Amerikanische Erfolge an allen Fronten in Korea
Pusan, 18. September. (AP.) Die Offensive der Truppen der Vereinten Nationen in Korea macht an allen Fronten gute Fortschritte. Amerikanische Einheiten haben von Inchon aus ihre Zangenbewegung gegen Söul fortgesetzt. Sie haben nordwestlich der Stadt den Han-Fluß erreicht und stehen fünf Kilometer vor Söul.
Der Flugplatz von Söul, Kimpo, ist nach einer Mitteilung des Kommandeurs des X. Armeekorps wieder in Betrieb genommen worden. In diesem Gebiet ist der Widerstand der Nordkoreaner fast völlig zusammengebrochen. Im Südwesten der Stadt, wo der Gegner heftigen, aber desorganisierten Widerstand leistet, sind Marinetruppen bis auf 1,5 Kilometer an Yongdong, einen Vorort von Söul, herangekommen. Bei Inchon sind am Montagmorgen Einheiten der 7. amerikanischen Infanteriedivision an Land gegangen und sofort an die Front vorgerückt.
Im Brückenkopf von Pusan haben südkoreanische Einheiten bei Pohang den Hyongsan - Fluß und Einheiten der 2. amerikanischen Infanteriedivision südlich von Pyonpung den Naktong überschritten.
Der größte Erfolg wurde an der Naktong-Front erzielt. Nach einem Kommunique der 8. amerikanischen Armee sind Einheiten der 2. Infanteriedivision knapp südlich von Hyonpung über den Fluß gegangen und haben an der Straße nach Hyopchon einen starken Brückenkopf gebildet.
Am östlichen Abschnitt des Brückenkopfes von Pusan sind südkoreanische Truppen bis zu einem Punkt fünf Kilometer nördlich von Angang-Ni vorgestoßen. Der südlich von Pohang fließende Hyongsan wurde überschritten. Nördlich von Taiku sind weitere südkoreanische Einheiten entlang der Straße Tarkp — Kunwi viereinhalb Kilometer vorgestoßen. Bei Waegwan leistet der Gegner den Einheiten der 1. amerikanischen Kavalleriedivision heftigen Widerstand. Einige Hügelstellungen fielen erst nach wechselvollen Kämpfen in die Hände der Amerikaner.
Im Seegebiet um Inchon wurden zwei kommunistische Küstenschiffe von britischen Flugzeugen versenkt. Zahlreiche weitere Fahrzeuge und ein Schiff wurden beschädigt.
Bombenteppiche
Tokio, 18. September, (dpa) Vierzig Superfestungen haben am Montag nordwestlich von Waigwan Bombenteppiche vor die Front der ersten amerikanischen Kavalleriedivision geworfen, die dort gegen zähen Widerstand des Gegners nur wenig Boden gewann. Zu beiden Seiten der Straße von Waigwan nach Taidschon wurden insgesamt sechzehnhundert 250- Kilo-Bomben auf zwei Geländestreifen von je vier Kilometer Länge und siebenhundert Meter Breite abgeworfen. Die Superfestungen konnten bei den Teppichwürfen keine Einzelziele erkennen. Doch wurden in den Zielräumen starke nordkoreanische Truppenkonzentrationen vermutet . Zur Unterstützung der 1. Kavalleriedivision wurden auch die bisher weiter südlich eingesetzten britischen Truppen in den Angriffsabschnitt geworfen. I
Zwei Schlachtschiffe
Washington, 18. September. (AP.) Die amerikanische Marine hat am Montag bekanntgegeben, daß sie das 45 000 Tonnen große Schlachtschiff „New Jersey“ wieder in Dienst stellen wird. Gegenwärtigbefindet sich als einziges Schlachtschiff die „Missouri“ im Dienst.
Jetzt auch „Volksseelsorger“
Der Parteitag der Christlich-Demokratischen Union der Sowjetzone
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 18. September. Der soeben zu Ende gegangene Parteitag der Christlich-Demokratischen Union der sowjetischen Zone hat neben den deutlich hervortretenden rein opportunistischen Bestrebungen ehrgeiziger junger Parteipolitiker auch deutlich erkennbare Bemühungen gezeigt,, die Kirchenorgamsationen in der sowjetischen Zone noch vor dem unmittelbaren Zugriff des Kommunismus zu bewahren. Dieser Versuch, dem Kommunismus wertvoll zu erscheinen, indem man ihm die christlichen Kräfte zuführt, trat in dem Schlußwort des wiedergewählten Vorsitzenden Nuschke hervor, wenn er erklärte seme Partei stelle jetzt die einzige Poli^che Vertretung aller Christen land dar. Schon das Motto des Partei a"s Christen, kämpft für den Frieden“, oder die offizielle Parteiparole:ex Oriente pax“ (..Aus dem Osten kommt der Friede“) wiesen auf diese Grundtendenz hin.
Zu welchen unvermeidlichen Folgerungen diese Entwicklung führen muß, ergab sich aus den Uebersteigerungen, die etwa in einer Erklärung des neuen Generalsekretärs Götting zu spuren waren. Götting bemühte sich, das Christentum als ein Monopol des Ostens auszulegen: Die frohe Botschaft unserer christlichen lehre- Friede auf Erden findet zum er-t-n Male ihre Verwirklichung durch das große Lager des Friedens, an dessen Spitze die große sozialistische Sowjetunion steht.“
Auf dem Parteitag wurde ein grundlegender Wandel in der Struktur der Kirchen proklamiert. Die theologischen Fakultäten der sowjetischen Zone sollten den Studierenden in Zukunft auch sozialistisches und politisches Rüstzeug für ihre Arbeit mitgeben. Man solle wahre Volksseelsorger entwickeln, und schließlich sollten sich die jungen Gemeinden in den aktiven politischen Dienst der kommunistisch geführten Freien Deutschen Jugend eingliedern. Es ist bezeichnend, daß sich für die Vertretung dieses Programms nur eine verschwindend geringe Gruppe von Geistlichen beider Kirchen gefunden hat.
Gin GErxilparteitag
der Christlich-Demokratischen Union
er. Berlin, 18. September. (Eigener Drahtbericht.) Das nächste Wochenende wird in Berlin von einem Exil-Parteitag der Christlich-Demokratischen Union beherrscht sein, das heißt, von einer Versammlung aller jener führenden Funktionäre, Bürgermeister und Minister, die entweder gleichzeitig mit Jakob Kaiser im Winter 1947 oderinden Jahren seitdem den Bruch mit der sowjetischen Besatzungsmacht vollzogen und gegen die zunehmende Beherrschung der Partei durch den Kommunismus protestiert haben. Kaiser wird von den exilierten Vertretern der Christlich-Demokratischen Union der sowjetischen Zone wahrscheinlich wieder zum Vorsitzenden, und Ernst Lemmer zum zweiten Vorsitzenden gewählt werden. Damit würde die Widerstandsbewegung, soweit sie von christlich-demokratischen Kreisen getragen wird, wieder ihre offizielle Spitze erhalten.
Entschlossenere Haltung notwendig
Wehner zur Abwehr kommunistischer Terrorakte
R. Bonn, 18. September. Vertreter der Parteiorganisationen, der Gewerkschaften, des Deutschen Städtetages und Städtebundes und zahlreicher Jugendorganisationen waren am Montag in Bonn zu einer Aussprache mit den Ministern Jakob Kaiser und Dr. Heinemann über die Abwehr der kommunistischen Gefahren zusammengekommen. Mit dieser Konferenz wird wahrscheinlich die vom Bundestag eingeleitete gesamtdeutsche Aktion in Bezirke sich auswirken, die über das Parlament hinausgehen. Auch der Vorsitzende des Ausschusses für gesamtdeutsche Angelegenheiten des Bundestags, der Abgeordnete Wehner, betonte vor der Presse, daß die Regierungserklärung und der Bundestagsbeschluß der vergangenen Woche der Beginn sehr ernsthafter Bemühungen für eine Offensive gegen den Bolschewismus werden müsse.
Vor allem aber, so erklärte Wehner, müsse auch die Bevölkerung der Bundesrepublik eine entschlossenere Haltung als bisher zur gesamtdeutschen Frage einnehmen, denn durch eine solche Haltung könne der Schritt der Kommunisten zu bürgerkriegähnlichen Aktionen in der Bundesrepublik verhindert werden.
Wehner sagte mit Nachdruck, daß man es ablehne, der Bevölkerung der Sowjetzone ihre Haltung bei den bevorstehenden Wahlen vorzuschreiben, um ihre Gefahren nicht noch zu vergrößern. Die da und dort nach dem Osten ergangenen Aufforderungen, mit „Nein“ zu stimmen oder von der Wahl fernzubleiben, entsprächen nicht der Ansicht der Parteien und des Bundestages, vielmehr werde am Vorabend der Wahl noch einiges dazu erklärt werden.
Dann legte Wehner anhand von Berichten der Presse der Sozialistischen Einheitspartei dar, wie jetzt in den Betrieben der Sowjetzone die Belegschaften gezwungen werden, sich unterschriftlich auch im Namen ihrer Familien zu verpflichten, am Wahltag für die Einheitsliste zu stimmen. Ebenso würden in den Behörden solche Unterschriftenlisten der Angestellten öffentlich ausgehändigt. Auch die Neubauern sollen solche Unterschriften leisten. Ganze Dorfgemeinschaften und Hausgemeinschaften hätten gleichermaßen solche Listen aufgelegt. Bemerkenswerterweise aber habe von der Sozialistischen Einheitspartei ausdrücklich bestimmt werden müssen, daß die Werbetrupps für die Nationale Front nicht ohne starke Beteiligung der Sozialistischen Einheitspartei arbeiten dürften, da solche Trupps Sabotagearbeit getrieben hätten.
Die Frankfurter Herbstmesse hat ihre Tore geöffnet. Vor den Haupteingängen zum Messegelände drängen sich die Besucher dpa-Bild
Der Ostsektor wählt nicht
Berlin, 13. September, (dpa) Der sowjetische Sektor von Berlin darf sich an den Wahlen in der sowjetischen Zone am 15. Oktober nicht beteiligen. Dafür müssen die Betriebe an diesem Tage eine Schicht für Nordkorea leisten.
Exrportuerbot
London, 18. September (AP.) Die britische Regierung hat am Dienstag den Export aller Werkzeugmaschinen an die östlichen Länder verboten, die von den westlichen Ländern für ihre eigenen Verteidigungszwecke benötigt werden.
Der Regierungsbeschluß wurde von dem britischen Handelsminister Harold Wilson während der Debatte des Unterhauses über einen Tadelsantrag der konservativen Opposition verkündet.
Friedensfühler?
** * In Indochina ist eine kommunistische Verschwörung aufgedeckt worden, die den Partisanen Ho Tschi-minhs die Herrschaft verschaffen sollte. Im ganzen Lande sind Kämpfe entbrannt, bei denen auch französische Fallschirmtruppen eingesetzt werden mußten. In Persien, einem anderen Randgebiete de. russischen Riesenreiches, glaubt man ebenfalls Anzeichen für ein kommunistisches Eingreifen zu sehen. Das könnte den Eindruck erwecken, als wollten die Bolschewisten nunmehr eine Offensive an anderen Stellen der Welt beginnen, um ihre bedrängte Front in Südkorea zu entlasten.
Wie wir gestern dargetan haben, läßt jedoch der Vergleich mit dem Probefall Spanien darauf schließen, daß der Probefall Korea das Kominform nicht zu weiteren Aktionen ermutigen wird. Wir glaubten annehmen zu dürfen, ähnlich wie nach der erfolglosen Blockade Berlins, werde der Kreml durch einen inoffiziellen diplomatischen Schritt versuchen, einen Rückzug anzutreten, bei dem es ihm gelinge, sein Gesicht zu wahren. Es kommt hinzu, daß die Vereinigten Staaten die Nachbarn Nordkoreas erneut vor jeder Hilfeleistung an die bolschewistischen Truppen gewarnt haben, da sie jeden Angriff gegen freie Nationen zurückweisen würden.
Nun tauchen Gerüchte auf, Nordkorea habe durch Vermittlung der chinesischen Volksrepublik über den indischen Botschafter den Westmächten einen Friedensplan unterbreitet. Diese Gerüchte sind noch in keiner Weise bestätigt, aber es liegt durchaus im Bereiche des Möglichen, daß der Kreml auf diesem etwas umständlichen Wege Friedensfühler ausgestreckt hat. Wie die Vorschläge beschaffen sind, wird noch nicht gesagt, es ist aber anzunehmen, daß sie die Aufnahme Rotchinas in die Vereinten Nationen mit einbegreifen.
Früher Landflucht - heute Stadtschen
Von Fritz WalterDie verantwortlichen Sozialbehörden in der hessischen Regierung und Verwaltung sehen sich vor einer' eigentümlichen Tatsache, an die früher kein Mensch gedacht hat noch denken konnte: An die Stelle der früheren Landflucht, die zu überwinden trotz aller Kraftanstrengungen nicht gelingen wollte, ist eine ausgesprochene Abneigung gegen die Stadt getreten. Heute wäre es geradezu notwendig, die einstigen Bemühungen umzukehren und alle die Mittel, die man damals aufgeboten hat, um dem „platten Land“ wenigstens das unerläßliche Mindestmaß an Arbeitskräften zu sichern, nunmehr dafür einzusetzen, daß die Städte den nötigen Zuzug an Arbeitskräften erhalten. Jedenfalls muß die hessische Landesregierung mit aller Tatkraft bemüht sein, unter Zuhilfenahme beträchtlicher Geldmittel den aibeitslosen Facharbeitern in den nordhessischen Landbezirken, also namentlich den Flüchtlingen und Vertriebenen, den Zuzug in die Städte schmackhaft zu machen, das heißt also praktisch, sie durch Gewährung von schätzenswerten Vorteilen zu dieser Umsiedlung zu bewegen. Sie stößt hierbei auf unvermutete Schwierigkeiten, die zunächst psychologischer Natur sind und ihre Wurzel im Menschlichen-Allzumenschlichen haben, die aber auch wirtschaftlich bedingt sind. Wie liegen die Dinge?
Der menschliche Vorgang
Die Flüchtlinge und Vertriebenen, durch grausames Schicksal ihres Obdachs, ihrer Heimat und ihres Lebensbodens beraubt, durch barbarische Gewalt ins Ungewisse hinausgejrieben und der bloßen Fürsorge überantwortet, sind am Ende ihrer (zumeist trostlosen) Irrfahrten irgendwo „auf dem Lande“ angelangt, in den dörflichen Siedlungen also. Sie wurden dort nicht immer mit offenen Armen aufgenommen; sie bekamen oft mürrische und verdrossene Gesichter zu sehen, aber sie fanden Aufnahme, wenn auch allzuoft nur infolge des behördlichen Zwanges, der hinter ihnen stand. Aber so unterschiedlich auch die Wesensart der Menschen auf beiden Seiten, bei den Alteingesessenen wie den Neubürgern: Nach einer gewissen und meist holperigen Übergangszeit hat man sich aneinander gewöhnt. Auf der einen Seite obsiegte die Einsicht und der gute Wille, auf der anderen das willige Verständnis und das Bestreben nach gesittetem Verhalten. Guter Ackerboden, mag er auch durch verheerende Sturzfluten noch so zusammengeschlagen und unter noch so unbarmherziger Hitze verkrustet sein: er ist wieder aufzulockern, von Geröll zu säubern und fruchtbar zu machen. Hauptsache: Er ist gut. Und dieser Boden war gut. Beiderseits.
Das geschah weithin den elf Ländern der Bundesrepublik. Es geschah auch in Hessen. Gottes Sonne schien in menschliche Herzen, und siehe: Fast über Nacht, jedenfalls von einem Vierteljahr zum anderen, hatte sich zwischen den Alten und den Neuen ein ganz friedliches und verträgliches Einvernehmen entwickelt. Bei diesem und jenem Bauern bekamen die Neuen willig ihren Topf Milch, die Bäuerin gab ihnen Gemüse und Kartoffeln oder was sie sonst aus dem Garten und vom Felde heimbrachte. Die Neuen wiederum sahen fleißig danach aus, wie sie es den Leuten vergelten konnten. Sie schickten ihre Jungen und Mädchen zum Bauern, damit sie Kinder hüteten, Kühe, Gänse oder was sonst. Kamen für den Bauern die strengen Zeiten, dann halfen sie mit — sie würden sich geschämt haben, untätig herumzulungern, und die Bauersleute bekamen manche Gelegenheit, zu erkennen, daß Wohltun auch heute noch immer Zinsen trägt. Das war nicht überall in gleicher Weise der Fall, aber vielerorts. Mancher Landrat, wenn er durch seine Gemeinden ging, hat sichs nicht merken lassen, wie sehr ihm das Herz lachte: Wahrhaftig, seine Dörfer hatten manchen Nutzen von den Eingedrängten und Eingezwängten. Waren auch hin und wieder manche sture Proleten dazwischen: egal, die Mehrheit war deutscher Art: hell im Kopf, anstellig, tüchtig, gewillt in jeder Weise, mit dem Leben fertig zu werden.
Die Flüchtlinge und Vertriebenen stellen das Hauptkontingent der Arbeitslosen. Sie stehen überall hintenan, hinter den Einheimischen zurück. Wieder eine Arbeitsstelle zu bekommen, ist ihr höchstes Sehnen. „Um den Preis einer Arbeitsstelle tun sie alles, und lassen sie sich das Äußerste gefallen“, war die Meinung. Die offizielle, also amtliche Meinung. Also die Meinung bei den Regierungen und auf den Arbeitsämtern.
Diese Meinung hat sich als irrig erwiesen/ Eines gibt es, das diesen Entwurzelten, Enterbten, vom Schicksal schmählich Mißhandelten noch wichtiger ist: das bißchen Leben. Und unter Leben verstehen sie vieles, vor allem das Familienleben. Als die Stadt Frankfurt, um ihre achtzehnhundert leeren Lehrlingsstellen zu besetzen, Lehrlingsheime errichtete, vorbildlich eingerichtet und mit allem versehen, erklärten die Flüchtlinge, sehr still und hart: „Nein!“ Sie waren der Meinung, sie seien „in der Familie“ nun endlich Gott Lob und Dank, wieder zusammen, aber die fürchterlichen Zeiten, in denen sie voneinander getrennt waren und keiner vom anderen wußte, die können sie eben nicht vergessen. Nichts für ungut.
Dem Präsidenten Sauer vom Hessischen Landesarbeitsamt gebührt mehr als ein bloßer Händedruck, daß er inmitten des Wustes seiner Obliegenheiten und Pflichten für diesen Vorgang alles menschliche Verständnis hat.
Die Arbeitsstelle
Städte wie Wetzlar z. B. — „Schwerpunkte der Wirtschaftsentwicklung“nennt sie der amtliche Jargon — haben starken um nicht zu sagen enormen Bedarf an Arbeitern, an Facharbeitern wie an Hilfskräften. Da ist Leitz, da ist Buderus, da ist Philips — um nur diese zu nennen. Irgendwo oben an der Spitze denkt man sich das einfach: Man bewilligt einige Millionen, baut damit einige vierhundert oder wieviel Zwei- und Dreizimmerwohnungen, auch einige Vierzimmer dazwischen, dann drückt man auf den Knopf — und dann kommen sie.
Aber kommen sie? Sie kommen nicht. Vater und Mutter, die älteren Kinder um sie herum, sitzen oben im Nordhessischen, in ihren kümmerlichen und beengten Füchtlings-Wohnungen, bereden die Sache von allen Seiten, mit „Ja, aber“ und „Nein, allerdings“, sie bereden sie hin und her, und wenn sie zu Bett gehen, dann sind sie sich schlüssig geworden: „In die Stadt, nochmals — keine zehn Pferde...“ Manche sagen, in ihrer primitiven Frömmigkeit, die sie sich angequält haben: „Das heißt, Gott versuchen.“ Sie meinen damit: „Gewiß, eine Zeit lang kann und mag es gut gehen, besser als heute. Aber was wir hinter uns haben, das wissen wir. Das wissen die anderen nicht. Unser Brot ist hart, ja. Aber „watt ein hett, dat hett e“. Man soll nicht nach mehr trachten. Das ist sündhaft. — Kinos, gewiß, die gibt es in den Städten. Aber was kommt dabei heraus? Parks und dergleichen haben sie da auch. Aber sie haben da auch Asphalt und so was alles. Da wird einer krumm. Denn so, Vatting, denkst du so wie wir alle, denn so bleiben wir hier. Dort, wenn wir sind: Wer weiß wie lange. Dann kommt wieder so ein Schlag, und wir liegen wieder dabei.“
Kurzum: Es war, unstreitig, weise, als die Hessische Landesregierung die Über legung anstellte: „Die erste und die zweite Rate der Landes-Baudarlehen sind vergeben ; nun halten wir die dritte Rate klüglich in Reserve, sie soll uns dazu dienen, die große Umsiedlung vorzunehmen und die Arbeitsleute, die weithin über das Nordhessische zerstreut, auf den Dörfern wohnen, wieder an die „Schwerpunkte der Wirtschaftsentwicklung heranzuschaffen“. Aber wie heißt es im alten Wahrwort: „Schön ist’s ersonnen, weise getan, klüglich gesponnen, anders kommt’s an.*.“.
Alle Landesbürger von Hessen werden sich von Herzen zu freuen haben, wenn die große Umsiedlungsaktion gelingt. Es hängt viel mehr davon von ihrem Gelingen ab, als man in einem kurzen Aufsatz darlegen kann. Aber wir versichern, daß wir uns nicht wundern würden, wenn sie nur zu einem geringen Teil gelänge.
Diese unsere Ansicht ist nicht bloß so am „grünen Tisch“ hingeschrieben. Wir haben es uns keiner Mühe verdrießen lassen, um uns an Ort und Stelle umzusehen. Viele Landräte in Hessen nebst manchen Bürgermeistern können bezeugen, wie lästig wir ihnen mit unseren Bemühungen um die Erforschung des Tatsächlichen im Hessenland gefallen sind. Sie werden bestätigen, daß es bis zu gewissen Graden ebenso ihre eigene Ansicht ist, die wir vorstehend wiedergeben. »
Keine Rede: Zu diesem Thema ist noch viel zu sagen. Das soll demnächst geschehen.
Cube und Bayern
We. München, im September
Der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, von Cube, hat jetzt in seinem Kommentar zu der außerordentlich scharfen Reaktion der öffentlichen Meinung auf seine Ablehnung der westdeutschen Gemeinschafts-Sendung „Die Stimme Deutschlands“ Stellung genommen. Da er seinen Standpunkt voll aufrechterhalten hat, wird es um den Fall Cube nicht ruhiger werden. Um so mehr erscheint eine Klarstellung am Platze. Cube ist nicht das Sprachrohr Bayerns. Dieser wohl eigenwilligste deutsche Kommentator — er ist Balte von Geburt — hat seit jeher seine ganz persönliche Meinung vertreten. Er ist ein Kommentator sui generis, nach allen Seiten ohne Rücksicht auf Verluste.
Daß der Reporter eines Münchener Blattes bei dem Versuch, auch eindeutig positive Ansichten der Bevölkerung zu Cubes Auffassung zu erhalten, trotz lebhaften Bemühens nicht eine einzige solche Stimme zusammenbringen konnte, mag ihm und zugleich jenen zu denken geben, die aus dieser Affäre die Berechtigung auf einen Generalangriff gegen eine mangelnde bayerische« Aufgeschlossenheit schlechthin hergeleitet haben. Ministerpräsident Dr. Ehard hat sich erneut klar distanziert. Zuständig für weitere Schritte ist der Rundfunkrat. Er wird sich, wie man hört, mit der Frage beschäftigen, ob im gegenwärtigen Zeitpunkt ein Mann wie Cube als Chefredakteur einer großen westdeutschen Sendergruppe noch tragbar sei.
Stärkung der Vollversammlung
Neuyork, 18. September, (dpa). Die Vollversammlung der Vereinten Nationen wird am Dienstag eröffnet werden. Wie verlautet, wollen die Vereinigten Staaten mit Rücksicht auf die Lehren in Korea eine Stärkung der Vollversammlung vorschlagen, die diesem Gremium im Falle einer Aggression ein Eingreifen möglich machen, wenn der Sicherheitsrat durch ein sowjetisches Veto gelähmt sei.
Nehrn für Pekings Zulassung
Neu-Delhi, 18. September, (dpa) Der indische Ministerpräsident Pandit Nehru hat am Montag erklärt, die Aufnahme der Chinesischen Volksrepublik in die Vereinten Nationen sei für die Zukunft der Vereinten Nationen und des Weltfriedens von allerhöchster Bedeutung.
Drei Milliarden für die Bundespolizei?
Bedeutsame Unterredung von Adenauer und Schäffer
Bonn, 18. September. (AP.) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat am Montag mit Bundesfinanzminister Dr. Schaeffer die Finanzierung der zukünftigen deutschen Sicherheitspolizei erörtert. Es solle angestrebt werden, jährlich etwa drei Milliarden D-Mark für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.
Als Bewaffnung für die Sicherheitspolizei sollen neben Importen von leichten Handfeuerwaffen auch Maschinenpistolen und leichte Straßenpanzer vorgesehen sein.
Schaeffer soll auf dem Standpunkt stehen, daß keine neuen Steuern für die Sicherheitspolizei erhoben werden sollen. Das Geld müsse durch die Senkung der Besatzungskosten frei werden.
Entscheidung verschoben
Atlantikrat zur Wiederaufrüstung
Neuyork, 18. September, (dpa) Der Sprecher einer Delegation hat erklärt, der Atlantakrat habe die Entscheidung über eine Wiederbewaffnung Deutschlands verschoben. Diese Verschiebung werde jedoch nicht1 "nger als zwei Wochen betragen. Die Außenminister würden inzwischen Anweisungen von ihren Regierungen erhalten und miteinander Fühlung nehmen.
Vorläufig dagegen
Anweisungen für Schuman
Paris, 18. September. (AP.) Amtliche Stellen in Paris haben erklärt, das französische Kabinett habe Außenminister Schuman am Montag angewiesen, in Neuyork weiterhin gegen eine sofortige Aufrüstung Deutschlands Stellung zu nehmen. Das französische Kabinett sei am Montag zweimal zusammengekommen, um die Haltung in dieser Frage festzulegen. Dabei seien die Minister zu dem Schluß gekommen, daß das französische Parlament kein Kabinett im Amt lassen würde, das sich für eine Wiederaufrüstung Deutschlands erkläre, bevor Frankreich selbst seine volle militärische Stärke erreicht habe.
