Deutsche Regierungserklürung zu den Neunyorker Beschlüssen
R. Bonn, 20. Septe.mber. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch nach eingehender Prüfung des Kommuniques der drei Außenminister über Deutschland folgende Erklärung beschlossen:
„Die Bundesregierung sieht in dem am 19. September 1950 in Neuyork veröffentlichten Deutschland-Kommunique der alliierten Außenminister einen weiteren Schritt zur Normalisierung der Beziehungen Deutschlands zu den Westmächten. Der Geist, der aus dieser Verlautbarung spricht, zeigt die Bereitschaft der Alliierten, wesentliche Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß Deutschland in immer wachsendem Maße in der Gemeinschaft der freien Völker gleichverpflichtet mitwirkt.
Sicherung gegen Angriffe
Die Bundesregierung begrüßt vor allem, daß die Alliierten sich vor aller Welt verpflichtet haben, jeden Angriff gegen die Bundesrepublik oder Berlin, von welcher Seite er auch kommt, als einen gegen sich selbst gerichteten Angriff zu behandeln. Sie hat mit Befriedigung festgestellt, daß die Alliierten in Erfüllung dieser Verpflichtung den Entschluß gefaßt haben, ihre Streitkräfte in Deutschland nach Zahl und Ausrüstung zu verstärken. Die Bundesregierung hofft, daß der Gedanke einer internationalen europäischen Streitmacht, der in Neuyork zum Gegenstand offizieller Verhandlungen gemacht wurde, zum Schutz der europäischen Freiheit verwirklicht wird.
Erhöhte Verantwortung
Mit Genugtuung kann ferner festgestellt werden, daß die Alliierten bereit sind, die Beendigung des Kriegszustandes nunmehr durch entsprechende gesetzgeberische Maßnahmen in den verschiedenen Ländern zu verwirklichen. Die Ankündigung, daß auf wirtschaftlichem wie anderem Gebiete die bestehenden alliierten Kontrollen fortschreitend beseitigt werden, wird als ein Zeichen gewertet, daß die Alliierten gewillt sind, dem deutschen Volk auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung eine erhöhte eigene Verantwortung zu übertragen. Dies gilt auch für das Gebiet der Außenpolitik, auf dem Deutschland ein wesentliches Stück seiner Souveränität zurückgewinnt.
Mit besonderer Freude nimmt die Bundesregierung von der Erklärung der Alliierten über Berlin Kenntnis, worin die Standhaftigkeit der Bevölkerung in ihrem Freiheitskampf gewürdigt und der Stadt sowohl ein verstärkter militärischer Schutz als auch wirtschaftliche Hilfe und eine Verbesserung ihres rechtlichen Status zugesagt werden.
Intensive Zusammenarbeit
Hinsichtlich der Revision des Besatzungsstatuts wird es intensiver gemeinsamer Arbeit bedürfen, um die Ankündigungen des Kommuniques in die Wirklichkeit umzusetzen. Dabei wird die Bundesregierung ihre Aufmerksamkeit darauf richten, die bisher einseitige Regelung ihrer Beziehungen zu den alliierten Mächten baldmöglichst auf vertragliche Basis zu stellen.
Wenn auch die Beschlüsse von Neuyork nicht alle deutschen Wünsche erfüllen, so sieht die Bundesregierung doch in der Erklärung der alliierten Außenminister einen erfreulichen Schritt auf dem Wege Deutschlands vom besetzten Land zur freien Nation. Auf diesem Wege wird es auf deutscher wie auf alliierter Seite der Geduld, des guten Willens und der Bereitschaft bedürfen.“
Bonn erhofft Verträge
R. Bonn, 20. September. Die bevorstehenden Besprechungen des Bundeskanzlers mit den Oberkommissaren und der Besuch Hendersons, des Leiters der Deutschland - Abteilung im britischen Außenministerium, am Freitag beim Bundeskanzler, stehen im Mittelpunkt des Interesses in Bonn. Es wird erwartet, daß erst die Erläuterungen von alliierter Seite vollen Aufschluß über das Neuyorker Kommunique geben werden.
Die deutschen Wünsche, das Besatzungsstatut durch ein gegenseitiges Vertragsverhältnis zu ersetzen, sind zweifellos nicht erfüllt worden, aber die Stellungnahme des Kabinetts beweist, daß weiterhin eine solche Entwicklung angestrebt werden wird. Andererseits wird auch die alliierte Ankündigung mit besonderem Interesse aufgenommen, daß in gegenseitigen Vereinbarungen gewisse Befugnisse der Oberkommission gegen deutsche Zusagen aufgehoben werden können. Dazu besagen inoffizielle Informationen, daß es sich unter anderem um die Dekartellisierung handeln könne. Wie verlautet, wurde auf der Außenministerkonferenz auch das Problem des Beamtengesetzes erörtert, das nach wie vor vor allem bei der amerikanischen Seite als ein Kernpunkt deutscher Demokratisierung angesehen wird.
Keine Reviston des Grundgesetzes?
Unklarheit in Bonn über die neue Polizei
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 20. September. In Regierungskreisen wird als eip besonders wichtiger Punkt unter den mit den Oberkommissaren zu klärenden Formulierungen des Neuyorker Kommuniques die Polizeifrage betrachtet. Die Polizeiverstärkungen sind im Kommunique zwar ausdrücklich als auf Länderbasis beruhend bezeichnet. Gk-ichzeitig aber werden der Bundesregierung ausreichende Vollmachten über diese Kräfte zugestanden und dabei nicht die im Grundgesetz vorgesehene Vorbedingung eines aktuellen Gefahrenfalles für die Gültigkeit dieser Vollmachten erwähnt. Es wird vielmehr nur gesagt, daß diese Vollmachten den Forderungen der gegenwärtigen Lage gerecht werden sollen.
Damit deutet sich nach der Auffassung in Bonn die Perspektive eines grundsätzlichen und praktischen Verfügungsrechtes des Bundes über diese Polizeieinheiten an, das eine Zentralstelle beim Bund als nötig erscheinen lassen werde, schon um eine zentrale Inspektion der einheitlichen Ausbildung zu ermöglichen. Es wird angenommen, daß eine Revision des Grundgesetzes nicht notwendig sei, da es sich um keine formelle I undespolizei handele.
So werden über die Frage der verstärkten Polizei eingehende Beratungen mit den Ländern beginnen müssen, während sich das Bundesparlament wohl mit der Bildung einer Zentralstelle befassen wird.
Keine deutschen Botschafter?
London, 20. September. (AP.) Aus Londoner Regierungskreisen verlautet, die Außenminister der drei Großmächte hätten beschlossen, der Bundesrepublik nicht die Entsendung von Botschaftern nach London, Washington und Paris zu gestatten. Auf diese Weise wolle verhindert werden, daß sich in diesen drei Hauptstädten ein zu starker deutscher Einfluß bemerkbar mache. Ferner wird als Grund die Befürchtung vermutet, daß die Anwesenheit deutscher Botschafter in den drei Hauptstädten die Autorität der Oberkommission in Deutschland unterhöhlen könnte.
Vor den Toren von Söul
Brückenkopf über den Han / Neue Landung in Samschock
Pusan, 20. September. (AP/dpa/Reuter) Der kommunistische Sender von Söul hat am Mittwoch um 6 Uhr morgens den Betrieb eingestellt. Die frühere südkoreanische Hauptstadt ist nunmehr unmittelbar bedroht. Amerikanische Panzer haben im Nordosten der Stadt die Stadttore erreicht.
Als mehrere wichtige Höhen im Vorfeld von Söul eingenommen werden konnten, schoben sich die Angriffsspitzen der Panzer erst in einen Ort wenige Kilometer vom eigentlichen Stadtrand vor, um schließlich den Rand von Söul zu erreichen. Die amerikanischen Pioniere hatten nordwestlich der ersten Uebergangsstelle in der Nacht zum Angriff eine Brücke über den Han geschlagen. Als nach einem halbstündigen Artilleriefeuerüberfall die Schlauchboote, Sturmboote und Amphibienfahrzeuge über den Han setzten, rollte die Masse der Panzer und Geschütze auf dieser Brücke dem feindlichen Ufer zu.
Der Flugplatz Kimpo, der größte koreanische Flughafen mit festen Startbahnen, ist vollständig in Betrieb genommen worden. Die Amerikaner haben eine Luftbrücke zwischen Japan und der koreanischen Halbinsel eingerichtet.
An der Ostküste Südkoreas sind hundertsechzig Kilometer nördlich Pohang, Truppen der Vereinten Nationen unter dem Schutz starker Verbände der alliierten Seestreitkräfte in Samschock gelandet. Samschock ist der Endpunkt der Eisenbahn, die von Söul quer durch Korea geht und die Ostküste mit der Hauptstadt verbindet. Dieses wichtige Versorgungszentrum ist fest in der Hand südkoreanischer Truppen.
Im Brückenkopf von Pusan drücken die Amerikaner weiter auf die nordkoreanischen Stellungen. An der Nordfront und im Raum nördlich Taiku drängen die Truppen der Vereinten Nationen dem geschlagenen Feind heftig nach. Auch im Südabschnitt weicht der Feind dem Druck der Amerikaner.
Der Kriegsschauplatz in Korea
Wacht an Elbe und Spree
London zu den Neuyorker Besprechungen
London, 20. September, (dpa) Die Beschlüsse der Außenminister der drei Westmächte über Deutschland haben in britischen Regierungskreisen größte Befriedigung ausgelöst und entsprechen den Erwartungen, die man in London in die Neuyorker Konferenz gesetzt hatte. In diplomatischen Kreisen der britischen Hauptstadt wurde erklärt: „Die Alliierten haben im vollsten Sinn des Wortes die Wacht an der Elbe und an der Spree bezogen. Die Sicherheit Berlins und Westdeutschlands hat die gleiche militärische Macht hinter sich, wie die Londons und Großbritanniens".
Fünf Dortmunder Jugendliche, die zur Teilnahme am Pfingsttreffen in Berlin überredet worden waren, sind seitdem nicht zurückgekehrt.
Das ganze Deutschland
*** Welche Bedeutung das Kommunique der Außenminister der drei Westmächte für die Bundesregierung besitzt, ist bereits gestern eingehend dargelegt worden. Nun hat der Sprecher des britischen Außenministeriums noch eine Erklärung hinzugefügt, die von ganz blonderer Wichtigkeit ist. Er sagte, die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland beziehe sich auf das ganze Deutschland, dem von den Westmächten der Krieg erklärt wurde. Es gehörten dazu also auch die jetzt unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie.
Man erinnert sich daran, daß durch die Verträge von Jalta und Potsdam jene Ostgebiete „vorläufig" der polnischen Verwaltung unterstellt worden sind. Polen hat sich jedoch darum nicht gekümmert, sondern die Gebiete „endgültig“ dem polnischen Staate eingegliedert. Es hat zu erkennen gegeben, es denke nicht daran, sie jemals wieder herauszugeben.
Die Westmächte haben wiederholt betont, daß sie sich mit der polnischen Annektion nicht abfinden könnten. Das endgültige Schicksal der Ostgebiete müsse in einem künftigen Friedensvertrag mit Deutschland geregelt werden. Wenn sie nunmehr die Absicht kundtun, die Beendigung des Kriegszustandes auch auf die Gebiete jenseits von Oder und Neiße auszudehnen, so bedeutet das zwar kein absolut neues Moment in ihrer bisherigen Haltung. Es legt die Westmächte jetzt ausdrücklich darauf fest, daß sie sich nicht mit dem von Polen geschaffenen Falt accompli abfinden, sondern weiterhin gewillt sind, die vorläufige Grenzziehung im Osten zugunsten Deutschlands neu zu regeln.
Nicht verhandeln, protestieren
Von Reinhold ZenzAm Dienstag hat in Neuyork die fünfte Vollversammlung der Vereinten Nationen ihren Anfang genommen. Nicht weniger als 73 Punkte stehen auf der Tagesordnung. Viele davon sind hochpolitischer Art. Aber es gibt keinen, dessen Behandlung das deutsche Volk mit größerer Spannung verfolgen wird, als jenen, in dem die 59 Vereinten Nationen durch Anträge der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Australiens aufgefordert werden, von der Sowjetunion Auskunft über den Verbleib von vielen Tausenden deutscher und japanischer Kriegsgefangener einzuholen.
Unbeantworteter Protest
Auf wiederholtes Drängen der maßgebenden deutschen Stellen haben die drei Regierungen der Westmächte am 14. Juli dieses Jahres dem sowjetischen Außenministerium durch ihre Botschafter in Moskau drei gleichlautende Noten überreicht, in denen die Sowjetunion beschuldigt wurde, das Schicksal von Zehntausenden von deutschen Kriegsgefangenen geheimzuhalten. Rußland wurde ferner aufgefordert, Auskunft zu geben, was mit den zahllosen deutschen Staatsangehörigen geschehen sei, die jenseits der Oder-Neiße-Linie wohnten und als Ziviünternierte nach der Sowjetunion verschleppt wurden.
Die Westmächte schlugen die Bildung einer internationalen Kommission vor, die in Rußland selbst Ermittlungen anstellen sollte. Die Sowjetunion wurde zudem aufgefordert, die Namen und Aufenthaltsorte von 13 566 Deutschen anzugeben, die sich gemäß der sowjetischen Note vom 8. Mai noch in der Sowjetunion befanden. Sie sollte ferner Angaben über jeden machen, dem der Status des Kriegsgefangenen durch die Kennzeichnung als Zivilarbeiter oder auf andere Weise genommen wurde und der so aus der Kriegsgefangenen-Statistik gestrichen worden sei. Ferner sollten Angaben über die Identität und die Begräbnisstätten von Deutschen gemacht werden, die in der Gefangenschaft gestorben sind.
Da dieser Protest unbeantwortet blieb, haben die Vereinigten Staaten, England und Australien am 27. August dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, eine Denkschrift zugeleitet, in der beantragt wurde, daß die Frage der deutschen und japanischen Kriegsgefangenen, die noch in der Sowjetunion zurückgehalten werden, auf die Tagesordnung der nächsten Vollversammlung im September gesetzt werde.
Wieviele sind es noch?
Die Russen haben es meisterhaft verstanden, die Zahl der Kriegsgefangenen, die immer noch der Heimat ferngehalten werden, zu verschleiern. Sie selbst hatten am 8. Mai dieses Jahres jene Erklärung abgegeben, die in Deutschland mit größtem Entsetzen aufgenommen wurde, es befänden sich statt einiger Hunderttausend nur noch 13 546 deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion und diese würden nur deshalb zurückgehalten, weil sie Strafen zu verbüßen hätten. Auch eine Liste dieser „Kriegsverbrecher“, die völlig willkürlich abgeurteilt wurden, liegt noch nicht vor. Vom britischen parlamentarischen Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Lord Henderson, war am 17. Mai geschätzt worden, daß 1,5 Millionen deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion verschwunden seien. Es mag sein, daß viele von ihnen nicht mehr am Leben sind. Denn manch einer erlag den Härten des Klimas und der oft menschenunwürdigen Behandlung. Die Schätzung der noch Lebenden wäre wesentlich leichter, wenn die Sowjetunion gemäß der internationalen Verpflichtung Totenlisten herausgegeben hätte. Die Russen sind bisher der Aufforderung, dies zu tun, nicht nachgekommen. Im Gegenteil, der stellvertretende Informationschef der Sowjetzonenregierung, Georg Stibi, der sich vorher über die Absichten des Kremls unterrichtet haben dürfte, hat am 4. Juni in Berlin ausdrücklich erklärt, die Sowjetunion beabsichtige nicht, die Listen der in Gefangenschaft verstorbenen Deutschen zu veröffentlichen.
Die den Vereinten Nationen zugeleitete Denkschrift spricht von etwa dreihunderttausend deutschen und japanischen Kriegsgefangenen. Von der Bundesregierung ist dagegen festgestellt worden, daß vierhunderttausend vermißte Deutsche in Zwangsarbeitslager gebracht worden sind.
Die Arbeitssklaven
Es ist ein übler Trick, durch den die Russen unsere Kriegsgefangenen von der Bildfläche verschwinden ließen. Einen Teil von ihnen stempelten sie willkürlich zu Kriegsverbrechern und verwiesen sie für zwanzig und mehr Jahre in Zwangsarbeitslager. Das sind jene 13 546. Eine weit größere Zahl aber haben sie zu „freiwilligen“ Zivilarbeitern gemacht. Ihren Verbleib festzustellen, ist besonders schwierig, da sich nicht mehr alle von ihnen im eigentlichen Rußland befinden. Wie die dänische Zeitung „Nationaltidende“ meldet, werden deutsche Kriegsgefangene sogar bei der Wiederaufbauarbeit in China verwendet. Es soll sich dabei fast ausschließlich um frühere Mitglieder der Organisation Todt handeln, die für die Pekinger Regierung von größtem Nutzen seien, da es ihr an technischen Arbeitskräften fehlt. Das Blatt versichert, Reisende hätten an verschiedenen Orten in China deutschsprechende, zivilgekleidete Arbeiter gesehen, denen die Gefangenennummer auf das Handgelenk tätowiert war. Einige Gruppen seien unter Bewachung russischer Soldaten in Lagern untergebracht, während andere eine gewisse Bewegungsfreiheit hätten. Ihnen sei jedoch streng verboten, sich mit Fremden zu unterhalten, oder öffentlich miteinander deutsch zu sprechen.
Die Russen werden auch in der Vollversammlung der Vereinten Nationen solche Feststellungen mit eiserner Stirn bestreiten. Der Vollversammlung stehen jedoch genügend Beweismittel zur Verfügung. Die Notgemeinschaft der Heimkehrer im Bundesgebiet hat nämlich in einem Telegramm an Trygve Lie lebende Zeugen dafür angeboten, daß deutsche Männer und Frauen in der Sowjetunion zurückgehalten werden und zwar unter Verletzung des elementarsten Menschen- und Völkerrechts. Außer den Deutschen warteten in den Todeslagern der Sowjetunion auch ungezählte verschleppte Männer und Frauen vieler Nationen auf die Freiheit.
Zu den Akten?
Die Satzung der Vereinten Nationen sieht immer noch das Vetorecht vor. Wäre der russische Vertreter Malik in einer entscheidenden Sitzung nicht ferngeblieben, so wisse man nicht, wie der Beschluß zur Abwehr des bolschewistischen Angriffs auf Südkorea überhaupt hätte gefaßt werden können. Gewiß wird die Frage der deutschen und japanischen Kriegsgefangenen in Neuyork zur Sprache kommen. Es werden voraussichtlich dazu auch Reden gehalten werden, die uns Deutschen aus den Herzen gesprochen werden. Aber ein russisches Veto wird voraussichtlich jeden Beschluß verhindern.
Als die Beratende Versammlung des Europarates in Straßburg sich mit der Frage der deutschen Kriegsgefangenen befaßte, sagte die deutsche Abgeordnete Frau Dr. Helene Weber, hierüber könne man nicht beraten, aber alle Völker der Welt müßten gegen die Zurückhaltung der Kriegsgefangenen protestieren. Es gibt kein Machtmittel, das die Russen zwingen könnte, ihrer Verpflichtung zur Menschlichkeit nachzukommen. Daher muß das Gewissen der Weltöffentlichkeit immer wieder zu Protesten aufgerüttelt werden, bis ein Staat, der den Anspruch erhebt, zu den zivilisierten Nationen zu gehören, die Mindestforderung der Menschlichkeit erfüllt.
Verhandlungen
an Der Führer der Opposition im Bundestag hat sich skeptisch gegenüber dem Ergebnis von Neuyork ausgesprochen. Er hat gemeint, daß eine zentrale Lösung doch nicht erreicht worden sei. Diese Feststellung Dr. Schumachers entspricht völlig den Tatsachen. Das Verhältnis Deutschlands zu den Alliierten wird auch nach der Konferenz von Neuyork nicht so geregelt werden, daß kein Wunsch mehr übrigbliebe und daß es als völlig normal angesehen werden könnte. Die Frage ist nur, ob man im Emst hat erwarten können, daß ein solches Ergebnis bereits heute hätte erreicht werden können. Wir möchten meinen, daß man sehr wohl die Lücken sehen kann, die immer noch bleiben, daß man aber dennoch das Kommunique der Außenminister als einen wichtigen Schritt weiter auf dem Wege zur Gleichberechtigung Deutschlands und damit zur Bildung einer echten Gemeinschaft aller freien Völker ansehen muß.
Mit den Wünschen, die auch nach dem Kommunique von Neuyork noch offen bleiben, werden sich die Verhandlungen beschäftigen, die in den nächsten Wochen zwischen der Bundesregierung und den Alliierten beginnen werden. Sie müssen zu einem wesentlichen Inhalt das Besatzungsstatut haben. Das Kommunique von Neuyork enthält darüber Zusicherungen, deren Wert davon abhängt, was sich bei den kommenden Verhandlungen als staatsrechtliche Form des Zusammenlebens herausstellen wird. Ueber Einzelheiten wird, weiter unten noch gesprochen. Die deutschen politischen Kreise wie die deutsche Oeffentlichkeit müssen beispielsweise Wert darauf legen, was eigentlich an der seltsamen Information aus halbamtlichen Kreisen aus London zu halten ist, wonach ausgerechnet in Paris, London und Washington von Deutschland keine diplomatischen Missionen unterhalten werden sollen, „damit der deutsche Einfluß dort nicht zu stark werde“. Man ist vorläufig geneigt, diese Mitteilung für einen schlechten Scherz zu halten. Hoffentlich wird es darüber bald eine genügende Aufklärung geben.
Der Wiederaufstieg Deutschlands in die Vereinigung der westlichen Völker vollzieht sich naturgemäß in Etappen. Es ist nicht möglich, mit einem einzigen Schritt das Endziel zu erreichen. Weder darf man die Schwierigkeiten unterschätzen, die noch vor Uns liegen, noch darf man sich den Blick trüben lassen für die bedeutende Strecke Weges, die bereits zurückgelegt ist. Nur so wird man zu einer unbefangenen Beurteilung der Entwicklung kommen.
„Polizeikrieg“ in Berlin
er. Berlin, 20. September. (Eigener Drahtbericht.) In Berlin ist seit drei Tagen ein „Polizeikrieg“ im Gange. Am Montag wurden sechs Volkspolizisten, die bewaffnet waren, im amerikanischen Sektor Berlins von West-Berliner Polizisten verhaftet. Am Dienstag nahmen daraufhin Volkspolizisten aus öffentlichen Verkehrsmitteln heraus bei der Fahrt durch den sowjetischen Sektor 26 West-Berliner Polizeiangehörige fest, die sich in Uniform, aber ohne Waffe, auf dem Weg zum Dienst oder auf der Heimfahrt befanden. Als Vergeltungsmaßnahme gegen die Verhaftung der 26 West-Berliner Polizisten wurden in den Morgenstunden des Mittwochs 44 Volkspolizisten, die ihren Wohnsitz in West-Berlin haben oder Verkehrsmittel in den Westsektoren Berlins benutzten, von der West-Berliner Polizei verhaftet.
