Militärischer Marshall-Plan Amerikas zu erwarten
Washington, 13. September. (AP/dpa) Der amerikanische Verteidigungsminister Johnson ist von seinem Posten zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger hat Präsident Truman den früheren Außenminister General Marshall ernannt.
Der Kongreß muß dieser Ernennung noch zustimmen, da Marshall in den letzten zehn Jahren aktiver Soldat war. In diplomatischen Kreisen Neuyorks wird mit einem neuen Marshallplan für die Aufrüstung Europas gerechnet, der auf militärischem Gebiet erreichen könne, was der alte Marshallplan auf wirtschaftlichem Gebiet erzielt hab.e.
Stärkung Achesons
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Johnson selbst hat Präsident Truman die Ernennung des neunundsechzigjährigen Marshalls zu seinem Nachfolger vorgeschlagen. Marshall hat das Angebot Trumans sofort angenommen. Politische Beobachter sind der Ansicht, daß die Ernennung Marshalls die Stellung des Außenministers Acheson auf der Neuyorker Konferenz vor allem in der deutschen Frage stärken werde. Im Gegensatz zu Johnson teile Marshall die Ansicht Achesons, daß die Deutsche Bundesrepublik aufgerüstet werden müsse, um zur Verteidigung Westeuropas beitragen zu können. Während Johnson die Ansicht vertreten habe, daß deutsche Truppen nicht zur Verteidigung Europas erforderlich seien, wünsche Marshall, daß eine europäische Armee auch deutsche Kontingente erhalte.
Führende Mitglieder des Kongresses haben versprochen, den Weg für die Ernennung Marshalls sobald wie möglich frei zu machen. Ein amerikanisches Gesetz schließt alle Personen vom Amt des Verteidigungsministers aus, die in den letzten zehn Jahren aktive Soldaten waren. Es wird kaum bezweifelt, daß auch der Senat seine Zustimmung geben wird, obwohl gewisse republikanische Kreise gegen Marshall wegen seiner Politik im Fernen Osten Vorwürfe machen.
Lovett als Stellvertreter?
Neuyork, 13. September (dpa). Nach der Ansicht des diplomatischen Korrespondenten der „New York Times“, James Reston, wird die Ernennung Marshalls zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister wichtige Veränderungen in diesem Ministerium, sowohl in der personellen Besetzung wie auch in der politischen Linie, nach sich ziehen. Reston schreibt am Mittwoch, daß Robert Lovett (der bereits früher einmal stellvertretender amerikanischer Außenminister war) jetzt zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt werde. Marshall sei ferner nicht damit einverstanden. daß der amerikanische Generalstabschef Omar Bradley den Posten eines Oberkommandierenden der atlantischen Streitkräfte übernehme. Marshall vertrete vielmehr die Ansicht, daß die Vereinigten Staaten erst dann die Verantwortung für einen internationalen Oberbefehl übernehmen sollten, wenn die Streitkräfte, die diesem Oberkommando unterstellt seien, auch den Anforderungen entsprächen.
Innerhalb eines Jahres
die Entsendung der britischen Division
London, 13. September. (AP.) Die neue britische Division, deren Entsendung nach Deutschland Ministerpräsident Attlee am Dienstag angekündigt hatte, wird innerhalb eines Jahres zur Verfügung stehen. Diese Erklärung wurde am Mittwoch von dem britischen Verteidigungsminister Emanuel Shinwell im britischen Unterhaus abgegeben.
Keine SBegnadigung Krupps
London, 13. September, (dpa) Aergerlich hat ein offizieller britischer Sprecher den Bericht einer britischen Zeitung zurückgewiesen, daß mit dem Ende der Demilitarisierung eine Begnadigung Krupps zu erwarten sei. Er unterstrich, daß die Kruppdemontage schon längst abgeschlossen sei. Die Unterstellung, daß das Ende der Sprengungen von Bunkern und Fundamenten von Werkanlagen eine Remilitarisierungsmaßnahme sei, wurde von dem Sprecher ebenfalls zurückgewiesen.
Die wenigen Gleitbahnen norddeutscher Werften, die nunmehr erhalten bleiben, können dem deutschen Schiffsbau nach Ansicht unterrichteter Kreise sehr nützlich sein, wenn Schiffsbauerleichterungen für Deutschland beschlossen werden.
Lewüöührungsprobe für das Parlament
Zwei wichtige Sozialgesetze im Bundestag eingebracht
Drahtbericbt unseres Korrespondenten
R. Bonn, 13. September. Zwei große Sozialgesetze, das Bundesversorgungsgesetz und das Gesetz für die verdrängten Beamten und ehemaligen Berufssoldaten, sind am Mittwoch hintereinander im Bundestag eingebracht worden. Innenminister Dr. Heinemann erinnerte dabei an die Flut von Zuschriften, die sein Ministerium erhalten habe, als er das Gesetz nach Artikel 131 des Grundgesetzes als von höchstem Interesse für die Oeffentlichkeit genannt habe. Ueber eine Viertelmillion Menschen erwarteten von diesem Gesetz ihre Existenzmöglichkeit und, wie der Minister besonders hervorhob, auch die Anerkennung ihrer beruflichen Ehre und sozialen Geltung.
Der Innenminister mußte eine Reihe von Einschränkungen des Personenkreises, er mußte vor allem die Auszahlung nur einer Quote der zugestandenen Pensionen und Unlerhaltsgelder mitteilen, und den vorläufigen Verzicht auf eine Gleichstellung mit den einheimischen Beamten darlegen. Schweren Herzens hat sich auch nach seinen Worten die Regierung nur zum Vorschlag der dreiprozentigen Gehaltskürzung für die Beamten entschlossen, um durch sie noch weitere Mittel zur Versorgung der verdrängten Beamten zu gewinnen, und sehr deutlich erklärte der Minister, daß darüber jetzt das Parlament zu entscheiden habe.
Mit einiger Erleichterung rief Dr. Heinemann den Abgeordneten zu, daß die Bedrängnis der Regierung jetzt auf sie und ihre Beschlüsse übergehe. Diese Bedrängnis der Regierung sei so groß gewesen, daß einige Minister des Kabinetts ausdrückliche Vorbehalte gegen das Gesetz gemacht hätten. Das veranlaßte den Innenminister, mit einem Lächeln zu erklären, daß anscheinend schließlich er als der „Autokrat im Kabinett“ allein für dieses Gesetz verantwortlich bleiben werde. Heinemann fand auch verständnisvolles Lachen des Hauses mit seiner Bemerkung, daß er das Glück habe, diese Dinge als gesunder Mann in einer gesicherten Existenz zu betrachten, wenn seine Existenz auch nicht unbedingt gesichert sei.
Der Kernpunkt bleibt, daß jetzt in der Tat das Parlament vor eine schwere Bewährungsprobe gestellt ist. (Siehe auch Seite 2.)
Acheson: Von grundlegender Bedeutung
Der amerikanische Außenminister drängt auf deutsche Wehrbeteiligung
Neuyork, 13. September. (dpa/AP.) Die drei Außenminister haben am Mittwochnachmittag ihre Besprechungen über die Rolle Deutschlands in der westeuropäischen Verteidigung wieder aufgenommen. Zu den Beratungen wurden die drei Oberkommissare und andere Deutschland-Sachverständige hinzugezogen. Als Unterlage für die Beratungen soll ein Bericht dienen, den die Oberkommissare am Dienstagabend nach Abschluß der ersten Sitzung der Außenministerkonferenz fertiggestellt haben.
Die erste Sitzung der drei Außenminister war am Dienstag kurz vor Mitternacht nach vierstündiger Dauer beendet worden. Die Außenminister führten ihre Besprechungen zunächst allein. Später Wurden die drei Oberkommissare hinzugezogen. Der Pressechef des amerikanischen Außenministeriums gab anschließend bekannt, daß Acheson, Bevin und Schuman zunächt einen allgemeinen Meinungsaustausch über europäische Probleme gehabt hätten. Eine Reihe von Fragen sei Unterausschüssen zur Bearbeitung übergeben worden. Ferner verlautete, die Beschlüsse der drei Außenminister zur Verteidigung Europas würden der am Freitag ebenfalls in Neuyork beginnenden Konferenz des Atlantischen Rats zur Entscheidung vorgelegt werden.
Acheson soll Großbritannien und Frankreich in der ersten Sitzung vorgeschlagen haben, der Westen solle unverzüglich unter Aufbietung aller Kräfte mit dem Aufbau der westeuropäischen Verteidigung gegen die Sowjetunion beginnen. Er habe zu verstehen gegeben, daß die Einbeziehung der westdeutschen Menschenreserven nach amerikanischer Auffassung von grundlegender Bedeutung für ein europäisches Verteidigungssystem sei.
Auf der Außenministerkonferenz hat die Mitteilung des Rücktritts Johnsons wie eine Bombe eingeschlagen. Die ausländischen Diplomaten sprachen dann die Ansicht aus, daß damit die Stellung Achesons gestärkt werde. Allgemein wird eine Beschleunigung der Bemühungen um einen starken Ausbau der atlantischen Verteidigungskräfte in Westeuropa erwartet. Ferner wird an die Ernennung Marshalls die Erwartung geknüpft, daß die Politik Achesons in Zukunft die einmütige Unterstützung der Regierung Truman haben werde, ohne die Behinderung und Verzögerung, die durch die Verschiedenheit der Ansichten Johnsons und des Außenministeriums bisher aufgetreten seien.
General Marshall, der neue amerikanische Verteidigungsminister, ist am 31. Dez. 1880 in Pennsylvanien geboren. 1901 wurde er Offizier. Während des ersten Weltkrieges war er Chef des Generalstabes einer Armee in Frankreich und nach dem Krieg Adjutant des Generals Pershing. Einen Teil seiner Dienstzeit verbrachte er in China und lehrte von 1927 bis 1932 an der amerikanischen Kriegsakademie. Am 1. September 1939 wurde er Chef des Generalstabes des amerikanischen Heeres. Er hat die neue amerikanische Wehrmacht auf gebaut und gilt mit Eisenhower zusammen als einer der amerikanischen Generale, die den letzten Krieg gewonnen haben.
Kein Erfolg ohne Westdeutschland
Washington, 13. September. (AP.) Wie erst jetzt bekannt wird, hat Außenminister Acheson in einer Rede vor dem Bewilligungsausschuß des Senats am 30. August erklärt, auf die Dauer werde kein Plan für die Verteidigung Westeuropas erfolgversprechend sein, der nicht das Industriepotential und die Menschenreserven Westdeutschlands einschließe. Wenn dem berechtigten Bedürfnis der Deutschen nach Sicherheit und Einbeziehung in das westeuropäische System nicht entsprochen werde, müsse nach einiger Zeit eine Lage entstehen, die den ganzen Plan gefährden würde. Verteidigungsminister Johnson hatte damals vor dem Ausschuß erklärt, in den Plänen für die Wiederaufrüstung Europas sei eine Beteiligung Deutschlands nicht vorgesehen.
Wie eine Bombe
♦** Aus Washington wird gemeldet, die Mitteilung, daß der amerikanische Verteidigungsminister Johnson zurückgetreten sei, und daß Marshall seine Stelle einnehmen werde, habe auf der Außenminister-Konferenz in Neuyork wie eine Bombe eingeschlagen. Das kann nicht verwundern. Johnson war ein erklärter Gegner der Außenpolitik Dean Achesons, er vertrat als Verteidigungsminister ein Sparprogramm und seine Voraussicht möglicher politischer Ereignisse war so gering, daß er beim Ausbruch des Korea-Konfliktes nicht einmal einen Plan zur Abwehr einer solchen Invasion vorliegen hatte. Wie jetzt auch feststeht, hat Johnson die Bundesrepublik an der Verteidigung Europas nicht beteiligen wollen. Mit einem solchen Verteidigungsminister konnte Acheson unmöglich die weitgespannten Pläne des amerikanischen Präsidenten verwirklichen. Durch den Rücktritt Johnsons und die Ernennung Marshalls wird die Stelle Achesons in Amerika selbst und auch seinen Außenminister-Kollegen gegenüber ganz erheblich gestärkt. Und man kann nicht mehr daran zweifeln, daß nunmehr die Beteiligung West-Deutschlands an der Verteidigung Europas endgültig beschlossen wird. Acheson und Marshall sind aufs beste aufeinander eingearbeitet. Als Marshall 1947 Außenminister wurde, hatte Acheson die Stelle des stellvertretenden Außenministers inne und beide schufen gemeinsam die Grundlagen der heutigen amerikanischen Außenpolitik. Diese Grundlage hat Marshall schon auf der Londoner Außenminister-Konferenz 1947 vertreten, als er den Grundsatz verkündete, man müsse die freien Nationen stark machen und könne dann erst auf der Grundlage des machtpolitischen Gleichgewichts mit der Sowjetunion verhandeln. Man darf damit rechnen, daß nunmehr ein Marshall-Plan auf militärischem Gebiete verwirklicht werden wird, der an zielbewußter Großzügigkeit dem wirtschaftlichen Marshall-Plan nicht nachstehen wird.
Die Schraube nicht überdrehen
Von Dr. J. SchäferSoll der soziale Frieden und die Rentabilität der Wirtschaft nicht gestört werden, muß ein einigermaßen ausgeglichenes Verhältnis zwischen Löhnen und Preisen bestehen. Beide sind in einer freieren Wirtschaft dauernden Schwankungen unterworfen. Mancherlei politische, wirtschaftliche und finanzielle Gründe spielen dabei eine Rolle. Infolge der in den letzten Jahren wieder enger gewordenen wirtschaftlichen Verflechtungen und der wachsenden politischen Spannungen wirken sich wirtschaftliche Vorgänge in irgendeinem Teil der Welt bis in das letzte Dorf in Deutschland aus.
Der Einwand, daß die wirtschaftliche Wellenbewegung durch Zwangsmaßnahmen abgefangen werden könnte, zieht nicht mehr, da wir mit dieser Wirtschaftsform wiederholt unsere Erfahrungen gemacht haben und heute noch an den Auswirkungen der jüngst vergangenen Zeit leiden. Ohne Planungen geht es natürlich nicht. Die Aufrüstungswelle, in der sich die Menschheit gegen ihren Willen befindet, erzwingt sogar manche Einschränkung der freien Wirtschaft, unerwünschte Bindungen sowie eine gewisse Vernachlässigung der zivilen Versorgung, worauf sogar in dem reichen Amerika immer wieder hingewiesen wird, ganz zu schweigen von Westeuropa.
„Alle Räder .. .“
Der Krieg aus Korea und die notwendige Verstärkung der Abwehrbereitschaft in der westlichen Welt haben die rückläufige Preisbewegung auf den Weltrohstoffmärkten unterbrochen und in ihr Gegenteil gekehrt. Diese Entwicklung, die Liberalisierung des Außenhandels und die Einschränkung der deutschen Subventionspolitik mußten die Preise in Westdeutschland ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen und so ein Mißverhältnis zwischen den Einnahmen und den Ausgaben weiter Bevölkerungsschichten hervorrufen. So sind Wünsche nach einer Lohn- und Gehaltserhöhung verständlich und berechtigt. Entscheidend ist jedoch nicht die Höhe des Nominallohnes, sondern dessen Kaufkraft. Läßt diese durch steigende Preise nach, wird der Versuch unternommen, sie durch Lohnsteigerungen wettzumachen. Dabei kommt es aber darauf an, einen verhängnisvollen Wettlauf zwischen Löhnen und Preisen zu vermeiden, unter dem vor allem diejenigen zu leiden haben, die sich an dem Rennen nicht beteiligen können.
Da zwischen den Forderungen der Arbeitnehmer und den Zugeständnissen, die die Unternehmer machen wollten, vielfach keine freiwillige Einigung möglich war, ist es neben den Tarifkündigungen bereits zu verschiedenen Kampfmaßnahmen der Gewerkschaften und sogar zu einem vierzehntägigen Streik im Baugewerbe gekommen, der nur durch einen Schiedsspruch beendet werden konnte. In den Protestversammlungen der Arbeitnehmer werden Schilder mit dem bekannten Wort getragen: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“. Von den Gewerkschaften wird die Taktik verfolgt, innerhalb der einzelnen Industrien an besonderen Schwerpunkten eine Entscheidung zu erzwingen, die dann an diesem Erwerbszweig ausgeweitet wird und naturgemäß nicht ohne Wirkung auf andere Industrien bleibt.
Als wichtigstes Druckmittel gilt das Verbot von Ueberstunden. Es trifft die Unternehmungen heute besonders deswegen, weil sich in verschiedenen Industrien bereits ein empfindlicher Mangel an Facharbeitern bemerkbar macht. Da die Ueberstunden in vielen Großbetrieben fast ein Zehntel der normalen Arbeitszeit betragen, bedeutet ihr Verbot einen 10- prozentigen Produktionsausfall, der die Preise für die Erzeugnisse verteuern und den Reallohn der Käufer entsprechend senken muß.
Es ist anzuerkennen, daß die Gewerkschaften während der letzten Jahre in einer äußerst schwierigen Zeit sich in der Lohnpolitik verantwortungsbewußt eine große Zurückhaltung auferlegt haben. In den letzten Wochen nehmen sie eine andere Haltung ein, die durch die Preisentwicklung ausgelöst worden ist. Aber andererseits muß man feststellen, daß einige Gewerkschaften und manche ihrer Vertreter sich die Begründung ihrer Forderungen oft etwas leicht machen. Es ist sehr einfach, die Verantwortung für die Preisentwicklung der Bonner Regierung zuzuschieben, ihre Wirtschaftspolitik zu bekämpfen und eine Art Zwangswirtschaft zu verlangen. Die Verhältnisse liegen wesentlich komplizierter.
Bedrohte Ausfuhr-Chance
Man kann nicht, wie es vielfach geschieht, über die großen Sorgen der Export - Industrien leicht hinweggehen. Die deutschen Betriebe, die durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmern, Arbeitern und Angestellten sowie durch hervorragende Leistungen aller überraschend schnell wieder den Anschluß an den Weltmarkt gefunden haben, wollen die ihnen besonders jetzt gegebene große Chance im Interesse ihrer Unternehmungen, also auch der Arbeiter und Angestellten, ausnützen und damit zugleich für neue Arbeitsplätze sorgen. Wenn sie durch Streiks und durch das Verbot von Ueberstunden ihre Lieferfristen nach dem Ausland nicht einhalten können oder ihre gesamte Kalkulationsgrundlage durch eine allzu starke Lohnerhöhung erheblich gestört sehen, wird ihr Wettbewerb erschwert und vielleicht sogar unmöglich.
Die ungünstigen Rückwirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt sowie auf unsere Handels- und Zahlungsbilanz können nicht ausbleiben. Daß wir alle Anstrengungen machen müssen, um durch eine größere Ausfuhr vor allem hinsichtlich unserer Ernährung wieder auf eigene Füße zu kommen, ist inzwischen Allgemeingut geworden oder sollte es wenigstens sein. Es hat auch wenig Zweck, immer wieder auf die nicht zu bestreitenden Fehlinvestitionen in der Wirtschaft hinzuweisen. Schließlich haben auch diese Anlagen, die keineswegs verteidigt werden sollen, Arbeitsmöglichkeiten gegeben und eine noch stärkere Erwerbslosigkeit verhindert. Wo keine Fehler gemacht werden, geschieht auch nichts.
Politische Momente
Auch hier gilt ebenso wie in der Innen- und Außenpolitik die Forderung, weniger nach rückwärts und mehr nach vorn zu schauen. Die deutsche Wirtschaft, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, müssen gemeinsam versuchen, der bestehenden Schwierigkeiten Herr zu werden. Eine sachliche Beurteilung der gesamten Lage im Inland und im Ausland, gegenseitiges Vertrauen und ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesamtheit sind einige der wichtigsten Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit. Wir dürfen auch nicht vergessen, wie es noch vor zwei bis drei Jahren hinsichtlich unserer gesamten Versorgung in Deutschland aussah und in welchen internationalen Spannungen wir zur Zeit stehen. Die Gewerkschaften betonen immer wieder, daß dir jetzigen Lohnforderungen von keine politischen Beweggründen beeinflußt seien Aber man soll auch nicht übersehen, da Streiks, lohnpolitische und soziale Span nungen den Agenten Moskaus außerordentlich willkommen sind. Alle müssen darauf achten, die Lohn- und Preisschraube nicht zu überdrehen. Die Gesamtheit wie der Einzelne hätten davon nur Nachteile zu erwarten.
Graf von Schwerin
R. Bonn, 13. September. Die Bundesregierung hat den Lebenslauf des Grafen von Schwerin veröffentlicht, der zum Berater des Bundeskanzlers in „technischen Fragen der Sicherheit“ ernannt worden ist. Gerhard Graf von Schwerin wurde am 23. Juni 1899 in Hannover geboren. Sein Vater, Detlef Graf von Schwerin, war zu dieser Zeit Polizeipräsident in Hannover. Seine Mutter ist eine geborene von Puttkammer. Graf Schwerin trat mit fünfzehn Jahren, im Jahre 1914, in das Heer ein. Nach dem ersten Weltkrieg war er als Kaufmann tätig und reiste im Auftrag einer Erdölfirma nach Polen und Rumänien. 1923 trat er in die Reichswehr ein. Während seiner Dienstzeit wurde er für zwei Jahre zu einer Reise nach den Vereinigten Staaten beurlaubt. In den Generalstab des Heeres versetzt, arbeitete er wegen seiner Ausländserfahrungen in der Abteilung „Fremde Heere West“. Seine Spezialgebiete waren England und Amerika.
Graf Schwerin, der dem Kreis um den Generalobersten Beck angehörte, hatte verschiedentlich schwere Meinungsverschiedenheiten mit Hitler. Er verurteilte den nach seiner Meinung schädlichen Kurs der deutschen Außenpolitik gegenüber den Westmächten und wurde deshalb aus dem Generalstab entlassen.
