Wichtige Beschlüsse für die deutsche Bundesrepublik
R. Bonn, 19. September. Die Außenminister der drei Westmächte naben zu ihrer Konferenz in Neuyork ein Kommunique veröffentlicht, das am Dienstagnachmittag von dem stellvertretenden französischen Oberkommissar Berard in Bonn dem Bundeskanzler überreicht worden ist.
Das Kommunique, dessen Wortlaut wir im Innern dieser Ausgabe veröffentlichen, enthält fogende Hauptpunkte: Dei’ Kriegszustand mit Deutschland soll so schnell wie möglich beendet werden. Die Streitkräfte der Alliierten in der Bundesrepublik werden verstärkt. Jeden Angriff gegen die Bundesrepublik oder gegen Berlin werden die Alliierten als einen Angriff gegen sich selbst betrachten. Die Wiederaufstellung einer deutschen Armee wird abgelehnt. Die Alliierten sind damit einverstanden, daß in der Bundesrepublik bewegliche Polizeiformationen auf Länderbasis aufgestellt werden, die dem Bund zur Verfügung stehen. Das Besatzungsstatut wird abgeändert und die Autorität der Bundesregierung erweitert. Die Bundesregierung darfein Außenministerium errichten und diplomatische Beziehungen mit dem Ausland aufnehmen. Die bestehenden innenpolitischen Kontrollen werden beseitigt oder gelockert. Die Beschränkungen beim Bau von Handelsschiffen für den Export wer-, den sofort aufgehoben. Die Produktion von Stahl ist auch über die geltende Grenze hinaus erlaubt, sofern dies für die Verteidigung des Westens notwendig ist.
Dr. Adenauer nahm am Dienstagnachmittag vor der Presse nur kurz zu dem Kommunique über die Außenministerkonferenz Stellung, weil dieses Dokument mit großer Sorgfalt Wort für Wort und Satz für Satz studiert werden müsse und auch der Ton zu beachten sei, in dem es gehalten sei. Außerdem sei vieles noch im Fluß, und die Oeffentlichkeit müsse verstehen, daß es ihm infolgedessen nicht möglich sei, vorläufig ausführliche Erklärungen abzugeben, und daß er sich nur sehr zurückhaltend äußern könne. Er wolle aber doch bemerken, sein allgemeiner Eindruck sei, daß der Ton dieses Dokuments ein anderer, ein besserer und wärmerer sei als man ihn früher vernommen habe, und daß auch ein sehr wesentlicher Wunsch der deutschen Seite erfüllt worden sei. Alle Wünsche könnten verständlicherweise nicht in einem Dokument befriedigt werden, eine gewisse Entwicklung sei nötig und sie setze Zeit und Geduld voraus. So müsse auch die deutsche Oeffentlichkeit Zurückhaltung üben.
Abschließend betonte der Bundeskanzler, daß es sich bei diesen Erklärungen der Außenminister um einen sehr großen Fortschritt handele.
Das Kabinett wird am Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammentreten, um zu dem Kommunique Stellung zu nehmen. Weiter sind Besprechungen des Kanzlers mit den Oberkommissaren vorgesehen, in denen die Bundesregierung nähere Erläuterungen erhalten soll.
Die Verteidigungsminister der Westmächte nach Neuyork gerufen
London, 19. September. (AP.) Die Verteidigungsminister der drei Westmächte sind unerwartet nach Neuyork gerufen worden. Zweifellos soll die Bildung gemeinsamer Streitkräfte zur Verteidigung des Westens schnellstens in die Wege geleitet werden.
Die Labour-Regierung siegt im Unterhaus
London, 19. September, (dpa) In der Abstimmung über den konservativen Mißtrauensantrag zur Verstaatlichung der britischen Stahlindustrie hat die Labourregierung am Dienstagabend 306 gegen 300 Stimmen erhalten.
Geheimdokument gestohlen
Washington, 19. September, (dpa) Aus den Archiven des amerikanischen Heeresministeriums ist ein Geheimdokument über Katyn gestohlen worden. In dem Dokument werden die Russen für die Ermordung von 11 000 polnischen Offizieren im Walde von Katyn verantwortlich gemacht.
Sendeanlagen zerstört
Washington, 19. September, (dpa) Ein Teil der Sendeanlagen der „Stimme Amerikas“ im Staate Ohio ist durch eine Explosion zerstört worden.'
Eine einheitliche Atlantik-Streitmacht
Die Beratungen des Atlantikrats / Die deutsche Frage zurückgestellt
Neuyork, 19. September. (AP.) Der Atlantikrat hat über seine dreitägigen Beratungen in Neuyork folgendes Kommunique veröffentlicht: •
„Der Atlantikpaktrat hat seine dreitägige Zusammenkunft der eingehenden Behandlung einer Hauptfrage gewidmet, die durch das dringende Bedürfnis nach einer Stärkung der kollektiven Verteidigung gegeben war. Der Rat war entschlossen, die notwendigen Maßnahmen in dieser Angelegenheit zu ergreifen.
Die Besprechungen erstreckten sich auf Probleme von weitreichender Bedeutung und konzentrierten sich hauptsächlich auf die Schaffung einer einheitlichen militärischen Streitmacht in der kürzesten Zeit, die der Verteidigung Europas angemessen ist, und die damit zusammenhängenden Fragen des Charakters der Beteiligung an diesen Streitkräften, ihre militärische Organisation und Fragen ihrer Versorgung und Finanzierung sowie der Bereitstellung von Rohstoffen.
Der Vorschlag zur Schaffung einer derartigen. durch angemessene versorgungstechnische und finanzielle Maßnahmen unterstützten Streitmacht, die durch gemeinsame Bemühungen aufgebaut ist, wurde warm begrüßt. Es wurde beschlossen, daß die Minister unverzüglich in Beratungen mit ihren Regierungen über die Art und Weise, in der ein derartiger Plan verwirklicht werden könnte, eintreten.
Um die Ausführung dieser Besprechungen zu gestatten, hat der Rat seine Sitzung unterbrochen. Er kann im Laufe der nächsten zwei Wochen von dem Vorsitzenden wieder einberufen werden.“
Ein Sprecher der Delegation erklärte, der Atlantikrat habe die Entscheidung über die Wiederbewaffnung Deutschlands verschoben. Diese Verschiebung werde jedoch nicht länger als zwei Wochen betragen. Die Außenminister werdep inzwischen miteinander Fühlung nehmen.
Weiterhin Bomben auf Helgoland
el. Hamburg, 19. September. (Eigener Drahtbericht.) Das britische Landeskommissariat in Schleswig-Holstein hat der Kieler Regierung mitgeteilt, daß der Beschluß, die Entmilitarisierung in Westdeutschland zu beenden, auf die Luftangriffe gegen die Insel Helgoland keinen Einfluß haben werde. Die Bombardements würden fortgesetzt, da sie der Erhöhung der Schlagkraft der alliierten Luftwaffe und auch dem Schutze der Bundesrepublik dienten. Von Seiten der Landesregierung wird dazu erklärt, daß sie sich weiterhin für das Ende der Luftangriffe auf Helgoland einsetzen werde.
Königin luliana: Deutschland muß einbezogen werden
Amsterdam, 19. September, (dpa) Königin Juliana von Holland hat bei der Eröffnung der neuen Sitzungsperiode vor dem holländischen Parlament erklärt, der holländischen Regierung scheine es von großer Bedeutung, daß auch Deutschland so schnell wie möglich in einen engeren Zusammenschluß Europas einbezogen werde. Zur Frage der Verteidigung Westeuropas sagte die Königin, die freien Völker hätten die Aufgabe, durch einen engen Zusammenschluß eine kollektive Sicherheit zu schaffen, um das kostbare Erbteil der Freiheit vor Angriffen zu schützen.
Die Schweiz kauft Panzer
Bern, 19. September, (dpa) Die Schweiz will 550 mittelschwere Panzer in England oder in den Vereinigten Staaten kaufen. Die Schweiz hat augenblicklich lediglich 150 leichte Panzer, die in der Tschechoslowakei gebaut worden sind.
An unsere Leser!
Seit 1939 haben sich die Kosten der Zeitungs-Herstellung ganz erheblich gesteigert. * .
Die Papier p r e i s e liegen neute um mehr als 150 Prozent höher. -n /r _ X : 1 r, 1! f W o r ri 11 n P P n
Die Materi alauf wenaun gen (z. B. die Metallpreise) sind schon um 500 Prozent gestiegen. pn betragen
Die PersonaiKosien ueuagwi infolge der Nacht- und Sonntagsarbeit ein Vielfaches.
Die mehrfachen Aufwendungen sind für die Nachrichten-Agenturen erforderlich. * _ _ ■ —. 1 Tva ]r rx
Trotz dieser gesteigerten Unkosten liest der Bezugspreis der Zeitung nur mit etwa 40 Prozent höher als 1939. _
Eine erneute, erhebliche Papierpreis-Erhöhung zwingt die Zeitungsverlage im deutschen Bundesgebiet dazu - sofern sie ihre Leistung nicht mindern wollen Ü zu einer geringfügigen Bezugspreiserhöhung. « JI TD z-a 1 , a vs r-t
Entsprechend der Regelung anderer Zeitungsverlage haben wir daher ab 1 10 1950 den Bezugspreis des „Darmstädter Tagblatts“ festgesetzt auf
DM 2,90 zuzügl. DM 0,40 Trägergeld.
wir sind überzeugt, daß unsere Leser diese geringfügige Erhöhung des Bea X.r<^ses in Kauf nehmen werden, ZU“SP cie dadurch die Gewähr haben, Tß allen zeitbedingten Schwierigkeiten d ' Trntz auch weiterhin die stete Lei¬ “SgLÄ“™ Ziel aller unserer Anstrengungen ist-
DARMSTÄDTER TAGBLATT
Verl'agsleitung
Churchill beschuldigt Attlee
Heftige Debatte im Unterhaus
London, 19. September, (ap) Winston Churchill hat am Dienstag die britische Regierung beschuldigt, in dem Augenblick innere Uneinigkeit aus parteipolitischen Erwägungen hervorgerufen zu haben, wo Einigkeit gegen den Kommunismus dringend notwendig sei. Der britische Oppositionsführer eröffnete mit dieser Erklärung die eintägige Unterhausdebatte, die mit der Abstimmung über den von den Konservativen eingebrachten Tadelsantrag abschließt. Churchill erklärte weiter, durch die angekündigte Verstaatlichung der britischen Stahl- und Eisenindustrie zum 1. Januar 1951 würde die schnelle Wiederaufrüstung stark gehemmt werden. Er sagte, daß seine Partei, wenn sie wieder an die Regierung gelangen sollte, dieses Gesetz aufheben werde.
Truman ruft zum Luftschutß auf
Washington, 19. September, (dpa) Präsident Truman hat das amerikanische Volk zu umfassenden Luftschutzmaßnahmen gegen etwaige Atombombenangriffe aufgerufen. Er empfahl dem Kongreß einen ausführlichen Bericht des Amtes für strategische Rohstoffe über den Aufbau einer zivilen Luftschutzorganisation, die von den einzelnen Bundesstaaten aufgezogen werden und einer bundesstaatlichen Behörde unter einem zivilen Verteidigungschef unterstehen soll. Nach dem Plan des Rohstoffamts sollen-etwa 140 amerikanische Großstädte und Wirtschaftszentren zu Gefahrenzonen erklärt werden.
Zunũ;chst 30 000 Mann deutsche Bundespolizei
Neuyork, 19. September, (dpa) Zu den Beschlüssen der drei Außenminister über die Aufstellung deutscher motorisierter Polizöikräfte sind am Dienstagabend von Vertretern der drei Delegationen noch Einzelheiten bekanntgegeben worden: Die zunächst auf dreißigtausend festgesetzte Stärke der motorisierten Polizeitruppe solle später erhöht werden. Die Truppe werde mit leichten Waffen, einschließlich automatischer Waffen, und mit Panzerspähwagen, nicht aber mit Panzerkampfwagen, ausgerüstet werden. An ihrer Spitze solle ein Generalinspekteur stehen. Die Truppe soll keine Vollmacht zu Verhaftungen haben.
Das türkische Aufnahmegesuch
London, 19. September, (dpa) In London wird mitgeteilt, der Atlantikrat habe bei seinen Neuyorker Beratungen den türkischen Aufnahmeantrag abgelehnt. Der Grund für die Ablehnung sei darin zu suchen, daß die meisten Paktstaaten während der gegenwärtigen internationalen Krise ihre Verpflichtungen nicht durch eine Gebietsausweitung erhöhen wollten.
Ein Stück weiter
an. Man kann die amtliche Mitteilung über die Beschlüsse von Neuyork unmöglich ohne das Gefühl einer 'Erleichterung, ja der Genugtuung lesen. Was die Außenminister der Westmächte dort beschlossen haben, wird - vermutlich auf dem langen und steinigen Wege des deutschen Wiederaufstiegs zu den wichtigsten Stationen gehören. Mit Recht hat der Bundeskanzler bemerkt, daß bereits der wärmere Ton des Kommuniques dem Leser auffällt. Die Sprache der Mitteilung macht auf den ersten Blick deutlich, wie stark bereits die Empfindungen dafür geworden sind, daß die Unterscheidung der westlichen Welt in Sieger und Besiegte nicht ewig dauern kann. Man braucht nicht die Schwierigkeiten zu unterschätzen, die immer noch vor uns liegen; aber zu keinem Zeitpunkt seit 1945 erschien die Hoffnung auf die Herstellung einer Gemeinschaft von gleichberechtigten Völkern so sehr berechtigt wie heute.
Wünsche, die von den deutschen Politikern und der deutschen öffentlichen Meinung seit Jahren vorgetragen worden sind, können nunmehr als erfüllt angesehen werden. Den Deutschen wird ihr Außenminister, äußeres und nicht zu unterschätzendes Symbol außenpolitischer Gleichberechtigung, nicht mehr vorenthalten werden. Die Beschränkungen für den Schiffsbau werden über kurz oder lang fallen. Das Besatzungsstatut wird revidiert werden. Truppen der Westmächte werden den Schutz Deutschlands verstärken. Der Kriegszustand mit Deutschland soll beendet werden.
Man braucht auch heute nicht zu verschweigen, daß es psychologisch wirkungsvoller gewesen wäre, wenn diese Zugeständnisse bereits im Frühjahr gemacht worden wären, wie es die deutsche Regierung aus wohlerwogenen Gründen vorgeschlagen hatte; statt dessen sind sie nun nach der Erschütterung der gesamten weltpolitischen Situation gekommen. Die Stärkung des Vertrauens der Deutschen in die Ideale der westlichen Welt wäre vermutlich damals noch größer gewesen. Aber es wäre kein Beweis für die richtige Einschätzung von Wesentlichem und Unwesentlichem, wollte man sich durch die Erinnerung an versäumte Gelegenheiten heute die Zuversicht trüben lassen, die aus dem Ereignis von Neuyork entspringen muß. Das schwerste und steilste Stück des Weges seit der deutschen Katastrophe liegt hinter uns. Dies darf auch der nüchternste Betrachter in dieser Stunde aussprechen.
In der Frage der deutschen Wiederbewaffnung ist in Neuyork keine Einigung zustande gekommen. Für ungeduldige Gemüter in aller Welt mag dies eine Beeinträchtigung des Wertes dieser Beschlüsse sein. Wir glauben, daß man sich mit diesem Ergebnis der Beratungen abzufinden vermag. Im übrigen wird niemand daran zweifeln, daß auf diesem Gebiet noch nichts Endgültiges beschlossen ist.
Warten ist besser
Von Paul SetheDie Außenminister der westlichen Mächte haben die Wiederbewaffnung Deutschlands vertagt. Wir glauben nicht, daß die Deutschen darüber böse zu sein brauchen. Die Bedenken gegen einen frühzeitigen und überstürzten Beschluß in dieser Frage sind in Deutschland mindestens so stark, wenn nicht stärker, als bei unseren westlichen Nachbarn. Es liegt zu sehr in der Natur der Dinge, daß zunächst die westlichen Großmächte die Lehre aus den erschütternden Beweisen des bolschewistischen Ausdehnungswillens ziehen. Die Sieger haben bereits den festen Rahmen einer militärischen Organisation, der es ihnen gestattet, in absehbarer Zeit die Vervielfachung ihrer gegenwärtigen militärischen Stärke vorzunehmen, was angesicht der überwältigenden Uebermacht der sowjetischen Streitkräfte unbedingt notwendig ist. Sie allein können durch stärkere Truppenentsendungen nach Deutschland hier eine Schutzmauer aufbauen, hinter der dann das mühsame Werk einer deutschen Wiederaufrüstung möglich sein mag. Zu alledem gehört Zeit. Die koreanischen Ereignisse haben zwar gezeigt, wie schwach geschützt die westlichen Mächte gegenüber dem Angriffswillen des Bolschewismus sind. Aber nichts wäre gefährlicher, als wollte man nun aus Panik zu Handlungen schreiten, die unter Umständen das Verderben gerade heraufbeschwören würden, das man vermeiden will.
Man darf den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Alle Welt ist sich darüber einig, daß es keine deutsche Armee im alten nationalen Sinne mehr geben darf, sondern daß sie eingespannt werden muß in eine übernationale, allgemeine europäische Organisation. Es ist vornehmlich Aufgabe der Westmächte, die Idee des Vereinten Europa aus dem Bereich der lyrischen Deklamationen hinauszuführen in die Wirklichkeit des Alltags. Die Ereignisse der letzten Jahre sollten, so möchten wir hoffen, das Gefühl dafür brennender gemacht haben, daß dieser Zusammenschluß notwendig ist. Wenn das geschehen ist, wird sich auch der deutsche Anteil in einer europäischen Verteidigung finden; wenn dieses Gefühl nicht erweckt wird oder in rednerischen Bekundungen steckenbleibt, werden alle Besprechungen über eine Wiederbewaffnung der europäischen Mitte nutzlos bleiben.
In der Beseitigung der seelischen Hemmnisse, die einer Heranführung Deutschlands an die Seite seiner westlichen Gesinnungsgenossen noch entgegenstehen, wird die Hauptaufgabe der nächsten Monate oder vielleicht Jahre liegen. Diese Aufgabe erhebt sich gerade vor denjenigen, die eine Wiederbewaffnung Deutschlands wünschen. Der Umschwung in der Haltung großer Teile der amtlichen Welt bei den Westmächten gegenüber der deutschen militärischen Stärke ist zu schnell gekommen, als daß nicht Millionen von Menschen noch davon betäubt sein müßten. Die Folgerungen, die daraus gezogen werden müssen, sind theoretisch oft genug erörtert worden; es fehlt viel dazu, daß sie bereits in Fleisch und Blut der Völker übergegangen wären. Noch immer erhebt sich das Regierungsgebäude der Oberkommissare auf dem Petersberg dreihundert Mieter über dem Bundeshaus in Bonn, ein nachdrückliches Symbol dafür, wo die entscheidende Regierungsgewalt in Deutschland liegt, ein Symbol aber auch dafür, wie schwer aus erbitterten Gegnern im Kriege nach kurzer Zeit schon Bundesgenossen werden. Das Kommunique aus Neuyork gibt Anhaltspunkte von beträchtlicher Wichtigkeit dafür, daß bei den führenden Staatsmännern der Westmächte die Ueberzeugung stärker geworden ist, die Kluft zwischen Siegern und Besiegten müsse eingeebnet werden. Aber jeder weiß, daß in den Völkern selber immer noch starke Gefühlsreste aus den Zeiten der Feindschaft vorhanden sind, die das Aufkommen einer Empfindung der Bundesgenossenschaft erschweren. Es muß noch einiges dazu getan werden, bei den Massen Frankreichs, aber auch Großbritanniens und selbst in den Vereinigten Staaten die Ueberzeugung zu wecken, daß die Zeiten des Mißtrauens endgültig vorbei sind und daß Deutschland nicht mehr bösartiger und zu Recht besiegter Feind, sondern eine befreundete Nation und der mögliche Bundesgenosse von morgen ist. Ohne diese selbstverständlich gewordene Ueberzeugung würde eine Wiederbewaffnung Deutschlands auf brüchigen Grundlagen ruhen.
Man braucht kaum zu sagen, daß auch in Deutschland noch viel getan werden müsse, bevor die Nation in ihrer Gesamtheit einer Wiederbewaffnung mit derjenigen inneren Ueberzeugung und Entschlossenheit zustimmen könnte, ohne die ein deutsches Heer nur ein bewaffneter, aber militärisch wertloser Haufen wäre. Für niemand ist die Forderung nach einem deutschen Anteil für die Verteidigung Westeuropas so bestürzend schnell gekommen wie für die Deutschen. Ob gern oder ungern, sie hatten sich fünf Jahre an den Gedanken gewöhnt, auszuscheiden aus dem blutigen Spiel weltpolitischer Entscheidungen. Es ist kein Widerspruch, wenn man feststellt, daß sie zwar eine große Furcht vor einem dritten Weltkrieg hatten, daß sie aber zugleich bei dem Gedanken an eine kommende bewaffnete Auseinandersetzung sich selber merkwürdig unbeteiligt empfanden. Das ginge vor allem die Amerikaner, ihre Bundesgenossen und die Russen an, so haben Millionen gedacht. Die Nation davon zu überzeugen, daß sie keinesfalls mehr allein leidender Gegenstand der Weltpolitik ist, sondern daß sie auf gerufen werden muß, selber zu handeln und unter Umständen sogar kämpfend an der Seite des Westens zu stehen, dies ist eine psychologische Aufgabe von ungeheurer Bedeutung, aber zugleich von unermeßlicher Schwierigkeit. Die Anhänger einer deutschen Wiederbewaffnung gehen fast immer an ihr vorüber. Aber sie muß gelöst, sie muß zumindest in Angriff genommen werden. Auch das erfordert Zeit. Und auch darum ist es gut, daß die deutschen Wehrbezirkskommandos nicht schon wieder am 1. Januar eröffnet werden.
In zwei Millionen Londoner Haushal¬ tungen konnte seit Dienstag früh praktisch keine warme Mahlzeit zubereitet werden, da der Gasdruck infolge des Londoner Gasarbeiterstreiks nicht mehr ausreichend ist.
Bedeutsamer Entschluß
* *'* Selbst vor den Wahlen wird in der Sowjetzone keine Aeußerung zugelassen, die nicht den strengen Richtlinien der Sozialistischen Einheitspartei entspricht. Die sogenannten bürgerlichen Parteien sind ihr völlig angeglichen worden. Eine abweichende Meinung kundzutun oder ein freies Wort gleich welcher Art zu sagen, ist unmöglich.
Die Partei aber, die in der Sowjetzone jede ihr nicht genehme Meinungsäußerung unterdrückt, nimmt es als ihr gutes Recht in Anspruch, in der Bundesrepublik unter Mißbrauch der hier geltenden demokratischen Grundsätze einen Umsturz vorzubereiten. Diese Tatsache ist schon seit langem von vielen Staatsbürgern mit großer Besorgnis betrachtet worden. Am Montag haben Vertreter der Parteiorganisationen, der Gewerkschaften, des Deutschen Städtetages und Städtebundes sowie zahlreicher Jugendorganisationen in Bonn eine entschlossenere Haltung zur Abwehr kommunistischer Terrorakte verlangt. Sie legten dar, es müsse eine Offensive gegen den Bolschewismus im Lande unternommen werden.
Die Bundesregierung hat nun den zu erwartenden, aber schwerwiegenden Entschluß bekanntgegeben, alle Mitglieder und Anhänger der Kommunistischen Partei aus Regierungsstellen zu entfernen, und zwar gleichermaßen Arbeiter, Angestellte und Beamte des Bundes. Es ist den Länder-Regierungen, die zum Teil bereits ähnliche Anordnungen getroffen haben, nahegelegt worden, den gleichen Schritt zu tun.
Man kann der Bundesregierung nicht den Vorwurf machen, sie verletze durch diese Maßnahme ebenfalls die demokratischen Freiheiten, man kann von ihr nicht erwarten, daß sie Beamte, Angestellte oder Arbeiter in ihren Diensten hält, die offen und geheim auf ihren Sturz hinarbeiten.
