Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Vern^D^r^^ ERICH DOMBROWSKI. Darm st a PhL T^b‘att L. C. Wittich, 207. Jahrgang / Nummer 67 ^efßf^e Tieueffe Tla^n^fen Samstag, 16. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L>. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Vier amerikanische Landungen weit hinter der Front

Pusan, 15. September. (AP./dpa/Reuter.) Die Streitkräfte der Vereinten Nationen haben in den frühen Stunden des Freitag von See aus Landungen an vier Stellen hinter den kommunistischen Linien unternommen.

An der koreanischen . Westküste sind Einheiten der amerikanischen Marineinfanterie und südkoreanische Truppen in Inschon, dem Hafen von Söul, gelandet. Inschon liegt über dreihundert Kilometer hinter den kommunistischen Kampflinien. An der Ostküste Koreas landeten südkoreanische Spezialeinheiten unmittelbar nördlich des Hafens Pohang, der vor kurzem von den Nordkoreanern besetzt worden war. Hier griff auch das amerikanische Schlachtschiff „Missouri“ in die Kämpfe ein. Amerikanische Marineinfanterie führte außerdem in Yongdok eine Landung aus, das etwa vierzig Kilometer weiter nördlich von Pohang liegt. Schließlich landeten noch alliierte Truppen einhundertfünfzig Kilometer südlich des großen Brückenkopfes an der Kum-Mündung bei Kunsan.

Mac Arthur vor Inschon

Das wichtigste Unternehmen ist das bei Inschon. Hier leitet General Mac Arthur selbst die Operationen. Tausende amerikanischer Marineinfanteristen, die seit dem Pazifik-Krieg als die „Ledernacken“ bekannt sind, stürmten um 6.30 Uhr von Kriegsschiffen der Vereinten Nationen aus an Land. Sie nahmen zunächst in etwa mehr als einer Stunde die der Stadt Inschon vorgelagerte Insel Wolmi. Die Operationen gingen unter dem Schutz eines starken Feuervorhanges der Schiffsgeschütze und mit Unterstützung der Luftstreitkräfte der Vereinten Nationen vor sich. Insgesamt waren 262 Schiffe der Seestreitkräfte der Vereinten Nationen an dem Unternehmen beteiligt, die sieben verschiedenen Nationen angehören.

Die Mitte der Stadt erreicht

Am späten Nachmittag sind dann neue Kampfeinheiten der amerikanischen Marineinfanterie auf Inschon selbst vorgegangen und erreichten schon nach kurzer Zeit die Stadtmitte. Die zweite und zahlenmäßig bedeutend stärkere Kommandogruppe hat sich nach geglückter Landung in drei Gruppen aufgeteilt und greift die Stadt und den Hafen von Norden und von Süden sowie von der Seeseite her an.

Werden die Nordkoreaner aufgerieben?

General Mac Arthur, der von seinem Flaggschiff aus die Operationen leitete, erklärte einem amerikanischen Korrespondenten, das Rückgrat der nordkoreanischen Armee könne mit diesem Schlag gebrochen werden. Es sei seine Absicht, den Feind zwischen der im Süden stehenden 8. Armee und den gelandeten Einheiten aufzureiben und zu vernichten. Er beabsichtige, vorläufig auf dem Kriegsschauplatz zu bleiben und nicht nach Tokio zurückzukehren. Der Invasion ging eine zwei Tage dauernde Beschießung des Operationsraumes durch die Artillerie der Seestreitkräfte der Vereinten Nationen voraus. Amerikanische und britische Flugzeuge bombardierten währenddessen die Verbindungswege des Feindes an der Küste.

Fallschirmjäger eingesetzt

Ein weiteres wichtiges Unternehmen war das auf die Stadt Kjmpo und den zu ihr gehörenden Flugplatz fünfzehn Kilometer von Söul entfernt. Hier wurden, wie es heißt, Fallschirmjäger eingesetzt. In einer Erklärung des amerikanischen Hauptquartiers heißt es außerdem, daß die Besetzung der Stadt Kimpo durch besondere Methoden der modernen Kriegführung vorgenommen worden ist.

Während die Landungstruppen erfolgreich vorgingen, sind auch an der Hauptkampffront weitere Fortschritte erzielt worden.

Einebunung deutscher Friedhöfe

Adenauer protestiert gegen Polen

Bonn, 15. September, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat die Oberkommission in einem Schreiben gebeten, Maßnahmen gegen die von der polnischen Regierung angeordneten Einebnungen deutscher Friedhöfe zu ergreifen. Die drei Westmächte möchten bei der polnischen Regierung gegen diese systematischen Grabschändungen Einspruch erheben.

Auf eine Anfrage der Freien Demokratischen Partei erwiderte der Kanzler, der polnische Rundfunk habe im Mai dieses Jahres auf eine Verfügung des polnischen Innenministers hingewiesen, in der eine Beseitigung deutscher Friedhöfe bis zum 1. Dezember dieses Jahres verlangt

Der Atlantikrat wird entscheiden

Die Frage des deutschen Verteidigungsbeitrages

Neuyork, 15. September, (dpa) Die Außenminister der drei Westmächte haben ihre Besprechungen unterbrochen. Die Konferenz wird nach der Tagung des Nordatlantikrates am Freitag und Samstag zu Beginn der nächsten Woche wieder aufgenommen werden. Als Ergebnisse der bisherigen Verhandlungen der drei Außenminister werden in Neuyorker Konferenzkreisen folgende Punkte angesehen:

1. Erhöhung der Stahlquote der Bundesrepublik bis zur Grenze ihrer Produktionskapazität.

2. Ein Kompromiß zwischen den Plänen zur Aufstellung einer Bundespolizei.

3. Zur Frage der Beendigung des Kriegszustandes wurde beschlossen, eine gemeinsame zustimmende Erklärung herauszugeben. Während im Prinzip über die künftige diplomatische Vertretung der Bundesrepublik im Ausland Einigung erzielt wurde, blieb die Frage der künftigen Beziehungen zwischen den deutschen Diplomaten und den Oberkommissaren noch ungelöst.

Die Hauptfrage, nämlich das Problem einer Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, ist bisher nicht geklärt worden. Die Frage eines militärischen Beitrages der Bundesrepublik zur Verteidigung Westeuropas und zum nordatlantischen Verteidigungsprogramm soll auch vom Nordatlantikrat auf Vorschlag der Außenminister der Westmächte erörtert werden.

Verlängerte Dienstzeit gebilligt

London, 15. September, (dpa) Das britische Unterhaus hat die Verlängerung der Dienstzeit von achtzehn Monaten auf zwei Jahre gebilligt.

„Steuer auf Coca-Cola“

Ein Antrag der Bayernpartei im Bundestag

R. Bonn, 15. September. Das Stichwort der Bundestagsdebatte am Freitag hieß Coca-Cola, genauer gesagt: Steuer auf Coca-Cola. Es war die Bayernpartei, die unter dem diskreten Titel „Besteuerung von unter Verwendung von Drogen hergestellten Getränken“ eine solche Steuer beantragte. Aber der Bundesfinanzminister bekannte offen, daß es um eine Steuer auf Coca-Cola gehe, die er selbst auch in einem Gesetzentwurf vorsehe, der von seinem Ministerium augenblicklich bearbeitet werde.

Vor allem von bayerischen Abgeordneten geführte Debatten pflegen immer den Beifall des Hauses zu finden, und so entstand auch in dieser Aussprache große Heiterkeit, als das Wort von den „Erkenntnisquellen“ fiel, die in Alkoholgetränken lägen, und von der Alkoholgesinnung der Aelteren gegenüber den antialkoholischen Tendenzen der Jugend gesprochen wurde. Aber die von dem sozialdemokratischen Redner gebrauchte Formulierung, daß es sich um einen krachledernen Antrag handele, fand doch nicht die Zustimmung der Mehrheit. Diese entschloß sich, die Angelegenheit in den Ausschüssen durchzuberaten, und ihre Stimmung läßt darauf schließen, daß die Coca-Cola-SteUer in Sicht ist, obwohl im Bundeshaus-Restaurant selbst, wie in dieser Debatte mitgeteilt wurde, monatlich fünfzehntausend Flaschen Coca-Cola getrunken werden.

Eine grundsätzliche Wendung erhielt aber diese Aussprache durch die Erklärung eines Sozialdemokraten, daß seine Partei sich jeder neuen Verbrauchssteuer widersetzen werde, die vor allem die breiten Massen treffe, zumal, nachdem der Finanzminister bei der Einkommensteuersenkung das Füllhorn ungleich über die einzelnen Volksschichten ausgeschüttet habe. Darauf entgegnete der Finanzminister, allein die Einkommensteuersenkung habe das Aufkommen aus der Soforthilfeabgabe gerettet, da die frühere Einkommensteuer zusammen mit der Soforthilfeabgabe die Leistungskraft überstiegen habe.

Das Rettichdorf Schifferstadt bei Ludwigshafen wird am 1. Oktober zur Stadt erklärt werden.



Tempo

*** Die Amerikaner legen beim Aufbau der Weltverteidigung ein Tempo vor, bei dem es ihren Partnern unbehaglich zu werden beginnt. Die amerikanische Politik hat eine Schwenkung von 180 Grad vorgenommen und möchte nun möglichst schnell alles in die neue Richtung eingeordnet sehen. England und Frankreich tun sich hart, die Schwenkung mitzumachen. Ihre Außenminister haben sich an ihre Regierungen gewandt, um neue Richtlinien zu erhalten, wie sie sich zur Aufstellung deutscher Divisionen verhalten sollen. Daraus darf man schließen, daß Acheson auf ihrer Aufstellung besteht. Das britische Kabinett soll in einer plötzlich einberufenen Sitzung am Freitag beschlossen haben, deutsche Truppen-Einheiten unter allen Umständen abzulehnen. Man muß jedoch annehmen, daß Acheson genügend starke Argumente besitzt, um auch die Engländer von der Notwendigkeit der neuen amerikanischen Politik zu überzeugen. Auch der Atlantikrat wird noch ein Wort mitzureden haben.

Die Westmächte haben in vielen Fällen allzu lange gezögert. Nun soll ihnen nach dem Willen Amerikas der Russe nicht mehr zuvorkommen. Wohl weil es wiederum heißt, ein sowjetischer Friedensvertrag mit Gesamtdeutschland stehe unmittelbar bevor, hat Präsident Truman offiziell erklärt, die Vereinigten Staaten erwögen zwar keinen Friedensvertrag wie mit Japan, aber wenigstens die Möglichkeit, den Kriegszustand mit Deutschland zu beenden. Mit dieser Absicht scheinen sie keine Gegnerschaft bei England und Frankreich mehr gefunden zu haben. Aus London verlautet nämlich ebenfalls, eine offizielle Erklärung in diesem Sinne sei zu erwarten. In Paris rechnete man sogar damit, noch im Verlaufe des Freitags würde eine entsprechende Erklärung der französischen Regierung veröffentlicht werden, die sogar das Ende des Kriegszustandes rückwirkend mit dem Datum vom 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation, festsetze.

Dieses so plötzlich angeschlagene Tempo läßt zweifellos noch weitere Ueberraschungen erwarten.

EGuropa marschiert in den Frieden

Von Erich Dombrowski

Man schrieb das Jahr 1814. Der Wiener Kongreß, der den europäischen Frieden wiederherstellen sollte, verlor sich in immer weitere Auseinandersetzungen, in Diners und Bälle. Europa tanzt, schrieben die Gazetten. Konnten sich die europäischen Völker, bei allem Hin und Her, nicht einigen? In dem bedrückenden Augenblick, da der Schatten des Diktators erneut auf den Kontinent fiel, war alles sich indessen einig: hatte Napoleon alle die Jahre die einzelnen Nationen überraschend geschlagen und vergewaltigt, so wollte jetzt ein geeintes Europa den gemeinsamen Gegner durch einen Blitzkrieg ein für allemal unschädlich machen. Der Tag von Waterloo zog herauf. Der kriegerische Spuk verzog sich. Heute steht das gleiche Europa vor der gleichen Gefahr, von einem diktatorischen Regime überrannt zu werden. Nur die Methoden sind diesmal anders. Auf kaltem Wege versucht der internationale Kommunismus, einen Staat nach dem anderen umzulegen. Slawische Nationen, die ein oder zwei Jahrhunderte, in immer neuem Aufbegehren gegen ihre Unterdrücker, um ihre nationale Freiheit gerungen haben, liegen jetzt an der Kette des Bolschewismus: Bulgarien, Rumänien, Polen, die Tschechoslowakei. Viermal hat seitdem, seit rund zwei Jahren, der internationale Kommunismus nach weiteren Opfern gegriffen: Nach Finnland. Nach Griechenland. Nach Groß-Berlin. Nach Süd-Korea. Diese bald schleichenden, bald waffenklirrenden Anschläge wurden durch den Mut und die Standhaftigkeit der Angegriffenen abgewiesen. In Korea scheint sich jetzt dasselbe zu vollziehen. Der Blitzkrieg läuft sich tot. Die vorgestürmten Kräfte erschöpfen sich. Die letzte Groß-Offensive ist zum Stillstand gekommen. Die Truppeneinheiten der Vereinten Nationen sind zum Gegenangriff übergegangen und haben, an der West- und an der Ostküste, unter gleichzeitigem Einsatz von See- und Luftstreitkräften, Militär gelandet. In Europa ist, mit Einschluß Westdeutschlands, eine militärische Abwehrfront im Werden.

Es ist im Augenblick noch zu früh, politische Folgerungen aus diesem jähen Umschwung der Dinge zu ziehen. Möglich, daß Rußland, als der Dirigent des östlichen Orchesters, den Trompeten das Zeichen zum Abblasen gibt, ehe sich die verfahrene Situation noch weiter verschlechtert. Möglich aber auch, daß es Rot-China, das bisher Gewehr bei Fuß stand, zum Eingreifen auffordert. Ein Vorwand dazu läßt sich leicht finden. Da der Kreml aber weder den Sicherheitsrat verlassen, noch darauf verzichtet hat, die unmittelbar bevorstehende Jahresversammlung der Vereinten Nationen zu beschicken, ist beinahe anzunehmen, daß es sich die Tür für einen Ausgleich irgendwelcher Art noch offen hält. Der Preis, den es dann dafür fordern wird, könnte die Zulassung Rot-Chinas zur Organisation der Vereinten Nationen und damit zum Sicherheitsrat (mit dem Veto der Großmächte) sein. Großbritannien und Indien, die in Ost- und Südasien eine so große Rolle spielen, sind von Beginn an dafür eingetreten. Amerika war dagegen. Wenn Rußland aber in eine gründliche Reform der Satzungen des Sicherheitsrates und damit in eine Beschränkung oder Aufhebung des Einspruchsrecht willigt, könnte eine Verständigung vielleicht gefunden werden. Denn auch in Amerika hat sich, unter dem zunehmenden propagandistischen Druck Rußlands auf Europa, ein gewisser Wandel vollzogen. Washington ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß nicht Ostasien, sondern Europa der Gefahrenherd Nr. 1 für die Welt ist. Noch immer fielen und fallen die letzten Entscheidungen auf dem europäischen Kontinent. Für die Westmächte handelt es sich dabei nicht um eine kriegerische Lösung der Spannungen, sondern um die Erhaltung und vor allem die dauernde Sicherung des Friedens.

Zum zweiten Male ist Amerika, durch den Zwang der Verhältnisse, aufgerufen, sich zu entscheiden: zuerst Europa oder zuerst Ostasien? Das erste Mal war es im zweiten Weltkriege. Japan hatte durch seinen unvermittelten, vernichtenden Schlag auf Pearl Harbour, auf die dort zusammengezogenen amerikanischen Flotten-Einheiten, Amerika unerhört herausgefordert. Was lag näher, als daß Washington seine ganze militärische Kraft für den Kampf um den Stillen Ozean eingesetzt hätte. Damals war George Catlet Marshall Chef des amerikanischen Generalstabes. Mit großem Weitblick erfaßte er sofort die Lage. Gewiß: dem japanischen Feinde, der die amerikanische Nation überfallen hatte, mußte und sollte begegnet werden. Aber das Schwergewicht läge in der Niederwerfung des nationalsozialistischen Deutschlands, an dessen Schicksal das seiner anderen Verbündeten hänge. Daher wurde von Marshall, in Zusammenarbeit mit dem britischen General Stark, auf der Arcadia-Konferenz des Jahres 1942, Europa als entscheidendem militärischem Gebiet der Vorrang gegeben. In jenen Tagen fiel auch bereits der Blick auf den Generalstäbler Eisenhower als den Mann, der mit dieser Aufgabe betbaut werden sollte. Jetzt, wenn auch unter völlig anderen Verhältnissen, treten diese beiden Männer wieder handelnd in den Vordergrund, nicht um erst den Frieden zu erkämpfen, sondern um ihn hinter einem weit aufgespannten militärischen Schirm zu bewahren. Nachdem Marshall, der eine lange militärische Laufbahn hinter sich hatte, als erster Offizier des Staates sein Amt bei Kriegsschluß niedergelegt hatte, wurde er vom Präsidenten Truman als Mittler in den revolutionären Kämpfen nach China geschieht und dann zum Staatssekretär des Aeußeren ernannt. Ein hoher Sechziger. Groß. Schlank. Ein starkes Temperament in kühler Ruhe gebettet. Voll von sprühenden Ideen. Der Schöpfer des Marshall-Plans, der einen Teil der amerikanischen Finanz- und Wirtschaftskraft systematisch, auf Jahre berechnet, in den Dienst des wirtschaftlichen und sozialen Aufbaus Europas stellte, der also damit, indirekt, die kriegszerrütteten europäischen Länder krisenfest gegen den kommunistischen Bazillus zu machen versuchte.

Nun wird sich diesem wirtschaftlichen ein ergänzender militärischer Marshall-Plan angliedern. Der innere und äußere Ring der Abwehr gegen den Bolschewismus wird sich damit schließen. So etwas wie eine europäische Armee ist im Entstehen. Die Europa-Union, die wirtschaftlich bereits den ersten Schritt mit dem Schuman-Plan in die Zukunft tun will, wird nunmehr eine weitere Klammer durch ein gemeinsames Heer erhalten. Amerika wird dabei mit von der Partie sein und wird seine in Europa stationierten Truppenverbände verstärken, wird selbst, wie Großbritannien und Frankreich auch, seine Armeestärke wesentlich erhöhen und wird, gleich den europäischen Staaten, einen Teil seiner Wirtschaft der militärischen Rüstung dienstbar machen. Allerdings werden die Völker ein Opfer für diese an sich unproduktiven Sicherungsmaßnahmen zu bringen haben. Ihre Lebenshaltung wird davon nicht unberührt bleiben. Denn die Kosten für diese militärischen Anstrengungen, für diese Lebensversicherung der Nationen; müssen aus dem Sozialprodukt aufgebracht werden. Die drei Außenminister, die gegenwärtig in Neuyork tagen, sind am Donnerstag bereits in Erörterungen über eine Heranziehung Westdeutschlands zu den militärischen Vorkehrungen getreten. Der Atlantik-Rat, der sich danach versammelt, wird dann den Gesamtplan aufstellen, nach dem die notwendigen militärischen Kräfte aufgestellt, ausgerüstet und unter einheitliche Führung gebracht werden sollen. Im engen Zusammenhang damit sollen auch die wirtschaftlichen Produktionskräfte der einzelnen Staaten diesem Gesamtprogramm eingefügt werden. Auf der Jahresversammlung der Vereinten Nationen endlich, die den wahrscheinlich wochenlangen Abschluß der hochpolitischen Auseinandersetzungen bildet, wird es sich erweisen, wie Rußland auf, den Umschwung der Verhältnisse in Korea und auf die werdende gemeinsame militärische Abwehrfront Europas und Amerikas reagiert. Das Karussell des Welttheaters dreht sich. Stehen uns, nach der einen oder anderen Seite, Ueberraschungen. bevor? Wird Europa in den Frieden marschieren?

Freibier

Fi. Zwischen den amerikanischer! Einheiten in Korea und ihren Verwaltungsbehörden in den Staaten ist kürzlich ein Streit entstanden, der zugunsten der kätnpfendenTruppe entschieden wurde. Bei diesem Streit handelte es sich — verwaltungstechnisch gesehen — im Grunde um eine Kleinigkeit. Aber um eine- jener Kleinigkeiten, die deshalb so gefährlich sind, weil sie für den kämpfenden Soldaten zu einer Wichtigkeit werden können, die mitunter die Kampfmoral beeinträchtigt.

Bisher haben die Truppen in Korea täglich und pro Nase der Mannschaften und Offiziere einen halben Liter Freibier erhalten. Sozusagen als Frontzulage. Das ging solange, bis der Transportraum knapper und andere Dinge in den Nachschublisten wichtiger wurden. Also wurde das Büchsenbier aus „strategischen“ Gründen gestrichen. Aber damit waren die in Schmutz, Dreck und unter glühender Sonne kämpfenden Soldaten nicht einverstanden. Auch nicht, als ihnen mitgeteilt wurde, daß das Geld, das bisher in dieser Form durch ihre durstigen Kehlen geflossen war, nunmehr für die erhöhte Herstellurtg und den Transport von Sanitätsmaterial und Munition gebraucht würde. Die Soldaten protestierten. Sie protestierten so energisch, daß sich ihr Oberbefehlshaber, der General Mac Arthur, der Sache annahm und höheren Orts die Weiterlieferung des umstrittenen Büchsenbiers erwirkte.

■ So belanglos diese Angelegenheit zunächst erscheint, so bezeichnend ist sie aber. Sie zeigt überraschend deutlich zugleich die ganze Stärke und die ganze Schwäche der amerikanischen Armee. Eine Heeresleitung, die ihre Soldaten täglich mit Bier und „ham and eggs“ versorgen kann, ist ohne Zweifel einer anderen gegenüber im Vorteil, deren Soldaten mit einer Handvoll Reis und einer Feldflasche voll Wasser ins Feld ziehen müssen. Aber die Stärke des Feindes und die eigene Schwäche beweist sich da, wo die Truppen des Gegners trotz ihrer erbärmlichen Verpflegung zumindest die gleichen, wenn nicht sogar höhere Leistungen erzielen. Denn im modernen Kriege ist Disziplin wichtiger als Komfort.

Dorscheid, der bisherige Leiter des Informationsamtes der saarländischen Regierung, ist aus den Diensten der Regierung des Saarlandes ausgeschieden.

„Laßt Ench nicht irremachen!“

Die erste Sendung des westdeutschen Rundfunks für die Sowjetzone

We. München, 15. September. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Ehard hat in der ersten Gemeinschaftssendung der westdeutschen Rundfunkstationen am Freitag über den Bayerischen Rundfunk die Deutschen in der Sowjetzone aufgefordert, die Zonengrenze nicht als unabänderlich zu betrachten. In der geistigen und seelischen Grundhaltung müsse Deutschland eine Nation bleiben. Mit den Lehren von Moskau könne man Deutschland quälen und, wenn es innerlich schwach werde, zerstören. „Niemals aber wird, man Deutschland im Sowjetzeichen einigen und zu einer deutschen Einheit bringen können! Laßt Euch deshalb durch die so durchsichtige und so billige Einheitsparole nicht irremachen! Glaubt nicht, daß wir den Gedanken der deutschen Einheit aufgegeben hätten, weil wir von jener Einheitsparole nichts wissen wollen!“

Was man in der Sowjetzone an Unfreiheit, Bespitzelung und Terror erlebe, sei wahrlich der Opfer nicht wert, die die Welt auf sich genommen habe, um den Nationalsozialismus und den Faschismus loszuwerden. Unsinnig sei die Behauptung, der deutsche Westen habe sich einem westlichen Kapitalismus verschrieben und gebe sich als Schrittmacher für einen westlichen Militarismus her. „Das sind leere Phrasen. Auch Hitler ist gegen den Kapitalismus losgezogen. Wir haben uns in Westdeutschland nicht auf die Seite des Kapitalismus, sondern auf die Seite der Freiheit gestellt.“ Ein Wahnsinn sei es, zu glauben, die westdeutschen Politiker trieben zum Kriege, um auf diese Weise eine Verbesserung der deutschen Lage herbeizuführen. Sie seien weder Narren, noch Verbrecher, sondern Deutsche, die ihr Auge auf Europa gerichtet hätten. Die Militarisierung der Welt sei das ausschließliche Verdienst Sowjetrußlands und seiner ihm hörigen Trabanten. „Wenn wir von Sicherheit reden, tun wir es, weil wir den Frieden wollen, ebenso wie wir von Freiheit reden. wenn wir an die Einheit Deutschlands denken.“

Die bekannten Aeußerungen des Chefredakteurs des Bayerischen Rundfunks, von Cube, über Sendungen für die Sowjetzone bezeichnete Dr. Ehard vor Pressevertretern am Freitag als politisch außerordentlich unklug. Wenn allerdings jetzt die bayerische Regierung zum Eingreifen aufgefordert werde, so müsse er daran erinnern, daß der Rundfunk ein Rechtsgebäude sei, bei dessen Schaffung man sich jede Einmischung des Staates verbeten habe. Die Regierung könne deshalb nicht das geringste unternehmen.

Verteidigungsplan für Kerlin

Berlin, 15. September. (AP.) Wie verlautet, sollen sechs alliierte Offiziere beauftragt worden sein, in den kommenden zwei Monaten einen detaillierten Plan für die militärische Verteidigung West-Berlins auszuarbeiten. Schon seit Beginn dieses Jahres, vor allem im Zusammenhang mit dem Pfingsttreffen der Freien Deutschen Jugend, hat ein alliierter Stab theoretische Vorarbeiten geleistet.

Sowjetische Luftmanöver

im Luftkorridor

Berlin, 15. September, (dpa) Sowjetische Jagdflugzeuge haben am Donnerstag und Freitag verstärkte Uebungen in den Luftkorridoren zwischen Berlin und dem Bundesgebiet abgehalten. Die Uebungen dauerten vom frühen Morgen bis in die späten Nachmittagsstunden an.

Ehard hofft auf 30 000 Polizisten

„Bundespolizei setzt Verfassungsänderung voraus“

We. München, 15. September (Eigener Drahtbei-icht). Ministerpräsident Dr. Ehard hat sich auf einer Pressekonferenz gegen jede Vermengung der Begriffe „Polizei“ und „Wehrmacht“ gewandt. Für eine deutsche Aufrüstung fehle es an der geistigen Bereitschaft. Die Diffamierung des Berufssoldatentums lasse sich nicht so schnell überwinden. Man müsse der Entwicklung mit großer Ruhe entgegensehen und die Dinge an sich herankommen lassen. Die Frage der Aufstellung von Polizeieinheiten müsse dagegen unter allen Umständen vorangetrieben werden. Er sei davon überzeugt, daß die Alliierten ohne weiteres eine deutsche Bereitschaftspolizei von 30 000 Mann zubilligen würden. Eine solche Polizei dürfe aber nicht in Ausbildung und Ausrüstung atomisiert werden. Die Schaffung einer echten Bundespolizei habe eine Verfassungsänderung zur Voraussetzung. Sie würde aber vermutlich innen- und außenpolitisch Schwierigkeiten machen, weil man behaupten werde, sie sei eine Keimzelle für die künftige Wehrmacht, obwohl sie das gar nicht sein könnte.

Alte Feldpostbriefe

Frankfurt, 15. September. Alte Feldpostbriefe, die bisher als unbestellbar in Berlin gelegen haben, sind den Dienststellen des Caritasverbandes in Westdeutschland zugeleitet worden, von denen sie an die Empfänger weitergeschickt werden sollen. Es handelt sich um Briefe, die zumeist aus dem Feld in die Heimat geschickt worden sind. Es wird erwartet, daß manche Angehörige auf diese Weise Aufklärung über das Schicksal ihrer Vermißten erhalten.

Auskunft über Kriegsgefangene

Berlin, 15. September, (dpa) Die jugoslawische Militärmission in Berlin will künftighin Auskünfte über die in Jugoslawien verurteilten deutschen Kriegsgefangenen erteilen. Es befinden sich augenblicklich noch 1024 Deutsche in Jugoslawien, die unter dem Verdacht stehen, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Eine Herausforderung

hl. Die Labour-Regierung hat ohne Not und völlig unerwartet einen innenpolitischen Streit heraufbeschworen, den zu vermeiden das klare Gebot der Vernunft in der heutigen Krisenzeit gewesen wäre. Sie hat das Gesetz über die Verstaatlichung der Stahlindustrie nach einem bis ins Letzte ausgeklügelten Plan im Parlament durchgepeitscht, als sie dort noch über eine große Mehrheit verfügte. Diese Mehrheit ist auf eine Handvoll Sitze zusammengeschrumpft, weil der überwiegende Teil der englischen Wähler von weiteren Verstaatlichungen nach den bisherigen Erfahrungen nichts wissen will.

Das Wahlergebnis war im gewissen Sinne auch eine Ablehnung der zwar beschlossenen, aber noch nicht vollzogenen Sozialisierung der Stahlindustrie. Man durfte von einem Manne wie Attlee, dem niemand Sauberkeit und Fairneß absprechen kann, erwarten, daß er nach solchem Wahlausgang diese Frage dem englischen Volke zur Entscheidung bei der nächsten Wahl vorlegen würde. Daß er es nicht getan hat, daß er darüber hinaus nicht einmal von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, mit der Verstaatlichung zu warten, um das jetzt anlaufende Rüstungsprogramm nicht zu stören, ist ein erstaunliches Schwächezeichen.

Attlee hat genau gewußt, daß diese Frage die am leidenschaftlichsten umstrittene der ganzen englischen Politik ist. Er hat gewußt, daß seine Maßnahme in einer Zeit, in der die Existenz Europas und dieses Mal auch Englands bedroht ist, einen Sturm entfesseln würde. Er hat dennoch den Weg der Herausforderung gewählt. Winston Churchill, der in der bisherigen Sondersitzung des Parlaments äußerst maßvoll gewesen ist, hat den Fehdehandschuh aufgehoben. Es mag der Regierung gelingen, unter schärfstem Fraktionszwang mit ein paar Stimmen Sieger zu bleiben. Aber es kann sein, daß sie diesen Sieg bei den nächsten Wahlen teuer bezahlen muß.

Staatsschutz im Strafrecht

Aktuelle Probleme auf dem Deutschen Juristentag in Frankfurt

ro. Frankfurt, 15. September. Der 38. Deutsche Juristentag hat am Freitag in vier Abteilungen aktuelle Rechtsfragen behandelt, die sich aus dem Grundgesetz ergeben. In der Strafrechtsabteilung behandelte Professor Dr. von Weber (Godesberg) den Schutz des Staates. Er betonte, daß die äußere Sicherheit und die innere Stabilität Deutschlands, obwohl sie wesentlich von moralischen Faktoren abhängen, auch im Allgemeinen Strafrecht eines wirksamen Schutzes bedürften. Die Staatsautorität bedürfe des Schutzes gegen die von den totalitären Bewegungen entwickelten Methoden der Einschüchterung oder der lügnerischen Propaganda und gegen verleumderische Tatsachenbehauptungen. Dem Wiederaufleben politischer Kampfverbände sei mit Strafdrohungen entgegenzutreten. Dagegen bedürfe es keines allgemeinen politischen Uniformverbotes. Zur Frage der Justizkritik erklärte Weber, die Autorität der Rechtspflege müsse durch ein Verbot, gerichtliche Urteile öffentlich vorwegzunehmen, gestärkt werden.

Im Korreferat von Generalstaatsanwalt Professor Dr. Bader (Freiburg) sowie in der Diskussion wurden vor allem gegen eine Einschränkung der Justlzkritik durch die Presse und die öffentliche Meinung erhebliche Bedenken geltend gemacht.

In der Staatsrechtsabteilung behandelte Professor Dr. G. Leibholz ( Oxford-Göttingen) und im Korreferat das Mitglied des Bundestages Dr. Hans Reif '(Berlin) die verfassungsrechtliche Stellung und innere Ordnung der Parteien. In der Bürgerrechtsabteilung sprachen Dr. Erna Scheffler (Düsseldorf) und Professor Dr. Eugen Ulmer (Heidelberg) über die Gleichberechtigung der Frau, wobei die Frage erörtert wurde, in welcher Weise das geltende Recht an Artikel 3 des Grundgesetzes anzupassen ist.

In der verwaltungsrechtlichen Abteilung stand das Thema „Die Verwaltungsgerichtsbarkeit“ zur Debatte. Professor Dr. Jellinek (Heidelberg) und als Korreferent Professor Dr. Richard Naumann (Hamburg) erörterten die Möglichkeiten, die Gesetzgebung über die Verwaltungsgerichtsbarkeit zu vereinheitlichen.

Keine Fahrpreisermäßigung

Hi. Bonn, 15. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundestagsausschuß für Post- und Fernmeldewesen hat am Donnerstag einen Antrag abgelehnt, wonach Heimatvertriebenen gegen Vorlage ihrer Flüchtlingsausweise auf allen Strekken der Bundespost eine fünfzigprozentige Fahrpreisermäßigung erhalten sollten.

Stimmen der Anderen

„Nichts gelernt“

Für eine Wiederaufrüstung, der Bundesrepublik spricht sich die französische, linksgerichtete Zeitung „Co mba t" aus: „Muß man in dieser Zeit des lauwarmen Krieges fünfzig Millionen Menschen ohne Armee lassen? Muß man von den ohnehin schon knappen Streitkräften (der Westmächte) no?h kostbare Divisionen zum Schutz Westdeutschlands abaiehen? Muß man die Gefahr, die die bewaffneten Ko 'ngente der Sowjetzone -'arstellen, unbeantwortet lassen? Die Großen Drei haben nichts gelernt und nichts vergessen. Sie schwimmen in diesem Dilemma und Europa schwimmt mit ihnen.

Wo bleiifot die Koordinierung und die Begeisterung des Westens? Die Westmächte scheinen ihr Schicksal niemals meistern zu können. Ob es sich da' ei um Polii ’ ktionen, um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, um die Produktivität oder um das Verteidigungsproblem handelt. Einer starken Mächtegruppierung kann man nicht eine Vielzahl von Staaten entg ..ensetzen, die den Haß der Vergangenheit nicht vergessen haben und deren Interessen zu oft auseinandergehen. Die Einheit Europa« ist eine Voraussetzung und ein unentbehrlicher Rahmen für jede Verteidigung. Dihs: Erwägung muß unserer Politik zugrunde oelegt werden. Sie allein würde eine Beteiligung Deutschlands an der europäischen Sicherheit gestatten."

Strenge Gerechtigkeit

Der „Deutsche Uni on - Dle ns t“, das Nachrichtenblatt der Christlich-Demokratischen Union, beschäftigt sich mit solchen politischen Flüditlingen aus der sowjetischen Zone, die bisher dort noch eine Rolle spielten, nun aber in Ungnade gefallen sind. Das Blatt schreibt:

„Unter jenen, die bisher an der Macht der SED noch irgendwie teilhatten, befinden sich Elemente, die eine Reihe vön Mitbürgern durch Denunziation in die Hände der GPU oder des SSD gespielt haben. Soweit solche Denunzianten angesichts der Säuberungsaktion in der Sowjetzone in die Bundesrepublik flüchten sollten, müßten sie hier vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden, wobei in Anklage, Urteil und Strafe auf das Schicksal ihrer Opfer Rücksicht zu nehmen wäre.

Unter den heute bereits als Kandidaten für eine Flucht genannten bisherigen Mitläufern der Sowjetzonen-Machthaber befinden sich ferner solche, die in ihren öffentlich gehaltenen Reden einzelne Kreise der Bevölkerung oder einzelne führende Persönlichkeilten der Bundesrepublik namentlich mit schweren Nachteilen oder sogar mit dem Tode bedroht haben. Es entspricht einem Gebote der Rechtssicherheit, daß jene, die sich zu solchen verbrecherischen Drohungen verstiegen haben, vor Gericht gestellt werden, um sich für ihr terroristisches Verhalten zu verantworten.

Solche und ähnliche Gedanken entspringen nicht kleinlicher Vergeltungssucht oder gar einem Rachebedürfnis. Sie liegen vielmehr ausschließlich im Sinne einer Gerechtigkeit, die auch vor Elementen nicht haltmacht, die — solange sie sich der Gunst der bolschewistischen Oberexponenten erfreuten — in Wort und Tat gegen politisch Andersdenkende den gleichen Terror entfalteten wie ihre kommunistischen Gönner. Hier wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt und diese müssen — sobald sie in einem ordentlichen Gerichtsverfahren nachgewiesen wurden — schon im Interesse des durch die Ereignisse der nationalsozialistischen Aera schwer geschädigten Ansehens unseres deutschen Volkes in strenger Gerechtigkeit geahndet werden.“

Tritium für Wasferstoffbomben

Philadelphia, 15. September. (AP.) Dei amerikanischen Wissenschaft ist es gelungen, das Vorhandensein von Tritium in gewöhnlichem Wasser nachzuweisen. Tritium wird zur Herstellung der Wasserstoffbombe benötigt. Es wurde bisher ausschließlich in Atom-Reaktionsöfen hergestellt. Ein Pfund Tritium kostet 500 Millionen Dollar (2,1 Milliarden Mark).

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg

15)

„Mein Kopf fühlt sich ganz wacklig an, Mademoiselle“,- jammerte er und lehnte sich gegen sie. „Glauben Sie, daß er herunterfallen wird, so wie bei Berthes Puppe damals, als sie im. Regen draußen blieb und die ganzen Sägespäne liefen 'raus?“

„Nein, wir werden ihn schon festhalten.“ Sie strich ihm beruhigend das dunkle Haar aus der feuchten Stirn. „Und außerdem, Raynald, ist dein Kopf ja nicht voll Sägespäne. So, und jetzt noch ein Stück Apfelsine, und dann hast du die Hälfte geschafft.“

„Bitte, essen Sie doch die andere Hälfte, Mademoiselle!“ Sein Kopf ruhte schwer an ihrer Schulter, und sein Atem kam in kurzen, mühseligen Stößen.

Zu ihrer Erleichterung hörte sie die Tür sich öffnen; aber es war nicht der Herzog, sondern die Herzogin, die einträt, gefolgt von Mademoi.eile Maillu'd; und Henriette hätte ebensogut ein Möbelstück sein können, so wenig Notiz nahmen sic von ihr. Raynald schrak vor der stürmischen Umarmung seiner Mutter zurück; er entwandt sich ihren Armen und drückte seinen Kopf tiefer ins Kissen.

„Raynald, Liebling“, riet die Herzogin und preßte ihn aufs neue an sich. „Mein armer, kleiner Junge, du glühst ja vor Fieber. Mademoiselle, fühlen Sie doch seinen Kopl und seine Hände.“

Die alte Gouvernante wollte ihrer Aufforderung nachkommen, aber Raynald stemmte sich mit aller Kraft, deren er fähig war, gegen sie.

„Nein, nicht", protestierte er heiser, „ich will Mademoiselle Deluzy!“

Henriette konnte sich eines Gefühls der Befriedigung nicht erwehren, als das Kind so spontan nach ihr verlangte; sie war jedoch zu klug, sich zu rühren, bevor die Herzogin ihr ein Zeichen gab. Sie blieb ruhig am Fußende des Bettes stehen und hoffte, sie würde mit dem Jungen und der Mutter allein gelassen werden. Mademoiselle Maillard schien indessen durchaus nicht geneigt, der Herzogin von der Seite zu weichen. Raynalds Äüsruf ließ sie in ihrer Bewegung nahezu erstarren, sonst zeigte sie aber durch nichts, daß sie ihn gehört hafte.

