Gicherheitsrat behandelt Kowjetflieger Angriff in Korea
Washington, 5. September. (AP.) Das amerikanische Außenministerium hat am Dienstag bekanntgegeben: „Ein zweimotoriges Bombenflugzeug mit einem roten Stern als Kennzeichen hat am Montag einen Flottenverband der Vereinten Nationen vor Korea angegriffen. Das Flugzeug ist abgeschossen worden. Aus dem Wrack der Maschine wurde von einem alliierten Zerstörer die Leiche eines sowjetischen Fliegers geborgen. Aus seinen Papieren geht hervor, daß es sich um den sowjetischen Leutnant Mischin Tennadij Wassilebiu handelt“.
Die Vereinigten Staaten haben den Vereinten Nationen unverzüglich einen Bericht über den Vorfall zugeleitet. Darin heißt es: „Am 4. September operierten Seestreitkräfte der Vereinten Nationen in der Nähe des 38. Breitengrades gemäß der Resolution des Sicherheitsrates vom 27. Juni 1950. Um 13.29 Uhr koreanischer Zeit (04.29 Uhr mitteleuropäischer Zeit) überflog ein zweimotoriges Bombenflugzeug, das nur durch einen roten Stern identifiziert werden konnte, ein Aufklärungs-Fahrzeug und flog in feindseliger Weise in Richtung auf die Mitte der Formation weiter. Das Flugzeug eröffnete das Feuer auf eine Jägerpatrouille der Vereinten Nationen, die das Feuer erwiderte und das Flugzeug abschoß.“
Der Bericht ist dem Generalsekretär Trygve Lie und dem derzeitigen britischen Vorsitzenden des Sicherheitsrates, Sir Gladwin Jebb, übergeben worden Der Zwischenfall soll unverzüglich vor den Sicherheitsrat kommen.
London wartet ab
London, 5. September, (dpa) Der Sprecher des britischen Außenministeriums hat am Dienstagvormittag abgelehnt, zu dem Bericht Stellung zu nehmen, daß die Leiche eines Leutnants der sowjetischen Luftstreitkräfte aus dem Wrack eines in koreanischen Gewässern abgeschossenen Bombenflugzeuges geborgen worden sei. In London wird dazu erklärt, Großbritannien habe seit Beginn der Kämpfe in Korea daran festgehalten, so lange keine sowjetische oder chinesische Einmischung in den Koreakrieg anzunehmen, als keine unwiderleglichen Beweise dafür vorlägen. Wenn sich aber das Eingreifen sowjetischer Staatsangehöriger in den Koreakrieg tatsächlich bestätigen sollte, dann sei es für den Sicherheitsrat schwierig, an der Mißachtung des Sicherheitsratsbeschlusses über Korea durch ein ständiges Ratsmitglied vorüberzugehen.
Unterrichtete Kreise in London weisen darauf hin, daß kürzlich Berichte über eine verstärkte Luftunterstützung für die nordkoreanischen Streitkräfte eingegangen seien, mit der wahrscheinlich der von General Mac Arthur organisierten Bomberoffensive entgegengetreten werden solle.
Ohne Deutschland illusorisch
Senator Russel fordert Aufrüstung
Washington, 5. September. (H.R.) Der demokratische Senator Russel hat erklärt, ohne eine begrenzte Wiederbewaffnung Deutschlands seien alle Hoffnungen auf •Sicherheit für Westeuropa illusorisch. Russel befürwortete die Aufstelllung von vier oder fünf deutschen Infanteriedivisionen. Die Aufstellung von Luftstreitkräften müsse jedoch Deutschland nach wie vor verboten werden. Russel schlug vor, die Vereinigten Staaten sollten sechs Divisionen nach Westeuropa entsenden, wenn die deutschen Infanteriedivisionen aufgestellt würden.
Russel gab seine Erklärung im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Verhandlungen des amerikanischen Oberkommissars McCloy ab. McCloy, der an den Vorbesprechungen für die Außenministerkonferenz und für die Sitzung der Außenminister der Atlantikpaktstaaten teilnimmt, erörterte mit führenden amerikanischen Regierungsmitgliedem die Bedeutung des möglichen deutschen Beitrags zur Verteidigung Westeuropas.
Schweiz entlüßt Kommunisten
aus dem Staatsdienst
Bern, 5. September, (dpa) Der Schweizer Bundesrat (Kabinett) beschloß am Dienstag, alle Kommunisten aus dem Staatsdienst zu entlassen. In der Schweiz gibt es rund 90 000 Beamte und staatliche Angestellte.
In einem Kommunique heißt es, daß alle Beamten, die „wegen ihrer politischen Aktivität nicht vertrauenswürdig“ sind, entlassen werden. Mitglieder der Kommunistischen Partei (in der Schweiz: Partei der Arbeit), die hohe Beamtenstellungen innehaben, werden entlassen, wenn sie im nächsten Jahr zur Bestätigung oder Beförderung vorgesehen sind. Kommunisten in unteren Beamtenstellungen müssen innerhalb von drei Monaten aus dem Staatsdienst ausscheiden. Beamte, deren politische Einstellung als „zweifelhaft“ gilt, werden nur in ein Beschäftigungsverhältnis eingestellt, das jederzeit gelöst werden kann. Kommunisten in kleinen Beamtenstellungen, wie zum Beispiel Post- oder Bahnbeamte, werden nicht meh- befördert und nicht in Stellungen versetzt, in denen sie die Sicherheit des Landes gefährden könnten. Falls sie gegenwärtig eine solche Stellung innehaben, kann ihnen eine andere „geeignetere“ Beschäftigung zugewiesen werden. Der Erlaß tritt sofort in Kraft.
Der Industrielle Dr. Bartram ist zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt worden
Vor einer klärenden Besprechung
Die Differenzen zwischen dem Bundeskanzler und Minister Heinemann
Drabtbericht unseres Korrespondenten
R. Bonn, 5. September. Eine zweite Unterredung zwischen dem Bundeskanzler und Innenminister Heinemann üb-r dessen Rücktrittsangebot, die vom Bun* despressechef als eine klärende - sprechung angekündigt worden ist, wi wahrscheinlich am Mittwoch oder Donnerstag geführt werden. Über ihren Augang kann noch nichts vorausgesag
werden. . . „ r>r Bei den Differenzen zwischen ur. Adenauer und Dr. Heinemann, der ersten offenen Krise innerhalb des Kabinette, handelt es sich um sehr ernsthafte da Grundsätzliche streifende Meinu"gn^u7 schiedenheiten. Sie beziehen sichrem nur auf die Beschwerde des Innen ministers, nicht rechtzeitig über di Memoranden informiert worden zu se n, die der Bundeskanzler der Oberkomm sion übergeben hat. Zu diesem Punkt wird auch betont, daß der Kanzler Mitglieder des Kabinette über sein Pläne und Handlungen mündlich intur miert habe, eine Weitergabe der Memoranden an die Minister jedoch se aus Zeitnot und auch aus anderen Grunaei
In den dem Kanzler nahestehenden Kreisen wird auch mit Nachdruck erklärt, daß jede Auslegung dieses ko - fliktes als eines Verstoßes gegen
Innenminister als den Repräsentanten der evangelischen Kirche im Kabinett völlig sinnlos sei. Die Haltlosigkeit dieser These ergebe sich schon daraus, daß auf jeden Fall nach wie vor wieder ein maßgebender Vertreter der betont evangelischen Kreise dem Kabinett angehören würde, falls der Konflikt nicht gelöst werden könnte.
Auch die Vorstände der Regierungsparteien erörterten am Dienstag den Konflikt im Kabinett, doch sind die Fraktionen an ihm nicht unmittelbar beteiligt, da das Parlament nach dem Grundgesetz an der Berufung und dem Ausscheiden von Ministern nicht mitwirkt. Zudem ist Innenminister Dr. Heinemann kein Bundestagsabgeordneter und demnach auch kein Mitglied einer Bundestagsfraktion. In diesen parlamentarischen Kreisen wird aber grundsätzlich die Meinung vertreten, daß angesichts der gerade in der kommenden Zeit bedeutsamen Aufgaben des Innenministeriums eine latente innere Spannung zwischen dem Kanzler und dem Leiter dieses Ministeriums nicht verantwortet werden könne und ein positiver Ausgang der Besprechungen nur dann erfolgreich sein werde, wenn die von beiden Seiten gegeneinander geäußerten Zweifel völlig bereinigt werden könnten.
Schwierige Schlichtung
Die Verhandlungen über eine Beilegung der Lohnstreitigkeiten
Remagen, 5. September. (AP.) Arbeitsminister Storch hat am Dienstag erklärt, die Schlichtungsverhandlungen über die Beilegung der Lohnstreitigkeiten und der Teilstreiks im Baugewerbe begegneten zahlreichen Schwierigkeiten. Es sei bisher nicht möglich gewesen, ein Uebereinkommen über das anzuwendende Schlichtungsverfahren zu erzielen.
Der Minister und über dreißig Sachverständige sind seit Montag in Remagen an den Verhandlungen des Schlichtungsausschusses beteiligt. In Kreisen der Verhandlungspartner rechnet man mit einer Nachtsitzung.
110 000 Arbeitslose weniger
R. Bonn, 5. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Zahl der Arbeitslosen ist im August um 110 716 auf 1 341 206 gesunken. Dabei hat sich die Zahl der männlichen Arbeitslosen um 88 000 vermindert. Diese Gesamtzahl gliedert sich in rund 917 000 männliche und rund gegen 424 000 weibliche Arbeitslose. Von der Bundesregierung wird besonders darauf hingewiesen, daß gerade in den Flüchtlingsländern der Rückgang der Arbeitslosigkeit im August am größten gewesen sei. Dieser Rückgang beträgt in Schleswig-Holstein über 12 000, in Niedersachsen fast 23 000, in Hessen 12 600 und in Bayern 23 500, das heißt soviel ungefähr wie in Nordrhein-Westfalen. Es wird auch von der Bundesregierung darauf hingewiesen, daß die Zahl der Beschäftigten sich seit Beginn des Jahres um 850 000 erhöht hat.
Der Stand des Lastenausgleichs
Ein Memorandum
Hi. Bonn, 5. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Vorsitzende des Lastenausgleichs-Ausschusses des Bundestages, Abgeordneter Kunze ( Christlich-Demokratische Union) hat am Dienstag sämtlichen Mitgliedern der Regierungskoalition ein Memorandum zum Stand der Lastenausgleichs-Gesetzgebung am 1. September zugestellt. Darin wird erklärt, die Vorlage dieses Gesetzes sei die schwierigste Gesetzesarbeit, mit der sich der Bundestag in nächster Zeit zu befassen haben werde.
Das Memorandum stellt das Ergebnis der Verhandlungen des Unkeler Kreises mit dem Bundesfinanzminister dar. Der Gesetzentwurf enthält 274 Paragraphen. Er ist in vier große Abschnitte eingeteilt. Der erste Teil enthält die Grundsätze des Lastenausgleichs, der zweite Teil die Ausgleichsabgaben, der dritte Teil die Ausgleichsleistungen und der vierte Teil Schluß Vorschriften.
Im ersten Teil wird unter anderem festgelegt, daß die Bundesregierung zur Vorfinanzierung der vorgesehenen Ausgleichsleistungen ermächtigt wird, auf dem Kreditwege Geldmittel bis zur Höhe von fünf Milliarden Mark zu beschaffen. (Weitere Einzelheiten auf Seite 2.)
Dewey, der Gouverneur des Staates von Neuyork, der bei den Präsidentenwahlen Truman unterlag, will bei den nächsten Wahlen um den Posten eines Gouverneurs von Neuyork erneut kandidieren.
Der rote Stern
*♦* In der Nähe des 38. Breitengrades, das heißt dort, wo die Grenze zwischen Nord- und Südkorea verläuft, hat sich ein Vorfall zugetragen, der schwerwiegende Folgen haben kann. Es war jedem Einsichtigen klar, daß die nordkoreanischen Angreifer die große Zahl aufs beste ausgerüsteter Divisionen, mit denen sie nach Südkorea einmarschierten und mit denen sie zur Zeit in ununterbrochenem Einsatz den Brückenkopf der Vereinten Nationen berennen, nicht aus eigener Kraft stellen konnten.
Hinter der nordkoreanischen Regierung standen die Russen, die Material in jeglicher Menge lieferten und die nordkoreanische Armee ausbildeten. Die Russen traten jedoch bei der militärischen Auseinandersetzung bisher niemals unmittelbar in Erscheinung. Damit der Krieg in Korea örtlich begrenzt bleibe, hat man auch im Sicherheitsrat wohl davon gesprochen, daß Rußland hilfeleistend hinter den Nordkoreanern stehe, die offene Beschuldigung jedoch vermieden, daß die Russen Mitangreifer seien.
Dieses wohlerwogene diplomatische Verhalten der Vereinten Nationen dürfte in Zukunft kaum mehr möglich sein. Ein zweimotoriges Bombenflugzeug, das einen roten Stern trug, hat in der Nähe des 38. Breitengrades eine Formation von Jägerflugzeugen der Vereinten Nationen, die sich auf Patrouille befanden, angegriffen und ist in der Gegenwehr abgeschossen worden. Aus dem Wrack des Flugzeuges wurde die Leiche eines sowjetischen Jägers geborgen, aus dessen Personalpapieren hervorgeht, daß er den Dienstgrad eines Leutnants in der sowjetischen Luftwaffe bekleidete.
Damit ist der Beweis erbracht, daß die Russen, die sich als die „wahren Freunde des Friedens“ aufspielen, aktiv an dem Angriff der Nordkoreaner beteiligt sind. Ein Bericht über den Vorfall ist dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen übermittelt worden und wird voraussichtlich während der Drucklegung unseres Blattes von ihm behandelt werden. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, wie der Sicherheitsrat zu der direkten Beteiligung der Russen am Korea-Konflikt Stellung nimmt.
Formosa militärisch gesehen
Von einem militärischen Ostasien-Sachverständigen
In den letzten Tagen wurde durch zwei Ereignisse das allgemeine Interesse vermehrt auf Formosa gerichtet: Das kommunistische China forderte am 23. August die Vereinten Nationen auf, den Abzug in Formosa eingesetzter amerikanischer Truppen zu veranlassen. Wenige Tage später hat General Mac Arthur in einem Begrüßungstelegramm an die amerikanische Frontkämpferversammlung den Satz ausgesprochen „Wir werden Frieden haben, wenn wir die Verteidigungslinie der pazifischen Inseln einschließlich Formosas halten; verlieren wir diese Linie, so ist der Krieg unausbleiblich. Präsident Truman befahl ihm jedoch, diese Feststellung zurückzunehmen.
Wie groß ist nun tatsächlich die von Rotchina und dem amerikanischen Oberbefehlshaber in Ostasien so offensichtlich betonte operative Bedeutung Formosas? Die beste Antwort auf diese Frage gibt uns ein Rückblick auf die Rolle, die diese Insel im zweiten Weltkrieg spielte. Von Formosa aus starteten die Japaner im Dezember 1941 ihren Angriff auf Luzon, die nördlichste Hauptinsel der Philippinen. Von Formosa aus gaben sie dieser Landungsoperation ersten Luftschutz und erste Luftunterstützung. Auf Formosa basiertejapanische Fliegerverbände waren es, die sich in der letzten Kriegsphase außerordentlich vielseitig auswirkten. Sie flogen Angriffe gegen Seeziele in den, Gewässern beiderseits der Inselkette der Riu-Kiu, Formosas und der nördlichen Philippinen. Sie flogen Angriffe gegen amerikanische Landungen erst auf Luzon und später auf Okinawa, die Hauptinsel in der Mitte der Riu-Kiu. Sie flogen Angriffe gegen amerikanische Flugplätze in China. Die ausgesprochen zentrale Lage Formosas vervielfachte die Wirkungsmöglichkeiten dortiger japanischer Fliegerverbände. — Aus diesem Rückblick ergibt sich, was heute auf Formosa basierte Fliegerkräfte der einen wie der anderen Seite zu leisten vermögen. Okinawa, der Formosa nächste amerikanische Luftstützpunkt, hat auch nicht annähernd gleichen Wert. Es liegt nicht so zentral, hat bei seiner geringen Ausdehnung nur Raum für wenige Flugplätze und bietet bei starken feindlichen Luftangriffen außerdem nicht ähnliche Ausweichmöglichkeiten wie Formosa, das immerhin etwa 400 mal 150 Kilometer mißt.
Formosa ist also für Amerika ganz zweifellos von großer aktiver wie passiver operativer Bedeutung: In der Hand eines über starke Fliegerkräfte verfügenden Feindes der USA anulliert Formosa den Wert Okinawas und schränkt den Wert auf Luzon und in Hongkong eingesetzter Luft- und Seestreitkräfte stark ein. In der wohl von den Aleuten über Japan, Hongkong, Singapur verlaufend gedachten westlichen Verteidigungslinie den Feindes der USA annulliert Formosa zweifellos schwerwiegend, schwerer wiegend als der Ausfall Koreas.
Ist nun Formosa ein so eindeutiger Teil Gesamtchinas, wie dies von rotchinesischer Seite behauptet wird? — Formosa, das erst in geschichtlicher Zeit von Chinesen besiedelt wurde, gehörte bis 1895 zu China und fiel dann in Auswirkung des chinesisch-japanischen Krieges an Japan. Seit dieser Zeit nahm Formosa japanische Einwanderer in großer Zahl auf. Die fünfzig Jahre zwar eigenwilliger und straffer, aber guter japanischer Verwaltung haben Formosa auf eine beachtliche wirtschaftliche Höhe gebracht und es jn seiner Struktur China recht erheblich entfremdet. Die größeren Städte Formosas machten zu Beginn des zweiten Weltkrieges bereits mehr einen japanischen als chinesischen Eindruck. Immerhin machte 1940 das chinesische Element noch fast 90 vom Hundert der knapp sechs Millionen zählenden Gesamtbevölkerung der Insel aus. Die Japaner lebten besonders in den Städten, während die recht primitive Urbevölkerung bereits von den Chinesen in die weniger zugänglichen Gebirgswälder abgedrängt war.
Wie stehen die Aussichten eines rotchinesischen Angriffs auf Formosa? Daß die von Peking so ausdrücklich angekündigte Landung auf Formosa schon tatsächlich beschlossene Sache ist, ist zweifelhaft. Angesichts eingreifbereiter amerikanischei' Flottenteile wäre diese Landung für das zur Zeit noch mit großen wirtschaftlichen und verwaltungsmäßigen Schwierigkeiten ringende, in verschiedenen Gegenden auch noch von nationalen Partisanen belästigte kommunistische China doch ein recht gewagtes Unternehmen. Dazu kommt, daß die unter amerikanischen Luftschlägen sich rasch vollziehende Zerstörung der nordkoreanischen Industrie doch eine recht eindringliche zusätzliche Warnung sein dürfte. Ausgeschlossen aber ist ein kommunistischer Landungsversuch nicht.
Immer wieder ist die Rede von der Zusammenziehung seegehender Fahrzeuge an der chinesischen Festlandsküste gegenüber Formosa und vom Bau neuer Flugplätze dort. Brechen zu einer Schlechtwetterzeit einige tausend motorgetriebener Dschunken überraschend nachts über die nur 175 Kilometer breite Formosastraße vor, so ist es durchaus nicht sicher, daß diese kleinen Fahrzeuge in ihrer Masse rechtzeitig von amerikanischen und nationalchinesischen See- und Luftstreitkräften vernichtet werden. Die Bildung von Landeköpfen dürfte daher glücken. Ob diese dann von nationalchinesischer Seite rasch beseitigt werden können, wird nicht nur von der Stärke und Güte der beiderseitigen Truppen abhängen, wobei Tschiang Kai-scheks Aussichten nicht schlecht zu sein brauchen, sondern besonders auch davon, auf wessen Seite sich die Bevölkerung Formosas stellt; daß sie die kommunistische Seite wählt, ist durchaus nicht erwiesen. Auf den Kampf in Korea dürfte sich eine etwaige rotchinesische Landung in Formosa in doppelter Hinsicht, und zwar ungünstig für die südkoreanische Seite auswirken: amerikanische Luft- und Seestreitkfäfte würden von Korea abgezogen; die Gefahr eines Einsatzes rotchinesischer Truppen in Korea würde näher gerückt. Darüber hinaus würde ein sich etwa an Formosa entzündender amerikanisch-rotchinesiacher Krieg natürlich die Gefahr eines dritten Weltkrieges näher rücken, auch wenn keine der Großmächte zur Zeit einen solchen wünscht. Für die Sowjetunion allerdings würde ein zwingender Bündnisfall Rotchina gegenüber erst dann eintreten, wenn Japan oder ein Verbündeter Japans als Angreifer erklärt würde. Daß ein Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem riesigen chinesischen,Festland kaum zu einer Entscheidung führen kann, ist klar. Er würde lediglich erhebliche amerikanische Kräfte in China festlegen zu Ungunsten Westeuropas. Die von der westlichen Welt gebilligte amerikanische Politik, den Korea-Konflikt zu lokalisieren und dem Weltkommunismus keine neuen Zugeständnisse zu machen, ist nicht leicht zu verwirklichen.
Minister-Konflikt
-ten. Zwischen dem Bundeskanzler und seinem Innenminister ist ein Konflikt ausgebrochen. Die tiefsten Gründe werden vertraulich behandelt. Aber Dr. Heinemann ist ein führendes Laienmitglied der Evangelischen Kirche und mit Kirchenpräsident Niemöller befreundet. Dessen Auffassungen über die Art des kirchlichen Zusammenwirkens zwischen Westzone und Sowjetzone weichen nicht unerheblich ab von den Forderungen nach einer verstärkten Abwehr unterirdischer kommunistischer Betätigung, wie sie der Bundesregierung vorschweben.
Zweifellos hätte der Innenminister etwaige Einsprüche gegen die Auffassungen des Kanzlers häufig kaum zur Geltung bringen können, wenn er es etwa gewollt hätte. Ob der Kanzler durch Zeitmangel dazu gezwungen war oder nicht — manchesmal hat er ohne Unterrichtung seiner Kabinettsmitglieder politische Schritte von Tragweite getan. Bei seinem Sicherheits-Memorandum dürfte seine eigene These dahin lauten, daß die Forderung nach einer bewaffneten Bundespolizei eine innenpolitische Forderung ist. Damit aber gehört sie zum Ressort Heinemanns. Trotzdem wurde dieser nicht befragt. Es wäre verständlich, wenn er darin ein besonders prägnantes Beispiel dafür sieht, daß ihm nur ungenügend Gelegenheit gegeben wird, seine persönlichen Vorstellungen mit denen des Kanzlers abzustimmen.
Keinesfalls wird Adenauer wünschen, einen eventuellen Rücktritt Heinemanns zu einer Spaltung der beiden Konfessionen in der Christlich-Demokratischen Partei und damit zu einer Spaltung der Partei auswachsen zu lassen. Es wäre wohl auch nicht notwendig. Denn letzten Endes wird in der Evangelischen Kirche selbst nicht überall die innenpolitische Auffassung vertreten, die Niemöller aus seinem bekennenden Christentum zieht.
Für den Kanzler aber ergibt sich vielleicht eine Lehre: daß es sogar im Bundeskabinett angebracht ist, demokratische Grundsätze anzuwenden.
Bedrohlich
ein. Der taktische Sieg müsse, so sagt Moltke, am strategisch richtigen Ort erfochten werden. Auf dem koreanischen Kriegsschauplatz ist an jedem Abschnitt der Front für den taktischen Sieg der richtige Ort. Die Nordkoreaner haben eine tiefe Lücke in die Verteidigungsstellen der Südkoreaner gerissen und südwestlich Pohang die Front so ins Rutschen gebracht, daß ein operativer Durchbruch droht. Dieser taktische Erfolg wird zwangsläufig strategische Bedeutung erlangen, wenn es den Vereinten Nationen nicht gelingt, den gefährdeten Raum abzuriegeln.
Das regnerische Wetter macht es vorerst der Führung der 8. Armee sehr schwer, ihre bewährten und vernichtenden Feuerschläge aus der Luft zu führen — bisher immer die erste Reaktion, wenn sich eine Krise anbahnte. Die Amerikaner könnten von anderen Fronten heranholen, was im Nordosten fehlt; das bedeutet, daß sie das Risiko eingehen müßten, dem Feind weitere taktische Siege geradezu anzubieten.
Die ernste Lage erfordert diesmal aber rücksichtslosere Maßnahmen als bisher. Der Feind, der nach Süden gestoßen ist und nach Taiku abdreht, droht den Landekopf in zwei Teile zu spalten, Nord von Süd zu trennen, und er schickt sich an, das Ziel zu verwirklichen, das jedem Durchbruch zugrunde liegt, die auseinandergesplitterten Verbände einzeln zu vernichten. Da es schon längst nicht mehr um Prestige in Korea geht, kann sich General Walker durchaus entschließen, rigoros den Landekopf zu verkleinern. Er würde dann zwar Gelände aufgeben, aber sich das erhalten, was er braucht, bis Verstärkungen eintreffen können: schlagkräftige Truppen.
Rot will den Durchbruch erzwingen
Tiefe Einbrüche im Nordosten der koreanischen Front / Bedrohliche Lage
Pusan, 5. September. (AP./dpa/Reuter.) Bei regnerischem Wetter, das den Einsatz der taktischen amerikanischen Luftwaffe fast vollständig ausgeschlossen hat, sind nordkoreanische Panzerverbände und motorisierte Truppen im Nordosten der koreanischen Front zu einer Angriffsbewegung angetreten, die sich zum Durchbruch auszuweiten droht. An Kigye vorbeistoßend, wo die überbeanspruchten südkoreanischen Truppen vergeblich versuchten, ihre Stellungen zu halten, sind die Nordkoreaner, Pohang östlich liegenlassend, unmittelbar auf den wichtigen Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt Kiongju vorgegangen. Die Lage an diesem Frontabschnitt ist unübersichtlich. Nach
Berichten von Korrespondenten sollen die Nordkoreaner mit kampfkräftigen Aufklärungseinheiten bereits in den Vororten von Kiongju gestanden haben. Nach neuesten Berichten sollen jedoch südkoreanische und amerikanische Verbände bei einem blutigen Gegenangriff den Feind wieder acht Kilometer von der Stadt nach Norden zurückgedrängt haben.
Auf Taiku abgedreht
Die Einnahme von Kiongju würde zweifellos ein erheblicher taktischer Erfolg für den Feind sein. Er kann von hier aus die bei Pohang kämpfenden amerikanischen Und südkoreanischen Truppen abschneiden. Viel gefährlicher jedoch ist die Bewegung, die er in westlicher Richtung bereits eingeleitet hat. Nordkoreanische Panzertruppen sind nämlich auf Taiku abgedreht worden, das nun von drei Seiten bedroht wird. Die Amerikaner sollen auf einem Hügelgelände westlich Kiongju eine Riegelstellung aufbauen. Es steht jedoch nicht fest, wie weit die Straße Kiongju—Taiku bereits in der Hand der Nordkoreaner ist, beziehungsweise an welchen Stellen sie bereits von den roten Truppen kontrolliert wird. Stärkere motorisierte Abteilungen des Feindes sollen bereits zwanzig Kilometer westlich Taiku gesehen worden sein. Sollte die eingeleitete Einbruchsbewegung sich zum vollkommenen operativen Durchbruch auswachsen, wären alle nördlich der Linie Pohang — Taiku stehenden Truppen der Amerikaner abgeschnitten. Es kann durchaus sein, daß sich die amerikanische Führung entschließt, den großen Nordbogen der Front zu räumen, sollte es ihr nicht gelingen, weitere Kräfte in den gefährdeten Raum zu entsenden.
Wieder ein Entfůhrungsver such
Hannover, 5. September. (H. R.) Wie das niedersächsische Flüchtlingsamt mitteilt, haben kommunistische Agenten im vergangenen Monat versucht, drei Kraftfahrer aus der sowjetischen Zone, welche die Bundesrepublik um Asylrecht nachgesucht hatten, aus dem Lager Uelzen zu entführen. Die Lagerpolizei nahm den Funktionär der Freien Deutschen Jugend und einen kommunistischen Agenten fest, der in einem Taxi vor dem Hause gewartet hatte und übergab sie den britischen Behörden.
Politischer Terror in der Sowjetzone
Bundesministerien gegen Waldheimer Prozesse
R. Bonn, 5. September. Das Bundesjustizministerium und das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen erklären in einer gemeinsamen Veröffentlichung, daß mehr als 3400 Männer und Frauen, die seit Januar in den Konzentrationslagern der Sowjetzone festgehalten worden seien, in den sogenannten Waldheimer Prozessen zu ungeheuerlichen Strafen verurteilt worden seien. Die Gerichte der sowjetischen Zone, die diese Prozesse geführt hätten, seien Ausnahmegerichte gewesen, deren Verfahren wesentliche Rechtsgrundsätze verletzt hätten. So sei eine ausreichende Verteidigung unmöglich gemacht worden und den Angeklagten in der Hauptverhandlung das rechtliche Gehör überhaupt nicht oder nur unzureichend gewährt worden.
Die Urteile seien weitestgehend schon vor der Verhandlung festgelegt worden, ohne individuellen Schuldnachweis erfolgt, und die Strafen stünden in keinem Verhältnis zur Schwere der angeblichen Verfehlungen. Die beiden Ministerien erklären, daß infolgedessen die Waldheimer Prozesse einen Mißbrauch der Justiz zur Tarnung politischen Terrors bedeuteten. Aber die deutschen Machthaber der sowjetischen Zone seien verpflichtet, daß den Opfern dieser Terrorjustiz im Wege durch Kassation der Urteile oder durch Begnadigung geholfen werde, denn sie müßten sich darüber klar sein, daß sie sich einmal zu verantworten haben würden.
Fünf neue Paxrteien in Berlin
Berlin, 5. September. (H. R.) In West-Berlin sind nach Meldung der alliierten Kommandantur fünf Parteien neu zugelassen worden. Es handelt sich dabei um die Deutsche Partei, die Deutsche Konservative Partei, eine Unabhängige Sozialistische Partei, eine Demokratische Konservative Mittelstandspartei und die Radikal-Soziale Freiheitspartei.
Panzer für Frankreich
In Cherbourg aus Amerika eingetroffen
Cherbourg, 5. September, (dpa). Einundzwanzig amerikanische Panzer vom Typ „General Sherman“ sind am Dienstag an Bord eines amerikanischen Frachters in Cherbourg eingetroffen. Es sind die ersten Panzer, die die Vereinigten Staaten nach dem Waffenhilfsprogramm an Frankreich liefern.
