Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHeu REDAKTEUR; ERICH DOMBROWSKI Verlag: Darmstädter Tagblatt LC WtS’ Vrsch U n f ’t Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 56 Jieuefte Tla^ri^ten Montag, 4. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950 Preis 15 Pfennig *

Wird der Kriegszustand mit Westdeutschland beendet?

London, 3. September. (AP/dpa) Die Drei-Mächte-Studiengruppe zur Revision des Besatzungsstatutes soll sich für eine Beendigung des Kriegszustandes mit Westdeutschland durch getrennte Erklärungen der Besatzungsmächte ausgesprochen haben.

Die Studiengruppe wird voraussichtlich ihre Arbeiten am Montag in London beenden. Soweit bisher bekannt ist, hat sich die Drei-Mächte-Studiengruppe grundsätzlich auf eine Uebertragung außenpolitischer Befugnisse an die Bundesregierung sowie auf erweiterte Zuständigkeiten im Innern und in der Wirtschaftspolitik geeinigt.

Der Text des zweiten Memorandums über die Frage der Besatzungspolitik, das Dr. Adenauer über die Oberkommission an die Regierungen der Westmächte gerichtet hat, ist bis jetzt in London nur in seiner allgemeinen Linie bekannt. Es heißt, die Bundesregierung habe in dem Memorandum den Westmächten vorgeschlagen, das Besatzungsstatut durch eine Reihe von Verträgen zwischen Bonn, Paris, London und Washington zu ersetzen. Die mehrseitigen Verträge sollten auch das Sicherheitsproblem berühren.

men, daß McCloy für die Entsendung zweier weiterer amerikanischer Divisionen nach der Bundesrepublik eintrete.

„Keine aggressiven Absichten“

Eine Rundfunkansprache Attlees

London, 3. September. (AP./dpa) Premierminister Attlee hat in einer Rundfunkansprache gesagt, es sei an den Machthabern der Sowjetunion, die Wolke der Furcht zu zerstreuen, die über der ganzen Welt hänge. Sie könnten dies vollbringen, wenn sie wirklich den Willen dazu hätten, aber die Russen sprächen zwar viel vom Frieden, ihre Handlungen jedoch erweckten in der ganzen Welt Beunruhigung. Die Stärkung der Verteidigung Großbritanniens, die lediglich der Aufrechterhaltung des Friedens diene, sei eine unmittelbare Folge der von der Sowjetunion betriebenen Politik. Das britische Volk habe keinerlei aggressive Absichten, es sei aber fest entschlossen, die ihm wesentliche Lebensart zu verteidigen. „Ich hoffe, die Machthaber im Kreml sind sich dessen bewußt. Sie wissen, daß wir bereit sind, über alle schwebenden Fragen mit ihnen Verhandlungen zu führen. Weder Fragen der Verhandlungsmethoden noch die Wahl des Verhandlungsortes und der Bevollmächtigten können ein Hindernis bilden, sobald der gute Wille vorhanden ist.“

McCloy fũr Verstäürkung

der Besatzungstruppen ?

Washington, 3. September, (dpa) Diplomatische Beobachter rechnen damit, daß die drei West-Außenminister bei ihrer Konferenz in Neuyork beträchtliche Verstärkungen der britischen und amerikanischen Besatzungsstreitkräfte in der deutschen Bundesrepublik beschließen werden. Präsident Truman hatte zwar erklärt, daß er gegenwärtig nicht beabsichtige, die Besatzungsstreitkräfte in der deutschen Bundesrepublik zu verstärken. Dazu erklären politische Beobachter, zum Zeitpunkt seiner Pressekonferenz habe Truman jedoch noch keine Gelegenheit gehabt, die Frage der deutschen Sicherheit mit dem amerikanischen Oberkommissar McCloy zu erörtern, der jetzt in Washington weile. Es werde angenom-

49 Arbeiter lebendig begraben

Tokio, 3. September, (dpa) Beim Einsturz eines Eisenbahntunnels in der Nähe von Masuto Mura, zweihundert Kilometer nördlich Tokio, sind am Sonntag 49 Streckenarbeiter lebendig begraben worden. Von den 56 Arbeitern, die in dem Tunnel beschäftigt waren, konnten sich nur sieben aus den Erd- und Gesteinmassen herausarbeiten. Die sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten, die durch weitere Erdeinstürze behindert werden, haben fünf Stunden nach dem Tunneleinsturz noch zu keinem Erfolg geführt.

Der Stoß auf Taiku

Wechselvolle und erbitterte Kämpfe in Korea

Pusan, 3. September. (AP./dpa) Die Nordkoreaner haben am Sonntagmorgen an der gesamten Front ihre Angriffe erneut aufgenommen, obwohl es am Samstag den Truppen der Vereinten Nationen gelungen war, durch Gegenangriffe die Front wieder zu stabilisieren. Nachdem der Vorstoß im Süden im Raume von Masan offenbar nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt hat, haben die Nordkoreaner jetzt an der Ostküste nördlich Pohang und bei Waegwan nordwestlich von Taiku neue Großangriffe eingeleitet. Die Angriffskeile der Nordkoreaner im äußersten Nordosten der Front konnten bisher etwa drei Kilometer südlich von Kigje (in der Nähe der Ostküste) vordringen. Im Raume von Waegwan und Kunwi ist es den kommunistischen Streitkräften, die offenbar Verstärkungen erhalten haben, gelungen, der Stadt Taiku um mehr als fünf Kilometer näher zu kommen. Kleinere nordkoreanische Kampfgruppen sollen bereits fünfzehn Kilometer vor Taiku stehen.

1 Uli IC ICI VV/X Im Naktong-Bogen haben die Nordkoreaner Einbrüche in die Front der Truppen der Vereinten Nationen erzielen können. Hier mußte die 1. motorisierte amerikanische Kavallerie-Division in der Mitte ihres Abschnittes zurückgehen. Auf den Flanken konnte sie jedoch ihre Stellungen halten.

Die alliierten Luftstreitkräfte haben am Samstag mit siebenhundert geflogenen Einsätzen einen Tagesrekord erzielt. Auch am Sonntag wurden starke Einsätze auf die gegnerische Front und auf das Hinterland geflogen.

Ein Teil der zweitausend Mann starken britischen Einheiten, die vor fünf Tagen in Korea eingetroffen waren, sind am Sonntag zusammen mit amerikanischen Verbänden, die schon länger in Feindberührung gelegen haben, in vorderster Linie eingesetzt worden.

Mac Arthur fordert Hilfe

Neuyork, 3. September. (AP.) Die amerikanische Delegation bei den Vereinten Nationen hat den dritten Bericht des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea vorgelegt. General Mac Arthur erklärt in diesem Bericht, seine ernsteste Sorge sei der schnelle Aufbau der zahlenmäßig unterlegenen Bodenstreitkräfte der Vereinten Nationen. Er wiederholt seinen Appell an alle Mitgliedstaaten, ihre Zusagen wahrzumachen und Bodentruppen zur Unterstützung der Amerikaner und Südkoreaner zu entsenden.

Frankreich will 20 Divistonen stellen

Verlängerung der Dienstzeit von zwölf auf achtzehn Monate

Drahtbericht unseres Korrespondenten

WS. Straßburg, 3. September. Der französische Ministerpräsident Pleven hat bei der Eröffnung der Straßburger Messe angekündigt, daß die Dienstpflicht in Frankreich von zwölf Monaten auf achtzehn Monate ausgedehnt werde. Zu den Rüstungsmaßnahmen des Westens wolle Frankreich dadurch beitragen, daß es in Friedenszeiten zwanzig Divisionen und verstärkte Luftstreitkräfte zur Verfügung stelle.

Die schrittweise Verlängerung der Militärdienstpflicht sei durch den Beschluß, zwanzig Divisionen aufzustellen, unvermeidlich geworden. Die Regierung werde das Parlament nach den Sommerferien um die notwendigen Vollmachten und Mittel ersuchen.

Zur außenpolitischen Lage erklärte Pleven, der koreanische Konflikt habe enthüllt, daß gewisse Länder die internationalen

Probleme immer noch mit Gewaltanwendung regeln zu können glaubten. Angesichts dieser Tatsache gebe es für Frankreich und für Westeuropa nur zwei Möglichkeiten: Unterwerfung oder Mut. Die französische Regierung habe sich für den zweiten Weg entschieden. Die neuen Truppen würden schon bald die Garnisonen im Elsaß, in Lothringen und in den Besatzungsgebieten in Deutschland füllen.

Frankreich könne der Entwicklung in Ostdeutschland nicht achtlos zusehen. „Sie zeigt uns, gewisse deutsche Probleme mit neuen Augen zu betrachten. Alles, was zur Zeit die Sicherheit Westdeutschlands bedroht, bedroht praktisch auch die Sicherheit Frankreichs.“


Viele Tausende erwarteten beim Katholikentag in Passau den Einzig des Gnadenbildes in den Doih, wo es von dem Bischof von Passau, Dr. Landersdorfer, in Empfang genommeh und zum Gnadenaltar gebracht wurde Foto: dpa
Viele Tausende erwarteten beim Katholikentag in Passau den Einzig des Gnadenbildes in den Doih, wo es von dem Bischof von Passau, Dr. Landersdorfer, in Empfang genommeh und zum Gnadenaltar gebracht wurde Foto: dpa

500 000 framnzösische Soldaten

nach der verlängerten Dienstzeit

Paris, 3. September, (dpa) „Le Monde“ berichtet, durch die bevorstehende Verlängerung der französischen Dienstpflicht von zwölf auf achtzehn Monate werde sich die Anzahl der unter Waffen stehenden Wehrpflichtigen von 227 000 Mann auf etwa 327 000 Mann erhöhen. Bei diesen Zahlen seien weder die 130 000 Mann in Indochina noch die etwa 100 000 aktiven Soldaten eingerechnet. Mit der Verlängerung der Dienstzeit würde sich die Gesamtstärke der französischen Streitkräfte auf über 550 000 Mann erhöhen.

Ein Sprecher des französischen Kriegsministeriums wies darauf hin, daß das französische Heer zur Zeit ohne die in Indochina stehenden Streitkräfte fünf Divisionen umfasse.

Mitgaliedschaft Amerikas

in der Schuman-Plan-Behörde

Paris, 3. September. (SWF.) Den Vereinigten Staaten soll nach amtlichen Mitteilungen voraussichtlich ein Sitz in der obersten Schumanplanbehörde angeboten werden. Wie außerdem aus Kreisen der Ruhrindustrie berichtet wird, soll dieser Vorschlag von der deutschen Industrie und von amtlichen Stellen in Bonn unterstützt werden. Durch die Mitgliedschaft eines amerikanischen Beauftragten in der Schumanplanbehörde hofft man, der geplanten Montan-Union einen größeren Rückhalt zu geben und andere Länder, vor allem Großbritannien, zum Beitritt zu ermutigen.

Wider den Antichrist

*** Man darf es wohl als ein wichtiges Ergebnis des Evangelischen Kirchentages in Essen und des Deutschen Katholikentages in Passau werten, daß die beiden Konfessionen Hand in Hand arbeiten wollen. Was in Essen von katholischer Seite betont worden ist, hat jetzt in Passau der Präsident des Evangelischen Kirchenrates Reinhold von Thadden-Triegiaff ausgesprochen, katholische und evangelische Christen seien keine Widersacher mehr, sie hätten aber einen gemeinsamen Widersacher, den Antichrist.

In einer Papstbotschaft ist der Kampf der Kirche gegen den Materialismus mit dem zur Zeit der Kirchenverfolgungen verglichen worden, und der Vertreter des Heiligen Stuhles in Deutschland, Bischof Aloysius Muench, hat io diesem Sinne ausgeführt, eine Freiheit, die glaube, ohne Gott auszukommen und nicht an Gottes Gesetze gebunden zu sein, werde über kurz oder lang zur grausamsten Sklaverei.

Der Antichrist unserer Tage manifestiert sich im Stalinismus. Dr. Eugen Kogon, der Präsident der Deutschen Europa-Union, bezeichnete auf einer Tagung des antikommunistischen Bundes der Verfolgten des Naziregimes (BVN) die Methoden des Stalinismus, mit denen er auf politischem, diplomatischem, propagandistischem und militärischem Gebiet seine Ziele zu erreichen versuche, als satanisch. Das treffendste Beispiel dafür ist, daß die Bolschewisten, die sich als angebliche Friedenskämpfer geben, die Aggression der Nordkoreaner veranlaßt haben. Ihr unmittelbar entgegengetreten zu sein, bedeutet ein Verdienst der Amerikaner für die gesamte Menschheit. Wenn jetzt Präsident Truman versichert hat, die Vereinigten Staaten wünschten den Frieden und würden ihn gemeinsam mit den anderen freien Völkern erreichen, so können alle Anhänger der wahren Freiheit und des wahren Friedens eine Politik gutheißen, die sowohl einen Aggressiv-, wie einen Präventivkrieg verurteilt und die freien Nationen zum Hort der Freiheit machen will. Wenn alle freien Völker entschlossen zusammenstehen, wird der bolschewistische Antichrist ihnen nichts anhaben können.

Der Papst an den Katholikentag

Ein Trost für die Vertriebenen

We. Passau, 3. September. Der Katholikentag in Passau hat seinen Höhepunkt in der Verlesung einer handschriftlichen Botschaft des Papstes durch den Bischof von Passau, Dr. Landersdorfer, erreicht. Der Papst wendet sich in seiner Botschaft an die deutschen Heimatvertriebenen und fordert sie auf, ihr Schicksal in demütiger Hingabe zu tragen, wenn auch nicht als Sühne für eigene Schuld, so doch für die schwere Schuld anderer des eigenen Volkes und fremder Völker. „Ihr könnt das Los, das Euer Vaterland betroffen — wir denken in erster Linie an die Millionen Ostvertriebenen —, seelisch nicht meistern, wenn Ihr es nicht schaut in gläubigem Aufblick zur göttlichen Vorsehung.“ Die Geschehnisse der verflossenen Jahrzehnte seien eine Heimsuchung Gottes, zurückgreifend auf die Geschichte und Verstrickungen ganzer Jahrhunderte. Auf augenblicklich unausdenkbaren Wegen möge diese Heimsuchung zum Segen und Heil werden für das deutsche Volk und die anderen Völker. Es sei keineswegs eine hoffnungslose Aufgabe, einen Damm gegen den Materialismus zu bilden, denn noch, immer stehe mit den Katholiken die Mehrzahl der Menschen auf der Seite Gottes. Nur das Gebet könne die Kraft geben, das fast Uebermenschliche zu meistern. Der soziale Friede könne nicht allein mit Programmen, Gesetzen und Schiedssprüchen geschaffen werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten um den christlichen Geist und die christliche Liebe beten.

Thadden-Trieglaff: Gemeinsamkeit

Von Beifall begrüßt, erklärte der Präsident des Evangelischen Kirchentages Dr. von Thadden-Triegiaff, daß es den evangelischen Christen auch ernst sei mit dem Gehorsam zu Gott. „Vernehmen Sie, daß wir unsere evangelische Kirche liebhaben, in der wir treu dem alleinigen Herrn der Kirche gehorsam sein möchten, welcher ist Jesus Christus.“ Die evangelische Kirche teile die Ueberzeugung der katholischen, daß die Ueberwindung der Glaubensspaltung und die Schaffung einer Einheitskirche nur in Gottes Hand liege. Bis dahin müsse man in Fragen des Glaubens getrennte Wege gehen, aber alles daransetzen, daß das in den Jahren der Not bewahrte Maß an Gemeinsamkeit erhalten bleibe.

Auf der feierlichen Schlußkundgebung sprach der bayerische Kultusminister Dr. Hundhammer über das Thema „Das allerheiligste Sakrament des Altares“. Dr. Hundhammer nahm dabei auf das Verbot des Faust-Balletts „Abraxas“ Bezug und erklärte, es sei satanische Bosheit, wenn in einem Theaterstück der Teufel an Stelle des Tabernakels auf den Altar gesetzt werde. Männer der Regierung dürften dergleichen nicht dulden, wenn auch alle Höllenmächte tobten, um diese Gotteslästerung zu erzwingen.

Eine Vertretung beim Vatikan

Der Vertreter des Heiligen Stuhls in Deutschland Bischof Muench sagte in seiner Ansprache: „Eine Freiheit“ die glaubt ohne Gott auszukommen, und nicht an Gottes Gebot gebunden zu sein, wird über kurz oder lang zur grausamsten Sklaverei“.

Der Präsident des Zentralkomitees. Erbprinz zu Löwenstein, appellierte an die Besatzungsmächte, den unwürdigen Zustand zu beseitigen, und Deutschland als einer europäischen Nation mit fünf undzwanzig Millionen Katholiken eine Vertretung beim Heiligen Stuhl zu gewähren.

Der Bundeskanzler spricht

Bundeskanzler Dr. Adenauer überbrachte die Grüße der Bundesregierung, die den Beratungen und Arbeiten des 74. Deutschen Katholikentages die größte Aufmerksamkeit geschenkt habe, weil sie ebenso wie die Arbeit der Bundesregierung auf dem Boden der christlichen Wahrheit aufbaue. Ferner sagte der Kanzler, man habe vor einigen Jahren geglaubt, das Schlimmste überstanden zu haben und müßte heute erkennen, daß sich der Welthorizont erneut verfinstert habe. Man werde allen Glauben an die Vorsehung zusammenfassen müssen. Auch die Bundesregierung kenne kein größeres Ziel als den Frieden, den Frieden aber könne man nicht trennen von Gerechtigkeit und Freiheit. Er sei überzeugt, daß eine Zusammenfassung aller Kräfte und die Wahrung des sozialen Friedens auch den äußeren Frieden erhalten werde.

Das Marien-Dogma begrüüßt

Passau, 3. September, (dpa) Der Bischof von Passau hat am Sonntag erklärt, die deutschen Katholiken stimmten jubelnd in das millionenfache Echo ein, das die Ankündigung des Dogmas von der leib^ liehen Himmelfahrt Mariens in der katholischen Welt ausgelöst habe. Der marianische Einschlag des diesjährigen Katholikentages sei gewollt. Die Vertiefung und Verinnerlichung des christlichen Leben» sei nicht gut denkbar ohne die Mutter des Herrn.

Neuer Vorstoß Maliks

Eine Entschließung über Formosa

Neuyork, 3. September. (AP./dpa) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird am Dienstagabend seine nächste Sitzung abhalten. Der sowjetische Delegierte Malik will dabei eine Entschließung zur Abstimmung vorlegen, in der die Zurückziehung aller amerikanischen Streitkräfte von der Insel Formosa und aus anderen chinesischen Gebieten gefordert wird.

Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß der Sicherheitsrat eine Kommission aus Vertretern Indiens und Schwedens mit der Untersuchung beauftrage, ob chinesisches Gebiet durch amerikanische Flugzeuge bombardiert worden sei. Beide Länder haben die Regierung in Peking offiziell anerkannt.

Auf seiner letzten Sitzung am vergangenen Freitag hatte der Sicherheitsrat mit neun gegen eine Stimme beschlossen, den südkoreanischen Botschafter an den Beratungen über den koreanischen Konflikt teilnehmen zu lassen. Der sowjetische Delegierte Malik hatte die Zulassung auch eines nordkoreanischen Vertreters gefordert.

Elf neue Konsulate genehmigt

Bonn, 3. September, (dpa) Auf Anfrage der Bundesregierung haben folgende Staaten jetzt offiziell die Genehmigung zur Erri™^ung deutscher Generalkonsulate erteilt. Australien, Belgien, Dänemark, Griechenland, Holland, Italien, Kanada, Luxemburg, die Schweiz, Südafrika und die Türkei. Mit Ausnahme von Australien und der Schweiz sind den genannten Ländern bereits Vorschläge über die personelle Besetzung der Konsulate unterbreitet worden. Antworten hierzu stehen allerdings noch aus.

Schiedsgericht

gar Zwölf Stunden hat Bundesarbeitsminister Storch gebraucht, um die Partner im Baugewerbe dazu zu bringen, daß sie einem Schiedsgericht zustimmten, das heute zusammentritt.

Man atmet auf. Man beglückwünscht Herrn Storch zu seinem Erfolg. Sicherlich hat ihm dabei die Einsicht beider Parteien geholfen, daß eine Fortdauer des Streiks niemandem nutzt, aber allen Beteiligten — und Unbeteiligten—, soweit sie qn einem Wohlergehen Westdeutschlands überhaupt interessiert sind, nur schadet.

Bei Aktionen wie dieser kann man wohl feststellen, wo und wie ein solcher Kampf beginnt, aber nicht, wann und wie er endet. Die Allgemeinheit will sozialen Frieden. Die Unternehmer brauchen Klarheit über die Löhne, wenn sie festbleibende Preise garantieren sollen. Die Arbeiter interessiert im Grunde kein Papiergeld, sondern das, was sie sich dafür kaufen können. Am meisten Grund zum Nachdenken aber haben wohl die Gewerkschaften.

Schon der freundliche und freudige Zuruf des Kommunisten Reimann noch aus Berlin an den Frankfurter Bauarbeiterstreik mußte ihnen zu denken geben. Und ganz gewiß ist es kein Zufall, wenn bei Versammlungen der Streikenden immer auch die berühmten Pappschilder der bolschewistischen Tarnorganisationen für das, was sie unter Frieden und Freiheit verstehen, an der Peripherie emporgehalten wurden. Ani deutlichsten enthüllt sich der Eifer der Kommunisten, soziale Unruhe zu erzeugen, wenn die Bergbaugewerkschaft sich schon gegen wilde Lohnbewegungen kommunistischer Betriebszellen zur Wehr setzen muß.

Niemand kann heute sagen, wie der Schiedsspruch im Baugewerbe aussieht. Aber vielleicht wird es jedem leichter werden, sich damit abzufinden, wenn er an den unheimlichen Dritten denkt, der sich über alle sozialen und Wirtschaftlichen Verschlechterungen Westdeutschlands die Hände reibt.

Für den Südweststaat

Eine Rede von Staatspräsident Müller

Tübingen, 3. September, (dpa) Der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, Müller, hat erneut die Bildung des Südweststaates befürwortet, da nach seiner Ansicht eine Wiederherstellung der alten Länder Baden und Württemberg innenpolitische Gefahren in sich bergen könnte. Länder, die nicht genügend finanziell stark seien, gerieten in die Abhängigkeit des Bundes oder der größeren Länder. Dies wäre jedoch der Tod des Föderalismus in Deutschland. Müller führte in diesem Zusammenhang an, daß dem starken Lande Nordrhein-Westfalen heute nachgesagt werde, das Erbe Preußens angetreten zu haben. Die Vertreter Nordrhein-Westfalens in Bonn seien in der Tat zehn- bis zwanzigmal so stark wie die Württemberg-Badens.

Streiken verboten

in den volkseigenen Betrieben

Berlin, 3. September. (AP.) Der Kongreß des kommunistischen Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes in Ost-Berlin ist mit der Wahl des neuen Bundesvorstandes beendet worden. Der bisherige Vorsitzende Herbert Warnke (Sozialistische Einheitspartei) wurde wiedergewählt. Der stellvertretende Ministerpräsident Ulbricht gehört jetzt ebenfalls dem Vorstand an. Warnke erklärte, die Arbeiterklasse habe eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung eines gesamtdeutschen Staates auf der Grundlage der Deutschen Demokratischen Republik zu spielen. In einer Entschließung heißt es, wenn es die amerikanischen Imperialisten wagen sollten, ihre Kriegspläne zu verwirklichen, würden die deutschen Werktätigen an der Seite der Sowjetunion für die rasche Wiederherstellung des Friedens kämpfen. Ebenfalls angenommen wurden neue Satzungen, in denen das Streikrecht für die Arbeiter der sowjetischen Zone nur innerhalb der privatkapitalistischen Betriebe vorgesehen ist. In den volkseigenen Betrieben darf nicht gestreikt werden.

