Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Ved?gEna^f^: ERICH DOMBROWSKI. Darms°Bdt Bhr,Tagb?lt U c- Wittich, Erscheint t»B^.nSuaße 23 • Telefon 39 25. ^rscneint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 66 Jieuefte XadiridHen Freitag, 15. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 39 25. Bezugspreis 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. 1 7 1950 Preis 15 Pfennig *

Um die deutschen Truppen

England und Frankreich zur Diskussion bereit - Ende des Kriegszustandes?

• , eu^or^’ September. (AP.) England und Frankreich haben si am Donnerstag bereit erklärt, die Frage der Verwendung deutsc er Truppen in einer westeuropäischen Verteidigungsstreitmacht entsprechend einem amerikanischen Vorschlag im Rat der Außenminister der Atlantikpaktmächte zu diskutieren.

Hieraus schließen politische Kreise, daß England und Frankreich eine Entscheidung des Rates in der Frage der Verwendung deutscher Einheiten annehmen würden.

Die gleichen Kreise weisen jedoch darauf hin, daß sowohl England wie Frankreich nach wie vor grundsätzlich gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands sind. Bevin und Schuman sollen ihre Regierungen um genaue Anweisungen für die Debatte dieser Frage im Atlantikpaktrat ersucht haben.

Wie verlautet, haben die drei Außenminister außerdem eine Einigung über die Vorschläge zur Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland und die Revision des Besatzungsstatuts erzielt

Auch Kanada

für deutsche Wiederbewaffnung

Neuyork, 14. September (AP.) Der kanadische Außenminister Pearsoii ist am Donnerstag bei seiner Ankunft in Neuyork für eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik eingetreten. Die Ansicht der kanadischen Regierung beruhe auf der Tatsache, daß die Sowjetzone bereits über eine eigene Armee verfüge. Es sei daher an der Zeit, die gleichen Maßnahmen für Westdeutschland zuzulassen. Pearson sagte außerdem, Kanada beabsichtige nicht, Bodentruppen nach Westeuropa zu entsenden.

Auf einer Pressekonferenz in Neuyork befürwortete der holländische Außenminister Stikker die schnelle Rehabilitierung und Wiederbewaffnung Deutschlands.

„Kein dentsches Kanonenfutter“

Neuyork, 14. September, (dpa) Ein Sprecher der Stimme Amerikas hat erklärt, es gehe bei der Neuyorker Außenministerkonferenz nicht darum, in Deutschland Kanonenfutter zu suchen, sondern die freiwillige Mitarbeit Deutschlands an der gemeinsamen Verteidigung Westeuropas sicherzustellen. In Neuyork werde keine Formel ausgearbeitet, die man dem deutschen Volk dann einfach unterbreiten wolle, vielmehr solle eine Formel gefunden werden, auf Grund deren Deutschland an der Verteidigung der gemeinsamen Ideale mitarbeiten könne.

Bonn wartet ab

R. Bonn, 14. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Ernennung des Generals Marshall wird in den Bonner politischen Kreisen als weiterer Ausdruck der verstärkten amerikanischen Aktivität für eine Steigerung der westeuropäischen Verteidigungskraft auch mit Einbezug der deutschen Möglichkeiten angesehen. Je mehr jedoch in den Meldungen aus Neuyork die Fragen eines deutschen Beitrages in dieser Hinsicht in den Vordergrund treten, desto deutlicher zeigt sich in Bonn das Bestreben, das endgültige Ergebnis der alliierten Beratungen abzuwarten, ehe dieses Problem von deutscher Seite behandelt wird. So wird die außenpolitische Aussprache im Bundestag, die zunächst nach dem Abschluß der Neuyorker Konferenz geplant war, erst nach eingehender Informierung des Bundeskanzlers durch die Oberkommissare und nach Unterrichtung des Auswärtigen Ausschusses durch den Kanzler erfolgen.

Konlitionskrise in Bonn?

R. Bonn, 14. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Kanzler hatte am Donnerstag eine Unterredung mit der Fraktion der Bayern-Partei, die sich bis jetzt nur mit einer Verschiebung ihres Mißtrauensantrages gegen den Finanzminister einverstanden erklärt hat. Die Fraktion hat sich noch nicht entschieden, ob sie eventuell ihren Antrag zurückziehen will. Aber auch im Falle eines Zurückziehens würden wahrscheinlich die Sozialdemokratische Partei und die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung ihrerseits einen Mißtrauensantrag gegen Schäffer einbringen.

Die Vermutungen, daß die Abstimmung über einen solchen Antrag zu einer Krise in der Koalition führen werde, können verständlicherweise die Opposition nur darin bestärken, einen solchen Antrag einzureichen. So wird nun in den Kreisen der Koalition von der Möglichkeit von Umbesetzungen innerhalb des Kabinetts gesprochen, durch die einem Mißtrauensantrag gegen den Finanzminister seine Gefährlichkeit genommen werden könnte.

Null und nichtig

Eine Regierungserklärung Adenauers über die Wahlen in der Sowjetzone

R. Bonn, 14. September. Die Bundesregierung hat am Donnerstag in einer Erklärung gegen den geplanten Wahlbetrug in der sowjetischen Zone Protest erhoben. Sie bezeichnet das Ergebnis der Oktoberwahlen als null und nichtig und fordert erneut freie Wahlen für ein gesamtdeutsches Parlament. Der Bundestag billigte die Erklärung der Regierung und appellierte an die Vereinten Nationen wegen der im Osten verletzten Menschenrechte.

Bundeskanzler Dr. Adenauer gab folgende Regierungserklärung ab: „Die Ereignisse der letzten Jahre haben den aggressiven und friedlosen Charakter des Kommunismus vor aller Welt in immer steigendem Ausmaß enthüllt. In Deutschland hat kürzlich der Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei und der sogenannte Nationalkongreß den Widerstand gegen die verfassungsmäßige Ordnung in der Bundesrepublik proklamiert. Die Sozialistische Einheitspartei versucht in verstärktem Ausmaß, das staatliche Leben der Bundesrepublik zu unterminieren und für eine gewaltsame Eroberung reif zu machen.

Am 15. Oktober will der Kommunismus seine Macht in der sowjetischen Zone durch einen Wahlbetrug legalisieren lassen. Die Wahlen werden weder frei noch geheim sein. Sie können und werden den wahren Willen der Bevölkerung in der sowjetischen Zone nicht zum Ausdruck bringen. Die Art ihrer Durchführung steht selbst zu der so pathetisch verkündeten Verfassung, der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik in schreiendem Widerspruch. Nach dieser Verfassung müßten die Abgeordneten in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen des Verhältniswahlrechtes gewählt werden. Statt dessen hat die Sozialistische Einheitspartei aus Angst vor dem wahren Willen des Volkes die Einheitsliste erzwungen. Sie allein entscheidet auch über die Nominierung der Kandidaten und ihre Kontingentierung auf Parteien und Organisationen. Eine solche Wahl kann niemals von den freien demokratischen Völkern der Welt anerkannt werden. Aus gesamtdeutscher Verantwortung erklärt die Bundesregierung schon heute: die Wahlen des 15. Oktober 1950 in der sowjetischen Besatzungszone sind ungesetzlich und nach demokratischem Recht null und nichtig.

Die Bundesregierung hat am 22. März 1950 eingehende Vorschläge für die Durchführung gesamtdeutscher Wahlen auf demokratischer Grundlage bekanntgegeben. Sie wiederholt feierlich vor aller Welt ihre Vorschläge und fordert ihre Durchführung. Sie wird weiterhin alle nur möglichen Schritte unternehmen, die zur Realisierung dieses für alle Deutschen lebenswichtigen Anliegens führen können.

Appell an die Welt

Das ganze deutsche Volk fühlt sich den freien Völkern der Welt zugehörig. Es verlangt die Anerkennung aller demokratischen Grundrechte in allen Teilen Deutschlands. Die Bundesregierung als die freigewählte Regierung Deutschlands ruft die demokratischen Völker der Welt auf, das deutsche Volk bei der erstrebten Wiedervereinigung aller Teile Deutschlands zu unterstützen.

Alle Deutschen aber bleiben aufgerufen, entschlossen und unverbrüchlich zusammenzustehen: für die Einheit und Freiheit Deutschlands gegen jeden Versuch kommunistischer Gewaltherrschaft.“ (Die Ausführungen des Ministers Kaiser über die Wahlen veröffentlichen wir auf Seite 2.)


Gerhard Graf von Schwerin, der am Ende des letzten Krieges als Generalleutnant Kommandeur eines deutschen Panzerkorps war und jetzt den Bundeskanzler in „technischen Fragen der Sicherheit“ berät (links). General Eisenhower, der Oberkommandierende der alliierten Streitkräfte im vergangenen Krieg, mit dessen erneuter Ernennung zum Oberkommandierenden des Westens Berechnet wird (rechts)
Gerhard Graf von Schwerin, der am Ende des letzten Krieges als Generalleutnant Kommandeur eines deutschen Panzerkorps war und jetzt den Bundeskanzler in „technischen Fragen der Sicherheit“ berät (links). General Eisenhower, der Oberkommandierende der alliierten Streitkräfte im vergangenen Krieg, mit dessen erneuter Ernennung zum Oberkommandierenden des Westens Berechnet wird (rechts)

Mißtrauensantrag gegen Attlee

Churchills Antwort auf die geplante Verstaatlichung der Stahl-Industrie

London, 14. September. (AP.) Die britische Regierung hat im britischen Unterhaus die Verstaatlichung der Stahlindustrie zum 1- Januar kommenden Jahres angekündigt.

Die Ankündigung führte zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Regierung und Opposition. Der Führer der Konservativen, Winston Churchill, brachte sofort einen Mißtrauensantrag ein, über den am Dienstag entschieden werden wird. Falls die Regierung in der Abstimmung unterliegt, wird sie zum Rücktritt und zur Ausschreibung neuer Wahlen gezwungen sein.

In der Aussprache über die Ankündigung der Verstaatlichung fragte der Führer der Liberalen, Clement Davies, den Premierminister, ob er nicht der Meinung sei, daß man angesichts der internationalen Lage größtmögliche Einheit wahren *iüsse. Es wäre doch völlig falsch, gerade jetzt eine so heftige umstrittene politische Angelegenheit vorzubringen. Attlee erwiderte darauf: „Ja, und deswegen führen wir aus, was vom Parlament bereits verabschiedet wurde. Wir führen das Gesetz durch, und ich bin der Meinung, wenn sie und Churchill es aufrichtig unterstützen, dann werden wir zu einer wirklichen Einheit kommen.“

Händedruck in Caur

Caux, 14. September. (AP.) Auf der Generalversammlung der Bewegung für moralische Wiederaufrüstung in Caux haben sich der deutsche Generalleutnant Edwin v. Rothkirch und der französische Generalleutnant Henri de Vernejoul feierlich die Hand gereicht und gelobt, für ein Ende des Mißtrauens zwischen Frankreich und Deutschland einzutreten. Rothkirch erklärte, durch das ehrliche Eingestehen begangener Fehlei’ sei es möglich, die Menschen enger zusammenzubringen und gegenseitiges Verstehen zu schaffen.

Eisenhower

*** Die drei Außenminister in Neuyork müssen darüber Beschluß fassen, wer als Oberbefehlshaber der westeuropäischen Verteidigung ernannt werden soll. Es kommt für einen solchen Posten selbstverständlich nur ein Mann der ersten militärischen Garnitur in Frage, ein Mann, dem außerdem bei den freien Völkern Vertrauen entgegengebracht wird. Wenn es jetzt heißt, General Dwight D. Eisenhower sei in Aussicht genommen, so darf man auch mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß er betraut wird, es verlautet sogar bereits, daß er sich bereit erklärt haben soll, den Oberbefehl zu übernehmen.

Als 1945 die deutschen Städte von den Amerikanern besetzt wurden, lasen die Einwohner am nächsten Morgen große Plakate piit einer „Proklamation Nr. 1“, des Oberkommandierenden der amerikanischen Armee auf europäischen Kriegsschauplätzen, die mit den Worten begann: „Ich, Dwight D. Eisenhower; komme nicht als Befreier“. Damit gat der General ehrlich seine Einstellung zv den Deutschen bekannt, gegen die er nadr seinen eigenen Worten einen Kreuzzug geführt hat. Es dürfte manchem Deutschen daraufhin, vielleicht auch heute noch, schwer fallen, Eisenhower Vertrauen entgegenzubringen. Das wäre ungerecht, denn dieser General kämpft nur dort, wo er die Freiheit bedroht sieht. Erst Anfang September hat Eisenhower als Rektor der Columbia-Universität mit einer Rundfunkansprache einen neuen Kreuzzug der Freiheit begonnen, der es ermöglichen sollte, den Völkern hinter dem Eisernen Vorhang durch die Errichtung eines „Radio Freies Europa“ in einfachen und klaren Worten die Wahrheit nahezubringen. Durch den Kreuzzug sollten weiter die finanziellen Mittel für eine zehn Tonnen schwere Freiheitsglocke für Berlin aufgebracht werden.

Es wäre nicht mehr als folgerichtig, wenn dieser Mann mit der westeuropäischen Verteidigung betraut würde.

Propaganda und Gegenpropaganda

zz Fast täglich werden Äußerungen maßgebender Sowjetzonen-Politiker bekannt, die eindeutig die Absicht bekunden, die Bundesrepublik zu bolschewisieren. Erst vor wenigen Tagen hat der Ministerpräsident der Sowjetzone, Grote wohl, erklärt: „Wir kämpfen am 15. Oktober (das heißt bei der sogenannten Wahl zu einem Einheitsparlament) für die schnelle Bildung einer gesamtdeutschen demokratischen Regierung, die mit den Marionetten in Bonn endgültig Schluß macht.“

Wie bei uns gewühlt wird

Mit solchen Äußerungen allein ist es nicht getan. Mit dem Aufwand erheblicher Geldmittel wird in der Bundesrepublik eine offene und versteckte Propaganda für ein „nationaldemokratisches Gesamtdeutschland“ getrieben. Ihr ist bisher noch kaum ein Damm entgegengesetzt worden. Nicht allein, daß zahlreiche Tarnorganisationen daran arbeiten, die innere Widerstandskraft der westdeutschen Bevölkerung zu zarmürben. Täglich trägt die Bundespost Broschüren und Werbeschriften der nationaldemokratischen Front aus, die irgendeinen fingierten Absender tragen. Heute wendet sie sich an die Arbeiter, morgen an die Bauern und übermorgen an die Handwerker. Die Sowjetzonen-Propaganda scheut dabei vor nichts zurück. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft in Frankfurt am Main hat jetzt festgestellt, daß Einladungen zum Besuch der Landwirtschaftsausstellung in Leipzig vom 15. bis 24. September, die mit der Unterschrift „im Auftrage der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)“ versehen waren, nicht von ihr verschickt worden sind, sondern aus der Sowjetzone stammen.

Man versucht von der Sowjetzone her, die Propaganda so persönlich wie irgendmöglich zu machen. So hat das Mitglied des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei, Franz Dahlem, in deren Zentralorgan „Neues Deutschland“ den Bewohnern der Sowjetzone Anleitungen gegeben, wie sie in ihren Briefen an Verwandte und Bekannte in der Bundesrepublik bolschewistische Gedankengänge verbreiten sollen. Die Bekannten und Verwandten in der Bundesrepublik hüten sich ihrerseits, irgend etwas anderes mitzuteilen als rein private Angelegenheiten, denn sie sind nie sicher, ob ihre Briefe ungelesen von unberufenen Augen den Empfänger erreichen, dem durch eine unvorsichtige Wendung Ungelegenheiten bereitet werden könnten.

Was tun wir dagegen?

Während in der Sowjetzone ein Propaganda-Ministerium in der gleichen Weise arbeitet, wie wir es aus der unseligen Zeit eines Goebbels her kennen, während dieses Ministerium jeden einzelnen in seine Dienste zwingen kann, geschieht bei uns so gut wie gar nichts, um der Propagandaflut entgegenzuwirken. Bisher sind es vornehmlich private Organisationen, die den Kampf gegen jene Propaganda aktiv führen. So sind in Düsseldorf nachts rote Plakate an den Schaufenstern bestimmter Geschäfte und Gaststätten angebracht worden, auf denen zu lesen stand: „Ich Lump bin Mitschuldiger, ich unterstütze die Knechte Moskaus“. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat zu dieser Aktion erklärt, sie werde von „untadeligen Persönlichkeiten“ unternommen, zu denen sie selbst aber nicht in Verbindung stehe.

Wichtiger als alles andere erscheinen uns Aktionen, die unmittelbar in der Sowjetzone unternommen werden. Da läßt zum Beispiel die Kriegsgefangenen-Hilfe der Sozialdemokratischen Partei in fast allen deutschen Gemeinden der Sowjetzone von früheren Kriegsgefangenen, Vertrauensleuten und Ostzonenopfern den folgenden Klebezettel anbringen: „Freiheit für die politischen Gefangenen der Ostzone,... für die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjet-Union“. Der Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen der Ostzone in West-Berlin hat in den Wahlkampf der Sowjetzone eingegriffen, indem er Flugblätter verteilen läßt, die Photographien führender Sowjetzonen-Politiker zeigen und daneben eine kurze Zusammenfassung der ihnen zur Last gelegten politischen Straftaten. Der Untersuchungsausschuß kündet in den Flugblättern an, daß die Bestrafung dieser Personen erfolgen werde, sobald auch die Sowjetzone Teil eines freien, einheitlichen und demokratischen Deutschlands sein wird.

Was besonders not tut

Vor wenigen Tagen konnten wir Stimmen aus der Sowjetzone wieder geben, wonach die Bevölkerung auf ein Stichwort aus Bonn wartet, wie sie sich bei der kommenden Abstimmung verhalten soll, da Nein-Stimmen nicht möglich sind und ein Kreis zum Einzeichnen der Ja- oder Nein-Stimmen nicht vorgesehen wird. Es ist nicht allein diese Gewissensfrage, die eine Gegenpropaganda der Bundesrepublik in der Sowjetzone selbst notwendig macht. Es gilt auch nicht allein vor den Wahlen die Deutschen in der Sowjetzone wissen zu lassen, daß wir alles tun wollen, um ihren Freiheitskampf gegen die bolschewistische Unterdrückung zu unterstützen. Wir haben zwar kein Propaganda-Ministerium, aber wir haben doch ein Ministerium für gesamtdeutsche Fragen, das sich mehr als bisher unmittelbar an die Sowjetzone wenden müßte.

Am besten kann man das heute durch den Rundfunk. Seit langem versucht der amerikanische Sender RIAS Berlin die Bevölkerung in der Sowjetzone darüber aufzuklären, wie verlogen die bolschewistischen Propagandaparolen sind. Ein amerikanischer Sender ist aber kein deutscher Sender. Deutsche wollen, daß gut deutsch zu ihnen gesprochen wird. Allzu spät hat sich nun das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen veranlaßt gesehen, alle deutschen Sender des Bundesgebietes bis zu den Wahlen in Gemeinschaftssendungen die Bewohner der Sowjetzone anzusprechen und ihnen verständnisvolle Richtlinien zu geben.

Ein Quertreiber

Die Gemeinschaftssendungen sind von den Rundfunk-Intendanten beschlossen worden. Wir müßten jedoch keine Deutschen sein, wenn sich nicht ein Quertreiber gefunden hätte, dessen Verhalten die gesamte Aktion unwirksam zu machen droht. Der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Walter von Cube, der ursprünglich dem Plane zugestimmt hatte, hat in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, München, sich gegen die Sendungen der „Stimme Deutschlands“ ausgesprochen und erklärt, wir sollten nicht immer so tun als ob, sollten uns nicht einbilden, es gäbe noch ein Deutschland. Solange wir den Vorhang nicht schlössen, hätten uns die Russen in der Hand, sie blockierten Berlin, wenn der wirtschaftliche Aufstieg in der Bundesrepublik ihnen zu schnell gehe. Der Eiserne Vorhang solle daher endlich dicht gemacht werden. Die Trennung von Ostdeutschland sei faktisch schon vollzogen. Westdeutschland müsse den Mut haben, dies anzuerkennen und die Folgerungen daraus ziehen.

Die bayerische Regierung wird sich wohl mit diesem Vorfall zu beschäftigen haben. Wir können nur die Worte unterstreichen, die ein Sprecher des Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen geäußert hat, wenn alle Deutschen den Standpunkt Cubes verträten, fiele ganz Deutschland über kurz oder lang in die Hände der Kommunisten. Das Urteil über Cubes Auffassung würden eines Tages die zwanzig Millionen Deutsche aus der Sowjetzone und Berlin sowie die Deutschen aus dem Bundesgebiet fällen.

Was wir noch erwarten

Es wird nicht genügen, daß die „Stimme Deutschlands“ nur bis zu den Wahlen in die Sowjetzone hinüberklingt. Es wird auch nicht genügen, wenn der Bundespräsident und der Bundeskanzler einer Einladung folgen und am 1. Oktober an einer außerordentlichen Festsitzung des Berliner Stadtparlaments zum Inkrafttreten der neuen Verfassung teilnehmen. Auch nicht, daß der Kanzler gestern vor dem Bundestag eine Erklärung abgegeben hat, in der die Oktoberwahlen in der Sowjetzone als gegen jedes Rechtsempfinden verstoßend gebrandmarkt werden. Es müssen endlich gegen jede Art von Propaganda-Manövern der .Nationalen Front* Vorkehrungen getroffen werden. Und jeder Einwohner der Bundesrepublik muß sich, soweit es irgend in seinen Kräften steht, an einer wohlüberlegten Gegenpropaganda gegen die der Sowjetzone beteiligen.

Darüber hinaus erscheint uns noch etwas unbedingt erforderlich. Nämlich, daß die in Neuyork versammelten Außenminister in einer feierlichen Proklamation den Wunsch und Willen aller Deutschen nach einer Wiedervereinigung in einem von bolschewistischen Machthabern befreiten Gesamtdeutschland unterstreichen. Daß sie die Bundesregierung als Repräsentanten Ganzdeutschlands anerkennen. Und daß sie schließlich nochmals betonen, die Oder-Neiße-Linie könne niemals als endgültig anerkannt werden. Eine solche Proklamation würde wesentlich dazu beitragen, den inneren Widerstand der Deutschen gegen den aktiven Eintritt in die europäische Verteidigungsfront zu überwinden. Sie wäre zudem die beste Gegenpropaganda gegen die Parolen der Sowjetzone und die beste Rückenstärkung für die Deutschen jenseits des Eisernen Vorhanges.

Magier am Stener

uel. Der Zauberer Kaianag hat eine eigene Art, mit dem Verkehrsgewühl einer Großstadt fertig zu werden. Er bindet sich die Augen zu, setzt sich ans Steuer seines Wagens und durchbraust die wabernde Lohe aus Autos, Rädern und Fußgängern mit sieghafter Unerschrockenheit. Diese unheimliche Kunst hat Kalanag schon in mehreren westdeutschen Städten vorgeführt, ohne mit anderen Fahrzeugen oder auch nur mit den Verkehrsbestimmungen in Konflikt zu kommen. Jetzt sollte ihn auch Bremen bewundern können, und Senatspräsident Kaisen hatte bereits seine Zustimmung gegeben. Der Polizeipräsident der Stadt aber legte ein unerbittliches Veto ein; Kalanag darf nicht fahren. Die Sache sei zu gefährlich, meint der Polizeipräsident, und wer kann ihm, dem besten Kenner der täglichen Unfallstatistik, seine Bedenken verübeln?

Vielleicht mißtraut er gar nicht so sehr dem Können Kalanags,. sondern er fürchtet das Heer von motorisierten Zauberlehrlingen, die dem Meister der schwarzen Fahrkunst in den Straßen Bremens nacheifern würden. Diese grausige Aussicht läßt nicht nur einen • Polizeipräsidenten erschauern.

Auch Wehrmachtsangehörige

können Polizisten werden

Bonn, 14. September, (dpa) Die bisherigen Einstellungsbeschränkungen für ehemalige Wehrmachtsangehörige in der Polizei sind von der alliierten Oberkommission aufgehoben worden. Wie aus alliierten Kreisen verlautet, sind als Einschränkung für die Einstellung ehemaliger Wehrmachtsangehöriger nur noch die Entnazifizierungsbestimmungen maßgebend.