Abgaben zum Lastenausgleich
Das Memorandum des Abgeordneten Kunze
Hi. Bonn, 5. September (Eigener Drahtbericht) In dem Memorandum des Abgeordneten Kunze zum Lastenausgleich sind unter den Ausgleichsabgaben vorgesehen: eine Vermögensabgabe, eine Vermögenssteuer, eine Hypothekengewinnabgabe, eine Obligationengewinnabgabe sowie eine Kreditgewinnabgabe. Zur Frage der Abgabepflicht bei juristischen Personen heißt es in dem Memorandum: „Die Frage der Abgabepflicht bei juristischen Personen führte zunächst zu einer Differenz der Auffasungen des Bundesfinanzministeriums und des Unkeler Kreises. Das Bundesfinanzministerium war der Auffassung, daß sowohl die juristischen Personen mit ihrem abgabepflichtigen Vermögen als auch die Anteilseigner (Aktionäre) mit den entsprechenden Steuerwerten ihrer Anteile gemäß den Vorschriften des Vermögenssteuergesetzes abgabepflichtig zu stellen seien. Der Unkeler Kreis hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß das gesamte Vermögen nur einmal, und zwar an der Quelle, in dem vorgesehenen Umfange heranzuziehen sei. Es ist zu erwarten, daß der Bundesfinanzminister sich diesem Standpunkt anschließen wird.“
Bei Feststellung des abgabepflichtigen Vermögens sollen, im Gegensatz zum Soforthilfegesetz, alle Schulden und Belastungen abgesetzt werden. Ferner gehören zum sonstigen Vermögen im Sinne des Reichsbewertungsgesetzes nicht: a) Deutsche Zahlungsmittel, b) noch nicht fällige Ansprüche aus Lebens- und Kapitalversicherungen, sofern die Versicherungen auf Reichsmark gelautet haben. Mit zum sonstigen Vermögen gehören dagegen Kapitalforderungen, Guthaben und Rechte auf wiederkehrende Nutzungen und Leistungen, soweit sie im Verhältnis 1:1 auf D-Mark umgestellt sind. Es sei denn, daß sie auf einen Betrag festgesetzt worden sind, der ein Fünftel ihres Reichsmark-Nennbetrages nicht übersteigt.
Abgabepflichtige, deren Jahreseinkommen 3000 Mark nicht übersteigt und deren abgabepflichtiges Vermögen nicht mehr als 50 000 Mark beträgt, kann die Abgabepflicht auf Lebenszeit gestundet werden, sofern ihnen nicht die Abgabe durch Veräußerungen von Teilen des Vermögens zugemutet werden kann. Nach mehrfachen Prüfungen und Überlegungen wird das Einkommen abgestellt auf 2400 Mark für die Einzelperson, 480 Mark für die Ehefrau und 240 Mark für jedes unterhaltsberechtigte Kind. Die Frage der Vermögensgrenze, ob 50 000, 40 000 oder 30 000 Mark, soll noch geprüft werden.
Bei den Ausgleichsleistungen wird festgesetzt, daß auf die Hauptentschädigung, die Kriegsschadenrente und die Haushaltshilfe ein Rechtsanspruch besteht. Da die Hauptentschädigung in ihrer Höhe erst festgelegt werden kann, wenn eine Uebersicht über die Höhe der anerkannten Schäden und eine einigermaßen sichere Schätzung des voraussichtlichen Gesamtaufkommens möglich ist, wird eine Eingliederungshilfe vorweg gegeben. Die Kriegsschadenrente wird grundsätzlich nur Arbeitsunfähigen oder nicht mehr zur Eingliederung kommenden Entschädigungsberechtigten gewährt.
Bartram Ministerprästdent
Kiel, 5. September. (AP.) Dr. Wilhelm Bartram (Christlich-Demokratische Union) ist am Dienstag vom Schleswig-Holsteinischen Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden. Die bisherige Landesregierung unter Ministerpräsident Bruno Diekmann (Sozialdemokratische Partei) trat zurück. Dr. Bartram wurde mit 44 Stimmen des Deutschen Wahlblocks (Christlich-Demokratische Union, Freie Demokratische Partei, Deutsche Partei) und des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten gegen 19 Stimmen der Sozialdemokraten bei vier Enthaltungen des Südschleswigschen Wählerverbandes gewählt, zwei Abgeordnete waren abwesend.
Stimmen der Anderen
Gegenpropaganda
Die Züricher „T a t“ hält die bisher in Westdeutschland gegen die kommunistische Propaganda angewandten Maßnahmen für zu schwach und meint:
„Es rächt sich, daß man die Bekämpfung staatsfeindlicher Umtriebe in den letzten Jahren als exklusive Domäne der Besatzungsmächte und ihrer Nachrichtenapparate betrachtet und die Bemühungen deutscher Stellen auf diesem Gebiete von alliierter Seite mit unverhohlenem Mißtrauen verfolgt hat, so daß der unerläßliche Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Abwehrorganisationen noch ganz im Argen liegt, ja deutsche und alliierte Informationsdienste teilweise gegen- statt miteinander arbeiten. Auch auf diesem kleinen Teilgebiet zeigt sich die Unangemessenheit eines Besatzungsstatuts und, schlimmer noch, einer Besatzungsmentalität, die mehr von der vergangenen Gegnerschaft als von der gegenwärtigen und faktischen Partnerschaft zwischen Deutschen und Alliierten bestimmt werden.
Der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Wehner ist (wie die Sozialdemokratie überhaupt) der Ansicht, daß der Kampf gegen die Einflüsse aus der Ostzone nicht nur defensiv, sondern offensiv, das heißt durch Hineintragen einer energischen Gegenpropaganda in die sowjetisch besetzten Gebiete geführt werden müsse. Die Radiopropaganda nach d r Ostzone ist bisher fast ausschließlich den Amerikanern und Engländern und den von ihnen gesteuerten Sendern überlassen worden, während von Westdeutschland aus so gut wie nichts in dieser Hinsicht geschehen ist. Es gibt erstaunlicherweise in den deutschen Sendern bisher kein Programm, das etwa den täglichen Leipziger Sendungen für Westdeutschland entsprechen würde — wobei allerdings auch wiederum die Tatsache mitspielt, daß die Stationen der Bundesrepublik durch den Kopenhagener Wellenplan auf geradezu unverantwortliche Weise benachteiligt und an der Ausstrahlung nach Ost- und Mitteldeutschland verhindert worden sind. Die Stimmen derer, die das Kopenhagener Abkommen als einen glatten Erfolg der östlichen Rundfunkdiplomatie bezeichnet haben, sind jedenfalls völlig gerechtfertigt worden. Aber solche technischen Schwierigkeiten ließen sich überwinden.“
Wieder falsche Geldscheine
F.A.Z. Frankfurt, 5. September. Wie die Bank deutscher Länder mitteilt, sind in der Nähe von Goslar Hersteller und Verbreiter von falschen Banknoten zu fünf Mark der neuen Ausgabe, festgenommen worden. Die Notenbank weist darauf hin, daß die neuen echten Banknoten zu fünf DM zwei leicht erkennbare Erkennungsmerkmale aufweisen, die bei falschen Noten nicht vorhanden sind. Es handelt sich zunächst um das Kopfwasserzeichen im freien weißen Raum auf der linken Seite der Banknoten, das — wenn die Banknoten gegen das Licht gehalten werden — deutlich sichtbar hervortritt. Das zweite charakteristische Merkmal für die echte Banknote ist der im linken Notenteil in das Papier eingebettete, von oben nach unten laufende metallähnliche Sicherungsstreifen, der in der Durchsicht gut erkennbar und beim Betasten auch fühlbar ist.
Debatte um den Ladenschluß
Hi. Bonn, 5. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Arbeitsausschuß des Bundestages hat am Dienstag erneut die Frage erörtert, ob die Läden am Samstagnachmittag offen gehalten werden sollen oder nicht. "Dabei kam es zwar zu keinem endgültigen Ergebnis. Nachdem jedoch die Vertreter des Bundesernährungsministeriums und des Bundesarbeitsministeriums für die Offenhaltung eintreten, scheint sich die Mehrheit des Ausschusses nunmehr ebenfalls für die Offenhaltung der Läden am Samstagnachmittag zu entscheiden.
Hölle wo ist Dein Sieg ?
ROMAN VON RACHEL FIELD4)
Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg
„Du bist immer noch mein einziger Verwandter, Großvater.“ Sie preßte die Hände in ihrem Schoß fest zusammen; es war schwer, gegen diese Mauer von Unfreundlichkeit anzurennen, aber sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, einen letzten Versuch zu machen, seinen Widerstand zu brechen.
„Es ist nicht recht, Jahr für Jahr mit einer soldien Lücke in seiner Vergangenheit leben zu müssen. Wenn irgend etwas Gutes in mir ist, das ich meinen Eltern verdanke, dann möchte ich das wissen; und wenn es ihre Fehler und Schwächen waren, die sie mir vererbten, dann ist es nur billig, daß ich auch das erfahre, um sie zu überwinden.'
„Um Fehler zu überwinden, braucht man nicht zu wissen, von wem man sie hat.“
„Ja, vielleicht aber es würde mir dazu verhelfen, mich selbst besser kennenzulernen. Ich komme mir manchmal wie einer von diesen Scherenschnitten vor, dieses schwarze Papier auf weißer Pappe — gerade nur die Umrisse eines Menschen und nichtsdahinter. Laß mich nicht mein ganzes Leben so herumlaufen.“
„Ich habe nicht die Absicht, an Vergangenes zu rühren. Deine Elfern sind beide tot. Das weißt du bereits.'
„Ja, ich weiß." Sie seufzte bekümmert und sah ihm zu, wie er sein Glas zum drittenmal füllte. „Aber ich würde .gern das Bewußtsein haben können, daß es eine Liebe und Leidenschaft gegeben hat.
an der ich feilhaben darf. Mein Leben ist bisher so arm daran gewesen."
Ihre Stimme sank zu einem kaum hörbaren Flüstern, als sie sich zu diesen Worten zwang. Der alte Herr wurde aufmerksam. Er setzte das halbgefüllte Glas nieder und beugte sich zu ihr hinüber. Sein hageres, blutloses Gesicht befand sich nur mehr um eines Armes Länge von ihr entfernt, und seine Augen starrten sie mit einem harten bösen Ausdruck an.
„Mein Name ist bedauerlicherweise auch der deine“, sagte er ihr ungerührt, „aber nur solange du ihm Ehre machst. Wenn du meinen Wünschen zuwiderhandelsf und diese Stellung annimmst, wie du beabsichtigst, dann begibst du dich des Rechtes, ihn zu fragen.'
„Aber Großvater, das ist doch unmöglich. Ich kann nicht wieder zurück nach England; es würde Monate dauern, bis ich dort eine neue Existenzmöglichkeit finden könnte. Ich habe nichts getan, was uns Schande macht; und brauchte ich schon früher meinen guten Namen, wieviel mehr jetzt' in dieser Familie —“
„Nenn mir nicht noch einmal ihren Namen", unterbrach er sie. „Du hast die Wahl. Bestehst du auf deiner Absicht, verbiete ich dir, es als eine Desportes zu tun.“
„Aber sie wissen doch schon, daß ich so heiße. Wenn ich dem Herzog und der Herzogin plötzlich etwas anderes sage, wird ihnen das sehr merkwürdig Vorkommen.“
„Was sie darüber denken, geht mich nichts an. Du hast die Stellung angenommen, ohne mich vorher zu befragen, und wenn du sie antrittst, brauchst du dich hier nie wieder blicken zu lassen. Dann hast du weder tote Verwandte noch lebende.“
„Für die Toten darfst du nicht sprechen.“ Hennriette erhob sich und legte ihren Schal um. Sie wirkte in dem dämmerigen Zimmer ungewöhnlich groß, und ihr Gesicht nahm in dem grünlichen Lampenlicht eine Blässe an, die ihm die Stärke und die Reinheit des Marmors gab. „Du kannst nur für dich selber sprechen, und ich kann nur für mich antworten. Du brauchst nie wieder zu befürchten, daß ich noch einmal zu dir komme. Ab übermorgen werde ich im Hause der Praslins sein, 55, Rue de Faubourg Saint Honore, falls du noch wissen möchtest, wo ich zu finden bin.“
Sie schritt zur Tür, und der Baron Desportes folgte ihr mit den Äugen, ohne sich jedoch von seinem Stuhl zu erheben. Er griff wieder nach seinem Glas, und als Henriette auf der Schwelle zum zugigen Korridor innehielf, sah sie, wie er dem Bild seines Kaisers mit der ausgebleichten dreifarbenen Schleife am Rahmen zufrank. Voll Zom und Mitleid schaute sie diesem schweigend dargebrachten Toast zu.
„Also schön“, sagte sie zu sich selbst, als sie sich den dunklen Schacht der Treppe hinuntertastete, „jetzt habe ich die einzige Brücke hinter mir abgebrochen. Von nun an muß ich mir meine eigenen Brücken bauen oder ertrinken.“
Drittes Kapitel
Sie ging in den Faubourg Saint Honore, ihrer Zukunft zu begegnen, als beschwinge der Frühling selbst ihren Schritt Der Besuch bei ihrem Großvater war abgetan und vergessen.
Heute morgen fühlte sie sich allem gewachsen, wie sie dort an den Bücherständen am Quai mit ihren alten Drucken, einzelnen Liebhaberausgaben und zerlesenen Bändchen entlangschritt. Ein Blinder mit seinem kleinen Hund an der Führerleine kam ihr entgegen, und Henriette suchte und fand einen Sou, den sie in seine hingehaltene Blechtasse fallen ließ.
„Gott segne Sie, Mademoiselle!“ sagte er dankend.
„Woher wissen Sie, daß es eine Mademoiselle ist?“ fragte sie, verwundert lädnelnd.
„Oh, das war nicht schiyer.“ Er nickte. „Ich hörte das Rauschen eines Rodces, und als Sie Ihre Tasche öffneten, roch es nach Lavendel. Mignon und ich wünschen Ihnen Glück, möge Ihr Sou sich vervielfältigen 1"
Als sie nur noch wenige Straßen weit von ihrem Ziel entfernt war, riet sie eine Droschke an und gab dem Kutscher die Adresse, 55, Rue de Faubourg Saint Honore. Dann lehnte sie sich in die Polster zurück und bereitete sich in Gedanken auf die nächste halbe Stunde vor.
Die Dioschke näherte sich bald dem Portal eines imposanten Gebäudes. Die Front mit ihren hohen Fenstern, das Wappen über dem kunstvoll handgeschmiedeten Tor und die sorgfältig beschnittenen Bäume in ihren runden Kästen ließen das Londoner Haus, das sie kürzlich verlassen hatte, im Vergleich dazu fast schäbig erscheinen. Ihre erste Regung war, aus dem Wagen zu springen und selbst zu läuten; aber sie hielt sich zurück und hieß es den mürrischen Kutscher tun. Als der livrierte Pförtner auf das Klingeln herbeieirie, stieg sie mit gemessenen Bewegungen aus, zahlte und gab ein Trinkgeld und folgte dem Bedienten in den Innenhof, den die Flügel des Hauses umschlossen. Von hier aus führte er sie in einen ungeheizten Empfangssalon. Ein Lakai nahm ihre Karte auf einem silbernen Tablett entgegen, und sie blieb allein zurück. Sie traf vor den Wandspiegel, betrachtete sich und stellte erleichtert fest, daß der Wind ihr Haar, das in weichen Locken ihr Gesicht umrahmte und hinten in einen schweren Knoten zusammengefaßt war, nicht zerzaust hatte. Die Natur hafte ihrem Gesicht nicht das Oval gegeben, wie sie es gern gehabt hätte, und so zupfte sie sich ein paar Härchen zurecht, um es wenigstens vorzutäuschen. Der Spaziergand hafte ihre Wangen gerötet; ihr Hut stand ihr wirklich ausgezeichnet, ohne für ihre Rolle zu auffallend zu wirken bestimmt hafte ihre Erscheinung den Diener beeindruckt. Wenn er nicht sofort die neue Erzieherin in ihr erkannt hafte, würde sie wenigstens dieses Plus für die Zukunft gewonnen haben.
Sie hörte seine Schritte sich wieder nähern, konnte gerade noch einen Stuhl erreichen und ihren Rock in ordentliche halfen um sich breiten, als er auch schon einfrat
„Monsieur le Duc und Madame la Duchesse erwarten Sie, Mademoiselle. Diesen Weg, bitte!“
Sie schritt hinter ihm her eine breite Treppe hinauf und dann einen endlosen feppichbelegfen Gang entlang, an unzähligen Türen vorbei. Am anderen Ende blieben sie stehen, und der Diener hob eben seine Hand, um zu klopfen, als \fauensamme im schrillen Ton stärkster Erregung sich so laut erhoo, daß sie unmöglich überhört werden konnte.
„Du kennst meine Gefühle, es hat gar keinen Zweck, den Erstaunten zu spielen. Jedermann in diesem Haus weiß, wie Se-5. es„^r Spaß macht, mich zu demütigen.
(Fortsetzung folgt)
„Geschützter Landsttz“
rp Neuyork, im September.
In den Vereinigten Staaten setzt ein Run auf Landgrundstücke ein. Seitdem durch die Kriegshandlungen in Korea die Gefahr eines Bombenkrieges auch für die Vereinigten Staaten in den Bereich des Möglichen gerückt ist, hat sich die Nachfrage nach kleinen Landhäusern, großen Villen, nach Farmbetrieben aller Art einschließlich derer, die als unrentabel aufgegeben wurden, sowie nach kleinen Geschäften und Läden außerhalb der großen Städte außerordentlich erhöht. Wie die „New York Times“ nach einer Umfrage bei verschiedenen Maklerfirmen feststellt, ist die Nachfrage in den Tetzten Monaten durchschnittlich um hundert Prozent gestiegen. Viele der Käufer machen keinen Hehl daraus, daß sie aus Angst vor Atom-Angriffen sich rechtzeitig eine Landzuflucht sichern wollen; andere wiederum befürchten, die rasch ansteigenden Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten würden zwangsläufig die Kaufkraft des Dollars schwächen, und treten deshalb die „Flucht in Sachwerte“ an.
Viele scheuen sich, überhaupt eine Begründung für ihre plötzliche Kauflust anzugeben. Typisch für diese Gruppe ist jedoch ein Käufer, der ein besonders günstiges Angebot mit dem Hinweis darauf ablehnte, das Objekt liege zu dicht an einer großen Brücke. In Connecticut hat man festgestellt, daß unmittelbar nach Herausgabe des „Handbuchs für den Atomkrieg“ durch die Atomenergie-Kommission die Nachfrage nach Farmgrundstücken aus Neuyork, Boston und anderen Großstädten steil in die Höhe ging. Die stärkste Stadtflucht macht sich jedoch an der militärisch besonders bedrohten Westküste bemerkbar. Die Makler selbst nutzen die derzeitige Stimmung geschickt aus und verwenden für ihre Werbung Schlagzeilen wie „Landgrundstücke für das heutige Atom-Zeitalter“, „Geschützter Landsitz zu verkaufen“ oder „Sicheres Leben auf dem Lande“.
Ein Ländchen kämpft um Demokratie
Hohenzollern verteidigt sein Recht auf Selbstverwaltung
Wr. — In beglückendem Frieden liegen, vom oberen Neckar im östlichen Schwarzwald über die Schwäbische Alb bis in die Nähe des Ueberlinger Sees reichend, die Hohenzollemschen Lande, eingeschlossen in württembergisches und badisches Gebiet. Als damals, 1848/49, nach dem mißglückten Freischärler-Putsch der Hecker und Struve, die Landesfürsten von Hechingen und Sigmaringen das Regieren leid waren und abdankten, wurden diese beiden kleinsten der deutschen Fürstentümer dem preußischen Staat emverleibt und zu einem Regierungsbezirk vereinigt. In der staatsrechtlichen Form einer preußischen Exklave überdauerten sie den Sturz der Monarchie, aber auch die Vereinheitlichungs-Bestrebungen des Weimarer Systems, nicht minder auch das damalige Finanzausgleichsgesetz, durch das die mittelalterlich anmutende Gliederung des Reiches erhalten wurde. Als durch den Staatsstreich des Herrn von Papen vom Juli 1932 Preußen praktisch Reichsland wurde, sank auch das Hohenzollernland zu einem bloßen Verwaltungsbezirk herab. Als nach dem Zusammenbruch 1945 die Siegermächte gewisse Umgliederungen des Dritten Reiches vornahmen, bestimmten sie, daß der ehemalige preußische RegierungsbezirkHohenzollern-Sigmaringen (78 000 Einwohner) mit dem südlichen Teil Württembergs das Land „Württemberg-Hohenzollern“ zu bilden habe. Soweit der staatsgeschichtliche Zusammenhang.
Die Selbstverwaltung
Nach Artikel 1, Absatz 2 der Württembergisch-Hohenzollerischen Verfassung wurde den hohenzollerischen Landen das Recht eingeräumt, daß sie „jenes Maß an Selbstverwaltung“ erhalten sollten, das sie „bis 1933“ besessen hatten. „Ein. Gesetz bestimmt das Nähere“, heißt es^ da. Seither sind rund drei Jahre verflossen, ohne daß es zu diesem Gesetz gekommen ist. Nun, in diesem Hoch- und Nachsommer, hat das Innenministerium in Tübingen das versprochene Ausführungsgesetz zustande gebracht und es dem Landtag zur Beschlußfassung vorgelegt. Die Zuleitung an die Landeskommunalverwaltung ist am 27. Juli erfolgt.
Mit einer Eile, die alle Anzeichen des Alarms aufweist, wurde der Landesausschuß zusammengerufen, um zu dem Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Die Tagung erfolgte bereits am 29. Juli und hatte zur Folge, daß der Grundinhalt des Gesetzentwurfes: die Einflußnahme der Kreistage auf den Kommunal-Landtag, einmütig und mit dem Ausdruck des Unwillens abgelehnt wurde. „Der Gesetzentwurf“, hieß es in der Begründung, „ist durchsetzt von Bestimmungen, die den Kreistagen weitgehende Rechte auf den Kommunal-Landtag einräumen und die demzufolge den Kommunal-Landtag in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Kreistagen bringen würden“.
Man hat sich mit dieser Protest-Erklärung nicht begnügt. Um dem Innenminister in Tübingen und dem gesamten Staatsministerium wie zumal dem Landtag keinen Zweifel daran zu lassen, daß man die Sachlage für äußerst ernst halte, haben die Hohenzollern in unverzüglicher Tag- und Nachtarbeit einige Druckschriften verfaßt und sie überallhin geschickt, wo sie hoffen, daß man ihren Kampf verstehen und unterstützen wird. Stücke dieser Druckschriften liegen auf unserem Tisch.
Handelt es sich hier um eine Sache von so ungemeiner Wichtigkeit, daß ein derartiger Kraftaufwand berechtigt ist? Neben dem Korea-Konflikt, der Polizei-Aufrüstung und den Straßburger Kämpfen um Europa mag die Aufregung in Hechingen und Sigmaringen als ein „Sturm im Wasserglas“ erscheinen. Aber man soll diesen Kampf, den hier aufrechte Demokraten um ■ das Recht der kommunalen Selbstverwaltung führen, nicht deshalb gering achten, weil es außerhalb dieses Ländchens und über ihm noch größere und gewichtigere Probleme zu lösen gibt.
Worum es in den Hohenzollern-Landen geht, das ist die große Frage: Was ist Selbstverwaltung im Sinne des Freiherrn vom Stein? Sollen die Hohenzollernlande repräsentiert und verwaltet werden von Landräten mit einem Regierungspräsidenten über sich und Kreisausschüssen neben oder unter sich? Die Hohenzollern sagen: „Nein!“ und erklären, daß sie einen Kommunalverband wollen, mit einem Kommunal-Landtag, einem Landesausschuß und einem Landesvorsitzenden. Noch deutlicher: Man will (für den erhofften Südweststaat) einen Landespräsidenten, aber man will keine Regierungspräsidenten. Man will im Kommunal-Landtag die Landräte nur dann sehen, wenn sie vom Volke als Mitglieder dieser Körperschaft gewählt sind, aber nicht als aufoktroyierte Amtspersönlichkeiten mit bestimmten Aufträgen. Man ist nicht gegen die Regierung, aber sie soll nur leiten und das Regiment führen — verwalten, das soll ausschließlich durch das Volk geschehen.
Aus dieser Kampfstellung der beiden Einflußgruppen ist zu folgern, daß in Hohenzollern auf der Kreisebene Verhältnisse vorliegen müssen, mit denen man sich weder in Rheinland-Pfalz noch in Hessen herumzuschlagen braucht: Daß dort die Landräte stärker als im Rhein-Mainischen die staatliche Eigenschaft ihres Amtes betonen, zum Nachteil der kommunalen Seite ihres Auftrags.
Kantönligeist?
Mancher Kommunalpolitiker zu beiden Seiten des Mittelrheins könnte versucht sein, in diesem Kampf der Hohenzollern so etwas zu sehen wie den vielberedeten „Kantönligeist“, der den weiter südwärts gelegenen Gefilden gerne (und meist mit einer etwas mitleidigen Ueberheblichkeit) nachgesagt wird. Wir sind nicht der Meinung, daß man mit einem derartigen Ausdruck einem Sachverhalt wie diesem gerecht werden kann.
Es liegen diesem Kampfe Eigenschaften und Kräfte zugrunde, die Beachtung und Respekt verdienen. Die Hohenzollern kämpfen für ihre Eigenständigkeit. Das ist ihr gutes Recht, solange es nicht übertrieben wird.
Allerdings kann man auch den Anspruch auf Selbstverwaltung übertreiben. Das weiß man nirgendwo besser als in den kommunalen Spitzenverbänden. Aber .die Erfahrung hat gezeigt, daß so gut wie überall, wo dieser Anspruch übersteigert wird, die Staatsmaschinerie nicht in Ordnung ist: Daß also die Landräte und Regierungspräsidenten es an der nötigen Fähigkeit, die Kommunen zu freudiger Mitarbeit an den Staatsaufgaben zu bewegen, fehlen lassen.
„Hie guet Zollere allerwege . . .“ das ist nicht so sehr eine landrätliche Parole oder eine solche der staatlichen Kommunalaufsicht, als eine Parole des (auf voller Selbstverwaltung begründeten) Kommunalverbandes von Hohenzollem-Hechingen und Sigmaringen. Nur wenn sie von diesem proklamiert wird, kann sie zünden. Von staatlichen Aufsichtsorganen verkündet, bleibt sie ohne Kraft und Erfolg.
Gefallen zwischen Rhein und Maas
Zwei niederrheinische Soldatenfriedhöfe wurden ausgebaut
Am 10. September werden Bundespräsident Heuss den deutschen Soldatenfriedhof in Weeze bei Kevelaer (Niederrhein), Ministerpräsident Arnold den in Donsbrüggen bei Kleve ihrer Bestimmung übergeben.
GF In dem Land, das weithin sichtbar von der Klever Schwanenburg überragt wird, in den Dörfern, die sich rund um das Denkmal der Johanna Sebus lagern, in der Niederung, in die als Wahrzeichen der Xantener Dom und die Weseler Willibrordikirche gestellt sind, ist die Spur erbitterter Bodenkämpfe immer noch nicht vernarbt. Zwei Wälder begrenzen das Land an Rhein und Maas zwischen Aachen und Kranenburg, der deutschholländischen Grenzstation: der Hürtgenwald bei Düren und der Reichswald bei Kleve. Gespensterwald nennen die Menschen am Rande des Hohen Venn den Forst mit seinen abgestorbenen Bäumen, in dem noch die Minenräumtrupps ihr gefährliches Handwerk tun, wo immer noch übersehene Blindgänger explodieren, wo die armseligen Dörfchen erst ganz allmählich aufgebaut werden. Im Klever Reichswald aber deuten noch heute die weithin gedehnten Kahlflächen an, wie verbissen vor fünf Jahren in diesem Raum gekämpft wurde. Die Sandhöhen vor dem Rhein sind getränkt mit dem Blut Tausender von Deutschen, Tausender von Engländern und Amerikanern.
Die Menschen des Niederrheins haben die toten Soldaten zunächst auf ihren dörflichen Gottesäckern zur letzten Ruhe gebettet, viele Tausende wurden in ihre Heimat übergeführt.
Für die Deutschen hat es lange gedauert, bis sie endlich eine würdige Ruhestätte finden sollten. Jetzt aber sind die ersten beiden deutschen Kriegerfriedhöfe bei Weeze, unweit des Wallfahrtsortes Kevelaer, und bei Donsbrüggen, im Schatten des Reichswaldes, ausgebaut, und nahezu viertausend deutsche Soldaten haben auf ihnen ihre letzte Ruhe gefunden.
Noch ist der große Kriegerfriedhof im Hürtgenwald mitten im Ausbau, noch ist man über die Planung der Soldatenfriedhöfe bei Mörs - Lintfort im linksrheinischen Kohlenrevier nicht hinausgekommen, aber die ersten großen Symbole des Nichtvergessens sind errichtet.
Eine typisch niederrheinisch-holländische Heidelandschaft zieht sich unweit von Weeze dahin. Ein Wall von Heideplaggen umschließt den Garten der 1900 Gräber, der, einem sektorförmigen Kreisausschnitt vergleichbar, zu einer von schwerer Ringmauer umschlossenen Hochkreuzgruppe führt. Kreüzgruppen hat man auch in dem welligen Gelände aufgestellt, in Basaltlava gehauen, erinnern sie an die zeitlose Form mittelalterlicher Sühnekreuze. Zwei Rundkapellen an den Ecken der Anlage tragen die Namen der Toten. Jenseits des Reichswaldes vor eine große Abschlußmauer gestellt, wieder in Heidelandschaft gebettet, breitet sich der Soldatenfriedhof von Donsbrüggen. Fingerhut, Ginster, Heidekraut und Waldgräser schmücken den Plaggenwall. Mitten in der Anlage liegt das Kameradengrab. Ueber ihm erhebt sich als Mahnmal eine Krypta. Nur schmal ist das Tor zu der Krypta, jeweils ein einziger Mensch kann es durchschreiten. Er soll zur Stille und zur Einkehr kommen.
Tafeln mit 2000 Namen lockern die Wände der Krypta auf. An der Stirnseite steht eine Kreuzigungsgruppe. Draußen, im großen Geviert der Gräberfelder, wieder die Kreuzgruppen, diesmal aus grünem Dolomit gehauen ...
Es ist ein stilles Land, das diesen Schläfern letzte Heimstatt gewährt, es ist das Land der Niederung, die hinüberleitet nach Holland. Unendliche Weite, Rheinstrom und Himmel geben ihm das Gepräge Es ist die rechte Umwelt für diesen ernsten Garten der toten Soldaten.
Heuss küßt die Weinkönigin nicht
Der Bundespräsident bietet Neustadt aber seine Mitarbeiter an
Neustadt, 5. September, (dpa) Bundespräsident Professor Dr. Heuss hat die Einladung des Organisationskomitees für das deutsche Weinlesefest in Neustadt abgelehnt und dabei als Ehrengast der dort gewählten deutschen Weinkönigin 1950 den ersten Kuß zu geben.
In einem humorvoll gehaltenen Brief antwortete der Bundespräsident, er habe am 1. Oktober andere Verpflichtungen, außerdem glaube er nicht, daß er der richtige Mann sei, der deutschen Weinkönigin den ersten Kuß zu geben, er wolle auch kein „Fremdenverkehrsartikel“ werden. Wenn man in Neustadt aber mit einem Vertreter aus dem Bundespräsidialamt vorlieb nehmen wolle, so möge man ihm das mitteilen, damit er eine entsprechende Rundfrage erlassen könne, um den geeigneten Mann zu finden.