Kommunistischer Fackelzug

F.A.Z. Frankfurt, 3. September. Nachdem am Samstagn ’unittag das sogenannte Friedenstreffen der Freien Deutschen Jugend ar. Römerberg in Frankfurt verboten worden war, veranstaltet', m Abend die kommunistische Jugend einen Fackelzug durch die Straßen Frankfurts. Ungefähr hundert Angehörige der Freien Deutschen Jugend nahmen an dem Marsch teil. Die ■Jugendlichen untermalten ihren Marsch mit Sprechchören wie: „Wir kämpfen für den Frieden, deswegen y> rden wir auch siegen“. Die Polizei, die mit drei Ueberfallwagen im Schritt dem Zuge folgte, verhaftete einige Rädelsführer, die sich in Schmähungen gegen die Besatzungsmacht und die Regierung ergingen.

Denkmal für Daimler

Schorndorf, 3. September. (AP.) Bei der Siebenhundert-Jahr-Feier der Stadt Schorndorf in Württemberg-Baden ist in der Stadt ein Denkmal für Gottfried Daimler enthüllt worden, der hier im Jahre 1834 geboren wurde. An den Feierlichkeiten nahmen Bundespräsident Heuss und Flüchtlingsminister Lukaschek teil.

Die drei Oberkommissare werden an der Außenministerkonferenz in Neuyork teilnehmen.

Truman: Kein Präventivukrieg

Die Rede des Präsidenten über den koreanischen Konflikt

Washington, 3. September (dpa). Präsident Truman hat in einer Rundfunkansprache seine Ziele im koreanischen Konflikt in acht Punkten dargelegt. Er forderte alle Nationen auf. die Vereinigten Staaten bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Seine Punkte sind: Frieden und Sicherheit durch die Vereinten Nationen; ein freies, unabhängiges und vereintes Korea; Verhinderung einer Ausweitung des koreanischen Konfliktes zu einem allgemeinen Krieg; ein Appell an das chinesische Volk, nicht in den koreanischen Krieg gegen die Streitkräfte der Vereinten Nationen einzugreifen; friedliche Regelung der Formosafrage auf internationaler Ebene; Freiheit für alle Nationen im Fernen Osten; Verurteilung jedes Aggressions- oder Präventivkrieges; Mobilisierung von Hilfsquellen zur Erreichung einer so großen Stärke, daß sie den Frieden sichert.

Truman sagte, die amerikanische Politik gründe sich auf die Satzung der Vereinten Nationen. Mit der Unterzeichnung dieser Satzung hätten sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, durch die Vereinten Nationen Frieden und Sicherheit zu erstreben. Dieses Wort sei gehalten worden, als Amerika in Korea den Vereinten Nationen zu Hilfe geeilt sei. Amerika habe in Korea nur das Ziel, den Koreanern zu ihrem Recht zu verhelfen, frei, unabhängig und vereint zu sein.

Amerika wolle nicht, daß der’ Kampf in Korea sich zu einem allgemeinen Weltkrieg entwickelt. „Er wird sich nicht dazu entwickeln, wenn der kommunistische Imperialismus nicht andere Streitkräfte und Regierungen in den Kampf der Aggressoren gegen die Vereinten Nationen hineinzieht.“ Truman drückte insbesondere die Hoffnung aus, daß das chinesische Volk nicht zu einem Kampf gegen die Vereinten Nationen und gegen das amerikanische Volk irregeleitet oder gezwungen werde.

Truman rückte nachdrücklich von der Idee eines Angriffs- oder Präventivkrieges ab. „Solch ein Krieg ist die Waffe der Diktatoren, nicht aber freier demokratischer Länder wie der Vereinigten Staaten. Wir bewaffnen uns allein zur Verteidigung gegen die Aggression. Wir wollen den Frieden und werden ihn erreichen.“

Ein amerikanischer Offizier seines Postens enthoben

Washington, 3. September. Generalmajor Orville Anderson ist auf Anordnung des Chefs des Generalstabes der amerikanischen Luftstreitkräfte, des Generals Vandenberg, von seinem Posten als Befehlshaber der Kriegsschule der Luftstreitkräfte in Maxwell Field enthoben worden. Die Veranlassung dazu soll gewesen sein, daß sich General Anderson für einen Präventivkrieg ausgesprochen habe. In der Bekanntgabe der Amtsenthebung General Andersons bezieht sich General Vandenberg auf eine Rede, in der er vor zwei Jahren erklärt habe, der Gedanke, daß ein Krieg unvermeidlich sei, sei nicht nur unwahr, sondern auch äußerst gefährlich.

Noch keine Erklärung

für den Flugzeugabsturz in Aegypten

Kairo, 1. September. (AP.) Die offizielle Untersuchung des Flugzeugabsturzes über der nordafrikanischen Wüste, bei dem Bä Personen ums Leben kamen, ist in Kairo eingeleitet worden. Bis jetzt weiß man noch nicht, wie sich das Unglück ereignen konnte. Noch zehn Minuten vor dem Absturz hatte der Bordfunker der Constellation-Maschine gemeldet, daß alles in Ordnung sei. Untersuchungen an Ort und Stelle lassen vermuten, daß das Flugzeug aus großer Höhe abgestürzt ist.

Kundgebung für Guropa

Die Schuldigen am Tod der Gefangenen sollen verurteilt werden

Fö. Aachen, 3. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Europa-Union, der Bund der Verfolgten des Naziregimes, die Organisation der politischen Flüchtlinge aus der sowjetischen Zone und die Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit haben in Aachen eine gemeinsame Kundgebung veranstaltet. Dabei erklärte Dr. Hildebrandt, der Führer der Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit: wie in Nürnberg, so müsse auch jetzt im Namen der Menschheit Klage erhoben und ein Verfahren verlangt werden, um die Schuldigen daran festzustellen, daß 1,7 Millionen deutsche Kriegsgefangene und 96 000 Konzentrationslagerhäftlinge unter russischer Regie zugrunde gegangen seien.

Dr. Kogon führte aus, es habe erst des Genossen Stalin bedurft, um den Regierungen Europas klarzumachen, was die Stunde geschlagen habe, und erst Koreas, um diesen Regierungen einzuhämmern, daß das bisherige Schneckentempo nicht genüge. Der Schrei nach Armeen habe einen Vorteil: der Geist des Widerstandes habe sich mit dem Geist der Einigung Europas wieder zusammengefunden. „So Gott will, werden wir siegen.“

Verstündnis und Mitarbeit

Ergebnisse des Studententages

Fö. Bonn, 3. September. Eigener Drahtbericht.) Der erste Deutsche Studententag nach dem Kriege ist am Sonntag mit einer Festsitzung im Bundestagssaal in Bonn abgeschlossen worden. Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Studentenschaften, Schwartländer, erklärte, der Studententag habe den unbedingten Willen und die Bereitschaft der Hochschüler gezeigt, mitzuarbeiten und Mitverantwortung zu tragen an der künftigen Gestaltung Deutschlands und Europas. In Begegnung und Aussprache mit Männern der Politik und des Staates hätten die Studenten erfahren, daß die Handlungen und Entscheidungen dieser Herren längst nicht immer so verantwortungslos seien, wie es ihnen bisher oft erschienen sei. Sie hätten die Ueberzeugung gewonnen, daß hinter allem die Absicht stehe, das Beste zu wollen. Schwartländer kündigte an, daß noch in diesem Jahre die Gründungsversammlung eines Internationalen Studentenverbandes abgehalten werde.

Arnold kandidiert nicht

Bonn, 3. September, (dpa) Der jetzige Präsident des Bundesrates. Ministerpräsident Arnold, wird sich, wie von seiner Umgebung mitgeteilt worden ist, entgegen anderslautenden Meldungen nicht ein zweites Mal zur Wahl zum Präsidenten des Bundesrates aufstellen lassen. Ministerpräsident Arnold habe anerkannt, daß sich bereits bei seiner Wahl vor einem Jahr die Länderchef^, darauf geeinigt hätten, dieses Amt abwechselnd von allen Ländern besetzen zu lassen. Deshalb sei es selbstverständlich, daß der Ministerpräsident des nächstgrößeren Landes nach Nordrhein-Westfalen, nämlich Bayerns, im kommenden Geschäftsjahr das Präsidium leiten werde.

Einweihung des Rheinsenders

Der Zeitpunkt wurde verlegt

Baden-Baden, 3. September, (dpa) Die auf Freitag, den 8. September, festgesetzte offizielle Einweihung des neuen Großsenders des Südwestfunks, des Rheinsenders bei Wolfsheim, muß verlegt werden, da inzwischen die Wahl des Bundesrats-Präsidenten auf den 8. September angesetzt worden ist.

Eine Vorverlegung auf den 7. September sei, wie der Süd-West-Funk mitteilt, nicht möglich, da an diesem Tage eine feierliche Bundesratssitzung anläßlich des Nationalen Gedenktages des deutschen Volkes stattfindet. Ein neuer Termin für die Einweihung des Senders werde rechtzeitig bekanntgegeben.

Die Verhaftung deutscher Missionare

Bonn, 3. September (dpa). Die Sowjetbehörden in Deutschland haben erklärt, daß sie für die Verhaftung und Zurückhaltung deutscher Missionare in Nordkorea nicht zuständig seien. Wie der Generalsekretär der alliierten Oberkomission der Bundesregierung mitgeteilt hat, ist ein westalliiertes Memorandum über die insgesamt 68 in Nordkorea gefangengehaltenen Benediktiner mit diesem Bescheid von den Sowjets zurückgesandt worden.

Sozialistischer Studententag

Mainz, 3. September, (dpa) Dsr Bundestag 1950 der Sozialistischen Studenten Deutschlands findet vom achten bis elften September in Mainz statt.

Bundesjustizminister Dr. Dehler hat in Erlang die Beseitigung der kommunistischen fünften Kolonne in der Bundesrepublik gefordert. ,

Stimmen der Anderen

Neuer Kurs?

Die „New Y ork He ral d T rib un e“ schreibt zu der Aufspaltung des Vermögens der IG-Farbenindustrie:

„Wenn die Oberkommissare einige Jahre früher gehandelt hätten, dann wäre ihre Entscheidung vielleicht das Signal für die Einführung einer neuen Wettbewerbsordnung in Deutschland geworden. Ebenso hätte dieser Beschluß eine rasche Befreiung von den Ketten erwirken können, die den Innen- und Außenhandel Europas durch Mengenquoten, Tarife und Devisenkontrollen gelähmt haben. Wenn das IG-Farben-Reich unmittelbar nach Kriegsende aufgespalten und die gleiche Politik gegenüber den anderen deutschen Großkonzernen angewandt worden wäre, dann hätte ein erheblicher Fortschritt in der Liberalisierung des Handels eingesetzt. Es steht zu hoffen, daß künftige Maßnahmen eher positiv als negativ orientiert sein werden. Das bedeutet, daß alle Schritte zur Hebung des Unternehmungsgeistes gefördert und v -dringlich behandelt werden sollten. Das betrifft sowohl das Gebiet der öffentlichen Finanzen, als auch die Einrichtung von Marktbeobachtungsstellen, ferner die industrielle Modernisierung gemeinsam m;t Frankreich md den Beneluxländ n sowie die Erörterung von Maßnahmen, die das Privatkapital zu Industrieinvestitionen anregen sollen. Hierin kann s wohl für die westlichen Alliierten als auch für Deutschland ein er'ilgversprechender Kurs liegen. Wenn der intereuropäise’ Handel verbreitert und Europa wieder auf eigenen Beinen stehen soll, dann ist dies eine unerläßliche Bedingung.“

„Miß Germany 1950“ gewählt

Baden-Baden, 3. September, (dpa) Die vom internationalen Komitee in Baden-Baden veranstaltete Wahl der „Miss Germany“ 1950 fand am vergangenen Sonnabend im überfüllten großen Kurhaus-Saal statt. Acht Bewerberinnen, die Landesköniginnen von Hessen, Bayern, Baden, Württemberg, Rheinland, Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein stellten sich der Jury und den 1200 Besuchern, die auf Grund ihrer Eintrittskarten stimmberechtigt waren.

„Miss Germany“ 1950 wurde mit großer Mehrheit die Vertreterin von Schleswig-Holstein, das 24jährige Mannequin Susanne Erichsen mit 434 Stimmen.

Schnee am St. Bernhard

Genf, 3. September. (AP.) Starker Schneefall hat zu einer Einstellung des Autoverkehrs über den St-Bernhard-Paß zwischen der Schweiz und Italien geführt. Räumkolonnen sind eingesetzt, um den Schnee, der durchschnittlich 45 Zentimeter hoch liegt, zu beseitigen und den zahlreichen festliegenden Fahrzeugen die Weiterfahrt zu ermöglichen. *

Hölle wo ist Dein Sieg ?

ROMAN VON RACHEL FIELD

2)

Erstabdruck - Alls Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg

„Ja, das stimmt, aber ich werde nicht alle Kinder zu beaufsichtigen haben. Die älteren Knaben haben einen Lehrer, und drei von den Tödifern sind in der Klosterschule. Ich werde nur mit den vier jüngsten Kindern, drei Mädchen und einem Jungen, zu tun haben.“

„Ich meinerseits finde das mehr als genug. Nun, Sie besitzen ja die notwendige Erfahrung und Zuversicht. Ich fürchte. Sie werden in diesem Falle nicht zuviel davon haben können.“

Sie sagte das so gleichmütig dahin, aber ihre undurchdringlichen schwarzen Äugen sahen ihren Gast mit der abgründigen Weisheit eines alten Papageis prüfend an. Henriette hielt diesem Blick ruhig stand.

„Ich hoffe, meine Zöglinge und ihre Elfern werden mit mir zufrieden sein..“

„Natürlich, natürlich", nickte Madame Le Maire. „Ihre Aufgabe zu aller Zufriedenheit zu erfüllen, bedeutet ja das tägliche Brot für Sie; und wenn Sie gescheit genug sind, sich diese Kost noch dann und wann mit einem Bonbon zu versüßen, um so besser. Aber gewöhnen Sie sich nicht zu sehr an den Geschmack von Süßigkeiten; eine verwöhnte Zunge kann in Ihrem Älter gefährlich werden.“

„Wenn Sie damit sagen wollen, Madame, daß ich zu großen Gefallen am Luxus finden könnte —“

„Nein, ich meine noch etwas anderes. Der Haushalt, in dem Sie fortan leben werden, ist zwar gewiß luxuriös, aber

eben auch — nun, sagen wir, schwierig. Sie sind noch zu jung, um den Anforderungen einer solchen Stellung zu entsprechen ; doch kann sein. Sie sind besser als ich darüber im Bilde, was dort von Ihnen verlangt wird. Zuweilen fragen ja auch junge Schultern einen weisen Kopf. Aber wenn ich Ihnen einen kleinen Rat geben darf — versuchen Sie, sich morgen bei Ihrem Vorstellungsbesuch nach Möglichkeit ein etwas mehr gouvernantenhaftes Aussehen zu geben."

Ihre erfahrenen alten Augen wanderten kühl abwägend über die junge Gestalt vor ihr und blieben ein Weilchen vielsagend an dem auffällig prächtigen Schal haften, an dem grauen Hut mit seinen kirschfarbenen Rüschen und Bändern, welche die rosige Frische der Lippen und Wangen noch unterstrichen, an dem Glanz des weich ihr in die Stirn fallenden kastanienbraunen Haares.

„Zu Zeiten ist es ratsam, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Aber Sie wollen sich jetzt sicherlich nach Ihrer Reise etwas waschen und zurechfmachen. Sie werden in Ihrem Schlafgemach heißes Wasser vorfinden, und wir speisen wie gewöhnlich um halb acht."

Halb belustigt, halb auch etwas ärgerlich über Madames brüskes Beenden der Unterhaltung, begann Henriette den langen Aufstieg zu ihrem Zimmer.

_ Das .Nadelöhr- hafte sich nicht um einen Riß in der Wand weniger, noch um ein einziges neu hinzugekommenes Möbelstück mehr verändert. Aber draußen hinter dem großen Giebelfenster wartete das große Paris, uralt und zeitlos in der spätmärzlichen. Dämmerung, wie ein undeutlich erinnerter schöner Traum. Sie öffnete das Fenster una beugte sich in die abendkühle Luft hinaus, die mit einer zärtlichen Bewegung Wie eine liebkosende Hand ihr das Haar aus der Stirn wehte. Fast vermeinte sie das Rauschen der flutenden Strömung von jeneianderen Flut von Tönen unterscheiden zu können, von Menschen erzeugt und so viel lärmender: Paris selbst.

„Paris — Paris — Paris 1‘ Ihr Herzschlag wiederholte es wieder und wieder, wie sie dort regungslos am Fenster stand und das Zwielicht sich allmählich in der Nacht verlor. Ihr war, als hielte sie gleichsam die Stadt in ihren Armen, und die Stadt wiederum hielte ihr Schicksal verborgen — welcher -Art, das konnte sie nicht wissen.

„Ach, laß mich hier glücklich werden! Laß mich erfahren, was es heißt, zu leben! Laß mich nicht alt werden, ohne je jung gewesen zu sein!"

So betete Henriette Desportes in die einbrechende Dunkelheit des neunundzwanzigsten Tages des Monats März im Jahre des Herm eintausendachthunderteinundvierzig zur Stadt, deren Straßen sechs Jahre später von ihrem Namen widerhallen sollten.

Um halb zehn mußte sie weitere Stufen emporklimmen — die nicht übermäßig saubere, noch gut beleuchtete Treppe, die in den zweiten Stock eines alten Steinhauses dicht am Boulevard Montmartre führte. Ein schlampiges Weib öffnete ihr auf ihr Klingeln und bestätigte brummend, daß Felix Desportes zu Hause sei. Henriette fühlte sich von den abschätzenden Blicken der alten Person abgestoßen und brachte ihr Anliegen in ungewohnt scharfem Tone vor.

„Bitte, melden Sie mich dem Baron. Bestellen Sie ihm, seine Enkelin sei hier. Er erwartet mich.“

Aber das Weib grinste nur und zuckte die Schultern.

„Enkelin oder nicht“, warf sie gänzlich unbeeindruckt zurück, während sie in die Schaffen verschwand, aus denen sie aufgetaucht war, „das gilt mir alles gleich. Ich stelle keine Fragen und bin nicht dazu da, Besucher anzumelden. Aber vergessen Sie nicht, die Tür hinter sich zu schließen, wenn Sie wieder gehen, Mademoiselle!"

„Mademoiselle Desportes," entgegnete Henriette, „und haben Sie bitte die Güte, sich das in Zukunft zu merken!“

Sie erhielt jedoch keine Antwort, und es blieb ihr nichts weiter übrig, als die Treppen allein hinauizukleffern, in dem unruhig flackernden Licht der einen Gasflamme vorsichtig Fuß vor Fuß setzend. Sie schüttelte den Staub von ihrem Rock und zögerte einen Augenblick, bevor sie klopfte, um sich zu sammeln. Sie erwartete sich nicht viel Vergnügen von diesem Besuch, aber sie war test entschlossen, nach besten Kräften das Ihrige dazu zu tun, daß er gut auslief. Das Wiedersehen nahm indessen keinen sehr vielversprechenden Anfang.

„So, so. du bist’s." Weder Gesicht noch Stimme, die sie begrüßten, hießen sie willkommen. „Komm nur herein, da du einmal hier bist. Ich hafte dich nicht so bald erwartet.“

„Aber Großvater, ich schrieb dir doch, daß ich dich sofort nach meiner Ankunft aufsuchen würde. Hast du meinen Brief nicht bekommen?“

„Doch, doch, er muß hier irgendwo herumliegen." Der hochgewachsene alte Herr in fadenscheinigem Schlafrock und Pantoffeln schlurfte zu seinem Sessel am Feuer zurück und deutete mit seiner schmalen, blaugeäderten Hand g'eichgülfig auf das Durcheinander von Zeitungen, Briefen, Federn und benutzten Gläsern, mit dem der Tisch neben ihm überladen war. „Mit oder ohne Brief, ich wußte, du würdest dich wieder blicken lassen.“

Henriette verspürte ein plötzliches Frösteln bei seinen Worten. Der alte Trotz ihrer Kindheit erwachte angesichts seiner abweisenden Kälte. Es war von jeher so gewesen. Seit der Zeit ihrer frühesten Erinnerungen hatte seine bloße Gegenwart ihren Lebensmut zu dämpfen vermocht, so wie der Frost einer einzigen Nacht den Saft in den Ädern der Blätter erstarren macht. Bei ihren seltenen Begegnungen während ihrer Jugend hafte er es nie verheimlicht, daß sie ihm lästig war. Sie war kein schönes Kind Gewesen aber warmherzig und intelligent. Sie hatte immer gehofft, daß ihre Auszeichnungen, die sie irn Kloster für ihren Lerneifer und ihre Begabung erhielt, ihn freundlicher stimmen und ihm ein Wort des Stolzes oder Lobes entlocken möchten. Aber nie hafte er ein einziges geäußert Jedesmal war sie als Kind voll neuer Hoffnung zu ihm gegangen und jedesmal enttäuscht und entmut gf zurückdekehrt und mit einem unbestimmten Gefühl eines beinahe physischen Widerwillens, das zweifellos auf Gegenseitigkeit beruhte, oie dachte, das würde sich vielleicht andern sobald sie älter sein werde; aber sie hafte inzwischen eingesehen, daß die Schranke, die Hemmung und persönliche Abneigung zwischen ihnen aulge ichfet haften, unüberwindlich bleiben müsse.

„Hast du schon zu Abend gegessen?" D‘e nur eine Höflichkeitsphrase, und obwohl Monsieur Desporte3 seine Hand nach seinem Glas Brandy aussfreckfc, dachte ei nicht daran, ihr ebenfalls einen Likör einzuschenken.

(Fortsetzung folgt)

Darmstadt und Umgebung

Lehrer i.R. Hilsdorf bei seinen Schülern

Am vergangenen Samstagabend trafen sich in der Gaststätte Arnold in der Bismarckstraße etwa 20 ehemalige Ballonschüler des Jahrhangs 1898/99, die mit ihren Frauen und einigen Gästen gekommen waren, mit ihrem, von ihnen außerordentlich verehrten Lehrer i. R. Theodor Hilsdorf. Lehrer Hilsdorf hatte — wie wir bereits berichtet haben — vor wenigen Tagen, am 25. August, seinen 88. Geburtstag gefeiert.

Herr Nikolaus Kaffenberger bedauerte bei der Begrüßung, daß nur wenige Pädagogen der Einladung gefolgt waren und dadurch der Hauptzweck des Abends. Lehrar i. R. Hilsdorf jüngeren Lehrern seine Erfahrungen mitteilen zu lassen, nicht erfüllt werden könne. Er begrüßte besonders Prof. Thy e n vom Pädagogischen Institut, der schon bei einer Besprechung im engeren Kreise großes Interesse den Gedanken Lehrer Hilsdorfs entgegengebracht hatte, und Herrn Lehrer Germann, der die seinerzeit etwa 50 Jungen starke Klasse ein Jahr lang leitete, nachdem sie bei Lehrer Hilsdorf sieben Schuljahre erlebt hatte.

Mit geradezu jugendlichem Temperament berichtete sodann der 88jährige Pädagoge von seinen reichen Erfahrungen, die er vor allem an der Ballonschule gesammelt hatte, und von den Ideen, die ihm in der heutigen Schule weiterzuführen wert erschienen. Er sprach von der charakterbildenden Kraft methodischen Schulunterrichts, der starken Anregung, die er durch Pestalozzi. Rousseau und Diesterweg aus deren Bücher empfangen hatte, von dem Vorsprung Darmstadts, als erste Stadt einen Schularzt und einen Schulzahnarzt schon im Jahre 1902 gehabt zu haben, von seiner Entwicklung des Ganzheitsunterrichtes, von der Notwendigkeit. die Sprechweise zusammengesetzter Zahlen zu reformieren. Außerdem empfahl er dem gewissenhaften Lehrer, eine Schulklasse möglichst vom ersten bis zum letzten Schuljahr durch die Schule zu führen, trotzdem das sehr viel Arbeit und Verantwortung bringe. Als Leitsatz habe er sich Diesterwegs Ausspruch „Schön unterrichten und gut erziehen ist eine Kunst“ zu eigen gemacht. Durch Selbsttätigkeit müsse der Schüler lernen, nicht durch das Einpauken.

