Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt. Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 55 Jieuefte Tld^ri^ten Samstag, 2. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt,RheinStraße23,Tel. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Baldige Veränderungen im Bundeskabinett zu erwarten

R. Bonn, 1. September. Die Möglichkeit der Bildung eines Außenministeriums und die Forderung der Beratenden Europäischen Versammlung nach Schaffung eines Europa-Ministeriums in den einzelnen Regierungen werden das Bundeskabinett in absehbarer Zeit vor die Frage einer neuen Aufgabenverteilung stellen.

Es ist kaum anzunehmen, daß die Zahl der Minister, die der Opposition schon zu groß, der Koalition zumindest groß genug erscheint, um zwei vermehrt wird. So könnte eine Zusammenlegung des Außenministeriums mit dem Amt des Bundeskanzlers und eines Europa-Ministeriums mit dem ERP-Ministerium angestrebt sein. Ob und inwieweit eine solche sachliche Neuorganisation auch andere persönliche Veränderungen im Kabinett auslösen könnte, steht dahin. Für ausgeschlossen können solche Entwicklungen angesichts mancher Spannungen nicht gehalten werden, die in der letzten Zeit sowohl im Kabinett selbst als auch zwischen Kabinett und Koalition aufgetreten sind.

In dieser Hinsicht ist vor allem eine Diskussion um den Bundesfinanzminister entstanden. Bei allen Debatten aber, die über eine Erschütterung der Position des Finanzministers in seiner Fraktion entstanden sind, muß bedacht werden, daß andererseits auch die Position seines stärksten Gegenspielers in der Fraktion, des Vorsitzenden des Zentralverbandes der Heimatvertriebenen, des Abgeordneten Dr. Kater, in der Fraktion selbst mehr und mehr umstritten ist. Schäffer selbst bleibt unverkennbar entschlossen auf seinem Kurs, und so wird der Mißtrauensantrag der Bayern-Partei gegen den Finanzminister die Koalition vor eine Entscheidung stellen, als deren Ausgang von Kennern der Lage keineswegs ein Rücktritt Schäffers erwartet wird.

Rücktritts-Angebot

R. Bonn, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) Wie zuverlässig verlautet, soll ein Mitglied des Kabinetts wegen aktueller tiefgehender Meinungsverschiedenheiten seinen Rücktritt angeboten haben. Man nimmt an, daß es sich dabei um den Bundesinnenminister Heinemann handelt.

Ueberbrückungshilfe

für ehemalige Wehrmachtsangehörige

Bonn, 1. September, (dpa) Das Bundeskabinett hat auf Antrag des Bundesfinanzministers beschlossen, die Ueberbrückungshilfe. für die Angehörigen des öffentlichen Dienstes und für ehemalige berufsmäßige Wehrmachtsangehörige weiter zu gewähren. Dabei sind die vom amtenrechts- und Vertriebenenausschuß des Bundestages ausgearbeiteten Richtlinien anzuwenden.

Gegen die Zersetzung

Ein Rundschreiben der Gewerkschaften

Fö. Düsseldorf, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat am Donnerstag die Hauptvorstände der sechszehn angeschlossenen sowie die Landesbezirksvorstände der Gewerkschaften in einem Rundschreiben aufgefordert, der Störungs- und Zersetzungsarbeit kommunistischer und getarnter Organisationen im Gewerkschaftsbereich entgegenzutreten. Zur Unterrichtung der unteren Stellen, die aufgefordert werden, für ihre Zuständigkeitsgebiete entsprechende Anweisungen zu erteilen, ist eine Liste von kommunistischen beziehungsweise getarnten kommunistischen Organisationen im Bundesgebiet beigefügt, die insgesamt 36 Titel enthält. Diese Liste dürfte die vollständigste Aufstellung dieser Art sein.

Zentraler Einsatz der Polizei

Hessen das erste Land

Wiesbaden, 1. September, (dpa) Die hessische Regierung bereitet gegenwärtig ein Gesetz über den Einsatz der Polizei bei Katastrophen und Unruhen vor, durch das dem Innenminister im Falle einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unmittelbare Weisungsbefugnisse über die kommunale Polizei gegeben werden sollen.

Hessen macht damit als erstes Land von einer Ermächtigung der Alliierten Oberkommission Gebrauch, wonach der Innenminister eines Landes bei nicht ausreichenden Polizeikräften im Notfall Anweisungsbefugnis gegenüber der Gemeindepolizei erhalten kann.

Wasser gegen Demonstranten

Berlin, 1. September, (dpa) Mehrere hundert kommunistische Demonstranten haben am Freitag versucht, in das Schöneberger Rathaus, den Sitz des Berliner Magistrats, einzudringen. DieWest-Berliner Polizei griff sofort ein und benutzte dabei zum erstenmal den im Frühjahr angeschafften Wasserwerfer, mit desse- Hilfe sie die Demonstranten von den Zufahrtsstraßen zum Rathaus abdrängten und zerstreuten. Nach anderthalb Stunden hatte die Polizei die Ordnung wiederhergestellt.

Ost-Exporte zurückgehalten

Wieder deutsche Zuständigkeitsbeschränkung für Exporte?

Drahtbericht unseres Korrespondenten

F. A. Z. Frankfurt, 1. September. Die amerikanische Oberkommission hat am Freitag bekanntgegeben, daß die alliierte Zolldienstgruppe 7751 an der deutschtschechoslowakischen Grenze bei Schirnding 356 amerikanische Armeelastwagen zurückgehalten hat, die für den Export n ch Ungarn bestimmt waren. Die Wagen stammen aus amerikanischen Heeresbeständen, die nach Kriegsende der STEG verkauft wurden. Diese hat d:e Fahrzeuge vollkommen überholen lassen und sie an die „Truck and stare Motors Vehicles Ltd. GmbH. Frankfurt“ weiterverkauft. Diese Firma hat von der zentralen Genehmigungsstelle für Exporte in Frankfurt die Lizenz zur Ausfuhr der Fahrzeuge nach Ungarn erhalten. Die Alliierte Oberkommission hat Bestimmungen erlassen, die an sich den Export dieser Fahrzeuge nach dem Ostblock verbieten. Wie verlautet, bespricht die Oberkommission zur Zeit mit der Bundesregierung die Frage der Einführung wirksamer Kontrollmaßnahmen für den Export von Waren nach Osteuropa.

Wie wir in diesem Zusammenhang aus unterriditeten deutschen Kreisen erfahren, soll die Oberkommission planen, die Zuständigkeit für die Lizenzerteilung für Ex-

porte vonNE-Metallen, Metallwaren, Eisen und Stahl und anderen wichtigen strategischen Materialien und Waren der deutschen zentralen Genehmigungsstelle wieder zu entziehen. Die Genehmigungsstelle hätte bei der Lizenzerteilung zu großzügig gehandelt. Nach der Uebergabe der Lizenzierungsbefugnis für Waren der Liste B in deutsche Hände am 10. Mai 1950 bis zum 31. Mai 1950 hat die Genehmigungsstelle ein Vielfaches der Lieferungen nach dem Ostblock genehmigt als in fünf Monaten vorher von der Alliierten Oberkommission selbst genehmigt worden waren.

Wie es weiter heißt, hat die Alliierte Oberkommission der deutschen zentralen Genehmigungsstelle in Frankfurt die Zuständigkeit für die Lizenzierung zur Ausfuhr von Kugellagern und Gummiwaren nach den Ostblockstaaten schon Anfang August aberkannt.

In Paris tagt zur Zeit ein Ausschuß, an dem auch deutsche Vertreter teilnehmen, um eine gemeinsame Liste von Waren und Gütern zusammenzustellen, deren Ausfuhr aus ganz Westeuropa nach den Ostblockstaaten nur beschränkt vorgenommen werden soll.

Immer mehr Tarife werden gekündigt

Auch die Bäcker fordern eine zwanzigprozentige Lohnaufbesserung

F. A. Z. Frankfurt, 1. September. Der Bauarbeiterstreik hat nach fünftägiger Dauer bereits zahlreiche andere Industriegewerkschaften veranlaßt, ebenfalls mit neuen Lohnforderungen an die Arbeitgeber heranzutreten. Am Wochenende teilt der Bäckereiverband Hessen mit, daß die Gewerkschaften die Lohntarife für die Backindustrie und für das Bäkkerhandwerk zum 30. September 1950 gekündigt hätten. Sie verlangen eine zwanzigprozentige Lohnerhöhung.

Der Hessische Gewerkschaftsbund gab am Freitag weiter bekannt, daß die Lohnverhandlungen zwischen der Industriegewerkschaft Metall und den Arbeitgeberverbänden der hessischen Metallindustrie ohne Ergebnis unterbrochen worden seien. Die Forderungen der Arbeitnehmer auf Lohnerhöhung seien auf die ablehnende Haltung der Unternehmer gestoßen. Die Funktionäre der Metallgewerkschaft wurden zum 4. September nach Frankfurt zu einer Konferenz einberufen, um die Lage zu besprechen.

Schließlich haben die Arbeiter der chemischen Industrie ihre Tarifverträge zum nächstmöglichen Termin gekündigt. Davon werden die gesamte Kautschukindustrie, die kunststoffverarbeitende Industrie, die feuerfeste Industrie, die feinkeramische Industrie und das Vulkanisierhandwerk betroffen.


Eine Gruppe von Reitern in historischer Jägertracht überquerte als erste die neue Neckar-Brücke in Mannheim, die von Bundespräsident Professor Heuss dem Verkehr übergeben worden ist Foto: Pfülb
Eine Gruppe von Reitern in historischer Jägertracht überquerte als erste die neue Neckar-Brücke in Mannheim, die von Bundespräsident Professor Heuss dem Verkehr übergeben worden ist Foto: Pfülb

Streik im Ruhrgebiet

Vor der Entscheidung

hd. Düsseldorf, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) Am Samstag werden sich auch in Essen die Bauarbeiter dem allgemeinen Lohnstreik anschließen, wenn es bis dahin nicht gelungen ist, die Streikbewegung abzustoppen. Auch die Bauarbeiter der anderen Ruhrstädte werden vom Samstag an streiken, wenn das von den Essener Bauarbeitern an die Arbeitgeber gestellte Ultimatum zur Lohnerhöhung bis zum Wochenende nicht erfüllt wird. In Mühlheim-Ruhr haben die Bauarbeiter bereits am Freitagnachmittag zur Durchsetzung ihrer Lohnforderungen die Arbeit für einen Tag niedergelegt.

