Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23. Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 59 Tieuefie TiadkidHen Donnerstag, 7. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Müssen die Amerikaner Taikn aufgeben?

Pusan, 6. September. (AP./dpa/Reuter.) Die schweren nordkoreanischen Angriffe haben die Front der Vereinten Nationen im Nordosten des koreanischen Kriegsschauplatzes ins Wanken gebracht. Die Hafenstadt Pohang ging erneut verloren.

Die Stadt, die bereits mehrere Male den Besitzer gewechselt hat und durch wütende Brände schon schwer zerstört worden war, ist jetzt fast völlig vernichtet. Die in der Bucht von Pohang liegenden Schiffe der Alliierten nahmen bis zum letzten Augenblick die von allen Seiten eindringenden Nordkoreaner unter Feuer. Südkoreanische und amerikanische Verbände haben sich einige Kilometer südlich der Stadt in neuen Stellungen eingegraben. Der wichtige Flugplatz, der südwestlich von Pohang liegt, kann noch von den Maschinen der Vereinten Nationen benutzt werden.

giftige Kampfe

Der massierte Stoß der Nordkoreaner auf Kiongju konnte mit schweren Verlusten abgefangen werden.

Heftige Kämpfe haben auch während der letzten vierundzwanzig Stunden um die Stadt Yongschon getobt. Diese Stadt liegt dreißig Kilometer östlich Taiku und deckt den Zugang auf dieses wichtige Industriezentrum von Osten her. Wenn auch die Lage im gesamten Abschnitt der Nordfront unübersichtlich und verworren ist, so hat sich aber die Meldung bestätigt, daß die Amerikaner Yongschon fest in ihren Händen halten.

Taiku, der Eckpfeiler der amerikanischen Front, wird aus nördlicher, westlicher und südwestlicher Richtung bedroht. Der Ring um die auf einem Hochplateau gelegene Stadt wurde von den Nordkoreanern enger gezogen. Da es den südkoreanischen Verbänden nicht gelungen ist, die Verbindung mit den amerikanischen Truppen zu halten, wird die Führung der 8. Armee möglicherweise eine Aufgabe von Taiku in Erwägung ziehen müssen.

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Der Feind hat vor allem im Norden und Nordosten der Front zahlreiche Verstärkungen herangezogen. Amerikanische Sachverständige schätzen, daß mindestens zwei Panzerbrigaden neu festgestellt werden konnten. Die Wetterverhältnisse, die sich seit Dienstagabend etwas gebessert haben, erlaubten den taktischen amerikanischen Luftstreitkräften wiederum mit besonderer Heftigkeit in die Erdkämpfe einzugreifen.

Die Kämpfe an den übrigen Frontabschnitten sind ebenfalls heftig. Am Mittelabschnitt, im großen Naktongbogen und im Süden lösten sich amerikanische Gegenangriffe und neue mit Heftigkeit geführte Offensivbewegungen des Feindes ab.

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Die Verluste der Kommunisten sollen erheblich sein. Amerikanische Sachverständige geben jedoch zu, daß auch die Truppen der Vereinten Nationen starke Verluste erlitten haben.

Wie jetzt bekanntgeworden ist, haben amerikanische Bomber die katholische Kirche und das Kloster Notre Dame de Chartres in Söul zerstört. Die amerikanischen Bomberverbände hatten bei ihren Angriffen auf die ehemalige südkorea-

nische Hauptstadt die Kirche immer geschont. Erst als bekannt wurde, daß die Nordkoreaner in der Kirche ein großes Munitionslager eingerichtet hatten, ent-

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Ein amerikanischer Feldwebel, der vorübergehend in nordkoreanische Gefangenschaft geraten war, hat von einem grausigen Erlebnis berichtet. Der Feldwebel und ein ' weiterer amerikanischer Soldat hatten sjch durch Flucht der nordkoreanischen Gefangenschaft entziehen und sich in der Nähe einer roten Unterkunft verstecken können. Dort wurden sie Ohrenzeugen, wie ein amerikanischer Soldat zu Tode gefoltert wurde. Vier Stunden lang hörten sie die schrecklichen Schreie des amerikanischen Soldaten und das höhnische Gelächter der Nordkoreaner. Als sie verhungert und verdurstet von einem amerikanischen Spähtrupp nach Tagen aufgefunden wurden erklärten sie, daß ihnen die fürchterlichen Schreie des gefolterten Opfers immer im Gedächtnis blieben.

Es wird geschätzt, daß der Feind zur Zeit mit hundertfünfzigtausend Mann an der ganzen Front im Angriff steht. Da die Amerikaner über keine operative Reserve verfügen, ist eine rigorose Verkleinerung des Landekopfes durchaus denkbar.


schloß sich die amerikanische Luftflotte zur Zerstörung dieses nunmehr militärisch wichtigen Zieles.
schloß sich die amerikanische Luftflotte zur Zerstörung dieses nunmehr militärisch wichtigen Zieles.

Malik: Provolkation

Der Flugzeugzwischenfall

Neuyork, 6. September, (dpa) Der amerikanische Delegierte Warren Austin hat dem Sicherheitsrat am Dienstag die Meldung des amerikanischen Oberkommandos in Korea vorgelegt, daß am Montag ein mit einem roten Stern gekennzeichneter Bomber vor der Westküste Koreas abgeschossen und aus dem Wrack ein Flieger mit sowjetischen Papieren geborgen worden sei. Austin wies nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, den Koreakonflikt zu lokalisieren.

Der sowjetische Delegierte Malik bezeichnete die Meldung von diesem Flugzeugzwischenfall als eine provokative Feststellung Mac Arthurs und des amerikanischen Kricgsminisiteriums.

Der Flugzeugzwischenfall wurde von den Delegierten nicht näher behandelt.

„Ein Uebunnsflugn“

Die russische Auslegung

London, 6. September. (AP.) Die Sowjetunion hat ’n einer Note an die amerikanische Regierung erklärt, daß der von amerikanischen Jägern am Montag abgeschossene sowjetische Bomber sich nur auf einem Uebungsflug befunden und weder Bomben noch Lufttorpedos mit sich geführt habe.

Das Flugzeug sei ohne Grund von elf amerikanischen Jägern angegriffen und beschossen worden. Es habe sich auf einem Uebungsflug von Port Arthur zum Gebiet der Hi-Yun-Tao-Insel befunden, die 140 Kilometer von der Küste Koreas entfernt liege.

Die. Zwischenfälle mehren sich

Schlägereien mit der „Freien Deutschen Jugend“ in Hamburg

Drahtbericht unseres Korrespondenten

el. Hamburg, 6. September. Die politischen Unruhen in Hamburg nehmen immer größere Ausmaße an. In den beiden vergangenen Nächten mußte die Polizei, die sich weiter in höchster Alarmbereitschaft befindet, in fünf Fällen eingreifen. Sechzehn Personen wurden festgenommen.

Größtes Aufsehen hat eine Schlägerei erregt, die durch einen Ueberfall von fünfzehn maskierten Männern auf eine Gruppe von Angehörigen eines Vereins für Leibesübungen und der Freien Deutschen Jugend in Hamburg-Bergedorf entstanden war. Dabei wurden mehrere Personen verletzt.

Vorbeugenden Maßnahmen der Polizei war es zu verdanken, daß ernste Zusammenstöße vor einem Heim der Freien Deutschen Jugend verhindert werden konnten. Nahezu hundert politische Gegner erwarteten das Ende eines Heimabends kommunistischer Jugendlicher, so daß diese von einem starken Polizeiaufgebot nach Hause geleitet werden mußten. Zwei Stunden vorher hatte die Polizei eine Ansammlung von 25 mit schwarz-weiß-roten Bändchen dekorierten jungen Leuten in

einem Park zerstreut. Fünf von ihnen, die Schlaginstrumente verschiedener Art bei sich führten, wurden verhaftet. Ferner wurden sechs Männer im Alter von neunzehn bis dreißig Jahren festgenommen, die in der Gegend des Hauptbahnhofs Plakate mit der Aufschrift „Freiheit für die politischen Gefangenen in der Ostzone“ an Häuserwände geklebt hatten.

Ablehnung des Schiedsspruchs?

Remagen, 6. September, (dpa) Der Bundesschlichtungsausschuß zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten im Baugewerbe hat am Mittwoch in Remagen seine Verhandlungen fortgesetzt. Wie verlautet, ist der Ausschuß bei seinen Schlichtungsversuchen auf Schwierigkeiten gestoßen. Angehörige der beiden Sozialpartner sollen bereits die Möglichkeit angedeutet haben, den Schiedsspruch des Ausschusses unter gewissen Umständen nicht anzuerkennen. Wie ferner mitgeteilt wird, ist Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard zu den Verhandlungen zugezogen worden.

Ein Sperrgürtel um Berlin

Ulbrichts Säuberungsaktion wird zur Groteske

Drahtbericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 6. September. Die Säuberungsaktion Ulbrichts in der Sozialistischen Einheitspartei wird in absehbarer Zeit weitere Kreise ziehen. Ein vom Politbüro der Partei gefaßter Beschluß sieht vor, daß sich die Reinigung des Parteiappärates auf das gesamte Gebiet der sowjetischen Besatzungszone erstrecken soll. Es wird in Kreisen der Sozialistischen Einheitspartei damit gerechnet, daß etwa 25 Prozent der besoldeten Parteifunktionäre dieser Aktion zum Opfer fallen werden.

Eine Säuberungsaktion wird auch für den kommunistisch beherrschten „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ vorbereitet.

Neben Angehörigen der Sozialistischen Einheitspartei werden nach den Wahlen vom 15. Oktober auch Mitglieder der Liberaldemokratischen Partei und der Christlich-Demokratischen Union ihre Posten an in Rußland geschulte Kommunisten abgeben müssen. Der jetzige Prä-

sident der Volkskammer, Johannes Dieckmann (Liberal-Demokrat) steht dabei mit an erster Stelle. Auch der sächsische Vorsitzende der Liberal-Demokratischen Partei und Gesundheitsminister Dr. Thürmer sowie Finanzminister Dr. Loch ( Liberal-Demokrat) sollen bereits aufgefordert worden sein, ihre Posten nach den Wahlen zur Verfügung zu stellen.

Um die Flucht weiterer Opfer der Säuberungsaktion in der Führung der Sozialistischen Einheitspartei zu verhindern, hat, wie soeben bekannt wird, der Staatssicherheitsdienst einen fünfzig Kilometer breiten Sperrgürtel, die sogenannte „Sicherheitszone I“, um Berlin gelegt. Alle Minister, Staatssekretäre und Ministerialdirektoren sollen durch den Staatssicherheitsdienst überprüft werden.

Nur noch einfache Arbeiten

Die Beschäftigung der „Gesäuberten"

Berlin, 6. September, (dpa) Die vom Zentralsekretariat der Sozialistischen Einheitspartei aus der Partei ausgeschlossenen sechs ehemaligen leitenden Funktionäre Paul Merker, Bruno Goldhammer, Leo Bauer, Lex Ende, Willi Kreikemeyer und Maria Weiterer werden nach der Mitteilung eines Sprechers des Zentralkomitees keine Möglichkeit mehr erhalten, in gehobener Stellung zu arbeiten.

Tausend „Zeungen Jehovas“

in der sowjetischen Zone verhaftet

Berlin, 6. September. (AP) Die in der sowjetischen Zone verbotene Religionsgemeinschaft „Zeugen Jehovas“ ver¬ öffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, jeder wisse, daß in der sowjetischen Zone keine demokratische Ordnung bestehe. Niemand habe mehr gegen diese in der Verfassung niedergelegten demokratischen Grundsätze verstoßen als jene, die sie gemacht hätten: die Kommunisten.

Wie verlautet, sind bisher tausend Mitglieder der „Zeugen Jehovas“ verhaftet worden.

Eine antikommunistische Kampagne in der ganzen Türkei wird zur Zeit veranstaltet, die in der Hauptsache von den Gewerkschaften organisiert ist.

Die Stahlquote

*** Wir haben an dieser Stelle bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß die Verhältnisse oft stärker sind als vorgefaßte Meinungen. Wenn es in der vergangenen Woche noch so schien, als ob die Konferenz der Außenminister in Neuyork wenig Fortschritte auf dem Wege der Bundesrepublik zu einem selbständigen Staate bringen werde, so hat der französische Außenminister Schuman günstigere Ausblicke eröffnet.

Schuman hat vor seiner Abreise nach Neuyork erklärt, es bestünden keinerlei rechtliche Bedenken dagegen, Westdeutschland noch vor Abschluß eines Friedensvertrages größere Befugnisse auf dem Gebiete der Auslandsbeziehungen einzuräumen. Der Bundesrepublik werde voraussichtlich in Kürze die Bildung eines Außenministeriums gestattet werden. Allerdings werde die Oberkommission, solange sie bestehe, immer das Recht auf Intervention, das heißt auf Einspruch, behalten.

Es soll hier nicht darauf eingegangen werden, was der französische Außenminister .über die deutsche Polizei und die Verpflichtung der Westmächte sagte, die Verteidigung Europas so schnell wie möglich zu organisieren. Wesentlich erscheint es jedoch, daß Schuman eine Erhöhung der westdeutschen Stahlproduktion im Bereich des Möglichen liegen sieht und überhaupt der Ansicht ist, Deutschland könne seinen Beitrag zur europäischen Verteidigung am besten durch industrielle Erzeugung leisten. Er denkt dabei nicht an die Erzeugung von Kriegsmaterial, sondern in erster Linie an die Lieferung von Rohmaterialien, darunter auch von Stahl und von Halbfertigwaren.

Die Westmächte werden eingesehen haben, daß die Ablehnung einer Revision der deutschen Stahlquote das Vertrauen Deutschlands erschüttern müßte. Die jetzige deutsche Stahlquote von 11,1 Millionen Tonnen kann ohne weiteres vom Binnenmarkt aufgenommen werden und ist bereits um etwa 250 000 Tonnen überschritten worden. Wenn jedoch die Bundesrepublik ihre Stahlerzeugung in den Dienst der europäischen Aufrüstung stellen soll, so muß ihre Leistungsfähigkeit auf mindestens 13,5 bis 16,5 Millionen Tonnen erhöht werden. Aber hierfür sind neue und modernere Einrichtungen notwendig. Vor allen Dingen müßte nach der Ansicht von Fachleuten die Thyssenhütte wieder voll in Betrieb genommen werden.

Die Atempause

Von Reinhold Zenz

Die Anweisungen der Machthaber in der Sowjetzone an ihre kommunistische Fünfte Kolonne in der Bundesrepublik sind so gehalten, als ob der Kreml in allernächster Zeit damit rechne, daß die Bundesregierung beseitigt und Westdeutschland mit der Sowjetzone zu einem bolschewistischen Satellitenstaat unter Leitung von Ulbricht und Pieck vereinigt werden könnte. Der Optimismus, den man in der Sowjetzone zur Schau trägt, ist zweifellos notwendig, um die geringe Zahl der kommunistischen Anhänger in der Bundesrepublik zu ermutigen und zu erhöhter Aktivität anzuspornen.

Der Korea-Plan

Wenn nicht alles täuscht, beabsichtigt aber Rußland tatsächlich, sobald am 15. Oktober die Wahlen in der Sowjetzone in seinem Sinne verlaufen sind, in der gleichen Weise vorzugehen wie seinerzeit in Korea. Das heißt, Rußland würde mit der Regierung der Sowjetzone einen Friedensvertrdg abschließen, mit der Maßgabe, daß er auch für Gesamtdeutschland gelten solle und daß die Regierung der Sowjetzone als gesamtdeutsche Regierung anzusehen sei. Als unmittelbare Folge des Friedensvertrags würde Rußland (wie es das auch in Nordkorea tat) seine Besatzungstruppen zurückziehen. Gleichzeitig würde die Sowjetzonen-Regierung ermächtigt werden, ihre Volkspolizei in eine Volksarmee umzuwandeln, die stark genug gemacht würde, um den als „Bürgerkrieg“ getarnten Angriff gegen Westdeutschland vorzutragen.

Das erste Ziel eines Angriffs dieser Volksarmee wäre zweifellos Berlin, dessen Besitz sowohl für die Sowjetzone wie für die Russen eine Prestige-Frage bedeutet. Selbst der sozialistische französische „Populaire“ befürchtet eine Wiederaufnahme der Berliner Blockade durch Truppen der Sowjetzonen-Republik, und die römische Zeitung „Tempo“ vertritt die Ansicht, die Volksarmee der Sowjetzone sei im Verein mit der halben Million Mitglieder der kommunistischen „Freien Deutschen Jugend“ ohne Eingreifen der Sowjettruppen in der Lage, die wenigen Streitkräfte der Westmächte aus Berlin hinauszuwerfen und über die Elbe zurückzutreiben. Die Russen würden allenfalls „zur Wiederherstellung der Ordnung“ eingreifen, nicht aber militärisch. Die Schaffung eines Zwischenfalles sei ein Kinderspiel. Die Westmächte würden selbstverständlich als Angreifer hingestellt werden, dann käme das Verbot der Luftbrücke und schließlich eine „Volksabstimmung“ der Bevölkerung Berlins zugunsten der Sowjetzone.

Der geplante Vormarsch

Die Strategen der Sowjetzone gehen von der Ueberlegung aus, ein Vormarsch der Volksarmee nach Westen werde bei einem „Bürgerkrieg“ wenig Widerstand finden. Sie glauben, die westdeutsche Bevölkerung sei bis dahin durch den ständigen Nervenkrieg und durch planmäßig einsetzende Sabotageakte seelisch genügend zermürbt, um einen Angriff widerstandslos über sich ergehen zu lassen. Sie rechnen ferner damit, im Augenblick eines kommunistischen Angriffs werde sich in der Bundesrepublik ein viele Millionen zählendes Herr von Flüchtlingen in Bewegung setzen, das um jeden Preis das linke Rheinufer gewinnen wolle. Diese Völkerwanderung werde

wie eine Sturzflut alle Straßen überfluten, die Verkehrswege und Verkehrsmitter desorganisieren .und ein Chaos herbeiführen, das den schwachen Behörden-Apparat der Bundesrepublik lähme und es der kommunistischen Fünften Kolonne leicht mache, die Macht zu ergreifen, indem sie wichtige Verwaltungszentren und Industriebetriebe besetze. Die Westmächte würden selbstverständlich den Angriff als eine Verpflichtung zum Eingreifen ansehen. Ihren wenigen Divisionen werde es aber, da die Straßen durch Flüchtlinge verstopft seien, unmöglich gemacht, planmäßig zu operieren, sie seien also von vornherein praktisch ausgeschaltet.

Noch ist es nicht soweit

Diese russischen Pläne mögen wohl erwogen sein. Man darf jedoch mit guter Begründung annehmen, daß sie sich wm heute auf morgen nicht verwirklichen lassen. Vor den Wahlen in der Sowjetzone ist überhaupt nicht daran zu denken. Nach der Wahl aber müssen erst durch die üblichen „Säuberungsaktionen“ in der Sowjetzone alle Elemente ausgeschaltet und liquidiert werden, die dem Machtanspruch der Sozialistischen Einheitspartei noch Widerstand entgegensetzen könnten. Es kommt hinzu, daß die Aufstellung der Volkspolizei in der Sowjetzone und ihrer Reserven nach dem Urteil erfahrener Beobachter längst nicht den in Aussicht genommenen Effektivbestand erreicht hat, und daß die „Bereitschaften“ auch noch nicht über die erforderliche Bewaffnung verfügen. Wie es heißt, werden die militärischen Vorbereitungen frühestens in der ersten Hälfte' des kommenden Jahres als abgeschlossen angesehen werden dürfen. Gerade die Erfahrungen, die Rußland in Korea gemacht hat, werden es davon abhalten, eine Aktion zu befehlen, bevor die letzte Gewißheit vorhanden ist, daß sie in kürzester Frist zum Ziele führt. Wenn der Befehl gegeben werden sollte, daß die Volksarmee der Sowjetzone in die Bundesrepublik einbricht, will man die Gewißheit haben, daß sich alles programmgemäß abspielt, und daß (anders als in Korea) Westdeutschland zu einem Satellitenstaate geworden ist, bevor die alliierten Westmächte Gelegenheit haben, wirksam einzugreifen und den Angriff der Volksarmee zurückzuweisen.

Die Zeit muß genützt werden

Die Atempause, die uns zur Verfügung steht, ist vermutlich nicht allzu lang. Aber es wäre verfehlt anzunehmen, die Sowjetunion lasse sich durch das Eingreifen der Vereinten Nationen in Korea endgültig von weiteren Versuchen zurückschrecken, die Weltherrschaft zu erreichen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die kommunistischen oder kommunistisch kontrollierten Völker der Welt, nach einer Schätzung des Vorsitzenden des amerikanischen Amtes für strategische Rohstoffe, Stuart Symington, von etwa 188 Millionen auf über 800 Millionen vermehrt. Der militante Bolschewismus drängt nach weiterer Ausdehnung, und nichts dürfte ihm wichtiger erscheinen, als die wirtschaftliche Kraft des freien Europas sich dienstbar zu machen. Da die Westmächte die Gefahr erkannt haben und alle Kraft einsetzen, um den Rüstungsvorsprung der Sowjetunion aufzuholen, wird diese keine Gelegenheit verpassen, die ihr geeignet erscheinen mag, ihren weitgesteckten Zielen näher zu kommen. Es wäre eine Utopie, anzunehmen, die nun endlich der Bundesrepublik zugestandene, unzulängliche Bundespolizei werde rechtzeitig aufgebaut sein, um einer Volksarmee der Sowjetzone wirksam entgegentreten zu können. Auch die Aufstellung militärischer deutscher Verbände, von denen Jules Moch erklärt hat, man müsse sich mit ihrer Notwendigkeit „fatalerweise“ abfinden, würde mindestens die Zeit von zwei Jahren in Anspruch nehmen. Es muß jedoch unbedingt rechtzeitig etwas geschehen, wenn Westdeutschland und damit ganz Westeuropa nicht hilflos einem Angriff der Bolchewisten preisgegeben werden soll.

Ermutigende Ausblicke

Nicht allein die Deutschen sehen die drohende Gefahr. Als erster europäischer Staatsmann hat Winston Churchill auf die Notwendigkeit hingewiesen, die „scheußliche Lücke“ an der europäischen Front zu schließen, und betont, nichts gefährde mehr den Frieden als die europäische und die britische Schwäche. Der einzige Weg, so sagte er, mit den Kommunisten Rußlands fertig zu werden, bestehe darin, daß Europa überlegene Streitkräfte in dieser oder jener Form besitze und dann mit Vernunft und Anstand handele. Präsident Truman versicherte, Amerika werde seine ganze Energie dafür verwenden, daß der Frieden erhalten bleibe und alle Völker der Welt frei würden. Der französische Armeeminister Moch wies noch einmal darauf hin, man dürfe nicht zurückweichen, nicht erst in England oder Nordafrika Widerstand leisten und dürfe nicht erst aus der Ferne eine gewaltige Befreiungsoperation entwerfen, die nur noch Friedhöfe und die Ruinen unserer Kultur zu befreien vermöchte. Nein, man müsse sich soweit wie möglich im Osten schlagen, so nahe wie irgend möglich am Eisernen Vorhang, von dem der Angriff ausgehen könnte. Das beziehe sich „auf das Bollwerk, das der gemeinsame Sieg der Westmächte zwischen Rhein und Elbe zu besetzen erlaubt habe“.

