Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 60 Jieuefle 7iad)rid)fen Freitag, 8. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Die nationale Gedenkfeier im Bonner Bundeshaus

Bonn, 7. September, (dpa) Der nationale Gedenktag des deutschen Volkes wurde am Donnerstag im festlich geschmückten Plenarsaal des Bundeshauses in Bonn feierlich begangen. In würdiger Form wurde all derer gedacht, die als Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes oder während des Krieges als Soldaten und Zivilisten ihr Leben verloren haben. Gleichzeitig galt die Feier dem Wiedererstehen des deutschen politischen Lebens vor einem Jahr, als Bundestag und Bundesrat zum erstenmal zusammentraten.

Der Bundeskanzler führte aus:

„Ich erachte es als meine Pflicht, und ich komme-dieser Pflicht gerne nach, heute und an dieser Stelle zu erklären, daß die Zusammenarbeit mit den Oberkommissaren gut war, und daß wir auch dort in den meisten lebenswichtigen Fragen unseres Volkes Verständnis dafür gefunden haben. Daß die Oberkommissare nicht nur Beauftragte ihrer Länder, sondern auch Vertreter deutscher Interessen waren, dafür danke ich ihnen an dieser Stelle.

Seitdem wir uns zum ersten Male in diesem Saale versammelt haben, ist der Riß zwischen den beiden Teilen Deutschlands womöglich noch tiefer geworden. Nicht etwa zwischen uns und den achtzehn Millionen Deutschen, die jenseits des Eisernen Vorhangs leben. Ich weiß, daß diese achtzehn Millionen Deutschen sich in Treue mit uns vereint fühlen, wie wir mit ihnen uns vereint fühlen und immer vereint fühlen werden. (Beifall.) Es drängt mich, gerade in dieser Stunde nochmals und nochmals zu betonen, daß unser stetes Ziel sein wird, dereinst in Frieden wieder vereint zu sein mit dem deutschen Osten. (Beifall.) Lassen Sie mich auch in dieser Stunde einen besonderen Dank richten an die tapfere Bevölkerung Berlins. (Beifall.)

Nun wird das zweite Jahr der Bundesrepublik Deutschland beginnen, und in diesem zweiten Jahre werden vielleicht noch schwerere Aufgaben uns, der Bundesregierung, dem Bundestag und dem Bundesrat, gestellt werden, als das erste Jahr uns gebracht hat. Der internationale Horizont hat sich vielleicht noch mehr verfinstert gegenüber dem Vorjahre, und doch glaube ich, wir müssen und wir dürfen voll Vertrauen in die Zukunft blicken, denn auch der Westen ist wach geworden unter der Bedrohung von Osten her, und wenn wir den Glauben an unsere eigene Kraft nur behalten, dann, davon bin ich fest überzeugt, werden sich die Konflikte in diesem Europa und in dieser Welt doch lösen lassen, ohne daß es zu einer kriegerischen Entladung kommt."

per gunbe^raft^rnt:

Der Bundespräsident sagte in seiner Ansprache, es gebe etwas, was er die erzieherische Kraft des Menschheitsleides nennen möchte, die Trauer um die Opfer, die überall gebracht worden seien. Mit Sorge blicke man nach dem deutschen Osten. Als vor ein paar Jahren das Wort von der Volksdemokratie aufgekommen sei, sei dies für Menschen mit etwas Sprachgefühl der verräterische Ausdruck eines schlechten Gewissens gewesen. Das alles hätten wir ja schon einmal gehabt: Den Monopolanspruch der Beherrschung, in dessen Hintergrund die Differenzierungs- und Säuberungsaktionen vom Hausarrest bis zum Konzentrationslager stünden.

Das werde im deutschen Osten auch von Millionen empfunden, aber, so sage man ihnen, die geschlossene Machtstaatlichkeit in ihrer Bedrohtheit erfordere dies. Das sei die tragische Paradoxie dieser Zeit. Noch sei Frieden im rechtlichen Sinne, aber die Techniker des Metiers berechneten Krieg und Frieden.

„Das Wort Securite, um das Frankreichs Politik kreiste, ist nach Osten gewandert

und heißt hier Sicherheit. Aber es hat einen differenzierten Sinn bekommen. Alle drei Tage bekommen wir eine Illustration davon, das Stichwort von den Aktivisten, die Konflikte und Zusammenstöße. Der Sinn, Unruhe zu schaffen, zu zermürben, weckt fatale Erinnerungen. Das haben wir im Ausgang der zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre schon einmal gehabt. Darüber kann es gar keine Diskussion geben: Der Frieden ist unteilbar.“

Der Bundespräsident erklärte weiter, man werde verstehen, daß er mit einiger Zurückhaltung zum Problem der Remilitarisierung Stellung nehme. „Wir sind keine Träumer. Wir wissen, daß Soldatentum geschichtsgestaltende Kraft besaß und besitzt, bei uns, bei den anderen. Aber wir sind sehr nüchtern. Es geht nicht um Ruhm, nicht um Rache, sondern um das Lebenwollen. Wir haben den Tod über unsere Heimat schreiten sehen, wir haben ihn selber in viele Länder getragen. Es ist keiner unter uns in diesem Saal, es ist keine Familie in Deutschland, die nicht Tote des Krieges zu beklagen hätte, und bei den meisten Völkern des Kontinents ist es nicht anders. Man hat früher vom ritterlichen Krieg gesprochen; in Balladen und manchen Volksschulbüchern mag er noch vorhanden sein, in Wirklichkeit ist er ein technischfabrikatorisches Großunternehmen der Menschen- und Wertevernichtung geworden.“

Auf Einladung der Bundesregierung waren der französische Oberkommissar Francois-Poncet, die stellvertretenden Oberkommissare von England und Amerika und die ausländischen Missionschefs erschienen.

Großrazzia in Frankreich

Scharfe Maßnahmen gegen Exil-Kommunisten

Paris, 7. September, (dpa) In Paris und Umgebung hat am Donnerstag eine Großrazzia gegen spanische Exilkommunisten begonnen. Die Aktion wurde nach der Aufdeckung eines weitverzweigten kommunistischen Spionagenetzes in Frankreich befohlen. Das französische Innenministerium hat inzwischen Ausweisungsbefehle gegen dreihundert kommunistische Exilspanier ausgestellt. Sie sollen nicht über die spanische Grenze abgeschoben werden, sondern in Lager nach Korsika gebracht werden. Nach einem Bericht des französischen Innenministeriums wurden im Rahmen der Aktion bisher 208 Personen verhaftet, unter ihnen 150 Spanier.

Das Berliner Schloß gesprengt

er Berlin, 7. September. (Eigener Drahtbericht.) Seit Donnerstagmorgen explodieren im Zentrum Berlins die Sprengladungen, die auf Befehl der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik das ehemalige Königliche Schloß niederlegen sollen. Der ausgedehnte Komplex des Schlosses umfaßt Teile aus der frühesten Zeit der Hohenzollern in 'Brandenburg, vor allem aber die schönsten Barock-Baudenkmäler auf Berliner Boden.

Die Sprengung des ganzen Gebäudekomplexes fünf Jahre nach Kriegsende ist eine ausgesprochene politische Aktion, durch die das Zentrum des alten Berlins ein östliches Gesicht nach dem Vorbild Moskaus erhalten soll. Den Raum des großen Gebäudekomplexes wird künftig ein weiter leerer Platz, gleich dem Roten Platz in Moskau, einnehmen, so daß Raum für mächtige Demonstrationen und Aufmärsche inmitten der Stadt gewonnen wird.

Die Errichtung eines Patentamtes ist von der provisorischen Volkskammer der Sowjetzone beschlossen worden.

Nur unter verstürktem Schutz

Bonn zur Frage der Erhöhung des Polizeikontingents

R. Bonn, 7. September. Die Erklärungen des amerikanischen Außenministers über einen deutschen Beitrag zur Verteidigung Europas werden in Bonner Kreisen als eine weitere Auflockerung des westlichen Gesprächs über die europäische Sicherheit bezeichnet.

Das Hauptthema der deutschen Betrachtungen zu diesem Punkt bleibt die Forderung nach einer Verstärkung der alliierten Truppen in Westdeutschland.

Der Bundeskanzler und der Führer der Opposition sind sich, wie aus allen ihren Aeußerungen hervorgeht, darin völlig einig, daß ein verstärkter Schutz der äußeren Sicherheit der Bundesrepublik die unbedingte Voraussetzung aller deutschen Maßnahmen zum Schutze der inneren Sicherheit bedeute. Dieser Standpunkt ist sicherlich sowohl in der Denkschrift an die Außenminister, als auch in einzelnen Gesprächen mit den Oberkommissaren dargetan worden, und man hat aufmerksam verzeichnet, daß Präsident Truman sein ursprüngliches Nein zu der Forderung solcher Verstärkungen anscheinend nach dem Empfang des Oberkommissars McCloy etwas abgeschwächt hat.

Dabei wird in besonderem Maße in Bonn das Problem der sofortigen Entsendung weiterer alliierter Einheiten in die Bundesrepublik mit der Diskussion über die Bildung von Schutzkräften zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung verknüpft. Manche Kreise erklären, auf diese Kräfte könne die Bezeichnung „Bundespolizei“ nicht zutreffen, da sie keine polizeilichen Befugnisse haben dürften, während sie selbstverständlich in ihrer ganzen Art auch nicht die Keimzelle einer Armee darstellen könnten. So würden sie außerhalb jedes polizeilichen Rahmens, der nach wie vor eine Länderangelegenheit bleibe, eine besondere Institution des Bundes bedeuten, die entweder dem Innenministerium zugeordnet werden oder nach anderen in Regierungskreisen laut gewordenen Erwägungen auch die Form einer Bundesoberbehörde erhalten könne, die eine weitgehende Autonomie gegenüber den Ressortministerien besitze.

Die Entscheidung über diese organisatorischen Probleme wird sich mit der Entscheidung des Konflikte? zwischen dem Kanzler und dem Innenminister verbinden.


FaS? am, 31 September ein Taifun mit einer Stundengeschwindigkeit von on^« ’ne ungehe“re Wasserflut folgte. Im Gebiete der Städte Osaka und e wurden 11000 Hauser zerstört. Das Bild zeigt eine überschwemmte Straße in Osaka Foto: dpa
FaS? am, 31 September ein Taifun mit einer Stundengeschwindigkeit von on^« ’ne ungehe“re Wasserflut folgte. Im Gebiete der Städte Osaka und e wurden 11000 Hauser zerstört. Das Bild zeigt eine überschwemmte Straße in Osaka Foto: dpa

Geringe Hoffnung?

Die Schlichtungsverhandlungen

Remagen, 7. September. (AP.) Die Schiedsgerichtsverhandlungen über die Lohnforderungen und Teilstreiks im Baugewerbe sind am Donnerstagvormittag unterbrochen worden. Wie das Bundesarbeitsministerium hierzu mitteilt, hat sich die Lage versteift.

Aus Kreisen der Sachverständigen beim Schiedsgericht in Remagen verlautet, daß die Aussichten auf eine Einigung sehr gering seien.

Knieweiches Bürgertum

*♦* Der amerikanische Landeskommissar von Bayern, Dr. George Shuster, hat vor Pressevertretern in München angeregt, sie möchten die Namen der „knieweichen Bürger“ ermitteln und in den Zeitungen veröffentlichen, die der Kommunistischen Partei Unterstützungsgelder zahlen. Er sei von zuverlässigen deutschen Stellen darüber unterrichtet worden, daß nicht nur Anzeigenaufträge an kommunistische Zeitungen gegeben, sondern auch direkte Zahlungen an diese Partei geleistet worden seien. Wer glaube, durch zwanzig Mark eine Rückversicherung bei Herrn Ulbricht aufnehmen zu können, sei nicht nur ein Esel, sondern schädige außerdem den tapfer kämpfenden Arbeiter.

Man kann Mister Shuster durchaus zustimmen, wenn er das Verhalten der Rückversicherer aufs schärfste verurteilt. Die Zeitungen haben von sich aus wiederholt gegen diese Konjunktur-Politiker Stellung genommen. Sie müssen es jedoch ablehnen, durch Namens-Veröffentlichung eine Denunziantenrolle zu spielen. Es ist Aufgabe des Staates sowie der einzelnen Organisationen und Verbände, auf Sauberkeit in ihren Reihen zu sehen und erkennen zu geben, daß sie mit bolschewistischen Ideologen und charakterlosen Rückversicherern keine Gemeinschaft haben. So hat jetzt der Vorstand des Presseverbandes Berlin festgestellt, daß die kommunistischen Mitglieder des Deutschen Journalistenverbandes nicht in der Lage sind, eine den Satzungen entsprechende Tätigkeit im Berufsverband auszuüben. Der Vorstand des Verbandes wird zweifellos die entsprechenden Folgerungen ziehen. Andere Verbände sollten im gleichen Sinne verfahren.

Wie in der Schweiz, wie in anderen deutschen Ländern, zum Beispiel in Hessen, hat jetzt auch das Innenministerium von Rheinland-Pfalz verfügt, daß gegen Beamte, Ruhestandsbeamte, Angestellte und Arbeiter der Behörden, die den Kommunismus unterstützen, wegen Verletzung ihrer Treuepflicht bei vorläufiger Amtsenthebung ein Dienststrafverfahren einzuleiten ist. Es kann nicht der Sinn der Demokratie sein, daß sie jenen freie Hand läßt, die die demokratische Freiheit mißbrauchen, um als fünfte Kolonne im Auftrage eines Feindes das Staatsgefüge zu unterwühlen.

505 000 Deutsche in fremder Erde

Ha. Am 10. September wird Bundespräsident Professor Theodor Heuss den Ehrenfriedhof Weeze im Kreis Geldern, auf dem 1900 deutsche Soldaten vom Volksbund für deutsche Kriegsgräberfürsorge bestattet worden sind, im Anschluß an die Einweihung offiziell seiner Bestimmung übergeben. Dieser Friedhof gehört zw den letzten, die in Deutschland angelegt werden. Seine Einweihung stellt einen ersten Abschluß der umfangreichen Bestattungsarbeiten des Bundes für Kriegsgräberfürsorge in Deutschland dar. Die Tätigkeit im Ausland ist jedoch noch lange nicht beendet.

Fünf Millionen gefallen

Nach zuverlässigen Schätzungen des Volksbundes für deutsche Kriegsgräberfürsorge sind etwa fünf Millionen Deutsche im zweiten Weltkrieg gefallen oder in Gefangenschaft verstorben. Ihre Gräber liegen vom Nordkap bis Aegypten und zum Baikalsee in Sibirien, an der Grenze von Mandschukuo, verstreut. Die Lage von .505 000 dieser Gräber konnte der Volksbund bisher ermitteln.

Die Pflege des Andenkens der Gefallenen ist eine internationale Aufgabe, die nur mit großer Ehrfurcht erfüllt werden kann. Väter, Mütter und Bräute überall in der Welt teilen den gleichen Schmerz. Sie alle haben ein Anrecht darauf, daß ihren Toten der letzte Liebesdienst erwiesen wird: die Anlage einer würdigen Grabstätte.

In diesem Geist haben sich die europäischen Organisationen für die Betreuung der Soldatengräber zu gemeinsamer Arbeit vereinigt. Die Feststellung der Lage deutscher Gräber, die Benachrichtigung an die Angehörigen und vor allem die Anlage von Ehrenfriedhöfen ist ihr uneigennütziges Werk, an dem auch die zuständigen kommunalen Behörden des Auslandes, die sich für die Pflege der Ruhestätten angeboten haben, tatkräftig teilnehmen. So schrieb der Bürgermeister der Gemeinde Servon-Melzicourt an der Marne dem Deutschen Volksbund für Kriegsgräberfürsorge: „Bei uns werden die Gräber mit Ehrerbietung umgeben, gleich, um wen es sich handelt. Ich bitte Sie, die Verspätung, mit der ich auf Ihren Brief antworte, zu entschuldigen. Aber ich habe Wert darauf gelegt, mich persönlich auf den Friedhof zu begeben, um mich durch Augenschein von dem gegenwärtigen Zustand des Grabes, um dessentwillen Sie mich um Auskunft ersuchten, zu überzeugen.“

Ehrenfr i e d h o f bei Pomezia

Die Kriegsgräberdienste sind unablässig bemüht, alle Gefallenen, die nach den Schlachten behelfsmäßig neben den Rändern der Schützengräben und der Straßen begraben worden sind, auf große Ehrenfriedhöfe umzubetten. Solche Soldatenfriedhöfe erleichtern es vor allem auch den Angehörigen, bei einem Besuch im Ausland die Grabstätte ihrer Toten aufzufinden.

Der größte Ehrenfriedhof dieser Art wurde bei Pomezia, 30 Kilometer südlich von Rom, gemeinsam von Deutschen, Italienern, Amerikanern, Engländern und Mönchen des Klosters Monte Cassino angelegt. Die deutsche Einweihung fand am letzten Weihnachtsabend mit einer Feierstunde statt, die deutsche Rompilger veranstaltet hatten. Bei Pomezia sind die sterblichen Reste von 15 000 deutschen Soldaten bestattet worden, die 1944 bei den Kämpfen um Aprilia und Nettuno/ Anzio gefallen waren. 11 000 der dort beerdigten Toten sind namentlich bekannt, von weiteren 3000 sind die Erkennungsmarken vorhanden, die noch entschlüsselt werden müssen, wenig mehr als tausend werden unbekannt bleiben. Diese Gefallenen gehörten fast alle der 3. Panzerdivision, der 29. und 36. Panzergrenadierdivision, der 65. und 362. Infanteriedivision, der 4. Fallschirmjägerdivision und der 114. Jägerdivision an.

Der fünf Hektar große Friedhof untersteht dem italienischen Generalkommissariat und wird von einem Wärter gepflegt. Mit gleicher Sorgfalt, wie dieser Friedhof, werden auch alle anderen Friedhöfe deutscher Soldaten in Italien und — mit wenigen Ausnahmen — in allen anderen europäischen Ländern angelegt und betreut. Die Lage der Soldaterigräber verteilt sich folgendermaßen: In Frankreich 200 000, in Belgien 45 000, in Holland 35 000, in Italien 90 000, in Finnland 15 000, in Dänemark 10 000, in Nordafrika 10 000, in Aegypten 10 000. Die Zahl der deutschen Kriegsgräber in Oesterreich, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn und Griechenland ist noch unbekannt.

Rußland schweigt

In Süddeutschland sind die Umlegungsarbeiten der Gefallenen auf Ehrenfriedhöfe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, beendet. So sind zur Zeit auf dem Soldatenfriedhof Bensheim an der Bergstraße Umlegungsarbeiten im Gange. 1500 Gefallene wurden dort beerdigt, 600 von ihnen müssen noch identifiziert werden. Auch in Berlin, wo 15 000 deutsche Soldaten gefallen sind, ist noch kein Soldatenfriedhof angelegt worden. Die Arbeiten für die Bestattung der 50 000 Männer, Frauen und Kinder, Opfer des Kampfes um Berlin, sind jedoch bereits beendet worden. Auf 130 Friedhöfen haben sie ihre letzte Ruhe gefunden. In Norddeutschland sind noch Umlegungsarbeiten vorgesehen.

Der Volksbund für deutsche Kriegsgräberfürsorge muß seine Tätigkeit auf Westeuropa und Deutschland beschräriken. Die Sowjetunion, in der die meisten Soldaten gefallen oder in Gefangenschaft umgekommen sind, verweigert jede Auskunft und gestattet keiner Kommission des Volksbundes, welche die Lage und die Zahl der Kriegsgräber feststellen könnte, die Einreise. Der Kreml kennt keine Liebestätigkeit, der Eiserne Vorhang trennt die letzte Ruhestätte der Gefallenen von ihren Angehörigen.

Der Volksbund für deutsche Kriegsgräberfürsorge hat bisher noch keine Zuschüsse von der Bundesregierung erhalten. Er muß seine Arbeit ausschließlich mit Spenden und Beiträgen finanzieren. 1949 konnte der Volksbund über 270 000 D-Mark verfügen. Nur dann, wenn Ende dieses Jahres eine zumindest ebenso große Summe bei dem Bund eingegangen ist, wird er seine Arbeit weiter erfolgreich fortführen können.

Bibeln werden beschlagnahmt

Berlin, 7. September, (dpa) Die Verfolgung der „Zeugen Jehovas“ durch den Staatssicherheitsdienst der Sowjetzone nimmt immer schärfere Formen an. In Dresden wurden bei Haussuchungen Bibeln, bibelerklärende Schriften und Liederbücher beschlagnahmt. Der Ost-Perliner Oberbürgermeister Ebert hat die „Zeugen Jehovas“ auch im sowjetischen Sektor von Berlin verboten.

Kriegsmaterial

zz Die Alliierte Oberkommission hat die Bundesregierung aufgefordert, die Ausfuhr von kriegswichtigem Material in die von der Sowjetunion kontrollierten Länder einzustellen. Schon vor einiger Zeit war von den Westmächten Einspruch vorwiegend gegen die Lieferung von Werkzeugmaschinen aus der Bundesrepublik in osteuropäische Länder erhoben worden. Die Bundesbehörden sind aufgefordert worden, „im Licht der letzten Weltereignisse“ eine Erklärung über ihre Haltung zu der von der Oberkommission geforderten Maßnahme zu geben.

Deutschland, das sich von der Arbeit seiner Industrie ernähren muß, hat ein begreifliches Interesse an einer Ausfuhr nach dem Osten. Andererseits kann man es wohl verstehen, wenn die Westmächte es ungern sehen, daß die russische Rüstung durch deutsche Lieferungen gestärkt wird. Wir müssen jedoch auf eines hinweisen: Erst vor sehr kurzer Zeit, am 27. August, hat der große Mahner Winston Churchill in einer Rundfunkrede sein Erstaunen darüber ausgedrückt, daß eine angesehene englische, Fabrik, die Werkzeugmaschinen hersteUt, seit mehr als zwei Jahren sich vergeblich im Ministerium für Kriegsproduktion erkundigt habe, ob die Werkzeugmaschinen, die bei ihr für die Sowjetunion hergestellt werden, vor allem diejenigen, die zur Herstellung und Reparatur von Tanks nötig sind, tatsächlich angefertigt werden sollen. Die englischen Arbeiter seien schwer besorgt, daß man sie zur Arbeit für die Sowjetunion und Polen nötige, wodurch sie ihr eigenes Land schwächen und ihren gefährlichen Gegner stärken würden. Vor allem habe die Anwesenheit russischer Inspektoren in dieser englischen Werkzeugfabrik Unruhe hervorgerufen, zumal in den gleichen Fabrikanlagen Werkzeugmaschinen für die britische Regierung hergestellt würden. Es sei also Zeit, daß man die Ausfuhr von Werkzeugmaschinen, Dieselmotoren und ähnlichen kriegswichtigen Maschinen nach der Sowjetunion und anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang verbiete und die Firmen auf diese Weise von ihrer vertraglichen Verpflichtung entbinde.

Im englischen Ministerium für die Kriegsversorgung wurde auf die Churchill-Rede hin erklärt, die Kriegsproduktion für die Sowjetunion beruhe auf dem britisch-sowjetrussischen Handelsabkommen. England erhalte dafür Weizen und andere wichtige Produkte. Ein britischer Staatssekretär erklärte weiter, das von England an die Sowjetunion gelieferte Material sei kein strategisch wichtiges Kriegsmaterial und die sowjetischen Inspektoren in den britischen Fabriken bekämen nichts zu Gesicht, was sie nicht sehen dürften.

Eines läßt sich jedoch nicht bestreiten, denn es beruht auf einer Mitteilung des britischen Handelsministeriums: Großbritannien hat in den ersten sieben Monaten dieses Jahres insgesamt 38 300 Werkzeugmaschinen im Werte von 471 337 Pfund (das sind über fünf Millionen DM) an die Sowjetunion geliefert. Wenn sie auch nicht unmittelbar der Rüstung gedient haben mögen, so haben diese Werkzeuge die russische Wirtschaft mindestens ebenso gestärkt, wie die weit geringfügigeren deutschen Lieferungen. Soweit wir uns erinnern, ist seit dem 27. August in England aber noch kein Erlaß bekanntgegeben worden, wonach die Werkzeuglieferungen an Rußland und andere sowjetische Staaten einzustellen • seien.