Klage der Arbeitgeber

Frankfurt, 1. September, (dpa) Der Arbeitgeberverband der Bauindustrie und der Verband baugewerblicher Unternehmer in Hessen haben am Freitag gegen die Bezirksleitung Hessen der Gewerkschaft Bau, Steine, Erden beim Arbeitsgericht in Frankfurt Klage erhoben. Sie fordern, daß die Baugewerkschaft dazu verurteilt werde, ihren am 28. August in Frankfurt begonnenen Streik zu widerrufen.

Verhandlungen in Bonn

R. Bonn, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsitz des Bundesarbeitsministers sind die Vertreter beider Parteien im Frankfurter Baustreik am Freitag im Arbeitsministerium zusammengekommen. Vom Ministerium wird augenscheinlich die Zuversicht bekundet, daß eine Verständigung erzielt werden könne.

Herbstmanöver

*** Der Herbst war von jeher die Zeit der großen militärischen Manöver. Selbst die eifrigsten Befürworter einer deutschen Wiederaufrüstung werden sich nicht der Täuschung hingeben, daß in absehbarer Zeit militärische deutsche Verbände in Verbandsübungen ihre Kampffähigkeit zur Abwehr eines bolschewistischen Angreifers erproben werden. Wir sind auf den Schutz der westlichen Besatzungsmächte angewiesen und nicht allein Bundeskanzler Adenauer hat darauf hingewiesen, daß die Zahl der alliierten Formationen in der Bundesrepublik für einen wirksamen Schutz völlig unzureichend sei.

Präsident Truman hat am Donnerstag erklärt, daß er gegenwärtig nicht beabsichtige, die in der Deutschen Bundesrepublik stationierten Streitkräfte zu verstärken. Das letzte Wort darüber scheint jedoch nicht gesprochen zu sein, denn die siebentägigen Manöver, die am 11. September beginnen und an denen amerikanische, britische und französische Besatzungstruppen teilnehmen, zu denen eigens der Befehlshaber der amerikanischen Bodentruppen, General Mark W. Clark, mit einem Sonderstab aus den Vereinigten Staaten nach Europa herüber kommt, sollen darüber Aufschluß geben, ob die Besatzungstruppen allen Erfordernissen genügen. Die Lehre von Korea scheint immerhin nicht vergebens gewesen zu sein.

Am 4. August hat der französische Sicherheitsminister Jules Moch erklärt, der größte Gewinn Frankreichs aus dem zweiten Weltkrieg sei die Tatsache, daß es sein militärisches Vorfeld in das Gebiet zwischen Rhein und Elbe vorgeschoben habe. Diese Tatsache läßt sich nicht bestreiten, obwohl sie für uns Deutsche durchaus nicht angenehm ist. Aber selbst die Franzosen haben keinen Nutzen von einem Vorfeld, das nicht wirksam verteidigt werden kann. Wir nehmen daher an, daß gerade sie ebenfalls auf eine Verstärkung der amerikanischen Besatzungstruppen drängen werden, und wenn nicht alles täuscht, werden gerade die angesetzten Manöver die Notwendigkeit bestätigen.

Deutschland stellt sich an

Von Erich Dombrowski

Der politische Himmel, auf dem in den letzten Monaten immer neue schwarze Wolken, Gewitterballungen, aufzogen, scheint sich ein klein wenig aufzuhellen. Das erste schüchterne Stückchen Blau schimmert durch die Nebelschleier. Angst und Sorge, die den Menschen alles grau in grau erscheinen ließen, weichen einer zuversichtlicheren Beurteilung der Lage. Es ist, als ob der Alpdruck sich zu lösen beginnt. Was ist denn nun geschehen, um uns die Dinge heute anders, freundlicher beurteilen zu lassen, als noch vor ein oder zwei Wochen? Geschehen ist eigentlich nichts, wenn man auf besondere Ereignisse aus ist. und doch viel. Den 31, August dieses Jahres hatten sich die Nordkoreaner und ihre schattenhaften Hintermänner als den Termin gesetzt, an dem Südkorea von den Truppen der Vereinten Nationen gesäubert und das ganze Land unter kommunistischer Herrschaft vereinigt werden sollte. Dieser Termin ist vorgestern abgelaufen, ohne daß das gesteckte Ziel erreicht wurde. Die Nordkoreaner wollten mit soundso viel Divisionen zum letzten, alles aufrollenden Angriff antreten. Die Schlacht ist in der Stunde, da diese Zeilen geschrieben wurden, noch im Gange. Immerhin konnten die Amerikaner inzwischen das aufholen, worin sie ihren Gegnern, infolge des blitzartigen Ueberfalls auf Südkorea, bisher unterlegen waren.

Die Amerikaner sind nicht mehr allein. Die Vereinten Nationen lassen allmählich das Wort zur Tat werden. Britische Truppen-KonUngente sind gelandet worden. Australische sind ebenfalls eingetroffen, und Soldaten anderer Staaten sind unterwegs. Die Amerikaner selbst haben ihre Bestände durch erhebliche Nachschübe auffüllen und erweitern können, so daß das truppenmäßige Zahlenverhältnis zur Zeit so aussieht: neun nordkoreanische Divisionen an der Kampffront. Etwa vier in der Reserve. Auf der andern Seite: fünf südkoreanische und vier amerikanische Divisionen sowie eine Marine-Brigade. Dazu treten die britischen, australischen und sonstigen Einheiten, die jetzt nach und nach hereintropfen. Wie im zweiten Weltkriege wird die psychologische Wirkung der unausgesetzten Bombenangriffe aus der Luft von Mal zu Mal größer. Auch die Koreaner sind, wie ehedem die deutsche Bevölkerung, dem Bombenregen aus der Luft nahezu wehrlos preisgegeben. Fabrikanlagen sinken in Trümmer. Die Verkehrswege werden zerstört, und die Truppen erfaßt ein panischer Schrecken, wenn es Bomben zu regnen anfängt. Nach und nach kristallisiert sich die amerikanische Ueberlegenheit,. vornehmlich bei der Artillerie, den Panzern und Flugzeugen heraus, auch wenn es hie und da noch einige lokale Rückschläge geben sollte, wie vielleicht im Augenblick. Diese Entwicklung scheint, und das ist der zweite Lichtblick, auf das rote China nicht ohne Eindruck zu bleiben. Hatte es sich noch bis vor kurzem mit dem Gedanken getragen, gegebenenfalls mit bewaffneter Macht in den Konflikt einzugreifen, so ist es jetzt stiller darum geworden. Den Chinesen dämmert es, was es für sie bedeuten würde, wenn sie sich kriegerisch einmischen wollten. Ihre Industrie würde schlagartig zerstört werden. Ihre noch recht dürftigen Eisenbahnverbindungen würden unterbrochen, ihre weiten Länder zur See blockiert werden. Hungersnot und ein allgemeines Durcheinander würden die Folgen sein. Hatte China eben noch gedroht, in Tibet einzubrechen und sich das Reich des Dali Lhama mit Gewalt einzugliedern, so hat es sich jetzt, ganz überraschend, bereit erklärt,

in friedliche Verhandlungen über eine Verständigung einzutreten. Bereitet sich eine Wende in Ostasien vor? Beginnt der Brandherd im Fernen Osten langsam zu verlöschen? ♦

Malik, Rußlands Vertreter im Sicherheitsrat, hatte als Vorsitzender offenbar den Auftrag vom Kreml bekommen, irgendwelche Entscheidungen hinauszuzögern bis zum 31. August, dem Tage, an dem die Amfsperiode seines Vorsitzes ablief, und im übrigen die Welt durch eine Propaganda von dieser Stelle aus aufzupeitschen. Beides ist mißlungen. Seiner weltrevolutionären Agitation wurde von den andern wirkungsvoll entgegengetreten und verpuffte so. Der 31. August ist vorübergegangen, ohne daß Südkorea, wie vorgesehen, erobert werden konnte. Der Vorsitz im Sicherheitsrat ist jetzt auf einen Engländer übergegangen, und die Russen sind in den Hintergrund gedrängt worden. Weder ist das kommunistische China in den Sicherheitsrat gewählt worden, noch sind die Nordkoreaner von dieser Körperschaft gehört worden. Gar nicht zu reden von dem Einspruch Maliks gegen die Beschlüsse der Vereinten Nationen, gemeinsam militärisch gegen die Friedensbrecher in Korea vorzugehen. Die Russen haben sich aber nicht, trotz ihrer diplomatischen Niederlagen, aus dem Sicherheitsrat zurückgezogen und haben im Gegenteil erklärt, daß sie auch an der bevorstehenden Jahresversammlung der Organisation der Vereinten Nationen in Lake Succes teilnehmen würden. Trotz dem heißen und dem kalten Krieg, der die ganze Welt in Aufregung hält, scheinen die Russen doch Wert darauf zu legen, nicht alle Fäden zwischen Ost und West abreißen zu lassen.