Es sind nicht allein Worte, mit denen wir ermutigt werden. Die Außenministerstellvertreter haben ihre Regierungen auf gefordert, ihr Rüstungsvermögen voll auszunutzen und schnellstens mit der Erzeugung wichtiger Waffen zu beginnen. Die Westmächte haben im Sinne dieser Erfordernisse bereits beschlossen, die Zahl ihrer Divisionen zu erhöhen und die Dienstzeit zu verlängern. Der Exekutivausschuß des Atlantikpaktes ist zu der Erkenntnis gekommen, daß noch mehr Divisionen aufgestellt werden müssen, als ursprünglich beabsichtigt war. Und entgegen einer Aeußerung des Präsidenten Truman, die erst wenige Tage alt ist, hat McCloy am Dienstag vor Presseleuten erklärt, es genüge nicht, daß Westdeutschland in irgendeiner Form in die Lage versetzt werde, sich zu verteidigen. Nach seiner Ansicht müßten weitere amerikanische Einheiten in der amerikanischen Besatzungszone stationiert werden. Der amerikanische Außenminister Acheson bezeichnete es darüber hinaus auf seiner Pressekonferenz am Mittwoch als „höchst wünschenswert“, die Bundesrepublik an der Verteidigung Westeuropas zu beteiligen.

Dies alles deutet darauf hin, daß die Zeichen der Zeit erkannt werden und daß die Westmächte bemüht sind, nach Kräften die Atempause zu benützen, die uns noch vergönnt ist.

Kinken die Fleischpreise?

Bonn, 6. September (NWDR). Mit einem Sinken der Fleischpreise rechnet das Bundesernährungsministerium für Ende September, Anfang Oktober. Durch das im Herbst einsetzende größere Angebot an Vieh würde die Vorratsbildung gesichert.

Die nene Gemeinde-Ordnung

Von Dr. Hellmut Neumann, hessisches Innenministerium

Schon in dem ersten Paragraphen des neuen Gesetzentwurfs ist ausgesprochen: „Die Gemeinde ist eine der Grundlagen des demokratischen Staates.“ Sieht man in den Gemeinden den Unterbau des staatlichen Gefüges, dessen Oberbau Länder und Bund sind, dann sind die Gemeinden sogar „die“ Grundlage des demokratischen Staates. Diese Grundlage soll in dem Entwurf gefestigt werden. Da „Demokratie“ in der Gemeinde „Selbstverwaltung“ ist, war es das vornehmste Ziel des Entwurfs, die Selbstverwaltungsidee zu einer möglichst reinen Verwirklichung zu bringen. Kommunalverwaltung ist keine subordinierte Staatsverwaltung. Sie ist die unterste Ebene der Wahrnehmung öffentlicher Angelegenheiten; bei der Frage, wie auf dieser Ebene die Erledigung öffentlicher Angelegenheiten erfolgen soll, konnte der Gesetzgeber, entsprechend der Auffassung aller politischen Faktoren unseres Landes, nur zu dem Ergebnis kommen: Die unterste, dem Volke am nächsten stehende Stufe der öffentlichen Verwaltung im Staate soll unmittelbar aus dem Volke hervorgehen. Damit ist zweierlei erreicht: einmal werden die Kräfte des Staates frei für höhere, überörtliche, staatsnotwendige Zwecke. Zum anderen sind die Gemeinden, wenn ihnen die eigenverantwortliche Erfüllung der örtlichen Aufgaben übertragen wird, in der Lage, für diese Erfüllung die vielfachen und verschiedenartigen Kräfte und Möglichkeiten einzusetzen, die im Schoße der Bürgerschaft allüberall schlummern.

Erledigung staatlicher Aufgaben

Soll die Verwaltung nach Möglichkeit von örtlichen kommunalen Stellen unter eigener Verantwortung geführt werden, so muß also alles, was irgend in der örtlichen Instanz erledigt werden kann, in der Hand der Gemeinden zusammengefaßt werden. Hier ist von ausschlaggebender Bedeutung, daß den Städten neben den freiwillig von ihnen übernommenen Aufgaben die Aufgabe zufällt, die Landesgesetze in der örtlichen Instanz durchzuführen. Staatliche Auftragsangelegenheiten werden sich niemals ganz vermeiden lassen. Wenn die Staatsgewalt zur Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben die Hilfe der Selbstverwaltungsbehörden benötigt, so soll aber künftig Umfang und Inhalt des Weisungsrechts in allgemeinen Grundsätzen und Richtlinien gesetzlich festgelegt werden. Die Handhabung die-

ser Gesetze kann man dann der Selbstverwaltung anvertrauen, ohne daß es nötig wäre, die Dinge unter ständiger Kontrolle der staatlichen Instanzen zu halten oder mit Einzelbefehlen sich einzuschalten. So verbindet das Gesetz Staat und Gemeinde zu einem einheitlichen Ganzen.

Schließlich ergibt sich hieraus, daß, eben weil diese Angelegenheiten in der untersten Verwaltungsstufe, nämlich der Gemeinde, erledigt werden, sie auch der Kontrolle der Gemeindevertretung (Stadtverordnetenversammlung) unterliegen. Das ist eine Neuerung und ein Fortschritt. Ich glaube nicht, daß es zu bedauern ist, wenn der Gemeindebürger für zuständig erklärt wird, durch seine gewählten Vertreter bekanntzugeben, was ihm bei der Durchführung staatlicher Aufgaben im Gemeindebezirk mißfällt.

Die Gemeindevertretung vereinigt auf sich die Hauptakzente des kommunalen Lebens. Soll im Verhältnis zum Staat die Gemeinde eine umfassende Zuständigkeit haben, so steht in den gemeindlichen Angelegenheiten selber diese umfassende Zuständigkeit der gewählten Stadtvertretung zu. Sie ist die berufene Willensträgerin der Bürgerschaft. Bei ihr soll daher das Schwergewicht der Entscheidung liegen. Hierbei wird die Gemeindevertretung überall dort, wo ein Bedürfnis dafür besteht, durch Ausschüsse unterstützt. Sie ist auch das Kontrollorgan gegenüber dem Gemeindevorstand. Sie kann — das ist neu — gegen Bürgermeister und Beigeordnete, wenn sie ihre Amtspflichten gröblich verletzen oder untragbar für eine gedeihliche Entwicklung der Verwaltung sind, beim zuständigen Dienststrafgericht auf Abberufung klagen.

Ehrung deutscher Ingenieure

Tagung des Vereins Deutscher Ingenieure in Frankfurt

F.A.Z. Frankfurt, 6. September. Die Mitgliederversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und der Festakt haben im Zeichen des achtzigjährigen Bestehens des VDI gestanden.

In verschiedenen Ansprachen verurteilte man die Aktion der Deutschen Demokratischen Republik für den Fünfjahresplan und den Zusammenschluß der Westzone mit der Ostzone. Um so stärker wurde dafür die Forderung des Vorsitzenden des VDI, Direktor Bluhm (Düsseldorf) unterstützt, die Zusammenarbeit mit allen europäisch denkenden und fühlenden Organisationen anderer Länder zu fördern. Eine vertrauensvolle und in voller Gleichberechtigung aufzunehmende Zusammenarbeit sei jedoch nur möglich, wenn man auch die letzte Ächtung des deutschen Ingenieurs, die immer noch mit dem Namen Landsberg und anderer deutscher Gefängnisse verbunden sei, beseitigt habe. Direktor Bluhm appellierte auch unter dem Beifall der anwesenden Engländer, Schweizer und Franzosen an die Besatzungsmächte, Männer wie Röchling und Krupp mit ihren Leidensgenossen in Freiheit zu ^etzerp

Der Präsident des Verbandes technischer Vereine, Professor Dr. Wagner, stellte für den rund fünfzigtausend Mitglieder umfassenden Gesamtverband fest, daß die Mittel, die der Staat und die Wirtschaft zur Förderung der Wissenschaft und des Nachwuchses bisher zur Verfügung gestellt hätten, bei weitem nicht ausreichten. Besonders groß sei die Sorge für den Nachwuchs. Die Altersschichtung hatte sich in den letzten Jahren in gefährlicher Weise, zum mindesten um zehn Jahre noch oben, verschoben.

In der Festansprache sagte Bundesminister für Verkehr, Dr.-Ing. Seebohm, wir seien in einer Entwicklung, die wir als Gesellschaftsumschichtung und Gesellschaftskrise bezeichnen müßten und bei der die Probleme mit den alten Gesellschafts- und Wirtschaftslehren allein nicht mehr gelöst werden könnten. Der Mensch sei in Gefahr, zum Roboter zu werden und im Kollektivismus aufzugehen. — J t—»

Im Anschluß an den Vortrag des Bundesministers wurden die vorgesehenen Ehrungen bekanntgegeben.

Lebensnähe und Volkstümlichkeit

Da alle grundlegenden Beschlüsse bei der Gemeindevertretung liegen, so nimmt auf dieser Plattform der Bürger am nachhaltigsten an der Gestaltung des öffentlichen Lebens teil. Aber auch die Durchführung der Beschlüsse, die Exekutive, soll Lebensnahe und Volkstümlichkeit atmen. Hier setzt die Bedeutung des ehrenamtlichen Beigeordneten (Stadtrats) ein, den die Gemeindevertretung zu wählen hat. -

Aber über die Frage, in welcher Form nun das ehrenamtliche Element an der Exekutive zu beteiligen sei, darüber gingen die Ansichten außerordentlich auseinander. Der Entwurf sieht bei Gemeinden über 3000 Einwohner die Wahlmöglichkeit zwischen kollegialer (Magistrats-) und monokratischer (Bürgermeister-) Verfassung vor. Bei Gemeinden unter 3000 Einwohner ist außerdem das „E inkörp e r s y s t em“ zugelassen, sogar als Regelfall aufgestellt. Löst man einmal einen Gemeindebeschluß in seine Bestandteile auf, so könnte man sagen: der Weg vom Wunsch zum Willen und vom Willen zum Entschluß ist von der Gemeindevertretung zurückzulegen — den Weg vom Entschluß zur Wahl der Mittel und von der Wahl der Mittel zu ihrer Anwendung zurückzulegen, ist Sache des Magistratskollegiums in der Magistratsverfassung, des Bürgermeisters allein in der Bürgermeisterverfassung, der Gemeindevertretung im „Einkörpersystem“. Jedes System hat seine Vorzüge und Nachteile. Ein einheitlich leitender und Verantwortlicher Wille bürgt für rasche Arbeit und feste Führung, verführt aber seinen Träger leicht zu selbstherrlicher Einstellung und Geringachtung des Gemeindeparlaments (Bürgermeisterverfassung). Umfassende Kenntnis aller in Frage kommenden Gesichtspunkte und Weite des Blicks vermittelt am besten ein Kollegium, aber es kann für schöpferische Persönlichkeiten ein Hemmnis sein (Magistratsverfassung). Das „Einkörpersystem“ schließlich, bei dem Beschlußfassung und Durchführung bei der Gemeindevertretung liegen, der auch der Bürgermeister angehört, entspricht am meisten dem praktischen Bedürfnis der Zusammenarbeit in kleinen Gemeinden, verwischt aber die Verantwortlichkeiten.

Staatsaufsicht und Staatskommissar

Alles in dem Entwurf fußt auf der Grundansicht, daß der Staat auf die lebendigen Kräfte der Gemeinden nicht verzichten kann. Darum sollen Eingriffe in den freien Bereich der Selbstverwaltung der Gemeinden nur dann erfolgen, wenn sich die Selbstverwaltung mit den Gesetzen des Staates in Widerspruch stellt. Der Staatsaufsicht unterliegen also grundsätzlich nicht mehr Fragen des Ermessens oder, wie es die Deutsche Gemeindeordnung von 1935 vorsah, irgendwelche „Ziele der Staatsführung“. Aber Selbstverwaltung darf natürlich nicht mit ungebundener Freiheit verwechselt werden. Tritt an Stelle einer verantwortungsbewußten Selbstverwaltung Mißbrauch und Willkür, dann hat die Staatsaufsicht das Recht, sich einzuschalten. Abgestufte Möglichkeiten stehen ihr zur Verfügung, die Ordnung wiederherzustellen. Ihr stärkstes Recht ist die Einsetzung eines Staatskommissars, was praktisch die Ausschaltung der soziologischen und politischen Kräfte bedeutet, die die Selbstverwaltung tragen. Dem Minister des Innern als oberster Aufsichtsinstanz steht bei der Handhabung der Gemeindeaufsicht die Gemeindekammer zur Seite, die aus elf Mitgliedern besteht, von denen je vier der Landtag und die kommunalen Spitzenverbände wählen, während die übrigen von der Landesregierung ernannt werden.

Eine konstruktive Konzeption

So hat der Entwurf also eine klare Grundlinie. Er ist nicht eine gut assortierte Sammlung von Paragraphen. Und er ist auch nicht nach alten Klischees gefertigt. Er stellt sich als eine durchdachte, konstruktive Konzeption dar. Gesetze sollen nicht abstrakt erfunden sein; sie sollen den Wirklichkeiten des Lebens entsprechen; nur dann wohnt ihnen eine lebendige, das öffentliche Leben befruchtende Kraft inne. Wir glauben, daß der Entwurf diese Bedingungen erfüllt. Und wenn er ihnen genügt, dann wird er auch das sein, wm er sein soll: eine Stütze der Demokratie.

Stimmen der Anderen

Frontlinie Elbe

Die britische Wochenschrift „Economist“ fordert eine Verstärkung der britischen Streitkräfte in Deutschland. Sie schreibt:

„Die Stationierung britischer Streitkräfte an der Frontlinie in Deutschland bringt sicherlich schwere Gefahren mit sich, aber die Gefahren sind nicht geringer, wenn man diese Maßnahme unterläßt. Kann man erwarten, daß das französische Volk seine Aufgabe ernst nimmt, fünfzehn Divisionen auszubilden und auszurüsten, solange nur eine britische und eine amerikanische Panzerdivision in Deutschland stehen? Kann man von den Deutschen erwarten, daß sie ihr Schicksal mit dem des Westens verbinden, wenn sie nicht auf eigenem Boden Beweise dafür sehen, daß man sie erfolgreich verteidigen wird, Europa verlangt von den Vereinigten Staaten und von Großbritannien Beweise dafür, daß sie die Elbe als die Frontlinie für ihre Stellung in Europa ansehen. Es müssen ferner Beweise dafür erbracht werden, daß die Strategie der Westmächte so einheitlich geworden ist, daß es im Augenblick der Gefahr keine Meinungsverschiedenheiten gibt. Mit Sicherheit kann aber eine solche Vereinheitlichung der militärischen Pläne und Beschlüsse nicht ohne politische Bindungen zwischen den Regierungen erreicht werden.“

Verbotene Verfsammlungen

Fö. Düsseldorf, 6. September. Ministerpräsident Arnold hat als Innenminister durch einen Erlaß alle von der Freien Deutschen Jugend, dem „Komitee der Kämpfer für den Frieden“, der „Aktionsgemeinschaft der Jugend“ sowie den entsprechende«! Ersatzorganisationen geplanten Umzüge . und Versammlungen unter freiem Himmel für das Land Nordrhein-Westfalen verboten.

Zugleich hat Ministerpräsident Arnold in einem Aufruf an alle Eltern und Erziehungsberechtigte im Lande die Aufforderung gerichtet, die Jugend von der Teilnahme an kommunistischen Demonstrationen jeder Art abzuhalten, damit sie bei eventuellen Zusammenstößen keinen Schaden erleide. Die Polizeieinheiten des Landes würden in unnachgiebiger Strenge gegen alle weiteren Versuche vorgehen, die geeignet seien, die öffentliche Sicherheit und Ordnung mit Absicht und Ueberlegung zu stören.

Damit kann das für den 1. Oktober geplante „Treffen der hunderttausend jungen Friedenskämpfer“, nachdem es bereits vor Wochen durch die Dortmunder Stadtverwaltung verboten worden war, rechtlich auch nicht mehr in anderen Städten des Landes abgehalten werden, wie es geplant worden war.

Gegen Preiserhöhungen

F.A.Z. Frankfurt, 6. September. (Eigener Bericht.) Die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Arbeitgeberverbände hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt erklärt, die Kündigung der Industrie-Lohntarife auf breiter Front werde von den Arbeitgeberverbänden deshalb als äußerst ernst bezeichnet, weil die Industrie bemüht sei, die auf dem Weltmarkt aufgetretenen Preiserhöhungen für Rohstoffe in weitgehendem Maße aufzufangen. Das Verhältnis zwischen Preisen und Löhnen sei nicht so unterschiedlich, als daß die Lohnerhöhungen der Gewerkschaften in dem 'geforderten Ausmaß gerechtfertigt erschienen. Sollten die Gewerkschaften auf ihren Forderungen bestehen, dann seien allerdings Preiserhöhungen in allen Industriezweigen unvermeidlich. Am allermeisten würden davon die sozial schwächsten Schichten betroffen.

530 neue Umsiedler aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie sind in das Lager Friedland aufgenommen worden.

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

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Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg

Der gedämpfte, undeutliche Klang einer vollständig beherrschten Männerstimme folgte und darauf wieder die durchdringende der Frau.

„Ja, demütigen vor den Kindern und den Dienstboten, und in der Neuen wirst du wieder einen Zuhörer mehr haben. Glaub’ nur nicht, ich sei so dumm, nicht zu wissen, wozu du sie hast kommen lassen. Mich hat Mademoiselle Maillard in jeder Hinsicht zufriedengestellt, aber weil sie nicht mehr jung und hübsch war — weil sie zu mir in meinem Elend hielt — mußt du sie natürlich entlassen. Ich sage dir, ich halte einen neuerlichen Wechsel und damit neue Beleidigungen nicht aus. Tag für Tag behandeln die Kinder mich, als ob ‘

Wieder unterbrach die ruhige, tiefe Stimme, und diese günstige Gelegenheit benutzend, klopfte der Diener läut an die Tür. Während sie auf das „Herein' warteten, wandte er sich zu Henriette um und sah sie mit einem sprechenden Blick an. Sie heuchelte Gleichgültigkeit, aber sie erfaßte die Bedeutung nur zu gut — das hinterhältige Vergnügen und das kaum merkliche Zucken seiner Schultern unter der grünen Tuchlivree.

„Mademoiselle Desportes“, meldete er sie förmlich an und überließ sie dann dort in der Tür ihrem Schicksal.

Später erinnerte si; sich immer dieses Zimmers so, wie sie es jetzt in der hellen Frühlingssonne vor sich sah, ihre Aufmerksamkeit durch die Besorgnis ge-

sdtärff, ob sie wohl den erhofften guten Eindruck zu erwecken vermöge, und aufgeschreckt durch das Gespräch, das sie soeben unfreiwillig hatte mit anhören müssen.

Die Herzogin lag lang ausgesfreckt auf einer Chaiselongue neben dem kleinen Kaminfeuer, und selbst das lose Morgengewand aus Seide und Spitzen, das sie in weidien, weiten Falten umgab, konnte die üppigen Formen ihres Körpers mit seiner unverhüllten Sinnlichkeit und den unverkennbaren Spuren zahlreicher Geburten nicht verbergen. Das Körperliche war bei ihr so ausgeprägt, daß man zunächst vergaß, auf ihr Gesicht und ihren Ausdruck zu achten — genau wie der Betrachter vor einem Bild von Rubens nur die Leiber sieht und erst dann die Beseeltheit. Ihre korsische Abstammung zeigte sich in ihrem blauschwarzen langen Haar wie auch in den starken dunklen Brauen und in den auffallend roten Lippen, die einen eigenartigen Kontrast zu dem bleichen vollen Gesicht bildeten. Es jvar der sinnlichste und zugleich unzufriedenste Mund, den Henriette je gesehen hafte, und auch nicht die geringste Andeutung eines Lächelns lag auf ihm, noch in den samtschwarzen Äugen unter den schläfrigen Lidern.

„Hoffentlich bi i ich nicht zu früh, Her¬ >ogin —“ Henriette hatte nicht damit gerechnet, daß sie das erste Wort sprechen müßte, aber das Schweigen wurde nachgerade peinlich „ich verstand Sie doch recht, daß Sie mich um elf Uhr empfangen wollten?'

Die Gestalt auf der Chaiselongue Cmachtc eine unbestimmte Bewegung mit dem Kopf, gab aber sonst durch nichts zu verstehen, daß sie die Frage überhaupt gehört hatte. Henriette trat einen Schritt vor und sah sich nach einem Stuhl um. In demselben Augenblick sah sie den Hausherrn, der vom Fenster her auf sie zukam. Die Vorhänge hatten ihn bislang verdeckt, doch nun drängte sich seine Erscheinung mit außergewöhnlicher Klarheit ihrem Auge aut. Er konnte nicht älter als Mitte der Dreißig sein, und der graugrün gestreifte Schlafrock, den er trug, ließ seine Blondheit und seine schlanke Figur hervortreten. Sein Haar und sein kurzgeschorener Backenbart war hell wie Fladis, und sein Gesicht hatte eine frische. gesunde Farbe. Sein ausgeprägtes, glattrasiertes Kinn mit dem tiefen, grübchenhaften Einschnitt, ragte unter der vollen Unterlippe hervor. Die Oberlippe dagegen war schmal und etwas kurz, und wenn er lächelte, wie eben jetzt, wirkte er trotz der markanten Nase und den müden Äugen überaus jugendlich. Die Äugen jedoch straften diesen Eindruck Lügen: fraglos gehörten sie einem Manne an, der nicht unerfahren wer und der ebensogut unbeugsam wie lebenslustig sein konnte.

„Erlauben Sie mir Mademoiselle.“ Da war sie, die tiefe Stimme von vorhin, ging es ihr durch den Kopf, als sie sich auf den Stuhl setzte, den er ihr nahe an das Fenster gerückt hatte.

„Vielen Dank, Herzog“, sagte sie, während sie darauf achtete, daß die Falten ihres Rockes sich vorteilhaft legten. Es war warm im Zimmer, und sie ließ ihren Schal über die Rückenlehne gleiten. Henriette erhaschte eine ungeduldige Geste, die der Herzog stirnrunzelnd zu seiner Frau hin machte. Es war Sache der Frau, eine Unterredung wie diese zu führen, ob aber nun aus Äerger oder aus Schüchternheit: die Herzogin schien gar nicht daran zu denken, ihrer Pflicht nachzukommen. Henriette ließ sich nichts anmerken, daß sie die Bewegung gesehen hatte; da sie sich jedoch darüber klar war, daß ihrer künftigen Herrin die Zügel der Autorität entglitten waren, zögerte sie nicht, sie selbst zu ergreifen. Nun gut, dachte sie, wenn die Dame des Hauses sich nicht ihrer Vorrechte bedienen will, mußten die Rollen eben vertauscht werden, und sie würde mit dem Fragen den Anfang machen. 1 « — C:_ • u T 1 •

„Bitte, lassen Sie mich Ihnen meinen Dank aussprechen für das Kompliment, das Ihre Aufforderung, mit mir über die Erziehung Ihrer Kinder zu' sprechen, enthielt. Darf ich hoffen, daß meine Zeugnisse zufriedenstellend gewesen sind?“ „Die Zeugnisse — ja, ja, doch gewiß.“ Die Herzogin verharrte nach wie vor in ihrer unentschlossen abwesenden Haltung.

