Verstärkung der amerikanischen Streitkräfte in Europa
4 gt??’10: SePtember- (AP.) Präsident Truman hat eine bera nche Verstärkung der amerikanischen Truppen in Europa gebilligt. Die Zahl der neuen Truppen und der Zeitpunkt ihrer Entsendung sollen in Besprechungen mit den Atlantikpaktstaaten vereinbart werden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut: „Auf Grund von Empfehlungen der Chefs der amerikanischen Generalstäbe und im Einverständnis mit den Ministern für auswärtige Angelegenheiten und die Verteidigung habe ich im Interesse der Verteidigung Westeuropas eine beträchtliche Erhöhung der amerikanischen Streitkräfte in diesem Gebiet gebilligt.
Der Umfang der Verstärkungen und der Zeitpunkt ihrer Entsendung wird in Zusammenarbeit mit unseren Vertragspartnern im Nordatlantikpakt festgelegt werden.
Für die Ausführung dieses Beschlusses ist maßgebend, inwieweit unsere Alliierten unseren Aktionen etwas Gleichwertiges gegenüberstellen. Der Aufbau ihrer Streitkräfte soll mit der Entsendung weiterer amerikanischer Truppen nach Europa voll Schritt halten. Unsere Pläne gehen von der ernsthaften Erwartung aus, daß die Alliierten unseren Anstrengungen mit ähnlichen Aktionen entgegenkommen.
Unsere Maßnahme verfolgt den Zweck, die Wirksamkeit des gemeinsamen Verteidigungssystems zu erhöhen und die Erhaltung des Friedens zu sichern.“
Fünf bis zehn Divisionen?
Ueber die voraussichtliche Stärke der amerikanischen Truppen für Europa gehen die Meinungen auseinander. Gut informierte Kreise in Washington behaupten, Außenminister Acheson und Verteidigungsminister Johnson hätten die Entsendung von fünf bis zehn Divisionen empfohlen. In militärischen Kreisen ist man jedoch der Ansicht, daß zunächst nur die Bereitstellung von drei bis vier Divisionen für Europa vorgesehen werden könne. Diese Zahl werde später erhöht werden.
Die Stärke der zur Zeit in Europa stationierten Heerestruppen der Vereinigten Staaten wird auf etwa 100 000 beziffert. Von diesen befinden sich rund 85 000 Mann in Westdeutschland, 10 000 Mann in Oesterreich und 5 000 Mann in Triest.
Man nimmt an, daß der größte Teil der nach Europa kommenden amerikanischen Truppen in Westdeutschland stationiert werden wird, da Westdeutschland als am meisten durch eine sowjetische Aggression gefährdet angesehen wird.
„Noch vor dem Frühjahr“
General Clark zur Verstärkung
Frankfurt, 10. Sept, (dpa) Der Chef der Landtruppen des amerikanischen Heeres, General Mark W. Clark, hat am Sonntag in Frankfurt vor der Presse angekündigt, daß noch vor dem nächsten Frühjahr mehr amerikanische Truppen nach Westeuropa und besonders nach Deutschland kämen. Die verstärkten amerikanischen Truppen in Europa sollten unter dem Oberbefehl des Chefs der amerikanischen Truppen in Europa, des Generals Thomas Handy, stehen. Diesem Offizier werde es auch überlassen bleiben, wie und wo die neuen Truppen stationiert werden sollten.
Zehn deuitsche Divisionen?
Ein Vorschlag für Neuyork
Washington, 10. September, (dpa) Wie verlautet, haben Außenminister Acheson und Verteidigungsminister Johnson Präsident Truman am 5. September das amerikanische Programm für die Neuyorker Konferenz vorgelegt. Truman hat diese Vorschläge in vollem Umfang gutgeheißen. Das Programm sehe auch folgenden Punkt vor: Es soll empfohlen werden, im kommenden Jahr bis zu zehn deutsche Divisionen aufzustellen, die von den Atlantikmächten ausgerüstet und unter der Führung deutscher Offiziere in eine europäische Armee eingegliedert werden.
Um drei Monate verläãngert
Die Ausbildung französischer Rekruten
Paris, 10. September. (AP.) Der französische Verteidigungsminister Moch hat bekanntgegeben, daß die Ausbildungszeit der gegenwärtig dienenden 150 000 Rekruten um drei Monate veHängert werde. Es handelt sich um den Jahrgang 1928, der bereits ein Jahr gedient hat und im Oktober hätte entlassen werden sollen.
Alle Kräfte für die Verteidigung
Eine Botschaft Präsident Trumans an das amerikanische Volk
Washington, 10. September. (AP.) Präsident Truman hat in einer Botschaft an das amerikanische Volk mehrere neue Maßnahmen zur Mobilisierung der wirtschaftlichen und militärischen Kräfte der Vereinigten Staaten bekanntgegeben, darunter die Einrichtung einer Preisbehörde, die während der Krisenzeit die Preise ausgleichen und notfalls Preiskontrollen erlassen soll.
Gleichzeitig gab der Präsident die Errichtung von Behörden bekannt, die für die Gewährung von Prioritäten für die Kriegsindustrie, für die Begrenzung der zivilen Produktion und für die Bereitstellung und Verteilung von knappen Rohstoffen verantwortlich sind. Zum Leiter dieser Abteilungen ist der Vorsitzende des Amtes für die nationalen Rohstoffreserven, W. Stuart Symington, ernannt worden. ’ Die Einrichtung einer Lohnbehörde ist geplant.
Truman erklärte, das amerikanische Volk müsse Opfer auf sich nehmen, wenn eine Inflation als Folge der Rüstungsanstrengungen vermieden werden solle. Die Käufer müßten Disziplin bewahren und nur das wirklich Notwendige kaufen. Die Geschäftsleute dürften keine Vorräte horten und die Arbeitnehmer in der jetzigen Situation keine Lohnerhöhungen fordern. Das ganze Problem der Heimatfront lasse sich in drei Punkten zusammenfassen. 1. Herstellung des für die Verteidigung erforderlichen Kriegsmaterials, 2. Bereitstellung der Gelder für diesen Zweck, und 3. Verhinderung einer Inflation.
Schon 1952 werde die Anregung der Wirtschaft, durch die Rüstungsaufträge das wirtschaftliche Ziel, das er im Januar in seiner Botschaft an den Kongreß umrissen habe (eine jährliche Produktionskapazität in Höhe von 300 Milliarden Dollar) erreichen uhd überschreiten lassen. Die Ausgaben für die, Verteidigung würden schon vom kommenden Juni an auf dreißig Milliarden Dollar jährlich steigen. Die inflationistische Gefahr, die in einer solch schnellen Wirtschaftlichen Entwicklung liege, müsse rigoros bekämpft werden. Die von ihm durch Präsidentschaftsanordnung erlassenen Maßnahmen dienten diesem Zweck. Eine der Waffen im Kampf gegen die Inflation sei die am 18. September in Kraft getretene Kreditkontrolle.
Zur Verteidigung bereit
London, 10. September. (AP:) Der britische Labour-Abgeordnete Crossman hat mitgeteilt, daß sich neunzig Prozent aller Engländer in einer Umfrage zur Verteidigung des Landes bereit erklärt hätten. Das , Ergebnis wurde Außenminister Ach's n zur . Verwertung bei der Außenministerkonferenz der drei Westmächte in Neuyork zur Verfügung gestellt.
Trommelfener auf Tailku
Der bolschewistische Druck in Korea hat an allen Fronten nachgelassen
Pusan, 10. September. (AP./dpa/Reuter.) Die Gesamtlage auf dem nordkoreanischen Kriegsschauplatz hat sich für die Truppen der Vereinten Nationen stabilisiert. Am Wochenende haben die Angriffe der roten Truppen etwas nachgelassen. Die Wetterlage hat sich gebessert.
Der Druck der Bolschewisten auf die Stadt ist schwächer geworden. Südlich Taiku konnten die Bolschewisten auf die Naktong-Linie zurückgedrängt werden, so daß eine Bedrohung der Stadt aus dieser Richtung nicht mehr besteht. Die Hauptgefahr droht nach wie vor aus Nordwesten, wo die nordkoreanischen Verbände auf der Straße Tabu—Taiku immer neue Reserven heranführen. Das am Sonntag begonnene heftige Trommelfeuer auf den Stadtrand und die Stellungen der amerikanischen Truppen vor der Stadt hat die Führung der 8. Armee zu der Beurteilung veranlaßt, daß möglicherweise noch am Montag mit einer erneuten Offensive auf Taiku zu rechnen ist.
Südwestlich Pohang haben die Truppen der Vereinten Nationen sich weiter vom Feind abgesetzt und neue Stellungen bezogen. Der Flugplatz bei .Pohang ist noch in der Hand der Amerikaner. Im Dreieck Pohang-Kiongju-Yongschon sind Gegenmaßnahmen eingeleitet, um die bolschewistischen Einbrüche einzuengen. Yongschon, das mehrere Male den Besitzer gewechselt hat, und das den Zugang auf Taiku aus östlicher Richtung deckt, ist wieder fest in der Hand der Südkoreaner.
Am Naktong standen die Kampfhandlungen im Zeichen der amerikanischen Initiative. Der Feind wurde in zahlreichen Gegenangriffen weiter zurückgedrängt. Die Amerikaner konnten ihre Stellungen ausbauen.
Der Schwerpunkt der feindlichen Angriffshandlungen lag hier im Abschnitt Masan. Ein strategisch wichtiges Hügelgelände wechselte mehrmals den Besitzer. Als die Hügelkette schließlich wieder in der Hand der Amerikaner war, konnten etwa fünfzehnhundert tote Nordkoreaner gezählt werden.
Die amerikanischen taktischen und strategischeh Luftstreitkräfte konnten am Sonntag wieder zahlreiche Einsätze fliegen.
Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm bei seiner Ansprache zur Eröffnung der Rheinbrücke bei Frankenthal Foto: Bender
Acheson zuversichtlich
Washington, 10. September. (AP.) Der amerikanische Außenminister Acheson hat am Sonntag erklärt, .er sei überzeugt, daß die westlichen Alliierten trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit in der Lage sein würden, ihre militärische Stärke auf Gründ ihres Kriegsmaterials und ihres Erfindungsgeistes so auszubauen, daß sie einer sowjetischen Aggression widerstehen könnten. Er sei sicher, daß die europäischen Völker kämpfen würden, wienn man ihnen die Mittel dazu in die Hand gebe. , 'j ; ,
Gegen Preistreiberei und Hamstern ist in Holland ein Gesetz aus dem Jahre 1939 wieder in Kraft gesetzt worden.
Opfergang
Bgt. Zum Wochenende haben führende Staatsmänner dreier Nationen ernste Worte gesprochen. Sie zeigen, daß die Völker des Westens einen Opfergang antreten müssen, um den Frieden in Freiheit zu retten. Am weitesten reicht die Botschaft Präsident Trumans, die der amerikanischen Nation gewaltige wirtschaftliche und militärische Anstrengungen zumutet. Niemand wird sich wundern, wenn daran die Bedingung geknüpft wird, daß auch die europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten, die daraus für ihre Sicherheit Nutzen ziehen sollen, sich ihrerseits zu eigenen ähnlichen Leistungen aufraffen. Der britische Premierminister Attlee hat an solchem Willen Englands keinen Zweifel gelassen; es war deutlich, wenn er in seinem Wahlbezirk bedauerte, daß das neue Verteidigungsprogramm der Labour-Regierung einen Rückschlag für ihre Bemühungen bedeutet, „den Lebensstandard für alle Menschen zu heben“.
Wenn gleichzeitig Einzelheiten über die amerikanischen Pläne für die Außenministerkonferenz aus Washington gekabelt werden, so scheint es uns zweckmäßig, dazu die Zurückhaltung zu üben, die der westdeutsche Bundeskanzler Adenauer am Sonnabend empfohlen hat. Wiederholen freilich möchten wir unsere früheren Hinweise, daß die Verstärkung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa und vor allem in Westdeutschland, von der die Washingtoner Kreise sprechen, uns unabdingbar notwendig erscheint. Aus der Rede des Kanzlers dagegen unterstreichen wir seine Warnung vor starken Lohnerhöhungen. In einem Augenblick, da das kräftigste Industrieland, Nordamerika, sich auf gewisse Beschränkungen seines Lebensstandards einrichtet, Truman zur Besonnenheit bei Käufen mahnt und die Verhinderung einer Inflation als eines seiner Hauptziele für die nächste Zeit verkündet, ist es weniger als sinnvoll, in dem verarmten und abhängigen Westdeutschland den Lebensstandard durch höhere Nominallöhne verbessern zu wollen. Bemühungen, die Massen zu solchen Aktionen zu verleiten, rufen vielmehr ins Gedächtnis, daß Attlee sogar die englischen Gewerkschaften vor einer kommunistischen Infiltration warnen zu müssen glaubt.
Auch die Gefahren sind für die .Völker des Westens gleichartig gelagert. Und eben deshalb kann ihr Opfergang nur ein gemeinsamer sein.
ymbol des Friedens
Einweihung der Theodor-Heuss-Brücke bei Frankenthal
Frankenthal, 10. September. (Eigener Bericht.) In einem feierlichen Festakt ist die neue Autobahn-Rheinbrücke Frankenthal durch Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm als „Theodor-Heuss-Brücke“ dem Verkehr übergeben worden. Unter den zahlreichen Ehrengästen wohnten der württembergisch-badische Innenminister Ulrich, von der Landesregierung Rheinland-Pfalz Minister Haberer und Staatssekretär Dr. Steinlein, der Bischof der Diözese Speyer, Exz. Dr. Wendel, der Präsident der evangelischen Landeskirche der Pfalz, Dr. Stempel, Dr. Dr. h. c. Emil Krads, Oberbürge meister der Stadt Frankenthal, Oberbürgermeister Völker (Worms), Vertreter der Städte Mannheim und Ludwigshafen sowie der alliierten Oberkommission der Feierstunde bei.
Grau verhangen war der Himmel und feiner Sprühregen zog seine Schleier um Strom und Brücke, als die ersten Gäste zur Einweihung der Brücke auf dem rechtsrheinischen Brückenkopf eintrafen. Mochte das Wetter auch den äußeren Glanz des Augenblicks beeinträchtigt haben ..., um so mehr unterstrich es den Ernst, der den besonderen Charakter gerade dieser Brückeneinweihung kennzeichnete. Es war der Ernst der großen, schicksalhaften Bedeutung dieser Brücke, die ein Symbol des deutschen Aufbauwillens und des europäischen Friedens sein soll und gerade darum den bedeutungsvollen Namen „Theodor - Heuss - Brücke“ erhielt. Aufbau und Frieden waren auch die Leitmotive der Ansprachen, die die Einweihung einleiteten.
Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm gedachte zunächst der Opfer dieses Brükkenbaues aus den Jahren 1939z40, in denen der Weiterbau wegen eines schweren Unglücksfalles eingestellt werden mußte, und er würdigte diesen Tag der Brückenweihe als Freudentag ganz Deutschlands. Der Minister erinnerte an die großen Auswirkungen des ersten Brückenschlages, den einst Julius Cäsar mit seinen Legionen über den Rhein wagte und damit ein unermeßliches Neuland in den Kulturraum der Antike eihbezog. Er verwies auf die politische und kulturgeschichtliche Beziehung Paris—Prag, die ein Jahrtausend hindurch das Profil Europas prägte und die auf ihren großen Verkehrsstraßen die Impulse ihres Lebens erhielt. Nachdem die Fertigstellung der Brücke während des letzten Krieges durch eine Fügung des Schicksales unterbrochen wurde, möge es nun ein besonders verheißungsvolles Vorzeichen sein, daß sie unter Opfern und Schwierigkeiten in den ersten Jahren nach dem Kriege endlich als Brücke des Friedens erstellt wurde. Sie sei ein Anruf der Menschlichkeit an den Geist der Versöhnung. Sie sei insbesondere ein neuer Weg der Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland. Sie sei vor allem ein Bekenntnis zum Frieden. So könne es keinen sinnentsprechenderen Namen für diese Brücke geben als den des Mannes, der heute als Repräsentant des deutschen Aufbau- und Friedenswillens und des deutschen Versöhnungsgeistes an der Spitze der westdeutschen Bundesrepublik steht: Theodor Heuss.
Staatssekretär Dr. Steinlein, der im Namen der Landesregierung Rheinland-Pfalz das Wort ergriff, übermittelte die Grüße des Ministerpräsidenten Altmeier und wünschte der Brücke eine lange Zeit des Friedens. Er verband damit' einige aufschlußreiche Zahlenangaben: 223 Brükken wurden bis heute wieder völlig hergerichtet, 288 Brücken wurden behelfsmäßig erstellt, und nur 93 Brücken sind zur Zeit noch zerstört. Das Land Rheinland-Pfalz hat .hierfür bis jetzt 59 Millionen D-Mark aufgewendet.
Anschließend überbrachte der württembergisch-badische Innenminister Ulrich die Glückwünsche seiner Regierung.
Der Präsident der evangelischen Landeskirche der Pfalz, Dr. Stempel, appellierte daran, daß die Brücke auch eine Welt der neuen Lebensauffassung erschließen möge, in der die Einfachheit der Zukunft, der Schmerz der Vergangenheit, der Glaube an uns und der Geist der Brüderlichkeit Wache halten mögen. Abschließend nahm der Bischof der Diözese Speyer, Dr. Wendel, den kirchlichen Weiheakt vor. Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm schritt danach zum Brückenband und zerschnitt es mit einem feierlichen „Glückauf!“.
Ende der Demilitaristerung?
Bonn, 10. September, (dpa) Die britische Regierung befaßt sich, wie aus britischen Kreisen in Bonn bekannt wird, mit Plänen, die Demilitariserungsmaßnahmen an Anlagen in der Bundesrepublik einzustellen. Dieser Beschluß würde bedeuten, daß die auf Grund der entsprechenden Militärregierungsgesetze vorgesehenen Sprengungen ehemaliger Bunker und Kasernen sowie anderer Einrichtungen, die militärischen Zwecken dienten, eingestellt werden. . ■
Adenouer: Die Chance ist groß
Bonn, 10. September, (dpa). Bundeskanzler Dr. Adenauer hat am Samstag im Anschluß an die Konferenz mit den Regierungschefs der Bundesländer erklärt, daß durch die zu erwartenden ..Beschlüsse der Neuyorker Außenministerkonferenz die Chance außerordentlich groß seh die volle deutsche Souveränität wiederzuerlangen.
Nach den Worten des Bundeskanzlers soll die Länderpolizei überprüft und neu organisiert werden. Er hob hervor, daß staatsfeindliche, insbesondere kommunistische Elemente in die Länderpolizei eingedrungen seien. Dies sei nicht zuletzt durch das Verhalten der Besatzungsmächte in den ersten Nachkriegsjahren beim Aufbau der Länderpolizei möglich gewesen. Er sei jedoch der Ansicht, daß ein Modus gefunden werden könne, um diese Elemente auszuschalten.
Über seinen Konflikt mit B.undesminister Dr. Heinemann äußerte sich der Bundeskanzler optimistisch. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, daß er beigelegt werde. Für Montag sei erneut eine Aussprache mit dem Innenminister vorgesehen.
Erhöhte Kopfprämie
für geflüchtete Abgeordnete
Berlin, 10. September, (dpa) Das Innenministerium der Deutschen Demokratischen Republik soll die Kopfprämie für die Auslieferung geflüchteter Abgeordneter der Volkskammer sowie der Landtage auf zehntausend Mark erhöht haben.
Deutsche Schwestern für Afrika
Kassel, 10. September, (dpa) Die Südafrikanische Union sucht zur Zeit über die deutschen Arbeitsämter deutsche Mädchen im Alter von achtzehn bis fünfundzwanzig Jahren, die das Abitur haben und fließend englisch sprechen, als Schwesternschülerinnen für öffentliche Krankenhäuser in Transvaal. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre.
Teilhaber des Staates
*** Auf der erst.en deutschen Bürgerrechtstagung in Frankfurt, die vom Bund für Bürgerrechte abgehalten wurde, sind viele, kluge und sehr beachtliche Sätze gesprochen worden, durch die den Deutschen ein neues Staatsgefühl vermittelt werden soll. Vielleicht das bedeutsamste Wort hat Professor Dr. Mitteis von der Universität München geprägt, als er sagte, der Staat dürfe den Bürger nicht mehr als Untertan betrachten, sondern als „Teilhaber“. Der Obrigkeitsstaat hatte es erreicht, daß der Staatsbürger nicht nur untertan war, sondern sich auch als Untertan fühlte, wenn er regiert wurde. Das brachte es mit sich, daß sich in Deutschland eine entfesselte Bürokratie breitmachte, die das freie Staatsbürger-Bewußtsein weiterhin knebelte
Dieses Staatsbürger-Bewußtsein wieder zu wecken, ist die Aufgabe des Bundes für Bürgerrechte, und es war gerade Bundespräsident Heuss, der auf der Tagung darauf hinwies, der Deutsche werde immer Untertan sein, solange er in dem Gedanken befangen bleibe, der Staat sei „etwas Absolutes“. Er führte weiter aus, wir hätten das neue Staatsleben mit einer „kontingentierten, limitierten und lizenzierten Demokratie“ begonnen, wir seien bei diesem „Diätverfahren“ in eine Tarifierung der bürgerlichen Rechte geraten und hätten vergessen, daß die Buntheit des Lebens etwas anderes sei als das Schema des Fragebogens.
Auch der Bundespräsident kam zu dem Schluß, der Staat müsse von verantwortlichen, patriotischen Menschen getragen, müsse von sozial gesinnten Menschen geleitet werden, die die Menschenwürde des Bürgers achten. Mit anderen Worten, der höchste Repräsentant der Bundesrepublik sprach sich ebenfalls dafür aus, daß der Staatsbürger Teilhaber des Staates sei und die Staatsführung ihn als solchen achte. Diese fortschrittliche Einstellung unterscheidet die Bundesrepublik grundlegend von der „Volksrepublik" der Sowjetzone, in der, ungeachtet aller gegenteiligen Beteuerungen, der Staatsbürger nur das willenlose Objekt einer bolschewistischen, totalitären Führung ist, die nichts anderes kennt als Arbeitssklaven.
116 Berglente gerettet
Cumnock (Schottland), 10. September. (AP.) Aus dem Unglücksschacht bei Cumnock in Schottland, wo am Donnerstagabend ein Flöz einbrach, sind bis Sonntag 116 Bergleute' unter schwierigen Umständen gerettet worden.
Jetzt nur noch Schutzmacht
Die Neuordnung der alliierten Deutschlandpolitik
Frankfurt, 10. September (dpa). Maßgebende amerikanische Kreise haben in Frankfurt geäußert, daß die Westmächte künftig in der Bundesrepublik, und in West-Berlin nicht mehr direkt Besatzungsmacht, sondern Schutzmacht sein würden. Zweifellos würden die Alliierten in den nächsten Monaten in Deutschland einen völlig neuen politischen, wirtschaftlichen und strategischen Kurs einschlagen. Auf der bevorstehenden Neuyorker Außenministerkonferenz wollten die drei Westmächte ihre Deutschlandpolitik vor allem auch psychologisch neu ordnen und auf lange Sicht abstimmen, in welchem Verhältnis sie zu Deutschland stehen werden.
Durch Informationen aus dem amerikanischen Oberkommissariat wird bestätigt, daß die Außenminister einen Beschluß über die Beendigung des Kriegszustandes mit ganz Deutschland fassen dürften. Eine entsprechende Proklamation solle den Wunsch und Willen nach einer Wiedervereinigung Deutschlands unter-' streichen und erneut bestätigt werden, daß die Westmächte die - Neiße-Linie nicht als endgültig anerkennen könnten. Die Sowjetunion solle offiziell von der Absicht, den Kriegszustand mit ganz Deutschland zu beenden, unterrichtet werden.
„Der Krieg ist keineswegs unvermeidlich“
Washington, 10. September, (dpa) Außenminister Acheson hat am Sonntagabend in einem Fernseh-Interview in Washington erklärt, auch heute noch seien Friede und Stabilität in den Ost-West-Beziehungen möglich, wenn beide Seiten auf der Grundlage gleicher militärischer Stärke miteinander verhandeln könnten. „Der Krieg ist keineswegs unvermeidlich. Jeder Gedanke daran ist völlig falsch und sehr abstoßend.“ Das Gerede von einem Präventivkrieg sei unmoralisch. „Wenn wir davon sprechen, können wir gerade das heraufbeschwören, was wir zu vermeiden trachten.“ Alle Weltprobleme würden ganz anders aussehen, wenn die Atlantikpaktstaaten über starke, gut ausgerüstete und verteidigungsbereite Kräfte verfügten.