Pfarrertag in Nierstein
F. Nierstein, 5. September. (Eigener Bericht.) Der diesjährige deutsche Pfarrertag findet vom 11. bis 14. September in Nierstein statt. An dieser Tagung werden unter anderen Kirchenpräsident Niemöller, Landesbischof Dr. Haug (Stuttgart) und Pfarrer Sucker, der Präsident des Evangelischen Bundes in Westdeutschland, teilnehmen.
Die Predigt am 12. September hält Kirchenpräsident Niemöller in der Martinskirche. Unter den zahlreichen Vorträgen ist auch einer von Oberkirchenrat Kloppenburg, Genf, über das Thema „Brennende Flüchtlingsfragen im Lichte der Oekumene“ vorgesehen.
Allegale Zeitung?
Ein neues kommunistisches Blatt
Mainz, 5. September. Die Landtagsfraktion der Kommunistischen Partei von Rheinland-Pfalz gibt, nachdem das offizielle Organ „Neues Leben“ durch die französischen Besatzungsbehörden auf neunzig Tage verboten wurde, eine neue Zeitung unter dem Titel „Tribüne des Wählers“ heraus. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet der kommunistische Landtagsabgeordnete Willi Feller.
Da die Zeitung nur als ein „Mitteilungsblatt der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft im Landtag von Rheinland-Pfalz“ bezeichnet wird und keinerlei Impressum trägt, wird gegenwärtig durch das französische Landeskommissariat geprüft, ob es sich um eine illegale Zeitung handelt.
Revistionsdebatte im Bundestag?
Nach einer Erklärung Blüchers
R. Bonn, 5. September. (Eigener Drahtbericht.) Die in einem Interview erhobene Forderung des Vizekanzlers Blücher nach einer Beendigung des Besatzungsstatutes und seiner eventuellen Ersetzung durch zweiseitige Verträge mit den westlichen Alliierten hat öffentlich werden lassen, was der Bundeskanzler in seinem bis jetzt noch nicht im Wortlaut bekanntgegebenen Besatzungsmemorandum dargelegt hat. Damit ist jetzt der deutsche Wunsch nach einer völligen Neuregelung der Beziehungen zu den Besatzungsmächten offiziell publiziert worden. Ein Antrag der Bayern-Partei, daß der Bundestag die Regierung ersuchen solle, mit den westlichen Regierungen über eine Angleichung der Besatzungsverhältnisse an die internationale Lage zu verhandeln, wird jetzt auch das Parlament vor die Frage einer Debatte über die Revision stellen. In weiten Kreisen des Bundestags herrscht die Ansicht, daß die Volksvertretung zu diesen außenpolitischen entscheidenden Fragen Stellung nehmen müsse, nachdem die Regierung ihren Standpunkt formuliert habe.
Die erste Plenarsihung
Bonn, 5. September. (AP.) Die erste regelmäßige Sitzung des Bundestages nach den Sommerferien wird am kommenden Freitag abgehalten. Die Sondersitzung des Bundestages am Donnerstag, dem Jahrestag seiner ersten Sitzung, wurde auf 16.00 Uhr festgesetzt. Bundespräsident Heuss und Bundeskanzler Dr. Adenauer werden bei der Feier Ansprachen halten. Der Aeltestenrat gab bekannt, daß Bundestagspräsident Dr. Köhler weiterhin für mehrere Wochen an der Ausübung seines Amtes verhindert sein werde.
Arnold verbietet kommunistische Jugendversammlungen
Düsseldorf, 5. September. (AP.) Ministerpräsident Arnold von Nordrhein-Westfalen hat am Dienstag in seiner Eigenschaft als Innenminister mit einem Erlaß alle Umzüge und Veranstaltungen der kommunistischen „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ), soweit diese „unter freiem Himmel“ abgehalten werden, verboten. Damit ist die Abhaltung des auf den 1. Oktober in Dortmund angesetzten Treffens der „100 000 jungen Friedenskämpfer“, das bereits vom Dortmunder Oberbürgermeister verboten worden war, illegal geworden. Das Verbot Arnolds gilt gleichzeitig für das „Komitee der Kämpfer für den Frieden“, die „Aktionsgemeinschaft der Juged für ein einheitliches Deutschland“, und für deren Ersatzorganisationen.
Ein Verfassungsgerichtshof
R. Bonn, 5. September. (Eigener Drahtbericht.) Das Kabinett hat am Dienstag einen Gesetzentwurf über die Bildung eines Verfassungsgerichtshofes angenommen, der seinen Sitz in Berlin haben wird. Es billigte auch einen Gesetzentwurf zur Durchführung des alliierten Gesetzes Nr. 24, das Sicherungs- und Übergangsmaßnahmen im Bereich der gewerblichen Wirtschaft betrifft.
Dagegen stimmte das Kabinett einem ihm vorgelegten Gesetzentwurf des Bundesrates über ein Güterverkehrsgesetz deswegen nicht zu, weil der Bundesrat auch eine gesetzliche Regelung des Güternahverkehrs im Zusammenhang mit der Ordnung des Güterfernverkehrs vorsieht, während das Kabinett zunächst nur ein Güterfemverkehrsgesetz im Auge hat.
Endlich übernahm das Kabinett ein Defizit von 12 700 Schweizer Franken, das dem Internationalen Roten Kreuz in Genf durch die Betreuung deutscher Kriegsgefangener nach dem Kriege entstanden
Hallsteins Aufgabenbereiche
Bonn, 5. September, (dpa) Als einziger Staatssekretär im Bundeskanzleramt wird Professor Dr. Walter Hallstein dort sowohl den Geschäftsbereich der inneren als auch die Dienststelle für auswärtige Angelegenheiten leiten. Der ursprüngliche Plan, zwei Staatssekretäre im Bundeskanzleramt einzusetzen, ist fallen gelassen worden.
Anmeldung von Verlusten
Eine Bekanntmachung zu erwarten
Hi. Bonn, 5. September. (Eigener Drahtbericht.) Im Rahmen des endgültigen Lastenausgleichs wird demnächst eine Bekanntmachung veröffentlicht werden, in der die Geschädigten aufgefordert werden, ihre Verluste anzumelden. In Frage kommen Vertriebene, und Kriegssachgeschädigte. Vertriebene sind diejenigen deutschen Staatsangehörigen oder Volkszugehörige, die ihren früheren Wohnsitz außerhalb des Deutschen Reichsgebietes vom 31. Dezember 1937 hatten, oder das Gebiet jenseits der Oder-Neiße-Linie verlassen mußten und nicht mehr dorthin zurückkehren können.
Um die Schadensfeststellung zu regeln, werden bei Vermögensverlusten fünfzehn verschiedene Schadensstufen vorgesehen, während für Berufsverluste sieben Gehaltsgruppen in Frage kommen sollen. Als höchster Schadensfall soll der Betrag von 150 000 Mark entschädigt werden. Die Gehaltsgruppen schließen bei einem Jahreseinkommen von 12 000 Mark ab.
Kirkpatrick bei Adenauer
Bonn, 5. September. (AP.) Vor seiner Abreise zu der Neuyorker Außenministerkonferenz hat der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick am Dienstag in Bonn Besprechungen mit Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem Führer der sozialdemokratischen Opposition, Dr. Schumacher, geführt. An) Dienstagabend waren Kirkpatrick und seine Gattin Gäste des Bundespräsidenten Heuss auf Viktorshöhe.
Verteidigungsrecht
Washington, 5. September. (AP.) In einer Unterredung mit dem Präsidenten Truman hat der amerikanische Oberkommissar McCloy am Dienstag erklärt, es sollte den Deutschen ermöglicht werden, ihr eigenes Land zu verteidigen. Man kann ihnen nicht sagen, daß sie ihr Land nicht verteidigen dürfen, wenn sie angegriffen werden. Er sei auch für eine Verstärkung der amerikanischen Truppen in Westdeutschland, wenn die Chefs der Stäbe Einheiten dafür freigeben könnten.
Weiterhin verboten
F. A. Z. Frankfurt, 5. September. Die Alliierte Oberkommission hat die Durchführungsverordnung Nr. 11 und Nr. 12 zum Alliiertengesetz Nr. 24 zur Verhinderung der deutschen Wiederaufrüstung veröffentlicht. Danach ist die Beschäftigung von Deutschen auf dem Gebiet der Luftfahrt nach wie vor verboten. Sie können aber zur allgemeinen Wartung von Flugzeugen mit Ausnahme des Dienstes als Piloten und als Angehörige von Flugzeugbesatzungen verwandt werden. Die Herstellung, der Besitz und das Fliegen von Segelflugzeugen bleibt auch weiterhin verboten.
Geborgen
Bochum, 5. Sept. (AP.) Die drei seit Samstag in einem Flöz der Zeche „Friedlicher Nachbar“ in Bochum-Linden eingeschlossenen Bergleute sind am Dienstag lebend geborgen worden. Seit zwei Tagen waren sie durch ein vierzig Meter langes Rohr, das man zu ihnen vorgetrieben hatte, ernährt worden. Die Bergleute waren durch auslaufende Kohle von der Außenwelt abgeschnitten worden.
Schacht Minderbelasteter?
Lüneburg, 5. Sept, (dpa) Der Oeffentliche Kläger, Senatspräsident Dr. Bäcker (Göttingen), hat am Dienstag vor dem Entnazifizierungs-Hauptausschuß in Lüneburg beantragt, den ehemaligen Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht als wesentlichen Förderer des Nationalsozialismus in Gruppe 111 (minderbelastet) einzustufen. Die Schuld Dr. Schachts bestehe im wesentlichen darin, daß er die Machtergreifung Hitlers gefördert und wertvolle Dienste für die nationalsozialistischen Machthaber geleistet habe.
Erdbeben in Italien
Rom, 5. September. (AP.) Ein Teil Mittelitaliens ist am Dienstag von heftigen Erdstößen erschüttert worden. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden zwei Personen getötet und mindestens 35 verletzt.
Ablklingen der Regenschauer
Eigener Wetterbericht
Im Süden des Sturmwirbels über Island arbeiten sich wieder kältere Meeresluftmassen nach Mitteleuropa herein und dürften das Wetter am Mittwoch beherrschen. Hoher Druck folgt nach und führt mindestens vorübergehend zu einer Wetterbesserung.
Aussichten: Nach Durchzug einer Schlechtwetterzone rasches Abklingen der Regenschauer. Wieder kälter, am Nachmittag Bewölkungsrückgang. Nacht zum Donnerstag recht kühl mit Nebelbildungen.
Der Rundfunk am Donnerstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 I. usikalisches Allerlei; 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.00 Fantasien über bekannte und beliebte Melodien; 18.00 Hörerlieblinge; 18.30 Fidele Sachen, die uns Freude machen; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute; 21.45 Passiert — Glossiert; 22.15 Musik von P. Tschaikowsky und Richard Strauss; 23.00 Tanzmusik.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.00 Zeitfunk mit kleiner Abendmusik; 20.00 Ein Tanzabend im Südwestfunk; 21.10 „Caruso“; 22.30 Die großen Meister; 23.30 Für Kenner und Liebhaber. SÜDDEUTSCHER RUNDFUNK STUTT¬GART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 16.50 „Ein Badener fuhr nach Kalifornien“; 20.00 Frohes Raten — Gute Taten; 20.45 „Wenn einer eine Reise tut“; 22.00 Theater in unserer Zeit; 23.00 Orchesterkonzert; 0.05 Jazz im Funk.
NWDR.: 12.00 Beliebte Melodien; 13.20 Musik am Mittag; 15.40 Das Hamburger Radio - Tango - Orchester; 16.50 Robert Schumanns Klavierwerke; 17.10 Russische Lieder und Romanzen; 18.00 Zwischen Sechs und Sieben; 19.15 Sinfoniekonzert; 21.00 Der Spekulant; 22.15 Tanzmusik; 22.45 Weltschlager; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Feuilleton
Kopf des Johannes. Ausschnitt aus der Mittelgruppe des wiedergefundenen Windsheimer Zwölfbotenaltars, einem Meisterwerk Tilman Riemenschneiders, das sich jetzt im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg befindet.
Chorkonzert der Liedertafel
In der Stadthalle leitete die Liedertafel 1842 Darmstadt unter ihrem Chordirigenten Wilhelm Poth die vokale Musiksaison ein. Die Leistung der Frauen-, Männer- und gemischten Chöre war beachtenswert gut. Die Auswahl des Programms, das neben den klassisch-romantischen Altmeistern der Liedkunst (Schubert, Schumann, Brahms) auch das Gegenwartsschaffen (Knab,- Rein, Lang) berücksichtigte, läßt auf eine weise Umsicht, gute Literaturkenntnis und starkes Verantwortungsbewußtsein des Chorleiters schließen. Besonders wohltuend war es, daß die Chöre jede Effekthascherei vermieden und stets in einfacher und natürlicher Dynamik den melodischen und harmonischen Klangbildern nachgingen. Eine solche Auffassung benötigt allerdings einer größeren inneren Intensität des Sängers zum Inhalt, die nicht in allen Sätzen erreicht wurde. Wohlklang und Reinheit der Intonation glichen jedoch einige dieser Ausdrucksschwächen wieder aus. In Schuberts „Nachtgesang“ waren 4 Hornisten des Landestheater-Orchesters als routinierte Stütze engagiert worden. Das Schnurrbusch-Quartett spielte Haydns „Lerchen-Quartett“ sauber und mit sichtlicher Hingabe; in der Haltung etwas zu biedermeierlich und zu betont gemütlich.
Zum Ausklang des Abends wurde Bachs „Bauernkantate“ mit Erfolg aufgeführt. Der Instrumentalpart war solistisch durch das Schnurrbusch-Quartett, einige Herren des Theaterorchesters und einen guten (ungenannten) Generalbaßspieler besetzt worden, die Gesangssolis hatten Elisabeth Stumpf (Sopran) und Wilhelm Keßler (Baß) übernommen. Die Sopranistin überragte bei weitem den Sänger. Ihre Stimme und ihre technische Fertigkeit haben sich in den letzten Monaten so gut entfaltet, daß man der Sängerin einen vielversprechenden Beginn in ihrer Laufbahn voraussagen kann — unter der Voraussetzung, daß die Aufwertsentwicklung anhält.
Das Publikum, nicht sehr zahlreich erschienen, nahm die Kunst- und Volksliedsätze, Haydns Quartett und die Bauernkantate merkwürdigerweise mit recht letargischem Beifall auf. Mit banger Sorge fragt man sich, ob selbst in den Kreisen des Publikums, die nächste Verbindungen zu den Gesangvereinen unterhalten, das einfache, ungekünstelte und jeder reißerischen Geste abholde Musikwerk heute nicht mehr Freude auszulösen vermag. Die Wiedergabe war doch im allgemeinen sehr gut, das Programm sehr eingängig zusammengestellt. Unbegreiflicherweise vermißte man bei den Besuchern eine stärkere Vertretung der hiesigen Chöre. Da Darmstadt und Umgebung 21 Gesangvereine beherbergt, wäre es bei einiger Solidarität leicht möglich, in einem Chorkonzert die Stadthalle zu füllen. g t
Deutsch-französische Woche in Wiesbaden vom 1. bis 8. Oktober
Auch in diesem Jahre plant die Deutsch-Französische Gesellschaft im Zusammenwirken mit den Kulturstellen von Stadt und Staat eine Deutsch-Französische Woche. Die Gelegenheiten des geselligen Zusammentreffens sollen diesmal viel reichlicher vorhanden sein, als im Vorjahre, da sich aus der menschlichen Beziehung und dem privaten Gespräch stets die schönsten Resultate ergeben, wie die Teilnehmer von Dichtertreffen ebenso versicherten, wie die Redner und Zuhörer der Tagung: Kirche und Film. Schon der erste Abend wird an ein französisches Gastspiel im Staatstheater einen Ball anschließen, als schönen Auftakt der Tage. Die Balzac-Ausstellung wird durch einen Vortrag ergänzt, eine französische Kunstausstellung erweitert das Bild. Je ein französischer und ein deutscher Dichter werden über die derzeitige Literatur ihres Landes referieren und ein Spitzenfilm wird in Originalfassung zu sehen sein.
Neue Filme in Darmstadt
BELIDA. — „Trommeln am Mohawk“. Die auch heute noch von Karl Mayscher Romantik begeisterten alten und jungen, männlichen und — weiblichen Zuschauer wurden von dem Film nicht enttäuscht, der 1776 beginnt und die Kämpfe zwischen den amerikanischen Siedlern auf der einen und den von Engländern geführten Indianern auf der anderen Seite zeigt. Die ganze Gestaltung ist natürlich so, wie sich der amerikanische Film die damaligen Verhältnisse vorstellt. Es wird viel geschossen und angezündet, Kompanien werden von Generälen geführt, die nötige Hilfe kommt immer wie der „Reitende Bote des Königs“ fünf Sekunden vor Torschluß und der hineingemischte Schuß Sentimentalität ist sehr kräftig. Für manche Unwahrscheinlichkeiten entschädigen romantische Landschaftsaufnahmen und prächtig gesehene Typen wie Edna May Oliver als alte Frau McKlennar. eine amerikanische Adele Sandrock aus lang vergangener Zeit. Der Handlungsablauf ist von der „weißen“ Seite aus gesehen, man hätte ein wenig mehr echtes Indianerleben dazu gewünscht. Das unvermeidliche Happy-End wir ddurch eine Huldigung an die neuentstandene amerikanische Fahne in das Heldisch-Nationale abgewandelt. srn.
PALAST. — „Blockierte Signale". Der Film greift das schon öfter behandelte Thema Nachkriegszeit mit all ihren, besonders im Psychologischen liegenden Folgen in einer leicht abgewandelten Variante auf. Der Prokurist einer Firma, die der Polizei als Großschieberzentrale bekannt ist. wird ermordet. Die Ueberwachung der „Speditionsfirma“ führt schließlich auch zur Ermittlung des Mörders. Dazwischen läuft die Liebesgeschichte eines Steuermanns (Heinz Engelmann), der ungewollt in die Affäre mit hineinverwickelt, wesentlich zur Aufdeckung des Falls beiträgt, und der Nichte (Heidi Kürschner) des Spediteurs Löllgen (Walter Frank).
Der Film versucht die These „Der Mensch ist von Natur aus gut, er wird nur durch seine Umwelt verdorben“ aufzufrischen, tritt aber gleichzeitig auch den glänzenden Gegenbeweis zu dieser Behauptung an. Gehalt und Spannung der Handlung gehen nicht über das übliche Maß hinaus. Beste schauspielerische Leistung: Walter Frank, hn
Der Windsheimer Zwölfbotenaltar
VON WALTER GUNZERTTilman Riemenschneider, der junge, begnadete, trotz oder eher wegen seiner gemütstiefen Melancholie zu den größten Hoffnungen berechtigtende Würzburger Bildschnitzergeselle aus Osterode am Harz, hatte 1485 durch seine Ehe mit der Witwe eines Goldschmiedemeisters Ansässigkeit, Wohlstand und Meisterschaft in der mainfränkischen Bischofsstadt erlangt. Vierzig Jahre später zerbrachen die im Bauernkrieg freiwerdenden Elemente eines ebenso fanatischen wie gewalttätigen Willens zu sozialer Erneuerung in brodelndem Schlund erbarmungslos dieses letzte und rastlose Formengenie der sogenannten Spätgotik, welches mitzeitlich zwischen diesen Merkjahren seines künstlerischen Schaffens die Höhe der ihm verheißenen schöpferischen Ausdruckskraft durchschritt.
Damals offenbarten sich mit dem Rothenburger Kreuzaltar, dem Dom-Hochaltar in Würzburg und dem Bamberger Kaisergrab seinem Kunstfleiß die lohnendsten Aufgaben. In so fruchtbarer Periode erteilte 1509 die reiche Windsheimer Bürgerin Elisabeth Paknape dem arbeitsamen Meister den Auftrag, „die taffeln uff der zwelfpotten Altar“ für die dortige Kilianskirche zu schneiden, nachdem der Würzburger schon durch drei für den Hochaltar gefertigte Figuren (1495) und eine Kreuzgruppe von 1499 zu Windsheim wohlaufgenommene Beweise seines Könnens gegeben hatte. Ausweislich der Stiftungsurkunde wurde der Altar vom Maler Jacob (Mülholtzer) gefaßt und wahrscheinlich im Einvernehmen mit Riemenschneider vorsichtig übermalt. Rund 220 Jahre später, am 3. Dezember 1730, Wurde die Windsheimer Pfarrkirche von einer Feuersbrunst vernichtet, als deren Folge die Kunstgeschichte sich daran gewöhnt hatte, den Verlust aller dort befindlichen Werke Tilman Riemenschneiders, auch des Zwölfbotenaltars, zu beklagen. Und nun steht, wiederum 220 Jahre später, als das erstaunliche Ergebnis der von der Leitung des Heidelberger Kurpfälzischen Museums zur Restaurierung den geduldig helfenden Händen von Pet. Valentin Feuerstein (Neckarsteinach) überantworteten, bisher der Riemenschneiderschule zugeschriebenen, sogenannten „Heidelberger Apostelaltars“ der im letzten Augenblick zerstörenden Einflüssen entrissene und dem Zustand, in dem er aus der Hand seines Meisters kam, wiedergegebene „Windsheimer Zwölfbotenaltar“ vor dem Auge der glücklicher Ueberraschungen entwöhnten, kunstfreundlichen Oeffentlichkeit. Bei der Restaurierung hatte man u. a. die Figurengruppe auf dem rechten Altarflügel gelöst und fand auf ihrem Hintergrund folgende Aufschriften: •
1617
Daniel Schultz moler und Bürger zu Windsheim hot diesen Altar gemolt und nur 70 R Gulden gehobt er wolt insunst
noch besser gemacht haben. und darüber:
Johann Weidner Tischgeselle aus Retzbach
bei Meister Th. Ditrich in Würzburg hat diesen Altar zum zweiten mahl Repariert im Jahre Christi 1840, den 6. April.
Bald nach 1840 dürfte er in den Besitz des Grafen Graimberg, des Gründers der Heidelberger Sammlung, gelangt sein. Deutlich verkohlte Stellen, z. B. auf den Gewändern der noch nicht restaurierten Figurengruppe des linken Altarflügels, erweisen den Grad der Gefahr, welcher der Altar in der Windsheimer Pfarrkirche an jenem 3. Dezember 1730 mit knapper Not entrissen worden war.
Schon die ersten Entfernungen neuerei-Fassungsschichten förderten außerordentlich qualitätvolle Details der Schnitzarbeit zutage. Es zeigte sich, daß diese, zunächst ungefaßt, bei nur ganz leichten Tönungen der Pupillen, Augenbrauen und Lider mit graubrauner sowie der Lippen mit röt-
licher Lasur, ausschließlich durch eine höchst differenzierte Modellierung des Lindenholzes zu subtilster Wirkung gebracht war. Dabei wiesen verschiedene Indizien, wie der leidend verinnerlichte Ausdruck der Physiognomien, die Art der Haar- und Bartbehandlung und eine bis ins kleinste durchgeführte Herausarbeitung der edlen Hände, der Attribute und des Faltenspiels der Gewänder unzweifelhaft auf Tilman Riemenschneider. Fast übereinstimmende Aehnlichkeiten verschiedener Köpfe mit denen von Hauptwerken des Meisters (Rothenburg, Creglingen, Würzburger Marienkapelle) rückten den Heidelberger Altar unmittelbar in deren Mitte.“ (Gg. Poensgen in Kunstchronik, April 1950.)
Wer dem noch locker gefügten und nach einleuchtenden, vom Restaurator bei seiner Arbeit gefundenen Gesichtspunkten für die Anordnung der Mittelfiguren neu aufgestellten Werk gegenübertritt, wird in den Rhythmus einer zwiefachen Bewegung einbezogen: Die um etwa zehn Zentimeter überhöhte Figur des Welterlösers gibt den Akzent innerhalb der sechs vollplastisch dargestellten Jünger des Altarschreins, doch dienen auch die Mittelfiguren der im ganzen vier Apostelgruppen dank einer geringen Uebergröße dem Auge als magische Ruhepunkte, und geht so alle Bewegung von Christus aus und fällt auf ihn zurück. Unter den Aposteln zieht gleich im linken Vordergrund des Schreins der feinriervige Künstlerkopf des Johannes den Blick auf sich, dessen Urbild aufs neue zu variieren auch hier ein nötigendes Anliegen des Meisters gewesen zu sein scheint, aus dessen Selbstbildnissen man diese „künstlerisch wägenden Züge um Mund und Nase“, den „ganz nach innen“ gerichteten Blick kennt. Das Zusammensinken des Petrus macht gleichsam verständliche Befürchtungen offenbar hinsichtlich seiner menschlichen Unzulänglichkeit als Schlüsselbewahrer des Himmelreichs. Dort bleibt die schriftsichere (ein Buch als Attribut in der vollendet schönen Hand) und kreuztragende Bekennerschaft des Andreas, dem die Seite des Herrn zu berühren verstattet wird, hier das aus dem Kreis der Zwölf heraus die Weltkugel auf der offenen Hand des Heilands liebevoll umfassende Auge unter dem Pilgerhut des Jacobus wegen ihrer Schönheitsfülle und Menschengüte unvergeßlich.
In welchem Maß aber die nicht werkentsprechende Leistung des vermeintlich zu schlecht bezahlten Malers das in kunstreiche Harmonie umgesetzte Erlebnis Riemenschneiders zu beschweren imstande war, dies zeigt der Vergleich mit dem noch nicht unter der Bemalung freigelegten linken Altarflügel, von dem aus es sehr begreiflich wird, daß die Forschung das Werk bisher nicht durch Riemenschneiders eigene Hand, sondern nur in der Schule des Meisters entstanden sich vorstellen konnte. Erst jetzt, nach der so glücklichen Zurückführung auf den ursprünglichen Zustand, liegt über dem Werk jener unverkennbare Hauch einer eben nicht übernommenen Bildung, wohl aber einer aus innerer Substanz selbst werteschaffenden Eigenwüchsigkeit, deren einsames Reich jenseits aller stilbegrifflichen Einengung beginnt. Denn auch Riemenschneider hat nicht alle Zeit unter der schöpferischen Gnade des Genius gestanden. Deshalb kann es im Hinblick auf dieses künstlerisch ebenso glanzvolle wie bürgerlich tragische Leben an einer Zeitenwende kaum eine verständnisvollere, eine vom Wissen um die gesetzgebundene Polarität des Irdischen geheimnisvoller getragene Entsprechung und somit ein behutsameres Erkennen geben als das Folgende: „Ein bedeutsamer Charakterzug führt in das Fest des Lebens, dessen wir ohne ihn nicht teilhaftig würden, er birgt aber auch, uns unbewußt, die Gefahr unseres Absturzes, und es hängt nur von den Umständen ab, ob die Katastrophe Ereignis wird.“ Auf Heidelberg aber schauen nun diejenigen erwartungsvoll, denen es ein * Bedürfnis sein mag, durch dieses dank seiner Ausdrucksgewalt des läuternden Dienstes an Christus so einprägsame Werk das geistige „Fest des Lebens“ von Tilman Riemenschneider an sich selbst zum Erlebnis werden zu lassen.
Der große Spieler
In dem Spielercafe kam die Rede auf einen hier allgemein Max genannten Stammgast, einen schon älteren Mann, der, was etwas heißen wollte, als der umsichtigste und beste Spieler des Lokals galt. „Ich verfolge die Sache seit etwa 10 Jahren", sagte einer der Gesprächspartner, „er gewinnt Monat für Monat ein Sümmchen, das mancher andere in einem ordentlichen Beruf nicht verdient. Als ich ihn kennenlernte, war er ein blutarmer Mensch. Jetzt hat er so viel zusammen, daß er sich neulich sogar ein kleines Häuschen hat kaufen können.“
Es wurden mancherlei Erörterungen an den Fall Max geknüpft, aber welche Bedenken sich auch gegen die moralische Seite der Sache vorbringen ließen, es schien festzustehen, daß es eine Art Artistik des Kartenspiels gab und daß sich kraft ihrer — das „kleine Häuschen“ — zu einem bescheidenen Vermögen kommen ließ.
Als das Gespräch schon zu einem gewissen Abschluß gekommen war, gesellte sich ein neuer Gast zu der Runde. „Ach Max!", sagte er, „ich kenne ihn seit einem Menschenalter, ich bin zusammen mit ihm in die Schule gegangen. Vor etwa zehn Jahren verlor ich ihn allerdings aus den Augen. Er ist einmal ein reicher Mann gewesen. Er hat von seinem Vater fünf Häuser geerbt, die reinsten Paläste!“
„Und warum hat er sie nicht mehr?", wurde gefragt.
„Eines Tages fing er an, sich den Karten zu verschreiben — und er hat nicht Ruhe gegeben, bis er alles restlos verspielt hatte.“ LD.
Notizen
Zeitgenössische Musikwerke. Mit den Uraufführungen der Musikwerke „Die Kamelien“ von Jean Francois und „Topsy“ von Hermann Reutter wird der Zyklus der zeitgenössischen Musikwerke Anfang Oktober im hessischen Staatstheater in Wiesbaden eröffnet werden. Die „Musik für Streicher, Klavier, Schlagzeug und Pauken“ des Wiesbadener Komponisten, Werner Fussan wird nach ihrer Uraufführung auf der Bayreuther Arbeitstagung für Jugend und neue Musik am 22. September in einem Konzert der Marburger Kantorei unter Leitung von Martin Stephani vor einem allgemeinen Konzertpublikum vorgetragen werden.
Ein japanisches Hebel-Buch. In Japan ist erstmalig ein Buch mit den bekanntesten Kurzgeschichten des alemannischen Heimatdichters Johann Peter Hebel erschienen. Es wurde von dem japanischen Autor Dr. Toshiro Ueda. Tokio, zusammengestellt und ging dieser Tage einem Reutlinger Verleger mit der Bitte zu, es der ..Johann-Peter-Hebel-Gesellschaft in Deutschland“ zu überreichen. Der Hebel- Bund Lörrach als Sachwalter des Hebelschen Erbes hat das reich bebilderte farbenfrohe Buch in sein Archiv übernommen.
„Nachtwache“ erhielt amerikanische Auszeichnung. Der deutsche Film „Nachtwache" ist in Venedig neben fünf anderen europäischen Filmen mit einem amerikanischen Preis für die. besten Filme Europas aus dem Jahr 1949 ausgezeichnet worden. Den „Golden-Laurel“-Preis von David O. Selznick für den besten europäischen Film, der Leben und Charakter des herstellenden Landes am klarsten spiegelt, erhielt der italienische Film „Donne senza nomi“. Regie des Filmes, der die Geschichte eines Flüchtlingslagers für Frauen beschreibt, führte der Ungar Geza Radvany. Die amerikanischen Auszeichnungen werden in diesem Jahr zum erstenmal verliehen. Mit einer Goldmedaille sind die fünf Filme ausgezeichnet worden, die bis zur Schlußentscheidung durchkamen: „Wir wollen ein Baby“ (Dänemark), „Nachtwache“ (Deutschland), „Rückkehr zum Leben“ (Frankreich), „Paß für Pimlico“ (Großbritannien) und „Liebe besiegt alles“ (Schweden).
Film-Forum.../ Film-Lexikon...
FILM-URABSTIMMUNG . . . FILM-NACHWUCHS! ALLES DIES BRINGT DAS FILM-FORUM UNSEREN LESERN!