Genügend Zucker
Bonn, 20. September, (dpa) Wie aus dem Bundesernährungsministerium verlautet, sollen im Oktober fast 200 000 Tonnen Zucker, also die doppelte Menge des normalen Bedarfs, freigegeben werden. Dazu wird erklärt, mit dieser Menge müsse auf jeden Fall der Bedarf im vollen Umfange gedeckt werden können. Die diesjährige Zuckerernte mit rund 750 000 Tonnen sei besonders gut.
Die Rehabilitierung des dentschen Soldaten
Von Herhudt v. Rohden, Generalmajor a. D., letzter Chef der Kriegsgeschichtlichen Abteilung der Luftwaffe
Wir geben den nachfolgenden Aufsatz als Beitrag zu der Frage, wie bei einer Wiederbewaffnung Deutschlands die Ehre seiner alten Armee wiederhergestellt werden soll.
In diesen Tagen werden im Waldorf-Astoria über die etwaige Beteiligung der Deutschen Bundesrepublik an der Verteidigung ihres Heimatbodens und Europas Beschlüsse gefaßt, soweit die Westalliierten hierüber zu entscheiden haben. Es liegt dann an den Westdeutschen selbst, diesen weltgeschichtlichen Vorgang in irgendeiner Form einer Lösung zuzuführen. Die „Stimme Amerikas“ hat sich am 14. September 1950 klar darüber ausgesprochen.
Die Masse der Deutschen sagt wahrscheinlich noch: „Ohne mich.“ Eine im letzten Jahr größer gewordene Zahl wird sich aber bereit erklären. Alle Deutschen jedoch, h^onderheit die ehemaligen Berufsoffizretc, verlangen erst einmal die „Rehabilitierung der deutschen Wehrmacht und die Auslöschung der Schande von Nürnberg“. Die „Gleichberechtigung“ ist ihnen eine Selbstverständlichkeit. Dies kommt in allen Aeußerungen führender Persönlichkeiten und in den Leitartikeln der namhaften Zeitungen immer wieder zum Ausdruck.
Es hat indessen noch niemand den Mut und die Überlegung aufgebracht, zu erläutern, wie diese Entdiffamierung eigentlich aussehen soll.
Eine Klärung ist aber erforderlich, wenn die Entscheidungen der Geschichte an uns herantreten. Ich will daher versuchen, einen Beitrag hierzu zu liefern, auch auf die Gefahr hin, von der Tagesmeinung beider Seiten verdammt zu werden.
Die Zriegsverbrechen
Der Tatbestand ist folgender:
Das nationalsozialistische Regime ist vor wenigen Jahren nach bedingungsloser Kapitulation einer immer noch tapfer kämpfenden Wehrmacht als verbrecherisch und als Feind menschlicher Freiheiten verurteilt worden. Es wurde nach Männern und Organisationen in der Wehrmacht gesucht, die die Ziele der politischen Führung seit 1933, ohne Schuld zwar, aber doch bewußt, unterstützt haben. Sie wurden in Bausch und Bogen mit wirklichen Kriegsverbrechern und mit der ganzen Wehrmacht überhaupt von Deutschen und Nicht-Deutschen als Volksfeinde betrachtet. Viele wurden als Kriegsverbrecher verurteilt. Dabei war es gleichgültig, ob sie diese Vergehen ohne Not oder unter dem Druck der harten Verhältnisse des Krieges (siehe auch Korea) oder auf Befehl höherer Dienststellen begangen hatten. Die Todesstrafe war nicht selten. Sie wurde oft durch Erhängen vollstreckt, was man in Deutschland als besonders schimpflich ansah.
Die Tradition des deutschen Soldatentums wurde als minderwertig, nutzlos und als nicht mehr zeitgemäß hingestellt. Die persönliche Behandlung war nicht selten niederziehend. Mit dem Acht und Bann wurden auch die allen anderen Berufsständen billige Altersversorgung und die Unterstützung der Familienangehörigen zunächst ganz gestrichen. Dann betrieb man diese Lebensfrage nur zögernd. Auch heute ist sie noch nicht entschieden.
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Auf der anderen Seite sehen wir die Sieger von 1945, eine Koalition diametral auseinandergehender Ideologien. Unter ihren zwar äußerlich sich zunächst noch ähnelnden Vorzeichen begann man mit der „Umerziehüng“ der Deutschen. Die Welt und die Deutschen selbst sollten schnell und gründlich von den verschiedenen „. . . ismen“ des zusammengebrochenen Deutschen Reiches befreit werden. Die Deutschen halfen mit großem Eifer, diese Ziele eines idealen Hoffens auf Frieden und menschliche Freiheit in der Welt zu erreichen.
Der Osten ging dabei den Weg der „Volksdemokratien“ — und rüstete auf. Weltrevolution blieb die Parole. Was dazu nutzbar sein konnte, wurde genommen. Das andere kam ins Konzentrationslager. Debatten gab es nicht.
Der Westen rüstete ab. Er war strebend bemüht, uns die menschlichen Freiheiten zukommen zu lassen. Doch blieben die Deutschen eine lange Zeit — und vielleicht auch heute noch — in den westlichen Augen ein Volk, dem man die moralische, politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung nur mit Vorsicht und nach langer „Bewährung“ zugestehen durfte. Außerdem hielt sich der Grundsatz: Nur freie Völker haben das Recht auf Selbstverteidigung.
Beide aber, der Osten wie der Westen, erkannten in ihrem sich stetig verschärfenden Gegensatz, daß es „ohne Deutschland nicht ginge“. Darüber entstanden jedoch zwei Deutschland und in Mitteleuropa ein Vakuum, das auf die Dauer untragbar ist.
Die Weltgeschichte selbst ist es, die die ihr zeitweise von den kleinen Menschen auferlegten krummen Wege und Unzulänglichkeiten von sich aus korrigiert, ohne Pose und Bedingungen, oft noch kaum wahrnehmbar, aber um so nachdrücklicher. So wandelten sich in jenen Jahren auch wir und die anderen.
Die idealen Hoffnungen unserer Besten und die unserer früheren Westgegner sind bei dieser Entwicklung spätestens seit dem 25. Juni 1950 zuschanden geworden. Die Leidenschaften der Menschen sind eben zu stürmisch und ihr Egoismus zu kraß. Wir alle sind wohl noch nicht reif.
Aus der Geschichte lernen...
Wir wollen zwar immer aus der Geschichte lernen. Aber beweisen wir unsere Erkenntnis, wenn auf der anderen Seite trotz des Wissens von dem, was da kommen wird, noch immer an den Ueberresten eines unverständlichen Ueberlegenheitsgefühls und an Beschränkungen festgehalten wird? Sind wir reif, wenn nun auf unserer Seite mit Schadenfreude Forderungen an moralischer Wiedergutmachung gestellt werden, die die Geschichte mit ihrer leisen Hand schon längst selbst erledigt?
Aber wie soll denn nun die Mauer, die manche von uns und von den anderen noch immer zwischen sich aufgerichtet, sehen, niedergerissen werden?
Vielleicht so, wie es manche Heißsporne sehen wollen:
Es erfolgt eine „offizielle“ Erklärung, daß
, die Urteile und überhaupt die ganzen Verfahren gegen die Kriegsverbrecher in ihrer überwiegenden Masse ehrverletzende Justizirrtümer waren,
die Entnazifizierung und die Demilitarisierung Unsinn gewesen seien, die Mißachtung, die man den Deutschen und ihren Soldaten entgegenbrachte, grundfalsch war.
Gewiß, die allerjüngste Vergangenheit hat gegenüber den vorhergehenden Jahren, und diese wieder an ihren Vorgängerinnen so verfahren. Aber die heutige Entwicklung spricht schon davon, daß es in dieser krassen Form nicht richtig war. Sollen wir in dieselben Fehler verfallen und wieder nichts aus der Geschichte lernen? Verstehen wir doch, daß jede Epoche, ob häßlich oder gut, ihre Berechtigung hat und mit ihrem Sinn belehrend und irgendwie erfolgreich weiter wirkt.
Dies trifft auch auf die Jahre 1945 bis 1950 zu, mögen wir uns „diffamiert“ fühlen, mögen andere im Ueberschwang ihrer Ideale und in Erinnerung an böse Erfahrungen Fehler begangen haben. Nun bietet uns die Geschichte die Hand zu lernen, um Europas willen. Nutzen wir die neuesten Erfahrungen lieber für die Zukunft aus. Zeigen wir und die anderen, daß wir alle im Sinne des Ganzen für unsere Nachkommen Abstriche an unseren Forderungen machen können.
Miteinander, nicht übereinander verhandeln
Ist einem Menschen im Privatleben nach hartem Kampf mit einem anderen Unrecht zugefügt, so bringen beide die Angelegenheit in stillschweigendem Einverständnis in Ordnung, wenn sie, trotz allem, was geschehen war, ihren gegenseitigen Wert doch schätzengelernt haben. Wer fühlt sich überhaupt „diffamiert“? Doch nur der, der dem großen Weltenlauf hinterher hinkt.
Was im Privatleben gilt, ist in der Geschichte der Völker von noch größerer Verpflichtung. Bei ihnen steht mehr auf dem Spiel.
Sollen wir alle etwa ganz untergehen, nur weil einige Leute das Persönliche vor das große Ganze stellen und es ihnen an politischer Ueberlegung mangelt?
So meine ich denn, daß die stillschweigende Uebereinkunft die beste Art der Entdiffamierung ist: An die Arbeit gehen und die Zukunft Europas aufbauen. Was an wirklichem Unrecht dann noch zu ordnen ist, regelt sich von selbst. Dazu braucht man keiner tönenden Worte, die im Strudel der Ereignisse sowieso zu einem Nichts werden.
Und die Gleichberechtigung? Mit einander verhandeln und nicht über einander vor verschlossenen Türen. Aber auch das stellt sich automatisch ein. Darüber sollten wir keine Staatsaktion einleiten. Was den Völkern not tut, legt die Weltenführung in die Brust der Menschen. Sorgen wir uns nicht darum. Dann wird die freiwillige und großzügige Gemeinsamkeit unserer Arbeit eine Selbstverständlichkeit ohne Mißtrauen und §tarre Bedingungen. Kein ernstdenkender Politiker und keine Nation, die auf ihre eigenen Freiheiten stolz ist, wird sich diesem Grundsatz entziehen wollen.
Der Weg zu einem freien Europa steht uns dann allen offen, ohne daß jemand den Beleidigten mehr zu spielen braucht.
Widerstand gegen Lukaschek
R. Bonn, 20. September. (Eigener Drahtbericht.) Die neuen Vorschläge Lukascheks zum Lastenausgleich, über die wir bereits berichtet haben, sind auf heftigen Widerstand im Unkeler Kreis gestoßen, obwohl der Minister betont hatte, daß seine Vorschläge sich im Rahmen der Unkeler Beschlüsse hielten. Maßgebende Vertreter dieses Kreises sind jedoch nicht dieser Ansicht. Sie weisen vor allem darauf hin, daß die vorgesehene Hausratsbesteuerung zu einem neuen Speisekammergesetz werden müsse, das nicht zu verantworten sei. Dieser Vorschlag sei bereits in den Besprechungen des Unkeler Kreises mit Vertretern des Vertriebenenministeriums abgelehnt worden. Auch im Kabinett hat sich Opposition gegen diese Vorschläge ergeben, da man vor allem eine neue Verzögerung der Verabschiedung des Lastenausgleichsgesetzentwurfes durch solche Forderungen befürchtet.
Stimmen der Anderen
Die Neuyorker Beschlüsse
Die „N e w Yo r k Times“ stellt die Frage, ob die Beschlüsse der Außenminister der drei großen Westmächte über Deutschland weit genug gingen.
„Der Bundesrepublik wird noch immer das Recht verwehrt, eine Rolle sowohl bei ihrer eigenen als auch bei der Verteidigung Westeuropas zu spielen und sie darf, genau wie Südkorea vor dem Ausbruch des Konfliktes, nur Polizeikräfte zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit besitzen. Die deutsche Beteiligung an der europäischen Verteidigung wird kaum von großem Nutzen sein, wenn sie sich auf deutsche Arbeitskräfte beschränkt, wie es jetzt vorgeschlagen worden ist. Die drei Mächte empfinden offensichtlich die Unzulänglichkeit ihrer Beschlüsse in diesem Punkt “
Erhöhte Moral
Der Londoner „Daily Telegraph“ schreibt:
„Die größte Befriedigung wird in der Bundesrepublik und in anderen Ländern dadurch aufgelöst werden, daß England und die Vereinigten Staaten jetzt endgültig die versteckten Befürchtungen zerstreut haben, daß sie die Absicht hättenr Europa lieber am Kanal als an der Elbe zu verteidigen. In Deutschland waren diese Befürchtungen, die von den Kommunisten eifrig ausgenutzt wurden, eine ernste Ursache der Schwäche, da viele Deutsche nicht geneigt waren, sich für die Verteidigung des Westens voll einzusetzen, um später nicht die Opfer kommunistischer Vergeltung zu werden. Diese Auffassung ist , natürlich keineswegs auf Deutschland beschränkt. Die gestrige Erklärung wird die Moral westlich des Eisernen Vorhangs ungeheuer erhöhen und den Willen stärken, einer Aggression Widerstand zu leisten.“
Genugtuung für Frankreich
Die de Gaulle nahestehende „Aube“ sagt:
„Das Ringen um die deutsche Aufrüstung wird mit der Konferenz der Verteidigungsminister der drei Westmächte fortgesetzt. Diese Zusammenkunft zeigt klarer als je zuvor den festen Willen des Westens, beim Aufbau eines gemeinsamen, unbezwingbaren Verteidigungssystems rasch zu handeln. Wir treten erneut für die Bewaffnung Deutschlands unter gewissen Garantien ein. Der Frieden muß gerettet werden, und wenn der deutsche Beitrag unbedingt erforderlich zu sein scheint, muß man ihn eben annehmen.“
Der sozialistische „P o p u 1 a i r e“:
„Wenn die Deutschen auch keine Armee bekommen haben, sind ihnen doch größere Polizeikräfte zugestanden und dazu noch eine Garantieerklärung gegeben worden. Die öffentliche Meinung Frankreichs, die angesichts der Pläne zur Wiederaufrüstung Deutschlands besorgt ist, hat weitgehende Genugtuung erhalten."
„Kern einer Armee“
Die Moskauer Zeitungen erklären am Mittwoch, die von den Außenministern der drei Westmächte gebilligte motorisierte Polizeitruppe Westdeutschlands werde unzweifelhaft der Kern einer deutschen Armee werden. Eine Meldung der „T A S S“ sagt:
„Die Schaffung einer als Polizeitruppe getarnten deutschen Armee ist das Hauptthema der Außenministerkonferenzen gewesen. Die Außenminister haben eindeutig ihr Bestreben erkennen lassen, die Menschen- und Produktionsreserven Westdeutschlands für ihre Kriegsvorbereitungen zu nutzen. Die Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs planen, Westdeutschland in den aggressiven Block der Westmächte einzugliedern. Die Entscheidung der Westmächte, den Kriegszustand mit Deutschland zu beenden, entspringt dem gleichen Wunsche.“
Niedersachsen hat die Werbung von deutschen Arbeitskräften für südafrikanische Goldminen verboten.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Woltgang-Kriiger-Verlag, Hamburg
17/
„Mademoiselle, Mademoiselle!“
Das Kind legte seine ganze Kraft in diesen beschwörenden Ruf, der um Hilfe bat. Aber gegen die Tränen und Wehklagen war es machtlos. Ebensogut hätte es sich von einem zähflüssigen Lavastrom freimachen können.
Henriette beugte sich hinüber, um der Bitte Folge zu leisten. Sie hielt jedoch sogleich in ihrer Bewegung inne und sah sich fragend nach dem Herzog um. Er mußte ihr sagen, was sie zu tun hatte. Er begegnete ihrem Blick fast wie verlegen, aber um seinen Mund hatte sich eine harte Linie eingegraben. Er kam ihr jetzt wie ein zweiter Raynald vor, der sie flehentlich bat, ihn nicht im Stich zu .'assen. Mit einer abrupten Geste forderte er sie auf, beiseite zu treten.
„So, Fanny, das muß jetzt aufhören!“ Entschlossen löste er die Umarmung von dem verängstigten Kind. „Komm jetzt mit.“
Henriette machte sich am Schrank zu schaffen; sie wollte ihn nicht demütigen, ndem sie diesem Abgang zusah. Für nen Tag hatte sie genug gesehen und ■hört. Im Zimmer herrschte wieder Ruhe, nd sie wandte sich ihrem kleinen Patienten zu, um ihn zu beschwichtigen. Er fiel bald in einen erschöpften Schlaf, aber in Henriettes Ohren klang noch immer die bittere Anklage nach, und der eifersüchtige Haß, der ihr aus diesen schwarzen korsischen Augen entgegengeleuchtet hatte, verfolgte sie.
„Sie muß halb von Sinnen sein vor Sorge“, versuchte Henriette sie zu verteidigen. „Es ist ja nur natürlich, daß sie bei ihrem kranken Kind bleiben möchte, daß es sie kränkt, mir die ganze Pflege überlassen zu müssen. Wenn sie sich nur nicht so gehen ließe mit ihrer unbeherrschten Zärtlichkeit, dann würde Raynald nicht so abweisend sein. Der Arme, ich kann's ihm nicht verdenken.“
Was sie bisher nur unbestimmt vermutet hatte, war heute morgen zur Gewißheit geworden: die Herzogin sah alle Menschen um sich nur in ihrem Verhältnis zum Herzog. Er war ihre Welt, und sie fühlte wohl schon, wie er ihr allmählich ganz zu entgleiten drohte.
„Diese Frau würde eifersüchtig auf ihn sein, wenn er nur ein Kätzchen streichelte“, stellte sie bei sich fest. „Ich glaube, sie brächte es fertig, das Tierchen zu verschenken • oder töten zu lassen, und wenn er in ihrer Gegenwart eine Rose bewunderte, würde sie die nächste Gelegenheit ergreifen, um die Blume zu zertrampeln. Mein Gott, wie müssen ihre Nächte aussehen, wenn schon am helllichten Tage eine solche Szene möglich ist.“
In den ganzen nächsten Stunden, während sie Maxine mit verschiedenen Aufträgen hierhin und dorthin schickte, während sie mit unbeirrbarer Sorgfalt ihren Pflichten nachging, stand das Bild ihrer unglücklichen Herrin unablässig vor ihr wie ein hartnäckiges Gespenst.
„Aber sie hat ja gar keinen Anlaß, mich zu hassen“, überlegte sie sich, „ich habe doch nichts getan, um sie zu verletzen.“
Doch im Grunde ihres Herzens wußte sie es besser. Sie, Henriette, hatte die Liebe eines Kindes und das Vertrauen eines Vaters gewonnen. Das war Verbrechen genug, um die Feindschaft einer schon ohnehin verbitterten Frau zu wecken.
Raynald wurde gegen den späten Nachmittag beunruhigend still. Er war fast gar nicht mehr aus seinem apathischen Zustand wach zu bekommen. Am Abend vernahm sie ein ungewöhnliches Geräusch vor der Tür. Gedämpftes Flüstern und eilige Schritte wurden im Korridor hörbar. Es war die Stunde, in der Abbe Gallard das kranke Kind zu besuchen pflegte. Das Erscheinen dieses schwarzgekleideten Seelsorgers war für sie ein Zeichen geworden, sich zurückzuziehen. Aber heute konnte sie sich nicht dazu aufraffen, auf die Straße hinauszugehen und sich unter die gleichgültige Menge zu begeben. Noch ehe der Abbe mit dem Chorknaben durch die Tür trat, wußte sie, daß dies nicht der alltägliche Besuch war. Diesmal war Abbe Gallard gekommen, um die Sterbesakramente zu spenden.
„Er ist zu klein, um sich zu fürchten.“ Ihr erster Gedanke galt Raynald, der den Abbe mit stumpfen, gleichgültigen Augen ansah. Er rührte sich nicht und schien kaum zu bemerken, daß man im Zimmer einen kleinen Altar herrichtete. „Nein“, dachte sie, ..er kann nicht wissen" was das bedeutet. Vielleicht wird es ihm Spaß machen, die kleine Glocke zu hören, und er wird sie für ein unerwartetes Spielzeug halten.“
Sie ging an der kleinen Gruppe, die sich an der Tür versammelt hatte, vorbei aus dem Zimmer. Ihre Füße trugen sie den Korridor entlang und die steinerne Treppe hinunter, bis sie zu der Tür kam, die in den Garten führte. Die frühlingsgrüne Frische und der Duft des kleinen Gartens schienen ihr plötzlich wie ein Hohn, als sie an das dachte, was sich jetzt oben in dem Zimmer abspielte. Der Himmel über ihr leuchtete in den Farben der untergehenden Sonne. Das Mandelbäumchen stand noch immer dort, aber die ganze Blütenpracht rings um sie her war nicht stark genug, um gegen den Weihrauchdurft zu bestehen, der von dem Fenster herübertrieb. Und das Brausen des Verkehrs auf der Rue du Faubourg Saint Honore konnte das Klingen des Glöckchens nicht ganz übertönen.
Sechstes Kapitel
Das Mandelbäumchen hatte seine Blüten alle abgeworfen, als Raynald zum erstenmal in die Mittagssonne hinausgetragen werden konnte. Seine Genesung konnte nur als ein Wunder betrachtet werden, an dem sich der Arzt, der Abbe, Maxine und jeder andere, der im Krankenzimmer zu tun gehabt hatte, das Hauptverdienst zuschrieben. Nur Henriette sagte nichts dazu, außer um ihrer Dankbarkeit Ausdruck zu geben. Ohne das Wunder erklären zu wollen, ging sie ihren Pflichten wieder nach, die jetzt, nachdem die Gefahr vorübergegangen, durchaus nicht weniger aufreibend waren, denn die wiederkehrende Gesundheit machte das Kind zu einem zwar liebenswerten, aber anstrengenden Patienten. Raynald mußte ständig Gesellschaft um sich haben: er mußte unterhalten, durfte aber nicht aufgeregt werden. Sein lebhafter Geist durfte die Energie des schmächtigen, in Daunendecken gehüllten Körpers nicht zu stark beanspruchen. Doch gab es neue Bilderbücher zum Ansehen und Darausvorlesen; einen Kanarienvogel zu bewundern, so golden wie der Käfig, in dem er saß; ein kleines Kasperltheater, dessen Figuren Henriette an verborgenen Fäden tanzen ließ, und eine prächtige Schweizer Spieldose, die sechs Melodien spielen konnte.