„Warum hat man mich nicht eher benachrichtigt?" Die Herzogin, die das Kind mit heftiger und unbeherrschter Zärtlichkeit an sich drückte, wandte ihre dunklen Äugen anklagend von der hinter ihr stehenden Maxine zu Henriette. „Nicht eine einzige Minute wäre ich aus diesem Zimmer gewichen, hätte ich’s gewußt. Er war krank, und Sie haben mir, seiner Mutter, das absichtlich verschwiegen.“

„Ich habe gesagt, daß er einen schlimmen Husten hat“, beeilte sich Maxine, die Schuld von sich abzuwälzen. „Ich habe beiden Damen schon gestern morgen gesagt, daß sie Raynald nicht aus dem Hause lassen dürfen. Aber ich bin ja nur das Kindermädchen. Um ihn an- und auszuziehen und nach ihm zu sehen, wenn er nachts aufwachf, dazu bin ich gut genug, aber ob er in den eiskalten Wind hinaus darf, darüber hat die Gouvernante zu entscheiden; da dürfen Sie mich nicht fragen, warum er heute krank ist. Er kränkelt ja immer, der arme, kleine Kerl. Mich wunderfs nur, daß er überhaupt noch lebt, so anfällig wie er ist und mit dem Fieber, das er immer gleich bekommt, wenn ihn nur ein Sommerlüftchen anweht. Aber Sie glauben ja immer, ich wäre nur eine schnatternde Gans, wenn ich etwas sage.“

„Maxine, schweigen Sie doch um Gottes willen still“, schnitt Henriette mit gedämpfter Stimme energisch den schrillen Redestrom ab. „Sie machen sein Fieber nur schlimmer. Ich weiß, daß Sie mir von seinem Husten erzählten, und ich habe auch abgeraten, ihn gestern mit ausfahren zu lassen.“

„Nur seine Mutter ließen Sie in Ungewißheit, Mademoiselle Deluzy!“ Die Herzogin sah sie vorwurfsvoll an, während das Kind noch bemüht war, sich aus ihren Armen loszusframpeln. „Ich zweifle nicht daran, daß Sie im Einverständnis mit dem Herzog gehandelt haben. In diesem Hause ist ja die Mutter die letzte, an die man sich wendet, wenn es sich um die Kinder handelt.“

Henrieftes Hand, die den Beffpfosfen umklammerte, zitterte bei diesem plötzlichen Ausbruch. Aber sie hatte ihre Stimme vollkommen in der Gewalt, als sie antwortet: „Dem Herzog fiel Raynalds Erkältung schon gestern früh auf, als er ins Schlafzimmer kam, und gestern abend hat er sich noch einmal nach seinem Befinden erkundigt.“

Ein triumphierender Blick ging von Mademoiselle Maillard zur Herzogin; da -Raynald aber lauf zu weinen ° anfing, wurde eine weitere Erörterung unmöglich Seine Tränen und Befreiungsversuche°regfen ihn derart auf, daß er einem hysterischen Anfall nahe war. „Gehen Sie wieder ins Schulzimmer“, beorderte die Herzogin .Henriette aus dem Zimmer. „Der Doktor muß gleich hier sein.“

Bei dem Wort ,Doktor* verstärkte sich Raynalds Geschrei. Henriette hätte etwas darum gegeben, bleiben zu dürfen und ihn zu beruhigen, als Sie nun das Zimmer verließ. In einem schönen Zustand würde der Arzt ihn vor finden! Der arme, kleine Bursche, er war ernstlich krank — das war unverkennbar.

Sie beschäftigte Isabella und Louise mit einer geographischen Arbeit und wandte sich dann Berthe zu, deren vorherige Ungezogenheit bis auf die verräterischen Flecken auf ihrem Kleid vergessen war. „Ist Raynald sehr krank, Mademoiselle?“

fragte, sie vergnügt zwischen den Sätzen, die sie aus einer englischen Fibel abbuchstabierte. „Wird er jetzt sterben und gräßliche Medizin einnehmen müssen?“

„Seht, Berthe, lies schön artig weiter. Raynald wird wahrscheinlich Medizin bekommen, um wieder gesund zu werden; aber man spricht nicht davon, daß Menschen sterben. Du hast deine Zeile verloren — hier warst du: ,die beiden Knaben mit dem Drachen laufen durch den Garten.' Also lies jetzt weiter."

„Aber, Mademoiselle, Menschen sterben doch aber. Mein weißes Kaninchen ist auch gestorben, und ich hatte es viel lieber als das braune, und das lebt noch.“ „Glauben Sie, daß wir trotzdem nach Melun fahren werden, Mademoiselle?“, mischte sich Louise ein. „Papa sagte, wir würden nächste Woche abreisen, aber jetzt, wo Raynald krank ist —■“

„Vielleicht werden wir alle krank“, unterbrach Isabella.

„Was für ein Gedanke!" Henriette bat sie, sich wieder den Karten, die sie abzeichnen sollten, zuzuwenden. „Louise, du hast wieder nicht aufgepaßt, bei dir liegt ja Nordamerika unter dem Aequafor!“ „Ach, Amerika, was macht das schon! Das liegt so weit weg, und da wohnen ja doch nur komische Leute. Sie würden doch auch nicht gern in. Amerika wohnen, nicht wahr, Mademoiselle?“

Henriette mußte über den verächtlichen Ton des Mädchens lachen. „Nun“, gab sie zu, „ich habe noch nicht viel darüber nachgedacht; es wird vielleicht gar nicht so schlimm sein, wie du glaubst. Ich lerne gern neue Länder kennen.“

Sie beschäftigte sich wieder mit Berthe und den beiden Knaben mit dem Drachen. So verging eine Stunde, während der sie sich zwang, nicht auf die eilenden Schritte im Gang und das erstickte Wimmern zu hören, das hin und wieder beim Oeffnen und Schließen der Tür hörbar. wurde. Dann erschien Mademoiselle Maillard mit mißmutig wichtigtuerischer Miene.

„Sie werden gewünscht" — sie warf Henriette den Befehl ohne weitere Erklärung an den Kopf — „da drinnen!“

Die Kinder verzogen trotzig das Gesicht, als die beiden Erzieherinnen den Platz tauschten. Berthe feuert ihr Buch auf den Boden und versuchte, hinter Henriette herzulaufen. Sie wurde aber mit fester Hand ins Zimmer zurückgeschoben und die Tür schloß sich. Zu ihrem Erstaunen gewahrte Henriette den Herzog, der Schritten den Korridor auf und ab ging und offensichtlich auf sie gewartet hatte. Als er auf sie zukam, fiel ihr auf, wie besorgt und zugleich verärgert er aussah.

„Ja , sagte er unvermittelt, „er ist sehr krank. Wir fürchten, es könnte Dinhtherie sein.“

(Fortsetzung folgt)

Kühne Landung

©General Mac Arthur, der Leiter der amphibischen Landungsoperation der Streitkräfte der Vereinten Nationen bei j-m FreitaS in einem Tagesbefeh! an die Truppen: „Flotte und Marinekorps haben sich noch nie so brillant bewahrt wie am Freitagmorgen.“ Die mit den Landungsunternehmungen begonnene Offensive der Truppen der Vereinten Nationen kann, wenn sie das gesteckte Ziel erreicht, das Ende des Feldzuges in Südkorea herbeiführen. Denn die strategische Planung läuft darauf hinaus, den Nordkoreanern, die zwischen der 8. Armee im Süden und dem neugebildeten X. (Landungs- )Armeekorps im Raume der früheren südkoreanischen Hauptstadt Söul stehen, „das Rückgrat zu brechen.“

Mac Arthur hat ein sehr kühnes und, wie man annehmen darf, ein wohlvorbereitetes Unternehmen begonnen. 300 Kilometer nordwestlich der Front bei der Hafenstadt von Söul ist das Gros der für die Landungen vorgesehenen Infanterie- und Marineeinheiten zusammen mit Fallschirmtruppen eingesetzt worden. Die Anfangserfolge sind beachtlich. Die vor kurzem vorgenommene Besetzung einiger Inchon vorgelagerter Inseln und die1 in den letzten Tagen gemeldete dauernde Beschießung der Küste sowie die ständige Bombardierung der Verbindungslinien zwischen der früheren südkoreanischen und der nordkoreanischen Hauptstadt (Söul-Pjöngjang) ließen darauf schließen, daß das Gebiet von Inchon für eine größere Landungsoperation vorgesehen war. Sie ist, nach den vorliegenden Berichten zu urteilen, schnell und programmäßig verlaufen, wenn auch von Nordkorea gemeldet wird, die Aktion sei mißlungen. Für den endgültigen Erfolg kommt es entscheidend auf die Stärke des Landungskorps an, auf dessen Ausrüstung und Nachschub sowie auf die Wendigkeit der Führung und auf die Widerstandskraft der nordkoreanischen Truppen. Die Streitkräfte der Vereinten Nationen müssen sich nach Norden und Nordosten abschirmen, um nach Süden und Südosten vorstoßen zu können. Denn es ist nicht dSs Ziel, um Söul einen größeren Brükkenkopf zu bilden und zu halten, son-~ dern vom Rücken her eine Auflösung und Vernichtung der nordkoreanischen Einheiten zu erzwingen und damit die Front im Süden zum Einsturz zu bringen.

Wenn auch der Landung von Kumsan (am Kumfluß) zunächst nur eine zweitklassige Bedeutung zuzumessen ist, kann ihr ebenso wie denen bei Pohang und Yongdok (Ostküste) eine größere Bedeutung bei der Aufspaltung des nordkoreanischen Widerstandes zukommen. Erfolgreiche Invasionen im Rücken des Gegners hemmen oder vereiteln den unentbehrlichen Nachschub, stören den empfindlichen Nachrichtenapparat und machen die Truppen führungslos. An deren Kampfmoral werden dann die größten Anforderungen gestellt. Erfolgen zur gleichen Zeit noch frontale Angriffe, dann ist eine allgemeine Auflösung leicht in den Bereich der Möglichkeit gerückt.

Noch ist es zu früh, die Entwicklung im einzelnen voraussagen zu wollen. Fraglich bleibt, wie sich gegenüber der vollständig veränderten Lage Rotchina und die Sowjetunion verhalten werden. Neue Konfliktmöglichkeiten tauchen auf, die sich um so mehr verringern, je schneller Mac Arthur sein weitgestecktes strategisches Ziel erreicht. Jedenfalls hat bereits der Beginn der Landungsoperationen einen bemerkenswerten Umschwung der öffentlichen Meinung über die Kriegsführung Mac Arthurs in der ganzen Welt hervorgerufen. Manche machten sich allerdings während der vergangenen Wochen ihre Kritik etwas zu leicht und beachteten nicht genügend die Schwierigkeiten, die die weite Entfernung des koreanischen Kriegsschauplatzes von der Hauptnachschubbasis mit sich brachte, von allen anderen erschwerenden Momenten abgesehen.

Sprengstoffe unter der Braunkohle

in einem Güterzug aus der Tschechoslowakei

Neustadt, 5. September, (ap) Durch die Wachsamkeit eines Arbeiters einer Glashütte in Neustadt an der Waldrab (Oberpfalz) sind 18 Päckchen mit hochexplosivem Sprengstoff gefunden worden, die unter der Braunkohlenladung eines aus der Tschechoslowakei kommenden Güterzuges versteckt waren.

Die Landespolizei Neustadt teilt dazu mit, daß der Arbeiter beim Entladen eines Waggons einige rote Päckchen mit der Aufschrift „Dynamon 1“ gefunden hätte. Er habe seinen Fund sofort der Polizei gemeldet, die in zwei anderen Wagen noch einige weitere Päckchen mit derselben Aufschrift fand, die teilweise aufgerissen waren. Ihr Inhalt war über die Kohle verstreut.

Nach Ansicht der Polizei hätte der Sprengstoff bei einer eventuellen Explosion schwersten Schaden in der Glashütte anrichten können, in der über einhundert Arbeiter beschäftigt sind.

Die Wagen kamen aus Lidice in der Tschechoslowakei. Lidice war nach der Ermordung des damaligen Reichsprotektors von Böhmen und Mähren, SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, von SS-Truppen dem Erdboden gleichgemacht und die Bevölkerung zum größten Teil ermordet worden. Nach Ansicht der Polizei kann es sich bei dem Verstecken des Sprengstoffes unter der harmlosen Braunkohlenladung um einen Racheakt der Bevölkerung von Lidice oder um einen Sabotageakt gehandelt haben.

Die Untersuchungen durch die deutsche Kriminalpolizei sind noch nicht abgeschlossen.

Wichtige Finanzgesetze

Vom Bundestag verabschiedet

Bonn, 15. September, (dpa) Der Bundestag hat am Freitag zwei wichtige Finanzgesetze verabschiedet: das Gesetz zur Ueberleitung der Besatzungskosten sonstigen Kriegsfolgelasten und von Steuern und Monopolerträgen auf den Bund.(Ueberleitungsgesetz) und das Gesetz über eine vorläufige Finanzhilfe für das Land Schleswig-Holstein. Diese Finanzhilfe soll bis zum Inkrafttreten des Finanzausgleichs achtzig bis neunzig Millionen Mark betragen. Bundesfinanzminister Schäffer teilte mit, daß der horizontale Finanzausgleich dem Bundestag in allerkürzester Zeit vorgelegt werde.

Am Ueberleitungsgesetz wurde von mehreren Fraktionen die sogenannte Interessenquote der Länder kritisiert, nach der die Länder für die einzelnen Lasten zwischen zehn und 25 Prozent aufbringen sollen. Ein Antrag der Bayern-Partei, das Ueberleitungsgesetz bis zur Verabschiedung des endgültigen Finanzausgleichs zu verschieben, wurde abgelehnt.

Es ist wieder soweit

Das Fest der Feste auf der Theresienwiese

We. München, im September.

Das diesjährige Oktoberfest beginnt am 16. September und reicht — um seines Namens willen — noch einen Tag in den Oktober hinein. Diesem Ereignis haben sich alle anderen unterzuordnen, ob sie wollen oder nicht. Seit Juli sitzen, stehen und liegen die Münchner um die Theresienwiese und verfolgen die Vorbereitungen. Die Leidtragenden sind die Schafe, die von Stunde zu Stunde mehr von ihren gevzohnten Weidegründen zurückgedrängt werden, ohne zu ahnen, um was es hier geht. Die Statistiker haben errechnet, daß diesmal weit über eine Million Maß Bier genossen werden dürften. Einer Münchner Brauerei sind im vergangenen Jahr sechstausend inzwischen über sämtliche Erdteile verstreute Maßkrüge „abhanden gekommen“. Heuer sind dafür gleich zwölftausend Stück im Etat bereitgestellt worden. An einigen der schon im leeren Zustand durch ihre Dimensionen überwältigenden sogenannten „Bier-Buden“ hängen schon jetzt probehalber die Schilder „Wegen Ueberfüllung vorübergehend geschlossen“. Für die Mehrzahl der kandidierenden Aussteller selber ist die Wies’n eigentlich schon seit Monaten wegen Ueberfüllung geschlossen, denn von 2100 Bewerbungen konnten auch bei Einschaltung der erlesensten Mathematiker nur 650 zugelassen werden. Selbstverständlich gibt es nur Superlative, von denen auf den fünf Kilometer langen Trachtenfestzug unter Teilnahme österreichischer Blaskapellen und der Züricher Stadtmusik am ersten Oktoberfestsonntag nicht der geringste entfallen sollte.

Schwebe-Verkehr zur Elektromesse

Auch die prächtig geschmückten Gespanne und Wagen der Brauereien, die zur Eröffnung einziehen werden, sind unbestreitbar die schönsten der Welt. Sich wochenlang im Vorgenuß unbeschreiblicher Freuden bewegen zu können, gehört zu den positivsten Charaktermerkmalen der Bewohner der drittgrößten deutschen Stadt, die trotz des Eindringens nicht unerheblicher fremdstämmiger Kontingente sich selbst treu geblieben ist und wahrscheinlich auch noch einige Hunderttausende mehr an Zugewanderten mit Leichtigkeit absorbieren kann. Der geistigen Vorbereitung dient die Schau „100 Jahre Bavaria, 140 Jahre Oktoberfest“, auf der unter sehr vielem anderen ein acht Zentner schwerer Probeguß der rechten Hand der Schutzpatronin Bavaria zu sehen ist. Sie wird dieses Jahr, das das erste nun wirklich aber ohne jede Einschränkung wieder friedensmäßige Fest bringt, mit besonderem Wohlgefallen auf das ihr vertraute Gelände hinunterblikken. Als sensationellste Errungenschaft der Neuzeit auf dieser Stätte der Tradition wird sie eine Pendel-Seilbahn bemerken, die einen Schwebeverkehr ungeahnten Ausmaßes vom Oktoberfest zur Elektro-Messe auf der T'neresienhöhe zu bewältigen haben wird.

Invasion der Berliner

Dieser Sommer hat, was hier ohne den geringsten Verdruß bemerkt wurde, wieder die erste, den Umständen nach nicht geringe Invasion der Berliner gebracht. Zum Glück erschien gleichzeitig, um „irreführenden Mitteilungen über die landmannschaftliche Zusammensetzung der Angestellten des Bayerischen Rundfunks“ entgegenzutreten, das beruhigende Ergebnis einer Untersuchung, derzufolge die imposante Mehrheit des Personals sich doch noch aus gebürtigen Bayern rekrutiert. Mit einigem Vergnügen nimmt man dafür die von anderer Stelle in Erinnerung gebrachte Tatsache zur Kenntnis, daß der Komponist des Hymnus „In München steht ein Hofbräuhaus“ ein Berliner ist. Auch er wird während jener vierzehn Tage nach München eilen. Es wird ihm nichts geschehen, es sei denn, man zerdrückt ihn liebevoll Das soll beim Oktoberfest gelegentlich vorkommen.

Frankreich wünscht ein Kompromiß

Zwiespältige Haltung zu der deutschen Frage

Drahtbericht unseres Korrespondenten

P. M. Paris, 15. September. In allen Kommentaren der französischen Presse zu den bisher bekannt gewordenen Ergebnissen der Dreierkonferenz in Neuyork kommt deutlich der innere Zwiespalt zum Ausdruck, der in der Frage einer deutschen Wiederbewaffnung nicht nur die Politik, sondern auch die Mehrheit der französischen öffentlichen Meinung beherrscht: einerseits die längst feststehende Überzeugung, daß eine Verteidigung des europäischen Westens ohne die wirksame Beteiligung deutscher Kräfte undenkbar sei, und andererseits die Abneigung, Deutschland in voller Souveränität zu bewaffnen.

In diesem Widerstreit von Notwendigkeit und Neigung verfolgt man in Frankreich die Verhandlungen in Neuyork, bei denen Schuman den bekannten französischen Standpunkt aus der Zeit vor dem koreanischen Konflikt verteidigt. Dabei empfindet man in Paris immer deutlicher, daß diese Auffassung mit den Ereignissen längst nicht mehr Schritt hält. Alle hoffen im stillen, durch einen äußeren Zwang aus dieser Ausweglosigkeit herausgedrängt zu werden. Sie meinen, ein solcher Zwang würde sich durch die Antwort des Atlantikrates ergeben, dem man das Problem vorgelegt habe, und in dem die Ansicht der drei Alliierten und die von neun weiteren Ländern, also eine Art Weltmeinung, zum Ausdruck komme.

Es ist auffallend, daß mit Ausnahme der kommunistischen Presse in Paris niemand mehr das Prinzip einer deutschen Bewaffnung bekämpft, und es ist bezeichnend, daß die Äußerungen in der deutschen Öffentlichkeit zu diesem Thema immer wieder an erster Stelle gebracht werden, ohne daß man sie negativ oder positiv kommentiert. Das wäre vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen. Abgesehen von diesem vielsagenden Verhalten der Presse gewinnt man auch aus der persönlichen Berührung mit den verantwortlichen Kreisen in Paris den Eindruck der inneren Unentschiedenheit, die nur auf einen starken äußeren Anstoß wartet.

In diesem Sinne muß, was die Form betrifft, der Wunsch nach einem Kompromiß in dieser Frage verstanden werden. Praktisch zweifelt niemand mehr, daß sie grundsätzlich bereits in positivem Sinne gelöst und es nur eine Zeitfrage ist, wie sie in die Wirklichkeit umgesetzt werden soll. Die Beharrlichkeit, mit der Schuman den überholten Standpunkt verteidigt, kann auf das Konto der englisch-französischen Forderung gesetzt werden, nach der die Bewaffnung dieser Länder vor der der deutschen Kräfte erfolgen müsse. Das wird verständlich, wenn gewisse private Informationen aus Neuyork richtig sind, nach denen auch dieser Grundsatz auf amerikanischer Seite keine unbedingte Anerkennung gefunden haben soll.

Die anderen Punkte, die das deutsche Problem betreffen, die bevorstehende Aufhebung des Kriegszustandes und die bedeutsame Erweiterung der deutschen Souveränität, für welche die drei Oberkommissare die formalen Bestimmungen auszuarbeiten haben, scheinen von französischer und englischer Seite keinen grundsätzlichen Schwierigkeiten begegnet zu sein. Man betrachtet die Lösung dieser Probleme als die selbstverständliche Voraussetzung dafür, das westdeutsche Potential in die gemeinsame Westverteidigung einbeziehen zu können.

Marshalls Ernennung

vom Militärausschuß gebilligt

Washington, 15. September, (dpa) Mit achtzehn gegen sieben Stimmen hat am Freitag der Militärausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses die Ernennung Marshalls zum Verteidigungsminister gebilligt. Der entsprechende Ausschuß des Senats hatte die Ernennung bereits zuvor gutgeheißen.

Taft gegen Marshall

Washington, 15. September, (dpa) Senator Taft hat sich gegen die Ernennung Marshalls zum Verteidigungsminister ausgesprochen. Als Grund gab Taft an, die Ernennung würde Achesons Politik gegenüber den chinesischen Kommunisten stärken. Marshall habe in seiner Eigenschaft als Berater Tschiang Kai-scheks diesen bewegen wollen, Kommunisten in die chinesische Regierung aufzunehmen.

Truman: Acheson bleibt

Washington, 15. September, (dpa) Präsident Truman hat auf seiner Pressekonferenz erklärt, daß Acheson Außenminister bleibe. Zum Rücktritt des Verteidigungsministers Johnson lehnte er jeden Kommentar ab.

Grotewohl sucht Sündenböcke

Saboteure und Bürokraten sollen die Wirtschaft geschädigt haben

er. Berlin, 15. September. Unmittelbar vor den Wahlen in der sowjetischen Zone scheinen sich gewisse Krisenerscheinungen bemerkbar zu machen, die am Freitag zu scharfen Erklärungen der Regierung und kommunistischer Kreise Anlaß gaben.

Ministerpräsident Grotewohl hat in einem Interview von Störungsversuchen gesprochen, durch welche die Bauernschaft sowohl wie die Industriearbeiter zur Aufsässigkeit gegenüber der Regierung veranlaßt werden sollten. Grotewohl beschuldigte den Händelsminister von Sachsen-Anhalt, Kamps, der zugleich Landesvorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei ist, er habe durch Verordnungen die Bauern beunruhigt. In Sachsen-Anhalt und in anderen Ländern der sowjetischen Zone waren vorfristige Erfassungen von Fleisch bei den Bauern angeordnet worden, während Grotewohl versicherte, daß die Fleischversorgung durch die Einfuhr aus den östlichen Volksdemokratien ausreichend gesichert sei.

Ferner sagte Grotewohl, gleichzeitig machten sich Störungen in der Industrie bemerkbar, weil man vielfach versuche, die angeordneten Lohnerhöhungen zu umgehen. In den verstaatlichten Betrieben steckten allzuviele Nur-Wirtschaftler oder Nur-Gewerkschaftler, die unter kleinlichen Gesichtspunkten die Lohnpolitik der Regierung störten oder sogar sabotierten. Grotewohl kündigte schärfstes Durchgreifen an und forderte die 4700 Volkskontrollausschüsse auf, jeden Verdacht sofort zu melden.

Gleichzeitig veröffentlicht das Organ der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“ einen Aufruf, wonach die Wirtschaft bedroht sei von Sabotageakten ehemaliger „Schlotbarone“ und „Krautjunker“, deren Helfershelfer die Bürokraten seien. „Von Untreue, Unterschlagung und Diebstahl über Störung von Maschinen, Brandstiftungen, Eisenbahnattentaten bis zum gemeinen Mord wird es wohl kaum ein kriminelles Delikt geben, das sie nicht zu praktizieren versuchen.“

Als Beispiele solcher angeblichen Sabotageakte werden angeführt: Dampfmaschinen, die zu Bruch gegangen seien, was die Flucht eines Direktors nach dem Westen zur Folge gehabt habe, Ackergeräte, die Großbauern sich angeeignet hätten, die Verteilung ranziger Butter an die Bevölkerung und die Verlagerung von dreitausend Tafeln Schokolade. Als lobendes Beispiel wird der Fall eines Telefonisten gerühmt, der ein Gespräch über die Deponierung bestimmter Aktienpakete in einem Betrieb abgehorcht habe.

In Berliner politischen Kreisen wird zu diesen Angriffen bemerkt, daß in der Wirtschaft der sowjetischen Zone eine gewisse Verwirrung herrsche und man wolle offenbar unmittelbar vor den Wahlen die Masse der Bevölkerung damit beruhigen, daß darüber gesagt werde, diese Mißstände seien auf die Schuld einzelner zurückzuführen, denen die Regierung auf der Spur sei.

„Keine Ginparteien-Regierung“

Tschuikow streitet ab

er. Berlin, 15. September. (Eigener Drahtbericht,) Der Vorsitzende der Sowjetischen Kontrollkommission in Berlin, General Tschuikow, hat eine Erklärung abgeben, die bestreitet, daß eine Einparteien-Regierung in der sowjetischen Zone gebildet werden solle.

England vor scharfen Käümpfen

Es geht um Sieg oder Niederlage der Labour-Regierung

London, 15. September, (dpa) Die Labour-Regierung hat ihren Sturz und nachfolgende Neuwahlen riskiert: dies ist der vorherrschende Eindruck der Abgeordneten aller britischen Parteien, nachdem Premierminister Attlee im Unterhaus bekanntgegeben hat, daß die Regierung die britische Eisen- und Stahlindustrie verstaatlichen wird. Niemand im Unterhaus zweifelt mehr daran, daß ein dem Churchill-An trag zugrundeliegendes Tadelsvotum den Sturz der Regierung nach sich ziehen könnte.

Churchill, so glaubt man, habe seinen Antrag mit der Absicht eingebracht, noch im Oktober zu Neuwahlen aufrufen zu lassen. Politische Beobachter erklären den dramatischen Szenenwechsel von einer verhältnismäßigen ruhigen Parlamentsdebatte über Verteidigungsfragen zu der erregten Kontroverse in der Verstaatlichungsfrage damit, daß man die internationale Lage nicht mehr so ernst beurteilt wie noch in den letzten Wochen. Sowohl die Regierung, die das britische Stahlproblem in die Debatte warf, als auch Churchill scheinen jetzt davon überzeugt zu sein, daß die internationale Herbstkrise zunächst einmal überwunden ist. Verschiedene Abgeordnete äußerten, nur unter dieser Voraussetzung habe Attlee die verhältnismäßig gut funktionierende nationale Einheitsfront in den großen politischen Fragen aufs Spiel setzen können.

Die Tatsache, daß sich der Führer des Unterhauses, der stellvertretende Premierminister Herbert Morrison, sofort für die von Churchill geforderte Debatte am Dienstag eingesetzt hat, gilt als Maßstab für den Ernst der parlamentarischen Krise.

Gegen die Verstaatlichung

Die englischen Stahlindustriellen

London, 15. September, (dpa) Der britische Eisen- und Stahlverband, der die Interessen der Industriellen vertritt, hat nach der Verkündung des Regierungsbeschlusses erneut seine Opposition gegen die Verstaatlichung betont. In einer Erklärung heißt es, der Verband widersetze sich der Verstaatlichung, weil sie außerordentlich schädliche Auswirkungen auf das öffentliche Leben haben werde.

Wenig Interesse

an der Ruhrbehörde

London, 15. September, (dpa) Berichte über britische Absichten, die internationale Ruhrbehörde völlig aufzulösen, werden am Freitag von offizieller Stelle in London nicht bestätigt, jedoch ist der britische Wunsch zu e'ner völligen Reorganisierung der Ruhrbehörde in letzter Zeit sehr viel deutlicher hervorgetreten.

Die Regelung der Exportzuteilungen der Ruhrkohle, die wegen der Knappheit von Kohle in den ersten Nachkriegsjahren eine der wichtigsten Aufgaben der Behörde war, ist wegen der ständig steigenden Kohleförderung und des größeren Angebots überflüssig geworden.

Interessierte Londoner Beobachter sehen in der Tatsache des Postenwechsels von Sir Vaugham Berry, dem bisherigen Vorsitzenden der Ruhrbehörde, ein deutliches Anzeichen für eine gewisse Interesselosigkeit britischer Kreise an der Ruhrbehörde.

Keine Maginot-Linie

Paris, 15. September (AP.) Das französische Verteidigungsministerium hat Presseberichte zurückgewiesen, nach denen die französische Armee beabsichtigen soll, die Maginot-Linie wieder herzurichten und neugebildete Truppeneinheiten in den Befestigungen und Bunkern zu stationieren.

Ktäürkung der Verteidigung

Das vorläufige Neuyorker Kommunique

Neuyork, 15. September, (dpa) Die Konferenz der drei Außenminister hat ein vorläufiges Kommunique veröffentlicht, in dem folgende Punkte aufgeführt werden, die von den Außenministern erörtert worden sind:

1. Die Ausbildung einer einheitlichen westeuropäischen Verteidigungsstreitmacht.

2. Verstärkung dei' westeuropäischen Streitkräfte.

3. Beschleunigung der Rüstungsproduktion und Finanzierung der Aufrüstung.

4. Die etwaige Einbeziehung der Bundesrepublik in dieses Projekt.

5. Die innere Sicherheit der Bundesrepublik und Berlins.

6. Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland, Lockerung der Besatzungskontrollen.

7. Fernost-Probleme (Korea, Formosa und Indochina).

Wie in dem Zwischenkommunique ferner bekanntgegeben wird, haben die drei Außenminister völlige Uebereinstimmung darüber erzielt, daß die Stärkung der Verteidigung der freien Welt in Europa und Asien das vordringlichste Problem sei.

Nachzahlungen unbestütigt

An die Kriegsgefangenen in Amerika

Bonn, 15. September, (dpa) Das Bundespresseamt weist darauf hin, daß alle Nachrichten über eine Nachzahlung von Löhnen ehemaliger deutscher Kriegsgefangener in den USA bisher unbestätigt seien. Der Vorsitzende des deutschen Hilfskomitees in den Vereinigten. Staaten, Robert Hauser, hatte kürzlich bei einem Deutschlandbesuch angekündigt, er wolle versuchen, einen Betrag von 300 Millionen Dollar als Globalnachzahlung für Wohnungsbauzwecke freizubekommen. Es sei völlig ungewiß, teilt das Bundespresseamt mit, ob die geplanten Besprechungen Hausers mit den amerikanischen Behörden Erfolg haben würden.

Feitenhansl, der Begründer der „Vaterländischen Union“, ist am Freitag erneut von der Polizei in Hamburg festgenommen worden.

Wirtschastsbhlatt

Liberalisierungsliste in Kraft

Frankfurt, 15. 9. (vwd) Die neue 60 prozentige Freiliste der Bundesrepublik wird heute veröffentlicht und gegenüber Frankreich sofort in Kraft gesetzt. Frankreich hat seine neue Liberalisierungsliste bereits mit Wirkung vom 29. August in Kraft treten lassen. Voraussichtlich wird der nächste Handelspartner, auf den die neue deutsche Freiliste Anwendung finden wird, Großbritannien sein. Gegenüber Italien wird die deutsche Freiliste seit dem 2. September für die Einfuhr von Zitrusfrüchten, Trockenfrüchten, Tomatenerzeugnissen und einigen Textilien angewendet.

Luxussteuer untragbar

F. A. Z. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Spirituosenindustrie in Frankfurthat auf einerPressekonferenzbekanntgegeben, daß Spirituosen als einziges Verbrauchssteuerpflichtiges Erzeugnis mit der künftigen Luxusst'uer belastet werden sollen. Sie ha jetzt eine Einga' e an den Bundestagsausschuß für Finanz- und Steuerfragen gemacht, in der die Bedenken gegen diese Maßnal e vorgebrach;, und darauf hingewLsen, daß ein starker Absatzrückgang bei Spirituosen nicht zu vermeiden ist mit der Folge eines entsprechenden Steuerausfalls. Vor allem aber würden Branntweinschmuggel und Schwarzbrennerei dadurch in höchstem Grad gefördert. Außerdem würden Spirituo auch noch von de Spesenabgabe betroffen. Ein solcher Zustand sei für die Spirituosenindustrie gänzlich untragbar.

Gelockerte Rückversicherung

Bonn, 15. 9. (vwd) Die Tätigkeit deutscher Versicherungsgesellschaften im Ausland ist durch das neue alliierte Gesetz Nr. 36 bedeutend gelockert worden. Nach dem neuen Gesetz sind deutsche Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften berechtigt, Rückversicherungsverträge in jeder Währung mit ausländischen Gesellschaften abzuschließen.

Schuhe teurer

Frankfurt, 15. 9. (K) Wie aus Kreisen des Schuheinzelhandels zu erfahren ist, sind viele Schuhfabriken dazu übergegangen, die Preise für Herbst- und Winterkollektionen zu erhöhen. Die Preiserhöhungen in der Schuhindustrie bewegen sich zwischen fünf und zehn Prozent etwa. Der Einzelhandel sei nicht in der Lage, diese Preiserhöhungen in den Handelsspannen aufzufangen. Von der Industrie wird dazu erklärt, daß die Preiserhöhungen erforderlich seien, da die Erhöhungen der Weltmarktpreise für Häute und Leder auch zu einem Preisaufschwung bei den einheimischen Häuteauktionen geführt haben.

Besatzungs-Entschädigungen sind revisionsbedürftig

Haus- und Grundbesitzerverein empfiehlt Subventionen für minderbemittelte Mieter

-d- Auf der großen Arbeitstagung des Ze n t ralverbandes der Haus- und Grundbesitzer begrüßte der Präsident des Verbandes, Dr. Handschumacher, Freunde aus der Schweiz, aus dem Saarland und Berlin.

Besatzungsleitsungen und Besatzungsschäden sind ein in Wiesbaden, Mainz und Frankfurt vielbesprochenes Thema. Rechtsanwalt Dr. Dankelmann, Frankfurt a. M., der an einem Gesetzentwurf über die Abgeltung von Besatzungsleistungen und Besatzungsschäden, den die Arbeitsgemeinschaft der Besatzungsgeschädigten der Bundesregierung vorgelegt hat, mitwirkte, bezeichnete das physische und psychische Elend der Ausquartierten als das Schlimmste neben dem Gefühl der Rechtlosigkeit und dem Fehlen einer unabhängigen Instanz. Für die Entstehung einer Gemeinschaft der westlichen Welt stelle dieses Problem eine bedauerliche Belastung dar, deren Ausmaß sich aus der Beschlagnahme von rund 31 000 Wohngebäuden mit zirka 290 000 Wohnräumen ergibt. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Besatzungsstellen und deutschen Behörden in der Entschädigungsfrage und einheitliche Richtlinien für das Bundesgebiet sind dringend zu wünschen. Die an sich nicht befriedigenden Entschädigungen im Verhältnis 1:10 abzugelten, möge juristisch begründet sein, entspräche aber nicht den Forderungen der Gerechtigkeit.

Dr. Danckelmann forderte eine objektive, unabhängige Instanz mit der Aufgabe der Nachprüfung. Es könne ein alliiertes oder gemischtes Gericht sein, am besten aber ein rein deutsches wie in der französischen Zone. Die Entschädigung sei eine wesentlich deutsche Angelegenheit.

Das Baurecht sei von jeher ein Stiefkind der deutschen Rechtsentwicklung gewesen, betonte Amtsgerichtsrat Dr. Ede, Wuppertal-Barmen, in seinen Ausführungen zu „Baulandgesetz und Enteignung“. Bei Enteignungen stellt allein Ersatzland eine gerechte Entschädigung dar. Es gehe aber nicht an, das Mißgeschick der Enteignung durch zwangsweise Enteignung von Ersatzland auf bisher unbeteiligte Dritte abzuwälzen wie etwa in Hessen. Die vom Bundesrat geforderte Schnelligkeit bei der Baulandbeschaffung könne nur durch nachhaltige Verwaltungsvereinfachung herbeigeführt werden. Der ordentliche Rechtsweg zur Festsetzung der Höhe einer Entschädigung dürfe nicht ausgeschlossen werden. Allein die Gerichte stellten eine neutrale Instanz dar. Der private Hausbesitz wie die freien und gemeinnützigen Wohnungsunternehmen erlitten laufend Verluste, weil die Mieterträge seit langem nicht mehr die Bewirtschaftungskosten deckten, erklärte Dr. Asta Hampe in der Begründung von „Mietzuschüssen für bedürftige Mieter“. Eine Mietangleichung an das gestiegene Preisniveau sei nicht zu vermeiden. Minderbemittelte, Sozialrentner und Fürsorgeempfänger sollten Mietzuschüsse erhalten. Die durchschnittliche Mieterhöhung je Wohnung beträgt DM 4, monatlich, eine Steigerung der Miete bei Altbauten um 15, bei Neubauten um 10 v. H., also keine angemessene Eigenkapitalverzinsung in der deutschen Wohnungswirtschaft. Die Öffentliche Hand müßte für die minderbemittelte Mieterschicht in städtischen Gemeinden jährlich ca. 50 Millionen D-Mark an staatlichen Mietzuschüssen aufbringen. Gegenüber anderen Subventionen sei dieser Betrag geringfügig. Auch in anderen Ländern würden staatliche Mietzuschüsse gegeben.

Geht der Wollpreis zurück?

VWD Bei stetiger bis fester Tendenz hat sich der Preisstand an den internationalen Rohstoffmärkten in der Woche zum 14. September wieder leicht gehoben.

Getreide: Die Notierungen in Chikago haben sich nur unwesentlich verändert. Das Ausfuhrgeschäft hat sich kaum belebt. *

Wolle: Nach der fieberhaften Hausse an den australischen Auktionen der Vorwoche gewinnt man jetzt den Eindruck, daß sich das Preisniveau etwas stabilisiert hat. Größere Preisveränderungen waren selten, ja in einigen Fällen kam es sogar zu kleinen Abstrichen bis zu 5 Prozent,

Baumwolle: Nach einer vorübergehenden Schwächeneigung, die im wesentliehen auf die von der nordamerikanischen Regierung angeordnete Lizenzierung der Baumwollausfuhr zurückgeht, hat sich die Haltung gegen Wochenschluß in Neuyork wieder gefestigt.

NE-Metalle: Die Lage in Neuyork ist weiter durch drängende Nachfrage und knappes Angebot gekennzeichnet. Am „grauen“ Markt hab * sich die Spannen zu den amtlichen Preisen vergrößert, obwohl die letzteren, das gilt für Blei und Zink, in der Woche zum 14. September heraufgesetzt worden sind.

Berliner DM-Wechselkurs

F.A.Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 15. 9. 50 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark eine DM-West geboten.

Aussteller aus dreiundzwanzig Ländern

Die Frankfurter Herbstmesse wird am Sonntag eröffnet

F.A.Z. Was sich in den fünfzehn Ausstellungshallen rund um die Festhalle diesmal den Einkäufern aus dem In- und Ausland bieten wird, das ist wohl erstmalig nach dem Krieg in Westdeutschland eine wahrhaft internationale Mustermesse. Von den 3061 Gesamtausstellern der Konsumgüterindustrien sind diesmal nicht weniger als 961 ausländische Firmen.

Die stärkste Ausstellungsgruppe bilden diesmal 574 Firmen der Textil- und Bekleidungsindustrie. Die Messeleitung hat ihre Festhalle sowie die beiden größten übrigen Messehallen dieser Branche zur Verfügung gestellt. In Fachkreisen ist man der Ansicht, daß die diesjährige Textilausstellung in Frankfurt vielleicht entscheidend für die Standortfrage der Textilindustrie bei künftigen Messeveranstaltungen sein wird.

Die zweitstärkste Gruppe der Aussteller werden Firmen der Haus- und Küchengeräte-Industrie sein, die sich mit 230 Ausstellern angemeldet haben. Es folgt die Gruppe Kunstgewerbe mit 170 Ausstellern sowie Büro- und Geschäftsbedarf mit 146 Firmen.

Das Auslandsgeschäft dürfte dadurch, daß der Einfuhrausschuß ein Gesamtmessekontingent für Frankfurt von 3,31 Millionen Dollar bewilligt hat, stark gefördert werden. Das höchste Messesonderkontingent wurde für Italien mit 860 000 Dollar bewilligt. Es folgen Belgien mit 500 000 Dollar für gewerbliche und 100 000 Dollar für Nahrungs- und Genußmittel. Jugoslawien erhielt ein Kontingent von 400 000 Dollar. Großbritannien 250 000 Dollar. Irland 240 000 Dollar. die Schweiz 250 000 Dollar, Frankreich 150 000 Dollar. Jeweils 100 000 Dollar Sonderkontingent werden für Irland, Schweden, für die Türkei und Ungarn reserviert.

Fast in allen Branchen werden Neuheiten gezeigt. In der Beheizungstechnik bahnen sich zum Beispiel völlig neue Wege an.

Markt- und Börsenberichte

Frankfurt, 15. 9. (F.A.Z.) Die Frankfurter Wertpapierbörse schloß zum Wochenende an fast allen Märkten überwiegend freundlich. Am Aktienmarkt herrschte weiter Interesse für zahlreiche Spezialwerte, deren Kurse sich im Verlauf des Geschäftes beachtlich befestigen konnten. Im Mittelpunkt des Geschäftes standen am Freitag Bemberg-Seide, die sich von 70 Geld am Vortag bis auf 75,5 bz. verbessern konnten. In Börsenkreisen nimmt man an, daß dieses Unternehmen gegenwärtig besonders gut beschäftigt.

