Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt Verlag DarnwJS:. DOMBROWSKI. Darmstadt Rh J>n3»aSolatt C‘ Wittich, Erscheint täß.h,eKaße 23 Telefon 3925. 1 'agllch außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 64 Xeueffe Ttacftridtfen Mittwoch, 13. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 3925. Bezugspreis: 2.60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Bonn berüt Gesetzesvorlage gegen Umsturzuersuche

®nn» 12. September. Im Bundestag hat am Dienstag der uz er Bundesrepublik durch das Gesetz zur Aenderung des ra gesetzes mit seinen neuen Bestimmungen gegen Verfassungss orung, Hochverrat und politische Hetze zur Debatte gestanden.

Diese Modernisierung der Schutzbestimmungen des Staates gegen die neuartigen Formen seiner Bedrohung, die sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, ist im Bundesrat sehr umstritten worden. Die zweite Kammer sprach von überspanntem Strafschutz, zu harten Mindeststrafen und vermißte juristisch klare Definitionen, zum Beispiel bei dem neuen Begriff der „Verfassungsstörung“.

Demgegenüber hat die Bundesregierung geäußert, die Auffassung des Bundesrates, von einer gesetzlichen Regelung abzusehen bis dieses Rechtsproblem eingehend erörtert worden sei, sei verfehlt, denn die Enthüllung kommunistischer Pläne habe die der Bundesrepublik drohenden Gefahren in einem Maße deutlich gemacht, daß, die Abwehr dieser Gefahren auch durch strafrechtliche Vorschriften mit größter Beschleunigung gesichert werden müsse.

Mit größter Beschleunigung

Minister Dehler unterstrich dieses Argument auch vor dem Parlament mit dem ausdrücklichen Bedauern, daß schon ein halbes Jahr versäumt worden sei, um das Staatsschiff seetüchtig zu machen. Er bekannte sich zu dem Grundsatz, daß Opfer an Freiheit gebracht werden müßten, um sich die Freiheit zu bewahren. Wieder bezog sich der Justizminister auf das Schicksal der Weimarer Republik, die an dem den Feinden der Demokratie gewährten Übermaß an Freiheit zugrunde gegangen sei. Praktische Perspektiven des Gesetzes zeigte der Minister mit den Sätzen auf, daß das Verbot staatsfeindlicher Zusammenarbeit mit dem Auslande eine starke Waffe gegen östliche Wühlarbeit gebe und den ungeheuerlichen Verunglimpfungen der Bundesregierung durch Interessengruppen des vom Gesetz nach Artikel 131 berührten Personenkreises entgegengetreten werden müsse.

Opfer an Freiheit

Aber nicht nur das Beispiel Weimar, auch das Schicksal der Tschechoslowakei 1948 stellte der Minister den Abgeordneten als Warnung und als Beweis der Notwendigkeit seiner neuartigen Bestimmungen vor Augen. Umstritten durch Zwischenrufe wurde nur seine Verteidigung der neuen Bestimmungen über die Gerichtsberichterstattung, deren Charakterisierung als keine Beschränkung der Pressefreiheit anscheinend das Haus nicht überzeugte.

Graf Kchwerin berät den Kamnzler

Bonn, 12. September. (AP.) Die Bundesregierung hat am-Dienstag bekanntgegeben, daß der General Graf Schwerin d^m Bundeskanzler nach Bedarf zur Beratung in technischen Fragen der Sicherheit zur Verfügung steht. In einem kurzen Kommunique wurde weiter mitgeteilt, daß Graf Schwerin seit einigen Wochen mit der Bearbeitung der Fragen beauftragt ist, die sich auf die Versorgung der ehemaligen Wehrmachtsangehörigen beziehen.

Konzentrations-Klöster

Rom, 12. September. (AP.) Nach einer Veröffentlichung des Vatikans sind in der Tschechoslowakei sogenannte Konzentrationsklöster für Mönche und Nonnen eingerichtet worden. Die Gefangenen werden dort gezwungen, an kommunistischen Schulungskursen teilzunehmen und schwere körperliche .Arbeit zu verrichten.

Säũ;uberungsaktion

Jetzt auch in Belgien

Brüssel, 12. September. (AP.) Die belgische Regierung hat am Dienstag bekanntgegeben, daß sie die zivilen Behörden von Kommunisten und ihren Parteigängern säubern werde. Alle Beamten und Angestellten sollen aus dem öffentlichen Dienst entfernt werden, die mit revolutionären oder antinationalen Gruppen in Verbindung stehen oder diese unterstützen.

Beginn der Außenminister-Konferen;

Acheson erwartet wichtige Uebereinkommen

Neuyork, 12. September. (HRJAP./dpa) Am Dienstagnachmittag hat in Neuyork im Waldorf-Astoria-Hotel die Außenministerkonferenz der drei Westmächte begonnen, die drei Tage dauern wird. Die Außenminister werden vor allem über eine erhöhte militärische Bereitschaft des Westens, über eine Verstärkung der Verteidigung Europas und über die etwaige Beteiligung der Bundesrepublik an der Verteidigung Westeuropas verhandeln. Der amerikanische Außenminister Acheson hatte am Montagabend erklärt, er sei überzeugt, daß auf der Konferenz wichtige Uebereinkommen erzielt wurden, die wesentlich zur Erhaltung des Weltfriedens beitragen könnten. Er werde dem britischen Außenminister Bevin und dem französischen Außenminister Schuman konkrete Vorschläge unterbreiten.

Bevin lehnt ab

Er ist gegen deutsche Militäreinheiten

Neuyork, 12. September. (AP.). Außenminister Bevin hat bei seiner Ankunft in Neuvork erklärt, Deutschland müsse wieder zu einer großen Nation gemacht werden doch könne man dies nicht dadurch erreichen daß man wieder deutsche Militäreinheiten aufstelle Er sei im Augenblick mit der Ansicht Achesons über die Aufstellung deutscher Einheiten als Teil einer’ westeuropäischen Verteidigungs¬ ^„ht nicht einverstanden, er lehnt es ab, ™ der Frage einer möglichen Waffen- Produktion durch die westdeutsche Industrie Stellung zu nehmen.

Der französische Außenminister Schuman hat nach seinem Eintreffen in Neuyork erklärt, die Bundesrepublik müsse in die Lage versetzt werden, selbst für die Aufrechterhaltung ihrer inneren Sicherheit sorgen, um eine Fünfte Kolonne bekämpfen zu können. Die westeuropäischen Regierungen seien sich darüber einig, daß die Bundesrepublik eine größere Polizei mit moderner Ausrüstung brauche. Die äußere Sicherheit der Bundesrepublik sei jedoch eine Angelegenheit der Besatzungsmächte. Die westeuropäischen Länder verfügten nicht über genügend Mittel, um die Deutsche Bundesrepublik und die westlichen Alliierten gleichzeitig zu bewaffnen.

Später 60 000 Mann

Kirkpatrick zur Bundespolizei

Neuyork, 12. September. (AP.) Oberkommissar Kirkpatrick, der zur Teilnahme an der Außenministerkonferenz in Neuyork weilt, hat erklärt, Großbritannien stehe der Aufstellung einer starken westdeutschen Polizeitruppe zur Niederschlagung eventueller kommunistischer Aufstände wohlwollend gegenüber. Die von Bundeskanzler Adenauer vorgeschlagenen Zahlen von 20 000 bis 25 000 Mann seien akzeptabel, ebenfalls die später geplante Erhöhung auf 60 000 Mann. Allerdings habe das deutsche Volk keine große Lust zur Wiederbewaffnung.

Churchill: Mindestens 60 Divistonen

Eine Sondersitzung des britischen Parlaments über Verteidigungsfragen

London, 12. September. (AP./dpa/Reuter.) Am Dienstag ist das britische Unterhaus zu einer Sondersitzung zusammengetreten. Ministerpräsident Attlee hatte die Abgeordneten wegen der gespannten weltpolitischen Lage aus den Ferien rufen lassen und das Zusammentreten des Parlaments vor dem Beginn der eigentlichen Session für notwendig erachtet. Attlee hat, als er auf die gefährdete Lage des westeuropäischen Kontinents hinwies, erklärt, daß Großbritannien eine weitere Division in seine Besatzungszone nach Deutschland entsenden werde. England verfüge dann über drei ausgebildete Divisionen in der Bundesrepublik. Auf die Frage der deutschen Wiederaufrüstung eingehend, meinte der britische Premier, eine deutsche Beteiligung an der Verteidigung des Westens komme nur im Rahmen eines gemeinsamen Verteidigungsplanes in Frage. „Es handelt sich hier um ein sehr schwieriges Problem, das von allen Parteien sehr sorgfältig erörtert werden muß.“

Zu der Forderung des deutschen Bundeskanzlers, eine Polizeitruppe aufzustellen, sagte Attlee: „Dafür sind gewichtige Gründe vorhanden. Die Bundesrepublik ist ständig von inneren Unruhen bedroht, die von den Kommunisten angezettelt werden können. Die Bundesrepublik benötigt daher für einen derartigen Notfall eine bewaffnete Truppe.“ Es sei keinesfalls eine embrionale Armee vorgesehen.

Das britische Heer solle von sechseinhalb aktiven Divisionen auf zehn aktive und zwölf Reservedivisionen verstärkt werden. 250 000 Arbeiter sollten zusätzlich für die Rüstungsproduktion eingesetzt werden. Für die Zivilbevölkerung bedeute die Verstärkung der Verteidigung Einschränkungen, insbesondere in der Produktion von Radioapparaten, Autos und Luxuswaren. Die Regierung sehe eine Erweiterung ihrer Kontrollen über Exporte kriegswichtiger Güter nach den östlichen Staaten vor. Die Kontingentierung und Zuteilung knapper Rohstoffe werde voraussichtlich angeordnet werden.

Winston Churchill verlangte im Unterhaus die schnelle Aufstellung einer europäischen Armee in Stärke von mindestens sechzig bis siebzig Divisionen. In diese Armee müsse auch ein starkes deutsches Truppenkontingent aufgenommen werden. Churchill sprach von zehn deutschen Divisionen.

Der Führer der konservativen Opposition, Churchill, sagte, daß seine Partei die • Verlängerung der Dienstzeit, die Solderhöhungen und die beschleunigte Wiederaufrüstung billige. Er müsse jedoch betonen, daß diese Zustimmung nicht als ein Vertrauensvotum aufzufassen sei, am wenigstens für die Behandlung militärischer Fragen durch die Regierung.


Optimistisches Lächeln der drei Außenminister Acheson (Vereinigte Staaten), Bevin (England) und Schuman (Frankreich), die gestern zu einer Konferenz im Waldorf-Astoria-Hotel in Neuyork zusammengetreten sind AP-Bild
Optimistisches Lächeln der drei Außenminister Acheson (Vereinigte Staaten), Bevin (England) und Schuman (Frankreich), die gestern zu einer Konferenz im Waldorf-Astoria-Hotel in Neuyork zusammengetreten sind AP-Bild

Exploston in einer Fabrik

Acht Personen ums Leben gekommen

Eldred (Pennsylvania), 12. Sept. (AP.) Bei einer Explosion in einer Fabrik sind nach bisherigen Berichten acht Personen ums Leben gekommen. Im Fabrikgelände sind schwere Zerstörungen entstanden.

Die neue Richtung

*** Im Waldorf--Astoria-Hotel in Neuyo hat gestern die Außenminister-Konferenz der drei Westmächte begonnen, die sich nach den Worten des amerikanischen Außenministers Acheson als die wichtigste Konferenz erweisen wird. Er selbst wird die neuen Richtlinien der amerikanischen Politik zu dieser Konferenz mitbringen, die unter anderem ein Gegengewicht gegen die Volkspolizei der Sowjetzone vorsehen.

Während sich vor vier Monaten die Londoner Konferenz der drei Außenminister noch mit der Frage beschäftigte, wie man Deutschland wieder in den Verband der freien Völker aufnehmen könne, handelt es sich heute darun, wie man die Kräfte der Bundesrepublik als Beitrag für die Verteidigung Euro, heranziehen kann. Diese Tatsache zeigt am deutlichsten den Wandel, der sich seit dem Konflikt in Korea vollzogen hat. Es ist nicht anzunehmen, daß Frankreich und Großbritannien allzuviel Begeisterung für die amerikanischen Pläne zeigen werden, die eine bedeutsame Aenderung des Besatzungsstatuts vorsehen. Die Verhältnisse erweisen sich jedoch als stärker. Der englische Außenminister Bevin hat bei seiner Ankunft in Neuyork zurückhaltend erklärt, Deutschland müsse zwar wieder zu einer großen Nation gemacht werden, doch könne man dies nicht dadurch erreichen, daß man wieder deutsche Militäreinheiten aufstelle. Die neuen amerikanischen Richtlinien werden aller Voraussicht nach entscheiden, daß Deutschland sich selbst und sofort verteidigen können muß. Wenn Bundeskanzler Adenauer vor wenigen Tagen meinte, die Chancen der Konferenz seien für Deutschland außerordentlich groß, er erwarte, daß die Außenminister ein großes, bedeutsames Fundament zusammenbringen würden, so dürfte es sich diesmal in seiner Voraussage nicht getäuscht haben.

Das Ende der Springprozession

Von Hans Baumgarten

Es ist ein weiter Weg von Hiroshima bis zum Wunsch, mit Japan Frieden zu schließen; von dem Morgenthau-Plan bis zum Wiederaufbau eines gesunden Deutschlands mit amerikanischer Hilfe; von der amerikanisch-russischen Allianz des Weltkrieges bis zum jetzigen Aufmarsch der Welt in einem Ostblock und einem Westblock. Aber der Weg ist — mit den Augen der Geschichte betrachtet — fast unfaßbar schnell durchschritten worden. Jetzt sind wir an einem Endpunkt angelangt. Wie ist das möglich gewesen?

Manchem Beobachter, der das Verhalten Amerikas in den vergangenen fünf Jahren einfach mit dem gesunden Menschenverstand oder gar mit den Gesetzen der Logik messen wollte, ist allerlei widerspruchsvoll, ja unerklärlich erschienen. Immer wieder glaubte er, einer Echternacher Springprozession beizuwohnen, bei der Washington nach drei Schritten in die vorgezeichnete Richtung jeweils wieder zwei Schritte zurück machte. Die Beobachter vergaßen bei ihrer Kritik dessen, was sie Unklarheit und Unentschlossenheit nannten, jedoch etwas Wesentliches: Die Vereinigten Staaten sind eine Demokratie. Washington kann nicht nach Belieben, wie der Kreml, ohne sich um die Meinung seines Volkes zu kümmern, heute einen Staat als Erzfeind behandeln, morgen mit ihm ein Bündnis schließen und übermorgen mit ihm auf Leben und Tod kämpfen. Es mußte den Leuten auf der Straße erst einmal klarmachen, daß und warum sich die Welt seit Kriegsende verändert hat.

Die Sowjets haben trotz aller Gerissenheit ihrer Methoden den Fehler begangen, der Regierung der Vereinigten Staaten bei dieser Aufklärungsaktion unermüdlich zu helfen. Nordamerika ist ein gewaltiges Industrieland. Wirtschaftlich und zivilisatorisch setzt es die Methode Coue, wonach es einem täglich besser geht, unermüdlich in die Praxis um. Der Lebensstandard des amerikanischen Arbeiters und Bauern ist in einem unerhörten Ausmaß von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gestiegen. Die Amerikaner haben seit ihrem Unabhängigkeitskrieg kein anderes Ziel gekannt, als in Frieden und Wohlstand und Freiheit zu leben. Dafür sind sie Isolationisten gewesen, haben sich bewußt aus den Händeln dieser Welt heraushalten wollen. Aber zum Wohlstand gehört Beschäftigung, und zur Beschäftigung gehört ein Markt, und zur Beschickung eines Marktes und zur Versorgung daraus braucht man Frieden. Die Sowjets haben sich dagegen vergangen. Sie haben seit 1945 die Welt nicht zur Ruhe kommen lassen. Sie haben sie immer neu in Sorge vor einem Krieg versetzt.

Zuletzt jedoch ist unter der Schirmherrschaft der Sowjets der koreanische Krieg ausgebrochen. Damit wurde der Echternacher Springprozession das Ende gesetzt. Das Capitol in Washington braucht seitdem seinem Land nicht mehr klarzumachen, daß es bedroht sei; daß man die Freiheit in der Welt zugunsten kommunistischer Diktaturen zurückzudrängen sucht; daß der Friede nicht mehr vom Isolierungswillen der Vereinigten Staaten abhängt; daß Kräfte am Werk sind, denen der Wohlstand der Völker gleichgültig ist, wenn sie nur ihren revolutionären oder, besser gesagt, autokratischen Zielen näherkommen; daß keine Wirtschaft und kein Unternehmen auf die Dauer gedeihen kann, wenn sie, wie jetzt, jeden Tag damit rechnen müssen, das Werk ihrer Hände und Gedanken dadurch ausgetilgt zu sehen, daß jemand von draußen die Fackel hineinwirft.

Die Herren im Kreml mögen angesichts der amerikanischen Echternacher Springprozession geglaubt haben, ihr Spiel so lange fortsetzen zu können, bis unter der Angst vor einem kommenden Krieg die Wirtschaft der freien Welt zusammenbrechen und die Arbeitslosen-Heere zur Weltrevolution stoßen würden. Sie haben das Gegenteil erreicht Die Regierung der Vereinigten Staaten gewinnt einen neuen Rückhalt bei den Massen, wenn sie nunmehr auf lange Zeit, durch die nach allgemeiner amerikanischer Meinung notwendig gewordene Aufrüstung, die Konjunktur ganz endgültig sichert. Und obendrein: Die Demokratische Partei ist mden Staaten mit Hilfe der Gewerkschaften ans Ruder gekommen, und diese hängen der Planung an. Eine schnelle und starke Aufrüstung verbindet sich leicht mit Planung. Wenn Truman in seiner letzten Kamin-Rede erste derartige regulierende Maßnahmen in Aussicht gestellt hat, so sind ihm dabei gewiß auch die Gedanken an die kommenden Kongreßwahlen gegenwärtig gewesen.

Das soll und braucht nicht zu heißen, daß die Vereinigten Staaten und damit die westliche Welt im Widerstand gegen die sowjetische Angriffslust sich dauernd der Planung ausliefern müssen. Immerhin wäre es gut für die westliche Welt, programmatisch endlich von der Defensive zur Offensive überzuwechseln. Die große Zeit der europäischen Demokratie ist im vergangenen Jahrhundert durch vier Ereignisse ausgelöst worden: durch die Schaffung des Bürgertums, durch die Befreiung des Bauernstandes, durch den Aufbau freier Völker und schließlich durch die Zusammenfassung zu größeren politischen und wirtschaftlichen Gebilden in Form der Nationalstaaten.

Aus diesen Erfahrungen kann die westliche Welt ihre Ideale entnehmen. Dabei braucht sie keine theoretischen Konstruktionen zu suchen. Das Ziel, das die Menschen unseres Kontinents heute lockt und in fast unvorstellbarer Weise begeistert, heißt: europäische Einheit. In Asien wollen die Völker aus dem Kolonialzustand heraus, und die Bauern dort wollen ihren eigenen Boden bebauen.

Die amerikanischen Staatsmänner setzen sich für einen Europabund seit langem ein. Dieser Tage haben sie nun auch erfreulicherweise begonnen, ihren asiatischen Kurs klarzulegen. Sie haben unterstrichen, daß die Vereinigten Staaten in Asien keine territorialen Eroberungen suchen, daß sie aber auch keinen Teil jenes Kontinents verloren geben und daß sie den fernöstlichen Völkern helfen werden, die lieber Angehörige eines freien Staates werden wollen als Kommunisten. Was noch zu tun bleibt, ist, daß man sich — neben der politischen und wirtschaftlichen Hilfe für die fernöstlichen Völker — auch für gesunde landwirtschaftliche, soziale Reformen bei ihnen einsetzt.

Diese Art intellektueller Aufrüstung muß an die Seite der materiellen treten. Dann werden die Sowjets noch schneller begreifen, daß sie mit Druck nichts mehr zu erreichen vermögen. Wenn der eine ebenso stark bewaffnet ist wie der andere, können beide Teile, ohne etwas zu verlieren, die Waffen verschrotten.

Wyschinski in Paria

Paris, 12. September, (dpa) Der Leiter der russischen Delegation bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen Wyschinski ist auf dem Wege nach Neuyork in Paris eingetroffen. Zum ersten Male seit Bestehen der Verein en Nationen wird der ukrainischen Delegation der bisherige Leiter Marnilski nicht angehören.

Darauf kommt es an

gar In der Außenministerkonferenz können Entscheidungen fallen, die die ganze Zukunft Westdeutschlands bestimmen. Der einfache Bürger spürt das. Deswegen möchte er sich nicht in die Feinheiten von Streitigkeiten zwischen Regierung und Opposition oder gar zwischen einzelnen Koalitionsparteien vertiefen. Eine Umwandlung des Kabinetts der Kleinen Koalition in ein Minderheitskabinett oder Mißtrauensanträge und -abstimmungen sind bestimmt nicht das richtige Mittel, um in diesem Augenblick dem jungen Staat und seinen Institutionen Freunde zu verschaffen.

Die Fragen, um die es wirklich geht, liegen auf einer anderen Ebene. Einen Teil hat der Bundestag mit dem Staatsschutz-Gesetz angeschnitten. Einen anderen hat der Bundeskanzler in seinem neuesten Zeitungsirrt er view wieder aufgezeigt. Zu ihnen gehört allein die Tatsache, daß Adenauer zum „Franc-Tireur“ — und nicht ein deutscher Außenminister direkt zu den anderen drei Außenministern in Neuyork — sprechen muß. Wenn er aber eine Verstärkung der Polizei der Bundesrepublik fordert, dann antwortet er ebenso eindeutig auf die Fühler der verschiedenen ausländischen politischen Interessenten wie mit seiner klaren Formulierung, daß er sich deutsche Heereskontingente nur im Rahmen einer Europa-Armee und nur auf ausdrücklichen Wunsch der westlichen Alliierten vorzustellen vermag.

Wichtig ist auch, daß Adenauer sich gerade ein französisches Blatt zu der Rücksprache gewählt hat. Frankreich liegt uns in jedem Bezug am nächsten, Frankreich fürchtet aber auch noch immer am meisten um seine Sicherheit vor einer deutschen Gefahr. Obwohl manches von dem, was der Interviewer seiner Meldung hinzusetzt, dem Kanzler nicht angenehm ins Ohr klingen mag, wird dieser deshalb doch vielleicht nicht bedauern, mit ihm gesprochen zu haben. Denn das Entscheidende hat der Korrespondent des „Franc-Tireur“ festgehalten: „Nicht die guten Absichten sind es, die ihm (dem führenden Politiker Westdeutschlands) fehlen; fehlen tut ein Europa um ihn herum, das fähig ist, die deutschen Anstrengungen in ein größeres Unternehmen mit dem Ziele friedlicher Wohlfahrt einzugliedern.“

Die Aufwertung der Privatrenten

soll vor den Bundestag gebracht werden

k. Frankfurt. 12. September. Wie aus Kreisen des Bundestages verlautet, beabsichtigt der Bundestagsausschuß für Geld und Kredit, die Frage der Aufwertung der Privatrenten vor das Plenum des Bundestages zu bringen, nachdem die Alliierte Bankenkommission den deutschen Stellen das Recht auf eine Besserstellung der Empfänger von Privatrenten und Werkspensionsleistungen nicht bestritten hat (siehe Wirtschaftsteil). Es wird damit gerechnet, daß der Bundestag sich schon am 20.' September mit dieser Frage befassen wird. Der vom Bundestagsausschuß Geld und Kredit einzubringende Entwurf sieht, wie schon gemeldet, eine gestaffelte Aufwertung der durch die Währungsreform betroffenen privaten Renten vor. Gegen die Ausführung des Entwurfes wurden bisher von selten des Bundesfinanzministeriums und den Länderfinanzministern Bedenken wegen der schweren finanziellen Auswirkungen geltend gemacht. Die finanzielle Mehrbelastung für die Länderhaushalte soll sich auf etwa 35 Millionen D-Mark jährlich belaufen. Von der Versicherungswirtschaft verlautet, daß sie eine' Regelung, die eine Erfüllung ihrer eingegangenen Verpflichtungen erlauben würde, sehr begrüße.

