einseitig diktiert, sondern gegenseitig vereinbart werden sollen, wird die Grundlage der Besprechungen über die Ausführung der Revision sein, die nach der deutschen Formulierung nicht nur intensiver, sondern auch gemeinsamer Arbeit bedarf.
Man gibt sich nicht der Illusion hin, daß diese Arbeit an der Revision leicht sein werde, wenn man auch annimmt, daß die Oberkommissare feste Richtlinien aus Neuyork mitbrächten, die aber auch die Verhandlungen einengen könnten. Vor allem waren auch bei der Abfassung der Regierungserklärung die nach dem Kommunique von der Bundesregierung abzugebenden Zusicherungen für die Aufhebung gewisser Vorbehaltsbefugnisse der Oberkommission ihrem Inhalt nach noch nicht bekannt, wenn auch aus manchen Quellen Hinweise gewonnen werden konnten. An diesem Punkt können Ueberraschungen bevorstehen, die nicht unbedingt angenehmer Natur zu sein brauchen, wie auch das offizielle Verharren auf der bedingungslosen Kapitulation als dem Rechtsgrund der Besatzung in Regierungskreisen überrascht hat. Denn nach der Auffassung dieser Kreise handelt es sich dabei nicht um eine für die Praxis unerhebliche Rechtstheorie; vielmehr kann dieses Verbleiben auf dem Standpunkt einer durch Kapitulation bedingten Besatzungssouveränität unmittelbare Aus- Wirkungen auf den Status der Bundesrepublik in einer internationalen Verteidigungsgemeinschaft haben.
Der Passus der Regierungserklärung, daß wesentliche Voraussetzungen geschaffen würden, damit Deutschland in der Gemeinschaft der freien Völker gleichverpflichtet mitwirke, darf deswegen auch nicht so verstanden werden, als ob die Bundesregierung unter dieser Formel auch die Verpflichtung zu einer europäischen Armee automatisch einschlösse, abgesehen davon, daß nach der Ansicht der Regierung „gleichverpflichtet“ selbstverständlich auch „gleichberechtigt“ ist.
Wenn diese Erwägungen die Bezeichnung „gedämpfte Erwartung“ für die Stimmung in den politischen Kreisen Bonns rechtfertigen, so beruht die aufrichtige Genugtuung des Kanzlers über die Neuyorker Beschlüsse vor allem auf der jetzt schwarz auf weiß, in einem diplomatischen Dokument gegebenen Versicherung, jeden Angriff auf Berlin als Angriff auf die Westmächte zu behandeln.
Weitere Lohunverhandlungen
Wiesbaden, 21. 9. (dpa) der hessische Finanzminister Hi.pert teilte als Vorsitzender des Vorstandes der Tarifgemeinschaft Deutscher Länder am Donnerstag mit, daß in Kürze neue Verhandlungen mit der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr geführt werden. Zuvor seien jedoch Besprechungen gen der Tarifgemeinschaft Deutscher Länder, der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, der Gewerkschaft öffentliche Dienste und der Deutschen Angestelltengewerkschaft mit der Bundesregierung geplant. E ■ zu der neuen Konferenz sollen keine örtlic in Einzelverbandlungen stattfinden.
Kriegsopfer fordern eine Einheitsrente
Wünsche zum Bundesversorgungsgesetz
Drahtbericht unseres Korrespondentei
R Bonn, 21. September./ Der Reichsbund der Kriegs- und Zivilgeschädigten, der Sozialrentner und Hinterbliebenen hat auf einer als „Kriegsopferparlament“ bezeichneten Tagung in Bonn gefordert, daß beim Bundesversorgungsgesetz die Teilung in Grund- und Ausgleichsrente zugunsten einer Unteilbarkeit des Rentenanspruchs aufgegeben werde. Die Einheitsrente solle zwischen 35 und 180 Mark monatlich liegen. Ferner wurden der Ausbau der Heilbehandlung, eine angemessene Berücksichtigung der Leichtbeschädigten, das heißt, der dreißig und vierzig > Prozent Erwerbsgeminderten, die Einbeziehung West-Berlins in das Gesetz und eine Uebergangsregelung für die französische Zone gefordert.
Der Bundesvorsitzende erklärte, man habe auf einen Protestmarsch der Kriegsopfer nach Bonn verzichtet und lege vielmehr in demokratischer Weise dem Parlament seine Forderungen zu dem Regierungsentwurf eines Bundesversorgungsgesetzes vor, mit dem man nicht einverstanden sei.
Dor Bundessekretär führte aus, die Anrechnung eines anderen Einkommens auf die Rente solle erst bei 250 bis 300 Mark Einkommen gestattet sein. Der Redner warf den Behörden vor. sie hätten 600 000 Anträge auf Renten unerledigt liegen gelassen, aber andauernd Nachuntersuchungen vorgenommen, durch die künstlich Leichtbeschädigte gemacht würden. Er forderte einen klaren und einheitlichen Maßstab der amtsärztlichen Begutachtung.
Arbeitsminister Storch, der in der Versammlung sprach, wies darauf hin, daß nach dem ersten Weltkrieg 68 Millionen Deutsche 1,6 Milliarden, heute aber nur 39 Millionen Deutsche drei Milliarden für die Kriegsopferversörgung aufzuwenden hätten. Weitere Aufwendungen seien nicht mehr möglich. Der Minister sagte, er sei mit dem Vertreter Berlins einig, daß eine Einbeziehung West-Berlins aus staatsrechtlichen Gründen nicht möglich sei.
Der Antrag gegen Schäffer abgesetzt
Der Bundestag billigt den Vertagungsantrag Adenauers
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 21. September. Der Bundestag hat am Donnerstag nicht die auf der Tagesordnung stehende Abstimmung über den Mißtrauensantrag der Bayernpartei gegen den Finanzminister Schäffer erlebt, sondern eine Abstimmung, ob diese Abstimmung von der Tagesordnung abzusetzen sei. Sie ist abgesetzt worden. Es ist bemerkenswert, daß der Bundeskanzler selbst den Antrag stellte, auf die Behandlung dieses Punktes zu verzichten, obgleich die Bayernpartei ebenfalls für die Verschiebung der Beratung eintrat. Unverkennbar aber wollte Dr. Adenauer seine ganze Autorität hinter diesen Vertagungsantrag stellen, wobei nur auffiel, daß seine Begründung anders als die Motivierung der Bayernpartei war. Während der Kanzler eine Beratung des Mißtrauensantrages wegen der bevorstehenden Aussprache zwischen dem Bundesfinanzminister und der Bayernpartei unter seinem Vorsitz für unzweckmäßig erklärte, stützte sich die Bayernpartei auf ihr dem Bundespräsidenten gegebenes Versprechen, während schwebender wichtiger außenpolitischer Konferenzen auf keiner Entscheidung über ihr Mißtrauensvotum zu beharren.
Die Sozialdemokraten widersprachen dem Antrag des Kanzlers augenscheinlich mehr in Erfüllung ihrer Pflicht der parlamentarischen Opposition als aus großer Leidenschaft, wie sie auch von Amtes wegen dem Antrag gegen den Finanzminister zugestimmt hätte. Für sie ist dabei vor allem wichtig, daß die Abstimmung über Minister Schäffer wahrscheinlich die Freien Demokraten verschiedener Meinung gefunden und auch die Abseitsstellung einiger Abgeordneter der Christlich-Demokratischen Union gebracht hätte. Darum trat auch die Regierungsmehrheit für die Verschiebung ein, die zunächst einen Zeitgewinn bedeutet.
Man zweifelt aber kaum mehr daran, daß die Verhandlungen mit der Bayernpartei zu ihrqm Verzicht auf den Antrag gegen Schäffer führen werden.
Anklagen gegen Renner
Beteiligung an der Entführung Müllers
Bonn, 21. September, (dpa) Der Bundestagsausschuß für Geschäftsordnung und Immunität hat beschlossen, das Untersuchungsmaterial gegen den kommunistischen Abgeordneten Renner der Staatsanwaltschaft zuzuleiten. In den Aussagen wird Renner beschuldigt, an der Entführung des kommunistischen Bundestagsabgeordneten Kurt Müller nach der sowjetischen Zone maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Nach den Informationen sozialdemokratischer Kreise in Bonn befindet sich Renner zur Zeit in der Sowjetunion.
Keine Bibeldrucke mehr
t Berlin, 21. September, (epd) Der gesamte Bibeldruck in der sowjetischen Besatzungszone ist eingestellt worden, weil von, der Volkspolizei die für den Bibeldruck bestimmten Papiervorräte sichergestellt worden sind.
Zuviel Friedensliebe
Berlin, 21. September. (AP.) Der DramatiAg des Theaters von Freiberg (Sachsen) ist entlassen worden, weil er sich „gegen den Krieg in jedem Falle“ ausgesprochen hatte. Das Organ der Sozialistischen Einheitspartei „Sächsische Volksstimme“ schreibt in diesem Zusammenhang, der Dramaturg sei vom „Leichengift des Pazifismus“ infiziert worden.
Der britische Kriegsminister Strachey wird am 26. Septembe"r zu einem kurzen Besuch in Berlin erwartet.
Stimmen der Anderen
EGin voller Erfolg für Bonn
Die „Basler Nachrichten“ schreiben:
„Es wäre falsch, das Gesamtergebnis der Außenministerkonferenz unter dem Blickwinkel der Wiederbewaffnungs-Kontroverse zu beurteilen, um so mehr, als sich die Meinungsverschiedenheiten unter den Westmächten doch im wesentlichen auf die Frage beschränken, zu welchem Zeitpunkt der Einbau Deutschlands in eine Atlantikarmee erfolgen soll. Was zu dieser Stunde viel mehr ins Gewicht fällt, ist die Tatsache, daß die Außenminister sich vorerst darüber geeinigt haben, jene politischen Voraussetzungen zu schaffen, ohne die eine aktive militärische Teilnahme Deutschlands ja doch nicht denkbar ist. Die schrittweise Rückkehr Deutschlands in die westeuropäische Gemeinschaft erreicht mit den Neuyorker Beschlüssen eine neue wichtige Phase. Die Westmächte haben sich dafür entschieden, eine ganze Reihe von Schranken, die Deutschland als besiegte Macht von den Siegern bisher trennten, niederzulegen, um so tatsächlich den Weg für die von alliierter Seite immer wieder und immer dringender als zu erstrebendes Ziel aufgestellte Integration fier deutschen Bundesrepublik in das westeuropäische Gefüge freizulegen. Mit der Durchführung der in Aussicht gestellten Maßnahmen wird die deutsche Souveränität einen beträchtlichen Substanzgewunn aufweisen können.
Im Leitartikel der Baseler „ National-Zeitung“ heißt es:
„Das Neuyorker Ergebnis ist zweifellos zunächst ein formalpolitischer Mißerfolg Achesons und der von ihm vertretenen ungeduldigen Tendenz der amerikanischen Publikumsstimmung mit ihrem Verlangen nach der Durchsetzung nüchterner Logik in der europäischen Verteidigungsfrage. Aber es entspricht ebenso gewiß einer praktischen Logik des Augenblicks. Denn in Westdeutschland war bisher in Ber öffentlichen Meinung die Einstellung zur Remilitarisierungsfrage mindestens ebenso unklar und widerspruchsvoll wie in Frankreich. Und es hat sich gezeigt, daß jedes öffentliche Drängen' und Werben um die deutsche Mitwirkung von seifen des Westens die Abwehr- und Trotzhaltung eher noch irritierte und verwirrte. Für diese vorzeitige Proteststimmung kann die kritische Widerspruchshaltung Schumans und der von ihm durchgesetzte Aufschub ein heilsam ernüchterndes Korrektiv sein. Dagegen bringen für die praktisch-vernünftige amtliche Politik der Bonner Regierung die Neuyorker Verhandlungsergebnisse einen vollen Erfolg. Die vorsichtige Zurückhaltung in der Remilitarisierungsfrage hat sich somit für die Regierung Adenauer gelohnt.“
Geheimhaltung
Zur Landung amerikanischer Truppen bei Inchon schreibt der Kriegsberichterstatter von „Le Monde“:
, „Diese Invasion war eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse des ganzen Krieges. Man sprach und diskutierte darüber in ganz Korea, in Japan, und selbst, wie man mir versichert, in den Vereinigten Staaten, wo Rundfunksprecher in bestimmten Sendungen darauf angespielt haben. Wenn die Nordkoreaner nicht wußten, was geschehen sollte, dann waren sie wahrscheinlich die einzigen. Kurz gesagt, diese Landungen waren ungefähr von soviel Geheimnis umgeben wie eine Beziehung zwischen Stars in Hollywood.
Kaum eine Stunde nach meiner Ankunft im Einschiffungshafen wußte ich schon das genaue Datum und die Stunde des Auslaufens, den genauen Bestimmungsort der Expedition und alles übrige. All diese Neuigkeiten wurden mir von denen mitgeteilt, die die Truppe „nicht autorisierte Informatoren“ nennt, aber sie waren erstaunlich exakt. In der Tat haben die Truppenführer die Ankündigung dieser Landungen benutzt, um die Moral ihrer Truppen auf der gesamten Front zu stärken. So haben sie zum Beispiel seit mehreren Wochen versprochen, daß, wenn man bis Mitte September die Stellungen halte, im Rücken des Feindes Landungen ausgeführt würden, die die Lage völlig ändern würden.“
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg
18)
„Das habe ich Papa schon erzählt.“
„Aber deine Mama hat es dir geschenkt. Zeig ihr doch, wie man an der Schnur zieht und die Kuh dann Muh sagt. Ich hole es dir schnell von oben."
In unbeschäftigten Augenblicken hatte Henriette noch oft Gelegenheit gefunden, sich des maßlosen, gegen sie gerichteten Ausbruchs am Tage der Krisis zu erinnern. Noch jetzt fühlte sie sich bei dem Gedanken an diese Unbeherrschtheit peinlich berührt und litt unter den ungerechten Vorwürfen, mit denen sie damals überschüttet worden war.
Die Herzogin jedoch hatte wie alle labilen Naturen nur ein kurzes Gedächtnis für ihre eigenen explosiven Anwandlungen. Wie ein Wetterhahn jeder Windströmung, so gab sie jeder Laune nach. Plötzlich hatte sie ein Lächeln für die Erzieherin und überhäufte sie mit Lobesworten. Instinktiv machte Henriette den Herzog für diese neue Liebenswürdigkeit verantwortlich, obgleich sie keine Beweise dafür besaß, daß zwischen dem Ehepaar eine Entspannung eingetreten war, da sie Raynald selten zusammen besuchten.
Es erstaunte sie nicht wenig, als sie eines Morgens auf ihrem Frühstückstablett neben der Kaffeetasse eine kleine Schachtel und einen versiegelten Umschlag mit geprägtem Wappen und ihrem Namen in einer flüssigen, aber unreifen Handschrift entdeckte. Keine Marke und kein Stempel wiesen darauf hin, daß die Sachen mit der Post gekommen waren. Verwundert erbrach sie das Siegel, und der Kaffee vor ihr wurde kalt, während sie wieder und wieder die Zeilen überflog, die weitzügig den hellblauen Bogen füllten:
„Liebe Mademoiselle Deluzy,
der Schlaf verweigert sich denen, die sich nach Frieden und Ruhe sehnen und doch sich überall von Feindschaft umgeben fühlen. Wenn ich mich in meiner Angst und Sorge um das Leben meines jüngsten Kindes dazu habe hinreißen lassen, Ihre Handlungsweise ungerecht zu beurteilen, so erbitte ich Ihre Nachsicht. Es konnte nicht mein Wunsch sein, Sie zu verletzen; denn ich selbst bin zu tief gekränkt worden, um anderen einen Schmerz zuzufügen, zumal einem Menschen, der unter einem Dach mit mir wohnt. Sie sind klug, Mademoiselle, und mit ungewöhnlichen Vorzügen und Gaben ausgestattet. Es ist nur verständlich, daß Sie alles daransetzen, die Gunst des Herzogs und die Liebe meiner Kinder zu erringen. Aber sicherlich wünschen Sie das nicht auf Kosten einer Mutter zu tun, die ein Recht darauf hat, die erste Stelle im Herzen derer einzunehmen, mit denen sie ein heiliges Band verknüpft.
Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen. Sie werden mich verstehen. Lassen Sie mich Ihnen aus ganzer Seele für alles danken, was Sie an meinem Jungen getan haben, als ihm die liebende Sorge seiner Mutter versagt war. Und ebenfalls bitte ich Sie herzlichst um Loyalität und schicke Ihnen dieses kleine Zeichen meiner Dankbarkeit. Möge es ein Unterpfand unserer Freundschaft und unseres künftigen guten Einvernehmens se*n- Fanny Sebastiani-Praslin.“
Das Kästchen enthielt eine schlichte, aber entzückend gearbeitete Brosche — ein Kreis aus blauem Email, der in einem winzigen goldenen Drachenkopf zusammenlief. Henriette betrachtete sie sich lange, sie zwischen ihren Fingern hin- und herdrehend. Zweifellos verriet das Geschenk einen bemerkenswerten guten Geschmack, gerade das Richtige für eine Erzieherin, ohne sie dem Geber zu verpflichten; doch der Drachenkopf ebenso wie die versteckten Anspielungen des Briefes schienen ihr keine zufällige Wahl zu sein.
Während sie sich ankleidete, überlegte Henriette sich ihre Antwort. Zweimal ging sie zu ihrem Schreibtisch und suchte Feder und Papier hervor, aber jedesmal legte sie sie wieder fort. Was sollte eigentlich diese Förmlichkeit zwischen ihnen, fragte sie sich. Wenn die Herzogin etwas an ihr auszusetzen hatte, wenn es ihr ehrlich um eine Abbitte zu tun war, warum hatte sie sie dann nicht kommen lassen und ihr mündlich gesagt, was sie ihr mitteilen wollte? „Nein“, entschied sie sich, als sie ihre Morgentoilette beendet hatte, „ich? werde dieses alberne Versteckspiel nicht mitmachen. Es wird nur eine ungemütliche Stimmung hervorrufen. wenn wir uns sehen. Am besten gehe ich sogleich zu ihr, bevor die Tagesarbeit beginnt.“
Marguerite, die Jungfer der Herzogin, öffnete ihr ein paar Minuten später auf ihr Klopfen die Tür. Henriettes Bitte, die Herzogin sprechen zu dürfen, stieß auf eisige Mißbilligung. Marguerite folgte ihr in das Boudoir und machte sich in der Nähe zu schaffen mit offensichtlich nichtigen Dingen, während im Schlafzimmer nebenan verschiedene Koffer offenstanden und darauf warteten, mit den weiblichen Kleidungsstücken, die das Bett und alle Stühle bedeckten, gefüllt zu werden.
„Oh, guten Morgen, Mademoiselle!“
Mit diesen flüchtig hingeworfenen Worten begrüßte die Herzogin ihre Besucherin. Ihre glanzlosen Augen sahen sie nur eine Sekunde lang an und senkten sich dann wieder auf die Modezeitschriften, die verstreut auf dem Sofa lagen. „Als ob eine Markise zwischen uns niedergelassen worden wäre“, dachte Henriette.
„Madame“ — wie schon einmal sah sich Henriette durch den abweisenden Ausdruck der anderen gezwungen, den ersten Schritt zu tun —, „ich hoffe, ich störe Sie nicht so früh, aber ich wollte den Tag nicht beginnen, ohne Ihnen zuerst meine Dankbarkeit auszudrücken. Ihr Geschenk hat mich sehr überrascht. Ich bin reichlich dadurch belohnt worden, Raynalds Gesundung erleben zu dürfen und das Bewußtsein zu haben, daß ich etwas dafür tun konnte. Aber ich leugne nicht, daß mich der Beweis Ihrer Wertschätzung überwältigt hat.“ Sie deutete auf die Emailbrosche, die den weißen Kragen ihres bedruckten Kattunkleides zusammenhielt.
„Ach ja, richtig, die Brosche“, sprach die Herzogin abwesend. „Ein kleines Andenken. Es freut mich, daß es Ihnen gefällt.“ Ihre Stimme verlor sich gedämpft und undeutlich, als habe sie die Worte, auf die sie antwortete, gar nicht gehört. Henriette gewann die plötzliche Ueberzeugung, daß diese widerspruchsvolle Frau, die dem unpersönlichen Papier anvertraute, was besser ungesagt geblieben wäre, sich ausschweigen würde, wenn sie besser hätte reden sollen.
Wieder trat ein Schweigen ein, und wieder mußte Henriette einen neuen Ansatz machen.
„Sie wollen Paris in Kürze verlassen?“ fragte sie und zeigte auf die Koffer.
„Ja, ich fahre nach Melun“, bestätigte die Herzogin. „Sie kommen mit Raynald nach, sobald der Arzt glaubt, daß ihm die Fahrt zugemutet werden kann. Der Herzog und ich reisen heute nachmittag ab.“
• bei den Worten ,der Herzog und ich wurde ihre Stimme etwas lebhafter. Sie verweilte gleichsam liebkosend bei ihnen, mit. einer naiven Emphase, die man bei einem verliebten jungen Mädchen überhört hätte, die aber im Munde einer reifen, verheirateten Frau so peinlich nach Besitzerstolz klangen.