Freie Devisenkurse

Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 15. 9. 50 (in Klammern jeweils Schlußnotierungen der Vorwoche) der US-Dollar mit 5,30—5,70 (5,30—5,70) DM, das engl. Pfund mit 12,50—13,50 (12,50—13,50) DM, der Schweizer Franken mit 1,20—1,30 (1,20—1,30) DM, der holl. Gulden mit 1,20—1,35 (1,20—1,35) DM, die dänische Krone mit 0,52—0,56 (0,52—0,56) DM, die schwedische Krone mit 0,75—0,80 (0,75—0,80) DM.

Hoher Kraftwagenexport

Frankfurt, 15. 9. (F. A. Z.) Wie der Verband der Deutschen Automobil-Industrie mitteilt, erreichte der Export von Kraftfahrzeugen im Juli 1950 bei den Personenkraftwagen 36 Prozent des Gesamtversandes aus der Neuproduktion und bei Liefer- und Lastkraftwagen 13 Prozent.

4000 Nacharbeiter gefährdet

Bonn, 14. 9. (hi) Im Verkehrsausschuß des Bundestages wurde am Donnerstag festgestellt, daß 4000 Stammfacharbeiter

Steigende Maschinenausfuhr

Düsseldorf, 15. September, (hd.) Die westdeutsche Maschinenindustrie hat im zweiten Quartal 1950 einen Export von 290 Millionen DM erreicht und damit rund 24 Prozent ihrer Produktion ausgeführt gegenüber nur 10 Prozent im Vorjahre. Der Maschinenexport belief sich im genannten Zeitraum auf etwa 15 Prozent der gesamten Ausfuhr Westdeutschlands.

Freigabe des Speiseõlpreises

Bonn, 15. 9. (vwd) Zuständige Stellen des Bundesgebietes erwägen gegenwärtig eine Freigabe des Speiseölpreises, um auf diese Weise angesichts der Preisentwicklung am Weltmarkt den Margarinepreis im Inland unverändert halten zu können. Obwohl die hohe Kommission bereits mit diesem Schritt befaßt worden ist, sollen die vorgeschlagenen Maßnahmen von deutscher Seite nochmals mit allen beteiligten Wirtschaftskreisen besprochen werden. Gegenwärtig sind für Speiseöl noch Höchstpreise vorgeschrieben.

Landwirtschaft

Marktbericht der Woche

Fleisch

Zum erstenmal seit einigen Wochen gaben die Preise auf den Schlachtviehmärkten in Frankfurt und Darmstadt im allgemeinen etwas nach. Nur für Großvieh zogen sie in Frankfurt leicht an. Die in der letzten Zeit so umstrittenen Schweinepreise haben wahrscheinlich ihren höchsten Stand erreicht. Schweine bester Qualität halten allerdings noch ihren Preis, wärhend die mindereren Qualitäten und ausgesprochene Specksauen zum Teil bis zu 10 Pf. nachgegeben haben. Diese Tendenz ist sicher auf die verstärkten Importe zurückzuführen. Der Marktverlauf war im großen und ganzen normal, es gab sowohl in Frankfurt als auch in Darmstadt Ueberstände an Großvieh und vor allem Schweinen minderer Qualität.

Nutzvieh

Markttendenzen der nordwestdeutschen Zuchtgebiete, die für die Preisgestaltung in unserem Gebiet maßgebend sind:

Das hohe Preisniveau für Nutz- und Zuchtvieh hat sich allgemein durchgesetzt.

In Erwartung des großen Herbstfutteranfalls, insbesondere mit dem Beginn der Zuckerrübenernte, hat eine starke Nachfrage nach guten, hochtragenden und frischmelkenden Kühen eingesetzt.

Ferkelmärkte zeigten bei leicht sinkenden Angeboten stabile Preise.

Pfendemärkte sehr flau. Nur beste Pferde erzielen anehmbare Preise. Gebrauchspferde bewegen sich im Preisrahmen für Schlachtpferde. Absatzfohlen werden zum großen Teil der Fleischversorgung zugeführt.

Kartoffeln

Der Erzeugerpreis liegt z. Z. bei steigender Tendenz um etwa 3,30—3,40 DM. Der Großhandelspreis bewegt sich um 4,00—4,30 DM. Qualitativ gute Ware ist nur zu 4,30 DM zu erhalten. Der Verbraucherpreis' liegt wie bisher zwischen 50—60 Pfg. je 5 kg.

Getreide und Futtermittel Inlandsgetreide (im Großhandel in Hessen):

Weizen: Knappes Angebot. Die Großmühlen legen nicht mehr als 34,00—34,10 DM äußerst an. Roggen: Angebot findet ohne weiteres Aufnahme. Braugerste : Kleines Angebot zu 36,00—37,00 DM ab Station. Für Sommergerste (nicht für Brauzwecke geeignet) wurde 31,00 DM ab Station verlangt. Wintergerste kein Angebot. Hafer: Angebot zu 26,00—27,00 DM, sehr verschiedene Qualitäten, Handel zurückhaltend. Weizenmehl gutes Angebot bei normalen Preisen. Roggenmehl starkes Angebot zu Preisen, die bis zu 50 Pfg. unter den Preisen der Vorwoche liegen. Weizenkleie etwas fester, bei leicht anziehenden Preisen 13,75—14,00 DM ab Mühle. Roggenkleie teilweise unter Notierungskurs, 9,75 DM. und Papiersack 1,00 DM (bis 1,10 DM per 100 kg unter Notiz). Trockenschnitzel kleines Angebot, 15,00 DM ab Stuttgart. Steffenschnitzel 19,00 DM ab Worms'. Milchleistungsfutter gutes Angebot zu 28,25—30,25 DM ab Niederrhein, wenig Nachfrage.

Zucker

Der normale Zuckerbedarf beträgt in Westdeutschland monatlich 93 000 Tonnen. Dieser Bedarf ist mit 96 060 Tonnen für den laufenden Monat September gedeckt. Ende des Manats werde infolge zeitlicher Vorverlegung der Zuckerkamagne eine erste Produktionsmenge von 10 000 bis 20 000 Tonnen auf dem Markt erwartet. (Dieser Zucker kommt leider nicht ganz bis zum Verbraucher.)

Eier

Die Preise haben jetzt wieder den Stand vom Anfang des Jahres erreicht. Die Verbraucher sind aber bei den augenblicklichen Einzelhandelspreisen merklich zurückhaltender geworden, so daß die stark ansteigende Preistendenz zunächst zum Stillstand gekommen ist. Mit der Möglichkeit eines Preisrückganges im Inlandsgeschäft muß gerechnet werden.

Das Angebot an Inlandseiem list klein. In Südhessen ist der Direktverkauf an den Konsumenten und ortsansässigen Einzelhandel vorherrschend. Er ist mengen- und preismäßig nicht zu erfassen. Deutsche Eier ab Kennzeichnungsstelle am 1. 9. 50: Klasse S mit 24—243h Pfg., abfallend bis Klasse D mit 20—203/< Pfg. Direktverkauf: Trinkeier (unsortiert) 23—24 Pfg., Trinkeier von Junghennen 16—18 Pfg. -tz-

Obsteinfuhren vorerst eingestellt:

Auch mit Frankreich wurde jetzt, ähnlich wie mit Italien, vereinbart, daß die Einfuhr von Obst in das Bundesgebiet eingestellt wird.

Schorfbefall bedroht die Apfelbäume

DBK. Während in Süddeutschland seit 1946 die San-Jose-Schildlaus die größte Gefahr für den Obst- und Beerenanbau geworden ist und für ihre Eindämmung seitens des Bundes laufend erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, gewinnt im Norden des Bundesgebietes der Schorfbefall, besonders bei Apfelbäumen, immer mehr an Bedeutung.

Beim Schorf (Fusicladium) handelt es sich, ähnlich wie im Weinbau bei der Peronospora, im Kartoffelanbau bei der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) und im Tomatenanbau bei der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora) um pflanzliche Krankheiten, die meistens zuerst das Blattwerk befallen und zerstören und später auch die Früchte selbst infizieren. Hierdurch entstehen nicht nur bedeutende Ertragsminderungen, sondern große Qualitätseinbußen überhaupt. Die günstigsten Lebensbedingungen für die Verbreitung der genannten pflanzlichen Erkrankungen sind bei feucht-warmer Witterung gegeben, Faktoren, die in Norddeutschland in den letzten Jahren und im gesamten Bundesgebiet in diesem Jahre vorherrschend sind. So ist es nun soweit gekommen, daß z. B. im Weser-Ems-Gebiet, wo die Apfelbäume keine oder nur eine ungenügende Schutzspritzung gegen diesen Pilz erhielten, seit einigen Jahren bereits im Sommer ganze Apfelanlagen vollständig kahl dastehen und mit kleinen, verkrüppelten Früchten besetzt sind, deren Verkaufswert nicht den Arbeitsaufwand der Ernte deckt. Daß ein Baum, falls dieser vorzeitige Blattfall mehrere Jahre anhält, langsam aber sicher zugrunde gehen muß, ist durch die Praxis hinlänglich bewiesen.

Genau aber wie bei den erwähnten pflanzlichen Erkrankungen im Wein-, Kartoffel- und Tomatenbau nur vorbeugende Schutzspritzungen mit kupferhaltigen Mitteln Erfolg für Quantität und Qualität der Ernte verbürgen, hilft auch im Obstbau zur Bekämpfung des Schorfes die gleiche Spritzung, wenn sie rechtzeitig richtig und in genügendem Umfange durchgeführt wird. Bei kupferempfindlichen Sorten nimmt man kupferfreie Mittel wie z. B. Fuklasin o. a. Die Bekämpfung des Schorfes ist auf jeden Fall auch dann durchzuführen, wenn kein Früchtebesatz vorhanden und ein wirtschaftlicher Vorteil in diesem* Jahr nicht mehr zu erwarten ist, will man im Obstanbau nicht die gleichen traurigen Erfahrungen erleben, die viele Winzer am Mittelrhein in den Zwanziger Jahren machen mußten, als die Maifröste die Ernte vernichtet hatten und sie glaubten, die Bekämpfung der Peronospora unterlassen zu können. Die Folge war, daß sie nur mit Mühe und Not ihre Weinberge vor dem Ruin retten konnten und mehrere Jahre nur geringe Ernten hatten. Genau so wie der Winzer weiß, daß er auf die Dauer nur Trauben ernten wird, wenn er alljährlich seine drei- und vierfachen Spritzungen ohne Rücksicht auf die zu erwartende Ernte durchführen muß. genau so muß es in Zukunft auch der Obstanbauer tun. Es geht letzten Endes nicht nur um die Ernte von gesundem und absatzfähigem Obst, das in Zukunft allein Aussicht auf einigermaßen rentable Preise hat. sondern um die Erhaltung des deutschen Obstanbaues schlechthin.

Elite-Versteigerung

von Fleckviehbullen und veredelten Landschweinebern in Frankfurt a. M.

Der Landesverband der Rinderzüchter in Hessen-Nassau und der Landesverband der Schweinezüchter in Hessen-Nassau führen am 28. und 29. September 1950 auf dem Platz des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins (Ostendplatz) eine Absatzveranstaltung von Elite bullen des Fleckviehs und Elite ebern des veredelten Landschweines durch, die mit ca. 20 züchterisch hochwertigen Fleckviehbullen und ca. 25 erstklassigen veredelten Landschweinebern aus dem gesamten Verbandsgebiet Hessen-Nassau beschickt

Gartenschau in Stuttgart

Wiedersehen mit Darmstädtern in Schwabens Hauptstadt

Das Interesse an der Stuttgarter Gartenschau ist groß. Regelmäßig fahren Autobusse der Heag zur schwäbischen Metropole, in der die Fahrtteilnehmer Gelegenheit haben, Wiedersehen mit Landsleuten zu feiern.

Da ist zunächst einmal „Dahlienschulz“ aus Darmstadt — auf vielen Ausstellungen preisgekrönt —, der das Neueste aus dem Reich der Dahlien und Gladiolen in der so geschickt angelegten Schau eingepflanzt hat, so, als hätten diese Blütenwunder schon immer da gestanden und als könnten sie nirgend anders stehen. Auch „Kayser und Seibert“, Pflanzkulturen in Roßdorf bei Darmstadt, fehlen nicht, so wenig wie Ernst Bauer aus Darmstadt, der in der Ausstellung einen guten Platz gefunden hat. Die Beschilderung auf dem Killesberg ist so gut, daß man auch den letzten einheimischen Aussteller, die Firma Fritz Hufeid, nicht übersehen kann. Sie ist mit Betunien, Begonien und niederen Tageten für Beeteinfassungen vertreten.

Die Besucher aus Darmstadt werden es selbstverständlich nicht versäumen, all die anderen Sehenswürdigkeiten der Aus-j stelung zu besichtigen: die Aquarien-; sonderschau, die Karl-May-Aufführungen und die Modell-Eisenbahn, die in der ersten Zeit der Ausstellung wegen der Blattläuse, die die Schienen unbefahrbar machten, nicht fahren konnte.

Audi die Stadt Stuttgart selbst ifet wieder wert, näher besehen zu werden. Mit Schwabenfleiß wird gebaut, daß es eine Freude ist. Höhepunkt aber des Besuches in Stuttgart, so schien es unserem Berichterstatter, sei jedoch ein Besuch des unzerstörten Großen Hauses des Staatstheaters, in dessen „Zauberflöte“ -Aufführung man gleich mit drei Darmstädter Bekannten Wiedersehen feiern kann: Paula Kapper, Gustav Grefe und Walter Hagner. Ein schöner Abschluß in einer! schönen Stadt. Und dem Darmstädter wird es etwas weh ums Herz, wenn er daran denkt, daß auch Darmstadt einmal in der Orangerie eine zwar nicht so große, aber doch auch wunderschöne Gartenschau! veranstaltete, die sich sehen lassen konnte ' HWWI

60 Zeilen für die Landfrau

Der Garten als Apotheke

In unserem Garten wächst eine Menge Pflanzen, die auf die Organe des Menschen eine heilende Wirkung ausüben. Unserer Generation sind diese Pflanzen und ihre Wirkungen leider nur noch wenig bekannt. Dagegen kannten sie unsere Groß- und Urgroßmütter sehr genau, wußten sie anzuwenden und haben manche Krankheit damit geheilt. Wir sollten uns auch heute wieder mit den Heilpflanzen befassen, die in ihrer natürlichen Zusammensetzung anerkannte Heilmittel sind, nie oder selten etwas verderben können und außerdem kein Geld kosten.

Die Zwiebel ist eine besonders vielseitige Heilfrucht. Sie hilft, roh genossen, bei Appetitlosigkeit und Magenschwäche. Mit Zucker gekocht ist sie ein gutes Mittel gegen trockenen Katarrh oder Reizhusten. Bei Blähungen, Spulwürmern, Madenwürmern und dgl. trinken wir ihren Saft mit gutem Erfolg.

Der Saft der Sellerieknolle hat, wird er regelmäßig getrunken, bei Gicht und Rheuma eine stark lindernde Wirkung. Auch der Gesunde sollte ihn als Vorbeugungsmittel gegen Nieren- und Blasensteine ab und zu trinken.

Knoblauch ist auch heute noch das beliebteste Mittel gegen Arterienverkalkung. Vorbeugend und zur Linderung eines schon bestehenden Leidens wirkt eine Knoblauchkur vor allem im Frühjahr und im Herbst.

Gelbe Rüben oder Karotten, zu Saft gekocht, sind ein vorzügliches Wurmmittel, das auch in schwierigen Fällen hilft. Krampfhafte Verstopfung wird man durch regelmäßiges Trinken von Karottensaft sehr schnell los. Die Nieren werden gereinigt, Rheuma und Gicht erträglich. Durch den hohen Gehalt an Vitaminen wird die menschliche Widerstands-! kraft gestärkt. Wir sind nicht mehr sol empfänglich für Infektionen und Krank-I heiten aller Art.

Reife Holunderbeeren reinigen das Blut. Sie helfen besonders bei Herzbeschwerden und Nervosität.

Meerrettich ist ein altes Mittel gegen alle Krankheiten der oberen Luft-I wege. Er fördert den Auswurf. Auch für den Magen sind im Meerrettich stärkende und reinigende Substanzen enthalten.

Der Saft der Tomate fördert den Stoffwechsel, reinigt das Blut und den Magen. Er ist appetitanregend.

Die Gurke hilft Störungen im Magen und Darm leichter überwinden. Der Gurkensaft verhilft zu einer reinen Haut und wurde schon vor vielen Jahren als Schönheitsmittel verwendet. eha

Beim Nußschwingen stürzte der Landwirt Ludwig F. aus Kr eidach so unglücklich vom Baume, daß er nach Anlegung eines Notverbandes mit erheblichen inneren und äußeren Verletzungen in das Krankenhaus Weinheim gebracht werden mußte. _r

Darmstadt und Umgebung

Drinnerum un drumerum

Ich hatt gehofft, daß die Weddermacher, die wo uns en lange un scheene Herbst verspreche hawwe, sich diesmol druff versteife dhete, recht zu behalde. Es wer doch so schee, wann mer uns noch e zeitlang iwwer die jetzig Summermode freie derfte. Mer hot jo do viel de Hitz zu gut halde misse, oder aach, wie mers nimmt, verdangge derfe. Allmäh-1 lieh hot mer sich dro gewehnt, daß die Manns- und Weibsleit fast all kaa Hiet mehr

uffhogge un do kimmts aam ganz komisch vor, wann mer aans drifft, deß wo net vun seum Deggel losse kann. Es is doch e Bild for Gedder, wann mer sunndaachs so e mobbelich Fraache sieht an an ihrm Hietche feststelle kann, wie lang se schunn kaan Neie mehr genehmicht krickt hot. Un wann er seu Blatt versteggele dhut, do will sie bestimmt net hawwe, daß mer e zwaadeitig Maanung vun em hawwe soll.

Wann unser Mädcher sich schee hell un hündisch a'ziehe, do mache se so en gefellige Eudruck, wann aach die heitische Klaadcher frieher uff jeden Masgeball gehaßt hawwe. Die Speckärm losse aam manchmol Maul, Aage un Herz uffgeh un es wer for uns Menner noch e viel greßer Fraad, wann die Kladcher allminanner net ganz bis enuffgingte un am e viel besser Aussicht biete dhete. Awwer alles mit Maaß un Ziel; wann.nemlich die Hinkelsen in de Mansadd de ganze Daach in de Unnertallje im Haus erumleeft, do is deß nadierlich nix.

Daß die Weibsleit kaa Strimb trage, do is nix aegäje zu saache, awwer es kimmt uff die Baa aa. Un erst die Fieß! Wann ich in de Elekdrisch fahr, halt ich immer e Zeidung for mich, wann mer aa gäjeniwwer sitzt, bei dere aus dem Guggloch an de Schuhspitz die groß Zeh erausblinzelt, als wann se saache wollt, meu Fraache gibt sich net viel mit mir ab. Roter Lack nitzt do aach nix.

Es is so komisch, daß so viel Leit net wisse, was se sehe losse kenne un was se besser versteggele dhete. Oft fehlt en aach de Verstehdermich defor, daß mer bloß a'ziehe derf, was zu aam baßt. Guggt eich emol so e adrett Bebbehe aa, die eichentlich wie e jung Reh iwwers Drottwah hibbe mißt, was die so schwerfellig laatscht, wann se e Paar vun dene große Schuh mit digge Grebbsohle an de Fießjer hengge hot. Un wie is es mit de Menner? Letzt is mer aaner begäjent, der hatt so e komisch Kutt iwwer, als wann er grad aus em Bedd kumme wer, der hot sicher uff amerikanisch seu Hemd iwwer de Hose a‘gehatt. Wann der sich emol genaa im Spiejel bedracht, do macht er die Hose glei widder ruff. Ich muß mich nur wunnern iwwer die viele Sebbelhose, daß mer maane kennt mir wern e baijerisch Kolonie. Mir hawwe doch bloß de Glasbärk un die par Buggel um die Ludwigsheh erum. Awwer morje braucht der uff niemand Richsicht zu nemme. Zieht aa, was der im Schrank habt, macht enaus ins Freie, solangs noch geht un fraat eich an de Nadur wie

eier Anton Berzel.



„Una Sancta“ praktisch gesehen

Die Una-Sancta-Bewegung. deren Ziel, nämlich die Vereinigung der Christenheit, vielleicht einmal in ferner Zukunft erreicht werden kann, ist in Darmstadt — wohl bedingt durch die hier auf evangelischer und katholischer Seite führenden Persönlichkeiten — besonders aktiv. Wenn auch infolge der bekannten päpstlichen Anordnungen der Rahmen größerer und gemeinsamer Veranstaltungen verlassen werden mußte, so kommt doch der Darmstädter „Arbeitskreis“ der Una Sancta regelmäßig zusammen, um Probleme, die beide Konfessionen betreffen, zu erörtern, um das Gemeinsame zu suchen und das Trennende zu überbrücken oder zurückzustellen.

So könnte man manchmal gerade bei der Hervorhebung von Einzelheiten sagen — der Vergleich hinkt natürlich, wie jeder Vergleich —, daß die katholische Kirche evangelischer und daß die evangelische Kirche katholischer geworden ist. Ein kleiner Vorfall, der sich kürzlich in einer Darmstädter Schule ereignete, zeigt, wie echte Una Sancta sich praktisch auswirkt. Da kommt zu dem evangelischen Pfarrer, der in dieser Schule den Religionsunterricht erteilt, der katholische Pfarrer, der an derselben Schule in katholischer Religion unterrichtet, und fragt seinen Amtsbruder unter Vorlegung des katholischen Religionsbuches: „Sehen Sie doch bitte einmal durch, was hier über Luther geschrieben steht. Ist das auch nach Ihrer Auffassung richtig, damit ich es so meinen (katholischen) Schülern vortragen kann?“

Das ist wahre und echte „Una Sancta“, das ist ein Zeichen des Friedens, wenigstens zwischen den Konfessionen. H. W. W.

Ausstellung®- und Vortragsräume mit einer Lehrküche eröffnet heute die Südhessische Gas- und Wasser AG. Darmstadt in der Luisenstraße 4. Jeden Donnerstag findet dort um 19.30 Uhr ein Gaskochvortrag und um die gleiche Zeit an jedem Montag ein Gaskochkurs statt. DT

Amerikanischer Lkw. säbelt SBaum ab

Gestern nachmittag um 13.30 Uhr geriet ein mit Benzinkanistern beladener amerikanischer Heereslastkraftwagen auf der Neuen Bergstraße am Ortseingang Eberstadt in der Nähe der Kreuzung mit der Aeußeren Ringstraße durch das nasse Straßenpflaster ins Schleudern. Er kam dabei auf die linke Straßenseite, riß mit dem linken Vorderrad einen Straßenbaum ab, der in ein benachbartes Hausfenster stürzte, und drehte sich um seine eigene Achse, so daß er in entgegengesetzter Fahrtrichtung zum Stehen kam. Die Benzinkanister lagen auf der Straße verstreut. Personen wurden nicht verletzt, das Fahrzeug wurde stark beschädigt. xni

Zwei Unflle bei Kilometer 512

Die infolge der Ausbesserungsarbeiten am Kilometer 512 bei Grafenhausen einseitig gesperrte Autobahn hatte am vergangenen Donnerstag zwei Unfälle durch starken Nebel zu verzeichnen. Bei einer Sicht von nur etwa 70 Meter überfuhr ein aus Darmstadt kommender PKW die Warnschilder, bemerkte die Fahrbahnwechselstelle nach links zu spät und kam bei zu großer Geschwindigkeit ins Schleudern. Das Fahrzeug überschlug sich nach rechts und blieb an der Böschung liegen. Personen kamen nicht zu Schaden.

Kurz zuvor hatte ein Personenkraftwagen einer Verwaltungsdienststelle versucht, auf der Einbahnstrecke zwei vor ihm fahrende Wagen zu überholen. Durch den Nebel bemerkte der Fahrer des Wagens einen < itgegenkommenden PKW nicht, auf den er mit voller Wucht aufprallte. Der entgegenkommende PKW wurde gegen einen weiteren Personenwagen geschleudert, wodurch insgesamt drei Fahrzeuge schwer beschädigt wurden. Ein Wageninsasse wurde schwer verletzt. DT.

Tödlicher Unfall auf der Autobahn

In der Nacht zum Freitag überholte ein aus Richtung Darmstadt kommender Personenwagen auf der Autobahn in der Nähe von Weiterstadt einen vor ihm fahrenden Pkw. Dabei geriet er zu weit nach links und kam mit den linken Rädern seines Fahrzeuges auf den Grünstreifen. Er geriet dadurch ins Schleudern, so daß er zweimal im Zick-Zack über die Straße fuhr und auf den am rechten Straßenrand geparkten Anhänger eines Lastzuges aufprallte. Der Personenwagen wurde dabei von vorne bis zur Hälfte vollkommen aufgerissen. Zwei Insassen des Pkw. wurden getötet und der Fahrer des Pkw. schwer verletzt.

Ueberqueren der Autobahn lebens¬ gefährlich. Unter der bei Darmstadt über die Autobahn führenden Straßenbrücke versuchte ein Mann die Fahrbahn zu überqueren. Er wurde dabei von einem Pkw. erfaßt und mußte schwerverletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden. DT

Professor Grund baut moderustes Kaufhaus

Besichtigung der Frankfurter Kaufhof-Baustelle

Am Freitagnachmittag besichtigten Mitglieder des Mittelrheinischen Architekten- und Ingenieur-Vereins die Baustelle der Kaufhof-AG. in Frankfurt. Bei einem Wettbewerb wurden unter den eingegangenen Entwürfen die Pläne unseres Oberbaudirektors, Prof. Dr. P. Grund, mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Innerhalb weniger Tage nach Bekanntwerden der Prämiierung mußte mit den Arbeiten begonnen werden. Es galt, in kürzester Zeit die notwendigen Konstruktionszeichnungen anzufertigen. Ursprünglich war ein Stahlkonstruktionsgebäude geplant worden, das sieben Stockwerke aufweisen sollte, mit 28 000 Quadratmeter Büro- und Verkaufsraumfläche. Bei einer Tiefe von 80 Metern wird die Hausfront eine Breite von 50 Metern aufweisen. Viereinhalbtausend Quadratmeter Baufläche werden bebaut. An dem verkehrsreichsten Punkt Frankfurts, der Zeil, Ecke Eschersheimer Straße, erhebt sich das imposante Stahlbetonskelett in den Himmel.

Jedes der einzelnen Geschosse bildet einen geschlossenen Raum, der weder durch Mauern, noch durch trennende Glas- oder Holzwände abgeteilt ist. Vier Treppenhäuser — jedes ist anders gestaltet — führen in die oberen Etagen. Eine Betontreppe ist mit schwarzen Granitplatten ausgelegt, eine andere besteht aus einer Stahlkonstruktion. Darüber hinaus werden vier Rolltreppen die Besucher bis in die obersten Stockwerke befördern. Große, achtzig Zentimeter messende Säulen tragen die Böden der Obergeschosse, in denen auch gleichzeitig alle Leitungen verlegt wurden. Die von der Baupolizei geforderte Beregnungsanlage für Brandfälle,'wie sämtliche elektrischen Anschlüsse für die Deckenlampen befinden sich unsichtbar für den Beschauer hinter einer Kassettendecke, die aus quadratischen Platten bsteht.

Neuartig ist die eingebaute Warmwasser-Luftheizung. Ueber den Schaufensterfronten befinden sich auf der Außenseite schmale Schlitze, durch die die Luft in den Keller gesogen wird. Die umfangreiche Heizungsanlage dieses Riesengebäudes arbeitet mit Gas, ist aber so eingerichtet, daß sie von heute auf morgen auf Kohle umgestellt werden kann. Ebenfalls befinden sich in den Kellerräumen Kühlanlagen für die Lebensmittelabteilungen, wie eine Müllverbrennungsanlage. Besonderes Interesse findet der Haupteingang, der an der Zeil-Ecke Eschersheimer Straße liegt. Die vier schweren Eingangstüren bestehen je aus einer einzigen Sicherheitsglasscheibe, die nur am oberen und unteren Rand mit einer Metallborte eingefaßt sind. Da Glastüren nicht dicht schließen, wurde hinter den Türen eine Art Luftschleuse eingerichtet, die durch eine besondere Vorrichtung mit Warmluft gespeist wird. So ist es möglich, daß selbst im Winter alle Türen offenstehen, ohne daß ein Temperaturabfall im Innenraum spürbar wäre.

Der Frankfurter Kaufhof-Bau, der eine Serie von gleichartigen Neubauten der Kaufhof-AG. einleitet, ist das größte Gebäude dieser Art und darf wohl nach Fertigstellung als das modernste Kaufhaus Europas bezeichnet werden.

Offenbacher Betrugsprozeß vertagt

Eine Hauptzeugin fehlte

Der gestrige erste Verhandlungstag im Prozeß gegen den wegen Bestechung angeklagten ehemaligen Leiter des Städtischen Wohnungsamtes in Offenbach, Walter Oelschläger, nahm ein rasches Ende. Einer der Hauptzeugen fehlte und ließ sich wegen Krankheit entschuldigen. Die Zweite Darmstädter Strafkammer mußte deshalb nach der Vernehmung des Angeklagten den Prozeß vertagen. Der nächste Termin findet in Offenbach statt.

Der Fall Ölschläger war in Offenbach bereits Gegenstand zahlreicher Diskussionen, Wahlversammlungen und Meldungen in Presse und Rundfunk. Ölschläger stand als Stadtverordneter, SPD-Funktionär. Leiter des Wohnungs- und Versorgungsamtes sowie als Spruchkammervorsitzender lange Zeit im Blickfeld der Öffentlichkeit, bis er eines Tages scharf angegriffen, beurlaubt und von der Kriminalpolizei verhört wurde.

Der Angeklagte bestritt gestern vor Gericht, sich in strafrechtlicher Beziehung vergangen zu haben. Die beiden Fälle, in denen er beschuldigt wird, Wohnungsbewerber bevorzugt und dafür Vorteile sowie Geschenke angenommen zu haben, hätten sich, so sagte er. ordnungsgemäß abgewickelt. Energisch wandte er sich gegen die in der Anklageschrift niedergeschriebene Behauptung, er habe seine Aemter in Halle wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit niederlegen müssen. „Ich bin einwandfreier politischer Flüchtling“, erklärte Ölschläger. Er, der ehemalige Führer der sozialistischen Widerstandsbewegung in Halle während der Nazizeit, habe sich als Bezirksvorsitzender der SPD. Stadtrat und Direktor der Städtischen Werke von Halle öffentlich gegen die Verschmelzung von KPD und SPD in der Ostzone gewandt, weshalb er schließlich auch bei der Besatzungsmacht in Ungnade gefallen und von seinem Posten entfernt worden sei. Nachdem er mehrfach von der NKWD verhört, als Schumacher-Agent bezeichnet und von einem Polizeibeamten, der einer illegalen SPD-Gruppe angehört habe, vor einer bevorstehehden Verhaftung gewarnt worden sei. habe er sich zur Flucht nach dem Westen entschlossen. Wenn heute der Magistrat von Halle in einem Schreiben an das Gericht behaupte, er habe sich krimineller Dinge schuldig gemacht, so sei das unwahr.

Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Feilbach, machte dem Angeklagten den Vorwurf, Gesuche von zwei Personen, denen gegenüber er in einer gewissen Rechtsverbindlichkeit; stand, nicht seinem Stellvertreter übergeben zu haben.

Die Verhandlung in Offenbach wird die Berechtigung oder die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen schweren Vorwürfe ergeben. wst.

Wohin gehen wir hente?

Landestheater: Orangerie: 19.30 „Maß für Maß“ von W. Shakespeare. Ende gegen 22.00 Uhr.

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Hochschulstadion: 14.30 Ballonwettfliegen des Jugendrotkreuzes.

Nachbarschaftsheim (Prinz Emilsgarten): 19.30 Uhr Erika Schneider und ihre Schüler spielen. (Bach, Torelli, Purcell, Haydn, Mozart u. a.) Eintritt frei.

...und morgen?

Landestheater: Orangerie: 18.00 „Tannhäuser“ von R. Wagner. Ende gegen 22.00.

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Stadt:Herrngarten: 11.00—12.00 Promenadenkonzert vom Darmstädter Orchester für Berufsmusiker, Leitung H. Traser. Stadthalle: 15.00 und 20.00 Uhr Hildenbrandts Puppenbühne: „Die drei Brüder Markensteiner.“

Bereitschaftsdienste

Apotheken-Sonntags- und Nachtdienst (vom 16. Sept., 13 Uhr, bis 23. Sept., 8 Uhr)

Darmstadt: Nordend-Apotheke, Friedr.- Ebert-Platz 17; Stadt-Apotheke, Rheinstraße 32; Bessunger-Apotheke, Hermannstraße 4.

Darmstadt-Eberstadt: Alte Eberstädter Apotheke, Oberstraße 10.

Darmstadt - Arheilgen: -Apo¬ theke. Darmstädter Straße 65.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst

(von 10—12 Uhr) 17. 9. Zahnarzt Albert Heuß. Darmstadt, Am Erlenberg 17.

Sonntagsdienst der Dentisten

(von 10—12 Uhr) 17. 9. Dentist Otto Waga t z, Darmstadt. Eschollbrücker Straße 27.

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit. Ehepaar Adam Banger, Rüsselsheim. Vollbrechtstraße 8; Ehepaar Philipp Neufahrt, Kelsterbach, Sindlinger Straße 8.

79. Geburtstag. Herrn Wilhelm Zimmermann, Darmstadt, Hügelstraße 78, und Herrn Peter Pfeifer, Winterkasten (Odw.) 75. Geburtstag. Frau Katharina Knapp, Brombach i. O. (17. 9.)

74. Geburtstag. Herrn Johannes Weichei, Wald-Amorbach.


Wie die Stadt im Schatten des Hofes stand, so hielt sich das Darmstädter Rathaus in bescheidenem Abstand vom Schloß. Nicht selbstbewußter Bürgersinn hat es geschaffen. Landgraf Georg I. (1567—1596) ließ das Rathaus erbauen und auch den Marktplatz anlegen. Den überließ er der Gemeinde zum Eigentum, mit der Auflage, daß sie ihn pflastern und instand halte. Auch der erste Marktbrunnen ist sein Geschenk. Er wurde 1568 durch den dafür ausgeliehenen Brunnenmeister des Pfalzgrafen Friedrich errichtet. Nicht allzulange danach ließ ihn „eine gemeine Stadt allhier mit gnädiger Huld ihres Landesfürsten von neuem machen“. Der Brunnen war mit einem Männlein, das das Stadtwappen hielt, geschmückt. Wenn dem Marktbrunnen unter Ludwig VIII. auch eine veränderte Gestalt gegeben wurde, so ist er uns doch erhalten geblieben, mag er auch wegen seiner Reparaturbedürftigkeit für einige Zeit unseren Blicken entschwunden sein. Die Wiederherstellung des Rathauses allerdings scheint länger auf sich warten zu lassen. Wann werden wir uns wieder seiner schönen Giebel erfreuen dürfen?
Wie die Stadt im Schatten des Hofes stand, so hielt sich das Darmstädter Rathaus in bescheidenem Abstand vom Schloß. Nicht selbstbewußter Bürgersinn hat es geschaffen. Landgraf Georg I. (1567—1596) ließ das Rathaus erbauen und auch den Marktplatz anlegen. Den überließ er der Gemeinde zum Eigentum, mit der Auflage, daß sie ihn pflastern und instand halte. Auch der erste Marktbrunnen ist sein Geschenk. Er wurde 1568 durch den dafür ausgeliehenen Brunnenmeister des Pfalzgrafen Friedrich errichtet. Nicht allzulange danach ließ ihn „eine gemeine Stadt allhier mit gnädiger Huld ihres Landesfürsten von neuem machen“. Der Brunnen war mit einem Männlein, das das Stadtwappen hielt, geschmückt. Wenn dem Marktbrunnen unter Ludwig VIII. auch eine veränderte Gestalt gegeben wurde, so ist er uns doch erhalten geblieben, mag er auch wegen seiner Reparaturbedürftigkeit für einige Zeit unseren Blicken entschwunden sein. Die Wiederherstellung des Rathauses allerdings scheint länger auf sich warten zu lassen. Wann werden wir uns wieder seiner schönen Giebel erfreuen dürfen?

Polizeimeister Möller - ein Chronist des Unheils

Wir hatten nicht die Absicht, durch unsere Beobachtungen der Unfälle bei Kilometer 512 eine Sensation zu inszenieren, sondern wollten lediglich die verantwortlichen Behörden darauf aufmerksam machen, daß die Unfälle unter Umständen auch andere Ursachen haben könnten, als die, die angegeben worden sind. Wir ahnten nicht, daß unsere Berichterstattung einen so lebhaften Wiederhall- finden würde, wie es geschehen ist. So' besuchte uns vor seiner Abreise dieser Tage der „Dreizehnte“, Herr Curt Borer aus Basel, der am 5. September mit seiner Gattin in einem Chevrolett bei km 512,3 verunglückte. Während des Gesprächs stenografierte unsere Sekretärin mit: ... „Es nieselte. Plötzlich spürte ich, daß der Wagen hinten leicht nach rechts wegrutschte. Ich parierte, indem ich zart das Steuer nach links drehte. Mir war aber, als ob sich das Steuer nicht nach links, sondern nach rechts drehen würde. Ich war unfähig, etwas dagegen zu unternehmen. Dann sah ich eine Pappel auf mich zukommen, spürte noch, wie der Wagen die Böschung hinunterstürzte ... “

Von den vielen Fragen, die uns in letzter Zeit zu diesen Vorfällen gestellt worden sind, beschäftigten sich die meisten mit dem von uns zitierten Todeskilometer 23,9 und 29,3 zwischen Bremen und Bremerhaven, weshalb uns eine ausführliche Information über diese Strecke angebracht erscheint. Seit nahezu 20 Jahren registriert dort Polizeimeister Möller, zu dessen Dienstbereich die Gefahrenzone — eine kerzengerade Strecke — zählt, alle Unfälle. Nach dem ersten Unfall, der am 3. August 1930 passierte, kurz nachdem die Straße — die damalige Reichsstraße Nr. 6 — instand gesetzt worden war, erklärte der Verunglückte, daß er das Empfinden gehabt hätte, eine fremde Macht wirke auf ihn ein und reiße ihm das Steuer aus den Händen. Man lächelte darüber. Man lächelte auch drei Wochen später noch, als ein Bremer Fleischerdirektor auf derselben Strecke, bei trockenem Asphalt, schleuderte, an den Straßenrand gedrückt wurde und sich Überschlug, und man eine ähnliche Deffinition zu hören bekam.

Wenig später, am 7. September 1930, einem regnerischen Tag, gingen zwei Kraftwagen und sieben Motorräder in die Brüche. Alle in der Nähe des Kilometersteins 23,9. Und alle Unfälle geschahen ohne erklärbare Ursache... Da wurde Wachtmeister Möller zum ersten Male stutzig. Innerhalb von einem Monat hatte er an derselben Stelle elf Unfälle registriert, deren Ursache nicht aufgeklärt werden konnte. Man unternahm von selten der Straßenbauverwaltung manches, aber die Unfallkette riß nicht ab. Verletzte, Schwerverletzte, Tode ... Die Behörden sprachen von „Regenglatte“, von „schlechter Fahrdecke“ — die Bevölkerung sprach von „Todesstrahlen“, „unterirdischen Strömungen“ und anderen „geheimen Mächten“, die den Autofahrern das Steuer aus den Händen reißen würden. „Wer am Kilometerstein 23.9 vorbeifährt, der hat Unglück“, sagte man...

Eines Tages begann sich ein Wünschelrutengänger, der Brunnenbauer Karl Wehrs aus der „Bremischen Schweiz“, mit der Todesstrecke zu beschäftigen. Wehrs, der die Gefahrenzone zwischen den beiden in Frage kommenden Kilometersteinen abschritt, vermutete Wasseradern. Seine Versuche bestätigten seine Vermutung. Er merkte sich die Stellen, an denen die Wünschelrute ausgeschlagen war, und stellte dann mit Eichen-, Weiden- und Stahlruten systematische Versuche an, aus denen er schließlich schlußfolgerte, daß mit dem Ausschalten der nach seiner Meinung gefährlichen Wasserader - Strahlungen auch die Unfälle nachlassen müßten. Er konstruierte daraufhin ein A-b schirm gerät, das er unter Anwesenheit maßgeblicher Behörden und der Presse beim Todeskilometerstein 23,9 eingrub. Nachweislich ereigneten sich keine Unfälle mehr, solange das Gerät eingegraben war — nach unserer Information mehrere Monate. Eigenartig, daß sich ein Tag später, nachdem man das Gerät wieder ausgegraben hatte, ein Personenwagen überschlug ...