Der Bundesparteitag der Unionspar¬ teien wird vom 20. bis zum 22. Oktober in Goslar abgehalten. Die Wiederbewaffnung Deutschlands wird vom italienischen Außenminister Graf Sforza gefordert.

Deutschland soll sich selbst verteidigen

Eine Erklärung Dr. Adenauers zur Frage der deutschen Sicherheit

Paris, 12. September, (dpa). Der linkssozialistische „Franc Tireur“ veröffentlicht ein Interview, das Dr. Adenauer dem Sonderkorrespondenten des Blattes, J. P. de Dochelsen, gewährt hat. Die Zeitung bezeichnet als die wichtigste Äußerung des Kanzlers den Satz: „Deutschland muß sich selbst und sofort verteidigen können.“ Der Korrespondent berichtet, der Kanzler habe im wesentlichen folgendes gesagt: „Nehmen wir an, daß sich die russischen Truppen aus der sowjetischen Zone zurückziehen und daß dieses Gebiet eine Volksrepublik etwa wie Polen wird. Nehmen wir weiter an, daß die Regierung dieses Satellitenstaates beschließt, die Deutsche Bundesrepublik mit militärischen Polizeikräften anzugreifen. Wie könnte man sicher sein, daß die Alliierten sofort eingreifen, um uns zu verteidigen? Ist es nicht besser, die Bundesrepublik ist in der Lage, sich selbst und sofort zu verteidigen?“

Die Notwendigkeit einer Verstärkung der Polizei in der Bundesrepublik habe Dr. Adenauer wie folgt begründet: „Für das sowjetische Prestige wären Tote und Verletzte an der Ruhr (bei möglichen Unruhen) eine gute Sache. Die Alliierten wollen nicht, daß ihre Truppen gegen deutsche Demonstranten vorgehen, aber die deutsche Polizei ist offensichtlich unzureichend, um kommunistische Demonstrationen zu verhindern.“

Dr. Adenauer habe auch angedeutet, daß die finanziellen Aufwendungen für eine solche Polizei zu Lasten der Besatzungskosten gehen könnten, beispielsweise dadurch, daß die Verwaltungskosten der Besatzungsmächte herabgesetzt würden. Über die Haltung Dr. Adenauers zu deutschen Truppenkontingenten berichtet der Korrespondent: „Wenn die Alliierten ihn auffordern, deutsche Kontingente im Rahmen einer Europa-Armee unter internationalen Oberbefehl zu stellen, ist er bereit, dies zu tun.“

Über die Meinung des Bundeskanzlers auf die Frage nach einem Außenminister erklärt der Berichterstatter: „Wie ich erwartete, hat er geantwortet, daß die gesamte Außenpolitik mit den täglichen Besprechungen mit der Oberkommission verbunden bleiben wird, und daß nur der Kanzler selbst diesen Posten ausfüllen kann. Dr. Adenauer v^ill sein eigener Außenminister sein.“

Ein Teil des Berichtes ist der Schilderung der Person des Bundeskanzlers gewidmet. Unter anderem schreibt der Verfasser: „Einen Augenblick lang, ich weiß nicht wieso, gibt die Verbindung von Schlauheit, Hingabe und Härte das Aussehen einer alten Frau an der Spitze einer religiösen Gemeinschaft. Er hat den Nationalsozialisten nicht verziehen, daß sie ihn vom Posten des Kölner Oberbürgermeisters verjagt haben. Für ihn sind ein Bischof und — ganz sicher — sein Beichtvater wichtiger als ein General. Und man kann sagen, daß er aufrichtig Europäer ist mit der Maßgabe, daß für ihn Europa identisch ist mit dem Westblock alter Staaten mit katholischer Mehrheit: Frankreich, Belgien, Italien und Westdeutschland. Seine Gegner, die Sozialisten, behaupten, im Grunde sei er ganz zufrieden mit der Teilung Deutschlands, und zwar in dem Sinne, daß er gar nicht so ungeduldig sei, die Gebiete mit sozialistischer Mehrheit der sowjetischen Zone und Berlins in ein einheitliches Deutschland zurückkehren zu sehen.

Wenn er eine militärische Polizei wünscht, habe ich den Eindruck, daß es deswegen ist, weil dieser autoritäre Mann alle äußeren Zeichen seiner persönlichen Macht als Kanzler wünscht. Er hat mich an ein Kind erinnert, daß das vom Weihnachtsmann erwartete Spjelzeug schildert, als er mir ausführlich die Bewaffnung der Bundespolizei darlegte.

Es ist unnütz, ihrq zu sagen, daß alliierte Truppen an der Elbe besser sind als eine Bundespolizei, daß die Volkspolizei nur auf Befehl Moskaus marschieren wird, und daß für Washington das amerikanische Gebiet an der Elbe beginnt. Er will Polizisten und Waffen und stellt natürlich alle Garantien in Aussicht.

Was diesem Manne fehlt, sind nicht die guten Absichten: Es ist um ihn herum ein Europa, das fähig ist, die deutschen Anstrengungen in ein größeres Unternehmen mit dem Ziele friedlicher Wohlfahrt einzugliedern.“

Gegenangriffe der Amerikaner

Die Offensive auf Taiku ist immer noch nicht ausgelöst worden

Pusan, 12. September (AP./dpa/Reuter). Das Kampfgeschehen auf dem koreanischen Kriegsschauplatz hat am Dienstag im Zeichen amerikanischer Gegenangriffe gestanden.

Verbände der 1. Kavallerie-Division stießen in der Umgebung von Taiku überraschend, in die Bereitstellungsräume des Feindes. Es konnten mehrere wichtige Höhenzüge erobert werden. Man glaubt, daß sich die nordkoreanische Offensive durch die amerikanischen Gegenmaßnahmen nochmals verzögern könne.

Im Dreieck Pohang-Kiongju-Yongschon mußte der Feind an zahlreichen Stellen dem Druck der südkoreanischen und amerikanischen Verbände weichen. Die Stellungen der Truppen der Vereinten Nationen wurden vor allem im Raum nordöstlich von Yongschon gefestigt.

Die Lage in diesem Frontabschnitt war nach Berichten amerikanischer. Militärsachverständiger im Verhältnis zu den vorhergegangenen Kampftagen unwahrscheinlich ruhig.

Bei Masan haben sich die Amerikaner wieder in den Besitz einer heiß umkämpften Höhe setzen können. Nach Eroberung dieses Höhengeländes kontrollieren die Truppen der Vereinten Nationen wieder zahlreiche Uebergänge über den Nam.

Bei ausgezeichnetem Flugwetter flogen die Verbände der taktischen und der strategischen Luftwaffe mehr als sechshundert Einsätze.

Nach dem in Moskau abgehörten Kommunique der nordkoreanischen Führung soll die Volksarmee ihre Offensive an allen Fronten gegen den hartnäckigen Widerstand fortgesetzt haben. Im Raum nördlich und nordwestlich Taiku sowie südlich von Yongschon seien besondere Erfolge zu melden. Feindliche Panzer und Material seien erobert worden. An der Südküste hätten Einheiten der Nordkoreaner den Amerikanern schwere Schläge zugefügt und seien im Vorrücken.

Die amerikanischen Nachrichtenoffiziere sind der Auffassung, daß der Schwung des Großangriffs auf Taiku nachgelassen habe. Die letzten Maßnahmen der nordkoreanischen Führung, in bestimmten Frontabschnitten nur drei Wellen der vergehenden Infanterie mit Waffen auszurüsten und die zwei nachfolgenden unbewaffnet einzusetzen, mit dem besonderen Auftrag, sich die Gewehre ihrer gefallenen Kameraden anzueignen. werden in amerikanischen Führungskreisen als ein Zeichen der besonderen Schwäche des Feindes angesehen. Die Gesamtlage wird am besten gekennzeichnet durch ein Wort des Generals Walker, der die Auffassung vertritt. daß sich die Vereinten Nationen zwar noch manchmal blutige Nasen holen könnten, insgesamt aber zuversichtlich sein dürften.

Finanzminister Schäffer soll gehen

Ein Mißtrauensantrag der Bayernpartei

R. Bonn, 12. September. (Eigener Drahtbericht.) Auf der Tagesordnung für die Sitzung des Bundestages am Mittwoch steht ein Mißtrauensantrag gegen den Bundesfinanzminister Dr. Schäffer, den die Bayernpartei eingebracht hat. Falls es zur Abstimmung kommen sollte, was noch nicht feststeht, dann ist der Ausgang ungewiß. Da die Oppositionsparteien, wenn sie geschlossen gegen Schäffer stimmen, ungefähr über 180 Stimmen verfügen können, würde ein Absprung von nicht mehr als dreißig Abgeordneten der Regierungsparteien zu einer Mehrheit für das Mißtrauensvotum genügen. Dabei bleibt es gleich, ob diese Abgeordneten offen für den Antrag stimmen, sich enthalten oder nicht anwesend sind.

Von der Fraktion der Christlich-Demokratischen Union wird erklärt, daß nur einige Vertriebenenabgeordneten in ihren Reihen den Antrag nicht ablehnen würden. Aber bei vielen Freien Demokraten bestehen nach wie vor außerordentliche Bedenken dagegen, mit einer Ablehnung des Antrages sich für den Finanzminister einzusetzen. Ein Absprung stärkerer Teile der Fraktion der Freien Demokraten würde jedoch, wie verlautet, von der Christlich-Demokratischen Union als ein Auseinanderfallen der Koalition aufgefaßt vzerden. Man erklärt, daß eine Minderheitsregierung dann der einzige Ausweg sei, ohne daß diese Lösung angesichts der bevorstehenden großen Entscheidungen als glücklich betrachtet werden würde.

Es sind starke Bestrebungen im Gange, zu erreichen, daß die Antragstellerin) die Bayern-Partei, ihren Antrag zumindest bis nach dem Abschluß der Neuyorker Konferenz zurückstellt.

Ergänzend meldet die Deutsche Presse-Agentur: Bundeskanzler Dr. Adenauer hat das Präsidium des Bundestages in einem Schreiben darauf aufmerksam gemacht, daß der Antrag der Bayernpartei auf Entlassung des Bundesfinanzministers Schäffer nach seiner Meinung verfassungsrechtlich nicht zulässig sei. Das Grundgesetz sehe nur die Möglichkeit eines .konstruktiven Mißtrauens gegen den Bundeskanzler vor. Dr. Adenauer bittet daher, die Bayernpartei zu veranlassen, ihren Antrag zurückzuziehen und den Antrag gleichzeitig von der Mittwochsitzung des Bundestages abzusetzen.

Gegen Schäffer und Heinemann

Osnabrück, 12. September, (dpa). Der Landesvorsitzende der Freien Demokratischen Partei Niedersachsen, der Bundestagsabgeordnete Stegner, hat in Osnabrück Bundesinnenminister Dr. Heinemann und Bundesfinanzminister Dr. Schäffer scharf angegriffen. Stegner warf Dr. Heinemann vor, er habe die Vorbereitungen eines Gesetzentwurfs zur Wiederherstellung einer staatsrechtlichen Ordnung und geeignete Maßnahmen zum Schutz des Staates versäumt. Die Haltung des Bundesfinanzministers besonders in der Frage der Versorgung vertriebener und anderer verdrängter Beamten sei unverständlich. Wenn der Bundesfinanzminister nicht bald andere Wege gehe, dann müsse sich der Bundeskanzler nach einem neuen Finanzminister umsehen.

Stimmen der Anderen

Curopäisches Korea?

Im Zusammenhang mit der Konferenz der Außenminister schreiben die „New York Times“, Europa sehe den Tatsachen immer noch nicht ins Auge. Das Blatt fährt fort:

„Man gibt sich teilweise dort Wunschträumen hin, die sich nicht verwirklichen lassen. Man hat die angekündig-te Entsendung amerikanischer Truppen begrüßt, kann sich selbst aber noch nicht zu einem radikalen Umschwung in der Politik, zu konstruktiveren Maßnahmen und zu einer Revision von Vorurteilen aufraffen. Dies ist besonders der Fall in der Frage der Wiederbewaffnung Deutschlands, das leicht zu einem europäischen Korea werden könnte, wenn man in Europa nicht schnellstens das politische Ruder im Hinblick auf die deutsche Teilnahme an der Verteidigung des Westens herumwirft.“

Die „New York Daily News“ erklärt:

„Schon immer war es unsere Ansicht, daß die Sowjetunion Westeuropa einstecken will, und daß die Westdeutschen als hervorragende Soldaten und Patrioten in die westliche Verteidigung eingegliedert werden sollen, um mitzuhelfen, dies zu verhindern.“

Bauland für Wohnungen

Die „Kommunale Information“ (Das Mitteilungsblatt des Deutschen Städtetages) berichtet über eine Umfrage bei den Städten über den Wohnungsbedarf und das verfügbare Bauland für die nächsten zwanzig Jahre. Zu dem bisher vorliegenden, zweiunddreißig Städte umfassenden Ergebnis schreibt das Blatt:

„In den erwähnten 32 Städten, die zusammen nahezu sechs Millionen Einwohner haben, müssen eine Million Wohnungen gebaut werden. Dafür sind 16 000 Hektar Bauland erforderlich. Im gemeindeeigenen Besitz sind 2500 Hektar, im Eigentum von Privaten und nicht gemeindlichen Körperschaften mehr als 18 000 Hektar. Die Gemeinden besitzen also von dem erforderlichen Bauland nur etwa 15 Prozent. Nur etwa 100 000 Wohnungen von den eine Million nötigen können auf gemeindeeigenem Grund und Boden errichtet werden. Insgesamt ist zu erwarten, daß dieses Verhältnis sich noch verschlechtern wird, da sich' unter den 32 Städten, die die Rundfrage bisher beantwortet haben, solche befinden, die im Baulandbesitz besonders günstig stehen.

Unter diesen Umständen erscheint es unerläßlich, sobald wie möglich, und zwar noch vor einer allgemeinen Regelung des Baurechts im Bund, ein Baulandbeschaffungsgesetz zu schaffen, das allein dazu helfen kann, ungesunde Bodenspekulationen auszuschließen und die Interessen aller Beteiligten auszugleichen. Durch Wiederaufbau und Instandsetzung von Trümmergrundstücken und beschädigten Gebäuden können in den 32 Städten rund 6500 Hektar an Neubauland erspart werden. Das ist freilich eine theoretische Rechnung, da die Verwendung von Trümmergrundstücken aus den verschiedensten Gründen (Altstadtsanierung usw.) nur teilweise zweckmäßig und möglich erscheint. Andererseits muß freilich immer wieder darauf hingewiesen werden, daß dem Wiederaufbau zerstörter Stadtkerne ganz erhebliche Bedeutung zukommt, weil in ihnen neben noch verwendbaren Gebäudeteilen erhebliche Investitionen an Versorgungsleitungen, Kanalisation und dergleichen' zu Buche stehen. In der Stadt Hannover, um nur ein Beispiel zu nennen, stehen etwa 125 Kilometer ausgebaute Straßen mit Versorgungsnetzen in Trümmergebieten zur Verfügung.“

Die Lohnverhandlungen zwischen der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr und dem Zentralverband der deutschen Seehäfenbetriebe sind am Dienstag auf den kommenden Freitag vertagt worden, nachdem keine Einigung erzielt worden war.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag. Hamburg

10)

„Und die gute Fee sprach zur Prinzessin und sagte:'.Mein Kind, ich kann dir nur ein einziges Patengeschenk machen. Merke wohl auf meine Worte; denn hast du einmal gewählt, muß es für immer dabei bleiben. Es liegt in meiner Macht, dir entweder Glück zu geben, solange du jung bist, oder Glück, wenn du alt geworden sein wirst. Welches soll es sein?“ Die Prinzessin sann lange nach. ,Die Wahl ist sehr schwer, liebe Patin', sagte sie, ,aber wenn ich mein ganzes Glück schon aufbrauche, während ich jung bin, dann bleibt mir ja nichts, worauf ich mich in meinem Älter freuen kann. Laß mich also glücklich sein, wenn ich alt werde, und möge mir der Himmel Geduld verleihen 1'

Die gute Fee umarmte sie und entgegnete: ,Du hast eine weise Wahl getroffen und wirst es nicht bereuen, mein liebes Kind!'

Henjiettes Stimme hatte unwillkürlich einen tieferen Klang angenommen. Die Kinder drängten sich enger an sie, völlig im Bann der Erzählung, und so gespannt verfolgten die drei das Geschehen um die Prinzessin, daß sie nicht hörten, wie die Türe sich öffnete und der Herzog auf Zehenspitzen sich hinter sie geschlichen hatte, um zuzuhören.

„Und findet ihr, daß sie richtig gewählt hat?“ Seine Frage zerbrach die Spannung und schreckte die kleine Gruppe hoch.

„Nein*, platzte Berthe mit Bestimmtheit heraus, „ich finde, es war sehr dumm von ihr, so lange warfen zu wollen.“ „Aber, was sollte sie tun?“ Henriette lächelte den Vater an, während sie so die Kinder auf die Schwierigkeit des Problems hinwies, vor das die Prinzessin sich gestellt sah. „Sie mußte sich doch für das eine oder andere entscheiden." „Hätte sie sich nicht ein bißchen Glück wünschen können, solange sie jung war, und ein bißchen für wenn sie alt war?“ ^chlug Raynalds ernste Kinderstimme vor, und seine Augen wandten sich, Zustimmung erbittend, von Mademoiselle zu seinem Vater.

„Aha, Raynald entpuppt sich bereits als kleiner Diplomat.“ Der Herzog lächelte und zog den zarten Jungen an sich. „Aber ganz so einfach ist das nicht, nicht wahr, Mademoiselle ?“

Es war leichthin gesprochen, aber sie fühlte seine Äugen auf sich ruhen. Sie versuchte, nicht zu ihm äufzusehen, sich nicht in die Unterhaltung hineinziehen zu lassen, aber sie konnte sich jetzt nicht mehr ausschließen. Trotz des scherzenden Tones hafte sie aus seiner Frage eine^ merkliche Eindringlichkeit herausgehörf, als läge ihm wirklich etwas an ihrer Antwort. Sie hob ihren Kopf von dem Buch und begegnete seinem forschenden Blick. Um seine Lippen zuckte noch das heitere Lächeln, aber in seinen Augen entdeckte sie ein fast beschwörendes Suchen. Die Wertschätzung, die darin lag, erfüllte sie zugleich mit Freude und einem gewissen Unbehagen.

„Nein", erwiderte sie ernsthaft, „ganz so einfach ist es nicht. Hoffentlich hätte ich eine ebenso weise Wahl treffen können wie die Prinzessin, aber junge Menschen sind ja seifen weise; und das Glück ist nicht ein Kuchen, von dem man sich je nach Bedarf etwas abschneiden kann, ein Stückchen jetzt, ein Stückchen dann.“

„Wenn das der Fall wäre, fürchte ich, würde unsere kleine Berthe den Kuchen Viel zu schnell aufessen.“ Er hafte das Kind auf seinen Schoß genommen und strich ihr über das dichte blonde Haar, das dem seinen so ähnlich war. „Fahren Sie fort, Mademoiselle! Ich bin nicht minder gespannt als diese beiden, zu hören, wie diese Geschichte ausläuft.“

Ueber die Kinder hinweg sah er auf ihren wieder zum Buch gesenkten Kopf nieder, prüfend und nachdenklich. Durch die Anwesenheit des neuen Zuhörers angeregt, richtete sie nun ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Wiedergabe der weiteren Schicksale der Prinzessin: die Arme hatte viele Leiden zu erdulden und mußte Schreckliches durchmachen. Eine grausame Stiefmutter hatte sie auf einen dornenvollen Pfad öefrieben. Sie mußte die schwersten Proben bestehen: überall lauerten Gefahren. Der Prinz hatte lange auf sich warten lassen, und das Schulzimmer lag schon im Dämmerlicht, bevor sie sich endlich fanden und so glücklich wurden, wie es die gute Fee versprochen hafte.

„Bravo, Mademoiselle!“ lobte der Herzog, als Henriette das Buch zuklaopte. „Jetzt weiß ich doch, wie ich an regnerischen Tagen der Langeweile entgehen kann. Wissen Sie auch, daß Sie ein ausgesprochenes Vorfragstalent haben? Ich war nahe daran, der unglücklichen Heldin ein paar Tränen zu opfern.“

„Jetzt wollen Sie mich nur zum Besten halten, Herzog".“ Aber nichtsdestoweniger fühlte sie, wie sie im Schutze der Dunkelheit vor Stolz errötete. „Mademoiselle Deluzy liest wunderschön, Papa“, bestätigte Berthe eifrig. „Gar nicht so, wie Mademoiselle Maillard, findest du nicht auch?“

„Gerade das habe ich eben sagen wollen.“ Henriette wußte, daß er sie dabei anblickte, obgleich es im Zimmer zu dunkel geworden war, um sein Gesicht zu erkennen.

„Diese Stelle, wo die Prinzessin ihre Unschuld beteuerte, bevor sie ins Burgverließ geworfen wird, hätte selbst der großen Rachel nicht zur Schande gereicht. Ihre Stimme traf denselben tragischen Tonfall, erstaunlich!“

„Wahrhaftig erstaunlich“, wehrte Henriette ab, „zumal ich sie noch nie gesehen oder gehört habe.“ „Sie haben niemals die Rachel < ?esehen?* *

„Nein, ich habe doch die ganzen letzten Jahre in England gelebt und jetzt, wo ich nicht mehr dort bin, wird sie ihr lang erwartetes Gastspiel in London geben. Eh bien — so geht es eben zu.“ „Nun, dem kann ja leicht abgeholfen werden Noch, hat sie ihre Reise nicht angetrefen.“

Das Mädchen, das hereinkam, um die Lampen anzuzünden und die Vorhänge zuzuziehen, machte dem Gespräch ein Ende.

Und Henriette Heß es dabei bewenden. Er hatte sicherlich nur aus einer Laune heraus so gesprochen, und es lag gar kein Anlaß vor anzunehmen, daß er sich seiner Worte erinnern würde. Bald darauf erschien auch Mademoiselle Maillard mit Isabella und Louise, und nach einer kurzen Begrüßung verließ der Herzog ebenso still, wie er gekommen war, das Zimmer. Diese überraschenden Besuche verliehen den Tagen einen neuen Reiz. Erst kürzlich war er abends im vollen Staat seiner Gesellschaftskleidung erschienen, bevor er und die Herzogin zur Oper gefahren waren. Henriette und die beiden älteren Mädchen saßen gerade am Tisch, über die Aufgaben für den nächsten Tag gebeugt. Wie ein blonder Riese hatte er über ihnen gestanden, in schneeigem Weiß und tiefstem Schwarz, den seidigen Chapeauclaque in der Hand und den Äbendmantel über die Schulter geworfen. „Papa, gehst du zum Empfang ins Palais Royal?“ hafte Isabella bewundernd ausgerufen.

„Nein, nur zu einem Diner und dann mit Mama in die Oper.“

„In die Oper? Oh, Papa, in welche denn, und wann werden wir endlich alt genug sein, um auch hingehen zu dürfen?" „Nicht sobald, Louise. Isabella vielleicht schon in zwei Jahren, aber du wirst mindestens noch drei Jahre darauf warten müssen“, hatte er, über ihre glühende Ungeduld lächelnd, geantwortet und sich ein Stäubchen von seinem Re- ^klopft. „Die Oper heute abend heißt Norma, und ich muß gestehen, ich finde sie schauderhaft langweilig. Gott sei Dank machen nicht alle' Frauen Szenen und verraten ihre intimsten Gefühle und Geheimnisse im hohen C.*

Henriette wußte, daß diese Bemerkung an sie gerichtet war, und hätte am lieb“ sten eJl^än'et: „Das hohe C oder D ist eine Kleinigkeit für eine Frau, wenn sie außer sich gerät.** Aber sie schwieg, wahrend die beiden Mädchen ihren Vater mit aufgeregtem* Geplapper und Schmeicheleien bestürmten.