„Sie stellt sich nur bloß, wenn sie so von ihm spricht“, urteilte Henriette und betrachtete das bleiche Gesicht mit seinem unzufriedenen Mund und den gramvo len Augen. „Gerade, weil sie das so ich’ daß sie am liebsten hiergebheben wäre. Sie macht sich zur Närrin mit ihrer Liebe, aber trotz allem, as sie besitzt, ist sie doch elend und bedauernswert.“
-Te niCht lange von Ihren Reisevorbereitungen abhalten“, fuhr Hen-Blick w ,UndTWarf einen bedeutsamen Blick auf die Jungfer, die immer noch am Hintergrund herumkramte. „Wenn rJn Ta ntoCh ein Paar Minuten .gewähren konnten — unter vier Augen — wäre ich Ihnen sehr dankbar.“
(Fortsetzung folgt.)
Südweststaat oder die alten Länder?
Volksbefragung am 24. September in Südwestdeutschland
Drahtbericht unseres Korrespondenten
St. Stuttgart, 21. September. Am kommenden Sonntag wird in den Ländern Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Südbaden eine Volksbefragung über die Grenzregelung in Südwestdeutschland abgehalten. Die sechs Millionen Wahlberechtigten sollen darüber entscheiden, ob sie die Wiederherstellung der historischen Länder Württemberg und Baden oder die Vereinigung der heutigen drei Einzelstaaten zu einem Gesamtstaat wünschen.
Das Ergebnis der Volksbefragung wird den drei beteiligten Regierungen jedoch lediglich als Informationsmaterial für ihre ferneren Verhandlungen dienen, die mindestens zwei Monate nach der Befragung abgeschlossen sein müssen. Können sich die Länderchefs wegen unklarer Stimmverteilungen bei der Befragung über die Wünsche der Bevölkerung nicht einigen, dann muß die Angelegenheit endgültig dem Bundestag übertragen werden. Diese Möglichkeit wird jedoch in Stuttgart, Tübingen und Freiburg nur sehr ungern gesehen.
An dem Wahlkampf haben sich in allen drei Ländern vornehmlich die Kabinette, die Abgeordneten, sowie die berufsständischen Organisationen beteiligt. Während sich die Propaganda für die Südweststaatlösung vor allem auf wirtschaftliche Erwägungen stützt, tritt bei den Verfechtern der Länder-Lösung das heimatliche und gefühlsmäßige Argument in den Vordergrund.
Die Polemik hat sich in den letzten Tagen erheblich zugespitzt und einen gewissen Höhepunkt in der Erklärung des Freiburger Erzbischofs für die Wiederherstellung der alten Länder gefunden. Der Bischof der Diözese Rottenburg dagegen hat sich nach Rücksprache mit Staatspräsident Müller für völlige Neutralität ausgesprochen.
In den letzten Tagen sind in Württemberg-Baden und Südwürttemberg-Hohenzollern besonders die berufsständischen Vertretungen mit klaren Bekenntnissen zum Südweststaat herausgekommen. In den beiden Teilen Württembergs ist vor allem vom südwürttembergischen Staatspräsidenten Dr. Gebhard Müller eine lebhafte Rednertätigkeit entfaltet worden. Ministerpräsident Dr. Maier hat sich im Gegensatz zu Staats- Präsident Leo Wohleb sehr zurückgehalten.
Als Phalanx für die Wiederherstellung der alten Länder werden die Kreise Freiburg-Land, Neustadt, Bühl, Remmingen, Kehl, Emmendingen, Rastatt und Mühlheim betrachtet. In den anderen Kreisen Südbadens sollen alle Chancen noch offen sein. Nord- und Südwürttemberg wird durchweg als sicher für die Südweststaatlösung angesehen. Den Ausschlag bei der Gesamtbefragung wird Nordbaden geben, das noch bis in die letzten Tage besonders von den Altbadenern umworben wurde, während die Südwestanhänger eine nur geringe Propaganda entfalteten. Während Stadt- und Landkreis Mannheim, sowie die Stadtkreise Heidelberg und Pforzheim als Domäne der Südweststaatler angesehen werden, können über die nördlichen Kreise dieses Gebietes keine Voraussagen gemacht werden. Es ist jedoch fbstzustellen, daß mit zunehmender Nähe der südbadischen Landesgrenze auch die altbadische Lösung an Sympathie gewonnen hat.
Das Interesse der Bevölkerung an der Befragung wird allgemein als sehr gering bezeichnet.
Eine Antwort
W,S. Freiburg, 21. September. (Eigener Drantbericht.) Das erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg hat am Donnerstag zu den Erklärungen des württembergischbadischen Finanzministers Kaufmann Stellung genommen, wonach ein französischer Offizier bei katholischen Geistlichen in Südbaden herumfahre, um diese zu einem Eintreten für die Wiederherstellung der alten Länder zu veranlassen. In der Stellungnahme des erzbischöflichen Ordinariats heißt es, weder amtlich noch persönlich sei dem Ordinariat davon Mitteilung gemacht worden. Es sei lediglich bekannt, daß ein französischer Sportoffizier, der schon seit Jahren mit einem katholischen Geistlichen in Lahr befreundet sei, sich, wie schon öfters, mit diesem über politische Fragen und auch über die Volksabstimmung am kommenden Sonntag unterhalten habe. Die Aeußerungen des württembergisch-badischen Finanzministers müßten auf einer falschen Information beruhen.
Kommunisten werden ausge schlossen
Beschluß des Deutschen Journalistenverbandes
Bonn, 21. September, (dpa) Der Vorstand des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) vertritt in einer am Mittwoch in Borm veröffentlichten Erklärung die Auffassung, daß Verbandsmitglieder, die die Politik des Kommunismus oder der Sowjetzone bejahen, nicht in der Lage sind, eine den Satzungen des Deutschen Journalisten Verbandes entsprechende Tätigkeit auszuüben. Das gleiche gelte insbesondere für solche Journalisten, die dje Einschüchterungsversuche aus der Sowjetzone gegenüber den Journalisten der Bundesrepublik billigten.
Die Vorstände der Landesverbände^des Deutschen Journalistenverbandes werden ersucht, die Folgerungen aus dieser Lage in voller Berücksichtigung des Regierungsbeschlusses vom 19. September zu ziehen. Künftig sollen auch keinerlei Beziehungen berufsmäßiger oder organisatorischer Art mit der Presse der Republik der Sowjetzone und deren Organisationen mehr bestehen.
„Die Kommunisten beweisen jeden Tag, daß für sie die Pressefreiheit im Westen nur ein Mittel im Kampf gegen die Freiheit und Demokratie ist, während sie in der Sowjetzone und im sowjetischen Sektor Berlins jede Freiheit der Meinungsäußerung auf brutalste Weise unterdrücken.“ In den letzten Monaten seien wieder zahlreiche Journalisten in Ausübung ihres Berufes von den Kommunisten eingekerkert und verurteilt worden. Artikel 18 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland müsse gegen alle diejenigen angewendet werden, die die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit, zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbrauchen.
Achtzig Millionen Marl für den KBund
F.A.Z. Frankfurt, 21. September. Wie wir erfahren, hat sich die Bank deutscher Länder bereit erklärt, der Bundesregierung für das laufende Rechnungsjahr achtzig Millionen Mark auszuhändigen. Es handelt sich dabei um Ueberschüsse, die aus der Zinszahlung angesammelt wurden, die der Bund auf Grund der Währungsreform-Gesetze für Ausgleichsforderungen an die Bank deutscher Länder zu leisten hat. Die jetzige teilweise Rückvergütung dieser Zinszahlungen ist auf einen Antrag zurückzuführen, den der Abgeordnete der Freien Demokratischen Partei Professor Noell von der Nahmer vor einigen Wochen im Bundestag eingebracht hatte. Der Antrag sieht die völlige Freistellung des Bundes von Zinszahlungen für Ausgleichsforderungen vor. Eine endgültige Regelung dieser Frage soll in Zusammenhang mit dem Gesetz über die Bundesnotenbank vorgenommen werden.
Letzte Telegramme
Die Frage der Kriegsgefangenen auf der Tagesordnung
Neuyork, 21. Sept. (AP.) Der Lenkungsausschuß der Vollversammlung hat am Donnerstag gegen die beiden Stimmen Rußlands und der Tschechoslowakei beschlossen, die Frage der noch in der Sowjetunion zurückgehaltenen deutschen und japanischen Kriegsgefangenen auf die Tagesordnung zu setzen. (Siehe Seite 4.)
Djengin protestiert
Berlin, 21. September, (dpa) Der Vertreter der sowjetischen Kontrollkommission in Berlin, Djengin, hat an die Kommandanten der Berliner Westsektoren gleichlautende Schreiben gerichtet, in denen er dagegen protestiert, daß Personen in den Westsektoren verfolgt würden, die für ein friedliches, demokratisches Deutschland kämpften.
Ein Winterhilfswerk
Bonn, 21. September. (AP.) In einem Antrag, den die Freie Demokratische Partei im Bundestag einbringen will, wird der Bundeskanzler gebeten, einen Aufruf für ein Winterhilfswerk zu erlassen. Die Spenden sollen insbesondere den Arbeitslosen und den Rentenempfängern zugute kommen. Träger des Winterhilfswerks sollen die karitativen Organisationen sein.
Entgleisungen
Kritik an Minisierreden im Bundestag
Bonn, 21. September, (dpa) In der Sitzung am Donnerstag hat der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Lütkens in einer Interpellation einzelne Stellen aus Reden der Bundesminister Dr. Dehler, Dr. Seebohm, Kaiser und des Vizekanzlersßlücher zitiert, die durch verschiedene außenpolitische Entgleisungen wiederholt die Verhandlungen des Bundeskanzlers gestört hätten. „Dieser Kleinmäusekrieg ist nicht nur für die Regierung, sondern auch für die Opposition unerträglich.“ Solche Reden könnten im Interesse des Ansehens der Regierung nicht so weitergehen und seien nicht mit einer Politik der europäischen Verständigung zu vereinbaren. Sie liefen der Außenpolitik des Bundeskanzlers zuwider, deren Kardinalpunkt eine Verständigung mit Frankreich sei.
In seiner Erwiderung machte Dr. Adenauer darauf aufmerksam, daß er sich die Rede des Abgeordneten Lütkens nicht bestellt habe. In vielen Fällen seien die Zeitungsberichte über die Reden nicht ganz zutreffend gewesen. Er habe mehrfach über Reden der Minister im Kabinett gesprochen, und Oberkommissare hätten ihn in sehr vornehmer Weise auf diese oder jene Rede eines Ministers aufmerksam gemacht. Hier und da seien Entgleisungen vorgekommen. In allen Fällen sei er aber bestrebt gewesen, zu verhüten, daß aus einem gelegentlichen Ausrutschen für das deutsche Volk Nachteil entstehe. Bisher sei kein besonderer Schaden dadurch angerichtet worden.
Der Bundestagsausschuß für gesamtdeutsche Fragen wird am kommenden Wochenende in Berlin eine Sitzung abhalten, um sich an Ort und Stelle über die Verhältnisse in Berlin und in der Sowjetzone zu unterrichten.
Wirtschaftsblatt
Erhöhte Baukosten
F. C. Der Schiedsspruch im Baugewerbe hat Diskussionen über die Erhöhung der Baukosten ausgelöst. Die Bauwirtschaft rechnet mit Preiserhöhungen, die zu einer Schrumpfung des sozialen Wohnungsbaues führen. Die Gewerkschaften wollen nicht mit dem Makel behaftet werden, zu einer Drosselung der Wohnungsbautätigkeit beigetragen zu haben. Die Arbeitgeber haben sich ebenfalls bereit erklärt, die Frage zu prüfen, ob und in welchem Ausmaß die den Bauarbeitern zugestandene Lohnerhöhung innerhalb der Bauwirtschaft abgefangen werden kann.
Durch weitergetriebene Normung und Rationalisierung ließen sich, so sind die Erwägungen der Gewerkschaften, die Baukosten derart senken, daß das Baugewerbe die Lohnerhöhung tragen kann. Aber auch die Gewerkschaften haben sich in Remagen der Tatsache nicht verschließen können, daß sie die Arbeitsleistungen als solche steigern müssen. Akkordarbeit ist im Baugewerbe nicht populär. Auch die Schwierigkeiten, die die Festlegung von Akkordsätzen bereiteten, hatten dazu geführt, daß die Akkordarbeit im Baugewerbe sehr beschränkt blieb. Die Gewerkschaften kennen die Gefahren, die dem sozialen Wohnungsbau drohen. Sie haben sich deshalb entschlossen, zusammen mit den Arbeitgebern die Frage einer Ausdehnung der Akkordarbeit auch im Baugewerbe ernstlich zu prüfen. In diesem Zusammenhang wird auch eine andere Frage aufgegriffen werden müssen. Häufig zeigt sich an den Baüstellen noch ein beachtlicher Leerlauf. Durch eine bessere Organisation der Arbeit wird man versuchen müssen, auch hier rationeller zu arbeiten, um Kosten zu ersparen.
Man hat ausgerechnet, daß die Steigerung der Stundenlöhne um durchschnittlich 14 Pfennig eine Erhöhung der Baukosten um durchschnittlich fünf Prozent zur Folge hat. Um so notwendiger wird es sein, durch Steigerung der Produktivität der Arbeit mindestens einen Teil dieser Erhöhung der Baukosten wieder wettzumachen. Darüber hinaus wird die Bauwirtschaft noch stärker als bisher der Frage nähertreten müssen, ob es möglich ist, durch Großbaustellen und eine entsprechend auf Großbaustellen aufgebaute Bauweise die Baukosten zu senken.
Es sind eine Reihe von Problemen, die durch den Spruch von Remagen ausgelöst wurden. Sie zeigen deutlich, daß Lohnerhöhungen nur dann ohne die Gefahr von Preiserhöhungen durchgeführt werden können, wenn es gelingt, die Lohnerhöhungen aus erhöhtem Leistungsanfall der Wirtschaft zu bezahlen.
Südhessen im Konkurrenzkampf
Betrachtungen zur Frankfurter Messe
Bz. Das Inlandsgeschäft auf der Frankfurter Herbstfnesse, soweit es Aussteller aus den Bezirken von Darmstadt, Odenwald und Bergstraße betraf, zeigte recht große Unterschiedlichkeit. In Branchen, die auch Exportaufträge hatten, waren die Umsätze beträchtlich. So konnten Gummiwa'renfabriken von geradezu stürmischer Nachfrage berichten. Als sie zur Messe 'gingen, waren sie bereits bis zur höchsten Leistungsfähigkeit;. beschäftigt. Ihnen hat nunmehr die Ausstellung einen Ausverkauf auf Monate gebracht. Die Gummiwarenfabrik Hans Wagner in Urberach konnte gute Umsätze erzielen. Die Füllhalterhersteller hatten den Besuch zahlreicher Einkäufer aus Holland. Neuartige Kugelschreiber für Tinten aller Art erregten das Interesse holländischer Messebesucher, wie uns die Füllhalterfabrik März & Ritscher, Ober-Ramstadt, bekundete. Aehnlich gutes Geschäft erzielte die Füllhalterfabrik Heinz Jung & Co., Nieder-Ramstadt. Bei den papierverarbeitenden Unternehmen meldet das Papierverarbeitungswerk Papiermüller in Darmstadt sehr befriedigende Abschlüsse. Etwas enttäuscht waren andere Aussteller mit Weihnachtspapier und Geschenkartikeln. Für Musikinstrumente blieb die Inlandsnachfrage unbefriedigend. Die Akkordeonfabrik Meinel-Alberti, Lämmerspiel, Kr. Offenbach, konnte erhebliche Auslandsaufträge hereinnehmen. Bei der Firma Christalliano, Nauheim/Groß-Gerau, stellte sich für die gezeigten Fahrräder (übrigens der einzige Stand dieser Art auf der Messe) starke Nachfrage aus Holland und Südafrika ein, so daß viele Musteraufträge verbucht werden konnten. Bei den Kleiderfabriken wurde der Herbst- und Winterbedarf berücksichtigt. Interesse fanden Regenmäntel und verwandte Erzeugnisse. Die Firma Dora Abitzsch GmbH., Lampertheim, konnte für ihre Regenbekleidung aus Plastik und Lederit starkes Käuferinteresse feststellen. Im allgemeinen waren die Firmen der Starkenburger Wirtschaft nicht in so großem Umfange wie bei der Frühjahrsmesse vertreten.
Reges Geschäft in Textilien
Am Donnerstag besuchten 40 000 Interessentep, darunter 1400 Ausländer, die Frankfurter Herbstmesse. Bei Textilien war die Nachfrage nach Baumwoll- und Wollgeweben noch rege, doch konnten die Lieferwünsche für dieses Jahr nicht mehr restlos befriedigt werden. Insgesamt gesehen war das Geschäft gegenüber dem Vortag etwas ruhiger. Auch das Ausland konnte Bestellungen nur in ganz geringem Umfang noch unterbringen, weil die Lieferfirmen in erster Linie darauf bedacht sind, die Inlandskundschaft zu befriedigen. Die Umsätze haben sich, verglichen mit der Frühjahrsmesse, etwa verdoppelt.
Straßenbhau vernachlässigt
München, 20. 9. (We) Auf einer Pressekonferenz der Fachabteilung Straßenbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in München wurde von dem Vorsitzenden Dr. Oberbacher (Köln) mitge-'' teilt, daß nur rund 35 Prozent des deutschen Fernstraßennetzes von 76 000 km sich in einwandfreiem Zustand befänden. Bei 42 Prozent seien normale Instandsetzungsarbeiten erforderlich, während Ö 3 Prozent von Grund auf wiederhergestellt werden müßten. Unter Voraussetzung der Kriegsschädenbeseitigung bis zum Jahre 1958 betrüge der jährliche Mittelbedarf für die Kriegsschädenbeseitigung bei den Bundesstraßen 134 Millionen DM und für die laufende Unterhaltung 131 Millionen DM.
Kurz gemeldet
Für die Waggon- und Lokomotivbau¬ industrie hat die Hauptverwaltung der Bundesbahn in Offenbach fünf Millionen D-Mark freigegeben. Dieser Betrag ist unabhängig von den vom Bundestagsausschuß geforderten 16,2 Millionen D-Mark für die gleiche Industrie.
Die westeuropäische Agrarproduktion wird in diesem Jahr voraussichtlich den Vorkriegsdurchschnitt überschreiten und etwa 100 bis 150 Prozent der durchschnittlichen Erträge der Jahre 1935 bis 1939 erreichen. Im vergangenen Jahr lag die Produktion bei 97 Prozent.
350 Millionen D-Mark aus dem ECA- Gegenwertfonds sind der deutschen Regierung zur Fortführung ihrer industriellen und landwirtschaftlichen Bereinigungsprogramme zur Verfügung gestellt worden. 35 Millionen werden für Berlin abgezweigt.
Eine Verringerung des derzeitigen Pferdebestandes der Bundesrepublik um 30 Prozent hält man im Bundesernährungsministerium für vertretbar. Eine stärkere Reduzierung zugunsten des Einsatzes von Traktoren sei jedoch nicht tragbar, da 81 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe unter 110 Hektar groß sind.
Die Zuckerrübenernte in der deutschen Bundesrepublik wird in diesem Jahr voraussichtlich 16 Millionen Doppelzentner betragen. Dadurch ist mit einer Eigenerzeugung von 550 000 bis 750 000 Tonnen Weißzucker zu rechnen.
Marktregelung für Filmeinfuhr
Hamburg, 21. 9. (vwd) Der Verband deutscher Filmproduzenten hat dem Bundestagsausschuß Film, Presse Rundfunk einen Gesetzentwurf für die Regelung der Einfuhr ausländischer Filme unterbreitet. Dazu wurde in Hamburg in einer Pressebesprechung erklärt, daß die Gewährung der 20-Millionen- DM-Ausfallbürgschaft durch den Bund ohne Sinn bleibe, wenn nicht die Kreditwürdigkeit der Filmindustrie durch eine Marktsicherung gewährleistet werde. Der Filmmarkt in der Bundesrepublik sei gegenüber allen anderen Ländern am stärksten liberalisiert. Es wird vorgeschlagen, ausländische und deutsche Filme im Verhältnis 4:1. zu zeigen. Auch Italien, Frankreich und Großbritannien schützten ihre Filmwirtschaften durch Marktregelungen.
Markt- und Böõrsenberichte
F.A.Z. An der Frankurter Börse wirkte am Donnerstag die Ankündigung über die Heraufsetzung der Mindestreservensätze leicht verstimmend. Die Börse verkehrte jedoch weiter in freundlicher Grundstimmung. Kleinere Gewinnmitnahmen und Glattstellungen führten dabei zu einer leicht unheitlichen Kursentwicklung.