Die Beziehungen mit Deutschland will die argentinische Regierung sobald wie möglich wieder aufnehmen.
Selbfstachtung als Schutz vor dem Osten
Carlo Schmid und Andre Philip vor Studenten
F. A. Z. Mainz, 10. Sept. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund hat über das Wochenende in Mainz seine fünfte Jahrestagung abgehalten. Im Rahmen der öffentlichen Kundgebungen hat am Samstag Professor Carlo Schmid erklärt, die deutsche Arbeiterschaft könne sich dem Sog aus dem Osten nur durch ein stärkeres Selbstgefühl und durch eine unbeirrbare Selbstachtung entziehen. Dieses Selbstgefühl könne allerdings nicht durch kleine Verbesserungen der sozialen Lebenshaltung erzieht werden. Was die Arbeiterschaft brauche, sei ein wahrhafter Sieg, wie ihn das französische Volk mit der Erstürmung der Bastille errungen habe.
In diesem Zusammenhang kam Schmid auf das Mitbestimmungsrecht zu sprechen und führte aus, daß die Verwirklichung der Mitbestimmung das gesamte Leben in Westdeutschland mehr umgestalten würde, als wenn zwanzig Artikel des Grundgesetzes geändert würden. Am Sonntag sprach der französische Sozialistenführer Andre Philip und forderte die Aufstellung einer einheitlichen europäischen Armee, die Bildung eines einheitlichen europäischen Generalstabes und ein Ministerium für die europäische Verteidigung, wie es bereits in Straßburg zur Sprache gekommen sei. Wenn die Sowjets heute angriffen, wären sie eher in Brest, als eine englische Division auf europäischem Boden gelandet werden könnte.
Philip gab Europa, ähnlich wie Churchill, für eine einheitliche Organisation noch etwa zwei Jahre Zeit. Augenblicklich sei es betrüblich festzustellen, daß viel von Europa gesprochen werde, aber die Praxis zur Verwirklichung der europäischen Idee noch alles zu wünschen übriglasse. Unter dem Beifall der Studenten forderte Andre Philip, daß die Arbeiterschaft in Europa zum Angriff übergehen müsse, damit sie die Führung im Kampf um ein geeintes Europa übernehme. Er schlug daher vor, daß so schnell wie möglich die sozialistischen Parteien Europas zu einem Kongreß zusammentreten sollten, damit eine wahrhafte sozialistische Internationale geschaffen werde.
Der Sozialistische Deutsche Studentenbund hat eine Resolution angenommen, in der jegliche Verbindung mit offiziellen Stellen der Sowjetzone abgelehnt wird. Wenn eine Verbindung jemals auf genommen werden sollte, müßten zuvor freie Wahlen in der Sowjetzone abgehalten und die Inhaftierten und Verschleppten auf freien Fuß gesetzt oder vor ordentliche Gerichte gestellt werden. Die Resolution lehnt auf der anderen Seite eine private Fühlungnahme mit Menschen der Sowjetzone nicht ab und schließt mit einem Bekenntnis für ein geeintes und freies Deutschland.
Der Lohnkonflikt beigelegt
Remagen, 10 September, (dpa) Das Remagener Schiedsgericht für die Beilegung des Lohnkonflikts im Baugewerbe hat einen Schiedsspruch gefällt, dem sich die Tarifpartner unterworfen haben. Damit ist dieser Lohnkonflikt beendet. Wie das Bundesarbeitsministerium mitteilt, wird der Ecklohn (Maurerlohn) in Ortsklasse eins um vierzehn Pfennig und in Schleswig-Holstein um zehn Pfennig erhöht. Entsprechende Erhöhungen treten in den übrigen Ortsklassen ein. In der Erhöhung ist eine Saisonzulage von acht Pfennig einbegriffen. Die Regelung gilt für das Bundesgebiet mit Ausnahme von Bayern.
Der Schiedsspruch tritt sofort in Kraft mit der Maßgabe, daß die neuen Löhne mit der Lohnwoche, die am Dienstag, dem 12. oder am Mittwoch, dem 13. September, beginnt, bezahlt werden. Der Schieds-“ spruch ist bis zum 31. Dezember 1950 unkündbar und kann von da an jeweils mit einer Zweimonatsfrist zum Monatsende, also frühestens am 30. November 1950 zum 31. Januar 1951 gekündigt werden.
ein neuer Streik in Hhessen?
F.A.Z. Frankfurt, 10. September. Die hessischen Metallarbeiter haben von ihren Gewerkschaften die Weisung erhalten, am Mittwoch eine Urabstimmung über Kampfmaßnahmen gegenüber den Arbeitgebern herbeizuführen, um die geforderte Lohnerhöhung von zwanzig Pfenig je Stunde für alle Lohngruppen durchzusetzen. In einem Rundschreiben, das gegenwärtig in den metallverarbeitenden Betrieben Hessens kursiert, werden die Arbeiter aufgefordert, die Arbeit bereits am Dienstagmittag zu verlassen, um sich an Protestkundgebungen zu beteiligen. Am Dienstagnachmittag wird auf dem Frankfurter Römerberg eine solche Kundgebung abgehalten. Darüber hinaus haben die Gewerkschaften ihre Arbeiter angewiesen, von sofort an jegliche Ueberstunden zu verweigern.
Am Montag werden die Betriebsleiter in der hessischen Metallindustrie in Frankfurt zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, um die schwierige Lage zu erörtern.
Noch keine grundlegende Einigung
Noell von der Nahmer über den Lastenausgleich
Alzey, 10. September. (Eigener Bericht.) In der Kundgebung der Freien Demokratischen Partei in Alzey erklärte Prof. Dr. Dr. Noell von der Nahmer, es könne keine Rede von einer kurzbefristeten Verabschiedung des Lastenausgleichsgesetzentwurfes sein. Der im Unkeler Kreis zustandegekommene vierte Entwurf bedürfe vielmehr noch einer Fülle von Verbesserungen. Darüber hinaus sei zwischen den Ausschußmitgliedern der Regierungskoalition und dem Bundesfinanzminister in vielen Fragen noch keine grundlegende Annäherung erzielt worden.
Noell von der Nahmer wies darauf hin, daß sich die Parlamentsdebatte um den Lastenausgleich äußerst umfangreich gestalten müsse, da das Gesetz nur nach gründlicher Aussprache und darin mit allen Stimmen der Koalition angenommen werden dürfe. Eine nachträgliche Aenderung seiner Bestimmungen sei dem Charakter des Lastenausgleiches zufolge ausgeschlossen.
Zum Bundeshaushalt bemerkte Prof. Noell von der Nahmer, daß man ein Defizit zu erwarten habe, das vorderhand nicht auszugleichen sei. In Anbetracht der vermehrten Bundesausgaben durch Aufrechterhaltung der Getreidesubventionen von 560 Millionen Mark und der Maßnahmen zur Verstärkung der Polizei müsse das Bundesfinanzministerium auf Erschließung weiterer Steuerquellen sinnen. Noell von der Nahmer setzte sich dabei für eine Senkung der Verbrauchssteuern und eine verwandelte Umsatzsteuer ein, die nur einmal beim Endprodukt, jedoch zu einem um 25 Prozent erhöhten Satz erhoben werden solle. Als eine Einsparungsmöglichkeit bezeichnete er es, wenn die Bank deutscher Länder auf die Verzinsung ihrer Ausgleichsforderungen an den Bund verzichte, womit der Bundeshaushalt um 150 Millionen Mark entlastet werde.
Kommunistische Tertilspende
für Ludwigshafen
Ludwigshafen, 10. September, (dpa) Eine Abordnung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes der Deutschen Demokratischen Republik überreichte dieser Tage dem Betriebsrat der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen eine Textilspende für die Opfer der Ludwigshafener Explosionskatastrophe des Jahres 1948 im Wert von 150 000 Ostmark. Die Spende stammt aus einer Geldsammlung der Arbeiter des Leuna - Werkes, das früher eng mit dem Werk Ludwigshafen verbunden war.
Stimmen der Anderen
Sie brechen das Recht
Der „Deutschland - Union - Dienst“ schreibt zu dem Versuch der „SED-Machthaber, auch die Justiz als Kampfmittel des Klassenkampfes einzusetzen“:
„In Thüringen sind jetzt sämtliche Staatsanwälte durch die Schule der Volksrichter-Lehrgänge geschleust worden. Den juristischen Staatsanwalt gibt es nicht mehr. Der Staatsanwalt ist nun der Exponent des SED-Regimes, er gehorcht den Weisungen des Politbüros und wird verhaftet oder abgesetzt, wenn er ihnen nicht folgt oder sonst unzuverlässig ist. Die SED hat dadurch, daß sie sich die Staatsanwaltschaft hörig gemacht hat, einen maßgeblichen Einfluß auf die Justiz erlangt, denn manche Staatsanwälte haben öffentlich erklärt, sie würden Richter verhaften, wenn sie sich den Forderungen des Staatsanwalts nicht fügen.
Die letzten Schauprozesse in der Sowjetzone beweisen denn auch, daß die Richter sich den Wünschen und Befehlen der SED gefügig zeigen. Zum Verständnis sei hervorgehoben, daß die nach 1945 mühsam wieder aufgebaube Richterschaft von der SED zugunsten der .Volksrichter“ dezimiert wurde. So gibt es beispielsweise am Gericht in Jena nur noch einen juristischen Richter. Selbst in den Senaten des OLG Erfurt wie auch in Dresden sitzen Volksrichter.
Auch der letzte Schein richterlicher Unabhängigkeit ist verschwunden, seit das OLG Erfurt es fertiggebracht hat, zwei eigene Urteile, die es zugunsten von Angeklagten gefällt hatte, unter dem Druck des Politbüros nachträglich selbst zu kassieren. Genau wie in der Nazizeit gehorchen diese Richter nicht mehr ihrem Gewissen, sondern den Weisungen politischer Stellen, und brechen somit das Recht.
Daß die Oeffentlichkeit, soweit sie noch ein eigenes Urteil besitzt, eine solche Justiz ablehnt, haben die Vorgänge in Jena bei einem Wirtschaftsprozeß gezeigt, wo die Zuhörer bei den Ausführungen des Staatsanwaltes, der eine hohe Strafe verlangte, in Entrüstungsrufe ausbrachen, so daß man schließlich die Volkspolizei holen und die Verhandlung abbrechen mußte. Sie konnte erst am nächsten Tage vor einem ausgesuchten Publikum fortgesetzt werden.“
Die Ministerpräsidenten beim Kamnzler
Der Staatsvertrag über Länderpolizei wird aktuell
R. Bonn, 10. September. Der Bundeskanzler hatte am Samstag die Ministerpräsidenten der Bundesländer zu einer eingehenden Informierung über seine Schritte in der Sicherheitsfrage empfangen. Dabei handelte es sich nicht nur um einen Höflichkeitsakt. Die Ministerpräsidenten? sind an diesem Problem unmittelbar hinsichtlich der Polizei beteiligt, die ihnen nach dem Grundgesetz allein untersteht. Daß Dr. Adenauer diesen Kontakt mit den Ländern nicht über den Bundesrat, sondern in dieser Form nahm, beweist, daß es sich auch um die Frage des Staatsvertrages der Länder mit dem Bund über die Verfügungstellung der Länderpolizeien drehte. Denn ein solcher Sta^tsvertrag kann nicht mit dem Bundesrat, sondern muß mit den Ländern als selbständigen Partnern geschlossen werden.
Koanlitionskonferenz in Bonn
R. Bonn, 10. September. Eine umfassende Besprechung der Vorstände der Fraktionen der Koalition mit dem Bundeskabinett gibt am Montag den Auftakt zu den parlamentarischen Debatten dieser Woche. Die Notwendigkeit dieser Koalitionskonferenz, die einer Verständigung sowohl zwischen Kabinett und Koalition als auch unter den Fraktionen dienen wird, dürfte dadurch gegeben sein, daß auf der Tagesordnung der vier Plenarsitzungen dieser Woche einige konfliktgeladene Punkte stehen. So soll der Mißtrauensantrag der Bayernpartei gegen den Bundesfinanzminister behandelt werden, obschon es starke Tendenzen in den Reihen der Koalition gibt, diese Debatte über Minister Schäffer doch noch zu vertagen.
Neue Straßenverkehrsordunng
Frankfurt, 10. September. (AP.) Seit Sonntag gelten im gesamten Bundesgebiet die Deutsche Straßenverkehrsordnung und die darin vorgeschriebenen Geschwindigkeitsgrenzen für Personenwagen und Lastkraftwagen. Auf Autobahnen beträgt die Höchstgeschwindigkeit für Personenwagen achtzig Stundenkilometer und für Lastkraftwagen vierzig Stundenkilometer.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELDErstabdrudt • Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg
8)
Ein zartgliedriger, dunkelhaariger kleiner Junge und ein rosiges, blondes kleines Mädchen stürmten zuerst herein, ohne auf die Ermahnungen einer ältlichen Frau von unscheinbarer Kleidung und Erscheinung zu achten, die den Jubel beim Anblick des Vaters zu dämpfen versuchte.
Hand in Hand, zögernd und schüchtern, folgten die zwei älteren Mädchen. Beide waren brünett wie ihre Mutter und hätten hübsch genannt werden können, wenn nicht ihre den Halbwüchsigen eigene Unsicherheit und schlechte Haltung gewesen. Ihre Wollkleider waren von einer unvorteilhaften dunkelblauen Farbe mit einer weißen Litze am Saum, viel zu kindlich für diese heranwachsenden Mädchen; und ihr glänzendes, volles Haar war von rier Stirn und den Ohren straff zurückgebürstet. im Geiste sah Henriette sie ganz anders vor sich, sah sie in gerader Haltung und ungezwungen, in leichten, Junten, hellen Stoffen, die sich ihren jungen Körpern anschmiegten, mit Augen, die nicht mehr so verängstigt dreinschauten, und Lippen, die sich bereitwilliger einem Lächeln liehen.
„Isabella, Luise, kommt her und macht euren Knicks vor Mademoiselle Deluzy", forderte ihr Vater sie auf. Gehorsam ließen sie das lästige Begrüßungszeremoniell über sich ergehen so linkisch und gravitätisch wie zwei Zirkusbären, die ihre Kunststücken vorführen.
„Das werden wir alles ändern“, dachte Henriette, innerlich voller Mitgefühl angesichts der Qual, die die Kinder ausstanden. „Wenn sie sich erst frei und glücklich fühlen, wird auch ihre Haltung anmutiger werden."
Mademoiselle Maillards Begrüßung wirkte fast noch steifer, obwohl man ihr schwerlich jugendliche Schüchternheit als Entschuldigung zugesfehen konnte. Henriette erkannte auf den ersten Blick, daß sie ihrer Vorgängerin, solange sie noch zusammen unter demselben Dadi lebten, ständig ein Dom im Äuge sein würde. Aber sie fürchtete sie nicht als Rivalin. Sie kannte diesen Typ zu gut: farblos, mit verkniffenem Mund und hinterhältig; eine, die den Dienstboten und allen, denen sie sich überlegen fühlte, gegenüber herrschsüchfig auffraf, während sie sich vor jedem Höhergesfellfen mit ihrer Unterwürfigkeit und Liebedienerei nicht genügten konnte. Eine so’che Frau empfand ihren Beruf als dauernde Beleidigung, besaß aber nicht die Klugheit oder Vernunft, sich der Vorteile, die er bot, zu bedienen. Ihre schmalen hängenden Schultern verrieten sie ebenso wie ihre Hände: gelbliche, müßige Hände; sie fielen Henriette gleich auf, unverkennbar die Hände eines Menschen aus guter Familie, der nur gegen seinen Willen und so selten wie möglich etwas tut. Es war nur zu offensichtlich, wessen bundesgenossin Mademoiselle Maillard war. Sie nahm den flüchtigen Gruß des Herzogs mit einem förmlichen Kopfnicken zur Kenntnis und überschüttete dann die Herzogin mit besorgten Fragen nach ihrem Befinden.
„Sehen Sie“, schien ihre ganze Haltung ausdrücken zu wollen, wie sie da zur Chaiselongue hinüberging, „wir beide müssen gegen diesen neuen Feind zusammenhalten. Für den Geschmack Ihres Mannes mag ich zu häßlich und zu langweilig sein, aber Ihre Mademoiselle Maillard wird Sie niemals im Stich lassen, noch erlauben, daß ein jüngeres Gesicht sich zwischen uns und unsere Rechte drängt.“
Die beiden älteren Mädchen beobachteten sie und ihre Mutter mit ängstlicher Miene; die beiden Kleinen jedoch hatten nur Äugen für ihren Vater, und Mademoiselle Maillards aufgeregte Ermahnungen trafen auf taube Ohren.
„Raynald, nimm dich in acht! Wie off habe ich dir schon gesagt, «du sollst nicht so nah an den Kamin herangehen; eines Tages wirst du noch kopfüber ins Feuer fallen und zu einem kleinen Äschenhäufchen verbrennen. Berthe, komm sofort hierher! Dein Schuhband ist schon wieder aufgegangen. Nein, nein, geh fort von Mamas Schreibtisch! Die Tinte — man Dieu! Du wirst sie noch, umwerfen." Aber ihre Worte bekümmerten die beiden, besonders die kleine Berthe, so wenig, wie der Wind draußen in den Bäumen.
„Was für ein liebliches Geschöpfchenl“ dachte Henriette, als sie den lebhaften zierlichen Bewegungen der kleinen Gestalt folgte; als sie den spitzbübischen Blick in jenen klaren, furchtlosen Augen, das helle, seidige Haar, das um ^die erhitzten, apfelrunden Bäckchen fiel, befrachtete.
Berthe war eines von diesen seltenen Glückskindern, die mit irgendeinem unerklärlichen Zauber gegen Leid und Gefahr gewappnet zu sein scheinen.
In die Befrachtung des kleinen Mädchens versunken, das wie ein eigenartiges Vögelchen im Zimmer umherhuschfe, vergaß Henriette für ein Weilchen die anderen. Als sie schließlich hochsah, fand sie den Blick des Herzogs auf sich gerichtet. Er mußte etwas von der Zärt-Schkeif, die sie empfand, gespürt haben, aber kein Muskel in seinem Gesicht bewegte sich, während er sie so ansfartfe. Sie wußte nur, daß ihre Bewunderung seines Kindes ihm naheging.
„Nein, Ravnaldl' Mademoiselle Maillard erhob ihre Stimme zu einem schrillen Befehl. „Augenblicklich gehst du da weg. Du ungezogener Junge du, Mutters Blumen anzufassen 1“
Sie stürzte zum Fenster, aber sie konnte das Unglück nicht mehr verhindern. Raynald stand wie angewurzelt, das kleine Gesichtchen ganz verzerrt vor entsetztem Schuldgefühl, ein abgebrochenes Alpenveilchen in der Hand. Die Gouvernantendisziplin brach wie ein Unwetter über ihn herein.
»Zur Strafe wirst du heute zu Hause bleiben, wenn wir anderen zum Kasperle fahren, und zum Abendessen keine süße Speise, auch nicht einen Löffel voll! Was hast du dir bloß dabei gedacht?" Die großen, runden Tränen kindlichen Leides stiegen hoch und rollten ihm über die Wangen. „Es sollte doch für Mademoiselle sein.“
Seine Faust umklammerte noch immer die verbotene Blume, als er seine Missetat zu erklären versuchte: »um an ihr Kleid zu stecken.“
Mademoiselle Maillards Gesicht verzog sich zu einem Lächeln freudiger Ueberraschung, und sie konnte es sich nicht versagen, der Herzogin einen triumphierenden Blick zuzuwerfen.
„Ach, das war aber nett von dir, Ray- nald. Ein sehr lieber Gedanke von dir; aber du hättest Mama doch erst um Erlaubnis bitten müssen. Wenn du es jetzt noch schnell nachholst, wird sie dir vielleicht erlauben, mir die Blume zu geben."
»Aber — aber —." Er unterdrückte ein Schluchzen, und mit dem nächsten Iränenstrom kam die Wahrheit heraus: „Ich pflückte sie für das neue Fräulein, weil sie doch rosa Bänder an ihrem Hut hat.“ Mademoiselle erstarrte merklich; die beiden älteren Mädchen schauten auf den Teppich nieder, und auch der Herzog wandte sich schnell um und machte sich angelegentlich mit dem Feuer zu schaffen. Die Herzogin preßte ihre Fingerspitzen an die Schläfen, als Raynalds Schluchzen lauter wurde, und HenrmFe fühlte sich auf ihrem Stuhl höchst ungemütlich. Nur Berthe stöberte, völlig unempfänglich für die Spannung um sie her, ruhig auf dem Schreibtisch weiter.
»Nun gut, dann gib sie ihr, nachdem du sie einmal abgebrochen hast." Die Gouvernante hafte wieder zu der Strenge, der allein sie ihre Autorität in der Kin¬ , verdankte, zurückgefunden. »Aber au wirst nicht mit uns fahren und keinen Nachtisch bekommen.“
Mit gesenktem Kopf und zuckenden Schultern schlich der Knabe zu Henriette hinüber und bot ihr mit unsicherer Gebärde die Blume, die den ganzen Kummer heraufbesdiwo-.cn hatie. Sie nahm sie entgegen und dankie ihm freundlich. Ihr Herz war von Liebe und Mitleid mit sei-Unglück und seinem Verwirrung und mit Freude über diesen unerwarteten Beweis seiner Zuneigung erfüllt. Aber sie ^re Dankbarkeit nicht zu auriahig zum Ausdruck zu bringen. iDf am Anfang war es besonders wlchfö behutsam vorzugehen, und Mademoi eile Maillard hatte ohnehin eine Niederlage erlitten. (Fortsetzung folgt.3
Darmstadt und Umgebung
Tumult auf dem Friedensplat;
Polizei griff zum Gummiknüppel
p^oße weiße Plakate riefen seit etwa acht Tagen im Stadtgebiet zu einer Friedens- und Gedenkkundgebung zu Ehren der Opfer des Krieges und des Faschismus am. Als Veranstalter dieser Kundgeoung, die gestern morgen um 10 Uhr auf dem Friedensplatz stattfinden sollte, zeichneten das „Komitee der Kämpfer ur den Frieden“ und die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (WN). Im Anschluß an die Kundgebung war ein Schweigemarsch und eine Kranzniederlegung vorgesehen. Die Ansprache sollte Pfarrer Heinrich Eckert, Mannheim, halten.
Auf Anweisung des hessischen Innenministers vom 31. 8. 1950 wurde diese Veranstaltung kurzfristig vom Polizeipräsidenten in Darmstadt verboten. In Schreiben an die beiden Veranstalter, die diese am Samstag zugestellt bekamen, wurde als Begründung angegeben, die Veranstaltung sei ein Teil des vom Nationalkongreß in Berlin beschlossenen Programms des „Nationalen Widerstandes ‘ und verstoße gegen die verfassungsmäßige Ordnung.
Da man vermutete, daß die Veranstaltung trotzdem durchgeführt würde — die Veranstalter erklärten, sie könnten die Kundgebung wegen der Kurzfristigkeit des Verbots nicht mehr absagen —, lag die Polizei gestern in Alarmbereitschaft. Starke Polizei- und Kriminalpolizeikräfte sicherten gestern morgen unter der persönlichen Führung von Polizeipräsident Reib o 1 d den Friedensplatz. Auch in einzelnen Vierteln der Stadt, so am Friedrich-Ebert-Platz, befanden sich Kommandos in Einsatzbereitschaft. Gegen zehn Uhr bildeten sich am Friedensplatz einige Menschengruppen. Eine Gruppe der FDJ und „Jungen Pioniere“ marschierte mit Transparenten und Fahnen auf den Platz. Um sie gruppierte sich eine kleine Ansammlung. Daraufhin richtete der Lautsprecherwagen der Polizei an die Anwesenden dreimal die Aufforderung, den Platz zu räumen. Als man dem nur zögernd folgte, ging eine Polizeikette vor. Sie versuchte die Transparente zu _ beschlagnahmen und die Menge zu zerstreuen. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen, Schimpfkanonaden und Tumultszenen. Die Polizei erhielt den Befehl, zum Gummiknüppel zu greifen. Es ereigneten sich unschöne Schlägerei- und Knüppeleiszenen, in deren Verlauf mehrere Personen verletzt und festgenommen wurden. Ein Teil der Festgenommenen, unter denen sich auch KPD-Funktionäre befanden, wurde um 11 Uhr nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen. Die anderen brachte man zum Polizeipräsidium, um festzustellen, ob sie sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben.