Schwarzer Tag
Rs. Die Hellseherin Hazel Spurlock aus Detroit hatte einen ausgesprochen schwarzen Tag, obwohl ihr die zuverlässigste ihrer Prophezeiungen gelang. Sie war auf einem Jahrmarkt dabei erwischt worden, wie sie aus ihrer Glaskugel so viel Glück voraussagte, wie die Leute nur hören wollten. Darunter befand sich jedoch auch die Polizeibeamtin June Devey, die zwar in ihrer privaten Eigenschaft als sehnsüchtiges Mädchen nicht ungern erfuhr, daß ihr ein hübscher Mann, drei Kinder und eine prächtige Villa zuteil würden, die sich ab^r als Amtsperson über diese verbotene Zukunftsdeutung gebührend empörte und Anzeige erstattete. Hazel erschien mit der abgründigen Kugel vor dem Richter, der dieses Scherenfernrohr für Blicke in selige Weiten mit Interesse betrachtete. Dann warf er der Wahrsagerin ihre Kugel wieder in die Hände zurück mit der Frage, was sie darin sehe. Hazels forschendes Auge Sah die Handschrift des Richters, und die Pythia des Staates Michigan verkündete düster: „Neunzig Dollar oder hundert Tage“. Nun ist es ja schon öfter vorgekommen, daß tausend angenehme Lügen hinterher mit einer bitteren Wahrheit bezahlt werden mußten, aber die falschen Propheten waren dabei doch nur höchst selten unter den Betroffenen.
Die Verlängerung der Militärdienst¬ pflicht in Großbritannien von achtzehn Monaten auf zwei Jahre ist in Kraft getreten.
Ein Schritt zur Wiedereingliedernng
Das Kommuniqué der Außenminister
Neuyork, 19. September. (AP.) Das Kommunique der drei Außenminister über Deutschland hat folgenden Wortlaut:
„Die Außenminister haben die Lage und die Beziehungen der Alliierten zu der Bundesrepublik unter Berücksichtigung der seit ihrer letzten Zusammenkunft in London im Mai 1950 eingetretenen Veränderungen der Lage beraten. Sie haben bei ihren Beratungen die Ansichten berücksichtigt, die verschiedentlich in letzter Zeit von der Regierung der Bundesrepublik geäußert worden sind.
Vertreter Deutschlands
Die Außenminister und ihre Regierungen teilen den Wunsch des deutschen Volkes nach einer Vereinigung Deutschlands auf einer Basis, welche die Grundrechte respektiert. Trotz ihrer Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, wird es offensichtlich unmöglich sein, solange die Sowjetunion fortfährt, Vorschläge für demokratische gesamtdeutsche Wahlen zu ignorieren und kontrollierte Wahlen abhalten zu lassen, wie etwa in der sowjetischen Zone am 15. Oktober. Bis zur Vereinigung Deutschlands betrachten die drei Regierungen die Regierung der Bundesrepublik als die einzige frei und gesetzlich konstituierte deutsche Regierung, die infolgedessen das Recht hat, in internationalen Angelegenheiten als Vertreter des deutschen Volkes für Deutschland zu sprechen.
Die Außenminister bekräftigen erneut ihren schon vielfach bewiesenen Wunsch, die Bundesrepublik in die Gemeinschaft der freien Völker einzugliedern. Sie sind überzeugt, daß die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes am Aufbau einer europäischen Gemeinschaft und Sicherung ihrer gemeinsamen Zivilisation teilzunehmen wünscht. Die Zeit scheint ihnen nunmehr gekommen, einen weiteren Schritt auf dem Weg zu diesen Zielen zu tun.
Ende des Kriegszustandes
Im Geiste der neuen Beziehungen, die sie mit der Bundesrepublik aufzunehmen wünschen, haben sich die drei Regierungen entschlossen, so bald wie dies nach den Verfassungen ihrer Länder veranlaßt werden kann, die nötigen legislativen Schritte zur Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland zu unternehmen.
Diese Maßnahme berührt nicht die Rechte und den Status der drei Mächte in Deutschland, die auf anderen Grundlagen berufen. Sie wird jedoch eine stärkere Basis für die weitere Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher Beziehungen bieten und wird Härten ausschließen, denen Deutsche ausgesetzt sind. Die drei Mächte werden, nach Maßgabe ihrer eigenen Verfassungen, ähnliche Schritte unternehmen.
Die drei Minister haben dem Problem der Sicherheit der Bundesrepublik und seinen äußeren wie inneren Aspekten ernste Beachtung gewidmet. Sie erkennen, daß in der sowjetischen Besatzungszone echte Militäreinheiten aufgestellt wurden, und daß diese Tatsache im Zusammenhang mit kürzlichen Ereignissen eine sehr bedenkliche Situation geschaffen hat.
Die alliierten Regierungen sind der Ansicht, daß ihre Streitkräfte in Deutschland außer ihren Besatzungsaufgaben noch die wichtige Rolle zu übernehmen haben, als Sicherheitstruppen zum Schutz und zur Verteidigung der freien Welt, einschließlich der Deutschen Bundesrepublik und der Westsektoren Berlins, zu dienen. Um diesem Schutz mehr Wirkung zu verleihen, werden die alliierten Regierungen ihre Truppen in Deutschland verstärken und erhöhen. Sie werden jeglichen Angriff auf die Bundesrepublik oder Berlin, von welcher Seite er auch kommen mag, als einen Angriff auf sich selbst betrachten.“
Die Minister stimmen vollkommen darin überein, daß die Wiederaufstellung einer deutschen National-Armee den Interessen Deutschlands und Europas nicht zum besten dienen würde. Nach ihrer Ansicht ist auch die große Mehrheit des deutschen Volkes der gleichen Meinung. Die Minister haben jedoch in letzter Zeit die in Deutschland und außerhalb geäußerten Ansichten zur Kenntnis genommen, die für eine deutsche Beteiligung an einer internationalen Streitmacht zur Verteidigung der Freiheit Europas plädierten. Die Fragen, die durch das Problem der Teilnahme der deutschen Bundesrepublik an der gemeinsamen Verteidigung Europas aufgeworfen werden, sind zur Zeit Gegenstand von Untersuchungen und Gedankenaustausch.
Was die interne Sicherheit anbetrifft, sind die Außenminister von der Notwendigkeit überzeugt, die deutschen Stellen in die Lage zu setzen, eventuellen Untergrundbewegungen wirkungsvoll entgegenzutreten. Zu diesem Zweck sind die Außenminister übereingekommen, die Aufstellung motorisierter Polizeikräfte auf Länderbasis zu genehmigen. Die Bundesregierung soll jedoch die Berechtigung erhalten, diese Polizeikräfte oder Teile derselben so einzusetzen, wie es die zeitweilige Lage erfordert. Die Oberkommission und die alliierten Streitkräfte in Deutschland werden ihre Unterstützung gewähren, soweit sie zur schnellen Aufstellung dieser Polizeitruppe benötigt werden sollte.
Größzere Autorität für die Bundesregierung
Diese neue Phase der Beziehungen zwischen den Alliierten und der Bundesrepublik soll durch eine weitere Ausdehnung der Autorität der Bundesregierung gekennzeichnet werden. Um dies zu ermöglichen, sind die Besatzungsmächte bereit, das Besatzungsstatut abzuändern. Sie werden jedoch die legale Basis der Besatzung aufrechterhalten. Von der Bundesrepublik wird erwartet, daß sie im Einklang mit ihren neuen Verantwortlichkeiten gewisse Verpflichtungen eingeht und noch weitere Maßnahmen trifft.
Auf dem Gebiet der Außenpolitik wird die Bundesregierung ermächtigt werden, ein Außenministerium zu errichten und in allen geeigneten Fällen diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern aufzunehmen. Auf anderen Gebieten, und besonders'in bezug auf interne wirtschaftliche Angelegenheiten, werden umfangreiche Verminderungen in den bestehenden Kontrollen eintreten. Das gegenwärtige System der Ueberprüfung deutscher Gesetzgebung wird abgeändert werden. In gewissen Fällen werden die alliierten Befugnisse aufhören, sobald die Bundesregierung Zusicherungen gegeben oder entsprechende Maßnahmen getroffen hat. Die Oberkommission wird sofort Beratungen mit der Bundesregierung einleiten, um die notwendigen Übereinkommen für diese Zusicherungen auszuarbeiten.
Die Industriebeschränkungen
Die Außenminister sind ebenfalls übereingekommen, in Anbetracht der sich entwickelnden Beziehungen zur Bundesrepublik das Abkommen über verbotene und eingeschränkte Industrien zu überprüfen. Bis zum Abschluß dieser Ueberprüfung ist die Oberkommission ermächtigt worden, mit sofortiger Wirkung alle Bestimmungen über Größe, Geschwindigkeit und Zahl der für den Export hergestellten Handelsschiffe aufzuheben und, wo für die Verteidigungsmaßnahmen des Westens erforderlich, die Erzeugung von Stahl über die gegenwärtigen Beschränkungen hinaus zu bewilligen.
Lob für Berlin
Die drei Regierungen sprechen der Bevölkerung Berlins für ihre unveränderte Standhaftigkeit im tapferen Kampf der Stadt um ihre Freiheit ihre volle Anerkennung aus. Sie werden auch weiterhin jedwedem Angriff gegen die Einwohner der Stadt entgegentreten und unternehmen zur Zeit Schritte, die dortigen alliierten Streitkräfte zu verstärken. Im Hinblick auf den hohen Preis, den Berlin für die Verteidigung seiner Freiheit zu zahlen hatte, werden sich die Regierungen auch weiterhin bemühen, seine wirtschaftliche Lage zu erleichtern. Sie haben die Oberkommission beauftragt, die grundlegenden Bestimmungen über die Beziehungen zwischen der alliierten Kommandantur und Berlin zu überprüfen und die alliierten Kontrollen innerhalb der Stadt so weit wie möglich zu liberalisieren.
Diese Beschlüsse kennzeichnen einen wichtigen Schritt in der Normalisierung der Beziehungen und sollten zur Schaffung einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und Verstehens beitragen. Sie stellen einen wesentlichen Schritt vorwärts dar zur fortschreitenden Wiederaufnahme Deutschlands in die Gemeinschaft Westeuropas und zur Stärkung der westlichen Nationen in ihren Bemühungen, eine feste Grundlage für den künftigen Frieden Europas und der Welt zu schaffen.“
Barrikaden in Söul
Nordkoreaner ziehen Verstärkungen zusammen
Pusan, 19. September (AP./dpa/Reuter) Die amerikanischen Truppen im Landekopf Indien haben an mehreren Stellen das Westufer des Hans erreicht. Der Fluß ist jedoch noch an keiner Stelle überschritten worden. Die Meldungen, daß amerikanische Marine-Infanterie in den Vorort Yongschon, der auf dem Westufer des Hans liegt und zur Stadt Söul gehört, eingenommen haben, hat sich bestätigt. Um hier in die Stadt selbst einzudringen, müßten die Amerikaner erst den Uebergang über den Fluß erzwingen, der an dieser' Stelle durch ein weit ausgedehntes Sumpfgebiet fließt. Die Truppen der Vereinten Nationen befinden sich jetzt außerhalb des Bereichs ihrer Schiffsartillerie.
In Söul wird die gesamte Bevölkerung gezwungen, an den Verteidigungsstellungen der Stadt zu arbeiten. Die Straßen werden an zahlreichen Stellen aufgerissen und Barrikaden aus Steinen, Fahrzeugen und Straßenbahnwagen gebaut. An allen Zufahrtsstraßen sollen Sprengungen vorgenommen werden, um die Eingänge zu sperren. Söul wird von der 18. nordkoreanischen Division verteidigt, die bisher als eine Elitedivision galt, jedoch durch furchtbare Verluste so dezimiert sein soll, daß sie nur noch 4000 Mann echte Kampftruppen hat.
Im großen Landekopf Pusan ist die gesamte zweihundert Kilometer lange Front in Bewegung. Die 1. südkoreanische Division hat ihren Vormarsch nach Norden fortgesetzt und hat Pohang erreicht.
Im Raum von Taiku stößt das I. amerikanische Korps ■ weiter nach Nordosten.
Stimmen der Anderen
Gs wird nichts geschenkt
Das Hamburger „S onn t a gsb 1 a 11“ spricht von der Last der Verantwortung, die den „fast widerstrebend zur Weltmacht“ gewachsenen Vereinigten Staaten zufalle. Das Blatt schreibt:
„Das ist das Schicksal, das die Weltmacht Rom vor zwei Jahrtausenden erlitten hat, als sich die alte Bauernrepublik erst einmal zur Weltherrschaft verlocken ließ. Und der römische Legionär, der sonst gern sein Korn und seinen Wein in Kampanien gebaut hätte, mußte nun die besten Jahre seines Lebens opfern, um die Grenzen Roms am Rhein und an der Donau, am Euphrat und am Nil zu verteidigen. Und je mehr die Herrschaft und die Herrlichkeit Roms wuchs, um so weiter wurden die Grenzen, und um so größer wuchs die Last der Verantwortung — denn es wird uns nichts in dieser Welt geschenkt, auch Amerika nicht.“
Gängelung
Die Beiordnung zweier Beamter der französischen Botschaft zu einer deutschen Delegation, die Handelsbesprechungen in Santiago de Chile führt, kommentiert die „FDP-Korrespondenz“ (die Partei-Korrespondenz der Freien Demokratischen Partei):
„Die Gängelung der Bundesrepublik durch überflüssige oder gar schädliche Eingriffe von alliierter Seite hat entgegen hie und da gehegten Hoffnungen mit dem IG - Gesetz noch immer nicht ihren Abschluß gefunden. Diesen Eindruck hatte nicht nur die deutsche Handelsvertrags-Delegation, als ihr zu Beginn ihrer Besprechungen in Santiago de Chile zwei Beamte der dortigen französischen Botschaft im Auftrage des- Petersberges als Beobachter beigegeben wurden. Die Resonanz in Bonn entspricht derjenigen der Delegation. Es grenzt allmählich ans Unerträgliche, auf der einen Seite Deklamationen zu, vernehmen, die sich mit der Pflicht der Bundesregierung befassen, die Freiheit des Westens zu verteidigen, und auf der anderen Seite in kleinen und großen Aktionen demonstriert zu bekommen, daß diese Freiheit offenbar der Bundesrepublik nur in sehr beschränktem Maße gewährt werden soll.
Die Leistungen der deutschen Wirtschaft, die aufrichtigen und ehrlichen Bemühungen der deutschen Regierung um die Anknüpfung beiderseits befriedigender Handelsbeziehungen mit allen Ländern der Erde, vor allem aber die unabdingbare Notwendigkeit für unser Land, zu exportieren, wenn es die zehn Millionen hineingepreßter Vertriebener ernähren will, machen es besonders schmerzlich, daß nach der politischen Fehlleistung des oktroyierten IG- Gesetzes nun ausgerechnet auch auf dem Gebiet des Exports, beziehungsweise der ihm vorausgehenden Verhandlungen, eine solche Aktivität der Oberkommission entfaltet wird.
Die in diesen Tagen — um ein anderes Beispiel zu nehmen — in Erwägung gezogene alliierte Kontrolle der deutschen Exporte nach dem Osten ist etwas anders gelagert. Am Denkmodell könnte ihr aus politischen Ueberlegungen eine gewisse Berechtigung sogar nicht abgesprochen werden. Es ist aber beinahe beleidigend für die Bundesregierung, für die Bevölkerung und speziell für die deutsche Arbeiterschaft, wenn ihr zugemutet wird, Absatzmöglichkeiten im Osten nicht auszunutzen, während sich der britische Werkzeug-Maschinen-Export in die UDSSR im ersten Halbjahr 1950 auf 428 051 Pfund Sterling (1. Halbjahr 1949: 88 170) verfünffacht hat. Auch hier zeichnet sich ein Gegensatz zwischen deklamatorischer und tatsächlicher Haltung ab, der völlig ungeeignet ist, das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Lauterkeit der westlichen Absichten, vielleicht sogar in die des westlichen Konzepts, dem an sich wir zuneigen, zu stärken.“
Das Passionsspielkomitee von Ober¬ ammergau hat bekanntgegeben, daß mit einer Wiederholung der Spiele im Jahre 1951 nicht zu rechnen sei.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg
16;
„Einmal mußte'sie ja kommen. Besser früher als später. Und vergessen Sie nicht, daß der Frühling auch ein Arzt ist. Ihm kann doch niemand wiederstehen, Monsieur. Er bemächtigt sich unser, ob wir nun wollen oder nicht. Können Sie das leugnen, wenn Sie das da draußen sehen?"
Seine Augen folgten ihrer ausgestreckten Hand zu den halboffenen Läden, durch die die sonnenwarme frische Luft aus dem Garten und aus den weiter hinten angrenzenden Champs-Elysees drang. Das zarte Grün der Bäume, Sträucher und Gräser füllte den schmalen Rahmen, und mitten auf dem viereckigen kleinen Vorhof stand ein blühender Mandelbaum, so steif und klein, als erstaune er selbst über die rosige Pracht seiner Blüten. Vielleicht lag es daran, daß sie in den letzten Nächten nur mit vielen Unterbrechungen geschlafen hatte, oder daran, daß ihre Augen es nicht mehr gewöhnt waren, in die Feme zu schauen — jedenfalls fühlte Henriette sich bei diesem Ausblick auf Sonne und Blüten eigentümlich angerührt. In einer dieser plötzlichen Eingebungen, die jeder Mensch gelegentlich erfährt, wußte sie, daß sie Farbe und Wuchs dieses Bäumchens dort auf dem Rasenstück nie aus dem Gedächtnis verlieren würde. Und das schien ihr um so bedeutsamer zu sein, weil sie nicht sagen konnte, warum dieser Anblick sie so bewegte.
Die Stimme des Herzogs rief sie ins Krankenzimmer zurück.
„Ich weiß es nicht, warum ich Ihren Worten mehr Vertrauen schenken sollte als denen des Doktors, und doch ist es so, Mademoiselle. Ihr gutes Herz verleitet Sie doch nicht, mir falsche Hoffnungen zu machen?“
„Nein, dazu hänge ich selbst zu sehr an Raynald“, erwiderte sie. „Eine Erzieherin hat nicht oft Gelegenheit, sich daran zu erinnern, daß sie ein Herz hat. Sie werden mir bestätigen, daß ich das meine fest in der Hand gehalten habe. Ich meine genau, was ich eben sagte, nur wünschte ich —“
Der Laut eines erstickten Keuchens ließ sie herumfahren. Nach dem Anfall lag Raynald ermattet in seinen Kissen. Seine Lippen bewegten sich so schwach, daß sie ihr Ohr an sein Gesicht halten mußte, um das Flüstern zu verstehen.
„Nein, mein Liebling, der Doktor findet es noch zu früh. Vielleicht, wenn es dir morgen besser geht.“ Sie wandte sich an den Herzog mit einer hilflosen kleinen Gebärde.
„Was möchte er denn so gern haben? Können wir es ihm nicht irgendwie verschaffen?“
Sie seufzte und schüttelte den Kopf. „Es wäre gegen die Anordnungen des Arztes“, erklärte sie leise. „Raynald will nie glauben, wenn ich ihm erzähle, wie grün der Garten geworden ist und daß das Mandelbäumchen wirklich schon in voller Blüte steht Er möchte es so gern selbst sehen, und wenn es nach mir ginge, würde ich es ihn auch lassen. Schließlich sind doch Sonne und frische Luft jedem lebendigen Wesen zuträglich.“
Sie hatten sich nur mit gedämpften Stimmen unterhalten, aber das Kind fiel weinerlich ein, als hätte es sie hören können.
„Ich will den Frühling sehen, Papa! Jetzt gleich, bitte, bitte!“
Sein Stimmchen war kaum mehr als ein Wispern, doch sein Vater eilte sofort zu ihm ans Bett. Besorgnis und Mitleid stritten sich in seinem Gesicht.
„Du sollst ihn auch sehen, Raynald“, sprach er, plötzlich einen Entschluß fassend. „Warte ein wenig.“ Er wandte sich wieder an Henriette, als wollte er sich bei ihr vergewissern. „Sie glauben doch auch, daß es ihm nicht schaden kann?“
„Es ist heute so besonders warm, und es handelt sich doch nur um ein paar Minuten. Er wird zufrieden sein, wenn er den Garten gesehen hat; ich wollte nur die Verantwortung nicht allein übernehmen.“
„Also gut. Packen Sie ihn ordentlich in seine Decke ein. So, Raynald, jetzt halt hübsch still, während ich dich auf den Arm nehme. Mein Gott, er wiegt ja überhaupt nichts mehr, ich könnte fast einen Schatten tragen.“
Wie zwei Verschwörer gingen sie schweigend zum Fenster, und erst als sie dort angelangt waren und vor dem grünen Ausschnitt standen, wagten sie über das dunkle, eingemummelte Köpfchen hinweg einen Blick zu tauschen. Zuerst schien die plötzliche Helligkeit Raynald zu blenden. dann aber war es, als ob ein Magnet ihn zöge, und er streckte die Händchen nach dem blühenden Baum aus. Im scharfen einfallenden Sonnenschein wirkte der Junge noch zerbrechlicher. Henriette, die ihn nicht aus den Augen ließ, mußte an jene bleichen Kellerschößlinge denken, die aus der Dunkelheit heraufgeholt werden und sich auf den Fensterbrettern hierhin und dorthin wenden, um der Sonne teilhaftig zu werden. Behutsam griff sie nach seiner Hand, die in ihrer Magerkeit mehr einer Vogelkralle glich, und hielt sie in die goldene Wärme.
In diesem Augenblick spürten sie und der Herzog, daß sie beobachtet wurden. Die Herzogin stürzte auf sie zu mit feindselig funkelnden Augen und einem zornigen Aufrauschen ihrer seidenen Röcke.
„Bist du wahnsinnig, Theo?“ Das Zimmer erscholl von ihren entsetzlichen Anschuldigungen. „Wollen Sie ihn umbringen, Mademoiselle?“ Raynald vergrub seinen Kopf an des Vaters Schulter, während dieser den Knaben wieder in sein Bett trug.
„Idi bitte dich, Fanny! Ich werde es dir gleich erklären. Sprich nicht so laut, du regst das Kind nur damit auf.“
„Idi mein Kind aufregeh!“ Ihre Stimme bebte vor Wut.
Henriette, die den Jungen zu beruhigen suchte, fühlte, wie Bitterkeit, Eifersucht und Angst in der gequälten Frau zu einem Ausbruch drängten, den zurückzudämmen der Herzog vergeblich sich bemühte.
„Fanny, bitte, nicht jetzt und nicht hier!“
„Und warum nicht jetzt und nicht hier in diesem Zimmer, von dem ihr mich alle femhalten wollt? Ich habe weiß Gott ein Recht zu wissen, was hier vorgeht. Ich lasse mich nicht mehr länger aussperren, während mein Kind, mein kleiner Sohn, hilflos einer Fremden ausgeliefert ist.“
„Aber ich sage dir doch, daß ich alles erklären kann. Hör doch zu, Fanny! Wenn es auch merkwürdig ausgesehen haben mag, er hatte nun einmal den Wunsch, den Garten zu sehen, und als Mademoiselle Deluzy mir das sagte, dachte ich “
„Aha, also Mademoiselle Deluzys Gedanke! Ich verstehe! Sie weiß natürlich mehr als der Arzt. Was macht es ihr aus, ob ein Kind mehr oder weniger im Haus ist, solange sie hier tun und lassen kann, was sie will. Noch keine vier Wochen ist sie da, und schon behandelt sie die Mutter wie ein lästiges Hindernis, das man wie ein zerbrochenes Gefäß beiseiteschiebt. Aber ich werde nicht weiter zusehen, wie man Raynald vor meinen Augen schadet. Ich werde den Arzt hierüber unterrichten, und wenn der Junge heute nacht stirbt —“ sie hatte immer schriller und lauter gesprochen, bis sie endlich in einen heftigen Tränenstrom ausbrach.
„Fanny, so darfst du nicht sprechen! Du hast keine Ursache, Mademoiselle zu beschuldigen. Komm, du mußt dich schonen, du kannst jetzt nicht hierbleiben. Maxine, helfen Sie mir, Madame in ihr Zimmer zu bringen.“ So beruhigend der Herzog auch zuerst auf seine Frau eingeredet hatte, jetzt klang seine Stimme kalt und befehlend. Jedes Wort klangscharfangespannt; Henriette vermeinte fast, die Worte an einer unsichtbaren Kette zerren zu sehen. Es war unmöglich, sich bei diesem ehelichen Wortwechsel nicht für beide beschämt zu fühlen.
„Mein Liebling!“ Die Herzogin riß sich los und lief zum Bett. Henriette sah die vollen _ weißen Arme sich ausstrecken, sah die dunklen gequälten Augen und daß die Tränen, die ihr über die Wangen liefen, Tränen tiefen Schmerzes waren. Dies Leid war nicht gespielt, als sie mit einer Geste der Verzweiflung ihren Jungen an ihre Brust zog.