Sollte es weiter bei dem Satze bleiben: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht das Gleiche? Obwohl Deutschland seine Werkzeugausfuhr ebenso wie England benötigt, um notwendige Lebensmittel zu erhalten, sehen wir doch ein, daß man einen mutmaßlichen Gegner auch auf indirektem Wege nicht stärker machen darf. Wir erwarten jedoch, daß diese Einsicht auch auf britischer Seite zu den erforderlichen Maßnahmen führen wird.

Weiter verlustreiche Kämpfe um Taiku

Die Lage am gefährdeten Dreieck bei Pohang nach wie vor ungeklärt

Pusan, 7. September. (AP./dpa/Reuter.) Die wichtige Industriestadt Taiku ist das Hauptziel der großen nordkoreanischen Offensive. Die Lage für die von drei Seiten umfaßte Stadt hat sich in den letzten vierundzwanzig Stunden erheblich verschlechtert. Die Verbände der 1. amerikanischen Kavallerie-Division, die sich mit Teilen aus Waegnan und Tabu planmäßig zurückziehen konnten, sind bis auf den Stadtrand von Taiku zurückgenommen worden. Die amerikanischen Verbände haben sich in den Randgebieten dieses, in normalen Zeiten 200 000 Einwohner umfassenden Industriezentrums eingegraben.

Mit der Zurücknahme der Front zwischen Tabu und Waegnan ist der große Nordbogen der Front fast ganz eingedrückt. Die Frontverkürzung hatte sich ergeben, als in der Nähe von Tabu die Nordkoreaner die für unüberwindlich gehaltenen Pässe durchstoßen konnten und plötzlich mit besonders starken Kräften Taiku aus dem Norden bedrohten. Im Raum Taiku toben zur Zeit heftige Kämpfe. Die Stadt liegt unter Artilleriebeschuß des Feindes. Nahkampffliegerverbände der Vereinten Nationen versuchen energisch, die Angriffsspitzen der Nordkoreaner unter Kontrolle zu halten und die Verbindungslinien des Feindes zu stören.

In dem gefährdeten Dreieck Pohang-Kiongju-Yongschon sind zwei südkoreanische Korps gegen die Flanken der feindlichen Einbruchskolonnen eingesetzt worden. Der Feind, der vor allem in diesem Abschnitt der Front große Erfolge erzielt hat und mit besonderem Nachdruck versucht, den sich anbahnenden Durchbruch auszuweiten, hat starken Widerstand vor allem nördlich Kiongju und hart östlich Yongschon gefunden. Südkoreanische Infanterie, unterstützt von amerikanischen Panzertruppen, konnte dort bei Angriffen mit begrenztem Ziel taktisch wichtige Positionen zurückerobern. Die Lage an diesem Frontabschnitt ist aber nach wie vor ungeklärt.

Am Mittelabschnitt der Front sind die Kämpfe unvermindert hart. Es ist amerikanischen Truppen an einzelnen Frontstellen gelungen, die nordkoreanischen Angriffsverbände bis auf den Naktong zurückzuwerfen. Im großen ist jedoch keine Besserung der Lage an diesem Frontabschnitt entstanden.

Der amerikanische Präsident hat auf seiner Pressekonferenz erklärt, er rechne damit, daß die Truppen der Vereinten Nationen auf Korea noch an diesem Wochenende alle die Stellungen wieder in der Hand hielten, die sie vor etwa zehn Tagen verloren haben.

Ablehnung des Lohnstopps

Brighton, 7. September. (AP.) Der britische Gewerkschaftskongreß hat am Donnerstag beschlossen, seine bisher geübte Zurückhaltung in der Frage von Lohnforderungen aüfzugeben.

Der Beschluß des Kongresses könnte neue Lohnforderungen zur Folge haben, die sich bei der gegenwärtigen Wiederaufrüstung äußeret schädlich für die britische Industrie auswirken könnten.

Truman entschuldigt sich

Der Präsident nimmt Beschuldigungen gegen das Marine-Korps zurück

Washington, 7. September. (AP.) Der amerikanische Präsident hat sich für seinen Brief vom '29. August, in dem er die Marine-Infanterie der Vereinigten Staaten als eine Polizeitruppe der Flotte bezeichnet hat, entschuldigt. Truman hatte in diesem Brief außerdem erklärt, das Marine-Korps habe -eine Propagandamaschine aufgezogen, die der Stalins ähnele.

Diese Formulierungen des Präsidenten hatten eine unvorstellbar heftige Reaktion in allen Kreisen der Vereinigten Staaten hervorgerufen. Bei der ungeteilten Sympathie, die die Marine und alle ihre Einheiten in mehr als Dreiviertel des amerikanischen Volkes genießt, mußten die Worte Trumans besondere Wirkungen ausüben.

Der Präsident hat sich deshalb nach einer Unterredung xnit seinen engsten Mitarbeitern entschlossen, die Kritik an dem Marine-Korps zurückzunehmen und seine unglücklichen Formulierungen offiziell zu bedauern. Das Schreiben Trumans wurde dem Kommandeur des Marine-Korps, General Clifton Cates, im Weißen Haus persönlich überreicht.;

Der General hatte bei dem Jahreskongreß der Angehörigen des Marine-Korps die Marine gebeten, im Interesse der nationalen Einheit die Angelegenheit zu vergessen. Nach heftigem Widerspruch war er jedoch überstimmt worden und mußte sich dem Beschluß fügen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten alle Behauptungen öffentlich zurücknehmen müsse. Die Teilnehmer an der Eröffnungssitzung wurden durch die Auffassung des Vorsitzenden der Vereinigung ehemaliger Flottenangehöriger bestärkt, der erklärt hatte, die Flotte stehe völlig hinter der Marine-Infanterie und die Aeußerungen Trumans stellten die unverdienteste Beleidigung dar, die jemals ein Oberkommandierender kämpfenden Truppen gegenüber ausgesprochen habe.

Der Präsident konnte jedoch wieder die Herzen der amerikanischen Marinesoldaten und ihrer zahlreichen Anhänger gewinnen. Er erschien am Donnerstag plötzlich und unangemeldet auf dem Jahrestreffen der Veteranenvereinigung des Marine-Korps in Washington und erklärte lächelnd: „Ihr habt es fertiggebracht, mich hierher zu bringen.“ Weiter fügte er hinzu, er hoffe, daß es niemals zwischen ihm und dem Marine-Korps wieder zu einem Mißverständnis kommen werde. Wenn er einen Fehler mache, wolle er ihn auch korrigieren. Die Veteranen applaudierten begeistert, als der Präsident seine Ansprache beendet hatte.

Neue Schwieriglkteiten

um das Verdrängtengesetz

Hi. Bonn, 7. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Vorarbeiten für das Bundesgesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse vertriebener Beamter gemäß Artikel 131 des Grundgesetzes sind auf neue Schwierigkeiten gestoßen. Der Ausschuß für Inneres des Bundesrates hat am Donnerstag die vorgesehene dreiprozentige Kürzung der Beamtengehälter zugunsten der Aufwendungen für diesen Personenkreis abgelehnt. Andererseits hat die Fraktion der Freien Demokratischen Partei beschlossen, darauf hinzuwirken, daß der vorliegende Entwurf des Bundesfinanzministers für dieses Gesetz völlig umgebaut werden solle, da er die Fraktion nicht befriedige.

Deutsche Vorschläge für Neuyork

Mehr Handlungsfreiheit ist notwendig

F.A.Z. Frankfurt, 7. September. Die Verbindungsstelle zur Oberkommission beim Bundeskanzleramt hat den alliierten Stellen ausführliche Vorschläge zur Revision des Besatzungsstatuts überreicht, welche die alliierten Beschränkungen auf den Gebieten der deutschen Wirtschaft, des Handels und der Forschung betreffen. Diese Vorschläge, die Anregungen der Wirtschaftsminister der Länder enthalten, sind vom Bundeswirtschaftsministerium zusammengestellt worden. Es wird erwartet, daß die Außenministerkonferenz in Neuyork diese Einschränkungen wenigstens zum Teil aufheben werde.

In der Denkschrift wird gesagt, daß die Exekutive völlig auf die deutschen Regierungsstellen übertragen werden müsse. Soweit die Alliierten auf einer Ueberwachung bestünden, sollten Weisungen nur an die obersten Behörden des Bundes und der Länder erteilt werden. Auf Gebieten, die weiterhin einer alliierten Kontrolle unterliegen würden, solle dabei eine deutsche Mitwirkung zugelassen werden. — • t • i i — Jama Avnri —

Im einzelnen wird in dem Memorandum die Festsetzung eines möglichst nahegelegenen Termins für die Beendigung unmittelbarer Entmilitarisierungsmaßnahmen vorgeschlagen. Gleichzeitig wird auch die Festlegung eines festen Endtermins für Restitutionen und Reparationen angeregt, nachdem weitere Forderungen ausgeschlossen sein sollen. Die medizinische Forschung, ausgenommen die Arbeiten mit radioaktiven Substanzen und toxischen Stoffen, soll aus der alliierten Ueberwachung herausgenommen werden. Die Ueberwachung der Forschung soll sich auf Gebiete beschränken, die rein militärischen Zwecken dienten oder zur Schaffung eines materiellen Kriegspotentials bestimmt sind.

Ferner wird erklärt, die Verbote und Beschränkungen für deutsche Industrie gingen über die Grenzen des militärischen Charakters hinaus. Auf gewissen Gebieten werde die Befriedigung eines friedlichen Bedarfs ohne militärische Gründe eingeschränkt. So könnten zum Beispiel in Westdeutschland gegenwärtig keine Röntgengeneratoren über 150 000 Volt hergestellt werden, wodurch die medizinischen Behandlungsmethoden behindert würden.

Vertriebene an Truman

Sie verlangen Wiedergutmachung

Hamburg, 7. September. (AP.) Der Flüchtlingspressedienst hat am Donnerstag einen offenen Brief der hessischen Flüchtlinge an Präsident Truman veröffentlicht, in dem gefordert wird, die Ausweisung der Deutschen aus den Gebieten östlich der Oder-Neisse-Linie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu brandmarken.

Die Vertriebenen erklären, daß die Austreibung von zehn Millionen Deutschen aus ihrer Heimat „ein Verbrechen im 20. Jahrhundert ist“, das selbst aus den Tagen eines Dschingis Khan nicht bekannt sei.

In dem Brief wird angefragt, ob die Vereinigten Staaten bereit seien, einen internationalen Gerichtshof mit Beteiligung deutscher Flüchtlinge zu errichten, der die Verantwortlichkeit für diese Massenaustreibung untersuchen soll.

Böckler bei Adenaner

Um den sozialen Frieden

Bonn, 7. September, (dpa) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat am Donnerstag den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Böckler, und andere führende deutsche Gewerkschaftler über die Absichten der Bundesregierung zur Stabilisierung des Lohn- und Preisgefüges unterrichtet. Der Kanzler betonte, daß in Anbetracht der außenpolitischen Spannungen der soziale Frieden gewahrt bleiben müsse.

Stimmen der Anderen

Greift Heuss ein?

Die Basler „N ational- Zeitu n g“ hält es für nicht ausgeschlossen, daß Bundespräsident Heuss in die Bonner Kabinettskrise eingriffe und damit zum ersten Male sich in das politische Geschehen einschaltete:

„Der Bundespräsident, der sich beim Volke durch sein bescheidenes Auftreten, seine menschliche und politische Integrität und nicht zuletzt durch seinen schwäbischen Humor viel Sympathien und vielleicht sogar die Autorität eines weisen Landesvaters erworben hat, ist mit der Art und Weise, wie die Dinge in Bonn sich entwickeln, schon längst nicht mehr zufrieden. Daß Adenauer ihn als quantite negligeable betrachtet und sich seit der Gründung der Bundesrepublik noch kein einziges Mal zu einer politischen Aussprache auf die Viktorshöhe begeben hat, ist für den autokratischen Charakter des Bundeskanzlers bezeichnend. Obschon der Präsident wiederholt von verschiedenen Seiten aufgefordert wurde, seinen Einfluß politisch geltend zu machen, hat er dies bisher nicht getan. Er blieb die Autorität im Hintergründe und sparte seine Kräfte für den Augenblick, da man ihn wirklich benötigen würde. Vielleicht wird die Vertrauenskrise im Bonner Kabinett, bei der es letzten Endes um die Frage geht, ob die Bundesrepublik demokratisch oder autokratisch regiert werden soll, den Bundespräsidenten veranlassen, seine Zurückhaltung aufzugeben und seinen Einfluß zur Erhaltung der demokratischen Staatsform geltend zu machen.“

In Unsicherheit leben

Die Londoner „Times“ schreibt zum einjährigen Bestehen der Bundesrepublik:

„Der deutschen Bundesrepublik drohen keine unmittelbaren Gefahren von undemokratischen Elementen im Innern, sondern von einer kommunistischen Aggression von außen. Der Extremismus hat sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite an Boden verloren. Die Republik ist offensichtlich in den Augen ihrer eigenen Bürger wie auch in den Augen der Außenwelt gewachsen.

Es ist jedoch klar, daß die Grundlagen der Republik unterminiert werden müssen, wenn ihr Volk in einem ewigen Zustand der physischen Unsicherheit leben muß. Wenn Deutschland an seiner eigenen Verteidigung beteiligt werden soll, wird es vermutlich weitere Vollmachten, auch auf außenpolitischem . Gebiete, erhalten.“

Das Zanberwort

uel. Da man nirgendwo leichter willkommene oder unwillkommene Bekannte trifft als dort, wo sich ringsumher lauter wildfremde Menschen befinden, so war es ein durchaus begreifliches Wunder, daß sich dieser Tage plötzlich auf einem Pariser Bahnhof ein Mann und eine junge Dame aus Deutschland gegenüberstanden, die sich recht gut kannten. Die beiden freuten sich auf die gemeinsame Heimfahrt, bis sich an der Bahnsteigsperre herausstellte, daß hier ein unüberwindliches bahnamtliches Hindernis vorlag, das zu getrennten Wegen zum selben Ziel zwang. Der Mann besaß nämlich eine Fahrkarte, die über Straßburg ging, während die Dame via Saarbrücken reisen mußte. Unmöglich, so lautete die Auskunft, mit dieser Karte jene oder mit jener Karte diese Strecke zu benutzen. Aber wie einem zuweilen in schwierigen Situationen etwas einfällt, was sich hinterher als genialer Geistesblitz herausstellt und stolz die Brust schwellt, so nahm der Mann den Schaffner etwas zur Seite und raunte ihm zu, daß es sich bei jener Dame um seine Freundin handele. Damit hatte er das Sesam-öffne-dich gesprochen, das blitzschnell den strengen Wächter der Vorschriften in einen liebenswürdigen, hilfsbereiten, verständnisinnigen Menschen verwandelte. Er fand eine Möglichkeit, und dieselbe Strecke nach Hause war für beide frei. Ein glückliches Land, das wenigstens ein solches Zauberwort gegen Paragraphen besitzt.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

6)

Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg

„Ich bin überzeugt, Mademoiselle, wir können uns darauf verlassen, daß Sie ihn beim Unterricht nicht überanstrengen werden. Wie ich sehe, besitzen Sie die richtige Einstellung, um ein so sensitives Kind in die Hand zu nehmen.“

„Raynald ist darin ganz nach mir geschlagen“, sagte die Herzogin plötzlich, richtete ihre Worte aber lediglich an den Mann neben dem Kamin und nicht an die Erzieherin, der sie angeblich gelten sollten. „Ich war krank und unglücklich vor seiner Geburt, und in ihm wird fortleben, was ich damals gelitten habe.“

Der Herzog stieß ungeduldig mit dem Fuß gegen die glühenden Scheite. Funken sprühten aus der Glut empor. Henriette sah sie nicht, aber sie fühlte die unsichtbaren Funken menschlicher Spannung, die den Raum erfüllten.

„Ist es Ihnen gleichgültig“, durchbrach sie die neuerlich eingetretene pelnvolle Stille, in welcher Sprache ich den Unterricht erteile? Ich bin es gewöhnt, sowohl in Englisch wie in Französisch zu unterrichten.“

Die Herzogin hafte ihren Pfeil verschossen und sank in ihre unbeteiligte Haltung zurück, ohne auf die Sprechende zu achten.

„Für die beiden älteren wäre wohl Englisch ar.gczeigf." Damit griff ihr Mann wieder ein. „Sie sprechen es schon ganz nett, nur müssen sie sich beide noch im Schreiben üben. Wie Sie es mit den iüngeren halfen wollen, überlasse ich

Ihrer eigenen Entscheidung. Ich möchte, daß sie es möglichst zwanglos lernen.“ „Idi denke, das wird sich von selbst ergeben, wenn sie bei den Unf erriet) tsstunden ihrer älteren Geschwister zugegen sind. Auf diese Weise werden sie ein gut Teil von der Unterhaltung aufschnappen, ohne daß es ihnen bewußt wird.“

„Ein ausgezeichneter Gedanke! Wir werden bestimmt bald einen Fortschritt in ihren englischen Kenntnissen feststellen können. Mademoiselle Maillard klagte immer darüber, wie schwer es sei, sie dazu zu bringen, irgend etwas anderes als Französisch zu sprechen.“ „Nein, mit Gewalt läßt sich das gewiß nicht erzwingen“, pflichtete Henriette ihm bei.

„Ich muß sagen, ich habe an Mademoiselle Maillara nichts auszusetzen gehabt“, raffte sich die Hgrzogin noch einmal zu einem Einwurf auf; und wieder konnte sich Henriette nicht der Vorstellung erwehren, daß die Unterhaltung ein Zwiegespräch war, an dem sie gegen ihren Willen teilnehmen mußte. „Sie hat uns hinreichende Beweise ihrer Treue und ihrer Zuneigung gegeben, mein Lieber, du scheinst das sehr schnell zu vergessen.“

„Jetzt ist wohl nicht der geeignete Zeitpunkt, Mademoiselle Maillards Verdienste zu erörtern, Fanny“, schnitt er ihr kühl das Wort ab. „Mademoiselle Desportes darf sich unter keinen Umständen durch die Methoden ihrer Vorgängerin behindert fühlen. Ich wünsche, daß ihr vollkommen freie Hand gelassen werden soll, ihre Aufgabe so anzupacken, wie sie es für am besten hält.“

Die dunklen Äugen in dem blassen Gesicht leuchteten plötzlich auf, als schwele eine versteckte Glut hinter ihrer Unergründlichkeit. „Und wie du es für am besten hälfst“, lautete das Unausgesprochene in ihrem Bück, den sie ihrem Manne zuwarf. Ohne auf das Thema Vorgängerin näher einzugehen, beeilte sich’ Henriette, auf etwas anderes zu sprechen zu kommen.

„Leider muß ich gestehen, daß ich nicht genügend ausgebildet bin, um auch Musiksfunden geben zu können. Ich spiele wohl ein wenig Klavier und könnte daher nötigenfalls das Ueben der Kinder beaufsichtigen.“

„Die Frage des Musikunterrichtes ist bereits geregelt, Mademoiselle, und einmal wöchentlich erhalten sie auch Tanzstunde. Ich entnehme indessen Ihren Zeugnissen, daß Sie auch vom Zeichnen und Malen etwas verstehen. Vielleicht versuchen Sie das Talent unserer kleinen Berthe in dieser Richtung zu entwickeln?“

„Das will ich mit großem Vergnügen tun,“

„Allerdings werden Sie sie nicht so leicht lenkbar linden wie ihren Bruder; sie ist sehr eigenwillig, aber wenn es Ihnen gelingt, Ihr Zutrauen zu gewinnen —• dann — —seine weißen gesunden Zähne blitzten auf, als er ihr wie abbittend zulachte. „Sie müssen einem Vater diese Voreingenommenheit zugute halten, aber sie ist wirklich ein ungewöhnlich reizendes und liebenswertes Kind.“

„Sie brauchen sich wahrhaftig nicht für die Vorzüge Ihres Töchterchens zu entschuldigen, Herzog.“ Henriette hatte selten einen Vater so natürlich von seinen Kindern reden hören. Bewundernd uirfld überrascht spürte sie die tiefe Verbundenheit zwischen ihm und seinen Kindern.

„Ich selbst habe die sorgende Liebe eines Vaters entbehren müssen, aber ich weiß, welch ein Segen eine so liebevolle Voreingenommenheit bedeutet. Ihre Kinder sind zu beneiden.“

Die Herzogin seufzte tief. Es war das einzige Lebenszeichen, das die ausgestreckfe Gestalt in Seide und Spitzen von sich gab.

„lieber die Religion müssen wir wohl auch noch sprechen.“ So sehr sie sich auch scheute, dieses heikle Thema anzuschneiden, wußte Henriette doch, daß es nicht zu umgehen war, und wollte es daher nicht länger aufschieben. „Vermutlich ist es Ihnen, bekannt, daß ich den protestantischen Glauben angenommen habe, obzwar ich in einem Kloster getauft und erzogen worden bin. Ich möchte Ihnen dies jetzt offen sagen, damit später keine Mißverständnisse entstehen.“

Ein Ausdruck des Triumphes erschien in den Zügen der Herzogin. „Siehst du wohl. Theo’.' Sie sprach, bevor er noch etwas entgegnen konnte. „Das hast du davon, mit deinem Eigensinn, unbedingt in England jemanden finden zu wollen. Das ist natürlich ein unhaltbarer Zustand.“

„Ich kann nicht einsehen, warum, Fanny, falls Mademoiselle Desportes nicht beabsichtigt, aus der Religionsfrage eine Staatsaktion zu machen; und dazu ist sie viel zu klug.“ .»

„Nichts könnte mir ferner liegen.' Henriette wagte es, dem Herzog einen dankbaren Blick zuzuwerten. „So wie ich meinem eigenen Glauben folgen muß, kann ich auch nur wollen, daß andere dem ihren folgen. Ich denke mit Liebe und Ehrfurcht an die Klocf erseh wc: fern zurück, die meine Kindheit betreut n, und es würde mir niemals einfallen, mich in die religiöse Erziehung Ihrer Kinder einzumischen.“

„Ihre bloße Gegenwart würde schon genügen, um Zweifel in ihnen wachzurufen.“ Die Stimme der Herzogin harte ihre Gleichgültigkeit verloren. Zum erstenmal an diesem Morgen hörte Henriette einen feindseligen Ton aus ihren Worten heraus: „Es hieße sich selbst belügen, wollte man sich darüber hinwegtäuschen.“

„Das hängt doch ganz und gar von Mademoiselle Despoites Einstellung ab, Fanny“, verwies sie ihr Mann. „Sie sagt, sie achtet den Glauben anderer, und ich sehe keinen Grund, ihre Versicherung anzuzweifeln. Außerdem wird ja der Abbe Gallard wie bisher den Religionsunterricht der Kinder leiten.'

„Es ist eine Beleidigurg für den Abbe, so etwas zu dulden.“

„Ich will ihm meinen Standpunkt darüber gern selbst klarmachen, wenn du es wünschst.“ Er wandte sich wieder an Henriette und fuhr ruhig und unbeirrt fort: „Solange Sie Ihre religiösen Ueberzeugungen für sich selbst behalten, läßt sich gewiß nichts dagegen sagen. Ich finde“ — und damit sah er seine Frau bedeutsam an —, „daß die Duldsamkeit eine Tugend ist, deren Pflege keinem von uns schaden würde.“

_ „Idi danke Ihnen.“ Henriette bemühte sich nicht, ihre Erleichterung zu verbergen. „Ich danke Ihnen sehr, und Sie werden sich in Ihrem Vertrauen zu mir nicht getäuscht haben.“ Sie hielt einen Augenblick inne, um zu sehen, ob die Herzogin weiter aut ihrem Einwand bestehen würde. Doch nur das schnelle Heben und Senken der spitzenbesetzten. Seide übet der weichen, vollen Brust bezeugte ihre Erregung. „Aber da ist noch etwas.“ Henriette drehte das Taschentuch in ihren Händen zu einem windigen Knäuel zusammen, als sie nun ihren ganzen Mut sammelte, diese ande e Schwierigkeit zur Sprache zu bringen, die ihr so schwer über die Lippen wollte.

