Das Lastenausgleichs-Geset noch in diesem Monat?
In Bonner Kreisen wird erklärt, daß die Ausschußberatungen in vierzehn Tagen erledigt werden könnten, nachdem die Sachverständigen der Fraktionen sich seit langem schon eingehend mit allen Fragen befaßt hätten. Somit könnte gegebenenfalls der Lastenausgleich noch in diesem Monat Gesetz werden. Dabei wird von der Fraktion der Christlich-Demokratischen Union der größte Wert darauf gelegt, daß eine breite Mehrheit von Koalition und Opposition für den Lastenausgleich erreicht werde, da es sich um eine nationale Aufgabe handle.
R. Bonn, 8. September. Die Verabschiedung des jetzt dem Parlament zugehenden Lastenausgleichsgesetzentwurfes des Finanzministers soll mit größter Beschleunigung vorgenommen werden.
Wirtschaftsbeihilfen
für Arbeitslose
zr Bonn, 8. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Bundestagsausschüsse für Finanzen und Wirtschaft beschäftigen sich mit einem Gesetzentwurf über eine Wirtschaftsbeihilfe für Erwerbslose im Winter 1950/51, die vom Land Nordrhein-Westfalen angeregt worden war. Nach dieser Vorlage sollen Empfänger von Arbeitslosenfürsorge und Heimkehrer, die nach dem Heimkehrergesetz Arbeitslosenunterstützung beziehen, auf Antrag im Rechnungsjahr 1950 aus Bundesmitteln eine Wirtschaftsbeihilfe zur Bestreitung der erhöhten Aufwendungen für den Winter beziehen können. Voraussetzung ist, daß der Antragsteller zwischen dem 16. August und 15. Dezember 1950 für mindestens vier Wochen Arbeitslosenunterstützung oder Arbeitslosenfürsorgeunterstützung bezogen hat. Der Antrag kann spätestens am 31. Dezember 1950 gestellt werden. Die Wirtschn b sbeihilfe soll 25 Mark für Hauptur !• itzungsempfänger und 10 Mark iü jf '?n Angehörigen betragen, fü: ' imihenzuschlag gewährt wurd
Erhard warnt
Die Besprechung mit Gewerkschaften
hd-Düsseldorf, 8. September. In Düsseldorf wird mitgeteilt, Bundeskanzler Dr. Adenauer habe in der Besprechung mit Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes unter Führung von Dr. Böckler und Mathias Föcher darauf hingewiesen, daß die Bundesrepublik sich im Hinblick auf die weltpolitische Lage keine Lohn- und Preisauseinandersetzung leisten könne. Professor Erhard habe davor gewarnt, die Löhne ins Uferlose steigen zu lassen, weil dadurch die deutsche Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zerstört werde.
Die Gewerkschaftsvertreter hätten erklärt, sie seien nicht an Lohnerhöhungen interessiert, sondern lediglich an der Eindämmung der Preiserhöhungen. Man könne die Gewerkschaften in der Lohn-Preisfrage nicht zu einem Burgfrieden zwingen, wenn von der Regierung nichts gegen die Erhöhung der Preise getan werde. Die Besprechung habe zu keinem Ergebnis geführt.
Bei Redaktionsschluß lag der in Remagen gefällte Schiedsspruch noch nicht vor.
In Frankfurt gescheitert
Lohnverhandlungen im Metallgewerbe
Frankfurt, 8. Sept. (Eig. Bericht.) Die am 7. September in Frankfurt erneut geführten Lohnverhandlungen zwischen Industriegewerkschaft Metall, Bezirk Frankfurt, und dem Arbeitgeberverband der hessischen Metallindustrie sind abermals gescheitert. Die Forderung der Gewerkschaft, die Effektivlöhne der Angestellten und gewerblichen Arbeiter um 25 Pfennig je Stunde zu erhöhen, wurde abgelehnt. Die Arbeitgeber erklärten sich lediglich bereit, eine Erhöhung des Stundenlohnes um zwei beziehungsweise drei Pfennig anzuerkennen. Die Bezirksleitung der Gewerkschaft Metall behält sich nunmehr vor, im Einvernehmen mit dem Hauptvorstand der Organisation weitere Maßnahmen in die Wege zu leiten. Es ist mit dem Beginn von Streiks zu rechnen.
Ehard Bundesrats-Prästdent
R. Bonn, 8. September (Eigener Drahtbericht). Der Bundesrat hat am Freitag einstimmig auf Vorschlag seines bisherigen Präsidenten, des Ministerpräsidenten Arnold, den bayerischen Ministerpräsidenten Ehard zu seinem Präsidenten gewählt. Zu Vizepräsidenten wurden Ministerpräsident Arnold. Oberbürgermeister Reuter, Senatspräsident Kaisen (Bremen) und Staatspräsident Wohleb gewählt.
Lieber nach Marokko als nach Rußland
Die Ausweisung der fünften Kolonne aus Frankreich
Paris, 8. September. (dpa/Reuter). Die ersten der ausländischen Kommunisten, die im Zuge der Polizeirazzia in Frankreich verhaftet worden sind, sind bereits deportiert worden. Eine Gruppe von zwanzig Kommunisten, darunter mehrere Frauen, sind in der französischen Zone Deutschlands eingetroffen. Sie sollen in die sowietische Zone abgeschoben werden.
UIC ÖU W JULJ.OVIIU Unter den zur Landesverweisung bestimmten Personen befinden sich 160 Spanier, achtzig Russen und Staatsangehörige anderer osteuropäischer Staaten sowie dreizehn Italiener. Die Spanier sollen vor die Wahl gestellt worden sein, entweder im französischen Kolonialgebiet interniert oder nach Osteuropa ausgewiesen zu werden. Von den 160 Spaniern hätten 130 die Internierung der Ausweisung nach Osteurona vorgezogen.
Der französische Innenminister Queuille hat die kommunistische Partei Spaniens in Frankreich, ihr Blatt „Mundo Obrero sowie die „Vereinigte Sozialistische Partei Kataloniens“ verboten. Die Zentrale der - v.- sehen Exilkommunisten befindet sich in Südwestfrankreich.
In einem Kommunique des Innenministers wird bekanntgegeben, daß bei der Großrazzia am Donnerstag gegen Mitglieder der kommunistischen fünften Kolonne 266 Personen verhört worden seien.
Verhaftungen in Hamburg
el. Hamburg, 8. September. (Eigener Drahtbericht.) Etwa dreißig Angehörige der Freien Deutschen Jugend haben am Donnerstagnachmittag versucht, eine Veranstaltung der Guttempler-Jugend auf dem Hamburger Jungfernstieg dadurch zu stören, daß sie in unmittelbarer Nähe Volkstänze aufführten und Flugblätter mit Aufrufen zum „Treffen der Hunderttausend“ verteilten. Die Polizei nahm drei der Flugblattverteiler fest. Bei einer sofortigen Durchsuchung der Wohnungen der Verhafteten wurde umfangreiches kommunistisches Propagandamaterial beschlagnahmt. Zwei andere Jugendliche wurden in der Nacht zum Freitag festgenommen, als sie kommunistische Parolen und Aufrufe zum sogenannten Dortmunder Jugendtreffen mit weißer Oelfarbe an Häuserwände malten.
Der Streit um die Stahlquote
Sie sollen auf der Neuyorker Außenministerkonferenz geklärt werden
London, 8. September. (AP.) In amtlichen Kreisen Londons wird erklärt, es bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen den drei westlichen Alliierten über . den Umfang der neuen Stahlquote für Westdeutschland. Man hoffe jedoch, die auseinandergehenden Meinungen auf der Neuyorker Außenministerkonferenz auf einen Nenner bringen zu können.
Es wird in London weiterhin betont, Großbritannien trete für eine stufenweise Erhöhung der deutschen Stahlquote ein. Frankreich wolle einer zeitweiligen Erhöhung zustimmen, und zwar unter der Bedingung, daß die deutsche Kohle- und Stahlindustrie nicht die europäische Industrie innerhalb des Schuman-Planes beherrschen könne. Die Vereinigten Staaten befürworteten dagegendie völlige Aufhebung einer Begrenzung für die deutsche Stahlquote.
Wie bereits berichtet, hat der Studienausschuß zur Ueberprüfung des Besatzungsstatuts sich grundsätzlich für eine Erhöhung der deutschen Stahlquote ausgesprochen.
Die Beendigung des Kriegszustandes
Ein Sprecher des britischen Außenministeriums hat erklärt, die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland werde sich nicht nur auf die Bundesrepublik, sondern auch auf die sowjetische Zone und die Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie beziehen. Die Alliierten hätten sich ja auch mit ganz Deutschland im Kriege befunden. Es wird dazu in London außerdem gesagt, daß auch nach der Beendigung des Kriegszustandes die Alliierten ihr Recht zur militärischen Besetzung Deutschlands weiter aus der bedingungslose/! Kapitulation herleiten würden. Sie bleibe als Rechtsbasis bestehen. Nach der Beendigung des Kriegszustandes werde es sich allerdings nur um eine nicht kriegsmäßige Besetzung handeln.
Die Kriegsgräberfürsorge hat aus zahlreichen Einzelgräbern und kleinen Grabanlagen am Niederrhein deutsche Gefallene in zwei grüße Friedhöfe umgebettet. Der Friedhof in Weeze, Kreis Geldern, dessen Mahnmal unser Bild zeigt, wird am Sonntag von Bundespräsident Heuss eingeweiht werden . Foto: dpa
Die deutschen Interessen
McCloy vertritt sie
Washington, 8. September, (dpa) Unterrichtete Beobachter in Washington erklären, daß bei der bevorstehenden Neuyorker Außenministerkonferenz von amerikanischer Seite die Interessen der Deutschen Bundesrepublik in der Hauptsache, wenn nicht gar ausschließlich, von Oberkommissar McCloy wahrgenommen würden. Man hält ihn für die einzige amerikanische Persönlichkeit, die hinreichend über die innerpolitische deutsche Situation unterrichtet, politisch vorurteilsfrei und von wohlfundierter Sachkenntnis sei.
Der argentinische Staatspräsident Peron hat dem Parlament einen Gesetzentwurf unterbreitet, in. dem für Agitatoren, Saboteure, Spione und Verräter Zuchthausstrafen und auch die Todesstrafe verhängt werden können,
Spitzes Recht
gar Die Außenminister-Besprechung soll auch über die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland entscheiden. Das ist etwas anderes als der förmliche Abschluß eines Friedens. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums drückt es ungefähr so aus: Deutschland werde künftig nicht mehr kriegsmäßig ( „belligerente“ heißt die völkerrechtliche Formel), sondern nichtkriegsmäßig ( „nonbelligerente“) besetzt sein; das Recht dazu werde aus der bedingungslosen Kapitulation hergeleitet werden.
Der Unterschied der beiden Formeln wäre unmittelbar nach dem Einrücken der alliierten Truppen in Deutschland groß gewesen; genau so groß nämlich, wie der Unterschied zwischen dem wirklichen Plakatanschlag der einmarschierenden amerikanischen Armee „Wir kommen nicht als eure Befreier“ und einem möglichen Anschlag „Wir kommen als eure Befreier“ hätte sein können. Werden aber heute, nach fünf Jahren, einseitige Anordnungen, die auf der bedingungslosen Kapitulation beruhen, nur deshalb freudiger entgegengenommen werden, weil sie nicht mehr auf Grund einer diktatorischen Vollmacht, sondern auf Grund einer „patriarchalischen“ Befehlsgewalt erteilt werden?
Es mag sehr wohl sein, daß rechtliche Gründe die Außenminister-Konferenz veranlassen, sich auf die bedingungslose Kapitulation zu berufen. Wahrscheinlich auch können für Deutschland Vorteile aus der Beendigung des Kriegszustandes erwachsen. Uns liegt daran, auf etwas anderes hinzuweisen. Auch diese Konferenz sollte über dem spitzen Recht nicht die breite Wirkung vergessen. Völker denken niemals in paraphierten Begriffen. Sie werden sich also auch kaum begeistern, wenn man ihnen erklärt, daß sie nicht mehr auf Grund eines Kriegszustandes, sondern auf Grund der bedingungslosen Kapitulation von außen regiert werden.
Treffpunkt Neuyork
Von Erich DombrowskiAus allen Richtungen der Welt bewegen sich führende politische Persönlichkeiten nach Neuyork. Drei große Tagungen stehen dort bevor. Zuerst werden die drei westlichen Außenminister, diesmal wohl zum letzten Male ohne Deutschland, zusammentreten. Daran wird sich dann eine Konferenz der Atlantik-Staaten anschließen. Schließlich wird die diesjährige Hauptversammlung der Organisation der Vereinten Nationen stattfinden. Es hat sich in der Zwischenzeit allerlei politischer Zündstoff gehäuft, der zu einer hoffentlich nur rednerischen Entladung drängt.
Im Mittelpunkt alles Geschehens steht nach wie vor der Gegensatz zwischen Ost und West, steht der Krieg in Korea, steht die brennende Frage, welche unmittelbaren Nutzanwendungen, das heißt welche Sicherung;-Vorkehrungen für die ganze übrige Welt man daraus abzuleiten hat. Man will nicht wieder in den Fehler der Vergangenheit verfallen, als demokratische Staaten zu langsam und zu schwerfällig auf gefahrdrohende Ereignisse zu reagieren und damit einem Angreifer nicht nur Mut zur Kühnheit, sondern zur Tollkühnheit zu geben.
Die ersten zwei Schritte, die Amerika auf den kommunistischen Einbruch in Südkorea getan hat, sind in der ganzen Welt mit einem Gefühl der Erleichterung aufgenommen worden. Amerika übernahm es zunächst allein, im Auftrage der Vereinten Nationen, den einbrechenden Feind in Korea militärisch aufzuhalten. Unmittelbar darauf stellte es nicht weniger als sechzehn Millionen Dollar bereit, um die Kriegsindustrie wieder anzukurbeln. Der Stein ist im Rollen, und er wird weiterrollen, ungeachtet der wechselnden lokalen militärischen Begebnisse in Korea, bis er sein Ziel erreicht hat: dieses Ziel, die Sicherung der freien Völker vor der Riesenspinne des Ostens, die ihre Netze, sichtbar und unsichtbar, über die ganze Menschheit zu spannen versucht. Alle wirklichen geschichtlichen Entscheidungen sind indessen noch immer auf europäischem Boden gefallen. Das Wort Bismarcks gilt noch heute, daß über das Schicksal der Kolonien nicht in Afrika oder in Asien, sondern in Europa entschieden wird. Auch wenn man diese Worte auf die veränderten weltpolitischen Verhältnisse anwendet, bleibt der Sinn der gleiche. Ost und West prallen unmittelbar auf dem europäischen Kontinent zusammen. Deutschland ist dabei zum Pufferstaat geworden.
Kein Wunder, daß die westlichen Staatsmänner sich immer wieder den Kopf darüber zerbrechen, wie man Deutschland aktiv in die Abwehrfront gegen eine russische Ueberflutung eingliedern könne. Zwei Seelen wohnen, ach, in ihrer Brust. Zwei Sicherungsseelen. Die eine schreit nach einer Sicherung gegenüber Sowjetrußland. Die andere krümmt sich unter der Sorge um eine Sicherung vor Deutschlands womöglich wiedererstarkender militärischer Kraft. Frankreich kann noch immer nicht, mit tausend Gefühlsfäden der trüben Vergangenheit verhaftet, das Vertrauen auf die deutsch-französische Schicksalsgemeinschaft, wenigstens nach dieser Richtung hin, aufbringen. In Amerika gibt es noch zögernde Kreise, die sich bekümmert sagen, ein neues deutsches Heer könne sich heute zwar zum Westen halten, könnte aber vielleicht morgen sich dem Osten zuwenden. Auch in England ist die Waagschale der Erwägungen für und wider noch nicht ausgependelt. Immerhin scheint der Druck Washingtons, daß endlich einmal etwas geschehen muß, immer stärker zu werden. Aus diesem Irrgarten der Gefühle und der drängenden Gebote der Stunde wer-
den die Außenminister nunmehr einen Weg ins Freie der Entschlüsse zu finden haben. Drei Gesichtspunkte zeichnen sich bereits in klaren Umrissen ab: Man will Westdeutschland eine zentral auf gezogene Bundespolizei gestatten. Man will die deutsche Industrie stärker in den internationalen Produktionsprozeß einschalten, da die Westmächte ihre Wirtschaft zu einem erheblichen Teile für eine beschleunigte Herstellung von Kriegsmaterial aller Art beanspruchen. Man will endlich das Problem einer aktiven militärischen Eingliederung in das allgemeine Abwehrsystem klären.
In Westdeutschland begrüßt man diese Entwicklung heute noch unabsehbarer Entscheidungen nicht gerade mit Trommeln und Trompeten. Erstens hat man sie nicht mehr, wenn man sie nicht aus den Museen oder Theatergarderoben herausholen will. Zum zweiten verlangt man, als unmittelbarer Nachbar des russischen Bereiches, weitgehende Sicherungen vor überraschenden Reaktionen. Der Kanzler hat daher, nicht mit Unrecht, als ersten Schritt vorwärts auf diesem brodelnden Kratergebiet eine wesentliche Verstärkung der westlichen Besatzungs- oder besser Sicherungstruppen verlangt. Wenn er dann zum Schutze der inneren staatlichen' und gesellschaftlichen Verhältnisse eine schlagkräftige Bundespolizei fordert, so will er sich offenbar nicht mit etwa bloß zehntausend Mann begnügen. Bei elf Bundesstaaten würden ganze neunhundert Mann auf jeden entfallen. Das ist etwas und doch nichts. Bestenfalls eine Biedermeier-Garde. Ob man diese Bereitschaftspolizei dem mehr oder weniger schwerfälligen Apparat des Innenministeriums unterstellen oder sie in die entschlossene Hand einer besonderen Oberbehörde legen soll, die letztlich dem politisch unmittelbar entscheidenden Kanzleramt untersteht, ist eine Frage, um die gegenwärtig noch in Bonn gerungen wird. Uns scheint der Akzent darauf zu liegen, daß die Bereitschaftspolizei des Bundes, vornehmlich in diesen durcheinandergewirbelten Zeiten, weniger ein verwaltungstechnisches als ein politisches Instrument ist.
Weit weniger Kopfzerbrechen macht uns der zweite Vorschlag der Westmächte, die deutsche Industrie, über den üblichen Ein- und Ausfuhrverkehr, überall da erzeugend in den internationalen Warenaustausch einzuspannen, wo anderwärts Lücken durch die Beanspruchung für die Kriegsproduktion entstehen. Amerikanische Zeitungen machen bereits Andeutungen nach dieser Richtung. Die deutsche Industrie hätte danach nicht Waffen und Munition, wohl aber Lastkraftwagen und Personenautos, Schuhe, Mäntel und Kleider, Werkzeugmaschinen und vieles andere mehr zu liefern. Unnötig zu sagen, daß das unserer wiederaufstrebenden Wirtschaft durchaus willkommen sein kann. Das schwierigste Problem ist und bleibt aber die militärische Einbeziehung Deutschlands. Wenn sie uns, nicht zuletzt zu unserem eigenen Schutz, aufgegeben werden sollte, dann kann sie nur im Rahmen der europäischen Gemeinschaft, man möchte sagen nach einem militärischen Schuman-Plan, vor sich gehen, ohne den Russen den Vorwand für ein Eingreifen zu geben. Zahlreiche Vorschläge sind dafür gemacht worden, nicht zuletzt der, deutsche Divisionen in Frankreich, Italien und England, im Austausch gegen entsprechende Einheiten dieser Staaten, aufzustellen. Aber wir tun gut, unsere bisherige Zurückhaltung zu bewahren und zunächst einmal abzuwarten, was aus dem Gedankenaustausch der drei Außenminister herauskommt. Das Verlangen, das wir mit unermüdlicher Konsequenz zu äußern haben, ist vorerst nur dies, daß die Alliierten als Besatzungsmächte ihre militärischen Kräfte so zu verstärken haben, daß sie uns eine wirkliche Sicherheit gewährleisten. *
Was nützt aber alles, wenn es nicht aus dem Geiste der Freiheit kommt; aus dem Geiste der Selbstbestimmung. Das Besatzungsstatut hat aber darum bisher einen mehr als doppelten Stacheldrahtzaun gezogen. Westdeutschland entbehrt noch immer die Souveränität. Die erste Vorbedingung dafür ist die Wiederherstellung eines vertragsmäßigen Friedenszustandes. Daraus ergibt sich alles weitere. Aus dem Besatzungsstatut wird dann ein Sicherungsstatut. Die jetzt von der Studiengruppe der Außenminister-Konferenz vorgeschlagene Beendigung des Kriegszustandes mit ganz Deutschland ist vorerst nur ein juristisch-deklamatorischer Begriff. Ein erst formuliertes Rechtsverhältnis, das nun noch mit Blut gefüllt werden muß. Was bisher in' der langsamen Entfesselung Westdeutschlands geschehen, ist, war. immer nur halb. Man kam aus den Zwischenstadien, aus diesem Hell-Dunkel, nicht heraus. Man bildete zuletzt eine Studiengruppe, die den Außenministern Empfehlungen für die Lockerung des Besatzungsstatuts geben soll.
■ Uns scheint, als ob die Ereignisse, zuletzt in Korpa, schnellere Füße haben, als die bedächtigen Beratungen am grünen Tisch. So entschlossen wie Amerika, zusammen mit den Vereinten Nationen, dem Angreifer iin Fernen Osten entgegengetreten ist, so entschlossen wird es auch, zusammeti‘4nit Frankreich und England handeln müssen, wenn es Westdeutschland in die große Friedensfront aller freien Völker einbeziehen will. Die Alliierten dürfen sich nicht bei ihrem Vorgehen, in dem Gerümpel der Vergangenheit verheddern, sondern müssen geradewegs auf das hinsteuern, was die Stunde erfordert: im deutschen Volke die seelischen und moralischen Voraussetzungen als eine souveräne und gleichberechtigte Nation für ein Zusammengehen schaffen. Vor zwei Jahren hat die Währungsreform wirtschaftlich bei uns Wunder vollbracht. Was uns jetzt nottut, ist eine politische Währungsreform. Eine politische Initialzündung. Wird der Treffpunkt Neuyork das Startzeichen geben?
Das Preisgesetz verläũngert
Bonn, 8. September, (dpa) In der Sitzung des Bundestags am Freitag hat Vizepräsident Professor Carlo Schmid bekänntgegeben, daß Dr. Franz Richter aus der Gruppe Deutsche Reichspartei ausgeschlossen wurde und die Abgeordneten Hermann Aumer, Anton Dönhauser und Wilhelm Rahn aus der Bayernfraktion ausgetreten seien. Die drei letzteren haben mitgeteilt, daß' sie dem Bundestag in Zukunft als unabhängige Abgeordnete angehören wollen.
Der Bundestag verabschiedete ohne besondere Aussprache sechs Gesetzentwürfe. Gegen die Stimmen der Kommunisten bei einigen Stimmenthaltungen der Freien Demokraten wurde das Preisgesetz bis spätestens zum 31. Dezember 1950 verlängert. Das Bewirtschaftungsnotgesetz wurde bis zum gleichen Zeitpunkt verlängert.
Jetzt Ludwig Renn?
-er. Berlin, 8. September. (Eigener Drahtbericht.) Die große Reinigungsaktion der Sozialistischen Einheitspartei scheint jetzt auf das Kulturgebiet überzugreifen. ‘Ludwig Renn, ein führender Schriftsteller in der Literatur der zwanziger Jahre, gehört offenbar zu den nächsten auf der Säuberungsliste. Das ihm nach Kriegsende übertragene Kulturwissenschaftliche Institut an der'Technischen Hochschule in> Dresden ist überraschend geschlossen worden. Ludwig Renn gehört zusammen mit Leonhard Frank und anderen Schriftstellern der Zeit nach dem ersten Weltkrieg zu den Vertretern eines unbedingten Pazifismus.
Vor einem Großangriff bei Masan
Die Kommunisten verlagern den Schwerpunkt des Kampfes
Pusan, 8. September. (AP./dpa/Reuter.) Ein Sprecher des amerikanischen Hauptquartiers hat erklärt, die Offensive der Nordkoreaner habe sich festgelaufen. Diesen Worten eines offiziellen Sprechers stehen die Meldungen amerikanischer Aufklärungsflieger gegenüber, die an allen Frontabschnitten das Eintreffen frischer Reserven der Nordkoreaner bestätigen. Die amerikanische Aufklärung konnte riesige Nachschubkolonnen feststellen, die im Norden, in der Mitte und im Süden der Front in Richtung auf die Kampfzonen gesehen wurden. Die Feindbearbehter in den Divisionsstäben und in der 8. Armee rechnen damit, daß der Feind noch mindestens zwei Divisionen als operative Reserve zurückhält.
Das Feindbild am Freitag läßt die Verlagerung des nordkoreanischen Schwerpunkts vom Norden der Front in den Süden als wahrscheinlich vermuten. Es werden besonders heftige Angriffe im Raum von Masan erwartet, wo schätzungsweise 40 000 Mann feindlicher Truppen festgestellt worden sind. Der Feind ist dabei, eine Brücke über den Nam zu schlagen, um seine Versorgung sicherzustellen. Es wird damit gerechnet, daß Masan das erste Angriffsziel einer neuen Südoffensive werden könne, weil von hier aus der Weg nach Pusan am kürzesten ist. Masan ist auf Anordnung der amerikanischen Führung von den 35 000 Zivilisten geräumt worden.
Taiku, das von drei Seiten umfaßt ist, bleibt als Eckpfeiler zwischen der Mittel- und Nordfront nach wie vor das erstrebenswerte Ziel der roten Verbände.
Aufrüstung oder Unterwerfung
Der englische Kriegsminister zur Lage
Lanark (Schottland), 8. September, (dpa) Der britische Kriegsminister Strachey hat erklärt, dem Westen bleibe nur die Wahl, sich der Sowjetunion zu unterwerfen oder aufzurüsten. „Auf jeden Fall würde es zu einer Katastrophe führen, wenn wir uns den Wünschen der Sowjetunion widersetzen, ohne gleichzeitig so weit aufzurüsten, daß wir den gewaltigen Streitkräften der Sowjetunion Widerstand leisten können.“
„Hier spricht Deutschland“
Stuttgart, 8. September, (dpa) Im Hinblick auf die Wahlen in der Sowjetzone am 15. Oktober werden die Rundfunksender des Bundesgebietes und RIAS Berlin vom 15. September an täglich aufklärende Gemeinschaftssendungen für die ganze deutsche Bevölkerung bringen. Die 15 Minuten dauernde Sendung wird jeddn Tag von einem anderen Sender zusammengestellt und von den anderen zu unterschiedlichen Sendezeiten übernommen. Die Sendezeiten für die Gemeinschaftssendung sind: RIAS Berlin 5.10 Uhr mit Wiederholung 12.15; Süddeutscher Rundfunk 6.40 Uhr; Bayrischer Rundfunk 11.00 Uhr; Hessischer Rundfunk 18.45 Uhr; Nordwestdeutscher Rundfunk 19.00 Uhr; Südwestfunk 19.40 Uhr; Radio Bremen 23.10 Uhr. Die Sendung beginnt mit der Ansage: „Hier spricht Deutschland in einer Gemeinschaftssendung aus ....“
Wahrung der Bürgerrechte
Eine Kundgebung mit dem Bundespräsidenten in der Paulskirche
Drahtbericht unseres Korrespondenten
F.A.Z. Frankfurt, 8. September. Der im Jahre 1949 in Frankfurt gegründete „Bund für Bürgerrechte“ hat am Freitagabend mit einer Kundgebung in der überfüllten Paulskirche die erste deutsche Bürgerrechtstagung eröffnet. Unter den Teilnehmern ■ der Kundgebung befanden sich Bundespräsident Professor Heuss und namhafte Vertreter des öffentlichen Lebens, der Organisationen, der Jugendverbände, Frauenvereinigungen und Gewerkschaften. Der Bund für Bürgerrechte umfaßt eine Bewegung an sechzig Orten Westdeutschlands mit dem Ziel, das Bewußtsein für bürgerliche Rechte und Freiheiten im Volk zu stärken.
Oberbürgermeister Dr. Heimerich, Mannheim, erklärte zur Eröffnung der Kundgebung, der Bund wolle die Verwirklichung der im Grundgesetz und in der Länderverfassung gewährleisteten Grundrechte erkämpfen. Besonders herzlich begrüßte Dr. Heimerich den Vertreter Amerikas, den langjährigen Präsidenten der amerikanischen Union für bürgerliche Freiheiten. Baldwin. Es sei ein gutes Omen, daß diese Tagung mit dem ersten nationalen Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland zusammentreffe. Die Verfassung wäre Schall und Rauch, wenn sich nicht selbstbewußte Bürger fänden, die sie zu tragen und zu verteidigen gewillt seien.
Der Münchener Universitätsprofessor Dr. Heinrich Mittels sprach über das Thema „Der deutsche Bürger und sein Staat“. Er führte aus. daß die neuen
deutschen Verfassungen seit 1945 erst den Anfang einer freiheitlichen Gestaltung bedeuteten. Das Bewußtsein der Pflicht zur Wahrung der Bürgerrechte müsse viel energischer geweckt werden. Der Bürger sei der Garant der Rechtsordnung. Auch der Beamte müsse zur Wahrung der Bürgerrechte verpflichtet sein. Er stehe nicht über dem Volk, sondern im Volk. Eine unabhängige Justiz sei die beste Garantie dafür, daß Deutschland als Rechtsstaat in voller Gleichberechtigung in die Gemeinschaft der Nationen aufgenommen werde.
Der Präsident der Internationalen Liga für Menschenrechte. Baldwin, erklärte, von den freiheitlichen Nationen müsse die Schaffung eines Weltgerichtshofes gefordert werden. Baldwin warnte davor, nur den Kommunismus als Ausdruck einer umfassenden Revolution anzusehen, welche die Welt durchmache. Auch andere Tatsachen machten dieses Bemühen deutlich. Deshalb müßten die Demokratien ihre internationalen Organisationen zum Instrument des Fortschrittes und der sozialen Reformen machen.
Zum Schluß der Kundgebung ergriff unter starkem Beifall Bundespräsident Heuss das Wort. (Die Rede dauerte bei Redaktionsschluß noch an.)
Die Führer der englischen Liberalen haben sich eindeutig gegen ein Zusammengehen mit den Konservativen ausgesprochen.
Unantastbare Besatzungskosten
Schäffer berichtet über die Besprechungen mit den Alliierten
Drahtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 8. September. Der Bundeskanzler hat den Abgeordneten des Bundestages eine ausführliche Darlegung des Finanzministers über die Verhandlungen mit der Oberkommission zum Punkt Besatzungslasten zugehen lassen. Der Finanzminister erklärt darin, der alliierte Besatzungshaushalt für dieses Rechnungsjahr sei der Bundesregierung zum Vollzug zugeleitet worden, ohne daß ihr vorher Gelegenheit zu einer Stellungnahme gegeben worden sei. Von der Oberkommission sei erklärt worden, daß ausschließlich die Besatzungsmächte die Entscheidungen über die Besatzungskosten treffen würden.
In diesen Verhandlungen werde von deutscher Seite vor allem eine echte Senkung der Besatzungslasten auf ein erträgliches Maß erstrebt. Weitere deutsche Anliegen seien eine feste Begrenzung des alliierten Besatzungslastenhaushalts, die Vereinheitlichung der Vergütungen für Besatzungsleistungen und der Entschädi-
gungen für Besatzungsschäden, sowie eine Neuordnung des Auftragverfahrens.
Frankfurt landesunmittelbar?
Wr. Frankfurt, 8. September (Eigener Bericht). Die Bekanntgabe der neuen hessischen Gemeindeordnung, mit deren Beratung der Hessische Landtag zur Zeit befaßt ist. hat zu einem Zwischenfall geführt: Die Stadt Frankfurt erhebt Einspruch, weil in der Regierungsvorlage ihr Verlangen nach Zuerkennung der Landesunmittelbarkeit nicht (genauer: nicht mehr) enthalten ist. Sie beansprucht die Befreiung von der Aufsicht durch den Regierungspräsidenten und hat dieses Verlangen in der Stadtverordnetensitzung am Donnerstag mit demonstrativem Nachdruck erneuert.
Erhähung des Notopfers?
Bonn, 8. September. (AP.) Der Minister für Gesamtdeutsche Angelegenheiten, Jakob Kaiser, hat erklärt, um den Berliner Haushalt auszugleichen, werde eine Erhöhung des Notopfers Berlin erwogen. '
Wahlbehindernng
Bonn, 8. September. (AP.) In , einem am Freitag veröffentlichten Weißbuch des Ministeriums für Gesamtdeutsche Fragen zu den Oktoberwahlen in der Sowjetzone wird erklärt, die Beweise der Wahlfälschungen, Wahlbehinderung und Wahlbeeinflussung seien derart umfangreich, daß jedes Gericht schon heute diese Wahlen als ungesetzlich und ungültig erklären würde.
Stimmen der Anderen
„Es ginge sogar besser“
In der Züricher „Tat“ untersucht G. y. Uxkull die Möglichkeit, ob eine Sicherheitsgarantie für Deutschland nicht auf andere Weise als durch ein Verbleiben der Besatzungstruppen zu beschaffen sei: ... x
,Jn Oesterreich ist die Besetzung längst zu" einer bloßen Formalität geworden. In Deutschland überwiegen bisher die Worte, Auf eine Tat, wie die Amerikaner sie in Oesterreich vollbrachten, indem sie dazu übergingen, die Besetzungskosten aus eigener Tasche zu bezahlen, wagt Deutschland nicht einmal zu hoffen. Vier Milliarden Besetzuhgskosten sind schließlich keine bloße Formalität, besonders, wenn man sie so bitter nötig braucht, wie die junge deutsche Bundesrepublik. Die übrigen Schartenseiten einer Okkupation, politische Entmündigung und nationale Erniedrigung, treten heute, nach der Schaffung des Besetzungsstatuts und der Aufhebung verschiedener Kontrollen — weniger deutlich in Erscheinung, beseitigt sind sie jedoch keineswegs.
Die Liebe zu den Besetzungsmächten geht heute nicht mehr durch den Magen, sondern durch jene Organe, in denen die Furcht — und zwar eine durchaus begründete Furcht — ihren Sitz hat. Mit demokratischer oder undemokratischer Gesinnung hat sie sehr wenig zu tun, und was die Liebe betrifft, so ist sie heute womöglich noch geringer als zu Beginn der Okkupation. Als Besetzungsarmee können die fremden Truppen in Deutschland, gleichgültig aus welchem Lande sie stammen, nie mehr populär werden. Dazu ist bereits zu viel Porzellan zerschlagen worden.
Sind nun die 3—4 (hochgerechnet) alliierten Divisionen in Deutschland ein wirklicher Schutz? An sonstigen Schutzmaßnahmen ist Deutschlands Beitritt zum Atlantikpakt, die Aufstellung einer eigenen .Volkspolizei1, und schließlich die Bildung einer europäischen Armee unter deutscher Beteiligung diskutiert worden. Weit besser und effektiver als ein Heer des (noch nicht bestehenden) Bundes europäischer Nationen wäre ein Heer des (schon bestehenden) Bundes der Vereinten Nationen, der UNO!
Den Kern eines solchen Heeres könnten gut und gerne die Okkupationstruppen (in Deutschland und Oesterreich) bilden. Sie brauchten nicht einmal ihre Quartiere zu wechseln, sondern nur ihr Etikett! Die Okkupation mit all ihren schlimmen Begleiterscheinungen würde verschwinden und die Gefahr eines Angriffs von Osten oder eines kommunistischen Aufstandes wäre nicht größer, sondern geringer. Es ginge nicht nur ohne Okkupation, es ginge sogar besser!“
Die katholischen Orden in Ungarn müssen auf Anordnung der Regierung sofort 'ihre gesamte Tätigkeit einstellen.
Bonn-Berlin
*** Der unerforschliche Ratschluß der Weslmächte hat es bisher verhindert, daß Berlin das zwölfte Land des Bundesstaates ist. Berlin kommt sich daher in mancher Beziehung als das fünfte Rad am Wagen vor. Schon lange ist man sich in Bonn darüüber klar, daß mindestens die persönlichen Beziehungen zu Berlin enger gestaltet werden müssen. Das hatte aber bisher seine großen Schwierigkeiten, denn die frühere Reichshauptstadt liegt, schwer erreichbar, jenseits eines russischen Korridors.
Es ist daher sehr begreiflich, daß der Bundestag am Freitag einstimmig beschlossen hat, mit der Oberkommission weiter darüber zu verhandeln, daß der Militärflughafen Wahn bei Köln von privaten Fluggesellschaften benutzt werden kann. Das heißt, es soll eine Flugverbindung eingerichtet werden, die eine Hin- und Rückreise zwischen Bonn und Berlin an einem Tage ermöglicht.
Die Bildung einer deutschen Flughafengesellschaft ist von den Westmächten bereits generell genehmigt worden. Sie soll beschleunigt werden. Dazu ist jedoch poch eine Reihe von Vorfragen zu klären, da es sich um die erste deutsche private Fluggesellschaft nach Kriegsende handelt. Den Deutschen war bisher jede Flugtätigkeit verboten und es hat schon große Mühe gekostet, daß der völlig harmlose Modell-Flugsport wieder zugelassen wurde. Wie man hört, wollen die Westmächte die neue Fluglinie nur unter der Bedingung zulassen, daß die Flugzeuge im Ausland erworben und von ausländischen Piloten geseteu-Ort werden. Solche Einschränkungen mögen in der vorkoreanischen Zeit immerhin noch verständlich gewesen sein. Die alliierte Oberkommission hat vorgestern die Bundesrepublik auf gefordert, ihre Lieferungen nach dem Osten „im Licht der letzten Weltereignisse“ zu überprüfen; In diesem Licht betrachtet, dürfte es auch unwesentlich sein, ob ein deutsches Privatflugzeug von einem deutschen Piloten gesteuert wird oder von einem ausländischen Flugzeugführer.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELD7)
Etstabdruds - Alle Rechte beim Wolfgang-Kröger-Verlag, Hamburg
„Es handelt sich um etwas rein Persönliches, worüber ich mich in meinem Brief nicht auslassen wollte. Ich muß Sie um einen kleinen Gefallen bitten: ich möchte nämlich lieber Deluzy genannt werden, Henriette Deluzy.“
„Das ist allerdings sonderbar“, bemerkte der Herzog. „Sollen wir das so Verstehen, daß Sie gar nicht Mademoiselle Desporfes sind?“
Henriette vermeinte in beiden Äugenpaaren, die sie ansfarrten, den hellen, grauen, wie den nachfschwarzen, einen Verdacht aufleuchten zu sehen. Sie wußte, jetzt kam alles darauf an, eine möglichst glaubwürdige Erklärung abzugeben. Es fiel ihr s-chwer, eine Lüge zu sagen, aber der Eigensinn ihres Großvaters hatte sie in die Enge getrieben. Wohl oder übel mußte sie von nun an an der Geschichte fesfhalten, die sie sich in den schlaflosen Stunden nach ihrem Besuch bei ihm ausgeheckt hatte.
„Ich weiß, meine Bitte muß Ihnen sehr sonderbar vorkommen.“ Sie sprach in einem Ton ergebenster Bescheidenheit. „Es widerstrebt mir, Sie mit Einzelheiten aus meinem Leben zu belästigen — “ sie machte eine wirkungsvolle Pause und drückte das Taschentuth an ihre Lippen, als wollte sie ihr Zittern verbergen — „es hat bis heute nicht viel Glück erfahren.“
„Das tut mir leid.“ Der Herzog kleidete seine Neugierde in höfliche Anteilnahme. Seine Frau richtete sich auf, als
habe diese unerwartete Wendung ihr Selbstvertrauen wieder etwas belebt. „Nur wenige Menschen sind wirklich glücklich“, ließ sie sich, von einem ihrer tiefen, sprechenden Seufzer begleitet, vernehmen. „Haben Sie die Güte, dieses Geheimnis um Ihren Namen zu erläutern.“
„Laß ihr Zeit, Fanny, du siehst doch, daß sic cs gerade zu tun versucht.“ Durch seine Freundlichkeit beruhigt, wandte Henriette ihre ganze Geschicklichkeit auf, um ihre Zuhörer zu rühren, als sie nun fortfuhr:
„Nein, es ist nicht leicht gewesen, sich allein mit dem Leben auseinandeizusetzen. Für einen Mann ist das wohl etwas anderes, aber die Frau wurde von der Natur nicht dazu bestimmt, tapfer und einsam zu sein. Wie oft habe ich’s gespürt —", ihre Stimme brach gerade in dem richtigen Tonfall entwaffnender Hilflosigkeit und auf einen der Anwesenden war die Wirkung nicht verfehlt. Die Herzogin machte eine ungeduldige Bewegung, sagte jedoch nichts. „Ich bin unter dem Namen Henriette Desporfes großgeworden, weil dieser Name der meines einzigen Angehörigen — meines Pflegevaters und Vormunds — war. Aus Ächtung für ihn erhob ich keinen Einwand, aber jetzt liegt kein Grund mehr vor, seinen Namen weiferzuführen.“
„Demnach ist er also gestorben, Mademoiselle?“
Sie schlug die Äugen nieder und senkte den Kopf. Es fiel ihr irgendwie leichter, mit einer Geste zu lügen als mit Worten; und schließlich riet sie sich ins Gedächtnis, ihr Großvater war ja ihr Pflegevater gewesen, und was sie anbefraf, war er auch so gut wie tot.
