Auch englische Divisionen nach Westdeutschland?
ondon,. 11. September (dpa) In London wird erwartet, daß remierminister Attlee dem britischen Unterhaus am Dienstag miteilt, Großbritannien werde mindestens drei weitere Divisionen, arunter eine Panzerdivision, zur Verstärkung seiner Besatzungsruppen nach Deutschland entsenden. Gegenwärtig sind in Deutschand zwei britische Divisionen, darunter eine Panzerdivision, stationiert.
In der Unterhausdebätte, zu der die Abgeordneten vorzeitig aus den Ferien zurückgerufen worden sind, werden wahrscheinlich die ersten Einzelheiten über die im britischen Rüstungsprogramm vorgesehenen Neuaufstellungen bekanntgegeben werden. Man erwartet eine Verstärkung der regulären Streitkräfte unter besonderer Berücksichtigung der Panzerverbände und der motorisierten Truppen. Militärische Sachverständige nehmen an, daß in der neuen Armee auf je vier Infanterie-Divisionen zwei Panzer-Divisionen kommen werden und auch die Fallschirmtruppen verstärkt werden.
Ein Sprecher des britischen Außenministeriums erklärte am Montag, die Truman-Erklärung über die Verstärkung der amerikanischen Streitkräfte in Europa sei der britischen Regierung höchst willkommen. In London ist man der Auffassung, daß die amerikanischen Verteidigungsbemühungen entsprechende Anstrengungen der europäischen Regierungen zur Folge haben müßten. Es könne nicht die Rede davon sein, daß Amerika einen Beitrag zur europäischen Verteidigung nur auf Dollarzuwendungen beschränke.
Bedell-Smith warnt
„Moskau kann jetzt Krieg führen“
London, 11. September, (dpa) Der ehemalige amerikanische Botschafter in Moskau und neuernannte Chef des amerikanischen Informationswesens, Generalleutnant Bedell-Smith, ist der Ansicht, daß der Kreml seine Planung auf die Möglichkeit eines Krieges abstelle und jetzt in der Lage sei, einen Krieg zu führen. Das Hauptobjekt der sowjetischen Außenpolitik ist nach Ansicht des Generals Asien. Die Sowjets würden in Asien nur zeitweilig und unter Zwang bereit sein, eine Grenzlinie ihres Einflusses zu ziehen. Bedell-Smith glaubt, daß die Politik der Sowjetunion auf der Überzeugung der unversöhnlichen Feindschaft zwischen dem sowjetischen System und dem Kapitalismus beruhe, und daß für die Verwirklichung dieser Politik bewaffnete Gewalt oder ihre Androhung unerläßlich sei. Er glaube zwar nicht, daß die Sowjetunion entschlossen sei, einen Krieg herbeizuführen. Seiner Meinung nach würde eine aggressive Diktatur es vorziehen, ihre Ziele, wenn möglich, ohne Krieg zu erreichen.
Kasernierte Bereitschaften
3400 Mann in Hessen
Frankfurt, 11. September, (dpa) Wie verlautet, sollen die Reorganisation der Länderpolizei und die Aufstellung der kasernierten Bereitschaften, die den Bundesorganen als Bundespolizei zur Verfügung gestellt werden, in kurzer Frist anlaufen. Für Hessen werde das Kontingent an kasernierter Bundespolizei zunächst 3400 Mann betragen. Dem Bundesinnenministerium lagen bereits die Personalvorschläge der Länder für die Besetzung der Bereitschaftspolizei bis zur kleinsten selbständigen Einheit herab vor. Die Standorte der Bereitschaftspolizei könnten wegen der angekündigten wesentlichen Verstärkung der alliierten Truppen in Westeuropa und in der Bundesrepublik erst nach der Konferenz der Außenminister in Neuyork endgültig festgelegt werden.
Alliierte Manöver
Frankfurt, 11. September. (AP./dpa). Am Montag haben amerikanische Truppen in Deutschland zusammen mit britischen und französischen Einheiten große Manöver begonnen, die sieben Tage dauern werden. Insgesamt sind 100 000 Mann an den Manövern beteiligt. Luftstreitkräfte werden eine große Rolle spielen. Düsenjäger der Royal Air Force und ein Verband französischer Flugzeuge werden gemeinsam mit den amerikanischen Luftstreitkräften operieren. Transportflugzeuge werden eingesetzt, um ein amerikanisches Infanteriebataillon aus Triest nach Deutschland zu befördern. Im Raume von Stuttgart wird der Absprung von Fallschirmjägern markiert werden. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Ausland, General Clark, hat die Oberleitung der Manöver.
Zu den Manövern werden in diesem Jahr zum ersten Male auch spanische Offiziere als Beobachter hinzugezogen.
Berlin: Schaufenster des Westens
Die Sowjetzone erwartet eine Wahlparole aus Bonn
er Berlin, 11. September. In West-Berlin wird in diesen Tagen mit Hochdruck gearbeitet, um der Deutschen Industrie-Ausstellung einen repräsentativen Rahmen zu geben. Der Bau von sechs neuen Ausstellungshallen ist fast abgeschlossen. Parkplätze; auf denen 4500 Autos abgestellt werden können, sind rund um das Ausstellungsgelände entstanden. Berlins repräsentativste Straße, der Kurfurstendamm wird sich den Besuchern aus der Bundesrepublik, aus dem Ausland und Jus dem sowjetisch besetzten Gebiet in einem festlichen Gewände zeigen. In zweitausend Meter Länge wird der Kurf urstenmit den Farben der Bundesrepublik de? Berliner Flagge und den Fahnen der an der Ausstellung beteiligten ausländischen Nationen geschmückt sein.
ß40 Personen können während der bauer d " Deutschen Industrie-Ausstellung tagv L Flugzeugen der AOA. von der Bundesrepublik nach Berlin fliegen. Wählend de? AussteUung wird die Strecke Frankfurt—Berlin täglich achtmal und die Strecke Hamburg—Berlin zweimal in beiden Richtungen mit viermotorigen Skymastermaschinen beflogen.
Das alles soll in die Sowjetzone wirken und die Bevölkerung in dem Gefühl stärken, daß der Westen sie nicht im Stich läßt. Obwohl die Aktivität des Westens gegenüber den kommunistischen Drohungen ständig zunimmt, fehlt bis jetzt noch eine klare Parole, wie die Bevölkerung der Sowjetzone sich bei der Wahl verhalten soll. Es sind Stimmen aus der Sowjetzone laut geworden, wonach die Bevölkerung auf ein Stichwort aus Bonn wartet. „Nein“-Stimmen sind nicht möglich, da ein Kreis zum Anzeichnen der Ja- oder Neinstimmen nicht vorgesehen ist. Auch eine Wahlenthaltung ist kaum möglich, weil die Hausgemeinschaften geschlossen zu den Wahllokalen geführt werden sollen. Veränderungen am Stimmzettel im Wahllokal könnten den Wähler auch gefährden, da für die Zustimmung zur Einheitsliste die bloße Abgabe des Stimmzettels genügt.
„sSoziale Sicherheit ist wichtiger“
Die Christlich-Demokraten zur geforderten deutschen Wiederbewaffnung
R. Bonn, 11. September. Die dem Kanzler nahestehende Parteikorrespondenz der Christlich -Demokratischen Union, der „DUD“, hat sich mit großer Schärfe gegen die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten gewandt, daß die Aufstellung von zehn deutschen Divisionen erwogen werden solle.
Die Korrespondenz erklärt es für nicht erfreulich, wenn immer wieder von außen her die Frage der deutschen Wiederaufrüstung in die Debatte geworfen werde; denn eine solche Wiederaufrüstung müsse vor dem Gewinn der sozialen Sicherheit der Bundesrepublik zurückstehen. „Die deutsche Lage und die Mentalität unseres Volkes vertragen nach unserer Meinung die Erörterung dieser in vieler Hinsicht gefährlichen Frage nicht.“
Diese Auslassungen geben die Absicht maßgebender politischer Kreise in Bonn wieder, wenn sie die Verstärkung der amerikanischen Truppen in Europa begrüßen, für die Möglichkeit der Bundesrepublik plädieren, für ihren Schutz im Innern selbst zu sorgen, aber jede Frage einer Aufstellung deutscher Divisionen für höchst unaktuell erklären. Damit ist aber auch von offiziöser Seite aus jede Verbindung der Frage der Polizeiverstärkung mit einer Remilitarisierung abgelehnt worden, so daß in dieser Hinsicht keine Divergenz zur Opposition mehr zu bestehen braucht.
Bei den heftigen Kämpfen der letzten Tage ist es den Nordkoreanern mehrere MMe gelungen, südkoreanische Verbände zu überrennen. Unser Bild zeigt, wie Südkoreaner, die ihre Waffen auf der Flucht weggeworfen haben, vorrückenden amerikanischen Truppen begegnen Bild: AP.
Hundert Millionen
für die Schiffahrt
el. Hamburg, 11. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Bundesregierung hat, wie die Abteilung Seeschiffahrt des Bundesverkehrsministeriums in Hamburg mitteilt, beschlossen, im außerordentlichen Haushalt für das laufende Rechnungsjahr hundert Millionen Mark für Wiederaufbaudarlehen zum Bau und Erwerb von Handelsschiffen vorzusehen. Die Wiederaufbaudarlehen, die aus diesen Mitteln gewährt werden sollen, können bis zu vierzig Prozent der Bau- oder Erwerbspreise von zwei Handelsschiffen betragen, die in das Wiederaufbauprogramm des Bundesverkehrsministeriums für das laufende Jahr aufgenommen worden sind.
Heinemann wieder bei Adenauer
Immer noch keine Klärung
R. Bonn, 11. September. Die verschobene zweite Aussprache zwischen dem Kanzler und dem Innenminister war am Montag. Es wurde allerdings eine Verständigung nicht erzielt. Vielmehr einigte man sich auf eine weitere Unterredung, die aber angesichts der Inanspruchnahme der Regierung erst nach dieser Woche stattfinden dürfte.
Hinter Heinemann
Carlo Schmid zur Bundespolizei
Mannheim, 11. Sept. (dpa). Professor Carlo Schmid hat in Mannheim erklärt, die Sozialdemokratische Partei werde Innenminister Dr. Gustav Heinemann in seiner Auseinandersetzung mit dem Bundeskanzler stützen. Der Kanzler wolle die zum Schutz der Bundesrepublik geplante Polizeireserve unter seinen persönlichen Befehl stellen. Die Sozialdemokratische Partei glaube aber, daß dies eine Sache des Innenministers sei. Einer der Gründe für den Streit um die Person Dr. Heinemanns sei außerdem die Tatsache, daß der Innenminister es abgelehnt habe, alte Nationalsozialisten in führende Ministerialstellungen einzusetzen.
Ein Großfeuer droht die Hafenftadt Argostolion auf der griechischen Insel Kephalonia zu vernichten .
Versorgung gesichert
*** Der Schock, den der Ausbruch des Korea-Konfliktes verursachte, ist vorüber. Nach zwölf Wochen Krieg wirken die Nachrichten aus dem Fernen Osten nicht mehr so erregend wie in den ersten Tagen. Man weiß, die Gefahr für Europa besteht nach wie vor, aber man empfindet sie nicht als unmittelbar drohend, zumal da die Westmächte sich entschlossen haben, gemeinsam die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen.
Es könnte jedoch sein, daß irgendwie ein neuer Schock erfolgt, und deshalb war es sehr angebracht, daß der Bundesernährungsminister Niklas die Verbraucher daran erinnert hat, sie allein hätten es schließlich in der Hand, ob bei normaler Versorgung der Markt auch einen normalen Verlauf nehme, oder ob plötzlich einsetzende Vorratskäufe die Preise hochtreiben. Wir Deutsche brauchen uns der Angstkäufe wegen nicht allzusehr zu schämen. Auch das reiche Amerika hat zur gleichen Zeit eine emsige Hamstertätigkeit erlebt. Präsident Truman konnte in seiner Plauderei am Kamin nachweisen, daß nach dem Auf hören des Hamsterns die Preise, die aus Konjunkturgründen erhöht worden waren, sofort wieder sanken.
Man darf ohne weiteres annehmen, daß im Bundesgebiet niemals ein Zuckermangel aufgetreten wäre, wenn ängstliche Verbraucher nicht weit über ihren Bedarf eingekauft hätten. Dieser Mangel wird, wie der Bundesernährungsminister versichert, voll behoben sein, sobald die diesjährige Zuckerrübenernte fabrikmäßig verarbeitet ist. Er rechnet sogar mit einer um 200 000 Tonnen größeren Weißzuckererzeugung als im Vorjahr. Wenn Niklas recht behält, werden in Zukunft bei normaler weltpolitischer Entwicklung auch die übrigen wichtigen Nahrungsmittel von Konjunkturschwankungen freigehalten werden können. Mag aber selbst irgendwo eine neue politische Krise auf treten, der Verbraucher wird es immer in der Hand haben, durch Disziplin eine Marktkrise zu vermeiden.
„Die Deutschen an die Front“
Von Reinhold ZenzWer den Film „Herrliche Zeiten“ gesehen hat, wird im Innersten erregt darüber gewesen sein, noch einmal mitzuerleben, wie in den letzten fünfzig Jahren das Rad der Geschichte über uns hinweggerollt ist, ohne daß der einzelne in seine Speichen zu greifen vermochte. Wir alle sind Gottlieb Schulzes gewesen, die immer wieder glaubten, alles sei nicht so schlimm, und auch was schlimm aussah, werde sich schließlich doch noch zum Guten wenden. Wir haben eine Enttäuschung nach der anderen erlebt und glaubten trotzdem immer wieder, herrlichen Zeiten entgegenzugehen. Der Schluß des Filmes will uns nochmals Mut zu einem solchen Glauben machen, indem er in einem von Kindern symbolisch dargestellten Spiel das Vereinigte Europa erstehen läßt, zu dem sich schließlich auch der Russe bekennt.
Der Boxeraufstand 1900
Es scheint uns nicht gerade ermutigend, daß der Film diese Zukunftshoffnung als ein Spiel von Kindern darstellt. Wird uns ein Vereintes Europa, werden uns die Vereinten Nationen wirklich — wir wollen nicht einmal sagen herrlichen, sondern nur — friedlichen Zeiten entgegenführen? Der Film, der mit der Jahrhundertwende beginnt, hat vergessen, das erste gemeinsame Zusammenstehen der zivilisierten Nationen darzustellen, das uns weit eindrucksvoller erscheinen muß, als das Eingreifen der Vereinten Nationen gegen den bolschewistischen Friedensbrecher in Korea. Es war im Jahre 1900, als in Peking der sogenannte Boxeraufstand fremdenfeindlicher Chinesen ausbrach, in dessen Verlauf der deutsche Gesandte von Ketteier ermordet wurde. Wie Freiherr von Wangenheim in einem Zeitungsaufsatz darlegt, waren damals binnen sieben Wochen an der - ho-Mündung in China an Truppen versammelt: 16000 Japaner, 15 000 Russen, 7300 Engländer, 5000 Franzosen, 2500 Deutsche, 1900 Italiener, 300 Oesterreicher. Später 'traten zu diesen Streitkräften noch 10 000 Franzosen und das deutsche Ostasien-Expeditionskorps von 19 000 Mann hinzu. Vor den Küsten Nordchinas kreuzten an die 200 Kriegsschiffe.
Es handelte sich um eine Expedition gegen ein Land, das sich militärisch in keiner Weise mit den Expeditionstruppen messen konnte. Der Boxeraufstand war auch auf China beschränkt und aus ihm hätte sich niemals ein Weltkrieg entwikkeln können. Einen solchen führten die Mächte, die an der Expedition beteiligt waren, später zweimal untereinander. Heute, da ein dritter Weltkrieg droht, in dem es um Sein oder Nichtsein der freien Nationen geht, haben diese seit zwölf Wochen nicht mehr als schätzungsweise 65 000 Mann (fast ausschließlich Amerikaner und Engländer) auf die Beine gebracht, die mit Hilfe von etwa 40 000 Südkoreanern bemüht sind, den bolschewistischen Ansturm von 150 000 Mann aufzuhalten. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, hat dieser Tage die Erwartung ausgesprochen, daß sich dreißig- bis fünfzigtausend Freiwillige für Korea melden würden. Mit diesen Kräften hofft man, den Koreakonflikt örtlich begrenzen und den Angreifer hinter den 38. Breitengrad zurückweisen zu können.
Und Europa?
Bei den Westmächten bestärkt sich immer mehr die Ueberzeugung, der Krieg in Korea sei nicht die eigentliche Bedrohung des Weltfriedens, sondern diese balle sich über Europa zusammen. Korea habe lediglich die Aufgabe, einen Probefall praktisch durchzuexerzieren und
gleichzeitig damit möglichst viele Kräfte der Amerikaner und der übrigen freien Nationen weitab von Europa zu binden. Inzwischen häufen sich die Nachrichten, daß hinter dem Eisernen Vorhang Rüstungsvorbereitungen getroffen werden, die in völligem Gegensatz zu der Versicherung stehen, Rußland sei das friedliebendste Land, es müsse sich jedoch gegen einen Angriff von Westen her schützen. Obwohl die Vereinten Nationen sich hart tun, die erforderliche Zahl von Divisionen für Korea aufzustellen, hat der Präsident der Sowjetzone, Wilhelm Pieck, erneut erklärt, es seien heute schon wieder Kräfte am Werk, die die Welt in einen neuen Krieg stürzen wollten. Wir kennen diese Methode: „Haltet den Dieb“ zu rufen. Zur selben Stunde hat ein Berliner Blatt gemeldet, in den letzten Tagen seien in mehreren Ostseehäfen während der Nachtstunden sowjetische Schiffe mit Waffen und Munition für die Volkspolizei gelöscht worden. Es soll sich dabei um rund 10 000 Schnellfeuergewehre mit der dazugehörigen Munition, um eine größere Zahl von Panzerabwehrkanonen und um 15 000 Granaten neuesten Typs gehandelt haben, die sofort den einzelnen Volkspolizeibereitschaften zugeteilt wurden. Militärische Fachleute haben berechnet, es seien mindestens sechzig Divisionen notwendig, um Europa gegen einen Angriff der 175 bis 200 sowjetischen Divisionen zu schützen. Wo sollen diese sechzig Divisionen herkommen? Sie lassen sich nicht aus der Erde stampfen. Die in Westdeutschland, in Oesterreich und in Triest stehenden amerikanischen Truppeneinheiten überschreiten 150 000 Mann nicht. Die europäischen Staaten sind erst dabei, ihre Armeen wieder aufzubauen, sie können es nicht ohne Waffenlieferung Amerikas. Und auch wenn sie all ihre Kräfte eingesetzt haben, werden sie immer noch nicht über genügend Divisionen verfügen, um Europa aus eigener Kraft zu verteidigen. Die Lage sähe hoffnungslos aus, wenn nicht Amerika sich bereit erklärt hätte, sein militärischen Einheiten in Europa mög liehst schnell um zehn und später viel - leicht um fünfzehn bis zwanzig Divisionen zu verstärken. Sie sollen in Westdeutschland stationiert werden, da die Bundesrepublik als am meisten gefährdet angesehen wird.
„The Germans to the front“
Wir müssen noch einmal auf den Boxeraufstand vom Jahre 1900 zurückkommen. Damals wurde von dem britischen Oberkommandanten in einer kritischen Lage der Befehl gegeben: „Die Deutschen an die Front.“ Ein Bild, auf dem dargestellt war, wie die Deutschen auf diesen Befehl hin vorstürmten, war_vor dem ersten Weltkrieg in Deutschland überall verbreitet. Es bestärkte, ebenso wie der Befehl selbst, bei manchen Deutschen die stolze Ueberzeugung, ohne uns gehe es nun einmal nicht. Es bestärkte jene Einstellung, die als Preußentum bezeichnet wird, und die durch die Umerziehung nach dem zweiten Weltkrieg für alle Zeiten den Deutschen ausgetrieben werden sollte Man hatte jedoch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und vergessen, daß den Deutschen durch mehr als ein Jahrtausend d*e zugefallen war, das Abendland gegen Einfälle aus dem Osten abzuschirmen. Jetzt sieht man, durch die völlige Entwaffnung Deutschlands ist im Herzen Europas ein leerer Raum erstanden, der wie jedes Vakuum Kräfte anzieht, die sich seiner bemächtigen wollen. Die Vertrauensseligkeit der Amerikaner, die allzu lang an ein friedliebendes Rußland glauben ließen, rächt sich. Und wieder geht, nicht von uns, sondern von den Mächten, die uns Schutz gewähren sollen, der Ruf aus: „Die Deutschen an die Front.“ Die Bundesrepublik soll, wie jetzt ziemlich authentisch in Washington versichert wird, durch die heutige Außenminster-Konferenz aufgefordert werden, über eine Bundespolizei hinaus in zwei, wenn möglich sogar in einem Jahr, zehn eigene Divisionen aufzustellen, die bei einem Angriff aus dem Osten in vorderster Front stehen würden. Wir Deutsche empfinden es als geradezu verhängnisvoll, daß wir wiederum zu einer militärischen Tätigkeit gezwungen werden sollen, der wir selbst aus innerster Ueberzeugung abgeschworen hatten. Genügt es nicht, daß wir weitere Besatzungsdivisionen bei uns aufnehmen sollen, die unsere Wohnungsnot vergrößern und mit dem Gefühl erhöhter Sicherheit die Befürchtung verstärken, daß unser Land der erste Kriegsschauplatz sein wird, falls die große Auseinandersetzung zwischen Ost und West nicht zu vermeiden sein sollte?
Das amerikanische Volk ist zum Opfergang für die Freiheit der Welt aufgerufen worden. Der Deutsche wird sich der Pflicht nicht entziehen können, seinen Beitrag zur Sicherung des Friedens zu leisten. Sein Land liegt ja im Vorfeld eines möglichen Krieges. Er denkt an die Frauen, die Kinder und an die Alten, an Heim, Werkstatt und Scholle, die andernfalls schutzlos einem Eroberer preisgegeben wäre, dessen Brutalität die Ostgebiete und die Stadt Berlin schaudernd erlebt haben. Wenn aber nach einer Aeußerung des amerikanischen demokratischen Senators Robert Kerr eine wirksame Verteidigung Westeuropas gegen die Sowjetunion ohne eine aktive deutsche Verteidigung ausgeschlossen ist, so muß man aus dieser Tatsache auch Folgerungen ziehen. Es genügt nicht, einfach die Aufstellung von zehn deutschen Divisionen anzuordnen. Damit die Deutschen ohne Verbitterung die Waffen wieder aufnehmen können, muß endlich die Diffamierung des deutschen Heeres und seiner Offiziere widerrufen und der Bundesrepublik die vorbehaltlose und gleichberechtigte Partnerschaft mit den Westmächten zuerkannt werden.