Züricher Noten-Freiverkehr
Berlin. In den Berliner Wechselstuben wurden am 21. 9. 50 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5,— Ostmark eine DM-West geboten.
| 20.9. | |||
| Franken | 21,9 | ||
| Franken | 21 9. | ||
| tu DM | |||
| New York (Dollar) | 4,34 | 4,34 | 5,38 |
| London (Pfund) | • 10,87 | 10,82 | 13,42 |
| Paris (100 fr.) | 1,16 | 1,15 | 1,43 |
| Brüssel (100 bfr) | 8,62 | 8,62 | 10,69 |
| Amsterdam (100 hfl) | • 103, | 103, | 127,72 |
| Stockholm (100 skr) | . 67,50 | 67,25 | 83,39 |
| Mailand (100 Lire) | 0,65 | 0,65 | 0,81 |
| Prag (100 csk) | 1,02 | I. | 1,24 |
| Wien (100 Schill.) | 14,10 | 14, | 17,38 |
| Deutsche Mark (100 DM).. | 81,50 | ||
| * | 80,75 | —.— |
Scharfer Kursanstieg in London
London, 20. 9. AP.) Bei leichtem Nachgeben an der Neuyorker Börse zogen die Kurse auf dem Londoner Wertpapiermarkt am Mittwoch scharf an. Den größten Anstieg verzeichneten die britischen Regierungsanleihen, deren Schlußkurse bis zu % pro Pfund pro Pari-Stück über der Anfangsnotierung lagen. Als Grund für dieses Anziehen wird die bevorstehende NationaFsierung der Stahlindustrie und die voraussichtlich damit verbundene Stützung der in Umlauf befindlichen Regierungspapiere angegeben.
Auf vollen Touren
Zwischenbilanz der Wertpapierbereinigung
tp. Man kam ohne Übertreibung sagen, daß die Wertpapierbereinigung zur Zeit auf vollen Touren läuft. Für rund zwei Drittel der zur Bereinigung aufgerufenen Wertpapierarten, nämlich für etwa 3300, sind die Anmeldefristen bereits am 31. August 1950 abgelaufen. Die Anmeldestellen sind dabei, die bei ihnen eingegangenen Anmeldungen aufzuarbeiten, um sie rechtzeitig, d. h. innerhalb von zwei Monaten nach Ablauf der Anmeldefrist an die Prüfstellen weiterzuleiten.
Der Wertpapierbesitzer selbst ist in diesem Stadium des Verfahrens in die Rolle des Zuschauers versetzt .»und es bleibt ihm im allgemeinen nur übrig, mit Spannung zu warten, bis die ersten Gutschriften erfolgen. Alle, die ihre Wertpapiere bei Kreditinstituten im Bundesgebiet im Depot liegen hatten, werden sich, so schreibt die Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz, darauf verlassen können, daß die Bereinigung ihrer Ansprüche glatt verläuft. Andererseits sollten die Wertpapierbesitzer, die ihre Depots in den Ostgebieten oder in der Ostzone hatten, noch einmal überprüfen, ob sie auch wirklich alle Beweismittel bei ihren Anmeldungen mit eingereicht haben. Wie oft hat es sich bei Rückfragen von Anmeldestellen bei den Anmeldern herausgestellt, daß noch Beweismittel aufzufinden waren, die für die Entscheidung der Kammer von Wichtigkeit sein können, z. B. weitere Depotauszüge, Kaufbestätigungen, Steuererklärungen, in denen die Wertpapiere verzeichnet sind, oder private Nummernaufzeichnungen. Manche Wertpapierbesitzer, insbesondere aus der Ostzone, haben auch aus einer vielleicht verständlichen Vorsicht heraus die Originale ihrer Depotbescheinigungen zurückbehalten und nur Fotokopien oder beglaubigte Fotokopien eingereicht. Es wird von der Kammer abhängen, ob sie sich mit einer beglaubigten Fotokopie begnügen will.
Noch immer wird es aber auch Wertpapierbesitzer geben, die sich um die Wertpapierbereinigung noch nicht gekümmert haben. Auch in solchen Fällen kann geholfen weruen. Sind die Anmeldefristen bereits 'verstrichen, so kann ein Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gestellt werden.
Entslechtung in deutschen Händen
Frankfurt, 21. 9. (K) Die Einschränkung der alliierten Kontrollen bei innerdeutschen Wirtschaftsangelegenheiten wird sich vor allem auf die Dekartellisierung auswirken, erklärt ein amerikanischer Sprecher zu der in Neuyork angekündigten Verminderung der alliierten Wirtschaftskontrollen. Die Entflechtung der IG Farbenindustrie und der UFA sowie die Aufsicht über die Dekartellisierung werde nach Verabschiedung entsprechender deutscher Gesetze von den alliierten Stellen ’ auf die Bundesregierung übergehen. 1
Hausbrand wird nicht teurer
Bonn, 21. 9. (Hi.) Das Bundeswirtschaftsministerium werde dafür sorgen, daß für den Hausbrand genügend Mengen Kohle zur Verfügung gestellt werden, erklärte ein Vertreter dieses Ministeriums. Gerüchte über eine -Erhöhung des Kohlenpreises seien grundlos. Die Unruhe in der Bevölkerung über höhere Kohlenpreise scheine vor allem dadurch entstanden zu sein, daß die Bergbaugewefkschaft Lohnerhöhungen fordere, die dann auch zu einer Korrektur der Kohlenpreise führen müßten. Die Bundesregierung sei jedoch fest entschlossen, Hausbrandkohle dadurch nicht teurer werden zu-lassen und auch das Bundeswirtschafts- und -arbeitsministerium werde bei den Lohnverhandlungen, im Bergbau auf die Belange der deutschen Wirtschaft und des Exportes hinweisen.
Rohstoffverteuerungs auffangen
Köln, 21. 9. (AP.) Die deutsche Wirtschaft müsse ihre Preise soweit wie möglich stabil halten, um die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland nicht zu verlieren und den sozialen Frieden im Inland nicht zu gefährden, heißt es in einem Bericht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie über eine außerordentliche Vorstandssitzung. Die Industrie werde sich dafür einsetzen, die vorhandenen Preissteigerungen durch weitere Rationalisierung und stärkere Betriebsausnutzung aufzufangen. Aus diesem Grunde dürfe auch „unter keinen Umständen durch unangebrachte Lohnforderungen die Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt werden“. An der Vorstandssitzung nahm erstmalig der Vorsitzende des Industrie-Ausschusses West-Berlin, Baurat Spennrath, teil. Völlige Uebereinstimmung wurde über die Intensivierung der Industrieverbindungen zwischen Berlin und Westdeutschland erzielt. Außerdem wurde die Möglichkeit erörtert, Fachkräfte aus Flüchtlingsgebieten durch die Bereitstellung von Wohnraum an die Industriestandorte zu bringen.
Arbeitslosigkeit in Hessen
Bz. Nach Mitteilung des Landesarbeitsamtes Hessen verringerte sich die Arbeitslosenzahl in der ersten Septemberhälfte um 1815 auf 102 654. Darunter befanden sich 29 321 arbeitslose Frauen.
Feuilleton
G.B.S. und seine „Helden“
ZUR DRITTEN PREMIERE DES LANDESTHEATERS
In der Inszenierung von Friedrich Brandenburg als Gast bringt das Landestheater Darmstadt heute abend um 20 Uhr im Orangeriehaus George Bernhard Shaws „Helden“ als dritte Premiere der neuen Spielzeit. Mitwirkende sind Ilse Bartram, Rosemarie Kilian, Ellen Krug, Walter Kohls, Willi Leyrer, Herbert Wien und Carl Zollern. Das Bühnenbild entwarf Elli Büttner.
Liest man den Titel eines von Shaws Stücken, so kann man stets darauf gefaßt sein, im Inhalt das Gegenteil bewiesen zu bekommen. So handelt es sich auch im vorliegenden Werk um eine Entthronisation des Begriffs Helden. Mit bissiger Ironie wählte G.B.S. bereits den Titel der Komödie „Arms and the man“ die ersten Worte aus der englischen Uebersetzung der Aeneis „Arma virumque cano“ — „Den Mann und seine Waffentaten will ich besingen“.
Shaw ist in der Entstehungszeit des Werkes kämpferischer Antimilitarist, wie übrigens heute auch. Es scheint so, daß er stets „prinzipiell“ dagegen ist, sei es, was es wolle. Aber das scheint nur so. Im Grunde bleibt er doch moralisierender Utilitarier. Zunächst voller tendenziöser Absichten, immer mit dem Ziel, durch seine Vernunft jegliche Konvention oder nach seinen Worten die „hysterischen Ausbrüche“ zu überwinden. Sein Zorn gilt dem schlafmützigen oder überheblichen Bürger und seiner sentimentalen Veranlagung genau so wie dem raffenden Kapitalisten und dem Wucherer. Gegen ungesunde Moral und Heuchelei verficht er seine vom Nützlichkeitsstandpunkt ausgehenden, Lebensinteressen. In seiner Kritik an der Gesellschaft verwendet er aber durchaus undogmatische Methoden.
Mehr spielerische Formen nehmen die „Helden“ an. Die Schärfe der Satire fehlt und die Art der „plays pleasant“, der „gefälligen Spiele“ zeigt bereits eine Befreiung von der direkten Tendenz. Die Menschen sind hier mehr Personifizierungen von Standpunkten, die vorgelebt werden und die Shaws Thesen in „dramatischen Konferenzen“ Ausdruck geben. Das Stück ist übrigens zwischen „Frau Warrens Gewerbe“ und „Candida“, also um 1893, geschrieben. Es hat heute wiede” Bedeutung mit seiner Satire auf den Helden und den Militarismus, wenn auch das Milieu nicht mehr ganz stimmt. Mit dialektischem Können wird soviel geistvoller Witz verschossen, daß der Zuschauer ganz auf seine Kosten kommt und doch die Tendenz nicht vergißt. ■
Wundervoll die umfassenden Vorbemerkungen, die Shaw in jedem Akt für Regisseur und Darsteller niederlegt. Das ewige Mißtrauen verläßt G.B.S. auch nicht bei der Vorsorge für die Aufführung. Wie ein Schlachtenlenker steigert er die Notizen zu regelrechten Einleitungen, die teils kulturelle oder ästhetischer Wertmaße erreichen und dem ausführenden Künstler manche Anregungen geben. Ein Verfahren, das wohl Hermann Bahr zum „Erfinder“ hat und D'Annunzio bis zu einem Drittel des Umfanges in fast jedem seiner Dramen ausweitet. Der Praktiker hat meist seine liebe Not mit diesen ausführlichen Hinweisen, denn auf dem Theater lassen sie sich selten realisieren.
Die „Helden“, die wir in der Inszenierung von Friedrich Brandenburg als Gast in der Orangerie zu sehen bekommen, leben zur Zeit des serbisch-bulgarischen Krieges in Bulgarien. Der Kontrast zwischen dem „Ruhmessoldaten“, dem bulgarischen Major Saranoff, und dem „Vernunftssoldaten“, dem Schweizer Hauptmann Bluntschli auf serbischer Seite, trägt schon operettenhafte Züge und man vermeint sich in ein einfacheres Milieu Emerich Kalmans versetzt. Shaw hat es in seinem langen Leben nie an Ueberraschungen fehlen lassen. Warum sollte er nicht im abgeklärten Alter von 94 Jahren plötzlich dei' abgesunkenen Operette wieder einen neuen Inhalt vom Text aus geben und sie zu neuzeitlichen Offenbachiaden führen können? Nach letzter Meldung hat er trotz schlimmen Beinbruches noch viel vor. Durch diese Tat würde er gewissermaßen seiner kürzlichen Ernennung zum Ehreneulenspiegel die Krone aufsetzen. G. I.
Neue Musik in Donaueschingen
Mit den Kammermusikfesten der zwanziger Jahre hat Donaueschingen in der Geschichte der Neuen Musik eine große Rolle gespielt. Die „Gesellschaft der Musikfreunde“ möchte mit der mäzenatischen Unterstützung des Hauses Fürstenberg diese Tradition wieder erneuern. Die Musiktage 1950 waren ein erster großer, sehr ernst zu nehmender Versuch.
Die Programme der drei Konzerte standen im Zwielicht zwischen Reminiszenz und Neubeginn. Aber es blieb des Positiven genug, vor allem in dem großen Orchesterkonzert, das der Südwestfunk beisteuerte. Hier gab es unter Hans Rosbaud, der das Baden-Badener Orchester zu einem Klangkörper allerhöchster Qualität erzogen hat, mehrere bedeutsame Uraufführungen: die Zweite Symphonie des Münchners Karl Amadeus Hartmann, ein einziger großer Adagio-Satz, der nachdrücklich beweist, daß auch heute Ausdrucksmusik großen Stils und großen Wurfs möglich ist; dann die „Fantasie über B-A-C-H“ für zwei konzertante Klaviere und Orchester von Wolfgang Forstner, ebenfalls ein einsätziges, dreiteilig gegliedertes Werk, das auf einer Zwölftenreihe aufgebaut ist, die das B-A-C-H-Thema in sich einschließt. Fortner wendet hier die farbige reiche Klangsprache, die seine Ballettmusik „Die weiße Rose“ auszeichnet, auf ein streng, aber nie abstrakt gestaltetes Stück „absoluter“ Musik mit reifstem Können und großer Eindruckskraft an.
Eine hochbeachtliche Talentprobe bot der junge Berliner Blacher-Schüler Giselher Klebe mit seinem Orchesterwerk „Die Zwitschermaschine“, das mit dem gleichnamigen Bild Paul Klees sich tatsächlich in der Schärfe und Prägnanz des thematischen und rhythmischen Zuschnitts und in der Extravaganz des Stils trifft. Als weitere Uraufführungen hörte man, vom Bruckner-Chor Stuttgart unter Johann Nepomuk David ausgezeichnet vorgetragen, Kammerlieder von Otto Erich Schilling, dann — von Edith Picht-Axenfeld und Carl Seemann hervorragend interpretiert — eine im Geist der neubarocken Spielmusiken Hindemiths straff konzipierte Sonate für zwei Klaviere von Harald Genzmer.
Als deutsche Erstaufführungen: Strawinskys „Feuervogelmusik“ in der Neufassung 1945, die das Klangbild der ursprünglichen Fassung aufhellt und seine Konturen schärfer und präziser hervortreten läßt, Arthur Honneggers Kammerkonzert für Flöte, Englischhorn und Streichorchester ein erlesenes Spätwerk, das in seiner Mischung aus heiterem Spiel und herbstlicher Elegie wundervoll aus dem Charakter der konzertierenden Instrumente entwickelt ist; und schließlich zwei klassizistisch-historisierende, aber edel und schön geformte - cappella-Chöre von Luigi Dallapicola.
Das Amsterdamer und das Stuttgarter Barchet-Quartett musizierten die beiden letzten Quartette von Darius Milhaud, zuerst einzeln, dann gemeinsam als Oktett, ein reizvoller Musikfest-Scherz, mehr Kunststück als Kunstwerk. Dr. S.
Helmut Kollek, der Oberspielleiter des Schauspiels in der vergangenen Spielzeit am Landestheater Darmstadt, hat die Direktion eines Privat-Theaters in Frankfurt a. M. übernommen. Sein „Theater am Roßmarkt“ eröffnet am 26. September mit der Uraufführung „Die Vergessenen“ von Ernst Nebhut. Die Regie liegt in den Händen von Just Scheu. Neben Darstellern aus Frankfurt a. M. und Nürnberg hat Helmut* Kollek fest verpflichtet: Trude Moos, Folkrad Dietl und Hans Krüger. Als Bühnenbildner konnte Friedrich Waschow aus Berlin gewonnen werden. — Die nächsten Aufführungen sind: „Die Schreibmaschine“ von Cocteau, „Der Mann, der die Ohrfeigen bekam“ von Leonid Andrews, „Die große Liebe“ von Salacrou, „Agnete“ von Georg Kaiser und „Das Weib Jesebel“ von Anouilh. *
Ernst Kreneks Oper „Das Leben des Orest“ soll zum ersten Male nach 1933 von den Städtischen Bühnen Frankfurt im Januar des kommenden Jahres wieder aufgeführt werden.
Neue Kräfte am Landestheater
ILSE BARTRAM jugendliche Heldin und Charakterdarstellerin, Schüler von Walter Franck, kommt von den Städtischen Bühnen Hannover, wo sie besonders durch ihr Gretchen in „Faust“ starke Beachtung fand. Vorher war sie in Mainz und in München engagiert. Dem Darmstädter Theaterpublikum wird Ilse Bartram durch ihr Gastspiel im April d. J. in „Gericht bei Nacht“ als Maria Magdalena keine Unbekannte mehr sein. In „Maß für Maß“ spielt sie jetzt die Rolle der Marianne. Demnächst werden wir sie als Eboli in „Don Carlos“ sehen. Foto: Schmitt
Hans Friedrrich Micheelsen in Darmstadt
GEISTLICHE ABENDMUSIK MIT SEINEN WERKEN IM PAULUSSAAL
Am kommenden Dienstag, dem 26. September, wird der Darmstädter Singkreis eine Geistliche AJbendmusik mit Werken von Hans Friedrich Micheelsen um 19.30 Uhr im Paulussaal veranstalten, bei der der Komponist selbst mitwirken wird.
Der Komponist Hans Friedrich Micheelsen hat den Hauptteil seines Schaffens der Kirchenmusik gewidmet. Erst kürzlich wurde auf dem Kirchentag in Essen die Kantate „O Christenheit, sei hocherfreut“ uraufgeführt. Die eigene Qhoral¬ ■ weise Micheelsens, welche dem Werk zugrunde liegt, ist in das neue evangelische Kirchengesangbuch aufgenommen worden. Micheelsen besitzt in besonderem Maße die Gabe, Melodien zu schaffen, die zugleich Ausdruck unserer Zeit und .heutiger Glaubensstärke sind. Von den wenigen Chorälen des neugeschaffenen evangelischen Gesangbuches stammen allein drei von Micheelsen. Sie sind alle der Sammlung „Neue Gemeindelieder“ entnommen, die Micheelsen vornehmlich nach Texten Rudolf Alexander Schröders geschaffen hat. Die Melodien sind schlicht und sanglich, aber dennoch streng, herb und stark, wie die Sprache Rudolf Alexander Schröders es fordert. Wenn man bedenkt, daß dem Reichtum an neuer evangelischer Kirchenmusik ein solcher an neuen Gemeindeliedern nicht gegenübersteht, dann erscheinen die Choräle Micheelsens um so bedeutungsvoller. *
Neben den großen Chor- und Orgelwerken hat Micheelsen eine Fülle kleinerer Werke geschaffen. Musik für Kirche und Haus und für alle Gelegenheiten des Lebens. All diese Kanons, Lieder, Motetten und kleinen Kantaten sind leicht ausführbar, also für den Laien bestimmt, ohne jedoch billig volkstümlich zu sein. Ueberhaupt strebt Micheelsen bei all seinen Werken stets nach Vereinfachung und zugleich Verdichtung der Aussage. Dabei sind Choral und Volkslied der Urquell seines Schaffens.
Die Tonsprache Micheelsens ist neu und entspricht dem Geist unserer Zeit. Doch wird die Hörfähigkeit nie überbeansprucht, seine Musik ist allgemein verständlich. Als Schüler Hindemiths hat er starke Eindrücke v„m Werk seines Lehrers empfangen, blieb jedoch in der Art seiner musikalischen Aussage durchaus persönlich. Zwar knüpft er in seiner Musik bei den alten Meistern an, füllt jedoch nie neuen Wein in alte Schläuche. Seine Musik‘ist vom Singen her gestaltet, ganz gleich, ob es sich um Vokaloder Instrumentalwerke handelt. Darum findet man den Zugang zu dieser Musik auch am besten über das Singen. Die neuerschienene Sammlung geistlicher Kanons „Vom Morgen bis zum Abend“, eine rechte Fibel für neue Musik, ist vortrefflich geeignet, in das Werk dieses Meisters einzuführen.
Hans Friedrich Micheelsen ist seit 1938 Leiter der Hamburgischen Kirchenmusikschule. Außer seiner Lehrtätigkeit bemüht er sich in Vorträgen und Arbeitsgemeinschaften sowie auf Singwochen um die Verwirklichung einer neuen Musikgesinnung. Die Musik ist ihm Ausdruck der Schöpfungsordnung, Symbol göttlicher Ordnung. Von daher gesehen, kennt Micheelsen in seinem Schaffen auch keinen Unterschied zwischen KircHenmusik und weltlicher Musik. H. L.
Länder des Überflusses...
in denen Menschen verhungern
Die Volkshochschule hatte zu einem Farbfilmvortrag über das „Unbekannte Nordostafrika“ eingeladen. Leider war aber der Film auf seinem Transport durch Deutschland gestohlen worden, wie „dokumentarisch“ durch Vorlage ’ des Telegramms nachgewiesen wurdet und deshalb zeigte man den Zuhörern einen Film aus Guatemala.
Auf der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika gelegen, vereinigt Guatemala tropische Niederungen mit angenehm temperierten Höhenlagen. Seine Bedeutung erhält es durch den Export von Kaffee. Bananen und Edelhölzern. Für jeden der gefällten riesigen Mahagonibäume fordert die Regierung, daß fünf neue Jungstämme gesetzt werden, um dem Raubbau in der tropischen Forstwirtschaft von staatswegen entgegenzutreten. Wunderbare Aufnahmen gaben einen guten Einblick in diese.«? Land.