„Ich sfehe ganz allein in der Welf“, fügte sie mit entsagungsvoller, Mitleid heischender Stimme fort. „Man wendet sich doch wieder seinen Elfern zu, auch wenn man keine Erinnerung mehr an sie hat. Ich fühle, daß ich darüber zu Ihnen sprechen durfte und daß Sie meine Bitte verstehen würden, weil Sie ja selbst so große Ehrfurcht für Ihren Namen hegen. Der meine ist nicht so berühmt und bekannt wie der Ihre, aber es ist mein Name, und ich frage ihn mit Stolz.“ „Wirklich!“ Die Herzogin runzelte die Stirn und klopfte mit ihrem seidenen Pantoffel auf den Boden. „Ich muß sagen, mir kommt das doch sehr merkwürdig vor, nach all den Jahren den Namen wechseln zu wollen.“
„Jedenfalls liegt kein Grund vor, warum Mademoiselle in diesem Hause nicht so gerufen werden soll, wie sie es wünscht.1 Mit diesen Worten tat der Herzog die Einwände seiner Frau impulsiv ab. „Es freut mich, daß Sie sich nicht scheuten, uns Ihre Bitte vorzufragen. Sie müssen es jederzeit frei heraus sagen, wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, während Sie bei uns sind — und ich darf hoffen, daß es für lange sein wird, Mademoiselle Deluzy.“
Henriette erwärmte sich an seiner Liebenswürdigkeit; es wäre auch unmöglich gewesen, nicht davon berührt zu sein, wenn dieser Mann es darauf anlegte, seinen ganzen Charme zu entfalten, wie eben jetzt in seinem Bemühen, ihr ihre Aufgabe zu erleichtern. Der Magnetismus seiner kraftvollen Männlichkeit schien bis in die äußersten Winkel des Zimmers zu strahlen. Mehr noch als sein gutes Aussehen und seine Lebensenergie erfüllten sie seine ungezwungene Natürlichkeit und aufrichtige Herzlichkeit mit Staunen und Entzücken. In ihrer Vorstellung hatte sie den Vater ihrer Zöglinge, falls sie ihm überhaupt je begegnen würde, so förmlich und uninteressiert gesehen, wie es dem- Oberhaupt dieser alten einflußreichen französischen Familie wohl angestanden hätte — und da war er nun, so besorgt um seine Kinder und so darauf bedacht, es ihr leicht zu machen. Ob absichtlich oder nicht; er hat e sie zu ei er Verbündeten gewonnen. Ihr gesunder Menschenverstand und iihre langjährige Erfahrung mahnten sie, daß es viel ratsamer sein würde, sich vor allem mit der Mu ter gut zu stellen, doch war Henriette sich darüber klargeworden, daß alle Meinungsverschiedenheiten — und instinktiv wußte sie schon nach dieser ersten halben Stunde, es würden deren nicht wenige geben — sie selbst und den Herzog Seite an Seite finden würden.
Der Vorstellungsbesuch war beendet. Henriette hafte auf der ganzen Linie gesiegt, und ihre kleine Notlüge hatte Glauben gefunden. Nun gab es kein Zurück mehr. Künftig mußte sie auf den Namen hören, den sie gewählt halte, weil er zu den Initialen auf ihren Koffern paßte.
Es wäre an der Herzogin gewesen, sie zu verabschieden; aber als Henriette sich zu der Frau utnwandte, die nunmehr ihre Herrin war, sah sie, daß sich die schweren Lider über die dunklen Augen herabgesenkt hatten. Die fleischigen, weißen Hände zupften unruhig an den Spitzen ihres Morgenkleides, und sie schien die ganze Unterhaltung bereits vergessen zu haben. Alle ihre Gedanken spielten nur um den Mann, der bewegungslos am Kamin lehnte. Er allein existierte für sie in diesem Zimmer; aber je mehr sie unsichtbare Arme nach ihm aussfreckte, um ihn an sich zu ziehen, desto mehr schien er sich zu verhärten und ihr auszuweichen, wiewohl er nach Wie vor in seiner nachlässigen Stellung verharrte. Es war peinlich, wie eine Bittstellerin auf das verabschiedende Wort warfen zu müssen. Doch es war nicht die Herzogin, die ihr zu Hilfe kam.
„Dann dürfen wir also Mademoiselle Deluzy bitten, ihre Tätigkeit morgen zu beginnen.“ Er sprach ihren Namen betont deutlich aus. „Das entspricht doch auch deinen Wünschen, Fanny?“
„Ganz wie du willst", wurde ihm mit gekränkter Nachgiebigkeit zur Ärt.vört Henriette machte eine Bewegung zur Tür in der Meinung, sie könne nun gehen, aber der Herzog bedeutete ihr, noch zu bleiben.
„Ich habe die Kinder herbesfellf, erklärte er ihr. „Um zwölf Uhr ist ihr Vormittagsunterricht zu Ende, und ich bat Mademoiselle Maillard, sie dann herunterzubringen, ich dachte, es würde Ihnen angenehmer sein, sie jetzt kennenzulernen, bevor Sie Ihre Pflichten aufnehmen.“
Die dichten Brauen der Herzogin zogen sich zusammen, ein Ausdruck des Unwillens, den Henriette schon beobachten und fürchten gelernt hafte.
„Das hättest du mir eher sagen können, Theo. Ich hatte eigentlich vor, mich umzukleidefi und vor dem Dejeuner noch auszufahren.“
Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihren neuerlichen Vorwurf, und der Herzog beeilte sich, die Tür selbst zu öffnen. Henriette wandte sich mit größter Neugierde nach der kleinen Gruppe un, mit der sic bald so vertraut werden sollte.
(Fortsetzung folgt.)
Zeit der Entscheidung
Ein junger Engländer antwortet auf Fragen der Stunde
’S™«I’'1’' Munzehn, Ser drS 'J. rleg Heute ist er dreißig. Er besuchte die Schulen in 194^ •^d|v?X^Ord*Und diente von 1939 bis 1946 als Marineoffizier. Vor einigen Wochen sah man sein Bild in allen englischen Zeitungen Er heiratete damals die Prima-Füm^n^01^ Shearer- die durch den wurde ”D r°ten Schuhe“ weltbekannt
hat Kennedy in der „Sunday Times einen Artikel veröffentlicht, der ungewöhnliches Aufsehen erregt hat Dieser Aufsatz, der den Titel „Eine Zeit der Entscheidung“ trug, gibt ein scharfnrnnssenes, weder schön- noch schwarzgefarbtes Bild der jüngeren Generation Englands und der Fragen und Probleme, die sie dumpf und schwer wie ein Alpdruck beängstigen. Vor allem aber: er versucht diese Fragen zu beantworten, der Unsicherheit und Ratlosigkeit dadurch ein Ende zu machen, daß er sich und seine Leser vor drei Entscheidungen stellt.
Gleichgültigkei]
Er beginnt mit der Feststellung, daß nach dem letzten Krieg bei jenen Engländern, die, gleich ihm, die größte Zeit ihres Erwachsenseins in Uniform zugebracht haben, eine Gleichgültigkeit den Weltproblemen gegenüber zu bemerken ist, welche an Apathie grenzt. Als Ursachen führt er an: Unsicherheit in materieller und geistiger Beziehung, Abstumpfung des Gefühls und der Vorstellungskraft durch sich jagende Krisen und die .Tatsache, daß sich die entscheidenden Ereignisse der Nachkriegszeit in so weit entfernten Räumen abspielten, daß sich der junge Engländer von ihnen unmöglich direkt betroffen fühlen konnte. Auch gibt er zu bedenken, daß sich der westliche Mensch in der gegenwärtigen Auseinandersetzung in eine rein defensive Rolle gedrängt sieht, während sich die andere Seite in der ungleich günstigeren Position des Angreifers befindet.
Er spricht dann von den Versuchen, mit welchen man in England diese Apathie zu bekämpfen unternimmt. Er erwähnt den „Geist von Dünkirchen“, der schon anläßlich der Wirtschaftskrise vom vergangenen Jahr und erst recht wieder seit dem Ausbruch des koreanischen Krieges bei jeder Gelegenheit angerufen wird. Und er zitiert die nicht nur von kirchlichen Kreisen unternommenen Bemühungen, das Christentum als Abwehrwaffe gegen die Gefahr aus dem Osten zu propagieren.
enVdjHbntbe fragen
Dem einen sowohl wie dem andern dieser beiden Experimente begegnet Kennedy mit Skepsis. Er gibt zu bedenken, daß der „Geist von Dünkirchen“ an eine ganz bestimmte Episode des zweiten Weltkrieges gebunden ist und nicht nach Gutdünken beschworen w^den kann. Und was das Christentum betrifft, so mißfällt es ihm, daß es in diesem Falle lediglich als Mittel zum Zweck gebraucht oder besser: mißbraucht werden solle.
Er ist der Ansicht, daß jeder einzelne Halt und Glauben in dieser verwirrten und richtungslosen Zeit in sich selber finden müsse. Daß jeder einzelne aus eigenem Willen und Entschluß zur Ueberzeugung gelangen müsse, daß eine befreiende Tat notwendig und sinnvoll sei; denn „tatenloses Hoffen ist ein aussichtsloses Unterfangen“. Er zeigt einen ganz präzisen Weg, wie die Unsicherheit und das Zaudern überwunden werden können, indem er seine Leser vor drei Entscheidungen, vor drei Kardinalfragen stellt.
Die erste lautet: Glaube ich oder glaube ich nicht, daß unsere Art zu leben und die Dinge, die mir teuer sind, von einer tödlichen Gefahr bedroht werden?
Er meint, daß jene, welche diese Frage nach allem, was sich in Osteuropa, in der Sowjetzone Deutschlands, in China und Korea ereignet hat, verneinen, nicht weiterzudenken brauchen. Für den andern jedoch stellt sich die zweite Entscheidung: Wenn diese Gefahr besteht, werde ich vor
ihr kapitulieren oder ihr widerstehen? Für die Kapitulationsbereiten stellt sich wiederum kein weiteres Problem. Die zum Widerstand Entschlossenen hingegen stehen nun vor dieser dritten und letzten Entscheidung:
Soll ich zuwarten, bis mir andere das Signal zum Abwehrkampf geben, oder soll ich aus eigenem, freiem Entschluß zum Handeln übergehen?
Kennedy gibt zu, daß diese Fragen und Entscheidungen einer Generation, „deren Waffen noch an der Wand hängen“, nicht sehr verlockend erscheinen werden. Aber er warnt seine Altersgenossen, ihnen einfach auszuweichen; denn „wenn wir, gleich Hamlet, unentschieden zuwarten, so ist der Apathie und Tatenlosigkeit kein Ende. Wenn wir aber jetzt und hier unsere Entscheidung zum Widerstand treffen, dann nehmen die Dinge für uns klare Umrisse an, und alles wird an seinen Platz gerückt“.
Cin Spiegelbild .
Zum Schluß betont Kennedy nochmals, daß es auf die persönliche Entscheidung, auf den Willen zum Widerstand jedes einzelnen ankomme. Er zitiert das Wort von Charles Sumner, daß „die Größe einer Nation durch die Eigenschaften der Individuen bedingt werde“, und erinnert daran, daß von den Eigenschaften und vom Willen der einzelnen heute nicht nur die Größe, sondern auch die Sicherheit und der Fortbestand Englands abhänge.
Soviel über Kennedys Aufsatz in der „Sunday Times“. Die Wirkung, die er zeitigte, war, wie gesagt, ungewöhnlich und für die meisten unerwartet. Nicht nur, daß die Zeitung eine selbst für dieses klassische Land der Leserbriefe erstaunliche Zahl von Zuschriften erhielt — sie sah sich, da die Auflage der Nummer mit Kennedys Artikel im Nu ausverkauft war, gezwungen, Sonderdrucke herzustellen, die nun, einzeln und in Paketen zu 100 und 250 Stück, reißenden Absatz finden. Denn jeder junge Engländer erkennt in Kennedys Darstellung das Spiegelbild seiner eigenen Probleme, Aengste und Nöte. Zum ersten Male findet er auf die Fragen, die ihn seit langem, besonders aber seit dem Ueberfall auf Südkorea bedrängen, eine klare Antwort. Eine Antwort überdies, die nicht nur für junge Engländer, sondern für alle jungen Menschen der westlichen Welt Gewicht und Bedeutung besitzt.
Austeilung der Zählerlisten
Fünf verschiedene Fragebogen für die Volkszählung
F. A. Z. Frankfurt, 8. September. Am 7. September hat in der gesamten Bundesrepublik die Austeilung der Zählpapiere für die am 13. September stattfindende allgemeine Volkszählung begonnen. Spätestens am 10. September sollen alle Haushaltungen und Betriebe im Besitz der Listen sein. Das Statistische Bundesamt hat fünf verschiedene Fragebogen vorbereitet. Drucksache Nummer 1 umfaßt eine ausführliche Gebäudeliste mit Merkblatt, die allen Grundstücks- und Gebäudeeigentümern zugestellt wird. Darin ist Auskunft über Wohnungen, Werkstätten, Läden und Büros innerhalb der Gebäude zu geben.
Die Drucksache Nummer 2 ist die sogenannte Haushaltungsliste, die das Kernstück der Volkszählung bildet. Sie wird in diesem Jahr durch Fragen über die Bodenbewirtschaftung bis herab zum Schrebergarten und mit Fragen für nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten bereichert. Drucksache Nummer 3 enthält den Fragebogen für Hotels, Heime, Anstalten und Massenunterkünfte und wird als sogenannte Anstaltsliste bezeichnet. Eine Sondererhebung im Rahmen dieser Liste soll alle wohnungslosen Eingewiesenen in der Bundesrepublik erfassen. •
Ebenfalls eine Neuheit dürfte der hellgelbe Wohnungsbogen sein, der an alle Wohnungsinhaber verteilt wird. Auch Untermieter (Familien- oder Einzelpersonen) sind im Sinne dieser Liste Wohnparteien. Schließlich enthält Drucksache Nummer 6 einen hellrosa Arbeitsstättenbogen, der über die beschäftigte Personenzahl und über die Form der Unternehmung Auskunft verlangt. Darüber hinaus sind die Umsätze für das Kalenderjahr 1949 in dieser Liste wahrheitsgetreu einzutragen. Die Zähler wurden in einer besonderen Anweisung des Statistischen Bundesamtes aufgefordert, bei der Abholung der Listen die Eintragungen zu vervollständigen. Aenderungen, Streichungen und Ergänzungen sind jedoch nur in Gegenwart des Ausfüllungsberechtigten vorzunehmen. Verweigert ein Ausfüllungspflichtiger die Bearbeitung des Zählpapiers, so sind die Zähldienststellen unverzüglich zu benachrichtigen.
Verhöhnung der Pressefreiheit
Berliner Journalisten zu den kommunistischen Knebelungsversuchen
A. Z. Berlin, 8. September. Der Berliner Presseverband nimmt in folgendem Schreiben an den Westdeutschen Journalisten-Verband zu den westdeutschen Verboten kommunistischer Zeitungen Stellung:
„Der Vorstand des Presseverbandes Berlin hat sich mit den in der Bundesrepublik ausgesprochenen Zeitungsverboten beschäftigt. Er ist einmütig der Auffassung, daß bei aller grundsätzlichen Ablehnung von Zeitungsverboten der Artikel 18 des Bonner Grundgesetzes gegen diejenigen anzuwenden ist, von denen die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit, zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht wird. Da die Kommunisten sich solcher Methoden bedient haben, besteht kein Anlaß, gegen die Zeitungsverbote zu protestieren.
Ein solcher Anlaß besteht aber in Berlin um so weniger, als hier die Kommunisten jeden Tag erneut beweisen, daß für sie die Pressefreiheit im Westen nur ein Mittel zum Kampf gegen Freiheit und Demokratie ist, während sie in der sowjetischen Besatzungszone und im Sowjetsektor Berlins jede Freiheit der Meinungsäußerung auf brutalste Weise unterdrücken. Im Sowjetsektor Berlins und in der Sowjetzone werden keine West-Berliner Zeitungen und Zeitschriften zugelassen, jedem Reisenden werden die Erzeugnisse der Westpresse an der Zonengrenze abgenommen, während umgekehrt die kommunistische Presse in großem Umfang nach Westdeutschland eingeschmuggelt wird.
Wenn jetzt von kommunistischer Seite besonders gegen die Verhängung von Berufsverboten protestiert wird, so muß darauf hingewiesen werden, daß eine große Anzahl von Journalisten aus der Sowjetzone flüchten mußte; zahlreiche Redakteure aus der Sowjetzone, aus West-Berlin und aus Westdeutschland wurden von den Kommunisten in Ausübung ihres Berufes verhaftet, eingekerkert und verurteilt. Man hatte gegen sie nicht ein Berufsverbot von 90 Tagen, sondern langjährige Zwangsarbeit ausgesprochen. Angesichts dieser Maßnahmen können in Berlin die kommunistischen Proteste gegen die bedrohte Pressefreiheit nur wie eine Verhöhnung der Pressefreiheit wirken.
Aus diesen Gründen ist der Vorstand des Presseverbandes Berlin auch der Auffassung, daß die kommunistischen Mitglieder des Deutschen Journalisten-Verbandes nicht in der Lage sind, eine den Satzungen des DJV entsprechende Tätigkeit im Berufsverband auszuüben. Der Vorstand des Deutschen Journalisten-Verbandes wird gebeten, die Folgerung aus einer solchen Situation ernsthaft zu prüfen.“
Doch amexikanische Verstürkungen?
Vermutungen der französischen Zeitung „Le Monde“
P.M. Paris, 8. September. (Eigener Drahtbericht.) Einer Meldung des „Le Monde“ zufolge, scheint man in Washington von der bisher geäußerten Weigerung abgekommen zu sein, die amerikanischen Truppenkontingente in Deutschland zu verstärken. Es soll sich dem Blatt zufolge um eine grundsätzliche Meinungsänderung handeln. Man beabsichtige, die Ausbildung von Rekruten in Deutschland anzuordnen. Die Entsendung solcher Kontingente könnte zunächst den Umfang einer Division nicht überschreiten. Der Beschluß könne auch nicht vor Beginn des nächsten Jahres verwirklicht werden. Die Verstärkung der amerikanischen Truppen solle nach und nach die Form eines Expeditionskorps annehmen.
Paxis ist beunruhigt
P. M. Paris, 8. September. (Eigener Drahtbericht.) Die beiden französischen Memoranden, die von der Regierung über die Finanzierung der französischen Aufrüstung nach Washington gesandt worden waren, sind noch immer unbeantwortet. Maßgebende politische Kreise zeigen sich darüber jetzt beunruhigt. Die Regierung ist außerstande, auch nur annähernd einen Voranschlag für das kommende Militärbudget aufzustellen.
Malik wieder überstimmt
Neuyork, 8. September, (dpa) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, der am Freitagnachmittag zu einer Geheimsitzung zusammengetreten war, hat einen sowjetischen Vorschlag abgelehnt, alle Beschlüsse des Rates, die während der Abwesenheit des Sowjet Vertreters gefaßt worden sind, als illegal aus dem Jahresbericht des Gremiums fortzulassen.
Der Sicherheitsrat wird am Montagabend zu einer offiziellen und am Dienstag zu einer weiteren Geheimsitzung zusammentreten. In den Geheimsitzungen wird, wie jedes Jahr üblich, der Jahresbericht des Rates an die Vollversammlung ausgearbeitet.
Hilfe für Berlin
Bonn, 8. September, (dpa) Zwischen Bundesfinanzminister Schäffer und Vertretern des Berliner Magistrats ist am Donnerstag in Bonn eine grundsätzliche Einigung über die Hilfe der Bundesrepublik für Berlin erzielt worden, in der die Verteilung der Lasten zwischen Berlin und dem Bund festgelegt wird. Der Berliner Stadtkämmerer Dr. Haas äußerte sich über diese Vereinbarung befriedigt. Neben der Bundeshilfe von 500 bis 550 Millionen Mark erhalte Berlin ein dreijähriges Moratorium für den von Januar bis März gewährten Bundeskredit.
Eine „Friedenskundgebung“ in Frankfurt verboten
F.A.Z. Frankfurt, 8. September. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) hatte für Sonntag, den 10. September, in Frankfurt eine „Internationale Gedenk- und Friedenskundgebung“ vorgesehen, auf der neben dem Leipziger Professor Dr. Hans Mayer, französische und holländische Widerstandskämpfer sprechen sollten. Die VVN hatte bereits das Hessische Philharmonische Orchester für diesen Zweck gewonnen.
Der Frankfurter Polizeipräsident hat aber am Freitag auf Grund eines Erlasses des Hessischen Innenministeriums die Gedenk- und Friedenskundgebung und den Gedenkmarsch der Verfolgten des Naziregimes nach Paragraph 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes und Paragraph 17 der Hessischen Verfassung verboten. Gleichzeitig hat der Polizeipräsident eine Kundgebung des Komitees „Kämpfer für den Frieden“, die am 12. September in Frankfurt abgehalten werden sollte, untersagt. Lediglich gegen eine Kranzniederlegung am Ehrenmal in der Taunusanlage _in Frankfurt sind keine Einwände er¬ * hoben worden. Als Bedingung wurde jedoch gefordert, daß die kranzniederlegende Abordnung zehn Mann nicht überschreitet.
Alle Veranstaltungen des ..Komitees junger Friedenskämpfer“ in Hessen, die der Vorbereitung des ..Treffens der 100 000 jungen Friedenskämpfer“ in Dortmund dienen sollten, sind am Freitag vom hessischen Innenminister Zinnkann verboten worden.
Nicht diskriminiert
Die deutschen Flüchtlinge
München, 8. September, (dpa) Der Mitarbeiter des Beraters für Flüchtlingsfragen beim Weltkirchenrat, Turnwald, hat erklärt, die deutschen Proteste gegen die angebliche Diskriminierung der deutschen Heimatvertriebenen durch den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen beruhten auf falschen Voraussetzungen.
Der Bayerische Landtag, der Zentralverband vertriebener Deutscher und Bundestagsabgeordnete der Christlich-Demokratischen Union hatten dagegen protestiert, daß die Betreuung der deutschen Vertriebenen durch den internationalen Flüchtlingsrat abgelehnt worden war. Turnwald, der an den Beratungen des Wirtschafts- und Sozialrats in Genf als Beobachter teilgenommen hatte, sagte, daß der beanstandete Satz zwar richtig wiedergegeben, aber aus dem Zusammenhang gerissen sei. Der Beschluß des Wirtschafts- und Sozialrats schließe die Vertriebenen nicht wegen ihrer deutschen Volkszugehörigkeit von der internationalen Flüchtlingsgesetzgebung und der Betreuung durch den Hohen Kommissar für das Flüchtlingswesen aus, sondern beziehe lediglich die Flüchtlinge nicht ein, die auf deutschem Gebiet unter deutscher Regierungshoheit ständen.
Dies sei geschehen, weil die deutsche Flüchtlingsgesetzgebung den Vertriebenen ohnehin größere Rechte gewähre, als sie in den Möglichkeiten des Hohen Flüchtlingskommissars lägen. Aus der Tatsache, daß deutsche Flüchtlinge außerhalb des Bundesgebiets den Schutz des Hohen Flüchtlingskommissars genössen, gehe hervor, daß nicht daran gedacht sei, Flüchtlinge deutscher Volkszugehörigkeit zu diskriminieren.
Stuttgart will sich nicht unterwerfen
Protest gegen die Suspendierung des Wahlgesetzes
Drahtbericht unseres Korrespondenten
St. Stuttgart, 8. September. Der Aeltestenrat des Landtages von Württemberg-Baden hat am Freitag gegen die Suspendierung des Landtagswahlgesetzes protestiert, die am Donnerstag vom Rat der Alliierten Oberkommission ausgesprochen worden war. In dem bisherigen Landtagswahlgesetz war vorgesehen, daß lediglich Beamte mit sogenannten Hoheitsrechten vor der Mandatsausübung in den Wartestand treten müssen, um die Teilung der Gewalten in Legislative und Exekutive zu sichern.
Der Aeltestenrat stellte am Freitag nach einer mehrstündigen Sitzung in einem Kommunique fest, er sehe sich nicht in der Lage, eine dem Wunsch der Oberkommission entsprechende Aenderung des Gesetzes zu empfehlen. Für eine über die Bestimmung des Artikels 137 des Grundgesetzes über die Möglichkeit des Ausschlusses bestimmter Beamtenkategorien von gleichzeitiger Mandats- und Amtsausübung hinausgehende Regelung sieht der Aeltestenrat weder eine sachliche Notwendigkeit noch eine staatsrechtliche Verpflichtung. Insbesondere, so heißt es in dem Kommunique, erscheine es im Hinblick auf die gesamte politische Situation der Gegenwart und im sechsten Jahre nach dem Kriege psychologisch und politisch nicht tragbar, sich den auf gestellten Bedingungen zu unterwerfen.
Der Aeltestenrat, dem alle im Parlament vertretenen Parteien angehören, richtete an den Landeskommissar Gross die Frage, ob er eine persönliche Aussprache zwischen Regierungs- und Landtagsvertretern und dem Rat der Alliierten Oberkommission zu vermitteln in der Lage sei. Ebenso soll über die Bundesregierung der Versuch unternommen werden, zu einer Aussprache mit den Alliierten zu kommen.
Die Suspendierung des Landtagswahlgesetzes durch die Alliierte Oberkommission wird in Stuttgart als der Höhepunkt eines lang andauernden Streites zwischen dem Amt des amerikanischen Landeskommissars und dem Parlament Württemberg-Badens betrachtet. Es wird darauf hingewiesen, daß bereits sämtliche Vorgänger des jetzigen Landeskommissars heftige Kritik an der außerordentlich hohen Anzahl von Beamten in der gesetzgebenden Körperschaft geübt haben. Die Landeskommission sowie die alliierten Oberkommissare stoßen bei ihrer Verfügung auf einen einheitlichen
Widerstand der Regierungsparteien in Württemberg-Baden, da die Beamten unter den Abgeordneten seit 1945 zumeist die führenden Positionen in den Parteien innegehabt und maßgeblich an dem Wiederaufbau des Staates mitgewirkt haben.
Schon sjetzt ungültig
Ein Weißbuch zu den Oktoberwahlen
R. Bonn, 8. September. (Eigener Drahtbericht.) Wie Bundesminister Kaiser mitteilte, wird die Bundesregierung am Donnerstag vor dem Bundestag eine Erklärung zu den Wahlen in der sowjetischen Zone abgeben. Der Minister gab gleichzeitig ein Weißbuch seines Amtes über Wahlfälschungen und Wahlbeeinflussungen in der sowjetischen Zone seit 1946 bekannt. Die Zeugnisse über Wahlfälschungen für die bevorstehenden Wahlen am 15. Oktober seien jetzt schon derart umfangreich, daß vor jedem Gericht bereits heute diese Wahlen als ungesetzlich und ungültig erklärt werden müßten.
Ein polnisches Konsulatsauto
im Dienst der Kommunisten
Frankfurt, 8. September. (DUD) Die kommunistische Tarnorganisation „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“ hatte für den 4. September einen Vortragsabend im Frankfurter Gewerkschaftshaus angesagt. Diese Veranstaltung wurde jedoch von der Polizei verboten. Es gelang den Veranstaltern, das Verbot zu umgehen, indem sie den Vortragsabend in das ..Werkheim“ in der Vilbeler Straße verlegten und als „Mitgliederversammlung“ tarnten. Die Besucher. die sich im Gewerkschaftshaus eingefunden hatten, wurden an den Ersatztagungsort verwiesen. Aeltere Besucher wurden vom Gewerkschaftshaus zum „Werkheim“ mit einem Auto gefahren, einem Wagen des polnischen Konsulats. Es muß die ernste Frage aufgeworfen werden, ob der Transport von Besuchern einer polizeilich verbotenen Veranstaltung zu einem Ausweichlokal zur Wahrnehmung der Interessen der Republik Polen gehört.
Fünfhundert kommunistische Beamte und Angestellte sind aus dem Staatsdienst der Schweiz entlassen worden.
Was unternimmt Arnold jetzt?
Die Bemühungen um eine Kleine Koalition endgültig gescheitert
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Fö. Düsseldorf, 8. September. Nach dem neuesten Stand der Verhandlungen um die Bildung einer neuen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen wird in politischen Kreisen erklärt, für Ministerpräsident Arnold werde wohl nur noch die Möglichkeit bestehen, ein endgültiges Kabinett zu bilden, wenn es ihm gelinge, die Mehrheit seiner Fraktion für eine Koalition mit den Sozialdemokraten zu gewinnen. Die Besprechungen über eine Kleine Koalition sind nunmehr endgültig gescheitert. Als die entscheidende Frage wird jetzt angesehen, ob Arnold von seinem formalen Recht zur Regierungsbildung nach eigenem Ermessen Gebrauch macht oder ob er beachtet, daß seine Fraktion, die ihn allerdings fast einstimmig nominiert hatte, einer Koalition mit den Sozialdemokraten nicht ihre Zustimmung erteilt.
Arnold hat nunmehr am Freitag die Fraktionsführer der Christlich-Demokratischen Union, der Sozialdemokraten, der Freien Demokraten und des Zentrums für den kommenden Montag zu einer Konferenz gebeten, um sich über die Ergebnisse der bisherigen Koalitionsverhandlungen zu unterrichten. Diese Beratung sei, so wurde erklärt, erforderlich, damit die Fraktionen in der Lage seien, vor der nächsten Landtagssitzung zu abschließenden Entscheidungen zu kommen. Eine Dreierbesprechung mit den Fraktionsführern der Freien Demokraten und des Zentrums, zu der Arnold für Samstag eingeladen hatte, wird wohl nicht mehr zustande kommen, da nach einem Fraktionsbeschluß der Freien Demokraten Dr. Middelhauve dem Ministerpräsidenten am Donnerstag in einem Brief erklärt hat, eine solche Besprechung sei nach der gegebenen Sachlage im voraus zum Scheitern verurteilt. Middelhauve hat Arnold deshalb in diesem Brief erneut aufgefordert, zurückzutreten und den Weg für eine wirkliche Regierung frei zu machen, die unverzüglich zu bilden das dringendste Gebot der Stunde sei.
Eine Kleine Koalition kann unter Arnold nicht mehr zustande kommen, weil Arnold eine Regierung entweder allein mit dem Zentrum oder allein mit den Freien Demokraten zusammen abgelehnt hat, und das Zentrum sich geweigert hat, an einer Dreierkoalition mit den Freien Demokraten und der Christlich-Demokratischen Union teilzunehmen.
Nach dem Abschluß dieser Phase in den nun bereits über zehn Wochen laufenden Bemühungen um eine Regierungsbildung haben sich am Freitag zum ersten Male auch die Sozialdemokraten zu Wort gemeldet, die durch den Vizepräsidenten des Landtags, Alfred Dobbert, der ein prominentes Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion ist, erklären ließen, Arnold solle den Gordischen Knoten durchhauen und eine Regierung bilden, in der die Sozialdemokratische Partei entsprechend vertreten sei.
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Oberschüler helfen bei der Volkszählung
Zu der Volkszählung am 13. September benötigt das statistische Amt 1200 Zähler, denn die Stadt Darmstadt ist in 1200 Zählbezirke zu je etwa 30 Haushalten eingeteilt worden. 1200 Zähler, zum Teil Schüler unserer Höheren Schulen mit ihren Lehrern, werden zur Zeit von Dr. Dietrich, dem Leiter des statistischen Amtes, in täglich mehreren Kursen mit den fünf Zähl-Fragebogen vertraut gemacht und bekommen ihre Zählpapiere ausgehändigt.
Die zu verteilenden fünf Bogen (Gebäude-, Anstalts-, Wohnungs-, Haushalts- und Arbeitsstättenbogen) dienen nur statistischen Zwecken. Sie werden weder dem Wohnungs- noch dem Finanzamt zur Ueberprüfung oder zur Auswertung vorgelegt. Die Zähler sind zur strengsten Geheimhaltung verpflichtet, wodurch die Gewähr gegeben ist, daß keine der Angaben zu Ungunsten der Bevölkerung ausgewertet werden kann. Außerdem können einige der Bogen in verschlossenem Umschlag abgegeben werden. Es ist Aufgabe der Zähler, ihre Mitbürger in diesem Sinne aufzuklären, um das, zum Teil berechtigte, Mißtrauen gegen Fragebogen zu beseitigen.
Die Fragebogen werden nach der Zählung zum Statistischen Landesamt nach Wiesbaden geschickt, wo die Angaben durch Lochung auf Hollerithkarten übertragen werden. Nun werden sie völlig anonym von den geheimnisvollen Hollerith-Maschinen ausgewertet. Die Beauftragten für die Volkszählung sind restlos auf die Ehrlichkeit und Genauigkeit der Ausfüllenden angewiesen, denn die gemachten Angaben werden nicht überprüft. Sie sind, und deshalb die
große Anzahl der Bogen und Fragen, nicht nur zur Fessteilung der Bevölkerungszahl nötig, sonderndar überhinaus von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Jede falsche Angabe, auch wenn sie noch so geringfügig scheinen mag, wird sich irgendwie ungünstig auf die Wirtschaft auswirken. Hierzu nur ein Beispiel: Bei der landwirtschaftlichen Zählung im vorigen Jahr lief die Parole um, man sollte bei der Angabe der Tomatensamen vorsichtig sein. Deshalb gaben die Bauern ihren Tomatensamen mit sehr nach unten abgerundeten Zahlen an. Darauf wurde eine große Menge Tomatensamen importiert, der aber, sehr zum Erstaunen der Behörden, nur zu einem Viertel abgesetzt werden konnte. Um den Rest nicht verderben zu lassen, mußte man ihn unter Selbstkostenpreis auf den Markt werfen, worüber sich die Bauern, die an den übermäßigen Importen zweifellos Schuld hatten, natürlich ärgerten, denn sie konnten ihren Samen nicht absetzen. In der Tat: kleine Ursachen, große Wirkungen. Dieses Beispiel zeigt deutlich die Verantwortung, die nicht nur die Zähler, sonder auch die Bevölkerung hat, wenn sie die Bogen ausfüllt.
Die Fragebogen werden — seit gestern — bis zum 12. September in jeder Haushaltung abgegeben. Das statistische Amt der Stadt bittet noch einmal alle Bürger, die Fragebogen mit Wissen und Gewissen auszufüllen. Am 14. September werden die Fragebogen wieder von den Zählern abgeholt. C. W.
Das Elisabethenstift
feiert sein 92. Jahresfest
Das Diakonissenhaus Elisabethenstift begeht am Sonntag, dem 10. September, sein 92. Jahresfest, zu dem die Gemeinden, die Freunde des Hauses und auch die Jugend herzlich eingeladen werden. Nach dem Festgottesdienst um 14 Uhr in der Pauluskirche, in dem Pfarrer Kehrberger, der Vorsteher des Diakonissenhauses Nonnenweier, predigen wird, findet um 16 Uhr im Garten des Stiftes die Nachfeier mit Jahresbericht und Festansprachen statt. Auch die Anstalt kann besichtigt werden.
Gesellschaftstanz im,Haus der lugend“
Es ist zwischen den kleinen Villenwegen kaum zu finden, das Darmstädter „Haus der Jugend“ in der Fichtestraße. Schon von weitem hört man, daß hier muntere Kinderstimmen die behäbige Stille der Gartengrundstücke unterbrechen. Dieses „Haus der Jugend“ ist der Treffpunkt vieler hundert Darmstädter Kinder, es ist eine Art Zimmerspielplatz in großem Ausmaß.
Von zweieinhalb Jahren bis dreiundzwanzig Jahren ist alles vertreten, was Interesse und Lust an Spiel und Basteln, an Märchen und Sport hat. Besonders die Kleinkinder der näheren Umgebung werden morgens um acht Uhr von ihren Eltern im Kindergarten abgeliefert, wo sie bis zum Mittagessen beschäftigt werden. In den Kellerräumen sind Werkstätten für die Bastler eingerichtet, ein Tischtennisspiel ist im Gang, und auf einer Hobelbank liegt ein demontierter Globus, an dem sich allem Anschein nach die Jungdemokraten im Flicken unserer unvollkommenen Welt üben. Ein gelernter Schreiner wird als Instruktor beschäftigt, und die herumliegenden Hobelspäne lassen schließen, daß die Werkstatt stark in Anspruch genommen wird. Von 13 bis 19 Uhr sind die älteren Kinder Alleinherrscher des Hauses.
Nach einem sehr dehnbaren Wochenplan werden Spiele und Handarbeiten, Gymnastik und Volkstänze durchgeführt, auf der Bühne im ersten Stock wird fleißig an der Einstudierung von Theaterstücken gearbeitet, während im Nebenzimmer kleine Mädchen sich in der Anfertigung von Handarbeiten üben. Erst wird der Strumpf aus altem Material gestrickt, und wenn die kleine zukünftige Hausfrau ihre Prüfung mit Erfolg bestanden hat, stellt das „Haus der Jugend“ Wolle oder Stoff zur Verfügung, mit dem sich die Mädchen Kleider, Röcke und Pullover anfertigen. Natürlich gibt es auch Filmvorführungen, und jeden Mittwoch ist Gesellschaftstanz, an dem sich die
Jugendlichen zwischen 14 und 23 mit Eifer und Ernst beteiligen. Die Kleinkinder zahlen einen monatlichen Beitrag von 10 Pfennigen, die Aelteren 20 Pfennig. Dafür bekommen sie einen Paß, um eine gewisse Kontrolle durchführen zu können, der auch als Pfand hinterlegt werden muß, wenn Spiele und andere Geräte entliehen werden.
Etwa 500 Kinder und Jugendliche sind ständige Besucher des „Hauses der Jugend“, und daß sie auch kommen, beweist die Tatsache, daß nun das Haus auch vormittags für die Aelteren von 8 bis 12 Uhr offensteht. Außerdem kommen auch organisierte Gruppen zu Besuch, wie die Bahai-Jugend, die Laienspielschar der Volkshochschule, die Volkstanzgruppe der katholischen Jugend, die Naturfreunde, der Alpenverein und die Jungdeutsche Freischar im Bund „Der Horst“. Außer dem Darmstädter Stammhaus, das in der näheren Umgebung nur in Ober-Ramstadt eine Konkurrenz hat, steht dem „Haus der Jugend“ auch noch das Jagdhaus Ernsthofen zur Verfügung, zu dem die Kinder gelegentlich mit amerikanischen Fahrzeugen hingefahren werden. st
Versammlung der KKV-Constantia
Der KKV „Constantia“ (Verein katholischer Kaufleute und Beamte) hielt in der Gaststätte Knauf seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung wieder für das nächste Jahr bestätigt. U. a. Verbandsnachrichten wurde bekanntgegeben, daß am 1. September der neue Verbandsgeschäftsführer Dr. rer. pol. Wehling seinen Dienst angetreten habe. Die Anwesenden beschlossen, gemeinsam an den Feierlichkeiten zur Eröffnung der Frankfurter Messe, am 17. September, teilzunehmen und sich im Gesellenhause abends die Ansprache ihres Verbandsbruders Finanzminister Hilpert anzuhören. Auch für die Verbandstagung des Jung-KKV am 23. September in Steinheim am Main wurde ein gemeinsamer Besuch verabredet. t-s
Am nationalen Gedenktag versammelten sich auch die Lehrer und Schüler des Ludwigs-Realgymnasiums, um im großen Saal des Amerikahauses der Opfer des Faschismus und des 2. Weltkriegs sowie des 1. Zusammentritts von Bundestag und Bundesrat zu gedenken. Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache von Stud.- Rat Pfr. König. Die Feierstunde wurde umrahmt von musikalischen Darbietungen und einem Gedichtvortrag von 2 Schülern der Prima und Sekunda.
Unser Oberbürgermeister wieder in Darmstadt
Oberbürgermeister Metzger ist gestern, aus den Vereinigten Staaten kommend, wo er sich zusammen mit mehreren anderen Bürgermeistern des Bundesgebietes zu einem mehrmonatigen Studienaufenthalt befand, auf dem Flughafen Rhein-Main eingetroffen. Er wird heute seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen und an der Magistratssitzung teilnehmen.