Neue Verhandlungen im hessischen Metallgewerbe
F.A.Z. Frankfurt, 11. September. Wie wir erfahren, ist zwischen der Industriegewerkschaft Metall und dem Arbeitgeberverband der hessischen Metallindustrie in Frankfurt vereinbart worden, daß am Dienstag noch einmal über die Forderung der Gewerkschaft, den Stundenlohn um zwanzig Pfennig zu erhöhen,' verhandelt werden soll. Die Initiative dazu ging in letzter Stunde von den Gewerkschaften aus.
Die Unternehmer haben auf einer Versammlung des Arbeitgeberverbandes am Montag Maßnahmen zur Aufklärung ihrer Belegschaftsmitglieder über die Gründe beschlossen, die zum Abbruch der Verhandlungen geführt hatten. In den Betrieben werden Flugblätter verteilt und Plakate angeschlagen, die den Standpunkt des Arbeitgeberverbandes darlegen. Darüber hinaus werden Unternehmer als Redner in die Betriebe gehen, um dort aufklärend zu wirken. In einer Resolution, die der Arbeitgeberverband faßte, heißt es, die Arbeitgeber seien der Auffassung, daß eine Einigung in der Lohnfrage auch jetzt noch anzustreben sei. Sie seien jedoch bereit, einer Schiedsinstanz die Entscheidung zu überantworten.
Gollancz: Treffen mit Stalin
London, 11. September, (dpa). Der britische Verleger und Publizist Victor Gollancz fordert in einem Brief an die Londoner „Times“, Präsident Truman und Premierminister Attlee sollten sofort mit Stalin zusammenkommen, um den Frieden zu sichern.
Reis für Korea werden die Philippinen liefern.
Internationale Verkehrszeichen
Man kann nicht mehr falsch fahren
K. Die Autofahrer auf den Strecken Frankfurt—Darmstadt, Frankfurt —Wiesbaden und Mainz—Darmstadt werden schon jetzt mit einer Neuerung im Straßenverkehr bekannt gemacht, die in Zukunft im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus in Europa und der Welt
eingeführt werden soll. Neben den alten, beschrifteten Verkehrszeichen sind auf diesen Strecken versuchsweise symbolische Verkehrszeichen aufgestellt worden, die ohne Worte alle ansprechen. Ein Pumpenschwengel zum Beispiel zeigt die Tankstelle an, ein Kreuz mit Telefonhörer die Unfallstation mit Fernsprecher, so daß auch der Ausländer, der der Landessprache nicht mächtig ist, sich ständig orientieren kann. Die Muster sind von den Verkehrsspezialisten der Vereinten Nationen ausgearbeitet worden und sollen in der ganzen Welt verwendet werden.
Die Verkehrsfachleute nennen die Straßen zwischen Frankfurt und Darmstadt die modernsten Deutschlands, und die Fahrer stimmen ihnen zu. Jetzt gibt es kein langes Anhalten mehr, um nach dem kaum sichtbaren Wegweiser an der Stra- Bengabelung zu suchen. Jetzt kann man wirklich nicht mehr falsch fahren. Und ein Ausländer, dessen Tank leer ist, stellt beim Anblick des Pumpenschwengels auf dem Straßenschild erleichtert fest, daß eine Tankstelle in unmittelbarer Nähe ist. Der Fernfahrer aber weiß, daß er auf dem richtigen Wege ist und, was für ihn sehr wichtig ist, zügig weiterfahren kann. Denn bei der Aufstellung der Straßenschilder sind weitere neue Wege beschritten worden. Sie können, im Gegensatz zu den bisherigen, vom Fahrzeug aus, zihne abzustoppen, gut erkannt werden. Wegweiser werden künftig in einer um 50 Prozent größeren Ausführung als bisher aufgestellt, um sie aus weiterer Entfernung und bei höherer Geschwindigkeit besser lesbar zu machen. An besonders gefährdeten Stellen sind die Schilder sogar reflektierend. In Zukunft werden die Wegweisertafeln in einer Höhe von 80 Zentimeter bis zu einem Meter über der oberen Straßenkante angebracht, damit sie auch bei Nacht im Scheinwerferlicht der Kraftfahrzeuge besser sichtbar sind. Ferner werden in etwa 20 bis 30 Meter Entfernung nach Einmündung von Straßen oder Kreuzungen Nummernschilder der Straßen deutlich sichtbar aufgestellt. Sie sollen dem Fahrer die Sicherheit geben, daß er sich noch auf seiner Straße befindet.
Bei wichtigen Abzweigungen werden Vorwegweiser etwa zweihundert bis dreihundert Meter vor diesen Stellen in Uebergröße mit deutlich lesbaren Aufschriften und symbolischen Darstellungen des Straßenverlaufs angebracht. Ferner will man die Straßen mit Leuchtstrichen versehen, um so auch nachts dem Autofahrer die größtmögliche Sicherheit zu geben.
Diese Neuerungen können natürlich nicht von heute auf morgen eingeführt werden. Ein einziges Schild kostet allein 180 Mark und ein Kilometer Leuchtstrich 1500 Mark. Die Verkehrsfachleute erheben auch keinen Anspruch darauf, daß die neuen internationalen Verkehrszeichen schon die zweckmäßigste Form und Ausführung haben. Aber sie hoffen, daß damit der Verkehr beschleunigt und die Verkehrssicherheit erhöht werden kann.
Eines der internationalen Verkehrszeichen, die jetzt versuchsweise in Hessen auf gestellt werden sollen
Kein französischer Widerspruch
Zur amerikanischen Forderung auf Bildung deutscher Verbände
Drahtbericht unseres Korrespondenten
P.M. Paris, 11. September. Der erste günstige Eindruck über die amerikanische Zusage, die Truppenkontingente in Europa erhöhen zu wollen, ist so groß, daß die gesamte Presse von Paris die Forderung nach Aufstellung deutscher Kampfverbände kommentarlos hinnimmt. Dadurch wird der Eindruck von objektiven Beobachtern bestätigt, daß man in Paris auf eine solche Lösung, und zwar in der Form gewartet hat, in der sie jetzt von Truman und Acheson vorgeschlagen worden ist.
Man zeigt sich in diplomatischen Kreisen deshalb sehr zuversichtlich über den Verlauf und die möglichen Ergebnisse der Dreierkonferenz in Neuyork. Widerstände und Einschränkungen, die man von französischer Seite zu erwarten hat, werden
wahrscheinlich in Anlehnung an die Zurückhaltung Englands in dieser Frage vorgebracht werden. Auch die alte Forderung, daß vor jeder deutschen Bewaffnung die Wiederaufrüstung Frankreichs und Englands zu erfolgen habe, wird im Augenblick nicht erörtert.
Es ist im gleichen Sinne bemerkenswert, daß in umfangreichen Vorbesprechungen, die von Pariser Blättern über die Konferenz gebracht werden, ohne Umschweife von einer zu erwartenden wesentlichen Erweiterung des Souveränitätsrechtes Westdeutschlands berichtet wird. Das Unvermeidliche, von dem man sich in Paris möglichst wenig zu sprechen bemüht, wird jetzt anscheinend als das Selbstverständliche behandelt.
Die Offensive läßt auf sich warten
Kein Großangriff auf Taiku / Unveränderte Lage
Pusan, 11. September. (AP. /dpa’Reuter.) Die Gesamtlage an der Front in Korea hat sich kaum geändert, da die erwartete kommunistische Offensive bei Taiku nicht ausgelöst worden ist.
Die große Industriestadt, in die immer mehr Flüchtlinge aus allen Richtungen hineinströmen, war in der Nacht vom Sonntag auf Montag zum ersten Male vollständig verdunkelt. Die nordkoreanische und die amerikanische Artillerie lieferten sich stundenlange Feuerduelle. Der Feind unternahm in den Nachtstunden zum Montag und in den frühen Morgenstunden des Montags mehrere heftige Angriffe. Die Amerikaner vermuteten zuerst, daß es sich um die Auslösung der erwarteten Offensive auf Taiku handele. Die mit gellendem Geschrei vorstürmenden Nordkoreaner, die mit dieser Taktik vortäuschen sollten, daß sie zahlenmäßig weit überlegen seien, konnten jedoch überall nur geringe Geländegewinne erzielen. Der feindliche Angriff blieb stecken. Die Hauptgefahr für die Stadt droht immer noch aus nördlicher Richtung von der Straße von Tabu. Die amerikanische Führung rechnet, daß noch vierzigtausend Nordkoreaner in diesem Abschnitt als Reserven bereitgehalten werden. Mit der Möglichkeit einer Offensive in diesem Frontsektor muß immer gerechnet werden.
Im Dreieck Pohang—Kiongju —Yongschon haben die Südkoreaner erfolgreiche Gegenmaßnahmen eingeleitet. Die Angriffsspitzen der Vereinten Nationen konnten zum Teil elf Kilometer tief in die feindlichen Stellungen eindringen. Der feindliche Widerstand war gering.
An der Naktong-Front konnten die Amerikaner ihre Stellungen festigen.
Amerikanische Aufklärungsflieger melden nur geringe Bewegungen des Feindes im Hintergelände der Masan-Front. Es ist der Eindruck entstanden, daß die feindliche Offensive in diesem Abschnitt der Front eingestellt worden ist.
Bei gutem Flugwetter griff die taktische Luftwaffe mit Erfolg in die Kämpfe bei Taiku ein. Fliegende Festungen griffen strategisch wichtige Ziele in Nordkorea an.
Der Moskauer Rundfunk gibt bekannt, daß der Flugplatz Pohang von nordkoreanischen Truppen eingenommen worden sei. Die „Volksarmee“ habe in diesem Frontabschnitt die feindlichen Linien durchbrochen. Die nordkoreanischen Truppen verstärkten an allen Fronten ihren Druck und hätten tiefe Keile in die Stellungen der Vereinten Nationen hineintreiben können. Vier amerikanische Superfestungen seien abgeschossen worden.
Der Sender Pjöngjang gibt bekannt, daß der Chef des Generalstabes der nordkoreanischen Armee, General Kangkun, an der Front gefallen sei. Der General war gleichzeitig stellvertretender nordkoreanischer Kriegsminister und gehörte dem Polit-Büro an.
Sportröcke bis an die Knöchel
Rottweil, 11. September. (HR.) Der Bischof von Rottenburg hat von der Kanzel herab den Wunsch der Kirche zum Ausdruck gebracht, daß bei sportlichen Veranstaltungen ein Auftreten von Frauen in sportlicher Kleidung unterbleibe. Der Gemeinderat von Rottweil beschloß daraufhin mit den Stimmen der Christlich-Demokratischen Union gegen die Stimmen aller anderen Abgeordneten, daß Frauen im Stadion von Rottweil nur in bis zu den Knöcheln reichenden Röcken sportliche Wettkämpfe bestreiten dürfen.
Stimmen der Anderen
Ein bedentender Beitrag
Die Erklärung Trumans über die Verstärkung der amerikanischen Streitkräfte in Europa wird von den britischen Zeitungen der verschiedensten Richtungen als bedeutender Beitrag zur Verteidigungspolitik des Westens herausgestellt.
Die Londoner „Times“ stellt fest: „Die Sicherheit der freien Welt hängt in erster Linie von der wirksamen Aufrüstung der atlantischen Gemeinschaft ab. Es steht fest, daß die Länder des europäischen Festlandes ohne große Zuversicht an das Wiederaufrüstungsprogramm herangehen werden, wenn nicht schon in Friedenszeiten eine genügende Zahl von Panzer- und Infanterie-Divisionen in Europa stationiert wird, um den mächtigen Angriffsstoß aufzuhalten, den die Rote Armee unternehmen könnte. Präsident Truman hat diese Tatsache durch seinen Beschluß auf Verstärkung der amerikanischen Streitkräfte in Europa anerkannt. Offensichtlich gehört die Eingliederung Deutschlands in die Verteidigung des Westens zu den Plänen des USA-Präsidenten. Viel spricht dafür, daß der deutschen Bundesregierung eine bewaffnete Gendarmerietruppe zugestanden wird, die mit inneren Unruhen fertig werden könnte, für die eine aktive Unterstützung durch die Volkspolizei der Sowjetzone zu erwarten wäre. Wenn in Europa eine internationale Streitmacht aufgestellt werden könnte, gäbe es darin auch Platz und die Notwendigkeit für ein deutsches Kontingent.“
Das Dogmana
Zur Erklärung der Lehre von der Himmelfahrt Mariä zum Dogma der katholischen Kirche schreibt der „Osservatore Romano“:
„Ueber die Tatsache der Himmelfahrt Mariens stimmen alle Theologen überein. Dies läßt sich jedoch nicht sagen bezüglich der Art und Weise, in der die Himmelfahrt geschehen ist: ob dies geschehen sei über den Tod und die Auferstehung der seligsten Jungfrau Maria, oder ohne daß sie gestorben wäre und deshalb zum Leben hätte auferweckt werden müssen. Viele treten für die erste Weise ein (Tod und Auferstehung), wenige hingegen, jedoch nicht ohne gute Gründe, für die zweite (Aufnahme in den Himmel ohne Tod und Auferstehung). Wird die bevorstehende dogmatische Definition sich nur auf die Tatsache der Himmelfahrt beschränken oder auch ihre Art und Weise bestimmen? Es ist das Geheimnis des unfehlbaren Lehrers in Glaubenssachen, des Papstes.“
Schäffer stellt 7S Fragen
Die Anmeldung zum Lastenausgleich
Hi. Bonn, 11. September (Eigener Drahtbericht). Das vom Bundesfinanzminister Schäffer vorbereitete Formular zur Anmeldung von Entschädigungsansprüchen für den endgültigen Lastenausgleich umfaßt 75 Fragen. Die einzelnen Fragen dieses Formulars werden bis zur Stunde noch nicht bekanntgegeben. Wie jedoch verlautet, sollen die Lastenausgleichsberechtigten nach der Ausfüllung dieses Fragebogens nicht automatisch, sondern erst auf Einzelantrag nach der Prüfung ihrer Angaben durch die zuständige Gemeinde eine Entschädigung erhalten. Diese vom Bundesfinanzminister vorgesehene Methode wird in Bonn in Kreisen des Zentralverbandes der vertriebenen Deutschen bereits heftig kritisiert. Wie verlautet, ist für Donnerstag eine Besprechung zwischen dem Bundesfinanzminister und den Vertretern der Vertriebenen sowie anderen Interessengruppen über diese und andere Fragen des Lastenausgleiches angesetzt.
Vertriebene Schlesier haben gefordert, daß in allen Schulen des Bundesgebietes die ostdeutsche Heimatkunde in den Lehrplänen gebührend berücksichtigt werde.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdruds - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg
9) „Weißt du was?“ flüsterte Henriette dem Jungen ins Ohr, „eigentlich ist es doch Mamas Blume, und deshalb wär' es doch nett, wenn du sie ihr brächtest; meinst du nicht auch?“
Sie wandte ihre ganze Ueberredungskunst auf. während er noch zögerte, ahnungslos, wieviel von seiner Antwort abhing.
„Denk doch nur, wie hübsch das Rosa in der Spitze aussehen wird“, fuhr Henriette sanft fort und strich ihm dabei über das seidige, dunkle Haar und die trotzig verkrampften Schultern. „Ich werde so tun, als ob ich sie mir ansteckfe, siehst du, so!" Sie nestelte an ihrem Kleid, als hefte sie dort eine unsichtbare Blume fest.
Dieses Spiel hatte den gewünschten Erfolg: Raynald lächelte sie unter Tränen an und lief mit der Blume davon. Mutter nahm sie ihm mit einer flüchtigen Liebkosung ab. Mademoiselle Maillard, dadurch etwas versöhnlicher gestimmt, beeilte sich, den Schreibtisch wieder zu ordnen, und Berthe rannte zu ihrem Vater und umschlang seine Knie.
Der Diener, der Henriette vor einer Stunde hereingeführt hafte, meldete sich wieder, um sie hinauszubegleiten. Sie erhob sich und nahm Abschied. Die Tür des Boudoirs schloß sich hinter ihr, doch nicht bevor sie den dankbaren Blick des Herzogs aufgefangen hafte und ihre erste Begegnung mit der Familie Praslin war vorüber.
Viertes KapiteL
Warm und sorglos in einem weichen Bett von feinem Leinen und Eiderdaunen zu liegen, das Trommeln des Regens vor den Fenstern zu hören und zu wissen, daß sie nur ihre Hand nach dem Klingelzug neben ihr auszusfrecken brauchte, um ein Hausmächen herbeizurufen, das die Vorhänge aufziehen, das Feuer anmachen und heißes Wasser holen würde: das war für Henriette ein so ungewohnter Zustand, daß sie noch jetzt nach einer Woche ein Gefühl des Staunens über das täglich sich wiederholende Wunder nicht unterdrücken konnte. Jetzt konnte sie sich Zeit lassen, um ihren Cafe au lait zu schlürfen und in aller Ruhe vor dem Feuer ihre Toilette zu beenden vor einem Spiegel, der ihre Züge unverzerrt wiedergab. Um halb neun erschien sie unten, adrett und ausgeschlafen, begrüßte ihre Zöglinge und übernahm den Vorsitz über die morgendlichen Brötchen und den Kakao am Frühsfückstisch, an dessen anderem Ende Mademoiselle Maillard saß, grau und verschlagen aussehend wie stets nur auf die Gelegenheit wartend, sich mit der Gier eines Habichts auf den geringsten Verstoß gegen Anstand und gute Manier zu stürzen.
Die beiden Tischende waren einander völlig gleich), und trotzdem war schon seit dem ersten Morgen, an dem man zusammen gefrühstückt hatte, Henriettes Seite zum oberen und Mademoiselle Maillards zum unteren Ende erklärt worden.
„Mademoiselle Deluzy, Berthe hat den Honig umgeworfen. Schnell, er läuft mir schon in den Schoß.“
„Mademoiselle Deluzy, Bertlie hat drei Hörnchen gegessen, und jetzt ist für mich gar keins mehr da.“
„Aber ich- hab doch die Milch nicht absichtlich verschüttet; ich kann doch nichts dafür, Mademoiselle Deluzy, wenn Louise mich so kitzelt.“
„Oh, Mademoiselle Deluzy, was ich gestern nacht geträumt habe! Papa hatte uns mit in die Oper genommen — Isabella und Sie und mich und ‘
„Und mich, Louise, mich auch?"
„Dich natürlich nicht, Berthe, du bist sogar noch im Traum zu klein dafür. Und wenn jnan dreimal dasselbe träumt, Mademoiselle Deluzy, dann wird es doch wahr, sagt man immer. Glauben Sie auch daran?“
Die Art, in der die Kinder sie ganz von sich aus an all ihrem Tun teilhaben ließen, wie sie sich ganz selbstverständlich an sie mit allen Fragen und Kümmernissen wandten, war gewiß schmeichelhaft. aber es hafte auch seine Nachteile. Mademoiselle Maillards langes Gesicht wurde von Tag zu Tag länger und mißbilligender. Sie hüllte sich in ihren beleidigten Stolz wie in einen düsteren Mantel. Sie brütete über teils wirklichen, teils eingebildeten Zurücksetzungen. Henriette konnte sich gut vorstellen, in welchen Farben diese pflichtschuldigst ihrer Herrin geschildert wurden. Die Dienstboten fingen schon an, die Entwicklung der Ereignisse gespannt zu beobachten und Wetten auf den mutmaßlichen Sieger abzuschließen.
Mademoiselle Maillard hatte länger ausgehalten als irgendeine andere Erzieherin und war nicht ohne Verbündete im Haushalt. Marguerite Leclerc, die Jungfer der Herzogin, hielt gute Freundschaft mit ihr. Euphemia Merville, die Pförtnersfrau, lud sie an ihren freien Nachmittagen häufig zu einer Tasse Kaffee ein. Maxine und Renee, die Kindermädchen, schätzten in ihr eine sehr bequeme Vorgesetzte; • denn sie mischte sich seifen in ihren Tätigkeitsbereich.
Henriette selbst war sich einer gewissen kühlen Ablehnung seitens der Dienerschaft nur zum Teil bewußt Mochte sie den Dienstboten zunächst auch lästig fallen — taugten sie etwas, dann pflegten sie im Laufe der Zeit gut miteinander auszukommen; und taugten sie nichts, dann blieben sie meist nicht lange genug, um ein ständiges Äergernis für sie zu werden. Aber eine alte Gouvernante, der man auf Schritt und Triff begegnete und die man andauernd besänftigen mußte, die bildete ein weitaus beachtlicheres Problem.
„Irgendeine Fliege schwimmt immer in der Suppe“, dachte sie und räkelte sich in dem grüngoldenen Empirebeft, bevor sie auf stand, um den siebenten lag ihres Hierseins zu beginnen. „Schon mehr eine Spinne als eine Fliege — wie würde sie sich freuen, mich wieder meine Sachen packen zu sehen!“
Trotz des schlechten Wetters machten die beiden Räume mit ihrem Grün und Gold einen heiteren Eindruck. Jeden Morgen beim Erwachen und jeden Abend, wenn sie in ihr kleines Heiligtum zurückkehrte, empfing sie eine freundliche Behaglichkeit, der sie nicht widerstehen konnte.
„Fast höre ich mich vor Zufriedenheit schnurren“, sagte sie zu ihrem Bild, das der ovale Spiegel in dem vergoldeten Rahmen über ihrem Frisierfisch wiedergab.
„Ich bin wie ein Instrument', sagte sie manchmal zu sich selber, „in einem unbewohnten Raum. Da steht es mit seinem Reichtum an Melodien, aber zum Schweigen verdammt, weil niemand darauf spielt. Wer sperrte mich ein, nur um zu verstauben? Warum liege ich mit meinen achtundzwanzig Jahren hier allein ?“
Gestern war sie an diese unbeantwortete Frage erinnert worden: während Isabella und Louise unter Mademoiselle Maillards wachsamen Augen ihre nachmittägliche Tanzstunde haften, beschäftigte sie die beiden Jüngsten, indem sie ihnen laut vorlas. Aus der Ferne drangen leise die Klänge einer Polka herüber, und ihre Gedanken gingen den Tönen nach, obwohl ihre Lippen noch mechanisch die Worte auf der Seite vor ihr artikulierten. Es war ein Märchenbuch, auf dem Berthe bestanden hafte, allen Protesten ihres Bruders zum Trotz, der für Aesops Fabeln stimmte.
„Morgen darfst du wählen, Raynald“, versprach ihm Henriette. „Und du, Berthe, such dir jetzt eine Geschichte aus und hör dann gut zu, weil ich dich morgen bitten werde, sie mir auf englisch wiede rz ue r z ähl en.“
Sie setzten sich auf die Bank am Fenster, und ohne recht bei der Sadie zu sein, ihre Aufmerksamkeit halb der fernen Musik, halb der beglückenden Nähe der weichen kleinen Kinderkörper zugewandt, fing Henriette an zu lesen. Plötzlich erfaßte sie, was sie las; die alte Mär schien ihr auf einmal eine tiefe persönliche Anspielung zu enthalten. (Fortsetzung folgt.)