(Fortsetzung folgt.)
Hessen folgt dem Bund
Entlassung aller Staatsbeamten, die ihre Treuepflieht verletzen
Wiesbaden, 19. September. (Eigener Bericht.) In Uebereinstimmung mit dem Beschluß der Bundesregierung hat auch das Hessische Kabinett auf seiner Dienstag-Sitzung beschlossen, sofort allen Staatsbediensteten, die durch ihre Teilnahme an den Bestrebungen der KPD, ihrer Tarnorganisationen oder an totalitären rechtsradikalen Organisationen ihre Treuepflicht gegenüber dem Lande Hessen verletzen mit dem Ziel der Entlassung zu beurlauben. Wie von der Hessischen Staatskanzlei hierzu noch mitgeteilt wurde, sollen die entsprechenden Durchführungsbestimmungen für diesen Kabinettsbeschluß in Kürze verabschiedet werden.
Hessisches Schußwaffengesetz
Das Kabinett verabschiedete ferner ein Gesetz „über die Anwendung unmittelbaren Zwanges bei Ausübung öffentlicher Gewalt“. Dieses sogenannte „ Schußwaffen-Gesetz“ soll bereits auf der nächsten Sitzung des Landtags am 27. September vom Plenum behandelt werden. In der Generalklausel zu dem Gesetzentwurf heißt es daß „von der Schußwaffe nur Gebrauch gemacht werden darf, wenn andere Mittel ohne Erfolg blieben oder ihre Anwendung nicht zum Ziel führte“. Dem Schußwaffengebrauch muß in jedem Falle eine Verwarnung vorausgegangen sein. Gegen Jugendliche bis zu 18 Jahren ist die Anwendung der Schußwaffe unzulässig, es sei denn, es handelt sich um Strafgefangene.
In drei Abschnitten regelt der Gesetzentwurf die Anwendung „unmittelbaren Zwanges“ durch die Polizei, durch den Bereich der Justizverwaltung und schließlich bei Forst-, Jagd- und Fischerei-Schutz.
Direkte Dienstanfsicht des Innenministers
Wiesbaden, 19. September. (Eigener Bericht.) Die Mitglieder des Kommunalpolitischen und Beamtenrechts-Ausschusses der Sozialdemokratischen Landtagsfraktion hatten am Dienstag eine Aussprache mit weiteren kommunalpolitischen Sachverständigen ihrer Partei über die neue Hessische Gemeinde-Ordnung. Im Verlauf der Aussprache forderte Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb erneut die Unterstellung Frankfurts unter die direkte Dienstlaufsicht des Innenministers und damit die Herausnahme aus der Dienstaufsicht des Wiesbadener Regierungspräsidenten. Die sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten stimmten in ihrer, Mehrzahl dieser Forderung des Frankfurter Oberbürgermeisters zu. Der Ausschuß faßte jedoch keine Beschlüsse, da er in Anbetracht der weittragenden Folgen einer solchen gesetzlichen Maßnahme zuvor noch die drei Regierungspräsidenten in jedem Falle hören will.
Bestenerung des Hausrats
Anträge Schäffers und Lukascheks zum Lastenausgleich
R. Bonn, 19. September. Der Minister für die Vertriebenen, Lukaschek, hat dem Kabinett neue Vorschläge zum Entwurf eines Lastenausgleichsgesetzes übergeben, während Finanzminister Schäffer ebenfalls Anträge zu diesem Entwurf an das Kabinett« ausarbeitet. Der Finanzminister bezieht sich dabei auf die sogenannten Unkeler Beschlüsse der Sachverständigen der Regierungsparteien für den Lastenausgleich. Aber auch Minister Lukaschek hat erklärt, seine Vorschläge beruhten auf diesen Unkeler Beschlüssen.
Somit sind diese Vereinbarungen, die als endgültige Einigung angesehen worden waren, jetzt zum Ausgangspunkt verschiedener Anträge zweier Minister im Kabinett geworden. Minister Lukaschek bezeichnete die Unkeler Grundsätze als einen. Rahmen, der mit Maximal- und Minimalbestimmungen ausgefüllt werden könne. Er ließ keinen Zweifel, daß er jetzt die Maximalforderungen stelle. So beantragt er vor allem, daß die Abgabepflicht sofort fällig sein müsse, so daß, wenn sie nicht sofort erfüllt werde, der Marktzins als Verzugszins gezahlt werden müsse, während die im Unkeler Entwurf vorgesehenen niedrigen Zinssätze von zwei bis vier Prozent nur dann gültig sein sollten, wenn der feetrieb seine Gefährdung durch eine sofortige Zahlung nachweisen könne.
Danach liegt beim Betrieb die Beweispflicht für seine Gefährdung. Dieser Vorschlag eröffnet aber nach der Ansicht parlamentarischer Kreise unter anderem die Perspektive, daß das Finanzamt entscheiden kann, ob von einem Betrieb auf vorgesehene Investitionen zu Gunsten einer sofortigen Leistung der Lastenausgleichsabgabe verzichtet werden kann. Der Vorschlag läßt auch eine Flut von Anträgen auf Anerkennung der Betfiebsgefährdung erwarten, deren Bearbeitung durch die Behörden einer Inventuraufnahme der ganzen Wirtschaft gleichkommen müßte. Zwar wird auch vom Ministerium für die Vertriebenen betont, daß der Lastenausgleich nur bis zur Grenze einer grundlegenden Gefährdung der Ertragsfähigkeit der Wirtschaft gehen dürfe, aber die Bestimmung dieser Grenze wird nach diesen Vorschlägen praktisch bei den Lastenausgleichsbehörden liegen. Weitere Forderungen Lukascheks sind die Ermöglichung einer Vermögenszuwachsabgabe durch einen echten Vermögensausgleich zwischen dem 1. Januar 1940 und dem 21. Juni 1948, die Anwendung eines Multiplikators von 1,4 oder 1,5 oder auch zwei bei den Einheitswerten, und eine Hausratsbesteuerung bei einer Freigrenze, die von den fünfzehn Millionen Haushaltungen rund dreizehn Millionen freisetzen würde, die restlichen zwei Millionen durchschnittlich mit einer Abgabe von fünfhundert Mark, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, belasten soll. Endlich soll die Grundentschädigung schon 1953 ausbezahlt werden, und zwar bis zu zweitausend Mark voll, bis fünftausend Mark zu sechzig und über fünftausend bis zehntausend Mark zu vierzig Prozent.
Das Grundelement der Vorschläge Lukascheks ist die Forderung einer echten Vermögensumschichtung. Diese Forderung ist ein Dogma seines Ministeriums geworden, das sich über die unmittelbare Bedeutung des Lastenausgleichs in diesem Kreis zu einem sozialpolitischen Programm ausgeweitet hat.
Das zweite elementare Anliegen des Ministers ist die Verwirklichung des Lastenausgleichs in einigen Jahren und nicht erst im Verlaufe eines Menschenalters, wobei die Voraussetzung eine Vorfinanzierung durch eine Ausländsanleihe in Höhe von fünf Milliarden auf Grund des Aufkommens aus dem Lastenausgleich bleibt.
Schumacher enttäuscht
Bonn, 19. September. (AP.) Der Führer der sozialdemokratischen Opposition, Dr. Kurt Schumacher, warf den Außenministern vor, „die Konferenz habe sich auf die Politik der kleinen Mittel beschränkt“.
Schumacher erklärte weiter: „Bei der Anerkennung der Fortschritte in Fragen zweiter Größe ist man zu einer Politik wirklicher Entscheidungen nicht gekommen. Die Sozialdemokratie hat im Gegensatz zu den großen Erwartungen der Bundesregierung keine zentralen Entscheidungen erhofft. An die wirklichen Entscheidungen sind die Außenminister nicht herangekommen.“
Keine Kommunisten im Bundesdienst
Ein Beschluß des Kabinetts / Ersuchen an die Länder um gleiche Regelung
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 19. September. Die Bundesregierung hat am Dienstag beschlossen, daß Angehörige der Kommunistischen Partei, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Freien Deutschen Jugend, weiterer kommunistischer Organisationen sowie der Sozialistischen Reichspartei aus dem Bundesdienst entlassen werden. Den Landesregierungen sind von der Bundesregierung die gleichen Maßnahmen empfohlen worden. Innenminister Heinemann erklärte, man nehme an, daß die Länderregierungen ihrerseits auf die Gemeinden einwirken würden, sich diesem Vorgehen anzUschließen.
Der Bundeskanzler erklärte dazu vor der Presse, daß von den Sowjetzonenmachthabern und von der Sozialistischen Einheitspartei auf deren Parteitag und von dem Nationalkongreß die Kommunisten in der Bundesrepublik aufgefordert worden seien, eine Revolution zu machen. Zwar werde vom „nationalen Kampf gesprochen, aber das Wort national sei nie so mißbraucht worden, wie in der Zeit der Nationalsozialisten und in der der Sozialistischen Einheitspartei. In Wahrheit solle die Bundesrepublik ein SateliH^nctaat wie die Sowjetzone werden, deren Konzentrationslager überfüllter ", i der nationalsozialistischen Zeit seien Die Bundesregierung sei entschlossen mit allen gesetzlichen Mitteln gegen iede Infiltration vorzugehen und starke, nicht nur moralische, sondern auch materirile Kräfte ständen bei diesem Kampf um die Freiheit hinter ihr.
Innenminister Heinemann gab dann , “ Kabinettsbeschlul? bekannt, in dem heißt daß sich nach dem Paragraphen drei des vorläufigen Beamtengesetzes alle im Bundesdienst stehenden Personen zur demokratischen Staatsauffassung zu bekennen haben. Wer als Beamter, Angestellter oder Arbeiter im Bundesdienst an Organisationen oder Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Staatsordnung teilnehme, wer insbesondere im Auftrage oder im Sinne der auf Gewalthandlungen abzielenden Beschlüsse des Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei und des sogenannten Volkskongresses wirke, mache sich einer schweren Pflichtverletzung schuldig.
Die Liste
Für Bundesangestellte sind verboten:
1. Die Kommunistische Partei Deutschlands mit allen ihren Unterorganisationen. 2. Die sozialdemokratische Aktion. 3. Die Freie Deutsche Jugend. 4. Die Vereinigung der Sowjetfreunde. 5. Die Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion. 6. Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. 7. Der gesamtdeutsche Arbeitskreis für Land- und Forstwirtschaft. 8. Das Komitee der Kämpfer für den Frieden. 9. Das Komitee der jungen Friedenskämpfer. 10. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. 11. Die Sozialistische Reichspartei. 12. Die sogenannte Schwarze Front (Otto-Strasser-Bewegung). 13. Die „Nationale Front“ (Dachorganisation).
Eine griechische Brigade soll gemäß Beschluß der griechischen Regierung demnächst nach Korea entsandt werden.
Wirtschaftsblatt
Aufwertungen
J.E. Man ist immer wieder überrascht von der Fülle der wirtschaftlichen Konsequenzen, die von dem Konflikt in Korea ausgelöst worden sind. Wir haben gestern von den Gerüchten über eine Aufwertung des englischen Pfundes berichtet. Daß eine solche Maßnahme überhaupt diskutiert werden kann, ist eine Folge der Rüstungskonjunktur in den westlichen Ländern, die die britische Außenhandels- und Zahlungsbilanzposition so verbessert hat. Heute lesen wir in der neuen Nummer des „Economist“ von Diskussionen um eine Aufwertung des australisc m Pfundes. Infolge der Püstungskonjunktur hat die ganze Welt Eindeckungskäufe in Wolle vorgenomm-a, mit dem Erfolg, daß der australische Wollpreis eine phantastische, bisher noch nie verzeichnete Höhe erreicht hat. Auf diese Weise wird Australien wahrscheinlich für das laufende Jahr etwa 500 Millionen australische Pfund aus den Woll verkaufen einnehmen. Das ist beinahe so viel wie die gesamten Importe Australiens für das laufende Jahr ausma ' en. Bei ei aer so günstigen Zahlungsbilanz liegt es natürlich nahe, den Kurs des australischen Pfundes heraufzusetzen und damit das zu tun, was bei freien Wechselkursen der Markt von sich aus tun würde. Die Abwertung des britischen Pfundes (und damit der meisten übrigen europäischen Währungen) im Verhältnis zum Dollar v . Herbst vorigen Jahres war vor allem deshalb vorgenommen wo den, um das berühmte „Dollarloch“ zu schließen. Heute - fast auf den Tag - aau ein Jahr nach der Abwertung des Pfundes — ist unter dem Eindruck der E Ignisse in Korea _• Bedarf der amerikanischen Wirtsch an europäischen Gütern so groß, daß die DoL r-Lücke 'deiner v d kleiner wird und damit die Korrektur der damaligen Abwertungen durch eine Aufwertung in den Ber h der Möglichkeiten -ückt. Sollte d. englische Pfund tatsächlich aufwerten, so wäre das für die deutsche Exportindustrie insofern günstig, als sie dann ./c-entlieh billiger und damit konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt wäre. Dennoch hinterlassen die Aufwertungsdiskussion -1 ein unangenehmes Gefühl. Was dann, wenn die Konjunktur nachläßt, wenn zum Beispiel die Wollpreise wieder sinken und sich damit die Außenhandelsposition wieder verschlechtert? Wird man da. ieder 'bwerten? Aufwertung und Abwertung je nach dem Stand der Zahlungsbilanz als eine Art währungspolitischer Wechselbäder? Der Währungswirrwarr, der damit verbunden wäre, erscheint wenig verlockend. Sollte man nicht lieber die augenblicklich so günstige Stellung der europäischen Währungen zum Dollar dazu benutzen, nach der Liberalisierung des Warenverkehrs nun auch den Verkehr' der Währungen ^zu liberalisit- n und entschlossen auf die freien Wechselkurse zusteuern, ohne die es keine freie Weltwirtschaft gibt?
Geringere Steuereinnahmen in Hessen
Die kassenmäßigen Einnahmen an Landes- und Bundessteuern betrugen im August 1950 70,3 Mill. DM (Vormonat 76,5 Mill. DM); davon entfielen auf das Land 22,5 Mill. DM, also ein knappes Drittel (Vormonat 25,7 Mill. DM), und auf den Bund 47,8 Mill. DM (Vormonat 50,8 Mill. DM). Der August gehört zu den schwachen Einnahmemonaten, weil in ihm keine vierteljährlichen Vorauszahlungen auf Einkommen- und Körperschaftssteuer fällig sind.
Die Besitz- und Verkehrssteuern sind gegenüber dem Vormonat um 15 v. H. zurückgegangen, vor allem weil das Aufkommen aus Einkommen- und Körperschaftssteuer um etwa 40 Prozent hinter dem des Vormonats zurückblieb. Dieser Rückgang entspricht den Erfahrungen aus der Zeit vor Erlaß der Kontrollratsgesetze, wo das Vorauszahlungsverfahren in gleicher Weise geregelt war wie jetzt wieder. Der zweite Monat nach einem Vierteljahreszahlungstermin pflegt immer schwächer zu sein als der erste, weil die Nachzügler in ihrer Mehrzahl nach einer kurzfristigen Stundung ihre Schuld tilgen. Die Lohnsteuer erbrachte 8,7 Mill. DM; sie ist zwar gegenüber dem Juli um 22 Prozent gestiegen, hat aber immer noch nicht die Höhe erreicht, die man auf längere Sicht erwarten darf. Im Durchschnitt des Rechnungsjahres 1949 betrug sie 17,1 Mill. DM pro Monat. Wenn auch durch das Steuerreformgesetz vom 29. 4. 1950 eine Steuersenkung eingetreten ist, deren Höhe man nur schwer schätzen kann, so muß das Aufkommen künftighin doch beträchtlich über 10 Mill. DM liegen. Auf die Vermögenssteuer war im Berichtsmonat eine Vierteljahresrate zu entrichten; das Aufkommen ist im Vergleich zum vorigen Termin (Mai 1950) um etwa 11 v. H. gestiegen. Wenn man das Aufkommen der Verkehrssteuern aus den ersten 8 Monaten 1950 mit dem im gleichen Zeitraum 1949 vergleicht, so zeigt sich, daß im Zuge der vermehrten Zulassung an Kraftfahrzeugen von 19,9 Mil. DM auf 21,9 Mill. DM also um 2 Mill. DM in diesem Zeitraum zugenommen hat. Die Biersteuer, als einzige landeseigene Verbrauchssteuer lag um etwa 10 v. H. höher als im Juli. Die Umsatzsteuer ist von 34,2 Mill. DM auf 31,0 Mill. DM zurückgegangen. Beim Vergleich ist zu berücksichtigen, daß im Juli die Vierteljahresraten der kleineren Steuerpflichtigen (unter 20 000 DM Jahresumsatz) fällig waren, die etwa soviel betragen wie der Unterschied ausmacht. Insgesamt haben die Verbrauchssteuern eine Steigerung von 5 Prozent aufzuweisen. Sie konnten aber den Ausfall an Umsatzsteuer nicht wettmachen, so daß im ganzen das Aufkommen an Bundessteuem im hessischen Raum um 6 v. H. geringer war als im Vormonat.
IG-Vermögen hõher als die Schulden
Eine Erklärung der Oberkommission zum Gesetz Nr. 35
Frankfurt, 19. 9. (K). Die Vorsitzenden des Drei-Mächte-Kontrollausschusses der alliierten Oberkommission für die IG-Farben-Industrie haben am Dienstag nochmals den Inhalt des kürzlich erlassenen alliierten IG-Gesetzes Nr. 35 erläutert, da, wie hervorgehoben wurde, die deutsche Oeffentlichkeit zum Teil unzureichend über die Bestimmungen zur Auflösung der IG-Farben-Industrie unterrichtet worden sei. Danach sollen die gegenwärtigen IG-Aktionäre soweit wie möglich an den neu zu errichtenden Einzelgesellschaften durch die Uebertragung von Aktien beteiligt werden. Eine Einschränkung werde dieses Prinzip nur insoweit erfahren, als ausreichende liquide Mittel, die den neuen Ge- Seilschaften als Betriebskapital dienen sollen, sichergestellt werden müssen. Für langfristige Gläubiger könne sich die Möglichkeit ergeben, mit Wertpapierbeteiligungen und nicht in bar abgefunden zu werden.
Die Fertigstellung des alliierten Gutachtens, das die Zahl und Größe der künftigen Gesellschaften regelt, sei unmittelbar zu erwarten. Die neuen Gesellschaften werden nach deutschem Recht gebildet und ihre eigenen neuernannten oder gewählten Verwaltungsorgane besitzen
Zur Höhe der Forderungen, die gegen die IG-Farben-Industrie bestehen, wurde erklärt, daß ein abschließendes Bild nicht vor Ablauf der Frist des Gläubigeraufrufs gegeben werden könne. Der Drei-Mächte-Kontrollausschuß sei jedoch auf Grund sorgfältiger Prüfungen zu dem Ergebnis gelangt, daß die auf D-Mark umgestellten verfügbaren Aktiven den DM-Gegenwert aller nachs;ewiesenen und zur Befriedigung zugelassenen Forderungen erheblich übersteige i werden.
Für die Berechtigten sei die Möglichkeit vorgesehen, sich zur Wahrung ihrer Interessen zu äußern. Außerdem soll zur Klärung gutgläubiger Forderungen, die dem Grund nach bestritten seien, ein unabhängiges Rechtsverfahren Anwendung finden.
Die Rechte der Pensionäre in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollen nach einer Anordnung einheitlich für das gesamte Bundesgebiet geregelt werden.
Liberalisierung für Leder gefordert
Bei der Betrachtung der preispolitischen Lage auf dem Leder- und Schuhmarkt muß man davon ausgehen, daß die Aufwärtsbewegung der Preise international ist. Die Hausse, so wird hierzu aus Fachkreisen der Leder- und Schuhwirtschaft erklärt, ist nicht nur im Zusammenhang mit dem Koreakonflikt und den damit verbundenen Aufrüstungsvorhaben entstanden, sie hat sich auch auf den Märkten aller Länder bemerkbar gemacht.
Die USA haben z. B. Anfang Juli 1950 einen Netto-Importüberschuß von 800 000 Häuten und Fellen gehabt, während sie in den ersten sechs Monaten des Jahres 1949 einen Netto-Exportüberschuß hatten. Die USA haben also erheblich in den Markt eingegriffen und sich besonders in Argentinien als erheblicher Käufer betätigt. Sie haben damit auch Häute aufgekauft, die eigentlich für Westeuropa bestimmt waren, zumal in den europäischen Ländern durchweg nennenswerte Lager an fertigen Schuhen vorhanden sind. Das Ledergeschäft in den USA verzeichnet im August große Vorauskäufe, die etwa um 62 Prozent über dem Durchschnitt liegen. Daß damit preissteigernde Tendenzen verbunden waren, ist natürlich.
In Deutschland gab es bei den Häuteauktionen nun sprunghafte Preiserhöhungen, so daß zur Zeit die Preise für deutsche Kalbfelle und Häute beachtlich über denen des Weltmarktes liegen. Selbstverständlich wird Deutschland die allgemeinen Erhöhungen des Weltmarktes in Kauf nehmen müssen. Es ist aber nicht einzusehen, warum nun in Deutschland die Preise wesentlich über die des Weltmarktes hinausgehen sollen. Die letzten Häuteauktionen haben infolge der starken Nachfrage der Gerber eine solche Entwicklung gezeigt. '
Bei einer so unübersichtlichen Lage glauben viele Gerber, daß sie lieber die teuere deutsche Haut kaufen sollen als sich des unsicheren Wartens auf Importe hinzugeben. Verständlich ist dabei, daß die Gerber wünschen, daß eine Zentralauktion im Monat stattfindet, damit der Nachfrage ein gesammeltes Angebot gegenübersteht. Es scheint fraglich, ob solche Maßnahmen wirklich Hilfe schaffen können.
Zu bedenken ist im übrigen folgendes: Wenn die deutschen Häutepreise über die des W’eltmarktes gestiegen sind, so dürfte man in den anderen Ländern billigeres Leder einkaufen können als in Deutschland. Entsprechend der allgemeinen Tendenz unserer Wirtschaftspolitik, die Ein- und Ausfuhr zu liberalisieren, sind Schuhe bereits auf die Freiliste gesetzt. Es kann also demnächst jeder Schuhhändler in den Marshallplanländern Schuhe einkaufen und einführen. Schon deshalb ist es verständlich, daß die Schuhindustrie, die nun den ausländischen Wettbewerb aushalten muß, auch die Liberalisierung von Leder wünscht.
35 6000 Tonnen Kohlen täglich
Düsseldorf, 19. 9. (hd) Die westdeutsche Steinkohlenförderung überschritt im August mit 9,45 Millionen Tonnen das Juli-Ergebnis (9,17 Millionen Tonnen), Die arbeitstägliche Förderung sank dagegen im August auf 349 800 Tonnen gegenüber 352 600 Tonnen im Juli. Wie die Deutsche Kohlenbergbauleitung mitteilt, ist jedoch in der ersten Septemberhälfte die Förderung wieder ansteigend und beträgt zur Zeit 356 000 Tonnen täglich.
Hohe Exportaufträge
Frankfurt, 19. 9. (F. A. Z.) Auch am Dienstag war das Geschäft bei der Frankfurter internationalen Herbstmesse unvermindert rege. 36 000 Besucher, darunter 2 800 Ausländer aus 44 Ländern, besuchten die Messe. In den drei ersten Messetagen wurden bisher Exportgeschäfte über rund 18 Millionen DM abgeschlossen, während im Vorjahr bei der ganzen Messe nur 8,1 Millionen DM Exportabschlüsse zu verzeichnen waren. Das Geschäft in Haus- und Küchenartikeln war sehr rege. Besonders stark war die Nachfrage nach vernickelten Messing-Qualitäten aus Belgien, Holland, Luxemburg, Südafrika und USA. Auch die Glas-, Porzellan- und Steingutbranche konnte gute Abschlüsse tätigen. Bei Spielwaren hielt die lebhafte Nachfrage ebenfalls an, besonders stark war das Interesse Hollands.
Streik bedroht Zuckerversorgung
Uelzen, 19. September, (dpa) Der Vorsitzende des Vereins der Zuckerindustrie im Bundesgebiet. Direktor Schütte, warnt in Uelzen vor einem Streik der Facharbeiter in der niedersächsischen Zuckerindustrie noch vor der diesjährigen Zukkerrübenkampagne, weil er die Zuckerversorgung lahmlegen werde. Die Arbeiter drohen mit Streik, wenn die Arbeitgeber nicht bis zum kommenden Dienstag ein' Schiedsgericht anerkennen, das über eine Lohnaufbesserung um zweiundzwanzig Pfennig entscheiden soll.