„Was sagt die Musik da immerzu?“ fragte Raynald plötzlich.
„Nun“, gab sie lächelnd zur Antwort, „sie sagt jedem Menschen etwas anderes. Mir sagt sie: Frühlingswetter, warme Sonne und grünes Gras für einen kleinen Jungen zum Herumtollen.“
„Und bin ich der kleine Junge?“ wollte Raynald wissen.
„Wer sollte es denn sonst sein?“
Sie beugte sich nieder und küßte ihn. Raynald hatte in ihrem Herzen einen besonderen Platz inne, aus dem ihn niemand vertreiben konnte — dazu hatten die vielen Tage und Nächte ihrer aufopfernden Pflege ihn zu eng mit ihr verbunden.
Mit der Herzogin war es zu keiner weiteren Szene gekommen. Ihre Besuche waren jetzt weniger häufig und weniger furchterregend. Raynald scheute sich zwar immer noch vor jeder Begegnung mit seiner Mutter; doch war es Henriettes Geschicklichkeit gelungen, ihn wenigstens den Anschein eines kindlichen Gehorsam^ wahren zu lassen.
„Sieht Mama nicht wunderhübsch aus in ihrem neuen Hut und und ihrem Cape?“ sagte sie etwa, wenn die Herzogin, von einer nachmittäglichen Ausfahrt heimkehrend, im Garten erschien. „Wie wär’s, wenn du ihr heute den Kuß geben würdest, den du gestern zu geben vergessen hast? Und denk daran, ihr zu sagen, wie sehr dir das Buch mit den sprechenden Tieren gefallen hat.“
(Fortsetzung folgt)
Acheson fordert Sonder-Streitkräfte
Nationale Verbände für die Vereinten Nationen
Neuyork, 20. September (dpa) Der amerikanische Außenminister Acheson hat die Vereinten Nationen am Mittwoch zur Annahme eines Vier-Punkte-Planes der Vereinigten Staaten aufgefordert, in dem unter anderem die Aufstellung besonderer bewaffneter Streitkräfte der Vereinten Nationen zum Einsatz gegen jede Friedensbedrohung gefordert wird.
Der Plan umfaßt folgende Punkte:
1. Einberufung einer’ Sondersitzung der Vollversammlung innerhalb von vierundzwanzig Stunden, wenn der Sicherheitsrat außerstande ist, gegen einen Friedensbruch cfder einen Aggressionsakt einzuschreiten.
2. Schaffung einer Sicherheits- oder Friedenspatrouille, eines Ausschusses durch die Vollversammlung, der sofort und unabhängig in Gebieten zur Beobachtung und Berichterstattung eingesetzt werden kann, in denen internationale Konflikte drohen. Diese Patrouille soll nur mit der Zustimmung oder auf Aufforderung des betreffenden Staates eingesetzt werden.
3. Einen Plan, nach dem jeder Mitgliedstaat der Vereinten Nationen innerhalb seiner nationalen Streitkräfte eine oder mehrere Einheiten für die Vereinten Nationen bestimmt, die besonders ausgebildet und ausgerüstet und in ständiger Bereitschaft für sofortigen Dienst bei Aktionen der Vereinten Nationen gehalten werden sollen. Zur Unterstützung bei der Aufstellung, Ausbildung und Ausrüstung solcher Einheiten soll ein militärischer Berater der Vereinten Nationen ernannt werden.
Acheson sagte, die Aufstellung derartiger Einheiten werde bis zur Bereitstellung der unter Artikel 47 der Satzungen vorgesehenen Streitkräfte der Vereinten Nationen einen wichtigen Schritt zur Entwicklung eines Sicherheitssystems für die ganze Welt darstellen.
4. Die Vollversammlung soll einen Ausschuß bilden, der einen Bericht über die Möglichkeiten ausarbeitet, mit denen die Vereinten Nationen in gemeinsamer Aktion — einschließlich der Anwendung bewaffneter Gewalt — die Ziele der Satzungen verwirklichen könnten.
Auch gegen die Nolkspolizei
Adenauer zur Stcherheitsgarantie
Bonn, 20. September, (dpa) Dr. Adenauer hat am Mittwoch vor der Bundestagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union erklärt, die Sicherheitsgarantie der Westmächte für das Gebiet der Bundesrepublik gelte auch gegenüber einem etwaigen Angriff der Volkspolizei nach koreanischem Muster. Die Westmächte haben den Schutz der deutschen Grenzen übernommen. Es sei anzunehmen, daß sich die Schutzmaßnahmen so gestalten, daß Deutschland nicht Kriegsschauplatz werden könne.
Francois-Ponrcet bleibt
Paris, 20. September, (dpa) Ein Sprecher des französischen Außenministeriums hat erklärt, die französische Regierung habe nicht die Absicht, ihren Oberkommissar in Deutschland, Francois-Poncet, abzuberufen oder den Posten des Oberkommissars in einen Botschafterposten umzuwandeln. Meldungen einiger deutscher Zeitungen hierüber entbehrten ebenso jeder Grundlage wie die Nachrichten über den etwaigen Nachfolger des jetzigen Oberkommissars.
Unsicherheit in der Sowjetzone
Ausnahmegesetzgebung vor den Wahlen / Harte Strafen für „Saboteure“
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 20. September. Eine Ausnahmestrafgesetzgebung für den letzten Vorbereitungsabschnitt der Wahlen in der sowjetischen Besatzungszone kündigt eine Verordnung des Justizministers Fechner (Sozialistische Einheitspartei) an. Verbrechen oder versuchte Verbrechen gegen die Vorbereitung der Volks wählen oder gegen die demokratische Ordnung sollen danach in kürzester Frist von den Staatsanwaltschaften zur Anklage gebracht werden. Die ungewöhnliche Plötzlichkeit dieser Anordnung scheint darauf hinzudeuten, daß die Widerstandsbewegungen in der Sowjetzone, aber auch die innere Desorganisation des Behördenapparates in der Sowjetzone einen weit größeren Umfang angenommen haben, als man bisher vermutet hatte.
Fechners Erlaß erklärt: „In unseren Betrieben, in unserer Wirtschaft und in der Verwaltung sitzen bestochene Agenten der Feinde.“ Das würde auf ein Unsicherheitsgefühl der Republik der Sowjetzone hindeuten, das die üblichen Erscheinungen in den Volksdemokratien noch weit übersteigt.
Offenbar hat eine eingeleitete Aktion des Propagandaamts bereits in unmittelbarem Zusammenhang mit der jetzigen Ausnahmegesetzgebung gestanden. Dabei hatte der Informationschef Eisler dem Bonner Ministerium für gesamtdeutsche Fragen im Zusammenhang mit den amerikanischen Besatzungsbehörden einen Plan zugeschrieben, durch Aktionen „von der Sabotage der Gütererzeugung bis zur Brandstiftung und bis zu Mordanschlägen“ die Entwicklung in der Republik der Sowjetzone zu bekämpfen und zu unterbinden. Dem Bonner Ministerium wurde unterstellt, daß „die Planungsbehörden“ der Sowjetzone neben wichtigen Industriebetrieben das Hauptziel eines solchen organisierten Sabotagekampfes seiön. Bezeichnend für die offenbar vorliegenden Versorgungsschwierigkeiten ist es, daß als ein besonders gefährliches Unterfangen von Bonner Regierungsstellen die angebliche Absicht hingestellt wurde, „die regelmäßige Belieferung der Verbraucher in Unordnung“ zu bringen. Man muß sich darauf gefaßt machen, daß eine Anzahl von Abschreckungsurteilen gegen Personen in der Söwjetzone bevorstehen, wobei man wahrscheinlich yon vielen Einzelaktionen willkürlicher Aburteilungen in kleineren Orten gar nichts erfahren wird. Der Erlaß Fechners droht jedenfalls den angeblichen Saboteuren an: „Sie werden als Verbrecher das scharfe Schwert der demokratischen Gesetzlichkeit zu spüren bekommen.“
Störaktionen in West-Berlin
Berlin, 20. September, (dpa) Zahlreiche Störaktionen hat die Sozialistische Einheitspartei am Mittwochabend in West-Berlin eingeleitet. Mehrere hundert kommunistische Demonstranten rotteten sich an verschiedenen Stellen im französischen Sektor zusammen. Die West-Berliner Polizei setzte mehrere Einsatzkommandos, Funkwagen und einen Wasserwerfer ein, um die Ruhe wieder herzustellen.
Minister Wagner im Urlaub
Tritt der Wirtschaftsminister zurück?
Wiesbaden, 20. September, (dpa) Der hessische Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Arbeit, Albert Wagner (SPD), ist am Dienstag überraschend in Urlaub gegangen. In politischen Kreisen der hessischen Landeshauptstadt wird dieser Urlaub damit in Zusammenhang gebracht, daß Wagners Stellung in der Sozialdemokratischen Partei in Hessen mehr und mehr erschüttert sei.
Wie es heißt, hat der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei in Hessen am vergangenen Wochenende beschlossen, Ministerpräsident Stock (SPD) und die sozialdemokratische Landtagsfraktion aufzufordern, sich eindeutig von Wagner zu distanzieren. Dem hessischen Minister wird vorgeworfen, durch zahlreiche gegen ihn schwebende Gerichtsverfahren das Ansehen der Partei, der Regierung und des Parlaments zu schädigen.
Wagners Stellung war bereits vor einigen Wochen heftig umstritten, weil er bei der Regelung der Brotpreisfrage eigenmächtig vorgegangen war.
Stock legt ihm Rücktritt nahe
Wiesbaden. (LH) Der hessische Wirtschaftsminister Wagner (SPD), der zur Zeit erneut scharfen Angriffen seiner eigenen Partreifreunde ausgesetzt ist, erklärte am Mittwoch, er denke gar nicht daran, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Ueber seine weitere Tätigkeit als Minister habe allein die Landtagsfraktion zu entscheiden.
Wie von unterrichteter Seite verlautet, hat Ministerpräsident Stock Minister Wagner in einer Unterredung am Mittwochvormittag nahegelegt, wegen der in der Partei gegen Wagner erhobenen Vorwürfe zurückzutreten. Wagner soll aber auch dem Ministerpräsidenten gegenüber einen Rücktritt aus eigenem Entschluß gbgelehnt haben.
Kedenken der Unternehmer
F. A. Z. Wiesbaden, 20. September. Der Vorstand der Vereinigung d : Arbeitgeberverbände ist am Mittwoch unter dem Vorsitz von Dr. Raymont in Schlangenbad zu einer Beratung über die lohn- und preispolitische Lage und über schwebende Fragen der Sozialgesetzgebung zusammengetreten. Einstimmig billigte der Vorstand die Beschlüsse des lohnpolitischen Ausschusses der Vereinigung zur Lohn-Preis-Lage. Er bekannte sich erneut zu dem Grundsatz stabiler Preise und Löhne.
Nach übereinstimmender Auffassung der Arbeitgeberverbände können gegenwärtig allgemeine Lohnerhöhungen nicht ohne sehr ernste wirtschaftliche Rückschläge vorgenommen werden. Schwere Schädigungen der Exportmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft und Gefährdung der Versorgung der Verbraucher sind zu befürchten, wenn eine allgemeine Lohnerhöhungswelle in Bewegung gesetzt wird.
Der Vorstand der Vereinigung der Arbeitgeberverbände beschäftigte sich weiter mit Fragen des Mitbestimmungsrechtes, des Kündigungsschutzes und der Bildung einer Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.
Der Finanzausgleich fertiggestellt
Zr. Bonn, 20. September. (Eigener Drahtbericht.) Nach einem zwischen dem Bundesfinanzminister und den Länderfinanzministern gemeinsam beratenen Gesetzentwurf über den Finanzausgleich für das Haushaltsjahr 1950/51 sind Finanzierungshilfen für folgende Länder vorgesehen: Schleswig-Holstein 105 Millionen Mark, Niedersachsen 91, Bayern 38, Rheinland-Pfalz 32 und Südbaden 1,5 Millionen Mark. Für diese Finanzierungshilfen sollen aufgebracht werden von Nordrhein-Westfalen 118 Millionen Mark, Württemberg-Baden 70 Millionen Mark, Hamburg und Bremen zusammen 60 Millionen Mark, Hessen 12 Millionen Mark und Württcmberg-Hohcnzollern 4 Millionen Mark. In der Aufteilung der Beträge können sich bei den Verhandlungen in dieser Woche noch Aenderungen ergeben.
Wirtschaftsblatt
Mehr Zucker
v. G. Während Deutschland vor dem Kriege ein Zucker-Exportland war, sind wir heute gezwungen, nahezu die Hälfte unseres Bedarfs aus dem Auslande einzuführen. Im vergangenen Wirtschaftsjahr erzeugten wir nur rund 500 000 Tonnen Weißzucker bei einem Bedarf von 1,2 Millionen Tonnen. Erfreulicherweise wurde jedoch die Anbaufläche jetzt von 133 000 auf 174 000 ha ausgeweitet. Da die Felder ausgezeichnet stehen, rechnet man in diesem Herbst mit einem Anfall von 740 000 Tonnen Zucker. Die vorhandenen Zuckerfabriken haben heute schon große Sorgen, wie sie die ganze Ernte verarbeiten sollen. 125 000 Tonnen Rüben sollen in Oesterreich verarbeitet werden. Offenbar macht sich in der Rübenverarbeitung ein Engpaß bemerkbar. Man spricht in Süddeutschland bereits wieder von der Möglichkeit der Kontingentierung, und überdies können die Gebiete zwischen Neckar und Regensburg keine Rüben bauen, weil die Fabriken zu weit entfernt sind. „Wir stehen vor der volkswirtschaftlichen Ungeheuerlichkeit, daß Zucker eingeführt werden muß, während die eigene Landwirtschaft förmlich danach schreit, Zuckerrüben bauen zu dürfen.“
Wir sollten nicht vergessen, daß die Zuckerrübe in der Landwirtschaft eine ganz besondere Stellung einnimmt. Sie liefert nicht nur Zucker, sondern auch wertvolle Futterstoffe, wie Rübenblatt und Schnitzel, und damit wichtige Grundlagen der Veredlungswirtschaft. Allein die Blatternte entspricht dem Ertrag eines guten Kleefeldes von gleicher Fläche.
Wird nun aber nicht eine Aenderung der Lage auf dem Weltmarkt schlagartig auch die Chancen der Zuckerwirtschaft bei uns verringern? Auch ohne allen unangebrachten Optimismus dürfen wir feststellen, daß die Zukunftsaussichten des Rübenbaues und der Zukkerfabrikation auf weite Sicht gut sind. Selbst bei einer Steigerung der Zucker-Erzeugung auf rund 950 000 Tonnen jährlich, die wohl die betriebswirtschaftliche Grenze bei uns darstellt, bleibt ein Defizit von 250 000 Tonnen durch Einführung zu decken. Aber auch bei einem Zusammenschluß mit den Rübenbaugebieten der Ostzone würde bei gleichbleibendem Verbrauch noch ein gewisser Einfuhrbedarf bestehen. Ebensowenig würde sich eine Vereinigung mit der französischen Zuckerwirtschaft schädlich auswirken. Beide Länder könnten insgesamt etwa 2 Millionen Tonnen Zucker erzeugen, denen ein Verbrauch von 2,4 Millionen Tonnen gegenüberstände. Eine gesamteuropäische Anbausteigerung liegt in aller Interesse.
Es ist also ein dringendes Gebot der Stunde, die Verarbeitungsmöglichkeiten für Zuckerrüben zu erweitern. Weite Gebiete, vornehmlich Süddeutschlands, würden durch den Bau von Zuckerfabriken einer höheren Intensitätsstufe zugeführt werden können. Wenn es also aus volkswirtschaftlichen und aus agrarpolitischen Erwägungen heraus eine dringende Aufgabe gibt, so ist es der Bau von Zuckerfabriken.
Industrie braucht mehr Kohle
In den ersten Sommermonaten ergab sich ein Ueberangebot auf dem Kohlenmarkt. Nach der Aufhebung der Kohlenbewirtschaftung hatte die Industrie durch Mehrbestellungen geantwortet, die jedoch bald nachließen. Neuerdings haben die Exportsteigerungen seit dem Beginn der weltpolitischen Spannungen, die saisonmäßige Industriebelebung und die notwendige Anlage von winterlichen Frostreserven zu gesteigerten Anforderungen der Industrie geführt, die weit über der Liefermöglichkeit des Kohlenkontors Mannheim liegen. Selbstverständlich erscheinen darunter auch Angstkäufe, die der Beobachtung der zuständigen Stellen empfohlen werden. Durch bedeutende Produktionserhöhungen in der Eisen- und Stahlindustrie ist der Gießereikoks besonders knapp geworden. Auch vom Platzhandel (Kohleneinzelhandel) gehen derzeit vermehrte Aufträge beim Mannheimer Kontor ein, weil die Hausbrandabnehmer sich jetzt einzudecken versuchen.
Die Liefermöglichkeiten sind stark abgesunken. Die Förderung an der Ruhr hat einen Tiefstand von täglich 352 000 t erreicht. Der Höchststand im März betrug 362 000 t je Tag. Nicht zuletzt trägt das Fehlen von Investitionsmitteln zum Absinken der Förderung bei. Hinzu kommen die Schwierigkeiten der Bundesbahn bei der Waggongestellung, die s'ch durch Zuckerrüben- und Kartoffeltransporte verschärfen werden.
Der Bedarf an Braunkohlenbriketts ist seit der Bewirtschaftung nicht geringer geworden, die Verfügbarkeit aber auch nicht größer. Die Braunkohlenwerke des Bundesgebietes sind bereits voll ausgelastet. Eine Erhöhung der Produktion ist kaum möglich. Die Kölner Braunkohlenzentrale ist der einzige westdeutsche Lieferant, da die früheren Brikettlieferungen aus dem mitteldeutschen Braunkohlenrevier ausfallen. Von sich aus hat die Braunkohlenzentrale eine Kontingentierung eingeführt, die sich an die Kontingente im abgelaufenen Kohlenbewirtschaftungsjahr anlehnt. So kommt es, daß zwar der Verbraucher keinen Bewirtschaftungsvorschriften mehr unterliegt, die Verteilung aber auf alle Kunden Rücksicht nehmen muß. In Hessen werden auftretende Schwierigkeiten bei der Industrie von den zuständigen Stellen im Einvernehmen mit dem Bergbau beseitigt.
Lohnerhköhung verteuert Kohlen
Generaldirektor Kost erklärte am Mittwoch in einem Rundfunkinterview, daß die von der Industriegewerkschaft Bergbau geforderten Lohnerhöhungen eine Korrektur der Kohlenpreise zur Folge haben würden. Sie würden sich auf das Preisniveau der Industrie auswirken, die einen Kohlenanteil in ihren Produktionskosten habe. Kost stimmte dem Verlangen der Bergbaugewerkschaft zu, daß der Bergmannslohn än der Spitze der Lohnskala liegen müsse,
Produktion erreicht Höchststand
Bonn, 20. September. (Hi). Im August erreichte die industrielle Produktion der Bundesrepublik mit einer Gesamtindexziffer von arbeitstäglich 113 gegen 107 im Juli und 87 im August vorigen Jahres den bisherigen Höchststand seit Kriegsende.
Bei der Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie hat die Mineralölverarbeitung den höchsten Produktionsanstieg mit rund 30 Prozent zu verzeichnen. Es folgen Gummiverarbeitung (+ 9 Prozent) und Chemie (+ 8 Prozent); ferner die Eisen-, Stahl- und Blech- sowie Metallwarenindustrie (+ 14 Prozent), die Elektroindustrie (+ 12 Prozent) und der Fahrzeugbau (+ 12 Prozent).
Gegen Lederpreiserhöõhung
DT In stark besuchten Versammlungen der Schuhmacherinnungen in Frankfurt und Kassel nahm Landesinnungsmeister Hübner, Darmstadt, Stellung zur Preisentwicklung auf dem Ledermarkt. Nach seinem Bericht ist der Einkaufspreis für Schuhleder seit Ende März um durchschnittlich 35 Prozent gestiegen und wird weiter bis zu 60 Prozent steigen, wenn die Preise für Rohhäute auf den letzten Auktionen zur Auswirkung kommen. Das Schuhmacherhandwerk hat die Regierung bereits vor mehreren Wochen zum Einschreiten gegen die Lederpreiserhöhung aufgefordert. In öffentlichen Kundgebungen wurde darauf hingewiesen, daß das Schuhmacherhandwerk keine Schuld daran trägt, wenn die Schuhreparatur- und Maßschuhpreise nun ebenfalls erhöht werden müssen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Maßnahmen gegen die Häute- und Lederpreiserhöhungen eingeleitet. Den Verbrauchern ist zu empfehlen, wieder mehr zur billigeren Gummibesohlung überzugehen.
Schrottverhandlungen in Berlin
Düsseldorf, 20. 9. (hd) Zwischen Vertretern der westdeutschen eisenschaffenden Industrie einerseits und den amtlichen Berliner Stellen, dem Schrotthandel und den beteiligten Industriekreisen andererseits haben Verhandlungen über die Einbeziehung Berlins in die westdeutsche Schrottvereinbarung stattgefunden.
Kontrolle von verbilligtem Treibstoff
Bonn, 20. 9.. (zr.) Der Unterausschuß für Mineralöl beim Bundesrat hat zwei Kommissionen eingesetzt, um den Kreis der bevorzugten Dieselkraftstoffverbraucher neu festzustellen und ein neues Kontrollsystem über die Verwendung verbilligten Dieselkraftstoffes auszuarbeiten. Das Kontrollsystem, das bisher nur für die See- und Binnenschiffahrt angewendet wurde, soll auch auf die übrigen privilegierten Dieselkraftstoffverbraucher ausgedehnt werden.
AZ. Julius Berger Tiefbau AG„ Wiesbaden. Die HV genehmigte die bereits bekannte Eröffnungsbilanz und setzte das AK im Verhältnis 10:3 auf drei Millionen D-Mark neu fest.
Nach Zuwahl von zwei weiteren Mitgliedern gehören dem AR an: Regierungsbaurat a. D. Fritz Spennrath, Dr. Otto Schmiewind, München, Geheimrat Dr. Ludwig Kastl, Kurt Lebrecht, Wiesbaden, Walter Nadolny, Berlin, Bankdirektor Hugo Zinsser, Frankfurt am Main, Oberbaudirektor Ludwig Platte, Bremen.