(Fortsetzung folgt)

Der Weg zur inneren Größe

Feierstunde der Hessischen Staatsregierung in Wiesbaden

Wiesbaden, 7. Sept. (Eig. Bericht.) Der Wiederkehr des Tages, an dem der Bundestag und der Bundesrat erstmalig zusammengetreten sind, und dem Gedenken cm die Opfer der letzten Vergangenheit, insbesondere des Faschismus und des Krieges, war eine Feierstunde gewidmet, die am Donnerstagvormittag von der Hessische^ Staatsregierung veranstaltet wurde. Das Innere des mit den Landesfarben, mit Blumen und Trauerflor würdig ausgestatteten Opernhauses war dicht besetzt; neben den Bediensteten der staatlichen und städtischen Behörden konnte Staatsminister Dr. Stein in seiner Eröffnungsansprache die Vertreter der Landesregierung, Landtagspräsidenten Witte und zahlreiche Abgeordnete sowie Landeskommissar Dr. Newman begrüßen. Oberbürgermeister Redlhammer und ein Großteil der Magistratsmitglieder waren ebenfalls zugegen.

Staatssekretär a. D. Bundestagsabgeordneter Prof. Dr. Hermann Brill wies in seiner Ansprache auf die durch Terror und Diktatur gekennzeichnete Vergangenheit hin, deren Toten die Lebenden ermahnen müßten. Diktatur bleibe die dunkelste Erscheinung der menschlichen Lebensauffassungen, da sie keine Freiheit dulde. Ein Leben ohne Freiheit jedoch habe jeglichen Sinn verloren. Darum auch dürfe es nicht zugelassen werden, wenn neue doktrinäre Macht und neuer Terror sich über uns ausbreite. Deutschlands Weg vom Imperalismus zum Idealismus und vom gescheiterten Versuch, die Weltherrschaft zu erstreiten, müsse zur inneren, geistigen Größe führen.

„Nicht Militär und Polizei sind die ersten Voraussetzungen für den Bestand einer Demokratie, sondern das Spürbarwerden von Gerechtigkeit und Freiheit in jedem Augenblick-unseres Daseins“, sagte Dr. Eugen Kogon in seiner Gedenkrede. Bei diesen Kennzeichen sei die Demokratie gegen jede angreifende .Diktatur gesichert. Die in ihr lebenden Menschen hätten dann, nachdem sie die Werte der Demokratie erkannt haben, die innere Kraft zur Abwehr gewonnen. Kogon äußerte, daß die Bundesrepublik mit den gegenwärtigen Grundlagen geistiger, wirtschaftlicher und finanzieller Art nicht von Bestand sein könne, da uns ein ganzes, geeintes Deutschland vor sch webe. Durch friedliche Arbeit und durch Gerechtigkeit für jeden als dem Inhalt der neuen Demokratie werde es möglich sein, einen geeinten Kontinent zu schaffen, in dem ein sicheres und einheitliches Deutschland seine Aufgaben finde. Es sei besser, mit dem Handwerkszeug in der einen und mit der Waffe in der anderen Hand zu leben, als in der Sklaverei zu sterben. — Die Feierstunde im Staatstheater war von Vorträgen des Orchesters und Chors der Staatsoper Wiesbaden unter Leitung von Operndirektor Ludwig Kaufmann umrahmt.

Malik wieder überstimmt

Sicherheitsrat hieß die Luftangriffe in Korea gut

Lake Success, 7. September. (AP.) Der Weltsicherheitsrat hat am Donnerstag mit neun Stimmen gegen die Stimme der Sowjetunion einen sowjetischen Antrag auf Einstellung der amerikanischen Luftangriffe auf nordkoreanisches Territorium abgelehnt. Jugoslawien enthielt sich der Stimme. Malik erklärte zum Abstimmungsergebnis, es sei einfach „unfair“, daß sich solch eine Mehrheit im Rat gegen seine Entschließung ausspreche.

Der amerikanische Delegierte Groß wandte sich gegen die Anschuldigungen Maliks über „barbarische Luftkriegführung“ der amerikanischen Streitkräfte in Korea. Groß erklärte, die amerikanischen Flieger achteten streng darauf, daß die Bombardierungen nur auf militärische Ziele beschränkt würden.

Im Gegensatz zum Verhalten der amerikanischen Streitkräfte könne man die nordkoreanische Kriegführung nur „erschreckend grausam“ nennen. Es lägen einwandfreie Beweise dafür vor, daß die Nordkoreaner Gefangene erschossen haben. Die Erschießung von Gefangenen sei das „scheußlichste Verbrechen“, das es gibt.

Groß beschuldigte die Nordkoreaner ferner, sie benutzten Zivilisten bei ihrem Vorgehen als lebende Schilde und lagerten in eindeutiger Verletzung der Genfer Konvention Kriegsmaterial in Kirchen, Schulen und ähnlichen Gebäuden.

In der Nachmittagssitzung des Sicherheitsrats hatte die Sowjetunion erneut versucht, den südkoreanischen Botschafter in den USA, John Chang, von den Besprechungen über den Korea-Konflikt auszuschließen. Malik erklärte, der sowjetische Antrag gehe Chang nichts an, da die ;,Syngman,Rhee-Clique“ und General Mac Arthur keine Opfer der Bombenangriffeseien und damit „hier nichts zu suchen habe“.

Der britische Vertreter Sir Gladwyn Jebb stellte als Vorsitzender des Rates fest, der Sicherheitsrat habe die Anwesenheit des südkoreanischen Vertreters bei den Erörterungen der Korea-Frage schon längst gebilligt. Malik erklärte daraufhin, er erkenne die Feststellung Jebbs nicht an. Formellen Protest legte der sowjetische Delegierte jedoch nicht ein.

Gleich nach dem Angriff auf den südkoreanischen Botschafter begann Malik mit einem langen Angriff gegen die Vereinigten Staaten, die er der „unmenschlichen Bombardierung von Schulen, Krankenhäusern und anderer nichtmilitärischer Ziele“ beschuldigte.

Groß forderte anschließend den Rat auf, die rotchinesische Beschuldigung bevorzugt zu behandeln, wonach amerikanische Flugzeuge mandschurisches Gebiet angegriffen haben sollen.

Malik widersetzte sich diesem Antrag und verlangte die vorrangige Behandlung des chinesisch-kommunistischen Protestes gegen die Anwesenheit der Siebenten amerikanischen Flotte in den Gewässern von Formosa.

Der Rat beschloß dann mit acht gegen eine Stimme, die Klage wegen Verletzung mandschurischen Staatsgebietes vor der Formosafrage zu behandeln. Die Abstimmung erfolgte nach einem langen Streit um Verfahrensfragen gegen die Stimme der Sowjetunion, bei Stimmenthaltung Indiens und Aegyptens.

Strachey warnt Moskau

Lanark (Schottland), 7. Sept. (AP.) „Der Westen wird keinen Angriff auf irgendwelche westliche Nation zulassen“, hat der britische Kriegsminister John Strachey am Donnerstagabend in einer Rede zum neuen britischen Aufrüstungsprogramm erklärt. Strachey richtete eine deutliche Warnung an Rußland. Es sei nur zu hoffen, daß die Sowjets noch rechtzeitig die Entschlossenheit des Westens einsähen, nicht von seiner Lebensart abzuweichen.

Es sei geradezu lächerlich, von Kriegslüsternheit im Westen zu sprechen, wenn im Osten 175 Divisionen unter Waffen ständen. Man dürfe sich auf der anderen Seite keinem Zweifel darüber hingeben, daß der Westen in seiner Gesamtheit genau so starke Streitkräfte aufstellen könne, wie die Sowjetunion, sagte der Minister.

Lohnverhandlungen gescheitert

Frankfurt/Main, 7. Sept. (AP.) Die Lohnverhandlungen in der hessischen Metallindustrie sind nach Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Arbeitgeberverbände in Frankfurt am Donnerstag ergebnislos abgebrochen worden.

Die Gewerkschaften hätten auf einer Erhöhung des Stundenlohnes um zwanzig Pfennig bestanden und seien davon auch nicht abgegangen, als auf die nachteiligen Auswirkungen für den Export hingewiesen worden sei.

Die Arbeitgeber seien der Ansicht, so heißt es in der Verlautbarung, daß die geforderte Lohnerhöhung eine Gefährdung des Lohn- und Preisgefüges mit Sicherheit zur Folge haben müßte. Auch die Ueberweisung des, Lohnstreites an eine Bundesschiedsinstanz hätte die Gewerkschaft abgelehnt.

Der Landesbezirk Hessen des DGB teilte zu dem Scheitern der Lohnverhandlungen mit, daß die Arbeitgeber sich lediglich mit einer Lohnerhöhung von zwei bis drei Pfennig pro Stunde einverstanden erklärt hätten. Dies sei jedoch von den Gewerkschaftsvertretern abgelehnt worden. Da die Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt hätten, sei nunmehr mit dem Beginn von Streiks in der hessischen Metallindustrie zu rechnen.

Das hessische Defizit

30 Millionen DM Schulden

LH Wiesbaden, 7. September. Der Staatshaushalt des Landes Hessen hat nach vorläufigen Feststellungen des Finanzministerjqms im Monat August mit einem Defizit von fast 30 Millionen DM abgeschlossen. Die Einnahmen betrugen rund 47 Millionen, die Ausgaben rund 76 Millionen DM. In den Ausgaben sind unter anderem 11 Millionen DM enthalten, die Hessen als sogenannte Interessenquote an den Bund zahlen mußte.

Gebesserte Versorgungslage

Bonn, 7. September (dpa) Bundesernährungsminister Professor Niklas kündigte am Donnerstag an, daß die Versorgung auf Grund der gesteigerten Leistungen der deutschen Landwirtschaft und der günstigen Entwicklung des Außenhandels im laufenden Wirtschaftsjahr erheblich verbessert werden könne. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Nahrungsmittel-Produktion im Bundesgebiet von 26,1 Millionen Tonnen im Vorjahr auf fast 30 Millionen Tonnen im 'abgelaufenen Wirtschaftsjahr gesteigert worden sei.

Professor Niklas wandte sich scharf gegen den verschiedentlich geäußerten Vorwurf, daß er die Einfuhren gedrosselt habe, um die Preise hochzuhalten. Die Korea-Krise habe nicht nur auf dem agrarischen, sondern auch auf dem gewerblichen Sektor zu Verknappungserscheinungen geführt. Sie habe auch andere Länder überrascht.

Will Steffan zurücktreten?

Mainz, 7. Sept, (dpa) Der Sozialminister von Rheinland-Pfalz, Steffan, soll aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt angeboten haben. Politische Kreise der Landeshauptstadt nehmen an, daß diese Absicht Steffans in unmittelbarem Zusammenhang mit Vorwürfen aus Kreisen der CDU gegen ihn in Verbindung zu bringen sind. Die offizielle Annahme des Rücktrittsgesuchs durch Ministerpräsident Altmeier ist noch nicht erfolgt.

Das württembergisch-badische Landtags¬ wahlgesetz ist von der alliierten Oberkommission abgelehnt worden.

Wirtschaftsblatt

Behutsame Mietpolitik

Gz. Nachdem der Schweizer Bundesrat die vielumstrittene Mietenerhöhung beschlossen hatte, wurde nunmehr von der zuständigen Preiskontrollstelle die Verfügung erlassen, nach der die Mieten für die Altwohnungen, die seit dem 31. Dezember 1943 nicht erhöht worden sind, in zwei Etappen um insgesamt 10 Prozent erhöht werden können. Der erste Aufschlag darf höchstens die Hälfte des im ganzen zulässigen Aufschlags betragen und frühestens nach Ablauf der normalen Kündigungsfrist erhoben werden. Die zweite Erhöhung kann erst sechs Monate nach Inkrafttreten der ersten gefordert werden. Bei schlechtem Zustand der Wohnung kann die Mietpreiserhöhung rückgängig gemacht werden.

In den meisten Ländern, auch in den vom Kriege nicht betroffenen, sind die Wohnungsprobleme die gleichen. Es besteht allenthalben eine mehr oder weniger große Kluft zwischen Wohnungen mit gestoppten, niedrigen Mieten und teuren Neubauwohnungen. Der Besitz von alten Häusern ist deshalb nahezu unrentabel und die Gefahr, daß diese Häuser verwahrlosen, weil die dringendsten Reparatürarbeiten nicht vorgenommen werden können, ist groß. Zugleich muß der Mietstopp, wenn er auf die Dauer aufrechterhalten werden soll, zwangsläufig zu einer staatlichen Subventionierung des Wohnungsbaues und damit zu Strukturänderungen in der Wohnungswirtschaft führen. In all diesen Ländern, auch in Deutschland, muß deshalb einmal die Frage eindeutig beantwortet werden, ob im Bereich der Wohnungswirtschaft das ökonomische Prinzip wieder gelten oder ob der vom einzelnen aufgewandte Anteil für die Wohnung weiterhin künstlich klein gehalten werden soll.

Die Schweiz hat, soweit wir es übersehen, als erstes Land nach dem Kriege durch die genannte Mietpreiserhöhung diese Frage ziemlich eindeutig beantwortet. Durch die zehnprozentige Mieterhöhung ist die Spanne zwischen Alt- und Neumieten zwar immer noch nicht beseitigt, aber sie bedeutet doch einen wesentlichen Schritt zur Angleichung. Die Schweizer Lösung ist sehr behutsam und es ist bemerkenswert, daß in einer der beratenden Kommissionen auch die Gewerkschaftsvertreter der Mieterhöhung zugestimmt haben. In Deutschland wird eine entsprechende Lösung deshalb viel schwieriger sein, weil in weitaus stärkerem Maße auf große Bevölkerungskreise soziale Rücksicht genommen werden muß. Dennoch sollte man diese so wichtige Frage nicht immer wieder hinausschieben, sondern auch bei uns nach einer gerechten und sozial tragbaren Lösung suchen.

Buna-Erzeugung erfordert Investitionen

vwd. Die Ruhrindustrie wünscht hinsichtlich der von amerikanischer Seite angeregten Wiederaufnahme der Bunaproduktion ausreichende Sicherungen, daß diese Erzeugung nicht wieder verboten wird, da eine Produktionsaufnahme in diesem Falle zu Fehlinvestitionen führen würde. Für absehbare Zeit besteht die einzige Produktionsmöglichkeit für Buna bei den chemischen Werken Hüls bei Recklinghausen. Dort wurden von acht Bunastraßen sieben demontiert. Auf der einzigen noch vorhandenen Straße ist nach Erteilung einer Produktionserlaubnis unter Aufwendung von einer Million DM für die Instandsetzung eine Jahresproduktion von 6000 bis 7000 t synthetischen Kautschuks zu erwarten. Die Produktion einer größeren Menge kann nur nach noch umfangreicheren Investitionen erreicht werden. Gegenwärtig sind Untersuchungen über die Höhe dieser Investierungen im Gange. Die frühere Bunaproduktion in Hüls belief sich auf jährlich 40 000 t und bei der IG in Ludwigshafen auf 25 000 t.

Düsseldorf, 7. September, (vwd) Die noch bestehenden Produktionsverbote und Beschränkungen müßten im Zeichen der jetzt herrschenden echten Konjunktur auf der Außenministerkonferenz im Zusammenhang mit der möglichen Revision des Besatzungsstatuts aufgehoben werden. Diese Forderung stellten Vertreter der chemischen Industrie der Ruhr auf. Der Mangel an chemischen Produkten aller Art auf dem Weltmarkt würde eine Aufhebung oder weitgehende Lockerung des Fischer-Tropsch- und Buna-Verbotes, eine Ausweitung der derzeitig begrenzten Chlorkapazität von jährlich rund 200 000 auf mindestens 240 000 Tonnen und eine Genehmigung zum Einsatz von Steinkohlenteerölen in die Hydrierung rechtfertigen.

Steigende Lieferfristen

Oberhausen, 7. September, (vwd) Die steigenden Lieferfristen für Walzwerkserzeugnisse haben in Teilen der weiterverarbeitenden Industrie bereits zu ernsten Schwierigkeiten geführt. Wie am Mittwoch aus Kreisen der Maschinenbauindustrie in Oberhausen mitgeteilt wurde, machen sich diese Störungen insbesondere bei kurzfristigen Bergbauaufträgen bemerkbar. In einzelnen Fällen hätten schon Aufträge zurückgewiesen werden müssen, weil ein Teil der Rohmaterialien nicht termingerecht beschafft werden konnte. Es bestünden heute bereits Lieferfristen von acht bis zwölf Monaten. Für Spezialbleche, wie Dynamobleche, seien die Lieferzeiten von 20 auf 24 Monate gestiegen.

Instrumentenmesse in Mittenwald

Mittenwald, 7. September. (AP.) In den ersten zwei Tagen der deutschen Musikinstrumentenmesse in Mittenwald sind Abschlüsse in Höhe von 360 000 DM und rund 21 000 Dollar getätigt worden. Weitere große Abschlüsse werden für die nächsten Tage mit nord- und südamerikanischen, skandinavischen und westeuropäischen Käufern erwartet.

Maßnahmen der Investitionspolitik

ck. Nachdem im Dezember 1949 erstmals Mittel aus ERP-Counterpartfunds generell freigegeben und mit der Auszahlung Anfang Februar 1950 begonnen wurde, sind bis zum 30. 6. 1950 rund 1 Milliarde DM zur Auszahlung gelangt. Eine zweite generelle Freigabe von weiteren 1150 Millionen DM erfolgte Anfang Juni. Im Laufe des Monats Juni wurden davon etwa 100 Millionen DM für Einzelprojekte zur Verfügung gestellt. Voraussichtlich werden in den Monaten Juli/August/September jeweils weitere 300 Millionen DM zur Verfügung stehen, so daß bis zum Ende dieses Zeitraumes mit einem Einströmen von ECA-Mitteln in Höhe von etwa 1 Milliarde DM aus der zweiten Freigabe gerechnet werden kann.

Das M.arshallplanjahr 1950/51 soll einen Anfall aus Counterpartfunds-Mitteln von rund 1800 Millionen DM bringen. Die ECA-Spezial-Mission hat allerdings durch ihre Entscheidung vom 19. 7. 1950 für Zwecke der Hohen Kommission 300 Millionen DM zurückbehalten. Darüber hinaus hat die ECA-Mission verlangt, daß weitere 300 Millionen DM in Reserve gestellt werden müssen, so daß also ein tatsächlicher Anfall von nur 1200 Millionen DM erfolgt. Ueber den Einsatz dieser Mittel hat die ECA-Mission allerdings Entscheidungen gefällt, die mit den deutschen Vorschlägen nicht mehr übereinstimmen. Es wurden insbesondere Beträge für die Fortsetzung begonnener Projekte ebenso wie die für die Stahlindustrie und den Kohlenbergbau vorgeschlagenen Beträge gestrichen. Die Freigabe der noch zur Verfügung stehenden 1200 Millionen DM soll darüber hinaus von der Vorlage eines Programms für die Verwendung der gezahlten 1 Milliarde DM abhängig gemacht werden. Die Bundesregierung hatte im Februar d. J. ein Arbeitsbeschaffungsprogramm proklamiert, das die Aufgabe hatte, die auf zwei Millionen angestiegene Arbeitslosigkeit baldmöglichst zu beseitigen bzw. zu vermindern. Der Abfluß der bereitgestellten Gelder erfolgte aber außerordentlich langsam. Der größte Teil der für das Schwerpunktprogramm zur Verfügung stehenden Gelder (rund 300 Millionen DM) dürfte erst in den Monaten Juli/August/ September/Oktober zur Auszahlung kommen. Die langsame Auswirkung dieses Programms ist wohl auf die Struktur seiner Anlage zurückzuführen. Das Programm ist kein rein konjunkturpolitisches, sondern es trägt starke strukturelle Züge (Beschränkung auf die Notstandsgebiete, Schwerpunkt auf Arbeitsbeschaffung, Flüchtlingsansatz) und war darüber hinaus in seiner finanztechnischen Durchführung nicht genügend vorbereitet. Für die kommenden Monate werden neben diesen Mitteln des Schwerpunktprogramms aus dem Wohnungsbauprogramm, dem Bundesbahnprogramm und der Exportvorfinanzierung pro Monat weitere 100 bis 200 Millionen DM an zusätzlichen Kreditmitteln bereitgestellt werden. Darüber hinaus wird die Post durch besondere Ermächtigungen in die Lage versetzt werden, in den kommenden Monaten ebenfalls für mehr als 200 Millionen DM Aufträge zu finanzieren und vordringliche Investitionen durchzuführen. Auch der außerordentliche Haushalt des Bundesfinanzministers sieht eine Summe von 300 bis 400 Millionen DM für Investitionsmaßnahmen des Bundes, insbesondere in der Seeschifffahrt, im Straßen-, Wasserstraßen- und Hafenbau usw. vor.

In diesem Zusammenhang ist schließlich noch darauf hinzuweisen, daß im Mai der Bundeswirtschaftsminister beauftragt wurde, ein Wirtschaftsförderungsprogramm in Höhe von 1 Milliarde DM vorzulegen. Durch die jüngst eingetretene Belebung weiter Zweige der Wirtschaft und in der Hoffnung, daß sich im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen diese Entwicklung fortsetzen wird, und ferner unter Berücksichtigung der Tatsache, daß in Anbetracht der anfangs erwähnten Kredite der Wirtschaft bereits beträchtliche Kapi|albeträge zufließen, ist man sich jedoch darüber klar, daß die im Rahmen des Wirtschaftsförderungsprogramms der Bundesregierung vorgesehene Kreditschöpfung erst im Falle einer offensichtlichen konjunkturpolitischen Notwendigkeit vorgenommen werden soll.

Außenhandels-Beirat in Bonn gebildet

Bonn, 7. September, (zr) Der Bundestagsausschuß für Außenhandelsfragen setzte am Donnerstag einen parlamentarischen Beirat ein, der aus neun Mitgliedern besteht. Der Beirat soll eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Bundestag einerseits und der Bundesregierung andererseits bei der Gestaltung der handelspolitischen Vereinbarungen sicherstellen. Der Beirat berät die Bundesregierung beim Abschluß handelspolitischer Vereinbarungen. Er soll dafür sorgen, daß die grundsätzliche Verantwortung des Parlaments auch auf dem Gebiet der Außenhandelspolitik zur Auswirkung kommt.

Liberalisierte Hopseneinfuhr?

Bonn, 7. September, (zr.) Das Bundesernährungsministeriuim führt zur Zeit Verhandlungen, um Hopfen aus England auf diie Freiliste zu setzen. Dadurch sollen hauptsächlich Hopfeneinfuhren aus England begünstigt werden, um die Unsicherheit der Preisentwicklung für deutschen Hopfen zu beseitigen. Gleichzeitig soll dadurch auch der Gefahr vorgebeugt werden, daß der deutsche Hopfen vom Export durch übersetzte innerdeutsche Preise völlig abgeschnitten werde. Die deutschen Brauereien sollen die Möglichkeit haben, anstatt deutschen Hopfen, der etwa 2V2 bis 3mal teurer als der Weltmarktpreis ist, im Auslande billigeren Hopfen einzukaufen.

Verteilung der Flüchtlingskredite

Bonn, 7. September, (zr.) Das Gesamtvolumen der bei der Vertriebenenbank bisher eingereichten Kreditanträge hat den Umfang von rund 500 Millionen DM erreicht, wovon 150 Millionen als vordringliche Anträge bei den Ländern liegen. Die Vertriebenenbank konnte bisher aber nur 50 Millionen DM Kredite steuern, die bereits verplant sind und 20 Millionen DM zur Schaffung eines Garantiefonds bereitstellen, um Ausfallbürgschaften für Kredite an Heimatvertriebene übernehmen zu können. Schwierigkeiten bereitet es, Hausbanken zu finden, die ein Obligo von 10 Prozent übernehmen. 60 Prozent der Bürgschaften würden von den Ländern und 30 Prozent von der Vertriebenenbank getragen. Es wurde jetzt beschlossen, zu dem Zinssatz von 2 Prozent für Kredite an Flüchtlinge in den ersten 5 Jahren einen Risikozuschlag von IV2 Prozent zu erheben, der auf Landesebene zur Bildung eines Ausgleichsfonds gesammelt wird, so daß für die Hausbanken keine Gefahr mehr besteht.