Vexstäürkte ECinberufungen
Washington, 18. September. (AP.) Die amerikanische Armee hat jetzt ihre Ei- Berufungen von Reserve-Offizieren mehr als verdoppelt. Zusätzlich zu den ursprünglich 7 862 Kompanie-Offizieren sind 9 565 Hauptleute und Oberleutnants der Reserve einberufen worden.
Kriegswichtige Rohstoffe
In Amerika unter Kontrolle
Washington, 18. Sept. (AP.) ZWeiunddreißig verschiedene kriegswichtige Rohstoffe, darunter Stahl, Nutzholz, Alkohol für industrielle Zwecke und Nylongarn, werden mit Wirkung vom 18. September in den Vereinigten Staaten der Kontrolle der Bundesstelle zur Bekämpfung übertriebener Vorratshaltung unterstellt. Gleichzeitig werden die Beschränkungen für den Kauf von Automobilen, Möbeln und Haushaltsgegenständen gegen Teilzahlung wieder eingeführt. Das nationale Produktionsamt gab eine Verordnung über eine „Inventar-Kontrolle“ heraus, durch die verhindert werden soll, daß Geschäftsleute über ihren Bedarf hinausgehende Lager unterhalten.
Bewaffnete Volkspolizisten
In West-Berlin verhaftet
er. Berlin, 18. September. (Eigener Drahtbericht.) Eine Kolonne von elf Lastkraftwagen mit insgesamt sieben Anhängern, die die Aufschrift „Merseburger Omnibusverkehr“ trugen, ist am Montagmorgen vom Funkwagen der West-Berliner Polizei im amerikanischen Sektor zwangsgestellt worden. Auf den Lastwagen befanden sich bewaffnete Volkspolizisten, die durch den Besitz von Waffen der ehemaligen deutschen Wehrmacht im Gebiete von West-Berlin gegen die Bestimmungen des Alliierten Kontrollrats verstoßen haben. Die Volkspolizisten werden sich vor dem amerikanischen Militärgericht in Berlin verantworten müssen.
Was hat Adenauer gesagt?
Der „Franc Tireur“ stellt Fragen zu einem Bonner Dementi
Paris, 18. September, (dpa) Unter der Ueberschrift „Schwer zu wissen, was man in Bonn denkt“ veröffentlicht der Korrespondent des „Franc Tireur“, De Dadelsen, am Montag eine Antwort auf das Dementi, das Bonn auf sein Interview mit Dr. Adenauer herausgegeben, hatte. Vor der Unterredung habe ihn Ministerialdirektor Blankenhorn empfangen und gesagt: 1., die vom Bundeskanzler geforderte Bundespolizei solle dazu dienen, innere Unruhen, zum Beispiel an der Ruhr, zu vermeiden; 2., wenn die Presse behaupte, daß der Kanzler eine Polizei verlange, die in der Lage sei, dieselbe Linie gegen etwaige Angriffe der Volkspolizei zu schützen, sq handele es sich um Falschmeldungen oder Verleumdungen.
Der Korrespondent stellt dann folgende Fragen an den Bundeskanzler:
1. Von wem ist das Dementi? Hält Blankenhorn es wieder einmal für nützlich, Adenauer zu dementieren, oder ist es Adenauer, der am 14. September Erklärungen dementieren läßt, die er am 8. September abgegeben hat?
2. Würde der Kanzler die Güte haben, die Dienststellen der Ka izlei darüber zu informieren, daß er mir im wesentlichen in seinem Interview folgendes sagte (hierbei mache ich keinen Gebrauch von zwei Angaben, die er nur für meine persönliche Information gegeben hat):
a) eine Polizei mit leichten Waffen, die hauptsächlich für Verteidigungsaufgaben dienen soll, solle möglichst bald in der Lage sein, sich jedem etwaigen Angriff der Polizei der sowjetischen Zone.an der Elbe entgegenzu stellen;
b) es wäre gut, wenn sich diese Polizei in drei Monaten von jetzt an auf 25 000 Mann belaufen würde und anschließend auf 60 000 Mann verstärkt werden könnte;
c) in Anbetracht der täglichen Unterredungen mit den Oberkommissaren sei nur der Kanzler selbst in der Lage, den Posten eines Außenministers zu besetzen, wenn die drei westlichen Außenminister in Neuyork die Bildung eines deutschen Außenministeriums billigten.
3. In Anbetracht der verschiedenartigen Erklärungen, die der Kanzler in verschiedenen Zeitungen gemacht hat: Welche Möglichkeit wird es von jetzt ab geben, zu erkennen, ob die Erklärungen folgendes ausdrücken:
a) die tatsächlichen Ansichten von Dr. Adenauer;
b) die angeblichen Ansichten von Dr. Adenauer;
c) die wirklichen oder beabsichtigten Ansichten der Dienststellen der Bundeskanzlei. wenn diese sich im Widerspruch mit denen des Kanzlers befinden?
Neuwahlen nur bei einer Niederlage
Die Haltung des englischen Kabinetts zur Unterhausabstimmung
London, 18. September, (dpa) Premierminister Attlee und seine engsten Mitarbeiter haben sich gegen den Gedanken neuer allgemeiner Wahlen in Großbritannien ausgesprochen, es sei denn, die Labour-Regierung erlitte bei der am Dienstag stattfindenden Abstimmung über die Verstaatlichung der Stahlindustrie eine Niederlage. Dies wurde am Montagmittag nach Besprechungen des Kabinetts von maßgebender Seite mitgeteilt.
Politische Kreise Londons hatten nach Bekanntgabe des Regierungsbeschlusses über die Verstaatlichung der Stahlindustrie die Ansicht vertreten, daß die Labour-Regierung unter allen Umständen noch in diesem Herbst Neuwahlen herbeiführen wolle, gleichgültig, ob sie am Dienstag gewinnt oder verliert. Premierminister Attlee soll jedoch der Meinung sein, daß bei der schwierigen internationalen Lage jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt für Wahlen in Großbritannien sei. Das Kabinett ist sich darüber im klaren, daß Churchills Mißbilligungsantrag die Labour-Mehrheit von sieben Stimmen stärker gefährdet als jede vorhergehende Herausforderung der konservativen Opposition. Labouranhänger glauben jedoch, daß sich die Regierung mit ganz geringer Mehrheit, möglicherweise mit ?wei Stimmen, durchsetzen wird, doch hält man eine Ueberraschung nicht für ausgeschlossen.
Die Instruktionen für Bevin
London, 18. September, (dpa) Offizielle Sprecher, die noch am Wochenende mit Nachdruck erklärt hatten, Außenminister Bevin habe um keine neuen Instruktionen in der deutschen Rüstungsfrage nachgesucht, geben nunmehr zu, daß Bevin neue Instruktionen vom britischen Kabinett erhalten habe, die ihm eine grundsätzliche Zustimmung zu dem Plan Achesons ermöglicht hätten. Gleichzeitig wird an offizieller Stelle unterstrichen, alles komme auf den Zeitpunkt an, zu dem der Plan1 Achesons verwirklicht werden könne. Alle offiziellen Aeußerungen lassen erkennen, wie ungern man dieses grundsätzliche Abweichen von der bisherigen Einstellung zugibt.
Stimmen der Anderen
Die Wahl
Zur Frage einer Wiederbewaffnung Deutschlands schreibt die amerikanische Wochenzeitschrift „T i m e“:
„Die westliche Welt ist seit langem zu der Erkenntnis gekommen, daß sie nicht zwischen einem bewaffneten und einem unbewaffneten Deutschland zu wählen hatte. Sie hatte zu wählen zwischen einem durch den Westen bewaffneten und zu kämpfen gewillten Deutschland — und einem durch den Kreml bewaffneten Deutschland, das für diesen kämpfen muß.
Klar wie ein Blitzstrahl hat Korea gezeigt, was eines Tages in Europa geschehen könnte. Die Moral Deutschlands und die des übrigen Europas könnten nur wieder belebt werden durch eine sofortige Aufrüstung in Europa, unter der Leitung der Vereinigten Staaten und mit Deutschland als einem der Partner. Der aus der Schutzlosigkeit Europas entstandene Defaitismus war des Kremls größter Aktivposten im westlichen Europa.“
Meinungsverschiedenheiten
Der konservative „Figaro“ stellt zu den Verhandlungen in Neuyork bedauernd fest, daß die Meinungsverschiedenheiten sich anscheinend ausschließlich auf Herrn Schuman und Herrn Acheson beschränken.
„Es gibt jedoch noch Kompromißmöglichkeiten. Man weist in französischen Kreisen in Neuyork immer wieder darauf hin, daß die Haltung Schumans nicht nur negativ ist. Es gibt vieles, was zu tun man die Deutschen auffordern könnte: Befestigungswerke an der Elbe bauen, die Arbeitseinheiten reorganisieren, die in Transportangelegenheiten bereits eine Hilfsorganisation für die Besatzungstruppen darstellen und freiwillige Verpflichtungen zur Verteidigung des We¬ stens.“
„ L ’ A u b e " schreibt:
„In Neuyork wird die Haltung Frankreichs immer schwieriger. Bevins Unterstützung wird immer problematischer.“
Das Linksblatt „Combat“:
„Bevin gibt Schritt für Schritt den amerikanischen Forderungen nach.“
Eine autonome Bundesbahn
F. A. Z. Frankfurt, 18. September. Der Bund der Steuerzahler hat zu dem beabsichtigten Bundesbahngesetz Stellung genommen und fordert ein Gesetz, das die Eisenbahnen Westdeutschlands zu einem autonomen Unternehmen, mit einer straffen Führung in der Spitze und einem mit den ersten Kapazitäten auf den Gebieten der Wirtschaft und Finanzen besetzten selbstverantwortlichen Verwaltungsrat schaffe.
Englaud ist nicht vertreten
Der Kongreß der Europäischen Parlamentarier-Union in Konstanz
‘Drahtbericht unseres Korrespondenten
W.S. Freiburg, 18. September. In Konstanz ist der Vierte Kongreß der Europäischen Parlamentarier-Union durch ihren Präsidenten Bohny eröffnet worden. An der Tagung nahmen etwa 230 Delegierte aus westeuropäischen Ländern mit Ausnahme Englands teil.
Das englische Parlamentsmitglied Emery Hughes, der bisherige Vizepräsident der Union, hat Generalsekretär Graf Coudenhove-Kalerghi mitgeteilt, daß es ihm unmöglich sei, an dem Kongreß teilzunehmen. „Ich habe kürzlich mit Herrn McKay eine Unterhaltung gehabt und bedauere, sagen zu müssen, daß er der Meinung ist, die Mitglieder der Labour Party des britischen Parlaments wünschten nicht mehr der Europäischen Parlamentarier-Union anzugehören.“ Er habe sich immer mehr davon überzeugt, daß ein energisches Ablehnen des Krieges das einzige sei. Er verwerfe, daß der größte Teil der Mitglieder der Union diese Meinung nicht teile. Deshalb unterbreite er seine Demmission als Vizepräsident.
Der Kongreß begann seine Beratungen mit der Entgegennahme eines Berichtes von Coudenhove-Kalerghi. Darin heißt es, der Europarat habe die großen Hoffnungen enttäuscht, die er erweckt gehabt habe. „Was uns heute besorgt, ist die Zukunft des Europarats, besonders das Schicksal Europas.“ Der Europarat befinde sich in einer Sackgasse. Es sei ein Konflikt zwischen dem Ministerkomitee und der Versammlung ausgebrochen, die durch den Gegensatz zwischen Föderalisten und Antiföderalisten gelähmt sei. Die tiefere Ursache dieser tragischen Situation sei die grundsätzliche Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Großbritannien über die Frage des europäischen Zusammenschlusses.
Weiter sagte Graf Coudenhove-Kalerghi, der Friede zwischen Deutschland und Frankreich könne nur gesichert werden durch einen Bundesstaat unter einer gemeinsamen Verfassung und einer Bundesregierung, gestützt auf eine einheitliche Armee, Wirtschaft und Währung.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck- Mle Rechte beim Wollgang-Kriiget-Verlag. Hamburg
15) ....
„So, Raynald“ — sie nahm seine winzigen heißen Hände, auf denen die feinen blauen Adern durch die Haut schimmerten, in ihre — „ich werde jetzt bei dir bleiben, und Maxine wird dein Essen bringen.“
Seine Augen verdunkelten sich, und er wollte schon Einspruch erheben, aber sie fuhr eilends fort: „Auf einem Teebrett, so wie deine Mama es immer bekommt, und mit einer Blume in der Serviette. Vergessen Sie die Blume nicht, Maxine,“ ermahnte sie das Mädchen, „das ist sehr wichtig; denn Raynald und ich werden versuchen zu raten, was für eine es sein wird, bis Sie wieder da sind. Du fängst an, Liebling. Was für eine Blume, glaubst du, wird in der Serviette sein?"
„Eine Rose?“ Vor lauter Neugierde und Begeisterung . vergaß Raynald seinen Kummer.
„Vielleicht, aber für Rosen ist es eigentlich etwas früh. Ich rate, ein Maiglöckchen. So, jetzt bist du wieder dran.“
„Diese gelben Blümchen im Garten.“
„Narzissen?“ Die sind doch schon alle verblüht. Rate noch mal.“
„Ein Veilchen?“
„Das könnte sein. Im Bois verkaufen sie jetzt welche und Primeln auch. Ich glaube, es wird eine gelbe Primel sein “
„Die rosa finde ich hübscher, ich sage -rosa.“
Und so begannen jene Tage und Nächte unermüdliche Versuche, einen vierjährigen Knaben von der schweren Gefahr, in der er schwebte, nichts merken zu lassen. Noch nie zuvor war Henriette mit Kopf und Hand so beansprucht gewesen; und während sie Schmerzen linderte und bei ihm wachte, Bilder ausschnitt und endlose Geschichten erdachte, bis ihr der Kopf weh tat und sie fast so heiser wurde wie der kleine Patient, marschierte der Frühling auf Paris und nahm die Stadt im Sturm.
Auf dem Lande war der Frühling etwas, was man sah: ein Wunder der Verwandlung, das man täglich vor Augen hatte. In der Stadt hingegen konnte man ihn nur unbestimmt fühlen. Henriette lernte den Rhythmus der Stadt wie ihren eigenen Herzschlag kennen, obwohl sie doch so wenig Teil an ihr hatte, als wären sie und ihr kleiner Pflegling auf dem tiefsten Grund eines Brunnenschachtes gefangen, wo nur der Schmerz ihnen Gesellschaft leistete.
Die anderen kamen und gingen wieder: Maxine und Renee mit frischer Bettwäsche, Essen und Blumen; die gefürchtete Gestalt des Arztes mit seiner Tasche, die für Reynald neue Peinigung und neue Tränen bedeutete; Abbe Gallard in seinem schwarzen Habit; die Herzogin an der Schwelle des ihr verbotenen Zimmers, die Hände ringend und nutzlose Tränen vergießend; der Herzog, der sich leise auf den Zehenspitzen näher schlich, mit besorgtem Blick, in den Taschen und den Händen Geschenke, die Henriette auspacken mußte, da die Hände des Kindes zu schwach geworden waren, um sie zu halten.
„Sieh mal, Reynald,“ hörte sie dann ihre eigene Stimme sich mühen, Vater nicht minder wie Sohn abzulenken, „Soldaten! Ein ganzes Kavallerieregiment mit einem General auf weißem Pferd. Da, wo du deine Knie hochgezogen hast, sind die Alpen und dort müssen sie jetzt hinauf.“
Manchmal gelang es ihr, dem weinerlich verzogenen Mund ein Lächeln zu entlocken, und auch der Herzog sah glücklich aus, wie er sich da über das Bett beugte und Raynald zu ermuntern versuchte, zu essen oder eine Medizin zu nehmen.
„Ja, Monsieur, jetzt sollen Sie mal sehen, wie der Eierpunsch heruntergeht. So, mein Liebling, den Kopf schön zurück, ganz wie ein Huhn trinkt, gleich nochmal — schlucken — ah, das ging nicht gut; das Huhn vergaß den Kopf zurückzulegen. Nächstes Mal machen wir‘s wieder besser."
So brachte sie das Kind mit Lob und Scherz dazu, zu essen; aber über seinen Kopf hinweg tauschte sie mit dem Herzog ungesprochene Frage und Antwort.
Raynald wartete schon immer auf die Besuche seines Vaters und streckte sogar ein schwaches Händchen zum Willkommen aus. Beim Anblick seiner Mutter dagegen wurde er unruhig und verbarg sein Gesicht in den Kissen. Selbst wenn er schlief, schien er von ihrer Gegenwart irritiert zu werden. Er warf sich dann wie in Fiebertäumen hin und her oder wachte auf und rief nach seinem Vater oder „Mademoiselle.“ Henriette fing an, das Auftauchen dieser dunklen bedrückenden Gestalt, die an einem einzigen Vormittag wenigstens ein dutzendmal unangemeldet erschien, zu fürchten. Sie vertraute ihre Besorgnis dem Doktor an, aber er zuckte nur die Schultern und zog die Brauen hoch.
„Sie ist seine Mutter“, meinte er. „Mehr als sie von seinem Bett fernhalten, kann ich auch nicht. Wenn ich es ihr verbiete, überhaupt ins Zimmer zu gucken, wird sie sich vor Erregung auch in ein Fieber hineinsteigern, und dann haben wir zwei Patienten. Ich habe die Herzogin schon lange in Behandlung, Mademoiselle.“
Und dann kam der Tag, an dem das Fieber seinen Höhepunkt erreichte und auch das liebevollste Zureden keinen Schluck durch die entzündete Kehle erzwingen konnte. Der Arzt machte nach seiner Morgenvisite ein sehr bedenkliches Gesicht.
„Wir können jetzt wenig mehr tun als gut achtgeben und abwarten,“ sagte er zu Henriette, bevor er sich zum Bericht zu den Eltern begab. „Wir haben getan, was in unserer Macht stand, und jetzt müssen wir sehen, ob seine eigene Kraft ihn über die Krisis hinwegträgt. Ja, ich erwarte den Umschwung heute nacht— — nun zum Besseren oder zum Schlimmeren. Also nochmal: ruhig halten, gut zudecken und vor allem vor Zug und frischer Luft schützen.“ „Aber Doktor!“ Henriette folgte ihm zur Tür. „Gerade über die Dunkelheit und die stickige Luft beklagt er sich. Ein bißchen Sonne und frische Luft könnten ihm doch gewiß nichts anhaben, wenn man ihn nur nicht einem Zug aussetzt. Er fragt immer nach dem Garten, und wenn er sehen dürfte, wie jetzt dort alles blüht — vielleicht!—!“
„Mademoiselle, sind Sie heute morgen von allen guten Geistern verlassen?“ Der ältliche Arzt sah sie an. als habe er sie bei einem Akt des Hochverrats überrascht. „Der Junge ist doch sterbenskrank; in seinem jetzigen Zustand würde auch nur ein Atemzug frischer Luft verhängnisvoll sein.“
Sie schwieg hierzu, aber die warme, verbrauchte Luft schien schwerer noch als zuvor auf dem Zimmer zu lasten, als Henriette sich wieder zurückwandte.
„Ob krank oder gesund,“ dachte sie bei sich, „zum Ersticken sind wir nicht geboren worden.“
Ein Wandschirm war vor dem einzigen Fenster aufgestellt, dessen Läden nicht geschlossen und dessen Vorhänge nicht zugezogen waren. Da Maxine gerade damit beschäftigt war, das Bett neu zu beziehen, ergriff Henriette die Gelegenheit, etwas frische Luft zu schöpfen. Vorsichtig schob sie die Läden auseinander und stand, vom Licht der Maisonne gebadet, den Wandschirm zwischen sich und dem Zimmer. Sie glaubte sich dort unsichtbar, als plötzlich ein Schritt und eine Stimme an ihrer Seite sie ihren Blick von dem jungen Grün dort draußen im Garten abwenden ließ. Der Herzog war gekommen, und sie sah sofort, daß der Arzt ihn mit seinem Bericht erschreckt hatte. Er war auffallend blaß, und seine Besorgnis schien sich wie eine Maske über das männlich edle Gesicht, das ihr schon so vertraut war, gelegt zu haben.
„Monsieur“ — säe redete ihn jetzt absichtlich nicht mit seinem Titel an und sprach zu ihm, als hätte er ihr seine Gedanken nutgeteilt — „seien Sie nicht so verzweifelt. Raynald wird wieder gesund werden. Ich weiß es genau. In einem Monat wird er draußen herumspringen, und all das jetzt wird vergessen sein.“
„Fast möchte ich Ihren Worten glauben, Mademoiselle“ — er versuchte zu lächeln „aber nach allem, was der Arzt mir eben gesagt hat — und heute nacht die Krisis ,“ er konnte nicht fortfahren.
(Fortsetzung folgt.)
Jndustrie soll der Jugend helfen
Landeskommissar Dr. Newman zur Jugend-Arbeitslosigkeit
mS Land Y SepL (Elg- Ber') Dr> New’ vnr i dnk°mnussar für Hessen, sprach kanic k F Gruppe deutscher und ameriher J°urnalisten, die auf einer in^!dfSe durch die amerikanische Zone J ugendfragen studieren, über das Problem de£ Jugendarbeitslosigkeit in Hessen.
Dr. Newman betonte, daß er gerade dieser Frage großes Interesse entgegen-In, einem langen Brief habe er an den Oberkommissar McCloy über dieses robiem geschrieben, der diesen Brief aann an den Bundeskanzler Adenauer weitergeleitet habe. Dr. Newman betonte, daß er überall großes Interesse für diese Fragen gefunden habe.
Mit Beendigung eines jeden Schuljahres werde die Arbeitslosenzahl um rund 500 000 Jugendliche vermehrt. Vagabundierende Teile dieser Jugend könnten eine sehr erhebliche Gefahr für die wirtschaftliche Situation Deutschlands bilden, wenn sie sich zusammenballen und aus dem Osten das Heil erwarten. Diese Zusammenballung der Unzufriedenen sei anfällig für die Versprechungen aus dem Osten. Ihnen gelte es beizubringen, daß es Wahnsinn sei, diesen Versprechungen zu folgen, da sie damit ihre Freiheit aufgäben für eine wirtschaftliche Sicherheit, die keinesweg vorhanden sei.
Die hessische Regierung tue alles, um hier zu helfen. Es sei aber nun auch Sache der Industriellen, ihr Teil dazu beizutragen. Notfalls müßte die Arbeitszeit verkürzt und auf Provite verzichtet werden, um dafür mehr Jugendliche einzustellen. Denn andernfalls hülfen sie nur dem Kommunismus und schaufeln sich damit selbst ihr Grab.
„Säuberunng“ beginnt
Obermagistratsrat Dr. Hahn entlassen
Frankfurt/M., 18 September, (dpa) Der ehemalige Rechtsberater der Stadt Frankfurt, Obermagistratsrat Dr. Hahn, gegen den seit Mitte August ein Dienststrafverfahren wegen Verstoßes gegen das Grundgesetz und gegen die hessische Verfassung schwebte, wurde am Montag vom Oberbürgermeister Kolb auf Anordnung des hessischen Innenministers Zinnkann entlassen.
Hahn war als Förderer des Berliner Treffens der Freien Deutschen Jugend, und als Vertreter des kommunistischen „Landesausschusses für die deutsche Einheit“ in Hessen hervorgetreten. Er hatte auch als Frankfurter „Delegierter“ an der Tagung des kommunistischen „Nationalrates“ in Ost-Berlin teilgenommen.
Ein „Nationaler Block?“
Wiesbaden, 18. September. (LH) Nach Besprechungen früherer Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei (NDP) mit dem Gründer der Sozialistischen Reichspartei (SRP), Bundestagsabgeordneten Dr. Fritz Doris, wurde mitgeteilt, in Wiesbaden habe sich ein Kreis zusammengefunden, der die Gründung eines „Nationalen Blödes“ vorbereite. Dieser Block solle überparteilicli sein und alle nationalen fortschrittlichen Gruppen zusammenfassen.
Streik bedarf keiner Urabstimmung
Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Frankfurt
Drahtbericht unseres Korrespondenten
ro. Frankfurt, 18. September. In dem Prozeß der Vereinigung des Verkehrsgewerbes in Hessen gegen die Landesgewerkschaft Verkehr und verwandte Gewerbe, der wegen dem Transportarbeiterstreik vor der Frankfurter Frühjahrsmesse im Jahr 1949 angestrengt worden war, ist am Montag vom Landesarbeitsgericht Frankfurt das Urteil verkündet worden. Die Berufung der Klägerin gegen das erstinstanzliche Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt wurde kostenpflichtig zurückgewiesen.
In der Urteilsbegründung führte Landesarbeitsgerichtspräsident Dr. Müller aus, das Gericht sei zu der Auffassung gekommen, daß die Gewerkschaft für die Handlungen ihrer Mitglieder einzutreten habe und als Korporation auch dafür haftbar sei. Das Gericht habe zu prüfen gehabt, ob bei dem Transportarbeiterstreik im April 1949 eine Urabstimmung aller oder nur der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer notwendig gewesen sei. Die Schadensersatzforderung könne jedoch nicht davon abhängig gemacht werden, ob keine Urabstimmung oder keine allgemeine Urabstimmung stattgefunden habe, da das Streikrecht anerkannt sei.
Wenn die Gewerkschaften den Streik erklärten und Streiks nach der hessischen Verfassung zulässig seien, bedürfe ein Gewerkschaftsstreik nicht dei' vorhergehenden Urabstimmung. Hierbei sei jedoch zu beachten, daß dies nur auf Streiks als Mittel des Arbeitskampfes anzuwenden sei. Der sogenannte politische Streik gegen die verfassungswidrig ausgeübte obrigkeitliche Gewalt könne dagegen niemals, auch wenn er lohnpolitisch getarnt sei, zulässig sein, es sei denn, er finde, wie zum Beispiel beim Kapp-Putsch, zum Schutz der verfassungsmäßigen Grundlagen statt. Eine Befragung der nichtorganisierten Arbeitnehmer würde eine gewisse Organisation voraussetzen, die aber nicht vorhanden sei.
Das Gericht stellte ferner fest, daß nicht nachzuweisen gewesen sei, daß die Gewerkschaft für gewisse Streikausschreitungen verantwortlich gemacht werden könne. Sittenwidrig werde ein Streik dann, wenn die Gewerkschaft unerlaubte Handlungen zulasse, nicht dagegen einschreite oder sich gar daran beteilige. Wohl seien Sachbeschädigungen durch Streikende vorgekommen, und es seien auch Barrikaden errichtet worden, um Transporte zu verhindern, jedoch sei nicht festzustellen gewesen, daß die Gewerkschaft damit in Zusammenhang gebracht werden könne. Daß der Streik kurz vor der Frühjahrsmesse ausgerufen worden sei, sei unerheblich. Der Einsatz dieses Kampfmittels liege im taktischen Ermessen dessen, der es anwende. Da der Streik als Kampfmittel von der Rechtsordnung zugelassen sei, so müsse auch die Störung des Wirtschaftslebens in Kauf genommen werden.