„Mehr als zufriedenstellend, sie waren ausgezeichnet!' beendete der Herzog die Antwort und fuhr fort, Henriette eindringlich zu betrachten. •

„Gewiß werden Sie doch aber noch manche Frage an mich richten wollen. In einem Brief läßt sich das alles ja rächt so ausführlich sagen. Und ich meinerseits würde auch gern Näheres über die Aufgabe wissen, die Sie mir zugedacht haben, bevor ich eine solche Aufgabe übernehme." Hier machte Henriette absichtlich eine Pause und wandte sich der Herzogin zu. Aber diese schien kaum zuzuhören. Nicht einen einzigen Augenblick ließ sie ihren Mann außer acht. „Sie haben zum Beispiel das Gehalt ungewöhnlich großzügig bemesjen, aber mir nichts über das Älter meiner Zöglinge mitgeteilt, noch darüber, wie Sie sich meine Aufgabe gedacht haben. Es wäre ja möglich, daß ich in gewissen Punkten Ihren Anforderungen nicht zu entsprechen vermag.“

„Sie werden den Anforderungen sicherlich gewachsen sei i, Mademoiselle." Wie selbstverständlich beantwortete der Herzog ihre Frage, obwohl sie an seine Frau gerichtet war, die, weit davon! entfern^, ihm ins Wort fallen zu wollen, keinerlei Anstalten traf, sich an dem Gespräch zu beteiligen. „Bei Ihrer Erfahrung dürften Sie es nicht schwer haben. Zwei von unseren Söhnen sind ja, wie Sie wohl bereits wissen, in deraObhut eines Hauslehrers, und drei von unseren Töchtern werden in Sacre Coeur erzogen. Somit werden Sie nur die vier anderen betreuen: Isabella, unsere Aelteste, ist bald vierzehn; Louise ist gerade zehn geworden; und dann noch die bei len Kleinen: Berthe, die im nächsten Monat sechs wird, und unser Jüngster, Raynald, der noch nicht ganz vier Jahre alt7 ist. Sie haben doch hoffentlich nichs dagegen, auch den Jungen zu unterrichten?"

nein, im Gegenteil 1' entgegnete Henriette, die sich über sein Interesse an seinen Kindern freute, „ich finde sogar diese kleine Vermännlichung in der Äfmospäre des Kinderzimmers sehr begrüßenswert. Ich halte es für vernünftiger, Knaben und Mädchen zusammen autwachsen ,zu lassen, selbstverständlich nur solange sie noch so jung sind."

„Raj-na.d ist eil aufgeweckter, kleiner Bursche, aber ich möchte Sie jetzt schon darauf aufmerksam machen, daß er sehr zart ist. Seine Gesundheit hat mir schon große Sorge gemacht.“

Es entging ihr nicht, daß er ,mir* sagte statt des ,urjs‘, das sie zu hören erwartet hafte.

„Ich verstehe", erwiderte sie, „auf solche Kinder muß man besonders achthaben. Ein zu lebhafter Geist kann bei so empfindlicher Gesundheit leicht Schaden anrichten. (Fortsetzung folgt.)

Schulreform und Gemeinde-Ordnung

Letzte gesetzgeberische Arbeit des Hessischen Landtags

Wiesbaden, 6. September. (Eigener Bericht.) Die erste Lesung des Entwurfes eines Schulverwaltungsgesetzes und die Vorlage der neuen hessischen Gemeinde-Ordnung standen auf der 85. Vollversammlung des Hessischen Landtags im Mittelpunkt der Aussprache.

Zu Beginn der gestrigen Sitzung hatte die FDP beantragt, die beiden Regierungsvorlagen von der Tagesordnung abzusetzen, da die Vorlage der Gesetzentwürfe zu spät erfolgt sei und die Abgeordneten somit nicht genügend Einblick hätten nehmen können. Der Antrag, der zwar die Unterstützung der CDU-Fraktion gefunden hatte, wurde jedoch mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten abgelehnt.

Das Schulverwaltungsgesetz

Kultusminister Dr. Stein, der den Entwurf seines Schulverwaltungsgesetzes begründete, wies darauf hin, daß diese Gesetzesvorlage nur einen Teil der insgesamt von ihm geplanten Schulreform ausmache. Eine volle Auswirkung der Reform könne deshalb nur im Zusammenhang mit den bereits seit März 1948 im Kabinett liegenden Entwürfen für ein Schulgrundgesetz und für ein Lehrerausbildungsgesetz gesehen werden.

Während der Sprecher der Sozialdemokraten, der Abgeordnete Fricke, die beschleunigte Beratung des Gesetzentwurfes für notwendig hielt, um den Unterricht für die Schuljugend einheitlich zu gestalten, bedauerte der Abgeordnete Dr. Raabe (CDU), daß die hessische Landesregierung in ihrer Mehrheit auch die anderen für eine umfassende Schulreform so bedeutenden Gesetze noch nicht verabschiedet habe. Die Regierungsvorlage wurde dem Kulturpolitischen Ausschuß zur Beratung überwiesen.

In Anbetracht der besonderen Bedeutung, die gerade dem Gesetzentwurf über eine neue Hessische Gemeinde-Ordnung zukommt, hatte Innenminister Zin n - kann seinen Urlaub unterbrochen, um vor dem Plenum des Landtags die Begründung der Regierungsvorlage vornehmen zu können. In 164 Paragraphen soll den hessischen Gemeinden ein neues Verfassungsrecht gegeben werden.

Für die Sozialdemokratische Partei, so erklärte der Abgeordnete Willi Wittrock, sei der Gesetzentwurf eine ausgezeichnete Basis zur Debatte im kommunalpolitischen Ausschuß. Allerdings sei die Mehrheit seiner Fraktion der Ansicht, daß das wirtschaftliche Betätigungsrecht der Gemeinden noch weiter ausgebaut werden müsse.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Stieler, warnte das Plenum davor, ein Gesetz von so weittragender Bedeutung in dem gleichen beschleunigten Tempo, wie dies die Regierung getan habe, auch im Landtag zu behandeln. Das Gesetz über die Gemeindeordnung — allein verabschiedet — müsse allerdings Stückwerk bleiben, da ein Landesverwaltungsgesetz und eine neue Kreisordnung unbedingt die notwendige Ergänzung für den weiteren Ausbau der demokratischen Selbstverwaltung bildeten.

Landtagswahlgesetz verabschiedet

In zweiter Lesung wurde gegen die Stimmen der Kommunisten das Landtagswahlgesetz angenommen. Die endgültige Verabschiedung erfolgt am 13. September.

Ebenfalls endgültig verabschiedet wurde der Gesetzentwurf über die Errichtung der Justus-Liebig-Hochschule in Gießen sowie — allerdings gegen die KPD — die Regierungsvorlage über das Abkommen der Länder der Bundesrepublik über die Finanzierung wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen.

Debatte über Preissteigerungen

Der Dringlichkeitsantrag der SPD über die derzeitige Preisentwicklung und Lohnbewegung rief alle vier Fraktionen des Plenums auf den Plan. Die bisherige Entwicklung der Preise und Löhne, so führte der Abgeordnete Schneider (SPD) bei Begründung des Antrages seiner Partei aus, gebe zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. Der Bund müsse Sofortmaßnahmen ergreifen, um das Realeinkommen der arbeitenden Bevölkerung, vor allem aber auch der sozial Minderbemittelten, wenigstens einigermaßen zu sichern. Die Lohnbewegung der Gewerkschaften sei deshalb eine nur zu natürliche und zwangsläufige Folge einer solchen Entwicklung.

In der anschließenden Debatte nahm als erster der Minister für Arbeit, Landwirtschaft u. Wirtschaft, Albert Wagner, das Wort, der zunächst feststellte, daß sich die Landesregierung in jeder Kabinettssitzung mit der Preis- und Lohnbildung befasse. Nach den in seinem Ministerium angestellten Beobachtungen seien, von Speisekartoffeln, Marmelade und einigen Gemüsesorten abgesehen, bei allen übrigen Nahrungsmitteln Preissteigerungen eingetreten. Leider könne die Landesregierung hiergegen nichts unternehmen.

Für die CDU erklärte der Abgeordnete Dr. Großkopf, daß zwar alles getan werden müsse, um dieser beängstigenden Entwicklung auf dem Preisgebiet entgegenzusteuern, daß man jedoch der Bundesregierung und den. verantwortlichen Parteien die Schuld für die Preisentwicklung nicht geben dürfe. Vielmehr habe ein nicht unbeträchtlicher Teil des Volkes durch seine Hamstereinkäufe entscheidend zu der Gesamtentwicklung beigetragen. Wirtschafts- und Sozialpolitischer Ausschuß müßten eine sorgfältige Prüfung dieses Dringlichkeitsantrages der SPD, der noch durch einen Zusatzantrag der Kommunisten erweitert worden war, vornehmen, um der Bundesregierung entscheidende Abhilfemaßnahmen Vorschlägen zu können.

2 Millionen DM für Lernmittel

Die einstimmige Billigung des Hauses erhielt ein FDP-Antrag, der zur Durchführung der Lernmittelfreiheit aus Haushaltsmitteln vor der endgültigen Etat-Verabfechiedung zunächst zwei Millionen D-Mark verlangt. Auch ein Antrag der SPD wurde angenommen, der zum Zwecke des Ausbaues und der Ausgestaltung der Lehrerbüchereien in Hessen ebenfalls aus Haushaltsmitteln einen Vdrausbetrag von 200 000 DM wünscht.

Am 13. September wird der Hessische Landtag zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen.

Malik legte Veto ein

Rotchina der aktiven Teilnahme in Korea beschuldigt

Neuyork, 6. September. (AP.) Sowjetrußland hat am Mittwoch im Sicherheitsrat sein Veto gegen eine amerikanische Resolution eingelegt, die alle Staaten auffordert, sich einer Unterstützung Nordkoreas zu enthalten und ihren gesamten Einfluß aufzubieten, um eine Ausweitung des koreanischen Konfliktes zu verhindern. Es war dies das 44. Veto der Sowjetunion.

Das Abstimmungsergebnis über die amerikanische Resolution lautete neun zu eins, wobei sich Jugoslawien der Stimme enthielt.

Anschließend hatte der nationalchinesische Vertreter im Rat, Tsian, die Beschuldigung erhoben, daß zwei chinesische kommunistische Divisionen auf nordkoreanischer Seite an den Kämpfen in Korea teilnehmen.

Moskau protestiert

,Amerika für den Abschuß verantwortlich'

London, 6. September. (AP.) Die Sowjetunion hat in einer Note an die amerikanische Regierung erklärt, daß elf amerikanische Jäger am vergangenen Montag grundlos ein zweimotoriges, sowjetisches Flugzeug angegriffen und abgeschossen hätten. Die Maschine habe keine Bomben oder Lufttorpedos mit sich geführt und sich lediglich auf einem Uebungsflug von Port Arthur nach der Hai-Yun-Tao-Insel befunden, die 140 Kilometer von der Küste Koreas entfernt liege. Die amerikanische Aktion bedeute eine unerhörte Verletzung der allgemein anerkannten Regeln des internationalen Rechts. Die sowjetische Regierung mache die Vereinigten Staaten voll für die verbrecherische Aktion ihrer Militärbehörden verantwortlich. Sie halte es für notwendig, die amerikanische Regierung auf die Konsequenzen hinzu weisen, welche die Aktion der amerikanischen Militärbehörden nach sich ziehen könnte. Eine eingehende Untersuchung, die Bestrafung der Schuldigen und Schadenersatz für den Tod der drei Piloten und den Verlust der Maschine würden gefordert.

Lohnbesprechungen mit Adenaner

Düsseldorf, 6. September. (AP.) Bundeskanzler Adenauer und Dr. Böckler, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, werden heute zu neuen Besprechungen über Lohnforderungen in Bonn Zusammentreffen. Es soll der Versuch unternommen werden, eine Ausweitung des gegenwärtigen Lohnstreiks des Baugewerbes auf andere Industriezweige zu verhindern.

Juristen ohne Stellung

Bonn, 6. September. (AP.) Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes junger Juristen Dr. Feller hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bonn erklärt, rund fünftausend beschäftigungslose junge Juristen arbeiteten heute als Hilfsschreibkräfte und sogar als Nachtwächter. Etwa dreißig Prozent aller Juristen seien arbeitslos und hätten aber keinen Anspruch auf Unterstützung. Der bedrohliche Ueberschuß von Rechtsanwälten habe bereits zu einer Juristen-Inflation geführt. Die jungen Juristen forderten die Herabsetzung der Altersgrenze für Richter und die Einschränkung der Möglichkeiten, das juristische Studium zu ergreifen.

Aufruf von Stock

Wiesbaden, 6. September, (dpa) Der hessische Ministerpräsident Christian Stock hat die Bevölkerung seines Landes aufgerufen, am Donnerstag aus Anlaß des Bundesgedenktages der vielen Millionen Toten aus der nationalsozialistischen Zeit Izu gedenken. Stock erwähnt die Gefallenen des letzten Krieges und die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Besonders erinnert er an das tragische Schicksal der Juden. „Wir wollen der kleinen Zahl der Ueberlebenden brüderlich entgegenkommen und so wenigstens einen Teil des vergangenen Unrechts gutmachen.“

„Seit einem Jahr“, heißt es in dem Aufruf abschließend, „seit dem ersten Zusammentreffen von Bundestag und Bundesrat befindet sich unser Volk wieder auf dem Weg zur Selbständigkeit. Wir wollen dafür eintreten, daß unser Staat ein Staat des Rechtes und der Ordnung wird, ein Gemeinwesen, in dem jeder einzelne ein gesichertes, menschenwürdiges Dasein findet.“

Günther Ramin, der Leipziger Thomaskantor, ist nach seinem Aufenthalt in Salzburg wieder in Leipzig eingetroffen.

Wirtschaftsblatt

Das Schwein als Störenfried

Dr. K. Die gegenwärtige Verteuerung der Nahrungsmittel bedarf dringend einer Korrektur, wenn sozialpolitische Spannungen verhütet werden sollen. Das Schwein wird dabei als besonderer Störungsfaktor empfunden. Die Lebendgewichtpreise für Schweine erleben gegenüber Juni eine Erhöhung von 30 Prozent und sind damit Spitzenreiter auf der Teuerungswelle. Auch in den letzten Tagen setzte sich die Preissteigerung um 10 bis 15 DM je 50 kg fort.

In der freien Marktwirtschaft gab es schon immer ein Auf und Nieder der Schweinepreise.. Das hat seinen Grund in der raschen Wandelbarkeit der Schweinebestände. Die Märzzählung wies 1950 einen Höchststand an tragenden Sauen mit 594 000 Stück nach. Dies führt natürlich zehn bis zwölf Monate später zu starken Marktauftrieben und Preiseinbrüchen. Umgekehrt erleben wir im allgemeinen alljährlich vom Juli bis September schwache Auftriebe, da die Mäster infolge der sommerlichen Wärme und mangels eingesäuerter Kartoffeln die Mast einschränken. Die Erzeuger müssen bemüht sein, durch ausgewogenen Sauenbestand, durch gleichbleibende Ferkelproduktion und durch Kartoffeleinsilierung eine gleichmäßige Mast zu betreiben. Dann wird der Markt, der bei einer Bevölkerung von 48 Millionen durchaus aufnahmefähig ist, regelmäßig beschickt werden und auspendeln. Der Bauer hat es in der Hand, die Entstehung des gefürchteten Schweinezyklus verhindern zu helfen.

Diesmal stieß das eingeengte Angebot auf eine plötzlich rege Nachfrage, die, wie allenthalben, in der Hauptsache durch den fernöstlichen Konflikt ausgelöst wurde. Das Bundesernährungsministerium beschloß, größere Mengen Fleisch aus den USA einzuführen. Es hat damit die mit Polen, Frankreich, Ungarn und Jugoslawien bestehende Fleischeinfuhrschleuse noch erweitert, um eine rückläufige Preisbewegung auszulösen. Vor wenigen Tagen haben wir den Vereinigten Staaten billige Rindfleischkonserven abgekauft.

Es wäre richtiger gewesen, die Vertreter des Bauernverbandes, des Viehhandels, des Fleischerhandwerks und der Gewerkschaften hätten sich, wie das in Nachbarländern üblich ist, zusammengesetzt und sich auf einer vernünftigen Preisebene geeinigt. Gerade jetzt, wo die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schweinezüchter durch Veröffentlichung der von ihr errechneten Erzeugungskosten für Schlachtschweine eine Verhandlungsbasis geschaffen hat. Die Arbeitsgemeinschaft ist bei der Berechnung zu einem Gestehungspreis von 1,06 DM je Vs kg Lebendgewicht bei einem 100- kg-Mastschwein gekommen. Bei dem üblichen 125-kg-Marktschwein dürfte sich der Gestehungspreis auf 1 DM je Vz kg Lebendgewicht ermäßigen. Auf Grund der vorliegenden Kalkulation hätte man einen sachlichen Ausgleich erzielen können. Man wäre damit den sozialpolitischen Erfordernissen gerecht geworden.

Strümpfe aus Hessen

Möglichkeiten zum Aufbau einer Cotton-Strumpf-Industrie

-d- Die Flüchtlinge aus der Sowjetzone sehen sich häufig in der Rolle der armen Verwandten. Gewiß kommen sie meist mit leichtem Gepäck über die Grenze, viele von ihnen aber bringen in Köpfen und Händen Reichtümer mit, die nicht ungenutzt bleiben sollten.

Der Anlaß zu diesen Bemerkungen war ein Gespräch mit ehemals ostzonalen Strumpffabrikanten, die sich in Hessen niederlassen wollen. Es berechtigt zu der Hoffnung, im Lande Hessen eine bodenständige Cotton-Strumpf-Industrie aufbauen zu können.

Die Cotton-Strumpf-Industrie, die früher in Sachsen zentralisiert war, hatte 1928 einen Produktionswert von 523 Millionen RM bei einer Produktionsleistung von 35 Millionen Dutzend Paar. Die Mehrzahl der Unternehmen befaßten sich seit Jahrzehnten mit der Herstellung von Cotton-Strümpfen und genossen Weltruf. Nach 1945 beraubte die sowjetische Demontage die sächsische Cotton- Strumpf-Industrie ihrer Maschinen und Fachkräfte. Heute stehen fast alle noch vorhandenen Maschinen in enteigneten Betrieben. In der Bundesrepublik gab es 1946 ganze vier Maschinen mit 80 Fonturen. Wenn auch in der Zwischenzeit die Cotton-Strumpf-Fertigung der Bundesrepublik erheblich zugenommen hat, so besitzt Westdeutschland zur Zeit doch nur etwa 200 Cotton-Maschinen mit 5000 Fonturen. Zur Deckung des innerdeutschen Bedarfs wären allein weitere 30 000 Fonturen nötig. Außer der Deckung des Inlandsbedarfs ist noch an den Export zu denken. Sowohl im Bundesgebiet wie im Ausland ist zur Zeit ein günstiger Markt vorhanden. Westdeutschland kann eine leistungsfähige Cotton-Strumpf-Industrie nur mit Unternehmern aufbauen, die sich in jahrzehntelanger Tätigkeit die für die Fertigung und den Vertrieb notwendigen Fähigkeiten und Marktkenntnisse erworben haben. In Hessen haben sich Strumpffabrikanten gemeldet, die ihre Betriebe in der Ostzone verloren und den Grundstein zu einem Wiederaufbau ihrer Betriebe legen wollen. Ein Strumpffabrikant, der sich vor einem Jahr in Marburg niederließ, beschäftigt heute schon 320 Leute. Außerdem hat er seine Kredite bereits zurückgezahlt. Ohne Kredite geht es nicht. Viele wichtige Voraussetzungen, um in Hessen eine Cotton- Strumpf-Industrie aufzubauen, sind vorhanden. Hessen besitzt bereits eine leistungsfähige Cotton-Maschinenindustrie, unter den Flüchtlingen befinden sich alterfahrene Fachkräfte. Die Unternehmer aber, die zum Teil erst vor kurzer Zeit die Sowjetzone verlassen haben, sind nicht in der Lage, große Beträge aus eigenen Mittel» investieren zu können. Es müßten daher Kredite oder Staatsbürgschaften gegeben werden, um die Anschaffung von Maschinen und Betriebsmaterial zu gewährleisten.

Beim Aufbau von ca. zehn Betrieben wären ungefähr zwei Millionen DM notwendig. Für Hessen bedeutet die Investierung dieses verhältnismäßig geringen Kapitals eine erhebliche Entlastung des Arbeitsmarkts und eine ins Gewicht fallende Mehrbeschäftigung von Flüchtlingen, besonders in Notstandsgebieten. Außerdem ist die Cotton- Strumpf-Industrie rentabel und gesund.

Muß Obst verfaulen?

J. K. Die gemüse- und obstbautreibenden Landwirte sind in diesem Jahr keinesfalls auf Rosen gebettet. Im Gegenteil, sie drohen unter einer Absatz- und Preiskrise zusammenzubrechen. Salat- und Einmachgurken wurden auf den Versteigerungen zeitweilig überhaupt nicht mehr zugelassen. Sie wanderten, wenn man es nicht vorzog, den reichen Erntesegen unterzupflügen, zu einem erheblichen Teil auf den Dung- oder Komposthaufen. Stangenbohnen kosteten zeitweise in der Versteigerungshalle in Bonn 3,20 DM je Zentner, während allein als Pflücklohn 3,35 DM je Zentner auf gewandt werden mußten. Tomaten erreichten einen Preistiefstand, der ebenfalls kaum ausreicht, um die Erntekosten zu decken. Zweite Qualitäten finden überhaupt keine Käufer. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf dem Obstmarkt. Zehntausende Zentner Fallobst (Aepfel und Birnen) verfaulen, weil die Kosten des Auflesens höher sind als der Verkaufserlös. Trotz aller Sorgfalt, mit der Tafelobst verlesen und verpackt wird, findet es auf den Märkten keine Käufer oder nur zu Preisen, die weit unter den Gestehungskosten liegen. Seit Mai erleben wir auf dem Inlandsmarkt starke Ueberangebote an Gemüse, zeitweilig wahre Gemüseschwemmen, so daß schon bisher Millionenwerte verlorengegangen sind. Es erhebt sich daher die Frage, wie solche Katastrophen in der Zukunft vermieden werden können. Zunächst ist es notwendig, die Einfuhren mit größerer Sorgfalt als bisher und unter stärkerer Beteiligung der Erzeuger auf den echten Importbedarf abzustimmen, wobei die statistischen Angaben über Anbauflächen mit größter Gewissenhaftigkeit aufgestellt werden müssen. Der dadurch herbeigeführte Produktionsschutz (Sicherung eines angemessenen Preises und geregelten Absatzes) genügt jedoch nicht, um bei überdurchschnittlichen Erträgen marktwirtschaftliche Schwierigkeiten zu vermeiden. Große Ernten wirken stets preisdrückend und erschweren den Absatz, wenn keine Möglichkeit besteht, Ueberangebote aufzufangen. Auf diese Zusammenhänge ging auch der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Professor Dr. Niklas, ein, als er anläßlich des Deutschen Bauerntages in Mainz die Obst- und Gemüsebauern zur Selbsthilfe aufrief. Seine Ausführungen verdienen sorgfältig erwogen zu werden. Notwendig ist besonders, das Qualitätsprinzip stärker als bisher herauszustellen und den Feldgemüsebau zugunsten der dafür besonders prädestinierten Gebiete und Betriebe, zu denen man aus bodenwirtschaftlichen, klimatischen und betriebsstrukturellen Gründen die Sonderkulturen in Rheinland-Pfalz rechnen kann, weitgehend einzuschränken.