Einzelheiten des Schweden-Vertrags

Frankfurt, 7. September, (k) Zu dem Handelsabkommen mit Schweden werden nunmehr weitere Einzelheiten bekännt. Das Verzeichnis der Waren- und Mindestwertgrenzen, die in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1950 für die Einfuhr aus Schweden zu lizenzieren sind, hat folgendes Aussehen (in 1000 Dollars): frische und gefrorene Heringe, Sprotten und andere Fische 1300; gesalzene Heringe 150; Fischkonserven 200; Saaten 600; Holzmehl 15; Zeitungsdruckpapier 600; Natron-Sackpapier 1000; sonstiges Papier 250; Spirituosen 50 und Glühbirnen 100 sowie 141 000 Tonnen Zellstoff und Holzschliff.

Handel mit Italien

Frankfurt, 7. September, (k) Zur Erfüllung der im Rahmen des deutschitalienischen Handelsabkommens eingegangenen Verpflichtungen werden die von der Bundesrepublik zu treffenden Liberalisierungsmaßnahmen teilweise bereits auf die italienische Ausfuhr nach Westdeutschland angewandt. Die Maßnahmen gelten für Cirusfrüchte, Tomatenprodukte sowie für einige Textilien.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse blieb bei ruhigem Geschäft die Kursentwicklung auch am Donnerstag uneinheitlich. Kleinere Kursrückgänge, insbesondere am Montanmarkt, die im Durchschnitt über 0,5 bis einen Punkt nicht hinausgingen, standen Kursverbesserungen verschiedener Spezialpapiere gegenüber, die zum Teil zufallsbedingt waren

Ein Kilo gewaschene Wolle 22 Mark

Neu-Ulm, 7. September. (Bi.) ( Eigen-Bericht.) Auf der letzten diesjährigen Wollauktion der Deutschen Wollverwertung (DWV), Abteilung Süd, in Neu-Ulm wurde der Rest der süddeutschen Schüren in etwa 600 Losen mit zusammen rund 8000 Zentnern Weißwolle versteigert. Die Qualität hatte gegenüber den vorangegangenen Auktionen erheblich nachgelassen. Das Angebot war dennoch sehr einheitlich und umfaßte 90 Prozent Partien der südlichen süddeutschen Feinheitsgrade AB/B oder Jahreswolle. Bei flottem Geschäft gingen die einzelnen Lose zu gegenüber August um 50 Prozent gestiegenen Preisen weg. Der vorher in Paderborn zu Tage getretene Preisanschluß an die Kap- und Sidney-Notierungen erbrachte Durchschnitte von 6,90 bis 12,30 DM auf Basis 2, was bei 45prozentigem Rendement einem Kilopreis für reingewaschen, ohne Spesen, von 20—22 DM entspricht. Die August-Auktion hatte mit 13,50—14,00 DM für AB/B-Wolle geschlossen. Die entsprechenden Juni-Juli-Preise waren 10,92 bis 10,65 DM für Wolle mittlerer Pflege.

Berliner DM-Wechselkurs

F.A.Z. In den Berliner Wechselstuben wurden am 7. 9. 50 für eine DM-West 4,50 Ostmark gezahlt und für 4,70 Ostmark eine DM-West geboten.

Feuilleton


Weinernte im Süden. Plastik von Prof. Hermann Geibel, Darmstadt.
Weinernte im Süden. Plastik von Prof. Hermann Geibel, Darmstadt.

Neue Filme in Darmstadt

UNION. — „Die drei Musketiere“. Das ist ein Farbfilm, der jeden, der noch einen Funken Abenteuerlust in sich spürt, in seinen Bann schlägt. Was die Metro-Goldwyn-Mayer hier nach dem bekannten Roman von Alexander Dumas verfilmt hat, ist in mehrfacher Hinsicht hervorragend. Die ganze Atmoshpäre, in die hinein der französische Romancier seine Gestalten stellt und aus der heraus sie erst ihr blutvolles Leben gewinnen, ist einzigartig eingefangen. Die Dichte der Handlung, Spannungund Dramatik lassen nichts zu wünschen übrig. Eine aufregende Situation jagt die andere. Idyllische Liebesszenen wechseln mit spannunggeladenen Kampfszenen, Intrige und Verrat stehen verwirrend nahe neben Ehre und Treue. Das ist Alexander Dumas, hier ist Romantik in seinem Sinne.

Eine Schauspielerelite hat die Verkörperung der Gestalten übernommen. Gene Kelly, Lana Turner, June Allyson, Van Heflin, Frank Morgan u. a. spielen nicht ihre Rollen, sie s i n d einfach das, was sie darstellen. Der Regisseur George Sidney zog alle Register seines Könnens und der filmischen Möglichkeiten. Frappierend sind die Perspektiven, aus denen heraus die Kamera die Szenen festhielt. Die Musik Herbert Stotharts unterstreicht wirkungsvoll das Geschehen. Am überraschendsten sind die Farben. Eine derartige Leuchtkraft aller Farbtöne haben wir bisher noch bei keinem Film gesehen. Nicht zuletzt durch dieses Farbenspiel wird der Streifen zu einem Erlebnis: Endlich einer aus der Gilde der Abenteuerfilme, der mehr hält, als man sich zunächst von ihm verspricht.

PALAST. „Pastor Angelicus“. Dieser Dokumentarfilm zeigt uns anschaulich und eindringlich das Leben des Heiligen Vaters, Papst Pius XII. Der Film, der 1942 begonnen und nach Beendigung des 2. Weltkrieges abgeschlossen wurde, blendet auch zurück in die Kinder- und Jugendjahre des Heiligen Vaters. Mit Bewunderung erleben wir die Entwicklung einer Persönlichkeit, die im wahrsten Sinne des Wortes für den Stuhl des Heiligen Vaters prädestiniert war. Kein Christ dürfte es versäumen, sich diesen Film anzusehen. zr

997 Filme sind in dem soeben zu Ende gegangenen Verleihjahr 1949/50 in Deutschland angeboten worden. 517 Filme wurden für dieses Angebot importiert. Nur achtzig neue deutsche Filme konnten neben den Reprisen an dem Wettlauf um die Spieltermine teilnehmen.

Literarische Ambitionen am Lido

DIE XI. INTERNATIONALEN FILMFESTSPIELE IN VENEDIG

In einem Gespräch beklagte sich der französische Regisseur Jean Delannoy darüber, daß der Film keinen Ehrgeiz mehr habe. Darum sei er zum Tode verurteilt. „Ich fürchte, er wird eines Tages wieder das sein, was er zu Anfang war: eine Jahrmarktsunterhaltung für Dienstmädchen und Soldaten, die Ausgang haben.“

Naqh elf Tagen Lido hat man genug Gelegenheit gehabt, Delannoys These zu überprüfen. Erstaunlicherweise kommt man dabei genau zum entgegengesetzten Ergebnis: Das wenige Gute, was zu sehen war. hat keine anderen Ambitionen, als mitten ins Leben hineinzugreifen und dem Zuschauer zu zeigen, was bei diesem Fischzug herauskommt. Das viele Mittelmäßige. Schlechte und vor allem Schiefe beruht hingegen auf Ambitionen meist literarischer Art. Damit ist „literarisch“ im weitesten Sinne gemeint: von der Psychoanalyse bis zur Heiligenlegende und vom Volapük bis zum Knnstmärrbpn.

Beginnen wir mit dem einzigen deutschen Film, der bisher zu sehen war: Curt Götz1 „Frauenarzt Dr. Hiob Prätorius“. Da hat der Autor den Ehrgeiz, sein eigener Regisseur und Hauptdarsteller zu sein und überdies das Unfilmischste zu tun. was möglich ist: in Monologen zu sprechen. Es ist nicht schwer vorauszusagen, daß Dr. Prätorius das internationale Publikum nicht weniger langweilen wird als seinerzeit der geistreichere Napoleon. Eine gute Komödie noch kein guter Film, und Film ist Gemeinschaftsarbeit.

Das Harry-Lime-Thema hat die Franzosen nicht ruhen lassen. Max Ophüls weidete Schnitzlers „Reigen“ aus und schuf den Film „La ronde“. Aber weniger die halb Wiener, halb Pariser literarische Ambition hatte es dem Publikum angetan, sondern der alte Oscar Strauß, dessen Walzermelodie den Streifen von Anfang bis Ende untermalt. Am nächsten Morgen hörte man sie aus jeder Badekabine singen, pfeifen und krächzen. Sie war bisher die musikalische Offenbarung der Saison.

Anspruchsvoller waren Rossellinis literarische Höhenflüge. Er ließ sich von den ..Blümlein“ des Franz von Assisi inspirieren und verfilmte eine Anzahl von „Stationen“ des Heiligenlebens; am eindrucksvollsten wirkt die Begegnung mit dem Leprakranken. Aber „Francesco giullare di Dio“ (Franziskus, der Gaukler Gottes) will auch im Bildlichen mehr als ein gewöhnlicher Film sein. Die Fresken der Giotto-Schüler in S. Frandssco zu A^H r’i-mten als bildliche Muster; jede der elf „Stationen“ schließt mit ein°r ..gestellten Gruppe“ nach Giotto. Doch gerade im Statischen liegt der filmische Mangel; man spielt zur Zeit der Atombombe nicht mehr ungestraft „primitiv“. Unangenehmer noch als das künstlerisch Peinliche wirkt jedoch eine andere Peinlichkeit. Der Zuschauer wird das Gefühl nicht los: Hier hat ein äußerst raffinierter Könner einmal zeigen wollen, wie man mit Laien die franziskanischen Tugenden verfilmen kann. Da wirkt die wilde Leidenschaft von „Stromboli, terra di Dio“ (Stromboli. Gottesland) doch erheblich natürlicher, denn hier hat Rossellini seinem Temperament keine Zügel anzulegen brauchen. Der Vulkanausbruch. die Flucht äer Bewohner, der Haß und das Mißtrauen gegen die Fremde, die Ingrid Bergman spielt das ist echt und unliterarisch. Da hört man weder Papier rascheln noch Zelluloid knistern, sondern sieht das einzige, was nach La Bruyere sich in Jahrtausenden nicht wandelt: das Herz und die Leidenschaften. Verständlich genug, daß dieser Film in puritanischen Ländern manche Staubwolke aufwirbelt...

Einen besonders ehrgeizigen Film zeigten die Engländer. „State Secret“ (Staatsgeheimnis) spielt im Lande einer östlichen Diktatur namens Vosnia (nicht: Bosnia!). Douglas Fairbanks jr., diesmal ein berühmter amerikanischer Arzt, wird zur Konsultation des erkrankten Diktators gerufen. Die Operation gelingt, der Diktator stirbt. Aber damit der Arzt nichts ausplaudert, will man ihn kurzerhand erschießen. Er wäre nicht Fairbanks, wenn er sich das ohne weiteres gefallen ließe: halsbrecherische Flucht nach bester Fairbankstradition, Verfolgung, Wiederverhaftung, erneute Flucht, endlich Rettung. Das alles wäre die Zeilen des Berichtes nicht wert — aber die Ambitionen! Damit niemand auf den Gedanken komme, den Diktator Niva mit anderen Diktatoren zu verwechseln, die auch ein a und ein i im Namen haben, ist man auf eine wahrhaft tollkühne Idee verfallen: Das Ganze wird in einem erfundenen Idiom gesprochen, das eine Fachkraft für Phonetik und osteuropäische Sprachen gebraut hat. Doppelt erheiternd die Kulisse. in der man die Ufer des Gardasees und das friedliche Trient erkennt.

Selbst die Mexikaner sind nicht mehr frei von Ambitionen. „Rosauro Castro“ von Robert Gavaldon erinnert oft zu fatal an den viel besseren italienischen Film „In nome della legge“ (Im Namen des Gesetzes), als daß das Duplikat noch gefallen könnte. Da ist der gleiche Padrone in einem gottverlassenen Nest, der mit Hilfe einer Mafia die Einwohner tyrannisiert; der gleiche Richter, der Ordnung in das Geflecht von Betrug und Verbrechen bringen soll; die gleiche schweigende Solidarität der Bewohner, die man aus Sizilien kennt. Und wenn das Ganze auch ein wenig anders ausgeht — viel Originalität hat dieser Film ni Jit, aber auch nicht viel Ambitionen. Da hat es sich Juan Bustillo Oro in „El hombre sin rostro“ (Der Mann ohne Gesicht) schon viel schwerer gemacht. Im Mittelpunkt steht ein Blaubart im Gewände eines Polizeibeamten, der aber die Frauen nicht schlecht und recht umbringt, sondern natürlich unter einem Freudschen Komplex leidet, der auf ein Jugenderlebnis zurückgeht. Ebenso wird gerade er mit den Nachforschungen nach dem Mörder beauftragt, und so verdoppelt er seine fragwürdige Persönlichkeit wie einst Dr. Jekyll, um sich selbst zu suchen. Brächte nicht Antonio De Cordova als Hauptdarsteller einigen Ernst in die grausige Geschichte, so wäre mehr als einmal Gelegenheit zu einem herzhaft befreienden Gelächter gegeben.

Auch die Franzosen haben bisher noch nichts Ueberdurchschnittliches gezeigt. Neben dem „Reigen“ war das Beste „Rendez-vous avec la chance“ (Begegnung mit dem Glück) des polnischen Regisseurs Emil Reinert. Es ist die gewiß nicht neue Geschichte des kleinen Mannes, diesmal eines Buchhalters mit einer Xanthippe als Frau, den eines Tages der Hafer sticht und der mit seiner hübschen Geliebten auf und davon geht. Aber das Geld, das ihm ein reicher Freund versprochen hat, kommt nicht, weil er es gerade beim Spiel verloren hat. und die niedliche Danielle Delorme hat nun auch keine Lust mehr. Da steht der arme Bobin denn auf dem Bahnhof und weiß nicht, ob er wieder ins verhaßte Büro und seiner Xanthippe zurückkehren soll, bis ihn der Schaffner gerade im Moment der Abfahrt unsanft ins Coupe stößt. Das alles ist hübsch und farbig erzählt, hat aber den Nachteil, daß sich die Autoren über den armen Teufel allzu lustig machen, so daß man gar kein bißchen Mitleid mit ihm aufbringen kann. So ist die Wirkung aufs Publikum von vornherein verstellt.

Der einzige Film, der bisher den guten Durchschnitt übertraf, ohne das Abstruse zu streifen, das die Folge der Ambitionen zu sein pflegt, war der ausgezeichnete Streifen „Asphalt Jungle“ (Asphaltdschungel) von John Huston. Er beginnt wie einer der üblichen Kriminalreißer: Eine Verbrecherbande, von einem Winkeladvokaten unterstützt, unternimmt einen Juwelenraub. Aber dann zeigt sich bald, daß Huston mehr kann, als seine Zuschauer in Spannung halten. Denn keiner der Verbrecher kommt zum Genuß seiner Untat; der eine wird umgebracht, ein anderer verhaftet, ein dritter begeht Selbstmord. Das Haupt der Bande fällt, als es sich in einem Cafe vom Anblick einer tanzenden Dirne nicht trennen kann. Die Leidenschaft ist stärker als die Vernunft. Und von Leidenschaften sind sie alle besessen: darum wirken sie menschlich, verständlich, ohne sympathischer zu werden, als sie sind. Denn Huston predigt keine Verbrecherromantik, sondern nennt die Dinge einfach beim Namen. Er hat keine Ambitionen, und das will in unseren Tagen viel sagen.

Horst Rüdiger.

Ein Komponist überlebte seinen Stil

RICHARD STRAUSS ZUM GEDENKEN

Heute jährt sich der Todestag des großen Tonmeisters zum ersten Male. Eine Fülle von Werken sind auf den einzelnen Stationen eines langen Lebensweges entstanden, deren revolutionäre Herausforderung an den Kunstsinn der Zeit den Komponisten einst in seiner Jugend ebenso durchbebte, wie er sich mit der bereits der Geschichte angehörenden Existenz seines musikalischen Stils im Alter abfinden mußte.

Es läßt sich kaum verheimlichen, daß über dem Lebensabend dieses vielseitigen Musikers eine Tragik lag, die nur noch einzelne Sonnenstrahlen vom Glanz der Jugend aufzuhellen vermochten. Vier schreckliche Kriege fallen in die Lebensspanne dieses außergewöhnlichen Mannes, der eine weltanschauliche und gesellschaftliche Umwälzung größten Ausmaßes miterlebte und doch die einmal erzwungene Zielrichtung seines musikalischen Wollens unbeirrbar bis zu seiner letzten Stunde aufrechterhielt. Die Jahrhundertwende, die Zeit eines reich situierten Bürgertums, einer im Wohlstand lebenden Nation bringt ihm und seinem Werk die größten Erfolge. In dieser Zeit der Gärung, in der Gerhart Hauptmann gegen die Behäbigkeit der Umwelt seine Dramen schreibt, in der Ibsen und Strindberg in Deutschland neu entdeckt werden, wird jede Strauss-Premiere zu einer lärmenden Kontroverse. Undankbar und problematisch wie die Dichter wählte auch der Opernkomponist seine Stoffe. Zwar geht sein Schaffen von der absoluten Musik aus. Mozart und Brahms sind im Münchener Vaterhause seine idealen Vorbilder, bis er Wagner entdeckt, den Tristanrausch auskostet und ihn nach der Bearbeitung der Kompositionslehre von Berlioz mit einem schillernden Klangkolorit zu synthetisieren weiß. Schon in jungen Jahren offenbart sich dabei das Genie eines Weltmannes in der Musik, der sich in der Sprache der Formen und Architekturen höchst gewandt zeigt, dessen genialische Eingebungen durch eine virtuose Routine gebändigt werden, ohne irgendwie an Wert oder Substanz zu verlieren. Höchste Kultivierung und Sublimierung seines Klang- und Melodienschatzes kennzeichnen sein musikalisches Werk ebenso, wie es gleichzeitig in überschwänglicher Daseinsfreude aufschäumt und sich in naturalistischer Farbigkeit ergeht.

Den Frühvollendeten finden wir bald als Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, aktivistischen Schriftsteller für die Moderne, der als „Barbar“ und „mißtönender Fortschrittler“ verschrien wird. Nur wenige Jahre später jubelt man

dem geistreichen Humoristen des „Till Eulenspiegel“ zu, dem blutvollen Musiker, des „Don Juan“, dem farbigen Realisten des „Don Quichote“, man begeistert sich an dem ungetrübten Idealismus von „Tod und Verklärung“ und der Walzerphilosophie des „Zarathustra“. Das künstlerische Selbtsbekenntnis im „Heldenleben“ findet ungeteilte Aufnahme beim Publikum, nicht minder erfreut das Familienidyll, die „Sinfonia domestica“. Die „Alpensinfonie“ und „Aus Italien“ erblühen in den schönsten pittoresken Farben und stellen dem Lyriker wie dem Epiker, dem Genremaler wie dem Mosaikbildner das beste Zeugnis aus.

Und doch bedeuteten diese Meisterbilder im Gesamtwerk nur das Mittel zum Zweck. Denn letzten Endes war Strauss der große Opernkomponist, der das Musikdrama noch einmal mit einer verschwenderischen Fülle an stofflichem Ideengut und musikalischen Klangreizen ausstattet. Nach den ersten Versuchen „Guntram“ und „Die Feuersnot“, zu denen Wolzogen den Text liefert, gelingt ein erster, aber gleich der revolutionärste Wurf, die „Salome“. Ihre Aufführung provozierte einen Aufruhr in der Musikwelt, denn sie legte „den Weg zur sadistischen Luxusoper“ frei, wie es damals hieß. Das Drama von Oscar Wilde erhielt durch die Strausssche Musik allerdings erst letzten, unerbittlichen psychologischen Ernst. „Nicht weniger furchtbar aber ist das mykenische Musikgespenst in der „Elektra“, diese Schaustellung und Beschwörung perverser Frauenzimmer, weibischer Lüstlinge.“ Wenn auch hier die Begierden in anderer Richtung gehen als der Lustrausch der Salome, die Art der Bloßstellung des Triebes bleibt die gleiche. Für die Jahre nach 1900 eine unerhörte Begebenheit in der Kunst, ganz besonders in der Musik.

Kein Wunder, daß die Wellen der Verwunderung hochschlugen, als nach diesen Werken des nackten Trieblebens der „Rosenkavalier“ zur Aufführung kam. Dieses Rokokogedicht Hugo von Hofmannsthais mit seiner wienerisch berükkenden Elegie auf die alternde Frau eroberte sofort die Theatersäle fm Sturm. Die Kritik über einige Trivialitäten erstickte im Keim und stand erst wieder auf, als in der „Arabella“ fast die gleiche Gesellschaft, jetzt nur in der verkrachten Garderobe des Wiener Fiaker-Milieus zum Vorschein kam. Der Rosenkavalier gehört heute zum Repertoire der Opernbühne. Dagegen haben die beiden anderen Hofmannsthal-Libretti, die zunächst mißglückte Komödie „Bürger als Edelmann“ (nach Moliere), die später als „Ariadne auf Naxos“ so subtil umgestaltete Kammeroper, sowie die symbolgetränkte „Frau ohne Schatten“ den Erfolg nur auf Festspielbühnen halten können.

Als eigener Textdichter ist Strauss in seinem „Intermezzo“, das eine Laune seiner Frau witzig behandelt, wie im „Capriccio“, einer geistreichen Streitgeschichte zwischen Wort und Ton, aufgetreten. Stephan Zweig finden wir als Textdichter zu „Die schweigsame Frau“, eine der schönsten, nur leider so wenig bekannten Oper des Meisters. Als letzter Librettist steht dem Komponisten Joseph Gregor zur Seite. Der „Friedenstag“, „Daphne“ und „Die Liebe der Danae“ sind die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit. Nach den testamentarischen Bestimmungen wird die „Danae“ erst im nächsten Jahr zu den Salzburger Festspielen uraufgeführt.

Vergessen wir nicht, auf die zahlreichen Lieder hinzuweisen, durch die Strauss überall bekannt wurde, auf seine Chor-

und Kammermusikwerke, so nimmt uns bei der ungeheuren Vielfalt des Schaffens nicht wunder, wenn sein letzter Biograph, der Schweizer Dr. Willi Schuh, mitteilt, daß im Nachlaß unter anderem Skizzen zu einem Violinkonzert, zu Kammermusiken, zu einem Ballett „Die Rache der Aphrodite“, einer Schuloper „Des Esels Schatten“ und zu einem großen Chorwerk „Besinnung“ auf ein Gedicht von Hermann Hesse gefunden wurden. Alles Arbeiten, die in den letzten Lebensjahren begonnen, wieder beiseite gelegt und aufs neue konzipiert wurden.

In die Gegenwart hat aber Richard Strauss trotz seines enormen Schaffensdranges nicht mehr hineingereicht. Sein revolutionäres Streben um die Jahrhundertwende hatte in eine revolutionäre Eigenschau eingemündet, die altersmäßig der vergangenen Generation verhaftet blieb. Neu blieb mit jedem Werke immer wieder der geistige Reichtum seiner Musikalität, aber technisch und programmatisch stieß die Aussage nicht mehr in das Heute vor.

Eigenartig, daß Strauss sich in seinen letzten Werken stofflich so ganz der Mythologie der Antike zuwandte. Unwillkürlich gleitet der Gedanke zu einer anderen großen und gleichaltrigen Gestalt der Geisteswelt, zu Gerhart Hauptmann. Auch hier im Alterswerk die Besinnung auf das schöne Reich des klassischen Altertums. In welch hohem Grad ähneln sich Lebenslauf, Schaffen, Erfolgsperiode und tragischer Ausgang dieser großen Männer. Beide haben einer Epoche den Stempel ihres Geistes aufgedrückt, beide sind von einer neuen Generation überholt worden, beide sind sich bis ins Alter treu geblieben, beiden hat die Menschheit ihren Abgang aus dem Leben nicht leicht gemacht. Der Kranz der Unsterblichkeit aber war ihnen zu Lebzeiten bereits gewunden worden, die Geschichte wird ihn zu hegen wissen.