Zahlungsunion unterzeichnet
Paris, 19. September. (AP/vwd) In Paris ist am Dienstag das Abkommen über eine europäische Zahlungsunion unterzeichnet worden. Das Zahlungsabkommen ist von den achtzehn Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) geschlossen worden. Bei der Zahlungsunion müssen innerhalb der nächsten zwei Wochen alle Mitglieder 60 Prozent ihrer Importquoten zur Beschränkung bestimmter Einfuhrquoten abschaffen. Aus dem Marshallplan sind dafür 350 Millionen Dollar abgezweigt worden, um das Programm anrollen zu lassen.
Schweiz-Verhandlungen beendet
Frankfurt a. Main, 19. September (AP.) Die Besprechungen über den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen der Bundesrepublik und der Schweiz sind erfolgreich abgeschlossen worden. Der neue Handelsvertrag sieht ein Gesamtvolumen von 60 Millionen Dollar vor
Markt- und Börsenberichte
An der Frankfurter Börse ließ die Umsatatätigkeit am Dienstag bei fester Grundtendenz gegenüber dem Vortag sowohl bei effektiven als auch Girowerten nach. Im Verlauf der Börse kam es zu leichten Gewinnmitnahmen, so daß die Märkte nicht ganz einheitlich verkehrten. Besonderes Interesse bestand weiterhin für Zellstoff-, Maschinen-, Auto- und Elektrowerte, der Montanmarkt lag dagegen ruhiger.
Freie Devisenkurse
Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 19. 9. 1950 der US-Dollar mit 5,30 bis 5,70 DM, das englische Pfund mit 12,50 bis 13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,20 bis 1,30 DM, der holländische Gulden mit 1,20 bis 1,35 DM, die dänische Krone mit 0,53 bis 0,56 DM, die schwedische Krone mit 0,75 bis 0,80 DM. *
In den Berliner Wechselstuben wurden am 19. 9. 1950 für eine DM-West 4,90 Ostmark gezahlt und für 5,10 Ostmark eine DM-West geboten.
Feuilleton
Die Ballade vom Radi
VON HERWIG WEBERDie Notwendigkeit, nachstehende Zeilen zu verfertigen, trifft mich in einem unwürdigen Zustand. Ich spreche von meinem Besuch des 123. Oktoberfestes im allgemeinen und von dem Wiesenbier im speziellen. Der Hinweis mag genügen. Gründe der aktuellen Berichterstattung zwingen mich jedoch, meine geistige und körperliche Unzulänglichkeit an diesem Morgen hintanzusetzen.
Da es mir heute nacht beschämenderweise nicht vergönnt war, in eine anständige Schlägerei verwickelt zu werden, ist es mir ein Bedürfnis, wenigstens an dieser Stelle nochmals auf einen Streit zurückzukommen, der an sich zu den vorzüglichsten Erwartungen berechtigte. Es drehte sich um die Herkunft des Radi. Ein Herr aus einem der bayerischen Nachbarstaaten hatte bei mir am Tisch die Stirne besessen, sie in den Fernen Osten zu verlegen. Ein solcher Grad von Ignoranz ist niederträchtig. Die asiatische Urform interessiert keinen Menschen. Das tut nur jener Bier-Radi, vor dem alle übrigen Sorten zur absoluten Nichtswürdigkeit herabsinken. Dieser ist selbstverständlich ein bayrisches Gewächs. Wer anderes behauptet, betreibt böswillig Destruktion. Nachher erschien ein zweiter Mann aus Norddeutschland. Der hatte (wie man später erfuhr) einige Stunden zuvor mehrere Radi zu sich genommen. Der mit den Besonderheiten dieser Frucht nicht Vertraute mußte nun ausgerechnet in größerem Kreise kräftig auf stoßen. Als er — zutiefst erschrocken — sich entschuldigen wollte, meinte der ihm zunächst placierte Einheimische, mit dem Ausdruck des Entzückens näherrückend: „Sagen’s, Herr Nachbar, wo ham’s den Radi koaft? Der riacht fei guat!“ Einen überzeugenderen Beweis für die Urständigkeit jener Wurzel kann es wohl kaum geben. Das zur großen Linie.
Nachdem also am Samstagmittag um Zwölf die Besitzer der Berg- und Talbahnen, Karusselle, Riesenräder und anderer energie-intensiver Institutionen auf einen Schlag den Strom eingeschaltet und damit fast das gesamte Münchner Elektrizitätsnetz in die Luft hatten gehen lassen, hielt es mich nicht mehr lange zu Hause. Mein Begleiter wunderte sich, daß ich in der Trambahn auf mein garantiert unverständliches Verlangen „Wies'n!“ sogleich den richtigen Fahrschein erhielt, obwohl zweimal umzusteigen war. Aber ich hätte genau so gut „Potsdamer Platz“ oder „Hauptwache“ murmeln können. Andere Fahrziele sind für die nächsten vierzehn Tage nämlich nicht vorgesehen.
Bei meinem Eintreffen auf der Wies’n waren die vereinigten Blaskapellen des europäischen Kontinents schon schwer am Wirken. Mich riß es ohne Rücksicht auf die ursprünglich geplante Richtung sogleich in eine jener primitiven Vergnügungsanstalten, in denen sich die eine Hälfte auf Kosten der anderen erheitert. Ich gehöre immer gern zu der einen. Diesmal blieb mir leider die tätige Mitwirkung nicht erspart. Man sperrte mich zusammen mit einem mir gänzlich unbekannten weiblichen Wesen in einen Fahrstuhl, aus dem wir zum unbeschreiblichen Jubel der bereits auf den Rängen Versammelten auf einen Rollteppich geschleudert wurden. Auf ihm gelangten wir in der gewünschten, wenig einwandfreien Form nach unten. Das Kreischen der feinen Damen ist übrigens auch nicht besser als das jener aus dem Volke. Ich hatte somit die erste Etappe mit Erfolg und leichter Gehirnerschütterung absolviert und wollte zum Zwecke der inneren Sammlung nun eigentlich in den Flohzirkus, wo diese nach Charakter und Temperament wohlassortierten Insekten in der großen Wasserpantomime „Die Kartause von Parma“ zu sehen sein sollten. Auch das gelang daneben. Die Sache mit den Rennwagen an der senkrechten Todeswand zwei Häuser weiter habe ich mir gespart, da ich mich mit dem abenteuerlichen Gedanken trage, demnächst selbst ein Kraftfahrzeug zu erwerben und das dann billiger haben kann.
Mein Sinn stand nach den „Flying Cars“. Die Plakate hatten verkündet, daß diese Sensation nicht nur vollkommen neu für Deutschland sei, sondern sogar zum ersten Male in München gezeigt werde. Ein Fahrzwang bestehe nicht (was bei zweitausend Zuschauerplätzen auch auf gewisse Hindernisse stoßen dürfte), vielmehr bereite schon das Zusehen ein wahrhaft prickelndes Vergnügen. Das kann ich bestätigen. In einer Tonne von der Größe eines Einfamilienhauses werden jeweils vier Personen in vier Fahrzeugen unvorstellbar herumgebeutelt. Angeschnallt, gelegentlich mit dem Kopf nach unten und ohne Notbremse. Die weiblichen Fahrgäste, die sich mit Trainingshose und dergleichen neutralen Bekleidungsstücken versehen hatten, taten gut daran. Ob die anderen von der Geschäftsleitung gechartert waren, mag dahingestellt bleiben. Es herrschte jedenfalls ein mir unverständlicher Andrang zu den Fahrzeugen. Auf den Zuschauerplätzen war er verständlicher. Der Mann im flotten, grünen Ledermantel, der Runde um Runde käsebleich in seinem Auto lag, stieg überhaupt nicht mehr aus. Vielleicht weilte er nicht mehr unter den Lebenden. Da nun schon mit Hilfe der unglaubwürdigsten physikalischen Gesetze die Konstruktion derartiger Apparaturen gelungen ist, möchte ich für das nächste Jahr vorschlagen, daß auch noch die Tonne und damit das lästige Donnergetöse wegfällt. Diese lächerliche Fliehkraft muß doch auch anderweitig zu beschaffen sein.
Wieder draußen, wurde ich von einem der in unermüdlichem Einsatz befindlichen Lotsen z. b. V. um Auskunft ersucht, wieso ich meine Korkmundstück-Zigarette am falschen Ende angezündet habe. Ich habe ihm gesagt, daß er auf meine Kundschaft nicht zu rechnen brauche, jedenfalls jetzt noch nicht. Zudem sei es meine Privatsache, an welchem Ende ich meine Zigaretten anzündete.
Dann betrat ich voll unsagbaren Hochgefühls die Ochsenbraterei. Vor Parademärschen einschließlich Ehrenbezeigungen aller Art mit und ohne Kopfbedeckung war der Ochse erst gar nicht zu sehen. Als ich mich unter reichlicher Verwendung unfairer Griffe die hundert Meter bis nach vorn durchgerungen hatte, lag er, statt zu braten, noch unter einem nahezu schneeweißen Leinentuch aufgebahrt. Ein Funktionär, den ich zumindest über die Technik des Spießdurchbohrens durch die zehn Zentner schwere Fleischmasse zu interviewen gedachte, versagte mangels hinreichender Vernehmungsfähigkeit. Unter den tumultuösen Kundgebungen des Hauses für die Dame im grauen Kostüm, die gerade den Armeemarsch Nr. soundsoviel dirigierte, stieß ich zum Notausgang vor, um mich dort gegen einen der zweihundert Einlaßbegehrenden auswechseln zu lassen. Zu den Schießstätten der privilegierten Feuerschützengesellschaft kam ich nicht mehr, da mir nur noch zwei Stunden zur Erreichung des Hauptausganges zur Verfügung standen, wo mich eine außerdienstliche Verabredung erwartete.
Neue Kräfte am Landestheater
DITA DREESEN, erste Operettensängerin, kommt vom Staatstheater Oldenburg. Im letzten Jahr gastierte sie mit „Gräfin Mariza“ und der „Lustigen Witwe“ im Frankfurter Althoffbau und an der Münchener Staatsoperette. Auch über Radio Frankfurt war ihre Stimme öfter zu hören. Dem Darmstädter Publikum wird sich die Sängerin am kommenden Samstag in „Maske in Blau“ vorstellen. Ihr Debüt in einer Neuinszenierung wird sie in der „Csardasfürstin“ geben.
Nur ein Pfennig
KLEINE GESCHICHTE FÜR JUNGE MENSCHEN
Er hafte bereits eine weite Reise hinter sich, der Pfennig. Oft kam er auch in schmutzige Hände, so daß er vor Gram und Kummer fast verbraucht aussah und früh alterte. Ein Achtloser warf ihn in eine Pfütze, als er über den Jahrmarkfsplatz ging und sich die Nase schneuzte. Denn der Pfennig, der zuvor mit Brotkrümeln und anderen Speiseresten im Taschentuch versteckt ge’.eg n hafte, wurde mit diesem beim Gebrauch herausgezogen. Da lag er nun allein und verlassen auf de n P atz zwi.cfyen Schmutz und Steinen und wurde darüber melancholisch. „Wer weiß, wohin ich nun geschickt werde? Wenn nur einmal einer käme, der meinen Wert rechtig ermcs en und mich schätzen würde!“ dachte <er Pfennig traurig. Doch viele Menschen gingen an ihm vorüber und sahen ihn n.chf, weil er versteckt im Schlamm lag. Andere wiederum trafen auf ihn mit harten genagelten Schuhen und wußten nicht, daß sie ihm Leid zufügten. Und der Pfennig klagte und wimmerte und glaubte, daß sein letztes Stündlein gekommen sei. Da hatte die Sonne Mitleid mit ihm und sie überzog die Erde mit heißer Glut, so daß sie rasch trocknete und der Pfennig wieder an die Oberfläche kam. Er war nun jedem sichtbar, weif alles Häßliche von ihm abfiel, und er erstrahlte in neuem Glanze.
So fand ihn Elfriede, die mit ihrer Freundin Helga über den Jahrmarkfsplatz ging. „Schau mal, was ich gefunden habe“, frohlockte sie und zeigte Helga den Pfennig. Dann nahm sie ein sauberes Tuch heraus und putzte ihn blank, bis er aussah wie in seiner Jugendzeit und funkelte wie pures Gold. Und der Pfennig war glücklich, in so fürsorgende Hände gekommen zu sein. Helga, die von ihrer Mutter eine Mark für Lustbarkeiten bekommen hatte, lachte Elfriede aus und meinte, es sei ja nur ein Pfennig, für den man nichts bekomme. Der Pfennig aber, der aus den Worten Helgas die ganze Verachtung seiner Kaste heraushörte, und sich in seiner Standesehre verletzt fühlte, wurde in Elfriedes Hand ganz heiß und er schwitzte vor Zorn und Wut. „Ich aber weiß, er bringt mir Glück* , sagte Elfriede mehr gefühlsmäßig als überzeugt, weil sie ein einfaches Menschenskind war und ein gläubiges Herz besaß. Auch hatte sie von ihrer Mutter schon früh gelernt, das wenige zu lieben und zu schätzen. Die Mädchen gingen plaudernd weiter, und jede freute sich über ihren Besitz: Helga über ihre Mark und Elfriede über ihren Pfennig. Und beide Herzen öffneten sich allem, was ihre Sinne aufnahmen und sie blickten verträumt in diese zauberhaft schöne Welt, die sich ihnen hier darbot. Helga beriet mit Elfriede, wie sie wohl ihre Mark anlegen könne, und Elfriede half ihr dabei, weil sie neidlos war. Dort lockte die Schiffschaukel, hier die Raketenfahrt, dort die Achterbahn, hier das Riesenrad, und einen Hundezirkus gab es auch. Da wurde die V ahl so schwer gemacht. Und doch siegte zuletzt der Gaumen, der nach Eis und Türkischem Honig lechzte. Helga verzehrte ihre Genüsse mit Behagen, ohne ihrer Freundin etwas abzugeben.
„Warum kaufst du dir denn nichts?“ fragte ein älterer vornehmer Herr die kleine Elfriede, die still dastand und mit verlangenden Augen aut die geizige Helga sah. „Weil sie nur einen Pfennig hat“, höhnte die Freundin, die gerade den letzten guten Bissen verschlang.
„Einen Pfennig?* tat der Herr erstaunt. „Zeige ihn mir mal, vielleicht ist es ein Glückspfennig 1“ Und Elfriede lachte gläubig. Ja, von einem Glückspfennig hatte sie schon einmal gehört. Sie gab dem fremden Mann ihren Pfennig. Der machte ein ernstes Gesicht, und prüfte kritisch die Münze. „Dachte ich mir’s doch!“ sagte er. „Es ist ein Glückspfennig 1 Paß mal schön auf!“ Dann tat er den Pfennig in die rechte Seitentasche seines Regenmantels, schüttelte ihn herum und zog aus der anderen Seitentasche einen Fünfmarkschein heraus zum Gaudium der Kinder. „Du siehst nun, was aus deinem Pfennig geworden ist!“ Elfriede staunte. Der Herr war ja ein richtiger Zauberer, dachte sie. Dann dankte sie ihm und drückte zärtlich den Fünfmarkschein an sich.
„Was machst du nun damit?“ fragte der feine Herr, der sich freute, dem Kinde geholfen zu haben. Elfriede überlegte und machte ein nachdenkliches Gesicht. Dann aber zeigte sie auf einen Stand mit Luftballons. Den blauen wollte sie sich kaufen, so kornblumenblau wie ihr Sonntagskleid. „Und was machst du mit dem Rest?“ „Den bringe ich meiner Mutter“, entgegnete Elfriede mit Opfermut. Das tat sie denn auch. Der vornehme Herr aber war froh, sein Geld so gut angelegt zu haben. Der Pfennig aber, der sich mollig in die Ecke der Manteltasche kuschelte, war maßlos glücklich, daß er einem braven und bescheidenen Kinde so viel Glück bringen durfte, obgleich er nur ein Pfennig war. Kläre Gierke.
Alltagsleben in Amerika
Im Amerikahaus hielt Ferdinand P. Schultz einen Lichtbildervortrag über „Das amerikanische Alltagsleben im Mittelwesten“. Der Sprecher, der als Dozent für Geschichte an verschiedenen Universitäten in den Staaten gelehrt hat, verstandes, das amerikanische Leben so zu schildern, wie es in Wirklichkeit ist, ohne die Kulisse riesiger Wolkenkratzer, ohne Millionäre und überspannte Extravaganzen. Die schönen Farblichtbilder, Eigenaufnahmen des Vortragenden, gaben einen guten Einblick in eine Kleinstadt in Minnesota.
Window ist nur eine Stadt von rund 3000 Einwohnern, aber diese Stadt ist das typische Amerika, das noch nicht die Maske des Fremdenverkehrsrummels und der Superlative angelegt hat. An Hand der Aufnahmen wurden die kleinen Eigenheiten Amerikas geschildert, die „Motels“, kleine Rasthäuser an den endlosen Ueberlandstraßen der Staaten, in denen die Wagenfahrer übernachten, eine Wochenzeitschrift, in der Studenten und auch der Vortragende wöchentlich einmal mit der Herausgabe der neuen Nummer beschäftigt sind, ein Gefängnis, das wie ein großes Landhaus aussieht, keinen Zaun hat und meistens leer steht. Allerorts stecken Schilder im Boden, die Zeugnis von geschichtlichen Ereignissen ablegen, so der Platz, wo die erste Schule in Window gestanden hat, wo der erste Laden in der freien Steppe war. Es ist ein liebenswertes Dasein in den Kleinstädten des Mittelwestens, die noch nicht von den amerikanischen 'Stadtzyklopen infiziert sind. Das ist Amerika, wie es wirklich ist.
Derartige Vorträge werden in weit größerem Maße dazu beitragen, Brücken zwischen uns und drüben zu schlagen, als aller Rummel um Dollars und automatische Rasierpinsel. -st
„Amestierte“ schießen scharf
Die seligen Zeiten, da sich die Commilitones am Biertisch und mit dem Rapier gegenseitig ihre Standhaftigkeit bewiesen und für die außerhalb ihres akademischen Bereiches sich ereignenden Dinge nur insofern Interesse zeigten, als sie sich nicht aus ihrer wohleingeschachtelten Ruhe bringen lassen wollten, scheinen endgültig vorbei zu sein. Das bewies treffend das Kieler Studentenkabarett „Die Amnestierten“, das am Samstagabend im Thalia-Theater gastierte. „Die sind die richtigen für meine radikale Mitte“, sagte Werner Finck von diesen 10 Studenten. MitderSonde eines humorvollen glasklaren Intellekts rücken die „Amnestierten“ Zu- und Mißständen von gestern, heute und morgen zu Leibe, das Publikum amüsiert sich köstlich, lacht, schmunzelt — und merkt vielleicht erst auf dem Heimweg, daß nicht nur „die anderen“, sondern wir alle unter die kabarettistische Lupe genommen wurden. Denn hinter all dem herrlichen Humor verbirgt sich die ernste Mahnung: „Michel, schlaf* nicht!“ hn.
DT Film-Forum
Film ist den Sinn meines Lebens
Der diesen Ausspruch tat, muß schon wirklich „mit Leib und Seele“ beim Filmen sein, muß alles, was er an Gedanken und aus der Tiefe hervorsprudelnden Empfindungen hat, in seine Arbeit hineinlegen, und ein ungewöhnliches Filmtalent muß er auch sein eigen nennen: Nun — bei Carl Raddatz sind alle diese Voraussetzungen »erfüllt. Er ist einer unserer Stars — auch, wenn er nach dem Kriefl noch nicht wieder in der alten großen Form herausgestellt wurde — und bei allem „starhaften“ Können ist er doch ein erfreuend umgänglicher und . . . bescheidener Mensch geblieben. Größenwahn ist ihm völlig fremd!
Wie er zum Film kam? Eines Tages wurde Willi Birgel in Mannheim von einem jungen Mann angesprochen. „Soso, Sie wollen zur Bühne?“ sagte der damals schon berühmte Darsteller ... er betrachtete sein Gegenüber kritisch und bestellte Raddatz zur Deklamationsprobe. Und als er ihn angehört hatte, da sagte er nicht mehr: „Soso, Sie wollen zur Bühne?“ ... Da sagte er: „Sie müssen zur Bühne!! Sie müssen Schauspieler werden!!“ Damals war Carl Raddatz Volontär in einer Buchhandlung. Viele Werke großer Dichter waren damals schon durch seine Hände gegangen, als er dieses entscheidende Gespräch mit Willi Birgel hatte. Nun gingen wieder viele Bücher großer Dichter durch seine Hände, aber nicht mehr, um verkauft zu werden, sondern weil Raddatz aus ihnen mit unermüdlichem Eifer lernte.
Mannheim, Aachen, Darmstadt waren die ersten Stationen seines Weges. Nibelungen-Festspiele in Worms im Jahre 1937 heißt eine weitere Etappe. Hier lernte ex-Maria Koppenhöfer kennen, und hier erkannte er erst richtig — wie er selbst sagt _ was eigentlich Schauspielkunst ist. Hier erlebte er, daß man den Gedanken erst im Gesicht ablesen muß, ehe das Wort geboren wird . . . (so formuliert er selbst die Erkenntnisse, die ihm aus dem Zusammenspiel mit dieser großen Künstlerin erwuchsen.)
In diesem Jahr 1937 entschied sich viel für ihn, in diesem Jahr stand er das erste Mal unter den Jupiterlampen. „Probeaufnahme!!" . . . mit Herzklopfen bestanden . . . das Ergebnis: Diese ersten paar Meter Raddatz-Film gefielen, und in „Urlaub auf Ehrenwort“ wurde er der deutschen Oeffentlichkeit bekannt. Seit jenen Tagen hat ihn der Film nicht mehr Josgelassen, auch innerlich: „Film ist der Sinn meines Lebens“, sagt er selbst.
Kaum war der Krieg beendet, da holte ihn Helmut Käutner für den Filmstreifen „In jenen Tagen", weitere Filme folgten, in denen er sich von immer neuen Seiten zeigen konnte, er bewies eine Wandlungsfähigkeit, die ihn zum Darsteller edler Charaktere ebenso befähigt wie zur Darstellung niederer Charakterzüge . . . welche Aufgaben man auch immer ihm stellte: Er weiß jede von ihm verkörperte Gestalt mit echtem Leben zu erfüllen, und das ist ja das Entscheidende beim Schauspieler.
Im großen Nachkriegsfilln „Gabriela" gjng dann ein Wunsch, den wohl jeder Darsteller hat, für ihn in Erfüllung: Mit einer der ganz großen Darstellerinnen, mit Zarah Leander, konnte er zusammenarbeiten, im Brennpunkt der Ereignisse eines großen Film stehen. Er gibt selbst zu, daß er ein wenig Scheu vor dieser Zusammenarbeit hatte. Zu oft und zu viel hat er von den unberechenbaren und zuweilen schwer erträglichen „Star-Allüren" der ganz großen Könner gehört . . . und so bangte er vor dem Zusammentreffen mit Zarah Leander. Aber er hatte sich umsonst Sorgen gemacht. „Ich fand in ihr nicht den Star, sondern den Menschen!“ — das stellte er befreit und glücklich fest, und dies schöne Wort hat auch für ihn selbst Gültigkeit: Nicht Star, sondern Mensch. Daß er so ist, das ist der Grund, weshalb ~~~ "* —* — können.
CARL RADDATZ
(Foto: Real/Allianz-Film Lilo)
Neue Filme in Darmstadt
BELIDA. Liebesleid. Der eigentliche Titel dieses amerikanischen Films heißt: „Jungfräuliche Liebe“ und entspricht auch besser dem Geschehen. Wenn wir sagen, daß die Regie (Edmund Goulding) ganz unamerikanisch gearbeitet hat, dann bitten wir, diese Anerkennung nicht mißzuverstehen. Es ist gar kein „typisch“ amerikanischer Film geworden, sondern die schlichte Liebe eines jungen Mädchens zu dem älteren Komponisten, den sie seit früher Jugend liebt und den eine reiche Kousine ihr mit raschem Entschluß fortnimmt, bestimmt die Handlung. Psychologisch ist sie gut unterbaut, die Musik von Erich Wolfgang Korngold gibt das ihre dazu, und die Hauptrollen sind wirklich ausgezeichnet besetzt: Charles Boyer als Komponist, Joan Fontaine das junge Mädchen, das auch das Schaffen des Künstlers versteht und darüber hinaus ihn — trotz ihrer Jugend — musikalisch weiterzubringen versteht. Alexis Smith spielt die schöne, elegante und harte Rivalin recht überzeugend. Gott sei Dank, wenn das nicht blasphemisch klänge, geht der Film nicht „glücklich“ aus, aber ein happy end hätte den guten Eindruck dieses amerikanischen Filmstreifens nur verdorben. Anfänglich das Schweizer, dann das Londoner Milieu, die beiden Hauptschauplätze, sind gut getroffen und unaufdringlich von der Kamera eingefangen, einige leicht vergnüglich aufgesetzte Lichter erhellen das tragische Geschehen freundlich. H. W. W.