Die Polizei — die sich nach Berichten von neutralen Augenzeugen nicht in allen Momenten besonnen verhalten haben soll — sicherte noch etwa eine Stunde die Zugänge zum Friedensplatz, um dann wieder abzurücken. Es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen. DT.
Holland siegte
im Internationalen Tanzturnier
Vor zahlreichen Zuschauern fand unter der Gesamtleitung von Ewald B ä u 1 k e , Darmstadt, am Sonntagabend im Konkordia-Saal das große internationale Tanztunier statt. (Großer Press von Hessen.) Als Wertungsrichter waren erschienen: Alois Müller, Zürich, Präsident der schweizerischen Tanzlehrer-Union, Fred Dieselhorst, Turnieramtsleiter b. A. B. T. V. (Hannover) und C. W. R a e t z, Tanzlehrer in Stuttgart. Das oberste Schiedsgericht lag in den Händen von Bürgermeister Schröter, Darmstadt, Rechtsanwalt K i ß n e r, Darmstadt, Herrn Lama de, Tanzlehrer in Mannheim, Herrn Kästle, Tanzlehrer in Freiburg, und Herrn Theo B ä u 1 k e , Tanzlehrer in Gießen. Die Sieger des Tanzturnieres: 1. Das Paar Jan M o 1 y n - Dolly M o - 1 y n , Den Haag (Holland); 2. Frank South- Muriel Watts, London; 3. Paul Krebs- Margit Krebs, Nürnberg; 4. Preben le r Itrop - Rita Hörning, Kopenhagen. Wir kommen in unserer morgigen Ausgabe ausführlich auf die Veranstaltung zurück. HGR.
Sie reden nicht davon - ste sind Demoltraten
Anläßlich seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten hielt Oberbürgermeister Metzger am Samstagvormittag eine Pressekonferenz
Konzentrierte Ruhe, Ueberlegenheit und Zuversicht strahlten die stahlblauen Augen unseres Oberbürgermeisters aus, als er uns am Samstagvormittag von seinen Eindrücken berichtete, die er während seines dreimonatigen Aufenthaltes in den USA gesammelt hat. Wir freuen uns, daß er wieder unter uns ist, denn er gehört zu uns, ist mit den Geschicken unserer Stadt verwachsen wie kaum ein anderer. Nur zu deutlich spürten wir aus seinen Worten die Sehnsucht heraus, die ihn manchmal in den Staaten nach unserem Darmstadt befallen haben muß.
Besonders angenehm empfanden wir es, daß der Oberbürgermeister kaum 24 Stunden in Darmstadt, die Presse zu einer Konferenz eingeladen hat. Noch hapert es in diesem Punkt bei unseren Behörden. Wir wünschten, dieses gute Beispiel unseres „OB“ würde Schule machen, denn nichts kann einer Demokratie mehr dienen, als eine zwanglose und offene Aussprache zwischen öffentlichen Körperschaften und der Presse. Das bestätigte uns auch der Oberbürgermeister, der — wie er erklärte — davon überrascht gewesen sei, welch herzliches Verhältnis in den USA zwischen der Bevölkerung, der Presse und den öffentlichen Institutionen herrsche —, ein Verhältnis, das auf gegenseitiger Achtung basiere und organisch gewachsen sei. Die amerikanische Bevölkerung wisse theoretisch von dem Begriff „Demokratie“ wahrscheinlich weniger als die deutsche, trage aber die Demokratie im Herzen, übe sie Tag für Tag praktisch aus ...
Wir wollen nicht aus der Schule plaudern, obgleich wir wissen, daß unseren Lesern viele Fragen auf der Zunge brennen. Wir halten uns deshalb zurück, weil sich der Oberbürgermeister demnächst in der Oeffentlichkeit zeigen und über seine Erlebnisse sprechen wird. Gesagt sei jedoch, daß der „OB“ überall, wo er war, sehr herzlich aufgenommen worden ist, daß der „Darmstadt-Film“ — den er in den Staaten vorführte — große Beachtung fand, daß er einige Darmstädter getroffen hat — zum Beispiel die „Tante“ (Frau Lautenschläger aus der Heinrichstraße), die ihn in Neuyork mit tränenden Augen begrüßte und ihm das „Tagblatt“ vom 27. Mai zeigte, in dem sie anläßlich ihres 69. Geburtstages gewürdigt worden war —, und daß er fest damit rechnet; durch die guten Beziehungen, die er drüben angeknüpft hat, für Darmstadts Wiederaufbau Geldzuschüsse zu bekommen. Jedenfalls hat unser Oberbürgermeister nicht nur eine Inspektionsreise nach den Vereinigten Staaten unternommen, sondern war auch drüben bemüht, für unser vom Krieg hart angeschlagenes Darmstadt einige Samen zu legen, die in der Zukunft reiche Früchte hervorbringen werden. Dafür sei unserm Oberbürgermeister im Namen der Bevölkerung herzlichst gedankt. Text: HGR, Foto: Hemme
Um die Sozialversicherung
Gewerkschaftsversammlung in Eberstadt
In einer Versammlung des DGB im Gasthaus „Zur Rose“ in Eberstadt beschäftigte man sich am Freitagabend eingehend mit dem Gesetzesentwurf zur Selbstverwaltung in der Sozialversicherung. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden des Ortsausschusses Hindermeyer stellte Kollege Frey für den erkrankten Kollegen Heil von der AOK. die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes, der, so sagte der Redner, tatsächlich zu einer Vernichtung der Sozialversicherung führe, klar heraus. Die Auseinandersetzung piit dem Entwurf sei für die Versicherten eine dringende Notwendigkeit. Der Redner betonte, daß nach der im Entwurf vorgesehenen Zusammensetzung der Vertreterversammlung und des Vorstandes aus 50 Prozent Arbeitgebern und 50 Prozent Arbeitnehmern den Versicherten nicht mehr die Möglichkeit gegeben sei, in entscheidenden Fragen das Zünglein an der Wage zu spielen. Der DGB fordere die Durchführung der Urwahlen für die Vertreterversammlungen der Unfall-, Invaliden-, Angestellten- und Krankenversicherung an einem Tage statt an vier Tagen.
Zur Zulassung von Innungs- und Betriebskrankenkassen sagte der Redner, daß mit einer Vermehrung der Krankenkassen die Verwaltungskosten erheblich erhöht würden. In den Westzonen gäbe es heute schon 2000 Versicherungsträger. Mit der Einführung von weiteren Krankenkassen würde die Sozialversicherung, die auch die arbeitslosen Mitglieder und die Rentner mitbetreue, einen Teil ihrer Mitglieder verlieren und finanziell geschwächt werden.
Die Versammlung nahm einstimmig eine sich gegen den Gesetzesentwurf richtende Entschließung an. t-s.
Vom Llew. überfahren
Am Samstagmittag gegen 11.30 Uhr war der Arbeiter Hans Gericke damit beschäftigt, einen Lastwagen vom restlichen Schutt zu reinigen, der auf dem Sportplatz des SV 98 ausgeladen worden war. Während er am Lastwagen arbeitete, fuhr der Fahrer an und G. geriet unter den Wagen, der ihm über die Beine und den Unterkörper fuhr. Er wurde mit schweren inneren Verletzungen und einem gebrochenen Bein in das Elisabethenstift eingeliefert. DT
Charmante Frauen und Herbstmodelle im Stadtkaffee
Frau von Hadeln konnte am Samstagnachmittag ein interessiertes und, wie sich hinterher herausstellte, temperamentvolles Publikum zur Modenschau des Hauses Zinnecker begrüßen. Sie sprach von zu erwartenden Ueberraschungen, sagte noch einmal die beteiligten Firmen an: nämlich die Hüte vom Salon Eva Franke - Weißgärber. die Taschen der Firma Schad, und Franceska Kaplan untermalte mit seiner Geige: „Was eine Frau im Frühling träumt“, die mehr als sympathische Stimme Frau von Hadelns einerseits (sie sagte übrigens scherzhaft: ach. die Presse, da habe ich aber Angst!), und die solide Eleganz der zuschauenden Damen andererseits. Wenn auch das Duo von Hadeln-Kaplan den zwei Stunden viel Wirkung gab. so komme ich nicht umhin zu sagen, daß die Spruchart vom kleinstädtischen’' Genre Darmstadts oft geübt, böse unberechtigte Selbstgeißelung ist, jedenfalls im Hinblick auf die vorgestrige Veranstaltung.
Am Anfang wurden einfarbige Herbstmäntel aus Wolle, bzw. viel belgischem Wollstoff gezeigt. Bei den Hängern in starkem Blau oder Braun, ansonsten konservativ, fiel ein eingesetzter Sattel auf, und bei dem Modell „Evelin“, in hellem Mausgrau, ein großer Schalkragen, und nach hinten genommene Weite . Der Beifall im folgenden grünen Hänger galt in gleich starkem Maße dem auf den Mantel a'bgestimmten glockigen Hut mit Kastanien-Ornamenten. Mit diesem Motiv. in verschiedensten Abwandlungen noch öfters zu sehen, hat Frau Franke-Weißgärber eine Mischung zwischen Hauch und Angezogensein geschaffen. „Erst im Hut sind die Frauen bessere Diplomaten“, sagte eine Dame neben mir Zwischendurch etwas Grundsätzliches über die Herbst- und Wintermode: Bei den Kleidern ist es der Pariser „Haute couture“ noch nicht gelungen, den nach wie vor beliebten Glockenrock ganz zu verdrängen. Der von Paris gewünschte und dort bereits beliebte enge Bleistiftrock ist für die hochbeinigen und starkhüftigen Damen unter keinen Umständen ein Wagnis. Außerdem geht die Tendenz auf weiterhin einfarbige Stoffe hin, nachdem man sich die vielen Blümchen- und Schlangenmuster übergesehen zu haben scheint. Man wird in den kommenden Monaten an den Abendkleidern viel Taft mit Brokat-Effekten sehdn. und nur Perlen und Pailetlen lockern die Linie auf. Die Farben sind etwas abgemattet, man nimmt g^rne Goldgelb, Lindgrün, Türkis. wobei Goldgelb als geradezu modische Farbe angesehen werden kann.... Der hellblaue Mantel, an zehnter Stelle vorgeführt, war ein Märchen in Farbe und Preis, und die Geige, „Fatmes Märchen“ dazu spielend, wurde von bewundernden Rufen des Publikums übertönt. Endlich das erste Phantasie-Kostüm: Lindgrün mit glockigem Schoß und Persianerbesatz. Die roten Haare und die Weiße des Gesichtes kontrastierten zu dem Kostüm, und so galt der Beifall, anhaltend, der Komnosition des Gesamtbildes. Diese Vorführdame und eine andere. mit selbstsicherem schalkhaftkokettem Lächeln, verdankten die mehr als freundlichen Blicke, und zwar durchaus nicht nur von der Männerwelt, der richtigen Manequin-Eleganz mit schleifend hochbeinigem Gang und jener Gemessenheit der Bewegungen, die auf Eignung a priori oder gute Schule deutet. ... Bei „parlez moi damour“ und einem schwarzen, eleganten streng konservativen Kostüm, darunter eine Pikee-Bluse mit Lochstickerei und dem großen Florentiner. klatschte man so oft. daß die Dame ein zweites Mal um die Säule herumgehen mußte, die den Raum, in Sinne des Wortes, sichtlich unterbricht. Das störte etwas, zumal nach den Wollkleidern. plissiert, und sie waren nicht teuer, die folgenden Abendkleider von allen Seiten gesehen sein wollten. In schwarz und violett mit farbig unterlegter Durchbrucharbeit. Um diese Zeit ging Herr Oberbürgermeister Metzger in Begleitung seiner' Frau schon fort. Weitere Prominenz: Herr Professor Neuber mit Frau. Sie trug, es gehört hierhin, einen plissierten Jersey-Rock und eine lichtblaue Wollbluse mit passender Jacke...
Leider muß ich schon bei dem 60. Modell sein: schwarzes Abendkleid, bestickt, nebst entzückendem Hut mit Samtgamitur. Abendkleider mit Boleros würden noch sehr gerne gesehen und gezeigt, unter denen das Modell „Tizian“ mit Samtmieder besonders auffiel. Das rosa Federgesteck auf dem Kopf war ein Hauch. Zum Schluß als Fortissimo: alle Manequins noch einmal, und Frau von Hadeln sagte: „Vielen Dank für Ihre reizende Aufmerksamkeit.“ Sehr geehrte gnädige Frau, wenn etwas gekonnt ist, braucht man keine Angst vor der Presse zu haben. ng.
Eine atemberaubende Fülle herrscht hinter den Kulissen der Modenschau. Foto: Hilde Roth
WIE-WIRD-DAS-WENER
Wetterbesserung Am Montag wolkig, zeitweise aufgeheitert, nur noch geringfügige Niederschläge. Mäßig warm. Mittagstemperaturen um 20 Grad. Südwestliche Winde. Weitere Aussichten: überwiegend freundlich und warm.
Wohin gehen wir hente?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Volkshochschule: 19.30 Uhr, Technische Hochschule, Raum 168, Vortrag Dr. Carl Frey (Karlsruhe): „Die Weltanschauung Berdjajews“.
Wagner - Konzert erõffnet neue Spielzeit
Vielleicht hat man die hundertjährige Wiederkehr der Lohengrin-Aufführung (25. August 1850 durch Liszt in Weimar) zum Anlaß genommen, die neue Saison mit einem Wagner-Konzert einzuleiten. Das Programm läßt allerdings nichts davon verlauten. Vielleicht glaubte man durch die eigenartige Stellung, die Wagners „Gesamtkunstwerk“ zwischen Opernbühne und absoluter Musik einnimmt, eine Kombination der örtlichen Orchester-Verhältnisse herstellen zu können. Denn die aufgeführten Ausschnitte aus Lohengrin, Walküre, Siegfried. Meistersinger und Tristan entstammen der Sphäre des musikalischen Theaters. Und doch geht ihnen auch im Konzertsaal an Wirkung nichts verloren. Oper und Konzert, beides wird ja hier vom Landestheater-Orchester bestritten, sind also gleicherweise an diesem Abend in Erwägung gezogen worden.
Ist es aber allen Besuchern in diesem Wagner-Konzert“ klar geworden, daß ein berechtigter und schon zu Lebzeiten Wagners erhobener Vorwurf gegen sein Werk daß es weder das absolute Drama noch die absolute Musik gefördert oder gebracht habe, aber auch das Gesamtkunstwerk nicht restlos erstehen ließ, hier auffällig eine Beweisstütze erhielt. Ich meine damit, daß diese angebliche Opernreform Wagners die Musik zu einer Stellung im lyrischen Drama emporhob, wo ihre Vorherrschaft so allmächtig wurde daß sie vom eigentlichen Drama losgelöst werden konnte, um ihr eigenes T eben zu führen. Das konnte nicht einmal die „Konzertoper“ des 17. und 18. Jahrhunderts in der die locker aufgereihten Da-capo-Arien doch schließlich lyrische Stücke für menschliche Stimmen waren Wenn also die Wagnerianer meinten, durch das Gesamtkunstwerk haben das absolute Drama und die absolute Musik ihre Existenzberechtigung verloren, so wird das nicht nur durch die unleugbare Herrschaft der Musik in Wagners Dramen hinfällig, sondern andererseits auch durch den gleichzeitigen Aufstieg von Drama und absoluter Musik bei Ebsen und Brahms. Der „Tristan“, Vorspiel und Isoldes Liebestod kamen zur Wiedergabe, hat aber schließlich gerade wegen seiner konsequenten Zwiespältigkeit nicht umsonst jene revolutionäre Bewegung ausgelöst, die teilweise heute noch nicht überwunden ist. Dabei spielte das harmonische Erlebnis zwar die größere Rolle, aber auch das theatralische sprengte Tradition und Konvention und überließ der Zukunft ein Vakuum dramaturgischer Gestaltungsprobleme.
Bei aller wohlgefälligen Entgegennahme Wagnerischer Klänge sollte man also die geistige Schau und Kritik — auch im Publikum — nicht vergessen. Die tätige Anteilnahme am Kunstinstitut des heutigen Theaters erfordert mehr als den Beifall, der einem Dirigenten, Orchester und Darsteller gespendet wird. Sie verlangt die Inbeziehungsetzung zur Gegenwart, sie verlangt den Vergleich zwischen dem Werk des Gestern und des Heute, zwischen dem, was früher noch nicht war und jetzt anders ist, anders als der Mensch und Künstler der Vergangenheit gegenüber dem Kunstwerk und der Welt unserer Zeit. Erst wenn wir alle wieder „zeitgemäß“ zu denken lernen, auch oder gerade in der Kunst, erfassen wir den Gedankengang Wagners, der nur dem Fortschritt galt und in der charakterlichen Hartnäckigkeit des Bayreuther Meisters so weit in die Zukunft zielte, daß wir in der gegenwärtigen Musik mit den oben angedeuteten Auswirkungen noch nicht fertig geworden sind.
Das Landestheater-Orchester, Martha Geister, Charlotte Raab, Franz Köth und Willibald Vohla waren in gleich verdienstvoller Weise unter der Leitung von Richard Kotz um den wohlgelungenen Abend bemüht. Die Stadthalle wies in den Stuhlreihen manche Lücke auf. Das Publikum ging beifallsfreudig mit den Konzertierenden mit.
Ein Nachwort: Die Bühne der Stadthalle feiert noch kein hundertjähriges Jubiläum. Trotzdem machen die kahlen, vernagelten und verkratzten Wände, die Balken an der Decke und die unschöne, stets etwas geöffnete Tür im Hintergrund einen recht abgenutzten Eindruck. Man sollte die Macht der Gewohnheit nicht über Verbesserungsmöglichkeiten Herr werden lassen. Auch das Auge des Konzertbesuchers verlangt nach einem schönen Bühnenrahmen! G. I.
Ein Film im Zwiespalt der Meinungen
„DIE LADY VON SCHANGHAI“ IM THALIA
Nach der Vorstellung war das Publikum in verschiedene Lager geteilt. Einmal konnte man hören: So ein Mist, na, mir reicht’s wieder für einige Zeit. An der Straßenbahnhaltestelle stand eine Gruppe, die in heller Begeisterung von diesem Film sprach. Und zwischen diesen beiden Exponenten gab es Besucher, denen die Handlung „zu verwickelt“, die „Ausführung“ aber hervorragend erschien.
Eigentlich ist es ein Kriminalreißer von unerhörter Intensität. Es geht um die Frage: Wer hat hier wen ermordet? Oder was noch viel gewichtiger ist: Wer wollte hier wen ermorden? Aber das ist nur der äußere Rahmen. Vielmehr legt der Film mit seiner — zugegeben, verworren erscheinenden — Handlung menschliche Abgründe frei, die im allgemeinen einer falschen „Aesthetik“ wegen fein zugedeckt oder tunlichst umgangen werden. Die letzten inneren Bindungen an eine Konvention sind hier gelöst, der Mensch steht sich selbst nackt gegenüber. Es mag bedacht werden, daß auch hier dem Besucher ein „Menschenbild in unserer Zeit“ entgegentritt. Haarscharf stehen Gut und Böse jeder einzelnen der drei Hauptfiguren nebeneinander, gegeneinander und gehen in einer verwirrenden Form ineinander über. Eine ganz andere, nur scheinbar neue Art des menschlichen Seins wird hier exemplifiziert.
Orson Welles erkennt sehr wohl das Böse, und über seine Triebhaftigkeit hinaus, sein Nur-dem-jetzt-leben hinweg, vermag er die Konsequenz zu ziehen. Er sieht den Abgrund, weicht aber nicht vor ihm zurück, verfällt ihm nicht, sondern überspringt ihn — und geht gelassen seinen Weg weiter.
Anders Everett Sloane, der Rechtsanwalt, der sehr wohl um das Dämonische im Menschen weiß, es kristallklar definiert, sich dessen bewußt ist, daß diese Kraft in ihm vernichtend tätig ist, und sie bei anderen erkennt, ihr aber hoffnungslos verfallen ist. Nicht aus Resignation, sondern in der bewußten Ausnutzung und Anwendung dieser Kräfte für seinen Beruf.
Zwischen beiden steht Rita Hayworth, Frau des einen, Geliebte des anderen, bereit, Mörderin für beide zu sein. War es bei den Männern noch Kampf um sich selbst und gegen den anderen mit geistigen Waffen schärfsten Intellekts, so ist es bei der Frau ein Sichführenlassen von der ihr eigenen Urtriebkraft. Sind die Männer in ihrem Denken durch ihr Handeln noch logisch erfaßbar, so ist dal bei der Frau einfach nicht mehr möglich Sie ist sprunghaft in Gut und Böse. Geradezu selbstverständlich liebt und haßt sie scheinbar wahllos. Darum ist sie auch die gefährlichste, diejenige, die jene bedrückende Atmosphäre gibt, die, bewußt oder unbewußt erlebt, über dem ganzen Film liegt. Man fragt sich manchmal, wo bei ihr die Grenze zum Wahnsinn schon überschritten ist, die von den anderen oft haarscharf gestreift zu werden scheint. Und doch sind sie alle so grauenhaft menschlich wahr gegeben, daß man vor sich selbst Angst bekommen könnte.
Was Orson Welles aus seinem eigenen Drehbuch gemacht hat, ist eine Meisterleistung. Das ist Film, hier sind neue Wege gezeigt und beschritten. Die Fülle der Einfälle, Effekte, die Unzahl der angezogenen technischen Mittel ist noch kaum dagewesen. Da gibt es nicht eine Kameraeinstellung, die als „erprobt und für gut befunden“ an irgendeiner Stelle wiederkehrte. Da ist die Beleuchtung derart Mitträger der Handlung, daß sie eine eigene Rolle übernommen hat. Da wird z. B. nicht mit Personen gespielt, sondern mit ihren Schatten. Da ist die Szene im Spiegelkabinett, die den Höhepunkt der Depression und ihre Beseitigung zugleich darstellt. Es würde zu weit führen, all das zu rekonstruieren, womit sich dieser Streifen die Bezeichnung „Film“ verdient hat.
Zweifellos, es ist ein Experimentieren, und wer rosarote Hollywoodfilme und heurigenklingende Wiener Filme als seine Spezialität bezeichnet, wird zumindest überrascht sein. Wo es aber dort mit der Weisheit der Regisseure zu Ende war, da fängt hier Orson Welles erst an. Dies zu
erleben macht die „Lady von Schanghai“ zusammen mit dem, was bei der Handlung „dahinter steckt“, sehenswert. hn
STARKENBURG
Starke Münner
Als em Freitag der erste Beigeordnete des Zwingenberger Stadtrates die für diesen Abend einberufene Sitzung eröffnete, mußte er mit Bedauern die Beschlußunfähigkeit feststellen. Was war geschehen?
SPD und CDU hatten durch die Herren Haller und Belloff an den Beigeordneten einen Brief gerichtet, in dem sie den Willen unterstrichen, nicht eher wieder an einer Sitzung teilzunehmen, bis die Beschuldigungen gegen ihn, der an den Tumultszenen der vergangenen Bürgermeisterwahl ihren Angaben nicht unbeteiligt gewesen sein soll, sich als richtig oder nicht haltbar erwiesen hätten. Wobei gleichzeitig an der Geschäftsfühlung des Beigeordneten eine Kritik geübt wurde, über deren Richtigkeit von außenstehender Warte nichts gesagt werden kann. In jedem Falle erklärten sich die Fraktionen beider Parteien erst dann zu weiteren Beratungen bereit, wenn die polizeilichen Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt haben.
Soweit die Verlautbarung. Man ersieht aus ihr, daß unser nach Zwingenberg gesandtes Redaktionsmitglied nicht unrecht hatte, wenn er den Vorgängen des vergangenen Freitags die Schlagzeile gab: „Der Kampf geht weiter!“ — Was man allerdings bei den Männern, die sich mit ihrem Brief die weitere kommunalpolitische Mitarbeit in Zwingenberg vorläufig unmöglich machten, vergessen hatte, war die Tatsache, daß nach § 53 Absatz 4 der Gemeindeordnung die Möglichkeit besteht, über die gleiche Tagesordnung zu verhandeln, wenn der Gemeinderat erneut einberufen wird, der dann selbst durch die Abwesenheit der übrigen Gemeinderäte voll ibeschlußfähig wird.