„Und die schöne Gardenie in deinem Kropfloch !' riet die eine. „Gardenie i sind Mamas Lieblingsblumen; sie hat es mir selbst gesagt.*

(Fortsetzung folgt.)

Ein Zehntel der Gesamtstärke

Nur 10 000 Mann Bereitschaftspolizei? / Umfrage bei Regierungsstellen

• TV^sbaden’ 12- September. (Eigener Be- ■) Im Verlaufe einer Umfrage bei verschiedenen Sprechern der Hessischen öiaatsregierung wurde übereinstimmend estgestellt, daß das von der Deutschen resseagentur gemeldete Kontingent für essen an kasernierter Bundespolizei in ohe von 3400 Mann keinesfalls den bishVerhandlungen entspricht. Ministerialdirektor Dr. Schuster vom Innenministerium erklärte hierzu, daß man ausschließlich die Gesamtstärke einer Bereitschaftspolizei von 10 000 Mann erwogen habe und daß Hessen „höchstens mit einem Anteil von 1000 Polizisten rechnen könne. Ohne Zweifel seien bereits vorbereitende Gespräche wegen der personellen Zusammensetzung und wegen einer möglichen Unterbringung geführt worden, ohne daß jedoch von einer konkreten Vorbereitung die Rede sein könne.

Auch der Pressereferent des Innenministeriums weist die Stärke von 3400 Mann Bereitschaftspolizei für Hessen als unzutreffend zurück. Der hessische Innenminister habe zwar eine kleine Anzahl von höheren Beamten des hessischen Polizeidienstes ausgesucht, die im Bedarfsfall die Leitung der Bereitschaftspolizei in Hessen übernehmen können, von einer personellen Planung „bis zur kleinsten selbständigen Einheit“ könne noch keine Rede sein. Auch habe man noch keine geeigneten Räumlichkeiten für eine kasernierte Unterbringung der Polizisten in Betracht gezogen.

Der für die Organisation von Polizeiverbänden zuständige Sprecher der Abteilung „Oeffentliche Sicherheit“ hält es für möglich, daß dem Lande Hessen infolge der geographischen Lage eine um weniges höhere Zahl an Bereitschaftspolizei zugestanden werden kann, dementiert aber mit Nachdruck die genannte Stärke von 3400 Polizisten. Auf Hessen entfalle bei der bisher bekanntgewordenen Stärke von 10 000 Mann im Bundesgebiet bestenfalls ein Zehntel, also nicht mehr als 1000 Mann. Allein maßgebend für die personelle Zusammensetzung, Gliederung und Unterbringung seien die noch zu erwartenden Richtlinien der Bundesregierung, die wiederum auf den entscheidenden Spruch der Außenminister-Konferenz warte.

Auch der Staatssekretär der Landesregierung, Bach, kann keine Erklärung für die unverhältnismäßig hohe Zahl der angeblich für Hessen bestimmten Bereitschaftspolizisten geben. Sollte sie jedoch zutreffen, so setze dies eine starke Erhöhung der Bundesstärke voraus. Von einem solchen Schritt jedoch habe die Hessische Staatsregierung keine Kenntnis erhalten.

Für oder gegen den Streik?

Heute Urabstimmung im hessischen Metallgewerbe

HZ. Gustavsburg, 12. September. (Eigener Bericht.) Die Gewerkschaft Metall in Hessen hatte am 12. September zur Bekräftigung der von ihr an den Unternehmerverband gerichteten Lohnforderungen, den Stundenlohn allgemein um 0,25 DM und die Monatsgehälter grundsätzlich um 50 DM zu erhöhen, zu mehreren Kundgebungen auf gerufen. In Darmstadt hatten neuntausend, in Rüsselsheim etwa zweiundzwanzigtausend und in Gustavsburg rund viertausend Metallarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaft Folge geleistet.

Auf sämtlichen Kundgebungen sprach Bezirksbevollmächtigter Wernath aus Darmstadt, der über das Scheitern der Lohnverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmerverband Aufschluß gab. Bekanntlich hat der Unternehmerverband die Lohnerhöhungsforderung der Gewerkschaft Metall als unannehmbar abgelehnt und von sich aus eine Lohnerhöhung von zwei D-Pfennig pro Stunde zugebilligt.

Gleichzeitig stellte Bezirksbevollmäch-» tigter Wernath richtig, daß nicht die Gewerkschaft, die in einer Sondersitzung ihre Forderung auf zwanzig Pfennig erniedrigt hätte, sondern der Unternehmerverband durch seine Unnachgiebigkeit die Verhandlungen auf ein totes Gleis geführt habe. Die Schaffenden hätten ein Recht, eine gerechtere Verteilung der Sozialprodukte zu fordern, zumal die Unternehmerschaft innerhalb kürzester Zeit nach dem Tage X 16,5 Milliarden Mark, darunter 2,5 Milliarden Mark Fehlinvestitionen hätten vornehmen können.

Die Gewerkschaft Metall in Hessen habe zur Unterstreichung der Lohnforderungen zwei Maßnahmen erlassen. Einmal würden seit 11. September in Hessen keinerlei Ueberstunden geleistet, zum anderen sollen die Großkundgebungen den Unternehmern beweisen, daß es der Arbeitnehmerschaft mit den Lohnforderungen ernst ist und sie die Maßnahmen ihrer Gewerkschaft billigen.

Heute, Mittwoch, würden in allen Betrieben Urabstimmungen über die Fragen: „Willst Du das Angebot der Arbeitgeber von zwei D-Pfennig Mehrstundenlohn ablehnen?“ und „Bist Du bereit, die gewerkschaftlichen Forderungen durch Streik zu erkämpfen?“, vorgenommen. Der Hauptvorstand würde die Aktion der Metallarbeiter-Gewerkschaft billigen, so daß ein eventueller Streik finanziell gesichert sei.

Die Sozialdemokratie hinter Heinemann

Neue Spannungen in Bonn / Die Frage der Polizei

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 12. September. Die in der letzten Zeit zutage getretene Milderung der Gegensätze zwischen dem Kanzler und der sozialdemokratischen Opposition im Zeichen der häufigen Unterredungen Dr. Adenauers und Dr.-Schumachers über außenpolitische Fragen droht durch den Konflikt um Heinemann hinfällig zu werden. Nach anfänglicher grundsätzlicher Zurückhaltung in der Auseinandersetzung zwischen dem Bundeskanzler und dem Bundesinnenminister hat die Sozialdemokratie sich jetzt hinter den Innenminister gestellt. . .

gWI/CUV. . . In den hiesigen politischen Kreisen ist beachtet worden, daß bald nach der ergebnislos verlaufenen Unterredung zwischen Dr. Adenauer und Dr. Heinemann am Montag der scharfe Angriff der sozialdemokratischen Fraktion gegen eine eventuelle Berufung des persönlichen Referenten des Kanzlers, des Ministerialrates Dr. Wirmer, zum Leiter des „Bundesamtes für Verfassungsschutz“ gestartet wurde. Sowohl die Formulierung der sozialdemokratischen Erklärung, die bis zur Anzweiflung der „letzten Verläßlichkeit“ des Angegriffenen geht, wie auch die Methode eines öffentlichen Protestes gegen seine Berufung, müssen als Symptome eines wieder verschärften Kurses der Opposition gegenüber dem Kanzler betrachtet werden.

Die Opposition sieht in der Unterstellung der Bundespolizei unter den Innenminister eine Garantie gegen eine unbedingte Entscheidungsgewalt des Kanzlers, zumal nachdem zwischen Innenminister Heinemann und der Sozialdemokratie ein gewisses Vertrauensverhältnis besteht, das sich auch auf Heinemanns bisherigen personalpolitischen Kurs gründet.

Gegen Dr. Wirmer

R. Bonn, 12. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion hat sich in einer Erklärung scharf dagegen gewandt, daß nach dem Wunsche des Bundeskanzlers dessen persönlicher Referent, Ministerialrat Dr. Wirmer, zum Leiter des Bundesamtes zum Schutze der Verfassung bestimmt werden solle. Dr. Wirmer werde von der Sozialdemokratie abgelehnt, da sie ihn nicht für geeignet halte, dieses Amt auszuüben.

Maxshall Verteidigungsminister

Johnson trat zurück

Letzte Meldung

Washington, 12. September, (dpa) Der amerikanische Verteidigungsminister Louis Johnson ist am Dienstag von seinem Posten zurückgetreten. Präsident Truman hat General George C. Marshall aufgefordert, den Posten des Verteidigungsministers zu übernehmen.

Marshall hat das Angebot bereits angenommen.

Die Waffen-SS ausgeschlossen

Keine Versorgungsbezüge / Beschlüsse des Kabinetts

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 12. September. Das Kabinett hat am Dienstag dem Antrag des Bundesrats zugestimmt, im ?T^waffeneungsgesetz den Dienst bei der Watten SS und bei Parteieinheiten im Verband £ Wehrmacht als nicht versorffungsberechtigt zu bezeichnen. Diese Best mdazu gemeldet haben.

Ebenso setzte das Kabinett em sprechend einem Antrag des B^sratt^ die Beteiligung der Lander ani den Aus traben für die Versorgung der Kriegs opfer von 25 auf fünfzehn Prozent■hera

Dagegen lehnte das Kabinett den vorschla« des Bundesrates ab. die renten bei Monatseinkommen von über 400 oder 500 Mark ruhen zu lassen, und blieb auf seinem Standpunkt, daß di Renten erst bei einem Monatseinkommen von über 800 Mark nicht ausgezahlt werden sollen. Eine Einbeziehung West-, Berlins in das Gesetz wurde abgelehnt.

Das Kabinett verabschiedete auch eine Verwaltungsanordnung über die steuerliche Absetzung von Reisekosten. Danach werden vom 1. Oktober 1950 an die mittelbaren Reisekosten, wie Anschaffungen für eine Berufsreise, nicht mehr absetzbar sein. Die Unterbringungsspesen werden nach den vorgelegten, auf den Namen ausgestellten Hotelrechnungen abgesetzt. Die Verpflegungsspesen können pauschal bei Jahreseinkünften bis sechstausend Mark mit acht Mark, bei Einkünften bis zwölftausend Mark mit zwölf Mark, bei höheren Einkommen mit sechzehn Mark pro Tag abgesetzt werden.

Wirtschaftsblatt

Durchsichtige Argumente

Rr. Noch nie in der 400 jährigen Geschichte des deutschen Hopfenmarktes hat es einen solchen Boom gegeben wie im vergangenen Jahre, als der Hopfenpreis in wenigen Wochen von etwa 270 DM auf die geradezu astronomische Höhe von 2000 DM je Zentner, also um etwa 750 Prozent emporschnellte.

Um nun aber einen Druck auf diese höchst ungesunde Preisentwicklung auszuüben, wurde im Vorjahr englischer Hopfen eingeführt. Die Preise gingen auch tatsächlich auf etwa 1250 DM je Zentner zurück. Inzwischen sind sie noch weiter gesunken und der Preis für Tettnanger Hopfen neuer Ernte liegt zur Zeit bei etwa 1000 DM je Zentner. Diesef Preisrückgang dürfte einmal auf die Ausdehnung der deutschen Hopfenanbaufläche zurückzuführen sein, zum anderen auf die Ankündigung des Bundesernährungsminsteriums, auch in diesem Jahre die Einfuhr von 10 000 Zentnern englischen Hopfens auszuschreiben. Diese Ankündigung aber hat jetzt die Hopfenanbauer auf den Plan gerufen. In einer Resolution wenden sie sich gegen diese Einfuhr und weisen darauf hin, der inländische und der Exportbedarf könnten durch die Eigenerzeugung voll gedeckt werden.

Diese Resolution ist ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie stark der Schutzgedanke in manchen Kreisen der deutschen Landwirtschaft ausgeprägt ist und welche Auswüchse er treiben kann. So mannigfach nämlich die Argumente sind, die gegen die Hopfeneinfuhr angeführt werden, sie können nicht darüber hinwegtäuschen, daß es den Hopfenanbauern vor allem darum geht, einen Preisdruck durch Hopfeneinfuhren zu vermeiden. Das heißt also mit anderen Worten: Sie verlangen, daß der jetzige Preis — der immer noch dreimal so hoch ist wie der Ausgangspreis im Vorjahr — durch eine Nichtzulassung von Einfuhren und damit durch protektionistische Maßnahmen vom Bundesernährungsministerium gestützt wird. Ueber eine solche Auffassung und Zumutung kann man nur den Kopf schütteln und hoffen, daß der englische Hopfen recht bald kommt, als Anschauungsunterricht für die Hopfenerzeuger und zum Wohle der Biertrinker.

Sorgen um den Herbstverkehr

Vorkehrungen der Bundesbahn für möglichst reibungslose Abwicklung

w Der diesjährige Herbstverkehr wird an die Bundesbahn, die wie alljährlich die Hauptlast des Ernteverkehrs zu tragen haben wird, beträchtliche Anforderungen stellen. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß der Verkehrsumfang in den letzten Monaten phnehin schon stark angestiegen ist. So wurde zum Beispiel im Monat August mit rund 1,5 Millionen gestellten Wagen eine Wagenstellzahl erreicht, die über der des verkehrsstärksten Monats des Vorjahres liegt. Diese Leistung wurde mit einem Güterwagenbestand erzielt, der bei den gedeckten Wagen um 11 000, bei den offenen Wagen um 15 000 geringer war als in den Herbstmonaten des Vorjahres.

Der Güterwagenpark der Bundesbahn war infolge der Aufwärtsentwicklung der gesamten Wirtschaft bereits in den letzten Wochen voll beschäftigt. Es konnten sogar nicht immer die angeforderten Wagen rechtzeitig gestellt werden. Diese Entwicklung ist dadurch bedingt, daß es der Bundesbahn infolge der finanziellen Schwierigkeiten nicht möglich war, den Wagenbestand durch Neubeschaffung zu ergänzen und die Schadwagen in dem erforderlichen Umfange auszubessern.

Die Bundesbahn hat indessen eine Reihe von besonderen Maßnahmen getroffen, um die Güterwagenbestände zu erhöhen und den Güterwagenumlauf noch mehr zu beschleunigen. Ein großer Teil der zur Bewältigung des Herbstverkehrs fehlenden Wagen wird durch die Aufarbeitung aus dem Bestand der Schadwagen gewonnen. Die Arbeitszeit in den Güterwagenabteilungen des Werkstattdienstes wurde deshalb auf 48 Stunden erhöht. Außerdem sollen u. a. Leerzüge mit offenen und gedeckten Wagen und darüber hinaus auch Frachtzüge während des Herbstverkehrs auch an Sonntagen gefahren werden. Freiladegeleise und Anschlüsse sollen häufiger bedient werden. Der Verbrauch an gedeckten Wagen für Stückgut ist gekürzt worden. Leerwagen werden an ausländische Eisenbahnverwaltungen nicht mehr ausgegeben. Diese stellen vielmehr Leerwagen zur Abholung von Gütern, insbesondere Kohlen aus Deutschland,. zur Verfügung. Außerdem sind Wagen, wie wir bereits gestern berichteten, von den ausländischen Eisenbahngesellschaften zur Bewältigung des Herbstyerkehrs angemietet worden. Zugleich hat das Bundesverkehrsministerium im Einvernehmen mit der Verwaltung der Bundesbahn die verladende Wirtschaft aufgefordert, in geeigneter Weise an der reibungslosen Abwicklung mitzuhelfen. Einer der wesentlichsten Punkte ist daher eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Kartoffeltransporte auf die Hauptabfuhrzeit, für die etwa 7 bis 8 Wochen zur Verfügung stehen.

Von der möglichst reibungslosen Abwicklung der Erntetransporte wird auch die Durchführung der übrigen Transporte in der Wirtschaft, namentlich der Kohlentransporte ganz entscheidend abhängen. Von großer Wichtigkeit ist es ferner, daß die von der Bundesbahn gestellten Wagen voll ausgenutzt werden, das heißt bis zur Tragfähigkeit beladen werden, namentlich bei Massengütern wie Düngemittel, Kohle usw. Die Bundesbahn hat die Wirtschaft auch gebeten, für eine beschleunigte rechtzeitige Einladung der Wagen zu sorgen.

Freundliche Grundstimmung

F. A. Z. Ander Frankfurter Börse standen am Dienstag bei zuversichtlicher Beurteilung der beginnenden Londoner Verhandlungen und freundlicher Grundstimmung im Mittelpunkt des Interesses verschiedene Spezialwerte, die bei der nach wie vor bestehenden Marktenge bis zu 5 Punkten gewinnen konnten. Die Hauptmärkte, insbesondere der Montan- und Bankenmarkt, lagen weiterhin freundlich bei durchschnittlichen Kursverbesserungen, von 0,5 bis 1 Punkt. Montan-Giro- und Bankgirowerte waren fester bei nur ge- •inger Abgabeneigung.

Bauer und Rationalisierung?

Von Prof. Dr. Georg Görz, Bosenheim

Welchem Landwirt wäre nicht schon aufgefallen, daß das bäuerliche Leben immer unruhiger und gehetzter wird. Der Bauer von heute kennt kaum noch die Muße des Feierabends. Dauernd drängt eine Arbeit die andere.

Wenn nun immer wieder von Rationalisierung und arbeitssparendem Maschineneinsatz geschrieben und geredet wird, so sollte man eigentlich annehmen, daß damit dem Bauern das Leben erleichtert werden solle. Aber vielfach ist das Gegenteil der Fall. Der Traktor zum Beispiel verkürzt keineswegs den Arbeitstag. Er verlängert ihn insofern, als er keine Ruhepause braucht und mit Scheinwerfern ausgerüstet bis in die Nacht hinein arbeiten kann. Hinzu kommt, daß der Bauer keineswegs einen Tag ruht, nachdem er mit einem Traktor in einem Tag das geschafft hat. wozu er mit Pferden zwei Tage gebraucht hätte.

Und daß es ihm nicht an Arbeit fehlt, dafür sorgen all die Zusatz- und Nebenarbeiten. die sich mit dem Bestreben, höhere Hektarerträge zu erreichen, einzustellen pflegen. Vergleicht man den Arbeits- und Kapitalaufwand pro Hektar von vor 50 oder 100 Jahren mit dem von heute, so sieht man, daß er ganz gewaltig gestiegen ist. Die Bodenbearbeitung ist vielfältiger und komplizierter geworden, die Aufwendungen für Kunstdünger kommen hinzu, ebenso haben die Pflegearbeiten sich stark vermehrt. Und schließlich muß der Bauer immer zahlreichere Schädlinge und Krankheiten bekämpfen. Die Notwendigkeit häufigen Saatgutwechsels, die Bekämpfung von Bodenerkrankungen und nicht zuletzt die immer stärkere steuerliche Belastung erhöhen die Unkostenseite des Betriebes.

Das Bedenkliche an dieser Erscheinung ist nicht nur die zunehmende Verschuldung der Landwirtschaft, sondern die Tatsache, daß der Landwirt, gezwungen, an allen Ecken und Enden zu sparen, auch an Löhnen sparen muß. wodurch jenes berüchtigte Lohngefälle zwischen Stadt und Land entsteht, das nun seinerseits wieder zum Anlaß gesteigerter Mechanisierung genommen wird. Diese wiederum bedingt eine hohe Kapitalinvestierung, deren Verzinsung mehr als fraglich ist. Denn die Mehrzahl der Maschinen. die der Bauer sich anschafft, werden nie so ausgenutzt, daß sich das aufgewendete Kapital normal verzinst und amortisiert.

Vergleicht man die wenigen und primitiven landwirtschaftlichen Geräte, die das Inventar eines Bauernhofes vor 100 Jahren ausmachten, mit denen, über die dieser heute verfügt, so sieht man sofort, daß sich die Verwendung barer Mittel vollständig verschoben hat. Früher verfügte jeder ordentlich geleitete bäuerliche Betrieb über ein ansehnliches Sparkassenkonto. Und da die Bauern keine Sparkassenguthaben in früheren Ausmaßen mehr haben, ist auch die Gewährung langfristiger Kredite so schwierig geworden, so daß kurzfristige und teure Bankkredite in Anspruch genommen werden müssen, die die Unkostenseite weiter belasten.

Hinzu kommt, daß der Bauer seine Maschinen im allgemeinen schlecht pflegt. Einmal ist ihre Pflege, weil sie in Dreck und Speck laufen müssen, an sich schon unerfreulich genug. Zweitens kostet sie Zeit, die der Bauer nicht hat. denn wenn er nach Hause kommt, erwartet ihn schon wieder eine Fülle von Hof- und Stallarbeit. Und drittens hat er für Dinge aus Blech und Eisen nicht das gleiche Gefühl, daß sie „leiden“, wie er es in so ausgeprägtem Maße für sein Vieh hat. Infolgedessen sind die Reparatur- und Instandhaltungskosten an landwirtschaftlichen Maschinen ungleich höher als an irgendwelchen Maschinen anderer Art.

Der Bauer scheint sich von städtischem und industriellem Denken anstecken zu lassen und vergessen zu haben, daß seine Aufgabe darin liegt, die Natur zu fördern und zu unterstützen, nicht sie zu beherrschen. Das bedeutet für die landwirtschaftliche Praxis folgendes: Der Landwirt darf nicht sagen: ich will hier das und das bauen, sondern er muß seinen Standort fragen: was darf ich hier bauen? Er muß das Schwergewicht seiner Wirtschaft immer stärker und immer bewußter auf diejenigen Kulturen legen, die seinem Standort gemäß sind und immer mehr auf das verzichten, was auf einem anderen Standort besser gedeiht und daher dort billiger erzeugt wird. Dies alles aber nicht unter dem Gesichtspunkt irgendwelcher mehr oder minder zufälliger Konjunkturen, sondern aus der klaren Erkenntnis heraus, daß er die Differenz zwischen Aufwand und Rohertrag also seinen Gewinn, nur dann vergrößern kann, wenn er es fertigbringt, mR möglichst wenig eigenem Zutun aus de:!' Natur selbst die höchste Leistung heraus, zulocken.

Röückgang der Schlachtpreise für Schweine

Bz. Die Aufwärtsbewegung der Fleischpreise, voran der Schlachtpreise, bei Schweinen auf einen Höchststand von 1,50 DM je Pfund in der vorigen Woche hat einer rückläufigen Bewegung Platz gemacht. Der Auftrieb aus dem Inland am Frankfurter Schlachtviehmarkt, stieg am Montag um rund vierhundert Schweine auf 3662 Schlachttiere. Auch größere Importe aus Frankreich und Polen standen zur Verfügung. Es standen, rund 50 000 kg (gegenüber 26 500) Schweinehälften sowie 51 500 (28 000) kg Rinderviertel, ferner 25 000 (5000) kg Fleisch- und Wurstwaren zum Verkauf. Aber auch an den anderen Großmärkten, vor allem an der Ruhr und in Hamburg, hat sich das Angebot in allen Fleischarten in dieser Woche erheblich vergrößert. Dadurch gaben die Schweinepreise (Lebendgewicht) im Durchschnitt um 0,10 auf 1,40 DM nach.

Neueste Lohnstatistik

Frankfurt, 12. September. (F.A.Z.) Das Statistische Bundesamt hat soeben die neueste Lohnstatistik, die mit dem zweiten Vierteljahr 1950 abschließt, veröffentlicht. Daraus geht hervor, daß bei einer Verlängerung der Arbeitszeit durchschnittlich um eine Stunde, auf 48,2 Stunden und einer Erhöhung der Bruttostundenverdienste um 1,2 Pfennig auf 124,4 Pfennig im zweiten Vierteljahr 1950 die Bruttowochenverdienste im Durchschnitt aller Industriearbeiter um 1,70 DM auf 59,91 DM gestiegen sind.