Kolping-Tag in Nenwied
Entschließung gegen die Gewerbefreiheit
bb. Koblenz, 18. September. (Eigener Drahtbericht.) Der unter dem Geleitwort „Bessere Menschen, bessere Zeiten“ stehende Mittelrheinische Kolpingtag in Neuwied, an dem neben rund 2000 Kolpingssöhnen aus Westdeutschland und aus dem Saarland auch Justiz- und Kultusminister Dr. Süsterhenn, Bundestagsabgeordneter Dr. Wuermeling und Landtagsabgeordneter Josten (Oberwesel) teilnahmen, hat eine „Entschließung“ angenommen, die „Neuwieder Manifest“ genannt wurde.
In der Entschließung wird unter anderem gefordert, daß das eine kaum zu ersetzende Berufs- und Lebensschule darstellende berufliche Wandern wieder gepflegt werde. Deutschland habe früher über vierhundert Kolpinghäuser zur Aufnahme von wandernden Handwerksgesellen verfügt.
Mit großer Sorge müßte die in einzelnen deutschem Gebieten bereits eingeführte unbeschränkte Gewerbefreiheit betrachtet werden. Wenn der Unausgebildete dem Ausgebildeten gleichgestellt werde, verliere die Stufung Lehrling — Geselle — Meister ihre innere Begründung und äußere Zielsetzung. Dies bedeute nicht nur den Ausfall einer bedeutenden sozialen Erziehungsmacht, sondern den Tod eines für die soziale Wiedergesundung des deutschen Volkes sehr wichtigen Standes.
Der Kolpingtag wende sich gegen alle den Betrieb als Leistungsgemeinschaft zersetzenden und störende Bestrebungen. „Besitz- und Machtdünkel, Klassenhaß und Klassenkampf“ müßten aus den Betrieben verschwinden. Von den Männern des öffentlichen Lebens werde erwartet, daß sie sich für die Erhaltung und Erneuerung der Familie einsetzten. In diesem Zusammenhang werden durchgreifende Maßnahmen zum Schutz der Jugend gegen Schmutz und Schund gefordert.
Solide Auslandsaufträãge
F. A. Z. Frankfurt, 18. September. Auch am zweiten Tag hielt das lebhafte Geschäft in fast allen Branchen ziemlich gleichmäßig an Ueber 39 000 Interessenten darunter 4600 Ausländer aus 31 Landern besuchten die Messe und kauften zum Teil recht umfangreiche Posten ein. Nach dem stürmischen Verkaufserfolg des Sonntags war am Montag die Geschäftstätigkeit in der Textilbranche .et™as ™htger, führte aber noch zu recht beträchtlichen Umsätzen. In der Branche Haus- und Küchengeräte wurden alle Frzeu.,- nisse sehr gut verkauft. Besonders lebhaft war das Geschäft in Metall- und Holzwaren Die Preise sind vor allem bei Holzwaren’durchweg stabil geblieben. Auchan Omßseräten wie Oefen, Herden, wasen masEen usw. wurden befriedigende SaSchlÜsse getätigt. Große Export-Säge erteilten Frankreich, die Scnweiz, USA und Kanada. Steingutwaren gingen sehr flott ab. Brasilien, Argentinien Eng¬ ’and und die Türkei kauften Kuhl¬ -chränke Solinger Werkzeuge waren be¬ ^iders von Schweden stark gefragt Die Nachfrage nach Seifen und seitenhahigen wacnhmitteln war unverändert stark. Unter den Nahrungs- und Genußmitteln erzielten besonders Süßwaren gute Umsätze. Auch die Spielwarenbranche hatte stärkstes Kaufinteresse.
Fünfzia Jahre
Am Donnerstag, dem 5. Oktober, findet in Frankfurt. Neue Schlesingerstraße 24 unter Vorsitz des früheren Darmstädter Studienrats Pfarrer Lic. Dr. Steitz-Bischofsheim die 50-Jahrfeier der kirchengeschichtlichen Vereinigung statt, zu der namhafte Wissenschaftler sowie Freunde und Förderer der Kirchengeschichtsforschung kommen werden.
Die Tagung will den Stand der Kirchengeschichtsförschung darlegen und Ansätze zu ihrer Fortführung aufzeigen. Nach Eröffnung durch Propst Goebeis-Frankfurt spricht Prof. Dr. Georg Biundo von der Universität Mainz über „Die Aufgaben und die Bedeutung der heimatlichen Kirchengeschichtsforschung“, Professor Propst D. Wilhelm Maurer von der Universität Marburg über „Das Bild der hessischen Reformation bei August Vilmar und Heinrich Heppe“. In der Mitgliederversammlung um 11 Uhr 30 gibt Pfarrer Lic. Dr. Steitz den Tätigkeitsbericht. Staatsarchivdirektor Dr. Lud .vig Clemm-Darmtsadt referiert über die Satzungen,
Wirtschaftsblatt
Problematische Richtsäãtze
sp. Wenn je die Frage der richtigen Besteuerung der einzelnen Betriebe des Fleischerhandwerks problematischer Natur war, dann ist sie es für das zweite Halbjahr 1948 und das Kalenderjahr 1949. Was die Aufstellung von steuerlichen Richtsätzen und die Anerkennung der verbuchten Umsätze für diese Zeit so außerordentlich schwierig macht, läßt sich folgendermaßen kurz zusammenfassen. Die Anfänge des freien, nicht mehr der Kontingentierung unterworfenen Einkaufs von Schlachtvieh, insbesondere Schweinen, führen auf die letzten März- und die ersten Apriltage des Jahres 1949 zurück. Die Verallgemeinerung dieser „Selbsthilfe“, wie die Schwarzschlachtungen auch euphemistisch bezeichnet werden, zog sich bis zum Jahre 1949 hin. In dieser Zeit des allgemeinen Durcheinanders hatte sich die Übung herausgebildet, Fleisch und Wurst ohne und auch gegen Bedarfsnachweise zu unterschiedlichen Preisen abzusetzen. Die Dauer dieses chaotischen Zustandes war in den einzelnen Ländern und Kreisen verschieden. Als weitere Erschwerung kommt hinzu, daß die Einkaufspreise für Schlachttiere und Fleisch allein in der Zeit vom 1. Juli bis 15. Dezember 1949 neunmal Veränderungen erfuhren, an die sich die Verkaufspreise jeweils anpassen mußten.
Bei dieser Lage der Dinge kann es nicht wundernehmen, daß die Errechnung von Richtsätzen für diesen Veranlagungszeitraum schon darum außergewöhnlichen Schwierigkeiten begegnet, weil sich in dieser Zeit nicht nur gegen den staatlichen Willen aus natürlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten heraus die Entwicklung aus der Fleischbewirtschaftung vollzog, sondern auch die Bemühungen der einzelnen sehr verschieden waren. Man wird jedoch trotz allseitiger Anerkennung dieses Tatbestandes nur dann etwaigen Meinungsverschiedenheiten zwischen Finanzamt und Steuerpflichtigem begegnen können, wenn man mit konkreten Unterlagen aufwarten kann. Jeder sachliche Beitrag in Gestalt konkreten Beweismaterials ist für das Fleischerhandwerk bedeutsamer und vorteilhafter als langatmige Abhandlungen über die damaligen Marktverhältnisse.
Bekanntlich haben die Finanzbehörden durch ihre Metzger-Fachprüfer bereits eingehende Ermittlungen vornehmen lassen, um die unterschiedliche Preisentwicklung und die stillschweigend geduldete Außerachtlassung der Bewirtschaftungsvorschriften in ihren Auswirkungen auf den Rohgewinnaufschlag zu untersuchen. In diesem Zusammenhang wird es eine der wichtigsten Aufgaben der Organisationen des Fleischerhandwerks sein, durch Lieferung beweiskräftiger Unterlagen für die Errechnung angemessener Steuerbeträge nicht nur ihren Mitgliedern einen Dienst zu erweisen, sondern auch die Finanzbehörden bei ihrer undankbaren Arbeit zu unterstützen.
Zur IG-Entflechtung
b Das Gesetz Nr. 35 der Oberkommission hat bei allen deutschen Stellen Widerspruch uni Bedenken ausgelöst. So nahm auch die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft zu diesem Entflechtungsgesetz für die IG-Farben Stellung. Sie bedauert, daß in einer so wichtigen Frage eine einseitige Regelung von alliierter Seite erfolgte, ohne daß man es für nötig erachtet hat, mit den deutschen Stellen auch nur eine Diskussion zu führen.
Weiter führte die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft in ihrer Stellungnahme u. a. aus, daß die von amerikanischer Seite gelegentlich aufgestellte Behauptung, das Vorgehen gegen die IG-Farben entspräche völlig dem auch in den USA üblichen Verfahren, nicht zutreffend sei. Das amerikanische Antitrustrecht sehe Unternehi.iensgröße „an sich“ noch nicht als Gesetzesverletzung an. Der Beweis für die Behauptung, die IG- Farben-Restbestände stellten weiterhin ein Monopol und die Gefahr monopolistischen Mißbrauchs dar, sei in keiner Weise erbracht. Die in den Westzonen vorhandenen IG-Teile hätten mit dem ehemaligen IG-Koloß, den zu entflechten Berechtigung bestanden hätte, nur noch den Namen gemeinsam. Der Krieg und seine Folgen sorgten bereits für das notwendige Maß von Dekonzentrierung. Die heute in den Westzonen vorhandene IG-Masse dürfte nach der fragllos zu vertretenden Ausgliederung branchefremder Betriebe gerade ausreichend sein, um der deutschen Chemiewirtschaft ein Mindestmaß von Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Konzernen zu sichern, stabile Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen und den notwendigen Umfang wissenschaftlicher Forschung zu ermöglichen.
Die Firma Dupont in den USA verfügt über Aktiven in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar, über einen völlig intakten Produktionsapparat und alle anderen Voraussetzungen erfolgreicher Tätigkeit. Die Antitrustbehörden beschäftigen sich zwar seit Jahren mit der Möglichkeit einer Entflechtung Duponts, sie steckt aber immer noch in den Anfängen und dürfte, besonders angesichts der jüngsten politischen Eereignisse und der für Dupont neu erwachsenen Aufgaben, kaum weitergeführt werden. Es ist daher für die Alliierten nicht leicht, dem Verdacht zu entgehen, aus anderen Motiven zu handeln, als sie das Gesetz formuliert.
Die wirtschaftspolitische Exekutive in der Entflechtung liegt beim Trifco. Der deutsche Liquidationsausschuß spielt als ein Gremium juristischer und betriebswirtschaftlicher Techniker eine völlig untergeordnete Rolle und ist an die Weisungen der HICOG gebunden.
Die Deutsche Angestelltengewerkschaft sagt zum Schluß ihrer Stellungnahme, daß man im Zuge der Tendenzen, den Bereich der deutschen Souveränität auszudehnen hätte erwarten können, daß auf diesem wichtigen Teilgebiet unserer Wirtschaft eine Lösung gefunden wird, die unter deutscher Führung eine den deutschen Interessen dienende Regelung herbeiführt.
Im September 24000 Arbeitslose weniger
Bonn, 18. September, (dpa) Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ist in der ersten Septemberhälfte um 23 985 zurückgegangen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug am 15. September 1 317 221, davon waren 895 168 Männer und 422 053 Frauen.
Benzinzuteilung für das 4. Quartal
Hamburg, 18. Sept, (ast) Die Treibstoffkontingente für das vierte Quartal 1950 sind nunmehr vom Bundeswirtschaftsministerium festgesetzt worden. Mit 416 000 cbm Vergaserkraftstoff und 360 000 t Dieselkraftstoff entsprechen sie den Zuteilungen des dritten Quartals einschließlich der inzwischen erfolgten Nachbewilligungen.
Genehmigung zum Güterverkehr
Frankfurt, 18. September. (F. A. Z.) Der Bundesverkehrsminister hat nunmehr als endgültig letzten Termin für das Außerkrafttreten der vorläufigen Genehmigungen zum Güter- und Möbelfernverkehr den 31. Oktober 1950 bestimmt. Nach diesem Zeitpunkt dürfen nur noch Kraftfahrzeuge zum Güter- und Möbelfernverkehr eingesetzt werden, wenn die endgültigen Genehmigungen auf Grund des Güterfernverkehrsänderungsgesetzes vorliegen. Der Regierungspräsident in Wiesbaden als Genehmigungsbehörde wird über die bei ihm vorliegenden Anträge bis zu diesem Zeitpunkt entschieden haben. Unternehmer, die es bisher versäumt haben, einen Antrag auf Erteilung einer endgültigen Genehmigung zu stellen, werden hiermit nochmals gebeten, ihren Antrag umgehend bei ihrem zuständigen Verkehrsdezernat einzureichen.
Reichsbahn- und Post-Anleihen
F. A. Z. Nach Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz sind die Verhandlungen in Bonn über eine Anerkennung der Verpflichtungen aus den alten Reichsbahn-Anleihen noch nicht abgeschlossen worden. Die Entwürfe der Gesetze über die vermögensrechtlichen Verhältnisse der Deutschen Bundespost und der Deutschen Bundesbahn liegen den zuständigen Ausschüssen vor. Die Arbeitsgemeinschaft verlangt, daß in diese Entwürfe ein Vorbehalt zugunsten der Anleihen aufgenommen wird.
Gegen Preisvorbehaite
F.A.Z. Der Gesamtverband der Textilindustrie „Gesamttextir hat in Bad Schwalbach eine Hauptausschußsitzung abgehalten, auf der unter anderen auch Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard anwesend war. Professor Dr. Röpke, Genf, hielt vor den Textilfachleuten einen Vortrag über die Marktwirtschaft. In einer Entschließung wurde einmütig die Auffassung vertreten, daß die deutsche Textilwirtschaft unbedingt an dem jetzigen Preis- und Lohnniveau festhalten wolle. Sie empfahl, allen Firmen von der Anwendung jeglicher Preisvorbehalte Abstand zu nehmen.
Niedriger deutscher Weinkonsum
Bad Kreuznach, 18. Sept. (F.A.Z.) Professor Dr. Dr. Noell von der Nahmer sprach auf dem Deutschen Weinbaukongreß über das Thema: „Der deutsche Weinbau im europäischen Wirtschaftsraum“. Die Anbaufläche des Weines in Deutschland betrage, so erklärte der Redner, 51 500 Hektar, in Frankreich dagegen das 35fache, das heißt 1,8 Millionen Hektar Italien das 34fache, Spanien das 27fache, Portugal das siebenfache der deutschen Anbaufläche. Der Konsum in Frankreich belaufe sich auf 140 Liter pro Kopf und Jahr, das ist das 47fache des deutschen Konsums, während die Anbaufläche nur 35mal größer als die deutsche sei. Dr. Bewerunge sprach über neue Wege der Weinwerbung. Ein Beweis für die Notwendigkeit der Werbung sei die Tatsache, daß der Weinkonsum in Deutschland auf drei Liter pro Kopf der Bevölkerung gesunken sei. Eine intensive Werbung sei im Interesse des Exports unbedingt nötig.
Kurz gemeldet
Der Gesamtwert der Ausfuhr des Bundesgebietes stieg im August auf 754 Millionen D-Mark. Gegenüber 730 Millionen D-Mark im Vormonat. Gleichzeitig ging der Gesamtwert der Einfuhr auf 860 (949) Millionen D-Mark zuruck.
Unterlagsreben müssen bis Ende Oktober bei den ausländischen Lieferfirmen bestellt werden.
Für die Erhöhung der Butterpreise trat der Zentralausschuß der deutschen Landwirtschaft auf einer Sitzung in Bad Kreuznach ein. Die Voraussetzungen für die Preissenkungen im Sommer seien nicht mehr gegeben.
Im Juli beliefen sich die Brandschäden im Bundesgebiet auf 14,48 Millionen D-Mark gegenüber 15,88 Millionen im Juni.
Ein Rekordpreis für Wolle von 217 d je 1b wurde Freitag in Melbourne erzielt.
Tabakernte in Hessen und Niedersachsen
Die ersten Verkäufe am 21. und 22. September in Heidelberg
BD. Die Hereinnahme der Grumpen, der Speckrippen und der Sandblätter von den frühen und mittelfrühen Beständen ist im mitteldeutschen Tabakanbaugebiet im wesentlichen beendet. In den später gesetzten Tabakfeldern werden die Vorsortierungen nach dem Grade der Reife durchgeführt. Der Tabak konnte sich in diesem Jahre nach dem Auspflanzen aus den Saatbeeten durch gut verteilte Regen und rechtzeitige Bodendurchwärmung schnell üppig entwickeln. Auch kam ihm die starke Sonneneinstrahlung im Mai und Juni bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit besonders zu statten. Die Blattausbildung war eine hervorragende. Es gibt besonders schöne, große und leichte Sandblätter und ebenso ein vorzügliches Mittelgut. Die Rippenanteile sind sehr gering, die Nerven ungewöhnlich fein, so daß sich viel brauchbares Zigarrenmaterial ergeben wird mit hohen Quoten an Deck- und Umblatt-Tabaken.
Hinsichtlich der zu erzielenden Preise für inländische Tabake ist man in Fachkreisen der Ansicht, daß für Zigarrengut bestimmt die vorjährigen Preise mit Zuschlägen angelegt werden. Für Schneidegut liegen die Absatzverhältnisse schwieriger. In allen Lägern des Rohtabakhandels und der Industrie sind noch ansehnliche Bestände an Schneidegut-Tabaken aus 1949 vorhanden. Ob die von den 60 000 westdeutschen Tabakpflanzerbetrieben geforderte 50 prozentige Beimischung inländischer Rohtabake bei der Herstellung des steuerbegünstigten Feinschnitts und der „schwarzen“ Zigarette von der Bundesregierung genehmigt wird, steht noch nicht fest. Mit Spannung sieht man der ersten Einschreibung dei’ losen und gebüschelten Grumpen sowie von Schneidegut am 21. und 22. September 1950 in Heidelberg entgegen, wo der deutsche Tabakverkauf eröffnet und die Preise im freien Wettbewerb bestimmt werden.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z. An der Frankfurter Börse fanden die optimistischen Ausführungen des Bundeswirtschaftsministers Dr. Erhard anläßlich der Eröffnung der Frankfurter Messe starke Beachtung. Fast alle Aktienmärkte verkehrten bei lebhaften Umsätzen und stärkerer Publikumsbeteiligung in fester Haltung. Stärkere Kursverbesserungen waren vor allem am Montan-, Maschinen-, Zellstoff- und Baustoffmarkt zu verzeichnen,
Berliner DM-Wechselkurs
F.A.Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 18. 9. 50 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.
Sinkende Schweinepreise
Frankfurt, 18.9. (Sch) Auf dem Frankfurter Schlachtviehmarkt wurden am Montag die Schweine in der Spitzenklasse mit 1,40 bis 1,44 DM verkauft, während sie in der Vorwoche noch 1,40 bis 1,50 DM kosteten. Auch in den weiteren Klassen gingen die Schweinpreise zurück.
Internationale Warenpreise
| Chicago cMittelkurse. Cents | per bushel) Weizen pet Sept. | 14. 9 | 16,9. |
| Mais, per Sept. | 222,75 | 221,25 | |
| Hafer, per Sept | 155,25 | 154.38 | |
| - Schweine schwere (höchster | 81,— | 81,— | |
| Preis per ib.) | 22,75 | 21,75 | |
| Schmalz, loco | 15,—G | 15,— | |
| Ne« Vork (Cents per 1b.)... | |||
| Zucker Nr. 4 per Jan ... | 5,640/5,66 B | ||
| Kaffee „D“ per Sept | 54,80 N | — | |
| Kakao, Accra, loco | 44,25 N | — | |
| Kakao, Bahia, loco | 43,25 N | —- | |
| Häute, per Sept | 29.10G/308 | — | |
| Baumwolle, loco | 41,79 | 42,04 | |
| Baumwolle per Okt. 50 .... | 40.89 | 41.14 | |
| Baumwolle per Dez. 50 | 40,90 | 41.11 | |
| Baumwolle per Dez. 51 | 35,45 N | 35,08 | |
| Bauwollsaatöl per Okt | 20.45 G | 19,90 G | |
| Kammzüge, loco | 301,—N | ||
| Kautschuk, loco | 57,50 N | — | |
| Kautschuk per Sept. 50 | 57G/57.508 | —— | |
| Kautschuk per Dez. 50 | 52,50 | — | |
| Kautschuk per Mai 51 | 48,—G | —— | |
| Kupfer. Weitexport, fas. ... | 24,50 | 24,50 | |
| Blei, gewöhnlich | 16,— | 16,— | |
| Zink, East St. Louis | 17,50 | 17.50 | |
| Zinn, stralts | 103,50 N | 103,—N | |
| London, Zinn, Settlement | (Pfund per ton) | 790,— | — |
| Kautschuk, loco | 48,—N | —— | |
| (pence per Ib.) | Alexandria, Baumwolle, fnllj | good (tallatls per cantar) | 113,90 |
| Karnak | 121,65 | —- | |
| Zagora | 111,90 | •— | |
| 113,40 | — |
Feuilleton
Der mißverstandene Tannhäuser“
ZUR OPERNPREMIERE DES LANDESTHEATERS
Das Problem einer heutigen „Lannhäuser“-Aufführung ist nicht damit gelöst, daß man den „Kontrast zwischen all dem Uebersinnlichen und Realen“ zu gestalten versucht, zu dessen Exemplif.zierung alle möglichen und unmöglichen theatralischen Effekte spielen läßt, um schließlich daraus „eine ins Geistige zielende Diskussion“ zu entwickeln. Diskutieren läßt sich nicht über eine Geistesform, wenn sie in einer abgelebten Hülle eines Kunstwerkes erscheint, dessen Aussage nicht einmal für seine Zeit bindend und allgemeingültig gewesen ist. Um den „Tannhäuser“ dem heutigen Zuschauer wenigstens leidlich schmackhaft zu machen, gehört der unbedingte Wille zur Konzentration der Kräfte, die im romantischen Teil des Stückes affektgeladen und mit allem Zauber versehen sein müssen, so weit er für die Gegenwart als illusionssicher angenommen werden kann, die andererseits im realen Teil sich historisierend knapp, mit wenig Beiwerk und in novellistischer Bildhaftigkeit zu verhalten haben.
Es fällt dem Rezensenten bei dem Konglomerat der hiesigen Tannhäuseraufführung nicht leicht, den Intuitionen der Regie von Dr. Siegmund Skraup zu folgen, da viels einfach unverständlich blieb. Während man sich teilweise genau an Wagners Vorschrift hielt, übersprang man in ebenso vielen Punkten diese Anweisungen. So darf man doch nicht glauben, wenn ein Sänger en face ins Publikum singt, daß er uns damit „die entscheidende Bedeutung“ seiner Handlung oder Seelenstimmung einflößen kann. Das läßt uns kalt. Wir hören dann nämlich nur Musik, identifizieren uns aber keinesfalls mit seiner geistigen Haltung. Welch naive Zumutung dem heutigen Publikum gegenüber! Unter manchen anderen Ueberraschungen sei des „Großinquisitors“ mit Anhang im Sängersaal gedacht. Sein warmer Händedruck wird Wolfram unvergessen bleiben, seine Flucht bei Tannhäusers Gesang auf die sinnliche Liebe schätzt aber doch den damaligen Klerus gegenüber den menschlichen Trieben zu gering ein. Einen kleinen Schock erlitt man beim Schluß noch beim Aufzug der Augustinernonnen, von weitem wie eine Schar trauernder Pinguine anzusehen. Sie sollten die abgehärmten und hären bekleideten, jungen Pilger darstellen, gaben aber in der wilhelminischen Schlußapotheose dem hirtenstabschwenkenden Priester das jungfräuliche Geleit. Auf diese Weise bekam dann Tannhäuser gegen Wagners Willen doch den Segen der Kirche, und Elisabeth hatte sich umsonst geopfert. Deswegen brauchte auch der Sünder nicht aus Dank über ihrer Bahre zu sterben. Ich bitte, mir den Ausdruck nicht zu verübeln, aber alle diese Dinge sind doch wohl, gelinde gesagt, zu provinziell erfunden, um mit „heutigem Stilbewußtsein“ und Niveau verwechselt werden zu können.
Um so bedauerlicher wirken jene Fehleffekte (es sind nur einige angeführt worden), weil andererseits in der Szenerie des ersten Aktes, den Massenszenen des zweiten Aktes und der Gestaltung des letzen so viele Partien geglückt sind, daß man sich ob der Diskrepanz nur zu wundern vermag. Es ist noch bedauerlicher, sich gleich bei einer der ersten Aufführungen so negativ äußern zu müssen. Es besteht aber die Gefahr, daß dem Publikum ein vermeintlicher Stil aufoktroyiert wird, der leider keiner ist, weder bildhaft noch geistig.
Das Bühnenbild war von Wolfram Münz mit neuer Sachlichkeit erfüllt und wurde allen Situationen gerecht. Im zweiten Akt sah man zwar nicht den Sängersaal auf der Wartburg, sondern eine höchst neuzeitlich wirkende und nach italienischer Renaissance stilisierte Treppenhalle, die im Vorderprospekt mit zwei Saulenbögen den Rahmen von Schwindts bekanntem Gemälde nachahmte. Aber damit wird das Problem für Massen auf einer Notbühne allein noch nicht gelöst. Ich möchte noch einmal auf die Notwendigkeit der Mitarbeit von Architekten hinweisen, die in einer Stadt mit Technischer Hochschule nicht schwer zu finden sein dürften. Denn es sind m. E. architektpnische Fragen, die einer raumgebenden Lösung harren.
Richard Kotz leitete das Orchester mit auffallend guter Präzision, prägnanten Tempi und zurückhaltender Dynamik. Die Musik wurde dadurch plastisch und leicht überschaubar und trug in dieser Art den größten Teil des Erfolges in sich.
Die Chöre hatte Paul Cadow einstudiert. Mitglieder des Musikvereins verstärkten in selbstloser Weise den Klangkörper. Eine gewisse Unsicherheit und der Hang zum Detonieren dürften bei den kommenden Aufführungen abgestellt werden können.
Um die Choreographie war Ingeborg Niederberger bemüht. Sie möge es mir nicht übelnehmen, wenn ich die Tänze im Venusberg sehr harmlos fand. Von Sinnlichkeit war nichts zu spüren. Oder sollte die Musik Wagners den heutigen Tänzer nicht mehr inspirieren können? Neben Salomes Sieben-Schleier-Tanz halte ich das Bacchanale immer noch für die größte klassisch-erotische Ausdrucksmusik.