Nach diesem anschaulichen Vortrag dankten verschiedene ehemalige Schüler Lehrer i. R. Hilsdorf für das. was er ihnen in der Schule beigebracht hatte und was sie befähigte, im Leben etwas zu erreichen. Den Schluß der Feier bildete ein angeregter Austausch alter Erinnerungen und ein Gedenken an die inzwischen verstorbenen und gefallenen Schulkameraden jener Tage in der Ballonschule. agt

Siedler-Verein stellt aus

Obst und Gemüse, auf Sand gewachsen

Anläßlich der „Siedler-Kerb“ in der Heimstättensiedlung stellte der „ Siedler-Verein“ in der Kinderschule in drei Räumen die vortrefflichsten Gartenbauerzeugnisse seiner Mitglieder aus. Es sind vor allem Gemüse und Obst, die durch ihr gutes Aussehen und ihre Größe Aufmerksamlceit erregen und als Ergebnisse des überaus mageren Flugsandbodens erstaunlich sind. Nur eine intensive und sorgsame Kompostwirtschaft, eine fleißige Humusanreicherung des Bodens durch Torfmull und eine pflegliche Behandlung der Pflanzen durch intensive Schädlingsbekämpfung und fleißiges Begießen — so wurde uns von den leitenden Herren des jetzt 245 Mitglieder zählenden Siedler-Vereins berichtet — konnten diese Ergebnisse zeitigen. Riesige Gelbe Rüben von Herrn Straub, kinderbaUgroße Tomaten von Herrn Horn und 1000 Gramm schwere Trauben von Herrn Maul bewiesen die Tüchtigkeit der Kleingärtner.

In einem weiteren Raum wurde eine Lehrschau zur Schädlingsbekämpfung zusammengestellt, die in anschaulicher Weise die Obst- und Gartenbauschädlinge in Bildern, in ihren Auswirkungen an Früchten und Gemüse und ihre erfolgreiche Bekämpfung zeigte. Besonders gefährlich werden in den Gärten der Heimstättensiedlung Monilia äm Obst, Kartoffelkäfer und Wühlmaus. Die Ausstellung ist bis heute, Montag, abend geöffnet.

Ein Mutterhaus in der Marienschwe¬ sternschaft wird gegenüber dem Hause „Waldfrieden“ in der Villenkolonie zum größten Teil in Selbsthilfe der Schwestern erstellt. Das Grundstück für das sich im Bau befindliche Mutterhaus wurde der Marienschwestemschaft von privater Seite geschenkt. Das Mutterhaus im Hölderlinweg in Darmstadt, das die zur ökumenischen Schwesternschaft gehörigen Marienschwestem zur Zeit bewohnen, erwies sich für die Dauer als zu klein.

Erhöhung des Gestühls im Palast ohne ausgefallene Vorstellung. Alles war schon bis ins kleinste vorbereitet als der letzte Besucher das Palast-Kino am Mittwochabend verlassen hatte. Innerhalb weniger Minuten waren die hinteren Stuhlreihen

entfernt und die bereits vorgemauerten Sockel an ihren Plätzen verteilt. Alle Angestellten des Lichtspieltheaters packten zu, damit die erste Vorstellung des nächsten Tages zur gewohnten Zeit anlaufen konnte.— Eine anstrengend’ Nacht, aber Frau Trietschen half mit ein paar herzhaften Schnitten und einem starken Kaffee den toten Punkt zu "**


DT-Foto: Rop
DT-Foto: Rop

Grundsteinlegung in der Bockshaut

Der Gedanke, aus der Bockshaut ein Weinrestaurant zu machen, kam vor über hundert Jahren dem Gerbereibesitzer Paul Gervinus in dem Haus der Kirchstraße Nr. 7.

Ursprünglich als Pfarrhaus neben der Superintendentur gedacht, betrieben seit Anfang des vorigen Jahrhunderts die Gebrüder Gervinus eine Gerberei, die als Zunftzeichen eine Bockshaut ausgehängt hatte. So übernahm die nunmehrige Weinstube die originell und glücklich gewählte Bezeichnung. In den holzgetäfelten, gemütlichen Zimmern fand sich bald ein Kreis ebenso gescheiter wie honoriger Leute zusammen. Der spätere Literarhistoriker und Geschichtsforscher an der Universität Göttingen, Gervinus, wurde hier geboren. In seiner Lebensgeschichte erzählt der Darmstädter Gelehrte liebevoll-sorgfältig von seinem Vaterhaus.

So konnte öder mußte die Feier zur Grundsteinlegung des neuaufzubauenden Lokales — 1944 wurde die alte, erinnerungsreiche Bockshaut zerstört — jene Mischung von liebenswürdig-persönlicher, fast familiärer Art sein.

Nachdem sich die Gäste der Stadt, die an dem Neuaufbau Beteiligten und die Vertreter der Presse in das Gästebuch eingetragen hatten, begann in dem ausgebombten Keller eine Feier voll Herzlichkeit in einer glücklich gewählten Atmosphäre. Zwischen Fässern, Weinregalen und altem Mauerwerk wurde 48er in die Gläser geschenkt, nachdem der neue Plan, eine Skizze, zwei Tageszeitungen, eine Speise- und Weinkarte, der Bericht des 25jährigen Jubiläums von 1944, die Ansicht der alten Bockshaut und drei Glückspfennige unter den zukünftigen Eingang eingemauert worden waren.

Dr. Lutius als Vertreter des Magistrates, Architekt K o b a n und Bauunternehmer Hummel sprachen Worte zum guten Gelingen — und, wir vergaßen es zu sagen, daß der in Zunfttracht erschienene junge Ritzer die Einmauerung vornahm.

Die Gruppe kluger Menschen und der vorzügliche „Keltenheimer“ lassen alle Teilnehmenden die Stunde der Besinnung nicht so schnell vergessen. ng.

Stadtsjugendamt verlegt

Ab heute befinden sich die Diensträume und die Kasse der Amtsvorwundschaft des Stadtjugendamtes Darmstadt im Städt. Hallenschwimmbad, Mühlstraße 33, und nicht mehr im Sozialamt, Alexanderstraße 35. Die Sprechstunden dieser Dienststelle bleiben unverändert an jedem Dienstag und Freitag von B—l 2 Uhr. Einzahlungen bei der Kasse können jederezit erfolgen. Auszahlungen der Kasse erfolgen weiterhin am 1. und 15. jeden Monats von B—l 2 Uhr und von 14—16 Uhr. Bei dieser Gelegenheit wird darauf hingewiesen, daß die Sprechstunden des Sozialamtes in der Alexanderstraße 35 von der Bevölkerung unbedingt eingehalten werden müssen, um eine gerechte und schnelle Abfertigung der Vorsprechenden vornehmen zu können. Das Städt. Sozialamt hat an jedem Dienstag und Freitag Sprechstunden von B—l 2 Uhr. An allen anderen Tagen können in dringenden Fällen Rat- und Hilfesuchende von 11—12 Uhr das Amt aufsuchen.

Es liegt im Interesse der Bevölkerung selbst, wenn in dieser Zeit nur solche Personen beim Sozialamt vorsprechen, denen so schnell wie möglich in irgendeiner Form geholfen werden muß.

Pkw. rammte Lastzug

Ein am Freitag in Richtung Darmstadt auf der Autobahn fahrender Personenwagen wollte in der Gegend von Viernheim einen in gleicher Richtung fahrenden Lastzug überholen. Dabei kam der Pkw. von der Fahrbahn ab und fuhr gegen einen auf dem Grünstreifen stehenden Pfeiler.

„Die soziale Reaktion auf dem Marsch“

Gewerkschaft im Kampf gegen Gesetz zur Selbstverwaltung in der Sozial Versicherung

Am Samstagmorgen fand im „Goldenen Löwen“ in Arheilgen eine Delegiertentagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisausschuß Darmstadt statt, um gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Frage der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung Stellung zu nehmen. Der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat beschlossen, in der Zeit vom 4. bis 9. September eine weitgehende Aufklärung unter den Versicherten durchzuführen.

Nach der Begrüßung der 300 Delegierten durch den Vorsitzenden des Kreisausschusses Darmstadt des DGB, Mayer, ergriff der Präsident der Landesversicherungsanstalt Frankfurt, Kissel, das Wort zu einem ausführlichen Referat über „Die Bedrohung der Sozialversicherung durch die Gesetzvorlage zur Selbstverwaltung“. Der Redner führte aus, daß es heute immer wieder um die Frage gehe, wer die Macht im Staat verkörpere — ein kleiner Kreis von Ministerialbürokraten oder die Masse des Volkes. Das dem Bundesgesetz vorliegende Gesetz zur Selbstverwaltung in der Sozialversicherung sei ein Gesetz zur Vernichtung der Sozialversicherung. Der Ausschuß für Sozialpolitik des Bundestages habe mit Mehrheit beschlossen, daß Vorstand und Vertreterversammlung in der Kranken- und Rentenversicherung je zur Hälfte aus Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber gebildet werden solle, während von einer Minderheit des Ausschusses die volle Selbstverwaltung durch die Versicherten gefordert worden war. Das Gesetz bezwecke Entpolitisierung der Sozialversicherungsträger, während in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall sei. Die Gesetzgeber stünden auf dem Standpunkt, daß die Frage der Beitragsleistung, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte tragen, die Zusammensetzung der Selbstverwaltung bestimmen müsse. Es sei aber eine alte Erkenntnis, daß es sich bei der Leistung der Arbeitgeber um keine echte Beitragszahlung handle, da die Sozialbeträge im Produkt eingeschlossen seien und so letzten Endes vom Arbeitnehmer als dem

Hauptkonsumenten getragen würden. Ebenfalls bestimme § 1 des Gesetzentwurfes, daß ein von der Aerztekammer gewählter Arzt dem Organ als ständiges Mitglied angehören solle. Der DGB wehre sich entschieden gegen diese Forderung, da die Aerzteschaft einen erheblichen Teil jener Interessenten ausmache, die an der Sozialversicherung direkt interessiert seien.

Ein weiterer schwerwiegender Punkt, der durch den DGB abgelehnt werde, sei die Verlängerung der Karenzzeit von drei Tagen auf eine Woche und die Beteiligung des Versicherungsnehmers an den Arznei- und Krankenhauskosten, die in letzter Zeit von der Aerzteschaft gefordert werde. Der § 14 sehe die Wiederherstellung der Sozialversicherung mit der Möglichkeit der Errichtung von Sonderkammern vor, die in Wahrheit mit der Selbstverwaltung nichts mehr zu tun habe. Dies bedeute eine weitere Schwächung der Sozialversicherungsträger, da diese Sonderkassen wirtschaftlich nicht schlechter gestellt seien. Die Vertreter der Selbstverwaltungsorgane müßten so gewählt werden, wie es vor 1933 der Fall gewesen sei: Zweidrittelmehrheit den Versicherungsnehmern und ein Drittel den Arbeitgebern. In Hessen bestünde bisher darüber eine freiwillige Vereinbarung, die jedoch jeglicher Rechtsgrundlage entbehre. Die soziale Reaktion sei auf dem Marsch, und es sei an der Zeit, daß das Führerprinzip in der Sozialversicherung gestürzt werde.

In der anschließenden, sehr lebhaften Diskussion wurde von den Rednern festgestellt, daß der Arbeitgeber in den Organen der Selbstverwaltung nichts zu suchen habe, da dessen Beitrag zur Sozialversicherung einen Teil des Lohnes darstelle. Der DGB sei bisher zu zahm gewesen und habe sich immer zurückgehalten, um der Volkswirtschaft keinen Schaden zuzufügen. Es sei aber notwendig, daß die stärksten Mittel, die den Arbeitnehmern zur Verfügung stünden, angewandt würden, um diese unsoziale Gesetzesvorlage zu unterbinden.

Zum Abschluß der Tagung, die die erste von einer Reihe von zwanzig gleichartigen Tagungen in den Arbeitsamtsbezirken Darmstadt und Groß-Gerau war, wurde eine einstimmig angenommene Entschließung gefaßt. Die Delegierten von 70 000 organisierten Arbeitnehmern der Gewerkschaften stellen fest, daß zweierlei Recht für den Kreis der Versicherten gilt, und daß das vorliegende Gesetz ein Verstoß gegen die Grundlagen der Demokratie bedeute. Es wird gefordert, daß in freier Selbstverwaltung Organe zu bilden seien, und daß schäft hundertprozentig vertreten sein in diesen Organen die Arbeitnehmermüsse. —st

Siedler-Kerb auf Touren

Gestern nachmittag fuhr ein mit „Kerwe-Borsch“ beladener und geschmückter Lastwagen durch die Innenstadt und machte darauf aufmerksam, daß in der Heimstättensiedlung die Siedler-Kerb auf Touren kam. Aus der einzigen Gastwirtschaft — die Konzession für eine Gastwirtschaft ist dort sehr schwer zu bekommen, um aus der Heimstättensiedlung keine Radau-Gegend zu machen — und aus einem besonders aufgebauten Tanz- und Bierzelt schallte laute Kerb-Musik, während im Hofe der Kinderschule sich die Kinder bei ihrem Kinderfest, bei Schiffsschaukel, richtiger Reitschule mit lebenden Pferden und an den zahlreichen Buden mit Süßigkeiten erfreuten. Die Siedler-Kerb wird heute, am Montag, ihren Fortgang nehmen.

Richtfest nach schwerem Aufbau

Ein Richtfest soll immer eine festliche Pause in schwerer, harter Bauarbeit sein. Ein besonders verdientes Richtfest feierten gestern die Mitglieder der Gemeinnützigen Baugenossenschaft „Familienheim“ in der Heimstättensiedlung, nachdem ihr sechstes Doppelhaus im Rohbau fertig steht. Dieses Richtfest war vor allem bemerkenswert, da der Aufbau der bereits fertigen fünf Häuser und der noch geplanten hauptsächlich in Selbsthilfe der späteren Bewohner geschieht. Weit über tausend Arbeitsstunden muß der Einzelne leisten, um seinen Wohnungsanspruch verwirklicht zu sehen, denn die Arbeitskraft und das meist nur geringe Sparkapital sind die Einlagen, die jedes Mitglied dieser Genossenschaft zu leisten hat. Beamte, Arbeiter, Handwerker und Angestellte fanden sich in dieser Genossenschaft zusammen, die im November vorigen Jahres ihre offizielle Gründung auf Anregung der katholischen Liebfrauengemeinde und evangelischen Matthäusgemeinde fand.

Die Genossenschaft, die Rektor Gerber als Vorsitzender des Aufsichtsrates, Herr Weitzel als 1. Vorsitzender des Vorstandes und Herr Sattig als Rechner leitet, hat die Absicht, in ihrem ersten Bauabschnitt 30 Häuser im Doppelhaus-Typ fertigzustellen, in denen jede Wohnung eine Wohnfläche von 53 qm und einen großen Garten umfaßt. Herr Merker konnte in seiner Begrüßungsansprache berichten, daß durch den Fleiß und die Sparsamkeit aller Genossenschaftsmitglieder bis jetzt Bauwerte von 115 000 DM geschaffen worden seien. DT

„Freiwillig“ und „ehren?.,mt!ich“ wurden die Schüler der Oberklassen des Ludwig-Georg-Gymnasiumg und des Alten Realgymnasiums zu Helfern bei der Volkszählung befohlen.

Eröffnung des Stadt-Cafes am Luisenplatz

Als Herr Landrat a. D. Becker die geladenen Gäste begrüßte, war noch, er sagte es in seiner Ansprache auch, der Rhythmus der Arbeit in den unteren Räumen des neueröffneten Stadt-Cafis zu hören. Er sprach seinen Dank Herrn Architekten Dr. Scholl, dessen ureigenste Idee in der Ausgestaltung verwirklicht werden konnte, den Arbeitern und Handwerkern, und nicht zuletzt der Stadtverwaltung Darmstadt aus, die alle zum Gelingen des neuen Cafds beitrugen. Der Raum solle und wolle eine Stätte gepflegter Unterhaltung sein.

Große Blumenarrangements ergänzten die klare, schöne Architektur de§ Raumes. Besonders apart ist die Beleuchtung; sechsarmige Lichtglocken geben direktes und indirektes Licht. Die Tische stehen so, daß man nie den Eindruck hat, auf dem berühmten Tablett zu sitzen, trotz der Großflächigkeit des nur knapp geteilten Cafes.

Bürgermeister Schröder sagte, er habe über den Mut und die bewundernswürdige Leistung der Initiatoren ebenso wie über das schnelle Wachsen und pünktliche Fertigwerden gestaunt. Wörtlich erklärte er: „Mein Wunsch ist, daß das Haus uns allen Freude und Entspannung bringen möge..." Man saß noch längere Zeit gemütlich beisammen, nachdem Landrat Wink die Glückwünsche der übrigen Landkreise ausgesprochen und Oberreg.- Rat Kuhn als Vertreter der Aufsichtsbehörde — der Zusatzversorgungskasse — dem Haus Glück und Erfolg gewünscht hatte. Eine ausgesuchte Kapelle wird mit einem Repertoire von „Aida“ bis zur „Zigeunermusik“ die Gäste unterhalten. -ng-


Amerikanisches Tempo. — Wie beachtlich der Aufbau des Stadt-Caf&s voranging, zeigen unsere Bilder. Rechts: so sah es am 1. September um 22.15 Uhr aus, links: so am anderen Morgen um 9.15 Uhr Foto: Hemme
Amerikanisches Tempo. — Wie beachtlich der Aufbau des Stadt-Caf&s voranging, zeigen unsere Bilder. Rechts: so sah es am 1. September um 22.15 Uhr aus, links: so am anderen Morgen um 9.15 Uhr Foto: Hemme

Schwerer Antozusammenstoß Füntf Verletzte

Gestern Abend gegen 21.30 Uhr stießen auf der Straße zwischen Böllenfalltor und Trautheim, an der Kurve „Bei den vier Buchen“, zwei Personenwagen zusammen. Ein von Trautheim kommender amerikanischer PKW geriet, anscheinend durch zu hohe Geschwindigkeit, in der Kurve ins Schleudern und prallte breitseits mit voller Wucht gegen einen ans Darmstadt kommenden Volkswagen. Beide Fahrzeuge wurden durch den Zusammenprall stark beschädigt und mußten abgeschleppt werden. Der Fahrer des VW, ein Arzt aus Ober-Ramstadt, und seine beiden Kinder wurden leicht verletzt. Zwei Frauen — Mutter und Tochter — die in dem amerikanischen PKW mitgefahren waren, erlitten schwere Verletzungen und konnten erst um 23 Uhr in das Eberstädter Krankenhaus eingeliefert werden, da die Krankenhäuser in der Stadt die Verletzten nicht aufnehmen konnten. DT

In der Stadt notiert

Erheblicher Sachschaden entstand, als in der Nacht zum Samstag ein auf der Fahrt von Frankfurt nach Darmstadt auf der Autobahn befindlicher Lastzug auf einen vor ihm fahrenden Lastzug auffuhr. Die Feststellungen der Polizei ergaben, daß der Fahrer des zweiten Lastzuges wegen Uebermüdung den vor ihm fahrenden Wagen nicht erkannt hatte.

Das Ballonwettfliegen in Darmstadt, das infolge des Unwetters im Juni aufgeschoben werden mußte, wird — wie uns das Jugendrotkreuz mitteilte — am Samstag, dem 16. September, um 16 Uhr im Hochschulstadion durchgeführt. Nähere Anweisungen erfolgen in den nächsten Tagen.

Unter dem Verdacht eines Selbstmordversuches wurde am Sonntagmittag eine 52jährige Frau aus Arheilgen bewußtlos in das Städtische Krankenhaus eingeliefert.

Ausnahmesperre für Hausratshilfe aufgehoben

Die Annahmesperre für Hausrathilfe wird, wie bereits gemeldet, für die Zeit .vom 1. 9. bis 31. 10. 1950 aufgehoben. Diese Maßnahme könnte vielleicht in Geschädigtenkreisen die irrige Ansicht hervorrufen, daß damit die letzte Möglichkeit gegeben sei, Ansprüche auf Ersatz erlittener Schäden geltend zu machen.

Um den Antragstellern und den Sofortehilfeämtern unnötige Arbeit und Zeitverlust zu ersparen, muß betont werden, daß die Hilfen nach dem Soforthilfegesetz nur dazu dienen, vorläufig die dringendsten sozialen Notstände zu lindern und daß ein endgültiger Ausgleich der kriegsbedingten Schäden erst durch das bevorstehende Lastenausgleichsgesetz erfolgen wird. Es dürfte daher insoweit nicht von Bedeutung sein, ob und mit welchem Erfolge Anträge auf Hilfen nach dem Soforthilfegesetz gestellt worden sind. Mit Rücksicht hierauf empfiehlt es sich nicht, daß nunmehr ^lle Personen, denen nach ihrer Meinung Ansprüche auf Grund des erlittenen Schadens zustehen, nach Aufhebung der Antragssperre Anträge auf Hausrathilfe einreichen, da im Hinblick auf das voraussichtliche baldige Inkrafttreten des Lastenausgleichsgesetzes die für die Hausrathilfe bereitgestellten Mittel beschränkt bleiben werden.

Obgleich der sich nunmehr auf insgesamt 370 Millionen DM belaufende Betrag für Zwecke der Hausrathilfe eine sehr erhebliche Summe darstellt, wird er doch nur dafür ausreichen, um die sozial schwächsten Gruppen der Geschädigten zu befriedigen. Den Aemtern für Soforthilfe liegen zur Zeit rund 3,7 Millionen Anträge auf Hausrathilfe im Bundesgebiet vor. Diese Zahl wird sich nach Aufhebung der Sperre nicht unerheblich erhöhen. Mit den bisher zur Verfügung gestellten Mitteln war es immer nur möglich, die sozial schwächsten Gruppen zu berücksichtigen. Es entspricht einem Gebote der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, dieses Verfahren auch weiterhin anzuwenden.

Die Bearbeitung der eingehenden Soforthilfeanträge obliegt nach dem Gesetz den Soforthilfeämtern. Im Hinblick auf diese Sachlage versprechen deshalb auch Eingaben an das Hauptamt und sonstige Bundesbehörden keine Aussicht auf Erfolg.

Bewölkt mit Regensfchaner

DT-Wetterbericht

Vorhersage: Am Montag meist stärker bewölkt und noch einzeln leichte Regenfälle. Tageshöchsttemperatur 17 bis 20 Grad. Schwache Westwinde.

Weitere Aussichten: Ab Wochenmitte voraussichtlich beständiges Wettter.

Wohin gehen mir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Liedertafel 1842, Darmstadt: Stadthalle, 20 Uhr, Chorkonzert unter Mitwirkung von Elsbeth Stumpf, Wilhelm Keßler, dem Schnurrbusch-Quartett und Bläsern des Hessischen Landestheaters.

Landesmuseum: Barocksaal, Ausstellung des Archivs für Jugend- und Laienkunst: „Kunst am Ursprung“. Von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Wir gratulieren

80. Geburtstag: Frau Wilhelmine Brunner, Groß-Zimmern, Klein-Zimmerner Straße 16. (3. 9.)

Goldene Hochzeit: Herrn ■' ~n Eichhorn, Bademeister, und Frau Katharina geb. Lautenschläger, Traisa, Nieder-Ramstädter Straße.

Tropfen und vom Töpfchen XIII.Bergsträsser Winzerfest



Eröffnung des 13. Bergsträper Winzerfestes - Tauseude beim Festzug und im Winzerdorf

„Wenn Engel feiern, dann weint der Himmel“, sollte man den bekannten Spruch abwandeln. Bei der Eröffnung des Winzerdorfes regnete es jedenfalls in Strömen. Aber das schadete so gut wie gar nichts, dieweil es weder dem Oberhaupt der Stadt, Bürgermeister Treffert, noch den „Herrn“ des Landkreises Bergstraße, Landrat Dengler, davon abhalten konnte, die überaus zahlreichen Gäste des 13. Winzerfestes herzlich willkommen zu heißen.