Aktienbelastung im Lastenausgleich

Be Zu Pressemeldungen, nach denen eine Belastung der Aktien im Rahmen des Lastenausgleichs aufgegeben werden sein soll, verlautet aus dem Bundesfinanzministerium, daß nach wie vor daran gedacht werde, sowohl die juristischen Personen als auch die Aktieninhaber zum Lastenausgleich heranzuziehen. Man weist darauf hin, daß der Nominalwert der in Deutschland befindlichen Aktien auf etwa 10 Milliarden DM geschätzt wird. Eine Außerachtlassung eines so großen Vermögensbestandes würde die Aufbringung der notwendigen Mittel für den Lastenausgleich erheblich erschweren. Das insgesamt belastbare Vermögen wird mit 68 Milliarden DM angenommen. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß in dem Lastenausgleichs-Gesetzentwurf eine Festsetzung des Aktienwertes nach den Sätzen vom 31. Dezember 1948 vorgesehen ist. Die dort festgesetzten steuerlichen Werte seien so niedrig, daß die doppelte Belastung dadurch weitgehend aufgehoben werde. Wenn vielleicht trotzdem von einer Belastung der Aktien für die allgemeine Vermögensabgabe abgesehen würde, so müßte doch auf jeden Fall an einer Belastung des Vermögens bei den juristischen Personen und des Aktienvermögens bei der Vermögenssteuer festgehalten werden. Die doppelte Erfassung dieses Vermögens sei ein wesentliches Merkmal der Vermögenssteuer und könne auch hierbei nicht aufgegeben werden.

Kurz gemeldet

Die Arbeitslosigkeit in Hessen geht weiterhin zurück. Die Gesamtzahl der Beschäftigungslosen beträgt jetzt noch 104 000.

100 Millionen DM für Wiederaufbau-Darlehen zur Herstellung und zum Erwerb von Handelsschiffen hat die Bundesregierung in den außerordentlichen Haushalt aufgenommen.

Schuhfabrikanten aus Pirmasens sind nach London und Paris geflogen, um dortige Schuhfabriken zu besichtigen.

Exportlizenzen für 50 Warengruppen wollen Belgien und Luxemburg wieder einführen. Dies gilt u. a. für Seife, Gummi, Eisen- und Stahlfertigwaren sowie für eine große Anzahl chemischer Produkte.

Den Verkaufspreis für Stabeisen erhöhten die belgischen Hüttenwerke um 200 bis 300 bfrs.

Auf der Wollkonferenz in London soll erwogen werden, ob weiterhin Wolle an Rußland verkauft werden soll.

Feuilleton

Der Dichter des einfachen Lebens

ZUM WERKE ERNST WIECHERTS

Worin liegt das Geheimnis der ungewöhnlichen Wirkung, welche die Bücher des vor kurzem verstorbenen Ernst Wiechert nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf weite Kreise des Auslands ausüben? Man vergegenwärtige sich einige Daten: Der Roman „Die Magd des Jürgen Doskozil“, erschienen 1932, bald darauf ausgezeichnet mit dem Raabe-Preis, hatte im Jahre 1942 schon das 130. Tausend erreicht; er war ungefähr um die selbe Zeit in zehn Sprachen übersetzt; „Die Majorin“, heute in elf Sprachen übertragen, brachte es in knapp zehn Jahren zu einer Auflage von 165 000. Vom „Einfachen Leben“ aber lag drei Jahre nach dem Erscheinen bereits das 260. Tausend vor. Solche Zahlen besagen viel. Von Autoren, die die hohe Kritik zu den empfindlichsten Barometern der Zeit rechnet, können nur relativ kümmerliche Auflagen auf den Büchermarkt gebracht werden. Aber fast sämtliche Romane Wiecherts, über dessen künstlerische und geistige Bedeutung jene Kritik bei aller Hochachtung vor seiner Persönlichkeit verschieden urteilt, sind ausgesprochene Best-Sellers geworden, wie die Amerikaner es nennen. Offenbar geht von Wiechert eine Bezauberung aus, die das durchschnittliche Bewußtsein der Menschen von heute auf besonders aktuelle Weise anspricht.

Es ist nun in der Tat auffallend, daß sich im Werke Wiecherts fast sämtlich jene Themen finden, die die Spitzenexistenzen Europas, von Nietzsche herauf bis zu Benn, immer wieder beschäftigt hat, also die Gefährdung der Gesellschaft durch die Masse und durch die Technisierung aller Lebensbereiche, entsetzlich handgreiflich geworden in den Katastrophen zweier Weltkriege (diese haben gerade Wiechert bis ins Mark seiner Geistigkeit erschüttert), ferner: die Unfähigkeit zur seelischen Kommunikation, der Verlust der Religion, der Verfall der Sitte. Während aber jene ersten Geister wegen des höchst Persönlichen und Differenzierten ihrer Aussagen beim Allgemeinbewußtsein nicht anzukommen vermochten, ist Wiechert sehr wohl dorthin gelangt. So einfach, freilich auch so vereinfachend sind seine Problemstellungen, von solcher Beweiskraft, wie es scheint, seine Lösungsversuche, so eingängig ist vor allem das Melos seiner dichterischen Sprache, daß der Liebhaber des guten Buches, der gleichzeitig erbaut sein will, Wiechert nie ohne Bewegung liest und sich überdies stimmungsmäßig, ja gedanklich dabei auf der Höhe der Zeit glaubt

Wiecherts Werke hinterlassen den Eindruck unbedingter subjektiver Ehrlichkeit. Wiechert ist sensibel in hohem Grade, oft — besonders im Frühwerk — empfindsam bis zur Rührseligkeit. Dennoch geht er dem Schrecklichen und Abgründigen nicht aus dem Wege, wie häufig behauptet wird. Der Hang zur Idylle, in die sich seine Gestalten von ostpreußisch-masurischer Prägung so gern verlaufen, erklärt sich nicht aus dem Wunsch eines Geräuschempfindlichen, der lärmenden Wirklichkeit des modernen Lebens zu entfliehen, sondern aus dem Willen, sie vermöge des einfachen „gerechten“ Tuns zu überwinden. Jenes „einfache Leben“ Wiecherts war nie als resignierte Lösung gemeint für die, die es sich leisten können, vielmehr als positives Leitbild inmitten der Misere der Zivilisation. Freilich: daß Wiecherts Ideal vorwiegend räumlicher Natur, daß der positive ganze Mensch, so wie er ihn sieht, wesentlich von der Landschaft geprägt ist und alle seine Helden einen sozusagen alttestamentarischen, hirtenmäßigen, spökenkiekerhaften Habitus mitbekommen haben, einen Zug ins rührend Tumbe, ins parzivalisch Unversehrte jenseits von städtischer Bildung, von Hörsälen, Zeitungen und Radios — das hängt damit zusammen, daß Wiechert die Krise der Moderne, die als dichterisches Grundimpuls sein großes Thema ist, als einen landschaftlich-moralischen und nicht als einen substantiell geistigen, geschweige denn religiösen Prozeß begreift. Der gelegentliche Eindruck des Unbefriedigenden seiner innigen, schwermütig süßen Werke kommt von hierher: Einem in seinen Grenzen noch nicht absehbaren geistigen Konflikt wird das Evangelium vom stillen Leben, vom Dasein unter Bauern und Hirten, Fischteichen und Blockhütten entgegengestellt. Man hat aber seit Rousseaus fataler Kulturphilosophie allen Grund zu zweifeln, ob die modernen Zivilisationsmenschen, diese „Lemuren von einem sinkenden Kontinent“ (Jerominkinder), ihre verlorenen Götter wiederfinden werden, wenn sie sie auf dem flachen Lande suchen.

Eine alte Sehnsucht der Menschheit schwingt in den Büchern dieses stillen und, wie sein mannhaftes Verhalten in den vergangenen Jahren gezeigt hat, ethisch unzerbrechlichen Dichters, die Sehnsucht, die Welt mit ihren Menschen rein zu sehen. Wiecherts Dichtung ist Dichtung aus sittlichem Gefühl, aus der schwermütigen Hingabe an alles Edle. Wenn man so viel vom Idylliker Wiecherts spricht, dann darf man das nicht übersehen. Seine Idylle ist das Ideal eines Asketen, der den Triumph der „Welt“ verhindern möchte. Freilich vermag Wiechert zur Entschädigung weder den Gott der Christen noch einen anderen als transzendente Wirklichkeit dichterisch glaubhaft zu machen. Er will es auch nicht — trotz des biblischen Tonfalls seiner Sprache und der christlichen Gestimmtheit seines Wesens. Das gilt noch von dem letzten Werk, der „Missa sine nomine“ (1950). Auch' das also ein bezeichnender Zug Wiecherts: seine große Ehrlichkeit sich selbst gegenüber verbot ihm, in Gott mehr zu sehen als eine heilige Formel, die den Gemütstiefen des reinen, zu sich hinunterhorchenden Menschen erwächst. Wiecherts Kampf gegen die „Welt“, mehr gefühlvoll sittlich als religiös fundiert, mag manchem nicht frei von Ressentiment scheinen, so, als habe der Dichtei' aus vitalem Unvermögen nicht voll gelebt. Doch ist dieses Ressentiment zumindest nicht nur Wiecherts Schwäche, sondern auch seine Stärke gewesen; seine Schwäche, insofern es ihn gehindert haben mag, wirklich lebendige Menschen, gemischt aus guten und bösen Säften, plastisch zu machen, seine Stärke jedoch, weil es ihm den schriftstellerischen Impuls verlieh, gegen eine machtbegeisterte, vitalhungrige Welt in Bildern und Gestalten zu protestieren.

Der Geistesart entspricht der Stil: sehr zart, außerordentlich musikalisch, überhaupt mehr in Hinsicht auf rhythmische als auf gedanklich geistige Fügungen angelegt, in schwächeren Werken manchmal larmoyant und verschwommen, nie intellektuell zupackend, auch nicht geistig, vielmehr durch und durch „sentimentalisch“ und dennoch immer von einer bezaubernden, zur Einstimmung zwingenden Macht. Es bleibt erstaunlich, wie sehr ein durchgehender Gefühlsstrom die oft umfangreichen Romane Wiecherts trägt, ohne daß der Leser deshalb gelangweilt wäre — auch das letztlich ein Beweis für die sittlichen Qualitäten der Persönlichkeit die dahinter steht.

Wiecherts Romane und Erzählungen sind durchweg biographisch. Nicht umsonst sind „Wälder und Menschen“ (1936), in denen er von seiner Jugend berichtet, seine einfachste und geschlossenste Leistung. Immer wieder, vom ersten Roman „Die Flucht" (1916) über den Kriegsroman „Jedermann“ (1931) bis zum den „Jerominkindern (1945/47) und der „Missa sine Nomine“ (1950), taucht der Gegensatz von Stadt und Land schmerzhaft deutlich auf; immer wieder begegnet man den stillen Naturen von bäuerlicher Herkunft oder aus adeligem Geschlecht. Und stets sind die einen gut, dann kommen sie aus der Weite des Ostens und aus den großen Wäldern, und die anderen sind böse, dann haben sie ihre Heimat verloren und die Großstadt hat sie verdorben. Alle aber sind schwermütig, am meisten die Edlen, und sie leiden am Leben. Der Krieg war Wiecherts entscheidendes Erlebnis. Es spiegelt sich in der „Majorin“ (1934), der Geschichte von der Heilung einer vom Krieg zerbrochenen Existenz, ebenso wie im „Einfachen Leben“ (1939), das die Flucht des ehemaligen Kapitäns Thomas von Orla auf eine Masureninsel erzählt. Mag Wiecherts Position angesichts des Ausmaßes der geistigen Vorgänge, die unser Zeitalter bestimmen, auch nur vorläufig sein, in seinem Werk und in seinem Leben walteten die aufbauenden Kräfte wahrer Humanität.

Franz Norbert Mennemeier

Tante Oradella

Tante Oradella — niemand, der sie kennt, wird das bezweifeln — ist eine gute Seele. Aber die Harmonie der Seele ist nicht immer mit der Vollkommenheit des Körpers verbunden. Auch bei Tante Oradella war es nicht so. Ihre Augen zwar blickten, wenn auch etwas männlich, so doch voller Güte in die Welt. Unter ihrer stattlichen Nase sproß ein Bärtlein; das Schlimmste jedoch war — es muß schon einmal gesagt werden: sie hatte einen Embonpoint, wie ihn sonst nur die regelmäßigen Besucher der Hof- und sonstigen Brauhäuser vor sich herzutragen pflegen.

Vor einigen Jahren noch war Tante Oradella diese so eindeutig betonte Leibesfülle ein wenig peinlich gewesen, und sie verdeckte sie mit Hilfe eines überdimensionierten Radmantels. Seitdem aber die Sechziger-Grenze überschritten ist, trägt die Tante ihr Bäuchlein ohne Scheu durch die Straßen der Stadt, und niemand, der sie kennt, nimmt Anstoß daran. Immerhin aber, wenn der Kreis der Freunde und Bekannten auch groß ist, so kennt doch nicht jeder sie.

Neulich zum Beispiel ist sie — mit der achtjährigen Liesel zusammen — auf der Kirmes, und Liesel hat nicht geruht, bis sie aufs Teufelsrad gedurft hat. Das Teufelsrad ist eine wirklich satanische Einrichtung, auf der Männlein und Weiblein durcheinanderpurzeln. Tante Oradella steht, eingekeilt in der Menge der Zuschauer, besorgten Herzens vor dem rasenden Rad und hält Ausschau nach Liesel. Plötzlich schiebt sich ein älterer Herr heran. Er scheint kurzsichtig zu sein, mustert die Tante entrüstet, und dann ruft er: „Aber beste Frau, was wollen Sie denn auf dem Teufelsrad?“

Die Umstehenden verstummen und spitzen die Ohren. Tante Oradella aber, nachdem sie noch einen Blick nach der Liesel geworfen, dreht sich um, guckt den älteren Herrn durch die goldene Brille strafend an und spricht laut und mit schneidender Schärfe: „Ich bin nicht zu meinem Vergnügen auf dem Teufelsrad, mein Herr, ich erwarte hier ein Kind!“ Hans Riebau

Theater-Illusionen

VON KARL RÖTTGER

Wir kennen die mündlichen oder schriftlichen Ueberlieferungen, nach denen „damals“ die Bürger in X oder Y von den Darstellungen einer „'Schmiere“ so ergriffen wurden, daß sie etwa nach der Aufführung der „Räuber“ den Darsteller des Franz Moor lynchen wollten, weil sie die Rolle nicht mehr vom Darsteller unterscheiden konnten. Sie nahmen das Spiel für Wirklichkeit. Man könnte auf den Gedanken kommen, hier, bei solchen Vorkommnissen, sei der höchste Grad der Illusion erreicht.

Ich habe die Illusion als das bezeichnet, worauf es ankommt, als ein Kriterium für die Lebendigkeit des Kunstwerks, aber nicht ohne weiteres für den Grad der Echtheit und Vollendung des Kunstwerks. Nun aber sehen wir an obigem Beispiel, daß wir den Begriff der Illusion noch genauer feststellen müssen. Denn es scheint nur so, als sei bei diesen Bürgern aus X oder Y der höchste Grad der Illusion erreicht. Vielmehr liegt die primitivste Stufe der Illusion vor, auf der zwar der Zuschauer vergißt, daß da ein Schauspieler spielt, auf der er aber auch durch Vergessen seiner selbst ledig wird, so daß er nicht mehr Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann. Es ist wie eine Halluzination, die nach dem Fallen des Vorhanges andauert, statt daß nun der Wachzustand einsetzt. Daß bei den einfachen Gemütern im obigen Beispiel sich zunächst nur das moralische Urteil regte, das dem Schuft Franz an den Kragen wollte, können wir hier unberücksichtigt lassen, zumal das moralische Urteil nur eine Form, eine Seite des ästhetischen Urteils ist.

Wenn ich heute im Theater sitze, ist nie ganz wegzuwischen mein Wissen, daß da eine Bühne ist, daß da Schauspieler sind, die ich manchmal auf der Straße sehe, daß da aus Pappe, Holz, Leinwand usw. all das dort auf der Bühne hergestellt wurde, zum Zwecke einer Aufführung. Ich kann im Laufe einer Aufführung das alles zeitweilig annähernd vergessen, sitze aber, neben aller Bereitwilligkeit zur Hingabe, so meiner sicher im Parkett, daß ich das Bewußtsein von all dem jederzeit ins Gedächtnis rufen kann. Und trotz all diesem verlange ich Illusion, mache ich sie zur künstlerischen Forderung an den Dichter und an das Theater? Allerdings! Ist das nicht ein Widerspruch in mir? Nein! Ich will versuchen, es zu sagen.

Am einfachsten hätte ich es, wenn ich sagte, man solle für Illusion „Erlebnis“ setzen. Aber das würde nicht ganz genau stimmen. Die Illusion, wenn sie erreicht wird, gibt das Erlebnis, aber in der Art, wie sie es gibt, ist sie etwas Künstlerisches: im Ausgang, in der Darstellung der Künstler und in der Aufnahme des Hörers, Zuschauers. Die Illusion ist eine Bedingung der Kunst. Auf der primitiven Stufe kann daher die Illusion auf unkünstlerische Weise empfunden werden.

Bleiben wir bei der Schauspielkunst. Es handelt sich etwa um ein Bild, oder es handelt sich um die Sprache gerade dieses Schauspielers oder um ein farbiges, aufleuch .endes Wort des Dichters. Mein ganz gespannter, innerer Mensch wird angestoßen, überzeugt, eben durch Dichterwort, Künstlerspiel und farbig ausgebildete Stimmung; dies zusammen vermittelt mir ein Gefühl, welches ganz unmittelbar, ohne einen anderen Beweis als sein Dasein zu haben, sagt: Ja, so war es! So ist es! So war es, so wird es sein!

Bei diesem Gefühl des restlosen Ueberzeugtseins liegt zu unterst doch das Gefühl, daß da gespielt werde. Doch das sind zwei Dinge, die sich sehr wohl vertragen; ich will doch keine Wirklichkeit, sondern — Wahrheit. Von hier aus ist das Stilisieren im äußeren Rahmen der Bühne zu rechtfertigen; jede Darstellung, die die Illusion vermittelt, ist recht und zu rechtfertigen. „Das Wirkliche wird nur vom Nichts gesehen“, sagt der Dichter Otto zur Linde. Schon wenn jemand — er braucht nicht Dichter zu sein — einen Vorgang erzählt, so ist das nicht die Wirklichkeit selber, sondern eine Darstellung von ihr. Es ist, wie Rilke sagt: „In unserer Sprache wird alles zum Märchen, denn es kann sich in ihr ja nicht begeben haben.“ Das Wirkliche wird — gelebt. In der Kunst kommt es nicht auf die Wirklichkeit an, sondern auf die Wahrheit, auf das, was in Wirklichkeit wesenhaft war und was im Dichter sein Recht zu bleiben forderte.

Dies Gefühl — es ist ein unmittelbares und doch sehr subtiles Gefühl —: „So ist es richtig, so ist es wahr, so ist es schön“ — vermittelt letztlich nur reine Kunst und vermittelt es, obwohl ich doch ganz genau weiß: es wird da nur gemimt. Die Bürger aber, die den Franz Moor umbringen wollten, sie hatten keine Illusion von etwas gewaltig Schönem, sie lebten nur in dem Wahn, Wirklichkeit vor sich zu haben. Wahn und Illusion aber sind nicht dasselbe.

Notizen

George Bernard "'aw, der sich am Sonntag, wie berichtet, bei einem Sturz im Garten seines Heims in Ayot St. Lawrence einen Oberschenkelbruch zugezogen hatte, wurde am Montagabend im Krankenhaus von Luton und Dunstable (Bedfordshire) operiert. In einem Bulletin, das nach dem Eingriff herausgegeben wurde, heißt es unter anderem: „Obgleich ein solcher Bruch bei einem Mann von Shaws Alter als ernst angesehen werden muß, ist das gegenwärtige Befinden des Patienten zufriedenstellend.“

„Bäume stehen aufrecht" ist der Titel einei; spanischen Komödie, die das Stuttgarter Staatsschauspiel vorbereitet. Der Autor, Alexander Casonas, flüchtete im Bürgerkrieg nach Südamerika. Er kommt zum ersten Male nach Deutschland.

Ein Südweststaat-Film. Die Anhänger des Südweststaates haben jetzt auch den Film in den Dienst ihrer Propaganda gestellt. In verschiedenen Lichtspieltheatern Südbadens lief am Wochenende der Südweststaatfilm „Hand in Hand“ an, der im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für die Vereinigung von Baden und Württemberg von der „Insel-Film-GmbH. Reichenau“ als Kurzfilm hergestellt wurde.


Rembrandt van Rijn: „Die Mühle" (1650)
Rembrandt van Rijn: „Die Mühle" (1650)

Alte Windmühlen

VON BEREND DE VRIES

Seit Jahren geht das Mühlensterben in Niederdeutschland und in den Niederlanden um. In Holland, dem klassischen Mühlenlande, sind seit langem Bestrebungen im Gange, die Windmühlen doch irgendwie dem Landschaftsbilde zu erhalten, ebenso in Ostfriesland. Seit Jahrhunderten ist es gerade die Windmühle, die dem Charakter des Flachlandes und seiner Atmosphäre eine besondere Note gibt.

Das wird uns klar, wenn wir eines der reifsten Kunstwerke des Leidener Müllersohnes Rembrandt van Rijn betrachten. Der große Meister malte „Die Mühle“ im Jahre 1650, sieben Jahre nachdem er seine unvergleichliche „Landschaft mit den drei Bäumen“ radiert hatte.

Bei dem Gemälde „Die Mühle“ handelt es sich wahrscheinlich um ein Motiv aus der Umgebung von Leiden oder von Nijmwegen. Die Mühle ragt auf dem Rundbau einer mächtigen Bastion, um die sich ein Flußlauf windet, empor. Die steil abstürzende Rundung mit dem Wasserlauf daneben verstärkt den Eindruck des Ragenden, Erhöhten um ein Vielfaches. Die Windung des Flußlaufes, in dem sich der Abendhimmel spiegelt, ersetzt den sonst üblichen Hintergrund, hier genügt das baumumstandene gegenüberliegende Ufer. Kraftvoll und doch fast zart aus dem finsteren Rundbau der Bastion aufsteigend, ragt nun die alte hölzerne Mühle neben dem Müllerhäuschen ins stille abendliche Licht empor. Ihre vier FJügel stehen über Kreuz, und der oberste hat alle noch vorhandene Helle an sich gezogen.

„Die Landschaft mit den drei Bäumen“ entstand im Jahre 1643, kurz nach Saskias Tode, und ist ein Ausdruck stärkster seelischer Erschütterung des Menschen und Künstlers Rembrandt, der in seinem Leid Trost in der Natur suchte. Der Unterschied aber zwischen dem Gemälde und der Radierung „Die Landschaft mit den drei Bäumen“ ist, ganz abgesehen von der Verschiedenartigkeit der Technik beider Motive, in seiner Wirkung auf den Betrachter rein seelischer Art. Während um die „ Drei-Bäume - Landschaft“ der unsagbare Schmerz und die starke Erschütterung über den Verlust der geliebten Frau wittert, geht von der „Mühle“ erhabene Stimmung voller Herzensfrieden und Abgeklärtheit aus. Dieses Werk ist vollendeter künstlerischer Ausdruck eines Mannes, der durch Leid und Enttäuschung des Alltags hindurchgegangen ist und sich nun angesichts des Abendfriedens der Natur den in der eigenen Brust erkämpft hat.