Professor Dr. Niklas streifte in diesem Zusammenhang auch die sehr wichtige Frage einer gesunden Vorratswirtschaft, die Ueberangebote aufzunehmen vermag und dadurch Absatzschwierigkeiten sowie Preiseinbrüche vermeidet. Tatsächlich besteht in .der Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes dadurch eine Lücke, daß nur unzureichende Möglichkeiten zur Verarbeitung und Konservierung von Obst und Gemüse vorhanden sind. Unsere Nachbarländer, z. B. Holland, Dänemark, Schweden, auch die Vereinigten Staten, sind auf diesem Gebiet besser gerüstet als die westdeutsche Landwirtschaft. Ein planmäßiger Ausbau der Konservenindustrie ist daher erforderlich. Dabei öffnet sich auch den ländlichen Genossenschaften noch ein weites Arbeitsfeld.

Der Aufbau einer leistungsfähigen Konservenindustrie, die vornehmlich in den Produktionsgebieten erstehen muß, erfordert jedoch hohe Kapitalinvestierungen, die von den interessierten Kreisen aus eigener Kraft nicht aufgebracht werden können. Hier müßte die Selbsthilfe der Landwirtschaft und Ernährungsindustrie durch staatliche Kredite erst aktiviert werden. Durch die Steigerung der Zuckerrübenproduktion konnte im laufenden Jahr eine Devisenersparnis von 19 Millionen Dollar erzielt werden. Läge es nicht im Interesse der Volkswirtschaft, aus diesen und ähnlichen Einsparungen, die sich aus den Leistungen der deutschen Landwirtschaft ergeben, die für den Aufbau einer leistungsstarken Konservenindustrie notwendigen Kredite freizumachen? Auch dadurch würde der Landwirtschaft ein Schutz gewährt, auf den sie Anspruch erheben muß, um ihre Eigeninitiative (Selbsthilfe) in vollem Ausmaß entfalten zu können.

Sonderhilfe für die Notstandsgebiete

zer Bonn, 6. September. Für zehn der wirtschaftlich schwächsten Gebiete Westdeutschlands bereitet ein interministerieller Ausschuß unter Vorsitz des Wirtschaftsministers besondere Hilfsmaßnahmen vor. Die bevorzugte Hilfe soll folgenden westdeutschen Gebieten zuteil werden: dem Bayerischen Wald, Teile von Oberfranken, Nordhessen der „Roten Zone“ in der westlichen Eifel, den Gebieten von Idar-Oberstein und Watenstedt-Salzgitter, Teilen dpr Lüneburger Heide, Wilhelmshaven» Klausthal-Zellerfeld und dem größten Teil von Schleswig-Holstein.

Bis Dezember verlängert

Bz. Das Bundeskabinett beschloß, den parlamentarischen Instanzen eine Vorlage zur Verlängerung der Geltungsdauer des Bewirtschaftungsnotgesetzes bis zum 31. Dezember 1950 zu überreichen.

Die Arbeitslosigkeit in Hessen

Bz Im August ging in Hessen die Zahl der Arbeitslosen um 12 670 auf rund 104 470 zurück.

Weniger Ohst aus Frankreich

Bz. Mit Frankreich wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach die liberalisierte Einfuhr von Obst in das Bundesgebiet eingestellt wird. Die noch laufenden Einfuhrbewilligungen im liberalisierten Verfahren berechtigen zur zollamtlichen Abfertigung nur noch bis zum 3. September bei Aepfeln und bis 10. September bei dem übrigen Obst. In Zukunft darf französisches Obst nur im Rahmen von Kontingenten eingeführt werden. Für die Ernte 1950 ist ein Kontingent von 1,5 Millionen Dollar für Tafeltrauben und Obst ausgeschrieben, wobei jedoch Aepfeleinfuhren ausdrücklich ausgeschlossen sind. Lediglich für Mostäpfel ist ein Kontingent von einer Million Dollar ausgeschrieben

Die Kohlenhalden werden kleiner

Düsseldorf, 6. 9. (hd.) Anfang September lagern im Ruhrgebiet etwa eine Million Tonnen Kohle auf Halden. Zur Zeit ist infolge der günstigen Waggongestellung der Bundesbahn der Kohleversand täglich um etwa 35 000 Tonnen höher als die Kohleförderung. Man rechnet daher damit, daß die Kohlenhalden im Laufe des September verschwinden werden.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse verstimmten am Mittwoch die ungünstigen Nachrichten vom Kriegsschauplatz Korea. Die Umsatztätigkeit hielt siich in verhältnismäßig engen Grenzen, und die Kursentwicklung war recht uneinheitlich. Gewinnmitnahmen und Glattstellungen führten insbesondere am Montanmarkt zu kleineren Abbröckelungen. Die Kursrückgänge gingen auf den Hauptmärkten durchschnittlich nicht über 0,5 bis einen Punkt hinaus. Verschiedene Spezialpapiere konnten sich dagegen weiter verbessern. Der Rentenmarkt lag freundlich, verlagerte Institute konnten teilweise ein Achtelprozent gewinnen.

Freie Devisenkurse

Frankfurt. (Eigenbericht.) Frei bewertet wurde am 6. 9. 50 der US-Dollar mit 5,30 bis 5,70 DM, das engl. Pfund mit 12,50—13,50 DM, der Schweizer Franken mit 1,20—1,30 DM, der hpll. Gulden mit 1,20—1,35 DM, die dänische Krone mit 0,52—0,56 DM, die schwedische Krone mit 0,75—0,30 DM.

Relkordpreis für afrikanische Wolle

Port Elizabeth, 5. September. (AP.) Ueber 750 000 Pfund Sterling hat der Umsatz in Port Elizabeth am Dienstag, dem ersten Verkaufstage der diesjährigen Wollauktion betragen. Dabei wurden neue Rekordpreise erzielt. Für 10 Ballen feiner langer Richmond-Wolle wurden 144^2 Pence pro Pfund bezahlt, 37'/2 Pence mehr, als der Höchstpreis im Dezember vorigen Jahres betrug.

Ga. Deutsche Sektkellerei AG., Stuttgart. Die Gesellschaft hat ihr Stammkapital von 150 000 RM sowie 5000 RM Vorzugsaktien im Verhältnis 1:1 unter Einsetzung eines Kapitalentwertungskontos von 65 367 DM umgestellt.

Bz. Sicambria, Gutsverwaltung GmbH., Eltville a. Rh. Kfm. Max Schippel in Rudolstadt ist nicht mehr Geschäftsführer. An seiner Stelle wurde Ing. Alfred Eversbusch, Eltville, bestellt

Filme, die wir morgen sehen


DIE LADY VON SHANGHAI Rita Hayworth und Orson Welles in einem spannenden Abenteuerfilm, in dem Intrigen, Verbrechen und Mord eine wesentliche Rolle spielen. Orson Welles, der sich zur Zeit in Deutschland befindet, ist in diesem Film Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produktionsleiter zugleich. (Im Thalia.)
DIE LADY VON SHANGHAI Rita Hayworth und Orson Welles in einem spannenden Abenteuerfilm, in dem Intrigen, Verbrechen und Mord eine wesentliche Rolle spielen. Orson Welles, der sich zur Zeit in Deutschland befindet, ist in diesem Film Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produktionsleiter zugleich. (Im Thalia.)

DIE DREI MUSKETIERE Nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Dumas wurde dieser Farbfilm gedreht. Er bringt — wie das Buch und die früheren Verfilmungen Dumas’scher Stoffe — Romantik, Spannung und Abenteuer am laufenden Band. In den Hauptrollen: Lana Turner, Gene Kelly, June Allyson, Van Heflin. (Im Union.)
DIE DREI MUSKETIERE Nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Dumas wurde dieser Farbfilm gedreht. Er bringt — wie das Buch und die früheren Verfilmungen Dumas’scher Stoffe — Romantik, Spannung und Abenteuer am laufenden Band. In den Hauptrollen: Lana Turner, Gene Kelly, June Allyson, Van Heflin. (Im Union.)

SILBERKÖNIG Titelheld ist der Leithengst einer riesigen Wildpjerdherde, der viel Unruhe stiftet, schließlich aber auch dazu beiträgt, daß die ebenso hübsche wie eigensinnnige Chris und der ebenso wagerriutige wie hitzköpfige Dan nach mancherlei Streit und Zank doch noch zueinander finden. Ein Cowboy-Film. (Im Hansa.)
SILBERKÖNIG Titelheld ist der Leithengst einer riesigen Wildpjerdherde, der viel Unruhe stiftet, schließlich aber auch dazu beiträgt, daß die ebenso hübsche wie eigensinnnige Chris und der ebenso wagerriutige wie hitzköpfige Dan nach mancherlei Streit und Zank doch noch zueinander finden. Ein Cowboy-Film. (Im Hansa.)

„Faustrecht der Prärie“

EINE EHRENRETTUNG DES WILDWESTFILMS

Seit 1946 flattern wieder Pferdemähnen und Halstücher auf der Leinwand, springen Sechsschüssige auj tiefgetragenen Halftern, und breitschultrige, schmalhüftige Reiter schlagen sich mit der Technik des ringerfahrenen Halbschwergewichts. Man geht wieder in „Wildwestfilme“. Die Verleihgesellschaft"i und die Lichtspielhäuser kündigen sie mit einer beispiellosen Naivität an, die nur den einen Schluß zuläßt: die beteiligten Unternehmen haben Weder Verständnis noch Gefühl für das Objekt, mit de- sie ihr Geld verdienen. Für sie besteht ganz offensichtlich nicht der geringste Unterschied zwischen den einzelnen Streifen. Den Titeln fehlt jede individuelle Bezugnahme auf das Thema, so daß man sie jederzeit beliebig austauschen könnte. „Abenteuer im Wilden Westen“, „Faustrecht der Prärie“, „Herr des Wilden Westens“, „Drei Männer aus Texas“, „Der Rächer aus Texas' usw usw. Wenn nur die Worte „Wilder Westen“ und „Tdxas“ vorkommen, dann ist der Einfallsreichtum schon erschöpft. Damit dokumentiert sich gleichzeitig eine erschütternde Ahnungslosigkeit von dem, was man in den Händen hat. Die Abstempelung dieser Filmart auf ein Fünfzig-Pfennig-Heft-Thema ist von Haus aus gar' nicht vorhanden. Der amerikanische Originaltitel ist meist von einer bildhaften Wucht, die die Individualität des Themas umreißt. Dem mit seiner Landesgeschichte vertraute.. Amerikaner sagt jeder Städte- und Männemame aus. der Historie des Westens auf Anhieb etwas Bestimmtes. Aber der deutsche Besucher und Liebhaber dieser Filme hat meist ein gerüttelt Maß von Spezialkenntnissen auf diesem Gebiet. Er hat gewöhnlich auch die Fähigkeit, zwischen guten und weniger guten Exemplaren dieser Filmgattung bereits nach de.n Namen der Hauptdarsteller zu unterscheiden. Die Werbung läßt sich diesen Umstand fast völlig entgehen. Die „Hopalong-Cassidy“-Serie mit William Boyd im untadeligen Zirkusdreß ist festgelegtes Schema ä la Buffalo-Bill- und Bill-Jenkins-Serie. In den zugrundeliegenden Romanen von Clarence E. Milford ist sie nach gutem Start erst allmählich zum Reißer ge /orden. In der „Cassidy“-Reihe gibt es allerdings kaum noch Individualität. Aber da sind die anderen, deren glühende Fabel und leuchtende Wiedergabe ein Schicksal gestalten, dessen Träger Schauspieler von ungewöhnlicher Darstellungskraft und physischer Eignung sind. „My Darling Clementine“ ist der Titel eines Filmes, den Regie und Darstellung auf ein Niveau gebracht haben, daß er ein Erlebnis für jeden Besucher wird, auch wenn er kein Liebhaber von „Wildwestfilmen“ ist. Die Aufnahmen zeigen in der Gegenüberstellung der Menschen zu dem dämmernden Morgen einer einzigartigen westlichen Landschaft eine Gestaltung, die wohl noch keiner der „guten Kulturfilme“ erreicht hat. Und hier geht sie dem Betrachter nicht auf die Nerven, weil er sie als das empfindet, was sie sein kann: natürlicher Rahmen eines Geschehens, das auf diesem Hintergrund selbst natürlich wird. Wer gesehen hat, wie die drei Männer auf dieses Morgendämmern, das die Entscheidung bringt, warten, der ging nicht nach Hause und erzählte, er habe „einen Wild-West-Film“ gesehen. Und was soll man dazu sagen, wenn dieser Film mit dem plumpen Titel „Faustrecht der Prärie“ auf den deutschen Markt gebracht wird? Es schaudert einen ein wenig. Der amerikanische Titel „My Darling Clementine“ nimmt Bezug auf ein kleines westliches Lied, das die Untermalung so schlicht und sauber gibt, wie es John Fords Regie verlangt. Und was soll man weiter dazu sagen, wenn die Werbung den Namen des Schauspielers fast ganz fortfallen läßt, jenes den Besuchern längst bekannten Henry Fonda, dessen zurückhaltende Bewegungen die Fähigkeiten zur Explosion von Psyche und Körper verbergen? .

Und was für diesen Film gilt, ist mit Variationen bei fast allen anderen zu beklagen. Gewiß, die Synchronisierung kann nicht den „Drawi“ des Südstaatlers oder Texaners wiedergeben, aber der deutsche Sprecher könnte' versuchen, männliche Lakonik in der Sprache zu treffen und nicht Bühnendramatik zu bieten. Der Uebersetzer muß uns aber wenigstens vor dem (gröbsten Unsinn verschonen. Ich entsinne mich noch an eine Szene in dem Streifen „Die Frau gehört mir“, einem Film, der gleich 1946 als Reprise wochenlang lief. Joel McCreas schnelle Hand hatte das Problem mit dem Colt gelöst, und der Uebersetzer läßt hierauf die Gegenseite sagen: „So kommen wir ihm nicht bei. Er ist zu schnell mit dem Gewehr.“ Nun heißt zwar „Gun“ auch Gewehr, schließlich heißt es aber auch Kanone, Geschütz. Warum wurde nicht gleich diese törichte Möglichkeit der Uebersetzung gewählt, wenn man sich schon vergriff?

Es fängt offenbar auch schon damit an, daß man keine Vorstellung von den Autoren hat, die die Fabeln für solche Filme schufen. Die Besucher könnten den Verlegern erzählen, daß Max Brand, George Owen Baxter und Luke Short Begriffe sind. Sie wissen auch, daß es in diesem Sektor unzählig viel Billiges gibt — man braucht nur das Schaufenster einer Leihbücherei zu betrachten. Max Brands „Destry rides again“ gab den Grund zu Marlene Dietrichs „Der große Bluff“. Trotz Marlene Dietrich und James Steward war es kein ausgesprochen gelungener Film. Die Regie hat hier das Individuelle des Romans — besonders in dem theatralischen Schluß — tüchtig zerrieben. Aber selbst das Wenige, was von Max Brands Ideen übrigblieb, hat soviel Charakter, daß es nicht ein „Wildwestfilm“ wurde. Frederic Faust, dessen Schriftstellemame Max Brand war, und der bei Monte Cassino fiel, hat keine Bücher geschrieben, die man mit „Wildwest“ bezeichnen kann.

Wann« werden die am Film Beteiligten auf diesem Gebiet das Niveau ihrer Kunden halten oder sich wenigstens einschlägig beraten lassen? Heinz Rutkowsky.

Was nicht im Drehbuch stand...

Der Armbruch war nicht vorgesehen

Richard Widmark ist einer der wenigen Spitzenschauspieler, die sich in keinem Fall durch ein Double ersetzen lassen. Sein sehniger, hagerer Körper ist durch ein zähes, sportliches Training größeren Anstrengungen gewachsen, als es zunächst den Anschein haben mag. Auch die Rolle des ersten Steuermanns in dem Cent-Fox-Film „Seemannslos“, der den Kampf der Männer mit dem Meer und seinen Ungeheuern in mitreißender Realistik zeigt, auch diese harte Rolle, in der er Schiff und Besatzung unter Einsatz seines Lebens zu retten hat, spielt Widmark von Anfang bis zu Ende selbst — und aus diesem Spiel wurde für ihn verteufelter Ernst.

Gelassen ließ er den anfänglichen gutmütigen Spott der rauhen Seemänner über sich ergehen. Schon nach kurzer Zeit war er einer der ihren. Die Kamera begann zu surren. Nach langen Tagen ereignisloser Fahrt, während der nicht ein einziger Wal gesichtet wurde, kamen die wildesten Kampfszenen mit den Meerriesen ins Schußfeld der Kamera.

Dann wurde der Zusammenstoß mit dem Eisberg inszeniert. Das stürmische Meer ließ ihn viel wirklicher werden als vorgesehen war. Das Leck wurde so groß, daß die Mannschaft fluchend die Filmerei zum Teufel wünschte und sich nur noch um ihr Schiff kümmerte. Widmark war von der ungeheueren Realistik des Zwischenfalls gepackt. Entschlossen führte er seine Rolle weiter durch, nach der er nach dem Schaden zu sehen und gleichzeitig einen schwerverletzten Mann der Besatzung zu bergen hat. Er ließ sich an der Bordwand hinabseilen. Die Männer waren wieder dabei.

Gefährlich wurde Widmark zwischen Schiff und Eiswand hin und her geschleudert. Er tauchte in das eisige Wasser, und nach wenigen Stößen war er neben dem Mann, den er bergen sollte. Gischt überschäumte beide. Ein Schrei ließ die Männer an der Reeling zusammenfahren; in äußerster Eile zogen sie den Schauspieler und den Kameraden empor. Richard Widmarks Gesicht war schmerzverzerrt. Ein schwerer Stoß der wütenden See hatte ihn gegen die Eiswand geworfen und seinen Arm gebrochen.

Widmark spielte weiter; mit dem gebrochenen Arm, der nicht im Drehbuch stand, sondern, wie beinahe alles in diesem Film, ein Stück gedrehter Wirklichkeit war.


PASTOR ANGELICUS Die Prophezeiung eines irischen Bischofs aus dem 12. Jahr¬ • ändert, wonach der 262. Nachfolger des Apostels Petrus als crhaupt der katholischen Kirche „Pastor Angelicus" genannt werde, steht, da diese Weissagung symbolhaft für das Leben und Wirken des Papstes Pius XII. ist, leitmotivisch über diesem Film, der aus Archivaufnahmen des Vatikans zusammengestellt wurde. Der Film, der 1942 anläßlich des silbernen Bischof sjubiläums des Heiligen Vaters gedreht wurde, bringt Jugend, Studienjahre und die Stationen der kurialen Laufbahn des jetzigen Papstes bis zur Uebernahme des Pontifikats. (Im Palast.)
PASTOR ANGELICUS Die Prophezeiung eines irischen Bischofs aus dem 12. Jahr¬ • ändert, wonach der 262. Nachfolger des Apostels Petrus als crhaupt der katholischen Kirche „Pastor Angelicus" genannt werde, steht, da diese Weissagung symbolhaft für das Leben und Wirken des Papstes Pius XII. ist, leitmotivisch über diesem Film, der aus Archivaufnahmen des Vatikans zusammengestellt wurde. Der Film, der 1942 anläßlich des silbernen Bischof sjubiläums des Heiligen Vaters gedreht wurde, bringt Jugend, Studienjahre und die Stationen der kurialen Laufbahn des jetzigen Papstes bis zur Uebernahme des Pontifikats. (Im Palast.)

SCHICKSAL IN KETTEN Ein DonaU-Film mit Rudolf Prack, Maria Andergast und Hans Holt in den Hauptrollen. In einem russischen .Gefangenenlager hört Franz Manhardt einen seiner Leidensgefährten mit seinen pikanten Liebesgeschichten prahlen und erkennt, daß es sich bei der geschilderten Frau um seine Gattin handelt. Daher kehrt er, aus der Gefangenschaft entlassen, nicht nach Hause zurück. Seine Frau hält ihn für verschollen. Es stellt sich jedoch heraus, daß alles, was damals in Rußland erzählt wurde, erlogen war. Das Schicksal zahlloser Heimkehrer wird in diesem Film in einem Beispiel konzentriert. (Im Belida.)
SCHICKSAL IN KETTEN Ein DonaU-Film mit Rudolf Prack, Maria Andergast und Hans Holt in den Hauptrollen. In einem russischen .Gefangenenlager hört Franz Manhardt einen seiner Leidensgefährten mit seinen pikanten Liebesgeschichten prahlen und erkennt, daß es sich bei der geschilderten Frau um seine Gattin handelt. Daher kehrt er, aus der Gefangenschaft entlassen, nicht nach Hause zurück. Seine Frau hält ihn für verschollen. Es stellt sich jedoch heraus, daß alles, was damals in Rußland erzählt wurde, erlogen war. Das Schicksal zahlloser Heimkehrer wird in diesem Film in einem Beispiel konzentriert. (Im Belida.)

Der Meisterschuß

Das Drehbuch für „Wabash Avenue“ schreibt vor: „Betty Grable wirft eine vollreife Tomate in Reginald Gardiners englisch-vornehmes Gesicht.“ Das klingt sehr einfach, aber Betty mußte diese Szene 17mal probieren, bevor sie traf. Das erstemal landete die Tomate auf Viktor Matures Nase und der rief erbost: „Warte, bis ich eine Liebesszene mit dir habe! Ich breche dir eine Rippe!“

Der nächste „Treffpunkt“ war Regisseur Henry Koster. Und so ging es weiter, bis endlich der 17. Schuß beim richtigen Mann, nämlich bei Gardiner landete. Erleichtert machten sich Betty, Viktor und Reggie auf den Heimweg. Aber der Kameramann stellte in diesem Augenblick fest, daß der Farbfilm nicht in Ordnung war und Bettys viel geübter Schuß nicht darauf zu sehen war. So begann die ganze Geschichte von neuem: Nach fünf Fehlschüssen gelang schließlich der letzte, der „Meisterschuß“.