Jener entledigte sich liebenswürdig seiner zahlreichen Gastgeberpflichten, dieser lobte in vollen Tönen die Initiative seiner größten Stadt im ganzen Land. Minister Wagner, der letzte im Triumphirat der Prominenz, war in seinen offiziellen Worten so launig und kurz, wie es der feuchtfröhliche Anlaß nicht besser hätte von ihm fordern können. Dazu spielte die Musik — vorzüglich sang der Gesangverein Liederkranz zu seiner eigenen Ehre wie auch zur Ehre des Winzerfestes.

20 Jahre sind eine lange Zeit, lange genug, um ein Fest wirklich volkstümlich und eine Tradition fest und unverbrüchlich zu machen. Das konnten die Leute feststellen, die scharenweise aus ihren entlegenen Odenwald-Dörfern gekommen waren, um sich am Sonntag den historischen Festzug anzusehen. Das fanden auch die „Amis“, die schon lange schmunzelnd und fachmännisch die Winzer-Plakate studiert hatten — sie sehen sie schon im dritten Jahr — und das fanden schließlich auch die genießerisch und feinschmeckerischen Städter aus den um- und anliegenden Orten. Winzerfest ist ein Stichwort, eine Telegramm-Anschrift, auf die hin jeder sofort sich losreißt aus seinen unabkömmlichen Geschäften.

Alle kamen sie. Die Bergstraße sah am Sonntagnachmittag ab 2 Uhr eine Prozession der Schaulustigen. Man sah allerhand — nicht nur im Festzug, sondern auch daneben. Ob die Dame in bayerischen Pumphosen wohl frisch aus München importiert war, um eine Hauptprobe für das Oktoberfest zu stellen? Und die jugendliche Alte, ob die wohl ihren „Himmelblauen“ aufgesetzt hatte, um der Krimhilde im Festzug Konkurrenz zu machen? Der Fabrikant, der die blauroten Mützen zum Winzerfest und vor allem die Idee dazu geliefert hat, der war allerdings zu beneiden. Er hatte mehr vom Winzerfest als andere.

Wie eine Mauer standen die Menschen an den Rinnsteinen und die jugendlichen Zuschauer hatten die Gartenmauern und Laternenpfähle bezogen, um den Festzug zu sehen. Die älteren hätten wohl auch gerne — aber das verbietet die Würde —

und darum reckten sie lieber die Hälse und stellten sich in der fünften Reihe auf die Zehen.

Als es dann begann, kam Musik mit viel Blech, das ebenso blitzte wie die neuen Motorräder, die als Vorhut die Straßen durchfuhren. Die Sonne konnte am Himmel nicht scheinen, weil sie in einer Weinflasche auf das vollkommenste eingefangen war. Es hätte der wunderschönen Blumen wirklich nicht bedurft, um glaubhaft zu machen, daß sie leibhaftig lächelnd in der riesigen Flasche stand und strahlte. Die Winzer-Königin hielt im Winzerdorf, wo sie zeitig mit ihrem Gefolge eintraf, das, was sie versprach: Sie ist des Festes wahre Königin.

Dann kam Oald Bensern, wie man es von je gewohnt ist und liebt, mit seinem vortrefflichen Bürgerwehr-Kommandanten, der nicht nur von der Ehrentribüne im Kurpark, sondern auch von seinem Volk mit Zurufen und Händeklatschen begrüßt wurde. Es erwies sich wieder, daß die Bensheimer wissen, was sie an ihrem „Stolle-Seppl“ haben!

Später wurde es historisch. Der Mönch, der die Nibelungensage aufschrieb, tat es, ohne aus dem Konzept zu kommen, angesichts der lOOOköpfigen Menge auf dem Bürgersteig. Danach wurde der Nibelungenschatz vorbeigetragen und zum Glück nicht geraubt, was für die ehrenfeste Gesinnung der Bensheimer Bevölkerung zeugen mag. Vielleicht aber hatten die Leute auch Angst vor dem Siegfried-Schwert, das — sage und schreibe — in glühendem Feuer allen zur Warnung geschmiedet wurde. Die Volkspolizei zu jener Zeit trug Schuppenpanzer. Natürlich war sie vertreten, um die Prominenz in Gestalt von Siegfried und Krimhilde zu eskortieren. Der Drachen, der hinterher kroch, bewies, in welcher Gefahr sich das junge Paar dennoch befand. Brunhild hoch zu Pferd dahinter war sehr dafür, aber — trotzdem schossen die Jäger nur mehrere Wildschweine, worunter das lebend eingefangene im Käfig (aus dem „Bensemer“ Zoo) zweifellos das allerbeste war. Hagen schoß überhaupt nicht. Aber man hätte sich vorstellen können, daß er es vielleicht getan hätte. Er bildete den Uebergang zu dem Auerbacher Schloß-Fräulein, das inmitten seines Schlosses zwar nicht das dicke, aber das allerliebste Ende des Festzuges war.

Was noch? Der Berichterstatter bittet, daß man ihn entschuldige. Tinte ist zwar für ihn ein ganz besonderer Saft, aber in Bensheim, da verlangt ihn doch nach einem anderen. Kä.


Landrat Dengler bei der Eröffnung des Winzerfestes (am Rednerpult), Bürgermeister Treffer t, (ganz rechts) und Beigeordneter Seidel (mit Mantel)
Landrat Dengler bei der Eröffnung des Winzerfestes (am Rednerpult), Bürgermeister Treffer t, (ganz rechts) und Beigeordneter Seidel (mit Mantel)

Die Burggräfin vom Auerbacher Schloß
Die Burggräfin vom Auerbacher Schloß

Die Winkönigin inmitten ihrer Pagen
Die Winkönigin inmitten ihrer Pagen

Bensheimer Weibe- und Verkaufsmesse

Reichhaltige Schau aus dem Bergsträßer Industrie-, Handels- und Gewerbeleben

Am Samstag wurde die in Verbindung mit dem 13. Bergsträßer Winzerfest durchgeführte Werbe- und Verkaufsmesse durch Bürgermeister Treffert sowie durch den Protektor der Messe, Minister Wagner, eröffnet.

Zu der Feier, die vor dem Hauptportal des „Hauses der Jugend“ stattfand, waren außer den Ausstellern, den Mitgliedern des Messeausschusses sowie den Spitzen der Bensheimer Behörden zahlreiche Gätse, darunter Landrat Dengler, erschienen.

Bürgermeister Tr eifert betonte, daß die Messe eine Leistungsschau sei, die den Beweis erbringen soll, daß Bensheim in jeder Beziehung mit der Zeit Schritt hält. Sie solle aber auch eine Verkaufsmesse sein, und so hoffe er, daß die Besucher nicht nur die ausgestellten Waren besichtigen und bewundern, sondern daß recht viele Käufe getätigt und Bestellungen auf gegeben werden. Der Bürgermeister dankte anschließend allen Mitarbeitern, besonders den Herren Schachner, Emig, Flach und Architekt Keßler für ihre Mitarbeit.

Landrat Dengler führte aus, daß sich die wirtschaftliche Lage in Handel und Gewerbe weitgehendst geändert habe. Man habe in letzter Zeit wiederholt feststellen können, daß eine Lef«< stungsschau besser als die andere ge-

wesen sei und manchmal kleine Orte ganz erstklassige Arbeit geleistet hätten. Das Winzerfest habe den Zweck, für den in Deutschland und dem Auslande leider noch nicht so bekannten Bergsträßer Wein zu werben, zudem heute teilweise schon auserlesene Qualitäten an der Bergstraße herausgebracht würden.

Herr K a 111 e r von der Industrie- und Handelskammer übermittelte die Grüße seiner Behörde zum Winzerfest. Dr. Hummel vom Einzelhandelsverband betonte in seinen Ausführungen, eine solche Leistungsschau sei nichts weiter als eine Zusammensetzung aller Schaufenster einer Stadt. Vizepräsident Scherer von der Handwerkskammer unterstrich, daß trotz der großen Umwälzungen das Handwerk alle Krisen überstehen werde und daß es ein gutes Zeichen sei, daß die Zahl der Anmeldungen etwa der der Abmeldungen gleichkomme. Minister Wag ne r erklärte, es sei ein erfreuliches Zeichen, daß das deutsche Handwerk in solchen Messen bestrebt sei, wirklich nur erstklassige Ware auszustellen.

Anschließend besichtigten die Gäste die Messe. Man kann wirklich sagen, daß bei aller Vielfältigkeit nur Qualitätsware men des Hauses der Jugend, der Messehalle vor dem Hause und in der Gewerbeschule stattfindet, umfaßt alle Zweige der Industrie, des Handels und des Handwerks. In reichem Maße sind die verschiedenen Bensheimer Radiofirmen vertreten, auch die Möbelbranche zeigt manche Neuheit. Eine neue Maschine zum Kaffeemahlen und vor allem zur Herstellung von Eierlikör zieht immer wieder die Besucher an. Auch der Raten-Sparautdmat für Radiogeräte ist zu sehen, die einzelnen Mode- und Kleigezeigt wird. Die Schau, die in den Räuderfirmen zeigen elegante Kleidungsstücke aus besten Stoffen, die Motorradfirmen sind vertreten, ebenso die praktische Auto-Kleingarage und manches andere mehr. Man hat nach dem einstündigen Besuch der Messe voll und ganz den Eindruck gewonnen, daß Bensheim in jeder Beziehung etwas leistet und daß es nicht zu Unrecht seinen Namen als Mittelpunkt des Bergsträßer Industrie-, Handels- und Gewerbelebens verdient. (HB)


Minister Wagner bei seiner Ansprache zur Eröffnung der Werbe- und Verkaufsmesse
Minister Wagner bei seiner Ansprache zur Eröffnung der Werbe- und Verkaufsmesse

Der Eingang nun Winzerdorf Fotos: Schernier (4), van Bosch (1)
Der Eingang nun Winzerdorf Fotos: Schernier (4), van Bosch (1)

Was aǔch interessiert:

Bei Ausgrabungsarbeiten im Schulhof von Klein-Welzheim bei Offenbach wurden zwei guterhaltene Sandsteinfiguren aus dem 17. Jahrhundert auf gefunden. Es wird angenommen, daß sie den heiligen Nepomuk und den heiligen Cyriakus darstellen. Die Ausgrabungsarbeiten werden von Landeskonservator Dr. Müller geleitet. gi

Der Heimatbund Seligenstadt bittet um Vorschläge, wie die Stelle des sogenannten „Häßlichen Flecks“ am Rathaus durch andere Figuren eine Neugestaltung erfahren kann. Es wird hierbei an die Figur Einhards, des Gründers der Basilika, an eine Löffel-Szene, an den sagenhaften Eierkuchen Karls des Großen u. a. gedacht. Man hofft, durch eine Veränderung die Dissonanz im harmonischen Bild des Marktplatzes beheben zu können. gi

Das Landestheater Darmstadt plant Anfang September für die Volksschulkinder des Kreises Erbach eine Freilichtaufführung vor dem Erbacher Schloß. Bei ungünstiger Witterung findet die Aufführung in der Festhalle statt. pe.

Die UKW-Probestation auf der Tromm hat auf Grund des während der ersten Woche gesammelten Materials, das eine günstige Beurteilung erwarten läßt, ihre Sendungen über die vorgesehene Dauer von acht Tagen verlängert. -r

Heber 10 000 Uebernachtungen bis Monat August 1950 hat die Jugendherberge auf Burg Breuberg bei N e u s t a d t i. 6 zu verzeichnen. Im Jahre 1949 konnte sic nur etwa 8000 buchen. Im vergangenen Monat allein hat diese Jugendherberge 2500 jugendlichen Wanderern Unterkunft gewährt. _Km_

Die Glocken der Kirche von Lampertheim werden am Samstag, dem 9. Seotember, im Hessischen Uundfunk den Sonntag einläuten. Für den 28. Oktober ist vorgesehen, daß Geläute der R o ß - dörfer Kirche im Rundfunk zu übertragen. oa

Ein Ansteigen der Spareinlagen ist bei der Kreissparkasse Groß-Gerau zu verzeichnen. Seit dem 1. Januar 1950 beträgt der Nettozugang 1,5 Millionen DM. Dadurch war es der Kasse möglich weitere 100 000 DM für erste Hypotheken zuzusagen, womit sich die Summe der ersten Hypotheken für den sozialen Wohnungsbau des Jahres 1950 auf 750 000 DM erhöht. KB

STARKENBURG

Das Kuckucksei

Wer der Ansicht war, daß sich die Zwingenberger mit der Wahl des Butzbacher SPD-Parteisekretärs Kiel zum neS Bürgermeister zufrieden gaben, sah sieb enttäuscht. Er hatte zumindest die Tumultszenen bei der Wahl und nach ihr in seine Rechnung mit einbeziehen müssen. Er hätte erkennen können und müssen daß diese nicht um des Tumults, sondern um der freien Meinungsäußerung willen aus dem überwiegenden Teil der Bevölkerung heraus entstanden.

Die Gründe für diese Unzufriedenheit liegen klar auf der Hand: Einmal ist in dem Stadtsäckel ein erheblicher Defizit zu beseitigen. Daß man für diese nicht leichte Aufgabe einen Fachmann verlangt, der hierfür die notwendige Erfahrung mit sich bringt, ist selbstverständlich, zumal man keinerlei Lust verspürt, dieses Manko durch erhöhte steuerliche Abgaben zu klären. Wie man ebenso den Wunsch hat, nicht noch weiter in ein Dilemma hineinzugeraten, das den Schaden noch größer macht.

Andererseits aber wünscht man mit Fug und Recht, einen Ortsansässigen auf dem Bürgermeisterstuhl zu sehen. Besonders dann, wenn man der festen Ansicht ist, daß der Bewerber Z u b r o d , dem nahezu alle Stimmen der Einwohner in der Bürgerversammlung gehörten, der geeignete, jedenfalls aber anerkannte ist.

Letztere Tatsache war den acht Stadträten der SPD und CDU genügend bekannt. Sie ignorierten sie. Weil sie ihre eigene Ansicht hatten. Darum wählten sie den Butzbacher Kiel. Gegen den Willen der Bevölkerung. Angeblich im Sinne der Bevölkerung. Wobei sie ihrer ehemaligen Wählerschaft einen schlechten Dienst erwiesen.

Bei der Bürgerversammlung am vergangenen Freitag kam es heraus. Das dicke Ende lag wohl schon vorher in der Luft. Daß es aber so massig sei, dachte wohl keiner der acht. Kiel ist gewählt. Ihn sein Amt antreten zu lassen, daran denken die Einwohner aber noch lange nicht. Weil man jetzt, allerdings reichlich verspätet, mehr über ihn weiß. Daß er beispielsweise gar nicht die Qualifikation hat. die man an ihn stellte. Gemäß der Ausschreibung. Ja, — daß diese sogar im Staatsanzeiger insofern ungenau war, als hierin ein weit späterer Bewerbungstermin angegeben war, als vereinbart wurde. Und daß vor allem man in Butzbach froh war, ihn verschwinden zu sehen. Weshalb man der Abordnung der Gegenpartei Kiels, die aus Zwingenberg kam, um Erkundigungen einzuziehen, sogar noch Glückwünsche aussprach für das ‘Kukkucksei im Nest der Stadt. • Sicherlich nicht böswillig. Bestimmt aber aus befreite. . Harzen heraus. Wozu man seine Gründe haben wird.

Daraufhin wählten nun die Zwingenberger Bürger einen neuen Ausschuß, der ein Resolution verfassen soll, worin ausgedrückt wird, daß der neue Bürgermeister das Vertrauen der Bevölkerung nicht besitzt und auch den acht Stadträten, die ihn wählten, das Vertrauen abzusprechen sei.

Eine schwerwiegende Forderung, derzufolge es richtig wäre, daß sich die Regierung einmal genauer mit den Zwingenberger Vorfällen befassen würde. Unter Zurückstellung aller Parteiinteressen und ohne Seitenblick auf die derzeitige mandatsmäßige Zusammensetzung des Zwingenberger Stadtrates. Indem man einmal selbst an Ort und Stelle in einer Versammlung aller Bürger sich davon überzeugen würde, wie denn eigentlich die „Stimme des Volkes“ gelagert ist. Um dann eine klare und saubere Entscheidung zu treffen, die den Zwingenberger Verhältnissen entspricht, die Spannungen löst und der Stadt wieder den Frieden gibt, den sie notwendig hat, um eine erfolgreiche kommunalpolitische Leistung aufweisen zu können.

Bei der derzeitigen Lage der Dinge wäre es allerdings vorteilhafter, wenn der neue Bürgermeister, falls er so klug sein sollte, wie er es auf Grund seiner Bewerbung von sich annimmt, sein Amt zur Verfügung stellen würde. Bei einer erneuten Wahl würde ihm das wahrscheinlich mehr Sympathien einbringen, als er derzeit in Zwingenberg besitzt, — falls er überhaupt noch Wert da f legt, ein zweites lal zu kandidieren. Arco

Dx. Wolf tödlich verunglückt

Am 1. September fuhr der bekannte Heppenheimer Arzt Dr. Wolf abends um 21 Uhr mit seinem Motorrad in einer Kurve der Fürther Straße in der Nähe des Gasthauses „Zum Waldfrieden“ gegen einen entgegenkommenden Lastwagen und war sofort tot. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. HB.

Wasserversorgung mit Straßenlampen

Bürgermeister und Gemeindeverwaltung von Wersau sind unermüdlich bestrebt, die in der Wasserversorgung aufgetretenen Mißstände zu beseitigen. Wie in der Gemeinderatssitzung mitgeteilt wurde, werden in den nächsten Tagen Spezialisten des Wasserwirtschaftsamtes nochmals die gesamte Wasserleitungsanlage prüfen. Die vom Gemeinderat beschlossene Straßenbeleuchtung wird in Kürze in Auftrag genommen. Während die HEAG die Leitungen legt, wurde mit der Montage der einzelnen Brennstellen die Elektrofirma Jung beauftragt. Weiter wurde beschlossen, das Gemeindegelände an der Gersprenz mit Pappeln anzupflanzen. Der Waldwirtschaftsplan für das Rechnungsjahr 1951 wurde einstimmig gebilligt. -gi"

10 000 DM für Bürgersteige

Roßdörfer Gemeinderat mit dem Entscheid des Regierungspräsidenten zum Gelände am Bessunger Forsthaus nicht einverstanden

In «seiner Donnerstagsitzung beriet der Roßdörfer Gemeinderat neben der Bebauung des Geländes am Bessunger Forsthaus den Waldwirtschaftsplan 1951 und die Vergebung der Handwerkerarbeiten sowie deren Finanzierung für das 3. Gemeinde-Siedlungshaus „Am steinigen Berg“.

Zu letzterem gab Bürgermeister R o Bmann bekannt, daß die Restfinanzierung durch ein Landesbaudarlehen von 14 000 DM und ein Darlehen bei der Städtischen Sparkasse Darmstadt in Höhe von 6000 DM, die beide bereits genehmigt sind, sichergestellt ist. Alle ausgeschriebenen Arbeiten wurden an die Mindestfordernden vergeben. Weiterhin wurde mit den Fertigstellungsarbeiten des Rathauses die Weißbindermeister Korndörfer und Kaffenberger beauftragt. Die gesamten Instandsetzungsarbeiten des alten Rathauses werden damit in diesem Jahre noch abgeschlossen werden.

Die Instandsetzungsarbeiten in der Dieburger Straße, deren erster Bauabschnitt mit der Neusetzung von Bordsteinen und der Pflasterung der Floßrinnen bereits beendet ist, ' sollen nun mit der Herstellung des beiderseitigen Bürgersteiges fortgesetzt werden. Zur Finanzierung des Projekts wurde ein Betrag von 10 000 DM einstimmig durch den Gemeinderat genehmigt.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die Bebauung des Geländes am Bessunger Forsthaus lebhaft diskutiert. Hierbei wurde die Ablehnung einer Gemeindebeschwerde durch den Regierungspräsidenten Darmstadt, wonach dieser eine weiter Bebauung dieses Geländes mit dem bekannten Ludwigsteich als beliebter Ausflugsort nicht stattgegeben hat. durch die Gemeindevertreter in keiner Weise gebilligt.

Die Gesuche mehrerer Bauherrn in einem anderen Geländestück am Bessunger Forsthaus entsprechende Bauplä+ze

zur Verfügung zu stellen, wurden bis zur Fertigstellung des Aufteilungsplanes zurückgestellt. Ein weiteres Baugesuch außerhalb des Ortsbauplanes wurde zur Vorlage beim Hochbauamt genehmigt.

Ein Antrag des ehemaligen Feldschützen Feiger, dessen Spruchkammerverfahren vor einiger Zeit abgeschlossen wurde, auf Wieder einstellung in den Gemeindedienst, wurde vorläufig zurückgestellt. Weiterhin wurde ein Antrag der Neubürger zur Ueberlassung eines kleinen Platzes auf dem hiesigen Friedhof, worauf diese ein Mahnmal zum Gedenken an die Toten ihrer Heimat setzen wollen, der Friedhofskommission übergeben.

Ein immer wieder auftretender Kanaibruch in der Schulgasse soll an einen entsprechenden Fachmann zur Reparatur übergeben werden. Ein Vorschlag, den in der Darmstädter Straße durch Umbauten freiwerdenden Geländestreifen von dem Eigentümer, Landwirt Reinheimer durch die Gemeinde, im Werte von 2 DM pro qm aufzukaufen, wurde einstimmig genehmigt.

Am Schluß der Sitzung verlas Bürgermeistei- Roßmann die Abrechnung des diesjährigen Volksfestes. Der Überschußbetrag, der von der Sport- und Kulturgemeinde an die Gemeindeverwaltung übergeben wurde, soll zum weiteren Ausbau der Sportanlage und für das neue Haupteingangstor verwendet werjgH — Der Waldwirtschaftsplan 1951 wurde einstimmig genehmigt. —Mehrere interne Fragen wurden in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung behandelt.

Im Anfang steht die Selbsthilfe

Feierstunde und Richtfest der Heimatvertriebenen in Bifebesheim

Am Sonntagmorgen hatten sich Alt- und Neubürger sowie der Leiter des Landes-Flüchtlingsamtes Wenzel J a ksc h, Kreisamtmann Seipp, Kreisvorsitzender der Interessengenfeinschaft der Heimatvertriebenen Reitz ne r, Kreisinspektor Massoth und Bürgermeister Sudheimer zu einer Feierstunde der Vertriebenen zusammengefunden.

Kreisvorsitzender Reit zn e r sprach sich im Namen der von ihm vertreteneh Heimatvertriebenen lobend über die Leistungen und die menschliche Haltung Bürgermeister Sudheimers im Hinblick auf das Wohl der ihm anvertrauten Flüchtlinge aus und versicherte ihn des größten Dankes. Die Heimatvertriebenen wüßten genau, daß im Anfang aller Sozialarbeit die Leistung stünde. Wenn die Biebesheimer Flüchtlinge daher, ohne viele Worte zu verlieren, Hacke und Spaten zur Hand genommen hätten, um die Vorarbeiten für ihre Siedlung ins Werk zu setzen, so sei dies ein Beweis dafür, daß ihrerseits keine Mühe gescheut würde, neue Werte zu schaffen, die dereinst bei eventueller Rückführung in das alte Heimatgebiet im Osten den Alt- und Neubürgern als Vermächtnis in die Hand zurückgelegt werden können.

Einen Triumph des menschlichen Aufbauwillens über die Gewalten der Natur und über die Widerstände des Lebens nannte der Leiter des Landesflüchtlingsamtes, Wenzel J a k s c h, das Richtfest in Biebesheim. Der Redner sprach sich lobend gegenüber der Baugenossenschaft Ried aus, die den sozialen Wohnungsbau im Kreise Groß-Gerau besonders gefördert habe.

Vor den fünf mit den Fahnen der Bundesrepublik und des Landes Hessen geschmückten Doppelhäusern für Heimatvertriebene versammelten sich in den Nachmittagsstunden Alt- und Neubürger, Minister Wagner, Wenzel Jaksch, Landrat Harth und Bürgermeister Sudheimer zum Richtfest.