Die alten Mühlenbesitzer und Mühlenbauern gingen nicht von künstlerischen Gesichtspunkten aus, sondern von rein praktischen, wenn es sich darum handelte, den Standort für eine Windmühle zu wählen. Es kam vor allen Dingen darauf an, daß die Flügel den Wind von allen Seiten fassen konnten: Und so bauten denn auch die Emder früh schon ihre Mühlen möglichst auf den Zwingern des Stadtwalles auf.

Die ältesten Mühlen waren Ständermühlen aus Holz, ganz wie wir sie auf den Bildern niederländischer Meister finden. Später verwendete man für den Unterbau Backsteine, während Twickstell und Kappe aus Holz bestanden und die Kappe zudem noch mit Stroh gedeckt wurde.

Eine der schönsten Mühlen dieser Art ist „De Vrouw Johanna“ im Marienwehrster Zwinger in Emden. Sie wurde 1804 erbaut, wahrscheinlich hat sie aber Vorgängerinnen gehabt. Die Rote Mühle, 1795 und 1810 neu erbaut an Stelle einer früheren Ständermühle, steht im Wolthuser Zwinger; sie brannte 1823 nieder, 1825 wurde sie wieder aufgebaut. Heute ist sie das elende Wrack einer einstmals überaus schönen Windmühle, die, wenn sich ihre grün-weiß gestrichenen Flügel mit den rotbraunen Segeln im Winde drehten, einen stolzen Anblick gewährte. Vor sechzig Jahren standen noch vier mächtige holländische Windmühlen auf den Emder Wallzwingern; heute sind es nur noch zwei, denn die Reste der Roten Mühle kann man nicht mit dem verpflichtenden Namen Windmühle bezeichnen. Es bleibt noch die Weizenmühle zu erwähnen, die im ehemaligen Oldersumer oder Schwarze-Mühle-Zwinger steht. Sie wurde zuerst 1711 erbaut; erwähnt wird hier aber schon eine Mühle im Jahre 1665, sie wurde 1703 vom Sturm umgeworfen und abgebrochen. An der Weizenmühle sieht man noch heute so recht, vor allem von der Nordseite der Anlagen am Schwanenteich aus, wie eindrucksvoll eine freistehende hochragende Mühle im Landschaftsbild wirkt.

Über die modernen - Mühlen-Häuser, wenn man so sagen soll, ist wenig zu sagen. Sie mögen praktisch und notwendig sein, baulich aber fügen sie sich dem Landschaftsbilde bei weitem nicht so ein wie die alten Windmühlen.

Autorität und Gehorsam

AUSSPRACHEABEND IM NACHBARSCHAFTSHEIM

Im Nachbarschaftsheim kam wiederum der Aussprachekreis „Erziehungs- und Schulfragen“ zusammen, um einen Vortrag von Dr. Ruppert: „Autorität und Gehorsam in der modernen Erziehung“ zu hören und darüber zu diskutieren.

Nach einem — leider recht abgespielten — Film vom Leben in einem modernen amerikanischen Erziehungsheim stellte Dr. Ruppert einige Grundgedanken zum Thema heraus. Er unterschied zwischen echter und unechter Autorität und wies auf die Gefahren und Verlockungen jeder Autoritätsausübung hin, denn Autorität schafft ein „Oben“ und „Unten“, und allzu leicht geschieht es, daß das „Oben“ im Gefühl einer gewissen Macht das „Unten“ in der freien Entfaltung seiner Kräfte beschränkt. Die unechte Autorität gebietet und will zwingen und gerät dadurch in Konflikt mit der Gehorsamswilligkeit.

Wo echte Autorität ist, gibt es kein Problem des Gehorsams, und die Erziehenden sind Autorität, wenn das Kind das Gefühl hat, daß seine Bedürfnisse in ihrem Rechte anerkannt werden, einerlei ob sie in allen Fällen erfüllt werden können. Was das Kind erwartet, sind Geborgenheit, Spielraum für seine Kräfte, die Ueberlassung eines Verantwortungsbereiches und die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln.

Dr. Ruppert erwähnte Experimente, die von Sozialpsychologen in Amerika durchgeführt wurden und belegte damit, daß Kinder leichter zur Anerkennung der natürlichen Lebensordnung, zu Gemeinschaftsbewußtsein und Verträglichkeit miteinander kommen, wenn der Erziehende sich lediglich als beratender Kamerad unter Kameraden verhält.

Die Aussprache bezeugte in der Vielfalt der Stimmen, wie stark das Problem rechter Führung der Kinder und Jugendlichen Mütter, Väter und Lehrer bewegt, und zeigte vor allem, wie sehr die Erziehenden sich selbst zu kontrollieren und'an sich zu arbeiten bereit sind, um die Kinder nicht an gefährdende Autoritäten zu verlieren, die wohl in unguten Personen, stärker aber doch in anonymen Zeitmächten gesehen werden müssen. Die Diskussion konnte an diesem Abend nicht beendet werden, und man plant, sie in der ersten Oktoberwoche am gleichen Ort fortzusetzen. D—s

Raabe keine Plüschliteratur

Der Präsident der - Raabe-Gese.lschaft, Professor Rohloff, erklärte während der Jahreshauptversammlung dieser 1911 gegründeten Gesellschaft in Göttingen, die Werke Wilhelm Raabes seien nur schwer abzusetzen. Raabe habe jedoch gerade unserer Zeit etwas zu sagen, weil seine Dichtung aus zeitlosen, allgemeinmenschlichen Bezirken stamme. Es sei darum verfehlt, die Werke Raabes mit „Plüschliteratur“ einer vergangenen Epoche zu vergleichen oder sie als Vorläufer des modernen Existentialismus anzusehen.

Darmstadt und Umgebung

Preistreiberei - ein Krebsschaden

HGR. — Anläßlich einer Pressekonferenz sprach sich gestern nachmittag Regierungsdirektor Ahl gegen die Preissteigerungen aus, die wieder allerorten zu bemerken sind. Die Ausführungen waren deshalb für uns von Bedeutung, weil der Regierungsdirektor in aller Offenheit von diesen Mißständen sprach.

Die Mehrzahl der Bevölkerung hat es inzwischen am eigenen Geldbeutel erfahren können, wie sehr und wie plötzlich die Preise für diesen oder jenen Artikel in die Höhe geschnellt sind. Da wir Selbst verschiedentlich gegen diese Mißstände angegangen sind, ist es für uns eine Genugtuung, daß auch die verantwortlichen Behörden nichts unversucht gelassen haben, um diesen Krebsschaden auszumerzen. Von den vielen Beispielen, die Regierungsdirektor Ahl gestern nachmittag anführte, sei nur eins erwähnt: Ein Blumenhändler auf dem Markt setzte für einen Blumentopf, den er zu gleicher Zeit wie ein hiesiges Blumengeschäft erhalten hatte, einen Verkaufspreis von DM 2,50 an, das Blumengeschäft hingegen veräußerte den gleichen Topf, der — wir wiederholen — zur gleichen Zeit geliefert wurde, zu DM 6,80. Mit welcher Berechtigung? Natürlich sieht man ein, daß die Aufwendungskosten des Blumengeschäftes entschieden höher liegen als die des Standverkäufers. Liegen sie jedoch so viel höher, daß eine Preissteigerung von nahezu 300 Prozent erforderlich ist?

Aehnlich verhält es sich mit Zucker, mit Oel, mit Seife, mit Textilien und mit vielen anderen Gebrauchsgütern mehr. Wir sind schon wieder so weit, daß — Zucker zum Beispiel — wieder durch irgendwelche Dunkelmänner zu erhöhten Preisen an den Großhandel und an Geschäfte gegen Barleistung angeboten werde. Wir sind schon wieder so weit, daß Geschäfte z. B. nur Zucker verkaufen, wenn die Hausfrau auch andere Konsumgüter mitnimmt. Kurz Koppelungsgeschäfte blühen wieder wie ehedem. Aber nur deshalb, weil sich die Bevölkerung selbst durch irgendwelche Schwätzer ins Bockshorn jagen läßt. Gerade auf dem Lande — durch die Wandergewerbetreibenden — ist es zu bemerken, daß gutgläubige Bauersfrauen in die Stadt fahren und hamstern. Das sei keine Entschuldigung: in der Stadt ist es nicht viel anders. Die Bevölkerung selbst ist es, die durch ihre Unruhe, durch die Angst, es könne noch einmal so kommen, wie es war, den Geschäften das Heft in die Hand spielt. Gewiß wird dann und wann gemeckert, wenn dieser oder jener Gegenstand wieder teurer geworden ist. Was aber wird ernstlich unternommen? — Man steckt die UT-Ware ein und freut sich im stillen, daß man etwas mehr bekommen hat als die gute Frau Nachbarin. Damit ist es aber nicht getan, denn abgeändert werden kann durch diese nonchalante Haltung nichts. Es muß aber eine Aenderung geben. Wohin soll es denn führen, wenn die Preiskurve ständig weiter ansteigt? — Wer ist überhaupt schon heute in der Lage, mitzuhalten? — Der Kreis ist nicht sehr gr0ß...

Wenn eine Hausfrau — wir wurden authorisiert, diese Mitteilung der Bevölkerung bekanntzugeben — das Gefühl haben sollte, übervorteilt worden zu sein, kann sie sich, ohne daß für sie daraus ein persönlicher Schaden erwächst, an die nächste Preisprüfungsstelle (in Darmstadt an das „Amt für öffentliche Ordnung“) wenden. Alle Preisprüfungsstellen in Hessen sind angewiesen, jeder Meldung nachzuvehen und ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Preistreibereien werden im Sinne der wirtschafts-strafrechtlichen Bestimmungen, die nach wie vor in Kraft sind, mit harten Strafen geahndet. Geschäftsunternehmen, die einer unrechtlichen Preiserhöhung überführt werden, werden nach rechtskräftiger Verurteilung in den Tageszeitungen namentlich bekanntgegeben.

Es liegt an der Bevölkerung — an der Hausfrau vornehmlich —, daß in der Zukunft die Preise nicht weiter anschnellen, sondern im Gegenteil auf ein erträgliches Maß zurückgeschraubt werden.

In der Stadt notiert

Sein 25jähriges Gärtner-Jubiläum bei dem Gartenbaubetrieb Rühl & Schneider, Darmstadt, am Waldfriedhof, feiert heute Herr Wilhelm Schneider aus Weiterstadt, Kirchstraße 15.

„Das Christentum auf der Anklagebank“ ist das Thema eines Vortrages von Dr.-Ing. Schapitz aus Bad Reichenhall, den dieser am Sonntag, dem 17. September im evangelischen Gemeindehaus in Arheilgen um 15 Uhr halten wird.

Für den Klavierunterricht an der Landesmusikschule konnte von der Stadtverwaltung der in Darmstadt geborene Pianist Gustav Beck gewonnen werden. Er hat sich während zweier Jahrzehnte in Berlin einen bedeutenden Namen als Pianist, Orchesterleiter und Pädagoge erworben und war einer der engsten Mitarbeiter Arno Ebels bei der Organisation des Berliner Tonkünstlerbundes. Herr Beck wird am 15. Oktober seinen Unterricht aufinehmen.

Neuer Unfall bei Gräfenhausen

Gestern fuhr in der Nähe von km 512,5 ein Lkw — durch Seitenwind von der Fahrbahn gedrückt — die Böschung hinunter. Es entstand leichter Sachschaden. DT

Pkw. rammte Jeep

Auf der Autobahnkreuzung bei Langen fuhr gestern abend ein Pkw auf einen die Fahrbahn überquerenden Jeep auf. Es entstand Sachschaden; die Fahrer kamen mit dem Schrecken davon, ein in dem Pkw sitzendes Ehepaar wurde verletzt. DT

Vorsicht anf der Autobahn

Durch die Manöver der US-Streitkräfte ist der Verkehr auf der Autobahn besonders stark. Es kam bis jetzt zu zwei Unfällen zwischen Heeresfahrzeugen und deutschen Kraftwagen. Für die Dauer der Manöver ist daher besondere Vorsicht am Platze. DT

Das „Faire - Eck“

We. - Darmstadt hat wieder sein „ Faixe-Eck*, sein richtiges, wirkliches „ Faixe-Eck“, nachdem es auf den Tag sechs Jahre nur von der Erinnerung an jene Straßenecke zehren mußte, die für alle Darmstädter, die alten und die jungen, nicht nur eine Straßenecke schlechthin, ondem ein Begriff war, der aus dem .eben der Bürger unserer Stadt einfach licht hinwegzudenken war. Wer von ien Menschen, die das Glücl? — jawohl las Glück — hatten, sein Leben oder doch einige Jahre davon in Darmstadt zu verbringen, hätte es vergessen, daß er sich dort mit dem Mädchen seiner Wahl traf, wenn er ins Theater oder ins Kino gehen oder im Eispalast nur eine Portion Eis essen wollte? Wer hätte es vergessen, daß sich allabendlich die heranwachsende Jugend — und es war nicht die schlechteste — an dieser Ecke drängte, den Bummel kurz unterbrechend, der sie durch die obere Rheinstraße und die Emst-Ludwig-Straße führte, sehr zum Entsetzen unserer lieben Polizei, der das Gedränge ein langer Dom im Auge des Gesetzes war. Oder wer möchte jene Stunden als Kind missen, die er vor den Schaufenstern von Faix zubrachte, sich seine Kindemase platt drückte und nicht losreißen konnte von all den Herrlich-Ikeiten, die da ausgestellt waren: Der Märklinbahn, die unentwegt ihre Kurven drehte und durch die Tunnels sauste, von dem Puppenhaus mit den vielen Zimmern, den unzähligen bunten Bällen, den Puppen und all den tausend Dingen, die ein Kinderherz in Aufregung versetzten.

Und wer -könnte die Originale, diese Urdarmstädter Erscheinungen, vergessen, die in den mehr oder weniger glücklichen Jahren der Vergangenheit an .dieser Ecke Tag für Tag zu treffen waren: den alten Müller, der immer eine total zerrissene Hose an- und einen alten verbeulten Hut aufhatte, die Bretzelfrau, die in der Torhalle bei Faix stand und ihre treffenden Bemerkungen zu ihren Kunden machte.

All diese Dinge sind denen, die sie erlebt haben, unvergessen. Ob sie sich an dem neuen „Faixe-Eck“ wiederholen werden, weiß noch niemand. Nur eines wird wieder so sein: die großen und kleinen Kinder werden auch jetzt wieder ihre Nasen an den Scheiben platt drükken und sich nicht losreißen können von all den tausend Herrlichkeiten, die ein Kinderherz in Aufregung versetzen können.



Was geschieht auf dem Breuberg?

Der Bezirksjugendausschuß tagte in Darmstadt

Im Sitzungssaal des Stadthauses in der Lagerhausstraße fand am Dienstagnachmittag eine Tagung des Bezirksjugendausschusses statt, an dem die Vertreter der evangelischen und.katholischen Jugendverbände, der CVJM, der FDJ und der „Falken“, wie der gewerkschaftlichen Jugendgruppen und der „Bund der Pfadfinder teilnahmen.

Nach Vorstellung des neuen Bezirksjugendpflegers Koop, der für die Dauer von drei Monaten die Amstgeschäfte probeweise übernimmt, bis er durch das Plenum des Jugendauschusses gewählt wenden wird, berichtete der Vorsitzende des Bezirksjugendausschusses, Pfarrer Rathgeber, daß Herr Adolf Weidmann aus Bickenbach die Leitung des Erwachsenensportes übernommen habe. In seinem Tätigkeitsbericht führte Bezirksjugendpfleger Koop aus, daß es sein Bestreben sei, mit den zuständigen Stellen in den einzelnen Kreisen in ein engeres Verhältnis zu kommen. Ebenfalls sei eine Verbindung zwischen den Kreisjugendpflegem erforderlich, um die verschiedenen Veranstaltungen untereinander auswerten zu können. Bedauerlich sei, daß immer noch kein Jugendpflegegesetz seitens der Regierung verabschiedet worden sei, und daß ein derartiges Gesetz in absehbarer Zeit auch wohl nicht zu erwarten ist. Es sei aber erforderlich, daß die Regierungsstellen teilweise der Jugendarbeit großes Interesse entgegenbrächten, wie zum Beispiel Finanzminister Hilpert, der sich auf der letzten Landesjugendausschußsitzung sehr für die Fragen der Jugendpflegearbeit interessierte.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Frage der Kreisjugendpflegerinnen. Bedauerlich sei, daß bisher nur in einigen Kreisen Jugendpflegerinnen eingesetzt werden konnten, da diese aus amerikanischen Mitteln bezahlt würden. Die Landräte würden einer Einstellung von Pflegerinnen teilweise ablehnend gegenüberstehen, da sie befürchteten, daß die finanziellen Unterstützungen der Besatzungsmacht nach Ablauf des Rechnungsjahres eingestellt wenden könnten. Ebenfalls müsse man bei der Auswahl der Bewerber und Bewerberinnen für den Posten der Jugendpfleger von deren beruflicher Qualifikation ausgehen, und sich nicht von parteipolitischen Standpunkten leiten lassen.

Der Hauptpunkt der Tagesordnung waren zweifellos die Vorgänge auf dem Breulberg. Die hygienischen Zustände der Jugendburg seien katastrophal, und die Bedachung habe sich in den letzten Jahren derart verschlechtert, daß allerorts bei Regen das Wasser in die Räume laufe. Ein Teil der Gebäude befände sich in äußerst baufälligem Zustand, da dort selbst die Grundmauern schon zerstört seien. Der hessische Staat, der sich zur Zeit noch im Besitz des Breuberges befinde, bis die Anlagen wieder dem Jugendherbergsverband zurückerstattet werden, habe 8000 DM zur Verfügung gestellt, damit mit diesem Geld auf dem Breuberg eine Gastwirtschaft errichtet werden soll.

Der Bezirksjugendausschuß beschloß, ein Schreiben an die Liegenschaftsverwaltung, an den Breubergbund und an das Finanzmiinisterium z:u richten, in dem hingewiesen wird, daß sich die Jugendpfleger mit Entschiedenheit gegen den Bau einer Gaststätte mit Alkoholausschank auf der Jugendlbung Breuberg wehren. Das Geld wäre nutzbringender angewandt, wenn es für die Erhaltung der Bung ausgegeben werden könnte. -st

Kundgebung der Metallarbeiter

Mehrere tausend Metallarbeiter versammelten sich gestern morgen um 10 Uhr auf dem Friedensplatz zu einer Kundgebung. Der geschäftsführende Vorsitzende der Gewerkschaft Metall für den Verwaltungsbezirk Darmstadt, Herr W e r n a t h , ergriff das Wort und berichtete über die Lohnverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverbänden. Die ständige Preissteigerung bedinge eine Heraufsetzung der Löhne, doch sei es unmöglich, das Angebot der Arbeitgeber auf eine Lohnerhöhung von 2 Pfennig pro Stunde anzunehmen. Die Gewerkschaft fordere dagegen 25 Pfennig. Man leiste mit Statistiken, die die Geringfügigkeit der Preissteigerung dokumentieren sollten, mit Rundfunksendungen und unwahren Pressemeldungen den Wünschen der Arbeitgeber Vorschub.

Als erste Maßnahme sei seit Montag die Leistung von Ueberstunden von der Gewerkschaft abgelehnt worden und am Mittwoch, also heute, werde durch eine Urabstimmung in den Betrieben festgestellt, ob man die Lohnforderungen mit Streik erzwingen solle. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle. Die Polizei leitete, zur Vermeidung von Störungen, den Fahrzeugverkehr um. -ae-


Der Geschäftsführende Vorsitzende der Gewerkschaft Metall für den Verwaltungsbezirk Darmstadt, Herr Wermath, sprach gestern zu einigen tausend Metallarbeitern auf dem Friedensplatz. Foto: Hemme
Der Geschäftsführende Vorsitzende der Gewerkschaft Metall für den Verwaltungsbezirk Darmstadt, Herr Wermath, sprach gestern zu einigen tausend Metallarbeitern auf dem Friedensplatz. Foto: Hemme

Ehrung für Prof. Dr. H. Brücher

Für die Züchtung einer neuen Futterpflanze, die für die klimatischen Verhältnisse Argentiniens insofern besonders günstig ist, weil sie große Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit besitzt, hat der Nationalrat der Republik Argentinien auf Antrag des Präsidenten der landwirtschaftlichen Kommission, Senator Mathus-Hoyos, dem deutschen Vererbungsforscher Prof. Dr. Heinz Brücher eine ehrenvolle Auszeichnung ausgesprochen. Der 35 jährige Forscher ist gebürtiger Darmstädter und ein Sohn des in diesem Jahre verstorbenen früheren Kreistierarztes von Erbach

Das Geheimnis von Km 512,5

Durch nachträgliche Messungen mit dem Gerameter auf der von uns angegebenen Gefahrenstrecke bei km 512,3 bis 512,5 in der Nähe von Gräfenhausen wurde festgestellt, daß magnetische Feldstörungen vorhanden sind. Plötzliche Änderungen des Magnetfeldes rufen vornehmlich bei sensiblen Menschen eine Muskelreaktion hervor, die im Verein mit einer regennassen Straße die Unfälle hervoruft.

In einem Beitrag von berufener Seite werden wir an einem der nächsten Tage noch einmal auf die Sache zurückkommen. DT


Anläßlich der „Woche des deutschen Films“ wurde dieses — vom Atelier Delp geschaffene — Plakat unter 80 Entwürfen namhafter Graphiker ausgewählt und mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Anläßlich der „Woche des deutschen Films“ wurde dieses — vom Atelier Delp geschaffene — Plakat unter 80 Entwürfen namhafter Graphiker ausgewählt und mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Karambolage auf der Autobahn

Ein amerikanisches Heeresfahrzeug mit Anhänger und ein deutscher Pkw. befuhren, aus Richtung Mannheim kommend, in der Nacht zum Dienstag, die Autobahn in Richtung Darmstadt. In der Gemarkung Pfungstadt versuchte der Fahrer des Personenwagens das amerikanische Fahrzeug zu überholen. Als er auf der Ueberholungsfahrbahn etwa auf 7 Meter an den vorausfahrenden Lastwagen herangekommen war, wechselte dieser plötzlich auf die linke Fahrbahn, in der Absicht, über den Grünstreifen auf die entgegengesetzte Fahrbahn zu gelangen. Hierbei wurde der deutsche Personenwagen von dem Heeresfahrzeug gestreift. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. DT

Schwerer Autozusammenstoß

Lastwagen brannten aus

Zu einem schweren Autozusammenstoß kam es am Dienstagmorgen kurz nach 3 Uhr auf der Autobahn in der Nähe von Lorsch.

Durch den schweren Aufprall wurde der mit Holz beladene Anhänger umgeworfen und teilweise auseinandergerissen. Der aufgefahrene Motorwagen fing sofort Feuer, das sich mit großer Geschwindigkeit ausbreitete. Motorwagen und Anhänger brannten mit so starkem Feuerschein aus, daß eine Umgebung von etwa 50 Metern taghell erleuchtet war. Kraftfahrer und Beifahrer des auffahrenden Lastzuges wurden schwer verletzt in ein Mannheimer Krankenhaus eingeliefert. DT

Einbruch in Wäschegeschäft

In der Nacht vom Sonntag zum Montag drangen Diebe in den Verkaufskiosk des Wäschegeschäftes Rudolf Hippler in der Nähe des Friedrich-Ebert-Platzes ein. Die Feststellungen der Kriminalpolizei ergaben, daß die Einbrecher durch einen noch nicht fertiggestellten benachbarten Kiosk an die Hinterfront der Verkaufsläden gelangt und dort durch ein Seitenfenster in den Laden eingestiegen sind. Sie stahlen nur die besten Stücke der vorhandenen Ware an Strümpfen, Unterwäsche, Strickwolle und Popeline-Herrenhemden. Ferner wurde die Kasse erbrochen und das Wechselgeld gestohlen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es sich um orts- und sehr sachkundige Einbrecher handelt. Herr Hippler beziffert seinen Schaden mit 3500.- DM. DT

Tumult auf dem Friedensplat

Der Polizeipräsident teilt zu unserem Artikel „Tumult auf dem Friedensplatz“ (Nr. 62 vom 11. September d. J.) folgendes mit:

Zunächst wird festgestellt, daß die weißen Plakate, die auf die Gedenkkundgebung hinwiesen, nicht schon 8 Tage vorher sichtbar waren, sondern erst in der Nacht vom 7. auf 8. 9. 1950 angeklebt worden sind. Das Versammlungsverbot der Friedensveranstaltung mit Gedenkfeier und Schweigemarsch wurde auf ministerielle Anweisung am Samstag, dem 9. 9. 1950, gegen 9 Uhr, den verantwortlichen Veranstaltern gegen Empfangsbescheinigung zugestellt. Außerdem wurde dieses Verbot mehrfach durch Radio publiziert. Eine Kranzniederlegung war nicht angezeigt.