Feldzug gegen den Kommunnismus

Minister Kaiser vor dem Bundestag zu den Oktoberwahlen

Bonn, 14. September, (dpa) Nach der Regierungserklärung ergriff Bundesminister Kaiser im Bundestag das Wort. Er sagte, das in der sowjetischen Zone inszenierte Manöver könne auf die Bezeichnung „Wahl“ keinen Anspruch erheben. Die Einheitsliste und die inszenierte Akklamation seien das in allen Volksdemokratien übliche Mittel, um den bolschewistischen Machthabern die Macht zu überantworten und zu bestätigen, eine Bestätigung, die sie auf demokratischem Wege nie erhalten würden. Welches Resultat auch am 15. Oktober aus den mißbrauchten Urnen herausgezaubert werde, es habe nichts mit einer Legitimation der kommunistischen Pseudoregierung und ihrer Taten zu tun. Die Zeugnisse der Vergangenheit, so das Wahlergebnis von 1946, Tausende von Zuschriften und Botschaften und ebenso viele Flüchtlinge sprächen die eindeutige Sprache, die auch der 15. Oktober sprechen würde, wenn er der Tag einer echten demokratischen Wahl und nicht das Produkt eines gewissenlosen Propagandagehirns wäre.

Das Unsicherheitsgefühl der Kommunisten, das daraus spreche, daß die Abgabe ungültiger Stimmen unmöglich gemacht werden solle, müsse noch verstärkt werden. Dies sei eine der Hauptaufgaben Gesamtdeutschlands, also der Bundesrepublik in engster Verbindung mit der Bevölkerung der sowjetischen Zone. Darüber hinaus müsse alles getan werden, um die sozialen Verhältnisse in der Bundesrepublik ständig zu verbessern. Den Rädelsführern der Bolschewisierung auf deutschem Boden müsse beigebracht werden, daß sie einen Versuch am untauglichen Objekt unternähmen.

„Deutschland ist zwar nicht Korea, aber es steht aqßer • Zweifel, daß unser Land ein strategisches Ziel für den Kommunismus ist.“ Deshalb müsse ein politischer und moralischer Feldzug gegen den Kommunismus geführt werden. Die tägliche Entlarvung des 15. Oktober vor den Augen der Welt und unseres Volkes sei die erste Aufgabe dieser Wochen. Jeder einzelne müsse wissen, daß in der sowjetischen Zone keine Wahl, sondern ein Wahlbetrug vorgenommen werde. Kaiser appellierte an alle Kräfte des öffentlichen Lebens, vor allem an die politischen und publizistischen Kräfte, vorbehaltlos und uneigennützig an der Aufklärung mitzuwirken.

Der Minister verurteilte sodann scharf eine Aeußerung v. Cubes, des Chefredakteurs des Bayrischen Rundfunks, der auf die sowjetische Zone anspielend erklärt habe, wenn das Glied eines Körpers von einem Bazillus befallen sei, dann solle es amputiert werden, um den Körper im ganzen zu retten. Die Beachtung dieses Amputationsvorschlages würde zum Verrat an zwanzig Millionen Deutschen in der sowjetischen Zone und in Berlin führen. „Ich kann nur hoffen, daß der Cube-Bazillus nicht weiter um sich greift.“ Er sage das alles nicht, um Angst zu erwecken. „Angst ist nur der Wegbereiter des Kommunismus.“ Angstverbreitung und Einschüchterung seien sattsam bekannte kommunistische Mittel im Kalten Krieg. Von den Berlinern könne man lernen, wie sie überwunden werde, nämlich durch entschlossenen Willen zum Widerstand. „Wir wissen, daß unsere Landsleute in der sowjetischen Zone diese Haltung und Entschlossenheit von uns erwarten. Sie wird sie ermutigen, dem kommunistischen Terror standzuhalten.“ Die kommunistische Freie Deutsche Jugend sei der aktivste Stoßtrupp des Kommunismus. Ihre Organisation, ihre Betätigung und ihre Erklärungen seien ständige Angriffe gegen die Bundesrepublik. Es sei das einzig Richtige gewesen, das geplante Dortmunder Treffen zu untersagen. Noch richtiger aber wäre es, wenn jede Tätigkeit der Freien Deutschen Jugend überhaupt verhindert würde.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Herbert Wehner, der Vorsitzende des Ausschusses für gesamtdeutsche Fragen, erklärte, der Bundestag werde der Organisation der Vereinten Nationen den ungeheuerlichen Rechtsbruch und den verbrecherischen Mißbrauch unterbreiten, den ein Mitgliedstaat der Vereinten Nationen mit dem deutschen Volk treibe.

Neuer Parole: ex oriente pax

Dertinger: „Die Kriegsgefahr keine theoretische Möglichkeit mehr“

Drahtbericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 14. September. Der Außenminister der Deutschen Demokratischen Republik, Dertinger, schreibt in einem Artikel, der als Auftakt des Parteitages der Christlich-Demokratischen Union der sowjetischen Zone gedacht ist: „Die Kriegsgefahr ist nicht mehr eine theoretische Möglichkeit.“ Für die Aufgabe der Friedenssicherung stehe nicht mehr viel Zeit zur Verfügung, die Kriegsvorbereitungen nähmen ein immer schnelleres Tempo und einen immer gewaltigeren Umfang an. Nur der politischen Selbstbeherrschung der Sowjetunion sei es zu danken, daß der koreanische Konflikt habe lokalisiert werden können. Wer gegenüber den Kriegsgefahren resigniere, mache sich bereits der Beihilfe an einem etwaigen kommenden Krieg schuldig. Mit den Völkern des Westens könne man sich verbinden, den westlichen Regierungen aber gelte ein unauslöschlicher Haß.

Der Parteitag der Christlich-Demokratischen Union der sowjetischen Zone, dem der Artikel Dertingers die Leitgedanken liefert, steht unter der Parole „ex Oriente pax“, „Aus dem Osten kommt der Frieden“. Dieses Schlagwort wird wahrscheinlich in der Propaganda des sowjetischen Lagers in der nächsten Zeit eine Rolle spielen. Der Artikel Dertingers und die Tendenz des Parteitags sind deutlich darauf eingestellt, jene Kriegsfurcht zu erzeugen, die nach den Plänen des letzten Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei eines der Mittel für eine kommunistische Ausbreitung in Westdeutschland werden soll.

Rechtlosigkeit unter den östlichen Diktatoren

Wehner forderte den Bundestag auf, die folgenden fünf Punkte zu beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert:

1. Das deutsche Volk und die Welt über die Zustände der Rechtlosigkeit unter der kommunistischen Diktatur in der sowjetischen Besatzungszone in stetiger Folge nachhaltig zu unterrichten. 2. Die Besatzungsmächte in aller Form zu bitten, in allen vier Besatzungszonen freie, allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlen zu einem gesamtdeutschen Parlament unter internationaler Kontrolle vornehmen zu lassen.

3. Gegen alle Personen, die an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der sowjetischen Besatzungszone beteiligt sind, im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Strafverfolgung einzuleiten.

4. Gegen alle Personen vorzugehen, die im Auftrag und im Sinne der auf Gewalthandlungen abzielenden Beschlüsse des dritten Parteitages der kommunistischen Sozialistischen Einheitspartei und des Nationalkqngresses wirken.

5. Den Widerstand Berlins gegen die kommunistische Diktatur mit allen wirtschaftlichen und politischen Mitteln zu stärken, als Beweis für den Ernst und die Beharrlichkeit des Willens der Bundesrepublik zur Wiedervereinigung Deutschlands in einem freien Rechtsstaat.“

Bis auf die drei anwesenden Kommunisten billigte das Plenum einmütig diese interfraktionelle Erklärung. Alle Abgeordneten erhoben sich unter anhaltendem Beifall von ihren Sitzen.

Als die kommunistische Abgeordnete Hertha Thiele nach Wehner das Rednerpodium bestieg, um zur Erklärung der Regierung und des Bundestages Stellung zu nehmen, war der Saal bis auf einige Beobachter leer.

(Bei Redaktionsschluß dauerte die Sitzung noch an.)

Der Marshallplan-Zug rollt

Blücher dankt dem amerikanischen Volke

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 14. September. Vizekanzler Blücher hat am Donnerstag auf dem mit den Fahnen aller Marshallplan-Nationen geschmückten Bonner Bahnhof in Anwesenheit des Bundespräsidenten den Marshallplanzug seiner Bestimmung übergeben, der eine Ausstellung über den Marshallplan von Ort zu Ort bringen wird.

Minister Blücher betonte in seiner Ansprache. daß Deutschland ohne den Marshallplan niemals in der Lage gewesen sei. seinen Wiederaufbau zu beginnen. Daran müsse man denken und gerade in einer Zeit der weltpolitischen Unruhe dem amerikanischen Volk ein herzliches Wort des Dankes sagen. „Das größte Ergebnis des Marshallplanes war, daß sich die Länder Europas in der Organisation für wirtschaftliche europäische Zusammenarbeit gefunden haben. Ohne diese wäre eine politische Einigung Europas nicht möglich.“ An Stelle eines Berges von administrativen Verhinderungen sei immer mehr fortschreitend die Freiheit des Handelsverkehrs zwischen den Ländern getreten, als deren Ergebnis weit mehr als eine Verdoppelung der deutschen Ausfuhr in einem Jahre zu verzeichnen sei.

Der stellvertretende amerikanische Oberkommissar. General Hays, bezeichnete den Marshallplan als Symbol der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volke, einer Freundschaft, die von Dauer sein werde.

Cine arbeitsfũhige Regierung

Forderung der Sozialdemokraten

Fö. Düsseldorf, 14. September (Eigener Bericht). Der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion im Düsseldorfer Landtag hat am Donnerstag den Präsidenten ersucht, das Plenum für Donnerstag nächster Woche einzuberufen. Die Sozialdemokraten werden auf dieser Sitzung an Ministerpräsident Arnold die dringende Anfrage richten, welche Maßnahmen er zu ergreifen gedenke, um dem Lande endlich eine arbeitsfähige Regierung zu geben. Präsident Gockeln hat sich bereits damit einverstanden erklärt, das Parlament zu diesem Termin einzuberufen.

Stimmen der Anderen

Gin Staatmann

Zur Ernennung des früheren amerikanischen Außenministers George C. Marshall zum Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten schreibt die demokratische „New York Times“:

„Das Vertrauen der Oeffentlichkeit auf eine ausreichende Landesverteidigung ist durch die Ernennung Marshalls gewaltig gestiegen. Obwohl man gewöhnlich einen Zivilisten für diesen Posten für geeigneter hält, scheint eine militärische Persönlichkeit, die sich als Außenminister und Schöpfer eines großen Wirtschaftsprogramms verdient gemacht hat, gut in den Kähmen des Kabinetts zu passen.“

Das Blatt kritisiert in diesem Zusammenhänge Trumans Personalpolitik und wirft ihm vor, er trage die Hauptverantwortung dafür, daß Johnson, der bisherige Verteidigungsminister, jetzt abgelöst werden mußte:

„Johnson hatte seinen Posten vor allem erhalten, weil er wesentlich dazu beigetragen hatte, die Mittel für den Feldzug bei den Präsidentschaftswahlen im Jahre 1948 herbeizuschaffen. Diese Hintergründe allein gefährdeten das Ansehen und die Autorität des gesamten Verteidigungsministeriums beträchtlich. Präsident Truman hat es zudem zugelassen, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen Johnson und Außenminister Acheson sich über Monate hingezogen.

Den Frieden organisieren

In Paris sieht die volksrepublikanische Zeitung „L ’ A u be “ in Marshalls Ernennung

„die Zurückweisung des Präventivkrieges, die Sicherung Europas und die einheitliche Ausrichtung der amerikanischen Politik."

Der „Franc-Tireur“ schreibt: „Marshall hat auch durch seine zivilen Fähigkeiten gezeigt, daß er den Frieden organisieren kann."

In Koren nichts Neunes

Pusan, 14. September. (AP./dpa /Reuter.) In Korea haben die Truppen der Vereinten Nationen ihre Stellungen weiter festigen können. Im Dreieck Pohang —Kiongju—Yongschon konnten Südkoreaner und Amerikaner Boden gewinnen. Die noch bestehenden Lücken in der Nordfront wurden geschlossen. Bei Angang ist ein Feindeinbruch abgeriegelt worden.

Nördlich Taiku sind Verbände der 8. südkoreanischen Division zu Gegenangriffen angetreten. Sie konnten bei Vasan Boden gewinnen. Zwanzig Kilometer nördlich Taiku haben die Amerikaner ihre Angriffe auf Hügelstellungen weitergeführt, von denen aus die Straße Tabu—Dong kontrolliert werden kann. Die Amerikaner wurden dabei von Artillerie schwersten Kalibers unterstützt. Eine Batterie Zwanzig-Zentimeter-Geschütze nahm den Feind in diesem Abschnitt unter Feuer.

Am Naktong stießen britische Spähtrupps tief in die feindlichen Stellungen hinein. An einer anderen Stelle der Front fingen die Briten einen nordkoreanischen Vorstoß ab und schnitten die Angriffsspitzen von ihren nachfolgenden Verbänden ab.

Im Süden der Front ist der Eindruck entstanden, daß der Feind Verbände abzieht. Es ist nicht sicher, ob er umgruppiert oder den Schwerpunkt verlagern will.

Die Streitkräfte der Vereinten Nationen unternahmen auf die dem Hafen Söul vorgelagerte Insel Inschon ein amphibisches Landungsunternehmen.

Britische Truppenverstärkungen für Korea sollen in kürzester Frist nach Korea geflogen werden.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Kriiger-Verlag, Hamburg

12)

„Genau wie Mama und Papa“, warf Louise plötzlich ein. „Sie hatte auch ein eigenes Wappen, bevor sie ihn heiratete, aber seines ist vornehmer als ihres."

„Ja, aber Mutter hafte mehr Geld“, beeilte sich Isabella hinzuzufügen. „Du weißt doch, was Maxime und Renee über die große Mitgift sagten, die sie ihm in die Ehe brachte.“

„Pschtl“ Henriette fiel es schwer, ihre Neugierde zu bezwingen. „Ihr müßt nicht darauf hören, was die Dienstboten sagen, und es dann noch wiederholen.

„Aber Mademoiselle, es isf doch wahr. Papa hat uns selbst einmal erzählt, daß er den abgebrannten Flügel von seinem Schloß in Melun erst wieder aufbauen konnte, nachdem er geheiratet hafte. Er sagte, Großvater Praslin war nicht reich genug dazu. Es ist wunderschön dort, mit Wäldern und einem kleinen See mit einem Boot und Schwänen drauf. Wir werden jetzt sehr bald dahin fahren.“

„Die Veilchen sind da so Flau, wie Sie es sich bestimmt nicht vorstellen können, aber Olmeto gefällt mir noch viel mehr am besten.“

„Du meinst .viel besser, Louise, so wie du auch sagen würdest: blau gefällt mir besser als rof, wenn du zwei Sachen vergleichen willst. Was ist denn Olmeto?“ „Das wissen Sie nicht, Mademoiselle? Das isf doch die Besitzung von Großvater Sebastian! in Korsika, wo Mama gelebt hat, als sie noch klein war. Wir fahren fast jeden Sommer hin, um an der See zu sein. Man findet da richtige Korallen am Strand und die rötesten — oder heißt es rötere Muscheln?“

Henriette klappte das Buch, das vor ihr lag, zu. Es hatte keinen Sinn, sagte sie sich, auf dem Rosenkrieg bestehen zu wollen, wenn die jungen Gesichter neben ihr in Gedanken an glückliche Ferienfage zu glühen begannen und die jungen Stimmen ihr so eifrig von den geliebten Plätzen erzählten. Also ließ sie die Kinder einfach weiterreden und hörte ihnen zu; und als es halb zehn schlug, kannte sie tausend Einzelheiten aus dem Leben in Melun und auf Korsika und hafte auch manches darüber erfahren, wie der Herzog una die Herzogin ihre Zeit dort verbrachten.

„Da, Mademoiselle, Sie können Papas Gardenie haben.“ Louise, die stets Impulsive, drückte ihr die Blume in die Hand, als sie sich zur Nacht verabschiedete. „Aber vergessen Sie nicht, sie morgen wieder ins Schulzimmer herunterzubringen; sie riecht so himmlisch.“

„Und fassen Sie nicht die Blüfenbläffer an, denn dann werden sie braun ', belehrte die sachliche Isabella.

In dieser Nacht lag Henriette lange Zeit wach, und der ungewohnte süße Duff erfüllte ihr Zimmer. Sie malte sich aus, wie es sein mochte, mit einem Manne wie dem Herzog in die Oper zu gehen; hi der erregten Atmosphäre von Rampenlicht, Musik und Wohlgerüchen wie diesem zu wissen, daß er in der Loge neben einem saß und man nachher nicht allein würde nach Hause gehen müssen. Nun, sie würde das wahrscheinlich niemals erleben. Man hafte seine Arbeit und war dankbar dafür, dachte sie wieder vernünftig. Henriette gab solchen ernüchternden Gedanken sonst keinen Raum, aber heute nadit erkannte sie, daß ihr Schicksal von dem der alten Gouvernante nicht so sehr verschieden war.

„Darf ich denn irgend etwas anderes erwarten?“ schluchzte sie in einem Ausbruch von Verzweiflung in ihr Kis-en.

Endlich kam der Schlat und brachte ihre Tränen zum Versiegen. Sie erwachte erfrischt, und die düstere Stimmung der vergangenen Nacht war von ihr gewichen. Auf dem Tisch in einem Glas Wasser stand die Gardenie, eine welke, wachsfarbene Blüte inmitten ihrer grünen Blätter. Nur eine fade Süße hing noch in der Luft, als Henriette sich in dem ovalen Spiegel musterte, und das Bild, das sie daraus anblickfe, wies auch nicht die geringste Äehnlichkeit mit Mademoiselle Maillard auf.

Fünffes Kapitel

In bester Stimmung und geradezu übermütig vor Lebensfreude betrat sie das Schulzimmer und sie bedurfte dieser guten Laune auch, denn im Osfflügel herrschte Unruhe und Niedergeschlagenheit. Maxine, das Kinderfräulein, unterrichtete sie davon, daß Raynalds Erkältung sich mit Frostschauern und Fieber verschlimmert hatte und Berthe bade sich diese günstige Gelegenheit des Unbeachtefsdns zunutze gemacht und es ferfiggebrachf, sich in ihr Sonntagskleid zu zwängen, war dann gegen den Kamin gestolpert und hafte sich dabei die ganze Vorderseite mit Ruß beschmiert. Das kleine, kräftige Persönchen raste jubelnd den Korridor entlang, während das aufgebrachte Kindermädchen sie vergeblich einzufangen versuchte.

„Schon gut, Maxine.“ Henriette bedeutete dem schnaufenden Mädchen, die Jagd aufzugeben. „Lassen Sie Berthe ruhig toben. Wenn sie Lust hat, den ganzen Tag wie ein kleines Ferkel herumzulaufen, dann soll sie es nur tun. Gehen Sie jetzt wieder zu Raynald und sehen Sie zu, daß er so bequem und warm wie möglich liegt; ich komme sogleich nach.“ „Mademoiselle Maillard ist schon zur Herzogin gegangen, um ihr Bescheid zu sagen“, erklärte Maxine.

„In Zukunft werden Sie bitte sofort zu mir kommen, wenn etwas mit den Kindern ist.“ Henriette bemühte sich, nichts von ihrem Aerger merken zu lassen.

„Äber wir sind bisher immer zuerst zu Mademoiselle Maillard gegangen.“ Das Mädchen stand in trotziger Haltung vor ihr, und in ihren Äugen lag ein Aufbegehren, das Henriette nur zu gut kannte. „Ich sagte Ihnen, was Sie in Zukunft tun werden“, Henriette bewahrte ihre Ruhe. „Es darf da kein Mißverständnis geben, also bitte, vergessen Sie das nicht.“

Sie begrüßte Idabella und Louise und sorgte dafür, daß sie sich an den Frühstückstisch setzten. Mademoiselle Maillards Platz blieb augenfällig leer, und Berthe dachte nicht daran, ihren einzunehmen. Henriette schenkte dem kleinen Mädchen keine Beachtung und hieß auch ihre Schwestern dasselbe tun. Sie wußte genau, daß das ausgelassene Kind binnen kurzem eines Spektakels überdrüssig werden würde, das keine Zuschauer fand. In der einen Woche hafte Henriette herausbekommen, wie sie mit ihren vier Zöglingen am besten fertig wurde. Sic verstand Isabellas bedächtige s achliche Art, die allen vernünftigen Erklärungen zugänglich war, so gut, wie sie wußte, daß man bei der etwas nachlässigen, gutmütigen Louise nur etwas erreichen konnte, wenn man an ihr gutes Herz appellierte. Berthe, deren Launen und Bewegungen so lebhaft waren wie Quecksilber, ließ sich nur dadurch im Zaum halten, daß man ihr mit gutem Beispiel voranging, oder indem man ihren listigen Streichen mit List begegnete; während der feinnervige Raynald wiederum nicht durch zu plötzliche Befehle verwirrt werden durfte, sondern nur behutsam und liebevoll geleitet werden mußte.

Sie fand den kleinen Jungen mit heißen Backen und übernächtigen Augen in seinem Bett vor; mit heiserer Stimme weigerte er sich hartnäckig, auch nur einen Löffel vom Kakao zu trinken. Henriette nahm Maxine das Tablett fort und bat sie, das Zimmer aufzuräumen, während sie sich des kleinen Kranken annahm

- - „Komm, laß den Kakao sein, Raynald“, sagte sie zu ihm. „Ich hab’ dir eine Apfelsine mitgebiachf; ich werde sie dir schälen, und du mußt raten, aus wieviel Stücken sie besteht.'

„Weißt du schon, wieviele?“

„Nein, aber das werden wir gleich sehen, und dann kannst du den Saft auslutsdien.“ Er schaute ihr ernsthaft zu wie sie die Frucht schälte. Sie fühlte seine trockene heiße Hand auf der ihren und beobachtete den raschen Pulsschlag an seinem zarten Hals. „So, nun wollen wir zählen: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs.“ Dabei legte sie die einzelnen Scheibchen vor ihn hin. „Zwölf. Versuch dieses Stück zuerst, es fühlt sich so schön kühl an. Schluck nur den Saft hinunter. Nicht wahr, das tut doch nicht weh?" „Nein, nicht sehr.“ Aber die Anstrengung des Schluckens hatte ihm doch die Tränen in die Äugen getrieben. „Und jetzt noch eins“, redete sie ihm freundlich zu. „So, gleich hast du drei und danach vier und dann vielleicht auch fünf.“

(Fortsetzung folgt.)

Die Mehrheit für den Streik

Aber noch keine Streikparole für die hessischen Metallarbeiter

A- ? FJankfurt 14. September. Am ule Industriegewerkschaft Metall das Ergebnis der Urabstimmung in den hessischen Metallarbeiterbetrieben oekanntgegeben. 95 Prozent aller Wahlberechtigten haben an der Abstimmung teilgenommen. Davon haben 92,5 Prozent sich fui Kampfmaßnahmen ausgesprochen, sofern die Forderungen der Gewerkschaften auf Lohnerhöhung nicht erfüllt werden.

Trotzdem hat die Gewerkschaft bisher noch nicht den Streikbeschluß für einzelne Betriebe oder für die gesamten hessischen Betriebe ausgesprochen. Am Donnerstag wurde zwischen den beiden Sozialpartnern weiterverhandelt, ohne daß es jedoch bis jetzt zu einem endgültigen Übereinkommen gekommen wäre. Nach wie vor besteht jedoch, wie aus Kreisen der Verhandlungspartner verlautet, auf beiden Seiten die feste Absicht, doch noch zu einem Kompromiß zu kommen.

Henschel droht mit Schließung

Die Geschäftsführung der Henscheiwerke in Kassel soll nach Berichten aus Nordhessen Flugblätter an ihre Belegschaft verteilt haben, wonach sie die gesamte Belegschaft fristlos entlassen werde, wenn ein Teilstreik in dem Betrieb beginnen sollte. Die Folgen des Streiks müßten, wie es in dem Flugblatt heißt, jedem Betriebsangehörigen rechtzeitig klar gemacht werden. Durch einen Streik sei die Ausführung der Auslandsaufträge der Henscheiwerke gefährdet und der Arbeitsplatz von Hunderten von Betriebsangehörigen in Frage gestellt.