Mehr Stahl - aber zweckgebunden
Bis jetzt keine Überschreitung der Jahresquote
Düsseldorf (hd.) In Kreisen der westdeutschen Stahlindustrie wird der Entschluß der Neuyorker Außenministerkonferenz, Deutschland. die Herstellung von mehr Stahl als bisher zu gestatten, begrüßt. Man ist jedoch enttäuscht darüber, daß der Verzicht auf die begrenzte Stahlquote in dem Kommunique unmittelbar mit der Verteidigung Westeuropas in Zusammenhang gebracht wird. In der westdeutschen Stahlindustrie wird die Auffassung vertreten, daß Deutschland vor allem mehr Stahl produzieren muß, um den friedlichen Wiederaufbau zu sichern. Im übrigen werde offenbar die heute noch zur Verfügung stehende Stahlkapazität überschätzt. Es seien zum Teil erhebliche Aufwendungen erforderlich, um die teildemontierten Stahlwerke an der Ruhr wieder betriebsbereit zu machen. Es ist die August-Thyssen-Hütte, die ursprünglich eine Kapazität von über 2 Millionen Tonnen Stahl jährlich und einen Anlagenwert von 480 bis 500 Millionen DM hatte, zu 40 Prozent demontiert worden. Um die Stahlherstellung der Thyssen-Hütte rentabel zu gestalten, ist eine Produktion von mindestens 1,2 Millionen Tonnen erforderlich. Hierfür sind Investitionen von 70 bis 80 Millionen DM nötig. Die derzeitige Stahlproduktion in Westdeutschland wird auch im September wahrscheinlich nur knapp die Grenze von einer Million Tonnen überschreiten. Es ist damit zu rechnen, daß die Stahlquote von 11,1 Millionen Tonnen in dem Rechnungsjahr vom 1. Oktober 1949 bis zum 30. September 1950 kaum überschritten worden ist. weil in den ersten Monaten des Rechnungsjahres erheblich weniger Stahl produziert wurde.
Schiffsbau ist optimistisch
Hamburg, 20. 9. (AP.) Deutsche Schifffahrtssachverständige sind der Ansicht, daß der Schiffsbau in der Bundesrepublik nach Aufhebung der bisherigen Beschränkungen der Schiffsbau-Exporte durch die Neuyorker Außenministerkonferenz einen großen Aufschwung nehmen wird. Man nimmt darum an, daß die deutschen Werften in kurzer Zeit zu 90 Prozent ihrer Kapazität arbeiten werden, während sie gegenwärtig nur zu 60 Prozent ausgelastet seien.
Neuer Entwurf für Notenbankgesetz
WID Das Bundesbankgesetz befindet sich im Bundesfinanzministerium vor der Fertigstellung. Bei der Bestimmung des Aufgabenbereichs und der Struktur der Notenbank lehnt es sich eng an den bereits bekanntgewordenen Vorentwurf des Bundesfinanzministeriums an. Die Aufgaben der Landeszentralbanken bleiben nach dem Gesetzentwurf unverändert und das Direktorium der Bundesnotenbank wird nach wie vor durch einen Zentralbankrat, dem die Präsidenten der Landeszentralbanken angehören, geleitet und überwacht. Für die Geschäftsführung des Direktoriums wird das Kollegialprinzip maßgebend sein. Die Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefaßt. Bei der Koordinierung von Regierungspolitik und Währungspolitik sind wesentliche Änderungen vorgenommen worden. Z. B. wurde davon Abstand genommen, einen unverantwortlichen Schlichtungsausschuß unter einem neutralen Vorsitzenden zu schaffen. Meinungsverschiedenheiten zwischen Notenbank und Bundesregierung sollen vielmehr durch einen kleinen Ausschuß aus Mitgliedern der Bundesregierung und des Zentralbankrates unter Vorsitz des Bundeskanzlers entschieden werden. Die Verantwortlichkeit der Bundesregierung für die Beschlüsse dieses Ausschusses sind klar herausgearbeitet worden
Deutsche Textilien gefragt
Frankfurt, 20. September. Rund 40 000 Besucher, darunter 1500 Ausländer, besuchten am Mittwoch die Frankfurter Herbstmesse. Die Nachfrage nach Textilien und Neuheiten war weiter rege. Besonders gefragt waren Strümpfe und Handstrickwaren. Die Nachfrage nach Qualitätsware konnte nicht immer befriedigt werden, bei vielen Textilbetrieben werden Lieferfristen bis 1951 genannt. Bemerkenswert wäre" Aufträge in Ober- und Sporthemden aus Holland, Frankreich, Dänemark und Nordafrika. Abschlüsse in Perlon, Näh- und Stopfseide wurden nach _lf außereuropäischen Ländern getätigt.
Rentenaufwertung im Bundestag
Bonn, 20. 9. (zr.) Die Bundestägsausschüsse für Finanz- und Steuerwesen sowie für Geld- und Kredit haben den Gesetzentwurf auf gestaffelte Umstellung der Privatrenten gebilligt. Danach werden ab 1. Juli 1950 Privatrenten bis zu 75 RM 1:1, von 75—100 RM 1:2 und über 100 RM 1:10 aufgewertet werden. Die Bank deutscher Länder und die alliierte Bankenkommission haben sich mit einer derartigen Regelung einverstanden erklärt. Der Bundestag wird den Gesetzentwurf bereits in einer der nächsten Sitzungen behandeln. Da die Länderfinanzminister sich bereits gegen die Aufbringung der dafür erforderlichen Zinsen für auszugebende Ausgleichsforderungen in Höhe von 20 bis 30 Millionen DM geweigert haben, wird ein Einspruch des Bundesrats befürchtet.
Prof. Leonhard Miksch
F. A. Z. Aus Freiburg erreicht uns die erschütternde Nachricht, daß Leonhard Miksch, ordentlicher Professor der Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg, gestern nachmittag plötzlich an einem Herzschlag verschieden ist. Professor Dr. Miksch hatte sich im Anschluß an eine Reise, auf der er von starken Magenbeschwerden heimgesucht wurde, in die Freiburger Klinik begeben. Dort mußte er sich einer Operation unterziehen. Im Anschluß an die Operation ist er von einem Herzschlag getroffen worden. 1
FILMSEITE
In den Klauen des Borgia
Es geht um die These Macchiavellis, die er in seinem Buche „II principe“ festlegte und die, damals ausgesprochen, schon zu allen Zeiten auf gegriffen wurde: Macht ist Recht; Recht ist, was dem Staate nützt. Die Borgias sind eines jener italienischen Fürstengeschlechter der Renaissance, deren Grausamkeiten, Gewalttätigkeiten und Verbrechen alle Begriffe ihres gewiß nicht verzärtelten Zeitalters übersteigen. Sie waren faszinierende Genies des Bösen, großartig in ihrem Horden, überwältigend in ihrer Genußsucht, zweifellos machtvolle Herrscherpersönlichkeiten, deren Intrigen und Pläne zu grandios waren, als daß sie nicht ihre eigene Zeit des „nuovo homo“ übersteigert hätten.
Diese Atmokphäre hat der Film mit haargenauer Präzision getroffen. Man ist erschüttert und ergriffen zugleich von all dem, was sich ereignet. Mitten im unerhörten Pomp einer Zeit, die in all ihren Äußerungen zwischen Mittelalter und Neuzeit steht, vollzieht sich hier ein Geschehen, das in seiner Dichte vom ersten bis zum letzten Augenblick fesselt. Es ist überraschend, wie es gelang, der scheinbar auslaufenden Handlung mit der Wiederbefreiung der Festung Citta del Monte einen neuen Höhepunkt zu geben, womit zugleich Macchiavelli auf einer ganz anderen Ebene als der seiner Staatsphilosophie ad absurdum geführt wird.
Orson Welles verleiht der Gestalt Cesare Borgias einen Zynismus und eine zivilisierte Brutalität, die abschreckt und in ihrer besonderen Größe fast Bewunderung heischt, triebhaft in seinen Gelüsten: eine einzigartige Rolle für diesen Schauspieler. Sein Gegner, Tyronne Power als Orsini, zunächst von der Persönlichkeit Cesares gefangen, ihm bedingungslos ergeben, wird bekehrt von dem entwaffnenden Vertrauen und der Liebe einer Frau, Camilla, Wanda Hendrix, deren schlichtes Spiel überzeugt. Ein Kabinettstück ist die Rolle des doppelgesichtigen Verräters und gedungenen Mörders, Everett Sloane. Der Film wurde in Italien in Schlössern und Festungen der Renaissancezeit gedreht. Die Regie von Henry King ist eine in allen Einzelheiten meisterhafte Leistung, zu der eine fabelhafte Kameraführung kommt. hn
IN DEN KLAUEN DES BORGIA Orson Welles als Cesare Bargia
Notizen
Uraufführung des Filmes „Helden der Landstraße". Der von Sepp Allgeier gedrehte Film von der Deutschlandrundfahrt 1950 „Helden der Landstraße“ wurde in Freiburg uraufgeführt. Die Reportage. die das Renngeschehen begleitet. stammt von Rolf Wernicke, die Musik schrieb der Freiburger Kapellmeister Hermes. Der etwa fünfviertel Stunden laufende Film bringt nach einer kulturgeschichtlichen Schilderung der Geschichte des Fahrrades und dessen vielfältiger Verwendung die wechsel vollen Bilder der bei der Deutschlandrundfahrt berührten deutschen Städte und Landschaften.
Bruni Löbel spielt in dem Real-Film „Mädchen mit Beziehungen“ die Rolle eines scharmanten jungen Mädchens, dessen Beziehungen ihren Verlobten (Rudolf Prack) in eine Reihe selbstverschuldeter Schwierigkeiten bringen.
Addi Löbel ist ein zwölfjähriger Hamburger Schüler, der in dem Film „Der Totschläger“ die Hauptrolle des kleinen Ulli übernommen hat.
VENUS IM AUTO Was einer Hollywood-Filmdiva auf dem Wege von Bordeaux nach Rom alles passieren kann, schildert mit einer Kette erregender und zugleich höchst amüsanter Zwischenfälle dieser Speva-Film im Verleih der Schorcht-Film. Micheline Presle spielt sich, mit Temperament durch alle von rasenden Reportern, höflichen Einbrechern und scharfschießenden Polizisten diktierten Lustspielsituationen hindurch.
Sindbad, der Seefahrer
Es ist allmählich zu einem Reservat des Farbfilms geworden, die Märchenwelt des Orients auf die Leinwand zu bannen. Und nicht zu Unrecht, denn erst die Farben geben den niemals versiegenden Motiven aus 1001 Nacht ihren eigenartigen Zauber und exotischen Reiz. So auch hier.
Wohl, es ist ein Märchen mit all seinen Unwahrscheinlichkeiten und liebenswürdigem Ueberschwung. Aber wie dieses Märchen verfilmt wurde, ist es ein kleines Meisterstück. Da wird es lebendig in der hintersten Ecke unseres Herzens, in die wir seit langem unsere Kjndheitsträume verdrängt haben. Man lächelt leise über die tollen Abenteuer auf der Leinwand, aber man b e lächelt sie nicht, sondern freut sich, all dem, was man einstmals vorgelesen bekam oder selbst las, nun im lebenden Bild noch einmal zu begegnen.
Sindbad erzählt seine Abenteuer, die er auf der Suche nach einem Schatz auf einer sagenumwobenen Insel erlebt. Außer ihm sind noch der Emir von Duabal und ein geheimnisvoller Abenteurer auf der Suche nach dem Versteck. Aber — und hier liegt die Moral des Märchens, für Sindbad bleibt letzten Endes doch die See, der endlose Himmel, die lockende Ferne das verlockende Ziel und nicht der Schatz.
Douglas Fairbanks jr spielt die Rolle Sindbads mit der ganzen Unbekümmertheit, dem herrlichen Frohsinn und dem alles überwindenden Optimismus des Abenteurers. Maureen O’Hara ist die Frau, die auch den äußeren Gütern der Welt nachjagt, um schließlich in der Liebe ihre letzte Erfüllung zu finden.
Richard Wallace hat es sich als Regisseur etwas kosten lassen, dem Film die ganze Illusion des Orients mitzugeben. Die Kamera fing Bilder von unwirklicher Schönheit ein, übertrieben gesättigt in allen Farbtönen — aber dafür ist es ein verfilmtes Märchen, ein Traum aus einer der zahllosen Nächte, in denen Scheherazade ihre Märchen erzählte, um ihr Leben zu retten. -n
SINDBAD DER SEEFAHRER mit Douglas Fairbanks jr. und Maureen O’Hara in den Hauptrollen
Darmstadt und Umgebung
Verbesserungen im Amerika-Haus
Wir brachten kürzlich einen Artikel, in dem wir uns mit einer Reihe von Mißständen im Amerikahaus in der „Krone“ auseinandersetzten. Inzwischen hatten wir Gelegenheit, uns darüber mit dem Manager, Herrn Bähr, zu unterhalten, der uns mitteilte, daß die Gelder für alle Amerikahäuser, die es ja nicht nur in Deutschland gibt, in Amerika aus amerikanischen Mitteln etatmäßig bewilligt werden.
Alle Verbesserungen müssen nach einem Voranschlag erst von amerikanischen Dienststellen in Frankfurt genehmigt werden, was natürlich eine geraume Zeit dauert. Im übrigen überzeugten wir uns davon, daß das ja fast ausschließlich deutsche Personal des Amerikahauses mehr als seine Pflicht tut, während Herr Bähr offen anerkannte, daß die von uns gerügten Mißstände tatsächlich bestehen. Von den geplanten bezw. beantragten Aenderungen wollen wir nur erwähnen, daß hellerer Anstrich und neue Vorhänge den Räumen ein freundlicheres Aussehen, neue Fensterscheiben besseres Licht geben werden. 36 neue praktische Büchergestelle sollen bestellt werden, damit wie früher der Leser bequem an alles heran kann, was bei einer „Freihandbücherei“ ja die Hauptsache ist. Auch ein Schild „Amerikahaus“ wird angebracht werden und die vermißte Garderobe wird baldmöglichst wieder eingerichtet.
Alle Anerkennung verdient auch die Tatsache, daß im Interesse der Darmstädter Schulkinder die Diesterwegschu! e so schnell geräumt wurde. Ein volles Lob zollte schließlich Herr Bähr der Lesefreudigkeit, der Interessiertheit wie der Ehrlichkeit der Darmstädter. Trotz der nun nicht mehr ausgeübten Kontrolle, da Aktentaschen usw. nicht mehr abgegeben werden, ist die Zahl der in Verlust geratenen oder „so mitgenommenen“ Bücher äußerst gering. H. W. W.
Mit Wunden, in einer unheilvollen Nacht geschlagen, klagen die Säulen vor der Ruine des großen Hauses gegen die Mächtigen dieser Erde
Autobahnpionier änßert sich zu Kilometer 512
Wir hatten als mögliche Begründung der 14 Unfälle in zwei Monaten auf der östlichen Fahrbahn bei Grafenhausen die Frage der Einwirkung von „Erdstrahlen“ _ Aenderungen in der magnetischen Feldstärke der Erdoberfläche aufgeworfen und in unserer Ausgabe vom 16. September die Erfahrungen des bekannten Fachmannes Raimund Rupp aus Heppenheim mitgeteilt, sowie von einem seit Jahren bekannten ähnlichen Fall in der Nähe von Bremen berichtet.
Nun gewährte vor wenigen Tagen ein Pionier des Autobahngedankens in Deutschland, Herr Direktor Willy Hof, unserem agt-Mitarbeiter eine Unterredung zu den Möglichkeiten der Unfallbegründung bei km 512. Direktor Hof war schon kurz nach dem ersten Weltkrieg von der Idee deutscher Autobahnen gefesselt, studierte die Erfahrungen der italienischen Straßenbauer, machte seine Studien in Amerika und anderen Ländern mit modernen Straßensystemen und war maßgeblich bei der Gründung der seinerzeitigen „Hafraba“-Gesellschaft beteiligt, die schon vor 1933 die Absicht hatte, eine erste Reichsautobahn zwischen Hamburg, Frankfurt und Basel zu bauen.
Direktor Hof steht der Frage der „Erdstrahlen“ skeptisch gegenüber. Er ist der Ansicht, daß solche magnetische Felder wohl bestehen können, daß sie aber in dem mit dem Stahl des Kraftfahrzeuges umhüllten Kraftfahrer nicht zur Wirkung kommen könnten. Er sieht die Begründung der Unfälle an dieser Stelle mehr in straßenbautechnischen Ursachen. Direktor Hof vertritt die Ansicht, daß nur Betonstraßen bei jeder Witterung dem Kraftwagen den genügenden Halt auf der Straße verleihen. Asphalt zeige dagegegn bei nassem Wetter erhöhte Rutschgefahr. Bei Grafenhausen macht die Autobahn eine Kurve, die mit einer, dem Kraftfahrer als haftfest vertrauten Betondecke beginnt, jedoch plötzlich in eine Asphaltdecke wechselt. Es ist nun außerdem möglich, daß sich an dieser Stelle durch die seinerzeitige zu schnelle Aufschüttung des Autobahndammes die Ueberhöhung der Kurve durch ungleichmäßiges Absinken des Untergrundes geändert hat, so daß das Asphaltpflaster flacher als die einführende Betondecke verläuft. Hinzu kommt, daß durch eine leichte Steigung geschaltet werden muß, so daß sich in verstärktem Maße Oeldunst auf der Straßendecke niederschlägt und zusammen mit dem verwehten Feldstaub, abgeriebenen Gummiteilchen der Reifen und sonstigem Schmutz bei Beginn eines Regens auf der Asphaltdecke eine hauchdünne Schmierschicht bildet, die wie Rasierseife wirkt. Kommt nun ein Kraftwagen bei solchem Wetter mit hoher Geschwindigkeit an und rollt von der Betondecke auf die Asphaltstrecke, so „scheut“ der Fahrer instinktiv vor der veränderten Fahrbahn, läßt plötzlich das Gaspedal los, gerät ins „Schwimmen“ und findet sich auf dem Feld mehr oder weniger beschädigt wieder. Ob nun dabei zusätzlich „Erdstrahlen“ einwirken, wollen wir zur Entscheidung beabsichtigten Versuchen überlassen.
Direktor Hof erzählte uns bei dieser Unterredung noch verschiedene weitere Einzelheiten der Autobahnplanung. So mag es gerade in diesem Zusammenhang interessieren, daß seinerzeit die Betonplatten der Autobahn in ständig wechselnden verschiedenen Längen betoniert wurden. Diese Maßnahme sollte ein gleichmäßiges Schwingen der darüberfahrenden Kraftfahrzeuge verhindern, das auch zu Unfällen und Federbrüchen führen kann. Seiner Planung nach sollten die Autobahnen für höhere Geschwindigkeiten bestimmt sein und es sei nicht beabsichtigt gewesen, überschwere Lastwagen, langsame Traktoren und verkehrsstörende Fahrräder mit Hilfsmotoren dort laufen zu lassen. Es müßte seiner Ansicht nach die Autobahn so intakt sein, daß eine Mindestzahl von Verkehrsschildern nur notwendig sei, wodurch die „Schildermüdigkeit“ der Kraftfahrer verhindert werde und im übrigen mit einer Geschwindigkeit bis zu 200 Stundenkilometern gefahren werden könnte, wie ursprünglich geplant war. Das sei natürlich nicht durchführbar, wenn dazu einerseits das Geld zur Instandsetzung fehle und andererseits solche Gefahrenpunkte, wie km 512, die Straßenkreuzung bei Langen ein unmöglicher Zustand für eine Autobahn • und die Einfahrt am Flughafen Rhein-Main allein zwischen Darmstadt und Frankfurt den Verkehr gefährdeten. DT
Hausarbeit leicht gemacht
Einen lehrreichen Nachmittag veranstaltete der Hausfrauenbund Darmstadt gestern im Heag-Saal. Als Rednerin war Frau Händel geladen, die über Neuerscheinungen aus hauswirtschaflichem Gebiete sprach. Von schönen und praktischen Jenaer Glas-Gefäßen bis zur Stahlwolle war vielerlei ausgestellt, das der Hausfrau die nie endende Putzarbeit und das Kochen leichter und angenehmer macht.
Frau Söder, in Vertretung für Frau Machwirth, begrüßte die Anwesenden aufs herzlichste. Frau Höveler zeigte die edle Kochkunst am Elektroherd mit einem gefüllten Blumenkohl- und Tomatengericht, und dann lauschten die Hausfrauen und einige Schülerinnen der Kyritzschule den lebendigen Ausführungen von Frau Händel, die zuerst von ihren Eindrücken auf einer Schweizer Reise berichtete. In der Schweiz ist die Elektroenergie für Geschäftsleben und Haushalt natürlich in noch viel stärkerem Maße genutzt als bei uns. Doch nehmen sich Technik und Chemie in steigendem Maße auch hierzulande des Haushalts an und schaffen der Möglichkeiten viele, der Hausfrau die Arbeit zu erleichtern. Handelte es sich auch nicht durchweg um Neuerscheinungen, die an diesem Nachmittag gezeigt wurden, so doch um Wiedererscheinungen lang entbehrter Helfer im Haushalt, die die Firmen nun wieder auf den Markt bringen können.
Große Freude machte anschließend die kostenfreie Verlosung des gezeigten Schaumaterials. Di
Posthalter unterschlug Geld
Er verdiente nur 112 D-Mark
Nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit erhielt Ende 1948 der Kaufmann Michael V. aus Offenbach eine Anstellung als Posthalter einer Offenbacher Poststelle. Sein Einkommen war gering. Er verdiente ganze 112 DM. V. lebte jedoch in mißlichen Umständen. Seine Frau lag krank im Bett. Das Geld reichte nicht aus ....
Da kam der Mann, der in Ehren grau geworden ist, auf einen verhängnisvollen Gedanken. Er entnahm Geld aus der Postkasse. Eine Kassenrevision im Mai 1949 ergab einen größeren Fehlbetrag. Die Sache wurde damals jedoch bereinigt und V. blieb im Amt. Dann tauchten scheinbar mehrere Monate hindurch keine Unregelmäßigkeiten mehr auf.
Als im Monat Oktober wiederum ein Fehlbetrag von 250 DM festgestellt wurde, griffen die Polizei und die Staatsanwaltschaft ein. Ermittlungen führten zu dem überraschenden Ergebnis, daß V. nicht nur fortgesetzt Geldbeträge aus der Kasse gestohlen, sondern auch eine Einzahlung von 1300 DM unterschlagen und die Belege beseitigt hat. Mit den 1300 DM hatte er die Fehlbeträge in der Kasse abgedeckt, so daß alles nach außen hin in Ordnung war. Der Rest verschwand bei einer Fahrt des Posthalters nach Bad Homburg. „Im Trunk wurde es mir gestohlen“, behauptete er bei seiner Vernehmung.