Just Scheu und „der Raddatz“

Just Scheu spielt in dem Real-Film „Der Schatten des Herrn Monitor“ einen Richter. Während einer Drehpause im Hamburger Strafjustizgebäude wandelt er in vorschriftsmäßiger Richtertracht den weiten Flur des Gebäudes entlang. Unterwegs begegnen ihm zahlreiche Anwälte und Richter, die den vermeintlichen Kollegen höflich grüßen. Da trifft Just Scheu unerwartet einen früheren Studienkollegen von der Universität. Freudiges Wiedersehen, großes Schulterklopfen, man redet von vergangenen Zeiten.

„Weißt du“, sagte der andere, „du imponierst mir! Früher warst du immer so ein bißchen .musisch“, das einzige, was ich nicht an dir mochte. Aber nun scheinst du ja vernünftig geworden zu sein — als Richter — alle Achtung!“

„Hast schon recht“, erwiderte Just Scheu, „ich habe übrigens einen sehr interessanten Fall. Dort im Schwurgerichtssaal. Der Raddatz, der Filmschauspieler, sitzt dort. Angeklagt. Er hat einen Mord auf dem Gewissen. Stell’ dir das vor!“

Der andere seufzt: „Sieh an, der Raddatz! Was kannst du froh sein, daß du kein Künstler geworden bist. Mann kann ja nie wissen, was kommt — so wie bei dem Raddatz.“

DT Film-Forum

Das ist nicht Theo Lingen !

. . . sondern seine Tochter! Und sie heißt Ursula Lingen. Sie lehnte es entrüstet ab, irgendwie mit ihrem Herrn Papa verwechselt zu werden, vor allem betont sie, daß sie nicht Komikerin, sondern eine ernsthafte Schauspielerin ist. Daß ein Mann mit so urkomischen Talenten wie Theo Lingen so ■•etwas erleben muß! Aber es paßt zu ihm. . .

Eine hübsche Tochter hat er ja auf alle Fälle, sie kann lieb und nett lachen, daß der grimmigste Griesgram zu schmunzeln beginnen muß, wenn sie so freundlich blickt. Bei so viel Jugend ist das ja eigentlich gar kein Wunder, denn wenn man in dem Alter nicht mehr den ganzen Himmel offen und voller Geigen hängen sieht — ja, dann ist einem nicht zu helfen. Ursula Linken jedenfalls geht an das Leben mit einem ungebrochenen. Optimismus heran. Ganz aus eigener Kraft will sie ihren Weg machen, und daß sie die Tochter eines großen Schauspielers ist, wollte sie in gar keiner Weise ausnutzen; sie selbst, ihr eigenes Können sollte ihr den Weg ebnen, und so beschloß sie . . .

Ja, was beschloß sie wohl?

Sie beschloß, sich mit einem Künstlernamen zu tarnen, auf daß niemand in ihr das Kind des großen Darstellers sähe . . , Hut ab vor soviel Schneid und eigenem Willen; das Schicksal wollte es aber anders. Sie ging nämlich auf die Schauspielschule und trat dort unter dem Pseudonym Ursula Schmitz auf, und anscheinend begann also ihre getarnte Laufbahn ganz der Absicht entsprechend; aber dann hörte sie, wie man hinter ihrem Rücken flüsterte: „Das ist Ursula Schmitz, wissen Sie, die Tochter von Theo Lingen!“ . . Und damit wär der Zweck des Künstlernamens verfehlt. Sie steht nun eben, da alles Versteckspielen nichts half, als Thee Lingens Tochter vor uns, und als solche wird sie sicher ihren Weg machen.

Sie hat, wie es sich für eine Schauspielerstochter wohl geziemt, schon seh! früh auf der Bühne gestanden: Mit 16 Jahren trat sie zum ersten Male auf und zwar in einem Ensemble mit Paul Kemp in Charleys Tante. Es war natürlich eir kleiner Anfang, aber es war der Anfang und unter der Leitung von Kurt Goetz stand sie bald wieder danach auf der Bühne, diesmal in dem „Haus in Montevideo“. Bei dieser Gelegenheit wurde sie „entdeckt“, und zwar von einem großen, berühmten, sehr anspruchsvollen und höchst kritischen Schauspieler: Vo» — Theo Lingen selbst. Der sehr gestrenge Vater stellte sie in dem Film „Hin und her“ heraus, und nicht nur er war mit ihren Leistungen hoch zufrieden: Dem Film „Hin und her“ folgte bald ein zweiter mit Ursula Lingen, es war der Film „Weißes Gold“. Hier durfte sie bereits die weibliche Hauptrolle spielen . . .

Der Bavaria-Film holte sie dann als einzigen weiblichen Star zwischen lauter Männer in das volkhafte Geschehen um den Brandner Kasper, und hier konnte sie also nun sich ganz in den Vordergrund spielen. Ob es ihr leicht gefallen ist, sich gegenüber so vielen Männern zu behaupten? Wir dürfen es wohl annehmen, daß es ihr leicht fiel; denn wo soviel Bühnenblut „von Haus aus“ vorhanden ist, wo noch dazu von klein auf solch großes Beispiel vor Augen steht, wo der tägliche Umgang mit einem so berühmten Schauspieler selbstverständlich war, wo also alles von Anbeginn an auf Bühne, Film, Oeffentlichkeit, im Scheinwerferlicht-Stehen abgestellt war, und wo solch eine vehemente Lust und Liebe zum Spielen vorhanden ist wie hier — da spielt es gar keine Rolle mehr, ob da eine Frau unter vielen anderen Frauen steht oder ob sie allein inmitten eines Ensembles von Männern sich zu behaupten hat.


URSULA LINGEN
URSULA LINGEN

(Foto: Bavaria-Film)
(Foto: Bavaria-Film)

Darmstadt und Umgebung

Er war selbst dabei gewesen

Der „Vierzehnte“ besuchte die Tagblatt-Redaktion

Gestern abend kam ein jüngerer Herr in die Geschäftsstelle des „Darmstädter Tagblatts“ und verlangte eine Ausgabe der Zeitung, in der der 13. Unfall bei Kilometer 512 auf der Autobahn prophezeit worden war. Auf Befragen erklärte er, daß er der vierzehnte sei. Er stieg in die Redaktion hinunter, um die Neuigkeit dort an den Mann zu bringen,

Herr Aloys Vogt aus Koblenz befand sich mit seinem Volkswagen von Baden-Baden auf der Heimreise. Bei Regenwetter passierte er das Warnschild bei Kilometer 512 in der Nähe von Grafenhausen. Herr Vogt schildert, daß plötzlich ein Strich über die Fahrbahn ging, die altbekannte Autobahnbetondecke aufhörte und einem anderen Straßenbelag Platz machte. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer geriet der Wagen sofort ins Schleudern, er schwamm über die Fahrbahn wie auf einer Eisdecke, kam nach links, wo sich der Wagen um seine eigene Achse drehte, quer über die Fahrbahn rutschte und gegen einen Busch rannte. Dann stürzte er die fünf Meter hohe Böschung hinab, wobei er sich zweimal überschlug und dann glücklicherweise zwanzig Zentimeter von einem Telegrafenmast entfernt liegen blieb.

Dem Fahrer geschah wider Erwarten nichts, während seine mitfahrende Frau mit dem Schrecken und einigen Hautabschürfungen davonkam. Der Wachtmeister in Grafenhausen erzählte ihm, daß schon verschiedentlich Eingaben an das Autobahnstraßenamt gemacht worden seien, in denen auf die Gefahren bei Kilometer 512 hingewiesen wurden. Die zuständigen Stellen hätten ihnen aber bedeutet, daß „sie das nichts angehe“. Herr Vogt stellte fest, daß auch die richtig angebrachte Warntafel kein ausreichender Schutz vor Unfällen sei. Man nehme zwar bei Sichtbarwerden automatisch das Gas fort, aber die Tatsachen hätten in den letzten Monaten bewiesen, daß selbst Wagen, die mit ganz geringer Geschwin-

digkeit fuhren, dieser verhängnisvollen Stelle zum Opfer gefallen seien.

Nachdem der Fahrer die Stoßstange zurechtgebogen hatte, setzte er seine Fahrt nach Darmstadt fort, um hier erst einmal den Volkswagen einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Der Straßenmeister hatte ihm erzählt, daß das „Darmstädter Tagblatt“ seit langem diese Unfälle beobachte und vor einigen Tagen zu einem genauen Termin den nächsten Unfall vorausgesagt hatte.

Kilometer Sl2 wird gesperrt?

Wie wir in Verbindung mit den von uns gemeldeten dauernden Verkehrsunfällen auf der Autobahn bei Gräfenhausen erfahren konnten, hat Regierungspräsident Arnoul die Absicht, sich für eine Sperrung der Ostfahrbahn der Autobahn in dem Gefahrengebiet zwischen Kilometer 512 und 512,5 einzusetzen, bis in einer genauen Untersuchung die Ursache der Unfälle festgestellt ist.

Theaterfreudige Darmstädter

Das Landestheater Darmstadt hat bereits jetzt, 14 Tage vor Eröffnung der Spielzeit, den Mieterstand des Vorjahres erreicht. Gleichzeitig meldet der Theaterring Odenwald-Bergstraße 1500 neue auswärtige Platzmieter. Zur Durchführung der sich daraus ergebenden Verwaltungsaufgaben bleibt die Mietabteilung des Landestheaters bis einschließlich Montag, den 11. September 1950 geschlossen. Ab Dienstag, den 12. September werden wieder Neuanmeldungen angenommen.

Vorsorglich weist das Landestheater darauf hin, daß eventuell durch Auflage einer zusätzlichen Freitag-Miete, auch die Wünsche der neuen Mieter erfüllt werden können.

Samba-Zug

zum Dürkheimer Wurstmarkt

Zum Bad Dürkheimer Wurstmarkt läßt die Bundesbahn am nächsten Sonntag, dem 10. September, einen „Samba-Zug“ laufen. Der Zug fährt von Frankfurt/M. über Langen (8.33 Uhr), Darmstadt (ab 8.55 Uhr), Bensheim (9.11 Uhr), Heppenheim (9.18 Uhr) und Weinheim nach Bad Dürkheim. Nach etwa zehn frohen Stunden bei dem bekannten Volksfest erfolgt die Abfahrt abends um 20 Uhr. Ankunft in Darmstadt um 22.22 Uhr. Die Bundesbahn hat für diese unterhaltsame Fahrt eine 60prozentige Fahrpreisermäßigung und die üblichen Ermäßigungen für die Anschlußzüge gewährt. DT.

Eine Gewerkschaftsversammlung mit Ansprache des Direktors der A.O.K. findet am Freitagabend 20 Uhr im Gasthaus „Zur Rose“, Eberstadt, statt. t-s

Straßenkehrmaschine im Graben

Gestern morgen fuhren 3 aneinandergehängte Spezialfahrzeuge, die für eine Ausstellung im Rheinland bestimmt waren, auf der Autobahn bei Lampertheim. Dabei geriet eine, an einer 3,5 Meter langen Abschleppstange angehängte dreiräderige Straßenkehrmaschine ins Schleudern, fuhr die Böschung hinunter und überschlug sich. Der Fahrer des Fahrzeugs hatte Schnittwunden an der Hand und am Kopf, eine Beifahrerin erlitt eine leichte Gehirnerschütterung.

Neueröffnung bei Schrumpf & Co.

Am heutigen Tag eröffnet um 10 Uhr vormittags das Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft Schrumpf & Co. in der Rheinstraße 1 seine neuen Geschäftsräume. Das Haus, das unter der Leitung von Dipl.-Ing Baurat a. D. Karl Ruppenthai von der Baufirma Chr. Volk, Darmstadt, am 9. Mai dieses Jahres begonnen wurde, konnte bereits am 25. Juli sein Richtfest feiern. Am 15. September soll der erste Stock bezugsfertig sein, in den die Bezirksdirektion der Frankfurter Allianz einziehen wird. Das zweite und dritte Stockwerk wird voraussichtlich zum 15. Oktober fertiggestellt sein, und dient der Aufnahme von Privatwohnungen. Mit diesem Neubau wird endlich der Anfang zur Bebauung der oberen Rheinstraße gemacht, und wenn erst die Arkadensäulen ringsum von Vitrinen umkleidet sein werden, dann dürfte Darmstadt um ein weiteres repräsentatives Geschäftshaus reicher sein. st

Sachkundeprüfung anstelle des Meisterbriefes

Nach Einführung der Gewerbefreiheit in der US-Zone haben sich die maßgeblichen deutschen Stellen, und nicht zuletzt die Handwerkskammern, dafür eingesetzt, daß gewisse Berufssparten mit Rücksicht auf die Volksgesundheit, die öffentliche Sicherheit oder das Gemeinwohl im Einvernehmen mit der Militärregierung auch weiterhin zulassungspflichtig geblieben sind.

Im handwerklichen Sektor handelt es sich dabei um folgende Berufssparten: Augenoptiker, Bandagisten, Brunnenbauer, Färber und ehern. Reiniger, Installation von sanitären Heizungs-, Lüftungs-, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsanlagen, Orthopädiemechaniker, Orthopädische Schuhmacher, Pflasterer, Schornsteinbauer, Schornsteinfeger, Wäscher, die Ausführung von Hoch- und Tiefbauten, Dachdecker und Zimmerer.

Der Inhaber eines solchen Betriebes muß vor der Eröffnung entweder den Nachweis der abgelegten und bestandenen Meisterprüfung oder der sich mit Erfolg unterzogenen Sachkundeprüfung erbringen. Augenblicklich finden in den Sitzungssälen der Handwerkskammer Darmstadt laufend die Abhaltung der Sachkundeprüfungen stätt. Die an der Ablegung dieser Prüfungen interessierten Personen beantragen bei dem zuständigen Landratsamt die Erlaubnis zur Absolvierung, der sie einen Lebenslauf, aus dem besonders der berufliche Werdegang ersichtlich sein muß, ein polizeiliches Führungszeugnis sowie den Spruchkammerbescheid beifügen.

Diese neuzeitlich eingeführten Prüfungen sind in der Oeffentlichkeit wenig oder gar nicht bekannt. Die Sachkundeprüfung selbst bewegt sich nur auf praktischem Geist, während bekanntlich die Meisterprüfung auch eine kaufmännischtheoretische Sparte einschließlich der Gesetzeskunde aufzuweisen hat. Die Prüfung wird durch einen sogenannten Sachkundeprüfungsausschuß abgenommen, der unter dem Vorsitz eines Behördenvertreters fungiert und mit Beisitzern beschickt ist, die von der Organisation des Handwerks in Vorschlag gebracht wurden und selbst im Besitz des Meisterbriefes sind oder sich mit Erfolg einer Sachkundeprüfung unterzogen haben müssen.

Die Handwerkskammer hat feststellen müssen, daß die Kandidaten der Sachkundeprüfung nur zu einem geringen Prozentsatz den Prüfungsanforderungen standgehalten haben. Das liegt in erster Linie daran, daß sich jeder der Prüfung unterziehen kann, gleich, ob er eine ordnungsgemäße Lehre oder eine Gehilfenbzw. Gesellentätigkeit nachweisen kann. Es ist erfreulich festzustellen, daß sich in letzter Zeit die Anmeldungen zur Ablegung der Meisterprüfung mehren, die auch in ungleich größerem Maße bestanden werden. Selbst aus Schweden kam dieser Tage eine deutsche Schneiderin zur Darmstädter Handwerkskammer, um hier die Meisterprüfung abzulegen, da der Meisterbrief im Ausland den am meisten anerkannten Befähigungsnachweis darstellt.

Meisterprüfung und besonders die Sachkundeprüfungen werden mit dazu beitragen, die Verhältnisse etwas klären zu helfen, die durch die damalige, überstürzte Einführung der Gewerbefreiheit entstanden sind. -st

Orthopädie-Geschüft

an anten Platz

Vor wenigen Tagen eröffnete Herr Erich Kiefer in der Rheinstraße sein orthopädisches Geschäft an der alten Stelle, an der er 1939 seinen eigenen Betrieb gründete und 1944 ausgebombt wurde. Nur zwei Monate mußte er damals durch die Zerstörung seiner Maschinen und Geräte die Arbeit unterbrechen, dann ging die Arbeit draußen in der Dieburger Straße weiter. Schon 1945 begann Herr Kiefer mit dem Wiederaufbau. Aber der Aufbau war schwer. Erst jetzt hat der Laden, in dem Herr Kiefer auch Sanitätswaren führt, den ersten Abschluß gebildet. DT

„Heiner“, von denen man spricht

Heute: Maurermeister Karl Schwarz

Ein Original besonderer Art war Maurermeister Karl Schwarz aus der Darmstraße.'— Ein Witzbold, der sich köstlich amüsierte, wenn er andere Leute anein-

anderhetzen oder an der Nase herumführeh konnte.

Wenn zum Beispiel der erste Frost eingetreten und die Straßen mit leichtem Reif überzogen waren, ließ er ein silbernes Fünfzigpfennigstück auf einen großen Nagel festlöten. Im nächtlichen Dunkel schlug er dann den Nagel auf dem Bürgersteig so tief ein, daß jedermann glauben mußte, es liege da ein verlorenes Fünfzigpfennigstück. Am anderen Morgen schielte Meister Schwarz dann hinter den Gardinen seiner Parterrewohnung hervor und freute sich diebisch, wenn sich von den, vom Ostbahnhof kommenden, Leuten fast jeder bemühte, das Geldstück auszuheben in der Annahme, es sei nur festgefroren. Die langen Gesichter der Irregeführten kann man sich leicht vorstellen ...

Als Meister Schwarz einmal in seinem Garten einen besonders großen Kürbis geerntet hatte, holte er diesen aus, schnitt Augen, Nase, Münd und Ohren aus und stellte ein Stearinlicht hinein. Abends befestigte er dann den Kürbis auf dem Schornstein eines kleinen, ziemlich frei gelegenen Hinterhauses und zündete die Kerze an. Direkt unheimlich präsentierte sich der nach allen Seiten glühende große Kopf, so daß die ganze Nachbarschaft zusammenlief, um zu beraten, was sich da für eine eigenartige Himmelserscheinung zeige. Kein Mensch traute sich in die Nähe, bis schließlich Polizei und Feuerwehr gerufen wurden, worauf es schnell mit dem fürchterlichen Spuk vorbei war. H.K.



Beurlaubung

volksschulpflichtiger Kinder

Es mehren sich beim Stadtschulamt die Gesuche, in denen um Entlassung bzw. Beurlaubung noch volksschulpflichtiger Kinder im Herbst 1950 gebeten wird.

Um allen Zweifeln zu begegnen, die nach Erlaß des Gesetzes zur Aenderung des Reichsschulpflichtgesetzes vom 27. 4. 1950 verschiedentlich entstanden sind, wird darauf hingewiesen, daß bis zum Erlaß einer neuen Durchführungsverordnung die Erste Durchführungsverordnung des Reichsschulpflichtgesetzes vom 7.3.1939 noch Gültigkeit hat. Die Schulräte entscheiden in eigener Zuständigkeit, ob gemäß Ziffer 3 zu § 4 dieser Verordnung in besonderen Ausnahmefällen einzelne Schulpflichtige für den Rest der Schulzeit widerruflich beurlaubt werden können.

Von dieser Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung darf aber nur in besonders dringenden Fällen Gebrauch gemacht werden, um nicht das Ziel des Gesetzes über die Verlängerung der Schulpflicht zu gefährden. Auf keinen Fall genügt zur Beurlaubung der Nachweis, daß eine Lehrstelle vorhanden ist oder eine Beschäftigung in einem gewerblichen Betrieb angetreten werden kann. Eine solche Beuriaubung im Ausnahmefall kann erst nach vollem achtjährigem, regelmäßigem Schulbesuch genehmigt werden.

Es ist also zwecklos, irgendwelche Gesuche einzureichen, die die Beurlaubung eines Schülers oder einer Schülerin zum Antritt einer Lehrstelle beantragen.

Beurlaubungen, die vor Erlaß des Hess. Schulpflichtgesetzes vom 27. 4. 1950 vom Stadtechulamt erteilt worden sind, werden umgehend widerrufen.

In der Stadt notiert

Zwei Monate Gefängnis erhielt gestern ein Elektriker, der eich vor dem Schnellgericht Darmstadt wegen Verletzung seiner Unterhaltspflicht verantworten mußte. Obwohl gerichtlich festgelegt, hatte es der Beschuldigte unterlassen, seiner geschiedenen Ehefrau den Unterhalt für das Kind zu bezahlen. wst.

Drei kleinere Verkehrsunfälie ereigneten sich im Stadtgebiet in den gestrigen Mittagsstunden. So stieß in der Elisabethenstraße ein Dreiradwagen mit einem Motorrad zusammen. In der Luisenstraße wurde ein Weißbinderkarren von einem PKW gerammt. An der Einmündung der Neckarstraße in die Rheinstraße fuhr ein Lastkraftwagen auf einen parkenden PKW auf. In allen drei Fällen entstand nur Sachschaden. wst.

Ein Jagdblasen vom Balkon des Schlosses Kranichstein findet heute morgen um 8.30 Uhr anläßlich eines Treffens des Landjägermeisters mit den Vertretern der Forstbehörden statt. DT

Die Generalversammlung der „Con¬ stantia“, Verein für katholische Kaufleute, findet heute, am 7. September 1950, um 20 Uhr in der Hotel-Gaststätte Knauf, Bleichstraße, statt.

Zur Herbstwallfahrt nach Dieburg am Sonntag, dem 10. September, steht den Mitgliedern des KKV und sonstigen Interessenten ein Omnibus zur Verfügung, der um 7.50 Uhr abLuisenplatz fährt. Meldungen werden umgehend in die Buchhandlung Griesheimer, Wilhelminenstraße, erbeten.

Die Volkshochschule teilt mit, daß die für heute, Donnerstag, vorgesehene Veranstaltung „Robert Schneider und Heinrich Rüthlein“ auf den 21. September verlegt werden mußte.

WiE-WIRD-DAS WENER

Unfreundlich

Vorhersage: Am Donnerstag wolkig bis bedeckt, vorübergehend Regenfälle. Tagestemperaturen unter 20 Grad. Lebhafte Südwestwinde.

Weitere Aussichten: Am Freitag wechselnde Bewölkung, aber noch gelegentliche Schauer.