Die Herren Landtagsabgeordneter Keil, Stadtverordneten Weigel und Becker sowie der Vorsitzende der VVN, Herr Fillsack — die beiden letzteren zeichneten verantwortlich für die geplante Veranstaltung —, die sich auf dem Versammlungsplatz bzw. in der Nähe desselben aufhielten, machten keinerlei Anstalten, auf die Versammelten einzu wirken, den Platz zu verlassen.

Den auf dem Friedensplatz anwesenden Personen, unter denen sich Mitglieder der KPD, FDJ, Angehörige des Komitees der Friedenskämpfer und der VVN befanden, ist durch Lautsprecher nochmals bekanntgegeben worden, daß die Versammlung verboten sei, wobei alle Versammelten dreimal aufgefordert wurden, den Platz aus sicherheitspolizeilichen Gründen zu verlassen. Es wurde dabei auch darauf hingewiesen, daß sich jeder, der dieser Aufforderung nicht Folge leiste, wegen Auflaufs strafbar mache. Nach dieser dritten und letzten Aufforderung haben die Versammelten keinerlei Anstalten gemacht, sich zu entfernen; im Gegenteil, uniformierte Angehörige der FDJ ignorierten dieselbe und sangen weiter. Hierauf wurde durch das Einsatzkommando eine Polizeikette von zunächst 20 Beamten gebildet, die sich über den ganzen Platz erstreckte und auf das Kommando „Polizeikette marsch!“ in Richtung auf die Versammelten in Bewegung setzte. Das von der FDJ mitgeführte Transparent, das ausdrücklich zur Teilnahme an dem verbotenen Treffen der 100 000 aufforderte, mußte dabei sichergestellt werden.

Ein Befehl zum Gebrauch des Gummiknüppels, wie in dem gestrigen Tagblattbericht erwähnt ist, wurde überhaupt nicht gegeben. Es war lediglich beabsichtigt, die Versammelten durch die Polizeikette abzudrängen, um dadurch die Ansammlung aufzulösen. Erst nachdem Polizeibeamte von Versammelten tätlich angegriffen wurden, machten die angegriffenen Beamten in der Notwehr von dem Gummiknüppel Gebrauch, wozu sie berechtigt und verpflichtet waren.

Der Vorwurf des Artikelschreibers, die Polizei habe sich nicht immer besonnen verhalten, wird als unzutreffend zurückgewiesen. Richtig ist vielmehr, daß die Polizei mit der Räumung des Platzes erst begonnen hat, nachdem alle Bemühungen und Aufforderungen, die durch die einzelnen Beamten und durch Lautprecher an die Versammelten ergangen waren, nicht beachtet wurden.

Den sogenannten „neutralen Augenzeugen“, die anderes gesehen oder gehört haben wollen, bleibt es vorbehalten, ihre Wahrnehmungen bei der kommenden Gerichtsverhandlung unter Eid zu bekunden.

Anmerkung der Redaktion: Wir machen darauf aufmerksam, daß wir erst wieder auf diese Angelegenheit während und nach der bevorstehenden Gerichtsverhandlung zurückkommen werden. Von weiteren Zuschriften bitten wir bis zu diesem Zeitpunkt abzusehen.

Wohltätigkeitslotterie

Die Studentenhilfe des Pädagogischen Instituts Darmstadt in Jugenheim veranstaltete mit Ausgang des Sommersemesters zugunsten ihrer bedürftigen Studenten eine Wohltätigkeitslotterie, die bei einem Großteil der Bevölkerung herzliche Aufnahme fand. Die Ziehung war am 20. Juli; die Verteilung der Gewinne erfolgt zur Zeit noch bis zum 1. Oktober. Die Gewinnliste erschien in der „Heiligenbergzeitung“, die die Studentenschaft in eigener Regie herausgibt. Auf Anforderung wird die Gewinnliste auch noch heute zugestellt.

Durch diese Lotterie wurde die Studentenhilfe in die glückliche Lage versetzt, die dringendste Not ihrer bedürftigsten Studenten für einige Monate wieder zu lindern.

WIE-WIRD-DAS-WETTER

Wetterbesserung

Das über Dänemark angelangte Tief zieht jetzt rasch nach Osten ab. Seine südlichen Ausläufer überquerten Deutschland mit Bewölkung. Der nachfolgende Druckanstieg bringt eine rasche, mindestens vorübergehende Wetterbesserung.



Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr, Lichtbildervortrag, Dr. Gaston Dejm ek , Essen: „Der Expressionismus in Malerei, Dichtung und Musik.“ Volkshochschule: 19.30 Uhr, Technische Hochschule, Raum 167, in der Reihe „Menschen - Länder - Völker“, Vortrag Lily Pringsheim: „New York und Lima.“

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit. Herrn Georg Rhein, Fabrikarbeiter i. R., und Frau Barbara geb. Jakobi, Heppenheim, Zollhausstraße 17. 78. Geburtstag. Frau Therese Kristen, W’alldorf, Kelsterbacher Straße 47. 75. Geburtstag. Frau Marie Wanke, Nauheim, Bleichstraße 51. 71. Geburtstag. Frau Pauline Po - lainer, Groß-Gerau, Taunusstraße 6.

STARKENBURG

Dachstuhlbrand in Michelstadt

Im Hintergebäude eines Wohnhauses der Frankfurter Straße in Michelstadt brach am Montagabend um 20.30 Uhr ein Dachstuhlbrand aus, der durch das rasche Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr erfolgreich bekämpft werden konnte, ehe er auf andere Gebäudeteile Übergriff. Der Wohnungsinhaber erlitt leichte Brandwunden an den Armen. Die Brandursache ist noch nicht ermittelt. -ch.

Sittlichkeitaverbrecher gefasßt

Die Bensheimer Polizei konnte am 10. September den einundvierzigjährigen kaufmännischen Angestellten E. F. aus Frankfurt festnehmen, der unter Versprechen aller Art Kinder in die Gegend des Schulhofes lockte und sich dort an ihnen in schamloser Weise zu vergehen versuchte. Da ständig neue Hinweise über das Auftauchen ähnlicher Personen eingehen, bittet die Polizei alle Erziehungsberechtigten, denen Fälle gleicher Art bekannt sind, sich umgehend auf dem Polizeiamt, Zimmer 13, zu meiden. Lichtbilder liegen dortselbst zur Einsicht auf. HB

Lürgermeister legt Amt nieder

Der Bürgermeister von Unter-Ostern, Treusch, beabsichtigt, wie wir in Erfahrung bringen konnten, sein Amt niederzulegen.. Bewerber für das Amt des Bürgermeisters können sich bis 20. September melden. ptoo.

Drachen zerriß Lichtleitzng

In Eppertshausen ließen einige junge Burschen in der Nacht einen mit einer Taschenlampe versehenen Drachen steigen, der durch Abwinde heruntergedrückt, über dem Anwesen des J. Ries, Hauptstraße, eine Lichtleitung zerriß. Ahnungslos ging am Morgen Frau Ries in den Hof. Sie berührte mit den Haaren die herabhängende Leitung, wobei die 70jährige in den Stromkreis geriet. Glücklicherweise konnten beherzte Männer sie befreien und vor dem Tode bewahren.

Monteure der Heag mußten eine neue Leitung ziehen, da ein Teil der Gemeind' ohne Strom war. Für die unbedachte Jugendlichen, die das Unheil verursach ten, dürfte es ein gerichtliches Nachspi' geben.

Kindesleiche aufgefunden

Am Montag wurde bei Kelsterbach, zwe Meter hinter der unvollendeten Brücke der geplanten Autobahn, die über die Bundesstraße 43 führt, ein neugeborenes Kind gefunden. Die Leiche lag neben der Nachgeburt und einigen blutgetränkten Mullbinden. Einige Meter neben dem grausigen Fundort lag die Kapuze einer Regenhaut und einer Gasplane. Die stattgefundene Besichtigung durch Obermedizinalrat Dr. B i n s a c k ergab, daß es sich um eine sechseinhalb Monate alte Fehlgeburt oder eine Abtreibung handelt. Die pflichtvergessene Kindsmutter konnte noch nicht ermittelt werden. Die polizeiliche Fahndungsaktion ist im Gang, -od-

Beim Ausweichen überschlagen

Vor dem Feuerwehrhaus in Neustadt kam ein aus Rimhorn kommender Pkw. beim Ueberholen eines Radfahrers auf der regennassen Straße ins Schleudern. Der Fahrer versuchte, den Wagen abzufangen, der dabei auf den rechten Fußweg kam, sich seitlich überschlug und das Tor des Feuerwehrhauses eindrückte. Obwohl der Wagen erheblich beschädigt wurde, blieben die drei Insassen unverletzt. -ch.

Schwindler sammelt Geld

Im Landkreis Groß-Gerau triff in letzter Zeit ein Schwindler aut, der angibt, für die Kriegsgräberfürsorge Geld zu sammeln. Er bedient sich eines falschen Ausweises, der einen roten Stempel trägt und dessen Unterschrift unleserlich ist. Er wird wie folgt beschrieben: etwa 35 Jahre alt, 1.68 m groß, frische Gesichtsfarbe, trägt schwarze Reitstiefel, grüne Reithose, grüne Kletterweste mit Reißverschluß. Bei Auftreten dieser Person bittet die Kriminalpolizei um sofortige Nachricht. wst.

„Das galt dem Erbacher Schloß“

Brandgranaten-Blindgänger aus der Platane im Schloßhof geborgen

Eine Gruppe von drei Männern machte sich am Montagnachmittag im Erbacher Schloßhof an der alten Platane mit dem mächtigen Stamm auf seltsame Weise zu schaffen. Eine hohe Baumleiter wurde angestellt, einer der drei stieg hinauf bis zu einer der untersten Astverzweigungen und untersuchte vorsichtig in etwa sieben Meter Höhe eine höckerartige Verwachsung.

„Es ist eine amerikanische Phosphor-Brandgranate, Kaliber 10,5 cm“, rief er nach einiger Zeit zu seinen Begleitern hinunter. Den wenigen Neugierigen, die die Gruppe umstanden, lief eine Gänsehaut den Rücken hinunter. — Ein Blindgänger einer Brandgranate in der Platane des Erbacher Schlosses, unmittelbar neben dem alten Bergfried, wo täglich Hunderte, an manchem Sonntag Tausende von Besuchern vorübergegangen sind! Auch der alte Schloßkastellan wurde plötzlich unruhig und wandte sich an die drei Männer des Sprengkommandos aus Münster bei Dieburg mit der Bitte, ihm doch die gute Leiter gleich wieder zurückzugeben, er besorge eine ältere, denn die Granate könne doch bei der Bergung explodieren, meinte der gemütvolle Mann und dachte dabei wohl nur an seine gefährdete Leiter. Die Männer des Kommandos lächelten verständnisvoll und willigten in den Tausch ein.

Dann ging es an die gefahrvolle -Arbeit mit Axt, Beil, Säge und Meißel. Es dauerte schon eine gute Weile und kostete manchen Schweißtropfen, bis das unangenehme „Souvenier“ aus den Tagen des Einmarsches der Besatzungstruppen in Erbach während der letzten Wochen des Krieges aus dem Stamm der Platane freigelegt und endlich sicher zu Boden gebracht worden war.

„Das galt wohl dem Erbacher Schloß“, meinte Herr Amend, der Chef des Sprengkommandos. „Wäre die Granate damals 15 Meter kürzer gegangen und explodiert, hätte sie wahrscheinlich genügt, um das große Hauptgebäude mit seinen Sommlungen in Asche zu legen!“ Statt dessen kommt die Granate nun, nachdem sie von den drei Männern sorgsam verpackt und im Kofferraum ihres Kraftwagens verstaut worden war, zum Sprengplatz bei Münster, wo sie mit anderer Munition am Donnerstagvormittäg vernichtet wird.

„Wir haben heute schon eine 10,5- cm-Brisanzgranate aus dem Wald zwischen Fürstengrund und Vielbrunn geborgen. Die ist auch im Wagen“, bemerkte Herr Amend so nebenbei. „Na denn, gute Fahrt!“, konnte ich nur noch sagen, dann machte ich mich schleunigst fort von dem kleinen Pkw mit seiner gefährlichen Fracht. _ch

Durch Erhängen im Keller seines Hauses machte der 50jährige Landwirt Konrad Ditter, Momart, seinem Leben ein Ende. Die Tat dürfte auf ein Nervenleiden zurückzuführen sein.


Viele ausgetretene Stufen führen zur Zwingenberger Kirche empor Foto: Dr. Hotz
Viele ausgetretene Stufen führen zur Zwingenberger Kirche empor Foto: Dr. Hotz

Nene Rheinfähre bei Gernsheim

Bedeutende Verbesserungen im Hafen

Wie wir von Beigeordneten S ch n e i d - ler, der bis zur Wahl eines neuen Bürgermeisters in Gernsheim an der Spitze der Stadtverwaltung steht, erfahren, rückt der Termin der Inbetriebnahme einer neuen Fähre in Sichtweite. Am 1. Oktober soll das neue Fahrzeug, das eine Tragkraft von 35 Tonnen haben wird, probeweise in Dienst gestellt werden. Die offizielle Einweihung, zu der von der Stadtverwaltung neben Vertretern der Staatsregierung Ministerpräsident Stock eingeladen wurde, ist für den 10. Oktober vorgesehen.

Gegenüber der augenblicklich verkehrenden Fähre, deren Tragkraft nicht sehr groß ist und die bei Treibeis ausfallen würde, stellt die von der Mainzer Firma Christoph Ruthoff gebaute neue Rheinfähre eine wesentliche Verbesserung dar. Nicht nur die erhöhte Tragkraft, sondern auch eine größere Verkehrssicherheit, die es erlaubt, die Fähre auch bei Treibeis bis zu einem gewissen Grad verkehren zu lassen, zählen zu den Vorzügen des neuen Fahrzeuges.

Ein weiterer Beweis dafür, daß die Stadt Gernsheim sich bemüht, ihren Rang als Hafenplatz weiter zu erhalten, sind die Instandsetzungsarbeiten am Floßhafendamm. Diese Arbeiten wurden vom Wasserstraßenamt für unerläßlich erachtet, nachdem in den Kriegsjahren und den darauffolgenden Jahren zugunsten vordringlicherer Arbeiten auf die Pflege und Verbesserung der Hafenanlagen verzichtet werden mußte. Dank einer vorzüglichen Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, in der manch altes Schifferherz spürbar schlägt, und dem Wasserstraßenamt, geschieht alles, was der Rheinschiffahrt dienlich ist. So wurden in den letzten Tagen auf der äußersten Spitze des Hafendammes zwei neue Boller gesetzt, die damit neue Anlegemöglichkeiten bieten. Kr.

Strienz auch in Erbach

Der bekannte Konzertsänger Wilhelm Strienz kommt am Samstag, 16. September, zu einem einmaligen Konzert in die Erbacher Festhalle.. Die umfangreiche Vortragsfolge enthält Arien, Balladen und volkstümliche Lieder. Am Flügel wird Strienz von Franz S e m b e c k begleitet. -ch

Was aǔch interessiert:

7 Lagerinsassen betrog der aus dem Regierungslager Babenhausen geflüchtete Emanuel F. Er hatte sich Kleidungsstücke zum Verkauf geben lassen, war mit dem Erlös jedoch nicht mehr ins Lager zurückgekehrt. RG

Auf der „Maulbeerau“ zwischen H o f - heim und Worms treffen sich am 17. September zum dritten Male nach dem Kriege die evangelischen Jugendverbände aus Starkenburg und Rheinhessen zu einem Jugend tag.

45 Kilogramm Reststücke einer Ueberlandseitung wurden kürzlich aus einem Lagergebäude der HEAG in G r o ß -U m - stadt gestohlen. Die Täter hatten ein Fenster zertrümmert und ihre Beute mit einem Kraftfahrzeug abtransportiert. RG

Gottesdienste für Taubstumme hat die evangelische Kirche in Bensheim eingerichtet, die in regelmäßigen Abständen stattfinden. Am kommenden Sonntag um 16.30 Uhr findet der erste derartige Gottesdienst statt. HB

Mr. Ouverson in Beerfelden

Freie Aussprache mit der Bürgerschaft

Im Rahmen seiner kürzlich aufgenommenen freien Aussprachen setzte sich der amerikanische Resident Officer für den Kreis Erbach, Mr. Ouversoninßeer« f e 1 d e n mit Bürgermeister Ackermann und mehreren Männern und Frauen aller Schichten der Einwohnerschaft zusammen, um sich zwanglos über die sie beschäftigenden Fragen und Probleme zu unterhalten...

Je ein Lehrer der höheren und der Volksschule, ein Geschäftsmann, eine Kriegerswitwe und eine Geschäftsfrau, zwei Vertreter der Landwirtschaft, ein Sägewerksbesitzer, ein Bauunternehmer und ein Veterinär trugen rückhaltslos und offen ihre Sorgen vor, äußerten auch unverblümt gelegentlich ihr Mißfallen an Maßnahmen der amerikanischen Zivilverwaltung.

Mr. Ouverson hatte einleitend erneut darauf hingewiesen, daß er sich mit diesen Aussprachen ein klares Bild über die Verhältnisse im Kreise Erbach verschaffen wolle, damit er gegebenenfalls über seine übergeordneten Dienststellen Maßnahmen zur Abstellung von Mißständen einleiten könne. Das setze natürlich voraus, daß ihm nur wahrheitsgetreue Darstellungen gegeben werden. Er bemühte sich auch, die von der Beerfeldener Bürgerschaft vorgetragenen Fragen und Fest- Stellungen objektiv und sachlich zu beantworten.

Zu einigen Punkten, wie beispielsweise die Klage des Bauunternehmers über den Mangel an Baugelände in Beerfelden, konnte sogleich durch Bürgermeister Ackermann Stellung genommen werden. Der Bürgermeister seinerseits fragte an, ob durch die amerikanische Zivilverwaltung Kredite zum notwendigen Schulhäusneubau in Beerfelden zu erhalten seien. Die Sportjugend fragte nach Beihilfen zur Sportplatzverbesserung. Alle Angelegenheiten wurden vom Resident Officer notiert und sollen durch seine Dienststellen bearbeitet werden.

Die Vertreter der Beerfeldener Bürgerschaft äußerten den Wunsch, derart ersprießliche Aussprachen öfter stattfinden zu lassen. —ch—

Vierzehn Säue in einer Nacht

Einen besonderen Erfolg in der Schwarzwildbekämpfung konnte der Förster vom Bremhof bei Vielbrunn mit zwei großen Pallisaden-Saufängen erzielen, die er in Dickungen im Vielbrunner Wald gebaut hatte. In einer Nacht gingen nicht weniger als 14 Schwarzkittel, Sauen und Ueberläufer, in die Fallen. -ch

85 000 Besucher

im Groß-Gerauer Schwimmbad

Das Groß-Gerauer Schwimmbad, wurde am Dienstagabend für die diesjährige Saison geschlossen. 85 000 Menschen besuchten das Bad in der Zeit vom 24. Mai bis zum 12. September dieses Jahres. An einem Tage konnten sogar 3500 Besucher gezählt werden. Dennoch reichen die Einnahmen nicht aus, um die Kosten für die Instandsetzungsarbeiten, die im Frühjahr durchgeführt wurden, völlig zu decken. In diesem Jahr soll noch die Filteranlage erneuert werden. Auch das Klinderbecken wird voraussichtlich bis zur nächsten Badesaison erweitert werden. -cg

Dozenten tagen in Ingenheim

Im Education Service Center läuft zur Zeit eine Tagung der Dozenten an deutschen Ingenieurschulen, die heute beendet wird.

Die Tagung befaßt sich u. a. mit den Vorbereitungen für die Zulassung zum Studium an den Bau- und Ingenieurschulen unter Berücksichtigung der fachlichen Eignung, der praktischen Vorbildung und der theoretischen Kenntnisse. Dr. Küchenhoff sprach über Berufseignung und -neigung bei Studienbewerbern. Als zweiter Referent sprach Oberingenieur Becker von den Leitz-Werken, der sich mit dem vorgenannten Problem eingehend beschäftigte. Der Redner hat achtzig Bewerber geprüft und ist zu der Einsicht gekommen, nur Leute einzustellen, die eine Lehre hinter sich haben. Wer keine technische Begabung habe, so führte Oberingenieur Becker weiter aus, wird stets ein mittelmäßiger Konstrukteur bleiben. Er verlangte u. a. einen Lehrstuhl für Feinmechanik und für alle Semester Gebrauchs-Mathematik, praktische Physik und Weckung des Kunstsinns. Desgleichen forderte er, daß den Bewerbern Aufgaben über Konstruktionen gestellt werden.

Tagungsleiter, Baurat Hartmann vom Kultusministerium stellte das Thema zur Diskussion: Was spricht für und was gegen die Anwendung des Testverfahrens bei Studienbewerbern? In der regen Aussprache für und gegen den Test, an der sich auch Mr. Henning vom Landeskommissariat beteiligte, kam die größte Zahl der Tagungsteilnehmer zu dem Ergebnis, daß die wissenschaftliche Prüfung nicht ausreichend erscheint; sie soll durch den Test als Zusatz zur Aufnahme ergänzt werden. hl.

„Rund um den Kirchberg“

130 Meldungen für Findigikeits&ett¬ bewerb des ADAC

Für den Findigkeitswettbewerb des ADAC am 17. September sind insgesamt 130 Meldungen eingegangen, darunter befinden sich Meldungen des Siegers der Deutschlandfahrt und der Fahrt durch Bayerns Berge. Obwohl der eigentliche Meldeschluß am 10. September ablief, werden noch Nachmeldungen bei Willi Angelberger, Bensheim, Rodensteinstraße, und Hans Kuhn, Bensheim, Promenadenstraße, entgegengenommen. HB

Bahnübergang wird ausgebessert

In Groß-Gerau ist der Bahnübergang in der Frankfurter Straße schon seit langem ein Schrecken für die Autofahrer. Wie die Bundesbahn jetzt mitteilt, wird in den nächsten 14 Tagen mit der Beseitigung der schlechten Straßenverhältnisse an dieser Stelle begonnen. -cg

Ein halber Fuß von Bürstadt nach Worms

Es war einmal . . . eine Zeit, da gab es noch keine Eisenbahn. Und auch, als die ersten Züge verkehrten, war die Fahrt noch so teuer, daß der gewöhnliche Sterbliche, und besonders die Arbeiterschaft, sich eine tägliche Fahrt zur Arbeitsstätte nicht erlauben konnte. Das war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und von dieser Zeit soll einmal die Rede sein.

Nur noch wenige alte Leute gibt es, die aus persönlichem Erleben heraus die Zustände in den damaligen Jahrzehnten zu schildern vermögen. Es war einmal, so sagen sie, und wissen dabei, daß alles das, wovon sie sprechen, kein Märchen ist, sondern vor Jahrzehnten einmal harte oder auch liebe Wirklichkeit gewesen ist. Was wissen aber wir heute noch davon, daß unsere Großväter und Großmütter oder deren Eltern noch jeden Tag viele Kilometer weit zur Arbeitsstätte gelaufen sind?