Ungewöhnlich lebhaft ist das Interesse unserer Leser am Film-Forum, das nunmehr seit einigen Tagen regelmäßig in unserer Zeitung abgedruckt wird. Und da drängt sich die Frage auf: Was alles bietet dieses Film-Forum eigentlich?
Zunächst einmal: Wer hätte nicht schon darüber nachgedacht, wie unsere Filmlieblinge wohl privat aussehen, was sie normalerweise treiben, wenn sie nicht vor der Kamera stehen, wo sie herkommen, wie sie groß, bekannt, berühmt wurden? So oft schon haben wir, wenn wir wieder einmal aus dem Kino kamen und mit unseren großen Darstellern ergreifende Menschenschicksale erlebten, darüber nachgedacht und hätten gern von diesen Helden der Leinwand Näheres gewußt: Hier nun schaltet sich das Film-Forum ein und erzählt, plaudernd und zwanglos, von den Darstellerinnen und Darstellern des deutschen Films.
Es ist also ein sehr unterhaltsamer Lesestoff, den wir in dieser Form bringen und es empfiehlt sich, die einzelnen Folgen des Film-Forums auszu schneiden und gut aufzuheben, denn wenn diese Veröffentlichung eines Tages beendet sein wird, dann kann daraus durch Einordnen in eine Sammelmappe ein richtiges kleines Film-Lexikon zusammengestellt werden! Wie schön, wenn man dann immer mal wieder nachschlagen kann, wie es mit diesem und jenem Dar steiler eigentlich doch war!
Die Ur-Abstimmung über die beliebteste deutsche Filmschauspielerin, über den besten deutschen Filmschauspieler und den besten deutschen Film gehört auch zum Film-Forum. Wenn die Folge von Plaudereien über die Helden und Lieblinge der Leinwand beendet sein wird, dann veranstalten wir eine Ur-Abstimmung aller Film-Forum-Leser über die Frage nach den beliebtesten Darstellern und den besten Filmen, und das Ergebnis werden wir veröffentlichen. Hiermit findet jeder die Möglichkeit, schöpferisch gestaltend am deutschen Film mitzuarbeiten, denn das Ergebnis dieser Abstimmung wird in den Fachkreisen genau beachtet werden und bestimmt wird dieses Volksurteil bei allen künftigen Produktionen aufmerksamst zu Rate gezogen werden!
Außerdem sollen die Leser des Film-Forums nicht umsonst über die besten deutschen Schauspieler und den besten deutschen Film abstimmen: Wertvolle und von allen Filmfreunden begehrte Prämien kommen hierbei zur Verlosung: Geldpreise, Sammelmappen für das Film-Lexikon. Bücher mit den gesamten Veröffentlichungen über die Filmdarsteller auf Kunstdruckpapier, Fotos unserer Filmlieblinge mit Autogrammen, Atelierbesuche. Kinofreikarten werden hier an die Teilnehmer der Ur-Abstimmung verlost. Welcher Leser würde sich nicht freuen, wenn ihm solche Prämien in Aussicht gestellt werden?
Den Höhepunkt des Film-Forums bildet die Entdeckung neuer Filmgesichter und die Auswahl von Anwärtern für den Filmnachwuchs. Hier kann jeder Leser des Film-Forums, der sich schon an der Ur-Abstimmung über den besten Film und die beliebtesten Schauspieler beteiligt hat. mitmachen. Zunächst einmal gilt es hier, ein Foto einzusenden: aus der’Fülle der so eingehenden Fotos wählt ein Gremium von Fachleuten die geeigneten Wettbewerber für die engere Wahl au? und diese in die engere Wahl Gekommenen werden dann den Filmfreunda.n Film-Forum-Lesern in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert: Hier entscheiden dann die Leser des Film-Forums selbst, wen sie für würdig ^?d erachten, einer Filmgesellchaft zur Probeaufnahme vorgestellt zu TeÄnXvyHda*o kann Sich für mar>chen und sPannende, interessante und verlockende Filmlaufbahn eröffnen. bieten sich im Film-Forum für alle große, schöne und unge- und niemand wird es hen las9en, von diesen Chancen Gebrauch zu machen. Wir aber wünschen a LeSern Vi€l Freude. Unterhal¬ ;,^g’. durch das Film-Forum recht h°?fen- haß die Erwartungen von FmL ! durch unser Fümorum in Erfüllung gehen mögen.
Darmstadt und Umgebung
Streitapfel Diesterwegschule
Seit Jahren müssen sich die Schulkinder mit beengten Raumverhältnissen abfinden, sie haben schichtweise vormittags und nachmittags Unterricht. Diese Umstände tragen nicht dazu bei, die schulische Ausbildung in dem zu erwartenden Umfange sicherzustellen. Was nach dem Krieg an Schulgebäuden übriggeblieben war, wurde zunächst von Verwaltungsstellen belegt.
Nachdem dann auch die Diesterwegschule von der Besatzungsmacht beschlagnahmt wurde, um darin das Amerikahaus einzurichten, schien das Schulproblem der Stadt unlösbar. Auch die inzwischen erfolgten Schulneubauten bieten keine fühlbare Entlastung. Immer noch sind die Kinder gezwungen, den ganztägigen Unterricht in Kauf zu nehmen. Auf der verzweifelten Suche nach weiteren Möglichkeiten zur Errichtung von Schulhausneubauten geht man an der Tatsache vorüber daß zwei der größten Darmstädter Schulen gebäudefremden Zwecken dienen. Nun gelang es glücklicherweise durch langes Bemühen, die Freigabe des Amerikahauses zu erreichen. Aber ehe die Freude der Schulmänner und der Elternschaft über das Ergebnis der Verhandlungen einsetzte, warf man schon von anderer Seite eine bittere Pille in den Becher. Die Stadtverwaltung stellte plötzlich mit einigen ihrer leitenden Herren fest, daß sie unbedingt weitere neue Amtsräume benötige, weswegen Schulsaal 1 abgeteilt werden und Schulsäle 2, 3 und 4 den Büros eines weiteren Repräsentanten der Stadt Vorbehalten bleiben sollen. Ueber die Aufteilung der wenigen verbliebenen Unterrichtsräume konnte noch nichts in Erfahrung gebracht werden.
Als dieses Vorhaben den Amerikanern zu Ohren kam, erklärten sie, daß sie unter diesen Umständen gar nicht daran dächten das bisher immer noch unter Beschlagnahme stehende alte Amerikahaus freizugeben, wenn nicht ausschließlich für Unterrichtszwecke. Sollte der Standpunkt der Stadtverwaltung nicht geändert werden, so würden sich die Amerikaner gezwungen sehen, diese Einstellung der Bevölkerung zu unterbreiten, um eine zweckentsprechende Verwendung des Schulhauses zu erreichen. st.
Werbung für Darmstadt in einer Sackgasse?
Die letzte Forumssitzung, deren Hauptthema „Schulspeisung“ ein Kurzvortrag des Geschäftsführers des Verkehrsvereins Darmstadt, Herrn Meisel, voranging, erbrachte eine so erregte und lange Aussprache, daß die Ausführungen über die Aufgaben des Verkehrsvereins, die von Allgemeininteresse waren, unbesprochen blieben. Wir bringen im folgenden einige der Hauptpunkte des Referats in gedrängter Zusammenfassung.
Vorweggenommen sei, daß das Ergebnis alarmierend war: es besteht die Gefahr, daß die Werbung für Darmstadt in Umfang und Form mangels der erforderlichen Geldmittel und des Interesses der Allgemeinheit unzureichend bleibt. 16 Seiten oder 12 Seiten? Das ist die Frage bei der Zusammenstellung des neuen Stadtprospektes. Der Verkehrsverein hat Bittbriefe an die Industrie und führende Stellen der Wirtschaft senden müssen, um die Geldmittel für einen sechzehnseitigen Prospekt zusammenzubringen. Dringende andere Werbung, wie die Aufstellung von Schildern an der Autobahn, Herstellung eines Plakates und von Großfotos für die Schaufensterwerbung u. a. muß Wunschtraum bleiben. Andere Städte, die ebenfalls vom Kriege schwer betroffen wurdden, besitzen diese bereits.
In der Stadt notiert
Die Vereinigung der Flüchtlinge und Geschädigten aus der Sowjetzone hat Donnerstag, den 7. September, in Eberstadt um 19.30 Uhr im „Gasthaus zur Sonne“. Wilhelm-Leuschner-Straße, eine Zusammenkunft. DT
Ein neuer Kindergarten auf dem Damschke-Platz soll in nächster Zeit als Ersatz für den im September 1944 zerstörten Kindergarten der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde erbaut werden. In den vergangenen Jahren konnte nur notdürftig ein Teil der Kinder in einem Nebenraum des Paul-Gerhardt-Hauses in der Waldkolonie weiter betreut werden. Die Kosten für den neuen Kindergarten sollen aus Spenden der Gemeinde aufgebracht werden. -th-
Eine Modenschau im neueröffneten Stadtcafe hat das „Haus der Mode“, das in den nächsten Tagen in dem gleichen Neubau am Luisenplatz eröffnen will, für den 9. und 10. September, beidesmal um 16.30 Uhr und 20.00 Uhr, geplant. Es werden neue Modelle der Herbst- und Wintermode zur Vorführung gelangen.
Am „Faixe-Eck“ begannen dieser Tage Bagger den Trümmerschutt zu beseitigen. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, hat der „Kaufhof“ die Absicht, an dieser Ecke und auf den benachbarten Grundstücken ein großes Verkaufsgebäude zu errichten.
Zwei Wohnblocks des Bauvereins „Daheim“ gehen in der oberen Wilhelminenstraße ihrer Vollendung entgegen, nachdem kürzlich das Richtfest gefeiert werden konnte. UT
Schwarzarbeiter wurden in letzter Zeit in größerer Anzahl durch das Amtsgericht Darmstadt mit Geldstrafen belegt, wie das Landratsamt bestätigt. Die Schwarzarbeiter setzten sich in der Hauptsache aus Arbeitern des Zimmerhandwerks zusammen. -st.
Die angesetzten Massenchorproben am Mittwoch, dem 6. September und Sonntag. den 10. September fallen aus, da die Mitwirkung der Darmstädter Sängerschaft bei der Totengedenkfeier der Stadt Darmstadt entfällt.
Der „Liederzweig“ Darmstadt 1855 veranstaltet am Samstag, dem 9. September, um 20 Uhr in den Räumen des „ Heilig-Kreuz“ ein Spätsommernachtsfest mit bunter Vortragsfolge und Tanz. Die Leitung der Chöre hat Ehrenchormeister Wilhelm Etz Id. Nach Beendigung der Veranstaltung ist Gelegenheit zur Heimfahrt mit HEAG-Sonderwagen bis Eberstadt gegeben.
Schwerhörige ohne Sorgen
Durch ein von einer norddeutschen Firma hergestelltes Hörgerät, „Amicco“ genannt, soll allen Schwerhörigen für immer geholfen werden. Wir verweisen auf das Interat in unserem Anzeigenteil. Vor dem Kriege war es selbstverständlich, daß die Hotels und Gaststätten vollzählig, daß der überwiegende Teil des Einzelhandels und Handwerks, daß Vereine und Verbände und ein großer Kreis heimatbewußter Privatleute dem Verkehrsverein angehörten. Sie hatten ihre Freude und Genugtuung an einer guten Werbeschrift, einem wirkungsvollen Plakat, an Filmen und Vorträgen über ihre Heimatstadt. Es ist tief bedauerlich, daß dies heute nicht mehr der Fall ist, bedauerlich auch im eigenen Interesse, denn die Erfolge einer intensiven Fremdenverkehrswerbung kommen jedem zugute. — Deshalb bittet der Verkehrsverein nochmals um Beitritt! ■IIIIIIII IllllllllllllVllllllllllllllllllllllllllllllllfltlflllllllllllllllllllll
Wir prophezeiten richtig:
Der 13. Unfall bei Gräfenhausen
Schweizer PKW überschlug sich — Zwei Schwerverletzte — Wie lange noch Unfälle bei Grafenhausen?
In unserer gestrigen Ausgabe beanstandeten wir unter der Ueberschrift „Zwölf Unfälle bei Kilometer 512“ den Zustand einer etwa 500 Meter langen Strecke auf der Autobahn bei Gräfenhausen, die seit dem 5. Juli zwölf Verkehrsunfälle verursachte. Wir prophezeiten für den gestrigen Morgen den 13. Unfall an gleicher Stelle. Er ereignete sich, wie wir vorausgesagt hatten:
Ein Schweizer Personenkraftwagen fuhr gestern bei Regenwetter in Richtung Frankfurt auf der Autobahn. In der Nähe des Kilometersteins 512 geriet der Wagen ins Schleudern und raste die Böschung hinunter. Er streifte dabei einen Baum und überschlug sich zweimal. Bei dem ersten Ueberschlag wurden die beiden Insassen, ein Schweizer Ehepaar, herausgeschleudert und schwer verletzt. Der Fahrer erlitt eine Gehirnerschütterung und einige Schürfwunden, seine Frau Prellungen und Hautabschürfungen, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte. Beide mußten in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden. Der Wagen des Ehepaares wurde zu 75 Prozent zerstört.
Herren der Straßenbauverwaltung in Frankfurt besichtigten die Unfallstelle. DT
Ausflug des Hausfrauenbundes
Der Hausfrauenbund, Darmstadt, veranstaltete am gestrigen Nachmittag einen Ausflug nach Bad König i. Odenwald. Pünktlich um 13 Uhr startete der Sonderomnibus der Heag und brachte die Teilnehmerinnen in flotter Fahrt über Roßdorf, Lengfeld, Höchst nach dem Ausflugsziel Bad König.
Dort galt der Besuch vor allem dem ältesten Ehrenmitglied des Hausfrauenbundes, Fräulein de Weerth, die im 91. Lebensjahre steht. Sie hat den Hausfrauenbund in Darmstadt 1917 gegründet und bis 1943 geleitet. Die jetzige Vorsitzende, Frau Machwirth, überbrachte Fräulein de Weerth mit einem Blumenstrauß die Grüße des ganzen Bundes. Fräulein, de Weerth hat in Darmstadts Katastrophennacht Heim und Habe verloren und wohnt seither in einem einfachen Gasthauszimmer in Bad König. Mit bewundernswerter Frische und Anteilnahme erkundigte sich die 91jährige nach dem Schicksal so vieler und fand bei der gemeinsamen Kaffeetafel herzliche Worte für alle. Ein an Erfahrung und Wirken reiches Leben liegt hinter ihr, und die Weisheit und Güte, zu der es reifte, schaut aus den noch so wachen Augen in die wandelbare Welt.
Am späteren Nachmittag war für die Fahrtteilnehmerinnen Gelegenheit, die Kunsttöpferei Wilhelm Walther, Bad König, zu besichtigen und die Handweberei von Gretel Koch. In beiden Werkstätten redeten die schönen Dinge ihre eindringliche Sprache von der Echtheit und Kunst des Handwerks, von Lebenssinn und Gestaltungsfreude ihres Meisters und ihrer Meisterin.
Die Rückfahrt führte über Höchst, Groß-Umstadt, Dieburg und Einsiedel; und wenn auch Regen zuweilen die Sicht über Höhen und Täler verbarg, so waren doch alle des schönen Nachmittags froh, der sie einmal aus dem täglichen Einerlei entrückt hatte. Di.
Die nächste Monatszusammenkunft des Hausfrauenbundes findet am Donnerstag, dem 7. September, ab 15 Uhr im Cafe Emig (früherHenn), Eberstadter Chaussee, Haltestelle der Linien 7 und 8, statt.
Die „Dame“ und der Schaffner
Vor einigen Tagen reichte im Anhänger der Linie 3 eine aufgedonnerte Dame dem Schaffner einen Zehnerfahrschein, ohne das Fahrtziel anzugeben. Sie bekam das Heft entwertet zurück und stellte auf Fragen hin fest, daß die Kurzstrecke für ihre Fahrt nicht ausreichte. Anstatt nun nach Ablauf der Fahrtstrecke nachzuzahlen, versuchte sie mit bissigen Bemerkungen den Schaffner für dieses Vorkommnis verantwortlich zu machen. Der Schaffner gab ihr ein Zehnpfennigstück zurück, warf den entwerteten Fahrschein zum Fenster hinaus und entfernte sich wortlos.
Besagte Dame versenkte das Geldstück zufrieden in der Handtasche und sah auf die Straße hinaus, wie ein Mensch, der ein gutes Geschäft gemacht hat. Es handelt sich weniger darum, daß der Straßenbahnschaffner das Geld aus seiner eigenen Tasche zurückzahlte, um dem Streit mit dem Fahrgast aus dem Wege zu gehen, als darum, daß diese Dame, obwohl zu Unrecht, schweigend das Geld einsteckte, und so den Schaffner regelrecht um das Zehnpfennigstück prellte.
Was ist mehr zu bewundern: Die Höflichkeit des Straßenbahnbeamten oder die Unverschämtheit des Fahrgastes? Fest steht jedenfalls, daß der Höflichkeitsbarometer bei der HEAG um beträchtliche Grade gestiegen ist und sie auf solche Mitarbeiter stolz sein kann. -st.
Austausch von Stadtverordneten-Mandaten
Nachdem die Stadtverordneten Karl Willmann (KPD) und Friedrich Jünger (KPD) ilr Mandat niedergelegt haben, hat der Wahlausschuß, wie wir bereits berichteten, in seiner Sitzung am 4. September 1950 festgestellt, daß als ihre Nachfolger die Herren Philipp Benz (KPD), Architekt, Darmstadt-Arheilgen, Heinrichstraße 7, und Willi Becker (KPD), Angestellter, Darmstadt, Kaupstraße 46, an ihre Stelle treten.
Wird gegen die Gültigkeit von Seiten eines Wahlberechtigten nicht binnen zwei Wochen Einspruch erhoben, wird die Wahl rechtskräftig.
Oberbürgermeister i. V.: Schröder, Bürgermeister.
Internationales Tanzturnier
Schon beginnen erfahrene Gärtner die schönsten Blüten und Pflanzen und gewandte Dekorateure die leuchtenden Stoffe zurechtzulegen, um den „Concordia-Saal“ zum internationalen Tanzturnier am nächsten Sonntag festlich zu gestalten. Aus allen Städten der näheren und weiteren Umgebung — vor allem Frankfurt, Mannheim, Wiesbaden, Heidelberg — haben sich die Gäste zu der eleganten gesellschaftlichen Veranstaltung angemeldet. Herr E. B äul ke, als Initiator des Festes, hat kaum noch eine ruhige Minute vor der großen Veranstaltung. Gerade in den letzten Tagen hat sich noch ein belgisches Meister-Tanzpaar, das gleichfalls an dem Weltmeisterschafts-Turnier 1950 in San Remo teilnahm, zur Mitwirkung angemeldet. Insgesamt werden, wie wir bereits berichteten, etwa 10 Meisterpaare um den „Großen Preis von Hessen“ einem kritischen Publikum und noch kritischeren Schiedsrichtern ihr überragendes tänzerisches Können zeigen. Vor und nach dem eigentlichen Turnier wird allen Gästen Gelegenheit gegeben, bei den Klängen der ausgezeichneten Kapelle Junker, selbst das Tanzparkett zu betreten, Abendanzug und Gesellschaftskleidung ist an sich erwünscht, aber — so meinte Herr Bäulke — wenn in unserer ausgebombten Stadt die Fräcke nicht reichen, ein schwarzer festlicher Anzug tut's auch. dt
Vom Richtfest ins Krankenhaus
Gestern abend stürzte gegen 21 Uhr ein yom Richtfest heimkehrender Bauarbeiter in der N.-Ramstädter Straße von seinem Fahrrad und fiel dabei in eine Säge die er auf dem Gepäckträger befestigt hatte. Mit stark blutenden Wunden wurde er ins Eberstädter Krankenhaus eingeliefert.
2 302 600 Schul- und Jugendspeisungen
wurden in Darmstadt im Jahre 1949 ausgegeben. Inzwischen ist, wie die vorgestrige Forumsdiskussion ergab, das Interesse an der Schulspeisung bei Eltern und Schülern stark zurückgegangen.
Der erste Gottesdienst im alten Kirchenraum
Für den Wiederaufbau der Martinskirche
Zum ersten Male seit sechs Jahren wurde am Sonntag in der Martinskirche wieder eine gottesdienstliche Feier abgehalten. Nur zum Teil ist die Kirche wieder hergestellt. Nach der Abendandacht gab Pfarrer Köhler einen Bericht über den bisherigen Stand der Arbeiten. An Stelle der Spitzdecke ist der Kirchenraum von einem Tonnengewölbe überwölbt, die Säulen haben eine schlankere Form erhalten. Neu sind die steinerne Kanzel und die Altartreppe. Die Fenster wurden verglast.
Die Hoffnung freilich, daß der an 24 000 Seelen zählenden Vereinigten Martinsgemeinde noch in diesem Jahr ihr Gotteshaus wieder zur Verfügung stehen würde, hat sich nicht erfüllt. Der Sammelertrag der Reichsmarkzeit (100 000 RM) ist entwertet. Die bisherige Wiederherstellung hat 70 000 DM gekostet. Etwa die doppelte Summe wird notwendig sein, um die Arbeit zu Ende zu führen. Weder die Mittel des Kirchenbauvereins noch von Sammlungen werden dafür reichen. Auf diesem Weg und durch weitere Zuschüsse kann die benötigte Bausumme lediglich verzinst werden.
Da auch andere evangelische Gemeinden der Stadt gleiche Sorgen um Kirchen und Gemeindehäuser haben, wurden nun von der Darmstädter Gesamtgemeinde vor dem Abschluß stehende Verhandlungen geführt, eine größere Anleihe aufzunehmen, um die Aufgaben gemeinsam zu meistern. Ein jährlicher Zuschuß der Kirchenverwaltung wird die Verzinsung und Amortisation ermöglichen.
Wie sehr die Martinsgemeinde an ihrem Gotteshaus, der Stiftung eines einzelnen Stifters, des Privatgelehrten Dr. Rieger, hängt, zeigt der ungewöhnlich starke Besuch des Gemeindetages. Die Gottesdienste, von den drei Gemeindepfarrern gehalten, waren überfüllt, und am Nachmittag und Abend reichten Garten und Saal des Gemeindehauses nicht aus, um alle die jungen und alten Besucher aufzunehmen. Berge von Kuchen waren gestiftet worden. Man freute sich mit den Kindern, die ihr Vergnügen an Rutschbahn, Eierlaufen und bunten Luftballons hatten, sah Märchenspiele, Volkstänze, lustige und ernste Stücke der Gemeindejugend und hörte des eifrig spielenden Posaunenchors Volksweisen. In den Dienst der abendlichen Veranstaltung hatten sich dankenswerterweise Frau Horn-Stoll und Fräulein Rensch mit ihrer gesanglichen Kunst gestellt. MW
Elektro-Innung tagte
Dieser Tage fand im Gasthaus Ripper eine Innungsversammlung der Elektroinnung Darmstadt und Landkreis statt, in der Dipl.-Ing. O. On n eke n, Altenhunden (Westfalen), einen Lichtbildervortrag über Feiichtraummaterial und Verteiler hielt. Ein weiterer Punkt der dringenden Innungsversammlung war die Frage der Submissionen und ihrer künftigen Regelung. Ein Vertreter der HEAG referierte über Heißwasserspeicher, Zusatzbeheizung und ihre künftigen Anschlüsse und Schaltungen. Der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer, Helwig, beschäftigte sich in seinem Referat mit dem Submissionsproblem und der Lehrlingsausbildung. Insbesondere kritisierte er die augenblickliche Höhe der Steuersätze, die es dem Handwerk nicht erlaubt, einen Auf- ^dor Ausbau ihrer zerstörten Werkstätten durchzuführen. Die Versammlung, die sich durch eine überraschende Sachlichkeit auszeichnete, wurde von Innungsobermeister Kö 11 ge n geleitet.
Das,Muhkalb“ vom Bessnnger Tor
Dieses Tor, wohl das älteste Stadttor, schon im Jahre 1450 erwähnt, stand in der vor dem Ludwigs-Georg-Gymnasium an der Kreuzung Schul- und Kirchstraße einst herziehenden Stadtmauer. Es wurde als erstes im Jahre 1804 abgebrochen und durch ein weiter hinausgerücktes Wachthäuschen mit einfachem Torverschluß ersetzt. Mit dem Tor verband sich eine eigenartige Sage, die sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten hat.
Es sollte dort ein Gespenst, halb Kalb, halb Weib, das Muhk a 1 b , umgehen, das sich bei Dunkelheit alleingehenden Personen auf den Rücken schwang, sie an den Haaren raufte und so in die größte Angst versetzte. Daher zog man es vor, die unheimliche Stelle nur in größerer Gesellsachft zu passieren. Das Muhkalb soll eine wegen sündhaften Lebenswandels verwandelte Nonne gewesen sein.
Bei dem Tor befand sich seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine der beiden Pferdeschwemmen, deren Unterhaltung der Stadtverwaltung viele Kosten und Sorgen bereitete. Der Grund war durchlässig, so daß das stinkende Wasser in die Keller der benachbarten Häuser durchsickerte. Im Jahre 1720 war sogar das 1608 erbaute Hospital, das an der Stelle des Bogenganges am Realgymnasium stand, verseucht worden, worauf eine sehr gründliche Instandsetzung erfolgen mußte. Große Schuld an der Verunreinigung des Wassers hatten die Metzger, die trotz Verbots ihre Schweine in die Schwemme trieben und ihren Ungehorsam damit begründeten, daß die Mästung der Schweine einen „namhaften Nahrungszweig“ bedeute, der nicht geschmälert werden dürfe.
Durch das Tor führte ein Weg zur Richtstätte auf den Zimmerplatz vor dem Bezzinger Thor, auf dem Hinrichtungen mit dem Schwert vollzogen wurden. Die Kir-
chenbücher melden, daß dort in der Zeit von 1645 bis 1733 24 Personen enthauptet worden sind. Mehr nach Bessungen zu stand, wie es in den pfarramtlichen Aufzeichnungen heißt, der „Galgen zwischen hier und Bezzungen“, an dem von 1683 bis 1727 12 Uebeltäter wegen schweren Diebstahls und Raubes „gehenkt“ wurden. Durch das bei dem Galgen befindliche „Rad“ wurden zwischen 1673 und 1733 drei Personen zu Tode gefoltert. Eine dritte Hinrichtungsstätte für Hinrichtungen mit dem Schwert war auf dem „Schießberg“ — seit 1766 „Riedeselsberg“ genannt — der u. a. die Gegend der Sandstraße, Hölgesstraße, oberen Hügelstraße, oberen Wilhelminenstraße und des Wilhelminenplatzes umfaßte. Hier wurde im Jahre 1640 eine Frau aus Bensheim geköpft.
Die vielseitigste — wenn man so sagen will — Hinrichtungsstätte war der Marktplatz, auf dem Hinrichtungen mit dem Strang, dem Schwert und durch Erschießen vollzogen wurden. Dort wurden nach den vorhandenen Aufzeichnungen im Jahre 1672 eine Person „gehenkt“, in 1673 und 1690 zwei Personen geköpft und 1679 und 1695 zwei Soldaten erschossen. Das erst am 1. April 1888 eingemeindete Bessungen lag noch um das Jahr 1772 so weit von Darmstadt entfernt, daß der Landgraf Ludwig VIII. in dem Bestreben, Darmstadt empor zu bringen, den Ob< ?rjägermeister von Riedesel beauftragte, mit dem Präsidenten von Moser den Ausbau einer guten Straße zwischen den beiden Orten zu besprechen, da er hoffte, daß an dieser Straße viele Fremde bauen würden. Die Anregung des Landesfürsten fand aber aus heute noch unbekannten Gründen keine Billigung, so daß die Trennung bestehen blieb, bis sich der notwendige Zusammenschluß von selbst ergab. H.K.
Lehrerfortbildung
der höheren Schule
Der Ausschuß für Lehrerfortbildung im Bezirk Darmstadt hat für die Lehrer der höheren Schulen laufend Fortbildungskurse eingerichtet. Im Rahmen dieser Kurse wird Rektor Schl eucher von der Fachgruppe „Politischer Unterricht“ über Presse und Oeffentlichkeit sprechen. Studienrat Fontius berichtet über organisch-chemische Arbeitsmethoden, Privatdozent Dr. Schilling über katholischen Religionsunterricht, Professor Dr. Busse führt eine geographische Exkursion an die Bergstraße. Am Montagabend berichtete vor der Fachgruppe Geschichte Oberstudiendirektor Dr. F 1 öri n g über die Historikertagung zu Neustadt bei Marburg, auf der der bekannte Lehrbuchverfasser Oberstudiendirektor Pinnow über den neuen hessischen Geschichtslehrplan eingehende Erläuterungen erteilte.
WIE-WIRD-DAS- WENER
Mäßig warm
Vorhersage bis Donnerstag¬ abend: häufig wechselnde Bewölkung mit eingelagerten Aufheiterungen und vorübergehendes Nachlassen der Regenneigung. Mäßig warm, Winde aus West bis Süd.
Wohin gehen wir heunte?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. .
Hessisches Landesmuseum: Barocksaal, Ausstellung des Archivs für Jugend- und Laienkunst: „Kunst am Ursprung“. Geöffnet von 10.00 bis 18.00 Uhr; heute von 16.00 bis 18.00 Uhr Führung durch die Ausstellung.
Amerikahaus (Krone): 19.30 Uhr, Sonatenabend: „Musik unserer Zeit“.
Volkshochschule: 19.30 Uhr, Technische Hochschule, Lichtbildervortrag Michael Morosow: „Asiatisches Rußland“.
Wir gratulieren
Goldene Hochzeit: Herrn Heinrich Kunz 111 und Ehefrau, Mörfelden, Bahnhofstraße 14. Silberne Hochzeit. Herrn Ludwig Sattler und Frau Katharina geb. Lortz, Dornheim.
Tropfen und vom Töpfchen XIII.Bergsträsser Winzerfest
V iele Wege führen auch von hier aus nach Rom, aber wer bliebe nicht in Bensheim während der Woche des Winzerfestes hängen? Oder östlich: Die Sprache deiner Zunge führt dich nicht nach Nowgorod, sondern an die Bergstraße. Gemütvolleres, beschwingteres und gemein-
sameres Feiern gibt es auch nicht in Orten, die mehr Einwohner haben. Eine Nacht zwischen Fröhlichkeit, gefüllten Bechern und den vergnüglichsten Menschen der Welt läßt sich vielleicht erahnen, nur schwach vorstellen, aber wirklich erleben nur in den gemütlichen Weinstuben, dem Winzerdorf, und dem alten Rathaus. Sie können alle noch hinkommen, denn das Fest geht weiter, denn die Vergangenheitsform gilt nur dieser Betrachtung.
Es war — so fangen bekanntlich auch Märchen an — irgendwo, ich weiß es heut selbst nicht mehr. In einer Ecke waren die „Engerln auf Urlaub nach Wien“ gekommen, oder besser gesagt, sie waren zusammengerückt, weil es draußen stark regnete. Dadurch, also durch das plötzliche Hereindrängen entstand an der Eingangstür eine gutgemeinte Karambolage, so daß mir die Haare einer großen Blonden die Sicht zu dem erhofften Tisch der Prominenten nahmen, ich aber andererseits rechtsseitig den ahnungsvollen Hauch des Bergsträßer Weines aus dem Munde eines Beseligten verspürte, der Fragmente des Liedes „Ich hab mich ergeben“ und „Warum ist es dann am Rhein so schön“ sang.