Wohin gehen wir hente?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil

Hessisches Landesmuseum: Barocksaal, Ausstellung des Archivs für Jugend- und Laienkunst: „Kunst am Ursprung“. Geöffnet von 10 bis 18 Uhr

Amerikahaus: (Krone), Farblichtbildervortrag Charlotte G i e s e k i n g : „Wanderungen auf Italiens klassischem Boden“

Nachbarschaftsheim: Prinz- Emils-Schlößchen, Vortrag Dr. Ruppert mit nachfolgender Diskussion: „Autorität und Gehorsam in der modernen Erziehung“

Viertausend Jahre Volkszählung

Von Erwin Roloff

Am 13. September findet im Bundesgebiet die große Volks-, Berufs- und Betriebszählung statt. Der Gedanke der Volkszählung ist doppelt so alt wie unsere Zeitrechnung, darum dürfte ein kleiner Ausflug in die „Geschichte der Volkszählung“ sicher auch unsere Leser interessieren.

Schon im frühen Altertum haben die Geschichtsschreiber über den Bestand von Bevölkerungen Zahlenangaben aufgezeichnet, die darauf schließen lassen, daß sie auf Grund von Volkszählungen festgestellt wurden. Besonders die Römer hatten sehr genaue Zahlenangaben; so konnte der englische Historiker Gibbon in seiner Geschichte des Römischen Reiches auch verzeichnen, daß das Römische Reich zu seiner Blütezeit 120 Millionen Einwohner hatte, darunter 6 441 000 Staatsbürger zählte.

Im alten China läßt sich die Tatsache, daß Volkszählungen stattgefunden haben, sogar bis ins Jahr 2238 vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgen und belegen. Etwa im Jahre 1200 v. Chr. wurden in China die Volkszählungen nach besonderen Registern durchgeführt. Japan führte im Jahre 610 n. Chr. die Volkszählungen nach chinesischem Muster ein, und ein Agrargesetz aus dem Jahre 702 verrät, daß in Abständen von sechs Jahren jeweils eine Volkszählung durchiuführen war. Aus dem Jahre 736 ist sogar das Ergebnis einer solchen Zählung im einzelnen erhalten.

Während man im Lande der aufgehenden Sonne Volkszählungen als etwas Selbstverständliches betrachtete, fehlte noch zu Beginn des Mittelalters in Europa der Begriff der Volkszählung. Es finden sich zwar Registerführungen verschiedener Art.' Aber immer kam es hierbei nur auf Einzelheiten an, nirgends wurden Summen gezogen. Aus den Kirchenbüchern vergangener Jahrhunderte lassen sich sowohl wichtige Bevölke-

rungszustände erkennen, und auch der Statistiker kann aus ihnen wertvolle Angaben gewinnen. Aber genaue Ergebnisse vermitteln sie nicht.

Ähnlich verhält es sich mit den städtischen Registern, wo die eidfähigen Bürger und alle waffenfähigen Männer aufgeführt wurden. Aus diesen Aufstellungen kann der Forscher nur auf Eventualitäten schließen, die zwar ein ungefähres, aber doch kein umfassendes statistisches Bild der Vergangenheit vermitteln. Von einer wirklichen Volkszählung kann man erst im Jahre 1449 sprechen, als Nürnberg eine Erhebung seiner Bevölkerung durchführte. Ähnliche Feststellungen machte 1473 bis 1477 die Stadt Straßburg. Hier waren es Kriege, die den Anlaß dazu gaben. Wegen der Proviantierung nahm nämlich der Rat der Stadt vollständige Einwohnerlisten auf. Die Zählungen waren nicht Selbstzweck, sondern Nebenergebnis. Hin und wieder kam es durch einen besonderen Umstand zu einer Art Volkszählung. So fand 1592 in London eine Auszählung aus dem Steuerregister statt, um die Opfer der damals überstandenen Pest festzustellen. Eine ähnliche Auszählung wurde 1667 in Paris vorgenommen. 1683 versuchte der Große Kurfürst die Menschenverluste zu ermitteln, die Brandenburg im Dreißigjährigen Krieg erlitten hatte.

Kurfürst August von Sachsen war der erste, der eine Volkszählung im heutigen Sinne anregte. 1571 hatte er eine Getreideordnung verfassen lassen, um die Zahl der Konsumenten zu ermitteln und Ordnung und Sicherheit im Magazinwesen zu schaffen. Alle Schöffen und Amtsträger sollten angeben, jeder für sich, „alle Haushaltungen in ihren Ämtern, ohne Unterschied mit Angabe von Zahl, Alter, Hantierung der Männer, Frauen und Kinder bei zehn Gulden Strafe für jede ausgelassene Person“. In einem weiteren Register hatte jeder Untertan anzugeben, wieviel und was für Getreide er angebaut hatte oder gekauft lagerte. Wer hier unrichtige Angaben machte, verlor seine sämtlichen Vorräte.

Hier findet man schon eine ungefähre Parallele zu unseren heutigen Volkszählungen, die ja neben der Haushaltungsliste auch gleichzeitig Listen für landwirtschaftliche Betriebe vorsehen. Der Versuch des sächsischen Kurfürsten blieb zunächst ohne Nachahmung, und erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann der Begriff Volkszählung greifbare Formen anzunehmen. Im Jahre 1700 ging Schweden allen europäischen Ländern mit der Registerführung voran. In Deutschland war Friedrich Wilhelm I. der erste, der den Gedanken aufgriff, durch Zählungen seine Staatsmacht und Regierungserfolge zu kontrollieren. Seine Zählmethode war allerdings ohne praktischen Erfolg. Seit 1718 sollten in allen Städten jährlich und auf dem flachen Lande sogar halbjährlich die männlichen Einwohner gezählt werden. Die Bevölkerung kam bald dahinter, daß alle Zählungen auf fiskalische und militärische Zwecke hinausliefen. So entzogen sich sehr viele der Zählung. Das Ergebnis war wertlos, und die Volkszählungen hörten in Preußen zunächst wieder auf.

Im 18. Jahrhundert entstand auch das erste wissenschaftliche Werk über Volkszählungen, das den Oberkonsisiorialrat und Propst zu Köln. Süßmilch, zum Verfasser hatte. Es trug den hochtrabenden Titel „Ueber die göttliche Ordnung in der Veränderung des menschlichen Geschlechts aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen“. Ein Geistlicher also war der Verfasser der ersten Schrift über Volkszählungen. Diese Urheberschaft rührt daher, daß anfänglich alle Volkszählungen von geistlichen Beamten durchzuführen waren. Erst Friedrich Wilhelm übertrug diese Aufgabe der Finanzkommission, und sehr viel später wurden eigene Statistische Aemter mit der Durchführung solcher Erhebungen betraut. Während die Zählungen ursprünglich reine „Volks“-Zählungen gewesen waren, wurden sie 1750 auf alle Stände ausgedehnt.

Ein eigenes Statistisches Amt, das auch Volkszählungen durchzuführen hatte, richtete als erstes Land in Europa Schweden im Jahre 1756 ein. Oldenburg folgte im Jahre 1769, 1770 Dänemark mit Norwegen, 1780 Rußland und 1786 Oesterreich. Die einzelnen deutschen Länder führten nach und nach auch Volkszählungen ein. Aber überall wurden die Zählungen zu anderen Zeiten durchgeführt. So war es bis 1871 nicht möglich, auf Grund von Volkszäh’ungs-Ergebnissen gesamtdeutsche Zahlen zu ermitteln.

Blick ins asiatische Rußland

Am Mittwochabend hielt in der Technischen Hochschule Michael Morocow im Rahmen der Veranstaltungen der Volkshochschule einen Vortrag über das asiatische Rußland, wie es keiner kennt. Der Redner führte die Zuhörer in die Weiten der sibirischen Tundren unter Taigo, er sprach von den autonomen Republiken Russisch-Zentralasiens und ging besonders auf die industriellen Möglichkeiten dieser Gebiete ein. Immer deutlicher werde, daß Rußland versuche, seine großen Industriezentren nach Zentralasien zu verlagern, wo sie im Falle eines Krieges fremden Zugriffen entzogen sind. Allein die asiatischen Kohlevorkommen machen ein Vielfaches der Förderungszahlen des europäischen Rußlands aus. In wenigen Jahren sei in Sibirien eine moderne Stadt nach der anderen aus dem Boden geschossen, wenn auch zugegeben werden müsse, daß sie zum großen Teil mit der Gesundheit und dem Leben vieler tausend Menschen bezahlt wurden. Rußlands Hauptaugenmerk gelte heute dem nördlichen Teil Sibiriens, wo es gelungen sei, eine Schiffahrtsverbindung von Murmansk nach Wladiwostok zu schaffen, die während der Sommerwochen die Hauptverkehrsader zwischen dem europäischen und dem fernasiatischen Rußland darstelle.

An Hand einer Reihe von Lichtbildern konnten die Hörer einen guten Einblick in die unbekannten Länder jenseits des Urals gewinnen. hfl.

Zeitgenöõssische Violinmusik

Zwei Lehrer an der Nürnberger Hdchschule für Musik, der Pianist Otto A.Gräf und der Violinist Willi Horvarth, spielten gestern abend im Amerikahaus Violinsonaten von Karl Höller, Charles E. Eves und Max Trapp. Amüsant und teilweise boshaft den Hörern gegenüber gibt sich die vierte Violinsonate des Amerikaners Ives. Trapps Opus 37 verherrlicht neben klassischer Einfachheit den neobarocken Pathos, während Höller im Opus 30 ausgesuchte Klangfarben in kurzen thematischen Gebilden fachwerkartig in prägnante Formen gießt.

Temperamentvoll und doch den verschiedenen Zielen und Ausdruckskriterien präzis nachgehend war die virtuose Wiedergabe. Mit griffigem Ton und weiter Kantilene, leicht und sicher in den P ■gen und Doppelgriffen musizierte der Violinist Willi Horvarth, der sich damit in Darmstadt ausgezeichnet einhihrte. Ct'o A. Gräf, dem Publikum bereits bekannt, konzertierte ebenso frisch und untadelig.

Der Beifall war stark, der Besuch sehr schwach. g.I.

STARKENBURG

Grosßfener in Füůrth

Schaden auf 20 000 DM geschätzt

In der Nacht zum Mittwoch wurde gegen 2.30 Uhr im Anwesen des Landwirts A. B. Unger in Fürth ein Schadenfeuer entdeckt, das sich rasch zum Großbrand aus weitete. Das. Wirtschaftsgebäude stand bereits nach kurzer Zeit in Flammen. Ein Uebergreifen auf die benachbarten Wohn- und Geschäftshäuser war zu befürchten. Infolge Schwierigkeiten mit der Motorspritze mußte die Feuerwehr zunächst die Pumpe in Betrieb nehmen, so daß trotz schneller Ankunft der Wehr dem Feuer selbst erst spät mit ausreichenden Wasserkräften zu Leib gerückt werden konnte. Das Uebergreifen auf das landwirtschaftliche Anwesen Buser ließ sich nicht verhindern, wodurch schließlich das gesamte Wohnviertel in Gefahr geriet. Dank dem Einsatz auch der Rimbacher Feuerwehr gelang es, das am meisten bedrohte Gebäude des Gasthauses „Zum Schützenhof“ dadurch zu retten, daß die angrenzende Kegelbahn teilweise niedergerissen und so ein Brandgraben aufgerichtet wurde. Auch die Brauerei mit dem Cafe „Zum Löwen“ erlitt hierbei Brandschaden, konnte aber vor größerem Verlust bewahrt bleiben.

Nach I'Stündiger Brandbekämpfung waren die Feuerwehren Herren der Lage. Dank der herrschenden Windstille trat kein allzu starker Funkenflug ein. so daß das stark gefährdete Viertel erhalten werden konnte. Herumstehende Neugierige erschwerten die Arbeiten außerordentlich und die Gendarmerie mußte zur zwangsweisen Räumung der Straßen schreiten.

Sachverständige der Kriminalpolizei und Beamte der Brandversicherungskammer untersuchten im Verlauf des gestrigen Tages die Trümmer der Brandstätte, konnten jedoch keine eindeutige Brandursache feststellen. Da das Großvieh durchweg in Sicherheit gebracht werden konnte, wird der entstandene Gesamtschaden vorläufig auf 20 000 DM geschätzt. -rx

Erhängt aufgefunden

Gestern vormittag wurde ein seit langem in Nauheim ansässiger Pole erhängt aufgefunden. Man vermutete zuerst als Motiv der Tat Schwermut, wurde aber bald mißtrauisch, als man in der Hosentasche des Erhängten einen mysteriösen Zettel fand. Die Leiche wurde von der Gendarmerie bisher noch nicht freigegeben. ' -th-

Kreissugendpfleger verunglückt

Schwerer Verkehrsunfall bei Groß-Gerau

Am Dienstagabend ereignete sich gegen 23 Uhr auf der Straße zwischen Groß-Gerau und Mörfelden in Höhe des Kinderheims Woogsdamm ein Verkehrsunfall, bei dem der Kreisjugendpfleger des Kreises Groß-Gerau, Rudi Malfeld, schwer verletzt wurde. Malfeld wurde auf seinem Motorrad von einem entgegenkommenden Kraftwagen angefahren und zu Boden geschleudert. Der Fahrer des nur leicht beschädigten Personenwagens entzog sich der Personalfeststellung durch die Flucht. Der Verletzte blieb fast eine halbe Stunde liegen, bis er aufgefunden wurde. Er mußte mit Nasenbeinbrüchen und einem Oberkieferbruch in das Groß-Gerauer Krankenhaus gebracht werden. Sein Motorrad wurde bei dem Unfall vollständig zertrümmert. -th

Groß-Gerauer Herbstmarkt 1950

Aufruf des Bürgermeisters der Kreisstadt zur Eröffnung des Marktes am Wochenende

Für den hohen Rat dieser Stadt tue ich der Bevölkerung kund und zu wissen, daß am 9. September Anno 1950 wie ehedem in den Mittagsstunden mit dem Glokkenschlag 2 Uhr der Herbstmarkt wiederum eröffnet wird. Bürgermeister, Ratsmitglieder und der Ratsschreiber begeben sich unter Vorantritt der Herolde hoch zu Roß von dem Rathause zum Marktplatz, wo das Pergament, die alte Marktordnung, durch die Stimme des Ratsschreibers allem Volk kund gegeben wird. Nach Aufrichtung des alten Wahrzeichens, der Marktfahne, wird durch Fanfaren und Trommeln der bis zum 11. September dauernde Markt eröffnet.

Männer, Frauen und Jugend dieser Stadt! seid um der Tradition und der Gastfreundschaft den von auswärts zuströmenden Gästen gegenüber aufgefordert, teil zu haben an ernsten und heiteren Darbietungen dieser Tage, auf daß Ihr Euern Kindern die Kunde überliefert, der Herbstmarkt unserer Stadt lebt und wird weiter leben.

Dieser Aufruf ist gegeben am 5. September 1950 und wird kund getan der gesamten Bevölkerung des Gerauer Landes und des rhein-mainischen Städtekranzes

unter Beidrückung des Stadt-Insiegels

Dr. Lüdecke, Bürgermeister

Festtage in Groß-Gerau

Am Samstag um 14 Uhr findet nach der Eröffnung des Marktes ein historischer Umzug statt; gleichzeitig beginnt der Schaufensterwettbewerb. Von 15 Uhr an wird sich in dem historischen Rathaussaal eine Kreiskonferenz mit dem Thema „Volksbildungsarbeit im Kreis Groß-Gerau für den kommenden Winter“ beschäftigen. Es soll hierbei eventuell ein Arbeitskreis für die Volksbildungsarbeit im Kreis Groß-Gerau gegründet werden. Am Sonntagvormittag beginnt um 9.30 Uhr die Vorentscheidung der landesoffenen Springmeisfeischaften 1950 mit Schwimmeinlagen der Jugendklassen. Die feierliche Wiedereröffnung des Heimatmuseums „Gerauer Land“ erfolgt um 11 Uhr. Ein Staffellauf quer durch Groß-Gerau startet um 14 Uhr. Um 14.30 Uhr beginnen die Entscheidungen der landesoffenen Spiingmeisterschaften 1950 im Schwimmbad. Das Bezirksiigaspiel VfR Groß-Gerau gegen Bürstadt' um 15 Uhr. Ab 20 Uhr notiert das Programm: Änstrahlen des Rathauses, Fanfaremblasen in historischen Kostümen, Abendkonzert in den illuminierten Anlagen, lanz in allen Sälen, Volksbelustigung aut dem Marktplatz.

Am Montag ist um 11 Uhr ein Kindertreffen am „Haus der Jugend“. Die Prämien aus dem Schaufensterwettbewerb werden um 16 Uhr öffentlich ausgelost. Nach der feierlichen Einholung der Marktfahne (um 19 Uhr) ist wiederum Tanz und Volksbelustigung. (cg/

Kleine Kostbarkeiten für die Speisekammer der Hausfrau

Ein Gang durch Westdeutschlands größte Konservenfabrik in Groß-Gerau

In einsamer Größe ragt der 95 Meter hohe Schornstein der Helvetia-Konservenfabrik über das Gerauer Land. Unter diesem Wahrzeichen sind viele hundert Händepaare emsig beschäftigt, Früchte und Gemüse des In- und Auslandes zu konservieren.

Nachdem die Erbsenverarbeitung abgeschlossen ist, verschwinden jetzt täglich viele tausend Kilo. Bohnen in dem unersättlichen Leib der Fabrikgebäude, um sie später wieder, säuberlich verpackt, zu verlassen. Aber bis es so weit ist, müssen die Bohnen manches über sich ergehen lassen.

Abgespitzt und durch Bürstenwalzen blank gescheuert kommen sie in den ersten Stock. Dort laufen sie, durch eine mit Rillen versehene Maschine ordentlich ausgerichtet, in die Schneidemaschine. Ein wohltemperiertes Wasserbad erwartet die „Zugeschnittenen“ in der Blanchiermaschine, durch die sie in einem Schneckengang hindurch wandern müssen. Kaum sind die blanchierten Bohnen wieder am Tageslicht, da werden sie schon von einer kühlen Brause überrascht und von flinken Frauenhänden ausgelesen, so daß nur einwandfreies Material durch ein Rohr in den unteren Stock zu dem Abfülltisch hinunterfällt.

Eine lange Schlange silberner Dosen windet sich geheimnisvoll an diesen rotierenden Abfülltisch heran, durch dessen Löcher hindurch die darunterstehenden Dosen gefüllt werden. Auf einem Band laufen sie zur Verschlußmaschine weiter, wo ihr Schicksal dann endgültig durch einen einwandfreien Verschluß „besiegelt“ wird. Je 300 Dosen werden dann in einem Autoklavenkäfig verstaut und in diesem im Sterilisationsraum haltbar gemacht.

Nicht weniger interessant ist die Entstehungsgeschichte einer guten Konsummarmelade. Wesentliche Bestandteile einer solchen Marmelade sind neben dem Zucker die Fruchtmischungen, und bei diesen spielt der Apfel eine vorwiegende Rolle. Es ist daher selbstverständlich, daß eine große Konservenfabrik bestrebt ist, die Aepfel in einer ebenso einfachen wie schnellen Weise haltbar zu machen.

In Eisenbahnwaggons und Lastzügen kommen sie in die Fabrik, WO sie mit einem Wasserstrahl auf ein Sortierband geschwemmt werden. Alle nicht ein-

wandfreien Aepfel werden herausgelesen. Eine zweite Schwemmanlage säubert die Aepfel vom Schmutz, und ein Becherwerk befördert sie in den 4. Stock. Von hier fallen, sie in Rohren zu Spezial-Dampfmaschinen, die sie weich kochen. Nachdem sie durch eine Passiermaschine von Schalen und Kernen befreit sind, wandern die „ehemaligen" Aepfel als „Apfelmark“ in eine Tankanlage.

In Anbetracht ihres großen Bedarfs an Früchten hat die Helvetia im Laufe der Jahre eine Anlage geschaffen, in der in Spezial-Marktanks mehr als zwei Millionen Kilo Früchte gelagert werden können. Mittels einer Druckvorrichtung gelangen von hier je nach Bedarf die Früchtesorten durch besondere Porzellanrohre in einen Mischbehälter, von dem aus sie nach gründlicher Durchmischung zu den Kochkesseln im ersten Stock befördert werden. Nach Hinzufügen der benötigten Zuckermengen wird nun die Marmelade fertiggekocht. Porzellanröhren leiten die Marmelade zu den Abfüllmaschinen weiter.

Die außerordentliche Sorgfalt und Sauberkeit, mit der man zu Werk geht, zeigt sich besonders in der Zubereitung von Früchte-Konserven. Da bei einer Verwendung von Schälmaschinen keine erstklassige Qualität gewährleistet ist, wird bei den Spezialartikeln, wie Birnen und Pfirsiche, fast alles in Handarbeit gemacht Eine sehr lange Behandlungszeit erfordern die Belegfrüchte, wie z. B. Orangeade und Zitronade; neben ihrer

Verwendung im Haushalt werden diese in großen Mengen von Konditoreien und Backwarenfabriken gekauft.

Unsere Schilderung kann nur einen kleinen Einblick in das vielseitige Herstellungsprogramm der Firma geben. Je nach Jahreszeit wird nämlich das Schwergewicht nach einem anderen Fabrikationssektor verlagert. So wird voraussichtlich schon in Kürze mit der Verarbeitung der vorzüglichen hessischen Zwetschgen begonnen. In den nächsten Wochen folgt dann die Großfabrikation von Apfelmus und Apfelmark aus den Wirtschaftsäpfeln unserer Heimat, cg


Kaum sind die blanchierten Bohnen wieder am Tageslicht, werden sie von einer kühlen Brause überrascht
Kaum sind die blanchierten Bohnen wieder am Tageslicht, werden sie von einer kühlen Brause überrascht

Eine lange, silberne Dosenschlange windet sich geheimnisvoll an den rotierenden Abfülltisch heran (links). — Die außerordentliche Sorgfalt und Sauberkeit, mit der man in der HELVETIA ans Werk geht, zeigt sich besonders in der Zubereitung von Früchtekonserven (rechts). Fotos (3): Helvetia
Eine lange, silberne Dosenschlange windet sich geheimnisvoll an den rotierenden Abfülltisch heran (links). — Die außerordentliche Sorgfalt und Sauberkeit, mit der man in der HELVETIA ans Werk geht, zeigt sich besonders in der Zubereitung von Früchtekonserven (rechts). Fotos (3): Helvetia

Vom Morgenrock zum Abendkleid

MODENSCHAU IM BENSHEIMER WINZERDORF

Man muß schon sagen: Die Bensheimer sind katastrophenfest. Es strömte vom Himmel und die Menge strömte zur Modenschau ins Winzerdorf. Und als dann die Sonne — zum Glück noch vor dem Beginn der Veranstaltung — sich eines Besseren besann, da war es in allen Buchten und auf der Tanzfläche so voll, daß einem leicht der Angstschweiß darüber hätte ausbrechen können.

Aber auch diesem Tumult, der sich in durchaus ernstgemeinten Stuhlkämpfen Luft schaffte (es erwies sich nämlich, daß trotz aller Bemühungen weniger Stühle als Besucher vorhanden waren), waren die Bensheimer gewachsen.

Nur die Presse kam zu kurz, aber dafür hatte sie ja auch keinen Eintritt bezahlt. Sie durfte sich wählen, ob sie lieber auf aussichtsreichen Plätzen stehen oder im Rücken der Menge sitzen wollte. An den Laufsteg, über den sich alsbald die ganze Pracht ergießen sollte, kam sie keinesfalls heran.