PALAST. „Todeskarawane“. Dies ist kein Film der verpaßten Gelegenheiten. Jede Möglichkeit, einer wildwestabenteuerlichen Handlung wurde mit Freuden ergriffen. Die bewährten Grundstoffe für derartige Streifen, der 45er Colt, die Winchesterbüchse für langstreckige Tötungen, rasende Pferde und ein paar ausgekochte Salonbanditen, die Böses in petto haben und zum guten Schluß röchelnd auf der Strecke bleiben, hier sind sie im Mixbecher des Wildwest-Regisseurs Lelsley Selanders zu einer scharfen Brühe ausgegoren worden. Ein Goldtransport wird überfallen, seltsamerweise von Soldaten, die ihn bewachen sollten, und von denen man wußte, daß es verkleidete Gauner waren, nachdem einige Meter zuvor der Zuschauer Zeuge war, wie die Unterhosen der erschossenen echten Militaristen in der Steppe verscharrt worden waren.
Die Banditen haben gramzerfurchte Gesichter, weil die Geschäfte so schwer und so schlecht sind, und sie sehen aus, wie Banditen im Wildwestfilm aussehen sollen, markig und unheileinflößend. Sie sagen „Ok, Böß!“ drehen Dunham-Zigaretten und spucken auf die unpolierten Fußböden. Im Gegensatz dazu die braven Bürger, die sich hier in Gestalt Hopalong Cassidys mit seinen Freunden Lucky Jenkins und California Jack von ihrer besten Seite präsentieren. Cassidy sieht alles, angefangen von dem verdächtigen Loch in der Montur des unedlen Soldaten, über die Verschiedenartigkeit der militärischen Reitstiefel bis zu dem falschen Zeichen im Hut des Sergeanten. Und wer wird's glauben, er folgert daraus mit logischer Konsequenz und dem messerscharfen Verstand eines Pinkertonschen Agenten, daß hier etwas faul ist, was sich später auch herausstellt.
Es ist ein Film, der zweifellos unter der Unzahl gleichartiger Filme eine Sonderstellung einnimmt, da er erstens 20 Tote hat und von einer abenteuerlichen Dichte ist, daß alle Freunde der Wildwestromantik in helle Begeisterung ausbrechen werden, was der Rezensent auch tat, selbst um in die Gefahr zu kommen, als Kunstbanause mit dem Stempel der moralischen Verkommenheit ausgezeichnet zu werden. hfl
Das Landestheater teilt mit:
In der zweiten „Tannhäuser“ -Aufführung am Donnerstag, dem 21. September, wird noch einmal Joachim Sattler die Titelpartie singen.
Wie bereits bekanntgegeben, bringt das Landestheater am Freitag, dem 22. September, als zweite Neu-Inszenierung des Schauspiels die Komödie „H e 1 d e n“ von Bernaid Shaw heraus. Die Inszenierung liegt in den Händen von Friedrich Brandenburg als Gast, die Bühnenbilder entwarf Elli Büttner. Die Mitwirkenden sind: Ilse Bartram, Rosemarie Kilian, Ellen Krug, Walter Kohls, Willy Leyrer Herbert Wien und Carl Zollern. Die Aufführung beginnt um 20 Uhr.
Unter der musikalischen Leitung von Arnold Kemkens als Gast wird am Samstag, dem 23. September, und am w?n dem 24’ SePtember, jeweils um 19.30 Uhr, wieder die Operette „Maske in Blau, deren erfolgreiche Aufführungen durch die Theaterferien unterbrochen wurde, in den Spielplan aufgenommen. In der Rolle der Evelyne Vatera wird die neuverpflichtete erste Operettensangerin Ditä Dreesen zum ersten Male m Darmstadt auftreten. Die Rolle des Josef Fraunhofer spielt der gleichfalls neuverpflichtete Joachim Röck^r
Darmstadt und Umgebung
Die Schulhygiene
Mit den Augen einer Schülerin
Viele Vorschläge und Anregungen dafür sind schon gebracht worden. Trotzdem sehen wir täglich die unhygienischsten Dinge. Früh in der ersten Schulstunde sieht man schon manches. Da kommt ein Kind angerannt, zu spät aufgestanden, na, nun hat es weder zum Waschen noch zum Zähneputzen gelangt. Hände sind nicht gewaschen, auch keine Fingernägel gereinigt. Das ganze Kind wimmelt von Bazillen, die es die Nacht über aufgenommen hat. Natürlich trifft die kleine Gretel nicht allein die Schuld. Mutti müßte am Abend sie anhalten, daß sie sich von Kopf bis Fuß gründlich mit warmem Wasser und Seife wäscht, dann kalt nachspült und Zähne putzt. Morgens 10 Minuten früher aufstehen, dann kann man sich noch mit kaltem Wasser Gesicht und Hände waschen. Zähne bürsten darf auf keinen Fall vergessen werden, denn die Bazillen der Mundhöhle wandern weiter in'den Körper. Beim Sprechen und Atmen gefährden sie auch in der Schule die Mitschüler. Daß die Kinder stets saubere Kleider und Wäsche anhaben sollen, ist eigentlich selbstverständlich. Sie brauchen und sollen keine Modepüppchen werden, nur sauber und ordentlich muß die Kleidung sein. Selbstverständlich ist auch, daß das Taghemd des Nachts lüftet, nicht etwa aus Faulheit unter dem Nachthemd oder Schlafanzug angelassen wird. Welch eine unsaubere schlechte Luft gebe das, am anderen Tag in einem Zimmer, in dem 40 bis 50 Kinder sind.
Oefter sieht man, besonders in den unteren Klassen, da hat doch die Hanna kein Taschentuch, geschwind wird das Röckchen genommen. Welche Gefahr für die andern. Der Nasenschleim trocknet, und lustig hupfen die Bazillen von Bank zu Bank. Sie machen einen Ringeltanz im ganzen Klassenzimmer. Wenn nun gar ein Kind Schnupfen oder Husten hat, so sollte es sich immer so drehen, daß kein kleinstes Tröpfchen eine Mitschülerin treffen kann. Trotzdem muß sie mit dem Taschentüchledn Mund und Nase abdecken. Etwas ganz Schlimmes kann man bei großen und kleinen Kindern öfter sehen. Es ist heiß, natürlich gibt es Durst. Die Emma springt zum Wassenkrahnen, trinkt ohne Becher direkt an der Oeffnung, das Liesele springt nach, trinkt genau so. Mariele will natürlich auch so trinken. Emma hatte schon etwas Halsweh, es war aber nicht schlimm. Aber am andern Tag, o weh, hatte sie Diphtherie. Kaum acht Tage später lagen auch das Liesele und Mariele an dieser heimtückischen Krankheit. So gibt es noch viele Bazillen, die diesen Weg gehen. Der Karl hat eine Tuberkulose, er weiß es selbst noch nicht, denn er hustet nur ein klein wenig. Er spuckt dann vielleicht schnell in den Gang, es sieht ja gerade niemand. 1000 und aber 1000 Bazillen wirbeln nachher dm Gang herum. Lehrer und Kinder sind nun in Gefahr vor der schlimmen Seuche. Wie viel kleiner könnten die Gefahren sein, wenn jeder daran dächte, ordentlich und sauber zu sein. Die Sauberkeit ist der Tod der Bazillen.
Dorothea Zöbelein, 13 Jahre alt. Darmstadt, Landwehrstraße 1.
Urnengräber gehören in manchen Gegenden zu den häufigsten Bodenaltertümern. Durch die Kunst des Präparators Frey des Amtes für Bodendenkmalpflege Darmstadt (Hessisches Landesmuseum) wurde diese Urne der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur aus der Gegend von Offenbach aus den Scherben wieder zusammengesetzt. Auch die drei Beigefäße, in denen der Tote Speise und Trank für das Jenseits mitbekommen hatte, mußten sorgfältig aneinander gekittet und die fehlenden Stücke durch Gips ersetzt werden. Bei der Entdeckung von Gefäßen bei Bodenarbeiten wird leider von Laien oft wenig vorsichtig zu Werke gegangen und dadurch großer Schaden angerichtet. Deshalb ist es unbedingt notwendig, den Fachmann zuzuziehen, dem es häufig gelingen wird, die Funde unbeschädigt zu bergen und dem Präparator viel Mühe und Arbeit zu ersparen. Text und Bild: t-s
Großbrand auf dem Friedensplat
Am Dienstagnachmittag brannte es auf dem Friedensplatz. Riesige Rauchwolken zogen über das Landesmuseum hin und die Feuerwehrbeamten standen interessiert um den Brandherd herum und sahen zu.
Ein paar Männer waren damit beschäftigt, kübelweise Oel und Benzin in die Flammen zu gießen, und wenn nicht anschließend mutige Sachverständige mit allerlei Löschgeräten an die Sache herangegangen vzären, dann hätte es ernst werden können, — wenn das Feuer nicht ein Trick gewesen wäre. Die „ Total-Werke“ aus Ladenburg am Neckar führten auf dem Friedensplatz ihre Feuerlöschgeräte vor. In einer Zeit, in der täglich sich die Meldungen über Brandkatastrophen mehren, scheint es angebracht, daß sich die Bevölkerung mit den Methoden der Brandbekämpfung vertraut macht.
Es gibt verschiedene Arten von Löschgeräten, die teils mit Wasser, Kohlensäure oder Schaum arbeiten. Während die Wasserlöschgeräte in der Hauptsache zur Bekämpfung von Bränden herangezogen werden, die ihre Ursache in der Entzündung von festen Stoffen, wie Holz, Papier oder Textilien haben, dienen die Tetralöscher zur Erstickung von Vergaserbränden bei Kraftfahrzeugen. Die Trockenlöscher hingegen, die mit einem Pulver die Brände zum Ersticken bringen, gelten als die Universalgeräte zur Feuerbekämpfung, da mit ihnen Brände fester, flüssiger und gasförmiger Körper bekämpft werden können. Selbst bei elektrischen Bränden, bei denen Wasser infolge seiner Leitfähigkeit ungeeignet ist, stellen sie die idealste Bekämpfungsmöglichkeit dar.
Die Kohlensäureschneelöscher arbeiten mit flüssiger Kohlensäure, die bei Verbindung mit Luft sich in schneeartige Flocken umwandelt und dem Feuer den Sauerstoff entzieht. Sie hinterlassen keinerlei Rückstände und sind somit besonders für Apotheken und Drogerien geeignet. Ebenfalls werden bei ihnen die sonst unangenehm empfundenen Wasserschäden vermindert. Die „Total-Werke“ führten an Hand verschiedenartiger Brandursachen, wie flammende Holzstöße, brennende Oel- und Benzinwannen, vor, wie ihre Spezialgeräte zur Bekämpfung von Bränden im Notfall eingesetzt werden sollen. st
Ansstellung „Gesundes Leben“
im Hygiene-Lichthof Darmstadt
Wir weisen noch einmal darauf hin, daß die von uns bereits angekündigte Eröffnung der Ausstellung „Gesundes Leben“ am Sonntag, 24. September 1950, im Hygiene-Lichthof, Darmstadt, Neckarstraße 3, eröffnet wird. Die Ausstellung steht unter dem Protektorat des Herrn Ministerpräsidenten Christian Stock. DT
Staatsrat Block 85 Jahre alt
Staatsrat Rudolf Block beging am 19. September seinen fünfundachtzigsten Geburtstag. Weit über den Kreis seiner ehemaliger^ Berufsgenossen, der Philologen, hinaus ist der Name Rudolf Block bekannt und hoch angesehen, namentlich unter den ehemaligen Lehrern aller Schularten im Auslande und unter denen, die noch heute den schweren Dienst an einer deutschen Schule im Ausland versehen. Staatsrat Rudolf Block ist, von einem schweren Unfall wieder völlig genesen, vor einigen Wochen nach Darmstadt zurückgekehrt.
Im Namen des Deutschen und des Hessischen Philologen-Verbandes überbrachte ihm gestern eine kleine Deputation die herzlichsten Glückwünsche der Verbände. Der Deutsche Philologen-Verband, den er einst, im Jahre 1904, in Darmstadt gegründet hatte, konnte zu seiner großen Freude im April dieses Jahres in Jugenheim a. d. B. wiedergegründet werden. An seinem Geschick nimmt er wie in früheren Jahren von der Warte seines hohen Amtes aus auch heute den lebendigsten Anteil. In der Heimat wie in der Ferne draußen gedachte seiner zu seinem Geburtstag ein weiter Kreis dankbarer Verehrer, die diesem großen Schulmann noch einen langen geruhsamen Lebenabend im Kreise seiner Lieben wünschen. K. L.
Nach 20 Tagen: Grundsteinlegung
Am Dienstagmorgen fanden sich auf der Baustelle des neuen Kreishauses in der Rheinstraße die Vertreter der Kreisverwaltung und der Stadt Darmstadt zu einer schlichten Feierstunde zusammen, um die Grundsteinlegung des neuen Verwaltungsgebäudes vorzunehmen.
Landrat Wink betonte in seiner Ansprache, daß erst am 16. Mai dieses Jahres der Kreistagsbeschluß zum Neubau des Hauses ergangen sei. Nach zwanzig Arbeitstagen sei der Bau so weit vorangeschritten, daß die Grundsteinlegung erfolgen könne. Nach vielen Jahrhunderten solle die eingemauerte Urkunde nachfolgenden Geschlechtern Kunde davon geben, wer die Erbauer, die Architekten und Planer gewesen seien. Außer den beigefügten Bauplänen wurde der Metallhülse eine Schrift hinzugefügt, die neben ver^ schiedenen Anlagen Aufschluß über „Drei Jahre Aufbauarbeit im Landkreis Darmstadt“ gibt, wie über die Verwaltungsgliederung, die wirtschaftliche Struktur und das allgemeine Gesamtbild des Kreises. Landrat Wink führte aus, daß er hoffe, daß diese Urkunde den Fundamenten nicht durch Kriegsgewalt oder Naturkatastrophen entrissen werden möge, sondern daß sie dereinst in einer fernen Zeit durch friedliche Umbauarbeiten zu Tage kommen möge.
Anschließend erfolgte die Verlesung des Textes der Urkunde, die dann von den Maurern in den Sockel des Hauses eingemauert wurde. Landrat Wink nahm den Hammer, um dem Stein die herkömmliche Weihe zu geben, und er gelobte, daß er, solange er Betreuer dieses ■Hauses sei, es zu einer Stätte sozialen Ausgleichs, zu einem Mittelpunkt kommunaler Selbstverwaltung und zu einem Hort der allgemeinen Wohlfahrt machen werde. Er wolle als untere staatliche Verwaltungsbehörde die höheren Interessen unserer hessischen Heimat wahren, und allezeit mit Wort und Tat für ein wiedervereinigtes, freies und demokratisches Deutschland eintreten.
Regierungsdirektor Kuhn gab dann der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Gebäude ferneren Generationen in Frieden und Wohlstand dienen möge. Oberbürgermeister Metzger erklärte, daß das neue Kreishaus in der Rheinstraße die enge Verbindung zwischen Stadt und Kreis betonen soll, und daß es als ein Zeichen dafür zu gelten habe, daß der Geist des Friedens und der Zusammenarbeit in der Verwaltung einzieht. Der verantwortliche Architekt Crößmann sprach Worte des Dankes und der Hoffnung, daß der begonnene Rohbau auch unter den gesetzten Verhältnissen seinen guten Abschluß finden möge. Die gutfundierte Grundlage gäbe die Gewähr, daß das fünfstöckige Bauwerk mit zu einem der repräsentativsten Gebäude Darmstadts werde.
Landrat Wink schloß die Feierstunde mit seinem Dank an all diejenigen, die mitgeholfen haben, das Bauprojekt in die Tat umzusetzen. hfl
Wenn die Krokodile links auf dem Hügel über die Brücke kriechen würden, oder die bösartige Schlange käme näher an das Schaufenster heran, dann würden sich nicht nur die Kinder die Nasen an dem Glas platt drücken, sondern es gäbe einen Kampf mit den Eisbären, und die Elefanten zerträten die schön geschwungene Pagode... wenn nicht alles aus Marzipan, Zuckerwerk und Schokolade wäre. Ein Herr Konditormeister kam auf die grausig-süße Idee, und bereitet den kleinen und großen Leuten gleichmäßig viel Freude, die an dem Haus der Rheinstraße 32 am Tage vorbeigehen. Die Schweinchen im Hintergrund mögen dem Haus und den Zuschauenden viel Glück bringen. Sp. Foto: Hemme
Reifeprũfung
der Wirtschaftsoberschule
Die erste Reifeprüfung nach dem Kriege fand jetzt an der Wirtschaftsoberschule (Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung) statt.
Nach einem 7tägigen schriftlichen Examen haben sich gestern alle Kandidaten der mündlichen Prüfung unterzogen. Von den 20 Prüflingen haben 11 mit „gut“, 8 mit „befriedigend“ und einer „ausreichend“ bestanden.
Die offizielle Entlassungsfeier findet am Mittwoch, dem 20. September um 10.30 Uhr in der Aula der Schule (Stiftstr. 32) statt.
Ludwigs-Realgymnasium
feiert Schulfest
Das Ludwigs-Realgymnasium Darmstadt (die frühere Ludwigs-Oberschule für Jungen und ehemalige Ludwigs-Oberealschule) veranstaltet am 22. und 23. September 1950 erstmalig nach dem Kriege ein Schulfest. Am Freitag, dem 22. September, werden nachmittags ab 13.30 Uhr auf dem Sportplatz hinter dem Woog leichtathletische Wettkämpfe ausgetragen. Den Mittelpunkt des Festes bildet das gesellige Beisammensein von Schülern, Eltern und Lehrern der Anstalt, das am Sonnabend, dem 23. September, im Saale des Gasthauses „Zum weißen Schwan“ in Darmstadt-Arheilgen stattfindet. Es soll wie folgt verlaufen: von 16 bis 19 Uhr Darbietungen der Schüler, ab 20 Uhr Tanz.
Zu der Veranstaltung werden besonders die ehemaligen Schüler des Ludwigs-Realgymnasiums, der früheren Ludwigs-Oberschule für Jungen und der ehemaligen Ludwigs-Oberrealschule herzlich eingeläden.
„Freiheit“
2. Ev. Landesmännertag für Hessen und Nassau
Unter dem Motto „Freiheit“ treffen sich am Sonntag, dem 15. Oktober 1950, in Frankfurt die evangelischen Männer Hessens zu einer großen Kundgebung. Nach den Gottesdiensten sprechen am Vormittag bekannte Redner in Sondertagungen für Arbeiter (Von der Freiheit des Menschen im Zeitalter der Masse), für geistig Schaffende (Die Liebe als Begründung und Begrenzung der Freiheit) und für die junge Generation (Die Freiheit der Gefangenen). Die Großkundgebung des Nachmittags ist in das Haus der Technik auf dem Messegelände gelegt, wo zum Gesamtthema Bischof D. Dibelius (Berlin), Bundesinnenminister Dr. Heinemann, Kirchenpräsident D. Martin Niemöller und Professor Dr. J. Bodensieck (USA), der Beauftragte für Europa der Flüchtlingshilfe des Lutherischen Weltbundes sprechen werden. Frankfurter Kirchenchöre und Chöre des Ev. Posaunenwerkes werden bei der Kundgebung am Nachmittag mitwirken, für die Männer, die am Vormittag an keiner Sondertagung teilnehmen, sind Stadtrundfahrten und Besichtigungen unter sachkundiger Führung eingerichtet.HWW
Pkw. überschlug sich
In den Mittagsstunden des gestrigen Tages ereignete sich auf der Bundesstraße 37 zwischen Hirschhorn und Eberbach ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Pkw aus Dillingen-Donau fuhr mit derart hoher Geschwindigkeit, daß er ins Schleudern geriet und sich mehrere Male auf der Straße überschlug. Die Ehefrau des Fahrers wurde so schwer verletzt, daß mit ihrem Ableben gerechnet wird. Der Fahrer selbst blieb unverletzt. DT
Lkw. stürzte Böschung hinunter
In der Nähe der Tankstelle Lorsch an der Autobahn stürzte gestern um 1.30 Uhr ein Lkw aus Ehringen beim Zurückstoßen eine 10 m hohe Böschung, die der Beifahrer als Wiese angesehen hatte, hinunter. Es entstand leichter Sachschaden.
In der Stadt notiert
Kriminalkommissar Georg Riesling aus Darmstadt wurde mit Wirkung vom 1. September 1950 zum stellvertretenden Leiter der Kriminalinspektion beim Regierungspräsidium Darmstadt berufen. Er tritt damit an die Stelle von Kriminalkommissar Bayer, der nach dem Ausscheiden von Kriminalrat i. R. Weidmann vor einigen Monaten die Leitung der Dienststelle übernommen hat. wst.
Zu einem Verkehrsunfall kam es gestern morgen gegen 10.35 Uhr an der Kreuzung Hobrechtstraße und Roquetteweg. Dort stießen ein Motorradfahrer und ein Lastkraftwagen zusammen. Es gab einigen Sachschaden. Eine Person wurde bei dem Zusammenstoß verletzt und mußte in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Gestern vormittag ereignete sich im Roquetteweg ein Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und einem Auto. Der Motorradfahrer wurde leicht verletzt. Es entstand Sachschaden.
Das Cafe-Restaurant C. Weicker in Darmstadt-Arheilgen, Darmstädter Straße Nr. 73, konnte vor einigen Tagen in seine neuen Räume im Vorderhaus umziehen.
WIE-WIRD-DAS-WETTER
Unbeständig
Vorhersage: Am Mittwoch bewölkt und zeitweise Regen; unverändert kühl, westliche Winde.
Weitere Aussichten: Unbe¬ ständig.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Heaghaus: Hausfrauenbund Darmstadt, 15.30 Uhr, Frau Händel spricht über: Neu-Gebiet (kostenfreie Verlosung des gezeigten Schaumaterials).
Deutscher Akademikerinnenbund: Herd¬ weg 86, II: 20 Uhr, Diskussion über Feststellung der Beeinflussung der öffentlichen Meinung.
Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr, Gastspiel des Zimmertheaters Heidelberg: „Die glücklichen Tage“, Komödie von Claude Andre Puget.
Stadthalle: 20 Uhr, Kultur- und Konzertensemble vom Radio Berlin und Deutschlandsender.
Techn. Hochschule: 19.30 Uhr, Raum 163 „Abenteuer des Wissens“, Dankalia, unbekanntes Nordostafrika, Farbfilm mit Vortrag.
Vereinigung der Flüchtlinge und Ge¬ schädigten aus der Sowjetzone: Fachschule für Wirtschaft, Stiftsstraße2 19.30 Uhr: Zusammenkunft und Bericht. f
Wir gratulieren
25jähriges Arbeitsjubiläurn beim Lan¬ destheater: Herrn Kammermusiker Fritz Model und Michael Mayer und die beiden Mitglieder der technischen Abteilung Karl Becker und Karl Knopf.
Das Bauernhäus'qhen am Residenzschloß
Blickte man vor dem 12. September 1944 vom Friedensplatz aus nach der Nordfassade des Schlosses, so blieb das Auge unwillkürlich an einem putzigen Bauwerk hängen, das sich wie ein Spielzeug in das mächtige Mauerwerk einfügte und fast den Eindruck erweckte, als befinde es sich nur widerwillig an dieser Stelle. Heute sieht man nur noch schwach die Konturen.