Fünfzig Jahre SPD

Im Anschluß an das Richtfest fand auf dem Marktplatz in Biebesheim eine Kundgebung der SPD statt, bei der der hessische Minister für Arbeit und Wohlfahrt, Albert Wagner, Bundestagsabgeordneter Prof. Bergsträsser, Ministerialrat Wenzel Jaksch, Landrat Harth sowie Bürgermeister Sudheimer anwesend waren.

Als erster Redner ergriff Landrat Harth das Wort und führte aus, daß er an das Gute glaube und der Kampf für Frieden und Freiheit zu den wichtigsten Aufgaben des Sozialismus gehöre.

Prof. Bergsträsser beschäftigte sich in seiner Rede mit der alle Menschen bewegenden Frage „Krieg oder Frieden“ sowie mit der Sicherheit der Bundesrepublik. Bergsträsser vertrat die Ansicht, daß es zunächst in Europa keinen Krieg geben werde, gleichgültig wie der Krieg in Korea ausgehen möge. Für die Aufstellung militärischer Verbände in Deutschland sah der Redner nur die Möglichkeit eines Zusammenschlusses aller Völker, darunter auch der deutschen Bundesrepublik zu einem Vereinten Europa.

Minister W a g n e r wandte sich in einer kurzen Ansprache an seine Freunde von der sozialdemokratischen PaYtei und sprach den Wunsch aus, daß dem deutschen Volke Frieden und Freiheit erhalten bleiben möge. Wenzel Jaksch sprach Minister Wagner den Dank aller Heimatvertriebenen aus und betonte, wie erfreulich es sei, daß man zu jeder Tages- und Nachtzeit zu ihm mit Fragen der Heimatvertriebenen hätte kommen und allezeit mit seinem Verständnis hätte rechnen können. Die Revision des Artikels 13 des Potsdamer Abkommens nannte der Redner den Schlüssel zur Seele des deutschen Volkes.

Beamte fordern ihr Recht

Am Sonntagmorgen sprach in Groß-Gerau Amtsanwalt Stiepel zu den Mitgliedern des Allgemeinen Beamten-Schutzbundes. Er wies darauf hin, daß — wenn durch ein Spruchkammerurteil keine Beschränkung erfolgt ist — das Beamtenverhältnis nach geltender Rechtsprechung keine Unterbrechung erfahren hat. Leider würden die Wiedereinstellungsrichtlinien der Länder diesen klaren Rechtsverhältnissen nicht genügend Beachtung schenken.

Es wäre ein Unding, so führte der Redner weiter aus, den Beamten eine dreiprozentige Kürzung der Bezüge auferlegen zu wollen, während zu gleicher Zeit auf Grund der erhöhten Lebenshaltungskosten seitens der Arbeitnehmer die Tarifverträge gekündigt würden. -cg-

Aus der Kurve geschleudert

An dpm Groß-Gerauer Ortsausgang in Richtung Darmstadt, kurz hinter der Straßenunterführung bei der Bahnlinie Mannheim—Frankfurt, ereigneten sich am Samstagnachmittag zwischen 15 und 16 Uhr wiederum zwei Autounfälle. Ein in Richtung Darmstadt fahrender Personenwagen kam in der S-Kurve ins Schleudern und rutschte über die Fahrbahn in den linken Straßengraben, wo er sich überschlug und auf das Verdeck fiel. In dem Wagen befand sich ein Franzose, der Angehöriger der Hohen Kommission ist, mit Frau und Kind; die drei Insassen blieben unverletzt, der Wagen mußte abgeschleppt werden, konnte jedoch nach einigen Stunden seine Fahrt fortsetzen.

An der gleichen Stelle rutschte kurz darauf ein aus Richtung Darmstadt kommender Pkw gegen einen Straßenbegrenzungsstein. Der Wagen wurde nur leicht beschädigt und konnte weiterfahren.

Schmiedehandwerk in Not

Auf einer Versammlung der Schmiedeinnung des Kreises Groß-Gerau am Samstagnachmittag, trug Geschäftsführer Schwerer von der Kreishandwerkerschaft die Jahresrechnung der Innung vor. Der Vorstand wurde entlastet. Den Haushaltsplan nahm man einstimmig an. Obermeister F ä h 1 e r forderte die Schmiede zum Besuch des Verbandstages auf, der am 8. und 9. September in Bad Wildungen stattfindet. Des weiteren ist darauf hingewiesen worden, daß sich Interessenten jetzt schon für die Meisterprüfung anmelden können. Bei Sterbefällen soll an die Hinterbliebenen aus der Innungskasse ein Betrag von 200 DM gezahlt werden.

Aus dem Tätigkeitsbericht geht hervor, daß im abgelaufenen Geschäftsjahr die Schmiedeinnung vier Mitgliederversammlungen, vier. Vorstandssitzungen und zwei weitere Vorstandssitzungen gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft abgehalten hat. Kreishandwerksmeister Gruber gab einen Ueberblick über die 'Geschäftslage im Handwerk. Hierbei stellte er fest, daß im Schmiedehandwerk und besonders bei den Wagnern die Lage am ärgsten sei, da die Landwirtschaft mit Aufträgen sehr zurückhalte, diese Berufe aber von der Landwirtschaft vollkommen abhängig seien. cg

Mit zwei Zungen und zwei Nasen wurde ein Kalb in Gadern geboren. Es ging nach 18 Stunden ein und wurde der Abdeckerei übergeben. -r

Gernsheims Lürgermeister zurückgetreten

Unregelmäßigkeiten im Verlauf seiner Amtszeit

Schon seit langer Zeit herrschte in Gernsheim und der Umgegend Gerüchte vor, die Bürgermeister Adler auf die übelste Weise anschuldigten. Der Stadtrat trat zu mehreren Sitzungen zusammen, die jedoch alle unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abgehalten wurden. Dazwischen kamen mehreremale die Fraktionen zusammen. Es war kein Geheimnis mehr, daß der Bürgermeister der Stadt Gernsheim aus der CDU getreten war.

Dies alles waren Anzeichen, die zur Beunruhigung der Bevölkerung beitrugen. Erst am Freitag trat der Stadtrat wieder öffentlich zusammen. Beigeordneter Schneidler, der den Vorsitz führte, verlas einen Brief des Bürgermeisters, in dem dieser seinen Rücktritt erklärte. Daraufhin zog die Fraktion der CDU ihren Antrag auf die Durchführung eines Disziplinarverfahrens gegen den Bürgermeister zurück. Der Bürgermeister beantragte in seinem Schreiben ferner die Weiterzahlung seines Gehaltes bis zum 31. 12. 1950 und die Nachzahlung seiner Sozialversicherungsbeiträge. Dieser Antrag soll in der nächsten Stadtratsitzung zur Debatte kommen.

Die unabhängige Wählergruppe wollte den Bürgermeister bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringen, sah davon jedoch vorläufig ab, da der Bürgermeister eine Erklärung abgeben soll, wonach er auf seine Rechte verzichtet. Die SPD-Fraktion wies die Beschuldigung zurück, wonach sie den Bürgermeister unterstützt oder in Schutz genommen haben soll. Der Stadtrat beschloß, heute abend eine Bürgerversammlung abzuhalten und die Bevölkerung vor der Versammlung des Bürgerblocks, die am Dienstagabend stattfinden soll, aufzuklären, warum der Bürgermeister zurücktreten mußte. Rektor Schmitt betonte, Bürgermeister Adler hätte gehen müssen, weil man in Gernsheim eine saubere Verwaltung beibehalten wolle.

Wie wir erfahren konnten, soll Bürgermeister Adler Steine aus der städtischen Backsteinfabrik ohne Lieferschein abgegeben haben. Der Erlös hiervon sei nicht vereinnahmt. Es wurde weiterhin die Anschuldigung erhoben, daß der Bürgermeister im November 1949 154,— Mark zum Ankauf von Kruzifixen verausgabte, ohne den Einkauf zu tätigen. Erst nach mehrmaligem Drängen hätte er das Geld wieder vereinnahmt.

Am 9. März dieses Jahres seien bei der Backsteinfabrik 500 Steine geholt worden.

Den Betrag hierfür hätte ein Arbeiter vereinnahmt und dem Bürgermeister weitergegeben.

Am 14. August 1950, morgens um 6 Uhr, soll der Bürgermeister persönlich die Anweisung erteilt haben, daß 4000 Backsteine an Dr. Schönmehl ohne Lieferschein ausgegeben werden sollen. Der Betrag hierfür sei bereits beglichen. Bei dieser Besprechung der CDU-Fraktion hätte der Bürgermeister hierüber nur unzureichende Antworten gegeben, worauf eine interne Stadtratsitzung einberufen wurde.

In dieser kam es zu einem großen Tumult von seifen der CDU-Fraktion. Bürgermeister Adler teilte mit, er habe die Steine deswegen morgens früh und ohne Lieferschein ausgegeben, weil diese bereits an eine Karlsruher Firma verkauft gewesen wären. Er hätte eine Zeit nehmen müssen, in der kein Transportwagen aus Karlsruhe da war. Den Betrag für die Steine in Höhe von 280,— Mark hätte er von dem Kraftfahrer Dr. Schönmehls in einem Umschlag erhalten. Da jedoch nur 180,— Mark in dem Umschlag gewesen seien, habe er ihn mit einem Vermerk aufbewahrt.

Hier Wurde der Bürgermeister plötzlich unterbrochen und von Rektor Schmitt gebeten, den Umschlag mit dem Zettel Dr. Schönmehls vorzulegen. Er hatte dies bereits am Vortage bei der CDU-Fraktion getan. Es standen an diesem Tage auf dem Schein 3000 Steine zu 180,— Mark. Ein Arbeiter hatte allerdings behauptet, es seien 4000 Steine gewesen. Als nun der Bürgermeister in der Stadtratsitzung den Zettel vorzeigte, standen 4000 Steine darauf, worauf die CDU-Fraktion erklärte, es sei ein gefälschter Schein, was der Bürgermeister energisch oestritt. Bürgermeister Adler wurde beurlaubt und eine Kommission gebildet, die eine Untersuchung einleitete und Material zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens sammelte.

Dies hat sich nun durch den Rücktritt des Bürgermeisters erübrigt. -spa-

Neues Schulgebäude in Königstädten

Feierliche Uebergabe der ersten Räume

Nach der Zerstörung der Königstädter Schule im Jahre 1944 wurden die Schulkinder in den Räumen verschiedener Häuser des Dorfes unterrichtet. Im August des vergangenen Jahres hatte man dann begonnen, für sie eine neue Schule zu errichten. Der erste von den drei vorgesehenen Bauabschnitten ist nun beendet, so daß am Sonntagmorgen in einem feierlichen Akt zwei Schulsäle ihrer Bestimmung übergeben werden konnten.

Dieser erste Bauabschnitt kostete 55 000 D-Mark, von denen die Gemeinde Königstädten selbst 15 000 DM trug. Doch sind die zwei anderen Drittel des Schulgebäudes schon bis auf Kellerhöhe emporgewachsen. Nach ihrer Fertigstellung stehen der Schuljugend vier weitere Unterrichtsräume zur Verfügung.

Bürgermeister Schäfer dankte in einer kurzen Ansprache nochmals den Bürgern, der Lehrerschaft, der Schuljugend und dem Pfarrer, die alle tatkräftig an dem Bau mitgeholfen hatten. Er gab besonders seiner Freude Ausdruck, daß sich schon viele Einwohner von Königstädten bereit erklärt hätten, auch weiterhin samstagsnachmittags und sonntags morgens an dem zweiten Bauabschnitt mitzuarbeiten. Die Schulkinder, erwähnte er, hätten bisher 80 000 Steine abgeputzt.

Ministerialrat Dr. Kühn überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Stock und fand Worte der Anerkennung für die vorbildliche Zusammenarbeit der Bürgerschaft. Oberschulrat Göbel sprach im Namen des Kultusministers und des Regierungspräsidenten. Landrat Harth betonte in seiner Ansprache, wie bewundernswert es sei, daß nach all dem Elend des letzten Krieges sich die Menschen wie-

der aufgerafft hätten, um neu aufzubauen. Nach der dunklen Vergangenheit des Hasses und des Mordens müsse nun in dieser Schule der Geist der Liebe und Freundschaft eine Pflegestätte finden. Schulrat Schwedes äußerte seine Freude darüber, daß hier in Königstädten nach dem Kriege nun der erste Schulhausneubau des Kreises vollendet worden sei. Nach einem kurzen Rückblick auf die Fehler der älteren Generation rief der Schulrat den Kindern zu: „Seid stärker als wir, weiser als wir, anständigen als wir, damit die Welt vor einer neuen Katastrophe verschon wird!“ Auch der Pfarrer von Königstädten wünschte in seiner Ansprache eine gute Zusammenarbeit zwischen Kirche, Schule und Elternschaft.

Nachdem Architekt Osterath (Mainz) der Schulleiterin den Schlüssel des Schulgebäudes überreicht hatte, wurden von den Anwesenden die neuen Räume besichtigt. Im Parterre befindet sich ein Schulsaal, im ersten Stock das Lehrerzimmer sowie der zweite Schulsaal. In den Sälen findet man keine Schulbänke mehr wie früher, sondern kleine Stühle und Tische, die von einer Königstädter Firma angefertigt wurden. (cg)

Vierzig Kilometer Waldwege verwüstet

Unter-Schönmattenwag hatte unter den während der vergangenen Woche niedergegangenen Unwettern schwer zu leiden. Eine Bestandsaufnahme durch die Gemeindeverwaltung ergab jetzt, daß rund 40 Kilometer Wald- und Feldwege an den Ost- und Südhängen der Gemarkung unterspült und verwüstet sind, und zwar vor allem jene Verbindungswege, die zu den benachbarten Gemeinden Finkenba c h und Brombach führen. Der Schaden wird auf rund 5000 DM geschätzt, eine Summe, die die relativ arme Gemeinde mit ihren 1100 Einwohnern ebensowenig allein aufbringen kann, wie die 15 000 Reichsmark, die nach den Unwetterstürzen vom Januar 1948 zur Instandsetzung der damals bis zu eineinhalb Meter tief ausgespülten Straßen erforderlich waren. Damals versagte das Kreisamt eine finanzielle Unterstützung, so daß die Instandsetzung größtenteils in Selbsthilfe und unter Hintanstellung anderer Aufgaben als Notstandsprogramm durchgeführt worden sind. Bürgermeister Galle hat ein dringendes Ersuchen an den Kreistag gerichtet, wenigstens einen Teil der Wiederinstandsetzungskosten zu übernehmen, zumal die beiden Anrainer — Staat und Wasbergsche Gutsverwaltung — Zuschuß zahlen. -r

Das Arbeitsamt teilt mit:

Für die Arbeitslosen der Arbeitsamtnebenstelle Dieburg wurden die Auszahlzeiten neu festgesetzt. Somit gelten ab Montag, den 4. September, folgende Zeitpunkte: In Ober-Roden 9.15 bis 10,30 Uhr; Babenhausen 11,15 bis 13.15 Uhr, Groß-Umstadt 14 bis 17 Uhr, in Reinheim wird neuerdings an Samstagen gezahlt. Die nächste Auszahlung ist am 9. September von 9 bis 14 Uhr. Die Kontrolle der Erwerbslosen findet in der Woche vom 4. bis 9. September in Dieburg, Babenhausen, Ober-Roden und Groß-Umstadt ausnahmsweise am Donnerstag, dem 7. September, statt. In der nachfolgenden Woche wird wieder freitags kontrolliert. -gi-

Unhold belästigt Frauen

In den letzten Tagen des August wurde in der Gemarkung Neustadt im Odenwald wiederholt ein Unbekannter beobachtet, der sich in der Nähe von auf dem Felde arbeitenden Frauen und Mädchen in unsittlicher Weise benahm. In einem Falle belästigte er auf diese Weise ein fünfzehnjähriges Mädchen. In mehreren Anzeigen wird der Unhold wie folgt beschrieben: Etwa 40 bis 50 Jahre alt, 1,65 bis 1,70 m groß, schlanke Figur, schmales Gesicht, hellblondes glattes Haar. Anzug: Schwarze lange Hose (Manchester), blaue Arbeitsjacke. Er führt ein Fahrrad bei sich. Sachdienliche Wahrnehmungen erbitten die Gendarmerie-Dienststellen, ch

Schaufensterwettbewerb

Während des Herbstmarktes soll in Groß-Gerau ein Schaufensterwettbewerb mit Preisausschreiben durchgeführt werden. Jeder teilnehmende Ladenbesitzer wird in seinem dekorierten Schaufenster einen branchefremden Gegenstand unterbringen. Aufgabe des Publikums ist es, diese Gegenstände herauszufinden. Schlußtermin für die Abgabe der Lösungen ist der 11. September. (cg)

Beim Zuschlägen löste sich der Eisenteil eines Vorschlaghammers vom Stiel und fuhr dem Maurer Reh aus Ri mb or n in den Leib. Er mußte ins Krankenhaus Bad König überführt und dort sofort operiert werden. -hm-

Der Sport

Der Deutsche Turnerbund ist da

Feierliche Ausrufung in Tübingen / Dr. Kolb erster Vorsitzender

Tübingen, 3. September. (AP.) Unter Glockengeläut hat auf dem mit Fahnen und Girlanden geschmückten Tübinger Marktplatz der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb am Samstagabend die Wiedergründung des Deutschen Turnerbundes verkündet. Dr. Kolb, der zum Ersten Vorsitzenden des Bundes gewählt wurde, erklärte, die Geschichte der deutschen Turnerei sei ein Stück Geschichte des deutschen Volkes. Er sprach von der Verbundenheit der Turner mit allen, die guten Willens sind, gleich welchen Namens und Ranges sie auch sein mögen.

In seiner Begrüßungsansprache gab der Tübinger Oberbürgermeister Dr. Mülberger einen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung des Turnerbundes. Bundesmini ter Eberhard Wildermuth überbrachte die Grüße des Bundeskanzlers und der Bundesregierung und umriß die Bedeutung der deutschen Turnerschaft.

Zu zweiten Vorsitzenden des Bundes wurden Oskar Drees (Bremen) und Karl Gerhardt (Düsseldorf), zum Oberturnwart Eugen Eichhoff (Lüdenscheid), zum Jugendwart Dr. Harald Eimermacher (Münster) und zur Vertreterin des Frauenturnens Sophie Dapper (Essen) gewählt.

gkittfdjeg ©ttwtfrß 1953 in

Der Hauptausschuß des Deutschen Turnerbundes beschloß am Sonntagvormittag einstimmig, das Deutsche Turnfest, 1953 in Hamburg abzuhalten. Gleichzeitig wurde •beschlossen, daß der Hauptausschuß am 17. September in Frankfurt in einer Sitzung über die Stellungnahme des Deutschen Turnerbundes zur Frage der Gründung einer Dachorganisation des deutschen Sportes beraten wird. Dort soll auch die Delegation des Deutschen Turnerbundes für die vom 15. bis 16. Oktober vorgesehenen Besprechungen über die Gründung einer Dachorganisation des deutschen Sportes gewählt werden.

In der Sitzung am Samstag hat der Hauptausschuß die neue Satzung durch Erheben von den Sitzen einstimmig angenommen und damit seine Tätigkeit als Deutscher Arbeitsausschuß Turnen beendet. Die Satzung war bereits auf dem Turntag in Frankfurt genehmigt worden, mußte jedoch in einzelnen Punkten auf Einspruch der alliierten Oberkommission hin abgeändert werden.

im ^mülfbum^f

Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf den Zwölfkampf der Männer, der leider durch das durch Verletzungen bedingte Ausscheiden eines Favoriten, Theo Wied (Stuttgart) etwas an Reiz verloren hatte. Adalbert Dickhut (Dortmund) hatte in den leichtathletischen Uebungen mit 11,7 Sek. im 100-Meter-Lauf, 6,40 Meter im Weitsprung und 11,80 Meter im Kugelstoßen einen Vorsprung vor seinem ernsthaftesten Konkurrenten Erich Wied 'Stuttgart) errungen. Er konnte ihn auch ’m Sonntagnachmittag halten, turnt? nicht, wie alle erwartet hatten, auf Sicherheit und damit auf Halten des Vorsprungs, sondern verband gebändigte Kraft mit schönem Schwung und schwierigen Uebungen und errang den Sieg dominierend im Bodenturnen, indem der deutsche Meistertitel mit der höchsten Punktbewertung „zehn“ ihm zufiel. Als er auch das Turnen am Seitpferd mit der höchsten Punktwertung von 9,95 beschloß, stand sein Sieg fest. Er wurde erstmalig deutscher Zwölfkampfmeister der Männer mit 119.85 Punkten vor Erich Wied, der 117,65 Punkte erhielt, und Helmut Bantz mit 112,45 Punkten.

In etwa dem gleichen Vorsprung von rund zwei Punkten wurde auch der Neunkampf der Turnerinnen entschieden, und zwar errang Irma Walter-Dumsky mit 86,87 Punkten ihre zehnte Meisterschaft vor Marta Heuser-Thiem aus Frankfurt-Bornheim mit 84,96 Punkten. Heber ihren Sieg entschied die größte Schwierigkeit in allen Geräten und der größte Plus und die beste Konzeption ihrer Gymnastikkür.

^ünfkompf an ^annt

Im deutschen Mehrkampf der Frauen, der ebenfalls aus leichtathletischen Uebungen bestand, gewann Hanni Schranz-Hoppner aus Neu-Isenburg die Punkte, die bereits siebenmal in un-

unterbrochener Folge dem Dreikampf von den Feldberg-Festen für sich entschieden hatte, mit 12,6 im 100- Meter-Lauf, 5,12 im Weitsprung, 10,05 im Kugelstoßen und 40,90 im Schleuderball klar.

gtpp übtrkgen

In den Leichtathletik - Mehrkämpfen setzte sich bei den Männern Sepp Hipp aus Balingen, der beste Leichtathletik-Mehrkämpfer _ Deutschlands, im Sechskampf wie im Dreikampf überlegen durch. Seine Einzelleistungen von 11,2 im Hundert Meter-Lauf, 1,70 im Hochsprung, 6,33 im Weitsprung (zweimal übertreten), 14,40 im Kugelstoßen, 58,30

im Schleuderball und 2,56 Min. im 1009- Meter-Lauf bezeugen, daß der 23jährige Mehrkämpfer die Hochform dieses Jahres sich bis in diese Septembertage hinein hat erhalten können.

1860 llliittdjcn Kkfyrlutmpfmeißer

Im vollbesetzten Tübinger Universitätsstadion wurden am Sonntagnachmittag vor 10 000 Zuschauern die Endkämpfe der deutschen Turnvereinsmehrkampfmeisterschaften zwischen den Mannschaften ausgetragen, die sich als die vier besten placiert hatten. Dabei konnte sich der Oldenburger Turnerbund auf den dritten Platz vorschieben und den Turnclub Herne auf den vierten Platz verweisen. Deutscher Turnvereinsmehrkampfmeister 1950 wurde 1860 München mit 445,56 Punkten vor Hessen-Kassel mit 428,90, Oldenburger Turnerbund mit 418,53, TC Herne mit 413,40 und Kölner TV 1843 mit 412,97 Punkten. Auf den Plätzen folgten: Jahn-Siegen, TuS Husum, TSV 46 Mannheim, Spvg Feuerbach und Turnerschaft Göppingen.

Deutsche Meisterschaften im Dreikampf der Frauen (Volksturnern): 1. und Deutsche Meisterin Hoppner-Schranz, Hanni (TV Neu-Isenburg) 335 Punkte, 2. Ruppert, Edith (Spvg Friedrichsdorf) 315 Punkte, 3. Ostmann, Elise (Bielefelder Turngemeinde) 300 Punkte.

Farina Weltmeister

Monza. (AP.) Das Automobilrennen um den Großen Preis von Italien auf der Monzabahn bei Mailand hat der Italiener Giuseppe Farina auf Alfa Romeo gewonnen. Farina errang damit den ersten Weltmeistertitel in der Geschichte des Autorennsportes. Plätze belegten die Italiener Fagioli und Ascari. Der Angentinier Fangio schied mit Motorschaden aus.