Nicht wenig hat offenbar das überraschend schnelle Reagieren Amerikas und der anderen Atlantikpakt-Staaten auf die weltrevolutionären Vorstöße Moskaus dazu beizutragen. Der amerikanische Kongreß bewilligte mit einem Schlage sechzehn Milliarden Dollar, um seine Truppenmacht zu verstärken und seine Kriegsindustrie wieder in Gang zu setzen. Vier Milliarden davon sollen die westeuropäischen Staaten militärisch, vor allem mit Panzern, mit Artillerie, mit modernen Flugzeugen und sonstigen Waffen aller Art auf rüsten. Wahrscheinlich werden, im Zuge dieser prophylaktischen Abwehr, auch amerikanische Truppeneinheiten nach Europa verlegt werden. Nicht zuletzt nach Deutschland. Im gleichen Atemzuge hat Großbritannien ein umfassendes militärisches Programm aufgestellt und finanziell gesichert, das, nach dem soeben erschienenen Weißbuch der britischen Regierung, die englischen Streitkräfte in den nächsten sechs Monaten um annähernd achtzigtausend Mann anwachsen lassen wird. Hinter der regulären Streitmacht wird eine voll ausgebildete Reservearmee von vierhunderttausend Mann stehen, und wenn man die Zahl der Soldaten mit militärischer Erfahrung aus dem letzten Krieg hinzuzählt, kommt man auf vier Millionen, die England im Notfälle auf die Beine zu stellen vermag. Auch Frankreich hat Milliarden ausgeworfen, um sein Heer zu reorganisieren und auszubauen. Rußland muß also mit einiger Ueberraschung erkennen, daß es sein revolutionäres Spiel zu weit getrieben hat, und daß es, wollte es tatsächlich die Welt mit einem Blitzkriege auf die Knie zu zwingen versuchen, sofort alle, in schnell wachsender militärischer Bereitschaft, gegen sich haben würde. Wir unterstellen Rußland solche unmittelbaren Kriegsabsichten nicht. Es legt zur Zeit noch den Schwerpunkt auf lokalisierte revolutionäre Vorstöße, die es, ohne sich selbst zu weit zu engagieren, durch seine Satelliten, in Asien und in Europa, ausführen läßt. Einmal ist es im Augenblicke wohl kaum so ausgerüstet, vornehmlich auf dem Gebiete der Atomwaffe, daß es einen Krieg von längerer Dauer durchstehen könnte. Zum andern ist es mit Friedensprojekten von wahrhaft erstauhlicher Größe beschäftigt, die in Fünfjahres-Plänen festgelegt sind und nicht nur außerordentlich viel Menschen, sondern auch enorm viel Rohstoffe und Kapital erfordern. Dazu gehört das gigantische Bewässerungssystem in den mittelasiatischen Sowjetrepubliken, das der landwirtschaftlichen Produktion ganz neue Möglichkeiten erschließen soll. Zum anderen ist es an geradezu riesige Aufforstungen in den Flußgebieten des Schwarzen und des Kaspischen Meeres gegangen, um den verheerenden asiatischen Sandstürmen und Steppenwinden entgegenzutreten, zum dritten ist es dabei, die Wasserkräfte an der Wolga, auch in einem gewaltigen Ausmaße, in elektrische Energie umzuwandeln. Das alles und noch vieles andere, das dem wirtschaftlichen Aufbau der Völker im weiten russischen Bereich dienen soll, würde jäh unterbrochen werden, wenn sich Rußland entschlösse, zu einerh Waffengang anzutreten. ♦

Ebenso entschlossen, wie sich der Westen dem Säbelgerassel des Ostens gegenüberstellt, tritt er jetzt auch der revolutionären Unterminierarbeit entgegen. Das Beispiel Bulgariens, Rumäniens, Polens und der Tschechoslowakei hat der Welt gezeigt, wie der Kommunismus erst alles unterwühlt und dann mit einer kleinen entschlossenen bewaffneten Minderheit die Macht an sich reißt, um den Staat dem Sowjetsystem auszuliefern. Lange genug hat man diesem Spiel tatenlos zugesehen. In Griechenland ist man ihm schließlich, durch Waffenlieferungen und finanzielle Unterstützung Athens, entgegengetreten. Mit Erfolg. In Korea haben die Vereinten Nationen durch ein unmittelbares militärisches Einschreiten diesem Treiben ein Paroli geboten. In Europa, an erster Stelle in Westdeutschland, werden nach und nach alle moralischen Kräfte des Staates und der Gesellschaft gegen den unterirdischen Kampf des Kommunismus mobil gemacht. Abwehr also auf der ganzen Front. Zu dieser Abwehr gehört auch eine grundsätzliche Neuregelung des Verhältnisses Westdeutschlands zu den Alliierten. Nur ein souveräner Staat, als gleichberechtigte Nation, kann in diesem Ringen um die menschliche Freiheit, im Geiste der Freiwilligkeit und Opferbereitschaft, seinen Beitrag leisten. Solange wir noch keinen Friedensvertrag haben, der uns wieder normale innen- und außenpolitische Verhältnisse garantiert, solange aus dem Besatzungsstatut nicht ein Sicherungsstatut geworden ist, solange wir diese ungewisse Zwitterstellung mit weitergehenden Demontierungen, mit Beschränkungen der Stahlerzeugung und des Schiffsbaus, mit reglementierenden Eingriffen in unsere Wirtschafts- und Staatsführung haben, so lange wird das deutsche Volk in seiner Entschlußbereitschaft innerlich gehemmt sein. Wenn demnächst die Außenministerkonferenz zusammentritt, wird sie, nicht zuletzt aus psychologischen Gründen, dieser allmählich völlig unhaltbar gewordenen Lage Rechnung zu tragen haben. Es geht, nicht mehr an, daß Deutschland sich bei allem und jedem vor dem Schalter der Oberkömmissare anstellt und wartet, bis es, so oder so, abgefertigt wird.

Ein deutscher Vertreter soll in den Exekutivausschuß der UNESCO (Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur bei den Vereinten Nationen) zur Behandlung der Westdeutschland betreffenden Fragen hinzugezogen werden. Vierzehn verurteilte Deutsche sollen voraussichlich von der dänischen Regierung begnadigt werden.

Ueberraschung am Naktong

Setzen die Kommunisten alles auf eine Karte / Tiefe Einbrüche

Pusan, 1. September. (AP./dpa/Reuter) Am Freitag sind die Nordkoreaner mit schätzungsweise 50 000 Mann am Naktong und im Abschnitt der Südfront zu einer großen Offensive angetreten. Der Feind erzwang im ersten Anrennen siebzehn Brückenköpfe über den Naktong. Am großen Naktong-Bogen konnte der feindliche Einbruch so weit ausgedehnt werden, daß die Versorgungsstraße Taiku—Pusan bedroht ist.

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag bei diesigem und regnerischem Wetter, beobachteten die Kompanien der 2. amerikanischen Infanterie-Division auf dem Westufer im großen Flußbogen des Naktong ein eigenartiges Bild. Ihnen gegenüber sammelten sich nordkoreanische Verbände, von denen jeder Soldat eine Fackel trug. Plötzlich setzte sich nach einem kurzen, aber heftigen Artilleriefeuerüberfall der Fackelzug in Bewegung, um den Naktong zu überschreiten. Dieser gespenstische Nachtangriff, an dem etwa 2000 Manri teilnahmen, verwirrte die Truppen der Vereinten Nationen. Die amerikanischen Offiziere hatten nicht angenommen, daß dieser nordkoreanische Fackelzug der Beginn einer Großoffensive sein könne, und hatten deshalb keine Luft- und Artillerieunterstützung angefordert.

Ungekannte Erbitterung

Die Nordkoreaner griffen mit einer bisher ungekannten Erbitterung an. Die Nachrichten auf den Divisionsgefechtsständen und in der Führungsstaffel der 8. Armee wurden von Stunde zu Stunde negativer. Erst wurden fünf, dann zehn und schließlich siebzehn erfolgreiche feindliche Uebergänge über den Naktong gemeldet. Die Einheiten der unerfahrenen 2. amerikanischen Division, die den Abschnitt der kampferprobten, aber abgekämpften 24. Divisiop übernommen hatten, würden gezwungen, unter der Wucht der nordkoreanischen Angriffe zurückzugehen. Kompanien und Bataillone

wurden abgeschnitten und die Front erst etwa fünfzehn bis sechszehn Kilometer hinter dem Naktong zum .Stehen gebracht. Die amerikanischen Verbände haben sich dort eingegraben und bauen ihre neue Verteidigungslinie auf. Am bedrohlichsten ist die Lage im großen Naktong-Bogen, wo der Feind wiederum — wie vor zwei Wochen — die strategisch wichtige Straße von Taiku nach Pusan bedroht.

Kampf um das brennende Haman

An der .Grenze zwischen der Mittelfront, die grob durch den großen Naktong-Bogeh begrenzt wird, und der Südfront, die bis nach Masan geht, führten die Nordkoreaner besonders heftige Angriffe. Sie sind hier über den Nam, der nördlich der Stadt Haman in den Naktong fließt, übergesetzt, und haben im ersten Anlauf die strategisch wichtige Stadt Haman einnehmen können. Das Höhengelände, das der Stadt vorgelagert ist, beherrscht die Rollbahn nach Pusan und ist von entscheidender Bedeutung für jeden Angreifer. Deri Amerikanern soll es gelungen sein, die brennende Stadt dem Feind wieder zu entreißen. Die Lage ist jedoch nach wie vor ungeklärt.

Ueberall stehen durchgebrochene nordkoreanische Stoßgruppen, vorgeprellte Panzereinheiten und kampfkräftige Aufklärungseinheiten der Nordkoreaner weit im Hintergelände der amerikanischen Front. Bei Haman sind mindestens zwei nordkoreanische Divisionen eingesetzt, die die Stadt nördlich und südlich umfassend eine Zangenbewegung eingeleitet haben. Auf Masan, die wichtige Hafenstadt, zielen weitere nordkoreanische Kräfte. Alle abgeschnittenen amerikanischen Einheiten werden aus der Luft versorgt. Die Amerikaner haben sich jedoch durch die Offensivbewegung des Feindes keineswegs aus der Fassung bringen lassen. Ueberall, wo Gegenangriffe angesetzt worden sind, konnten örtliche Erfolge erzielt werden. Für die Führung der 8. Armee kommt es entscheidend darauf an, die Verbindung zur mittleren Führung, nämlich den einzelnen Divisionen nicht zu verlieren. Die Divisionen als selbständige taktische Verbände sind bestrebt, mit ihren zum Teil abgeschnittenen Regimentern, und diese wiederum mit ihren von den Nordkoreanern umstellten Bataillonen Kontakt zu halten. Trotz der zahlreichen und bedrohlich tiefen Einbrüche ist es dem Feind bisher nirgends gelungen, den echten operativen Durchbruch zu erzwingen. An zahlreichen Stellen konnten die inzwischen mit der koreanischen Taktik vertrauten amerikanischen Truppen Einbrüche abriegeln und die Vorstöße des Feindes durch erbittertes Aushalten kanalisieren.