Die Darsteller bewältigten ihre Aufgabe mit Bravour. Charlotte Raab, muß hier an erster Stelle genannt werden. Ihre Elisabeth war vorbildlich durchgespielt. Joachim Sattler als Gast sang den Tannhäuser ein wenig zu böse, sonst aber mit allen trefflichen Eigenschaften eines versierten Wagner-Darstellers. Stimmlich erschien sein Organ überanstrengt. Martha Geister blieb der Partie der Venus nichts schuldig. Heinz Prybit (Landgraf) und Willibald Vohla (Wolfram) erfreuten in Haltung und schönem Gesang. Ruth Wilke stellte einen reizenden Hirtenknaben dar. Zu erwähnen wären noch Franz Köth (Walter v. d. Vogel weide), Heiner Horn (Biterolf), Ferdi Küppers (Heinrich der Schreiber) und Theodor Maaß (Reinmar), die ein vorzügliches Ensemble als Minnesänger abgaben..'.
Der. Beifall bei ausverkauftem Hause war anhaltend, ließ aber gewisse Schwankungen erkennen. Wahrscheinlich machten sich auch beim Publikum jene Erwägungen bemerkbar, die oben nur kurz angedeutet wurden- Die romantische Oper „Tannhäuser“, so wert sie uns sein mag, findet uns heute in einer geistigen Situation, deren eigene Art uns erst bei einem solchen Werke ganz deutlich und klar wird. Ob sich aus jener Atmosphäre noch Aspekte für uns ergeben, dürfte zu bezweifeln sein, nachdem eine künstlerische Wiedererweckung des Werkes auf so viele Schwierigkeiten stößt. G. I.
Pierre Paul Prud’hon (1758—1823): Halbakt. Zeichnung. Aus: Kunstkalender 1950. F.-Bruckmann-Verlag, München
Tannhäuser privat
EIN BESUCH BEI KAMMERSÄNGER JOACHIM SATTLER
Nach der Premiere des „Tannhäuser“ am Sonntag hatten wir Gelegenheit, Kammersänger Joachim Sattler in einem kleinen Kreis von Freunden zu sprechen. Es dauerte etwas länger als gewöhnlich bis er erschien, denn immerhin hatte er 50 „Vorhänge“, und am Künstlereingang wartete eine Schar Unentwegter.
Joachim Sattler war zumindest genau so freudig überrascht wie sein Darmstädter Publikum, als er erfuhr, daß ihn das Landestheater zur Übernahme der Titelpartie im „Tannhäuser“ eingeladen hatte. Und das kam so: Am vergangenen Donnerstag, also drei Tage vor der Premiere, kam während einer Probe im Staatstheater in Hamburg die Sekretärin des Generalintendanten auf ihn zu, um ihm mitzuteilen, das Landestheater Darmstadt habe angerufen und ihn gebeten, den „Tannhäuser“ zu singen. Das war so gegen 13 Uhr. Sattler fuhr, wie er gerade war, nur mit dem Nötigsten in einer Aktentasche, zum Hauptbahnhof, stieg in den Schnelltriebwagen — und war um 22 Uhr in Darmstadt. Am nächsten Morgen Generalprobe, noch einmal Repetitionsprobe — und dann hinein in die Premiere.
„Ehrlich gestanden: ich hatte doch gewisse Hemmungen, denn wissen Sie, wenn man, wie ich, seine Laufbahn hier in Darmstadt begonnen hat, und nun einmal — wenn auch nur als Gast — zurückkehrt, dann darf doch um Gottes willen nichts passieren. Natürlich ist es nicht leicht, mit nur zwei Proben in die besondere Inszenierung von Dr. Skraup hineinzukommen. Aber es hat wohl doch geklappt, nicht zuletzt dank des guten Zusammenspiels mit den anderen Darstellern.“
Generalmusikdirektor Mecklenburg teilte uns mit, daß Joachim Sattler einer der wenigen sei, die praktisch alle Wagner-Tenorpartien gesungen haben, vom Steuermann im „Fliegenden Holländer“ über den jungen Seemann im „Tristan“, den Claudio im wenig gespielten „Liebesverbot“ (in Anlehnung an „Maß für Maß“ entstanden) bis hin zu den großen tragenden Partien in „Löhengrin“, „Tannhäuser“, „Parsifal“, „Ring“ usw. Seine erste große Rolle allerdings hatte er nicht in einer Wagner-Oper, sondern als Don Jose in „Carmen“.
Köstlich waren einige selbsterlebte Bühnenanekdoten, die Sattler zum besten gab. Da krachte ihm in Elberfeld mitten in der Venusbergszene der Hosenträger, und das Trikot begann, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, zu rutschen. So mußte Sattler entgegen aller Regieanweisung seine Partie sitzend weitersingen, bis der Vorhand fiel. Als Lohengrin wurde Sattler einmal von einem „expressionistischen“ Schwan auf die Bühne gebracht — dem lieben Federvieh war der Hals abgebrochen.
Joachim Sattler wird am Donnerstag wieder im Orangeriehaus die Partie des ~Tannhäuser“ singen. Voraussichtlich am 22. Oktober wird er, ebenfalls mit „Tannhäuser“ in Darmstadt seine Jubiläumsvorstellung anläßlich seiner 25jährigen Bühnenlaufbahn geben. Im übrigen aber bleibt alles bei dem, was er uns schon vor einigen Wochen in Affolterbach erzählte: Neben seinem festen Engagement in Hamburg werden ihn Gastspiele nach Dresden, Leipzig und Berlin, nach Rom, Triest, Genua und Barcelona führen. Und vielleicht — so hoffen wir — kommt er auf einer seiner Reisen wieder einmal nach Darmstadt, wo immer ein großer Freundeskreis auf ihn warten wird. -n
Der Marburger Schloßkongreß
Ueber 300 Teilnehmer waren zu diesem Doppelkongreß (Kongreß für Religionswissenschaft und Deutscher Orientalistentag) erschienen, etwa 200 Orientalisten und 100 Religionswissenschaftler. 84 Vorträge waren angemeldet. Damit diese alle in den vier Tagen, die zur Verfügung standen, gehalten werden konnten, hatte man für die Religionswissenschaftler drei und für die Orientalisten fünf Fachgruppen gebildet, die gleichzeitig tagten.
Nach dem Festakt im großen Rittersaal des Marburger Schlosses, das bei dieser Gelegenheit der Universität Marburg übergeben wurde, begann am Nachmittag der wissenschaftliche Teil des Kongresses mit einem einstündigen stark besuchten Vortrag von Prof. Stier (Münster) „Die Bedeutung des alten Orients für die Herausbildung der griechischen Kultur“. Der Vortragende unternahm es, die Abhängigkeit der altgriechischen Kultur von der altorientalischen an Hand eines konkreten Beispiels nachzuweisen, der Geschichte und Vorgeschichte des in Kleinasien von den Karern vorgebildeten und erst in nachhomerischer Zeit durch die Griechen übernommenen Helmbuschs. In diesem Punkt waren seine Ausführungen durchaus einleuchtend. Ob er darüber hinaus mit seiner Meinung recht hat, daß die Griechen beinahe alle Elemente ihrer späteren Hochkultur aus dem alten Orient übernommen haben, müßte im einzelnen wohl erst noch bewiesen werden, und selbst wenn dieser Beweis erbracht werden sollte, dürfte den Griechen immer noch das Verdienst bleiben, aus jenen Elementen die Hochkultur entwickelt zu haben, die sie befähigte, das kulturell führende „Europa“ hervorzubringen.
Am Abend des ersten Tages gab Prof.' Fück (Halle) eine weitausgreifende Ueberschau über die „Epochen der islamischen Geschichte“. Er begann mit der Feststellung, daß der Islam von vornherein als politische Religion aufgezogen war. Das mache sich bei all den verschiedenen Staatenbildungen innerhalb des Islams von der Gründung der ersten islamischen Gemeinde durch den Propheten in Medina bis zu der in unseren Tagen erfolgten Teilung Vorderindiens in das muslimische Pakistan und das nicht-muslimische Indien immer wieder bemerkbar. Schon Mohammed habe staatliche Mittel eingesetzt, um seine politischen Ziele (die zugleich religiöse Ziele waren!) zu erreichen. Dieses doppelte Gesicht des Islams habe einen großen Teil der islamischen Staaten befähigt, sich bis heute zu behaupten trotz vielfachen Dynastienwechsels, mannigfacher ethnischer und sozialer Umschichtungen und auch der Duldung, die sie aus volkswirtschaftlichen Rücksichten ihren nicht-muslimischen Untertanen und deren Kulten entgegenbrachten.
Der nächste Tag brachte einen weiteren für eine größere Zuhörerschaft berechneten Vortrag, den von Prof. H. Ritter (Frankfurt) über den früh-islamischen Mystiker Bajezid Bistämi (erste Hälfte des 9. Jahrhunderts n. Chr.), einen vermutlich von Indien aus beeinflußten Perser. Seine nur als scheinbar zusammenhanglose Aphorismen erhaltenen Aeußerungen wurzeln durchweg in seinem eigenen Innenleben. Die Umwelt bedeutete für ihn wenig oder nichts. Der auf die. Ueberlieferung bauenden Religionslehre der Orthodoxie stand er durchaus ablehnend gegenüber. Sein Wissen sei Eingebung von Gott, erklärte er stolz. Die sogenannten „frommen Werke“ wie Gebet, Fasten u. dgl. sind für ihn bedeutungslos. Sogar das Paradies hat nach Bistämis Ansicht für den wahren Gläubigen keinen Wert, wenn er dort nicht der Schau Gottes teilhaftig wird. Gelegentlich nähert er sich dem Erlösungsgedanken anderer Religionen, indem er sich bereit erklärt, die Höllenstrafe auf sich zu nehmen, um die Menschheit davor zu retten.
Einen großen, an die Allgemeinheit gerichteten Vortrag hielt ferner Frau Dr. Otto-Dom aus Heidelberg über „Figurendarstellung in der islamischen Kunst“. Im Islam besteht ein (wohl nur auf irrtümlicher Auslegung einer Koranstelle beruhendes) Verbot, lebende Wesen, namentlich Menschen, abzubilden. Dieses Verbot wird seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. zwar theoretisch in allen islamischen Ländern anerkannt, praktisch aber nur in der sakralen Kunst wirklich durchgeführt, während sich die profane Kunst wenig darum kümmert und es vereinzelt sogar gewagt hat, den Propheten Mohammed selbst abzubildeh. Ausgezeichnete farbige Lichtbilder vermittelten von der Entwicklung der Figurendarstellung seit der Zeit der Ummaijaden (deren Lustschlösser in der Syrischen Wüste prächtige große Wandgemälde aufweisen) bis auf unsere Tage, wo eine imponierende Wirklichkeitstreue erreicht ist, ein sehr anschauliches Bild. — Den letzten großen Vortrag, über den ich als Ohren- und Augenzeuge berichten kann, hielten die Aegyptologen Prof. Schott (Mainz) und Dr. Ricke (Zürich) über „Pyramidenkult und Pyramidentempel“. Prof. Schott erläuterte die ursprünglich vorhandenen landschaftlich bedingten Unterschiede zwischen den Tempeln und Grab anlagen in den verschiedenen Teilen Aegyptens und betonte, daß die Funktion der einzelnen Räume in diesen Gebäuden meistens bereits aus der baulichen Anlage zu erkennen und tatsächlich auch erkannt worden sei. Dr. Ricke ging bei seiner „Führung durch die Tempelräüme“ (an Hand von Lichtbildern) noch einen Schritt weiter, indem er bei bestimmten, durch Flugzeugaufnahmen nachgewiesenen, aber noch nicht ausgegrabenen Grab anlagen gewisse von ihm postulierte Uebergangsformen im Grundriß zeigte, so, „wie sie zutage kommen werden/ wenn die betreffenden Anlagen einmal ausgegraben sind“. Das klang beinahe wie eine Wette mit den zukünftigen Ausgräbern!
Nicht beiwohnen konnte der Referent leider dem symbolgeschichtlichen Vortrag von Prof. Goldammer (Marburg) über „Die heilige Fahne“. Auf die kürzeren Fachvorträge (etwa 75 an Zahl) einzugehen, Verbietet der Raum.
A. Schaade-Hamburg.
Junge Menschen musizieren
Im Nachbarschaftsheim im Prinz-Emils-Garten brachte die Geigerin Erika Schneider mit ihren Schülern, verstärkt durch Musikliebhaber aus dem Freundeskreis, Werke von Bach, Torelli, Mozart und Haydn zu Gehör. Es steht außer Zweifel, daß bei diesen Darbietungen nicht mit den Maßstäben künstlerischer Kritik gemessen werden kann. Es geht nicht darum, die Einzelleistungen der. kleinen und größeren Künstler zu analysieren. In einer Zeit wie der unseren, die jeglichen festen Maßstab verloren hat, die einer moralischen und ethischen, Auflösung überkommener Werke Vorschub leistet, mutet das Zusammenkommen einiger junger Menschen zum Zwecke des Musizierens sonderbar an. Der Mangel künstlerischer Techhik wird durch die Begeisterung an der Sache ausgeglichen, die Freude an der guten Musik wirkt kraftgebend und richtungsweisend, es sind keine Wunderkinder und Jugendliche, die sich einem kritischen Publikum mit einstudierter Gestik stellen, sondern junge Menschen, die sich in der gemeinsamen Liebe zu den lauteren Quellen der europäischen Musikkultur vereinen. Zweifellos sind bei vielen von ihnen Ansätze für eine wahre und tiefe Musikalität zu finden. Gewiß gäbe es an dem Ensemblespiel mancherlei auszusetzen, die Tempi werden etwas großzügig genommen, der Bogenstrich ist in manchem zu streng rind zu hart, aber hier hat die Kritik vor dem guten Willen zur ausübenden Musik zu schweigen. Es ist eine ungetrübte Freude, zu hören, mit welcher Frische an die Partituren herangegangen wird. Aus dem Rahmen des Konzertes, das von der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft mit Begeisterung aufgenommen wurde, ragte Th. Wörrtle mit seinem Mozartschen C-dur-Andante weit heraus, was Gefahr bedeutete, daß der Sinn dieses Jugendkonzertes gesprengt wurde. Seine sauberen Flötenansätze haben wir bereits in Kirchenkonzerten zu hören bekommen. Die beste Leistung des Abends war die Sinfonie Nr. 27, G-dur von J. Haydn, in der das Ensemblespiel den tiefsten Eindruck hinterließ, in reinem Kammermusikcharakter, der dem Raum eine transparente Intimität verlieh. hfl
Auch eine ,Ausstellung!
Karl May im Amerika-Haus
Seit es die Reise- und Abenteuerbücher Karl Mays gibt, konnte keine endgültige Klärung über den Autor erzielt werden. Wo er von der großen Zahl seiner Anhänger begeistert verteidigt wird, steht die Ablehnung der Pädagogen und anderer Sachkenner seinem Schaffen gegenüber. Seine ethisch-christliche Auffassung vom Leben kann nicht bezweifelt werden, in allen seinen Büchern bricht diese liebeheischende Weltanschauung des Autors durch. Zweifelhaft erscheint nur gelegentlich die Methodik, mit deij die Läuterung der Handlung durchgeführt wird. Seit vielen Jahren geht das Tauziehen um die Bedeutung und Anerkennung der Mayschen Werke, und es ist anzunehmen, daß niemals eine eindeutige Klärung der Sachlage erfolgen wird, auch nicht durch eine genaue Karl-May-Forschung.
May gehört zweifellos heute zu den Klassikern der Jugendliteratur, wobei es gleich ist,; den Standort zu präzisieren, den Gegner und Freunde seines Schaffens einnehmen. Karl-May-Festspiele und Ausstellungen haben sich seit jeher besonderer Beliebtheit bei jung und alt erfreut. Scrist es sicherlich anzuerkennen, daß das Darmstädter Amerika-Haus sich der Bedeutung Karl Mays angenommen hat, indem es eine Karl-May-Ausstellung veranstaltete, der sich ein Vortrag über dessen Schaffen anschloß.
Wenn man eine Einladung zu einer derartigen Ausstellung erhält, so verbindet man damit gewisse Vorstellungen, die man bei Besichtigung der Ausstellung erfüllt sehen will. Die Karl- May-Ausstellung war „überwältigend“. Auf drei bunten Papierbogen Waren die Titelbilder seiner Standardwerke aufgeklebt, einige Photos aus dem Karl-May-Museum ergänzten das Ganze, und erst nach einigen Minuten kam man auf den Gedanken, daß dies wohl die gesamte Ausstellung sein müsse, da einfach nichts anderes zu betrachten war. Fürwahr eine traurige Ausstellung, die diesen Namen eigentlich nicht, verdient. Fraglich bleibt nur, ob die Leitung des Amerika-Hauses ihre Vor- Stellungen von einer Ausstellung in diesen wenigen Attributen Mayscher Schaffenskraft erschöpft sah,
Am Abend nach der Eröffnung dieser „Ausstellung“ sprach dann der bekannte Karl-May-Experte Bernhard E. Schulz unter dem Thema „Unsterblicher Winnetou“ zu einigen Erwachsenen, Mädchen und vielen Buben, die gewiß ein stärkeres Eingehen auf ihre geliebten Winnetoubücher und reichhaltigere und bessere Lichtbilder erwartet hatten. Dennoch traf der Redner mit dem eingehenden Bericht von Karl Mays Leben, Schaffen und Erlebnissen und seiner persönlichen Bindung an den Freundeskreis der May-Familie und Winnetouspiele den rechten Ton für seine jungen Zuhörer, die interessiert lauschten und herzlichen Beifall spendeten hinter dem abschließenden Wort: „Howgh!“, ich habe gesprochen.
Engelmann-Uraufführung
Hans Ulrich Engelmanns neue Funkoper „Doctor Fausts Höllenfahrt“ ist für diese Spielzeit am Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg zur Uraufführung vorgesehen. Die musikalische Leitung wird in Händen des musikalischen Oberleiters vom NMDR Hamburg liegen. Der Funkliegt ein handfestes Libretto von Kiabund zugrunde, welches das Faustproblem auf neue und hintergründigkabarettistische Art glossiert. Die musikalische Szene bedient sich der Mittel des singenden Darstellers, wie ihn Weill und Blacher bisher einsetzten.
Notizen
Weil er Hans Carossa als „Kröte“ be¬ zeichnet hatte, ist dem Bibliothekar und Archivar der Stadt Weißenburg, Dr. Decker v°n..d®r Stadt Weißenburg zum nächstmoghchen Termin gekündigt worden.
Michelangelo-Film in Neuyork ausge¬ zeichnet. Der 1938 von Curt Oertel gedrehte Dokumentarfilm ..Michelangelo“ ist mit dem Preis des ..New York City College für schöpferische Leistungen auf dem Gebiet der Dokumentarfilmherstellung ausgezeichnet worden.
Darmstadt und Umgebungz
Zehntausend Besucher in Griesheim
Ein Fest der Bauern aus dem Landkreis Darmstadt
„Herzlich willkommen!“ riefen an den Ortcausgängen von Griesheim große Iransparente den Besuchern zu und die festlich geschmückten Häuser gaben diesem Ruf ein frohes Echo zum Fest der Bauern in Griesheim.
Die Durchführung der Gesamtveranstaltung lag in den Händen des Griesheimer Bauernvereins. Träger der sportlichen Veranstaltungen war der Griesheimer Reit- und Fahrverein.
Fast 200 Pferde, die täglich in der Landwirtschaft Zugarbeit leisten, waren bereits am Samstagnachmittag am Start, um die reiterlichen Vorprüfungen in sämtlichen Konkurrenzen zu beginnen
Abends um 20.30 Uhr fanden sich Reiterinnen und Reiter sowie alle Freunde und Anhänger des Bauernstandes im Saale „Zum grünen Laub“ beim großen Festkommers, der von der verstärkten Kapelle Kahl, Frl. Schilling, dem Männergesangverein „Harmonie“, dem Radfahrerverein „Conus“ und einer Tanzgruppe gestaltet wurde, ein.
Begrüßungsworte sprachen Herr Höhl, der Ortsvorsitzende des Griesheimer Bauernverbandes, Herr Knebel, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Darmstadt und der Schirmherr des Festes, Herr Bürgermeister Müller. Für den Reit- und Fahrverein Griesheim richtete dessen 1. Vorsitzender Stumpf mahnende Worte an die Jugend, die er aufforderte, ihren älteren Vorbildern nachzueifem.
Mit dem Weckruf, an dem sich der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim und die Kapelle Kahl beteiligten, wurde der Haupttag des Festes eingeleitet. Ab 7.00 Uhr bis zum Abend wurde auf dem idealen Griesheimer Sportplatzgelände am Felsenkeller ein vielseitiges reitsportliches Programm abgewickelt.
Höhepunkt des Festes war am Nachmittag der Festzug, an dem sich neben vielen Ortsvereinen des Kreisbauernverbandes auch alle Griesheimer Vereine mit annähernd 25 Wagen beteiligten. Der Zug wurde von vielen Reiterabteilungen begleitet und zeigte Szenen aus dem ländlichen Leben von einst und jetzt
Auf dem Turnierplatz sprach der Hauptgeschäftsführer des Hess. Bauernverbandes, Nöll, für den verhinderten Bundestagsabgeordneten Kneip. Er hob hervor, daß das bäuerliche Selbstbewußtsein und die Bauernehre in der bäuerlichen Jugend zu neuem Leben erweckt werden müsse. An Hand von Zahlen bewies er, was das bäuerliche Volk für die Volksernährung in den letzten zwei Jahren geleistet habe. Unter den Gästen sah man u. a. einen Vertreter des Regierungspräsidenten, Ministerialdirektor Friedrich und Landrat Wink, die mit Interesse den pferdesportlichen Wettkämpfen folgten, über deren Ausgang wir im Sportteil unserer Montagsausgabe ausführlich berichteten.
Am Sonntagabend kamen alle Festteilnehmer noch einmal im Saale „Zum grünen Laub“ zum Reiterball und zur Preisverteilung zusammen. Oberstallmeister Dr. Denker überreichte dem 1. Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Griesheim für seine vorbildliche Leistung eine Plakette. Anschließend bekam die 1. Reiterabteilung Griesheim den von ihrem Vorsitzenden im Vorjahr gestifteten Wanderpokal überreicht. Tanz und Unterhaltung hielt alt und jung noch einige Stunden in froher Stimmung zusammen.
Leuchtender Stadtplan am Hauptbahnhof
Am gestrigen Tag übergab die „Stadtplanwerbung GmbH“ aus Stuttgart am Darmstädter Hauptbahnhof ihre neue leuchtende Werbetafel ihrer Bestimmung. Nach über einjährigen Verhandlungen mit den zuständigen Stellen konnte nun der „lebendige“ Stadtplan als 27. Tafel dieser Art in Süddeutschland gegenüber dem Hauptausgang des Bahnhofs seine Aufstellung finden.
Mit ihren Ausmaßen von fünf zu etwas über einen Meter steht sie . mit der Schmalseite zum Bahnhof hin, um den Blick ungehindert auf den Bahnhofsplatz freizugeben. Zwei große, bunte Stadtpläne von Darmstadt sind auf beiden Seiten hinter Glas sichtbar. Unterhalb der Pläne sind die Namen der Behörden und Firmen, die mit dieser Anlage werben, wie die Sehenswürdigkeiten der Stadt alphabetisch geordnet. Sucht man als Fremder nun etwa das Landratsamt, so sieht man auf die Zahl, die auf dem Register hinter dem Behördennamen vermerkt ist, z. B. 7. Neben dem Stadtplan sehen zwei große Knöpfe aus der Glaswand heraus, in der Art, wie wir sie von unseren Radiogeräten her kennen. Ueber dem einen steht „Behörden“ und über dem anderen „Werbende Firmen“. Unser Reisender dreht nun den „Behördenknopf“ auf die Nummer 7 und siehe, auf dem Stadtplan leuchtet eine winzige Birne auf, die ihm die Richtung und die Lage des gesuchten Amtes mitteilt.
So kann man sich über die Krankenhäuser, . Museen, über die Industriefirmen und Verwaltungsdienststellen informieren lassen und erspart sich viel Aerger und Zeit mit vergeblichem Umherfahren in der Stadt. Auf jeder Seite der leuchtenden Werbetafel sind fast 200 Glühlämpen befestigt, die bei Behörden und Sehenswürdigkeiten rot und bei den Firmen weiß aufleuchten. Bei Polizeirevieren, wie bei Firmen mit Filialbetrieben leuchten alle Niederlassungen gleichzeitig. Vier Trommeln sorgen für den notwendigen Kontakt mit der elektrischen Anlage, und da sie ohne Zahnräder arbeiten, ist eine Beschädigung selbst bei kraftvoller Beanspruchung nicht möglich. Neben dem Stadtplan sind eine ganze Reihe von mittleren und größeren Glasfeldern, die den Firmen als Werbefläche vorbehalten sind.
Ebenfalls werden noch die Omnibus- und Straßenbahnfahrpläne angebracht werden, und dann dürfte selbst ein Wilder aus Hinterindien das Ziel seiner Reise in Darmstadt mühelos finden, vorausgesetzt, daß er lesen kann. Abends bei Einbruch der Dunkelheit, schaltet sich eine automatische Lichtanlage ein, die den ganzen Bau bis zum Tagesanbruch beleuchtet.
Alles in allem: etwas Derartiges war dringend erforderlich, und es ist zu hoffen, daß nun endlich die unschöne Plakatwand aus rohen Brettern gegenüber dem Bahnhofsausgang verschwinden wird, zumal der neue, leuchtende Stadtplan Werbung und Dienst am Reisenden gleichzeitig ist. st
Nies-Prozeß vertagt
Neuer Verhandlungstermin 9. Oktober
Am Montagnachmittag wurde vor der Großen Strafkammer in Mainz die Verhandlung gegen den Kaufmann Alfred Nies fortgesetzt. Nach dem Plädoyer des Verteidigers, der in einigen Anklagepunkten Freispruch und milde Verurteilung beantragte, brachte der Angeklagte selbst seine Hoffnung zum Ausdruck. milde Richter zu finden.
Nach zweistündiger Beratung des Gericht« verkündete der Vorsitzende, daß die Verhandlung in diesem Prozeß unterbrochen werde und der Angeklagte auf seinen Geisteszustand hin untersucht werden solle. Der Prozeß wird am 9. Oktober fortgesetzt werden. Hiermit ist eine entscheidende Wende in dem großen Betrii^pr-Prozeß eingetreten.