Auch in Frankfurter Metallbetrieben wurden Flugblätter zur Warnung der Arbeiter vor den Folgen des Streiks verteilt. Die Gewerkschaft Metall hat dazu erklärt, daß nach der Hessischen Verfassung das Streikrecht garantiert sei, so daß die Drohung der Arbeitgeber nicht wahrgemacht werden könne. In Kreisen des Arbeitgeberverbandes wird demgegenüber betont, daß sehr wohl zwischen einer öffentlich-rechtlichen Streikgarantie und dem privatrechtlichen Arbeitsvertrag mit jedem einzelnen Arbeiter unterschieden werden müsse. Der Streik bedeute in jedem Falle ein Verstoß gegen die Hauptpflicht des Arbeitnehmers aus seinem Arbeitsvertrag, nämlich Arbeit zu leisten. Die Vertragspflicht stehe vor der Verbandspflicht.

Diese Ansicht der Unternehmer soll durch verschiedene Landesarbeitsgerichtsurteile aus dem Vorjahr untermauert sein, so daß trotz eines durchaus legalen Streiks arbeitsrechtmäßig Kündigungen in den Betrieben möglich sind.

Verteidignungsdebatte im Unterhaus

Keine kriegswichtigen Güter für mögliche Angreiferländer

London, 14. September (AP./dpa) Winston Churchill hat bei der Verteidigungsdebatte im Unterhaus den Antrag eingebracht, die Regierung zur Einstellung der Ausfuhr schwerer Werkzeugmaschinen und strategischer Rohstoffe in mögliche Angreif er länder aufzufordern. Voraussichtlich wird es zu einer Abstimmung über diesen Antrag kommen. Er stellt einen weiteren Schritt Churchills in seinem Feldzug gegen die Ausfuhr von Werkzeugmaschinen und anderen Industrieerzeugnissen nach der Sowjetunion dar.

Nur wenige Stunden, bevor Churchill seinen Antrag einbrachte, verlautete aus Regierungskreisen, daß Großbritannien die Ausfuhr wichtigen Rüstungsmaterials nach Ländern, die nicht dem Atlantikpakt oder dem britischen Commonwealth angehören, eingestellt habe.

Wirtschaftsminister Hugh Gaitskell wies bei der Debatte darauf hin, daß das neue britische Verteidigungsprogramrp von amerikanischen Werkzeugmaschinenlieferungen und der Lieferung anderer Güter zur Rüstungsproduktion abhängig sei. Die britische Regierung werde die Vereinigten Staaten ersuchen müssen, den britischen Bedarf mit Vorrang zu behandeln. Notfalls werde die Regierung Wirtschaftskontrollen wieder einführen, die in den letzten Monaten aufgehoben worden sind.

Verteidigungsminister Emanuel Shinwell teilte mit, die britische Division, die zusätzlich in Deutschland stationiert werden solle, werde vor Ablauf eines Jahres bereitstehen. Das gleiche gelte für die zwei Verfügungsdivisionen, die nach ihrer Neuaufstellung in Großbritannien stationiert werden sollen.

Der konservative Abgeordnete Harold MacMillan bezeichnete die Erklärung Shinwells als sehr zufriedenstellend, warf der britischen Regierung jedoch Schwerfälligkeit in ihrer Deutschlandpolitik vor.

Das britische Oberhaus hat nach zweitägiger Debatte einmütig das neue Verteidigungsprogramm der Labour-Regierung gebilligt. Eine Abstimmung erfolgte nicht. Lordkanzler Jowitt hatte sich in der Aussprache gegen den Gedanken einer wirtschaftlichen Blockade der Sowjetunion gewandt.

Das umstrittene Gesetz 131

Die Reaktion der Parteien

R. Bonn, 14. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Einbringung des sogenannten „Gesetzes nach dem Artikel 131 des Grundgesetzes“ in der Sitzung des Bundestages vom Mittwoch hat die verschiedensten Reaktionen gebracht. Vor allem erklärten die Fraktionen, daß die Rechtsbestimmung über fiskalische und finanzielle Bedenken gestellt werden müsse. Dazu müsse nachdrücklich auf die Ablehnung der Gehaltskürzungen hingewiesen werden. Die Regierungsparteien zeigten sich nur zur Anerkennung der Regierungsvorlage bereit, wenn sie als eine Arbeitsbasis gelte. Die Freien Demokraten machten dabei noch größere Vorbehalte als die Christlichen Demokraten, während die Deutsche Partei das Gesetz sogar nur als Basis für eine andere Rege-

lung bezeichnete. Das Bundesversorgungsgesetz mit der Regelung für über vier Millionen Mark Kriegsrenten fand eine freundliche Aufnahme. Die beiden Gesetze sind den Ausschüssen zugeleitet worden.

Falsch ausgelegt

Bonn, 14. September, (dpa) Das Bundespresseamt hat am Mittwoch bekanntgegeben, daß die französische Zeitung „Franc Tireur“ eine Unterhaltung mit dem Bundeskanzler unklar wiedergegeben habe. Inhalt und Form gäben Anlaß zu unrichtigen Interpretationen der Auffassung des Bundeskanzlers. Weder der Bundeskanzler noch ein Mitglied der Bundesregierung hätten in der Unterredung Forderungen nach Wiederherstellung der vollen deutschen Souveränität erhoben.

Urlaubssperre in der Sowsetzone

Berlin, 14. September, (dpa) Der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik hat für alle in der staatlichen Verwaltung Beschäftigten eine Urlaubssperre verhängt. Begründet wurde diese Maßnahme -mit den großen Aufgaben zur Verbesserung des Lebensstandards, der den Einsatz aller Kräfte erfordere.

Für eine Milliarde Münzen

Bonn, 14. September, (dpa) Der Bundesfinanzminister will Münzen im Werte von insgesamt einer Milliarde Mark in den Verkehr bringen. Bisher wurden Münzen im Werte von 167 Millionen Mark ausgegeben. Vorerst sollen außer den bereits im Umlauf befindlichen Münzsorten lediglich Münzen über zwei Pfennig und eine Mark in den Verkehr gebracht werden.

Neuer Sozialminister

Koblenz, 14. September. (AP.) Der Landtag von Rheinland-Pfalz hat am Donnerstag den bisherigen Präsidenten des Landesarbeitsamtes der Pfalz, Odenthal (SPD), mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Christlich-Demokratischen Union zum Sozialminister gewählt. Der bisherige Sozialminister Jakob Steffan ist nach einer Erklärung des Ministerpräsidenten Altmeier vor dem Landtag aus Gesundheitsgründen zurückgetreten.

Ein Waffenembargo

Washington, 14. September. (AP.) Der amerikanische Senat hat am Donnerstag beschlossen, jedem Lande die finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung zu sperren, das Waffen oder für militärische Zwecke verwendbare Waren an Staaten des Ostblocks verkauft.

Protest aus Nordafrika

gegen die französische Herrschaft

Neuyork, 14. September (dpa) Der Ausschuß für die Freiheit Nordafrikas, dessen Vorsitzender Abd el Krim ist, hat bei den in Neuyork tagenden Außenministern gegen die französische Herrschaft über Algerien, Tunesien und Marokko protestiert.

„Hessen-Echo“ beschlagnahmt

-X- Frankfurt, 14. September. Die

Frankfurter Polizei hat auf Veranlassung des hessischen Innenministeriums im Haus der Kommunistischen Partei und im Haus der Freien Deutschen Jugend eine Haussuchung vorgenommen und die Ausgabe des „Hessen-Echos“ beschlagnahmt. Das Blatt wird von der kommunistischen Landtagsfraktion herausgegeben, seitdem die „Sozialistische Volkszeitung“ verboten wurde. Das „Hessen-Echo“ wurde beschlagnahmt, weil darin in einem Aufruf zur Teilnahme an dem inzwischen vom Land Nordrhein-Westfalen verbotenen Hunderttausendmann-Treffen der Freien Deutschen Jugend in Dortmund aufgefordert wurde.

Kommunisten mifchen sich ein

F. A. Z. Frankfurt, 14. September. Die Zwischenfälle, die sich am 10. September bei der Kranzniederlegung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes am Ehrenmal in Frankfurt ereignet hatten, haben jetzt ein neues Nachspiel in Form einer offenen Einmischung der Kommunistischen Partei in Frankfurt gefunden, die sich bisher auffällig zurückgehalten hatte. Der Fraktionsführer der kommunistischen Fraktion im Frankfurter Stadtparlament, Kettner, hat einen offenen Brief an den Frankfurter Polizeipräsidenten Klapproth geschrieben. Er. bezeichnet das Eingreifen der Polizei als Mißachtung der menschlichen Würde und jener Toten, die im Kampf gegen das Naziregime gefallen sind. Der Brief enthält noch persönliche Angriffe gegen den Polizeipräsidenten sowie Drohungen.

Wirtschaftsblatt

Der Samstagnachmittag

Hi Eine auf breiter Basis durchgeführte statistische Erhebung hat gezeigt, daß sowohl in den Groß- als auch in den Kleinstädten die Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung für die Offenhaltung der Geschäfte an den Sonnabendnachmittagen ist. Im einzelnen ergab die Statistik folgendes Bild:

Das Ergebnis dieser Umfrage dürfte eindeutig die Notwendigkeit des geschäftsoffenen Sonnabendnachmittags erhellen und den Einwand der Deutschen Angestelltengewerkschaft, die darin eine Schmälerung der Rechte des kaufmännischen Angestellten sieht, entkräften. Wenn der kaufmännische Angestellte für die eingebüßte Freizeit am Sonnabend z. B. durch einen freien Montagvormittag entschädigt wird, so ist damit auf der einen Seite die Forderung der Gewerkschaft nach einer zusammenhängenden Freizeit von IV2 Tagen für den Arbeitnehmer im Einzelhandel erfüllt und darüber hinaus einem dringenden Bedürfnis der arbeitenden Bevölkerung Rechnung getragen.

Das gilt ganz besonders für die Textil- und Schuhbranche. So ist doch bei dem durchschnittlichen Einkommen einer Arbeiterfamilie z. B. der Einkauf eines Kleidungsstückes oder eines Paars Schuhe eine große Ausgabe, die mit Umsicht durchgeführt werden muß. Der Verbraucher muß so viel Zeit haben, um durch Vergleich mehrerer Geschäfte das für ihn günstigste Angebot zu finden. Dazu reicht aber keineswegs die kurze Zeit nach Feierabend oder vielleicht eine Mittagspause.

Offen-
halten: Ge-
schlossen:
Arbeiter 78% 8%
Landarbeiter 64% 3%
Landwirte, Bauern 70% 7%
Angestellte 75% 13%
Beamte 77% 4%
Selbständige in Handel und Gewerbe 73% 17%
Freie Berufe 75% 14%

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse waren am Donnerstag die Aktienmärkte weiter fest. Bei der im allgemeinen günstig beurteilten außenpolitischen Lage und der Erwartung einer weiter günstigen Wirtschaftsentwicklung hielt die bereits am Vortag einsetzende stärkere Nachfrage an. Bei nur geringer Abgabeneigung konnten sich insbesondere Montanwerte bis zu 3,5 Punkten verbessern. Auf den übrigen Märkten betrugen durchschnittliche Kursverbesserungen meist einen Punkt. Verschiedene Spezialpapiere konnten allerdings stärkere Kursgewinne erzielen.

Züricher Noten-Freiverkehr

13. 9.
Franken 14. 9.
Franken 14. 9. in DM
New York (Dollar) 4,35 4,35 5,44
London (Pfund) 10,93 10,95 13,69
Paris (100 fr.) 1,15 1,16 1,45
Brüssel (100 bfr) 8,63 8,64 10,80
Amsterdam (100 hfl) 103,— 103,50 129,38
Stockholm (100 skrj 67,— 67,25 84,06
Mailand (100 Lire) 0 65 0,65 0,81
Prag (100 csk) 1,07 1,07 1,34
Wien (100 Schill.) 14,30 14,45 18,06
Deutsche Mark (100 DM)... 79,75 80,—

Berliner DM-Wechselkurs

F.A.Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 14. 9. 50 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5,— Ostmark eine DM-West geboten.

Buchbesprechung

Der Weinbau, Fachzeitschrift für Weinbau und die Weinwirtschaft, sowie für die Branntwein- und die Sektindustrie, Mainzer Zeitschriftenverlag, hat anläßlich des deutschen Weinbau-Kongresses in Bad Kreuznach als Organ des deutschen Weinbauverbandes eine umfangreiche Sondernummer herausgebracht. Sie behandelt aktuelle Fragen der Weinwirtschaft. Unter solchen Gesichtspunkten werden unter anderem die Weinbergsumlegungen, die Bedeutung der Winzergenossenschaften, die Förderung des Weinexportes, die Verwendung von Tanks zur Weinbereitung, und die Hebung der Kellerwirtschaft betrachtet.

Im Geiste von 1941

Ein neuer Angriff gegen den IG-Farben-Konzern

J. E. Das neue IG-Farben-Gesetz der Oberkommission hat in der gesamten deutschen Oeffentlichkeit eine so einmütige Ablehnung gefunden wie kaum jemals zuvor eine alliierte Maßnahme.

Man sollte meinen, der sonst in Fragen der öffentlichen Meinung in der Bundesrepublik so hellhörigen amerikanischen Presse sollte diese Reaktion nicht entgangen sein. Statt dessen hat sich die „New York Herald Tribune“ dazu hergegeben, eine neue Haßkampagne gegen die ehemalige IG - Farben - Industrie zu inszenieren. Selbst den kühlsten Leser muß dieser Aufsatz von Don Cook in Harnisch bringen. Was da geschrieben steht ist so haarsträubend, daß man nur den Kopf schütteln kann.

Der Artikel ist schlimmer als das eigentliche neue IG-Gesetz. Wenn dieses Gesetz geistig von 1945 datiert, so gehört Cooks Artikel in die Zeit von 1941. Damals, in der Zeit der antideutschen Kriegspropaganda, hätte man sich vielleicht über einen solchen Artikel wenig gewundert. Aber heute, da wir uns bemühen, angesichts der östlichen Gefahren näher an die westliche Welt heranzurücken und da die westliche Welt ihrerseits sich um eine Annäherung bemüht, ist eine solche Haßorgie mehr als ein Rückfall in die Ressentiments des Krieges, es ist ein Querschuß in die allgemeine westliche Politik.

Quell allen Uebels

Nach Cook war der ehemalige IG-Farben-Konzern das größte, mächtigste, skrupelloseste, verabscheuungswürdigute Unternehmen, das es jemals gegeben hat. Er überschlägt sich fast in Superlativen: „Von allen Kartellen, Konzernen und Monopolen, die von Zeit zu Zeit als Schrecken der Welt aufgetaucht sind, hat keines jemals die Größe erreicht...“ Selbst Kreugers Zündholzkonzern, Standard Oil zu Beginn dieses Jahrhunderts und Basil Zaharof und seine „Kaufleute des Todes“ erscheinen ihm dagegen harmlos. Und dann kommt ein wahrhaft klassischer Satz, der vermutlich die Philosophen der Welt veranlassen wird, ihre Systeme von Grund auf neuzubauen: „Für viele Amerikaner ist es so, als ob all das Uebel in der Welt von heute in der Zentrale der IG-Farben-AG seinen Anfang genommen hat.“

Aber auch sonst werden diejenigen, die früher in der IG tätig waren, einiges interessante Neue über den Konzern erfahren. Es heißt da: „Es gibt keine Schätzung des Wertes aller Anlagen, denn so groß der Konzern war, die Form des Managements war eine einzige, riesige, betrügerische Operation, wobei'nichts zentralisiert war als die Gewinne und die Leitung. Die Gewinne kamen herein und Exekutiv-Entscheidungen gingen heraus, aber keine Gesellschaft wußte jemals, was die andere tat ..“ Nun, es sei dahingestellt, ob bei einem solchen System überhaupt die Möglichkeit bestände, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Beabsichtigt ist mit solchen Formulierungen ohne Frage, die Vorstellung von der dunklen, hintergründigen IG-Zentrale zu nähren, die auf geheimnisvolle Weise die ganze Welt an ihre Fäden gekettet hat. Daß die Behauptung von der betrügerischen Operation („its managment was one vast juggling Operation“) ein strafrechtlicher Tatbestand sein dürfte, sei nur am Rande bemerkt.

Terror gegen Angestellte

Das Tollste aber dürfte die Diffamierung der unbestreitbar großen sozialen Leistungen der IG-Farben sein. Es heißt da: „Der IG-Farben-Konzern besaß großen Hausbesitz; sich den Entscheidungen der Frankfurter Zentrale zu widersetzen, bedeutete nicht nur den Verlust der Wohnung für jeden der Angestellten und Direktoren, es bedeutete auch, daß er auf einer schwarzen Liste für Positionen an anderen Stellen in Deutschland stand. Die ,IG-Farben-schwarze-Liste‘ wurde ohne Frage von der ganzen deutschen Industrie akzeptiert. Es war ein System, das den Nazis auf den Leib geschrieben war, und es war kein Wunder, daß sie es intakt ließen und ihm halfen, sich weiter auszudehnen.“ So rundet sich das Bild von einer durch und durch bösen Macht, und es ist nur selbstverständlich, daß der Autor befriedigt feststellt, daß die Auslöschung des IG-Farben-Konzerns vollendet werden würde, ohne Rücksicht darauf, was für interne Kontrollen in Deutschland in Kürze aufgehoben werden sollten.

Schluß mit radikalen Lösungen

Man kann durchaus der Meinung sein, daß der IG-Konzern in seiner alten Zusammensetzung zu groß war, daß er Monopolpositionen besaß, die mit einer freien Wettbewerbswirtschaft nicht vereinbar sind und daß die alte Konstruktion der IG kein Ideal für die Neugliederung ist. Bisher ist jedenfalls in Deutschland noch niemand aufgetreten, der eine Rückkehr zum Vorkriegszustand empfohlen hätte. Die herrschende Meinung plädiert im wesentlichen für die Drei - Block - Lösung (Leverkusen, Maingau und Ludwigshafen). Wir wehren uns lediglich gegen ein Gesetz, das diese Entflechtung zu einer Sache der Alliierten macht und das die Eigentumsrechte der Aktionäre schlankweg übergeht. (Vor wenigen Tagen hat sogar der stellvertretende Vorsitzende der Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik namens der 370 000 Mitglieder erklärt, daß es untragbar sei, in dem neuen Gesetz die Aktionäre jeglichen Einflusses zu berauben.) Und wir wehren uns mit Nachdruck gegen solche Artikel wie den von Don Cook, die für radikale Lösungen mit Mitteln Stimmung machen, die alle ehemals in der IG Tätigen verhöhnen und entehren.

Wir sind weit davon entfernt, die Bedeutung des Artikels zu überschätzen. Wedel' Don Cook noch die „New York Herald Tribune“ sind die amerikanische Regierung. Aber wir haben auch eine Vorstellung davon, wie solche flammenden Attacken in einer der größten Zeitungen der Welt gegen die IG auf die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten wirken. Und wir haben auch eine leise Vorstellung davon, wie stark die amerikanische Regierung auf diese öffentliche Meinung Rücksicht nehmen muß. Das zwingt uns leider, einem Artikel entgegenzutreten, dem man schon zu viel Ehre antut, wenn man nur eine einzige Zeile darüber schreibt.

Einigung über Aufteilung der ERP-Tranche

Bonn, 14. 9. 50. (vwd) Der Arbeitskreis „Investitionen“ der Bundesregierung hat dieser Tage volle Einigung über die deutschen Vorschläge zur Verteilung der dritten ERP-Tranche einschließlich der 300- Millionen-DM-Reserve erzielt. Hinsichtlich des gleichfalls zur Beratung stehenden deutschen Investitionsprogramms stellte der Ausschuß fest, daß 500 Millionen DM nicht ausreichen, sondern die Investitionsnotwendigkeit mindestens einen Betrag von ännähernd einer Milliarde DM erforderlich macht. An der Verteilung der dritten ERP-Tranche hat sich wenig geändert. Die vorgesehenen Kürzungen bei Wohnungsbau und Landwirtschaft von je 225 Millionen DM auf 200 Millionen DM sollen dem Seeschiffbau zugeführt werden.

Keine Bedürfnisprüfungen

Bonn, 14. 9. (F. A. Z.) Das Bundeswirtschaftsministerium hat in einem Runderlaß an die Wirtschaftsministerien der Länder festgestellt, daß die Prüfung der Bedürfnisfrage, der volkswirtschaftlichen Notwendigkeit oder ähnlicher Voraussetzungen vor Geschäftseröffnungen durch das Grundgesetz gegenstandslos geworden sei. Alle gewerberechtlichen Zulassungsvorschriften sind soweit außer Kraft zu setzen oder abzuändern als sie mit dem im Grundgesetz festgelegten Recht der freien Berufswahl in Widerspruch stehen. Ausdrücklich wird in dem Erlaß erwähnt, daß sämtliche Bestimmungen des Gesetzes zum Schutz des Einzelhändlers und der Gewerbeordnung, die sich mit der Bedürfnisfrage beschäftigen, durch Artikel 12 des Grundgesetzes endgültig hinfällig geworden sind.

Bekleidungsgewerbe erhöht Löõhne

Düsseldorf, 14. 9. (AP.) Eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 12 Prozent für die rund 170 000 Beschäftigten der westdeutschen Bekleidungsindustrie ist nach Mitteilung der Textilgewerkschaft zwisehen ihrem Hauptvorstand und den Arbeitgeberverbänden vereinbart worden. Die Lohnerhöhung tritt sofort in Kraft.

Index unverändert

Wiesbaden, 14. 9. (dpa) Das Leben im Bundesgebiet ist nach Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes im August, alles in allem genommen, nicht teurer geworden. Die Preisindexziffer, die im Juli 149 war (1938 = 100) sank im August sogar um einen Punkt, während sie im August des vergangenen Jahres noch auf 157 stand.

Rindfleisch aus den USA

vwd Das Bundesernährungsministerium ist ermächtigt worden, 50 Millionen Dosen Rindfleisch im eigenen Saft (500- Gramm-Dosen) aus den USA einzuführen. Die Dosen sollen banderoliert werden und einen festen Kleinverkaufspreis (voraussichtlich je 500 g DM 1.10) aufgedruckt erhalten.

Vacharbeitermangel

München, 13. September. (We.) Der augenblickliche Auftragsbestand der in den Raum von Kaufbeuren verlagerten Gablonzer Schmudewarenindustrie beläuft sich auf 3,15 Millionen DM. Die Ausfuhr erhöhte sich im August um 40 000 DM auf 535 000 DM. Im Export liegen Schmucksteinlieferungen nach den Vereinigten Staaten und Kanada an der Spitze. Dem Facharbeitermangel in der Perlen- und Schmudesteinverarbeitung versucht man durch Umschulung zu begegnen.

Kurz gemeldet

Das Interesse für deutsche Erzeugnisse hat nach dem Ergebnis der Utrechter Herbstmesse vor allem in den technischen Abteilungen zum Teil sogar zugenommen. Deutsche Erzeugnisse konnten sich fast ausnahmslos gut gegen die Auslandskonkurrenz durchsetzen. (Id) Traubenproben im mittleren und oberen Moselgebiet ergaben ein Mostgewicht von durchschnittlich 75 Grad Oechsle, womit nach Meinung der Winzer bei einigermaßen anhaltender sonniger Witterung die Gewähr für einen guten 1950 er Qualitätswein gegeben sein dürfte.

Die noch nicht beseitigten Kriegs¬ schäden bei der Bundesbahn belaufen sich auf weit über eine Milliarde DM. Von 1945 bis Ende 1949 hat die Bundesbahn demgegenüber bereits 1,6 Milliarden DM zur Beseitigung der Kriegsschäden nach einer Erklärung des Ministerialdirektors Brandt vom nordrheinwestfähschen Verkehrsministerium äuf-

gebracht. Der hessische Produktionsindex stieg im August auf 109 (Juli 98). Australische Wolle erzielte mit 190 (zuletzt 179) d je 1b einen neuen Rekordpreis.

We. Mars-Werk AG., Niirnberg-Doos. Laut Beschluß der HV wird das AK 10:14 von 350 000 RM auf 490 000 DM umgestellt.

Für den Bau einer Erdölraffinerie bei Holthausen sollen ECA-Mittel in einer Höhe von 550 000 Dollar zur Verfügung gestellt werden, bei Gesamtkosten des Projekts in Höhe von 36 Millionen DM.

Feuilleton

Die Dichterin des Wunschkindes

EIN BESUCH BEI INA SEIDEL ZU IHREM 65. GEBURTSTAG

Über dem Starnberger See spannt sich strahlendblauer Augusthimmel und in der Sonne gleißen die weißen Segel, glitzert und sprüht es von Funken und Licht — in sanften Serpentinen unter schattenspendenden Bäumen führt der Weg zur Höhe der Ottostraße. Sie will fast kein Ende nehmen, nur langsam kann der Besucher die Hausnummern zählen, so weit dehnen sich die Gärten, von denen die Häuser umgeben sind. Ein altes, etwas struppiges Pudeltier stürzt mit hartnäckigem Gebell zum Tor und dann nimmt den Gast das schlichte kleine Haus auf, in dem Ina Seidel wohnt. Tiefes Leid hat auch sie im letzten Jahrzehnt nicht verschont; das spricht aus ihren Zügen, aber noch mehr als ehedem schimmert daraus die Güte einer mütterlichen Frau und das durchgeistigte Wesen eines schöpferischen Menschen.