Breite amerikanische Abschnitte.

Amerikanische Abwehroffiziere schätzen, daß die Nordkoreaner hinter den erfolgreich angreifenden Stoßdivisionen noch etwa dreißigtausend Mann an Reserve zurückhalten. Die Regimenter der amerikanischen Divisionen, die nach dem ersten Schock ihre Stellungen überall wieder festigen konnten, leiden darunter, daß ihre Abschnittsbreiten überaus groß sind. So muß allein die 2. amerikanische Division mehr als sechzehn Kilometer Frontbreite halten. Trotzdem sind die Amerikaner nicht pessimistisch.

Katholikentag der Innerlichkeit

Feierliche Eröffnung in Passau

Drahtbericht unseres Korrespondenten

We. Passau, 1. September. In der alten Bischofsstadt Passau ist am Freitag unter dem Geläute allei' Glocken der 74. deutsche Katholikentag eröffnet worden. Es soll ein Katholikentag der Innerlichkeit werden. Sein Motto heißt: „Zuerst das ’ Reich Gottes.“

Aber bereits auf der Abendkundgebung vor Zehntausenden von Menschen auf dem Domplatz hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholikentage, Erbprinz Karl zu Löwenstein, keinen Zweifel darüber gelassen, daß das kein Zurückweichen auf die rein religiöse Linie bedeute, auf der totalitäre Staaten die Kirche stets sehen wollten. Er rief die Gläubigen im Westen auf, etwas von jenem Mut und Gottvertrauen der Deutschen im Osten zu haben, und sagte herzliche Worte des Gedenkens auch an die Katholiken Berlins. An die Besatzungstnächte richtete er im Namen aller deutschen Katholiken die inständige Bitte, endlich den unwürdigen Zustand aufzuheben, daß eine europäische Nation, zu der 25 Millionen Katholiken gehörten, keine Vertretung am Heiligen Stuhl haben dürfe.

Bischof Somin Konrad Landersdorfer von Passau erklärte, für den Katholikentag sei die östlichste Bastion gewählt worden, um der Gefahr aus der Nähe ins Auge zu sehen. Im Osten sei eine Christenverfolgung im Gange, wie sie die Welt noch nicht erlebt habe. Millionen von Menschen kämpften dort den Existenz-Kampf der Kirche, der so gigantisch sei, wie nur selten einer in ihrer Geschichte. Mit der feierlichen Einholung des Gnadenbildes von Altötting, das auf

seinem neunzig Kilometer langen Weg von dem Wallfahrtsort nach Passau in jeder Ortschaft mit Blumen, Girlanden und Heiligenbildern begrüßt wurde, und einem von dem Bischof von Würzburg abgehalte - nen mitternächtlichen Pontifikalamt wird der erste Tag ausklingen.

Kampf mit geistigen Mitteln

We. Passau, 1. September. (Eigener Drahtbericht,) Bei der Eröffnung des Katholikentages in Passau hat Professor Shuster eine Ansprache des amerikanischen Oberkommissars McCloy verlesen. Der Oberkommissar ruft die Deutschen auf, nicht an der Sache des Friedens zu verzweifeln, sich aber auch nicht von falschen Friedenspropagandisten überwältigen zu lassen. Die am längsten anhaltende Revolution, von der die westliche Welt wisse, sei durch die ersten Glaubenskämpfe der Christen ausgelöst worden. Der eigentliche Kampf müsse auch heute mit geistigen Waffen ausgetragen werden.

Ministerpräsident Dr. Ehard bezeichnete das Zurückfinden zur einzigen echten Mitte des Abendlandes, zum christlichen Glauben, als die aktuellste Forderung der Gegenwart. „Stellt Euch in die Furcht Gottes und Ihr werdet alle Furcht verlieren.“ In der sozialen Frage, von der sämtliche Probleme der Gegenwart durchdrungen seien, begegneten sich Christentum und Welt auf der Ebene des praktischen Handelns.

Gindeutige Mehrheit für Malan

Johannisburg, 1. September. (AP.) Bei den Wahlen in Südwestafrika hat die Nationalistenpartei unter Führung des südafrikanischen Premierministers Dr. Malan einen überwältigenden Sieg errungen. Die Partei hat nach den amtlichen Wahlergebnissen alle sechs Sitze gewonnen, die Südwestafrika im Parlament der Südafrikanischen Union zugeteilt wurden. Bei den Wahlen für die gesetzgebende Versammlung von Südwestafrika erhielt die Nationalistenpartei fünfzehn von den achtzehn Sitzen und die Unionspartei drei. Die unter Führung der Nationalisten stehende Regierung besitzt jetzt eine Mehrheit von zwölf Abgeordneten in der gesetzgebenden Versammlung der . Union und ihre Mehrheit im Senat erhöht sich von einem auf fünf Sitze.

Kesselwagen verschwunden

er. Berlin, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) 87 Kesselwagen, die im amerikanischen Sektor Berlin in Tempelhof auf einem Abstellgleis gestanden haben, sind verschwunden. Die Wagen, die nicht der kommunistischen Reichsbahndirektion Berlin gehören, sind abtransportiert worden. Fahndungen der West-Berliner Polizei und der Militärpolizei blieben bisher erfolglos. Es wird angenommen, daß sich die Waggons im Ostsektor befinden. Die sowjetische Besatzungszone hat für den Transport von synthetischem Treibstoff nach der Sowjetunion großen Bedarf an Kesselwagen, weil mehrmals Kesselwagenzüge auf der Fahrt durch Polen von Partisanen beschossen worden sind.

Kaffee dürfen die amerikanischen Angestellten der Besatzungsbehörden in Zukunft nicht mehr in die Bundesrepublik einführen, damit, wie ein amerikanischer Sprecher erklärte, die Bonner Regierung in ihrem Bemühen unterstützt werde, das Steuerproblem zu lösen und den Schmuggel auf ein Mindestmaß herabzudrücken.

Stimmen der Anderen

Befremdliche Maßnahmen

Dem „Deutschland - Union-Dienst“ wird berichtet: „In Kaditz bei Dresden befand sich ein-

mal eine Luftschiffhalle. Als sie nicht mehr gebraucht wurde, wurde sie verkauft. Vor kurzem wurden ihre drei Hallen beschlagnahrrit und als Speicher' für Vorräte in Getreide und Kartoffeln vorgesehen, eine Maßnahme, die für die normale Lagerung von Getreide und Kartoffeln bisher nie in Anspruch genommen wurde.

In den Schlachthöfen, namentlich in Dresden und Leipzig, werden täglich 1000 Schweine und 1000 Hammel geschlachtet und in die Kühlhäuser gehängt. Auch das ist eine Maßnahme, die bei einer normalen Bewirtschaftung nie getroffen wurde.

In Märkisch-Buchholz, früher Wendisch-Buchholz bei Lübben, ist ein neues riesiges Lager der kasernierten Polizei entstanden. Dort wird die kasernierte Volkspolizei ausgebildet. Auch die Zittauer Kasernen sind voll belegt. Die Nachtzüge von Dresden nach Zittau am Samstag und Sonntag sind überfüllt von Urlaubern der Volkspolizei.

Auf Rügerr wurden Kräfte der Volkspolizei zusammengezogen, die zunächst nach Warschau, dann nach Moskau kamen und dann in Nordkorea eingesetzt wurden. Den Angehörigen wird auf ihre Fragen geantwortet, daß sich diese Polizeikräfte auf einem Ausbildungslehrgang befänden und daß Nachrichten über eine Feldpostnummer zu erwarten seien. Verlustlisten der in Korea kämpfenden Deutschen sind aber schon bekannt geworden. TV' A Kai rla.C

Die Wismuth-AG. hat bei Zittau das Schürfen nach Uranerz begonnen. Die Silber- und Goldadern werden nicht beachtet, sondern nur die Uranvorkommen werden ausgewertet.

Es war den Unternehmen bisher ausdrücklich gestattet gewesen, daß alle Bezüge aus den HO.-Läden für Benzin, Autoreifen usw. als Ausgabe verbucht werden dürfen. Im Juli 1950 ist eine Verordnung erlassen worden, die diese Möglichkeit rückwirkend vom 1. 1. 1949 an aufhebt. Die Folge davon ist, daß die Unternehmen mit der Differenz des HO.-Preises zum 1944-Stopp-Preis zusätzlich zu Einkommensteuer veranlagt werden.