Während des zweiten Weltkrieges hatte Graf Schwerin vor allem Frontkommandos in Frankreich, Afrika und Rußland. Zwei'Jahre lang war er Kommandeur der 116. Panzerdivision und am Ende des Krieges Kommandierender General des 76. Panzerkorps in Italien. Als Generalleutnant kam er in Gefangenschaft und blieb bis zum Jahre 1947 interniert. Der General ist jetzt Vertreter einer pharmazeutischen Firma. Er ist seit 1930 verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Grotewohl beauftragt Noack
Würzburg, 13. September, (dpa) Aus einem Schreiben des Ministerpräsidenten der Deutschen Demokratischen Republik, Grotewohl, an den Leiter des „Nauheimer Kreises“, Professor Noack, geht hervor, daß Noack seine Beziehungen zum Bundeskanzleramt dazu benutzen soll, die Aufhebung des Verbots der kommunistischen Presse in Westdeutschland zu erwirken.
Die Sportler protestieren
f. kr. Das von der Regierung von Rheinland-Pfalz zum „Schutz der Sonn- und Feiertage“ erlassene Verbot der Durchführung von Sportveranstaltungen an Sonntagvormittagen und bestimmten Feiertagen fängt an, sich in einer Art auszuwirken, an die die Verantwortlichen dieser Verordnung kaum gedacht haben werden. In den Kreisen des betroffenen Sports war man in den ersten Tagen ziemlich still. Die zu erwartende Reaktion macht sich jetzt aber bemerkbar. Es wird hier offen die Frage erhoben: War die Landesregierung eigentlich berechtigt, das Verbot zu erlassen oder war es nicht vielmehr Aufgabe des Landtages, hierüber einen Beschluß zu fassen? Darüber hinaus wird auch auf die im Bundesgesetz verankerte „persönliche Freiheit eines jeden einzelnen“ hingewiesen, die man hier angegriffen sieht.
Man ist in den Sportkreisen von Rheinland-Pfalz durchaus nicht extrem eingestellt und ist gewillt, mit Kirche und Staat Hand in Hand zu arbeiten. Nicht verstehen kann man es aber, nachdem kirchliche Kreise aller Konfessionen ein viel größeres Verständnis für den Sport zeigen als die Regierung, daß Regierungsstellen solche Beschlüsse fassen und daß dazu Vertreter des Sports überhaupt nicht gehört worden sind. Eine vom Ortskartell Neuhofen (Landkreis Ludwigshafen) einberufene Protestversammlung hat nun klar ausgesprochen, wie sich der Sport zu der Verordnung stellt. Der Vorsitzende des Sportverbandes Pfalz, Löffler ( Kaiserslautern), hat dort eindeutig Stellung gegen diese Regierungsmaßnahme genommen. Der Sport in Rheinland-Pfalz zähle bei 2,8 Millionen Einwohnern des Landes über 300 000 eingeschriebene Mitglieder, hinter denen über eine Million Einwohner des Landes als Anhänger stehen würden. Der Sprecher kündigte ferner an, daß von den Verbänden die Sportveranstaltungen auch weiterhin sonntags vormittags durchgeführt würden und erklärt dazu: „So viel Polizei gibt es in Rheinland-Pfalz und im Bundesgebiet gar nicht, um die Sportler von ihren Plätzen zu treiben“. Ein bekannter protestantischer Geistlicher gab in der Versammlung der Meinung Ausdruck, es müsse auf dem Verhandlungsweg gelingen, eine für beide Seiten befriedigende Lösung zu finden. Man darf hoffen, daß die Regierung
noch einmal überprüft, ob sie gut beraten war bei ihrem Beschluß. Die von den Sportlern angeführten Argumente sprechen eindeutig gegen das erlassene Verbot. Mit seiner Zurücknahme würden sich die Verantwortlichen mehr ehren als mit einem Beharren auf Beschlüssen, die in weitesten Kreisen viel Unruhe geschaffen haben.
Wie man hört, ist diese Angelegenheit aber auch für das Land Hessen von einer großen Bedeutung. Hier liegt zwar kein Regierungserlaß vor, aber in einzelnen Kreisen ist ein ähnliches Verbot von den Kreisbehörden ausgesprochen worden. Auch hier sollte man dieses Verbot noch einmal überprüfen.
Das hart umstrittene Gesetz
Regelung der Rechtsverhältnisse der verdrängten Beamten und der Berufssoldaten
R. Bonn, 13. September. Der nach und neben dem Lastenausgleich am meisten umstrittene Gesetzentwurf der Bundesregierung ist am Mittwoch mit seiner Einbringung im Bundestag in die Phase der parlamentarischen Behandlung eingetreten, das sogenannte „Gesetz nach dem Artikel 131 des Grundgesetzes“. Dieser Artikel bestimmt eine bundesgesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der seit dem Tage der Kapitulation „aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen“ ausgeschiedenen Angehörigen des öffentlichen Dienstes.
Nach sehr langen Debatten und mehrfachen Umarbeitungen glaubt die Vorlage der Regierung eine „gerechte Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Betroffenen“ durch folgende grundlegende Bestimmungen gefunden zu haben:
Die am Stichtag des 8. Mai 1945 über 65 Jahre alten Beamten mit mindestens zehnjähriger Dienstzeit oder infolge Krankheit, Verwundung oder im Dienst zugezogenen sonstigen Beschädigungen dienstunfähig gewordenen Beamten erhalten eine Pension, die an sich nach der Länge der Dienstzeit von 35 Prozent der ruhegehaltsfähigen Dienstbezüge bis auf 75 Prozent steigt, vorläufig aber nur bis zu den ersten 100 Mark voll, dann von mehr als 100 Mark bis 200 Mark zu zwei Dritteln, in dem 200 Mark übersteigenden Betrag zur Hälfte ausgezahlt wird. Eine höhere Auszahlungsquote kann alljährlich im Etat beschlossen werden.
Dabei werden Ernennungen und Beförderungen, die überwiegend wegen einer Verbindung zum Nationalsozialismus ausgesprochen worden sind, nicht berücksichtigt und grundsätzlich nur je nach der Dienstzeit eine oder zwei Beförderungen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 anerkannt. Die noch nicht 65 Jahre alten und noch dienstfähigen Beamten gelten als außer Dienst gestellt und erhalten bei mindestens zehnjähriger Dienstzeit vom 50. Lebensjahr ab bis zum Eintritt in den Ruhestand ein Unterhaltsgeld entsprechend des im Zeitpunkt ihrer Außerdienststellung erdienten Ruhegehaltes, das bis zu 100 Mark voll und von dem darüber hinausgehenden Betrag zu einem Viertel ausgezahlt wird. Auch hier können im Etat Zuschläge gewährt werden, die auch für Witwen- und Waisengeld gewährt werden.
Beamte, die als entlassen gelten, weil sie keine zehnjährige Dienstzeit haben, können einen Unterhaltsbeitrag erhalten, ebenso ihre Witwen und Waisen, was besonders für Kriegerwitwen und Kriegswaisen wichtig ist. Die Dauerangestellten' und Dauerarbeiter werden wie Beamte behandelt.
Die gleichen Regelungen gelten für Berufssoldaten, soweit sie vor dem 8. Mai 1935 erstmals berufsmäßig in den Wehrdienst eingetreten sind und am 8. Mai 1945 noch im Dienst oder vorher mit lebenslänglicher Versorgung entlassen worden waren. Dabei werden aber Berufsoffiziere mit einer Dienstzeit von weniger als zehn Jahren und Berufsunteroffiziere mit einer Dienstzeit von weniger als achtzehn Jahren als sogenannte Beamte auf Widerruf behandelt, die an sich mit dem 8. Mai 1945 als entlassen gelten, außer bei durch Krankheit oder Verwundung eingetretener Dienstunfähigkeit aber einen Unterhaltsbeitrag erhalten können.
Von großer Bedeutung ist die durch das Gesetz verkündete Pflicht aller Behörden, die außer Dienst gestellten Beamten oder entlassenen Beamten auf Widerruf dadurch unterzubringen, daß für sie ein Fünftel der gesamten Besoldungssumme und der Planstellen bestimmt wird. Bis zur Erfüllung dieser Verpflichtung muß ein Ausgleichsbetrag von den betreffenden Dienststellen bezahlt werden und bedarf jede Anstellung anderer Personen besonderer Zustimmung. Dabei sind die wiedereinzustellenden Beamten grundsätzlich in ein ihrer früheren Stellung gleichwertiges Amt einzusetzen, sind aber auch zur Uebernahme einer zumutbaren Beschäftigung als Angestellter oder Arbeiter verpflichtet.
Endlich bestimmt der Gesetzentwurf als „Gemeinschaftshilfe“ einen Gehaltsabzug von drei Prozent für die Angehörigen des öffentlichen Dienstes mit Versorgungsbezügen, da die Mittel des Bundes für die durch dieses Gesetz notwendigen Ausgaben nicht voll ausreichen.
Gute Aussichten für Neuyork
Bundeskanzler Adenauer zur Außenminister-Konferenz
Köln, 13. September. (AP.) Der „Deutschland-Union-Dienst“ veröffentlicht am Mittwoch ein Interview mit Bundeskanzler Dr. Adenauer. Darin erklärt der Bundeskanzler: Für die Konferenz der drei Außenminister in Neuyork bestehe die Möglichkeit, etwas Fundamentales und Wichtiges zu tun. „Die Chancen dieser Konferenz, die auch nach meiner Ueberzeugung auf Jahrzehnte hinaus bestimmend sein kann, sind groß. Ob aber diese Chancen richtig ausgenutzt werden?“
Deutschland habe seine Anträgfe zur Klarstellung der Sicherheitsnotwendigkeiten rechtzeitig zur Konferenz eingebracht. „Diese Anträge betreffen in erster Linie zuerst einmal die Reorganisation einer im Gebiet der Bundesrepublik vorhandenen, aber in jedem ihrer Länder nach ganz verschiedenen Systemen organisierten 70 000 bis 90 000 Mann starken Polizei, die zu einem wirklichen, zuverlässigen Sicherheitsinstrument erst gemacht werden muß. Es kann kaum die Rede von tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Bund und Ländern in einer so elementaren Lebensfrage sein. Allerdings gehört zu den Notwendigkeiten für die Festigung der deutschen Position auch die unbedingte Aufrechterhaltung des sozialen Friedens.“
Ruhige Fronten auf Korea
Die amerikanische Gegenoffensive soll bald beginnen
Pusan, 13. September. (AP./dpa/Reuter) Die Front der Truppen der Vereinten Nationen in Korea hat sich am Mittwoch weiter gefestigt. Die Lage im Kampfraum Taiku ist zwar noch etwas unübersichtlich, aber nicht mehr bedrohlich.
Im Dreieck Pohang- Kiongju-Yongschon gehen dreitausend Mann kommunistischer Truppen, die durch eine südkoreanische Angriffsbewegung eingekesselt waren, ihrer Vernichtung entgegen. An der Ostküste konnten verstoßende amerikanische und südkoreanische Verbände sich bis auf fünf Kilometer auf Pohang vorarbeiten.
An der Naktong-Front hat sich die Lage kaum verändert. Im Schutze der Dunkelheit setzten sich dort nordkoreanische Verbände zum Fluß ab.
Im Süden haben neuaufgestellte amerikanisch-südkoreanische Verbände dem Feind schwere Verluste zugefügt.
Der Oberbefehlshaber der 8. Armee, General Walker, vertritt die Auffassung, daß das Schlimmste vorüber sei. Der Feind habe zwar immer noch die Initiative. „Ich bin jetzt aber sicher, daß die amerikanischen Truppen halten können.“ Er kündigte an, daß bald mit der Gegenoffensive begonnen werde.
Der südkoreanische Botschafter in Washington hat erklärt, die Südkoreaner wollten sich nicht zufrieden geben, daß die nordkoreanischen Streitkräfte hinter den 38. Breitengrad zurückgetrieben würden. Korea werde auch eine Treuhänderschaft durch die Vereinten Nationen über das ganze Land ablehnen.
4,001 Milliarden
Die Last der Besatzungskosten
Bonn, 13. September (dpa) Die Bundesregierung hat dem Bundestag eine Denkschrift zugeleitet. Aus diesem Memorandum ist zu erkennen daß die westdeutsche Bundesrepublik im Haushaltsjahr 1950/51 4,6 Milliarden Mark Besatzungskosten aufbringen muß. Das Haushaltsjahr geht vom 1. April 1950 bis zum 31. März 1951.
Die Alliierten haben die deutschen Vorschläge zur Verringerung der Besatzungskosten im allgemeinen nicht akzeptiert. Die Bundesregierung war bei ihren Vorschlägen zur Verringerung vor allem davon ausgegangen, daß sich der ursprüngliche Zweck der Besatzung — Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung — inzwischen geändert habe. Die Besatzung sei ein Schutz für die Bundesrepublik geworden und daraus ergebe sich ein neues Urteil über die Besatzungslasten. Die Alliierten haben als Besatzungskosten für das laufende Rechnungsjahr Bundesmittel in Höhe von 4,001 Milliarden Mark angefordert.
Die Einsetzung eines gemischten Ausschusses zur Überprüfung der Besatzungslasten wurde von den Alliierten nicht genehmigt. Es wurden nur Gespräche über technische Probleme abgehalten. Dabei wurde von deutscher Seite eine feste Begrenzung des alliierten Haushaltes und eine Senkung der Besatzungskosten auf ein erträgliches Maß angestrebt.
Stimmen der Anderen
Eine entscheidende Etappe
Die Rückkehr General Marshalls auf einen wichtigen Posten der amerikanischen Staatsführung wird in der Schweizer Presse als ein Ereignis von weittragender Bedeutung dargestellt, das nicht zuletzt auch Amerikas Politik in Deutschland beeinflussen werde. Die Baseler „National-Zeitung“ faßt die vorherrschende Meinung in den Sätzen zusammen:
„Der Rücktritt des amerikanischen Verteidigungsministers Johnson bedeutet eine entscheidende Etappe im latenten Kesseltreiben gegen Außenminister Acheson und in der Kampagne der Republikanischen gegen die Demokratische Partei. Ob Johnson seine Fahne nun letzten Endes infolge der Frage der Anleihe an Spanien oder infolge der Vorwürfe in bezug auf das Unvorbereitetsein in Korea oder wegen der Differenzen in bezug auf die Bewaffnung Westdeutschlands gestrichen hat, so ist doch sicher, daß der von Truman gestützte Acheson die Runde gewonnen hat. Dies geht besonders aus der Ernennung General Marshalls zum neuen Verteidigungsminister hervor, dessen unbedingte Autorität und dessen kühne Taten als Generalstabschef des zweiten Weltkrieges und später als Außenminister für eine klare, entschlossene Handlungsweise auch als Verteidigungsminister bürgen dürften. Namentlich wird die Frage der Eingliederung Westdeutschlands in das westliche Verteidigungssystem nun einen neuen Aspekt erhalten, da Marshall dafür bekannt ist, eine solche Einbeziehung zu befürworten,“
Korgen heim Arbeitsamt
Dem „Deutschland - Union - Dienst“ wird aus der sowjetischen Zone berichtet:
„Die Dienstverpflichtungen für den Uranbergbau und Rekrutierungen für die Volkspolizei, die sich jetzt schon Volksarmee nennt, bereiten den Arbeitsämtern ernste Sorgen. Man muß schon in die Rubrik der Facharbeiter hineingreifen, wenn man das Kontingent für Uranbergbau und Polizei erfüllen will. Der Aufbau der Volksarmee geht unvermindert weiter. In den Lausitzer Garnisonen werden jetzt die ehemaligen Offiziersvillen geräumt und den russischen Instrukteuren der Volkspolizei zur Verfügung gestellt. Ueber Görlitz rollen nachts die Züge mit Panzern, besetzt mit mongolischen oder chinesischen Truppen, die seit einem Vierteljahr in Schlesien hinter Görlitz lagen. Man schätzt die Stärke des Truppenlagers Königsbrück auf etwa 75 000 Mann russischer Truppen. Ueberall herrscht rege Manövertätigkeit.
Ganz neu ist die Fabrikation von sogenannten Ber Handfesseln für immer zwei Personen. Eine Dresdner Firma hat sich geweigert, die Fabrikation zu übernehmen, daraufhin ist der Betriebsrat verhaftet worden, der Belegschaft wurden strenge Maßnahmen angedroht. Aehnlich erging es einer Schuhfabrik, die nur Militärstiefel herstellen sollte. Kriegsproduktion und Uranbergbau sind jetzt die Träger der Wirtschaft in der Sowjetzone.
Die private Wirtschaft hat einen schweren Stand und steht auf aussichtslosem Posten. Preisstrafen und Steuerstrafen werden in willkürlich hohem Maße verhängt, um die Privatwirtschaft finanziell zu schwächen, wenn nicht gar zu vernichten. Die Zuteilungen aus den Plan-Kontingenten, die noch 'm vergangenen Quartal 100 Prozent betrugen, belaufen sich heute nur noch auf 10 oder 2.(1 Prnzpnt “
Schacht Entlasteter
Lüneburg, 13. Sept. (AP.) Dr. Schacht ist am Mittwochnachmittag von.dem Entnazifizierungsausschuß Lüneburg als „Entlasteter“ in die Kategorie fünf eingestuft worden. Der öffentliche Kläger hatte Schacht als einen „wesentlichen Förderer des Nationalsozialismus“ bezeichnet und Kategorie drei beantragt. Die Kosten des Verfahrens von ungefähr 23 000,— Mark fallen der Staatskasse zur Last.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruck • Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg
11)
„Das trifft sich ja glücklich“, meinte" er dazu. „Sie trägt heute abend einen ganzen Kranz davon im Haar. Da —und er machte die Blume von seinem Aufschlag los und warf sie den beiden zu, bevor er sich zum Gehen wandte. „Ich wollte mich eigentlich nach Raynald erkundigen, Mademoiselle; er schien mir diesen Morgen nicht ganz wohl zu sein, und ich wollte gerne wissen, wie es ihm jetzt geht.“
„Er klagte beim Abendessen über Kälte, Herzog; ich brachte ihn deshalb selbst sofort zu Bett und adifefe darauf, daß er seine Medizin nahm. Ich glaube — sie zögerte, ehe sie in ihrem Bericht fortfuhr — „es wäre besser gewesen, wenn er heute nachmittag nicht mit ausgefahren wäre.“
„Selbstverständlich hätte er zu Hause bleiben sollen. Wie konnten Sie so etwas erlauben?“
Henriette sah ihm voll ins Gesicht, als sie antwortete: „Mademoiselle Maillard bestellte mir, dalT seine Mutter es so wünschte. Es steht mir nicht zu, der Herzogin zu widersprechen; aber ich machte sie darauf aufmerksam, daß er mit seinem Husten dem scharfen Wind besser nicht ausgesetzt würde.“
„Ich muß Sie bitlen, in Zukunft Ihren Wünschen energischer Ausdruck zu geben“, dröhnte er sie über den Tisch hinweg an. „Idi habe Ihnen die Verantwortung für meine Kinder überfragen und erwarte, daß Sie Ihre Autorität geltend machen.“
„Aber, Herzog, wenn die Mutter der Kinder — wenn die Herzogin anders bestimmt?“
„Ich werde mit meiner Frau darüber sprechen und ihr sagen, was ich Ihnen eben gesagt habe. Sie ist manchmal allzu impulsiv, und dann geht ihre Liebe zu den Kindern mit ihrer Vernunft durch. Ein mütterlicher Fehler, Sie verstehen?" Seine letzten Worte klangen so, als seien sie ihm erst gerade noch nachträglich eingefallen.
„Natürlich verstehe ich." Henriette setzte das Gespräch so unbefangen fort als handelte es sich um eine alltägliche Angelegenheit wie das Unterrichfspensum für den nächsten Tag oder eine neue Lampe für das Schulzimmer. „Ich werde mein Bestes tun, auch wenn meine Ansichten nicht immer mit Ihren oder denen Ihrer Gattin übe rein stimmen.“
„Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Kinder müssen stets vor irgendwelche Wünsche von uns Elfern gestellt werden. Ich werde auf jeden Fall die Anordnungen, die Sie treffen, immer gutheißen. Sollten Sie um einen Rat verlegen sein, wenden Sie sich bitte an mich, und wir werden zusammen um eine Lösung bemüht sein.“
Henriette verließ ihre Zöglinge und folgte ihm zur Tür.
„Und Mademoiselle Maillard?“ fragte sie. Sie hafte nicht die Absicht gehabt, die alte Gouvernante so bald schon zur Sprache zu bringen, aber es ließ sich nun einmal nicht vermeiden.
„Mademoiselle muß ein für allemal begreiflich gemacht werden, daß sie sich von nun an nach Ihren Anordnungen zu richten hat.“
„Ihr Vertrauen ehrt mich, aber Sie wissen wahrscheinlich nicht, daß Sie mich damit in eine sehr schwierige Lage bringen.“
„Und Sie fürchten sich, einer Schwierigkeit zu begegnen!“ In seinem Blick lag offene Herausforderung, als er s'ie jetzt mit zusammengezogenen Brauen ansah. „Ich gestehe, das überrascht mich/ „Ich sagte nur, eine schwierige Lage, und ich wiederhole das, Monsieur.“ Henriette ließ sich nicht einschüchtern und erwiderte seine Herausforderung kaltblütig. Zu spät bemerkte sie, daß sie es unwillkürlich unterlassen hatte, ihn mit seinem Titel anzureden; ihre Worte hatten dem Mann und nicht dem Aristokraten gegolten. Aber es schien ihm nicht aufgefallen zu sein, und sie fuhr fort: „Ich habe nicht gesagt, daß ich mich fürchte; das würde auch nicht der Wahrheit entsprechen. Aber Sie müssen selbst einsehen, daß die mir eingeräumte Autorität böses Blut machen wird/
„Bei wem? Bei Mademoiselle Maillard?"