Zu Ehrerf unseres „OB“ fand am 5. September — wie die „New Yorker Staatszeitung“ und der „Herold“ meldeten — in Neuyork ein Festabend statt. Die Zeitungen schrieben:
„Wie Sekretär Henry Tripp gestern bekanntgab, ist ein Festabend zu Ehren des Oberbürgermeisters von Darmstadt, Herrn Ludwig Metzger, arrangiert worden, der nach einer ausgedehnten Studienreise durch die Vereinigten Staaten als Gast des Departement of State am Sonntag hier eintreffen und bis zum kommenden Mittwoch, abend in Neuyork ■weilen wird.
Der Hessen-Darmstädter Volksfestverein und sein Präsident, Herr Ludwig Faber, haben es sich zur Pflicht und Aufgabe gemacht, den Ehrengast aus der alten Heimat zusammen mit Mitgliedern und Freunden des Hessen-Darmstädter Volksfestvereins von Neuyork willkommen zu heißen und haben Mitglieder und Freunde zu einem Begrüßungsabend eingeladen, der am kommenden Dienstag, dem 5. September,
abends 8.30 Uhr, stattfinden wird. Der Ehrengast wird dem Programm zufolge im Laufe des Abends voraussichtlich im Yorkville Kasino ein Film der Stadt Darmstadt zeigen und wird den Versammelten außerdem über die Wiederaufbaupläne der alten hessischen Residenzstadt berichten. Als Gast wird ferner auch ein Vertreter der Stadt Neuyork erwartet, und wenn es sich einrichten läßt, wird im Laufe des Tages auch ein offizieller Empfang beim Oberbürgermeister durch den Mayor der Stadt Neuyork, Honorable Vincent R. Impei¬ 1i 11 er i, in der City Hall stattfinden.
Mitglieder und Freunde, die sich für den Festabend noch anzumelden wünschen, können sich mit dem Sekretär Henry Tripp in Verbindung setzen.“
Nan Wyck blieb aus
Der für gestern morgen vor dem Schöffengericht Darmstadt anberaumte Hauptverhandlungstermin gegen den 48 jährigen, ehemaligen ersten öffentlichen Kläger der früheren Berufungskammer Darmstadt Henning Wilhelm Charles van W y c k aus Stuttgart mußte vertagt werden. Obwohl man dem Beschuldigten das Fahrgeld übersandt hatte, war er nicht erschienen.
Bereits im Januar stand „Dr. jur." van Wyck wegen Betrugs, Unterschlagung und unberechtigten Führens des Doktortitels vor dem Schöffengericht Darmstadt. In dem damaligen Prozeß wurden ihm die Bestimmungen der Bundesamnestie zugebilligt. Das Oberlandesgericht Darmstadt hob iedoch dtiesen Urteilsspruch auf und ordnete eine nochmalige Hauptverhandlung‘an. wst.
Pflegegeld für Zivilblinde
Die Hauptfürsorgestelle beim Regierungspräsidenten in Darmstadt bittet die in Betracht kommenden Personen, davon Kenntnis zu nehmen, daß das Gesetz über die Gewährung von Pflegegeld an Zivilblinde vom 19. 7. 1950 am 1. 9. 1950 in Kraft getreten ist. Mit der Durchführung dieses Gesetzes sind die Haupt- und Bezirksfürsorgestellen beauftragt. Anträge auf Gewährung des Pflegegeldes werden jedoch frühestens ab 20. 9. 1950 von den Bezirksfürsorgestellen (Magistrat, Landrat) entgegengenommen. Dem Antragsteller erwächst aus der Antragstellung nach dem 20. 9. 1950 kein Nachteil, da die Berechtigung zum Bezug des Pflegegeldes mit dem 1. des Monats beginnt, in dem der Antrag gestellt wurde. Näheres über das Gesetz und seine Durchführung wird demnächst bekanntgegeben.
Sie bestellten sich Bier...
. . . denn sie wußten nicht, daß aus der „Krone“ unser Amerika-Haus geworden ist
Manch’ altem Darmstädter mag es schmerzlich sein, daß er an der altgewohnten Stätte — in der „Krone“ — nicht mehr essen und trinken kann und daß nur geistige Genüsse serviert werden. Kürzlich z. B. kamen zwei echte Darmstädterinnen mit Weck und heißer Fleischwurst, setzten sich an den erstbesten runden Tisch und bestellten sich . . . Bier. Erfolg: Sie machten lange Gesichter, als ihnen eine junge Dame mit einem „Keep smiling“ bedeutete, daß . . . Dafür, daß die gute alte Krone äußerlich kein schönes Gewand mehr trägt, kann das Amerika-Haus ja nichts. Aber statt des alten Klubtransparentes müßte doch wenigstens ein Schild anzeigen, wer eigentlich darinnen haust.
Schade auch, daß keine Garderobe eingerichtet wurde: qberall hängen und liegen — oft nasse — Garderobenstücke umher und irgendeine Kontrolle, ob nicht kleptomanisch veranlagte Leser Bücher und Zeitschriften mitgehen lassen, besteht nicht mehr. Oben der große Saal hat eine schöne Bühne. Leider ist der Zugang zum Saal sehr eng und der Gang unübersichtlich. Abgesehen von den spielenden Kindern draußen, die einen Heidenlärm machen, findet man die richtige Laune nicht, die man braucht, Hinzu kommt, daß auch ein Abschluß nach oben fehlt, so daß laute Veranstaltungen im Saal unten Leser beim Lesen und Angestellte bei der Arbeit stören.
Unübersichtlich und gequetscht sind auch die vielen schönen Bücher auf gestellt, auch nicht, wie vorher, nach Materien in besonderen Räumen (Deutsch, englisch, Wissenschaft, schöne Literatur) getrennt. Man kann zwar zwischen den vielen Büchergestellen wunderbar Versteck spie- len . . . Aber eine Bücherei ist ja kein Tummelplatz. Die dunklen Wände und Decken und das dadurch bedingte Zwielicht werden von den Lesern und den Bibliothekarinnen sicherlich nicht angenehm empfunden, genau so wenig wie die Anordnung der Zettelkataloge, die ebenfalls nicht günstig aufgestellt sind. Die Arbeitsecke für die Rückgabe und Ausgabe der Bücher ist recht beengt, und die Verwaltung sitzt statt — wie vorgesehen in der gekachelten, kalten Küche — in einem sehr engen Raum zusammengepreßt. Ein besonderer Raum für die Angestellten ist in der „Krone“ nicht mehr vorhanden, auch für die Räder von Lesern und Angestellten ist kein gedeckter, eigentlich gar kein Platz da, der sich aber vielleicht im Hof einfach und billig schaffen ließe. Zeitschriften und Zeitungen, bisher nachbarlich friedlich vereint, liegen nun an den zwei entgegengesetzten Enden, das viele Hin und Her, auch von Leuten, die anscheinend gar nicht lesen, sondern nur gucken wollen, macht manchmal den Eindruck, man befände sich in einem Wartesaal 111. Klasse mit regem Durchgangsverkehr.
Im Interesse der vielen Besucher des Amerika-Hauses und des Hauses selbst, wäre es sehr schön, wenn es gelänge, einige der aufgezeigten Mängel, die sicherlich von der Leitung auch so empfunden werden, nach und nach abzustellen. H. W. W.
Sichergestellt hat die Kriminalabteilung ein Kinderfahrrad. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, werden gebeten, im Polizeipräsidium, Zimmer 41, vorzusprechen. wst.
Diese Figur steht auf dem Ausstellungsgelände auf der Künstlerkolonie. Ihr Schöpfer ist Bernhard H o e t ge r, der seit 1911 Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie war. Die Gruppen und Figuren Platanenhain zeigen sowohl des Bildhauers Art monumentaler Vereinfachung wie auch zweifellos sein bedeutendes Können. Was bedeutet diese häßliche Figur? Es dürfte wohl kaum noch irgendwo vorkommen, daß man in einem öffentlichen Garten nicht die edlen Eigenschaften des Menschen, sondern auch Haß und Neid, Verleumdung und Mißgunst darstellt. Mehrere der zur Belebung der Architektur des Ausstellungsgebäudes geschaffenen Werke Hoetgers, die vielfach kindliche Gemüter in Schrecken setzen, stellen solche Eigenschaften dar — aber auch das ist Kunst. Text: Prof. Beyer, Bild: Kenner
Mißtöne aus dem Posthorn
Durch die Urabstimmung, die in diesen Tagen die Deutsche Postgewerkschaft unter den Angehörigen der Deutschen Bundespost durchgeführt hat — wir haben ausführlich darüber berichtet — ist ein Problem an die Oeffentlichkeit gezogen worden, das mit der Abstimmung selbst nur bedingt zu verbinden ist. Es handelt sich um die Gegensätze zwischen c&r Deutschen Postgewerkschaft und dem Deutschen Postverband. Wie kraß diese Gegensätze sind, erlebten wir vor der Urabstimmung während einer Versammlung der Postgewerkschaft im Concordiasaal. Wir haben versprochen, noch einmal auf diese Versammlung, die durchaus nicht nach demokratischen Spielregeln durchgeführt wurde, zurückzukommen, da sie unser Mißfallen besonders deshalb erregt hat, weil der Gewerkschaftsführer dem Vertreter des Postverbandes mit unflätigen Ausdrücken über den Mund gefahren ist.
Klar schien in jener Versammlung dem Uneingeweihten noch nicht die Struktur des Deutschen Postverbandes und wodurch er sich überhaupt von der Postgewerkschaft unterscheidet. An sich ist nach außen kaum ein Unterschied feststellbar, denn die Ziele des Postverbandes liegen auf der gleichen Ebene wie die der Gewerkschaft. Nur die Wege, die beide Institutionen zu diesem Ziel einschlagen, weichen — mitunter deutlich erkennbar — voneinander ab. Die Meinungsverschiedenheiten, die zwischen beiden während der Urabstimmung auftraten, bezogen sich im wesentlichen auf die Frage: „Seid Ihr gewillt, wenn dieser Gesetzentwurf unverändert im Bundestag angenommen wird (gemeint ist die Kürzung der Beamtengehälter um drei Prozent nach Gewährung der z. Z. einbehaltenen sechsprozentigen Gehaltskürzung) und Eure berechtigten Forderungen durch Bundesregierung und Bundestag nicht erfüllt werden, Euer Recht durch Anwendung gewerkschaftlicher Mittel zu erkämpfen?“
Auf Grund dieser unklaren Fragestellung mußte jeder annehmen, daß alle Gehälter gekürzt werden sollten. Das ist aber nicht der Fall. Nach Ansicht maßgebender Stellen betraf die Kürzung lediglich die Beamten, nicht aber die Angestellten und Arbeiter. Folglich brauchten Angestellte und Arbeiter nicht mit abzustimmen. Außerdem geht aus der Fragestellung nicht hervor, welche gewerkschaftlichen Mittel angewandt werden würden. Obgleich die Postgewerkschaft zwar darauf hinweist, daß ein Streik z. B. nicht in Frage komme, muß man entgegenhalten, daß diese mündliche Zusage jeder nach Belieben einhalten oder übergehen konnte, weil sie — da sie nicht schriftlich gegeben war —- rechtlich nicht fundiert war.
Dagegen wehrte sich der Postverband, der einen Streik strikte ablehnt, weil streikende Beamten ihren Berufsstand unmöglich machen. Abgesehen von der Ansicht der Gewerkschaft, die diesen Standpunkt als veraltet ansieht und ihm zudiktiert, daß er in unsere heutigen Zeitverhältnisse nicht mehr hineinpasse, ist auch uns klar, welche Folgen ein Streik der Postbeamten, -angestellten und -arbeiter für die Allgemeinheit haben muß. Man denke nur daran, welche Auswirkungen die Einstellung des Brief- und Geldverkehrs, die Stillegung des Fernsprech- und Telegraf enverkehrs und der Kraftpostlinien, sowie die Ausschaltung des Funkverkehrs haben würden. Es wäre katastrophal...
Um diese Dinge ging es also in der seinerzeitigen Versammlung. Eine nüchternsachliche Diskussion war nicht möglich. Sie konnte nicht möglich sein, da der Sprecher der Postgewerkschaft diskriminierende Bemerkungen über den Postverband und dessen Mitglieder machte, die jeder beweiskräftigen Grundlage entbehrten. Es begann mit den Braunhemden, die die Leute vom Postverband erst hätten ausziehen müssen, bevor sie an eine Gründung ihres Verbandes hätten denken können und erreichte seinen Höhepunkt, als der Gewerkschaftssprecher auf den Einwurf des Postverbandsvertreters — „der Streik zum Kapp-Putsch sei seinerzeit von der Regierung befohlen worden*’ — dagegen „argumentierte“, das könne der Herr nicht wissen, da ihn in jener Zeit seine Mutter ja noch am Hemd ans Töpfchen geführt habe
Fällt es so unendlich schwer, auch mal die Meinung eines anderen anzuhören oder gar anzuerkennen? Jedenfalls wissen wir, daß umgekehrt — von Seiten des Deutschen Postverbandes — stets versucht wurde, eine ersprießliche Zusammenarbeit mit der Deutschen Postgewerkschaft zum Wohle aller Postbediensteten zu finden. Es scheint, daß die Postgewerkschaft den guten Willen nicht aufbringen kann. Maximilian II
Neusahrsfest der jüd. Bürger
Die jüdischen Bürger feiern am Dienstag und Mittwoch, dem 12. und 13 September ihr Neujahrsfest - nach jüdischer Zeitrechnung das Jahr 5711. Die Büros der jüdischen Gemeinde sind infolge der jüdischen Feiertage von Montag, 10. 9. bis zum 30. 9. gesperrt.
1 der.. ^jährigen Hauptversamrr lung der jüdischen Gemeinde wurde eiu neuer Vorstand gewählt, der sich zusammensetzt aus: David Hornung 1 y°r^-.-Chemiker A. Schmet-Mav y orsdzender, und Herrn B. M a y, 3. Vorsitzender. DT
WIE-WIRD-DAS-WETER
Freundlicher
Vorhersage; Nach erneuten Regenfäilen zum Sonntag 1 wieder zeitweiser Bewöikungsrückgang. Höchsttemperatur 20 Grad. Noch vorherrschende westliche Winde. Weitere Aussichten: Freundliches Wetter.
Rühren die Unfall-Verletzten nicht
c . • brachten dieser Tage, am 5. September, einen Bericht, in dem wir die ten be*.der Versorgung Unfallverletzter im Stadtgebiet bean¬ . cten- Zufolge dieses Berichtes hatten wir eine mehrstündige Unterredung Chefarzt des Elisabethenstiftes, Herrn Prof. Dr. Rückert, der sich un • h vorwe?_ Kesagt werden —in anerkennenswertester Weise für die von . S er'cbtetell Mängel verantworten zu müssen glaubte und sich zum Sprecher f er, armstädter Krankenanstalten machte. Wir möchten daher grundsätzlich tsteilen, daß in der besonderen Erwähnung von Herrn Dr. Geißendörfer keinerei ntisierende Stellung gegenüber der ethischen persönlichen Haltung anderer Aerzte beinhaltet war.
Unsere Kritik schilderte die Tatsache, daß die Unterbringung Unfallverletzter in Darmstadt aus irgendwelchen Gründen zu wünschen übrig läßt. Bei allem j ournalistischem V erantwortungsbewußtsein konnten wir nicht dazu verpflichtet sein, bei der Mitteilung dieses Mißstandes zu erforschen, warum hier eine Lücke im sozialen Gefüge sei. Wir mußten zunächst die Tatsache melden, daß sie bestand, und es konnte uns nirgends wirklich widerlegt werden, daß sie nicht »vorhanden sei, wenngleich wir uns auch insofern berichtigen wollen, als unsere Fragestellung, ob „das Auswaschen der meist durchbluteten Krankenhauswäsche“ solchen Umstand mache, nicht berechtigt war.
Aus dem Blickwinkel des Elisabethenstifts
Wir lernten bei dieser Unterredung den Blickwinkel des Elisabethenstiftes im Detail kennen. Es erscheint uns wesentlich, nicht zu verhehlen, daß die Darmstädter Krankenanstalten — in diesem Falle das Elisabethenstift — zweifellos außerordentliche Verdienste in sozialer Hinsicht aufweisen können. Vor allem sei hier bei dem Elisabethenstift die Unterbringung obdachloser Personen erwähnt, die von uns mehrfach — gerade in den letzten 14 Tagen zweimal! — in längeren Berichten lobend anerkannt wurde. Wir fühlen uns also in jeder Hinsicht von dem Vorwurf frei, dem Elisabethenstift oder einer anderen Krankenanstalt aus irgendwelchen profanen Gründen a priori ehrabschneiderisch nahe getreten zu sein.
Wiederaufbau unter schwersten Bedingungen
Wir erfuhren von Herrn Prof. Dr. Rükkert, unter welchen schwierigen Umständen, bei persönlichen Opfern der Schwesternschaft, der Wiederaufbau der teilweise zerstörten Häuser des Elisabethenstiftes nach dem Kriege erfolgte, wie Bett um Bett, Gerät um Gerät beschafft wurde, wie unter größten Opfern ein Haus um ein Stockwerk erweitert wurde, wie bewußt auf den Aufbau des Mutterhauses der Schwesternschaft vorläufig verzichtet wurde, um alle verfügbaren Mittel zur Erweiterung der Krankenstationen verwenden zu können, wie trotz alledem höchste Anforderungen an die Schwesternschaft in einem Arbeitstag gestellt
werden, der nur in der Ausnahme die 8- Stunden-Grenze kennt. Aber j— und das ist menschlich verständlich — jede menschliche Leistung hat ihre Grenzen, auch die, die mit dem selbstlosesten Wollen begonnen wurde.
Am vergangenen Sonntag, an dem wir einen Fall beanstandeten, waren — wie uns versichert wurde — 3 Unfallverletzte versorgt und 2 davon stationär aufgenommen worden, und im Verlauf des vergangenen halben Jahres erhielten 201 Personen die 1. Hilfe, wobei 104 in das Krankenhaus zu stationärer Behandlung aufgenommen wurden. Diese hohe Zahl im Vergleich zu der von uns erwähnten Statistik, die 341 Unfallverletzte Personen im Jahre 1949 nennt, hat ihren Grund in der Tatsache, daß nur ein Bruchteil aller Unfälle in der Stadt und deren näherer Umgebung polizeilich erfaßt werden, die wirkliche Unfallziffer also ein Mehrfaches der statistischen Zahl darstellt.
Das Geld fehlt zur Vergrößerung
Das Elisabethenstift — so versicherte uns Herr Prof. Rückert — leide unter einem ständigen Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten; Betten seien selten frei und es bedeute im übrigen einen empfindlichen finanziellen Verlust, wenn man dauernd mehrere Betten für Unfallverletzte frei halte. (Prof. Rückert rechnet mit 1800 DM Ausfall im Monat bei 8 Betten.)
In diesem letzten, dem finanziellen Punkt der gesamten Angelegenheit scheint uns im übrigen die Schwäche des Systems zu liegen. Die 3 Krankenanstalten, Marienhospital, Alicekrankenhaus und Elisabethenstift so erfuhren wir müßten ihr jährliches Defizit ganz aus eigenen Mitteln, aus Spenden und durch den Verzicht der Schwesternschaft auf Gehalt die Diakonissen erhalten ein monatliches Taschengeld von nur 5,— DM, decken, während das Städtische Krankenhaus die Stadt als finanziellen Hintergrund habe. Hätte man Geld, so wäre es kein Problem, die chirurgischen Abteilungen so zu vergrößern, daß sie jedem Ansturm gewachsen seien. Es sei selbstverständlich, daß sowieso die in der Stadt gelegenen Krankenanstalten zuerst in Anspruch genommen würden, einfach weil die Patienten möglichst in der Nähe ihrer Angehörigen oder einer günstigen Verkehrsverbindung untergebracht sein wollten.
Unser Vorschlag — nicht durchführbar?
Wir machten darauf den Vorschlag, daß man trotzdem für die Unfallverletzten einige Betten freihalten solle; um von jeder Unfallstelle mit Sicherheit das nächste Krankenhaus aufsuchen zu können. Erst dann solle, nach eingehender Diagnose eines Facharztes und der etwa notwendigen chirurgischen Behandlung der ersten Tage und nach sicherer Transportfähigkeit des Verletzten, eine Ueberführung in ein weiter abgelegenes Krankenhaus — in diesem Falle die Chirurgie in Eberstadt — vorgenommen werden, um wieder Betten frei zu machen. Wir mußten darauf von Herrn Prof. Dr. Rükkert hören, daß sich auf diesen zweifachen Krankentransport bei der heutigen finanziellen Notlage wohl kaum eine Krankenkasse einlassen könne, und im übrigen die ersten Tage der Behandlung die kostspieligen seien, wofür jedoch von den Krankenkassen täglich genau so 7,50 DM bezahlt würden, wie in den letzten Tagen der Rekonvaleszenz, die erst dem Krankenhaus einen wesentlichen Teil der gehabten Unkosten wieder einbrächten. Dadurch würden die in der Stadt gelegenen Krankenhäuser untragbar stark finanziell belastet.
So sehr wir die Realität dieser Lage erkennen, fühlen wir uns doch verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß Unfallverletzte keineswegs die Leidtragenden merkantiler Gesichtspunkte sein dürfen. Es müßte dafür eine Lösung gefunden werden —!
Abschließend möchten wir bemerken, daß die hier für das Elisabethenstift aufgezeigte Perspektive nach unserer Meinung mit geringen Abweichungen auch für das Alicekrankenhaus und das Marienhospital Gültigkeit hat. DT
Heitere Mustk
im Stadt. Altersheim
Unter diesem Motto erfreuten junge Künstler die Insassen pnd Freunde des Stadt. Altersheim? in der Emilstraße. Die Vortragenden verstanden es, durch ihr reiches künstlerisches Können und ein geschickt zusammengestelltes Programm die Herzen aller zu gewinnen. Sie brachten Werke von Mozart, Lortzing, Kreutzer, Wittich, Schubert, Winkler und Aletter zum Vortrag. Die Mitwirkenden waren: Fräulein Elsbeth Stumpf, Sopran, Fräulein Anna Maria Loinberger, Alt, Wilhelm Walter, Bariton, Fräulein Hede Schaab, Klavier, und der findige und humorvolle Ansager Herr Friedel österling. — Die Zuhörer dankten mit reichem Beifall für den genußreichen Abend, der ihnen durch den selbstlosen Einsatz der Spielenden geboten wurde.
Wieder Unfall bei Kilometer 512
Diesmal andere Ursache — Motorradfahrer im Krankenhaus
An der berüchtigten Autobahnkurve am Kilometer 512 bei Gräfenhausen ereignete sich gestern wieder ein Unfall — der 15. seit Anfang Juli! «— der jedoch diesmal nicht die Straßendecke der Fahrbahn als Ursache hatte. Da durch unsere mehrmaligen Hinweise die Straßendecke der Autobahn an dieser Stelle instandgesetzt wird, ist die nach Frankfurt führende Fahrbahn abgesperrt und der gesamte Verkehr auf die westliche Fahrbahn umgeleitet.
Ein von Frankfurt kommender Jeep versuchte gestern morgen trotz der mehrfachen Verbotsschilder auf der Einbahnstrecke andere Fahrzeuge zu überholen. Dabei gelang es ihm gerade noch, an einem entgegenkommenden Dreiradlieferwagen vorbeizukommen. Einem dicht dahinter fahrenden Motorrad versuchte der Amerikaner auszuweichen, indem er seinen Wagen scharf nach links auf den Grünstreifen riß. Trotzdem ließ sich ein Zusammenstoß nicht vermeiden, wobei das Motorrad schwer beschädigt wurde und der Motorradfahrer mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußte. “ DT
Flüchtlinge aus der Sowjsetzone
Die Darmstädter Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzone, deren Mitglieder in ganz Südhessen sitzen, gründete im Gasthaus „Zur Sonne“ (Eberstadt) eine neue Ortsgruppe. Als Vorsitzeder wurde Architekt Brede (Seeheim) gewählt.
Der erste Vorsitzende der Kreisvereinigung, Bilger, machte darauf aufmerksam, daß das kürzlich von der Bundesregierung erlassene Notaufnahmegesetz nur den Flüchtlingen den Zuzug sichere, für die in der Sowjetzone Gefahr für Leib und Leben bestanden habe. Die Vereinigung sei bestrebt, eine Erweiterung der Bestimmungen dieses Gesetzes zu erreichen, damit noch mehr Flüchtlingen der Zuzug bewilligt werde, z. B. alten Menschen, die bei Verwandten im westdeutschen Bundesgebiet Aufnahme finden könnten, Kranken, deren Wiedergesundung in der Sowjetzone aus Mangel an Arzneimitteln in Frage gestellt sei, Verwandten, die zueinander ziehen möchten und solchen Personen, die ihre Existenz in der Sowjetzone verloren haben.
Die Vereinigung habe sich auch an die Vertriebenenbank in Bonn gewandt, Flüchtlinge aus der Sowjetzone bei der Verteilung von ERP-Geldern zu berücksichtigen. Der Redner bedauerte, daß noch viele Flüchtlinge der Organisation fernstehen, besonders deshalb, weil sie sich scheinbar nicht darüber im klaren seien, daß ihr staatsrechtliches Verhältnis nur durch Gesetze verankert werden könne. t—s
Eine Modenschau wird heute nachmittag um 16.30 Uhr und um 20 Uhr sowie morgen um die gleiche Zeit im neueröffneten Stadt-Cof6 am Luisenplatz veranstaltet werden. DT
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Stadthalle: 20 Uhr, Orchester des Hess. Landestheaters, Richard- Wagner-Konzert.
Heilig-Kreuz: 20 Uhr, Gesangverein „Liederzweig“ Darmstadt 1855, Spätsommefnachtfest mit bunter Unterhaltung und Tanz.
Stadt-Cafe: 16.30 und 20 Uhr, Haus der Moden: Modenschau.
...und morgen?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Stadt-Herrengarten: 11 bis 12 Uhr, Promenadenkonzert. (Kapelle Hinze, Leitung Hans Traser).
Stadt-Cafe: 16.30 und 20 Uhr, Haus der Moden: Modenschau.
Haus Veite, Trautheim, Lindenbergweg: 20.15 Uhr, „Sa Serva Padrona“ (Die Magd als Herrin), Oper in 2 Akten von Giov. Batt. Pergolosi.
Wir gratulieren
Goldene Hochzeit: Herr Heinrich Stör und Frau Dorothea, Erfelden. (9. 9.) Goldene Hochzeit: Herr Wilhelm Buchert I. und Frau Luzia geb. Henrich, Klein-Zimmern. (10. 9.)
Goldene Hochzeit: Herr Adam Lang I. und Frau Barbara geb. Bernhardt, Reichenbach/Odw., Felsbergstraße 48. (10. 9.)
25 jähriges Berufs Jubiläum: Hebamme Elise Müller, Klein-Zimmern.
90. Geburtstag: Frau Thierolf, Michelstadt/Odw., Haus Friedlein (bis zum 11. 9. 1944 wohnhaft Darmstadt, Inselstraße 28).
Bereitschaftsdienst am Sonntag
Apotheken Sonntags- und Nachtdienst: (von 9. 9. 13 Uhr bis 16. 9. 8 Uhr).
Darmstadt: Frankenstein - Apotheke, Heidelberger Straße 85; Löwen-Apotheke, Magdalenenstraße 23; Johannes-Apotheke, Landwehrstraße P/s.
Darmstadt-Eberstadt: Schwanen-Apotheke, Darmstädter Straße 26.
Darmstadt-Arheilgen: Arheilger-Apotheke, Dieburger Straße 20.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10 bis 12 Uhr)
10. 9.: Dr. Hertrich, Darmstadt, Heinrich-Fuhr-Straße 29.
Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr) ’ '
10. 9.: Dentist Willy Veith, Darmstadt, Lichtenbergstraße 37.
Landwirtschaft
Marktbericht der Woche
Fleisch
Der Auftrieb in Darmstadt war gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Nur Schweine und Schafe zeigten eine leichte rückläufige Tendenz. Die Preise für Großvieh und Schafe waren im wesentlichen die gleichen wie in der Vorwoche. Tendenz bei Kälbern und Schweinen weiterhin
steigend. In Frankfurt ging der Auftrieb gegenüber der Vorwoche zurück. Die Preise für Kühe stiegen leicht. Ebenso hielt die Steigerung der Preise bei Schweinen weiterhin an. Die übrigen Preise blieben unverändert. Die Absicht der Bundesregierung, durch erhöhte Fleischeinfuhren einen Druck auf die Inlandspreise auszuüben, ließ sich noch nicht verwirklichen.
Obst und Gemüse
Bei normalen Zufuhren und wenig veränderten Preisen war das Kaufinteresse am Monatsanfang wieder reger.
Erzeugermarkt Zwingenberg
Die nachstehenden Preise sind reine Erzeugerpreise. Sie enthalten weder Fracht- noch Marktkosten bzw. Handelsverdienstspannen. Wertungszahlen:
Für die Zufuhr (Z) 1 ungenügend, 2 knapp, 3 ausreichend, 4 reichlich, 5 überreichlich. Für den Absatz (A) 1 sehr gut, 2 gut, 3 normal, 4 langsam, 5 schleppend.
Getreide und Futtermittel
An den westdeutschen Getreidemärkten nimmt das Angebot von Brotgetreide allmählich zu. Wenn die Roggenverfütterung nicht stärker wird, ist die Brotgetreideversorgung aus der neuen Ernte nicht viel kleiner als im vorigen Jahr, denn die Hektarerträge unterschreiten die vorjährige Rekordertrage nur um wenige Prozent. Roggen ist in Süddeutschland so reichlich am Markt, daß stärkere Vorratskäufe der Einiuhr- und Vorratsstelle erwünscht sind. Die Preise für Roggen liegen jetzt fast allgmein auf der Höhe der Festpreise.
Inlandsgetreide (Hessen): Weizen: Abschlüsse bis zu 34 DM franko Mühlenstation. . Roggen kann nach Bekanntgabe der Einlagerungsbedingungen der Vorrats- und Einfuhrstelle glatt aufgenommen
werden. Gerste weiter geringes Angebot zu unveränderten Preisen.
Braugerste kein Angebot Hafer kein Angebot. Weizenmehl: Nachfrage konnte gedeckt werden. Roggenmehl anhaltend starkes Angebot zu unverändert reduzierten Preisen. Weizenkleie starkes Angebot zu unveränderten Preisen bei geringer Nachfrage. Roggenkleie kaum unterzubringen.
Kartoffeln
Die nach wie vor rückläufigen Preise erreichten einen erneuten Tiefstand. Die Erzeuger halten deshalb mit Angeboten verstärkt zurück. Dennoch übersteigt das Angebot fast überall die Nachfrage. Pflanzkartoffeln: rege Offertentätigkeit. Abschlüsse sind bereits erfolgt, zu Preisabsprachen kam es noch nicht. Preise in DM je 50kg: Der Erzeugerpreis für hessische Ware bewegt sich um 3.10 bis 3,20 ab Hof. Für frachtgünstige Abholpartien in Südhessen bis zu 25 Pfg. mehr. .Großhandelsabgabepreis am Großmarkt Frankfurt/M. 4,00 bis 4.30. Obere Grenze nur für hochwertige Qualitäten. Lieferungen aus Bayern je nach Entfernung 3,40 bis 3.60.
Kleinverkaufspreis ab Ladengeschäft 50—55 Pfg. je 5 kg.
Nutzvieh:
Markttendenzen der nordwestdeutschen Zuchtgebiete:
Zahlenmäßiges Angebot an hochtragenden oder frischmelkenden Kühen gering, daher weiterhin feste Preise mit steigender Tendenz. Angebot an hochtragenden Rindern ist nicht hoch genug, um steigende Preise auffangen zu können.
Als Gründe für diese Tendenzen werden angegeben: die hohen Schlachtviehpreise und die Hoffnung auf eine verstärkte Nachfrage nach Milch- und Molkereierzeugnissen in den Wintermonaten.
Auf den Ferkelmärkten weiterhin steigendes Angebot und mittelmäßige Nachfrage; trotzdem werden die Preise gehalten.
Eier
„Deutsche Frischeier“ notierten am 25. 8. (ab Kennzeichnungsstelle einschl. Verpackung im Großhandel): Gewichtsklasse S 22—23 Pfg. Gewichtsklasse A 21—22 Pfg. Gewichtsklasse B 20—21 Pfg. Auslandseier: Klasse 55—60 Gram 20—22 Pfg. Im Erzeuger- Verbraucher-Direktverkehr werden in Südhessen gezahlt: Trinkeier (unsortiert) 23—24 Pfg., dto von Junghennen 16—18 Pfg.
| Erzeugnis | |||
| Einheit | DM | Z | A |
| Pfirsiche | |||
| 50 kg | 15—35 | 4 | |
| Zwetschen | |||
| 50 kg | 6— 9 | 4 | 2 |
| Aepfel | Wirtschaftsäpfel | ||
| 50 kg | 4— 6 | 4 | 4 |
| Birnen | |||
| 50 kg | 10—12 | 4 | 3 |
| Wirtschaftsbirnen | |||
| 50 kg | 4— 5 | 4 | 3 |
| Stangenbohnen | |||
| 50 kg | 10—16 | 2 | 3 |
| Tomaten | |||
| 50 kg | 4— 6 | 2 | 4 |
Vorurteile
Ueber den diesjährigen Deutschen Bauerntag, der in den Tagen vom 25. bis 27. August in Mainz stattfand, ist in der Tagespresse auffallend wenig zu lesen gewesen. Die Ursache dieser frostigen Zurückhaltung der Oeffentlichkeit gegenüber der deutschen Landwirtschaft ist .ein altes, politisch geschürtes Ressentiment, das selbst durch den Umschwung der Weltlage noch nicht entscheidend ins Wanken gekommen ist. Landwirt Robert Wenzel aus Ulfa im Kreise Büdingen hat die Lage kürzlich im Organ des Hessischen Bauernverbandes völlig richtig dargestellt, wenn er schreibt:
„Wenn man als Bauer heute auf staatlichen Dienststellen oder bei der Unterhaltung mit nicht bäuerlichen Privatpersonen auf die Frage der Rentabilität unserer landwirtschaftlichen Betriebe zu sprechen koinmt, oder wenn man z. B. in der Eisenbahn Gespräche von Fahrgästen über das Thema Landwirtschaft anhören muß, dann kann man sehr oft folgende ganz unglaubliche Feststellung machen: Wir sind als Bauern in den Augen dieser Leute die Wohlhabenden und Großverdiener, denen es weit besser geht als allen anderen. Diese Menschen sind davon überzeugt, daß wir Bauern nur aus Tradition lamentieren. Bauernschläue nur sei unser Gerede von der Unrentabilität der Landwirtschaft, behaupten sie. Hetz- und Haßreden beschließen dann gewöhnlich solche Unterhaltungen. Das für uns Gefährliche solcher nur gelegentlich von uns vernommenen Meinungsäußerungen ist, daß diese durchaus keine Einzel- und Ausnahmeerscheinungen sind, sondern — machen wir uns gar nichts vor — die Regel bilden. Dieser unerhörten, die Dinge auf den Kopf stellenden Auffassung müssen wir planmäßig und ganz systematisch entgegentreten und sie zu Fall bringen, weil sie die Wurzel unseres Uebels ist.“
Darüber hinaus gab es in Mainz interessante Auseinandersetzungen zwischen den Führern des Bauernverbandes und dem Bundesernährungsminister hinsichtlich des Ausmaßes der Liberalisierung bei Obst- und Gartenbauerzeugnissen. Die wichtigste Forderung des Deutschen Bauerntages aber war ein grundsätzlicher Wandel in der Einstellung gegenüber der Landwirtschaft und ihrer Lebensfähigkeit im gesamten Bereiche der Politik und der öffentlichen Meinungsbildung. Die schon fast hektische Festesfreude der Deutschen mit dem Uebcrmaß an geräuschvollen Vergnügungen und gefeierten Weinköniginnen ist ja nur der Reflex der Wirklichkeit, daß es wieder einmal „hart und scharf hergeht“ in diesem Abschnitt der deutschen Geschichte. Wer ihn ohne eine funktionsfähige deutsche Landwirtschaft bestehen wollte, würde als Politiker eine beneidenswerte Naivität verraten. Me.
Hundert Zeilen für die Landfrau
Deutsches Obst für den Winter
Alle die, die unsere deutschen Äpfel und Birnen kennen, wissen, daß sie die Auslandsware an Gewürz und Haltbarkeit weit überragen. Wir geben ja gern zu, daß die deutschen Obstzüchter nicht immer sehr großen Wert auf die äußere Ausstattung — wie Sortierung und Verpackung — legten. Sie haben das aber inzwischen eingesehen, und unser deutsches Obst kommt nun auch in gleichmäßig schöner Ware auf den Markt.
Für den Winter kann man im Laufe der nächsten Monate auch sorgen. Wenn in manchen Gegenden die Obsternte nicht gerade glänzend ausfällt, so gibt es doch noch viele Landstriche in Deutschland, in denen reichlich Äpfel und Birnen geerntet werden können. Daueräpfel werden sorgfältig in Torfmull aufbewahrt. Wer selbst viel Obst erntet, kann sich den guten Apfelmost herstellen. Es gibt ja genügend Hilfsmittel, um dieses „flüssige Obst“ gut haltbar zu machen. Für Kinder gibt es jedenfalls keinen besseren Obstersatz als reinen, unvergorenen Obstsaft. Wir brauchen dann nicht nach Apfelsinen und anderem ausländischem Obst zu greifen. H.
Marmeladen-Rezepte
Marmelade von Birnen und Ebereschen (auch Vogelbeeren genannt): 2 Pfund Birnen, 1 Pfund Ebereschen oder Birnen und Ebereschen zu gleichen Teilen, l’/a Pfund Zucker. Schlehenmarmelade mit Äpfeln und Birnen: 1 Pfund Aepfel, 1 Pfund Birnen, 1 Pfund Schlehen, l‘/s Pfund Zucker.
Apfelmus in vielfacher Verwendung
Vom Apfelreichtum eines Baumes bleibt oft nicht viel hängen, wenn ein Gewittersturm die Auslese treibt. Fast immer sind es madige Äpfel, die abfallen und gleich aufgelesen werden müssen. Wohin nun mit dem Aepfelsegen? Man kann Gelee daraus machen, das kostet aber viel Zucker. Man kann die Äpfel schälen und in Scheiben schneiden und dörren. Am meisten werden die Falläpfel wohl zu Apfelmus verwendet.
Apfelmus ißt man als Kompott, wobei man gern den Saft einer Zitrone hinzufügt. Das Kompott bestreut man auch mit Zukker und Zimt und macht das Apfelmus so interessanter.
1. Das fertige Apfelmus wird mit einigen Brombeeren noch einmal durchgekocht. Das gibt ein rotes Mus mit besonderem Aroma.
2. Aus solchem Brombeerapfelmus kann man auch einen Aufl a u f bereiten. Man läßt in dünnes Apfelmus Gries einlaufen und kocht einen steifen Brei davon. Durch hinzugegebene Brombeeren wird das graugrüne Apfelmus rot. Die Masse kommt in eine gut eingefettete Auflaufform. Man streut Semmelmehl in dicker Schicht obenauf und setzt Fettflöckchen auf den Auflauf, der nun leicht überbacken wird. Wenn man mit Milch verquirltes Ei über die Semmelbrösel gibt und dann die Fettflöckchen aufsetzt, wird die Kruste noch schöner.
3. Apfelmus zu Weckschnitten oder Armen Rittern. Weißbrotscheiben werden in einen Eierkuchenteig getaucht und in sehr heißem Fett knusperig gebacken. Oder halbierte Brötchen werden einige Stunden in Milch oder mit Milch' verquirltem Ei eingeweicht und dann in heißem Fett in der Pfanne goldgelb gebacken. Dazu gibt es Apfelmus. 4. Apfelspeise. Einige Blatt rote Gelatine werden in heißem Wasser eingeweicht und dem fertigen Apfelmus unterrührt. Die Masse muß erkalten, wird dann steif und wird, gut gekühlt, mit Milch oder Vanillensauce gegessen.
5. Apfelsuppe. Fertig zubereitetes Apfelmus wird mit Zitronensaft und Rosinen, die vorher gewaschen und überwellt sind, kurz durchgekocht, wobei noch etwas Wasser zugesetzt wird. Mit Zucker wird abgeschmeckt und geschlagener gezuckerter Eierschnee auf die fertige Suppe gesetzt, die man mit darauf gestreutem Zucker und Zimt noch interessanter machen kann.
Stahldraht-Silo
Eine erfreuliche Neuerung für alle, die noch keinen Silo haben, deren Siloraum nicht ausreicht, die aber auch kein Geld haben, einen neuen zu bauen, ist der Lüneburger Stahldrahtsilo. Das einen Meter hohe Gewebe wird an geeigneter Stelle aufgestellt, mit Silopapier ausgelegt und kann wie üblich gefüllt werden. Wenn der erste Ring voll ist, wird der zweite aufgesetzt und gefüllt. Drei Ringe können übereinander aufgesetzt werden. Je kleiner das Futter und je fester es eingetreten wird, um so besser die Silage. • Der Lüneburger Stahldrahtsilo wird in Größen von 100, 150, 250, 350 und 600 dz Inhalt fertig zu mäßigen Preisen geliefert. Das Gewebe ist jahrelang haltbar. Lediglich das Silopapier muß jedesmal erneuert werden.