Durch Zufall war es der Volkshochschule gelungen, den deutschen Journalisten H. Bonsack zu verpflichten, der erst seit drei Tagen nach mehr als zwölfjähriger- Abwesenheit in Deutschland weilte. Er ergänzte in einem ungezwungenen Vortrag den Film über seine Eindrücke und Erfahrungen in Südamerika. Der Krieg hatte ihn von allen Heimatverbindungen abgeschnitten und er arbeitete, völlig auf sich selbst gestellt, als Straßenarbeiter, als Hotelleiter und in unzähligen anderen Berufen. So gelang es ihm. sich einen tiefen Einblick in die südamerikanischen Lebensgewohnheiten zu verschaffen. Besonders Argentinien und Uruguay lernte er auf diese Weise kennen.
Am interessantesten dürften wohl die Ausführungen sein, die der Vortragende über die Möglichkeiten einer deutschen Auswanderung nach Südamerika machte. Nur wer in der Heimat nichts mehr zu verlieren habe, dem könne zu einer Auswanderung angeraten werden. Südamerika sei ein mörderischer Erdteil, in dem 25 Prozent aller Eingewanderten zu Grunde gingen. So sehr es ein Land des Ueberflusses wäre, so oft käme es aber vor. daß Menschen auf den Straßen der Städte umfielen, weil sie buchstäblich verhungert seien. Argentinien beabsichtige, 5 Millionen Deutsche anzusiedeln. aber man könne gar nicht oft genug darauf hinweisen. daß nur schwerste Entbehrungen die Auswanderer erwarteten. hfl
WALTER EIMER: „TESSINER LANDSCHAFT“ (OL, 63X74 em., PRIVATBESIT2)
Der Maler Walter Eimer wurde vor fünfzig Jahren in dem Neckarstädtchen Ladenburg, zwischen Heidelberg und Mannheim, geboren. So oft ihn auch sein Drang, die Welt in ihren Abwandlungen der Formen und des Lichts kennenzulernen, hinaustrieb, immer wieder kehrte er in den engsten Kreis seiner Heimat zurück. Er gilt als einer der besten Maler des südwestdeutschen Landes: viele Museen haben Bilder von ihm in ihre Sammlungen aufgenommen.
Was ihn inspiriert, kann eine Landschaft mit fernen Bergen im Nachmittagsdunst sein oder die dunklen Häusermauern einer Industriegroßstadt, die Schicksalslinien eines menschlichen Antlitzes und die Farbenpracht eines Herbstblumenstraußes. Immer ist die Reaktion heftig, und die spontane Uebertragung dieser intensiven Einfühlung in die Welt der Erscheinung ist es, die den Reiz seiner Bilder ausmacht.
Nach Mannheim, Darmstadt und Kaiserslautern ehrt jetzt Heidelberg den Maler mit der bis jetzt größten Ausstellung von rund 100 Oelbildern und Aquarellen. (Bis Anfang Oktober im Kunstverein, Kurpfälzisches Museum.) Hooghe
Ein Fohlen für ein Bild
Das italienische Buch erlebt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine hohen Auflageziffern. Dem scheinen die vielen Literaturpreise zu widersprechen, die landauf, landab in Italien verliehen werden, und die gesellschaftliche Rolle, die der Schriftsteller anders als in Deutschland spielt. Durch die illustrierten Zeitungen im Bild auf vielfache Weise wiedergegeben — fast ebenso häufig wie Politiker, schöne Frauen und Sportkämpfer —, sind sie auch der breiteren Öffentlichkeit ein Begriff. Vor kurzem bewies dies noch das Echo, das der Selbstmord des jüngeren, erst am Beginn seiner Laufbahn stehenden Schriftstellers Cesare Pavese allenthalben fand.
Da mit den Preisen klingende Geldsummen verbunden sind, vermögen sie wenigstens den mangelnden Erlös vom Büchermarkt etwas auszugleichen. Neben dem „Premio Roma“, der den Brauch der Dichterkrönung auf dem Kapitol wieder aufgenommen hat und in diesem Jahre für die Poesie an Giuseppe Ungaretti, für das Drama an Ugo Betti verliehen wurde, gibt es eine Reihe anderer Preise, bei denen es auf eine nicht so feierliche Weise und mehr oder weniger ä la Boheme zugeht. Dies ist schon an ihren Namen abzulesen. Einer der ältesten und angesehensten Literaturpreise nennt sich „Premio Bargutta“, nach der Via Bargutta in Mailand, in der die Trattoria Toscana den Treffpunkt der Künstler bildet. In Rom ist diesem Beispiel eine Kneipe in der Nähe des Spanischen Platzes gefolgt. Der literaturliebende Wirt, der sich „re degli amici“, der „König der Freunde“ nennt, hat die nicht ganz geringe Summe von 250 000 Lire für die jährliche Preisverteilung ausgesetzt, die bei dampfendem Mahle stattfindet. Auch der „Premio Viareggio“, der in dem bekannten Badeort am Tyrrhenischen Meer verliehen wird, soll nicht übergangen werden. So ließen sich noch viele andere nennen. Bei all diesen Anlässen aber tritt hervor, wie stark sich nicht nur das literarische, sondern auch das allgemeine künstlerische Leben mit dem gesellschaftlichen Dasein, zumal der Oberschicht, vermischt. Dabei ist es allerdings eigenartig, aber auch für das intellektuelle Gefälle gerade der großbürgerlichen Schicht von der älteren zur jüngeren Generation bezeichnend, daß viele Preise, in diesem Jahre die beiden ersten Auszeichnungen des „Premio Viareggio“, an Künstler kommunistischer Färbung gefallen sind.
Die charakteristische Preisverteilung fand indes weder in einer großen Stadt, noch in einem berühmten Badeort, sondern mitten auf dem flachen Lande statt. Suzzara ist eine Gemeinde in der fetten Po-Ebene und der Heimatort des bekannten Drehbuchschreibers Cesare Zavattini, der als Vater des italienischen Neurealismus gilt. Er hatte sich mit dem aus dem Arbeiterstand hervorgegangenen Bürgermeister zusammengetan, um einen Preis ins Leben zu rufen, welcher die Welt der Kunst mit der der Arbeit versöhnen soll. Zu diesem Zwecke werden für die besten Bilder und Skulpturen Erzeugnisse der Erde und der Technik hergegeben. In- diesem J^hre war der erste Preis ein Fohlen, der zweite ein Ruderboot, der dritte eine Zentrifuge. Auch 80 Kilogramm Schmieröl, 100 Flaschen Wein und Mengen von Käse und Fleisch wurden verteilt. Die Auszeichnungen entfielen unter anderem auf drei Künstler von jenseits des Eisernen Vorhangs, aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn.
Zu manchen Zeiten des Jahres möchte es scheinen, als verwandelte sich die Halbinsel von Venedig bis nach Palermo, auch um der Zwecke des Fremdenverkehrs willen, in einen bunten Jahrmarkt der Kunst. Doch gerade der Nordländer muß gegen sein Urteil mißtrauisch sein. Von den Uebertreibungen, die es überall gibt, abgesehen, sollte er den Wert dieses anders gearteten, den Bedürfnissen des gesellschaftlichen Lebens enger verquickten Kulturlebens nicht verkennen, von dessen leichtem Temperament, Versuchsfreude und Spiellust man manchmal auch einen Schuß den kulturellen Bestrebungen in Deutschland wünschen möchte.
Josef Schmitz van Vorst
Der Violinist Gerhard Taschner
Das erste Meisterkonzert dieser Saison in der Reihe der Veranstaltungen der Musikzentrale eröffnete der Geiger Gerhard Taschner. Seine große Künstlerschaft beruht einmal auf dem zauberhaften vollen Klang, den er mit Sicherem Griff in tadelsfreier Reinheit, selbst im Flageolett, seinem Instrument entlockt, zum anderen in der staunenswerten Technik, die weder im Spiel der Finger noch in der Führung des Bogens Grenzen kennt. Daß der Virtuose unter solchen Voraussetzungen auch die Auswahl seines Programms vornimmt, ist wohl leicht erklärlich.
In der „Teufelstrillersonate“ von Tartini werden von ihm alle Register geigerischen Virtuosentums gezogen, so daß man aus stilistischen Gründen oft bedenklich gegenüber dieser phänomenalen Fertigkeit gestimmt wird. Bachs Solosonate in g wurde in stärkster Abstrahierung des sinnlichen Klangreizes vorgetragen und wirkte im Grunde genommen nur durch die transparente Tongebung. In vollendeter Schönheit erblühte die weite Kantilene der frühimpressionistischen A-dur-Sonate von Cesar Frank. Der wirklich musikalische und musikantische Intellekt von Gerhard Taschner kam aber erst bei der Wiedergabe von Bartöks Solosonate zum Durchbruch. In diesem Werk verband sich die künstlerische Absicht des Violinisten mit der Ausdrucksstärke der Musik in so prägnanter Art, daß die Wiedergabe auch bei jeden der neuen Musik nicht zugetanen Hörer stärksten Eindruck hinterlassen mußte. Mit einem Virtuosenstück aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts, Introduktion und Rondo von Saint-Saens, verabschiedete sich Gerhard Taschner unter dem herzlichen Beifall des Publikums.
Kongenialer Begleiter am Flügel war Otto A. Graef, den wir an dieser Stelle schon oft wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften als tätigen Mitgestalter mitloben durften. G. I.
Notizen
Die Bayreuther Festspiele. Professor Hans Knappertsbusch, der als Gastdirigent die musikalische Leitung der „Ring“- Aufführungen der Stockholmer Oper übernommen hat. berichtete bei seinem Eintreffen in Stockholm über die Bayreuther Festspiele, die im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden. Für die Partie der Brünhilde werde mit Kirsten Flagstad und Astrid Varnay, einer ungarischen Sängerin an der Metropolitan Opera, verhandelt. Als Wotan hoffe man Joel Berglund oder Sigurd Björling von der Stockholmer Oper zu gewinnen.
Staatsintendant Köhler-Helffrich vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden hat den Direktor des „Studio des Champs Elysees“ in Paris, Maurice Jacquemont, verpflichtet, die von Sonja Korty geschaffene Pantomime für Schauspieler „Die Kamelien“ zu inszenieren und darin eine Rolle zu übernehmen. Das Werk, zu dem Jean Fran?aix die Musik schrieb, wird voraussichtlich während der deutsch-französischen Kulturtage am 15. Oktober in Wiesbaden uraufgeführt werden.
Darmstadt und Umgebung
„Heiner“ schreibt ans Tagblatt
Ein Brief aus Chikago
Ihr liewe Leit!
Es is doch so e ganz eigentümlich Sach, wenn man als klaaner Bub an dem lange Mantel vom lange Ludewig vorbei üwwer die Rheinstraß gegange is. Ich hab der jetzt ja zwaa Vadderländer, und wenn ich mich in dem ahne aach mordsmäßig wohl fühl, so hab ich uff der annere Seit des Haamweh nach meim Darmstadt nie verlöre. Un jetzt bei der Ausstellung da is mirs ganz haamlich zu Mut gewese. Ich hab die liewwe deutsche Mädercher gesehe un hab ihr un mei Sprach gehört.
Ich hab den Owerbürgermeister gesehe un hab aach mit em gesproche. Aach wie war des schee. Er hat ja beinah zwaa Stund im große Saal gesproche, un was er gesagt hat, des hat bei uns Heiner und de Heinerinnen gezündet, un ob de des glaabst oder net, ich war der gerührt und mußt mich immer zu schneuze, damit mei Aage net naß geworde sin. Awwer des allerschönst war doch, wie er mir die Hand geschüttelt hat und hat gesegt: „Heiner, wie gehts, was machst de hier“, und da hawwe mer so allerhand privat gesproche, des hat mer gezeigt, was ihr dem Owwer Owwer alles zu verdanke habt.
Von der Ausstellung war er aach hundert un ahn Prozent entzückt. Unser Firme hier hawwe sich besonners für die Solinger interessiert un net zu knapp, mei Fraa aach. „Schersche“, hat se gesagt, „Scherche, da kann ma sich jetzt selber manikiere.“ Uri auf der annere Seit hat en Doc (Anm.: Doc ist Abkürzung von Doktor) gesagt: „Endlich mei heimatliche Scheern“, und wie ich dann sein Name gehört hab, ich hab mich nämlich erkundigt, was des vor en Doktor gewese is. Ei der Schlog un des Wetter, er hat ja in Münche studiert, un mir käme ins Schwätze, un da hat er mer allerhand erzählt. Mir käme ja aach uff die Darmstädter Wormplag, da hat er gelacht un hat gesagt: „Er het seine Münchner geschriewwe, sie solle jeden Tag en Häring esse un des Rezept solle die Heinerbuwe un Mäderche aach aawenne, denn die Werm könnte die Häring net leide.“ Na, un dann sin mer zusamme in e deutsch Bierstübche gegange un rat emal, was mer getrunke hawwe, Erankforter Bier — Henninger Meisterbock, un es hat geschmeckt, mir sin ganz vergnügt geworde, und zum Schluß hawwe mer debattiert, und er hat gemaant, mir hätte Franziskaner Märze getrunke. Na, die Folge war, daß ich am nächste Tag in de leere Mage etwas hab zische müsse, awwer es war nor Wisky und Soda, und des war net des Richtige, heut nachmittag geh ich wieder zu dem liebe Mädche un laß mer wieder e Bier kredenze.
Un dodruff muß ich mich jetzt vorbereite und verbleib mit de beste Grieße Eiern Heiner.
Zusammenschluß ist notwendig
Flüchtlinge aus der Sowjetzone fordern ihr Recht
Die Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzone hielt am Mittwochabend in der Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung eine Versammlung ab, in der der 1. Vorsitzende der Kreisvereinigung Bilger die Flüchtlinge aus der Sowjetzone als einen völlig entrechteten Personenkreis der Bundesrepublik bezeichnete, für den gesetzlich noch am wenigsten gesorgt sei.
Der Redner wies darauf hin, daß die Heimatvertriebenen in ihrer Aktivität und ihrem Zusammenhalt den Flüchtlingen aus der Sowjetzone ein Beispiel sein könnten. Bis heute fehle den Flüchtlingen aus/ der Sowjetzone noch ein führender Zentralverband für das ganze Bundesgebiet. Der organisatorische Aufbau einer Vereinigung der Flüchtlinge aus der Sowjetzone in dem dicht bevölkerten Gebiet von Nordrhein-Westfalen sei am besten durchgeführt. In Starkenburg könnte ein zehnfacher Mitgliederbestand erreicht werden, wenn sich jeder Flüchtling zur Vereinigung bekenne. Demnächst sollten in Bensheim und Langen Ortsgruppen gegründet werden.
Die Bonner Vertriebenenbank habe mitgeteilt, daß sie auf Grund erteilter Anweisungen zunächst nur die Heimatvertriebenen berücksichtigen könnte. Die Flüchtlinge aus der Sowjetzone würden nur daim Kredite erhalten, wenn sie in ihren Betrieben über 50 Prozent Heimatvertriebene beschäftigten. Die Vereinigung fasse die Gründung einer eigenen Flüchtlingsbank ins Auge. t-s
Einen Gemüse-Kohlrabi von 6 Pfund erntete der Geflügelhändler Leonhard in der Liebigstraße in Eberstadt auf seinem Gartengrundstück auf rotem Sandboden, nk
Berufswahl bedendet Lebensentscheidung
Berufskundliche Tagung für Abiturienten auf dem Heiligenberg bei Jugenheim vom 28.—30. September 1950
Die jungen Menschen, die mit Reifeprüfung die Schulen verlassen, stehen vor schwer zu treffenden Entscheidungen: welcher der zahlreichen Berufe ist mein Beruf, auf welchem Arbeitsfelde kann ich kraft meiner Eignung und Begabung so viel leisten, daß ich alle Schwierigkeiten bezwinge, das gewünschte Ziel erreiche, um dann ein Leben lang in meiner Tätigkeit glücklich zu sein.
Leider spielt bei den Beratungen im Familienkreise und mit allerlei Bekannten die Frage nach Neigung und Eignung des jungen Menschen oft nicht die erste Rolle. Andere Gesichtspunkte haben sich, durch Notlage und „Zeitgeist“ bedingt, in den Vordergrund geschoben. Sie lauten: wie wird Sohn oder Tochter am raschesten mit der weiteren Ausbildung fertig und gelangt ans auskömmliche Geldverdienen, welche Berufszweige bieten auf dem Ausbildungswege die geringsten Schwierigkeiten und eröffnen die besten geldlichen Aussichten. Der Kampf um den „günstigsten Platz im Massenapparat“ geht damit den jungen Menschen leicht in Fleisch und Blut über, noch ehe sie sich selbst kennen und recht ins Leben hinausschauen.
Eine vernünftige Berufslenkung unerläßlich
Eine vernünftige Berufslenkung zum Wohle der Gemeinschaft ist andererseits unerläßlich, und von den überfüllten Beruf satten, in denen der Nachwuchs Jahre um Jahre warten muß, bis eine Stellung eingenommen werden kann, die Existenz und Familienhaltung sibhert, den Zustrom tunlichst abzulenken, erscheint heute als eine heikle Aufgabe in der Berufsberatung.
Es gilt also im allgemeinen, Fähigkeiten und Neigung einerseits und die von den Bedingtheiten des öffentlichen Lebens nun einmal gegebenen Möglichkeiten miteinander abzuwiegen. Dabei ist vor allem wesentlich, zu wissen, was in den einzelnen Berufsarten an Leistung verlangt wird und welche Forderungen an Geist, Charakter und Körper gestellt werden.
Um Schülern und Schülerinnen, die im kommenden Frühjahr die Reifeprüfung ablegen, tieferen Einblick in all diese Fragen zu geben, findet, wie im Vorjahre, eine beruf skundlich el Abituriententagung im Pädagogischen Institut Heiligenberg bei Jugenheim in der Zeit vom 26. bis 30. September statt. Vom Arbeitsamt, Abteilung Berufsberatung, wurden dazu eingeladen die Oberprimaner und Oberprimanerinnen sowie die interessierte Lehrerschaft der höheren Schulen von Stadt- und Landkreis Darmstadt, den Kreisen Bergstraße, Erbach, Dieburg und angrenzenden Gebieten. Die Schüler, werden für diese letzten Tage vor den Herbstferien vom Unterricht beurlaubt. Mit denkbar geringem Kostenbeitrag regelt das Schülerheim auf dem Heiligenberg Unterbringung und Verpflegung, und die Räume des Pädagogischen Instituts stehen freimütig für die Tagung zur Verfügung.
Berufswahl als Lebensentscheidung
Das Programm sieht eine große Zahl von Referaten aus den verschiedenen Berufszweigen vor, die von Themen über grundsätzliche Fragen eingeleitet werden: „Die Berufswahl als Lebensentscheidung“ und „Wer soll studieren?“
Daneben ist viel Zeit gelassen für Aussprachen und Fragestellung im kleineren Interessentenkreis der jeweiligen Berufsart wie auch für die Einzelberatung.
Die Referenten kommen alle aus unmittelbarer, praktischer Berufsarbeit, haben sich für den Tag ihres Vortrages von anderen Verpflichtungen freigemacht und beanspruchen weder Spesen noch Honorare. Dies zeigt in erfreulicher Weise, wie herzlich es Ministerialdirektor und Professor, Doktor und Ingenieur, Schwester und Schulrat, Chemiker und Theologe, Volkswirt und Baurat, Künstler und Kaufmann, Redakteur und Jurist um die Nachwuchsfrage in den Berufen zu tun ist, in denen sie selbst tätig sind und deren vielfältige Bedingungen und Möglichkeiten sie übersehen.
Berufsberatung durch „Berufene“
Der Rat dieser „Berufenen“ wird der jungen Hörerschaft viel Anregung, viel Nachzudenkendes und wertvolle Hinweise für die eigene Lebensentscheidung geben. Die Kenntnis der Schwierigkeiten wird die vor der Berufswahl Stehenden nicht entmutigen, noch verleiten, den bequemsten Weg zu suchen, sondern wird helfen, den Willen auf ein Ziel auszurichten, die Ein'ichten zu mehren und die Kräfte in richtiger Weise anzusetzen. Zugleich vermit+e1* die Tagung ihren Teilnehmern eine Uebersicht über viele Berufsarten und deren Erfordernisse und fördert damit das Verständnis für die besonderen Aufgaben der verschiedenen Berufszweige, das späterer Zusammenarbeit im Staate und öffentlichen Leben nur dienlich sein kann. . ,
Mehr Zeit für Einzelberatungen
Welch großen Anklang diese Art der „Berufsberatung“ gefunden hat, erhellt daraus, daß 5 Tage vorgesehen wurden gegenüber 3 Tagen im vorigen Jahre, um noch mehr Gebiete zu Worte kommen zu lassen und mehr Stunden für Aussprache und Einzelberatung frei zu haben, beweisen aber auch die Wünsche um Teilnahme aus Groß-Gerau, aus Offenbach und Heidelberg. Trotz des nötigen Unterrichtsausfalls stehen auch Leiter und Lehrerschaft der höheren Schulen im allgemeinen dieser Abituriententagung bejahend gegenüber.