Klug und großmütig

P. H. Simon untersucht in der Zeitung „L’Aube“ die Möglichkeit, deutsche Landarbeiter in Frankreich anzusiedeln. Er weiß, daß Westdeutschland durch die Uebervölkerung vor schweren Problemen steht, und schreibt:

JSS ist nient noug, irei uns u«: zu Rate zu ziehen, um zu wissen, daß Frankreich noch ein Tätigkeitsfeld für eine Landbevölkerung besitzt. Läge es nicht auf der Linie der deutsch-französischen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebier, deren erste Phase die Montanunion darstellen soll, daran zu denken, einen gewissen Ueberschuß der deutschen bäuerlichen Arbeitskräfte auf französischem Bo-

Ueber die Verwirklichung einer solchen Initiative müßte noch verhandelt werden Die Gefahr, die eine Ansiedlung von einigen zehntausend deutschen Bauern in Frankreich mit sich brächte, könnte man In Kauf nehmen; die französische Landbevölkerung ist sehr wohl fähig, die Angehörigen anderer Nationen, die sich ihr in einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft verbinden, zu assimilieren. Man kann diese Dinge überdenken und sie niederschreiben, ohne dabei zu vergessen, daß die Deutschen zweimal in diesem Jahrhundert Frankreichs Feinde waren. Würde es nicht gerade, denen, die sich seinerzeit den bewaffneten Unterdrückern nicht beugten, gut anstehen, wenn sie heute für die Auswanderer im Elend ein Wort einlegten,“

Keine Verlängerung der Dienstzeit soll vorläufig in Frankreich vorgesehen werden, weil, wie es aus amtlicher Quelle heißt, die französische Rüstungsindustrie noch nicht in der Lage sei, eine größere Armee auszurüsten.

Hölle wo ist Dein Sieg !

ROMAN VON RACHEL FIELD

1)

Erstabdruck - Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg

Die Kinder seien zu oft Zeuge von Streitigkeiten -zwischen den Eltern. Um sie handele es sich ja gerade am häufigsten bei diesen Meinungsverschiedenheiten. Der Herzog hege eine tiefe Liebe zu seinen Kindern und eine sehr entschiedene Auffassung davon, wie sie erzogen werden müßten. Die Herzogin, arme Frau, kränke diese Einmischung ihres Mannes in ihren Pflichtenkreis — und wer könne ihr das verübeln? Unter diesen Umständen bedürfe es eines außergewöhnlichen Taktgefühls und Verständnisses auf seifen der Erzieherin.

Henriette war mit keiner übergroßen Begeisterung auf den Vorschlag des Vermittlers eingegangen. Am ersten April, patte sie versprochen, wollte sie sich in Paris bei den Praslins vorstellen. „Und das ist übermorgen", dachte sie. „Goff weiß, ob ich in dem Haushalt alt werde!“

Doch hafte der Gedanke an ihre neue Tätigkeit keine Schrecken für sie. Die Schwierigkeiten, die sie mit sich bringen mochte, würden wenigstens für eine gewisse Abwechslung sorgen. In einem Hause, in dem man in jeder Ecke ein Pulverfaß vermuten mußte, das jeden Augenblick in die Luft gehen konnte, würde man gewiß nicht an Langeweile sterben. Sie holte jetzt die englische Zeitung hervor, die sie noch vom Vortage ungelesen bei sich trug. Es war die Times, und, schon jetzt kamen ihr die Nachrichten und Neuigkeiten, die sie da las wie Mitteilungen aus einer fremden

Welt vor, der sie doch noch gestern erst als menschliches Stäubchen angehört hatte. Nur den Bericht, daß Rachel, die größte Tragödin ihrer Zeit im Begriff stehe, den Kanal zu überqueren, um London mit ihrer unvergleichlichen Kunst bekanntzumachen, las rfenriette Wort für Wort. In ihren Äugen wog eine große Schauspielerin alle königlichen Familien Englands und Europas auf. Sie nahm sich fest vor, wenigstens einmal jenes blasse Gesicht, jene großen, leuchtenden Augen zu sehen, jene tiefe, klangvolle Stimme zu hören, die ganz Paris ergriffen hatte — nicht zum wenigsten die steifgeschnürfe Bourgeoisie, die das Privatleben der Künstlerin aufs tiefste mißbilligte, sich dadurch aber nicht davon abhalfen ließ, in Tränen aufgelöst dem Wunder ihres Zaubers zu verfallen, der bis in die letzte Reihe der Galerie reichte. „Wo ich,“ sagte sich Henriette und faltete ihre Zeitung zusammen, „höchstwahrscheinlich sitzen werde, falls ich überhaupt jemals das Glück habe, einen Platz zu ergattern."

Zweites Kapitel

Madame Le Maire’s Hauswesen, in der Reihe schäbiger Gebäude der Rue du Harlay, im ärmlichen Quartier Marias, war nicht so leicht unter einen bestimmeinzuordnen. Halb Pensionat, halb Fremdenheim, hatte es in seinen schmalen, hohen Wohnschlafzimmern und dumpfigen Salons seit Jahren eine ununterbrochene Folge von Studenten aus aller Herren Länder beherbergt und was sich sonst an zufälligen Pilgern nach Paris einfand, soweit die erstaunlich ausdehnbaren GrößenverhälfniSse der Räumlichkeifen es nur irgend zuließen. Madame ..e Maire könnte vielleicht am besten durch ihre Spezialität beschrieben werden, die ohne elterlichen Schutz dahintreibende Weiblichkeit bei sich aufzunehmen, wenn sie auch strikt darauf achtete, daß die Moral und die Zahlungsfähigkeit ihrer Gäste über jeden. Zweifel erhaben blieben.

„Ich verlange von dem bon Dieu und meinen Gästen weiter nichts,“ pflegte sie allen, die es hören wollten, zu erklären, „als daß meine Bücher bis auf den letzten Sou stimmen und kein Polizist jemals seinen Fuß über meine Schwelle setzt. Nun, ich habe mich bisher nicht beklagen können.“

Henriette Desporfes und Madame Le Maire waren alte Bekannte. Henriette hafte sechs Monate in dem alten Haus zugebracht damals, als sie die Klosterschule verließ, um ihr Malsfudium forfzusetzen. Seit der Zeit war sie öfter zu kurzen Besuchen wiedergekommen. Erst im vergangenen Jahr hafte sie einen ganzen Monat dort gewohnt, während die Hislops die Ferienwochen in der Schwejz verlebten. Als sie jetzt in einer Chaise vom Bahnhof ankam, hieß Madame Le Maire sie mit merklichem Wohlwollen, doch ohne die überschwengliche Herzlichkeit des Hausdieners Pierre willkommen.

„Mademoiselle kehren mit dem Frühling zurück', sagte der gute Alte, als er sich mit ihren Sachen belud und ihr in die vertraute kleine Diele veranschriff. „Q-erade vorgestern hörte ich im Boi.s den ersten Vogel singen, und als ich von meiner Besorgung nach Hause kam, ist Madame gerade dabei, das .Nadelöhr' herzurichfen, weil Mademoiselle sich angemeldet hat.“

„Also wieder einmal das Nadelöhr!“ Henriette lächelte bei der Erwähnung dieses winzigen Loches von einer Mansarde, das sie so genau kannte. Infolge seiner Kleinheit und Ungemütlichkeit und wegen der vier steilen Treppen, die man zu ihm hinaufkletfern mußte, gelang es sogar Madame Le Maire nur selten, es für längere Zeit zu vermieten; aber so oft sie es möglich machen konnte, mußte das Zimmerchen für ein vollwertiges Zimmer herhalten.

„Na schön“ — Henriette tauschte einen sprechenden Blick mit Pierre — „diesesmal macht mir der Vorschlag nichts aus, da ich ohnehin nur zwei Tage bleiben werde.“

„Mademoiselle will uns schon verlassen, und eben erst ist sie angekommen —“ meinte Pierre mit einem bedauernden Wiegen seines alten Kopfes. „Nicht Paris, Pierre, nur das Nadelöhr. Ich bleibe jetzt endgültig hier — das heißt —"

Beim Anblick der straffen, fest geschnürten Gestalt ihrer Wirtin, die oben auf der Treppe erschien, brach sie ab. Die beiden Frauen umarmten sich nicht. Sie haften sich niemals mit so unprofitablen Gesten abgegeben. Sie begegneten sich, wie seit jeher, aut der Basis gegenseitiger Hochachtung und verständnisvoller, würdigender Bewunderung für die Fähigkeiten der anderen.

„Wirklich, Mademoiselle“, begrüßte sie Henriette. „Sie hätten mir schon die Ehre an tun können, mich ein wenig rechtzeitiger aut Ihre Ankunft vorzubereifen. So ist es mir nur ganz durch Zufall und nach größerem Hin und Her gelungen, Sie noch unterzubriagen.“ „Es war sehr gütig , von Ihnen, Madame, mir dies Versäumnis nicht übelzunehmen“, sagte Henriette. „Ich mußte mich, ganz plötzlich entschließen und habe Ihnen dann sofort geschrieben. Hoffentlich habe ich Ihnen keine zu großen Ungelegenheifen verursacht.“

„Nein, nein!“ Madame Le Maire schien besänftigt. „Ich tue gern, was in meinen Kräften steht. Leider hatte ich nur noch ein ganz kleines Zimmerchen ganz oben im Hause frei. Sie erinnern sich vielleicht —“

„O ja, sehr gut!" Henriette widerstand der Versuchung, zu lächeln und das Nadelöhr bei Namen zu nennen. „Sie haben also London endgültig den Rücken gekehrt, Mademoiselle? Freuen Sie sich, wieder in Paris zu sein, für immer diesmal, wie es scheint?“

„Ich bin sehr froh, Madame aber auf immer — wer kann das wissen? Ich wage das jedenfalls nicht vorauszusagen.“ „Da haben Sie recht; auf dieser Welf ist nichts gewiß — nur der Tod; und wenn Jahre etwas zu bedeuten haben, werde ich eher mit ihm zu tun bekommen als Sie.“

„Wer seine Jahre mit solchem Charme zu fragen versteht, braucht sich doch nicht um ihre Zahl zu kümmern." Henriette kannte Madarnes Angst vor dem Älfwerden. Sie war immer geneigt gewesen, die Komödie mitzuspielen, die Madame zur Verheimlichung ihres Alters aufführfe, statt sie deshalb auszulachen.

„Aber wenn ich ,aut immer' sagte —“ kam Henriette aul die erste krage Madames zurück, „meinte ich nur, daß man in einer neuen Stellung niemals auf etwas mit Gewißheit rechnen kann, und meine künftige Tätigkeit scheint mir ihre gewissen Schwierigkeiten zu haben." „Volle neun, wenn ich über die Praslins recht unterrichtet bin. Nicht wahr, Sie schrieben mir doch, daß es sich um die Familie des Herzogs und der Herzogin handelt?" (Fortsetzung folgt.)