Er hatte so geradezu gefragt, daß sie nicht umhin konnte, ebenso offen zu antworten.
„Jawohl, meine bloße Gegenwart ist ihr bereits ein Aerjernis; es kann ja auch nicht anders sein. Ich spreche nicht gern darüber, aber ich fühle mich in allem, was ich tue und beschließe, bebildert und angefeindet, und darunter müssen die Kinder natürlich leiden. Kein Haushalt kann zwei Erzieherinnen er- fragen, und ich würde es vorziehen, daß Sie und die Herzogin Ihre Wahl treffen.*’ „Aber von einer Wahl kann hier gar keine Rede sein, Mademoiselle, die ist ja schon längst getroffen. Ich bitte Sie nur, sich noch ein Weilchen gedulden zu wollen. Gehen Sie einfach Ihren Weg, ohne auf etwas zu hören, etwas zu sehen oder zu fühlen.“
„Das ist nicht gerade eine leicht zu erfüllende Bitte, wenn man nun einmal Augen, Ohren und Gefühle hat. Aber ich will es versuchen.“
„Alles andere überlassen Sie mir, dafür werde ich schon Sorge tragen; mein Wort darauf!“
„Ich danke Ihnen, Herzog. Bevor ich schlafen gehe, werde ich noch einmal nach Raynald sehen und mich verge .vissern, daß er ruhig liegt und warm zugedeckt ist. Morgen wird er schon wieder ganz in Ordnung sein, hoffe ich."
Ein dankbares Lächeln belohnte sie, und er war noch einmal zum Tisch gegangen, um sich von seinen beiden Töchtern mit einer Liebkosung zu verabschieden. Die Tür schloß sich hinter ihm, und das Schulzimmer schien plötzlich leer und still geworden zu sein. Nur das Ticken der Uhr und das Knistern des Feuers waren zu hören und der Wind, aer draußen in der Finsternis in den Kaminen rumorte. Unwillkürlich rückten Henriette und die beiden Mädchen enger am Tisch mit dem grünen Filzce'ag und den darauf verstreuen Büchern . usamme i. Auch die Gardenie lag dort unwahrscheinlich weiß und seidig schimmernd im Lampenschein, und ihr starker Duft erfüllte das Zimmer und umhüllte sie wie eine Wolke von Weihrauch, die ihre Sinne langsam betäubte.
„Also kehren wir wieder zur Geschichte des Rosenkriegs zurück.“
Henriette zwang sich und die beiden Mädchen, ihre Gedanken von neuem der unterbrochenen Aufgabe zuzuwenden. ■— „Sag mir, Louise, welcher englische König durfte in seinem Wagen zugleich die weiße Rose von York und die rote von Lancaster führen?“
Aber Louise gähnte nur, und auch Isabellas Aufmerksamkeit war nicht bei der Sache. Die verwirrende Vielfalt der englischen Königshäuser versank in ein Nichts vor der unvergleichlichen Pracht ihres Papas im Abendanzug und der Gardenie und der geheimnisvollen Welt der Oper.
„Sind Sie schon einmal in der Oper gewesen, Mademoiselle?’ fing Isabella an.
„Ja, mein Kind.“ Henriette fügte nicht hinzu, daß sie nur ein einziges Mal dort gewesen war und überdies auf dem billigsten Platz der Galerie gesessen hatte.
„Aber kommt, wir müssen erst den Abschnitt für morgen fertigmachen.'
„Ich kann das alles einfach nicht behalfen, was vor so langer Zeit geschehen ist, und noch dazu in England und nicht in Frankreich“, beklagte sich Isabella.
„Als ich einem kleinen englischen Mädchen deines Alters französische Geschieh e beibrachfe, hat es genau dasselbe gesagt“, antwortete Henriette lächelnd. _,,Es konnte auch nicht glauben, daß sich jemals irgend etwas Bemerkenswertes ereignet habe außer in seinem eigenen Land. Jetzt hör zu, ich werde es dir noch einmal erklären. Sprich mir den kleinen Vers nach:
Durch Heinrich den Siebenten kamen beide Rosen in eine Hand, indem er seine rote mit der weißen von seiner Frau verband.
„Siehst du, dann ist es ganz einfach, sich zu merken; der König hafte die rote Rose von Lancaster und die Königin die weiße von York im Wappen.“ (Fortsetzung folgt.)
Das Landtagswahlgesetz angenommen
Nur Kommunisten stimmten dagegen / Neuwahlen am 26. November
Wiesbaden, 13. September. (Eigener Bericht.) Die Verabschiedung des Landtagswahlgesetzes, die Beendigung der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes über die Sozialgemeinschaften, sowie die Vorlage des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1950/51, die Finanzminister Dr. Hilpert mit einer fast zweistündigen Etatrede einleitete, waren die drei Hauptpunkte der 86. Vollversammlung des Hessischen Landtags.
Der Haushaltsplan für das diesjährige Rechnungsjahr schließt im ordentlichen Haushalt in seinen Gesamteinnahmen mit 898 Millionen DM und in seinen Gesamtausgaben mit 942 Millionen DM ab und hat damit ein Defizit von 44 Millionen DM zu verzeichnen. Der außerordentliche Haushalt dagegen ist in Einnahmen und Ausgaben mit 136,6 Millionen DM ausgeglichen.
Bei seiner umfassenden Erläuterung des hessischen Staatsbudgets ging Finanzminister Dr. Hilpert von dem 116 -Millionen-Fehlbetrag des vergangenen Etatjahres aus, wobei er darauf hinwies, daß die Gründe für dieses große Defizit vor allem in dem starken Rückgang der Steuereinnahmen und in der nicht möglich gewesenen Veräußerung der Landeszentralbank-Anteile zu suchen seien. Weiterhin sei Hessen 1949 im Länderfinanzausgleich zu kurz gekommen.
Gegenüber dem vorjährigen Etat weist der Haushaltsplan für 1950/51 eine weitere — relative — Steigerung der Mehrausgaben um 88 Millionen DM auf. Dies führt Minister Dr. Hilpert auf die Zunahme des Personalaufwandes, auf die wesentliche Steigerung des Versorgungsetats, auf die erhöhten Leistungen des Staates an die Gemeinden um 8,3 Millionen DM und schließlich auf die Uebernahme von 35 Millionen DM an Haushaltsresten aus 1949 zurück. Trotz Streichung von über 300 Beamten- und Angestellten-Stellen ließ sich die Erhöhung der Personalausgaben nicht vermeiden, da die Beseitigung der sechsprozentigen Gehaltskürzung nunmehr voll zur Auswirkung kommt. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Versorgungsetat bezweifelt Dr. Hilpert, auf die Dauer die Grundsätze des Versorgungsrechtes beibehalten zu können.
Auf Grund der Erfahrungen des Vorjahres, in dem der außerordentliche Haushalt mit ordentlichen Mitteln gespeist worden war, ist man nunmehr dazu übergegangen, zunächst einmal den außerordentlichen Haushalt — als den produktiveren — sicherzustellen. 116 Millionen werden dabei aus effekttiven Mitteln aufgebracht, während die restlichen 20 Millionen auf dem Anleihewege beschafft werden.
Die Aussprache über die Etatvorlage, die auf die Nachmittagssitzung verlegt worden war, begann der sozialdemokratische Abgeordnete Lutz, nach dessen Auffassung bei personellen Ausgaben nichts mehr gekürzt werden dürfe. Im Gegenteil fordere seine Partei, daß die unteren Gehaltsgruppen IX und X für die öffentlichen Bediensteten gestrichen und diese Gehaltsempfänger mit einem Monatsverdienst von 190 bis 208 DM in die Gruppe VIII eingestuft werden. Ferner regte der Sprecher die Neubildung von Steuerausschüssen, die den Fahndungsbeamten beigegeben werden sollen, an. Zur Steigerung der Einnahmen sei auch die Neufestsetzung von Staatspachtverträgen angebracht.
„11 Vaterländer“ sind zu viel!
Nach Ansicht des FDP-Abgeordneten Landgrebe beweist das erneute Defizit im hessischen Staatshaushalt, daß in der Bundesrepublik die „elf Vaterländer nicht mehr aufrecht zu erhalten sind“. Das Beispiel des Südweststaates sollte auch auf den hessischen Raum angewandt werden. Die Vergrößerung Hessens durch Rheinhessen und die Gebiete um Montabaur sei in jedem Fall eine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit.
Landtagswahlgesetz ohne Aendorung
Endgültig verabschiedet wurde mit den Stmmen der Sozialdemokraten, Christlich-Demokraten und Freien Demokraten gegen die der Kommunisten das Landtagswahlgesetz, das nunmehr die Grundlage für die Neuwahl des Landtages am 26. Notvember bildet. Vor der Abstimmung war ein Antrag der FDP abgelehnt worden, der in einem zusätzlichen Paragraphen forderte, daß Beamte und Angestellte des hessischen Staates, die zu Abgeordneten gewählt wurden, vor Annahme ihrer Wahl sich von ihrem Dienst- oder Anstellungsverhältnis zu beurlauben hätten.
Das Sozialisierungsgesetz
Mit den Stimmen der SPD und KPD gegen die der FDP und bef Enthaltung der CDU wurde in zweiter Lesung der Gesetzentwurf über die Sozialgemeinschaften verabschiedet, mit dem sich nunmehr erneut der Wirtschaftspolitische Ausschuß befassen wird.
Wird ein Streik vermieden?
Neue Verhandlungen im hessischen Metallgewerbe
F. A. Z. Frankfurt, 13. September. Am Mittwoch hat die Industriegewerkschaft Metall in über siebenhundert Betrieben des Landes Hessen Urabstimmungen vorgenommen, die über die Frage des Streikbeschlusses entscheiden sollen. Wahlberechtigt sind nur diejenigen Belegschaftsmitglieder in den Betrieben, die mindestens 17 Jahre alt und drei Monate gewerkschaftlich organisiert sind. Lehrlinge dürfen nicht abstimmen. Ein Streik darf von der Gewerkschaft nur angeordnet werden, wenn sich mehr als 75 Prozent der abstimmungsberechtigten Gewerkschaftsmitglieder für den Streik entscheiden. Bei Redaktionsschluß lag das Abstimmungsergebnis noch nicht vor.
Wie wir vom Arbeitgeberverband der hessischen Metallindustrie erfahren, sind die Angestellten der metallverarbeitenden Betriebe zum größten Teil nicht gewerkschaftlich organisiert. Auch unter den Arbeitern befinden sich zahlreiche Nichtorganisierte, so daß sich die Frage ergibt, ob selbst bei einem rechtsgültigen Streikbeschluß, der nur von einem Teil der Betriebsmitglieder, nämlich den gewerkschaftlich organisierten, gefaßt wurde, der gesamte Betrieb mit allen Gefolgschaftsmitgliedern zur Niederlegung der Arbeit gezwungen ist.
Obwohl der Beschluß der Gewerkschaften, daß keine Überstunden mehr zu leisten seien, schon vor der Urabstimmung in allen metallverarbeitenden Betrieben Hessens ausgeführt wird, haben die Arbeitgeber bisher keine Konsequenzen aus dieser Haltung gezogen, die nach ihrer Ansicht bereits streikähnliche Auswirkungen hat. Die erneuten Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften haben am Mittwoch in Frankfurt begonnen und dauern zur Zeit noch an. Sowohl in Gewerkschaftskreisen als auch in Arbeitgeberkreisen wurde die Lage am Mittwochnachmittag wesentlich ruhiger beurteilt als an den Vortagen. Auf beiden Seiten besteht nunmehr Hoffnung, daß der Lohnstreit noch beigelegt werden kann, ohne daß es zu einer Arbeitsniederlegung mit all ihren schwerwiegenden Folgen kommt.
Anteil an den Landessteuern gefordert
Außerordentliche Tagung des Hessischen Gemeindetages
Der Gemeindetag war am Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung in Bad Vilbel zusammengekommen, an der Vertreter von 170 kreisangehörigen Städten und von 2400 kreisanghörigen Gemeinden des Landes Hessen teilnahmen: Als einziger Punkt der Tagesordnung stand die Reform der hessischen Gemeindeordnung zur Debatte, die noch vor Auflösung des Landtages im November 1950 verabschiedet werden soll. Professor Dr. Dr. Becker, der Rektor der Hochschulen für Verwaltungswissenschaften in Speyer, analysierte in einem fast dreistündigen Referat die 164 Paragraphen der neuen hessischen Gemeindeordnung, die nach den Worten Dr. Beckers richtungweisend für alle Länder des Bundesgebietes sein könne. Im Anschluß daran faßte der Hessische Gemeindetag eine Entschließung zu dem Entwurf der Gemeindeordnung, in der unter anderem gefordert wird, daß die Schaffung einer solchen Gemeindeordnung allein nicht ausreiche, um eine wirkliche Gemeindefreiheit herzustellen. Vielmehr müsse auch eine Neuordnung des Kreisverfassungsrechtes und ein Landesverwaltüngsgesetz angestrebt werden. Darüber hinaus müßten die Gemeinden in Zukunft feste Anteile an der Einkommens- und Körperschaftssteuer erhalten.
Die Wahlzeit der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Bürgermeister Sollte mindestens sechs Jahre betragen. Die Wahlzeit der Gemeindevertretung müßte auf vier Jahre festgelegt werden. Kleinere Gemeinden sollten die Wahl nur zwischen der unechten Magistratsverfassung und der Bürgermeisterverfassung haben. Die süddeutsche Gemeinderatsverfassung (Einkörpersystem) wird vom Gemeindetag abgelehnt, da sie den anerkannten Grundsätzen der Gewaltenteilung und Funktionentrennung widerspricht und Beschluß und Ausführung in einer Hand vereinige. Ferner begrüßt der Gemeindetag die Urwahl der ehrenamtlichen Bürgermeister durch die gesamte Bürgerschaft, wie dies im Gesetzentwurf verankert ist.
Auch die Waffen-SS
Der Bundespressechef wird berichtigt R. Bonn, 13. September. (Eigener Bericht.) Arbeitsminister Storch hat im Bundestag erklärt, daß, entgegen anders lautenden Meldungen, die Angehörigen der Waffen-SS, vor allem die ihr nicht freiwillig beigetreten seien, nicht von den Versorgungsbestimmungen des Bundesversorgungsgesetzes ausgeschlossen würden. Darauf wurde von verschiedenen Seiten des Hauses dem Minister zugerufen, daß doch die Bundespressestelle besser informiert werden solle, da der Bundespressechef selbst der Presse einen Ausschluß der Waffen-SS mitgeteilt habe. Der Minister erwiderte, der Bundespressechef habe leider versäumt, eine telefonische Rückfrage zu diesem Thema an sein Ministerium zu richten.
Wegen Mißhandlung von kriegsgefan¬ genen Kameraden ist der ehemalige Sanitätsfeldwebel Ernst Hager aus Neuß am Mittwoch vom Düsseldorfer Landgericht zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden.
Wirtschaftsblatt
Bocksprung der Fleischpreise
v. G. Eine Preisgruppe fiel bei der allgemeinen Entwicklung im Juli ganz aus der Reihe und tanzt auch heute noch, allen Berechnungen der Fachleute zum zum Trotz, auf beachtlicher Höhe. Die Schweinepreise machten in der vergangenen Woche nach einem Ansatz zur Beruhigung noch einmal einen kräftigen Sprung nach oben und erreichten damit die Grenze an der seinerzeit der schwarze Markt das Zepter dem regulären zurückgab. Erst in dieser Woche wurde ein merklicher Rückgang verzeichnet. Weder der Verbraucher, noch auch der Bauer ist mit diesen Bocksprüngen einverstanden, Als im Frühjahr die Sättigung des Fleischbedarfs erreicht wurde, standen monatlich hunderttausend Tonnen zur Verfügung. Im April waren es 98 000 Tonnen, im Mai traten bei 120 000 Tonnen Absatzschwierigkeiten auf. Der saisonmäßig verringerte Juni-Auftrieb befriedigte mit 112 000 Tonnen vollauf den Bedarf. Im Juli aber reichten 113 000 Tonnen angesichts der Korea-Psychose nicht aus, um die Nachfrage voll zu decken. Daß aber auch im August bei etwa 120 000 Tonnen trotz einiger Ansätze eine Preisberuhigung nicht eintrat, kann nicht mehr durch Hamsterkäufe allein erklärt werden. Die Entwicklung der Einfuhren im gleichen Zeitraum von 9200 Tonnen im April über 16 000 im Juni, 19 200 im Juli und über 20 000 im August, zeigt, daß die Bundesregierung bemüht war, die steigende Nachfrage zu befriedigen.
Trotzdem blieben die Schweinepreise auf beachtlicher Höhe. Sie zogen sogar das Rindfleisch mit. Das läßt sich nur durch eins erklären: die gestiegene Kaufkraft. Diese nicht zu übersehende Nachfragesteigerung, die durch die Koreakrise beschleunigt wurde, muß durch höhere Auftriebe erst wieder eingeholt werden, ein Prozeß, der für Ende September erwartet wird und der jetzt anscheinend beginnt. Allerdings ist zu bedenken, daß durch die Preissteigerungen für Futtermittel auf dem Weltmarkt auch die Gestehungskosten für Schweinefleisch in die Höhe gegangen sind. Eine Lehre kann man aus diesen Vorgängen auf dem Markt ziehen: Der Verbraucher sollte seine Hoffnungen, der Erzeuger seine Furcht vor dem Weltmarkt auf das richtige Maß zurückstecken. Kein Augenblick könnte günstiger sein zur Verwirklichung eines größeren Wirtschaftsraumes, als der jetzige. Das wird auch die Straßburger Tagung des Europäischen Landwirtschaftsverbandes Ende September feststellen können.
Gegen ,„Prämienzucker“
Neuwied, 13. 9. (vwd.) Gegen die von der Landwirtschaft geforderte Wiedereinführung des sogenannten Saisonzuschlags für Butter wandte sich der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des deutschen Lebensmitteleinzelhandels, Dr. Moje. Die Landwirtschaft könne mit dem infolge der Produktionssteigerung erhöhten Gesamtbarerlös zur Zeit zufrieden sein. An die Zuckerindustrie richtet der Einzelhandelsverband die Bitte, nicht in einem das frühere Verhältnis übersteigenden Maße zur Herstellung des sogenannten Sortenzuckers überzugehen. Der Handel habe festgestellt, daß der teure Würfel- und Staubzucker einen relativ größeren Anteil an den Verbrauchszuckerlieferungen habe als früher. Der Einzelhandel habe kein Verständnis dafür, daß bei der schwierigen Zuckerversorgung an die Landwirtschaft der „Prämienzucker“ ausgeliefert werden soll. ’Es wäre vernünftiger gewesen, diesen Rücklieferungszucker auszugeben, wenn die Zuckerversorgung sich wieder normalisiert habe.
Wohnungswirtschaft unter der Glasglocke
Zentralverband der Hausbesitzer fordert Angleichung der Altbau-Mieten
Gz. Auf der die Jahrestagung des Zentralverbandes der Haus- und Grundbesitzer einleitenden Pressekonferenz in Wiesbaden setzte sich der Präsident des Verbandes, Oberbürgermeister a. D. Dr. Handschumacher, nachdrücklich für die Wiederherstellung der Rentabilität des Hausbesitzes ein. Es könne auch im Wohnungssektor nicht befriedigend gewirtschaftet werden, so erklärte Handschumacher, wenn Einnahmen und Ausgaben nicht in Einklang miteinander stünden. Mehr denn je komme es heute darauf an, das Eigentum zu erhalten und einer möglichst großen Schicht der Bevölkerung zu privatem Eigentum zu verhelfen. Eine Enteignung von Grundbesitz würde vom Ztr.-Vbd. im Grundsatz nicht abgelehnt, aber es müsse im Einzelfalle eine gerechte Entschädigung gefordert werden. Der Pressereferent desVerbandes.Dr. Schmidt-Hoepke, wies darauf hin, daß die deutsche Wirtschaft nicht gesunden könne, solange ein wichtiges Glied wie die Wohnungswirtschaft krank sei und dauernd unter einer Glasglocke gehalten würde. Auch hier müßten die Gesetze der sozialen Marktwirtschaft wieder hergestellt werden. Es habe sich im Laufe der Jahre des Preisstopps eine Art Mietermentalität herausgebildet, auf Grund der die Mieter den Anspruch erhöben, billig wohnen zu können. Das derzeitige System der Stoppreise sei deshalb unsozial, weil ein großer Teil der Einkommensbezieher, die das Glück hätten, in Altwohnungen zu wohnen, einen ihrem Einkommen entsprechend viel zu geringen Anteil für Miete aufzuwenden hätten im Gegensatz zu solchen Mietern, die in neugebaute Wohnungen ziehen müßten. Der Staat müsse, wenn er an seinen bisherigen Prinzipien festhalte, wenigstens für die zahlreichen Mietrückstände aufkommen und nicht diese Last zusätzlich dem Hausbesitz aufbürden. Während es dem Hausbesitzer nicht erlaubt sei, seine Miete den gestiegenen Gestehungskosten anzugleichen, würden die Mieter teilweise dazu übergehen, ihre Untermieter durch sehr hohe Mieten auszubeuten. Schon seit Jahren würde immer wieder mit der Mietangleichung gewartet. Das mindeste, was der private Hausbesitz fordern müsse, sei eine großzügige Instandsetzungsaktion, um den Althausbesitz nicht dem Verfall zu überlassen.