Ihr Dichterstübchen ist leicht abgedunkelt, tut doch ihren Augen der helle Schein der Mittagssonne weh, die über dem Balkon glutet; Schränke, Regale mit Büchern, ein Schreibtisch hoch mit Schriften beladen, ein Stehpult mit einem aufgeschlagenen Buche, eine gemütliche Ecke mit Tisch und Sesseln, in der sie ihre Gäste empfängt. Etwas zögernd vielleicht und tastend tauschen wir erste Worte. Und doch tut sich im zwanglosen Gespräch dieser stille, feine Mensch auf, und man spürt wie er lebt und schafft.

Es ist die Frau, die im „Wunschkind“ das aussprach, was alle Mütter wie ein Sturm erfassen sollte: „Der Tag wird kommen — und er muß kommen, da die Tränen der Frauen stark genug sein werden, um gleich einer Flut das Feuer des Krieges für ewig zu löschen. Der Tag, da der Geist — die Taube — unter dem heiligen Regenbogen über der wiedergeborenen Erde schwebt — und dann... dann setzt der Sohn der Mutter die Krone aufs Haupt.“ Im Herbst des dunklen Jahres 1945 verlor Ina Seidel Gatten und Mutter. Es ist aber auch die Frau, die dichtete:

„Sieh — um Gott, die schwere Honigblüte

Summt die leichte Imme immerzu, Summt die Seele durstig nach der Güte, Nach des Saugens eingegeb’ner Ruh —. Sieh, der Immen Spiel: Stille ist das Ziel — Laß Dich ziehn von Gottes Duft auch du.“

Nach 1945 ist noch kein größeres Werk von Ina Seidel erschienen, einige bisher in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte Erzählungen von besonderer Art lassen Größeres erwarten. Vorerst werden die großen Romane neu aufgelegt. „Wir bereiten jetzt einen Auswahlband der Gedichte mit einigen neuen vor, weil der große Sammelband ganz neu zusammengestellt werden muß.“ Bei dem Worte „wir“ dürfen wir fragen und erfahren, daß Frau Seidel in ihrem Sohne, der gesund aus Gefangenschaft heimkehrte, studierte und sich zum Verlagsmann heranbildete, ihren treuen Helfer hat, und daß das künstlerische Gefühl und der Wille zur Gestaltung vom Urgroßvater her vererbt, auch yi der jungen Generation lebendig ist. „Wir verstehen uns sehr gut, weil wir die gleichen Interessen haben“, meint die Mutter lächelnd.

Aber zurück zum Werk; zögernd gesteht sie, daß sie ein wenig abergläubisch sei und nicht gern von Werdendem spreche: „Ich arbeite wieder an etwas Größerem — nur so viel: es ist kein historischer Roman. Sodann beschäftige ich mich viel mit dem Nachlaß meines Mannes, mit einer Briefausgabe und der Neuherausgabe der Bücher.“

Die vergangene Zeit steht im Gespräch auf, Glaube, der trog, Unrecht, das immer lauter schrie, Kunst, die zu Markte getragen wurde und die heute um ihre Existenz bitter kämpfen muß. Es ist wie ein Bekenntnis, wenn die Dichterin sagt: „Der Künstler will gestalten, die innere Richtung kann sich aus seinem Werk ergeben, aber er soll nicht in tendenziöser Absicht predigen“ und sie weist auf ihren „Lennacker“, das Epos der deutschen evangelischen Kirche, das 1934 begonnen wurde. „Da liegt die beste Absicht zugrunde, mein Mann legte 1934 das Pfarramt nieder, weil sich die Politisierung kirchlichen Lebens nicht mit seiner Auffassung vom Christentum vertrug.“ Ina Seidel wird nach langer Zeit in diesem Monat wieder einmal eine Vortragsreise unternehmen, die sie nach Stuttgart, Hersfeld, Kassel, Hannover, Hameln, Duisburg und Köln führen soll. Auf die Frage, ob auch für den Dichter diese Lesungen von Bedeutung seien, ist ihre Antwort: „Für ihn ist es dabei immer die Frage, ob man Kontakt bekommt und manchmal hat man das Gefühl, als ob ein schöner Widerhall da sei. Im vorigen Jahre wurde mir in meiner Vaterstadt Braunschweig der Raabe-Preis verliehen. Ich habe bei diesem Anlaß zum erstenmal seit langer Zeit wieder gelesen das war ein schönes Erlebnis.“

Im Garten wird die Dichterin von ihren Enkeln umringt, den Kindern der Tochter, die heute mit in diesem Hause leben. Wenn wir kurze Zeit später, von dem Enkeltöchterchen begleitet, den Weg nach Starnberg hinabwandern, dann kehren die Gedanken immer wieder zurück zu dieser gütigen, stillen Frau, die so gar nicht viel Wesens davon macht, daß sie uns und unserer Zeit so manches große Dichtwerk geschenkt hat, und man sieht in diesem Augenblick viel mehr in ihr die Schöpferin der reizenden Kindermär, dem „Wunderbaren Geisleinbuch“ oder besinnlich feiner Erzählungen und reiner starker Lyrik als die Gestalterin historischer Romanwerke. U. Z.

Expressionismus

IN MALEREI, DICHTUNG UND MUSIK

Im Darmstädter Amerikahaus hielt der bekannte Kunsthistoriker Dr. Gaston Dejmek einen Vortrag über die Definition des Expressionismus in Malerei, Dichtung und Musik. Unter dem Expressionismus verstehen wir eine Stilrichtung der modernen Kunst, die unter Verzicht auf den Realismus in Form und Farbe, durch einen gesteigerten Ausdruck zum Wesentlichen des Themas vorzustoßen versucht. In der Malerei liegen die Hauptgestaltungsmittel ihrer Aussagekraft in der Linie und der Fläche, wie in dem Selbstwert der Farben. Anklänge an den Expressionismus sind auch schon in früheren Kunstepochen festzustellen, aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwikkelt er sich zur rechten Blüte, besonders nach dem ersten Weltkrieg. Er entfaltet sich aus dem Gegensatz zum Impressionismus, unter Einwirkung von Malern, wie van Gogh, Gauguin, Cezanne und Munch, und erreicht seine vollendetste Form bei Nolde, Marc, Beckmann und Kokoschka.

In der Musik ist es Schönberg, der mit dem Expressionismus bereits 1899 am Tristanthema anknüpfte, und die Musik zu einer klaren Abstraktion zu führen verstand. Immer mehr tritt der Denktypus als moderner Künstler in den Vordergrund, der die Intuition verwirft und das absolute Strukturvorbild zu schaffen sucht. Die Musiker suchen die Harmonie der Sphären im Sinne der Pytagoräer, sie schöpfen neue Tonmodulationen, die aller Erdenfeme entrückt zu sein scheinen, unwirklich im Klang und grell im Vergleich zu den schweren Akkorden, die bisher als Ausdruck menschlichen Empfindens galten.

Das abstrakte Gedicht wird zu einer Hülle des Magischen, aus dem der Wirklichkeitsgehalt durch das Ohr des Hörers gefunden werden muß. Es ist nur noch ein Stammeln, das die Kreatur an das Uebersinnliche und Unwägbare richtet, ein Zusammenprall des Wachbewußtseins mit der dunklen Seite der inneren Nacht. Ihre Interpreten, besonders aber Picasso, als ein prometheischer Mensch, lassen das Individuum über seinen eigenen Schatten springen, und wo sie vor dem Nichts stehen, finden sie eine neue Wirklichkeit, die mit dem sensitiven Empfinden des einzelnen nichts mehr gemein hat. hfl

Kunstsinn der Irren Eine Ausstelluns in Paris

Für den am 19. September in der Pariser Sorbonne beginnenden Internationalen Psychiater- und Neurologenkongreß. auf dem Westdeutschland erstmalig wieder durch eine Delegation vertreten sein wird, wurde der Leiter des sog. „Musee de l’Art“. Brut (Rohkunst), beauftragt. auch in Deutschland nach. ~typischen Belegen“ für den Zeichnen- und Malsinn der in Universitätskliniken behandelten Irren Ausschau zu halten, um sie anläßlich dieser Tagung mit anderen, vornehmlich in England, Italien, Spanien, Südamerika und Frankreich gesammelten auszustellen. In Heidelberg übergab Dr. Engel von der Heidelberger Haupt-Psychiatrischen Universitätsklinik 40 Blätter derartiger Kunstäußerungen, die während über 60 Jahre die „Entwicklungskurve“ im Zeichnen und Malen der früheren und der heutigen Generation Geistiggestörter aller Grade in höchst origineller Weise kundtun.

Diese internationale Ausstellung findet im Pariser Palais Chaillot (ehemaliges Trocadero gegenüber dem Eiffelturm) statt.

Sperlings-Chronik

Mögen geruhsame Zeiten über die Erde wandeln, mögen Kriege rasen — das Volk der Spatzen bleibt unberührt von allen Wechselfällen des Daseins. Wenn jegliches Getier flüchtet — der Spatz frißt, wo immer er etwas zu fressen entdecken kann. Kehrichteimer bieten ihm soviel wie Pferdeäpfel, die Kuchenkrümel und Brosa ien der Gartenlokale sind ihm ebenso lieb wie die Maishüllen der Hühnerhöfe und die Schrotabfälle der Schweinekoben. Er frißt, er hungert, wie es gerade kommt.

Zugvögel ziehen den Jahreszeiten, dem Blühen der Welt oder — wie die Möven — dem Eise, den Fischen oder den wandernden Tieren, ja, sie fliegen ihrer Sehnsucht nach und ihrem von den Altvorderen überkommenen Gesetz. Sie kennen Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude, Heimatbindung und Fernsucht. Mit ihnen verglichen ist der Spatz ein seßhafter Vagabund.

Der Mensch muß in der Gnade der Götter stehen, klingt ihm das Lied der Nachtigall in trunkene Ohren. Wieviel Großstadtkinder haben noch keinen lebendigen Storch gesehen, wie mancher kennt nicht einmal den Jubel der Feldlerche! Doch Spatzen scheucht unser Fuß auf, wo immer er geht, selbst auf Schrottplätzen und in Kohlenlägern schilpt das graubraune Volk herum und tummelt sich und ist guten Mutes, während sogar unsere Meisen Sorgenfalten auf den Stirnfedern tragen.

Man müßte die Spatzen ausrotten! seufzen die Vogelliebhaber. Sie vertreiben mit ihrem Gekeife aus unseren Städten, aus unseren Wäldern die letzten edleren Vögel — es wurden Entartungserscheinungen bei Buchfinken, Meisen, Rotkehlchen und anderen feineren Sorten festgestellt, man sollte dem endlich mit energischen, wenn möglich mit gesetzgeberischen Maßnahmen entgegentreten — mag es auch noch so schwierig sein, da unsere Tierschutzvereine nun einmal ausnahmslos alles Gekreuch und Gefleuch in die Herzen ihrer Mitgliederzahlen geschlossen haben! Natürlich soll man die Spatzen nicht mit Flinten abschießen, man soll nur ihr Schmarotzertum unterbinden und ihnen nicht auch noch Futter streuen! So sprachen die Vogelfreunde.

Ueberall aber sammelte sich das Volk der Spatzen in Massenzusammenkünften, und hätten die Vogelliebhaber Vogelohren besessen, sie hätten einiges zu hören bekommen. Wie? — ereiferten sich die Sperlingsmänner, durch anfeuernde Zwischenrufe von den Sperlingsweibem unterstützt, es klang nicht schön, aber es war eine kräftige Willenskundgebung: Uns will man das Lebensrecht absprechen? Haha, noch schöner! Wir sind viele, wir werden sein und bleiben, und wenn ganze Vogelwelten dahinsinken und ganze Vogelarten dahinsiechen! Und warum? Weil wir der Erde näher sind als den Wolken, weil wir uns mit unseren Schnäbeln mehr an das Futter als an die blaßblauen Träume halten. Unnützlich nennt man uns. Wir haben uns in hervorragender Weise eingesetzt für die regelmäßige Reinigung öffentlicher Straßen und Plätze, und hätten wir nicht manches hinweggefressen, so wäre der menschlichen Hygiene unabsehbarer Schaden entstanden. Selbst kleineres Ungeziefer ist uns als Atzung willkommen, wir sind nicht wählerisch. Wir vertreiben die Feinen und sanft Zirpenden, die edel Wandelnden und in Bögen Fliegenden, die Tenöre und Sopranistinnen der Naturoper? Sollen sie sich doch nicht wegschubsen lassen, wenn es um ein paar Körner geht! Natürlich, wenn sie bessere Leute sein wollen, haben sie das Nachsehen, und wenn welche unsere Gewohnheiten annehmen, so haben sie eben eingesehen, daß es sich auf unsere Art weniger anstrengend lebt. Braucht man denn zwei halbe Weltreisen im Jahr, um satt zu werden? Satt werden kann man auch in der Gosse, da muß nicht der Flieder blühen; und die Kirschen läßt man besser reifen, um sie abzupicken, anstatt ihre Blüten anzusingen. Davon ist noch keiner satt geworden! Das schilpten die Spatzen von allen Dächern und Kantsteinen . . .

W. A. Persich

Amerikanische Kunst der Gegenwart

Dr. Emst Scheyer sprach im Darmstädter Amerikahaus über „Die amerikanische Kunst der Gegenwart“. Die Definition der amerikanischen Moderne sei durch zwei wesentliche Faktoren bestimmt: durch den Begriff der individuellen Freiheit und durch den Fortschritt der Technik. Die Moderne setzte erst mit dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges 1865 ein, als eine yollkommene soziologische Umschichtung in den Staaten erfolgte. Es erhebe sich überhaupt die Frage, ob es eine reine amerikanische Kunst gebe. Es sei vielleicht richtiger, von einer Kunst in Amerika zu sprechen, die von den verschiedenen nationalen Einflüssen der Einwanderer geprägt wurde. Die Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer eigenen Kunst, die nationalen Ursprungs sei, erfordere Zeit. Der Begriff der Moderne treffe am ehesten auf die Architektur und Skulptur zu, hingegen weniger auf die Malerei. An Hand einer Reihe von Lichtbildern zeigte Dr. Scheyer die Entwicklung der amerikanischen Architektur, angefangen von H. H. Richardsen, dem Vater der amerikanischen Baukunst, dem noch gotische Bauelemente eigen waren, bis zur reinen funktionellen Architektur der modernen Wolkenkratzer. Auch die amerikanische Skulptur zeige neue Stilelemente, die sich aus den verschiedenartigsten Einflüssen westlicher, slawischer und asiatischer Kunstauffassungen zusammensetze. In der Malerei hingegen liegt der Schwerpunkt auf dem Aquarell, axif dem Plakatmäßigen, dem schnell in die Kunst umgesetzten, einer typisch amerikanischen Charaktereigenschaft. In den Drahtspielen wurde eine neue Kunstform gefunden, die tatsächlich keine Vorläufer habe. Die Auffassung vieler amerikanischer Künstler, daß das Subjekt alleine den Wert der künstlerischen Aussage schaffe, sei nicht vertretbar, wenn auch der Realismus als national-amerikanisch angesprochen werden müsse. (Es wäre zu wünschen, daß derartige Veranstaltungen pünktlicher anfangen.) h fl.

1. Abonnementskonzert der Musikzentrale

Am Dienstag, dem 19. September, um 20 Uhr, findet in der Stadthalle das 1. Abonnementskonzert der Darmstädter Musikzentrale statt. Als Solist wurde der Violinvirtuose Gerhard Taschner gewonnen. Am Flügel: Gerda Taschner-Nette. Programm: Tartini (Teufelstrillersonate), Bach (Solosonate g-moll), Cesar Franck (Sonate A-dur). Bartok (Solosonate) und Saint-Saens (Introductione und Rondo capriccioso). Abonnenten für acht Meisterkonzerte werden noch angenommen.

Notizen

Arbeitsgemeinschaft „Musikpflege“. Die

Organisationen in der Bundesrepublik, die sich mit Musik befassen, haben sich auf der zweiten deutschen Musikalienmesse in Boppard zu einer Arbeitsgemeinschaft „Musikpflege“ zusammengeschlossen, die „dem Verfall der Musikpflege und insbesondere dem erschrekkenden Rückgang des selbsttätigen Musizierens in Deutschland“ entgegentreten will. Die neugegründete Arbeitsgemeinschaft erklärt, es bestehe die ernste Gefahr, daß die Musik, die ein entscheidender Kulturzweig des deutschen Wesens sei, verlorengehe, wenn es nicht in letzter Stunde gelinge, das Singen und Musizieren in den Wohnungen und Schulen wieder von Grund auf lebendig zu machen. Die Arbeitsgemeinschaft will vor allem den zuständigen Behörden die kulturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklung darlegen und in geeigneter Form auf die Musik „als lebenden Quell echten Friedens“ hinweisen.

Internationaler Mathematiker-Kongreß.

Vom 30. August bis 6. September fand an der Harvard-Universität der erste Internationale Mathematiker-Kongreß nach dem Kriege statt. Auch die deutsche Mathematiker-Vereinigung konnte fünfzehn Vertreter entsenden. Der Kongreß vermittelte in mehr als vierhundert Vorträgen ein lebendiges Bild der modernen Mathematik in ihren verschiedenen Zweigen wie Geometrie, Topologie. Algebra, Zahlen- und Funktionen-Theorie. Aber auch die Anwendungen der Mathematik in der Physik, Statistik und anderen Gebieten hatten ihren Platz gefunden. Ebenso wurden Fragen der Philosophie, der Logik, des Unterrichts und der Geschichte der Mathematik behandelt. Besonderes Interesse fanden die modernen Rechenmaschinen, die besichtigt werden konnten, sowie die durch diese Maschinen aufgeworfenen Probleme. In der Eröffnungssitzung wurde die Field-Medaille an S. Selbert (Norwegen) und L. Schwartz (Frankreich) für ihre Leistungen auf dem Gebiet der Zahlen- und Funktionstheorie verliehen. Der nächste Internationale Mathematiker-Kongreß soll 1954 in Holland abgehalten werden.

Fry-Komödie in Deutschland. Die in England so erfolgreiche Komödie Christopher Frys „The ladys not for burning“ (Die Dame ist nicht fürs Feuer), wird in den Münchner Kammerspielen (Hans Schweikart) und voraussichtlich zum gleichen Termin im Berliner Hebbel-Theater für Deutschland erstaufgeführt werden. Die Komödien des englischen Dichters Christopher Fry erscheinen in deutscher Sprache in der Uebertragung von Hans Feist beim S.-Fischer-Verlag.

Der Verlag Georg Westermann in Braunschweig hat den seit Jahrzehnten in fast allen deutschen höheren Schulen eingeführten Diercke-Weltatlas in neuer Bearbeitung herausgebracht. Im neuen Diercke-Atlas sind die deutschen Grenzen von 1937 durch Schraffierung kenntlich gemacht. Auch die gegenwärtig bestehenden innerdeutschen Verwaltuhgsgrenzen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetzone sind vermerkt. I Die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie' und Süd-Ostpreußen sowie Nord-Ostpreußen tragen in dem Kartenwerk den Ueberdruck „Unter polnischer Verwaltung“ und „Unter sowjetischer Verwaltung“. Für diese Kennzeichnungen waren bindende Bestimmungen der Besatzungsmacht maßgebend. Die Ortsbezeichniung entspricht im gesamten Atlas der iim deutschen Sprachgebrauch üblichen Fo^m. Die einzige Ausnahme bildet das während des zweiten Weltkrieges von derjitschen Truppen besetzte Gebiet außerhalb der Grenzen von 1937. Der Atlas ist von der Besatzungsmacht grundsätzlich genehmigt worden.


Gustav Hagemann: Mondnacht im Lyngenfjord Aus „Geheimnis des hohen Nordens". Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1948.
Gustav Hagemann: Mondnacht im Lyngenfjord Aus „Geheimnis des hohen Nordens". Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1948.

Brief aus Finnland

Kemi, Ende August.

„Ich lasse spät von mir hören, aber Du kennst ja unser Sprichwort: Der liebe Gott hat Himmel und Erde geschaffen, aber von Eile hat er nichts gesagt.“ Außerdem bekam ich Deinen Brief recht spät, da wir, nunmehr fast schon am Ende der Ferien, seit Wochen draußen an den Klippen liegen, um Sonne für die langen Winterabende zu sammeln. Du weißt ja, zwischen Mai und September hält sich niemand länger als nötig in der Stadt auf. Mit Elis und Irja machte ich einen Streifzug in die Wälder nördlich des Kemi-joki. Vor sechs Jahren waren hier die Bunker und Gräben des linken zurückgezogenen Flügels der Kandalakscha-Front. Die Sümpfe und Wälder liegen wieder einsam da. Nur einige Hütten stehen noch, aber die Pfade dorthin sind überwuchert. In der saugenden Stille dröhnt der eigene Herzschlag. Fauchend fährt ein Lemming herum. Verzeih bitte, daß ich das so an den Anfang setze: aber in diesem Jahr ist wieder der rätselhafte Zug der Tiere nach Nordosten, nach Kola hin. Die meisten von Euch vertrugen die Einsamkeit der Wälder nicht, die für uns Geborgenheit und Mythos sind. Die Einsamkeit gibt sonst nur dem einzelnen Glück.

Lappland ist der einzige Landstrich in Europa, wo es noch Luchse, Wölfe, Bären, Adler und Kolkraben gibt. Die Farben sind immer Pastell hier: mattgrün, reseda, ocker. Keine saturierte Tönung, nicht die quellende Ueberreife des Südens, die schmerzliche Empfindungen an das Ende der Betrachtungen stellt. Die Werte wollen keine sichtliche Beantwortung, es ist kein Reif um die Probleme. Sie erscheinen ohne thematische Begrenzung, fließen ineinander, und die Atemlosigkeit des Denkens am begrifflichen Horizont treibt zurück zur Betrachtung des kleinen Raumes, in dem man hockt. Der große Pan spielt seine Flöte in den Wäldern und vertreibt die flachen Seelen. Sie halten die Inbrunst, das Betören und die Grausamkeit, die Unendlichkeit des Lichtes in den weißen Nächten nicht aus. Wer nicht auch in heißen Sommern in den Wäldern angstvoll frieren möchte, muß diese archaische Frömmigkeit in sich tragen. Das ist wohl auch ein Teil unserer Kraft, daß wir, verharrend, die Dinge ehrfurchtsvoll betrachten.

Der Dämonische ließ Euch Kleist, Goethe, Friedrich Höldertin deklamieren. Auf dem nur stofflich begriffenen Humanismus sollte als Ueberdachung die kälteste Skulptur Griechenlands, Sparta, gestellt werden. So wurdet Ihr, zwischen Termophylen und französischer Revolution schwankend, kaum begeisterte Nihilisten, als Ihr gezwungen wart,Nordfinnland abzubrennen. Aber noch sprechen viele von Euerm Hiersein, die Kämpfe bei Tornio verletzten kaum die Peripherie der beider-

seitigen Freundschaft. Rovaniemi ist übrigens wieder aufgebaut. Wirkliche Schwierigkeiten machte nur das Heranschaffen des Materials für das große Hotel und das Uusuuskaupa. In diesem Sommer saßen wieder Schweden, Amerikaner und Engländer während der hellen Nächte in der Hotelhalle oder badeten unterhalb der Terrassen an den Ufern des Flusses. Alle Flüsse Lapplands sollen Gold enthalten. — Das silberne Weiß der Birken ist Trost in dem elfenbeinerm Licht der Mitternachtssonne.

Im Innern des Landes gibt es kaum leidenschaftliche politische Auseinandersetzungen. Von Streiks im Süden des Landes dringen nur Gerüchte bis hierher. Es sei denn bei Wahlen, die uns an den riesigen Nachbarn an der Ostgrenze erinnern. Wir wenden dann auch an den übergroßen Blutverlust der zwei kurz hinteremanderliegenden Kriege erinnert. Und an den verlorenen Hafen von Petsamo nebst Gruben, Karelien ist das Schlimmste. Salla — Ihr lagt wohl lange dort —, nicht weit von Kemijärvi entfernt, an der für die Russen strategisch wichtigen Eisenbahnlinie Kandalakscha—Oulu, ist nur mehr mit einigen Holzhütten wieder aufgebaut. Man hört überhaupt wenig von dort, höchstens daß einmal einzelne Jäger oder Holzfäller ihre Streifzüge über das nördlich der See-Enge von Keirala gelegene Gebiet ausdehnten. Sie trafen zwar auf nunmehr ganz verwilderte Rentierherden, aber konnten kaum von Spuren menschlicher Niederlassung berichten. Es ist eine natürliche Schweigezone geworden.