So kam der Käsehändler aus Mainz und ich an den Tisch der Wiener. Womit ich die Vielzahl der Gäste meinen möchte, die aus allen möglichen Gegenden Deutschlands stammten. Sei es als Zugewanderte oder als Besucher mit Auto oder Omnibus. Zusammengehalten wurde die Menschengruppe von dem Wein der Bergstraße, der in Güte und Preis nicht an Traditionen anknüpft, sich also nicht die Berühmtheit der Bergstraße als Schönheit und bekanntestes Reiseland mitbezahlen läßt. So waren die „Saafst sterbst, saafst net, sterbst aa“-Besucher so weit, daß sie die „Mizi“ samt dem „Heirigen“ nebst Prater auch an den Fuß des Auerbacher Schlosses verlegt hätten.
Abgesehen davon, daß die Winzerkönigin von Bensheim nicht nur in vorgerückter Stunde die Inkarnation von Jugend, fescher Schönheit und geradezu ideal abgestimmter Molligkeit darstellte. Und das Schönste. Sie braucht sich keinen Zacken aus der Krone zu brechen, nicht den gespreizten Finger an der Kaffeetasse zu zeigen, um im Kreis der Frauen an der Bergstraße für die Zeit des Winzerfestes die Schönste zu sein. So hatten die
bildhübschen sie begleitenden Pagen es zwischen ihr und der Burggräfin vom Auerbacher Schloß hinsichtlich bewundernder Blicke schwerer, als es ihrem Charme eigentlich zukam. Oh Maria, die besagte Burggräfin mit der Schute hatte so viel Grazie wie Siegfried in dem Festzug grimmen Mut hatte. Dabei ist die Zeit der Pompadour mit ihren Rüschen, Leibchen, bauschenden Kleidern und Schönheitspflästerchen so grazil gewesen, daß man ihr den maskulinen Verschleiß kaum zutrauen möchte. (Unsere Zeit benötigt zu viel Markanz, und der Verschleiß liegt bei den Bürgermeistern. Wenn in anderen Orten so ein gut gelungenes Winzerfest zustande käme wie beim „Stolle Seppi“ in Bensern, brauchte nicht der sicherlich völlig unbeteiligte Herr Butzbach aus Kiel Anlaß von fremden Steinen, durchs Fenster, in der guten Stube zu sein. Nach dem Motto: wenn wir uns im Odenwald erkundigt haben, werfen wir uns gegenseitig den Straßenschotter in die aufgewischte Küche. Nach und zu weiterem Motto: Laßt uns in den Heimatorten nach Herrn Monsieur Schuman, Churchill und „Väterchen“ erkundigen. Und wenn wir dann anschließend bei der Steinschleuder bleiben und den guten „Zwingenberger“ zwischendurch trinken, spielen sich die Kriege im Saale ab. Vorausgesetzt, daß im Morgengrauen verkaufte Backsteine — das war aber in
der weiteren Umgebung — nicht kompakterer Entlassungsgrund ist.)
Zurück zur Burggräfin! Ein Sachse neben mir sagte: „Mer sollte nich glooben, daß derartich viele und scheene Chungfraun auf einem Haufen zusammen sein gennten, und wenn mer so frei sein gennte, wie die Chuchend in Dräsden, werd ich die Gräfin zum Weine einladen.“ „Se haben wohl enen Knebel uff de Zunge“, meinte ein anderer Herr, „die jehört unters Brandenburjer Tor, so wat von Mona Lisa finden se am janzen Wannsee nicht, und da habn de Meechens weniger über de Haut.1
Die vielen Tropfen und Tröpfchen des Winzerfestes brachten jedenfalls die Vorstellung von traumhafter Süße und völlig unsurrealistischer schmerzhafter Reifebezeichnung mit sich, die von allen Paaren am Sonnabendabend im alten Rathaus in den liebevollen Augen und Blicken gesehen werden wollten, konnten oder mußten, je nach Zustand und der Dauer des Dortseins. Mister Blackman ist leider nicht in einer Zeichnung festgehalten, wie es an sich nicht nur der aufgeschlossenen Freundlichkeit seines Wesens, sondern auch der Treue zu Bensheim zugekommen wäre. Er war früher, d. h. vor nicht allzulanger Zeit, in der Nähe regierenderweise. beschäftigt, und wohnt nunmehr in Homburg. „Hier ist meine zweite Heimat“ sagte er, „ich komme so viel und oft ich kann, und beim Winzerfest darf ich natürlich nicht fehlen.“
Er ist kein Nineteenhundre-- nine-Amerikaner, was man auch seiner Frau und seiner Begleiterin anmerkt, deren Deutsch kein vaterhäuslicher Hamburger oder Stuttgarter Dialekt beigemischt ist, Abgesehen davon, daß Amerikanerinnen bei geselligen Festlichkeiten Konventionelles gar nicht lieben, war diese Unterhaltung zwischen den vollen Gläsern ebenso anregend wie liebenswürdig. „Küß’ die Hand, gnä Frau“, und „merci mon ami“ es wäre noch viel schöner geworden. Ihre Lippen waren so rot wie die Meinung eines jungen Mannes, der das schnaubende Pferd der Politik ritt, die erstens nicht an dem Abend an die Holztische gehörte, und zweitens den Wein verwässern könnte. Möge Ihnen der liebe Gott, wenn Sie diese Zeilen lesen, eine bessere Darstellungsgabe geben, auf daß sie nicht mehr vergessen in Zukunft den gebrochenen Dialekt des Südafrikaners mit schlichtem Lausitzer Slang zu verwechseln bzw. ibn beimischen.
Man kann auch nachts um zwei nur alles nach dem zehnten Glas glauben. Wie die vielen Liebesbeteuerungen und zärtlichen Blicke in den Nischen des alten Mauerwerkes, die wunderschöne Gültigkeit der gelösten Stimmung hatten. Es gibt so viele schöne Mädchen, so viel wie Sand am Meer, und stirbt mal eine aus Liebe, so fällt ibr das nicht schwer. Unter allen Umständen die Glaubhaftigkeit ihrer siebzehn Lenze. Der gescheite Junge neben mir hatte aber schon die Gesellenprüfung hinter sich, und berichtete trotz des blühenden jungen Dinges neben sich von ehrgeizigen Berufsplänen. Ein gebo-
rener kleiner Parlamentarier, der „die fluktuierenden Wählermassen in Zwingenberg“, so weit wörtlich, für Steinwürfe und Tumult verantwortlich machte...
Es war draußen kalt geworden, und wenn die kleinen Koksöfchen wie in den Cafes in Paris im beginnenden Herbst noch dagestanden hätten, wüßte man immer noch nicht wo sich Liebenswürdigkeit, Charme und Beseeligung zuerst niedergelassen hätten, da die Stadt an der Bergstraße in Alter und Tradition mit der französischen Hauptstadt konkurrieren kann. So war
der Nebel über Paris in die oberen Geschosse gestiegen, oder man erhoffte ihn für die dünnen Seidenblusen, bloßen Arme und Polohemden derjenigen — es war so schwer zu sehen wem nun eigentlich was gehörte —, die der Regen und die Liebe hier hoch getrieben hatte. Die rüstige Bretzelfrau betrachtete sie mütterlich, seufzte zufrieden über die Last der gefüllten Körbe, die sie an dem Abend die vielen Stufen herauf und herunter getragen hatte, und wenn die Auskehrer oder neuen Gäste am folgenden Tag nicht die Plätze eingenommen haben, wird es insofern dasselbe Bild bleiben, als das Bensheimer Winzerfest die Blonden und Schwarzen, die Dicken und Dünnen, Alte und Junge bei Wein, Weib und Gesang keine Narren in einer beschwingten Woche sein läßt. sg.
Schreibt an Fritz Knippelius
Tod den Schnaken
Ein Wunsch an die Bürgermeister an Bergstraße und Ried
Seit Jahren komme ich nach Ingelheim in Rheinhessen zu Besuch. Und immer wurde mir dort im Sommer der Aufenthalt durch die Schnakenplage verleidet. An ein ruhiges Schlafen, gar bei offenem Fenster, war nicht zu denken, ein Aufenthalt im Feld oder Garten war mit ständigen Abwehrbewegungen gegen die Plagegeister verbunden.
Und heute ist Ingelheim fast schnakenfrei! Drei Jahre lang wurden durch das Feldschutzpersonal systematisch wöchentlich die Pfützen und Tümpel der Gemarkung mit chemischen Mitteln bestreut. Auch die Behandlung der Wingerte und Kartoffeläcker mit Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie die Nähe der „Cela-Werke“, die wirksame Bekämpfungsmittel herstellen, mag mit dazu beigetragen haben, daß die ganze Luft mit dem feinen Staub angefüllt ist, der sich auf alle Brutstellen der Schnaken niederschlägt. Selbst die gefährlichen Regentonnen in den Gärten sind jetzt larvenfrei.
Wie schön wäre es, wenn durch gemeinsame Beteiligung aller Gemeinden in ähnlicher Weise mit Hilfe der Firma Merck im ganzen Ried und an der Bergstraße das durchgeführt würde, was vor Jahrzehnten schon Direktor Beisinger für den Kreis Heppenheim vorgeschlagen hatte. Damals kannte man nur das mechanisch wirkende Mittel Petroleum, heute gibt es eine ganze Reihe geeigneter chemischer Bekämpfungsmittel. Die schnakenfreie, schöne Bergstraße böte wieder, wie einst vor 50 Jahren, für viele Schaffende und Urlauber eine ruhige Erholung! R- Veith z. Zt. Ingelheim a. Rh.
Fluchtlinien
Wieder einmal sollen in Darmstadt Straßen verbreitert, neue Fluchtlinien festgelegt werden. Wieder einmal werden durch diese Maßnahmen eine Reihe Darmstädter Bürger der Möglichkeit des Wiederaufbaues ihrer zerstörten Häuser beraubt.
Eine fachmännische Aufstellung und Veröffentlichung der durch die Ausführung dieser Pläne entstehenden Kosten wäre für die Allgemeinheit und die beratenden Stadtväter von großer Wichtigkeit, damit nicht später einmal gesagt wird: „Hätten wir das erst gewußt!“ Die Entschädigung der Anlieger für Grund und Boden sowie für den Verlust der aufbaufähigen Trümmer, die ja in den meisten Fällen noch erhebliche Werte darstellen — die Trümmerbeseitigung — Neuprofilierung der Straße — Anlegen der neuen Bürgersteige — Verlegung von Straßenbahnschienen, Kanalisation, Wasser- und Gasleitungen ergeben a ddiert ohne Zweifel Summen, die bei jeder einzelnen Straße in die Hunderttausende gehen. Angesichts der derzeitigen und zukünftigen Finanzlage der Stadt drängt sich einem die Frage auf, wer das alles bezahlen soll und wann diese Pläne einmal verwirklicht werden können. Nach Jahrtausenden oder auch nur nach Jahrhunderten zu rechnen, ist uns auch heute im Angesicht der Atombombe gründlich vergangen. Bezahlen wird es natürlich der Darmstädter Bürger mit seinen Steuern, derselbe, der durch die Neuplanung schon hinreichend genug geschädigt wird. Wie wäre es, wenn man diese Gelder zum Aufbau von Wohnungen bereitstellte und sich bei der Verbreiterung von Straßen auf das Allernotwendigste beschränkte? Ist z. B. die Verbreiterung der mittleren Karlstraße wirklich notwendig? Die fast parallel laufende Wilhelminenstraße genügt völlig für den in diesem Stadtteil auftretenden Nord-Süd-Verkehr.
Die Devise müßte lauten: möglichste Unterstützung der privaten Aufbaupläne und nicht Enteignung und Erschwerung jeglichen Wiederaufbaues. Unter weiser Berücksichtigung all dieser Punkte könnten die Stadtväter bei der Neufestlegung von Fluchtlinien sicherlich zu manch anderem Ergebnis kommen, das vielen Trümmerbesitzern den Wiederaufbau ihrer Ruinen ermöglichen und so dem Wohle der Stadt am besten dienen würde.
Darmstadt soll größer und schöner werden? — Altvertraute Klänge, meinen Sie, und werden skeptisch. — Die Mehrzahl der wirklichen Darmstädter wäre wohl zufrieden, wenn die Stadt wieder so schön wäre wie einst. Dr. A. Hüffell Darmstadt
Hilfe für heimatvertriebene Beamte
.... bitte um Auskunft, ob ich für die Ueberbrückungshilfe einen Antrag für Auszahlung mit Erfolg stellen kann. W. Rapp, Habitzheim Krötengasse 45
Lieber Herr Rapp!
Ihren Fall kenne ich nun nicht im einzelnen und kann daher nicht beurteilen, welche Ansprüche Sie im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen stellen dürfen. Da ich annehme, daß Sie selbst heimatvertriebener Beamter sind, empfehle ich Ihnen, sich an den Flüchtlingskommissar oder an das Soforthilfeamt des Kreises Dieburg in Dieburg zu wenden. Dort wird man Ihnen Auskunft geben und beurteilen können, ob ein von Ihnen gestellter Antrag auf Ueberbrückungsbeihilfe Erfolg haben wird. Ihr Fritz Knippelius
Von der Straßenbahn zur Bühne
Als Abonnent Ihres Blattes habe ich in der Mittwoch-Ausgabe (23. 8.) Ihre Veröffentlichung über die Gelsenkirchener Städtischen Bühnen unter Leitung des Generalintendanten Hans Meißner gelesen. Ebenso dürfte nun auch viele Leser Ihres Blattes interessieren, daß ein gebürtiger Darmstädter — und besonders dem HEAG-Personal bekannter —, Albert Zell, der zehn Jahre hier als Straßenbahnschaffner tätig war und 1938 zur Bühne ging, in der kommenden Spielzeit 1950/51 von Generalintendant .Hans Meißner für die Oper als 1. lyrischer und Charakterbariton an die Städtischen Bühnen in Gelsenkirchen berufen ist.
K. Z., Darmstadt.
Wo bleibt der Stadtplan?
Zu den dringenden Bitten, auf deren Erfüllung durch die Stadtverwaltung Darmstadts Bürger und — die Fremden schon sehr lange geduldig und brav warten, gehört der Stadtplan am Hauptbahnhof! Bestellt soll er auch schon lange sein . . . Wo wir auch auf Reisen hinkommen, etwa in die nähere Umgebung unserer werdenden Großstadt wie Babenhausen oder Bensheim, selbst im stillen Obeiihessen in Alsfeld, ja sogar in kleineren Orten, überall grüßt den Fremden am Bahnhof ein übersichtlicher Stadtplan, auf dem Sehenswürdigkeiten und Behörden, Erholungsstätten und die wichtigen Straßen verzeichnet sind. Und in Darmstadt, der Stadt des Waldes, des Sports, der kulturellen Veranstaltungen so mannigfacher Art? Als wir gestern in Aschaffenburg waren, da ging uns doch der Hut, Verzeihung, die Baskenmütze hoch! Stellt da breit, hell und freundlich ein doppelseitiger Stadtplan, mit allen Schikanen und Angaben, zum Ein drehen und Selbstbeleuchten. Und nicht nur große und kleine Kinder spielten damit, sondern wirkliche Fremde suchten und — fanden. Abends wieder in Darmstadt, saß an der Bahn ein recht hübsches, junges Mädchen und weinte bitterlich. Auf die Frage nach dem Grunde ihres Kummers hörten wir, sie sei fremd hier, wolle Verwandte besuchen und fände keinen Stadtplan ... „Wie heißt die Straße denn?", fragten wir zurück. „Die habe ich vergessen“, lautete die klägliche Antwort. Na, da hätte ja auch der Stadtplan nicht helfen können, wenn er schon dagestanden hätte, aber er steht ja noch nicht da
H. W., Darmstadt
Ja, ja, die Drackfuhler
Sehr verehrte Tagblatt-Reduktion!
Ich lese Ihr Blatt sehr gerne und es gefällt mir in allen Teilen.
Doch ich habe etwas auszusetzen, was bestimmt andere Leser auch getan haben; wenn nicht laut, so doch gedacht. Sie beschäftigen in Ihrem Betrieb, genauer gesagt in der Setzerei eine Persin, die dort nicht hingehört. Diese hat den wenig gerühmten Beinamen „Der Druckfehlerteufel“.
Fast in jeder Ausgabe Ihrer Zeitung macht er seine Zicken und verärgert dabei die Leser (mich auch). Beispiele anzugeben ist wohl unnötig. Können Sie diesem Bösewicht nicht sein schmatziges Hundwerk legen? Ich wäre Ihnen im Interesse Ihrer gesamten Leserschaft sehr denkbar hierfür.
PS: Wie Sie sehen, habe ich in diesem Brief auch den Druckfehlerteufel mitwirken lassen. Es wirkt doch sehr störend? Gelt?
Sie dürfen nicht denken, daß ich den Nachsatz absichtlich schreibe, um mich für entstandene Tippfehler zu entschuldigen; da wurde ich meinem Berufsstand einen schlechten Dienst erweisen.
Horst Krapp Darmstadt
T. v TT „ Lieber Herr Krapp!
Ich habe, als ich Ihren Leserbrief in die Setzerei gab, eine Anmerkung für die Korektur dran gemacht, daß man in diesem Falle die Druckfehler mal nicht korrigieren möge. Ansonsten ist zu sagen, daß wir gelegentlich nial -etwas über das „Druckfehlerteufelchen“ veröffentlichen werden.
Herzlichst Ihr Frutz Knappöli'us
STARKENBURG
Barackenbrand in Gernsheim
Kein Brandalarm — kein Löschwasser Gestern abend brach gegen 22.15 Uhr in der Geschäftsbaracke des Gernsheimer . penglermeisters Georg Krämer in der Darmstädter Straße ein Brand aus, der infolge Wassermangels nicht gelöscht werden konnte. In dem Barackengebäude befanden sich vorwiegend Holzteile für Rübenmühlen.
Die Brandursache konnte noch nicht festgestellt werden.
Der Brand dauerte bis in die frühen Morgenstunden des heutigen Tages an, da noch kurz vor Mitternacht kein Brandalarm gegeben worden war. kr
AUnfall am Bahnhof Nieder-Ramstadt
Gestern mittag stieß auf der Straße zwischen Bahnhof Nieder-Ramstadt und Steinbruch ein Personenwagen und ein Motorrad zusammen. Der Fahrer des Pkw. hatte die Absicht, von Darmstadt kommend, in die Straße nach Traisa einzubiegen, erkannte aber erst im letzten Augenblick den ihm entgegenkommenden Motorradfahrer. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt, der Motorradfahrer erlitt Verletzungen.
An der Hausecke zerschellt
In Hetzbach ereignete sich auf der Straße nach Erbach in der Nähe der Tankstelle Schäfer am Montagvormittag ein schwerer Verkehrsunfall, der für die Beteiligten noch glimpflich verlieh Ein schwerbeladener Lastwagen mit Anhänger der Papierfabrik Siefert aus Finkenbach mußte auf der Fahrt nach Erbach bremsen, weil aus einem rechts der Straße gelegenen Gehöft ein Kuhfuhrwerk herausfuhr. Dabei blockierte nach Aussage des Lkw-Fahrers das linke Vorderrad, so daß das Fahrzeug nach links herumgerissen und mit solcher Wucht gegen die Ecke eines Stallgebäudes geschleudert wurde, daß es vollkommen zertrümmert wurde. Der Anhänger hatte sich ganz in den Motorwagen hineingeschoben. Trotzdem das Führerhaus restlos zerstört wurde, kam der Fahrer mit dem Schrecken davon. Der Beifahrer erlitt eine Kinnwunde, dagegen trug die zwischen beiden sitzende Frau Czep ull aus Finkenbach so schwere Kopfverletzungen davon, daß sie in das Erbacher Kreiskrankenhaus gebracht werden mußte. Der Sachschaden ist sehr beträchtlich. -ch
Beim Ueberholen verunglückt
Auf der Bundcsstraße 45 beim „Unteren Hammer" vor Michelstadt stieß der 20 Jahre alte Radfahrer Joseph Kratschmer aus Zell beim Ueberholen eines rechts parkenden Personenwagens mit einem entgegenkommenden Volkswagen zusammen. Der Radfahrer wurde mit solcher Wucht auf die Straße geschleudert, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Sein neues Fahrrad wurde schwer beschädigt. -ch
Ein Baum war im Wege
Gestern morgen fuhr um 8.50 Uhr in Bensheim ein Lkw. in der Heidelberger Straße aus bisher ungeklärten Gründen gegen einen Baum. Während der Beifahrer mit schweren Verletzungen und einer Gehirnerschütterung in das Bensheimer Krankenhaus eingeliefert werden ’nußte. trug der Fahrer selbst nur leichte Verletzungen davon. Der vordere Teil des Lkw.s wurde durch Anprall völlig zertrümmert. HB.
Die Stoßstange war schuld
Auf der Hauptstraße in Hetzbach in der Nähe der Gastwirtschaft Schäfer stieß am Montagnachmittag ein 18jähriger Fortpraktikant aus Ockstadt (Kr. Friedberg) fnit seinem Motorrad gegen die Stoßstange eines in ein Gehöft links der Straße einbiegenden Personenwagens. Der Motorradfahrer trug Verletzungen am linken Fuß davon. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. -ch.
Weiterhin hohe Unfallziffern
Im Kreis Erbach wurden von der Gendarmerie Erbach im Monat August insgesamt 22 Verkehrsunfälle mit Personen- und Sachschaden bearbeitet. Diese Zahl liegt noch immer über der Gesamtzahl sämtlicher Verkehrsunfälle während des ganzen 1. Vierteljahres 1950. -ch.
Strafantrag gegen Bürgermeister Adler gestellt
Ueberfüllte Versammlung des Bürgerblocks in Gernsheim
Gestern abend waren wir wieder einmal im Saale Esselbach in Gernsheim. Ein Bild wie am Vorabend. Der Saal überfüllt, die Luft dick und die Spannung groß. Der Bürgerblock hatte zu einer Versammlung einberufen, um über kommunalpolitische Probleme zu diskutieren. Nikolaus Maus sprach in seinem Referat „Die Kommunalpolitik in Gernsheim“ u. a. über Trümmerbeseitigung, Verkauf des Bürgermeisterhauses ,Schulhausneubau und Betonierung der Ludwigstraße.
Zum Bürgermeisterskandal meinte Maus: „Die Wahl des Adler war ein Krebsschaden und die Gemeinderäte Schmitt und Deutsch ein Hemmschuh für die Entwicklung Gernsheims“. Johannes Schmitt habe mit der Wahl eine Schuld auf sich geladen. Er könne mit den Sündern sprechen: „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“ (Meine Schuld, meine Schuld, meine ■größte Schuld). Nach seinen Ausführungen wurde vom Versammlungsleiter Bopp die Diskussion eröffnet.
Herr Schnatz, der sich als erster an der Diskussion beteiligte, stellte den Antrag, einen Bürgermeister von der Bürgerschäft Gernsheims wählen zu lassen und die Gemeinderäte zum Rücktritt zu zwingen. Paul Müller vom Bürgerblock erweiterte, nachdem er Mißlichkeiten des Wohnungsamtes angeführt hatte, den Antrag dahingehend, daß auch die Wohnungskommission zurücktreten müsse. Er vertrat die Auffassung, daß nur Herr Schmitt diktiere und jeder andere sich zu fügen habe. Als nächster trat Georg Lautenschläger auf (das Unikum von Gernsheim), der zu der Bürgermeisterkrise die Standpunkte der anderen Fraktionen hören wollte.
Heinz Kissel von der Unabhängigen Wählergruppe beleuchtete sodann in sachlicher Weise die von Maus vorgebrachten strittigen Punkte im Sinne des Gemeinderates. Es sei alles so gekommen, wie sie von ihrer Fraktion erwartet hätten. Der Vorsitzende der SPD, Massoth, der, wie er ausdrücklich betonte, lediglich als politisch denkender Mensch hier stehe, sprang zuletzt in die Bresche, die entstanden war, als trotz wiederholter Aufforderung niemand von der SPD-Fraktion sich zu einer Diskussion stellte. Er erklärte als wesentlichsten Punkt des Abends, daß die Ge¬ meindeschutzpolizei Gernsheim bereits Strafantrag gegen ihren früheren Vor¬ gesetzten Adler bei der Kripo Süd in Darmstadt wegen vermutlicher Unter¬ schlagung gestellt habe. Das solle doch jedem zu denken geben, der an der Sauberkeit der Demokratie zweifele.
Massoth erklärte darauf die Undurchführbarkeit einer Resolution, die die Neuwahl eines Bürgermeisters von Seiten der Bürgerschaft verlangen wollte. Dies sei gegen die Gemeindeordnung. Er warnte davor, daß heute eine Wählergruppe durch das Zustandekommen einer Resolution ein Plus für eine kommende Wahl für sich buchen könne, was er als eine Dummheit in politischer Hinsicht bezeichnete.
Damit ging ein heißer Abend zu Ende, der noch lange Diskussionsgrundlage für Gernsheims Bürgerschaft sein dürfte. DT
Frohe Stunden
mit dem „Hessemädche"
In Heubach trafen sich am letzten Sonntag die ehemaligen Schulkameraden des Jahrgangs 1900. Bürgermeister Volland legte auf dem Friedhof einen Kranz nieder und gedachte in kurzen Worten der zehn verstorbenen Schulkameraden. Anschließend traf man sich im „Gasthaus zum Löwen“, wo man alte Erinnerungen an vergangene Zeiten austauschte. Der Bürgermeister und die Pfarrer beider Konfessionen hielten hierbei kurze Ansprachen. Für frohe Stimmung und Unterhaltung sorgte das „Hessemädche Lia Wöhr von Radio Frankfurt.
Am Samstag kamen die ehemaligen Schulkameraden des Jahrganges 1890 zusammen. Auch hier herrschte fröhliche Stimmung und bis zum frühen Morgen wurde das Tanzbein geschwungen, -hm
Keine aktuelle Kriegsgefahr
Bei dem Bericht über die am Montag¬ abend in Groß-Gerau stattgefundene Versammlung der FDP mit dem Referat des Bundestagsabgeordneten A. M. Euler muß es selbstverständlich im letzten Absatz heißen: „daß seiner Ansicht nach die SPD (nicht FDP) manchen Anhänger habe . . . DT
Julius Schulz festgenommen
Erfolgreiche Fahndung der Gendarmerie Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern noch an
Der Viehhändler Julius Schulz, nach dem die Polizei wegen des Verdachts der Ausführung der vielfachen Viehdiebstähle im Nordostkreis Dieburg fahndete, wurde am Montagmorgen von der Aschaffenburger Kriminalpolizei in einem Gasthaus festgenommen, wo er übernachtet hatte.
Schulz, über dessen Straftaten wir vor einigen Tagen bereits ausführlich berichten konnten, wurde der Gendarmerie des Kreises Dieburg übergeben und von ihr dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der den gegen ihn bereits erlassenen Haftbefehl aufrecht hielt. Von Geburt Pole, spricht er fließend deutsch und verlegt sich vorläufig noch auf hartnäckiges Leugnen. Er wendet dabei dieselbe Praxis an wie im vergangenen Jahre gegenüber den Untersuchungsbehörden in Bayern, wo er gleichfalls unter dem Verdacht festgenommen war, die in Unterfranken begangenen Viehdiebstähle ausgeführt zu haben. Es gelang damals nicht, ihn der Täterschaft zu überführen. Schulz wird, so läßt sich aus seinem Verhalten schließen, nur dann gestehen, wenn ihm die ihm zur Last gelegten Fälle unausweichlich nachgewiesen werden können. Er bestreitet zwar nicht, dem in der vorigen Woche in dieser Angelegenheit bereits festgenommenen Metzger R. K. aus Sulzbach im Kreis Obernburg Vieh zugetrieben zu haben, behauptet jedoch, die Tiere erst nach Prüfung der notwendigen Papiere gekauft zu haben. Die Verkäufer allerdings will er nicht kennen.
Ugter diesen Umständen wird sich das Ermittlungsverfahren gegen Schulz wohl in die Länge ziehen und Gegenüberstellungen mit den Landwirten, bei denen er einige Tage vor den Diebstählen vorsprach, um sich über die Oertlichkeiten zu orientieren, nicht zu umgehen sein. Soweit sich bis jetzt aber auf Grund der Vorarbeiten der Gendarmerie überblicken läßt, dürften die vorliegenden Beweise für die Täterschaft des Schulz ausreichen, um ihn zu überführen. (RG)
Roßdörfer Blumen fliegen ins Ausland
Ein Besuch in der größten deutschen Staudengärtnerei
Wer hat sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, woher die Blumen kommen, die man in den Geschäften der Städte zu kaufen bekommt? Hunderte von Sorten stehen dort in Vasen und Blumentöpfen, Blüten in allen nur erdenkbaren Farben und Arten, und über die Freude an ihrem Anblick macht sich bei den meisten Menschen der Gedanke breit,warum sie so verhältnismäßig teuer sind.
Wenn man aber einmal eine Großgärtnerei besichtigt, wie wir es bei der größten deutschen Staudengärtnerei Seibert & Kaiser in Roßdorf taten, dann bekommt man einen kleinen Eindruck von der Arbeit und der Mühe, die zur Aufzucht der Pflanzen aufgewandt werden müssen. Der Roßdorfer Betrieb widmet sich auf 50 Morgen Gartenland ausschließlich der Züchtung und Anzucht winterharter Stauden, zu denen Rittersporn, Astern. Phlox. Freilandchrysanthemen, Lupinen und Schwertlilien rechnen.
Früher wurden die Pflanzen in alle Welt verschickt, und auch heute wieder eröffnen sich Absatzmärkte in Süd- und Nordamerika, in der Schweiz. Dänemark und Spanien. Mit Flugzeugen werden die Erzeugnisse der Roßdorfer Großgärtnerei als Luftfracht in Spezialverpackungen versandt. Nadi dem Krieg ist es allerdings für die deutschen Gärtnereien schwierig, Anschluß an den
Weltmarkt zu finden, da das Ausland, insbesondere Amerika, konkurrenzfähiger ist. und in der Zeit, als wir in Deutschland Kohl und anderes Gemüse anbauen mußten, die gartentechnische Entwicklung in anderen Ländern ungehemmt weitergehen konnte.
Die Stauden werden in den Wintermonaten ausgesät. da sie — im Gegensatz zu anderen Pflanzen — zur Entwicklung Frost und Schnee benötigen. Später werden sie pikiert, das heißt, versetzt, und dann in Beete ausgepflanzt. Manche Staudensorten benötigen je nach Gattung und Art eine Entwicklungsdauer bis zu zehn Jahren, z. B. einzelne Aaronstab-Gewächse. In einer Spezialanlage werden Wasserpflanzen aufgezogen, großblühende Seerosen, japanischer Iris und Sumpfpflanzen. Wenig bekannt ist auch, daß das Ursprungsland der Seerosen Amerika ist.