In der Diskussion wurde seitens des Zentralverbandes darauf hingewiesen, daß der private Hausbesitz keineswegs die Existenzberechtigung der Gemeinnützigen Wohnungsbau-Genossenschaften ableugnen wolle. Diese dürften jedoch nicht bei der Verteilung der öffentlichen Mittel zu Lasten des privaten Haus- und Grundbesitzes, wie es beispielsweise in Bremen und Frankfurt geschehen sei, bevorzugt werden.
Gewerkschaften gegen das neue Gesetz Nr. 35
Goldpreis bleibt unverändert
Paris, 13. September, (vwd.) Das Ergebnis der Tagung des internationalen Währungsfonds (IWF) war der Beschluß, den amtlichen Goldpreis von 35 Dollar je Feinunze unverändert beizubehalten.
Gesetzentwurf zur Ufa-Entflechtung
Bonn, 13. 9. (zr.) Im Bundeswirtschaftsministerium wurde ein Gesetzentwurf über die Entflechtung des Ufa-Vermögens ausgestattet, der dem Bundesfinanzministerium zur Stellungnahme zugeleitet wurde. Im Wirtschaftsministerium wird die Ansicht vertreten, daß die Oberkommission gegebenenfalls bereit sei, den deutschen Stellen die Ufa-Entflechtung zu überlassen, falls ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt würde.
Gegen Konjunkturgewinne
Die in der Arbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels im Land Hessen zusammengefaßten Unternehmen sind gewillt, eine Erhöhung der Konsumgüterpreise in ihren Geschäften zu verhindern. Sie lehnen es ab, aus der durch die gestiegene Nachfrage geschaffenen Marktlage Konjunkturgewinne zu erzielen und werden statt dessen durch Rationalisierung und Einsparung bei anderen Kosten und —im Bewußtsein ihrer wirtschafts- und sozialpolitischen Verantwortung — auch durch Verringerung der Kalkulationsspanne Preiserhöhungen der Vorlieferanten aufzufangen versuchen. Sie erwarten dabei, daß ihre Bemühungen von allen Vorstufen der Industrie und des Handels unterstützt werden, und daß auch diese im gleichen Interesse, die Marktwirtschaft zu erhalten, alles tun, um die Stabilität der Preise wieder herzustellen, soweit eine Preisunruhe eingetreten ist. Im übrigen appelliert die Arbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe auch an die Verbraucher, gerade jetzt bei allen Einkäufen äußerst kritisch zu sein, insbesondere Warenangebote auf Qualität und Preis weiterhin sorgfältig zu prüfen und dadurch zur Erhaltung des freien Wettbewerbs, der letzten Endes in seiner Zielsetzung einer geordneten und bestmöglichen Marktversorgung im Interesse des Verbrauchers liegt, beizutragen.
Hierzu gehört aber auch, daß die Verbraucher durch Verzicht auf unbesonnene Vorratskäufe kein künstliches Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Konsumgütermarkt verursachen, wobei darauf hingewiesen wird, daß die bei Handel und Industrie vorhandenen Vorräte für den normalen Bedarf der Bevölkerung mehr als ausreichend sind.
Kurz gemeldet
Alle Zahlungsverpflichtungen nach dem Ausland von im Bundesgebiet ansässigen Personen müssen bei den Landeszentralbanken angemeldet werden.
Eine Regelung der LadensehlUnzeiten sei nur auf Bundesebene durchzuführen, erklärt die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherung von Rheinland-Pfalz.
Alle Lohnvereinbarungen hat die Gewerkschaft Leder in Rheinland-Pfalz gekündigt. Es wird eine zehnprozentige Lohnerhöhung gefordert.
Vor einem Metallarbeiterstreik warnt Direktor Grabowski von den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar. Die außerhessischen Betriebe bemühten sich gegenwärtig, ihre Produktion weiter zu erhöhen. Auch Frankreich wolle seinen Gießereiexport in die Bundesrepublik verdreifachen. Bei einem Streik verlören die hessischen Werke ihre Kunden.
19 Millionen Mark für Brücken- und Straßenbauten hat der Haushaltsausschuß des Bundestages bewilligt.
Ankündigungen über Preissenkungen der Bundesbahn werden von der Bundesbahnhauptverwaltung in Offenbach als den Tatsachen vorauseilend bezeichnet.
Die vorjährige Kraftwagenproduktion wurde in den ersten acht Monaten 1950 mit 181 630 Kraftwagen und Straßenzugmaschinen um 11 Prozent überschritten.
Die Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr, will in den nächsten Tagen bei allen Wasserstraßendirektionen und beim Bundesschleppdienst eine Urabstimmung über Lohn- und Gehaltsfragen durchführen.
Ein hanseatischer Sparkassenverband mit Sitz in Hamburg wurde gegründet.
Die Gemeinnützige Wohnungsgesell¬ schaft des Hessischen Handwerks AG in Frankfurt schlägt der HV (21. 9.) Erhöhung des Kapitals um 150 000 DM auf 450 000 DM vor.
Auslandsnachfrage nach Zement nahm im August weiter zu.
Die Schorch-Werke in Rheydt schlagen der HV (3. 10.) 6 Prozent Dividende für das 18 Monate umfassende Geschäftsjahr vor. Geschäftsgang und Auftragseingang befriedigen.
Fahrtkosten und Übernachtungsspesen für Geschäftsreisen werden nur noch gegen Beleg oder Rechnung von den Finanzämtern berücksichtigt. Bei Einkünften bis 6000 DM können 8 DM täglich, bis 12 000 DM 12 DM und über 12 000 DM 16 DM steuerlich abgesetzt werden.
Einen Plan, der einen Mindestpreis für Wolle festsetzt, haben Australien, Neuseeland und Südafrika ausgearbeitet.
Einen Hopfenmindestpreis von 714,85 DM für einen Zentner für Exporte hat das Bundeswirtschaftsministerium festgesetzt.
Der zweite deutsche Uhrmachertag nach dem Kriege findet vom 8. bis 11. Oktober in Frankfurt statt.
Auf der Musikalienmesse in Boppard wurden überraschend hohe Abschlüsse getätigt. Verschiedene Hersteller sind bis Weihnachten ausverkauft.
Feste Tendenz
F. A. Z. Die Frankfurter Börse reagierte am Mittwoch nach Bekanntwerden des Vorschlages, daß der ehemalige Außenminister Marshall neuer Verteidigungsminister in den Vereinigten Staaten werden soll, recht positiv. Die freundliche Grundhaltung der letzten Tage verstärkte sich zu einer an allen Märkten festen Tendenz.
Freie Devisenkurse
Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 13. 9. 50 der US-Dollar mit 5,30 bis 5,70 DM, das engl. Pfund mit 12,50—13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,20—1,30 DM, der holl. Gulden mit 1,20—1,35 DM, die dänische Krone mit 0,52—0,56 DM, die schwedische Krone mit 0,75—0,80 DM.
Berliner DM-Wechselkurs
F. A. Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 13. 9. 50 für eine DM-West 4,80 Ostmark gezahlt und für 5 Ostmark ejne DM-West geboten.
sp. Die Hoffmann's Stärkefabriken AG, Bad Salzuflen, legt ihrer Hauptversammlung am 28. 9. 1950 die DM-Eröffnungsbilanz und die Jahresabschlüsse für die Zeit vom 21. 6. bis 21. 12. 48 und für das Geschäftsjahr 1949 vor. Wie wir bereits berichteten, wird vorgeschlagen, das Aktienkapital von 4 Millionen RM im Verhältnis 1:1 umzustellen und Gesamtrücklagen von 4,0 Millionen ( RM-Schlußbilanz 1,2 Millionen RM) zu bilden. Der Gewinn des DM-Rumpfgeschäftsjahres 1948 von 0,19 Millionen DM soll auf neue Rechnung vorgetragen werden; aus dem Gewinn des Geschäftsjahres 1949 von insgesamt 0,59 Millionen DM wird vorgeschlagen, eine Dividende von 6 Prozent auf Vorzugsaktien für das Geschäftsjahr 1948, 6 Prozent Dividende auf Vorzugsaktien für das Geschäftsjahr 1949 und 6 Prozent Dividende auf die Stammaktien zu verteilen. Der Restbetrag von 0,3 Millionen DM wird auf neue Rechnung vorgetragen.
| Internationale Warenpreise | Chicago (Mittelkurse. Cents | per bushel) Weizen per Sept. | 11. 9. | 12, 9. |
| Mals, per Sept | 223,13 | 222,88 | ||
| Hafer, per Sept | 154,88 | 155,13 | ||
| Schweine, schwere (höchster | 81,50 | 81,— | ||
| Preis per Ib.) | 23,75 | 23,50 | ||
| Schmalz, loco | 14,75 B | 14,50 B | ||
| New York (Cents per 1b.)... | ||||
| Zucker Nr. 4 per Jan ... | 5,50 N | 5,51 N | ||
| Kaffee „D" per Sept | 54,30 N | 54,50 N | ||
| Kakao Accra loco . | 42 12 N | 42,75 N | ||
| Kakao Bahia, loco ... | 40,87 N | 41,62 N | ||
| Häute, per Sept. | 28,71 | 28,85 | ||
| Baumwolle, loco | 41,72 | 41,33 | ||
| Baumwolle per Okt. 50 .... | 40,95 | 40,48 | ||
| Baumwolle per Dez. 50 | 40,97 | 40.61 | ||
| Baumwolle per Dez. 51 | 35,52 | 55.10 | ||
| Baumwollsaatöl per Sept.... | 22,20 | 21,80 | ||
| Kammzüge, loco | 302,—N | 299,—N | ||
| Kautschuk loco . | 54,— N | 56,—N | ||
| Kautschuk per Sept. 50 | 57 — | 55,50 B | ||
| Kautschuk per Dez. 50 | 50,60 G | 49,50 | ||
| Kautschuk per Mai 51 | 46,60 N | 45,40 N | ||
| Kupier, Weitexport, fas. ... | 24,50 | 24,50 | ||
| Blei, gewöhnlich | 16,— | 16,— | ||
| Zink, East St Louis | 17,50 | 17,50 | ||
| Zinn straits | 100,5 N | 101,5 N | ||
| London, Zinn, Settlement | 792,— | 786,— | ||
| Kautschuk, loco | 46,5 G/47,5 B | 47,—N | ||
| (pence per Ib.) | Alexandria, Baumwolle, Tully | good (tallaris per cantar) | 99,25 | 99,25 |
| Karnak.......... | 113,85 | 113,85 | ||
| Zagora | 97,25 | 97,25 | ||
| Giza | 100,25 | 100,25 |
Neuse Filme in Darmstadt
DER ABEND NACH DER OPER Ein Mann flieht vor seiner eigenen Vergangenheit. Als er nach langer Zeit zurückkehrt, bringt er eine Frau mit, die er unterwegs heiratete, die aber nicht weiß, daß ihr Gatte seine erste Frau ermordete. Ein Erpresser macht sich dieses Geheimnis zunutze, um diese Frau für sich zu gewinnen. Größer aber als die Entdeckung der furchtbaren Vergangenheit ihres Mannes ist die Liebe der Frau zu ihm, und nur gefestigter geht die Ehe aus den Spannungen hervor. In den Hauptrollen: Siegfried Breuer, Gusti Huber. (Im Union.) Foto: Viktoria-Film
IM ZEICHEN DES KREUZES Es beginnt mit dem Brande Roms, den Kaiser Nero anlegen ließ, die Brandstiftung aber den Christen zuschiebt, die er ihres Glaubens wegen verfolgt. Der Präfekt von Rom, der die christliche Lehre ausrotten soll, steht zwischen Pflicht und Liebe. Es gibt keinen Kompromiß, und so erleidet er zusammen mit Marcia, die ihn zu ihrem Glauben bekehren konnte, den Tod der ersten Christen in der Arena. In den Hauptrollen: Charles Laughton, Claudette Colbert, Fredric March, Elissa Landi. (Im Hansa.) Foto: Paramount
DIE LUGE Drei Männer starten zu einer Ballonfahrt, die der Strahlenforschung dient. Während dieser Fahrt stürzt Harry Altenberger aus der Gondel. Er wird schwerverletzt geborgen, und es verdichtet sich das Gerücht eines Mordversuchs. Wenn Thomas Altenberger, auf den sich der Verdacht richtet, dem mit dem Tode Ringenden eine doppelte Dosis der rettenden Medizin gibt, dann ist er den einzigen Zeugen jener unheilvollen Fahrt los. In den Hauptrollen: Ewald Balser, Will Quadflieg, Cornell Borchers, Sybille Schmitz. (Im Thalia.) Foto: National-Film
„Ich fange von vorne an!“
Wiedersehen mit Magda Schneider in Geiselgasteig
Magda Schneider dreht ihren ersten Nachkriegsfllm in Geiselgasteig — hörten wir und machten uns auf zu einem Besuch. Es liegt ein bestimmter Reiz in solchen Wiederbegegnungen. Wir sahen so manchen „Filmstern“ aufgehen. Für den deutschen Nachkriegsfllm ist es eine Existenzfrage, wie er die bewährten darstellerischen Kräfte einsetzt, bis ihm neue Nachwuchskräfte in genügendem Maße zugewachsen sind. Umgekehrt ist es natürlich auch für die Künstler eine Lebensfrage, welche Chancen ihnen der heutige deutsche Film bietet, wie Verleih und Produktion mit den Pfunden ihres über die Nachkriegszeit hinübergeretteten Beliebtheits-Kredits beim Publikum wuchern. Es kommt dabei vor allem auch auf die Erkenntnis aller Beteiligten an, daß Kriegs- und Nachkriegsjahre mit den Verhältnissen auch die Menschen innerlich und äußerlich von Grund auf gewandelt haben. Ob und inwieweit sich dessen insbesondere die Filmkünstlerinnen und -künstlet, die bisher vornehmlich in Liebhaberrollen hervorgetreten waren, besinnen, wird in den meisten Fällen ausschlaggebend für ihre künstlerische Entwicklung und ihre Bedeutung für den Film der Gegenwart und Zukunft sein.
Äußerlich ist Magda Schneider fast dieselbe geblieben. Genau so natürlich-ungekünstelt im Wesen, hat sie sich noch ihr frisches Lachen bewahrt, und ihre Erscheinung wirkt elastisch, jugendfrisch, fast wie früher. Nur um die Augen und um den Mund findet der aufmerksame Beobachter ernstere Züge als Zeichen größerer Erfahrung und Reife.
„gissen Sie“, beginnt die Unterhaltung in einer Drehpause zu dem neuen Apollo-Film der Union „Die Sterne lügen nicht“, „wie ich mir vorkomme? Wie ein Fisch, der wieder in sein Element, das Wasser, zurückgeworfen wurde. Wieder Atelierstaub und Kulissengeruch, Scheinwerferlicht und die Zauberformel,Achtung, Aufnahme!1 — es ist nach so langer Zeit eine Art Heimkehr.“ Der Glanz der ausdrucksvollen braunen Augen spiegelt die große, ehrliche Freude eines Menschen, der zu einer alten Liebe zurückgefunden hat. „Warum so spät, Frau Schneider?“ fragen wir. „Sie haben in den letzten Jahren verschiedene Gastspielreisen unternommen, haben Sechstagerennen und Fußballspiele gestartet, Ihr Publikum hat Ihnen begeistert Beifall gespendet und im übrigen auf Ihren ersten Nachkriegsfllm gewartet . .
„Weil ich kein passendes Drehbuch fand. Etwa sieben Filmangebote mußte ich abschlagen, schweren Herzens, denn die Autoren und Produzenten sahen eine andere Magda Schneider, als ich sie heute sehe. Sie wollten die scharmante, leicht oberflächliche Liebhaberin von ehedem, die Magda Schneider aus ,Winternachtstraum', ,Geschichten aus dem Wiener Wald' oder wie sie alle hießen. Vielleicht sah man nur den beim Publikum noch beliebten und in gewissem Kurs stehenden Namen und wollte die Rolle mit ihr besetzen, weil man auf den zu erwartenden Kassenrapport schielte. Es war wirklich eine harte Zeit für mich, untätig warten zu müssen, aus freiwilligem Entschluß. Hinzu kam noch manche persönliche Enttäuschung.“
„Und welche Magda Schneider sehen Sie, gnädige Frau?“ werfen wir ein. „Nicht mehr die ,Katz im Sack' oder die aus dem überwiegenden Teil der gut 50 Filme, die ich bisher gedreht habe. Erinnern Sie sich noch an ,Liebelei', .Frauenliebe - Frauenleid', .Vergißmeinnicht' oder .Frau am Scheidewege'? Sehen Sie, diese schon damals erkennbare ernsthaftere Magda Schneider, die ja inzwischen auch ein wenig älter geworden ist, wie wir alle, und auch ein bisserl reifer. Man kann nicht einfach weitermachen, wo man vor Jahren, im Krieg, aufgehört hat. Das ist vielleicht der Fehler bei vielen Filmen und Filmleuten heutzutage, daß sie das nicht merken wollen. Ich möchte also die damals noch zaghaft skizzierte Linie der ernsthafteren, tiefer, menschlich echter angelegten Rolle fortsetzen, mit meiner heutigen Erkenntnis lebensnahe Charaktere spielen. Das müssen beileibe nicht immer dramatische Rollen sein, aber zeit- und wirklichkeitsnahe, nicht papierne Menschen. Hier, in diesem Film, hoffe ich den Übergang zu der erwähnten Linie zu finden. Ich will kein .Come-back' feiern, sondern ganz von vorne anfangen.“ A. v. Karner
Hollywoodstar soll Majestät werden
Wird Yvonne de Carlo Kaiserin von Iran?
Das Leben scheint immerfort Märchen zu schreiben: Kaum hat man sich ein wenig über die Sensation um Rita Hayworth und die Liebesromanze von Ingrid Bergman beruhigt, da wartet ein dritter Hollywoodstar mit einer Ueberraschung auf, die alles Vorangegangene zu übertreffen scheint: Yvonne de Carlo und der Kaiser von Iran lieben sich! Und seine Majestät der Schah-in-Schah dringen darauf, daß die schöne Yvonne nach Teheran kommt — vielleicht für immer.
Wie kam dieses Märchen aus Tausendundeiner Nacht zustande? Daß der junge und vortrefflich aussehende Kaiser von Iran seit 1948 auf Freiersfüßen geht, ist kein Geheimnis. Damals lösten er und sein Schwager, König Faruk von Aegypten, an einem Tage ihre Ehen auf und gaben sich beiderseitig ihre Schwestern wieder zurück — ein Ereignis, das auch im Orient noch nie dagewesen war. Die bildschöne Kaiserin Fawzia kehrte zu ihrem Lieblingsbruder König Faruk heim und fand bald ein neues Glück. Schah Mohamed aber reiste nach Europa und traf in Cannes mit Rita Hayworth zusammen — im gleichen Augenblick, als Prinz Ali um sie warb. Die frisch geschiedene Frau Welles gab dem Kaiser einen Korb — eine Ehe mit Ali schien ihr wertvoller als ein Flirt mit Mohamed. Nun, ein Kaiser weiß sich zu trösten, und als Seine Majestät vor noch nicht allzulanger Zeit bei Präsident Truman zu einem offiziellen Staatsbesuch weilte, begleitete ihn inoffiziell, aber keineswegs unbemerkt, die 22jährige amerikanische Studentin Ruth Joyce.
Bis Yvonne de Carlo und der Kaiser sich auf einem Kostümfest von Lana Turner begegneten. Vergessen war Ruth Joyce, Seine Majestät sahen nur noch Yvonne, und eine der romantischsten Liebesgeschichten unseres so unromantischen Jahrhunderts hatte begonnen.
Wer ist diese Yvonne de Carlo denn eigentlich, die in Hollywood zu den bekanntesten Stars gehört, in Deutschland aber noch kein Begriff ist! Peggy Yvonne Middleton — wie sie eigentlich heißt — wurde vor 26 Jahren (sagt sie) in Vancouver/Kanada geboren. Als sie fünf Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden, und ihre sehr ehrgeizige Mutter sorgte dafür, daß sie Tänzerin wurde. Mit 15 Jahren startete sie in einem Nachtklub, einer Stätte, von der aus auch Prinzessin Rita einst ihre Karriere begann. Bei einem der üblichen Schönheitswettbewerbe einer amerikanischen Filmgesellschaft hatte Yvonne Glück, doch reichte es nicht weiter als bis zu Probeaufnahmen. Ein Zufall — Dorothy Lamour streikte bei einem Film, und man mußte Ersatz für sie suchen — brachte Yvonne später wirklich ins Atelier
Kaiser Mohamed von Iran regiert inzwischen längst wieder in Teheran — der alte persische „Pfauenthron“ aber wartet auf eine Herrscherin.