Da also damit zu rechnen ist, daß die starken Männer der SPD und CDU an der heute abend erneut einberufenen Stadtratssitzung nicht teilnehmen werden, wird man die Tagesordnung ohne sie ablaufen lassen, da von vornherein die Beschlußfähigkeit gesichert ist. Ihre Abwesenheit wird Ihnen, der Empörung der Bevölkerung bei der Bürgermeisterwahl gemäß, als deren Uebeltäter sie nun einmal allgemein angesehen werden, keine Lorbeeren einbringen. Im Gegenteil. Klar denkende Menschen werden aus ihrem Verhalten die Konsequenzen ziehen. Sicherlich nicht heute und morgen in einer Art und Weise, die auffällig ist. Wohl aber bestimmt bei den Ende des Jahres stattflndenden Landtagswahlen, die natürlich keinerlei Einfluß auf die Zusammensetzung des Zwingenberger Stadtrates haben, die aber den starken Männern der SPD und CDU deutlich zeigen werden, wie das politische Gefüge in Zwingenberg eine Veränderung erfahren hat. In letzter Linie durch ihr eigenes Verhalten.
Selbst wenn sie im Recht sein sollten, daß der Beigeordnete Anstifter zu den Tumultszenen oder deren Förderer war, wird man ihnen nicht vergessen, daß sie es waren, die die Arbeit des Stadtrates insofern erschwerten, als durch ihr Fernbleiben die Beratung notwendig erachteter Probleme verzögert wurde.
Dem Obst auf den Zwingenberger Bäumen kann es schließlich gleich sein, wann es geerntet wird. Den Zwingenbergern selbst wahrscheinlich nicht. Denn ehe es zu Fallobst wird, das überreif von den Bäumen fällt, wird man es wohl so aufkaufen wollen, daß man noch längere Zeit davon hat.
Das nur nebenbei. Immerhin dürfte anzunehmen sein, daß diese Aktion nicht so im Sinne der Wähler der beiden streikenden Fraktionen ist, wie viele vielleicht annehmen. So daß es also unrecht wäre, damit die Anhänger und Mitglieder beider Parteien mit dem Verhalten ihrer Vertreter zu identifizieren. Es dürfte genügend unter ihnen geben, denen dieses Theater zuwider ist, die den starken Männern nicht so hold sind, wie diese es annehmen.
Schließlich aber ist es gleich, auf welche Art und Weise man sich unbeliebt macht. Wenn das Zwingenberger Obst nur überhaupt noch geerntet werden kann. Man könnte sich vorstellen^ daß im letzten Augenblick die Frau des Stadtrats X. von der Y-Partei der starken Männer Wert darauf legt, mitzusteigern. Dann wird die Sache peinlich. Oder lächerlich. Es sei denn, „man“ kaufe das Obst in diesem Jahre Von außerhalb. Arco.
Was aǔch interessiert:
Für Menschen in seelischer Not findet die nächste Beratungsstunde im Kreisgesundheitsamt Erbach, Nees-v. -Esenbeck-Straße, am Dienstag, 12. September,
Das zweite Lichtspielhaus für Nauheim eröffnete am vergangenen Wochenende im Saalbau Kohl. Kb
Gestohlen wurden 70 DM aus der Küche eines Altwarenhändlers aus Eppertshausen. Das Geld fand man wenig später auf einem im Hof stehenden Benzinfaß, mit einer Kiste zugedeckt, wieder. Der Täterschaft konnte der Althändler W. K. aus Dieburg, der sich zuvor längere Zeit in der Küche aufgehalten hatte, überführt werden. RG
Rund 16 000 Besucher hatte bis jetzt die Werbe- und Verkaufsmesse, die anläßlich des 13. Bergsträßer Winzerfestes in B en she i m stattfindet, zu verzeichnen. DT
Durch einen Sturz aus zwei Meter Höhe zog sich ein Einwohner von Herg ers - hausen an der Wirbelsäule erhebliche Verletzungen zu. Er mußte sofort ins Kreiskrankenhaus eingeliefert werden.
Aus Schwermut erhängte sich der 91- jährige Ph. H. aus Büttelborn in der Nacht zum Samstag cg.
Die Leiche eines am 2. September bei Mannheim ertrunkenen Holländers wurde am Donnerstag gegen 12.30 Uhr bei Stockstadt geländet. cg.
Mit einem Defizit schließt der Waldwirtschaftsplan der Gemeinde Bauschheim ab, da umfangreiche Kulturarbeiten durchzuführen waren. Kb
Parlament im Schatten des Schlosses
Randbemerkungen zu einer Lindenfelser „Gememderatssitzung“
Wenn der Vater der schönen Klara Dett zeitig genug nach Lindenfels verzogen wäre, hätte man ihn in Augsburg nicht aufgehängt. Die Tochter des süddeutschen Ratsherrn wurde jedenfalls von dem Kurfürsten Friedrich von der Pfalz linkshändig geehelicht, während das Vorhandensein der Söhne, es war nicht mehr abzuleugnen, später durch päpstlichen Erlaß sanktioniert wurde. Nach dem Tode des Kurfürsten kam Klara auf die Burg Lindenfels in Hausarrest.
Zur Geschäftsordnung! Meine Damen und Herren, der alte Herr Dett wäre selbstverständlich hier nicht verurteilt worden, da erstens die Todesstrafe abgeschafft ist und in diesem Fall zweitens die Frage, aus welchen Gründen der Bankraub in Augsburg stattfand, in die Geschäftsordnung aufgenommen werden müßte. (Hört, hört! Auf den Bänken der Linken.)
Der Abgeordnete Kiesewetter meldet sich zum Wort. Ermahnende Worte des Vorstehers: ich bitte bei der Sache zu bleiben, bitte Herr Kiesewetter: „Solange nicht die Grundlöhne erhöht sind und die städtischen Witwen genügend Unterstützung bekommen, lehne ich es als Sprecher meiner Fraktion ab, in die Debatte über strafmildernde Gründe frühkapitalistischer Herrscher bzw. deren Ausschreitungen gegen die angestammten Rechte der kleinen Bürger einzugreifen.“ ;,Zur Geschäftsordnung“, ruft ein Sprecher den Rechten: „Ich betone hier nochmals, daß ich keinerlei Aufwandsgelder von dem Kurfürsten von der Pfalz bekommen habe, und daß außerdem die Gesellschaftsordnung der früheren Zeit eine andere war, daß man beim gegenseitigen Begießen mit heißem Teer keine Klassenunterschiede kannte.“
Zur wirklichen Geschäftsordnung: so geht das nicht, das sind Parteistreitigkeiten, die nichts mit sachlicher kommunaler Arbeit zu tun haben. Und aus diesem Grund hat eben das - vom-Stein-Institut zu ernster Betrachtung und kameradschaftlicher Zusammenarbeit kommunale Mitarbeiter aus den verschiedensten Gemeinden Hessens eingeladen. Am letzten Tage des 15. Lehrganges wurde unter Leitung von Herrn Hoffmann als Extrakt der vier Lehrtage eine parlamentarische Sitzung einberufen, die den Teilnehmern den glatten Ablauf und die ernsthafte Arbeit, die dort geleistet werden soll und muß, nahelegen wollte. Es ist erstaunlich, zu sehen, mit welcher Gewandtheit sich die einzelnen Herren dieser wichtigen Aufgabe entledigten.
Zur Sache: Der gestellte Antrag, daß ein Abgeordneter, der vor einigen Jahren wegen Steuerhinterziehung zu 6 Monaten Gefängnis bestraft war, ausgeschlossen werden sollte, trifft auf Schwierigkeiten und gegensätzliche Meinungen.
Abgeordneter H.: „Ich bitte veranlassen zu wollen, daß der Bestrafte von den Sitzungen auszuschließen ist, und zwar im Interesse der Sauberkeit der Verwaltung und allgemeiner Ehrenhaftigkeit.“ Ein anderer Abgeordneter, ein hagerer Michael Kohlhaas: „Ich bitte dem Hinterzieher eine Rüge erteilen zu wollen. Die Presse ist hier im Saal und außerdem hören das unsere Steuerzahler.“
Eine weitere Meinung eines Mannes mit gutmütigem Gesicht und Knebelbart: „Das ist ja alles nicht so schlimm, wer, meine Herren, hat von Ihnen in der R-Mark-Zeit keine Steuern hinterzogen?“ Anfang einer stürmischen Debatte.
Ein Stop und Erklärung des Lehrgangsleiters: „So gehts wiederum nicht, da wir von uns aus nicht berechtigt sind, strafbare oder nicht strafbare Handlungen der Parlamentsmitglieder festzulegen. Außerdem verzetteln wir uns in nichtsachlichen Abhandlungen. Zudem kann die Presse nicht nur eine Berichterstattung geben, sondern hat auch das Recht betrachtende Meinungen zu publizieren.“ Der Bürgermeister schaute durch die Blmuentöpfer, als er bei dem Antrag auf Gehaltserhöhung natürlich nicht dabeisein durfte. — Neues vorzügliches Abrollen und verblüffend gute Dialektik nach schon vier Tagen intensiver Beschäftigung mit der Materie. — Die unabhängige Freiheitspartei ist der Meinung, dem Bürgermeister das. Gehalt zu erhöhen. Daß der Antrag von der Partei kam, von der er ge'wählt wurde, rief Oppostion auf der Linken wach. Sachliche Argumente versuchen den Mittelweg zu finden. Es folgt Abstimmung, bei der es 15 zu 15 steht, jdoch der Vorsteher mit seiner Stimme für die Gehaltserhöhung entscheidet.
Dann Erklärungen des Leiters zu der geglückten, darf man sagen, Generalprobe. Es ging reibungslos. Die Damen tuteten nicht „in Frauenrecht unter allen Umständen“, sie dürften überhaupt für parlamentarische Arbeit gut geeignet sein —, und die Herren, leider liegt das Durchschnittsalter bei 50, schwammen kräftig in dem doch recht neuen Milieu parlamentarischer Debatten.
Zur Geschäftsordnung: Der alte Bürgermeister von Lindenfels ist noch im Amt, sein Gehalt ist auch nicht erhöht und man findet, er habe die Berechtigung, an Dienstdauer es mit dem alten Lindenfelser Schloß gleichzutun.
Nudelkisten auf der Kirchbergstraße
Bergsträßer Jugend fuhr ihr großes Rennen
Schon seit Wochen war das „Nudelkisten-Rennen“ in Bensheim das Hauptgespräch bei den 10—14jährigen und mit Eifer und Sachkenntnis wurde gehämmert und geklopft, um Besitzer eines recht zünftigen Rennwagens zu werden. Während die einen möglichst kleine und leichte Wägelchen bevorzugten, waren die anderen für großartige Aufmachung. Dichtgedrängt harrten die Menschenmassen dann am Sonntag entlang der Kirchbergstraße der Dinge, die da kommen sollten und die Polizei hatte schon ihre Last, die Zuschauer in Schach zu halten.
Bürgermeister Treffert, Beigeordneter Seidel, Vertreter des Landratsamts und der-fresse waren erschienen, um diesem Ereignis beizuwohnen. Und da kamen sie auch schon: der „Feuerteufel“, der „Nudelkisten-Blitz“, die „Schnecke“, „Möve“ und wie sie alle hießen. Mancher scheiterte an der schwierigen Kurve am Uebergang über die Darmstädter Straße, wo auch noch holpriges Pflaster zu überwinden war. Aber zum Glück gab es keine ernsthaften Verletzungen und die kleinen Schrammen mögen wohl bald vergessen sein.
Als das Rennen beendet war, zog die große Menschenmenge in das Winzerdorf, wo Bürgermeister Treffert die Siegerehrung vornahm und die stolzen Sieger unter dem Beifall der Menge ihre Ehrenrunde fuhren. Es sei geplant, so führte der Bürgermeister aus, dieses Rennen im nächsten Jahr noch weit größer aufzuziehen und „vielleicht mache dann auch der Bürgermeister und seine Beigeordneten mit“. Die Namen der glücklichen Sieger sind: 1. Walter Büchler, Bensheim, auf Wagen 10 mit 37 Sekunden Fahrzeit; 2. Peter Gmei n e r, Bensheim, mit 37,4 Sekunden; 3. Horst Deppert, Bensheim, mit 37,8 Sekunden; 4. Kurt Jeckel, Bensheim; 5. Horst Werner, Bensheim; 6. Rudi Geierhaas, Zwingenberg, der im Vorlauf mit 31 Sekunden die beste Leistung erreicht hatte, aber beim Entscheidungsrennen durch einen Unfall ins Hintertreffen kam. HB.
Die Marktfahne weht über dem Gerauer Land
Eröffnung des Groß-Gerauer Herbstmarktes / Umzug in historischen Kostümen / Arbeitskreis für Volksbildung gegründet / Wiedereröffnung des Heimatmuseums „Gerauer Land“
Dichte Reihen Schaulustiger säumten am Samstagnachmittag die Straßen Groß-Geraus. Um 14 Uhr war es schon kaum mehr möglich, auf den mit Menschen verstopften Bürgersteigen weiterzukommen. Aber bald klangen Fanfaren und Landsknechtstrommeln auf, die Leute reckten die Hälse — und ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht:
Junge Burschen in bunten Landsknechtsuniformen eröffneten den Zug. Fanfarenbläser und Trommler, ebenfalls in Landsknechtsuniformen, zogen hinterdrein. Ihnen folgten drei Reiter, von denen der eine die Marktstandarte aus dem Jahre 1596 mitführte, sowie der Ratsschreiber, dem drei weitere Landsknechte folgten. Dann kam der Henker mit seinem Schwert, ein Schreck für die zahlreichen Kinder. In würdigem, schwarzem Bürgermeisterkleid schritt sodann Gemeinderat Schneider einher, der für die .Markttage als Amtsbürgermeister fungiert. Ihm folgte der zufrieden schmunzelnde Bürgermeister Dr. Lüdecke mit dem Gemeinderat.
Auf dem Marktplatz angelarfgt, machte der Zug halt; Trommeln und Fanfaren klangen nochmals auf, und der Ratsschreiber verlas vom Pferd aus die alte Marktordnung. Nachdem der Amtsbürgermeister zu der Menge gesprochen hatte, forderte Bürgermeister Dr. Lüdecke die Bevölkerung auf, mit ganzem Herzen an der Ausgestaltung des Herbstmarktes mitzuwirken, und dankte dem Gemeinderat sowie besonders auch dem Verkehrsverein, ohne deren tatkräftige Mitwirkung die Gestaltung des Herbstmarktes nicht möglich gewesen wäre. Drei Böllerschüsse kündeten dann den Beginn des Marktes an und der Markttrubel lebte auf.
Arbeitskreis für Volksbildung gegründet
Ernste und heitere Stunden hatte Bürgermeister Dr. Lüdecke in seiner Rede zur Markteröffnung angekündigt, und einige von diesen ernsten Stunden nahmen schon bald darauf im historischen Rathaussaal ihren Anfang. Hier hatten sich aus dem ganzen Kreisgebiet und auch aus anderen Städten Leute zusammengefunden, die mit anpacken wollten, um die Volksbildungsarbeit im Kreis Groß-Gerau für den kommenden Winter zu gestalten.
Der Bürgermeister der Kreisstadt dankte in seiner Begrüßung den zahlreichen Gästen für ihr Erscheinen und legte das goldene Buch auf, in welches sich die Gäste eintrugen. Ein Vertreter des Schwalbacher Arbeitskreises schilderte, wie in ihm die Menschen für Volksbildungsarbeit und Jugendpflege auf den verschiedensten Wissensgebieten herangebildet werden. Auch sei die menschliche Begegnung ein Ziel, das man in dem Schwalbacher Haus besonders berücksichtige.
Landrat Harth betonte in seiner Rede, daß die Qualität eines Volkes sich von seinem kulturellen Stand herleite. Auch solle die Volksbildungsarbeit die Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfe fördern. Schulrat Schwedes meinte, die Lehrer seien nicht nur für die Kinder da, sondern müßten sich auch um die Erwachsenenbildung bemühen.
Im Kino Sandböhl zeigte sodann der Schwalbacher Arbeitskreis in einem Film, wie fähige Diskussionsleiter herangebildet werden. Das Groß-Gerauer Resident Office und die Stadtverwaltung hatten in der Schillerschule für Kaffee und Kuchen vorgesorgt. Dort wurde dann auch die Tagung weitergeführt. Nach der Wahl eines Diskussionsleiters erklärte ein Vertreter der Darmstädter Volkshochschule die Bereitschaft derselben, die Volksbildungsarbeit im Kreis Groß-Gerau tatkräftig zu unterstützen. Er empfahl, die Volksbildungsarbeit in zwei Richtungen wirken zu lassen. Einmal wäre es vorteilhaft, wenn in Diskussionen sich durch die Begegnungen der Meinungen fruchtbare Ideen herausbilden würden. Andererseits solle ein zeit- und wirklichkeitsnahes Wissen vermittelt werden. Auch - Kreisgewerkschaftssekretär Strähler empfahl bei der Volksbildungsarbeit Themen zu wählen, die die Arbeiter auch wirklich ansprechen. Hierzu machten zwei Vertreter aus Kelsterbach die Feststellung, daß sich für das doch gewiß aktuelle Thema des Mitbestimmungsrechtes in Kelsterbach nur wenige Interessenten gefunden hätten. Gäste aus Goddelau sagten, daß sie gute Erfolge gehabt hätten, indem sie an Filmvorführungen des Resident Office Diskussionen angeknüpft hätten.
Ein Vertreter des Kultusministeriums, der sich mit der Volksbildungsarbeit eingehend beschäftigt hatte, stellte fest, daß die Volksbildungsarbeit häufig nach veralteten Methoden betrieben werde. Der Arbeiter wolle Dinge wissen, die ihn auch wirklich berühren. Es käme nicht darauf an, einen Menschen mit Wissen vollzustopfen, sondern es wäre vielmehr wichtig, den Menschen zu einem mitdenkenden und mitarbeitenden Staatsbürger zu erziehen.
Nach diesen Ausführungen erklärten sich eine Anzahl Anwesender bereit, sowohl in organisatorischen Fragen wie mit Referaten gemeinsam an der Volksbildung im Kreis Groß-Gerau zu arbeiten.
Heimatmuseum wieder eröffnet
Am Sonntagmorgen wurde um 11 Uhr in einem kurzen, feierlichen Akt das Heimatmuseum „Gerauer Land“ wieder eröffnet. Bürgermeister Dr. L ü d e c k e begrüßte in seiner Ansprache den Präsidenten der amerikanischen Steuben-Gesellschaft Hoffmann, der sich bereits seit einigen Wochen im Kreis Groß-Gerau aufhält. Ebenso richtete der Bürgermeister Begrüßungsworte an die anwesenden Familienangehörigen des verstorbenen Heimatforschers Wilhelm Hermann Diehl, der das Heimatmuseum gegründet hatte. Ihm soll in Kürze der seit langem geplante Gedenkstein gesetzt werden. Nach einem Fanfarenmarsch besichtigten die Anwesenden die Sammlungen des Museums, die teils im Ehrenhof des Rathauses, teils im Erdgeschoß des mit dem Rathaus verbundenen Wachthauses untergebracht sind. Wir brachten bereits in unserer Ausgabe vom 20. Juli einen ausführlichen Bericht über die Schätze des Gerauer Heimatmuseums.
Am Nachmittag war dann auf dem Marktplatz ein reges Treiben, dem auch das recht zweifelhafte Wetter nichts anhaben konnte. Hierbei ging es dann von Mund zu Mund, daß am Sonntagmorgen um 3 Uhr das Markt-Kind geboren wurde, für das von der Firma Lahr ein Kinderbett mit Zubehör gestiftet war. Bunte Benzinautos ratterten unermüdlich über Holzplanken, kleine Pferdchen trabten emsig in der Runde und Kinder klammerten sich mit angstvollem Stolz auf ihrem Rücken fest. An einer anderen Stelle donnerten die Motorräder der Steilwandfahrer kurz, es war für jeden etwas da.
Bürgermeister Lüdecke bei der Eröffnung des Marktes. Links neben ihm der 1. Beigeordnete. Gerlach, ganz links Amtsbürgermeister Schneider Foto: Suchy
Die wohl meistbeachtetste Gruppe aus dem Festzug: Der ganz in rote Bekleidung gehüllte Scharfrichter mit seinen Gehilfen Foto: Suchy-
Es muß furchtbar peinlich sein, wenn ein Landsknecht seinen Schnurrbart verliert. Jedenfalls auch zum Lachen, wie es die beiden Mädels selbst an sich erfahren konnten Foto: Suchy
Die alte Marktfahne mit der geheimnisvollen Inschrift DRKMF, die bisher noch niemand entziffern konnte Foto: Suchy
Der „Berlichinger“ erobert Groß-Umstadt
Umstädter Woche 1950 vom 23. September bis 1. Oktober
Wollte man sich an den allgemeinen Sprachgebrauch halten, so müßte ge- ^ebe? --den- daß sich die „Odenfür ihr traditionelles ^/^tumliches Heimatfest „rüstet“. So steht das auch — bis auf das „Rüsten“ tt HauPtausschuß für die Umstadter Woche herausgegebenen Prospekt und es hat sicher damit seine Richtigkeit.
Denn wer in diesen Tagen auf dem Wege in den Odenwald dessen Pforte eben Grpß-Umstadt — passiert, den grüßen schon, ehe man der ersten Häuser ansichtig wird, die Werbetafeln mit dem von Hartmuth Pfeil geschaffenen Wahrzeichen des Umstädter Volksfestes, das böse Zungen einmal als Lebkuchengäulchen bezeichneten. In der Stadt selbst sind Spruchbänder aufgehängt, die zum Besuch der Umstädter Woche auffordern und in den Gasthäusern, an den Stammtischen, beim „Brigge-Ohl“ und bei „de Frankfurtern“ sitzen ehrenwerte Bürger und disputieren, wer nun was von der Riesenarbeit schaffen soll, die am Ende dann doch von den Männern geleistet wird, die nicht an den Stammtischen sitzen können. Und zu schaffen gibt es eine ganze Menge. Denn neben dem Pferdemarkt, dem Ursprung der Umstädter Woche, findet ja auch eine Gewerbemesse, eine ERP-Schau und das Winzerfest statt. Daneben veranstaltet der Bezirk Starkenburg der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Karnevalvereine seine Herbsttagung, die Lehrer des Kreises Dieburg treffen sich und die Ortsgewerbevereine benutzen die Umstädter Woche ebenfalls zu einer Zusammenkunft. Der Umstädter Landsgemeindetag hält am 1. Oktober seine Haupttagung ab und wird dabei wieder einmal mehr seine Daseinsberechtigung nachweisen wollen.
Es wird also schon allerhand los sein in Groß-Umstadt und damit unsere Leser aus dem Odenwald sich in der Fülle der Veranstaltungen durchfinden, veröffentliehen wir nachstehend die wesentlichen Punkte des Programms.
Samstag, den 23. September: Pferdemarkt, Eröffnung der Gewerbemesse, Eröffnung des 4. Odenwälder Winzerfestes, 6. Naturweinprobe in der Säulenhalle des Rathauses, Empfangsabend der Karnevalisten.
Sonntag, den 24. September: Herbsttagung des Bezirks Starkenburg der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Karnevalsvereine, Festspielszene „Ritter Götz von Berlichingen erobert anno 1518 Umbstat“, großer Festzug.
Montag, den 25. September: Tagung der Lehrer des Kreises Dieburg, Tagung der Ortsgewerbevereine.
Im Laufe der Woche Tagungen verschiedener Organisationen, über deren Termine wir noch berichten.
Samstag, den 30. September: Heimatabend der Umstädter Vereine im Winzerdorf.
Sonntag, den 1. Oktober: Sportliche Wettkämpfe, Haupttagung des Umstädter Landgemeindetags.