Dr. Gerhard Igner



Plastik und Graphik

IM KUNSTKABINETT IN FRANKFURT

Hans Stangl, ein Bildhauer, der früher „konservativ“ gearbeitet hat, suchte in den vergangenen Jahren den Weg zu einer neuen Form. Dieser Weg führte über das Gefäß. Beim Gefäß, bei der Vase, ist nicht nur die äußere Form, sondern auch der umschlossene Hohlraum wesentlich. Dieser Hohlraum bestimmt den Charakter der neuen Arbeiten Stangls entscheidend — er ist, wenn man so will — die „negative“ Form, die uns auf dem Gebiet der Flächenkunst, also der Malerei und Graphik im allgemeinen geläufiger ist als bei der Plastik. Diese „negative“ Form zu sehen, erfordert eine bestimmte Uebung von Seiten des Betrachtenden. Bei einer solchen Kunst wird sich eine Abstraktion ganz zwangsläufig einstellen müssen, damit äußere Form und Hohlform organisch bleiben. Dieses Problem erscheint bei den kleinen sitzenden Figuren Stangls am besten gelöst. Bei den Tiervasen tritt das Gefäß als solches oft stärker in den Vordergrund als die Plastik, doch sind gerade die Kuhvasen überzeugend.

Dieser moderne Versuch der Figurenvase erinnert stark an Dinge, die wir von vergangenen Kulturen her kennen, wo sie allerdings kultische Bedeutung hatten. Der Eindruck des Alten wird noch verstärkt durch die teilweise mit Glasuren arbeitende Oberflächenbehandlung, mit der sehr reizvolle Wirkungen erzielt werden.

Zu Stangls Plastiken gibt der farbige Reiz der Graphiken Paul Gauguins des Jüngeren einen guten Klang. Diese Blätter haben die farbige Delikatesse moderner französischer Graphik, ihr Grundcharakter ist heiter; sie sind im besten Sinne dekorativ.

Grundsätzlich überlegt man sich, warum ein Enkel Paul Gauguins nicht unter einem anderen Namen auf tritt. Eine künstlerische Verwandtschaft besteht nicht. Als Belastung dürfte der Name vom Enkel kaum empfunden werden, sonst hätte er sich wahrscheinlich ein Pseudonym zugelegt. So aber wirkt das Ganze etwas fatal, als solle aus dem Namen Kapital geschlagen werden. Die künstlerische Intensität, die sich mit dem Namen Paul Gauguins (des Aelteren) verbindet, sucht man beim Enkel vergeblich. Man hat vielmehr den Eindruck einer unerhört geschickten und farbig äußerst geschmackvollen Produktion, an der man jedenfalls sieht, wie gut eine rein dekorative Kunst sein kann — eine Tatsache, die man heute bei uns leider nur fast schon vergessen hat. d. s.

Reise durch Italien

Im Darmstädter Amerika-Haus hielt die Sängerin Charlotte Gieseking einen Farblichtbildervortrag über die Schönheiten althistorischer Stätten in Italien. Es war eine Wanderung auf dem klassischen Boden der Antike. Jahrhunderte wurden vor der unsterblichen Schönheit des hellenischen Zeitgeistes zu Minuten, die mühelos zurückgespult werden konnten, um die Zuhörer in eine Aera klarer menschlicher Empfindung zu versetzen, die um den Beginn der Zeitwende die Menschen zu einer ungeheuerlichen kulturellen Entfaltung befähigte.

Städte wie Florenz und Assisi, Orvieto und Neapel haben eine vielhundertjährige Tradition. Pompeji und Herkulanum am Fuße des Vesuvs sind die sprechendsten Beweise für eine nie wieder erreichte Blüte der menschlichen Entwicklung. Das Bildnis des „Tanzenden Fauns“ verkörpert die ganze Seele der Antike. Man grub es aus dem Aschenregen und der Lava der verschütteten Städte aus und wenn man nicht mehr gefunden hätte aus jener Zeit, so würde das^Bildnis des tanzenden Gottes in seiner gelösten Freude, in der unbeschreiblichen Grazie seiner Bewegungen ausreichen, um Zeugnis von dem vollkommensten Geist in der Geschichte der Menschheit ablegen zu können.

Die künstlerischen Farbfotos trugen in Verbindung mit einem klug gestalteten Vortrag mit dazu bei, daß die Zeit einer alten, hohen kulturellen Blüte vor den Zuhörern lebendig werden konnte. hfl

„A'-c Maria", eine Komposition für Singstimme. Klarinette und Orgel von dem 72jährigen Kammermusiker Wilhelm Sadowsky in Mainz, die bereits am 30 Mai 1948 mit großem Erfolg in Zittau uraufgefuhrt wurde, ist jetzt auch von dem Konstanzer Münsterchor zur Aufführung angenommen worden. Der Komponist W. Sadowsky hat dieses Werk anläßlich des 'Lahres dem PaPst gewidmet. Er erhielt dafür aus Rom eine Erinnerungsmedaille für Kunst und Wissenschaft.

Darmstadt und Umgebung

„Halali“ erklingt vom Jagdschloß Kranichstein

Zusammenkunft des Landesforstmeisters mit Forstbeamten

Das idyllisch gelegene Jagdschloß Kranichstein war der würdige und traditionsreiche Rahmen für das gestrige Treffen des Landesforstmesiters mit seinen Forstbeamten, das mit einem Jagdblasen eingeleitet wurde.

Zur Behandlung stand das Problem der Abnutzung der mehrhundertjährigen Wert- oder Furniereichen, die infolge der beiden trockenen Jahre 1947 und 1949, sowie durch das Absinken des Grundwasserspiegels ein zopftröekenes Leiden aufwiesen. Ebenfalls sei durch den starken Insektenbefall eine erhebliche Wertminderung des Nutzholzes verursacht worden. Landesforstmeister Rosenstock berichtete eingangs, daß nun das langersehnte amerikanische Gesetz über die Ausübung der Jagd erlassen worden wäre, wenn es auch nur eine 20prozentige Ausübung der Jagd im Staatsforst zulasse. Immer noch sei es notwendig, für jedes zu erlegende Stüde Schalenwild eine Lizenz des amerikanischen Kreisoffiziers einzuholen. Gleichfalls würde sich zur Zeit auch der hessische Landtag mit der Verabschiedung eines hessischen Jagdgesetzes beschäftigen.

Der Leiter der Landesforstverwaltung besprach dann die Durchführung des diesjährigen Nutzholzeinschlags, der bis Mitte Oktober durchgeführt sein müsse, um noch vor Weihnachten eine Furnierhqlzversteigerung möglich zu machen, die Werteichenverkäufe müßten, wie Forstmeister Grübel ausführte, sehr früh auf dem Markt erfolgen, da die Rohstoff läge im allgemeinen im Anziehen sei. Zu diesen Versteigerungen kommen die Vertreter der holzverarbeitenden Industrie von Hamburg bis Würzburg hinunter in Betracht. Ein besonderes Augenmerk gelte den in den letzten beiden Jahren immer stärker auf tretenden Eichenschädlingen, die besonders im Kranichsteiner Forst erhebliche Schäden verursacht hätten.

Die Versammlung, der der Holzhandelsreferent des Ministeriums, Oberforstmeister Dr. Kmonitzek beiwohnte,

hatte dann Gelegenheit, durch die Liebenswürdigkeit des Leiters der Privatsammlungen des Großherzogs, Herrn Architekten Hofmann das international bekannte Jagdmuseum im Kranichsteiner Schloß zu besichtigen, dessen Kunstschätze glücklicherweise über den letzten Krieg hinweg gerettet werden konnten. Leider steht nur noch ein Fünftel der Räumlichkeiten zu Ausstellungszwecken zur Verfügung, da der Rest wegen Geldmangels vermietet werden mußte. Landesforstmeister Rosenstock versicherte, daß die Jagdbehörde größtes Interesse an dem Wiederaufbau des Museums habe, und stellte jede mögliche Mithilfe zur Verfügung.

Zum Abschluß der Zusammenkunft begaben sich die Forstbeamten in die Fasanerie, um an Ort und Stelle sich ein Bild über den Grad der Zerstörung durch die Eichenschädlinge und durch die Zopftrockenheit an dem mehr als zweihundertfünfzigjährigen Eichenbestand machen zu können. HFL.

In der Stadt notiert

Am Unterarm verletzt und in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert wurde gestern ein Motorradfahrer. Er war gegen 15.45 Uhr an der Ecke Arheilger- und Barkhausstraße mit sinem Lastkraftwagen zusammengestoßen. Es wurde nur ein geringer Sachschaden verursacht. wst.

Eine Knöchelbruchepidemie schien gestern in Darmstädter Schulen ausgebrochen zu sein, als nacheinander ein etwa Iljähriges Mädchen .beim Turnunterricht in der Bessunger Knabenschule und zwei 13- und 14jährige Jungens bei Schülausflügen sich die Knöchel brachen und in Krankenhäuser eingeliefert werden mußten. DT

Einen Herzanfall erlitt am Donnerstag eine bei Aufforstungsarbeiten im Wald bei der Autobahn beschäftigte Frau. Sie o;nß;JO<ssuej;uasiUßJsi uiap pur apjmu nach Hause gebracht werden. DT

Eine Erdbebenwarte für Darmstadt ist von der in der Heinrichstraße ansässigen Firma Dr. Reitlinger und Söhne geplant. Der von dieser Firma entwickelte Seismograph, der hauptsächlich von der Bundesbahn zu Schwingungs- undDurchbiegungsmessungen bei Eisenbahnforücken Verwendung findet, ist so empfindlich, daß bei stärkeren Westwinden die Meeresbrandung in der Biscaya fortlaufend als leichtes Beben zu verzeichnen ist. -th-

Eine Sehenswürdigkeit von schönster herbstlicher Blumenpracht stellt der mit gefüllten bunten Astern bepflanzte Garten der Familie Dietrich, Stockhausenweg 9, Eberstadt, dar. der von jedem Vorübergehenden bewundert wird. t-s

In der Kirchtannensiedlung soll vor dem vierten Wohnblock ein Brunnen gebohrt werden. Zwei größere Schuppen mit Waschküche und Räumen zum Abstellen von Fahrgästen und Lagern von Brandmaterialien für die Mieter der Wohnblöcke befinden sich zur Zeit im Aufbau.

Kirchtannstedlung

wird ausgebaut

Im Rahmen der „Evangelischen Aka¬ demie“ wird der schwäbische Dichter Albrecht Goes am Mittwoch, dem 30. August, um 20 Uhr, im Paulussaal aus eigenen Werken lesen. Goes, zugleich ein ausgezeichneter Kenner Mörikes, sprach vor etwa einem halben Jahr schon einmal hier. Der Abend wird einigerahmt von Liedern des Darmstädter Singkreises. Eintrittskarten zu 0,50 DM (Schüler, Studenten die Hälfte) am Eingang.

Trostlose Marktlage

Die Gemeinde Griesheim mit einer Gemarkungsgröße von rund 1500 Hektar baut ca. 500 Hektar Feldgemüse. Diese Fläche verteilt sich auf 400 Erzeuger, so daß auf den Erzeuger eine Durchschnittsgröße von 3—4 Hektar entfällt. Normalerweise beträgt eine Jahresdurchschnittsernte an Gemüse 90 000 bis 100 000 Doppelzentner. Da ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche zum Feldgemüseanbau benutzt wird, stellt sie bei der Berücksichtigung der Durchschnittsgröße der Betriebe die entscheidende Bareinnahme der Betriebe dar. Die landwirtschaftlichen Erzeuger in Griesheim sind infolgedessen völlig abhängig vom Gemüsebau. Es handelt sich bei diesem Anbau um keine Augenblicksspekulation, sondern um eine hundertjährige — auf Grund der Ertragsbedingungen und Absatzlage bestehende — Anbaugewohnheit.

Die Absatzlage ist zur Zeit derart, daß von der Hauptemte nur ein Teil des Gemüses abgesetzt werden kann. Dazu kommt, daß diese Ware im Durchschnitt zu Preisen abgegeben werden muß, die etwa bei 50 Prozent der nach den Gestehungskosten nötigen Preise liegen. Sowohl für Betriebe als auch für die Gemeinde Griesheim ergibt sich dadurch ein Ausfall, der eine künftige Produktion in Frage stellt, aber auch für die Betriebe Belastungen, die nicht getragen werden können.

Drei Vertreter der Griesheimer Landwirtschaft trugen dieser Tage diese Situation der hiesigen Landwirtschaftskammer vor, ferner den zuständigen Landes- und Bundesinstanzen und dem Deutschen Bauernverband. -ler

Tief beeindrudkt

Vom Deutschen Evangelischen Kirchentag

Um in einem größeren Kreise die Ergebnisse des Essener Kirchentages, der ersten machtvollen Verkündigung des deutschen Protestantismus, fruchtbar zu machen, hatte der Darmstädter Arbeitskreis des Deutschen Evangelischen Kirchentages am Dienstagabend im Paulus-Saal zu einer Versammlung aufgerufen, auf der Darmstädter Teilnehmer in lebendiger Weise ihre Eindrücke schilderten. Die Schwierigkeiten, die Fülle von Erlebnissen und Gesprächen eines großen Geschehnisses von fünf Tagen kurz zusammenzufassen, wurden dadurch am besten gelöst, daß zunächst eine Rednerin einen skizzenhaft umrissenen Gesamtüberblick gab, während die anderen Teilnehmer wesentliche Probleme aus verschiedener Sicht heraus erörterten.

Pfarrer Wintermann betonte, daß nach dem Kriege in der ganzen Welt eine große geistige Erweckung ausgeblieben sei. Auf dem Essener Kirchentag, der von jeglichen kirchlichen Machtgedanken frei geblieben sei, wäre auf evangelischem Böden die Begegnung mit einer sichtbaren, sich für die Welt verantwortlich fühlenden Kirche spürbar gewesen, die still, bewußt und gesammelt an ihrer Gestaltung arbeite. t-s

Eine neue Fahrbahn erhält die Otto-Wolfskehl-Straße zwischen Morneweg- und Rheinstraße. Dadurch wird diese seither durch ihre Schlaglöcher bekannte Straße auch bei schlechtem Wetter für Fahrzeuge passierbar. -th-

Erdstrahlen an Kilometer 512?

„Tagblatt-Redakteure“ stellten Wünschelruten-Untersuchungen in der Gefahrenzone an

Die Unfälle zwischen Kilometer 512 und 512,5 auf der Autobahn bei Grafenhausen ließen uns keine Ruhe. Wir konnten uns nicht damit abfinden, daß es sich angeblich nur um eine schlechte Straßendecke handeln solle, die die laufenden Unfälle verursache. Der gestrige Regentag schien uns geeignet, an Ort und Stelle auf eigene Faust ein paar aufschlußreiche Experimente mit unserem Sg-Mitarbeter — dessen Hobby nebenbei „Wünschelrutenlaufen“ ist — anzustellen. Wir vermuteten nämlich, daß die Unfälle durch „Erdstrahlen“ — nämlich wie am „Todeskilometer“ auf der Autobahn bei Bremen — hervorgerufen würden. Wie gesagt: es war eine Annahme von uns, und es wird eine bleiben, bis unsere Ergebnisse wissenschaftlich erhärtet oder als irrig hingestellt werden.

Die Straße war inzwischen abgesperrt und der Verkehr umgeleitet worden. Auf dem verhängnisvollen Straßenabschnitt schabten Arbeiter die oberste Teersehicht weg, und zwar an den Stellen, wo die Decke gerissen war oder Blasen gebildet hatte. Wir gingen sogleich an die Arbeit. Vor und hinter der Gefahrenstrecke reagierte die Wünschelrute nicht. Es mag unwahrscheinlich klingen: Sobald wir aber in den Bereich der Gefahrenzone kamen, schlug die Wünschelrute in Abständen von etwa 10 Meter so heftig aus, daß sie unser Mitarbeiter kaum noch halten konnte. Die Stellen, an denen die Ausschläge besonders deutlich waren, markierten wir.

Mittlerweile war eine Untersuchungskommission vom Bundesverkehrsministerium Offenbach eingetroffen. Die Herren schritten erst mit nachdenklichen Gesichtern die Strecke ab, warfen uns — die Arbeiter hatten ihnen vermutlich berichtet, daß wir die Redakteure von der Zeitung seien, die haargenau den 13. Verkehrsunfall prophezeit habe — mißbilligende Blicke zu, stiegen in ihre 170 Vs und schleuderten ... an den Stellen, die wir gezeichnet hatten. Der Fahrer eines der beiden 170 V erzählte uns zwar später, er habe bewußt ein wenig mit dem Steuer gespielt, ließ jedoch durchblicken, daß er — der die Strecke sehr häufig fahre — gerade in dieser Gefahrenzone stets von einem sehr unsicheren Gefühl befallen werde.

Wie dem auch sei. Wir sind weder abergläubig, um an böse Kobolde zu glauben, noch in dieser Hinsicht wissenschaftlich so ausgebildet, als daß wir uns ein endgültiges Urteil anmaßen würden. Es wird Aufgabe einer Untersuchungskommission sein, festzustellen, ob es „nur“ die schlechte Straßendecke ist, die die Unfälle verursacht oder ob es andere Einwirkungen sind, die den Fahrern die Steuer nach rechts wegziehen. — Unsere Bilder zeigen links und in der Mitte’unseren Sg-Mitarbelter im Augenblick, da die Wünschelrute heftig nach unten ausgeschlagen ist. (Man achte auf die Kilometer täfel: 13,3!) Rechts eine Pappel, die auf der gleichen Höhe steht und manchen Ueberschlag gebremst hat.


Text: HGR, Fotos (3): Schröder
Text: HGR, Fotos (3): Schröder

Fischdampfer „Darmstadt“

Die bekannte „Nordsee“, Deutsche Hochsee-Fischerei AG., hat der Stadt Darmstadt angetragen, ihren in Kürze fertiggestellten neuen Fischdampfer auf den Namen der Stadt Darmstadt zu taufen. Der Magistrat hat dankend dies freundliche Anerbieten angenoommen. Bürgermeister Schröder wird in Vertretung des Oberbürgermeisters den Taufakt am 12. September in Vegesack bei Bremerhaven, wo das Schiff vom Stapel läuft, vornehmen. Eine Abordnung des Magistrats sowie Herr Pfeifer als Stellvertreter des zur Zeit verhinderten Stadtverordneten - Vorsitzenden werden an diesem Taufakt teilnehmen. DT

In unserem vorgestrigen Bericht „Ausflug des Hausfrauenbundes“ muß es richtig heißen, daß Fräulein de Weerth den alten Hausfrauenbund bis 1934 geleitet hat, nicht, wie es hieß, bis 1943.

Leichtsinniger Betrüger wanderte ins Gefängnis

Der Angeklagte, der gestern vor den Strafrichtern der Ersten Darmstädter Strafkammer auf der Anklagebank saß, war kein Verbrechertyp. Dennoch hatte der arbeitslose, 34jährige Friedrich B. aus Darmstadt allerhand auf dem Kerbholz. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Betruges in zehn Fällen an. Sein Vorstrafenregister weist ebenfalls bereits einige dunkle Flecken auf.

B arbeitete sehr ungern, interessierte sich dafür umso mehr für Alkohol und Frauen. Er rutschte durch seinen Leichtsinn immer tiefer. Als er keinen Ausweg mehr sah, schwindelte er vornehmlich älteren Damen allerlei Ausreden vor und borgte sich Geld, das er niemals zurückerstattete. Daß er dabei vornehmlich Personen betrog, die selbst nur wenig besaßen, war besonders schändlich. So kam es wie, es kommen mußte...

Am 28. April wurde B. von der Kriminalpolizei verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Eine Frau, bei der er längere Zeit Unterschlupf gefunden hatte, war zur Polizei gegangen, als sie sah, daß B. sie nur ausnutzte und ihr unter Vorspiegelungen eine D-Mark nach der anderen aus der Tasche zog. 8., „ganz Kavalier“, drehte daraufhin den Spieß um und bezichtigte diese Frau bei der Polizei der Kuppelei. (Das Verfahren läuft.)

Der Staatsanwalt bezeichnete den Angeklagten in seinem Plädoyer als einen Rückfallbetrüger und beantragte drei Jahre Zuchthaus. Die Kammer sah noch einmal von einer Zuchthausstrafe ab und erkannte wegen Betrugs in sechs Fällen und Rückfallbetrugs in einem Fall auf eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren. wst.

P H 0 T Ö -HAUSC HI L D T DARMSTADT LUDWIGSTR. 3 ,

Ein rabiater Sohn

Sechs Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung verhängte das Amtsgericht Darmstadt gegen den 27 jährigen Heinz J. aus Darmstadt-Eberstadt. Bei den Eltern des Angeklagten wohnte eine Frau in Untermiete. Mit ihr trat der Sohn in Beziehungen. Die Eltern sahen dies mit Unbehagen. Es gab Streit. Als am 20. Juni die Mutter ihren Sohn wiederum im Zimmer der Untermieterin fand, wurde sie sehr energisch und forderte ihren Sohn zum Verlassen des Zimmers auf. Darüber geriet dieser derart in Wut, daß er auf seine Mutter einstürzte, sie schlug, würgte und in übelster Weise mißhandelte. Die Frau erlitt dabei ernste Verletzungen. wst.

Stieftochter mißbraucht

Vor der Dritten Strafkammer. des Landgerichtes Darmstadt hatte sich der 40jährige Kraftfahrer August T. aus Darmstadt zu verantworten. Dem Beschuldigten wurde zur Last gelegt, sich an seiner eigenen Stieftochter in unzüchtiger Weise vergriffen zu haben. Nach Abschluß der Bevzeisaufnahme hielt das Gericht den Angeklagten für schuldig und verurteilte ihn wegen Unzucht mit Abhängigen zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten. wst.

Bundesfeierstunde in der Stadthalle

Anläßlich des einjährigen Bestehens der gesetzgebenden Bundesorgane hatte hatte die Regierung eine Verordnung erlassen, nach der im gesamten Bundesgebiet amtliche nationale Gedenkfeiern stattfinden sollten.

Grüne Lobeerbäume schmückten die große Bühne der Darmstädter Stadthalle, und die Sitzplätze waren bis auf den letzten Platz belegt. Eine ganze Reihe von Gästen mußte sich mit Stehplätzen seitlich der Stuhlreihen begnügen oder sie standen im Hintergrund des Raumes, um die stille und würdige Feierstunde mitzuerleben, die durch ein Streichquartett musikalisch eingeleitet wurde. Nach der Begrüßung des Bürgermeisters Schröder, des Landrats und der Witwe des letzten hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner ergriff Stadtrat Reiber das Wort zu einer Würdigung der einjährigen Arbeit des Bundestages. Gleichfalls gelte das Gedenken den Opfern des letzten Krieges und des nationalsozialistischen Regimes.

In einem kurzen Rückblick schilderte der Redner die Entwicklung des Bundesparlaments, er sprach von der Reorganisierung des gesamten Lebens und rief noch einmal die innerpolitischen Fortschritte ins Gedächtnis zurück. Bedauerlich sei, daß es trotz vieler Bemühungen noch nicht gelungen wäre, den Osten dem Gebilde der Bundesrepublik einzugliedern. Wie augenblicklich die weltpolitische Lage aussehe, bestünde keine allzu große Hoffnung, daß der Wunsch in absehbarer Zeit in Erfüllung gehe. In der Person des Bundespräsidenten sei eine Gewähr dafür gegeben, daß nicht noch einmal ein Diktator sich des Staatsruders bemächtige. Professor Heuss habe sich durch seine angenehme menschliche und kluge Art viele Sympathien im In- und Ausland errungen.