Die Dritte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verurteilte den 63 jährigen gestern wegen fortgesetzter einfacher und schwerer Amtsunterschlagung, Urkundenbeseitigung und Verletzung des Postgeheimnisses zu zehn Monaten Gefängnis. wst
KPD-Versammlung verboten
Die von den kommunistischen Landtagsabgeordneten Keil und Willmann sowie einigen kommunistischen Stadtverordneten für Donnerstag, den 21. September 1950 um 20 Uhr in den Konkordia-Saal JDarmstadt) einberufene Einwohnerversammlung wurde von Oberbürgermeister Metzger auf Grund des ministeriellen Erlasses vom 31. August 1950 verboten, da e^ sich bei der gep’anten Versammlung um eine Veranstaltung kommunistischer Tarnorganisationen handelt.
Politische Propaganda mit Musik
In den letzten Tagen prangte ein Plakat in den Straßen Darmstadts, das ein Konzert vom Radio Berlin und Deutschlandsender (Ostzone) verhieß. Auch mit Solisten sollte nicht gespart werden. Einladender war die „Vereinigung der Freunde neuzeitlicher Musik“, Frankfurt. Die Veranstaltung wurde polizeilich verboten, da sich herausstellte, daß die kommunistische Partei unter diesem Decknamen ein Konzert zu ihrer Propaganda ausnutzen wollte.
Volkswagen-Dieb
von der Kriminalpolizei gesucht
Am Donnerstag, dem 31. August 1950, wurde an der Zufahrt zur Autobahn nach Eschollbrücken ein herrenloser Kraftwagen (Volkswagen) mit dem amtlichen Kennzeichen BR 60/3589 gefunden und sichergestellt. Der beigegraue Pkw. wurde in Paderborn gestohlen. Der Wagen war an der linken Seite stark beschädigt. Zwecks Ermittlung des unbekannten Täters wird um Mitteilung an die Kriminalinspektion Darmstadt, Holzhofallee 25, gebeten, wer durch einen evtl. Zusammenstoß mit diesem Fahrzeug geschädigt worden ist.
In der Stadt notiert
Zu eaiem Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und Radfahrer kam es gestern nachmittag um 17.30 Uhr in der Eschollbrücker Straße. Der Radfahrer wurde verletzt in das Krankenhaus gebracht. DT
Ein Verkehrsunfall ereignete sich gestern gegen 10 Uhr, Ecke Riedesel- und Hindenburgstraße, als es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Radfahrer und einem Personenkraftwagen kam. Der Radfahrer mußte mit schweren Verletzungen ins Eberstädter Krankenhaus gebracht werden. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. st
Ein Beschäftigter der Firma Schenck, der infolge einer Kriegsverletzung gehbehindert ist, kam auf dem Wege zur Arbeitsstelle am gestrigen Vormittag beim Ueberqueren der Betriebsbahngeleise zu Fall und zog sich leichtere Wundverletzungen zu. Nach Anlegung eines Verbandes konnte er in seine Wohnung entlassen werden. st
Auf frischer Tat ertappt wurden von einer Polizeistreife in der letzten Nacht zwei Einbrecher, die in einen Kiosk am Ostbahnhof einzusteigen versuchten. DT
Ein Kreistreffen der Heimatvertriebenen wird am 18. und 19. November in Eberstadt stattfinden.
WiE-WIRD-DAS WENER
Wechselhaft und kühl
Am Donnerstag bei wechselhafter Bewölkung wiederholt schauerartige Regenfälle, kühl. In der Nacht zum Freitag sehr frisch, westliche, später nordwestliche Winde. Weitere Aussichten: Allmählicher Uebergang zu beständigerem Wetter.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater: Orangerie: 19.00 Uhr, „Tannhäuser“ von Richard Wagner; Ende gegen 22.45 Uhr.
Lichtspieltheater: Union: „In den Klauen des Borgia“; Thalia: „Sindbad der Seefahrer“; Palast: „Todeskarawane“; Belida: „Liebesleid“; Hansa: „Irrtum des Herzens“.
Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr, Vortrag: „Lebendiges China“ von Martin Steinke (Tao Chün), China.
Techn. Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr:
„Darmstadt in Literatur und Kunst“ (Robert Schneider und Heinrich Rüthlein), von Liesel Stolzenbach (Rezitation) und Lehrer E. Luckow (Einführung).
Wir gratulieren
82. Geburtstag: Herrn Wilhelm Feldmann, Darmstadt, Landwehrstraße 62.
72. Geburtstag: Freifrau von Gall, Darmstadt-Eberstadt, Darmstädter Str. 59.
Mörder oder Geisteskranker?
Noch einmal: Mordfall Herf
VON KRIMINALRAT A. D. WEIDMANNWie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, soll der Mörder Herf, der im März 1948 in der Nähe des Gasthauses „Vier Stock“ den Kaufmann R. aus Ober-Ramstadt erschlagen hat und in erster Instanz zum Tode verurteilt wurde, in zweiter Instanz laut Gutachten für geisteskrank erklärt, freigesprochen und in die Heil- und Pflegeanstalt Goddelau eingewiesen wurde, laut ärztlichem Gutachten nicht geisteskrank sein.
Wir haben den damaligen Sachbearbeiter, Kriminalkommissar a. D. Weidmann (Darmstadt), gebeten, uns noch einmal eine fachlich fundierte Schilderung des Falles Herf zu geben...
Die Mordtat Herf hat in der Oeffentlichkeit, besonders im Odenwald, großes Aufsehen erregt. In der Schwurgerichtsverhandlung am 4. 8. 1948 wurde Herf, der die Tatausführung gestand, und laut Gutachten für zurechnungsfähig befunden wurde, zum Tode verurteilt. Gegen dieses Urteil hat der Verteidiger von Herf Revision beantragt, die verworfen wurde. Der Verteidiger beantragte nunmehr auf Grund eines Obergutachtens die Wiederaufnahme des Verfahrens, dem stattgegeben wurde. In der 2. Schwurgerichtsverhandlung, am 20. 6. 1949, wurde das Urteil vom 4. 5. 1948 aufgehoben, Herf freigesprochen und seine Unterbringung in eine Heil- und Pflegeanstalt angeordnet.
Der Obergutachter erklärte in seinem Gutachten, Herf sei geisteskrank im Sinne des § 51, Abs. 1 des StSB. Der § 51 StSB besagt: „Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn der Täter zur Zeit der Tat wegen Bewußtseinsstörung, wegen krankhafter Störung der Geistestätigkeit oder wegen Geistesschwäche unfähig ist, das Unerlaubte der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln ...“
Interessant ist, daß vor einiger Zeit eine Anzahl Juristen die Anstalt, wo Herf untergebracht ist, besuchten und einem Demonstrationsvortrag beiwohnten. Herf fiel die Aufgabe zu, die Kranken vorzuführen und anzugeben, was den einzelnen Kranken fehlt und wie sie sich verhalten. Seine Ausführungen waren so genau und den Tatsachen entsprechend, daß die Anwesenden, die Herf nicht kannten und der Meinung waren, Herf sei ein Pfleger, sich belobigend über die von ihm gemachten Ausführungen äußerten. Erst als bekannt wurde, daß Herf kein Pfleger, sondern der geisteskranke Mörder Herf sei, folgte allgemeines Erstaunen.
Er ist nicht geisteskrank . . .
Nach fast 2jähriger Begutachtung in der Heil- und Pflegeanstalt erklärt nunmehr die Anstaltsleitung, daß Herf nicht geisteskrank und auch körperlich gesund sei. Es besteht nunmehr die Annahme, daß Herf demnächst aus der Anstalt entlassen wird.
Wegen ein paar Zigaretten . . .
Am 22. 3. 1948 haben Waldarbeiter gegen 8 Uhr in einem Waldstück in der Nähe des Gasthauses „4 Stock“ eine männliche Leiche gefunden. Die Gendarmerie hat inzwischen die Leiche identifiziert. Bei dem Toten handelte es sich um einen gewissen R. aus Ober-Ramstadt, der sich zur damaligen Zeit zusätzliche Lebensmittel auf dem Tauschwege verschaffte. Herf war dies bekannt. Er hat solche Geschäfte mehrmals mit R. getätigt. So hatte er R. auch wieder für den 20. 3. 1948 nach Pfaffen-Beerfurth bestellt. R. kam an diesem Tage mit dem Zuge um 18.15 Uhr in Kirch-Beerfurth an. Herf holte ihn an der Bahn ab. Nadi eigenem Geständnis hatte Herf die Absicht, mit R. in seine Wohnung zu gehen, um Eier gegen Zigaretten einzutauschen. R. hätte ihn an seine Schuld (zwei Dosen Fleisch) erinnert. Das habe ihn so geärgert, daß er den Plan gefaßt habe, R. zu beseitigen. Herf sagte zu R., et habe keine Lebensmittel, er kenne aber einen Bekannten in Hutzwiese, der ihm Lebensmittel geben könne. In Wirklichkeit war das nur ein Vorwand, um R. zu bewegen, sich mit Herf auf den Weg nach Hutzwiese zu begeben. Unterwegs hat dann Herf mit einem Tannenknüppel R. erschlagen, in den Wald geschleift, mit seinen Kleidern und Reisig die Leiche zugedeckt und vorher beraubt. Die Mordkommission der Kriminalinspektion Darmstadt stellte folgendes Ermittelungsergebnis fest:
R. kam am 20. 3. 1948 gegen 18.15 Uhr mit dem Zug in Kirch-Beerfurth an. Herf holte R. um diese Zeit an der Bahn ab. Zeugen sahen, wie sich Herf mit R. auf dem Wege, der zum Tatort führt, bewegte. Die Leiche des R. wurde schon am 21. 3. 1948 an der Fundstelle gesehen. Man glaubte, es würde dort jemand schlafen. Erst am 22. 3. 1948, gegen 8 Uhr, um nachzusehen, ob der Betreffende noch dort lag, stellte man fest, daß der Betreffende tot war. Der Tatort befand sich auf dem Waldweg „4 Stock“ nach Bokkenrod. Dort sah man eine zugescharrte Blutlache und eine zerschlagene helle Hornbrille. Auf der rechten Seite des Weges fand man den mit Blut befleckten Tannenknüppel.
Der verräterische Schuhabdruck
Am Tatort wurde ein guter Schuhabdruck mit besonderen Merkmalen und eine Schleifspur gesichert. Es fehlten bei der Leiche die Papiere, Geld und die Zigaretten. Die Leiche war auf der rechten Hüftseite stark angebrannt. Neben der Leiche fand man zum Teil verbrannte und angebrannte Papierteile. Es hatte den Anschein, als ob der Täter durch das Verbrennen der Leiche die Spuren seiner Tat verwischen wollte (Herf hat dieses bestritten).
Da Herf nach Zeugenaussagen angeblich zuletzt in Begleitung des R. gesehen wurde, stand er im dringenden Verdacht der Täterschaft. Der Leichenbefund ergab umfangreiche Schädelzertrümmerung mit Gehirnquetschung und Bluteinatmung.
Herf wurde am 22. 3. 1948 in den Nachmittagsstunden durch die Gendarmerie festgenommen. Bei seinem ersten Verhör hat er die Tat abgestritten. Auch bei der Gegenüberstellung mit der Leiche hat er die Tatausführung bestritten. Inzwischen konnte die Mordkommission so viel Beweise herbeischaffen, daß trotz des Ableugnens der Tat er ohne weiteres der Tat überführt werden konnte. Es ergab sich einwandfrei, daß der gesicherte Schuhabdruck von seinem linken Schuh verursacht wurde. Trotzdem leugnete er weiter, wurde aber sichtlich innerlich erregt und nervös. Bei seiner Vernehmung war er in seinem Verhalten gleichgültig, fast ruhig und gefaßt. Seine innere Unruhe war ihm doch anmerkbar. Außerdem hatte er sich mehrmals verfärbt. Bei der Leichengegenüberstellung äußerlich dasselbe Verhalten, innerlich sehr erregt. Hier ist die Frage zu stellen: Handelt so ein Geisteskranker? Erst am 24. 3. 1948 hat er beim zuständigen Amtsrichter ein Geständnis abgelegt. Schon in seiner ersten Vernehmung ergaben sich bezüglich des bei ihm vorgefundenen Geldes und seines Alibis Widersprüche. So erklärte er selbst, daß er einsehe, daß Widersprüche vorhanden seien, er aber trotzdem als Täter nicht in Frage komme. (Kann ein Geisteskranker sich seine Aussagen Sb zurechtlegen, wie es Herf getan hat?)
In seinem ersten und zweiten Geständnis gab er an, R. erschlagen zu haben, weil R. ihn an seine Schuld erinnert habe und dieses ihn so geärgert habe, daß er den Entschluß gefaßt habe (also schon in Pfaffen-Beerfurth), R. zu beseitigen. Den Entschluß, wie er ihn hätte umbringen sollen, habe er erst später, als sie beide an einem Holzstoß vorbeigekommen seien, gefaßt.
Die Mordtat wurde mit Vorsatz und Ueberlegung ausgeführt, was einwandfrei aus Herfs Verhalten hervorging. Fassen wir zusammen:
1. Bestellung des R. für den 20. 3. 1948.
2. Die Vortäuschung, er habe in Hutzwiese einen Bekannten, von dem er Lebensmittel bekommen könne.
3. Zuerst gingen beide nebeneinander, dann mußte er angeblich austreten, nahm vom Holzstoß einen Tannenknüppel, benutzte ihn als Gehstock, ließ R. vorausgehen, dem er in der Nähe des Tatortes vier Schläge versetzte.
4. Nachdem er festgestellt hatte, daß sein Opfer sich nicht regte, schleifte er es in den Wald und deckte die Leiche mit Kleidern und Reisig zu.
5. Er entnahm der Leiche die Papiere, die er angeblich verbrennen wollte, damit man nicht feststellen könne, wer der Tote sei. Reisig auf der Leiche, Verbrennungsstellen dritten
Grades. 6. Er habe in der Brieftasche das Geld gesehen und die im Köfferchen befindlichen Tabakwaren nur an sich genommen.
7. Der Fluchtweg quer durch den Wald.
8. Am 22. 3. 1948, als bekannt wurde, daß R. ermordet, wurde, begab er sich zum Tatort und mischte sich unter die Neugierigen.
Nach der Tatausführung hat er sich nach Hause begeben, gewaschen, einen Teil seiner Kleider gewechselt, etwas gegessen und seinen Freund besucht, der Geburtstag feierte. Er fuhr mit dem Fahrrad ins Nachbardorf, holte seine Braut ab und nahm an der Geburtstagsfeier bis gegen 3 Uhr in der Frühe teil.
Ich weiß nicht, wo er ist . . .
Seinen Freunden erzählte er, R. sei mit der Bahn gekommen und sei nach Hutzwiese gegangen. Der Frau des Ermordeten, die ihn am nächsten Tage fragte, wo ihr Mann sei, erklärte er, er wisse nicht, wo er sei, wollte sich aber am 20. 3. 1948 nach Hutzwiese begeben, um nachzusehen.
Nach eingehender Schilderung der Handlung des Täters und unter Berücksichtigung dessen, ob Herf bei Begehung der Tat geisteskrank war, wurde er vom ersten Gutachter für nicht geisteskrank und voll verantwortungsvoll befunden. Jetzt erklärt man, Herf sei nicht geisteskrank, überhaupt nicht krank und es bestehe die Aussicht, daß er demnächst entlassen werde.
Eine Gesetzeslücke?
Hier ist eine Gesetzeslücke. Es müßte der § 362 StPB. (Wiederaufnahme des Verfahrens zuungunsten des Angeklagten) geändert werden, indem man eine Ziffer 5 einfügt, die besagt: „Wenn durch eine Aerztekommission nach eingehender Prüfung festgestellt wird, daß der Angeklagte laut Gutachten für geisteskrank befunden wurde, aber ein Irrtum vorliegt und der Angeklagte nicht geisteskrank ist, wird die in der Verhandlung verhängte Strafe wieder rechtswirksam und muß vollstreckt werden ..
STARKENBURG
Deplacierte Töne
Meinungsverschiedenheiten wird es geben, solange Menschen leben. Es wäre direkt unnatürlich, wenn die Allgemeinheit als solche im großen und ganzen einer Meinung wäre. Was dabei herauskommt, wenn eine Uniformierung eintritt, haben wir zur Genüge erlebt. Der Mißbrauch eiher „Meinung“ ist imstande, ein Volk ins Unglück zu stürzen, ohne daß ihm vorher die Folgen klar sind. So daß es selbstverständlich erscheint, daß mit der erneuten Proklamierung der freien Meinungsäußerung ein Aufatmen zu hören war.
Was anscheinend nicht so selbstverständlich hingenommen wurde war die Tatsache, daß damit der Augenblick eintrat, die Meinung des einen ebenso zu achten wie die des anderen —, selbst wenn sie der eigenen zuwiderläuft. Daß man hinsichtlich der Anerkennung einer andersgearteten Einstellung den Anstand aufzubringen hat, diese gelten zu lassen — selbst wenn sie persönlich nicht diskutabel ist — und zu versuchen, sich in die Stiefel des Andersdenkenden hineinzustellen, um ihn besser zu verstehen ...
Leider ist man nicht allgemein dieser Ansicht. Sogar in erschreckend großer Zahl. Was ein Beweis sein dürfte für mangelnden Takt. Aber auch für eine vorherrschende Unreife. Denn sonst könnte manches nicht geschehen, was derzeit üblich ist.
Beispiele gibt es genug. Im großen und kleinen. Wobei die Ausmerzung im kleinen erst dazu beitragen würde, jene im großen langsam aber sicher aussterben zu lassen.
So konnte man gestern lesen, daß sich die Gemeinderäte in Wolfskehlen in die Haare gerieten wegen der Abstimmung über das Gehalt des Bürgermeisters. Zwei der Räte waren dabei, in Tätlichkeiten überzugehen, um den Ausgleich ihrer Meinungen faustrechtlich herbeizuführen.
Aehnlich in Schaafheim, wo in der ersten Versammlung des Forums im Winterhalbjahr ein Tumult entstand, weil sich einmal der anwesende Rektor der Schule durch Zwischenrufe hervortat, zum anderen er selbst bei einer versuchten Rechtfertigung mit dem Rufe „Schmeißt ihn raus!“ belegt wurde und zum dritten er sich wiederum in aller Oeffentlichkeit in beleidigender Form an sein Kollegium wandte.
Dies alles unter dem Gelächter soundso vieler Anwesender, dies aber auch vor den Ohren soundso viel anderer, denen dies wahrscheinlich äußerst peinlich war. Weil sie noch einen letzten Funken von Anstand hatten, der ihnen gebot, Ruhe zu bewahren und durch eine anständige Aussprache ohne deplacierte Töne zum Ziel zu kommen. Ebenso wie in Wolfskehlen.
Bedauerliche Vorfälle, die heute leider — oder immer noch —an der Tagesordnung sind. Es fragt sich, wie lange es dauern wird, bis man einsieht, daß es unschön wirkt, die eigene schlechte Kinderstube an die große Glocke zu hängen. Daß man aber auch, allgemein gesehen, noch weit davon entfernt ist, sich eines demokratischen Benehmens zu befleißigen, Arco
Keifenkistlrennen wird zur Sensation
Michelstädter Kerb von der Stadtverwaltung verschoben
Wer hätte das gedacht, daß der Vorschlag des Michelstädter Verkehrsvereins, in diesem Jahr zur Kerb als Sensation für den ganzen Odenwald ein Seifenkistl-Rennen für die Jugend durchzuführen, solchen Widerhall findet, daß sich jetzt die Stadtverwaltung entschließen mußte, die Kirchweih um mindesten acht Tage zu verschieben?
Die jungen Rennfaher hatten der Stadt nämlich vorgerechnet, daß die Zeit bis zum 1. Oktober — dem Sonntag, an dem in diesem Jahr die Kerb als „Michelstädter Oktoberfest“ durchgeführt werden sollte — entschieden zu kurz ist, um ein rennfähiges Gefährt zusammenzubasteln und auch noch — was doch fast noch wichtiger ist als das Rennen selbst — gehörig zu „trainieren“. Michelstadts Stadtväter hatten für diese Bedenken volles Verständnis und werden das Rennen, wie überhaupt das ganze Oktoberfest, voraussichtlich am 8. Oktober veranstalten. Nennungsschluß für das Seifenkistl-Rennen ist aber mindestens fünf Tage vorher.
Die Ausschreibung macht nicht die Einschränkungen der amerikanischen Bedingungen für Seifenkistl-Rennen. Zugelassen ist alles, „was rollt und lenkbar ist und mindestens fünf Trainingsfahrten gefahrlos übersteht". In der Nennungsliste, die in der Buchhandlung Zimmermann in der Erbacher Straße aufliegt, muß jedoch das Fahrzeug kurz beschrieben werden, damit eine Klasseneinteilung vorgenommen werden kann, die gerechte Wettkampfbedingungen garantiert. Zum Rennen selbst findet dann nochmals eine „Abnahme“ der Fahrzeuge statt, das heißt, sie werden gemessen, gewogen und auf ihre Sicherheit überprüft. Im übrigen ist für jeden Mitwirkenden eine Haftpflichtversicherung für Training und Rennen über 200 000 DM Personen- und 10 000 DM Sachschaden angemeldet.
Zur Teilnahme berechtigt sind alle Jugendlichen bis zu 16 Jahren nicht nur aus Michelstadt, sondern aus dem ganzen Kreis Erbach. Für die einheimischen „Rennkanonen" hat die Stadtverwaltung eine Dauertrainingsstrecke zwischen dem Heinrich-Ritzel-Stadion und der Wirtschaft Roßmann freigegeben. Das Rennen selbst wird am Kisselberg in der Waldstraße gestartet.
Als Einlage-Wettbewerbe zwischen den. einzelnen Läufen der Seifenkisten wurden noch Rennen für Roller. Kleinfahrräder und Rollschuhläufer ausgeschrieben. Auch hierfür werden die Nennungen in der Buchhandlung Zimmermann entgegengenommen.