. Eine der größten Arbeitergemeinden im Südried ist Bürstadt. Wenn sie auch vor 100 Jahren noch ein kleines Dorf war, hatten doch auch damals schon viele ihrer Bewohner in der aufwärtsstrebenden Industrie der benachbarten Städte Worms und Mannheim Arbeit und Brot gefunden. Ein interessanter Vergleich zeigt, daß sich inzwischen das Verhältnis der in Worms und Mannheim Beschäftigten sehr zugunsten des badischen Industriezentrums geändert hat, denn während damals nur etwa ein Fünftel aller Bürstädter Arbeiter in Mannheim tätig war, dürfte dieser Prozentsatz heute für die in Worms arbeitenden Einwohner der Gemeinde noch zu hoch sein. Diese Tatsache erklärt sich zum großen Teil aus den seinerzeit bestehenden Verkehrsverhältnissen, wo besonders der Arbeiter Sich auf seine Füße verlassen mußte.

In Mannheim arbeitete man im „Grauhof“ und in Ludwigshafen in den Farbwerken. Montag früh kurz nach Mitternacht oder auch schon Sonntag nachmittags machten sich Bürstädter Arbeiter dorthin auf den Weg und bezogen im Werk für eine, zwei, manchmal sogar für drei Wochen Quartier. Die Arbeiter bei der IG wurden rrur „Färber“ genannt, und noch lange nach der Jahrhundertwende hatten ihre Kinder und Kindeskinder diese Bezeichnung als ortsüblichen Beinamen. In dem sieben Kilometer entfernten Worms waren es die Firmen Valckenberg, Heyl und Reinhardt, die täglich vielen Hunderten von Arbeitern ihre Tore öffneten. Um vier Uhr morgens hieß es aufstehen und um halb fünf wurde losmarschiert, damit man zum Arbeitsbeginn um sechs Uhr pünktlich im Werk war. Von einer Kleinpflasterchaussee wußte man nichts und auch die Obstbäume an der schnurgeraden Straße sind neueren Datums. Männer und Frauen trotteten in kleinen Gruppen oder auch einzeln jeden Tag mit genagelten Schuhen treu und brav ihre 15 Kilometer ab und kamen abends um halb acht nach Hause, denn von morgens sechs bis abends sechs war Arbeitszeit.

Wenn heute ein Mädel auf der Heimfahrt von der Fabrik oder vom Büro sich im Eisenbahnabteil mit Stricken befaßt, so wird das niemandem besonders auffallen, ebensowenig wie damals jemand etwas dabei fand, daß die Frauen beim Gehen strickten. Während die Männer den „Brotsäckel“ umhängen hatten, trugen die Frauen ihr Körbchen am Arm und plaudernd reihten sie beim Gehen Masche an Masche, bis die Brücke passiert war. Wovon die Rede war? Wie heute, so war es auch damals schon im Munde aller Dorfschönen, wenn der Hannes die Lisbeth mit einem Kinde sitzen ließ und jetzt zum schwarzen Kätchen „schluppte“. Dann ging es natürlich gemeinsam übers Kätchen her, über diese schamlose Person, die sich nicht im geringsten genierte, die eben aufkommende Mode der Damenunterhosen mitzumachen, deren halblange Beine sie sogar noch mit Spitzen besetzte. Ja, stellen Sie sich nur vor, solche Umstände — eine Frau mit Hosen!

So wurde getritscht und getratscht, wie schon zu allen Zeiten, und als man am Ziel ankam, war wieder ein halber Fuß geschafft. Man lief bei gutem und bei schlechtem Wetter und bekam am Ende der Woche seine zehn bis zwölf Mark Lohn. Manchmal mußte man dafür sogar auch noch traben. Wenn nämlich die Schiffe den Rhein hinauf- oder herunterfuhren, mußte die Schiffbrücke geöffnet werden, was jedesmal etwa 10 bis 15 Minuten zuvor durch anhaltendes, weithin hörbares Gebimmel angekündigt wurde. Oft waren dann die Arbeiter gerade in Höhe Rosengarten und setzten sich automatisch in Trab, um nicht eine halbe Stunde oder länger an der Brücke warten zu müssen, die zwischen der heutigen Fähre und der zerstörten - Ludwig-Brücke über den Rhein führte. Und das alles für zehn Mark die Woche!

„Ja,“ sagt eine alte Frau, „das war aber auch Geld! Wenn wir mit 1,50 Mark zum Braunwarth hineingingen, war der Einkauf skorb kaum groß genug. Für 18 Pfennig pro Woche erhielten wir in der Fabrik täglich einen halben Liter Kaffee (Malzkaffee natürlich). Zum Frühstücksbrot holte man sich für fünf Pfennig ,Worschtzippel‘ oder Kochzucker. Butter gab es nur bei besonderen Gelegenheiten.

Nicht nur werktags war die lange, mit Pappeln bestandene Straße belebt, sondern auch sonntags fanden auf ihr viele Bürger den Weg in die Nibelungenstadt. Geschäfte in der Stadt waren an allen Tagen geöffnet und konnten schließen, wann sie wollten. Kaum einer kümmerte sich darum, wie und wann der Nachbar seine Geschäfte abwickelte. Wenn auch ab und zu einmal Streit nicht zu vermeiden war, so wurde der doch meist wieder im feucht-fröhlichen Feiern des alljährlich Wiederkehr enden Wormser Sedansfestes ertränkt. „Sedan“ ist inzwischen von den Backfischen verdrängt worden. Geblieben aber ist der Wein, der gute Wein aus dem Wonnegau, den auch die Rechtsrheiner in schönen und in trüben Tagen stets zu schätzen wußten.

Wer deshalb heute einmal in die Verlegenheit kommen sollte, zu Fuß auf der schönen, apfelbaumgesäumten Kleinpflasterstrane von Bürstadt nach Worms zu gehen und vergebens nach einem Auto Ausschau hält, das ihn mitnimmt, der tröste sich mit dem Gedanken: „Alles schon dagewesen“, denn

so, wie sich die Erde dreht, Neues kommt und Altes geht. Ist da?. Neue dann vorbei, wird das Alte wieder neu! bb. Zeichnung: Katia Herle



Die Zwingenberger BLürgermeister-Krise

Kann Alfred Kiel sein Amt antreten?

We. Die Wahl von Alfred Kiel aus Butzbach zum Bürgermeister in Zwingenberg hat in der kleinen Stadt an der Bergstraße viel Staub aufgewirbelt. Und das sicher nicht zu Unrecht. Gelang es doch der Fraktion der christlichen Demokraten und den Sozialdemokraten, gegen eine starke Opposition einen Mann durchzusetzen, der in Zwingenberg selbst ein vollkommen unbeschriebenes Blatt ist und der, nach Meinung der Opposition, nicht über die Vorbildung verfügt, die für das Amt eines Bürgermeisters in einer Stadt von der Bedeutung Zwingenbergs einmal erforderlich erscheint.

Die Wahl selbst erfolgte nach den gesetzlichen Bestimmungen — darüber dürfte es keinen Zweifel geben — formgerecht, wenn auch nicht übersehen werden soll, daß es bei der Ausschreibung der Stelle und der Terminsetzung nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen ist. Aber wie dem auch sef: Alfred Kiel wurde in einem ordnungsgemäßen Verfahren zum neuen Bürgermeister in Zwingenberg gewählt. Er hat jetzt in einem Schreiben an den Beigeordneten Nickels erklärt, daß er die Wahl annehme und hoffe, sein Amt bald antreten zu können.

Nun lehnt ein Großteil der Zwingenberger Bevölkerung Alfred Kiel als Bürgermeister ab. Daß diese Ablehnung allein nicht ausreicht — so wenig wie die Krawallszenen nach der Wahl —, Alfred Kiel an der Uebernahme seines Amtes zu hindern, wußten auch die Leute um den Beigeordneten Nickels. Es wurde also eine Gemeinderatssitzung einberufen, die für Montag neu angesetzt werden mußte, weil die Mitglieder der CDU/ SPD-Fraktion der ersten Einladung nicht gefolgt waren. Auch in der gestrigen Sitzung glänzten sie durch Abwesenheit. Dieser Torso des Zwingenberger Gemeinderats erklärte nun die Wahl von Alfred Kiel für ungültig. Es kann nicht darum gehen, für oder wider Kiel Partei zu ergreifen. Ein Organ der öffentlichen Meinungsäußerung hat jedoch neben der Herausstellung der positiven Seiten des Alltags immer daran interessiert zu sein, bestehende Mißstände anzuprangern und überall dort, wo das öffentliche Leben in Bahnen verläuft, die ungesetzlich sind, laut und vernehmlich seine Meinung zu sagen, die sich einmal auf die gegebenen Tatbestände stützt, zum anderen aber auch auf die unser Leben (oft zu sehr) regelnden gesetzlichen Bestimmungen. Das heißt im Falle Kiel:

Wenn man auch überzeugt sein kann, daß Zwingenbergs neuer Bürgermeister von einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt wird, steht doch die Tatsache fest, daß seine Wahl rechtens ist und nicht einfach in Bausch und Bogen für ungültig erklärt werden kann. Vor allem nicht durch einen Beschluß des Gemeinderats, der auf Grund der Gemeindeordnung dazu nicht in der Lage ist; eine durchgeführte Wahl kann grundsätzlich nur durch ein Verwaltungsgericht für ungültig erklärt werden.

Wenn es eine Möglichkeit gibt, Zwingenberg zu einem neuen Bürgermeister, der auch der Bevölkerung genehm ist, zu verhelfen, dann nur den über Hessens Innenminister, der sich zwar kaum hinter den Mitläufer Kiel verschanzen wird und kann, wohl aber hinter den Artikel 41, Absatz 2, der Hessischen Gemeindeordnung, der von einem Bürgermeister verlangt, daß er das Vertrauen aller Bevölkerungsgruppen hat. Und dieses Vertrauen besitzt Alfred Kiel allem Anschein nach nicht." Grund genug, den unter so großen Schmerzen gewählten Bürgermeister in seinem Amte n i c h t zu bestätigen.

Schlachtviehmarkt Darmstadt

vom 12. September

Auftrieb: Großvieh und Kälber kaum verändert. 172 Schweine (29 Prozent), 26 Schafe (mehr als in der Vorwoche). Preise: Großvieh: leicht nachgebend; Kälber und Schafe: nachgebend; Schweine minderer Qualität nachgebend, sonst unverändert: Marktverlauf: Großvieh: ruhig, Ueberstand; Kälber und Schafe: rege, geräumt; Schweine: schleppend, großer Ueberstand. Qualität: Großvieh und Kälber: mittel bis gut; Schweine und Schafe gut. Fleischgroßmarkt: 5 t Importfleisch.

Der Dritte landete im Acker

An der Abzweigung Tannenbaum zwischen Roßdorf und Spachbrücken kam es am Montagnachmittag zu einem Zusammenstoß zweier Kraftfahrzeuge, der erst in den frühen Morgenstunden des Dienstag in seinen letzten Auswirkungen bereinigt werden konnte. Der Fahrer eines amerikanischen Jeeps, der auf dem Weg von Darmstadt nach Dieburg war, bog an der Abzweigung nach links ein, ohne vorher seine Fahrtrichtung anzuzeigen. Ein hinter ihm folgender Personenkraftwagen fuhr dadurch auf. Dabei entstand an beiden Fahrzeugen erheblicher Sachschaden.

Wenige Augenblicke später kam über die Höhe von Spachbrücken ein amerikanischer Armeeschlepper, der einen Schwerstlasten-Tieflade-Anhänger zog. Um einen Aufprall auf die beiden zusammengestoßenen Fahrzeuge zu vermeiden, lenkte der Fahrer seinen Zug nach links über die Fahrbahn und steuerte ihn zwischen den Bäumen hindurch einen Hang hinunter in einen Acker. Die Kraft der Zugmaschine reichte nicht aus, um das Gefährt, das festsaß, wieder flott zu machen. Erst am Dienstag früh, gegen 3.30 Uhr, hatten zwei Spezialfahrzeuge den Anhänger auf die Straße gezogen. Der Verkehr war zwischenzeitlich stark behindert. (RG)

Liedertag in Raibach

Am Sonntag fand in Raibach ein Sängertreffen statt, bei dem mehrere Vereine aus der Umgebung ihr Können bewiesen. 5 Vereine mit ungefähr 300 Sängern waren erschienen. Die Schülerkapelle leitete die Veranstaltung ein und umrahmte das Sängerfest mit musikalischen Darbietungen. Sänger wie Schüler ernteten reichen Beifall.

Rektor Reeg beigesetzt

Am Sonntagnachmittag wurde unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung Hähnleins Rektor i. R. Georg Reeg zur letzten Ruhe gebettet. Mit dem Toten ist ein Erzieher aus dem Leben geschieden, der sich bei der gesamten Einwohnerschaft, bei den Amtsgenossen seines Wirkungsbereichs und des ganzen Heimatbezirks der größten Beliebtheit erfreute. 1874 als Sohn eines Lehrers geboren, wirkte er seit 1901 in Hähnlejp, zunächst als Lehrer, dann von 1928—1939 als Rektor. Nachdem er 1939 in den Ruhestand getreten war, übernahm er bald nach Kriegsbeginn erneut eine Klasse für einen eingezogenen Lehrer. Georg Reeg war nicht nur ein vorzüglicher Pädagoge, er war ein Mann von besten Charaktereigenschaften, ein Vorbild in seinem ganzen Verhalten für alt und jung. Neben seiner musikalischen Tätigkeit in der Gemeinde hat er zeit seines Lebens in vielen sozialen und kulturellen Einrichtungen mitgewirkt. In stets hilfsbereiter Weise konnte er in seiner großen Herzensgüte und aus seiner reichen Lebenserfahrung heraus vielen seiner Gemeindemitglieder ein kluger Berater und Helfer in der Not sein. Seinen Berufskollegen war er immer ein guter Kamerad. Am offenen Grab wurde das jahrzehntelange segensreiche Wirken von Rektor Georg Reeg dankbar anerkannt. Für die Schule, den Lehrerrat und die Schulaufsichtsbehörde sprach Lehrer Pullmann, für den Bezirkslehrerverein „Untere Bergstraße“ Lehrer Beltz - Seeheim, und für die Gemeindeverwaltung der Bürgermeister. Die Feier wurde umrahmt durch Lieder des Männergesangvereins, des Rosaunenchors und der Schulkinder. rh.

Frauenkundgebung

Am Donnerstag findet in Groß-Gerau eine Frauenkundgebung statt, bei der Frau Dr. Bär über die 5. internationale Konferenz für soziale Arbeit in Paris vom Standpunkt der Frau aus gesehen berichten wird. Die Versammlung beginnt um 20 Uhr im Rathaussaal. -cg

aus den Landlacicen

DARMSTADT-LAND

Nieder-Ramstadt. Der Ortsgewerbeverein unternimmt am Sonntag, 17. September, einen Omnibusausflug nach Kreuznach und ins Nahetal. Her.

Seeheim. Im Frauenverband, Orts¬ gruppe Seeheim, spricht heute abend Frau Stein über das Verhältnis zwischen Neubürgern und Einheimischen.

erw Seeheim. In Vertretung des seit einigen Wochen erkrankten Bürgermeisters Speckhardt hat der 1. Beigeordnete Daum für Donnerstag eine Gemeinderatssitzung einberufen. hl.

Jugenheim. In der Gemarkung Jugenheim wurde ein Mädchenfahrrad, Marke „Baronia“, gefunden. Eigentumsrechte sind bei der Gendarmeriestation Seeheim geltend zu machen. hl.

DIEBURG

Dieburg. Am Donnerstag findet um 20 Uhr im Saal de? Fechenbachschen Schlosses eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. RG

Eppertshausen. In einer Bürgerversammlung sind die Sätze der Allmende neu festgesetzt worden. Fragen der Feldbereinigung und Straßeninstandsetzung wurden in der anschließenden Diskussion erörtert. -gi-

Brensbach. Der Bund Christdeutscher Jugend (BCJ) hält am 8. Oktober hier sein diesjähriges Landesverbandstreffen ab. Im Festgottesdienst predigt Pfarrer Cret er - Frankfurt, der auch mittags das Jugendsingen auf dem alten Friedhof neben der Kirche leitet. Um 14 Uhr ist Abmarsch zum Brünnchen, wo die Spiel- und Tanzwiese stattfindet. Die Schlußfeier in der Kirche gestaltet Pfarrer Scholl- Pfungstadt. Am Vorabend des Festtages werden sich die älteren Kreise unter Leitung von Kirchenvorsteher Prokurist Georg Brust- Darmstadt in Brensbach zusammenfinden. se

Groß-Bieberau. Am 17. September beteiligt sich die hiesige Ortsgruppe des Odenwald-Klubs an der Sternwanderung nach Winterkasten. DT

ERBACH

Neustadt. Bei der Arbeit im Steinbruch stürzte der Arbeiter Neff aus Neustadt so unglücklich, daß er sich das Schlüsselbein brach und eine Schulterfraktion zuzog. Er mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. -hm-

Seckmauern. Aus Anlaß des 25jährigen Gründungstages der hiesigen Kolpingsfamilie brachte eine Laienspielschar aus Nieder-Roden vor der katholischen Kirche das Spiel „Jedermann“ zur Aufführung, hm.

• Unter-Ostern. Die Gemeinde erstand auf der Darmstädter Zuchteberversteigerung einen Zuchteber. — Mit den Arbeiten für das erste nach dem Kriege in der Gemeinde zu erstellende Wohnhaus

wurde begonnen. ptoo. Ober-Ostern. Die Ausschachtung® ■ arbeiten für die Neuregelung der Gemeindewasserleitung sind beendet. Mit dem Legen der Rohre wurde bereits begonnen. ptoo

BERGSTRASSE

Bensheim. Die ursprünglich für kommenden Sonntag vorgesehene Bachfeier in der evangelischen Kirche wurde mit Rücksicht auf die Veranstaltung der Goethegesellschaft und das Kirchenkonzert in Auerbadi verlegt. (HB)

Ober-Scharbach. Unter erheblichem Kostenaufwand konnte der Gemeindefriedhof in Ordnung gebracht und jene Gräber, für die keine Anspruchsberechtigten vorhanden waren, eingeebnet werden. -r

Unter-Scharbach. Der früher bei Einheimischen und Kurgästen so beliebte Fußweg über die Hardt nach dem Hasental, der lange Zeit unbenutzbar war, ist jetzt auf Initiative der Gemeinde wieder instandgesetzt und gangbar gemacht worden. _r

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Am Freitagabend findet eine Gemeindevertreter-Sitzung statt, bei der Einzelheiten des Schulhausneubaues diskutiert werden sollen. Außerdem wird wahrscheinlich der Beitritt Zum Landesverkehrsverband beschlossen.

Wallerstädten. In der letzten • Woche wurden in der Gemeinde die Arbeiten zur Strom-Umstellung von 120 auf 220/380 Volt abgeschlossen. Kb.

Nauheim. Der Verband der Körperbeschädigten will im kommenden Winterhalbjahr für seine Mitglieder Schulungsabende abhalten bei denen die Versorgungsgesetze näher erläutert werden sollen- au.

Leeheim. Die Interessengemeinschaft der Heimatvertriebenen unternahmen einen Ausflug nach Heidelberg. Ihre Fahrt führte durch den Odenwald zum Erbacher Schloß und von da aus weiter nach Heidelberg. Auf dem Rückweg wurde der Schwetzinger Schloßpark besichtigt. -od-

Stockstadt. Der Baufirma Molter, Biebesheim, wurden die Maurerarbeiten zum Schulhausneubau zugesprochen. Man hofft, den Bau so schnell wie möglich vorantreiben zu können, damit wieder geordnete Verhältnisse in das hiesige Schulwesen kommen. Kb.

Gernsheim. Am Mittwoch, dem 13. September, treten die Gemeindeverfreter der Stadt Gernsheim zu einer öffentlichen Sitzung zusammen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen steht die erwartete Neuwahl des Bürgermeisters nicht auf der Tagesordnung. Kr.

Der SPORT

Kreisklassen-Nachlese

Fußball A-Klasse Erbach

Bei den ersten Begegnungen in der Fußball-A-Klasse Erbach konnte bei fast sämtlichen Vereinen eine beträchtliche Niveausenkung seit der vergangenen Verbandsrunde festgestellt werden. Der letztjährige Tabellenzweite Neustadt unterlag bei der Erbacher Sondermannschaft überraschend hoch mit 6:1 Toren, Lützel-Wiebelsbach mußte sich vor einheimischem Publikum gegen Hainstadt mit einem mageren 1:1 begnügen, Günterfürst in Würzburg 1:4 geschlagen geben. Nur Sandbach landete in Rimhorn einen nicht unerwarteten 5:2- Erfolg.

In Würzberg waren die Platzherren schon nach zwei Minuten durch ihren Halbrechten Trumpfheller 1:0 in Führung gegangen. Nach einer wechselvollen ersten Hälfte, bei der Günterfürst zeitweise das Heft in der Hand hielt, fiel in der 55. Minute das 2:0. Während die Gäste nur noch einen Gegentreffer unterbringen: konnten, trafen die Einheimischen noch zweimal ins Schwarze. Sandbach, das ein bedeutend zügigeres Kombinationsspiel zeigte, ging bereits in der 5. Minute durch Rechtsaußen Kuhn 1:0 in Front. In der 31. Minute schoß Schimpf einen 30-m-Strafstoß zum Ausgleich ein. In nahezu regelmäßigen Abständen stellten Kuhn. Gold und Hilbert den 1:4-Halbzeitstand sicher. Obwohl Rimhorn die Partie nach dem Wechsel zeitweise überlegen gestaltete, konnte es dem 1:5 durch Kuhn nur noch einen Gegentreffer durch Schimpf entgegensetzen.

Vor einheimischem Publikum gefiel Lützel-Wiebelsbach weit weniger als in der vergangenen Saison. Besonders die im Sturm auftretenden Mängel wußten die Gäste zu einer anfänglichen leichten Ueberlegenheit auszunutzen. Nachdem mit 0:1 die Seiten gewechselt worden waren, drückten die Platzherren dem Spielgeschehen ihren Stempel auf, ohne jedoch über eine Punkteteilung hinauskommen zu können.

Die Partie in Erbach gestalteten die nur mit zehn Mann angetretenen Platzherren eindeutig überlegen. Die Erbacher Soma führte bis zur Pause 3:1 und erhöhte nach dem Wechsel auf 6:1. Die Tore schossen Friedrich. Heiner und Holzwüter, das Gegentor für Neustadt Schimpf. -ppi-

Fußball A-Klasse Dieburg

In Groß-Umstadt gab es nach torlosem Spiel eine Punkteteilung, mit der Groß-Zimmem voll zufrieden ist. Ebenfalls unentschieden spielten Kleestadt gegen Mosbach und Reinheim gegen Offenthai. Klein-Zimmern konnte den ..Offenbacher Ausreißer“ Dreieichenhain mit 2:0 nach Hause schicken. In Lengfeld, wo sich der dortige FV und die Elf aus Götzenhain gegenüberstanden, gab es einen Sieg der Gäste. Spachbrücken hatte auf eigenem Platz gegen Ueberau 3:1 das Nachsehen.

A-Klasse Dieburg

Groß-Umstadt—Groß-Zimmern 0:0 Kleestadt—Mosbach 2:2 Klein-Zimmern—Dreieichenhain 2:0 Lengfeld—Götzenhain 1:3 Spachbrücken—Uberau 1:3 Reinheim—Offenthai 2:2

Höhere Torausbeuten konnten in der zweigeteilten Dieburger B-Klasse erzielt werden. Besonders hervor sticht hier der FSV Münster, der die Gäste aus Wiebelsbach 8:2 auspunktete. In der Gruppei konnte Groß-Bieberau gegen Brensbach 6:0 die Oberhand behalten. Ober/ Nieder-Klingen mußte sich zu Hause gegen Wersau 5:0 strecken. Das gleiche Ergebnis erzielte die Vertretung aus Georgenhausen in Hering.