Eine Gartenbaumesse wird vom 8. bis 10. September im Frankfurter Palmengarten abgehalten. Veranstalter ist der Landesverband Hessen der Gemüse-, Obst- und Gartenbauvereine. An der Gartenbaumesse werden auch die Kreisgartenbauvereine Darmstadt und Bergstraße sowie Erwerbsgärtner, Samenzuchthandlungen,Gartenbaubedarfsfirmen und Baumschulen aus Darmstadt und Umgebung beteiligt sein. (oa)
STARKENBURG
Die weiße Weste
Allerseits kriselt es. Unter dem einen und anderen Bürgermeisterstuhl steigt unsichtbarer Rauch auf. Und wenn der bisherige Besitzer nicht rechtzeitig abdankt, läuft er Gefahr, sich zu verbrennen. Es fehlt hierzu nicht an dem Beispiel. Stille ist nicht immer verdächtig und es bestand doch da und dort kein Zweifel, daß alles getan wurde, um der Sache als solcher einigermaßen gerecht zu werden. Trotzdem kriselt es. 'Hier sind die einen unzufrieden, weil man ihnen jemand präsentiert, den sie nicht gerufen haben und der ihnen quasi auf die Platte serviert wurde. Dort rührt man die Trommel, um irgend einem anderen vorzeitig das Genick zu brechen und spart nicht mit Anwürfen. Und wieder woanders verschwindet einer, ehe sich die Gerüchte noch mehr verdichten und man überhaupt dahinterkommen kann, welches der vielen auf Wahrheit beruht. Wiewohl es völlig verkehrt wäre, einem dieser nachzugehen, da sich schon zu viele die Finger daran verbrannt haben und keiner etwas Rechtes herausbekam. So daß also zum Schluß mit dem Schwamm des Vergessens all das ausgelöscht wird, was wert gewesen wäre, die Person eines Mannes zu beleuchten. Man spricht derzeit allerorten von einer Reinigung. Und meint damit die Notwendigkeit, zu einem bestimmten Akt so auftreten zu können, wie man es von Menschen verlangt, die sich zu einer Gesellschaft begeben. Auf saubere Hände — und vor allem eine weiße Weste wird da-
bei besonders Wert gelegt. So auch im politischen Leben. Wo man eben allem Anschein nach darangeht, sich von gewissen Personen zu distanzieren, die die Weste der Partei nicht sonderlich zieren. Die den dunklen Fleck bilden, der auffallen muß, wenn zur Vorstellung gerufen wird.
Wer also nicht pariert, fliegt — wird höflich aufgefordert zu gehen. Wobei evtl, über die Höhe der Abfindung noch beraten werden kann. Wer nicht spurt, wird getreten. Nicht tätlich, aber wörtlich. Mit Worten, die manchmal äußerst unangenehm sind. Wobei man keine Rücksicht nimmt, ob nicht doch schon einmal eine Leistung vollbracht wurde. Wobei ebenso nicht ganz einmal die Absicht der Reinigung bestehen mag, als der Wille, selbst zu glänzen und nach der Palme zu greifen. Die nicht so klein sein muß, als die bisherige, sondern evtl, sogar die Größe eines Landtagsmandats haben kann.
Mit frischgereinigter Weste glaubt man anzutreten, indem man hierzu die Mittel nahm, die den anderen um so besser beschmutzen. Indem man keine Mühe scheute, sich ins rechte Licht zu setzen und einen denkbar großen Schatten auf jenen warf, der nun einmal der Dumme sein muß. Damit das Volk jenen besser sieht, der sich in den Strahlen seiner Worte bewegt. Und geblendet ist. Sich blenden läßt, weil es bisher -mehr Blender und Scheiner, wie rechtschaffene Männer sah, die den Egoismus und den inneren Schweinehund töteten, um dem Schaffen und Wirken für die Allgemeinheit Platz zu machen, ohne Ansehen des Geldes und des zu erwartenden Amtes.
Es würde sich lohnen, jene Schreier und Drahtzieher besser anzusehen. Um sie rechtzeitig zu erkennen und kennen zu lernen. Weil sie sonst, in tierischem Ernst auf das Stimmvieh hoffend, das werden könnten, was sie möchten: Vertreter des Volkes, vom Volke gewählt. Wobei wir aber sicherlich nicht werden möchten: die erneut Genasführten und Uebers-Ohr-Gehauenen. Weil ihr Rummel so stark und glaubwürdig erschien, daß wir deren Weste in einem Lichte sahen, die dem Ueberlegenden und Eingeweihten reichlich grau und verschwitzt vorkommen mag. Arco
Ein Schmuckstück für GErbach
Einweihung des ersten Jugendherbergsneubaus nach dem Kriege
Wandernde Jugend im In- und Ausland sowie zahlreiche Freunde der Jugend werden heute und morgen anläßlich der Einweihung der neu erbauten Jugendherberge in der Eulbacher Straße Gäste der Stadt Erbach sein. Aus diesem Anlaß richtet Bürgermeister Volk die herzliche Bitte an die gesamte Bevölkerung der Kreisstadt, die Häuser mit Fahnen und Girlanden zu schmücken und recht zahlreich an den verschiedenen Veranstaltungen am Samstag und Sonntag teilzunehmen.
Im Laufe des Samstagnachmittags treffen Abordnungen der Jugendbünde aus Hessen und den Nachbargebieten ein. Um 19 Uhr versammeln sich alle Jugendlich an auf dem Platz unter den Linden vor der Festhalle zum gemeinsamen Gesang alter Fahrten- und Heimatlieder. Etwa um 20.00 Uhr geht es im Fackelzug durch die Hauptstraßen der Stadt in den Schloßhof, wo gegen 20.30 Uhr Ministerialrat Hassinger, Stuttgart, der 1. Vorsitzende des Hauptverbandes des Deutschen Jugendherbergsverbandes, sprechen wird. Anschließend führt der Spielkreis des Evangelischen Gemeindedienstes Württemberg, „Der Ruf“, Aloys Lippis „Totentanz“ als Freilichtspiel auf.
Zur eigentlichen Einweihungsfeier am Sonntagvormittag um 11 Uhr vor der neuen Jugendherberge an der Eulbacher Straße werden neben dem Gründer des Deutschen Jugendherbergsverbandes, Richard Schirrmann, alle Mitglieder des . Hauptvorstandes, Vertreter der Staatsregierung und aller Behörden, der Gewerkschaften und der Jugendverbände zugegen sein. Oberbürgermeister Dr. h. c. Kolb (Frankfurt), als Hauptlandesverbandsvorsitzender wird die Weiherede halten. Die Geistlichen beider Konfessionen sowie die Abordnungen schließen sich an.
Nachmittags vergnügen sich die Jugendgruppen bei frohem Spiel und Sang auf dem Wiesenmarktgelände vor der Festhalle.
Die Erbacher Jugendherberge ist nicht nur der erste Neubau des Jugendherbergsverbandes nach dem Kriege, sie muß auch zu den schönsten Heimen der Jugend überhaupt gerechnet werden. Der schmucke Fachwerkbau fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Vom Keller bis zum Dach ist das ganze Haus mit solch gediegenem Geschmack ausgestattet, daß die Bezeichnung „Herberge“ falsche Vorstellungen erwecken könnte. Es ist viel eher ein erstrangiges Jugendhotel mit allem Komfort. Bürgermeister Volk hat recht mit seiner Feststellung, daß die neue Jugendherberge ein Schmuckstück für Erbach ist. ch
„Tausend Mark Gehalt für den Lindenfelser Bürgermeister“
Uebungsmäßige Gemeinderatssitzung zum Abschluß des 15, Lehrgangs des Freiherr-vbm-Stein-Instituts
In anderen Ländern ist schon seit langem die Bedeutung der kommunalen Gemeindearbeit als sicherste Grundlage für ein freiheitliches Staatsbürgertum erkannt worden. Auch in Deutschland sind seit einiger Zeit Bestrebungen im Gange, die Gemeinde- und Kreisvertreter in Tagungen und Schulungskursen für ihre verantwortungsvolle Arbeit in den Volksvertretungen vorzubereiten.
Diesem Gedanken diente auch die am 6. März 1950 in Lindenfels im Odenwald erfolgte Gründung des Institutes für Selbstverwaltung, das den Namen des Initiators der deutschen Selbstverwaltung, Reichsfreiherrn vom Stein, erhielt. In einwöchigen Kursen werden jeweils 30 Vertretern der Gemeinden des Landes Hessen von fachkundigen Referenten Vorträge über die wissenswertesten Aufgabengebiete in der Kommunalpolitik gehalten.. Besonderer Wert wird dabei auf die praktische Nutzanwendung gelegt, um die Kursteilnehmer gleich in medias res zu führen und ihnen wichtige Anregungen mitzugeben, die sie in ihrer Gemeindearbeit verwenden sollen.
Zum 15. Mal ging am Freitag ein derartiger Kursus zu Ende, und wir hatten Gelegenheit, uns über die Arbeitsweise des Selbstverwaltungsinstitutes zu informieren. Im Saal des „Hessischen Hauses“ in Lindenfels fand eine Gemeindevertretersitzung statt, die sich von anderen dieser Art nur dadurch unterscheidet, daß zwischen den „Kämpfen“ um die einzelnen Punkte der Tagesordnung jeweils Herr Dr. Köbel auf stand, die Sitzung unterbrach, und juristische Erläuterungen zu den aufgetretenen Fragen gab. Dreißig würdige <Wolksvertreter saßen um den Hufeisentisch und spielten eine Uebungssitzung, bei der angenommen wurde, daß es sich um die Belange aer Gemeinde Lindenfels handele. Der für den Vormittag dafür gewählte Bürgermeister präsidierte und die Vertreter der Gemeinde gingen genau so scharf ins Zeug, wie sie es wohl in Wirklichkeit in ihren Heimatgemeinden gewohnt sind.
Punkt eins der Tagesordnung stellte fest, daß ein Gemeindevertreter wegen 1 _LLzes von Schußwaffen in Haft geraten war. Da er als anständiger Mensch galt, und man annahm, daß die Waffe von einem seiner Gegner in seine Schreibtischschublade gezaubert worden war, wollte man ihm auf Kosten der Gemeinde einen Verteidiger bestellen. Die Rechte wie die Linke des Saales focht nun mit hitzigen Argumenten für und wider diesen Antrag, bis der Rechtsberater des Institutes abschließend feststellte, daß es nicht Sache einer Gemeinde sein kann, öffentliche Gelder an einen der ihren auszuwerfen, wenn nicht auch der gesamten Bevölkerung in diesem Umfange geholfen werden könnte. Vor dem Gesetz sei jeder gleich, ob es sich nun um einen einfachen Bürger handele, oder um einen Gemeindevertreter.
Der zweite Punkt betraf einen Schulhausneübau, zu dem das Gutachten des Bau- und Finanzausschusses gehört wurde. Man geriet in eine lebhafte Diskussion, welcher der beiden vorgeschlagenen Baufirmen der Auftrag zu vergeben sei. Die äußerste Linke, die für die teuerere Firma plädiert hatte, — da sie sozialere Löhne zahlen würde, und über die erste Firma angeblich ein schlechter Ruf vorliege, setzte ihren Antrag durch. Bei der anschließenden Abstimmung konnte sie einen Sieg für sich buchen. Der folgende Punkt galt einem gemeindeeigenen Weg, der vom Zentrum des Ortes
in einen Steinbruch führte. Die schweren Wagen des Steinbruchbetriebes hatten die Fahrdecke aufgerissen und der Kostenvoranschlag zur Erneuerung der Schotterdecke belief sich auf 12 000 DM. Nach einer Debatte kam man zu dem Entschluß, daß der Bürgermeister beauftragt werden sollte, mit dem Besitzer des Steinbruchs Verhandlungen zu führen, um eine Beteiligung an der Straßeninstandsetzung zu erreichen. Der Gemeinderat mußte sich von Dr. Köbel belehren lassen, daß die Instandhaltung gemeindeeigener Wege Sache der Gemeinde sei, und der Besitzer des Bruchs nicht verpflichtet sei, einen finanziellen Beitrag zu leisten.
Der letzte der Punkte war der Vorschlag der „Unabhängigen Freiheitspartei“, die Aufwandsentschädigung des ehrenamtlich tätigen Bürgermeisers von „Lindenfels II.“ von 250 auf 430 DM heraufzusetzen, da der Bürgermeister eines derartigen Kurortes repräsentativ auftreten müsse und eine intensivere Fremdenverkehrswerbung auch eine höhere Aufwandsentschädigung verlange. Die Linke des Hauses sprang protestierend auf und verlangte die Begrenzung der Gehaltserhöhung auf 350 DM. Nur ein Vertreter der Gemeinde, ein „alter Freund“ des Bürgermeisters stellte den Antrag, das Gehalt auf 1000 DM festzusetzen, schon aus dem Grunde, um auch den „Lindenfelser“ Gastwirten etwas zukommen zu lassen. Stürmische Heiterkeit und Gelächter, drohendes Gemurmel. Die abschließende Abstimmung ergab, daß der Antrag auf Erhöhung des Gehaltes auf 430 DM durchgegangen war.
Mit der Schlußkritik endete die Gemeinderatssitzung. Lehrgangsleiter Hofmann sprach den Anwesenden seinen Dank für ihre lebendige und aufmerksame Mitarbeit aus. Die Ausführungen der Teilnehmer bewiesen, daß ihnen ein lebendiges Wissen vermittelt, daß aus der Praxis für die Praxis gelehrt worden sei, und daß es notwendig wäre, diese Kurse in allen Kreisstädten abzuhalten. -st.
Der Kampf geht weiter !
Zwingenbergs Stadtrat nicht beschlußfähig
Die gestern abend auf 20 Uhr einberufene öffentliche Stadtratssitzung im Zwingenberger Rathaus mußte ausfallen, da die Angehörigen der SPD- und CDU-Fraktionen nicht erschienen waren.
Um 20.12 Uhr eröffnete Beigeordneter Nickels die Sitzung der Gemeindevertreter. deren Beschlußunfähigkeit er feststellte und bedauerte. Er verlas einen Brief, der von den SPD- und CDU-Fraktionen an ihn ergangen war. In diesem Brief heißt es wörtlich:
„Namens der Fraktionen d r SPD und CDU teilen wir Ihnen mit. daß die Herren unserer Fraktionen weder die für den 8. 9. 50 noch eine zu irgendeinem anderen Zeitpunkt von Ihnen berufene Stadtratssitzung besuchen und an den Sitzungen teilnehmen werden. Die Art Ihrer Geschäftsführung als Vorsitzender der Stadtratssitzungen sowie Ihr Verhalten als Beigeordneter hat wesentlich zu den Flegeleien, Beschimpfungen und Bedrohungen der Stadträte in der Nacht vom 29. auf den 30. 8. und in der Nacht vom 30. 8. auf den 31. 8. beigetragen. Ihre Belastung als Mittäter, insofern Sie verschiedene Personen sehr intensiv zur Begehung von Gewalttätigkeiten aufgefordert haben (nach der Sitzung vom 29. 8. 1950) sind im Rahmen einer Anzeige gegen Sie Gegenstand polizeilicher Untersuchung. Es ist uns nicht möglich, an Sitzungen teilzunehmen, die von einem Manne geleitet werden, der in diesem Verdacht steht. Nach Abschluß der polizeilichen Untersuchungen können wir erneut über die Frage einer Teilnahme an Sitzungen unter Ihrer Leitung beraten. Für die Fraktionen der SPD und CDU gez. Haller und Belloff.
Darauf berief sich der Beigeordnete auf § 53 Abs. 4 der Gemeindeordnung, in dem es heißt: „Wird die Gemeindevertretung zum zweiten Male zur Beratung über denselben Gegenstand zusammenberufen, so ist sie ohne Rücksicht auf die Zahl der Erschienenen stets beschlußfähig. Bei der zweiten Ladung muß auf diese Bestimmung ausdrücklich hingewiesen werden.“ Daraufhin wurde bekanntgegeben, daß für Montag, den 11. September, 20.30, die in diesem Sinne zweite Stadtratssitzung einberufen werde.
Der Stadtrat Christian Gerhard betonte, daß die Beschlußunfähigkeit um so bedauerlicher wäre, da als Punkt 1 der Sitzung die Versteigerung des gemeindeeigenen Obstes auf der Tagesordnung gestanden habe, dessen Verschiebung gewiß nicht im Sinne des Gemeindewohles sei. DT
Auch in Höchst Schulraumnot
Gemeinderat stimmt Verlegung der Dienstwohnungen bei
In der Donnerstagsitzung des Gemeinderats in Höchst wurde als wichtigster Punkt der Tagungsordnung in Anwesenheit des Lehrerrates und des Elternbeirates der Volksschule die Beseitigung der Schulraumnot besprochen.
Der Gemeinderat hatte bereits in einer früheren Sitzung beschlossen, durch den Umbau von zwei Lehrerwohnungen in der Neuen Schule vier Schulsäle zu schaffen. Die Verwirklichung dieses Beschlusses war bisher nicht möglich, weil für die z. Z. in einer der Dienstwohnungen wohnende kinderreiche Flüchtlingsfamilie keine entsprechende Wohnung zur Verfügung stand. Zu Beginn der Sitzung legte Schulleiter 810ß erneut die Nachteile klar, die den Schülern und den Eltern aus der bestehenden Schulraumnot erwachsen. Bürgermeister Ei - sen h a ue r erklärte, daß in der nächsten Zeit eine geeignete Wohnung frei wird, die der Flüchtlingsfamilie zur Verfügung gestellt wird. Dem Umbau der Neuen Schule steht dann nichts mehr im Wege, da die Kosten hierfür bereits in den Haushaltsplan aufgenommen wurden.
Der Lehrerrat und Elternbeirat hatte außerdem beantragt, als Ersatz für die beiden Dienstwohnungen in der Neuen Schule zwei Wohnungen in einem gemeindeeigenen Haus als Dienstwohnungen freizugeben. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Sodann verlas Bürgermeister Eisenhauer den Vergleichsvorschlag, der die Angelegenheit Flörsheimer-Kling im Sinne des Gemeinderatsbeschlusses vom 11. 8. 1950 zum Abschluß bringt. Danach wurde der vorläufige Kaufvertrag für die Häuser Marktplatz Nr. 3 und 4 bekanntgegeben. Zum Schluß wurden zwei Gemeinderatsmitglieder für den nächsten Lehrgang am Freiherr-vom-Stein-Institut in Landenfels namhaft gemacht. -hk-
Unheimlichen Schauer meinen wir noch im Wind zu spüren, der um alte Richtstätten streift; viele Sagen gehen im Volke um von Baum und Hügel, Platz und Halde, wo einst das Urteil vollstreckt wurde. Am PfungstädterGalgen heben heute Kiefern die dunkelgrünen Kronen über längst versunkene Reue und Todespein. ks. Zeichnung: E. Meier
50 Flaschen Wein verschwanden
Dem Strafrichter des Amtsgerichts Reinheim wurde ein 45jähriger Mann aus Lichtenberg vorgeführt, der beschuldigt wird, 50 Flaschen Wein aus dem Keller des Hotels Lichtenberg gestohlen zu haben. Da der Mann von seiner Frau getrennt lebt und sich nach dieser Angelegenheit neue Wohnung und Arbeit suchen muß und aus diesem Grunde Fluchtgefahr besteht, erließ der Strafrichter Haftbefehl. Der Beschuldigte wurde in die Haftanstalt Dieburg eingeliefert. We
Anhängergabel schlug um
Einem Arbeiter des Kunststeinwerkes „Eurimpex" schlug beim Wenden eines beladenen Anhängers die Anhängergabel unerwartet über beide Beine, so daß er mit gebrochenem Oberschenkel und Knöchel in das Heidelberger Krankenhaus eingeliefert werden mußte. r.
Im Wagen eingeklemmt
Der Juniorchef der ■ Firma Vadder geriet mit seinem Lastkraftwagen am Donnerstag auf der regennassen Straße zwischen Eschollbrücken und Pfungstadt ins Schleudern und wurde gegen einen Baum geworfen. Durch den starken Anprall wurde das Fahrzeug derart beschädigt, daß der Fahrer sich nicht mit eigener Kraft aus dem völlig zertrümmerten Lastwagen befreien konnte. Der Verunglückte wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Kr.
Pxrotestversammlung in Gernsheim
Am Donnerstag veranstaltete der .Deutsche Gewerkschaftsbund in Gernsheim im Saale Esselbach eine Protestversammlung gegen die von der Bundesregierung geplante Neuordnung der Sozialversicherung. Der Referent des Abends, Strähler, forderte die anwesenden Arbeiter auf, sich an der Urabstimmung zu beteiligen. Der Redner setzte sich für eine Selbstverwaltung der Versicherung ein und wies darauf hin, daß die Arbeiterschaft einmütig hinter dem Vertreter der Gewerkschaft im Bundesparlament stehen müsse, damit es gelinge, den geplanten Gesetzentwurf der Regierung zu revidieren. Kr.
Tausende von Wallfahrern in Dieburg
Trost und Stärkung vor dem Gnzdenbild der Muttergottes
Der Monat September ist für die Kreisstadt Dieburg die Zeit der Wallfahrten, die zwar verschiedenen Ursprungs sind, die aber alle den gleichen Anlaß haben: die Anbetung des Gnadenbildes der Muttergottes in der Wallfahrtskapelle der Stadt. Die „Große Wallfahrt“, die an jedem 8. September stattfindet, sieht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, während die abschließende Flüchtlingswallfahrt erst in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg zur Einführung kam.
Die Lichterprozession, die am Abend des 7. September die kirchlichen Feierlichkeiten des Hauptwallfahrtstages einleitet, mußte in diesem Jahre wegen des ungünstigen Wetters auf Samstag, den 9. September, verlegt werden. Dem Abendgottesdienst in der Wallfahrtskapelle wohnten bereits Tausende von Gläubigen bei, deren Zug auch während der Nacht zum Freitag ununterbrochen anhielt. An den beiden Seiten der zur Kapelle führenden Straße waren zahlreiche Verkaufsstände aufgeschlagen, die vor allem Devotionalien aller Art als Andenken an diesen Tag anboten. Am Freitagmorgen kamen die Wallfahrer schon in aller Frühe aus nah und fern nach Dieburg. Soweit sie sich nicht an den Prozessionen beteiligten, die u. a. von Eppertshausen, Münster, Groß-Zimmern, Klein-Zimmern, Groß-Umstadt und vom Bahnhof her zur Gnadenkapelle zogen, versammelten sie sich in und vor der Stadtkirche, um an der großen Prozession teilzunehmen, in der in feierlichem Zuge
durch die Zuckerstnaße und Altstadt das Allerheiligste zur Kapelle geleitet wurde. Am Außenaltar wurde ein feierliches Levitenamt zelebriert, bei dem Universitätsprofessor Berg, Mainz, die Predigt hielt. Nach Beendigung des Amtes zog die Prozession auf dem gleichen Weg wieder zurück, in der Kapelle aber war zu jeder Stunde auch weiterhin Gelegenheit zu Andacht, Gebet und Verehrung des Gnadenbildes gegeben.
So, wie am Freitag, werden nun auch übers Wochenende viele gelb-weiße und rot-weiße Fahnen in den Straßen der Stadt zum Empfang der auswärtigen Wallfahrer wehen, denn die auf Samstag abend verlegte Lichterprozession ist zugleich Auftakt zur Dieburger Stadtwallfahrt am Sonntag, dem 10. September.
Eine Woche später, am 17. September, werden noch einmal Tausende zur Anbetung des Gnadenbildes in die Stadt kommen: Menschen, die ein grausames Schicksal aus ihrer deutschen Heimat im Osten vertrieb, und die hier eine neue Bleibe gefunden haben. Von weither werden sie kommen und sich im Garten der Kapelle vor dem Außenaltar einfinden in gleich frommem Gebet, in gleicher Inbrunst und mit gleicher Andacht Aufrichtung und neuen Mut finden. (RG)
Verhinderter Scheunnenbrand
Unbeaufsichtigte Kinder entzündeten im Anwesen des Landwirtes A. Sch. in . MtZnv\bac.h ein Feuer, dessen sie schließlich nicht mehr Herr werden ahnten, so daß die mit Erntevorräten gefüllte, dicht angrenzende Scheune bereits angesengt war. Glücklicherweise griffen hinzukommende Erwachsene rechtzeitig ein und löschten die Flammen, ehe schwerwiegender Schaden entstehen konnte.
Junge ging über Bord
eines neuniährigen hollän¬ .wurde am Donnerstag in den Abendstunden bei der Guntersaus dem Rhein fändet. Das Kind war bereits am 2. Septem- ^a^heim von einem niederländischen Schiff in den Fluß gefallen. Kr.
Vom Spielkreis zum Hammerorchester
Wesentliche Bereicherung des kulturellen Lebens an der Bergstraße
Es war im Frühjahr 1949, als sich zwei wirklich ernsthafte Musiker, der Leiter des Auerbacher Kirchenchors, Ludwig Seitz, und der erste Geiger des Heidelberger Bachquartetts, Adam Rettig, zusammentaten und den Auerbacher Spielkreis gründeten. Das Hauptarbeitsgebiet war die Pflege alter Musik, besonders der Werke von Bach und der Meister um und vor Bach, aber auch Haydn und Mozart wurden nicht vernachlässigt. Da der Vereinigung lauter geschulte Kräfte angehörten, war bald ein beachtliches Niveau erreicht und die Konzerte des Spielkreises (meist Kirchenkonzerte) konnten sich schon neben anderen Kammermusikabenden hören lassen.
Ein sehr enger Kontakt bestand vor allem zu dem Auerbacher Kirchenchor, den Ludwig Seitz mit zahlreichen jungen Stimmen aufgefrischt, vergrößert und zu einem leistungsfähigen Chor ausgebaut hatte. Gar manchen Abend bestritten Kirchenchor und Spielkreis gemeinsam, und viele junge, begabte Solisten hatten hierbei Gelegenheit, auch einmal öffentlich ihr Können unter Beweis zu stellen. Adam Rettig, der nicht nur ein ausgezeichneter Geiger und musikalischer Leiter, sondern auch ein hervorragender Musikerzieher ist, konnte so die Vereinigung allmählich auf einen immer höheren Stand bringen, so daß bald der Wunsch laut wurde, den Spielkreis zum Kammerorchester zu erweitern. Eine nicht leichte Aufgabe, besonders, da ja auch keine Gagen gezahlt werden und alle Mitglieder unentgeltlich, rein aus Liebe zur Sadie, mitspielen.
Dennoch hatten die Verhandlungen Erfolg und es konnten da und dort neue Freunde gewonnen werden — teilweise prominente Künstler, wie etwa der Geiger Hermann Ungefug —, und so wurde der. Traum Wirklichkeit. Die Leitung des neuen Bergsträßer Kammerorchesters hat wieder Adam Rettig, und man kann überzeugt sein, daß er von den weit größeren Möglichkeiten, die ein Kammerorchester hat, regen Gebrauch machen wird. Außer einem Bachkonzert am 17. September, bei dem auch verschiedene Bensheimer Solisten mitwirken werden, sind noch kleinere Sinfoniekonzert, und im Herbst in Verbindung mit dem Auerbacher Kirchenchor eine Aufführung der Bachkantate: „Mache dich, mein Geist, bereit“, geplant. (HB)
„Die Kleine vom Varietẽ“
Ein Laienspiel zum Bergsträßer Winzerfest
Man nehme: Einen jungen Zahnarzt (der nie Geld und auch keine Patienten hat) und seine charmante Frau (die Kleine vom Variete), einen äußerst handelstüchtigen ehemaligen Studienfreund des Zahnarztes (der Geld hat und deshalb auch gleich zahlen muß), ferner einen knickerjgen und dazu noch sächsischen Marmeladenfabrikanten-Onkel (der die ganze Komödie vorgespielt bekommt, tüchtig an der Nase herumgeführt und dabei um etliches Kleingeld in größerem Umfange erleichtert wird), eine ostpreu- Bische „Hausperle", einen hochgestochenen Friseur (der irtümlich für einen Zirkusdirektor gehalten wird) und ein sehr reizvolles Fräulein, mische das Ganze gut, rühre es tüchtig durcheinander, gebe eine kräftige Dosis Humor hinzu und führe es dann, wenn einem der Kopf so richtig vor lauter Verwechslungen brummt, zielsicher zum happy end.
Die Bensheimer Laienbühne hätte für die Winzerfestwoche kein geeigneteres Stück finden können als dieses kleine duftige Lustspiel, das Wilhelm Ostertag mit viel Geschmack einfallsreich, locker und spritzig inszeniert und durch einige zeitnahe Witze sinnvoll bereichert hatte. Die Darsteller zeichneten sich durch gewandtes und natürliches Spiel aus und ließen fast vergessen, daß man es mit Laien zu tun hatte. Der reiche Beifall des zahlreich erschienenen Publikums steigerte sich am Schluß: noch, als der verdiente Spielleiter aus dem Souffleurkasten „heraufgezerrt" wurde, ein Beweis, daß die Aufführung ein voller Erfolg gewesen ist. (HB)
Gefängnis für Exhibitionisten
Mit eihem aufgegriffenen Exhibitionisten hatte sich gestern das Bezirksschöffengericht Darmstadt zu befassen. Bisher unbescholten, kam der 21jährige Musikinstrumentenmacher Franz G. aus G r ä - fenhausen in den Sommermonaten auf absonderliche Gedanken.
Auf dem Rückweg von seiner Arbeitsstätte — er war in Eberstadt als Hilfsarbeiter beschäftigt — stellte er sich an verschiedenen Tagen wenige Meter von einem Waldweg in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Ludwigshöhe auf. Dort wartete er das Eintreffen von Straßenbahnen ab. Kamen dann Frauen und Mädchen den Waldweg entlang, entblößte er sich. Durch lautes Pfeifen pflegte er die weiblichen Personen auf sich aufmerksam zu machen.
Eine Augenzeugin entsetzte sich darüber derart, daß sie die Polizei verständigte und die Festnahme des jungen Burschen veranlaßte. Freimütig gab der 21jährige bei der Vernehmung sein anstößiges Verhalten zu.
Wegen Erregen öffentlichen Aergernisses verurteilte ihn das Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten.
Bezirkaposaunentag
in Erbach
Ein Posaunen tag des Bezirks Odenwald findet am Sonntag in Erbach statt, zu dem die Posaunenchöre von Waldmichelbach, Schaafheim, Reichelsheim, Ober-Ramstadt, Langstadt und Rothenberg mit insgesamt 81 Bläsern ihr Erscheinen zuigesagt haben. Um 9.30 Uhr ist gemeinsamer Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche. An Stelle des vorgesehenen Konzerts auf dem Marktplatz nehmen die vereinigten Chöre zusammen mit dem gastgebenden Erbacher Posaunenchor mit über hundert Bläsern um 11 Uhr an der Einweihung der neuen Jugendherberge an der Eulenbacher Straße teil. Nachmittags 14 Uhr ist das Arbeitstreffen der Posaunenchöre im Evangelischen Gemeindehaus unter Leitung von Forstmeister K a 1 b h e n n (Neustadt). Der Obmann der Posaunenchöre für Starkenburg, Emig (Roßdorf), wird über fachliche Themen referieren. Der Vorsitzende der Posaunenchöre für Hessen, Pfarrer Beringer (Groß-Zimmern), wird voraussichtlich ebenfalls teilnehmen. —ch.
Shakespeare-Büůhne im Steinbruch
Schüler spielten „Was ihr wollt“
Auf der Freilichtbühne, die sich die Schüler der 'realgymnasialen Aufbauschule in Traisa in einem alten Steinbruch nahe dem Schulgebäude selbst geschaffen haben, spielten Schüler der Aufbauschule gestern abend Shakespeares köstliches Lustspiel „Was ihr wollt“. Wetter und Abendstimmung begünstigten in besonderem Maße die Aufführung am Freitag.
Die Gemeinschaftsleistung der Schüler der Oberklassen unter der Regie ihres Heimleiters O. Lorenz war erstaunlich. Es bereitete herzliche Freude, zu sehen und zu hören,wie ein jeder der jungen Spieler sich in seine Rolle hineingelebt hatte und nun mit großer Hingabe etwas von dem wiederzugeben vermochte, was Shakespeare mit den Gestalten gemeint hat. Wußten die Mädchen ihr weibliches Spiel fein zu nuancieren, so verstanden es auch die Jungen, ihre Rolle mit Einfühlung und Ueberzeugung zu spielen. Es dürfte bei diesem Stück durchaus im Sinne Shakespeares gelegen sein, daß die Spaßmacher zumeist die Szene beherrschten. Die ganze Aufführung durchflutete echtes und ungeschminktes Leben. Die Beleuchtung, gegen Schluß die Fackeln, vertieften den Eindruck des Romatischen, den auch die Klänge der Flöten und des Spinetts durch die Szenen woben.
Die Namen der parsteller könnten wohl alle genannt werden, doch würde die Reihe zu lang. Ueber den Durchschnitt erhoben sich besonders Wolfram Kotz (O II) als Narr, der schon durchaus ein abgerundetes Spiel bot, Ingrid Krämer (U I) als Viola, Hildegund von Winterfeld (O I) als Olivia, Hermann Benz (U I) als Junker Tobias, Hans-Christian Legde (U I) als Malvolio, der nach besten Kräften die Komik dieser Rolle herausärbeitete und Otto Koch (O II) als Junker von Bleichenwang, dessen Gestalt wühl mit am schwierigsten darzustellen war. Aufrichtigen und anhaltenden Beifall zollten die Zuschauer und -hörer und als sie beim Schein der „herzoglichen Fackelträger“ auf den Steinbruch hinaufstiegen und über das Feld gingen, rühmten sie das Erlebnis dieses Abends von Herzen.
25 Jahre Kleintierzucht
Der Kleintierzuehtverein Mörfelden kann in Kürze auf sein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Aus Anlaß dieses Jubiläums wird die diesjährige Kreisausstellung der Rassegeflügelzüchter des Kreises Groß-Gerau in Mörfelden im Saalbau „Frankfurter Hof“ abgehalten. Die Jugendgruppen werden sich erstmals an diesör interessanten Ausstellung beteiligen. Kb.
LTehrertagung in lugenheim
Am Mittwoch fand im Education Service Center in Jugenheim eine pädagogische Tagung der Volks Schullehrer aus dem Landkreis Offenbach statt. Die gestellten Themen: „Gewinnung der Eltern für die Erziehungsarbeit“, „Einfluß von Film, Literatur oder Elternhaus“, „Die Strafe in Schule und Elternhaus“ usw. gaben Anlaß zu einer regen Aussprache. Die nächste Zusammenkunft ist am 20. und 27. September.
Mit der Tagung war eine Ausstellung der Schulmöbelfrabriken verbunden. Die Besucher waren überrascht über die praktische und gediegene Art der gezeigten Schulmöbel, die den neuzeitlichen pädagogischen Fordetungen und den Vorschriften der Schulhygiene weitgehend Rechnung tragen. hl.
Rückkehr aus dem Schwarzmald
Kniebis bei Freudenstadt im Schwarzwald war das Ziel einer 16tägigen Erholungsreise, die 54 Rimbacher Schulkinder unter Leitung von Lehrer Ge b - hard jetzt abgeschlossen haben. Braungebrannt und körperlich gut genährt kehrten sie in ihr Heimatdorf zurück. Die Gewichtszunahme beträgt durchschnittlieh 7—B Pfund pro Kind. Das Naturfreundehaus Kniebis sah die Buben und Mädchen nicht nur bei Spiel und Wanderung, sondern ebenso bei Unterricht in Naturgeschichte, Erdkunde usw., der gelegentlich der Wanderungen absolviert wurde. Die Unkosten für diese Reise wurde von der AOK Bergstraße, dem Kreisjugendausschuß und der Gemeindeverwaltung Rimbach getragen. (-r)
Kniescheibe zersplittert
Der Schwerkriegsbeschädigte Hühnerfarmbesitzer H. D. aus Löhrbach kam auf dem Wege zu seiner Farm auf dem schlüpfrigen Weg zu Fall und schlug dabei so unglücklich auf, daß ihm die Kriescheibe zersplittert wurde und er mehrere Blutergüsse davontrug. Er mußte nach Weinheim in das Krankenhaus transportiert werden. (-r)
Stark beschädigt abgeschleppt
Auf der von Rüsselsheim nach der Bundesstraße 26 führenden Straße stieß am Freitagnachmittag ein Personenwagen mit einem leichten Lieferwagen zusammen. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt und mußten abgeschleppt werden. Eine Person wurde leicht verletzt. cg.
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Der Männerchor der SKG unter Leitung seines Dirigenten Kapellmeister Hans Kullmann, wird sich am kommenden Sonntag an dem vom Gesangverein „Concordia“ veranstalteten Liedertag beteiligen. DT Pfungstadt. Kürzlich wurde in der Nähe der Main-Neckar-Bahn in der Gemarkung Pfungstadt ein Mutterschaf aufgefunden. Das Schaf ist mit einem Kenn-Buchstaben gezeichnet. Der rechtmäßige Eigentümer wird aufgefordert, bei der Polizeibehörde Pfungstadt vorzusprechen. ng. Bickenbach. Der diesjährige Ausflug wird die Mitglieder der evangelischen Frauenhilfe und des Kinderchors am nächsten Sonntag über den Rhein in die schöne Pfalz führen. — Die Kirchengemeinde läßt zur Zeit eine Reparatur der Blitzableiteranlage auf dem Dach der evangelischen Kirche durchführen, rh
DIEBURG
Sickenhofen. August Sc h unk wurde zum Feldhüter, Herr Meyer zum Wiegemeister und Frau Heil zur, Schulheizerin gewählt. — Der Rathaussaal und das Spritzenhaus sollen erneuert werden, -gi- Groß-Bieberau. Der Odenwaldklub lädt seine Mitglieder zu einer Wanderung nach Mümling-Grumbach ein. Abmarsch am Sonntagmorgen um 7 Uhr von der Gersprenzbrücke. wr
ERBACH
Erbach. Das der Stadt Erbach gehörige Obst an öffentlichen Wegen und Anlagen wird heute nachmittag meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Zusammenkunft der Interessenten um 13 Uhr am Sportplatz, Eingang. —ch.
Ober-Ostern. Von den Kriegsbeschädigten. Kriegshinterbliebenen, Witwen, Waisen Und Sozialrentnern des Ostertales ist die Gründung einer selbständigen Ortsgruppe innerhalb des Verbandes der Körperbeschädigten geplant. ptoo.
Rai-Breitenbach. Die Bpdennutzungserhebung 1950 ergab eine Gesamtfläche von 246 Hektar. Davon entfallen auf Ackerland 117 Hektar, auf Gartenland 4 Hektar, auf Wiesen und Weiden 67 Hektar., Der Wald umfaßt eine Fläche von 36 Hektar. -hm-
BERGSTRASSE
Bensheim. Die Traubenlese der Müller-Thurgauer und Portugieser sowie die Auslese der übrigen Traubensorten kann in allen Gemarkungsteilen von Donnerstag, 7. bis Samstag, 9. September, vorgenommen werden. Eine allgemeine Traubenlese ist nicht gestattet. HB. Langenthal. Das von der GYA Nordbaden errichtete Jugendzeltlager, in dem während der vergangenen sechs Wochen rund 1400 Mädchen ihre Freizeit verbracht haben, wurde jetzt geschlossen. Es ist beabsichtigt, im kommenden Jahre an gleicher Stelle ein Lager für männliche Jugendliche einzurichten. (-r) Lorsch. Der Heimat- und Kulturverein unternimmt am kommenden Sonntag eine Studienfahrt zu den beiden gotischen Kirchen Kiedrich und Kloster Eberbach. Bürstadt. Der katholische Kirchenchor „Cäcilia“ feiert vom 9. bis 17. September sein goldenes Jubiläum. Unter anderem wird der Wormser Domkapellmeisiter Gregor Hehr beim Festgottesdienst am Sonntag die Gestaltung des Choralamtes übernehmen. Am 17. September treffen sich dann sämtliche Kirchenchöre des Riedes und der Bergstraße. el.
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Am Montag, dem 11. September. vormittags um 10 Uhr findet im Stadtcafe von Menne eine Mitgliedertagung des Gebietswerbeausschusses Odenwald — Bergstraße — Neckartal im Rahmen des Hessischen Verkehrsverbändes statt. Kb.
Crumstadt. Die durch das Uebertreten der Sandbach. entstandenen Schäden an den Dammanlagen sind beseitigt worden.