Dieser Beschluß findet seine Begründung in dem Umstand, daß der Angeklagte in früheren Jahren an einem Gehirntumor zu leiden hatte und darüber hinaus in den beiden letzten Kriegen Kopfverletzungen davongetragen habe. Für die Erstattung des Gutachtens wurde der Leiter der Nervenklinik an der Universität in Mainz, Professor Ruffin und der Leiter des Psychologischen Instituts Prof. Undeutsch bestellt. W.W.
Ausschneiden! Aufbewahren!
Steuer- und Wirtschaftskalender
20. September: Beförderungssteuer im Güterfernverkehr, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer.
24. September: Ortskrankenkasse. Letzter Tag. an dem der Beitrag für den Vormonat an die Allgemeine Ortskrankenkasse Darmstadt noch ohne Kosten gezahlt werden kann.
30. September: Feuerschutzsteuer. Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer.
30. September: Versicherungssteuer. Zahlung nach dem Prämien -Ist- Betrag, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer für die monatlichen Zahler.
30. September: Ortskrankenkasse. Fälligkeit des Beitrages an die Allgemeine Ortskrankenkasse in Darmstadt für den Monat September 1950. H. W. W.
Zusammenschluß
der Freireligiösen
Als „Bund Freireligiöser Gemeinden — Freie Religionsgemeinschaft Deutschlands“ haben sich die beiden führenden Organisationen der freireligiösen Bewegung auf einer gemeinsamen Tagung in Wiesbaden vereinigt. Zum Bundesvorstand wurden gewählt die Herren Stadtrat Wilhelm Schäfer, Ludwigshafen, Dr. Georg Pick, Mainz und Oberregierungsrat Albert Heuer, Hannover. Zweck des Bundes, der nunmehr innerhalb Westdeutschland mehrere hunderttausend Mitglieder umfaßt, ist die gemeinsame Verteidigung der Glaubens- und Gewissensfreiheit als staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.
Studienreise für Heim und Familie
Frau Machwirth fährt für ein Vierteljahr nach Amerika
Wie viele Bewerberinnen hatte auch Frau Erna Machwirth, Stadtverordnete und Vorsitzende des Hausfrauenbundes, mit großem Zweifel und leiser Hoffnung im Frühsommer ihren Antrag an die Austauschabteilung des Landeskommissars in Wiesbaden gestellt, um zu einer Studienfahrt durch Amerika zugelassen zu werden. Daß der persönlichen Bewerbung, der kein Vorschlag von einer Partei oder sonstigen Organisation begünstigend zur Seite getreten war, nach Monaten die schriftliche Zusage antwortete, kam Frau Machwirth selbst unerwartet und überraschend in die mancherlei Vorbereitungen für die Herbstarbeit.
„Mein Studium gilt drüben Heim und Familie. Besonders möchte ich aus eigener Anschauung die Stellung der Frau in der Familie und im öffentlichen Leben in Amerika kennenlemen und ergründen, warum der Einfluß der Frauen im politischen Leben so viel stärker ist als bei uns, obwohl sie in nicht wesentlich größerem Maße Stellungen im öffentlichen Leben, z. B. als Abgeordnete, bekleiden“, erklärte sie uns.
Frau Machwirth ist sich dabei bewußt, daß man Verhältnisse, die im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ sich organisch entwickelt haben, nicht einfach übernehmen kann. Doch hofft sie, daß aus den Einblicken, die sie drüben bekommt, sich Anregungen und neue Impulse für ihre Arbeit in unserem Stadtkreis ergeben möchten. Es ist dabei ihr Wunsch, nicht so sehr das amerikanische Geschäftshaushaltsleben der großen Städte kennen zu lernen, als besonders die Verhältnisse kleinerer Städte mit etwa der Bevölkerungszahl wie Darmstadt und unsere Kreisstädte zu studieren. Wie weit ihre Reiseroute diesem Wunsche entspricht, kann sie noch nicht sagen, denn sie bekommt sie selbst erst nach ihrer Ankunft in Washington mitgeteilt.
Frau Machwirth reiste gestern mit einem Flugzeug vom Rhein- Main-Flughafen ab. Nach 18stündiger Flugdauer wird sie Washington erreichen und dann ein Vierteljahr Zeit haben, um auf dem Gebiete „Heim und Familie“ allen Fragen nachzugehen, die sie interessieren. Glücklicherweise teilt ihre Familie ihre Auffassung, daß sie aus der Verpflichtung gegenüber ihrer Arbeit im öffentlichen Leben die gebotene Möglichkeit einer solchen Studienreise wahrnehmen mußte, und gibt sich deshalb willig darein, drei Monate ohne die sorgende Mutter und Hausfrau auszukommen.
Wir wünschen Frau Machwirth, die sich zum ersten Male dem Flugzeug anvertraut und als einzige Frau aus Hessen für den Sektor „Heim und Familie“ der Austauschstelle die Reise unternimmt, gute Fahrt, angenehmes und reiches Studienfeld und eine glückliche Heimkehr. Di.
Der Tranm vom Abenteuer ist ausgeträumt
Ein Jahr Jugendgefängnis für Hans, den Dieb
Die Flut von billigen Schundromanen schürte in dem 16jährigen Hans die Abenteurerlust. Er stammt aus gutem Hause. In der Schule war er fleißig, bis er in das Lausbubenalter kam. „Ich kann mir den plötzlichen Umschwung meines Jungen einfach nicht erklären“, klagte der bekümmerte Vater dem Richter. Kaum in die Schreinerlehre gekommen, bestahl Hans seinen Meister. Er flog. Ein Spenglermeister nahm ihn auf. Doch auch bei ihm machte Hans lange Finger. Der Meister drückte nochmal ein Auge zu. Zum Dank entwendete ihm Hans kurz darauf 20 DM. Es ergaben sich Auseinandersetzungen mit dem Vater, der seinem Jungen eine landwirtschaftliche Arbeitsstelle verschaffen wollte. Diese Arbeit behagte jedoch dem jungen Burschen mit dem Abenteurergedanken nicht. Er stahl kurzerhand ein Fahrrad und wollte in die Welt radeln. Bereits bei Aschaffenburg kehrte er reuemütig um. Allerdings nicht in sein Elternhaus. In einer Autogarage richtete er sich heimlich eine Lagerstätte ein. Als man ihn dort entdeckte, „siedelte“ er in den Keller eines Trümmergrundstückes in der Künstlerkolonie um. Dort, schuf er sich ein „romantisches“ Nachtlager und lebte vom Stehlen. Er brach in Häuser ein oder beraubte parkende Autos.
Als ihn schließlich die Polizei aufstöberte. festnahm und ins Ohlystift einlieferte. hatte Hans über ein Dutzend Diebstähle auf dem Kerbholz. Die Atmosphäre eines Erziehungsheimes gefiel Hans natürlich ganz und gar nicht. Mit anderen Burschen schmiedete er einen „Fluchtplan“. Man verabredete sich, Fahrräder zu stehlen und in die Schweiz zu fahren. Die Sache kam jedoch heraus und Hans ins Kittchen..
Amtsgerichtsrat Holzschuh, ein auf dem Gebiet der Jugendkriminalität erfahrener Mann, sezierte den Fall nicht nur als Richter, sondern auch als Pädagoge und Psychologe. Er entschied auf ein Jahr Jugendgefängnis. In Rockenberg wird er Gelegenheit haben, seine Spenglerlehre fortzusetzen.
Rätselraten mit lust Scheu
Wie hoch liegt der Eberstädter Bahnhof?
Einen wohlgelungenen fröhlichen Abend aus dem Stegreif veranstaltete die Ortsgruppe der Naturfreunde Eberstadt im Riedbergheim. Dazu eingeladen waren auch alle Gäste, die für die Nacht im Naturfreundehaus Herberge gefunden hatten. Geboten wurden in bunter Reihenfolge Musikstücke und Volkslieder. Erstmalig traten die „Riedbergspatzen“ mit ihren Gesängen auf. Dann wurde Just Scheu mit seinem Rätselraten abgelöst und Fragen aus allen Wissensgebieten fühlten den Naturfreunden auf den Zahn. Schlagfertig folgten die Antworten, die musikalische Begabung und Kenntnisse verlangten. In der Heimatkunde jedoch war bei vielen die Sprache weg. Wo ist die Philippsruhe? Wo stehen die Rabensteine? Wie hoch liegt der Eberstädter Bahnhof? . . . 120,7 Meter ü. d. M., was wir noch gleich verraten wollen.
Der Wille der Bevölkerung ist oberstes Gesetz
Am Montag sprach in der überfüllten Stadthalle Oberbürgermeister Metzger vor den Bediensteten der Stadt über seine Eindrücke in Amerika.
Nach einem kurzen Ueberblick über seine amerikanische Reiseroute, die ihn kreuz und quer durch den amerikanischen Kontinent geführt habe, kam er auf seine speziellen Eindrücke zu sprechen. Besonders auffallend sei in Amerika die Handhabung der kommunalen Verwaltung, die auf den ersten Blick einen ziemlich chaotischen Eindruck mache. Die Verwaltung sei überhaupt in allen einzelnen Staaten und Gemeinden, selbst in den Stadtteilen unterschiedlich und recht eigenwillig. So gäbe es in Los Angeles innerhalb des Stadtbezirkes verschiedene unabhängige Städte, die ihre selbständige Verwaltung haben. Der Wille der Bevölkerung ist in Amerika oberstes Gesetz, aber die konsequente Durchführung dieser These lasse sich nur in einem reichen Staate verwirklichen.
Während wir Deutschen ein Volk der Theorie und der grundsätzlichen, systematischen Ueberlegung seien, würden bei den Amerikanern Grundsätze keinerlei Bedeutung haben, sie gingen von der Empirie aus und scheren sich einen Teufel um Dogmen und überlieferte Anschauungen. Obgleich es zweifellos Dinge in der amerikanischen Verwaltung gäbe, die wert seien, daß wir uns mit ihnen beschäftigen würden, sei es eine sehr teure Verwaltung, für die wir gar nicht die erforderlichen Mittel aufbringen könnten. Eines könne uns aber zum Vorteil werden: die typisch amerikanische Fähigkeit des Menschenumgangs. Zwischen Publikum und Behördenangestellten bestehe ein absolut ungezwungenes Verhältnis. Unter dem Beifall der Zuhörer forderte Oberbürgermeister Metzger, daß der deutsche Bürger von seinem traditionellen Obrigkeitsdenken abkommen müsse.
Der unbeschränkten amerikanischen Freiheit mußten Konzessionen gemacht werden, es gäbe heute eine Planung, für deren augenscheinlichstes Beispiel der Redner das Tennesse-Projekt an führte, wo mit Hilfe und auf Anregung des Bundesstaates sieben Staaten an ein riesiges Bewässerungs- und Siedlungsprogramm herangegangen wären. Im Jahre 1942 haben die prozentualen Einnahmen des Bundes nur 32 Prozent des gesamten Steueraufkommens ausgemacht, aber bereits 1947 waren die Summen auf 73 Prozent angestiegen. Ein freies Unternehmertum in unbegrenztem Außmaße gibt es nicht mehr, und der Standpunkt der individuellen Freiheit des Bürgers, nach der selbst bis vor wenigen Jahren noch Gewerkschaften verboten waren, da sie einen Druck auf die Unternehmer ausüben könnten, der mit der freien Entscheidung des einzelnen in keinem Einklang stände, mußte einer baldigen Revision unterzogen werden.
Nach kurzen Ueberblicken über die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten in den Staaten kam Oberbürgermeister Metzger auf seine persönlichen Bekanntschaften mit alten Darmstädtern und Hessen zu sprechen, die nach den USA ausgewandert waren. Der Redner, der im amerikanischen Hessen-Darmstädter Volksverein sprechen konnte, und dort zum Ehrenmitglied ernannt worden war, erklärte, daß er die Hoffnung habe, daß die Verbindungen, die er während seiner dreimonatigen Studienreise in den Staaten anknüpfen konnte, auf die Dauer ihren Einfluß für Darmstadt geltend machen könnten. Ueberall habe er feststellen können, daß die Amerikaner allen deutschen Dingen- mit ausgesprochener Freundlichkeit entgegenkämen, und daß die ehemaligen Deutschen, die nun seit vielen Jahren in Amerika ansässig sind, mit einer bewunderswerten Liebe an ihrer alten Heimat hingen. hfl.
Fachkurse der Ingenieurschnle
Wie uns die Direktion der Städt. Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik mitteilt, wird die Schule im kommenden Winterhalbjahr an die berufstätigen Facharbeiter, Werkmeister und Ingenieure, die in ihren Fachkenntnissen mit den stetig wachsenden Anforderungen der Technik Schritt halten wollen, mit einem umfangreichen Programm zur Fortbildung herantreten. Vorliegenden Anregungen und Wünschen entsprechend werden Einzelvorträge, Abend- und Ganztageskurse auf folgenden Gebieten veranstaltet werden:
Schweißtechnik der Metalle, Schweißen und verarbeiten plastischer Kunststoffe, Hochfrequenztechnik, Installation elektrischer Leitungen und Maschinen, Elektrowärmeeinrichtungen, Elektrizitätszählerprüfung, Wärme- und Kältetechnik, Heizung und Lüftung, Fertigungsmeßtechnik für Maschinenbau, Fertigungsgerechtes Gestalten von Maschinenteilen, Maschinenzeichnen, Chemischer Apparatebau, Ingenieurmathematik, Ingenieurphysik.
Für die Durchführung des Programms stehen der Schule außer ihren eigenen Lehrkräften und Versuchseinrichtungen Fachingenieure namhafter Firmen und deren materielle Unterstützung zur Verfügung.
Einzelheiten werden in unserem Anzeigenteil demnächst bekanntgegeben.
Neue Schwurgerichtsperiode
Vier größere Prozesse
Die vierte Sitzungsperiode des Darmstädter Schwurgerichts in diesem Jahr beginnt am 25. September. Insgesamt werden vier Prozesse durchgeführt. Eröffnet wird die Sitzung mit der Verhandlung gegen August Lernbecker aus Bensheim, der sich wegen versuchten Totschlags zu verantworten hat. Am 27. September folgt der Termin gegen den wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagten Darmstädter Wilhelm Pfeifer. Am 29. September verhandeln die Geschworenen gegen Therese Deckert aus Griesheim bei Frankfurt, die der Abtreibung mit Todesfolge beschuldigt wird. Den Abschluß bildet ein Meineidsprozeß gegen eine Frau aus Neu-Isenburg.
Die Sitzungsperiode endet am 2. Oktober. Den Vorsitz führt wie bisher bei allen Schwurgerichtsverhandlungen in diesem Jahr Landgerichtsdirektor Heinrich Hahn. Sitzungsaal ist der Raum 303 im Gerichtsgebäude am Mathildenplatz. wst.
Angestelltenausschuß des DGB
Wie der Kreisausschuß Darmstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes mitteilt, haben die Delegierten der Angestelltenfachgruppen aller Industriegewerkschaften auf ihrer Tagung vom 14. September 1950 in Darmstadt die DGB-Angestelltenfachgruppen für kaufmännische, technische Angestellte und Werkmeister für das Organisationsgebiet des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisausschuß Darmstadt gegründet.
Diese Fachgruppen fassen die in allen Industriegewerkschaften organisierten technischen, kaufmännischen Angestellten und Werkmeister zusammen, um in engster Verbindung zueinander die immer dringlicher werdenden Angestelltenfragen zu behandeln, Fachkenntnisse auszutauschen und zu erweitern, Nachwuchsschulung zu organisieren und aufklärend unter den Angestellten der Industrie, des Handels und der Behörden zu wirken.
In der gleichen Tagung hat sich aus den 3 genannten Angestelltenfachgruppen ein Angestelltenausschuß gebildet, zu dessen Vorsitzenden Herr Franz Guer da n , Darmstadt, Mühlstraße 6, gewählt wurde.
Es ist beabsichtigt, im Laufe des Winters mit mehreren größeren Veranstaltungen die Angestellten und die Oeffentlichkeit mit den Problemen der Angestellten anzusprechen. DT
Heimatvertriebene in Eberstadt
In einer gut besuchten Mitgliederversammlung des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen e.V., Ortsgruppe Eberstadt, im Gasthaus „Zur Rose“, betonte Herr Urbanke in bezug auf die eigenständigen Landsmannschaften, daß die Einheit der Vertriebenen unter allen Umständen gewahrt bleiben müsse. Im Vorstand des Kreisverbandes Darmstadt seien schon alle Landsmannschaften vertreten. Häufig werde gesagt, der Verband habe nur eine soziale Aufgabe, und die kulturellen Belange der Heimatvertriebenen müßten deshalb von den Landsmannschaften wahrgenommen werden. Anschließend verlas Herr Urbanke eine Stellungnahme des Landesverbandes zu den Landtagswahlen. Während in Schleswig-Holstein die Heimatvertriebenen 40 Prozent der Bevölkerung ausmachten, seien es in Hessen nur 16 Prozent. Der Kreis der Berechtigten für die Ueberbrückungsbeihilfe sei vergrößert worden. Anträge auf Hausratshilfe könnten noch bis zum 31. Oktober, auf Aufbauhilfe bis 15. Oktober, gestellt werden. E-s
In der Stadt notiert
Vor den Kasino-Lichtspielen in Zchcilgen, Dieburger Str., kam es gestern nachmittag gegen 16.00 Uhr zu einem Zusammenstoß zwisc’,on ein.m amerikan’ sehen Lkw. und einem deutschen Lieferwagen. Es entstand Sachschaden an dem Lieferwagen. Personen wurden nicht verletzt.
... an derselben Stelle ereignete sich dann noch ein weiterer Zusammenstoß zwischen einem amerikanischen Lkw. und einem Volkswagen. Auch hier gab es nur Sachschäden.
Vom Dach fiel gestern in der Liebigstraße in der Nähe des Gaswerks ein Dachdecker aus 21/s—3 m Höhe. Er zog sich einen Steißbeinbruch zu und wurde ins Krankenhaus’eingeliefert.
Einen Knöchelbruch zog sich gestern nachmittag eine 15jährige Schülerin in der Eleonorenschule während der Turnstunde zu.
Oberbürgermeister Metzger wird demnächst in einer SPD-Versammlung den Eberstädter Bürgern über seine Eindrücke in Amerika berichten. t-s
WIE-WIRD- DAS- WENER
Zeitweise freundlicher
Vorhersage: Am Dienstag wolkig, mit Aufheiterungen, größtenteils trocken; Tageshöchsttemperaturen um 17 Grad, nachts ziemlich frisch. Winde um West. Weitere Aussichten: Am Mittwoch erneut Verschlechterung.
Wohin gehen wir heute?
Landestheater, Orangerie: 19.30 Uhr „Maß für Maß“ von Shakespeare. Ende gegen 22.15 Uhr.
Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil. Amerikahaus (Krone): 20.00 Uhr Jazzabend. Carl Frederik und seine Solisten.
Technische Hochschule: Raum 167, 19.30 Uhr „Aktuelle Psychologie“, Dr. Adolf Zeddies spricht über: Leitlinien der richtigen Menschenbehandlung.
Wir gratulieren
80. Geburtstag. Frau Elisabeth Kollmann geb. Krebs, Kleestadt (älteste Einwohnerin.)
70. Geburtstag. Herr Philipp Bormuth, Kolmbach.
STARKENBURG
Gebannte Gefahr?
Bürgermeister kommen und gehen derzeit. Eine während der Amtsperioäen ungewöhnliche Tatsache. Ungewöhnlich deshalb, weil es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern diese „Einzelfälle“ bereits die Gestalt eines allgemeinen Zustandes angenommen haben. Abgesehen von den Fällen, in denen ehrenamtliche Ortsoberhäupter zu hauptamtlichen gemacht werden.
Aber da sind noch die anderen Vorkommnisse, die schon einmal als ein „Akt der Reinigung“ angesehen wurden. Und wiederum auch jene, in denen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl dazu führten, daß das Verwaltungsgericht ihre Wiederholung entschied. Wieder andernorts legt man das Amt nieder, ohne aus der Entfernung erkennen zu können, ob es nicht dem Zwang gehorchend oder aus eigenem Antrieb geschah.
Eine Kuriosität unter all diesen Fällen bildet die Gernsheimer Bürgermeisterkrise. Der geruhsam seine Samstagnummer erwartende Leser wird am vergangenen Wochenende nicht wenig überrascht gewesen sein, diese — obwohl scheinbar schon nahezu abgeklungen — in einem neuen Stadium erleben. Auch für die Gernsheimer Bevölkerung mag die Nachricht, daß der seitherige Bürgermeister Adler seinen Rücktritt widerruft, eine allgemeine Ueberraschung gebildet haben.
Die Vorgänge sind zu bekannt, als daß sie noch einmal wiederholt werden müßten. Anschuldigungen wechseltfen miteinander ab. Keiner wußte, was wirklich war und fest stand nur eines, daß der Rücktritt Adlers angenommen war. Sein Widerruf läßt nunmehr die ganze Angelegenheit in einem völlig neuen Aspekt erscheinen.
Wie der Fraktionsvorsitzende der Gernsheimer CDU dazu mitteilte, soll Adlers Rücktritt so erfolgt sein, daß er genügend Zeit gehabt hätte, sich diesen reiflich zu überlegen. Von einem Zwang zu diesem Schritt könne keine Rede sein. Zudem habe der Bürgermeister bereits vorher seinen Abschied eingereicht.
Demgegenüber sprich'. Adler in seinem Schreiben davon, daß er bei seinem Gesuch von Erwägungen ausging, die er heute, nach Erreichung eines Abs’andes von den Dingen, „als für eine Rücktrittserklärung nicht stichhaltig und maßgeblich erkennen muß“. Er halte es für seine Pflicht, sein Amt weiterzuführen, beantrage aber gleichzeitig gegen sich ein Disziplinarverfahren.
Von Menschen aber, die gegen sich selbst ein derart’ges Verfahren anstrengen. kann man für gewöhnlich keine ..Selbstmordabsichten“ annehmen. Sie sind sich grundsäztlich ihrer Sache so sicher, daß sie es ruhig wagen können. Wie aber nun im Falle Gernsheim?
Die Umstände sprachen so eindeutig gegen Adler, daß man nichts dabei finden konnte, zumal sein eigener Rücktritt diese Tatsache erhärtete. Wenn allerdings heute sein Widerruf erfolgt — man behauptet, daß es ihm hierbei um die Weiterzahlung der Bezüge gehe — so läßt sich noch eine übrige Version schaffen:
Wie wäre es. wenn beisoielsweise Adler in jenen Tagen seines Rücktritts eine Gefahr erkannte, der er nur durch einen entschlossenen Schritt entgehen konnte? Der er zu entrinnen glaubte, in dem er abdankte. Und die nun — zu seinem Vorteil — voübergmg, ohne daß irgendeiner diese Gefahr gegen ihn nutzte bzw. daß sie nicht auftrat, weil keiner der übrigen sie erkannte? Die nun abgeklungen ist — und zu dem Widerruf, ja sogar zur Beantragung eines Disziplinarverfahrens gegqn die eigene Person Anlaß war?
Klar denkende Menschen könnten zu dieser Annahme kommen. Wobei nicht gesagt sei, daß es nun wirklich so wäre. Daß Adler ein Spieler sei, der die neue Chance erkenne und wiederum setze. Denn man sollte den Stab nicht brechen, ehe die Taten nicht selbst das Urteil sprechen. Aber könnte man es irgendeinem verübeln, zu dieser Annahme zu kommen, besonders im Hinblick auf das Durcheinander, das in Meldung und Dementi auftrat, hervorgerufen durch das undurchsichtige Geschehen in Gernsheim? Arco
Dieburg erwirbt Industriegelände auf Vorrat
Gemeinderat beendet „Dreiecksrennen“ um die Milch
Die von Altheim nach Dieburg führende Wechselstromleitung liegt über einem Gelände, das in den letzten Jahren als Wohngebiet erschlossen wurde und auf dem bereits sechs Doppelhäuser errichtet sind. Die Stadtverwaltung war nun wegen der Gefahr, die eine solche Leitung für das Baugebiet mit sich bringt, der Ansicht, daß die Leitung verlegt werden müsse. Die HEAG jedoch stellt sich auf den Standpunkt, daß der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 7 Metern gewahrt sei; sie hat sich außerdem bereit erklärt, die maßgeblichen Spannfelder längs der Leitung mit sogenannter „erhöhter Sicherheit“ aufzuhängen. Ehe die Stadt jedoch von ihrer erhobenen Forderung auf Verkabselung, die erhebliche Kosten verursachen würde, abgeht, soll das Urteil eines unbeteiligten Fachmannes eingeholt werden.
Das Wettrennen um die Versorgung der Stadt mit Frischmilch wurde durch Abstimmung beendet: Der Gemeinderat stimmte der von der hessischen Regierung getroffenen Vereinbarung zu, wonach die Abnahme der Milch von den Erzeugern in Dieburg und die Versorgung des Dieburger Milchhandels mit Frischmilch durch die Molkereigenossenschft Babenhausen erfolgen soll, da Dieburg zum Einzugs- Und Versorgungsge'oiet Babenhausen gehöre. Die Molkerei Babenhausen ist bis zum 31. Mätz 1952 verpflichtet, eine Menge Milch als Frischmilch von der Molkerei Groß-Umstadt abzunehmen, die dem Frischmilchbedarf der Stadt entspricht, abzüglich der in Dieburg von den Erzeugern angelieferten Milch. Spätestens an dem genannten Tage geht die Abnahme der in Dieburg erzeugten Milch und die Versorgung des Milchhandels in Dieburg an Babenhausen über.
Die Verhandlungen, die die Stadtverwaltung seit einiger Zeit mit der Freiherr von Gemmingen’schen Gutsverwaltung wegen des Erwerbs von 62 000 qm Gelände an der Schmalzkaute führte, sind jetzt zu einem gewissen Abschluß gebracht worden. Die Stadtverwaltung hält den Ankauf für unbedingt zweckmäßig, damit ihr die Möglichkeit gegeben ist, erforderlichenfalls zur Ansiedlung von Industrie geeigneten Grund und Boden greifbar zu haben. Dem Vorschlag der Verwaltung stimmte der Gemeinderat grundsätzlich zu. doch soll wegen des Quadratmeterpreises mit dem Verkäufer noch einmal in Verhandlung getreten werden, wenn das Ortsgericht unter Berücksichtigung der Bonität des Feldes einen nach seiner Auffassung vertretbaren Grundpreis festgelegt hat.