Der zweite Punkt des Gedenkens gelte den unzähligen Opfern der nationalsozia-

listischen Gewaltherrschaft und des letzten Krieges. Wohl kaum eine Familie habe nicht den Tod eines Verwandten zu beklagen, und immer noch ungewiß sei das Schicksal einer großen Anzahl Kriegsgefangener, die jenseits des Eisernen Vorhangs verschollen wären. Es könnte gegen die Zurückhaltung dieser Kriegsgefangenen im Osten gar nicht scharf genug Stellung genommen werden. Die Verluste der Heimatbevölkerung durch die Bombenangriffe unserer ehemaligen Gegner gingen in die Zehntausende, und ihnen zugerechnet werden müßten die Opfer der Hitlerschen Aera.. Auch Darmstadt habe dem mißglückten Attentat vom 20. Juli 1944 seinen Tribut zollen müssen, unter anderem auch Wilhelm Leuschner. Unvergessen bleibe die Zahl der Heimatvertriebenen, die all ihrer Habe beraubt in den Westzonen eine neue Existenz suchen müßten. Aus all diesen Tatsachen sei die logische Konsequenz zu ziehen, daß es Aufgabe aller sei, den neuen Staat so aufzubauen, daß eine neue Gewaltherrschaft im Keime erstickt werden könne. T.i

^benmalber öitte an btt HEAG

Nachdem man in Darmstadt auf dem Luisenplatz an den Haltepunkten der HEAG Wartehallen errichtet hat, was ohne weiteres von jedermann begrüßt wurde, wäre die Errichtung einer Wartehalle an dem so wichtigen Knotenpunkt der HEAG in Ober-Ramstadt-Rondell sehr angebracht. Gerade bei der eintretenden nassen und kalten Wittefung würden es die Fahrgäste, die täglich von und nach dem Odenwald fahren, begrüßen, wenn hier eine entsprechende Abhilfe geschaffen werden könnte. Ernst Bauer, Allertshofen

An dem Mathildenplatz schloß sich eine der letzten Lücken. Bäckermeister Georg Herrmann, der vorher um die Breite des Vorderhauses von der Straße entfernt, in einem Behelfsladen sein Geschäft seit 1947 wieder eröffnet hatte, hat nun den Parterrestock des Vorderhauses wieder erstellt und wird in Kürze seinen großen, modern eingerichteten Bäckerladen wieder eröffnen.

Die Litfaßsäle an der Ecke der Nieder-Ramstädter Straße und Jahnstraße, die am Sonntag bei einem Verkehrsunfall sich in Stücke auflöste, wurde gestern nachmittag wieder durch eine neue Säule von der Firma Adolf Ruckeishausen in Pfungstadt ersetzt. Schon Vater Ruckeishausen baute vor 20 Jahren in Darmstadt die Litfaßsäulen auf und seit dieser Zeit ist diese Spezialarbeit fast ununterbrochen von der erfahrenen Bau- und Steinmetzfirma durchgeführt worden.


Stadtrat Reiber am Rednerpult DT-Foto: Schröder
Stadtrat Reiber am Rednerpult DT-Foto: Schröder

WiE-WIRD-DAS- WETER

Schauer und Winde

Aussicht für Freitag: Böige Winde um Südwest bis West. Wechselnde Bewölkung mit Schauerniederschlägen. Merklich kühler.



Wohin gehen wir hente?

Lichtspieltheater. Siehe Anzeigenteil. Freilichtbühne Traisa. 18.30 Uhr Auf-

führung der Realgymnasialen Aufbauschule Traisa: „Was Ihr wollt“.

Hessisches Landesmuseum. Barocksaal, Ausstellung des Archivs für Jugend- und Laienkunst „Kunst am Ursprung“. Geöffnet von 10 bis 18 Uhr.

Bahä'i-Gemeinde Darmstadt. 19.30 Uhr, Technische Hochschule, Vortrag Rudolf Jock e 1: „Das Christentum und die Bahai-Lehre“.

Wir gratulieren

Güldene Hochzeit. Herr Otto Fischer, Reg.-Oberinspektor a. D. und Frau Käthe geb. Moniav, Jugenheim. Pauerweg.

82. Geburtstag. Frau Marie Appel geb. Zecha. Güttersbach.

82. Geburtstag. Herr Gottlieb Arzt, Michelstadt, Jahnstraße 54.

75. Geburtstag. Frau Katharina Langjahr. Darmstadt. Prälat-Diehl-Str. 17.

STARKENBURG

35 000 DM Schaden

beim Großfeuer in Fürth

Zu dem von uns gestern gemeldeten Großfeuer in Fürth erfahren wir ergänzend, daß die Ermittlungen der Kriminalpolizei auf Selbstentzündung im Anwesen des Bardo Unger schließen lassen. Nach letzten Feststellungen beläuft sich der Schaden auf 35 000 DM. agt. — Garmond: Selbstmord in Nauheim —

Wie wir bereits gestern berichteten, wurde in Nauheim am Mittwochvormittag ein Erhängter aufgefunden. Die Ermittlungen der Kiminalpolizei ergaben, daß es sich dabei um einen 73jährigen Rentner handelte, der sich aus Schwermut und seelischer Depression in seiner Wohnung das Leben genommen hätte. agt

AUnfall mit Schlägerei

Am Mittwoch wurde in Groß-Gerau gegen 21 Uhr in der Frankfurter Straße, etwa 200 Meter vor der Bahnschranke der Radfahrer Georg Klier aus Groß-Gerau von einem Lieferwagen angefahren. Er erlitt Kopf-, Arm- und Beinverletzungen. Der Verletzte erhob sich jedoch wieder und ging mit einem Begleiter auf den Fahrer des Lieferwagens zu, so daß es zu Tätlichkeiten kam. Von den Umstehenden wurde der Begleiter des Verletzten in letzter Minute gehindert, ein gezücktes Messer zu gebrauchen. Der verletzte Radfahrer wurde von dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht.

Cinbruch in SBahnhofskiosk

In der Nacht zum Mittwoch wurde zu unbekannter Zeit in Münster ein Einbruchsdiebsahl in den Kiosk am Bahnhof ausgeführt. Der Täter brach nach Oeffnung des Vorhängeschlosses die Tür auf und erbeutete Tabak- und Süßwaren im Wert von 250 DM. Die Gendarmerie setzte zwqp am nächsten Morgen einen Spürhund an. der aber einer Fährte folgte, die in die Wohnung des Geschädigten führte. Der Grund liegt darin, daß der Inhaber des Kiosks anstatt den Tatort unberührt zu lassen und die Spurensicherung zu ermöglichen, noch vor dem Einsatz des Polizeihundes in seinem Verkaufsraum aufräumte. RG

Nackter Mann beobachtet

Kaum haben sich die Gemüter über die Gernsheimer Bürgermeisterkrise beruhigt, so verbreitet ein Gerücht, daß in einem Walde, nahe bei der Autobahn, ein nackter Mann gesehen worden sei, erneut große Unruhe unter der Bevölkerung. Ob der im Walde umgehende Exhibitionist bereits Passanten belästigt hat, ist noch nicht bekannt. Polizeiliche Ermittlungen sind im Gange. Kr.

„La Serva Padrona“

Die Freilichtaufführungen auf der Terrasse des Hauses Veite in Trautheim werden am Sonntag, 10. September, 20.15 Uhr, mit der zweiaktdgen Oper von Giov. Batt. Pergolesi „La Serva Padrona“ (Die Magd als Herrin) fortgesetzt. Mitwirkende sind: Wilhelm Keßler, Lotte Leist-Veite, Werner Dietrich und Maria Lutz. . Her.

Bergsträßer Ingend beim „UNndelkistenrennen“

Veranstalter des Bensheimer Winzerfestes mit dem Verlauf zufrieden

Im allgemeinen ist der Festausschuß des Bensheimer Winzerfestes mit dem bisherigen Erfolg zufrieden. Trotz der teilweise ungünstigen Witterung war der Besuch des Winzerdorfes überraschend gut, an den Hauptfesttagen überstieg die Besucherzahl in diesem Jahre sogar noch die vom Vorjahre.

Auch die Werbe- und Verkaufsmesse konnte sich eines regen Besuchs erfreuen und mancher Kauf wurde getätigt. Eine ganze Anzahl auswärtiger Reiseunternehmen hatten Sonderfahrten nach Bensheim unternommen; die Parkplätze waren fast überbelegt mit Fahrzeugen aller Art.

Am kommenden Samstag und Sonntag erwartet die Stadt nun außer dem Arnsberger Gesangverein, der am Samstagabend um 20.30 Uhr im Bensheimer Hof zusammen mit den einheimischen Vereinen einen bunten Kameradschaftsabend mit einem frohen Wettsingen veranstaltet, die Teilnehmer mehrerer Betriebsausflüge aus Oberhessen und Aschaffenburg.

Am Sonntagnachmittag um 14 Uhr rollt in der Kirchbergstraße das große „Nudelkistenrennen“ ab, an dem alle Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren, die an der

Bergstraße wohnen, teilnehmen können. Es werden nur selbstgebaute „Rennwagen“ (auch mit- Gummibereifung) deren Länge 160 cm erreichen darf und deren Höchstgewicht 50 kg nicht übersteigen darf, zu diesem Rennen zugelassen. Der Durchmesser der Räder darf höchstens 25 cm betragen, Radachsen mit Kugellagern sind nicht erlaubt, die Fahrzeuge müssen eine Mindestspurweite von 25 cm haben. Die Anmeldungen müssen bis spätestens heute (Freitag) um 13 Uhr auf dem Kur- und Verkehrsverein schriftlich abgegeben sein, eine Prüfung der Nudelkisten erfolgt am 10. September auf der Rennstrecke in der Kirchbergstraße um 12.30 Uhr. Etwa eine halbe Stunde nach Beendigung des Rennens findet die Siegerehrung mit Preisverteilung im Winzerdorf statt; hierbei sollen auch die Preise für die glücklichen Sieger des Preisrätsels verteilt werden. HB

Zuchteber: stark gefragt

So sehr sich auch die dreißig Eber, die gestern auf der Darmstädter Versteigerung aufgetrieben waren, dagegen wehrten, aus ihren Buchten herausgeführt und begutachtet zu werden, da sie viel lieber in dem regendurchweichten Boden herumgeschnuffelt hätten — es half ihnen nichts. Sie wurden sämtlich verkauft und verladen. Auf der einen Seite war nämlich die Nachfrage sehr groß, auf der anderen Seite waren es, vom Standpunkt des Züchters aus gesehen, prächtige Kerle, die man unbedingt in der Zucht gebrauchen kann. So kam es auch, daß für die besten und schönsten Tiere 600 DM und darüber bezahlt wurden. Die anderen gingen zu Durchschnittspreisen zwischen 450 und 580 DM ab. Die Spitzentiere stammten aus der Zucht von Leo Dortans auf dem Rouvenhof (im Westen der Darmstädter Gemarkung). Als Käufer traten, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, nur Starkenburger Gemeinden auf den Plan, und zwar in erster Linie Forstel i. 0., Rosengarten, Rüsselsheim, Trebur, Lützelbach, Klein -Umstadt, Fränkisch-Crumbach, Kirschhausen, Bons weiher, Fürsten g rund, Rimhorn und Unter-Ostern, (oa)

Reger Ferkelverkauf

Auf dem Groß-Gerauer Ferkelmarkt wurden am Mittwoch 361 Ferkel auf getrieben, die auch alle verkauft wurden. Mit 4 Wochen kosteten die Ferkel 28 bis 30 DM, mit 5 Wochen 30 bis 40 DM. 6 Wochen alte Ferkel wurden mit 45 bis 50 DM bezahlt. Im Alter von 7 Wochen wurden für die Ferkel bis zu 60 DM bezahlt. Für Läufer zahlte man je nach Gewicht bis zu 110 DM. Der nächste Ferkelmarkt findet am 20. September statt, cg

Tote und Trümmer - Fazit des Jahrhunderts

Gedenkfeiern am nationalen Feiertag des deutschen Volkes

Am Donnerstagvormittag fand im großen Saal des Hotels „Zum Adler“ in Groß-Gerau anläßlich des nationalen Gedenktages des deutschen Volkes eine Feierstunde statt, zu der etwa 300 Angehörige der in der Kreisstadt ansässigen Behörden teilnahmen. In seinen Begrüßungsworten gedachte Landrat Harth besonders der Frauen und Männer, die für die Freiheit eintraten und dafür ihr Leben hingaben. Es sei ein Ehrenpflicht, ihrer zu gedenken und in der Zukunft das zu vermeiden, was in der Vergangenheit geschah.

Nach dem „Adagio“ von Trinkaus sprach Schulrat Schwedes Gedichte von Heldmann und Noel, die während der Haftzeit in Zuchthäusern der Gestapo entstanden, und ein Gedicht von Johann Wolfgang Goethe: „Stirb und werde“, das sich gleichsam .als Leitfaden durch seine anschließende Festrede hinzog. Der Redner führte u. a. aus, daß viele Menschen unseres Jahrhunderts einem Wahn geopfert worden seien. Aus ihrem Streben ergebe sich eine neues Werden, das neue Kräfte für die Zukunft bringe. Vor genau einem Jahr sei der Grundstein für eine Staatlichkeit gelegt worden, die mit dem Tod und der Not vieler, guter Menschen gedüngt sei. Dabei wurden Namen wie Wilhelm Leuschner und Carlo Mierendorf erwähnt.

„Hekatobomben von Toten und unzählige Trümmerstätten sind das Fazit des letzten Jahrhunderts“, fuhr der Redner fort. Nach einem Streifzug durch die gegenwärtige politische Lage rief Schulrat Schwedes seinen Hörern zu: „Nur die Idee, die in uns lebt, weist uns den Weg in die Zukunft. Die Toten starben für diese Idee. Auch wir sollten für das Höchste und Beste eintreten: diemenschliche Persönlichkeit.“

Nach dem Rezitat des Gedichts von Werner Bergengruen: „An die Völker der Erde“ sprach Landrat Harth mit dem Leitsatz: „Wer für die Freiheit ist gestorben, hat Unsterblichkeit erworben“ das Schlußwort. Er erklärte wörtlich: „Im Gedenken an diese Toten ist es unsere Ehrenpflicht, die Freiheit für uns und unsere Nachkommen zu erhalten. Ein gesundes Europa, erfüllt von einem entschlossenen Willen, wird auch ohne ein aufgerüstetes Deutschland in der Lage sein, die Freiheit zu sichern. Mensch sein heißt gut sein, und wenri alle Menschen gut sind, gibt es keinen Krieg mehr. Wir wollen ein Deutschland der Liebe, der Freiheit und der Gerechtigkeit.“ Landrat Harth schloß mit den Worten: „Kämpft für die Freiheit, Frieden und Recht, aber nicht mit Waffen, sondern mit euerer Hände Arbeit“. ,

Mit dem „Andante“ von Trautmann klang die Feierstunde aus. -th-

Schlichte Gedenkfeier in Bensheim

Bürgermeister Treffert hatte die Beamten und Angestellten der Bensheimer Behörden und Aemter zu einer schlichten Gedenkstunde in den Sitzungssaal des Rathauses geladen. Nach kurzen Begrüßungsworten, in denen der Bürgermeister auf den Sinn dieser Feier hinwies, ergriff Studienrat Kling das Wort. Er unterstrich, daß nur aus der Vergangenheit die Kraft für den Neubau unseres Staates geschöpft werden könnte. Es sei selbstverständlich, das Andenken derer zu bewahren, die für Recht und Freiheit gegen eine Gewaltherrschaft ankämpften und ihr Leben ließen.

Feierstunde in der Erbacher Festhalle

Die Bediensteten aller in Erbach ansässigen Behörden, die Schulkinder und ein Teil der Bevölkerung versammelten sich in der Städtischen Festhalle zu einer Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus und des durch ihn entfesselten Krieges. Landrat Neff wies in einleitenden Worten auf den Opfertod Wilhelm Leuschners und Carlo Mierendorffs hin. Professor Rudolf Müller, Reichelsheim, schilderte in einem Vortrag den Unsinn der Geschichte der letzten hundert Jahre, die mit Blut und Eisen geschrieben wurde. Die Menschheit müsse erkennen, daß jede geschmiedete Waffe die Aufgabe hat, Menschenleben zu vernichten. Nur durch die Beseitigung der Grenzpfähle lasse sich der Friede sichern. Mit dem Appell an die Mütter, nie wieder ihre Söhne als Schlachtopfer vor die Kanonen führen zu lassen, schloß Professor Müller seine Ansprache. Ein Schülerchor unter Leitung von Lehrer Jar sc h und einige Schülerinnen und Schüler der Mittelschule umrahmten mit Liedern und Gedichtvorträgen die Feier, an die sich die Uebertragung der Rede des Bundespräsidenten anschloß. -ch.

Was aǔch interessiert:

300 Fachleuten werden heute im Rahmen der zur Zeit in Frankfurt tagenden Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure die wichtigsten Produktionsabteilungen der Adam Opel AG., Rüsselsheim, gezeigt. DT

Mit Strafmaßnahmen droht das Gewerbeamt Groß-Gerau, da im Kreisgebiet in letzter Zeit zunehmend die gesetzlichen Ladenschlußzeiten außer acht gelassen werden. cg

Eine Versammlung des Verbaost, Kreis Dieburg, findet am kommenden Samstag um 17 Uhr in der Ludwigshalle statt. Zur Verhandlung steht, nach einem einführenden Vortrag, der Entwurf des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personenkreise. se.

An der Einfahrt zum Regierungslager Babenhausen wurde eine Frau von einem Personenwagen erfaßt und verletzt, als sie die Bundesstraße 26 bereits halb überquert hatte und wieder zurückzulaufen versuchte. rq

Büschelweise die Haare vom Kopf riß eine Frau aus Babenhausen einer Nachbarifi, die sich in Familienstreitigkeiten eingemischt hatte. rg

Mit der Hand in die Fräsmaschine ge¬ riet ein Arbeiter in Waldmichelbach. Er mußte in das Krankenhaus eingeliefert werden, wo ihm drei Finger amputiert wurden. _r

Wird das Ried Erdölgebiet?

Bohrversuche in der Umgebung von Astheim — Die Fachleute hüllen sich noch in Schweigen

Vor einiger Zeit ging durch die Tagespresse die Meldung, daß eine Firma aus Hannover an mehreren Stellen des Rieds nach Erdöl bohrt. Diese Tatsache kann — wenn die Bodenuntersuchungen Erfolge zeitigen — von großer Bedeutung werden und die stillen Dörfer aus ihrem bisherigen beschaulichen Dasein herausreißen. Man merkt schon heute etwas von jener Unruhe, die die Männer der Firma Elwerath aus Hannover mitgebracht haben.

Um Näheres über diese Dinge zu erfahren, fuhren wir nach Leeheim, einer geruhsamen Bauerngemeinde, ein wenig abseits der großen Straßen. In unserer Erwartung, schon irgendwo Bohrtürme zu sehen, sahen wir uns getäuscht. Das Quartier der Bohrarbeiter, es sind etwa 18 Männer — größtenteils Spezialkräfte aus Niedersachsen — die unter der Leitung von Dr. Hettenhausen stehen, fanden wir verlassen. Wir erfuhren, daß die Männer gegenwärtig in der Umgebung von Astheim Bohrungen vornehmen und dazu bereits in den frühen Morgenstunden wegfahren. Der Leiter des Unternehmens, Dr. Hettenhausen, war zur Berichterstattung njit einigen Bodenproben nach Hannover unterwegs. Ueber die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen, die vom Institut für Mineralölforschung geprüft werden, herrscht strengstes Schweigen. Sicherlich will man dadurch verhüten, daß geschäftstüchtige Spekulanten aus diesen für die Volkswirtschaft der Bundesrepublik überaus wertvollen Forschungsarbeiten Kapital schlagen.

Dennoch scheint es so gut wie sicher zu sein, daß im Ried gewisse Erdölvorkommen ermittelt werden konnten, denn die Männer arbeiten bei jedem Wetter mit Feuereifer. Unentwegt frißt sich der Stahl der Bohrer in die Erde und mit Spannung warten die erfahrenen Oelsucher auf die Beschaffenheit der Bodenproben, die dabei zutage kommen. Es ist ja auch nicht so, daß man erst kürzlich auf die Idee gekommen ist, im Ried nach Oel zu suchen, denn schon früher rechnete man in Fachkreisen mit der Möglichkeit, daß sich in dieser Gegend rentable Oelquellen finden ließen.

Kein Wunder, wenn sich die Bewohner von Leeheim mit den Vorgängen befassen, die für das Leben ihrer Gemeinde unter Umständen eine bisher kaum vorstellbare Wendung bedeuten können. Aber so oft die Leeheimer auch die Arbeiter fragen, nie erhalten sie eine genaue Auskunft. Noch liegt das neben dem Gold und neuerdings dem Uran in der Welt eine große Rolle spielende Oel unangetastet im Schoße der Riederde. Wenn es aber der Stahl des Bohrers einmal angefressdn hat, wird es mit Urgewalt emporschießen und das Leben um die Quelle herum wird so bunt und schillernd werden, wie ein Oelfleck, der auf dem Wasser schwimmt.

Wo früher Pflüge das stille Land durchfurchten, werden riesige Bohrtürme stehen und der Landschaft ein neues Gesicht aufzwingen, wie es überall dort ist, wo die ölhungrigen Menschen diese kostbare Flüssigkeit entdeckten. Pipe-Lines werden sich wie Riesenschlangen durch das Ried ziehen, um irgendwo in endlose Reihen von Tankwagen zu münden, die Tag und Nacht das „flüssige Gold“ in Raffinerien bringen. Es ist vielleicht keine voreilige Uebertreibung, wenn man sich vorstellt, daß die Tankschiffe auf dem Rhein sich einmal mit Ried-Oel füllen.

Ob diese Vermutungen richtig sein werden, wissen nur die Männer, die Tag für Tag mit ihrer Spezialausrüstung von Leeheim aus in das Land hinausfahren. Diese Leute und noch genauer die Mineralogen, die die Rie'derde unter die Lupe nehmen und „beriechen“, wissen, was der Boden des Rieds zu bieten hat; und sie schweigen.

Als wir über die regennassen Straßen Leeheims fuhren und das Dorf hinter uns gelassen hatten, tauchte vor unserem geistigen Auge die Vision einer Bohrturmlandschaft auf. Ob uns der Oelrausch wohl auch schon in seinen Bann gezogen hatte? Irr

Milchañlieferung im Absinken

Während die Höchstanlieferung bei der Groß-Gerauer Molkerei in diesem Jahr 35 000 Liter betrug, ist die Milchanlieferung jetzt auf 27 000 bis 28 000 Liter täglich gesunken. Wöchentlich werden aus Kurhessen 10 000 Liter Milch hinzugekauft. Außerdem werden 30 dz Butter aus anderen Gebieten angekauft.

Die Gurken ern t e ist im Kreis Groß-Gerau beendet und war außerordentlich gut. Für die Anbauer war jedoch das Ernteergebnis nicht zufriedenstellend, da allgemein sehr schlechte Preise gezahlt wurden. Auch das Zwiebelgeschaft war recht unvorteilhaft. Ebenso war der Obstabsatz bisher außergewöhnlich schlecht.

Die Rübenkampagne in der Groß-Gerauer Zuckerfabrik soll am 2. Oktober beginnen. Mit einer Vorverlegung dieses Termins ist nicht zu rechnen- cg

Kleiner Spaziergang nach Corsika

EIN KURIOSER ORTSNAME AUS DEM „DICKEN“ ODENWALD

Wenn in diesen Septembertagen die Wälder schon gelbe und hellbraune Flecken bekommen und der empfindlich frisch gewordene Wind die ersten welken Blätter raschelnd über den Weg treibt, hat der Odenwald einen ganz besonderen Reiz. Das ist so recht seine Zeit; wenn der „Herr von Rodenstein“ in heulenden Gewitterstürmen über seine Wipfel hinwegjagt, daß Mensch und Tier vor dieser allgewaltigen Musik verschüchtert schweigen, dann treibt es die Freunde ursprünglicher Natur hinaus in die romantischen Täler und Höhen des südlichen Odenwaldes.

Auf einem solchen Herbstspaziergang durch das idyllische Ulfenbachtal machte ich eine seltsame Entdeckung. Gleich hinter dem Sportplatz von Unterschönmattenwag, das auf gut odenwälderisch kurz und bündig „Schimmeldewoog“ heißt, steht ein altersschwacher Wegweiser an einem Seitenweg, der sich quer durch das Tälchen hinschlängelt. Auf seinem Schild ist nichts mehr zu lesen. Einige Buben auf dem Sportplatz unterbrechen für einen Augenblick ihr Dauer-Fußballspiel und erklären bereitwillig — so als gäbe es nichts Selbstverständlicheres — als Ziel des Wiesenpfades: „Corsika“. — Der Feldweg nach Corsika, — großartig! Mitten im Odenwald.