Reparaturlasten an Kirche und Pfarrhaus
Gemeinsame Sitzung des Seeheimer Kirchenvorstandes und Gemeinderates
Auf Anregung des Seeheimer Kirchenvorstands hatten sich dessen Vertreter mit Mitgliedern des Gemeinderates unter dem Vorsitz des Bürgermeisters zur Klärung der Verpflichtungen an Kirche und Pfarrhaus zusammengefunden. Nachdem der Sprecher des Kirchenvorstandes um Vertrauen in ein aufrichtiges Bemühen und um Verständnis dafür gebeten hatte, daß der Vorstand verpflichtet ist, die rechtlichen Belange der Kirchengemeinde sachlich zu vertreten, legte er an Hand des Diebischen „Baubuches“ dar, daß die politische Gemeinde seit Jahrhunderten die Bau- bzw. Reparatur-Lasten für Kirche und Pfarrhaus getragen hatte, was er auch durch die kirchliche Buchführung, dife er bis 1819 aufzeigen konnte, belegen konnte.
Er berief sich sodann auf Artikel 140 des Grundgesetzes, nach dem die Art. 136 bis 139 der K.-V. vom 11. 8. 19 Bestandteile des Grundgesetzes sind. Zu dem in solchen Streitfällen vielfach herangezogenen Art. 14 des Gesetzes vom 6. 8. 1902 konnte er auf ein Gutachten der Kirchenleitung verweisen, daß dieses Gesetz die hiesigen Verhältnisse nicht betreffe. Der Anregung des Bürgermeisters, ein juristisches Gutachten über die angeblichen Verpflichtungen der politischen Gemeinde einzuholen, stimmten auch die Vertreter des Kirchenvorstandes zu, da sie selbt eihem Verdacht entgehen möchten, unberechtigte Forderungen zu stellen.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen konnten verschiedene Mißverständnisse behoben werden, so wies der Bausachverständige des Kirchenvorstandes darauf hin, daß es sich nur um dringend notwendige Reparaturen, wie im diesmaligen Streifalle um eine solche des Kirchendaches, handele, nur daß die in anderem Zusammenhang genannten Reparaturen in voraussichtlicher Höhe von 8000 bis 9000 DM die übrigen kirchlichen Gebäude betreffen, für die die politische Gemeinde nicht in Frage komme. Sein Vorschlag, daß künftig die beiden Bauausschüsse des Kirchenvorstandes und dds Gemeinderates gemeinsam etwaige Reparaturen an Kirche und Pfarrhaus prüfen und sie so rechtzeitig beschließen, daß sie in den jeweils neuen Haushaltsplan aufgenommen werden können, wurde allseits begrüßt.
Der Wunsch, auf die angespannte finanzielle Lage der politischen Gemeinde Rücksicht zu nehmen, konnte seitens des Kirchenvorstandes mit dem Nachweis beantwortet werden, daß dies bereits stets geschehen sei: man habe vor Jahren nicht nur der Herabsetzung des jährlichen Bauzuschusses von 500 DM auf 200 DM zugestimmt, sondern man habe auch in der Übertragung der Unterhaltungsverpflichtung vom alten auf das neue Pfarrhaus, das freilich durch Bombenschaden gelitten habe, eingewilligt. Man schied in gutem Einvernehmen und wohl im gegenseitigen Verständnis für die Verpflichtungen beider Körperschaften. -rh-
Oma kam aus dem Kudetenland
Vor einigen Tagen traf in Crumstadt die 88 Jahre alte Anna Sandner aus Schönbach (Kreis Eger) ein. Im Zuge der durch die tschechische Regierung vorgenommenen Ausweisungen von Deutschen aus dem Sudetenland, mußte die hochbetagte Frau ihre Heimat verlassen. Die für ihr hohes Alter noch erstaunlich rüstige Oma überstand die keineswegs angenehme Reise ohne Schaden. Die alte Frau wohnt bei ihrer in Crumstadt ansässigen Tochter. Kr.
Kinderwagen angefahren
Auf der Straße zwischen Birkenau und Weinheim wurde eine Passantin, die mit einem Kinderwagen auf der äußersten rechten Fahrbahn ging, durch einen Motorradfahrer von hinten überrannt und zu Boden geschleudert, so daß sie mit einer klaffenden Wunde am Kopf in ärztliche Behandlung gebracht werden mußte. Dem aus dem Kinderwagen geschleuderten Kind geschah wie durch ein Wunder nichts, während der Motorradfahrer mit Kopf- und Armwunden davonkam. r.
Vorbereitungen zur Jugendwoche
Der Groß-Gerauer Stadtjugendring besprach gestern abend die Ausgestaltung der geplanten Jugendwoche, ‘ die am 24. September beginnen soll. Es wurde festgestellt, daß zur Gestaltung des Sonntagabends sich bis jetzt nur die Naturfreunde und die katholische Jugend gemeldet hätten. Wie später noch bekannt wurde, hat sich auch die Jugendabteilung des Gustavsburger Radfahrvereins „Frischauf“ für einige Darbietungen zur Verfügung gestellt. Falls nich^j noch andere Jugendgruppen sich aktiv beteiligen, will der Ausschuß ein Laienspiel vorbereiten. Am Dienstagabend der Jugendwoche soll in einer Jugendversammlung die Gesetzesvorlage zum Schutze der Jugend diskutiert werden. Vier von den Anwesenden wurden mit der Vorbereitung des Abends betraut.
Zu der Ausstellung „Aus dem Schaffen jugendlicher Künstler“ ist bereits eine Anzahl Meldungen eingegangen. Auch für das Jugendsportfest sind die nötigen Voraussetzungen gegeben.
Vorsitzender Sturmowski gab bekannt, daß der Groß-Gerauer Stadtjugendring eingeladen worden sei, Vertreter zu der am 16. September in Frankfurt stattfindenden Sitzung der hessischen Jugendringe zu entsenden. cg.
Was aǔch interessiert:
33 Handwerksbetriebe wurden im August bei dem Gewerbeamt des Groß-Gerauer Landratsamtes an- und 16 abgemeldet. Im Einzelhandel stehen 56 Anmeldungen 18 Abmeldungen gegenüber.
Mit der Mistgabel ging in Reinheim eine Bauersfrau auf ihren Untermieter los, da sie es nicht zulassen wollte, daß er seine Wäsche in der Futterküche wusch. Der Mieter —ein .Student— erstattete Strafanzeige beim Amtsgericht. RG
Eine Beihilfe von je 100 DM wurde von Landrat Harth den drei Hauptgeschädigten des Königstädter Großbrandes zur Linderung der ersten Not übermittelt. cg
Rhein-Main-Bank im neuen Haus
Die heutige Rhein-Main-Bank, Filiale Darmstadt, eines der markantesten, modernsten Gebäude in der Rheinstraße (Ecke Grafenstraße), das erst im August 1949 Maurer und Zimmerleute verließen, wurde im Laufe dieses Jahres in seinem Innenausbau fertiggestellt. Nachdem auch der letzte Pinselstrich in dem fünfstöckigen, eindrucksvollen Bürohause getan wurde und nunmehr in großen Lettern der Name der Bauherrin über dem repräsentativen Eingang prangt, nehmen wir diesen Anlaß, die Entwicklung dieses Bankinstitutes ins Gedächtnis zu rufen.
Während eines Zeitraums von fast hundert Jahren unterstützte das Bankinstitut den aufstrebenden Handel, die wachsende Industrie und die gesamte Bevölkerung Hessens und hat seinen Ruf unter der Telegrammadresse „Darmstadt Bank“ in die ganze Welt hinausgetragen.
Die Bank war 1853 als erste deutsche Aktienbank gegründet worden und führte zunächst die Bezeichnung „Bank für Handel und Industrie“ mit dem Hauptsitz in Darmstadt. Sie errichtete das heute von den Blaupunktwerken bezogene Gebäude in der Landgraf-Philipp-Anlage. Kurz nach dem ersten Weltkrieg siedelte die Bank in das von der Firma Markwort und Seibert umgebaute Gebäude der Brauerei Heß, Rheinstraße 22 (Ecke Saalbaustraße), über, da sich der Hauptverkehr Darmstadts durch die Stilllegung des Alten Bahnhofes in der Landgraf-Philipp-Anlage nach der Stadtmitte hin verlagert hatte. Im Jahre 1922 erfolgte der Zusammenschluß des Institutes mit der Nationalbank für Deutschland in Bremen und die Umwandlung beider Gesellschaften unter Verlegung ihres Hauptsitzes nach Berlin in die „Darmstädter und National-Bank Kommandit-Gesellschaft auf Aktien Berlin“.
Nach der Wirtschaftskrise der Jahre 1929—1931 übernahm die „Dresdner Bank“ Aktiva und Passiva der Kommandit-Gesellschaft, und die hiesige Filiale erhielt die Firma „Darmstädter und Nationalbank Filiale der Dresdner Bank“. Die Besetzung Deutschlands führte nach 1945 zur Dezentralisierung der großen Banken, in deren Folge die hessischen Niederlassungen die Firma „- Main-Bank“ mit dem Hauptsitz in Frankfurt a. M. erhielten.
Heute sieht die Leitung der Bank ihre wesentliche Aufgabe darin, die Tradition der ältesten deutschen Aktienbank wieder aufleben zu lassen und segensreich für das Wirtschaftsleben unserer Stadt und unseres Landes zu wirken.
1923 baute die Firma Markwort und Seibert, die am Auf- und Umbau von über 20 Banken in größeren Städten mitwirke, die Häuser Rheinstraße 14 und Grafenstraße 23% für die Direktion der Disconto-Gesellschaft zu einem zusammenhängenden Gebäude um. Nach der Fusion der Deutschen Bank mit der Direktion der Disconto-Gesellschaft Berlin wurde das Gebuäude frei und von der Dresdner Bank, die in der Rheinstraße 22 nur in Miete wohnte. 1932 erworben.
iviieie wuniiiü, iw ci wuiucu. In der Bombennacht vom 11. September 1944 wurde das Gebäude- bis auf die Kellerräume zerstört. Schon bald nach Kriegsende ging man unter den schwierigsten Verhältnissen an den Wiederaufbau. Wegen der großen Zerstörung des Gebäudes war der Aufbau zu einem Bürohaus mit wesentlichen räumlichen und architektonischen Aenderungen verbunden. Wieder war es die Firma Marktwort und Seibert, die mit ihrem Inhaber, Architekt Böhm, diese Aufgabe in hervorragender Weise löste.
Im Inneren wurde das Treppenhaus verbreitert und ein fünftes Stockwerk auf gebaut. Ein Lichthof über den Schalterräumen sorgt für die besten Arbeitsbedingungen. Der modernste, selbsttätige Personenaufzug Deutschlands, der täglich etwa tausendmal auf- und abfährt, bewältigt den erheblichen Verkehr von Stockwerk zu Stockwerk.
In dem Bürohause haben sich außer der Rhein-Main-Bank namhafte Versicherungsgesellschaften, Rechtsanwälte und Aerzte eingerichtet. „Neue Welt“, Geschäftsstelle Darmstadt; die Magdeburger Allgemeine Lebens- und Rentenversicherungs-Aktien-Gesellschaft (Hauptverwaltung); die Barmer Ersatzkasse, Bezirksverwaltung Darmstadt; „Dugena“ Genossenschaft Deutscher Uhrmacher eGmbH.; die Werbedienst KG., Dr. Kurt Reuter, Darmstadt; die Rechtsanwälte und Notare Dr. H. Neuschäffer und Dr. F. Kleinschmidt, Rechtsanwalt Dr. Reyl, Frauenarzt Professor Dr. Küster, Nervenarzt Professor Dr. Wassermeyer, Internist Dr. Wassermeyer und Zahnarzt R. Pöbert. Im Parterrestock fanden die Firmen Arthur Rieske, Textilwaren und Bekleidung, J. Techel, Uhren, und Anna Keller, Konfitüren, Spirituosen und kunstgewerbliche Gegenstände, vorbildliche Geschäftsräume.
DT am Sonntag
WOCHENEND- BEIL A G E DES DARMSTÄDTER TAGBLATTS
LA PRESIDENTA Evita Peron
Schönste Frau Argentiniens — der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel
D 3. Fortsetzung och die Gewerkschaften ließen diese Parole nur hinter den Kulissen verbreiten und blieben nach außenhin „bei der Stange“. Denn was ging es schon die syndikalistischen Gewerkschaften Argentiniens an, was die Regierung, was Peron mit den Reichen machte. Die Syndikalisten lehnen ja den Staatssozialismus ab. Sie sind nur um die menschliche Freiheit unter einem sozialistischen System besorgt. Sie fürchten den staatlichen Zentralismus und die Herrschaft der Bürokratie. In der syndikalistischen Gesellschaft gäbe es keinen Staat, und die Produktionsmittel wären Eigentum der Gewerkschaften, einer Gewerkschafts-Föderation.
Doch das waren Erwägungen, über die sich die Theoretiker hinter den Kulissen einig waren, während vorn die Frauen „Viva Evita!“ riefen und einander erzählten, daß schon wieder eine Frau, die ein Kind erwartete, in Buenos Aires oder in einem der anderen Frauenheime auf dem Land wundervolle Unterkunft gefunden hätte.
Als die Männer im Rechnungshof von Buenos Aires anfingen, endgültig die Köpfe zu schütteln und das Taschenfutter zu zeigen als Beweis dafür, daß in den Kassen, die Evita mit soviel Eifer geplündert hatte, nichts mehr darin sei, dachte Evita eine schlaflose Nacht hin-
durch nach, vergaß die ersten, etwas massiven Vorwürfe, die ihr Juan Domingo wegen ihrer Verschwendungssucht und ihrem echt weiblichen, von viel Eitelkeit durchsetzten Geltungsbedürfnis machte. Sie mochte über die Undankbarkeit der Welt und der Ehemänner nachdenken, aber der Plan zur Finanzierung ihrer „Propagandabetriebe“ war fertig.
Oestlich der Anden sind die Menschen auf das Glücksspiel genau so toll wie in Ostasien. Im Kasino von Mar del Plata stehen 71 Roulette-Tische. 15 OOOmal werden an guten Tagen in der Hochsaison die weißen Kugeln in die sich drehende Scheibe hineingeworfen. Da mußte man zugreifen. Und tatsächlich brachte es Eva Maria Duarte de Peron fertig, einen Anteil aus den Spielerträgnissen des Kasinos von Mar del Plata durchzusetzen. Und nicht nur von diesem Kasino — auch von den anderen. .
Hatte sie nicht eigentlich recht? Ist es nicht eine Schande, daß in den Spielbank-Direktionen der ganzen Welt Männer, deren Profile häufig stark an jenes eines Al Capone erinnern, die Hauptgewinne einkassieren? Konnte jemand etwas dagegen haben, daß auf diese Weise der Ueberfluß, der doch aus einem den Steuern entzogenen Zuviel-Gewinn der großen Häuptlinge in Rindfleisch und anderen Produkten Argentiniens entstand, dorthin zurückfloß, wo wenigstens ein paar Unglückliche Nutzen daraus ziehen konnten?
Wäre all dieser Gewinn nicht durch die eitlen Hände der Evita Peron gegangen, die alles so verteilte, wie es ihrem Gefühl, ihrer Vergangenheit und ihrem Geltungsbedürfnis entsprach, wäre alles in bester Ordnung gewesen. Aber es waren in Wirklichkeit Propagandafonds, die sie in Bewegung setzte. La Presidenta wurde mächtig und nicht nur beliebt — La Presidenta wurde einflußreich und nicht nur bedeutend. La Presidenta wurde zu einem Machtbegriff. Wer etwas erreichen wollte, was ihm sonst nicht gelang, der mußte es der Presidenta nur so beibringen, daß sie von der Nützlichkeit überzeugt war. Dann rannte sie alle Hindernisse nieder.
Das war wohl auch der Grund, weshalb man sie plötzlich in Buenos Aires animierte, eine kleine Welt-Rundreise zu tun. Man flüsterte ihr in die schönen Ohren, daß die Welt außerhalb von Argentinien von ihr viel gehört habe, und neugierig darauf sei, sie kennenzulernen. Sie sollte die erste Botschafterin Argentiniens werden, die rund um die Welt fuhr und mit ihrem Liebreiz und ihrem Charme die ganze Erde für Argentinien erobern konnte.
Sie glaubte denen, die ihr von diesen Möglichkeiten sprachen. Sie sah sogar die Notwendigkeit dieser Reise ein. Und so fuhr sie denn in die Welt hinaus — Eva Peron, die Sängerin aus den Nachtlokalen von Buenos Aires, das Mädchen von der Landstraße.
Sie hatte gewiß geglaubt, daß ihr die ganze Welt so widerstandslos zu Füßen liegen werde — wie jene Menschen von Argentinien, deren Herz sie eroberte, weil sie nie vergessen hatte, daß ihr Vater auch nur ein Hemd besaß.
Ihr ging der Ruf voraus, daß sie sehr schön sei. Doch als sie die Reise antrat, befand sie sich schon in dem Alter, das man in eleganter Höflichkeit „die Jahre der reifen Frau, der niemand zu widerstehen vermag“, nennt. Kein Wunder, daß man ihr in Spanien, wo man sowieso blonde Frauen sehr gern sieht, zujubelte. Es war selbstverständlich, daß in Paris vom Liftboy, also vom Fahrstuhljungen, bis zum Ministerpräsidenten alles in bewundernder Höflichkeit erstarb, die man in der Stadt an der Seine jeder Frau entgegenbringt, die ein bemerkenswertes oder einwandfreies Profil von der Stirn bis zur Fußspitze zu zeigen vermag. Aber — in Italien heulten die Gegenspieler einer jeden Idee, die nicht absolut linientreu ist, Schimpfworte gegen die „Faschistin Evita“. Doch der Papst schenkte ihr einen Rosenkranz. In Bern warf man mit überreifen Tomaten nach ihr, ein Zwischenfall, der einem Schuljungen in die sehr verwunderten Schuhe geschoben wurde. Es war eben doch nicht so leicht, sich als Botschafterin Argentiniens in der Welt durchzusetzen.
Hätte sie geahnt, daß man inzwischen in Argentinien dabei war, ihren Ruf nach und nach zu unterminieren, daß die Offiziersclique, die sich zweckmäßig ein wenig aufgespalten hatte, sich nicht damit abfinden konnte, daß sich in den Händen einer Frau, die außerdem einmal in einem Nachtlokal gesungen hatte, zuviel Macht vereinige, Macht und Einfluß bei Leuten, die mit den Gewerkschaften in Beziehung standen.
Und was man nicht alles in den Kulissen der Gesellschaft alles sprach! Dort, wo man nachmittags um fünf Uhr Schokolade trank und sehr süße -Kuchen verzehrte, waren spitze Zungen dabei, nicht nur den Ruf, sondern auch das Werk Evitas zu durchlöchern. Man hielt es in jenen Kreisen, die das Wort „Presidenta“ nur mit einem ironischen Zucken um die neidischen Mundwinkel aussprachen, für < einen der genialsten Streiche der argentinischen Innenpolitik der Opposition, Evita auf die Reise nach Europa geschickt zu haben.
Und das tat sich alles, während der Chef des Protokolls in Bern mit seinem Taschentuch die Spuren der überreifen Tomaten von dem wirklich entzückenden Kleid der „Presidenta“ abzutupfen bemüht war. Sie hoffte natürlich, daß die Spuren dieser reifen Früchte längst vergessen seien, bis sie nach London käme.
Evita Peron, eine gewisse geborene Eva Maria Duarte, im Buckingham-Palast in London? Die Herren der britischen Botschaft, die in dieser Angelegenheit bemüht wurden, zogen die Augenbrauen sehr hoch, räusperten sich und brachten auf den in solchen Fällen üblichen Umwegen Evita bei, daß der König gerade keine Zeit habe und die Königin auch nicht da wäre und die Prinzessin verreisen müßte und... kurzum, „es ist gerade keiner da!“ Evita Peron knirschte mit den schönen Zähnen, die einen wichtigen Bestandteil ihres Liebreizes darstellen, und zog es vor, nur den Triumph an der Seite Francos in Madrid als schönste Erinnerung an Europa im Gedächtnis zu behalten.
So kam sie wieder nach Argentinien zurück, ein wenig enttäuscht von der Alten Welt, ein wenig ernüchtert, wie es manchmal ganz plötzlich „reife, schöne Frauen“ sind, wenn der erste kühle Rauhreif der Wirklichkeit auch ihnen fühlbar wird.
Und in Buenos Aires war der, Teufel los! Die Verschwörer gegen die schöne Frau hatten konspiriert, wo sie nur konnten. Leute, auf die Evita vorher Stein und Bein geschworen hätte, für die sie ihre schönen schlanken Hände symbolisch in das Feuer zu legen bereit gewesen wäre zogen sich höflich zurück, und hatten inzwischen in der Industrie eine andere Position angenommen, die es ihnen momentan nicht mehr gestattete, in dem Sinne tätig zu sein, der ihnen ein paar
Monate vorher noch erfolgversprechend gewesen war.
Aber Eva Peron hatte nicht den Scharfsinn der Eva Maria Duarte verloren. Sie witterte, was da los war, sie fühlte, daß man ihr die schönen Beine absägen wollte. Aber sie war entschlossen, diesen Kampf um die Position auf der hohen Leiter, die sie erklommen hatte, nicht aufzugeben.
(Fortsetzung folgt.)
Zeichnungen: Claire Wittig
Der interessante Kurzbericht
Lebender Kinderwagen. In Südamerika wurde ein großer, sieben Zentimeter langer Wasserfloh entdeckt, dessen Weibchen dem Männchen die Eier auf den Rücken legt und das Männchen auf diese Weise dazu verdammt, lebenslänglich einen lebenden Kinderwagen zu-spielen .
Nicht einmischen! In Birmingham wollte der Hundebesitzer William Harter seinen Schäferhund von einer Katze trennen, mit. der der Hund sich raufte. Der Hund sprang auf ihn los und — biß ihm die Nase ab.
Wie schmeckt flüssige Luft? In Sidney lud der australische Kälteforscher E. W. Wills seine Freunde zu einem Essen ein, bei dem er massiven Whisky servierte, der mit flüssiger Luft zubereitet worden war.
Samson — umgekehrt. In Rom hat ein junger Friseur einer römischen Gräfin, in die er verliebt war, die Haare fast vollkommen abgeschnitten, als die Gräfin seinen Liebesschwüren nicht folgte..
Der Experte im Examen. In Oxford legte soeben ein 55jähriger Mann sein Auto-Fahrexamen ab. Er versah seit 20 Jahren das Amt eines Auto-Experten in Oxford. Einmal fiel er durch!
Wie mögen Sie den Dotter? In Los Angeles kündigt ein Geflügelzüchter eine Ernährungslehre für Hühner an, wonach die Farbe des Eidotters ganz nach Wunsch von hellgelb bis dunkelorange reguliert werden kann.
Die Himmelsgans. Aus einem neu entzifferten ägyptischen Dokument ergibt sich, daß die Ägypter ursprünglich der Auffassung waren, daß die Sonne jeden Morgen aus einem Ei hervorgehe, das eine himmlische Gans gelegt habe.
Magermn leicht gemacht
IN ZEHN TAGEN UM ZEHN PFUND LEICHTER / NUR AUF DAS ESSEN KOMMT ES AN
j J er europäische Mensch hat sich nach J'-' den Jahren der Entbehrungen einen kleinen Bauch angegessen, gegen den es anzukämpfen gilt im Interesse des Wohlbefindens und des höheren Lebensalters. Aber ist der Kampf auch noch aussichtsreich, wenn das Uebel schon weit fortgeschritten ist, wenn der Zeiger auf der Waage immer stärker nach rechts hinüberschlägt? Die Frage ist gestellt, wir versuchen,, sie zu beantworten. Gibt es eine Möglichkeit, abzunehmen, ohne dabei körperlichen Schaden zu erleiden?
Einen einzigen Vorbehalt müssen wir bei unserer nachstehenden Kur machen, die unter Garantie das Körpergewicht in zehn Tagen um zehn Pfund heruntersetzt: nicht daran beteiligen dürfen sich sehr fette Personen, die an wirklicher Fettsucht leiden. Bei diesen Personen ist das Fettwerden zu einer Krankheit geworden. Der ganze Kreislauf mit Einschluß der Herztätigkeit und der Drüsenfunktion ist schon soweit vom Normalen abgewichen, daß solche Personen eine Hungerkui- nur im Bett, im Liegen und unter ärztlicher Aufsicht machen können. Aber derjenige, bei dem einfach der gute Schweinebraten und die vortreffliche weiße Soße, die schönen dicken Milchsuppen, der Reisbrei und die Koteletts die Schuld tragen an der Ausweitung der Gürtellinie, kann — ohne sein körperliches und seelisches Heil in Gefahr zu bringen — den nachstehend aufgeführten Ernährungsplan, die sorgsam durchstudierte Abmagerungskur befolgen:
1. Tag: Zum Frühstück: eine Apfelsine und eine Tasse schwarzen Kaffee; — zum Mittagessen: mageres gehacktes Fleisch, einen halben Salatkopf, eine Apfelsine, ein Glas Milch oder eine Tasse schwarzen Kaffee; — zum Abendessen: zwei hartgesottene Eier und zwei rohe Tomaten, vielleicht eine Tasse Tee.
2. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: ein Stück völlig mageres Fleisch, Spinat oder Rüben, nach Möglichkeit roh, Kopfsalat mit Zitrone zurechtgemacht, vielleicht noch einen Apfel ler eine Apfelsine; — zum Abendessen:
vier Löffel Weißkäse, geriebene Mohrrüben, eine Scheibe Schwarzbrot und ein Glas Milch oder eine Tasse Tee. 3. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: eine Scheibe Ochsenfleisch, ganz mager, Salat nach Wunsch, zwei Apfelsinen, eine Tasse schwarzen Kaffee, oder ein Glas Milch; — zum Abendessen: zwei Rühreier, eine Scheibe Graubrot, zwei Tomaten und eine Tasse Tee.
4. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: ein Stück Fisch oder nochmals ganz mageres Gehacktes, drei gebackene Tomaten, Salat, einen Apfel und eine Tasse Kaffee; — zum Abendessen: eine Scheibe kaltes Fleisch, aber garantiert mager, Kopfsalat, Schwarzbrot und ein Glas Milch.
5. Tag: Frühstück: wie oben — zum Mittagessen: ein Stück Roastbeef, ein Kopf Salat, Fruchtsalat, ein Glas Milch; — zum Abendessen: zwei harte Eier, etwas Spinat, einen Apfel und eine Tasse Tee.
6. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: zwei Scheiben Leber, einen Kopf Salat, zwei Apfelsinen, schwarzen Kaffee; — zum Abendessen: zwei Scheiben Käse, Schwarz- odei' Graubrot, einen Apfel, ein Glas Milch.
7. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: zwei hartgekochte Eier auf Salat und mit Selleriegemüse, eine Scheibe geröstetes Brot, ein Glas Milch oder schwarzen Kaffee; — zum Abendessen: ein Stück Fisch — aber ohne Butter oder Soße — Fruchtsalat, einen Apfel, eine Tasse Tee.
8. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: zwei Scheiben Ochsenfleisch, geriebene Tomaten, einen Kopf Salat, eine Apfelsine, eine Tasse Kaffee; — zum Abendessen: ein Frankfurter Würstchen, eine Scheibe geröstetes Brot, Fruchtsalat, ein Glas Milch.
9. Tag: Frühstück: wie oben; — zum Mittagessen: gebackenen Fisch, geröstete Tomaten, Kopfsalat, einen Apfel, roh oder mit Honig, schwarzen Kaffee; — zum Abendessen: eine Salatplatte, Tomaten, Sellerie, eventuell Nüsse und zwei Scheiben Graubrot; dazu ein Glas Milch. 10. Tag: Frühstück: wie oben; zum Mittagessen: ein Omelett mit Gemüse, Kopfsalat, eine Apfelsine, schwarzen Kaffee; zum Abendessen: eine Scheibe Roastbeef, einen halben Salatkopf, einen Apfel, eine Tasse Tee. *
Man soll diese Liste nicht verzweifelt und seufzend aus der Hand legen im Bewußtsein, man könne es infolge des hörbaren Knurrens der Eingeweide doch nicht durchhalten. Die Entlastung erwächst aus folgender interessanten Möglichkeit, über die hungrigsten Stunden erfolgreich hinwegzukommen: man darf nämlich während des ganzen Tages keinen Hunger haben! Hat man aber unwiderstehlichen Hunger, dann sollte man rohe Mohrrüben sorgfältig mit den Zähnen zerkleinern oder schon gerieben zu sich nehmen oder aber ein Glas Yoghurt oder Milch trinken.
Auf keinen Fall sollte man weißen Zucker benutzen, sondern möglichst braunen Zucker oder Honig. Essig muß ausgeschaltet werden, stattdessen nimmt man zwei Teile Zitrone auf einen Teil Oel. Sehr vorteilhaft ist es, jeden Morgen als erstes einen Löffel Lebertran zu sich zu nehmen. Die Milch sollte man folgendermaßen hergerichtet genießen: man nimmt einen halben Liter frische Magermilch, mischt vier Kaffeelöffelchen Bierhefe hinein und fügt eine Tasse Milchpulver hinzu. Versüßen darf man die Milch mit etwas Honig. Hat man alles recht schön geschlagen und vermischt, dann kann man noch einen halben Liter Milch hinzufügen. Wie wir nunmehr sehen, ist das Kunststück gar nicht so schwer. Nur mutig heran! Es wird schon gehen. Und die Augen werden leuchten, wenn der Zeiger auf der Waage zehn Pfund weniger anzeigt.
(Die Damen mögen bedenken, daß die Waage auch durch Wände sieht und sogar weiß, wenn man irgendwo in einer Konditorei ganz schnell ein Stück Sahnekuchen herunterschlingt. Das Wichtigste ist, daß man sich nicht selbst betrügt!)
Musikinstrumenienmesse eröffnet worden. Ein In Mittenwald ist die ^eu das „Elektron“ erregt besonderes orgelartiges elektro-akustisches Musiki i nrnbiert das neue Musik-Aufsehen. Der b.yerlsrhe Fotos: d“a
Nicole Besnarß, die eine Hauptrolle in dem Rene-Clair-Film „Pakt mit dem Teufel“ spielt, hält sich augenblicklich besuchsweise in Westdeutschland auf
In Neu-Münster, der größten schleswig-holsteinischen Industriestadt, surren 560 Webstühle und 34 000 Spindeln der Textil-Industrie. Der monatliche Umsatz liegt gegenwärtig bei 6,3 Millionen Mark. In einer Fachschule wird der Nachwuchs herangebildet. Das Bild zeigt Schülerinnen der Textilschule bei der Arbeit.
Feuilleton
Foto: Kenner Dieses Kunstwerk, das dem mittelrheinischen Maler Nikolaus Schit zugeschrieben wird und für 1497 feststeht, gilt als eines der frühesten Werke dieses Meisters. Der Altarschrein befindet sich im Besitz des Hessischen Landesmuseums Darmstadt. Das Mittelstück des Altarschreins zeigt Maria mit dem Kinde auf einer Mondsichel stehend. Links neben ihr tötet Michael den Drachen, rechts steht Michael in Kardinalstracht mit dem Löwen. Auf den beiden Flügeln des Schreins sind in vier Gruppen je drei Apostel dargestellt. Die Außenseiten der Flügel zeigen rechts den heiligen Michael, auf einer Felskuppe stehend, der in der rechten Hand eine Waage hält, in deren hochgegangener Schale eine Seele in Gestalt eines Kindes sitzt, während er mit der linken Hand einen Drachen niederstößt. Auf der Außenseite des linken Schreinflügels ist die Verkündigung dargestellt. Die einzelnen Gestalten sind Werken Schongauers und des Hausbuchmeisters entlehnt. Da Nikolaus Schit sich somit nicht die Mühe machen mußte, die figuralen Glieder des Altarschreins selbst zu erfinden, konnte er sich ganz auf eine geschmackvolle Zusammenordnung der Motive konzentrieren. Daß sich die Komposition der Figuren aus mehr als einem Dutzend von Kupferstichen kaum störend bemerkbar macht, spricht für die dekorative Begabung des Malers. So ist Nikolaus Schit mehr als ein Epigone. Mit seiner wohlabgewogenen Farbenwahl, einer gepflegten Malweise, seinem feinen Sinn für dekorative Wirkungen, die etwas matte aber geschmackvolle Ornamentik sichert er sich trotz mancher Schwächen eine gewisse Bedeutung. Aus: Ernst Buchner: „Studien zur mittelrheinischen Malerei und Graphik der Spätgotik und Renaissance. Münchener Jahrbuch der bildenden Kunst IV/1927.
Unter der Kuppel der Peterskirche
GEDANKEN ZUM FILM „PASTOR ANGELICUS“
Wenn wir in unserer gestrigen Film-Besprechung über „Pastor Angelicus" nur in knapper Formulierung berichteten, so deshalb, weil wohl nur wenige aus den ersten Eindrücken heraus, die dieser Film umfaßt, eine wirklich allesumfassende Erkenntnis schöpfen können. Man könnte die Wirkung, die von diesem Film ausgeht, in zwei wesentlichen Faktoren zusammenfassen: Einmal die überragende Gestalt des Stellvertreters Gottes in der Person des Papstes Pius XII. und zum anderen die bezwingende Kraft, die von Rom, als dem Mittelpunkt des christlich-katholischen Lebens ausgeht und sich über die Erde ergießt bis in die entferntesten Winkel. Ueber allem die gewaltige Kuppel der Peterskirche in ihrer monumentalen Gestaltung, inmitten des Vatikans, der Zentrale der katholischen Welt.
Wenn zu. irgendeiner Zeit einmal davon gesprochen wurde, daß der 262. Nachfolger Petri, den Millionen Christen als „Pastor angelicus“, der „engelgleiche Hirte“ vorstehen wird, rechtmäßiger Stellvertreter Gottes und Wahrer des Glaubens, so dürfte es für die gleichen Millionen ein eindeutiger Beweis für die fundamentale Wahrhaftigkeit der Lehren und der Erkenntnisse der Kirche sein. In Pius XII. verkörpert sich dieser „Pastor Angelicus“ wie in wohl keinem anderen seiner Vorgänger. In dem technisch schlichten Filmstreifen, der einzig und allein, dafür aber um so ergreifender und packender, sich in der Wiedergabe der kirchlichen Bauwerke und Gemälde als Hintergrund erfüllt, der auf alles übrige Zutun verzichten kann, steht in eindrucksvoller Größe der Mensch und Seelenhirt Gottes, Pius XII. Man erlebt noch einmal die Jugend des Papstes, seine Ehrfurcht vor Gott, seine innere Berufung zum Priester in jüngsten Jahren, seinen ständig aufwärts führenden Weg zum Kardinal, zum Nuntius, zum Abgesandten Pius XI. und seine glorreiche Krönung zum Papste nach dessen Tode. Die erfurchtgebietende innere Größe ist es wohl, die ihn, zusammen mit einer aus allen seinen Handlungen sprechenden tiefen Menschlichkeit zu jenem Menschen stempelt, dem die Liebe der Christen ebenso persönlich gehört, wie man in ihm den Stellvertreter Gottes anerkennt. So traditionell auch das Zeremoniell der katholischen Kirche innerhalb des Vatikans hinsichtlich der Person des Papstes sein mag, Pius XII. durchbricht es, wenn es gilt, mit dem Manne der Straße zu sprechen um sich seine Sorgen und Nöte anzuhören. Das mag es besonders sein, was ihn über seine Person als Papst hinaus mit der Anhänglichkeit und Liebe der großen Mässe der Christen beschenkt.
Eines aber mag von einer Klarheit sein, die für viele zu sehen von Wert ist: Der Papst ist nicht Herrscher in des Wortes Bedeutung, sondern Führer der katholischen Welt, der er nicht als der „Mächtige“ vorsteht, sondern für die er Tag und Nacht arbeitet. Bis in die späten Stunden strahlt das Licht des päpstlichen Arbeitszimmers über das dunkle Rom — und damit über die ganze Welt. Auf dem Wege zu Frieden und Liebe unter den Menschen ist Pius XII. keine Minute zu kostbar, in der nicht sein unermüdlicher Geist zu ergründen sucht, wo und wie seine Hilfe am Platze ist.
Man fragt sich bei diesem Film, wer von dieser einmaligen Größe und Erhabenheit eines Menschen, seines Wirkens und Wollens unbeeindruckt bleiben kann. Nur der Skeptiker kann die Aufgabe des „Pastor Angelicus“ anzweifeln und wird wohl kaum die Kraft begreifen können, die von Phis XII. an alle Katholiken der Welt ausgeht. Der Glaube vor allem ist es, der sie zusammenhält, der Glaube an Gott, dessen Stellvertreter ein Mensch wie du und ich, in höherem Auftrage handelt und arbeitete, zum Wohle aller.
Ein Film, der es nicht nur wert ist, von allen gesehen, sondern auch innerlich erarbeitet zu werden. Er appelliert an das Gewissen des einzelnen wie an das Gewissen der Welt. co.
Notizen
Ein „Johann-Sebastian-Bach-Preis“, der alle drei Jahre in Höhe von 15 000 Mark an deutsche Komponisten vergeben werden soll, ist auf Beschluß der Hamburger Bürgerschaft zum 200. Todestage Bachs gestiftet worden. Der Preis soll in diesem Jahr zum ersten Male und in künftigen Jahren stets am 21. März, dem Geburtstag Bachs, verliehen werden.
In Bad Münster am Stein findet ein Kongreß der Internationalen Freien Akademie, einer gemeinnützigen Gesellschaft für Wirusforschung und Bekämpfung von Blut-, Geschwulst- und Infektionskrank-J3®17 Zeit vom 30- September ,er unter dem Präsidium ihres Mitbegründers, Dr. von Bremer, Bad Kreuznach, statt.
„Das alte Wahre, faß es an!“
EIN WORT ZUR PHILOSOPHIE
Viele überkommene Anschauungen haben den Erschütterungen der Menschheit des 20. Jahrhunderts nicht standgehalten und ihren Wert für uns verloren. Wie stets in Zeiten der Gärung ist dadurch ein Suchen ausgelöst worden nach einem Neuen, einem Noch-nie-dagewesenen, von dem Heilung des zerspellten Lebens und Erstarkung kommen sollen. Religion soll es offenbaren, Philosophie es ergründen, Kunst und Wissenschaft es darstellen und beweisen. Doch da die vielfältigen Erwartungen nicht befriedigt werden mit ganz neuen und unfehlbar helfenden Ideen, wird der ungeheure Vorwurf erhoben, daß die geistigen Mächte versagten. Ein Wort Goethes weist mit stiller Gebärde den schmähenden und heischenden Lärm vor den Toren geistigen Gutes zur Buhe und fordert zur Bescheidung und Besinnung auf:
„Das Wahre war schon längst gefunden, hat edle Geisterschaft verbunden, das alte Wahre, faß es an...!“ Diese Zeilen leiten die zweite Strophe jenes „Vermächtnis“ überschriebenen Gedichts ein, das von der Harmonie der Allnatur mit dem Seelenraume des Menschen handelt und daraus die Verhaltensweise für das einzelne Menschenleben in den „Auen reichbegabter Welt“ findet. Goethes lebenseinsichtige Weisheit ist kein philosophisches System, deshalb bleibt sie stark und fruchtbar über die wechselnden Zeiten. Denn alle Systeme, alle Hypothesen und Dogmen tun irgendwo und irgendwann dem Leben Gewalt an, weichen aus seinem unabsehbaren Wandel und entfremden sich seiner unerrechenbaren Fülle.
Aber in allem, was aufrichtigen und wahrheitswilligen Herzens je von Menschen gedacht, ersonnen und geschaffen wurde, sei es in religiösem und philosophischem Sinne, in künstlerischer oder wissenschaftlicher Absicht, ist jene tiefe Kraft lebendig, die heute wie ehedem Menschen befähigt, ihr Schicksal zu bestehen. Es bedarf dazu des Neuen, Niedagewesenen nicht. Wer von denen, die ungestüm danach verlangen, kann von sich sagen, daß er das Gedankengut aller Großen der Menschheit erfaßt habe und daß er es in der heutigen Weltsituation als ungenügend verwerfen müsse?
Die innige Gottesgewißheit, die im indischen/Weistum und in abendländischer Mystik ihre weltweiteste Gestaltung erfuhr, macht auch heute ein Herz in aller Not und Drangsal des Daseins innerlich unantastbar, und so mancher entdeckt wiederum „die heimliche Burg“, „die Burg der Seele“ als einzige Stätte der Unanfechtbarkeit und Freiheit, als die Meister Eckehart sie schon gepriesen hatte. Nicht veraltet noch erfüllt ist bis heute die Mahnung griechischer Weisheit mit all ihren Folgerungen für den einzelnen und für das Ganze: „Erkenne dich selbst!“, und noch ist keine gültigere Wertung im menschlichen Miteinander gefunden als die, die Kant in den einleitenden Sätzen zur „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ in die Worte gefaßt hat, daß schließlich nichts auf Erden ohne Einschränkung könne gut genannt werden „als allein ein guter Wille“, wobei dieser Wille zum Guten unabhängig von jeder äußeren Situation mit allem Ernste erklärt wird „nicht etwa als ein bloßer Wunsch, sondern als die Aufbietung aller Mittel, soweit sie in unserer Hand sind“.