Mit Viipuri und Kairala verloren wir das alte Finnland der Kalevala-Sage, der uralten Riten und der weisen alten Männer; Lappland hat viele aufgenommen. Aber auch hier wohnen sie so weit ab voneinander wie früher. Das alte finnische Sprichwort: „Wenn Du den Rauch aus dem Hause Deines Nachbarn aufsteigen siehst, wird die Welt zu eng“, ließ sie ihre Blockhäuser in die Nähe der Klippen an einem der tausend Seen aufbauen.

Darmstadt und Umgebung

Juventur des Staates

Wenn heute und morgen Zähler in den einzelnen Haushaltungen herumgehen, um die ausgefüllten Listen zur Volkszählung 1950 abzuholen, so erfüllen sie damit eine wichtige Aufgabe. Wie jeder Kaufmann alljährlich Inventur machen muß, um zu wissen, welche Warenvorräte er noch auf Lager hat, so interessiert es natürlich auch den Staat, zu erfahren, wie der Bevölkerungsstand ist, wie sich die Wohnraumlage entwickelt hat, und wie hoch das Durchschnittseinkommen des Bürgers ist, das man braucht, um einen Lebensindex ermitteln zu können. In Darmstadt sind mit der Volkszählung 1600 Personen beauftragt worden. Je vier bis fünf Zähler unterstehen einem Oberzähler, der die Listen entgegennimmt und sie zur Auswertung an die oberen Stellen weiterleitet. In zwölf Schulungskursen wurden jeweils 120 bis 150 Mann von dem Leiter des Darmstädter Statistischen Amtes, Dr. Dietrich, für ihre verantwortungsvolle Aufgabe geschult. Es läßt sich natürlich nicht vermeiden, daß unter den Zählern eine große Anzahl'von Finanzbeamten ist. Aber durch ministeriellen Erlaß mußten die Behörden ihre Beamten für die Volkszählung zur Verfügung stellen, und da auf Freiwilligenmeldungen nicht zurückgegriffen werden konnte, blieb es unerläßlich, daß auch die Beamten für diese Aufgabe mit herangezogen werden mußten, die an sich keinen Einblick in die Unterlagen nehmen dürfen.

Das Statistische Amt weist aber nochmals ausdrücklich darauf hin, daß alle Angaben, die von den in den Zählbogen erfaßten Personen gemacht werden, streng geheim bleiben und keiner anderen Dienststelle, außer dem Statistischen Amt, zugänglich gemacht werden. Weder das Finanzamt, noch das Wohnungsamt hat das Recht, sich diese Unterlagen vorlegen zu lassen. Wer also die Zählbogen nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllt, der hilft mit, daß wieder die Wahrheit als wesentlichste Voraussetzung für eine sinnvolle Statistik auf ihren Podest gehoben wird. -st.

Branuntweinmonopolhehlerei

Vor dem Amtsgericht Darmstadt mußten dieser Tage der 42jährige Kaufmann Albert M. und der 58jährige Nikolaus D. erscheinen. Den beiden, die am 1. März 1949 eine Likö-fabrik gegründet hatten, legte die Amtsanwaltschaft zur Last, durch drei selbständige Handlungen gemeinschaftlich und fortgesetzt Branntweinmonopolhehlerei begangen zu haben. So sollten sie 166 Ltr. Branntwein, für die die Branntweinmonopolabgaben hinterzogen waren, eingekauft und 1200 Liter Sprit, die als „Lösungsmittel“ bezeichnet wurden, ohne Bezugsberechtigung bezogen haben. Das Gericht sah beide als überführt an und verurteilte M. zu zwei Monaten Gefängnis und 500 DM Geldstrafe. D. kam mit einer geringen Geldstrafe davon. Beide müssen außerdem einen Wertersatz von 2150 DM zahlen. wst.

„Prinzregenten-Torte“

im Café Pfeng

Der Platz sowie die Einrichtung sind glücklich gewählt. Ein in Büfett und eigentliches Cafe eingekeilter Raum mit Tischen aus deutschem Marmor; an der Decke Zwecklüster mit sechs champagnerfarbigen Lichtschalen — eine hervorragende Lösung übrigens — und die Fenster aus antikem Farbglas (aus der Darmstädter Hütte), dessen Eigentümlichkeit Blasenbildung in der Struktur zeigt. Große Gittertüllvorhänge vor breiten Fenstern, die einen guten Blick auf die Heidelberger Straße geben. — Blumenkörbe überall, und auf der Vitrine schöne Vasen mit Feuerlilien, und Gratulanten mit großen Sträußen ... Der symbolische Glückszylinder auf der Garderobe sowie die offiziellen und inoffiziellen Gäste möchten der Neugründung dasjenige wünschen, was sie sich selbst erhofft. sg.

Schwarze Damenhüte bevorzugt

„Damenhüte werden in dieser Saison zu 40 Prozent in Schwarz gefragt“, meinte Herr Kriechbaum, als wir ihn im neueröffneten Hutgeschäft Grete Welter aufsuchten. „Damit hat sich Schwarz als Modefarbe auch bei den Hüten durchgesetzt. Dann folgen Braun und Grün und nur wenige Pastellfarben.“

Im Jahre 1919 gründete Grete Welter, jetzt Frau Kriechbaum, in der Kirchstraße ihr Spezialgeschäft für Damenhüte. Nach der Ausbombung fand die Firma in einem kleinen, dunklen Laden in Eberstadt Unterkunft, wechselte vor etwa zwei Jahren in die Bleichstraße nach Darmstadt in eine Baracke, und vor wenigen Tagen erfolgte die Wiedereröffnung am alten Platz in der Kirchstraße. Eigene Werkstätten stehen für besondere Wünsche zur Verfügung, ein Probiersalon, ein heller Verkaufsraum mit verlockenden Regalen und im 1. Stock ein weiterer Verkaufsraum machen das Kaufen für die Damen zur Freude: Pariser, Wiener, Züricher und eigene Modelle vergrößern eine reiche Auswahl. - ae -

Junge Menschen musizieren für das Nachbarschaftsheim

Am Samstag, dem 16. September 1950, abends 19.30 Uhr, musizieren Erika Schneider und ihr Schülerkreis für das Nachbarschaftsheim. Das schöne Programm — klassische Musik — wird im festlichen Sälchen des wiedererbauten Prinz-Emil-Schlößchens erklingen. Der Eintritt ist frei.

Nach den Sommerferien bemühen sich der Arbeitsausschuß und die Unterausschüsse, die vom Verein Nachbarschaftsheim gewählt sind, mit großem Eifer, nun auch das Schlößchen mit der Atmosphäre zu füllen, die ein nachbarschaftliches Leben voraussetzt.

Das Haus und alle seine Veranstaltungen, seine Vorträge, seine Diskussionen und seine Feste sind allen offen, die kommen und daran teilnehmen wollen. Zur Zeit hilft das „American Friends Service Committee“, die „Hilfsorganisation der Quäker“, den Haushaltplan zu finanzieren, zu dem Mitgliedsbeiträge und Spenden einen kleinen Teil beitragen.

Schneewittchen zieht durch Eberstadt

Gestern morgen hat das Schulfest der Eberstädter Volksschüler mit den Sportwettkämpfen auf dem Waldsportplatz, die aus technischen Gründen vorverlegt werden mußten, begonnen.

Am Samstagmittag stellt sich der Festzug, in dem jede Klasse ein Märchen darstellt, in der neuen Bergstraße in Nähe der „Stadt Heidelberg“ auf. An dem Kriegerdenkmal vorbei zieht er über die Heidelberger Straße, durch die Schloßstraße, Odenwaldstraße, Mühltalstraße, Wilhelm-Leuschner-Straße, Müllerstraße, wieder über die Heidelberger Straße durch den Griesheimer Weg nach dem Waldsportplatz.

Hier werden die am Morgen bereits gefüllten Rot-Kreuz-Ballone den verschiedenen Märchengestalten in die Hand gedrückt, die sie mit ihren Grüßen in die Welt hinausschicken.

Volkstänze und Staffelläufe werden das Fest beschließen. Mit der Veranstaltung des Schulfestes wurde in Eberstadt eine alte Tradition wieder aufgenommen. A-s

In der Stadt notiert

Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner, Ortsgruppe Darmstadt, weist darauf hin, daß heute, Freitag, den 15. September, abends 20 Uhr, eine Mitgliederversammlung im Concordia-Saal stattfindet.

Einen Radballstädtewettkampf mit bunten Einlagen veranstaltet am Samstag, dem 16. September, im Schwanensaal in Eberstadt die Radfahrabteilung der SKG Eberstadt. Mannschaften aus Pfungstadt und Rüsselsheim werden daran teilnehmen. t-s.

Die Naturfreunde Eberstadt veranstalten ihre nächste Zusammenkunft mit gemütlichem Beisammensein und bunten Darbietungen am folgenden Samstag, dem 16. September. t-s.

Der Odenwald-Club Ortsgruppe Eber¬ stadt hat für den 24. September eine Omnibusfahrt zur Mosel geplant, t-s.

Ihren Geburtstag feiern gemeinsam in Eberstadt die 30-, 40-, 50-, 60- und 65 jährigen Einwohner dieses Stadtteiles in traditioneller Weise im Oktober und November. Zur Vorbereitung dieser Feiern treffen sich am folgenden Samstag die 40jährigen Eberstädter im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ und die 30jährigen Einwohner am Samstag, dem 23. September im

Gasthaus „Zur Rose“. t-s. Eine Flüchtlingsversammlung findet in Eberstadt am kommenden Samstag, dem 16. September, 20 Uhr, im Gasthaus „Zur Rose“ statt. t-s.

Die Darmstädter Herbstmesse wird am 23. September eröffnet und bis zum 2. Oktober dauern. t-s.

Ein leichter Betriebsunfall ereignete sich gestern morgen bei der Firma Röhm und Haas. Durch einen Glassplitter verletzte sich ein Betriebsangestellter bei der Arbeit d.ie Armschlagader. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.

Für die Eberstädter Berufsschüler läuft zur Zeit in der Volksschule das Kulturfilm-Programm des Amerikahauses. Es werden die Filme „Hurrican“ und „1848“ gezeigt.

RNeuwahl des Vorstandes

der Lehrergewerkschaft

Im Nachbarschaftsheim (- Emil-Garten) fand am Donnerstag eine gut besuchte V ersammlung der Lehrergewerkschaft des Landkreises Darmstadt statt Im Mittelpunkt stand die Neuwahl de Vorstandes, die durch das Ausscheide, der bisherigen Vorsitzenden, Frau Hornlehnert, Traisa, notwendig geworden war. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vors.: Rektor Trautmann, Nieder-Ramstadt; 2. Vors.: Leh rer Belz, Seeheim; Schriftführer: Frat Schulz, Pfungstadt; Rechner: Herr Wedel, Waschenbach; Vertreter der Junglehrer: Herr Brauer, Pfungstadt.

In der Diskussion wurde Klage darüber geführt, daß die vorgesetzten Behörden bis jetzt wenig Verständnis für die Eingaben und Vorschläge der Lehrergewerkschaft gezeigt hätten. Die Probleme der Schulbautenförderung, der Herabsetzung der Klassenstärke, der Fruchtbarmachung der Lehr- und Lernmittelfreiheit müßten daher in Zukunft einer breiteren Oeffentlichkeit nahegebracht werden, um diese für das Gebiet der Schule zu interessieren. Um eine intensive Zusammenarbeit mit der Presse herzustellen, die eine Information der Oeffentlichkeit zum Ziele hat, wurde ein Presseausschuß gebildet, der sich aus den Herren Belz, Seeheim, und Knell, Ober-Ramstadt, zusammensetzt.

Die Eberstädter Freiwillige Feuerwehr befaßte sich in ihrer letzten Sitzung ausschließlich mit den Vorbereitungen für die im nächsten Sommer stattfindende Feier ihres 75jährigen Jubiläums.

Kreisbauerntag in Griesheim

Der Kreisbauernverband Darmstadt veranstaltet am kommenden Wochenende in Griesheim einen Kreisbauemtag verbunden mit einem Reit- und Fahrtumier der ländlichen Reit- und Fahrvereine.

Bereits am Samstagnachmittag beginnen die reiterlichen Wettkämpfe auf dem idealen Griesheimer Sportplatzgelände am Rande des ehemaligen Exerzierplatzes. Ueber 160 Pferde, durchweg aus landwirtschaftlichem Besitz, kämpfen in 16 Wettbewerben um den Sieg. Neben den üblichen Reiterprüfungen, wie Dressurreiten Kl. A. und L„ Jagdspringen Kl. A. und L., Paarspringen und Glücksjagdspringen enthält das sportliche Programm eine Materialprüfung für Zuchtstuten, sowie Eignungsprüfungen für Wagenpferde. Außerdem kämpfen 16 Mannschaften aus 11 ländlichen Reitabteilungen in einem Wettkampf der ländlichen Reit- und Fahrvereine um einen wertvollen Wanderpreis. Da alle Konkurrenzen hervorragend besetzt sind, ist mit ausgezeichneten reitsportlichen Darbietungen zu rechnen.

Am Sonntagnachmittag wird ein aus allen Ortsbauernverbänden des Kreises Darmstadt gestellter Festzug mit herrliehen Festwagen durch die Straßen Griesheims zum Festplatz ziehen. Da, die schönsten Festwagen mit Preisen ausgezeichnet werden, haben die Ortsbauernverbände keine Mühe und Arbeit gescheut, um auch in diesem Wettbewerb gut abzuschneiden.

Die Festansprache auf dem Festplatz hat Bundestagsabgeordneter Dr. Otto Kneipp übernommen. Den Abschluß des Festes bildet ein Reiterball im Festsaal „Zum grünen Laub“ und ein Volksfest am Montag auf dem Festplatzgelände.

„Ein Meister seines Faches“

„Professor von Scheer-Nies“ arbeitete mit seltener Raffinesse

Mit einem aufsehenerregenden Prozeß beschäftigte sich in den letzten Tagen die Große Strafkammer in Mainz. Dem in Straßburg geborenen 51jährigen Kaufmann Alfred Karl Eduard Nies, zuletzt wohnhaft in Gmünden im Taunus, werden Betrügereien, unberechtigte Führung akademischer Titel, Urkundenfälschung sowie Bigamie zur Last gelegt.

Die Jugendzeit verbrachte dieser Betrüger größten Formats in Frankfurt und Darmstadt. Als Sohn eines Friseurmeisters erlernte er den Kaufmannsberuf und bekleidete im Laufe der Jahre in den Städten Berlin, Wiesbaden und Mainz verschiedene Posten als Kaufmann.

Als Oberzahlmeister der ehemaligen Wehrmacht hatte er es bei Kriegsschluß verstanden, die Kasse, die zu verwalten ihm oblag, in Sicherheit zu bringen. In Oberzeiring in Oesterreich ließ er sich, so mit reichlichen Geldmitteln versehen, als Privatgelehrter Dr. med. et. Dr. rer. pol. Alfred Karl von Scheer-Nies nieder.

Hier in Oberzeiring lernte er das Servierfräulein Paula Grimm kennen. Intime Beziehungen blieben nicht ohne Folgen und kurz entschlossen heiratete er die Paula, obwohl er selbst seit 1923 verheiratet war. Alle sich ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten beseitigte der Betrüger durch selbstgefertigte Stempel und Urkunden.

Bald danach schien ihm das Leben in Oesterreich nicht mehr zu behagen und unter dem Vorwand, Geldangelegenheiten in Deutschland regeln zu müssen, kehrte er seiner zweiten Frau und dem Kind für immer den Rücken.

Als eben aus der Wehrmacht Entlassener fand er sich im März 1948 bei seiner rechtmäßigen Frau in Oldenburg ein und kurze Zeit darauf setzte er die Reihe seiner Betrügereien fort.

Im Mai 1948 lernte er eine ledige Oerztin kennen und verstand es, durch sein sicheres und galantes Auftreten auch sie zu umgarnen. Und erneut blieben nähere Beziehungen nicht ohne Folgen. So ging er kaltblütig auch mit dieser Frau die Ehe ein.

Für kurze Zeit trennte er sich von seiner „dritten“ Frau um angeblich nach Oesterreich zu reisen, denn als reicher Oesterreicher hatte er sich ausgegeben. Er eilte aber nach Oldenburg, um mit seiner ersten Frau die silberne Hochzeit zu feiern.

Nach seiner Rückkehr zur Aerztin wurde auch das Kind seiner dritten Ehe unter Zuhilfenahme falscher Papiere in Bad Nauheim als Tochter des Privatgelehrten von Scheer-Nies eingetragen.

Das Glanzstück seiner Betrügerlaufbahn lieferte er im November 1948 in Hannover: Als Finanzdirektor der Import-Export-Association (USA) inszenierte er eine Versteigerung von Schuhen und Büromöbeln. Er errichtete ein eigenes Büro mit Angestellten in Hannover und lud 50 Großkaufleute aus dem Ruhrgebiet zu einer Versteigerung ein. Bei Eintreffen der Geschäftsleute unterrichtete er sie, daß aus Platzmangel die zur Versteigerung gelangenden Waren in Celle gelagert seien. Ebenfalls setzte er sie davon in Kenntnis, daß fünfzig Prozent der Summe, für die der einzelne zu steigern beabsichtigte, als Vorschußzahlung sofort zu leisten seien.

Durch sein gewandtes und sicheres Auftreten zerstreute der „Deutsch- Amerikaner Morrison“ (der übrigens kein Wort amerikanisch sprach) von vorn herein alle Bedenken bei den Geschäftsleuten. Und siehe, sie zahlten! Dieser Coup brachte ihm nach bestätigten Angaben die stattliche Summe von 70 000 bis 80 000 Mark ein, mit denen er noch in der selben Nacht verschwand. Hierauf erwarb er in Gmünden ein Jagdhaus an dessen Eingang ein Schild mit folgender Aufschrift prangte: Prof. Dr. med. et. Dr. rer. pol. von Scheer-Nies.

Hier lebte er von nun an mit seiner rechtmäßigen Frau und der Aerztin unter einem Dach. Das Haus wurde auf den Namen der Aerztin übertragen. Seine rechtmäßige Frau galt als „Schwester“. Sie führte den Haushalt.

Den Schlußstrich unter diese Betrügerlaufbahn setzte die Mainzer Kriminalpolizei. Denn erneut hatte er unter dem Namen Dr. Nagel als Beauftragter einer Schweizer Versicherungsgesellschaft versucht, durch Betrügereien zu Geld zu kommen. Der Mainzer Drogerist Delle schöpfte Verdacht und veranlaßte am 11. Januar 1950 die Verhaftung.

Wieder einmal wird einer Laufbahn ein Ende bereitet, an deren die Nachkriegsjahre nicht arm waren.

Das Urteil wird am kommenden Montag von der Großen Strafkammer des Landgerichtes in Mainz gefällt werden. Mit Spannung erwartet die Oeffentlichkeit den Spruch der Justiz. W. W.

Amnzahlungsschwindler gefaßt

Durch eine schnelle Fahndungsaktion der Kriminalinspektion Darmstadt konnte ein gerissener Anzahlungsschwindler gestellt werden. Die Inspektion erhielt gestern durch ein Fernschreiben die Nachricht, daß der 39jährige Friedrich Gundi aus München in Karlsruhe festgenommen worden ist.

Gundi trieb seit einigen Monaten in der hiesigen Gegend sein Unwesen. So erwarb er sich in zahlreichen Fällen Textilien, Fahrräder und Photoapparate gegen eine Teilzahlung. Ohne nun die restlichen Ratenzahlungen zu entrichten, verschwand er und verkaufte die erworbenen Dinge sofort weiter. Umfangreiche Betrügereien verübte er auch als Vertreter eines Kunstverlages in München und der Firma Vöglin in Arheilgen Er besaß Bestellblocks dieser Firmen und nahm bei der Bevölkerung Bestellungen auf Vergrößerungen von Lichtbildern entgegen. Er ließ sich von den Leuen dabei Geldanzahlungen aus händigen, die er niemals an seine Auftraggeber sandte Er bestritt vielmehr davon seinen Unterhalt Die Kriminalpolizei hat inzwischen festgestellt, daß er z. B. in einem Riedort nahezu 100 Leute geschädigt hat.

Zuletzt war Gundi |iach Süddeutschland verschwunden.

Die Kriminalinspektion Darmstadt bittet alle Geschädigten in der hiesigen Gegend, sich bei ihrer Dienststelle in der Holzhofallee 25, Telefon 734, zu melden. wst

Fischdampfer,„Darmstadt“ von Stapel gelaufen

Die größte europäische Fischreederei „Nordsee“, die vor dem Kriege in allen Mittel- und Großstädten eigene Fischläden unterhielt, und deren weißgekachelte Verkaufsräume auch jetzt wieder zum Geschäftsbild der Städte zählen, ließ dieser Tage den 72. Fischdampfer in Cuxhaven von Stapel, der in Anwesenheit der Vertreter des Darmstädter Magistrats auf den Namen „Darmstadt“ getauft wurde.

Vor dem Kriege besaß die „Nordsee“- Fischereigesellschaft 190 Dampfer, und ihre Waren wie Frischfisch und Fischkonserven, die in eigenen Großanlagen verarbeitet werden, gelangten in alle deutschen Länder. Mit der Taufe des neuen Dampfers, der 420 Bruttoregistertonnen groß ist, 51,5 Meter lang und 8,5 Meter breit und mit einem 925- Ps-Dieselmortor ausgerüstet wird, wird von der Gesellschaft eine Aktion weitergeführt, die darauf abzielt, das gesamte Innenland mit Frischfischen zu versorgen. Je größer die Fangkapazität der Fischereiflotte ist, um so billiger wird die Ware abgesetzt werden können.

Jedes der neu in Dienst gestellten Fischfahrzeuge erhält den Namen einer Stadt, um so die Verbundenheit zwischen der Küste und dem Binnenland zum Ausdruck zu bringen, das ja letzten Endes mit den Fängen versorgt werden muß. Eine großartig ausgebaute Organisation der „Nordsee“-Firma sorgt dafür, daß der gefangene Fisch, der vom Augenblick des Verlassens des Meeres bis zum Verkauf auf Eis gelagert ist, meerfrisch zum Verbraucher gelangt. Jeweils ein bis zwei Wochen sind die Dampfer in den Fischgründen, aus denen sie zurückkehren, wenn der Bauch des Schiffes voll silberner Fischleiber ist. Die „Darmstadt“ kann bis zu 5000 Zentner Fische bunkern.

An Land werden sie in wenigen Stunden versteigert und verladen, und, wenn sie nicht in den eigenen Anlagen der „Nordsee“-Firma zu Konserven verarbeitet werden, in Spezialfischzügen auf Eis gelagert ins Inland geschickt. Am Fangertrag ist der Kapitän des Fischdampfers prozentual beteiligt, und auch die Mannschaft, die bei der „Darmstadt“ 22 Mann beträgt, erhält ihren Anteil davon. Man soll es nicht glauben aber nun sind wir Darmstädter endlich zu einer eigenen Flotte gekommen, und selbst der Schiffsingenieur der „Darmstadt“, Herr Adolf Sauter, ist gebürtiger Roßdörfer und hat in Darmstadt gelernt.

Ueberhaupt ist die Besatzung „unseres“ Schiffes mächtig drauf aus, eine intensive Verbindung mit den Heinern aufzunehmen, und Käptn wie Besatzungsmitglieder sollen sich schon erkundigt haben, wann sie nach Darmstadt zu Besuch kommen könnten, ob man seine Frau mitbringen kann, und wo überhaupt etwas los wäre. Wenn die „Nordsee“ -Gesellschaft in nächster Zeit in der Schulstraße ihren Darmstädter Laden aufmacht, dann werden wir sie doch einladen müssen, um ihnen einmal einen echten, frischen Nordseefisch servieren zu können. hfl



Bestechungsprozeß

Vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt beginnt heute morgen der Strafprozeß gegen den ehemaligen Leiter des Offenbacher Wohnungs- und Versorgungsamtes Walter Ölschläger aus Bürgel. Er soll sich als Wohnungsamtsleiter in zwei Fällen der Bestechung schuldig gemacht haben- Aus diesem Grunde wurde Ölschläger auch aus den Diensten der Stadt Offenbach entlassen. Wie es am Schluß der von Oberstaatsanwalt Dr. Kant unterzeichneten Anklageschrift heißt, fällt für den Beschuldigten belastend ins Gewicht, daß er im Jahre 1946 seinen Stadtratsposten in Halle ebenfalls im Zusammenhang mit dem gegen ihn erhobenen Vorwurf der Bestechlichkeit niederlegen mußte. Im Juni 1947 war ölschläger von der Ostzone nach Frankfurt gekommen. Er führte längere Zeit den Vorsitz bei der Spruchkammer Offenbach, wst.