Das Winzerdorf ist geöffnet am Samstag, Sonntag, Montag (23.-25 September) Sonntag, Montag (30. September und 1. Oktober). Die Säulenhalle des Rathauses und die Verkaufs- und Werbemesse können vom 23. September bis 1. Oktober besucht werden, während die ERP-Ausstellung vom 23.—27. September geöffnet ist. Wir sehen, ein umfangreiches Programm, zu dessen gutem Gelingen sich viele Hände rühren. -eha-
Ein gastliches Heim für die lugend
Die Einweihungsfeierlichkeiten der Erbacher Jugendherberge
Die Inbetriebnahme des Hauptgebäudes der als erster Neubau des Deutschen Jugendherbergwerkes nach 1945 errichteten Jugendherberge in Erbach gestaltet sich am Samstag und Sonntag zu einem Fest der wandernden Jugend und ihrer Freunde.
Bereits am Samstagmittag waren zahlreiche Jugendgruppen aus allen Teilen Hessens und die Spielschar des Evangelischen Gemeindedienstes Württemberg, „Der Ruf“, sowie führende Mitglieder des Jugendherbergsverbandes in Erbach eingetroffen. Trotz Sprühregen wurde ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt zum Marktplatz veranstaltet. Die im Schloßhof vorgesehen gewesene Feier war in die Stadtkirche verlegt worden, wo Ministerialrat Heinrich Hassinger, der 1. Vorsitzende des Gesamtvorstandes über die zur Gemeinschaft hinführende Idee des Jugendherbergswerks sprach. Die Spielschar „Der Ruf“ brachte anschließend das Mysterienspiel „Der Totentanz“ von Aloys Lippi in einer für Laienspielgruppen außergewöhnlichen Vollendung
zur Aufführung. Am Sonntagvormittag gaben sich zur Hauptfeier vor der neuen Jugendherberge an der Eulbacher Straße Vertreter des hessischen Kultusministeriums, des Regierungspräsidenten Darmstadt, des Landrats Wink (Darmstadt), der Kreis- und Stadtverwaltung von Erbach, der politischen Parteien, der Schulen und der Geistlichkeit beider Konfessionen mit den Mitgliedern des Hauptvorstandes, des Landesverbandes Hessen und des Bezirksverbandes Darmstadt des DJH sowie zahlreiche Abordnungen der Jugendbünde und viele Einwohner Erbachs und Michel-
stadts ein Stelldichein. Ein Posaunenchor mit über 50 Bläsern leitete den Festakt ein. Stadtpfarrer Hahn für die evangelische und Pfarrer Rudershausen für die katholische Gemeinde setzten an den Beginn der Ansprachen geistliche Segenswunsche. Dann ergritt der- Vorsitzende des Landesverbandes Hessen des DJH, Oberbürgermeister Dr. h. c Kolb (Frankfurt) als Hausherr das Wort zur Begrüßungs- und Wehere e. Mit dieser Jugendherberge, die zu den schönsten zwischen Alpen und Nordsee gerechnet werden könne, sei wieder ein Schritt vorwärts getan. Es bleibe aber die Verpflichtung, an diesem Werk nicht müde zu werden und der Jugend weitere Heime zu bauen. Das Geld, das von Staat und Gemeinde in Jugendherbergen angelegt werde, trage tausendfältige Früchte und erspare den Bau von Kranken- und Siechenhäusern. Oberbürgermeister Dr. Kolb übergab den Schlüssel der neuen Jugendherberge an den Herbergsvater, Architekt Heinrich Kirchner, nach dessen Plänen die Herberge errichtet wurde. Ministerialrat Hassinger zeichnete im Rahmen seiner Ansprache den anwesenden Gründer und Ehrenvorsitzenden des Deutschen Jugendherbergswerks, Richard Schirrmann, mit der goldenen Ehrennadel des Internationalen Jugendberbergsverbandes aus. Referent Dr. Schlusche (Wiesbaden) versicherte im Auftrag des Kultusministers Dr. Stein, daß die Regierung stets das Jugendherbergswerk fördern werde. Ministerialdirektor Friedrich überbrachte mit ähnlichen Zusicherungen die Grüße der Reeierunesnräsidenten.
xvegiei ungspi dbiuvu ich. Landrat Neff gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue Herberge ein wesentlicher Beitrag zur Förderung des Fremdenverkehrs im Odenwald werden möge. Bürgermeister Volk gab einen Ueberblick über das Werden der Jugendherberge in Erbach. Für Landrat Wink (Darmstadt) sprach Kreisamtmann Dieterich die Hoffnung aus, daß es auch dem Kreis Darmstadt gelingen möge, eine so schöne Jugendherberge zu erhalten. Der Oberprimaner Ernst Schmerker (Michelstadt) sprach für die Jugend den Dank an die Männer des Jugendherbergswerks aus. Den Reigen der Festredner beschloß der „Vater“ des DJH, Richard Schirrmann, mit einem Rückblick über die mehr als 40 Jahre Arbeit des Verbandes.
Der Iglauer Singkreis schmückte die Feiern mit Liedern und Volktänzen aus. —ch-
Große Tagung um kleine Tiere
Imker trafen sich in Bensheim
Gestern fand in Bensheim im Rahmen des Winzerfestes eine Kreistagung der linker statt. Der Vorsitzende des dortigen Bienenzuchtvereins, Herr Kraft, konnte unter den Gästen Herrn Dr. Lang von der Landwirtschaftskammer, den Landesverbandsvorsitzenden Herrn Kräge und den Geschäftsführer Herrn Heß begrüßen. Er wünschte der Tagung einen vollen Erfolg und übergab das Wort an den Leiter der Versuchsanstalt für Bienenzucht und Seidenbau in Marburg, Herrn Dr. Dreher, der das Hauptreferat der Tagung übernommen hafte.
Dr. Dreher griff mit vorzüglichem Einfühlungsvermögen die Probleme auf, die für den Imker auf der Hand liegen, und versuchte sie grundsätzlich zu lösen. Als vornehmliche Schwierigkeit bezeichnete er die mangelhafte Zuckerversorgung, die bis zum heutigen Tage schon zu einer erheblichen Schädigung, oft sogar zum Hungertode vieler Völker geführt hätte. Dank einer ungenügenden Planung seitens der Bundesregierung sei die Lage heute noch schlechter als in den Jahren nach dem Kriege. Man sei gezwungen — da eine Zuckerzuteilung vor Beginn der Zuckerkampagne nicht mehr zu erwarten, sei —, mit der Einfütterung bis zum Oktober zu warten, was zwar grundsätzlich zu spät, praktisch aber durchaus noch durchführbar sei. Bei dem milden Klima habe man nämlich beobachtet, daß, solange die Bienen noch fliegen, es für die Hauptfütterung nicht zu spät sei. r
Was die Rentabilität der Bienenzucht angehe, solle man nicht mit einer Preiserhöhung für Honig rechnen. Dr. Dreher riet den Liebhaberimkern, sich nicht vor der Nachzucht von Königinnen zu scheuen. Im übrigen müßte man auch den Bienenseuchen rechtzeitig zu Leibe rücken. Die Praxis erweise, daß kranke Völker, im Januar ausgerottet, keine dauernde Schädigung des Standes verursachten.
Eine besondere Sorge galt der unsachgemäßen Spritzung und Bestäubung in der Landwirtschaft. Es wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß bereits geöffnete Blüten unter keinen Umständen mit Schädlingsbekämpfungsmitteln erreicht werden dürften. Ein in diesem Jahr verabschiedetes Gesetz gewährt .dem Imker unter allen Umständen Schutz.
Schließlich kam Dr. Dreher auf die viel zu wenig genutzte Gelegenheit der Waldtracht zu sprechen. Bienenstände, die versuchsweise seit Jahren im Walde stünden, lägen mit ihren Durchschnittserträgen fast überall über dem Durchschnitt. Wenn sich die Imker alle in Versuchsanstalten gewonnenen Erkenntnisse nutzbar machten, wenn es ihnen gelänge, ihre Völker früher trachtreif zu machen, dann sei die Rentabilität viel eher gesichert.
An das Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion. Dabei zeigte es sich, daß bei Wein und Bier sich unendlich viel besser reden läßt als auf trockenen Stuhlreihen. Kä.
Tod auf der Straße
Mit einer 750 er BMW gegen einen Lastwagen
Am „Unteren Hammer“ bei Michelstadt vor der Gastwirtschaft „Zur Traube“ rannte am Samstagabend gegen 21 Uhr der 39 jährige Kraftfahrzeugschlossermeister Jakob Germann aus Steinbach mit seiner 750 er BMW-Maschine in voller Fahrt gegen den Aufbau eines am rechten Straßenrande parkenden und vorschriftsmäßig beleuchteten Lastkraftwagens. Der Motorradfahrer wurde in hohem Bogen etwa 10 m weit auf die Straße geschleudert, wo er mit schweren Kopfverletzungen liegenblieb. Der Tod trat auf der Stelle ein. Sein Motorrad wurde schwer beschädigt, -ch.
Arbeitstagung des evaugelischen Hilfswerks
Diakonische Mitarbeiter in Gernsheim
Heute werden sich die diakonischen Mitarbeiter des Hilfswerkes der evangelischen^ Kirche in Hessen zu ihrem diesjährigen Dekanatstreffen in Pfarrsem Jahre wiederaufgebauten Pfarr kiShe in Gernsheim versammeln. Die mit diesem Treffen verbundene Ar-XteX zu der als Leiter des evange fischen Hilfswerkes, Pfarrer DD. Fricke, der Geschaits^ führer Dr. Ufflacker und der Deka natsobmann Pfarrer Dr. Ha u boM e - scheinen werden, wird sich inl der Haup sache mit den Losungen des kürzlichistatt_ gefundenen Kirchentages in Hessen b schäftigen. .
Für die evangelische Diasporagemeinde ÄÄ bedeutet die Verlesung der diesjährigen Arbeitstagung in ihre, Pto kirche eine hohe Anerkennung. Dank d r Initiative des jungen Pfarrers K lo ß . der viele Jahre in Spanien und im Orient war, gelang es, das nach dem Kriege stark e Sütterte kirchliche Leben in der G - meinde wieder zu erneuern und zu_ festi gen und darüber hinaus auch da m d fetzten Kriegstagen wiederherzustellen. Ptarrei . ari 2ch vor allem auch der Jugendarbeit an und rief eine Theatergruppe ins £ebe^ deren Darbietungen nicht nur g achtung fanden, sondern auch mit dazu beitrugen, die für den Wiederaufbau der Kirche notwendigen Mittel zu beschaffen, kr.-
Erbacher Posaunentag
Der Posaunenchor Erbach hatte, am Sonntag die Posaunenchöre von Waldmichelbach, Schaafheim, Reichelsheim, Ober-Ramstadt, Langstadt und Rothenberg zum Posaunentag des Bezirks Odenwald zu Gast. Am Vormittag wirkten die vereinigten Bläser bei der Einweihung der Jugendherberge mit. Im Evangelischen Gemeindehaus schloß sich eine mehrstündige Chorschulung unter Leitung von Forstmeister Kalbhenn (Neustadt) und Obmann der Posaunenchöre für Starkenburg, Emig (Roßdorf), an. Dabei wurde besonders die den Posaunenchören zukommende Aufgabe bei der Einführung der evangelischen Kirche herausgestellt. Als Abschluß fand auf dem Marktplatz ein Choralblasen sämtlicher Chöre unter Beteiligung von über hundert Bläsern statt. Lauerbach hatte durch den Posaunentag sein erstes Platzkonzert. Der Posaunenchor von Waldmichelbach, der von Lauerb.acher Einwohnern bewirtet worden war, hatte zum Dank für seine Gastgeber das Konzert in der Mittagsstunde veranstaltet. -ch.
Einen Riesenkürbis konnte Herr Heinrich Hörr, Ober-Ostern, in seiner Baumschule ernten. Der Kürbis hat einen Umfang von 1,80 Meter
Arnsberger Sänger in Bensheim
Der Tod war mitgekommen
Der zum Winzerfest in Bensheim erwartete Sängerbesuch aus Arnsberg in Westfalen traf wie vorgesehen am Samstag ein und veranstaltete am Abend mit dem Bensheimer „Liederkranz“ einen Bunten Abend im „Bensheimer Hof“. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Bürgermeister Treffert die Gäste mit launigen Worten. Er drückte seine Verbundenheit mit Arnsberg aus, in dem er selbst einige Jahre gelebt hatte. Als Geschenk spendete Bürgermeister Treffert dem Arnsberger Verein 12 Flaschen Wein. Hierauf ergriff der Vorsitzende des Gesangvereines Arnsberg, Koch, das Wort, dankte den Bensheimern, insbesondere dem Bürgermeister für die gastliche Aufnahme und überreichte als Gegengeschenk ein Bild des Arnsberger Glockenturms. Im weiteren Verlauf des Abends sang der Arnsberger Verein unter Leitung von Musikdirektor Blume drei Männerchöre. Der Bensheimer „Liederkranz“ brachte wieder seinen neuen Vereinsspruch, das von Josef Stoll gedichtete und Rudolf Hagen vertonte und bei der Eröffnung des Winzerdorfs uraufgeführte Lied „Meine Bergstraße“ und die beliebte „Bauernhochzeit“ zu Gehör.t
Während des folgenden allgemeinen Tanzes erlitt plötzlich ein Mitglied des Arnsberger Gesangvereins einen Schlaganfall und mußte in einen Nebenraum gebracht werden, wo es kurz darauf verstarb. HB.
Strienz singt in Heppenheim
Wilhelm Strienz gibt am Sonntag, dem 17. September, um 20.30 Uhr, in der Stadthalle Heppenheim einen Liederabend. Neben den Arien verschiedener Opern und etlichen klassischen Liedern stehen immer wieder gewünschte Nummern seines Repertoir, wie „Rose im Schnee“, „Old man river“, „In der Waldschenke“ und „Dunkelrote Rosen“ auf dem Programm. prs.
Astronomen in Erbach
Über 80 Teilnehmer des zur Zeit in Heidelberg stattflndenden Internationalen Astronomenkongresses besuchten auf Einladung von Erbgraf Franz zu Erbach-Erbach, selbst einem Liebhaber-Astronomen, die Kreisstadt, wo sie die Sammlungen des gräflichen Schlosses besichtigten und anschließend im Schloßcafe zu zwanglosem Gedankenaustausch weilten. -ch.
Nicht geisteskrank
Wie wir erfahren, ist die 39jährige Ehefrau Elisabeth Heil aus Crumstadt inzwischen wieder aus der Nervenklinik Heidelberg entlassen worden. Die Heil steht bekanntlich in dem dringenden Verdacht, gemeinsam mit dem Stockstädter Einwohner Karl Rückert dessen Ehefrau Helene im März dieses Jahres erdrosselt und in die Schwarzbach geworfen zu haben.
Bei den seitherigen Vernehmungen hatte sie vier verschiedene Geständnisse abgelegt, die sie aber später widerrief. Die Vermutung, daß die Verdächtige geistig irgendwie gestört ist, hat sich nicht bestätigt. Die eingehende Untersuchung in Heidelberg ergab, daß die Heil geistig normal und zurechnungsfähig ist.
Der Ehemann Rückert, der sich ebenfalls in Untersuchungshaft befindet, bestreitet nach wie vor, mit dem Mord an seiner Frau etwas zu tun zu haben. Die Verhandlung, die voraussichtlich im Dezember dieses Jahres vor dem Schwurgericht in Darmstadt stattfindet, dürfte zu einem der interessantesten und schwierigsten Mordprozesses der Kriminalgeschichte werden.
Die Anklage arbeitet zur Zeit Staatsanwalt Freiherr von Schenck aus. Die Akten über diesen Fall nehmen einen immer größeren Umfang an. Die Verteidigung von Karl Rückert hat, wie wir erfahren, der Darmstädter Rechtsanwalt Dr. Feigel übernommen. wst.
Ausgeglichener Waldwirtschaftsplan
Oeffentliche Gemeinderatssitzung in Bad König
Wesentlicher Bestandteil der letzten Sitzung des Gemeinderates von Bad König war die Besprechung des Waldwirtschaftsplanes. Er sieht eine Einnahme von insgesamt 20 000 DM vor, denen Ausgaben in Höhe von 10 925 DM gegenüberstehen. Die restlichen 9 000 DM werden durch die Fortsverwaltungskosten, Versicherungen und Finanzeinlagebeträge aufgebraucht. In der Debatte wurde auf den schlechten Zustand der Waldwege hingewiesen. Die vorgesehene Menge an Brennholz erschien zu niedrig. Im Hinblick darauf, daß der Wald unbedingt vor Raubbau geschützt werden müsse, sprachen sich alle Gemeindevertreter für den neuen Waldwirtschaftsplan aus.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden zwei Baugesuche, ein Neubau in der Berggartenstraße und ein Ausbau in der Bahnhofstraße, genehmigt. Der Gemeinderat beschloß fernerhin, während der Ferien einen Schulsaal in der neuen Schule instandzusetzen und die sanitären Anlagen im alten Schulhaus zu verbessern. Es ist vorgesehen, den Eingang zu den Aborten von der Schulstraße her zuzumauern und einen neuen Zugang von den Innenräumen des Schulhauses aus zu schaffen. Hierbei wird mit einem Kostenaufwand von 800 bis 1000 DM gerechnet. Eine Bürgschaft von 5000 DM wurde ebenfalls von der Gemeinde übernommen. pi.
Leiche wieder ausgegraben
Die Leiche einer 74 Jahre alten Frau aus Roßdorf wurde jetzt wieder ausgegraben, nachdem sie erst am Freitag beigesetzt worden war. Verschiedene Verdachtsmomente wiesen auf einen unnatürlichen Tod hin. Das Wohnhaus der Verstorbenen wurde einer eingehenden Untersuchung durch die Kriminalpolizei unterzogen. Die Ermittlungen sind noch im Gange.
Mit dem Kopf
gegen Scheinwerfer
Ein vierjähriges Mädchen lief vor der Kinderschule in Zwingenberg über die Straße und geradewegs in einen vorbeifahrenden PKW. Durch die Geistesgegenwart des Fahrers, der seinen Wagen fast auf der Stelle stoppte, wurde ein Ueberfahren des Kindes verhindert. Das Kind, das mit dem Kopf gegen den rechten Scheinwerfer schlug, wurde erheblich verletzt und befindet sich in ärztlicher Behandlung. (HB)
KB-Versammlung in Roßdorf
In einer gut besuchten Versammlung des Verbandes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen am Freitagabend im Saale des Gasthauses „Germania“, sprachen der Vertreter des Bezirksverbandes, Herr Meckes, und der Bezirkssekretär Pritsch über das kommende Bundesversorgungsgesetz und akute Fürsorgefragen. sl.
Modernes Löschfahrzeung
Am Sonntagvormittag wurde vor der Erbacher Festhalle ein neues landeseigenes Brandlöschfahrzeug, das erst vor wenigen Tagen aus den Magirus-Werken, Ulm, eingetroffen war, im Betrieb vorgeführt und durch Regierungsrat Zörgiebel und Kreisbrandinspektor Küchler in die Obhut der Freiwilligen Feuerwehr Erbach übergeben. -ch.
Fotos und Bũcher
Preisrätsel des Verkehrsvereins Bensheim Bei dem vom Verkehrsverein zum Winzerfest aufgegebenen Preisrätsel kamen 15 Sieger heraus, und zwar gab es sieben Preise mit je einer Agfa-Box zum Preise von 9,90 DM und acht Gutscheine für je ein Buch zum Preise von 4—6 DM. (HB)
meldungen aus den Landleisen
DARMSTADT-EAND
Nieder-Ramstadt. Der Vorstand des Ortsgewerbevereins, der unter Vorsitz von W. Steinmann im „Darmstädter Hof“ zusammenkam, beschloß, den von anderer Seite angeregten Zusammenschluß der Ortsgewerbevereine zu einem Gewerbeverband vorläufig zurückzustellen. Es wurde dabei betont, daß die Mehrzahl der Mitglieder bereits in ihren Innungen und Fachschaften zusammengeschlossen seien und der Ortsgewerbeverein mehr die Aufgabe habe, sich rein örtlicher Angelegenheiten im Interesse seiner Mitglieder anzunehmen. Im Verlauf des Abends kamen noch der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Doerr, über Verschönerungsfragen, sowie W. Schuchmann über Bauangelegenheiten zu Wort. Her.
Pfungstadt. Im evangelischen Gemeindehaus sprach Pfarrer Ufer (Babenhausen) über seine „Flucht aus Rußland“. Die Versammlung des Männerwerks war besonders von Heimkehrern gut besucht. ler
DIEBURG
Dieburg. Bei der Neuabgrenzung der evangelischen Dekanate im Visitationsbezirk Starkenburg wurden die Kirchengemeinden Dieburg und Groß - Zimmern aus dem Verband des evangelischen Dekanats Groß-Umstadt herausgenommen und dem neugeschaffenen Dekanat Reinheim angegliedert. se
Altheim. Der Evangelische Kirchenvorstand und die Kirchengemeindevertretung beschlossen auf ihrer letzten Sitzung die Reparatur der Orgel, die Erneuerung des Außenverputzes am Pfarrhaus und die Gewährung einer Vergütung für den Dirigenten des Posaunenchors. Am 17. September findet in der Gemeinde eine Haussammlung für die Innere Mission statt. se Münster. Durch grobe Unvorsichtigkeit wurde ein 13jähriger Junge schwer verletzt. Der Schüler, der mit anderen Jungen am Ortsausgang in Altheim „Motorradrennen“ spielte, fuhr mit seinem Rad einem aus der Ortschaft kommenden Motorradfahrer direkt in die Maschine. Er wurde in das Kreiskrankenhaus Dieburg eingeliefert. -gi-
ERBACH
Ober-Ostern. Eine 260 Meter lange Strecke der Gemeindewasserleitung, die schon seit längerer Zeit schadhaft ist, soll einem Beschluß des Gemeinderates nach neu belegt werden. Die Erdarbeiten müssen in Selbsthilfe von den einzelnen Verbrauchern geleistet werden. Nach dem Eintreffen der Rohre wurde nun mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen, ptoo.
Sandbach. Zum Wiesenvorstand wurden von der Gemeinde die Landwirte Georg Marquard und Georg Schwinn verpflichtet. —hm—
Lützel-Wiebelsbach. Der Gemeinderat entschied, die Hauptlehrerstelle an Frl. Menger zu übertragen, die schon mehrere Jahre an der hiesigen Volksschule tätig ist. —hm—
Bad König. Am Dienstag, dem 12. September, findet in der neuen Schule eine Mütter- und Säuglingsberatungsstunde statt. Die Mütter werden gebeten, sich um 15 Uhr einzufinden. — Der neugegründete Kohlenverein hat im Zuge der Winterversorgung mit der Belieferung seiner Mitglieder begonnen. Wie im Monat August, kommen auch in diesem Monat größere Mengen Kohlen aller Art zur Verteilung. Pi.
BERGSTRASSE
Wahlen. Bis zum 13. September liegt auf der Bürgermeisterei der diesjährige Haushaltsvoranschlag zur allgemeinen Einsicht offen.
Mörlenbach. Da alle im Bereich der hiesigen Arbeitsamtstelle zur Verfügung stehenden Arbeitslosen für den Straßenbau in Oberabtsteinach eingesetzt sind und weitere Arbeitskräfte dringend benötigt werden, sollen sich auch weitere nicht registrierte Arbeitswillige auf den Baustellen einflnden. -r.
Eulsbaeh. Auf Anregung der Gemeinderäte und verschiedener Einwohner wird am kommenden Mittwoch eine Bürgerversammlung stattfinden, die sich mit Einzelheiten des neuen Haushaltsplanes und verschiedenen aktuellen Gemeindefragen befassen wird, -r
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Die Schülermitverwaltung des Realgymnasiums für Jungen veranstaltet heute um 14.30 Uhr in der Aula des Realgymnasiums ein Tanz-
kränzchen. cg Stockstadt. Am 22. September wird das Obst der Gemeinde Stockstadt meistbietend versteigert. Die Steigerer treffen sich um 8 Uhr am Rheintor. Die Ernte des Obstes kann erst am darauffolgenden Samstag, dem 23. 9., erfolgen. kr. Biebesheim. Am Mittwoch, 20 Uhr,
hält der FDP-Kreista :s bg ordne e Fronhoff in der Gastwirtschaft Wirthwein eine offen'liehe Sprechstunde ab. cg
Gernsheim. Heute, Montag, dem 11. September, um 9 Uhr, wird auf der Bürgermeisterei, Zimmer 4, ein Eber aus dem Faselstall meistbietend versteigert.