Es versteht sich von selbst, daß die Jungen und Mädel Michelstadts und der ganzen Umgebung bereits in heller Aufregung sind ob dieses Ereignisses, das es sogar vermochte, die dem Odenwälder heilige Kirchweih zu verschieben. Sie gehen im Bewußtsein ihres eigenen Wertes mit Feuereifer an die Vorbereitung „ihres“ Rennens. Aber auch die Erwachsenen zeigen lebhaftes Interesse. So wurden dem veranstaltenden Verkehrsverein bereits Geldspenden und Preise gestiftet, die für die „Fahrer der verschiedenen Klassen“ Ansporn zu höchster Leistung sein werden. —eh
250 neue Arbeitsplätze bei der Groß-Gerauer Zuckerfabrik
In der Groß-Gerauer Zuckerfabrik sind die Fabrikationsanlagen jetzt soweit instandgesetzt, daß man Ende September oder in den ersten Oktobertagen mit der Rübenverarbeitung beginnen kann. Die Kampagne wird voraussichtlich bis Mitte Januar dauern, da einerseits die Rübenanbaufläche größer ist als im Vorjahr, andererseits aber in diesem Jahr mit einer überdurchschnittlich guten Rübenernte gerechnet wird. Am Samstag werden in der Fabrik neue Arbeitskräfte eingestellt; insgesamt soll die Belegschaft um 250 Leute vergrößert werden, so daß während der Kampagne zirka 500
Wieder Trauungen in Auerbach
Nach langen Bemühungen Ist es endlich gelungen, standesamtliche Trauungen für Auerbacher Paare wieder im ehemaligen Rathaus, der jetzigen Verwaltungsstelle Auerbach, vorzunehmen. Es war zwar ursprünglich beantragt worden, eine vollständige Nebenstelle des Bensheimer Standesamtes in Auerbach einzurichten, jedoch wurde nur die Vornahme von Trauungen genehmigt. Für standesamtliche Bescheinigungen, Urkunden, Familienpapiere usw. ist nach wie vor nur das Standesamt in Bensheim zuständig. HB
Bensheimer Scholaren feiern am Wochenende Wiedersehen
Nach langen Jahren der Unterbrechung veranstaltet die Vereinigung ehemaliger Bensheimer Gymnasiasten und Realgymnasiasten (Bensheimer Scholaren) am 23. und 24. September wieder ein von vielen gewünschtes und begrüßtes Treffen. Folgende Veranstaltungen sind hierbei vorgesehen: Samstag, 23. September: Ab 15 Uhr: Sammelpunkt in der neuhergerichteten Bahnhofsgaststätte. 17 Uhr: Geschäftliche Sitzung (Wahl des Vorstandes); 20 Uhr: Kommers im Hotel Weigold-Auerbach. Sonntag, 24. September: 10 Uhr: Gottesdienst in der Hospital- bzw. in der evangelischen Kirche mit Predigt, eines Scholaren. 11 Uhr: Besuch des wieder- Ihergestellten Gymnasiums. Ansprache am Gefallenendenkmal. Von 16 Uhr ab Kaffee im Zeller Mühlchen. DT
Heinrich Ritzel sorgt für alles
Der Bundestagsabgeordnete Heinrich Ritzel hat es in Verhandlungen mit der ObÄrpostdirektion Frankfurt erreicht, daß in Michelstadt endlich öffentliche Fernsprecher eingerichtet werden. Für das erste Fernsprechhäuschen hat Landrat Neff auf seinem Grundstück in der Braunstraße den notwendigen Platz zur Verfügung gestellt. Ein weiteres Häuschen soll später beim Postamt aufgestellt werden. -ch
„Paprika-Club“ in Erbach
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Frau Magdalena Laufer, eine Heimatvertriebene aus Ungarn, in der Erbacher Poststraße ein kleines Lokal eröffnet: das „Posthömchen“, das sich in kurzer Zeit durch seine ungarischen Küchen-Spezialitäten eine besondere Note erwarb. Daß die „würzigen Sachen" auch im Odenwald Anklang finden, beweist die jetzt unter den Stammgästen des Lokals erfolgte Gründung eines „Clubs der Freunde der Paprikaschote“. Es ist ein zwangloser, geselliger Zusammenschluß gegen den tierischen Ernst unserer Zeit. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge oder sonstige Merkmale einer straffen Organisation. Die einzigste Bedingung zur Aufnahme ist, daß der Anwärter vor den Augen der Clubangehörigen eine Paprikaschote zu verzehren hat, was vielfach nicht ohne Tränen einerseits und um so herzhafteres Gelächter andererseits abgeht. Als äußeres Zeichen der bestandenen Prüfung wird dem neuen Mitglied dann eine Anstecknadel in Form einer kleinen roten Paprikaschote angeheftet. Allmählich scheint man also auch in unseren Breiten an absonderlichen Clubs Geschmack zu finden, -ch
Ober-Ramstadt. Einen Monat lang war die Gemeinde ohne ihre Feuermeldeailage. Jetzt ist sie überholt und an den alten markanten Plätzen im Ort angebracht. Die Sirene auf dem neuen Schulhaus wird am Samstag, um 12 Uhr erstmals probeweise eingeschaltet. D.
Groß-Umstadt - gestern, heute und morgen
Eine kleine Stadt schickt sich an, ein großes Fest zu feiern
Am kommenden Wochenende beginnt auf der Odenwälder Weininsel die in den ganzen vorderen Odenwald hineinstrahlende „Umstädter Woche“. Die kleine Stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück und ihre Bürger haben durch die Jahrhunderte alles getan, Groß-Umstadt zu der Bedeutung zu verhelfen, die es seiner Lage nach verdient.
Schon 741 und 768 wird Groß-Umstadt als „Villa Autmundi“ urkundlich erwähnt. Die Urkunden, die von einer dem hl. Apostel Petrus geweihten Kirche, von Häusern und Manzillen (Herbergen) berichten, lassen darauf schließen, daß die Niederlassung schon in der damaligen Zeit eine gewisse Bedeutung hatte. Später wurde die Stadt zu einem befestigten Ort und 1225 erschien „Umbstadt“ als Mitglied des rheinischen Städtebundes. 1401 verlieh ihr König Ruprecht das Marktrecht. Die Geschichte der Stadt, die im Laufe der Jahrhunderte mehrmals den Besitzer wechselte, war ein stetes Auf und Ab. Krieg, Hunger und Pest haben sie nicht verschont. Aber immer wieder haben es die Groß-Umstädter verstanden, diese Not zu überwinden.
So alt wie die Ansiedlung ist auch der Weinbau in Groß-Umstadt, der im 8. Jahrhundert von den Römern eingeführt wurde und sich in seiner Blütezeit bis weit ins Gersprenz- und Mümlingtal erstreckte. Alte Flurnamen und die charakteristischen Stufen der Weinberge legen noch heute Zeugnis davon ab.
Schwerpunkt des Odenwälder Weinbaues war von Anfang an das durch seine Lage und geeignete Bodenverhältnisse besonders begünstigte Groß-Umstadt. Während in allen Odenwaldgemeinden der Weinbau durch fortgesetzte Mißernten und starken Schädlingsbefall zurückging oder ganz zum Erliegen kam, hat er sich in Groß-Umstadt nicht nur gehalten, sondern nach mancherlei Rückschlägen wieder gute Fortschritte gemacht.
Die Umstädter Weine ähneln im wesentlichen den Würzburger Steinweinen, erhalten aber ihren besonderen Charakter durch die hier liegenden Verwitterungsböden des Quarzporphyrs, der ihnen einen schweren und stahligen Gesdimaek verleiht. Besondere Verdienste um den Groß-Umstädter Weinbau hat sich das Lehr- und Versuchsgut erworben. Seine Originalabfüllungen gehören zur Spitzenklasse des deutschen Weins und standen zusammen mit manchen anderen guten Tropfen auf der Weinkarte der „Bremen“. Doch nicht nur der Weinbau beherrscht das Leben der kleinen Odenwaldstadt. Daneben wird auf dem teilweise zur höchsten deutschen Güteklasse zählenden Boden der Gemarkung eine ertragreiche Landwirtschaft betrieben, und es ist kein Zufall, daß der Umstädter Pferdemarkt neben dem von Beerfelden im Odenwald eine besonders guten Ruf genießt.
Auch die industrielle Entwicklung hat auf der Oden wälder Weininsel Fortschritte gemacht. Waren es zuerst und vornehmlich Gerbereien (darunter die einzige Elefantenhaut verarbeitende in Deutschland), so kamen im Laufe der Jahrzehnte und besonders nach dem letzten Krieg weitere Betriebe dazu. Die Abteilung Isolierstoffe der BBC, eine Groß-Färberei, eine Weberei und eine besonders Beleuchtungskörper herstellende Glasschleiferei haben sich neben anderen kleineren Betrieben in Groß-Umstadt niedergelassen.
Das Realgymnasium wird von Schülern und Schülerinnen aus dem weiten Umkreis besucht und auch die Landwirtschaftsschule erfreut sich bei der bäuerlichen Bevölkerung des Odenwaldes und darüber hinaus in ganz Hessen eines guten Rufes.
Für die Folge wird die Zeit auch in Groß-Umstadt nicht stehen bleiben. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt steht auf einer breiten und gesunden Grundlage. Es läßt für die Zukunft noch viel Positives erwarten.
Einen Querschnitt durch dieses Leben aber soll die „Umstädter Woche“ geben. eha-
Solange die Sonne scheint ...
Wassersportler und Zugvögel nehmen Abschied vom Kühkopf
Wenn die Zeit kommt, da die Eisbuden sich auf warme Würstchen umstellen, die Schwalben sich auf den Telephondrähten in langen Reihen zum Abflug sammeln und über der Landschaft der Rauch von vielen Kartoffelfeuern liegt, heißt es für die Freunde des Wassersports Abschied nehmen von einem schönen, langen Sommer. Nicht ohne Wehmut wird Boot um Boot aus dem Wasser gezogen, werden die letzten Zelte abgebrochen und das Badezeug in Schubladen verstaut.
Wir besuchten in diesen Tagen eines der vielen Bootshäuser am Altrhein, bis unter das Dach angefüllt mit zahlreichen schlanken Booten, die dort ihren Winterschlaf halten. Der Strand am Kühkopf ist verwaist. Dort, wo noch vor wenigen Wochen buntes Leben war, ist es nun still geworden und der Herbstwind streicht über die mannshohen Brennnesseln, die die Uferstreifen säumen. Die urwüchsige Natur dieser merkwürdigen Insel mit ihren seltenen Gästen aus der Vogelwelt lebt nun wieder ihr eigenes Dasein.
Bei einem Rückblick auf das Jahr der Wassersportler läßt sich feststellen, daß der Kühkopf an magischer Anziehungskraft nichts verloren hat. Insgesamt 30 000 Paddlerinnen und Paddler waren gekommen, um ihre Sonntage am Altrhein zu verleben. An den idealsten Stellen der Insel, dazu gehört besonders die Nord- und Südspitze, wuchsen richtige Zeltstädte aus dem Boden. Alle Kreise der Bevölkerung fanden sich im echten Sportgeist und guter Kameradschaft zu einer Gemeinschaft, die keine Unterschiede kennt, zusammen, — denn der Badeanzug macht alle gleich. Frei und ungebunden konnte sich jeder bewegen und nach Herzenslust in Sonne, Luft und Wasser Erholung und Entspannung suchen.
Die vielfältigen Eigentümlichkeiten, die der Kühkopf zu bieten hat, vermitteln dem Phantasiebegabten den Eindruck des indischen Dschungels oder den der Riviera. Kein Wunder, daß er viele unter Fernweh leidende Menschen zu sich zog. Und es fehlte auch fürwahr nicht an abenteuerlichen Ueberraschungen, denn nicht selten wurden die Sommergäste nächtens in ihren Zelten von Wildschweinen besucht. Aber auch ohne Monsum- und Passatwinde weht über den Kühkopf der exotische Hauch der Südsee. Und wer in den heißen Sommertagen die vielen braungebrannten Mädchenkörper gesehen hat, verspürte gewiß kein Verlangen nach den vielgerühmten Balimädchen . . .
Sehr günstig entwickelte sich die Lage der Bootsunterkünfte. Vor dem Kriege lagen in den Bootshäusern von Erfelden ungefähr 3000 Wasserfahrzeuge, heute bieten 3 Vereins- und 5 Privätunterkünfte bereits wieder rund 600 Booten eine sachgemäße und winterfeste Unterkunft. Unter diesen befindet sich das derzeit größte Bootshaus in Süddeutschland. Abschließend kann gesagt werden, daß man dieses Fleckchen Erde am Altrhein in seinem Wert als Ferienaufenthalt und Erholungsplatz nicht hoch genug einschätzen kann und es wäre zu wünschen, daß sich der Kreis der Freunde des Kühkopfes im nächsten Jahre noch erheblich vergrößert. kr _
Blick vom Kühkopf auf den Rhein bei Guntersblum
Modell-Vergleichsfliegen
der Groß-Gerauer Segelflug-Interessengemeinschaft
In der Kollebruch-Wiese bei Groß-Gerau lassen am kommenden Sonntagmorgen die Modellbauer der Groß-Gerauer Segelfluginteressengemeinschaft zum ersten Male nach dem Kriege wieder ihre Modelle zu einem internen Vergleichsfliegen starten. Teilnehmer und Interessenten treffen sich am Sonntagmorgen um 9 Uhr an der Groß-Gerauer Schillerschule. (cg)
50 Jahre Obst- und Gartenbauverein Roßdorf
Ehrung verdienter Mitglieder / Umfangreiche Obstsortenschau
Der Obst- und Gartenbauverein Roßdorf feiert am Samstag und Sonntag sein 50jähriges Jubiläum.
Im Jahre 1900 waren es nahezu 50 Roßdörfer Bürger, die die Bedeutung eines gepflegten Obstbaues für den Wohlstand der Bevölkerung und für ein allgemeines wirtschaftliches Gedeihen erkannten und sich zu einem Verein zusammenschlossen.
Die große Mitgliederzahl, die inzwischen auf ca. 320 Ortseinwohner angewachsen ist, verleiht der Bedeutung des Vereins besonderen Ausdruck.
Zu dem am Samtagabend im Gasthaus „Darmstädter Hof“ stattflndenden Festkommers wurden bereits umfassende Vorbereitungen durch den Vorstand getroffen. Zahlreiche Mitglieder, die dem Verein 25, 40 und 50 Jahre die Treue gehalten haben, werden geehrt. Heimatdichter Gg. Löffler und der Handharmonikaklub Roßdorf werden zur festlichen Gestaltung des Abends beitragen. Weiterhin sind noch zwei Lichtbildervorträge über Pflanzenschutz und die Bedeutung der Bienen für den Obstbau, die von namhaften Fachkräften gehalten werden, vorgesehen.
Für den Sonntag ist, um der Bedeutung und den Leistungen des Vereins gerecht zu werden, eine örtliche Obstsortenschau geplant. Nicht allein Obst und Weintrauben aller Art, sondern auch die verschiedensten Gemüsesorten, Salate, Kürbisse. Zwetschen und Quitten, darunter einige Prachtexemplare, werden zu sehen sein. Die Schau soll vor allem den Obst- und Gemüseanbauern eine bestimmte Sortenkenntnis über das von ihnen eingebrachte Erntegut vermitteln. Daneben werden noch moderne Gartengeräte und Hilfsmittel sowie Mittel zur Schädlingsbekämpfung durch örtliche Firmen gezeigt und angeboten. Zahlreiche Ehrengäste, darunter der 1. Vorsitzende des Obstkreisverbandes, Landrat Wink und Kreislandwirt Peter, Ober-Beerbach, haben ihr Erscheinen zugesagt. Jedem 10. Ausstellungsbesucher ist ein preiswerter Gewinn zugedacht. (st)
Familientag Hahn
56 Nachkommen der 8 Kinder des 1809 in Darmstadt geborenen Großherzogi. Fechtmeisters Wilh. Karl Heinrich Hahn versammelten sich kürzlich in der mit den Bildern der Ahnen und dem Stammbaum geschmückten Kantine der Firma Emylis (Reinheim) zu ihrem Familientag. — Zuerst nachweisbar ist der Stamm Hahn in Beuren bei Gießen, wo 168 g ein Joh. Philips Han aus Alten-Buseck dort einheiratete. Kaufleute, Bankbeamte, Juristen, Erzieher und Geistliche hat die Familie gestellt. Bekannte Darmstädter Geschäftsfamilien, der frühere Hofkonditor Graßmann, der ehemalige Hoffriseur Nachtigall, der Gründer des Kaufhauses Kalbfuß wie die Familie Gündner in Reinheim gehören hinzu. Pfr. Dr. Hahn ehrte in seiner Ansprache die Toten der Familie der letzten 20 Jahre seit dem letzten Familientag und begrüßte sodann mit launigen Worten in Darmstädter Mundart die Erschienenen, die z. T. von weither gekommen waren. In froher Wiedersehensstimmung blieben die Angehörigen der Sippe bis in die späten Abendstunden zusammen.
16jähriger festgenommen
Ein Ißjähriger junger Bursche aus M i - chelstadti. O. wurde dieser Tage von Beamten der Ortspolizei in Haft genommen. Eingeleitete Ermittlungen ergaben, daß er sich in mindestens acht Fällen an minderjährigen Kindern unsittlich vergriffen hat. Der Festgenommene wurde in das Amtsgerichtsgefängnis in Höchst eingeliefert. wst.
Was aǔch interessiert:
Unbekannte Täter beschädigten in Sandbach den Hochbehälter, der die Gemeinde mit Trinkwasser versorgt. Eine Belohnung von 500 DM ist für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. hm
11 000 Besucher verzeichnete in der Zeit vom 1. Juni bis 15. September 1950 das Schwimmbad in Sandbach (Kreis Erbach). hm
Beim Griff in die Büfettkasse eines Gasthauses in Fränk isch-Crumb a c h wurde der mit den örtlichen Verhältnissen vertraute 17 Jahre alte S. K. beobachtet. Anzeige ist erstattet. RG
Eine öffentliche Sprechstunde hält am kommenden Samstag um 18 Uhr der Vertreter. des Bundestagsabgeordneten Dr. Heinrich von Brentano, Bundestagsabgeordneter Dr. G ö tz, im Cafe Gallmann in A u e r b a c h ab. HB
Einen Melklehrgang führt die Züchtervereinigung Starkenburg in Reichelsheim während der Wintermonate durch. Die Teilnahme ist kostenlos. Unterricht ist jeweils abends in der Landwirtschaftsschule. Anmeldungen nimmt die Bürgermeisterei entgegen. tm
Eine Gehirnerschütterung und eine Platzwunde am Kopf zog sich eine Frau aus Rai-Breitenbach zu, der ein Kind in Lützel-Wiebelsbach ins Rad lief. Sie blieb bewußtlos liegen und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. hm
„Wangen und Kröpfe“ auf dem Reißbrett
In der Werkstatt eines Treppenbauers
Schon von Weitem empfängt den Besucher der surrende Ton der Schwanksäge, mit welcher der Zimmermann die Trittstufen der im Bau befindlichen Treppe nutet. Von Zeit zu Zeit beugt er sich über den auf einer großen Tafel gezeichneten Aufriß der gesamten Treppe und entnimmt ihm die Maße für die nächsten Stufen.
Es ist nicht einfach, aus dem rohen Holz das fertige Werk zu gestalten. Wenn es auch bei einer gradläufigen Treppe keiner Zeichnungen oder besonderer Vorbereitungen bedarf, setzt doch der Bau einer gewundenen Treppe große Fachkenntniss und vor allem genauestes Arbeiten voraus. Gar oft muß man feststellen, daß eine Treppe knarrt. Das liegt meist daran, daß die eingepaßten Futterbretter nicht auf den zehntel Millimeter genau sitzen.
Die Seitenteile der Treppe bezeichnet der Fachmann als „Wangen“. Was der Zimmermann früher in mühseliger, langwieriger Arbeit mit Hammer und Stemmeisen aus ihnen herausnehmen mußte, schafft er heute in kürzester Zeit mit der Treppenfräse. Stufe um Stufe wird bereits in der Werkstatt eingepaßt und auf genauesten Sitz überprüft. An der Stelle, wo die gewundene Treppe ihre Laufrichtung ändert, sind die Wangen der Innenseite entsprechend gebogen und werden „Kröpfe“ oder Kropfstücke genannt. Gerade der Kurventeil stellt an den Erbauer oft große Anforderungen. Eine richtig gefertigte Treppe muß sich nach ihrer Aufstellung selbst frei tragen.
Die Montage beginnt mit der Verankerung der Setzstufe, das ist die unterste Stufe, im Mauerwerk. Dann wird Tritt für Tritt und ein Futterbrett nach dem anderen in die Außenwangen eingesetzt, bis man schließlich auch die inneren Wangen montieren kann. Wenn dann die Kropfstücke und die Seitenteile miteinander fest verschraubt sind, werden zum Schluß die Geländerstäbe eingefügt und die Teile des Handlaufes aufgesetzt und befestigt. Es ist ganz klar, daß er fein säuberlich geglättet oder poliert sein muß, denn der Zimmermann hat immer damit zu rechnen, daß „Bubi“ sich mehr für das Geländer als für die Stufen der neuen Treppe interessieren wird.
Ja, die Kinder! Ihnen geht es schon genau so, wie den Erwachsenen. Unten ist man schnell im Leben, aber aufwärts geht es langsam, ganz so, wie es ein altes orientalisches Sprichwort kündet: „Nur auf den Stufen gelangt man zur Höhe der Treppe.“ Aber Vorsicht, bitte, sie ist oft frisch gewachst! bb.
„Die glücklichen Tage“ bei freiem Cintritt
Erfolgreiches Heppenheimer Gastspiel des Frankfurter Nachwuchsstudios
Mit dem Gastspiel des Nachwuchsstudios der Bühnengenossenschaft Frankfurt im Gartensaal des „Hessischen Hofes“ hatte die amerikanische Lesehalle ihren Freunden und darüber hinaus dem gesamten Heppenheimer Publikum eine ganz besondere Ueberraschung bereitet. Das Lustspiel: „Die glücklichen Tage“, von Claude Andre Puget, dürfte, wie kaum ein anderes Stück, gerade für eine Studioaufführung junger Nachwuchskünstler geeignet sein, bietet es doch bei einem Mindestaufwand an Dekoration sowohl dem Regisseur wie den einzelnen Darstellern weitgehendste Möglichkeiten sich zu entfalten. Es ist ein Stück Leben, das sich hier abspielt mit jungen Menschen, wie sie uns täglich begegnen, die vor Probleme des Lebens gestellt werden und sie dank ihrer Jugend so oder so lebensbejahend zu meistern suchen.
In eine harmlos fröhliche Gemeinschaft kommt ein Mann (Wolfgang Bieger), die Verkörperung des reifen, gutaussehenden, auf Grund seiner Persönlichkeit wirkenden Mannes, und damit ist der Zankapfel da, denn mit dem Mann taucht vor den jungen Leuten das Problem „Liebe“ auf und droht die kleine Gemeinschaft zu zersprengen. Bei dem in sich noch unausgeglichenen, ein wenig ungehobelten Oliver (Rolf Hesse) bricht die Eifersucht los, denn er muß sich gestehen, daß er die kokette, sich bereits ganz als reife Frau fühlende Marianne (Monika Barth) gerne hat.