Die Leuchtkraft solcher Gesinnungsethik kann von nichts „Neuem“ überstrahlt werden. Sie begegnet uns in mannigfacher Wortgestalt und Ausdrucksweise in den verschiedenen Sprachen im Wandel der Jahrtausende, und sie ist heute nicht erloschen. Sie ist die eigentlich wirkende geistige Kraft auf der zelne ist von ihr gemeint und aufgerufen, Lebensstufe des Menschen, und jeder einseine Gesinnung darzuleben als eben jenen „guten Willen“ im alltäglichsten Alltag, im steten Miteinander und noch so engen Tätigkeitsfelde wie im verantwortungsreichen Wirken für viele. Hier gehen echte Philosophie und tätiges Leben ineinander über. Ihre Einheit ist seit je Daseinselement allen großmütigen Menschentums und wird als höchste Forderung an den einzelnen gestellt von aller echten Philosophie von Plato bis zu den Existent! allsten.
Es tut nicht not, „das Neue“ an der Existenzphilosophie in seiner vielfältigen Lagerung, in seiner Herkunft und seinen Verknüpfungen ableiten und beweisen zu können, und nicht in der besonderen Wendung und Färbung fachphilosophischer Gedankengänge liegt heilende Kraft für ein wundes Zeitalter. Aber es stärkt die am Geistigen Verzagenden, von den Stimmen der Philosophen, die sich Existentialisten nennen, in abgewandelter Form wieder „das alte Wahre“ bestätigt zu hören. Wenn es in Sartres Grundgedanken heißt: „Was zählt, ist allein der totale Einsatz“, so wird letzten Endes damit nichts anderes gemeint als eben „die Aufbietung aller Mittel, soweit sie. in unserer Hand sind“, als der gute Wille, der sich handelnd bezeugen will im Kleinen wie im Großen.
Der so oft begegnenden Müdigkeit unserer Gegenwart: „Was liegt an mir, am einzelnen, der den Gang des Ganzen doch nicht ändern kann?“ antwortet, wie in der Vergangenheit mancher Philosoph gleicher Frage, auch der Existentialist Karl Jaspers wiederholt in seinen Schriften: „Wenn wir leben in dem Bewußtsein, wie wenig oder nichts der einzelne am Gang der Dinge ändert, so weiß gerade auch das niemand“, und er wendet sich entschieden an den einzelnen, am jeweilig eigenen Lebensplatze in Verantwortung für das Ganze zu wirken.
Mochte Jaspars aus seinem ausgebauten philosophischen Gebäude Einwände gegen Goethes Lebenseinsicht und Lebensart erheben —, dies ist im Wandel der Zeit wesenlos, denn „wie der Zwiist der Liebenden sind die Dissonanzen der Welt, Versöhnung ist mitten im Streite, und alles Getrennte findet sich wieder...“ (Hölderlin, Hypenion), wesentlich bleibt allein, daß Jaspers Wegweisung für menschliches Sein und Verhalten in der heutigen Welt in einer Linie steht mit dem „alten Wahren“, auf das Goethe verwies. Gesinnung und Leben als Einheit und Adel des Menschseins zu bewähren in jeglichem Augenblick, war das Anliegen der Besten vor uns und ist heute wie ehedem die Aufgabe für jeden einzelnen und die Bedingung1 für Bestand und Besserung des Ganzen. Dr. Margarete Dierks.
Teilnahme Deutschlands stark beachtet
Im Anschluß an den deutschen Kongreß für Vor- und Frühgeschichte in Mainz fand in Zürich der dritte internationale Kongreß dieser Wissenschaft statt, bei dem alle europäischen Länder, auch Deutschland, durch eine Reihe namhafter Wissenschaftler vertreten waren, außerdem Algerien, Argentinien, Bolivien, Columbien, Kongo, Israel, Kenia, Ivlexiko, Nigeria, Sudan, Südafrika und Amerika. Auf dem Kongreß kamen die großen Probleme der gegenwärtigen Vorgeschichtsforschung zur Sprache. In nebeneinander tagenden Sitzungen wurden etwa hundert Vorträge gehalten. Im Mittelpunkt standen vier große Vorträgeder von Sauter (Genf) über die eiszeitlichen Funde in der Schweiz, der von Herbert Kühn (Mainz) über die Neudatierungen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit, der von Vogt (Zürich) über die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Kulturen der Schweiz, und der von Laur-Bellart (Basel) über die Schweiz in der Völkerwanderungszeit. Neben diesen großen Vorträgen wurden eine Fülle von Entdeckungen aus der ganzen Welt gemeldet. Neue Funde eiszeitlicher Kunst wurden erörtert, Fragen der Chronologie der Bronzezeit wurden behandelt und mit neuen Felsbildem in Skandinavien wurde bekannt gemacht. 1
Neue Filme in Darmstadt
HANSA. — „Silberkönig“. Aus der uns jetzt beglückenden — und immer noch ihr Publikum findenden — Hochflut von Wildwestfilmen ragt der „Silberkönig“ weit hervor. Es spielen hier ja auch nicht die Menschen, sondern die Natur, der Hengst „Silberkönig“ die von ihm geführte Wildpferdherde und ein „schauspielerisch“ sehr begabter Schäferhund die ersten Rollen. Schade nur, daß auch dieser Farbfilm (von Amerikanern in Kanada gedreht) noch manche technische Wünsche offen läßt, das Blau ist zu grün, umgekehrt das Grün zu blau und die rotbraunen Farbtöne kommen zu knallig-bunt heraus. Die eingefügten Filmstreifen von großen Cowboy-Veranstaltungen gehören nicht unbedingt dazu, sind aber spannend und charakteristisch für das ganze Milieu. So wie der „Silberkönig“ sich einfangenläßt, so fängt der Held der Handlung bildlch seine Heldin mit dem Lasso endlich ein, nachdem sie vorher mit tollen Reit- und raffinierten weiblichen Künsten ihn — fast — eingefangen hat. Neben Joan Leslie und James Graig freut man sich, dem derbkomischen Jack Oakie wieder einmal zu begegnen. Alle Anerkennung verdienen auch die Männer an der Kamera, die in wilder Jagd, in Schluchten und im Wasser viele atemraubende Augenblicke glücklich erwischt haben. H. W. W.
BELIDA. — „Schicksal In Ketten". Aus dem in dem Film angeschnittenen Thema ließe sich an sich etwas machen. Dieses Schicksal rollte tausendfach in und nach dem Kriege ab. Ein Kriegsgefangener hört im Gefangenenlager einen anderen von den Liebesabenteuern mit seiner Frau prahlen. Er verliert den Glauben an sie und kehrt nach seiner Entlassung nicht mehr in seine Wohnung zurück. Schließlich findet er durch die Vermittlung seines Freundes zu seiner Frau zurück. So unglücklich und schwülstig der Film-Titel dieses nur in der Einfachheit dramatisch wirksamen Themas ist, so billig und kolportagehaft ist die Gestaltung des ganzen Streifens. Zehn-Pfennig-Romanheft-Niveau, mehr ist es nicht. Pathos statt Emst; Rührung statt Freude. Ein Nachkriegsfilm, wie er nicht sein soll. Ein armseliger Wiener Schmarren der „Donau-Film“ -Gesellschaft. agt
DT Fihn-Forum
Er fing mit 30 Gage an
30 Mark Gage sind wirklich nicht viel, da muß sich einer mächtig krumm legen, um nur einigermaßen den Monat hindurch existieren zu können! Aushalten kann man solche Hungerkur auch nur dann, wenn die unbändige Leidenschaft zum Theater dahintersteht, wenn man wegen dieser Leidenschaft alle Anfangsschwierigkeiten übersieht! So erging es Willi Birgel!
Wäre er ein ruhiger Bürger gewesen, so hätte er all das gar nicht nötig gehabt, denn vom Vater war ihm eine sichere Existenz bereitet! Er, der Kölner Goldschmiedsschn, sollte des Vaters Werkstatt übernehmen, und er hat lange mit vielem Fleiß gearbeitet, um alles das zu lernen, was zu diesem Berufe nottut. Aber mit 16 Jahren hatte er sein erstes Theater-Erlebnis! „Monna Vanna“ von Maeterlinck! In diesem Stück offenbarte sich für ihn der ganze Zauber des Theaters. Die Bühne begann zu ziehen und zu locken . . . Birgel hat heimlich als Statist mitgewirkt, und eines Tages hingen die Plakate einer Heimatbühne mit den großgedruckten Namen der Mitwirkenden an den Litfaßsäulen. Da hat dann Vater Birgel, der ja selbst ein Künstler seines Fachs war, nicht länger nein gesagt. So also fing es einstmals an. Nach Unterricht an der Schauspielschule in Köln stand er dann in Bonn zum ersten Male auf der Bühne, im Ensemble mit Klöpfer . . . und für 30 Mark Gage! Das ganze, buntbewegte Bühnenleben, ersehnt und fleißig erarbeitet, war nun da. Da kam der Krieg.
1914 wurde er Soldat, 1916 verwundet, blieb eine Weile daheim, ritt u. a. Remonten ein, kam 1916 wieder nach dem Westen und kehrte 1918 als Offizier zurück, zum — Stadttheater Aachen, um nun nicht wieder vom Theater und später vom Film loszukommen. Mannheim war für 12 Jahre sein fester Aufenthaltsort; mit Mannheim verwuchs er auf eine innige und besondere Art . . . ein amüsantes, kleines Erlebnis mag das dllu-
strieren: Er war eines Morgens nach wild durchzechter Nacht heimgekommen, hatte sich gar nicht erst hingelegt, sondern nur frisch gemacht, rasiert usw. usw. und war dann gleich zum Theater gefahren, um dort die Zeit der Probe abzuwarten. Es war gegen 8 Uhr, um 10 war Probe. Plötzlich wurde er „geweckt“. In der Straßenbahn, wohlgemerkt! Von einem Mannheimer theaterbegeisterten Bürger. „Herr Birgel, jetzt ist’s Zeit zur Probe!“ So etwa hörte er die sanfte Mahnung. Was war geschehen? Er war eingeschlafen, man hatte ihn schlafen lassen, und er war so lange von Endstation zu Endstation gefahren, bis es Zeit zur Probe war. Da weckte man ihn ... So bekannt, so beliebt war er dort, und so theaterfreudig waren die Mannheimer!
Erst als reifer Künstler hat er den Weg zum Film gefunden, und das Publikum hat ihn sofort in seinem ersten Film stärkstens bejaht. Als Sekretär des Fürsten Woronzoff strahlte er ein solches Fluidum aus, daß man ihn von Stund an nicht mehr übersehen, nicht mehr vergessen konnte. Dabei war es völlig unwesentlich, ob die von ihm verkörperte Person sympathisch oder unsympathisch war; seine Darstellungskraft machte fühlbar, daß diese Personen Tummelplätze wilder Leidenschaften sind — und damit waren sie menschlich nahe und verständlich. Ihn reizen vor allem „problematische“ Naturen, deren Psychologie er bis in die letzten Tiefen seziert . . . So steht er vor uns: Ein tiefschürfender Menschendarsteller, eine große Schauspieler-Persönlichkeit.
WILLI B I R G E L
(Foto; Willi Klar)
Die Heimat
Hahner Bauern-Krawall anno 1776
Beginn des letzten Viertels des 1. Jahrhunderts versuchte Landgraf Ludwig IX. von Hessen eine großzügige Reform des Ackerbauwesens durchzuführen. Zu diesem Zwecke setzte er im Jahre 1776 e'ne Landkommission ein, die in Hahn bei Pfungstadt ihre Arbeit zur Bodenverbesserung beginnen sollte.
Ein Bericht vom Mai 1776 besagt: „Hier in Hahn befinden sich an gemeinen Tagweyden und Nachtweyden 315 Morgen, die durchaus übel benutzt werden, den Herrn nichts eintragen und dem Vieh eine magere und unzureichende Fütterung verschaffen, obgleich der Boden edel ist und mit weniger Mühe trefflich befruchtet werden kann...“
Die Hahner Einwohner konnten sich jedoch mit diesem Plan nicht befreunden. Als man dem Hahner Orfsgericht den Plan vorfrug, blieb es allen „vernünftigen Vorstellungen“ gegenüber taub und berief sich darauf, wie es ihre Voraltern gemacht, so wollten sie es auch machen. Zudem mache ein reichlicher Ertrag ihnen auch die Mühe, selbigen nach Hause zu schaffen. „Die Erregung gegen die geplanten Neuerungen ging soweit, daß. als die Kommission das Hahner Feld durch den Feldmesser Hill aufnehmen ließ, die Gemeindeglieder geschlossen im Feld erschienen, die Pflöcke des Feldmessers ausrissen und Hill mit Gewalt fortjagfen. Dann ließen sie die Sturmglocke läuten und machten unter der Führung des Gerichtsschöffen Kistinger
eine „förmliche Verschwörung". Dieser und sein Mithelfer Herbert nebst den beiden Gemeindevorstehern Rüde und Caspari wurden daraufhin in Verwahrung genommen, nach Pfungstadt gebracht, protokollarisch vernommen, ihrer Ehrenämter enthoben und dann wie¬ der vorläufig entlassen. Anstatt nun aber Ruhe zu halfen, verschworen sich die Gemeindegenossen aufs Neue und entsandten im März drei Abgeordnete, Ludwig Kistinger, Jakob Thon und Melchior Mörschtod nach Pirmasens, um dort dem Landgrafen eine Beschwerdeschrift zu überreichen. Lieber diese Bittschrift, die Anklagen gegen die Kommission enthielt, und deren Plan als undurchführbar bezeichnet wurde, forderte Ludwig IX. ein Gutachten ein. Diese Antwort legte den ganzen Sachverhalt dar, und bat, daß die Untaten der Hahner gebührend bestraft würden, da die Kommission sonst ihr Werk nicht durchführen könne. Man dachte dabei an eine gelinde Bestrafung. Aber Hessens Fürst war anderer Ansicht. Er verfügte unter dem 2. April 1770: „Bey diesen Umständen, da ich ohnerachtef der Bereuung ihrer Halsstarrigkeit und Widersetzlichkeit hintergangen werden sollte, so sollen die Rädelsführer welche allhier gewesen sind, auf ein Jahr in den Karren gespannt werden.“
Diesem Befehl kam das Darmstädter Ministerium bald nach. Am 15. April saßen die drei Rädelsführer bereits im Darmstädter Stockhaus. Doch in Darmstadt kannte man das in Pirmasens in hoher Blüte stehende Sfrafgerät des Karrens nicht. Der Direktor des Stockhauses, Kriminalrat Stumpf, mußte sich deshalb mit dem fürsten Oberamf in Darmstadt in Verbindung setzen und erhielt den Bescheid, daß sie zu Schanzarbeit heranzuziehen iseien. Ferner hätten sie sich ihren Unterhalt ohne Belästigung der Kasse selbst zu stellen.
Dieser Entscheid, eine wesentliche Strafmilderung, kam den Hahner Bauern gerade recht. Er stimmte mit den Vorbereitungen, die sie vor dem Antritt ihrer Strafe getroffen hatten, vollkommen überein. Worin diese bestanden, davon sollte sich der Kriminalrat zu seinem Schrecken bald überzeugen.
Es erschien nämlich zur Mittag- und zur Abendmahlzeit jedesmal ein Hausknecht des Gasthauses „Zum Löwen" und brachte für die drei Arrestanten eine ordentliche Mahlzeit, nämlich mittags Gemüse und Fleisch und abends Suppe und und Fleisch. Dazu kamen jeden Mittag drei halbe Maß Wein, obwohl Thon keinen Wein frank. Daneben bezogen die Drei täglich vom Küster Seidel ihren gehörigen Branntwein und ihr Bier von Weidenbach. Doch damit noch nicht genug. Am 8. Mai erschien eine Fuhre von Hahn und brachte Bettzeug und Bettladen, damit den Gefangenen das Lager nicht zu hart werde.
Diese Vorgänge erschütterten den Kriminalrat gewaltig, denn so etwas war im Stockhaus noch nicht vorgekommen.
Er erbat sich von seiner vorgesetzten Behörde Verhaltungsmaßregeln. Gleichzeitig bemerkte Stumpf in seinem Bericht, die Arrestanten behaupteten, Essen und Trinken müsse die Gemeinde Hahn bezahlen, für die die drei hier büßten. Stumpfs Berichte veranlaßten den Minister von Moser am 9. Mai folgenden Befehl ergehen zu lassen: „Die Arrestanten sollen nicht wie Staatsgefangene Cavaliere gehalten werden, sondern wie zum Stockhaus verurteilte Bauern. Wann also andern in ähnlichen Fällen keine Betten gestattet werden, so soll es auch diesen nicht geschehen. Und ebenso sollen sie in der ganzen Verköstigung schlechterdings wie andere Züchtlinge gehalten werden, die sich selbst verköstigen. Durchaus nicht auf Kosten der Gemeinde, sondern auf ihre eigne und alleinige Kosten.“
Auf diese Verfügung wurde nun der Löwenwirt vernommen. Er erklärte, daß er mit der Gemeinde Hahn keinen Akkord gemacht habe, und daß er sich an die drei Arrestanten halten werde* die Essen und Trinken bei ihm bestellt hätten. Anderer Meinung waren natürlich die drei Bauern. Sie sagten ganz ruhig: „Sie würden nichts bezahlen, die 'Gemeinde müßte davor stehen und alles
bezahlen, sie wären nicht von sich nach Pirmasens gegangen, sondern namens der Gemeinde, von welcher sie Vollmacht hätten.“
Von dieser Meinung wurden sie bald kuriert. Die Gemeinde Hahn wurde verwarnt, unter keinen Umständen für die Versorgung der Inhaftierten aufzukommen oder auch nur Geld für sie zu sammeln. Doch die drei mußten immer wieder über die Schnur hauen. So erlaubte sich Mörschrod mit seiner Frau, die ihn beim Schanzen besuchte, in die Stadt zu gehen, und seinem Buben, der konfirmiere werden sollte „Can iso!, Huf,
Strümpfe, Schuhschnallen und Brusflappen“ zu kaufen. Auch die andern beiden benutzten die Abwesenheit der Aufseher, um Besorgungen in der Stadt zu machen. Als man ihnen jedoch eröffnete, man werde sie, falls sie jetzt nicht parierten „bey Stoßschlägen entweder zu zwey oder drey Mann hoch gehen lassen“, wurden sie zahm.
Mit dieser Beruhigung der Gefangenen war aber die Ruhe in der Hahner Angelegenheit noch nicht eingefrefen. Im Juni 1776 erschien in Pirmasens vor dem Landgrafen der Darmstädter Sfallverwalfer Eyffert und erklärte, die Gemeinde Hahn habe sich ihm gegenüber bereit erklärt, den Darmstädter Exerzierplatz vollends zu applanieren, wenn die drei Gemeindeglieder freigegeben würden. Der Landgraf gab am 14. Juni seine Einwilligung, mit dem Anhang jedoch, daß zuerst die „Applanafion geschehe und mit dem Aufseher Eyffert wegen dessen allenfalls fordernder Tagge.bühren traktiert werde.“
Als es nun aber daran ging, die etwas mysteriöse Sache zu untersucnen und die Gemeinde wegen dieses Vorschlags zu hören, stellte es sich heraus, daß Eyffert stark geschwindelt hatte, was bei einem längt bekannten „Streichmacher“ wie er einer war, das Ministerium bereits als wahrscheinlich bezeichnet hatte. Dieser Zwischenfall brachte viel Aerger und Verdruß, doch nahm die Hahner Affäre bald ein Ende. Nachdem die Arrestanten vom 15. April bis zum 22. Juli geschanzt batten, wurden sie auf 5 Wochen beurlaubt, daß sie ihre Ernte einbringen konnten. Ende August, als sie sich, wieder stellten sollten, machten sie ein Bittgesuch. Der Landgraf erließ ihnen am 25. November 1776 den Rest der Strafe mit der Begründung „weil die Arrestanten bereut und gebüßt hatten auch ihre Untat wesentlich in üblen Vorurlei'en und einfältiger Anhänglichkeit ans Alte ihren Grund hatte, auch sie ohnedies mit Fronden überhäuft waren.“ ler.
Das Srankensteiner Eselslehen
Einst bestand in unserer Hessen-darmstädtischen Heimat ein alter Volksrechtsbrauch, wonach schlagfertige Weiber, die gegen ihren Eheherrn tätlich vorgingen, auf einem Esel durch die Straßen der Stadt oder des Dorfes geführt wurden. Der zu dieser Exekution erforderliche Esel wurde durch die Herren der Burg Frankenstein gestellt, die für diese Verpflichtung nach alter Sitte von der landgräflichen Kellerei
zu Bessungen jährlich eine Korngulte und zwei Gulden und zwölf Kreuzer m ha re Gelde erhielten. Ueber schlagfertige Frauen wie über allzu geduldige Ehemänner wurde in früheren Zeiten eine besondere Strafe verhängt, die von .sogenannten „Volksgerichten“, den spa^n „Winköl“-, „Narren“- und „Geckengenchten“ erkannt und vollzogen wurde.
Eines dieser Gerichte war das „böse Hundert“ in Darmstadt, das noch gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit Unterstützung der Stadt- und Landesbehorde seine rechtlichen Befugnisse ausubte und Frauen, die ihre Männer schlugen, aut dem Esel reiten ließ. Hierbei mußte in e. Regel der geschlagene Ehemann, sofern er nicht den Nachweis erbringen konnte, aan er einem „heimtückischen Ueberfall und nicht im „offenen Kampfe“ erlegen war, zur Strafe für sein unmännliches verhalten den Esel führen.
Die Gerichtssitzungen des „Bösen Hun" derts“ wurden auf offenem Markte abgehalten. Nach Verkündung des Urtens wurde die schuldige Frau auf den von einem Boten der Frankensteiner Herren überbrachten Grauschimmel gesetzt und zum großen Gaudium der schaulustigen Menge durch die Straßen der Stadt geführt. Eine ähnliche Strafe verhängte das Narren- und Geckengericht zu Bubenheim über Ehemänner, die sich von ihren Frauen hatten schlagen lassen, in dem diesen nach einem Urteilsspruch das Dach bis auf die vierte Latte abgerissen werden mußte.
Der Eselsritt und das Dachabdecken war einst eine auch in anderen Gegenden Deutschlands und der Nachbarländer gepflogene alte Rechtssitte, ebenso wie auch das „Haberfeldtreiben“, das sich sogar noch in manchen entlegenen Orten Oberbayems bis in unsere neuere Zeit erhalten haben soll.
Nach Jakob Grimm handelte es sich bei den Verfahren dieser Gerichte um einen Rechtsgebrauch von hohem Altertum. „Der alte männliche Deutsche kannte keine größere Ehre als Tapferkeit, fand also auch nichts schmählicher als Weiberschläge. Das war eine Beschimpfung des ganzen männlichen Geschlechts, und so strafte man’s auch.“
Die Volksgerichte kamen jedoch nach und nach in Abgang und wurden von der Landeshoheit allmählich ganz abgeschafft, worauf sie sich dann trotz Verbotes in der Heimlichkeit als sogenannte Winkel-, Narren- und Geckengerichte noch lange Zeit erhalten haben. So war auch das in Darmstadt weiland bestandene Gericht des „Bösen Hunderts“ nichts anderes als ein solches von Stadt- und Landesherrschaft geduldetes Winkelgericht, das die anerkannte Befugnis besaß, schlagfertige Weiber in der genannten Weise zu bestrafen.
Mit der Einbuße seines offiziellen Charakters kam jedoch dieses veraltete Rechtsverfahren nach und nach in Verfall. Niemandem wird es heute mehr einfallen, einem unterwürfigen Ehemann, weil er seine Hosen an die Frau abgetreten, deswegen auf das Dach steigen zu wollen, noch die Last der bösen Weibsgewalt einem Esel aufzubürden. Hs.
Bergbau im Odenwald
Wenn wir heute von den „Vierstöck“, von der Kinziger Gegend kommend, über die sogenannte Geißwiese nach Rohrbach und weiter nach dem Rotenkandel, einem Forsthaus bei der Wegscheide wandern, treffen wir des öfteren sonderbare tektonische Erhebungen, große mit Strauchwerk und kleinen Bäumen bewachsene Halden, eingesunkene Gräben und Löcher, in denen sich das Regenwasser sammelt und andere Vertiefungen an. Wie dann die meisten richtig vermuten, handelt es sich hierbei um die Ueberreste einer blühenden Bergwerkszeit um die vorige Jahrhundertwende.
Damals wurde in diesem Gebiet in mehreren Stollen unter Tage das Erz abgebaut. Aber viel früher, vor 1850 schon, sicher durch die schweren eisenhaltigen Gesteinsbrocken, die man heute noch überall findet, aufmerksam gemacht, begann der Abbau der erzführenden Schichten im Tagebau. In dem Herrnwald findet man heute noch sonderbare Erhebungen, deren Entstehung hierdurch leicht' zu erklären ist: Es sind dies die Abraumhalden, die damals überall aufgeschüttet wurden. Das allerdings nicht sehr eisenhaltige Erz, das im Tagebau gewonnen wurde, wurde in Rohrbach, in der Nähe des jetzigen Schulhauses, an Ort und Stelle verhüttet.
Doch bald danach übernahm die Firma Stumm, Neunkirchen/Saar, den Betrieb. Versuchsstollen und Bohrungen ergaben, daß sich unter den Schichten des Sandsteins — zwischen Sandstein und Granit — Zechsteindolomite und das obere Rotliegende befindet. Sämtliche älteren rotliegenden Schichten und damit auch alle Steinkohlenformationen fehlen ja bekanntlich im Odenwald. Den obengenannten Zechsteindolomit,, der als ein mehrfach unterbrochenes Band an der Sandsteingrenze von Schloß Heidelberg bis gegen Wald-Michelbach /Weschnitz, Vierstöck und Mittel-Kinzig zutage tritt, bedeckt ein graues Manganerzlager, das sich abzubauen lohnte.
Die Firma begann, großangelegt, ihren Abbau mit der Anlage von Stollen und Schächten. Um 1895 wurde der Schacht „Juno", der heute noch mit seiner Schutthalde aus dem Walde ragt und weit in die Täler blickt, ausgebaut. Um dieselbe Zeit und etwas später — um 1905 — wurden zwei Stollen und ein weiterer Schacht fertiggestellt, um den Betrieb rentabel zu gestalten. Der eine Stollen wurde bis zur Geißwiese vorgetrieben. Von dort sandte die Drahtseilbahn gespenstig-gleichmäßig und fast geräuschlos die Erze zur Bahn nach Bockenrod. Der Bauernhof, der sich an der damaligen Talstation befindet, wird heute noch „Drahtseils“ genannt.
Durch die Kriegswirren des ersten Weltkriegs verursacht, lag der Betrieb einige Jahre still. Doch schon im Jahre 1916 wurde die Förderung wieder aufgenommen. Leider aber nur für kurze Zeit, denn der Roheisenbezug aus dem Ausland stellte sich einfacher und billiger, als die Förderung und Gewinnung des Erzes im Inlande.
In den Jahren 1944/45 unternahm ein Steiger aus Rohrbach, der die Verbindung mit der Firma noch innehat,'einen Heute ist nun wieder alles in Vergessenheit geraten. Die Schätze des Odenwaldes schlummern weiter im Schoß der Erde. Möglich wäre es, den vielen Arbeitslosen des Bezirkes Reichelsheim durch Wiederaufnahme der Arbeit Unterhalt zu gewähren. Denn nicht nur der Abbau des Manganerzes, sondern auch der Abbau der - Schieferlett-Tonschicht, die bei der Vierstöck zutage tritt und dort heute noch abgebaut und zur Verarbeitung versandt wird, würde sich lohnen. Der rote Ton bedeckt die Manganerzlager und sein Abbau würde schon sämtliche Unkosten in der Abtragung des Erzes decken.
Der Schwarze Ort
Als „Schwarzer Ort“ wird heute noch vom Volksmund eine Stelle im Rhein bezeichnet, die sich unweit von Hamm, nördlich von Worms, im Strombett befindet. Mit diesem jahrhundertealten Namen hat es eine besondere Bewandtnis, finden wir doch seinen Ursprung im Nibelungenlied.
Wir wissen aus der Sage, daß Kriemhild auch nach der Ermordung Siegfrieds am Königshof in Worms verblieb. Allerdings ließ sie den unermeßlichen Schatz der Nibelungen, der bisher von dem Zwerg Alberich im Stammland ihres Gatten am Niederrhein bewacht wurde, nach der Residenzstadt ihrer königlichen Brüder schaffen. Hier verteilte die liebreiche Königin große Teile ihres Schatzes an Arme und Reiche, denn „das Geben ist ihr ein Trost in ihrem Leide“. Solches Handeln aber erregte den Groll Hagens aufs neue. Er befürchtete, daß Kriemhild beim Volke so hoch in Gunst kommen könnte, daß das Ansehen der drei Könige darunter'leide. Seinem Rat, sich des Hortes zu bemächtigen, widersetzten sich Gunther und Giselher. Lediglich Gernot sah einen Ausweg darin, daß man den Schatz im Rhein versenkte. Und das geschah schon bei der nächsten Abwesenheit der drei Könige, die der grimmige Hagen geschickt ausnutzte. In der Nibelungensage ist zu lesen:
„Eh der reiche König war gekommen, Derweil hatte Hagen den ganzen Schatz [genommen.
Er ließ ihn versenken ze Loche in den [Rhein.
Er wähnt es sollt ihm nützen, das [konnte aber nicht sein.“
An diesem Ort „ze Loche“, der in dem Vers erwähnt wird, befanden sich zwei Dörfer: Klein-Lochheim und Groß-Lochheim. Sie wurden schon im Lorscher Kodex genannt, gingen aber im Wandel der Geschichte durch die häufigen Ueberflutungen unter. (Für diesen Umstand spricht schon der Name Lochheim, der nichts anderes besagt, als daß beide Dörfer in einer Senke lagen und deshalb den Unbilden des Wassers eher ausgesetzt waren.)
IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Ein großer Mensch ist derjenige, der sein Kinderherz nicht verliert llllllllillllllllillllllllllllllllllllllllllilllllllllltlllllllllllllllllllllllll
Dort also ist der „Schwarze Ort“, an dem Hagen den Schmuck, das Gold und die Edelsteine den Fluten übergab. Es ist der Ort, von dem Großväter und Großmütter in Dämmerstunden ihren Enkeln erzählen, daß man an sonnigen Tagen die Kostbarkeiten auf dem Grunde des Flußbettes glitzern sehe. Viele waghalsige Männer haben schon versucht, danach zu tauchen. Allein schon den Versuch, so überliefert die Sage, mußte ein jeder von ihnen mit dem Leben bezahlen. Jakob Muth
An wieviel Schönheit gehen wir täglich blind vorüber, und selbst wenn wir die Hand darauf legen, nehmen die Augen sie nicht wahr, weil die Gedanken anderen Dingen nachlaufen. Da sind nun Türschloß und Türklinke aus einer Straße in Dieburg. Wieviele Hände umschließen täglich Einlaß begehrend den Griff, und wie wenige Menschen kennen wohl diese kunstvolle Handwerkerarbeit! Es tut wohl, sie anzuschauen, die Klinke in Biattwerk auslaufend, von Blumen geziert der Rand des Beschlages, wie wir sie aus volkstümlichen Mustern kennen. Die Arbeit verlockt, mit dem Finger die kräftig und fein geschwungenen Linien zu verfolgen, die Schweifung des Griffs, die einwärts gelegten Bogen des Beschlages. Metall und Holz in dieser Verarbeitung stimmen zusam™cn Uyd machen die Tür mit Griff und Schloß zum Zeugen handwerklichen Könnens und Kunstsinns. Längst starben die Meister, die hier geschafft haben. Aber ihr Werk besteht in alter Schönheit und dient heute wie ehe dem Ausgang und Eingang der Menschen.
DAS DT MÄRCHENSCHIFF
Der Wenn
Ihr kennt ihn alle, den winzigen Kobold, der „Wenn“ heißt. Überall ist er zu treffen, und jeder ruft ihn täglich an die hundertmal bei Namen: „Wenn morgen die Sonne scheint...“, „wenn ich verreisen darf ...“, „wenn meine God kommt...“, und der Wenn ist immer vergnügt und richtet es ein, so gut er kann.
Aber seht, da war der kleine Heiner. Er hatte nichts zu tun, als die Gänse des Dorfes zu hüten. Er gab gut acht auf die Tiere, aber er träumte auch viel vor sich hin, und dabei rief er den Wenn wohl tausendmal, bis es dem Kobold zuviel wurde und er dachte: „Wart, mein Heiner, dir will ich’s zeigen!“
Als der Heiner wieder träumte: „Wenn ich König wäre..stand er auf einmal da im Purpurmantel und mit einer Krone auf dem Kopfe. Verwundert schaute er drein, denn ringsum war die grüne Weide, und die Gänse schnatterten wider ihn, weil sie ihn nicht mehr kannten. Sie zischten und sperrten die Schnäbel nach seinem Pupurmantel.
„Wenn ich doch weit fort wäre und auf hohem Rosse in mein Schloß einziehen könnte!“ rief der Knabe, und schon geschah es: Vor ihm lag das prächtigste Schloß mit Türmen und Zinnen. Seine Tore standen weit offen, und Heiner saß hoch zu Pferde, das mit ihm dahinsprengte.
Er mußte sich festhalten, um nicht herunterzufallen, und das sah nicht sehr königlich aus. Die Leute liefen vom Felde herzu an die Straße und lachten. „Sie sollten mich als ihren König ehren“, dachte er unwillig, aber sie schienen n cht dazu bereit. „Wenn ich doch reiten könnte“, knirschte er durch die Zähne, aber davon ging es nicht besser, und in sein Ohr tönte ein rechtes Koboldgelächter.
„Wenn nur das Roß richtig vor der Treppe anhält und Diener bereitstehen, mir herunterzuhelfen“, wünschte Heiner, und wirklich hielt das Pferd am rechten Ort. Diener stürzten herbei und hoben ihn aus dem Sattel. Sie geleiteten ihn in den Saal, wo er sich auf dem Thronsessel niederlassen konnte, und dann fragten sie nach seinen Befehlen.
König Heiner I. besann sich eine Weile, aber es wollte ihm nichts einfallen als zu sagen: „Ich bin sehr hungrig und möchte zu essen haben.“
Die Diener schauten einander an, schüttelten mißbilligend die Köpfe, und der Haushofmeister sagte: „Halten zu Gnaden, Majestät, an der königlichen Tafel wird erst um 1 Uhr gespeist. Jetzt ist es elf Uhr, und die auswärtigen Gesandten warten im Vorzimmer. Wollen Majestät die hohen Herren von Aprikosien
empfangen, oder liegt Majestät daran, zuerst über die Streitigkeiten mit Kaktusana zu verhandeln?“
Der Heiner riß die Augen auf. Aber dann setzte er sich gerade auf seinem Thron und erwiderte mit Ernst: „Erst bitte Aprikosen.“
„Majestät dürfen nicht beleidigend werden, es handelt sich um den uns befreundeten Staat Aprikosien“, tadelte der Haushofmeister und stieß seinen Stab auf den Boden; lautlos öffneten sich die Türen, und die glänzende Gesandtschaft von Aprikosien trat über die Schwelle. Die Herren verneigten sich tief und verharrten in gebückter Haltung. Der Haushofmeister räusperte sich, die Diener blickten König Heiner wartend an, und er wußte nicht, was zu tun war. „Stellt euch gerade hin und sagt, was ihr wollt“, brachte er schließlich heraus.
Der Haushofmeister schüttelte den Kopf. „Die Herrschaften sind gewohnt, sehr höflich auf Aprikosisch angeredet zu werden“, sprach er strenge. „Aprikosisch?“ fragte König Heiner I. zaghaft, „das habe ich nicht gelernt. Wenn ich doch Aprikosisch könnte!“ Aber es kam kein Wort Aprikosisch über seine Lippen, und hinter dem Throne lachte es wieder gerade so, wie er es auf dem Pferd gehört hatte.
„Apri katapri kosena Majestät Heiner I. neisoki okirpa“, sagte der Haushofmeister würdevoll in wohlgesetztem Aprikosisch, worauf sich die Gesandtschaft mit vielen Verneigungen zurückzog.
„Es ist unmöglich, was sich Eure Majestät erlaubten“, schalt der Haushofmeister. „Ich habe Euch mit Kopfschmerzen entschuldigt, aber es kann sein, daß die Regenten von Aprikosien diese Entschuldigung für Euer Verhalten nicht gelten läßt. Dann entsteht großer Schaden für das Land“, und er stieß seinen Stab wieder auf den Boden.
„Ich will niemanden mehr sehen!“ rief Heiner und sprang auf. Aber da trat schon der Außenminister von Kaktusana herein und überbrachte auf der Spitze des Degens einen Brief mit dem Stachelwappen seines Landes.
„Das bedeutet Krieg", flüsterte der Haushofmeister, „erteilt eine kluge Antwort, Majestät!“
„Wenn ich doch wüßte, was da zu tun ist“, dachte König Heiner verzweifelt. Aber es fiel ihm nichts ein. Nur das Koboldlachen hörte er wieder, und dann wisperte es in sein Ohr: „Was einer gern möchte, das kann der Wenn schon einmal einrichten, aber was einer nicht gelernt hat und nicht weiß, das kann ihm der Wenn auch nicht schaffen.“
„Ach, du liebe Zeit“, sagte der Heiner, „und ich habe wirklich nicht gelernt, König zu sein. Reiten kann ich auch nicht und Aprikosisch sprechen, und was dem Außenminister von Kaktusana auf seine Kriegserklärung zu antworten ist, weiß ich auch nicht. Das mag ja gut werden! Wenn ich bloß wieder bei meinen Gänsen auf der Weide säße!“
Und kaum hatte er ausgesprochen, so waren Schloß und Thron, Dienerschaft und die Leute von Aprikosien und Kaktusana verschwunden, und mein Heiner rieb sich die Augen.
„Da habe ich noch einmal Glück gehabt“, seufzte er auf, als er Anger und Gänse erkannte. „Hab Dank für die Lehre, lieber, kleiner Wenn!" rief er, „vor mir hast du künftig deinen Frieden mit so großen Dingen!“, und er meinte fast, ihn noch einmal lachen zu hören, den winzigen Kobold, der „Wenn“ heißt.
Margarete Dierks.
Postsock vom Morchan-Schiff
Ihr habt gewiß alle schon einmal etwas vom Druckfehlerteufelchen gehört, das sein Unwesen mit allem Gedruckten, den Büchern und Zeitungen treibt. Auch auf unser „Märchenschiff“ ist das Druckteufelchen schon gesprungen und hat uns gar bei der letzten Fahrt einen argen Streich gespielt! Ihr habt es sicher selbst bemerkt: vom Märchen „Der Faule und der Fleißige“ hat es einfach den ganzen Schluß weggehext, so daß Ihr gar nicht lesen konntet, wie die Sache mit den beiden Gesellen und dem Schlosse des Glücks ausgegangen ist. So haben wir nun den Schluß heute in den Postsack gepackt, und hier ist er:
Der Faule und der Fleißige (Schluß) Schon schlug die Turmuhr den ersten der zwölf Mitternachtsschläge. Da drückte er der Schnecke die Fersen in die weichen, schwammigen Seiten. Die aber war solche Behandlung nicht gewohnt, zog sich mit Kopf und Kragen in ihr Haus zurück und ließ den Reiter zu Boden
gleiten. Jetzt brummte die Turmuhr den zweiten Schlag, und der Faule hätte gewiß noch sein Ziel zu Fuß erreicht, wenn er sich nur flink auf den Weg gemacht hätte. Aber nein, da stand er und jammerte: „Ein Tier, ein Tier, das mich zum Schlosse trägt!“
Der Mond war wieder hinter den Wolken verschwunden. Da regte sich etwas neben dem Faulen. Er griff danach und fühlte, daß es ein Tier war wie ein gepanzertes Roß, so groß und hart.
Er schwang sich hinauf, und als die Turmuhr den vierten Schlag herüberdröhnte, tat es einen Schritt vorwärts, beim fünften blieb es stehen und beim sechsten begann es, rückwärts zu gehen. Der Mond kam wieder hervor, und in seinem Scheine meinte der Faule, daß sein Tier ein gewaltiges Ungeheuer sei, das ihn mit großen Scheren festhielt. Er schrie vergebens nach Hilfe, das Tier entfernte sich mit ihm immer weiter von dem Schlosse, das er vor sich liegen sah. Dort stand das Tor geöffnet, und sein Geselle winkte ihm im Hineinschreiten mit der Mütze. Gleich darauf erscholl der zwölfte Schlag, und donnernd schlugen die Torflügel zu.