Die Akie „Todeskilometerstein 23 9“ des Wachtmeisters Möller wuchs sich im Laufe der folgenden Jahre zu einem ganzen Archiv aus. Es geht aus ihr hervor, daß es mitunter lange Ruhepausen gab, dann aber wieder — wie aus heiterem Himmel — Unfallserien am laufenden Band folgten, zuletzt in den Jahren 1946, 1947, 1948 und 1949. Oft war bei den Unfällen die Straße feucht, manchmal auch nicht. Vielfach lagen den Unfällen Ursachen zugrunde, die auch auf einer anderen Fahrstraße zu einem Unfall hätten führen müssen, die also nicht mit irgendwelchen Strahlungen in Verbindung zu bringen sind.

Polizeiwachtmeister Möller, obwohl skeptisch, glaubt nach wie vor nicht an Erdstrahlen, sondern meint, daß jeder der Unfälle auf die Unachtsamkeit der Fahrer zurückzuführen sei, weil es sich nicht leugnen lasse, daß gerade diese Strecke zum Rennen verleite. Aber auch das ist nur eine Vermutung, wie alles, was mittlerweile um den Todeskilometer bei Bremen und nun auch — um den bei Gräfenhausen auf der Autobahn gesponnen wurde. Es wäre für eine wissenschaftliche Untersuchungskomission zweifellos eine dankbare Aufgabe, wenn sie einmal ernstlich den Ursachen und Vermutungen nachgehen würde. Fast möchten wir sagen: die Bevölkerung erwartet das ... Maximilian II

Darmstadts neueste Gaststätte ist das „Restaurant zur Stadthalle“, Ecke Wilhelm— Leuschner-Straße und Landwehrstraße, das von dem ehern. Küchenchef des Ratskellers, W. Schmidt, heute um 16 Uhr eröffnet wird.

WIE-WIRD-DAS-WETTER

Noch Schauerwetter

Vorhersage: Am Samstag bewölkt und noch wiederholte Schauer, kühl. Am Sonntag leichte Beruhigung, Winde aus Südwest bis West. Tageshöchsttemperatur 16 bis 19°, Tiefstemperatur nachts bei 10°.

Wetteraussichten: Am Wochenbeginn erneut Verschlechterung.



Die entzauberten Erdstrahlen

Lauert wirklich beim km 512 der Tod? Ist es wirklich wahr, was die Rutengänger an dieser Stelle feststellten, daß beim km 512 die Fahrbahn in Erdstrahlen gebadet ist, welche die Unglücksfälle verursachen?

Diese Frage beschäftigt die Oeffentlichkeit seit jenem regnerischen Tag, an dem ein Rutengänger die gefährdete Fahrbahn der Autobahnstrecke Darmstadt —Frankfurt beging und an mehreren Stellen kräftige Rutenausschläge erzielte. Alles war individuell, es fehlte die wissenschaftliche, exakte Messung der hier auftretenden Kräfte.

Durch den Artikel des „Darmstädter Tagblatts“ vom 8. Sept. 1950 über die beim km 512 durchgeführten Wünschelruten-Untersuchungen auf die Angelegenheit aufmerksam gemacht, überprüfte der bekannte Radiästhesie-Fachmann Raimund Rupp aus Heppenheim mit einem auf wissenschaftlicher Grundlage gebauten Spezialapparat, dem „Gerameter“, die Gefahrenzone und stellte durch genaue magnetische Messungen, deren Ergebnisse in Kurven veranschaulicht werden können, die beiden Gefahrenpunkte fest.

Das „Gerameter“ ist ein Gerät, das physikalisch exakte Resultate liefert. Die einzelnen Meßwerte werden in Kurven (Diagrammen) festgehalten. Aus der Form der Kurven und ihrer Spitzenpunkte kann der im Lesen solcher Kurven Bewanderte die Punkte oder Stellen festlegen, die eine vom Normalen sbweichende Messung ergeben haben. Das sind in diesem Fall die beiden Gefahrenstellen, die sich bei km 512,357 und km 512,49 befinden. Beide Stellen liegen auf der rechten Fahrbahn in Richtung Frankfurt. Durch die Arbeit des Herrn Rupp ist somit eine Feststellung getroffen worden, die nicht mehr auf einer individuellen Wertung, sondern auf einer nach physikalischen Grundsätzen vorgenommenen Messung beruht. Was wird nun eigentlich mit dem „Gerameter“ gemessen?

Immer wieder wird bei Debatten über das Problem der Wünschelrute und die Verläßlichkeit der von den Rutengängern durchgeführten Wertungen ins Feld geführt, daß es sich nicht um physikalisch objektive, nach den Methoden der exakten Wissenschaft durchgeführte, Feststellungen handele, sondern daß die Resultate (Rutenausschläge) durch die Sensibilität des Rutengängers bestimmt werden. Durch die Einschaltung des Menschen und seine Sensibilität in diesen Vorgang können subjektive Momente und Einflüsse der augenblicklichen Disposition die Resultate beeinflussen und sie dadurch ungenau und fragwürdig werden lassen. Nun haben aber jahrelang durchgeführte Versuche der Physiker Oberstudienrat a. D. Dr. Wendler (Erlangen) und Dr. phil. et med. J. Wüst (Univers. München) ergeben, daß mit einem geeigneten Gerät es sehr wohl möglich ist, die von dem Rutengänger „gemuteten“ Ergebnisse nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu überprüfen und gegebenenfalls zu berichtigen. Das Gerät ist das schon mehrfach erwähnte „Gerameter“.

Um die hierbei auftretenden Vorgänge verstehen zu können, ist es zunächst wichtig, sich von dem Begriff „Erdstrahlen“ usw. freizumachen und den physikalisch richtigen Begriff zu übernehmen, daß es sich nämlich um Aenderungen in der magnetischen Feldstärke der Erdoberfläche handelt, wobei die allgemein herrschende Feldstärke als normal angenommen wird. Es handelt sich also nicht um mystisch-okkulte Vorgänge, sondern qm physikalische Vorgänge. Dadurch, daß man nun an den in Frage kommenden Punkten die Feldstärken mißt, kann man aus den dabei erhaltenen Meßkurven die Abweichungen ablesen. Das Gerameter wird wie ein Gebäudevermessungsgerät gebraucht.

Da die Messungen bei völliger Ruhe und richtiger Orientierung des Geräts vorgenommen werden müssen, ist es ohne weiteres ersichtlich, daß man mit dem Gerät nicht so übers Feld laufen und die Stelle, die gemessen werden soll, suchen kann. Hierzu bedarf es noch der Wünschelrute des Rutengängers, durch deren Ausschlag die Gegend bestimmt wird, in der das Gerameter anzusetzen ist. Das Gerameter ist somit kein Suchgerät, sodern es kontrolliert die Mutungen des Rutengängers und stellt sie auf eine feste Grundlage.

Durch die bei den Messungen gesammelten Erfahrungen konnte festgestellt werden, daß für die verschiedenen Ursachen der Feldstärkenänderung sich ganz bestimmte, für sie typische Kurvenbilder ergeben. Der im Kurvenlesen erfahrene Praktiker kann also aus den Diagrammen auf Grund seiner Erfahrung erkennen, daß z. B. ein unterirdischer Wasserlauf, Erzlager, Petroleumfelder usw. das magnetische Kraftfeld beeinflussen. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung ist diese Fähigkeit deshalb, weil bei diesen exakten Messungen Fehlerquellen, wie sie bei Mutungen mit der Wünschelrute unvermeidbar sind, ausgeschlossen werden.

In kurzen Ausführungen möge noch auf die Wirkung, welche die Feldstärkenänderung auf Lebewesen ausübt, eingegangen werden, wobei die Zonen dieser Feldstärkenänderung einfach „Reizstreifen“ genannt werden. Ausgehend von der Tatsache, daß jedes Lebewesen von einem magnetischen Kraftfeld beherrscht wird, löst jede Aenderung des bestehenden Gleichgewichts, die durch den Uebertritt vom neutralen Gebiet auf den „Reizstreifen“ verursacht wird, eine Reaktion im Körper des Uebertretenden aus. Auf dieser Reaktion beruht auch das Phänomen des Wünschelrutenausschlags. Daß es dem so ist, wird durch die Arbeiten des Prof. S. W. Tromp, Ordinarius für Geologie an der Fouad-Universität in Kairo, bewiesen. Prof. Tromp schloß einen Apparat, wie man ihn in der Medizin zum Messen der Muskelströme bei der Herzaktion benutzt, an die Handgelenke eines Rutengängers und ließ ihn über ihm unbekannte „Reizstreifen“ gehen. Bei der Auswertung der so erhaltenen Elektrokardiogramme konnte er feststellen, daß bei der Ueberquerung der „Reizstreifen“ den normalen Herzaktionsströmen ein zusätzlicher Induktionsstrom überlagert wurde. Es ist also der Beweis der Reaktion des Menschen auf Veränderung der magnetischen Feldstärke in den sogen. „Reizstreifen“ einwandfrei erbracht. Nun ist nicht jeder Mensch gleich empfindlich. Die Empfindlichsten sind gute Rutengänger, denn ihre Reaktion braucht nicht durch besondere Apparate nachgewiesen zu werden, sie weist sich durch den Rutenausschlag für jedermann sichtbar aus.

Was beim Rutengänger die Rute ist, ist beim Kraftfahrer das Steuerrad. Ueberquert nun ein Kraftwagen einen solchen „Reizstreifen“, so reagiert der Kraftfahrer in gleicher Weise wie der Rutengänger. Durch die infolge der Reaktion ausgelöste Muskelzusammenziehung wird ein Drehmoment ausgelöst, das beim Rutengänger den Rutenausschlag, beim Kraftfahrer eine Drehung des Steuerrades bewirkt. Da, wie schon gesagt, nicht jeder Mensch gleich stark reagiert, sind nicht alle Kraftfahrer durch diese „Reizstreifen“ gefährdet, sondern nur diejenigen, die so stark reagieren, daß es zum Drehmoment kommt.

Nicht unerwähnt soll daher bleiben, daß neben der Reaktionsfähigkeit auch die Beschaffenheit der Fahrbahn von Bedeutung ist. Es ist einleuchtend, daß bei trockener Fahrbah ein plötzlicher Steuerradausschlag viel leichter pariert wird, als bei einer feucht-schlüpfrigen Fahrbahn. Hier kann schon der geringste Ausschlag zum Schleudern und damit zum Unfall führen.

Heimkehrergepäck aus USA und Kanada

Als bald nach Kriegsende der Rücktransport der deutschen Kriegsgefangenen aus den USA und Kanada einsetzte, wurde die Heimbeförderung der größeren Gepäckstücke dieser Heimkehrer, die diese nicht mit sich führen konnten, vom Roten Kreuz übernommen.

Ueber diese Gepäckaktion, die kürzlich zum Abschluß gekommen ist, liegen nunmehr die Ergebnisse vor, die erkennen lassen, welch ungeheure Arbeit das Rote Kreuz hier im Interesse unserer aus den USA und Kanada heimkehrenden Kriegsgefangenen geleistet hat.

Von den im Rahmen der Aktion hereingenommenen 150 182 Paketen konnten bis heute

148 776 Pakete

aller Art und Größe, vom einfachen Bücherpaket bis zum sperrigen Kinderwagen, nach vorheriger Anschriftenermittlung den Empfängern zugestellt werden. Jetzt sind nur noch 1406 Pakete auf Lager, bezüglich deren die Hoffnung besteht, daß sie, wenigstens zum größten Teil, auch noch ihren Eigentümern zugestellt werden können.

Die Zahl der Totalverluste war, besonders unter Berücksichtigung der unsicheren Verhältnisse nach 1945, überaus gering. Total- und Teilverluste durch Beschädigung und Diebstahl zusammen ergaben noch keine 0,6 Prozent der insgesamt eingegangenen Pakete.

Das Rote Kreuz hat überdies für Verluste von ihm zur Weiterbeförderung übergebenen Paketen eine Transportversicherung abgeschlossen, die bei Gepäckverlusten den Empfängern eine Entschädigung zahlte. Es kann mit Befriedigung und Dankbarkeit festgestellt werden, daß die Aktion nicht nur zu einem von den Betreuten dankbar anerkannten Erfolg geführt werden konnte, sondern auch eine bemerkenswerte Gemeinschnftsleistung des Roten Kreuzes darstellt.

Neue Ausbildungslehrgänge

der Wirtschaftsoberschule

Die Wirtschaftsoberschule, Abteilung Dolmetscherlehrgänge, veranstaltet im Wintersemester 1950/51 neue Ausbildungslehrgänge für fremdsprachliche Wirtschaftskorrespondenten, Uebersetzer und Dolmetscher. Die Absolventen des letzten Kursus haben bei der Staatsprüfung in Wiesbaden alle bestanden und damit ihre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen.

Die neuen Lehrgänge werden für die Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch eröffnet, soweit sich genügend Teilnehmer hierfür melden. Die Ausbildung dauert vier Semester.

Die Zulassung setzt Grundkenntnisse in der betreffenden Fremdsprache voraus. Für Spanisch und Italienisch ist beabsichtigt, auch für Anfänger eine Ausbildung, die dann etwas länger dauern muß, vorzusehen.

Der Unterricht findet viermal wöchentlich, voraussichtlich in der Zeit von 17.30 bis 20.30 Uhr, statt und umfaßt in der Hauptsache folgende Fächer: Handelskorrespondenz, Uebersetzungsübungen, Dolmetscherübungen, Einführung in die Wirtschaftsgeographie und Wirtschaftskunde Englands und Amerikas, politische Geschichte und Literaturgeschichte. Der Unterricht wird von besonderen Fachlehrkräften in der Fremdsprache erteilt.

Anmeldungen können sowohl •schriftlich als auch fernmündlich bei dem Sekretariat der Schule'Darmstadt, Stiftsstraße 32, Telefon 941/234, abgegeben werden.

Vordereifen platzte

Gestern mittag ereignete sich bei Lorsch auf der Autobahn ein schwerer Verkehrsunfall, als ein in Richtung Mannheim fahrender Pkw. einen in gleicher Richtung befindlichen Lastzug überholen wollte. In diesem Augenblick platzte dem Personenwagen der rechte Vorderreifen wodurch er ins Schleudern geriet und gegen den Motorwagen des Lastzuges prallte. Dadurch überschlug er sich mehrmals und stürzte die Böschung herunter. Die Insassen des Fahrzeuges wurden zum Teil erheblich verletzt. dt

DGB Eberstadt

erhält neuen Vorstand

Der Ortsausschuß des DGB Eberstadt hielt dieser Tage im Gasthaus „Zur Rose“ eine Versammlung ab, an der Delegierte verschiedener Fachgewerkschaften teilnehmen. Der erste Vorsitzende Hindermeyer gab bekannt, daß die Kassenverhältnisse des Ortsausschusses einigermaßen ausgeglichen werden konnten. Im nächsten Jahr müßte die Maifeier in größerem Rahmen, eventuell im Wald, aufgezogen werden. Dem Kassierer Löbich wurde Entlastung erteilt.

Zweiter Vorsitzender Merkel erklärte, daß der Ortsausschuß von jüngeren Kräften übernommen werden müßte, die sich aktiver für das gewerkschaftliche Ziel einsetzen.

In den Vorstand des DGB wurden einstimmig gewählt: Zum 1. Vorsitzenden Kollege Biewener, zum 2. Vorsitzenden Kollege Merkel, zum Kassierer Kollege Löbich und zum Schriftführer Kollege Hofmann. Der ehemalige Vorsitzende Hindermeyer wurde gebeten, den jüngeren Kollegen auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. t-s

Falsche Sammler

Wie uns der Hessische Landesverein für Innere Mission mitteilt, hat er die Beobachtung gemacht, daß seine ihm für die Zeit vom 8. bis 17. September 1950 genehmigte Haus- und Straßensammlung durch unbefugte Sammler beeinträchtigt wird, die, ohne im Besitz eines für den Hessischen Landesverein für Innere Mission ausgestellten Ausweises zu sein, vorgeben, für „die Mission“ zu sammeln. Die Spender, die für die „Innere Mission“ eine Spende geben wollen, werden gebeten, sich den vom Amt für öffentliche Ordnung in Darmstadt ausgestellten Sammlerausweis vorlegen zu lassen.

In der Stadt notiert

Der Bund der Fliegergeschädigten, Kreisverband Darmstadt-Land, gibt bekannt, daß jetzt wieder Anträge auf Hausratshilfe gestellt werden können, jedoch nur von denjenigen, die bis jetzt noch keinen Antrag gestellt haben. Dagegen können Anträge auf Existenzaufbauhilfe zur Zeit nicht gestellt werden, sondern erst nach amtlicher Bekanntmachung.

Die Gewerkschaft „Erziehung und Wis¬ senschaft“, Bezirsverband Darmstadt, veranstaltet vom 2. bis 8. Oktober auf dem Heiligenberg in Jugenheim eine Junglehrerfreizeit.

Der Deutsche Stenografenverein Eber¬ stadt hat seine Kurse in der Volksschule wieder aufgenommen.

Kammersänger Joachim Sattler wird morgen abend in Wagners „Tannhäuser“ die Titelrolle an Stelle des erkrankten Heinz J a n s ze n singen.

Das Ballonwettfliegen des Jugendrot¬ kreuzes und das Sportfest der Eleonorenschule Darmstadt werden amSonntag, dem 16. September, um 14.30 Uhr, im Hochschulstadion beginnen. T

Kurz hinter der abgesperrten Auto¬ bahnstrecke bei Kilometer 512. in der Nähe von Grävenhausen, ereignete sich gestern wieder ein Unfall, bei dem glücklicherweise nur Sachschaden entstand. Der mit Holz beladene Anhänger eines Lastzuges kam beim Ueberholen eines in gleicher Richtung nach Frankfurt fahrenden Kraftwagens ins Schleudern und stürzte um.

Erheblichen Sachschaden gab es gestern mittag um 14.35 Uhr bei einem Verkehrsunfall am Friedensplatz. Dort stießen ein deutscher und ein amerikanischer Personenwagen zusammen. wst.

In angetrunkenem Zustand fuhr am vergangenen Donnerstag der Motorradfahrer Karl Kupper von Mannheim im Zickzackkurs auf der Autobahn Darmstadt—Mannheim. Der Straßenpolizei fiel die seltsame Fahrweise auf, das Motorrad wurde sichergestellt, dem angeheiterten Fahrer eine Nacht lang Gelegenheit zur Ernüchterung gegeben.

Elternversammlungen

Die Gewerbliche Berufsschule Darmstadt veranstaltet für die im Landkreis Darmstadt wohnenden Eltern ihrer Schüler in nachstehenden Orten Elternversammlungen: Für Wixhausen, Erzhausen und Gräfenhausen in Wixhausen am 15. September im Gasthaus zur Traube; für Roßdorf in Roßdorf am 18. September in der Neuen Schule. Die Ver-

Sammlungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Sie werden durch Tonfilme umrahmt. Der Eintritt ist frei.


Drei Personen wurden gestern früh gegen 9.35 Uhr bei einem Zusammenstoß erheblich verletzt. Er ereignete sich zwischen einem Lastkraftwagen und Pkw an der Kreuzung Frankfurter und Emilstraße. Der entstandene Sachschaden ist, besonders bei dem Personenwagen, groß. wst.
Drei Personen wurden gestern früh gegen 9.35 Uhr bei einem Zusammenstoß erheblich verletzt. Er ereignete sich zwischen einem Lastkraftwagen und Pkw an der Kreuzung Frankfurter und Emilstraße. Der entstandene Sachschaden ist, besonders bei dem Personenwagen, groß. wst.

DIE STAMMTISCHRUNDE

Surrealisten über uns

Neulich bin ich — glaube ich — einem Surrealisten begegnet. Auf der Rheinstraße. Der hatte meergrüne Haare, ein .lila angemaltes Gesicht, um 40 Grad schielende Augen, einen froschbreit verzerrten Mund, um den Hals trug er eine Halskette aus getrocknetem Brotteig, und in Jacke und Hemd hatte er ein Guckfenster geschnitten, durch das man den nackten Bauchnabel sah. Als ich näher hinschaute, war es mein Freund Balduin. „Balduin“, rief ich, „was haben sie denn mit dir gemacht, um Gottes willen!“ Da schaute Balduin einen Augenblick gerade und sagte mit jammervoller Stimme: „Ja, weißt du, mir ist das auch nicht ganz recht, aber da hat mich doch der surrealistische Maler, der Bählamm, gemalt und ich muß doch meinem Porträt ein bißchen ähnlich sehen . . .“ Als ich Balduin dann bei einem Schnaps in einem verbor-

genen Lokal hatte, erzählte er mir mehr von diesen Leuten. Da hat er mit dem Bählamm in so einer Surrealistenkneipe gesessen, in der es garantiert surrealistisch war. Da ging plötzlich die Tür auf. Ein Mann stand auf dem Kopf. Lief die Wand hoch. Marschierte an der Decke entlang. Drehte (die Birne aus der Lampe. Schraubte einen Apfel hinein. Marschierte weiter bis zur Theke. Lief die Wand herunter. Und bestellte: „Ein dunkles Bier!“ Trank sein Bier. Schritt die Wand hinauf. Lief die Decke entlang. Kam die Wand herunter. Verschwand durch die Tür. Balduin, damals ein Neuling, schaute verdutzt. Fragte: „Sag mal, ist dir eben nichts aufgefallen?“ Meinte Bählamm: „Richtig, sonst hat er immer ein Helles getrunken!“

Da dachte ich, jetzt wüßte ich, was das für Leute wären, die Surrealisten. Aber als ich hörte, daß selbst der Sartre es nicht genau wüßte, seitdem weiß ich es auch nicht mehr.

Nur meine Frau scheint es zu wissen. Neulich fragte ich am 10., wo das Geld vom 1. wäre. Es war weg. Ich wunderte mich. Sagte meiner Frau: „Du bist halt ein Surrealist!“ Meine Frau scheint’s also zu wissen. Teddy Teer

Als Beweis dafür, daß ich besser bin als mein Ruf, will ich Ihnen heute die kleine Geschichte erzählen, die ich



Liebeserklärung 1950

nennen darf, weil sie erst kürzlich geschah und so modern ist wie unser heutiges Zeitalter.

Es begann — in einer Redaktion. Ein Bote überbrachte einen dringend erwarteten Brief, der nun auf dem Schreibtisch lag. Was er enthielt? — Natürlich Spesen! — Spesen, wie sie nun einmal verbraucht werden —, und wie sie ausgezahlt werden, wenn einer eine Rechnung präsentiert. Es waren, ich weiß es noch ganz genau (obwohl es nicht meine eigenen waren), 13,96 DM. Ich sehe noch heute den Brief mit den Scheinen vor mir liegen. Sehe eine bleistiftbewaffnete Hand mit zügiger Unterschrift den Empfang quittieren und das Geld in einer Tasche verschwinden, als ich zur Tür ging. Dann sah ich einen, der schnurgraden Wegs in einem kleinen Cafe verschwand. Als er dort saß, fiel ihm auf, daß er wieder einmal ganz vergessen hatte, den dunklen Männerbart aus dem Gesicht zu schaben. Und er schämte sich sogar ein bißchen für sich.

Wenig später schloß sich hinter ihm eine Tür. Im Laden des Figaro. Schäumende Seife. Ein gleitendes, scharfes Messer. Danach ein Griff in die Tasche, einen kleinen blauen Schein auf den Zahlteller der Theke ...

Kurz darauf ein spitzer Schrei, den das reizende Mädel ausstieß, das nach dem Stückchen Papier griff, um es zu wechseln. Fassungslos hält sie dem jungen Mann die D-Mark entgegen, die er so selbstbewußt aus der Tasche gezogen. Er folgt ihrem Blick. Groß und deutlich steht auf dem Zettel geschrieben: Ich liebe dich!“ Die Schrift war noch wenig verwaschen und vielleicht erst einige Tage alt — vielleicht aber auch nur wenige Stunden . . .? »cudun

Als aus der Tür trat, in seiner Tasche wieder den Schein, der den Schrei ausgelosthatte, dachte er darüber nach, wer wohl diese Worte geschrieben haben könnte des Chefs, die dort Tag für Tag unermüdlich zählt zahH! Ihrer heimlichen Sehnsucht dadurch Ausdruck verliehen, oder ob das Stückei?e£ ^h°n Viel weiteren We§ zurückgelegt hatte? Ob es irgendwo in WpIT/ n einem Tisch zum anderen gewandert war, um auf diesem — Wer weiß3’"16 Herzens ohne viel Umstand die eigenen Gefühle zu übermitteln’

nur^von keinen, spitzen Schrei. Einem Schrei der Ueberraschung Chip^rU .^sicherlich für Sekunden den Herzschlag anhielt. Der ein bißchen G uck durch die Adern rieseln ließ, als überraschte Augen die jahrtausendealte und ewig neue Erklärung des Herzens lasen: Ich liebe dich! Götz von Gumpen

A propos . . . wissen Sie keinen neuen Skandal für mich???



Fünfundneunzig Prozent

Wir leben heute in einer Demokratie. Man merkt es allerorten. Ueberall wird diskutiert, geredet, nochmal geredet r d — abgestimmt. Die Parlamente stimmen ab, die Vereins stände und — die Gewerkschaften. Zuletzt die der Metal - arbeiter. Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich bin grundsätzlich auch für Demokratie, fürs Reden und für die Abstimmung. Ich bin aber gegen die fünfundneunzig Prozent. Denn diese Zahl scheint mir — nach den gemachten Erfahrungen — verdächtig. Sie wissen doch sicher noch: 92 Prozent 95 Prozent, 98*/2 Prozent Ja-Stimmen? —

Ich möchte nicht in der Vergangenheit wühlen. Bleiben wir bei den 95 Prozent Ja-Stimmen, die sich nach der Urabstimmung der Metallarbeiter ergaben, und rekapitulieren wir doch noch einmal: 97 Prozent der Abstimmungsberechtigten so wurde mitgeteilt, hätten an der Abstimmung teilgenommen. Und von diesen 97 Prozent stimmten wiederum 95 Prozent mit „Ja“. Das scheint eine glatte Sache, ist es aber leider nicht. Denn wer war denn eigentlich abstimmungsberechtigt? Leider nicht alle Metallarbeiter, sondern nur die gewerkschaftlich organisierten. Und hier liegt der Haken. Nach vorliegenden Statistiken und Aeußerungen namhafter Vertreter des DGB sind bis heute leider nur 35 Prozent der Arbeitnehmer im gesamten Bundesgebiet organisiert. Halten wir nun den Metallarbeitern zugute, daß bei ihnen diese Zahl wesentlich höher liegt, so bleibt doch der unangenehme Eindruck, daß die 95 Prozent Ja-Stimmen sich nicht etwa aus der gesamten Metallarbeiterschaft rekrutieren sondern eben nur aus den Gewerkschaftsmitgliedern. Endeffekt: Nicht 95 Prozyent der Metallarbeiter stimmten für den Streik, sondern eine wesentlich kleinere Zahl die leider von mir nicht genau festgestellt werden konnte.

Wie gesagt: Ich habe nichts gegen die Gewerkschaften. Sie sind, das meine auch ich, als Verhandlungspartner den Arbeitgebern gegenüber und als berufene Vertreter ier Arbeitnehmer durchaus notwendig. Aber haben die Gewerkschaften es wirklich nötig, mit „95 Prozent“ zu operieren? Ich glaube es nicht. Peter Bruchmann



STARKENBURG

Debatite mit Hindernis

„Deutsche Sprak, — schwere Sprak“, sagte irgendwann irgendwo einmal irgendeiner. Man kann es ihm nachfühlen, solange es sich um die Anwendung der Worte: Pferd. Roß, Gaul handelt. Wie es im übrigen noch manches gibt, was n u so lei.cht verständlich ist, als daß sich der eine oder andere überlegend am Kopf kratzen müßte.

Sei dem aber, wie es wolle. Jenem, der die obenerwähnten inhaltsschweren Worte einmal seufzend von sich gab, werden es die Gemeinderäte von Wolfs kehlen besonders nachfühlen können. Denn auch Sie standen erst kürzlich vor einer Entscheidung, über die sie sich deshalb nicht einigen konnten, weil doch so eine vertrackte Verfügung, die im „Staatsanzeiger“ die Neuregelung der Besoldung der ehrenamtlichen Gemeinderechner betraf, derart in Kommata eingekesselt war, daß man, war man hinten mit Lesen fertig, nicht mehr wußte, was vorne gemeint war.

Man behauptet wohl — auch heute noch — daß die Veröffentlichung so klar sei, daß kein Zweifel darüber herrschen könne. Trotzdem war man auf Seiten der CDU- und KPD-Fraktion nicht in der Lage, diesen inhaltsschweren Satz zu verdauen. Was beileibe nicht heißen soll, daß die Schlauen auf der anderen Seite gesessen hätten, und die Dummen sich nicht hätten einigen können. Wer könnte behaupten, daß er nicht schon oftmals vor so einer kitzligen Angelegenheit gestanden hätte, „wie der Ochs vorm Berg?“ Was also immerhin den Herren der CDU und KPD nicht die Intelligenz abspricht, die sie sicherlich besitzen. Man hätte sich sonst wahrscheinlich nach anderen Gemeinderäten rechtzeitig umgesehen und die Wolfskoblchcr Bürger werden schon wissen, wen sie in das Gemeindeparlament geschickt haben. •

Fest steht nur eines: Daß man nach langem Hin und Her- Schließlich den Bürgermeister beauftragte, sich bei der zuständigen Behörde noch einmal haarklein die Sache erklären zu lassen. Weshalb man auch zu keinem Abstimmungsergebnis gelangen konnte, so daß also die Aenderung der Hauptsatzung der Gemeinde — um die es sich grundsätzlich handelt — so lange ausgesetzt werden muß, bis der Bürgermeister vom Groß-Gerauer Landratsamt seine Orientierung besitzt.

Hoffentlich hat er sie dann nicht vergessen, bis er wieder in seiner Heimatgemeinde angelangt ist. Es könnte sonst sein, daß die Sitzung wiederum vertagt werden müßte, bi« es möglich wäre, erneut in die Debatte einzusteigen. Wofür man.ihn allerdings viel zu intelligent halten darf, als daß er nach der Rückfrage nicht imstande wäre, seinen Räten die leidige Komma-Angelegenheit zu erklären.

Zur Ehrenrettung der Gemeindevertreter — und der „deutschen Sprak“. Arco

Adler widerruft seinen Rücktritt

Neues Stadium in der Gernsheimer Bürgermeisterkrise

Als gänzlich neues Moment in der Gernsheimer Bürgermeisterkrise, die durch den Rücktritt von Bürgermeister Adler entstand, nachdem ihm Unregelmäßigkeiten im Amte vorgeworfen worden waren, tritt die Bekanntmachung eines Schreibens auf, in dem Adler seinen Rücktritt widerruft.

Da dieser Widerruf aber nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von zehn Tagen erfolgte, kommt ihm lediglich nur der Wert einer Anfechtung der Begründung zu, die Adler seinerzeit in Verbindung mit seinem Rücktrittsgesuch dem Beigeordneten und dem Gemeinderat abgegeben hatte. Eine endgültige Entscheidung dieser Dinge wird Voraussichtlich das Landratsamt als Aufsichtsbehörde fällen.

Zu der bisher unbestätigten Annahme, daß Bürgermeister Adler zu seinem Rücktritt gezwungen worden sein könnte, erklärte der Fraktionsvorsitzende der CDU im Gernsheimer Stadtparlament, Rektor Schmitt, daß Adler zwei Tage Zeit gehabt habe, um sich seinen Schritt reiflich zu überlegen. Adler habe jedoch bereits vorher schon seinen Rücktritt erklärt.

Trotz der vielen Versionen, die sich mit den Hintergründen des Rücktritts von Bürgermeister Adler befassen, ist es zur Stunde noch unmöglich, ein klares Bild von den Vorgängen in Gernsheim zu erhalten. Jedenfalls, und das ist insbesondre die Meinung des CDU-Fraktionsführers, scheint Peter Adler weniger Wert bei seinem Widerruf auf die Bürgermeisterwürde als vielmehr auf die Weiterzahlung seiner Bezüge zu legen, da et, seinem Schreiben zufolge, mit wirtschaftlichen und finanziellen Widerständen zu kämpfen habe.

Wie Rektor Schmitt ferner erklärt, liege bisher keinerlei Anlaß zu der Vermutung vor, daß er — nämlich Rektor Schmitt — Anspruch auf den frei gewordenen Bürgermeistersessel erhebe. Es liege einzig und allein an ihm selbst, dieses ihm eventuell angetragene Amt anzunehmen oder auszuschlagen.

In der Angelegenheit Zeugenaussage Spohr im Falle der Gernsheimer Backsteinfabrik betonte Rektor Schmitt, daß seiner Meinung nach Spohr, der die ihm gegenüber gemachten Angaben auch bei dem Beigeordneten Schneidler zu Protokoll gegeben hat, die Wahrheit gesagt haben muß. Es wird Sache des Gemeinderates Dre i ß (SPD) sein, die ihm gemachten Aussagen Spohrs hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit zu untermauern.

Im Hinblick auf die zu erwartende Untersuchung der Aufsichtsbehörde wird die Bürgermeister-Neuwahl in Gernsheim noch eine geraume Zeit ausstehen müssen. Kr.

Do dhuts en Schloog!

De Herr Beamde Dingsda leijt im Krankehaus schun einige Zeid, ■un is, wann aach net mehr so jung, doch uff em Wähk der Besserung.

Er derf sogar schun uffstehn jetzt, was er am allermeiste schätzt, wobei er sich, weil's ihm gefällt, pedandisch an die Ordnung hält.

Doch letzthie mußt-er in de Frieh’ mol rasch enaus un schnell wohie, weil erjendwas en hott gedrickt, daß er die Korv hott bald net kriggt.

Er saust deshalb in Hos un West, greift nooch de Jack - un stellt dann fest - daß ohne Schlips er jo do steht. Er bind-en um, so schnell wie’s geht,

dhut schleunigt in sei Schlabbe fohrn, kämmt rasch noch glatt sei graue Hoorn un macht als feiner Mann enaus dann uff den Flur vum Krankehaus.

Doch sei’s daß er viel besser hätt, net mehr gemacht lang Toilett, vielleicht aach, daß sei Eigeweid’, besunners worn rewellisch heit,

korz, wie er vor de Dhier grod steht, wo ihm die Reddung winke dhet, do dhuts en Schloog in seiner Hos un er wor sei Gewidder los.

Un die Moral vun der Geschieht: „Sobald dich erjendebbes sticht, dann nemm', so wie de bist, die Kehr sunst stehste do un’s langt net mehr.“ Mickeldormel.

Verkehrspfeile auf der Fahrbahn

Für den ortsfremden Kraftfahrer war die Orientierung an der Straßenkreuzung vor der evangelischen Kirche in Dieburg von jeher außerordentlich schwierig, zumal von dort aus zwei rechtwinklig zueinander liegende Straßen nach Altheim— Aschaffenburg führen. Die einst an dieser Stelle aufgestellten Schilder sind teils verschwunden teils, unleserlich. Der Übelstand verlangte aber besonders für die Zeit der Umleitung des Fernverkehrs in Richtung Darmstadt—Aschaffenburg und umgekehrt dringende. Abhilfe. Bürgermeister Steinmetz hat deshalb veranlaßt, daß die Richtungspfeile mit Ortsbezeichnung unmittelbar auf die Straßendecke auf gemalt werden, so daß es jetzt unschwer möglich ist, sich richtig zu orientieren. (RG)


EINGANG ZUR KIRCHE IN GROSS-ROHRHEIM Bis zur Reformation hatte Groß-Rohrheim nur eine Kapelle mit einem Altar, der St. Gertrudis geweiht war. 1534 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Ende der 20er Jahre des 17. Jahrhunderts mußte sie, da zu klein und vor allem schadhaft geworden, bis auf den Chor abgerissen werden; allerdings überstand dieser Neubau nur sechs Jahrzehnte. Im Jahre 1688 wurde die Kirche erneut abgerissen, um einem größeren Bau zu weichen. Der französische Krieg, Ueberschwemmungen und sonstige Nöte brachten es mit sich, daß er 35 Jahre in Anspruch nahm, so daß er erst 1723 fertiggestellt war. Ein rechts des Eingangs eingemauerter Stein mit der Jahreszahl 1688 weist allerdings darauf hin, daß man damals wohl annahm, den Bau noch im gleichen Jahre beenden zu können, - öde-Zeichnung: E. Meier
EINGANG ZUR KIRCHE IN GROSS-ROHRHEIM Bis zur Reformation hatte Groß-Rohrheim nur eine Kapelle mit einem Altar, der St. Gertrudis geweiht war. 1534 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Ende der 20er Jahre des 17. Jahrhunderts mußte sie, da zu klein und vor allem schadhaft geworden, bis auf den Chor abgerissen werden; allerdings überstand dieser Neubau nur sechs Jahrzehnte. Im Jahre 1688 wurde die Kirche erneut abgerissen, um einem größeren Bau zu weichen. Der französische Krieg, Ueberschwemmungen und sonstige Nöte brachten es mit sich, daß er 35 Jahre in Anspruch nahm, so daß er erst 1723 fertiggestellt war. Ein rechts des Eingangs eingemauerter Stein mit der Jahreszahl 1688 weist allerdings darauf hin, daß man damals wohl annahm, den Bau noch im gleichen Jahre beenden zu können, - öde-Zeichnung: E. Meier

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit

Notizen zu den Gernsheimer Vorgängen

Bürgermeister Adler richtete an den Gemeinderat der Stadt Gernsheim ein Schreiben, in dem es heißt: „Ich — Bürgermeister Adler — widerrufe hiermit meinen dem Gemeinderat der Stadt Gernsheim am 1. September 1950 erklärten Rücktritt.“

In der nachfolgenden Begründung zu seinem Widerruf führt er unter anderem aus: „Bei meinem Rücktrittsgesuch ging ich von der Erwägung aus, die ich heute, nachdem ich Abstand von den Dingen bekommen habe, als für eine Rücktrittserklärung nicht stichhaltig und maßgeblich erkennen muß. Vielmehr halte ich es für meine persönliche wie auch insbesondere berufliche Pflicht, mein Amt als Bürgermeister der Stadt Gernsheim weiter zu führen. Gleichzeitig gebe ich an den Herrn Landrat bekannt, daß ich gegen mich selbst ein Disziplinarverfahren angestrengt ahbe.“

Dieses Schreiben, das dem Gemeinderat in seiner Sitzung vom 12. September vorlag, wurde in einem Antwortschreiben an Bürgermeister Adler als unbegründet zurückgewiesen. Der Gemeinderat hält weiterhin die auf Adlers eigenen Antrag ausgesprochene Entlassung aufrecht.

Am Freitag versammelten sich die Mitglieder des Gemeinderates neuerlich zu einer nichtöffentlichen Sitzung, um — wie es heißt — die durch Bürgermeister Adlers Widerruf entstandene neue Lage

zu besprechen. Durch den abermaligen Ausschluß der Öeffentllchkeit bei diesen weiteren Besprechungen ist es unmöglich, etwas über die künftige Entwicklung der Angelegenheit zu sagen.

Spohr rechtfertigt sech

Wle wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, gab die Debatte um die Fortführung oder Liquidation der stadteigenen Ziegelei in Gernsheim Anlaß, die von den Fraktionsführern der Christlich-Demokratischen Union und der Sozialdemokratischen Partei zitierten entgegenlautenden Ausführungen des Herrn Spohr hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit anzuzweifeln.

In einem Interview erklärte uns Herr Spohr hierzu, daß er mit dem Gemeinderatsmitglied der Sozialdemokratischen Partei D r e i ß Ende Mai unter wesentlich anderen Voraussetzungen über die Lage der Backsteinfabrik gesprochen, jedoch auch bei dieser Unterredung ausdrücklich auf die notwendige Errichtung neuer Hallen hingewiesen habe, wozu mindestens 30 000 DM hätten bereitgestellt werden müssen. Allein eine Erstellung solcher Hallen hätte nach Spohrs Ansicht die Rentabilität des Unternehmens gewährleisten können.

Herr Spohr wies darauf hin, daß er inzwischen auf Befragen dem Fraktionsführer der ’ Christlich-Demokratischen Partei, Rektor Schmitt, gesagt habe, daß eine Fortführung des Unternehmens unter den derzeitigen Umständen erfolglos bleiben müsse, da die Ziegelrohlinge durch die Witterungseinflüsse zum größten Teil unbrauchbar würden. Hätte der Gemeinderat den Arbeiter Spohr in der letzten Sitzung zu Wort kommen lassen, wäre der Eindruck, daß Spohr zweierlei Auskünfte erteilt haben solle, wie es nach den gegebenen Darstellungen im Verlaufe der Gemeinderatssitzung anzunehmen nahelag, unterblieben. Alle diese Dinge am Rande der Bürgermeisterkrise hätten schlechthin unterbleiben können, wenn man getreu den demokratischen Gepflogenheiten allzeit mit offenen Karten gespielt hätte. kr.