Ueberhaupt kommen die meisten Blumen aus dem Ausland, sie werden m unserem Klima kultiviert, um sich den hiesigen Witterungsverhältnissen anzupassen. Aus dem Himalayagebiet kommen die alpinen Pflanzen für die Steingärten. aus Afrika und Asien haben sich Fremdlinge eingewöhnit, und fast alle wurden hier aus Samen aufgezogen. Langwierige und schwierige Arbeiten sind erforderlich, ehe aus dem ausländi-
sehen Samen eine verkaufsfähige Pflanze entsteht, die ja die Eigenart haben, zu modifizieren, sich in anderem Klima abzuändern. wie z. B. das Edelweiß, das, aus dem Alpengebiet in die Ebene verpflanzt, länger und grüner wird und sei«, spezifisches Aussehen verliert.
Seltene Pflanzen geben sich in der Roßdorfer Gärtnerei ein Stelldichein. Zu den teuersten zählen farbige Seerosen, die bis zu 15 DM pro Stück kosten. Die meisten Besucher der Firma Seibert & Kaiser werden enttäuscht sein, daß sie nicht den Blütenflor zu sehen bekommen. den sie wohl in der Gärtnerei er« wartet haben. Hier wird mit den Pflanzen gearbeitet, und eine 41jährige Erfahrung verbürgt, daß Roßdorf mit seinen Gewächsen sich in aller Welt einen Namen gemacht hat. hfl
Farbige Seerose Foto: List
700 Sänger werden die Kräfte messen
Wertungssingen des Sängerkreises Weschnitztal-Ueberwald in Siedelsbrunn
Am Sonntag trägt die Sängerkreis-Gruppe Weschnitztal-Ueberwald in Siedelsbrunn ihr erstes Wertungssingen nach dem Kriege aus. Nachdem die Einzeichnungslisten geschlossen wurden, st.eht nun fest, daß sich 24 Chöre einfinden werden, um vor Musikdirektor Bernd Zeh und Chormeister Grimm mit ihrem Können aufzuwarten.
Der Blick in das vorliegende Programm verrät, daß der Boden dessen, was geboten wird, sehr weitgespannt ist; vom schlichten vierstimmigen Volkslied („Muß i denn...“) über beste volkstümliche Chorliteratur und Kirchengesänge bis hin zu den Klassikern unserer Musik wie Schubert, Mendelssohn-Bartholdy und Nachwuchskomponisten wie Felix Moschner wird ein bunter Querschnitt aus dem Männer- und gemischten Chorgesang der Gegenwart geboten.
Rund 700 Sangesfreudige werden sich dazu einfinden, die von den Vereinen in Ober-Abtsteinach, Bonsweiher, Siedelsbrunn, Fahrenbach, Krumbach, Buchklingen, Fürth, Mörlenbach, Rimbach, Waldmichelbach, Bonsweiher, Löhrbach, Kolmbach, Lautenweschnitz, Hornbach, Mumbach, Reisen, Weiher und Kreidach gestellt werden. Mag auch der Hauptzweck ihres Kommens das Singen an sich sein, so erfüllen sie damit zugleich die Aufgabe, den noch abseits des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes stehenden Sangeskameraden einen Ansporn zu geben, sich dem Bund einzufügen.
Wenn sich die Kreisgruppe Weschnitztal-Ueberwald wenige Monate nach ihrer Neugründung — bis zu diesem Frühjahr gab es nur einen Gesamtkreis Bergstraße-Ried, in dem sich die Odenwald-Sänger, die vor 1933 bereits ihre eigene Kreisgruppe besaßen, nur sehr vereinzelt vorfanden, da sie mit Recht annehmen mußten, angesichts ihrer zahlenmäßig oft sehr krassen Unterlegenheit unterzugehen — an diese Veranstaltung wagt, so kommt darin auch der Aufschwung zum Ausdruck, den die Kreisgruppe unter ihrem 1. Vorsitzenden, Bürgermeister Adam Schmitt (Rimbach) seitdem genommen hat. Aus den einstigen 7 Vereinen, die dem DAS angehörten, sind es inzwischen 24 geworden, und die Verantwortlichen hoffen, daß dieses Wertungssingen mit dazu beitragen wird, die Mitgliederzahlen weiter zu erhöhen.
Vor allem das Ulfenbachtal fehlt noch nahezu restlos, und gerade hier sind so gute und starke Chöre wie Aschbach, Unter-Schönmattenwag, Affolterbach und Wahlen zu Hause. Siedelsbrunn selbst hat alle Mühe aufgewandt, den Gastsängern einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Die Säle „Zur Krone“ und „Deutsches Haus“ stehen im neuen Gewände bereit, die beiden Wertungssinggruppen aufzunehmen. Bürgermeister Schwebel selbst überwacht die anderen Vorbereitungen und die Auswahl der beiden Kri-
tiker läßt erwarten, daß sich unliebsame Vorkommnisse, wie sie das Wertungssingen in Biblis moralisch noch heute belasten und die schließlich die Neugründung dieser Kreisgruppe rechtfertigen, nicht wiederholen. (-r)
Keine Kinderlähmung in Dieburg
In der Kreisstadt Dieburg und den Nachbarorten wurde in der letzten Zeit immer mehr vom Auftreten der spinalen Kinderlähmung, auch im Kreis Dieburg, gesprochen, man wollte sogar bereits ganz bestimmte Fälle wissen. Hierzu weist das Kreisgesundheitsamt darauf hin, daß bis jetzt im Landkreis Dieburg kein einziger Fall von spinaler Kinderlähmung zur Anzeige gebracht worden ist. Sollten derartige Meldungen eingehen, so wird das Kreisgesundheitsamt die Bevölkerung entsprechend informieren und vor allem die nötigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Zu irgendwelcher Unruhe oder gar Panikstimmung sei vorerst keinerlei Anlaß. (RG)
Jugenheims Finanzen
Der ordentliche Haushaltsplan der Gemeinde Jugenheim schließt in Einnahmen und Ausgaben für das Rj. 1950 mit 177 587,58 Mk. ab, während der außerordentliche Etat in Einnahmen und Ausgaben mit 35 000 Mk zu Buch steht. Der Höchstbetrag der Kassenkredite, die im Rechnungsjahr 1950 für den Betrieb der Gemeindekasse in Anspruch genommen werden dürfen, ist 10 000 Mark. Der Gesamtbetrag der Darlehen, die zur Bestreitung von Ausgaben im außerordentlichen Haushaltsplan bestimmt sind, wird auf 35 000 festgesetzt; er soll für den Ausbau des Wasserwerks Verwendung finden.
In dem ordentlichen Haushaltsetat sind u. a. folgende Beträge eingesetzt: Allgemeine Verwaltung 23 378,88 Mk., Schulwesen 6 747,28 Mk., Fürsorge und Jugendhilfe 18 335,44 Mk., für Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen 17 852 Mk. und für öffentliche Einrichtungen und Wirtschaftsförderung 52 828,22 Mk. Die Gemeinde rechnet mit 155 652,68 Mk. Steuereinnahmen.
Als Steuerhebesätze sind bei der Grundsteuer für land- und forstwirtschaftliche Betriebe 144 v. H., für Grundstücke 123 <v.H„ für Gewerbesteuer vom Gewerbe und Kapital 300 v. H. und für Zweigstellensteuer 390 v. H. vorgesehen. hl.
Eltern fordern Züchtigung
Ablehnung durch die Lehrerschaft bei der Elternversammlung in Asbach
Die Volksschule Asbach hatte gestern die Elternschaft der Gemeinde zu einer Versammlung einberufen, um Schulprobleme zu behandeln. Für die Kirche war Kaplan Wölfeischneider erschienen und gab wertvolle Anregungen. Zunächst legte Lehrer M a d a y den Eltern nahe, möglichst weiterhin alle Kinder an der Schulspeisung teilnehmen zu lassen. Nach einer lebhaften Debatte über die Anwendung von Züchtigungsmitteln, die vor allem seitens der Eltern lebhaft gefordert wurden, von den Lehrern aber aus pädagogischen Gründen und mit Rücksicht auf das Grundgesetz abgelehnt werden mußten, stimmte man schließlich dahin überein, durch rege Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Elternhaus eine Straffung der sehr gelockerten Schuldisziplin zu erreichen.
Die Diskussion nahm noch wesentlich an Stärke zu, als man zum Thema „Unterschiedliche Schulschlußzeiten in Hessen und Baden“ überging. Viele in Hessen wohnhafte Kinder, die angesichts des im Herbst erfolgenden Jahresschulschlusses in Baden Lehrstellen hatten, können diese nicht antreten, da seitens des hessischen Kultusministeriums nur in sehr seltenen Fällen die Schulzeitverlängerung bis Ostern 1951 rückgängig gemacht wird. Es wurde beschlossen, eine Petition an den Kultusminister zu richten und ihn um großzügigere Handhabung der Bestimmungen anzugehen, damit den im hessisch-badischen Grenzgebiet wohnenden Lehrlingen und Schülern nicht die Zukunft verbaut werde. r
Amerikanische Lesehalle
eröffnet neue Ausleihstellen
Die Amerikanische Lesehalle Erbach hat in Mümling- Grumbach eine Ausleihsfelle für' Bücher eingerichtet, deren Bestände alle 14 Tage gewechselt werden. Äehnliche Äusleihstellen sollen auch in anderen Kreisorten eingerichtet werden, damit die kostenlose Benutzung der Bibliothek möglichst vielen Kreisbewohnern ermöglicht wird.
Während der Veranstaltungen im Kinosaal der Amerikanischen Lesehalle Erbach muß die im Obergeschoß liegende Bibliothek aus Personalmangel geschlossen bleiben. -ch
Glockenweihe in Groß-Bieberaun
Am Sonntag wurde in einem Festgoffesdienst die neue Glocke der evangelischen Kirchengemeinde geweiht. Mit dem Weiheakt war das Gedächtnis an die Toten und Vermißten der Gemeinde aus dem zweiten Weltkrieg verbunden. Pfarrer Kraemer hob in seiner Festandacht hervor, daß der Ruf der Glocken eine Mahnung sein solle, nur dem Frieden zu dienen. Der Kirchenchor, der Blä.crchor und ein Schülerchor der Volksschule umrahmten den Festgottesdienst. -wr-
Toto-Schwindel in Fürth
106 Tipzettel unterschlagen
Die Tatsache, daß der Fußballtoto mit Geld zu tun hat, erschien Frl. Scharner aus Fürth/Odw. als willkommene Gelegenheit, rasch reich zu werden. Sie bewarb sich deshalb um die Errichtung einer Annahmestelle und wurde später, als das Geschäft sich auszudehnen begann, mit der Aufgabe betraut, weitere Annahmestellen im Bereich des südlichen Odenwaldes einzurichten, für Reklame zu sorgen, wöchentlich die Abrechnungen vorzunehmen und die eingezahlten Gelder zu kassieren. Als sie vor einiger Zeit erkrankte, stellte ihr Vertreter Unstimmigkeiten fest, die jetzt zur Anzeige wegen Unterschlagung und Betrug führten. Wie bisher feststeht, hat die Sch. von den neu eingerichteten Annahmestellen unberechtigterweise eine Kaution von 25 DM kassiert und ließ sich für jeden — an sich kostenlos gelieferten — Werbekarton eine Mark bezahlen. Die anfangs beim Toto benutzten Kontrollstempel, die im Gegensatz zu den jetzt gebräuchlichen Kontrollmarken keinerlei buchmäßige Unterlagen verlangten, nutzte sie dahin aus, daß sie zahlreiche Wettscheine nicht ablieferte und das darauf eingezahlte Geld für sich behielt. Bisher konnten 106 auf solche Art verschwundene Tipzettel ermittelt werden. Weiter werden größere Mengen Kontrollmarken vermißt bzw. sind falsch verbucht. Das Gesamtausmaß der Unterschlagungen konnte noch nicht festgestellt werden. -r
Schäferhunde-Schau
in Lorsch
In der Schäferhunde-Schau der Kreisgruppe Bergstraße des Vereins für deutsche Schäferhunde in Lorsch erhielten die Rüden von Heiser. Bürstadt, und Schellelig, Hofheim, sowie die Hündin des Gg. Brückmann, Lampertheim die Note „Vorzüglich“. Insgesamt wurden 53 Schäferhunde zur Schau gestellt, davon 22 Rüden und 31 Hündinnen. Die Note „Sehr gut“ wurde 36 Tieren. „Gut“ 14 Tieren zugesprochen. Die Ortsgruppe Lorsch konnte mit ihren 12 Hunden jeweils ein „Sehr gut“ erzielen. In der Schau war bestes Hundematerial vertreten und die vorgeführten Hunde zeigten, daß ihre Verwendung als Schutz- und Polizeihunde nicht zu Unrecht erfolgt. Die Ausstellungsleitung lag in den Händen von Herrn F 1 esch h u t, Lorsch. (bl)
Kirchensubiläum in Dieburg
Die evangelische Gemeinde zu Dieburg beging am Sonntag die Feier des jährigen Bestehens der Kirche, hei welcher Gelegenheit das neue Jugendheim eingeweiht wurde, das zugleich dem Kirchenraum angeschlossen werden kann. Die Fesfpredigt hielt Propst Rau. Am Nachmittag hielt die Spielschar das Laienspiel „Des Königs Aufgebot". Am Abend hielt Oberstudiendjrek or Dr. Grünewald, der Sohn des Kirchenerbauers,, einen religiösen Vortrag.
Eine Kreiskonferenz der „ÖTV“ (Ge¬ werkschaft „öffentliche Dienste, Transport und Verkehr“, Kreisverwaltungsnebenstelle Groß-Gerau) findet am kommenden Samstag, dem 9. September, im Gasthaus „Am Sandböhl“ in Groß-Gerau statt. od.
Endspurt in der Erbacher Bausaison
Ueber 100 Wohnungen werden noch im Herbst fertig / Wohnungsamt bei anhaltender Bautätigkeit im Jahre 1952 überflüssig
Während man im Herzen der Kreisstadt Erbach verhältnismäßig wenig von der Bautätigkeit merkt — wenn man von dem am Montag begonnenen Abbruch der baufällig gewordenen Fassade des Mengerschen Hauses in der Jahnstraße absieht so herrscht zur Zeit auf den Hauptbauplätzen „An der Halle“, im „Drachenfeld“ und an den Spitzgärten doch sehr reger Betrieb.
Dort ist die Saison auf höchste Touren aufgelaufen. Zusehends wachsen auf der rechten Seite der Uhlandstraße, in der Liebknecht- und Mierendorfstraße, sowie an der noch nicht ausgebauten Johann-Erhard-Straße die Vier- und Sechsfamilienwohnhäuser der Gemeinnützigen Baugesellschaft Erbach empor. In der Uhlandstraße wurde an den letzten Häusern das Dachgebälk aufgeschlagen und die Dachdecker können ihre Arbeit beginnen.
36 Wohnungen mit je zwei Zimmern, Küche, Bad, Keller und sonstigem Zubehör umfaßt allein das Bauprogramm dieses Sommers, das die Baugesellschaft für Erbacher Industriefirmen und private Interessenten ausführt. Geplant sind zwar noch weitere Häuser, aber ihre Ausführung hängt von der Beschaffung erststelliger Hypotheken ab, die wiederum die Voraussetzung bilden zu den 11. Hypotheken aus Mitteln der Landesbaudarlehen. Das sind die Hauptfaktoren der Finanzierung, die nahezu vier Fünftel der Gesamtbaukosten ausmachen. Der Rest ist durch die Bauherren in Form von Eigenkapital oder Selbsthilfeleistungen aufzubringen. Durch die Vergünstigungen, die die Baugesellschaft als gemeinnütziges Wohnungsbauunternehmen genießt, können die Baukosten niedrig gehalten werden. Sie belaufen sich beispielsweise für ein Vierfamilienhaus auf 28 000 DM. Zu jeder Haushälfte gehören noch rund 600 qm Garten. Das Bau- und Gartengelände wurde von der Stadt Erbach kostenlos zur Verfügung gestellt.
Genau so verhält es sich mit der Selbsthilfesiedlung der Heimatvertriebenen an der zum Teil bereits im Unterbau fertiggestellten J ohann-Sebastian-Bach-Straße, wo auf der linken Seite zunächst 4 Vierfamilienhäuser nach dem einheitlichen Plan von Bau-Ing. K. Gutz ei t, entstehen. Hier hat das Gemeinnützige Siedlungswerk in Frankfurt die Finanzierung übernommen, nur daß der Anteil der Eigenarbeit wesentlich" höher liegt. Alle Arbeiten werden fast ausschließlich durch die Flüchtlinge selbst ausgeführt. Was an technischer Handfertigkeit fehlt, wird durch Fleiß und Zähigkeit wettgemacht. Es ist schon ein hartes Stück Arbeit, zu zweit oder dritt mit geliehenem Werkzeug — also nicht dem besten —, ein Zweifamiliendoppelwohnhaus hochzumauern. Aber sie schaffen es. Ihre heiße Sehnsucht, endlich wieder einmal wie ein Mensch wohnen zu können, ist ihr bester Helfer dabei. Zu den vier jetzt im Bau befindlichen Häusern sollen im nächsten Jahr noch weitere sieben mit ebenfalls je vier Wohnungen hinzukommen. Die andere Straßenseite wird im kommenden Frühjahr von der Baugesellschaft mit ebensolchen Häusern ausgefüllt. Im nächsten Jahr wird zusammen mit den
zahlreichen Einfamilienhäusern, die zur Zeit schon im Bau sind, das ganze Gelände „An der Halle“ ein neues Stadtviertel von Erbach bilden.
An der Johann-Erhard-Straße errichtet die HEGEMAG zwei Sechsfamilienhäuser für Staatsbeamte, die in Erbach tätig sind. Ein Haus ist bereits fertig, das zweite soll noch vor Winter unter Dach. Gegenüber steht ein Sechsfamilienhaus der Baugesellschaft. Zwischen diesem und dem im Zuge der neuen Straße liegenden Rohbau eines Einfamilienhauses ist von einem Erbacher Industrieunternehmen noch ein 36 Meter langer Wohnblock mit 12 Wohnungen geplant.
In der Sylvester-Stock-Straße ist die rechte Seite mit den in diesem Sommer erstellten Neubauten, in denen insgesamt 16 Wohnungen, eine Arztpraxis, ein Architektenbüro und andere Gewerberäume untergebracht sind, ausgefüllt.
Alle diese zur Zeit im Bau befindlichen, aus öffentlicher und privater Hand finanzierten Häuser, von denen ein großer Teil noch im Herbst bezugsfertig werden soll, ergeben einen Zuwachs von insgesamt 102 Wohnungen in Erbach. Als Ergebnis eines einzigen Baujahres ist das für eine kleine Stadt wie Erbach eine anerkennenswerte Leistung.
Zur Zeit suchen in Erbach noch 420 Parteien mit insgesamt 1000 Personen Wohnung. Darunter befinden sich viele, die nur aut ein Einzelzimmer, sei es möbliert oder unmöbliert, warten. Sollte also die private und öffentliche Bautätigkeit im gleichen Umfange weitergehen, wie in dieser Saison, so könnte spätestens im Herbst 1952 die Wohnungsnot in der Kreisstadt Erbach behoben sein und das Wohnungsamt endlich aufgelöst werden. -ch
Was aǔch interessiert:
Eine klaffende Wunde am rechten Un¬ terschenkel zog sich ein Motorradfahrer aus Ebersberg zu, der in Erbach an der Küchler-Brücke mit einem aus der Brückenstraße kommenden Personenwagen zusammenstieß und hierbei stürzte, -ch.
Der bekannte Siegfriedbrunnen bei Gras-Ellenbach, der unter den Witterungseinflüssen der letzten Jahre stark gelitten hatte, wurde jetzt renoviert. Die Gedenkplatte erhielt eine neue Inschrift und die Umgebung des Brunnens wurde neu bepflanzt. -r.
Eine Protesabstimmung gegen die drohende Verschlechterung in der Sozialversicherung beabsichtigt der DGB in Beerfelden heute abend vorzunehmen. ch.
Tagung der Landesbildstellenleiter
Ausführliche Berichterstattung über die Gründung des „Instituts für Film und Ton“
50 Delegierte der Landesbildstellen tagten unter Leitung von Direktor Heun von der Staatlichen Landesbildstelle im Education Service Center in Jugenheim.
Direktor Heun berichtete über die Zusammenlegung des Institutes für den Unterrichtsfilm (München) und des Institutes für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (Hamburg) sowie der damit erfolgten Neugründung des Trizonalen Institutes mit dem Sitz in München. Das neue Institut, das den Namen „Institut für Film und Ton“ führt, ist eine gemeinnützige G. m. b. H. Gesellschafter sind die Länder der Westzone. Bis jetzt haben sich alle Länder der Westzone mit Ausnahme des Landes Rheinland-Pfalz inklusive Berlins dieser G. m. b. H. angeschlossen.
Die Länder haben sich verpflichtet, einen einmaligen Gesellschaftsbeitrag von 3000 Mark zu zahlen und die Verwaltungs- und Produktionskosten, die sich pro Jahr und Schüler auf 12,8 Pfennig belaufen, aufzubringen. Das neue Institut gibt den Landesbildstellen mehr Selbständigkeit und damit eigene Beschaffungsmöglichkeit. Die oberste Instanz des Institutes ist die Gesellschaftsversammlung. die aus den Vertretern der Kultusminister der einzelnen Länder besteht. Vorsitzender ist Staatsrat Meinzold.
Die sachlichen und fachlichen Beratungen, besonders in Produktionsfragen, regelt ein Kuratorium, das sich aus je einem Vertreter der Kultusminister von vier Ländern und je einem Landesbildstellenleiter der übrigen Länder zusammensetzt. Hinzu kommen zwei Vertreter
der Hochschulen und je ein Vertreter der Erwachsenenbildung und der Jugendpflege. Die 4 Landesbildstellenleiter sind: Direktor Ziegeler (Württemberg), Direktor Weiß ( Württemberg-Hohen'zollern), Direktor Kempe (Hamburg) und Direktor Heun (Hessen). Die Vertreter der Lehrerverbände kommen aus Baden, Bayern, Berlin und nach einem evtl. Anschluß, aus Rheinland-Pfalz.
Die Filmproduktion wird sich aus Eigen- und Fremdproduktion, Industriefllm, Altproduktion aus vorhandenem Material und aus Filmen des Auslandes zusammensetzen. Das neue Institut hat seine Tätigkeit am 1. August d. J. aufgenommen.
Anschließend gab Direktor Heun eine Uebersicht über die bisherige Tätigkeit des Arbeitsausschusses. Um die Frage des Filmbeitrages zu klären, verfaßte der Ausschuß zwei Resolutionen an den Minister für Erziehung und Volksbildung, die beide von Erfolg waren. Es ist damit zu rechnen, daß der Landtag noch in diesem Jahr ein Gesetz über die Erhebung des Filmbeitrages beschließt. Der Referent betonte, daß die Erhebung des Filmbeitrages, die Ausbildung und Weiterbildung der Lehrerschaft in pädagogischer, methodischer und technischer Art und die rechtliche Stellung der Kreis- und Stadtbildstellen einer ministeriellen Regelung bedürfen. hl.
Die Vier- und Sechsfamilien-Wohnhäuser der Baugesellschaft Erbach an der Uhlandstraße werden einmal zu den schönsten Wohnvierteln der Kreisstadt zählen Aufnahme: Tehad
Hessischer Gemeindetag
in Bensheim
Das Präsidium des Hauptausschusses des Hessischen Gemeindetages von 170 kreisangehörigen Städten und 2400 kreisangehörigen Gemeinden trat kürzlich in Bensheim zusammen, um zu dem Entwurf einer neuen hessischen Gemeindeordnung Stellung zu nehmen. Es wurde beschlossen, am 13. September in einer außerordentlichen Tagung allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden in Bad Vilbel den Entwurf zur Diskussion zu stellen. Das Hauptreferat hat der Rektor der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, Professor Dr. Dr. Becker, übernommen. Weiterhin wurde beschlossen, das Freiherr-- Stein-Institut in Lindenfels, das wöchentliche Lehrgänge für die Gemeindevertreter durchführt, zu fördern und in das Kuratorium sechs Vertreter zu entsenden. Das Präsidium bedauerte, daß ein Teil der kreisangehörigen Städte sich einer Arbeitsgemeinschaft mit den kreisfreien Städten angeschlossen hat. Auf Grund der natürlichen Interessen und der Struktur der kreisangehörigen Gemeinden sollten auch diese ihren Spitzenverband im Hessischen Gemeindetag sehen, der für die besonders gelagerten Verhältnisse der größeren Gemeinden besondere Arbeitsgemeinschaften gebildet hat. Als Nachfolger für das verstorbene Präsidialmitglied Bürgermeister Lapp, Dörnigheim, wurde Bürgermeister Schubert, Bergen-Enkheim, gewählt. HB.
Odenwüälder &chweinemärkte
mäßig beschickt bei geringer Nachfrage
Die Septembermärkte, die am Montag in Beerfelden und Reichelsheim abgehalten wurden, brachten bei mäßiger Beschickung und geringer Nachfrage schleppendes Geschäft. Auf beiden Märkten gab es viel Ueberstand. In Beerfelden betrug der Auftrieb 83 Ferkel. für die die Händler 48—50 DM bei sechswöchigen und bis zu 70 DM bei älteren Ferkeln verlangten. Auf dem Reichelsheimer Markt standen nur 18 Tiere, deren Preise zwischen 35 und 75 DM je nach Alter und Schwere lagen, -ch
Schlachtviehmarkt Darmstadt
vom 5. September
Auftrieb: Großvieh und Kälber kaum verändert. 95 Schweine (18’/o), 16 Schafe weniger in der Vorwoche. 41 Großvieh, 39 Kälber, 350 Schweine vom heutigen Auftrieb wurden außerhalb Hessens vorwiegend aus Niedersachsen angeliefert. Preise: Großvieh und Schafe kaum verändert, Kälber und Schweine steigend. Marktverlauf: Großvieh ruhig, Kälber und Schafe flott, Schweine rege, Markt geräumt. Qualität: Großvieh und Schafe gut, Kälber und Schweine mittel bis gut. Fleischgroßmarkt: 5 Tonnen Inlandsware.
Ferkelmarkt Gr. Bieberau vom 4. 9.
Auftrieb: 51 Tiere, davon 27 Ferkel, 14 Springer, 10 Läufer und Einlegeschweine. Preise: Ferkel 18—25 Pf., 5—7 Wochen alt, 40—52 DM; Springer 30—35 Pf., 55—68 DM; Läufer 40—50 Pf., 72—82 DM. Marktverlauf: Langsam bis schleppend, Umsatz mäßig, starker Ueberstand. Qualität: Ferkel gut, Springer gut bis sehr gut, Läufer mittel bis sehr gut. Nächster Markt am 25. 9., vormittags 9 Uhr. Auftrieb: 1 Stunde vorher.
I. Großvieh: 75 Stück, davon Ochsen 5 Stück, Bullen 5 Stück, Rinder 239 Stück, Kühe 26 Stück. Ochsen Klasse aa 84—98 Pf., Rinder Klasse aa 91—98 Pf., a 83—96 Pf., Bullen Klasse a 80—82 Pf., Kühe Klasse aa 85—98 P., a 86—87, b 62—70, c 52—61, d 48—50.
11. Kälber 62 Stück,' Schweine 431 Stück, Schafe 20 Stück. Kälber Klasse aa 125—140 Pf., a 125—140, b 105—125, c, 100—115, d 72—80 Pf. Schweine Kl. a + bl 135 kg und mehr 150 Pf., b 2 120—134,5 kg 150, c 110—119,5 kg 149—150, d 80—99,5 kg 148—150, e 60—80 kg 147—150 Pf., gl Specksauen 135—145 Pf., Durchschnittspreis 150 Pf. Schafe Klasse a 50—65 Pf., b, c 50—65 Pf.
meldungen aus den Landlceisen
DARMSTADT-LAND
Seeheim. In der Monatsversammlung des Männerkreises spricht heute um 20.30 Uhr im Evangel.Gemeindehaus Dr. Schapitz über: „Das Christentum auf der Anklagebank“. erw
Seeheim. Heute findet um 20.30 Uhr im Evang. Gemeindehaus ein Vortragsabend mit Aussprache statt. Es spricht Dr. ing. Schabitz über das Thema: „Die Kirche auf der Anklagebank“, rh
Jugenheim. Die Gemeinde Bickenbach gibt bekannt, daß die Bahnhofstraße vorübergehend wegen Straßenarbeiten gesperrt ist. Umleitung erfolgt über Hartenauer Straße oder Weilerweg. hl.
Alsbach. In der Zeit vom 1. September bis 31. Oktober d. J. können wieder Anträge auf Hausratshilfe gestellt werden. Formulare sind auf der Bürgermeisterei erhältlich. hl.
Hahn. Die mehrere hundert Jahre alte Orgel wurde in der letzten Woche ausgebaut. Die Firma Walc ke r (Ludwigsburg) hat den Umbau übernommen. Der Auftrag wurde damit einer weltbekannten Orgelbauflrma übertragen, die vor Jahren die berühmte Heldenorgel in Kufstein baute. Jn.
Pfungstadt. Der Don-Kosaken-Chor gab in der evangelischen Kirche ein Konzert, das sehr gut besucht war. Der Abend, der mit dem wundervollen Chor „Ich bete an die Macht der Liebe“ schloß, hinterließ bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck. ler
DIEBURG
Dieburg. Wegen Umbauarbeiten am Ortslichtnetz wird der Strom in verschiedenen Straßen am Mittwoch, dem 6. September, von 6—13 Uhr abgestellt. (Albinisches Schloß, Markt, Zuckerstraße bis Steinstraße, Rheingaustraße, Groß-Zimmerner Straße, Steinweg, Hinter der Schießmauer, Gymnasium und Konvikt sowie in den angrenzenden Seitengassen). -gi-
Urberach. Unbekannte trieben während der Kirchweihtage ihr Unwesen. An einigen Ständen wurden die Halteleinen zerschnitten, Schiffe der Schaukel wurden abmontiert und auf andere Plätze gelegt, außerdem waren verschiedene Schaubuden beschädigt. -gi-
Reinheim. — Das Abstempeln von ärztlichen Bescheinigungen und Fürsorgescheinen wird ab sofort von der Fürsorgestelle in Dieburg erledigt eb Langstadt. — Im Zuge der Straßen-
erneuerung zwischen Babenhausen und Kleestadt wurde jetzt der 3. und letzte Bauabschnitt, die Ortsdurchfahrt in Langstadt, fertiggestellt. Der Kostenaufwand belief sich auf 40 000 DM, wovon die Gemeinde 15 000 DM aus eigenen Mitteln aufbringen1 muß. -th-
ERBACH
Neustadt. Am vergangenen Samstag kamen die Flüchtlinge zu einer Besprechung zusammen. In Zukunft wollen die Flüchtlinge jeden ersten Samstag im Monat eine Besprechung abhalten, -hm-
Höchst. Am Donnerstag findet im Rathaus eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. -hm-
BERGSTRASSE
Bensheim. Die Ausgabe der Benzinscheine erfolgt am Mittwoch und Donnerstag im Rathaus (Rodensteinerhof), Zirner 20. Die Stadtverwaltung bittet, die beiden Ausgabetermine genau einzuhalten. hb
Lorsch. Der Verband der Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen hält heute eine Hinterbliebenen-Zusammenkunft ab.