Nun war ihm der Eingang für immer verschlossen, und als er beim Mondenscheine das Tier, auf dem er saß, genauer betrachtete, erkannte er, daß es ein ungeheurer Krebs war. Kein Mensch weiß, wie die Reise des Faulen auf dem Krebs ■weiter verlaufen ist.
Der Fleißige aber ward auf dem Schlosse wohl aufgenommen und köstlich bewirtet, und die schöne Herrin soll ihm Zeit seines Lebens gewogen gewesen sein und ihm geholfen haben, große Dinge zu verrichten und seinen Mitmenschen Freude zu machen. *
Das Pflanzenrätsel, das Euch beim letzten Male aufgegeben war, meint die Heidelbeere oder Blaubeere. Das habt Ihr gewiß schnell raten können. Diesmal hat das Märchenschiff ein Bild zum Raten mitgebracht!
Suchbild:
Heiner hat die Enten zu hüten; 6 sind ihm davongelaufen. Wer hilft sie finden?
Die Sendeprogramme vom 10. bis 16. September 1950
Hessischer Rundfunlk (Frankfurt, Kassel, Fritzlar)
Mittelwelle: 208,5 m (1439 kHz)
UKW-Sender: Feldberg 95,7 MHz, 3-m-Band
Tagessendungen: 5.30 Uhr Morgengruß, Nachrichten, Wetter, Musik (Sonntag 6.00 Uhr), 6.00 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 6.30 Uhr Nachrichten, Wetter, 7.00 Uhr Rundschau (Sonntag 7.10). 7.10 Uhr Programmhinweise, 7.15 Uhr Frühkonzert, 8.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 8.10 Uhr Wasserstände, 8.15 Uhr. Musik, 9.00 Uhr Nachrichten, Wetter, 9.15 Uhr Suchmeldungen, 11.45 Uhr Der
hessische Landbote (Sonntag 10.45 Uhr). 12.35 Uhr Rundschau aus dem Hessenland, 12.45 Uhr Nachrichten, Wetter, 13.50 Uhr Pressestimmen, 14.45 Uhr (außer Samstag) Suchmeldungen, 15.15 Uhr (außer Samstag) Börse, 17.45 Uhr Nachrichten, 19.00 Uhr Stimme Amerikas, 19.30 Uhr Rundschau, Nachrichten, 22.00 und 24.00 Uhr Nachrichten. Samstags Sendeschluß 1.00 Uhr.
Sonntaq, 10. Sent.
6.00 Morgenständchen 7.20 Frühkonzert 8.15 Aus dem religiösen Leben 8.30 Ev. Morgenteier 9.15 Kindergeburtstag 9.30 Dichter der Naturverbundenheit 10.00 Kammermusik-Matinee 10.30 Erinnerung und Verpflichtung 11.15 Flughafenkonzert 12.15 Musikalische Bagatellen 13.00 Musik nach Tisch 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung 14.30 „Ade, liebe Kinder, so rufet der Storch" 15.15 „Meister ihres Faches" 15.45 Das perpetuum mobile 16.00 Tanztee 17.00 Musikalischer Zeitvertreib dazwischen Sportreportagen 20.00 Operettenrevue 21.00 Zwischen Abend und Morgen 21.20 Johannes Brahms, Konzert für Violine und Orchester 22.10 Sportberichte 22.30 Claire Waldoff 23.00 Melodie zur Mitternacht
Montaq, 11. Sept
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.40 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: USA — Wir gehen in die Schule 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Jazz I 14.45 Kindersuchdienst 16.00 Tanzrhythmen — sinfonisch 16.45 „Jons und Carola" und „Das Krokodil" Zwei Geschienten 17.00 Der Tageslaut im Lied und Wort 18.00 Auf den Straßen Frankreich! 18.30 Zum Feierabend 20.00 „Gut aufgelegt!" 21.00 Dolf Sternberger spricht 21.15 Olga — Polka 22.15 Neue Musik aus Frankreich Portugal und Griechenland 23.00 Zärtliche Weisen
Dienstag, 12. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Jazz I 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Stimmen des Alltags 14.15 Schulfunk: Wie sprechen wir? 15.10 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 16.00 Zwei russische Orchesterwerke 17.00 Bücherstunde 17.15 Kleine Stücke im Volkston 18.00 Warum haben manche Menschen immer Glück? 18.15 Gewerkschaftsfunk 18.30 Fröhliche Musik 20.00 Ein Tanzpotpourri mit Willy Berking 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21.05 Unterhaltungsmusik aus England 21.30 Ping — Pong 22.15 Das Abendstudio
Mittwoch, 13. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert « 8.10 Morgenmusk 9.05 Fünf Minuten Außenhandel, anschl. Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Wie sprechen wir? 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Sport aus aller Welt 13.10 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleines Solistenkonzert 14.15 Schulfunk: Paul Eipper erzählt: Von Katzen 14.45 Das Rote Kreuz forscht nach Vermißten 15.05 Kanadische Sendung 15.20» Unterhaltende Musik 15.45 Hoppla, die Purzel sind da 16.00 Schule und Elternhaus 16.15 Unterhaltungskonzert 17.00 Aus der Landeshauptstadt 17.15 Fröhliches Spiel 18.00 Der werktätige Mensch 18.20 Entspannende Musik 20.00 Sinfoniekonzert 21.50 Das moralische Telefon 22.15 Die Kurbel 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz
Donnerstag, 14. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Schulfunk: Paul Eipper erzählt: Von Katzen 12.00 Musik am Mittag 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau, anschl. Musik 14.15 Schulfunk: Im Westen nichts Neues 5.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrophon 16.00 Hausfrauenkonzert 16.50 Schlaf — ohne Tabletten 17.00 Musikalische Ansichtskarten 18.00 Hörerlieblinge 18.15 Aus der Wirtschaft 18.25 Zeit im Funk 18.30 Das kleine Ensemble • 10.00 Der Wunschzettel 21.00 Blick auf Europa 21.10 Unterhaltungsmusik von heute 21.45 Passiert — Glossiert 22.15 Kompositionen von Hermann Heiß, Walther Geiser und Frank Martin 23.00 Nachtkabarett mit den „Amnestierten" 23.15 Tanzmusik
Freitag, 15. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Gymnastik 7.15 Frühkonzert 8.15 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 9.45 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 11.15 Schulfunk: Im Westen nichts Neues 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 14.00 Das Panorama 14.15 Schulfunk: USA: Aus unserer Freizeit 16.00 Zeitgenössische Kammermusik 16.45 Für junge Menschen 17.00 Froh und heiter 17.40 „Man spricht von .. 18.00 Funk-Feuilleton 18.30 Rhythmische Klänge 20.00 Zur Erinnerung 21.00 Kommentar von Mr. Boerner 21.05 Abend, Nacht und Morgengrauen 22.15 Ballettmusiken 23.00 Sprechen und Sprache 23.15 Der Jazzclub
Samstag, 16. Sept.
5.30 Musik für Frühaufsteher 6.45 Sportvorschau Morgenständchen 7.15 Frühkonzert 8.10 Morgenmusik 9.00 Unterhaltungsmusik 11.15 Das Magazin des Schulfunks 12.00 Musik zur Unterhaltung 13.00 Musikalisches Allerlei 13.40 Sportvorschau 14.00 Kleine Anzeigen der Hessenrundschau 14.15 Klingendes Wochenendbrevier 15.00 Das aktuelle Interview 15.10 Musik zu Dritt 15.30 Volkstümliches Wissen 16.00 Bunter Nachmittag 18.00 Recht für jedermann 18.15 Fröhlich und herzhaft 20.00 Von Honolulu bis Haiti 21.00 Familie Hesselbach 21.30 Von der Zither bis zum Dudelsack 22.10 Sportergebnisse 22.20 Chansons und Musette 23.00 Tanz zum Wochenende
Südwestdeutscher Runedfunk
Mittelwelle: 295 m (1016 kHz), 251 m (1196 kHz), 195 m (1538 kHz)
(Baden-Baden, Freiburg, Koblenz, Kaiserslautern
Nachrichtensendungen: 6.00, 7.00, 8.00, 12.45 Uhr 22.00, 24.00 Uhr
12.20 Volksmusik und Chorgesang 13.30 Operettenmelodien 14.15 Frohe Melodien 17.00 Das - Unterhaltungs-Orchester 18.00 Das Buch der Woche 18.15 Die Sportreportage 19.20 Deutsche Volkslieder 20.00 Straßburger Bachtest 1950 23.00 Andrü Maurois: „Kursus über Eheglück" (II) 23.30 Fröhlicher Ausklang! Vom Sonntag zum Montag
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch „ ~ ~ „ . ... _ 15.30 Musik affl Nachmittag 17.20 Solistenkonzert 18.20 Aus der Welt des Sports .. „ . . . 18-30 zum Feierabend 20.00 Musik für dich! 2i oo Aus der Welt der Ooer P 22.30 Klaviermusik 22.45 Nachtgespräch
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Sinfonie-Konzert 16.30 Sang und Klang Im Volkston 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operetten-Konzert 20.45 Hörspiel: „Moby Dick“ 22.30 Neues Musiktheater 23.25 Jazz 1950!
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Musikalische Teestunde 17.15 Solistenkonzert 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Johann Sebastian Bach Zum 200. Todestag 22.30 Klaviermusik 22.45 Nachtgespräch 23.15 Tanzmusik aus Paris
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Kinderliedersingen 15.30 Nachwuchs stellt sich vor 16.15 Nachmittags-Konzert 17.15 „Virtuose Musik“ 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein Tanzabend 21.10 Der Schallplattenfreund 22.30 Werke von Wolfgang Amadeus Mozart
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Südliche Melodien 15.30 Musik zur Teestunde 16.30 Klaviermusik zu vier Händen 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Kammermusik 20.45 Die Pfalz im Spiegel der Geschichte, Hörfolge 21.30 Volksmusik und Chorgesang 22.30 „Die Claire“ — Ein Lebensbild Claire Waldoffs
12.20 Mittags-Konzert 13.15 Beliebte und bekannte Scballplatten 14.30 Frohes Wochenend 15.15 Opernmelodien 16.00 „Unser Samstagnachmittag" 17.15 Sang und Klang im Volkston 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 „Unser Samstagabend" 22.30 Der SWF bittet zum Tanz! 0.10 Berlin spielt auf!
Süddeutscher Rundfunk
Mittelwelle: 522 m (575 kHz)
(Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg-Mannheim)
Nachrichtensendungen: 5.20, 6.55, 7.55, 9.00,212.45 Uhr 17.55, 19.45, 21.45, 23.45 Uhr
12.00 Musik am Mittag 13.00 Kurt Wege mit seinen Solisten 14.00 Stunde des Chorgesangs 15.00 Ein vergnügter Nachmittag 17.00 „Durst" Ein Kammerspiel 18.10 Haydn — Schubert 20.05 Ein Bunter Abend 21.45 Nachrichten 22.00 „Die Kerkerfuft des Bösen." Eine Gedenksendung füt dir Opfer des Faschismus 22.30 Virtuose Orchestermusik 23.00 Die Rundfunktanzkapelle
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.00 Mozart und seine badischen Zeitgenossen 19.30 Quer durch den Sport 20.00 Fröhlich fängt die Woche an 21.00 Abschied von Kriegsmemoiren 21.15 Rendezvous am Montagabend 22.00 Zeitgenössische Musik 23.15 Liederstunde
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.15 Johann Sebastian Bach 18.15 Klänge der Heimat 20.00 Musikalische Festwochen 1950 in Luzern. „Faust Verdammung.“ Von Hector Berlioz 22.05 Blick in die Welt 22.15 „Das Fenster ohne Scheiben." Ein Kriminalhörspiel 22.45 Melodien zum Träumen
12.00 Musik am Mittag 16.15 Schweizer Kammermusik 17.15 Kleines Orchesterkonzert 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 Künder europäischen Geistes: Stefan Zweig 21.00 Für musikalische Feinschmecker 22.00 Das Kammertanzorchesler 23.00 Orchsterkonzert
12.05 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskonzert 17.05 Kompositionsstunde 18.00 Unterhaltungsmusik 20.00 Die Leute von nebenan 20.30 Eins nach dem anderen 21.50 Blick auf Europa 22.00 Das Sunkstudio: „Traum am Edsin-Gol.“ Von Günther Eich 22.40 Hans Pfitzner 23.00 So ein Zufall!
12.00 Musik am Mittag 16.00 Nachmittagskkonzert 17.00 Froh und heiter 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 Symphoniekonzert 21.05 Dichter pfälzischer Mundart 22.00 Tanzmusik 22.45 Der Alltag schreibt Geschichten 23.15 Tanzmusik
12.00 Mbsik am Mittag 15.00 Unsere Volksmusik 16.00 Teekonzert 17.00 Melodien von Leo Fall 20.00 Ein Tanzaben „ 22.00 Die schone Stimme 22.30 Das Streichorchester
Wirtschastsblatt
Die IG-Entflechtung
Frankfurt, 8. Sentomhor «rx T letzten Tagen haben, wie aus eu/unter” richteten Kreisen verlautet, zwischenden deutschen und alliierten Stellen neue Verhandlungen über die Aufteilung und i“0” der IG stattgefunden. In diese Besprechungen hat auch Bundeswirtschaftsnrnmster Professor Erhard eingegriffen, der eine umfassende Berück-F^di^An den Gutachtens des deutschen Fard p-Ausschusses gefordert haben soll. Die Vorschläge des Fardip-Ausschusses sehen eine Erhaltung der drei Kernstücke der früheren IG vor, und zwar die Main-Gruppe mit den Werken in Höchst, Griesheim, Mainkur, Offenbach und Knappsack, die Niederrhein-Gruppe mit Leverkusen, Verdingen, Dormagen und die Ludwigshafener Werke. Nur in dieser Form halt der Ausschuß die Reststücke der IG für lebensfähig. Die Wirtschaftssachverständigen der Oberkommission sollen ihre Bereitwilligkeit erklärt haben, die deutschen Unterlagen noch einmal zu prüfen.
Frühtraubenlese hat begonnen
JK. In der Rheinpfalz begann der Malinger- oder Malengra-Herbst, die Lese der frühreifsten Traubensorte, die in Deutschland angebaut wird. Das Mengenergebnis ist außergewöhnlich reichlich. Im Durchschnitt wird je Morgen der dreifache Ertrag des vergangenen Jahres erzielt. Die Qualität läßt dagegen zu wünschen übrig. Die Mostgewichte schwanken zwischen 50 und 60 Grad Oechsle. Schon jetzt steht fest, daß der 1950 er Malengra kein selbständiger Wein wird. Er muß vielmehr verbessert werden. x
Der hohe Mengenertrag beim .Frühherbst läßt erwarten, daß der diesjährige Weinherbst auch bei den späten Sorten (Riesling und Silvaner) das Durchschnittsergebnis des vergangenen Jahres übertreffen wird. An der Mosel und auch in einigen anderen Gebieten, in denen der Schädlingsbefall und Unwetterkatastrophen den Ertrag wenig beeinflußt haben, rechnet man mindestens mit der doppelten Ernte des vorigen Jahres.
Hoher Gewinn der Weltbank
Paris, 8. September. (AP) Die Internationale Wiederaufbaubank hat in den fünf Jahren seit ihrer Gründung Anleihen in einer Höhe von 965 800 000 Dollar ausgegeben. Bis zum 30. Juni dieses Jahres hatte die Bank einen. Reingewinn von 27 339 492 Dollar erzielt.
Haftung für Stromschwankungen. Da die Versicherungsgesellschaften Schadensansprüche für zerstörte Geräte ablehnten, klagen Geschädigte gegen die Stadt Weilburg. Sie wollen einen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen.
Die Sabawerke in Villingen wollen die Produktion aus der französischen Zone heraus verlegen. Die Werkleitung hält es für zweifelhaft, daß sie selbst bei Erstellung eines Neubaues anstelle des von den Franzosen beschlagnahmten Fabrikbaues, vor weiteren Beschlagnahmen geschützt sei.
Eine Konferenz über die Lage am internationalen Wollmarkt soll in Kürze nach London einberufen werden.
Anleihepläne der Bundesregierung
Anleihestücke mit Steuervergünstigung und Schatzanweisungen
b. Während der ordentliche Bundesetat für 1950/51 noch sorgfältig analysiert werden wird, ist beim außerordentlichen Etat, der mit 720 Millionen DM abschließt, kaum mehr viel zu ändern. Er setzt sich lediglich aus zwei großen Hauptposten zusammen: Aus einem Betrag von 420 Millionen DM für Straßen-, Brücken- und andere Bauten sowie für die Finanzierung des deutschen Schiffsbaues und aus 300 Millionen DM, die zur Weiterführung der Subventionierung bis 31. März 1951 notwendig sind.
Der außerordentliche Etat wird dadurch gekennzeichnet, daß ihm vorerst jegliche Deckungsmittel, außer 16 Millionen DM Gegenwerte, fehlen, so daß 704 Millionen DM offen bleiben. Teilweise werden aber die im außerordentlichen Etat zu deckenden Ausgaben schon jetzt getätigt und durch Kassenmittel des Bundes vorfinanziert. Dies ist jedoch nur eine Übergangslösung, die nicht mehr lange anhalten kann, denn der Kreditpfand* von 1,5 Milliarden DM der Bundesregierung ist so gut wie ausgeschöpft.
CI 140 V4l vz-C v« Es ist deshalb daran gedacht, den Subventionsbetrag von 300 Millionen DM durch Ausgabe von Bundesschatzwechsel zu gewinnen. Die Unterbringung eines solchen kurzfristigen Wechselbetrages am Geldmarkt wird erfahrungsgemäß keine großen Schwierigkeiten bereiten. Die Rückzahlung soll zuderft zügig aus den erwarteten Mehrsteuereinnahmen erfolgen.
Der sogenannte produktive Teil des außerordentlichen Haushalts, bei dem noch 404 Millionen DM gedeckt werden müssen, soll nunmehr endgültig durch die erste Bundesanleihe der Bonner Regierung finanziert werden. Haushaltsrechtlich ist dies der übliche Weg. Die Schwierigkeit für diese erste Anleihe besteht jedoch darin, daß der Finanzminister kaum Zeit hat, eine solche Anleihe intensiv vorzubereiten. Allein der Druck von Zertifikaten kostet neben Geld auch viel Zeit. Vor allem aber ist der Kapitalmarkt nach wie vor sehr steif.
Der Bundesfinanzminister hat daher nach Auswegen gesucht und will die Anleihe in drei verschiedene Tranchen aufgliedern. In Anlehnung an die günstigen Erfahrungen mit Kleinstwertpapieren im Ausland wird die erste Tranche aus sogenannten „Babybonds“ bestehen, die zu 10, 20 und 50 DM gestückelt werden. Ihre Laufzeit beträgt voraussichtlich fünf Jahre. Die Verzinsung fünf Prozent. Der Käufer des Bonds wird aber auch die Möglichkeit haben, bei Verzicht auf Zinsen an einer laufenden Verlosung der Kleinstücke teilzunehmen. Der Finanzminister hofft auf diese Weise den Spieltrieb weiter Bevölkerungskreise seinem Anleihezweck nutzbar zu machen, wobei Sparkassen, Banken und die Post als Verkaufsstellen des Bundes fungieren sollen.
Wie hoch der auf diese Weise zu gewinnende Betrag anzusetzen ist, bleibt selbstverständlich offen. Einen höheren Gesamtbetrag als aus der „ Babybond-Emission" verspricht sich der Bundesfinanzminister aber von der zweiten Tranche, die in Form normaler Anleihestücke aufgegelegt werden soll und wahrscheinlich eine Stückelung von 100 bis 10 000 DM auf weisen wird. Auch hier ist der Zinssatz auf fünf Prozent begrenzt worden. Weiter wird eine Steuervergünstigung in der Form gewährt, daß von den halbjährlichen Zinszahlungen gleich ein Steuerbetrag in Höhe von 25 Prozent einbehalten wird. Damit ist die Versteuerung der Zinseinnahmen abgegolten.
Außerdem soll der Geldmarkt helfend einspringen und bis zum Spätherbst wenigstens 200 bis 250 Millionen DM liefern. Die dritte Anleihetranche wird daher in Form von unverzinslichen Bundesschatzanweisungen (sogenannten U-Schätze) dem Geldmarkt angeboten werden. Die Laufzeit wird 6,8, 12, 18 und 24 Monate betragen, also einem normalen mittelfristigen Kredit entsprechen. Die Verzinsung erfolgt in der Form, daß ein niedriger Ausgabekurs vorgesehen ist.
Neubau der Gehaltstarife gefordert
Eine Stellungnahme der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft
Die Deutsche Angestelltengewerkschaft Hamburg hat eine ausführliche Stellungnahme über die Frage der Preise und Gehälter an die Bundesregierung und den Bundestag weitergeleitet. Darin heißt es, daß die augenblicklichen Preissteigerungen. die für die Angestellten eine Reallohnsenkung bedeuten, scharf getrennt werden müssen von dem Problem des Gehaltstarif-Neubaues, der auch ohne die gegenwärtigen Preissteigerungen für unbedingt notwendig gehalten wird.
Die Frage nach der Erfüllbarkeit von Tarifforderungen hängt nach Ansicht der Angestelltengewerkschaft eng mit der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zusammen. Die Umstellung des Aktienkapitals im Verhältnis 1:1 in den meisten Fällen, die Aktienkurssteigerungen an der Börse, die Bereitschaft der Unternehmer, Ueberstunden zu zahlen, die Erfolge der betrieblichen Rationalisierung, die bessere Ausnutzung der Werkkapazitäten, die Kostensenkung durch die Steuerreform und schließlich der beträchtliche Aufwand der Unternehmen und Unternehmer seien Beweise dafür, daß die Unternehmen höhere Gehälter zahlen könnten. Der Gehaltstarifneubau solle nicht den Zweck haben, nur eine günstige Konjunkturphase und eine Zwangslage auszunutzen. Der Neubau sei bisher durch die Zurückhaltung der Angestellten unterblieben. Die Gewerkschaft würde es bedauern, erst über Arbeitskämpfe diese Ueberzeugung durchsetzen zu müssen. Die Gewerkschaft hält es für notwendig, mit den Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen und nicht abzuwarten. bis die Situation restlos verfahren ist.
Schrottpreise werden schärfer kontrolliert
Bonn, 8. September, (zr.) Der Bundeswirtschaftsminister hat einen besonderen Prüfungsstab eingesetzt, der die Innehaltung der Höchstpreisanordnung im Schrottbandel kontrollieren und bei Feststellungen von Verstößen schärtste Strafen bis zur Geschäftsschließung verhangen soll.
100 000 Tonnen Aluminium-Auftrag
Bonn, 8. September, (zr.) Zwischen Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums und der Wirtschaftsabteilung der Oberkommission haben Verhandlungen über einen Aluminiumauftrag über 100 000 Tonnen stattgefunden, der von den Vereinigten Staaten erteilt worden ist. Die Ausführung des Auftrags war bisher daran gescheitert, daß Amerika sicht bereit war, die hohen Gestehungskosten für Aluminium in Westdeutschland anzuerkennen.
Kein Antrag auf Bunaproduktion
Bonn, 8. September, (zr.) Zu der R - teilung, daß zwischen dem - indeswirt-Schaftsministerium und den zuständigen alliierten Stellen gegenwärtig über e n Wiederaufnahme der Bunaproduk - verhandelt werde, erklärt die al Inerte Oberkommission, daß über die aufnahme der deutschen Bunaproduktio nur die Regierungen der Westmachte entscheiden könnten. Von Seite sei bisher ein entsprechender An trag nicht gestellt worden.
Der Jugoslawien-Kredit
Frankfurt, 8. 9. (F.A.Z.) Die Verhandlungen über die Gewährung e‘n®s . , sehen Kredits an Jugoslawien haben sich nach anfänglichen Schwierigkeiten docn noch günstig entwickelt Zwar wurde d« erste und zweite Vorschlag Jugo-j Min;O2 deutsche Waren im Wert von 100 Mil o nen und später von 65 Millionen Dol ar auf Kredit zu beziehen, infolge d greifens der Besatzungsmächte nicht, a zeptiert. Doch dürfte nunmehr ein Kre ditabkommen über 30 Millionen Dollar zustande kommen.
Rest-Stahllieferung für Sowjetzone
Düsseldorf, 8. 9. (vwd) Von den Stahllieferungen nach dem nach digen deutschen Stellen Verkurzfristigen Verhandlunge
tretern der Ostzonenbehörden die Auslieferung einer restlichen Stahlmenge von 30 000 Tonnen genehmigt- Es werden hauptsächlich Bleche, Rohre, Stabeisen, Formstahl und nur eine kleine Menge Edelstahl in die Sowjetzone ausgeführt. Das Walzmaterial ist auf der Grundlage der alliierten Weisungen geprüft. die Verhandlungen über das neue Interzonenhandelsabkommen beginnen voraussichtlich am 22. September. Vorverhandlungen sind bereits im Gange.
Die Gewerkschaften antworten
Düsseldorf, 8. 9. (hd) In einer offiziellen Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde die Erklärung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, die Gewerkschaften hätten die Entwicklung der realen Kaufkraft falsch dargestellt und könnten mit den Zahlen ihres eigenen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts geschlagen werden, als „billiger Propagandatrick“ bezeichnet. Die vom Bundesverband der Deutschen Industrie zitierten Zahlen seien nicht das Ergebnis von Berechnungen des Wirtschaftswissenschaftlichen Gewerkschaftsinstituts, sondern es handelte sich hierbei um die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, die in den Mitteilungen des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts d,er Gewerkschaften veröffentlicht worden seien.
Freie Autoeinfuhr nach Schweden
VWD Automobile aus der Bundesrepublik Deutschland und Italien können nach einer Bekanntgabe der schwedischen Industrie- und Handelskommission ab sofort bis auf weiteres unbeschränkt nach Schweden eingeführt werden.
Woll- und Kautschukhausse dauern an
Der Preisstand an den internationalen Rohstoffmärkten hat sich in der Woche zum 7. September wenig geändert; die Notierungen für Baumwolle und für Kautschuk zogen an.
Die Notierungen an der Chikagoer Getreidebörse waren überwiegend rückläufig.
Die Notierungen an der Neuyorker Kaffee börse gingen im Durchschnitt leicht zurück,
Kakao konnte seinen Preisstand in Neuyork leicht verbessern.
Die Haussestimmung an den Wo 11 - märkten dauert in unverminderter Stärke an.
An der Neuyorker Baumwollbörse zogen die Notierungen weiter an.
Die Kautschuknotierungen an den Weltmärkten zogen erheblich an.
Am Neuyorker NE-Metall markt erhielt das Geschehen seinen stärksten Akzent durch die zunehmende Bedeutung der „grauen“ Marktpreise. Die Spannen zwischen „amtlichen“ und „grauen“ Preisen sind erheblich. Kupfer erzielt am „grauen“ Markt bereits 30 cts je 1b (amtlicher Preis 24’/:), Zink bis zu 23 cts je 1b (amtlicher Preis nach der Heraufsetzung am 7. September 17*A) und Blei, das weniger knapp ist, wird mit einer Prämie von etwa 1 cts je 1b gehandelt.
Montanwerte wieder erholt
F. A. Z. An der Frankfurter Börse erholten sich am Freitag bei verhältnismäßig ruhigem Geschäft die an den Vortagen leicht abgebröckelten Montanwerte. Kleinere Rückläufe auf ermäßigter Basis führten hier zu Kursverbesserungen von durchschnittlich 0,5 bis einen Punkt.
Deutsche NE-Metallpreise
Notierung für Kupfer (9. 9.) 239,50 DM, für Zinn (8. 9.) 944,— DM; Höchstpreise für Blei 148,50 DM, für Hüttenzink 171,50 DM je 100 kg.
Deutsche Blockmetallpreise
RM. Es wurden Anfang September folgende Blockmetallpreise (in DM) im Großhandel genannt:
| (i. d. Vorwoche) | |||
| Rotguß 5 | 240—245 | 240—245 | |
| Rotguß 9 | 280—290 | 280—290 | |
| GBZ 10 (Bronze) | 355—360 | 355—360 | |
| Blockmessing | Ms 64,5 | 202—210 | 202—210 |
| Remeltedzink | 180 | 170—180 | |
| Alu-Legierung | 212 | 130—185 | 130—135 |
| Alu-Legierung | 223 | 145—150 | 145—150 |
| Alu-Legierung | 225 | 155—160 | 150—160 |
| Alu-Legierung | 231 | 200—205 | 195—205 |
| Alu-Legierung | 234 | 190—200 | 190—200 |
| Alu-Legierung | 241 | 195—200 | 195—200 |
Sich selbst schaden
bs. Vor einigen Wochen flüsterte man: der Zucker wird knapp. Die Hausfrauen stürmten die Geschäfte mit dem Erfolg, daß'diese Ware wirklich verschwand. Es waren keine Lagerbestände in einem nennenswerten Umfange vorhanden, die den unerwarteten Käuferansturm auffangen konnten. Einige Wochen später tauchte das zweite Schreckensgespenst auf. Es hieß: Seifenknappheit. Wieder dasselbe Ergebnis. Die Seifenindustrie konnte ihre großen Läger räumen. Stattdessen liegen jetzt in vielen Haushaltungen einige Stücke Seife als Vorrat „für alle Fälle“. Kaum war der Seifensturm vorrüber, so tauchte eine neue Parole auf. „Haben Sie schon gehört? Die Schuhe werden viel teurer, bald gibt es schon keine mehr.“ Dies waren fast vertraute Klänge. Wer erinnerte sich nicht mit Schrecken an die Jahre des Mangels? Drei Paar Schuhe wurden in einzelnen Geschäften verlangt. „Ich sorge vor!“ Muß man da aber nicht leicht erstaunt fragen, wer kann sich denn so große Ausgaben leisten? Es sind nicht nur Landbewohner die „vorsorgen“, es sind Leute aus allen Bevölkerungskreisen.
Schadet sich aber der Verbraucher mit diesen wilden Käufen nicht selbst? Gewiß, man bekommt immer noch kaum Zucker. Es wird auch noch ungefähr sechs Wochen dauern, bis sich hier die Lage wieder normalisiert hat. Aber wäre es ohne die Angstkäufe zu diesem akuten Mangel gekommen? Bei der Seife ist die Lage wiedeh etwas anders. Es trat eine gewisse Verknappung ein. Oft war wirklich ausverkauft, aber doch nur bei dem Einzelhändler. Bei den Fabriken trat noch keine Knappheit auf. Oft wurde aber auch spekuliert. Man hoffte auf steigende Preise und verkaufte deshalb nicht. Unsere Seifenindustrie aber ist in der Lage, den inländischen Bedarf völlig zu decken. Es wird hier auch nicht über einen Mangel an Grundstoffen geklagt. Eine private Vorratshaltung dürfte also wirklich unnötig sein.
Wie ist nun die Lage bei Lederwaren, besonders bei Schuhen? Bei den letzten Häuteaktionen sind die Preise gestiegen, stärker sogar als auf den internationalen Märkten. Bis auf wenige große Firmen hatten die Schuhfabriken auch keine Läger, die finanzielle Lage hatte es nicht gestattet. Man konnte in den letzten Monaten noch nicht einmal die bewilligten Devisenbeträge verbrauchen, man mußte sie verfallen lassen. Hier zeigte sich eine gewisse Angst der Hersteller, er könne die Konjunktur verpassen. Also kaufen auf jeden Preis. Wird man aber die Schuhe auch zu jeden Preis verkaufen können? Es wurden schon 20 Millionen Dollar für Rohleder und — um bald einen Preisdruck ausüben zu können — für Fertigleder freigegeben. Es wird noch einige Zeit dauern, bis diese Importe eintreffen, aber dann werden sie die Häutepreise wieder auf einen normaleren Stand zurückdrücken. Die großen Schuhfirmen wollen jedenfalls, trotz Preissteigerung der Rohstoffe, und trotz den 3- bis öprozentigen Lohnforderungen der Arbeitnehmer die Preise für Schuhe beibehalten. Zudem will das Bundeswirtschaftsministerium mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Erhöhung der Lederpreise einschreiten.
Der Verbraucher sollte sich also wirklich überlegen, ob er durch eine übersteigerte Nachfrage einigen Spekulanten Gewinne zukommen lassen will. Etwas wirtschaftliche Vernunft würde ihn bestimmt vor großen Preissteigerungen und sogar Mangelerscheinungen schützen.
Der Index
Von Erich Welter„Wie der Bach keine Strudel macht, solange er auf keine Hindernisse trifft, so bringt die menschliche Natur es mit sich, daß wir alles, was unserem Willen gemäß geht, nicht recht merken und innewerden. Hingegen alles Unangenehme und Schmerzliche empfinden wir unmittelbar, sogleich und sehr deutlich.“
Das Wahrnehmungsvermögen
Es handelt sich bei diesem Wort Schopenhauers nicht um Irgendeine geistvolle Bemerkung oder einen rasch hingeworfenen Einfall, sondern um eine fundamentale Feststellung über das Wesen der menschlichen Natur, ohne deren Kenntnis weder das individuelle noch das gesellschaftliche Leben verständlich ist. Arthur Schopenhauer wird deshalb nicht müde, sie an den verschiedensten Stellen seiner Werke zu wiederholen und in immer neue Worte zu kleiden. Viele dieser Formulierungen eignen sich vorzüglich als Kommentar auch zu wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen der neuesten Zeit. In Millionenauflage ist gerade in diesen Tagen ein Flugblatt des Deutschen Gewerkschaftsbundes verbreitet worden. Es brandmarkt die „dogmatische“ Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und fordert an ihrer Stelle den Uebergang zu „Lenkungsmaßnahmen“. Alle Bemühungen zur Besserung des Reallohns von der Preisseite her, heißt es weiter, seien erfolglos geblieben, und die Löhne stünden „seit Jahr und Tag“ in einem krassen Mißverhältnis zu den Lebenshaltungskosten. Kann diese Behauptung besser charakterisiert werden als mit dem Wort, mit dem der große Denker das „Leiden der Welt“ erklärt: „Wie wir die Gesundheit nicht fühlen, sondern nur die kleine Stelle, wo uns der Schuh drückt, so denken wir auch nicht an unsere wohl gehenden Angelegenheiten, sondern an eine Kleinigkeit, die uns verdrießt.“
Der Haushalt der Indexfamilie
Es wäre natürlich töricht, die Preissteigerungen bagatellisieren zu wollen, die seit Ausbruch des Koreakonflikts in allen Ländern der Welt und auch in Deutschland eingetreten sind, oder gar zu bestreiten, daß die Bundesregierung in ihrer Gesamtheit nicht immer den besten wirtschaftspolitischen Kurs gesteuert habe. Aber man sollte andererseits nicht aus jedem Esel gleich einen Elefanten machen. Was bedeuten diese Preissteigerungen im Rahmen der gesamten Lebenshaltungskosten? Mitte 1949 ist vom Statistischen Amt eine Revision des alten Lebenshaltungskostenindex, eine Umstellung auf die gegenüber der Vorkriegszeit in vieler Hinsicht veränderte Lage vorgenommen worden, an der unseres Wissens die Gewerkschaften beteiligt waren. Als Indexbasis wird seither nicht mehr das Jahr 1938 mit seinen überholten Einkommens- und Verbrauchsverhältnissen, sondern das erste Vierteljahr 1949 genommen. Es wurde eine neue „Indexfamilie“ mit neuen Einkommen zugrunde gelegt. Angenommen wurden nicht mehr wie bis dahin die Verhältnisse einer fünfköpfigen Arbeiterfamilie, die aus einem Verdiener und vier Nichtverdienern zusamengesetzt war, sondern eine vierköpfige Familie mit zwei Verdienern und einem Einkommen von zusammen DM 320,— brutto und DM 270,— netto.
Dezimierung der Lebenshaltungskosten
Nach dieser allgemein anerkannten neuen Berechnung sind nun die Lebenshaltungskosten seit dem ersten Vierteljahr 1949 auf der ganzen Linie langsam, aber sicher zurückgegangen. Der bisher tiefste Stand war Mitte Juli 1950 eingetreten, und zwar in allen Gruppen außer bei den Wohnungskosten. Am stärksten war die Senkung bei Hausrat (von 100 auf 80) und bei der Bekleidung (von 100 auf 74). Insgesamt war der Index in fünf Vierteljahren auf 92 Prozent des Standes vom ersten Quartal 1949 gesunken und
sogar auf 91 Prozent, wenn man Obst und Gemüse mit den starken jahreszeitlichen Schwankungen einbezieht; trotz der Teuerung auf einzelnen Gebieten hat sich an dem Gesamtbild auch bis Mitte August nichts Entscheidendes geändert, weil bisher noch durch Verbilligung auf anderen Gebieten ein annähernder Ausgleich möglich war. Man kann beim besten Willen nicht behaupten, eine solche Dezimierung der Lebenshaltungskosten sei nichts, zumal da die durchschnittlichen Stundenverdienste der Industriearbeiter seit der Geldreform bis Ende März, dem letzten Termin, für den Angaben vorliegen, um immerhin rund 25 Prozent und die durchschnittlichen Wochenverdienste um rund 44 Prozent gestiegen sind. So unbefriedigend die Einkünfte breiter Schichten immer noch sind — es ist beim besten Willen unmöglich zu leugnen, daß sich die Realeinkommen der Industriearbeiter erheblich gebessert haben. Nimmt man noch hinzu, daß die Zahl der Beschäftigten in der Bundesrepublik 14 Millionen überschritten hat und damit höher ist als in irgendeiner Vor- oder Nachkriegszeit, so wird man dem Verfasser des Gewerkschaftsflugblattes mit der Feststellung kaum zu nahe treten, er habe kein ganz ungeschminktes Bild der Lage gegeben.
Der Index als Waffe
Die einzelnen sozialen Gruppen haben an diesen Fortschritten gewiß in sehr unterschiedlichen Graden teilgehabt. Wie sich die Dinge für die typische Arbeiterfamilie entwickelt haben, die dem Index zugrunde liegt, teigt die erwähnte neue amtliche Lebenshaltungskostenberechnung in Verbindung mit der Lohnstatistik. Weite Schichten, insbesondere der Flüchtlinge und Rentner, sind schlechter daran als die typische Arbeiterfamilie, deren Verhältnisse dem amtlichen Index zugrunde liegen. Je geringer das Einkommen, um so höher ist, wie in einem neuen Beitrag zur Indexfrage in den August-Mitteilungen des Forschungsinstituts der Gewerkschaften mit Recht betont wird, der Anteil der Ausgaben zur Deckung des starren Bedarfs, insbesondere für Ernährungszwecke. Wenn also etwa die Kosten für Hausrat und Bekle'. lung überdurchschnittlich gesunken sind, die Ernähfungskosten aber nicht, so nutzt das — das ist der Kern dieser gewerkschaftlichen Untersuchung — dem Haushalt wenig, bei dem es zu Anschaffungen von Hausrat und Kleidung gar nicht langt. Aber an der Richtigkeit des Bildes, das der amtliche Index für die Arbeiterschaft widerspiegelt, ändert das nichts. Hieß es nicht in einer sachverständigen Kritik, die an dem inzwischen geänderten Index im Dezember 1948 in den Mitteilungen des Gewerkschaftsinstituts veröffentlicht worden war, dieser Behelfsindex setze „die heute interessanteste Gruppe, nämlich die Bekleidung, mit viel zu geringem Gewicht ein“? Damals freilich hatte die Verbilligung der Bekleidungsgegenstände, die bis Mitte August 1950 angehalten hat, noch nicht begonnen. — Bei aller Neigung der menschlichen Natur, unmittelbar nur die Verdrießlichkeiten wahrzunehmen — es wäre nicht korrekt, „je nach Lage“ einen Index zu fordern, der hauptsächlich die verhandlungstaktisch gerade geeignet erscheinenden Symptome zum Ausdruck bringt.
Vor Beitritt zum Währungsfonds
Bonn, 8. September, (zr.) In einer Besprechung zwischen den Bundesministerien für Finanzen, Wirtschaft, Ernährung und Marshallplau, sowie der Bank deutscher Länder wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der die vorbereitenden Arbeiten zum Beitritt der Bundesrepublik in den Internationalen Währungsfonds in Angriff nehmen soll.
Der Sport
Wird 98 er Kampfgeist Fürther Sturmwirbel bremsen?
Großkampftag im Hochschulstadion / Sturm auf die Tribünenplätze / Der bisher schwerste Gegner der Lilien Die Darmstädter mit Thalheimer und Becker I nicht ohne Chance
Ein noch nie dagewesener Sturm auf die Tribünenplätze beweist, daß sich die Darmstädter von dem Spiel gegen den Süddeutschen Meister eine besondere Delikatesse versprechen. Und das mit Recht, denn wer die Berichte vom Spiel Fürth gegen VfR Mannheim (4:1) gelesen hat, der weiß, daß die Männer vom Ronhof wieder in Meisterform sind. Die 98er, die am Vorsonntag ein sehr schwaches Spiel lieferten, werden sich gegen das im neuen Glanz erstrahlende „Kleeblatt“ nur schwer behaupten können, wenn sie auch mit einer neuformierten Stürmerreihe für eine Ueberraschung gut sind.