Für den letzten Abend ist ein fröhliches Beisammensein geplant, dessen Gestaltung dem jungen Volk nach der Konzentration auf die Arbeit wohl gelingen dürfte. D-s
Fünfzig Liter Slut gespendet
Ein seltenes Jubiläum konnte gestern Frau Margarete Isenb ie 1, Grohberg Steinbau 17b, begehen. Zum 75. Male spendete sie einem Kranken Blut und rettete damit einem Menschen das Leben. Seit zehn Jahren ist Frau Isenbiei, ein echter Bessunger Lapping, ständiger Gast des Elisabethenstifts, und in dieser Zeit hat sie fast fünfzig Liter Blut abgegeben. Jeden Monat wird einmal nach ihr geschickt. Es hat Wochen gegeben, wo sie rund einen Liter Blut spendete. Die Idee erhielt sie durch ihren schwerkriegsverletzten Sohn, der selbst mehrmals Bluttransfusionen benötigte, was sie bewog, auch ihrerseits notleidenden Menschen zu helfen. Frau Isenbiei hofft, daß sie das Hundert noch vollmachen kann. Dann will sie sich ins „Ruheleben“ zurückziehen, soweit man das von einer Frau mit Mann und Enkelkindern behaupten kann. Hoffen wir, daß Frau Isenbiei noch weiterhin vielen Menschen Blut spenden kann, um sie vor Tod und Siechtum zu bewahren. -st
Tanuziehen mit dem Banamt
Das Haus wurde zu breit
In dem vor dem Darmstädter Verwaltungsgericht gestern stattgefundenen Termin ging es um prinzipielle Fragen, und zwar darum, ob es zulässig ist, daß die Baubehörde bei Uebertretung der Baugenehmigung vom Bauherrn verlangen kann, ohne Genehmigung errichtete Mauerteile abzureißen.
Der Dackdeckermeister Philipp Ackermann hatte auf seinem Grundstück am Ludwigsplatz, Ludwig-Straße Ecke Schulstraße, ein Gebäude errichtet, in dem die Firma Kalbfuß und Jungmann ihre Ladenräume hat. Mitte 1949 wurde mit dem Aufbau begonnen, ohne daß zuvor eine Baugenehmigung eingeholt worden war. Die Bauaufsichtsbehörde forderte daraufhin die Einstellung der Arbeiten. Sie genehmigte zwar später den Weiterbau der Keller- und Erdgeschoßräume, aber mit der Auflage, daß der erste Stock nur mit 78 Prozent der Grundbaufläche bebaut werden dürfe. Etwa 47 Quadratmeter des ersten Obergeschosses sollten danach unbebaut bleiben, um den baupolizeilichen Bestimmungen zu genügen. Der Hausherr trat später nochmals an die Bauaufsichtsbehörde heran und erreichte, daß die Quadratmeterzahl im Obergeschoß auf 20 reduziert werden konnte. Der Bauherr hielt sich aber nicht an diese Vereinbarungen und baute auch das erste Obergeschoß auf 100 Prozent aus.
Die Bauaufsichtsbehörde forderte nun, daß die Erweiterungsbauten an der Nord-Ost-Südseite des Lichthofes abgerissen werden sollten, anderenfalls der Abriß auf Kosten des Bauherrn durch einen anderen Bauunternehmer vorgenommen Würde. Im Notfall kann die Eintreibung der Zahlung auf dem Zwangswege erfolgen. Aus Gründen des Feuerschutzes müsse auf der Forderung bestanden werden. Die Bauaufsichtsbehörde steht auf dem Standpunkt, daß eine Auflockerung der Bebauungsweise erfolgen müsse, und der Rechtsbeistand des Klägers Ackermann führte aus, daß es den Anschein erwecke, als ob die Aufsichtsbehörden die Frage des Feuerschutzes als neues Moment der Klage in die Debatte würfen, um hier an Hand des Klägers Ackermann einen Musterprozeß zu führen, um der städtischen Autorität zu ihrem Recht zu verhelfen.
Der juristische Vertreter des Magistrats führte aus, daß es bei diesem Probeß um Grundsätzliches gehe, da in letzter Zeit die Bevölkerung bauen würde, wie sie es wollte. Es müsse auch Rücksicht auf die Allgemeinheit und die Anlieger genommen werden. Bei geschlossener Bauweise müsse nach den Vorschriften 25 Prozent der Baufläche aus Sicherheitsgründen freibleiben, wenngleich auch Ausnahmen gemacht werden könnten.
Nach längerer Beratung wurde ein Vergleich geschlossen, nach dem der Kläger Ackermann die Rechtmäßigkeit der Verwaltungsordnung anerkennt. Die Anfechtungsklägerin stellt jedoch unter Wahrung ihres Rechtsstandpunktes ihre Verwaltungsanordnung so lange zurück, als eine Bebauung der Nachbargrundstücke nicht oder nicht in einer Weise durchgeführt wird, die den Umfang der Ueberbauung des ersten Obergeschosses des klägerischen Anwesens in feuerpolizeilicher Hinsicht hinreichend anzugleichen geeignet ist. Ueber diesen Vergleich ist zwischen dem Stadtrechtsrat und dem klägerischen Rechtsbeistand eine Uebereinkunft bis zum 31. Oktober zu erzielen, anderenfalls ein verwaltungsgerichtliches Urteil auf schriftlichem Wege ergehen soll. —st
Mehr Krankenhausschwindler
In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß Leute auf der Straße Ohnmachtsanfälle oder echte Unfälle erleiden, die ihre Aufnahme in ein Krankenhaus notwendig machen. Dort verbleiben sie einige Tage, geben falsche Heimatadressen und Krankenkassen an, und verschwinden dann, ohne daß für die Krankentransportkosten oder das Pflegegeld aufgekommen wird.
Als wenn es Rom wäre, von einem zerstörten Rundbogen des Collosseums aus gesehen. — Aber hier gestürtzte Betonklötze und verbogenes ausgeglühtes Eisengestänge, zwischen dem schon wieder Buschwerk wächst und die Blumen blühen. — „Nur eine Säule zeigt von vergangener Pracht“... Jedoch der „Lange Ludewig“ blieb. Schön im Bild und in der Wirklichkeit. Und um ihn herum entsteht neues Leben. Sg. Foto: Hemme
Groß - Einbruch als Sanierungsmittel
Die durchkreuzte Rechnung eines Baustoff-Fabrikanten
Im vergangenen Herbst erregte ein schwerer Einbruchsdiebstahl in Darmstadt großes Aufsehen. In einer Augustnacht waren aus einem Radiogeschäft in der Wilhelminenstraße nicht weniger als 34 Rundfunkgeräte und Zubehörteile verschwunden. Von den Tätern fehlte jede Spur. An Raffinesse, Dreistigkeit und Umfang übertraf dieser Gaunerstreich alle bisher gewohnten Maße.
Die Darmstädter Kriminalpolizei tappte zunächst völlig im Dunkeln, bis aus einem ganz anderen Teil Deutschlands die Nachricht kam, daß man eines der gesuchten Geräte sichergestellt habe. Die Kripo spannte ihre Netze. Die Fäden liefen in Messel zusammen. Unter dringendem Tatverdacht verhaftete man dort einen bisher völlig unbescholtenen, jedoch in Geldnöten befindlichen Mann: den 45- jährigen Architekten, Diplomingenieur und Baustoffabrikanten Anton T. Er leugnete, auch als es völlig sinnlos war und seine ebenfalls gestellten Komplicen gestanden.
Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß T. mit seinem Betrieb in großer wirtschaftlicher Not steckte und krampfhaft nach einem Ausweg suchte. Mit einem Bekannten, dem 43jährigen erheblich vorbestraften Bergmann Josef K. aus Salzgitter, kam schließlich T. überein, eine strafbare Handlung zu begehen, damit er sich für die Zukunft über Wasser halten könne. Als Einbruchsort suchte sich T. das Radiogeschäft aus, weil er die dortigen Oertlichkeiten kannte und hier öfters ein- und ausging. Nach einer vorausgegangenen „Tagesbesichtigung“ fuhr man nachts mit einem Lkw los. Während zwei Komplicen mit dem Auto am Oberwaldhaus warteten, erkundeten T. und K. die Möglichkeit eines Einbruchs. T. brach von einem Trümmergrundstück aus ein Loch in die Seitenwand des Geschäfts, kletterte in den Innenraum und wollte sein Diebeshandwerk beginnen, als eine Alarmvorrichtung in Tätigkeit trat. Beide flüchteten, kehrten aber wieder zurück, als alles ruhig blieb. T. stieg wieder ein, zerstörte die Alarmvorrichtung und reichte nacheinander 34 Radios heraus, die man auf dem inzwischen angefahrenen Lkw verstaute. Unbemerkt entfernten sich die Diebe.
Bereits im April hatte sich eine Strafkammer mit diesem Fall befaßt. Das Oberlandesgericht hob jedoch den Urteilsspruch bei T. im Strafmaß, bei K. im Strafmaß und Schuldspruch auf.
Die Dritte Darmstädter Strafkammer kam gestern bezüglich des Haupttäters T. zu dem gleichen Ergebnis wie im April und verurteilte den Baufabrikanten wegen schweren Einbruchsdiebstahls und Unterschlagung zu zwei Jahren und einem Monat Gefängnis. Ein vom Staatsanwalt beantragter Haftbefehl wurde abgelehnt. Der Angeklagte K. wurde diesmal nur wegen Beihilfe bestraft. Er erhielt wegen des Rückfalldeliktes ein Jahr und sechs Monate Gefängnis.
Der Verteidiger des Angeklagten T. wies in seinem Plädoyer darauf hin, daß sein Mandant den besten Leumund besitze und eine schwere Vergangenheit hinter sich habe
Der Angeklagte K. nahm sein Urteil sofort an. T. beabsichtigt, wiederum Revision einzulegen. wst
In der Stadt notiert
Eir/j Mitgliederversammlung der Na¬ turfreunde wird am Freitag, dem 22. September, um 20.00 Uhr, in ded Technischen Hochschule stattfinden. t-s
Sechzig Maurerklammern wurden auf einer Baustelle in der Damaschkestraße in Eberstadt am Dienstag entwendet. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die die Firma Hoch- und Tiefbau Franz Keimig, Nieder-Ramstadt. nk
Einen Herzanfall bekam ein neunzehnjähriger Mann, ein Flüchtling aus der Ostzone, gestern vormittag auf der Straße.
Fahrräder mit Hilfsmotor
sind führerscheinpflichtige Kraftfahrzeuge
Wer ein mit Hilfsmotor versehenes Fahrrad im öffentlichen Verkehr benutzt, hat, neben dem Führerschein der Klasse 4 und der Haftpflichtversicherungsbestätigung, die für den Motor erteilte Einzelerlaubnis (Betriebserlaubnis) mitzuführen und den zuständigen Beamten auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen. Der Motor muß ein deutliches Unterscheidungszeichen (Motor-Nummer) haben.
Fahrräder mit Hilfsmotor sind Kraftfahrzeuge und müssen daher die Fahrbahn benutzen — gleichgültig, ob sie mit Motor oder durch Treten betrieben werden—; sie sind auf der Autobahh zugelassen.
Für die mit Hilfsmotor vorgesehenen Fahrräder sind nicht erforderlich Kraftfahrzeugbrief, Zulassung und Kennzeichnung des Fahrzeuges sowie Meldung desselben bei der Straßenverkehrsbehörde.
WiE-WIRD-DAS- WETER
Noch sehr kühl
Vorhersage: Am Freitag wolkig mit Aufheiterungen, aber noch Schauerneigung, tagsüber kühl und nachts sehr frisch, zeitweise lebhafte West-Nordwest-Winde.
Weitere Aussichten: Allmähliche Besserung, aber noch nicht beständig.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater; Orangerie: 20.00 Uhr: „Helden“, Komödie von B. Shaw; Ende gegen 22.15 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „In den Klauen des Borgia“; Thalia: „Sindbadder Seefahrer“; Belida: „Venus im Auto“ und Nachtvorstellung: „Faustrecht der Prärie“; Palast: „Die Hölle von Oklahoma“; Hansa: „Königsliebe“ und Nachtvorstellung: „Orientexpreß“.
Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr: Filmabend „Hawai — ein Erlebnis“ (Farbtonfilm der Pan Amerikan World Airways).
Techn. Hochschule: Raum 167: 19.30 Uhr, der angesetzte Rezitationsabend von Herbert Wien, Hess. Landestheater: „Psalmen und Sprüche“ muß ausfallen.
Wir gratulieren
Silberhochzeit: Herrn Georg Müller und Ehefrau Katharina geb. Bassenauer, Griesheim bei Darmstadt, Weichgasse 8 (19.9.).
75. Geburtstag: Herrn Heinrich Kniess, Weißbindermeister, Darmstadt-Eberstadt, Georgstraße 15.
82. Geburtstag: Herm Ludwig Löser, Arheilgen, Ludwigstraße 10.
STARKENBURG
Motorrad rammte Fuhrwerk
Der Motorradfahrer M. R. aus Darmstadt rammte in Wolfskehlen ein Kuhfuhrwerk. Das Tier hatte gescheut und war zur linken Straßenseite quer über die Fahrbahn gelaufen. Der Motorradfahrer erlitt Hautabschürfungen. Der Sachschaden beläuft sich auf ca. 200 DM. cg
In hohem Bogen in den Graben
Der Lastkraftwagen der Molkereiabsatzgenossenschaft Fürth kollidierte in der Mitlechterner Kurve nach Walderlenbach mit einem Leichtmotorrad aus Mittershausen. Der Motorradlenker wurde in hohem Bogen in den Straßengraben geschleudert und fand sich dort, nur gering verletzt, wieder. Sein Kraftrad allerdings war zu einem Schrotthaufen geworden. -r
Von der Stadtmauer gestürzt
In Zwingenberg stürzte am Donnerstagvormittag ein 4jähriger Junge beim Spielen an einer ca 8 m hohen Stelle der alten Stadtmauer ab und mußte mit einer schweren Gehirnerschütterung, einem Schlüsselbein- und Nasenbeinbruch und wahrscheinlich auch inneren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert werden. Bereits einige Tage zuvor war an einer anderen, allerdings wesentlich niedrigeren Stelle, ebenfalls ein Junge hinuntergestürzt, der glücklicherweise mit dem Schrecken davonkam. Die Stadtverwaltung will nun, um weitere derartige Unfälle zu vermeiden, ein Geländer auf der Mauer anbringen lassen. HB
Einbruch in Lichtspieltheater
In der Nacht zum Donnerstag verübten bisher noch unbekannte Täter einen frechen Einbruch in ein Lichtspieltheater in Langen. Unbemerkt stiegen die Diebe durch ein offen stehendes Fenster ein. Im Kassenhäuschen verschafften sie sich die notwendigen Schlüssel. Im Vorraum des Kinos hängten sie dann die Glasscheiben der dort befindlichen Schaukästen verschiedener Firmen aus und entwendeten Kleidungsstücke und Spirituosen. Lautlos und unbemerkt wie die Einbrecher gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Beamte der Kriminalinspektion Darmstadt haben gestern umfangreiche Ermittlungen aufgenpmmen. wst.
Betrogener Wohltäter
Ein 47 Jahre alter Invalide in Neustadt i. O. hatte einen 23jährigen technischen Zeichner Anfang August aufgenommen und — obwohl er selbst nicht mit Reichtümern gesegnet ist — dem jungen Mann tatkräftig geholfen, daß er vorwärfskommt. Er lieh ihm Arbeitskleidung, Schuhe, eine Aktentasche und sogar ein Dameniahrrad, das er zur Fahrt zum Bahnhof Höchst benutzte, weil er in Darmstadt beschäftigt war. Ende August erklärte der junge Mann, daß er für einige Tage „auf Montage" fahren müsse. Er ging und ward nicht mehr gesehen. AL er nach 14 Tagen noch nichts von sich hören ließ, fragte der Invalide bei der Darmstädter Firma nach und erfuhr, daß sein Mieter die Stellung gekündigt und verlassen hatte unter Mitnahme der ihm ge'iehenen Sachen.
-ch
Bitteres Kirchweih-Ende
Die Fahrt zur Gras-Ellenbacher Kirchweih wurde einem Kraftfahrer aus Unter-Schönlnattenwag auf dem Heimweg mit einem schlechten Ende belohnt. In Affolterbach verlor er aus bisher ungeklärter Ursache die Herrschaft über sein Gefährt, geriet ins Schleudern und schlug mit dem Kopf auf der Straßendecke auf, so daß er bewußtlos liegenblieb. Mit einer Gehirnerschütterung, Schürfwunden Und etlichen Prellungen mußte er nach Hause transportiert werden. -r
In den Klauen des Alkoholtenfels
Steuer- und Rechtsberater vertrank die Gelder seiner Kunden
Wegen fortgesetzter Veruntreuung und Betrugs in mehreren Fällen verurteilte gestern die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt den vorbestraften, 63jährigen Wilhelm van B. aus Hahn zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Auf diese Strafe wurden dem Angeklagten die Untersuchungshaft und die Zeit seiner Unterbringung in der Heil- und Pflegeanstalt Goddelau angerechnet.
Der Angeklagte, ein ehemaliger Justizoberinspektor, hatte für verschiedene Einwohner von Hahn Rechtsberatungen vorgenommen und Steuerangelegenheiten erledigt. In dieser Eigenschaft nahm er größere Geldbeträge zur Einzahlung an die zuständigen Stellen entgegen. Statt dieses Geld nun ordnungsgemäß abzuliefern. behielt und verbrauchte er es für eigene Zwecke. So unterschlug er über 500 DM. die ihm ein Milchhändler zur Einzahlung an das Finanzamt übergeben hatte. Den gleichen Marrn betrog van B. üm weitere Geldbeträge.
In einem anderen Falle sollte er für einen Landwirt 267 DM Ackerpachtgelder an die zuständige Kasse abliefem. Auch dieser Betrag gelangte nie an sein Ziel. Ein anderer Zeuge händigte dem Angeschuldigten Geld aus. damit er ihm Marken für die Angestelltenversicherung besorge. Van B. steckte es ein. Nicht zuletzt unterschlug er rund 600 DM Kirchengelder, die er als Rechner in Hahn einzuziehen hatte. Seine Straftaten zeigten eine seltene Skruppellosigkeit, wie der Staatsanwalt hervorhob.
Wozu verwandte nun der Angeklagte das Geld? In diesem Punkte entbehrte der Fall nicht einer gewissen Tragik. Der Angeklagte war von Jugend an dem Alkoholteufel verfallen. So vertrank er sämtliche Gelder und sah sich stets nach neuen jun. um seine Alkoholsucht befriedigen zu können. Dadurch verlor er seine Existenz, seine Frau sowie seinen inneren Halt und kam gestern zum zweiten Male vor den Strafrichter. Nach 1945 ging es mit ihm völlig bergab. Nach Begehung seiner Straftaten flüchtete er, bis man ihn aufgriff und in Goddelau einlieferte.
Die Sachverständige stellte fest, daß der Angeklagte an chronischem Alkoholismus, aber, keineswegs an krankhaften Erscheinungen leide. Sie billigte ihm den Schutz des § 51 Absatz 2 zu und widersprach einer dauernden Einlieferung in eine Trinkerheilanstalt. Vielmehr, so meinte sie. solle das Gericht dem Angeklagten noch einmal eine Chance geben.
Der Staatsanwalt sprach sich in seinem Plädoyer für eine empfindliche Strafe aus, wenn man den Angeklagten schon nicht in .eine Anstalt einweise. „Es geht nicht, daß man sich betrinkt, seinen Gefühlen freien Lauf und die Oeffentlichkeit die Auswüchse bezahlen läßt“, erklärte er. Trotz allem menschlichen Mitgefühl müsse die Oeffentlichkeit vor solchen Menschen geschützt werden. — Er hatte ein Jahr und zehn Monaten Gefängnis beantragt. wst.
Beerfelden plant Forum
Aus der Erkenntnis heraus, daß ein Öffentliches Forum als Plattform freier Aussprache für alle dem Allgemeinwohl dienenden Angelegenheiten die wichtigste Einrichtung in einem wahrhaft demokratischen Gemeinwesen darstellt, fanden sich am Mittwochabend in Beerfelden im Gasthaus „Zum Bären“ Frauen und Männer aus fast allen Bevölkerungskreisen zu einer ersten Aussprache zusammen, um sich klar zu werden über die einzuschlagenden Wege zum Öffentlichen Forum Beerfelden. Vor zwei Jahren hatte man bereits einmal den Versuch einer Gründung gemacht, dem aber leider kein Erfolg beschieden war. In etwa zehn Tagen soll eine weitere Besprechung im größeren Rahmen stattfinden. Es ist beabsichtigt, dann in aller Kürze den ersten öffentlichen Ausspracheabend in Beerfelden einzuberufen. -ch
Kulturbund gegründet
Um der Jugend die Zusammenhänge der heutigen Gemeindearbeit sowie kulturpolitische Fragen nahezubringen, veranlaßte Bürgermeister Hartung in Goddelau die Gründung eines Kulturbundes. Es ist beabsichtigt, in gewissen Zeitabständen Ausspracheabende stattfinden zu lassen, wobei Vertreter der Kommunalverwaltung über die verschiedenen Aufgaben und Maßnahmen der Verwaltung zu den Jugendlichen sprechen werden. Der erste Diskussionsabend wird bereits morgen stattfinden.