Es schwelt unter der Oberfläche
Weinheim, Freudenberg und Hessen
gliederuna ^er Diskussion um die Ein-Gorxheim^r Veberwaldes und des eine eewicc ^eS2n das Baden war Vorkommn? Beruhigung eingetreten. Die S? i, r bei der Einstellung von doEl^^ in die Freu- • • ^r <e ln. weinheim, über die frii h Zeit in unserem Provinzteil berichteten, veranlassen uns jedoch, ^robJem Stellung zu nehmen.
-k530?16’ daß es das hessische Gezeit R^Vai?6 Verlängerung der SchullksS?Uler 17 'iunSen Menschen unmöglich macht, einer geregelten Arbeit nachzugehen, ist betrüblich. Sie läßt darüber hinaus die ganze Fragwürdigkeit unserer heutigen staatlichen Organisation m aller Deutlichkeit erkennen. Es soll uns h^ nicht darum gehen, das Für und Wider dieses hessischen Gesetzes zu untersuchen. Es kann uns auch nicht darum gehen, der hessischen Regierung und dem Hessischen Landtag den Vorwurf zu machen, daß sie in leichtfertiger Weise Tausende von Jungen und Mädchen, die ihre Volksschulausbildung hinter sich haben, an dem Eintritt in das Berufsleben hindern. Es wird vielmehr unseres Erachtens entscheidend für die Beurteilung der ganzen Situation die Tatsache, daß Menschen in einem Gebiet, das eine wirtschaftliche Einheit bildet, die Vorteile einer solchen Einheit nicht haben können, weil dem die Interessen einzelner Länder entgegenstehen.
Der Bundestagsabgeordnete Freudenberg aus Weinheim, Industrieller und Arbeitgeber von 6000 Menschen aus dem hessischen Odenwald, hat das klar erkannt, und sein Bestreben geht dahin, die Gebiete, die wirtschaftlich fast ausschließlich nach Weinheim tendieren, auch politisch an das Land Baden anzuschließen. Er konnte dies um so leichter tun, als das Land Hessen bis zum Frühjahr dieses Jahres aus verschiedenen, teilweise durchaus einleuchtenden Gründen nicht in der Lage war, den Notstandsgebieten des Ueberwaldes und des Gorxheimer Tales die notwendige Hilfe angedeihen zu lassen. Das hat sich inzwischen geändert, und wenn man Gelegenheit hat, durch die umstrittenen Gebiete zu fahren, dann erkennt man, wie sehr dort gearbeitet wird, um das Versäumte nachzuholen. An den Straßen wird intensiv gearbeitet, die VerkehrsverhältniSse haben sich wesentlich gebessert, und Landrat Denger tut alles, um mit den Bewohnern seines Kreises in engere Verbindung zu kommen. Die Bevölkerung, die, geführt von dem Fürther Notar Dr. Vetter, im Frühjahr zu ihrem größten Teil für den Verbleib bei Hessen war und noch ist, hat das erkannt und anerkannt.
Die streitenden Parteien haben einen Waffenstillstand geschlossen. Es erschien alles in bester Ordnung, bis die Verweigerung der Freigabe vom Besuch der Volksschule das ganze Problem erneut aufgerollt hat.
Es wirft sich jetzt sowohl für die Beteiligten als auch für die Regierung die Frage des „Was nun?“ auf. Soll es bei dem jetzigen Zustand bleiben oder findet man sich in Wiesbaden bereit, die berühmte Ausnahme von der Regel zu machen? Uns erscheint zumindest das letztere notwendig. Denn wir vermögen nicht zu glauben, daß es über kurz oder lang zu einer Generalbereinigung der deutschen Ländergrenzen kommen wird, die notwendig und vorgesehen ist. Solange sich unsere verantwortlichen Politiker nicht entschließen können, Länder zu bilden, die sich einerseits organisch in der Vergangenheit entwickelt haben, und die zum anderen den modernen Erfordernissen nach wirtschaftlicher Einheit entsprechen, muß immer wieder gefordert werden, daß in den Grenzgebieten ein Status geschaffen wird, der den besonderen Verhältnissen der Grenzgebiete entspricht.
Letztes und höchstes Ziel aber muß — und das ist unsere feste Ueberzeugung — bei aller Selbständigkeit der. Länder doch eine staatspolitische Einheit sein, in der der Staatsbürger die Möglichkeit hat, in allen Teilen des Bundes unter gleichen Bedingungen zu leben.
Der Prozeß Wagner gegen Wagner
Der Angeklagte wurde freigesprochen
Limburg, 11. Sept. (Eig. Bericht.) In dem seit sieben Tagen andauernden Beleidigungsprozeß Waigner/Wagner wurde am Montagabend nach dreistündiger Beratung der Angeklagte freigesprochen.
Der Vorsitzende des Gerichts, Landgerichtsdirektor Dr. Knosalla, führte in seiner Urteilsbegründung aus, das Schreiben des Angeklagten habe die Grundlage der Verhandlung bedeutet, und politische oder sonstige Motive wären nicht zu berücksichtigen gewesen. Die Einsicht in die Auftragsbücher habe erwiesen, daß Minister Wagner neben den Standardwerken des Dritten Reiches noch allerlei andere nationalsozialistische Schriften an Private verkaufte. Er hätte sich darüber im klaren sein müssen, daß er damit dieses Ideengut unter der Bevölkerung verbreitete, obwohl er mit dem Inhalt der Schriften nicht konform ging. Hiermit sei der Beweis für die Behauptung erbracht, daß Minister Wagner für den Eher-Verlag tätig gewesen sei.
Der Vorsitzende führte weiter aus, es müsse jedem Staatsbürger unserer jungen Demolcratie möglich sein, Kritiken vorzubringen. Der Angeklagte halbe in Wahrung berechtigter Interessen seinen Brief an den Ministerpräsidenten gesandt in der Annahme, dieser werde von der Berufung eines Mannes, den der Angeklagte als für ein Ministeramt ungeeignet ansah, absehen. Der Angeklagte sei von der Richtigkeit seiner Behauptungen in allen Fällen subjektiv überzeugt gewesen. Ein leichtfertiges Handeln hätte ihm somit nicht nachgewiesen werden können, und darum wäre Freispruch erfolgt.
Im Dienst des GCvangeliums
Butzbach, den 11. September. (Eigener Bericht.) In Anwesenheit zahlreicher Vertreter von kirchlichen und staatlichen Behörden fand in Butzbach die 15. Landesversammlung des Evangelischen Bundes statt. In seiner Eröffnungsansprache wies Dozent Pfarrer Sucker, Bensheim, der Vorsitzende des Landesverbandes, darauf hin, daß heute der Evangelische Bund berufen sei, mit den Gaben des Evangeliums den Menschen unserer Zeit aus der Ausweglosigkeit neue Ziele zu weisen.
Als Vertreter des Kirchenpräsidenten und der Kirchenleitung der evangelischen Kirche Hessen-Nassau erklärte Probst Becker, Mainz, daß alle Werke der Kirche ihren Dienst ausrichten müßten auf die Lehre Jesu Christi. Im Auftrage des Regierungspräsidenten von Darmstadt sprach Ministerialdirektor Friedrich.
Die Tagung stand unter dem Motto: „Der evangelische Christ im öffentlichen Leben“ und brachte den Willen der evangelischen Kirche zum Ausdruck, die Lehre des Evangeliums neu hineinzustellen in Zeit und Volk.
Der Kicherheitsrat lehnt ab
Lake Success, 11. September. (AP.) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Montag die sowjetische Forderung abgelehnt, einen Vertreter des kommunistischen Chinas zu den chinesischen Beschwerden über eine amerikanische Aggression zu hören.
Wie lange noch...?
Man schreibt uns:
Es ist das Wesen des demokratischen Staates, jedem seiner Staatsbürger tunlichste Freiheit zu gewährleisten. Doch wie für alles im Leben sind auch hier Grenzen gesetzt, die da beginnen, wo diese Freiheit bedroht wird. Bedroht wird durch Elemente, die im Schutze der Demokratie sich anschicken, sie zu unterhöhlen. Daß diese Gefahr erkannt wurde, beweist der jüngste Schritt eines Landes, das bisher als einziges unseres Kontinents europäisch genannt zu werden verdient, die Schweiz. Vor wenigen Tagen hat dieses wahrhaft freieste Land Europas die Schlußfolgerungen daraus gezogen und alle Kommunisten, soweit sie Bedienstete des Staates waren, aus ihren Aemtern entlassen. Dies tat man sicher nicht ohne Gründe, wenngleich die Schweiz ein Land ist, in dem sich kommunistische Einflüsse bisher nur wenig geltend machen konnten. Der kluge Mann jedoch baut vor, der kluge Staatsmann vor allem.
Es °ibt in Europa Staaten, die der Ideologie des Ostens gegenüber wesentlich” anfälliger sind. Wir denken dabei weniger an Frankreich, Belgien oder Italien als an uns selbst, die elf Länder der Bundesrepublik. Brandet doch seit Wochen eine Welle östlicher Agitation, so hoch wie noch nie, gegen die ungenützten Mauern der westdeutschen Deirokratie, wird doch seit Wochen von der/ Machthabern der sowjethörigen n^ntschen Demokratischen Republik Sren westdeutschen Jüngern befohlen, gegen die Bundesrepublik mit allen Mitteln anzurennen, so lange, bis diese Republik für Ulbricht und seine Getreuen sturmreif geworden ist. Daß die ultraroten Genossen diesen Weisungen nachzukommen gewillt sind, beweist die Aktivität der letzten Zeit, eine Aktivität, die sich nicht auf die gesetzlich erlaubte Dokumentierung ihrer Ansichten beschränkt, sondern erwiesenermaßen die Fundamente des Staates zu unterminieren gesonnen ist.
Als erstes der elf westdeutschen Bundesländer hat Rheinland-Pfalz die Lehren daraus gezogen und entfernt alle kommunistisch eingestellten Beamten aus seinen Diensten. Das Land Hessen hat sich dazu noch «nicht entschließen können, sondern zunächst damit begnügt, kommunistische Kundgebungen und Aufmärsche zu verbieten. Dies dünkt uns ein Anfang, doch scheint es uns zu wenig. Elementen gegenüber, die beabsichtigen, zum äußersten zu schreiten, wäre es unverdiente Langmut, ja Leichtsinn, zu warten, bis Schlimmeres geschehen. Kommunisten aller Schattierungen und Grade befinden sich in Diensten auch des hessischen Staates und wir wissen, daß auch sie nach Kräften versuchen, das Land unter „volksdemokratische“ Gedankengänge zu zwingen. Davor sich und seine Bürger zu schützen, hat das Land Hessen nicht nur das Recht, sondern die Pflicht. Wir wissen nicht, wie weit die im Schoße der Regierung darüber angestellten Gedanken schon gediehen sind, aber wir wissen, daß es an der Zeit, an der hohen Zeit ist! Und deshalb fragen wir: „Wie lange noch ...?"
Feldmarschall Smuts gestorben
Der ehemalige Premierminister der Südafrikanischen Union
Pretoria, 11. September, (dpa). Feldmarschall Smuts ist am Montag in einem Heim bei Pretoria gestorben.
Jan Smuts wurde 1870 im Kapland geboren, er studierte in Holland, England und in Straßburg Rechtswissenschaften, 1898 ernannte ihn Präsident Krüger zum Generalstaatsanwalt für die Transvaal-Republik. Im Kriege mit England hatte er zuletzt den Oberbefehl über die aufständischen Buren in der Kapkolonie. Später wurde er eine Stütze der englischen Herrschaft in Südafrika.
Als der Weltkrieg 1914 ausbrach, warf Smuts zunächst eine Erhebung der Buren nieder. Dann organisierte er die Eroberung von Deutsch-Ostafrika. Den Abschluß des Versailler Friedens unterzeichnete er mit, erließ aber dann eine Protestkundgebung dagegen. Nach dem Tode Bothas wurde er 1919 dessen Nachfolger als Ministerpräsident bis zum Sommer 1924. Später war er wieder Ministerpräsident von 1939 bis 1948.
In den Nachkriegsjahren weilte er wiederholt in Europa, auch in Deutschland, und sprach sich nachdrücklich für eine positive Lösung des deutschen Problems aus.
Bei den südafrikanischen Wahlen 1948 verlor seine Unionspartei die bisherige Mehrheit an die Nationalistenpartei unter Führung von Dr. Malan. Smuts trat daraufhin von der Regierung zurück. Auch bei der jüngst erfolgten Wahl in Südafrika unterlag seine Partei der Nationalistenpartei.
Eine Klippe für das Wahlgeset
Aenderung oder Einspruch?
Wiesbaden, 11. September. (Eigener Bericht.) Wie am Montagnachmittag sowohl aus parlamentarischen als auch aus Regierungskreisen in Wiesbaden verlautete, hat das neue hessische Landtags-Wahlgesetz, das auf der Mittwoch-Vollversammlung des Hessischen Landtags endgültig verabschiedet werden sollte, in seiner derzeitigen Fassung kaum Aussicht, von der amerikanischen Landeskommission genehmigt zu werden. Aehnlich dem württemberg-badischen Gesetz zur Neuwahl des Landtags hat auch der hessische Gesetzentwurf die Frage der Wählbarkeit von Beamten in die gesetzgebende Körperschaft nicht berührt. Die Landeskommission ihrerseits jedoch vertritt den Standpunkt, daß die Nichtwählbarkeit von Beamten in den Landtag unter allen Umständen im Gesetz festgelegt werden muß.
Der Aeltestenrat des Hessischen Landtags wird sich deshalb auf seiner heutigen Sitzung darüber klar werden müssen, ob der Hauptausschuß den Wünschen der amerikanischen Landeskommission folgend noch vor der Mittwoch-Plenarsitzung den Gesetzentwurf entsprechend ändert oder aber die dritte Lesung auf einen späteren Termin verlegt.
Demilitaristerung beendet
F. A. Z. Frankfurt, 11. September. Wie von britischer Seite in Frankfurt mitgeteilt wird, ist Dr. Adenauer am Montagabend von dem stellvertretenden britischen Oberkommissar empfangen worden. Der Bundeskanzler wurde davon unterrichtet, daß die Demilitarisierung in der britischen Zone beendet sei. Das Demontageprogramm werde davon nicht berührt.
Nach dem neuen britischen Beschluß werden vor allem folgende Anlagen nicht mehr zerstört werden: die Hellinge von Blohm & Voß, die Halle des Stahlwalzwerks in Watenstedt-Salzgitter, das Hamburger Trockendock „Elbe 17“ und ein gewisser Teil der Krupp-Werke.
Ergänzend meldet Associated Press: Mit dem Abschluß der Demilitarisierung werden zahlreiche Fabriken ihren Eigentümern für die Friedensproduktion zurückgegeben werden. Vielen Fabrikbesitzern wurde zwar nach der Demontage aller Einrichtungen, die der Rüstung dienten, die Aufnahme der Frieder.. ,'produktion gestattet, doch wurde die Umstellung ihrer Betriebe durch alliierte Kontrollmaßnahmen behindert, die jetzt wegfallen.
Lohnforderungen
F. C. Die Lohnbewegung im Baugewerbe ist durch Schiedsspruch beendet worden. Er sieht eine Erhöhung der durchschnittlichen Stundenlöhne im Baugewerbe um 14 Pfennig vor. Diese verbindlich erklärte Entscheidung umfaßt eine reine Erhöhung der Stundenlöhne um durchschnittlich 6 Pfennig. Sie gewährt darüber hinaus eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8 Pfennig als Ausgleich für die bisher bestandene Schlechtwetterregelung. Bei dem gegenwärtigen Stand der Bauwirtschaft dürfte es nicht leicht sein, von einer Erhöhung der Baukosten Abstand zu nehmen. Dennoch wird die Bauwirtschaft prüfen müssen, ob es möglich ist, durch eine noch weiter getriebene Normung wenigstens einen Teil der Mehrbelastungen aufzufangen.
Bereits dieser Hinweis zeigt, wie schwierig es ist, Lohnerhöhungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Preise für Rohstoffe innerhalb der Betriebe zu verkraften. Diese Feststellung gilt auch für die neuen sich abzeichnenden Lohnbewegungen. Die Metallarbeiter haben ihre Forderungen angemeldet. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft äst ebenfalls auf dem Plan erschienen. Sie fordert einen Umbau des gesamten Gehaltstarifs mit dem Ziel, die Angestelltengehälter zu erhöhen. Der Hinweis auf gestiegene Lebenshaltungskosten ist dabei nur eines von mehreren Argumenten. Die Umstellung des Aktienkapitals einer Reihe von Unternehmungen im Verhältnis 1 :1, Aktienkurssteigerungen an der Börse, Erfolge der Rationalisierung, die Senkung der Generalunkosten durch den besseren Beschäftigungsgrad, die Steuersenkung und der Investitionsaufwand der Unternehmer werden ins Feld geführt, um die Arbeitnehmerforderungen volkswirtschaftlich zu begründen. Die Gegenseite stützt sich unter anderem auf die Berechnungen der Bank deutscher Länder. Nach dem letzten Bericht des Instituts sind die durchschnittlichen Wochenverdienste von Mitte 1948 bis März 1950 um etwa 50 Prozent gestiegen. Die Produktivität der Arbeit liegt immer noch um 15 Prozent unter dem Stand von 1936.
Man wird alle diese Momente sorgfältig abwägen müssen. Man wird dabei vor allem an einer Tatsache nicht vorübergehen können. Die verfügbaren Mittel aus dem Marshallplan haben die Amerikaner von 1,8 Milliarden auf 1,05 Milliarden DM gekürzt. Das gesamte westdeutsche Investitionsprogramm schrumpft damit zusammen. Eine Kreditschöpfung in dem ursprünglich ins Auge gefaßten Sinn ist aber im Zeichen anziehender Preise nicht möglich. Gerade im Interesse der Zunahme der Beschäftigten darf auch weiterhin die Kapitalbildung nicht erdrosselt werden. Kann man im übrigen bei der Diskussion über die Selbstfinanzierung übersehen, daß auch die Aktionäre in den letzten Jahren auf Ausschüttungen von Gewinnen verzichten mußten, um die Eigenfinanzierung zu ermöglichen?
Ist Urabstimmung bei Streiks notwendig?
Vor einer grundsätzlichen Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Frankfurt
Frankfurt, 11. September, (-ch.) Die Frage, ob der Ausrufung eines Streiks nach der derzeitigen Rechtslage eine Urabstimmung aller am Streik beteiligten Arbeitnehmer voranzugehen hat, ist Gegenstand eines Prozesses, der in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht Frankfurt schwebt. Es handelt sich um die Schadensersatzklage des Arbeitgeberverbandes des hessischen Verkehrsgewerbes gegen die Landesgewerkschaft Handel und verwandte Gewerbe aus Anlaß des am 5. April 1949 ausgerufenen hessischen Transportarbeiterstreiks, die in erster Instanz vom Arbeitsgericht Frankfurt abgewiesen wurde. Das Arbeitsgericht hatte die Verpflichtung zu einer Urabstimmung verneint, da diese „weder in den Statuten noch sonstwo“ vorgesehen sei. Im übrigen sei nur in den Betrieben gestreikt worden, in denen eine Mehrheit für den Streik gestimmt habe. Auf den Klagepunkt, daß der Streik der Transportarbeiter gegen die guten Sitten verstoßen habe, weil er unmittelbar vor Beginn der Frankfurter Frühjahrsmesse ausgerufen wurde und es zu verschiedenen Zwischenfällen bei der Behinderung von Arbeitswilligen gekommen war, stellte das Arbeitsgericht fest, daß gewisse Uebergriffe von Streikenden bei derartigen Wirtschaftskämpfen nicht zu vermeiden seien. Die Gewerkschaft könne aber dafür nur verantwortlich gemacht werden, wenn derartige Uebergriffe planmäßig auf ihre Anordnung erfolgten.
In der Verhandlung wurden am vergangenen Freitag zur Klärung dieser Frage Zeugen vernommen. Einer der streikenden Transportarbeiter, der versucht hatte, bei einer Frankfurter Speditionsfirma die Reifen eines Lastwagens zu zerschneiden, erklärte unter Eid, daß er dies aus eigenem Entschluß und nicht auf Weisung der Streikleitung getan habe. Der Geschäftsführer einer anderen Frankfurter Speditionsfirma sagte als Zeuge aus, daß der Gewerkschaftssekretär Fuchs seiner Aufforderung, im Hof der Speditionsfirma eine von den Streikenden errichtete Barrikade entfernen zu lassen, die den Transport von Gütern für die Luftbrücke nach Berlin verhinderte, nicht nachgekommen sei.
Die Verkündung des Urteils, das wegen der gleichartigen Rechtsfragen, die durch die Klage der Arbeitgeberverbände zu dem Streik der Bauarbeiter aufgeworfen worden sind, von grundsätzlicher Bedeutung ist, wurde auf Montag, 18. September, angesetzt.
Bundesbahn mietet Waggons
Bonn, 11. September. (AP.) Die Einnahmen der Bundesbahn sind im Vergleich zum Vorjahr erheblich gestiegen, teilte am Montag das Bundesverkehrsministerium mit. Im Juli lagen die Einnahmen aus dem Reiseverkehr um 21 Prozent über denen des gleichen Zeitraums im Vorjahr. Im Güterverkehr wurde eine Bprozentige Einnahmesteigerung erzielt. Der Güterwagenbestand der Bundesbahn habe sich weiter verschlechtert, so daß Wagen ausländischer Eisenbahnen gemietet werden mußten, um den Herbst- und Ernteverkehr zu bewältigen. Die finanziellen Mittel der Bundesbahn reichten nicht aus, um die erforderlichen Neuanschaffungen an Güterwagen zu machen.
Fardip-Ausschuß arbeitet weiter
Bonn, 11. Sept, (zr.) Der Fardip-Ausschuß. das deutsche Sachverständigen-Gremium für die Entflechtung der IG, hat seine Arbeiten nicht, wie ursprünglich vorgesehen war. am 1. September eingestellt. Der Ausschuß hat den Auftrag erhalten, seinen „Gesamtplan zur Entflechtung der IG-Farben-Industrie AG“ durch Einzelpläne zu ergänzen. Die Einzelpläne sollen Vorschläge für die künftige Gestaltung der verschiedenen Werkseinheiten der IG-Farben enthalten. Bundeskanzler Dr. Adenauer wird in einer der nächsten Sitzungen mit den alliierten Oberkommissaren auf die Vorschläge des Fardip-Ausschusses aufmerksam machen.
Die Aufwertung der Renten
Wie zuverlässig verlautet, ist von Seiten der alliierten Bankenkommission im Einvernehmen mit dem Zentralbankenrat beabsichtigt, eine Versicherungsergänzungsverordnung zu erlassen, in der unter anderem klargestellt werden soll, daß die Rentenversicherungen zwar 10:1 umgestellt sind, daß es aber dem Deutschen Bundestag als dem Währungsgesetzgeber nach Artikel 73, Ziffer 4 des Grundgesetzes überlassen bleibt, diese durch das Währungsgesetz bedingte Härte jederzeit zu ändern.