Auch der kleine, ewig verschlafene Gymnasiast Bernard (Georg Wendel) macht die ersten Gehversuche auf dem Gebiete der Liebe, und so macht sich denn die ganze Erregung der beiden Jungens in einer herzhaften Rauferei mit dem verhaßten „Flieger“ Luft. Reizend ist der kleine Backfisch Pernette (Ingeborg Stauden), und man kann nur zu gut verstehen, daß sie wegen dieser ersten „unglücklichen Liebe" zu sterben bereit ist.
So verwirren sich die Fäden immer mehr, aber der Autor löst den Knoten nicht in einem happy end, sondern er läßt die Ursache des ganzen „Dramas“, den Mann, der inzwischen mit allen versöhnt ist, wieder in das Dunkle gehen, aus dem er gekommen ist — denn man erfährt ja eigentlich nie, wer er ist und was ihn hierherführt — und so klingt denn dieses heitere, aber dabei doch so gedankenreiche Spiel mit dem Seufzer der reifen, bis dahin so beherrschten Fran-, eine (Ruth-Senta Wagner) aus, die jetzt gesteht, daß sie diesen Mann auch liebt — vielleicht sogar am innigsten von allen.
Michael Engelhardt sorgte als Regisseur für ein ungezwungenes, natürliches Spiel und ließ den Darstellern weitgehendste Möglichkeiten, ihre Rollen auszuspielen. Jo Bes ie r hatte den Bühnenraum mit einfachen Mitteln geschmackvoll gestaltet. Der reiche Beifall des zahlreich erschienenen Publikums (kein Wunder, der Eintritt war frei!) dankte den jungen Künstlern für ihre Leistungen. (HB)
Michaelismarkt in Reichelsheim
Die Vorbereitungen zu dem am Sonntag und Montag in Reichelsheim stattfindenden Michaelismarkt sind abgeschlossen. Auch in diesem Jahre werden die beiden Markttage eine Bezirksschau von Pferden, Rindern und Ziegen bringen, die neben einer Werbe- und Verkaufsmesse im Mittelpunkt des Marktes stehen wird. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen ist mit einem weitaus größeren Auftrieb zu rechnen als im Vorjahre. Das 7500 qm große Auftriebsgelände wurde entsprechend hergerichtet, u. a. wurden mehrere Vorführungsringe angebracht, die eine reibungslose Prämiierung durch Sachverständige des Tierzuchtamtes Darmstadt gewährleisten. Ehrenpreise stifteten die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft, die Volksbank Reichelsheim und die Molkerei Fürth i. O.
Das Reichelsheimer Handwerk und Gewerbe wird seine Erzeugnisse auf dem früheren Marktplatz, auf dem schon vor 200 Jahren die sogenannten „Vieh- und Krammärkte“ stattfanden, zur Schau stellen. In der Schule findet die landwirtschaftliche Lehrschau und im Saale von J. Weimar eine Geflügelausstellung mit wertvollen Zuchttieren statt.
Von Interesse für die Landwirte des Gersprenztales wird am Montag um 15 Uhr -auch die Vorführung von Kartoffelvorratsrodern für Gespann- und Schlepperzug in der Nähe der Sandgrube des Landwirts Friedrich Jost sein. Die Ziehung zur Marktlotterie findet am Dienstag statt. Hauptgewinne sind u. a. ein Rind, ein Schwein, ein Wendepflug, ein Fahrrad, eine Rübenmühle und zwei Saateggen. Die Südd. Eisenbahngesellschaft gibt am Montag auf der Strecke Reinheim—Reichelsheim Sonntagsfahrkarten aus. tm
Henry darf nicht „Henry“ heißen
Seltsame VNorschriften
die zu denken geben
Bis auf die Eintragung in das Geburtsregister des Standesamtes hatte mit „Henry“ alles geklappt. Doch dann gab es eine Stockung, als der Beamte gerade den feierlichen Akt vollziehen wollte und aus dem Munde des glücklichen Vaters den Namen „Henry“ vernahm. So sollte der Bub nach dem Willen seiner Eltern, die in Kürze in die USA auswandern, heißen. Der Beamte wandte sich an einen — wie ihm schien — in diesen Dingen besser bewandten Kollegen in der Bürgermeisterei Groß-Gerau.
Von da an waren wir Zeuge dieses etwas „zeitfremden“ Vorganges. Es setzte uns nämlich in Erstaunen, als mehrmals das Wort „arisch“ fiel, das sich völlig ungeschoren noch im Text der Vorschrift für die im Bundesgebiet erlaubten und nicht erlaubten Namen befindet. Um es kurz zu machen, das Telefonat endete mit der Feststellung, daß Henry nicht Henry, sondern Heinrich zu heißen habe, Damit hatte sich der Bub zufrieden zu geben. Ob es der Vater auch getan hat, wissen wir nicht. Festgehalten zu werden verdient, daß einige Bundesrepublik-Gesetze und -Vorschriften sicherlich noch einer gründlichen Untersuchung bedürfen, um in unsere Zeit zu passen, kr
Bewußtlos neben dem Gleis
Am Dienstag wurde in den frühen Morgenstunden im Bahnhofsgebiet Gustavsburg von einem Posten der Bahnmeisterei Bischofsheim ein schwerverletzter Mann in bewußtlosem Zustand aufgefunden. Er lag neben einem Gleis, das am 18. September gegen 23 Uhr letztmalig befahren worden war. Die vorgefundenen Ausweispapiere lauteten auf den Schuhmacher Josef Hannig aus Kelsterbach. Der rechte Arm und die rechte Hand des Verletzten waren überfahren worden, außerdem hatte er Hautabschürfungen erlitten und am Bein eine klaffende Wunde. Er wurde in das städtische Krankenhaus Mainz eingeliefert. Wegen seines Erschöpfungszustandes konnte er noch nicht aussagen, ob Unglücksfall, Verbrechen oder Selbstmordversuch vorlagen. od
Unser burtstagskinder
89. Geburtstag: Herrn Schneidermeister und Friseur Georg Ludwig Sehnert, Harpertshausen, Langstädter Straße.
84. Geburtstag: Frau Elisabeth Wolf, Nauheim, Bahnhofstraße 38.
80. Geburtstag: Herrn Philipp Sähler, Geinsheim, Leeheimer Straße 212.
76. Geburtstag: Frau Julie Kubelka, Crumstadt, Friedrich-Ebert-Straße 42.
74. Geburtstag: Frau Elisabeth Schütz, Kröckelbach.
73. Geburtstag: Frau Elisabeth Heeger, geb. Oechler, König i. 0., Friedrichstraße.
WOCHENMARKT DER KÜNSTLER Die unter Absatzschwierigkeiten leidenden Berliner Künstler haben am letzten Sonn-* tag die Stände des Wochenmarktes am Lehniner Platz belegt, um ihre künstlerischen Erzeugnisse den Sonntagsspaziergängern anzubieten. Dieser Wochenmarkt der Künstler soll erfolgreich gewesen sein.
Abschied vom Spiel
Der Abend erhob sich aus dem Gebüsch, wo er während des Nachmittags geruht und gewartet hatte, und umzingelte die Wasserfläche. Am Strand spielte ein Mädchen mit einem großen Ball. Ganz einsam spielte das Mädchen am Strand. Die Stadt lag eine halbe Stunde hinter uns. Idi sah zurück. Niemand war da außer ihr und mir.
Sie spielt für sich und mich, dachte ich. Sie tat es beiläufig und sagte dazu, ohne daß sie der Worte bedurfte: Siehe, ich bin jung. Ich habe Freude an mir. Meine Beine sind ganz braun, meine Arme, mein Nacken sind braun. I leine Haut spiegelt matt. Mein Blut ist um Grade wärmer als der Abend. Ich freue mich, ohne den Grund zu kennen. Jetzt möchte ich mit jemanden meiner Wahl längs des Ufers gehen; auf jenen Steinen sitzen. Ich würde noch einmal hinausschwimmen, wenn ich nicht so allein wäre. Der Abend und die Schale, in der er ruht, die Erde, machen, daß ich hier verweile. Ich fühle mit ebenbürtig dem Abend und der Erde.
Daran war kein Wort zuviel. Es gibt Geschöpfe auf jenem schmalen Grat vom Mädchen zur Frau, die an solchem Mittsommerabend sagen dürfen: ich fühle mich ebenbürtig.
Sie war schön nicht nur von Gestalt, sondern auch von Angesicht. Ihr Kopf besaß jene edle Form, daß man hätte mit ihr gehen mögen, ohne zu fragen: wie heißt du, wo wohnst du? Wäre zu fragen gewesen, nicht sie, sondern ic h hätte in Frage gestanden.
„Spielen Sie mit?“ fragte das Mädchen so unvermittelt, daß ich erschrak. Ich sah mich um: aber da war niemand, an den sie die Frage hätte gerichtet haben können, und ich errötete. Ich errötdte, weil gerade vor mir, in Augenhöhe über den Wassern, die Sonne stand und mir ins Antlitz schien. Ich errötete, weil der Klang ihrer Stimme bestätigte, was ich wünschte: daß sie eines jener seltenen Geschöpfe sei, von denen man lange wach träumte, ehe man die Hoffnung aufgab, ihnen zu begegnen.
Nun kam sie wie ein dunkler, geheimnisvoller Kern aus dem flammenden Untergang der Sonne auf mich zugeschritten. Der See spiegelte hinter ihr einen Sonnenpfad, den sie hätte gekommen sein können. So nahe und so unantastbar blieb sie vor mir stehen.
„Spielen Sie mit?“
Ihr kleiner, fragend geöffneter Mund zuckte. Ihre Augen waren braun und sehr groß. Nichts widersprach und entzweite sich darin. Die Seele dieses Mädchens kam aus dem Feuerofen des himmlischen Töpfers. Sie war so wenig wie ihr Körper von Menschenhand zu Menschenhand gegangen, sie stand abseits wie eine seltene, vollkommene Schale, die niemand zu kaufen wagt. Denn bei jedermann ist dunkel vorhanden, wonach er zu greifen hat, zur Schale oder zum Geschirr.
„Spielen Sie mit?“
Niemals wurde ich deutlicher ausgezeichnet. Niemals war ich ungewisser, ob ich gemeint sei. Ein junger Fant hätte gejauchzt. Aber unsereiner hat seine Zweifel in sich selbst. „Spielen Sie weiter“, erwiderte ich darum mit meiner versöhnlichsten Stimme, „aber lassen Sie mich aus dem Spiel! Nach mir wird einer kommen, wer weiß, ob er der Bessere ist . . . aber er wird sicherlich jünger sein, und das heißt unbekümmerter sein, . . . er wird mit Ihnen hinausschwimmen und dabei seine Künste zeigen, . . .er wird die tollsten Begebenheiten erzählen, aus denen er als Sieger hervorging, und damit rechnen, daß dies eine Wirkung tue, . . . er wird mit Ihnen auf jenem Rasenpolster sitzen und glauben, ein Anrecht zu haben, er wird Ihren Arm streicheln, Ihre Haare, und wird versuchen, Ihren Mund zu küssen, ... er wird die These aufstellen, daß der Erfolg rechtfertige, und wird damit wiederum Erfolg haben, ... er wird, . . . er wird ... Es ist nur die Frage, was dann aus Ihnen wird“, sagte ich zum Schluß und merkte, daß ich das Mädchen eingekreist hatte mit meinem Zweifel, mit meinen Ahnungen, mit meiner Resignation, mit dem Geist der Schwere und des Verzagens.
Ein Narr könnte hier fragen: warum hat es nicht in dir frohlockt? Warum bist du nicht mit ihr gegangen? — Als ob wir es in der Hand hätten, wann wir zu jauchzen und wann wir zu weinen haben . ..
Ich verließ das Mädchen und ging vollends zum Strand. Zur Seite der Landungsbrücke lag mein Segelboot, die „Alette“. Wie einer, der nicht recht weiß, was er tun soll, schlug ich die Persenning zurück und machte das Boot klar. Ich setzte die kleine Fock und das Großsegel. Das Tuch wellte leer im Abendwind.
Als ich loswerfen wollte, sah ich noch einmal zurück. Das Mädchen stand reglos noch immer auf derselben Stelle, den Ball im Arm, und sah zu mir her. Da kletterte ich nochmals auf die Brücke, ging die wenigen Schritte zum Ufer und reichte ihr die Hand.
Sie stand vor mir, glühend rot und glühend braun. Denn die Sonne in einiger Entfernung war auf die Höhe unserer Hände, unserer Kniee, unserer Füße herabgesunken. Heinrich Weis.
meldungen aus den Landlacisen
DARMSTADT-LAND
Erzhausen. Der Gemeinderat trat trotz der schwierigen Finanzlage in seiner letzten Sitzung für eine Fortsetzung der Feldbereinigungsarbeiten ein. Es wurde beschlossen, daß Bürgermeister Lotz und Gemeinderat Becker an einem Lehrgang des Freiherr-vom- Stein-Instituts in Lindenfels teilnehmen. oa
Ober-Ramstadt. Der erste Vorsitzende des Ortsverbandes der Heimatvertriebenen lädt die Mitglieder zur Monatsversammlung am kommenden Freitag, um 20 Uhr, in den Saalbau Suppes ein. D.
ERBACH
Steinbach. Bei der letzten Gemeinderatssitzung verpflichtete Bürgermeister Berg (Fürth) den als Ersatz für den ausgeschiedenen Vertreter A. F i s ch e r nachgerückten Johannes Keil durch Handschlag zum neuen Gemeinderat. -r
Neustadt. Umfangreiche Ausbesserungsarbeiten sind zur Zeit an der Burg Breuberg bei Neustadt im Gange. Das Dach des Kasimirbaus wurde teilweise neu gedeckt. Auch die Dächer der Jugendherberge werden neu hergerichtet. hm
Haingrund. Die Bodennutzungserhebung der Gemeinde für 1950 ergab eine Gesamtfläche von 357 ha. Auf Ackerland entfallen davon 93 ha, auf Gartenland 2,5 ha. Wiesen und Weiden umfassen 52 ha. Der Wald nimmt eine Fläche von 169 ha ein. Der Rest entfällt auf Hof- und Gebäudegelände. hm
DIEBURG
Nieder-Roden. Ein hiesiger Motorradfahrer, der einen Bekannten auf dem Soziussitz mitgenommen hatte, wurde beim Ueberholen eines Omnibusses gezwungen, so weit nach links zu steuern, daß er einen Straßenbaum streifte, und zu Fall kam. Er zog sich Verletzungen zu. RG
Groß-Umstadt. Ein Landarbeiter aus Richen hatte bei einem hiesigen Geschäftsmann ein Fahrrad gekauft und dabei die Unterschrift eines Bürgen gefälscht. Einen ähnlichen Schwindel hat er mit einem zweiten Rad getrieben. Er ist seit einigen Tagen flüchtig. RG
BERGSTRASSE
Lorsch. In der Generalversammlung des Obst- und Gartenbauvereins wurde folgender Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender: Johann Diehl 1., 2. Vorsitzender: Franz Huba, Schriftführer: Werner Heidorn, Rechner: Karl Eberle, Beisitzer: Valentin Adrian.
Lorsch. Der Geflügelzuchtverein hält am Sonntag, dem 1. Oktober 1950 seine diesjährige Junggeflügelschau ab.
Bensheim. Der Ev. Bund hält in seinem Konfessionskundlichen Institut eine vorbereitende Arbeitstagung für den Vortragsdienst in den evangelischen Gemeinden. se
Mörlenbach. In einer Versammlung der hiesigen Heimatvertriebenen sprach der Geschäftsführer des Kreisverbandes, M, Haas, über Lastenausgleich, Existenzsicherung und Jugendpflege. Bürgermeister Wagner gab bei dieser Gelegenheit bekannt, daß die Flüchtlingsfirma Horstmann (Textilfabrikationsbetrieb), weitere Weberlehrlinge einstellen will, um der Nachwuchsnot zu begegnen. -r
Neckarsteinach. Dank der Bemühungen des Verkehrs- und Heimatvereins sieht der kommende Winterfahrplan Neckarsteinach als Station zweier Eilzüge vor. Damit wird eine langersehnte Verkehrsverbesserung geschaffen. Die Züge verlassen Neckarsteinach in Richtung Heidelberg—Mannheim um 7.40 Uhr und in der Gegenrichtung nach Stuttgart um 18.35 Uhr. WL
Waldmichelbach. Am Sonntag findet im Hotel „Zum Odenwald“ eine Bezirks-Konferenz der CDU statt, zu der MdL Dr. Götz erscheinen wird.
Wahlen. Am Schmelzrain will die Forstbehörde noch in diesem Jahre mit dem Bau eines neuen Forsthauses beginnen, nachdem die Ermittlungen ergeben haben, daß ein Wiederaufbau des alten, 1945 zerstörten Forsthauses am Bahnhof, unzweckmäßig wäre. -r
Tromm. Die Sängervereinigung, die seither wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten ihres Dirigenten Lämmer ohne Chorleiter war, wird im Oktober wieder mit Uebungsstunden beginnen; neuer Dirigent ist Lehrer Klose (Scharbach). -r
Ober-Abtsteinach. In zwölfstündiger Arbeit werden z. Z. die neuen Kanalisationsstränge an der Tröseler Straße eingebaut. Man hofft mit dieser Arbeit bis zum Wochenende fertig zu werden, -r
GROSS-GERAU
Gernsheim. Am kommenden Sonntag werden ca. 300 evangelische Frauen zu einem Bezirkstreffen erwartet. Nach dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche um 14 Uhr findet eine Kaffeetafel im Gemeindesaal statt, wobei Pfarrer Schulze (Groß-Gerau), über den Essener Kirchentag berichten wird.
Biebesheim. Auf dem Niersteiner Deut¬ schen Pfarrertag zeigte der hiesige Goldschmied Philipp die von ihm gearbeiteten Taufgeräte der wiederaufgebauten evangelischen Diasporakirche in G e r n s - heim. Auch die Altargeräte aus der Werkstatt Schönwandt fanden große Beachtung.
Nauheim. f)er Bürgermeister wurde vom Gemeinderat ermächtigt, für den geplanten Schulhausneubau einen Kassenkredit von 25 000 DM und ein Darlehen von 70 000 DM aufzunehmen. Der so dringend notwendige Neubau soll noch in diesem Jahre begonnen werden.
Groß-Gerau. In der Siedlung wurde eine Gartenwirtschaft neu eröffnet. — Die Schillerschule soll mit einem Rohrgestänge eingezäunt werden, welches man mit Kletterpflanzen bewachsen lassen will. cg.
Groß-Gerau. Der Gemeinderat stimmte in der vergangenen Woche in einer öffentlichen Sitzung dem Beitritt zum Landesverkehrsverband zu. — Nahe der im Entstehen begriffenen Landwirtschaftsschule soll die alte Mühlbachbrücke durch eine neue, massivere ersetzt werden. cg.
Groß-Gerau. Im Rathaussaal findet am Dienstag, dem 26. September, eine Ausschußsitzung des Verbandes Süd-Westdeutscher Wohnungsunternehmen statt. Es handelt sich hierbei um eine abschließende Beratung vor dem Verbandstag. cg.
Groß-Gerau. Die Arbeitsgemeinschaft (Kreis Groß-Gerau) des Hessischen Gemeindetages trifft sich am kommenden Freitag um 10 Uhr im Büttelborner Volkshaus, um sich mit der neuen Gemeindeordnung zu beschäftigen. Bürgermeister Sudheimer, Biebesheim, wird ein Referat halten. cg.
Groß-Gerau. Die hiesige Volksschule veranstaltet heute eine Bachfeier, an der ein Instrumentalkreis der Landesmusikschule Darmstadt, ein Lehrersingkreis und ein Schülerchor teilnehmen wird, cg
Der SPORT.
Grstes Rennen mit Grand-Prir-Länge
Zur „ADAC-6-Stunden-Fahrt“ auf dem Nürburgring
Wenn der deutsche Motorsport vor dem 20. August noch mit verbundenen Augen an der Tatsache vorbeigegangen wäre, daß die Industrie des Auslandes in fast allen Sparten dieser Sportart der deutschen weit überlegen ist, dann hätte der „Große Preis“ auf dem Nürburgring auch die letzten Zweifel darüber beseitigt. Wie sehr aber in Deutschland die Verantwortlichen der Industrie sich über die Lage im klaren sind, beweist eindeutig das große Interesse dieser Kreise an der „ADAC -6 - Stunden - Fahrt“, für die Deutschlands regsamster Automobil-Club keine bessere Strecke hätte finden können als den Nürburgring. Gerade dieser schwierige Kurs ist wie kein anderer geeignet, die vornehmste Aufgabe dieses Riesen-Rennens über 500 bis 600 km zu erfüllen, als schärfste Leistungsprüfung der deutschen Industrie die Erringung ihrer früheren Position anbahnen zu helfen.
Von nichts kommt — nichts!
Ausgehend von der Erkenntnis, daß in unserer heutigen Situation wieder ganz von vorne angefangen werden muß, führt so der ADAC am Wochenende seine Pionierarbeit weiter, die bereits bei der großen ADAC - Deutschland - Fahrt Früchte trug. Aus dem standfesten Tourenwagen kann man einen Sportwagen entwickeln, aus dem schnellen Sportwagen schließlich eines Tages einen Rennwagen — und da wir wieder ganz unten anfangen müssen, stehen auch auf dem Nürburgring die Tourenwagen im Mittelpunkt. Ihre Güte und Qualität führt auf der einen Seite zu vergrößertem Absatz, als zu den finanziellen Mitteln, die für einen Rennstall erste Vorbedingung sind — und auf der anderen Seite zu den Konstruktionsunterlagen, die erst den Bau eines Grand-Prix-Wagens ermöglichen. So war es früher bei Auto-Union und Mercedes-Benz, und nur so kann auch heute wieder der deutsche Motorsport etwas werden.
Eine schwere Zerreißprobe
Die strengen Bestimmungen der Fahrt, die hohen „Schnitte“, die jedoch nicht zu hoch liegen und allein eine reelle Unterlage abgeben können, und die Länge der Distanz sind die Gewähr dafür, daß wirklich etwas verlangt wird und nur wirklich gute Fahrzeuge ihr Soll erfüllen können. Tourenwagen sowie serienmäßige und nichtserienmäßige Sportwagen starten über die sechs Stunden, in denen ca. 500 bis 600 Kilometer zurückgelegt werden sollten — also erstmalig wieder die alte Grand-Prix-Distanz. Und wenn bei den Nennungen die Tourenwagen weit überwiegen, dann ist das auf der negativen Seite der Beweis für das Fehlen wirklich guter Sportwagen (aus denen allein die Rennwagen weiterentwickelt werden können) —, auf der positiven aber wiederum ein Zeichen für die Bereitschaft der Industrie, allen Ballast über Bord zu werfen und neu zu beginnen!