Lehrer ohne Gängelband
Kreisverband Erbach der GEW wählte neuen Vorstand
Sämtliche Erzieherinnen und Erzieher des Landkreises Erbach waren vom Kreisverband Erbach der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft am Mittwochnachmittag zu einer Aussprache über schulpolitische Gegenwartsfragen ins Hotel „Schützenhof“ na<;h Erbach eingeladen worden.
Regierungsschulrat Plewe, Darmstadt, hielt einen längeren Vortrag von grundsätzlicher Bedeutung über Berufsethik und Verantwortung des Erziehers. Er wies all Versuche, ihn zu bevormunden oder ans Gängelband zu nehmen, entschieden zurück, ob sie nun von Seiten der Elternschaft oder der Verwaltung kommen. Selbstverständlich soll die Elternschaft Anteil nehmen an der Schule, sie soll auch Anregungen geben, aber verantwortlich für den Schulbetrieb selbst bleibt der Lehrer, der ja für seinen Beruf eine lange fachliche Ausbildung erfahren hat.
Sehr eingehend behandelte Regierungsschulrat Plewe das neue Schulverwaltungsgesetz, dessen Vorlage zur Zeit bearbeitet wird, das aber in vielen Punkten nicht die Billigung der Lehrer finden wird, die in der Praxis stehen.
Der Redakteur der „Hessischen Lehrer-Zeitung“, Karl Schäfer, ergänzte diese für den ganzen Berufsstand grundsätzlichen Ausführungen durch interessante Erfahrungseinzelheiten aus seiner Redaktionspraxis. Er sprach von vielen Versuchen, die kompromißlos klare und ausschließlich auf die Interessen des Berufsstandes ausgerichtete Haltung seiner Zeitung nach der einen oder anderen Richtung hin zu beeinflussen. Beide Redner faßten ihre Ausführungen in der Mahnung an alle Lehrerinnen und Lehrer des Kreises Erbach zusammen, durch organi-, satorischen Zusammenschluß in der GEW die berufsständische Vertretung zu stärken.
Kreisobmann Rektor Weber erstattete im Rahmen der sich anschließenden Hauptversammlung den Geschäftsbericht. Obwohl der Kreisverband noch nicht zwei Jahre besteht, widmete er sich schon mit gutem Erfolg der Fortbildung seiner Mitglieder, um die gute Tradition des einstigen Deutschen Lehrervereins fortzusetzen. Von guten, geordneten Kassenverhältnissen zeugte die Rechnungsablage durch Frl. Becker, Etzean.
Da Rektor Weber im Hinblick auf seine bevorstehende Pensionierung auch die Arbeit des Kreisobmannes in jüngere Hände legen möchte, wählte die Versammlung einstimmig z^u seinem Nachfolger Lehrer Ludwig Riefl in g, Bad König. Stellvertreter wurde Lehrer Schmidt, Beerfelden. Die übrigen Aemter des Kreisverbandes blieben zum größten Teil in der alten Besetzung. Der neue Kreisobmann Riefling würdigte die mehr als 20jährige Tätigkeit Rektor Webers für die Lehrerschaft und schlug vor, ihn in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes zu ernennen. Dieser Vorschlag fand einstimmige Annahme. Die Erörterung mehrerer organisatorischer Fragen und Delegationen beendete die mehrstündige Arbeitstagung. -ch
Lehrer tagten in Jugenheim
Auf der zweiten Tagung der Landlehrer des Landkreises Offenbach, die von 60 Lehrern besucht war, hielt der Berater Matthesius ,über die vom Planungsausschuß vorgesehenen Themen ein Referat. Der Vortragende beschäftigte sich ausführlich mit der Notwendigkeit der sozialen Erziehung durch praktische Betätigung in der Gemeinschaft (Klasse, Schulgemeinde einschließlich Elternschaft und außerhalb der Schule). Ein weiteres Thema bildete der soziale Gedanke im Unterricht und die Asozialen und Gefährdeten in der Schule und in der Heimerziehung. Die Themen führten bei der im Education Service Center zusammengekommenen Lehrerschaft zu einer regen Aussprache. hl.
Kreislehrertagung
in Groß-Umstadt
In Groß-Umstadt findet am 25. September 1950, vormittags 9 Uhr, im Gasthof zum „Weißen Roß“ eine Kreis-Lehrertagung statt, die mit der .Tagung des Hessischen Heimatbundes zusammengelegt worden ist. Auf der Tagesordnung stehen u. a. ein Lichtbilder-Vortrag von Studienrat Dr. Karl Diel, Dieburg, über „Neue Wege in der heimatkundlichen Betrachtung des Kreises Dieburg“, ein Lichtbilder-Vortrag von Studiendirektor Dr. H. Diehl, Langstadt, über „Die Grube Messel und ihre Bedeutung für die Heimatkunde“. Ueber „Unseren Heimatbund“ sprechen Oberschulrat B e chtol s h eim er und . Reg.-Oberinsp. Pfuhl. Der Kreis-Lehrerchor wird die Tagung umrahmen. Am Nachmittag ist Besichtigung der Ausstellungen aus Anlaß der „Umstädter Woche“ und der ERP-Schau. (rfd)
Dekauate keine Pfründe für,alte Kämpfer“
Konstituierende Versammlung der Dekanatsaufteilungen in Rimbach
Nach der vor kurzem bekanntgegebenen Teilung des Dekanats Zwingenberg wurde gestern in R im b a c h eine konstituierende Versammlung abgehalten, zu der die Vertreter der evangelischen Kirchengemeinden Affolterbach, Birkenau, Fürth, Hammelbach, Lindenfels, Rimbach, Schlierbach, Viernheim, Waldmichelbach und Zotzenbach erschienen waren.
Der Propst von Starkenburg, Pfarrer Rau (Darmstadt), gab zunächst einen Ueberblick über die Gründe zur Teilung der verschiedenen Dekanate. Er wies darauf hin, daß die evangelischen Gemeinden eine lebendige Gemeinschaft untereinander pflegen müßten. Man habe deshalb diese kleineren Dekanate gebildet. Hier sei es möglich, wirklich intensive Arbeit zu leisten und die Verwaltungsarbeit weitgehend zu vermeiden.
Die Dekane würden in absehbarer Zeit noch einen Vikar zugeteilt erhalten. Außerdem trete nun auch der neuzubildende Synodalvorstand in die Arbeit der Kirchenleitung ein. Es solle stets bedacht werden, daß die Kirchenleitung nur zu dienen • habe. Auch kirchliche Verwaltungsämter verfielen so leicht der Gefahr zu bürokratisieren. Deshalb sei den Dekanaten neuerdings eine große Zahl von Leitungsaufgaben übertragen worden: Die allgemeine Dienstaufsicht über Pfarrer und das Amtsgeschäft; die Regelung der Dienstversehung bei Vakanten; die Leitung von Pfarrwahlen; die Wahrnehmung von Aufträgen der Kirchenbehörde u v. a. Die Aufgaben geistlicher Art seien allerdings trotz allem noch immer die wichtigsten.
Auf einige aktuelle Tagesprobleme eingehend, befürwortete der Propst jegliche auf bauende Kritik, lehnte jedoch die These einiger Kreise ab, die in der Errichtung der kleineren Dekanate nur eine Pfründe für sogenannte „alte Kämpfer der Bekenntnisfront“ sehen möchten.
Die Wahl des Synodalvorstandes ergab folgende Besetzung: Vorsitzender Forstmeister Rhode (Viernheim), Pfarrer Dörsam (Waldmichelbach), und den Synodaren Fuhr (Rimbach) und Fliegenburg (Hammelbach).
Dekan Ullmann (Zwingenberg) behandelte zwischendurch verschiedene Anträge: Lindenfels bat um Hilfe bei dem Ringen um die Erhaltung des Luisenkrankenhauses; die Anwesenden versprachen die Untersützung der Erntedankspende. Im neuen Dekanat Rimbach wird das Erntedankfest künftig jeweils 2 Sonntage vor dem Reformationsfest gefeiert, außer Lindenfels, das wegen seiner Kirchweih einen anderen Termin bestimmt.
Entgegen der in Hessen allgemein verbindlichen Anweisung der Landeskirche wird im Dekanat Rimbach auch 1951 die Konfirmation gefeiert, jedoch keinesfalls an Ostern. In Zukunft wird der Propst wieder, wie früher üblich, bei Amtshandlungen das Propstkreuz tragen. r
Jugend-Organisationsausschuß
für elf Gemeinden gewählt
Gelegentlich des Tromm-Treffens der heima (vertriebenen Jugend (wir berichteten bereits darüber, d. Red.) wurde ein Arbeitsausschuß gewählt, der sich mit den Arbeiten zur Intensivierung und Vertiefung der Jugendangelegenheiten befassen und erstmals am 1. Oktober zusammenkommen will. Er besteht aus den Herren Stabei (Bobstadt), Schön (Hofheim), Fischer (Heppenheim), Winter (Zwingenberg), Bayer (Bensheim), Rükkert (Scharbach), Staffer (Rimbach), Wähnisch (Siedelsbrunn) und Werner (Aschbach).
Sänger schließen sich zusammen
Angeregt durch den Besuch des guten und stimmstarken Männergesangvereins 1843 Braubach, ergriff der 1. Vorsitzende der Sport- und Kulturgemeinde Waldmichelbach, Dr. Mainzer, die Initiative, um die drei Männergesangvereine „Sängerbund“, „Union“ und SKG zu verschmelzen. Da die SKG in Felix Moschner über einen ausgezeichneten Nachwuchsdirigenten und -Komponisten verfügt und die beiden anderen Vereine gegenwärtig in dieser Hinsicht Schwierigkeiten zu überwinden haben, ist in Kürze mit der Gründung der „Sängervereinigung der SKG Waldmichelbach“ zu rechnen, die dann einen Chor von rund 120 Mann und einen gemischten Chor besäße. -r
Um die staatspolitische Erziehung der Ingend
Arbeitstagung der Kreisjugendpfleger des Regierungsbezirks Darmstadt
Dieser Tage fand in Rüsselsheim eine Arbeitstagung der Kreisjugendpfleger und -Pflegerinnen des Regierungsbezirks Darmstadt statt. Nach der Begrüßungsansprache durch Bezirksjugendleiter Koob, Darmstadt, hielt Schulrat S c h w ede s am ersten Tag ein Referat über das Thema der „Staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend“.
Der Vortragende führte aus, daß der Verstaatlichung des Menschen der Individualismus Pestalozzischen Geistes, die Vermenschlichung des Staates entgegenzustellen sei. Immer mehr komme die Jugend zu der Auffassung, daß eine echte Arbeit mit inneren Werten nur durch ein Zusammengehen von Mensch zu Mensch möglich sei. Die staatspolitische Erziehung liege heute darin, die Erziehung der Elternschaften, den berufenen Lehrkräften und der Gemeinde zu überlassen, um zu einer Autonomie im Sinne einer pädagogischen Provinz Goethes zu kommen.
Die nachmittägliche Debatte drehte sich um die Frage, wie man die mißtrauische Jugend zur Mitarbeit an der staatspolitischen Aufgabe heranziehen könne. Ueber die Orts- und Kreisjugendausschüsse müsse die Jugend zunächst mit der Gemeindearbeit vertraut gemacht werden, sie müsse die. Sozial- und Verwaltungseinrichtungen kennenlernen, damit man ihr Rechte und Pflichten im Rahmen der staatspolitischen Einzelverantwortung übertragen kann. Die größte Schwierigkeit dabei sei ein häufiger Mangel an erstrebenswerten Idealen, die eine gewisse Unsicherheit der Jugend bedinge. Verschiedene Diskussionsredner sprachen über diese Lücken und stellten die Freiheit in der Gesetzmäßigkeit als das höchste Ziel hin, das von der Jugend erreicht werden könne, und für die sie wohl auch bereit sei, Begeisterung zu zeigen.
Der zweite Tag der Tagung diente der Aussprache über die praktischen Probleme der Jugendarbeit während des Winterhalbjahrs. Insbesondere wurde auch über die Erfahrungen der Jugendzeltlager der Sommermonate gesprochen. Dabei wurde die Forderung aufgestellt, daß jede Lagerperiode einen inneren Wert haben müsse, der darin liege, daß den Kindern die Heimat in ihrer gesamten Struktur nähergebracht wird. Die Entdeckung der Heimat muß von der Jugend ausgehen, durch Hinweise auf die Geschichte und auf die Lebensgewohnheiten ihrer Bevölkerung. Es ist geplant, für das kommende Jahr einen Austausch der Zeltlager vorzunehmen, damit die Jugend auch andere Kreisgebiete und Regierungsgebiete kennenlerne. hfl
Schulprosjekt Bergstraße
wird erneut diskutiert
Nach Vereinbarung mit Ministerpräsident Stock und dem Vertreter des Ministers für Erziehung und Volksbildung soll am Samstag, dem 30. September in Jugenheim das Schulprojekt Bergstraße erneut diskutiert werden. Zu dieser Konferenz wurden neben dem Ministerpräsidenten auch der Kultusminister, der Finanzminister und der Regierungspräsident Darmstadt eingeladen. DT
Evangelischer Männertag
in Crumstadt
Auf einem kürzlich veranstalteten Männertreffen des ev. Landvolkes in Crumstadt, zu dem sich eine überaus große Anzahl von Besuchern eingefunden hatte, sprach Propst Rau über die Krise des christl. Dorfes. Er wies darauf hin, daß gerade die ländliche Bevölkerung diese Krise, die in den Städten bereits wieder im Abklingen sei, noch nicht recht begriffen habe. Die sonntägliche Heiligung und das Erwecken gegenseitiger bürderlicher Hilfsbereitschaft waren die Forderungen des Tages, der bei allen Teilnehmern einen starken Eindruck hinterließ. kr
UKW-Zwischensender
bei Würzburg vorgesehen
Seit der Wellenumstellung im Frühjahr ist im Odenwald wie auch in anderen Teilen des Sendegebiets Radio Frankfurt in den Abendstunden infolge starker Ueberlagerungen nicht mehr auf Mittelwelle zu hören. Der Hessische Rundfunk führt deshalb schon seit einiger Zeit im Sendegebiet Untersuchungen für die Errichtung von - Kurzwellen-Zwischensendern durch. In den letzten Tagen werden derartige Feldstärkemessungen auch in der Gemarkung Würzberg bei Eulbach i. O. vorgenommen. Zunächst hat man einen fahrbaren Zwischensender aufgestellt, der versuchsweise das vom Feldberg über Ultrakurzwelle abgestrahlte Programm des Senders Frankfurt weitergibt. Falls die Meßergebnisse befriedigend ausfallen, ist die Errichtung eines stationären UKW-Zwischensenders bei Würzberg vorgesehen.
Damit hätten die Radiohörer des hinteren Odenwaldes die Möglichkeit, durch Umstellung auf U.K.-Wellenempfang wieder das Programm von Radio Frankfurt ungestört abhören zu können, -ch.
Groß-Gerauer Ferkelmarkt
Während vor 14 Tagen auf dem Groß-Gerauer Ferkelmarkt noch alle Tiere verkauft werden konnten, fanden dieses Mal eine Anzahl Ferkel keine Käufer. 32 bis 38 DMark wurden für 4 bis 5 Wochen alte Ferkel bezahlt. Mit 5 bis 6 Wochen kosteten die Ferkel 35 bis 45 DMark, mit 6 bis 7 Wochen 45 bis 55 DM. Die Preise von Ferkeln im Alter von 7 bis 8 Wochen beliefen sich auf 50 bis 60 DM. (cg)
Eliteversteigerung
von Höhenfleckviehbullen und veredelten Landschweinebern
Die zunächst in Frankfurt a. M. vorgesehene Absatzveranstaltung von Elitebullen des Höhenfleckviehs und Eliteebem des veredelten Landschweins wird nunmehr in Gießen zur Durchführung kommen. Gleichzeitig wurde diese Versteigerung um einen Tag vorverlegt. Die wichtige tierzüchterische Veranstaltung findet also am 27. und 28. September d. J. auf dem Versteigerungsplatz am Schlachthof statt. Mit der Prämiierung und Sonderkörung wird am 27. 9. um 14 Uhr begonnen. Die Versteigerung selbst findet am 28. 9. nach einer um 9 Uhr beginnenden Vorführung der prämiierten Tiere ab 11 Uhr statt. Bei den Zur Versteigerung kommenden ca. 20 Elitebullen des Höhenfleckviehs und den ca. 25 Eliteebern des veredelten Landschweins handelt es sich um Spitzentiere, die auf Grund ihrer Mütter- und Ahnenleistungen die besten Leistungsnoten erhalten. Auch in bezug auf Körperform werden die besonders ausgewählten Tiere höchsten Anforderungen gerecht.
Bickenbacher Elternbeirat
nahm Rechenschaftsbericht entgegen
Am Dienstagabend fand im Schulhaus eine durch den Vorsitzenden des Elternbeirates einberufene Elternversammlung statt. Vor der Eröffnung besichtigten die Eltern unter Führung des Schulleiters Vogel die während der Sommerferien neu hergestellten Schulsäle. Der Vorsitzende des Elternbeirates. Herr Herrmann, gab einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Elternbeirates. der auch die Veranlassung dazu gegeben hatte, daß die Schulsäle hergerichtet wurden. Es wurde allgemein dankbar anerkannt, daß die Gemeinde die Kosten nicht gescheut hatte, den Räumen ein helles und freundliches Aussehen zu geben. Anschließend gab der Vorsitzende noch einige Ausführungen über die Ziele und Bestrebungen des Eltembeirates. Zum Schluß folgte dann noch die Vorführung des neu erworbenen Bildwerfers und ein Lichtßildervortrag von Schulleiter Vogel über die landschaftlichen Schönheiten unseres Odenwaldes. (rh)
Panzerfaust keine Wagenachse
Beim Versuch, das Rohr einer Panzerfaust zu' einer Achse für den Handwagen zu verbiegen, trug ein Bauer aus Gernsheim erhebliche Verletzungen davon, als das Rohr bei dem Ueberziehen mit einem glühenden Eisenring explodierte. kr
ECinweisung mit Polizeigewalt
Eine Flüchtlingsfamilie aus Schleswig-Holstein, die im Hause eines Schneidermeisters in Crumstadt Unterkunft finden sollte, sah sich beim Einzug vor die entschlossene Abwehr des Hauseigentümers gestellt, der ihnen jeden Zutritt verwehrte. Auch das Hinzukommen des Flüchtlinskommissars änderte daran nichts. Die Polizei mußte sich schließlich gewaltsam Einlaß verschaffen und fand das für die Familie vorgesehene Zimmer völlig leer vor. Es blieb nichts übrig, als die Heimatlosen vorerst in einem Gasthaus unterzu bringen, bis es gelingt, den Schneidermeister vollends von der Aussichtslosigkeit zu überzeugen und die notwendigen Einrichtunggegenstände zu beschaffen. Wie wir erfahren, handelt es sich bei dem Schneidermeister um einen früheren NSDAP-Funktionär. kr
Stadthalle für Kelsterbach?
Etatdebatte im Gemeinderat
Der Kelsterbacher Haushaltsplan, der in Einnahmen und Ausgaben mit 810 693,35 DM abschließt, wurde in der letzten Sitzung der Gemeindevertreter einstimmig angenommen. Wie Bürgermeister Scherer in seinen Etaterläuterungen berichtete, hat die Aufstellung des neuen Planes der Verwaltung große Sorgen bereitet.
So ist das Gewerbesteueraufkommen gegenüber dem Vorjahre von 500 000 DM auf 300 000 DM zurückgegangen, die Kreisumlage wurde von 59 000 DM auf etwa 70 000 bis 90 000 DM erhöht. Obwohl die Gemeinde in der Zeit von Juni bis September 1950 einen Zugang von 130 Personen zu verzeichnen hatte, war es nicht möglich, für den Wohnungsbau mehr als 30 000 DM zu veranschlagen.
Im Haushaltsplan sind u. a. für den Ankauf von Baugelände 65 000 DM, für Straßenunterhaltung 22 700 DM und für die Anschaffung eines Müllwagens 26 250 DM vorgesehen. Weiterhin wurden Beträge für Kanalarbeiten, für den Sportplatz, für Fürsorgezuwendungen, für Polizei- und Feuerwehrausrüstung eingesetzt. Wie Bürgermeister Scherer weiterhin bekanntgab, ist keine Erhöhung der Steuern beabsichtigt und die Gemeinde zur Zeit schuldenfrei.