Man nannte es das „Bauernhäuschen“, das nach der Sage einer armen Witwe gehörte, bevor dieser Teil des Schlosses erbaut wurde. Der Baumeister, dem das kleine Gebäude in seine großzügigen Pläne nicht paßte, bestimmte das Häuschen zum Abbruch, denn er dachte, leicht mit der Witwe um einen guten Preis einig zu werden. Er hatte sich aber verrechnet. Trotz höchsten Angebotes verweigerte die alte Frau den Verkauf mit der Begründung, daß hier ihre Eltern und Großeltern geboren und gestorben seien, sie daher auch als letzter Sproß dereFamilie darin ihr Leben beschließen
wolle. Als nun der Baumeister Gewalt anzuwenden drohte, wurde das empörte Weiblein bei dem gutherzigen Landgrafen vorstellig, der in Würdigung der vorgebrachten Gründe verfügte, daß das Häuschen unverändert in die Schloßmauer'einzubauen und der Eigentümerin auf Lebenszeit zur Benutzung zu überlassen sei. Und so blieb es auch nach dem Tode des Frauchens unverändert an der gleichen Stelle.
So nett und stimmungsvoll nun auch diese Sage als ein Beweis landgräflichen Rechtsgefühls klingt, so findet sie doch weder in den Bauakten des im Laufe der Zeit wiederholt umgebauten Schlosses einen Anhaltspunkt, noch sonst in anderen mit dem Schloß zusammenhängenden Urkunden. Möglicherweise ist die Sage eine Parallele zu der Geschichte der Mühle von Sanssouci, die ebenfalls nicht auf eine geschichtliche Wahrheit zurückzuführen ist, sondern auch nur einen freundlichen Beweis von dem Gerechtigkeitssinn des Alten Fritz bedeutet.
Ueber die tatsächliche Entstehung des Bauernhäuschens bestehen verschiedene Mutmaßungen. Einige Forscher meinen, es handele sich um einen Erker, der von dem in den Jahren 1559 bis 1564 durch den Landgrafen Ludwig, einen Sohn Philipps des Großmütigen, errichteten Schloßbau übriggeblieben sei. Diese Ansicht wird darauf gegründet, daß in den Bauakten aus dem Jahre 1668 das „Alte Schlößchen“ erwähnt wird, für dessen Dach Reparaturkosten eingesetzt sind. Wahrscheinlicher klingt die Meinung, daß es sich um einen Taubenschlag handelt, insbesondere deshalb, weil zu Zeiten viele Tauben im Schloß gehalten wurden, wie z. B. aus einer Rechnung des Jahres 1580 unter Georg I. hervorgeht. Danach wurden verausgabt: „5 Malther Gerste vor die Haustauben im Schloß. 6 Malther Sticken vor die Tauben im Schloß, 1 Simmer 2 Kumpf Haidekorn vor die weißen Turteltauben“.
Man kann sich tatsächlich auch ganz gut vorstellen, daß sich einst an dem Häuschen der Ausflug für Tauben befunden haben mag, als es noch nicht von der höheren Schloßmauer überragt wurde, den Tauben verlangen ja stets den höchsten Teil eines Hauses als Wohnung, und würden kaum mitten aus der Hauswand ausgeflogen sein.
Sollte auch diese Vermutung nicht richtig sein, so bleibt als einzige Erklärung, daß der Bau auf den sinnigen Einfall des Landgrafen zurückzuführen ist, oder auch vielleicht eines Baumeisters, der sich so ein scherzhaftes Denkmal setzen wollte. H. K.
STARKENBURG
Nächste Woche:
Autospringer-Prozeß
Am kommenden Montag beginnt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor For c h der mit Spannung erwartete sogenannte „Autospringer-Prozeß“. Angeklagt sind insgesamt zehn Personen. Sie gehörten zum Teil zu jener gefährlichen Autospringerbande, die in den vergangenen Monaten auf den Landstraßen zwischen Aschaffenburg, Darmstadt und Mannheim ihr Unwesen trieb und zahlreiche Lastkraftwagen während der Fahrt ausplünderte. Der Rest der Angeschuldigten hat sich als Abnehmer der Diebesbeute wegen Hehlerei zu verantworten. Der Prozeß, dem ein umfangreiches Ermittlungsverfahren vorausging, wird mehrere Tage andauern. wst.
Gescheitertes Unternehmen
Landestheater sagt Heppenheimer Gastspiel ab
• Das Landestheater Darmstadt hat sich gezwungen gesehen, die für den 20. 9. in der Festhalte zu Heppenheim vorgesehene Veranstaltung „Der Wildschütz“ endgültig abzusagen, nachdem die Rentabilität des Gastspiels weder durch den Vorverkauf noch durch Verhandlungen mit der Kulturgemeinde auch nur annähernd sichergestellt werden konnte. DT
Bettler mit langen Fingern
Wie erst jetzt bekannt wird, stahl in Biblis ein Bettler aus einer Wohnung 395 DM. die in dem Küchenschrank aufbewahrt waren. Die Geschädigte, Frau K. Schulte, die gerade in einem anderen Raum ihrer Wohnung beschäftigt war, bemerkte, als sie den Hausflur betrat, daß ein Bettler aus ihrer Küche heraustrat. Dieser bat um ein Stück Brot und verlies das Haus. Etwa 3 Stunden später stellte der Ehemann' der Geschädigten den Verlust des Geldes fest. Der Täter wird wie folgt beschrieben: etwa 35 Jahre alt, 1,65 Meter groß, schwarze Haare, Hinterhauptglatze. Kleidung: Uniformjacke (feldgrau). Uniformhose (Fliegerhose), dunkelgrauer Hut. saubere Kleidung. Führt einen Luftwaffenrucksack mit. HB
Beim Obstpflüũcken verunglückt
In Stock sta d t verunglückten zwei Männer, die mit der Obsternte beschäfftigt letzungen in das Krankenhaus eingeliefert werden. Während der eine der beiden Verunglückten, dem beim Aepfelpflücken die Leiter abrutschte, sich das Bein brach, als er aus geringer Höhe absprang, trug waren. Beide mußten mit erheblichen Verder auf dem Hofgut Guntershausen mit der Birnenernte beschäftigte Arbeiter F. Graulich einen Schlüsselbeinbruch und mehrere Rippenbrüche davon, als unter seinen Füßen ein Ast wegbrach. Kr.
Termin „Kristallnacht“
Vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt begann dieser Tage wieder ein Prozeß, der die Judenprogrome von 1938 zum Gegenstand hat. Angeklagt wegen schweren Landfriedensbruchs sind zwei Männer aus Groß-Umstadt. Ludwig V. und Johann August F. werden beschuldigt, an den Ausschreitungen in Groß-Umstadt beteiligt gewesen zu sein. Zeugen, die kurz nach dem Zusammenbruch klare und unmißverständliche Aussagen zu Protokoll gegeben haben, schwächten diese in der Verhandlung merklich ab. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt und voraussichtlich zu Ende geführt, wst.
Bauholz zu Heizzwecken
Unbekannte Täter entnahmen in einer der letzten Nächte, vermutlich um auf diese Weise zu billigem Brennholz zu kommen, von einer Baustelle am nördlichen Stadtrand von Heppenheim etwa 80 qm Verschalbretter. Die Bretter wurden mit Gewalt aus ihren Verschalungen herausgerissen. Die polizeilichen Untersuchungen sind noch im Gange. HB
GEW tagt in Erbach
Die Gc zerkschaft Erziehung und Wissenschaft des Kreisverbandes Erbach i. O. führt heute nachmittag im Schützenhof die diesjährige Jahreshauptversammlung durch. Als Redner konnten Regierungsschulrat Plewe und Karl Schäfer, Schriftleiter der „Hessischen Lehrer-Zeitung“, verpflichtet werden. Die Tagesordnung sieht Rechenschaftsberichte und die Vorstandswahl vor.
Tumult im WolfskehlenerGemeinderat
Gemeinderäte gerieten sich wegen der Abstimmung über den Gehalt des Bürgermeisters in die Haare
Schon in der vorletzten Gemeinderatssitzung stand die Aenderung der Hauptsatzung auf der Tagesordnung. Infolge von Meinungsverschiedenheiten der einzelnen Fraktionen konnte diese jedoch nicht durchgeführt werden.
In der Sitzung am vergangenen Samstag stand nun abermals dieser Punkt zur Debatte. In der Hauptsache sollte die Neufestsetzung der Dienstbezüge des Bürgermeisters, des Beigeordneten und des Kassenrechners vorgenommen werden. Der Sprecher der CDU schlug vor, von dem für die Bürgermeister im Staatsanzeiger Nr. 18 festgesetzten Höchstsatz nur 80 Prozent zu zahlen, da dem Bürgermeister noch zwei Angestellten zur Verfügung stehen. Um den Fraktionen nochmals Gelegenheit zu geben, sich über die Regelung der Dienstbezüge auszusprechen, wurde die Sitzung für fünf Minuten unterbrochen.
Nach Wiederbeginn wurde von Gemeinderat Steiger (SPD) ein Antrag eingebracht, dem Bürgermeister nicht 80 Prozent, sondern 90 Prozent, von dem für die Bürgermeister festgesetzten Höchstsatz zu zahlen. Mit den Stimmen der KPD und SPD wurde dieser Antrag gegen die Stimmen der CDU angenommen.
Auf Grund verschiedener Aussprachen über diese Abstimmung gerieten plötzlich zwei Gemeindevertreter in einen heftigen Wortwechsel, der beinahe zu Tätlichkeiten ausgeartet wäre, wenn nicht Bürgermeister Hammann den einen zur Ruhe ermahnt hätte.
Hiernach wurden noch die Dienstbezüge des Beigeordneten und die des Kassenverwalters einstimmig festgelegt.
Die inzwischen wieder friedlich gewordene Gemeindevertretung beschloß ferner, daß die Sprechstunden der Gemeindekasse zukünftig Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr sein sollen.
An einem Lehrkursus für Gemeindevertreter in Lindenfels nehmen zwei Ratsmitglieder teil.
Ein Antrag des TSV 03 Wolfskehlen auf Gewährung eines zinslosen Darlehens in Höhe von 400 DM zwecks Errichtung eines Umkleideraumes auf dem Sportplatz wurde bis zur Verabschiedung des Haushaltsplanes zurückgestellt. -od-
Ortsjugendring-Gründung
in Nauheim
Im Sitzungssaal der Bürgermeisterei Nauheim fand am Montagabend die erste Vollversammlung des bereits vpr zwei Jahren provisorisch gegründeten Ortsjugendrings statt. Bei der Wahl des endgültigen Vorstandes wurde Herr Jungblut (Vertreter der „Falken“) zum 1. Vorsitzenden gewählt. Weiterhin wurden Herr Scharnagel (Vertreter der „Jungen Union“) zum stellvertretenden Vorsitzenden. Herr Mischlich (Vertreter der Volksschule) zum Schriftführer und Herr S ü nn e r und Fräulein Schmidt (Vertreter des sportlichen Lebens) zu Beisitzern berufen. Die vom vorläufigen Vorstand ausgearbeitete Satzung fand in der vorgelegten Form einstimmige Annahme.
Als Hauptaufgabe für die kommende Zeit wird der Ortsjugendring einige vielversprechende Probleme zu lösen versuchen. So wurde als wichtigstes der Bau eines Schwimmbades, der schon vor zwei Jahren geplant war. erneut in den Vordergrund gerückt. Ebenso soll eine Jugendbücherei eingerichtet und eine örtliche Laienspielschar zusamengestellt werden.
Für die kommende Winterzeit will man eine Eis- und Wintersportbahn bauen, wofür schon geeignetes Gelände vorhanden ist. Dieses Projekt soll nach Möglichkeit noch für die diesjährige Wintersportzeit verwirklicht werden. Der Vorstand wur^R ermächtigt, hierzu einen Antrag an den Gemeinderat zur Geländeabgabe (10 Morgen Wiesen) zu stellen, worüber aller Voraussicht nach im Laufe der kommenden Woche bereits entschieden wird. Bürgermeister Schad, welcher bei der Sitzung anwesend war. sagte seine Unterstützung in jeder Weise zu. KB
Ehrentag der„Musica sacra“
Bezirkssingen der katholischen Kirchenchöre in Hirschhorn
Am Sonntag findet in Hirschhorn das diesjährige Bezirkssingen der katholischen Kirchenchöre im Dekanat Heppenheim, Bezirk Odenwald, statt.
Im Gegensatz zu den Wertungssingen upd Sängerwettstreiten weltlicher Chöre ist dieses jährlich sich wiederholende Bezirkssingen nicht Wettbewerb, sondern Ausdruck dessen, was während der abgelaufenen zwölf Monate gelernt und verbessert wurde. Es soll vor allem Schulungsgrundlage sein, wobei ein Chor vom anderen zu lernen, der Musica sacra zu dienen und daraus Nutzen zu ziehen bestrebt ist.
Auch in diesem Jahre hat man Palestrinas „Missa iste confessor“ als gemeinsam zu singendes Werk beibehalten und gegenüber dem Vorjahre lediglich die Verteilung der einzelnen Parts geändert. Das Bezirkssingen selbst wird im Rahmen eines feierlichen Hochamtes stattfinden, bei dem der Birkenauer Chor die Asperges singt; den von W. Waldbroel polyphon gesetzten Introitus bringt Mörlenbach, das Kyrie singt Fürth und das Gloria mit seinem ausschwingenden Höhepunkt Aschbach.
Vor dem von allen Chören gemeinsam gesungenen Predigtlied nach einem Satz von Weber wird wieder Birkenau das Alleluja erklingen lassen. Hirschhorn singt das Offertorium und zusammen mit Waldmichelbach auch das Sanctus; den Abschluß bilden Fürth mit dem Benedictus, Aschbach mit dem Communio, Mörlenbach mit dem Agnus Dei I und Waldmichelbach mit dem fünf stimmigen Agnus Dei 11. Das Aussetzungslied wird von Unter-Flockenbach und das Tantum ergo von Weiher gegeben. Zum Abschluß des eigentlichen Hochamtes bringen alle Chöre gemeinsam das deutsche „Ave, o Fürstin mein“.
Mit der Wahl bzw. Wiederwahl dieses Werkes von Palestrina, des einstigen Erneuerers und Reinigers der Kirchenmusik, der sie vor allem von den ausgangs des 16. Jahrhunderts übertrieben vorherrschenden .Liebesgesängen befreite, hat man bewußt eine strenge, trotzdem verklärende Linie der Uebungsarbeit eingeschlagen, die überdies nachmittags in der um 13 Uhr in der Stadtkirche beginnenden Aussprache gedanklich verbreitert und vertieft werden soll.
Die Gesamtleitung des Bezirkssingens liegt in Händen des Diözesanmusikdirektor Heinrich Rohr (Mainz). Dekanatspräses Dekan Dr. Hattemer (Viernheim) wird neben zahlreichen weiteren, an der Musikpflege interessierten Gästen anwesend sein. Im Anschluß an diese Besprechung, an der alle Sängerinnen und Sänger teilnehmen sollen, findet in der Karmeliterkirche eine Marienandacht statt, bei der weitere Chorgesänge dargeboten werden. (—r)
Schlecht besuchte Konzerte in Grbach
Wilhelm Stri en z, der unbestreitbar zu den volkstümlichsten Könzertsängern Deutschlands zählt, vermochte bei seinem Gastspiel in Erbach derinoch nicht die Festhalle zu füllen. Von Franz Se m - back am Flügel begleitet sang er eine ebenso umfangreiche wie vielseitige Vortragsfolge mit Arien aus der „Zauberflöte“, „Simone Boccanegra“, der „Verkauften Braut“, und den „Lustigen Weibern“. Einige Balladen von Karl Loewe leiteten über zu vier Liedern aus „Pierrot lunaire“ von Kowalsky und schließlich zu dem eigentlichen Strienz-Teil mit volkstümlichen Weisen, die diesmal sogar bis zu Cowboyliedern reichten. Mit einigen guten alten Bekannten als Zugabe befriedigte Wilhelm Strienz seine beifallsfreudigen Zuhörer.
Gleichzeitig fand in der Ev. Stadtkirche eine Kirchenmusikalische Feierstunde mit der Leipziger Solistenvereinigung statt. Hier ließ der Besuch leider noch mehr zu wünschen übrig. Die fein ausgewählte Vortragsfolge und auch die Leistungen der Leipziger Gäste hätten mehr Beachtung verdient. Stadtpfarrer Hahn flocht in das Programm einige Schriftworte ein.
Höhepunkt und Ausklang der Bergsträßer Feste
Eine Vorschau auf den Heppenheimer Bauerntag vom 30. September bis 8. Oktober
Wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe kurz berichteten, fand am Dienstagnachmittag im Winzerkeller in Heppenheim eine Pressekonferenz statt, bei der der Heppenheimer Bauerntag vom 30. September bis 8. Oktober Besprechungsgegenstand war.
Neben dem Gastgeber, Bürgermeister Holzamer, waren die Herren Dr. Winter, Marx und Peters erschienen, um den anwesenden Journalisten der hessichen und nordbadischen Zeitungen über den Verlauf des Festes eingehende Informationen zu vermitteln. Zunächst gab Herr Marx einen Überblick über die geplante Werbe- und Industrieschau, an der sich nicht nur Heppenheimer, bzw. Bergsträßer Firmen beteiligen werden, sondern vor allem auch Firmen aus der gesamten Bundesrepublik, insgesamt 100 bis 120. Es sollen teilweise neueste, bisher nur aus der Wochenschau bekannte Maschinen und Geräte gezeigt und vorgeführt werden. Die Ausstellung, die auf dem Sportplatz am Schwimmbad aufgebaut wird, umfaßt räumlich drei Hallen. Eine Halle wird als Restaurationszelt mit Tanzfläche bei einem Fassungsvermögen von über 1000 Personen Schaupatz künstlerischer Darbietungen im Laufe der Festwoche sein. U. a. ist eine Modenschau geplant. Im Weindorf dagegen soll vor allem der historische Charakter gewahrt werden.
Dr. Winter gab im Anschluß an diese Ausführungen eine Vorschau auf den Festzug, der nicht in dem bisher üblichen Charaker gestaltet werden soll, sondern ein Teil des großen Festspiels sein wird, dem eine wahre historische Begebenheit zugrunde liegt. Hiernach veranstaltete einst der römische Kaiser Joseph auf Einladung des Mainzer Kurfürsten in dessen Wildpark im Lorscher Wald eine große Jagd. Die Rekonstruierung dieser geschichtliehen Ereignisse beginnt damit, daß am Samstag die elektrische Straßenbeleuchtung Heppenheims abgeschaltet wird; altertümliche Oellampen werden sie ersetzen. Sodann werden Herolde das Herannahen der königlichen Jagdgesellschaft verkünden.
Die Zünfte werden sich auf dem Marktplatz versammeln, teilweise zum Empfang des Königs in Richtung Lorsch ziehen, teilweise der Königin, die aus Richtung Heidelberg erwartet wird, entgegengehen. Lautsprecher werden durch Reportagen das Publikum laufend über die Vorgänge unterrichten, bis der Zug der Jagdgesellschaft von Westen, der der Königin von Süden nach dem Marktplatz ziehen werden, wo ein großes Huldigungsspiel stattfindet.
Die Bühne für dieses Festspiel wird also gleichsam vom Heppenheimer Postamt bis zum Marktplatz reichen, wo ein Podium aufgeschlagen wird. Die etwa 300 Kostüme, die zu diesem Spiel benötigt werden, sollen entweder aus eigenen Beständen beschafft bzw. vom Staatstheater Wiesbaden entliehen werden.
Mittelpunkt des Bauerntages wird der romantische Staatshof sein, wo ein Weindorf und eine große Tanzfläche auf geschlagen werden. Auch das bis dahin fertiggestellte Spritzenhaus, der Kurfürstensaal und die Jugendherberge werden einbezogen.
Wie Bürgermeister Holzamer erklärte, soll das Fest in volkstümlichem Rahmen gehalten und die Preise so niedrig wie möglich angesetzt werden. Eine Festschrift, Abzeichen u. a. werden selbstverständlich für die Festwoche werben. Das Programm erweitert sich täglich: Den Beschluß des Samstagabend bilden eine Burgbeleuchtung und ein Brillantfeuerwerk. Am Sonntagabend findet ein Bauernabend unter Mitwirkung von Wolf Schmitt und den drei Nickels in der Stadthalle statt. Verschiedene Tagungen, wie z. B. der Hessische Gemeindetag, die Vorstandstagung der Innungen der Handwerker u. a. werden im Verlaufe der Woche abgehalten.
Radio Frankfurt wird voraussichtlich am 27. September, abends, eine Reportage über die Weinlese an der Bergstraße bringen. Auch Radio Stuttgart berichtet von der Metropole des Bergsträßer Weinbaus. Nicht zuletzt sei erwähnt, daß der übliche „Rummelplatz“ wieder in den Stadtanlagen sein wird, aber auch hier soll eine dem allgemeinen Niveau angepaßte Auswahl bezüglich der Schausteller getroffen werden. H. B.
Erregte Zwischenfälle im SKchafheimer Forum
Tumultszenen in der ersten Versammlung des Winterhalbjahres Wahl eines neuen Vorstandes
Vor Beginn der eigentlichen Forumversammlung wurde Herrn Uhrig vom Verkehrsamt Aschaffenburg Gelegenheit gegeben vor den Schaafheimern für den Besuch des Aschaffenburger Theaters zu werben. Herr Rektor Darmstädter erbot sich, aus den Reihfen der Lehrerschaft einen örtlichen Mitarbeiter zu stellen und glaubte auch genügend Beteiligung an den Theaterbesuchen zusagen zu können.
Anschließend eröffnete Herr Dann als Sprecher die erste Versammlung des Winterhalbjahres: In einem Rückblick auf die letzte Veranstaltung wurde der Gemeinde Dank ausgesprochen für die Aufnahme des Vorschlages, die Grundgebühren des Wassergeldes zu überprüfen, um besonderen Härtefällen Rechnung zu tragen. Zu örtlichen Schulfragcn übergehend wurde die Raumfrage diskutiert, wobei ein Vorschlag des Rektors, angrenzend an das neue Schulgebäude einen Turnsaal mit zwei darüberliegenden Schulsälen in Selbsthilfe durch Mitwirken von Eltern- und Lehrerschaft zu errichten, allgemeine Beachtung fand.
Im folgenden gab Herr Dann nach einem Hinweis auf die seinerzeit im Forum gefaßte Resolution über körperliche Strafen in der Schule einen Bericht über die Behandlung und Beurteilung eines Falles von körperlicher Züchtigung in der Schaafheimer Schule durch die vorgesetzte Schulbehörde, wobei die klare und demokratische Einstellung von Schulrat Schmidt besondere Würdigung fand. Eingeleitet durch Zwischenrufe des Herrn Rektors, verschärft durch seine untolerante Haltung gegenüber Gegenrednern aus der Elternschaft entwickelten sich heftige Streitreden, die sich bedauerlich weit von der Linie demokratischer Diskussionen entfernten.
Das die Ausflüchte und Rechtfertigungen des Rektors kommentierende anfängliche Gelächter ging in „Pfui“-Rufe und die Aufforderung: „Schmeißt ihn raus“ über, als dieser in beleidigender Form sich an sein Lehrerkollegium wandte und sich gegenüber einem Lehrer, der sich allgemeiner Wertschätzung erfreut, eine außerordentliche Taktlosigkeit zuschuldenkommen ließ. Ein Vorschlag, die Eltern zum Besuch der Schulstunden einzuladen, verlor sich in der allgemein erregten Stimmung.
In ruhiges Fahrwasser führten die sachlichen Ausführungen von Lehrer Borsch, Dieburg, zurück, der die Absicht' vertrat, Schaafheim zu einem Stützpunkt der Erwachsenenbildung zu machen. Nach einem Ueberblick über die vorgesehenen Themen und Fortbildungsmöglichkeiten ergab sich in der weiteren Diskussion die Bereitschaft zur Mitarbeit sowohl des Ehepaares Professor Geißler als auch des Museumsleiters Nowotny. Die Bildung eines örtlichen Organisationsausschusses wurde besprochen und dankbar der Bereitschaft der Gemeindeverwaltung gedacht, die bereits die Zurverfügungstellung des Gemeindesaales zugesagt hatte.
Zur Frage „Wohnraumlenkung“ war ein Referent leider nicht, wie vorgesehen, erschienen. Die Schulspeisung erörternd, sprach man sich allgemein für die Beibehaltung dieser Einrichtung in der bisherigen Form aus.