Der Sport
SV 98 Darmstadt mit 3:0 zu hoch geschlagen
Fürth wackelte eine Stunde lang, aber die 98er schossen das entscheidende Tor nicht / Der Sturm der Darmstädter stark verbessert, aber ohne Glück / Fürths größere Routine entschied das Spiel / Großartige Fußballdemonstration vor 14 000 Zuschauern
Der erste ausgesprochen schwere Gegner, den die Darmstädter auf ihrem Platz empfingen, waren die Fürther „Kleeblättler“. Wenn die 98er auch nicht allzu siegesgewiß in dieses Treffen gehen konnten, so haben sie doch im Laufe dieser 90 Minuten gezeigt, daß sie wohl imstande sind, zu einer Form aufzulaufen, die ihnen als Neuling in der süddeutschen 1. Liga jedenfalls einen guten Namen machen wird. Es war nicht ausgesprochenes Unvermögen, wenn ihnen kein Treffer gelang ... das war ausgesprochenes Pech. Denn die^ Darmstädter haben insgesamt über eine Halbzeit lang ihrem an Erfahrung weit überlegenen Gegner tüchtig zu schaffen gemacht. Das Tor der Fürther war mehr als einmal in größter Gefahr. Alles in allem brauchen sich unsere Darmstädter Oberligisten dieser Niederlage keineswegs zu schämen.
SV Darmstadt 98: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Bohmann, Mühlbach, Thalheimer, Herwig, Becker I. Spielvereinigung Fürth: Höger; Knoll, Plawky; Göttinger, Vorläufer, Erhardt; Frosch, May, Hofmann, Appis, Nöth.
Zuschauer: 14 000. Schiedsrichter: Wunder (Viernheim).
Der Anstoß der Darmstädter wird von den Fürthern abgefangen, ihre beiden ersten Torschüsse macht Dr. Barth zwar zunichte, aber sie geben schon einen leichten Begriff von dem, was zu erwarten ist. Noch ist die erste Spielminute nicht vorüber, da nimmt der semmelblonde Hofmann eine Flanke von Halblinks auf, läuft allein davon und schießt ungehindert scharf in Fußhöhe durch Dr. Barths Beine ins Tor. Den Darmstädter Wiederanstoß trägt Herwig vor, seine Hereingabe zu Thalheimer war gut gedacht, ebenso wie Thalheimers Schuß, aber der Fürther Tormann steht gut zum Gegner und fängt das Leder. Den ersten Anflug der später sehr dicken Pechsträhne spürt man bei Bohmanns Schuß nach einem recht schönen Flankenlauf, denn der Ball geht über die Auslinie. In der 10. Minute zeigen Hofmann und May gutes Verständnis untereinander, ein kurzes Dribbling und Mays Schuß zischt aufs Tor, prallt aber von Dr. Barths Brust ins Feld zurück. In der 11. Minute nimmt Herwig eine Darmstädter Ecke auf, gewinnt sein Duell gegen den zurückgegangenen May, der Ball läuft mehrere Male vor dem Fürther Tor hin und her, geht aber schließlich ins Aus. Während dieser recht aufregenden Sekunden wird Plawky in der rechten Hüfte verletzt und muß zunächst ausscheiden. Die Fürther nehmen Frosch von Rechtsaußen in die Verteidigung zurück, verteilen ihre 10 Mann aber so geschickt, daß trotz dieser Schwächung für die Darmstädter nichts herausspringt. In der 16. Minute nimmt Mühlbach eine Vorgabe von Herder auf, sein Schuß wird aber zur Ecke abgelenkt: Bohmanns Ball streicht an der Latte vorbei, und die Fürther Verteidigung kann ihn mit weitem Schlag in die Mitte des Spielfeldes geben. Die Angriffe der Gäste bringen erheblich mehr Gefahr vors Darmstädter Tor, Hofmann setzt zum Schuß an, aber Dr. Barth ist um ein Quentchen schneller und befördert den Ball zu seinem Sturm, dessen Aktion in der von der Läuferreihe oft verstärkten Fürther Verteidigung ausläuft.
Die „Kleeblättler“ kommen während dieser Zeit zu einem spielerischen Uebergewicht, das weniger zu einem Aufenthalt in der Darmstädter Hälfte führt, vielmehr seinen Ausdruck in kurz entschlossenen Schüssen aufs Darmstädter Tor findet. In sie teilen sich vor allem Appis, Hofmann und May. Soweit sie die Richtung zwischen die Pfosten finden, kann Dr. Barth in den meisten Fällen klären, soweit sie nicht gleich den Unglücksschüssen der Darmstädter am Pfosten vorbei oder über die Latte streichen. So endet ein sehr schönes und schnell aufgebautes Zusammenspiel Herwig-Thalheimer-Mühlbach in den Händen Högers. Ein Wechselball Mühlbach-Thalheimer wird von der Fürther Verteidigung gestoppt. All das fällt bereite in eine Zeit merklicher Darmstädter Ueberlegenheit.
Nach dem Wechsel erscheinen Bohmann auf Halbrechts und Mühlbach auf Rechtsaußen — Plawky war eine Viertelstunde nach seiner Verletzung wiedergekommen, aber auf Rechtsaußen eingesetzt worden, weil man ihm die schwere Arbeit des Verteidigers nicht mehr zumuten konnte—, und weiter gehen die vermehrten Darmstädter Angriffe aus der Fürther Hälfte heraus gegen Höger. Oft stehen nur drei Angriffsleute der Gäste auf „Darmstädter Gelände“, aber es sind die, die jedesmal empfindlich Wind machen. Die Darmstädter kommen sehr kräftig in Fahrt, sie erreichen eine Form, die den Ausgleich durchaus möglich erscheinen läßt, aber es ist wirklich das Pech, das sie verfolgt und ihnen keinen Zähler bringt. In der 72. Minute nimmt Knoll eine Hereingabe von der linken Außenlinie auf, gibt den Ball mit leichtem Schlenzer an Appis in die Mitte, der das 0:2 erreicht. Dieser Treffer vermindert aber den Darmstädter Druck aufs Fürther Tor keineswegs, der bis zur 82. Minute anhält, und da kommt wieder ein Durchbruch des Fürther Sturms. Nöth gibt von Linksaußen zu Appis herein und der markiert in der 82. Minute den dritten Trefer für die Gäste. Für den Rest der Spielzeit zeigen die Kleeblättler, die mit diesem Ergebnis offensichtlich zufrieden sind, in vielfachem Dreieckspiel schönen Schulfußball . . ~ die seit dem dritten Tor abwandernden Zuschauer versäumen nichts mehr, denn es bleibt bei diesem Ergebnis.
Es liegt uns völlig fern, einer Mannschaft, die gegen einen Stärkeren mit Fug und Recht verloren hat, einen tröstenden Grabgesang nachzuschicken, aber bei diesem Spiel war die Niederlage der Darmstädter in dieser Höhe wahrhaft ungerecht. Ihnen hätte nicht nur das Ehrentor zukommen müssen —, nein, das Schicksal hätte ihnen ohne weiteres ein zweites Tor zulassen sollen. Allein schon das Spiel der „Hellblauen“ der zweiten Halbzeit hätte zumindest ein 2:3 verdient gehabt. Außerordentlich stark beschäftigt und seiner Aufgabe durchaus gerecht wurde Dr. Barth im Tor, denn hinter allen Schüssen der Fürther saß Pfeffer. Daß ihm nur drei ins Gehäuse gingen, wovon uns allerdings die ersten beiden nicht unhaltbar erschienen, ist für ihn Lob genug. Die Verteidigung hatte bei solchem Sturm, wie ihn der Gegner brachte und vor allem bei solchem Torhunger Hofmanns, unerwartet schwere Arbeit, der sie sich immerhin zufriedenstellend entledigte, wenn sie auch in der ersten Zeit gelegentlich ins Schwimmen kam. In der Läuferreihe, die vor allem während der langen Drangperiode der Darmstädter ihren Sturm brauchbar fütterte, war Barth unstreitig der eifrigste, vielseitigste und ausdauerndste. Der Sturm war keineswegs lässiger oder gar schwächer als bisher — man kann ihm sogar fast mehr Durchschlagskraft zuschreiben —, aber gegen die Fürther Läufer und Verteidiger reichte sie nicht ganz aus. Außerordentlich wendig und von nimmermüdem Schaffenseifer Herwig, der unter Umständen (zu gegebener Zeit) auf seinem angestammten Posten noch mehr Druck hätte bringen können. Bohmann war auf Rechtsaußen „nur halb angezogen“; er mußte sich allzu stark nach einer Seite orientieren, als daß er seine ganze Fähigkeit und Geschicklichkeit auszuspielen vermocht hätte. Thalheimer sah man wohl an, daß er gut in diesen Angriff paßt, sein Debüt und dazu dieser Gegner haben ihn wohl doch an der Entfaltung seines Könnens gehemmt. Mühlbach fühlte sich durchaus wohl, aber an seinen Schüssen klebte diesmal ebensoviel Pech wie an denen seiner Nebenleute.
Bei Fürth fehlte zwar Schade, aber auch die Elf ohne ihn machte jederzeit einen so geschlossenen Eindruck, ihr Verständnis von Hüter über Verteidigung und Läuferreihe bis in den Sturm hinein war so offensichtlich, daß der Griff nach den beiden Tabellenpunkten gelingen mußte. Unter den Verbindern fiel wegen seiner besonderen Geschicklichkeit und seines klugen Aufbaus Erhardt auf, im Sturm waren in allererster Linie Hofmann und Appis die torhungrigen Spielmacher. (RG)
Höger wehrt mit der offenen Hand vor dem anspringenden Bohmann. Im Vordergrund Frosch (Fürth). Foto: Hemme
Die richtigen Tips
Hessen: 2,1, 1,1, 1,1, 1,1, 1, 1. Rheinland-Pfalz: 1,1,1, 0,1, 2,0, 0,2, 0 Bayern: 1,1, 1,1, 2,0, 1,1, 1,1, 0, 1. Württemberg-Baden: 1,1, 1,1, 0,2, 1, 1. 1,2, 1, 1.
Ueberraschendes 1:1 der Arheilger in Ulm
Die Arheilger haben bewiesen, daß sie wieder langsam im Kommen sind und das vor ihrem Kampfgeist sich die anderen Mannschaften wieder in acht nehmen müssen. Irgend jemanden aus der Mannschaft hervorzuheben, ist nicht angebracht, da sich alle genau nach ihrer Anweisung richteten und mit ihrem hervorragenden Kampfeinsatz das Ulmer Publikum in Erstaunen setzten.
Ulm 1846: Kulischenko; Baumeister, Grünsteuedl; Eberle, Klopf, Sick; Holdschür, Gorniak, Schmied, Joner, Schoy. Arheilgen: Seibel; Wenzel, Becker; Zöller, Kauth, Traser; Dilfer, Potrafke, Büttner, Lieber, Müllet. Schiedsrichter: Karger, Wasserburg. Zuschauer: 3000.
In der ersten Halbzeit drückten sofort die Ulmer die Arheilger in die Verteidigung. Die Hintermannschaft der Gäste richtete sich aber genau nach ihrer vorgeschrieben Taktik. Hierbei operierte der Mittelstürmer Müller als Offensiv-Mittelläüfer, so daß im Arheilger Sturm höchstens vier Mann die Angriffe vorwärts trugen.
Die Ulmer spielten nutzlos in die Breite, während Arheilgen wieder in der Hintermannschaft betonsicher war und mit langen Vorlagen in den Sturm die gegnerische Hintermannschaft ins Wanken brachte.
Nach zunächst verteiltem Feldspiel war es bereits in der 16. Minute, als Lieber zwischen zwei Ulmer Verteidiger sprang, die den Ball nicht wegbringen konnten. Lieber ließ beide stehen und sandte mit einem wohl überlegten Flachpaß ins linke Eck zum 1:0 für Arheilgen ein. Nun wollten es die Ulmer mit aller Macht schaffen, aber die Arheilger Hintermannschaft war auf dem Posten. In der 25. Minute war es erneut Lieber, der mit einem harten Schuß ins rechte Eck dem Ulmer Torhüter alles Können abverlangte, um einen weiteren Treffer verhindern zu können. In der 34. Minute rochierte der Ulmer Rechtsaußen Holdschür in einem Steilpaß auf Halblinks und konnte aus ungefähr 8 Metern Seibel schlagen und somit den Ausgleich herstellen. Unter den Anfeuerungsrufen der Ulmer Zuschauer versuchten die Einheimischen eine Wendung herbeizuführen, aber erfolglos. Die Arheilger Hintermannschaft kämpfte mit letztem Einsatz, im Gegenteil, bei einem „dropkik“ von Müller hatten sie Glück, da der Ball ganz knapp über die Latte strich. Kurz danach hatte Büttner bereits eine weitere Chance, die Arheilger zum Erfolg zu bringen. Frei vor dem Tor knallte er das Leder darüber.
In der zweiten Halbzeit glaubten nun die Ulmer, daß sie in der Kondition den Arheilgern überlegen sein würden. Aber ihre Rechnung ging nicht auf. Lieber als weit vorgeschobener Mittelstürmer war weit schneller am Ball als der Ulmer Mittelläufer Klopf, so daß immer wieder gefährliche Situationen vor dem Ulmer Tor entstanden. Auch Potrafke spielte sehr umsichtig und erfüllte seine Aufgabe ausgezeichnet, so daß die Ulmer langsam resignierten. Je einen Müller- und Dilfer-Schuß konnte der Ulmer Torhüter nur mit einem Hechtsprung aus der bedrohten Ecke holen. Bei einem sehr aussichtsreichen Vorstoß der Arheilger, bei dem Potrafke drei bis vier Meter vor dem Torhüter auf tauchte, pfiff der Schiedsrichter einen indirekten Freistoß iui- Arheilgen, anstatt die Vorteils-Regeln anzuwenden, so daß erneut eine Gelegenheit zum Arheilger Führungstor vergeben wurde Die Ulmer versuchten trotzdem mit aller Gewalt, den Sieg an ihre Fahnen zu heften. Aber einmal war es Traser, der mit letztem Einsatz eine Linksflanke aus der Gefahrenzone beförderte. In der 20. Minute der zweiten Halbzeit bombte Lieber von 25 Metern ans Außenetz. Das Spiel wurde sehr abwechslungsreich. Die beiderseitigen Angriffe wogten hin und her. In der 25. Minute hielt Seibel eine Freistoß-Bombe mit Bravour. Unmittelbar danach verletzte sich Büttner und ging mit einer Muskelzerrung nur mit halber Kraft in das weitere Spiel. In der Ulmer Hintermannschaft ragte vor allem der linke Verteidiger Grünsteudel hervor, der den Rechtsaußen Dilfer nicht zum Zuge kommen ließ. Trotzdem gelang es diesem, immer wieder seine Flanken anzubringen, in der sich einmal Potrafke mit einem großartigen Ballrückzieher hineinwarf, den der Torwart nur mit Mühe an sich reißen konnte. In der 39. Minute drückte Ulm die Arheilger mehr in die Defensive. Aber ihr Angriffsspiel konnte die Arheilger Hintermannschaft nicht aufreißen.
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Die Ergebnisse: 1. FC Nürnberg—Vfß Stuttgart 3:0 (Sa), VfR Mannheim—lß6o München 3:0, Darmstadt 98—Spvgg Fürth 0:3. Vfß Mühlburg—Reutlingen 8:1, FSV Frankfurt—BC Augsburg 0:0, Schwaben Augsburg—VfL Neckarau 7:3. 1 Bayern München—SV Waldhof 2:1. Kickers Offenbach—Eintracht Frankfurt 3:0.
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Die Ergebnisse: Duisburger SV — Preußen Münster 1:2, Rheydter SV — Horst Emscher 4:2, Schalke 04 — Hamborn 07 3:0, 1. FC Köln — Borussia München-Gladbach 6:2, Katernberg — Erkenschwick 0:0, Borussia Dortmund—Preußen Dellbrück 3:2, Fortuna Düsseldorf — Rot-Weiß Essen 2:1.
(Oberliga 11 erb
Die Ergebnisse: Oldenburg gegen Hamburger SV 1:1, Itzehoe — St. Pauli 1:2, Holstein Kiel — Werder Bremen 3:2, Hannover 96 — VfL Osnabrück 1:2, Bremerhaven — Cone. Hamburg 1:4, Eimsbüttel — Arminia Hannover 2:1, Bremer SV — Eintr. Osnabrück 4:2, Braunschweig — Göttingen 2:4.
(Oberliga Süibivcll
ASV Landau — Wormatia Worms 1:6 (0:3) Eintracht Trier —FV Engers 6:0 (2:0) 1. FC Kaisers!. — VfL Neustadt 3:0 (2:0) Andernach — Phönix Ludw'hafen 3:3 (2:1) Tura Ludw'hafen — FKPirmasens I*3 (0:1) Mainz 05 — VfR Kaiserslautern 0:0
dritter aljtu
München. (F. A. Z.) In der zweiten süddeutschen Liga konzentrierte sich das Interesse vornehmlich auf die Begegnung zwischen Bayern Hof und Jahn Regensburg. In einem harten und schnellen Kampf siegten die Platzherren 2:1. Nach dieser Niederlage der Regensburger ist keine Mannschaft mehr ohne Punktverlust.
Die Ergebnisse: Wacker München —SV Tübingen 6:1, ASV Cham —SV Wiesbaden 2:1, FC Freiburg—ASV Durlach 4:2, Stuttgarter Kickers —l. FC Pforzheim 6:3, Hessen Kassel — Viktoria Aschaffenburg 3:2, Bayern Hof — Jahn Regensburg 2'l 1. FC Bamberg —TSV Straubing 1:1, Ulm 46 —SG Arhcilgen 1:1, VfL Konstanz — Union Bückingen 0:2.
Hessische Landesliea
Hessen Hersfeld—Union Niederrad o'4 OlymP*» Lampertheim—Griesheim 02 1:0 Marburg—Germania Bieber 4:2 Eintr. Wetzlar-Rot-Weiß Frankfurt 1:0 SC«]S,lF^tSen"“ia Kassel 0:1 SC 03 Kassel—Vfß Biedenkopf 5.1 F2r^’\™da~Hessen Lichtenau 11:1 FC Rödelheim—VfL Kassel 4-1 HanL?q2Sev™~^P.vgg B»d Homburg 3:2 Hanau 93 Vfß Friedberg 2:2
| 1. FC Nürnberg | 4 | 8:0 | 7:1 |
| Bayern München | 4 | 12:4 | 7:1 |
| Vfß Mühlburg | 4 | 17:7 | 6:2 |
| Spvgg Fürth | 4 | 10:3 | 6:2 |
| Kickers Offenbach | 4 | 10:4 | 5:3 |
| Vfß Stuttgart | 4 | 9:5 | 5:3 |
| FSV Frankfurt | 4 | 5:2 | 5:3 |
| FC Schweinfurt | 3 | 4:4 | 4:2 |
| Schwaben Augsburg | 4 | 9:7 | 4:4 |
| VfR Mannheim | 4 | 13:11 | 4:4 |
| 98 Darmstadt | 4 | 9:10 | 4:4 |
| FC Singen | 3 | 5:8 | 3:3 |
| Eintr. Frankfurt | 4 | 5:8 | 3:5 |
| 1860 München | 4 | 3:7 | 2:6 |
| SV Waldhof | 4 | 3:7 | 2:6 |
| BC Augsburg | 4 | 3:7 | 2:6 |
| VfL Neckarau | 4 | 4:14 | 1:7 |
| 1. FC Köln | 3 | 10:2 | 6:0 |
| Borussia Dortmund | 3 | 10:3 | 6:0 |
| Preußen Münster | 3 | 6:2 | 6:0 |
| Schalke 04 | 4 | 9:2 | 5:1 |
| Rot-Weiß Essen | 3 | 9:3 | 4:2 |
| Fortuna Düsseldorf | 3 | 3:2 | 4:2 |
| Preußen Dellbrück | 3 | 4:4 | 3:3 |
| Katemberg | 3 | 4:5 | 3:3 |
| Spvgg Erkenschwick | 3 | 1:2 | 2:4 |
| Horst Emscher | 3 | 5:7 | 2:4 |
| Hamborn 07 | 3 | 3:6 | 2:4 |
| Rheydter SpV | 3 | 6:12 | 2:4 |
| Rot-Weiß Oberhausen | 2 | 1:2 | 1:3 |
| Alem. Aachen ’ | 2 | 0:6 | 0:4 |
| Duisburger SV | 3 | 1:4 | 0:6 |
| Bor. M.-Gladbach | 3 | 4:14 | 0:6 |
| FC St. Pauli | 3 | 12:3 | 6:0 |
| VfL Osnabrück | 3 | 11:3 | 6:0 |
| Hamburger SV | 3 | 13:3 | 5:1 |
| Eimsbüttel | 3 | 7:4 | 5:1 |
| Göttingen 05 | 4 | 15:8 | 5:3 |
| Bremerhaven 93 | 4 | 8:9 | 5:3 |
| Vf^ Oldenburg | 3 | 6:4 | 4:2 |
| Werder Bremen | 4 | 11:9 | 4:4 |
| Bremer SV | 4 | 9:10 | 4:4 |
| Eintr. Braunschweig | 3 | 5:6 | 3:3 |
| Altona 93 | 3 | 5:4 | 2:4 |
| Holstein Kiel ' | 3 | 5:7 | 2:4 |
| Concordia Hamburg | 3 | 6:14 | 2:4 |
| Armina Hannover | 4 | 7:7 | 2:6 |
| Hannover 96 | 3 | 3:5 | 1:5 |
| Eintb. Osnabrück | 2 | 2:5 | 0:4 |
| Wormatia Worms | 3 | 12:4 | 6:0 |
| Phönix Ludwigshafen | 3 | 16:3 | 5:1 |
| 1. FC Kaiserslautern | 2 | 5:1 | 4:0 |
| FK Pirmasens | 2 | W | 3:1 |
| Spvgg Andernach | 3 | 8:8 | 3:3 |
| VfR Kaiserslautern | 3 | 1:6 | 3:3 |
| Eintracht Trier | 2 | 6:1 | 2:2 |
| FV Engers | 3 | 4:9 | 2:4 |
| ASV Landers | 3 | 3:14 | 2:4 |
| Mainz 05 | 2 | 1:2 | 1:3 |
| VfL Neustadt | 3 | 2:7 | 1:5 |
| TuS Neuendorf | 1 | 1:3 | 0:2 |
| Tura Ludwigshafen | 2 | 2:5 | 0:4 |
| Der Tabellenkopf: | Bayern Hof | 4 | 8:3 | 7:1 |
| Kickers Stuttgart | 4 | 17:9 | 7:1 | |
| Jahn Regensburg | 4 | 10:3 | 6:2 | |
| ASV Cham | 4 | 7:4 | 6:2 |
| Borussia Fulda | Olympia Eampertheim | ||||||||
| SC 03 Kassel | Griesheim 02 | VfL Marburg | |||||||
| FC Rödelheim | Hermannia Kassel | 3 3 | |||||||
| 3 3 | |||||||||
| 3 2 | 3 2 | 3 2 | 3 2 | ||||||
| .3 9 | 0 | ||||||||
| 0 | 1 | 0 | 0 | 0 | |||||
| o | 0 | 0 | |||||||
| 0 | 1 | 1 | 1 | 18:3 6:0 | 5:1 6:0 | ||||
| 8:3 5:1 | 4:2 4:2 | 6:4 4:2 | |||||||
| 10:7 4:2 | o*o A .n | ||||||||
| Union Niederrad | 2 | 1 | 1 | o | 4:0 | 3:1 | 3:3 | 3:3 | 3:3 |
| 2:2 | 2:4 | 2:4 | |||||||
| Eintracht Wetzlar | 3 | 1 | 1 | 1 | 4*4 | ||||
| Opel Rüsselsheim | 3 | 1 | 1 | 1 | 8:10 | 5:8 | 6:6 | ||
| 5:3 | |||||||||
| VfL Biedenkopf | |||||||||
| FC Hanau 93 | Spiel verein Kassel | 3 | 2 | ||||||
| 3 | 1 | 0 | 1 | 1 | |||||
| 2 | o | 1 | 0 | ||||||
| 2 | |||||||||
| Spvgg Bad Homburg | 3 | 1 | 0 | 2 | 9:8 | ||||
| Rot-Weiß Frankfurt | 3 | 1 | 0 | 2 | 2:3 | 2:4 | 2:4 | ||
| 2:4 | 1:5 | ||||||||
| 0:6 | 0:6 | ||||||||
| Vfß Friedberg | 3 | 0 | 2 | 1 | 3:4 | ||||
| Germania Bieber | 3 | 1 | 0 | 2 | 5:7 | ||||
| Hessisch Lichten au | 3 | 0 | 1 | 2 | 2:16 | ||||
| Hessen Hersfeld | 3 | 0 | 0 | 3 | 1:8 | ||||
| VfL Kassel | 3 | 0 | 0 | 3 | 3:11 |
Der Fürther Torwart, der lange Ztit im Brennpunkt des Geschehens sthnd, meistert einen Schuß von Thalheimer. Foto: Hemme
Die Bezirksklasse am Sonntag
sten Veretee di der .Fuß^all-Bczirksklasse Darmstadt brachte für die mei- und ganzen ai V.11 Heimspiele, für andere den Start. Wenn sich im großen ten durchspin.« C tlle .aus der letzten Saison als spielstark bekannten Mannschafaurchsetzen konnten, so gab es dochmanchen „Fehltip“.