Die Anschaffung eines neuen, größeren Heizkessels für das Rathaus hat sich als unbedingt notwendig erwiesen. Dem entsprechenden Antrag der Stadtverwaltung wurde zugestimmt. (RG)
„Rund um den Kirchberg“, der Findigkeiiswettbewerb des ADAC, der am Sonntag über 180 Teilnehmer am Start sah. Unsere Bilder zeigen: links den Start der 200 er Klasse der Motorräder, rechts die große Auffahrt der beteiligten Wagen. Foto: Schermer
„Rund um den Kirchberg“
Ueber Stock und Stein durch den Odenwald
Über 180 Teilnehmer beim Findigkeitswettbewerb des ADAC in Bensheim
Er war ein ganz großes Ereignis für Bensheim, dieser Findigkeitswettbewerb des ADAC, und schon am frühen Sonntagmorgen hatten sich viele Bensheimer aller Altersklassen mit und ohne Fachkenntnisse in die städtischen Anlagen begeben, wo zunächst die Fahrzeuge einzeln überprüft wurden und die Fahrer ihre besonderen Anweisungen erhielten.
Kurz nach 10 Uhr starteten dann die ersten Fahrzeuge, die an Hand der ihnen in einem verschlossenen Umschlag überreichten Richtlinien eine bestimmte Strecke mit verschiedenerlei Schwierigkeiten in festgesetzter Zeit zurücklegen mußten. Leider ereignete sich schon gleich zu Anfang ein schweres Verkehrsunglück am Ritterplatz, über das wir gestern schon berichteten. Im übrigen kam es glücklicherweise, außer einem Stürz im Odenwald, zu keinen größeren Unfällen.
Im Laufe des Abends trafen die Wagen und Motorräder dann wieder in Bensheim ein. Um 20 Uhr versammelten sich die Fahrer im kleinen Saal des „Deutschen Hauses“ zu einem geselligen Beisammensein. Wieder einmal erwies es sich, daß nach dem Wegfall des großen Saales im „Deutschen Haus“ Bensheim eigentlich über keinen für größere Veranstaltungen einigermaßen geeigneten Raum verfügt (dafür aber in Zukunft über 2 Kino!!). So stand bei der Siegerehrung alles dichtgedrängt in dem viel zu kleinen Saal. Es gab außer Auto- und Motorradreifen, Schläuchen, Wein, Pralinen, Pokalen usw. noch so mancherlei schöne Preise, denn die Bensheimer Geschäftswelt hatte sich anläßlich dieses großen Ereignisses sehr „splendid“ gezeigt.
Von 315 erreichbaren Punkten erhielten bei Einhalten der vorgesehenen Zeit und ohne Schlechtpunkte bei der Abnahme und Bremsprüfung folgende Teilnehmer die goldene Nadel:
110-ccm-Klasse: Walter Vogel, Frankfurt (Adler).
125er-Klasse: Peter Nick, Weinheim (Hoffmann).
200er-Klasse: Werner Schwarz, Edingen (Zündapp).
250er-Klasse: Heinrich Haeffner, Zell, Kreis Erbach, (BMW).
350er-Klasse: Karl Bickel sen., Nieder-Eschbach (Horex), Hugo Schmitz, Bad Ems (Horex), Reinhold Sporer, Lützelsachsen (Horex), Karl Freund, Kallstadt (Horex).
500er-Klasse: Adam Marder, Weinheim (BMW).
600er-Klasse: Gerhard Zeppenfeld, Frankfurt (BMW-Eigenbau).
750er-Klasse: Andreas Willwohl, FehI¬ (DKW).
HOOer-Klasse: Elfriede Knies, Frankfurt (Fiat).
1200er-Klasse: Wilhelm Sommer, Bensheim (Ford-Taunus), Klaus Wegener, Lauterbach (Volkswagen), Gerhard Neuziel, Bensheim (Volkswagen), Hans Löbering, Frankfurt (Volkswagen), Kurt Haeffner, Zell, Kreis Erbach (Volkswagen), Harald Geßner, Mannheim (Volkswagen), Jürgen Hallwachs, Bensheim (Volkswagen), Georg Puknus, Ludwigshafen (Volkswagen), Ottoe Kreß, Heidesheim (Ford-Eifel).
1500er-Kiasse: Heinz Schellhaas, Lichtenberg (Opel Olympia).
2000er-Klasse: Dr. Dehmke, Frankfurt (Mercedes 170 V), Günther Leiner, Mannheim (Mercedes 170 D), Manfred Rübelmann, Viernheim (Mercedes 170 V), Otto Heinzerling, Weinheim (Mercedes 170 V). HB.
An der Hochspannung verunglückt
Der achtjährige Hans Becher aus Lützelbach erkletterte am Fycltagnachmittag einen Hochspannungsmast, um an der Leitung Turnkunststücke zu absolvieren. Von dem Starkstrom getroffen, stürzte er rücklings ab, verfing sich jedoch mit den Beinan in den Masfverstrebungen, so daß er mit dem ausschlwingienden Kopf gegen des Pfeiler schlug. Ein in der Nähe arbeitender Landwirt befreite den Jungen aus seiner gefährlichen Lage und veranlaßte seine Ueberführung in das Lindenfelser Krankenhaus, wo der Unternehmungslustige nun mit schweren Verletzungen am Kopf, sowie Verbrennungen an Armen und Beinen in bedenklichem Zustande darntcderliegf. (-r)
Ein ungebührlicher Vertreter
Ein angeblicher Vertreter der hessischen Blindenanstalten bereiste in der vorigen Woche die Ortschaften um Wahlen und Gras-Ellenbach, um Sammlungen durchzuführen. Er berief sich dabei auf Genehmigungen der örtlichen Bürgermeister, verweigerte die Einsichtnahme in seine Ausweispapiere und wurde, wenn ihm besonders bei Geschäftsleuten die Spenden als zu gering erschienen, in abstoßender Weise ausfällig. (-r)
Der nene Bürgermeister trinkt nur Selterswasser
Ein DT-Gespräch mit Zwingenbergs Stadtoberhaupt Alfred Kiel
Seit einigen Tagen hat sich die Situation in Zwingenberg durch den Amtsantritt von Bürgermeister Kiel ganz wesentlich geändert, zumal Alfred Kiel sowohl vom Innenminister als auch vom Landrat in Heppenheim in seinem Amte bestätigt worden war. Wir haben deshalb einmal den neuen Bürgermeister besucht und hatten eine sehr lange und aufschlußreiche Unterredung mit ihm.
Vor uns sitzt an dem großen mit Gladiolen, Nelken und anderen Blumen geschmückten Konferenztisch ein sehr ruhiger, ernster Herr, etwa Mitte 50, dessen Haare schon einen grauen Schimmer haben. Was er sagt, ist wohldurchdacht und klar formuliert. Stets ist das Streben, auszugleichen und aufzubauen, fühlbar. Seit etwa acht Tagen, so erzählt uns Bürgermeister Kiel, weilte er mit seiner Familie als Gast in Zwingenberg und hat diese Zeit dazu benutzt, sich umzusehen und Pläne für seine künftige Arbeit zu machen.
Er war nach all dem Vorgefallenen zunächst auf nichts Gutes gefaßt, wurde aber auf angenehmste Weise enttäuscht, denn überall trat man ihm mit Höflichkeit und Freundlichkeit entgegen. Es war nicht seine Absicht, während seines Aufenthaltes von sich reden zu machen, aber es hatte sich doch bald herumgesprochen, daß dieser fremde, für alles so großes Interesse zeigende Herr Zwingenbergs zukünftiger Bürgermeister sei. Auch seit seinem Amtsantritt, so erklärte er, habe er nur die besten Erfahrungen im Umgang mit den Angestellten und dem Publikum gemacht und sei überzeugt, daß diejenigen, die noch vor einigen Wochen die Fenster ihrer andersgesinnten Mitbürger einwarfen, dies heute nicht mehr tun würden.
Ueber seine Pläne befragt, äußerte Bürgermeister Kiel, daß es sein Bestreben sei, die Entwicklung des Verkehrsvereins zu fördern und Zwingenberg wieder zu seinem guten Namen als Luftkurort zu verhelfen. Des weiteren liege ihm der Bebauungsplan, der Etat 1950z51, die Ausbesserung der schlechten Straßen, Ergänzung und Verbesserung der Straßenbeleuchtung sehr am Herzen. Außerdem habe er gestattet, daß schon seit gestern die Traubenfrühlese vorgenommen werden könne, um die Winzer vor Verlusten durch Fäule zu bewahren. Für die Spätlese bleibe allerdings der Weinbergschluß bestehen.
Als wir auf den guten Bergsträßer Wein zu sprechen kommen, lächelt Bürgermeister Kiel und erzählt uns, daß es bei einer ersten Sitzung im kleineren Kreise in Zwingenberg aufgefallen sei, daß er als einziger statt Wein eine Flasche Sprudel bestellt habe. Er habe jedoch versprochen sich zu bessern und das Weintrinken in Zwingenberg lernen zu wollen (bis jetzt ist allerdings noch keine Besserung eingetreten, denn auf dem Tisch steht nach wie vor — eine Flasche Vilbeler Wasser). Auf die Frage, wann die nächste Stadtratssitzung stattflnden solle, antwortet der Bürgermeister, daß er alle im Augenblick wichtigen Fragen in dieser Woche in den verschiedenen Ausschüssen behandeln und erst danach dem Plenum vorlegen wolle. Er sei der Ansicht, daß die Arbeit auf diese Weise wesentlich fruchtbarer sei. HB
Goethes „West-õstlicher Divan“
EIN VORTRAG VON PROFESSOR DR. ERNST BEUTLER IN BENSHEIM
Es war ein verheißungsvoller Auftakt zu den Winterveranstaltungen der Bensheimer Goethe-Gesellschaft, als am vergangenen Sonntag Prof. Dr. Ernst Beutler, der bekannte Goetheforscher und Leiter des Freien Deutschen Hochstifts, über „Goethes West-östlichen Divan“ sprach — jenes geheimnisreiche und oft verkannte Werk, zu dem das ganze 19. Jahrhundert beziehungslos geblieben war. Hatten doch selbst Dichter wie Keller und Heine kaum mehr als eine literarische Spielerei darin gesehen. Und doch ist nach Beutlers Deutung Goethe nie ernster gewesen als gerade in diesem Werk.
Einleitend skizzierte der Redner den Entwicklungsgang, der Goethe zum Divan führt. Vom Ganymed als Beispiel der Jugenddichtung des fühlenden Herzens ausgehend, zeigte er. wie während der Italienreise das Suchen des forschenden Geistes Goethe zur Naturwissenschaft führt und ihn mit der Erschließung der „Urpflanze“ in den gesetzmäßigen Notwendigkeiten der Natur die alleinige Gottesoffenbarung finden läßt. Erst die Erschütterung durch die französische Revolution bringt dann die Hinwendung zu den letzten religiös metaphysischen Fragen des Menschseins. Und als die in langen Jahren des Schweigens gewonnene Schau sich wieder zu gestalten beginnt, kleidet Goethe seine Aussage in das Gewand ferner — östlicher — Religionen, wie der altpersischen oder des Islam, die er mit eigenem — westlichem — Geiste durchdrinr't. Dann jede religiöse Form ist ihm zum Symbol geworden — so wird der Divan ein Buch des großen Verstehens.
Das Geheimnis des Divan ist, daß Goethe hier von letzten Dingen redet in einer Sprache, die an kein Bekenntnis gebunden ist, und daß er seine persönliche, naturhaft christliche, aber kultisch ungebundene Religion darin ausspricht — nicht Gotteslehre sondern Gottesbewußtsein. „Glaube weit, eng Gedanke (aus dem Einleitungsgedicht), „Bild und Gebild“, die „Talismane“ (Gottes ist der Orient) und das „Atemholen" griff Beutler als Gipfelungen heraus. Er ging dann auf das von dem Marianne- Willemer-Erlebnis befruchtete Buch „Suleika“ ein, betonte aber, daß auch hier wie im ganzen Divan der Kern im Religiösen zu suchen sei. Seine Ausführungen mündeten in dem Bild von der Wandlung des im Meer versinkenden Tropfens zur Perle — ewiges Stirb und Werde, Metamorphose als Weltgesetz alles Lebens.
Beutler verstand es auch durch die Art seines Vortrages, seine Deutungen lebendig werden zu lassen: wohl in jedem der zahlreich erschienenen Zuhörer werden sie weiterwirkend nachklingen. (HB)
Zieht Strienz nicht mehr?
LEERE STUHLREIHEN IN DER HEPPENHEIMER STADTHALLE
Man mußte sich unwillkürlich diese Frage stellen, als man am Sonntagabend bei dem Konzert von Wilhelm Strienz in Heppenheim die vielen leeren Reihen in der Stadthalle sah, denn an mangelhafter Propaganda konnte es unmöglich gelegen haben, daß der Saal nur zu einem knappen Drittel besetzt war. Trotzdem aber lächelte Strienz, und man kann schon sagen, daß seine Stimme eigentlich nichts gegen früher eingebüßt hat. Noch immer besitzt sie Fülle und Tragfähigkeit und noch immer bezaubert sie durch ihre samtene Weichheit, die uns allen ja noch in bester Erinnerung geblieben ist.
Was jedoch den Vortrag betraf, so konnte man sich nicht mit allem einverstanden erklären, vor allem darf man (auch wenn man Strienz heißt!) Arien wie die des Sarastro aus dei' ..Zauberflöte“, des Kezal aus ..Verkaufte Braut“ oder des Falstaff aus „Lustige Weiber“ nicht allzu frei in Rhythmus und Tempo nehmen, denn dadurch verlieren sie ihren Charakter. Mit viel echtem Empfinden waren hingegen die beiden Balladen von Loewe, die als Zugabe gesungenen „Hinkenden Jamben“ von Loewe und vor allem die vier Lieder aus „Pierrot lunaire“ von Max Kowalsky vorgetragen. Strienz1 Stärke liegt, selbstverständlich in den volkstümlichen Liedern, mit denen er auch hier wieder den größten Beifall erntete. Die erfolgreichsten dieser Gattung dürften „Old Man River“, „Gute Nacht, Mutter“ und die „Waldschenke“ gewesen sein. Erst nach zwei Zugaben entließ das kräftig applaudierende Publikum den Sänger. (HB)
Zu Gunsten des Orgelumbaues fand im Saale der Gastwirtschaft „Zur Rheinluft“ in H a h n ein großer Gemeindeabend der ev. Kirchengemeinde statt. Die Darbietungen fanden bei der großen Besucherzahl herzlichen Beifall. jn
Kirchenchöre in Bürstadt
Am Sonntag fand in Bürstadt das diesjährige Dekanatssingen der katholischen Kirchenchöre des Rieds und der Bergstraße statt. Nachdem die auswärtigen Vereine am Morgen vom Bahnhof abgeholt und in die Kirche geleitet waren, füllten etwa 700 Sänger Mittelschiff und Empore des Gotteshauses. Mit gemeinsamen Chorälen und abwechselnd gesungenen Partituren gestalteten Bensheimer, Heppenheimer, Lorscher, Gernsheimer, Lampertheimer, Viernheimer und Bürstädter Stimmen das feierliche Hochamt, in dem der Diözesanpräses Dr. Go 11 ro n , Mainz, die Festpredigt hielt, zu einem kirchenmusikalischen Ereignis im Ried. Wenn auch der Bürstädter Kirchenchor „Cäcilia“ unter seinem Dirigenten Karl Druckenbrod beim „Kyrie“ ins Schwanken geriet, so wurde diese Scharte doch mit dem „Magnificat“ in der Vesper und mit guten Volksliedern im Saale „Zu den drei Hasen“ am Nachmittag weitgehend wieder ausgewetzt. Besonders gefielen die disziplinierten Knabenstimmen und tadellosen Einsätze des Viernheimer (St. Marien) und des Gernsheimer Chors. Am Nachmittag beim Volksliedersingen, das den Tag beschloß, ernteten auch die Vereine von Bensheim. Heppenheim, Lorsch und Lampertheim regen Beifall für ihre guten Leistungen.
Ein guter Anfang
Kammerorchester Bergstraße spielte Bach
Das neu gegründete Kammerorchester Bergstraße trat am Sonntagnachmittag mit einem Bach-Konzert zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit. Man kann nach Ablauf dieses Konzerts schon sagen, daß dies ein guter Anfang war: Ein Klangkörper, der sich hören lassen kann, ein Orchester, das sich durch exaktes, sauberes und stilvolles Musizieren auszeichnet, sind die Hauptmerkmale. Unter der bewährten Leitung von Adam Rettig, der sich schon oft als Bachkenner gezeigt hat, gelangte die Suite h-moll und als Höhepunkt des Konzerts das Brandenburgische Konzert Nr. 4, in dem H. Unge fu g als Solist vollendete Technik zeigte, zum Vortrag.
Mit der Wiedergabe dieses Konzerts hat das neue Orchester seine Feuerprobe bestanden und wenn auch noch vielleicht hie und da kleine Unebenheiten zu bemerken waren, so hatte dies jedoch keinen Einfluß auf den guten Gesamteindruck. Hildegard Lind ck, Sopran, sang eine Arie aus der Kantate Nr. 32 und ausder Johannespassion, doch konnte sich ihre Stimme zweifellos erst in der zweiten Arie richtig entfalten. Die Sängerin refreute durch einen sehr kultivierten Vortragsstil. Etwas aus dem Rahmen fielen Präludium und Fuge g-moll für Orgel, das Erna Nungesser ein wenig ausgeglichener und mit etwas mehr Feingefühl (besonders die Fuge) hätte spielen dürfen.
Der Besuch war gut und es erwies sich einmal wieder, daß die alte Auerbacher Bergkirche in jeder Beziehung den passenden Rahmen für derartige Veranstaltungen abgibt. HB
Odenwalder Heimatabend
Die Proben für einen Odenwälder Heimatabend“, der von der Reinheimer Ortsgruppe des Odenwaldklubs ausgerichtet wird, haben gänz in der Stille eingesetzt. Altes Odenwälder Volksgut soll an diesem Abend lebendig wer¬ ^n. Odenwälder Volkstänze werden im Rahmen des Abends zu sehen sein und auchOdenwalddichter sollen zu Wort kommen Unter anderem gelangt ein Odenwalder Volksstück zur Aufführung. Auf vielfachen Wunsch wird die „Spinnstube“ wiederholt. (eb)
Obe r-Ramstadts Naturfreundehans fertigge stellt
liehe Einweihung am kommenden Sonntag — Treffen der hessischen Naturfreunde in Ober-Ramstadt
NaZZ3 24‘ SePtember wird das kurz nach der Währungsreform begonnene übersebeUndehaUS Ober*Ramstadt »Am Heidenacker" seiner Bestimmung
en^flJwaM Waren sZ’ in der T ’ abe? wohl keine andere AnS pinoaie ^eLjetzigen gleichgekommen. . p- JP Waldrand, umgeben von junhnffFrHenjbefindet sich die neue Erh°- a a sstatte der Jugend. Im Tal fließt die Modau und ein einmaliger Ausblick bietet sich nach Ober-Ramstadt, nach den Hügeln des Odenwaldes, und nach der Mainebene bis zum Spessart.
Die Hütte hat einen Grundriß von 6x9 Meter, einen Keller, im Parterre einen Tagesraum mit Küche; im oberen Geschoß können bis 30 Personen übernachten. Die Arbeiten wurden größtenteils in Selbstnilie durch den Touristenverein „Die Naturfreunde“ in Ober-Ramstadt ausgefuhrt. Mühselig hatte man Sonntag für Sonntag Steine zusammengelesen und Kies und Wasser zur Baustelle gebracht. Aber der feste Wille und der gute Fortschritt der Arbeiten setzte sich durch und schritt der Arbeiten setzten sich durch und tende Werk beenden.
Ein besonderer Dank gebührt nicht nur allen Spendern, sondern auch der Gemeindeverwaltung. Das Holz wurde auf ihre Kosten geliefert und das Gelände wird auf Erbpacht abgegeben. Das Naturfreundehaus steht nach der Weihe nicht nur den Naturfreundegruppen zum Übernachten frei, sondern es kann als Jugendherberge des vorderen Odenwaldes von allen Jugendgruppen und Wanderern benutzt werden. Am Samstag, dem 23. September wird in 2 Ober-Ramstädter Sälen der Festkommers abgehalten. Das Programm gestalten die Naturfreunde. Am Sonntag, dem 24. September, wird dann die Hütte eingeweiht. Den Weiheakt vollziehen dietLandesleitung der Naturfreunde und verschiedene Behördenvertreter. Nachmittags ist ein buntes Programm im Freien vorgesehen. Aus Anlaß der Hüt¬ tenweihe wird die Gemeinde Ober-Ramstadt an diesen beiden Tagen im Zeichen der Naturfreunde stehen, die aus ganz Hessen erwartet werden. -D-
Heppenheimer Bauerntag 1950
Gestern nachmittag fand im Heppenheimer Winzerkeller eine Pressekonferenz statt, an der außer den Journalisten der hessischen Presse auch die Vertreter der nordbadischen Zeitungen teilnahmen. Besprechungsgegenstand der Konferenz war der diesjährige Bauerntag in Heppenheim, der, soweit die bisherigen Planungen feststellen lassen, in diesem Jahr in besonders großem Maßstab gefeiert werden soll. Wir kommen auf die Konferenz in unserer morgigen Ausgabe ausführlich zurück. . DT
Was aǔch interessiert:
Ein Fahrrad als Arbeitslohn für einen Tag nahm sich ungefragt ein neueingestellter Knecht eines Geinsheimer Landwirts mit, der schon am 2. Tag nach Arbeitsbeginn das Weite suchte. Kb
Ueber 500 Tiere werden auf der am kommenden Sonntag im Gasthaus Merz, Groß-Bieberau, vom Geflügelzuchtverein veranstalteten Leistungs- und Verkaufsschau zu sehen sein, von denen 300 zum Verkauf stehen. Ausgestellt werden: Hühner, Zwerghühner, Wassergeflügel, Farben- und Reisebrieftauben sowie Farben- und Gesangskanarien. eb
Quellenbohrung ohne wesentlichen Erfolg
Geringeres Wasseraufkommen in Seeheim als vorher angenommen
In der Donnerstagsitzung des Seeheimer Gemeinderates gab als Stellvertreter des erkrankten Bürgermeisters Speckhardt 1. Beigeordneter Daum bekannt, daß die Bohrarbeiten zur Erschließung einer neuen Quelle in der Pfungstädter Straße beendet sind. Die Bohrung, die auf 51 Meter Tiefe vorgetrieben wurde, hatte sich als nicht so ertragreich erwiesen, wie man erwartet hatte. Die einzige günstige Schicht liegt zwischen 30 und 40 Metern und soll nach Ansicht der Bohrfirma 25 bis 30 cbm Wasser zeitigen. Das Wasserbauamt, das der Meinung ist, daß die Quelle höchstens 150 cbm Wasser täglich auswerfen wird, spricht trotzdem für den Bau des Brunnens.
Die chemische Untersuchung des Wassers, das als hart und ziemlich eisenhaltig bezeichnet wird, hat ergeben, daß es für Trink- und Gebrauchszwecke geeignet ist. Nach eingehender Beratung erhielt die Bergwerks- und Hüttengesellschaft Hannover, Zweigstelle Darmstadt, bei einer Stimmenthaltung den Auftrag, den Filterbrunnen zu bauen. Ausschlaggebend für die Auftragserteilung waren die günstigen Herstellungskosten, zwei Jahre Garantie und Lieferung sandfreien Wassers.
Der Gemeinderat nahm anschließend zu einem Antrag des Landesverkehrsverbandes Hessen, einen Zuschuß zum Bau des Melibokusturmes zu geben, Stellung. Bekanntlich ist beabsichtigt, den Turm in seiner früheren Gestalt und Höhe (25 Meter) und eine Blockhütte für den Gaststättebetrieb, mit einem Kostenaufwand von 35 000 DM wieder aufzubauen. Als Träger des Bauvorhabens kommen in Frage: das Bundespostministerium, das die Errichtung einer Fernsehsendestelle plant, der Weltflughafen Rhein-Main, der auf dem Turm ein Fliegerblinklicht installieren wird, ferner die Gemeinden Bensheim, Auerbach, Zwingenberg, Alsbach, Jugenheim, Balkhausen und Hochstädten, die im Interesse der Fremdenverkehrswerbung an der Verwirklichung des Projektes am meisten interessiert sein dürften.
Der Vorschlag des Gemeinderats M i - che Is, der sich für die Bewilligung eines Bauzuschusses einsetzte, indem er auf die Wichtigkeit für die Fremdenverkehrswerbung hinwies, wurde von einigen Gemeindevertretern mit der Begründung abgelehnt, daß der Wohnungsbau zunächst wichtiger sei. Der Gemeinderat beschloß, den Antrag vorläufig zurückzustellen, um sich zu gegebener Zeit mit ihm zu beschäftigen. hl.
Dieburg. Am Sonntagvormittag fand im Lokal „Grüner Baum“ die Kreiskonferenz des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentners tatt. Es sprachen Kreisvorsitzender Co y , Bezirkssozialreferent Meckes und Bezirksgeschäftsführer Pritsch. Eine rege Diskussion schloß sich an. krpr.
Vom Richter ausgezählt
Ein verhinderter Meister
11 Wochen für zerschlagene Nasenbeine
Schon in der „guten alten Zeit“ gehörte zu einem zünftigen dörflichen Tanzvergnügen als Höhepunkt und Abschluß die Schlägerei. Im Odenwald hatte sich — jedenfalls in der Umgebung von Michelstadt — dieser Brauch ziemlich verloren, bis Alfred Tr. als Heimatvertriebener dorthin kam. Der jetzt Fünfundzwanzigjährige ist ein hochgewachsener breitschultriger Schwergewichtsboxertyp mit überdimensionaler Handschuhnummer. Dabei besitzt er ein sympathisches Gesicht mit so treuherzigen Augen, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Seine mimosenhafte Empfindlichkeit einerseits und seine Unbeherrschtheit andererseits wurden ihm aber zum Verhängnis. Jedenfalls war er bald auf allen Tanzböden Michelstadts und der Nachbarorte gefürchtet als der gefährlichste Schläger. „Wo Tr. auftaucht, da rumpelt es!“ Diese Feststellung wurde zum geflügelten Wort.