Zu sechs Wochen Gefängnis verurteilte das Amtsgericht Darmstadt einen 44 jährigen Schlosser aus Darmstadt. Er hatte im April dieses Jahres in Darmstädter Lokalen tüchtig getrunken, ohne die Rechnung zu bezahlen. Zechprellerei heißt dies jedoch laut Strafgesetzbuch.

WIE-WIRD-DAS-WETTER

Wieder wechselhaft

Der erneut auflebende, wenn auch im ganzen schwache Zustrom feuchter Meeresluft verursacht wieder leichte Unbeständigkeit. Am Freitag wolkig mit Aufheiterungen, nur vereinzelt kurze Schauer, mittags nicht ganz so warm, südwestliche Winde.



Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.

Volkshochschule: 19.30 Uhr. Techn. Hochschule. Raum 167. Autorenabend: Bernard von Brentano.

Amerikahaus: 19.30 Uhr. Lichtbildervortrag: „Unsterblicher Winnetou“, Bernhard E. Schulz (Kassel).

Wir gratulieren

Silberhochzeit: Herrn Ludwig Bendinger und Ehefrau Dina, geb. Enderes, Darmstadt, Liebfrauenstraße 97.

50jähriges Geschäftsjubiläum: Schneidermeister Ludwig Bendinger, Darmstadt, Liebfrauenstraße 97.

80. Geburtstag: Frati Johanna Andresen. geb. Hornig, Heppenheim a. d. 8., Rheinstraße 12.

STARKENBURG

In ein Motorrad gerannt

Am Mittwoch fuhr in Heppenheim ein Motorradfahrer in der Ludwigstraße in Richtung Laudenbach, als ihm plötzlich ein 4jähriges Kind in das Motorrad hineinrannte, so daß Fahrer und Beifahrerin stürzten. Während die Beifahrerin leichtere Beinverletzungen erlitt, kam der Fahrer selbst unverletzt davon. Das Kind erlitt erhebliche Verletzungen am Kopf und mußte in ärztliche Behandlung gegeben werden. HB.

Tragischer Tod

Auf der Stoßstange durch die Mauer

In Bischofsheim wurde der Invalide Martin Benz am Donnerstag an der Bundesstraße 26 das Opfer eines Verkehrsunfalles. Der Verunglückte stand mit seinem Fahrrad auf dem Bürgersteig, als von zwei hintereinander in Richtung Mainz fahrenden Lastzügen der erstere plötzlich bremste; der zweite Lastzug fuhr darauf den vor ihm stehenden an. Der Fahrer riß das Steuer nach links, wurde jedoch durch sein Ladegewicht abgedrückt, so daß er mit dem Invaliden auf der Stoßstange durch eine Mauer fuhr und im Hofe vor dem Hause stehen blieb. Dort fiel der Schwerverletzte von der Stoßstange herunter. Er wurde in ein Krankenhaus verbracht, wo er bald darauf starb. Die beiden Lastzüge wurden schwer beschädigt. cg-

Musiklehrer auf Abwegen

Wegen Vergehens nach § 175 des STGB hatten sich gestern morgen der 54jährige Musiklehrer Heinrich S. aus Fürth 1. O. und drei weitere Angeklagte aus Crumbach und Steinbach vor der Dritten Darmstädter Strafkammer zu verantworten.

Der Hauptangeklagte S. — ein auf diesem Gebiet einschlägig vorbestrafter Mann — war Leiter eines Gesangvereins. In dieser Eigenschaft kam er mit Männern und Jugendlichen zusammen, die er in einigen Fällen zu unsittlichen Handlungen verführte.

Die Vernehmung ergab klar, daß der Angeklagte auf diesem Gebiet eine krankhafte Veranlagung besitzt, gegen die er sich nicht zu wehren vermag. Das Gericht vertagte den Prozeß, um beim nächsten Termin einen Sachverständigen zu hören. wst.

Wem sagt Kpohr die Wahrheit?

In der Debatte um die Backsteinfabrik in Gernsheim, die sich bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch ergab, wurde vom Fraktionsführer der CDU, Rektor Schmitt, eine Erklärung des in dem Unternehmen tätigen Arbeiters Spohr zitiert, wonach eine Rentabilität der Fabrik unter den gegenwärtigen Umständen nicht mehr gegeben sei.

Eine völlig anderslautende Erklärung zum gleichen Problem hatte Spohr auf Befragen dem Fraktionsführer der SPD im Gernsheimer Gemeinderat gegeben. Spohr sagte hier, daß nach geringfügigen Verbesserungen eine gewinnbringende Arbeit der Backsteinfabrik möglich sei.

Der in der gestrigen Sitzung von beiden Fraktionen zitierte Arbeiter Spohr trat bekanntlich als Kronzeuge des Gemeinderats gegen den von seinem Amt zurückgetretenen Bürgermeister Adler auf. Nach seinen damaligen Äußerungen sollte ihn Adler veranlaßt haben, Backsteine ohne Lieferscheine abzugeben. -kr¬

St. Rochuskrankenhaus wird erweitert

Dieburger Pläne, die in diesem Monat noch in Angriff genommen werden

Die Aufnahmefähigkeit der St.-Rochus-Anstalt in Dieburg und des Städtischen Krankenhauses in Groß-Umstadt — der beiden einzigen Krankenhäuser im Kreis Dieburg überhaupt — reichte schon seit langem nicht mehr aus. Groß-Umstadt hat sein Krankenhaus erweitert; in Dieburg aber bestanden zunächst viel weitreichendere Pläne.

Im Zusammenhang mit der Erschließung von Wohnbaugelände zwischen der Schießmauer und dem Realgymnasium sollte das dort gelegene kircheneigene Gelände gegen ein entsprechend großes Arrondissement im unmittelbaren Anschluß an die Sportplatzanlage des Schloßgartens eingetauscht und dort ein neues, modernes Kreiskrankenhaus errichtet werden. Die Lage nahe dem Park wäre jedenfalls ideal gewesen — aber dieses Projekt verlangt Gelder, die heute nicht aufgebracht werden können.

Die Raumnot in der St.- Rochus-Anstalt drängte aber auch unausweichbar auf eine Lösung, und so hat man sich entschlossen, das Dieburger Krankenhaus ebenfalls zu erweitern. Dieser Ueberlegung hinzu kam noch die Tatsache, daß die medizinischen Einrichtungen den neuzeitlichen Erkenntnissen und Behandlungsmethoden nicht mehr entsprachen. Die Forderung nach einem zweiten Operationssaal, einem Krankenaufzug und einer modernen Entbindungsabteilung wurde immer dringlicher. Nach Ausführung des nun beschlossenen Erweiterungsbaues werden diese Mängel, soweit es die örtlichen Verhältnisse zu-

lassen, behoben sein. Der Hauptbau soll mit dem Mittelbau durch einen Querbau längs des Weges nach der Turnhalle verbunden werden. Damit erhält das Krankenhaus die Form eines — nach der Kratzengasse zu — offenen Vierecks. Der Querbau wird aber über das Hauptgebäude hinaus am Hexenturm vorbei noch verlängert. Dadurch kann die Zahl der heute zur Verfügung stehenden Betten (72) auf 125 erweitert werden. In dem neuen! Bau sollen vor allen Dingen die obengenannten Säle untergebracht werden, weil in seinem nach der Turnhalle und damit nach Norden gelegenen Teil Krankenzimmer nicht eingerichtet werden können. Schließlich ist noch an die Verlegung des Kindergartens in das ehemalige Kolpingshaus gedacht, so daß damit alle Möglichkeiten der Erweiterung ausgeschöpft sind, die das zur Verfügung stehende Gelände zuläßt.

IUKUIIg MCIICIAVIC 'Uk.iaiivcc Besonders fühlbar war der Mangel -an Krankenhausräumen dadurch geworden, daß sich in den letzten Jahren je ein Facharzt für innere Krankheiten, für Nase, Hals und Ohren, für Hautkrankheiten und ein Spezialarzt für Augenleiden in Dieburg niedergelassen haben, die viele Patienten zu stationärer Behandlung in das St.- Rochus-Krankenhaus einweisen. Die starke Erhöhung der Inanspruchnahme der Anstalt ergibt sich aus einem Vergleich, z. B. mit dem Jahre 1910. Damals betrug die Zahl der gepflegten Kranken 82, die der Pflegetage 3949, im Jahre 1949 lauten die entsprechenden Zahlen 1391 und 26 322.

Die Erweiterungsbauten sollen in diesem Monat in Angriff genommen werden, damit ihr erster Abschnitt noch im Herbst vollendet werden kann.

Gestiftet im Jahre 1336

Die Stiftungsurkunde des St.- Rochus-Krankenhauses, die im Pfarrarchiv Dieburg aufbewahrt wird, ist ein vom Erzbischof von Antivari und zwölf Bischöfen gestifteter Ablaßbrief, der für den Hospitalbau in Dieburg wahrscheinlich auf Bitten des Bruders Hermann von Limpurck am päpstlichen Hof in Avignon am 18. März 1336 ausgestellt wurde. In dem umfangreichen lateinischen Text der Urkunde heißt es unter anderem: ... „Wir wünschen nun, daß das Hospital zu Dieburg in der Diözese Mainz, das zu Ehren des hl. Geistes und der hl. Maria gegründet ist, mit geziemender Ehrfurcht besucht und von den Christgläubigen in einem fort geachtet werde. Allen, die ihre Sünden wahrhaft bereuen und beichten, die zu dem genannten Hospital kommen an den einzelnen Festen des Patrons und an folgenden Feiertagen ..., um zu beten oder die den Leib des Herrn oder däs hl. Oel begleiten, wenn es zu den Kranken getragen wird, ... allen diesen verleihen wir, so oft, wann und wo sie <^as Vorgenannte andächtig tun, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes und Kraft der Autorität der hl. Apostel Petrus und Paulus mildreichst in dem Herrn einen Ablaß von 40 Tagen ...“

Der Erzbischof von Mainz, Graf Heinrich von Virneburg, gab dazu am 12. Dezember 1337 seine Zustimmung. Die Stiftungsurkunde selbst ist ein Pergamentblatt in der Größe 82X60 cm. Ihr Text ist auf drei Seiten von in der Farbe noch gut erhaltenen und hauptsächlich in Rot, Grün und Violett gehaltenen Heiligenbildern umrahmt, die Maria auf dem Thronsessel, die hl. Katharina, Christus auf dem Throne, Petrus und Paulus, Johannes den Täufer und den hl. St. Nikolaus darstellen. Links unten ist der Urkunde ein Pergamentstreifen angenäht, der die Bestätigung des Erzbischofs von Mainz enthält.

Eng verknüpft mit dem Hospital ist dio segensreiche Arbeit der katholischen Schwestern, die dem Orden in Niederhausen angehören und denen die Krankenpflege obliegt. Im Jahre 1867 kamen als erste Oberin Ludan und die Schwestern Flora und Isabella von Darmstadt nach Dieburg, zu einer Zeit, in der St. Rochus nach fast 50jähriger anderweiitger Verwendung sozusagen zum zweiten Male gegründet wurde. Die heutigen Baulichkeiten wurden Im Jahre 1883 erworben; sie gehörten einst zur Hofreite der Familie Cratz von Scharfenstein. Das Haus wurde am 16. Juli 1884 bezogen und nach dem hl. Rochus genannt, der in Dieburg schon seit Jahrhunderten stark verehrt wird. (RG)

Ober-Ramstadts Haushaltsplan verabschiedet

Neuer Gemeinde Vertreter der SPD eingeführt

Die letzte Gemeindevertretersitzung in Ober-Ramstadt fand bei den Bürgern nur wenig Resonanz, obwohl der Haushaltsplan, der für die Gemeinde so wichtig ist, verabschiedet wurde. Die (7) Besucher waren über den flotten Ablauf der reichhaltigen Tagesordnung überrascht.

Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt.' Der Bürgermeister führte zunächst den neuen Gemeindevertreter Georg Mink I. (SPD), der an die Stelle des zurückgetretenen Karl Haas trat, in sein Amt ein. Eine sachliche, kurze Diskussion entwickelte sich sodann über den bereits in einer Sondersitzung behandelten Voranschlag für das Rechnungsjahr 1950. Der Plan ist ausgeglichen und wurde in Einnahme und Ausgabe mit 598 670 DMark festgesetzt. Der außerordentliche Haushaltsplan schließt in Einnahmn und Ausgaben mit 10 690 DM ab. Eine sehr beachtliche Summe nimmt die Kreisumlage mit 116 180 DM auf der Ausgabenseite ein. Der nächsthöhere Betrag sieht für Fürsorgeleistungen 47 700 DM vor; für Soforthilfeabgabe muß die Gemeinde 11 706 DM aufbringen.

Da im laufenden Rechnungsjahr nicht mit dem gleichen guten Eingang der allgemeinen Mittel gerechnet wird, konnte sich die Gemeinde auch für keine besonderen Vorhaben entscheiden. Unter anderem sind 14 000 DM für Material, das im Straßenbau benötigt wird, vorgesehen und 16 280 DM für die Straßenherstellung selbst. Für Reparaturarbeiten an Gemeindehäusern eind 7160 DM veranschlagt. Mit 7000 DM soll eine Autogarage mit angrenzender Werkstätte errichtet werden.

Reichlich wurde dann auch der 2. Punkt, ein Einspruch gegen die Baulandumlegung hinter der Alicenstraße, diskutiert. Die Sprecher der drei Fraktionen standen zu dem kürzlichen Beschluß und der Einspruch wurde einstimmig abgelehnt.

Nach kurzer Aussprache stimmten alle Vertreter einer Auszahlung von 400 DM an den Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt zu. Verschiedenen Mitteilungen folgte eine nichtöffentliche Sitzung. D.

Nassauer Gemeindetag

in Ober-Mossau

Am Sonntag, dem 24. September, findet in Ober-Mossau ein Nassauer Gemeindetag statt, zu dem auch die Nachbargemeinden eingeladen sind. Er beginnt mit einem Gottesdienst in der alten Johanniterkirche („Christus und unser Werktag“). Auf der folgenden Versammlung im Saale von Peter Bär spricht Regierungsrat Zörgiebel, Erbach, über „Fortschrittsmöglichkeiten eines Odenwald-Dorfes.“

Zwischen Himmel und Erde

Anläßlich der Reparatur der Blitzableiteranlage am Turm der evangelischen Kirche in Bickenbach ergab sich die Notwendigkeit verschiedener Ausbesserungen an Turm- und Kirchendach. Die Holzverschalung an der Turmspitze war teilweise sehr morsch und mußte erneuert werden. Auch der Bleimantel um die Helmstange wurde entfernt und durch einen neuen ersetzt. Um die Schieferung des nadelspitzen Turmhelms ausbessern zu können, muß er mit einem Fahrstuhl befahren werden. Der Kirchenhahn, der neu vergoldet werden soll, wurde abgenommen. Hierbei kam eine jahrhundertealte Sitte der Dachdeckerzunft wieder in Brauch. Nach der Abnahme des Hahns wurde er mit Bändern geschmückt vom jüngsten Lehrling durch den Ort getragen. Dieser trug in den verschiedenen Gehöften den üblichen Spruch vor:

„Wir bringen hier den Kirchenhahn, Er zeigt euch Wind und Wetter an, Er zeigt nach Norden, Süden, Ost und West, Daß ihr das Trinkgeld nicht vergeßt.“


(l um: Heermann;)
(l um: Heermann;)

Gadern hatte Ueberschuß

Gelegentlich der jüngsten Gemeinderatssitzung konnte Gaderns Bürgermeister Kohl mitteilen, daß der Haushaltsplan des Vorjahres mit einem Ueberschuß von rund 2000 DM abschloß. Der jetzt einstimmig angenommene Etat für 1950/51 sieht 12 762 DM an Einnahmen und Ausgaben vor. Die Gewerbesteuer beträgt 368 v. H., die Grundsteuer wurde mit 210 Prozent (A) bzw. 144 Prozent (B) festgelegt. (-r)

Nur 30 Siedlerstellen geplant

Diskussion über den Bauabschnitt „Eiche“ in Ober-Ramstadt

Die Bauinteressenten für den Bauabschnitt am „Eiche“ in Ober-Ramstadt wurden jetzt erneut durch die Gemeindeverwaltung zu einer Aussprache eingeladen, bei der der Finanzierungsleiter der Nass. Heimstätte Frankfurt/M., Ohl, eingehend über die bereits durch die Nass. Heimstätte finanzierten beiden Abschnitte I und II am Frankenhäuser Weg sprach. Er schlug hierbei vor, den neuen Abschnitt in Form einer Trägerschaftssiedlung durchzuführen.

Nachdem die Anwesenden über die Vorzüge belehrt waren, stimmten sie der Absicht der Nass. Heimstätte zu. Die zahlreichen Siedlungsanwärter waren allerdings zur unangenehmen Seite hin überrascht, als Ohl erklärte, die Nass. Heimstätte werde sich allerhöchstens nur zu etwa 25—30 Siedlerstellen entschließen können, die im Frühjahr 1951 begonnen würden, damit die Häuser Ende 1951 beziehbar seien.

Diese Auskunft hatten die Bauinteressenten nicht erwartet, zumal über den Bauabschnitt „Eiche“ schon über 1 Jahr diskutiert wird. Herr Ohl bedauerte selbst, daß nur zunächst ein kleiner Kreis der Interessenten befriedigt werden könnte, dafür würde aber die Nass. Heimstätte für die übernommenen Baustellen die Vollflnanzierung sicherstellen. Planungsleiter Bossert sprach anschließend über die in Frage kommenden Pläne und über die anzurechnende Selbsthilfe. Von der Gemeindeverwaltung wurden 3 verschiedene Pläne vorgelegt, daruntw auch das vielfach besprochene Kleinwohnhaus. Sobald die Pläne überarbeitet und die Kostenberechnungen aufgestellt sind, muß die Auswahl unter den Siedlern getroffen werden. Es ist damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit die Bauplätze zugeteilt werden können. -D-

Noch einmal achtzig Jungböcke

standen gestern in Darmstadt durch den Starkenburger Ziegenzüchterverein zum Verkauf. Obwohl die Jahreszeit schon weit vorgeschritten ist, konnten die Starkenburger Ziegenzuchtvereine, in erster Linie Hähnlein, gutes Zuchtmaterial vorführen. Der flotte Verlauf der Auktion ließ erkennen, daß noch ein großer Bedarf an guten Jungböcken seitens der Gemeinden vorhanden war. Selbst Gemeinden aus dem Taunus und die Tierzuchtämter Limburg und Aschaffenburg steigerten zahlreiche Jungböcke. Das Tierzuchtamt Limburg erwarb auch den Spitzenbock des Tages, der aus der Zucht von Jakob May I. in Hähnlein stammte und das Höchstgebot des Tages von 370 DM erzielte. Der zweitbeste Bock stammte ebenfalls aus Hähnlein und war von Peter Adam Schäfer aufgezogen worden. Er ging in den Besitz der Odenwaldgemeinde Fränkisch-Crumbach über (310 DM). An dritter Stelle stand ein Jungbock des Züchters Ludwig Fey 9. in Pfungstadt, der von der Gemeinde Zwingenberg (300 DM) erworben wurde. Selbst die Stadt Darmstadt steigerte zwei Jungböcke, und zwar einen Jungbock der Wertklasse 3a aus derLeuthäuserschen Zucht in Biebesheim und aus der Zucht des Jakob Böttiger 9. in Pfungstadt. Sie legte für beide Böcke einen Gesamtbetrag von 300 DM an. Ueberhaupt ging die Mehrzahl der Böcke zu Geboten zwischen 120, 150 und 180 DM ab.

Zu den Gemeinden, die Jungböcke erwarben, gehörten aus der nächsten Nachbarschaft in erster Linie Griesheim, Pfungstadt, Bensheim, Ober-Ramstadt, Roßdorf und Gernsheim. (oa)

Ein unbekannter Dieb hat aus einem vor dem Gasthaus „Zur Krone“ in S eckmauern parkenden Pkw eines Bauunternehmers aus Würzburg eine Jacke mit einer Brieftasche entwendet. Der Dieb, dem es nur auf Bargeld ankam. warf die Jacke mitsamt der Brieftasche in eine alte Schmiede, wo sie drei Tage später gefunden wurde.

Kampf um das Lindenfelser Krankenhaus

Pfarrer Baumann leitet erste Hilfsmaßnahmen ein

Der Kampf um das Lindenfelser Krankenhaus währt nun schon seit Monaten. Damals ging die Nachricht durch die Presse, daß der Hessische Diakonieverein nicht mehr in der Lage sei, das dauernde Defizit zu tragen und den Gedanken erwägt, das Krankenhaus zu schließen. Die Gemeinde Lindenfels richtete einen Hilferuf an die Regierung, über den noch nicht entschieden ist.

Nun wies in einer neuerlichen Sitzung Pfarrer Dr. Guyot, der Leiter des Diakonievereins, auf die Unmöglichkeit hin, das Krankenhaus zu halten, weil trotz sparsamen Wirtschaftsbetriebes die Ausgaben laufend die Einnahmen übersteigen. Dazu kommt, daß das Gebäude jährlich ungeheuere Summen an Reparaturkosten verschlingt.

Pfarrer Dr. Guyot und die bei der Sitzung anwesenden Pfarrer beauftragten nunmehr Pfarrer Baumann, Reichelsheim, Wege zur Erhaltung des Krankenhauses zu suchen. Pfarrer Baumann forderte jetzt zunächst die zahlreichen Gemeinden der Kreise Bergstraße, Erbach und Dieburg, deren Kranke in erster Linie nach Lindenfels gelegt werden, zu einer Erntedanksammlung auf, um dadurch das monatliche Defizit herabzudrücken. Er weist darauf hin, daß das Krankenhaus in der Lage ist, große Mengen an Kartoffeln, Obst und Gemüse zu lagern. Außerdem bittet Pfarrer Baumann um Vorschläge, welche weiteren Maßnahmen zur durchgreifenden Stützung dieser Anstalt getroffen werden können.

Das Lindenfelser Krankenhaus, das nun fünf Jahre besteht und rund 100 Betten faßt, ist zu einem großen Segen für seine Umgebung geworden. Jeder, der in diesem Krankenhaus lag, wird dankbar die Pflege und die vorzügliche ärztliche Betreuung anerkennen. Es wäre zu wünschen, daß es der Bevölkerung erhalten bleibt. vt.

„Der Wald unser Schicksal“

Wanderausstellung kommt nach Gernsheim

Der Gemeinderat der Stadt Gernsheim befürwortete in seiner Sitzung am Mittwoch eine Ausstellung, die unter dem Motto „Der Wald — unser Schicksal“ in der Zeit vom 23. bis 24. September in Gernsheim gezeigt werden soll.

Die in Eisenbahnwagen untergebrachte Ausstellung entstand in Zusammenarbeit zwischen der Bundesbahn und der Schutzgemeinschaft „Deutscher Wald“ und soll weiten Kreisen der Öffentlichkeit die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes nahebringen. -kr-

Adam Schmitt wurde wieder Bürgermeister

Rimbachs Gemeindevertreter sprachen ihr Vertrauen aus

Am gestrigen Donnerstagabend wählten die Gemeinderäte Rimbachs unter dem Vorsitz des Beigeordneten Adam Oehlenschläger den seitherigen ehrenamtlichen Bürgermeister Adam S ch m i 11 XIX. zum neuen hauptamtlichen Bürgermeister von Rimbach.

Von fünfzehn Parteivertretern stimmten dreizehn ab. Ein Vertreter der Freien Demokraten protestierte gegen die Kürze der Zeit vom Meldeschluß am 10. September bis zur nunmehrigen Wahl. Es sei in dieser Zeit keine Möglichkeit vorhanden gewesen, sich über die weiteren neun Bewerber um die Bürgermeisterstelle zu informieren. Ein anderer Gemeindevertreter hatte sich entschuldigen lassen. Die Anwesenden stimmten in geheimer Wahl einstimmig für den alten Bürgermeister, dem sie damit unter dem Beifall der zahlreich erschienenen Ortsbürger das Vertrauen für seine seitherige Amtsführung aussprachen.