Auf einer sanften Anhöhe, die sich etwas in das reizende Ulfenbachtal vorschiebt, liegt ein knappes Bäckerdutzend schmucker Landhäuschep und kleiner Bauernhöfe. Das also ist Corsika. Mit seiner wildromantischen Inselschwester im Mittelmeer hat es weiter nichts als den Namen gemein. In der einzigen Wirtschaft, an der einzigen Straße, weiß Gastwirt Sauer manch lustiges Geschichtchen zu erzählen. So beispielsweise von einem kleinen Päckchen, das er aus Heidelberg erwartete, aber erst nach einigen Monaten erhielt weil die Anschrift schlicht und einfach lautete: „Gastwirt Sauer, Corsika“. So machte es seinen Weg über die Insel Napoleons und kam schließlich zerfetzt und mit zahllosen Unbestellbarkeitsvermerken corsischer „facteurs“ doch noch zu seinem rechtmäßigen Empfänger in den Odenwald. i

Zur Frage nach dem Ursprung der für die Gegend seltsamen Ortsbezeichnung meint der Wirt, darüber seien sich die Gelehrten noch nicht einig. Nach einer Version sei er auf das lateinische Cortex — Rinde zurückzuführen. Zur Blütezeit der „Renneklopper“, der Rindenschäler für die Lohgerberei, wurde im Ulfenbachtal die in den umliegenden Wäldern geschälte Eichenrinde gestapelt. Bei der Johannsmühle soll der große Schuppen gestanden haben, in dem die Rindenballen gesammelt wurden. Vielleicht ist der Name des Weilers, der heute mit seinen 30 Alt- und etwa einem Dutzend Neubürgern keine eigene Gemeinde bildet, sondern als abseits liegender Ortsteil zu Unterschönmattenwag gehört, tatsächlich durch Verbalhornung des Wortes „Chortex“ entstanden? v

Eine andere Erklärung führt den Ortsnamen auf einen Papiermüller Korsik zurück, der an der Wende des 16. Jahrhunderts in diese Gegend gekommen sein soll. Er habe bei der Johannsmühle seine Papiermacherei betrieben. Die damals noch sehr einsame Gegend habe von den Einheimischen den eigentümlichen Namen des Fremden erhalten. Diese Vermutung stützt sich abr nur auf ungenaue mündliche Ueberlieferungen.

Da die ältesten der heute noch stehenden Häuser des Weilers aus der Zeit von 1789 bis 1830 stammen, ist es auch nicht ausgeschlossen, daß die ersten Bewohne* der Siedlung mit diesem Namen den damals sehr populär gewesenen „großen Korsen“ ehren wollten, oder . . . Wie immer es auch sei, für uns ist heute das Kuriosum eine Tatsache. Und nicht einmal eine unangenehme, denn es ist gewiß nicht ohne Reiz, den vor Neid platzenden Kollegen von „herrlichen Ferientagen in Corsika“ erzählen zu können. Dabei waren sie so billig und — — im herbstlichen Odenwald dazu noch wirklich schön. -ch


Die Ortsstraße von Corsika hat zwar ihre eigene Romantik, aber unmittelbare vergleiche mit der Insel Napoleons läßt sie nun doch nicht zu. Foto: Tehad.
Die Ortsstraße von Corsika hat zwar ihre eigene Romantik, aber unmittelbare vergleiche mit der Insel Napoleons läßt sie nun doch nicht zu. Foto: Tehad.

Jugend in Amerika

Gestern abend sprach Dr. Schenk aus Darmstadt, Präsidialmitglied des Roten Kreuzes, im Groß-Gerauer „Haus der Jugend“ 'über seine Eindrücke von der amerikanischen Jugend, die er einmal schon 1912, zum anderen aber während eines kürzlich beendeten Zweieinhalb-Monate-Aufenthalts in den Vereinigten Staaten sammeln konnte.

Die amerikanischen Eltern, so sagte der Referent, hätten zu ihren Kindern ein Verhältnis, das einer fast völligen Gleichberechtigung entspreche. So würden Kinder oft den Eindruck von kleinen Erwachsenen machen. Andererseits schienen Erwachsene manchmal große Kinder, zu sein. Oft hätte er, so sagte Dr. Schenk, den Eindruck gehabt, die amerikanischen Eltern wären ein wenig zu weitherzig in der Gewährung von Freiheit für ihre Kinder. Dennoch sei es erstaunlich, daß aus diesen Kindern gefällige und freundliche Menschen würden, die es sehr gut verstünden, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Dies wäre der Erfolg einer Erziehung, die vor allem die Kinder- zu Freundlichkeit und Toleranz erziehen wolle, während bei uns das Hauptgewicht der Erziehung auf den Gehorsam gelegt würde. In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Referent einige Erlebnisse, -die er in Schulen, .Jugendklubs und Jvgend-Rot-Kreuz-Lagern hatte, damit zeigend, wie die amerikanische Erziehung in der Hauptsache auf das praktische Leben ausgerichtet ist. cg

Die Sitzung des Werbeausschusses des He?sen 'm Neckartal, die am 21. Juli ausfallen mußte, findet am morgigen Samstag, um 10 Uhr, im Cafe Menne, Groß-Gerau, statt. cg

Staubfreie Müllabfuhr in Lampertheim

schloß1 dZrT längeren Diskussion becnloß der Lampertheimer. Gemeinderat am Freitagabend den Kauf von 4000 Müll tonnen zu 12,40 DM nm Anschaffnr,« Zi I 1 P 0 stuck> sowie die wagens der ^Zugehörigen Spezial-KinnH’/v ^ls Anhanser an dem neuen den sJll^H Gemeinde gefahren wernnd w ’ solange noch nicht alle Straßen sehen n* d/ neUen Eimern ver‘ Dreekha, fd‘ Damit werden endlich die Dce^haufen verschwinden, die seither oft bis in Augenhöhe auf den Lampert-ZdSren lagen Und das gesamte Ortsbild verunzierten. Die Bezahlung der erfolgt durch die Ein¬ -2 entweder in bar, oder durch Monatsraten von 40 Dpf, die zu¬ -60 Dpf ausmachenden Betrag für die Müllabfuhr erhoben Werdern Den Benutzern steht das Eigentumsrecht an den Eimern zu.

Längere Debatten entspannen sich auch um das! Thema der Ausgemeindung von Huttenfeld. Das Landratsamt Heppenneim hat jetzt endlich auf ein vor sieben Monaten abgesandtes Schreiben geantwortet und die Bildung einer Kommission zur Ausarbeitung von Vorschlägen empfohlen. Eine weitere Aussprache zu diesem Punkt wurde jedoch als verfrüht bezeichnet, da es nicht feststehe, ob die bisher selbständigen Gemarkungen „Seehof“ und „Wildbahn“ Hüttenfeld zügesprochen würden, was die Voraussetzung für eine Ausgemeindung aus Lampertheim wäre.

In seinen Mitteilungen verlas der Bürgermeister den Sportfeld-Pachtvertrag mit dem FC Olympia und gab die Dienstanweisung für den Platzwart bekannt, bb

Bodenfund in Pfungstadt

In der Lehmgrube der Dampfziegelei Nungesser wurden dipser Tage beim Ausbaggern südlich der Modau zwei helle Tonscherben gefunden, die beim genauen Zusammenlegen in der Mitte zusammenpaßten. Am Rande fehlen zwar einige Stücke, doch ergibt sich aus den zusammengefügten Teilen eine flache Schale mit senkrechter Seitenwand von 20 cm Durchmesser und 6 cm Höhe. Es ist ein römischer Teller, dessen regelmäßige Formen und Rillen im Ton erkennen lassen, daß er. wie es damals üblich war, auf der Töpferscheibe gedreht wurde. Mit diesem Fund ist ein neuer Beweis der römischen Besiedlung unserer Heimat erbracht. Die Flurnamen „Steinmauer“ und „Heidendamm“ erinnern noch heute an die Römerzeit. Der neue Fund deutet darauf hin. daß auch die Ufer der Modau — wo sich das älteste Pfunstadter Ackerland. das auch zugleich das fruchtbarste der Gemeinde ist — schon von den Römern aufgesucht wurden.

Reisender Einbrecher

ln Groß-Zimmern und an der Straße Dieburg—Gundemhausen wurden in der vorvergangenen und der vergangenen Nacht Einbruchsdiebstähle ausgeführt, deren Merkmale darauf schließen lassen, daß es sich nur um einen Täter und hier um ein- und dieselebe Person handeln dürfte. Der bis jetzt noch unbekannte Dieb bevorzugt für seine nächtlichen Besuche Gasthäuser, die entweder an Ortseingängen oder ganz einsam liegen. Zur Vorbereitung seiner Einbrüche und örtlichen Orientierung besucht er die Stuben seiner späteren „Tätigkeit" zunächst als Gast. So war er dieser Tage in einer Wirtschaft in Groß-Zimmern an der Straße nach Klein-Zimmern aufgetaucht. Der Wirt verließ für kurze Zeit das Gastzimmer, konnte aber durch ein kleines Fenster beobachten, daß der Unbekannte, der seinem Verhalten nach ein deutschisprechender Ausländer ist, sich auffallend genau in seinem Lokal umsah. In der Nacht zum Donnerstag sollte dann der Einbruch vor sich gehen. Der Täter wurde jedoch von Nachbarn gestört und lief in Richtung Klein-Zimmern davon. Der Wirt mußte später feststellen, daß der verhinderte Einbrecher während seines Aufenthaltes in dem Lokal am Vortag den Fensterreiber zurückgeschoben hatte, um sich leichter Eingang in die Gaststube zu verschaffen

In der Nacht zum Donnerstag wurde der zweite Einbruchsdiebstahl ausgeführt, der dem Täter diesmal eine Waren- und Geldbeute von noch unbekanntem Wert einbrachte. In ähnlicher Weise wie in Groß-Zimmem hatte der Dieb sich genaue Ortskenntnis verschafft, war aber in diesem Fall zum Ziel gekommen: Rauchwaren, Schokolade und der Inhalt der Tageskasse wurden seine Beute. Er war durch ein Fenster von der Straße her in das Lokal eingestiegen. Auf dem gleichen Wege verließ er es auch wieder. Die Verfolgung seiner Spur war allerdings nicht möglich, weil er sich eines Fahrrades bediente.

Da es durchaus wahrscheinlich ist, daß der Einbrecher noch weitere Diebstähle vor hat, mahnt die Gendarmerie besonders die Inhaber von abgelegenen und Waldlokalen zu besonderer Vorsicht. (RG)

Heinrich Ritzel über Straßburg

In ~Schmerkers Garten“ in Michelstadt sprach am Dienstagabend Bundestagsabgeordneter Heinrich Ritzel in einer Mitgliederversammlung der SPD über die Tagung des Europarats in Straßburg, an der er als Angehöriger der deutschen Delegation teilgenommen hatte. Sein Vortrag ging auch auf die allgemeine politische Lage ein. -ch

Heppenheim baut auf

Das neue Heppenheimer Spritzenhaus (ein Anbau am Amtshof) wird in Kürze fertiggestellt sein. Die städtischen Flachbauten in der Fürther Straße wurden auf gestockt. Die Keller der beiden Wohnblocks an der Bahnlinie sind soweit fertiggestellt, so daß mit dem weiteren Aufbau begonnen werden kann. Hier werden 36 Kleinwohnungen mit je 1 bis 2 Zimmern, Küche und Bad geschaffen. (HB)

Vertriebene Pommern in Seeheim

Klare Formulierung des gemeinsamen Willens

Die Pommern des Stadt- und Landkreises Darmstadt trafen sich kürzlich in Seeheim, um einige Stunden dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Gedanken an die verlorene Heimat zu widmen. Aus dem ganzen Kreisgebiet waren nahezu hundert Menschen zusammengeströmt. Die Zusammenkunft nahm einen auffallend herzlichen und harmonischen Verlauf.

Nach einem Referat des Geschäftsführers des Kreisverbandes Darmstadt Stadt und Land über die sozialpolitische, die organisatorische und die allgemeinpolitische Lage waren die Teilnehmer einstimmig der Ansicht, daß die Einheit aller Heimatvertriebenen in den großen überparteilichen und überlandsmannschaftlichen Organisationen unbedingt gewahrt bleiben müsse, da nur sie auf die Dauer von Segen für die Heimatvertriebenen sein könne. Das Schicksal des deutschen Ostens könne nur einheitlich oder gar nicht gemeistert werden. Jede Aufsplitterung müsse vermieden werden, weil sie die Kräfte für die Durchsetzung der sozialen Aufgaben schwächen würde. An die politischen Fragen dürfe nicht mit dem Ueberschwang des Gefühls herangegangen werden, sondern nur in nüchterner Abwägung der gegebenen Möglichkeiten. Alle verantwortungsbewußten Kräfte müßten alles dransetzen, um die Zersplitterung auf dem Gebiet der Flüchtlingsorganisationen zu beseitigen. Nur die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung auf allen Gebieten gebe die Gewißheit, das Volkstum erhalten zu können und damit den Gedanken an die Rückkehr in die Heimat, in Recht und Freiheit.

Hundefreunde konstitunierten sich

Wie wir bereits meldeten, planten die Hundefreunde des Rieds, sich zu einer Organisation zusammenzuschließen. Dies ist nun geschehen. Zur ersten Generalversammlung und gleichzeitigen Wahl des Vorstandes hatten sich die Hundezüchter aus Crumstadt, Goddelau und Umgebung im Cafe Hill in Goddelau eingefunden. Zum ersten Vorsitzenden wurde Heinrich Hofmann, Crumstadt, gewählt, Schriftführer des „Vereins der Hundefreunde im Ried“ wurde Josef Breil, Crumstadt. Kr.

Schleppender Bahnhofsneunbaun

Der Groß-Gerauer Bürgermeister, Dr. Lüdecke, hatte vor einiger Zeit die Bundesbahn ersucht, den Wiederaufbau des Groß-Gerauer Bahnhofs beschleunigt durchzuführen, da das zerstörte Bahnhofsgebäude in dem Gesamtbild der Kreisstadt einen unvorteilhaften Eindruck macht. Die Eisenbahndirektion Frankfurt hat nun dahingehend geantwortet, daß im kommenden Jahr ein Plan für den neuen Groß-Gerauer Bahnhof entworfen werden soll, um diesen wieder aufzubauen, sobald es die finanziellen Mittel gestatten würden. Der Bürgermeister hat die Absicht, weitere Schritte zu einem beschleunigten Wiederaufbau des Bahnhofs zu unternehmen. (cg)

Toto-Schwindel in Fürth

Die Hauptstelle Darmstadt der Staatlichen Sportwetten-GmbH. Hessen bringt zu dem Bericht über den Fürther Toto-Schwindel von Fräulein Scharner folgende Berichtigung:

Eine Anzeige gegen die frühere Inhaberin der Annahmestelle erfolgte in vier Fällen, in denen die Betrügerin keine Kontrollmarken geklebt hatte. Diese Unregelmäßigkeiten wurden bei dem 35. Wettbewerb (15. 1. 1950) und 36. Wettbewerb (22. 1. 1950) vorgenommen. Der unterschlagene Betrag in Höhe von 143,30 DM wurde an die Wetteilnehmer ausbezahlt. Die in dem Bericht vom 6. 9. 1950 angegebenen Kontrollstempel haben mit dieser Angelegenheit nicht das geringste zu tun. Ebenso wenig war Erl. Scharner mit der Errichtung von Annahmestellen und weiteren Obliegenheiten betraut. Frl. Scharner hatte lediglich den Auftrag, in solchen Ortschaften, in denen eine Annahmestelle sich nicht rentierte, mit den dortigen sog. Sammelstellen abzurechnen. Auch wurden die Unstimmigkeiten nicht durch den Vertreter, sondern unmittelbar nach dem Vergehen seitens der Hauptstelle Darmstadt, von der die Anzeige wegen Unterschlagung und Betrug an die Staatsanwaltschaft Darmstadt erfolgte. festgestellt.

X^ O v vll v • * Im übrigen wird die in nächster Zeit zu erwartende Verhandlung alles weitere ergeben.

Meldungen aus den Landleisen

DARMSTADT-LAND

Roßdorf. Heute abend, um 20 Uhr, hält der Verband der Kriegs- und Zivilgeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen eine öffentliche Versammlung im Saale des Gasthauses „Germania“ ab. sl.

Hahn. Am Mittwoch fuhr ein Auto, das durch den vorangehenden Regenfall auf der Straße Hahn-Gernsheim ins Rutschen kam, gegen einen Baum. Der Fahrer kam mit schweren Prellungen davon, sein Wagen dagegen wurde vollkommen zerstört. der

Nieder-Ramstadt. Der Jahrgang 1900 der ehemaligen Schüler und Schülerinnen trifft sich am kommenden Samstag, abends 20 Uhr, im Darmstädter Hof zur 50-Jahrfeier. Die Vorbereitungen versprechen ein paar frohe Stunden. Her.

DIEBURG

Altheim. — Zum zweiten Male wird jetzt das im Jahre 1905 errichtete Schulhaus einem Umbau unterzogen. Zwecks Schaffung einer geräumigen Lehrerwohnung und eines vierten Schulsaales wird das seitherige dritte Klassenzimmer aufgestockt. Durch diesen Umbau wird weiterhin der Uebelstand des schichtweise durchgeführten Unterrichts behoben werden. (se.)

Habitzheim. — In Gießen-Wieseck starb der von hier stammende Vermessungsrat Georg Mayer im Alter von 77 Jahren. Georg Mayer, der ein Landwirtssohn war und die bäuerlichen Belange aufs beste kannte, hatte sich wegen seiner beruflichen Tüchtigkeit und seiner hervorragenden menschlichen Eigenschaften bei seinen Mitarbeitern und weiten Bevölkerungskreisen großen Ansehens erfreut.

Georgenhausen. — Die Schulkinder werden unter Führung von Lehrer Töpfer einen Ausflug mit dem Omnibus nach Heidelberg unternehmen. — Der Hundezüchter A. Weyreich wurde von dem Preisgericht der Ausstellung für deutsche Schäferhunde mit zwei Preisen der Noten „Sehr gut“ ausgezeichnet. We.

ERBACH

Seckmauern. Die Teerarbeiten an der Bundesstraße, die die Verbindung zwischen Wörth am Main und Neustadt im Odenwald herstellt, sind in vollem Gange. Die Firma Bodensohn, Frankfurt, führt den Auftrag aus. — Die katholische Kirche wird bald wieder ihr vollständiges Geläute haben. Bis zum November sollen drei neue Glocken kommen. -hm-

Rai-Breitenbach. Die Quelle wurde neu gefaßt. — Durch Gemeinderatsbeschluß ist die Aufwandsentschädigung für die Gemeindevertreter neu festgesetzt worden. -hm-

BERGSTRASSE

Heppenheim. In den nächsten Tagen werden die Weinbuchten für den diesjährigen Bauerntag im Amthof vergeben. HB

Zwingenberg. Am Freitagabend findet im Rathaus eine öffentliche Stadtratssitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen verschiedene Punkte. HB

Lorsch. Zum drittenmal wurden Motorräder entwendet und nach Tagen wieder an anderer Stelle, meist außerhalb der Ortschaft, abgestellt. In jedem Falle jedoch war der Benzintank leer. -el.

GROSS-GERAU

Wolfskehlen. Dem Theaterring Odenwald-Bergstraße hab<- sich 48 Personen angeschlossen, denen in der neuen Spielzeit Gelegenheit gegeben wird, monatlich einmal zu einer Vorstellung des Landestheaters nach Darmstadt zu fahren. -od-

Leeheim. — Heute wird der diesjährige Obstanfall öffentlich meistbietend versteigert. Die Interessenten finden sich um 8.30 Uhr in der Gastwirtschaft Daum ein. kr.

Stockstadt. — Wegen Bauarbeiten ist die Kirchstraße am Samstag für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Fahrzeuge werden über die Wilhelmstraße umgeleitet. kr.

Erfelden. — Die hiesige Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen unternahm eine Omnibusfahrt zum Neckar und besuchte die Burgen und Schlösser von Nord-Württemberg. kr.-

Gernsheim. Die hiesige evangelische Kirchengemeinde sammelt eifrig zugunsten der ostzonalen Gemeinde Kraja, deren Patenschaft sie übernommen hat. pe

Aeimatsport

Fußballkreisklassen spielen um Punkte

Die ersten Spiele der Darmstädter A- und B-Klasse

Entsprechend dem Willen der A- und B-Vereine des Kreises Darmstadt, be¬ . ginnt am kommenden Sonntag wieder der Kampf um Auf- und Abstieg. Wir sind gespannt, mit welchen Neuerungen die einzelnen Vereine die Runde beginnen. Wir lassen uns also überraschen und warten ab.

Am Sonntag spielen: SSG Langen — TuS Griesheim Bickenbach — Seeheim Alsbach — Hahn Weiterstadt — TSG Darmstadt Nieder Ramstadt — Erzhausen

Gräfenhausen und Hähnlein sind spielfrei.

Nach dem derzeitigen Stand der Elf aus Griesheim dürfte es eigentlich der SSG Langen nicht ganz so schwer fallen, zu den ersten Punkten zu kommen. Der B-Klassen-Meister Seeheim fährt durch den Wald nach Bickenbach und wird dort um jeden Preis versuchen, die ersten Punkte heimzuholen. Schon früher war ein solches Lokalderby gern gesehen. Hoffentlich wird es nach einer gewissen Pause wieder so, damit die alte Tradition auflebt. Alsbach geht mit seiner neuen, umgestellten Elf voller Zuversicht ins Rennen und wird es Hahn nicht leicht machen, bestehen zu können. Aber auch die Hahner soll man nicht unterschätzen. Weiterstadt empfängt die TSG 46 Darmstadt. Auch hier muß man erst mal sehen, welche Leute auf den Plan treten, denn von beiden hörte man sehr wenig. Ramstadt, das auch eine junge Elf geschaffen hat, dürfte momentan ein ebenbürtiger Gegner für Erzhausen sein. Da sie sich am Sonntag zum 1. Mal nach langer Zeit auf ihrem neu erstellten Sportplatz ihren Zuschauern zeigen, werden sie einen gewissen Ehrgeiz haben, zum Siege zu kommen.

Auch in der B-Klasse geht’s los Hier sind es elf Vereine, davon zwei außer Konkurrenz, so daß jeden Sonntag ein Verein spielfrei hat. Am Sonntag spielen:

Traisa — Union Darmstadt Eschollbrücken — SC Griesheim Rohrbach — Arheilgen Jugenheim — Nd.-Beerbach spielfrei sind Ober-Beerbach, Brandau und SV 98 Darmstadt.

Da der SC Griesheim fast ausschließlich mit Spielern der ehern. A-Kl. spielt, darf man auf den Ausgang in Eschollbrücken gespannt sein. Auch das Spiel in Jugenheim wird zeigen, wieviel Nieder-Beerbach hinzugelernt hat. Hier darf man mit einer Ueberraschung rechnen. Bei den übrigen Begegnungen läßt sich noch wenig voraussagen.

Auftakt im Kreis Bergstraße

Die Kreisklasse Bergstraße beginnt am kommenden Sonntag mit ihren diesjährigen Verbandsspielen. Schon die ersten Paarungen dürften einen interessanten Aufschluß darüber geben, welche Vereine sich inzwischen verstärken konnten und somit als die stärksten der Runde angesehen werden dürfen. Zugleich müssen die vier Aufsteiger ihre Feuerprobe ablegen. Es spielen: Affolterbach —Fehlheim. Aschbach—Weiher. Mörlenbach gegen Waldmichelbach. Auerbach—Fürth, Einhausen—Lampertheim, Lindenfels gegen Reichenbach.