Nur geringe Umsätze
F.A.Z. An der Frankfurter Börse hielt sich am Montag bei freundlicher Grundstimmung die Geschäftstätigkeit in verhältnismäßig engen Grenzen. Bei nur geringer Abgabeneigung kam es insbesondere am Montan-, Chemie-, Elektro-, Maschinen-, Zellstoff und Bankenmarkt zu Kursverbesserungen von durchschnittlich 0,5 bis einen Punkt. Auch die übrigen Märkte lagen gut behauptet bei nur geringen Kursveränderungen. Kleinere Anlagekäufe führten bei verschiedenen Spezialpapieren zu etwas stärkeren Kursverbesserungen. Auch der Pfandbriefmarkt lag freundlich bei verschiedentlichen Kursverbesserungen bis zu einem achtel Punkt.
Kurz gemeldet
Die USA haben Australien zur Teilnahme an einer geheimen Wollkonferenz ersucht. Es soll ein Höchstpreis für Wolle, die Beseitigung des bisherigen Auktionssystems, die Verteilung der Schurwolle durch Quoten und der Ausschluß der Sowjetunion von der Quotenzuteilung besprochen werden.
Die erste internationale Tabakkonfe¬ renz wurde am Sonntag unter Beteiligung von Delegierten und Beobachtern aus 31 Ländern, darunter auch Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, in Rom eröffnet.
Abschlüsse über 7 bis 8 Millionen skr. erzielten die deutschen Aussteller auf der St.-Eriks-Messe in Stockholm. Großes Interesse fanden Werkzeug- und Textilmaschinen und Leder- und Bijouteriewaren.
Die restlichen Forderungen der rheinland-pfälzischen Waldbesitzer an die JEIA in Höhe von 3 Mill. DM sollen in Kürze beglichen werden. Die Ansprüche aus Holzverkäufen an Wegeschäden usw. sind damit noch nicht restlos erloschen.
Ihren fünfsitzigen Personenwagen wol¬ len die Goliathwerke in Serie nehmen. Das Werk hofft, bis Ende des Jahres monatlich 500 Wagen produzieren zu können.
Die Kölner Messe hatte in den ersten Tagen einen sehr starken Besuch. 2000 Aussteller — besonders aus der Textilbranche — stellen auf 50 000 qm aus. Bisher wurden nur bei Kammgarnen Preissteigerungen festgestellt.
Die dritte Textilverkaufsmesse Hanno¬ ver wurde am Sonntag durch den Ehrenpräsidenten des deutschen Textileinzelhandels, Wilhelm Nägel (Mdß), eröffnet.
Bz Haniel GmbH., Mainz. Durch Gesellschafterbeschluß ist das Stammkapital von 20 000 RM auf 50 000 DM umgestellt worden.
Japan hat einen Zehnjahrespian zur Erhöhung der Reis- und Weizenernte um etwa 20 Millionen Eushel jährlich bekanntgegeben.
Feuilleton
Der Gottsucher
ZUM 10. TODESTAG VON HERMANN STEHRWie aus einem Vulkan ist es aus Hermann Stehr herausgebrochen, sein Werk: Stück für Stück, manchmal in gewaltiger Eruption, manchmal ruhiger fließend, immer aber aus Urgründen einer leidenschaftlichen Gottsucher-Seele stammend, das Innerste, Geheimnisvollste des Menschenschicks^ls enthüllend und als Mahnmal hineingestellt in eine entgötterte Welt des blinden Fortschrittglaubens, des Geldes, der Macht und der Maschine. Von den besten, weltanschaulich verschiedensten Geistern seiner Zeit gepriesen, bewundert, verehrt, steht er dennoch einsam, unnahbar fast, vom Mystischen umwittert als Licht für die gequälte und zerrissene Seele des Menschen.
„Endlich erbrach sich seine Seele“, dieses Wort aus dem „Begrabenen Gott“ ist charakteristisch für den jungen, 1864 als Sattlersohn in Habelschwerdt in Schlesien geborenen Lehrer, der in religiösem Zwiespalt nach wahrhaftem Gottesglauben ringt und als Ketzer und Sozialist verschrien ist. Mit seinen Schulbehörden ist er verfeindet, wird in ein einsames, schlesisches Gebirgsdorf „verbannt“, sogar von der Polizei beschattet, und muß elf Jahre für 67 Mark im Monat 135 Kinder als einziger Lehrer unterrichten. Hier ging es „Auf Leben und Tod“, wie sein erster, in dieser Zeit entstandener Erzählungsband heißt. Es sind dumpfe, grausige Geschichten, aus denen eine unerfüllte Sehnsucht verzweifelt schrie. Von S. Fischer gedruckt und von Gerhart Hauptmann gefördert, sah er jetzt einen Weg aus dem „Gefängnis“ sich öffnen. Aber ein Gericht verurteilte den „gotteslästerlichen und unmoralischen“ jungen Autor zu einer empfindlichen Geldstrafe. Rechnet man die Qual eines sich immer verschlimmernden Nierenleidens und die Erschütterung durch den Tod dreier Kinder hinzu, so hat man die schier übermenschliche Last des Leides, die Stehr zu erdrücken drohte. Plötzlich erfolgte der elementare Ausbruch. 1899 drei Romane: die schöpferische Erlösung vom eigenen Leidensweg „Drei Nächte“ und die beiden Eheromane „Der begrabene Gott“ und „Leonore Griebel“, von denen sich selbst Behörden beeindrucken ließen, indem sie diesem dichtenden Schulmeister günstigere Lebensbedingungen ermöglichten. Märchen, Romane, Novellen, die in den folgenden Jahren entstehen, bewegen sich in der für Stehr eigentümlichen Atmosphäre zwischen Traum und Wirklichkeit, münden aber schließlich alle im „Heiligenhof“, dem Zentralwerk seines ganzen Schaffens. Mit ihm wendete er sich von der „dunklen Gottseite“ früherer Bücher ab, einer „hellen, frohen Gewißheit“ entgegen, daß „im Grunde unserer Seele zwischen dem menschlichen und göttlichen Wesen keine Scheidewand besteht“. Inmitten des Kampfes zweier westfälischer Bauerngeschlechter und einer Fülle kunstvoll verwobener Gestalten, Ereignisse und Wunder bewegt sich gleich einem leuchtendem Symbol das blinde Lenlein, die ihrem Vater, dem Heiligenhofbauer, unbewußt zu der tiefen Erkenntnis bringt, daß das Sehen mit den Augen nur ein Umweg ist zu dem eigentlichen, dem andern Sehen, dem Sehen in und mit der Seele.
Stehr, der die letzten Jahre seines Lebens im Faberhaus in Oberschreiberhau wohnte, geehrt und ausgezeichnet, aber leidgeprüft bis zuletzt, war überzeugt, daß „der tiefste Gehalt eines Menschen nicht von dem Leib und Geiste jener stammt, durch deren Zusammenwirken er ins Leben trat, sondern daß er aus dem geheimnisvollen Urschoß herrührt, aus dem die Sonnen und Monde des Weltalls rollen“. Aus diesem Glauben erwächst seine kosmische Verbundenheit und visionäre Kraft, die späteren Büchern ausgesprochene surrealistische Züge verleiht und ihn tiefer,' als es jemals ein Dichter nach ihm vermocht hätte, in jene unerforschlichen Gebiete der Seele hinabtauchen läßt, wo unser Schicksal wächst. E. W. G.
Die Vögel des Himmels
VON FRIEDL EIDENSDu fragst mich, wie die Stadt aussah, in der wir einmal daheim waren. Vielleicht hätte ich gar nicht hinfahren sollen, im Grunde genommen war sie nicht anders als die meisten Städte heute: zwischen klaffend aufgerissenen Lücken und über leere Plätze, die Ausblicke von ungewohnter großräumiger Schönheit freigaben, dröhnte der Lärm des Aufbaus und quoll das Leben. Ich ließ mich durch die Straßen treiben, ohne Plan und Ziel, dann auf einmal fand ich das Haus wieder, oder vielmehr die Gartenmauer, das Haus war längst in die Erde versunken, das wußte ich ja. Was für ein Haus? sagst du, aber das ist eine Geschichte, die du nicht kennst, und ich will sie dir erzählen.
Wo es gestanden hatte, lagen jetzt Berge von alten Autoreifen, an einem Schuppen hing ein Schild: Büro. Die Mauer brökkelte, ich erinnerte mich, daß sie früher weiß gewesen war, so weiß wie die Blüten der zwei Magnolienbäume, die zu dem Haus gehörten. Diese Magnolienbäume! Es war eine Pracht gewesen, mitten in der Stadt. Jedes Jahr warteten wir darauf, daß sie blühten, selbst nachts schimmerten sie perlmuttern aus dem Dunkel. Man sah sonst nichts von dem Garten, die Mauer war hoch, das Haus lag weit zurück, es hatte sich von den anderen abgesondert, die nüchtern aneinander klebten, ein wenig glich es einem vornehmen Landhaus, und das Ganze: die Mauer, der unsichtbare Garten, das Haus mit den stets verhüllten Fenstern, hatte etwas Abwei-
sendes: bleibt mir vom Leibe! In dem Haus wohnten zwei Schwestern, ältere Fräulein, es war ihnen durch Erbschaft zugefallen, aber es paßte zu ihnen, als wäre es nach Maß geschneidert worden; doch das erfuhr ich erst später, damals schaute ich nur nach den Magnolienbäumen.
Dann geschah, wenige Jahre vor dem Krieg, etwas Merkwürdiges. Die eine Seitenmauer des Hauses war bis unter das Dach mit dichtem Efeu bewachsen; die Decke seiner wuchernden Blätter hatten sich in einem Herbst Hunderte von Staren zum Nachtasyl erkoren. Ich weiß nicht, was mit den Staren los war. Wir hatten milde Winter, und die Vögel, die in Schwärmen aus nördlichen Breiten kamen, zogen es vor, hier zu bleiben, statt weiter nach Süden zu ziehen.
Mit der Pünktlichkeit von Verschwörern versammelten sie sich jeden Nachmittag auf den Dächern der Kirchen, aufgereiht wie eine Schnur schwarzer Perlen hockten sie auf den Firsten und erhoben einen betörenden Lärm, daß wir den Frühling näher glaubten als den Winter. Mit Einbruch der Dunkelheit flogen sie ab und ließen sich in jener Efeuwand nieder. Wir sind oft nachts auf Umwegen dort vorbeigegangen, um das traumverlorene süße Getön zu hören, denn sie schwiegen nicht, auch nachts, und das wurde ihnen zum Verhängnis.
Nach ein paar Wochen erschienen Arbeiter in dem Garten und rissen den Efeu von der Wand, die Wand stand nun nackt und häßlich, nichts blieb als der kurze Stumpf des geschändeten Stammes. Die beiden Damen und — so erklärten sie — auch die Leute in der Nachbarschaft waren durch das Gezwitscher in ihrer Nachtruhe gestört worden, so daß sie dem Uebel buchstäblich an die Wurzel gingen.
Als es dämmerte, kamen die Stare und suchten ihr Quartier. Es war ein ungeheures, ein beinah dämonisches Schauspiel: Wie eine schwärzliche Wolke umkreisten sie immer wieder die Stätte ihrer verlorenen Zuflucht, in Trauben fielen sie auf die Dächer nieder und ihr betuliches Geschwätz wurde zum anklagenden Geschrei. Wir konnten nicht feststellen, wo sie schließlich geblieben sind, später vergaßen wir sie und ihre Not über der eigenen: der Krieg kam. Der Schlaf der Alten wurde jetzt durch die Sirenen und das Bersten der Bomben gestört, dagegen konnten sie nichts tun.
Ich wohnte noch in der Stadt, als der erste Angriff kam; im Westen mußten die Städte früh daran glauben, und als ich im Morgengrauen durch die rauchenden Trümmer der Stadt ging, fand ich das Haus hinter der weißen Mauer niedergebrannt, die Magnolienbäume starrten als verkohlte Gerippe zum Himmel. Die beiden Fräulein saßen zerstört auf dem wenigen Zeug, das sie gerettet hatten, der Aschenregen hatte sie ganz und gar in graue Gespenster verwandelt.
Ein paar Leute waren dabei, ihnen zu helfen, ich legte Hand mit an und zog eine Kiste aus dem Schutt. Als ich sie kippen wollte, öffnete sich der Deckel und etliche Bücher fielen heraus. Gerade vor meinen Füßen lag ein schmaler Band in biegsamem Leder, ich hob ihn auf, es war ein Neues Testament, und wie ich darin blätterte, geriet ich an den zweiundzwanzigsten Vers im achten Kapitel des Römerbriefs: „Denn wir wissen, daß jegliche Kreatur sehnt sich mit uns und ängstigt sich noch immerdar...“
Da fielen mir die Stare ein — und aus der Wolke der Furcht und Trauer, die den Himmel verhüllte, klang das Rauschen ihrer Flügel wie der inbrünstig hoffende Ruf der Schöpfung.
Wir lasen im „Hamburger Echo“:
Ein Heldentenor jubiliert
KAMMERSÄNGER JOACHIM SATTLER 25 JAHRE AUF DER BÜHNE
Dem Künstler aus innerer Berufung wäre es unvorstellbtr, ein Jubiläum andernorts als auf den Brettern, die seine Welt aber auch alle seine schwersten Pflichten bedeuten, zu feiern. Wenn Joachim Sattler, prädestinierter Wagner-Sänger der Bayreuther Festspiele, heute abend als Tannhäuser auf der Bühne unserer Staatsoper steht und des Tages gedenkt, da er lampenflebrig vor 25 Jahren in Darmstadt eine ungeahnt-glänzende Laufbahn durch Europas große Opernhäuser begann, so weiß er sich nicht nur geachtet von zahllosen Künstlerkollegen, sondern ebenso hochgeschätzt von seinem Hamburger Publikum, das ihn seit vielen Jahren verehrt.
Den Herodes der „Salome“ und den Kaiser in „Frau ohne Schatten“ hat Joachim Sattler in Berlin und Wien noch unter Meister Richard Strauß singen dürfen. Aber ebenso selbstverständlich holte ihn noch im letzten Frühjahr Wilhelm Furtwängler, als er zum ersten Male an der berühmten Scala den Ring dirigierte, neben Kirsten Flagstadt nach Mailand. Und nicht einmal Furtwänglers berüchtigt-langsame Zeitmaße — uns am Rundfunkgerät dauerten die Sänger! — konnten Sattler etwas anhaben. Sein makellos-strahlender Tenor feierte auch an der ehrwürdigsten Opernbühne der Welt Triumphe. Was aber spräche deutlicher für die vornehmste Tugend eines Künstlers, die unerbittliche Selbstkritik, die Joachim Sattler auszeichnet, als sein grundehrliches Wort nach dem Abhören der Bandaufnahme: „Ich habe mich Stein und Bein gewundert!“ L. P.
Buch über Dr. Adenauer. Die Herausgabe eines Buch'es über Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer plant der Athenäum-Verlag, Bonn. Verfasser ist der einstige Gründer des Herren-Klubs Berlin, Dr. Walter Schotte. Nähere Einzelheiten über das Buch sind noch nicht bekannt.
„Einmann", ein Schauspiel von Rolf Bongs, wurde von den Städtischen Bühnen in Flensburg zur Uraufführung im November angenommen. Das Flensburger Theater gastiert auch in Dänemark. gr_
Der Käutner-Film „Epilog“ ist bei den Filmfestspielen in Venedig unter großem Beifall uraufgeführt worden. Der Vorführung wohnte die Schauspielerin Bettina Moissi bei, die in dem Film die Rolle einer Stummen spielt. Weitere Hauptdarsteller sind Fritz Kortner und Paul Hörbiger.
DT Film-Forum
Es war der schönste Sommer meinet Lebend !
Selbstverständlich hatten wir auch Käthe Merk gebeten, uns etwas von sich zu erzählen, denn wir wollten ja auch von ihr im Rahmen unseres Film-Forums berichten... und da lief ein so begeisterter Brief ein, daß wir am besten von Käthe Merk erzählen können, indem wir sie selbst sprechen lassen...
„Ich bin in München geboren und habe bei Hans Schlenck studiert. Ich ging als erstes Engagement im Sommer 1936" als jugendliche Liebhaberin an die Thana-Bühne nach Egern am Tegernsee. Es war der schönste Sommer meines Lebens! Ich spielte die Herlacherlies und das Annerl im „Pfarrer von Kirchfeld“ — alles, was : damals in Berlin namhafte Künstler ; waren — seien es Schauspieler, Sänger, ; Schriftsteller, Maler, war den Sommer = über in Egern. Ich hatte also allererstes ; Publikum und war überhaupt selig.“ : Dieser köstliche Schwung, die unbe¬ : kümmert naive Freude am Bühnenleben : hat Käthe Merk nie verlassen, es ist der : innerste Zug ihres Wesens. Und mit = solcher Bühnenbegeisterung hat sie erklärlicherweise ihren Weg gemacht! Im November 1936 ein Gastspiel in Berlin, sie hatte eine sensationelle Presse, man holte sie sofort zum Film, sie bekam eine Hauptrolle in dem Film „Die Leute mit dem Sonnenstich“, und ehe sie sich’s versah, hing sie an Berlin fest, die Leute ihrer Thana-Bühne mußten ohne sie weiterziehen. Nach den Leuten mit dem Sonnenstich kam „Das Schweigen im Walde“, dann „Der laufende Berg“, es kam „Der ewige Quell“, sie stand neben Gustl Stark - G’stettenbauer und Eugen Klöpfer, und dann dann kam der Krieg. Doch auch der Krieg stellte Filmaufgaben: „Das Leben geht weiter“ und „Vielleicht seh’ wir uns wieder“ gaben ihr weitere Gelegenheit, hervorzutreten, sie spielte zwischen ihrer Filmarbeit auch an Berliner Bühnen, so im Kleinen Theater und im Rose-Theater, sie war beim Funk und betätigte sich in der Synchronisation kurz, sie war sehr tätig und machte über¬ all mit großer Liebe und Begeisterung mit.
Seit 1945 hat sie nicht mehr mitgefllmt, da sie einmal eine zeitlang in Bamberg gastiert hat, zum anderen von 1946 bis 1948 krank war. Es muß ihr seltsam vorgekommen sein, nicht auf der Bühne, nicht vor der Kamera stehen zu können, und daß sie sich nach neuer Bühnen- und Filmarbeit sehnt, glauben wir ihr ohne weiteres. Aber das wird sich schon ändern, ihr Temperament besiegt alle Widerstände. Humor hat sie auch, und gerade davon wollen wir doch noch berichten. Es war im Jahre 1938 ....
Damals ist sie, nach ihrem ersten großen Film, auf Hochzeitsreise nach Amerika gefahren, und sie hat sich recht hilflos auf dem Dampfer gefühlt... war doch ihr Englisch alles andere als glänzend, sie stotterte mühsam ein paar Brokken Schulenglisch zusammen. „Mir fiel plötzlich nichts mehr ein, als wären alle englischen Worte in einen tiefen Abgrund gefallen, ich kam mir schrecklich blöd v0r...“ so schildert sie freimütig ihre damalige Situation, ohne sich besser zu machen als sie war. In Neuyork versuchte sie dann, mit ihren armseligen Sprachbrocken sich durchzuhelfen ... mit einem großartigen Erfolg! Sie woUte für ihren Mann Rasiercreme kaufen, wußte aber nicht, wie das Zeug heißt, beschrieb mit unmöglichen Worten dem Verkäufer, was sie wollte, und kam mit einer Tube — Bay-Zahncrem heim, ausgelacht von ihrem Mann. Ganz freimütig erzählt sie das... sie kann über sich selbst lachen, und das ist wohl das allerbeste Lachen!
KÄTHE MERK
(Foto: Edi Sohler)
Ein Kunstwerk aus Plexiglas Foto: Kenner
Wochenend-Männer
EIN LEIDER ZEITGEMÄSSER BEITRAG ZU IHRER BIOLOGIE
Die Treue ist etwas aus der Mode gekommen. Darüber besteht kein Zweifel. Daran sind nicht die Zeiten schuld, daran hat es schon immer etwas gehapert, sieht man von teutonischen Epen einmal ab. Und bei der Treue in der Ehe kommt es nur auf den Maßstab an, den man anlegt und den die Männer benutzen. Bei vielen hat er eine Millimeter-Einstellung — lange, sehr lange. Manche peilen immer grob über den Daumen. Und Frauen erscheint gemeiniglich auch nur jener treue Mann attraktiv, der der eigene ist. Denn wem schon, außer sich selber, traut eine Frau die Fähigkeit zu, einen Mann dreißig Jahre lang zu fesseln?! Ueberdies ist es nicht ganz einfach zu sagen, wann ein Ehemann treulos wurde und wann nicht.
Es kommt auf die Sicht an und — die Einsicht. Epochen, in denen Geborgenheit, Ruhe und gelassenes Verweilen in goldenen Lettern über den Häusern standen, brauchten den Begriff Treue nicht so genau zu untersuchen, wie es in der Gegenwart Scheidungsrichter, sogenannte gute Freundinnen und hämische Anverwandte tun. Als das Verhältnis zwischen den Geschlechtern (das Zahlenverhältnis natürlich) sich ausgewogener gab als in unserem Jahrhundert nach zwei mörderischen Kriegen, waren zumindest die äußeren Bahnen ausgeglichener.
Natürlich gab es auch in anderen Jahrhunderten Leidenschaften, die die Treue zerbrachen. Worüber hätten die Dichter sonst schreiben, womit es zum Ruhme bringen sollen, wenn nicht durch Geschichten, die öffentlich zu diskutieren noch nicht Brauch war, die aber — gedruckt — heimliches Zittern und schwebende Sehnsucht auslösten. Nur traten früher Leidenschaften auch als Leidenschäften auf. Liebe war nicht Zeitvertreib. Ueberbrückender Flirt. Notbehelf. Liebe war Schicksal. Man zerbrach an ihr oder bewegte sie ein Leben lang im Herzen.
Heute liegen die Dinge etwas anders. Und wir wollen ruhig darüber sprechen. Am Komplex des „Wochenend-Mannes" zerbrach die Treue erneut oder läuft Gefahr. daran zu zerbrechen. Was ein „Wochenend-Mann“ ist? Nun, diese „Speeles" zerfällt in drei Typen. Da haben wir zunächst den Soliden, der treu bleiben möchte. Am Sonnabend hastet er in irgendeiner Großstadt zum Bahnhof, die Aktentasche mit dem Rasierzeug unter den Arm geklemmt. Ueber das Gehetztsein seiner Züge breitet sich ein Hauch von Vorfreude. Und seine Hose freut sich auf das Bügeleisen (von Bügelfalte keine Spur mehr), seine Wäsche auf den Waschtrog. Er gehört nämlich zu den Junggesellen wider Willen, deren Familie noch dort wohnt, wohin sie einstmals evakuiert wurde. Früher gab es Trennungszulage. Heute bezahlen die Menschen die Trennung mit bitterem Preis. Irgendwo ist auch der solide „Wochenend-Mann“ in Gefahr. Aus dem Kriege noch kennt er den Ausdruck „Bratkartoffelverhältnis“. Er kennt ihn zumeist nicht nur theoretisch. Einsamsein macht müde. Ein frisches Menschenkind, das die Einsamkeit — wenn auch ganz hannlos — zu tilgen vermöchte, ist leicht gefunden.