Im Anschluß an die Etatdebatte wurde ein Antrag des Turnvereins auf Erbauung einer Turnhalle verhandelt, der eine längere Diskussion verursachte. Die SPD-Fraktion steht auf dem Standpunkt, daß im Hinblick auf die übrigen örtlichen Vereine diese Projekt nicht näher getreten werden könne. Man zog jedoch die Errichtung einer Stadthalle oder eines Volkshauses in Erwägung, um damit den sportlichen und kulturellen Belangen aller ansässigen Vereine Rechnung tragen zu können.
Die Verwaltung will sich in absehbarer Zeit mit einem derartigen Projekt näher befassen und die Möglichkeiten der Finanzierung überprüfen. Kb
Groß -Kundgebung des VDK
in Hofheim-Ried
Im Rahmen der Herbstkonferenz 1950 hält der VDK, Kreisverband Bergstraße, am Sonntag, dem 8. Oktober, in Hofheim-Ried um 14.30 Uhr im Saale des Gasthauses „Schwarzer Adler“ eine Großkundgebung ab. bei der der Landesgeschäftsführer des VDK Hessen, Studtrucker (Frankfurt), über aktuelle Versorgungsfragen sprechen wird. DT
Narrhallesen vor dem Start
Haupttagung der Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Karnevalvereine in Groß-Umstadt
Anläßlich der „Umstädter Woche 1950“ hält der Bezirk Starkenburg der Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Karnevalvereine am Sonntag, dem 24. September, in Groß-Umstadt seine Haupttagung ab. Am Samstag, dem 23. September, findet abends um 20.33 Uhr als Doppelveranstaltung in der Säulenhalle des Rathauses und im Saale des Gasthauses „Zur Krone“ ein großer Empfangsabend statt, bei dem Karnevalvereine des Bezirkes Südhessen u. a. aus Wiesbaden, Frankfurt, Langen, Dieburg, Urberach mit Spitzendarbitungen aufwarten. DT
Totale Mondfinsternis
Am 26. September frühmorgens können die Bewohner Mitteleuropas eine totale Mondfinsternis beobachten. Kein Freund der Natur sollte das Himmelsschauspiel versäumen, das uns den Schatten unserer eigenen Erde auf einem anderen Weltenkörper zeigt. Zur Zeit der Finsternis steht der Erdtrabant der Sonne gegenüber und zwischen beiden befindet sich die Erdkugel. Trotz der Mondfinsternis wird man den Mond schwach sehen können. Unser Begleiter wird uns in einem kupferfarbenen Leuchten erscheinen, das durch die Brechung der Sonnenstrahlen in der Erdatmosphäre entsteht, die ihn noch treffen.
Am Morgen des 26. September 2,20 Uhr tritt der Mond in den Halbschatten der Erde ein. Um 3,31 Uhr erfolgt der Eintritt in den Kernschatten. Der Beginn der Totalität ist um 4,53 Uhr. Die Mitte der Finsternins ist um 5.16 Uhr erreicht. Das Ende der Totalität erfolgt um 5.39 Uhr. Aus dem Kernschatten tritt der Erdtrabant um 7.01 Uhr. Da jedoch der Mond für unsere Breiten bereits um 6.22 Uhr untergeht, werden wir nicht das Ende der Finsternis sehen können. hm
Bestrafter Undank
Vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt hatte sich gestern der einschlägig vorbestrafte, 26jährige Binnenschiffer Georg G. zu verantworten. Der Angeschuldigte stammt aus Breslau und. verlor Heimat und Habe. In den Westzonen geriet er in den Strudel der Nachkriegsverhältnisse. In Pirmasens nahm ihn eine Familie aus Mitleid auf. Er genoß das volle Vertrauen und konnte sich frei im Haus bewegen. G. ließ sich eines Tages jedoch in Abwesenheit seiner Quartiergeber dazu verleiten, Wertgegenstände und Kleidungsstücke, darunter ein Anzug, ein Mantel, eine Armbanduhr usw. zu stehlen und zu verschwinden. Insgesamt waren es Sachen im Werte von 500 DM.
Wegen anderer Straftaten sitzt G. zur Zeit in der Haftanstalt Dieburg. Das Gericht bildete unter Einbeziehung eines früheren Urteils eine Gesamtstrafe und verhängte ein Jahr und vier Monate Gefängnis. wst.
Jeep schnitt die Kurve
Auf der Kreisstraße zwischen Beerfelden und Rothenberg schnitt ein amerikanischer Jeep derart die Kurve, daß er ganz auf der linken Fahrbahn fuhr. Im gleichen Augenblick kam aus Richtung Beerfelden ein Postomnibus entgegen, so daß der Jeepfahrer sein Fahrzeug scharf nach rechts herumreißen mußte, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Dadurch sauste er in den Straßengraben und gegen einen Baum. Der Wagen wurde beträchtlich beschädigt. Der Fahrer erlitt mehrere Platzwunden am Kopf, der Beifahrer kam mit dem Schrecken davon. -ch
Musische Arbeitswoche
in Dieburg
In den Räumen des Bischöfl. Konvikts in Dieburg wird in der Zeit vom 1. bis 8. Oktober 1950 eine musische Arbeitswoche durchgeführt, die vom Kreisschulamt für den Landkreis Dieburg ausgerichtet wird. Als Lehrkräfte konnten gewonnen werden: Direktor Hermann Er 11 e , Leiter der württembergischen Jugend- und Sportleiterschule Ruit als Singeleiter, Hermann Klauß, Berater für Laienspiel im württembergischen Kultusministerium und Kurt Wager, Berater für Volks- und Gemeinschaftstanz im württembergischen Kultusministerium. Teilnehmer sind Erzieher aller Schularten und Jugendführer des Kreises, als Gäste zu den vorgesehenen Abendveranstaltungen die örtlichen und benachbarten Jugendgruppen. Gleichzeitig ist am 30. September und 1. Oktober eine Arbeitstagung der südhessischen Kreisjugendreferenten des Verbandes der Heimatvertriebenen. (rfd)
Was aǔch interessiert:
Eine Wiedersehensfeier der heute 40- jährigen Schüler und Schülerinnen Arheil gen s findet am kommenden Samstagabend, abends um 20.00 Uhr, im „Löwen“ statt.
In der Ernst-Ludwig-Lungenheilstätte, Sandbach, wurde von der Firma Nohl, Darmstadt, nach Wasser gebohrt, leider bisher ohne Erfolg. In der Nähe des -Waisenhauses will man nun nochmals mit einer Bohrung beginnen. hm
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Nieder-Ramstadt. Die Empfänger von Invaliden- und Angestelltenversicherung sowie von KB-Renten werden darauf hingewiesen, daß bei der Rentenauszahlung am 29. September die erforderlichen Bescheinigungen vorgelegt werden müssen. Diese sind in der Zeit vom 22. bis 28. September auszufüllen und amtlich beglaubigen zu lassen. her
Nieder-Ramstadt. Die Freiwillige und die Pflichtfeuerwehr führen am kommenden Samstag, vormittags 8.00 Uhr, eine Hauptübung durch.
Jugenheim. Im hiesigen Schwimmbad wurden während der Badesaison 1950 von der DLRG unter Leitung von Walter Franz 42 Kursteilnehmer im Rettungsschwimmen ausgebildet; weiterhin legten 31 Schwimmer und Schwimmerinnen die Prüfung für den Grundschein und 11 die Prüfung für den Leistungsschein ab. hl.
DIEBURG
Schaafheim. Am Samstag, um 21 Uhr, treffen die neugewählten Forumsvorstandsmitglieder im Nebenzimmer des „Schützenhofes“ zur Konstituierung zusammen. Gleichzeitig wird die Wahl neuer Themen besprochen. Forumsfreunde sind zu dieser erweiterten Vorstandssitzung eingeladen.
Groß-Umstadt. Kürzlich fanden auf dem Sportplatz die Herbst-Sportkämpfe der Schuljugend statt. ko
Klein-Umstadt. Die neueröffnete Omnibuslinie nach Dieburg führt über Groß-Umstadt und hat an alle Züge Anschluß.
Münster. Wegen Pflasterarbeiten ist ab sofort die Friedrich-Ebert-Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt. wu
Groß-Bieberau. Am kommenden Samstag findet im Saal Reinheimer eine Zusammenkunft des Forums statt. wu
Urberach. Am Mittwochnachmittag stürzte eine 76jährige Frau beim Zwetschenpflücken vom Baum und zog sich neben einem schweren Beinbruch, der die sofortige Ueberführung in ein Krankenhaus notwendig machte, Prellungen und Hautabschürfungen zu. wu.
Eppertshausen. Nachdem kürzlich die Hochspannungsleitung durch einen Drachen gestört war, wurde jetzt die gleiche Leitung durch eine Nachteule unterbrochen. . gi
Babenhausen. Die Monatsversammlung des VDK findet am Samstag im „Schwanen“ statt. gi
Groß-Zimmern. In einer Versammlung des Beamtenschutzbundes sprach Kreisvorsitzender Kraft über den Gesetzentwurf zu Artikel 131 des Bonner Grundgesetzes. wu
Sickenhofen. Vom Landrat des Kreises Dieburg wurde Konrad Mayer als Wiegemeister und Konrad Schunk als Feldschütz vereidigt. wu
Dorndiel. Einige Gemeindegrundstücke wurden auf dem Rathaus meistbietend verpachtet. — Alle Landwirte werden darauf hingewiesen, daß Fuhrwerke bei Dunkelheit mit Lampe und Rückstrahler ausgerüstet sein müssen. ko
ERBACH
Bad König. Im Rahmen des Gottesdienstes am kommenden Sonntag veranstaltet der hiesige evangelische Kirchen- und Posaunenchor eine J.-S.- Bach-Gedächtnisfeier. Lieder und Choräle des Meisters werden zu Gehör gebracht. Die Festansprache hält Pfr. Schulz.
BERGSTRASSE
Heppenheim. Heute nachmittag werden um 14.00 Uhr im Winzerkeller die Weinbuchten für den diesjährigen Bauerntag vergeben; die Mieten sollen möglichst so gehalten werden, daß sie für den einzelnen Pächter auch tragbar sind und ihnen bei normalen Getränkepreisen noch eine gewisse Einnahme sicher. HB
Waldmichelbach. Im Anschluß an eine am kommenden Sonntag 15 Uhr im Hotel „Zum Ödenwald“ stattfindende Bezirks-: konferenz der CDU findet um 17.30 Uhr eine öffentliche Sprechstunde des Stellvertreters des CDU-Fraktionsführers im Bundestag, Dr. Hermann Götz, M. d. 8., statt. -r
Güttersbach. Der Gemeinderat wählte in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag den Kaufmann Johann Heinrich Helm zum neuen Bürgermeister. Er wird sein Amt am 1. Oktober antreten. KW
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Zum Vorsitzenden des vorbereitenden Ausschusses des neu gegründeten Blockes der Heimatvertriebenen und Entrechteten wurde Baumeister Viktor Michalek, Mörfelden, Michelweg 3, gewählt. Kb. Bischofsheim. Die Bundesstraßeß 26,
Teilstrecke Gustavsburg—Bischofsheim, ist von Montag, dem 25. 9. 1950 bis einschließlich Mittwoch, dem 27. 9. 1950, mit behördlicher Genehmigung wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt. -th-
Raunheim. Von einer Hofleiter stürzte ein 6jähriger Junge so unglücklich, daß er schwere Rückenverletzungen erlitt. Trotz sofortiger Operation wird an seinem Aufkommen gezweifelt. Kb.
Dornheim. Um bei ihren seit 20 Jahren in den Staaten lebenden Töchtern ihren Lebensabend zu verbringen, flog gestern die 73 Jahre alte Frau Schmitt vom Rhein-Main-Flughafen über das große Wasser in die USA. kr.
Der SPORT
Die Kreisklassen am Sonntag
Kreisklasse Darmstadt
Langsam haben sich die teilnehmenden Vereine der Runde genau kennengelernt. Es kann also nicht mehr vorkommen, daß eine Elf ein unbekannter Gegner ist, denn alle Vereine haben ja ihre Beobachter ins Land gesandt und wissen dann beim Spiel, ihre Mannschaft geschickt aufzustellen.
Beim Spiel Bickenbach gegen TuS Griesheim dürfte wohl der Platzbesitzer als Favorit gelten. In Langen muß sich die SSG gegen Weiterstadt mächtig anstrengen, um nicht weiter ans Tabellenende zu kommen. Grafenhausen empfängt den Rivalen Hahn und hat noch nicht auf eigenem Platz gewonnen. Auch Seeheim muß schon gut spielen, um in Nieder-Ramstadt bestehen zu können. Hähnlein wird gegen TSG 46 Darmstadt natürlich alles versuchen, seine überraschende Niederlage wieder auszubügeln. Alsbach geht diesmal auf Reisen und trifft auf die leidgeprüfte Sportvereinigung Erzhausen. Hier wird es ein Spiel geben, bei dem der Platzherr unter allen Umständen zu seinen ersten Punkten kommen möchte. Ob es Alsbach zuläßt, bleibt abzuwarten.
In der B-Klasse spielen: Eschollbrücken—1 Union Darmstadt, Rohrbach — Brandau, Ober-Beerbach—Jugenheim, SC Griesheim— SV 98 Darmstadt, Traisa—Soma VfR Langen. Mit Ausnahme des Spieles in Ober-Beerbach können bei einigermaßen normalem Spielverlauf alle Platzbesitzer als Favoriten angesehen werden. Jugenheim hingegen sollte trotz der erlittenen Niederlage vom letzten Sonntag beweisen, daß es noch Fußball spielen kann.
Kreisklasse Groß-Gerau
Auch am dritten Sonntag der Verbandsrunde gibt es vielversprechende B egegnungen. Nach den teils überraschenden Ergebnissen am vergangenen Sonntag stehen sich in der Fußball-A-Klasse Groß-Gerau am kommenden Sonntag folgende Vereine gegenüber: Ginsheim—Wolfskehlen; Gustavsburg —Klein-Gerau; Stockstadt—Astheim; Büttelborn — Gernsheim; Dornheim — Biebesheim und Raunheim 07—Walldorf.
Nach den am letzten Sonntag gegen Raunheim gezeigten, Leistungen dürfte es der jungen Elf von Wolfskehlen kaum gelingen, in Ginsheim zu einem Sieg zu kommen. Gustavsburg sowie Klein-Gerau haben in den beiden absolvierten Spielen ihre Anhänger enttäuscht. Es ist schwer zu sagen, wer von beiden zu seinem ersten Punktgewinn kommt. Eine Punktteilung wäre das Naheliegende. — Zu einem spannenden Derby wird es in Büttelborn kommen, wo sich die zur Zeit in bester Spielläune befindenden Gernsheimer vorstellen. Beide Mannschaften verfügen über einen schußgewaltigen Sturm. — Raunheim 07 hat zu Hause gegen Walldorf eine harte Nuß zu knacken. Walldorfs schnelle und eifrige Elf sollte auch in Raunheim zu einem doppelten Punktgewinn kommen. — Wesentlich leichter wird es Stockstadt zu Hause gegen die Neulinge aus Astheim haben. Die technisch bessere und an Erfahrung reifere Stockstädter Elf wird in diesem Spiel tonangebend sein. — Dornheim wird sich gegen den vorjährigen B-Klassenmeister Biebesheim, der bereits sein drittes Auswärtsspiel bestreitet, mächtig anstrengen müssen, wenn es die beiden ersten Punkte erringen will.
In der B-Klasse führen die außer Konkurrenz spielenden Ib-Mannschaften von Bischofsheim und Opel Rüsselsheim ungeschlagen die Tabelle .an. Auch am Sonntag dürften beide Mannschaften in Goddelau bzw. Leeheim zu einem weiteren Punktgewinn kommen.
In den übrigen Begegnungen werden wohl die Platzvereine als Sieger hervorgehen. -Od¬
Kreisklasse Dieburg
In der A-Klasse dürfte das bemerkenswerteste Spiel das Treffen zwischen Götzenhain und Niederroden sein. Trotz Platzvorteil und stärkstem Widerstand wird Niederroden das bessere Ende für sich behalten. Dreieichenhain erwartet Reinheim. Der vorjährige B-Klassenmeister und augenblickliche Tabellenzweite hat alle Aussichten, wiederum zu 2 Punkten zu kommen, zumal der erfolgreichste Stürmer Schumann mit von der Partie sein wird. Beim Spiel zwischen Offenbach und Groß-Zimmern wird ein Unentschieden nicht überraschen. Das gleiche gilt von Lengfeld und Kleestadt, jedoch muß man Lengfeld die größeren Chancen einräumen. Klein-Ziimmern wird nach der vdrsonnbägiichen zweistelligen Niederlage schon bessere Leistungen zeigen müssen, um gegen Groß-Umstadt bestehen zu können, während Ueberau als augenblicklicher Spitzenreiter auch in Oberroden gegen die TG sich den Sieg nicht streitig machen lassen dürfte.
In den beiden Gruppen der B-Klasse haben die Spitzenreiter Groß-Bieberau und Münster in Ober-Niederklingen und Raibach leichte Gegner, die mit Abstand geschlagen werden
dürften. Ausgeglichen erscheint in der Gruppe 1 das Zusammentreffen zwischen Wersau und Geongenhausen, während Niedernhausen in Brensbach und die Mannschaft der Dieburger Hassia auf eigenem Platz gegen Hering zu Erfolgen kommen müssen.
In der Gruppe 2 wird Schiaaifheim nach drei unentschiedenen Spielen igegen den TV Groß-Umstadt zum erstenmal doppelter Punktsieger werden. Auch Hergenshausen wird sich in Wiebelsbach den Sieg nicht streitig machen lassen. Lediglich beim Spiel zwischen Klein-Umstadt und Heubach steht der Sieger erst mit dem Schlußpfiff fest.
Kreisklasse Bergstrase
Die kurzfristig angesetzten Spiele des kommenden Sonntags — eine Terminliste liegt bislang noch immer nicht vor — bergen wieder einige Schlagerpartien, die es in sich haben. Die beiden spielstarken Neulinge Weiher und Fürth sollten sich eine scharfe Auseinandersetzung liefern, bei der ein Unentschieden das Nächstliegende wäre. Die Reichenbacher, bereits wieder auf dem ersten Tabellenplatz angekommen, wollen ihre diesjährigen Titelansprüche auch in Mörlenbach mit einem Sieg untermauern, der ihnen gelingen sollte, nachdem die Weschnitztaler noch immer keinen geeigneten Torwart gefunden haben. Affolterbach hat im zweiten Heimspiel den zweiten Ried-Aufsteiger Lampertheim zu Gast und sollte ihn ebenso punktlos nach Hause schicken wie vordem Fehlheim. In Einhausen rollt eine Lokalpartie ab, für die eine Voraussage schwer zu treffen ist. Die Platzherren könnten wohl am ehesten als Sieger in Frage kommen. Auerbach empfängt mit Waldmichelbach eine Elf, die in diesem Jahre offenbar ebenso glücklos spielt wie vordem die Bergsträßer. Der Ausgang ist offen, wenn der Gästesturm ebenso steril bleibt wie seither. -ni-
Kreisklasse Erbach
In der Fußball-A-Klasse Erbach sind bereits am dritten Spielsonntag mit der Begegnung Sandbach — Neustadt, der Entscheidung um die Tabellenführung, die ersten Höhepunkte zu erwarten. Die Gäste haben in Steinbach einen weiteren ihrer besten Spieler, Mittelstürmer Friedrich, gesperrt bekommen und sollten diesmal in ihrem Lokalderby nur wenig Glück haben. Daß Sandbach gegenwärtig über ein stabileres Mannschaftsgebilde verfügt, ist nicht zuletzt auch aus dem verdienten Heimsieg über den TSV Höchst ersichtlich. Lützel-Wiebelsbach, das seine durch den Abgang von mehreren Spielern entstandene Lücken noch nicht zu schließen verstand, trifft auf Steinbach. Es wird vor einheimischem Publikum alles einsetzen müssen, wenn es seinen gefährdeten Platz in der Spitzengruppe halten will. Der VfR Würzberg erwartet die KSK Beerfelden, die in ihrem ersten Punktespiel gegen den Tabellenletzten des vergangenen Jahres, Rimhorn, nur wenig zeigte. Eine Punkteteilung, vielleicht ein knapper Sieg für Beerfelden, wäre hier das Naheliegende. Nach der Enttäuschung in Sandbach sollte Höchst, wenn es nicht ganz ins Hintertreffen geraten will, auf eigenem Platz sämtliche Register ziehen, um gegen Bad König erfolgreich zu bleiben. Die Tagesform dürfte bei dieser Partie ausschlaggebend sein. Günterfürst, das ein Auswärtsspiel in der Kreisstadt austrägt, wird sich gegen die Erbacher Sondermannschaft nur schwer durchsetzen können. Da die schwache Abwehrleistung der Platzherren gegen Hainstadt als eine Einmaligkeit angesehen wird, sollten die Gäste um eine Niederlage nicht herumkommen können. Hainstadt ist in Rimhorn zu Gast und sollte bei einigem Einsatz auch diese Punkte behalten dürfen. Da vor allem auch Rimhorn seit der vergangenen Saison eine wesentliche Verbesserung erfahren hat, darf man auch hier mit einem spannenden „Derby“ rechnen. -ppi.