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Pfungstadt—Bobstadt 0:2 (0:2) Groß-Gerau—Bürstadt 3:2 (1:2) Groß-Rohrheim—Eberstadt 0:0 (0:0) Langen—Urberach 3:1 (0:0) Hof heim—Lorsch 0:2 (0:0) Roßdorf—Biblis 8:2 (3:1) Ober-Ramstadt—Bensheim 4:1 (1:0)
In der Gruppe I hat Roßdorf außerordentlich deutlich gegen Biblis gewonnen und damit seine 1949/50 bereits angestiegene Form erneut bestätigt. Groß-Rohrheim hat zu Hause zwar den Eberstädtern nicht beide Punkte abnehmen können, doch ist der torlose Ausgang des Spiels unbedingt ein Kompliment für die Gastgeber.
TSV Pfungstadt—Bobstadt 0:2 (0:2)
Die Pfungstädter verloren, wie befürchtet, die Punkte an die in jeder Hinsicht überlegene, einsatzfreudige und schußeifrige Bobstädter Elf, gegen die sie trotz allen Einsatzes durch ausgemachtes Schußpech nicht aufkommen konnten. Anfangs zeigten sie sich den Gästen durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen, doch bald drehte der Bobstädter Sturm auf und konnte in schönem Zuspiel das Führungstor erzielen, das der Torhüter hätte halten können, wenn er nicht die Bauchlandung in der Wasserpfütze gescheut hätte. Der nun aufkommende Elan des Gästesturms konnte nur mit Mühe von der Verteidigung gestoppt werden, doch gelang es selten, den Sturm mit Bällen zu füttern, hingegen mußte sich der Torhüter noch ein Tor gefallen lassen. In der 2. Halbzeit verhinderte nur katastrophales Pech den Ausgleich. Mittelstürmer Engel verließ das Feld wegen Erschöpfung, auch einigen anderen Pfungstädtern merkte man die wohl etwas zu üppig genossenen Kirchweihfreuden an. Die Bobstädter Torschützen waren Tremmös und Cornelius. md.
Groß-Ge»rau—Bürstadt 3:2 (1:2)
Die anfängliche klare Ueberlegenheit der Bürstädter ließ die Groß-Gerauer erst nach einer Viertelstunde in Fluß kommen. Eine Fußabwehr des Gerauer Hüters gab den Bürstädtern in der 9. Minute Gelegenheit zum Führungstreffer, den Mittelstürmer Kleber erzielte. In der 36. Minute setzt Ziegele mit Bombenschuß das Leder für die Einheimischen ins Netz. 6 Minuten später kann Kilian für Bürstadt den alten Torabstand wieder erreichen. Die zweite Halbzeit bringt den Gerauern hauptsächlich gegen Schluß eine ausgesprochene Spielüberlegenheit, die Hammel in der 73. Minute zum Ausgleich ausnutzt, und der Schmidt 10 Minuten vor Schluß mit dem viel umjubelten Siegestreffer deutlich Ausdruck gibt. L.
Groß-Rohrheim—Eberstadt 0:0
Auf dem Bruchplatz des Neulings Rohrheim lieferten sich die Mannschaften ein Spiel, das nur wenig über B- Klassen-Niveau stand. Das ganze Spiel war ohne besondere Höhe, lediglich Mitte der zweiten Halbzeit, als Rohrheim mächtig drückte, und innerhalb von fünf Minuten drei Riesen-Chancen vergab, bekam es etwas Farbe. Bis dahin waren sich beide Mannschaften gleichwertig. Dann kamen die Gäste, denen der hohe Rasen zu schaffen machte, bei dem schnellen Tempo nicht mehr mit und wurden in die Verteidigung gedrückt. Das Spiel stand unter dem Zeichen der beiderseits starken Hintermannschaften, gegen die die schwachen Sturmreihen nichts ausrichten konnten. Beiden Mannschaften fehlte im Sturm noch sehr viel, vor allem aber der schnelle, sichere Torschuß ist auf beiden Seiten zu vermissen. Groß-Rohrheim wird mit dem auf eigenem Platz gezeigten Leistungen einen schweren Stand in der Bezirksklasse haben.
VfR Langen—Viktoria Urberach 3:1 (0:0)
Langen zeigte in seinem ersten Spiel gegen Urberach eine großartige Leistung. Trotz vier Mann Ersatz lieferte es eine Partie, die oft dicht an Bezirksklassenreife heranreichte. Nach der torlosen ersten Halbzeit, wobei den Gästen eine glatte Führung möglich gewesen wäre, brachte die zweite Spielhälfte eine angenehme Ueberraschung. In der 51. Minute kam eine Flachvorlage von Leier zu Wiegand, der das 1:0 schaffte. Wenig später gab ein aus einem Eckball entstandenes Geplänkel Werner Gelegenheit, auf 2:0 zu erhöhen. Die Urberacher kurbelten nun das Spiel kräftig an und brachten dadurch das Langener Schlußdreieck oftmals in Bedrängnis. Die 75. Minute bescherte ihnen dann auch durch Jäger den einzigen Gegentreffer, doch unverhofft stellte Werner mit unhaltbarem Schuß das Endresultat her. Reserve 2:4.
Hofheim—Lorsch 0:2 (0:0)
Der Favorit Lorsch hatte in Hofheim keinen leichten Stand. Die Gastgeber spielten mit größerem Einsatz und aller Energie, um das bessere technische und spielerische Können der Lorscher auszugleichen. So konnten sie in der ersten Halbzeit ihr Tor sauber halten und starteten sogar verschiedentlich gefährliche Angriffe mit guten Torgelegenheiten bei denen aber der sichere Vollstrecker fehlte. Mehr und mehr jedoch spielten die Gaste eine Ueberlegenheit heraus die nach dem Wechsel in der 62. und 66. Minute zu zwei schönen Toren führte. Gartner war auch wieder einmal mehr der beste Mann auf dem Platze und der Spielmacher der Gaste. Lorsch ist mit einer guten Kondition in die Verbandsrunde gegangen und ist in a derzeitigen Form ernsthafter Anwärter auf den Meistertitel.
Roßdorf — Biblis 8:2
In einem fairen und schnellen Kampf konnte Roßdorf seine Niederlage vom vergangenen Sonntag durch einen überraschend hohen 8:2-Sieg wieder wettmachen. Roßdorf war in hervorragender Verfassung und lag infolge guter Kombinationen und Ballbehandlungdurchweg im Angriff. Bereits in der 15. Minute ging Roßdorf durch seinen ehemaligen Spielmacher Horndörfer, der seine Krisenzeit anscheinend überwunden hat, in Führung. Die starke spielerische Ueberlegenheit der Roßdörfer kam in weiteren Torschüssen von Rechtsaußen M o t e r in der 42. und 45. Minute zum Ausdruck. Mittelstürmer L u t z i (Biblis) stellte dann mit einem Treffer aus 20 Meter Entfernung den Halbzeitstand her. Nach dem Wechsel hatten die Gäste nicht mehr allzuviel zu bestellen, denn die Roßdörfer zeigten einen technisch hervorragenden Fußball, so daß sie das Spielgeschehen in jeder Phase beherrschten. Ein herrlicher Alleingang von Mittelstürmer Babel brachte in der 60. Minute das vierte Tor. In gleichmäßigen Abständen fielen vier weitere Tore durch Bekker (1), Mo ter (1), Korndörfer (1) und Cul i k (Elfmeter). Biblis konnte noch in der 80. Minute einen Elfmeter durch seinen Halbrechten Schweitzer verwandeln. Einige 'grobe Fehlentscheidungen des Schiedsrichters in der ersten Halbzeit wurden durch das spannende und schnelle Spielgeschehen überbrückt.
(st) Oberramstadt—FC Bensheim 4:1 (1:0)
Daß Oberramstadt auf eigenem Platz schwer zu bezwingen ist, mußten auch die eifrigen Männer von der Bergstraße feststellen. Der nasse regenweiche Rasen beeinflußte sehr das Spiel. Trotzdem spielten die Platzherren eine deutliche Ueberlegenheit heraus. Oberramstadts Sturm zeigte besonders bei den Außenstürmern große Schwächen. Die Hintermannschaft spielte zu defensiv. Bei den Gästen überraschten zwar die Außenstürmer etwas, aber dagegen war das Innentrio nicht schußfreudig genug. Oberramstadt schaffte sich mit dem 1. Tor durch Renner, das er aus einem Gedränge erzielte, sofort einen moralischen Rückhalt. Mit etwas mehr’ Tordrang der Stürmer wäre das Spiel schon in der ersten Viertelstunde entschieden gewesen, aber es blieb nur bei Halbheiten. Ein Lattenschuß bei Weiß und Blau waren die Ausbeute kurz vor der Halbzeit.
Nach dem Wechsel lief das Spiel wesentlich besser für Oberramstadt als zuvor. Becht war auf Vorlage von Schuchmann und Renner zweimal erfolgreich, bis ein Abpraller im eigenen Netz landete. Bensheim drückte noch stark, aber der Erfolg blieb aus. Reinig gab einen verpaßten Ball an Becht, der dann abschließend zum 4:1 einschießen konnte. D.
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Gruppe 2 Bischofsheim—Dieburg 4:1 (2:1) Trebur—Wixhausen 0:3 (0:1) Michelstadt—SV Münster 1:0 (1:0) Walldorf—KSV Urberach 2:1 (1:1) Eppertshausen—Nauheim 1:1 (0:0) Ober-^pden—Erbach 5:1 (4:0) Messel—Egelsbach 4:7
In der Gruppe II wurde die Treburer Heim-Niederlage, die ihm Wixhausen beibrachte, eine Ueberraschung, weil die „Trewwerer“ als überaus kampfstark auf eigenem Boden bekannt sind. Recht zufrieden dürfen auch die Michelstädter mit ihrem doppelten Punktgewinn sein, denn der SV Münster ist ein Gegner, den man jederzeit ernst zu nehmen hat.
Bischofsheim—Dieburg 4:1 (2:1)
Die überraschende Führung der Gäste in der 12. Minute ließ den hohen Sieg der Einheimischen nicht ahnen. Doch in der 28. Minute kann der Bischofsheimer Linksaußen Schlegel mit einem Prachttor ausgleichen und vier Minuten vor der Pause bringt Becker seine Farben 2:1 in Führung.
Nach dem Wechsel sind die Gäste zunächst tonangebend, zeigen auch eine gute Kondition, aber der Bischofsheimer Mittelstürmer Thalheimer erzielt in der 60. Minute das 3:1, acht minuten später kann Becker das vierte Tor markieren. Fünf Minuten vor Schluß wird der Dieburger Tormann wegen Tätlichkeit vom Felde gewiesen. Die offensichtlich bessere Technik der Gäste wird vom größeren Eifer der Bischofsheimer übertroffen.
Trebur—Wixhausen 0:3 (0:1)
Trebur war bei diesem Spiel stark vom Pech verfolgt, vor allem deprimierte das Ausscheiden seines Spielers Volk durch Verletzung (10. Minute). Zudem ist Wixhausen ein Gegner, dessen Hintermannschaft mit dem zuverlässigen Torhüter sicher abriegelt. Das erste Tor für die Gäste erzielt Horn in der 14. Minute. 10 Minuten nach de mWechsel prallt ein Abschlag des Treburer Mittelläufers am Fuß des Wixhausener Mittelstürmers ab und geht zum 0:2 für Wixhausen ins Netz. In der 85. Minute kann dann der jugendliche Rechtsaußen der Gäste das dritte Tor erzielen.
VfL Michelstadt —SV Münster 1:0 (1:0)
Im ersten Heimspiel zeigte sich der VfL Michelstadt gegen den SV Münster von seiner besten Seite. Die Platzherren lagen vom Anpfiff weg durchweg im Angriff. Zahlreiche gefährliche Vorstöße des Gegners wurden von dem in Hochform spielenden Torhüter Glas, Michelstadt, abgewehrte. In der 38.Minute flankte Erl von der rechten Außenlinie zu Klein, der den Ball Ball an Flechsenhar weitergab. Dieser schoß hoch in die linke Ecke unhaltbar zum einzigen Treffer ein. Nach dem Wechsel verstärkte Münster seinen Druck, doch sämtliche Angriffe wurden von der ausgezeichneten VfL-Abwehr zunichte gemacht. Münster hatte in der 75. Minute seine Ausgleichs-Chance, als Schmolka einen placiert geschossenen Ball aufs Tor schoß.
Schiedsrichter Schuster, Langen, war dem Spiel, von einigen Kleinigkeiten abgesehen, ein gerechter Leiter. -ppi-
Rot-WeißWalldorf—KSV Urberach 2:1(1:1) 20 Minuten lang war das Feldspiel verteilt, bis es dem Urberacher Mittelstürmer gelang, aus einem Gedränge heraus den Führungstreffer zu erzielen, den Walldorf jedoch eine Viertelstunde später durch Elfmeter von Kunz egalisierte. In der 56. Minute erreichte Walldorf durch einen von Guttandin verwandelten Elfmeter das Führungstor. Dieses Ergebnis konnten die Gäste bis zum Spielschluß retten. Sie waren von Anfang an leicht überlegen, während Urberach nur in der zweiten Halbzeit das Treffen ausgeglichen gestalten konnte und mehr Torchancen hatte. 15 Minuten vor Schluß wurde ein Urberacher Spieler wegen Schiedsrichter-Beleidigung vom Platz gewiesen.
Eppertshausen—Nauheim 1:1 (0:0)
Das Treffen der beiden Neulinge brachte in den-ersten 45 Minuten wenig Höhepunkte und ein torloses Spiel. Allerdings hätte Seidel in der 2. Minute eine todsichere Chance verwandeln müssen. Auch in 4er zweiten Halbzeit schien die Glücksgöttin ganz auf der Seite Eppertshausen zu stehen. Mit schönen Angriffen versuchten die Gäste, die Führung zu erzwingen. Der gewünschte Erfolg scheiterte jedoch an der Abwehrmauer der Rodgauer. Erst in der 65. Minute kamen die Eppertshäuser zu einem Erfolg. Bis dahin hatte der verwirrte Gastgeber ein halbes Dutzend aussichtsreiche Positionen vergeben, an die Latte oder in die Bäume geknallt. Doch denn erwischte Hartwig freistehend das Leder und schon zappelte der Ball zum 1:0 im Netz. Eine Minute später schon war die Freude der 500 Eppertshäuser Besucher gedämpft: Während einer Tumultszene verursachten die Gastgeber einen Elfmeter, den Nauheims bester Spieler Schader unhaltbar verwandelte. Mit dieser Punkteteilung endete das Spiel. — Reserven 0:3.
Germania Oberroden—Erbach 5:1 (4:0)
Vor etwa 1000 Zuschauern zeigten die Oberrodener gegen ihren Odenwälder Gast ein zügiges Spiel und in der 10. Minute konnte der Nachwuchsmann Ruppel den ersten Treffer unhaltbar unter die Latte setzen. Adam Keck, der zurückgekehrte FSVler und zugleich die treibende Kraft der Einheimschen, stellte bis zur 30. Minute den 3:0-Stand her. Eine große Leistung der Rodgauer brachte in der 41. Minute ein weiteres Tor, das Keller vorlegte. Nach dem Wechsel zeigten aber die Gäste gute Proben ihres flüssigen Kombinationsspieles und ihr Mittelstürmer Gotter konnte in der 47. Minute das einzige Tor für die Gäste erzielen. Oberroden ließ sich nicht in die Defensive drängen, Kronenberg baute in dem wechselvollen Spiel immer wieder neue Angriffe auf. In der Gästehälfte war es vor allem der Stopper Duennebier, der viele Angriffe der Einheimischen vereitelte. Wili Gotta erzielte schließlich in der 64. Minute nach einem unsauberen Abschlag der Erbacher Verteidigung das 5:1.
Kreisklasse Sportkreis Bergstraße
Affolterbach—Fehlheim 5:3 (1:1) Aschbach—Weiher 5:3 (2:2) Auerbach—FC Fürth 0:3 (0:0) Einhausen—Lampertheim 2:3 (1:1) Lindenfels—Reichenbach 3:7 (3:2) Mörlenbach—Waldmichelbach 5:3 (0:2)
Fußball-A-Klasse Groß-Gerau
Stockstadt—Biebesheim 7:2 Dornheim—Wolfskehlen 0:2 Gernsheim—Walldorf 2:0 Raunheim—Klein-Gerau 1:1 Astheiim—Ginsheim 1:2 Gustavsburg—Büttelborn 0:2
Fußball-A-Klasse Kreis Erbach
Erbach Ib—Neustadt 6:1 Rimhorn—Sandbach 2:5 Lützel-Wiebelsbach—Hainstadt 1:1 Würzberg—Güntherfürst 4:1 (PPi)
Fußball-A-Klasse Kreis Darmstadt
Weiterstadt—TSG 46 Darmstadt 5:1 (3:1) Alsbach—Hahn 8:0 (4:0) Niederramstadt—Erzhausen 3:2 (2:0) SSG Langen—TuS Griesheim 6:1 (4:0) Bickenbach—Seeheim 4:2 (2:1)
Fußball-B-Klasse Kreis Darmstadt
Jugenheim—Niederbeerbach 3:6 Rohrbach—Arheilgen (weg. Regen ausgef.) Traisa—Union Darmstadt 3:2 Eschollbrücken—SC Griesheim 0:1
Wolkenbruchartige Regenschauern, die in den letzten zwölf Stunden über dem Stadtgebiet von Ludwigshafen niedergingen, setzten das Rheinstadion unter Wasser, so daß der für Samstagnachmittag vorgesehene 3. DMM-Durchgang zwischen Phönix Ludwigshafen und dem SV Darmstadt 98 vom Veranstalter telefonisch abgesagt werden mußte. Er soll nun, bei besserem Wetter am kommenden Wochenende durchgeführt werden. -Mgr-
Die für den 24. September vorgesehenen Avusrennen finden nicht statt, da die zur Ausbesserung der Rennstrecke notwendigen finanziellen Mittel noch nicht verfügbar waren.
Der Jamaica-Neger Herb McKenley hat bei der Internationalen Leichtathletik-Veranstaltung in Eskilstuna (Schweden) am Freitag vor 4 000 Zuschauern über 200 Meter die hervorragende Zeit von 20,6 Sekunden erzielt — die beste Zeit, die jemals auf einer Kurvenstrecke gelaufen wurde.
Ueberlegener 11:5-Sieg der AKBC-Boxer
Am Samstag hatten sich die ABC-Boxer den hessischen Mannschaftsmeister, SV Stockstadt, zum Rückkampf in den „Schwanen“ nach Eberstadt eingeladen. Während sich die beiden Staffeln vor acht Tagen unentschieden 8:8 trennten, konnten die Einheimischen diesmal einen sicheren Sieg davontragen. Die Gäste verloren schon auf der Waage 2 Punkte und brachten nur in den schwereren Klassen bessere Kämpfer in den Ring.
Auch bei den einleitenden Jugendkämpfen waren die Darmstädter klar überlegen und siegten mit 7:1. Im Fliegengewicht war Ott (E) über Bauer (S) nach Punkten erfolgreich. Im Federgewicht Gruber (E) gegen Obermeyer (S) und im Weltergewicht Marquardt (E) über Schwarz (S) durch k. o. Nur Klebing (S) konnte im Leichtgewicht ein Unentschieden gegen Dieter (E) herausholen.
Vor den Kämpfen der Senioren ehrte der Verein seinen Jugendboxer Heckhaus, der vor acht Tagen in Berlin Deutscher Meister geworden war, Stadtrat Reiber beglückwünschte den hoffnungsvollen Nachwuchs-Boxer und überreichte ihm im Namen der Stadt eine Ehrengabe. Der junge Titelträger konnte ferner von Freunden des Boxsports und dem Verlag des Darmstädter Tagblatts Geschenke entgegennehmen.
Im Fliegengewicht erkämpften sich Weigel (E) gegen Arnold (S) die ersten 2 Punkte für die Einheimischen. Der Stockstädter hatte zwar zunächst deutliche Vorteile gegen den etwas langsam startenden und unentschlossen wirkenden Darmstädter, aber Weigel kam in der 2. und 3.. Runde immer besser durch und wurde gegen den zum Schluß hin immer unsauberer boxenden Gast noch sicherer Punktsieger.
Im Bantamgewicht lieferten sich A. Knies (E) und Bischoff (S) in der ersten Runde einen Schaukampf ohne größeren Schlagwechsel. Als der erstmals wieder im heimischen Ring erschienene Knies in der 2. Runde Ernst machte, ging sein Gegner ziemlich s’chnell für die Zeit auf die Bretter.
Den schönsten Kampf des Abends lieferten sich die beiden Federgewichtler Nicolay (E) und Glöckner (S), wobei sich der Darmstädter für die in Stockstadt erlittene Punktniederlage revanchieren konnte. In dem über 3 Runden gehenden lebhaften Schlagwechsel konnte der klug boxende Nicolay die meisten Punkte sammeln.
Den Gesamtsieg für die Einheimischen stellte bereits der Leichtgewichtler Kohl (E) sicher, als er den ihn um Haupteslänge überragenden Gutantin (S) jederzeit beherrschte und schon in der 1. Runde k. o. schlug.
Im Weltergewicht gab es zwischen H. Knies (E) und Scharf (S) zunächst ein vorsichtiges Abtasten. Als es in der 2. und 3. Runde zu härterem Schlagwechsel kam, hielt Knies seinen tapfer angreifenden Gegner sicher im Schach und hatte besonders im Nahkampf deutliche Vorteile, büßte aber durch eine Verwarnung wegen Tiefschlags die zum Sieg ausreichenden Punkte wieder ein, so daß der Kampf unentschieden endete.
Im Mittelgewicht konnte Ströher (E) gegen Brandmüller (S) nicht so gefallen wie bei seinen letzten Kämpfen. Seine Rechte kam zu weit hergeholt, so daß der reaktionsschnellere Stockstädter immer rechtzeitig in den Clinch gehen konnte. Brandmüller siegte nach Punkten. Im Kampf der schweren Männer fand Heinz (E) gegen die harten Schläge von Richter (S) kein Mittel und mußte bereits in der 1. Runde wegen einer Verletzung am Auge den Kampf aufgeben.
Die 2 ersten Punkte für 98er Handballer
SV 98 Darmstadt — SV Gelnhausen 16:11 (6:7)
Kempten — Wormatia Worms 9:7 (3:5), VfR Wiesbaden — TSV Herrnsheim 12:8 (7:2), TSG Griesheim — Kickers Offenbach 7:8 (5:3), 98 Darmstadt — TV Gelnhausen 16:11 (6:7), TSV Nied — SG Dietzenbach 3:13 (2:7).
Das sah wieder nach einer tollen Ueberraschung aus. Die Gäste zogen frisch vom Leder und erreichten durch ihren Einsatz, daß das Spiel in der 1. Halbzeit zu ihren Gunsten lief. Bei den 98ern klappte es zuerst nicht. Es wurde zuviel in der Mitte gespielt und nicht mit dem nötigen Einsatz. Dazu kam, daß Müller im Tor der Darmstädter sich erst wieder auf Handball umstellen mußte. So kamen die Gäste durch ihren Strafwurfspezialisten Lorenz immer wieder heran bzw. sogar zur Führung.