Der neu gewählte alte Bürgermeister steht im 46. Lebensjahr und gehörte schon vor 1933 der Sozialdemokratischen Partei an. Er ist Kreistagsmitglied, Vorsitzender der Rote-Kreuz-Gruppe Odenwald, 1. Vorsitzender der Sänger-Kreisgruppe Weschnitztal-Ueberwald, Kreischormeister und hat zahlreiche weitere Ehrenämter inne. Adam Schmitt wurde 1946 zum Bürgermeister bestimmt und 1948 wiedergewählt. Einem größeren Kreis wurde Bürgermeister Schmitt durch seine energische Vertretung des Weschnitztales in der Frage der Hochwasser- und Manöverschädenregulierung im Jahre 1948 bekannt. Auch die Neugestaltung der Rimbacher Ortsmitte und der Neubau des Realgymnasiums sind im wesentlichen auf seine Initiative zurückzuführen. Die Vorarbeiten für ein gemeindeeigenes Schwimmbad wurden von ihm entscheidend vorangetrieben. r.

Der strafbare Kuß

Darmstadts Strafrichter haben sich diese Woche in der Hauptsache wieder mit Sittlichkeitsdelikten zu befassen. Der Mann, der gestern vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt stand, zählte bereits 68 Lenze. Warum er vor einiger Zeit in Untersuchungshaft kam, bewies die gestrige Verhandlung. Der Drehermeister Heinrich St. aus Pfungstadt hatte eines Tages ein 12jähriges Mädchen alleine in der elterlichen Wohnung angetroffen. Er preßte die Kleine plötzlich an sich und drückte ihr einen eigenartigen Kuß auf die Lippen. Das Mädchen — nach dem Vorfall völlig verstört — erzählte es den Eltern..'.

„Es war kein harmloser Kuß“, stellte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Hahn, fest. Er sei, so sagte er, in wollüstiger Absicht gegeben worden. Das Vorleben des Angeklagten schließe in dieser Hinsicht bereits alle Zweifel aus. Vor Jahren war St. wegen eines ähnlichen, allerdings weitaus schwerwiegenderen Deliktes zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die Kammer erkannte als einzigen Milderungsgrund die Tatsache an, daß der Beschuldigte nicht mit Vorsatz gehandelt hat. Man war vielmehr der Auffassung — und der Richter drückte dies in seiner Begründung auch aus — daß St. ein Gelegenheitsdelikt beging und seiner Veranlagung erlegen war.

Das Gericht verhängte eine Gefängnisstrafe von zwölf Monaten. „Empfindliche Strafen sind in solchen Fällen am Platze, um die Kinder vor derartigen Menschen zu schützen“, erklärte der Vorsitzende abschließend mit allem Nachdruck. Zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden dem Angeklagten angerechnet. wst.

Was aũch interessiect:

Neben dem geschäftsführenden Aus¬ schuß wurde von der Sportgemeinde e. V. Weiterstadt ein Presse-, Finanz-, ein technischer sowie ein Bau- und Dekorationsausschuß gebildet, die sich mit der Vorbereitung des nächstjährigen Vereinsfestes, das Ende Juni 1951 auf dem Sportplatz durchgeführt werden soll, zu befassen haben.

Beim Ueberqueren des Fahrdammes lief ein fünfjähriger Junge aus Pfungstadt in einen Jeep. Der Fahrer brachte das Kind zu einem Arzt, der die erste Hilfe leistete. ' ’ ler

Durch einen mutigen Beschluß der Internationalen Pfadfinderkonferenz wurde der Ring deutscher Pfadfinderbünde in die Weltpfadfinderbewegung aufgenommen. dt

Eine Wiederholung von „La Serva Padrona“, der Oper von Pergolesi, findet am Samstag um 19.30 Uhr im Haus Veite in Trautheim statt. Die Aufführung der Oper „Die Abreise“ von Eugen d’Albert ist auf Sonntag, den 24. September, um 19.30 Uhr, verschoben worden. dT

„Das Sudetenland und die Ostgebiete“ ist das Thema eines Lichtbildervortrages von Dr. Aschenbrenner, Gießen, zu dem der Ortsverband der Heimatvertriebenen, Bensheim, heute abend um 20 Uhr in den Bensheimer Hof einlädt. HB

Albert Lortzings „Wildschütz“, der als Gastspiel des Landestheaters am 6. September in Heppenheim vorgesehen war und in letzter Minute abgesagt werden mußte, wird nun am 20. September in der Heppenheimer Stadthalle aufgeführt. HB

Schülerinnen für Krankenpflege

Ausbildung durch die Krankenhausverwaltung Erbach

Bereits mehrfach war in der Vergangenheit an die Krankenhausverwaltung der Kreisstadt Erbach die Anregung ergangen, eine Ausbildungsmöglichkeit für Krankenpflege zu schaffen, um jungen Mädchen Gelegenheit zu geben, sich die wichtigsten Grundkenntnisse der Ersten Hilfe und der Krankenpflege zu erwerben. Alle diesbezüglichen Pläne scheiterten bisher jedoch am Platzmangel. Nach der kürzlichen Eröffnung des Krankenhauses „Odenwald“ konnte die Verwaltung endlich die Anregungen aufgreifen. Noch in diesem Herbst und Winter sollen die ersten Ausbildungen stattflnden.

Jedes Mädchen, gleich welcher Konfession, hat in dreimonatiger Ausbildung die Möglichkeit, sich die fundamentalen Kenntnisse der Krankenpflege anzueignen. Die Teilnehmerinnen können nach den ersten 10 allgemeinen Unterrichtsstunden nach eigener Wahl in die chirurgische, innere oder Entbindungs-Abteilung, später aber auch in die Augen- oder Hals-, Nasen- oder Ohrenstation des Krankenhauses eintreten. Sie erhalten dort freie Kost und Station sowie ein Taschengeld.

Nach abgeleisteter Ausbildungszeit besteht Gelegenheit, das Helferinnen-Examen abzulegen. Eventuell können Interessentinnen auch nach bestandenem Examen als Helferinnen weiterbeschäftigt werden. Die Krankenhausverwaltung in der Bürgermeisterei Erbach erteilt Rat und Auskunft über die Ausbildung und nimmt schon jetzt Anmeldungen entgegen.

Junge Mädchen sollten diese Gelegenheit warnehmen, sich wichtige Grundkenntnisse der Krankenpflege anzueignen, die für sie später als Hausfrau und Mutter sehr nützlich sein werden. Eltern sollten ihre Töchter über die Nützlichkeit dieser Ausbildung aufklären und sie zur Teilnahme anregen. Das Wissen um Schutz und Erhaltung der Gesundheit, um erste Hilfe in kranken Tagen ist das größte Gut, das einer Tochter mit auf den Weg gegeben werden kann. -eh

Rege Bantätigkeit

in der Gemeinde Hähnlein

Nachdem die Gemeinde Hähnlein in den letzten Monaten fünf Neubauten bezugsfertig hinstellen konnte, werden im Laufe des Herbstes weitere fünf Häuser fertig; drei Häuser stehen im Rohbau. Die Lagerhalle der Spar- und Darlehnskasse ist fertiggestellt und wurde ihrer Bestimmung übergeben.

Die evangelische Kirchengemeinde hat für den Neuguß einer Kirchenglocke bis jetzt 1000 Mark gesammelt; eine zweite Sammlung ist im Herbst vorgesehen. Infolge der angespannten Finanzlage der Gemeinde konnte rch die Gemeindeverwaltung nicht mit einem größeren Betrag an der Sammlung beteiligen.

Die Rodauer Straße ist im vorderen Abschnitt neu hergerichtet. Die Straße erhält Bordsteine und Bürgersteige bis zum Ortsausgang.

Um die Schüler der Volksschule in das Wesen einer kommunalen Verwaltung einzuführen, hat Bürgermeister Gerhard den ältesten Jahrgang der Schule zur Teilnahme an einer Gemeinderatssitzung eingeladen. hl.

Trxeffen der Heimatvertriebenen

auf der Tromm

Am Sonntag veranstaltet der Kreisverband der Heimatvertriebenen auf der Tromm ein Jugendtreffen, zu dem mit W. Horak, Büdingen, auch der Jugendwart des Hessischen Landesverbandes sein Erscheinen zugesagt hat. Der Entschluß zu diesem Treffen kam aus den Reihen der Erwachsenen wie der Jugend; sein Zweck ist die Vertiefung der Helmatidee und die Erhaltung der Eigenart in Spiel, Gesang und Tanz. Das Treffen soll gleichzeitig zur Gründung eines Arbeitsringes führen, der in ernster Arbeit die Probleme gerade der heimatvertriebenen Jugend behandeln und sich über Art und Ziel der Vertriebenen-Organisation klar werden will.

Wenn die Teilnahme der Jugend selbst am kommenden Sonntag den gehegten Erwartungen entspricht, darf erwartet werden, daß dieses erste Tromm-Treffen, dem der Kreisverbandsvorsitzende Ing. Seib ot h , Bensheim, Mentor und Schirmherr ist, die Grundlage für eine zukunftweisende und erfolgversprechende Jugendarbeit werden wird, (-r)

Nene Schlachtzeiten

im Bensheimer Schlachthof

Die Betriebs- und Schlachtzeiten im Städtischen Schlachthof werden gemäß § 2 der Betriebsordnung ab 1. Oktober 1950 wie folgt neu festgesetzt:

Schlachtzeiten: Montag und Dienstag von 8 bis 15.30 Uhr. Mittwoch und Donnerstag von 8 bis 13 Uhr, Freitag und Samstag keine Schlachtungen.

Betriebszeiten: Montag und Dienstag von 7.30 bis 17.30 Uhr, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 7.30 bis 16.30 Uhr und Samstag von 7.30 bis 12.30 Uhr. Der Töteschluß ist jeweils 90 Minuten vor Ende der Schlachtzeiten festgesetzt, außerhalb der Betriebszeiten darf der Schlachthof nur zur Vornahme von Notschlachtungen betreten werden. Die Kühlräume sind während der ersten und letzten halben Stunde der Betriebszeiten geöffnet. HB

EGrziehungsbeihilfen anerkannt

Waldmichelbachs Elternbeirat trat zusammen

Der im Juni dieses Jahres von der Elternversammlung des Realgymnasiums Waldmichelbach zusammengestellte Elternbeirat trat nun zu seiner ersten Sitzung zusammen. Amtsgerichtsrat Thomas als Vorsitzender und Kaufmann A. Helfrich als Schriftführer wurden einstimmig in ihren Aemtern bestätigt. Das wesentlichste Interesse beanspruchte der Bericht von Gemeinderechner Sc hm i 11, der die finanzielle Lage der Anstalt beleuchtete und erkennen ließ, daß die Schule weiterhin wärmster Fürsorge sowohl der Elternschaft wie der Gemeinde und der übergeordneten Behörden bedarf, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Ueber die in Jugenheim stattgefundene internationale Erziehertagung sprach anschließend der Leiter des Gymnasiums und gab zugleich Auszüge aus dem in Vorbereitung befindlichen Schulverwaltungsgesetz, das einen stärkeren Einfluß der Elternschaft und der Schulortsgemeinde innerhalb der Schulverwaltung sicherstellen soll. Hierüber wird nun ein Referat ausgearbeitet und der nächsten Elternversammlung vorgelegt. Die Vorschläge der Schulleitung im Hinblick auf die Verteilung der Erziehungsbeihilfen wurden nach längerer Aussprache im wesentlichen gutgeheißen

Reichenbach braucht Hochbehälter

In der letzten Gemeinderatssitzung in Reichenbach wurde das schon lange anstehende Problem der Wasserversorgung behandelt. Bürgermeister Jährling trat dafür ein, endlich eine ausreichende Wasserversorgung zu schaffen, um künftig Schwierigkeiten, wie sie auch in diesem Jahr wieder auf getreten seien, zu vermeiden. In längeren Trockenheitsperioden könne, wenn der derzeitige Zustand beibehalten werde, sehr leicht eine Katastrophe eintreten, da das alte Reservoir längst nicht mehr den erhöhten Bedürfnissen gerecht werde.

Das Wasserwirtschaftsamt hatte bereits vor längerer Zeit die Errichtung eines neuen Hochbehälters vorgeschlagen und die Vergrößerung des alten Reservoirs als unzweckmäßig verworfen. Unter diesen Umständen beschloß der Gemeinderat den Vorschlägen grundsätzlich zuzustimmen. Ueber die mit der Finanzierung zusammenhängenden Fragen wird in einer künftigen Sitzung beraten.

Im weiteren Verlauf des Abends war bereits über die Instandsetzungsarbeiten an der Wingertsbergstraße diskutiert worden. Auf Grund einer Besichtigung kam man überein, die rechte Straßenseite zu kanalisieren, eine weitere Querstraße zu pflastern und den unteren Straßenteil durch Stückung zu heben. r.

Meldungen aus den Landleisen

DARMSTADT-LAND

Roßdorf. Zur Klärung organisatorischer Fragen für das am 24. September stattfindende 50jährige Jubiläum hält der Obst- und Gartenbauverein am Sonntag, dem 17. September, um 16 Uhr, im Saale des Gasthauses „Germania“ (Flößer) eine Mitgliederversammlung ab. sl

Roßdorf. Der von der Freiwilligen Feuerwehr geplante Familienabend findet am kommenden Samstag, um 20 Uhr, im Saale des Gasthauses „Germania“ (Flößer) statt. si.

Ober-Ramstadt. Am kommenden Sonntag feiert der Schul-Jahrgang 1895 (1901/ 1909) sein Wiedersehen. Um 9.15 Uhr ist vom Pfarrhof aus gemeinsamer Kirchgang. Die Festpredigt wird von Dekan Hugo Fritsch gehalten. Ein gemütliches Beisammensein findet bei Kaffee und Kuchen im Gasthaus „Zum Löwen“ statt. -D-

Malchen. — Der Bürgermeister fordert alle in der Gemeinde wohnhaften wahlberechtigten Flüchtlinge zu einer etwa halbstündigen Besprechung am kommenden Sonntag auf. Es soll u. a. ein neuer Flüchtlingsvertrauensmann gewählt werden. Beginn: 14 Uhr im Schulsaal. II

DIEBURG

Dieburg. — Am kommenden Samstag, abends 20 Uhr, findet im Gasthaus „Zum Grünen Baum“ eine Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Dieburg des VdK statt. Es spricht der Sozialreferent der Hauptfürsorgestelle Darmstadt, Meckes. DT

Groß-Zimmern. — Im „Löwenbräu“ findet am Sonntag, 9.30 Uhr, eine Versammlung statt, in der AOK-Direktor Münchhof f über „Selbstverwaltung in der Sozialversicherung“ spricht. -gi-

Kleestadt. — Ab sofort verkehrt dreimal täglich ein Omnibus über Groß-Umstadt nach Dieburg. -gi-

Münster. — Auf der Bundesstraße 45, in der Nähe der „Linde“ wurde einem Arbeiter von randalierenden Ausländern das Fahrrad abgenommen, fand sich aber am nächsten Morgen im Straßengraben wieder. Offenbar hatten die Täter unter Alkoholeinfluß gestanden. -gi-

ERBACH

Höchst. Am kommenden Samstag spricht in der Volksschule Rektor Diederich, Wiesbaden, über das Thema: „Ganzheitliche Bildung unter besonderer Berücksichtigung des Volksschulabschlußjahres.“ -hm-

Bad König. Heute endet die diesjährige Kur- und Badesaison. Mit Beginn der Wintersaison finden Kurkonzerte nur noch sonntagsyormittags statt. Auch das hiesige Schwimmbad wurde geschlossen. Ober-Mossau. Zum großen Kirchentag in Beerfelden am 1. Oktober fährt um 12.15 Uhr ein Post-Omnibus von der Brauerei Schmucker ab, der auch an der „Krone“ und bei Fr. Ihrig in Unter-Mossau hält und die Teilnehmer etwa 17.15 Uhr wieder zurückbringt. prs

BERGSTRASSE

Heppenheim. Heute abend findet um 20 Uhr im Rathaus, Zimmer 6, eine öffentliche Stadtratssitzung statt. HB.

Jugenheim. Am Sonntag findet von 10 bis 18 Uhr im unteren Rathaussaal eine Werbe-Ausstellung „Das eigene Heim“ statt. hl.

Alsbach. Die Ortsgruppe des Odenwaldklubs unternimmt am Sonntag eine Wanderung nach Hohenstein. Abmarsch 9 Uhr an der Hochstraße. Rückfahrt mit dem Omnibus ab Reichenbach. hl.

Weiher. Die Straßenbrücke an der Abzweigung nach Mackenheim wurde jetzt neu betoniert und mit einem Geländer versehen. -r.

Lorseh. — Der Verein „Vogelfreunde“ und der Vogelschutzverein halten heute, Freitag, wegen der bevorstehenden Ausstellung eine außerordentliche Versammlung ab. el

GROSS-GERAU

Groß - Gerau. Die Umgehungsstraße Groß-Gerau im Zuge der Bundesstraße 26 wurde mit einer neuen Asphaltdecke versehen. Die Sperrung ist ab sofort aufgehoben. -th-

Groß-Gerau. — Reg.-Rat W i t h o 1 vom hiesigen Finanzamt ist an das Finanzgericht in Kassel versetzt. Als Nachfolger wurde Ob.-Reg.-Rat Jacobi vom Finanzamt Dillenburg nach hier versetzt.

Nauheim. Nachdem die Straßeninstandsetzungsarbeiten an der Landstraße I. Ordnung von Nauheim nach Trebur beendet sind, ist die Sperrung ab sofort aufgehoben. -th~

Walldorf. Adolf Jakob wurde durch den Landrat des Landkreises Groß-Gerau als Feldgeschworener für die Gemeinde verpflichtet. -th-

Allmendfeld. Am Samstag spricht um 20 Uhr der Kreisvorsitzende der FDP, Dr. Seipel, in einer öffentlichen Versammlung unter dem Thema „Vom Bund zum Reich“ über zeitnahe Probleme der deutschen Politik.

Dornheim. Am Samstag wird im Forsthaus Knoblochsaue die diesjährige Nußernte öffentlich versteigert. Treffpunkt der Steigerer um 11 Uhr am Forsthaus Knoblochsaue. -kr-

Gustavsburg. — Ungefähr 3500 Metallarbeiter nahmen kürzlich' an einer Protestkundgebung — die Lohnforderungen im Metallgewerbe betreffend — von der MAN teil. — od—

Der SPORT

Ordnung in der Weltrekordliste

Nach einer Prüfung der Schwimmweltrekorde

Dr. B. Düsseldorf. (Eigener Bericht.) Seit der letzten Tagung des Internationalen Schwimmverbandes (FINA) im Herbst des vorigen Jahres müßten, wenn man den ' vielen Meldungen Glauben schenken wollte, Schwimm-Weltrekorde nahezu am laufenden Band gefallen sein. Durch die Differenz in den auf kurzen Hallenbahnen oder auf offenen 50-m-Bahnen erzielten Zeiten widersprachen sich diese Meldungen so oft, daß man mit Recht mißtrauisch wurde. Nun hat die FINA auf ihrer jetzigen Tagung in Paris reinen Tisch gemacht, von den durch die einzelnen Nationen eingereichten 52 Anerkennungsanträgen für Weltrekorde hielten nur 32 einer genauen Nachprüfung stand. Immerhin ist auch das eine Zahl, die sich sehen lassen kann; denn der internationale Standard ist sehr hoch und, vor allem bei den kurzen Strecken, schon recht nahe an die vermutbare Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit herangekommen.

Doch es ist gut, daß die Liste der Weltrekorde wieder ein amtliches Gewicht und Ansehen bekommen hat. So war es zum Beispiel doch nichts mit den sagenhaften 1:05,1 Min., die der Russe Meschkow über die 100-m-Bruststrecke geschwommen haben sollte. Er dürfte mit der Anerkennung seiner Bestleistung von 1:07,2 Min. durchaus zufrieden sein. Dabei ist es auch grotesk, daß der deutsche Rekord von Walter Klinge mit mit 1:07,1 Min. besser ist. Er konnte amtlich nicht anerkannt werden, weil Deutschland damals (am 28. 4. 1949) noch nicht wieder Mitglied der FINA war. Es hat sich auch herausgestellt, daß die Staffelzeiten der Japaner und Amerikaner über 4X200 m Kraul mit 8:34,2 und 8:40,6 Min. einen Haken gehabt haben müssen, denn als gültiger Weltrekord steht heute die Marke von 8:42,8 Min. in der Liste. Sie ist großartig genug, bedeutet sie doch einen Durchschnitt von 2:10,7 Min. pro Mann, während der deutsche Rekord noch auf 2:12,2 Min. steht. Das Reservoire der Amerikaner an erstklassigen 200- m-Leuten scheint unerschöpflich zu sein, denn diese Staffel wie auch die Weltrekordstaffel über 4X200 Yards wurden mit acht Schwimmern geschwommen, von denen außer dem jungen Mc Lane in Europa keiner bekannt ist. Es fehlen in diesen Staffeln sogar so schnelle Leute wie Ford, Smith usw., usw.

Ohne Zweifel ist die 1500-m-Marke des Japaners Furuhashi mit 18:19,0 Min. die absolut stärkste Leistung. Fast eine Minute besser als der alte Europarekord von Arne Borg, der „Rekord aus Wut“, von Bologna 1927 mit 19:07,2 Min. Der vielseitigste und wohl erfolgreichste Schwimmer der Welt dürfte aber nicht Furuhashi, sondern der junge australische Student Marshall sein, der in diesem letzten Jahr nicht weniger als fünfzehn Weltrekorde über Strecken von 200 m bis zur englischen Meile geschwommen hat. Er hält heute alle Kraulrekorde von 200 m bis zu 1609 m, ausgenommen die über 880 Yards und 1500 m des Japaners Furuhashi. Er ist das Gegenstück zu der großen Dänin Ragnhild Hveger, die heute noch weitaus die meisten Kraulweltrekorde im Besitz hat.

Allerdings — und das muß immer wieder betont werden — sind alle Rekorde über kurze Strecken, also bis zu 400 m, in den USA auf denkbar kurzen und günstigen Hallenbahnen geschwommen worden. Im freien Wasser wurden die Zeiten auch nicht annähernd erreicht. Das beste Beispiel ist der Weltrekord des Amerikaners Verdeur über 200 m Brust mit 2:28,3 Min. Auf offener 50-m-Bahn hat er noch nie unter 2:36 Min. geschwommen, wohl aber der Deutsche Meister Herbert Klein mit seinem neuesten Rekord von 2:34,4 Min.

Von den nun amtlich anerkannten 32 Schwimm-Weltrekorden ist ein Teil inzwischen mehrfach überholt worden. Die amtliche Liste weist heute insgesamt achtzehn neue Marken auf. Fünfzehn von Männern und nur drei von Schwimmerinnen.

98er Handballer im Dietzenbacher Waldstadion

Am kommenden Sonntag fahren die Lilienträger zu ihrem seit Jahren schwersten Konkurrenten, der SG Dietzenbach. Das bedeutet für die Rodgaugemeinde Großkampfstimmung im Dietzenbacher Wald, und jung und alt wird wieder das Rund des Stadions säumen, um ihre Mannschaft anzufeuern. Die jeweiligen Begegnungen Dietzenbach—SV 98 Darmstadt bedeuten darüberhinaus Höhepunkte in der Handballsaison in Südhessen.

Nach der etwas überraschenden Niederlage der „Lilien“ in Offenbach, folgte am vergangenen Sonntag ein Sieg gegen Gelnhausen. Aber auch in diesem letzten Spiel konnte man nicht gerade von außerordentlich guten Leistungen berichten. Es kann jedoch möglich sein, daß der Gegner unterschätzt wurde. Dies wird allerdings am kommenden Sonntag nicht der Fall sein. Der SV 98 wird den Gastgebern einen großen Kampf liefern, dessen Ausgang bisher immer ungewiß war, da sich beide Mannschaften zu gut kennen.