Veritas startet nicht mehr

Karlsruhe (dpa). Die Veritas Badische Automobilwerke haben mit sofortiger Wirkung die Teilnahme an allen motorsportlichen Veranstaltungen eingestellt und sich außerstande erklärt, die bisher für Privatfahrer gewährten Unterstützungen aufrechtzuerhalten.

Veritas bemüht sich seit sechs Monaten um die Anerkennung ihrer Neukonstruktionen durch die Bereitstellung entsprechender Mittel aus privaten und staatlichen Quellen. Die Ueberlegenheit der ausländischen Fahrzeuge am Nürburgring hat allen am Motorsport interessierten Kreisen gezeigt, daß nur dann eine deutsche Konkurrenz im internationalen Sport möglich ist. wenn die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Der Protest des FSV Frankfurt gegen den „blauweißen“ Ball beim verlorenen Spiel in Mühlburg hat zur Folge, daß die Schiedsrichter angewiesen wurden, künftig die Verwendung buntscheckiger Bälle zu unterbinden.

Knapp für GEngland

97:94 im Schwimmländerkampf

Dr. B. Oberhausen. (Eigener Bericht.) Der Länderkampf der Schwimmer in Oberhausen hat bewiesen, daß die britischen Schwimmer in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte gemacht haben. Sie führten gegen die deutsche Mannschaft am Samstag und Sonntagnachmittag überlegen und erst in den letzten Wettbewerben konnte die Differenz auf 94:97 verringert werden.

54:39 für

Oberhausen. (AP.) Im Niederrheinstadion in Oberhausen hat am Samstag der Schwimmländerkampf Deutschland—England begonnen. Am Ende dieses Tages führte die englische Nationalmannschaft überraschend mit 54:39. Vor etwa 1200 Zuschauern entspannen sich bei durchweg strömendem Regen auf der schweren 50-Meter-Bahn spannende Kämpfe um Punkte und Sekunden.

Die Ergebnisse des ersten Tages:

Herren: 100-Meter-Rücken: Brockway (E), 1:08,5 Min. vor Wardrop (E), 1:13,0, Kristen (D), 1:13,2 und Henschke (D), 1:14,2. 400- Meter-Kraul: Wardrop (E), 4:59,0 Min. vor Lehmann (D), 4:59,5, Jones (E), 5:10,0 und Koeninger (D), 5:19,0. Kunstspringen: Aderholt (D), 198,52 Punkte vor Walther (D) 181,82, Heatley (E), 178,04 und Turner (E), 152,00. 4 mal 200-Meter-Kraul: England (Kendall, Stedman, Hale und Wardrop), 9:20,2 Mip. vor Deutschland (Reinhardt, Koeninger, Ditzinger und Lehmann), 9:28,5.

Damen: 100-Meter-Kraul: Linton (E), 1:10,3 Min. vor Nielsen (E), 1:11'1. 200-Meter-Brust: Gordon (E), 3:03,9 Min. vor Loerper (D), 3:05,7, Wrigley (E), 3:08,0 und Walter (D) 3:19,0. 400-Meter-Kraul: Wilkinson (E), 5:36,8 Min. vor Girvan (E), 5:45,7, Schaeferkordt(D), 5:55,2 und Herrbruck (D), 5:55,5. Turmspringen: Tatarek (D), 81,3 Punkte, vor Hoffmann (D), 67,2, Guthbert (E), 64,33 und Long (E), 57,20 Punkte.

Punkte: England 54, Deutschland 39.

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Dr. B. Düsseldorf. (Eigener Bericht.) Leider war das Wetter auch am Sonntag mehr als unfreundlich. Das wirkte sich aber nicht nur auf den Besuch der Veranstaltung, sondern auch auf die Stimmung und die Leistungen der deutschen Schwimmer ungünstig aus. Die Engländer, an ihr Seeklima gewöhnt, schien es dagegen nicht zu stören. Der Auftakt war ein prächtiges Sprinter-

duell über 100 Meter zwischen, den beiden Landesmeistern Ditzinger und Stedman, das der Braunschweiger knapp aber Richer in 1:00,5 Minuten vor Stedman (1:01,4), dem zweiten Engländer Kendall (1:01,5) und dem Heidelberger Reinhardt gewann. Im anschließenden Rückenschwimmen wurde die deutsche Meisterin Gertrud Herrbruck (1:16,8 Min.) von McDowell (1:16,3) klar geschlagen. Die Bayreutherin Weber (1:23,0) verscnenkte durch schlechten Anschlag einen weiteren kostbaren Punkt, denn das Zielgericht setzte die zweite Engländerin Markland (1:23,0) auf den dritten Platz. Europameister Herbert Klein schwamm über 200 Meter sein Rennen unangefochten in 2:40,7 Minuten nach Hause und der Hammer Deuerlein (2:51,8) sicherte den zweiten Platz vor dem englischen Meister Jervis (2:55,4) und dem zweiten Engländer Cripps (3:04,5).

Das Punkteverhältnis war trotz der beiden Erfolge der Deutschen nur wenig besser geworden, denn England führte auch jetzt noch mit 69:57 Punkten. Die beiden Springkonkurrenzen und die Siege von Günther Haase und Paula Tatarek verkleinerten den Abstand zwar erheblich, aber der überlegene Staffelsieg der englischen Frauen über 4xloo-Meter-Kraul brachte schon die Entscheidung.

In einem taktis ich ganz hervorragenden Rennen siegte Europameister Lehmann über 1500 Meter Kraul in 20:14,8 Minuten vor dem Engländer Bland (20:27,8). der noch bis 1350 Meter sich sehr zäh gewehrt hatte. Den dritten Platz belegte der Engländer Hale vor Altmeister Ahrendt, der weit abgefallen war.

In dem abschließenden Wasserballspiel hatte die deutsche Mannschaft sehr schwer zu kämpfen, um einen knappen 7:6-Sieg zu erreichen. Trotzdem hatte England den Länderkampf im Gesamtergebnis knapp mit 97:94 Punkten gewonnen, übrigens das gleiche Ergebnis, das Schweden und Deutschland vor acht Wochen in Berlin erzielten.

Abermals Georg Meier

Die deutsche Motorrad-Meisterschaft vor der Entscheidung

ei. Hamburg. (Eigener Bericht.) Das Hamburger Stadtpark-Rennen als siebenter und vorletzter Lauf um die deutsche Motorradmeisterschaft brachte bei unfreundlichem Wetter und vor 80 000 Zuschauern in der Halbliterklasse einen souveränen, aber undramatischen Sieg von Georg Meier auf seiner Kompressor-BMW mit einem Stundenmittel von 130,9 km/std. mit 44 Sekunden Abstand vor Heiner Fleischmann (Kompressor-NSU) mit 128,9 km/std. Damit liegt Meier in der Gesamtwertung mit 32 Punkten vor seinem Rivalen Fleischmann mit 27 Punkten an der Spitze der Meisterschaft. Als Dritter raste der BMW-Fahrer Wiggerl Kraus auf einer Kompressor-Maschine durchs Ziel. Erster bei den Saugmaschinen wurde Zeller, ebenfalls auf BMW.

Als wenige Minuten nach zehn Uhr die Startflagge zum Rennen in der 125- ccm-Klasse der Lizenzfahrer niederging, regnete es in Strömen. Die Bahn war spiegelglatt. Im Mittelpunkt des Rennens stand anfänglich das Duell H. P. Müller (Bielefeld) und Ewald Kluge (Ingolstadt), beide auf DKW, das allerdings durch einen glimpflich abgelaufenen Sturz Kluges in der fünften Runde vorzeitig beendet wurde. • Müller konnte das Rennen mit einem Stundenmittel von 99,2 km/std. ruhig nach Hause fahren. Zweiter wurde Hoffmann (Frankfurt) auf einer Saugmotoren-Puch, gefolgt von Heinrich (Wiesbaden) auf Kompressor-Puch. Die schnellste Runde fuhr Kluge mit 95,5 km/std. In dieser Klasse führt Müller mit 33 Punkten vor Dietrich (Frankfurt) 25 Pkt. und Ellmann (Chemnitz) 20 Pkt.

In der 250-ccm-Klasse hatte Ewald Kluge auf DKW-Kompressor vom Start bis zum Ziel die Führung. Er fuhr einen Durchschnitt von 112,2 km/std. Den zweiten Platz belegte Deiker (Stuttgart) ebenfalls auf Kompressor-DKW. Dritter und bester Saugmotorenfahrer wurde der Karlsruher Gablenz auf seiner Moto-Parilla. Mit 33 Punkten dürfte Gablenz als Deutscher Meister in dieser Klasse feststehen.

Das Rennen der 600 - ccm - Beiwagenmaschinen war eines der Spitzenereignisse der Veranstaltung. Die Führung von Böhm-Fuchs auf der 498-ccm-Kompressor-NSU wurde zwar in der achten Runde durch die Münchener Klankermeier-Wolz auf Kompressor-BMW unterbrochen, doch konnten die Neckarsulmer sich wieder nach vorne schieben und mit einem Stundenmittel von .;2.„ durchs Ziel gehen. Sie stehen jetzt Pu Punkten am Kopf der Meisterschaftse’ Zwe*ter wurde Klankermeier-Wolz, Dritter und gleichzeitig schnellstes Saug¬ ™<™renpaar Noll-Crohn (Kirchhain) auf xj MW.

Auch beim Rennen der 350-ccm-Maschinen. das ausschließlich im Zeichen von Fleischmann stand, gab es Stürze, bei denen jedoch zum Gluck keine Opfer zu beklagen waren. Sieger in dieser Klasse wurde Heiner Fleischmann (NSU-Kompressor) mti einem Stundenmittel von 121,3 km vor Schnell (Karlsruhe) auf Moto-Parilla und Knees (Göttingen) auf AJS.

Arbeiter-Radsport

Bundesmeisterschaften der Gaue Südwesf und Hessen des - Radfahrer-Bundes der Solidarität in Eberstadt

Im Schwanensaal in Eberstadt hatten die Arbeiter-Radfahrer am letzten Samstag und Sonntag Hochbetrieb. Ueber 500 Teilnehmer hatten sich eingefunden, Schüler und Schülerinnen, alte und junge Sportler. 46 Mannschaften mit 178 Teilnehmern waren an der Austragung bei der Bundesmeisterschaft beteiligt. Mit viel Bewunderung konnten die Teilnehmer die Vorführungen im Radsport verfolgen. Der hiesige Arbeiter-Radfahrerverein Solidarität hatte die Vorbereitungen glänzend organisiert.

Ergebnisse : 6er Schmudereigen (Jugend) Oggersheim 59 Punkte, (Fahrerinnen) Steinbach 104,5 P.; 4er Kunstreigen (Klasse Ä) Stierstadt 124,75 P.; 2er Kunstfahren (Schüler) Calden 73 P., (Fahre ritinenj Wolfsanger 50 P., (Schülerinnen) Ffm.-Riederwald 54,25 P., (gern.) Mannheim-Rheinau 59,25 P., (Fahrer) Wolfsanger 81 P„ (Jugend) Launsbach 81 P.; .ler Kunstfahren (Fahrer) Ffm.- Botnheim 88 P.; 4er Einradreigen (Fahrerinnen) Langenselbold 94,5 P.; 6er Einradreigen (Fahrerinnen) Steinbach 113,50 P.; 3er Kunstfahren (Jugend) Launsbach 81,75 P.; 4er Einradreigen (Jugend) Stierstadt 94 P.; 4er Eiffelradreigen (Fahrer) Kostheim 120,5 P.; 4er Schulreigen (Schüler) Niedervellmar 77 P., (Jugend) Niedervellmar 68 P., (Mädels) Steinbach 81,5 P.; 6er Schulreigen (Jugend) Oggersheim 72,5 P.; 6er Einradreigen (Fahrer) Stierstadt 167,5 P.; 4er Einradreigen (Fahrer) Kostheim 155,5 P.; 2er Radball (Klasse A) Sandhofen 6 P, Harleshausen 5 P., Kostheim 3 P., Leimen 0 P.; 2er Radball (Jugend) Oggersheim 4 P., Rüsselsheim 0 P.

Frankenstein-Bergturnfest ein Erfolg

Mit dem Bergturnen auf dem Frankenstein am gestrigen Sonntag beschloß der Turnkreis Darmstadt seine diesjährige Wettkampfsaison. Trotz des zweifelhaften Wetters hatten sich die gemeldeten Teilnehmer fast restlos eingefunden. Es war ein festlicher Auftakt, als zum Wettkampf angetreten wurde, und neben den Turnern über 60 Jahre eine überaus stattliche Zahl von jugendlichen Kämpfern bereitstand.

Ein schönes Bild, hoch im Walde die Riegen beim Kugelstoß, auf einer Waldschneise holte man die Meter im Weitsprung heraus, und der Weg nach Ober-Beerbach diente dem 100-Meter-Lauf. Keine wohlgepflegten Wettkampfanlagen, sondern einfach und schlicht, so wie es zu einem Bergfest gehört, empfingen die Teilnehmer. Wenn trotzdem in den einzelnen Klassen beachtliche Leistungen erzielt wurden, so spricht d es von dem großen Einsatz der Teilnehmer, der von dem Glockengeläut der Nachbargemeinden begleitet wurde.

In der Oberstufe war es wiederum Zimmer, TG 75 Darmstadt, der mit 4 P. Vorsprung sich den 1. Sieg holen konnte. Im Lauf — 12,4 für 100 m — lag er mit dem zweiten (Schellin-Seeheim) gleich, doch der Kugelstoß sicherte ihm mit 11,23 Meter einen Vorsprung, während er im Weitsprung mit 5,94 m hinter Schellin (6,15 m) lag.

Die Klasse 2 — Unterstufe — sah in Holfeld, SSG Langen, den 1. Sieger, der mit 1,5 Punkten Vorsprung den 2., Fehringer, Roßdorf, hinter sich ließ. Sein Weitsprung mit 5,95 m und sein Stoß mit 9,29 m war schon, gemessen an der Anlage, beachtlich. Bei den Altersturnern 1911/17 setzte sich Roßmann, Tv. Seeheim, unter 10 Teilnehmern an die Spitze. Bei den Turnern von 1901/10 konnte unter 18 Teilnehmern wiederum Fischer, Ober-Ramstadt (Tgs.) den 1. Sieg an sich reißen vor Rohrer, TSG Darmstadt, Rudert (Langen) und Schneider (TG 75 D.)

Sieben Teilnehmer traten bei den Alten (Jg. 1891—1900 an, und hier war es wiederum der Bessunger Scheerer, der mit . ausgezeichneten Leistungen und 7 Punkten Vorsprung den 1. Platz belegte.

Hart war der Kampf um den 1. Sieg bei der Jugend A, 26 Sieger konnten nur die erforderliche Punktzahl erzielen. Günther Schindler, Tv. Hahn, zeigte hier überaus gute Leistungen, denn mit 17 P. Vorsprung ließ er den Zweiten, Roth, Eschollbrücken, hinter sich. (Die Wertungen: Lauf 13, Sek., Sprung 5,65 m, Stoß 14,10 m).

Die männl. Jugend, Kl. B, konnte unter 82 Teilnehmern mit 60 Siegern hervorgehen und hier ragte mit 9,5 Punkten Vorsprung Herbert Büttel, TSV Pfungstadt, heraus.

Die Frauen-Wettkämpfe litten etwas unter der Beteiligung infolge des zweifelhaften Wetters, doch leicht fiel der erste Sieg nicht in den Schoß. Margot Thomas, TSG Darmstadt, holte sich wiederum in der Kl. B. den ersten Sieg. Überlegen konnte sie die zweite Siegerin Volkert, Langen, hinter sich lassen. (Lauf 14,3 Sek., Sprung 4,47 m und Kugelstoß 9,62 m). Vollzählig traten die Turnerinnen Jugend A an, Anna Murschei, TSG 46, Marga Hanche, SSG Langen, und Brunh. Wolf, SKG Roßdorf, lagen mit 50,0 P. an der Spitze.

Überaus groß war die Beteiligung der Jüngsten der weiblichen Jugend. Unter 140 Teilnehmerinnen mußte schon hart gekämpft werden, um den besten Platz erzielen zu können. Elfriede Wannemacher, SG Egelsbach, konnte mit 74,5 Punkten vor Berger, Tgd. Bessungen, 70 P. und Steinbach, TSG Darmstadt, 62 P., 1. Siegerin werden.

Bei den am Nachmittag durchgeführten Mannschaftskämpfen liegen folgende Vereine an der Spitze: Weitsprung der Männer — vier Teilnehmer — SKG Roßdorf vor TGS Eberstadt und TSG Eberstadt. Die Frauen der Tgde. Bessungen siegten vor TSG Darmstadt und SSG Langen ebenfalls im Weitsprung. Am weitesten stießen die Turner der TSG Eberstadt die Kugel (37,92 m) vor Roßdorf und Eberstadt. Im Medizinballstoß der Frauen liegen die Mädel der SSG Langen mit 43,55 m vor TSG Darmstadt und Tgd. Bessungen an der Spitze. Zwei gemichte Staffeln 10X50 m belebten dazwischen nochmals das Bild.

Mit der Siegerehrung durch den Kreisvqrsitzenden Matthes und der Überreichung der Siegerkränze endete eine Turnveranstaltung, die ein gutes Bild vom Aufschwung des Turnens im Kreis Darmstadt gab. kof

Unglückliche Niederlage der SV-Ringer

SV Darmstadt 98—SG Eckenheim 3:5

In ihrem ersten Verbandskampf der hessischen Ringer-Oberliga empfing am Samstagabend in der gut besetzten Goetheschule die Mannschaft des SV 98 die Mannschaft der SG Eckenheim. Die Hoffnungen der Lilienträger, gegen den deutschen Vizemeister eine Punktteilung erzielen zu können, schlugen fehl. Greifbar nahe stand ein Teilerfolg und die knappe Niederlage auf eigener Matte darf als unglücklich angesehen werden. Der knappe Ausgang dieses Treffens beweist aber, daß die Mannschaft stark genug ist, sich auch in diesem Jahr in der obersten Klasse zu halten und einen achtbaren Platz zu belegen.

Erstmals wurde nach internationalen Regeln gekämpft. So lösten sich die leichten und die schweren Gewichtsklassen gegenseitig ab. Kampfrichter Kaffenberger, Nieder-Ramstadt, der einleitend verschiedene Auslegungen dieser Regeln kund gab, leitete die Kämpfe nicht alle zur Zufriedenheit der Zuschauer, die öfter ihre Mißstimmung zum Ausdruck brachten.

Bereits im ersten Kampf ging Darmstadt im Fliegengewicht durch ein Punktsieg von Borowski in Führung. Sein Gegner Fuldan, der von Hessen-Kassel zu Eckenheim überwechselte und an Jahren weit jünger war, lieferte einen harten Kampf, leider auch unsauber. Trotzdem war es Borowski, der in der Bodenrunde wegen seiner Bauchlage eine Verwarnung einstecken mußte. Sein Sieg war knapp, aber verdient. Den neuen Regeln nach kam sodann der Schwergewichtskampf, in denen die Gäste den mehrfachen Deutschen Meister und diesjährigen Doppelmeister Max Leichter stellten. Dietrich/98, der seit geraumer Zeit wieder einmal rang, stellte sich beherzt dem Meister. Sein Widerstand zerbrach jedoch schon in der 2. Minute, als ihn Leichter durch Hüftschwung entscheidend besiegte. Den schönsten und ausgeglichensten Kampf lieferten sich anschließend im Bantamgewicht Schnauber/98 und W. Schlagmüller/SG Eckenheim. Beide Ringer kennen sich zu gut und so gelang keinem ein Schultersieg. Durch eine prächtige Leistung siegte Schnauber, der eine Wertung mehr erzielen konnte, verdient nach Punkten. Stürmisch wurde das Urteil des Kampfrichters entgegengenommen. Etwas überraschend kam die Niederlage von Scheidler /98 gegen Matry. Nachdem Scheidler im Stand ein kleines Merkmal verbuchen konnte, brachte ihm eine Unaufmerksamkeit in der Bodenrunde in der 7. Minute den möglichen Sieg. Wiederum gingen die Darmstädter in Führung und zwar durch Heckhaus/98 im Federgewicht, der eine gewaltige Formverbesserung aufzuweisen hat. In der 7. Minute gelang ihm ein Ausheber über Kluge. Dieser Sieg sollte der letzte an diesem Abend für die Gastgeber gewesen sein, obwohl noch 3 Kämpfe bevorstanden. Im Mittelgewicht hatte Gerhardt/98 bereits auf der Waage den Kampf durch Uebergewicht verloren. In Otto Schlagmüller hatte er allerdings einen Gegner vor sich, der große Klasse aufzuweisen hat. Mit zwei Wertungen ging der Sieg an den Gästeringer. Die letzten Hoffnungen der Darmstädter waren auf Ebert/98 im Leichtgewicht gesetzt. Sein Gegner Reuter erwies sich aber als äußerst stark und Ebert hatte an diesem Abend nie eine Chance, gegen ihn zum Sieg zu kommen. Seine Niederlage war eindeutig. Im letzten Kampf hatte der junge Waldhaus/98 gegen den ehemaligen Berufsringer der Ostzone Fey/SG Eckenheim nichts zu bestellen und mußte sich bereits in der 2. Minute durch Halbnelson besiegt erklären lassen.

Am nächsten Wochenende ringen die 98er in Frankfurt beim ASV 86. Ku.

Lokalkampf der Ringer

SG Arheilgen—l9l0 Darmstadt 2:6

Die Hessische Ringer-Landesliga startete am Wochenende mit der Begegnung SG Arheilgen—l9lo Darmstadt. Zu diesem ersten Verbandskampf konnten die Gastgeber nicht in bester Besetzung antreten, die Gäste dagegen waren komplett mit ihrer stärksten Garnitur erschienen. So mußten die Arheilger auf ihr As im Schwergewicht, Spatz, verzichten. Der Sieg der Gäste muß in dieser Höhe als glücklich bezeichnet werden. Im Welter- und Halbschwergewicht hatten die Gastgeber bereits die Punkte auf der Waage abgeben müssen. So war Becker (SG Arheilgen) beim Wiegen nicht zur Stelle, so daß Schäfer kampflos zu den begehrten Punkten kam. Im Halbschwergewicht brachte Arnold nicht das Gewicht für die schwerere Gewichtsklasse, so daß Veith sen. ebenfalls kampflos zu den Punkten kam. Wie ausschlaggebend diese beiden Punkte waren, zeigte der Kampfverlauf; denn die Arheilger Ringer hätten ein Unentschieden gegen die Gäste herausgeholt.

Im Fliegengewicht standen sich im schönsten Kampf des Abends Ebert (SG Arheilgen) und Siegrist (1910 Darmstadt) gegenüber. Nachdem der Gästeringer sich in den ersten Minuten mächtig ins Zeug legte, mußte er sich in der 8. Minute durch einen Aufreißer von Ebert als Verlierer erklären lassen. Da nach den internationalen Regeln erstmals gerungen wurde, kam sodann der Kampf im Schwergewicht. Die Gastgeber hatten Fiedler zur Stelle, der sich Veith jun. überlegen zeigte. Er gewann schließlich durch einen doppelten Stützgriff im Stand bereits in der 4. Minute. Nach diesem Vorsprung konnten die Gäste im Bantamgewicht den ersten Sieg davontragen. Der neue deutsche Jugendmeister K. Ditter siegte in der 3. Minute durch Abfangen eines Armzuges am Boden. Im Halbschwergewicht gab Veith sen. infolge seinei Verletzung auf, die Punkte waren ihm ja vorher bereits gesichert. In den folgenden Begegnungen konnten die Darmstadter drei Schultersiege herausholen. So siegte Ditter, H., im Federgewicht durch einen Aufreißer in der 7. Minute über Dern,Trüber im Mittelgewicht über Werk- -n der Minute durch Hüftschwung und Winkel im Leichtgewicht über Kuchar in der 7. Minute durch Eindrücken der Brücke Den letzten Kampf im Weltergewicnt den die Gäste bereits gewonnen hatten, brachte den Gastgebern einen Erolg. Becker (SG Arheilgen) gewann durch Selbstwurf von Schäfer (1910 Darmstadt).