Wieder Griechenland

Ha. Ueber die albanische Grenze ist eine kommunistische Partisanen-Abteilung in Griechenland eingedrungen. Dazu erklärte Dimitri Vlantas, Minister der früheren kommunistischen Regierung in Griechenland, daß die bolschewistischen Partisanen neu gruppiert und bereit seien, zum „siegreichen Endkampf“ anzutreten.

Vor einem Jahr wurden die kommunistischen Banden aus Griechenland vertrieben. Die Athener Regierung hatte den Bürgerkrieg gewonnen. Aber in der Zwischenzeit wurden — nach Angaben eines Gefangenen — neue Partisanengruppen in Polen ausgebildet und vor vierzehn Tagen in dem Hafen Gdingen bei Danzig nach Albanien eingeschifft. Moskau hatte nur eine Atempause eingelegt. Der Kampf soll also anscheinend weitergehen.

Griechenland ist innerhalb des Verteidigungssystems der Westmächte ein politischer und militärischer Brückenkopf. Griechenland hat daher als, einer der ersten Staaten Unterstützung aus dem wirtschaftlichen und militärischen Hilfsprogramm Amerikas erhalten.

Die Partisanen-Einheiten, die mit den Regierungstruppen in den Grenzgebirgen an der albanischen Grenze im Gefecht liegen, sind im übrigen bei weitem nicht so stark, daß man ein zweites Korea im Südosten Europas befürchten müßte. Zudem richten sich die Politik des Kominform und die Vorbereitungen des sowjetischen Generalstabes zur Zeit in erster Linie gegen Jugoslawien, da die Russen den Ring der Satelliten-Staaten schließen, also ein freies Hinterland schaffen wollen.

Ein neuerlicher Kleinkrieg in Griechenland soll offenbar dazu bestimmt sein, Nervosität im Westen zu verbreiten. Denn es ist das Ziel des Kreml, alle Menschen außerhalb seiner Grenzen in einen Zustand ständig sich steigender angstvoller, den Widerstandswillen lähmender Hysterie zu versetzen. Diese Taktik gehört zu der psychologischen Kriegführung der Sowjets genau so wie die Wühlarbeit der Untergrundbewegungen.

Der Sicherheitsrat nun unter Jebb

Südkoreaner nahmen an der Sitzung teil

Lake Success, 1. September. (AP.) Unter dem Vorsitz des britischen Delegierten Sir Gladwyn Jebb ist der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Freitag erneut zusammengetreten. Auch der sowjetische Delegierte Jakob Malik war erschienen. Die Teilnahme Maliks war bis kurz vor Beginn der Sitzung ungewiß.

Ohne Debatte nahm der Sicherheitsrat die Tagesordnung an, die die Behandlung des Koreakonfliktes, der Formosa-Frage und der angeblichen amerikanischen Luftangriffe in der Mandschurei

Anschließend lud der britische Vorsitzende den Vertreter Südkoreas ein, am Tisch Platz zu nehmen. Malik erklärte darauf, daß nicht nur Südkorea, sondern auch Nordkorea an der Sitzung teilzunehmen habe. Es stelle eine „unglaubliche Verzerrung“ der Charta der Vereinten Nationen dar, wenn die Vereinigten Staaten als Angreifer am Tisch säßen, während dem Opfer (Nordkorea) die Teilnahme verweigert werde.

Der südkoreanische Vertreter Chang hatte bereits vor der Erklärung Maliks am Tisch Platz genommen. Mit unbewegtem Gesicht lauschte er den Worten des sowjetischen Delegierten.

Sir Gladwyn antwortete Malik, daß Chang bereits am 25. Juni, dem Tage des Ausbruchs des Koreakonfliktes, von dem Sicherheitsrat eingeladen worden sei und er daher keine andere Wahl habe, als den südkoreanischen Vertreter an den Tisch zu bitten.

An der Sitzung nahm auch der Generalsekretär der UN, Trygve Lie, teil, der erst aus Norwegen zurückkehrte.

Die Besatzungstruppen

Truman: Verstärkung nicht vorgesehen

Washington, 1. September, (dpa) Präsident Truman hat vor Pressevertretern erklärt, daß er gegenwärtig nicht beabsichtige, die in der Deutschen Bundesrepublik stationierten amerikanischen Streitkräfte zu verstärken.

Zur Formosa-Frage sagte der Präsident, die siebente Flotte werde aus den Gewässern um Formosa zurückgezogen, sobald der Krieg in Korea beendet sei. Die Neutralisierung Formosas durch die siebente Flotte sei eine Flankensicherung, solange die Kämpfe in Korea noch andauerten. Ueber die Zukunft Formosas werde im Rahmen des japanischen Friedensvertrages entschieden. Der Zwischenfall mit General Mac Arthur über die amerikanische Formosa-Politik sei beendet.

Auf den Einwand, daß sich die Staaten des Atlantikpaktes vielleicht weigern könnten, in angemessener Weise aufzurüsten, erwiderte der Präsident, die Paktstaaten hätten bei ihren Bemühungen zur Rüstungssteigerung bereits gute Ergebnisse erzielt. Ihre Rüstungsmaßnahmen befänden sich aber noch in einem Vorstadium, und solange man noch die weiteren Entwicklungen abwarte, stehe es niemandem zu, ihnen Befehle zu erteilen.

Ais beste Friedensgarantie bezeichnete Truman die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung in den wirtschaftlich rückständigen Gebieten. Er forderte alle westeuropäischen Staaten auf, ihre Kontrollen über Exporte strategisch wichtigen Materials nach der Sowjetunion zu verschärfen.

Zu Erklärungen, daß Verteidigungsminister Johnson das Vertrauen des amerikanischen Volkes verloren habe, sagte Truman, Johnson habe ihn noch nie in Verlegenheit gebracht. Gegenwärtig seien auch keinerlei Umbesetzungen des Kabinetts geplant.

Kommunistische Kundgebung verboten

Eine Anordnung von Innenminister Zinnkann

Wiesbaden, 1. September. (AP.) Der hessische Innenminister Zinnkann hat eine für Freitag in Wiesbaden angekündigte Großkundgebung der Kommunisten verboten, auf der Bundestagsabgeordneter Oskar Müller über das „Thema „Der Weg der Deutschen Demokratischen Republik, der einzige Ausweg für die deutsche Nation“ sprechen sollte.

In der Begründung des Verbots heißt es, die Zielsetzung der Kundgebung stelle einen Angriff auf die Verfassung des Landes Hessen und der Bundesrepublik dar, da dieses Ziel nur durch eine Beseitigung der Bundesrepublik und ihrer Länder erreicht werden könne. Die Regierung könne ihre Verpflichtung, die Verfassung zu schützen, nur durch ein Verbot der Kundgebung erfüllen.

Gleichzeitig hat der hessische Innenminister alle Landräte und Oberbürgermeister angewiesen, sämtliche vom „Komitee junger Friedenskämpfer“, der „Freien Deutschen Jugend“ und ähnlichen „getarnten kommunistischen Organisationen“ geplanten Kundgebungen zur Ächtung der Atombombe“, „Erhaltung des Friedens“ und andere derartige Veranstaltungen zu unterbinden. Plakate und Propagandamaterial für solche Veranstaltungen seien sicherzustellen.

Der Minister erklärte zu dem Verbot, daß diese Versammlungen zu dem vom sogenannten „Nationalkongreß der Nationalen Front“ der SED eingeleiteten „Kampfprogramm des nationalen Widerstandes“ gehörten. Dieses Programm habe die Unterhöhlung der demokratischen Einrichtungen der Bundesrepublik und ihrer Länder zum Ziel und verstoße gegen die Verfassung.

In Frankfurt wurde von der Polizei auf diese Anweisung hin am Freitag eine für Samstag angesetzte Kundgebung des „Komitees junger Friedenskämpfer“ verboten, teilt die Polizei mit.

Auch mit Waffengewalt

Düsseldorf, 1. September. (AP.) Der Generalinspektor der Polizei von Nordrhein-Westfalen hat am Freitag mitgeteilt, das von der Freien Deutschen Jugend für den 1. Oktober in Dortmund angesetzte Treffen der hunderttausend Friedenskämpfer werde von der Polizei im Notfall mit Waffengewalt verhindert werden.

Parteitag der Freien Demokraten

Frankfurt. (LH.) Die Freie Demokratische Partei (FDP) Hessen wird vom 29. September bis 1. Oktober in Frankfurt einen Landesparteitag veranstalten, um die Partei auf die hessische Landtagswahl vorzubereiten, die für Anfang Dezember vorgesehen ist. Nach Sitzungen der Fachausschüsse am 29. September werden der Vorsitzende, August Martin Euler, und der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Karl Theodor Bleek, vor den Delegierten sprechen. Der Landesparteitag soll mit einer Kundgebung schließen, an der voraussichtlich auch Vizekanzler Blücher teilnehmen wird.

Chef der Volkspolizei

Berlin, 1. September, (dpa) Zum Chef der Volkspolizei ist Karl Maron mit dem Titel Generalinspekteur der deutschen Volkspolizei ernannt worden. Er ist der Nachfolger des verstorbenen ersten Volkspolizeichefs Dr. Kurt Fischer.

Schnellere Frachter

Forderungen der deutschen Reeder

el. Hamburg, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Schiffsreeder, Professor Riensberg, hat zur Konferenz der drei Außenminister in Neuyork die Revision der Deutschland durch die Washingtoner und Petersberger Abkommen auferlegten Schiffsbaubeschränkungen, zumindest aber der Zwölf - Knoten - Grenze für Frachtdampfer, gefordert. Nach der Ansicht des Reederverbandes könne ein Ueberseeliniennetz nur mit Schiffen aufgebaut werden, die mindestens sechzehn Knoten in der Stunde liefen. 93 Prozent der 1949 im Ausland in Dienst gestellten Schiffe besäßen eine Geschwindigkeit von mehr als 15,6 Knoten. Der Bruttofrachtbetrag, welcher der Bundesregierung durch den Transport von Ein- und Ausfuhren auf fremden Schiffen jährlich verlorengehe, werde auf dreißig Millionen Dollar geschätzt.