Als Yvonne de Carlo und Jackie Coogan mit anderen Hollywoodstars vor einigen Monaten in Wiesbaden zur Uraufführung des amerikanischen Films „Francis“ eintrafen, wurden sie von einer Schar Journalisten interviewt und photographiert. Wenn Yvonne de Carlo das nächste Mal Deutschland besuchen wird, wird vielleicht Bundespräsident Heuss Ihre Majestät die Kaiserin mit Blumen und Handkuß begrüßen. Denn in Teheran warten Seine Majestät... rn
STRASSE DER VERSUCHUNG Ein Film mit Edward G. Robinson in der Hauptrolle. Ein Mädchen nutzt die Zuneigung des Mannes aus, um für sich und. ihren Geliebten Vorteile zu erzielen. Als er das falsche Spiel entdeckt, tötet er aus Verzweiflung und Enttäuschung die Frau und kann den Verdacht des Mordes auf den Nebenbuhler ablenken. Ein Film voller Spannung und großen psychologischen Einfühlungsvermögens. (Im Palast.) Foto: Universal-Film
FLUCHT VON DER TEUFELSINSEL Der Streifen bringt eine Art Fortsetzung des „Grafen von Monte Christo". Wieder fällt Edmond Dantes den Intrigen seiner Feinde zum Opfer und wird auf die Teufelsinsel verbannt. Er kann entfliehen und rächt sich nun der Reihe nach an all denen, die ihn ins Unglück stürzen wollten. In den Hauptrollen: Louis Hayward, Barbara Britton, George Macready. (Im Belida.) Foto: Columbus-Film
Sonderpostamt „Schwarzwaldmädel“
Zur Welturaufführung des ersten neuen deutschen Farbfilms „Schwarzwaldmädel“ (Berolina/Herzog-Film) erschien der 1. Film-Sonderstempel der Deutschen Bundespost. Unter der Bezeichnung „Sonderpostamt Schwarzwaldmädel“ kam die Post ins Filmtheater und gab die Originalabdrucke des Sonderstempels auf jede freigemachte Sendung. Das „Sonderpostamt Schwarzwaldmädel“ trat erstmals am Tage der Uraufführung von „Schwarzwaldmädel“ am 7. 9. in den Palast-Lichtspielen Stuttgart in Aktion. Bereits am nächsten Tage wurden Sonderpostämter in München, Ulm und Frankfurt eröffnet. In Kürze werden weitere Städte folgen, in denen „Schwarzwaldmädel“ in Erstaufführung gezeigt wird.
Angelika Hauff wird sich nach Beendigung der Dreharbeiten des - York-Films „Der Totschläger“, in dem sie die Rolle der Tessy übernommen hat, erneut nach Südamerika begeben. Im Gegensatz zu ihrer ersten Reise, die zu Filmarbeiten am Amazonas führte, soll es sich diesmal um kein ausländisches Filmprojekt handeln.
DT Film-Forum
Einer der „Nachrichter”!
Es war im Jahre 1932, im berühmten „Goethejahr“! Die ganze Welt, insbesondere Deutschland, erging sich in Goethefeiern. Der Dichterfürst, der Olympier, der Geistesheroe, der Weise von Weimar, der Verfasser des Faust, die eine Hälfte des Dioskurenpaars Schiller und Goethe wurde pausenlos über die Bühnen, durch die Vortragssäle, durch die Spalten der Zeitungen, durch die Ätherwellen des Rundfunk „verbreitet“, und die am wenigsten Goethe gelesen hatten, sprachen am meisten von ihm. Da packten ein paar Studenten den Stier bei den Hörnern und verulkten diesen Goetherummel gründlich in ihrer Parodie: „Hier irrt Goethe!“ ... und einer dieser Studenten war Bobby Todd! Die „Vier Nachrichter“ nannten sie sich, und wer sie damals erlebte, vergaß sie bis heute nicht. Ihre Goethe-Ehrung, indem sie seine „Bewunderer" verulkend lächerlich machten, sprühte nur so echten Geist...
Daran muß man denken, wenn man Bobby Todd gedenkt. Höchst eigenwillig ist er eben, und das trug ihm und seinen gleichgesinnten Freunden 1935 ein Verbot ein... da ging er dann zum Film. Allerdings blieb es zunächst bei einem FÖm<;; aber der Löwe hatte Blut geleckt, und die Pause sollte nicht lang werden: Beim italienischen Film hat er von 1936 an „von der Pike auf“ gelernt; Chauffeur, Laufjunge, Assistent, Aufnahmeleiter, Produktionsleiter sind die Stufen seiner italienischen Filmlaufbahn. In Deutschland hat er dann auch gefilmt, aber 1943 erreichte ihn ein abermaliges Verbot, und er blieb nach dem Krieg in Italien, bis er, 1947, endlich zurückkehrte. Mehr denn 20 Filme hat er mitgestaltet...
Geboren ist er in Hinterzarten im Schwarzwald, an einem 22. Juni. Die Schule hat er in Nürnberg absolviert, hat dann in München Medizin studiert, dieweil das Tradition in seiner Familie ist. 1928 kam er als Münchener Student zu den Nachrichtern, die damals ein nettes kleines Kabarett aufgezogen hatten, und mit ihnen ging er bis 1935 auf Tournee. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er 1947 Oberleiter am Radio München, dann holte ihn Käutner — sein „Mit-Nachrichter“ von damals — zum Camera-Film, und damit ist sein Name verbunden mit den Filmen: „Der Apfel ist ab“ ... „Hallo Fräulein“ ... und „Einmaleins der Ehe“. Beim Realfilm spielte er dann mit in „Gefährliche Gäste“, und also ist er wieder mitten drin in dem einzigen Milieu, in das er hundertprozentig paßt. Das zeigte er auch in dem Neo-Film: „Der Mann, der sich selber sucht“
Bei ihm ist es mal wiederum nicht ganz ohne Kampf abgegangen, als er zur Bühne und zum Film wollte. Sein Vater, der Arzt, setzte es als selbstverständlich voraus, daß der Sohn in seine Fußtapfen trat. Aber er ist immerhin „erblich belastet“, denn die Frau, die der Vater einstmals heimgeführt hatte, war Opernsängerin ... und so belegte der junge Medizinstudent heimlich, aber mit Wissen der Mutter, neben seinen medizinischen Vorlesungen auch noch theaterwissenschaftliche ... wobei es sich dank der angeborenen Neigung bald genug ergab, daß er die letzteren aufmerksamer besuchte als die anderen. Aber ganz ohne Kämpfe geht es eben oftmals nicht ab, und die Hauptsache ist, daß einer weiß, was er will, daß er das durchsetzt, dabei das rechte tut, und das war bei Bobby Todd ja der Fall! Denn als er ganz und gar nur noch Theaterwissenschaften studierte, lernte er Helmut Käutner kennen, und damit fin" dann die ganz originelle Laufbahn an, die über die Nachrichter zu schön"" eigenwüchsigen Leistungen führen sollte.
BOBBY TODD
(Foto: Neo-Allianz-Micbaelis)
Darmstadt und Umgebung
Aufbau der Innenstadt?
Oberbaudirektor Prof. Grund bei den DBS-Bausparern
Die Ortsgemeinschaft der Bausparer der Deutschen Bausparkasse nahm am Dienstag die Sprechabende für ihre Mitglieder wieder auf. Diese waren in stattlicher Zahl erschienen, da eines ihrer prominentesten Mitglieder, Oberbaudirektor Professor Grund, sich zur Verfügung gestellt hatte, um über allgemein interessierende Baufragen zu referieren. Alle die Fragen, die gerade für den in Darmstadt Bauenden von Wichtigkeit sind, wurden eingehend von ihm behandelt.
Ausgehend von den Bauleitplänen, die schon längst für Darmstadt als, der ersten hessischen Stadt von der Regierung genehmigt wurden, erläuterte Prof. Grund, warum nicht jeder bauen kann und darf, wo und wie er will. Anschaulich gab er Aufklärung über die verschiedenen finanziellen Belastungen, die unter Umständen dem Bauherrn entstehen, wenn er vorzeitig mit dem Bauen beginnt. Er wies nach, daß sich vieles vermeiden ließe, wenn man sich rechtzeitig unterrichte und unter Umständen mit einer Anzahl Baufreunde gemeinsam plane und baue. Vorbilder des Auslandes zeigten dem Bausparer, wie er sein Ziel auch mit niedrigerer Bausparsumme erreichen könne. Insbesondere sei das zu erreichen durch den Bau von Einfamilien-Reihenhäusern und der Bildung kleinerer oder größerer gemeinsamer Siedlungen. Die Not unserer Zeit und insbesondere die Finanzlage unserer Stadt ließen es nicht zu, daß jeder draußen am Stadtrand baue, wo kein Kanal, keine Wasser-, Gas- oder Stromleitung sei. Diese Kosten seien von der Stadt für absehbare Zeit nicht aufzubringen. Es komme alles darauf an, jene Bauquartiere in Angriff zu nehmen, in denen dies alles schon vorhanden oder leicht anzuschließen sei. Aus Andeutungen war zu entnehmen, daß die Stadtbauverwaltung demnächst- mit festen Plänen in dieser Hinsicht an die Oeffentlichkeit treten wird.
Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall und wurden von Direktor Lehmann und dem Gebietsbeauftragten Süß von der DBS noch erweitert.
Der Abend war ein guter Auftakt für die folgenden Sprechabende, die jeden zweiten Dienstag im Montag wieder stattfinden sollen und zu denen auch Interessenten willkommen sind.
Schweres Sittlichkeitsverbrechen
an der Autobahn
In der Nacht zum Mittwoch wurde in der Nähe der Autobahn bei Lorsch ein aus Breslau stammendes Mädchen von einem farbigen amerikanischen Soldaten vergewaltigt, obwohl das Mädchen in Begleitung seines Verlobten und eines weiteren Deutschen war. Während ein zweiter Bewaffneter die beiden deutschen Männer mit einem Karabiner in Schach hielt, zerrte der farbige Soldat das Mädchen auf den Boden. Als es sich zur Wehr setzte, schlug er ihm ins Gesicht und hielt dem laut um Hilfe schreienden Mädchen den Mund zu, riß ihm die Kleider vom Körper und vergewaltigte es. Danach versuchte der weiße amerikanische Soldat, sich ebenfalls an dem Mädchen zu vergreifen, ließ jedoch, da es verletzt war, von seinem Vorhaben ab.
Die bald nach dem Verbrechen aufgenommenen Untersuchungen durch amerikanische Militärpolizei wurden durch die Tatsache erschwert, daß in der Nähe des Tatortes eine größere Anzahl amerikanischer Soldaten anläßlich der Truppenmanöver Feldlager bezogen hatten. DT.
„Falken“ unterwegs
Die Führer der Septemberwanderung hatten diesmal zu einer Wanderung ins Flachland aufgerufen und das nördliche Waldgebiet von Darmstadt vor geschlagen. Insgesamt 50 „Falken“ nahmen an der Wanderung teil.
Vom Bahnhof Egelsbach aus zog die Wanderschar zunächst nach dem Jagdschloß Wolfsgarten, dem Lieblingsaufenthalt des verstorbenen Großherzogs Ernst (Ludewig. Von Wolfsgarten aus ging es weiter auf einer schnurgeraden Schneise durch den Langener Stadtwald zum Forsthaus Mitteldick, wo eine ausgiebige Rast die nötige Erholung bot.
Der weitere Weg, zunächst die Bahnlinie Frankfurt—Mannheim überquerend, zeigte, besonders durch die Vielen blühenden Erikastauden, reizende Waldstückchen und führte schließlich zu der interessanten Einflugschneise des Flugplatzes mit ihren vielen hohen und niederen Leuchtzeichen. Nach Ueberschreitung der Autobahn ging es noch einige Zeit durch den Kelsterbacher Wald und zuletzt auf sehr schlechten, zerfurchten und zerfahrenen Wegen wurde der - Main-Flughafen erreicht.
Nach einer ausgedehnten Rast in der Nähe des Flugplatzes, dessen reges Leben alle sehr interessierte und begeisterte^ wurde von Neu-Isenburg die Heimfahrt angetreten.
Eine Wohnbauausstellung im Möbelhaus Klohe. Darmstadt. Mathildenplatz 9, zeigt von Freitag, den 15.. bis Sonntag, den 17. September, zwischen 10 und 19 Uhr die Badenia-Bausparkasse GmbH., Karlsruhe. Nach der Währungsreform wurden in Darmstadt über 500 000 DM durch die „Badenia“-Bausparkasse zugeteilt. DT
Bald ist's soweit...
Alle Mann an Bord rief die „Interessengemeinschaft zum Aufbau der Bessunger Turnhalle“. Für die am 16., 17. und 18. d. M. steigende Labbingskerb werden bis spät in die Nacht hinein die letzten Vorbereitungen getroffen. In dem im Aufbau befindlichen Wirtschaftsgebäude sind Turner, Sänger und Narrhallesen am Werk, dem Boden zum würdigen Empfang der Gäste einen glatten Anstrich zu geben. Bei den tüchtigen Arbeitern, die täglich hier ihre Freistunden verbringen, geht es sehr lustig zu, denn Fröhlichkeit und Humor gehören bei den Bessungern zum Handwerk. Zumal, wenn die Bessunger Kerb vor der Tür steht.
Gräulich — dieser Anblick, finden Sie nicht aucfi, liebe Leser, die Sie nicht Professor R o 1 a n d in der Stadthalle erlebt haben? — Der junge Mann in der Mitte ist ein Darmstädter, schon deshalb ein Gemütsmensch. Gewiß. Es fiel ihm wirklich schwer, sich auf das Medium Sylvia van Delf zu stellen, denn Sylvia lag mit entblößtem Rücken in einem Haufen Glasscherben, scharfen, spitzen Dingern. Aber beruhigen Sie sich: Sylvia merkte nichts. Ihr Meister hatte sie hypnotisiert. Stöhnen tat eigentlich nur das blaßgewordene Publikum, das erst wieder zu sich kam, als Sylvia, an allen Gliedern bebend, die Augen aufschlug. Wie leid einem die entzückende 24jährige Frau tat, sollte man gar nicht sagen. Schade um sie, denn sie hätte bei Männern große Chancen. Ro
Eiserne Männer vor glühenden Oefen
Ein Rundgang durch die Darmstädter Glashütte
HGR. Erstaunlich, was die 40 Männer tagein, tagaus in der Darmstädter Glashütte in der Holzhofallee leisten und aushalten müssen. Man sieht es ihnen an: hagere, sehnige Gestalten, deren Epidermis sich wie gegerbtes Leder über die ausgeprägten Muskeln spannt. Sie sind nicht von hier, sondern kommen aus dem bayrischen Wald oder den weltberühmten Glasbläsereien Thüringens..
Als im August des vergangenen Jahres Herr Mittinger, der die Glashütte aufbaute, nach Darmstadt kam, wollte er sich zuerst nach einem anderen Ort umsehen. Blieb jedoch, da er seitens der Stadtverwaltung und der Wiederaufbau GmbH jede erforderliche Hilfe zugesagt bekam und auch — wie er lobend erwähnte — erhalten hat. Ein weiteres Moment bewegte ihn, hier in Darmstadt seine „Echt-Antike-Glashütte“ zu errichten, — die hervorragende Lösung des Energieproblems durch die Südhessische Gas- und Wasser AG. Der Aufbau vollzog sich in zwei Abschnitten: Zunächst baute die Wiederaufbau GmbH die geräumige Halle aus. Danach wurden die Ofenanlagen ausgehoben und die Oefen selbst von Spezialfachleuten errichtet. Diese, mit Gas geheizten Oefen entwickeln eine Temperatur bis zu 1500 Grad.
Mit Ausnahme der Chemikalien werden alle anderen Rohmaterialien in unserer näheren Umgebung gewonnen. Ueber Absatzschwierigkeiten braucht das Unternehmen, das noch eine Konkurrenz im bayrischen Wald hat, nicht zu klagen; denn durch das vorhandene Vakuum in Kirchenfensterglas, Glas für Repräsentationsbauten usw. nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern und Uebersee gibt es Arbeit genug. Abgesehen davon, daß das Unternehmen Tradition und einen klangvollen Namen hat. Mit mehr als 3 500 Rezepten für die verschiedensten Farbnuancen ist die Glashütte jeder Anforderung gewachsen. Interessant, z. B. zu hören, daß das Unternehmen in der Lage ist, nach jeder eingesandten Glasscherbe die gewünschte Scheibe herzustellen. Die Rezepte der Hütte sind übrigens fast alle patentiert.
Hilfskräfte gibt es in diesem Betrieb nicht. Es sind alles Fachkräfte, die mit zu den bestbezahltesten Arbeitern gehören. Wenn man ihnen zusieht, wie sie unermüdlich, im hastenden Wettstreit um die Hitze, mit den glühenden Glaskörpern hantieren, dann gönnt man es ihnen gern, denn geschenkt bekommen sie nichts, diese eisernen Männer vor glühenden Oefen.
Ein Bläser bei der Arbeit
Ballonwettfliegen zum Sportfest
Am 16. September 1950, 14.30 Uhr, im Hochschulstadion
Nachdem am 25. Juni das Ballonwettfliegen des Deutschen Jugendrotkreuzes zum „Tag des guten Willens“ und das Sportfest der Eleonorenschule am 2. September wegen schlechten Wetters abgebrochen werden mußten, werden die beiden Veranstaltungen am Samstag, dem 16. September 1950, um 14.30 Uhr im Hochschulstadion wiederholt.
Da das Ballonfliegen zusammen mit dem Sportfest gestartet wird, verspricht die Veranstaltung außer dem ideellen Teil auch ein sportliches Ereignis zu werden. Gezeigt werden von der Eleonorenschule: Körperschule, Krabbelturnen, Ballgymnastik, Bunter Rasen, Keulengymnastik und Volkstanz. —Teil-
Briefmarken auf Auslandspaketkarten
dürfen nicht entfernt werden
Die Bundespost beobachtet in letzter Zeit in zunehmendem Maße, daß Empfänger von Auslandspaketen von der ihnen durch den Briefzusteller überbrachten Auslandspaketkarte Postwertzeichen ablösen und an sich nehmen. Die Post macht darauf aufmerksam, daß sich diese Briefmarkenfreunde nach Paragraph 133 des Strafgesetzbuches strafbar machen. Diese Paketkarten müssen, genau wie bei Inlandspaketen die Stammabschnitte der Paketkarten, in vorschriftsmäßigem Zustand bei der Post aufbewahrt werden. Fehlen die Postwertzeichen schon bei dem Eintreffen der- Paketkarten im Bestimmungspostamt, wird dies durch einen besonderen Vermerk bestätigt. Jeder Empfänger von Auslandspaketen hat auf diese Bestimmungen genau zu achten, um sich vor unliebsamen Weiterungen zu schützen. nahmeberechtigt am Ballonwettfliegen sind alle, die ihre Anhängekarte (Flugkarte) vom letzten Male vorzeigen. Beschädigte und unleserlich gewordene Flugkarten werden an Ort und Stelle umgetauscht. In beschränktem Maße können noch Flugkarten zum Preis von 30 Pfennig am Eingang des Stadions erworben werden.
Auch für diese Wiederholung hat der Kaufhof Darmstadt die Ballone gestiftet, .und Direktor Strahringer von der Heag sich bereit erklärt, gegen Vorzeigen der Flugkarte die Hin- und Rückfahrt zu dem sehr ermäßigten Preis von 10 Pfennig durchzuführen. Diese Ermäßigung gilt für alle Straßenbahn- und Omnibuslinien innerhalb des Stadtgebiets, einschließlich Arheilgen, Eberstadt und Griesheim. Der besondere Fahrschein muß für die Rückfahrt gut aufgehoben werden. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. DT
In der Stadt notiert
Der „Liederzweig 1855“ feierte am vergangenen Samstag sein traditionelles Sommernachtsfest im „Heilig - Kreuz“. Nach einem von den Mitgliedern des Vereins bestrittenen bunten Gesangsprogramm hielt froher Tanz die Freunde und Mitglieder des Vereins bis in die frühen Morgenstunden zusammen.
Ein Jugendabend der Naturfreunde Eberstadt findet heute. Donnerstag, im Riedbertgheim statt. Die hiesige Ortsgruppe wird dabei zur Ausgestaltung einer Feier in Ober-Ramstadt am 23. und 24. September proben. t-s
Eine Wanderung nach Nieder-Modau führte die Turn- und Sportgemeinde Eberstadt durch. t-»
„Jetzt hat's geklingelt, liebe Rundfunkhörer!“
Die letzte Stunde der Schwarzhörer schlägt
Es ist nichts Neues, wenn zu Hause die Türklingel läutet. Neu ist aber, wenn beim Oeffnen einige Herren mit einem seltsamen Gerät in der Hand die Feststellung treffen, daß man im selben Augenblick den Süddeutschen Rundfunk oder den Frankfurter Sender hörte. „Haben Sie eine Rundfunkgenehmigung? —- „Wir haben unseren Apparat noch nicht angemeldet.“ — „Dürfen wir Sie darauf aufmerksam machen, daß die Frist zur Anmeldung Ihres Radios am 3. Oktober abläuft?“
Sie, lieber Leser, wird das natürlich nur beschränkt interessieren, denn Sie haben ja eine Rundfunkgenehmigung. Aber immer noch gibt es eine große Anzahl Hörer, die aus Faulheit oder Vergeßlichkeit ihren Apparat dem Postamt nicht gemeldet haben. Im Sendegebiet des Hessischen Rundfunks schätzt man diese Zahl auf einige Zehntausend. Es ist nun nicht so, daß der Betrieb eines nicht angemeldeteten Rundfunkgerätes zu den Kavaliersvergehen zählt. Der Ausfall vieler hunderttausend Mark Sendegebühren im Jahre wirkt sich letzten Endes auf einen großen Kreis von Menschen aus, die unmittelbar vom Rundfunk leben müssen, wie Schriftsteller und Journalisten, Komponisten und andere Künstler. Je größer die Einnahmen einer Rundfunkstation sind, um so bessere Programme können den Hörern geboten werden. Selbst aus dem Hörerkreis sind in letzter Zeit immer wieder Beschwerden an den Rundfunk ergangen, daß endlich einmal etwas gegen die überhandnehmende Zahl der Schwarzhörer getan wird, denn was dem ehrlichen Hörer recht ist — die zwei Mark Rundfunkgebühr im Monat —, das muß dem Schwarzhörer billig sein.