Beide Mannschaften zeigten, daß sie in der hessischen Landesliga zu bestehen wissen. Die Gästemannschaft, die sich durch diesen Sieg an die Tabellensnitze gesetzt hat, wird am kommenden Wochenende gegen Kostheim beweisen müssen, ob sie ernsthafter Anwärter auf den ersten Platz der Verbandsrunde ist. -eri-

Verdienter 2:0-Sieg des VfL. Mühlburg

Toie von Lehmann und Buhtz werfen 98er auf den 7. Tabellenplatz zurück / Darmstadts Sturm zu schwach für die Männer um Gärtner / Technisch schönes Spiel vor 16 000 Zuschauern

M"hih em ”E*nzug der Gladiatoren“ aus dem Lautsprecher, viel Beifall der 1200 Urger Sonderzügler für ihre Elf und noch mehr der Darmstädter für ihre r unKeschlagene Mannschaft begann ein Spiel, das die unbedingt bessere Mihu^01111611 hat‘ Dabe* war es in seinem Ablauf keineswegs immer eindeutig für . V u.rg’ deren Hauptstützen — die immer zuverlässige Läuferreihe und die . ’ ei\> a"gen Verteidiger — den körperlich schwächeren Darmstädter Angriff wp f a ™ufangen wußten. Aber insgesamt war es ein schönes und sportlich lobensr es Treffen und solches mag über die Enttäuschung der Hyper-Optiis en hinweghelfen, denn da hat dochauch die größere Erfahrung in der obersten asse mitgeholfen. Aber die Darmstädter werden sich sicherlich auch in die o ige Routine hineinspielen ... denn noch hat ja die Saison erst angefangen.

a Darmstadt 98: Dr. Barth; Leichtleiin, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Ewald, Becker 11, Bohmann, Mühlbach, Herwig Vfß Mühlburg: Scheib; M. Fischer, Fritscher; Dannenmaier, Gärtner, Trenkel; Kunkel, Rastetter, Lehmann,’ Buhtz, -Traub.

Schiedsrichter: Ruhmann (Regensburg). Zuschauer: 16 000.

Der Anstoß der Darmstädter kam nicht über den Mittelkreis hinaus, und schon gaben die Gäste eine Kostprobe ihrer Sturmqualität: Vom Ex-Offenbacher Buhtz lief der Ball zu Traub, der zirkelte ihn Rastetter vor die Füße, seinen Schuß faustet Dr. Barth zur Ecke. Drei Minuten später zeigte Lehmann, daß er durchaus für Ueberraschungen gut ist, denn sein scharfer Drehschuß aufs Tor landete nur dank der Geschicklichkeit des Darmstädter Hüters nicht im Netz. Die 98er schaffen sich zwar dann etwas Luft, aber der Sturm kommt nicht in den gegnerischen Torraum hinein. In der 18. Minute kommt eine leichte Mühlburger rechte Flanke an die Torlinie, und ein Kopfball des geschickt stehenden Lehmann bringt gegen den tatenlos auf der Torlinie stehenden Dr. Barth den Führungstreffer. Von nun an kostet es die Darmstädter sichtlich mehr Mühe als ihren Gegner, das Spiel zwischen den Strafräumen zu halten, so daß sich schon jetzt der Spielverlauf zugunsten Mühlburgs abzuzeichnen beginnt. So verlagert sich denn auch das Schwergewicht des Treffens im Laufe der nächsten Viertelstunde mehr in die Darmstädter Hälfte, doch Dr. Barth ist außerordentlich wachsam; ein gepfefferter Boden-

roller Buhtzs bleibt in seinen Fäusten hängen. Auf der anderen Seite verdirbt ein Mißverständnis zwischen Herwig und Mühlbach zwar die Aussicht auf eine Torchance, aber wenig später unterläuft Ewald, der gut und ungedeckt an der Torraumgrenze steht, ein grober Schnitzer; er verfehlt einen placiert vorgelegten Ball, der ins Aus rollt. Für die nächste Zeit müssen außer dem von Anfang an zurückgezogenen Schmidtmer auch die beiden Seitenläufer verteidigen helfen, und so kann der Sturm nicht aufbauend bedient werden. In der 33. Minute wird Mühlbach im Laufe gegen das Mühlburger Tor gestoppt, Bohmann nimmt den Ball auf, aber sein scharfer Schuß geht knapp am Pfosten vorbei. Während der nächsten Minuten liegen die Lilienträger fast ausnahmslos in der Feldhälfte der Gäste, sie entschließen sich auch zu einigen Schüssen aufs Mühlburger Tor, aber sie. zwingen noch nicht einmal Scheib zum Eingreifen. Lehmann nimmt einen Abschlag Leichtleins auf, Dr. Barth faßt seinen Kurzschuß ab. Ein Gärtner-Foul bringt Strafstoß, Bohmann schießt, aber ohne das Tor ernstlich zu gefährden. Kurz vor der Halbzeit nimmt Mühlbach eine linke Flanke mit dem Kopf auf, aber wieder schwingt das Leder am Mühlburger Tor vorbei. In der 44. Minute steigt ein Schuß Herwigs über die Lattenmitte. Darmstadt hatte sich gegen Schluß der ersten Halbzeit etwas freigespielt, doch keine Zähler erreichen können.

Die ersten fünf Minuten nach dem Wechsel bringen lediglich einen Schuß Bohmanns, der aber in den Händen Scheibs landet. Dann versucht Darmstadt durch Sturmstellung zu mehr Druck im Angriff zu kommen: Bohmann geht aut Rechtsaußen, Herwig auf Halbrechts und Ewald versucht sein Glück in der Mitte. In der 60. Minute ist vor dem Mühlburger Tor Hochbetrieb, aber die Gäste riegeln mit sechs und mehr Spielern erfolgreich ab. Fünf Minuten später läßt ein von Bohmann ausgeführter Strafstoß auf gute Aussicht hoffen, aber Leichtlein steht abseits. Zweimal kann dann Dr. Barth retten; er fängt einen Kopfball Lehmanns sicher ab und zieht eine hohe Flanke des Gästelinksaußen aus der Luft an sicn. Zwei Herwigschüsse in der 70. Minute sterben in Schönheit; sein. Wedschuß streicht am Pfosten vorbei, sein folgender Hochschuß steigt über die rechte Muhlburger Torecke. Das alles ereignet sich während längerer Feldüberlegenheit de Darmstädter, die eben einfach n'*l letzten Druck finden. Da gibt® eine Wechsel zugunsten Muhlburgs, als Buh

in der 77. Minute kurz entschlossen aus 20 m flach zum 0:2 einschießt. Fünf Minuten vor Schluß senkt sich ein Eckball Traubs am Darmstädter Tor und an Dr. Barths Händen vorbei Kunkel vor die Füße, der aber — nur schrittweit vorn Pfosten stehend, ans Außennetz knallt. So verläuft die letzte Viertelstunde für Mühlburg, aber es bleibt bei dem Ergebnis.

Nun könnte man kurz angebunden sagen, die Darmstädter haben nichts getaugt. Aber das wäre ihnen unrecht getan. Gewiß war Leichtlein weit schwächer als sonst, aber fast über die ganze Spielzeit hat ja Schmidtmer zuverlässig als dritter Verteidiger ausgeholfen. Er fehlte da natürlich im Aufbau und vor allem als Stopper des recht gefährlichen Lehmann. Bei Barth und Herder möchte man jenem das bessere Prädikat geben, ohne damit zu sagen, daß dieser seiner Aufgabe nicht gerecht geworden wäre. Aber, aber ... der Sturm: Ewald war eine klare Fehlbesetzung (der rechte „Reutlinger“ Flügel hätte seine Sache sicher besser gemacht). Auch nach seiner Hereinnahme in die Sturmmitte kam er nicht ins Spiel; er ging weder anfangs draußen noch später drinnen auf seine Nebenleute ein. Becker II zählte schon zu dem Sturmteil, der mit den Mühlburger Außenläufern ungenügend und mit der oft auch durch Gärtner und noch mehr Mühlburger verstärkten Verteidigung nicht fertig wurde. Aus dem gleichen Grund kamen auch Böhmann und Mühlbach nicht zum Ziel, denn die Badener hatten die hinteren Reihen mit „langen Kerls“ stark besetzt. Herwig gab mit seinen Flanken manch guten Ansatz für den Innensturm, doch wie gesagt... Bleibt noch Dr. Barth. Er war mit am meisten beschäftigt, hat trotzdem bis zur letzten Minute mit viel Sicherheit und eleganter Fangkunst immer noch am besten abgeschnitten.

Sein Gegenüber Scheib hatte nicht allzuviel zu tun, und was ihm serviert wurde, nahm sein Können nicht bis zum letzten in Anspruch. Fischer und Fritscher konnten bei der guten Vorarbeit Gärtners immer gut abriegeln. Gärtner aber war der Mann, der alle Aufregung vom Mühlburger Schlußtrio fernhielt. Oft brauchte er nicht einmal seine Füße zu bemühen, denn in Dutzenden von Fällen schaffte er Klarheit mit seinen Kopfbällen. Kunkel, Rastetter und Traub sind mit Lehmann und Buhtz so gut eingespielt, daß diese beiden sich meist darauf beschränken konnten, -sich während der Flügelläufe eine gute Schußposition auszusuchen, und dann wurden ihnen die Bälle auf den Fuß gezirkelt. Dabei blieb Lehmann allerdings unauffälliger als sein Halblinks. Die Reservemannschaften trennten sich mit 4:1 für Mühburg. -RS-


Das zweite Tor für Mühlburg Gegen Buthz’s Geschoß war Dr. Barth machtlos
Das zweite Tor für Mühlburg Gegen Buthz’s Geschoß war Dr. Barth machtlos

Arheilgen auswärts ohne Glück

ASV Durlach—SG Arheilgen 4:0 (1:0)

(Eigener Bericht.) Arheilgen: Seibel, Mahr, Wenzel, Müller, Kraut, Becker, Dilfer, Zöller, Wendler, Kirchrath, Lieber.

Durlach: Balzer, Haag, Rittershofer, Baier, Schön, Oles, Krebs, Hutzler, Streibel, Wasko, Ulaga.

Schiedsrichter: Heller, Stuttgart. Zuschauer: 2 000.

Auf dem schön gepflegten Rasen des Durlacher Stadions entwickelte sich sofort ein spannendes Spiel. Die Durlacher bekamen von Beginn an die Oberhand, da sich die Arheilger im Sturm nicht zurecht fanden. Mit einem kurzen Paß-Spiel versuchten sie das Arheilger Tor zu gefährden. Sie machten dabei nur den Fehler, ihr Spiel zu sehr auf die Mitte zu beschränken und vernachlässigten dabei den Einsatz der Außenstürmer. Die Arheilger Mannschaft blieb somit Herr der Lage und konnte durch konsequentes Decken Erfolge der Durlacher vermeiden. So ist es nicht verwunderlich, daß die Arheilger mit lang vorgetragenen Angriffen gefahrvolle Momente vor dem Durlacher Tor schufen. Trotzdem kam es zu keinem Erfolg. Einmal warbereits der Torhüter geschlagen, für ihn rettete aber sein Verteidiger den Flachschuß von Wendler auf der Linie. Kurz vor Halbzeit verletzte sich der rechte Verteidiger Mahr ohne Verschulden des Gegners und mußte nach zeitweiligem Ausscheiden auf Linksaußen gehen. Die Mannschaft mußte deshalb umgruppiert werden, so daß für Mahr Becker verteidigte und Zöller für ihn in die Läuferreihe ging. Eine Minute vor Halbzeit kam bei einem Strafstoß aus dem Mittelfeld Becker nicht an den Ball. Seibel startete dem Linksaußen Streibel entgegen, der den Ball an ihm vorbei ins leere Tor zum 1:0 für Durlach schieben konnte.

Nach der Halbzeit drückten die Durlacher sofort auf Tempo und versuchten eine Entscheidung herbeizuführen. Die Arheilger Hintermannschaft konnte sich mit der erfolgten Umgruppierung nicht abfinden. Dabei gelang schon in der 7. Minute bei einer Linksflanke Streibel ein zweites Tor für Durlach. Inzwischen war auch zeitweilig Wendler verletzt ausgeschieden. In der 14. Minute war es der Halbrechte Hutzler, der einen Flankenball zum 3:0 in die Maschen setzte. Die eifrigen Arheilger Gegenangriffe waren von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt. Mit zeitweilig 9 Mann war den Durlachem nicht mehr beizukommen. In der 32. Minute war es der Halblinke Wasko, der mit einem schönen Weitschuß Seibel zum vierten Male schlagen konnte. Die wenigen Arheilger Gegenangriffe fanden einen Sturm, in dem meist nur Dilfer, Kirchrath und Lieber voll aktionsfähig waren. Der Durlacher Torhüter konnte im Verein mit seinen Vorderleuten so leicht jeden Arheilger Gegenangriff zum Stoppen bringen.

Von einer Kritik der Mannschaften sei diesmal abgesehen, da in der zweiten Hälfte nur noch 9 Mann versuchten, zu retten, was noch zu retten war.

Wiesbaden enttäũulscht

Die Spiele der 11. Division

n. Frankfurt. (Eigener Bericht.) Mehr Ueberraschungen als in der ersten hat man am Sonntag in der zweiten süddeutschen Liga erlebt. Niemand hätte beispielsweise erwartet, daß Aschaffenburg auf eigenem Platz gegen Cham 0:2 unterliegen würde. Abermals enttäuscht hat der SV Wiesbaden, der sich — gleichfalls zu Hause — von Wacker München 3:0 schlagen ließ.

Die Ergebnisse: Stuttgarter Kickers—FC Freiburg 5:1, 1. FC Pforzheim—Hessen Kassel 2:2, Vikt. Aschaffenburg—ASV Cham 0:2, SV Wiesbaden—Wacker München 0:3. SV Tübingen—Bayern Hof 0:3. Jahn Regensburg gegen 1. FC Bamberg 3:0. TSV Straubing gegen VfL Konstanz 2:3, Union Böckingen gegen Ulm 46 2:3, ASV Durlach—SC Arheiligen 4:0. Der Tabellenkopf:

Jahn Regensburg 3 9:1 6:0
Stuttgarter Kickers 3 11:6 5:1
Bayern Hof 3 6:2 5:1
TSV Straubing 3 15:7 4:2

Nur eine Ausnahme im Süden

FSV Frankfurt überrascht mit einem 2:1-Sieg in München

Die Ergebnisse: SpVg Fürth—Vfß Mannheim 4:1, BC Augsburg—Schweinfurth 05 1:2, VfL Neckarau—Bayern München 1:1, Eintracht Frankfurt—l. FC Nürnberg 0:0, Waldhof—Kickers Offenbach 1:1, SSV Reutlingen—Vfß Stuttgart 0:4, Darmstadt 98—VfB Mühlburg 0:2, 1860 München—FSV Frankfurt 1:2, FC Singen—Schwaben Augsburg 1:1.

Sch. Frankfurt. (Eigener Bericht.) Sieht man vom 2:1-Sieg des FSV Frankfurt in München über 1860 ab, so darf man die Spielergebnisse der ersten süddeutschen Liga vom 3. September als normal bezeichnen. Der Titelverteidiger Fürth hat den VfR Mannheim klar mit 4:1 besiegen können. Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg zeigten schon am Samstag in Frankfurt ei» zwar torloses, aber schönes Spiel. 1:1 spielten Waldhof und die Offenbacher Kidcers. Waldhof kam nur durch einen Elfmeter zum Ausgleich- Nach zwei Siegen mußte der Neuling Darmstadt 98 auch einmal ein Punktepaar abgeben, er unterlag zu Hause gegen das starke Mühlburg 0:2. Ein anderer Neuling, Singen, konnte nach dem Sieg über Offenbach nun auch den Augsburger Schwaben in einem l:l-Spiel wenigstens einen Punkt nehmen. Augsburgs Fußball hatte keinen guten Tag, denn der BC ließ sich auf eigenem Gelände von Schweinfurt 2:1 schlagen. Aehnlich erging es dem Münchener Fußball, für den auch nur ein Punkt übrig blieb. Den holten die Bayern beim VfL Neckarau in einem l:l-Spiel. Der Deutsche Meister Vfß Stuttgart ließ in Reutlingen seinem Gegner keine Chance, er siegte 4:0 (2:0).

Tabelle 1. Liga Süd:
1. FC Nürnberg 3 2 1 0 5:0
5:1 Vfß Stuttgart 3 2 1 0 9:2
5:1 Bayern München 3 2 1 0 10:3
5:1 Spvg. Fürth 3 2 0 1 7:3
4:2 Vfß Mühlburg 3 2 0 1 9:6
4:2 FC Schweinfurth 3 2 0 1 4:3
4:2 SV Darmstadt 98 3 2 0 1 9:7
4:2 FSV Frankfurt 3 2 0 1 5:7
4:2 Kickers Offenbach 3 1 1 1 7:4
3:3 Eintr. Frankfurt 3 1 1 1 5:5
3:3 FC Singen 3 1 1 1 5:8
3:3 VfR Mannheim 3 1 0 2 10:11
2:4 München 1860 3 1 0 2 3:4
2:4 Schwaben Augsburg 3 0 2 1 2:4
2:4 SV Waldhof 3 0 2 1 2:5
2:4 BC Augsburg 3 0 1 2 3:7
1:5 VfL Neckarau 3 0 1 2 3:9
,1:5 SSV Reutlingen 3 0 0 3 0:10
0:6

Sũd gegen West in Frankfurt

Düsseldorf. (AP.) Der Fußballrepräsentativkampf Süd- gegen Westdeutschland ist nunmehr endgültig für den 12. November nach Frankfurt am Main angesetzt worden.

2:1 für Berlin

Berlin. (AP.) Vor 50 000 Zuschauern gewann Berlin am Sonntag im Olympiastadion den 53. Fußballstädtekampf gegen Hamburg mit 2:1 (1:1).

Nord ohne Hamburg

Hamburg. (F.A.Z.) Der gestrige norddeutsche Oberligasonntag wurde bestimmt durch das Fehlen der beiden Hamburger Spitzenmannschaften HSV und St. Pauli, die als Stadtelf Hamburg gegen Berlin einen Städtewettkampf austrugen. Von den nachstehenden Ergebnissen fallen vor allem der Erfolg von Bremerhaven 93 und der hohe Sieg Göttingens über Itzehoe auf.

Die Ergebnisse: Altona 93 — Holstein Kiel 2:1, Arminia Hannover — St. Pauli 1:2, Vfß Oldenburg — Hannover 96 2:2, Werder Bremen — Bremerhaven 93 3:4, Eintr. Osnabrück — Eintr. Braunschweig 0:1, Göttingen 05 — Itzehoe 8:0. Der Tabellenkopf:

Bremerhaven 93 3 7:5 5:1
Hamburger SV 2 12:2 4:0
FC St. Pauli 2 10:2 4:0
VfL Osnabrück 2 9:2 4:0

Aller Einsatz war vergebens. — Die Mühlburger Hintermannschaft war souveräner Beherrscher des Strafaums. — Fritscher klärt durch Kopfball vor Mühlbach und Ewald
Aller Einsatz war vergebens. — Die Mühlburger Hintermannschaft war souveräner Beherrscher des Strafaums. — Fritscher klärt durch Kopfball vor Mühlbach und Ewald

Borussia schlug Borussia

Favoritensiege in Westdeutschland

Köln. (F. A. Z.) Auch dieser Spieltag der westdeutschen Oberliga sah durchweg die favorisierten Mannschaften in Front. Die durch Spielerabgänge geschwächte Borussia Dortmund behielt auch beim gefürchteten Namensvetter Borussia M.-Gladhach mit 5:0 (1:0) die Oberhand. Rot-Weiß Essen schlug den Neuling Rheydter Spielverein überlegen mit 7:1 (4:1). Aber auch die so starl^ geschwächten Horster ließen sich von Schalke 04 nicht schlagen und hielten es mit einem 2:2. Die weiteren Ergebnisse des Sonntag lauten: Preußen Dellbrück — Duisburger SV 1:0 (0:0), Preußen Münster — Rot-Weiß Oberhausen 1:0 (1:0), Hamborn 07 — Sportfreunde Katernberg 3:1 (0:0), Erkenschwick— Fortuna Düsseldorf 0:0, Alemannia Aachen — 1. FC Köln 0:2 (0:0).

Der Tabellenkopf:

Rot-Weiß Essen 2 8:1 4:0
Borussia Dortmund 2 7:1 4:0
1. FC Köln 2 4:0 4:0
Preußen Münster 2 4:1 4:0

0:0 in Saarbrücken

Und ein hoher „Club“-Sieg in Neunkirchen

W. H. Saarbrücken. (Eigener Bericht.) Die Frankfurter Eintracht hat sich am Sonntag in Saarbrücken neue Freunde gewonnen, als sie gegen den 1. FC Saarbrücken trotz regnerischem Wetter eine sehr schöne Leistung zeigte und zu einem 0:0 kam. Bester Mann der Frankfurter war der Tormann Henig. — In Neunkirchen siegte der 1. FC Nürnberg 7:2.

Schweden unterlag Jugoslawien

Stockholm, (dpa) Im Stockholmer Fußball-Stadion unterlag Schweden gegen Jugoslawien am Sonntagnachmittag vor 42 000 Zuschauern unter der Leitung des englischen Schiedsrichters Leafe im Länderspiel mit 1:2 (1:2).

Hessische Landesliga

Opel Rüsselsheim—FC Hanau 93 4:4 Union Niederrad—Vfß Friedberg 0:0 Spvgg 02 Griesheim—Hessen Hersfeld 2:0 Germ. Bieber—Olympia Lamperth. 1:2 Rot-Weiß Frankf.—VfL Ma bürg 2:0 Herminia Kassel—Eintracht Wetzlar 1:0 VfL Biedenkopf—Spielverein Kassel 1:0 Hessisch-Lichtenau—SC 03 Kassel 0:0 VfL Kassel—Borussia Fulda 0:4 Spvgg Bad Homburg—FC Rödelheim 5:2

Tabelle

Borussia Fulda 2 7:2 4:0
Olympia Lampertheim 2 4:1 4:0
Spvvg 02 Griesheim 2 4:1 4:0
SC 03 Kassel 2 3:2 3:1
VfL Biedenkopf 2 4:3. 3:1
Spielverein Kassel 2 5:2 2:2
Spvgg Bad Homburg 2 7:5 2:2
Rot-Weiß Frankfurt 2 2:2 2:2
VfL Marburg 2 2:2 2:2
Germania Bieber 2 3:3 2:2
FC Rödelheim 2 6:6 2:2
Hermania Kassel 2 1:2 2:2
Union Niederrad 1 0:0 1:1
FC Hanau 93 1 4:4 1:1
Vfß Friedberg 2 1:2 1:3
Eintracht Wetzlar 2 3:4 1:3
Opel Rüsselsheim 2 5:8 1:3
Hessisch-Lichtenau 2 1:5 1:3
Hessen Hersfeld 2 1:4 0:4
VfL Kassel 2 2:7 0:4

Fußball-Bezirksklasse 2

Erbach—Trebur 5:0 Münster—Walldorf 1:0 Eberstadt—Pfungstadt 2:2 Egelsbach—Eppertshausen 5:1 Hassia Dieburg—VfL Michelstadt 7:1 Mörfelden—Oberroden 3:4

Erbach—Trebur 5:0 (1:0)

Ein schnelles und wechselvolles Spiel, bei dem die Erbacher durchweg mehr im Angriff waren. Trotzdem wurde Trebur immer sehr gefährlich. Die Gäste zeigten gute Kombination und Ballbehandlung. Der Torreigen wurde in der 20. Minute durch Gotter eröffnet. Im Verlauf der ersten Hälfte hatten beide Mannschaften noch gleich gute Chancen, ohne sie verwerten zu können. Die 4. Minute der zweiten Halbzeit brachte das zweite Tor für Erbach durch Riefling. Dann verlief das Spiel ausgeglichen bis 10 Minuten vor Schluß, als den Gastgebern der dritte Treffer gelang. Nach dem Ausscheiden eines Spielers gerieten die Gäste etwas aus dem Konzept, und so gelangen den Erbachern noch zwei weitere Treffer. Im großen und ganzen verlief das Spiel fair und schnell. Trebur hatte im Tormann, dem linken Verteidiger und Mittelstürmer seine besten Leute. Bei Erbach waren es der Mittelläufer, der rechte Läufer und die beiden Halbstürmer.