Schäfer besorgte die Führung, die aber durch 2 Lorenz-Tore wieder verloren ging. Den Ausgleich erzielte wiederum Schäfer, aber Lorenz erhöhte postwendend auf 2:3. Bei verteiltem Feldspiel remisierte wiederum Schäfer und brachte die Gastgeber erstmals in Führung, die wenig später Lutz durch Verwandlung eines Straf wurfes auf 5:3 erhöhte. Gelnhausen ließ nicht locker, kam durch Lorenz auf 5:4 heran, ehe Reinhardt ebenfalls durch Strafwurf die Führung erhöhte. Aber zwei Tore von Lorenz und eines von Horst brachten die knappe Pausenführung.
Nach der Pause endlich klappte es besser. Die Mannschaft sah sich einer drohenden Niederlage nahe und mit einem Male wurde gekämpft und gespielt, so daß kurz nach der Pause Lutz wiederum den Gleichstand erzielen konnte. Aber noch einmal gingen die Gäste durch ihren Stürmer Horst in Führung, die durch Mark egalisiert wurde. Als Lutz, Glock und zweimal Roß zu Torehren kamen, schien die Sache gelaufen. Nicht so dachte die Mannschaft von Gelnhausen, die immer wieder anstürmte und durch 2 Lorenztore noch einmal herankam. Aber Schäfer, Fischer und zweimal Lutz erhöhten die Torziffer auf 16, denen die Gäste durch Gunkel noch das 11. Tor anfügten.
Es war kein schönes Spiel. Allgemein wurde zu massiv gespielt und hier waren es besonders die körperlich weit überlegenen Geinhäuser, die oft zu hart zugriffen.
Mit dem Spiel der zweiten Halbzeit konnte man einigermaßen zufrieden sein, wenn es auch nicht überragend war. Vor allem bot der Torhüter Müller in der zweiten Hälfte eine bessere Leistung als zuvor.
Die Reserven beider Vereine trennten sich mit einem überlegenen 15:4-Sieg der Darmstädter. -r
SG Wörrstadt — SKG Bauschheim 6:16 (5:6), TSG Darmstadt — VfL Herrnsheim 9:14 (3:4), TSV Braunshardt—SG Bretzenheim 23:4 (10:3), Concordia Gernsheim — SV Kostheim 5:4 (1:0).
TSV Braunshardt gegen TSG Bretzenheim 23:4 (10:3)
In Braunshardt holten sich die Gäste aus Rheinhessen am gestrigen Sonntag eine hohe 23:4-Niederlage. Besonders der einheimische Sturm war wieder in Hochform. Die gegnerische Deckung war dem gekonnten und ideenreichen Spiel der Braunshardter nicht gewachsen. Die besten Spieler der Gäste waren der Halbrechte, der außen vom Verteidiger Friedel Hoffmann gut markiert wurde. Vom Spielbeginn an zeigte sich eine Ueberlegenheit der Gastgeber. Nach wenigen Minuten stand es bereits 5:1. Durch herrliche Tore konnten die jungen Blau-Roten das Torergebnis bis zur Pause auf 10:3 schrauben. Nach dem Wechsel war die Ueberlegenheit der Braunshardter Mannschaft noch deutlicher. Prächtige Kombinationen wurden durch Bilderbuchtore abgeschlossen. Trotz der großen Ueberlegenheit der Gastgeber spielten die rheinhessischen Gäste bis zum Schluß einsatzfreudig und eifrig, ohne jedoch zu zählbaren Erfolgen zu kommen. Landesschiedsrichterobmann Schauermann (Frankfurt) hatte bei dem fairen Spiel einen leichten Stand und leitete sicher. Torschützen für Braunshardt: Volz (9), Schilling (7). Becker (5) und Schuchmann (2). Reserven: 7:2. Jugendmannschaft gegen SV 98 10:8.
TSG 46 Darmstadt gegen Herrnsheim 9:14 (4:3)
Am Sonntagvormittag standen sich auf der Woogswiese die Mannschaften der TSG 46 und von Herrnsheim gegenüber. Die Gäste kamen mit einer jungen schnellen und wurfkräftigen Elf, die noch manchem Gegner die Punkte hochhängen wird. Die Woogsleute stellten fast dieselbe Elf wie am Vorsonntag »und hatten sich außerordentlich viel vorgenommen. In der gesamten ersten Halbzeit standen zwei unentschlossene Sturmreihen aufmerksamen Hintermannschaften gegenüber, wobei besonders der Platzbesitzer zahlreiche Torchancen ungenutzt ließ. Ueber die Zwischenstände von 2:1, 3:1, 3:2 und 4:2 wurden mit 4:3 Toren für den Platzbesitzer die Seiten gewechselt. Danach begannen die Darmstädter mit zügigen Angriffen und konnten ihren Vorsprung auf 7:5 Tore ausdehnen. Es sah fast aus als sollten die Punkte am Woog bleiben. Da besannen sich die Herrnsheimer auf ihr Können, zogen gleich, und es gelang ihnen sogar einen Vorsprung von 11:7 Toren herauszuholen, ehe dem Gastgeber ein Gegentreffer gelang. Das nächste Tor der Gäste wurde postwendend wieder ausgeglichen. Damit war das Pulver der Einheimischen verschossen, während die Gäste noch 2 weitere Tore auf ihr Konto buchen konnten und mit einem Ergebnis von 14:9 Toren Sieg und Punkte nach Rheinhessen mitnehmen konnten. Die Herrnsheimer hatten ihren Erfolg in erster Linie ihrem schußkräftigen Halbrechten, ihrem Mittelstürmer und ihren offensiven Außenläufern zu verdanken. 9 Treffer waren Strafstoßtore. Bei den Einheimischen litt der Sturm besonders unter dem schlechten Zuspiel und am Torschuß. In der zweiten Halbzeit war die Hintermannschaft zeitweise schwach und hätte vielleicht bei sorgfältigerer Markierung einige Tore verhindern können. Der Torwart hielt zwar in glänzender Parade einen 13- Meter-Ball, wirkte aber gegen Ende des Spieles reichlich unsicher.
Die Reservemannschaft der Woogsleute wollte ihrer ersten Mannschaft wohl ein lehrreiches Beispiel geben, denn sie gewann überlegen mit 20:2 Toren gegen die Herrnsheimer Ligareserve. -th-
Handball-Kreisklasse Erbach
Bad König — Zell 10:7 Höchst — Böllstein 4:10 N.-Kinzig — Pfaffen-Beerfurth 6:12 Beerfelden — Michelstadt 7:17 Erbach — Momart ausgefallen
Handball-Kreisklasse Dieburg Gruppe I
Richen — Langstadt I 2:12 Babenhausen — Kl.-Umstadt verlegt Harreshausen-Semd — Harreshausen zurückgezogen Langstadt II — Schaafheim 5:8
Gruppe II
Groß-Zimmern — Münster 8:8 TS Oberroden — Groß-Umstadt 17:7 Brensbach — Nieder-Klingen 11:15 Habitzheim — Gundemhausen 18:3
Jugend Gruppe II
Groß-Umstadt — Groß-Bieberau 7:10 Habitzheim — (Langstadt 8:7
Neben den Fußballstädtespielen Zürich —Stuttgart und St. Gallen—München am 16. September ist am 17. September ein Spiel Bayern München—Serfette Genf vorgesehen.
AJuftakt der Tischtennis-Perbandsrunde
SV Flörsheim —SV Darmstadt 98 9:7
In der obersten Spielklasse waren am Samstagabend die Lilienträger Gast beim SV Flörsheim. Das erste Verbandsspiel brachte gegen den derzeitigen Tabellenführer eine knappe und unglückliche Niederlage. Die Spiele bewiesen jedoch, daß die Darmstädter Mannschaft wesentlich an Schlagkraft gewonnen hat. Die zahlreichen Zuschauer sahen ausgeglichene und technisch hochstehende Kämpfe, bei denen es öfter auf offener Szene Beifall gab. Die ersten Spiele brachten überraschend eine klare Führung der Gastgeber. Erstmals nach den internationalen Regeln spielend, müssen die Spieler mehr Spiele austragen als seither. Es wird über Kreuz gespielt, d. h. jeder muß zwei Einzelspiele bestreiten. Die ersten 8 Begegnungen waren nicht verheißungsvoll für die Gäste, die den Gastgeber mit 7:1 davonziehen lassen mußten. Lediglich Lutz brachte am 6. Brett spielend den einzigen Punkt. Von nun an erfolgte bei jedem der Spieler ein größerer Einsatz. So war es möglich, daß nach den weiteren Spielen ein 7:7 Gleichstand erzielt werden konnte. Dabei schlug Darmstadts Spitzenspieler Zeglys den 2. hessischen Meister Korn klar. Hardt gewann über Witt, Hartmann über den starken Herzmann, sowie Römer und Lutz über Müller bzw. Hanken. Essinger, der schön spielte, dem man aber das fehlende Training anmerkte, konnte bei den Einzelspielen nicht zum Erfolg kommen. Wie wichtig die Doppelspiele waren, die zwischendurch gespielt wurden, zeigte der Spielverlauf. Das Doppel Kappes/Hardt hat merklich an Schlagkraft verloren und verlor beide Doppel, wenn auch letzteres knapp. Essinger /Zeglys konnten ein Doppel zu ihren Gunsten entscheiden. Nachdem die 98er den Gleichstand erzielt hatten, waren die letzten Hoffnungen auf Essinger im Einzel und Hardt/Kappes im Doppel gesetzt. Essinger lieferte gegen Baader ein zeitweise prächtiges Spiel, seine alten gefürchteten Rückhandbällen blitzten zeitweise auf und zeigten immer noch große Klasse. Knapp verlor er dieses Spiel, ebenso wie Kappes/ Hardt das letzte Doppel. Nach Führung des ersten Satzes mußten die Darmstädter in den beiden folgenden Sätzen die Ueberlegenheit der Gastgeber anerkennen. Die Spiele, die in fairem und freundschaftlichem Rahmen ausgetragen wurden, waren werbend für den Tischtennissport. Ku.
SV Darmstadt 98 II—SV Kelsterbach 12:4
Die spielstarke 2. Mannschaft der Lilienträger empfing am Sonntag die aufgestiegene Mannschaft von Kelsterbach. Durch einen überlegenen Sieg setzten sich die Lilienträger an die Tabellenspitze. In der Aufstellung Wittmann, Mees, Fey, Haller, Fricker und Rau gab es schöne und teilweise technisch hochstehende Kämpfe. In den Einzelspielen konnten Rau, Haller, Wittmann und Fricker beide Punkte erringen. Lediglich Fey verlor seine beiden Einzel. Mees mußte sich in einem Einzel gegen Wagner beugen. Die Doppelspiele gingen außer dem Doppel Fey/Fricker sämtlich an die Gastgeber. Ku.
Heil gewann 4. Lauf der DRC
Der 4. Lauf zur Klubmeisterschaft des DRC gelangte auf der Strecke Darmstadt Bensheim Lindenfels Reichelsheim—Reinheim über Ober-Ramstadt nach dem Böllenfalltor über 95 km bei strömendem Regen und teilweise recht dichtem Nebel zum Austrag. Um so beachtlicher sind die hierbei erzielten Zeiten, die wiederum eine wesentliche Formverbesserung einiger Fahrer erkennen lassen. In Kolmbach hatten Heil und Speckhardt ihre Vorgabe von 5 Minuten bereits auf 9 Minuten gegenüber den Malfahrern erhöht. In Lindenfels hatte Muhl durch die Straßenglätte einen gefährlich aussehenden Sturz, der ihm zwar nur einige Schrammen kostete, ihn aber um seine Position brachte. Die Ergebnisse: 1. Heil 2:22:47; 2. Baumann 2:29:20; 3. Speckhardt 2:25:06 (S. wurde auf Grund einer Verwarnung vom 2. auf den 3. Platz zurückgesetzt); 4. Lücker 2:31:23; 5. Kanold 2:32:42; 6. Hensel 2:45:54; 7. Muhl 2:46:10; 8. Isking 2:48:52.
Bei der Jugend, die über die Strecke Darmstadt — Seeheim—■ Niederbeerbach —Mühltal —■ Nieder-Ramstadt — Böllenfalltor (etwa 45 km) fuhr, brachte sich Horn, der sich verfahren hatte und dem Frankenstein ein Besuch abstattete, um seine Siegesaussichten. Im Endspurt siegte Trumpfheller in der Zeit von 1:01:30 vor Schwarz 1:01:31. Dritter wurde Horn mit 1:07:19 und vierter Kempa mit 1:09:28.
Handball wieder international
Wien (F. A. Z.) Als der Präsident des Oesterreichischen Handballverbandes, Staatssekretär Uebeleis, auf dem zweitägigen Kongreß des Internationalen Handballverbandes in Wien in seiner Eröffnungsansprache herzliche Worte für die Wiederaufnahme Deutschlands fand, und darauf hinwies, daß ein deutscher Sportlehrer im Jahre 1920 den Handballsport in seiner Heimat eingeführt habe, war es den Vertretern der dreizehn Länder bereits klar, daß sich für die Wiede^zulassung der deutschen Handballer eine klare Mehrheit aussprechen werde. In geheimer Abstimmung wurden die Deutschen schließlich mit acht gegen zwei Stimmen wieder als Mitglied aufgenommen.
Die Briten führen
Paris. (FAZ.) Nach dem ersten Tage des Leichtathletik-Länderkampfes zwischen Frankreich und England (Männer und ■fPrauen) lagen die Briten mit 47:30 Punkten vorne. Trotz der regennassen Bahnen wurden zum Teil ausgezeichnete Leistungen erzielt. Die 80-m-Hürden gawann die Engländerin Dyson in der guten Zeit von 11,7 Sek. Ueber 100 m (Männer( siegte Mac Donald Baily (Trinidad-England) in 10,6 Sek. vor Bailly (Frankreich) in 10,9 Sek. Einen weiteren englischen Erfolg gab es über die 800 m, hier siegte Jack Parlett in 1:53,4 Min. vor seinem Landsmann Bannister (1:54,0). Ueber 5000 m dominierte der Kolonialfranzose Mimoun in 14:35,8 Min. überlegen von Olney (England). Die 400-m-Hürden holte sich Whittle (Engi.) in 53,0 Sek. vor seinem Landsmann Scott (gleiche Zeit). Insgesamt erkämpfte sich England am ersten Tag elf erste und neun zweite Plätze. Infolge des schlechten Wetters hatten sich nur dreitausend Besucher im Pariser Colombes-Stadion eingefunden.
Nach schwerer Operation verschied am 6. September 1950 mein geliebter Gatte und treusorgender Vater, Großvater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, Herr Friedrich Willy Bertram Reichsbahnrat a. D. im 67. Lebensjahr. In tiefer Trauer: , Frau Margarete Bertram geb. Schaffnit Familie Karl Heinrich Bertram und alle Angehörigen Darmstadt (Sandbergstraße 56), den 9. September 1950. Die Beerdigung fand in aller Stille statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen.
Gott der Herr hat am 9. September 1950 meinen treuen Lebensgefährten, meinen liebevollen, unvergeßlichen Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Heinrich Konrad Illert im 78. Lebensjahr von seinem kurzen, schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst. In stiller Trauer: Elisabeth Illert geb. Hornung Familie Dr. Georg Spalt Spachbrücken, den 10. September 1950. Die Beerdigung findet am Dienstag, 12. September 1950, um 15 Uhr statt.
„DT-Schlachtenbummler" Das „Darmstädter Tagblatt" lost in der Saison 1950/51 für die Dauer der Oberligaspiele jeweils drei sportlich interessierte Leser aus, die auf seine Kosten die Mannschaft des SV 98 Darmstadt bei ihren Auswärtsspielen als Schlachtenbummler begleiten. Jeder, der sich für diese Freifahrten interessiert und die Elf des SV 98 nach auswärts begleiten möchte, schneidet im Sportteil des „Darmstädter Tagblatt“ den dafür bestimmten Schein aus, trägt Name und genaue Anschrift (in Druckschrift schreiben!) darauf ein und klebt ihn auf eine Postkarte, die an die Sportredaktion des „Darmstädter Tagblatt“, Darmstadt, Rheinstraße 23, adressiert u. mit dem Stichwort „DT-Schlachtenbummler“ versehen sein muß. Letzter Einsendetermin ist jeweils der Mittwoch nach der Ver¬ öffentlichung. Am Freitag wird die Verlosung der Teilnehmer von einer pro¬ minenten Persönlichkeit und unter Aufsicht eines Notars vor¬ genommen. Die drei Gewinner werden dann jeweils an den Sonn¬ tagen der Heimspiele im Stadion durch Lautsprecher bekannt¬ gegeben bzw. im Sportteil unserer MontagsaiÄgabe veröffentlicht. Die drei Auserwählten erhalten folgende Gewinne: 1. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte, 5 DM Ver¬ pflegungsgeld. 2. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte, Tribünenkarte. 3. Gewinn: Sonntagsrückfahrkarte. Und nun auf zum nächsten Auswärtsspiel! Sichert Euch die Montagsausgaben des „Darmstädter Tagblatt“! Jeder kann „DT- x Schlachtenbummler“ werden! Hier abschoeidenl
Achtung, DT-Schladitenbummler! I ~ Ausfällen und auf Postkarte auf geklebt einsenden! I Ich beteilige mich hiermit an der Auslosung der München „DT-Schhchtenhummler“ welche die Mannschaft des SV 98 Darmstadt zu ihrem nächsten Auswärtsspiel kostenlos begleiten. Zuname: „ — Vorname: _ Ort: Straße: Nr Die Gewinner unseres 2. Wettbewerbs „DT-Schlachtenbummler" 1. Kurt Stiebitz, Darmstadt, Rhön ring 73; 2. Werner Müller, Darmstadt Barkhausstr. 19; 3. Johann Schlötzer,Darmstadt, Landgraf-Georg-Str. 148.
Heute verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, Vater und Großvater, Herr Philipp Straub im Alter von 68 Jahren. Margarethe Straub geb. Born und Hinterbliebene Fränkisch-Crumbach, 9. Sept. 1950 Beerdigung am Dienstag, 12. Sep¬ tember 1950, um 13 Uhr, vom Trauerhause aus.
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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Polizeistunde für Trinkhallen und Speisewirtschaften Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß die Verordnung des Hessischen Staatsministeriums über die Regelung der Polizei¬ stunde für Eisdielen, Trinkhallen und Getränkewagen vom 16. Mai 1934 bzw. 26. September 1934 noch gültig ist. solche anerkannt sind, um 22 Uhr und Speiseeiswirtschaften Nach dieser Verordnung müssen Trinkhallen, sofern sie als (Eisdielen und Eissalons), sofern sie ausschließlich Speieseis führen, um 24 Uhr geschlossen werden. Verkaufeinrichtungen, die als Trinkhallen nicht anerkannt sind und Speiseeiswirtschaf¬ ten, die außer Speiseeis und den dazu gehörenden Eiswaffeln und Früchten noch andere Waren führen, müssen wie Laden¬ geschäfte von 19 bis 7 Uhr geschlossen sein. Zuwiderhandlungen können mit Geldstrafe bis zu 150 DM ujjd mit Haft bestraft werden. Darmstadt, den 6. September 1950. Stadt Darmstadt Amt tür öffentliche Ordnung. 3 VN 12/50 Beschluß Die Firma H. u. J. Weber Nacht., Baudekoration In Darmttadt, Bleichstraße 40, hat am 8. September 1950 beantragt, über ihr Vermögen das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Kon¬ kurses zu eröffnen. Zum vorläufigen Verwalter wird Dr. Hans Schäfer, Darmstadt, Landwehrstraße 12, Telefon 36 64, be¬ stellt. Gegen die Vergleichschuldnerin wird mit Wirkung vom 8. September 1950, 16 Uhr, ein allgemeines Veräußerungsverbot erlassen. Den Drittschuldnern wird verboten, ohne Zustimmung des vorläufigen Verwalters an die Vergleichsschuldnerin zu leisten. Verfügungen und Leistungen mit Zustimmung des vor¬ läufigen Verwalters sind unbeschränkt wirksam. Darmstadt, den 8. September 1950, Amtsgericht, Abt. 3. Betr.: Industrieansiedlung. Die Firma Oberfränkische Wäsche- und Kleiderfabrik GmbH in Neustadt bei Coburg beabsichtigt, in Hessen einen Zweigbetrieb zu eröffnen. Zu diesem Zweck sucht sie ein geeignetes Gebäude zu pachten oder zu mieten. Gegebenenfalls ist Vorkaufsrecht erwünscht. Das Gebäude muß sich als Fertigungsstätte für Bekleidung eignen Benötigt werden insgesamt 600 bis 1000 qm. Diese Gesamt¬ fläche muß in Arbeitsräume von ca. 200 bis 400 qm unterteilt sein. Sie sollen weiterhin lichthell, gut heizbar sein und einen Holzfußboden besitzen. Licht- und Kraftstromanlage Wasser¬ leitung, sowie sanitäre Anlagen für ca. 100 Frauen’ sind not¬ wendig. Günstige Verkehrsanlage, Bahnhofsnähe, ist Bedingung Zu berücksichtigen ist ferner, daß ca. 100 Arbeitskräfte (an¬ gelernte Näherinnen. Schneiderinnen, Weißzeugnäherinnen, Büg¬ lerinnen usw.) vorhanden sind. Bürgermeister im Kreis Bergstraße, denen derartige Räumlich¬ keiten bekannt und welche an der Niederlassung einer solchen Industrie interessiert sind, bitte ich, sich mit Herm Julius Rein¬ hardt, Frankfurt (Main), Klauerstraße 15, Telefon 5 14 04, in Ver¬ bindung zu setzen. Heppenheim, den 1. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße
Betr.: Lotterie anläßlich des „Kalten Marktes" 1950 in Ortenberg. Der hessische Minister der Finanzen in Wiesbaden hat unterm 22. August 1950 dem Bürgermeister der Stadt Ortenberg (Hessen) unter Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs die Genehmigung zur Durchführung einer Verlosung anläßlich des „Kalten Marktes“ 1950 in Ortenberg unter bestimmten Bedingungen erteilt. Da Ab¬ satzgebiet für die Lose der Regierungsbezirk Darmstadt ist, wird die Erteilung der Genehmigung hiermit öffentlich bekanntgemacht. Heppenheim, den 4. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Bekanntmachung Betr.: Genehmigung einer Haus- und Straßensammlung. Der hessische Minister des Innern hat mit Erlaß vom 5. 8. 1950 II e —2l f — 8416/50 dem Landesverband der Inneren Mission der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf Grund des § 1 des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (RGBI. I S. 1250) die Genehmigung erteilt, in der Zeit vom 8. bis 17. September 1950 des Sammlungsgesetzes vom 5. 11. 1934 (RGBI. I S. 1086) und der hierzu ergangenen Durchführungsverordnung vom 14. 12. 1934 (RGBI. IS. 1250) die Genehmigung erteilt, in der Zeit v. 8.-17. 9. 50 Sammelbüchsen auf öffentlichen Straßen und Plätzen durchführen zu lassen. Die Genehmigung gilt für den gesamten Bereich des Landes Hessen. Im einzelnen gelten für diese Genehmigung folgende Bedingungen: a) Jeder Sammler ist mit einem entsprechenden Ausweis zu ver¬ sehen, der von der Ortspolizeibehörde auszustellen ist. Die Aus¬ weise sind nach Ablauf der Sammlungsgenehmigung an die aus¬ stellende Behörde zurückzugeben. b) Die einzelnen Beträge sind in Listen gegen Quittung des Spen¬ ders einzutragen; die Listen müssen numeriert sein und über¬ prüft werden können. c) Die Sammler auf öffentlichen Straßen und Plätzen haben sicher verschließbare Sammelbüchsen, deren Beschaffenheit teruntreu¬ ungen ausschließt, zu verwenden. An jeder Büchse muß der Name des Veranstalters der Sammlung deutlich sichtbar an¬ gebracht sein. d) Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei der Durchführung der Sammlung auf öffentlichen Straßen und Plätzen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mitwirken. Die Heranziehung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht gestattet. Heppenheim, den 1. September 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße Zwangsversteigerung Dienstag, den 12. September 1950, 14.00 Uhr, wird in Darmstadt- Eberstadt, Liebigstraße 6, zwangsweise, öffentlich meistbietend gegen sofortige Barzahlung versteigert: Eine Betonmischmaschine, 500 Liter, mit Bauaufzug. Neubert, Gerichtsvollzieher (b)
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