Die Mannschaftsaufstellung für den Sonntag bringt erneut Aenderungen. Im Tor wird der wieder genesene Siegfried Göbel beweisen müssen, ob er die endgültige Lösung der Torhüterfrage bringen kann. Bei seinem guten Sprungvermögen und seiner Ruhe kann man Vertrauen zu ihm haben. In der Verteidigung spielen Glock und Mark. Die Läuferreihe steht in der Besetzung Emig, Peters, Fischer, wobei der neugebackene Ehemann Emig erstmals seit Monaten wieder dabei ist und unter Beweis stellen muß, daß er seine Pause gut überstanden hat. Der Sturm wird in der Besetzung Schäfer, Lutz, Ross, Reinhardt und Lehning antreten. Auf diese Fünf kommt es in erster Linie an, auf ihr durchdachtes und verständnisvolles Spiel miteinander und ihren unermüdlichen Einsatz, der eine gleichzeitige Unterstützung der Hintermannschaft einschließt, damit das Spiel zu einem Erfolg gestaltet wird. Abfahrt der 1. Mannschaft mit Reserve: 12 Uhr ab Marstall.

Am Sonntag, 10.30 Uhr, empfängt die Handballelf der TG 75 Darmstadt auf dem Sportplatz „Ziegelbusch“ die Mannschäft der SG Jugenheim zu ihrem 1. Verbandsspiel. Vorher treffen die Faustballmannschaften beider Vereine aufeinander.

Landesmeisterschaften der Fechter

Wieder ist Oberursel, bedingt durch gute Platzverhältnisse, der Austragungsort einer fechterischen Großveranstaltung. Am Wochenende werden in der dortigen Turnhalle die Landesmeisterschaften der hessischen Fechter ausgetragen. Bei den aus allen Teilen des Landes zahlreich eingegangenen Meldungen ist mancher Name von Klang. Auch der aufwärtsstrebende Nachwuchs ist stark vertreten. Darmstadts Fechtklub hat für das Florettfechten der Damen Frau Haun gemeldet. Bei den Herren vertreten die Farben des Klubs Herr Melcher (Florett und Säbel) und die Herren Haun und Weicker (Säbel). Es wäre zu wünschen, daß diese Vertretung an die Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen könnte, in der sich diese Fechter mehrmals die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften erkämpfen konnten. Bei dem soliden Können dieser Fechter und mit etwas Glück dürften sie auf guten Plätzen zu finden sein. Als Kampfrichter begleiten die Herren Steffan und Kartz die Fechter. -icke¬

Gundernhausen. Der Gesang- und Sportverein veranstaltet am Sonntag, dem 17. September, um 15 Uhr, auf dem Sportplatz Gundernhausen ein Werbehandballspiel, bei dem sich der Bürgermeister, der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung dem Vorstand des Gesang- und Sportvereins gegenüberstehen. (st)

Tischtennis SV Darmstadt wiederum auswãrts

Herren: ABC Wiesbaden — 98 Darmstadt Frauen: Wolfgang —9B Darmstadt

In der obersten Spielklasse im Tischtennis muß die 1. Herrenmannschaft der Lilienträger am Wochenende wiederum auswärts ein Verbandsspiel bestreiten. Gegner ist der ABC Wiesbaden, der am vergangenen Sonntag nur knapp gegen die Eintracht Frankfurt unterlag. Der SV 98 fährt in der Aufstellung Zeglys, Hardt, Hartmann, Römer, Kappes und Lutz. Der Ausgang des Speles ist völlig offen.

Die 1. Damenmannschaft des SV 98 fährt am kommenden Sonntag nach Wolfgang. Die gegnerische Mannschaft, die in diesem Jahre erstmals in der Landesliga spielt, mußte am letzten Spieltag eine hohe Niederlage einstecken. Die Mannschaft des SV 98 in der Besetzung Holzapfel, Nungesser, Römer, Guyot, Nangot und Pommer dürfte dieses Spiel klar zu ihren Gunsten entscheiden.

In der Landesliga-Süd II reist die 2. Mannschaft des SV 98 nach Hofheim /Taunus. Wenn auch die Mannschaft nicht in stärkster Besetzung antreten kann, ist mit einem sicheren Sieg zu rechnen, der die Tabellenführung weiter festigen würde. Bereits am Mittwoch unterlag in ihrem 2. Verbandsspiel die 2. Damenmannschaft des SV 98 gegen die 1. Mannschaft der SG Arheilgen mit 3:6.

Die SG Wixhausen läßt aufhorchen. Die 1. Herrenmannschaft, die eine beachtliche Spielstärke zu verzeichnen hat, gewann ihr erstes Verbandsspiel überlegen gegen Hofheim/Taunus mit 15:1 und bewies damit, daß mit ihr in der Landesliga-Süd II zu rechnen ist. Die Damen konnten gegen die SG Langen ebenfalls überlegen mit 8:1 gewinnen.

Die Kreisklasse I setzt am Wochenende ihr Programm mit folgenden Begegnungen fort:

Herren:

TSG 46 Darmstadt — Nieder-Ramstadt II Erzhausen — SG Wixhausen II SV Darmstadt 98 111 — TGB 65 Darmstadt Nieder-Ramstadt — Ernsthofen Bickenbach — Egelsbach SKG Eberstadt — Langen I

Frauen:

SKG Eberstadt — SG Langen SG Wixhausen — TSV Pfungstadt Bickenbach — Egelsbach Darmstadt 98 II — Arheilgen

Tennis

Schlußrunde der Medenspiele

Am Sonntag, dem gleichen Tag, an dem in Wiesbaden die Endrunden der Großen Medenspiele zwischen Rheinbezirk, Niedersachsen, Berlin und Bayern ausgetragen werden, führt der TEC Darmstadt die Schlußrunde der Kleinen Medenspiele in Hessen durch. Nachdem der VfL Bad Nauheim, der gegen den TEC mit 2:4 in einem kaum noch aufzuholenden Rückstand lag, auf die Austragung der Doppelspiele verzichtet hat, steht Darmstadt im Endspiel gegen den Marburger Tennisclub 1912.

Marburg hat diesen Platz in der Schlußrunde durch Siege über Kassel, Fulda, SC Forsthausstraße Frankfurt, Luftbad Eschersheim und Kronberg erkämpft. Keiner dieser Siege war leicht, stets gab die Ausgeglichenheit der Mannschaft den Ausschlag. Dies ist nun allerdings auch die Stärke der TEC-Mannschaft, die am Sonntag in gewohnter Besetzung antreten wird. Achtmal bereits hat der TEC die Hessische Meisterschaft gewonnen, zum letzten Male im Jahre 1936. In diesem Jahr sind nun begründete Aussichten, daß der Titel wieder nach Darmstadt fällt. hex

Die letzten Rennen des VCD

Die Rennzeit 1905 geht ihrem Ende entgegen. In der langen, über 50jährigen Geschichte des VCD 1899 hat sie nicht ihresgleichen.

Jugend und Junioren brachten allein 19 erste und sechs zweite Preise in auswärtigen Konkurrrenzen nach Darmstadt. Die Hessenmeisterschaft auf Bahn und Straße holte sich Paul Nester, und die Hessenmeisterschaft im Vereinsmannschaftsfahren die junge Mannschaft Nester, Seifert, Steinbrecher, Strauber und Funk. In allen . Rennen aber haben sich außerdem S. Schlünz, S. Volkhammer, Ernst Beutel, Frieder Weber, Werner North, Jürgen Strauber, Horst Hafner, Helmut Steinbrecher, Alfred Herrmann und K. Roose neben Paul Nester und Hanno Seifert auf hervorragenden Plätzen behauptet.

Der große Erfolg von Siegfried Volkhammer im „Goldenen Rad von Mannheim“ über 230 km am vergangenen Sonntag ist noch in frischer Erinnerung.

Für interne Vereinsrennen war bisher keine Zeit, zwei Läufe der Klubmeisterschaft des VCD müssen aber noch gefahren werden.

Zum Hauptlauf über 100 km wird sich am kommenden Sonntag um 8.30 Uhr die gesamte Rennmannschaft des Velociped-Clubs 1899 Darmstadt stellen. Die Strecke führt vom Start Böllenfalltor über Oberramstadt, Brandau, Lindenfels, Reichelsheim, Reinheim, Spachbrücken, Roßdorf, Darmstadt, Löwentor. Das Ziel am Löwentor dürfte gegen 10.20 Uhr erreicht werden. Voraussagen lassen sich bei einer Mannschaft, die die größten diesjährigen Rennen mit Erfolg bestritten hat und den Hessenmeister auf Bahn und Straße 1950 stellt, nicht machen. Daß die Rennen hart werden, dafür bürgen die Namen der Fahrer.

Am 24. 9. 50 öffnet die Radrennbahn an der Heidelberger Straße zum letztenmal ihre Pforten in dieser Saison.

Auch hier wird die Spitzenklasse bei Jugend und Amateuren am Start erscheinen, im Blickfeld steht das große Zweier-Mannschaftsfahren nach Sechstageart über 100 Runden.

Heimatsport

Fußhball in den Kreisen am Wochenende

Kreisklasse Darmstadt

Auch im zweiten Sonntag der Verbandsrunde entstehen vielversprechende Begegnungen. Wenn auch im ersten Spiel mancher verloren hatte, so geschah es vielleicht deswegen, daß man den Gegner etwas zu leicht nahm. Es ist immer noch ein Abtasten aller Mannschaften, bis sie tatsächlich ihre Spielstärke erkannt haben. In vielen Fällen wird es dann aber zu spät sein, um noch Anschluß halten zu können. Die Erfahrung hat es schon immer gelehrt, daß die ersten Punkte vielfach mit entscheidend waren, ob Aufstieg oder Abstieg.

Seeheim,• das ja unbedingt seinen etwas enttäuschten Zuschauern etwas zeigen möchte, wird alles versuchen, gegen SSG Langen ehrenvoll abzuschneiden. Auch Hahn braucht alle Reserven, seinem Gegner Hähnlein einigermaßen standzuhalten. Nieder-Ramstadt spielt am Woog und hat dort noch nicht verloren. Allerdings darf man auch die junge Elf der TSG nicht verkennen. Gräfenhausen, das jetzt in die Runde eingreift, hat immer noch Aussicht auf Erfolg, denn die TuS hat noch nicht das Material, wag man in dieser Klasse benötigt. Ob Bickenbach in Erzhausen sein Können durch einen Sieg beweisen kann, bleibt abzuwarten. Wenn sich die Gäste völlig freimachen können und ihr Spiel zeigen, gehen sie mit Zuversicht in diesen Kampf. Aber auch Erzhausen versucht wertvolle Punkte zu holen. Die Tagesform wird entscheiden. Weiterstadt fährt nach Alsbach und muß schon spielen, gegen die wirklich verbesserte Elf zum Zuge zu kommen. In Anbetracht des Platzvorteils kann man ruhig den Platzherren ein Plus 'einräumen.

B-Klasse

Rohrbach fährt an die Rennbahn nach Darmstadt und dürfte als Favorit gegen die Union gelten. Natürlich werden die Darmstädter versuchen, die erlittene Niederlage wettzumachen. Zwei gleichwertige Gegner treffen sich in Jugenheim. Dem derzeitigen Stand beider Mannschaften dürfte ein Unentschieden wohl das Richtige sein. Auch hier entscheidet wohl die Aufstellung und das Glück dieses Spiel. Ober-Beerbach besucht die 2. Mannschaft des SV 98 und es wäre schön, wenn sie dieses erste Rennen seit ihrer Gründung zum Besten entscheiden könnten. Ob Traisa auch diesmal gegen Nieder-Beerbach einen Sieg davonträgt, bleibt abzuwarten. SC Griesheim kann auf Grund des in Griesheim stattfindenden Reiterfestes nicht auf seinem Platz spielen und fährt deshalb nach Brandau. Dort muß er sich mächtig anstrengen, um zum Sieg zu kommen. Jedenfalls muß es besser werden als am vergangenen Sonntag.

Arheilgen hat die Reserve-Mannschaft aus der Runde zurückgezogen. Es spielen nunmehr noch 10 Vereine in dieser Klasse, weshalb die Terminliste nochmals umgestellt werden muß.

Des weiteren beginnt am 1. Oktober ein Lehrgang für Schiri-Anwärter. Die ersten Lehrstunden sind morgens 9 Uhr im Gasthaus Arnold, Darmstadt. Auch dort können sich noch wirkliche Idealisten melden.

Entweder am 7. oder 14. Oktober hält Kamerad Weingärtner im Kreis Darmstadt wiederum einen Lehrabend über Spielregeln ab. Schon heute wollen die Vereinsvorstände besorgt sein, wer als beste Vertreter seines Vereins dorthin fährt. Von den Schiedsrichtern ist vollzähliges Erscheinen erwünscht, dl

Kreisklasse Erbach

Nach den überraschenden Ergebnissen am vergangenen Sonntag stehen sich in der Fußball-A-Klasse Erbach in der zweiten Runde folgende Vereine gegenüber: Sandbach— Höchst, Beerfelden—'Rimhorn, Steinbach— Neustadt, Hainstadt—Erbach (Soma), Bad König—Würzberg.

Steinbach, das vor allem durch die beiden Nachwuchsspieler Brumund (Linksaußen) und Körner (Rechtsaußen) einige schwache Stellen auszugleichen verstand, wird in der Partie gegen den letzjährigen Tabellenzweiten seine volle Stärke unter Beweis stellen müssen, wenn es die beiden ersten Punkte behalten will. Sandbach, das in seiner ersten Begegnung gegen Rimhorn mit 5:2 erfolgreich blieb, erwartet seinen Lokalrivalen Höchst, dem seine gesamte erste Garnitur zur Verfügung steht. Man rechnet mit einem knappen Erfolg von Höchst, das in diesem Jahr bei der Tabellengestaltung bestimmt ein nicht unbedeutendes Wort mitzureden haben wird. Hainstadt trifft auf die Erbacher Sondermannschaft und sollte bei einigem Einsatz auch diese Partie für sich entscheiden können. Beerfelden geht mit seiner alten Mannschaft, wie sie von der vergangenen Verbandsrunde her bekannt ist, mit Torhüter Hormes, Mittelläufer Hering, Kredel. Hans Müller und Ludwig Holschuh ins Spiel gegen Rimhorn. Die Gäsbeelf hat am vergangenen Sonntag vor einheimischem Publikum gegen Sandbach verloren und wird sich auch in Beerfelden mit einer Niederlage abfinden müssen. Der Neuling Würzberg fährt nach Bad König, wo die Punkte bekanntlich immer sehr hoch hängen. Günter fürst fährt nach Guntersblum, wo es in einem Privatspiel einer Rückspielverpflichtung gegen den dortigen Bezirksklassenvertreter nachkommt.

Die Spiele der B-Klasse: Gruppe Oberzent: Hetzbach—Sensbachtal, Rothenberg —Schöllenbach, Steinbuch—Finkenbach, Gammelsbach—Beerfelden (Soma). Gruppe Unterzent: Haingrund — Vielbrunn, Kirch-Brombach — Fürstengrund, Höchst (Soma)— Wald-Amorbach, VfL Höchst—Mümling-Grumbach. Auch in der Handball-Kreisklasse Erbach

rollt am Sonntag wieder der Ball im Kampf um die Punkte. Michelstadt, das seine letzte Partie mit 17:7 Toren gegen Beerfelden für sich entscheiden konnte, erwartet die TSG Bad König, die vor allem in Momart und Zell zu gefallen wußte. Man rechnet mit einem spannenden Derby, zumal sich beide Mannschaften berechtigte Hoffnungen auf den Meistertitel machen. Böllstein verfügt gegenwärtig über eine schußfreudige Elf und sollte auch in Beerfelden beide Punkte behalten dürfen. Nieder-Kinzig spielt in Momart und wird sich hier mit einer Niederlage abfinden müssen. Die junge Höchster Mannschaft trifft auf Pfaffen-Beerfurth. Ein knapper Erfolg der Vertreter des Gersprenztales wäre das Naheliegende. -ppi.

Kreisklasse Bergstraße

Fehlheim—Mörlenbach FC Fürth—Affolterbach Reichenbach—Einhausen W aldmi chelbach—Aschb ach frei: Weiher und Auerbach

Fehlhedm dürfte nach seiner Antrittsvorstellung in Affolterbach auch für die favorisierten Mörlenbacher eine harte Nuß werden, zumal die Elf auf heimischem Gelände häufig über sich selbst hinauswächst. Trotzdem ist ein Gästesieg das Nächstliegende.

Der Neuling FC Fürth sollte zu Hause Affolterbach schlagen können, da die Ueberwälder noch nicht homogen genug sind, um wieder ernsthaft in die Entscheidungen einzugreifen. Das Spiel in Reichenbach ist eine klare Sache für die schußstarken Platzherren, die dem etwas zerrissenen Mannschaftsgefüge Einhausens eine kompakte Einheit entgegenstellen können.

Waldmichelbach dürfte sich gegen Aschbach sehr schwer tun, wenn auch bei solchen Lokalderbys Analogien schwer heranzuziehen sind. (n’)

B-Klasse Gruppe Odenwald

Reichelsheim—Mitlechtern Z otzenbach—W ahlen U nter-Abtsteinach—Rimbach H am melb ach—Ober-Ab tstein ach Unter-Schönmattenwag—SV Fürth

Reichelsheim, als Gast im Kreise Bergstraße mitwirkend, sollte zum ersten Punktepaar kommen.

Die neuentstandene Spielgemeinschaft Zotzenbach hat gegen Wahlen kaum Aussichten. Hier dürfte es sich lediglich um die Höhe des Gästesieges handeln.

Unter-Abtsteinachs Sonntagsgegner Rimbach müßte, wenn die Verselbständigung der Gäste ohne Folgen auf die Kampfmoral geblieben ist, ebenfalls zu Sieg und Punkten kommen. Auch Hammelbach sollte sich auf eigenem Platze vergeblich gegen eine Niederlage wehren, während im Ulfenbachtal eine zutreffende Voraussage schwerfällt, da beide Mannschaften sich erheblich verstärken konnten. Unter-Schönmattenwag sollte die Nase um eine Länge vorne haben. (ni)

Kreisklasse Groß-Gerau

Nachdem alle A-Klassenvereine am letzten Sonntag ihre Eröffnungsvorstellung gaben, sieht man allgemein mit Spannung dem 2. Spielsonntag entgegen, um sich für den weiteren Verlauf der Verbandsrunde ein einigermaßen klares Bald zu machen, welchen Vereinen man dieses Jahr die größeren Aussichten zur Meisterschaft einräumen kann. Die A-Klasse am Sonntag: Gernsheim-Biebesheim, Wolfskehlen—Raunheim, Klein-Gerau—Ginsheim, Büttelborn Stockstadt, Walldorf—Dornheim, Astheim—Gustavsburg. Biebesheim, das am Sonntag gegen Stockstadt 7:2 verlor, dürfte in Gernsheim nicht allzuviel zu bestellen haben. Gernsheims stabile Hintermannschaft wird den Biebesheimern kaum Gelegenheit geben, zu einem Erfolg zu kommen.

ithug zu auiuauv. Nach dem derzeitigen Stand der Elf aus Raunheim dürfte es den jungen, eifrigen Wolfskehlern nicht ganz so schwer fallen, zu einem weiteren Punktgewinn zu kommen. Mit dem Innentrio Pollak, Gebhardt, Ewald Heinrich hat Wolfskehlen endlich einen Sturm erhalten, dem es an Schußkraft und Schnelligkeit nicht fehlt.

Wenn auch das Unentschieden, das Klein-Gerau in Raunheim erzielt hat, zur Aufmerksamkeit mahnt, so wird doch Ginsheim das Nötige tun, um die Punkte mit nach Hause nehmen zu können.

Als völlig offen ist die Auseinandersetzung Büttelborn—Stockstadt zu betrachten, zumal beide Mannschaften in letzter Zeit viel von sich hören ließen. Beide Mannschaften verfügen über einen schußfreudigen Sturm.

Wesentlich leichter wird es Walldorf zu Hause gegen Dornheim haben. Die technisch bessere Elf von Walldorf wird mit allen Mitteln versuchen, zu ihrem ersten Punktgewinn zu kommen.

Der Neuling Astheim hat zu Hause gegen Gustavsburg eine harte Nuß zu knacken. Trotzdem dürfte es ihm, nach den am Sonntag gegen Ginshedm gezeigten Leistungen, nicht schwer fallen, wenigstens einen Punkt zu Hause zu behalten.

B-Klasse: Worfelden—'Königstädten, Erfelden—Geinsheim, Bischofsheim Ib —Wallerstädten, Leeheim—Goddelau, SSV Raunheim—Opel Rüsselsheim Ib, TSV Rüsselsheim ist spielfrei.

Die beiden leicht favorisierten Vereine Bischofsheim und Wallerstädten treffen am Sonntag in Bischofsheim aufeinander. Dem Platzbesitzer kann man hier die größeren Chancen einräumen, da er über einen guten und schnellen Sturm verfügt.

Leeheim dagegen sollte zu Hause gegen Goddelau zu seinem ersten Punktgewinn kommen. Völlig offen ist die Auseinandersetzung in Raunheim, wo Opel Rüsselsheim Ib das bessere Ende für sich behalten dürfte. Gespannt darf man wohl auf den Ausgang des Spieles in Erfelden sein, wo sich die Geinsheimer, die am letzten Sonntag auf eigenem Platz geigen Bischofsheim Ib 6:0 verloren, vorstellen. Worfelden wird zu Hause gegen Königstädten weniger Aussichten auf einen Erfolg haben können -od-

DT Bestattungen am Freitag, dem 15. Septbr. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.00: Reuling, Eugenie, Jugenheim, 73 Jahre 14.30: Marquard, Ottilie, Taunusstraße 51, 84 Jahre Waldfriedhol: 14.15: Neumann, Elisabeth

AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Str. D 4046/50-63 * Betr.: Sperrung der Bundesstraße 26 Darmstadt—Groß-Gerau Bekanntmachung Die Bundesstraße 26 Darmstadt—Groß-Gerau ist wegen Bau¬ arbeiten am schienengleichen Bahnübergang bei km 6 von Montag, den 18. 9. 1950 bis Sonnabend, den 23. 9. 1950 für den Durchgangsverkehr aller Art gesperrt. Umleitung erfolgt über Griesheim, Wolfskehlen (L. I 0.3096), Dornheim, Berkach, Dornberg, (B 44); Mehrlänge 4,5 km. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten. Groß-Gerau, den 14. September 1950 Der Landrat des Landkreises Groß-Gerau Darmstadt, den 14. September 1950 Der Landrat des Landkreises Darmstadt

Bekanntmachung Die Lehrlinge der Klempner-, Installateur-, Kupferschmiede- und Heizungsbauer-Innung des Stadt- und Landkreises Darmstadt, die ihre Lehrzeit bis zum 30. September dieses Jahres beendet haben, werden hiermit aufgefordert, zwecks Ablegung ihrer Gesellen¬ prüfung sich bis längstens Montag, den 18. September d. J„ bei dem Unterzeichnenden zu melden. Vorzulegen sind; r. Lehrvertrag 2. Lehr- und Schulzeugnis 3. Lebenslauf 4. Werkstatt-Wochenbuch Die Prüfungsgebühr, die für Lehrlinge von Innungsbetrieben 8,— DM und für Lehrlinge von Nicht-Innungsbetrieben 12,— DM beträgt, ist bei der Anmeldung zu entrichten. Karl Kämmerer Vorsitzender des Gesellen-Prüfungs-Ausschusses Darmstadt, Parcusstraße 10 Darmstadt, den 15. September 1950 3 N 24/50. Ueber das Vermögen der Fa. Samenhaus Gerecke & Schnell Kommanditgesellschaft in Darmstadt, Frankenstein¬ straße 33-41, wird heute, am 12. September 1950, 16 Uhr, Anschlußkonkurs nach §§ 19, 102 Vergl.O. eröffnet. Konkursverwalter: Rechts¬ anwalt Dr. Neuschäffer, Darmstadt, Rheinstr. 14, Tel. 3878. Forderungsanmeldungen (2fach) bis: 1. November 1950 beim Amtsgericht. Gläubigerversammlung mit der Tagesordnung der §§ 132, 134 und 137 Konkursordnung: am 9. Oktober 1950, 9 Uhr, Saal 303. Prüfungstermin: am 13 November 1950, 9 Uhr, Saal 303. Offener Arrest mit Anzeigepflicht bis 5. Oktober 1950 dem Konkursverwalter. Darmstadt, den 12. September 1950 Amtsgericht Abt. 3 3 VN 6/50. Betr.: Vergleichsverfahren gegen Breidt * Daub KG., Darmstadt. Beschluß: Nach Rücknahme des Antrags auf Eröffnung des Vergleichs¬ verfahrens werden die Bestellung des vorläufigen Verwalters und das allgemeine Verfügungsverbot aufgehoben. Darmstadt, den 11. September 1950 Amtsgericht Abt. 3

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