Indessen: Frau Ganz als Vorsitzende des Hausfrauenbundes begrüßte ihre zahlreichen Gäste, die sich mittlerweile beruhigt und eingerichtet hatten. Dann übergab sie das Wort an Martin Kuhn, den bewährten Manager und Conferencier bei solch leichten heiteren Gelegenheiten. Unterdessen sangen die Kirchberg-Spatzen das Winzerlied — schön, wie nicht anders gewohnt, aber leider nicht vom Lautsprecher übertragen. So kamen die entfernter Sitzenden um den Genuß.

Und dann kamen sie, die Damen der Mode, die das Neueste, Schönste und Billigste aus dem Kaufhaus Ganz, dem Modesalon G 1 anz er, dem Schuhhaus Mi 11 er 1 e und dem Sporthaus Richter vorführten. Anders gesagt: über den Laufsteg des Winzerdorfs ging die Bensheimerin, wie sie aussehen könnte, wenn

sie sich von Kopf bis zum Fuß von ihren einheimischen Geschäften beraten ließe.

Wir waren erstaunt. Was uns da von den reizenden Mannequins vorgeführt wurde, war nicht nur gediegen und preiswert, sondern auch fesch. Es erwies sich, daß die Vielfalt der heutigen Mode mit ihren belebten Formen auch in den Städten der Provinz geschmackvolle Interpreten gefunden hat, die wissen und kund tun, wie und was sich eine Frau von morgens bis abends anzieht.

Es begann mit einem morgenrötlichen Morgenrock und endete mit anspruchsvollen Abendkleidern, von denen das schwarze veilchenbemalte, das Irmgard Simon entwarf und vorführte, besonders erwähnt sei. Dazwischen konnte man an einer Vielfalt der Modelle die in Hut, Kleid, Tasche, Schuhen auf das Glücklichste harmonierten, alles was eine Frau im Laufe des Tages zu Hause, auf der Reise oder beim Nachmittagstee trägt, am laufenden Band bewundern.

Gerade aber als es vielleicht doch ein bißchen zu lang geworden wäre und die Interessen sich von den schönen Kleidern zu den Bratwürsten wenden wollten erschien noch ein ganzer Autobus extravaganter Mannequins aus Paris, daß alles wieder zum Laufsteg schauen mußte. Das hatte freilich die Welt noch nie gesehen und schönere Frauen als die, die das jubelnde Winzerdorf nun begrüßte gab es gewiß sonst nirgends auf der Welt. Das ganze Geviert bebte vor Gelächter. Die Schönen waren ... die Kirchberg-Spatzen. Kä.

Wissenschaftliche Gesellschaft

in Roßdorf gegründet

In Roßdorf wurde eine wissenschaftliche Gesellschaft „Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie“ unter Vorsitz von Herren J. Krauss gegründet. Der Vorstand und der Mitarbeiterstab der neuen Vereinigung, die sich aus namhaften Forschem und Hochschullehrern aus Göttingen, Celle, Münster. Clausthal-Zellerfeld. Idar-Oberstein und Bad Tölz zusammensetzen, haben sich zur Aufgabe gemacht, die Anhänger und Interessenten der Erdwissenschaften über die neuesten Forschungen auf diesem Gebiet zu unterrichten.

Die Vereinigung gibt eine bebilderte Monatsschrift „Der Aufschluß“, in der neben praktischen Winken für Sammlung und Laboratorium. Hinweise auf Fachliteratur und Tauschanzeigen besonders über Mineralfundpunkte berichtet wird, heraus. Die ersten in Hessen erschienenen Nummern enthalten Fundberichte über den Roßberg, den Osttaunus. das Richelsdorfer Gebirge, Auerbach und das Rheingold. (Sl)

„Was ihr wollt“ auf einer Traisaer Freilichtbühne

Schüler und Schülerinnen der realgymnasialen Aufbauschule in Traisa geben am Freitag, 8. September, auf ihrer Freilichtbühne nahe der Schule das Lustspiel von Shakespeare „Was ihr wollt“ mit der Bühnenmusik von Philipp R a z 1 ag.

In wochenlanger, eifriger Arbeit sind die Vorbereitungen für diesen Abend getroffen worden, zu dessen Gelingen die jungen Schauspieler, Musikanten, Inspizienten und Beleuchtungstechniker von ganzem Herzen ihr Bestes geben werden.

Die Aufführung beginnt um 18.30 Uhr und endet gegen 21 Uhr, so daß die Besucher aus Darmstadt noch eine günstige Omnibusverbindung zur Stadt zurück haben. d-s

Reiseziel Heppenheim

Wie der Vorsitzende des Bergsträßer Gastwirteverbandes erklärte, war auch am vergangenen Wochenende Heppenheim wieder der Anziehungspunkt für Fremde aus nah und fern. Am Sonntag tagte die Offenbacher Bäckerinnung, eine Reisegesellschaft, die sich auf der Fahrt nach Oberammergau befand, machte in Heppenheim kurze Rast. Ein Gesangverein aus Deidesheim, der in 4 Reiseomnibussen ankam, verschönte am Sonntagvormittag das Hochamt im Dom mit einigen Chören. Auch eine Gesellschaft aus Leutershausen besuchte zum Wochenende die Stadt. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein ist bestrebt, weiterhin den Fremdenverkehr zu heben und ist auch schon mit zahlreichen Reisegesellschaften und Reisebüros in ganz Deutschland wegen Gesellschafts- und Urlaubsfahrten zum diesjährigen Bauerntag in Verbindung getreten. (HB)

Konzerte in Waldmichelbach

Der für das kommende Wochenende angesagte Besuch des Männer-Gesangvereins Braubach 1843 wird zu zwei Konzerten führen. Samstagsabends veranstalten die Gäste unter Leitung ihres Kreischormeisters P. Klein im Hotel „Zum Odenwald“ ein großes Chor-Konzert, bei dem Chöre von Lendvai, Othegraven, Schubert, Abt, Gellert, Löns, Spies, Riesche, Jüngst und Lindler sowie Bariton-Solis auf dem Programm stehen; sonntags folgt im Gasthaus „Zum Bahnhof“ ein fröhlicher rheinischer Abend, -r

Achtjähriger Organist

spielte beim Kinderfest die Orgel

Mit einem sauber gespielten Präludium von Bach eröffnete der acht Jahre alte Organist, der nunmehr seit einem Jahr allsonntäglich im Kindergottesdienst spielt, das Jahresfest des Kindergartens in Eschollbrücken. Der Feier in der Kirche schloß sich ein frohes Treiben der Kleinen auf der Kirchwiese an, die mit Singen und Spielen die Herzen der Großen erfreuten. Beglückt zogen die Kinder mit ihrer Brezel und anderen Geschenken nach Hause.

Erfolgreiche Fremdenwerbung

Rege Tätigkeit des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Mümling-Crumbach

Der wiedergegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein Mümling-Crumbach hat in den letzten Wochen eine erfolgreiche Arbeit geleistet. Mit Unterstützung der Gemeinde wurde die Dorfverschönerung in Angriff genommen und eine Anzahl von Ruhebänken an den landschaftlich und geschichtlich interessantesten Stellen der Gemarkung aufgestellt. Die Fremdenwerbung ergab einen vielversprechenden Anfang. Die vorhandenen Pensionen sind bereits belegt, eine größere Zahl von Unterkunftssuchenden mußte wegen Platzmangels abgewiesen werden. Im kommenden Jahr soll die Zahl der bereitgestellten Privatzimmer vermehrt werden, um alle. Erholungssuchenden unterbringen zu können. Ein Gesangverein aus Rüsselsheim stattete am Sonntag mit drei großen Omnibussen der Bundesbahn mit der Gemeinde einen mehrstündigen Besuch ab. Hö.

Anhaltende Krise im ländlichen Gaststätten-Gewerbe

Jaheshauptversammlung der Gastwirteinnung des Kreises Dieburg

Die Jahreshauptversammlung der Gastwirteinnung des Kreises Dieburg, die gestern nachmittag im „Weißen Roß“ in Dieburg stattfand, war unter Berücksichtigung der im Gersprenztal und Rodgau noch immer im Gang befindlichen Ernte zufriedenstellend besucht.

Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden Joseph Kraus ergriff zunächst der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen der Hotels, Gaststätten und verwandten Betriebe, Stubenrecht, das Wort. A.us seinen Ausführungen über die allgemeine Berufslage ging hervor, daß das Gastwirtsgewerbe heute in einem harten Lebenskampf stehe; und daß die zur Zeit unverkennbare Krise mehr denn je eine enge Zusammenarbeit erfordere. Die Arbeit des Landesverbandes, die schon vielfach reiche Früchte getragen habe, verspreche aber für die Zukunft nur weitere Erfolge, wenn sie von unten her, also aus der Verbandstreue des einzelnen Mitglieds heraus, genügend fundiert ist.

Die Verschlechterung der Lage habe zum Teil ihre Ursache in den übersetzten Steuern, zum Teil aber auch in dem gegenüber dem Jahre 1936 sehr stark zurückgegangenen Getränkeverbrauch. Die Kaufkraft der Bevölkerung werde heute in so erheblichem Maße für die notwendige Lebenshaltung in Anspruch genommen, daß sich seit damals der Literverbrauch pro Kopf und Jahr bei Bier von 58,7 Litern auf 28,3, bei Wein von 7,3 auf 2,4, bei Spirituosen von 1,1 auf 0,4 und bei Mosten von 0,7 auf 0,35 gesenkt habe. Ausschlaggebend sei, daß es heute noch immer keinen angemessenen Bierpreis gebe.

Auf die brennendsten Tagesfragen ging dann der Geschäftsführer des Landesverbandes, Dr. Hirs te r, näher ein. Der Verband, der in den nächsten Tagen auf sein fünfjähriges Bestehen zurückblicken könne, habe vor allem in den ersten Jahren sehr vieles im Interesse des Gastwirtsgewerbes geleistet und damit seine Existenzberechtigung durchaus bewiesen. Das Gaststättengewerbe, das mit zu den besten Einnahmequellen des Staates gerechnet werden müsse, werde ungerechtfertigt oft zu Abgaben herangezogen, wenn es gelte, neue Geldquellen aufzutun. Diese allzu starke Heranziehung sei die Folge davon, daß in den gesetzgebenden Körperschaften zu wenig Fachleute für derartige Fragen säßen.

Hinsichtlich der Betriebsführung selbst empfahl Dr. Hirster jedem Gastwirt genaueste Kalkulation, bei der nicht nur die Grundkosten, sondern auch Eigenleistung, Lokalhaltung usw. eine Rolle spielten. Ebenso sei genaueste Buchführung zu fordern, da die steuerliche Schätzung zu finanziellen Nachteilen führen könne. Zu spät — oft erst nach zwei und mehr Jahren — spüre der Wirt, daß er uneinbringliche Verluste an seiner Substanz erlitten habe.

Die Herabsetzung des Bierpreises habe zwar eine kleine Umsatzsteigerung gebracht, doch wäre es wünschenswert gewesen, wenn sie schon im Sommer gekommen wäre. In kleinen Schankstätten habe sich die Ermäßigung auch der Spirituosen umsatzmäßig bemerkbar gemacht: es gebe heute schon wieder zwei Schnäpse und ein Bier für eine DM. Dr. Kirster gab dann die .jetzt geltenden Ausschankpreise für die verschiedenen Biersorten bekannt.

Die Berufsgenossenschaft, erklärte er, sei eine Zwangseinrichtung, die sich lediglich auf den Gastwirt, seine Familie und seine Angestellten beziehe, den Gast aber nicht in die Versicherung einbeziehe. Bei Gemischtbetrieben (Metzgerei oder Bäckerei und Wirtschaft) genüge die Mitgliedschaft bei einer Berufsgenossenschaft; bei Gas', wirtschaften mit landwirtschaftlichem Betrieb stehe eine Klärung noch bevor.

Was die Gewerbefreiheit betreffe, so ständen erfreulicherweise die deutschen Behörden mit den einschlägigen Organisationen auf dem Standpunkt, daß bei bestimmten Gewerben eine gewisse Fach- und Sachkunde Voraussetzung für die Genehmigung zur Geschäftseröffnung gefordert werden müsse. Darunter müsse auch das Gaststättengewerbe fallen, dessen guter Ruf sonst Schaden erleiden könne.

Ein Schmerzenskind sei die GEMA, doch müsse er hierzu erklären, daß diese Organisation, die auf Grund ihres internationalen Charakters im Jahre 1945 als erste Körperschaft von der amerikanischen Militärregierung lizenziert worden sei, die Berechtigung zur Einziehung der Autorengebühren habe. Die Mitglieder des Landesverbandes aber genössen weitgehende tarifliche Ermäßigungen (bei Voranmeldung einer einschlägigen Veranstaltung 331/3 Prozent). Schließlich gab Dr. Hirster noch bekannt, daß man vor der Gründung einer Süddeutschen Einkaufsgenossenschaft stehe, die dem Gastwirt für vielerlei Ware verbilligten

Bezug verspreche. Nach der Erstattung des Kassenberichtes durch Gastwirt Karl Dauer war die Tagesordnung abgewickelt. Es schloß sich eine Aussprache an, in der noch persönliche Fragen und Angelenheiten geklärt werden konnten. (RG)

Omnibus aufgeschlitzt

* Kurz vor Babenhausen, an der Einfahrt zur kleinen Unterführung, geriet der Anhänger eines aus Aschaffenburg kommenden Fernlastzuges in dem Augenblick ins Schleudern, als ein Omnibus aus Richtung Dieburg sich auf gleicher Höhe befand. Der Omnibus wurde an der linken Aufbauseite stark beschädigt. Von den Insassen des Fahrzeuges wurde niemand verletzt. (RG)

40 000 DM für Wohnungsban

In einer schwachbesuchten, öffent isken Gemeinderatsfitzung, deren Tagesordnung zuvor nicht bekanntgegeben worden war, beriet am Dienstagabend die Bürsfädter Gemeindevertretung den Haushaltsplan für das Jahr 1951, welcher in seinen Einnahmen Und Ausgaben mit 655 500.—■ DM abschließt. Ein außerordentlicher Haushaltsplan ist vorerst richt vorgesehen. Der einstimmig genehmigte Entwurf sieht u. a. 40 000.— DM für den sozialen Wohnungsbau und über 30 000 für Neuanlagen und Verbesserungen von Ortsstraßen vor. Da der Etat in mehreren Äusschußsitzungen bereits eingehend vorberaten war, ging seine Annahme mit kleinen Abänderungen riemlich reibungslos vonstatten. Auch der Nachtragsftat des Jahres 1949 wurde mit 41 000.— DM in Einnahmen und Ausgaben (ordent’icher Teil) und 2300.— DM (außerordent kher Teil) einstimmig angenommen.

Außerdem hat der Gemeinderat in dieser Sitzung die letzten Sitzungsprcfokol'e der Bau« und Friedhofs-, und der Haupt- und Finanzkommission gebilligt, aus denen hervorgeht, daß der südlich des Friedhofes abzweigende Weg zwischen Mainstraße und Bahndamm demnächst als acht Meter breite Straße ausgebavt werden soll. Der Einkauf eines neuen Gemeindeebers wurde zurückgestellt. bb.

60 Jahre „Konkordia“

Der Gesangverein „Konkordia“, Roßdorf feiert dieses Jahi- sein 60jähriges Bestehen. Wenn dies adch nicht im Rahmen der breiten Oeffentlichkeit geschieht, so soll das Jubiläum doch zu einem Höhepunkt des Vereinslebens werden. Die umfassenden Vorarbeiten wurden bereits durch den Vorstand geleistet und auch , der Chor hat sich gerüstet, um den am Samstag, dem 9. September, im Saale des Gasthauses zum „Darmstädter Hof“ stattfindenden Festkommers ein wirklich festliches Gepräge zu geben. Die Kapelle Sauerwein und bewährte Solisten, u. a. der Tenor Gg. Koop (Landestheater Darmstadt), die Sopranistin Marga Lutz und Kurt Altwein am Flügel wirken dabei mit. Viele Mitglieder sollen für ihre Treue geehrt werden. Am darauffolgenden Sonntag findet im gleichen Saal ein Liedertag statt, bei dem 13 namhafte Vereine mit über 850 Sängern mitwirken.

Schärfere Kampfmethoden gefordert

Der Gewerkschaftsbund veranstaltete am Dienstagabend im Groß-Gerauer Adlersaal eine Protestversammlung, die die neue Gesetzesvorlage zur Selbstverwaltung in der Sozialversicherung zum Thema hatte. Betriebsratsvorsitzender Kaus von der Allgemeinen Ortskrankenkasse hielt hierbei ein Referat über die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung, die bis 1933 existiert hatte. Der jetzige Gesetzentwurf, der die Selbstverwaltung wieder vorsieht, wird jedoch von der Gewerkschaft nicht als eine wirkliche Selbstverwaltung anerkannt. Die Gewerkschaft lehne die paritätische Zusammensetzung der Selbstverwaltungsorgane ab. Es dürfte höchstens ein Drittel der Selbstverwaltung aus Arbeitgebern bestehen. Auch Aerzte hätten in dieser Selbstverwaltung nichts zu suchen. Durch die Zulassung von Sonderkassen würden gerade die wirtschaftlich Schwachen geschädigt, und die Finanzkraft der Ortskrankenkassen würde hierdurch wesentlich geschwächt.

Der Kreissekretär des Gewerkschaftsbundes, Strähler, meinte hierzu, die Arbeitgeber wollten die Arbeitnehmer in Lohnkämpfe hineintreiben, um ihr Augenmerk von dem Mitbestimmungsrecht wegzuleiten. Im übrigen müßte die Wartezeit bei der Krankengeldauszahlung vollkommen wegfallen. In der anschließenden Diskussion forderte man eine Vereinheitlichung der Sozialversicherung; die Verwaltungskosten würden hierdurch außerdem wesentlich verbilligt. Weiterhin verlangte man nach schärferen gewerkschaftlichen Kampfmethoden, um den Forderungen der Gewerkschaften zum Erfolg zu verhelfen. (c§)

Höfliches Finanzamt

Das Finanzamt Michelstadt hat ab sofort bei seiner Nebenstelle in Höchst zur Erleichterung des Einzahlungsverkehrs für die Steuerzahler der Unterzent einen 'Einzahlungstag im Monat eingelegt. Am heutigen Donnerstag nimmt die Nebenstelle Höchst erstmals Steuereinzahlungen entgegen. -ch

meldungen aus den Landlcisen

DARMSTADT-LAND-

Nieder-Ramstadt. Die SPD hält am kommenden Samstag um 20 Uhr im Lokal Hieronymus, Dornweghöhenstraße,eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. DT.

Seeheim. Heute abend um 20.30 Uhr findet im Hotel Hufnagel ein farbiger Lichtbildervortrag über Seeheim, Jugenheim, Alsbach und Umgebung statt, hl. s

DIEBURG

Dieburg. Im Lokal „Grüner Baum“ findet am 17. September eine Kreiskonferenz des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner statt, an der sich alle Ortsgruppenvorsitzenden des VDK vom Kreis Dieburg beteiligen werden. Der „Marsch auf Bonn“ steht zur Beschlußfassung. (ph-)

Heubach. Die Kreisstraße nach Groß-Umstadt wird zur Zeit mit einer Teerdecke versehen und an der Einmündung in die Bundesstraße verbreitert. -hm-

ERBACH

Reichelsheim. — Die Obsterassung für die Obstzentrale Zwingenberg wurde von der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft übernommen. Sämtliches reife Obst kann der Sammelstelle am Lager der Genossenschaft, Flutgraben 3, angeboten werden. tm

Hainstadt. Mehrere neue Bänke sind im Gemeindebereich aufgestellt worden. — Im „Oberen Bruch“ werden zur Zeit die Hauptentwässerungsgräben ausgehoben. -hm-

BERGSTRASSE

Waldmichelbach. Am Freitag spricht im Gasthaus „Pfälzer Hof“ Gewerkschaftssekretär Vollrath (Bensheim) im Rahmen einer allgemeinen Versammlung über das Thema: „Ist die Sozialversicherung in Gefahr?“ -r

Hirschhorn. Finanzamt Michelstadt hält ab September in Hirschhorn und Neckarsteinach monatlich auch für die umliegenden Gemeinden je einen Steuersprech- und Zahltag ab. In diesem Monat finden in Hirschhorn heute und in Neckarsteinach am Freitag, dem 8. September, auf den Bürgermeistereien in der Zeit von B—l 28—12 und von 13—16 Uhr Sprech- und Zahltage statt. WL

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. Der Geschäftsführer des Bezirksverbandes Darmstadt vom Roten Kreuz Hessen spricht heute im Haus der Jugend über das Thema: „Jugend in Amerika“. -od-

Bauschheim. Die Schulkinder veranstalteten ein Sommersportfest. Schulrat Schwedes konnte sich persönlich von den Leistungen der Schulkinder überzeugen. Der Reinerlös von diesem Fest floß dem Schulfond zu. -au-

Mörfelden. Die Kreissparkasse Groß-Gerau hält jetzt ihre Sprechstunden nicht mehr im „Darmstädter Hof“, sondern auf der Bürgermeisterei ab. Sprechtage und Zahlstunden sind die gleichen wie vorher.

Stockstadt. Das Obst auf der Rheinwiese und dem Rheindamm kommt heute zur öffentlichen Versteigerung kr.

Der SPORT

Heckhaus wurde Deutscher Meister

Drei hessische Jugendboxer kamen am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin zu Meisterehren. Im Schwergewicht war Lahr (Rüsselsheim) gegen Mayr (Witten) erfolgreich, im Mittelgewicht Dickescheid (Biebrich) gegen Gercke (Berlin) und im Fliegengewicht Heckhaus (ABC Darmstadt) gegen Hans (Duisburg), alle nach Punkten.

Der Sieg in Berlin war für den 17 jährigen Heinrich Heckhaus die Krönung seiner erfolgreichen Laufbahn als Jugendboxer. In drei Monaten hat er die Altersgrenze erreicht und wird in der Seniorenklasse sein Glück versuchen müssen. Nach dem Kriege trat der sympathische Junge als 12jähriger beim SV 98 ein und versuchte es zunächst mit der Ringerei. Doch schon im gleichen Jahre zog es ihn ins Lager der Boxer, wo ihm Trainer Isebul die ersten Handschuhe anpaßte und ihn in die Geheimnisse der Boxkunst einweihte. Der schmächtige Heinrich kapierte erstaunlich schnell und wurde in seiner Klasse bereits 1946 dritter Landesmeister von Hessen. In den beiden folgenden Jahren belegte er den zweiten Platz und 1949 errang er seine ersten großen Erfolge, als er Hessenmeister, Süddeutscher Meister und Zweiter in der deutschen Meisterschaft wurde und sich außerdem in Frankfurt den „Goldenen Handschuh" erboxte. Im Jahre 1950 hatte er dann soviel Erfahrung gesammelt, daß er in Deutschland keinen Gegner mehr zu fürchten brauchte und im Endkampf zur deutschen Meisterschaft nach Punkten siegreich bleiben konnte.