Die zweite Art von „Wochenend-Mann“ ist kaum in den Kreisen der Arbeiter und kleinen Angestellten zu finden. Diese Art besitzt zumeist ein Auto, ein florierendes Handwerk, Wovon die pralle Brieftasche oder das Bankkonto zu erzählen weiß. Seine Familie wohnt natürlich am Ort. Und er wohnt mit ihr zusammen, fünf Tage lang. Den sechsten und siebenten Tag der Woche, manchmal auch den fünften schon abends, beginnt seine Geschäftsreise (mit ungeschäftlichem Hintergrund). Er weiß das so raffiniert einzurichten, daß die Ehefrau keinen Verdacht schöpft. Und wüßte sie es, was wäre ihr damit geholfen?
Die dritte Art Sie ist bewußt doppelzüngig. Frau und Kindern widmet sich dieser Typ mit eindringlicher Liebe. Am Wochenende bleibt er immer zu Hause. Aus Prinzip schon um des guten Rufes willen. Nur des Alltags stößt er sich dann und wann an der zu gemütvollen Heimlichkeit des Hauses und sucht sich einen Menschen, bei dem der geringste Teil seines plötzlich ..unverstandenen“ Gefühls abgeladen wird. Wie gesagt, ab und zu nur. Nie am Wochenende. Da empfindet dieser Wochenendmann die häuslichen Idylle als des Lebens höchstes Gut. Wenn das Mädchen, mit dem er dann und wann so seelenvolle Gespräche führt, dem „Unverstandenen“ nur einmal zuschauen könte, wie verständnisvoll er mit seiner Frau bei Pfannkuchen oder Kasseler Rippenspeer (es kommt auf den Geschmack an) alles, Freud und Leid teilt, bliebe ihr mancher Kummer erspart. Gegen Pfannkuchen. Kasseler Rippenspeer und häusliches Glück kommt sie auf die Dauer mit ihrem Vor^tehen-wollen doch nicht an.
Schrecklich und shocking mögen diese Dinge sein. Aber so sind sie. Männer werden sich darüber kaum entsetzen. Dr. Marianne Asbrock.
Darmstadt und Umgebung
Die Toten - eine Mahnung zum Frieden
Darmstädter Gedenkstunde für die Toten des 11. September 1944
.. hundert Darmstädter und Auswärtige, die in der Bombennacht vor sechs Jahren in Darmstadt Familienangehörige verloren hatten, versammelten sich gestern, am 11. Septem! er, um 11 Uhr, auf dem freien Platz vor dem Waldfriedhof zu einer Gedenkstunde. Mitglieder des Magistrats, unter Führung von Oberbürgermeister Metzger, Vertreter der städtischen Behörden, der beiden christlichen Kirchen und eine Abordnung der Städtischen Polizei waren dazu erschienen. Ein Posaunenchor gab der Feier einen musikalisch würdigen Rahmen.
Zuerst ergriff Stadtrat Dr. Holtzmann das Wort. Er erinnerte daran, daß man nach früheren Kriegen der Toten weit draußen auf den Schlachtfeldern gedacht habe. Aber nach diesem Kriege gedenke man, vor allem in Darmstadt, unschuldiger Frauen, Kinder und Greise, die vor den Schrecken des Krieges Schutz gesucht und ihn nicht gefunden hätten. Die Folgerungen, die wir daraus ziehen müßten, sei die Verpflichtung zum Bau neuer Lebensformen. Der Mahnruf der Toten sei: Nicht mitzuhassen, mitzulieben seid ihr da!
Nach einem Choral sprach als Vertreter der evangelischen Kirche Pfarrer Orth über d i Sinn des Todes vom christlichen Standpunkt aus. Der Christ finde Trost im Sterben durch Christus. Ueber den Gräbern jener Streckensnacht stehe das Zeichen des Kreuzes, denn nicht der Tod habe das letzte Wort, sondern Christus. Die Toten mahnten uns an den Frieden.
Kaplan Grimm, als Vertreter der katholischen Kirche, wies darauf hin, daß für den Christen der Tod das Tor zum eigentlichen Leben sei. Die Toten seien uns Mahnung und stellten uns vor die Frage nach einer vielleicht noch dunkleren Zukunft.
Nach den Ansprachen formierte sich aus den Versammelten ein Zug, der den Weg zum Massengrab der Opfer der Bombennacht' des Jahres 1944 nahm und der Kranzniederlegung durch Oberbürgermeister Metzger beiwohnte. Während dieser Zeremonie besuchten pine große Anzahl die Gräber ihrer Angehörigen und schmückten sie mit Blumen und Kränzen. DT
Schwesterndienst ist vielseitig
Das 92. Jahresfest des Darmstädter Elisabethenstifets
In den Jahren zwischen 1946 bis 1950 ist die Zahl der täglich versorgten Kranken des Elisabethenstiftes von 168 auf 260, die der Pflegetage im Jahr von 61 000 auf 90 000 gestiegen. Diese Angaben machte nach der Eröffnungsansprache von Oberkirchenrat Grein der Vorsteher des Stiftes, Pfarrer Knell, am Sonntag beim 92. Jahresfest über den in der Oeffentlichkeit am meisten bekannten Zweig dieser Anstalt der Inneren Mission. Das Anwachsen war nur dadurch möglich, daß trotz größter Schwierigkeiten der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude dank der Hilfe der Freunde des Stiftes aus dem ganzen Hessenland, und dem Ausland, dank auch der Hilfe von Kirche, Stadt und Staat weitergeführt werden konnte.
An 450 Schwestern stehen im Dienste' der Anstalt. Aber der Aufgaben sind so viele, daß die dringende Hoffnung ausgesprochen werden mußte, es möchten noch mehr junge Mädchen sich für den Schwesternberuf entscheiden. Diakonissen des Darmstädter Mutterhauses sind ferner tätig in 90 Gemeindestationen, 43 Kindergärten, je einem Kinderhort, Erziehungsheim und einer Kinderkrippe, zwei Kinderheimen, neun Krankenhäusern und zehn Altersheimen. Neu aufgenommen wird am 1. November die Ausbildung von Lehrtöchtern. Die Glaubürg bei Vilbel ist dem Stift wieder übereignet worden und wird als Fürsorge-Erziehungsheim eingerichtet werden. Für die Fertigstellung der in Darmstadt dringend benötigten „Zuflucht“ stehen Zuwendungen von Staat und Stadt in Aussicht, so daß im nächsten Jahr mit ihrer Neueinrichtung gerechnet werden darf.
Für die segensreiche Tätigkeit des Stiftes sagte Pfarrer Wintermann den Dank der Darmstädter Gesamtgemeinde. Er hob hervor, was die Stadt und ihre Bevölkerung den Schwestern zu danken habe. Pfarrer Rau als Propst für Starkenburg sprach von der diakonischen Aufgabe der Kirche, denn Verkündigen und Dienen gehören zusammen. Von der selbstlosen Liebe handelte auch die Predigt Pfarrer Kehrbergers, Nonnenweier, in der bis auf den letzten Platz gefüllten Pauluskirche. Das gleiche Thema klang ebenso in der Schlußansprache von Pfarrer Przolla an. pd
Stammtischrunde der Linie 8
Die am 8. August 1949 durch Schaffner Schmidt ins Leben gerufene Interessengemeinschaft der Linie 8 der „Heag“ feierte am Samstagabend in der Gaststätte „Zum Bismarck“ in Eberstadt ihr einjähriges Bestehen. Dabei wurde der Stammtisch eingeweiht, für den schöne Standarten mit dem Stadtwappen und der Aufschrift „Linie 8“ gestiftet sind. Die einleitenden Worte sprach der zum Präsidenten gewählte Kontrolleur Scheibel. Er erwähnte die im vergangenen Jahr erlebte Fahrt mit Heag-eigenen Omnibussen nach Rothenburg o. d. Tauber, dem Taunus und ins Rhein- und Nahetal. Er wünschte, daß es in dem kommenden Jahr wieder jedem möglich sein werde, an solchen Fahrten teilzunehmen.
Unter den Klängen des Mondscheinwalzers wurde der Mond aufgezogen und die Tanzfläche freigegeben. Im Verlaufe des Abends ehrte man noch den 72jährigen Pensionär Heinrich Berger (Eberstadt), der über 40 Jahre Dienst gemacht hat.
Was ist eine Wohnung?
Eine Begriffsbestimmung für die Volkszählung
Heute sind auch die letzten Haushaltungen im Besitze der Zählpapiere für die Volkszählung. Soweit sie schon vorher in den Händen der einzelnen waren, wird der Sonntag benutzt worden sein, um sie auszufüllen. Die Haushaltsliste und der Arbeitsstättenbogen werden wohl nirgends Schwierigkeiten bereitet haben. Anders steht es mit dem gelben Wohnungsbogen. Hierzu wäre nochmals zu klären, was unter einer Wohnung zu verstehen ist. Grundsätzlich gilt ein Einfamilienhaus oder ein Bauernhaus nur als eine Wohnung, selbst wenn jetzt mehrere Hauhaltungen (Wohnparteien) darin untergebracht sind. Bei der Wohnungszählung deckt sich im übrigen der Begriff „Wohnung“ nicht mit dem, was das Wohnungsamt unter einer Wohnung versteht. Im Wohnungsbogen wird klar erläutert, daß eine Wohnung folgende Merkmale aufweisen muß: 1. eine bauplanmäßig vorgesehene Küche bzw. Kochnische, 2. einen eigenen Wohnungseingang, das heißt einen Wohnungsabschluß. Ist also innerhalb eines Einfamilienhauses ein Stockwerk als Wohnung mit einer Notküche, aber ohne Abschluß eingerichtet worden, so ist kein selbständiger Wohnungsbogen auszufüllen. Das Gleiche gilt für eine an verschiedene Wohnparteien aufgeteilte Wohnung. Auch in Dachgeschossen auf Grund der Wohnungsnot entstandene Notwohnungen gelten nur als Wohnung, wenn sie einen Abschluß und eine Küche haben. Andernfalls müssen die Mansardenzimmer auf dem Wohnungsbogen der Hauptwohnung aufgeführt werden. Der Begriff „Küche“ oder „Notküche“ setzt voraus, daß sie Wasseranschluß und einen Herd (Feuerungs-, Gas- oder Elektroherd) hat; sonst ist es nur ein Raum, in dem auch gekocht wird, entsprechend der Frage in Spalte 13.
Zum Schluß wird nochmals darauf hingewiesen, daß diejenigen Personen, die bis zum 12. ds. Mts. keine Zählpapiere erhalten haben, verpflichtet sind, dies dem Statistischen Amt, Lagerhausstr. 9, Zimmer 31 (Telefon 941, Apparat 267) zu melden, damit ihm solche umgehend zugesandt werden können.
Mauer rutscht in die Baggergrube
In der Nacht zum Sonntag rutschte die Seitenwand des Verkaufsraumes der Firma Heinrich Schmidt neben dem Weißen Turm in die Baggergrube des neuen Kaufhof-Grundstücks am ehemaligen „Faixe-Eck“. Die Tiefe der Baugrube — es soll ein zweigeschossiger Keller gebaut werden — und der Dauerregen der vorhergehenden Tage hatte die Erde unter dem Fundament gelockert, so daß plötzlich die Wand in einem Stück abrutschte. Die Besitzer der Firma Schmidt mußten am Sonntagmorgen ihre Waren ausräumen. Sie beziehen in den nächsten Tagen in der Nachbarschaft einen Verkaufskiosk, der mit solcher Eile aufgebaut wird, daß Schaufenster und Türe schon vorhanden waren, bevor die Maurer die Hauswände aufgemauert hatten. DT.
Familienausflug von Format
Die Firma Press & Co. in Darmstadt-Eberstadt unternahm am Samstag einen wohlgelungenen Familienausflug. Mit guter Stimmung und Humor ging es mit zwei Autobussen über die alte Bergstraße nach Heppenheim, durch das Kirchhäuser Tal über Marbach nach Erbach und Amorbach. Hier wurde die Besichtigung der Abteikirche durch ein Konzert auf der berühmten Orgel gekrönt. Nach einem vorzüglichen Mittagessen ging es weiter nach Eberbach zum Kuckucksmarkt. Nach längerem Aufenthalt ging die Fahrt den Neckar entlang nach Heidelberg, die Bergstraße zurück bis Heppenheim. Hier zeigte sich bei Humor, Gesang und Tanz das familiäre Verhältnis zwischen Betriebsführung und Belegschaft besonders deutlich. Dieser Betriebsausflug wird jedem Teilnehmer noch lange in dankbarer Erinnerung bleiben. G- 5-
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr Lichtbildervortrag Dr. Ernst Schreyer (USA): „Die amerikanische Kunst der Gegenwart“. Stadthalle: 20.30 Uhr Gastspiel Prof. Roland: Hellsehen, Telepathie, Suggestion.
Wir gratulieren
70 Geburtstag: Herrn Dominikus Bangert, Darmstadt-Eberstadt, Ringstr. 28.
WIE-WIRD-DAS-WETTER
Leicht unbeständig
Am Dienstag zeitweise stärkere Bewölkung und einzelne z. T. gewittrige Schauer. Keine wesentliche Temperaturänderung. Südwestliche Winde. Weitere Aussichten: Wieder zunehmend sonnig.
An der Stadt notiert
Darmstadts Metallarbeiter veranstalten heute um 10 Uhr auf dem Friedensplatz eine große Kundgebung, während der in allen metallverarbeitenden Betrieben die Arbeit ruht. DT
Zum Bad Dfirkheimer Wurstmarkt fuhren am vergangenen Sonntag in einem „Samba - Zug“ der Bundesbahn von Frankfurt und Darmstadt etwa 450 Personen. (Ausführlicher Bericht folgt.)
Das Wohnungsamt Darmstadt bleibt wegen der Volkszählung am Donnerstag, dem 14. September, für den gesamten Publikumsverkehr geschlossen.
Zu handgreiflichen Mietstreitigkeiten kam es gestern nachmittag in einem der Häuser „An der Windmühle“ zwischen einem Elektriker und einem Ofensetzer. Als die herbeigerufene Polizei eingreifen wollte, kühlten sich die Gemüter durch den Anblick der blauen Uniformen wieder ab.
Allen Kioskbesitzern empfiehlt die Kriminalpolizei, in den Abendstunden ihre Warenbestände mit nach Hause zu nehmen. In den letzten Tagen mehren sich nämlich Einbrüche und Diebstähle in Kiosken.
Zn einem Unfall mit leichterem Sach¬ schaden kam es am Montag gegen Mittag als ein auf der Autobahn bei Langen in Richtung Frankfurt fahrender Personenwagen auf einen vor ihm fahrenden amerikanischen Pkw. auf fühl'. Personen kamen nicht zu Schaden.
Leicht verletzt wurde gestern gegen 14.45 Uhr ein Motorradfahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Personenwagen. Der Unfall ereignete sich an der Ecke Feldberg- und Mornewegstraße. Es entstand Sachschaden. wst.
Schwer verletzt wurde, wie erst jetzt bekannt wird, am Samstag ein Arbeiter bei Schuttabladen auf dem Gelände des im Aufbau befindlichen Stadions am Böllenfalltor. Der Verunglückte wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. wst.
Neuer Hessischer Kunstverein
Am 14. September wird Professor Dr. Ernst Sche ye r, der sich zur Zeit in Deutschland aufhält, über „Die Kunst der ersten Siedler in Nordamerika“ sprechen (16.—18. Jahrhundert). Da das Thema ein bei uns noch kaum bekanntes Gebiet behandelt, dürfte der Lichtbildervortrag in der Technischen Hochschule für Mitglieder und Nichtmitglieder von Interesse sein. Durch einen Hund zu einem Unfall kam es am gestrigen Vormittag in der Nieder-Ramstädter Straße, als dieser, nicht angelernt, einem Motorradfahrer in das Rad lief. Der Motorradfahrer kam zu Fall und verletzte sich leicht am Knie und Ellenbogen.
Marktbrunnen wird instandgesetzt
Seit wenigen Tagen umgibt ein Baugerüst den Brunnen auf dem Darmstädter Marktplatz. Der Spezialfirma Ferdinand Mayer, Darmstadt, wurde die schwierige Instandsetzung übertragen. Um das Becken wieder wasserundurchlässig zu machen, soll es mit einer sogenannten Torkretschicht — einer Schicht mit aufgespritztem Beton — ausgekleidet werden. Zur Wiederherstellung der Wasserleitung muß der Obelisk abgenommen werden. Die fehlenden Stücke der Beckenumrandung sollen angefertigt und unter Umständen der gesamte Sandstein gereinigt werden. D. T.
Eine Freireligiöse Feierstunde
Woher kommt und wohin geht der Mensch?
Im Heaghaus veranstaltete am Sonntagmorgen die Freireligiöse Kreisgemeinde Darmstadt eine Morgenfeier, die, wie alle derartigen Feiern, einen erhebenden Verlauf nahm. Der Feierstunde lag das Thema zugrunde: Woher kommt und wohin geht der Mensch? Der Sprecher, Ernst Rotter, zeigte den Menschen zunächst als biologisches Wesen. Als solches bilde es einen Teil der Natur und sei infolgedessen dem Gesetz des Werdens und Vergehens unterworfen.
Der Mensch sei entwicklungsgeschichtlich betrachtet, im organischen Reich aus unbekannter Tiefe heraufgekommen und habe sich an die Spitze alles Lebendigen (gesetzt. In geistig-seelischer Beziehung sei es dem Menschen gegeben, das Zeitliche zu überwinden, denn die innere religiöse Schau führe uns an die Grenze der Ewigkeit. Das religiöse Erleben des Menschen sei ja der Versuch, sich mit dem Weltgrund als der Ursache aller Erscheinungen in Beziehung zu setzen. Die Feier war von musikalischen Darbietungen umrahmt. B.
Tanz um deun großen Preis von Hessen
Wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, fand am Sonntagabend im Concordiasaal das Internationale Tanzturnier um den Großen Preis von Hessen statt. Erschienen waren insgesamt neun Turnierpaare aus sechs westeuropäischen Ländern. Die Gesamtleitung und Organisation des Turniers hatte Tanzlehrer Ewald Bäu 1k e (Darmstadt) übernommen. Den ersten Preis bekam das holländische Tanzpaar Jan W. Molin-Dolly Molin aus den Haag. Das Paar, das in diesem Jahre die holländische Meisterschaft errang, siegte auch im internationalen Turnier in Zürich ....
Auf beiden Seiten der Adelungstraße parkten so viele Wagen, daß Zuspätgekommene keien Platz mehr fanden und ihr Auto in einer anderen Straße abstellen mußten. Man hatte-das Gefühl, von dem Fluidum einer großen Welt umweht zu sein, wurde jedoch merklich befangener, als man den Turniersaal betrat. Das war nicht die Umgebung, in der man ein Turnier von Rang abhalten konnte. Die auserwählte Toilette der Damen, die feierlich befrackten Herren, die grausam nüchternen Wände des Saales, um die Lorbeerbäume gruppiert waren, spiegelten Kontraste wider, die einem ein Gefühl der Unsicherheit verliehen. Zweifellos ist es anzuerkennen, daß es überhaupt geglückt ist, ein solches Turnier, um das sich — wie uns bekannt ist — andere Städte gerissen haben, in Darmstadt zu veranstalten. Man hätte jedoch erwartet, daß der Verpflichtung „international“ eine größere Bedeutung zugemessen worden wäre. Die Nationalflaggen an der Stirnseite der Empore genügten nicht. Wir erinnern uns sehr genau an die merklich schockierten Mienen der Turnierpaare, als sie den Saal betraten. Wer weiß, mit welcher Panne das Turnier geendet wäre, wenn nicht Ewald Bäulke die Fäden in der Hand gehabt hätte...
Nachdem die Turnierpaare alle erschienen waren und Platz genommen
hatten, erklärte Ewald Bäulke nach einer allgemeinen Begrüßung kurz die Durchführungsbestimmungen des Turniers. Als Pflichttänze waren angesetzt: Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Rumba, Quick Stepp. In zwei Wertungsstufen mußte jeder dieser Tänze durchgestanden werden. Wenn ein Tanz von allen getanzt war, hoben die Wertungsrichter eine Tafel, auf der ein Plus oder ein Minus anzeigte, ob das betreffende Paar für die Endrunde in Frage kam oder nicht. Die für die Endrunde auserwählten Paare wurden dann nachdem Tanz mit Noten gewertet. Die Noten gingen vom „Sehr gut“ (1) über „Gut“ (2), „Genügend“ (3) und „Mangelhaft“ (4) bis zum „Ungenügend“ (5). Die von den drei Wertungsrichtern — die getrennt voneinander an der Tanzfläche saßen — verliehenen Noten gaben, addiert, das Endresultat. Für die Wertungen kam es zunächst auf den Gesamteindruc k an — Harmonie in den Figuren, Haltung, Führung und gesellschaftliches Bild —, dem sich die Beurteilung der Technik anschloß. Hier kam es den Wertungsrichtern* vornehmlich auf die Beherrschung der Figuren, der Koordination und die richtige Anwendung der Fußtechnik an. Sodann wurden Rhythmus und musikalisches Empfinden beurteilt,
dem eine Begutachtung über den Stil als Ausdruck des Charakters und des Temperaments folgte. Als Wertungsrichter fungierten: Herr Alois Müller, Zürich, Präsident der Schweizer Tanzlehrerunion; Herr Fred Dieselhorst, Turnieramtsleiter des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer-Verbandes Hannover, und Herr C. W. Raetz, Tanzlehrer in Stuttgart. Die Ergebnisse dieser Herren wurden dann vom obersten Schiedsgericht ausgewertet. Diesem Schiedsgericht gehörten an: Herr Bürgermeister Schröter, Darmstadt, Herr Rechtsanwalt Dr. Kißn er, Darmstadt, Herr Lam a d e, Tanzlehrer in Mannheim, Herr Kästle, Tanzlehrer in Freiburg, und Herr Theo B äul ke, Tanzlehrer in Gießen.
Im großen und ganzen klappte alles vorzüglich. Man war überrascht, daß die Wertungsrichter fast immer zu dem gleichen Ergebnis kamen, wunderte sich jedoch hin und wieder, wenn der eine darauf wartete, bis der andere die schwergewichtige Tafel hob. An sich nach internationalen Regeln nicht erlaubt. Schon Sekunden können einen Wertungsrichter beeinflussen, obgleich man von den verschlossenen, verantwortungsbewußten Gesichtern der drei Männer durchaus den Eindruck hatte, daß sie ihre Entscheidungen individuell und unbeeinflußt gefällt haben. Manches Tanzpaar, manchmal auch das Publikum, war mit den Entscheidungen nicht immer zufrieden, beispielsweise das Paar Nr. 7, das nach dem Tango angeblich wegen „Unpäßlichkeit“ ausgeschieden war.