B-Klasse Dieburg I

Ober^Nieder- Klingen—Wersau 0:5 Dieburg II—Fr. Crumbach 2:1 Groß-Bieberau—Brensbach 6:0 Hering—Georgenhausen 0:5

Gruppe II

FSV Münster—Wiebelsbach 8:2 Schaafheim—Hergershausen 2:2 Kl.-Umstadt—TVB Groß-Umstadt 9:1 -gi¬

Fußball-Gruppe Oberzent

Der Neuling Steinbuch unterlag in Sensbachtal überraschend hoch mit 14:0 Toren. Gammelsbach, dem seine aus der letzten Verbandsrunde stammende Technik zugute kam, siegte in Schöllenbach 2:1. Finkenbach blieb gegen Hetzbach 6:5. die Beerfelder Soma in Rothenburg 4:1 erfolgreich.

Fußball-Gruppe Unterzent

In der Gruppe Unterzent mußte sich Vielbrunn in einem Heimspiel gegen Höchst (Soma) mit 1:5 Toren geschlagen bekennen. Der VfL Höchst, der in dieser Saison erstmalig eine Fußballmannschaft in die B-Klasse geschickt hat, verlor in Haingrund unerwartet hoch mit 5:0 Toren. Nach einem 3:0-Pausenstand waren die Platzherren durch Breuning und Kurz noch zweimal erfolgreich. In Wald-Amorbach konnten die Gäste aus Kirch-Brombach dank ihrer stabilen Hintermannschaft sicher mit 4:2 gewinnen.

Zum Oberligaspiel des SV Darmstadt 98 gegen den VSF führt die Heag am kommenden Samstag Sonderfahrten zum Preise von 1,80 DM durch. Abfahrt 15.00 Uhr ab Heaghaus.

Fußball am 17. September

Bayern München — 1860 München VfR Mannheim — SSV Reutlingen Schweinfurt 05 — Vfß Mühlburg Schwaben Augsburg — Spvgig Fürth Kickers Offenbach — BC Augsburg 1. FC Nürnberg — FC Singen 04 Vfß Stuttgart — VfL Neckarau Eintracht Frankfurt — Walidhof Mannheim FSV Frankfurt — SV Darmstadt 98 (Sa.)

Zweite Liga Süd

Hessen Kassel — ASV Durlach ASV Cham — Stuttgarter Kickers FC Freiburg — Wacker München Bayern Hof —■ 1. FC Pforzheim 1. FC Bamberg — Viktoria Aschaffenburg VfL Konstanz — SV Wiesbaden Ulm 1846 — SV Tübingen SG Arhellgen — Jahn Regensburg Union Bückingen — TSV Straubing

Die Landesliga am Sonntag

Vfß Friedberg — Hessen Hersfeld Union Niederrad — Olympia Lamperth. Spvgg 02 Griesheim — VfL Marburg Germania Bieber — Eintracht Wetzlar Rotweiß Frankfurt — Spielverein Kassel Hermannia Kassel — SC 03 Kassel VfL Biedenkopf — Borussia Fulda Hessiisch-Lichtenau — 1. FC Rödelheim VfL Kassel — Opel Rüsselsheim Spvgg Bad Homburg — Hanau 93

Unser Tip

für den Hessentoto

Eintr. Frankfurt — Waldh. Mannheim 2 (0) SchwAb. Augsburg — Spvgg Fürth 0 (2) Schweinfurt 05 — Vfß Mühlburg 1 (0) FSV Frankfurt — Darmstadt 98 1 (1) Union Böckingen — TSV Straubing 2 (0) Bayern Hof — 1. FC Pforzheim 1 (1) Bayern München — 1860 München 0 (1) 1. FC Bamberg — Vikt. Aschaffenb. 1 (1) VfL Osnabrück — FC St. Pauli 1 (0) SG Arheilgen — Jahn Regensburg 2 (2) KSV Hess. Kassel — ASV Durlach 1 (0) Kickers Offenbach —BC Augsburg 1 (1) 1. FC Nürnberg — FC Singen 04 1 (1) Vfß Stuttgart — VfL Neckarau 1 (1)

Die Spiele des SV 98 und der SG Arheilgen bis zum 17. Dezemher

24. 9.: 1860 München — SV Darmstadt 98 SG Arheilgen — VfL Konstanz 1.10.: SV Darmstadt 98 — BC Augsburg 1. FC Bamberg — SG Arheilgen 8. 10.: FC Singen 04 — SV Darmstadt 98 SG Arheilgen — Bayern Hof 15. 10.: SV Darmstadt 98 — VfL Neckarau Wacker München — SG Arheilgen 22. 10.: Waldh. Mannheim—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen — ASV Cham 29. 10.: SV Darmstadt 98 — Eintr. Frankfurt Hessen Kassel — SG Arheilgen 5. 11.: Vfß Stuttgart — SV Darmstadt 98 SG Arheilgen — Stuttgarter Kickers 12. 11.: Beide Vereine spielfrei! 19. 11.: Darmstadt 98 — 1. FC Nürnberg FC Freiburg — SG Arheilgen 26. 11.: Kickers Offenbach—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen — 1. FC Pforzheim 3. 12.: SV Darmstadt 98 — Bayern München Vikt. Aschaffenburg — SG Arheilgen 10. 12.: Schwab. Augsburg—SV Darmstadt 98 SG Arheilgen — SV Wiesbaden 17. 12.: Schweinfurt 05 — SV Darmstadt 98 SV Tübingen — SG Arheilgen

Pfungstadt auf dem dritten Platz

Die Sommerspielmeisterschaften in Schweinfurt

Schweinfurt. (AZ.) Die Deutschen Sommerspielmeisterschaften, die vom Deutschen Turnerbund am Wochenende in Schweinfurt durchgeführt wurden, hatten vor allem am Samstag unter Regenwetter zu leiden, das sich auch am Sonn¬ tag noch durch durchweichte Spielfelder bemerkbar machte. Bei gutem Besuch gab es in allen Spielarten spannende Kämpfe.

Im Faustball heißt der Deutsche Meister wieder TV Solingen-Merscheid. Der hessische Faustballmeister TSV Pfungstadt behauptete sich in seiner Gruppe durch Siege über Tus Oberingelheim (67:24), Phönix Ludwigshafen (47:27) und TV Delmenhorst (41:30), scheiterte jedoch in der Vorschlußrunde an dem alten und neuen Meister Merscheid. Die Solinger waren auch in Schweinfurt eine Klasse für sich. Ein 35:34-Sieg über die Tgd. Schweinfurt in der Zwischenrunde war ihr knappster Erfolg. Im Endspiel dagegen lieferten sie eine ausgezeichnete Partie. Der überraschend weit vorgestoßene TV Bremen-Habenhausen wurde 52:21 geschlagen.

Bei den Frauen setzte sich mit 1860 München der alte Titelträger erneut durch. Friesen Wuppertal mußte sich den Münchnerinnen im Endspiel 14:28 beugen. Jugendmeister wurde wieder Tgd. 84 Schweinfurt. In den drei Altersklassen siegten MTV Braunschweig (Kl. I), Tgd. Landshut (Kl. II) und VfK Berlin (Kl. III).

Im Korbball der Frauen gewann TK Hannover nach Verlängerung mit 1:0 über Tbd Eimsbüttel. Den Meistertitel im Schlagball holte sich zum zehntenmal der TV Arbergen gegen den MTV Hörnerkirchen (Holstein). -th.

Totoquoten vom Sonntag

Hessen-Toto. Der Hessen-Toto zahlt nachstehende Quoten: 1. Rang: je 59,50 DM an 472 Gewinner; 2. Rang: je 5.50 DM an 5025 Gewinner. Der dritte Rang wurde nicht ausgezahlt, da die Quote unter einer DM liegt. Er wurde zu gleichen Teilen dem 1. und 2. Rang zugeschlagen. Zusätzwette: 21,30 DM an 343 Gewinner.

Bayern-Toto. Der Bayern-Toto zahlt nachstehende Quoten: 1. Rang: je 582,20 DM am 234 Gewinner, 2. Rang: je 14,70 DM an 9249 Gewinner, 3. Rang: je 2 DM an 68 409 Gewinner. Neuner-Tip: 1. Rang: je 66,20 DM an 1112 Gewinner.

Rheinland-Pfalz. Der Sporttoto Rheinland-Pfalz zahlt für den 5. Wett-Tag am vergangenen Sonntag im 1. Rang an 8 Gewinner je 10 802 DM, im 2. Rang an 124 Gewinner je 696,90 DM und im 3. Rang 1597 Gewinner je 54,10 DM. Im Kleintip kommen an 30 Gewinner je 832,10 DM zur Verteilung.

Nord-Toto. Die überraschenden Ergebnisse im norddeutschen Fußball am vergangenen Wochenende führten zu verhältnismäßig hohen Quoten im Toto: 1. Rang: sechs Gewinner mit je 39 861 DM; 2. Rang: 215 Gewinner mit je 1112 DM; 3. Rang: 2754 Gewinner mit je 86,50 DM.

Westdeutschland. Der westdeutsche Fußballtoto gibt folgende Quoten bekannt: 1. Rang: je 1914 DM für 84 Gewinner; 2. Rang: je 78,50 DM für 2043 Gewinner; 3. Rang: je 8,60 DM für 18 608 Gewinner.

Stuttgart. (AP.) Der württemberg-badische Fußballtoto zahlt für den letzten Wettbewerb folgende Quoten aus: 1. Rang: 95 Gewinner je 1021 D-Mark; 2. Rang: an 2495 Gewinner je 38,50 D-Mark; 3. Rang: 32 626 Gewinner je 2,80 D-Mark. In der Zusatzwette erhalten 3637 Gewinner mit sechs richtigen Tips 15,50 D-Mark.

Sport in Kürze

Im Vergleichskampf der Tennisspieler von Hessen und Württemberg in Stuttgart siegten die Hessen mit 15:9. Die Darmstädter Kleinlogel, Dr. Sigwart und Pfundtner gewannen alle ihre Einzel- und Doppelspiele, wodurch sie wesentlich zum Gesamtsieg beitrugen.

Am Samstag, dem 16. 9. 1950, 17 Uhr, findet die nächste Schiri-Zusammenkunft (Fußball) in der Gastwirtschaft Arnold, Darmstadt, Bismarckstraße, statt.

Der beste Turner des Kreises Bergstraße, Adam Gutschalk, ist im Alter von 35 Jahren gestorben.

Um allen rasensporttreibenden Vereinen Reinheims künftig die Möglichkeit einer ordnungsgemäßen Durchführung der Verbandsspiele zu geben, wird in Kürze mit dem Neubau einer Platzanlage in der Lengfelder Straße begonnen. Das Sportfeld am Schwimmbad reicht nicht mehr aus, um den Anforderungen der beiden Vereine SV 45 und Turnverein zu genügen.

Dem Fußballverein Groß - Bieberau wurde jetzt eine Tischtennisabteilung angegliedert. Meldungen können bei Herrn Friedrich Becker abgegeben werden.

Der Turnverein Münster beabsichtigt im kommenden Jahr eine geräumige Turnhalle zu erstellen. Die Arbeiten sollen größtenteils in Selbsthilfe ausgeführt werden. _gi_

Durch die Initiative seines 1. Vorsitzenden Müller gelang es dem Fußballverein Eppertshausen, das Sportfeld an der Messeler Straße weitgehend auszubauen. Die Arbeiten wurden von Herrh Müller, der im Privatberuf Architekt ist, persönlich geleitet.

Schreibt an Fritz Knippelius

Wir tanzen nur noch Samba

Verursacht durch den in Ihrer Ausgabe vom 1. 9. 1950 erschienenen Artikel „Wir tanzen nur noch Samba“ fühlte sich die Schulaufsichtsbehörde veranlaßt, eine Untersuchung durchzuführen. Die mittlerweile von der Schulleitung durchgeführte Untersuchung hat die Haltlosigkeit der Aussage der „jungen Dame“ ergeben. Es wurde während des Unterrichts weder Samba getanzt, noch geraucht, noch Romane gelesen. Daß sch einige, trotz ihrer Jugend schon vollkommen asoziale Elemente unter den Schülerinnen befinden, ist leider nicht abzustreiten.

Ich finde es aber tief bedauerlich, daß eine Zeitung vom Rufe des Darmstädter Tagblatts die Aussagen eines solchen jungen Mädchens unkontrolliert zum Anlaß nimmt, eine derartige Notiz zu bringen, die nicht nur geeignet ist, das Ansehen der Berufsschule zu schmälern, sondern auch die gewiß nicht leichte Tätigkeit der Lehrkräfte zu erschweren und damit die Berufsfreude stark zu beeinträchtigen.

Lucius

Direktorin der Mädchenberufsschule

Wir verzeichnen es als Positivum daß auf Grund unseres Berichtes, die Schulaufsichtsbehörde eine Untersuchung durchführte und die Haltlosigkeit der Aussage des Mädchens vor dem Jugendrichter feststellte.

Zur Kritik an unserer Berichterstattung ist jedoch festzustellen, daß das Mädchen diese Aussage vor dem Richter machte. Wir haben von Gerichtssitzungen lediglich das zu berichten, was im Gerichtssaal gesprochen und entschieden wurde und nichts hinzuzufügen. In dieser Hinsicht war unseres Erachtens an dem seinerzeitigen Bericht nichts zu beanstanden. Die Ueberprüfung der Richtigkeit einer Aussage vor dem Richter obliegt ganz allein dem Gericht. Wir würden gegen die Pressegesetze und -gepflogenheiten verstoßen, wenn wir einem Richter ins Handwerk pfuschen wollten. Die Redaktion

Spiel mit Flüchtlingshoffnungen

Am 27. Juli lud Bürgermeister Woher etwa 25 jetzt in Michelstadt ansässige Heimatvertriebene und sonstige Geschädigte in das Rathaus zu einer Besprechung ein, in deren Verlauf er die freudige Mitteilung machte, daß es ihm gelungen sei, von 50 in Hessen geplanten Siedlungshäusern mit je ztvei Wohneinheiten, die mit staatlichen und Soforthilfe-Geldern für Vertriebene errichtet werden sollen, 12 für Michelstadt genehmigt zu bekommen. Es handele sich um sogenannte „Trägerschaftsbauten“, die im Verlaufe von einigen Jahren in das Eigentum der Bauherren übergehen, die sich allerdings verpflichten müssen, eine zweite Vertriebenen-Familie aufzunehmen. Die Nassauische Heimstätten GmbH, Frankfurt, werde die Siedlungshäuser nach bewährten Plänen bauen, die Stadt Michelstadt stelle die Bauplätze zur Verfügung und werde auch die Anlieger- und Anschlußkosten tragen. Dieses hochherzige Angebot wurde natürlich von allen anwesenden Vertriebenen mit dankbarer Anerkennung begrüßt.

En Beauftragter der Nassauischen Heimstätten GmbH, Regierungsbaumeister Rotermel, erläuterte anschließend die Siedlungshaustypen mit zwei Wohnheinheiten, deren Baukosten sich auf höchstens 18 000 DM, einschließlich eingerichtetem Bad, Oefen und Herden, belaufen würden. Diese Summe werde nicht überschritten, da sich dieselben Pläne der Nassausischen Heimstätten GmbH an anderen Orten bereits bewährt hätten. Zur Finanzierung stelle der Staat den Vertriebenen je Wohneinheit 5000 DM aus Soforthilfemitteln zu 2 Prozent Verzinsung und 1 Prozent Amortisation sowie 4000 DM als Landesbaudarlehen zu 4 Prozent Verzinsung und 1 Prozent Amortisation zur Verfügung, so daß für jedes Haus 18 000 DM zur Verfügung stünden, wobei die Baukosten ohne Eigenleistung vollauf gedeckt seien. Bei der genannten Verzinsung ergäben sich für beide Wohnungen durchaus tragbare Mietpreise.

Es meldeten sich, sofort 12 Interessenten für die für Michelstadt genehmigten Siedlungshäuser, die noch im Herbst im Rohbau fertiggestellt und im nächsten Frühjahr bezogen werden sollten. Es folgten dann noch einige Besprechungen mit den Interessenten, die ihrerseits sofort mit Vorbereitungen für die Bauten begonnen hatten. Am 4. September wurden sie zu einer weiteren Besprechung eingeladen, bei der aber weder Bürgermeister Wöber noch Baumeister Rotermel, sondern als einziger Vertreter der Nassauischen Heimstätten GmbH, der frühere Offenbacher Oberbürgermeister Rebholz anwesend war. Dieser erklärte zum grenzenlosen Erstaunen aller Bauinteressenten, daß die bisherigen Besprechungen und Vorbereitungen zwecklos gewesen seien. Die Vorbereitungen für den Bau der Siedlungshäuser nehmen zuviel Zeit in Anspruch, und nach einer Anordnung des Hessischen Finanzministers müßten die bereitgestellten Gelder unbedingt noch in diesem Jahr verrechnet werden. Im übrigen stelle sich ein Einzelhaus mit zwei Wohneinheiten nicht auf 18 000, sondern auf mindestens 26 000 DM, und sicherlich sei auch in Michelstadt keiner der Vertriebenen in der Lage, die fehlenden 8000 DM aus eigener Tasche aufzubringen! Jede weitere Diskussion über diesen Punkt erübrige sich also, und für Michelstadt könnte nur die Errichtung größerer Wohnblocks mit zusammen 24 Wohnungen in Frage kommen, die dann noch in diesem Jahr fertiggestellt werden könnten. Diese Bauweise erfordere weniger Vorarbeiten und sei vor allen Dingen billiger.

Lieber Fritz Knippelius! Eine Atombombe hätte keine furchtbarere Wirkung haben können als diese erschütternde Mitteilung im Kreis der Michelstadter Bauinteressenten. Keiner vermochte zu fassen, warum die Baukosten für die Siedlungshäuser, die sich doch an vielen anderen Orten bereits bewährt haben, plötzlich um nahezu 50 Prozent höher liegen sollen. Die Nassauische Heimstätten GmbH, ist doch ein gemeinnütziges Bauunternehmen, das alle staatlichen Vergünstigungen genießt. Sie kann sich unmöglich bei allen früheren Siedlungshäusern dieses Typs so sehr verkalkuliert haben. Was sind die Gründe dafür, daß man jetzt für die Michelstädter Vertriebenen nur Wohnblocks — also eine Neuauflage der Mietskasernen — genehmigen will? Das Hauptamt für Soforthilfe hat doch die Baukreditmittel mit dem ausdrücklichen Zweck zur Verfügung gestellt. Heimatvertriebenen damit die Möglichkeit zu bieten, im eigenen Heim in der neuen Heimat bald bodenständig zu werden. Das soziale Denken und die edle Absicht des Hauptamtes für Soforthilfe wird durch die unverständliche Umstellung im Wohnungsbauplan der Nassauischen Heimstätten GmbH, für Michelstadt jäh durchkreuzt.

Darüber hätten die zwölf um ihre Eigenheimhoffnungen betrogenen Michelstadter Heimatvertriebenen und ihre Familien gerne eine wahrheitsgemäße und genaue Aufklärung von der Nassauischen Heimstätten GmbH.

Im Namen der Geschädigten: Rudolf Kunstädter Michelstadt i. Odenw., Waldstr. 6

Zum persönlichen Ordinarius für das Lehrfach Bodenkunde an der Justus-Liebig-Hochschule Gießen wurde der frühere Dozent an der Berliner Universität Dr. Hans Kur o n ernannt. Professor Kuron, ein gebürtiger Breslauer, hat auf dem Gebiet der praktischen Landwirtschaft seine Forschungen namentlich der Bodenerosion gewidmet. (se)

DI - »V ' > < Nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Kriegsleid'en ■ hat Gott der Allmächtige unseren lieben Sohn und Bruder Peter Hoffmann Revierförster apl. im Alter von 35 Jahren durch einen sanften Tod zu sich genommen. In stiller Trauer: Familie Hermann Hoffmann Revierförster i. R. Traisa, den 12. September 1950 H Weingartenstraße E Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 14. September 1950, 15.00 Uhr, vom Friedhof in Traisa aus statt. Von Blumen- und Kranzspenden ist bitte abzusehen.

[Gott der Allmächtige hat unsere liebe Mutter, S Schwiegermutter und Großmutter, Frau Babette Wassner We. geb. Grohe nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden, wohlversehen mit den heil. Sterbesakramenten, im Alter von 83 Jahren zu ■ sich in die Ewigkeit abgerufen. In stiller Trauer: gg Familie August Wassner KB und alle Angehörigen , Darmstadt, dien 12. September 1950 Pallaswiesenstraße 21 öl Beerdigung: Donnerstag, den 14. September 1950, 11.00 Uhr, auf dem Friedhof Nieder-Ramstädter Straße.

H Lebensjahre nach langem n Schneider Leonie Schneider geb. Herrmann irtha Gottron geb. Schneider H ng. Oskar Schneider :d. Edgar Schneider iller Stille statt.

Bestattungen am Mittwoch, dem 13. September 1950 Beerdigungen: | Waldfriedhof: 14.15 Uhr Heeb, Margarete, Schraubenbachweg 4, 70 Jahre Alter Friedhof: 11.00 Uhr Schmidt, Ludwig, Reinheimer Straße 13, 63 Jahre | 15.00 Uhr Jahn, Gustav, Pallaswiesenstraße 30, 61 Jahre

JLasset uns Kentas tun und nickt ntuda ujcidcn. Opferwoche der Inneren Mission 8. —l7. Sept. 1950

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Betr.: Gesetz über die Gewährung von Pflegegcld an Zivilblinde (Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 31 vom 26. 8. 1950). Das Gesetz über die Gewährung von Pflegegelfi an Zivilblinde vom 19. 7. 1950 ist am 1. 9. 1950 in Kraft getreten. Mit der Durchführung dieses Gesetzes sind die Haupt- und Bezirksfürsorge¬ stellen beauttragt. Anträge auf Gewährung des Pflegegeldes wer¬ den jedoch frühestens ab 20. 9. 1950 von den Bezirksfürsorge¬ stellen (Landrat) entgegengenommen. Dem Antragsteller erwächst aus der Antragstellung nach dem 20. 9. 1950 kein Nachteil, da die Berechtigung zum Bezug des Pflegegeldes mit dem ersten des Monats beginnt, in welchem der Antrag gestellt wurde. Näheres über das Gesetz und seine Durchführung wird demnächst bekannt¬ gegeben. Die Bürgermeister werden gebeten, die in Frage kommenden Zivil¬ blinden auf vorstehende Bekanntmachung hinzuweisen. Heppenheim, den 8. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße

Gewährung von Pflegegeld an Zivilblinde Das Gesetz über die Gewährung von Pflegegeld an Zivilblinde vom 19. 7. 50 ist am 1. 9. 50 in Kraft getreten. Mit der Durchführung dieses Gesetzes sind die Haupt- und Bezirksfürsorgestellen beauf¬ tragt. Anträge auf Gewährung des Pflegegeldes werden jedoch frühestens ab 20. 9. 50 von der Bezirksfürsorgestelle beim Sozial¬ amt, Alexanderstraße 35, während der Dienststunden, dienstags und freitags, zwischen 8 und 12 Uhr, auf Zimmer 2, entgegen¬ genommen. Dem Antragsteller erwächst aus der Antragstellung nach dem 20. 9. 50 kein Nachteil, da die Berechtigung zum Bezug des Pflegegeldes mit dem 1. des Monats beginnt, in welchem der Antrag gestellt wurde. Näheres über das Gesetz und seine Durch¬ führung wird demnächst bekanntgegeben. Stadt Darmstadt — Sozialamt

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