Der Intendant des Hessischen Rundfunks hat vor einigen Tagen eine Kampagne gegen die Schwarzhörer eingeleitet, um der Ehrlichkeit der Menschen etwas auf die Sprünge zu helfen. Schon am ersten Tage nach seiner Ansprache hatten sich bei einem Postamt in Frankfurt 120 neue Hörer angemeldet, was einen ungeheuren Aufschwung der Rundfunkgeräteindustrie bedeuten würde, wenn es wohl nicht zum größten Teil Schwarzhörer gewesen wären. Am 18. September wird der Postbeamte jedem Haushalt, der kein Gerät betreibt, oder der es noch nicht angemeldet hat, ein Formular übergeben, um ihnen den Weg zum zuständigen Postamt zu ersparen. Von Hunderten von Plakaten wird das „Schwarzhörerteufelchen“ auf die Beschauer herabblicken und freundlich mahnend an die Anmeldung des Radios erinnern.
Wer aber dickfällig genug ist, all den höflichen Ermahnungen die kalte Schulter zu zeigen, bei dem wird es bald klingeln. Da wurde ein Gerät erfunden, daß die Ermittlung von Schwarzhörern ermöglicht. Es ist nicht sehr groß und schwer und läßt sich bequem durch die Straßen tragen. Mit der angebauten Rahmenantenne werden die Eigenstrahlungen des eingeschalteten Rundfunkgerätes aufgenommen. Je näher man dem Haus oder der Wohnung kommt, desto stärker wird der Ausschlag. Jede Klingelleitung oder jeder Eisenzaun ist für diese Strahlungen empfänglich, und man braucht nur die Rahmenantenne in Richtung des stärksten Ausschlages zu halten, so kann man mühelos dem Standort des Rundfunkgerätes nachgehen. Ob das Radio laut oder leise spielt, oder ob überhaupt nichts zu hören ist, das spielt bei diesem Geräte keine Rolle. Mit dem Schwarzhörerermittlungsgerät können selbst die eingeschalteten Sender bestimmt werden.
Zunächst wird der Hessische Rundfunk in den kommenden Tagen diese „Schwarzhörerfalle“ den Postamtsleitern und der Presse der hessischen Groß- und Mittelstädte vorführen. Die Bevölkerung soll vor Beginn der Ermittlungsaktion von der Arbeitsweise in Kenntnis gesetzt werden, damit man nicht behaupten kann, man habe sie überfallen. Ueberhaupt steht die Höflichkeit bei der ganzen Angelegenheit an erster Stelle. Inzwischen hat Willi Berking einen Schwarzhörerfoxtrott komponiert, was wohl die letzte Konzession an die Unehrlichkeit der nichtzahlenden Rundfunkhörer darstellt. hfl.
Auf der Suche nach Schwarzhörer. Die beiden Herren verstehen ihre Sadie, sollen sehr genau sein . . .
„Wolf“ der Prüfling
Ein Hund besteht die Blindenführerprüfung
Im allgemeinen sind Prüflinge aufgeregt. Kürzlich konnten wir einen beobachten, der war’s nicht, obwohl er noch keine 2 Jahre alt ist, obwohl sich eine Prüfungskommission eingefunden hatte, an deren Spitze 2 Aerzte standen, ein Vertrauensarzt der Landesversicherungsanstalt Frankfurt a. M. und ein hiesiger Tierarzt, obwohl mehrere Ausbilder mit kritischem Blick jede seiner Bewegungen beobachteten. Er heißt „Wolf“ und ist ein Schäferhund, der nach abgelegter Prüfung als Blindenführer seinem neuen Herrn übergeben werden sollte.
Auf Antrag kann einem Kriegsblinden von der Landesversicherungsanstalt Hessen ein Führhund zur Verfügung gestellt werden. Die Tiere werden aufgekauft und dem zu Betreuenden leihweise übergeben. Frau Götschelt von der „Abrichteanstalt für Biindenführ- und Gebrauchshunde, Darmstadt, Ahastraße 5“, der seit Jahren die Ausbildung der Tiere obliegt, sagte uns, daß sie die besten Ergebnisse mit deutschen Schäferhunden, Neufundländern und gelegentlich auch mit Airedale-Terriem gemacht habe. Da man nur intelligente Tiere zu solcher verantwortungsvollen Aufgabe erziehen könne, fielen etwa 3O°/o aller zur Ausbildung kommenden Hunde von vornherein aus. Brauchbare Tiere werden nach einem ganz bestimmten Ausbildungsplan in 6—B Wochen von den einfachsten Gehorsamsübungen bis zu Blindenführdienst geschult.
Wir erlebten den Abschluß eines lOtägigen „Eingewöhnungslehrganges“, der sich einer solchen Ausbildung anschließt, und dessen Zweck es ist, den betreffenden Blinden mit seinem künftigen Tier vertraut zu machen, Herr und Tier aufeinander einzuspielen und dem Blinden das Gefühl der Sicherheit zu geben, wenn er sich — nur von dem treuen Begleiter geführt — im Verkehr bewegt.
Die Amnestierten kommen
Auf ihrer Tournee durch Süddeutschland wird die reisende Kabarettgruppe, das Studentische Zeittheater „Die Amnestierten“ mit ihrem bisher erfolgreichsten Programm „Pst! Feind hört mit!“ am kommenden Samstag, dem 16. September, im Thalia-Theater in einer Nachtvorstellung ein einmaliges Gastspiel geben. Die „Amnestierten“, die kürzlich auf der Düsseldorfer Funkausstellung einen beachtlichen Erfolg aufzuweisen hatten, bilden in allen Städten, in denen sie gastieren. das Tagesgespräch. Prominente Vertreter der Kunst, Wissenschaft und Politik zollten den Amnestierten begeisterte Anerkennung.
Da diese „Eingewöhnungslehrgänge“ in Darmstadt durchgeführt werden, müssen sich die Erblindeten so lange in den Mauern unserer Stadt aufhalten. Bisher hatte man sie in private Unterkünfte gegeben, damit aber nicht immer die besten Erfahrungen gemacht. Nun hat sich die Landesversicherungsanstalt entschlossen, sie für die Zukunft in Hotels unterzubringen.
Ueber den Leiter des Gaststättengewerbes Emig ist man an verschiedene Darmstädter Hotels herangetreten mit der Bitte, die Versehrten in vorzüglicher Weise zu bewirten
Den Blinden entstehen bei ihrem Aufenthalt in Darmstadt keine Kosten. Ein Wort des Dankes und der Anerkennung an alle, die das möglich machen, ist unserer Meinung am Platz.
Die Hälfte der Unkosten für Kost und Logis wurden in dem oben erwähnten Falle von der LVA und der Abrichteanstalt getragen, den Rest des normalen Kostensatzes trug in großzügiger Weise das Hotel selbst.
Ein Beispiel, das sich zur Nachahmung empfiehlt. DT
WIE-WIRD-DAS-WETTER
Wieder Regen
Am Donnerstagabend stark bewölkt und aufkommende Regenfälle. Am Freitag bei wechselnder Bewölkung noch Schauertätigkeit, kühler. Auf Südwest bis West drehende Winde, weiterhin unbeständi e.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Volkshochschule: 19.30 Uhr, Technische Hochschule, Raum 202, Vortrag des Musikpädagogen A. W. Paetsch: „Einführung in Tannhäuser“ (mit musikalischen Beispielen).
Neuer Hessischer Kunstverein: 20.00 Uhr, Raum 168, Vortrag Professor Dr. Ernst Schreyer: „Die Kunst der ersten Siedler in Nordamerika“.
Wir gratulieren
Goldene Hochzeit: Herrn Heinrich Jakob Roose und Frau, Haßloch, Haupt¬ straße 10. 78. Geburtstag: Frau Katharina Hübner, Ginsheim, Hauptstraße 68. 72. Geburtstag: Herrn Georg Ripper, Mitlechtern. 71. Geburtstag: Herrn Philipp Ge - s chei d 1 e, Groß - Gerau, Gabelsbergerstraße 7. 70. Geburtstag: Frau Barbara Daab, Lindenfels.
STARKENBURG
Ein vorlautes Bürschchen
Mit neun Freunden fuhr am 13. Mai der 21jährige Walter L. aus Limburg zum Motorradrennen nach Hockenheim. Unterwegs — bei Büttelborn — wurde der Lkw von einer Verkehrskontrolle ungehalten. Die Polizei bemängelte einige Dinge, so die Tatsache, daß der Wagen überbelegt ist. Die Rennenthusiasten, die es sehr eilig hatten und zum Teil leicht angeheitert waren, gerieten darüber mit einem Beamten in einen heftigen Wortwechsel. Dieser verlangte daraufhin die Kennkarte des L., der sich am lautesten hervortraf. Jm Verlaufe der Streiterei drohte er dem Polizisten, er werde ihm „eine kleben“, wenn er ihm nicht alsbald seine Kennkarte zurückgebe.
Wegen Nötigung stand der 21jährige gestern morgen vor dem Richter. Das I3 ezirksschöffengericht Darmstadt hielt ihn dieses Deliktes für schuldig und verhängte eine Geldstrafe von 50 D-Mark. wst.
Trauriges Sittenbild
Zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilte die Erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt den Arbeiter Peter H. aus Heusenstamm Im Landkreis Offenbach. „Wohl seifen offenbarte eine Verhandlung ein derart trauriges Sittenbild“, erklärte der Staatsanwalt. Der Angeklagte — ein verantwortungsloser Famiiienvafer — hafte seinen erst 15 Jahre alten Sohn veranlaßt, mit ihm in unzüchtige Beziehungen zu treten. Auf Betreiben des Vaters mußte sich der 15jährige Junge auch mit seiner Mutter einlassen. Ein Fürsorgeheim wird den 15jährigen, der sich der Tragweite seines Flanderns nicht völlig bewußt war, für die nächste Zeit aufnehmen. wst.
Mit voller Wucht gegen PKWw
In den frühen Morgenstunden des Mittwoch kam es an der Straßeneinfahrt nach Trebur in der Nähe des Hofes Schönau zu einem Zusammenstoß zwischen einem Personenwagen und dem LKW einer Wiesbadener Firma. Der LKW war auf der regennassen Straße ins Rutschen gekommen und rannte mit voller Wucht gegen den Personenwagen, der nicht mehr ausweichen konnte. Der Fahrer des PKW erlitt Schnittwunden im Gesicht. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. Kb
Kein unnatürlicher Tod
Wie wir in unserer Montagsausgabe berichteten, wurde in Roßdorf die Leiche einer vor kurzem verstorbenen älteren Frau wieder ausgegraben, da Anzeige wegen unnatürlichen Todes bei der Polizei erstattet worden war. Die eingehenden amtlichen Ermittlungen ergaben, daß die Verdachtsmomente unbegründet waren und die allseits geachtete Frau durch ein Blutgerinnsel im Blutkreislauf eines natürlichen Todes gestorben war. DT
Kleine Gemeinde mit größtem Ban-Inder
145 Wohnungen seit Kriegsende in Birkenau gebaut — Dringlichkeitsfälle trotzdem noch überaus zahlreich
Wer motorisiert die Gemeinde Birkenau im Weschnitztal passiert, spürt in diesem „Vorort“ des badischen Weinheim an sich nur wenig von den Wohnungsverhältnissen, wie sie sich seit Kriegsende entwickelt haben. Besseren Einblick gewährt schon eine Bahnreise durch das Tal, bei der erkennbar wird, wie außerordentlich stark hier gebaut wurde.
Und tatsächlich: Seit 1945 wurden genau 60 Häuser mit durchweg zwei Wohnungen errichtet und nahezu 30 weitere Wohnungen durch den Ausbau von Dachgeschossen usw. gewonnen. Allein seit der Währungsreform sind 44 Häuser neu hinzugekommen, von denen 36 bereits bewohnt sind. Der Rest ist in Kürze bezugsfertig. Birkenau dürfte damit im Landkreis Bergstraße die Gemeinde mit dem größten Bauindex überhaupt sein.
Wer allerdings annimmt, daß hinsichtlich der Wohnungsverhältnisse dort eitel Freude herrsche, irrt gewaltig, da nämlich noch über 100 Anträge Wohnungssuchender vorliegen, von denen nahezu die Hälfte in die Dringlichkeitsstufen eingereiht werden mußten. Einige Beispiele: Vier Häuser, derzeit von sieben Familien bewohnt, müssen auf Antrag des Kreisamtes unbedingt geräumt werden, da sie baufällig sind; eine sechsköpflge Familie mit einem 19jährigen Sohn und 17- bzw. 14jährigen Töchtern haust in einer Küche und einem schrägen Zimmerchen; eine Mutter mit zwei 7 und 8 Jahre alten Kindern hat eine „Stube“ mit 8,8 qm Grundfläche; fünf ausgewachsene Menschen müssen in einer „Einzimmerwohnung“ kampieren und stecken sich nacheinander mit Tbc an, da keinerlei Möglichkeit gegeben scheint, ihnen mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Es gibt noch eine große Anzahl weiterer Familien, die zu vieren, fünfen und sechsen in ähnlichen Verhältnissen untergebracht sind. Dies alles trotz der außerordentlich regen Bautätigkeit. Ursache: Birkenau war seit jeher Auffanggemeinde für die an der Bergstraße und am Rhein liegenden Städte. Das erwies sich wieder während der Zeit der Bombenangriffe und bestätigte sich zuletzt gelegentlich der Flüchtlingsströme. Viele zogen zwar weiter, maneher der Evakuierten und Ausgebombten zog wieder zurück in seine Heimatstadt, aber — trotz alledem — es blieben zu viele am Ort.
Einst 2800 Einwohner zählend, sind gegenwärtig 4200 in der Gemeinde registriert, und das, obwohl zwischen 1918 und 1945 kaum nennenswerte Neubauten hinzukamen und damals nur 2400 Einwohner in Birkenau wohnten. Die Gemeinde selbst stellte fast überall Erbbauplätze zur Verfügung, die Freiherrvon-Wamboldtsche Verwaltung tat das gleiche in vierzehn Fällen, es wurde Bauholz auf Kredit gegeben — aber es reichte trotzdem nicht. Grundübel ist nach Ansicht der Fachleute die langsame, schleppende Bewilligungs- oder Ablehnungspraxis des Landesbaudarlehens, da von seiner Gewährung Sparkassen- und Bankkredite, Hypotheken privater Geldgeber und nicht zuletzt die Ausschüttungen verschiedener Bausparkassen abhängig sind. -r
Was aǔch interessiert:
Die Hose gestohlen wurde einem Gernsheimer Einwohner vom Kleiderhaken aus dem Vorplatz seines Hauses. Man vermutet, daß ein Hausierer der Dieb gewesen ist. Kr
Beim Holzlesen im Wald verirrte sich eine 85jährige Flüchtlingsfrau aus Groß-Bieberau. Die Freiwillige Feuerwehr rückte nach 20 Uhr zu einer Suchaktion aus und konnte gegen 22 Uhr die völlig Erschöpfte auffinden. wr.
Obwohl keine Schulentlassungen in diesem Herbst vorgenommen wurden, blieb eine Schülerin aus Dorndiel schon seit einigen Tagen selbständig der Schule fern. Ein gerichtliches Nachspiel für die Eltern ist die Folge. ko.
Betrügerische Geldspendensammlung führte in Dornheim ein Mann durch, der sich Eugen Manz nannte, und angeblich für die Kriegsgräberfürsorge im In- und Ausland arbeitete. Es stellte sich heraus, daß er mit gefälschten Papieren arbeitete. Fahndungsmaßnahmen sind eingeleitet. cg>
Im Verdacht widernatürliche Unzucht mit einem Patienten des Philipps-Hospitals getrieben zu haben, wurde der bebeits zweimal wegen Notzucht vorbestrafte H. M. aus Crumstadt verhaftet. Cg
Für Ausbaggerung des Altrheins setzte sich der Gebietsausschuß Odenwald-Bergstraße—Neckartal beim Wasserstraßenamt ein, um diese Strecke für Schiffsverkehr und Paddler besser benutzbar zu machen. kr.
Au*- dem Schreib'''-ch einer Familie in der Frankfurter Straße in Groß-Gerau wurde eine Geldkasette mit 400 DM Inhalt entwendet. -cg
Wenn alle Lrünnlein fließen...
Wer einen guten Tropfen liebt, kann die Traubenlese und die Apfelkelterei kaum erwarten
Nicht dem Kalender nach, sondern in der Natur selbst hat der Herbst nun schon seinen Einzug gehalten. Der als rauher Geselle bekannte Mann mit dem weiten Mantel, den der Sturm bläht, hat aber auch seine guten Seiten, denn wäre nicht der Herbst, dann gäb’ es keinen Wein. So kann man mit gutem Gewissen den Spruch umändern, der für den Bauern eine Lanze bricht, ohne den es kein Brot gäbe. Was ist aber der Wein anderes als flüssiges Brot, das uns in geschliffenem Glas gereicht die Zunge löst und in den Augen jene Glanzpünktchen erzeugt, die das sicherste Zeichen der Freude am Leben sind?
Die Sonne hat nun ihr Werk vollbracht. Sie hat ihre Kraft den Trauben und auch den Aepfeln — denn auch diese lassen sich zu der sympathischen Flüssigkeit verarbeiten, die unser Innenleben so merkwürdig verändert — mitgeteilt und sie ist müde vom vielen Scheinen.
Nun hebt die große Zeit der Kelter an. Die Weinberge haben sich geschlossen und viele Hände greifen nach den reifen Trauben, die nun den bekannten Weg gehen, um später unsere Gemüter anzuregen. Aus tausend Brünnlein fließt nun der edle Saft in die Gärbottiche. Nicht viel anders geht es im Ried zu. Hier werden nun die Aepfel geerntet. Es wäre ungerecht, würde man Traubensaft und Apfelsaft aus einer Presse fließen lassen, aber der Apfelsaft und besonders der Apfelwein kann für sich in Anspruch nehmen, der „Whisky des kleinen Mannes“ zu sein. Die Mainstädter und besonders die Sachsenhäuser würden mit diesem Vergleich keinesfalls einverstanden sein, für sie bedeutet der „Aeppelwoi“ beinahe alles.
In Biebesheim hatten wir Gelegenheit, Zeuge des recht komplizierten Vorgangs zu werden, der notwendig ist, um die Aepfel zu verflüssigen. Es war ein Kleinbetrieb, der täglich etwa 20 Zentner Aepfel und Birnen verarbeitet. Das ist gegenüber den Großbetrieben des Odenwaldes nicht sehr viel, aber im Ried sind die Süßmostereien recht dünn gesät. Die Biebesheimer Süßmosterei, ein erst kürzlich angelaufener Betrieb, verarbeitet vorerst das Obst im Kommissionsauftrag. Jeder Anlieferer erhält im Verhältnis zur Menge des Obstes eine gewisse Anzahl Flaschen, gefüllt mit Apfelsaft. Ein Zentner erbringt 40 Flaschen Saft.
Um das flüssige Produkt, das sich in zunehmendem Maße der Beliebtheit erfreut und zudem alkoholfrei ist, keimfrei zu erhalten, wird der Saft in einem Spezialapparat auf 72 Grad erhitzt und auf vorher mehrmals gereinigte Flaschen gezogen. Wie uns der Inhaber mitteilte, werden dem Saft keinerlei chemische Mittel zugesetzt, so daß es sich wirklich um naturreinen Apfelsaft handelt, der keinem schaden tut. Wenn sich auch eine Flasche Apfelsaft neben einer Flasche edelsten Rheinweins gar ärmlich ausnimmt, so darf man nicht vergessen, daß auch dieser Apfelsaft ein Geschenk des Himmels ist, der seine Sonne scheinen läßt auf Weinberge und Obstgärten. Es ist nicht unbillig, wenn wir uns — nachdem wir die Apfelsaftkelter gebührend würdigten — am Ende doch wieder den Reben zuwenden, denn es hat kaum einen Dichter gegeben, der nicht wenigstens einen vielsagenden Vierzeiler auf den Wein geschrieben hätte.
Wenn daher in diesen Tagen die Weingärten widerhallen vom Gesang der Winzerinnen und Winzer, so wissen wir, daß sich dort viele emsige Hände regen, um die Kelter zu füllen, damit der 1950 er nicht nur einen guten Ruf, sondern auch einen noch besseren Geschmack bekommt.
Es gibt im Jahre kaum einen freudigeren Anlaß als die Zeit der Traubenlese, und man sollte darüber dem Herbst seine Possen und Streiche nachsehen, denn wenn es ihn nicht gäbe, wäre auch der Frühling trotz allem, was er uns zu bieten hat, zuweilen ein wenig langweilig, kr.
Was soll man nun mehr bewundern: die goldenen Früchte oder die sonnige Jugend? Foto: Schuch Schier unersättlich scheinen die großen Keltern, die an Ort und Stelle die Trauben in schäumenden Most verwandeln Foto: Schuch
Noch keine Bürgermeisterwahl in Gernsheim
Delikate Punkte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit
Die mit großer Spannung erwartete Sitzung der Gemeinderäte der Stadt Gernsheim am Mittwoch brachte gleich zu Anfang eine Enttäuschung für die vielen Zuhörer, die erwartet hatten, daß die Bürgermeisterkrise zur Sprache käme, als Rektor Schmitt von der CDU den Antrag stellte, den Punkt 8 der Tagesordnung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu behandeln. Unter den drei Themen dieses Punktes befand sich die Resolution der Vertreter des Bürgerblocks vom 5. September, worin diese den Rücktritt des Gemeinderates gefordert hatten. Die Resolution wurde seinerzeit im Zusammenhang mit der Bürgermeisterkrise in einer öffentlichen Bürgerversammlung gefaßt. Das Rätselraten um die Besetzung des Bürgermeisterpostens geht also weiter.
Der Gemeinderat nahm im Verlauf der Sitzung den Waldwirtschaftsplan für das Jahr 1951 an und befürwortete die Ansiedlung einer sudetendeutschen Firma, die sich mit der Herstellung von Christbaumschmuck befaßt.