Die Fürther sind eine Mannschaft mit Tradition. Ihr Stil ähnelt noch heute dem der Hagen, Franz und Leinberger aus der großen Zeit der Nürnberg/ Fürther Schule. Ganz Fußballdeutschland bedauerte es, als die Träger des berühmten „Kleeblatts“ im Jahre 1948 aus der obersten Spielklasse absteigen mußten, doch schon im nächsten Jahre waren sie wieder ,oben“ und brachten sogar das Kunststück fertig als Aufsteiger auf Anhieb Meister zu werden. Von der so erfolgreichen Mannschaft ist fast alles noch an Bord, nur Brenzke (jetzt 1. FCN) und Goth (jetzt Stuttgarter Kickers) sind nicht mehr dabei. Die dadurch entstandenen Lücken wurden durch die Neuerwerbungen Knoll (früher 1. FCN) und Höger (früher Vfß Peine) gut ausgefüllt, so' daß die Elf des dreifachen deutschen und süddeutschen Meisters auch in diesem Jahr wieder ein wichtiges Wort bei der Vergebung der Meisterschaft mitreden wird.
Der junge, reaktionssichere Torwart Höger macht einen sehr energischen Eindruck und hat sich mit seinen neuen Vorderleuten Knoll und Plawky schnell eingespielt. Mit dem schlagsicheren, im Stellung«- und Kopfballspiel gleich gut versierten Oberschlesier ist die Abwehr durch den für seine blitzschnellen Starts bekannten Ex-Nürnberger noch stabiler
geworden. In der Läuferreihe ist Göttinger nach seiner Verletzung in Regensburg wieder voll auf der Höhe. Der aus der Reserve gekommene Ehrhard hat als unermüdlicher Außenläufer schon von sich reden gemacht. Zwischen beiden ist der spritzige Vorläufer in den letzten Monaten als Stopper groß herausgekommen.
Das Glanzstück der Fürther aber ist die Stürmerreihe, die mit ihrem ideenreichen und vielfältigen Spielwirbel die beste Abwehr durcheinanderbringen kann. Jeder einzelne des gut aufeinander abgestimmten Quintetts ist technisch ausgereift, taucht überall unvermutet auf, spielt blitzschnell ab und kann — was die Hauptsache ist — auch Tore schießen. Der blonde, quirlige Hofmann auf dem rechten Flügel brilliert mit seinen zügigen Flankenläufen, sein Gegenüber Nöth gilt als einer der besten Linksaußen Deutschlands. Er wird Leichtlein manches Schnippchen schlagen. Neben ihm steht Appis, der große Dribbler und Regisseur des Angriffs.
Vor den unerwartet kommenden Fernschüssen dieses fein aufbauenden Halbstürmers wird sich Dr. Barth besonders in acht nehmen müssen. Der junge, temperamentvolle May hat Brenzkes Platz mit Erfolg eingenommen. Als Vollstrecker steht im Zentrum der Ex-Dresdner Schade, Süddeutschlands Schützenkönig 1949/50 und Deutschlands derzeit bester Mittelstürmer. Er gilt als der gefährlichste Mann der „Kleeblättler“, der neben seiner enormen Schußkraft einen feinen Sinn für technisches Zusammenspiel hat.
Gegen diese Elf werden die 98er nur mit größtem Eifer und Einsatz bestehen können. Die Niederlage gegen Mühlburg wird eine Lehre gewesen sein und die inzwischen ordentlich aufgemöbelten 98er werden mit ihrem neuen Sturm diesmal weit gefährlicher sein als am Sonntag. Der gegnerischen Hintermannschaft kann man schon beikommen, und daß Kämpfermannschaften den Fürthern nicht gut liegen, zeigte kürzlich wieder das Spiel gegen den FSV in Frankfurt. Den verwirrenden Kombinationen des wirbelnden Angriffs mit seinem variablen Stellungsspiel werden sich die hinteren Reihen der Lilien aber mit ganzer Kraft entgegenstemmen müssen. Nur durch genaues Markieren des Gegners kann verhindert werden, daß die Gäste ihren kunstvollen Kombinationsteppich ungehindert auf das Feld weben. Schmidtmer wird es gegen den großartigen Alleingänger und unberechenbaren Torjäger Schade dabei am schwersten haben.
Bereits um 12 Uhr spielen im Hochschulstadion die Handballer der 98er gegen Gelnhausen. Um 13.15 spielen die Fußballreserven und um 15 Uhr beginnt das Hauptspiel.
SV 98 Darmstadt: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Becker I, Bohmann, Thalheimer, Mühlbach, Herwig.
SpVgg Fürth: Höger; Knoll, Plawsky; Erhard, Vorläufer, Göttinger; Hofmann, May, Schade, Appis, Nöth.
So’n Kleeblatt freute mich ja sehr wenn’s nur ein bißchen kleiner wär.
Auftakt in der Erbacher Fußball-Kreisklasse
Nachdem dem VfL Michelstadt, der die letzte Verbandsrunde punktgleich mit Neustadt beenden konnte, auf Grund seines besseren Torverhältnisses der Aufstieg in die Bezirksklasse gelungen ist, erscheint es vor Beginn der Verbandsrunde angebracht, sich über die nunmehrige Zusammensetzung der A- und B-Klasse ein klares Bild zu machen.
Beerfelden geht mit seiner alten Mannschaft, wie sie aus der vergangenen Saison her bekannt ist, nur durch einige Nachwuchsspieler aufgefrischt, mit Torhüter Hormes, Mittelläufer Hering, Kredel, Hans Müller und L. Holschuh, in die neue Meisterschaftsrunde. Es gibt sich keinen Illusionen hin und ist mit einem guten Platz im Mittelfeld, den es bestimmt bekommen wird, zufrieden. Lützel-Wiebelsbach, das durch den Weggang von Olt, Gärtner, Schnellbacher sowie der Gebrüder Beck eine wesentliche Schwächung seiner Stammannschaft erfahren hat, dürfte in diesem Jahr wohl kaum unter den Spitzenvereinen zu finden sein. Es tritt am Sonntag vor einheimischem Publikum gegen Hainstadt an, das in der vergangenen Runde zusammen mit Rimhorn das Schlußlicht bildete. Obwohl bei Hainstadt eine Formverbesserung festzustellen ist, wird es in dieser Partie um eine Niederlage nur schwer herumkommen können. Das Mannschaftsgefüge von Rimhorn hat keine wesentliche Veränderung erfahren. Höchst hat seine gesamte erste Garnitur zur Ver» fügung und sollte auch diesmal wieder eine, besonders gute Rolle spielen. Das Team von Steinbach wußte vor allem durch die beiden Nachwuchsspieler Brumund (Linksaußen) und Körner (Rechtsaußen) einige schwache Stellen auszugleichen. Es wird jedoch schon in seinen ersten Spielen, wie z. B. gegen Neustadt, seie volle Stärke unter Beweis stellen müssen. Die auch in diesem Jahr außer Konkurrenz in der A-Klasse teilnehmende Erbacher Sondermannschaft erwartet am Sonntag den letztjährigen Tabellenzweiten Neustadt, das sich auch dieses Jahr berechtigte Hoffnungen auf den Meistertitel macht. Jedoch auch Bad
König, in der vergangenen Saison stets in der Spitzengruppe vertreten, hat vor alle min dem jungen Hofmann einen Spielmacher gefunden, der seinen Verein ins Vorderfeld führen wird. Sandbach ist mit seiner seit den letzten Pflichtspielen verstärkten Elf in Rimhorn zu Gast und dürfte bei einigem Einsatz die ersten Punkte mit nach Hause nehmen. Auf Grund des Platzvorteils wäre jedoch auch ein Remis nicht ganz ausgeschlossen. Von den beiden Neulingen müssen Günterfürst die meisten Chancen zugemessen werden. Würzberg hingegen, das nach seiner eindeutigen 1:4-Niederlage im Spiel um die Kreismeisterschaft wieder auf Güterfürst trifft, müßte noch etwas schneller, härter und durchschlagskräftiger sein. Es bleibt abzuwarten, ob es sich in dieser Klasse halten wird.
Auch die B-Klasse, der insgesamt 16 Vereine angehören, ist in diesem Jahr wieder in zwei Gruppen aufgeteilt. In der Gruppe Oberzent spielen: Sensbachtal, Beerfelden (Soma), Schöllenbach, Hetzbach, Gammelsbach, Rothenberg, Finkenbach und Steinbuch. Hier sind für den ersten Spielsonntag (10. September) folgende Paarungen vorgesehen: Sensbachtal — Steinbuch, Rothenberg — Beerfelden (Soma), Finkenbach — Hetzbach, Schöllenbach — Gammelsbach. Der B-Klasse Gruppe Unterzent gehören an: Haingrund, Wald-Amorbach,- Vielbrunn, Kirch-Brombach. Mümling-Grumbach, Fürstengrund, VfL Höchst und die außer Konkurrenz teilnehmende Sondermannschaft des TSV Höchst. Hiervon spielen am Sonntag: Vielbrunn — TSV Höchst (Soma), Wald-Amorbach — Kirch-Brombach, Haingrund — VfL Höchst
SV Arheilgen in Ulm mit wenig Aussichten
5 Mann stehen auf der Verletztenliste
Am kommenden Sonntag fährt die erste Mannschaft der Sportgemeinschaft Arheilgen nach Ulm. Die Mannschaft der Domstadt ist für die Arheilger wieder ein dicker Brocken. Betrachtet man sich die Tabelle, so haben beide Stürmerreihen bisher 5 Tore erzielt, während in den Minustoren Ulm auch reichlich hinten steht, während Arheilgen den Rekord hält. Der Start der Vorstädter stand unter einem unglücklichen Stern. Der rechte Verteidiger Marco im Krankenhaus, Zusammenbruch der Mannschaft in Straubing, da noch keine Erfahrung in solchen Spielen, Mahr und Wendler auf der Verlustliste und am letzten Sonntag Spielverlust mit neun Mann. Dazu kommt, daß die Neuerwerbungen zum Teil die Hoffnungen bisher nicht erfüllt haben. Sie sind zu langsam und umständlich und spielen nicht schnell genug ab und vergessen, daß der Schuß die Krönung des Angriffs ist. Was all diese Umstände psychologisch für eine Mannschaft bedeuten, ist jedem Kenner klar. Hier hilft nur eiserne Kameradschaft und der ungebrochene Wille zum Durchstehen. Zu allem Unglück sind die beiden Außenläufer, die immer die Stütze des Sturmes und der Verteidigung bildeten, zur Zeit in einer Formkrise, die überwunden werden muß. Dies wirkt sich vor allem im ungenauen Zuspiel und in der Neigung zum sonst unbekannten Hochspiel aus. Damit hat der Sturm seine Angriffskraft verloren und die Verteidigung ist überlastet. Noch ist nicht aller Tage Abend, wir stehen erst am Anfang dieser langen Serie und mit ungebrochenem Mut und mit Tatkraft wird sich diese Mannschaft bald wieder zusammenfinden.
Wie sind nun die Aussichten in Ulm? Nachdem es am vergangenen Sonntag den Ulmer Spatzen gelang,, in Böckingen beide Punkte zu entführen, werden sie alles daran setzen, nun auch zu Hause zu bestehen. Der letzte Sonntag bewies schlagend, daß eine Vorausschau einfach unmöglich ist, denn die Hälfte der Resultate warf jede Vorausberechnung über den Haufen. Ein Beweis, daß — vielleicht mit Ausnahme von Regensburg — noch keine Mannschaft der 2. Liga eine konstante Form angenommen hat und alles noch im Werden ist. Leider muß die Mannschaft der Vorstädter ausgerechnet in Ulm mit vielfachen Ersatz antreten. Neben Mahr, der noch immer nicht einsatzfähig ist, haben sich Marco, Wendler und Kirchratlh Verletzungen zugezogen, die ihre Teilnahme in Ulm unmöglich machen. So kann die von Anfang an vom Pech verfolgte Elf der Arheilger auch diesmal nicht mit großen Hoffnungen nach auswärts fahren. Die Mannschaft wird in folgender Aufstellung antreten: Seibel; Wenschel, Becker; Zöller, Kaut, Traser; Dilfer, Müller, Potraffke, Lieber, Büttner.
Hochbetrieb in der Landesliga Lampertheim und Griesheim um die Spitze
In der Landesliga kommt es in Lampertheim zu der interessanten Begegnung der beiden Spitzenreiter Griesheim 02 und Olympia. Die dritte noch ungeschlagene Mannschaft von Kassel 03 wird eventuell der lachende Dritte sein, da man ihr daheim einen Sieg gegen VfL Biedenkopf zutrauen kann. Es spielen Hessen Hersfeld — Union Niederrad, 01. Lampertheim — Griesheim 02, VfL Marburg — Germania Bieber, Eintracht Wetzlar—Rot-Weiß Frankfurt, Spv Kassel — Hermannia Kassel, Kassel 03 — VfL Biedenkopf, Borussia Fulda — Hessen Lichtenau, 1. FC Rödelheim—VfL Kassel Opel — Rüsselsheim — Bad Homburg 05* Hanau 93 —VfB Friedberg.
Die Bezirksklasse am Sonntag Heimteams haben Punkte aufzuholen
Sieben Mannschaften der vierzehn Paarungen des kommenden Sonntags haben in ihren ersten Spielen beide Punkte, zum Teil sogar mit recht hohen Tordifferenzen, beim Gegner lassen müssen. In elf Treffen des Saisonauftakts fielen insgesamt 61 Tore (47:14). Die Spielergebnisse waren zum Teil so hoch, daß die Gastgeber von morgen versuchen werden, nicht nur die Punktverluste zu egalisieren, sondern zugleich ihr Torverhältnis zu verbessern. Also werden die Auswärtsmannschaftetn allen Grund haben, sämtliche Register zu ziehen. Das trifft für beide Spielgruppen zu. Die hohen Heimsieger des ersten Tabellentags stehen zudem naturgemäß vor ihren ersten Auswärtsspielen, und so kann es durchaus manche Punktgleichheit geben.
Es spielen in Gruppe I: Pfungstadt gegen Bobstadt, Groß-Gerau—Bürstadt, Groß-Rohrheim — Eberstadt, Langen gegen Urberach, Hofheim—Lorsch, Roßdorf-Biblis, Ober-Ramstadt—Bensheim; in Gruppe II: Bischofsheim—Dieburg’ Trebur — Wixhausen, Michelstadt —SV Münster, Eppertshausen—Nauheim, Ober-Roden — Erbach, Walldorf — KSV Urberach, Messel—Egelsbach. (RG)
Bergstraßen-Handhballer starten
Die am Donnerstag stattgefundene Spielausschuß-Sitzung des Fachamtes Handball im Sportkreis Bergstraße führte zur vorgesehenen Teilung der vorhandenen Handballvereine in zwei Gruppen, die am kommenden Sonntag (10. 9.) die Verbandsspiele aufnehmen. In Gruppe I spielen Heppenheim, Kirchhausen, Lorsch, Auerbach, Einhausen, Zwingenberg, Erbach und Zell. Gruppe II besteht aus Bonsweiher, Kreidach, Krumbach, Mumbach, Rimbach und Siedelsbrunn. Favoriten der Gruppe I dürften die jungen Kirchhäuser und Heppenheims erfahrene Männer sein; reelle Außenseiterchancen haben außerdem Auerbach und Einhausen sowie Lorsch. In der Gruppe II dürfte wohl Bonsweiher die erste Geige spielen. Nach ihm machen berechtigte Meisterschaftshoffnungen noch Siedelsbrunn, Kreidach und Krumbach geltend. Gruppe I : Kirschhausen — Erbach, Lorsch—Heppenheim, Zwingenberg gegen Einhausen, Zell—Auerbach. Gruppe II: Mumbach—Bonsweiher.
(ni) Die Spiele der Handball-Kreisklasse Erbach am Sonntag: Bad König—Zell, Beerfelden—Michelstadt, Höchst —Böllstein, Nieder-Kinzig—Pfaffen-Beerfurth, Erbach—Momart.
Boxen in Eberstadt
Der hessische Mannschaftsmeister beim ABC
Am Samstag erscheint der hessische Mannschaftsmeister der Amateurboxer im Eberstädter Ring. Diese Veranstaltung kann als Höhepunkt der diesjährigen Boxsaison angesehen werden, so daß mit einem Rekordbesuch zu rechnen ist. Die beiden Staffeln trafen sich erst am vergangenen Sonntag in Stockstadt und trennten sich nach herrlichen Kämpfen mit 8:8. Die Eberstädter werden versuchen, diesmal einen Sieg herauszuboxen. Das Programm ist sehr reichhaltig, und beide Mannschaften treten in ihrer stärksten Besetzung an. So wird im heimischen Ring Adam Knies erstmalig wieder zu sehen sein, der auf dem besten Wege ist, seine alte Form zurückzugewinnen. In den schweren Klassen haben die Eberstädter einige Niederlagen aus dem Vorkampf wettzumachen. Auch Nicolay, der in Stockstadt äußerst knapp nach Punkten verlor, wird beweisen wollen, daß er der Bessere ist. Es steht also ein Kampfabend bevor, den kein Boxsportanhänger versäumen sollte.
Beginn der Kämpfe 20 Uhr im „Schwanen“, Eberstadt.
In den Jugendkämpfen treffen sich: Fliegengewicht Liedtke (E) — Fritz (S), Federgewicht Gruber (E) — Obermeyer (S), Leichtgewicht Dieter (E) — Klebing (S), Weltergew. Marquardt (E) — Schwarz (S). In der Senioren-Klasse boxen: Fliegengewicht Weigel (E) — Arnold (S), Bantamgewicht A. Knies (E) — Bischoff (S), Federgewicht Nicolay (E)—Glöckner (S), Leichtgewicht Kohl (E) — Lang (S), Weltergewicht H. Knies (E) — Brandmüller (S), Ströher (E) — Scharf (S), Mittelgewicht Formelle (E) — Hallstein (S), Halbschwergewicht Wernersbach (E) — Richter (S) und Schwergewicht Heinz (E) — Schlett (S).
Im Saison-Wechsel
Das Sportprogramm am Wochenende
B.G. Der Herbst kommt. Nicht nur im Kalender. Die „Sommersports“, die jetzt noch größere Veranstaltungen angesetzt haben, sehen trübe dreiri, denn der Herbst fällt heuer auch noch ungewohnt früh ein. Die großen Schlager der Sommersports sind allerdings schon unter Dach, von den Meisterschaften bleiben nur noch wenige abzuwickeln. So wird am Sonntag m Nürnberg die Deutsche Motorrad-Meisterschaft abgeschlossen, während in Schweinfurt die Turner ihre Sommerspielmeisterschaften austragen. Eine Woche später folgen noch die Mannschafts- Meisterschaftei. der Leichtathleten in Kassel und Wetzlar. Die eine Saison geht, die andere ist auch schon da. Seit einigen Wochen da, aber nun wird sie sich noch breiter machen und am Ende für ich allein das Feld behaupten können. Man muß bei einer "orschau jetzt bereits wieder den Fußball auf den ersten Platz setzen.
Im Fußb a 11 ist die Oberliga in allen Verbänden voll beschäftigt. Allmählich klären sich hier auch die Formverhältnisse etwas mehr. Anziehende Spiele gibt e^ am Wochenende auf der ganzen Linie. Im Süden beispielsweise die Kämpfe 1. FC Nürnberg — Vfß Stuttgart, Offenbacher Kickers — Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt — BC Augsburg, Darmstadt 98 —"Fürth und Bayern München — Waldhof. Im Westen stehen an: Borussia Dortmund — Preußen Delbrück, Fortuna Düsseldorf — Rot-Weiß Essen, 1. FC Köln — Borussia M.Gladbach; im Südwesten spielen u. a.: 1. FC Kaiserslautern — Neustadt, Landau — Worms, Mainz 05 — VfR Kaiserslautern und Andernach — Phönix Ludwigshafen; im Norden: Oldenburg — HSV, Holstein Kiel — Werder Bremen und Bremerhaven — Concordia Hamburg. In der Berliner Stadtliga erwartet Viktoria 89 den Meister Tennis-Borussia, Hertha BSC spielt bei Union Obers lliöneweide. Die 11. Liga Süd hat neben anderen Spielen die Begegnungen Kickers Stuttgart — 1. FC Pforzheim und Bamberg — Straubing auf dem Pro-
gramm. Der Handball sieht gleichfalls seine oberen Klassen voll im Kampf. In Hannover werden außerdem noch die Endrunden zur Deutschen Polizei-Meisterschaft ausgetragen. Im Hockey warten Silberschild-Vorbereitungsspiele und private Begegnungen auf die Freunde dieses Sports. Die Turner tragen, wie schon erwähnt, in Schweinfurt ihre Sommer-
spiel-Meisterschaften aus. Übel ist bei dem unfreundlichen Herbstwetter die Leichtathletik daran. Sie hat für das Wochenende die Deutschen Polizei-Meisterschaften im Fünf- und Zehnkampf in Hannover, sowie gut besetzte Pahnwettbewerbe in Valheim bei Aachen und in Hildesheim vorgesehen.
Weitere Veranstaltungen: Motorsport: Letzter Lauf zur Deutschen Motorrad-Meisterschaft in Nürnberg.
Rudern: Herbstregatten in Marbach (Neckar) und Essen. Tennis : Württemberg — Hessen in Stuttgart; Bayrische Meisterschaften in Großhesselohe und Internationales Turnier in Aachen.
Schwimmen: Internationales Schwimmfest in Gronau mit holländischer Beteiligung; stark besetztes Schwimmfest in Hilden.
Boxen: Deutsche Halbschwergewichtsmeisterschaft Riedel Vogt — Kleinwächter in Düsseldorf. Boxkämpfe in Frankfurt mit Al Hoosmann — Fanzlau und Imbsweiler — Charity.
Pferdesport: Internationaler Renntag in Frankfurt; weitere Rennen in Krefeld, München und Hannover.
4. Lauf beim DRC
Am kommenden Sonntag wird der 4. Lauf der Clubmeisterschaft 1950 des Darmstädter Radsportolubs 1919 ausgetragen. Die Rennstrecke der Junioren führt über Seeheim, Bensheim, Lindenfels, Reichelsheim, Reinheim, Ober-Ramstadt, Böllenfalltor = 90 km.
Die Jugendfahrer haben folgende Strecke zu durchfahren: Seeheim, Nieder-Beerbach, Nieder-Ramstadt, Böllenfalltor = 45 km.
Die Junioren starten um 8 Uhr, die Jugendfahrer um 8.30 Uhr in der Heidelberger Straße (Rennbahn). Das Ziel wurde 500 m oberhalb des Böllenfalltors gelegt, wo die Fahrer gegen 10.30 Uhr eintreffen werden.
Tennislãnderkampf
Hessen-Württemberg
Es ist in den letzten Jahren schon fast zur Tradition geworden, daß der hessische Tennisverband zum Ende der Spielzeit ein Tennis-Länderspiel gegen Württemberg austrägt, das stets unter dem Zeichen einer besonders herzlichen Sportfreundschaft steht. Diesmal ist Stuttgart am kommenden Wochenende der Schauplatz des Treffens, das auf der schönen Anlage des Tennisklub Weißenhof die gegnerischen Mannschaften zusammenführt. Hessen tritt unter Verzicht auf seine Spitzenspieler Günther und Blenk mit Plitt, Schomburgk, Sinclair, Thomas-Morr, Sigwart, Kleinlogel, Klein, Pfundtner und den Damen Frl. Schmitthenner, Frau Artelt, Frau Stöpel, Frau Gacek, Frau Becker und Frau Schubert an. Auf Württemberger Seite sind bei den Herren Fürst und Wolczik, bei den Damen Frl. Zehden und Frau Koschel die spielstärksten Repräsentanten. Die hessische Mannschaft, in der vier Darmstädter Vertreter mitwirken, wird also auf einen kampfstarken Gegner stoßen, so daß der Ausgang der Spiele durchaus offen ist. hex.
Sport in Kürze
Der Spieler Reeg (SV 98 Darmstadt) wurde vom Süddeutschen Fußballverband für die Zeit vom 21. August bis 5. Oktober disqualifiziert.
chAm Sonntag fahren die TEC-Junioren zu einem Freundschaftsspiel nach Bad Soden in folgender Aufstellung: Wittmann, Müller, Jayme, Schöpf, Geis, Wittich, Karsten, Eisele und den Juniorinnen Jayme, Geiß, Müller-Donges und Oechler.
Wie wir erfahren, fällt die für heute im Woog vorgesehene Wasserballveranstaltung der TSG 46 aus.
Nieder-Ramstadt. Die Uebergabe des Sportplatzes auf dem neuen Sportfeld an den Turn- und Sportverein erfolgt am Sonntag, 10. September, nachmittags 13 Uhr. Aus diesem Anlaß finden zwei Verbandsspiele statt und zwar um 14 Uhr ein Handballspiel zwischen Nieder-Ramstadt— Hahn und um 15.30 Uhr ein Fußballspiel zwischen Nieder-Ramstadt Erzhausen. Ein Platzkonzert wird während der Pausen alle Sportfreunde unterhalten. -Her-
Groß-Bieberau. Der SV 45 beabsichtigt eine Tischtennis-Abteilung zu gründen. Anmeldungen bei Friedrich Becker, wr.
Jugenheim. Am Sonntag, dem 10. September, vormittags 10 Uhr, treffen sich auf dem Sportplatz Jugenheim (Tanne) die 1. Handball-Mannschaft der SKG und die 1. Mannschaft Roßdorf zu einem Verbandsspiel hl
Gr.-Gerau. Wie wir erfahren, hat der Hessische Schwimmverband die für den 10. September anläßlich des Herbstmarktes angesetzten landesoffenenSpringmeisterschaften abgesagt, da infolge der Schlechtwetterlage nicht genügend Meldungen hierzu eingegangen sind. Kb
Gernsheim. Die Kinder aller Schulklassen eröffneten ihr heutiges großes Sportfest mit einem Umzug durch die Gemeinde. Am Nachmittag zeigten die Kinder, daß sie auch neben einem gesunden Geist einen gesunden Körper haben. Die Preisträger wurden mit einigen Tafeln Schokolade prämiiert. Alle übrigen Kinder erhielten Kuchen und Kakao. -Kr-
Wo gehen wir zum Wochenende hin?
Samstag: 14 Uhr Tennis - Clubmeisterschaften der TSG 46 — Plätze am Woog ,
20 Uhr Boxen ABC — SV Stockstadt im „Schwanen“, Eberstadt
20.15 Uhr Ringen Landesliga 1910 Darmstadt — Mainz-Kostheim, Diesterwegschule
Sonntag: 11 Uhr Handball Gruppenliga Süd TSG 46 — Herrnsheim, Woogwiese
12 Uhr Handball Verbandsliga SV 98 — SV Gelnhausen, Hochschulstadion
15 Uhr Fußball Oberliga SV 98 — Spvgg Fürth, Hochschulstadion
Warum fährt er immer per Rad zu jedem Auswärtsspiel der 98er? Wenn er sich an unserem Wettbewerb „ DT-Schlachtenbummler“ beteiligen würde, hätte er es viel bequemer. Wer unsere nächste Montagausgabe liest, kann kostenlos mit nach München fahren — wenn er Glück hat.
Bestattungen am Samstag, 9. September 1950 wald*ri e dh o f : 1°.15 Uhr: Senger, Elisabeth, 61 Jahre, Lichtenbergstraße 85; 11.15 Uhr: Grosmann, Sofie, 75 Jahre, Odenwaldring 7. Arhei 1 g e n : 10.00 Uhr: Flamal, Anna, 51 Jahre, Weiterstädter Straße 43; 11.00 Uhr: Vollhardt, Elise, 45 Jahre, Bernhardstraße 9.
Zusammenstellung der im Monat August 1950 als gefunden gemeldeten Sachen 1 Aktentasche mit einem Säckchen Kleie; 1 Aluminiumzollstock; 1 Arbeitskittel, braun; 1 Badehose; 1 Badekappe; 1 Frottier¬ handtuch; 1 Badehose; 1 Badekappe; 1 Handtuch, 1 Damenring mit 3 grünen Steinen und Diamantrosette; 1 Drillidirock, 1 Da¬ men-Strickjacke, rote Wolle; 1 Damenhut, roter Velour, Regenschirme; 4 Einkaufsnetze mit verseh. Inhalt, 1 Ehering, Gold gez. G B. 9.4.39; 1 Füllhalter und 1 Drehbleistift 2» rotem Etui; 7 Geldbörsen mit 6,—, 137, 2,51, 24,65, 17, , 805 025 DM; 4 Geldbörsen ohne Inhalt; 1 Gummibeutel mit 1’ Hammer 2 Meißel, 1 Eisenhaken und 3 leere Farbdosen, 4 Gummi für Klotzpedalen; \ Fünf^;Sche^ Schein; 1 Herrenfahrrad, Marke „Adler , 1 Herrennawscnun, braun, rechts, mit einem Socken; 1 H®"®?,?’°r.‘ ^p^tector“’ links- 1 Handtasche; 1 Kassenschrankschlüssel „protector , Nr. 78545, 2 Kindertäschchen, rotes Wachstudi mit Kamm un Spiegel, 1 Kinderstrickweste, rote Wolle blau /e™6”’ hg j Hübner, 2 Klips, 1 Kostümjacke helWraun, 1 Kopftuffl, 1 Kinderjäckchen, schwarz-weiß kariert, mit roten Knöpfen, vor derteil eines Kinderpullovers, hellgraues «nd 2 Ledergürtel, weiß, 1 Regenmantel. 1 Spazierstock, 2 Sprung rahmen für Betten, beschädigt, 1 Sacco, 7SOoffgurte , schal, 1 Selbstbinder, 1 Paar Socken we ße Wolle 1 Tascne, schwarzes Leder, mit Flickzeug. 1 , vorsteck- 1 Taschenuhr, Nickel, 1 Tornister mit Wasche pp., 1 VorstecK nadel, Gold, 1 Vergaser, 1 Zigarrenetui und Zigarettenspitze, Schlüsselbund und E n«,st“^®p die Einige Hunde wurden als ^ugelaufen gcmeldet Personen. a an diesen Gegenständen Eigentumsrechte geltend machen können, oder als Verlierer in Frage ^o.mmen, werden hiermit ersuc^ bis spätestens 15. 10. 1950 bei dem Fundbüro des Polizeipra sidiums Darmstadt, Nieder-Ramstadter Straße 177, Zimmer 8, vorzusprechen. Darmstadt, den 1. 9. 1950.
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Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, 9. September 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 20.00 Martins¬ stift, Johannesgemeinde, Elisabethenstift und Pauluskirche. Sonntag, 10. September 1950 Bessunger Kirche: 8.30 Kgd., 9.30 Hgd., 12.00 Tgd., Pfr. Dr. Grohrock-Bensheim. Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., Pfr. Knodt. Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd., Pfr. Widmann, 10.00 Hgd., Pfr. Stühlinger, 11.15 Kgd./Martinsstift, Pfr. Köhler, 11.15 Kgd./Gemeindehaus, Pfr. Stühlinger. Matthauskirche: 8.30 Chrl., 9.30 Ghd., 10.45 Kgd., Pfr. Mappes. Johannesgemeinde: 9.30 Hgd., 11.00 Kgd., Pfr. Jaeschke. (Mitt¬ woch, 13. 9.: 20.00 Agd. m. hl. Abendmahl, Pfr. Jaeschke. Jeden Morgen 7.30 Morgengebet.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd., Pfr. Ring. Pauluskirche: 9.30 Hgd., 11.00 Kgd., Pfr. Wintermann; 14.00 Gd. z. Jahresfest d. Elisabethenstiftes Pfr. Kehrberger/Non¬ nenweier. Ellsabethenstlft: 9.30 Kgd. m. d. Eltern, 14.00 92. Jahresfest, • Festgd. i. d. Pauluskirche, 16.00 Nachfeier i. Elisabethenstift. Stadtmission (Mühlstr. 24): 8.30 Gebetsstd., 11.00 Kgd., 15.30 Gedenkfeier f. d. Zerstörung Darmstadts, 20.00 Jgdbd. f. EC. (Do.: 20.00 Bibelstunde.) Da.-Eberstadt: 9.45 Hgd., 11.45 Kgd. Da.-Arheilgen: Schloßkapelle Kranichstein, 8.00 Hgd., 11.15 Kgd., 15.00 Landeskirchl. Gemeinschaft (Montag, 11. 9. 50: 20.00 Mütterkreis). Montag, 11. September 1950 Gedachtnlsgottesdlenste mit Feier des Heiligen Abendmahls: Bes¬ sunger Kirche: 19.30 Pfr. Widmann, Stadtkirche: 20.00, Pfr. Knodt, Pauluskirche: 20.00 Pfr. Wintermann, Johanneskirche: 20.00 Pfr. Jaeschke. Katholische Gottesdienste Sonntag, 10. September 1950 St. Ludwig: 6.30 Frühm., 8.00 Singm. m. Prd., 9.30 Hochamt m. Pred., 11.00 Singm. m. Pred., 18.00 Andacht. (Werktagsgottes¬ dienst: tägl. 6.45 u. 7.30 hl. Messe. Beichtgelegenheit: Sams¬ tag 18.00 — 20.00). Llebfrauen: Feier des Titularfestes. 7.00 Singm. m. Pred., 8.15 feierl. Levitenamt m. Pred., 10.00 Kindergottesdienst m. Ge¬ meinschaftskomm. 19.30 feierl. Vesper, danach Lichterpro¬ zession. (Werktags: tägl. hl. Messe 6.30. Di., Mi., Fr. u. Sa. 2. hl. Messe 8.05. Do. 19.00 Jugend- u. Kinderm. Mi. 8.05 Ge¬ meinschaftsm. f. d. Frauen). St. Elisabeth: Heute Kirchweihfest! 6.30 Frühm., 7.45 Singm. 9.00 Kindergottesd., 10.15 Levit. Hochamt, 20.00 Levit. Vesper. (Montag, 11. 9.: 20.00 Seelenamt f. d. Opfer des Flieger-
angriffs). St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern (Feldberg¬ straße 32), 6.45 Beichte, 7.30 Jugendgemeinschaftsm. m. Pr. u. Gemeindekomm., 8.00 Hochamt m. Pred. u. Komm, in Wei¬ terstadt, 8.45 Kinderm. m. Pred. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pred. u. Komm., 20.00 Schlußfeier d. relig. Woche m. Pred., päpstl. Segen unter Mitwirkung des Kirchenchores. (Sa„ 9. 9. 1950: 20.00 Muttergottesfeier m. Pred. u. Mitwirkung des Kirchenchores; Beichtgelegenheit: Sa. 17.00 — 19.00 u. 20.00, sonst vor jeder hl. Messe.) Da.-Eberstadt: 7.00 Gemeinschaftsm. d. Männer m. Monatskomm. 9.30 Hochamt m. Pred., 19.30 Abendandacht m. Segen. (Sa. Beichtgelegenheit 16.00 — 18.30; Werktags 6.45 Amt oder hl. Messe.) Da.-Arheilgen: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kinderg., 9.45 Hochamt, ?0.00 Andacht. Christengemeinschaft, Herdweg 31 (First Church of Christ, Sclontlst), Taunusstr. 40. Sonntagsgottes¬ dienst 14.30; Mittwochabend 18.30 Zeugnisversammlung. Freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen So. 10.00, Di. 7.00, Mi. u. Sa. 8.00: Menschenweihehandlung. Kreisgemeinde Darmstadt So. 10. 9.: 10.00 Heag-Saal, Luisenstr.: Morgenfeier. Es spricht Ernst Rotter.
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN 3 VN 3/50. Vergleichsverfahren. Ueber das Vermögen der Firma Küfer & Co., Lebensmittelgroßhandlung, Pfungstadt, Eberstädter Straße 80, wird heute, am 7. September 1950, 9 Uhr, das Ver¬ gleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet, da Schuldnerin zahlungsunfähig ist. Der Rechtsanwalt Dr. Röska in Pfungstadt wird zum Vergleichsverwalter ernannt. Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag wird auf Freitag, den 6. Oktober 1950, vorm. 9 Uhr, vor dem Amtsgericht in Darm¬ stadt, Mathildenplatz 12, Zimmer 324, anberaumt. Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Forderungen (zweifach) alsbald an¬ ’umelden. Die angeordneten Verfügungsbeschränkungen bleiben bestehen. Eröffnungsantrag und Ergebnis der Ermittlungen liegen auf Zimmer 300 den Beteiligten offen. Amtsgericht Darmstadt Neueintragungen: Für Angaben in () keine Gewähr HRA 931. 29. August 1950. Georg Wagner, Pfungstadt (Laden¬ einrichtungen, Waagen jeder Art; Eberstädter Straße 86). In¬ haber: Georg Wagner, Kaufmann. Pfungstadt. HRA 932. 29. August 1950. Ludwig Saxer, Darmstadt (Feuer¬ wehrbedarf, Konstruktionsmaterial; Eschollbrücker Straße 24). Inhaber: Ludwig Saxer, Kaufmann, Darmstadt. HRA 933. 29. August 1950. Dr. Dietrich Steinkopff, Darm¬ stadt (Holzhofallee 25). Inhaber: Dr. Dietrich Steinkopff, Ver¬ lagsbuchhändler, Darmstadt. Der Ort der Niederlassung ist von Frankfurt am Main nach Darmstadt verlegt. HRA 934. 29. August 1950. C. u. K. Steinmetz, Darmstadt (iPa'rfümerie- und Fri^euirgeschäft; Lcüwigstraße 8). Offene Handelsgesellschaft seit dem Jahre 1934. Gesellschafter: Carl Steinmetz und Karl Steinmetz, beide Kaufleute in Darmstadt. Gleichzeitig wurde eingetragen: Carl Steinmetz ist durch Tod aus der Gesellschaft ausgeschieden. Berta Steinmetz geb. Jox, Darm¬ stadt, ist als persönlich haftende Gesellschafterin eingetreten. Veränderungen: HRA 272. 29. August 1950. Reinhardt & Co., Darmstadt (Eisen¬ gießerei; Weiterstädter Straße 100). Wilhelm Reinhardt HI. und Wilhelm Gebhardt beide in Darmstadt, sind Einzelprokuristen. HRA 667. 29. August 1950. Heinrich Volz, Holz- und Kohlen¬ handlung und Spedition, Darmstadt (Darmstraße 31). Ferdinand Volz ist durch Tod aus der Gesellschaft ausgeschieden. Heinrich Volz jun., Kaufmann, Darmstadt, ist als persönlich haftender Gesellchafter eingetreten. Josef Schlicht, Darmstadt, ist Einzel¬ prokurist. HRA 922. 30. August 1950. SUßwaren-Großhandel Max Albrecht, Darmstadt-Eberstadt (Waldstraße 1). Kommanditgesellschaft seit 1. August 1950 durch Aufnahme eines Kommanditisten. Rudolf Simmermacher, Kaufmann, Ober-Ramstadt, ist Einzelprokurist. Erloschen: HRA 465. 29. August 1950. Hermann Haerls junior, Darmstadt. Die Firma ist erloschen. HRA 510. 30. August 1950. J. u. R. Döring, Schuhfabrik, Inh. Johanna und Robert Döring, Darmstadt-Eberstadt. Die Ge¬ sellschaft ist aufgelöst. Die Firma ist erloschen. Allgemeiner Hinweis Es wird hierdurch darauf hingewiesen, daß im Monat September folgende Steuern zu entrichten sind: 1. Dritte Rate Einkommensteuer, Kirchensteuer und Notopter Berlin für 1950 It. Vorauszahlungsbescheid, fällig am 10. 9. 1950. 2. Umsatzsteuer-Vorauszahlung der Monat?jahler für August 1950, fällig am 10. 9. 1950. 3. Lohnsteuer, Kirchenlohnsteuer sowie das Notopfer Berlin der Monatszahler für August 1950, fällig am 10. 9. 1950. Säumige Steuerzahler haben mit Mahn- und Vollstreckungsma߬ nahmen zu rechnen und müssen außer der Steuer noch Säumnis¬ tuschläge sowie Mahn- und Vollstreckungsgebühren nach Ma߬ gabe besonderer Vorschriften entrichten. Es wird gebeten, die Steuern möglichst unbar unter Angabe der Steuernummer und des Verwendungszweckes bei den für die ein¬ zelnen Finanzämter maßgebenden Postscheckkonten bzw Konten bei der Landeszentralbank einzuzahlen. Für Bareinzahlungen ist die Finanzkasse jeweils von Montag bis Freitag von B—lß8—18 Uhr geöffnet. Darmstadt, den 1. September 1950. Die Finanzämter Bensheim, Darmstadt, Dieburg, Fürth I. 0., Groß-Gerau, Langen u. Michelstadt.
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