5000 DM für Wanderbücherei

Der Kreisausschuß des Landkreises Dieburg verteilte in seiner letzten Sitzung die 2. Rate des Landesbaudarlehens. Insgesamt wurden dabei 135 Bauherren berücksichtigt. Ein wichtiger Punkt der Sitzung war die Auswahl der Wanderbücherei, für die ein vorläufiger Betrag von 5000 DM bereitgestellt wurde. Ab Herbst sollen den Gemeinden zehn Bücherkisten zur Verfügung stehen. In Dieburg selbst wird eine Stammbücherei eingerichtet. Der Errichtung eines Kreismuseums wurde allgemein zugestimmt, -gi-

Foren nehmen Tätigkeit auf

Mit dem Einbrechen des Herbstes beginnen auch im Kreis Dieburg wieder die Forums- und Diskussionsabende. In Schaafheim findet die erste Veranstaltung heute abend um 21 Uhr im Schützenhof statt. Neben der Neuwahl des Vorstandes stehen örtliche Bauprobleme und Schulfragen auf dem Programm. Am Dienstag, dem 19. September, treffen sich Reinheims Bürger zum Forumsabend im Saale „Zur Eisenbahn“. Groß-Bieberau folgt mit seiber Veranstaltung am 23. September, 20.30 Uhr, im Gasthof „Zum Odenwald“. -gi-

Erhöhte Straffäãlligkeiten

Nach einem Tätigkeitsbericht der Gemeindeschutzpolizei des Kreises Groß-Gerau liegen aus der Zeit vom 1. bis 31. August 253 Strafanzeigen vor. Damit wurde die Straffälligkeit gegenüber dem Vormonat um 60 Fälle erhöht. Von den zur Anzeige gebrachten wurden 91 zuständigkeitshalber der Staatsanwaltschaft übergeben und 162 zur Klärung an die Amtsgerichte Groß-Gerau und Langen überwiesen. Dor Schaden der einzelnen Delikte wird mit 10 000 DM beziffert.

Uebertretungen der Straßenverkehrsordnung standen mit 153 Fällen an erster Stelle. Als nächste folgen in der Aufzählung 30 Verkehrsunfälle. In der Reihe der Vergehen halten 29 Diebstähle die Spitze. Trotz der gegenwärtigen Hochflut der Kirchweihfeste im Kreisgebiet haben die Fälle von Körperverletzungen und sonstiger vorkommender Uebertretungen nicht sonderlich zugenommen. Kr.

Geld, Frauen, Männer und Glück

45 MINUTEN „BEI DE KAADEBLÄTSCH“

Heimlich schlüpfte ich an einem regnerischen, dunklen Septemberabend durch das Tor, ungesehen vom gegenüber wachenden Auge des Gesetzes, wie viele andere vor und nach mir. Mich umfängt ein eigenes, seltsames Fluidum, als ich die Tür zu der modernen Hexenküche hinter mir geschlossen habe. In dem kleinen Raum steht mir eine 73jährige, in der Großstadt ausgebombte Frau gegenüber und schaut mich mit einem durchdringenden Blick aus ihren tiefliegenden, dunklen Augen forschend an.

Allein schon dieses Tete-a-tete mit der gewiegten Menschenkennerin schafft mit Seiner hypnotisierenden Wirkung bei der meist einfältigen Kundschaft der Alten die gewünschte Basis für ihre seelischen Manipulationen. Lange zögert mein Gegenüber, die übliche Prozedur an mir vorzunehmen, entschließt sich jedoch endlich, nachdem ich mein gläubigstes Gesicht aufgesetzt und verschiedene Fragen beantwortet habe, mich zu „verarzten“.

Ich setze mich ihr gegenüber an einen kleinen Tisch, sie nimmt aus einem schwarzseidenen Täschlein ihre „Eleonore“ genannten Karten heraus, von denen sie mir stolz erzählt, daß sie bereits das beachtliche Alter von 40 Jahren erreicht haben, und auf geht die Fahrt ins Land der Wünsche und Sehnsüchte, der dunklen Gefahren und der ungeahnten Möglichkeiten.

Während ich die Karten zweimal abhebe, plaudert mein Visavis vom Pfarrer des ganz katholischen Ortes und bedauert, daß er ihrer Tätigkeit, der auch der Staat skeptisch gegenüber steht, einen unerbittlichen Kampf angesagt habe, wo doch ihr seit seit ihrer Schulzeit geübtes Tun bestimmt keine Sünde sein könne. Ja, sie zitiert sogar das Alte Testament, demzufolge die aus wirklicher Berufung und Begabung geweissagte Zukunft keineswegs verworfen werden dürfe.

Die geübten Hände der Alten schütteln die etwa 35 Karten der Länge nach in eine Reihe mit der Rückseite nach oben auf den Tisch, und ich muß sieben Karten herausziehen. Dann beginnt das eigentliche Spiel, das Trickspiel der Wahrsagerei, welches gerade in unseren Tagen wieder ungewohnt viele Menschen, besonders aber Frauen, in seinen uralten Bann zieht. Diese modernen Hexen haben sich die großen Probleme der Zeit, nämlieh die andauernde Kriegsgefangenschaft vieler Männer, die Heiratswünsche von Millionen deutscher Frauen und die Kriegspsychose zu Diensten gemacht und schlagen daraus laufend Kapital.

Dreimal im ganzen ziehe ich die sieben Karten aus der Reihe, und dreimal legt die Alte auf und gaukelt mir mit beachtlicher Phantasie und den aalglatten Worten einer Pythia helle und dunkle Zukunftsbilder vor, das erstemal in allgemeiner Fassung, das zweitemal für mich selbst und das drittemal schließlich für meine Frau. Ich muß mich sehr zusammennehmen, um ernst zu bleiben, als sich immer wieder fremde Frauen auf mich oder um mich legen, während die Alte meine bessere Hälfte mit einem jungen Mann in bedenklich nahe Beziehung bringt. Es hagelt von Glück und Unglück, von Schlauheit und Geldverdienen, von Krankheit und Hochzeit, von Trauerfällen und Kindern, und- alles spielt sich irgendwo in dem weiten Raum zwischen Rußland und Amerika ab. Auch die übliche „weite Reise über das große Wasser“ fehlt natürlich nicht, und als roter Faden und Clou der ganzen Angelegenheit blieb mir lediglich die Botschaft, daß ich in meinem späteren Leben frei von allen Geldsorgen sei, in angenehmer Erinnerung.

Hoffen wir das Beste, lieber Leser! kann ich da nur sagen. Nach außenhin scheint die ganze Sache ein harmloses Spiel. In Wirklichkeit jedoch wissen Kirche und Staat sehr genau, weshalb sie dagegen ankämpfen. Es geht hier weniger um den Aberglauben oder um die richtige bzw. falsche Vorhersage, sondern diese neuzeitlichen Pythien stellen dadurch, daß ihnen ihre fest an sie glaubende, oft sehr zahlreiche Kundschaft die Möglichkeit einer intensiven geistigen Beeinflussung in diesem oder jenem Sinne an die Hand gibt, einen geheimen Machtfäktor dar, welchen man seitens der bestehenden Ordnung auszuschalten versucht.

Als mich die Alte mit unzufriedener Miene verabschiedete, war mir klar, daß sie sich über die Lücke in ihrer Kombination ärgerte, weil ich ihr den Nameh rier Person nicht nannte, welche mich zu ihr geschickt hatte, trotzdem sie mich mehrmals in aller Form darum bat. Mich kannte zwar die Alte nicht, aber ich bin sicher, daß sie heute schon alles Wissenswerte über meine Person erfragt haben wird — hoffentlich erschrickt sie nicht —, um mir beim nächsten Besuch die Karten „richtig“ schlagen zu können. Aber auch hier hat ihre Kombination ein Loch, denn sie wird vergebens warten. bb.





Wer entdeckte Amerika wirklich?

Der wirkliche Entdecker Amerikas sei nicht Christoph Columbus, sondern der portugiesische Forscher Dualmo gewesen, erklärte Professor A. Davies von der Universität Exeter vor der Britischen Gesellschaft in Birmingham. Dualmo habe seine Entdeckungsreise bereits fünf Jahre vor Columbus unternommen. Columbus sei bei Antritt seiner Entdeckungsfahrt überzeugt gewesen, daß er 750 Seemeilen westlich der Kanarischen Inseln auf Land stoßen würde. Von der Entdeckung habe er von seinem Bruder, einem Landkartenstecher in Portugal, erfahren. Um die Tatsache der „Zweitentdeckung“ zu verschleiern, habe er sein Logbuch gefälscht, um so den Eindruck zu erwecken, er habe eine Neuentdeckung gemacht.

Professor Davies erhärtete seine Ausführungen durch die Angabe, die portugiesischen Landkarten um 1500 zeigten bereits die nordamerikanische Küste in Einzelheiten, lange bevör die Spanier die Kügte der späteren Vereinigten Staaten zu erforschen begonnen hatten. Einen weiteren Beweis nannte Professor Davies eine portugiesische Urkunde aus dem Jahre 1487, die Dualmo zu einer „Entdeckungsfahrt in den Westen“ bevollmächtigte. dpa

Kleiner Untorsehied

Ford senior und Ford junior waren Kunden beim gleichen Friseur. Ford juni&p gab jedesmal 20 Cents Trinkgeld, Fora senior — nichts. „Ihr Sohn hat mich heute mit 20 Cents Trinkgeld erfreut“, katzbuckelte der Friseur vo- dem Vater.

„Ich weiß, ich weiß“, sagte dieser. „Der kann sich das auch leisten, der hat einen Millionär zum Vater.“ -mpfo

Im Holzlager tödlich verunglückt

Ein neunjähriger Junge aus Alsbach, der am Donnerstagabend zusammen mit Kameraden zum Lagerplatz des Zimmergeschäftes Spalt gekommen war, um dort Holz zu holen, kletterte dort über einen Stapel Balken und fiel hin. Hierbei löste sich ein schwerer Stamm und rutschte so unglücklich ab, daß er den Oberschenkel des Jungen zwischen der Schiene einer Feldbahn und dem Baumstamm abquetschte. Die Hauptschlagader wurde hierdurch aufgerissen. Der Verletzte mußte im Jugenheimer Krankenhaus sofort amputiert werden, starb aber in den Morgenstunden des Freitags an den Folgen des starken Blutverlustes und einer plötzlich aufgetretenen Embolie. Der Junge war das einzige Kind einer Familie, deren Vater noch in Rußland vermißt ist. -tz

Vom Riemen erfaßt

Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Mittwochnachmittag in der Süddeutschen Putzwollfabrik A. Argenton. Als der erst seit sechs Wochen dort beschäftigte Wilhelm Seeger aus Bickenbach einen Riemen auf die nicht abgestellte Transmission legen wollte, wurde er von ihm erfaßt und nach oben geschleudert. Er war sofort tot. Der Verunglückte, ein sehr fleißiger und ordentlicher Mann, hinterläßt Frau und zwei Kinder.

Mit 2,19 % am Steuer

2,19%0 Blutalkoholkonzentration sind ein kapitaler Rausch. Und in diesem Zustand hat die Höchster Gendarmerie den 40 Jahre alten Kaufmann J. R. am Steuer seines Mercedeswagens beobachtet, wie er am Sportplatz in verwegenen Kurven in einen Seitenweg zurückstieß, um dann mit einem Satz wieder auf die Straße Höchst—Hummetroth einzubiegen. Eine Gruppe von 4 bis 5 Passanten konnte sich hierbei nur durch einen raschen Seitensprung in Sicherheit bringen.

Die Gendarmerie stellte zunächst Fahrpapiere und Zündschlüssel vorübergehend sicher und führte den verantwortungslosen Kraftfahrer zu einem Arzt zur Entnahme einer Blutprobe. Nach Vorlage des Untersuchungsergebnisses mit dem außerordentlich hohen Grad an Blutalkoholkonzentration wurde der Kaufmann wegen schwerer Trunkenheit am Steuer, Gefährdung und Belästigung von Personen auf offener Straße angezeigt. Obwohl es noch zu keinem Unfall gekommen war, wird unter Umständen der Landrat noch den Entzug des Führerscheins für notwendig erachten. -ch

Jugendlicher Taugenichts

Am Freitagmorgen wurde der 19 jährige Heinz Weber aus Worfelden wegen Unterschlagung festgenommen und in die Untersuchungs-Haftanstalt Höchst-M. überführt. Heinz Weber, der bereits wegen Diebstahl, Hehlerei und Betrug vorbestraft ist, hatte von einem Groß-Gerauer Pilze zum Verkauf übernommen und den Erlös der verkauften Pilze nachher für sich behalten. cg.

Schwarz-weiße Parties

Zu sieben Monaten Gefängnis wegen Kuppelei verurteilte gestern das Bezirksschöffengericht in Darmstadt eine Frau aus Erfelden. Die Angeklagte, in deren Haus laufend farbige Soldaten verkehrten, um angeblich in Unterrichtsstunden bei dem (dabei nie anwesenden) Ehemann die deutsche Sprache zu erlernen, veranstaltete öfters feuchtfröhliche und laute „Parties“. Daß dabei dann das Licht ausging und die Mädchen mit ihren farbigen Freunden über Nacht blieben, störte die Angeklagte wenig. „Es war ein Absteigequartier“, stellte der Staatsanwalt kurz und bündig fest und beantragte zehn Monate Gefängnis.

Wir erlauben uns, auch über diesen Fall, wie überhaupt über alle Fälle, ungeschminkt, offen und sachlich zu berichten. Auch für den Fall, daß uns demnächst einmal drohen könnte, von dem Herrn Vorsitzenden des Bezirksschöffengerichtes von einer künftigen Verhandlung ausgeschlossen (!) zu werden. wst.

Frohe Urständ der Odenwälder Spinnstube

Ziele der Dorfgemeinschaftsabende im Kreis Erbach

Die in erschreckendem Maße zunehmende geistige Verflachung der Jugend auf dem Lande, ihre vorzeitige Verirrung in Tanzsäle und ähnliche zweifelhafte Vergnügen führte die für die Jugendpflege im Kreis Erbach verantwortlichen Männer und Frauen zu der Erkenntnis, daß hier schnellstens Mittel und Wege gefunden werden müssen, um den jungen Menschen unserer Zeit wieder einen seelischen Halt, ihrem Leben wieder Inhalt zu geben.

Das ist keine leichte Aufgabe. Um die Jugend aus ihrer gegenwärtigen Lethargie herausreißen zu können, muß der Jugendpfleger genau um ihre seelische Struktur Bescheid wissen und die Mittel und rechten Worte kennen, mit denen er die Jugend im Dorf wirklich ansprechen kann. Dazu gibt es nur einen Weg, hinauszugehen in die Dörfer, mit den jungen Menschen selbst zu reden und ihnen im Gespräch die Sinne zu schärfen für die wertbeständigen Schönheiten des Lebens.

Von dieser Erkenntnis ausgehend, hat das Amt des Jugendpflegers im Kreise Erbach — ein hauptamtlicher Jugendpfleger ist leider noch nicht gefunden, wenn auch einige Bewerber in engere Wahl gezogen sind — den Entschluß gefaßt, in Dorfjugendabenden sich zwanglos und freimütig mit den jüngeren Generationen auch der letzten Kreisgemeinde über all diese Fragen auszusprechen. Zur Zeit sind dem Amt für einige Monate zwei junge Philologiestudenten der Universität Marburg, Frl. Bauch und Herr Stetter, zugeteilt, die sich beide mit Begeisterung dieser verantwortungsvollen Aufgabe unterziehen wollen.

Am Mittwochabend führten sie den ersten Dorfjugendabend in Hainstadt durch. Der Erfolg dieses ersten Versuchs war sehr zufriedenstellend und durchaus ermutigend. Es entwickelten sich sehr schnell lebhafte und wirklich ersprießliche Aussprachen.

Dabei stellte es sich heraus, daß die jungen Menschen des Dorfes recht gerne auf die Anregung eingehen, ihr Leben im Dorf aus eigener Kraft auf eine neue Grundlage zu stellen. Es zeigte sich, daß Samba und Wildwestfilm gar nicht die Ideale der Jugend sind. Freudig ging man, jedenfalls in Hainstadt, auf die Vorschläge ein, während der Wintermonate ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm durchzuführen. Vorträge über Heimatkunde oder auch Fachfragen der Landwirtschaft, Kulturfilmabende und vor allen Dingen die Pflege von Volkslied und -tanz soll den Inhalt bilden. Die gute alte Odenwälder Spinnstube mit all ihrer Schönheit und Romantik soll fröhliche Urständ feiern.

Daß ihre Spiele aber durchaus zeitgemäß sein können, zeigten Frl. Bauch und Herr Stetter an einer lustigen Quizrunde, die sie mit den Mädchen und Jungen Hainstadts durchführten. Es war ein frischfröhliches Raten. Die beiden Schlagfertigsten beider Gruppen erhielten Buchpreise. Weiter hatte man den Jugendlichen einige Filme gezeigt, eine Wochenschau und zwei interessante Kulturfilme, die anschließend besprochen wurden.

Aus den Reihen der Jugendlichen wurde der Wunsch geäußert, sich möglichst alle vierzehn Tage zu einem solchen Abend zusammenzuflnden. Mögen die einzelnen Gemeinden nun auf diesem Gebiet ruhig in einen edlen Wettstreit treten. Das Ziel ist der größten Mühe wert. -ch

Straßensperrungen

bei Groß-Gerau

Die Sperrung der Bundesstraße 26 Darmstadt—Groß-Gerau ist für die Zeit vom 18. bis 23. September durch das Staatsministerium und die Militärregierung genehmigt worden. Die Sperrung der Umgehungsstraße bei Groß-Gerau im Zuge der Bundesstraße 26 wird ab sofort aufgehoben. Ebenso ist die Landstraße erster Ordnung Nauheim—Trebur ab sofort wieder für den Verkehr freigegeben. (cg)

Volksbildung in Groß-Geran

Am Donnerstagabend traf sich in Groß-Gerau der am 9. September gegründete Arbeitskreis für Volksbildungsarbeit. Bürgermeister Dr. Lüdecke. Kreisschulrat Schwedes und Direktor Barth vom Realgymnasium waren bei der Sitzung zugegen.

Es wurde festgestellt, daß bereits in Groß-Gerau und Gernsheim eine Volkshochschule besteht und in Rüsselsheim eine solche in Vorbereitung ist. Weiterhin bestehen Volksbildungswerke oder sind in Vorbereitung in: Kelsterbach, Walldorf, Goddelau, Trebur. Königstädten, Stockstadt und Dornheim. Bei der nächsten Sitzung soll der Vorsitzende des Arbeitskreises gewählt werden, cg.

Keine Blockbildung

bei den Landtagswahlen

In Aschbach fand kürzlich eine V ersammlung der Heimatvertriebenen statt, in deren Verlauf Flüchtlingsobmann Abbel, Heppenheim, sehr aufschlußreiche Erklärungen abgab. Er klärte die zahlreichen Anwesenden vor allem über die Gründe auf, die zum Verzicht auf Rachegelüste führen müßten und hob besonders hervor, daß man unter den tschechischen Emigranten gegenwärtig zwei verschiedene Richtungen antreffen könne: Die einen strebten eine Beseitigung des kommunistischen Regimes an. ohne mit den Deutschen Zusammenarbeiten zu wollen, während die Gegenströmung aM die Wiedereingliederung der Deutschen unter Verzicht auf slowakische Landesteile hinarbeite.

Um die verlorenen Gebiete wiederzugewinnen, sei ein Krieg das schlechteste Mittel, denn bereits im gegenwärtigen Stadium müsse damit gerechnet werden, daß bei einer Rückgabe nur Wüstenei angetroffen würden. Um mit ihnen fertig zu werden, bedürfe es einmal der ganzen Kraft der Vertriebenen, so daß es notwendig sei, ihnen jetzt in Westdeutschland ausreichende Erhaltungsmöglichkeiten zu geben. Hessen stehe mit seinen Maßnahmen hierbei im Vordergrund und habe dreimal soviel geleistet wie beispielsweise Bayern. Er führte diese Tatsache auf die Arbeit des Verbandes der Heimatvertriebenen zurück und betonte weiter, daß zu den kommenden Landtagswahlen in Hessen kein Block der Vertriebenen und Entrechteten gebildet werde, da die drei stärksten Parteien bindende Zusagen gegeben hätten, maßgebliche Vertreter der Flüchtlinge in ihren Listen aufzunehmen. Eine Diskussion über Gegenwartsfragen beendete dje Versammlung. (-r)

Pfungstädter Feilen erobern sich den Markt

Steigende Exportmöglichkeiten / Der Weg vom Rohling zum Fertigprodukt

Fast jeden Tag bringt der Postbote Briefe mit rot-blau begrenztem Rand in das Büro der Pfungstädter Feilenfabrikation Liebig. „Par avion“ oder „by airmail“ steht auf der linken oberen Ecke des Umschlags zu lesen, und die Anrede ist durchweg „Monsignore“ oder „Etablissement“. Fast rund 50 Prozent der bisherigen Produktion ging nach der Türkei, Griechenland, Holland, Belgien, Frankreich —, ja sogar neuerdings nach Indien und Indonesien.

Es gibt im allgemeinen wenig Herstellungsfirmen dieser Art — der Pfungstädter Betrieb ist wohl im weiten Umkreis der einzige —, und so dürfte es interessant sein, einmal mehr darüber zu erfahren.

Die Feile, eines der ältesten Handwerkszeuge, zählt auch heute noch zu einem kaum ersetzbaren Helfer bei der Stahl- und Holzbearbeitung. Als sogenante „Rohlinge“, nur Spitze und Angel (für den Nichtfachmann: Anfang und Ende) werden die Feilenkörper angeliefert und in einem mit Holz bzw. Kohlen beheizten Ofen auf etwa 700 Grad (rotglühend) erhitzt. Der Erkaltungsprozeß muß äußerst langsam vonstatten gehen, damit die Feile zur weiteren Bearbeitung weich wird. Aus diesem Grunde verbleiben die Rohlinge vier bis fünf Tage in dem luftdicht abgeschlossenen Glühofen. Dann werden sie sorgfältig gerichtet, wobei die zurückgebliebene Zunderschicln gleichzeitig entfernt wird.

An dem großen, zwei Tonnen wiegenden Schleifstein mit etwa zwei Meter Durchmesser — der große Radius ist erforderlich, um eine möglichst gerade Schleiffläche zu erhalten —, beginnt die wichtige Arbeit des mit Geschicklichkeit und Sorgfalt auszuführenden Knieschleifens. Neben ausgesprochen großer Erfahrung verlangt diese Tätigkeit gefühlsmäßiges Erfassen des immer verschiedenartigen räumlichen Abstandes des Werkstückes. Kleinere Flächen erhalten auf der Feilenschleifmaschine die nötige Vorarbeit.

Hat der Feilenrohling diesen Arbeitsprozeß hinter sich, dann kommt er, nachdem die Kanten gebrochen und Schlicht- und Sägefeilen von Hand bzw. maschinell in Längsrichtung nachgefeilt sind, in die Hauerei, wo er mit dem bekannten „Hieb“ (grob = Bastard, fein = Schlicht bzw-Doppelschlicht) versehen wird. A,uch hier kommt es wieder auf die Geschicklichkeit des Hauers an, der Feile eine möglichst große Schärfe, den richtigen Schnittwinkel des Feilenzahnes, zu geben. Während früher die Stücke von Hand mühsam behauen wurden und man bei dieser Arbeit eine Minutenleistung von 60 bis 100 Schlägen pro Minute erreichte, wird dieser Arbeitsgang heute durch Maschinen vorgenommen, die eine Leistung von 600 bis 2 500 haben.

Nachdem die Feile mit dem Hieb versehen und von anhaftenden Öel- und Schmutzteilchen befreit ist, beginnt der Härteprozeß, die heilige Handlung“ einer jeden Feilenfabrik. Dies geschieht im Salzbad des meist verwandten Durferit-Ofens, der von der „Degussa“ (Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt) hergestellt wird. Früher härtete man im Bleibad, jedoch waren mehrere Zusatzmittel nötig, da leicht von einander abweichende Ergebnisse entstehen konnten. Hinzu kommt, daß Bleibäder immer mit gekörnter Holzkohle abgedeckt sein müssen,, um ein Dampfen und damit die Bildung von größeren Mengen Bleioxyd zu verhindern. So verwendet man jetzt in den meisten Fällen das Salzbad, eine chemische Zusammensetzung u. a. aus Kohlenstaub und Zyankali. Da Zyankali immer das Bestreben hat, sich mit Eisen zu verbinden, entsteht eine besondere Härte der Oberfläche. Stoppuhr und elektrische Anzeigegeräte kontrollieren diesem überaus wichtigen Vorgang.

Nachdem die Stücke in einem Wasserbecken — bei etwa 20 Grad Temperatur — abgeschreckt wurden, entfernt ein Sandstrahlgebläse den vom Härten der Feile anhaftenden Zunder, und sie bekommt damit die allgemein bekannte stahlgraue Farbe. Ein leichter Oelüberzug bewahrt sie vor Verrosten während der Zeit der Lagerung. Den gleichen Arbeitsprozeß können, je nach Stärke und Verschleiß, einmalig oder mehrfach, auch gebrauchte und abgenutzte Feilen durchlaufen, ng.



Das Ende einer großen Kampagne:

Afred Kiel trat sein Amt an

Aller Haß soll in Zwingenberg vergessen sein

Nachdem der Einspruch der sieben Zwingenberger Stadträte gegen die Wahl von Alfred Kiel zum hauptamtlichen Bürgermeister von der Aufsichtsbehörde mit der Begründung, daß die Wahl ordnungsgemäß vor sich gegangen sei, abgelehnt worden war, wurde der neue Bürgermeister vom Landrat bestätigt und trat bereits am Donnerstag um 11 Uhr sein Amt an.

Anläßlich dieses Tages war das Amtszimmer mit Blumen geschmückt worden. Als Vertreter der SPD- und CDU-Fraktionen waren die Stadträte Rieß und Be 11 of f erschienen. In einer kurzen Ansprache betonte Bürgermeister Kiel, daß ihm besonders an einer harmonischen Zusammenarbeit mit den Angestellten, dem Stadtrat und der Bevölkerung gelegen sei. Aus diesem Grunde sei er bereit, alle gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen und allen Haß zu vergessen. Am Nachmittag führte Beigeordneter Nickels Alfred Kiel in sein Amt ein und übergab ihm die Bürgermeistergeschäfte.

Entgegen allen Gerüchten wird erklärt, daß Stadtrat Düch e r t nach wie vor in wingenberg polizeilich gemeldet ist und auch vorläufig nicht aus dem Stadtrat ausscneiaet. Ho

mMeldungen aus den Landlreisen

DARMSTADT-LAND

Ober-Rainstadt. Die evangelische Kirchengemeinde hielt im „Schützenhof“ einen Gemeindeabend ab. Die Jugendgruppe spielte in sechs Aufzügen das Ritter-Schauer-Drama „Blut und Liebe“. Der Kirchenchor umrahmte die Veranstaltung mit verschiedenen Liedern. -D-

Roßdorf. Im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten des Traisaer Weges ist ein Teil des Gartengrundstückes neben dem Gasthaus „Wieland“ in der Erbacher Straße entfernt und so eine wesentliche Verbreiterung des Bürgersteiges geschaffen worden. sl.

Frankenhausen. Infolge eines Gabelbruchs stürzte der Schreiner Walter Kleißner so unglücklich vom Fahrrad, daß er mit schweren Kopfverletzungen in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden mußte. sb

DIEBURG

Dieburg. Die Freie Sänger-Vereinigung gibt am kommenden Sonntag um 11 Uhr in der St.-Rochus-Anstalt eine Liederstunde. rg

Dorndiel. Der Waldwirtschaftsplan für 1950 wurde in der letzten Gemeinderatssitzung genehmigt. -gi-

Babenhausen. Ein Behelfslieferwagen, dessen Fahrer rückwärts aus einer Seitenstraße in die Hauptstraße einbiegen wollte, wurde von einem in Richtung Bahnhof fahrenden Lkw. erfaßt. Die linke Seitenwand des Pkw. wurde aufgerissen . RG

Groß-Zimmern. — Aus Anlaß des Tages der Inneren Mission spricht in der evanggelischen Kirche am Sonntagvormittag zwischen Predigt und Opfergang Ministerialrat Hainebach, Darmstadt, über das Thema: „Die Nieder-Ramstädter Heime der IM als Ruf zur lebendigen Gemeinde“. DT.

Reinheim. Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel spricht heute um 20 Uhr im Volkshaus in einer öffentlichen Versammlung über das Thema „Die Sozialdemokratie im Bundestag“. -gi-

ERBACH

Bad König. Am Sonntag, nachmittags 15.30 Uhr, findet im Gasthaus „Roß“ eine Versammlung der Kriegsbehinderten und Sozialrentner statt. Es spricht der erste Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe über das Thema „Was erwarten wir vom Bundesversorgungsgesetz“.

Bad König. Am Sonntag findet in der evangelischen Kirche ein Kirchenkonzert statt. Zur Aufführung gelangen Werke alter und moderner Kirchenmusik. Pi

BERGSTRASSE

Lorsch. — Der Obst- und Gartenbauverein unternimmt am Sonntagvormittag eine Besichtigung einzelner Obstbaumgrundstücke. Nachmittags um 16 Uhr ■findet die Generalversammlung statt, bei der Oberbauinspektor Berg einen Lichtbildervortrag über qualitätssteigernde Maßnahmen im Obstbau hält. bl.

Waldmichelbach. — Das hiesige Realgymnasium veranstaltet aus Anlaß des 200. Todestages von J. S. B a c h am Mittwoch, dem 20. September, im Hotel „Zum Kaiserhof“ unter Leitung von Oberschullehrer Dorminger eine Bach-Feier.

Mit dem Jeep gegen die Maner

Ein mit amerikanischen Soldaten besetzter Jeep fuhr am Donnerstag von Rodau kommend mit erheblicher Geschwindigkeit gegen die Brückenmauer des Zwingenberger Winkelbachs. Fahrer und Beifahrer mußten mit schweren Verletzungen in das amerikanische Truppenlazarett überführt werden. Die Insassen kamen meistenteils mit äußeren Verletzungen oder dem Schrecken davon.

Radfahrerin fuhr in Motorrad

Gestern ereignete sich gegen 16.30 Uhr auf der Provinzialstraße von Fürth nach Schlierbach dadurch ein Verkehrsunfall, daß die vierzehnjährige Schülerin M. L. aus Eilenbach mit ihrem Fahrrad in einer Kurve einen vor ihr. fahrenden anderen Radfahrer überholen wollte. Sie geriet dabei zu weit auf die linke Straßenseite, so daß ein entgegenkommendes Motorrad sie erfaßte. Der Lenker des Motorrades und das Mädchen stürzten und wurden verletzt.

Anklage: Kameradenbetrug

Das Bezirksschöffengericht Bensheim hatte eine Klage wegen Kameradenbetrugs gegen den 37jährigen, vorbestraften, ledigen J. aus Fehlheim zu verhandeln. Er wurde beschuldigt, als Sanitäter in einem Gefangenenlager im Ural für die von einem Kameraden empfangenen Wertgegenstände die versprochenen Lebensmittel nicht ausgehändigt zu haben. Vier Zeugen aus dem Kriegsgefangenenlager waren mit dem Kläger erschienen und zeugten gegen J. Trotzdem konnte der Beweis für absichtlichen Betrug nicht erbracht werden; der Staatsanwalt beantragte Freispruch mangels Beweisen; das Gericht schloß sich dem Antrag an. betonte jedoch in der Urteilsbegründung, daß der Angeklagte damit nicht moralisch freigesprochen sei und den Makel, an einem Kameraden schlecht gehandelt zu haben, behalte. prs.

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. In der Gastsstätte Schmoll hält die Wagner- und Karosseriebau-Innung für Stadt und Kreis Groß-Gerau heute, um 14 Uhr, eine Mitgliederversammlung ab. Als -wichtigster Punkt steht die Beratung des Haushaltsplanes für 1950/51 auf der Tagesordnung.

kb Büttelborn. In der Nacht zum Freitag wurden in der Gemeinde 2 Einbrüche verübt, wobei den Tätern Zigaretten und Geld in die Hände fielen. cg

Nauheim. — In der im Saalbau Ruhland. stattgefundenen Versammlung der Eisenbahner von Nauheim und Umgebung wurde ein Eisenbahnerverein gegründet. Peter Rück, Nauheim, übernahm den vorläufigen Vorsitz. Kb.

DT am Sonntag WOCHENEND - BERLAGE DES DARMSTADTER TAGBLANTTS

LAPRESIDENTA Evita Peron

Schönste Frau Argentiniens — der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel

4. Fortsetzung

Was war denn schon wirklich verloren? Alte und jüngere Generale, ein paar Diplomaten der alten Schule, Offiziere, mit denen sie im „Cacadu“ damals nicht getanzt hatte, und ein paar überalterte Marquisen und Gräfinnen, die die Nase rümpften, wenn sie nur den Namen Duarte hörten, hatten sich aus den Rattenlöchern hervorgewagt!

So wollte Evita jedenfalls die Dinge sehen. Juan Domingo Peron hatte sich von Leuten, die etwas davon zu verstehen vorgaben, beraten lassen. Er sah ein, daß es tatsächlich so nicht weiterginge. Nicht nur wegen des Geldes, das sie aus den Spielbanken herauszog, nicht nur wegen der geschickten Mutpropaganda, die immer nur um „La Presidenta“ kreiste. Es ging auch sonst so nicht weiter. Es konnte nur eine Spitze geben „El Presidente“, den Herrn im Hause, den Chef, Juan Domingo Peron.

Aber Evita ging hin und verständigte sich mit den Direktoren des - Plata-Observatoriums. Diese hatten gerade einen neuen Planeten entdeckt. Keinen großen, keine neue Sonne, nicht einmal eine neue Erde, aber einen niedlichen kleinen Planeten, der noch keinen Namen hatte. Und Eva Peron wußte, den nicht nur von der Schönheit des Sternenhimmels, sondern auch vor den Liebreizen einer erfolgreichen Frau ersterbenden Astronomen klarzumachen, daß es nicht unangebracht sei, diesen neuen Planeten „Evita“ zu nennen.

1:0 für Evita! Ihr Name stand imKosmos, am Sternenhimmel. Das sollte Juan Domingo ihr einmal nachmachen!

Mit dem Sternchen fing es an. Die Frau, die in einem verwegenen Sturmlauf gewissermaßen mit geschlossenen Augen und „handfrei“ die Leiter des Erfolges erklommen hatte, fühlte sich doch kaltgestellt, eingeengt und kämpfte nun Schritt für Schritt in kleinster weiblicher Eitelkeit um Dinge, die sich eigentlich wirklich nicht lohnten. Sie verteidigte jeden Fußbreit Boden, auf dem sie sich sicher gefühlt hatte.

Sie sorgte dafür, daß man sie die „schönste Frau Argentiniens“ nannte. Sie wußte zu erreichen, daß man von ihren blonden Haaren und von dem fehlerlosen Profil in der ganzen schon erwähnten Länge sprach. In Evita war die kleine Eva Maria Duarte wieder wach geworden — der Ehrgeiz des kleinen Mädchens, das ganz hoch hinaus gelangt war und immer höher will, weil es vorher so klein war.

Evita krankte auch an dem blassen Neid der Künstlerin, die auf den Brettern, die die Welt bedeuten sollen, nicht den „Himmel“ erreichte. Sie konnte es nicht ertragen, daß irgendein Bühnenstar in einer Zeitung häufiger genannt wurde als sie selbst. Und sie wollte auch nicht, daß eine Sängerin gar zu sehr herausgestrichen würde. Sie fing an, die Besprechungen der Programme der Nachtlokale von Buenos Aires sorgfältig zu lesen. Sie kannte eine Menge der Mädchen, die zur gleichen Zeit wie sie schon damals im Parkett standen und je nach Talent in tiefsten Tiefen oder bis zum hohen C hinauf trillerten.

Sie wollte von den Erfolgen nichts hören und nichts wissen. Als aus dem Ausland Filmstars zu Besuch kamen, bestimmte sie, wieviel Zeilen dieser oder jener Frau in der Zeitung bewilligt werden könnten. Und wenn die Zeitung nicht so yollte, wie Evita es wünschte, dann stellte sich eine momentane Papierknappheit ein, deren auch der stärkste Verleger nicht Herr zu werden vermochte. In Europa geschieht es zur „Belebung“ der Papierpreise, in Argentinien zur Beruhigung des Gemütes einer schönen Frau, die, ohne es je für möglich zu halten, nun auf einmal von einer Torschluß-Panik des Erfolges erfaßt wurde.

Sie hatte also alle gegen sich: die Erfolgreichen aus den Nachtlokalen, die Künstlerinnen auf der Theaterbühne, die Intriganten von der Bühne der Politik und die „Herren und Damen der Gesellschaft“.

Es mußte etwas geschehen. So konnte es nicht weitergehen, weil Eva Peron es einfach nicht mehr aushielt. Und außerdem hatte, aber davon sprach man natürlich in der Oeffentlichkeit kaum — die Unterminierarbeit jener, die ganz richtig Juan Domingos Erfolg in seiner Verbundenheit mit Evita erkannt hatten, immer schönere Früchte getragen — schön im Sinne jener, die zwischen Juan Domingo Peron und Eva Peron geborene Duarte den berühmten Keil zu treiben begonnen hatten, dem auf die Dauer auch die besten und stärksten Liebesbande kaum zu widerstehen vermögen. Und schon gar nicht eine doch einigermaßen nüchtern aufgebaute konstruktive Liebe, bei der sich in Flüstergesprächen unter dem ehernen Reiterstandbild des Generals Belgrano die Worte Liebe und Politik so häufig überschnitten hatten.

Die ganz bösen Zungen behaupteten, daß man an den Privatgemächern der „Familie Peron“ Doppeltüren mit Isolierung angebracht habe, damit die häufig sehr lebhaft werdenden Aussprachen zwischen Mann und Frau nicht an die Oeffentlichkeit und nicht einmal an die Ohren der Kammerdiener und Kammerfrauen dringen könnten.

Denn man könnte sich vorstellen, daß Evita Peron sich auf den ganzen Sprachschatz eines Mädchens aus Los Toldos besinnt und dem Mann, den sie mit den von ihr mobilisierten Arbeitern auf den Schild hob, in einer Art und Weise den Marsch blasen könnte, der nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt sein dürfte.

Ja, es mußte etwas geschehen! Hatte man nicht ihr — der schönen Evita Peron — nachgesagt, daß sie sich darauf verstünde, mit den einfachen Arbeiterfrauen in der Provinz, mit den „Hemdlosen“, zu denen auch ihr Vater einmal gehörte, genau so geschickt und spielend fertig zu werden wie mit den Offizieren und Generalen, die sie erst mit ihren Liedern und nachher mit ihrer Intelligenz bezauberte? Hatte man nicht sogar darüber geschrieben, daß sie sich mindestens genau so gut zu benehmen wisse wie die ältesten Mitglieder ältester Adelsfamilien? Hatten die Herren vom Diplomatischen Korps nicht immer wieder geschworen, daß sie noch nie eine so schöne und geschickte Presidenta in ihrer langen und meist natürlich auch erfolgreichen diplomatischen Karriere gesehen hätten — wie sie!

Evita horchte hierhin und dorthin. Evita fuhr in die Provinz. Sie sprach mit den „Hemdlosen“. Sie unterhandelte, wenn gerade keiner Zeuge war, mit Bankiers und mit Offizieren, die den Nachwuchs bildeten und sich genau so für den Erfolg von morgen interessierten, wie es schon einmal ein gewisser Juan Domingo Peron getan hatte, als er noch jünger war.

„Wir müssen über diese Dinge einmal sprechen! Mir liegen Berichte vor, daß du mit Leuten unterhandelst, von denen mir meine Agenten melden, daß es sich um Verschwörer handelt.

Ich wollte nur noch den richtigen Augenblick abwarten, um die Kerle kaltzustellen. Und nun stehst du davor! Und du garantierst für diese Leute!

Du sagst, daß ich an Hirngespinsten leide und daß an den ganzen Verschwörungen nichts daran wäre.

Ich weiß, daß es ganz anders ist. Wir müssen uns darüber einigen. Du siehst doch ein, daß wir auf das gleiche Pferd gesetzt haben! Du wirst verstehen, daß wir nicht nach zwei verschiedenen Richtungen reiten können — mit demselben Pferd!“

So ungefähr könnte die Unterhaltung gelautet haben, die hinter den Doppeltüren der Eheleute Peron vor sich ging — eine sehr einseitige Unterhaltung, denn Evita hatte alles das, was sie wußte, ihrem Mann einmal zum Frühstück auf den Tisch gelegt.