Leider können wir nicht umhin, der Kapelle zu empfehlen, sich für künftige Tanzturniere besser vorzubereiten. Es macht nicht gerade einen guten Eindruck, wenn ein Tänzer auf die Bühne kommt und den Schlagzeuger wortlos ablöst.
Was wir sahen, waren vollendete Leistungen, die zur Bewunderung zwangen. Nicht nur den Siegerpaaren gilt für der reizenden, unterhaltenden Abend unser Dank, auch den anderen, die im Concordiasaal weniger glücklich disponiert waren, aber bereits früher bewiesen haben, daß sie mit ihrem Können zu den europäischen Spitzenpaaren gehören.
Besonders anzuerkennen ist es — das betonte auch Bürgermeister Schröter bei der Siegerehrung — daß alle Paare aus reinem Idealismus die schwierige Reise nach Darmstadt angetreten haben, ohne mit irgendeiner finanziellen Vergütung rechnen zu können.
Ein erhebender Anblick, — die Vereinten Nationen so leichtfüßig über deutschen Tanzboden schweben zu sehen. HGR Alle Fotos: Schröder
Die Fahrt zur Gartenbauausstellung i Stuttgart, die vom Gartenbauvcrcin e. V. 1825 unternommen worden war, fand so großen Anklang, daß eine zweite Fahrt für Anfang Oktober geplant ist. Nähere Auskunft erteilt der Gartenbauverein, Darmstadt, Gabelsbergerstraße 29.
Dieses Plus — ausgesprochen von dem Schweizer Wertungsrichtdr Alois Müller — galt dem französischen Tanzpaar Germaine Lucien David, das — obgleich weltberühmt — leider keinen ersten Platz belegte.
Muriel Walts aus London, geführt von ihrem Partner Frank South. Sie machten den 2. Preis.
Als es beim Rumba überhaupt nicht klappen wollte, setzte sich Herr Curt Schmid — Turnierpartner Nr. 9 — ans Schlagzeug —, sehr zur Zufriedenheit seiner tanzenden Kollegen.
Das Siegerpaar: Jan W. Molin und Dolin Molin aus Den Haag, das bei jedem Tanz die Herzen der Zuschauer höher schlagen ließ.
STARKENBURG
Von Hornissen überfallen
Ein im Felde pflügender Einwohner aus Messel wurde von einem Schwarm Hornissen überfallen, die ungefähr 200 Meter vom Acker entfernt ihr Nest hatten. Uebel zugerichtet schwebte der Ueberfallene mehrere Tage in Lebensgefahr. es
Fürther Lürgermeisterwahl ungültig
Die im Sommer 1948 vorgenommene Neuwahl des Fürther Bürgermeisters muß auf Grund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes in Kassel wiederholt werden, da bei ihr die gesetzlichen Wahlbestimmungen nicht in ausreichendem Maße beachtet wurden. Vom Landratsamt war damals angeordnet worden, daß jedes Gemeinderatsmitglied entsprechend der Stärke seiner Fraktion mehrere Stimmzettel erhalten sollte. Nach der Wahl in Fürth, bei der der Kandidat Berg vor dem inzwischen verstorbenen Gemeinderat Zeiß die meisten Stimmen erhielt, mußte jedoch das Landratsamt selbst gegen die Wahlpraxis einschreiten, da offenbar verschiedene Gemeinderäte ihre Stimmzettel in sinnwidriger Auslegung der Bestimmungen auf beide Kandidaten verteilt hatten. Die Wahl wurde angefochten und die Aufhebungsklage bis zum Verwaltungsgerichtshof nach Kassel geleitet, der nun als letzte Instanz entschieden hat, daß die Bürgermeisterwahl in Fürth und analog auch die in anderen Gemeinden nach den gleichen Gesichtspunkten vorgenommenen Bürgermeisterwahlen zu wiederholen sind. -r.
Im Straßengraben gelandet
Der Fahrer eines aus Richtung Mainz kommenden Omnibusses sah sich am Montagmorgen gegen 5.50 Uhr auf der Bundesstraße 26 in Höhe der Einmündung der Umgehungsstraße auf der Strecke zwischen Nauheim und Groß-Gerau plötzlich einem die Fahrbahn überquerenden Radfahrer gegenüber, der beim Anblick des Kraftwagens die Geistesgegenwart verlor und im Zickzack auf das Fahrzeug zufuhr. Der Kraftwagenfahrer riß das Steuer seines Fahrzeugs nach links, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Hierbei landete er im Straßengraben, wo das Fahrzeug schwer beschädigt liegenblieb. Personen kamen nicht zu Schaden. -th-
Hungriger Einbrecher?
In der Nacht zum Sonntag wurde in Groß-Gerau bei Wambold im Nauheimer Weg eingebrochen. Der Einbrecher stahl dabei einen Laib Brot, ein Päckchen Tabak, einen Regenmantel, eine Armbanduhr und einen Zwetschenkuchen. Der Zwetschenkuchen sowie der Regenmantel wurde von der Polizei an den Ufern des Stadtgrabens wieder gefunden. Der Einbrecher hatte den Fliegenschutz vom Speisekammerfenster entfernt und war auf diesem Wege in die Küche gelangt. cg
Gefährliche Straßenkrenzung
Am 10. 8. stieß ein Motorradfahrer in der Grieselsbergstraße in Bensheim mit einem amerikanischen Jeep, der die abschüssige Lammertsgasse herunterkam und in die Grieselsbergstraße einbog, zusammen. Hierbei kam der Kradfahrer unter seine Maschine zu liegen und mußte mit Verletzungen in das Bensheimer Hospital eingeliefert werden, während seine auf dem Sozius mitfahrende Ehefrau mit nur leichten Verletzungen davon kam. HB
In Alkohol umgesetzt
Ein Weißbindergeselle, der bei einem Meister in Habitzheim tätig war, entwendete bei seinem Arbeitgeber ein Herrenfahrrad, um es in der Nähe von Groß-Zimmer in einer Gastwirtschaft in Alkohol umzusetzen. Jg.
Mysteriöse Inschrift
Die „geheimnisvollen“ Buchstaben auf der Groß-Gerauer Marktfahne
Auf die vielfältigen Behauptungen hin, daß die Inschrift auf der Groß-Gerauer Marktfahne nicht zu deuten sei sowie sich auf die Veröffentlichung in unserer gestrigen Ausgabe beziehend, in der wir diese Tatsache erneut erwähnten, teilte uns Herr Dipl.-Ing. Oskar Schecker, zur Zeit Darmstadt, Rhönring 129, mit, daß er die Buchstaben DRKMF wie folgt deutet:
„Der Römischen Keyserlichen Majestaet Freyheit“ oder „Die Römisch Keyseriiche Marckt Freyheit“ Geraw 1596. Es wäre interessant festzustellen, ob aus Heimatforscherkreisen gleiche oder ähnliche Deutungen vorliegen. DT
60 Jahre „Konkordia“ Roßdorf
Zahlreiche Sängerehrungen / Liedertag unter Teilnahme auswärtiger Vereine
Die alte Vereinsfahne, reichlicher Grünschmuck und Blumen zierten am Samstagabend den Saal und die Bühne des Gasthauses „Darmstädter Hof“, in dem der Gesangverein Konkordia sein 60jähriges Jubiläum mit einem Festkommers beging. Zahlreiche Ehrengäste, darunter Vertreter der Sport- und Kulturgemeinde, der Bezirksvorsitzende Deneke und die ältere Generation des Jubelvereins waren erschienen.
Nach einem Begrüßungschor, einem Festprolog und mehreren gesanglichen Darbietungen von Gg. Koop (Tenor), Marga Lutz (Sopran) und Kurt Altwein am Flügel (alle Landestheater Darmstadt) gab der Heimatdichter Georg Löffler aus der Vereinschronik eine Schilderung der Verhältnisse, Umwälzungen, Veränderungen und Lebensstürme seit der GründungszeitdesVereins. Damals, so führte Herr Löffler aus, sei Roßdorf geradezu die Hochburg des Gesangs und kultureller Mittelpunkt gewesen. Leider sei das 25- und 40jährige Stiftungsfest infolge der beiden Weltkriege nicht zur Durchführung gekommen. Nach der Würdigung des 90jährigen ehemaligen ersten Dirigenten Fritz Geiß und des jetzigen Chorleiters Rektor Hak e m e r gab der Sprecher aus eigenem Dichterschaffen mit einem Hymnus an das deutsche Lied eine Probe. Im weiteren Programmablauf — seien es die solistischen Darbietungen, die musikalische Umrahmung durch das Salonorchester Sauerwein oder die eindrucksvollen Chorgesänge — gebührt jedem einzelnen ein Sonderlob.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Sängerehrung durch Bezirksvorsitzenden Denecke, der in seiner Ansprache all jenen dankte, die sich auch in schwersten Zeiten um die Fahne des deutschen Liedes geschart haben. Für 40jähriges Sängertum ehrte er die Herren Fornoff, Jäger, Reinfrank und Gunkel und überreichte ihnen die silberne Bundesehrennadel. Anschließend nahm Vereinsvorsitzender Feigk die Ehrung der Jubilare vor. Die goldene Vereinsnadel erhielten die Sangesbrüder mit 50- und 60- jähriger Treue. Für 40jähriges Sängertum erhielten die Mitglieder Plaketten. Mit der silbernen Vereinsnadel wurden alle Mitglieder mit 25 Jahren aktiver Sängerzeit ausgezeichnet. Besondere Ehrung kam dem jetzigen Dirigenten Rektor H a k e - m e r für seine 28jährige Tätigkeit durch Ueberreichung eines Geschenks zu. Liedervorträge der bereits genannten Solisten und Chorgesänge des Vereins füllten die weiteren Stunden des Abends aus.
Am Sonntagnachmittag trafen sich über 700 Sänger des Vereins „Frohsinn“ Arheilgen, Männergesangverein Groß-Zimmern, „Sängerlust“ Arheilgen, Sängervereinigung Seeheim, SKG Traisa, Sängervereinigung Groß-Zimmern, „Sängerlust“ Dieburg, SKG Roßdorf, Doppel-Quartett „Concordia“ Ober-Ramstadt und „Eintracht“ Arheilgen zu einem Liedertag.
Christliche Liebe keine Kentimentalität
Arbeitstagung des Evangelischen Hilfswerks in Gernsheim
Mit einem Gottesdienst in der evangelischen Pfarrkirche in Gernsheim wurde am Montag die diesjährige Arbeitstagung des Evangelischen Hilfswerks der Dekanate Groß-Gerau und Goddelau eröffnet. Im Anschluß daran versammelten sich die etwa 50 Teilnehmer der Tagung, unter denen sich Dekan Fritsch und der Vorsitzende der Dekanatssynode Goddelau befanden, im Gemeindesaal.
Unter dem Thema „Rettet die Heimat der Menschen“ faßte als 1. Redner Dr. Ufflacher die Nöte der zahlreichen Heimatvertriebenen zusammen, die in materieller und seelischer Hinsicht eines der brennenden Probleme im Nachkriegsdeutschland darstellten. „Äußere und innere Heimatlosigkeit ist die offene Wunde unserer Zeit“ sagte Dr. Ufflacher und wies darauf hin, daß die innere Heimatlosigkeit gerade seitens der Kirchen durch das Hineinnehmen der Vertriebenen in die christliche Gemeinde beseitigt werden müsse. Das Evangelische Hilfswerk bezeichnete der Redner als den Weg und die Brücke von Herz zu Herzen. Die diesem Hilfswerk zugrunde liegende christliche Liebe sei keineswegs eine Sentimentalität, sondern der einzige Weg, aus dem heraus ein neuer Anfang kommen könne.
Pfarrer Guyot berichtete über die Arbeit der Evangelischen Baugemeinde und zeigte an einigen Beispielen, wieviel mit gutem Willen auf diesem Gebiet getan werden könne. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellte Pfarrer Guyot die Frage, ob im umgekehrten Fall auch die deutschen Christen in dem Umfang den amerikanischen Glaubensbrüdern geholfen haben würden, wie diese es nach Beendigung des Krieges getan hätten.
Mit der Stellung der christlichen Gemeinschaft zu dem brennenden Problem unserer Tage, der Auseinandersetzung zwischen Ost und West, sowie mit der Haltung der Heimatvertriebenen zur Frage der Rückkehr in ihre einstige Heimat, besdiäftigte sich der Vorsitzende der Internationalen Christlichen Liga, Dr. Horst G. Berenz. Mit den Worten: „Wir leben unter einer merkwürdigen Verwirrung der Geister“ beleuchtete der Redner die gegenwärtige Spannung, in der sich die gesamte Menschheit befinde.
Nach einer kurzen Mittagspause wurde ?l^,Tagung mit einer Besprechung innerhalb der einzelnen Arbeitskreise fortgesetzt. Die Gründung einer Evangelischen Baugemeinde im Bereich des Dekanats wurde als erstrebenswertes Ziel des diesjährigen Treffens des Evangelischen Hilfswerks für die nächste Zukunft in Aussicht gestellt. kr
Am Sonntag wurde als erster Neubau des Deutschen Jugendherbergswerkes nach 1945 die Jugendherberge Erbach feierlich eingeweiht. Unsere Bilder zeigen von links nach rechts: Ministerialrat Heinrich Hassinger, 1. Vorsitzender des Hauptvorstandes des DJH, bei seiner Ansprache. D.ahinter v. 1. n. r. Stadtpfarrer Hahn, Erbach, Oberbürgermeister Dr. h. c. Kolb, Frankfurt, Landrat Karl Neff, Erbach.— Richard Schirrmann (rechts m. Hut), Gründer und Ehrenvorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerkes, erhält von seinem Nachfolger und jetzigen 1. Vorsitzenden des Gesamtvorstandes, Ministerialrat Hassinger die goldene Ehrennadel des Internationalen Jugendherbergsverbandes, die dieser auf seiner letzten Sitzung in London seinem ehemaligen Präsidenten verlieh.—Oberbürgermeister Dr. h. c. Kolb übergibt als Vorsitzender des Hessischen Jugendherbergsverbandes dem Herbergselternpaar, Architekt Kirchner und Frau (Kirchner war Planfertiger und Bauleiter des Hauses) die Schlüssel zur neuen Jugendherberge. — Das erste Tänzchen auf der Terrasse der Jugendherberge drehte der Iglauer Singkreis, der mit Liedern und Volkstänzen die Einweihungsfeier umrahmte. Fotos: (4): Tehad
Gebietsprospekt für Südhessen
Sitzung des Werbeausschusses des Landesverkehrsverbandes Hessen
In Groß-Gerau traf sich gestern der Werbeausschuß im Gebietsausschuß Odenwald, Bergstraße, Neckartal des Landesverkehrsverbandes Hessen zu einer Arbeitssitzung; die wesentliche Aufgabe dieser Zusammenkunft war es, die Grundlagen zur Herausgabe eines Werbeprospektes für das zuständige Gebiet zu schaffen.
Bürgermeister Schwabe, Lindenfels, der Vorsitzende des Werbeausschusses, sagte, daß er kürzlich auf Norderney an einer Tagung teilnahm, bei der er mit Staunen festgestellt habe, wie wenig die landschaftlichen Schönheiten unseres Gebietes bekannt seien. Das sei zweifellos auf mangelnde Propaganda zurückzuführen. Auch Geschäftsführer Dipl.- Volkswirt Rosa vom Landesverkehrsverband stellte fest, daß der hessische Verband volltändig neu anfangen müsse. Der hessische Staat, so führte er weiter aus, habe sich bereit erklärt, für den geplanten Gebietsprospekt einen Zuschuß zu gewähren.
Der Prospekt soll 24 Inhalts- und vier Umschlagsseiten umfassen. Er soll durch eine wirklich gute Ausstattung in der Zahl der anderen Gebietsprospekte auffallen. Man will vermeiden, eine Art Sammelalbum herzustellen und nur wirklich eindrucksvolles Bildmaterial verwenden. Die nördliche Begrenzungslinie des zu erfassenden Gebietes ist ungefähr die Linie Groß-Gerau —Darmstadt. Im Süden soll das Gebiet mit Hirschhorn und Neckarsteinach eine Begrenzung finden. Der Prospekt wird im kommenden Winter erscheinen.
Nachdem Herr Meisel aus Darmstadt, der Geschäftsführer des Gebietsausschusses, einige Kostenvoranschläge für Gebietsprospekte unterbreitet hatte, schätzte man den aufzu wenden den Betrag auf etwa 14 000,— DM, die durch Beträge der interessierten Landkreise, des Gaststätten- und Hotelgewerbes und den Zuschuß des Staates aufgebracht werden sollen. Für die Gemeinden, die in den Prospekt aufgenommen werden, muß je nach Einwohnerzahl und der Zahl der für den Fremdenverkehr zur Verfügung stehenden Betten die Höhe des Betrages ausgerechnet werden. Man einigte sich über die Gemeinden, die für den Prospekt voraussichtlich in Frage kommen. Die einzelnen Maßnahmen für die Beschaffung der Gelder wurden eingeleitet. Weiterhin beschloß man, eine Anzahl Kotenvoranschläge einzuholen.
Hinsichtlich des Verhältnisses zu anderen Verkehrsverbänden wurde festgestellt, daß selbstverständlich die lokale Werbung das Primäre sei. Bürgermeister Schwabe meinte, daß das Bestreben der Bundesbahn, Kilometer zu „schnorren“, den Fremdenverkehr mit der Werbung für ferner gelegene Gebiete aus der engeren Heimat wegziehen würde. Darüber hinaus forderte Bürgermeister Schwabe weitere Werbemaßnahmen, bevor noch der Gebietsprospekt erschienen sei.
Die nächste Sitzung des Werbesausschusses wird voraussichtlich am Donnerstag, dem 26. Oktober, in Erbach i. O. stattfinden. —cg—
Abschluß des Gerauer Herbstmarktes
Jugendkundgebung / Tanzkränzchen der Schüler / Offizielle Schlußfeierlichkeit
Gestern morgen trafen sich Schüle r und Lehrer des Realgymnasiums der Volksschule und Berufsschule auf dem Platz am Groß-Gerauer Wasserturm, um an einer Jugendkundgebung teilzunehmen.
Bürgermeister Dr. Lüdecke sagte in seiner einleitenden Ansprache, daß die Jugend als der zukünftige Träger der Gemeinde rechtzeitig mit in die Heimatveranstaltungen einbezogen werden müsse. Der Handharmonika-Spielring -gab eine Probe seines Könnens und die Volksschule zeigte Volkstänze. Anschließend ließen die Jugendlichen ca. 300 Ballone auf steigen.
Im Realgymnasium fanden sich am Nachmittag 6 Schulklassen zusammen, um bei den Klängen einer Schülerkapelle mehrere frohe Stunden bei Tanz, Kuchen und Bowle zu verbringen. In humorvollen Versen brachte ein Schüler lustige Begebenheiten aus dem Leben der Schule. Es herrschte eine fröhliche und ungezwungene Stimmung.
Kurz nach 18 Uhr verkündete der Bürgermeister neben der von Landsknechten getragenen Marktfahne, daß der formelle Abschluß noch kein wirklicher sein solle, sondern daß Volksbelustigung und Tanz’ noch bis Dienstag abend weitergingen, an dem noch ein Feuerwerk abgebrannt werde. Der Stadtschreiber verlas in seiner alten Tracht die Sieger im Schaufensterwettbewerb: das Blumen-, Obst- und Gemüsegeschäft Heintz gewann den 1. und den 3. Preis. Das zweitschönste Schaufenster war das der Spielwarenhandlung Goosmann. Es folgten die besten „Kukkucksei-Sucher“ (Gegenstände, die nicht in ein Schaufenster hineingehörten). Ein Radioapparat, ein elektrischer Plattenspieler sowie ein Photoapparat waren hierbei die schönsten Preise. cg.
Alfred Kiel nimmt an
In der gestrigen Zwingenberger Stadtratsitzung verlas Beigeordneter Nikkeis einen Brief von Alfred Kiel (Butzbach), in dem jener bekanntgab, daß er die Wahl zum Bürgermeister in Zwingenberg annehnle und die Amtsgeschäfte in Bälde zu übernehmen gedenke. Nickels betonte hierzu, daß Kiel erst von der Aufsichtsbehörde vereidigt werden und — da er Mitläufer gewesen sei — vom Innenminister bestätigt werden müsse. Darauf verlas er ein Antwortschreiben des Landrats auf den Einspruch der sechs Gemeinderäte Zwingenbergs. Das Nichterscheinen der CDU/SPD-Fraktionen wurde begründet durch Nichteinladung des Vorsitzenden der SPD-Fraktion, D e - .eher, der seit 31. August nach Eberstadt verzogen ist. Gegen Ende der Sitzung stellte Stadtrat Mü t z den Antrag, daß die Wahl von Kiel für ungültig erklärt werde, da sie nicht dem Sinne der Bevölkerung entspreche. Ueber den Antrag wurde abgestimmt und von allen sieben anwesenden Stadträten die Wahl des Kiel für ungültig erklärt. Der öffentlichen Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche an. DT.
Kundgebung der Heimatvertriebenen
Sonntag, den 17. September 1950, findet in Dieburg eine Groß-Kundgebung der Heimatvertriebenen statt. Hierbei werden u. a. Bundesminister Dr. Lukäse h e k und der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann zu den Vertriebenen sprechen.
Die Kundgebung findet im Rahmen der alljährlichen Flüchtlingswallfahrt statt und beginnt um 12.30 in der Anlage bei der Wallfahrtskapelle. Vormittags finden für beide Konfessionen Gottesdienste statt.
Was aǔch interessiert:
Seltenes Anglerglück hatte ein Sportangler, der binnen weniger Minuten aus dem Rhein einen neunpfündigen, dann einen elfpfündigen Karpfen fischte. Beglückt zog er nach kurzer Zeit mit 20 Pfund davon. Kr
Zwei Motorradfahrer stießen mit hoher Geschwindigkeit in der Nähe von Klein-Gerau auf einem Radfahrweg zusammen» Während die beiden Fahrer mit geringen Verletzungen davonkamen, entstand an den Maschinen größerer Sachschaden. Kr
Verletzungen an einer Hand erlitt der kaufm. Angestellte F. Vonderschmitt, als er beim Einbiegen auf der Landstraße Groß-Bieberau — Brensbach in der Nähe des Gasthauses „Zum kühlen Grunde“ wegen der Glätte nicht so schnell ausweichen konnte und gegen einen Personenwagen stieß. Er wurde in ein Darmstädter Krankenhaus gebracht.