GROSS-GERAU
Mörfelden. Auf der Frankfurter Straße streifte ein Personenwagen den Anhänger einer Zugmaschine. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Kb.
Gernsheim. Der hiesige Gewerbeverein rief unter Leitung des 2. Vorsitzenden Staab eine außerordentliche Generalversammlung ein. Der bisherige Schriftführer W. Thyssen wurde zum Nachfolger des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen 1. Vorsitzenden und H. Förster zum Schriftführer bestellt, während die übrigen Vorstandsmitglieder in ihren bisherigen Funktionen bestätigt wurden. Pe
„Donna Diana“
ERSTES GASTSPIEL DES WORMSER STADTTHEATERS
Zu guter Stunde findet sich das Unwahrscheinlichste zusammen: ein altes Schloß von strenger, klassischer Form, ein wohlgepflegter Park mit dichtem Laubdach, lauschigen Gebüschen und üppigen Rasen und die gleichgestimmte Renaissance-Hofkomödie, sogar der kapriziösesten eine, eine spanische; nur eines wollte sich nicht einstellen: die erregende Wärme einer andalusischen Nacht! El desden con es desden, so hieß das heitere Spiel des Spaniers M o r e t o (1618—1668), das am Sonntagabend vom Stadttheater Worms im Park des Fechenbachschen Schlosses als Freilichtspiel über Parkwege, Terrasse und Balkon sich beschwingt entfaltete.
„Trotz wider Trotz“ wäre die genaue Uebersetzung; „Donna Diana“ hat es der deutsche Bearbeiter Hans Schlegel nach Wests bekannter Verdeutschung genannt. Der Gegenstand ist der gemäßeste, der sich für einen Schloßpark finden läßt: Wege und Irrwege der Liebe. Eine spröde Schöne, Prinzessin Diana, begegnet einem sich ablehnend betragenden Liebhaber, der in Wirklichkeit von heißer Liebe entbrannt ist. Dieser gibt der hoheitsvollen, verstandesscharcen und gefühlskalten Dulcinea Anlaß zur Eifersucht, die im Karnevalstreiben die erforderliche Temperatur erreicht, wie sie zu einem glücklichen Liebesbund nötig ist. Berechnender und gelehrter als im deutschen Lustspiel hat Moreto seine Argumente und Beweisführungen aufgebaut, seinen großen Landsmann Lope de Vega fleißig benützt und den ewig fesselnden Gegenstand mit echt südländischer, sinnhafter Prägung voll Witz und Kaprice abgewandelt.
Das Stadttheater Worms übergab mit dieser Freilichtaufführung dem Dieburger Publikum einen vielversprechenden Befähigungserweis. Regisseur Heinz Artmann drückte der Aufführung den Stempel mediterraner mimischer Glut und szenischer Dynamik auf. Die örtlichen Gegebenheiten, im Zusammenspiel schwieriger zu meistern als der Bühnenraum, nutzte er in günstigstem Blickwinkel. Innerhalb der Szenen wäre eine stärkere bildmäßige Geschlossenheit erforderlich. Registerreiche, geistvolle und feinnervige Talente verliehen seinen Intensionen Leben und Gestalt. Helga Rets c h y glänzte als glutäugige Spanierin voll Hoheit und Grandezza, stolz und scharf profiliert in den beiden ersten Akten, voll Zornesglut und rasender Liebe im Endspiel; eine stark beeindrukkende und einnehmende Leistung. Die Rolle ihres Vaters stattete Thomas H e i g 1 e mit der Skala der Altersmarkierung aus. Josef Vandegen brachte als Gegenspieler der Diana Temperament, Laune und gezügelte Wildheit in so meisterlicher Mischung und Diktion in das Spiel, daß er der bewegende Pol des Geschehens war und blieb, wozu Ernst Ronne c k e r als sein Diener Moskito bravourös beitrug. In Witz und Bourleske gleich stark, elektrisierend, korrigierend, peitschend, aber auch salbungsvoll und gelehrt, doch immer hell wach, so war er von Anfang bis Ende ein treibender und schwirrender Moskitogeist, dem eine lobende Auszeichnung wohl zukommt. Hans D i 1 g u. Diether Schaad ernteten oft und oft Beifall als werbende Rivalen durch die reichen Einfälle ihrer Komik. Marianne Keil und Elga Fornoff wußten als umworbene Hofdamen ihre Freier mit vielseitigen Künsten zu gängeln; während Hildegard K o o s t als Zofe Laura mit ihrer frischen Unmittelbarkeit rasch und durchschlagend zum Ziel gelangte, indem sie sich ihren zappelnden Moskito erangelte.
Eine erstmalige und einmalige Aufführung, die freudigen Beifall auslöste und Auftakt zu weiteren Spielabenden des Stadttheaters Worms in der Ludwigshalle sein soll. Es liegt an der Dieburger Bevölkerung, sich diese erlesenste Form der Unterhaltung durch stärkeren Besuch möglich zu machen. V. V.
Allerlei vom Jagdschein
Nach dem Kriege und nach den für unseren Wildbestand so verheerenden Nachkriegsjahren ist es notwendig, von Grund auf Wiederaufbauarbeit in unserem Jagdwesen zu leisten. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, daß eine Anzahl von Anordnungen getroffen worden ist, die der Ausübung waidgerechter Jagd die Wege ebnen sollen. Es sind Bestimmungen, die auch die „Laienwelt“, d.h. die Nicht-Jäger interessieren.
Die Erteilung des Jagdscheines erfolgt durch die für den Wohnsitz des Antragstellers zuständige untere Verwaltungsbehörde, also durch den Landrat. Für außerhalb Hessens wohnhafte Antragsteller und für Ausländer ist j e d e untere Verwaltungsbehörde zuständig. Der Jähre s - Jagdschein ist achtseitig, und ist bei Inländern nur in Verbindung mit der deutschen Kennkarte, bei Ausländern und Staatenlosen nur in Verbindung mit dem Paß gültig. Ein Lichtbild des Inhabers wird auf dem Jagdschein nicht mehr befestigt. Auf die erste Seite des Formulars werden die Personal-Angaben des Inhabers, die Angabe des Jagd-Jahres, welches mit dem 1. April beginnt, und sonstige Vermerke der ausstellenden Behörde eingetragen. Auf S. 2 folgen die Schon- und Jagd-Zeiten in graphischer Darstellung, die dritte Seite bringt zusätzliche Vermerke über Schon- und Jagd-Zeiten. Seite 4 enthält Vermerke über Waffenrecht, über die Jagdausübung Jugendlicher, über Haftpflicht-Versicherung und Raum für Wertmarken. Der Erneuerung des Jagdscheins in späteren Jahren dienen die Seiten 5 bis 7. Die achte und letzte Seite enthält die Hauptregeln über das Verhalten der Jäger auf Treibjagden.
Die Erteilung des Jagdscheins ist vom Nachweis des Abschlusses einer Jagd-Haftpflichtversicherung bei einem im Bundesgebiet ansässigen Versicherungsunternehmen abhängig, und zwar für eine Deckungssumme von 150 000 DM für Personenschäden und von 15 000 DM für Sachschäden. Der Antragsteller ist bei der ersten Erteilung eines Jagdscheines darauf hinzuweisen, daß das künftige hessische Jagdgesetz die Ausstellung eines Jagdscheines von der erfolgreichen Ablegung einer Jäger-Prüfung abhängig macht. Dem Jagdschein-Inhaber ist zu eröffnen, daß er nach dem Inkrafttreten des neuen Jagdgesetzes binnen einer noch zu bestimmenden Frist die erfolgreiche Ablegung einer Jäger-Prüfung nachzuweisen hat, widrigenfalls ihm der Jagdschein ohne Rückerstattung der Jagdschein-Gebühren entzogen werden kann.
Die Gebühr für den Jahres-Jagdschein 1950 beträgt für Inländer DM 40.—, für Ausländer und Staatenlose DM 200,-. Für Jägermeister, Forstbeamte, Berufsjäger und Jagdaufseher sowie für Personen, die sich in anerkannter forstlicher oder jagdlicher Ausbildung befinden, sowie für Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, ermäßigt sich die Gebühr auf die Hälfte. Die Gebühren werden von den Kassen der Kommunalbehörden, die die Jahres-Jagdscheine ausstellen, vereinnahmt. Die Hälfte der vereinnahmten Gebühren ist an die Staatskasse abzuführen; sie steht der obersten Landes-Jagd-Behörde zur Förderung des Jagdwesens zur Verfügung.
t Fjr u die Ausstellung von Tages-Jagdscheinen ist die gesetzliche Regelung s uzu warten.
Jagdscheine für Ausländer und Staatenlose werden auf der ersten Seite durch ein schräges rotes Kreuz, für Jugendliche durch ein schräges grünes Kreuz kenntlich gemacht. Der grüne Sonder-Jagdschein für Jagdführer ( Special-Hunting-License) wird nicht mehr ausgegeben; an seine Stelle tritt künftig in allen Fällen der Jahres-Jagdschein.
Der Sport
Clubmeister des DSW 12
Die am Sonntag im Woog zur Durchführung gelangten internen Clubmeisterschaften des Darmstädter Schwimm- und Wassersportclubs, die den Abschluß der diesjährigen Freiwasserschwimmzeit bildeten, gaben einen umfassenden Ueberblick über den gegenwärtigen Leistungsstand des Clubs. Es war ein erfreuliches Zeichen, daß sich in erster Linie die zahlreiche Schwimmerjugend, unter denen sich manches Talent befindet, sehr rege an den Wettkämpfen beteiligte.
Daß die eifrig trainierenden Jugendschwimmer des DSW 12 nach vorne drängen, war dem aufmerksamen Beobachter in der letzten Zeit nicht verborgen geblieben. So war es auch nicht verwunderlich, daß in drei Disziplinen die Titel an Jugendliche fielen.
Im 100-m-Kraul fiel der Titel an Hans Köhler, der seine beiden Hauptwidersacher, Klaus Hohlfeld und seinen Bruder Peter, erst auf den letzten Metern abschütteln konnte.
Hohlfeld entschädigte sich durch einen Sieg im 100 m Brust.
In der Klubmeisterschaft über 100 m Brust- für Frauen verwies Elo Roth durch eine gute Leistung ihre Kameradin Gisela Laun auf den zweiten Platz.
Daß auch die älteren Semester noch recht gute Leistungen vollbringen können, bewiesen Hans Vogels 37.0 Sek. im 50 m Brust (Schmetterlingsstil) und Eugen Richters 31.4 Sek. im 50 m Kraul. Auch im Beiprogramm verliefen die Wettkämpfe recht ansprechend.
Ergebnisse: Herren: 100 m Kraul (Klubmeistersjhaf t): 1. H. Köhler 1,16.8, 2. K. Hohlfeld 1,18.2, 3. P. Köhler 1,18.3 Minuten.
100 m Brust (Klubmeisterschaft): 1. K. Hohlfeld 1,28.6, 2 R. Herbert 1,34.8, 3. Dr. B. Sachs 1,35.7 Minuten.
Frauen: 100 m Brust (Klubmeisterschalft): 1. Elo Roth 1,48.4, 2. G. Laun 1,50 Minuten.
Weitere Ergebnisse: 50 mßrust für Mädchen, Klasse A: 1. K. Darmstädter 0,51.5, 2. G. v. d. Au 0,52.1, 3.
I. Helfmann 0,54.8 Minuten. Klasse B: 1. O. Rewenkoff 0,47.1, 2. G. Schieferdecker 0,47.8, 3. U. Rückert 0,48.1 Minuten.
50 m Kraul für Mädchen, Klasse B: 1. U. Rückert 0,40.9, 2. J. Rodemer 0,51.2 Minuten.
1100 m Rücken für weibl. Jugend, Klasse A: 1. E. Walk 1,50.2, 2. U. Ilgen 2,05.8 Minuten. 100 m Kraul für weibl. Jugend, Klasse
A: 1. U. Ilgen 1,39.6, 2. E. Walk 1,45 Minuten.
100 m Brust für männl. Jugend, Klasse A: 1. H. Hermes 1,37, 2. Th. Kellner 1,40.9 Minuten.
Klasse B: 1. G. Hercher 1,46.8, 2. A. Petzold 1,56.9 Minuten.
50 m Brust für Knaben, Klasse A: 1. K. Rodemer 0,52, 2. H. G. Lich 0,53, 3. G. Sack 0,55.3 Minuten.
Klasse B: 1. H. Hofmann 0,42.9, 2. H. Helmstädter 0,44.2, 3. V. Meckes 0,46.6 Minuten.
100 m Rücken für männl. Jugend, Klasse A: 1. H. Köhler 1,35.3, 2. B. Baumann 1,51.7 Minuten.
50 m Kraul für Knaben, Klasse A: 1. H. Volk 0,51.0 Minuten.
Klasse B: 1. K. Gunder 0,39.0, 2. E. Seibert 0,42.8 Minuten.
50 m Brust für Knaben (Anfänger): 1. U. Gernhardt 0,61.0, 2. B. Richter 1,05.4 Minuten.
50 m Rücken für Knaben, Klasse B: 1. K. Kabel 1,08.0 Minuten.
50 m Brust für Mädchen (Anfänger): 1. Ute Sachs 1,09.0, 2. G. Walldorf 1,21 5 Minuten.
100 m Kraul für männl. Jugend, Klasse A: 1. W. Nau 1,28.3, 2. J. Hempfing 1,40.4 Minuten.
50 m Brust für ältere Herren, Klasse 1: 1. H. Vogel 0,37.0, 2. Dr. B. Sachs 0,40.0,
3. H. Engel 0,43.5 Minuten.
Klasse 2: 1. W. Conrad 0,44.3 Minuten. 50 m Kraul für ältere Damen, Klasse 1:
1. K. Schüler 0,40.6 Minuten.
Klasse 2: 1. H. Sulzmann 0,46.1, 2. Schieferdecker 0,50.6 Minuten.
50 m Kraul für ältere Herren, Klasse 1:
1. H. Vogel 0,34.0, 2. W. Gehbauer 0,37.4 Minuten.
Klasse 2: 1. A. Müller 0,35.0, 2. W. Conrad 0,35.4 Minuten.
Klasse 3: 1. E. Richter 0,31.4, 2. H. Zeschky 0,47.9 Minuten.
50 m Rücken f. ältere Herren, Klasse 2: 1. W. Conrad 0,45.7 Minuten. Klasse 3: 1. E. Richter 0,44.9 Minuten. nen Kampf durch Eindrücken der Brücke in der 9. Minute über Moter (R). Im Federgewicht war Weber (Pf) durch Selbstwurf von Feiger (R) erfolgreich. In der Leichtgewichtklasse siegte Grünig (Pf) durch Armzug in der 2. Minute über Poth (R). Im Weltergewicht blieb Hofmann (Pf) durch Hüftzug in der 4. Minute über Nicoley (R) erfolgrech. Frommherz (Pf) gewann im Mittelgewicht durch Ueberroller über Schüler (R). Im Halbschwergewicht siegte Breitwieser (R) nach Punkten über Koch (Pf). In einem kurzen und spannenden Kampf siegte Schwergewichtler Huck (R) durch Doppelnelson in der 1. Minute über Büchlein (Pf). (sl)
Zwei Ringer gehen in Lehrgänge
Zu einem Vorbereitungslehrgang in Bad Reichenhall und einem Kurs in der neuen Münchner Sportschule werden aus unserem Heimatgebiet die Ringer Kern (ASV Dieburg) und Kronenberger (Kahl) herangezogen. Eine deutsche Ringerstaffel aus neun besten Athleten bestehend, wird am 5. Oktober zu einem Länderkampf in die Türkei fliegen. Hier könnte sich Kern oder Kronenberger bei gutem Lehrgangsabschluß vielleicht eine Flugkarte erringen. -gi-
Abbruch des Schulsportfestes - der Bleonorenschule
Am Samstag hatte die Eleonorenschule im Hochschulstadion ihr Sportfest angesetzt. Zahlreiche Zuschauer waren erschienen, die das bunt zusammengestellte Programm sehen wollten. Nach Begrüßung der Teilnehmer durch Direktor Mahr wurde das Programm mit der Körperschule sowie den Kurzstreckenläufen eröffnet. Schöne Leistungen waren zu erwarten, als ein anhaltender Regen einsetzte und die Durchführung des Sportfestes nicht zur Entfaltung kommen konnte. Die Jugendwettkämpfe mußten abgebrochen werden. Auf einen späteren, bisher unbestimmten Zeitpunkt müssen daher die Wettkämpfe verschoben werden, -eri-
Bekanntmachungen der SG
Die Sportgemeinde e. V. Weiterstadt beteiligte sich am letzten Sonntag, dem 3. September, mit ihrer Jugendabteilung der Frauen und Männer bei den volkstümlichen Hebungen des Frankensteinbergfestes. Alle Teilnehmer konnten preisgekrönt nach Hause gehen. In der Jugendklasse B im Dreikampf errang Karlheinz Pfeiffer mit 69,5 Punkten den 2. Platz. Bei den Turnerinnen erzielte Irmgard Löb mit 58,5 Punkten den 6. Preis, Edith Schamber mit 57 Punkten den 7., Amanda Engel mit 55 Punkten den 9. Platz, Erika Schupp mit 50 Punkten den 16. Preis, Margarete Friedrich und Kriegelstein mit 42,5 Punkten den 24. Preis. Somit dürfte für dieses Jahr die Turnsaison abgeschlossen sein.
Am 29. Oktober wird bei Gastwirt Schöneberger ein Turnwerbeabend unter Mitwirkung der Kreisriege durchgeführt. Die Handballer mußten in ihrem ersten Verbandsspiel gegen Büttelborn eine ll:6-Niederlage hinnehmen. Am kommenden Sonntag, dem 10. September, müssen sie in Langen antreten.
Der Trainingsbetrieb wird wie folgt geregelt: Dienstag abend ab 20 Uhr Turnstunde der Turnerinnen im Vereinslokal, Donnerstag abend Turnstunde der aktiven Turner und Handballer im Vereinslokal. Die Spielersitzung wird um 20 Uhr abgehalten, damit allen Handballern, auch der Jugend Gelegenheit geboten ist, an der Turnstunde teilzunehmen. Es wird erwartet, daß am nächsten Donnerstag alle Turner und Handballer anwesend sind.
Am Samstag, dem 9. September, abends 20.30 Uhr, findet bei Gastwirt Schöneberger die erste Ausschußsitzung wegen des Jubiläumsfestes im nächsten Jahr statt. Hierbei werden gleichzeitig die einzelnen Ausschußvorsitzenden gewählt. -H-
Am 7. September, um 19 Uhr, spielt auf der Woogswiese eine Fußballmannschaft der Stadtverwaltung gegen die Betriebsmannschaft der Firma Göbel AG.
Als Abschluß der Radsportveranstaltungen in diesem Jahr sieht die Ortsgruppe Lorsch des Rad- und Kraftfahrerbundes Solidarität am Sonntag, dem 24. September, vormittags, ein Radrennen auf dem Ried-Ring vor und am Nachmittag Radsportveranstaltungen unter Beteiligung auswärtiger Vereine. Den Ausklang bildet eine Tanzveranstaltung mit Radsporteinlagen und Preisverteilung. -bl-
Heimsiege in der Handball-Gruppenliga
Concordia Gernsheim—TSG 46 Darmstadt 8:2 (4:1)
Am Sonntagnachmittag standen sich am Kaffeedamm in Gernsheim die einheimische Concordia und die TSG 46 Darmstadt im ersten Verbandsspiel der neuen Runde gegenüber. Die Gernsheimer stellten eine kampf- und einsatzfreudige Mannschaft zum Spiel, die in Tormann Sander, Mittelläufer und Innensturm ihre größte Stärke hatte. Die Gäste brachten zwar auch eine junge und schnelle Elf mit, die aber als Abschluß manch schöner Kombination den harten Torschuß vermissen ließ.
Die beiden Mannschaften begannen mit schnellen Angriffen, denen aber in der ersten Viertelstunde der Erfolg versagt blieb. Die Concorden hatten dann die schwache Stelle in der Darmstädter Hintermannschaft entdeckt und konnten zwei Tore vorlegen, denen die Gäste nur einen Treffer entgegensetzen konnten. Bis zur Halbzeit waren die Einheimischen noch zweimal erfolgreich. Nach der Pause gelang es den Gernsheimern, ihren Vorsprung weiter auszudehnen, während die Gästemannschaft infolge ihres verspielten Sturms und der harten gegnerischen Abwehr keinen Erfolg zu verzeichnen hatte. Erst nachdem die Leute vom Kaffeedamm ihren Vorsprung auf 8:1 Tore ausgedehnt hatten, gelang den Gästen der zweite Treffer. Bester Mann des Tages war der Mittelläufer der Einheimischen, der durch hervorragenden Einsatz auch 3 Tore auf Sein Konto buchen konnte..
Das Vorspiel der Reservemannschaften gewannen die Darmstädter Vertreter mit 8:5 Toren. Erwin Roth
Braunshardt — Bauschheim 11:3 (8:1)
Eine böse Ueberraschung erlebten die zahlreichen Bauschheimer Schlachtenbummler, da ihre Mannschaft mit 11:3 (8:1) im ersten Punktespiel in Braunshardt unter die Räder kam. Die junge Elf des Gastgebers war in Hochform und ließ den eifrigen Gästen von Beginn an keine Sieges-Chance. Besonders der Braunshardter Sturm zeigte sich technisch den Blauweißen um eine Klasse überlegen. Nach einer überraschenden l:C-Führung der Gäste waren die Einheimischen mit dem Wind spielend nicht mehr zu stoppen. Prachtvolle Tore ergaben nach herrlichen Kombinationen einen 8:1-Pausenstand. Auch nach dem Wechsel war für den Gästesturm bei der sicheren Braunshardter Hintermannschaft und dem ausgezeichneten Deckert im Tor nichts zu gewinnen. Nur Reitz konnte zwei Treffer anbringen. Der eigene Sturm konnte gegen den Wind spielend seine Wurfkraft nicht mehr voll entfalten und erzielte nur noch drei Tore. Torschützen: Becker und Volz je 4, Schilling 2, Nickel 1. Reserven 10:6 für Braunshardt.
SV Kostheim—TSV Pfungstadt 10:8 (4:2)
Es häte nicht viel gefehlt und die Kostheimer Elf wäre um den Sieg gekommen. Die Gäste aus Pfungstadt kamen anfangs nicht recht in Fahrt, so daß eine Überlegenheit der Platzherren zutage trat. Erst bei dem Stand von 3:0 gelang den Gästen das erste Gegentor. Weitere Angriffe blieben an der stabilen Kostheimer Hintermannschaft hängen. Nach der Pause zogen die Einheimischen durch ihre wurfstarken Stürmer 8:3 in Front. Als der Pfungstädter Torsteher wegen Schiedsrichterbeleidigung hierauf vom Platz gestellt wurde, nahmen die Kostheimer den weiteren Verlauf auf die leichte Schulter. Aber gerade von diesem Zeitpunkt an spielten die Gäste sehr produktiv. Besonders der kleine flinke Linksaußen sorgte mit seinen Nebenleuten für schöne Anschlußtore. Kurz vor Schluß rafften sich die Kostheimer noch einmal auf und stellten die Tordifferenz auf 10:8, nachdem die Gäste bereits auf 9:8 herangekommen waren. Ferdinand (6) Müller Gg. (2) Reuter und Müller Jul. warfen die Tore. (-G)
Tischtennis
In ihrem ersten Verbandsspiel der Landesliga-Süd II empfing am Sonntag die SKG Da.-Eberstadt die Mannschaft des SV Darmstadt 98 11. Die Gäste, die in diesem Jahr mit einer äußerst starken Besetzung spielen können, holten einen glatten Sieg. Die 2. Mannschaft der JJilienträger dürfte der ersten kaum nachstehen. Für die Gastgeber siegten Merkel in den beiden Einzelspielen über Fey und Mees, sowie das erste Doppel Rascher/Merkel. Die Punkte für die Gäste holten: Lutz, Wittmann, Haller, Fricker und Mees, der ein Einzelwettspiel gewinnen konnte. Im Gesamtergebnis siegten die Darmstädter 12:4.
In einem Freundschaftsspiel besiegte 1875 Darmstadt die TSVPfungstadt knapp mit 5:4. Ku.
Ringen
Pfungstadt—Roßdorf 5:3
Am Samstagabend standen sch in einem Freundschaftskampf die Ringerabteilungen des TSV Pfungstadt und der SKG Roßdorf gegenüber. Die teilweise technisch hochstehenden und fairen Kämpfe hatten nachstehende Ergebnisse: Im Fliegengewicht blieb Fröhlich (R) durch Schleuder in der 2. Minute über Nitsche (Pf) Sieger. Der Bantamgewichtler Steinmetz (Pf) siegte in einem sehr schö-
Clubturnier der TSG 46 Darmstadt
An den letzten beiden Sonntagen wurde auf den Plätzen hinterm Woog das diesjährige Clubturnier der Tennisabteilung der TSG 46 ausgetragen und der Clubmeister 1950 bei den Herren ermittelt. Die übrigen Endspiele werden am kommenden Samstagnachmittag ausgetragen.
Bei den Herren der A-Klasse setzten sich erwartungsgemäß die vier Gesetzten bis in die Vorschlußrunde durch. Hier kam der Vorjahrssieger Hahn I kampflos gegen Klar ins Endspiel. In der anderen Hälfte gewann Wolf gegen Nöller mit 6:3, 7:5, ohne sich völlig ausgegeben zu haben. Im Endspiel Hahn I gegen Wolf wurde im ersten Satz hervorragendes Tennis gezeigt. Bis 6:6 gewann jeder der beiden Kontrahenten seinen Aufschlag, als Hahn der Durchbruch gelang und damit den Gewinn des 1. Satzes mit 8:6. Auch der 2. Satz verlief zunächst völlig offen. Beim Stand von 3:2 für Hahn hatte Wolf jedoch trotz einer 40:0-Führung bei 2 Bällen Pech, er wurde etwas unsicher, was sein Gegner prompt mit dem Gewinn des 2. Satzes mit 6:2 quittierte. Bald darauf stand es 4:0 für Hahn, da setzte Wolf noch einmal energischen Widerstand entgegen. Aber Hahn war jetzt sehr gut in Fahrt gekommen und gewann auch den letzten Satz mit 6:2.
Bei den Damen der Klasse A hat die Vorjahrsmeisterin Frl. Carls mit einem nach stärkstem Widerstand der Gegnerin Frl. Schmenger errungenen 8:6-, 1:6-, 6:4- Sieg das Endspiel erreicht, wo sie gegen die Siegerin der Begegnung Schurek gegen Hornhardt spielen muß. — Bei den Herren der B-Klasse hat sich Hahn II erstaunlich leicht bis ins Endspiel durchgespielt. Dort trifft er auf Imbescheid oder Seydlitz.
Bei den Damen der Klasse B sind mit Frau Hornhardfc und Frau Schultheiß zwei gleichwertige, aber in ihrer Spielweise grundverschiedene Spielerinnen in die Endrunde gekommen, die daher sehr interessant zu werden verspricht.
Im Endspiel der Anfänger spielen bei den Herren Günther gegen Gräff, bei den Damen hat Frl. Klinger die Endrunde erreicht, die durch ihr raffiniertes Schnittspiel ihren Mitbewerberinnen oft unlösbare Aufgaben stellte.
Im Herrendoppel A sind als Endrundenteilnehmer. Hahn/Noller und Wolf/Preis anzusehen, im Mixed A Hahn/Schurek und Carls/Kreisel. Die entsprechenden B-Konkurrenzen sind noch völlig offen. -Wi.-
Letzter Durchgang zur DMM
98er Leichtathleten bei Phönix Ludwigshafen
Am Wochenende starten im Bundesgebiet die Leichtathletik treibenden Vereine mit ihren Aktiven und Jugendlichen beiderlei Geschlechts je nach Leistungsstärke in der Sonder-, A- oder B-Klasse zum dritten und letzten Durchgang zur DMM. Die Sportvereinler müssen infolge einer fehlenden Wettkampfanlage erneut wieder nach auswärts und fahren am kommenden Samstag um 13.30 Uhr ab Marstall mit Omnibus zu ihren alten Freunden nach Ludwigshafen. Schon einmal im Mai d. J. weilten sie in der damals besten Besetzung zu einem Klubkampf dort und gewannen diesen nur knapp. Aus diesem Grunde verschrieb sich die Abteilungsleitung den genannten Verein erneut, weil dadurch die Gewähr gegeben ist, im letzten Durchgang die höchstmögliche Punktzahl zu erreichen. Im ersten Durchgang zur A-Klasse beim FSV auf dem Bornheimer Hang in Frankfurt kam es zu einem guten Ergebnis, das am letzten Sonntag beim zweiten Durchgang bei der SG Höchst trotz des Fehlens der Mehrzahl der besten Athleten infolge Urlaub, Verletzungen und Erkrankungen noch erheblich verbessert wurde. Unter ihnen befanden sich die besten Werfer, Stößer und Sprinter sowie die beiden erfolgreichsten Sprinterinnen des Vereins, die gerade in ihren Disziplinen eine beträchtliche Anzahl Punkte gesammelt und die Ergebnisse des zweiten Durchgangs noch erheblich verbessert hatten. So stehen jetzt die Männer des SV 98 mit 12111 Punkten in Hessen an dritter und im Bundesgebiet an zwölfter Stelle. Die weibliche Jugend B in der Gruppe 1 in Hessen an erster und im Bundesgebiet an dritter Stelle. Am kommenden Samstag werden die Mannschaften bis auf einige Verletzte und Urlauber, aber dafür mit den beiden Allroundathleten Dr. Barth von der Fußballoberligamannschaft und dem Handballmittelstürmer Reinhardt sowie dem Fußballoberligastürmer Gg. Reeg verstärkt, wieder in bester Besetzung antreten können. Da auch die männliche Jugend vollzählig dabei sein wird, ist mit einem guten Endergebnis in den jeweiligen Klassen zu rechnen.
Nachfolgend einige der besten Einzelleistungen des letzten Sonntags: Aktive: 1500 m 2. Koop 4:08,4; Weitsprung: 1. Reinhardt 6,53 m; Hochsprung: Reinhardt, Maurer und Pfeffer je 1,75 m; Diskus: Altmeister Fiedler 30,85 m. Männliche Jugend A: 100 m 1. Hauck 12,0 Sekunden; 1000 m 1. Gönner 2:57,6. Männliche Jugend B: 100 m 1. Braun 12,1 Sekunden. Weibliche Jugend B: 100 m 1. Sauer 13,5 Sekunden; 80 m Hürden: 1. Lotte Speer 15,0 Sekunden, 2. B. Hildebrandt 15,2 Sekunden; Weitsprung: 1. V. Fey 4,61 m; Hochsprung: 1. B. Hildebrandt 1,36 m (Hessische Bestleistung); Kugelstoßen: 1. Elis. v. d. Au 7,97 m; Diskus: 1. V. Fey 21,51 m; Speerwurf: 1. K. Sauer 25,39 m. -Mgr.-
Kleines Lokalderby TGB „Union“ gegen TSG 1846 1:2
Zum letzten Freundschaftsspiel trafen sich am vergangenen Samstag die beiden Vereine. Leider hatte der Wettergott kein Einsehen und hatte das Spielfeld in einen schlechten Zustand gebracht. Beide Mannschaften zeigten sehr schöne Leistungen, wobei in der ersten Halbzeit die TSG mit 1:0 in Führung ging. Nach 15 Minuten Spielzeit der zweiten Halbzeit konnten die Bessunger durch einen vom Mittelläufer getretenen Strafstoß über die gebildete Mauer in die linke obere Ecke den Ausgleich erzielen. Leider trat durch das Wetter die Dunkelheit früher herein, so daß man Mühe hatte, das Spiel und den Flug des Balles zu verfolgen. Fünf Minuten vor dem Schlußpfiff hatte der linke Läufer der Bessunger das Pech, einen Kopfball schlecht zu bekommen und lenkte diesen Ball ins eigene Tor, dadurch dem Gegner den Sieg verschaffend.