SV 1919 Münster—RW Walldorf 1:0 (1:0)

Bei größtenteils offenem Spiel konnte Münster in der 40. Spielminute durch Hand-Elfmeter, den R. Löbig verwandelte, mit 1:0 die Führung erzielen. Bis zu diesem Zeitpunkt stand der sehr gut arbeitende Torwächter von Walldorf im Brennpunkt des Geschehens. Die 2. Hälfte begann mit pausenlosen Angriffen des Platzbesitzers, doch auch hier konnte wiederum der Walldorfer Torwächter, der der beste Mann auf dem Feld war, sein Heiligtum rein halten. Die Chance des Ausgleichs vergab Walldorf durch einen schlecht geschossenen Elfmeter, der an die Latte prallte. Kurz vor Schluß der zweiten Halbzeit konnte Walldorfs Torwächter wiederum einen stahlharten Schuß von Heckwolf meisterlich parieren. Auch der Torwächter von Münster mußte sich in der letzten Minute gewaltig strecken, um den Ausgleich zu verhindern. Bei Münster überragte die Hintermannschaft, während im Innensturm mancher Wunsch offen blieb. Bei Walldorf waren Torwächter und Mittelläufer überragend. — Reserven 4:1. Münster Jugend A—Hassia Dieburg Jugend A 5:0. Münster Jugend B —Hassia Jugend B 5:0. (K)

Hassia Dieburg—VfL Michelstadt 7:1 (3:1)

Dieburgs sehr stark umgestellte Mannschaft hat sich bei dem ersten Punktespiel bestens bewährt. Die Michelstädter brachten eine anerkennenswert eifrige Mannschaft mit, die auch in den ersten zehn Minuten — allerdings mit dem Wind als Bundesgenossen — mehr vom Spiel hatte, und nach Flanke von rechts durch den Mittelstürmer überraschend in Führung ging. Bis dahin hatte Dieburg einige Chancen ausgelassen, aber dann kam es doch zu freierem und damit erfolgreicherem Spiel. In der 15. Minute sorgte Schmitt für den Ausgleich, und eine Viertelstunde später stellte Hornung durch Kopfball den Halbzeitstand her. Nach dem Wechsel hatten die Gäste nicht mehr allzuviel zu bestellen, denn die Kreisstädter zeigten einen technisch hervorragenden Fußball, so daß sie das Spielgeschehen in jeder Phase beherrschten. In gleichmäßigen Abständen fielen ihre vier Tore durch Schmitt, Klein (Kopfball) und Hornung.

Mörfelden—Germania Oberroden 3:4 (1:3)

In der 10. Minute ging Oberroden durch Keller in Führung und in der 20. Minute konnte Keck auf 2:0 erhöhen. In der 28. Minute verwandelte der Mörfelder Kraft einen Elfmeter zum 2:1. Fünf Minuten

später erhöhte W. Gotta auf 3:1 für Oberroden. Drei Minuten nach der Halbzeit war es wieder Kraft, der nach wunderschönem Alleingang auf 2:3 verkürzen konnte. Er erzielte sogar wenige Minuten später den Gleichstand (3:3). Durch einen 30-Meter-Strafstoß in der 78. Minute stellte jedoch Oberroden den Sieg mit 4:3 sicher. Im allgemeinen entspricht dieses Ergebnis auch dem Spielverlauf, denn Oberroden hatte mehr vom Spiel. — Reserven 8:1.

Egelsbach—Eppertshausen 5:1 (4:1)

Ungefähr 300 Zuschauer sahen Egelsbach im 1. Verbandsspiel gegen Eppertshausen mit einem 5:1-Sieg in hervorragender Verfassung. In der 7. Minute ging Eppertshausen durch Müller 0:1 in Führung. In der 11. Minute glich Jungmann aus. In der 14. Minute erhöhte Mittelstürmer Philipp Anthes auf 2:1, in der 19. Minute Hans Gaußmann auf 3:1. In der 40. Minute schoß Anthes das 4. Tor für Egelsbach. In der 54. Minute erhöhte Gaußmann auf 5:1. Die Mannschaft von Egelsbach hatte eine gute Zusammenarbeit, ein schwacher Punkt war nicht festzustellen. Eppertshausen dagegen spielte etwas nervös. Du.

Kreisklasse Darmstadt

Ober-Beerbach—Rohrbach 1:2 Hähnlein—Nieder-Beerbach 4:0 J ugenheim—Zwingenberg 1:1 SC Griesheim—Grafenhausen 7:3 Eschollbrücken—Hahn 3:1 Alsbach—Auerbach (Sa) 5:0 Union Darmstadt—TSG Darmst. (Sa) 1:2 Seeheim—Stockstadt (Sa) 0:3

Babenhausen—SV Groß-Steinheim 3:1

Die richtigen Tips

Hessen: 0,0, 2,2, 2,0, 2,2, 0, 1.

Rheinland-Pfalz: 1,0, 0,2, 0,2, 2,1, 0, 1. Württemberg-Baden: 2,2, 0,0, 0,0, 1, 2,2, 1,2, 2.

Bayern: 1,2, 0,2, 0,0, 0,2, 2,0, 2, 1.

Handball-Auftakt mit Donnerschlag

Verbandsliga, Gruppe Süd

VfR Wiesbaden—TSG Griesheim 7:12 (3:5), Kickers Offenbach—9B Darmstadt 18:12 (9:7), TV Gelnhausen—TSV Nied 7:9 (3:7).

Kickers Offenbach — SV 98 Darmstadt 18:12 (9:7)

Am Bieberer Berg erlitten die 98er im ersten Verbandsspiel gleich ihre erste Niederlage. Daß sie so deutlich ausfiel, ist wohl in der Hauptsache dem Umstand zuzuschreiben, daß die 98er Handballer zur Zeit Schwierigkeiten in der Besetzung des Torhüterpostens haben. Nachdem sämtliche Torhüter, die für die erste Mannschaft in Frage kommen, verletzt sind, stellte sich der Altrepräsentative Adolf Henss zur Verfügung. Er tat, was er konnte, aber gegen die Würfe der guten Offenbacher Stürmer war er oft machtlos. Dazu kam, daß sich diese Tatsache auf die Hintermannschaft auswirkte und sie nicht so konsequent deckte und spielte, wie man das von ihr gewohnt ist.

Schon nach wenigen Minuten waren die Offenbacher mit einem Blitzstart bis auf 4:0 davongezogen, ehe die 98er ein Gegentor erzielen konnten. Als es dann kurz darauf 5:1 hieß, schien sich eine Katastrophe anzubahnen. Aber mit großem Eifer setzten sich die Darmstädter ein, kamen heran, so daß es bei der Pause nur noch 9:7 für die Gastgeber hieß. Nach dem Wechsel erhoffte man sich noch eine Wende, die aber leider zweimal am Torpfosten endete, während die Offenbacher in der Auswertung ihrer Torgelegenheiten weitaus glücklicher operierten. Vor allem ihr Strafwurfspezialist Morgenroth schraubte das Ergebnis immer höher, so daß das Spiel mit dem schon genannten Ergebnis endete.

Im Vorspiel mußte auch die Reserve der 98er eine 9:3-Niederlage einstecken, da sie durch das unsportliche Ausbleiben zweier Spieler nur mit 9 Mann antreten konnte. Schiedsrichter Vogt, Frankfurt-Höchst, war in seinen Entscheidungen nicht immer ganz einwandfrei.

Bemerkenswert die Tatsache, daß das Spiel auf einem knöcheltiefen Sandplatz (Nebenfeld) ausgetragen werden mußte, r

Gruppenliga, Gruppe Süd SV Kostheim—TSV Pfungstadt 10:8 (4:1), Concordia Gernsheim—TSG Darmstadt 8:2 (4:1), TSV Braunshardt—SKG Bauschheim 11:3 (8:1).

Handballüberraschungen im Kreis Dieburg

Gruppe I Langstadt/Schlierbach —Turnverein Reinheim 10:9 Gruppe II Groß-Umst.—Großzimm. 7:3 SV 45 Reinh.—TV Oberr. 10:6 (Reserven 7:7)

Münster—Brensbach 12:9 (Reserven 1:8) Nieder-Klingen—Habitzh. 8:8

Entgegen unserer Vorschau konnten in der Gruppe II die Platzvereine durchweg die Punkte zu Hause behalten. In dem Spiel Reinheim gegen Oberroden zeigten beide Mannschaften ein schnelles und faires Spiel. Groß-I^mstadt schuf die Überraschung des Tages, indem es den Favoriten Groß-Zimmern besiegte.

Brensbach konnte in Münster trotz guter Leistungen des Mittelstürmers Greim nicht gewinnen. Habitzheim, ohne den verletzten Torhüter Kreher, kam in Nieder-Klingen gegen die eifrigen Platzbesitzer über ein Unentschieden nicht hinaus.

Jugend, Gruppe II: Langstadt—Großumstadt 11:13 Groß-Bieberau—Richen 21:2 Fränk.-Crumbach—Habitzheim 4:8

Schüler: Groß-Bieberau I—Gr.-Bieb. II 12:2

Handball-Kreisklasse Erbach

VfL Michelstadt—TSV Höchst 14:4 Momart—Bad König 4:6 Zell—Beerfelden 22:3 Böllstein—Nieder-Kinzig ausgef. Auch die Handballer des Kreises Erbach, die nunmehr in einer Klasse zusammengefaßt sind, und die Vereine Erbach, Michelstadt, Beerfelden, Zell, Bad König, Momart, Böllstein, Pfaffen-Beerfurth, Nieder-Kinzig und Höchst umfaßt, begannen am gestrigen Sonntag mit ihren Meisterschaftsspielen.

Der VfL Michelstadt, dem mit Herbig, Wassum und Gröner sein bewährtes Schützentrio zur Verfügung stand, hatte in seiner ersten Begegnung die junge Elf des TSV Höchst zu Gast. Nach beiderseitigem kurzem Abtasten erzielten die Gäste bereits in der zweiten Minute durch ihren Halbrechten den Führungstreffer. Wenige Augenblicke später hatte Gröner den Ausgleich sichergestellt. Nach einem 4:4-Halbzeitstand kommen die Einheimischen, die eine eindeutige Überlegenheit herausgespielt haben, immer wieder vors Tor und erhöhen in fast regelmäßigen Abständen auf 14:4. Im Vorspiel siegte die Jugendmannschaft von Michelstadt mit 7:5 über die Jugend der KSG Erbach.

In einer fairen Partie blieb die TSG Bad König durch Tore von Kunkelmann (2), Arndt (3) und Baum (1) mit 6:4 in lömart erfolgreich. Nach einem 5:2- Halbzeitstand gestalteten die Einheimischen das Treffen zeitweilig überlegen, für den Ausgleich war es jedoch zu spät. Alle Tore für Momart erzielte Löb.

Beerfelden kam in Zell nur wenig zum Zug und mußte sich mit einer eindeutigen 22.3-Niederlage abfinden.

Im ersten Nachkriegsspiel der Handball-Städtemannschaften von Hamburg und Berlin, das am Samstag in Hamburg ausgetragen wurde, konnte die Hamburger Mannschaft die Berliner Gäste überraschend nur knapp mit 11:9 (4:5) schlagen.

Boxren

ABC Darmstadt-Eberstadt—Stockstadt 8:8

In Stockstadt trafen sich die Mannschaften von Eebrstadt und Stockstadt am Sonntag zu einem spannenden Kampf, der 8:8 endete: Ergebnisse :

Schüler: Ott (E.)—Reuter (St.) unentschieden. Jugend: Lüttke (E.)—Stern (St.) Sieger n. P. Stern. Senioren: Weigel (E.) gegen Arnold (St.) Sieger n. P. Weigel. Bantam: Knies Adam (E.)—Bischoff (St.) Sieger Knies in der ersten Runde durch K.o. Feder: Nicolai (E.)—Glöckner (St.) schmeichelhafter Punktsieger Glöckner. Der Kampf hätte unentschieden ausgehen müssen. Leicht: Kohl (E.)—Lang (St.) Sieger n. P. Kohl. Welter: Knies Heinrich (E.)—Brandtmüller (St.) Sieger n. P. Knies Heinrich. Mittel: Formella (E.) gegen Fleck (St.) Sieger n. P. Formella. Halbschwer: Schulz (E.)—Richter (St.) Sieger n. P. Richter. Schwer: Heinz (E.) gegen Schleck (St.) Sieger n. P. Schleck Der Revanchekampf findet am 9. September im „Schwanen“ in Darmstadt-Eberstadt statt.

DT AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Öffentliche Ausschreibung Die Glaserarbeiten für den Wiederaufbau der Viktoriaschule, Darm¬ stadt, Hochstraße 44, sollen im öffentlichen Verdingungsverfahren vergeben werden. Angebotsvordrucke können, solange Vorrat reicht, von der Stadtbauverwaltung — Abtlg. Hochbau — Darm¬ stadt, Bessunger Straße 125, Zimmer 314, gegen Entrichtung einer Gebühr von 1,— DM per Stück bezogen werden. Daselbst liegen die „Besonderen Vertragsbedingungen“ der Stadt Darmstadt offen. Die Angebote müssen zum Eröffnungstermin am Montag, dem 11. September 1950, vormittags 9.00 Uhr, verschlossen, mit ent¬ sprechendem „Betreff“ bei obengenannter Dienststelle eingereicht sein, woselbst die Eröffnung im Beisein der erschienenen Bewerber stattfindet. Darmstadt, den 2. September 1950 Stadt Darmstadt — Stadtbauverwaltung Öffentliche Ausschreibung der Erd-, Maurer-, Isolier-, Beton- und Stahlbetonarbeiten für den Wiederaufbau des staatl. Wohnhauses Heidelberger Straße 22 zu Darmstadt. Angebote, solange Vorrat, ab Mittwoch, den 6. 9., vorm. 8 Uhr, bei der ausschreibenden und zuschlagerteilenden Stelle: Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstraße 25. Einreichungstermin da¬ selbst: Dienstag, den 12. 9. 1950. Die Zuschlagsfrist beträgt 4 Wochen. Bauzeichnungen liegen im örtlichen Baubüro, Altes Gerichtsgebäude, Eingang Wilhelminenstraße, während der Dienst¬ stunden zur Einsichtnahme auf. Staatsbauamt Darmstadt Betr.: Festsetzung der Ortslöhne. Das Oberversicherungsamt Darmstadt hat den Ortslohn für Darmstadt-Stadt für die Zeit vom 1. Juli 1950 bis 30. Juni 1951 in der gleichen Höhe wie für die Zeit vom 1. Juli 1949 bis 30. Juni 1950 festgesetzt. Darmstadt, den 29. August 1950. Versicherungsamt der Stadt Darmstadt. HAUSRATHILFE Für die Monate September und Oktober 1950 ist die Annahme¬ sperre für Anträge auf Gewährung von Hausrathilfe aufgehoben. In dieser Zeit werden Antragvordrucke für im Stadtkreis Darm¬ stadt wohnende Geschädigte von nachfolgenden Stelle ausgegeben: a) Amt für Soforthilfe in Darmstadt, Bessunger Straße 125, Ein¬ gang Kattreinstraße (montags, mittwochs u. freitags 8-12 Uhr), b) Bezirksverwaltund in Da.-Arheilgen, c) Bezirksverwaltung in Da.-Eberstadt, d) Bund der Fliegergeschädigten, Darmstadt, Hermanasstr. 4 H (montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr), e) Verband der Heimatvertriebenen, Darmstadt-Stadt. Landwehrstraße 12 (bei Diirich), Darmstadt-Stadt, alter Flugplatz-Garten (bei Mühle), Da.-Eberstadt, Goethestraße 5 (bei Urbanke), Da.-Arheilgen, Georgenstraße 6 (bei Dittmann). Bei diesen Stellen können die ausgefüllten Anträge audh abgegeben werden; dabei ist die Kennkarte (bei Heimatvertriebenen auch Flüchtlingsausweis) zur Einsicht vorzulegen. Die in der verflossenen Zeit eingereichten und bis jetzt noch nicht genehmigten Anträge auf Gewährung einer Hausrathilfe wer¬ den bevorzugt bearbeitet; eipe Erneuerung bzw. Wiederholung dieser Anträge ist nicht erforderlich und führt nur zur Verzögerung in der Bearbeitung. Nach dem 31. Oktober 1950 werden Anträge auf Hausrathilfe nicht mehr angenommen. Darmstadt, den 1. September 1950. Amt für Soforthilfe für den Stadtkreis Darmstadt. BEKANNTMACHUNG Gesetz über die Notaufnahme von Deutschen In das Bundesgebiet. Vom 22. August 1950 Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrat das folgende Gesetz beschlossen. § 1 1. Deutsche Staatsangehörige und deutsche Volkszugehörige, die Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt in der sowjetischen Be¬ satzungszone oder dem sowjetischen Sektor von Berlin haben oder gehabt haben, bedürfen, wenn sie sich ohne Genehmigung im Gel¬ tungsbereich dieses Gesetzes aufhalten, für den ständigen Auf¬ enthalt einer besonderen Erlaubnis. Die Freizügigkeit wird nach Artikel 11 Absatz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland insoweit eingeschränkt. 2. Diese besondere Erlaubnis darf Personen nicht verweigert werden, die wegen einer drohenden Gefahr für Leib und Leben, für die persönliche Freiheit oder ans sonstigen zwingenden Gründen die in Absatz 1 genannten Gebiete verlassen mußten, § 2 Die in § 1 bezeichneten Personen haben sich in einem der dafür bestimmten Lager zu melden. Ueber die Aufenthaltserlaubnis entscheidet ein Aufnahmeausschuß. Er entscheidet auch darüber, was als zwingender Grund im Sinne des § 1 Abs 2. anzusehen ist. § 3 Gegen die ablehnende Entscheidung des Aufnahmeausschusses ist die Beschwerde an einen Beschwerdeausschuß gegeben, der abschließend entscheidet. § 4 Die Bundesregierung wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung Bestimmungen über die Errichtung der Lager, die Zusammen¬ setzung der Ausschüsse, das Aufnahmeverfahren und die Vertei¬ lung der Personen, denen die Aufenthaltserlaubnis gegeben ist, zu treffen. § 5 Die Bundesregierung oder die von ihr beauftragte Stelle be¬ stimmt das Land, in dem der nach § 2 Aufgenommene seinen ersten Wohnsitz zu nehmen hat. Auf die wirtschaftlichen Ver¬ hältnisse des Aufnahmelandes ist Rücksicht zu nehmen. Das Land ist verpflichtet, ihn aufzunehmen. Der Aufenthaltsort für den Auf¬ genommenen soll unter Wahrung der Familien-, Haushalts- und Lebensgemeinschaft des Aufgenommenen bestimmt werden. § 6 Die Bundesregierung hat bei der Zuteilung der Aufgenommenen für gleichmäßige" Belastung der Länder durch Flüchtlinge und Vertriebene Sorge zu tragen. § 7 Die bis zur Uebernahme des Aufgenommenen durch das Aufnahme¬ land entstehenden Kosten trägt bis zu einer Regelung nach Artikel 120 des Grundgesetzes der Bund. § 8 Dieses Gesetz tritt am Tage nach seiner Verkündung in Kraft. Das vorstehende Gesetz wird hiermit verkündet Der Bundespräsident: Theodor Heuss Der Bundeskanzler: Adenauer „ .... ... Der Bundesminister für Vertriebene: Luka sehe k Veröffentlicht. Erbach, den 31. August 1950. Der Landrat. Baha’i-Gemeinde Darmstadt Veranstaltungen in der Woche vom 3. bis 9. September 1950: 8. 9. 1950: 19.30 Uhr öffentlicher Vortrag in der T.H. Darm- Stadt „Das Christentum und die Baha’i-Lehrc“ (R. Jockel). Das Amt für Soforthilfe Darmstadt-Stadt verlegt am Montag, den 4 September 1950, seine Diensträume (seither Mühlstraße 33, Hallenschwimmbad) nach Bessunger Straße 125 (Eingang Kattrein¬ straße). An diesem Tage werden nur Antragsteller auf Einladung abgefertigt. — Amtstage: Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr. Darmstadt, den 1. September 1950. Amt für Soforthilfe für den Stadtkreis Darmstadt.

Betreffend: Brotpreise. An die Bevölkerung des Kreisest Wie aus Presseberichten bekannt, kam am 31. Juli 1950 auf Ein¬ ladung des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft und unter Vorsitz von Beauftragten dieses Mini¬ steriums zwischen den Verbänden des Mühlengewerbes, des Mehl- Großhandels, des Bäckerhandwerks und der Brotindustrie in An¬ wesenheit von Vertretern des deutschen Gewerkschaftsbundes und der Hausfrauenverbände ein freiwilliges Abkommen für das Land Hessen zustande. Hiernach wird als Konsumbrot in den Regierungsbezirken Wies¬ baden und Darmstadt ein Roggenmischbrot in einer Zusammen¬ setzung von 80 Prozent Roggenmehl Type 1150 und 20 Prozent Weizenmehl Type 1200 gebacken. Dieses Konsumbrot ist in allen Bäckereien und son¬ stigen Verkaufsstellen zum bisherigen Preise für Roggenfeinbrot von 0,49 DM je Kilogramm bzw. von 0,74 DM je l'/j Kilogramm in ausreichenden Mengen zum Verkauf bereitzuhalten. Die Bereithaltung dieser Brotart, die durchaus keine gering¬ wertige ist, setzt natürlich voraus, daß dieses Konsumbrot auch beim Einkauf verlangt wird. Das Bäckerhandwerk beruft sich dar¬ auf, daß, solange das Konsumbrot nicht gefragt ist, seinerseits ein Bezug der vereinbarten Mehltypen unterbleibe, weil ihm die Waren dann liegen blieben. \ Es liegt daher an der Einsicht de,r Bevölkerung, die ein Interesse an nichtverteuertem Brot hat, das zu ihren Gunsten getroffene Abkommen sich auch auswirken zu lassen. An die Bevölkerung ergeht daher die Bitte, entsprechend zu handeln, um die Be¬ mühungen der Gewerkschaften usw. durch die Verbraucherkreise bestätigt zu wissen. Erbach, den 29. August 1950. Der Landrat. Dienstnachrichten Am 30. August 1950 wurden verpflichtet: Georg Scior (Hebstahl) als Wildschadenschätzer der Gemeinde Hebstahl, und Adam Fo߬ hag (Ober-Sensbach) als stellvertr. Rohrmeister der Gemeinde Ober-Sensbach. Erbach, den 31. August 1950. Der Landrat. Die Ortsdurchfahrt in Erbach von der Gaststätte der Brauerei Wörner bis zur Lustgartenstraße wird wegen unaufschiebbarer Reparatufarbeiten für die Zeit vom 4. September bis 5. September 1950 einschließlich für den gesamten Durchgangsverkehr ein¬ schließlich Radfahrer und Fußgänger gesperrt. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt über Marktplatz und Lust¬ gartenstraße bzw. über die Martin-Luther-Straße (früherer Alter Weg). Erbach, den 25. August 1950. Der Landrat. NEUE KURSE in Kurzschrift am 4. u. 7. September, 19 Uhr, Goetheschule, Viktoriastraße 31 in Maschinenschreiben täglich Kranichstei¬ ner Straße 592/io Unterricht durch staatlich geprüfte Lehrer und bekannte Praktiker und Meisterstenografen. Stenografenverein 1841 Darmstadt Fernruf 29 21 ' t 1

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