Mit den Assen
Deshalb starten unsere Asse des Volants auch bei den Tourenwagen — Petermax Müller und Walter Glöckler auf Volkswagen, Schäufle und Brudes bei Borgward, Kling und Rieß auf Mercedes 170-S und Ulmen, sowie Sauerwein auf einem Opel-Kapitän — während am Steuer des Porsche-Sportwagens v. Hanstein allein die „Prominenz“ vertritt. 33 Volkswagen, 14 Ford-Taunus, acht Mercedes 170-S, fünf Opel-Kapitän und die Goliath, Borgward, Fiat, Renaults, Opel-Olympia, Steyr, BMW und Deutsch-Bonnet — über hundert Wagen gewährleisten bereits jetzt den Erfolg dieser Fahrt, der im nächsten Jahre das 24- Stunden-Rennen des ADAC als nächste Konsequenz folgen soll.
Ulrich ist Deutscher
Krefeld, (sid.) Wie die Eishockey-Abteilung von Preußen Krefeld mitteilt, ist der dem Verein beigetretene mehrfache deutsche Nationalspieler Ulrich nicht — wie verschiedentlich in Süddeutschland behauptet wurde — ' tschechoslowakischer, sondern deutscher Nationalität. Der in den Sudeten geborene Ulrich wurde nach Kriegsende^ von den Tschechen inhaftiert und stieß nach seinem Wiener Zwischenspiel (WEF) und seiner Spielertätigkeit in Lausanne (Schweiz) zu Preußen Krefeld.
Der Deutsche Eissport-Verband (DEV) wird seinen nächsten Verbandstag am 15. Mai in Düsseldorf abhalten.
Gute Leistungen in Kiew
Kiew, (sid) Die 31. Leichtathletik-Meisterschaften der Sowjetunion brachten schon an den beiden ersten Tagen in Kiew ausgezeichnete Ergebnisse, die den Leistungsstand der russischen Elite wirkungsvoll unterstreichen. Mit zwei Landesrekorden zeichneten sich die Frauen wieder besonders aus. Sofia Malcina siegte über 200 m in 24,7 Sekunden, während Alexandra Tschudina ihren eigenen Hochsprungrekord von 1,67 m auf 1,68 m verbesserte. Man hofft in Rußland nicht ohne Grund, daß Alexandra den Hochsprung-Weltrekord (1,71 m) von Fanny Blankers-Koen gefährden kann. Weiter wurden folgende -Titelträger ermittelt: Männer, 100 njj Sucharew 10,5; 800 m: Tschewgun 1:51,7; 5000 m: Kazanzew 14:39,6; 200 m Hürden: Lunjew 24,5; Hochsprung: Sidorka 1,90; Diskuswerfen: Lipp 48,94; Speerwerfen: Walman 67,70; Frauen, 100 m: Setsjenowa 12,2; 800 m: Bogatyrewa 2:14,6; Kugelstoßen Andrejewa 14,43.
KWU Halle Mannschaftsmeister
Chemnitz, (sid) Im Chemnitzer Stadion fiel die Entscheidung in der Mannschafts-Meisterschaft der Ostzonen-Leichtathletinnen. Hierbei setzten sich die Mädchen von KWU Halle mit 15 061 P. sehr sicher vor BSG Einheit Ost Leipzig (14 374 P.), Zeiß Jena (14 304 P.) und Einheit Rostock (14 021 P.) durch. Der neue Meister verdankt seinen Erfolg in erster Linie seiner erstaunlich vielseitigen Mehrkämpferin Römer, die 100 m in 12,4 Sek., den Weitsprung mit 5,52 m und auch das Kugelstoßen mit 11,27 m gewann.
„Maeccabiade“ in Tel Aviv
Tel Aviv. (AP.) Das Alljüdische Olympische Komitee hat am Dienstag bekanntgegeben, daß Großbritannien mit 75 Männern und Frauen die umfangreichste Mannschaft zu den am 27. September in Tel Aviv beginnenden „Alljüdischen Olympischen Spielen“ entsendet. Etwa 500 jüdische Sportler aus 28 Ländern („Maccabiade“) werden zu den Spielen erwartet.
Der SV 98 bittet uns mitzuteilen, daß im Sondertriebwagen für die Fahrt nach München zum Spiel 1860 — SV 98 noch einige Plätze frei sind. Abfahrt am Samstag, 14 Uhr, Rückfahrt am Sonntag, 19 Uhr, Ankunft in Darmstadt gegen 1 Uhr. Der Fahrpreis beträgt 24,80 DM.
Abschluß der Rollschuhsaison
Nochmals europäische Spitzenklasse hinter dem Orpheum Knake-Koch, Irma Fischlein, Marga Schäfer und Lothar Müller am Start
Zu einer groß angelegten Rollsport-Veranstaltung, gleichzeitig die letzte in dieser Saison, hat der RSC Darmstadt, von dem das Darmstädter Publikum in bezug auf Reichhaltigkeit, Können und Schönheit schon leicht verwöhnt wurde, noch einmal einige Läufer verpflichtet, deren Namen Bürge dafür sein sollten, die Veranstaltungen am Samstag/Sonntag zu einem Erlebnis werden zu lassen. Läufer und Läuferinnen sind in Darmstadt schon sehr gut bekannt und werden sich in einem völlig neu zusammcngestellten Programm zeigen.
Das überaus sympathische zweite Europa-Meisterpaar Knake/Koch wird dieses Mal außer in einigen neuen Tango-, Rumba- und Samba-Tänzen auch mit Europameister Lothar Müller in Trio-Tänzen die Herzen der Darmstädter Rollsportfreunde höher schlagen lassen.
Von Irma Fischlein, der Europameisterin, hören wir, daß sie ihre Krankheit nun völlig überwunden hat, und wir dürfen uns einiges von ihr versprechen.
Marga Schäfer, eine der beliebtesten Rollschuhtänzerinnen im In- und Ausland, kam erst kürzlich von einer Tournee aus Spanien, wo sie große Erfolge feierte, zurück, und so dürfen wir überzeugt sein, daß wir hier spanisches Temperament auf Rollschuhen erleben werden.
Die „Kleinen“ Marikka Kilius und Franzl Ningel sowie die Nachwuchsläufer des RSC Darmstadt, die sich in diesem Jahr ganz beachtlich in den Vordergrund der Könner geschoben haben, werden das reichhaltige Programm ergänzen.
Der RSC bittet uns noch mitzuteilen, daß sämtliche Sitzplätze numeriert sind und Platzkarten für beide Veranstaltungen ab Samstag, den 23. 9. 1950, 15 Uhr, am Rollsportstadion hinter dem Orpheum zu haben sind.
Die große Abendveranstaltung beginnt am Samstag, dem 23. 9. 1950 um 19 Uhr. Ab 18.30 Uhr stellt sich der Nachwuchs vor.
Am Sonntag findet außer dem ungekürzten Abendprogramm ein Roll-Hokkeyspiel des Hessenmeisters RSC gegen Langen statt. Beginn der Veranstaltung 15 Uhr.
Telegramme
Gottfried von Cramm siegte in Nürnberg nach einem hartumkämpften Zweisatz-Kampf 8:6, 7:5 über Werner Beuthner (Nürnberg). Von Cramm hatte einen schlechten Start und Beuthner war während des ganzen Spiels ein großer Gegner.
Unsere Zehnkampf - Hoffnung Sepp Hipp (SV Balingen), der sich in diesem Jahre gleich drei deutsche Leichtathletik-Meisterschaften holte, erreichte mit 15.15 Meter im Kugelstoßen und 48,89 Meter im Diskuswerfen überraschend gute Jahresbestleistungen. Damit steigerte sich Hipp innerhalb von zwölf Monaten im Kugelstoßen von 14,53 m auf 15,15 m und im Diskuswerfen von 45,25 m auf 48,89 m. (sid.)
Der Pionier des rheinischen Skisports, der aus Neuwied gebürtige Siegfried Koch, ist im Alter von 73 Jahren in den Nachmittagsstunden des Montags in Schwaig bti Nürnburg gestorben.
Das Meisterschaftss '.el der 1. Liga Süd zwischen dem Vfß Stuttgart und Kickers Offenbach wurde aus Anlaß der Eröffnung der Stuttgarter Neckarbahn vom 24. auf den 23. September vorverlegt.
Wettkämpfe der Kleinsten
Bei dem am Sonntag in Lorsch ausgetragenen Kreiiskinderturnfest siegten! Schüler-Sechskampf: 1- Günter Wiedemann, Bürstadt; 2. Herbert Golz, Biblis; 3. Ewald Müller, Bürstadt. Schüler-Fünfkampf: 1. Richard Veith, Lorsch; 2. Rudi Nack, Biblis; 3. Werner Adrian, Lorsch. Schüler innen - Sechskampf: 1. Inge Keller, Lampertheim; 2. Wiltrude Neyer, Bürstadt; 3. Heidi Berwig, Lorsch; Schülerinnen-Fünfkampf: 1. Anni Jakob, Lorsch; 2. Helga Seitz, Lorsch; 3. Marianne Wörtche, Lorsch. Dieses Fest hat seinen Zweck, als Werbeveranstaltung für den Tumsport zu dienen und die Jugend hierfür zu begeistern, erfüllt. Bereits am Vormittag konnten sämtliche Wettkämpfe abgewickelt werden. Neben dem Festzug war der Nachmittag mit Sondervorführungen ausgestaltet. (bl).
D 7 Bestattungen am Donnerstag, dem 21. Sept. 1950 I Beerdigung: Alter Friedhof: 14.00 Uhr: Kühn, Marie, Emilstraße 19, 71 Jahre ■ Feuerbestattung: Waldfrledhot: 3 14.00 Uhr: Heß, Karl-Heinz. Roßdorf bei Darmstadt, Am Birke, 27 Jahre
Neue Ueberrasdiung für die Leser unseres ©X-film-Forums! Ein Wettbewerb für unsere Leser: | B Wer ist's? W J| & ‘ v ^*r ze’9en Ihnen hier Ausschnitte aus den Fotos von unseren Filmlieb- Ü • lingen, wie wir sie regelmäßig in unserem DT-Film-Forum zum Abdruck - ' ' ' w bringen. Erkennen Sie den einzelnen Schauspieler? Dai auf kommt es anl ® Heben Sie diese Zusammenstellung bis zur Beendigung des Film-Forums X * 9ul aut vergleichen Sie die einzelnen Ausschnitte mit den laufenden VeröMentl’chun9en des Film-Forums! Das wird Ihnen das Auffinden der richtigen Antwort erleichternl Senden Sie die richtige Lösung bei Be- T '' ’ & endigung des Film-Forums an uns ein! (Der genaue Termin wird noch 1 bekannt gegeben I) Bei richtiger Lösung der gestellten Fragen und bei ' 8 Teilnahme an der Endabstimmung über die beliebteste Filmschauspielerin ■© un<^ den beliebtesten FiJmschauspieler können auch Sie in den Genuß iWgila^ der wertvollen Prämien kommen! Ww z Wt. -JM - SSWBM Sie wissen doch: IMFILM-FORUMKOMMEN $ & 7 iWSi! Illi mehrere w pBBMi tausend D-%ark , iitwtoW *n Geld und wertvollen Sachpreisen zur Verteilung! ^rmi-minfir Für jeden Teilnehmer eine geschmackvolle Sammelmappe! - Fotos von &y ? Filmdarstellerinnen und Darstellern mit Original - Autogrammen I - Das iÄ IlfehL? hochwertige Filmlexikon von bleibendem Wert auf feinem Kunstdruck¬ papier mit farbigem Umschlag! - Und dann noch für jeden Teilnehmer ' die große Chance, zur Probeaufnahme - zum zu kommen! illll^ Ä UftrmptäMcr jOB z » 5 6 z/ ii ■ -- ■ y iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim im iiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^
Schlachthof (Freibank) Freitag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 1— 500 Freitag von 13.00—16.00 Uhr Nr. 501—1000 Samstag von 8.00—11.30 Uhr Nr. 1001—1500 , Versteigerung Am 22. September werde ich voraussichtlich versteigern: Um 10 Uhr in Darmstadt, Pfandkammer, Amtsgericht: 1 Posten Damenschuhe, 1 Klavier, 1 Obstmühle, 1 Obstkelter, 1 Schaftensteppmaschine, 1 Reparaturmaschine für Schuh¬ macher, 1 Dauerwellenapparat, 2 Sprungrahmen, 1 Couch¬ gestell, 1 Ankieldeschrank, 1 Waschtoilette, 1 Radio, 1 Couch, 1 Büfett, 1 Wohnzimmer-Schrank, 1 Schleifmasch., 4 Motoren, 1 Schreibmaschine. Anschließend im Stadtbezirk: 1 Federrollwagen, 1 Couch, 2 Schränke, 1 Posten Materialien für Weißbinder, Farben, Lacke usw. Um 13 Uhr in Arheilgen: 2 Büfetts, dkl. Eiche, 1 Tankholzmaschine, 1 Auto-Anhänger, 1 Couch, 1 Radio, 2 Sofas. Illas, Obergerichtsvollzieher, Darmstadt. Bekanntmachung Zur Durchfahrt an den drei Zufahrtsstraßen zum Bahnhof Rim¬ bach wurde ein Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge aller Art an¬ geordnet. Die aufgestellten Verkehrsschilder sind zu beachten. Heppenheim, den 15. September 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße. I. A. gez.: Grein , Bekanntmachung Betr. Uebernahme von Staatsbürgschaften für Bankkredite an Spät¬ heimkehrer. Mit Erlaß vom 27. 6. 1950 M D II — Kgf. — 50 h — 40 gibt der Hessische Minister des Innern bekannt, daß die Erteilung von Staatsbürgschaften auch auf Kredite an Spätheimkehrer zu deren wirtschaftlichen Förderung ausgedehnt wurde. Hierzu hat der Hessische Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft unterm 28. 8. 1950 ein Merkblatt für die Erstanträge auf Gewährung einer Kredithilfe aufgestellt, dessen Inhalt ich nachstehend in seinen wesentlichen Punkten bekanntgebe: 1. Antragsberechtigt sind Kriegsgefangene und denen gleichbe¬ stellte Personen, die erst nach dem 1. 1. 1948 zurückgekehrt sind. 2. Die Anträge sind formlos über die Bürgermeister bei der Be¬ zirksfürsorgestelle einzureichen. 3. Dem Antrag sind folgende Unterlagen beizufügen: 1. Beglaubigte Abschrift des Ausweises für Spätheimkehrer, 2. Lebenslauf, 3. Polizeiliches Führungszeugnis, 4. Beglaubigte Abschrift von Urkunden über berufliche Aus¬ bildung und Tätigkeit (wenn vorhanden), 5. Referenzen von 3 Personen, 6. Aufstellung des Kapitalbedarfs, Rentabilitätsberechnung, Vorschläge für Besicherung und Rückzahlung, 7. Nachweis über das Vorhandensein von Betriebsräumen, 8. Beglaubigte Abschrift der Produktions- und Gewerbegeneh¬ migung, soweit der Betrieb zulassungspflichtig ist, 9. Beglaubigte Abschrift des Spruchkammerbescheides, 10. Erklärung des Einverständnisses zur Einholung von Aus¬ künften aus den Steuerakten, 11. Darlehensvertrag. 12. Bei Personen- oder Kapitalgesellschaften sowie Genossen¬ schaften außerdem: Beglaubigte Abschrift des Gesellschafts¬ vertrags bzw. Genossenschaftssatzung. ' 13. Bei bereits in Betrieb befindlichen Unternehmen sind noch vorzulegen: a) Letzte Jahresabschlußbilanz und Status zum Monatsab¬ schluß vor Antragstellung, b) Gewinn- und Verlustrechnung, aufgegliedert zu dieser Bilanz, c) Umsatzzahlung (monatlich) des letzten Halbjahres, d) jeweiliger Auftragsbestand, e) Produktionskapazität, f) Angabe der Bezüge der Geschäftsleitung bzw. Privatent¬ nahmen für das letzte Halbjahr, g) Handelsregisterauszug (wenn eingetragen). Zu Punkt a)—c) ist Bestätigung durch einen vereidigten Buchsachverständigen erforderlich. Die Anträge werden nach Ueberprüfung dem Referat Wie beim Hessischen Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft in Wiesbaden zur Entscheidung vorgelegt.
Interessenten können sich wegen Einsichtnahme in die vollstän¬ digen Richtlinien an ihre Bürgermeisterei wenden, die von mir angewiesen ist, Spätheimkehrer bei der Antragstellung zu beraten und zu unterstützen. Heppenheim, den 14. September 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Bezirksfürsorgestelle —
Bekanntmachung Auf Ersuchen des Bundesministers des Innern (Erlaß vom 18. August 1950 — 1743/50 —) wird hiermit öffentlich bekannt¬ gegeben: Zur beschleunigten Durchführung des nach Artikel 131 des Grund¬ gesetzes (GG.) zu erfassenden Bundesgesetzes ist es erforderlich, daß sich die unter Artikel 131 GG. fallenden Angehörigen des öffentlichen Dienstes melden, und zwar zunächst diejenigen, die nicht im öffentlichen Dienst wiederverwendet sind. Da damit gerechnet werden muß, daß im Vollzug des geplanten Bundes¬ gesetzes für die Meldung eine Ausschlußfrist gesetzt wird, liegt es im Interesse jedes einzelnen, seine Meldung rechtzeitig abzu¬ geben. Bisher abgegebene Meldungen ersetzen diese Meldung nfchtl 11. In der Zeit vom 25. September bis 7. Oktober 1950 melden sich in den Landgemeinden und kreisangehörigen Städten beim Landrats¬ amt Darmstadt, Wilhelminenstraße 34. Zimmer 10, soweit sie zur Zeit der Meldung nicht Im öffentlichen Dienst wiederver¬ wendet sind: A. Verdrängte Beamte (einschl. Wehrmachtsbeamte) und Dauer¬ angestellte, ferner verdrängte und sonstige Angestellte und Arbeiter, die am 8. Mai 1945 im öffentlichen Dienst unkündbar angestellt waren (§ 15 Abs. 4 TOA, § 21 Abs. 5 TOB). Verdrängter Angehöriger des öffentlichen Dienstes ist, wer am 8 Mai 1945 im Dienst- oder Arbeitsverhältnis bei einer Dienst¬ stelle des Reiches, eines Landes, einer Gemeinde oder eines Gemeindeverbandes (Gebietskörperschaft) außerhalb des Bun¬ desgebietes stand. Das gleiche gilt für die Angehörigen von sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts (Nichtgebietskörperschaften), die am 8. Mai 1945 ihren Sitz außerhalb des Bundesgebietes hatten. B. Beamte (einschl. Wehrmachtsbeamte), Dauerangestellte sowie am 8. Mai 1945 unkündbare Angestellte und Arbeiter solcher Dienststellen des Reichs innerhalb des Bundesgebietes, die seither weggefallen sind, ohne daß ihre Aufgaben ganz oder überwiegend von einer anderen deutschen Dienststelle über¬ nommen worden sind. Entsprechendes gilt für die Beamten, Dauerangestellten und am 8. Mai 1945 unkündbaren Ange¬ stellten und Arbeiter der seit dem 8. Mai 1945 aufgelösten sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffent¬ lichen Rechts, die der unmittelbaren Aufsicht des Reiches unterstanden und ihren Sitz innerhalb des Bundesgebietes hatten. C. Beamte, Dauerangestellte und unkündbare Angestellte und Arbeiter, die am 8. Mai 1945 im Dienst — oder Arbeitsverhält¬ nis bei einer Dienststelle des Reiches Innerhalb des Bundes¬ gebietes standen, deren Aufgaben auf den Bund übergegangen sind, wenn sie ihr Amt oder ihren Arbeitsplatz aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen verloren haben. Entsprechendes gilt für die Beamten, Dauerangestellten und unkündbaren Angestellten und Arbeiter, die am 8. Mai 1945 im Dienst- oder Arbeitsverhältnis bei Körperschaften, Anstal¬ ten und Stiftungen des öffentlichen Rechts innerhalb des Bundesgebietes standen, die der unmittelbaren Aufsicht des Reiches unterstanden und jetzt der unmittelbaren Aufsicht des Bundes unterstehen. D. Berufsunteroffiziere der früheren Wehrmacht, die vor dem 8. Mai 1935 erstmals berufsmäßig in den Wehrdienst ein¬ getreten sind und am 8. Mai 1945 eine Dienstzeit von min¬ destens 12 Jahren abgeleistet hatten. E. Angehörige des ehemaligen Truppensonderdienstes (TSD), die vordem Beamte waren. F. Führer öder Führerinnen des früheren RAD, soweit sie am 8. Mai 1945 zum Stamm-Personal des RAD gehörten und vor¬ dem Beamte waren oder Berufsunteroffiziere mit einer-Dienst¬ zeit von mindestens 12 Jahren. Diese Bekanntmachung betrifft nicht: a) Personen über 65 Jahre und solche Dienstunfähigen unter 65 Jahren, die Versorgungsempfänger sind; b) die zur Zeit des Meldetermins im öffentlichen Dienst Wieder¬ verwendeten; c) die aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen aus ihrem Amt oder Arbeitsplatz ausgeschiedgnen Beamten, Dauerangestellten, Angestellten und Arbeiter im Dienst der Länder, Gemeinden oder anderen öffent¬ lich-rechtlichen Dienstherren im Bundesgebiet; d) Beamte auf Widerruf, die nicht den vorgeschriebenen Vor¬ bereitungsdienst und die erforderlichen Prüfungen abgelegt haben; e) ehemalige Berufsoffiziere. Formblätter für die Meldung sind auf dem Bürgermeisteramt in Empfang zu nehmen und beim Landratsamt mit den erforder¬ lichen Unterlagen abzugeben. ...... Der Meldung sollen Abschriften von Urkunden und Nachweisun¬ gen über eine frühere Ernennung, Tätigkeit, über frühere Dienst¬ bezüge usw. nach Möglichkeit beigefügt werden. Es empfielt sich, schon jetzt beglaubigte Abschriften der erforderlichen Urkunden und Nachweisungen anfertigen zu lassen. Über die erfolgte Mel¬ dung wird eine Bestätigung erteilt, die sorgfältig aufzubewahren Ist. ni. Angehörige von Bahn und Post reichen Ihre Meldung unmittelbar bei der für ihren Wohnsitz zuständigen Eisenbahn- bzw. Ober¬ postrtlrektlon ein und erhalten von dort die Bestätigung. Es sind die gleichen Formblätter, die auf den Kreisverwaltungen in Empfang zu nehmen sind, zu benutzen. Darmstadt, den 20. September 1950. Der Landrat des Landkreises Darmstadt I. V.: Schön
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