Affolterbach sollte zu Hause zu den ersten Punkten kommen. Aschbach wird sich gegen die ehrgeizigen Neulinge aus Weiher schon strecken müssen. Die Auseinandersetzung in Mörlenbach ist offen, wenn auch den Platzherren ein kleines Sturmplus einzuräumen ist. Auerbach wird, gemessen an den jüngsten Leistungen, schon eine gewaltige Kraftanstrengung machen müssen, wenn Fürth nicht die Punkte mitnehmen soll. Völlig offen ist die nachbarliche Auseinandersetzung im Ried, wo Lampertheim u. U. das bessere Ende für sich behalten könnte, und in Lindenfels dürfte es ebenfalls hart hergehen, wenn auch den Reichenbachern der Sieg eher zuzutrauen ist als den geschwächten Platzherren. (ni)

Nachdem die Klassenleiter der B-Klassen des Kreises Bergstraße eine vollständige Terminliste der oberen Mannschaften bisher nicht erhalten konnten, wurde jetzt wenigstens der erste Spiclsonntag (17. 9.) der Gruppe Odenwald festgelegt. Es treten gegeneinander an: Zotzenbach—Wahlen. Unter-Ab tsteinach gegen Rimbach. Hammelbach— Ober-Abtsteinach. Reichelsheim—Mitlechtern, Unter-Schönmattenwag— SV Fürth, (ni)

2. Sonntag im Kreis Dieburg

Noch ist die Spielzeit erst mit einem Treffen angelaufen. Man kann also beileibe noch nicht von Tabellenspitze, -mitte oder -ende sprechen. Meisterschaftskandidaten und Schlußlichter können erst später getippt werden. Generell wäre also zu sagen, daß ebenso wie in den anderen Klassen auch die Spiele der A-Klasse noch völlig offen sind, wenngleich sich aus dem Geschehen der vergangenen Saison das eine oder andere andeuten läßt. Und doch bringt schon der zweite Sonntag bereits eine gewisse Spannung: die beiden leicht favorisierten Vereine Spachbrücken und Ueberau treffen aufeinander; man kann dazu neigen, Ueberau trotz seines Auswärtsspiels die größere Chance auf die Punkte einzuräumen. Die 4 ^-Niederlage der Reinheimer gegen Groß-Umstadt und das Unentschieden Groß-Zimmern—Kleestadt lassen keinerlei Schluß auf den Ausgang des bevorstehenden Spiels zu. Wenn auch das Unentschieden, das Kleestadt in Groß-Zimmern erzielt hat, zur Aufmerksamkeit mahnt, so werden seine erstmals eingesetzten Mosbacher Gäste doch auch ihr Teil mitreden. Offenthai muß sich darauf einstellen, daß Reinheim seine beiden Verlustpunkte wieder aufholen will. Der Papierform nach hat übermorgen jeder die gleiche Chance, so daß erst die weiteren Spiele einen Ueberblick über das Kräfteverhältnis eröffnen werden. Am Sonntag spielen: Groß-Umstadt—Groß-Zimmern, Kleestadt —Mosbach, Klein-Zimmern —Dreieichenhain, Lengfeld—Götzenhain, Spachbrükken—Ueberau, Offenthai—Reinheim. Die Spiele der B-Klasse: Gruppe I Hering —Georgenhausen, Groß-Bieberau —Brensbach, Dieburg II—Fränkisch-Crumbach, Ober-/Nieder-Klingen—W ersau; Gruppe II Münster—Wiebelsbach, Schaafhein— Hergershausen, Klein-Umstadt— Groß-Umstadt. (RG)

Der SV „Germania“ 1912 Babenhausen fährt am Sonntag nach Offenbach zu den „Wikingern“. Man kann mit einem Auswärts-Sieg rechnen. -NB-

Vorbereitungen in Babenhausen abgeschlossen

Pferdeleistungsschauen sollen die Prüfsteine der Pferdezucht sein. Der Reit- und Fahrverein „Vorder Odenwald“ in Babenhausen begeht am Wochenende sein erstes Turnier in einer nur auf ländliche Pferde eingestellten Schau. Das heißt: es werden nur solche Pferde vorgeführt, die in der Landwirtschaft und im Gewerbe tägliche Zugarbeit leisten und daneben im Reiterverein im Reiten und Springen ausgebildet werden.

Den gesamten Ueberblick über die Leistung im Kreis Dieburg gibt ein Abteilungs-Wettkampf in einer Dressur-Prüfung, für den der Minister Wagner einen Staatsehrenpreis gestiftet hat. Es folgen vier Dressurprüfungen, die die Grundlage jeder Pferdeausbildung darstellen. Der Jugend muß man den Schneid anerziehen. Dem gelten drei Jagdspringen, wobei darauf Wert gelegt wird, nicht die Kunst im schnellen Jagen, sondern im vernünftigen Ueberwinden der Hindernisse ohne Störung und Schädigung des Pferdes zu zeigen. Daher werden in der Hauptsache die Fehler und der Stil des Ueberwindens bewertet ohne Anrechnung der Zeit, die nur beim Jagdspringen Kl. L — Ehrenpreis des Darmstädter Tagblattes — zum Ausdruck kommt.

Selbstverständlich nimmt ein großer Raum das Fahren ein, daß bei dem heutigen starken Verkehr auf den Straßen von ausschlaggebendem Wert für den Bauer ist. Dabei wird verlangt ein Fahren mit sachgemäßen Leinen und einer vollkommenen Beherrschung des Pferdes in allen Lagen, die im Verkehr eintreten. So werden Pferde in Ein-, Zwei- und Mehrspännern gezeigt. Die hohe Fahrkunst wird jedoch Meister Eidenmüller, Lengfeld, mit einem Sechserzug zeigen. Außerdem wird das Pony und Kleinpferd in ganz erlesenen Exemplaren, die eigentlich nur auf großen Turnieren zu sehen sind, zur Vorführung kommen. Die bekannten Ställe des Prinzen Reuß, Weiherhof, O. Langels, Groß-Karben, Karl Kloß, Frankfurt a. M„ und Körner, Hanau, werden ihre kleinen Pferde in Ein-, Zwei- und verschiedenartigen Mehrspännern vorführen. Ein wunderschönes Schaubild, an dem Erwachsene und Kinder ihre helle Freude haben werden. — Bei ca. 300 Nennungen sind 100 Pferde am Start. Ueber die Veranstaltung hat Landrat Ritzert die Schirmherrschaft übernommen. -prnb-

Sportkreis Dieburg

Handball, Gruppe I und II

In der Gruppe I Anden am Sonntag folgende Spiele statt: Richen—Langstadt 1; Babenhausen—Kl.-Umstadt; Harreshausen—Semd; Langstadt 2—Schaafheim. In Gruppe 2 spielen Groß-Zimmern —Münster; Tschft Ober-Roden—Groß-Umstadt; Brensbach—Nd.-Klingen; Habitzheim—• Gundernhausen. Langstadt 1 dürfte in Richen zu beiden Punkten kommen, ebenso Semd in Harreshausen und Schaafheim in Langstadt gegen die lb. Kl.-Umstadt; dagegen wird Babenhausen über einen Achtungserfolg nicht hinauskommen, schon ein Remis wäre hier eine Ueberraschung. Bedingt durch die ausgeglichenere Spielstärke innerhalb der Gruppe II sind alle vier Begegnungen als durchaus offen anzusehen, und ein Punktverlust wird für die Platzvereine doppelt schwer wiegen. -ff-

Neueinteilung im Jugendfußball

Einen wichtigen Punkt in der Tagung der Jugendleiter im Jugendsportkreis Dieburg bildete die Neueinteilung der einzelnen Gruppen. Durch verschiedene Nachmeldungen und die Tatsache, daß die einzelnen Kreismeister bis zum 15. März 1951 feststehen müssen, hat sich die Tagung veranlaßt gesehen, die A-Jugendmannschaften jetzt in drei Gruppen spielen zu lassen. Der Bildung einer B-Jugendgruppe wurde ebenfalls zugestimmt, um hier hauptsächlich dem Jahrgang 1935/36 Spielgelegenheit zu bieten. Es

kam somit zur folgenden Neueinteilung: A-Gruppe, Nord: Germania Ober-Roden, SG Nieder-Roden, KSV Urberach, Viktoria Urberach, FV Eppertshausen, SV Münster 1919 und Hassia Dieburg.

A-Gruppe, Mitte: SV Heubach, SV Raibach, SG Babenhausen, Spvgg Groß-Umstadt, SV Klein-Umstadt, SG Kleestadt, Kickers Hergershausen.

A-Gruppe, Süd: SG Fränkisch-Crumbach, SSG Bieberau, SV Reinheim, Spvgg Ueberau, SG Lengfeld, FSV Spachbrücken, VfR Groß-Zimmern und SG Niedernhausen.

Die Neueinteilung der befürworteten B-Jugendklasse sieht wie folgt aus: B- Jugend: SG Nieder-Roden, SV Münster, SV Reinheim, SSG Groß-Bieberau, FV Eppertshausen, Hassia Dieburg und TG 08 Ober-Roden a. K. -gi-

Nur für den Film bestimmt

Stuttgart (Id) Nach einer Mitteilung der Mercedes-Benz-Werke in Stuttgart-Üntertürkheim sollen mit den auf dem Nürburgring eingetroffenen Rennwagen der Dreiliterklasse weder neue Rekorde aufgestellt, noch Erprobungsfahrten durchgeführt werden. Die Dreiliter-Rennwagen, die seit Jahren in Untertürkheim standen, wurden für die Filmaufnahmen hergerichtet. Sie laufen auf dem Nürburgring für den Gottlieb-Daimler-Film des „Instituts für wissenschaftliche Filme“ unter Hermann Lang und Rudolf Caracciola einige Runden. Der Daimler-Film, der Ende des Jahres unter dem Titel „Patent Nr. 2802“ zur Erinnerung an das damalige Reichspatent für den ersten leichten und schnellaufenden Motor herauskommen wird, hat eine Länge von vierhundert Metern. Hauptdarsteller ist Karl Eberhard.

Die Dreiliter-Rennwagen besitzen der Mitteilung zufolge heute formelmäßig nur noch Museumswert.

Der ungarische Fußball - Altmeister Hungaria Budapest mit den bekannten Internationalen Dr. Sarosi und Szengeiler gastiert am 10. 9. bei Vfß Neunkirchen, am 13. 9. bei Phönix Ludwigshafen und am 17. 9. bei 1. FC Saarbrücken.

Der Sport

98 er Handballer im Hochschulstadion

Erstes Heimspiel der Saison gegen den SV Gelnhausen

Am kommenden Sonntag -herrscht im Hochschulstadion Hochbetrieb. Bekanntlich spielen die Fußballer gegen den Süddeutschen Meister, die Spvgg Fürth. Im Vorspiel stehen sich die Reserven beider Mannschaften gegenüber. Da nun aber die Handballer des SV 98 gleichzeitig ihr erstes Heimspiel in dieser Sa;- son austragen, müssen auch die Handballspiele in das sonntägliche Programm mit eingeschaltet werden. Das Spiel .der ersten Handballmannschaften wurde deshalb auf 12 Uhr im Hochschulstadion festgesetzt. Bereits um 11 Uhr spielen die beiderseitigen Handballreserven auf dem neu errichteten Platz vor dem Hochschulstadion. Um das Programm zu vervollständigen, ist auch die Traditionsmannschaft der Handballabteilung des SV 98 tätig und steht um 10 Uhr, ebenfalls auf dem Vorfeld vor dem Hochschulstadion, der Mannschaft von Groß-Bieberau gegenüber.

Für die 98er gilt es nun am kommenden Sonntag, die Scharte von Offenbach auszuwetzen und ihren Anhängern zu beweisen, daß die Niederlage am Vorsonntag auf eine Kette unglücklicher Umstände zurückzuführen ist. Die zur Zeit brennendste Frage, nämlich die des Torhüters, erfährt für den kommenden Sonntag eine gewisse Lösung dadurch, daß der derzeitige Fußballtorhüter Jakob Müller, genannt „Boppe“, sich den Handballern zur Verfügung gestellt hat. Er spielte in der vorjährigen Saison bereits mit Erfolg in der ersten Mannschaft der damaligen TSV. und die von ihm im Training gezeigten Leistungen lassen erwarten, daß er der Mannschaft den nötigen Rückhalt geben wird. Des weiteren wird auf dem rechten,Läuferposten wieder Fritz. Spieker erscheinen, der nach Beendigung seines Urlaubs in seiner Heimat wieder zur Verfügung steht. Im Sturm gibt es wahrscheinlich eine kleine Aenderung, weil der Linksaußen Lehning an einer Blutvergiftung am Fuß erkrankt ist, die bis Sonntag voraussichtlich nicht ausgeheilt sein wird. Dafür wird Wenz oder Roß Linksaußen spielen. Wenn die Hintermannschaft ordentlich auf dem Posten ist und der Sturm ihr die nötige Unterstützung gibt, dann müßte es schon sonderbar zugehen, wenn die zwei Punkte am Sonntag nicht in Darmstadt bleiben würden. Es ist zu hoffen, daß der Wettergott ein Einsehen hat und den schon früh c. scheinenden Zuschauern nicht mit Regen die gute Laune verdirbt.

Mannschaftsaufstellung: SV 98: Müller — Mark, Glock — Spieker, Peters, Fischer — Schäfer, Lutz, Roß, Reinhardt, Wenz.

Handball-Gruppenliga Süd

Am kommenden Sonntag, 10. September, finden in der Gruppenliga Süd folgende Spiele statt:

TSG 46 Darmötadt — Herrnsheim TSV Braunshardt — Bretzenheim

Cone. Gernsheim — SV Kostheim Wörrstadt — Bauschheim

Am Sonntag greifen zum ersten Male die rheinhessischen Vereine in die Verbandsrunde ein. Ueber die Spielstärke der Mannschaften, die seither in der Landesliga in Rheinland-Pfalz mitspielten, ist uns nicht viel bekannt. Während die Spiele in Darmstadt und Wörrstadt nicht leicht einen Sieger voraussagen lassen, muß man in Braunshardt 'und Gernsheim den Platzbesitzem die größeren Chancen einräumen.

Das Spiel in Darmstadt findet am Sonntagvormittag um 11 Uhr auf der Woogswiese statt. Die Reserven stehen sich bereits um 9.45 Uhr gegenüber, -th-

TSV Braunshardt — SG Mz-Bretzenheim

Im zweiten Verbandsspiel der Gruppenliga erwartet der TSV Braunshardt anr kommenden Sonntag die Mannschaften der SG Mainz-Bretzenheim. Da Braunshardt am Sonntag das Kirchweihfest begeht, sind die Spiele bereits auf 13 und 14 Uhr festgesetzt. Nach dem klaren Sieg der Gastgeber am letzten Sonntag sind sie auch in diesem Spiel als hoher Favorit anzusehen. Da die Spielstärke der Gäste aus Rheinhessen jedoch nicht genau bekannt ist, sollte die junge Braunshardter Elf ihren Gegner nicht unterschätzen. -v-

Punktejagd um den kleinen Ball

Die Sommerzeit der Turniere und Freundschaftskämpfe im Tischtennissport ist vorbei. In allen Klassen beginnen am Wochenende die Verbandsrunden. Das größte Interesse nimmt selbstverständlich die Landesliga I ein. Der Bezirk Darmstadt ist bei den Herren mit den Mannschäften des SV 98 Darmstadt und TG Rüsselsheim vertreten, bei den Damen sind es die Lilienträger innen, die auch in diesem Jahr beweisen wollen, daß sie zur Spitzengruppe zählen.

Die Mannschaft des SV 98, in der Aufstellung Zeglys, Hardt, Essinger, Kappes, Hartmann, Römer und Lutz fährt am Samstag nach Flörsheim und trifft dort auf eine der stärksten Mannschaften der hessischen Landesliga. Mit ihrem Spitzenspieler Korn werden die 98er nur eine Chance haben, wenn sie komplett antreten können.

Teilnehmende Mannschaften der l.Liga sind: SV 98 Darmstadt, Eintracht Frankfurt, Vfß Friedberg, TG Rüsselsheim, SC Weiß-Blau Frankfurt, SG Höchst, TTC Concordia Bad Nauheim, FC Gelnhausen, SV Wiesbaden, 1. ABC Wiesbaden, SV Flörsheim, SG Klein-Krotzenburg. In der 2. Liga empfängt die kampfstarke zweite Mannschaft des SV 98 den TTC Kelsterbach. Weiterhin spielen am Wochenende:

Männer-Kreisklasse I

TSG 46 Darmstadt—SV Erzhausen SKG Eberstadt ll—Nieder-Ramstadt SG Langen — SG Wixhausen II SG Egelsbach—SV Darmstadt 98 Ernsthofen—TGß 65 Darmstadt SKG Bickenbach ist spielfrei.

Frauen-Kreisklasse I

TSV Pfungstadt—SKG Eberstadt SSG Langen—Wixhausen SG Egelsbach—SV Darmstadt 98 II SG Arheilgen—SKG Bickenbach.

Einen sehr schönen Erfolg hatte der Hamburger Halbschwergewichtler Willi Höpner in seinem ersten internationalen Kampf gegen den amerikanischen Negerboxer Loyd Marshall (80,2 kg), den er vor 12.000 Zuschauern in Hamburg in einem Achtrundenkampf klar nach Punkten besiegte.


Der Deutsche Meister Heckhaus (ABC Darmstadt) bei seinem Vorschlußrundenkampf während der deutschen Jugenmeisterschaften in Berlin
Der Deutsche Meister Heckhaus (ABC Darmstadt) bei seinem Vorschlußrundenkampf während der deutschen Jugenmeisterschaften in Berlin

Brundage besucht Deutschland

Keine Teilnahme an den Winterspielen 1952?

München (dap) Von der Tagung des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees aus Lausanne kommend, traf Avery Brundage, der Präsident des amerikanischen olympischen Komitees, zusammen mit Dr. Karl Ritter von Halt am Mittwoch zur Besichtigung der neuerbauten Sportschule Grünwald in München ein. Die mit einem großen Kostenaufwand vom bayrischen Landessportverband (BLSV) in knapp einem Jahr aus Totomitteln errichtete Sportschule ist die größte und modernste Anlage dieser Art in Deutschland. Sie soll mit einem großen feierlichen Eröffnungsakt am kommenden Sonntag ihrer Bestimmung übergeben werden.

Über die Teilnahme Deutschlands bei den nächsten Olympischen Spielen befragt, erklärte Brundage, daß er die Mitwirkung einer deutschen Abordnung bei den Spielen in Helsinki für möglich halte. Dagegen glaube er nicht daran, daß die Teilnahme Deutschlands bei den vorangehenden Olympischen Winterspielen in Oslo möglich gemacht werden könne, da in Norwegen die Meinung über Deutschland noch eine ganz andere sei als in Finnland.

Brundage war seit 1937 nicht mehr in Deutschland und kam auf Einladung der amerikanischen Armee nach München. Er benutzte diese Gelegenheit zu einem Treffen mit seinem alten Freund Dr. von Halt, mit dem er schon 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm um die olympische Siegespalme im Zehnkampf stritt. In das Interview eingreifend, erklärte Dr. von Halt, daß Deutschland es Brundage zu verdanken habe, wenn es 1952 in Helsinki wieder dabei sein kann, denn Brundage vertrete den einzig richtigen Standpunkt, daß Sport und Politik zwei getrennte Begriffe sind. Brundage will noch zwei bis drei Tage in Deutschland verbleiben und will auch mit Prof. Dr. Carl Diem eine Aussprache herbeiführen, um dann über Zürich, Paris und London wieder nach New York zurückzukehren.

2. Kampftag der Ringer

SV Darmstadt 1898 beim ASV Frankfurt 86

Am Sonntag müssen nun die Lilienträger turn ASV 86 Frankfurt. Beide Mannschaften haben erfahrene Ringfüchse in ihren Reihen. Der Gang der 98er wird kein leichter sein. In Frankfurt hingen schon immer die Trauben hoch, ihr Teilerfolg in Groß-Zimmern beweist die Kampfstärke. ‘ Die Mannschaft mit dem deutschen Doppelmeister Henze ist in allen Teilen gleich gut besetzt, besonders stark sind Falk, Mink und die beiden Gebrüder Schmidt. Die Lilienträger werden mit der Mannschaft des Vorsonntags antreten.

Die Paarungen der Oberliga: Hösbach— Hanau, ASV Frankfurt—SV 98, Dettingen—Vorwärts Großzimmern, SG Eckenheim ist Kampffrei. -eri-

1910 Darmstadt empfängt Mainz-Kostheim SG Arheilgen in Ober-Ramstadt

In Darmstadt treffen sich die beiden Tabellenführer 1910 Darmstadt und Mainz-Kostheim, die am ersten Kampftag jeweils 6:2 siegreich bleiben konnten. Obwohl der Sieg der Darmstädter in dieser Höhe recht glücklich war, bleiben sie auf eigener Matte Favorit. Die Gäste, deren Können im hiesigen Bezirk nicht bekannt ist, werden versuchen, die Punkte mit nach Hause nehmen zu können.

Der zweite Darmstädter Vertreter, die SG Arheilgen, muß nach Ober-Ramstadt, Die Leistungen der Gastgeber bei den letzten Freundschaftskämpfen lassen auf spannende Kämpfe schließen. Der Aus-

Die Paarungen der Landesliga Gruppe I: Ober-Ramstadt—SG Arheilgen, Wiesbaden—Neu-Isenburg, Darmstadt 1910— Mainz-Kostheim. Sprendlingen spielfrei.

MILCH

AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN 3 k ii/5o Zwangsversteigerung Die bezeichneten Grundstücke des Grundbuchs von Ar heil gen, Band 9, Blatt 680: Ord.-Nr. 1: Flur 21, Nr. 201, Acker auf der Platt neben der Viehtrift, 1531 qm; Schätzungsbetrag 306,20 DM, zulässiges Höchstgebot 307,- DM Ord.-Nr. 2: Flur 1, Nr. 538’/io, Grabgarten, Dieburger Straße, 122 qm; Schätzungsbetrag 61,- DM, zulässiges Höchstgebot 80,- DM Ord.-Nr. 3: Flur 1, Nr. 536’/«, Hofreite. Dieburger Straße, 105 qm; Schätzungsbetrag 3990,- DM, zulässiges Höchstgebot 4200,- DM Ord.-Nr. 4: Flur 7, Nr. 65, Acker auf der Platt, 794 qm; Schätzungsbetrag 198,50 DM, zulässiges Höchst¬ gebot 200,- DM Ord.-Nr. 5: Flur 7, Nr. 269, Acker am heimlichen Weg, 1119 qm; Schätzungsbetrag 279,75 DM. zulässiges Höchst¬ gebot 280,- DM Ord.-Nr. 6: Flur 9, Nr. 159, Acker der unterste Gewann am Körnersbornpfad, 744 qm; Schätzungsbetrag 111,60 D-Mark, zulässiges Höchstgebot 115,- DM Ord-Nr. 7: Flur 8, Nr. 55, Acker durch den Kirchweg, 1056 qm; Schätzungsbetrag 316,80 DM, zulässiges Hö„st¬ gebot 320,- DM . Ord.-Nr. 8: Flur 1, Nr. 557, Wiese im Ort in Seegarten, 831.qm; Schätzungsbetrag 249,30 DM, zulässiges Höchst¬ gebot 250 DM die zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen des Karl Keller in Darmstadt-Arheilgen und dessen Ehe¬ frau Katharina geb. Weber als Gesamtgut der Errungenschafts¬ gemeinschaft im Grundbuch eingetragen waren, sollen am Montai, dem 6. November 1950, 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude Darmstadt, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt zwecks Aufhebung der Erbengemein¬ schaft. Der Versteigerungsvermerk ist am 21. März 1950 in das Grundbuch eingetragen worden. Darmstadt, den 4. September 1950. Amtsgericht. Abt. 3. Obst Versteigerung Am Samstag, dem 9. September 1950, werden von 13 Uhr ab die Zwetschen von den Bäumen auf der Pallaswiese gegen Bar¬ zahlung versteigert. Zusammenkunft: Weiterstädter Straße 160. Daran anschließend kommen ab 16 Uhr die Birnen von den Bäumen der alten Kranichsteiner Straße in Darmstadt-Arheilgen und des Dreischlägerweges gegen Barzahlung zur Versteigerung. Darmstadt, den 5. September 1950 Stadt Darmstadt Güterverwaltung Freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen KREISGEMEINDE DARMSTADT Am Sonntag, dem 10. September 1950, vormittags 10.00 Uhr, findet im Heagsaal, Luisenstraße, eine MORGENFEIER statt. Es spricht Ernst Rotter. Gäste willkommen! DER VORSTAND Gemeindeamt: Viktoriastraße 73

Samstag, 9. September, 20 Uhr, Stadthalle RICHARD-WAGNER-KONZERT Lohengrin Tristan und Isolde Walküre - Meistersinger Siegfried-Idyll Leitung: Richard Kotz Mitwirkende: Petra Böser (Alt), Martha Geister (Sopran), Charlotte Raab (Sopran), Franz Köth (Tenor), Willibald Vohla (Bariton) Das Orchester des Landestheaters Preise 1,50 bis 4,50 DM

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