Revisionswünsche für Neuyork

Eine Denkschrift Adenauers überreicht

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 1. September. Der Bundeskanzler hat auf seiner letzten Besprechung auf dem Petersberg der Oberkommission eine Denkschrift über die Revision des Besatzungsstatuts überreicht, die bei dieser Gelegenheit erörtert worden ist. Oberkommissar McCloy hatte vor seiner Abreise aus Deutschland außer dem Memorandum zur Sicherheitsfrage auch ein Exemplar dieser Denkschrift erhalten.

Das Zögern der deutschen Stellen, der Oeffentlichkeit von der Ausarbeitung einer Denkschrift zur Revision des Besatzungsstatutes eine Mitteilung zu machen, wird in Bonner politischen Kreisen damit in Zusammenhang gebracht, daß bis vor kurzem noch eine merkliche Zurückhaltung der Regierungskreise gegenüber den Revisionsverhandlungen der Besatzungsmächte zu verzeichnen gewesen sei. Es wird erklärt, daß die Revision zweifellos vom Bundeskanzler auf dem Petersberg und in Einzelgesprächen erörtert und auf diese Weise auch der Londoner Sachverständigenkonferenz die deutsche Auffassung übermittelt worden sei. Eine schriftliche Darlegung der deutschen Wünsche sei jedoch anscheinend zunächst nicht für nötig gehalten worden. In Regierungskreisen sind die nicht erfreulichen Berichte über die Ergebnisse des Londoner Revisionsausschusses sehr aufmerksam aufgenommen worden, und ebenso die Ankündigung, daß die Außenministerkonferenz in Neuyork nur grundsätzliche Beschlüsse fassen könne, und mit einer wirklichen Revision erst zwischen Herbst und Frühjahr zu rechnen sei. Auch in jenen Kreisen, die glaubten, daß eine Revision zwangsläufig kommen werde, konnte nicht befriedigen, daß der bisher genannte Revisionstermin, der Herbst, einen platonischen Charakter erhaLen hatte.

Audi der betonte Hinweis von alliierter Seite, daß die Bundesregierung selbst bei dem Zugeständnis eines Außenministeri-

ums in allen Angelegenheiten, die den internationalen Status Deutschland betreffen, weiter mit der Oberkommission verhandeln müsse, kann den Vorstellungen des Kanzlers von der Notwendigkeit unmittelbaren Kontaktes mit den westlichen Regierungen nicht gerecht geworden sein. Von alliierter Seite war diese Einschränkung der außenpolitischen Bewegungsfreiheit auch nach einer Revision mit dem Hinweis verbunden worden, daß der Bundesrepublik das größtmögliche Maß von Souveränität gewährt werden solle, das mit der Basis eines Besatzungsstatutes zu vereinbaren sei. Da augenscheinlich aber dieses Maß immer noch zu gering ist, muß sich die Frage stellen, ob nicht die Basis eines Besatzungsstatutes überhaupt geändert werden müsse. Damit gewinnt die Frage einer Beendigung des Kriegszustandes augenscheinlich ein großes Gewicht.

In der deutschen Oeffentlichkeit sind seit langem schon Stimmen laut geworden, daß das Besatzungsstatut als solches keine Basis der Beziehungen der Bundesrepublik zu einem Westen sein könne, in dessen Gemeinschaft sich das deutsche Volk unter Opfern und Risiken eingliedern solle. Es ist nicht ausgeschlossen, daß jetzt auch von der Bundesregierung diese grundsätzliche Auffassung aufgeworfen worden ist, daß eine ganz neue Plattform der deutsch-alliierten Beziehungen die beste Revision wäre.

Für die Wiederbewaffnung

Ottawa, 1. September, (dpa) Der kanadische Außenminister Pearson hat gefordert, daß die deutsche Bundesrepublik aus Sicherheitsgründen wieder bewaffnet werden solle. Dies sei notwendig, weil sich die Ereignisse von Korea in einem weit größeren Außmaß im Westen Deutschlands wiederholen könnten.

Der Außenminister sprach sich außerdem offen gegen einen Präventivkrieg aus.

Leitende Funktionäre ausgeschlossen

Die Säuberungswelle in der Sowjetzone

Drahtbericht unseres Korrespondenten

er. Berlin, 1. September. Das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“ hat am Freitag einen sensationellen Beschluß des Zentralkomitees der Partei veröffentlicht. Danach wurden auf der zweiten Tagung des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei am 24. August einige leitende Funktionäre der Sozialistischen Einheitspartei wegen „Verbindung mit amerikanischen Agenten“ aus der Partei ausgeschlossen, beziehungsweise aller ihrer Funktionen enthoben. Das Politbüro faßte folgenden Beschluß: „Wegen Verbindung mit dem Agenten der amerikanischen Spionage Noel H. Field und umfangreicher Hilfe für den Klassenfeind wurden Paul Merker, Leo Bauer, Bruno Goldhammer, Willi Kreikemeyer, Lex Ende und Maria Weiterer aus der Partei ausgeschlossen. Die Genossen Bruno Fuhrmann, Hans Teubner, Walter Beling und Wolfgang Langhoff, deren Tätigkeit nur zu einer mittelbaren Unterstützung des Klassenfeindes führte, werden aller ihrer Funktionen enthoben.“

Die zehn Genannten gehören zu der ersten Garnitur der Kommunistischen Partei. Paul Merker war bisher Staatssekretär im sowjet-deutschen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Leo Bauer war Chefredakteur des kommunistischen Deutschlandsenders, Bruno Goldhammer Chefredakteur des kommunistischen Berliner Senders und Abteilungsleiter im sowjet-deutschen Informationsamt. Als Generaldirektor leitete Kreikemeyer die sowjet-deutsche Eisenbahn der Sowjetzone. Lex Ende, der frühere Chefredakteur des Zentralorgans der Sozialistischen Einheitspartei „Neues Deutschland“, war zuletzt Chefredakteur der kommunistischen „Friedenspost“. Wolfgang Langhoff ist der Intendant des „Deutschen Theaters“ in Ost-Berlin und Nationalpreisträger. Walter Beling war Mitglied des Parteivorstandes der Sozialistischen Einheitspartei und auch des Zentralsekretariats.

Alle von den Maßnahmen des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Betroffenen waren während der Hitlerzeit führende kommunistische Emigranten in der Schweiz, Südfrankreich und Mexiko. Lex Ende, Kreikemeyer und Beling bildeten in Marseille die Leitung der kommunistischen Emigranten. Besonders wird den Betroffenen mangelndes Verständnis gegenüber der Sowjetunion vorgeworfen. Sie sollen 1939 kein Verständnis für den Abschluß des

deutsch-sowjetischen Paktes gehabt und „den Verleumdungen der trotzkistischen Agenten des Imperialismus gegen die Sowjetunion geglaubt haben“. Außerdem wird ihnen der Vorwurf gemacht, die Entfaltung einer antifaschistischen Widerstandsbewegung in Frankreich sabotiert zu haben, indem sie die politische Aufklärungsarbeit unter den deutschen Emigranten unterlassen und sie bewußt vom Kampfe abgehalten haben sollen. Die Untersuchungen beim Zentralkomitee sind noch keineswegs abgeschlossen, so daß mit weiteren Ausschließungen zu rechnen ist.

Auswanderungs-Anträge

el. Hamburg, 1. September. (Eigener Drahtbericht.) Das amerikanische Generalkonsulat für Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hat seit dem Erlaß der Einwanderungsbestimmungen im September 1948 mehr als 98 000 Auswanderungsanträge erhalten. Bisher haben 3259 deutsche Antragsteller ein Visum für die Vereinigten Staaten erhalten. 63 000 Auswanderungslustige, die in den Vereinigten Staaten ein neues Leben beginnen wollen, stehen auf der Warteliste. Die übrigen Anträge sind abgelehnt worden.

Film über die Volkszählung

F. A. Z. Frankfurt, 1. Sept. In rund 1200 Lichtspieltheatern des Bundesgebietes wird jetzt im Beiprogramm ein Film gezeigt werden, der die Bevölkerung über die Ausführung und den Zweck der Volks- und Berufszählung am 13. September aufklären soll. Die Zählung, die sowohl im Bundesgebiet als auch in der Sowjetzone abgehalten wird, verfolgt den Zweck, zum ersten Male nach dem Krieg das soziologische und wirtschaftliche Gefüge statistisch zu erfassen.

Holz sparen

Berlin, 1. September. (AP.) Zur Einsparung von Bauholz und zur Förderung fortschrittlicher Bauweisen ist jetzt durch eine Regierungsanordnung innerhalb der Sowjetzone die Errichtung von Holzgerüsten bei Bauarbeiten an Gebäuden verboten worden.

Autoeschlange bei Helmstedt

Helmstedt, 1. Sept. (AP.) Die seit Donnerstag verschärfte russische Kontrolle am Zonenübergang Helmstedt hält unvermindert an. Am Freitag warteten auf der britischen Zonenseite der Autobahn 140 bis 150 Lastkraftwagen auf die Durchfahrt nach Berlin. Auf der östlichen Seite waren es etwa 100.