„Der Kampf gegen den Duisburger Hans war mein schwerster seit einem halben Jahr“, erzählte uns der frischgebakkenne Deutsche Meister, als wir ihn kurz nach seiner Rückkehr aus Berlin aufsuchten. „Ich hämmerte pausenlos auf den Niederrheinmeister ein, aber er fiel nicht um“, meinte Heckhaus, der gewohnt ist, daß jeder seiner Gegner bereits in der ersten Runde vor ihm auf die Knie geht. Von seinen letzten fünfzig Kämpfen gewann er nämlich nicht weniger als 46 durch k. o.

Heckhaus lebt nur für seinen Sport. Er raucht, trinkt und tanzt nicht, geht höchstens einmal ins Kino. Täglich aber kann man ihn im Vorhof seines Hauses am Sandsack trainieren sehen. Wer so fleißig ist und seinen Sport so ernst nimmt, bei dem können Erfolge nicht ausbleiben, zumal wenn er so begabt ist wie der junge Boxer aus der Viktoriastraße. Das „Darmstädter Tagblatt“ gratuliert dem neuen Deutschen Meister herzlich zu seinem großen Erfolg.

Startklar zum DMM-Endkampf

Kassel (sid). Für den Endkampf um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft in der Leichtathletik stehen die Teilnehmer sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen nunmehr fest. Am 16. und 17. September treffen bei den Männern in Nürnberg der Titelverteidiger TSV München 1860, Stuttgarter Kickers, VfL München, Eintracht Frankfurt und Schwarz-Weiß Radevormwald zusammen, während bei den Frauen in Wetzlar der Vorjahresmeister SSV Wuppertal, 1. FC Nürnberg, Stuttgarter Kickers, Hamburger SV und MTV München die Gegner sind.

Larsen und Dupont

Neuyork, (dpa) Art Larsen holte sich das Endspiel im Herren-Einzel der USA-Tennismeisterschaften in Forest Hills mit 6:3, 4:6, 5:7. 6:4, 6:3 gegen Herbert Flam. Nach ihrem Siege im Damen-Einzel gewann Margaret Dupont mit ihrem Partner McGregor (Australien) auch das gemischte Doppel mit einem 6:4-, 3:6-, 6:3-Erfolg über Hart/Sedgman (USA/Australien).

Motorrad-Meisterschaft 1950

Düsseldorf, (sid) Die Oberste Motorradsport-Kommission gab nach einigen Protesten, die allerdings nur unwesentliche Aenderungen brachten, den Stand der deutschen Motorrad-Meisterschaften 1950 vor dem letzten Lauf im Nürnberger Stadiongelände am Sonntag bekannt:

Solo-Maschinen bis 125 ccm: Meister H. P. Müller 33, H. Dietrich 25, Ellmann 20, Hofmann 18, Ried 17 Punkte;

bis 250 ccm: Meister Hermann Gablenz 34, Thom-Prikker 24, Kläger 20. Daiker, Kluge je 19, H. P. Müller 15 Punkte;

bis 350 ccm: Meister Heiner Fleischmar. i 33, Knees 27, S. Wünsche 22, Schnell 16, Aldinger 15 Punkte;

bis 500 ccm: Georg Meier 32, Fleischmann 27, Wiggerl Kraus 25, Walter Zeller 24 Punkte;

Seitenwagen-Maschinen bis 600 ccm: Meister Böhm/Fuchs 40, Klankermeier/ Wolz 30, Stachel/Schick 20, Noll/Cron 15 Punkte;

bis 1200 ccm: Seppenhauser/Wenzhofer 27, Kraus/Huser 24, Schäfer/Höller 12, Müller/ R';hrschneck 11, Hillebrand/Huber 8 Punkto.

Telegramme

Walter Englert, der bekannte Box-Manager, ist mit seinem gesamten „Stall“ (Schneider, Gehrmeister, Wiese, Kleinwächter) von Bad Sachsa nach Bad Gandersheim übergesiedelt.

Auf der Berliner Rot-Weiß-Anlagc am Hundckehlensee wird am 9./10. September ein Tennis-Städtekampf Berlin-Wien ausgetragen.

Mit Thalheimer und Becker I gegen Fürth?

Zum Spiel gegen die Spielvereinigung Fürth beabsichtig der SV 98 Darmstadt seine beiden neuen Stürmer Thalheimer und Becker I einzusetzen, die bis jetzt wegen Verletzungen leider noch nicht für die Oberligaspielen aufgestellt werden konnten. Dadurch würden die Lilien am Sonntag wieder einen recht spielstarken Sturm auf die Beine bringen, den sie dringend benötigen, nachdem Ewald und Bekker II gegen Mühlburg eine sehr schwache Partie geliefert haben. Das Spiel mit dem Süddeutschen Meister, der am vergangenen Sonntag gegen den VfR Mannheim (4:1) ein begeisterndes Spiel geliefert hat, würde dadurch noch größere Anziehungskraft ausüben. Die endgültige Aufstellung zu nennen, wird erst nach dem heutigen Training möglich sein.

Fußballkreis Groß-Gerau

Start in die Punktspielrunde

Die A- und B-Klasse des Kreises Groß-Gerau starten am Sonntag zu den diesjährigen Verbandsspielen. Da von der Bezirksklasse kein Verein abstieg, aber von der A-Klasse Nauheim und Groß-Gerau aufstiegen, verblieben alle vorjährigen A-Klassenvereine in der Klasse. Ihnen gesellten -sich noch die Spitzenreiter der vorjährigen B-Klasse, Biebesheim und Astheim dazu. In der fi-Klasse gab es nur insofern eine Änderung, als Erfelden auch eine Mannschaft zu den Verbandsspielen meldete. An der diesjährigen Verbandsrunde nehmen also folgende Vereine teil:

A-Klasse: Astheim, Biebesheim, Büttelborn, Dornheim, Gernsheim, Ginsheim, Gustavsburg, Kl.-Gerau, Stockstadt, Raunheim, Walldorf und Wolfskehlen.

B-Klasse: Bischofsheim lb, Erfelden, Geinsheim, Goddelau, Königstädten, Leeheim, SSV Raunheim, TSV Rüsselsheim, Opel Rüsselsheim 11., Worfelden, Wallerstädten und Nauheim lb.

Der TSV Wolfskehlen trifft in seinem ersten Spiel in Dornheim auf eine Elf, deren Stärke besonders auf dem heimischen Platz zu suchen ist. Nach den in den letzten Spielen gezeigten Leistungen dürfte es Wolfskehlen gelingen, als Sieger in diesem Lokalderby hervorzugehen.

Raunheim 07 tritt auf eigenem Platz gegen die sehr ersatzgeschwächten Klein-Gerauer an. Durch den Abgang von Scheidt und Weiß, Klein-Gerau, wird es für Raunheim nicht allzu schwer sein, am Sonntag zwei wertvolle Punkte zu gewinnen. — In den Spielen Stockstadt gegen Biebesheim und Gernsheim gegen SKV Walldorf sind die Platzbesitzer als Favoriten anzusehen.

Die Begegnung Gustavsburg Büttelborn ist als offen zu bezeichnen, da es hier alleinig auf die Tagesform der Mannschaften ankommt. Büttelborn hat allerdings in einem Jugendtormann eine wesentliche Verstärkung gefunden.

In der B-Klasse kann man dem Gastgeber ausnahmslos die größeren Aussichten einräumen. Die Ib-Mannschaften Nauheim und Bischofsheim spielen außer Konkurrenz. Es spielen:

Königstädten—TSV Rüsselsheim Nauheim lb—Erfelden Geinsheim—Bischofsheim lb W allerstädten—Leeheim Goddelau—SSV Raunheim Opel Rüsselsheim ll—Worfelden

Tischtennis

TSV Pfungstadt unterliegt im Rückkampf gegen SG Arheilgen 3:6

Nachdem die Gastgeber überlegen den Sieg im Vorkampf davontragen konnten, konnten die Gäste bei dem Rückspiel die Vorspielniederlage wieder ausgleichen und klar gewinnen. Die überraschend stark besetzte Gästemannschaft, der man den Weggang ihres seitherigen Spitzenspielers Fleck nicht anmerkte, spielte in folgender Aufstellung: Wirth, Spengler, Sigwarth, Itzel, Kasper und Weigand.

TSV Pfungstadt II—SG Arheilgen II 4:5.

Die Jugendmannschaft der SG Arheilgen siegte über Jugenheim mit 9:0. Ku.

Tischtennis im Sportkreis Bergstraße

Für 1950/51 wurden neugewählt zum Kreisfachwart Kamerad Ritzert (Auerbach) und zum Kreisjugendwart Kamerad Lorenz (Heppenheim). Klassenleiter für den Odenwald wurde Hans Arnold (Waldmichelbach). Die Kreiseinzelmeisterschaften für 1951 werden in Hofheim/Ried ausgetragen. Die diesjährigen Rundenspiele der Kreisklasse beginnen am 17.September. (ni)

Neues aus dem Sportkreis Bergstraße

Am kommenden Sonntag veranstaltet der Tennis- und Eislaufklub Bürstadt ein Tennisturnier gegen den Tennisklub Eberbach. Bürstadts Ortsmeisterschaften werden eine Woche später, am 16. und 17. September, nach dem KO-System ausgetragen. Am 24. September nimmt der TEC Bürstadt eine Rückspielverpflichtung in Heppenheim wahr.

Der Landessportbund Hessen ließ jetzt Ehrenurkunden überreichen an Kreisfußballfachwart Hartmann (Bensheim), den früheren Kreishandballfachwart Eck (Nieder-Liebersbach) und den Leichtathletik- und Versehrtensportwart Jopski (Zwingenberg).

Das kommende Wochenende steht in Heppenheim im Zeichen der Starkenburgia, die ihr 50jähriges Stiftungsfest begehen wird; in seinem Rahmen finden verschiedene Fußballturniere statt.

Olympia Lampertheim hat den früheren Waldhof-Torwart Vetter erneut als Trainer verpflichtet. Zum Geschäftsführer des Vereins wurde jetzt Elektromeister Schärges bestimmt.

Die Fußballabteilung der SKG Rimbach tritt am kommenden Freitag zu einer Sitzung zusammen, um die Verselbständigung der Abteilung unter dem Namen „Blau-Weiß Rimbach“ zu beschließen. (ni)

Motorsporf'ichc Großveransfalfing des Bensheimer Äutomobilclubs

Mit der Bensheimer Herbstfahrt am 17. September 1950 unter dem Titel: „Rund um den Kirchberg“ findet die erste Großveranstaltung der Ortsgruppe Bensheim des ADAC nach dem Kriege statt. Was die Strecke selbst betiifft, so irt bestimmt nichts vergessen worden, was den Fahrern manche harte Nuß zu knacken gibt. Verlangt wird nichts Unmögliches und das Rätsel kann bei dem Findigkeitswettbewerb jeder eingefuchste Fahrer — wenn auch nicht mit Leichtigkeit — lösen.

Wenn nun am 17. September die Fahrer auf die Strecke gehen und um die Punkte kämpfen, welche in den idyllischsten Orten des Odenwaldes, der Bergstraße oder Neckartales zu finden sind, wird es sich zeigen, wer es versteht, die Fahrt erfolgreich zu bestehen.

Nennungen sind tis spätestens 10. September 1950 beim ADAC, Ortsgruppe! Bensheim, abzugeben.

Geschwister Dirken/RSC Darmstadt Zweite bei den Deutschen Meisterschasten der Juniorenklasse Im Rollkunstlaut

Als einzigste Darmstädter Teilnehmer hatte der RSC Darmstadt das Meisterpaar im Rollkunstlauf, die Hessenmeister Ursula und Jan Dirken zu den deutschen Meisterschaften im Rollkunstlauf nach München-Gladbach entsandt. Bei großer Beteiligung belegten sie in der Juniorenklasse den 2. Platz. -eri-

Hering. Am Sonntag startete Heing gegen Niedernhausen zu seinem ersten Verbandsspiel. Gleich nach Beginn übernahmen die Einheimischen die Führung und gingen mit einem 3:0-Vorsprung in die Pause. Sie haften nach dem Wechsel Gegenwind, so daß die Gäste nicht nur ausgleichen, sondern sogar das Siege.'tor schießen konnten, das jedoch stark nach Abseits roch.

Handballrunde neugestaltet

Entgegengesetzt den Verhältnissen in Oberhessen ist das Handballspiel im Sportkreis Bergstraße nicht sehr weit verbreitet. Hier dominieren vornehmlich Fußball und Turnen, so daß die relativ wenigen Handballvereine vor allem angesichts der räumlichen Größe des Kreises bemerkenswerte Entfernungen zurücklegen müssen, um ihre Treffen austragen zu können, und das angesichts der Tatsache, daß die Zuschauermassen, die die finanzielle Grundlage festigen helfen, oft völlig fehlen. So nimmt es nicht wunder, daß man mit Besorgnis die Tendenz einiger Vereine entlang der hessisch-badisch-pfälzischen Grenze verfolgte, sich den dortigen Handballverbänden anzugliedem, wie dies im Fußball einige wenige Vereine, die allerdings angesichts der zahlenmäßigen Stärke dieser Fachgruppe kaum ins Gewicht fallen, ebenfalls getan haben. Da beispielsweise die TuS Birkenau bestes hessisches Handballspiel verkörpern könnte, da außerdem Nieder-Liebersbach, Viernheim, Lampertheim, Bürstadt, Bobstadt, Hofheim und Reisen in den Nachbarländern spielen, sah man sich im Kreispielausschuß jetzt gezwungen, den verbleibenden Vereinen entsprechende Spielmöglichkeiten zu geben, ohne auf die Spielstärke Rücksicht zu nehmen und entschloß sich, im kommenden Spieljahr zwei Parallel-Klassen zu bilden: Gruppe Bergstraße-Ried und Gruppe Odenwald, deren Meister dann den Kreismeister ausspielen. Das ist eine Notlösung, gewiß; sie wird aber von den meisten beteiligten Vereinen als die beste angesehen und sich nun zu bewähren haben. Eine an den Hessischen Handballverband gerichtete Resolution soll darüber hinaus die Möglichkeit vorbereiten, die im Kreise Bergstraße beheimateten Vereine im kommenden Spieijahre auch in ihrem Kreise spielen zu sehen. (ni)

Sehũtzenfeste in der Dieburger A- und B-Klasse

Am ersten Spieltag der A- und B-Klasse brachte in dem Dieburger Sportkreis haushohe Favoritensiege, an denen besonders die „Abwanderer aus dem Kreis Offenbach" beteiligt waren. Ueber eine Stunde spielte die SG Nieder-Roden mit nur 10 Mann und konnte trotzdem Offenthai mit 10:0 den Lauf paß geben. Elfmal mußte der Torsteher der Spvgg Spachbrücken in Götzenhain das Leder aus den Maschen holen. Der ehemalige Bezirksklassenanwärter Überau punktete die Fußballbuben aus Klein-Zimmern 5:0 aus. Lediglich ein Unentschieden gab es im Treffen Groß-Zimmern gegen Kleestadt. In sämtlichen Spielen konnten somit in der A-Klasse die Platvorteile für sich nutzen. Nochmals die Ergebnisse:

Dreieichenlhain — Ober-Roden 3:2 Götzenhain — Spachbrücken 11 >0 Groß-Zimmern — Kleestadt 0:0 Reinheim—Groß-Umstadt 4:0 Nieder-Roden — Offenthai 10:0 Ueberau — Klein-Zimmern 5:0

In der B-Klasse konnten gleichfalls hohe Torergebnisse erzielt werden. Allerdings kamen die Gäste in einigen Spielen auf den fremden Feldern zu Erfolgen. Mit 9:0 Toren mußte sich Raibach, das in Schaafheim zu Gast war, geschlagen geben. Hassia Dieburg 11, die außer Konkurrenz spielende Elf, nahm ohne weiteres in Georgenhausen 6 Tore hin und konnte nur eines entgegensetzen.

B-Klasse, Gruppe I

Hering — Niedernhausen 3:4 Georgenhausen—Dieburg 6:1 Wersau—Groß-Bieberau 0:4 Brensbach — Fr. Crumbach 1:5

Gruppe II

Wiebelsbach — Klein-Umstadt 1:0 FSV Münster—Herger sh ausen 1:1 Schaafheim — Raibach 9:0 TV Groß-Umstadt — Heubach 2:2

Beim Frankenstein - Bergturnfest in Eberstadt errang Joseph Remsbecher vom TV Dieburg in der Altersklasse 50 bis 60 Jahre mit 60 Punkten den dritten Sieg im Dreikampf (Laufen, Weitsprung und Kugelstoßen). - NB -

Kindersportfest in Beerfelden

Das erste diesjährige Jugend- und Kindersportfest des Kreises Erbach, das am vergangenen Sonntag in Beerfelden abgehalten wurde, sah nahezu 300 Teilnehmer aus den Gemeinden der Oberzent am Start. Nach den leichtathletischen Wettkämpfen am Vormittag, zog am Nachmittag der an der Schule aufgestellte Zug mit fröhlichen Liedern zur Turnhalle, wo Frau Willenbücher mit Vier- bis Sechsjährigen Kindertänze aufführte. Andere Gruppen zeigten ihr Können im Pferdespringen, Bodenturnen, in Reifen- und Ballübungen. Neben den Darbietungen der aktiven Turner fand vor allem ein Korbballspiel zwischen den Volksschulen von Beerfelden und Gammelsbach große Anerkennung. Das Faustballspiel Beerfelden gegen Michelstadt wußten die Einheimischen mit 34:50 für sich zu entscheiden. Die Ergebnisse: Jugendturner 9-Kampf Jahrgang 1932/33: 1. Werner Wilka, Beerfelden. Jugendturner Geräte-6-Kampf 1932/33: 1. Fritz Holschuh, Beerfelden. Schüler 3-Kampf Jahrgang 1932/33: l .Walter Bohländer, Gammelsbach. Jugendturner 9-Kampf Jahrgang 1934/35: 1. Erich Hotz, Beerfelden. Jugendturner Geräte¬ 6-Kampf Jahrg. 1934 und jünger: 1. Gerhard Krämer, Beerfelden. Schüler 3-Kampf Jahrg. 1934/35: 1. Willy Dietrich, Realgymnasium Michelstadt. Knaben 9-Kampf Jahrg. 1936 und jünger: 1. Günther Götz, Beerfelden. Schüler 3-Kampf Jahrg. 1936/37:1. H.Siefert, Ober-Sensbach. Schüler 3-Kampf Jahrg. 1938/39: 1. Wilh. Holschuh, Gammelsbach. Schüler 3-Kampf Jahrg.. 1940/41: 1. Heinz Jürgen Weber, Beerfelden. Turnerinnen 7-Kampf Jahrg. 1932: 1. Elisabeth Lang, Beerfelden. Turnerinnen 4-Kampf Jahrg. 1934/35 und 1936/37: 1. Henni Schmahl, Beerfelden. Turnerinnen 4-Kampf Jahrg. 1932/33: 1. Herta Hofmann, Beerfelden. Turnerinnen 7-Kampf Jahrg. 1934/35: 1. Dorothea Scheuermann, Beerfelden. Mädchen 3- Kampf Jahrg. 1934/35: 1. Annemarie Schäfer, Beerfelden. Mädchen 7-Kampf Jahrg. 1936 und jünger: 1. Gertrud Scheuermann, Beerfeideri. Schülerinnen 3-Kampf Jahrg. 1936/37: 1. Anneliese Schwinn, Gammelsbach. Schülerinnen 3-Kampf Jahrg.l93B/39: 1. Annchen Scheuermann, Beerfelden. Schülerinnen 3-Kampf Jahrg. 1940/41: 1. Mizzi Villa, Gammel'sbach. -ppi-

Jugendsporttest in Hoõchst

"Am 10. September findet in Höchst für das untere Mümlingtal das Kreisj'ugendsportfest statt. Vormittags werden die Wettkämpfe in der Leichtathletik ausgetreten und am Nachmittag versammelt sich die Jugend zu Rasenspielen und Volkstänzen. Ferner stehen Hand- und Fußballspiele auf dem Programm. Die organisatorische Leitung hat der TSV Höchst übernommen. -hm-

Bestattungen am Donnerstag, dem 7. September Beerdigungen: Waldfriedhof: 13.45 Uhr Laut, Margarete, 68 J., Goethestr. 21 14.45 Uhr Lehr, Sofie, 73 Jahre, Barkhausstr. Beerdigungen: Arhellgen: 16.00 Uhr Anthes, Marie, 82 J., Da-Arheilgen, Ehrlichstraße 6

M AMTLIOHE BEKRANNITMACHUNGEN Steuer- und Gehührenmahnung Folgende städt. Steuern und Abgaben werden hiermit oõttentlich angemahnt: Srundsteuer sür Monat September 1950, Fãlligkeitstermin 15. 9. 1950. Straßenreinigungsgebühren pp. RJ. 1950, 2. Rate, Fälligkeitstermin 10. 9. 1950. Zahlung ist bis spãtestens 30. 9. 1950 an die unterzeichnete Rasce oder deren Zahlstellen in Da.Eberstadt und Da.-Arheilgen zu leisten. Nach Ablaut dieser Frist wird die Beitreibung eingeleitet; gleichzeitis werden Beitreibungskosten fãllig. Außerdem wird bei Zahlung der Grundsteuer nach dem 15. 9. 1950 der geset~liche Säãumniszuschlag erhoben. Stadt Darmstadt Stadthauptkasse, Lagerhausstraße 1 Betr.: Neufestsetzung der Ortslõhnne. Auf Grund der SS 149 und 151 der Reichsversicherungsordnung und der 1. Hessischen Verordnung über die Festsetzung der Ortslõhne in der Sozialversicherung vom 24. Juni 1949 (GVBI für das Land Hessen 1949 Nr. 17 5. 60) wird der Ortslohn für den Regierungsbezirk Darmstadt für die Zeit vom 1. Juli 1950 bis 30. juni 1951 in der gleichen Höhe wie für die Zeit vom 1. Juli 1949 bis 30. Juni 1950 (Staatsanzeiger für das Land Hessen 1949 Seite 449 Nr. 758) festgesetzt. Heppenheim, 30. August 1950 Der Landrat des Landkrelses Dergstraße Versicherungsamt Am 8. Septomber 1950 werde ich versteigern: um 10.00 Vhr, Darmstadt, Pfandkammer Amtsgericht: 2 Gasherde, 1 Radio, 1 Schreibtisch, um 12.00 Uhr in Arheligen Bieter 12.00 Uhr am Rathaus: 1 Pkw. Borgwarth und 80 Fässer Birnmark. mass, Obergerichtsvollzieher, Darmstadt Schlachthof (Freihank) Freitag, von 8—11.30 Uhr: Nt. 1—250 Samstag, von 8—11.30 Uhr: Nr. 251 —SOO

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