Ein Lieferwagen rannte auf einen in gleicher Richtung auf der Bundesstraße 44 fahrenden Handwagen. Frau A. aus Biebesheim, die den Handwagen zog, wurde mit Schürfwunden und Rippenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht eg.
600 Sänger und Sängerinnen in Siedelsbrnnn
1. Kreiswertungssingen des Sängerkreises Weschnitztal-Ueberwald
Das am Sonntag in Siedelsbrunn ausgetragene erste Wertungssingen der Sängerkreisgruppe Weschnitztal-Ueberwald stellte, wie vor Beginn bereits feststand, ein gewisses Wagnis dar, da die Vereine, die ja aus Landgemeinden kommen, während des Sommers naturgemäß weniger Uebungsmöglichkeiten hatten als während der kalten Jahreszeit.
Um jedoch eine Grundlage für die kommenden Monate zu haben und den Chorleitern Anhaltspunkte für ihre Tätigkeit zu geben, zugleich aber auch einen Vergleich über den Leistungsstand des Chorgesanges überhaupt zu ziehen, wurde trotz erheblicher Bedenken das Vorhaben durchgeführt.
Rund 600 Sängerinnen und Sänger stellten sich trotz der Ungunst der Witterung den beiden Wertungsrichtern, Chormeister Grimm (Darmstadt) und Musidirektor Bernd Zeeh (Jugenheim). Bewertet wurden Tonreinheit, Rhythmik und Aussprache, während zu den Kritikpunkten Dynamik, Tonbildung, Stimmenausgleich, Vortrag und Chorwahl lediglich Ratschläge erteilt wurden, da hier ja persönliche Gefühlsmomente im Vordergrund des Empfindens stehen. Angesicht der Tatsache, daß der Sängerkreis Weschnitztal-Überwald die geringsten Voraussetzungen zu seiner im Januar d. J. erfolgten Wiedergründung vorfand, können die Leistungen dieses Wertungssinggns als gut bezeichnet werden.
Wie von beiden Wertungsrichtern gelegentlich ihrer mündlichen Kritik — das schriftliche Ergebnis folgt erst nach Auswertung in etwa 10 Tagen — festgestellt wurde, darf ein Teil des Gebotenen als über dem Durchschnitt des früher Gewohnten bezeichnet werden, während ein anderer Teil erheblich unter jenen Grenzen lag. Nur wenige Chöre hatten die Aussprache so weit geschult, daß jegliche Dialektfärbung vermieden blieb. Technisch einwandfrei war vor allem bei den Dirigenten die ausdrucksvolle Leistung von Adam Schmitt (Rimbach und Fahrenbach), dem verschiedene andere Chorleiter nur wenig nachstanden.
Gernsheimer „Bü—rgermeisterwahl“
Gernsheim steht kurz vor der Ernennung eines neuen Bürgermeisters. Noch weiß man nicht, wer nach der Gernsheimer Bürgermeisterkrise den Stuhl des Ortsgewaltigen besetzen soll. Wenn auch die CDU-Fraktion gestern abend eine nichtöffentliche Fraktionssitzung abgehalten hat, ohne den derzeitigen Beigeordneten dazu einzuladen, erklärte Beigeordneter Schneidler, daß ihm weder ein Tagesordnungspunkt „Bürgermeisterwahr* für die Gemeinderatssitzung am 13. September bekannt ist, noch ein Kandidat für den Bürgermeisterposten nominiert wurde. Indessen kursieren in der Stadt Gernsheim die verschiedensten Gerüchte und wenn nicht alles täuscht, ließ man in der CDU-Fraktions-Sitzung am gestrigen Abend kraft der Stimmengewalt in Gernsheim den ersten Stuhl der Gemeindevertreter besetzen. kr.
> Ju^;’’auern umsäumten am Sonntag die Kirchbergstraße in Ben s - ”? ’ ’ aIS ^u^eikistenfahrer über die Rennstrecke fuhren. Im Bilde: Wagen Nr. 10 mit dem spätem Sieger, Walter Büchler, Bensheim Foto: Schermer
Kreiskonferenz der TV
in Groß-Gerau hielt die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Kreisverwaltungsnebenstelle Groß-Gerau, am Wochenende ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Vor den Delegierten der Staatsverwaltung, der Kommunalverwaltung, der Polizei und des Gesundheitswesens und des Wasserstraßenwesens eröffnete Kreisvorsitzender Petri die Versammlung und begrüßte besonders den Sekretär der Kreisverwaltung Darmstadt der ÖTV, Kollegen Anthes, und den Vertreter des Landrats. Kreisinspektor Massoth.
Vorsitzender Petri wies besonders darauf hin. daß die Kreiskonferenz der ÖTV keine repräsentative Veranstaltung sein solle, sondern in erster Linie eine Arbeitstagung. In seinem Tätigkeitsbericht forderte Petri alle auf. mitzuarbeiten, damit auch die gewerkschaftliche Arbeit die nötigen Früchte trage. Anschließend sprach Sekretär A nt h e s in einem Kurzreferat über das Thema „Unsere gewerkschaftliche Arbeit seit 1945“. Ausführlich ging Anthes hierbei auf die Frage des Mitbestimmungsrechts und der Mitverantwortung in der Wirtschaft und Verwaltung ein. Wörtlich sagte er: „Wir müssen mitbestimmen. weil wir von gewissen Unternehmerkreisen nicht noch einmal in einen Krieg gehetzt werden wollen. Aufgabe der Wirtschaft muß es sein, nicht das Geld und persönliche Interessen, sondern den Menschen und seinen wirklichen Bedarf in den Mittelpunkt zu stellen.“ In der Diskussion wurden verschiedene gewerkschaftliche Tagesfragen besprochen. -od
Fast keine Arbeitslosen mehr
in Ober-Schönmattenwag
Bei der letzten Gemeinderatssitzung in Ober-Schönmattenwag gab Bürgermeister Reinig bekannt, daß die Arbeitslosenzahl in der Gemeinde durch Neueinsitellungen bei den Firmen Koch & Co. (Aschbach) und Hessische Hölzerwerke (Waldmichelbach) auf ein verschwindendes Minimum solcher Arbeitskräfte gesunken sei. für die bisher keine Stellen gefunden wurden. Sieben weibliche und eine männliche Arbeitskraft werden von der Gemeinde bei Hegereinigungen beschäftigt, die sich noch über längere Zeit ausdehnen dürften. Der seit dem Vorjahre ernsthaft geplante Bau der neuen Wasserleitung, der bisher an der fehlenden Zusage des Bezirksforstamtes zur Durchführung eines Sonderhiebes in den gemeindeeigenen Waldungen scheiterte. wurde erneut behandelt und dabei beschlossen, eine sehr ergiebige Quelle zur Speisung der Quellenkammer zu verwenden. Die Obergasse wird noch in diesem Monat einen Syenitsteinbelag erhalten und mit Teer abgedeckt werden, -r
Chorkonzert in Waldmichelbach
Mit Lendvais „Gebet“ leitete der Männergesangverein 1843 Braubach am Sonntag in Waldmichelbach sein Chorkonzert ein. Er hatte sich bereits am Vorabend gelegentlich eines rheinischen Abends viele Gönner und Freunde in diesem Odenwald-Dörfchen geschaffen und fand eine aufmerksame Zuhörerschar vor, die dem mit Können und teilweise virtuoser Kraft Gebotenen aufmerksam lauschte. Der unter Leitung von Kreischormeister P. Klein stehende, gut ausgebildete und sehr diszipliniert singende Chor verfügt über einen Gesamtbestand von über 100 Stimmen, die gleichmäßig auf die vier Lagen verteilt sind und das Konzert zu einem Genuß machten. Vor allem Franz Schuberts „Nacht“ und das „Schwesterlein“ von Jüngst entsprachen in ihrer weitausladenden Dynamik dem Stimmmaterial sehr gut und ernteten den Beifall der zahlreichen Zuhörer. Daß man auch um Rhythmik und textliche Gestaltung wußte, bewiesen Wohlgemuths „Im schönsten Wiesengrunde“ und das Jägerlied von Spies. (-r)
Die Magd als Herrin
Nach so viel Regen und Wetterbangnis war die Luft zum Sonntagabend warm und still geworden, und die Aufführung der Oper von Pergolesi „Die Magd als Herrin“ auf der Gartenterrasse des Hauses Veite am Lindenbergweg, Trautheim, konnte sich der Gunst des Himmels freuen. Mit wenig Beiwerk war die Terrasse zum Spiel gerichtet, und die Künstler führten in diesem schlichten und schönen Rahmen die Oper, die auch vielfach auf größeren Bühnen gegeben wird, zu rechtem Erfolge. Lotte Leist-Veite war eine anmutige Magd Serpina, die mit Charme und Klugheit sich zur Gattin des Überto aufschwingt. Wilhelm Keßler lang die Partie des Überto mit aller Komik, die diese Rolle erfordert. Auch Werner Dietrich war als Vespone gut, so daß es ein harmonisches Zusammenspiel der drei Künstler gab, deren Stimmen getragen wurden von der Begleitung von Maria Lutz am Flügel.
Das Spiel strahlte eine beschwingte Heiterkeit aus, die an diesem Gartenabend zu genießen man einem größeren Hörerkreis gewünscht hätte Di.
20 000. Besucher präũmiiert
Am Sonntagnachmittag wurde der 20 000. Besucher der Bergsträsser Werbe- und Verkaufsmesse, Herr Heinz Herold, Bensheim-Auerbach, Neuer Weg 6, von der Messeleitung ausgezeichnet. Er erhielt als Geschenk u. a. ein Radiogerät und eine Flasche Wein. HB
Kirchenpräsident D. Niemöller wird zum Kirchentag in Heppenheim in der Stadthalle am Sonntag, dem 16. September, um 15 Uhr über das Thema: „Kirche und Oeffentlichkeit“ sprechen. hl.
Meldungen aus den Landlcisen
DARMSTADT-LAND
Nieder-Ramstadt. Die Ortsschelle, die seither noch für Bekanntmachungen aller Art Verwendung fand, hat neuen Aushangkästen weichen müssen, die überall an gut sichtbaren Stellen angebracht wurden. Her.
DIEBURG
Georgenhausen. — Am 22. September 1950 wird vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt eine Verhandlung wegen der bestehenden Wahlstreitigkeiten der Wahl 1948 (Gemeindewahl) stattfinden. — Die Gesangsabteilung der Kultur- und Sportgemeinschaft hat als neuen Dirigenten Herm Lautenschläger, Darmstadt, verpflichtet. We.
Groß-Bieberau. Das öffentliche Forum wird am Samstag, 16. 9., 20 Uhr, im Gasthaus „Zum Odenwald“ seine Aussprache über das Thema „Die Stromversorgung von Groß-Bieberau“ fortsetzen. Oberbaurat Berck wird Fragen beantworten, die bei der letzten Aussprache noch unbeantwortet blieben. Anschließend wird der Vorstand neu gewählt. wr
Fränkisch-Crumbach. Vom 29. September bis 2. Oktober findet wieder der traditionelle Micheismarkt statt. Wie in alten Zeiten ist eine Ausstellungs- und Verkaufsmesse damit verbunden. Außerdem wird samstags wieder ein Viehmarkt abgehalten. Ein Motorradrennen, Reitturnier des Reitervereins u. a. m. sind zur weiteren Ausgestaltung vorgesehen.
ERBACH
Sandbach. Da man die Badesaison als abgeschlossen betrachten kann, wird am 15. September der Badebetrieb im Stadion eingestellt. — Das Brause- und Wannenbad in der Schule wird nach wie vor freitags und samstagts der Bevölkerung zugänglich sein. —hm—
Seckmauern. Die Arbeiten zur Instandsetzung der Bundesstraße sind jetzt soweit gediehen, daß mit dem Auflegen der Teerdecke begonnen wurde. —hm—
Hainstadt. Noch in diesem Monat wird der gemeindeeigene Neubau bezugsfertig. Fünf Familien sollen darin Wohnung finden. —hm—
BERGSTRASSE
Bensheim. Die Auszahlung der Unterstützungen für den Monat September erfolgt für Bensheim-Mitte, Schönberg und Zell am Donnerstag, 14. September, vormittags von 8 bis 12 Uhr in der Stadtkasse Bensheim; für Bensheim-Auerbach am Donnerstag, 14. September, nachmittags von 14 bis 16.30 Uhr im ehemaligen Auerbacher Rathaus. Am 14. September bleibt die Stadtkasse für den übrigen Publikum-verkehr geschlossen. Bensheim. Zum Winzerfest wurde in der Schwanheimer Straße das neue Cafe und Speiserestaurant Schneider eröffnet. Somit hat nun auch das westlich der Bahnlinie gelegene Stadtviertel sein eigenes Cafd und Speisehaus. HB
Bensheim-Auerbach. Am Mittwoch, um 20.30 Uhr, findet im Gasthaus „Zum Fürstenlager“ (Schanz) wieder eine Monats-
Versammlung des Roten Kreuzes statt. HB Zwingenberg. Am Donnerstag findet nachmittags von 14 bis 15 Uhr im Rathaus eine Mütterberatungsstunde statt. HB
Heppenheim. Am Dienstag finden in der amerikanischen Lesehalle wieder zwei Filmstunden für Kinder und Jugendliche statt. Es werden die Filme „ Eskimo-Jäger“ und „Sand und Feuer“ gezeigt. Am Donnerstagabend, um 20 Uhr, spricht der Maler Roland über das Thema: „Die Kunst der Chimu-Indianer“ (Lichtbildervortrag). HB
Hirschhorn. Ab 10. September ist der gesamte Schiffsverkehr auf dem Neckar auf die Dauer von acht Tagen gesperrt, da dringend erforderliche Arbeiten an verschiedenen Schleusen ausgeführt werden müssen. U. a. erhält die Schleuse in Neckarsteinach ein neues Tor, das in wochenlanger Arbeit in Hirschhorn fertiggestellt wurde. WL
Unter-Schönmattenwag. Für die Frauen und Mädchen soll bei genügender Beteiligung ab Anfang Oktober ein Kurs in Nähen, Bügeln, Zuschneiden und Handarbeit begonnen werden. Anmeldungen erwartet die Bürgermeisterei bis 10. September. -r.
Gras-Ellenbach. Die Ortsgruppe des-Odenwald-Clubs unternimmt am 1. Oktober eine Omnibusfahrt in die Rheinpfalz. -r.
GROSS-GERAU
Gernsheim. Der erste diesjährige Flug der Jungtauben des Brieftaubenklubs Hessentreue, die eine 115 Kilometer lange Strecke von Schäbisch Hall zurücklegen sollten, wurde durch die Schlechtwetterlage ungünstig beeinflußt. Nur wenige Tiere erreichten ihren heimatlichen Schlag. kr.
Nauheim. Die Bachreinigungsarbeiten sind so gut wie abgeschlossen und das Wasser des Schwarzbaches fließt jetzt, nach der Reinigung, bedeutend besser ab. Leider ist der gesamte Fischbestand durch chemische Abwässer vollkommen vernichtet worden. -au-
Leeheim. Durch das Residence Office Groß - Gerau sollen monatlich einmal an der hiesigen Volksschule amerikanische Kultur- und Lehrfilme gezeigt werden.
Erfelden. Der Gemeinderat hat der Sport- und Kulturgemeinde zum Ausbau der Turnhalle 1000,— DM zugesprochen. Für den weiteren Umbau wird die Gemeinde die Bürgschaft übernehmen. Weiterhin wurden der hiesigen Volksschule 500,— DM zur Anschaffung von Einrichtungsgegenständen für den Kochunterricht bewilligt. Kb.
Heimatsport
Guter Start in den Fußhball-Kreisklassen
A-Klasse Darmstadt
Mit frischem Wind in vollen Segeln standen sich teilweise bekannte und auch unbekannte Gegner’ gegenüber. Erst allmählich lernt man sich wieder kennen, denn ziemlich junges Blut wurde fast in allen Vereinen zugeführt. Dies war vielleicht der Grund, daß schon am ersten Sonntag einige Ueberraschungen zustande kamen. Ganz besonders mußten die beiden Neulinge die Atmosphäre der
A-Klasse spüren. In Bicktenbach verlief 90 Minuten ein spannendes Spiel, das aber an Schönheiten zu wünschen übrig ließ. Erst als Seeheim nach dem Seitenwechsel groß aufspielte und durch Heß den Ausgleich erzielte, spielten die Bickenbacher ihren Fußball und konnten durch Tore von Rebenisch und Aßmus den Endsieg mit 4:2 sicherstellen.
Der zweite Neuling Hahn wurde in Alsbach schwer überfahren und unterlag in einem stets fairen Spiel etwas hoch mit 8:0. Dracker, Dentler, K. Schäfer und Spengler Walter schossen die Tore. . Zur Feier ihrer Sportplatz-Einweihung in Nieder-Ramstadt besiegte die neu formierte Elf ihren Gegner Erzhausen mit 3:2. Wenn auch Nieder-Ramstadt bis zur Pause mit 2:0 in Führung lag, so brachten es die Unterlieger doch fertig, gleich zu ziehen. Erst gegn Schluß war es Mager, der den Sieg sicherstellen konnte. Poschmann schoß die beiden anderen
Tore. .... SSG Langen hatte etwas leichteres Spiel gegen TuS Griesheim und besiegte sie klar und deutlich 6:1. Die ebenfalls wesentlich veränderte Elf der SSG wird diesmal mehr von sich hören lassen als im letzten Jahr. Hingegen muß TuS Griesheim alle Register ziehen ihre Abwanderungen durch Ehrgeiz und Einsatz zu ersetzen und bestehen zu können. Die Torschützen waren Herold, Schrei-
ber und Malchus. TSG 46 Darmstadt verlor schon am Vormittag in Weiterstadt unerwartet hoch 5 1 Der Gast, noch nicht recht zusammengespielt, lag bis zur Pause 3:1 im Rückstand und konnte auch nach dem Wechsel nicht zum Zuge kommen. Weiterstadt war noch zweimal erfolgreich. Schuchmann, Hardt und Körner schossen die Toie. Tbarmctarlt
B-Klasse Darmstadt
von den vier angesetzten Spielen die-SJ Klasse mußte das in Rohrbach anwegen Regens ausfallen. gTn dem Spiel Traisa gegen Union Darmstadt kamen die Platzbesitzer zu JL lang ersehnten Sieg. Trotz Fuhemem lang er Halb_ Hing der Crdbie . zeit gelang es Traisa doch noch, zwei schöne Treffen zu landen.
Jugenheim bewies wieder einmal sein Können und schlug die Nieder-Beerbacher glatt mit 3:0. Die Gäste kamen an der starken Hintermannschaft nicht vorbei, so daß ihnen der verdiente Ehrentreffer versagt blieb. Böhm, Emmerich und W. Langhans schossen die Tore.
Im interessantesten Spiel in Eschollbrücken gelang es dem Neuling SC Griesheim, beide Punkte zu holen. Eschollbrücken, etwas vom Pech verfolgt, konnte wohl lange dem Druck der Gäste standhalten, unterlag aber zum Schluß knapp 0:1.
A-Klasse Groß-Gerau
Dornheim — Wolfskehlen 0:2 Raunheim 07 — Klein-Gerau 1:1 Astheim — Ginsheim 1:2 Gustavsburg — Büttelborn 0:2 Stockstadt — Biebesheim 7:2 Gernsheim — KSV Walldorf 2:0
Das Lokalderby Dornheim gegen Wolfskehlen zog zahlreiche Zuschauer an, die ein flottes Spiel zu sehen bekamen. Bereits nach 12 Minuten hieß es durch Gebhardt 2:0 für Wolfskehlen, dem schon in der 14. Minute ein drittes Tor folgte, das aber wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Pausenlos griff die junge Elf von Wolfskehlen das gegnerische Tor an, ohne aber noch zu einem weiteren Erfolg zu kommen.
Trotz Ersatz brachte es Klein-Gerau in Raunheim zu einem Unentschieden. Schon in der 24. Minute gingen die Gäste durch Schamber in Führung. Erst 10 Minuten vor Schluß konnte Raunheim« Halbrechter ausgleichen. Klein-Geraus Mittelstürmer vergab noch in der letzten Minute eine einwandfreie Torchance, indem er freistehend über das leere Tor schoß.
Hart und verbissen mußte Ginsheim gegen den Neuling Astheim kämpfen, um zu einem Siege zu kommen. Erst kurz vor Schluß konnte Ginsheims Rechtsaußen das siegbringende Tor schießen. — Wesentlich leichter hatte es Stockstadt auf eigenem Platz gegen Biebesheim. Obwohl die Stockstädter Elf sieben Tore schoß, mußte sie zwei Gegentreffer der sich tapfer wehrenden Biebesheimer entgegennehmen.
Büttelborn konnte dank seiner guten Hintermannschaft von Gustavsburg zwei wertvolle Punkte mit nach Hause nehmen. Besonderes Lob gebührt dem Büttelborner Torwart, der manch gefährliche Situation zu meistem wußte. Gernsheim konnte am Sonntagmorgen, durch zwei herrliche Tore seines Mittelstürmers, gegen die ersatzgeschwächten Walldörfer, beide Punkte zu Hause behalten. Trotz einiger Gegenangriffe war es den Gästen nicht vergönnt, das Anschlußtor zu schießen. -od-
Kreisklasse Bergstraße
Mörlenbach — Waldmichelbach 5:3 Affolterbach — Fehlheim 5:3 Aschbach — Weiher 5:3 Auerbach — FC Fürth 0:3 Einhausen — Lampertheim 2:3 Lindenfels — Reichenbach 3:7 Mörlenbach — Waldmichelbach 5:3 (0:2)
So verschieden wie die Halbzeitergebnisse, so verschieden war auch tatsächlich das Spielgeschehen an der Weschnitz: In der ersten Hälfte ein verspielter Mörlenbacher Sturm, bis der zündende Funke in Mörlenbachs Angriffsreihe fuhr und sie die Gästedeckung sprichwörtlich aufrollte.
Affolterbach trat mit Ersatz für Bickel und Söhnchen an, nahm jedoch nach dem Führungstreffer der Gäste durch Lambert (11. Minute) das Heft in die Hand, setzte drei Minuten später den Ausgleich dagegen. Nach Wiederbeginn machte sich das mangelnde Stehvermögen der Gäste stärker bemerkbar.
Der Neuling Weiher zeigte sich in Aschbach von seiner besten Seite, wußte zu spielen und zu schießen und schlug meist gerade dann zu, wenn man es nicht erwartete. Mit 10 Mann konnten die Gastgeber erst kurz vor Schluß den Sieg sicherstellen.
Der B-Kreismeister FC Fürth zeigte in Auerbach ein prächtiges Fußballspiel und bestimmte von der ersten Minute an das Geschehen, um schließlich mit 3:0 sicher zu gewinnen.
Die Überraschung des Sonntags war die Niederlage des vorjährigen Riedmeisters Einhausen gegen den Aufsteiger Lampertheim. Sie geht allerdings durchaus in Ordnung, da Einhausen erst bei der Neubildung einer ersten Mannschaft angelangt ist.