Eine lange Kette solcher Schlägereien mit teils recht erheblichen Körperbeschädigungen brachten den verhinderten Boxmeister vor das Bezirksschöffengericht Michelstadt. Es gab in jeder Hinsicht „große“ Besetzung: einmal der Angeklagte, dann die 16 Zeugen und besonders der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Dr. Loe sch , der es wieder mit virtuosem Geschick verstand, mit großem menschlichen Verstehen und einem gelegentlichen Scherz schnell des Pudels Kern zu finden. Es galt Fälle zu beurteilen, bei denen es Nasenbrüche, taubgeschlagene Ohren und zertrümmerte Zahnprothesen abgesetzt hatte. Dank der weisen Verhandlungsführung erkannten Gericht und Zuhörer in der Fülle der Zeugenaussagen leicht den roten Faden.
Was den Angeklagten diesmal vor Gericht geführt hatte, ist nicht Ausfluß einer kriminellen Veranlagung, vielmehr seiner Unbeherrschtheit und seines Temperaments. Geringste Anlässe führten ihn zum rücksichtslosen Einsatz seiner körperlichen Ueberlegenheit. Er hatte sich angewöhnt, nicht mit Worten, sondern mit seiner gefährlichen Faust zu antworten. Dafür erhielt er wegen Körperverletzung in sechs Fällen zwei Monate und drei Wochen Gefängnis, sowie die Kosten des Verfahrens als Strafe. Schwerer wiegt die Tatsache, daß der junge Mann aber zur Zeit wegen eines Diebstahls in Würzburg in Untersuchungshaft sitzt, und daß er bereits 1947 wegen desselben Delikts mit 14 Monaten Gefängnis bestraft wurde. -ch
Königstädten protestiert
Dringende Eingabe an die Regierung
Nach einem Beschluß des Gemeinderats hat die Gemeinde Königstädten an die Regierung eine dringliche Eingabe gerichtet, von der geplanten Erstellung einer Neubürger Siedlung in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Jagdschlosses Mönchbruch Abstand zu nehmen. Da die Lebenshaltung und der finanzielle Ausgleich der Notstandsgemeinde zu gut einem Drittel aus den Eigentumsrechten und der Nutznießung des dortigen Dominialwaldes resultiert, kann die Gemeinde unter keinen Umständen auf das Gelände verzichten. Außerdem sei es nicht erforderlich, wie es in der Eingabe heißt, dort eine Siedlung zu bauen, da die Gemeinden Königstädten, Haßloch, Rüsselsheim, Nauheim und Mörfelden genügend Bauplätze zur Verfügung stellen wollen. Die Gemeinde Mörfelden ist bereit, 1100 Bauplätze bereitzustellen. Weiterhin, so heißt es wörtlich, erscheine es nach volkswirtschaftlichen Begriffen undenkbar, in dieser sumpfigen und unhygienischen Gegend eine Siedlung der Ausgestoßenen auf einer Insel der Verlorenen aufbauen zu wollen. Zusammen mit dieser Eingabe wurde ein sseitiges Gutachten, das über die Eigentumsrechte am Königstädtener Dominalwald keine Zweifel mehr aufkommen läßt, der Regierung zugestellt. KB
Dr. Haller tritt zurück
Ein Bürgermeister, den man ungern scheiden sieht
Der Bürgermeister von Güttersbach, Dr. Julius Haller, legt am 30. September dieses Jahres sein Amt nieder, das er 2 Jahre lang zur Zufriedenheit der Gemeinde innehatte.
Während seiner Amtszeit war in Güttersbach mancher Fortschritt zu verzeichnen. So konnte das Schwimmbad, das dem Verfall nahe war, wiederhergestellt und der Anfang zur Ortsbeleuchtung gemacht werden. Am Kirchplatz wurde der Treppenaufgang zur Kirche in Ordnung gebracht und der Weg nach Olfen durch die Einwohner in freiwilligem Einsatz unter Leitung ihres Bürgermeisters neu ausgebaut. Außerdem nahm man den Bau eines Zehn-Familien-Wohnhauses für Flüchtlinge in Angriff, der noch in diesem Jahr bis zum Richtfest vorgetrieben werden soll. Dies sind nur einige markante Punkte, die die Gemeinde ihrem scheidenden Bürgermeister zu verdanken hat.
Dr. Haller zieht nach Worms, um dort die Leitung seines Betriebes zu übernehmen. KW
Motorradfahrer zog den Kürzeren
In den späten Abendstunden des gestrigen Tages fuhr in Goddelau ein Motorradfahrer auf ein Kuhfuhrwerk auf, wobei er sich erhebliche Verletzungen zuzog. Eine der Kühe war mit dem Zusammenstoß nicht ganz einverstanden, denn sie versuchte den am Boden liegenden Fahrer mehrere Male böswillig anzugreifen, od.
„Die SPD im Bundestag“
Heinrich Ritzel sprach in Reinheim
Unter dem Motto „Frieden — Freiheit — Recht“ veranstaltete die Reinheimer Ortsgruppe der SPD am vergangenen Samstag im Volkshaus eine Kundgebung. Bundestagsabgeordneter Hch. Ritzel sprach hierbei über die Arbeit des Bundestags und nahm eingehend zu den aktuellen politischen Problemen vom Standpunkt der größten Oppositionspartei aus Stellung.
In der Diskussion wurden die Auswirkungen der Sozialversicherungsgesetzgebung zum Gegenstand genommen und der Abgeordnete gebeten, sich dafür besonders zu interessieren. In seinem Schlußwort ging Bundestagsabgeordneter Ritzel nochmals auf die Ursachen dieser Auswirkungen ein. eb
Goddelau. Heute abend findet eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt, kr Crumstadt. Von insgesamt 25 Neubauten werden bis zum Jahresende etwa zehn fertiggestellt — Die Drescharbeiten gehen ihrem Ende entgegen. kr. Stockstadt. Heute abend treffen sich sämtliche Zuckerrübenanbauer der Gemeinde im Gasthaus „Zur Krone“ zu einer wichtigen Besprechung. kr.
Der SPORT
In Wien spielte man 5:7
Die Auslandsschau des Sports
Schi. Newcastle United ist nach neun Spielen immer noch unbesiegt, dafür hält es mit fünf Unentschieden den „Rekord“ in der englischen Liga. In Burnley reichte es zu einem 1:1. Bis zur 75. Minute stand die Partie 1:0 für Burnley, aber Walker sorgte mit einem „Bodenrutscher“ für den Ausgleich. Beim „Spiel des Tags“ zwischen den „Wölfen“ aus Wolverhampton und den Londoner „Heißspornen“ kamen die Zuschauer auf ihre Kosten, denn beide Mannschaften zeigten erstklassigen Fußball. Swindon und Hancocks brachten die „Wölfe“ 2:0 nach vorne, zwanzig Minuten vor Schluß erzielte Bennot den Anschlußtreffer. In Highbury veranstaltete Arsenal im Kampf gegen Huddersfield Town ein Scheibenschießen. Die „Gunners“, deren Stärke sonst die Abwehr ist, machten es zur Abwechslung einmal anders, ihr Sturm wirbelte die Huddersfield-Abwehr völlg durcheinander, und am Sdiluß hieß es 6:2 für Arsenal! Die Freunde von Manchester United erlebten ein glattes 3:0 ihrer Elf gegen Charlton Athletic, obwohl Spielmacher Rowley nach einer Viertelstunde verletzt ausscheiden mußte. Bis dahin stand es 10. Der Viermännersturm der United spielte dafür um so eifriger und Pearson und Delaney sorgten für das beruhigende 3:0. Die weiteren Ergebnisse: Aston Villa— Bolton 0:1, Chelsea—WB Albion 1:1, Derby County—Fulham 3:2, Everton-Liverpool 1:3, Portsmouth—Stoke 5:1, Sheffield Wednesday — Middlesbrough o'l Sunderland—Blackpool 0:2. Newcastle führt mit 13:5 Punkten gemeinsam mit Arsenal und Middlesbrough vor Manchester United (12:6) Wolverhampton und Liverpool (je 11:5) Punkten.
Racing Paris fühlt
25 000 Franzosen, darunter ein stattliches Aufgebot aus Rennes, gingen im Pariser Prinzenparkstadion bei der Auseinandersetzung der führenden Teams von Racing Paris und Rennes temperamentvoll mit. Racing siegte verdient mit 4:2 über den bretonischen Altmeister. Im nordfranzösischen „Derby zwischen Reims und Lille fielen sieben Sre Reims siegte mit 4:3. Etwas unerwartet kam das 2:2, das sich Racing in Marseille erkämpfte. Ebenfalls remis endeten die nungen Roubaix-Bordeaux und St. "tS-Nimes (je 1:1). Die weiteren Ergebnisse: Toulouse-Lens 3:2. Sodiaux Tj;77a 3:2. Nancy—Stade Paris 2:1. Le H-.vre_FC Sete 1:0. Racing Paris führt mit 8-0 Punkten vor Rennes und Straßburg (je 6:2), Lille und Nancy (je 5:3) Punkten.
Mailand wieder vorn
In der italienischen Meisterschaft mußte der Tabellenführer FC Mailand in Genua hart kämpfen, um die Sampdoria mit 2:1 zu schlagen. Mit dem gleichen Ergebnis siegte das in guter Form spielende Palermo beim AS Roma und, da aller guten Dinge drei sind, gewann auch Bologna bei Novarra mit 2:1. Diese drei Siegermannschaften führen mit jeweils 4:0 Punkten die Tabelle an. Juventus Turin, das gegen Triest nur 2:2 spielte, hält mit 3:1 Punkten den vierten Platz. Die restlichen Ergebnisse: Atalanta Bergamo—FC Neapel 2:2, Florenz—FC Turin 3:3, Internazionale Mailand—Como 5:2, Lucchese—Pro Patria 0:0, FC Padua—Lazio Rom 2:0, Udinese—FC Genua 93 1:0.
Launische „Austria“
Wenn eine Mannschaft fünf Tore erzielt und dennoch verliert, so muß irgend etwas nicht gestimmt haben. Die Wiener „Austria“ brachte dieses Kunststück im Spiel gegen „Rapid“ fertig: sie verlor das für die Tabellenführung entscheidende Treffen mit 5:7! Die Austria-Stürmer schimpften in den Umkl^idekabinen auf ihre Kollegen von der Abwehr, die in der Tat miserabel gespielt hatten. Dennoch war der Sieg der Rapid-Elf verdient. Vienna ' Wien fertigte den AC Linz sicher 3:0 ab. Ueberraschend kommt die O:2 -Niederlage von Sturm Graz gegen den Neuling Electra Wien. Rapid Wien liegt jetzt mit 7:1 Punkten vorn, Austria und Vienna folgen mit je 6:2 Punkten.
Der Platzmangel verbietet es, näher auf die Lage im Fußball-„Resteuropa“ einzugehen. In Belgien führen nach dem dritten Spieltag Racing Brüssel und Racing Mecheln mit je 6:0 Punkten vor Anderiecht und Berchem (je 4:2). In Dänemark liegen Akademisk und Frem mit je 6:0 Punkten vorne. In Norwegen spielt man in zwei Abteilungen; in Abteilung „A" führt Frederikstad mit 8:0 Punkten und in Abteilung „B“ Odd mit 8:2 Punkten. In Schweden hält der Malmö FC mit 13:1 Punkten die Spitze, Raa, Elfsborg und Degerfors bilden mit je 10:4 Punkten eine starke Verfolger gruppe.
Schwedens Athlet en führen
Zehntausend Zuschauer erfreuten sich im Stockholmer Stadion an den guten Leistungen der schwedischen und französischen Leichtathleten beim Länderkampf der beiden Nationen. Nach dem ersten Tage führten die Franzosen mit 55:51 Punkten, dennoch holten sich die Schweden am Schluß des zweiten Tages mit 109:103 Punkten den Sieg in der Gesamtwertung.
In Mailand bezwangen die italienischen Leichtathleten Jugoslawien mit 94:84 Punkten. Tadia stellte im Hammerwerfen mit 57,30 m (bisher 56,69 m) einen neuen Landesrekord auf.
Heute Großveranstaltung der Segelflieger
Die erste öffentliche Großveranstaltung der Segelfluggruppe Darmstadt findet am Dienstag, dem 19. September um 20 Uhr im großen Hörsaal des Zintlinstitutes der TH Darmstadt statt. Fritz Stamer, Vizepräsident des Deutschen Aero-Clubs e.V. spricht über die „Ideellen Grundlagen einer neuen Segelflugbewegung.“
Am Sonntag, dem 24. September ist ab 9 Uhr ein Uebungsfliegen der Flugmodelle auf dem Griesheimer Flugplatz vorgesehen. Der Zugang erfolgt nur von der Haltestelle Waldschlößchen über die Ungarndeutschen-Siedlung.
Die Modellflugabteilung beteiligte sich am 3. 9. zum ersten Mal an dem großen Modellflugwettbewerb in Würzburg. Das Ergebnis des Wettbewerbes liegt noch nicht vor, jedoch steht jetzt schon fest, daß die Flugmodelle der Kameraden Hinz (Bensheim) und Lang (Darmstadt) die weitaus beste Beurteilung aller Modelle bei der Bauprüfung erhielten.
Die Werkstätte der Segelfluggruppe wird zur Zeit noch weiter ausgebaut. Auch bei den Jugendlichen startete eine Werbeaktion für den Modellflug. In Zusammenarbeit mit den Darmstädter Kurzwellen¬ amateuren werden u. a. auch femge¬ steuerte Benzinmotor-Flugmodelle gebaut, zu deren Fertigstellung noch Werkzeug und Material fehlen. t-s
Schũler-Bezirksmeisterschaften
Am letzten Sonntag führten nachmittags die Schüler und Schülerinnen des Bezirkes Darmstadt auf dem Ziegelbusch ihre Leichtathletikmeisterschaften durch. Gestartet wurde bei den Buben und Mädels jeweils in zwei Klassen und zwar die 13- und 14jährigen in Klasse 1 und die 11- und 12jährigen in Klasse 2. Eine besondere Leistung vollbrachte der erst 10 jährige Axel Menger, der in der Schülerklasse 2 der 11- und 12jährigen sämtliche ausgeschriebenen Meisterschaften gewann und der Staffel der 13- und 14jährigen mit zum 2. Siege verhalf.
Ergebnisse:
Schüler Klasse 1: 100 m : 1. Weicher, Goetheschule. 13.7 Sek. Weitsprung: 1. Trebert, SpVgg N.-Isenburg. 4,62 m. Hochsprung: 1. Trebert, SpVggg N.- Isenburg, 1,31 m. Ballweitwurf: 1» Hegemann, 69 m.
Schüler KI. 2: 75 m : 1. Menger SV 98, 11,9 Sek., Weitsprung: 1. Menger SV 98, 3,47 m; Ballweitwurf: 1. Menger, SV 98, 50 m.
Schülerinnen Kl. 1: 100 m: 1. Seifert, SV 98, 14,4 m; Weitsprung: 1. Pfeiffer, SpVgg N.-Isenburg, 4,21 m; Hochsprung: 1. Möhlenbeck, SV 98, 1,23 m; Ballweitwurf: 1. Schäfer, SV 98, 50 m.
Schülerinnen Kl. 2: 7 5 m: 1. Pütz, SpVgg» N.-Isenburg, 11,8 m; Weitsprung: 1. Liegrist, TG 46, 3,56 m; Ballweitwurf: 1. Hoffmann, TG 75, 35 m; 4 mal 100 m, Schüler Kl. 1: 1. Goetheschule 57,6 sek; 8 mal 500 m, Schüler Kl. 2: TG 75, 64,2 sek; 4 mal 100 m, Schülerinnen Kl.1: 1. SV 98 1. Mannsch. 95,8 m; 8 mal 50 m, Schülerinnen Kl. 2: 1. TG 75, 65 Meter. -Mgr-
Pressestimmen
zum Spiel FSV Frankfurt — SV 98 Darmstadt
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „... In einer Sportzeitschrift hatte ein enthusiasmierter Kollege die 98er aus Darmstadt als eine .kommende Mannschaft' bezeichnet. Nun, sie ist gekommen und sie wird zum Saisonende auch wieder gehen (aus der Oberliga), wenn ihre Verteidigung weiterhin so schwach bleibt. Ob Torwart Dr. Barth, ob Verteidiger oder Läufer... alle benahmen sich so, daß man annehmen mußte, es handele sich um Fußballsäuglinge. Es konnte einem nur der tadellose Sturm leid tun . . . die drei ersten Tore konnte man als reinweg geschenkt bezeichnen, solche Schnitzer leisteten sich die Darmstädter dabei, das vierte schien uns etwas abseits-verdächtig..."
„Rhein - Nedcar - Zeitung“, Heidelberg: „ ... Der Darmstädter Elf fehlt es zweifellos noch an Erfahrung, rein spielerisch hat sie gut gefallen... Darmstadts Dekkung war sträflich leichtsinnig... daß Schiedsrichter Heller den Frankfurtern auch noch einen klaren Abseitstreffer zuerkannte, war Pech für die Darmstädter.“
„Wiesbadener Tagblatt“: Die .Lilien' spielten so hundsmiserabel, daß sie mit dem Pausenergebnis noch gut bedient waren... Frank ballerte Herrn Dr. Barth, der bei seiner Frankfurter Fußballpromotion durchfiel, ... die Abt, Leichtlein, Schmidtmer rannten blindlings in ihrem Raum herum wie die Hühner, wenn der Habicht kommt.“
„Frankfurter Neue Presse“: Erst sah es keinesfalls nach einem so klaren Siege aus... oftmals zeigte sich, daß Barth und der sonst so zuverlässige Schmidtmer eine sehr schwache Tagesform mitgebracht hatten...“
„Die Neue Zeitung, München“: „ ... er¬ schreckende Lücken der Darmstädter Abwehr ... Nach Halbzeit gingen die Darmstädter aus sich heraus und erspielten sich über lange Strecken des Kampfes hinweg eine manchmal deutliche Feldüberlegenheit ...“
Glücklicher Punktsieg Kohlbrechers
Hannover, (dpa) Der Amerikaner Al Hoosman mußte am Sonntag vor 12 000 Zuschauern in Hannover gegen Wilson Kohlbrecher (Osnabrück) nach acht Runden eine knappe Punktniederlage hinnehmen. Hoosman boxte fair und sauber, während Kohlbrecher nicht immer vorschriftsmäßig schlug, jedoch durch seine Angriffe manchen Vorteil errang.
Im Kampf zwischen Burl Charity (USA) und Paul Schirrmann (Hamburg) rechnete man mit einem Blitzsieg des Ausländers, der Schirrmann schon in den ersten 20 Sekunden bis acht auf die Bretter schickte. Charity war zweifellos besser, aber Schirrmann suchte sein Glück im Klammern und kam so, obwohl er noch mehrmals den Boden aufsuchen mußte, über die Runden.
Gishockey sehr kühl
Paris. (BBC.) Die vierte Jahresversammlung des Internationalen Eishockeyverbandes in Paris hat die Aufnahmegesuche Deutschlands und Japans abgelehnt, beschloß jedoch, den angeschlossenen Mitgliedern Spiele gegen deutsche, jedoch nicht gegen japanische Eishockeymannschaften zu gestatten.
Bremens Leichtathletik kam in Wilhelmshaven gegen Oldenburg zu einem 130:102-Sieg. Die überragende Leistung gab es im Weitsprung der Frauen, wo sich Lena Stumpf (Werder Bremen) mit ihrer deutschen Jahresbestleistung von 5,92 m an die zweite Stelle der Weltbestenliste hinter die Russin Alexandra Tschudina (5,95 m) setzte.
Die Toto-Quoten
Im württemberg-badischen Fußball-Toto vom letzten Wochenende wurden am Montag folgende Gewinnquoten bekanntgegeben: 1. Rang: 70 Gewinner mit je 1 260 DM, 2. Rang: 1 254 Gewinner je 70 DM, 3. Rang: 7965 Gewinner je 10,90 DM. In der Zusatzwette wurden 3 409 Gewinner ermittelt, die je 14,50 DM erhielten.
Hessen. 1. Rang 131 Gewinner mit je 127 DM; 2. Rang 2517 mit je 6,50 DM, 3. Rang 15 108 mit je 1,10 DM. Zusatzwette: 379 mit je 13,80 DM.
Hamburg, (dpa) Der Nordtoto zahlte für die zum 17. September abgegebenen Wetten zum ersten Rang an 167 Wetter je 1637,— DM, im zweiten Rang an 3949 Wetter je 69,— DM und im dritten Rang an 33 105 Wetter je 8,50 DM.
Köln, (dpa) Die westdeutsche Fußballtotogesellschaft meldet für die Spiele des 17. September folgende Quoten: Erster Rang: 19 Gewinner zu je 8519,50 DM. Zweiter Rang: 567 Gewinner zu je 285 DM. Dritter Rang: 5577 Gewinner zu je 29 DM.
Bayern. 1. Rang 43 Gewinner mit je 3207,— DM; 2. Rang 2534 mit je 54,40 D-Mark; 3. Rang 45 234 mit je 3,-J DM. Zusatzwette 1. Rang 25 mit je 1535,— D-Mark, 2. Rang 932 mit je 41,10 DM.
Der Darmstädter Melcher Landesmeister im Sãbelfechten
Rothfuß (Frankfurt) und Frl. Ludwig (Offenbach), beste Fechter mit Florett
Was keiner erhofft hatte ist Tatsache geworden. Karl Heinz Melcher, Darmstädter Fechtclub, wurde ohne Niederlage Landesmeister 1950 im Säbelfechten und erkämpfte sich im Florettfechten einen ehrenvollen achten Platz.
Als am Samstag in der Turnhalle zu Ober-Ursel die Landesmeisterschaften mit dem Florettfechten der Männer begann, lag sofort Großkampfstimmung über dem Raum, und bei den ersten Gefechten zeigte Melcher schon seine derzeitige großartige Form. Er paukte sich durch die Vor- und Zwischenrunde und konnte in der Endrunde einen guten achten Platz belegen. 1. Sieger und Landesmeister 1950 im Florettfechten wurde der an diesem Tag Geburtstag feiernde Rothfuß TV Frankfurt a. M.-Bockenheim.
Die drei ersten Plätze der Endrunde: 1. Rothfuß TV Frankfurt-Bockenheim 2. Casmir Fechtklub Hermania Ffm. 3. Cron Fechtklub Wiesbaden
Beim Florettfechten der Damen wurden die Leistungen der Vorkriegszeit bei weitem noch nicht erreicht. Frau Haun, unsere derzeitige beste Darmstädter Fechterin, konnte sich mit zwei errungenen Siegen nicht durchsetzen und schied in der Vorrunde aus. Die Sieger wurden von den Vereinen aus der „Offenbacher Kante“, die ihre Vormachtstellung nun schor^jahrzehntelang behaupten können, gestellt.
Die ersten drei Plätze der Endrunde: 1. Frl. Ludwig TuS Offenbach-Bürgel 2. Frl. Reingruber FC Offenbach 3. Frl. Schlierbach TV Offenbach
Am Sonntagnachmittag wurden dann die Säbelkämpfe gestartet. Hier vertraten den Darmstädter Fechtklub die Herren Melcher, Haun und Weicker. Herr Melcher brauchte als Endrundenteilnehmer beim Florettfechten an den Vorrundenkämpfen nicht teilzunehmen und kam ohne Gefecht sofort in die Zwischenrunde. Haun und Weicker fochten weit unter ihrer sonstigen Form und schieden in der Zwischenrunde aus. Melcher, der von Gefecht zu Gefecht besser in Schwung kam, ging ohne Niederlage in die Endrunde.
Gegen 17.30 Uhr wurde zur Endrunde der Säbelfechter aufgerufen. Hier zeigte sich nun, in welch großartiger Verfassung Melcher war und wie geschickt er seine Körperlänge auszuwerten wußte. Mit einer Selbstverständlichkeit und Ruhe reihte er Sieg an Sieg, so daß ihm nicht nur von seinen Clubkameraden, sondern auch von dem zahlreichen Publikum und aus dem Lager der Gegner oft Beifall auf offener Szene gezollt wurde. Keiner der vorhandenen Fechter war in der Lage, seinen Endsieg zu gefährden.
Die Teilnehmer der Endrunde, die gegen 21.30 Uhr abgeschlossen werden konnte, sind teilnahmeberechtigt an den im Frühjahr 1951 vorgesehenen Bundesmeisterschaften.
Die ersten fünf Sieger des Säbelfechtens: 1. Sieger und Landesmeister 1950 Karl Heinz Melcher, Darmstädter Fechtclub 1890; 2. Constantin, TV Offenbach-Bürgel; 3. Frisch. TV 1860 Frankfurt a. M.; 4. Gerhard, TV Gießen; 5. Schwer, FC Wiesbaden.
An dieser Stelle sei gleich darauf hingewiesen, daß am kommenden Sonntag der Darmstädter Fechtclub einen Mannschaftskampf gegen den TV Aschaffenburg auf dem „Heilig Kreuz“ austrägt. 9 Uhr Florettkampf der Männer: DF C Dr. Vi'x, Leicht, Haun, Weicker, Melcher und Schreder oder Koch. TV Aschaffenburg Erbe, Kipfmüller, Ranft, Specht, Köhl und Maidhof. 15 Uhr Florettkampf der Damen: DFC Getrost, Sehr eher, Haun, Niebel. TV Aschaffenburg Kitz, Fleckenstein, Erbe und Greiner. Weicker DFC wurde vom Nord badischen Fechtverband als Obmann für den Städtekampf Stuttgart—Pforzheim verpflichtet. ' , -icke-
Handhall
SV Gelnhausen—TuS Griesheim 5:6 (1:3)
Nach dem mißlichen Treffen gegen Offenbach landete Griesheim in Gelnhausen einen verdienten Sieg, der bei einer besseren Kondition des Sturmes unbedingt eindeutiger ausgefallen wäre. Aber auch mit dem knappen Sieg kann Griesheim zufrieden sein. Es dauerte schon eine geraume Zeit, bis Lösch durch Strafwurf das Führungstor erzielte. Ein Dreizehnmeter erbrachte den Ausgleich 1:1. Ein weiterer Straf wurf von Lösch und ein Feldtor von Weingärtner sorgten für eine 1:3-Halbzeitführung. Nach der Pause hofte man auf eine produktivere Spielweise des Griesheimer Sturmes. Aber leider fand man sich nicht, um das Spiel in die Breite zu ziehen, so daß durch die Zusammenballung in der Mitte die Abwehr erleichtert wurde. Ein Alleingang von Dibbert führte zum zweiten Gegentreffer Gelnhausens, dem Lösch bald darauf ein schöneä Feldtor zum vierten Erfolg entgegensetzen konnte. Lorenz (Gelnhausen) hatte Erfolg mit einem Strafwurf, dann war Schecker frei und erzielte Nr. 5. Gelnhausens bester Stürmer Dibbelt holte wieder ein Tor auf. Beim 4:5 für Griesheim sah es sehr bedenklich aus. bis Nold zum 4:6 einwarf. In der letzten Minute konnte Lorenz auf 5:6 verbessern. Griesheim hatte diesmal die bessere Abwehr, die vom zurückgehenden Sturm wesentlich unterstützt wurde.