In der Vorstandswahl nahmen von zahlreichen Nominierten lediglich die Herren Dann, Eduard Roth, Sander sowie Wilhelm Sauerwein und Georg Muhl an. Vor Leerung des voll besetzten Saales gab Sprecher Dann seinem Bedauern über die unerfreulichen Zwischenfälle Ausdruck und sprach sich nicht von Schuld frei. j 0
Schwimmbad ohne Schatten
. Seitdem der Gemeinderat in Crumstadt in seiner letzten Sitzung beschlossen hat den nahezu 100 jährigen Nußbaum —den Schattenspender des schönen Schwimmbades von Crumstadt —zu verkaufen ziehen die Crumstädter lange Gesichter und stehen im Gegensatz zu ihrem Gemeinderat, der die Zwecklosigkeit des vielumstrittenen Baumes im Rahmen einer Ortsbegehung festgestellt haben will. Am Gemeinderatsbeschluß ist nichts zu ändern, und der Baumkäufer hat bereits einen größeren Betrag als Anzahlung an die Gemeindekasse geleistet. Im nächsten Jahr wird daher nicht nur der alte Nußbaum den Badenden als Schattenspender fehlen, sondern vielmehr und das ist bedauerlich — das Panorama um das Schwimmbad gestört sein. Interessant ist jedoch, nach Schließung des Bades, ein Blick über die diesjährigen Einnahmen. Sie belaufen sich auf rund 1500 DM, wobei zu bemerken ist, daß die Gemeindeverwaltung seinerzeit geringfügigste Beträge als Eintrittspreise festgelegt hatte. Kr.
Neuer Weg der Schulreform
Das Education Service Center in Jugenheim führt am 28. und 29. September in Verbindung mit dem Arbeitskreis für praktische Schulreform eine Tagung für das Arbeitsmittel in der Volksschule durch. Zweck der Tagung ist, aktiv Mitarbeiter zu sammeln, die Arbeit am Arbeitsmittel auf gemeinsame Grundlagen abzustimmen, eine Arbeitsteilung in der Herstellung der Arbeitsmittel zu erzielen und die Möglichkeit der Vervielfältigung und Drucklegung zu klären. Die Teilnehmer werden Arbeitsmittelserien für die verschiedenen Stoffgebiete aus der eigenen Praxis vorführen. hl.
Schumacher gegen Ledervertenerung
Die Schuhmacher des Kreises Groß-Gerau trafen sich am Montagnachmittag zu einer Innungsversammlung, die von Obermeister Pöhler, Wolfskehlen, geleitet wurde; auch Landesinnungsmeister Hübner, Darmstadt, war bei der Versammlung zugegen. Die Schuhmacher nahmen hierbei Stellung gegen die Verteuerung des Leders, stellten jedoch fest, daß sie gezwungen seien, bei ihrer Preisgestaltung den erhöhten Lederpreisen Rechnung zu tragen. Es wurde schließlich eine Resolution gegen die Erhöhung der Lederpreise angenommen. Einem Bericht über den Verbandstag in Kassel folgte der Hinweis, daß der nächste Verbandstag im Jahre 1952 in Rüsselsheim stattfindet, da in jenem Jahre die Schuhmacher-Innung des Kreises Groß-Gerau seit 270 Jahren besteht.
Ast die Glüũhlampe ũberlebt?
Obermeister Weiß, Rüss«flsheim, leitete am Montagnachmittag in Groß-Gerau eine Versammlung der Elektroinnung, zu der auch Geschäftsführer Böntgen vom Landesverband gekommen war. Man besprach allgemein die Marktlage im Elektrohandwerk. Der Verkauf von Radiogeräten direkt von der Fabrik aus wurde scharf kritisiert.
Weiterhin wurde die Meinung geäußert, daß das Zeitalter der Glühlampe wohl im wesentlichen überlebt sei und die Zukunft der Leuchtröhre gehören wird. In der nächsten Sitzung, die Ende November stattfinden soll, will man die Ausführungen eines Leuchtröhren-Fachmannes hören. (eg)
DRK-Suchnmeldungen
des Kreisverbandes Groß-Gerau
1. Angehörige des Ludwig Muth ca. 29 Jahre, Leutnant, war im November 1949 im Lager 7062/1.
2. Angehörige des Heinz Groß, Pi.- Abtlg. 206. 1.D., Rüsselsheim oder Umgebung.
3. Angehörige des Kgf. Meier oder Maier, Vorname unbekannt, Eltern sollen angeblich ein Möbellager oder eine Schreinerei besitzen. M. soll Führer in der Hitlerjugend gewesen sein.
4. Angehörige des verst. Kgf. Walter Micheli, Nähe Groß-Gerau, ca. 30 Jahre, Obergefr.
5. Angehörige des verst. Kgf. Helmut F r i t z a , ca. 29 Jahre, Gefr., verh. Nähe von Groß-Gerau wohnhaft.
Groß-Geraner lugendwoche
Am Samstag wird um 20.15 Uhr im Groß-Gerauer Rathaussaal mit einer Ansprache von Bürgermeister Dr. Lüdecke die Jugendwoche eröffnet, die der Groß-Gerauer Stadtjugendring veranstaltet. „Was wir treiben“ ist der Titel einer Veranstaltung, in der Volkslieder, Tänze und ein Laienspiel aufgeführt werden. Im alten Rathaussaal wird am Dienstagabend über das Jugendschutzgesetz diskutiert. Die Hessische Landesmusikschule Darmstadt spielt am Donnerstagabend in der Aula des Realgymnasiums. Am Freitagabend spricht sodann Ministerialrat Hassinger vom Kultusministerium Stuttgart in der Turnhalle. Leichtathletische Wettkämpfe der Schuljugend füllen den Samstagmorgen aus. Um 15 Uhr wird die Ausstellung „Das Werken des jungen Menschen“ eröffnet, in der Arbeiten von Kindern bis zum freischaffenden jugendlichen Künst-. ler gezeigt werden. cg
Was aǔch interessiert:
1200 Zigaretten, 4,5 Pfund Bohnenkaffee und 25 DM verschwanden bei dem .*n das Kolonial Warengeschäft Schilling in Büttelborn, von dem wir kürzlich berichteten. Eine kleinere Menge Zigarren, die aus dem Gasthof Barthel entwendet wurde, konnte wieder gefunden werden. cg
800 DM spendete die Gemeinde K 1 ee - Va l « einer Haussammlung für die Anschaffung von neuen Kirchenglocken.
Im Handgemenge mit einem Felddieb wurde einem Feldschütz der Gemarkung Konigstadten das Fernglas entrissen Die Ermittlungen nach dem Täter sind noch im Gange. cg
„D*® Eisenbahnwanderausstellung „Der Wald unser Schicksal“, die von der Schutzgemeinschaft deutscher Wald ins Leben gerufen wurde, wird vom 20. bis 22. September in Groß-Gerau, und vom 23. bis 24. September in Gernsheim gezeigt. Die Ausstellung ist in sechs Eisenbahnwagen untergebracht, cg
Schutzhunde in der Prüfung
Neue Vereine für Schutz- und Gebrauchshunde im Odenwald
Auf seinem Dressurgelände bei Stockheim hielt der „Verein für Schutz- und Gebrauchshunde Odenwald“ unter Leitung von Willy Dillmann, Erbach, seine erste Schutzhundeprüfung ab. Als Leistungsrichter wirkte der Richterobmann Johann Meiners, Frankfurt a. M., der sowohl für den Deutschen Schäferhundeverein als auch für das Schutz- und Gebrauchshundewesen zuständig ist.
Trotz strengster Bewertungsmaßstäbe konnten alle sieben vorgestellten Tiere Erfolge erzielen. Die Gesamtbewertung liegt bei „Sehr gut bis gut“. Die drei besten Hunde des Vereins sind: die deutsche Schäferhündin „Ophelia vom Hain“, Besitzer Wilh. Fay, Etzean, vorgeführt von Konrad Dillmann, Erbach. Das Tier erhielt 284 Punkte und die Bewertung „Sehr gut“. Den 2. Platz mußten sich zwei Hunde teilen, der Airedaleterrier-Rüde „Alf vom Hutpark“, Besitzer und Führer Heinz Leun, Erbach, und die deutsche Schäferhündin „Gudula vom Hain“, Besitzer und Führer Frl. Hilde Ritzinger, Bullau. Beide Tiere erhielten 276 Punkte und die Noten „Sehr gut“.
Die Tatsache, daß der Verein erst im Februar dieses Jahres gegründet wurde und damals nur „rohe“ Tiere zur Verfügung standen, die schon nach so kurzer Zeit zu hervorragenden Dressurleistungen gebracht wurden, verdient Anerkennung.
Im Hotel „Schützenhof“ fand am Nachmittag die Monatsversammlung des Vereins statt, wobei die Neugründung von Vereinen für Schutz- und Gebrauchshunde für Würzburg und Hüttenthai bekanntgegeben wurde. Zu Vorsitzenden des Würzburger Vereins wurden Leonhard Löw, des Hüttenthaler Vereins Adam Trautmann gewählt. Der bisherige Verein „Odenwald“ ändert seinen Namen in „Verein für Schutz- und Gebrauchshunde Erbach“. Dagegen werden die drei Vereine zu einer Kreisgruppe Erbach zusammengefaßt, deren Vorsitz Konrad Dillmann, Erbach, übernahm. Stellv. Vorsitzender und Schriftführer wurde Heinz Leun, Erbach. Die Dressurleitung des Erbacher Vereins wurde Herrn Roth, Michelstadt, übertragen. Richterobmann Meiners hielt im weiteren Verlauf der Versammlung noch zwei lehrreiche Vorträge über Kynologie und Hundedressur, -ch
Schlachtviehmarkt Darmstadt
Marktbericht vom 19. 9. 1950
Auftrieb: 63 Großvieh (5 Ochsen, 5 Bullen, 25 Kühe und 28 Färsen), 55 Kälber, 485 Schwein^ 30 Schafe. Notiz: Ochsen a 74—87 Dpf., Bullen aa 91—96 Dpf Bullen b 60—70 Dpf., Kühe aa 85—90 Dpf., Kühe a 73—76 Dpf., Kühe b 67—71 Dpf., Kühe c 55—60 Dpf., Kühe d 45 bis 53 Dpf., Färsen aa 90—96 Dpf., Färsen a 88—92 Dpf. Kälber a 125—135 Dpf., Kälber b HO—l3o Dpf., Kälber c 95—HO Dpf., Kälber d 75—85 Dpf. Schweine (Durchschnittspreis 140 Dpf) a, bl 134 bis 145 Dpf., Schweine b 2 140—144 Dpf., Schweine c 136—143 Dpf., Schweine d 135—142 Dpf., Schweine gl 125—135 Dpf. Hämmel a 52—65 Dpf. Qualität: Großvieh und Schafe gut, Kälber mittel, Schweine gering bis mittel. Marktverlauf: Großvieh mittel, vier Stück Ueberstand. Kälber und Schafe flott, geräumt. Schweine ruhig, magere Schweine vernachlässigt, 80 Stück Uebenstand.
Die Preise gelten für 500 g Lebendgewicht.
Unsere Geburtstagskinder
84. Geburtstag: Frau Elisabeth Wolf, Nauheim, Bahnhofstr. 38.
83. Geburtstag: Herrn Heinrich Behre, Büttelborn, Karlstr. 1.
82. Geburtstag: Herrn Friedrich Zimmer, Geinsheim, Borngasse 91.
80. Geburtstag: Herrn Peter Diehl 13., Nauheim, Weingartenstr. 12.
78. Geburtstag: Frau Elisabeth Christ, Groß-Gerau, Helwigstr. 34.
76. Geburtstag: Frau Dorothea Nold, Goddelau, Alte Länderstr. 19; Herrn Heinrich Harth, Waltdorf, Bahnstr. 24; Frau Lina Becher, Nauheim, Bahnhofstraße 8; Frau Barbara Roos, Astheim, Mainstraße 13.
75. Geburtstag: Herrn August Diehl, Groß-Gerau, Frankfurter Straße.
72. Geburtstag: Herrn Heinrich Laun, Ginsheim, Hauptstraße 49.
72. Geburtstag: Frau Marie Lössl, Crumstadt, Friedrich-Ebert-Str. 6; Frau Helene Arnold, Walldorf, Bahnstr. 59.
Griff die CDU wirklich ein?
Gerüchte um einen Brief eines höheren CDU-Funktionärs zu den Gernsheimer Vorgängen
In letzter Zeit wollen Gerüchte nicht verstummen, die sich mit einem an die CDU — Gemeinderatsfraktion gerichteten Schreiben seitens eines höheren CDU-Funktionärs befassen, worin eine unzweideutige Stellungnahme der Partei gegenüber den Vorgängen um den Rücktritt des Gernsheimer Bürgermeisters Adler ausgedrückt worden sein soll.
Inwieweit dieses Schreiben mit dem kürzlichen Widerruf von Bürgermeister Adlers Rücktritt zusammenhängt, läßt sich noch nicht übersehen. Es liegt jedoch nahe, dach sich höhere Stellen der CDU in die Krise eingeschaltet haben, um parteischädigende Tendenzen im Zusammenhang mit den bisher immer noch ungeklärten Vorfällen, die Adler zu seinem damaligen Schritt bewogen, auszuschalten. Für die CDU kommt es zunächst darauf an, das gestörte Gleichgewicht wiedenherzustellen, um nach dem mehr als erwartet starken Schock die Dinge wieder klar zu sehen.
Wenn sich der Fraktionsführer der CDU in Gernsheim vor wenigen Tagen nochmals eindeutig von dem durch seine Partei auf den Bürgermeisterstuhl erhobenen Peter Adler distanzierte und dabei zum Ausdruck brachte, daß er und seine Fraktion die volle Verantwortung hinsichtlich der zu fassenden Entschlüsse tragen würden, so scheint es beinahe sicher zu sein, daß si chdie Gernsheimer CDU gegenwärtig damit beschäftigt, die Dinge auf einen für sie tragbaren Nenner zu bringen.
Wenn die dabei zur Schau getragene souveräne Ruhe nicht restlos überzeugte, so scheint das Schreiben der höheren Parteiführung doch nicht gerade .eine Billigung der Vorgänge in Gernsheim enthalten zu haben. Vielleicht wird die für die nächsten Tage in Aussicht genommene Gemeinderatssitzung hierüber eine erschöpfende Auskunft erbringen. Kr.
27 000 DM Etat in Scharbach
Die Doppelgemeinde Ober- und Unter-Scharbach verabschiedete jetzt ihren Haushaltsplan für 1950, der mit rund 27 000 DM abschließt. Die laufenden Verwaltungsgebühren belaufen sich auf 3800 DM zuzüglich 358 DM Versoigungsbezüge. An Grundsteuern werden 8500 DM erwartet, 1200 DM an Wassergeld, 900 DM als Ueberschuß aus dem Waldwirfschaffsplan und rund 6000 DM aus mehreren kleineren Positionen. Die Gemeindeverwaltung hat die Absicht, bis' 1951 alle noch bestehenden Schuldverpflichtungen abzufragen. Im abgelaufenen Jahre konnten bereits die Verpflichtungen, die durch den Bau des Wasserwerkes entstanden waren, abgelöst werden. (-r)
Mmeldungen aus den Landlacisen
DARMSTADT-LAND
Messel. Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung die Bürgschaft für Kreditbeschaffung zum Ankauf von vier Bauplätzen für Körperbeschädigte übernommen. Die Anschaffung von Schildern für die Waldwege wurde zurückgestellt und die Schafweide zu den vorjährigen Bedingungen wieder verpachtet. -es
Frankenhausen. Durch die Anschaffung einer eigenen Dreschmaschine der hiesigen „Dreschgemeinschaft“ sind die Bauern nicht mehr auf die Gnade auswärtiger Unternehmen angewiesen. sb
Jugenheim. Die Volkshochschule Bergstraße unternimmt am kommenden Samstag eine geologische Wanderung „Rings um den Melibokus“ unter Führung von Rektor i. R. Gerstenmaier. Teilnehmer treffen sich um 14.30 Uhr in .nehmer treffen sich' um 14.30 Uhr in Alsbach, Lindenstraße 31. hl.
DIEBURG
Altheim. Der Vereinsvorstand des hiesigen Tum- und Sportvereins 1888 beschloß auf der letzten Monatshauptversammlung, bis zum Jahresende den Verein aufzulösen. Dieser Schritt würde den Schlußstrich unter eine mehrmonatige Krise innerhalb des Vereins bedeuten, der nach seiner Wiedergründung im Jahre 1946 einen starken Aufschwung zu nehmen schien, (se)
Kleestadt. Bei einer Filmvorführung wurden Kulturfilme über Amerika gezeigt. Das bei dieser Gelegenheit erhobene geringe Eintrittsgeld wurde dem Fond zur Wiederanschaffung eines neuen Kirchengeläutes überwiesen. -th-
Reinheim. Der erste hiesige Kegelklub unternimmt am kommenden Sonntag einen Ausflug mit Omnibussen nach Klingenberg am Main. Der Rückweg wird über Seligenstadt angetreten, wo nach der Mittagsrast ein Freundschaftskegeln eingelegt werden soll. — Der Odenwaldklub beteiligte sich am vergangenen Sonntag an der Sternwanderung des Bezirks 5 in Winterkasten. (eb)
Groß-Bieberau. In der letzten Gemeinderatssitzung entschloß man sich zum Einbau einer Dampfheizung in das neue Schulhaus. Der Auftrag wurde der Firma Bechthold, Darrftstadt, übertragen. -gi-
Groß-Bieberau. Die neue Schwester des evangelischen Kindergartens wurde am Sonntagvormitfag nach dem Gottesdienst durch Pfarrer Kraemer in ihr Amt eingeführt. G. D.
ERBACH
Bad König. Der Gesangverein „Liedertafel“ unternimmt mit seinen aktiven und passiven Mitgliedern am Sonntag einen Ausflug zum Neckar. Nach der Schloßbesichtigung in Heidelberg, finden sich die Teilnehmer in Heüigenkreuz-Steinach mit dem dortigen Verein zu Lied und Tanz zusammen.
Höchst. Kürzlich fand im Gasthof „Zum Frankfurter Hof" eine Versammlung der Neubürger und Fliegergeschädigfen statt, lieber die Bezirksfürsorge sowie über die Hausrats- und Unterhaltshilfe sprach Herr Jakobs vom Kreisverband Erbach. Le.
Hüttrnthal. Die Bodennutzungserhebung ergab eine Gesamtfläche von 64b,31 ha. Davon sind 141,94 ha Ackerland, Gartenland 2,95 ha, Grünland mit Weiden 117;86 ha, Wald 361,40 ha und Oedland 4,52 ha. Der Rest entfällt auf Hof- und Gebäudeflächen, Wegeland und Gewässer, ptco.
Umter-Ostemn. Adam Thierolf wurde in der letzten Sitzung des Gemeinderates zum neuen 1. Beigeordneten gewählt.
BERGSTRASSE
Heppenheim. Bundestagsabgeordneter Dr. Heinrich von Brentano wird in den nächsten Tagen wieder Sprechstunden in Heppenheim abhalten. Interessenten werden gebeten, sich umgehend auf dem Sekretariat, Friedrichstraße 1, anzumelden. HB
Waldmichelbach. Das Finanzamt Fürth wird ab Oktober allmonatlich wieder fünf Zahltage im hiesigen Rathaus einrichten, um den Steuerpflichtigen aus dem Ueberwald den Weg zu ersparen.
Ober-Scharbach. Der Haushaltsplan sieht als Gewerbesteuer 400 Prozent vor, während für Grundsteuer die gleichen Beträge wie bisher (225 beziehungsweise 141 Prozent) eingesetzt wurden. , -r
Zotzenbach. Lehrer Bauer, der neu hierher versetzte Schulleiter, stellte sich in einer Elternversammlung vor. Auch Bürgermeister Schäfer und verschiedene Gemeinderäte waren bei dieser Gelegenheit erschienen, um zu örtlich wichtigen Schulfragen Stellung zu nehmen. -r,
GROSS-GERAU
Nauheim. Der Gemeinderat hat die Verwaltung ermächtigt, die für den Schulhausneubau notwendigen Darlehen aufzunehmen. In Kürze soll mit dem Bau der Schule begonnen werden. kb.
Wolfskehlen. Für den Schulhauserweiterungsbau hat der Kreis einen Zuschuß von 5554,— DM zugesagt. kb.
Mörfelden. Die SKV Mörfelden, Abteilung für Radsport, konnte aus dem Erlös des sehr gut verlaufenden Radsportfestes zehn Saal- und Radballmaschinen kaufen. -od-
Geinsheim. Am Samstag fand eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt, bei der die Aenderung der Hauptsatzung vorgenommen wurde. -od-
Königstädten. Zur Verbesserung der Feuerwehrausrüstung hat die Verwaltung Mittel zur Verfügung gestellt. Kürzlich konnten 120 Meter Schlauch angeschafft werden. kb.
Der SPORT
Hochbetrieb in den Fußball-Kreisklassen
Favoritenstürze im Kreis Darmstadt
Am Sonntag standen alle Vereine im Kampf um die Punkte, wobei es nicht ohne Ueberraschungen abging.
Gleich im ersten Spiel zu ihrer Eröffnung der Verbandsrunde mußte die favorisierte Elf von Hähnlein in Hahn beide Punkte lassen. Hahn war in diesem Spiel im Vergleich zum letzten Sonntag nicht wiederzu erkennen und lag schon bis zur Pause durch Tore von Feeger und Biermann 2:0 in Führung. Nach dem Wechsel kamen die Gäste mehr auf und konnten durch Gehrhard und Goßmann auf 2:2 auf holen. Hahn verdankte seinen Sieg in letzter Minute dem Spieler Strabel, der eine Vorlage von Biermann wunderbar einsenden konnte. Auf beiden Seiten wurde ein Handelfmeter verwandelt.
Seeheim konnte den Gast aus Langen mit 5:2 besiegen. Die Gäste hatten nach dem Wechsel nicht mehr viel zu bestellen. Leicht hätte es auch anders ausgehen können, wenn die SSG nicht drei sichere Chancen am Anfang des Spieles ausgelassen hätte.. Für Seeheim waren Hess (2). Mütz, Beilstein und Schaaf erfolgreich. Für Langen waren es Schäfer und Malchus.
TSG 46 Darmstadt spielte wieder einmal groß auf und konnte seinen Gegner aus Nieder-Ramstadt mit 2:0 distanzieren. .Es war ein schnelles Spiel, bei dem beide Mannschaften auf Erfolg spielten. Bauer und Kern schossen beide Tore. Nieder-Ramstadt war ein ebenbürtiger Gegner.
Griesheim fuhr nach Grafenhausen und lieferte eine gute Partie. Wenn man bedenkt, daß die TuS noch wenig Trainingsmöglichkeiten gehabt hat, so erscheint die 2:0 - Niederlage noch als recht ordentlich. Bei den Griesheimern konnte besonders Torwart Hetzer gefallen.
Eine große Ueberraschung leistete sich Alsbach auf eigenem Platz. Die wirklich gut zusammengestellte Elf kam nicht so ins Spiel wie in letzter Zeit. Die Weiterstädter gingen trotz Ersatz mit Ehrgeiz ans Werk und trugen einen wohlverdienten 3:1-Sieg davon.
Einen beachtlichen 2:0-Erfolg erzielte Bickenbach in Erzhausen. Die Platzherren — eine ausgesprochene Heimmannschaft — leisteten verbissenen Widerstand, bis schließlich die Gäste in den letzten 5 Minuten durch Zeißler und Rebenich zu dem verdienten Endsieg kamen.
B-Kla s s e : Auch hier sorgten einige Vereine für Ueberraschungen. Besonders ist der 4:3^Sieg von Traisa in Nieder-Beerbach zu erwähnen, wo sich zwei umgestellte Mannschaften gegenüberstanden.
In Jugenheim landete Eschollbrücken einen glücklichen l:0-Sieg. Wenige Minuten vor Schluß konnte Vetter das siegbringende Tor erzielen.
Eine etwas zu hohe 10:O-Niederlage mußte der Neuling Ober-Beerbach in Darmstadt bei dem SV 98 hinnehmen.
Griesheim fuhr nach Brandau und traf dort eine ersatzgeschwächte Elf an. Bis zur Pause hieß es schon 1:6 und nach dem Wechsel erhöhten die torhungrigen Stürmer auf 2:9.
Zu einem schönen 7:2-Erfolg kam die Union Darmstadt über Rohrbach. -de-
VUeberau führt im Kreis Dieburg
Im Mittelpunkt der Dieburger Fußball-A-Klasse standl das Lokalderby zwischen SG Nieder-Roden und TG Ober-Roden. Nach 90 Minuten überlegenem Spiel gaben die Neulinge aus Nieder-Roden dem vorjährigen Tabellenletzten 7:0 das Nachsehen. Das torreichste Ergebnis kam am Reinheimer Schwimmbad zustande, wo der SV 45 die Vertretung aus Klein-Zimmern 10:1 bediente. Offenthai bewies durch sein 3:1 in Mosbach, daß man noch zu spielen versteht. Ueberraschenderweise konnte die Spvgg. Groß-Umstadt in Kleestadt zwei wertvolle Punkte mitnehmen. Lengfeld] bezwang Groß-Zimmern im Auswärtsspiel 1:0. Spachbrücken besiegte den Gast aus Dreieichenhain mit 3:0 Toren, die schon vor Seitenwechsel zustande kamen.