Ein Antrag der CDU, der sich mit der Backsteinfabrik, ein Werk des Ex-Bürgermeisters Adler, befaßte, wurde an den Finanzausschuß überwiesen. Rektor Schmitt, der Fraktionsvorsitzende der CDU, schlug vor, die in städtischer Regie betriebene Fabrik im kommenden Frühjahr zu liquidieren. Im Gegensatz dazu setzte sich die SPD für die Erhaltung der Fabrik ein. Kr.
Seeheim hat Wasser
Da die Ueberbelegung Seeheims zu einem vermehrten Bedarf an Wasser führte, sah sich die Gemeinde genötigt, eine neue Quelle zu erschließen. Bei den seit einigen Wochen vorgenommenen. Bohrversuchen in der Pfungstädter Straße (neue Siedlung) stieß man in 51 Meter Tiefe auf ein reichhaltiges Wasservorkommen. Sollten die eingesandten Wasserproben an das Gesundheitsamt Darmstadt zufriedenstellend ausfallcn, wird die Quelle gefaßt und dem Leitungssystem zugeführt. Die im Haushaltsplan für das Rj. 1950 für den Straßenbau vorgesehenen Mittel sollen für den Bau eines neuen Pumpwerkes verwendet werden. hl.
Lesehalle Erbach geschlossen
Die amerikanische Lesehalle Erbach bleibt in der Zeit vom 18. bis 30. September geschlossen. In dieser Zeit finden kein Buchaustausch und keine Veranstaltungen statt. Alle in diesen Tagen endenden Leihfristen werden, falls die Bücher nicht noch in der kommenden Woche zurückgebracht werden, bis zum 2.10. verlängert. Die Filmstunde für Erwachsene fällt in dieser Woche aus. Am 2. Oktober wird der Betrieb wieder aufgenommen. -ch
Bachkonzert in Auerbach
Das neugegründete Kammerorchester Bergstraße lädt zu einem Bachkonzert am Sonntag um 17 Uhr in der Auerbacher Kirche ein. Ausführende sind: Hildegard Linck (Sopran), Erna Nungesser (Orgel), A. Rettig und H. Ungefug (Violine), W. Haffenreffer und E. von Davidson (Flöte), W. Viel (Klavier) und das Kammerorchester Bergstraße, Leitung Adam Rettig. Der Reinerlös des Konzerts ist für die Wiederbeschaffung der Kirchenglocken bestimmt. (HB)
Balkhänser Ochsen schwammen nach lungenheim
Unwetterkatastrophen schon in vergangenen Jahrzehnten
Die schweren Gewitter, die am 28. August an der Bergstraße niedergingen und in den einzelnen Gemarkungen schwere Schäden anrichteten, wecken Erinnerungen an das Unwetter vom 14. August 1938, das damals derart wütete, daß man noch heute die Spuren und Schäden in den Gärten und an den Bächen feststellen kann.
Pfarrer Ullmann stellte uns einen Auszug aus der Kirchenchronik aus dem Jahre 1769 zur Verfügung, in dem von einem weit schlimmeren Unwetter berichtet wird. Pfarrer Ammelung, der damals an der Bergkirche amtierte, berichtet hierüber: „Am 19. Juli 1769 hatten wir ein entsetzliches Gewitter. Es zog gegen Balkhausen. Kaum schienen wir außer Gefahr, so kam ganz plötzlich Wasser gleich einem Strom aus dem Balkhäuser- und Stettbacher Tal. In wenigen Minuten stieg die Bach so hoch, daß das Wasser bis nahe an die Mainzische Kelter ging. Alle hölzernen Brücken wurden bis nahe an die Bickenbacher Weide geflößt, die steineren sehr ruiniert. Der Weg auf Balkhausen wurde impraktikabel (unpassierbar) gemacht, daß er eher einem Fluß als einem Weg glich. Alle Mühlgräben wurden verdorben, die neue Schneidemühle umgelegt. Das Hirtenhaus hier zu Jugenheim wurde zusammengerissen. Das Wasser lief zu den Fenstern hinein. Des Balthasar Krämers von Balkhausen Ochsen und Wagen schammen über alle Brücken, die Ochsen wurden an der Sandmühle (Jugenheim) an Land getrieben, ohne weiteren Schaden. Den Wagen hat Krämer zum Teil am Hartenauer Hof wieder bekommen. Wieviel Bäume ausgerissen, wieviel Gärten und Aecker verdorben, ist nicht zu beschreiben. Gottlob, daß dabei kein Mensch verunglückt ist. Der Herr tue uns nicht ferner also, sondern gebe, daß alles sich zu dem Herrn bekehre. Geschrieben, den 1. August 1769. hl
Siedlungsfest in Schaafheim
Beginnend mit einem Volkstanz- und Liedervortrag am Samstagabend im „Frankfurter Hof“ gab am Sonntag ein Festzug den Auftakt zum Schaafheimer Siedlungsfest. Durch die Straßen der Gemeinde führte der Festzug die Teilnehmer, Gemeindevertretung und Gäste, zum Festplatz hinter der Siedlung in der Lobs. Bürgermeister Sehnert gab einen Rückblick über das Entstehen der Neubürgersiedlung, deren sechs Doppelhäuser in festlichem Schmuck prangten. Besondere Würdigung fand die tatkräftige Arbeit der mithelfenden Frauen der Siedlungsgemeinschaft. Kreisamtmann Sachs (Dieburg), Kreisvorsitzender des Flüchtlingsverbandes, Gand o 1 f, und Geschäftsführer Wolf von der Baugenossenschaft sprachen gleichfalls zu den Festteilnehmern. 10.
Ein befriedigendes Ergebnis
Rückblick auf das Bensheimer Winzerfest
Längst sind die frohen Melodien im Bensheimer Winzerdorf verklungen, und ein jeder ist wieder in den nüchternen Alltag (mit ach so nüchternem Geld- e beutel!) zurückgekehrt. Dennoch sei aber noch einmal ein kurzer Rückblick gewährt.
Das Ergebnis des 13. Bergsträßer Winzerfestes war für alle Teile befriedigend, und es hat sich einmal wieder gezeigt, daß die Zahl 13 doch keine Unglückszahl ist. Wenn auch das Wetter bisweilen den Bensheimern einen Streich zu spielen versuchte, so ließ sich doch niemand die frohe Stimmung verderben, und selbst an dem verregneten zweiten Samstag war wieder ein frohes Treiben im Winzerdorf. Wie uns der Festausschuß erklärte, war der Besuch an allen Tagen gut, wenn auch die höchsten Besucherzahlen am Eröffnungssamstag, dem ersten und zweiten Sonntag erreicht wurden. Zahlreiche auswärtige Reisegesellschaften hatten zum Winzerfest Autobusfahrten nach Bensheim unternommen, oder sie machten auf der Durchfahrt für einige Stunden Rast. Ein ganz großer Erfolg war die diesjährige Werbe- und Verkaufsmesse; über 20000 Besucher konnten verzeichnet werden, sehr viele Käufe wurden getätigt und zahlreiche Bestellungen aufgegeben. Ebenso hatte der Hausfrauennachmittag mit Modenschau weit mehr Besucher von nah und fern angezogen als erwartet, so daß auch hier eine sehr gute Kasseneinnahme verbucht werden konnte. Eine um so erfreulichere Feststellung, da der Reinertrag der Veranstaltung wohltätigen Zwecken zugeführt wurde. Auf diese Weise konnte der Hausfrauenverein einen namhaften Betrag für einen dreiwöchigen Erholungsaufenthalt heimatvertriebener Kinder in einem Kinderheim in Immenstadt zur Verfügung stellen, wodurch den Eltern die Bezahlung der restlichen Kurkosten (die Stadt hatte schon einen Zuschuß gewährt) wesentlich erleichtert wurde. (HB)
Polizeichronik vom Winzerfest
Am 10. September nahm eine Polizeistreife gegen 3.30 Uhr früh einen Mann fest, der im Begriff war, ein gestohlenes Motorrad „sicherzustellen“. Das Fahrzeug konnte dem Eigentümer wieder zurückgegeben werden. In der Nacht vom 3. zum 4. September rissen zwei „starke“ Männer 3 rotweiße Fähnchen von den Masten vor der Einfahrt zur Messeausstellung in der ehemaligen Gauschule und fuhren dann mit ihrer „Beute“ auf einem Krad in Richtung Heppenheim davon, Anders machte es der W. R. aus Darmstadt, der erst einen Bensheimer Wirt um die Zeche prellte und dann sich bemühte, aus einem abgestellten Pkw. eine Aktentasche zu entwenden, doch hatte er kein Glück und wurde im Winzerdorf festgenommen. Im Winzerdorf wurden aus einer Weinbucht ein blauer Regenmantel und eine Handtasche mit Inhalt gestohlen. In der Nibelungenstraße verlor ein Kraftfahrer seine Brieftasche mit Papieren und ca. 60 DM. Der „ehrliche“ Finder, ein Jugendlicher, hatte, als man ihn ermittelte, die Papiere bereits fortgeworfen und das Geld verlebt. Auch einige „böse“ Buben sorgten sich für den nötigen Zeitvertreib und schleppten yon einem Ausstellungsstand in der Hauptstraße verschiedene Geräte weg, gestohlen wurde jedoch hierbei nichts. Wieder andere „hoffnungsvolle“ Knaben vergnügten sich damit, in einem unbewachten Augenblick aus Pkws., die auf einem Parkplatz abgestellt waren, die Luft abzulassen und die Ventile herauszuschrauben. Abgesehen von kleineren Streitereien, die von der Polizei geschlichtet wurden, kam es zu keinen größeren Auseinandersetzungen. HB.
Leipziger Künstler in Erbach
Im Rahmen einer musikalischen Feierstunde in der evangelischen Stadtkirche zu Erbach wird am Samstag um 20 Uhr die bekannte Leipziger Solisten-Vereinigung als Abschluß einer Konzertreise durch das westdeutsche Bundesgebiet eine ausgewählte Vortragsfolge mit Werken von J. S. Bach, G. Fr. Händel, W. A. Mozart, Giuseppe Tartini und Konstantin a zu Gehör bringen. Die Ausfuhrenden sind Gertrud Kubel (Sopran), Augusta Gerhauser (Alt), Dorothea Kießig (Geige) und Karl Zieschang (Orgel). —ch
Professor Bentler in Bensheim
Am 17. September wird Prof. Ernst Beutler, Frankfurt a. M„ vor der Goethegesellschaff Bensheim sprechen. Sein Thema ist: „Goethes Westöstlicher Divan“.
Professor Dr. Emst Beutler, seit 1911 Bibliothekar in Hamburg, kam 1925 als Direktor des Freien Deutschen Hochstifts und des Goethe-Museums nach Frank-Damif wurde er Hüter des Goethe-Hauses und der Schätze des Mu¬ -u-s. ®ow*e ein€r umfangreichen Bibliothek. Seine Hauptarbeit aber war und ist nicht das Sammeln und Bewahren von Erinnerungsstücken, wichtiger ist ihm das Vertiefen in Leben und Umwelt, mehr noch: in den Geist Goethes.
die „Essays um Goethe“ (2 Bände), der kommentierte „Faust“ (1. Aufl. 1939); ihm folgte der „West-östliche Divan (1943). 1949 erschien (zusammen mit Dr. Josefine Rumpf): „Bilder des Frankfurter Goethe-Museums“. Die große Goethe-Gedenkausgabe, in der Schweiz noch im Erscheinen, wird auch von Ernst Beutler herausgegeben. Der früheren Zeit seiner Frankfurter Tätigkeit verdanken wir die stattliche Reihe der „Goethe- Kalender des Frankfurter Goethe-Museums" (1929—1945) und des „Jahrbuchs des Freien Deutschen Hochstifts' (1925 1944). Seif 1939 leitet er auch die Herausgabe der „Reihe der Vorträge und Schriften des Freien Deutschen Hochstifts“.
Emst Beutler wird nun am 17. d. M. in Bensheim über den „West-östlichen Divan' sprechen, über dieses große Buch „des Trostes, der Weisheit, der Liebe und des Glaubens", wie er selbst es nennt, dieses „Reisetagebuch", unserer Heimat durch das Marianne-Erlebnis (Frankfurt—Heidelberg) besonders verbunden.
Für die Goefhegesellschaft, die im friedlichen Nebeneinanderwirken der verschiedenen kulturellen Vereinigungen Bensheims sich in ihrer besonderen ^\rt aufs beste bewährt hat, wird dieser Vortrag der rechte Auftakt zur kommenden Winterarbeit sein, über der dann zum Schluß, wie über aller Arbeit der rührigen Gesellschaft, das Wort aus dem „Divan“ stehen kann: „Mit den 1 reiflichsten zusammen wirkt’ ich ...“ H.G-B.
Dekanats-Bundestag
in Reichenbach
Dem Aufruf des Evangelischen Bundes zu einem Bundestag für das Dekanat Zwingenberg in Reichenbach waren zahlreiche Geistliche, Gemeinde ab Ordnungen und Bundesmitglieder gefolgt Den Festgottesdienst und die anschließende Arbeitsbesprechung im Gemeindesaal hielt der Direktor und Leiter des Konfessionskundlichen Institutes des Evangelischen Bundes, Dozent Pfarrer Wolfgang S u k - ke r. Die Fest Versammlung um 14 Uhr füllte wiederum das ehrwürdige Gotteshaus. Umrahmt von Posaunen- und Kirchenchorklängen sprach zunächst Dekan Ullmann, Jugenheim,Grußworte,denen ein sehr beachtlicher, tiefgründiger Vortrag von Pfarrer Lic. Dr. Jost, Seligenstadt, über: „Die Macht des Evangeliums und die Mächte unserer Zeit" folgte. Mit Schlußwort, Gebet und Segen des Bundesdirektors an Stelle des leider erkrankten Ortsgeistlichen Pfarrer Mager wurde die Feierstunde beendet.
Alle Teilnehmer (Pfarrer und Gemeir.deglieder) fanden sich dann wieder im großen Saal der Gastwirtschaft Lampert bei Kaffee und Kuchen zu fröhlicher Gemeinschaft zusammen. Der Vorsitzende der Reichenbacher Bundesgruppe — Peter Weyrauch V. — ein langjähriger treubewährter Bundesmann — richtete herzliche Grußworte an die Gäste und gab seiner großen Freude über die starke Beteiligung der verschiedenen Gemeinden Ausdruck. Ernste und heitere Klänge des Posaunenchors, humorvolle Ansprachen und Mundartgedichte ließen die frohen Stunden schnell enteilen. Dem Dekanats-Bundestag war ein voller Erfolg beschieden. ‘ -Mr-
Affolterbachs Haushaltsplan
Affolterbachs Haushaltsplan 1950/51, der jetzt verabschiedet wurde, schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 66493 DM. Nahezu 3 000 DM sollen für neues Schülmobilar ausgegeben werden; die gleiche Summe wurde dem sozialen Wohnungsbau bewilligt. Rund 10 000 DM müssen für die Forstwirtschaft aufgewandt werden und 3 500 DM für die Ervzeiterung des Friedhofes. Weitere größere Ausgabenposten außer den Aufwendungskosten für Gemeindedienste sind: Ausbau der Ortsstraße, Ausbau des Sportplatzes, Kauf eines Gemeindebullen und eines Ziegenbocks, Jugendhilfe und anderes. Die Grundsteuerhebesätze wurden mit 246 beziehungsweise 136 Prozent bewilligt, die Gewerbesteuer bleibt bei 350 vom Hundert. Der Waldwirtschaftsplan schließt mit 23250 DM Einnahmen und 152 000 DM Ausgaben. (-r-)
Vorführung von Kartoffelrodern
In der Zeit vom 15. bis 26. September veranstaltet das Maschinenreferat der Landwirtschaftskammer in nächtigenden Schulbezirken Maschinenvorfuhrungen mit Kartoffelrodern:
Freitag, den 15. September, um 13 Uhr in B i b 1 i s am Ortsausgang nach Wattenheim.
Samstag, den 16. September, um 9 Uhr in Dornheim im Anwesen von Ortslandwirt Spalt.
Montag, den 25. September, um 15 Uhr in Reichelsheim/Odw. im Anwesen von Landwirt Friedrich Jost. Dienstag, den 26. September, um 9 Uhr in Groß-Umstadt am Ortsausgang nach Dieburg. Kb.
Heimatabend der Schlester
Vorstandswahl beim Kreisverein Groß-Gerau
Im Gasthaus Schmoll in Groß-Gerau fand eine außerordentliche Sitzung der Mitglieder des Schlesiervereins des Kreises statt. Vorsitzender Gärtner gab einen Ueberblick über die geleistete Arbeit im letzten Halbjahr. Er betonte in seihen Ausführungen, daß die Werbung von heuen Mitgliedern intensiver denn je durchgeführt werden müsse. In den Dörfern des Kreisgebietes sollen Heimabende mit werbendem Charakter durchgeführt werden.
Bei der anschließenden Vorstandswahl wurden wiederum Herr Gärtner, Groß-Gerau, zum 1. Vorsitzenden und Herr Bartsch, Mörfelden, zum 2. Vorsitzenden gewählt. Zum 1. und 2. Kassierer wurden Herr P o t i k a r und Frau R e i - i) ar t und zu Schriftführern Herr Janus und Frau Beinhauen gewählt. Herr Hübner wurde zum Beisitzer ernannt. Die kulturellen Angelegenheiten des Vereins werden von Frau N a f e und Frau Dabi sc h und die Arbeiten der Jugendgruppe von Herrn Gärtner jun. wahrgenommen.
Im Herbst soll ein Heimatabend mit dem bekannten Humoristen Hans Rößler abgehalten werden. Zu dem sich neu bildenden Frauenarbeitsring in Groß-Gerau will der Verein eine Schlesierin entsenden. Kb.
Dozenten besichtigen die TH
Im Anschluß an die Jugenheimer Tagung der Dozenten an deutschen Ingenieurschulen werden die Teilnehmer heute die Institute der Technischen Hochschule Darmstadt besichtigen und Vorträge der Institutsleiter über den neuesten Stand der Forschung hören. Am Freitag wird eine Kultur- und fachkundliche Studienfahrt an den Neckar und durch den Odenwald unternommen. Zum Abschluß der Tagung treffen sich die Dozenten am Samstag noch einmal in Jugenheim. hl.
Neue Wohnungen für Groß-Gerau?
Die Groß -Ge rau er Stadtverwaltung steht zur Zeit mit der Baugenossenschaft Ried in Verhandlungen, um die in der Klein-Gerauer-Straße geplanten Wohnblocks, die zirka 60 Wohnungen umfassen sollen, noch in diesem Jahre in Angriff zu nehmen. Die Absicht, diese Wohnungen mit der „Nassauischen Heimstätten A.G.“ zu bauen, war an der Finanzierung des Projektes gescheitert, -cg
Straßenausbesserungen
im Ittertal
Die Kraftfahrer, die von Hetzbach aus die Serpentinen der Kreisstraße über den Krähberg hinauf und dann hinter dem „Reußenkreuz“ in das landschaftlich idyllische Ittertal hinunterfahren, stöhnen alle über die tiefen Schlaglöcher der Straße, die schon manchem zum Verhängnis wurden.
In den letzten Tagen wurde endlich mit der teilweisen Instandsetzung der Straße begonnen. Zunächst haben aber nur die Ortsdurchfahrten von Schöllenbach und Kailbach-diesseits eine neue Asphaltdecke erhalten. Die Verbindungsstrecke zwischen den beiden Ortsteilen gleicht noch immer einer Mondlandschaft. Dagegen ist im „Alten Wald“ die Straße von Kailbach-jenseits bis zur hessisch-badischen Landesgrenze an der Drehplatzbrücke ebenfalls mit einer neuen Asphaltdecke versehen worden. Nur die Brücke selbst ist noch nicht instand gesetzt, weil ihre Verbreiterung beabsichtigt ist und die Straßenbaubehörden beider Länder sich noch nicht über die Finanzierung einig werden konnten. Da an der Weiterführung der Straße nach Seitzenbuchen bereits Schottermaterial angefahren wurde, ist in absehbarer Zeit auch mit der Instandsetzung dieses Teils zu rechnen. Hoffentlich wird dann auch die Straße über den Krähberg bald in Ordnung gebracht. -ch
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Seeheim. Die Obst- und Gemüseverwertungs-Genossenschaft nimmt vorläufig nur noch montags, mittwochs und freitags von 6.30 bis 8 Uhr Obst an. —■ Bei der hiesigen Gendarmeriestation ist ein Damenrad. Marke „Westfalen“, sichergestellt. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, wollen sich melden. ' hl.
DIEBURG
Münster. Auf dem Gelände der Muna machten sich in der vergangenen Nacht unbekannte Diebe zu schaffen. Sie wurden jedoch von einem Angehörigen des ständigen Sprengkommandos gestört, so daß sie wahrscheinlich unverrichteter Dinge wieder abzogen. Sie hatten es vermutlich auf die Messing- und Kupferhülsen von Artilleriegeschossen abgesehen. (RG)
Groß-Bieberau. Die Übungsstunden des Spielmannszuges der TSG finden mittwochs im Gasthaus Reinheimer statt. wr
Groß-Bieberau. Die letzte diesjährige Tageswanderung des Odenwald-Klubs wurde am letzten Sonntag über Hassenroth nach Mümmling-Krumbach unternommen. dt
Eppertshausen. In der Nähe des Cafes Murmann fuhr an einer unübersichtlichen Straßenbiegung ein Pkw. unvermutet auf die linke Straßenseite. Ein entgegenkommender Motorradfahrer fuhr dadurch gegen den Wagen. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. (RG)
Schaafheim, lieber Schulfragen, Wohnraumlenkung und Stellung und Verhalfen der Behörden zum Bürger in der Demokratie wird im Oeffentlichen Forum am 16. September referiert und diskutiert werden.