2. Mannschaften 11:7 für Griesheim. A-Jgd. Griesheim—All-Jgd. 98 Darmstadt 18:10. B-Jgd. Griesheim—B-Jgd. TSV Pfungstadt 14:4.
TSV Pfungstadt — Mainz-Bretzenheim 11:6 (4:3)
Pfungstadt hatte am Sonntag die junge Elf aus Bretzenheim zu Gast, die sich trotz ihres Eifers und ihres fairen Spiels nicht gegen die in Angriff und Verteidigung in Hochform spielenden Platzherren behaupten konnte. Der Pfungstädter Sturm glänzte gleich zu Beginn mit zügigen Kombinationen, die zwei Tore von Malibach zur Folge hatten. In der 8. Minute erfolgte das erste Gegentor, dem im Laufe der ersten Halbzeit noch zwei weitere folgten; zu einer größeren Ausbeute konnte Bretzenheim nicht gelangen, da der Sturm zuviel kombinierte und das Schießen oft vergaß. Zwei Treffer von Pfungstadt dagegen stellten den Halbzeitstand von 4:3 her.
Die zweite Spielhälfte zeigte die hohe Ueberlegenheit des Pfungstädter Angriffs, der durch geschicktes Zusammenspiel noch 7 Tore schießen konnte. Die Angriffe der Bretzenheimer blieben durchweg im Verteidigungsnetz der Platzherren hängen. Der erfolgreichste Torschütze war Köbl'e (5), es folgten Maibach und Weber mit je 3 Toren.
SV Kostheim—TSG 46 Darmstadt 3:7 (2:3)
Im dritten Verandsspiel der Grunpenliga Süd standen sich an der Mainspitze die Mannschaften der SV Kostheim und der TSG 46 Darmstadt gegenüber. Kostheim hatte in erster Linie seine in der letzten Saison bewährten Spieler ins Feld geschickt, wahrend die Gäste mit einem völlig neu formierten Sturm antraten, der sich glänzend bewährte. ;
Schon kurz nach Spielbeginn konnte der Darmstädter Mittelläufer durchbrechen und zum Führungstor einsenden. Bald darauf egalisierte Moller durch Strafwurftreffer. Bis zur Pause war Konrad noch zweimal für die, Woogsleute erfolgreich, während Moller nur einen zweiten Freiwurf verwandeln konnte. Nach dem Wechsel gelang es den Darmstädtern, gleich zwei weitere Tore durch Konrad vorzulegen. Erst nachdem Willand und K. Sdimitt durch je ein Tor den Vorsprung auf 7:2 Tore ausgedehnt hatten, verwandelte Ferdinand einen 13-Meter-Ball zum dritten und le'zten Treffer für die Einheimischen.
Bei der Kostheimer Mannschaft vermißte man den sonst so gefürchteten Kampfgeist, der sChon mancher Mannschaft die Punkte gekostet hat. Außerdem mußten die Einheimischen die letzte Hälfte der zweiten Halbzeit infolge Platzverweises eines Spielers mit nur zehn Mann durchstehen.
Der neu formierte Sturm der TSG hat seine Feuerprobe bestanden und bei etwas mehr Glück hätte die Torausbeute leicht höher ausfallen können. Auch die Hintermannschaft mit Schlußmann Haber hat entschiedenden Anteil an dem schönen Erfolg.
Im Vorspiel gewann die Reservemannschaft der Darmstädter gegen die von Kostheim überlegen mit 21:5 Toren. -th-
Handball-Kreisklasse Erbach
In Momart sah man ein außerordentlich kampfbetontes Derby. Die Einheimischen hatten vom Anpfiff weg das Heft in die Hand genommen und bis zur Pause eine 2:0-Führung sichergestellt. Nach dem Wechsel kamen die Platzherren, denen die gute Abwehrleistung von Nieder-Kinzig oft zu schaffen machte, noch dreimal zum Zug. Für Momart waren Löb /3), Schneider und Rebscher, für Nieder-Kinzig Friedrich (2) erfolgreich. Es wurde je ein 13-Meter-Ball verhängt, die jedoch beide nicht verwandelt werden konnten. Zell, das eine außerordentlich einsatzfreudige Elf aufs Feld führte, verlor gegen die spielerisch überlegene Mannschaft aus Erbach 9:13. Bei beiden Vereinen wußten vor allem die Torhüter zu gefallen. An der Torausbeute von Erbach war der gesamte Sturm beteiligt.
Michelstadt, das im - Ritzel-Stadion gegen Bad König angetreten war, siegte in einer außerordentlich schnellen Partie unerwartet hoch mit 15:4 Toren. Für Michelstadt waren Gerbig, Gröner, Paul, Wassum und Allmann erfolgreich. Bei Bad König ließ besonders die Mannschaftsleistung zu wünschen übrig. Die Begegnungen Böllstein — Beerfelden und Pfaffen-Beerfurth—Höchst fielen aus. Wie verlautet, will Höchst seine Mannschaft aus der Verbandsrunde herausnehmen. In einem Freundschaftstreffen spielte Beerfelden gegen Oberflockenbach 3:3. -ppi-
| Tabelle | ||||||
| TSV Braunshardt | 3 | 3 | 0 | 0 | 44:16 | 6:0 |
| SKG Bauschheim | 3 | 2 | 0 | 1 | 35:25 | 4:2 |
| Concordia Gernsheim 3 | 2 | 0 | 1 | 21:22 | 4:2 | |
| VfL Herrnsheim | 1 | 1 | 0 | 0 | 14: 7 | 2:0 |
| TSV Pfungstadt | 2 | 1 | 0 | 1 | 19:16 | 2:2 |
| SV Kostheim | 3 | 1 | 0 | 2 | 17:20 | 2:4 |
| TSG 46 Darmstadt | 3 | 1 | 0 | 2 | 16:25 | 2:4 |
| TSV Schwanheim | 0 | 0 | 0 | 0 | 0: 0 | 0:0 |
| SC Alzey | 0 | 0 | 0 | 0 | 0: 0 | 0:0 |
| TG Rüsselsheim | 1 | 0 | 0 | 1 | 9:10 | 0:2 |
| SG Wörrstadt | 1 | 0 | 0 | 1 | 6:16 | 0:2 |
| SG Bretzenheim | 2 | 0 | 0 | 2 | 10:34 | 0:4 |
DI Bestattungen am Dienstag, dem 19. September 1950 Alter Friedhof: Beerdigung: 14.00: Schwarzbach, Heinrich, Darmstadt-Eberstadt, Mühltalstraße 85 Watdfrledhof: Feuerbestattung: 13.45: Scior, Lehrerswitwe, Kittlerstraße 4 Beerdigungen: 14.15: Marie Restle, Kahlerstraße 51, 70 Jahre 15.15: Christine Wolf, Niederstraße 18, 70 Jahre
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Betreffend: Lotterie anläßlich des „Kalten Marktes" 1950 in Ortenberg Der Herr Hessische Minister der Finanzen in Wiesbaden hat dem Herrn Bürgermeister der Stadt Ortenberg/Hessen unterm 22. 8. 1950 auf Grund von § 1 der Verordnung über die Genehmi¬ gung öffentlicher Lotterien und Ausspielungen (Lotterieverord¬ nung) vom 6. März 1937 (RGBI. I S. 283) in Verbindung mit dem Runderlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 8. März 1937 (MBliV. S. 386) sowie der organisatorischen Anweisung Nr. 4 der Militärregierung von Groß-Hessen vom 20. Oktober 1945 unter Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs die Durchführung einer Verlosung anläßlich des „Kalten Marktes“ in Ortenberg genehmigt. Erbach, den 13. September 1950. Der Landrat Bekanntmachung Betr.: Lautsprecherreklame Die Lautsprecherreklame aller Art von Gewerbetreibenden hat seit einiger Zeit einen derartigen Umfang angenommen, daß schon von einer allgemeinen Landplage gesprochen werden kann. Teilweise kommt es sogar vor, daß Lautsprecherwagen ohne die nach Paragraph 5 der Straßenverkehrsordnung vorgesehene und von hier zu erteilende Genehmigung tätig werden. Ich weise nun darauf hin, daß künftig nur noch dann eine Genehmigung erteilt wird, wenn an der Lautsprecherreklame ein öffentliches Interesse erblickt werden kann. Mit Rücksicht auf den Fremdenverkehr in unserem Kreis wird dies nur noch in den seltensten Fällen in Frage kommen. Erbach, den 11. September 1950. Dor Landrat Bekanntmachung Verwaltungsgebühren für Verlängerung der Polizeistunde Der Herr Regierungspräsident in Darmstadt hat mit sofortiger Wirkung die Gebühren für die Erteilung einer in jedem Falle erforderlichen Genehmigung zur Verlängerung der Polizeistunde wie folgt festgesetz: Einwohnerzahl der Gemeinden Verwaltungsgebühren für (nach dem neuesten Stand) Verlängerung der Polizeistunde bis zu um mehr als 2 Stunden 2 Stunden bis ZU 1000 4 DM 6 DM 1001 bis ZU 5000 6 DM 9 DM 5001 bis ZU 25 000 8 DM 12 DM Gleichzeitig wurde verfügt, daß eine Ermäßigung der Gebühren dann nicht mehr eintritt, wenn die Verlängerung der Polizeistunde aus Anlaß einer Tanzveranstaltung oder sonstigen Lustbarkeit in Frage kommt. Es ist dabei unerheblich, ob die Tanzveranstal¬ tung oder sonstige Lustbarkeit gebührenfrei erteilt wird oder nicht. Mit dieser neuen Regelung werden folgende Teile meiner Bekannt¬ machung betr. Tanzveranstaltungen und sonstige Lustbarkeiten (veröffentlicht im Amtsverkündigungsblatt Nr. 3/1950) ungültig: 1. Von Ziffer 3 der letzte Absatz. 2. Von Ziffer 6 der Absatz c. Erbach, den 13. September 1950. Der Landrat Zwangsversteigerung 3 K 24/50: Der untenstehend bezeichnete Grundstücksanteil, der zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen des verstorbenen Maurers Philipp Müller in Hahn bei Pfungstadt im Grundbuch eingetragen war. soll am Montag, dem 20. November 1950, 8.45 Uhr. durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude Darmstadt, Mathildenplatz 12 Saal 303, ver¬ steigert werden. Die Versteigerung erfolgt zwecks Aufhebung der Erbengemeinschaft. Der Versteigerungsvermerk ist am 8. Aug. 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. %-Anteil des Philipp Müller an: Grundbuch für Pfungstadt Band 26, Blatt 2096: Lfd. Nr. 3, Flur 5, Nr. 149, Hofreite und Grabgarten Bahnhofstraße 61, am Mühlberg 244 und 322 qm. Betrag der Schätzung 3500 DM. Zulässiges Höchstgebot ebenso. Darmstadt, den 13. September 1950. Amtsgericht, Abt. 3 Zwangsversteigerung Am Mittwoch, den 20. 10. 1950. 14 Uhr. wird in Darmstadt- Eberstadt meistbietend gegen sofortige Barzahlung versteigert: 100 Päckchen Feinschnitt „Doppelkopf“, versteuert, 100 Päckchen Feinschnitt „Bremer Flagge“, versteuert. Zusammenkunft: Rathaus. Neubert, Gerichtsvollzieher (b.)
Zwangsversteigerung 3 K 21/50: Die Grundstücke des Grundbuchs von Wixhausen Band 8, Blatt 702, nämlich: Ord. Nr. 18, Flur 1, Nr. 17, Hofreite im Ort. 506 qm, Ord. Nr. 19, Flur 1, Nr. 18. Grabgarten und Grasgarten daselbst, 563 und 231 qm, die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen des Walter Schmidt In Wixhausen im Grundbuch einge¬ tragen waren, sollen am Montag, dem 20. November 1950, 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude Darmstadt, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Der Betrag der ortsgerichtlichen Schätzung der obenbezeichneten Grundstücke: 13 741 DM. Zulässiges Höchstgebot ebenso. Bieter müssen Bietgenehmigung des Landwirtschaftsamtes Darmstadt vorlegen. Der Versteigerungsvermerk ist am 25. und 26. Mai 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. Darmstadt, den 13. September 1950. Amtsgericht, Abt. 3 Amtsgericht Darmstadt Für Angaben in ( ) keine Gewähr Neueintragungen: HRA 936: 5. 9. 1950: Hermann Becher. Tabakwaren-Groß- und Einzelhandel, Darmstadt (Rheinstraße 5). Inhaber: Hermann Becher, Kaufmann, Darmstadt. HRA 937: 5. 9. 1950: Großschlächterei Eva Brauer, Darmstadt (Großschlächterei, Fleischagentur und Großhandel mit Wurst und Fleischwaren aller Art, Frankfurter Straße 69), Inhaber: Eva Brauer geb. Diefenbach, Darmstadt-Arheilgen. HRA 938: 5. 9. 1950: Otto Wild, Darmstadt-Arheilgen (Herren- und Knabenkonfektion, Textilien: Bachstraße 31). Inhaber: Otto Wild, Kaufmann, Darmstadt-Arheilgen. * HRA 939: 5. 9. 1950: Peter Rückerlch, Darmstadt-Arheilgen (Her¬ ren- und Damenbekleidung; Darmstädter Straße 57). Inhaber: Peter Rückerich, Kaufmann, Darmstadt-Arheilgen. HRA 940: 6. 9. 1950: German Guby. Lebensmittel-Großhandlung, Darmstadt (Wilhelmstraße Ecke Donnersbergring). Inhaber: Ger¬ man Guby, Kaufmann. Darmstadt. Trude Guby geb. Kaiser, Darmstadt, ist Einzelprokuristin. HRA 941: 6. 9. 1950: Adam Krämer, Darmstadt-Arhellgon (Bau¬ unternehmung für Hoch-, Tief- u. Eisenbetonbau; Rheinstr. 9). Inhaber: Adam Krämer, Maurermeister und Bauingenieur, Darm¬ stadt-Arheilgen. Gleichzeitig wurde eingetragen: Das Geschäft ist auf Ludwig Krämer, Maurermeister und Bauingenieur, Darmstadt- Arheilgen, mit dem Recht zur Fortführung der Firma übergegangen. HRA 942: 11. 9. 1950: A. C. Fischer OHG, Darmstadt (Großhandel und Verarbeitung von Glas sowie Handel mit verwandten Gegen¬ ständen; Elisabethenstraße 44). Offene Handelsgesellschaft seit dem 1. juli 1950. Gesellschafter: Paul Fischer, Kaufmann, Witten, Herbert Haller, Kaufmann, Darmstadt. V«rä nd «r ung on : HRA 267: 5. 9. 1950: Jakob Baas, Maschinenfabrik. Darmstadt. Die seitherige ungeteilte Erbengemeinschaft Dorothea Baas geb. Schroth und Anna Margarete Baas, beide in Darmstadt, wurde auseinandergesetzt. Nunmehr offene Handelsgesellschaft seit dem 1. Juli 1950 mit Dorothea Baas geb. Schroth, Anna Margarete Baas und dem neu eingetretenen Ing. Friedrich Hess, Darmstadt- Eberstadt, als persönlich haftenden Gesellschaftern. Die Firma ist geändert in: Autzugsbau- und Maschinenfabrik Jakob Baas OHG. (Riegerplatz 11). Die Prokuren Dorothea Baas geb. Schroth und Friedrich Hess sind erloschen. HRA 675: 5. 9. 1950: Kurt Schiwek u. Co., Darmstadt (Vertrieb von Dachpappe, Teer- und Bitumenprodukten sowie Rohstoff¬ beschaffung; Dieburger Straße 32). Zur Vertretung der Gesell¬ schaft ist nunmehr nur der Gesellschafter Kurt Schiwek berechtigt. HRA 848: 11. 9. 1950: Philipp Jakoby 11., Ober-Ramstadt (Darm¬ städter Straße 62). Die Firma ist geändert in: Philipp Jakoby 11. und Co., Kohlen und Baustoffe. Kommanditgesellschaft seit dem 11. 9. 1950. Persönlich haftende Gesellschafter: Ludwig Jakoby, Kaufmann, Ober-Ramstadt, A. Castritius Nachfolger, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Darmstadt. Ein Kommanditist ist be¬ teiligt. Die Prokura des Ludwig Jakoby ist trloschen.
Veränderungen: HHRB 29: 5. 9. 1950: Firma Exportbrauerei Justus Hildebrand, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Pfungstadt. Die Pro¬ kura des Fritz Hildebrandt ist erloschen. Direktor Heinz Manny ist als Geschäftsführer ausgeschieden. HRB 53: 11. 9. 1950: Firma Herdfabrik und Emaillierwark, ••• Seilschaft mit beschränkter Haftung, Darmstadt. Ministerial¬ dirigent Rudolf Lissigkeit in Bensheim ist an Stelle von Josef Dittrich zum Treuhänder der Gesellschaft ernannt durch Bestal¬ lungsurkunde des Amtes für Vermögenskontrolle und Wieder¬ gutmachung in Darmstadt vom 15. Juli 1950.
Erloschen: HRB 106: 2. 9. 1950: Firma„Unser Heim", Vereinigte Werkstätten Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Erzhausen (Hessen). Vön Amts wegen gelöscht auf Grund des Löschungsgesetzes vom 9. Ok¬ tober 1934, § 2.
Erloschen: HRA 107: 11. 9. 1950: Heinrich Walter OHG., Darmstadt. Die Gesellschaft ist aufgelöst. Die Firma ist erloschen. HRA 452: 11. 9. 1950: A. C. Fischer, Darmstadt, Zweignieder¬ lassung ist aufgehoben. Das Geschäft ist mit dem Recht z.ir Fortführung der Firma auf die „A. C. Fischer OHG.“ mit dem Sitz in Darmstadt übergegangen. Darmstadt, den 14. September 1950.
GEBURTEN Die Geburteines Stamm¬ halters zeigen in dankbarer • Freude an Heinrich Koch und Frau Lilli geb. Nau Frankfurter Straße 58 XRZTETAFtL Zurück: Dr. med. 0. DIETERICH DARMSTADT Im Emser 13 ODENWALDKLUB Ortsgruppe Darmstadt Sonntag, den 24. September 13. Wanderung: Durch die Jagdgründe der Rhein-Main- Ebene Anmeldung bis 20. September bei Tillmähn, Grafenstraße 30 ■— Die von uns vorgesehene Vergrößerung unserer hierfür in Frage kom¬ menden Werkstätten ermöglicht uns, auch für andere Betriebe folgende Arbeiten in erstklassi¬ ger Ausführung vorzunehmen: Spritzlackierarbeiten in Nitro- u. Einbrennlacken mit Einbrenntemperat. bis 150’ C, auch in rein Weiß u. Kräusellack Galvanisieren von Massen- und Kleinteilen in den Ausführungen: Glanzzink in Trommel u. Glocke, Cadmium in Trommel, Kupfar in Glocke HlarfUr Intaraatlerta Firmen wenden Sich an: BLAUPUNKT-WERKE GMBH DARMSTADT LANDGRAF-PHILIPPS-ANLAGE 4 Ihre Sportartikel? SPORT-REITZ, GRAFENSTRASSE 22 KLAVIER-Stimmen Arnold, Tei. 2457
DIE FUNDGRUBE
|often^stellejn| Ehrliches, anständig. Mädel nicht üb. 20 J., als Bürohilfe und Laden halbtagsw. gesucht. Ang. unt, DT 665 an das Darmst. Tagbl. Heim der Inneren Mission bei Darmst. sucht zwei christ¬ lich gesinnte tücht. Mädch. nicht unter 18 Jhr., für Stations-, Küch.- und Hausarbeit. Off. unter DT 636 an das Darmstadt. Tagblatt. Zuverläss.. jüngere Kraft in klein. Ceschäfts¬ haushalt in Darmst.- Eberstadt, 2- bis 3mal wöchentl. ge¬ sucht. Zuschr. unter DT 664 an Darmst. Tagblatt. |stezx.-gesuche| Wer gibt mir Arbeit? Geb. Frau (arbeits¬ freudig) sucht Wir¬ kungskreis (auch Heimarbeit). Angeb. | unter DT 594 an d. Darmstädt. Tagblatt. | Ankäufe | Gegen bar kaufe ich laufend neuwertige, nur gut erhalt. Bekleidung Wäsche. Möbel und andere Gegenstände die sich zum Wie¬ derverkauf eignen. Heilmut Bartsch An- u. Verkäufe aller Art Elisabethen-, Ecke Neckarstraße L^ERRÄV^J nöT“ maschinell V« Anzahlung. 12 Monatsraten. Gütting, Schuchardstr. Metalle, Eisen kauft zu höchsten Tagespreisen. Fuchs u. Herzog, Dr, Karlstraße 72 Fahrräder J V« Anzahlung. 5,- DM wöchentlich. Gütting,Schuchard str. 2 4fl. Gasherd mit Backofen billig zu verkauf. Specht, Dreibrunnenstr. 7. Ihr Fahrrad repariert fachmän. nisch u. schnell bei Modrigster Berech¬ nung: BENZ. Gra¬ fenstr. 22. Ruf 3339
Kaffee- SERVICE antik ca. 100 Jahre ; alt handgemalt für । 2 Personen zu verkf. Ang. u. DT 663 an , das Darmstädt. Tag¬ blatl. _ Sprung¬ rahmen (Gr. 1,77—93) zu verkaufen. Ang. unt. DT 667 an Darmst. ; Tagblatt. Elektr. H.-W.-Speich. 80 Ltr. Inh. Kupfer, elfenb. preiswert zu . verkaufen. Ang. u. . DT 672 an Darmst. 1 Tagblatt. Schreib¬ maschine gebraucht,preiswert. Lutz, Rheinstr. 22 |emp^ilungenJ Ihr Haus für Mieder u. Wäsche im Stadtzentrum Charlotte GLUMANN am Stadtkirchulatz. Maßanfertigung An. proberaum. Nähmaschin. 318 DM. Ein Fünftel 1 Anzahlung. Dietrich, ; Kapellplatz. 1 ■ Fr. Kraft, Graveur n sn Herrgiädvtr 15 J Schöne Dam.-Blusen! Sport-Reitz Grafenstraße 22 Pikierte Erdbeer- 1 pflanzen 1 Traisa Ludwigstraße 34 Fahrräder altbekannte Marken Torpedo u. Göricke kaufen Sie vorteil¬ . halt bei: Fahrrad . Hahn Schloßgartenplatz , I GESCHÄFTS- I ’ | RÄUME I Werkstatt mit Lager u. Büro . ca. 120 qm mit Woh. i nung zu vermieten. • Angeb. u. DT 662 - an das Darmstädter ) Tagblatt.
Ofen Herde Brennstoffe Lieferung frei Haus - Zahlungserleichterung KöMeK-VeMeb ICatys.ee & Co, Darmstadt, Landwehrstrafje 2, Ecke Frankfurter Strafje Fernruf 483
SC-8G qm RAUM f. Unterrichtszwecke geeignet, im Stadt¬ innern zu mieten ge¬ sucht evtl, mit Bau¬ kostenzuschuß. Ang. unter DT 669 an Darmstädt. Tagblatt. JvERSCHIEDENEsJ Tücht. Haus¬ u. Geschäfts¬ frau 52/163, sucht Pflich¬ tenkreis in fraulos. Haushalt. Refl. nicht auf Heirat. Off. unt. DT 670 an Darmst. Tagblatt. Unseren gemütlichen, originell ausgestatt. Saal empfehlen wir Ver. einen und Gesell¬ schaften. Cafe-Restaurant „Eisgrotte“ Darmsta.-Arheilgen, Darmstädter Str. 73 Telefon 971.
Trautheim Älterer, gebildeter alleinsrteh. Herr zum Vorlesen gesucht gegen Gast¬ lichkeit. Angeb. unt. DT 668 an Darmst. Tagblatt. | AUTOMABKT | Auto- Avemorie An- und Verkauf Verschrottung Verkauf von Ersatz¬ teilen u. gebr. Reifen Artilleriestraße 15 Telefon 894. Kleinwagen ,Dixi“. erstklassig. Zustand, zu verkau¬ fen. Angeb. u. DT 666 an das Dannst. Tagblatt. Auto- Avemarie Fahrschule alle Klassen eigene Fahrzeuge. Artilleriestraße 15. Tel. 894.
DKW- Motorräder Lieferwagen kurzfristig lieferbar. G. L. Stüber Darmstadt Heidelberger Str. 59 Tel. 3989. AUTO- Vermittlung- Zentrale Darmstadt, Mitglied d. Deutschen Selbst¬ fahrerrings. Selbstfahr.: Rut 310 8.V.-Tankstelle: Frankfurter Str. 72 Auto- Avemarie Reparaturen jeder Art Tel. 894.
Heute, Orangerie, 19.30 Uhr (Miete A/L T/A 1) „Maß für Maß“ ~ _ Wiederaufführung I N I A n eines Filmes von Format u n I U H Capriccio Ein schmissiger und spritziger Ausstat¬ tungsfilmmit den beliebten Filmlieblingen Lilian Harvey. Viktor Staal, Paul Kemp, Paul Dahlke, Aribert Wäscher, Ursula Ruf 3373 Oelnert u.v. a. Anfang: 13.45 , 16.00, 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr T U A I i A Letzer Tag: Der neue deutsche Film I HALB A Die Löge mit der Bombenbesetzung Sibylle Schmitz, KU Cornell Borchers, Ewald Balser, Will Quad- ” flieg, Otto Gebühr Ruf 33 90 änfang: 14.00, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr Vorverkauf ab 11.00 Uhr nr ■ I n Ä Erstaufführung DE LI UA Charles Boyer, Joan Fontaine, Alexis Smith in O liebesleid Die leidenschaftliche, verhängnisvolle d.-ciae Liebe eines Komponisten zu einem KUT J9a jungen Mädchen Anfang: 14.00, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr DAI AU Dienstag und Mittwoch FMLHJ 1 WILLIAM BOYD in seinem allerneuesten Wildwest'-Film Todeskarawane Ruf 22 40 13-45> 16 00, 18.15, 20.30 Uhr AN KER Diens,afob<^ • Es begann in Rio das bedeutet Abenteuer, Romantik, i Sensation j Jugenheim Margaret lockwood i — in einer Bombenrolle SCALA ... Dienstag bis Donnerstag HANSALBERS, HEINZ RUHMANN 1 w Der Mann, Eberstadt der Sher,ock Holmes war Anfang: 20.15 Uhr