Beide Mannschaften zeigten ein faires Spiel, das bei Lokaltreffen besonders anzuerkennen ist.
Die beiderseitigen Reservemannschaften trennten sich mit einem 3:0-Sieg der Bessunger.
Die Abfahrt der Mannschaft der SG Arheilgen nach Ulm erfolgt am Samstag um 14 Uhr ab Vereinshaus. Teilnehmerkarten sind ab sofort zum Preise von 10 DM beim Vereinswirt erhältilich.
Telegramme
Bei den Montagspielen der ersten englischen Fußballiga hat es folgende Ergebnisse gegeben: Aston Villa —Manchester United 1:3, Blackpool—Fulham 4:0, Bolton Wanderers — Chelsea 1:0, Burnley—Portsmouth 1:1, Sheffield Wednesday—Stoke City 1:1.
Der deutsche Steher- und Straßenmeister Erich Bautz wird am Sonnabend als erster deutscher Radfahrer nach dem Kriege in Paris starten. Bautz, der in Frankreich durch seine Beteiligung an der Tour de France bekannt ist, nimmt an einem 100-km-Steherrennen teil.
1. und 2. Liga Süd am 10. September
Erste Liga Süd
1. FC Nürnberg — Vfß Stuttgart (Sa.) FSV Frankfurt —BC Augsburg Kickers Offenbach — Eintr. Frankfurt Darmstadt 98 — Spvgg Fürth VfR Mannheim — München 1860 Vfß Mühlburg — SSV Reutlingen Schwaben Augsburg — VfL Neckarau Bayern München — SV Waldhof Spielfrei Schweinfurt 05 und Singen 04.
Zweite Liga Süd
Wacker München — SV Tübingen (Sa.) Hessen Kassel — Aschaffenburg ASV Cham — SV Wiesbaden Ulm 46 — Arheilgen FC Freiburg — ASV Durlach Kickers Stuttgart — FC Pforzheim Bayern Hof — Jahn Regensburg FC Bamberg — TSV Straubing VfL Konstanz — Union Böckingen
Die Landesliga am Sonntag
Hessen Hersfeld—Union Niederrad 01 Lampertheim—Griesheim 02 VfL Marburg—Germania Bieber Eintracht Wetzlar—Rot-Weiß Frankfurt Spv Kassel—Hermannia Kassel Kassel 03—VfL Biedenkopf Borussia Fulda—Hessen Lichtenau 1. FC Rödelheim—VfL Kassel Opel Rüsselsheim—Bad Homburg 05 Hanau 1893—Vfß Friedberg.
Kein Bundes-Toto
Doch wieder mit Eigenheimen?
Mainz (AZ). Auf einer Tagung der Vertreter der deutschen Toto-Unternehmen in München, auf der allgemeine Totofragen besprochen wurden, wurde ten bleiben. Die Wiedereinführung einer Bundes-Totos abgelehnt. Die Eigenständigkeit der einzelnen Totos soll im Interesse eines gesunden Wettbewerbs erhalten bleiben. Die Wiedreinführung einer Ausspielung von Eigenheimen wird erst auf einer erneuten Tagung im Oktober entschieden. Eine Probeabstimmung ergab, daß sechs der zehn vertretenen Totos für die Wiedereinführung sind. Zur Entscheidung auftretender Rechtsfragen und eventueller Differenzen zwischen den einzelnen Unternehmen wird ein Schiedsgericht geschaffen, .dessen ständiger Vorsitzer der Vorsitzende des Rechtsausschusses des DFB sein wird. Der bestehende Ausschuß für Steuerfragen wurde durch Dr. Bauwens (DFB) und Regierungsdirektor Düll (Bayern) erweitert. Der Totobetrieb erfährt über Weihnachten und Neujahr keine Unterbrechung, da auch an diesen Tagen Fußballspiele stattfinden.
Toto-Quoten
Hessentoto: 1. Rang (10 richtige Tips): 1 Gewinner 17 866 DM; 2. Rang: 12 Gewinner je 1488 DM; 3. Rang: 148 Gewinner je 120,50 DM. — Zusatzwette (7 richtige Tips); 8 Gewinner je 863 50 D-Mark.
Bayerntoto: 1. Rang (11 richtige Tips); 38 Gewinner je 3843 DM; 2. Rang: 551 Gewinner je 240,20 DM; 3. Rang: 4640 Gewinner je 28,50 DM. — Zusatzwette: 1. Rang (9 richtige): 1 Gewinner mit 32 238 DM; 2. Rang: 57 Gewinner je 565,50 D-Mark.
Württemberg-Naden: 1. Rang (12 richtige Tips): 17 Gewinner je 5313 DM; 2. Rang:2B7 Gewinner je 324,50 DM; 3. Rang: 2598 Gewinner je 34,50 DM. — Zusatzwette: 351 Gewinner je 153,— DM.
Nordtoto: 1. Rang: 10 Gewinner je 21 974,50 DM; 2. Rang: 326 Gewinner je 674 DM; 3. Rang: 3580 Gewinner je 61 D-Mark. — Berliner Kurzwette: 1. Rang: 5 Gewinner je 2127,50 DM; 2. Rang: 166 Gewinner je 64 DM.
Westdeutschland: 1. Rang je 998 DM für 160 Gewinner; 2. Rang: 3334 Gewinner je 47,90 DM; 3. Rang: für 26 078 Gewinner je 6,10 DM.
Unser Tip
für den Hessentot
1 SV Darmstadt 98—SpVgg Fürth 0 2 2 Kickers Offenb.—Eintr. Frankf. 1 1 3 1. FC Nürnberg—Vfß Stuttgart 1 1 4 Kickers Stuttg.—l. FC. Pforzh. 1 1 5 Hannover 96—VfL Osnabrück 0 2 6 VfR Mannheim—lß6o München 1 1 7 Bayern Hof—Jahn Regensburg 0 1 8 Bayern Münch.—Waldh.-Mannh. 1 0 9 FC Freiburg—ASV Durlach 0 1 10 Holstein Kiel—Werder Bremen 1 0 11 FSV Frankfurt—BC Augsburg 1 1 12 Schwab. Augsb.—VfL.Neckarau 0 1 13 KSV H.-Kassel-Vikt. Aschaffenb. 1 0 14 ASV Cham—SV Wiesbaden 1 1
Schulsportfest in Michelstadt
Im idyllisch gelegenen - Ritzel-Waldstadion in Michelstadt fand am Mittwochnachmittag das Jahressportfest des hiesigen Realgymnasiums statt. Nach einem Festzug durch die Straßen der Stadt, an dem neben dem Lehrerkollegium über 500 Schüler der Anstalt in einheitlicher Sportkleidung teilnahmen, wurden die einzelnen Darbietungen um 14 Uhr in Anwesenheit von Landrat Neff, Bürgermeister Volk (Erbach) sowie verschiedenen anderen namhaften Vertretern des öffentlichen Lebens mit Massenfreiübungen der Jungen und gymnastischen Vorführungen der Mädchen eröffnet. Hierauf folgten die Entscheidungen im Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung, Ballweitwurf, Speerwurf, in den Einzel- und Staffelläufen, die, vorzüglich organisiert und ausgerichtet, zahlreiche ansprechende Leistungen in allen Gruppen brachten. Mit der Siegerehrung durch Herrn Oberstudiendirektor Dr. Mohr, die sich an ein Fußballspiel gegen die Schulmannschaft vom SV 05 Mainz und an ein Faustballspiel Lehrer gegen Schüler anschloß, fand die gutgelungene Veranstaltung ihren Abschluß. -ppi.
TEOC auswärts siegreich
Auf dem Bädertennisturnier in Freudenstadt belegten die Darmstädter Tennisspieler Kleinlogel/Siegwart im Herrendoppel den 1. Platz. Im Herreneinzel gelangte Sigwart nach einem erneuten Sieg über Kleinlogel in die Schlußrunde, wo er dem Freiburger Potaß mit 3:6, 5:7 unterlag.
Wirtschaftsblatt
Neuer Partikularismus
-ck. Behörden und Schulen in Württemberg-Baden dürfen ihren gesamten Bedarf an Büromaterialien ausschließlich bei württembergisch-badischen Firmen decken. So will es eine Verfügung, die der Wirtschaftsminister des Landes Württemberg-Baden vor einiger Zeit erlassen hat. Wenn also beispielsweise der Amtsrichter in Göppingen Aktenordner braucht und eine Augsburger Firma offeriert ihm eine billigere und bessere Lieferung als ein Stuttgarter oder sonstiger württembergisch-badischer Betrieb, so darf der Göppinger Amtsrichter nicht das vorteilhaftere Angebot wählen, sondern er muß sich für das ungünstigere entscheiden.
Man muß von vornherein diese Konsequenz eines wirtschaftlichen Partikularismus, wie er sich in der Verfügung des württembergisch-badischen Wirtschaftsministers manifestiert, ins Auge fassen, wenn man die Entwicklung, die sich hier anzubahnen droht, in ihrer ganzen Tragweite würdigen will. Beschränkung der Freizügigkeit im Güterverkehr läuft stets und unter allen Umständen darauf hinaus, daß sich die Güterversorgung zu verteuern und zu verschlechtern droht. Wenn sich auf diese Art und Weise ein innerdeutscher „Protektionismus“ entwickeln sollte — das württembergisch-badische Beispiel steht durchaus nicht vereinzelt da, und „ Gegenmaßnahmen“ der „betroffenen“ Länder können auf die Dauer nicht ausbleiben —, so muß dies einen ausgesprochenen Rückschritt in unserer gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bedeuten.
Man kann sich freilich dem Eindruck nicht verschließen, daß derartige Bestrebungen zum Teil von den Firmen selbst angeregt werden. Gegenüber solchen Interessenwünschen müssen sich gerade die Industrie- und Handelskammern aus grundsätzlichen Erwägungen heraus stemmen. Der Deutsche Industrie-und Handelstag hat den Bundeswirtschaftsminister gebeten, seinerseits den Bundesländern nahezulegen, alle bereits ergangenen Anordnungen zu beseitigen, die den freien Wettbewerb in der geschilderten Richtung beschränken.
Dieser ganze wirtschaftspolitische Fragenkomplex, wie er durch das Aufblühen eines neuen Partikularismus gekennzeichnet wird, hat aber auch eine ernste politische und staatsrechtliche Seite. Dürfen wir es als einen Dauerzustand hinnehmen, daß zwischen der Bundesregierung und den Länderregierungen sich jene Kluft auftut, die in offenen wirtschaftspolitischen Widersprüchen ihren Ausdruck findet? Der marktwirtschaftliche Grundgedanke des freien Wettbewerbs als Ordnungs- und Antriebselement, jener Grundgedanke, wie ihn Bonn propagiert und in überzeugende Erfolge umgemünzt hat, darf nicht von den Ländern her in Frage gestellt und gefährdet werden. Dies würde der Fall sein, wenn dem „Neopartikularismus“ nicht Einhalt geboten werden kann.
Wieder Lebensmittel -Angebote
F. A. Z. Frankfurt, 5. September. Auf der Frankfurter Import - Export-Börse werden wieder Lebensmittel angeboten, wobei Zucker, Schmalz, Reis und Fleisch in unerwarteten Quantitäten genannt werden, wenn auch die geforderten Preise noch durch die Verknappung gekennzeichnet sind. Auch Seife wird reichlich offeriert. Das Textilgeyhäft ist sehr-schwach und die deutsche Nadifrage nach ausländischer Meterware bleibt ungedeckt. Die Nachfrage nach deutschen Chemikalien ist auffällig hoch.
| Internationale Warenpreise | |||||
| Chicago (Mittelkorse, Cents | |||||
| 31. 8. | 4. 9, | per bushel) Weizen per Sept. | |||
| 224,94 | — | Mais, per Sept | |||
| 153,50 | — | Hafer, per Sept | |||
| Schweine, schwere (höchster | |||||
| 78,38 | — | Preis per lb.) | |||
| 24,50 | —— | Schmalz, loco | New York (Cents per 1b.)... | ||
| 14,37 B | — | Zucker Nr. 4 per Sept. .... | |||
| 5,84 N | — | Kaffee „D" per Sept | |||
| 55,10 N | — | Kakao, Accra, loco | |||
| 42,25 N | — | Kakao, Bahia, loco | |||
| 41.37 N | — | Häute, per Sept | |||
| 27,62 B | —— | Baumwolle, loco | |||
| 40,25 | — | Baumwollsaatöl per Sept.... | |||
| 21,49 G | — | Kammzüge, loco | |||
| 292,—N | — | Kautschuk, loco | |||
| 51,50 N | — | Kupfer, Weltexport, fas. ... | |||
| 22,5-24,5 | — | Blei, gewöhnlich .....: | |||
| 14,— | — | Zink, East St Lonis .• | |||
| 15,— | —— | Zinn, straits | |||
| London, Zinn, settlement | |||||
| 99,— | — | (Pfund per ton) .w | |||
| 770,— | 729,— | Kautschuk, loco | (pence per lb.) | Alexandria, Baumwolle, fully | good (tallarls per cantar) |
| 41 G/42 B | 43 G/44 B | Ashmouni | |||
| 88,45 | 91,85 | ||||
| 104,55 | 109,50 | Zagora | |||
| 86,45 | 89,85 | ||||
| 89,45 | 92,85 |
Nur geringe Umsätze
F. A. Z. Frankfurt, 5. September. An der Frankfurter Börse gingen die Umsätze, die sich zum Wochenbeginn etwas verstärkt hatten, am Dienstag wieder zurück. Obwohl die Börse keine neuen positiven Anregungen erhielt, schlossen die meisten Märkte trotzdem ausgesprochen freundlich. Nur etwa 10 Prozent aller notierten Papiere verzeichneten jedoch Umsätze. Wenige Werte mußten infolge des größeren Angebotes um 0,5 bis einen Punkt nachgeben.
Die Nachfrage nach umgestellten Altpfandbriefen hielt auch am Dienstag am Rentenmarkt weiter an. Verschiedene Renten konnten sich weiter leicht verbessern.
Mannheimer Produktenbörse
pbz. Am Mehlmarkt ist eine leichte Entspannung eingetreten. Roggenmehl ist ausreichend vorhanden. Am Braugerstemarkt sind die Preise befestigt. Inländischer Futterhafer unterschiedlicher Qualität erzielte bei reichlichem Angebot bis 27 DM je dz waggonfrei Mannheim. Der Futtermittelmarkt zeigte vorübergehend eine leichte Entspannung bei zunehmendem Angebot in Mühlennachprodukten. Weizenfutter- und -nachmehl werden aufgenommen, Weizenkleie zu 13,50 bis 14,— DM und Roggenkleie 13,— DM gehen von oberrheinischen Stationen stetig ab. Malzkeime und Biertreber zu 17,25 bzw. 19,— DM waggonfrei Mannheim stehen in genügendem Umfang zur Verfügung. Mischfutter erzielt bis 35 DM je dz, je nach Qualität.
Verlängerung des Preisgesetzes?
zr. Bonn, 5. September. Die Mehrheit des Bundestagsausschusses für Wirtschaftspolitik erklärte sich mit einer Verlängerung des Preisgesetzes bis zum 31. Dezember 1950 einverstanden. Die veränderte Situation lasse es unmöglich erscheinen, das in der Vorberatung befindliche Preisgesetz bis zum 30. September abzuschließen.
Weniger kurzfristige Kredite
F.A.Z. Frankfurt, 5. September. Die kurzfristigen Kredite an Wirtschafts-Unternehmen und Private nahmen in der ersten August-Hälfte nur wenig zu (+ 1,9 Millionen D-Mark). Im Gegensatz zu den beiden Vorwochen gingen die Wechsel- und Akzeptkredite um insgesamt 43,6 Millionen D-Mark zurück, während die Kontokorrentkredite um 45,5 Millionen D-Mark anstiegen. Die Kredite an die öffentliche Hand waren weiterhin rückläufig (./. 32,3 Millionen D-Mark). Insgesamt nahmen somit die kurzfristigen Kredite an Nichtbanken um 30,4 Millionen D-Mark ab. Die Einlagen von Nichtbanken nahmen noch stärker zu als in der ersten Julihälfte (+ 407.3 Millionen D-Mark).
Die Umstellung der Renten
k. Frankfurt, 5. September. Die Frage der Umstellung der privaten Rentenansprüche aus der Zeit vor der Währungsreform. die verschiedentlich Anlaß zu widersprechenden Gerichtsurteilen war, soll in Kürze von alliierter Seite endgültig geregelt werden. Wie aus zuverlässiger Quelle bekannt wird, arbeitet die alliierte Bankenkommission zur Zeit eine authentische Interpretation des Paragraphen 6 Abs. 7 und des Paragraphen 7 Abs. 1 und 2 de? dritten Durchführungsverordnung zum Währungsumstellungsgesetz aus. Danach sollen alle in der Zeit vor der Währungsreform entstandenen Forderungen nach wie vor im Verhältnis 10:1 umgestellt werden, während Forderungen, die nach der Währungsreform fällig geworden sind, im Verhältnis 1:1 ausgezahlt werden müssen
Die Einfuhr von Fleischkonserven
zr. Bonn, 5. September. Zu dem Vorwurf, das Bundesemährungsministerium verzögere die Einfuhr von 50 Millionen Dosen amerikanischer Rindfleischkonserven, wird von der Pressestelle erklärt, daß vor wenigen Tagen die Verhandlungen über die Einfuhr von 3 Millionen Dosen im Gesamtwert von etwa 450 000 Dollar abgeschlossen worden seien.
Stahlproduktion erneut gestiegen
Düsseldorf, (AP.) 5. 9. Eine Zunahme der Rohstahl- und Roheisenerzeugung im August wurde am Dienstag vom Amt für Stahl und Eisen bekanntgegeben. Bei Rohstahl stieg die Produktion im August um 52 547 Tonnen auf 1 087 547 Tonnen gegenüber 1 035 000 Tonnen im Vormonat. Die Roheisenerzeugung lag im August bei 867 526 Tonnen, während die Julifertigung 823 905 Tonnen betragen hatte.
Umsatzsteuer-Aufkommen steigt
Frankfurt, 5. 9. (F.A.Z.) Nach den jetzt vorliegenden Gesamtergebnissen der Einnahmen aus Steuern des Bundes und der Länder im Monat Juli ist das Steueraufkommen mit insgesamt 1,06 Milliarden DM nur wenig geringer als im Vergleichsmonat Mai. der 1.09 Milliarden DM erbrachte. Von den Gesamtsteuereinnahmeri für Juli wurden 774,5 Millionen DM für die Rechnung des Bundes und 291.2 Millionen DM für Rechnung der Länder verbucht. An dem Aufkommen im 2. Kalendervierteljahr von 4,65 Milliarden DM war der Bund mit 59,4 Prozent und die Länder mit 40,6 Prozent beteiligt. Die aufsteigende Konjunktur kommt in der Umsatzsteuerentwicklung deutlich zum Ausdruck, denn der Umsatzsteuerertrag lag mit 383,2 Millionen DM um 12.4 Prozent über dem im Juni.
Bund Deutscher Weinkommissionäre
In der Sitzung des Landes-Fachverbandes der Weinkommissionäre Rheinland-Pfalz im Kloster Eberbach konstituierte sich der Landes-Fachverband der Weinkommissionäre Rheinland-Pfalz nach Aufnahme der Vereinigung Rheingauer Weinkommissionäre zu dem „Bund Deutscher Weinkommissionäre“ — Verband der Deutschen Weinkommissionärs-Vereinigungen — mit dem Sitz in Mainz.
Facharbeitermangel an der Ruhr
Düsseldorf, 5. 9. (hd) In Nordrhein-Westfalen ist die Arbeitslosigkeit im Monat August unter 200 000 gesunken. Zahlreiche Arbeitsamtsbezirke wie Düsseldorf und Velbert melden eine Erwerbslosenziffer von unter 2,5 Prozent. Im gesamten Landesdurchschnitt sind 4,2 Prozent arbeitslos. Neben dem seit langem bestehenden Mangel an Maurern macht sich jetzt auch immer mehr ein Fehlen von Metallfacharbeitern bemerkbar. i
Modernisierung des Spargeschãfts
Ein Vorschlag von Dr. Rudolf FleckDie Einsicht, daß die zu verbessernde Kapitalausstattung unserer Wirtschaft sehr maßgeblich von der Spartätigkeit des „kleinen Mannes“ abhängt, ist allgemein. Die Tatsache, daß noch immer Gelder zu Hause im Strumpf oder sonstwo gehortet werden, steht fest. Um die den Sparbanken vorenthaltenen Geldbestände aufzulockern und um Sparwillen und -tätigkeit der Bevölkerung zu festigen, sind in der letzten Zeit verschiedene Vorschläge gemacht worden.
Die Kernfrage ist die: Wie können die Anreize zum Sparen wirksam gemacht werden in .einem einzigen System? Man muß dabei berücksichtigen, daß in unserer schnellebigen Zeit das etwas schwerfällige, für lange Jahresfristen eingerichtete Sparbuch heute gar nicht mehr so sinnvoll erscheint wie etwa im Zeitalter unserer Voreltern. Man mag heutzutage nicht mehr so sehr in die Ferne plahen, man will „raschere Ergebnisse“. Deswegen ist auch das früher so beliebte Lotteriespiel, das zweimal im Jahre letzte Ergebnisse brachte, nach dem Urteil der Fachleute so sehr ins Hintertreffen geraten gegenüber dem Fußballtoto, der schon binnen Wochenfrist durchgeführt und abgeschlossen wird.
„Sparschein“ und „Tip-Sparen"
Folgendes Verfahren scheint mir allen Notwendigkeiten am besten zu entsprechen. Für geleistete Spareinlagen werden Sparscheine in Stückelung (von z. B. 10, 20, 50 und 100 DM Wertklassen) ausgegeben. Sie lauten auf den Inhaber, sind, frei erwerbbar, ohne Kontenbindung, jederzeit einlösbar, mit Zinskupon versehen (jedoch ohne Zinsenanspruch bei Präsentation vor Halbjahresfrist). Zu jedem Sparschein wird allmonatlich je 1 Tip-Anrechtsschein ausgegeben, mit Nummer und entsprechendem Wertklassenaufdruck versehen, als Namenspapier, gegen eine Gebühr von (z. B.) 1 DM. Mit diesem Schein beteiligt sich der Inhaber in der Weise, daß er zum Monatsende auf die Summe aller abgegebenen Anrechtsscheine „tippt“, die von Funk und Presse während des Monats fortlaufend als Schätzungsanhalt eine Zeitlang veröffent-
licht werden. Die Gewinnchancen beruhen einmal auf der Treffrichtigkeit der Beteiligungszahl am Ultimo und auf Anzahl und Wertklasse der erworbenen Tipscheine: ein 20 50 100- DM-Anrechtsschein sichert das 2 5 lOfache des Grundgewinnanteils in den jeweils erreichbaren Treffsicherheitsgruppen.
Der Sparer hat mit seiner Einlage nunmehr nicht bloß den üblichen Sparzins für sich, sondern ist dabei von Kontenzwang und Namenssparbuch befreit. Besonders hat er — wenn er will — Gewinnchancen im Sinne eines Totogewinns für sich. Für die Sparbank tritt an Stelle der Kontenführung (mit Ausnahme von Zinskonten) und der Sparbuchbearbeitung lediglich die Sparscheinausgabe. Die Einsparung entsprechender Zeit, Arbeitsleistung und Kosten kann der Abwicklung des monatlich einmaligen Totogeschäftes zugewendet werden. Es entsteht diesbezüglich kein Geschäftsrisiko. Der zu verteilende Gesamtgewinnbetrag wird von den Beteiligten mit ihrer jeweiligen 1-DM-Leistung aufgebracht, also außerhalb der eigentlichen Sparmittel (im Gegensatz zu den bisher vorgeschlagenen „Spartotos“, die die Rendite des Sparkapitals selbst zum Gewinnprämien-Auszahlungsmittel machen wollen.)
Der Sparer wird versuchen, wenn er beteiligungsinteressiert ist, möglichst viel Sparscheine zu erwerben (gesteigerte Trefferwahrscheinlichkeit), möglichst hohe Wertklassenscheine (von 10 auf 20, 20 auf 50, 50 auf 100 DM) zu erlangen (erhöhte Gewinnerzielung). Die Abgabe von Sparscheinen an Dritte wird er überhaupt vermeiden wollen wegen des Zinsverlustes. Aus all diesen Gründen mildern sich auch die Bedenken wesentlich, wonach sich diese Sparscheine zu übermäßigen, wirtschaftsschädlichen Geldsurrogaten entwickeln könnten.
Das so entwickelte System müßte geeignet sein, „im Strumpf“ gesparte Gelder den Sparbanken zuzuführen, weil es wegen der Garantie der jederzeitigen Realisierbarkeit der Sparscheine offensichtlich unvorteilhaft und sinnwidrig wäre, Geld künftig länger im Hause statt auf der Bank oder der Sparkasse aufzubewahren.
Lieferfristen verlängern sich
Hessische Industrie weiter kräftig belebt
-d- Im August hat sich die Absatztätigkeit der hessischen Industrie auf nahezu allen Gebieten weiter verstärkt. Das Exportgeschäft hat sich weiter gut entwickelt und bietet' vielfach dort einen gewissen Ausgleich, wo die Inlandsnachfrage noch unzureichend ist. Bei einzelnen Erzeugnissen (z. B. Stahl, Blech) haben vermehrte Abrufe zu verlängerten Lieferfristen geführt.
Die Versorgung mit Kohle war ausreichend. Vermehrte Klagen sind über den Mangel an Rohstoffen laut geworden. Schwierigkeiten bereitet vor allem die Beschaffung von Walzwerkserzeugnissen, NE-Metallen, Schrott, Natronzellstoff, gewissen Papiersorten, sowie Preßmassen.
Die Preisüberwachung ließ weitere Verteuerungen, insbesondere bei Nahrungsmitteln erkennen. Die Lebendgewichtpreise für Schlachtvieh liegen gegenüber dem Vormonat um 3 bis 19 Prozent, die Häute- und Fellpreise bis zu 40 Prozent höher. Bei den Verbraucherpreisen wurden gegenüber dem Vormonat folgende Erhöhungen festgestellt. Roggenbrot 7, Mischbrot 10, Weizenbrot 14, Weizengrieß 17, Haferflocken 11, Fleisch 2—lo, Speck 8, inländische Eier 5, frische Fische 11 %, Obst und Gemüse waren 25% billiger, Kartoffeln 18%. Gesunken sind auch die Preise für Textilien und Lederwaren.
Im einzelnen wird berichtet: Der Stromverbrauch lag 14 bis 15 ’/• höher. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG haben den Ferngasbezug fast vollständig eingestellt und die Gaserzeugung entsprechend erhöht. Die Braunkohlenförderung stieg auf 255 000 (224 000) t, die Erzförderung auf 67 000 (65 500) t, die Monatsförderung der kurhessischen Kupferschieferbergbau G.m.b.H. Sontra auf fast 10 000 t.
Die Bautätigkeit hat sich weiter verstärkt. Die Nickelverknappung wirkte sich störend auf die Erzeugung von Edelstählen aus. Die Eisengießereien konnten ihren Absatz erneut steigern. Die NE-Metallindustrie konnte einen großen Teil der Bestellungen nicht annehmen. Auch die meisten Betriebe des Maschinenbaues hatten wesentliche Auftragseingänge zu verzeichnen.
In der Elektroindustrie stiegen Produktion, Umsatz und Beschäftigung weiter. Aus der feinmechanischen und optischen Industrie wird über lebhafte Geschäftstätigkeit berichtet. Die chemische Industrie meldet eine erhebliche Absatzsteigerung auch für den Export. Zellstoff-, papier-, pappe- und kunststoffverarbeitende Industrie berichten gleichmäßig über merkliche Besserungen.
DT Bestattungen am Mittwoch, den 6. Septbr. 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 14.00 Uhr Trautmann, Heinz Waldfrledhof: 11.15 Uhr Fasterling, Hermann, 66 J., Spessart¬ ring 27
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Öffentliche Ausschreibung der Maler- und Anstreicherarbeiten für das staatliche Wohnhaus, Feldbergstraße 17 in Darmstadt (gesamtes Gebäude). Angebote werden, solange Vorrat reicht, ab Donnerstag, den 7. September 1950, bei der ausschreibenden und zuschlagerteilenden Stelle — Staatsbauamt Darmstadt —, Alicenstraße 25, abgegeben. Einreichungstermin: 13. September 1950, vormittags 9.30 Uhr, bei gleichem Amt Die vorstehenden Arbeiten werden in 6 Losen vergeben. Staatsbauamt Darmstadt Zwangsversteigerung 3 K 1/49. Das Grundstück: Ord.-Nr. 1, Flur 2, Nr. 173 28/100 Bauplatz in der Ammerbach 401 qm des Grundbuchs von Ober- Ramstadt Band 4 Blatt 318, das zur Zeit der Eintragung des Ver¬ steigerungsvermerks auf den Namen des Georg Nicklas in Ober- Ramstadt und dessen Ehefrau Marie geb. Weber als Gesamtgut der Errungenschaftsgemeinschaft im Grundbuch eingetragen war, soll am Montag, dem 30. Oktober 1950, vormittags 9.30 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichtsgebäude Darmstadt, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert werden. Betrag der ortsgerichtlichen Schätzung: 8500 DM. Zulässiges Höchstgebot: 12 000 DM. Gegen diese Festsetzung können die Be¬ teiligten binnen 2 Wochen seit Zustellung dieser Terminsbestim¬ mung sofortige Beschwerde bei der Preisbehörde (Landratsamt Darmstadt) einlegen. Die Versteigerung erfolgt zwecks Auseinandersetzung der Erben¬ gemeinschaft und beendeter Errungenschaftsgemeinschaft. Der Versteigerungsvermerk ist am 12. Februar 1949 in das Grund¬ buch eingetragen worden. Darmstadt, den 1. September 1950 Amtsgericht Abt. 3 Versteigerung Ich werde versteigern: 7. 9., 10 Uhr, Pfandkammer, Amtsgericht: 1 Alkado-Gasherd Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b) Versteigerung Donnerstag, 7. 9., Hellig-Kreuz. — Am 6. 9. Besichtigung. B. Kling
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