„Wenn du so weitermachst, dann laufen dir die Peronisten davon. Und mit den Peronisten die — Hemdlosen. Und mit den „Hemdlosen“ lassen die Gewerkschaften dich fallen. Und wenn die Gewerkschaften dich fallengelassen haben, dann schießen dir die Generale in die Beine, die dich schon einmal verhafteten. Und dann kann ich mit den Hemdlosen nicht mehr in Buenos Aires aufmarschieren und dich herausholen.“

Sie hatte es nicht ganz so schön gesagt, weil sie mit großen und kleinen Trümpfen auf spielen konnte, die Juan Domingo Peron erkennen lassen mußten, daß die schöne Evita, das heißt jene Eva Peron, die sich immer noch in den Zeitungen als schönste Frau Argentiniens bezeichnen ließ, sich nach der fehlgeschlagenen Europareise, nach der Versetzung an den Sternenhimmel und der kleinen Neidkrise als Folge der Torschluß-Panik der Enddreißigerin, gemausert hatte. Sie wußte es mit der Entschlossenheit der Frau, die sich nicht mehr auf die Füße treten lassen will.

In jenen Tagen flüsterte man in den Kreisen, die es wissen müßten, einander zu:

„Juan ist zu allem entschlossen. Wenn Evchen nicht aufpaßt, läßt Juan sogar Evchen verhaften!“ Klang das nicht nach Hochverrat?

111.

Die Flüsterstimme des Versuchers Verschwörung gegen den Hausherrn? — Oder Tricks hinter den Kulissen? — Prophezeiungen über eine schöne Frau und Argentinien

Die beiden nicht mehr ganz jungen, argentinischen Frauen, arme, abgearbeitete, müde Geschöpfe, hockten nebeneinander auf den Steinstufen einer Treppe unweit des Platzes, wo gleich die Omnibusse in die Provinz starten sollten. Bis an den Rand packte man diese Omnibusse voll, und die Menschen hingen draußen wie die Trauben. Aber noch war es nicht so weit.

(Fortsetzung folgt.)




Zeichnungen: Claire Wittig
Zeichnungen: Claire Wittig

Der interessante Kurzbericht

Gehängt nur mit einer Seidenschnur! Im englischen Oberhaus wurde in den letzten Tagen der Beschluß gefaßt, bei der Regierung durchzusetzen, daß im gegebenen Fall ein Lord nur mit einer seidenen Schnur gehängt werden dürfe, wenn er rechtmäßig zum Tode verurteilt sei. Im Jahre 1747 wurde zuletzt ein Lord hingerichtet. Man verwendete damals einen einfachen Strick, eine Tatsache, die ein Mitglied des Oberhauses in den letzten Tagen mit Hilfe eines Historikers aufdeckte. Er legte nun größten Wert auf Klarstellung und auf eine Entscheidung von seifen der Regierung.

Zeugen gesucht für das Jahr 1900. Im Alter von 71 Jahren starb in Burnham ein Mann, der vor 50 Jahren eine Kugel ins Gehirn bekam. Das Geschoß konnte nie herausgehoben werden. Die Obduktion ergab nun, daß der im Jahre 1950 eingetretene Tod auf die damalige Gehirnverletzung zurückzuführen ist. Daraufhin haben die 95jährigen Eltern des Toten eine Schadenersatzklage eingeleitet und suchen nun ernsthaft nach Zeugen des Vorfalls, der sich im Jahre 1900 abspielte und dessen Opfer mit einer Verspätung von einem halben Jahrhundert ihr Sohn geworden ist.

Hinmans Kampf gegen den Luftver¬ kehr. Ein Farmer, F. R. Hinman aus Burbank in Kalifornien, verschwendet sein ganzes Vermögen in einem Windmühlenkampf. Er hat mehrere Luftverkehrs-Gesellschaften auf Schadenersatz verklagt, weil sie über eines seiner Grundstücke fliegen, ohne daß er die Ueberfliegung gestattete. Die amerikanischen Gerichte stehen auf dem Standpunkt, daß „Luft und Wasser kein Privatbesitz sein können — außer der Inanspruchnahme im Augenblick der Benutzung“. Hinmans Prozeß kommt jetzt vor das Oberste Gericht.

„Sie werden gleich rasiert!“

Fünftausendjährige Kunst noch immer nicht völlig beherrscht / Vom Ausreißen bis zum Scherbenschaben

„Entschuldigen Sie vielmals, aber ich habe noch keine Zeit gehabt, mich zu rasieren!“ Aergern wir uns nicht alle, wenn wir etwas Derartiges aus dem Munde eines Mannes hören? Gibt es etwas Unangenehmeres als einen schlecht rasierten Mann? Und hatte nicht jener Lebenskünstler recht, der da sagte, daß jeder Mann — ganz gleich in welchem Beruf und in welcher Lebenslage — als erste Tat morgens eine anständige Rasur vollbringen müsse? Denn richtig rasiert — sei der Mensch auch richtig wach. Es dürfte manchen interessieren, zu erfahren, daß die Kunst des Rasierens mindestens fünftausend Jahre — wahrscheinlich aber sogar zwölf tausend — Jahre alt ist. Es gibt jedoch wenige Uebungen der Menschheit, die nach fünftausend oder zehntausendjähriger Praxis noch immer mit einer so mäßigen Vollendung beherrscht werden wie das — Rasieren.

Vom Höhlenmenschen nimmt man an, daß er andere Sorgen hatte als das Beschneiden seines Bartes. Im besten Falle hat er ihn gestutzt. Aber weshalb sich dann der Mensch entschloß, den Bart bis auf die Haut abzutragen, — das ist noch eines der Rätsel, die in den letzten Feinheiten ungelöst sind. Es können religiöse oder mystische Gesichtspunkte maßgebend gewesen sein. Vielleicht wollte er sich aber auch nur seiner Lebensgefährtin — ohne Bart — besser anpassen.

In der Steinzeit benutzte man jedenfalls zuerst polierte Steine und Muschelschalen, die ganz fein zugeschliffen waren, und deren man sich bediente, um die-Lippen von jenem Bartschmuck zu befreien, den man auf einmal als lästig empfand.

In der Bronzezeit konstruierte man dann kleine Geräte, die sogar mit Handgriffen versehen waren und zweiseitige Schneiden besaßen; das waren richtige Rasierapparate, d. h. Rasiermesser, die den damaligen Ansprüchen genügten. Noch heute gibt es Millionen von Menschen, ganze Völkerschaften, halbe Kontinente, wo man die Kunst des Ausreißens der Barthaare übt. Man zupft den Bart einfach aus und wiederholt diese Uebung, wenn nachher der Bart doch von neuem sprießen sollte. In Südindien, in Afrika, auf vielen Pazifik-Inseln nehmen die Eingeborenen, die für Rasierklingen — nicht einmal für alte — kein Geld haben, eine Flasche, zerschlagen sie und benutzen dann eine Scherbe und etwas — Speichel, um sich nicht nur den Bart, sondern auch den Schädel zu rasieren. Es bedarf natürlich von Seiten des „Barbiers“ einer großen Geschicklichkeit und von Seiten des Opfers einer ungewöhnlichen Bereitschaft zum — Leiden, um eine derartige Quälerei über sich ergehen zu lassen.

Aber diese Eingeborenen handeln noch nach genau dem gleichen Prinzip, das vor dreitausend oder fünftausend Jahren zuerst entwickelt wurde, als der Mensch plötzlich erkannte, daß es empfehlenswert ist, den Bart zu scheren und der Umwelt so das Gesicht zu bieten, wie es sich bartlos zuweilen schöner bietet . . .

Wir sagten einleitend, daß die Kunst des Rasierens immer noch nicht bis zur letzten Vollendung entwickelt sei. Dabei gibt es heute Rekorde, die jeden, der sich morgens lange Minuten hindurch mühsam das Gesicht abkratzt, vor Neid erblassen lassen. Vor einigen Wochen wurde der frühere amerikanische Rekord im Wettrasieren, der bei 18 Sekunden lag, von einem Serben geschlagen. Dieser Serbe rasierte einen Franzosen — einschließlich Einseifen — in elf Sekunden. Dabei war der Franzose, den man für dieses Wettrasieren dem Serben vorgesetzt hatte, nicht etwa ein Knabe mit einem flaumweichen Bärtchen, sondern ein alter Vagabund, dessen Kinn seit zehn Tagen unrasiert war und dementsprechend borstig und rauh sein mußte.

Mit einem solchen Bart in elf Sekunden fertig zu werden, ist gewiß eine Leistung. Und doch bleiben wir bei unserer Behauptung, daß man mit dem Rasieren noch auf einer Stufe steht, die unserer Zeit des Fortschritts nicht gebührt. Die ewige Rasierklinge ist zwar schon erfunden, wird aber dem Normalverbraucher vorenthalten. Rasierpulver sind entdeckt, die das Rasieren vereinfachen und angeblich zu einem Kinderspiel machen. Elektrische Rasiergeräte ohne Klingen gestatten im Dunkeln und im Bett — gewissermaßen im Halbschlaf — das zu tun, was man sonst nur mit stärkster Beleuchtung wagte. Solche Rasiergeräte wird man in Zukunft dem jungen Mann nach Erreichung seines 15. Lebensjahres zum Geschenk machen. Und doch ist auch dieser Fortschritt noch nicht das Ideal. Wir warten noch auf das, was sich der Selbstrasierer oft im Traum wünscht. Es sei denn, die Menschheit -r- oder vielleicht die Frauenwelt? — überlege es sich anders und finde auf einmal wieder den Vollbart schön. Dann wäre die ganze Rasierkultur der letzten fünftausend Jahre umsonst gewesen. Wir wären wieder elegant mit Backenbart und Vollbart. Aber bis dahin werden wir uns noch oftmals rasieren müssen. Trösten wir uns in Gedanken daran, daß andere es mit Scherben tun . . .


Ein Teil der Reichswerke in Watenstedt-Salzgitter deren Entmilitarisierung auf Anordnung des britischen Landeskommissars eingestellt worden ist. Die Walzwerkhalle und die Stahlwerkhalle werden zum Teil erhalten bleiben
Ein Teil der Reichswerke in Watenstedt-Salzgitter deren Entmilitarisierung auf Anordnung des britischen Landeskommissars eingestellt worden ist. Die Walzwerkhalle und die Stahlwerkhalle werden zum Teil erhalten bleiben

„Moderne“ Winzer benutzen an Stelle der traditionellen Holzfässer große Tanks. Das Saubermachen eines 45 000- Liter-Tanks ist nicht ganz einfach
„Moderne“ Winzer benutzen an Stelle der traditionellen Holzfässer große Tanks. Das Saubermachen eines 45 000- Liter-Tanks ist nicht ganz einfach

Links: Unter den prominenten Gästen der Film-Festspiele in Venedig befand sich auch die Schwester des Schahs von Persien. Rechts: Der Hamburger Konstrukteur Wolf mit seinem Ultraschallwellengerät für Schädlingsbekämpfung
Links: Unter den prominenten Gästen der Film-Festspiele in Venedig befand sich auch die Schwester des Schahs von Persien. Rechts: Der Hamburger Konstrukteur Wolf mit seinem Ultraschallwellengerät für Schädlingsbekämpfung

Feuilleton

Die neue Spielzeit beginnt

LANDESTHEATER MIT ZWEI PREMIEREN — JOACHIM SATTLER SINGT DIE TITELPARTIE IN „TANNHÄUSER“

Mit zwei Premieren startet das Ländestheater Darmstadt in die Spielzeit 1950/51. Heute abend um 19.30 Uhr wird sich im Orangeriehaus der Vorhang zu Shakespeares „Maß für Maß“ heben, das in der deutschen Bearbeitung von Hans Rothe von Friedrich Brandenburg als Gast inszeniert wurde. Für das Bühnenbild zeichnet Wolfram Münz verantwortlich. Es spielt das gesamte Schauspielensemble des Landestheaters.

Die Oper eröffnet ihre Spielzeit morgen abend um 18 Uhr mit Richard Wagners „Tannhäuser". Die musikalische Leitung hat Richard Kotz, die Inszenierung Dr. Sigmund Skraup.'däs Bühnenbild Wolfram Münz übernommen. Die Partie des Tannhäuser wird an Stelle des erkrankten Tenors; Heinz Janßen Kammersänger Joachim S a tt¬ -1 e r singen. In den weiteren Hauptrollen singen: Martha Geister( Venus), Charlotte Raab (Elisabeth), Willibald Vohla (Wolfram), Heinz Prybit (Landgraf). Franz Köth (Walther von der Vogelweide).

Das „Darmstädter Tagblatt“ wird, heute beginnend, in der kommenden Spielzeit Einführungen in dje verschiedenen Veranstaltungen des Landestheaters (Oper, Konzert, Schauspiel) veröffentlichen.

Zur „Tannhäuser“ Aufführung

Die Erzählung von ger historischen und sagenhaften Gestalt des Minnesängers Tannhäuser und die Geschichte von dem Sängerkrieg auf der Wartburg, zwei gänzlich verschiedene Sagenkreise, fand Wagner in seltsamer Verquickung in einem alten Volksbuch. Nach einigen Abänderungen, zu denen auch die Einführung der Gestalt Elisabeths gehört, wurde das Gedicht in den Jahren 1842/43 erarbeitet, die Musik bis zum April 1845 vollendet. Wagner war damals Hofkapellmeister in Dresden. Der Erfolg der Aufführung war geteilt, traf mehr auf Ablehnung als auf Zustimmung. Und doch hätte der Stoff mit seiner Neigung zu Massenwirkungen, glänzenden Aufzügen, großen Chören und geschlossenen Nummern größeres Verständnis beim Publikum und Musiker erwarten lassen müssen. Die Handlung ist abwechslungsreich, hat wenig statische Partien, gibt dem Leitmotiv nur wenig Gelegenheit, seelische Grundmotive in engem Raum musikalisch zu überlagern. Die weite melodische Linie, ja sogar das italienische Melos haben noch stärksten Anteil an der Musik. Der Gegensatz zwischen der christlich ergebenen Dulderin Elisabeth und der heidnischen Verführerin Venus, zwischen dem edlen und frommen Wolfram und dem sinnlich leidenschaftlichen Tannhäuser bietet die hervorragende Grundlage, ein überaus prächtiges musikalisches Gemälde darüber entstehen zu lassen.

Und doch blieb die Wirkung nur oberflächlich. Selbst Schumann und Spohr, beim „Holländer“ noch bedingungslose Parteigänger Wagners, revidierten ihre Meinung gegenüber dem neuen Werk. Wagner zog sich verbittert zurück und übersah, daß seine Kunst bereits zuviel Symptome zur ganzheitlichen, symphonisch-programmatischen Musik in sich trug, als daß man ihm damals schon auf seinem Wege zum erstrebten Gesamtkunstwerk folgen konnte. Dichtung und Musik sollten sich gegenseitig durchtränken, ergänzen. Das konnte weder der Zunftgenosse verdauen, noch konnte dem das Publikum folgen. Die verhängnisvolle Einstellung fast jeder Zeit zu ihrer Kunstproduktion, heute ist es kein Deut anders, spielte sich auch hier in wahrhaft dramatischer Weise ab. Dabei war Wagner damals zu Konzessionen durchaus bereit. Aenderungen an der Schlußszene und später die Einfügung eines großen Balletts in der Venusbergszene für die Pariser Aufführung 1861 kamen dem Geschmack der Opernbesucher entgegen. Ob zum Vorteil des Werkes selbst, ist eine andere Frage, da Wagners eigene stilistische Entwicklung in den dazwischenliegenden Jahren bereits zu weit fortgeschitten war und der charakterliche Wandel der Musik in der sogenannten Pariser Fassung eklatant ist.

Die dramaturgischen Zeitprobleme, die das Abgehen von der „Großen Oper“ Meyerbeers in jenen Tagen aufriß, sehen und empfinden wir jetzt nicht mehr. Wir nehmen als selbstverständlich hin, was damals unerhört war. Gefangen nehmen uns nach wie vor die romantische Vielt des Bühnengeschehens, die bunte Fülle der Bilder, die handelnden Personen und ihr Schicksal. Musikalisch spricht uns auch heute noch stark der sinnliche Reiz der Musik im Bacchanal an und wir warten gespannt auf die allbekannten Stellen, in denen der Pilgerchor, die Hallenarie und das Gebet der Elisabeth, der Sängerwettstreit, Wolframs Lied an den Abendstern und Tannhäusers Romerzählung einsetzen. Ist es nur das, was markant auf uns wirkt, gehen wir wie jene Zeit am Wollen des Meisters vorbei? Tat man es früher aus Unverständnis zur eigenen Gegenwart, so fehlt uns jetzt in der historisierenden Rückschau die eigentliche Situationsnähe zum damaligen Musikstil. Heute fällt uns Wagner leicht ins Gehör.

Die Ouvertüre mit ihrer Aufteilung Pilgerchormusik — Venus- und Bacchanalmotivik — Pilgerchor bringt bereits den musikalischen Inhalt präzis voraus. „Der Gnade Heil ist Büßern beschieden" singen programmatisch die Pilger und künden die kirchliche Erlösung im vöraus an. Ein ähnliches Motiv (Quartintervall) kennzeichnet auch Elisabeth, die durch reine Liebe in Wirklichkeit die Erlösung bringt. Die verschiedensten Motive sinnlicher Lust sind im Bacchanal-Teil zusammengefaßt und umlagern leitmotivisch auch die Venusgestalt. Die Leitmotive überschneiden sich jedoch im allgemeinen in dieser Oper kaum, um die verschiedenen Seelenzustände der Helden widerzuspiegein, wie es in den späteren Werken der Fall ist. Klar und eindeutig teilt sich uns die Musik mit, die immer wieder zu neuen „Stimmungsausbrüchen“ ausholt. Sie ist mitteilsam und gesprächig wie in einem Märchen, sie belastet uns nicht psychologisch hintergründig. Aber sie spinnt einen Faden in symphonischer Konsequenz fort, schaltet ab und zu klangreiche Episoden ein und verliert bis zum Schluß nicht das Thema, das sie sich zu Beginn gestellt hat. Einer großen musikalischen Schau mit logischem Gedankengang, der ab und zu farbig und durch Nebenbeispiele exemplifiziert wird, tritt eine modulationsreiche Dichtung zur Seite. Beide werden auf einer mit allen Theatereffekten ausgestatteten Bühne ausgespielt und transferieren einen monumentalen Theaterstil, der uns die Vergangenheit wert macht.

Kein zeitgenössischer Dichterkomponist dürfte sich musikalisch oder dichterisch in diesem Prinzip wiederholen. Nicht daß es an künstlerischer Kraft zur Wiederholung oder Anlehnung fehlen sollte, sondern weil man ihn als Plagiator nicht ernst nehmen würde. Daraus ist nur ein Schluß und eine Folgerung zu ziehen: Wagners Tannhäuser beschert uns heute einen musikalischen Genuß; eine Befriedigung und „Erlösung“ im Sinne Wagners zu seiner Zeit aber bleibt uns für die Gegenwart verwehrt. G. I.


KAMMERSÄNGER JOACHIM SATTLER von der Staatsoper Hamburg, der weit über Deutschland hinaus bekannte Wagner-Sänger, der in diesen Tagen, wie wir bereits berichteten, sein 25jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte, wird morgen abend im Orangeriehaus die Titelpartie in Richard Wagners „Tannhäuser“ singen. Unser Bild zeigt Joachim Sattler als Don Jose in „Carmen“, einer seiner Glanzrollen. Foto: Kenner
KAMMERSÄNGER JOACHIM SATTLER von der Staatsoper Hamburg, der weit über Deutschland hinaus bekannte Wagner-Sänger, der in diesen Tagen, wie wir bereits berichteten, sein 25jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte, wird morgen abend im Orangeriehaus die Titelpartie in Richard Wagners „Tannhäuser“ singen. Unser Bild zeigt Joachim Sattler als Don Jose in „Carmen“, einer seiner Glanzrollen. Foto: Kenner

DT Film-Forum

Aus Trümmern herworgezogen !

i Es waren letzthin Trümmer eines Au¬ ; tos, das nach Lübeck hinwollte ... man : zog Paul Kemp und Vera Molnar aus i diesen verbeulten Autotrümmern heraus, i Und es waren einstmals Trümmer zusam¬ : menstürzender Häuser, aus denen man : Vera Molnar hervorholte... in Salzburg, : wo sie diese erbarmungslose Seite des : Krieges kennenlernte. Sie hat zweimal = mit dem kleinen geretteten Handköffer¬ = chen vor den Ruinen ihres Hauses ge-E standen, und ist also ein ganz moderner, E zeitgemäßer Mensch wie wir alle.

= Daß sie zum’ Fil'fn.• kam, ist eigentlich = eine Art -von Wunder und hat sich wirk-E lieh einmal in der Weise abgespielt, von E der junge filmbegeisterte Mädchen ver¬ | geblich träumen. Denn ihr passierte es, j daß sie in Salzburg, allwo sie brave = Hausfrau war, im Cafe saß, als der E Regisseur Geza von Cziffra in das Caf& | trat, stehenblieb, einen Augenblick über¬ | legte und dann auf sie zustürzte: „Sie | sind der Typ, den ich schon lange suche, = Sie müssen für mich filmen!“ Diese eine = Sekunde hat wirklich über ihr ganzes = Leben entschieden, denn Geza von Cziffn = hat sich nicht getäuscht: Er stellte sie voj die Kamera — und sie wurde die große Sensation, der Erfolg, sie wurde — Star. Alles in geradezu atemberaubend kurzer Zeit.

Nun ist es allerdings nicht so, daß sie vorher etwa noch nie mit dem Gedanken geliebäugelt hätte, Schauspielerin oder Filmdarstellerin zu werden. Im Gegenteil! Sie hat, die Wienerin, schon als Schülerin in Frankfurt am Main heimlich Schauspielunterricht genommen und ein Examen abgelegt; aber damit war auch — anscheinend — ihre Bühnenlaufbahn zu Ende, denn anstatt auf die Bühne zu treten ... heiratete sie, und vier Jahre lang hielt sie aus als brave Hausfrau. Daß im Untergrund ihres Bewußtseins immer das Gefühl lebendig blieb: Einmal kommt das Glück, die Chance, einmal geht es los, man muß nur warten können, das gibt sie selbst ohne weiteres zu, und schließlich kam es ja auch so! Aber sie hat in den Jahren ihres Hausfrauentums wenig getan, um diese Chance herbeizuführen; sie ließ sich wirklich überrumpeln.

Es ist reizend von ihr zu hören, mit welchem Lampenfieber sie ins Atelier ging, als sie in so stürmischer Weise entdeckt und vor die Jupiterlampen gezerrt wurde. „Sie können sich vorstellen, wie mir zumute war, wenn ich Ihnen sage, daß am Tage meiner ersten Aufnahme der Angstschweiß in solchen Strömen floß, daß er sich in meine funkelnagelneuen Sämischlederschuhe verkroch und diese so aufweichte, daß sie weggeworfen werden mußten. Es war jeden Tag das gleiche; ich glaube nicht, daß jemand im Atelier so aufgeregt war wie ich. Doch, ein Wesen war genau so aufgeregt wie ich: das wunderschöne Kätzchen mit den herrlich leuchtenden Augen und dem samtenen Fellchen, das ich in einer Szene der „Höllischen Liebe“ im Arm halten mußte. Als ich es in meiner Aufregung ganz fest an mich drückte, spürte ich, wie stark sein Herzeri pochte, genau so wie meines. Und da kam ich mir dann nicht mehr so hilflos und verlassen vor. Ich wußte ein Wesen, das genau so litt wie ich ...“

Aber das alles ist nun überstanden, der Erfolg hat sie in überreichem Ausmaß ■ für ihre Angst und Verzweiflung bei der ersten Probe belohnt, sie rückte aus dem ’ Bereich des „Nachwuchses“, um den alle ■ Filmleute bangen, in die Reihen der Pro¬ ’ minenz auf, und große, schöne Aufgaben : harren ihrer noch. Zu allen diesen kom¬ ’ menden Aufgaben wünschen wir ihr viel 5 Glück, und daß sie nie wieder unter 3 Trümmern hervor gezogen werden soll!


VERA MOLNAR
VERA MOLNAR

Foto: Real-Allianz-Film
Foto: Real-Allianz-Film

Shakespeare: „Maß für Maß“

„Der Sinn des Ganzen ist eigentlich der Triumph der Gnade über die strafende Gerechtigkeit, weil kein Mensch sicher genug vor Fehltritten ist, um sich zu deren Verwalter unter seinesgleichen aufzuwerfen.“ Dieser Satz A. W. Schlegels trifft die „Moral dieser Geschichte“, in prägnanter Formulierung. Es interessiert daher den heutigen Zuschauer nur wenig, daß Shakespeare stoffliche Anleihen in der Renaissance-Noveilistik gemacht hat, daß er ferner ein Drama seines Landsmanns Whetstone als Vorlage benutzte, die Sitten und Moral seiner Zeit einarbeitete und glossierte, auch das Schicksal seines Freundes, des Grafen Southampton in der' Person des Claudio aufleben ließ und schließlich in der herzoglichen Hauptperson dieses Lustspiels König Jakob I. eine Huldigung und leise Mahnung widmete. Wie in allen Stücken des Dichters wird hier reines und echtes Theater der Uebergangszeit Renaissance-Barock vorgeführt, das keinerlei Bedenken fühlt, auch einmal unglaubhaft zu sein. In solchen Fällen muß im Lustspiel der Effekt die Realität ersetzen. Ein wundervolles Versmaß und eine leidenschaftliche, von innerem Leben erregte Prosa steigern den satten Klang der Dichtung, verdüstern die Schatten der Tragik oder erhellen die komisch derbe und phantastisch verworrene Welt der Handlung. Wie in einem Märchen, in dem Harum al Raschid als segensreicher Lebensspender auftritt und selbst noch gegen den leichtfertigen Schurken ein recht mildes Urteil fällt, gibt es am Ende einen fröhlichen Ausgleich. Kunstreich und eindrucksvoll wendet sich alles zum Tröstlichen und Guten.

Stänker aber als der Komödienschluß sind die seelischen Dissonanzen, die hier vom Dichter in allgemeingültigen Regeln festgelegt wurden. Insoweit ist auch die Shakespeare-Übersetzung von Hans Rothe zu rechtfertigen, in der die hiesige Aufführung in Szene gehen wird. Rothe gebraucht Wortschatz und Sprache unserer Zeit, beschneidet die komödiantischen Auftritte, verneuzeitlicht einzelne Namen, streicht den größten Teil der Sentenzen (leider!), moralisiert nicht mit dem Wort oder Ausspruch, sondern läßt die Handlung in starkem Dialog für sich reden. Dadurch wird zwar eine gewisse Realität geschaffen, aber die Dichtung verliert an gedanklichem Bilderreichtum. Sie nähert sich bereits der comedie larmoyante, allerdings noch mit königlichen Personen, und verläßt die zeitliche Atmosphäre Shakespeares, jene Imagination complete, wie Taine sagte, in der das Erdenschicksal selbst mit aller Roheit, Frevelhaftigkeit, mit Schalk und Ironie, mit Charakterreichtum und seelischer Größe, mit Sinnenfreude, grausigem Humor und ordinärer Daseinsbejahung die naturbedingten Kräfte spielen läßt. Diese Elemente bleiben im pathetischen Sprachstil der Schlegelschen und Tieckschen Uebersetzung gewahrt. Die wörtliche Wiedergabe wäre allerdings für uns nicht mehr durchgehend t -agbar und manche Nebenszene würde unsere zu stark real eingestellte Einbildungskraft in arge Verlegenheit versetzen.

Was in Shakespeares Dramen leicht ohne einen Eingriff ins Wesentliche zu regeln ist, in seinen Komödien wird der Zweispalt offenbar, in den uns Uebersetzung und Verständlichmachung aus dem Milieu jener Zeit hineinführen. Ich würde daher lieber für eine Reinigung und Glättung der Schlegelschen Sprache unter Beibehaltung der unglaubhaften Szenen plädieren, da Shakespeare kaum einer Renovation bedarf, wenn man echtes Theater aufleben läßt. Denn der Hauptverdienst in „Maß für Maß“ bleiben doch die durchgefeilten Charaktere, die selbst dann ihre überzeitliche Wirkung nicht verlieren, wenn sie einmal wegen irgendwelcher komischen Nebenepisoden beiseite treten müssen. Der lascive Rahmen mag uns vielleicht im Gemälde nicht immer verständlich erscheinen, mag uns für Augenblicke ablenken, das Bild ist trotz aller Phantasie und teilweiser inkonsequenter Durchführung der Lebenswahrheit einzelner Personen in seiner Charakteristik stark gepug, um Parallelen von dauerhafter Gültigkeit her^ufzubeschwören. Der künstlerischen Leitung dos Regisseurs sind aber auf keinen Fall Grenzen gezogen, wenn er aufs neue das Publikum für Shakespeare gewinnen will. G-L

Kunst der Kolonisten

Im Darmstädter Amerikahaus sprach am Donnerstag Dr. Ernst Scheyer über „Die Kunst der ersten Ansiedler in Amerika“. Der Vortraende, der in den Staaten als Dozent für Kunstgeschichte tätig ist, führte aus, daß die Geschichte der frühen Siedler in den USA erst sehr spät einsetze.

Die Malerei wird in der Hauptsache von englischen Künstlern bestimmt.- Smibert findet eine große Zahl von Schülern, und Audubon wird zu einem der bedeutendsten Maler und Kupferstecher, der besonders durch seine meisterhafte Wiedergabe der amerikanischen Vogelwelt Berühmtheit erlangte. Morse war erst ein bekannter Maler, ehe er 1839 die Malerei aufgab, da er einsah, daß das Aufkommen der Photographie die. Portraitkunst zur Bedeutungslsigkeit herabsinken lassen würde. Sein Gemälde des französischen Generals „Lafajette“ zählt heute zu den Nationalheiligtümern Amerikas. hfl

Neue Filme in Darmstadt

UNION. „Am Abend nach der Oper." Endlich hat man Siegfried Breuer einmal eine Rolle gegeben, in der er nicht als herzensbrechender, unter- und hintergründiger Mann von (Halb-)Welt dom Publikum ein angenehmes Schaudern zu bereiten braucht. Zwar hat er auch hier — zwecks Ankurbelung der Handlung — einen Mord auf dem Gewissen, im übrigen aber macht er als liebender, treuer (!) Ehemann eine durchaus gute Figur. Um so weniger gut ist der Film selbst. Was hier an Kolportage zusammengetragen wurde, um eine Ehetragödie zu ihrem guten Ende zu führen, geht hicht — wie von Regisseur Rabenalt beabsichtigt — aufs Gemüt, sondern auf die Nerven. Da hilft auch nicht das gute Spiel von Gusti Huber als Siegfried Breuers Gattin, zumal sich die Kamera über weite Strecken hin im Stil archaischer Flimmerkistenzeit gefällt. hn

HANSA. „Im Zeichen des Kreuzes.“ Poppäa, die Kaiserin, badet in Eselsmildi, und Nero, der fette und perverse Herrscher von Rom, erteilt von seinem Kissen in matter Lüsternheit und halbem Irrsin Befehle, die Christen zu vernichten. Die Kraft Roms ist in dieser Zeit im Mark getroffen, man hatte die Raffinesse des buhlerischen Luxus’ von Karthago übernommen und praßte in nächtlichen Monstre-Feiern. Deswegen konnte die Regie von Cecil B. de Mille, in Massenszenen bewandert, den konträren Einzelschicksalen die nötige wahre und auch notwendige Schwarzweiß-Färbung geben. Die hervorgtehenden Typen der grausam verfolgten Christen haben griechische Profile, während die Kamera mithilft, die verderbten Römer orientalisch - zwielichtig erscheinen zu lassen. Die Kulisse der Handlung und Vorkommnisse jener Zeit ist im allgemeinen bekannt. So wird die Grausamkeit im Vordergrund hart aufgezeichnet. Da das aber nicht immer so ganz einfach ist, bleibt die eigentliche Spannung doch an den Dialogen hängen. Vor allem Charles Laughton: Er spielt die Rolle des abgekitzelten Cäsars in einer Art, die den geistigen Zustand des zum lüsternen Wurm Herabgesunkenen trotz der ekelen Verworfenheit noch mehr sehen möchte. Kaum ein anderer hätte hier mehr vollbracht. Fredric March als der Präfekt von Rom wirkt gegenüber der aschblonden christlichen Märtyrerin (Elissa Landi) manchmal ein wenig zu hektisch, und Claudette Colbert als Kaiserin ist überzeugend sündvoll im Gespräch, im Bad und auf dem Ruhebett. Alles andere müßte man sehen, auch wenn das Bösartige in unseren Tagen nicht solche schillernden Farben kennt. ng

BELIDA. „Flucht von der Teufelsinsel.“ Aus Alexander Dumas’ Atmosphäre einen Filmstoff zu verarbeiten, verspricht immer einen Erfolg. Diesen kann auch der Columbia-Film „Flucht von der Teufelsinsel“ verbuchen. Die Geschichte ist einfach: Es geht um das Erbe des Grafen von Monte Christo. Der legitime Erbe kämpft gegen eine Gruppe scheinbar seriöser Herren, die einem unschuldigen Mädchen, das sie in der Gewalt haben, das Erbe in die Hand spielen wollen. Spannend, mit nicht zu unwirklichen Einfällen, läuft der Streifen, gut fotografiert und schauspielerisch gekonnt, ab. Ein spannender Aben¬ ^euerfilm ohne schwierige Hintergründe, agt.

PALAST. „Straße der Versuchung“, Die Leidenschaft zu einer ebenso zweifelhaften oder vielmehr unzweifelhaften schönen Frau, Diebstahl, Mord und Hinrichtung bestimmen die Handlung dieses Films, den man nicht unbedingt gesehen haben muß, zumal die Roheit und Deutlichkeit mancher Szenen noch kraß unterstrichen werden. Versöhnen kann nur die schauspielerische Leistung von Eduard G. Robinson, den man in „schwierigen“ Rollen gerne auf der Leinwand sieht. In del' „Straße der Versuchung“ allerdings geht ein Riß durch seine Rolle, man glaubt ihm nicht, daß er den Nebenbuhler, der ja unschuldig ist, hinrichten läßt, und die Schlußszene des Films, in der Robinson, alt, elend und verkommen im nächtlichen Schimmer der Großstadt verschwindet, erinnert unangenehm an größere und bessere Vorbilder. Das unsymphatische Paar. Joan Benett und Dan Duryea wirken ihren Rollen gemäß überzeugend, aber das ist auch alles. Als wir das Kino verließen, betrat es eine Mutter mit einem mehr als minderjährigen Sohn, hoffentlich blieb das Kind nicht in diesem Film sm.

Die Heimat

Romantiker entdeckten die Odenwälder Tracht

VON DR. HANS V. D. AU

Später als in anderen deutschen Landunserer engeren Heimat die li acht Gegenstand malerischer Arbeiten geworden. Wohl haben einzelne Kunstler an brauchtümlichen Festen Gefallen gefunden und sie dann mit dem Pinsel oder dem Zeichenstift festgehalten. So hat z. B. Joh. K. S e e k a t z die Kirchweihe in Groß-Gerau gemalt oder den Umzug der Heiligen Drei Könige. Gerade aber hierbei ist ganz deutlich, wie er eine holländische Vorlage, sogar Rembrandts, in seine Zeit und Gegend überträgt. Doch das war mehr Zufall. Denn das Volk als solches, seine Grundschichten, wuiden noch nicht Gegenstand für ein Empfinden, das sich an der Bourgeoisie vergnügte, darin die Erfüllung seiner Ideale sah oder sich gar nach der französischen Revolution von 1789 für die allgemeinen Menschenrechte begeistern konnte.

Erst der Romantik blieb es vorbehalten, das Volk zu entdecken, seine Lieder, Sagen und Märchen oder ähnliche Volksgüter, die heute Gegenstand ernster Forschung innerhalb der Volkskunde geworden sind. Und so sind es auch die Romantiker in unserer Heimat, die hinausziehen in die Berge des Odenwaldes, die Dörfer und Städtchen im Neckartal, an der Bergstraße und im Gebirge zeichnen und dabei der Seele der Landschaft nachspüren.

In Heidelberg • entsteht „des Knaben Wunderhorn“, nachdem seine Herausgeber mit wackeren Freunden auch den Odenwald, vornehmlich das Gebiet um die Neunkircher Höhe auf Fahrten nach alten, immer noch klingenden Volksliedern durchstreift haben. Die Liedsänger, alte und junge, hatten sie schätzen und lieben gelernt, waren begeistert worden von der erfahrenen Natürlichkeit und Reinheit, von der beobachteten Bescheidenheit und Offenheit der Odenwälder.

Den Dichter-Romantikern gleich taten es auch die ihnen kongenialen Maler, ihnen allen voran ein Künstler vom Range eines Karl Ph. Fohr (1795—1818). In unendlichem Fleiß und in seltener Fruchtbarkeit füllt er seine Skizzenbücher bei seinen regelmäßigen Fahrten in den Odenwald, bis er dank einem großherzoglichen Stipendium zur weiteren Ausbildung nach Rom kommt, vzo er dann früh ein jähes Ende im Tiber findet.

Um so kostbarer sind uns heute die Skizzenbücher und Zeichnungen dieses Künstlers, besonders aber demjenigen, der sich um die Tracht im Odenwald zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und seine Kenntnis müht. Gerade in der Gegenüberstellung etwa eines Mannes vom Lande und eines städtischen Bürgers am Fuße des Heidelberger Schlosses läßt er den verschiedenen geistigen Hintergrund deutlich werden. Oder er gibt einen Kirchgang in Weinheim an der Bergstraße. Da sind die Bauern aus einem Filial, Nächstenbach, zur heute längst abgerissenen Pfarrkirche gekommen. Wir erleben förmlich mit die ganze wohltuende Ruhe, die Hingabe an die Gunst der Stünde mit ihrem geruhsamen Begegnen und erwarteten Grüßen, ihrem Plaudern und Austauschen nach dem Gottesdienst auf dem Kirchhof. Wir sehen sie die prominente Persönlichkeit des Pfarrers ehrfürchtig grüßen und spüren selber etwas von dem Zauber sonntäglichen Friedens, den Fohr im Zusammenklang gesellschaftlicher Unterschiede mit wenigen Strichen eindrücklich festgehalten hat. Wir betrachten uns die Männer im würdigen, langen Kirchenrock, der zu den weißen Kniehosen, ebensolchen Strümpfen und zu Schnallenschuhen getragen wird, auf dem Kopfe den gewaltigen Dreimaster, das dickleibige Gesangbuch unter den Arm geklemmt. Und dazu die Frauen im Mutzen und halblangen Faltenrock, weißen Strümpfen und ebenfalls Halbschuhen, über der Schulter ein kostbares Tuch und auf dem Kopfe ein weißes Häubchen.

Ein Altersgenosse Karl Ph. Fohrs ist der Maler Joh. Heinrich Schilbach (1798—1851). Wie dieser, sich auch längere Jahre in Italien weiterbildend, vergaß er nie dort die hessische Heimat, ihre Landschaften und Dörfer, die ihm „so lieb wie eine Reise nach Neapel“ sind. Diese Liebe zu den „merkwürdigen Orten“ bei seinen Wanderungen in den Odenwald findet ihren Niederschlag in seinen Zeichnungen und Aquarellen, die uns erhalten sind und auch den landschaftgebundenen Menschen als Staffage dazu nehmen. Gelegentlich malt er auch in einer Aquarellstudie einen Odenwälder Bauern wie den G. Storck aus Roßdorf in seiner Tracht, mit langem dunkelblauen Rock und hellblauer, einreihiger, hochgeschlossener Weste, mit eingewickeltem braunen Halstuch, gelben Kniehosen, hellgrauen Gamaschen, die sich seitlich geknöpft, über abgerundete Halbschuhe wölben, dazu einen langen Stock in der Hand. Das Haupt mit dem langen Haare deckt eine graue Lammfellmütze. Die Trachtenforschung ist gerade für eine solche saubere farbige Darstellung einer Männertracht aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts dankbar, zumal sich gegenüber unbeholfenen, wenn auch gutgemeinten Zeichnungen und wer’" anschaulichen zeit"enössischenßeschreibungen hier sachliche Treue zu künstlerischer Begabung gesellt.

Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang Carl Sandhaas (1801—• 1851) bleiben, dessen köstliche aquarellierte Handzeichnung mit dem „Bildnis des Malers Schilbach“ jedem unvergessen bleibt, der sich einmal in stiller Andacht in das Vermächtnis heimatlicher Romantik hineinversenkt hat. Von ihm bewahrt wiederum das Landesmuseum eine dörfliche Szene am Brunnen, in der er spielende Kinder in Odenwälder Tracht gemalt und so der Nachwelt erhalten hat, was sonst der Aufzeichnung nicht wert schien. Auch in einem Stich mit der Darstellung eines städtischen Leichenzuges hat er liebevoll Vertreterinnen vom Lande in ihrer Tracht, gezeichnet.