Landstadt. Nachdem die erste Wasserbohrung nicht den gewünschten Erfolg hafte, stieß man bei der zweiten auf eine ergiebige Wasserader, die pro Stunde etwa 3500 Liter Wasser liefert. Nadi dem Bau der geplanten Wasserleitung dürfte damit der starke Wassermangel behoben sein. -th-
ERBACH
Erbach. Das dem Straßenbauamt Bensheim gehörige Obst an Landstraßen soll meistbietend gegen Barzahlung versteigert ^werden: am 18. 9. auf der Strecke Unter-Mossau — Roßbach — Erbach um 14.30 Uhr; am 20. 9. auf der Strecke Erbach — Schönnen um 8 Uhr; Schönnen — Haisterbach um 9 Uhr; Schönnen — Marbach um 14 Uhr. -ch
BERGSTRASSE
Bensheim. Der Starkenburger Hilfsverein für die Basler Mission hält am 24. September, nachmittags 15 Uhr, sein 85. Jahresfest ab. Nach einer Festpredigt von Pfarrer Vogel- Westhofen hält Missionar Engel den Missionsvortrag über sein früheres Arbeitsgebiet China. Der evangelische Kirchenchor wird bei der Veranstaltung mitwirken. se
Fürth. Nachdem während der Sommerferien die hiesige Volksschule instand - gesetzt und das Mobdlar ausgebessert worden ist, werden in den nächsten Tagen im Toilettenraum mehrere Handwaschbecken und Spülgelegenheiten eingebaut. - r -
GROSS-GERAU
Gernsheim. Schüler und Schülerinnen der Volksschulen werden am 23. und am 24. September im Saale Esselbach das Märchenspiel „Tausend und eine Nacht; Amrosa und Aldin“ aufführen. Kr.
Gernsheim. Im kath. Gotteshaus soll eine Gedenktafel für gefallene Soldaten errichtet werden. Kb.
Nauheim. Am Samstag veranstaltet der Handharmonika-Club in der Turnhalle einen großen Konzertabend. Kb.
Der SPORT
Griesheim ruft zum Reit- und Fahrturnier
In diesen Tagen wurden die letzten Vorbereitungen zu dem großen Reit- und Fahrturnier in Griesheim bei Darmstadt getroffen, welches in Verbindung mit dem Kreis-Bauemtag vom 16. bis 18. September 1950 auf dem herrlich gelegenen Reitplatz am Griesheimer Sportfeld stattfindet.
Die Turnierleitung hat auf Grund des großen Erfolges, den das Reitturnier im vergangenen Jahr erringen konnte, beschlossen, das diesjährige Turnier in bedeutend größerem Rahmen durchzuführen. X
Das Tumierprogramm sieht 16 Prüfungen vor und zwar: 1 Materialprüfung, 1 Jugendreiterprüfung, 1 Reiterprüfung, 2 Dressurprüfungen Kl. A, 1 Dressurprüfung Kl. L, 1 Jagdspringen Kl. A und L, 1 Paarspringen, 1 Glücksjagdspringen, 5 Eignungsprüfungen für Wagenpferde für Ein- Zwei- und Mehrspänner, ferner 1 Wettkampf der ländlichen Reit- und Fahrvereine.
Zu diesen Prüfungen sind 165 Pferde gemeldet. Insgesamt sind 417 Nennungen abgegeben worden. Neben 900 DM an Geldpreisen winken für die erfolgreichen Pferde, Reiter und Reiterinnen wertvolle Ehrenpreise
Die Vorprüfungen im Reiten, Fahren und Springen beginnen bereits am Samstag, dem 16. 9. um 13.30 Uhr. Um 20.00 |Uhr findet im Festsaal „Zum grünen Laub“ ein großer Festkommers unter Mitwirkung der örtlichen Sportvereine statt.
Am Sonntagfrüh beginnen bereits um 7 Uhr die Vorprüfungen und die Wettkämpfe der ländlichen Reit- und Fahrvereine um den Wanderpreis, bei dem sich 16 Reitabteilungen messen werden. Ein großer Festzug, an dem sich auch alle Ortsgruppen des Kreis-Bauernverbandes mit Festwagen beteiligen, wird sich gegen 13 Uhr durch Griesheims Straßen zum Turnierplatz bewegen. Dieses Turnier wird wohl das letzte in der näheren Umgebung für dieses Jahr und ein besonderer Anziehungspunkt für alle Pferdeliebhaber. -eV.-
Kinderturnfest in Lorsch
Am Sonntag, 17. September, veranstaltet der Turnkreis Bergstraße sein diesjähriges Kreiskinderturnfest. Es wird auf dem Platz und in der Halle der Turnvereinigung Lorsch ausgetragen. Zirka 800 Teilnehmer aus dem ganzen Kreis Bergstraße werden dabeisein. Der Vormittag ist mit Wettkämpfen ausgefüllt. Um 14 Uhr bewegt sich ein Festzug, unter Beteiligung der jungen Wettkämpfer sowie der Lorscher Schuljugend durch die Ortsstraßen. Nach Beendigung der Wettkämpfe gegen 17 Uhr schließt die Siegerehrung das Kreiskinderturnfest 1950 ab. -bl-
Die Vertretung des ASV Dieburg unterlag am Sonntagvormittag gegen die Ringer des SKA Sprendlingen 2:6 in der dortigen Turnhalle. -gi-
Kontingentierte Ausländerbesuche
Stuttgart, (dpa) Der Deutsche Fußballbund wird künftig wieder wie schon früher ausländischen Fußballmannschaften nur noch jeweils fünf Spiele für Gastspielreisen in Deutschland genehmigen. Diese Maßnahme des Bundesvorstandes wird deshalb wieder angewendet, weil sich in letzter Zeit die Fälle von zusätzlichen Spielen der Auslandsvereine häuften, die außer dem bewilligten Kontingent nachträglich abgeschlossen wurden.
Gute Bilanz im Schwimmkreis Dieburg-Erbach
Unter der umsichtigen Leitung von Herm Ferdinand Vieider (Höchst), dem Fachwart für Schwimmen in den beiden Odenwaldkreisen, konnte gegenüber dem Vorjahr eine erfreuliche Leistungssteigerung in den einzelnen Leistungsklassen festgestellt werden. Da die acht schwimmsporttreibenden Vereine ausnahmslos über einen guten Nachwuchs verfügen, berechtigt das nächste Jahr noch zu größeren Hoffnungen. Die relativ besten Zeiten des, Kreises dürften die von der 12jährigen Wilma Borsdorf (SC Reinheim) über 50 m und 100 m Brust erzielten 45,2 Sek. bzw. 1:42,8 Min. sein. Nachstehend die Kreisbesten (Datum und Ort des Erfolges):
Knaben: 50 m Brust Gruppe A: Horst Kaspar, VfL Michelstadt, 50,5 Sek. (2. 7. 50 in Güttersbach). Gruppe B: Alfred Suthe, TSV Höchst, 44,0 Sek. (6. 8. 50 in Darmßtadt). 100 m Brust Gruppe B: Alfred Suthe, TSV Höchst, 1:40,0 Min. (13. 8. 50 in Groß-Umstadt). 50 m Kraul Gruppe A: Jürgen Uhl, SC Reinheim, 45,9 Sek. (30.7.50 in Ober-Ramstadt). Gruppe B: Karl Allmann, SC Reinheim, 40,4 Sek. (6. 8. 50 in Darmstadt). 100 m Kraul Gruppe B: Karl Allmann, SC Reinheim, 1:38,4 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 50 m Rücken Gruppe A: Jürgen Wörtz, VfL Michelstadt, 1:05,3 Min. (9. 7. 50 in Bad König). Gruppe B: Günther Siegler, TV 78 Gr.-Umstadt, 53,1 Sek. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 4 X 50 m Brust Gruppe A und B: TSV Höchst 3:10,7 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 4 X 50 m Kraul offen: SC Reinheim 3:03,3 Min. (6. 8. 50 in Darmstadt). 3 X 50 m Lagenstaffel: TV 78 Groß-Umstadt 2:22,6 Min. (13. 8. 50 in Gr.- Umstadt).
Mädchen: 50 m Brust Gruppe A: Ursula Biehl, TSV Höchst, 47,6 Sek. (13.8.50 in Gr.-Umstadt). Gruppe B: Wilma Borsdorf, SC Reinheim, 45,2 Sek. (20. 8. 50 in Darmstadt). 100 m Brust Gruppe B: Wilma Borsdorf, SC Reinheim, 1:42,8 Min. (13.8.50 in Gr.-Umstadt). 50 m Kraul Gruppe A: Erika Uhl, SC Reinheim, 54,2 Sek. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). Gruppe B: Rosemarie Leyhausen, VfL Michelstadt, 49,2 Sek. (18. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 50 m Rücken Grimpe B: Luise Vieider, TSV Höchst, 54,0 Sek. (13.8.50 in Gr.-Umstadt). 4 X 50 m Brust Gruppe A und B: SC Reinheim 3:19,1 Min. (20. 8. 50 in Darmstadt). 3 X 50 m Lagenstaffel: TSV Höchst 2:45,8 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt).
Weibl. Jugend: 100 m Brust Gr. A: v. Natzmer, VfL Michelstadt, 1:43,6 Min. (27. 8. 50 in Sandbach). Gruppe B: Ruth Saul, SC Reinheim, 1:52,2 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 100 m Kraul Gruppe A: Weimar, VfL Michelstadt, 2:03,6 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). Gruppe B: Helga Pflimpfl, SC Reinheim, 1:38,0 Min. (6. 8. 50 in Darmstadt). 100 m Rücken Gruppe A: Hedwig Schwöbel, VfL Michelstadt, 2:11,8 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). Gruppe B: Helga Pflimpfl, SC Reinheim, 2:11,4 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt).
Männl.Jugend: 100 m Brust Gr. A: Rudolf Billerbeck, SC Reinheim, 1:32,2 Min. (20. 8. 50 in Darmstadt). Gruppe B: Philipp Germann, SC Reinheim, 1:30,3 Min. (20. 8. 50 in Darmstadt). 200 m Brust Gr. A: Klaus Hies, VfL Michelstadt, 3:19,6 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). Gruppe B: Rudolf Billerbeck, SC Reinheim, 3:22,5 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 100 m Kraul Gruppe A: Günther Groll, VfL Michelstadt, 1:25,6 Min. (27. 8. 50 in Sandbach). Gruppe B: Philipp Germann, SC Reinheim, 1:19,0 Min. (6. 8. 50 in Darmstadt). 100 m Rücken Gruppe A: Günther Groll, VfL Michelstadt, 1:41,0 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). Gruppe B: Horst Beyer, SC Reinheim, 1:34,4 Min. (13. 8. 50 in Gr.- Umstadt). 4 X 100 m Brust Gruppe A u. B: VfL Michelstadt 6:44,7 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt). 3 X 100 m Lagenstaffel offen: VfL Michelstadt 4:52,9 Min. (13. 8. 50 in Gr.-Umstadt).
Frauen: 100 m Brust Klasse 3 und 4: Ilse Bar, TSV Höchst, 1:56,1 Min. (23. 7. 50 in Höchst).
Männer : 100 m Brust: Georg Blumenschein, TSG Bad König, 1:32,1 Min. (27. 7. 50 in Höchst). 100 m Kraul Klasse 3 und 4: Heinz Jobst, SC Reinheim, 1:12,8 Min. (6. 8. 50 in Darmstadt). 100 m Rücken: Heinz Wiemann, SC Reinheim, 1:22,4 Min. (30. 7. 50 in Berlin). 3 X 100 m Lagenstaffel: SC Reinheim 4:16,5 Min. (6. 8. 50 in Darmstadt).
Leider besteht im Kreis Dieburg/Erbach nur eine aktive Wasserballmannschaft, die des SC Reinheim, die in der A-Klasse hinter dem DSW 1912 Darmstadt 2 den zweiten Platz in der diesjährigen Verbandsrunde belegen konnte. -ff-
Von Sport-Rekorden
Auch die Rosse sind daran beteiligt
Immer wieder werden in der Presse J ahresbestleistungen, Europabestleistungen auf allen Sportdisziplinen bekannt gegeben, aber von unseren lieben Pferden, die doch so großen Anteil am Sport haben, hört man zwar gelegentlich über ausgezeichnete Schnelligkeitsleistungen, nie aber von Sprunghöchstleistungen. Gewiß wird gelegentlich eines Reitturniers mitgeteilt, daß ein Hindernis von 1,60 m oder 1,70 m fehlerfrei genommen worden ist. Wie hoch aber und wie weit ein Pferd springen kann, erfährt man niemals. Gleichwohl sind auch diese Rekorde genau registriert. Interessant ist dabei, daß für das Brechen eines Höhenrekordes nicht ein Zentimeter genügt, sondern drei Zentimeter erforderlich sind und für den Weitsprung sogar zehn Zentimeter. Erstaunlich ist, welche Leistungen Pferde unter ihren Reitern vollbringen können. Bis zum Jahre 1939 stand der Höchstsprung-Weltrekord auf 2,37 m. Am 23. Oktober 1939 wurde er durch den italienischen Capitain Guiterez mit „Osoppo“ auf 2,44 m erhöht. Anfang 1949 gelang dem chilenischen Hauptmann Alberto Larraguibel mit „Huaso“ in Santiago de Chile ein Sprung über 2,47 m. Daß drei cm für die Erhöhung des Rekordes erforderlich sind, entspricht dem Reglement der Federation Equestre Internationale zu Paris. Es muß also nunmehr eine Höhe von 2,50 Meter erreicht werden.
In Deutschland ist man hinter diesen ausländischen Rekorden weit zurück. Im vorigen Jahre .wurde bei einem Sprungturnier in Bad Anchen die Höhe von zwei Metern erreicht, wobei besonders erstaunlich war, daß ein ländlicher Reiter Sieger wurde. Vor einigen Wochen gelang ebenfalls in Aachen ein Sprung über 2,17 m. Im Weitsprung waren bis zum Herbst 1948 acht Meter noch nicht erreicht worden. Am 12. September 1948 schaffte der spanische Commandant Noqueras Marquez mit „Balcamo“ anläßlich eines Turniers in Bilbao einen Sprung über diese Weite. Soll diese Marke gebrochen werden, so müßten 8,10 m erreicht werden.
Man sieht, daß die Pferde im Hochsprung den Menschen über sind und im Weitsprung ihnen gleich stehen. H.Ka.
Deutsche Tennis-Elite im Nerotal
Schlußrunden der Großen Medenspiele — Henner-Henkel-Finale
Der Deutsche Tennisbund (DTB) hat die diesjährigen Schlußrunden der Großen Meden-Spiele (Deutsche Mannschaftsmeisterschaften) und die Endspiele um den Henner - Henkel - Pokal ( Jugend-Mannschaftsmeisterschaften) nach Wiesbaden verlegt. Sie finden am-16./17. September auf der Anlage des Wiesbadener Tennis- und Hockey-Clubs unter der Regie des Gastgebers statt.
Am Start ist die gesamte deutsche Spitzenklasse. Es spielen: für Niedersachsen: v. Cramm, Dösser, Czolbe, Denker, Gerloff, Henkel, Lahmann, Saß und Stein; für den Rheinbezirk: Buchholz ,Delmes, Esser, Grosse, Hirtz, Hoffmann, Koch, Pachaly, Seidel; für Bayern: Bauer, Hildebrandt, Kammerer, Kunig, Dr. Maier, R. Menzel, Pensel, Dr. de Voß; für Berlin: Gerstel, Göpfert, Göttsche, Gohlke, Hofer, Dr. Kümpfel, Peters. Somit ist die gesamte deutsche Tennis-Elite in Wiesbaden zu Gast und verhilft der Stadt erneut zu einer der größten deutschen Veranstaltungen dieser Sportart. Am gleichen Tag trifft sich der erweiterte Vorstand des Deutschen Tennisbundes zu einer Tagung in Wiesbaden.
VIB Stuttgart - VIL Neckarau 14:1
Stuttgart. (AZ) Im Oberligapunktspiel des Vfß Stuttgart — VfL Neckarau, das wegen des Städtespiels Zürich — Stuttgart am kommenden Sonntag bereits am Mittwoch ausgetragen wurde, kam der Deutsche Meister nach einwandfreier Ueberlegenheit zu einem 4:1-Sieg.
Handball ohne Abseits
Wien, (dpa) Auf dem Kongreß des Internationalen Handballverbandes in Wien wurde am Sonntag die Abseitsregel aufgehob t. Die Weltmeisterschaft 1952 wird von der Schweiz ausgerichtet. Auf Einladung Finnlands sollen die vier besten Mannschaften dieses Wettbewerbs bei den olympischen Spielen in Helsinki in Demonstrationsvorfühmngen spielen. Der nächste Kongreß des Verbandes findet 1952 in Saarbrücken statt.
Anerkennung für Stöck
el. Hamburg. (Eigener Bericht.) Der Hamburger Senat hat Studienrat Gerhard Stock, den früheren deutschen Olympiasieger und Weltrekordler im Speerwurf (1936: 73,96 m) zum Direktor des Staatlichen Sportamtes der Hansestadt ernannt. Stock leitet die Behörde bereits seit längerer Zeit und will sich besonders für die Errichtung eines großen Stadions in der Hansestadt einsetzen. Gegenwärtig ents eht unter seiner Leitung im Hamburger Stadtpark ein repräsentatives Leichtathletik-Sportfeld für zwanzigtausend Zuschauer.
Handball im Kreis Dieburg
Auch am kommenden Sonntag dürften in beiden Gruppen des Handballkreises Dieburg die schon zur Tradition gewordenen Ueberraschungen nicht ausbleiben. In der Gruppe 1 stehen sich gegenüber: Schaafheim—Harreshausen. Langstadt/ Schlierbach I—Babenhausen. Klein-Umstadt—TV Reinheim. Langstadt 2 gegen Richen. In der Gruppe 2: Groß-Umstadt gegen Brensbach. SV 45 Reinheim gegen Gundemhausen. Münster—Tschft. Ober-Roden, Nied.-/Ob.-Klingen— Groß-Zimmern. Da uns noch die amtliche Bestätigung seitens des Kreisfachwartes über die Mannschaftszurückziehung von Harreshausen fehlt, ist es fraglich, ob das Spiel in Schaafheim überhaupt stattfindet. Langstadt/Schlierbach 1 muß vor der ehrgeizigen Elf aus Babenhausen auf der Hut sein, wenn es auch den dritten Spieltag ohne Punktverlust überstehen will. Der TV Reinheim müßte eigentlich, nach seinen seitherigen Leistungen beurteilt, in Kl.-Umstadt zu den Punkten kommen. Offen ist die Begegnung zwischen Langstadt/Schlierbach 2 und Richen. Wenn Brensbach in Gr.-Umstadt komplett antritt, ist die Frage nach dem Sieger noch ungeklärt. Seinen Nimbus als ungeschlagene Mannschaft dürfte der SV 45 Reinheim gegen Gundernhausen verteidigen. Einen wichtigen Aufschluß über das Kräfteverhältnis wird uns die Begegnung in Münster bringen. Ob sich Gr. -Zimmern in Nd.-Klingen durchsetzen kann, erscheint nach den überraschenden Punktverlusten von Gr.-Zimmern sehr fraglich. -ff-
Die Gruppenliga am Sonntag
TSV Pfungstadt—Bretzenheim SV Kostheim—TSG 46 Darmstadt Bauschheim—Cone. Herrnsheim TG Rüsselsheim—TSV Braunshardt Alzey—Herrnsheim
Pfungstadt dürfte zu Hause gegen Bretzenheim zu einem leichten Punktgewinn kommen. — Die Darmstädter TSG 46 muß sich gewaltig anstrengen, um in Kostheim, das in den letzten Spielen seine gute Form bewiesen hat, eine gute Partie zu liefern. — Gernsheim wird sich auch in Bauschheim die beiden Punkte nicht nehmen lassen. Braunshardt wird auch in Rüsselsheim seine Hochform unter Beweis stellen und sich die Siegeschancen nicht nehmen lassen. — Der Ausgang des Spiels in Alzey ist offen. Wenn man auch dem Platzbesitzer ein leichtes Plus einräumen muß, so hat doch Herrnsheim am vergangenen Sonntag in Darmstadt bewiesen, daß es um Punkte zu kämpfen versteht. -th-
Sport in Kürze
Der KSV Urberach siegte auf dem Kunstturnwettkampf gegen eine Vertretung des Turnkreises Offenbach-Hanau mit 365,1 Punkten gegen 350,2. Der Kriegsblinde Urberacher Bernhard Groh erreichte mit 18,9 die höchste Punktzahl und wurde damit bester Einzelturner, - gi-Der Boxklub Eiche Lorsch veranstaltet am Samstag im Lokal Wiegand eine Groß-Boxveranstaltung. Die Staffel von Eltville im Rheingau steht den Eichen gegenüber. Für die nächste Zeit hat der Verein weitere größere Staffeln verpflichtet. - bl-Im Behördenfußball trennten sich das Amtsgericht Dieburg und Fernmeldebaijiamt Darmstadt nach einem schönen Spiel 3:3 unentschieden. Das Rückspiel wird in Kürze in Darmstadt ausgetragen. -gi-
Für das Spiel FSV Frankfurt gegen SV Darmstadt 98 sind im Zigarrenspezialgeschäft Hugo de Waal, Darmstadt, Rheinstraße 23, noch Tribünenkarten, Laufbahnsitzplätze und Stehplatzkarten im Vorverkauf erhältlich.
DI Bestattungen am Donnerstag, dem 14. Sept. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: ll.OQUhr: Waßner, Babette, 83 J., Paillatswicsenstraße 21 Waldfriedhof: 10.45 Uhr: Herr, Valt., 76 J., Polizei-Hauptwachtmeister i. R., Ldebigstraße 4
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