In der B-Klasse Gruppe 2 bezwang der FSV Münster die Vertretung aus Klein-Umstadt. Durch den Umstand, daß Schaafheim in Heubach einen Punkt verschenkte, übernimmt Münster nun die Tabellenspitze. Einen haushohen 8:0-Erfolg holte sich Kickers Hergershausen gegen Raibach. TV Groß-Umstadt erzielte ebenfalls ein gutes Ergebnis gegen Wiebelsbach, das sich 1:6 geschlagen gab. In der Gruppe 1 wurde Fränkisch-Crumbach auf eigenem Rasen von Groß-Bieberau 7:2 in die Ecke gedrängt. Georgenhausen besiegte Ober-Nieder-Klingen 9:0. -gi-
2. Tag im Kreis Groß-Gerau
Bei den unteren Klassen des Kreises Groß-Gerau traten am Sonntag zu ihrem 2. Verbandsspiel an. Es ist immer noch ein Abtasten der Mannschaften, bis sie ihre tatsächliche Spielstärke erkannt haben.
Das bewies sich am besten in Büttelborn, wo es zu einer Punkteteilung kam. Schon in der 2. Minute brachte Stork durch einen Prachtschuß Büttelborn in Führung. Erst in der 20. Minute konnte Stockstadt nach zeitweiliger Ueberlegenheit durch Petri den Ausgleich erzwingen. Nach dem Wechsel war es Stockstadt, das durch Schmid die Führung übernehmen konnte. Aber schon 10 Minuten später schoß Kraus unhaltbar ein und stellte somit das dem Spielverlauf entsprechende Endergebnis von 2:2 her. — i i_- i
Wesentlich leichter hatte es Walldorf zu Hause gegen Dornheim. Die technisch bessere Elf von Walldorf ließ den Gegner kaum zur Entfaltung kommen. Erst beim Stande von 5:0 gelang es Dornheim, den Ehrentreffer zu erzielen.
Der 'Neuling Astheim erang gegen Gustavsburg einen ziemlich sicheren Sieg. Durch Tore von Gohlke (2) und Gulach konnte es zu einem verdienten 3:0 kommen.
Obwohl Wolfskehlen gegen Raunheim durch Tore von Pollak, Gebhard und Ewald Ludwig zu einem sicheren 4:0-Erfolg kam, knüpfte es keineswegs an die am Vorsonntag gezeigten Leistungen an. Ungenaues Zuspiel waren die Erfolge, daß die Seiten, mit 0:0 gewechelt wurden. Erst nach dem Wech- sei kamen beide Mannschaften besser auf.
Klein-Gerau, vor heimischem Publikum spielend, enttäuschte schwer. Durch Wolda und Schamber hatte der Gastgeber einen 2:0-Vorsprung herausgeholt, als der sonst so sicher spielenden Hintermannschaft zwei Fehler unterliefen, die sie mit zwei Eigentoren bezahlen mußten. Durch dieses Mißgeschick angefeuert, legte Ginsheim mächtig los nnd konnte noch durch ein Feldtor zu einem 3:2-Sieg kommen.
Gernsheim gestaltete dagegen sein Heimspiel gegen Biebesheim zu einem ziemlich überlegenen Treffen, das Gernsheim mit 5:2 Treffern für sich entscheiden konnte. Biebesheim konnte nur einmal gefährlich werden, als es innerhalb fünf Minuten zwei Tore aufholte, doch zu dieser Zeit stand es bereits 3:0 für Gernsheim. -od
B-Klasse Groß-Gerau
Die leicht favorisierten Bischofsheimer Ib konnten auf eignem Platz über Wallerstädten mit 3:2 siegen. Das bessere Zuspiel des Gastgebers war für diesen Sieg ausschlaggebend.
Geinsheim kam gegen den Neuling in Erfelden nicht über ein Unentschieden (2:2) hinaus.
Auch Worfelden konntee zu Hause nicht gegen die starke Elf von Königstädten bestehen und mußte sich 2:0 geschlagen geben.
Leeheim mußte alle Register ziehen, um zu Hause gegen Goddelau die Oberhand behalten zu können. Nach wechselvollem Spiel siegte Leeheim mit 2:1.
Mit demselben Ergebnis gewann der SC Opel Rüsselsheim Ib in Raunheim beim SSV und konnte somit zwei wertvolle Punkte mit nach Hause nehmen. od
Bergstraße meldet:
Trotz hoher Siege harte Kämpfe
Das Treffen in Waldmichelbach sah zwei nahezu gleichwertige Mannschaften, wobei Aschbach lediglich in der Schnelligkeit und im Auswerten der Torgelegenheiten Vorteile hatte, die ihm schließlich ein 3:0 einbrachten. Ritter (2) und Riesinger (Elfmeter) sorgten für die Zähler.
Der Neuling Fürth exerzierte dem ältesten A-Klasse-Verein der Gruppe. Affolterbach, schnelles Abspiel und energisches Nachsetzen vor und erzwang so einen durchaus berechtigten 4:2-Sieg, für den German (2), Ali Weber und Hölzing verantwortlich zeichneten. Affolterbachs Gegentreffer waren angesichts der Güte C. Regners im Gastgebertore geringer und wurden von Bucher und Ali Weber (Selbsttor) erzielt.
Fehlheim besiegte die Mörlenbacher mit 5:3. Dazu trug allerdings Stephan im Gästetor wesentlich bei, der manchen passierenden Ball hätte halteni müssen.
Lampertheim hatte mit Lindenfels mehr Mühe, als es das 4:0-Ergebnis besagt. Während der ersten Hälfte schien sogar ein Gästesieg im Bereich des Möglichen zu liegen. Nach Seitenwechsel hatten sich die Gäste indes verausgabt, und persönliche Unstimmigkeiten in der Elf halfen mit dazu, den Riedzweiten einem klaren Siege zusteuern zu lassen.
Auch Reichenbach rannte 45 Minuten vergebens gegen das Gästegehäuse an und hatte .erst dann die Einhausener Hintermannschaft sturmreif, die fünfmal kapitulieren mußte, von Fink (2), Degenhardt, Kindinger und Dauer dazu gezwungen. Die Lauertaler führen mit diesem zahlenmäßig deutlichsten Sieg des Sonntags vor FC Fürth, Lampertheim und Aschbach mit je 4:0 Punkten die Tabelle an. (ni)
Sandbach im Kreis Erbach vorn
Die Spiele in der Fußball-A-Klasse Erbach brachten auch in der zweiten Runde manche Ueberraschung: Der TSV Höchst mußte sich in Sandbach 2:1 geschlagen geben, Neustadt erzielte in Sandbach ein 2:1, Beerfelden kam auf eigenem Platz gegen Rimhorn über eine 3:3-Punkteteilung nicht hinaus. Bad Köng gewann vor einheimischem Publikum gegen Würzberg überraschend hoch mit 7:1, Hainstadt blieb gegen die Erbacher Sondermannschaft, die am Vorsonntag gegen den letztjährigen Tabellenzweiten Neustadt eine bessere Partie lieferte, mit 5:4 erfolgreich.
Die durch die Nachwuchsspieler Brumund und Körner verstärkte Steinbacher Elf konnte sich gegen Neustadt nicht durchsetzen. Sie unterlag, obwohl sie die Partie zeitweise überlegen gestaltete, unglücklich mit 2:1 Toren. Das Ehrentor für Steinbach schoß Daum.
Höchst, das sich bei seinem Lokalrivalen mit 2:1 beugen mußte, zeigte nur wenig von seiner alten Form. In der 15. Minute kamen die Gäste durch Kautz zu ihrem einzigen Erfolg des Tages. Drei Minuten später stellte Old den Ausgleich sicher. Hilbert traf in der 75. Minute für die Platzherren noch einmal ins Schwarze.
Schon in der zweiten Minute ging Beerfelden in der Partie gegen die Elf von Rimhorn, von der man eigentlich etwas mehr erwartet hatte, durch Höß 1:0 in Front. Der gleiche Spieler erhöhte in der 13. Minute auf 2:0. Torhüter Hormes ließ in der 30. Minute einen harmlosen Ball zum ersten Gegentreffer für Rimhorn ins Netz rollen, und noch vor der Pause gelang der Ausgleich durch Schimpf. Nachdem Beerfelden durch seinen Halblinken Benthin in der 60. Minute den dritten Treffer untergebracht hatte, konnten die Gäste, die in der zweiten Hälfte besser zum Zug kamen, ausgleichen.
In Bad König lieferte der Neuling Würzberg vor allem in der ersten Halbzeit eine annehmbare Partie. Nachdem mit 2:0 die Seiten gewechselt worden waren, fielen die Gäste jedoch merklich ab. Für Bad König war Bertow allein dreimal erfolgreich. Würzberg kam durch seinen Mittelstürmer zum Gegentreffer.
Hainstadt, das auf die Erbacher Sondermannschaft traf und vom Anpfiff weg das Heft in der Hand hielt, lag bereits nach zehn Minten 2:0 im Rückstand. Doch in der Folge konnten sich auch die Gastgeber durchsetzen, so daß mit 3:2 die Seiten gewechselt wurden. Nach d'er Pause waren die Gastgeber noch zweimal erfolgreich.
B-Klasse Odenwald
Der Ueberraschungen in dieser Gruppe gab es zum Auftakt gleich zwei: Mitlechterns junge, ehrgeizige Elf konnte die erfahrenen Reichelsheimer glatt 3:1 ausbooten. Dem Ehrentor von Bunk wußte man durch Steinmann, Treusch und Steckel drei Zähler entgegenzusetzen.
Den zweiten Schlager gab es in Unter-Abtsteinach, wo die stärker erwarteten Rimbacher vor den Steinachtalern nach einem abwechslungsreichen Spiel mit 5:3 die Segel streichen mußten. Treffern von Fütterer (2) und Haag wußten die Gastgeber solche von Oehlschläger (3) und Kohl (2) entgegenzusetzen.
Wahlen hatte in Zotzenheim wenig Mühe, mit dem Neuling mit 9:1 fertigzuwerden und siegte auch in dieser Höhe verdient. Bereits bei Seitenwechsel hatte man ein halbes Dutzend Tore vorgelegt und spielte deshalb später verhaltener. Otto und Kilian I mit je 3, W. Sattler mit 2 und Kilian II sorgten für die Distanz, der W. Rauch ehrenhalber einen Treffer entgegensetzte.
Hammelbach machte es den Ober-Abtsteinachem schwerer als gewohnt, zu dem 4:2- Siege zu kommen und ließ damit erkennen, daß eg in dieser Saison ernster genommen sein und nicht sieglos bleiben will. Eisele (3) und Larner zielten für die Gäste, Unger und Lemgo für die Platzherren ins Schwarze.
Unter-Schönmattenwag bereitete den Fürthern eine böse '3:O-Ueberraschung. Trotz durchaus verteilten Spieles blieben die Punkte im Ulfenbachtal, da die Einheimischen schärfer schossen und Bauer 1m Gästetor nicht alles halten konnte. Horn, Dörnlies und Zink waren die Scharfschützen. (ni)
B-Klasse, Gruppe Ried
Ein einseitiges Treffen gab es zwischen Riedrode —RW Heppenheim (12:0). Es fehlte die Einstellung der Heppenheimer zu Spiel und Gegner. Bei Halbzeit hatte Riedrode bereits sieben Tore vorgelegt.
Im Spiel Hambach—Elmshausen (5:4) gelang den Platzherren erst zwei Minuten vor Schluß der Siegestreffer, nachdem sie Mitte der zweiten Halbzeit bereits 4:1 in Führung gelegen hatten. Sie mußten sich angesichts des großen Eifers der Gäste gewaltig strecken, um beide Punkte zu behalten.
Die neu gegründete Bensheimer Mannschaft sah sich vor einer unlösbaren Aufgabe und mußte sich von den versierten Zwingenbergern auf deren Platz verdient mit 5:0 schlagen lassen.
Die Hüttenfelder führten daheim bei Seitenwechsel noch mit 1:0, hatten aber nicht genügend Ausdauer, um den kräftigen Gästen auf die Dauer widerstehen zu können.
Die unterschiedliche Auslegung über die Berechtigung eines Elfmeter-Strafstoßes führte im Spiel Gaudernheim—Schönberg beim Stand von 3:3 zum Spielabbruch. Das ausgeglichene Treffen hatte zuvor einen spannenden Verlauf genommen, der den unerfreulichen Abschluß nicht erwarten ließ. ni.
Die Spiele am 24. September
Erste Liga Süd
VfL Neckarau—Schweinfurt 05 (Sa.) Vfß Stuttgart—Kickers Offenbach (Sa). Eintracht Frankfurt—Bayern München FC 04 Singen—FSV Frankfurt Spvg Fürth—Vfß Mühlburg BC Augsburg—Vfß Mannheim SV Waldhof—Schwaben Augsburg SSV Reutlingen—l. SC Nürnberg
Zweite Liga Süd
Vikt. Aschaffenburg—Stuttg. Kickers SV Wiesbaden—Hessen Kassel SG Arheilgen—VfL Konstanz Jahn Regensburg—Wacker München ASV Durlach—Ulm 1846 Union Bückingen—Bamberg TSV Straubing—Bayern Hof SV Tübingen—ASV Cham I. FC Pforzheim—FC Freiburg
Landesliga
Spvgg Bad Homburg—VfL Kassel Opel Rüsselsheim—Hessisch Lichtenau I. FC Rödelheim—VfL Biedenkopf Borussia Fulda—Hermannia Kassel Kassel 03—Rotweiß Frankfurt SV Kassel—Germania Bieber Eintracht Wetzlar — Griesheim 02 VfL Marburg—Union Niederrad Olympia Lampertheim—Vfß Friedberg Hanau 93—Hessen Hersfeld
Der deutsche Fußballmeister, Vfß Stuttgart, hat am Montag in einem Freundschaftsspiel in Lausanne den dortigen FC eindeutig mit 3:0 (3:0) geschlagen.
Handball-CGruppenliga
Rüsselsheim—Braunshardt 9:10
Die Elf des Turn- und Sportvereins Braunshardt mußte in Rüsselsheim mit letztem Einsatz spielen, um gegen die ausgezeichnete Mannschaft der Turngemeinde zu beiden Punkten zu kommen. Die Gastgeber stellten eine auf allen Posten gut besetzte, schnelle und einsatzfreudige Elf, die im Kampf um die Meisterschaft wohl noch ein ernstes Wort mitreden wird. — Die Gäste mußten zwei Ersatzleute stellen, die sich nicht recht in das Mannschaftsgefüge einflnden konnten. Torwart Dechert hatte ebenfalls nicht seinen besten Tag und hätte zwei Tore unbedingt vermeiden müssen. In der Deckung arbeiteten die Gebrüder Hoffmann ausgezeichnet. Ueberragender Mann der Siegerelf aber war einmal mehr Halbrechter Volz, der allein vier Feld- und vier Freiwurftore auf sein Konto bringen konnte.
Vor etwa 600 bis 800 begeisterten Zuschauern erzielten die Gastgeber eine 1:0- Führung, die jedoch Volz egalisierte und seine Elf durch ein Tor in die lange Ecke 2:1 in Führung brachte. Im weiteren Spielverlauf konnte Rüsselsheim 5:3 in Führung gehen, aber der diesmal sehr schußfreudige Braunshardter Halblinke Nickel erzielte bis zur Pause den 5:5-Gleichstand.
Nach dem Wiederanpflff des ausgezeichnet amtierenden Schiris Müller (Wiesbaden) ging Braunshardt 6:5 in Front. Angefeuert durch die zahlreichen Zuschauer konnten die Gastgeber ausgleichen und Dechert im Gästetor nochmals schlagen. Braunshardt kämpfte jedoch unverdrossen weiter und konnte durch Volz den Gleichstand erzielen. Auch eine nochmalige Führung konnte dieser ausgleichen. Durch schöne Kombinationen führte Rüsselsheim drei Minuten vor Spielende abermals 9:8. Aber im Endspurt konnte Braunshardts Halbrechter den ausgezeichneten Torsteher der Gastgeber durch unhaltbare Freiwurftore noch zweimal bezwingen und somit den schwer erkämpften Sieg sicherstellen.
Rüsselsheim Res.—Braunshardt Res. 6: 3 Weiterstadt Jgd.—Braunshardt Jgd. 2:13 Hahn Schüler—Braunshardt Schüler 1:12
Tischtennis
SV Hofheim/Ts. — SV Darmstadt 98 II 2:9
Am Sonntag standen sich in der Landesliga-Süd II der Neuling Hofheim und die 2. Garnitur des SV 98 Darmstadt gegenüber. Die Lilienträger konten ihre Tabellenführung behaupten. In der Aufstellung Wittmann, Haller, Fricker, Nenges, Wagner und Schwöbel siegten sie unangefochten und liegen nunmehr mit der Mannschaft des SV Wiesbaden punktgleich .Die 3. Garnitur des SV 98 siegte über Bessungen I mit 7:2. Ku.
Boxen
Erbach-Michelstadt—Höchst 8:4
Obwohl die Boxvereinigung Erbach-Michelstadt nicht in stärkster Aufstellung angetyeten war, konnte sie den Vergleichskampf in Höchst in der Gesamtwertung mit 8:4 Punkten für sich entscheiden. Im einleitenden ferthal (H.) schon in der ersten Runde für Federgewicht wurde Wolf (E.-M.) durch Safdie Zeit auf die Bretter geschickt. Ein ebenso schnelles Ende nahm die Gegenüberstellung von Benzig (E.-M.) und Löw (H.) im Leichtgewicht. Der Erbacher war durch seine flotte Rechte, die er immer im geeigneten Moment einzusetzen vermochte, erfolgreich geblieben. Auch die dritte Partie endete mit einem Niederschlag. Martinetti (H.) wußte sich hier in der zweiten Runde über Nicklaus (E.-M.) entscheidend durchzusetzen. Ein hartes Fight sah man im Mittelgewicht zwischen Heilos (E.-M.) und Eisenhammer (H.) Da der Erbacher die beiden ersten Runden eindeutig für sich entscheiden konnte, war sein Punkterfolg jederzeit gesichert. Im Halbschwergewicht setzte sich Sarodnik (E.-M.) nach dem zweiten Gong durch Magenschlag über Schneider entscheidend durch. Eine ausgezeichnete Partie lieferte Milden (E.-M.) gegen den Höchster Schwergewichtler Haala. Der Erbacher beherrschte seinen Gegner von Anfang an und schickte ihn fünfmal auf die Bretter. Sieger nach Punkten: Milden.
„Eiche Lorsch—Eltville a. Rh. 11:5
Im vergrößerten Saale „Zum goldenen Stern“ startete der Boxclub „Eiche“ seinen ersten Vergleichskampf gegen die bekannten Eltviller und konnte einen eindeutigen und verdienten ll:5-Sieg erringen. In dem Kampf, den man insgesamt als fair, anständig und sportlich auf gutem Niveau stehend bezeichnen kann, siegte Lorsch auf Grund der größeren Kondition und der Technik verdient.
Die einzelnen Kämpfe:
Schüler: Arnold—Klefisch trennten sich unentschieden.
Jugend: Botler siegt durch k.o. gegen Simon, Arnold verlor gegen Leuckel nach Punkten.
Senioren: Prackert siegte durch techn. k. o. gegen Faßbender, Rettich siegte durch Aufgabe gegen Albus, Geyer siegte nach Punkten gegen Leuckel, Arnold verlor nach Punkten gegen Hild, Rupp siegte durch techn. k.o. gegen Planz, Brunnengräber durch techn. k. o. gegen Acker.. -el-
Bundessportabzeichen-Abnahme
Am kommenden Samstag findet um 16 Uhr auf dem Sportplatz Ziegelbusch in der Kranichsteinerstraße eine weitere Abnahme in den leichtathletischen Übungen statt. — Folgende Bewerber können dort ihr Urkundenheft in Empfang nehmen: Boochs, Braun, Conrad, Diefenbach, Hauck, Hanke, Jaeger, Kluge, Michel, Petersen, Sassnik, Steinhaus, Sulzmann, Unger, Vech.
Groß-Bieberau. Der Sportverein 45 hat eine Tischtennisabteilung gegründet. Anmeldungen können bei Friedrich Becker, Hauptstraße 26, erfolgen.
Unser Tip
für den Hessentoto
| BC Augsburg—VFß Mannheim | 0 | 1 |
| FC Singen 04—FSV Frankfurt | 2 | 0 |
| Eintr. Frankfurt—Bayern München | 1 | 0 |
| VfL Neckarau—Schweinfurt 05 | 1 | 0 |
| SSV Reutlingen—l. FC Nürnberg | 2 | 2 |
| Vfß Stuttgart—Kickers Offenbach | 1 | 1 |
| SV Wiesbaden—KSV Hessen-Kassel | 0 | 1 |
| Spvgg Fürth—Vfß Mühlburg | 1 | 1 |
| ASV Durlach—Ulm 1846 | 0 | 2 |
| Vikt. Aschaffenb.—Stuttgarter Kickers 2 | 0 | |
| 1860 München—Darmstadt 98 | 0 | 2 |
| Waldh. Mannh.—Schwab. Augsburg | 1 | 1 |
| SG Arheilgen—VfL Konstanz | 1 | 1 |
| Union Bückingen—l. FC Bamberg | 0 | 1 |
DI Statt jeder besonderen Anzeige: Meine geliebte Frau, unsere treue Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, Frau Marie-Louise Schenck-Kulenkampff ist in der letzten Sonntagnacht im 81. Lebensjahr sanft ent¬ schlafen. Dr. Carl-Alwin Schendk Hermann Kulenkampff-Post und Frau Tilla geborene Leisewitz Dr. med. Caspar Kulenkampff und Frau Angela geborene Brügelmann Hermann Kulenkampff-Post jr. und Urenkel Christoph Kulenkampff Lindenfels, am 18. September 1950
Bestattungen am Mittwoch, dem 20. September 1950 Bterdigungon: Altor Friedhof: 13.30: Schnell, Marie, Schöllenbach (Odenwald), 75 Jahre 14.00: Krell, Philipp, Landgraf-Georg-Straße 70, 84 Jahre Bestunger Friedhof: 11.00: Ritter, Katharina, Kahlertstraße 11, 76 Jahre Waldfriedhof: 14.15: Roßmann, Peter, Gastwirt u. Metzger, Frankfurter Str. 79, 66 Jahre
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Weihnachtsmarkt in Darmstadt vom 9. bis 24. Dezember 1950 auf dem Marktplatz Bewerbungen nur von ambulanten Verkaufsgeschäften sind bis 20. Oktober 1950 mit den erforderlichen Angaben einzureichen. Marktverwaltung Daumstadt. Versteigerungsanzeige Donnerstag, den 21. September 1950, vormittags 10 Uhr, ver¬ steigere ich in der Pfandkammer am Amtsgeridit, hier, meist¬ bietend gegen Barzahlung: 1 Radioapparat „Lorenz", 1 Oelgemälde, 1 Stoppuhr, 1 echter Goldtopas, 1 silbern. Zigaretten-Etui, 1 silb. Einzelbesteck, '/z Dutzend silberne Kaffeelöffel, 1 Geige, 1 Werkbank und 1 elektr. Schleifmotor. Hieran anschließend, Eschollbrücker Straße 24: 1 dreisp. Furnierschnellpresse und 1 Bund Schrankstangen. NEUBERT, Gerichtsvollzieher.
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dbarmztadt WEINHAUS OASE Landwehrstraße 21 täglich ab 20 Uhr bis 3 Uhr Eintritt frei
Werkkunstsdiule Darmstadt Künstlerkolonie Ausbildung in den Fächern Innenarchitektur > Keramik Plastik - Graphik - Schrift Anmeldung bis 1. 10. 1950 im Sekre¬ tariat Hochzeitsturm - Aufnahme- Schluß: 15. 10. 1950 J 5000 Jutesäcke, gebr., ca. 50X95 cm, —,95 DM, ab 6 Stück per Nachnahme. Lang & Schilling, Augsburg, Brunnenlech¬ gäßchen 3/48. *
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