Befreundet mit den vorigen, nur um wenige Jahre jünger als sie, ist August Lucas (1803—1863). Seine Skizzenbücher im Landesmuseum enthalten zwei ganz besonders köstliche Beiträge zur Odenwälder Tracht. Beide Bleistiftzeichnungen stammen aus Lindenfels. In selbstverständlicher Werktreue schildert er einmal eine junge Lindenfelserin. In der gerade der Romantik eigenen Kunst strahlt das Bild die ganze zarte Anmut und überlegene Reinheit wieder. Ein ähnlicher Zauber liegt über jener Skizze einer Lindenfelser Gruppe auf einem nicht vollendeten Gemälde, das den Blick auf das Weschnitztal mit dem Massiv der Tromm darstellt. Es ist, als habe der Künstler mit diesen beiden Bleistiftzeichnungen etwas von zeitloser Gültigkeit im Antlitz des Odenwälders geprägt. Für die Kenntnis der Tracht aber bedeuten sie ein frühes Zeugnis von einem sonst nicht mehr genauer erkennbaren Entwicklungsstadium. Etwas Aehnliches gilt von den feinen Mädchenzeichnungen aus Reichelsheim.

Schließlich und nicht zuletzt sei noch Karl L. Seeger (1809—1865), einst Direktor der Darmstädter Gemäldegalerie, genannt. Der oberhessische Maler Karl Engel von der Rabenau hat ihn mit seiner Familie in einem 1931 beim Brand des Münchener Glaspalastes untergegangenen Bildes gemalt vor dem Hintergrund des heimatlichen Waldgebirges. Als junger Mann zog er in den Odenwald und hielt skizzierend fest, was sein schönheitstrunkenes Auge entdeckte, und wobei er Landschaft und Menschen in eins sehen lernte. Da hat er in Fränkisch-Crumbach das „Gretche-Bärbelche“ als Kind gezeichnet, das jeden Kinderfreund begeistern muß, weil es das ganz verträumte Glück der Kindheit festhält in jener uns so seltsam anmutenden Art, die Kinder in ihrem Anzug als kleine Erwachsene behandelt. Das gleiche Skizzenbuch enthält auch die Zeichnung von einem schulentlassenen Mädchen, gleichfalls in Tracht. Ueber das puffärmelige Hemd trägt die Odenwälderin ihr Mieder, das vorn zweimal mit Bändern geschlossen ist. Darüber fließt das reiche lange Haar offen, das glatt über die Stirn zurückgekämmt ist, auf die Schultern. Das Hinterhaupt deckt die Haube der Obergrafschaft in ihrer Frühform mit langen Wangenlaschen und einem kleinen aufrecht stehenden Gupf mit schlichter Faden- und Perlstickerei. Für die Trachtenforschung aber von ganz besonders großem Wert ist eine Gruppe in Erbacher Tracht auf einem Oelgemälde in Darmstädter Privatbesitz. Es zeig+ König mit seiner stimmungsvollen Umgebung ins Mümlingtal gebettet. Die einzelnen Personen sind in bunter Fülle mit genauester Wiedergabe ihrer Tracht geschildert, wie wir sie sonst in kaum einem derartigen Umfang finden können.

Romantiker, die wenigsten der Geburt nach unserer engeren Heimat entstammend, aber alle in ihr werdend und wirkend, sind die Künstler, deren Auge neben der Landschaft auch ihre Menschen nicht bedeutungslos genug erschienen, um sie in ihrer Anonymität uns zu überliefern. Damit aber haben sie gleichzeitig der Trachtenforschung unschätzbare Dienste getan, zumal die zeichnerische wie malerische Sprache der Stiche längst nicht die überzeugende Bildhaftigkeit und verläßliche Echtheit der Romantiker besitzt, ganz zu schweigen von der Sinndeutung der Darstellung.

Als dann später Heinz Heim sich mif der Darstellung der Odenwälder Tracht befaßte, war sie selbst schon in Verfall geraten, und so liegt fast über allen seinen Bildern und Zeichnungen zur Tracht etwas von jener Müdigkeit, die leicht dem rückwärts gewandten Blick anhaftet.


K. Ph. Flohr, 1795—1818: Kirchgang in Weinheim
K. Ph. Flohr, 1795—1818: Kirchgang in Weinheim

Schwer hängen die Zweige vom reifenden Obst, das geerntet sein will. Nicken die Birnen aus dem Wipfel Wer dächte da nicht an die fröhlichen Reime vom „ spannen-Birnen aus ae™ „„hp!dicken Dirn“ die zum Birnenschütteln ausziehen, oder fätd der Jahr Segen den Kindern schenkt. Und was H Claudius von den Aepfeln singt, gilt gleichermaflen von den Birnen. Sie sind das rechte Himmelsbrot, wir haben unsre liebe Not, daß wir sie alle pfluc en Kenner
Schwer hängen die Zweige vom reifenden Obst, das geerntet sein will. Nicken die Birnen aus dem Wipfel Wer dächte da nicht an die fröhlichen Reime vom „ spannen-Birnen aus ae™ „„hp!dicken Dirn“ die zum Birnenschütteln ausziehen, oder fätd der Jahr Segen den Kindern schenkt. Und was H Claudius von den Aepfeln singt, gilt gleichermaflen von den Birnen. Sie sind das rechte Himmelsbrot, wir haben unsre liebe Not, daß wir sie alle pfluc en Kenner

Aus den Körben glänzt das Obst, und die Freude am Segen der Bäume spiegelt sich im Gesicht der Erntenden. Frauen schaffen auch bei dieser Arbeit im späten Sommer mit, und das Lächeln auf jungem Antlitz stimmt zu dem sanften Licht unterm schon herbstlich blauenden Himmel. Foto: Hans Kenner
Aus den Körben glänzt das Obst, und die Freude am Segen der Bäume spiegelt sich im Gesicht der Erntenden. Frauen schaffen auch bei dieser Arbeit im späten Sommer mit, und das Lächeln auf jungem Antlitz stimmt zu dem sanften Licht unterm schon herbstlich blauenden Himmel. Foto: Hans Kenner

Aug. Lucas, 1803—1863: Mädchen aus Reichelsheim
Aug. Lucas, 1803—1863: Mädchen aus Reichelsheim

Karl Seger, 1809—1866: Mädchen aus Fr.-Cr.ujnbach
Karl Seger, 1809—1866: Mädchen aus Fr.-Cr.ujnbach

Diogenes trank aus der hohlen Hanoͤ

DIE KULTUR DES WEINGLASES

Die Kultur des edlen Weingenusses ist ohne ein kultiviertes Glas nicht mehr denkbar. So schufen bereits die alten Aegypter und Römer wertvolle Gläser, die später kaum von den Venetianern übertroffen wurden. Damals wurde schon mit Eingravierungen gearbeitet. Funde hiervon sind nach Bassermann-Jördan in den Museen von Mainz, München, Berlin und Budapest vorhanden. Oftmals erreichten die Gläser in der damaligen Zeit einen hohen Wert. Wie berichtet wird, soll nach heutigem Gelde umgerechnet, der berühmte Römer Petronius 10 000 Mark für ein seltenes und schönes Glas angelegt haben. Ueber Kaiser Nero wird nacherzählt, daß er, als Petronius am Sterben lag, von ihm dieses wertvolle Glas verlangt haben soll, es jedoch nicht mehr erhalten konnte, da es Petronius vorher in Scherben schlug.

Durch die Jahrhunderte hindurch entwickelte sich die Technik der Glasfabrikation, wobei man der Herstellung des Weinglases besonderes Augenmerk zuwandte. Infolgedessen ist es kein Zufall, daß sich besonders am Rhein eine rege Glasherstellung entwickelte.

Neben vielen bunten Gläsern, die in besonderer Zierde aufleuchten, wurde nach und nach jene Form gefunden, die heute die kultivierten Weingläser auszeichnet.

Bei farblosem Glas sind sie einfach und klar in der Linienführung und bringen dadurch die Weine der verschiedenen Gebiete wirkungsvoll zur Geltung. Es spielt dabei keine wesentliche Rolle, ob die Bezeichnung Römer weingeschichtlich nachgewiesen werden kann. Das Fehlen eines Fußes wird darauf zurückgeführt, daß dem Gast der Wein seinerzeit vom Mundschenk gereicht und bald geleert wurde.

Nach und nach entwickelte sich aus dem Glas ohne Stiel die heutige kultivierte Form. Auch ist die Behauptung noch nicht widerlegt, wonach der Name „Römer“ von der bedeutenden holländischen Glaskünstlerin Anna Römers ableitet, die großen Einfluß auf die kunstvolle Herstellung in Gläsern im 17. Jahrhundert nahm. Die Freude an schönen Weingläsern, die sogar Sammler auf den Plan gerufen hat, hilft mit, den ästhetischen Wert des kultivierten Weingenusses zu pflegen.

Freilich kann man Wasser wie einst Diogenes aus der hohlen Hand trinken. Um nur seinen Durst zu stillen, kommt man mit dem einfachsten Trinkgefäß aus, das absolut nüchtern sein darf. Der Wein verlangt ein behagliches Verweilen und Gläser, die seiner Wertung entsprechen.

Von diesem Grundgedanken ausgehend, hat sich der Rheinhessische Weinbauverband auch dazu entschlossen, ein besonderes Rheinhessen-Glas zu schaffen, dessen Aufgabe es ist, den freundlichen und wohlbekömmlichen rheinhessischen Weinen die weingerechte Fassung zu geben. Es verbindet sich damit in glücklicher Weise ein unverkennbarer praktischer Wert, um den Weinausschank zu Dflegen. R D

Darmstädter Tagblatt



Der einfältige Bruder

Es waren einmal vier Brüder, die mit großer Liebe aneinander hingen. Da sie weder Vater noch Mutter hatten, beschlossen sie, gemeinsam in die weite Welt zu wandern, um ihr Glück zu suchen. Drei der Brüder hatten hohe Schulen besucht, waren klug und vielwissend; sie kannten sich aus in Zauberei und geheimen Künsten. Der vierte, der jüngste, aber hatte nichts gelernt, er sprach nicht viel, die Brüder hielten ihn für einfältig. Kaum hatten sie ihren Weg in die Welt angetreten, da meinte der älteste der Brüder: „Warum soll unser Jüngster, der nichts gelernt hat und nichts weiß, eigentlich aus unserer Weisheit Nutzen ziehen? — Wenn er mit uns geht, wird er uns sicher nur zur Last fallen. Ich glaube, es ist besser, er kehrt nach Hause zurück.“

Doch der zweite der Brüder hatte Mitleid mit seinem jüngeren Bruder und sagte: „Wir wollen nicht hartherzig sein. Soll er ruhig an unserem Wohlergehen Anteil haben. Er ist unser Bruder, und vielleicht kann er uns doch einmal nützlich sein, ohne uns Schande zu bereiten.“ So wanderten sie gemeinsam weiter, und als sie nach einigen Tagen durch einen dichten Wald kamen, fanden sie auf ihrem Wege die Knochen eines Löwen. Sie mußten schon geraume Zeit hier gelegen haben, denn sie waren weiß wie Milch und hart wie Kieselstein. Da sagte der älteste der Brüder: „Jetzt wollen wir unserem Jüngsten einmal zeigen, was Klugheit und Zauberei vollbringen können. Ich werde diese toten Knochen jetzt lebendig machen und sie mit wenigen Zauberworten so zusammenfügen, wie sie gehören.“

Er berührte einen der Knochen und sprach ein Zauberwort. Sogleich fügten sich die verdorrten Gebeine hohlklappernd aneinander. Jeder Knochen fand seinen Platz, im Augenblick lag das Skelett fertig da.

„Jetzt komme ich an die Reihe,“ sprach der zweite Bruder, „ich werde durch nur wenige Worte das Skelett mit Fleisch und Muskeln umkleiden. Ich werde ihm die nötigen Säfte, werde ihm Blut und Adern und auch eine Haut geben.“ Er berührte das Skelett und sprach seine Zauberformel. Im gleichen Augenblick lag ein vollkommener Löwe zu ihren Füßen. Es sah aus. als ob er schliefe.

ödll dUb, ctlb OU ei bUUlieit. „Nun kommt die Hauptsache!“ sagte der dritte der Brüder. „Der Löwe soll leben, soll atmen. Durch ein einziges Wort werde ich ihn lebendig machen, und ihr, liebe Brüder, sollt ihn brüllen hören.“ „Halt!“ rief jetzt der jüngste der Brüder und legte dem Redenden die Hand auf den Mund. „Kein Wort! Wenn du diesem Löwen Leben gibst, so wird er uns zerreißen!“

Jetzt verspotteten die Brüder den Jüngsten und sagten: „Was verstehst du von Zauberei? Geh nach Hause, du Narr!“ Er aber bat: „Liebe Brüder, ihr habt recht, ich verstehe nichts von euern Künsten; doch tut mir wenigstens den einen Gefallen und wartet mit der Vollendung des Löwen, bis ich auf einen Baum gestiegen bin.“

Die Brüder erfüllten seinen Wunsch. Kaum saß er oben in einer Astgabel, da sprach der dritte der Brüder sein Zauberwort. Der Löwe regte sich; er streckte sich, als ob er vom Schlafe erwache. Er öffnete seine wilden Augen, erhob sich, schüttelte die Mähne, brüllte und sprang mit einem Satze zwischen die drei Brüder.

Sie wollten fliehen, doch der Löwe war schneller, er packte einen nach dem anderen. Sein Hunger war vom Fasten so groß, daß er alle drei verspeiste und auch nicht ein Knöchelchen übrig ließ.

Nachdem der Löwe sich also gesättigt hatte und davontrappte, stieg der vierte Bruder, der nichts von Wissenschaften und Zauberei wußte, vom Baume herunter und kehrte wohlbehalten in seine Heimat zurück.

Erich Scheurmann

Zahlenbild

In diesem wirren Zahlenfeld hat sich ein Tier versteckt. Wer es aufspüren will, nimmt einen Färb- oder einen Bleistift, sucht sich die Nummer 1 heraus und verbindet mit einem schönen Strich die Nummern 1,2, 3, 4 usw. in der richtigen Reihenfolge, wie man zählt. Bald werdet ihr erkennen können, was für ein Tier sich dort verborgen hat. — Wer es ganz wunderschön machen will, deckt ein durchsichtiges Papier über das Zahlenfeld, damit er die Zahlen noch gut erkennen kann und zeichnet auf diesem dünnen Blatt nach. Aber auf gepaßt dabei, daß das Blatt nicht verrutscht im Zeicheneifer! Es ein bißchen am Rande anzukleben, wird gut sein. Das nächste Märchenschiff wird euch das possierliche Tier mitbringen!



DT । irrmm—«mm Danksagung Für die Beweise herzlicher Anteilnahme an dem Scheiden unseres lieben Sohnes und Bruders Peter Hoffmann Revier-Förster apl. sagen wir allen Beteiligten, besonders den Schulkameraden, für Kranzniederlegung herzlichen Dank. Unserem lieben Pfarrer Krüger für seine Trostspende, dem Krankenhaus Jugenheim für seine liebevolle Pflege besonderen Dank. H. Hoffmann, Revier-Förster i. R. und Familie Traisa, den 15. September 1950

Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen Helene Reeg geb. Hebrer sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Georg Reeg, Metzgermeister und Angehörige. Darmstadt, Am Erlenberg 22

Der Sport

Die Lilien heute am Bornheimer Hang

Starke Deckungsreihen werden wenig Tore zulassen / FSV Frankfurt daheim kaum zu schlagen

gangen^n^aisn^^«^1^118 h.ängen die Trauben besonders hoch. In der verwinnen ein Unenff aUf dem gefürchteten Sandplatz keine Mannschaft ge-War das Höchste- was dort zu holen war. Die Blaunicht von einem iv Sph diesen Nimbus der Ungeschlagenheit auf eigenem Platz ment von einem Neuling zerstören lassen wollen.

Der Start der Frankfurter war in diesem Jahr zwar nicht überzeugend, in Karlsruhe wurden sie vom VFB Mühlbuxg glatt mit 5:1 überfahren, ohne jedoch so schlecht gewesen zu sein, wie das Ergebnis es auszudrücken scheint. Dann kamen die beiden großartigen 2:1-Siege über die Spielvereinigung Fürth und 1860 München, dem wieder ein etwas enttäuschendes 0:0 gegen BC Augsburg folgte. Die Bornheimer werden heute versuchen, ihr vorn Vorsonntag her verschnupftes Publikum mit einer guten Leistung zu versöhnen.

Rado, Nold und Dehm bilden eine betonfeste Deckung, die gut aufeinander abgestimmt ist. Der 21jährige Torwart ist einer der jüngsten, aber auch besten Torhüter der I. Liga Süd. Zwischen den beiden Verteidigern steht der zuverlässige Schwarz, ein Stopper von Format. Von den beiden Außenläufern Frank und Neuser hat der FSV mit letzterem einen sehr guten Griff getan. Der lange, etwas schlaksige linke Läufer, der von den Siegener Sportfreunden kam, wurde durch sein wechselvolles und genaues Abspiel bald zu einer das Mittelfeld beherrschenden Figur im Frankfurter Team.

Auch auf Rechtsaußen steht ein neuer Mann, der von Union Niederrad herüberkam und bisher gute Kritiken erhielt: Dziwoki. Neben ihm dürfte nach längerer Pause wieder der Senior Schuchard, der Ballverteiler und raffinierte Freistoß-Schütze, zu finden sein. Von dem neuen athletisch gebauten Mittelstürmer Hasse (früher Arminia Bielefeld) lobt man besonders das gute Kopfballspiel und seine Schußkraft./ Die torreifen Situationen werden aber meistens von der linken Seite herausgearbeitet, wo der blonde Wirbelwind Herrmann mit seinen schneidigen Zickzackläufen immer wieder das Bornheimer Publikum begeistert. Wirth bildet mit ihm zusammen einen erfolgreichen Flügel. Die endgültige Aufstellung des FSV konnten wir bis Redaktionsschluß noch nicht erfahren. Es ist durchaus möglich, daß die beiden von ihren Verletzungen wiederhergestellten Scheerer und Gonschorek zum Einsatz kommen. Der bewährte Trainer Lindemann trug das Nötige dazu bei, daß der FSV dank der guten Mischung von Technik, Taktik und Kampfgeist zu einer der gefürchtetsten Mannschaften Deutschlands wurde.

Die 98er, die mit dem etwas umgruppierten „Fürther“ Sturm spielen, werden mit gleichen Waffen zurückschlagen müssen. Auch sie sind eine Erfolgsmannschaft, der die Blau-Schwarzen in technischer Hinsicht kaum etwas vormachen können. Wenn es ihnen gelingt, mit dem ungewohnten Sandboden fertig zu werden, wird es in Frankfurt ein hartes Ringen geben, denn beide Mannschaften werden versuchen, Anschluß an die Spitzengruppe zu finden. Die Bornheimer Stürmer zeigen sich oft recht unentschlossen und schußschwach, eine forsch dazwischengehende Hintermannschaft kann sie leicht irritieren. Wir wünschen den Männern um Schmidtmer diesmal vor allem ein schnelleres Sich-Finden. Ein Tor der Frankfurter in den ersten Minuten wird sich gegen die solide Dekkung der Gastgeber noch schlechter aufholen lassen als gegen Mühlburg und Fürth. Die FSVer sind bekannt dafür, daß sie einen einmal errungenen Torerfolg mit großer Zähigkeit zu verteidigen verstehen.

Zahlreiche Darmstädter Schlachtenbummler begleiten die Elf auf ihrem schweren Gang. Beginn des Spieles 17 Uhr.

FSV: Rado; Nold, Dehm; Frank (Scheerer), Schwarz, Neuser; Dziwoki, Schuchard (Gonschorek), Hasse, Wirth, Herrmann.

SV 98: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Becker I, Thalheimer, Mühlbach (Becker II), Bohmann, Herwig.

Am 24. 9. spielen die 98er gegen 1860 in München. Zu diesem Spiele fährt ein Sondertriebwagen mit Restaurationsbetrieb von Darmstadt nach München; Abfahrt: Darmstadt (Hbf) am Samstag, dem 23., 14 Uhr, Ankunft in München 20 Uhr. Die Rückreise erfolgt Sonntag, 19 Uhr, ab München, Ankunft in Darmstadt 1 Uhr nachts. Es ist Gelegenheit, auch das Münchener Oktoberfest zu besuchen. Fahrpreis: 24,80 DM. Anmeldungen für den Sonderzug nimmt die Geschäftsstelle der 98er, Friedrichstr. 38, ab sofort entgegen.


Hoch hängen die Punkte am Bornheimer Hang Noch selten den Gegnern ein Sieg dort gelang Dazu dieser Platz, eine Wüstenei, Das gibt eine schwierige Kletterei
Hoch hängen die Punkte am Bornheimer Hang Noch selten den Gegnern ein Sieg dort gelang Dazu dieser Platz, eine Wüstenei, Das gibt eine schwierige Kletterei

Jahn Regensburg am Mühlchen

Am morgigen Sonntag dürfte am Mühlchen Hochbetrieb sein. Der langjährige Oberligist, Jahn Regensburg, der wieder ins Oberhaus zurückkehren möchte, steht der SG Arheilgen gegenüber. Am vergangenen Sonntag mußten die Regensburger in einem erbitterten Kampf in Hof den Gastgebern den Vortritt lassen, der aber, an der Länge der Runde gemessen, noch nichts besagt. Mit dem besten Torzahlverhältnis von 10:3 stehen die Gäste aus Bayern augenblicklich an dritter Stelle der Tabelle. Vor der körperlich großen und starken Verteidigung mit dem bekannten Eisenschneck steht eine ausgezeichnete Läuferreihe, die in dem Stopper Schamriß ihren Angelpunkt hat. Der Sturm wird geführt von dem Torjäger Hubeny. Kaut steht hier vor einer überaus schweren Aufgabe.

Jahn muß gewinnen, um seine Anwartschaft auf die Spitze der Tabelle aufrecht zu erhalten. Aber auch die Vorstädter brauchen die Heimpunkte dringend, um sich einen guten Mittelplatz zu schaffen. Wenn auch Regensburg mit seinen körperlich großen Spielern und seiner Oberligaerfahrung besonders in technischer Beziehung ein Plus haben wird, werden die Mühlchesleute dies durch restlosen Einsatz und aufmerksame Deckungsarbeit auszugleichen versuchen. Zweifelsohne ist ein schwerer Kampf zu erwarten, bei dem nicht vorauszusagen ist, wer das bessere Ende für sich hat.

Arheilgen stützt sich allgemein auf die Mannschaft, die den Ulmer Spatzen am Sonntag einen Punkt entführte. Mahr und Kirchrath stehen immer noch auf der Verlustliste, so daß es wohl kaum größere Aenderungen gibt. Bleiben die Männer um Kaut konsequent bei ihrem Flachpaß und lassen keinen Augenblick die genaue Deckung des Gegners aus dem Auge, dann werden sie nicht ohne eine Chance zu diesem Spiel antreten. Am Mühlchen ist schon mancher gescheitert, der es nicht glauben wollte, denn der Kampfgeist der Platzbesitzer ist bekannt.

Im Vorspiel treten die beiden A-Jugendmannschaften vom SV 98 Darmstadt und Arheilgen zum Verbandsspiel an, so daß den Zuschauern die Zeit bis zum Spielbeginn nicht zu lange werden dürfte. Am Samstag spielen die Schüler I um 16 Uhr beim SV 98 und die Schüler II am Mühlchen gegen Weiterstadt. Am Sonntag tritt die A-11-Jugend in Darmstadt gegen Union an und die B-Jugend in Egelsbach. Hewe.

Schülersportfest am Ziegelbusch

Bezirksfachwart L. Jost, Darmstadt, schrieb für kommenden Sonntagnachmittag, 14 Uhr, ein Bezirks-Schüler- und Schülerinnen-Sportfest auf dem Sportplatz der TSG 75 am Ziegelbusch aus. Sämtliche Schüler und Schülerinnen des SV 98 Darmstadt haben hierzu ihre Meldung abgegeben. Zur Austragung kommt ein Vierkampf, bestehend aus 100-m-Lauf, Schlagballweitwurf, Hoch- und Weitsprung. Bei den Kleinsten beträgt der Lauf nur 75 m. Auch werden jeweils die 3 Besten der Einzelkonkurrenzen ermittelt. Einige Staffeln und die Preisverteilung, bei der künstlerisch wertvolle Diplome zur Verteilung an die Sieger kommen, bilden nicht nur den Abschluß des Festes, sondern auch der diesjährigen Wettkampfsaison für die Jüngsten des Bezirks. Das Meldeergebnis ist trotz der vorgerückten Jahreszeit als sehr gut zu bezeichnen und läßt bei gutem Wetter in allen Klassen scharfe Kämpfe erwarten. Nachmeldungen werden noch vor Beginn der Wettkämpfe angenommen. Mgr.

Tennis -Entscheidungen

Für die Endrunde der Kleinen Medenspiele, der Hessischen Mannschaftsmeisterschaft im Tennis, die am Sonntag auf den Plätzen am Böllenfalltor zwischen dem TEC Darmstadt und dem Marburger Tennisclub 1912 ausgetragen wird, hat der TEC nunmehr seine Mannschaftsaufstellung bekanntgegeben. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der internen Klubmeisterschaften spielt diesmal Sigwart an erster und Kleinlogel an zweiter Stelle. Es folgen Pfundtner, zu dem inzwischen Hahn aufgeschlossen ist, Wittich und Haselbach. Es ist also, wenn auch in anderer Reihenfolge, dieselbe Mannschaft, die auch die Siege über Homburg, Höchst, Wiesbaden und Nauheim erkämpfte. Für die Doppelspiele werden Sigwart-Kleinlogel, Pfundtner-Wittich und Hahn-Schüler eingesetzt.

Die Marburger Mannschaft stützt sich vor allem auf ihre drei Spitzenspieler Philipp, Röhn und Dubek, die in ihrer Spielstärke nahezu gleichwertig einzuschätzen sind. Philipp hat in diesem Jahr Siege über Stipanski (Kassel), Schott (Fulda) und Sinclair (Frankfurt) zu verzeichnen, hat allerdings gegen Klein (Frankfurt) verloren. Röhn hat Spieler wie Gertitschke (Kassel) und Thomas-Morr (Frankfurt) geschlagen, und schließlich Dubek hat außer gegen Redslob (Kassel) in allen Begegnungen der Medenspiele keinen Punkt abgegeben. Auch die übrigen Marburger Spieler Lindner, Jung, Jacob und Kuhlmey stellen gute Mittelklasse dar.

Der TEC wird seine ganzen Anstrengungen darauf richten, nach Möglichkeit bereits in den Einzelspielen einen Vorsprung herauszuholen und hat dann in seinen gut eingespielten Doppelpaaren noch ein heißes Eisen im Feuer. Die Spiele beginnen vormittags um V2IO Uhr und werden am Nachmittag fortgesetzt. hex

Volles Programm bei den Ringern

Am Wochenende setzen die Ringer mit folgenden Meisterschaftskämpfen ihr Programm fort: Oberliga:

SG Eckenheim—ASV 86 Frankfurt Darmstadt 98—Dettingen Groß-Zimmern—Hösbach Hanau frei

Landesliga: Neu-Isenburg—l9lo Darmstadt Kostheim—Ober-Ramstadt Sprendlingen—Wiesbaden Arheilgen frei

In der Oberliga haben die 98er in den beiden ersten Kämpfen keine Punkte sammeln können. Am Wochenende empfangen sie mit Dettingen eine kampfstarke Mannschaft, die sich überlegen den Aufstieg sichern konnte. Wenn die Lilienträger vom Tabellenende wegkommen wollen, müssen sie unbedingt den Kampf, der am Samstagabend 20.30 Uhr in der Goetheschule ausgetragen wird, gewinnen.

in den restlichen Begegnungen sind die Gastgeber Favorit. So dürfte Vorwärts Groß-Zimmern auf eigener Matte über Hösbach zum Erfolg kommen, ebenso wie der Vizemeister Eckenheim über ASV Frankfurt.

In der Landesliga muß der Tabellenführer 1910 Darmstadt nach Neu-lSenburg, wo bekanntlich die Trauben hoch hängen. Nachdem die Gastgeber ihren ersten Kampf auf eigener Matte gegen Sprendlingen verloren und die Darmstädter augenblicklich in guter Verfassung sind, müßten die Punkte an die Gäste gehen. Weit schwerer dürfte es die Ringerstaffel der SKG Ober- Ramstadt naben, die in Kostheim auf einen starken Gegner trifft. Bei der letzten Begegnung galt Sprendlingen zu Hause als Favorit. -eri—

Reger Sportbetrieb am Sonntag

Noch Meisterschaften in der Leichtathletik und im Tennis

B.G. — Zu Beginn der zweiten Septemberhälfte, an der Schwelle des eigentlichen Herbstes also, kann im Sport der Fußball noch kräftiger um sich greifen, als es ihm vorher schon zu tun beliebte. Was sich neben ihm noch abspielt, hat zwar in mancher Hinsicht Interesse verdient, es bleibt jedoch die Frage, ob es auch genügend beachtet werden wird. Das deutsche Sportplatz-Publikum spurt von Jahr zu Jahr eingleisiger.

An diesem Wochenende werden die Mannschaftsmeisterschaften der Leichtathletik entschieden. Wieder einmal sollen die Vereine herausgestellt werden, die auf einer breiten Basis kraftvoll die Leichtathletik pflegen. Bei den Endkämpfen der Männer ist der TSV 1860 München um so mehr Favorit, als er in heimischer Umgebung, in München nämlich, um die Entscheidung ringen kann. Seine Gegner im letzten Gang sind Kickers Stuttgart, VfL München, Eintracht Frankfurt und SW Radevormwald. — Die Frauen tragen ihre Entscheidung in Wetzlar aus, die männliche und weibliche Jugend trifft sich in Berlin.

Auch im Tennis sollen die Mannschafts-Meisterschaften entschieden werden, und zwar die Poensgenspiele der Damen (in Düsseldorf), sowie die Medenspiele der Herren und die Henner Henkel-Spiele der Jugend (beide Wettbewerbe in Wiesbaden).

Handball und Hockey werden ihre Freunde bei der Fortsetzung der Meisterschafts- und Freundschaftsspiele finden. — Im Radsport sollen bei der Fernfahrt München—Zürich unsere Berufsstraßenfahrer noch einmal im Feuer einer starken internationalen Konkurrenz geprüft werden. Weitere Veranstaltungen:

Motorsport: 3. Grenzlandring-Rennen für Motorräder und Wagen mit starker Besetzung.

Rugby : Beginn der Meisterschaftsspiele in Süddeutschland.

Boxen: Berufsboxen in Hannover mit Al Hoosman—Kohlbrecher. Pferdesport: Galopprennen in Mülheim (Deutscher Stutenpreis — 10 000 D-Mark), München-Riem und Bremen. Eissport: Tagung des Deutschen Eishockey-Verbandes in Berlin.

Bezirksklasse am Sonntag

In der Fußball-Bezirksklasse Darmstadt, Gruppe 1, ist den beiden Tabellenletzten — den Bergstraße-Vereinen — Gelegenheit gegeben, die ersten Pluspunkte zu holen. Dabei hat Heppenheim in Pfungstadt den stärkeren Gegner, als er in Bensheim (Hofheim) antreten muß. Die Spitzenvereine — zwei Riedklubs — sind gleichfalls zu Hause beschäftigt, ihnen stehen mit Roßdorf und Groß-Rohrheim zwei gute Mittelfeldler gegenüber.

Es spielen: Bürstadt (Tabellenplatz 13)— Ober-Ramstadt (7); Eberstadt (6)—VfR Langen (3); Heppenheim (15)—Pfungstadt (10); Lorsch (I)—Roßdorf (8); Bobstadt (2)— Groß-Rohrheim (9); Biblis (12)—Groß-Gerau (4); Bensheim (14)—Hofheim (11). Viktoria Urberach ist spielfrei.

In der Gruppe II spielt die obere Tabellenhälfte zu Hause gegen das „Unterhaus“, so daß im großen und ganzen mit Heimsiegen gerechnet werden darf.

Es spielen: Egelbach (I)—Walldorf RW (8); SV Münster (7)—Bischofsheim (9); Erbach (6)—Eppertshausen (11); KSV Urberach (12)— Michelstadt (10); Dieburg (s)—Trebur (15); Nauheim (3)—Messel (14); Wixhausen (4)— Mörfelden (13). Ober-Roden ist spielfrei. Die pausierende Favoritenelf der Gruppenliga 11, Germania Ober-Roden, empfängt am Sonntag in einem Freundschaftstreffen die ebenfalls spielfreie Viktoria Urberach. Das „Große Derby“ wird auch am Sonntag wieder Tausende Fußballanhänger an die Frankfurter Straße locken.

Bezirks-Fußballfachwart Leißler bittet uns bekanntzugeben, daß die Spielberichtsbogen sofort nach Spielschluß an seine Pfungstädter Adresse zu senden sind.

Bundesliga schon bald?

B. G. - Das Ersuchen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an seine Regionalverbände, die Meinung ihrer Oberligavereine zum Thema „Bundesliga“ zu ergründen, darf nicht zu dem Schluß verleiten, der DFB wolle das Entstehen dieser Bundesliga beschleunigen. Das Thema ist alt. Schon vor dem Kriege hat es Propagandisten einer Reichs- oder Nationalliga gegeben. Das Bekenntnis der Liga zum Vertragsspielertum mußte die Gespräche wieder auf] eben lassen, und einen weiteren Auftrieb haben sie durch die Reform der Meisterschaftskämpfe erhalten. Die Bundesliga wird kommen, daran zweifeln unter den Fachleuten nur wenige. Aber auch die überzeugtesten Fürsprecher dieser obersten Liga wollen die Entwicklung nicht überstürzen, sie halten eine Uebergangszeit oder eine stufenweise Bewegung für notwendig. Es ist anzunehmen, daß der DFB lediglich das Gelände sondieren und darauf achten will, daß er in der Entwicklung keine Ueberraschungen und fremde Einmischungen gibt. Man denke dabei an die wiederholten, durch das rechtzeitige Eingreifen der alten Vereine vereitelten Versuche von Professionellen, eine auf rein kommerzieller Basis stehende, von den Sportorganisationen und den Vereinen unabhängige Berufsspielerliga zu bilden.

Eine überstürzte Handlung würde ebenso unglücklich sein wie eine glatte Ablehnung. Man muß die Dinge unter Kontrolle halten, aber nicht beiseiteschieben. Eine Uebergangszeit. in der den Vereinen Zeit zur Ueberlegung gelassen und der ganze, immerhin umfangreiche Fragenkomplex geprüft wird, ist auf jeden Fall notwendig. Zum Komplex gehören unter anderem die Fragen Plätze - Leistungsstand - Professionalismus. Die Platzanlagen mit dem Fassungsvermögen, das für die Spiele und — Finanzierung einer jedenfalls kostspieligen Bundesliga notwendig werden, sind in allen großen Städten von der Wasserkante bis zu den Alpen vorhanden. Ob der Leistungsstand unserer Oberligakräfte für eine Bundesliga ausreicht, ist zumindest fraglich. Er ist wieder gestiegen, das haben zahlreiche Spiele unserer Mannschaften mit führenden ausländischen Teams bewiesen, aber ausreichend scheint er uns noch nicht. Man wird auch nicht leugnen können, daß eine Nationalliga den Vollprofessionalismus voraussetzt. Sind jedoch unsere Vereine für einen Vollprofessionalismus schon wirtschaftlich kräftig genug? Werden unsere alten Vereine überhaupt noch die Mannschaften einer Nationalliga halten können oder sollen sich eigene Gesellschaften entwickeln? Und was würde dann aus unseren großen Vereinen werden?

Das alles sind Fragen, die sorgsam geprüft werden müssen. Darüber wird einige Zeit vergehen. Der DFB tut aber gut daran, das Gespräch rechtzeitig zu beginnen.

Sport in Kürze

Der DSW 1912 verweist nochmals seine Mitglieder auf die heute Samstag, 20 Uhr, auf dem Heiligen Kreuzberg stattfindende Veranstaltung, verbunden mit Siegerehrung.

Der am letzten Wochenende ausgefallene 3. DMM-Durchgang zwischen den Leichtathleten von SV 98 und Phönix Ludwigshafen findet nun am Sonntag statt. Abfahrt ab Marstall 10.30 Uhr.

Fußball

in Dieburgs A- und B-Klasse

Im Vordergrund der A-Klassenspiele im Kreise Dieburg steht das Lokalderby des Neulings SG Nieder-Roden und der TG Ober-Roden. Der vorjährige Tabellenletzte konnte durch Beschlüsse am grünen Tisch bleiben und muß sich in dieser Saison besonders bewähren. Die SG Überau, eine Favoritenelf, empfängt die ebenfalls gutspielende Vertretung der SG Götzenhain. In diesem Treffen dürfte der Platzvorteil den Punktgewinn bringen. Dreieichenhain gastiert in Sprachbrücken und geht nicht ohne Punktechancen in den Kampf. Der dritte Vertreter aus dem Kreis Offenbach spielt ebenfalls auswärts bei der SG Mosbach. Einen schönen Kampf werden sich der SV 45 Reinheim und Klein-Zimmern liefern. Weiter spielen Kleestadt gegen Groß-Umstadt, Groß-Zimmern gegen Lengfeld.

Ihr drittes Spiel in der B-Klasse bestreiten auf eigenem Rasen die „Freien Turner“ aus Münster gegen Klein-Umstadt. Im Falle eines Sieges und der Bestätigung der Annahme, daß Schaafheim in Heubach Haare lassen muß, könnte das Münster die Tabellenführung einbringen. In der Gruppe I steht das Treffen von Fränkisch-Crumbach und Groß-B'ieberau im Vordergrund.

Die einzelnen Klassen spielen wie folgt:

Gruppe I: Brensbach — Hassia Dieburg 11, Fränkisch-Crumbach—Groß-Bieberau, Georgenhausen/Zeilhard — Ober/Nieder-Klingen, Wersau — Niedernhausen.

Gruppe II: Münster — Klein-Umstadt, Heubach — Schaafheim, Hergershausen — Reichenbach, TV Groß-Umstadt — Wiebelsbach. -gi-

Handhball

TuS Griesheim in Gelnhausen

Am kommenden Sonntag fährt der TuS Griesheim mit seiner 1. und 2. Handballmannschaft nach Gelnhausen. Die Mannschaften bestreiten dort ihr 3. Verbandsspiel. Die 1. Mannschaft von Gelnhausen ist weit und breit als spielstarker Gegner bekannt. Die Griesheimer 1. Mannschaft wird sich deshalb alle Mühe geben müssen, um zu den ersehnten Punkten zu kommen. Die Kondition der Griesheimer Elf ist zur Zeit gut und wenn am Sonntag die Stürmerreihe so im Angriff liegt wie vor 14 Tagen im Spiel gegen Wiesbaden, dann sind die Aussichten auf einen Sieg als günstig zu bezeichnen.

Lampterheim in Niederrad

In der Landesliga überraschte bisher der Neuling Olympia Lampertheim, der nach drei Spielen zusammen mit Borussia Fulda mit 6:0 Punkten die Tabelle anführt. Er trifft in Niederrad auf einen sehr schweren Gegner, dem man den Vorstoß zur Spitze zutraut. Ferner spielen: Vfß Friedberg — Hessen Hersfeld, 02 Griesheim — VfL Marburg, Germania Bieber — Eintracht Wetzlar, RW Frankfurt— Spielverein Kassel, Hermannia Kassel —SC 03 Kassel, VfL Biedenkopf gegen Borussia Fulda, Hessisch Lichtenau gegen 1. FC Rödelheim, VfL Kassel—Opel Rüsselsheim und Bad Homburg — Hanau 93.

Neues aus dem Sporitkreis Berastraße

Sein letztes Spiel in dieser Saison gewann der TEC Bürstadt am vergangenen Sonntag in dem Tenmistretffen gegen Eberbach mit 8:1. Am kommenden Sonntag werden Bürstadts Ortsmeisterschaften ausgetragen, bei denen in der Männerklasse der Wormser Gastspieler Lid als Favorit angesehen werden darf.

Außenläufer Bienefeld vom FC Olympia Lampertheim stürzte beim Spiel amdetzten Sonntag so unglücklich, daß er mit einem Armbruch in Krankenhausbehandlung gebracht werden mußte.

Am 23. September hält der Sportkreis Bergstraße eine sehr dringende Vorstandssitzung ab, zu der zu erscheinen alle Mitglieder verpflichtet wurden.

Ein schönes Beispiel echter Sportskameradschaft bewiesen die Spieler des FC Fürth, die kürzlich ihrem Mitspieler Buser, dessen Vater die Scheune abgebrannt war, beim Wegräumen der Trümmer behilflich waren.

Das am Sonntag in Auerbach stattfindende Bergturnfest wird, wie Sportkreisfüüirer Bender bekanntgab, aus Anlaß des jähen Todes von Adam Gutschalk, dem langjährigen Zwölfkampfsieger des Kreises Bergstraße und des Sportbezirks Darmstadt, den Namen „1. Adam-Gutschalk-Gedächtnis-Bergturnfest“ tragen. (ni)

Wo gehen wir am Wochenende hin?