In der Fußball-B-Klasse Gruppe Oberzent trifft Rothenberg auf Finkenbach, das am Sonntag mit 6:3 Toren in Steinbuch erfolgreich blieb. Die Beerfelder Sondermannschaft empfängt Sensbachtal, dem in dieser Partie die größeren Chancen einzuräumen sind. Steinbuch erwartet Gammelsbach und wird auch hier um eine Niederlage nicht herumkommen. Schöllenbach hat gegen Hetzbach die größeren Aussichten.
Das Spielgeschehen in der - B¬KJasse Gruppe Unterzent gruppiert sich um die Begegnung Vielbrunn gegen Kirch-Brombach. Fürstengrund, das seine erste Partie gegen Kirch-Brombach mit 6:1 Toren für sich entscheiden konnte, wird auch gegen den VfL Höchst als Favorit angesehen. Während die Partie Mümling-Grumbach—Höchst (Soma) offen ist, müßte sich Haingrund in Wald-Amorbach durchsetzen können.
98 er in der Handball Verbandsliga spielfrei
Offenbach, Dietzenbach und Griesheim vor neuen Siegen
Die drei Spitzenreiter der Handball-Verbandsliga Offenbach, Dietzenbach und TuS Griesheim werden bei ihren Heimspielen den günstigen Tabellenplatz behalten können. Auch dem Tabellenvierten VfR Wiesbaden ist ein Sieg in Worms zuzutrauen, ebenso Gelnhausen in Kempten. Es pielen: SG Dietzenbach —Herrnsheim, TuS Griesheim—SG Nied, Kickers Offenbach—Mainz Mombach, Wormatia Worms — VfR Wiesbaden, Kempten — Gelnhausen.
Gruppenliga Süd
Nach dem dritten Spielsonntag haben sich bereits einige spielstarke Mannschaften herausgeschält. Jetzt aber bereits die Meisterschaftsanwärter zu nominieren, wäre abwegig, da die eine oder andere bis jetzt noch nicht allzu deutlich in Erscheinung getretene Mannschaft die Favoriten überflügeln kann. Der vierte Spielsonntag der Meisterschaftsrunde bringt am 24. September folgende Begegnungen:
Concordia Gernsheim — TG Rüsselsheim TSG 46 Darmstadt — Bretzenheim Pfungstadt — Alzey Herrnsheim — Wörrstadt
Am Kaffeedamm in Gernsheim kann man am Sonntag ein spannendes Spiel sehen. Der in einer Formkrise befindliche Gastgeber wird sich gegen die zur Zeit gut eingespielten Rüsselsheimer gewaltig anstrengen müssen, um zu Hause wenigstens einen Punkt zu retten.
Die Woogsleute werden sich zu Hause nach der Neuaufstellung ihres Sturmes die beiden Punkte nicht entgehen lassen.
In Pfungstadt und Herrnsheim werden wohl auch die Gastgeber ihren Platzvorteil wahrnehmen und den Gästen keine großen Chancen lassen, wobei allerdings die Spielstarke der Alzeyer abgewartet werden muß. -th-
Handhball in den Bezirksklassen
Bezirksklasse Odenwald:
Fränkisch-Crumbach—Urberach Kirch-Brombach—Langen Reichelsheim—Groß-Bieberau Seeheim—Eppertshausen Mörfelden ist spielfrei
Das wichtigste Spiel findet in Fränkisch-Crumbach statt, wo man die starke Elf aus Urberach erwartet. Der sehr verbesserte Sturm der Platzelf könnte hierbei den Ausschlag geben. Kirch-Brombach wird sich sehr anstrengen müssen, um gegen die allerdings am letzten Sonntag enttäuschende Mannschaft aus Langen zu den ersten Punkten zu kommen. In Reichelsheim haben die Gäste einen schweren Stand, denn schon immer war dort ein heißes Pflaster für Groß-Bieberau. Offen ist das Spiel der Neulinge in Seeheim, wobei vielleicht der Platzvorteil entscheidend ist.
Bezirksklasse Ried:
Crumstadt—Pfiffligheim Erfelden—Hof heim Heppenheim a. d. W.—Pfeddersheim Bürstadt—Mörstadt Westhofen—Offstein
Hier werden wohl die Platzvereine Crumstadt, Erfelden und Bürstadt zu eindeutigen Erfolgen gelangen, während die übrigen beiden’Begegnungen offen sind.
Handball-Kreisklasse Erbach
In der Handball-Kreisklasse Erbach stehen sich am Sonntag folgende Vereine gegenüber: Böllstein — Michelstadt, Erbach — Pfaffen-Beerfurth, Bad König—Nieder-Kinzig, Beerfelden—Momart, Höchst—Zell.
Für Michelstadt, das in der bisherigen Verbandsrunde vor allem durch seine Stürmerreihen zu gefallen wußte, sollten in Böllstein die Punkte nicht allzu hoch hängen. Auch Erbach, das den Vertreter des Gersprenztales empfängt, wird um einen Sieg nicht zu bangen haben. Nieder-Kinzig, das in Bad König zu Gast ist, fehlt die nötige Erfahrung, um in dieser Begegnung bestehen zu können. Höchst sollte sich mächtig anstrengen, wenn es von Zell nicht überfahren werden will. -ppi-
Snort in Kũrze
Am Sonntag spielen die Tennisjunioren des TEC gegen eine Mannschaft des TEV Kronberg. Für den TEC spielen: Jayme, Wittmann, Müller. Wittich, Schöpf, Geiß. Karsten. Eisele und die Juniorinnen Kaffenberger, Vierheller, Jayme und Geiß. Die Spiele beginnen um 10 Uhr am Böllenfalltor.
Der Mittelläufer des SV 98. Hermann Schmidtmer. kann die Geburt eines kräftigen Stammhalters melden, von dem er und sein Verein erwarten, daß er einst seinen Vater auf dem Mittelstürmerposten ablösen kann. Väter sind bei bevorstehenden Geburten bekanntlich meist nervöser als die es mehr angehenden Mütter. Wir haben nun die Erklärung dafür, daß der sonst so zuverlässige Mittelläufer am Samstag gegen den FSV nicht ganz bei der Sache war und entschuldigen uns nachträglich dafür, daß wir ihm eine so harte Kritik gegeben haben.
Eine Schiedsrichtersitzung findet am Samstag, dem 23. September. 15 Uhr bei Arnould. Darmstadt. Bismarckstraße, statt.
Die am 10. September wegen den schlechten Witterungsverhältnissen verschobenen Kinder- und Jugendtreffen in Höchst und Steinbach finden am kommenden Sonntag statt. -ppi.
Am kommenden Sonntag veranstaltet der Turnverein 1898 Gorxheim sein diesjähriges Herbstsportfest. Den Auftakt bilden bereits am Samstagnachmittag die Vereinsmeisterschaften im Tischtennis. Am Sonntag folgen die Vereinsmeisterschaften der Turner und Turnerinnen, die als Dreikämpfe in fünf Klassen, Mannschaftsfünfkämpfe und Einzelwettbewerbe ausgetragen werden. (-r)
Vorentscheidungen bei den Ringern
Die Darmstädter vor schweren Kämpfen
Oberliga: Eiche Hanau — Vorwärts Groß-Zimmern, Germania Dettingen — SG Eckenheim, ASV Hösbach — SV Darmstadt 1898. ASV 86 Frankfurt frei.
Nach dem 3. Kampftag der Ringer ist allein der Vizemeister, die SG Eckenheim, noch ohne Punktverluste. Es hat den Anschein, daß auch in diesem Jahr der mehrfache hessische Mannschaftsmeister wiederum den Titel erfolgreich verteidigen kann. Das große Plus der Mannschaft ist, daß sie auch in den schweren Gewichtsklassen stark besetzt ist. In Dettingen wird ein Sieg wohl schwerhalten, die junge Mannschaft der Gastgeber erscheint ausgeglichen. Eiche Hanau dürfte einen knappen Erfolg über Groß-Zimmern buchen können. Der Mattenvorteil ist hier von ausschlaggebender Bedeutung. Einen schweren Gang haben die Lilienträger in Hösbach vor sich. Noch nie gelang auf dortiger Matte ein Sieg und es wird auch heuer schwerhalten, zum Teilerfolg zu kommen. Die 98er müssen auf Ebert verzichten und werden voraussichtlich in folgender Besetzung die Reise antreten: Borowski, Schnauber, Heckhaus, Korwall, Mikschy, Waldhaus, Gerhardt und Scheidler. Der SV 98, der bisher immer noch ohne Punktgewinn ist und das Tabellenende ziert, benötigt dringend Punkte zum Erhalt in der obersten Ringer-Klasse.
Landesliga: SG Arheilgen — Mainz-Kostheim, Darmstadt 1910 — Sprendlingen, SKG Ober-Ramstadt — KSV Neu-Isenburg, Wiesbaden frei.
Das Wochenende wird in der hessischen Ringer-Landesliga bereits eine Vorentscheidung bringen. 1910 Darmstadt,. das überraschend in Neu-Isenburg verlor, empfängt die kampfkräftige Mannschaft von Sprendlingen, die bisher als einzigste noch keinen Punkt abgeben mußte. Ihr Sieg in Neu-Isenburg spricht für sie. In Heinel haben sie einen überragenden Mann im Schwergewicht stehen. Wollen die Darmstädter die Tabeilenführung an sich reißen, müssen sie diesen Kampf auf eigener Matte gewinnen. Ein ausgeglichener Kampf ist in Ober-Ramstadt zu erwarten. Die Gastgeber werden alles daransetzen, den Kampf zu ihren Gunsten zu entscheiden, um auch ein Wörtchen mitreden zu können. Die Gastgeber dürften gemeinsam mit Sprendlingen, Kostheim und 1910 Darmstadt die stärkste Mannschaft der Landesliga bilden.
Die SG Arheilgen, die bisher etwas unglücklich kämpfte und noch keinen Punktgewinn zu verzeichnen hat, empfängt die Mannschaft von Kostheim. Bei der Stärke der Gäste wird ein Sieg schwerhalten, eine Punkteteilung wäre bereits ein Erfolg. -eri-
Die ideellen Grundlagen des Segelfliegens
In der letzten Großveranstaltung der Segelfluggruppe Darmstadt am Dienstag im Zintlinstitut begrüßte der erste Vorsitzende Layritz unter den ca. 300 Anwesenden besonders den Ehrengast Frau Hanna Reitsch, den Ehrenpräsidenten des Aero-Clubs Fritz Stamer und die Vertreter der Segelfluggruppen Mainz, Gustavsburg, Aschaffenburg, Heppenheim, Bensheim, Erbach und Michelstadt. In seinem Vortrag betonte Präsident Stamer, daß dem Segelfliegen in ernster Arbeit wieder eine neue ideelle Grundlage gegeben werden müsse. Mit der rein materialistischen Betrachtungsweise des Menschen, die sich auch heute bei der Ausübung des Sportes bemerkbar mache, sei der Mensch in eine Sackgasse hineingeraten und zum Sklaven der Technik geworden. Was das Segelfliegen betreffe, so habe sein geistiger Inhalt, die Idee des Fliegens, dem Menschen die Kraft gegeben, zu dessen weiterer Entwicklung Opfer auf sich zu nehmen. Die besten Zeiten des alten Wandervogels müßten heute wieder in einer Segelflugbewegung, in der das Segelfliegen nur um des Fliegens willen betrieben wurde, zum Durchbruch kommen. Niemals dürfe das Segelfliegen irgendwelchen anderen Zwecken dienen und das Flugzeug zur Vernichtung des Menschen mißbraucht werden. Möglichst in eigenen Heimen sollten sich die Kameraden aus allen Nationen zusammenfinden, um Fragen aus allen Lebensgebieten miteinander zu besprechen und um sich an den großen Aufgaben zu beteiligen, die dem modernen Menschen in der heutigen Zeit auferlegt sind. Die Beschäftigung mit dem Geistigen, das hinter den Dingen liege, führe allein zu einer wahren menschlichen Freiheit. t-s
Letztes Radrennen an der Heidelbergerstrasse
Großer Preis der Blaupunktwerke beschließt die Saison
Zum letzten Male in dieser Saison öffnet die Radrennbahn an der Heidelberger Straße ihre Pforten. Am kommenden Sonntag um 14.30 Uhr wird die gesamte Mannschaft des V.C.D. nochmals gegen ihre Hauptrivalen zum friedPchen Wettkampf antreten. Schmidt, Dold, Reitz, Hundertmark, Scherer, Grunewald, Oestreich, Linnemann, Zahner und andere werden im Jugendpunktefahren und Fliegerhauptfahren- der Amateure am Start sein.
Das Hauptinteresse aber erweckt der „Große Preis der Blaupunktwerke“, ein Zweier-Mannschaftsfahren nach Sechs-Tage-Art über 100 Runden. Voraussagen sind bei diesem Fahrerfeld kaum möglich, denn jede Mannschaft kann den Sieg nach Hause fahren. Flieger- und Mannschaftsrennen stellen immer noch den reinsten Rennsport dar, bei dem wirklich jeder Fahrer sein eigenes Können bhne jede fremde Hilfe herausstellen muß, um bestehen zu können. In anderen Städten der Bundesrepublik sind es Zehntausende, die den Rennfahrern zujubeln. Möge r-, am kommenden Sonntag auch in Darmstadt der Fall sein, die tapfere Mannschaft des VCD, die drei Meisterschaften nach Darmstadt brachte, hat es verdient.
Die deutschen Meisterschaften der Berufsfahrer im Zweier-Mannschaftsfahren, die am kommenden Sonntag in Stuttgart stattfinden sollten, sind verlegt worden.
SV 98 gegen SV Wiesbaden im Tischtennis
Der 2. deutsche Mannschaftsmeister kommt mit drei Mannschaften
In der obersten Spielklasse greift nunmehr am Wochenende der SV Wiesbaden auch in die Punktekämpfe ein. Gegner ist der SV 98 Darmstadt. Die Lilienträger, die in den beiden ersten Spielen gute Leistungen zeigten, werden am Wochenende nicht zum Punktgewinn über die in allen Reihen gleich gut besetzte Gästemannschaft kommen. Schöne und spannende Spiele sind zu erwarten. So wird u. a. der mehrfache Hessenmeister und deutsche Ranglistenspieler Kurt Seifert gegen Zeglys/98 zu sehen sein. Die Mannschaft des SV 98 spielt in folgender Reihenfolge: Zeglys, Hardt, Essinger, Kappes, Hartmann und Römer.
Die Damenmannschaften beider Vereine werden ebenfalls um die begehrten Punkte kämpfen. Wenn auch die Lilienträgerirmen bisher sämtliche Begegnungen gegen Wiesbaden siegreich gestalten konnten, so muß doch gesagt werden, daß die Gäste eine Reihe talentierter Spielerinnen in ihren Reihen haben, die den Einheimischen den Sieg nicht leicht machen werden. In der bewährten Aufstellung des Vorjahres wird die Mannschaft des SV 98 wie folgt antreten: Holzapfel, Nungesser, Römer, Guyot, Nangot und Pommer.
Großes Interesse wird die Begegnung zwischen der 2. Garnitur des SV 98 und der von Wiesbaden hervorrufen. Beide Mannschaften gelten als Favoriten in der Landesliga Süd II und sind bisher noch ungeschlagen. Die Darmstädter haben gerade in diesem Jahr ein besonders starkes Team auf die Beine gestellt, das voraussichtlich den Sieg an sich reißen wird. Die 98er werden in folgender Besetzung in Wiesbaden antreten: Lutz, Wittmann, Mees, Fey, Haller und Fricker.
Die Spiele, die nach den internationalen Regeln durchgeführt werden, beginnen am Sonntagvormittag, 8 Uhr, in der Eleonorenschule. Die Reserven beginnen, dann spielt die 1. Herren- und anschließend die 1. Damenmannschaft. Ku.
3. Spieltag der Kreisklasse I
Herren:
SG Egelsbach—TSG 46 Darmstadt SKG Bickenbach—SV Darmstadt 98 111 SKG Ernsthofen—SSG Langen SG Wixhausen II—SKG Eberstadt II SV Erzhausen—TSV Nieder-Ramstadt TGB 65 Darmstadt—TSV N.-Ramstadt
Damen:
TSV Pfungstadt—SSG Langen SG Wixhausen—SKG Eberstadt SG Egelsbach—SG Arheilgen SKG Bickenbach—SV Darmstadt 98 111
Sport- und Kulturtage in Jugenheim
Die Sport- und Kulturgemeinde Jugenheim veranstaltet am Wochenende in der Turnhalle zwei Sport- und Kulturwerbetage. Das gut zusammengestellte Programm umfaßt fast alle Sportarten. Den Auftakt bildet am Samstag, 20.15 Uhr, ein Bunter Abend, der von der Laienspielschar, der Gesangsabteilung, der Gymnastikgruppe und den Turnern und Turnerinnen bestritten wird. Die Ansage hat Hans-Jürgen Stein, die Gesamtleitung Josef Bauer. Die musikalische Unterhaltung hat die Kapelle Foh, die anschließend zum Tanz aufspielen wird. $
Am Sonntagvormittag tindet die Veranstaltung um 9 Uhr ihren Fortgang mit einer Begrüßung der aktiven Mitglieder, der sich im Laufe des Tages leichtathletische Wettkämpfe, Schachwettkämpfe der Schachabteilung der SKG (Ltg. Karl Bauer) und FSK Bickenbach (Ltg. Karl Brunner), Faustballspiel Jugenheim-Pfungstadt, Gymnastik (Ltg. Frau v. Hase-Köhler), Schauturnen für Männer (Ltg. Hch. Fuchs), Schauturnen für Frauen und Schülerinnen (Ltg. Ernst Domschek) und Tischtennis-Endkämpfe anschließen. Gesamtleitung der sportlichen Wettkämpfe hat Ludwig Schüler. Nach Beendigung der sportlichen Darbietungen ist um 18 Uhr Siegerehrung. -hl-
Als erfolgreichster deutscher Amateur-Straßenfahrer von 1950 ist auf Grund mehrerer Auswahlrenncn der Schweinfurter Popp mit 27 Punkten vor Petry, Wiesbaden (21 Punkte) und Holzmann Frankfurt (20 Punkte), ermittelt worden.
Dl Bestattungen am Freitag, dem 22. September 1950 Beerdigung: Alter Friedhof: 15.00 Uhr: Kempf, Theodor, zur Zeit Nieder-Ramstadt, 84 Jahre
I |^^MHTLICHiE^JEKANr^^ Öffentliche Ausschreibung der Erd-, Maurer-, Beton- und Stahlbetonarbeiten für den Bau einer Kläranlage für die Munasledlung in Darmstadt-Eberstadt Die Ausschreibung erfolgt getrennt für einzelne Baulose. Es ist den Firmen freigestellt, für alle Lose zusammen oder für einzelne Lose Angebote abzugeben. Die Arbeiten sollen als Notstands¬ arbeiten ausgeführt werden. Die Angebotsvordrucke werden bei der Städtbauverwaltung, Abteilung Tiefbau, Bessunger Straße 125, Zimmer Nr. 6, ausgehändigt. Die Planunterlagen können dortselbst eingesehen oder gegen Entrichtung einer Gebühr von 20,— DM, die nicht zurückvergütet wird, bezogen werden. Die Angebote sind in verschlossenem Umschlag unter dem Kennwort „Kläranlage Munäsiedlung" bis zum 7. Oktober 1950, 10 Uhr, bei der vor¬ genannten Stelle einzureichen. Die Oeffnung der Angebote erfolgt zum gleichen Zeitpunkt im Zimmer Nr. 5. Darmstadt, den 22. September 1950. Stadt Darmstadt — Stadtbauverwaltung. 3 K 36/50. Zwangsversteigerung. Die untenstehend bezeichneten Grundstücke, die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsver¬ merks auf den Namen der Lieselotte Kunth geb. Fuchs, Ehefrau des Metzgermeisters Otto Kurt Kunth, in Offenbach/M.. im Grund¬ buch eingetragen waren, sollen am Montag, dem 27. Nov. 1950, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichts¬ gebäude, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Der Versteigerungsvermerk ist am 22. Juli 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. Bezeichnung der Grundstücke: Grundbuch für Darmstadt, Bezirk V, Band 110, Blatt 5459 Lfd. Nr. 1, Flur 5, Nr. 946, Hofreite Nr. 25, Bessunger Straße, 141 qm, Betrag der Schätzung: 11500 DM. Lfd. Nr. 2, Flur 5, Nr. 947, Grabgarten daselbst, 175 qm, Betrag der Schätzung: 1500 DM. Zulässiges Höchstgebot ebenso (11500 und 1500 DM). Darmstadt, den 19. September 1950. Amtsgericht, Abteilung 3. Versteigerung Samstag, den 23. September 1950, vormittags 9 Uhr, versteigere ich mit Zusammenkunft Darmstraße 24: 1 Armbanduhr, 1 Stoff¬ sessel, verschiedene Motore u. a. m. Rüder, Gerichtsvollzieher.
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