Die Überraschung nach der 3:2-Führung der Lindenfelser bei Seitenwechsel war aber ebenso unerwartet wie die Tatsache, daß die Gäste sich gleich noch fünfmal in die Torschützenliste eintrugen.
Die Fußball-B-Klasse Gruppe Ried begann am Sonntag mit ihren Verbandsspielen. Das Treffen Nordheim— Beedenkirchen mußte ausfallen. Die übrigen Begegnungen endeten:
Gadernheim — Hambach 2:8 Schönberg — Riedrode 1:2 Elmshausen — Hüttenfeld 1:1 ni
Handball Kreisklasse Bergstraße
TVg Lorsch —TV Heppenheim 11:22 SV Kirschhausen —SV Erbach 15:3 SKG Zwingenb. — TV Einhausen 8:6 SKG Zell — TSV Auerbach 13:12
Die Heppenheimer hatten in Lorsch wenig Widerstand zu überwinden und distanzierten den Gastgeber deutlich. Bei Seitenwechsel stand die Partie trotz Fehlens von Dom im Sturm für die Gäste bereits 3:10.
Ein weiteres klares Ergebnis gab es in Kirschhausen, auf dessen neuem Platz man eigentlich nur die Einheimischen spielen sah. Sie führten beim Halbzeitpfiff bereits 7:0 und wußten sich, als der Gastgeber nach dem Wechsel stärker wurde, auch dann deutlich zu behaupten. Zwingenberg überraschte die Fachkenner mit einem knappen Sieg über die stärker eingeschätzten Einhausener, bei denen es vor allem am mannschaftlichen Verständnis fehlte.
Das 'Bensheimer Vororttreffen wurde nur mit einem Tor Unterschied zu Gunsten der Platzherren entschieden. Die B-Klasse-Elf von Zell demonstrierte einen erbitterten Erfolgshandball, dem sich Auerbach, obwohl noch bei Seitenwechsel mit einem Tor führend, schließlich beugen mußte. ni
Willibald Kreß wieder in Pfungstadt
Nachdem der vor ungefähr drei Wochen angesetzte Uebungsleiter-Lehrgang unter der Führung des Altinternationalen Willibald Kreß ins Wasser gefallen war, gelang es dem Verband, dieser Tage einen Lehrgang in Pfungstadt zu starten. Neben theoretischem Unterricht und Aufzeichnungen an der Tafel nimmt das Praktische auf dem Sportplatz viel Zeit in Anspruch. Der Kreis Darmstadt ist mit neun Teilnehmern vertreten, während nur einer aus dem Kreis Erbach erschienen ist. Es ist bedauerlich, daß die Vereine ihre Leute aus unbegreiflichen Gründen zurückhalten.
Schulsport im Kreis Groß-Gerau
Am Samstag stand Büttelborn im Zeichen des Schulsports. Von 14 Gemeinden des Kreises Groß-Gerau waren jeweils die zwei besten Schüler und Schülerinnen eines jeden Jahrgangs vertreten. Trotz des regnerischen Wetters fanden sich zirka 280 Kinder auf dem Büttelborner Sportplatz zu den Ausscheidungskämpfen im Dreikampf ein.
Die Veranstaltung, die unter Leitung des Lehrers Scheufle, Büttelborn, stand, wurde um 9.00 Uhr durch Schulrat Schwedes eröffnet.
Anschließend an die Dreikämpfe fanden die Endspiele im Völkerball und Fußball statt. Schon wochenlang wurden Spiele ausgetragen, um jeweils die beiden Endspielteilnehmer zu ermitteln.
Im Endspiel um den Schülervölkerball standen sich die Mädchen von Trebur und Groß-Gerau gegenüber, das die Treburer nach einem spannenden Kampf mit 2:1 für sich entschieden.
Kreismeister im Schulfußball wurden die Walldörfer Jungens, die den Nauheimern mit 2:1 das Nachsehen gaben.
Die beiden Siegermannschaften erhielten je einen Ball. Bei den Dreikämpfen wurde jeweils der 1. Sieger eines jeden Jahrgangs mit einem Buch ausgezeichnet. Nachstehend die Sieger der einzelnen Jahrgänge.
Mädchen: Jahrgang 1935: Margot Haderecker, Walldorf; 1936: Anita Klinger, Büttelborn; 1937: Elfriede Martin, Mörfelden; 1938: Elisabeth Göttmann, Dornheim; 1939: Mathilde Reinheimer, Klein-Gerau.
Jungen: Jahrgang 1935: Helmut Kramer, Büttelborn; 1936: Hans Schilling, Büttelborn; 1937: Georg Schaffner, Dornheim; 1938: Helmut Schwarz, Büttelborn; 1939: Herbert Raiß, Büttelborn. -dd-
Boxen
BVG Erbach/Michelstadt—BC Egelsbach
In der städtischen Festhalle in Erbach standen sich am Samstagabend die Box-Vereinigung Erbach/Michelstadt und der Box-Club Egelsbach zu einem Vergleichskampf gegenüber.
Im einleitenden Jugend-Federgewicht lieferten sich Karl Berlieb (E/M.) und Müller (E.) einen spannenden Kampf, den der Odenwälder in der Gesamtwertung für sich entscheiden konnte.
Gut angesetzte Eins-zwei-Schläge brachten im Jugend - Leichtgewicht Hans Berlieb (E/M.) einen Erfolg nach Punkten über Benz (E.)
Das Senioren-Leichtgewichts-Treffen ging an Stroh (Egelsbach), der seinen körperlich überlegenen Gegner Benzig (E/M.) bereits in der ersten Runde für die Zeit auf die Bretter schickte.
Wolf (E/M.) und Geiß (E.) kreuzten in der zweiten Leichtgewichts-Paarung die Handschuhe. Wolf verlor nach Punkten. Die Welter-Gewichts-Begegnung fand nach 20 Sekunden durch einen Blitz-k. o. durch Nicklaus (E/M.) über Karl Müller (E.) ein vorzeitiges Ende.
In der gleichen Gewichtsklasse erzielte Heilos (E/M.) bereits in der ersten Runde einen K. 0.-Sieg über Streck (E.)
Die Halbschwergewichts-Paarung, in der sich Schreitweis (E.) und Sarodnik (E/M.) gegenüberstanden, endete unentschieden. *
TEOC-Junioren siegreich
Bei einem Freundschaftsspiel gegen den Tennis-Club Bad Soden konnten die TEC-Junioren einen 14:7-Sieg erringen. Wittmann verlor unter seiner gewohnten ioim spielend gegen Reiser überraschend glatt 6:0, 6:1. Schöpf, Karsten, Eisele und Frl. Oechler verloren ihre Einzel knapp, wogegen Müller, Jayme, Geiß, Wittich und die Juniorinnen Jayme, Geiß und Müller-Donges gewinnen konnten. In den Doppelspielen war die Ueberlegenheit der Darmstädter noch größer. Wittmann /Müller, Schöpf/Wittich und Jayme,Geiß blieben siegreich, nur das 4. Doppel Karsten/ Eisele mußte sich geschlagen bekennen. Bis auf Frl. Oechler/Wittmann konnten auch alle ihr Mixed gewinnen. Das einzige Damendoppel gewannen Frl. Jayme/Geiß knapp 8:6, 6:4 und verbesserten so das Endergebnis auf 14:7. -gw-
Der Sport
Erstes Reit- und Fahrturnier in Babenhausen
A. Schmitt, Seligenstadt (Hess. Landesstüt) gewinnt den Ehrenpreis des„DT“
Auf dem herrlich gelegenen Sportplatzgelände des SV „Germania“ 1912, dort, wo Sonntag für Sonntag um die Punkte im Fuß- und Handball gestritten wird, hielt der Reit- und Fahrverein „ Vorder-Odenwald“, Sitz Babenhausen, am Samstag und gestern sein erstes Reit- und Fahrturnier ab. Sehr zahlreich waren die Meldungen der umliegenden Reitervereine, die am Samstagmorgen im Landmarsch aus allen Richtungen nach der alten Reitergarnisonstadt strömten. So sah man Reiter und Fahrer aus Reinheim, Dieburg, Lengfeld, Dudenhofen, Groß-Ostheim, Seligenstadt, Spachbrücken, Aschaffenburg, Groß-Zimmern, Harreshausen, Sickenhofen, Roßdorf, Darmstadt, aus Frankfurt kam das bekannte Shetlandpony-Gestüt Klos, Körner Haunau mit Kleintieren u. a. mehr mit ihrem schmucken Reitdreß auf schönen Pferden, um sich im ehrlichen Kampf um die Siegerschleife ein Stelldichein zu geben. Die Veranstaltung stand unter der Leitung des Ehrenmitgliedes Gustav Mitzlaff und 1. Vorsitzenden August Bludau und einem Richter- und Mitarbeiterstab von Experten und alten Füchsen.
Das Turnier zeigte wieder einmal mehr den hohen Stand der ländlichen Reiter, die von dem ehrlichen Gedanken beseelt sind, stets ihr Bestes zu geben und dem nach dem Zusammenbruch schwer daniederliegenden ländlichen Reitsport einen neuen Auftrieb zu verleihen. — Bei den Vorprüfungen am Samstag waren trotz des einsetzenden Regens über 300 Pferdeliebhaber und Zuschauer erschienen. Ihnen allen wurden gute Leistungen in eilen Prüfungen geboten. — Der Sonntagmorgen sah regnerisch für die Hauptprüfungen am Nachmittag aus, aber zum Reiterumzug zur Mittagszeit lachte die Sonne verschmitzt hinter den grauen Wolken hervor. Besonderes Interesse fanden nun die sich daran anschließenden Hauptprüfungen in vier Dressurprüfungen und drei Jagdspringen.
Den Abteilungswettkampf der ländlichen Reitervereine errang der Reit- und Fahrverein „Vorder- Odenwald“, Sitz Babenhausen, mit den Reitern E. Herrmann, Gg. Richter, E. Dummer und W. Horst und der Bewertungsquote 1, 8 2. Otzberg I und Lengfeld mit 1, 8 (durch Los entschieden); 3. Reinheim (Bewertungsquote 2,1); 4. Seligenstadt, Note 2,8; 5. Groß-Zimmern (Bewertungsnote 2,9); 6. Otzberg II Note 3,8; und 2000 Zuschauer klatschten lebhaften Beifall für die Sieger. Die einzigartigen Leistungen beim Ponyrennen, um die zwei Stunden gestritten und in Babenhausen erstmalig gezeigt wurden, sahen als Sieger H. Kling, Groß-Karben, vor R. Kötter, Groß-Karben, und W. Diehl, Schaafheim.
Ergebnisse
Eignungsprüfung für Wagenpferde, Pony und Kleinpferde:
1. Preis Besitzer Prinz Reuß, Weiherhof, Fahrer Prinz Reuß mit Linda. 2. Preis Besitzer Karl Kloos, Frankfurt, Fahrer Besitzer mit Lotte. 1. Preis Kleinpferde, Besitzer F. Körner, Hahnau, Fahrer Besitzer mit Tatra 2. Preis Kleinpferde, Besitzer F. Körner, Hahnau, Fahrerin Frau O. Körner mit Fiffl.
Eignungsprüfung für Wagenpferde Einspänner (Warmblut):
1. Preis, Besitzer O. Lutz Lengfeld, Fahrer Hein. Eidenmüller Lengfeld mit Juno. 2. Preis, Besitzer H. Heil, Habitzheim, Fahrer Hans Heil, Habitzheim, mit Heidi.
Jagdspringen Klasse A für Neulinge:
1. Preis, Besitzer A. Neubauer, Seligenstadt, Reiter J. Neubauer, Wertzahl 1, mit Lotte. 2. Preis, Besitzer K. Voltz, Richen, Reiter Besitzer, Wertzahl 2,2, mit Hans.
Klasse A für Neulinge — Ehrenpreis des Landrates:
1. Preis, Besitzer O. Knöll, Überau, Reiter M. Gaugger, Reinheim, mit Mausi, Wertzahl 0,7. 2. Preis, Besitzer W. Schuhmann, Reinheim, Reiter Gg. Schuhmann, mit Hilde, Wertzahl 0,8.
Eignungsprüfung für Reitpferde Kl. A (o. M. Kat. B). Ehrenpreis der Molkereigenossenschaft Babenhausen:
1. Preis, Besitzer R. Westermacher, Lindheim, Reiter A. Schmitt, Seligenstadt, auf Jupiter. 2. Preis, Besitzer G. Vierling, Darmstadt, Reiter K. Vierling, Darmstadt, auf Hexe.
Jagdspringen KI. A für Fortgeschrittene, Ehrenpreis der Stadt Babenhausen:
1. Preis, Besitzer K. Gg. Bundschuh, Lengfeld, Reiter Gg. Breitwieser, Lengfeld, auf Clivia. 2. Preis, Besitzer K. Voltz, Richen, Reiter Besitzer auf Hans.
Abteilungswettkampf für ländl. Reitervereine, Hessischer Staatsehrenpreis des Ministers Wagner (Arbeit, Land-
Wirtschaft und Wirtschaft): 1. Preis, Vorder-Odenwald, Babenhausen, Wertnote 1,8, Reiter E. Herrmann, Gg. Richter, E. Dummer und W. Horst. 2. Preis, Otzberg I, Wertnote 1,8 (durch Los entschieden), Lengfeld.
Dressurprüfung Kl. A offen:
1. Preis, Besitzer R. Westermacher, Lindheim, Reiter A. Schmitt, Seligenstadt, auf Jupiter. 2. Preis, Besitzer J. Habermehl, Babenhausen, Reiter Gg. Richter auf Hans.
Paarspringen:
1. Preis, Gg. Stumpf, Rosdorf, / Frl. Blitz, Lengfeld. 2. Preis, Gg. Breitwieser, Lengfeld, / O. Becker, Nieder-Klingen.
Pony- und Kleinpferderennen:
1. Preis, Besitzer O. Langels, Gr.-Karben, Reiter H. Kling auf Rudi. 2. Preis, Besitzer O. Langels, Gr.-Karben, Reiter R. Kötter auf Blitz.
Dressurprüfung Kl. A für Fortgeschrittene:
1. Preis, Besitzer W. Schuhmann, Reinheim, Reiter Gg. Schuhmann auf Hilde. 2. Preis, Besitzer H. Schauermann, Sikkenhofen, Reiter W. Horst, Babenhausen, auf Carmen.
Eignungsprüfung für Wagenpferde — Zweispänner:
1. Preis, Fahrer O. Lutz, Lengfeld, mit Juno—Nora. 2. Preis, Fahrer H. Heil, Habitzheim, mit Heidi—Juno.
Trabreiten (Warmblut, 1500 m):
1. Preis, G. Stumpf, Roßdorf, auf Prinz. 2. Preis, H. Pullmann, Gr.-Zimmern, auf Bella.
Eignungsprüfung für Wagenpferde — Einspänner:
1. Fahrer Eisenmüller, Lengfeld. 2. H. Heil, Habitzheim.
Jagdspringen Klasse L (Ehrenpreis des „Darmstädter Tagblatts“)
1. A. Schmitt, Seligenstadt (Hess. Landesgestüt) auf Heidemarie. 2. R. Becker, Groß-Ostheim, auf Christel.
Dressurprüfung Klasse L:
1. A. Schmitt, Seligenstadt, auf Jupiter. 2. K. Vierling, Darmstadt.
Eignungsprüfung für Wagenpferde — Warmblut:
1. A. Eisenmüller, Lengfeld. 2. H. Heil, Habitzheim, und B. Horst, Babenhausen.
Eignungsprüfung für Wagenpferde, Pony und Kleinpferde — Mehrspänner:
1. Prinz Reuß, Weiherhof, und H. Kloos,
Sieger im Jagdspringen Klasse L — Ehrenpreis des „Darmstädter Tagblatts“ — Alfons Schmitt, Seligenstadt, auf Heidemarie beim Nehmen des Amsterdamer Tores.
Ringer-Oberliga ohne Ueberraschungen
ASV Frankfurt 86—SV Darmstadt 98 5:2 Dettingen—Vorwärts Groß Zimmern 4:4 Hösbach—Hanau 4:4
In der hessischen Ringer-Oberliga gab es am Wochenende die erwarteten Ergebnisse.
Die Mannschaft des SV 98 fuhr in ihrem zweiten Verbandskampf nach Frankfurt. Leider konnten die Lilienträger nicht in ihrer stärksten Besetzung fahren und mußten Scheidler und Dietrich ersetzen. Die Chance einer Punkteteilung bestand, nachdem die Gastgeber Henze nicht zur Verfügung hatten. Etwa 200 Zuschauer sahen in der Turnhalle zu Bockenheim beiderseits gute und faire Kämpfe.
Im Fliegengewicht mußte sich Borowski (98) dem Frankfurter Falk in der 8. Min. durch Ausheber beugen. Waldhaue (98), der im Schwergewicht einsprang, hatte gegen Hörle keine Chance und verlor bereits in der 1. Min. durch Armzug. Im Bantamgewicht fiel der Sieg an die Gäste. Schnauber, der wieder einen prächtigen Tag hatte, besiegte Trotzky in der 8. Min. durch Ausheber. Der Halbschwergewichtskampf ging über die volle Distanz. Winkel (98) verlor knapp nach Punkten. Im Federgewicht hatte Schwessinger (98) nichts zu bestellen. Sein Gegner Schmidt siegte bereits in der 1. Min. durch Rückreißer. Im Mittelgewicht gab es den schönsten Kampf. Gerhardt (98) traf hier auf den routinierten Cezanne, den er klar nach Punkten besiegen konnte. Die restlichen Begegnungen fielen sämtlich an die Gastgeber. Heckhaus (98). der diesmal im Leichtgewicht stand, führte zwar gegen Dix, wollte diesen in der 8. Min. auch ausheben. wo ihn aber Dix abfangen konnte und dadurch den Kampf gewann. Im Weltergewicht mußte Ebert (98) wesen Verletzung aufgeben, obwohl er dem Kampfe nach vorn lag. Der Ausgang entspra chnicht der Kampfstärke der Gäste. Der Federgewichtskampf wurde nicht gewertet, da beide Ringer Uebergewicht mit auf die Waage brachten. Kampfrichter Hubeier. Neu-Isenburg, leitete die Kämpfe zur Zufriedenheit beider Mannschaften.
1910 er führen in der Landesliga
1910 Darmstadt—Mainz-Kostheim 5:3
In der hessischen Ringer-Landesliga wurden am Wochenende die Kämpfe fortgesetzt.
Dabei empfing 1910 Darmstadt die Gäste aus Mainz-Kostheim, die durch ihren Sieg über Wiesbaden punktgleich mit den Darmstädtern die Tabelle anführten Durch diesen erneuten Sieg hat die junge Mannschaft der Gastgeber sich allein an die Tabellenspitze gesetzt und geht mit berechtigten Hoffnungen in die nächsten Verbandskämpfe.
Erstmals in der Diesterwegschule ringend, stellten sich beide Mannschaften vor etwa 500 Zuschauern dem Kampfrichter Hahn. Frankfurt-Bergen. Die Gastgeber hatten zu diesem Kampf für Sigriest im Fliegengewicht Gehron aufgestellt, sonst aber komplett antreten können.
Farbige und spannende Kämpfe gab es durchweg in allen Gewichtsklassen.
Am Sonntag müssen die Darmstädter beweisen, ob sie zu Recht an der Tabellenspitze stehen. In Neu-Isenburg hängen bekanntlich die Trauben sehr hoch. -eri-
SKG Ober-Ramstadi —SG Arheilgen 7:1
Zu einem überlegenen Sieg kam die SKG Ober-Ramstadt in ihrem ersten Verbandskamnf über die SG Arheilgen. Obwohl die Gastgeber in diesem Jahr erstmals in der Landesliga ringen, zeigten sie doch beachtliches Können. Sie werden mit diesen Leistungen zumindest auf eigener Matte äußerst gefährlich sein.
Für das Spiel am kommenden Sonntag gegen Jahn Regensburg hat die SG Arheilgen einen Vorverkauf eingerichtet. Karten für Nichtmitglieder sind im Zigarrenhaus Hugo de Waal, Rheinstr., und im Zeitungskiosk Bayer, Arheilgen, am Löwen, zu haben. Da der SV 98 am Sonntag spielfrei ist, ist mit einem starken Andrang zu rechnen. Die neuerbauten Terrassen’ und der erweiterte Kassendienst werden ihre Belastungsprobe erhalten.
Pressestimmen
zum Spiel SV 98 Darmstadt—Spvgg Fürth
„Wiesbadener Kurier“: „Obwohl die Darmstädter mit einem Eckenverhältnis von 8:2 das Spiel beendeten und nach der Pause klar überlegen waren, entschied sich das Treffen zugunsten der Fürther Gäste . . .“
„Frankfurter Neue Presse“: „Trotz des klar aussehenden 3:0-Erfolges mußten die Kleeblätter im Darmstädter Hochschulstadion stärker kämpfen als das Resultat es besagt.... Nach dem Wechsel waren die Darmstädter klar überlegen . . .“ „Die Neue Zeitung“, Mü n -
c h e n : „... Fürth eine Klasse besser ... Nach dem Wechsel drängten die Lilien mächtig... Die Fürther wurden in ihre eigene Hälfte gedrängt, konnten aber immer durch gefährliche Einzeldurchbrüche die Darmstädter Abwehr erschüttern ...“
„Mannheimer Morgen“: „. Die Lilien verstanden es nicht, den hochtalentierten Fürther Spielmacher Hofmann matt zu setzen ... Beste Spieler war bei Darmstadt Stopper Schmidtmer und Aufbauspieler Herder ...“
„Der Sport-Kurier“, Ulm: „... Wie seinerzeit in Reutlingen fand sich Darmstadt ausgerechnet in einer Periode scheinbar klarer Unterlegenheit zu einer großen kämpferischen Leistung. Wer weiß wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn die Mannschaft den Ausgleich erreicht hätte. Beide Außenläufer traten neben Mittelstürmer Thalheimer besonders in Erscheinung, und wenn es auch diesmal nicht zu einem Punktgewinn langte, so konnten die Lilien immerhin noch einen Achtungserfolg verzeichnen.“
Pressestimmen zum Spiel TSG Ulm —SG Arheilgen
„ASZ“, Mannheim: „...Die Gäste waren in den letzten Minuten noch dem Siegestreffer nahe, doch Ulms Torhüter parierte famos. Die „Spatzen“ lieferten gegen Arheilgen ihre schwächste Partie seit einem Jahr...“
„Mannheimer Morgen“: „ ... Ein derart klassearmes Treffen dürfte das Ulmer Stadion seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Die Arheilger Gäste zeigten wenigstens noch Eifer und Schnelligkeit, wenn sie auch sonst wenig Vorzüge aufzuweisen hatten.“
„Der Sport-Kurier“, Ulm: „... Was die Gesamtleistung angeht, muß man unumwunden den Gästen das Unentschieden gönnen...“
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