Samstag: 13.30 Reit- und Fahrturnier in Griesheim; 14.30 Sportfest der Eleonorenschule im Hochschulstadion; 20.00 Radball-Städtekampf Eberstadt — Pfungstadt— Rüsselsheim im Schwanen, Eberstadt; 20.30 Ringen Oberliga: SV 98 gegen Dettingen in der Goetheschule.

Sonntag: 7.00 und 13.00 Reit- und Fahrturnier in Griesheim; 10.30 Handball: TG 75 gegen SG Jugenheim, Ziegelbusch; 15.00 Fußball: Union Bessungen gegen Rohrbach, Rennbahn; 15.00 Fußball: 2. Liga-Süd: SG Arheilgen gegen Jahn Regensburg am Mühlchen; 16.30 Kunst laufprogramm der TSG 46, Rollschuhbahn am Woog.

Geschäftsmitteilungen

(Außer Verantwortung der Redaktion)

Der heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt der Staatl. Lotterie-Einnahme Otto Raabe, Frankfurt a. M., Kaiserstraße 36, bei, den wir unseren Lesern zur besonderen Beachtung empfehlen.

Einem Teil unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt des Hassia-Sprudels, Bad Vilbel, bei, den wir unseren Lesern zur besonderen Beachtung empfehlen.

Literaturblatt

Fassung des Wortes

GEDANKEN ZU WALDEMAR BONSELS’ „DOSITOS“

Seitdem der „Heliand“ geschaffen wurde, gibt es der Versuche viele, „das Wort“, worunter die christliche Welt vornehmlich die Aussage der Evangelien versteht, in jeweils verwandelter Zeit, andersgeartetem Lebenskreise und verändertem Kulturbewußtsein neu zu fassen und ihm abseits theologischer Auslegung eine selbstverantwortete Gestalt zu geben. Neben manch anderen wissenschaftlichen Bemühungen hat überdies die Leben-Jesu-Forschung der Neuzeit so viel Material über die historische, religiöse und kulturelle Situation Palästinas um die Zeitwende zusammengetragen, daß eine Darstellung des Stoffes auch aus anderen als religiösen Gründen verlockte. Jedoch bleibt tiefes, innerliches Bemühen unerläßliche Bedingung für solches Unterfangen.

In weiten Kreisen sind von den Darstellungen des Evangelien-Stoffes in diesem Jahre Ladislaus Fodors Bühnenstück „Gericht bei Nacht“ und Schalom Aschs Roman „Der Nazarener“ diskutiert worden. Fodors kleines Werk um den Auferstehungsglauben kann nicht davon überzeugen, daß ‘es dem Verfasser mit Ernst um eine Gültigkeit „des Worts“ in der veränderten Welt unseres Zeitalters zu tun ist. Auch Schalom Asch erreicht mit der Jesus-Gestalt seines Romans nicht den seelisch-geistigen Raum abendländischer Religiosität, dazu möchte das Buch viel zu sehr interessante Lektüre sein und mit der Vielfalt der Aspekte fesseln.

Anders verhält es sich mit dem weniger bekannt gewordenen Buche von Waldemar Bonsels, das der Corona-Verlag, Neustadt (Haardt) 1949 herausgab: „Dositos“. Mit seinem Untertitel: „Ein mythischer Bericht aus der Zeitwende“ ist das Werk der Kritik, die für Roman oder biographische Darstellung anzuwenden wäre, entrückt, und es wird zugleich der seelische Raum bezeichnet, aus dem die Gestaltung sich nährt, das Zentrum, in dem religiöses Empfinden und Dichtung ineinander übergehen.

Die leuchtende Farbigkeit des kleinen Landes Palästina vor etwa 2000 Jahren mit der Vielfalt seiner Völkerschaften und der sich widerstreitenden Geistesströmungen, die in Jerusalem zusammenschäumen, bildet den bewegten Grund, aus dem die einzelnen Gestalten hervortreten, geformt aus ihrem Lebenszusammenhange nach Volkstum, Religion, Stand und Sitte und zugleich auch geschaffen aus Dunkel und Helle ihrer persönlichen Seeleneinstimmung zu den Werten adligen und freimütigen Menschentums: so die jüdischen Hohepriester Archiap und Nikodemus, die idumäische Prinzessin Salome, der persische Sterndeuter Adonai, die syrische Sklavin Rodeh, der „Herr der Zeitlosen“ Barabbas, der Römer Pontius Pilatus, Maria Magdalena und der Grieche Dositos. Darlegung und Gesinnung, Denken und Sehnsucht all dieser wird durch eigene Begegnung mit „dem Meister“ oder durch erkenntnissuchende Aussprache mit Dositos in Beziehung gesetzt zu der hohen und einfachen Verkündung, die von diesem „neuen Menschen Jesus“ ausgeht.

Diese Botschaft wird in deutlichem Gegensatz zur jüdischen religiösen Tradition gezeigt und als am eigentlichsten verstanden von dem Griechen, der, auf der Höhe der Philosophie seiner Zeit stehend, von Herz und Geist her erkennt, daß der Meister „Wahrheit ist“ und „was aus ihm hervorbricht, göttlichen Ursprungs“, denn Dositos versteht sich selbst als „im geringen ein Widerschein der gleichen Gewißheit, die den Geist dieses Mannes bewegt“. Jede fixierende Eingrenzung der Aussagen Jesu als Lehre und Moral, Lebensanweisung oder Glaubenssatz weist Dositos zurück als Mißverstehen und Verkehrung der Wahrheit, die dieser „Seher der Seelenfreiheit... aus der Kraft seines Gemütes und seines Geistes“ als eine Liebesordnung über die Weltgesetze stellt.

Findet in diesem Sinne „Wahrheit“ ihre tiefe Deutung, so wird auch „Freiheit“ in solcher Letztgründigkeit nicht als eine „Entbundenheit von allerhand Vorschriften“ verstanden, sondern als „das uneingeschränkte Recht der Seele zu ihrem tiefsten Wert“. Damit entfällt alle Einstufung nach Macht und Ruhm, Erfolg und Rechtfertigung, Herkunft und Glaubensbekenntnis, und es zeigt sich die Wesensunterscheidung der Menschen nach der Aufrichtigkeit ihres geistigen Seins, nach der Rechtschaffenheit ihrer Gesinnung, nach der Kraft ihres liebenden Bewirkens.

Abseits kirchlicher Lehre und den Gegensätzen von „heidnisch“ und „christlich“ enthoben, findet sich in dieser Deutung das Menschenherz als einzige Wertgewißheit „ausgesät in die vergebliche Welt“, durch die hin „das Wort“ als „die uranfängliche Kraft aller Bildung und Gestalt und Sein“, wie der Grieche es deutet, seinen Weg „zu seinem Ursprung, zu Gott“ zurück nimmt. „Das Wort“ — Dositos in der letzten Aussprache mit Salome — „ist auch ohne Worte zu verstehen ... In der Scherbe läßt es den Krug erschauen, im Tropfen das Meer, in einem leisen Widerhall das ganze Herz“. Tod und Auferstehung, die starren Grenzsteine späterer kirchlicher Lehre, begreift der Grieche aus der Weite einer Weitsicht, die getragen wird von der Kraft lebendigster Gottesgewißheit, die in Wandel und Wiedergeburt den wirkenden Geist göttlichen Ursprungs immer erneut bestätigt findet. Wer Bonsels Werke kennt, erspürt die Linie, die durch sie hindurchführt bis zu „Dositos“, dem „mythischen Bericht aus der Zeitwende“, der seine Fassung und Deutung „des Worts“ gibt aus selten starkem, herzeigenem Erarbeiten und großer, dichterischer Sprachkunst. Zur Besinnung auf den reinen Wert und die höchste Möglichkeit menschlichen Wesens schenkt das Buch einen bedeutenden Beitrag.

Dr. Margarete Dierks

„Das Kkleine Buch“

Der Verlag C. Bertelsmann setzt mit neuen Bändchen seine Reihe „Das Kleine Buch“ erfolgreich fort. Die ansprechend ausgestatteten Büchlein in Cellophanpackung (Preis 1,80 DM) haben sich besonders bei der anspruchsvolleren Leserschaft durch die glückliche Wahl ihrer Autoren rasch viele Freunde erworben, so daß für die meisten Nummern schon bald eine Neuauflage nötig wurde. So begrüßt man jetzt besonders den Namen Knut Hamsun. Seine Erzählung „Vagabundentage“ ist der erschütternde Bericht vom unsteten Trampleben in USA; in ihrer Seelenmalerei eine Meisterleistung. — Wilhelm Fredemann, der besinnliche Niedersachse, erzählt in „Der Geschworene“ von einem Mann, der in der Schwurgerichtsverha'ndlung nicht über die Schuld des meineidigen Angeklagten, sondern über die eigene Lebenslüge zu Gericht sitzen muß.

Neue Romane im Desch-Verlag

Eine Anzahl von Neuerscheinungen legt der Verlag Kurt Desch, München, im Herbst 1950 vor. Neue Werke der deutschen Autoren Ernst Wiechert, Kasimir Edschmid und Arnold Zweig, Romane der jungen deutschen Schriftsteller Walter Bauer und Hans Hellmut Kirst, internationale Erfolgsbücher von Hermann Kesten, Robert Neumann, W. Somerset Maugham, Alberto Moravia, A. B. Guthrie und Katherine Ann Porter bilden das Programm. Neuauflagen berühmter Werke von Romain Rolland, Pearl S. Buck, Hans Fallada und Friedr. Schnack vervollständigen diese weltoffene Reihe literarisch wertvoller Romane.

Reclams Universalbibliothek

Der Reclam - Verlag bringt in der September-Serie seiner Universal-Bibliothek Neuauflagen nachstehender Werke:

Friedrich Hebbel, Maria Magdalena (3173); Albert Lortzing, Der Waffenschmied (2569); C. F. Meyer, Die Versuchung des Pescara (6954/55); Friedrich Schiller, Don Carlos (38/38a); Wilhelm von Scholz, Die Liebe der Charlotte Donc (7460); William Shakespeare, Ein Sommernachtstraum (37); Giuseppe Verdi, Die Macht des Schicksals (7297); R. V. Volkmann-Leander, Träumereien an französischen Kaminen (6091/92).

Stijn Streuvels, Kurt Kluge, Herbert v. Hoerner

Der Engelhornvertag Adolf Spemann, Stuttgart, kündigte für die Septemberwochen drei Neuerscheinungen und Neuauflagen an, die bei allen Bücherfreunden lebhaftes Echo und Interesse finden werden.

Stijn Streuvels' Roman „Des Lebens Blütezeit“ wird dem großen Flamen neue Freunde schaffen.

Zum Gedenken des 10. Todestages des Dichters erscheint in Neuausgabe Kurt Kluges „Die gefälschte Göttin und andere Erzählungen“. Eine Neuauflage Herbert von Hoerners „Die Kutscherin des Zaren“ erinnert an den vielverehrten seit 1945 vermißten baltischen Dichter.

Heimat und Ferne

Luis Trenker: „Heimat aus Gottes Hand.“ Volksausgabe, Verlag C. Bertelsmann, 525 Seiten, Ganzleinen, 5,85 DM.

Hunderttausende begeistern sich an den Bergfilmen von Luis Trenker. Aber auch in seinem literarischen Schaffen ist dieser Mann der Kamera und kühne Bergsteiger ein Künder seiner herrlichen Dolomitenheimat. Vom stolzen Berghof Fioll in den Grenzbergen des Ladiner Landes wird erzählt. Von seinen Menschen und dem Schicksal der Söhne in guten und bösen Tagen, bis nach Stunden letzter Bewährung ein neues Blatt in der Geschichte des Hofes aufgesehlagen wird, und darüber steht: Man muß seine Heimat erst verlieren, um sie ganz zu besitzen! Trenker hat diesen Dolomitenroman als Dank und stilles Bekenntnis seiner Mutter gewidmet. Sein tiefstes Fühlen und Wollen finden seine Freunde hier in dichterischem Gewände ausgesprochen: Selbstzeugnis einer starken und liebenswerten Persönlichkeit.

A. E. Johann: „Schneesturm, Heimweh und nächtlicher Bambus.“ Roman einer Flucht nach Hause. 1.—20. Tausend. 487 Seiten. Volksausgabe. Ganzleinen 5,85 DM. C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh.

A. E. Johann hat auf ausgedehnten Reisen alle Kontinente kennengelernt. Er versteht es wie wenige, aus eigenen Erlebnissen und einer nie versiegenden Phantasie schöpfend, Abenteuer in fernen Erdteilen wirklichkeitsnah und pakkend zu schildern.

„Schneesturm, Heimweh und nächtlicher Bambus“ erzählt von den abenteuerlichen Erlebnissen zweier junger Deutscher in Amerika. Hier die Route ihrer Flucht nach Hause: Kentucky—Chicago— British-Columbia —Alaska Hokkaido Hondo und die China-See. Was sie erlebten? Die Weite der Welt und die ewige Kameradschaft gedrückter Menschen aller Rassen und Erdteile. Wo der Ohio rauscht, wo über eisigen Tundren das Nordlicht strahlt, über sonnenheißer Prärie die Züge nach Westen donnern, wo Japan lockt, das Land der Kirschblüte und der Freundschaft — überall weht ihnen der Freiheit Wind. Ein letztes Stück Romantik aus der harten Gegenwart von heute.

A. E. Johann hat mit diesem weltweiten Abenteuerroman für Deutschland jenen Buchtyp neu geschaffen, den alle Welt heute sucht und den die angelsächsischen Völker unter glücklicheren Umständen schon lange pflegen.

„Atlantische Fahr t“, Ernst Jünger, Otto-Reichl-Verlag, Tübingen, 94 Seiten, Leinen 6,60 DM.

Dieses kleine Büchlein Jüngers, 1947 zum erstenmal in England für deutsche Kriegsgefangene herausgebracht, schildert in tagebuchartigen Aufzeichnungen seine Reise zum Delta des Amazonas. Die Azoren, die Kanadischen Inseln und die marokkanische Küste sind die Stationen einer still-beschaulichen Fahrt, die abseits des Lebensstromes dem Dasein der kleinen Dinge gewidmet ist. Es wird nicht viel fabuliert, werden keine tropischen Reisebeschreibungen geboten, sondern hier wird aus dem Schwirren eines goldleuchtenden Kolibris das Leben am Ursprung des Daseins zelebriert. Das Flammenfanal des blühenden Hibiskusstrauches, ein bunter Käfer, die vollendete Grazie einer Schlange — all das macht Jüngers Welt aus, eine Welt, die in der Verinnerlichung des Schauens ihren wahren Wert erfährt. In Jünger findet die Sehnsucht des Menschen nach der Rückkehr zur göttlichen Ursprünglichkeit ihren beredtesten Ausdruck. Er ist ein Meister der deutschen Sprache, vielleicht nach Rilke und Nietzsche der bedeutendste, sparshm in den Mitteln des Ausdrucks, doch klangvoll und farbig, ein Instrument im Orchester der Literatur, das durch seinen reinen Klang bezaubernd hervorsticht. Es ist schwer, das Gesamtschaffen Jüngers unter einem einzigen literatur-kritischen Aspekt zu betrachten, sicher ist jedenfalls, daß sein Einfluß auf die Literatur einem späteren Zeitpunkt vorbehalten werden wird. hfl.

In Dur und in Moll

Friedrich Markus Huebner: „Sterne über Amsterdam“; im Peschko-Verlag, Darmstadt, Halbleinen, 244 Seiten.

Ein Buch über eine gefährdete Ehe zu schreiben, scheint in der heutigen Zeit nicht schwer. Wird uns doch immer wieder, hervorgerufen durch die in Verwirrung geratenen Zeitverhältnisse (oder sollte man Mißverhältnisse sagen?) vorexerziert, wie wenig die heutige Menschheit willens oder in der Lage ist, noch an die unabdingbare Richtigkeit des Sakraments der Ehe zu glauben. Huebner versucht in dem Buch „Sterne über Amsterdam“ sein zweifellos vorhandenes Können an der Schwierigkeit des vorher aufgezeigten Themas. Der Versuch scheint, so gefällig das Buch auch, nachdem die schwierige Klippe einer langatmigen, aber sicher notwendigen Einleitung umschifft ist, nicht ganz gelungen: Denn der Verfasser löst die Problematik der ter Meerschen Ehe nicht dadurch, daß er die beiden Ehepartner als in sich gefestigt schon von allem Anfang an immun gegen die Anfechtungen von außen darstellt. Vielmehr überläßt er es letztlich dem Zufall und den Mächten zwischen Himmel und Erde, die Eheleute ter Meer wieder vor den wieder flott werdenden gemeinsamen Wagen ihrer Ehe £u spannen.

Zusammenfassend: Ein Buch, durchaus lesenswert, aber keineswegs ein dichterisches Werk von überragender Bedeutung. We. *

Monika Brilioth: „Schwedische Rhapsodie“. Aus dem Schwedischen übertragen von Josef Müller-Tschaffon. Originaltitel: „Dit vinden blaser“. I. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart, 292 Seiten, Ganzl., 7,50 DM. Für dieses Buch wurde die A,utorin mit dem Großen Skandinavischen Erzähler¬ preis 1948 ausgezeichnet. Die Handlung des Romanes spielt auf den schwedischen Herrensitzen in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Das traumhafte Liebesabenteuer des Mädchens Sjgne mit dem Leutnant Peder wird zum Inhalt eines vielverschlungenen Geschehens, das trotz Enttäuschungen und tragischen Zwischenakten eine natürliche und dennoch überraschende Erfüllung findet. Zum ersten Male nach langer Zeit bringt uns Skandinavien in diesem Gesellschaftsroman mit einer Fülle eigenartiger Gestalten und spannender Schicksale, im farbigen Wechselspiel ernster und heiterer Episoden, ein Buch wahrer und überschäumender Lebensfreude. Diese Lebensgeschichte ist in ihrer Mischung aus Phantastik und Realismus ein schimmernder Spiegel der in keine Formel zu fassenden, immer wieder überraschenden Wege des Lebens. Was den Roman so liebenswert macht, ist die leichte und behutsame Hand der Autorin in der Schilderung tragischer Situationen, ihr wunderbares dichterisches Einfühlungsvermögen ’ für die kleinen menschlichen Schwächen, immer mit zarten Strichen gezeichnet und dabei doch einen feinen Humor zeigend. Was den vorliegenden Roman darüber hinaus besonders wertvoll macht, ist die ausgezeichnete Übersetzung von Josef Müller-Tschaffon. Dazu kommen noch ein klarer Satzspiegel, ausgezeichnetes Papier und geschmackvoller Ganzleineneinband.

Salamande hücher

statt Schund und Schmutz

Eine internationale Vereinigung zur-Herausgabe des guten Jugendbuches „Juventus“, die im Jahre 1948 in Amsterdam gegründet wurde und in der Schweiz, in Holland, Schweden und Oesterreich gute Literatur für die heranwachsende Jugend herausgibt, bringt jetzt ihre erste, vornehmlich für die 14- bis 20jährigen bestimmte Buchserie, die „Salamanderbücher“, auch in Deutschland heraus.


DIE DEUTUNG DES WORTES Aus der Russischen Kapelle auf der Künstlerkolonie, einem Geschenk des Zaren Nikolaus 11. von Rußland an seinen Schwager, den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen. Das Bild zeigt den die Heilige Schrift deutenden Christus, ein aus Tausenden von bunten Steinchen zusammengesetztes Mosaikbild an der Rückseite der Kapelle. Foto: Kenner
DIE DEUTUNG DES WORTES Aus der Russischen Kapelle auf der Künstlerkolonie, einem Geschenk des Zaren Nikolaus 11. von Rußland an seinen Schwager, den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen. Das Bild zeigt den die Heilige Schrift deutenden Christus, ein aus Tausenden von bunten Steinchen zusammengesetztes Mosaikbild an der Rückseite der Kapelle. Foto: Kenner

Ein Rufer in die Tiefe

ZU J. P. SARTRES ERZÄHLUNGEN „DIE MAUER“. IM ROWOHLT - VERLAG

Das Unterbewußte gehört zu den Grenzbezirken des menschlichen De seins, deren Zugang nicht dem landläufigen Literaten offensteht. An der Schwelle subtilster Empfindungen, an der messerdünnen Scheide zwischen Perzeption und realstem menschlichem Handeln findet der schöpferische Geist des Schriftstellers seine natürliche Beschränkung.

Anders J. P. Sartre. Er gehört zu den wenigen universalen Lebenden, die an dem Punkt beginnen, den zu erreichen anderen verwehrt ist. er beschreitet einen Weg, der in die Niederungen des seelischen Handelns führt, der dem Menschen keine Erlösung verheißt, sondern die Verdammnis im Ausweglosen und Unabänderlichen. Das Fatum des Daseins wird zu einem grandiosen Gemälde des bewußt Verschwiegenen, es werden Gedanken mit dem scharfen Skalpell einer ätzenden Logik bloßgelegt, die peinlich sind, da sie die Unehrlichkeit des Lebens geißeln, die Lüge der Konvention und die Verkrampfung der triebhaften Gefühlswelt.

Die innere Ehrlichkeit gehört nicht zu den stärksten Seiten des Menschen, er verschleiert die Notwendigkeit seines Handelns zugunsten einer fiktiven Moral, an die er glaubt, ohne sie zu erkennen. Bei Sartre gibt es zweierlei Menschen. Den äußeren, der für ihn bedeutungslos und ohne kosmischen Gehalt ist, der eine Aufgabe erfüllt, die ihm im Rahmen seiner bürgerlichen Position vorgeschrieben ist. nach den starr-formalen Spielregeln der Gesellschaft. Wichtiger ist ihm. und nur dieser, der zweite, der riesige Schatten des Körperhaften, der in der optischen Verzerrung eine glasklare seelische Transparenz mitbringt. die den Werken Sartres die geistige Gültigkeit verleiht. Hier ist auch der Ansatzpunkt seiner Aussage zu suchen, die Aufdeckung der kreatürlichen Angst, das Wissen um ein unwiderrufliches Kismet, die Daseinsfurcht, die aus allen Handlungen der Lebenden spricht.

Sartres Bücher, und besonders der vorliegende Band Erzählungen, der vom Rowohltverlag in nur beschränkter Auflage einem kleinen Kreis zugänglich gemacht wurde, sind eine Zumutung. Sie bedeuten in jeder ihrer Stoffbehandlung eine Vergewaltigung des Lesers. Hier wird nichts mehr verschwiegen, aber auch nichts. Sie setzen eine gefestigte Lebensanschauung voraus, sie sind eine Versuchung für die Schwachen und Wankelmütigen. denen der Autor kein Positivum zu geben hat. es sei denn die Nivellierung aller Hoffnungen. Das Dantesche „Lasciate ogni speranza voi qu’entrate“ steht wie ein Fanal der götterlosen Ausweglosigkeit über jeder seiner Handlungen. In der Erzählung „Die Mauer“, zweifellos der stärkste Beitrag des Buches, geht es um die Erkenntnis der Sinnlosigkeit des Schicksals. Der spanische Revolutionär Ibbieta erlebt die Nacht vor seiner Hinrichtung durch die Falangisten. Man bietet ihm sein Leben gegen das seines gesuchten Freundes. Ibbieta läßt sie auf dem Friedhof suchen, an einer Stelle, wo dieser niemals sein konnte. Er wollte sein Leben so teuer wie möglich verkaufen, und sei es nur um des Spaßes willen, den er hatte, seine Feinde ins Bockshorn zu jagen. Aber sie finden den Freund tatsächlich an der bezeichneten Stelle, und Ibbieta erkauft so sein Leben, das er fortgeworfen hatte, um den Preis eines wahnwitzigen Zufalls des Daseins.

Die Sprache dieser Erzählung, die in der Ich-Form geschrieben ist. wirkt erschütternd in ihrer dramatischen Dichte. Sie wird wie das Instrument eines Chirurgen gehandhabt, scharf und läuternd, und so den Dingen eine letzte, in ihrem Sinn nicht zu erkennende Unabdingbarkeit zu verleihen. „Das Zimmer“ stellt bildnishaft die verschlossene Kammer des Unterbewußten dar. Immer mehr haben sich die großen Schriftsteller unserer Zeit der Sexualpsychologie angenommen. Hier geht es weniger um eine wissenschaftliche Definierung der Pathologie des Geistes, als darum. Regungen und Begierden der geschlechtlichen Anziehung aufzuzeigen, die Randerscheinungen im gemeinschaftlichen Dasein darstellen. und von denen zu sprechen bislang der Intuition des Autors verwehrt war. So gehört auch die Erzählung „Herostrat“, ein Mann, der von nackten Bächen träumt, in die er sechs kreisrunde Löcher um den Nabel schießen will, um seinen Namen unsterblich zu machen, mit zu dem Sartreschen Programm. das Krankhafte der Triebe mit schonungsloser Offenheit zu zeigen, vielleicht zu schonungslos für eine Zeit, die ihr höchstes Ideal in der Unwahrheit sucht. „Intimität“ ist ohne Zweifel das gewagteste Experiment des Autors, der hier in Bezirke vorstößt, die zwar jedem Menschen innewohnen, wenn er vor sich selber ehrlich genug ist. sie einzugestehen. von denen man aber nicht spricht, und schon gar nicht schreibt. Die letzte Erzählung „Die Kindheit eines Chefs“ behandelt die seelische Entwicklung eines .Mannes, die Versuchungen und Widerstände, die mühsame Selbstbehauptung im Rahmen der bürgerlichen Konvention.

J. P. Sartre geht es um die letzten pmge. er gehört zu den wenigen Rufern dle.„Tiefe- denen das Echo voll süßer Verheißungen ist. er rührt im Schlamm der moralischen Apoplexie, um aus dem Filtrat des Satzes den wahren Menschen zu erkennen. Horst Fr. List

Carl Zuckmayer wird die Festrede zur Eröffnung der Bremer „Kammerspiele“ halten, die mit seinem Schauspiel „Gesang im Feuerofen“ Anfang Oktober ihr Programm eröffnen.

Die Sendeprogramme vom 17. bis 23. September 1950

Hessischer Rundfunk

Mittelwelle: 208,5 m (1439 kHz)

(Frankfurt, Kassel, Fritzlar)

UKW-Sender: Feldberg 95,7 MHz, 3-m-Ban

Rundsehm^ J s,3oUhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr 7 10 Uhr Pr^„S dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). stände Rls grammhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasser¬ , ■ • Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der

hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.

Sonntag, 17. Sept.

6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Katholische Morgenfeier 9.15 Bilanz der Frauenbewegung 9.30 „Bereit sein ist alles“ 10.00 Französische Kammermusik 10.30 Frankfurter Gespräch 11.15 Unterhaltvngsmatinee 13.00 Virtuose Musik 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung 14.30 Die Geschichte von Pustebacke und dem kleinen Klaus 15.00 Kriegsgefangenen- und Heimkehrer-Programm 15.15 Die Stunde des Chorgesangs 15 45 Wie die Frankfurter vor Kronberg ihre Hiebe bekamen 16-00 Tanztee mit Willy Berking 17.00 Musikalischer Zeitvertreib, dazwischen Sportreportagen 20.00 Was wird hier gespielt? 21.00 Das Genie Eine satirische Kurzgeschichte 21.10 Richard Strauss Drei Hölderlin-Hymnen 22.10 Sportberichte 22.30 Ballonfahrt gegen Opernpremiere / Eine Hörfolge 23.15 Tanzmusik

Montag, 18. Sept.

5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.30 Heimkehrer-Meldungen 11.15 Schulfunk 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau; anschließend Musik 14.15 Hessische Schüler musizieren 16.00 Instrumentalkonzert 16.45 Zwei Erzählungen von Wolfgang Martin Schede 17.00 Alt-fränkisches Volksliederspiel 18.00 Deutsche Mädchen als Hausangestellte in England 18.30 Intime Musik 20.00 Zum Feierabend 21.00 Probleme der deutschen Politik 21.15 Aus der Welt der Oper 22.15 Man lacht, man lebt, man liebt 23.00 Zärtliche Weisen

Dienstag, 19. Sept.

5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 11.15 Schulfunk 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Hörbilder aus dem täglichen Leben 14.15 Schulfunk Stützen der Gesellschaft 15.10 Kleine Anzeigen der Hessettrundschau 16.00 Konzert 17.00 Bücherstunde 17.15 Ausschnitte vom Liedertag in Klein-Auheim 18.00 Eine Frau reist nach Lappland 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.30 Musikalische Ansichtskarten 20.00 Tanzpotpourri mit Willy Berking 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21.05 Musik für Streicher 21.20 Ein Kabarett aus Werner Fincks „Mausefalle“ 22.15 Das Abendstudio

Mittwoch, 20. Sept

5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.05 Unterhaltungsmusik 11 15 Schulfunk Stützen der Gesellschaft 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Musik der Werktätigen 14.00 Kompositionen von Gerhard Maasz 14.15 Paul Eipper erzählt von Spinnen. 15.00 Unterhaltende Musik 15.45 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Der Lyriker Franz Werfel 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 18.00 Für unsere Studierenden 18.20 Entspannende Musik 20.00 öffentliches Sinfönie-Konzert 22.15 Die Kurbel 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz

Donnerstag 21. Sept.

5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Paul Eipper erzählt von Spinnen 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschließend Musik 14.15 Schulfunk: Kohlrübenwinter 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Hausfrauenkonzert 16.50 Was muß die Frau über die Sozialversicherung wissen? 17.00 Musik am laufenden Band 18.00 Hörerlieblinge Es singt Rosi Seegers 18.15 Aus der Wirtschaft 18.30 Im Dreivierteltakt 20.00 Der Wunschzettel 21.00 Blick auf Europa 21.10 Unterhaltungsmusik von heute 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Liederstunde 23.00 Nachtkabarett „Lehrfach Humor" 2X15 Tanzmusik

Freitag 22 Sept.

5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik • 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk: Kohlrübenwinter 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Das Panorama 14.15 Schulfunk: Der Geschichtenerzähler besucht den Hexenturm 16.00 Solistenkonzert 16.45 Für junge Menschen 17.00 Froh und heiter 17.40 „Man spricht von . . ." 18.00 Wissen und Leben 18.30 Konzert für die Jugend 20.00 Operettenrevue 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21 05 Konferenz der Tiere 22.15 Frankfurter Komponisten 23.00 Briefmarkenplauderei 23.15 Jazz aus 'Schweden

Samstag. 23. Sept.

5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Telefon 3 00 01 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 Das aktuelle Interview 15.10 Musik an zwei Klavieren 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 Bunter Nachmittag 18.00 Patente und Warenzeichen 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 Funk-Karussell 21.00 Fußball-Pädagogik 22.10 Sportergebnisse 22.30 Musik der Heimat 23.00 RIAS bittet zum Tanz 0.30 Barmusik

Süclwestdeutscher Rundfunk

Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 251 m (1196 kHz), (1538 kHz)

(Baden-Baden, Freiburg, Koblenz, Kaiserslautern

Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr

12.20 Johann Sebastian Bach Kantate Nr. 100 13.30 Volksmusik und Chorgesang 14.15 Frohe Melodien 15.30 Viel Musik und wenig Worte 17.00 Das - Unterhaltungs-Orchester 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Donaueschinger Musiktage 1950. Sinfoniekonzert 22.15 Sport und Musik 23.00 Andrö Maurois:

Kursus über Eheglück 12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik am Nachmittag 17.20 Solistenkonzert 18.20 Aus der Welt des Sports 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Mein Handwerk fällt mir schwer“ 21.00 „Die weiße Dame“ Komische Oper von Boieldieu 22.30 Cembalomusik 23.15 „Tausend bunte Noten“

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Sinfoniekonzert 16.30 Sang und Klang im Volkston 17.15 „Schöne Stimmen“ 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operettenkonzert 20.45 Hörspiel „Indizien" von Fritz Ernst Bettauer 22.30 Musik der Welt 23.25 Jazz 1950!

12.20 Mittagskonzert 13.15 Solistische Unterhaltungsmusik 15.30 Musikalische Teestunde 17.15 Solisten-Konzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Das Prisma 22.20 Strahlen aus dem Weltall 22.30 Klaviermusik t 23.15 Tanzmusik aus Italien

12.20 Mittagskonzert 13.15 Mftsik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingcn 16.00 Lyrik fremder Völker 16.15 Nachmittagskonzert 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein Tanzabend 21.10 Unterhaltungsmusiker von heute: „Werner Eisbrenner" 22.30 Die großen Meister

12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musik zur Teestunde 16.30 Klaviermusik 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Kammermusik 20.45 „Vom Bodensee bis an des Maines Strand" 21.30 Volksmusik und Chorgesang 22.30 Suche Frau zwecks Ehe

12.20 Mittagskonzert 13.15 Allerlei Neuigkeiten vom Plattenteller 14 30 Frohes Menend 1515 Opernmelodien 16 00 Unser Samstag-Nachmittag 1715 SanS und KlanS im Vol^on 18-30 Musik zu® Feierabend 20.00 Großer Bunter Abend 22.30 Der SWF bittet zum Tanz 0.10 So tanzt man in Paris

Süddwutscher Rundfunk

Mittelwelle: 522 m (575 kHz)

(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)

Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,212.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr

12.00 Musik am Mittag 13.00 Neue Schallplatten 13.30 „Mozart in der Pfalz“, Hörfolge 14 00 Stunde des Chorgesangs 14.30 Lustiges Kasperle-Hörspiel 15.00 Ein vergnügter Nachmittag 17.00 „Pioniere des Hörspiels“ Rich. Billinger: „Der Gigant“ 18.05 Unterhaltungskonzert 20.05 Musik und Dichtung der Völker 22.20 Im Rhythmus der Freude

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Französische Kammermusik 18.00 Zeitfunk und Unterhaltungsmusik 20.00 Musikalische Abendunterhaltung 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.00 Zeitgenössische Musik 22.45 Staufische Dichtung aus Italien 23.15 Kleines Konzert

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Musik altitalieniseher Meister 18.15 Klänge der Heimat 20.00 „Brüderlein fein“ Operette von Leo Fall 20.50 Alt-Wiener Melodien 21.05 Gespräch über die Grenze 22.00 Die Rundfunktanzkapelle 22.45 „Endlich einmal früh ins Bett" Eine heitere Reportage 23.15 Barmusik

12.00 Musik am Mittag 14.30 Unterhaltungsmusik 16.15 Konzertstunde 17.15 Robert Volkmann 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 „Die Bürger von Calais“ Hörspiel 20.55 Lieder und Kammermusik aus aller Welt 22.00 Tanzmusik 23 10 „Tanz der Spröden“

12.05 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.10 Alte und neue Hausmusik 19.30 Sport gestern und heute 20.00 Frohes Raten — gute Taten 20.45 Beliebte Tanzkapellen 22.00 Einführung in die Badische Klaviermusik 22.30 Dichtung der Jungen 23.00 Mozart — Beethoven 0.05 Jazz im Funk

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Froh und heiter 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 22.00 Drei Rundfunktanzorchester spielen 22.45 ..Die Schmunzelecke“ 23.15 Tanzmusik

12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Frohes Raten — gute Taten 18.35 Kleines Konzert 20.00 „Gute alte Zeit" 21.00 Liebe alte Weisen 22.00 Schöne Stimmen 22.30 Das Kammertanzorchester Hans Conzelmann 23.00 Melodie zur Mitternacht 23.50 Tanzmusik aus aller Welt

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Pockenschutz-Erstimpfung Der für 18. September 1950 angesetzte Impftermin in Darmstadt-Arhellgen sowie die weiteren für Darmstadt-Eberstadt und Darmstadt-Stadt vorgesehenen Impftermine werden bis auf weiteres ausgesetzt. Neue Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben. Die Nachschau der bisher erfolgten Impfungen finden jedoch termingemäß statt. Darmstadt, den 14. September 1950 Stadt Darmstadt • Amt für öffentliche Ordnung Schadenersatzansprüche aus Anlaß der in der Zeit vom 11. bis 19. September 1950 stattfindenden Manöver der amerikanischen Besatzungsmacht können nur innerhalb von 5 Tagen nach Beendigung der. Manöver geltend gemacht werden. Nähere Hinweise hierzu sind aus den Anschlägen im Stadthaus, Lagerhausstraße 1, sowie in den Amtsräumen der Bezirksverwaltungen Darmstadt-Arhetlgen und Darmstadt-Eberstadt ersichtlich. Darmstadt, den 14. September 1950 Stadt Darmstadt Auskünfte Über die Erfassung von Reparations- und Restitutionsschäden werden auf dem Landratsamt, Zimmer 5, erteilt. Heppenheim, den 12. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße I. A.: Grein Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, den 14. 9. 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 20.00 Martinsstift; 20.00 Pauluskirche; Musikai. Vesper; 20.00 Elisabethenstift; 20.00 Johannesgemeinde. Sonntag, den 17. 9. 1950 Bessunger Kirche: 8.30 Kgd., 9.30 Hgd. m. Opfergang z. Tag d. Inneren Mission, 12.00 Tgd. Pfr. Stenger. Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd. Pfr. Köhler, 10.00 Hgd. m. Hlg. Abdm. Pfr. Widmann; 11.15 Kgd. i. Martinsstift Pfr. Widmann; 11.15 Kgd. im Gemeindehaus Pfr. Stühlinger. Altersheim, Emilstraße: 10.00 Gd. Pfr. Köhler. Matthäuskirche: 8.30 Chrl., 9.30 Hgd., 10.45 Kgd. Pfr. Mappes. lohannesgemelnde: 9.30 Hgd. m. Opfergang z. Tag d. Inneren Mission, u. Taufen u. Mitwirkung d. Kinderchores, 11.00 Kgd. Pfr. Orth. (Jed. Morgen 7.30 Morgengebet; Mi. 20. 9.: 20.00 Uhr Gemeindeabend: Bericht vom Essener Kirchentag.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Ring. Pauluskirche: 8.00 Abendmahlsgd., 9.30 Predigtgd. Pfr. Britz, 11.00 Kgd. Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Hlg. Abdm., 11.00 Kgd. Stadtmission, Mühlstr. 24: 8.30 Gebetsstd., 11.00 Kgd., 15.30 Evangelisation, 20.00 Jgdbd. f. EC. (Dö.: 20.00 Bibelstd.) Da.-Eherstadt: 7.30 Evg. M„ 9.45 Hgd., 11.15 Kgd. Da.-Arhellgen: 8.00 Schloßkirche Kranichstein, 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., 15.00 Vortrag Dr. Schapitz: „Das Christentum auf der Anklagebank“. Katholische Gottesdienste Sonntag, den 17. 9. 1950 St. Ludwig: 6.30 Frühmesse; 8.00 Singm. m. Pr.; 9.30 Pontifikalmesse d. Hochwst. Hochmeisters d. Deutsch. Ordens m. feierl. Profeß d. Deutschordensklerikers Fr. M. Stanzel; 11.00 Singm. m. Pr.; 18.00 Andacht; Wilhelminenplatz 9: 8.00 Kindergottesdienst . (Werktagsgottesdienst: tägl. 6.45 und 7.30 hl. Messe in der Niederramstädter Straße) Beichtgelegenheit: Sa. v. 18.00—20.00. Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pr.; 8.15 Hochamt m. Pr.; 10.00 Kindergottesd. m. Anspr.; 18.30 Andacht. (Werktags: tägl. 630 hl. Messe; Di., Mi., Fr. u Sa. 2. hl. Messe 8.05; Do-Abend 19.00 Jugend- und Kindermesse; Mi. 8.05 Gemeinschaftsmesse f. d. Frauen.) St. Elisabeth: 6.30 Frühmesse; 8.45 Singmesse; 9.00 Kindergottesd.; 10.15 Hochamt; 20.00 Andacht mit Segen. St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwest. ( Feldberg-Straße 32); 6.45 Beichte; 7.30 Singm. m. Pr. u. Komm.; 8.45 Kinderm. m. Pr. u. Komm.; 10.00 Hochamt mit Pr. u. Komm.; 19.30 Sakramentale Bruderschattsandacht. (Werktags: hl. Messen 6.30 u. 7.30; Do. 7.30 Gemeinschaftsmesse d. Frauen m. Vortiag, Beichte: Sa. 17.00—19.00 u. ab 20.00; sonst vor jedet hl. Messe.) Da.-Eherstadt: 7.00 hl. Messe m. Ansprache; 9.30 Hochamt m. Kinderkomm. u. Katechese; 19.30 Sakramentale Andacht mit Proz. i. d. Kirche. (Werktags: 6.45 Amt oder hl. Messe; Sa 16.00—18.30 Beichtgelegenheit.) Da.-Arhellgen: 7.00 hl. Messe; 8.30 Kindergottesdienst 945 Hochamt; 20.00 Andacht. Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 1.00. Di. 7.00, Mittw. u. Sa. 8.00 Menschenweihehandlung. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunusstr. 40, Sonntagsgottesd. 14.30; Mittwochabend 18-.30 (Zeugnisversammlung). Freie Religionsgemeinschaft So. 15.00, freireligiöse Weihestunde im Prinz-Emil-Schlößchen. Pfr. Max Gehrmann, Offenbach/M.

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