„Land der Verbannung“

Im Gebiet von Allenstein

EDMO. Eine längere Fahrt kreuz und quer durch die von den Polen als Woiwodschaft „Olsztyn“ (Allenstein) bezeichnete Landschaft läßt den Eindruck zurück, die Polen hätten im südlichen Ostpreußen nur in den wenigen erhalten gebliebenen Städten etwas für den Aufbau getan. Unter anderem wird der Verwaltungshauptstadt von Ermland und Masuren besonderes Interesse gewidmet, man will aus Allenstein eine Großstadt machen. Die Stadt, die zu 45 Prozent zerstört war, ist fast ganz wiederhergestellt und zählt heute 35 000 Einwohner. Unter ihnen leben noch etwa fünfhundert Deutsche. Das alte Rathaus, in dem Teile der Thorner Universität untergebracht sind, ist wieder hergestellt. Der Bahnhof ist neu und modern errichtet. In der Stadt herrscht lebhafter Verkehr. Die zahlreichen Autos sind fast alle deutscher Herkunft und stammen aus älteren Baujahren. Allenstein ist zu einem beliebten Erholungsort geworden, und die im vorigen Jahr erweiterten Reisemöglichkeiten bringen viele Erholungsuchende nach Ostpreußen.

Zerstörte Städte — verwahrloste Gehöfte

In der Woiwodschaft, die ungefähr dem früher von 1,5 Millionen Menschen bewohnten ostpreußischen Regierungsbezirk Allenstein entspricht, leben heute etwa 800 000 Polen. Alle Städte wurden durch die Kriegsereignisse stark mitgenommen. Lediglich die Kleinstadt Rößel ist wie durch ein Wunder erhalten geblieben. Die Ruinen des' letzten Krieges, der hier furchtbar gewütet hat, sind im südlichen Ostpreußen bisher nur zum kleinen Teil wieder aufgebaut. Die Industrialisierung, die in anderen besetzten Ostgebieten in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, ist hier kaum zu bemerken. Die prachtvollen, aus Nadelholz und Laub gemischten und von fischreichen, weitverzweigten Seen unterbrochenen Wälder, sind im Gegensatz zu den schlesischen Wäldern in gutem Zustande geblieben. Die landwirtschaftliche Nutzung ist sehr schlecht. Es mangelt an Menschen und Maschinen. Viele abgelegene, kleinere Gehöfte stehen leer und sind verwahrlost. In den Wäldern treiben sich ganze

Schwärme von Wildschweinen umher.

Während meiner Reise fand ich verschiedentlich auf großen Gutshöfen nur ein paar polnische Familien mit ihrem kleinen Viehbestand vor. Es gibt heute in Ostpreußen große, ehemals ertragreiche Gebiete, die wirtschaftlich nur bis zu 25 Prozent genutzt werden. Manche Familien haben sich zusammentun müssen, um mit nur einem zur Verfügung stehenden Pferd das Land halbwegs bewirtschaften zu können. Lediglich auf den Staatsgütern wird intensiver gewirtschaftet, da diese Güter mit landwirtschaftlichen Maschinen ausgestattet wurden. Es geschieht sehr wenig, um diese Lage zu bessern, weil die polnische Regierung wesentlich mehr daran interessiert ist, Grenzgbiete der Oder-Neiße-Linie zu besiedeln. Ganz besonders macht sich der Mangel an Handwerkern, überhaupt an jeglichen Fachleuten bemerkbar. Verschiedene polnische Tischler und Schuhmacher, die aus dem Gebiet von Wilna nach hier umgesiedelt wurden, flüchteten nach mehrmonatigem Aufenthalt in die westlichen Gebiete, wo sie bessere Arbeits-. und Lebensbedingungen vorfanden. Dadurch war es möglich, daß noch einige deutsche Handwerker in ihren alten Werkstätten verbleiben durften.

Die Kornkammer führt Getreide ein

Da dem Menschenmangel in dem von Polen besetzten Ostpreußen aus dem eigenen Volkstum nicht abgeholfen werden kann, wird versucht, die zum Abtransport bestimmten Deutschen mit Gewalt zurückzuhalten. Teilweise haben diese schon ein Jahr lang ihren Ausweisungsbefehl in Händen. Ihr Abtransport nach Deutschland wird aber immer wieder hinausgezögert. Die polnische Regierung ist nunmehr gewillt, wie aus einer Meldung der polnischen Zeitung „Allensteiner Nachrichten“ hervorgeht, die Deutschen hier zu belassen, wenn sie sich zu Polen bekennen und wenn sie nicht aktive Nationalsozialisten waren. Dabei stellt man sprachlich an die Masuren und Ermländer keine großen Anforderungen, sondern behandelt sie als „verdeutschte Polen“, die jetzt wieder als Polen „frei“ leben können.

Schauerartige Regenfälle

Eigener Wetterbericht

Das nahezu vierzehn Tage vor den Westküsten Europas gelegene hochreichende Tief ist über die Westalpen nach Osten gewandert. Sein Einfluß reicht nordwärts zeitweilig über die Pfalz hinweg bis in das Rheinland. Da gleichzeitig von Nordeuropa ein kräftiges Islandtief seine Randstörungen bis nach Mittelengland südwärts ausgreifen läßt, gelangt das Rheinland zeitweise unter Hochdruckeinfluß.

Aussichten: Anfangs noch stark bewölkt mit schauerartigen Regenfällen. Ziemlich kühl, nordöstliche Winde.

Der Rundfunk am Sonntag

RADIO FRANKFURT: 6.00 Morgenständchen; 7.20 Frühkonzert aus Bad Schürf; 9.30 Kammermusik-Matinee; 10.00 Uebertragung des Pontifikalamtes aus Passau; 11.30 Volkstümliches Konzert; 13.00 Virtuose Musik: 14.30 Fröhliches Nüsseknacken mit dem Kasperle; 15.15 Meister ihres Faches; 15.30 Deutscher Katholikentag in Passau: 17.00 Gute Unterhaltung, liebe Hörer; 20.00 Was wird hier gespielt?; 21.15 Ottorine Respighi; 22.10 Sportberichte; 22.30 Das Herz des Mister Barclay; 23.00 Tanzmusik.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.00 Immer wieder neue Lieder; 14.00 Stunde des Chorgesangs; 15.00 Unterhaltungsmusik; 15.30 Deutscher Katholikentag 1950 in Passau; 17.00 Sinfoniekonzert: 18.30 Unterhaltungskonzert; 19.30 Der Sport am Sonntag; 20.05 Musik für jedermann; 22.20 Im Rhythmus der Freude; 24.00 Tanzmusik.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Johann Sebastian Bach: 13.30 Chöre alter Meister; 14.15 Frohe Melodien; 15.00 Kinderfunk; 15.30 74. Deutscher Katholikentag 1950; 17.30 Das SWF-Unterhaltungs-Orchester; 18.15 Die Sportreportage; 19.20 Kleine Abendmusik: 20.00 Sinfonie-Konzert; 21.30 Wir tanzen; 23.00 „Kursus über Eheglück“; 23.30 Fröhlicher Ausklang.

Wirtschaftsblatt

Kunstgetränkesteuer?

Hi. Das Bundesfinanzministerium arbeitet zur Zeit einen Gesetzentwurf über die bereits angekündigte Kunstgetränkesteuer aus. Da diese Steuer sämtliche Kunstgetränke wie gefärbtes Mineralwasser und Limonade einbeziehen wird, wird unter diese Steuer hauptsächlich auch Coca-Cola fallen.

Ernährungsministerium zögert

vwd. Seit zwei Wochen wird im Bundesernährungsministerium über ein Sonderangebot amerikanischer Rindfleischkonservenverhandelt, ohne daß bisher eine Entscheidung gefällt worden ist. Das Angebot stammt von der amerikanischen Regierung. Die Ware soll unter dem amerikanischen Marktpreis und zu rund einem Drittel des innerdeutschen Marktpreises abgegeben werden.

Freie DM-Einfuhr?

F. A. Z. Wie verlautet, berät die Bundesregierung gegenwärtig die Frage, ob eine freie Einfuhr von deutscher Mark aus dem Ausland in das Bundesgebiet zugelassen werden soll.

Aluminium für USA?

zr. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt, handelt es sich bei dem geplanten Vertrag über eine verstärkte deutsche Aluminiumproduktion für amerikanische Stellen, um ein rein privates Unternehmen. Danach soll griechisches Bauxit nach Westdeutschland gebracht und in den Aluminiumwerken Lünen und Töging verarbeitet werden. Da die deutschen Aluminiumbestände auf etwa 15 000 Tonen zurückgegangen sind, steht die Bundesregierung dem Zustandekommen dieses Vertrages wohlwollend gegenüber, obgleich die Einstellung der Demontage in Töging als fraglich bezeichnet wird. Auf alle Fälle würde durch dieses Geschäft das stilliegende Aluminiumwerk Lünen wieder in den Produktionsprozeß eingeschaltet werden können.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse schloß die Börsenwoche am Freitag an den meisten Aktienmärkten ausgesprochen freundlich bis fest. Der August-Ultimo wurde von den Banken verhältnismäßig leicht überbrückt.

Internationale Warenpreise

An den internationalen Rohstoffmärkten hat sich in der Woche zum 31. August der Preisstand, mit Ausnahme von Kautschuk, nicht wesentlich geändert. Baumwolle zog an.

Obwohl sich an der Chikagoer Ge - treidebörse die Notierungen im großen und ganzen gehalten haben, und obwohl das Ausfuhrgeschäft noch immer schleppend ist, hat sich doch in der Berichtszeit eine freundlichere Grundstimmung durchgesetzt. Die Neuyorker Kaffee börse war bei leicht steigenden Preisen teils unregelmäßig, teils stetig. Die Kauflust der Röstereien war nicht sehr stark.

Der Neuyorker Kakao markt war überwiegend stetig bis fest; die Notierungen zogen recht erheblich an. 1 Die erste Woll- Versteigerung in Sydney und in Adelaide’ließ die Preise gegenüber den Schlußauktionen der vorigen Saison für Merino Vliese in Schweiß um rund 50 Prozent hinaufschnellen Die Baum w o 11 preise stiegen an der Neuyorker Börse um durchschnittlich 11/«l1/« cts je Ib.

Deutsche NE-Metallpreise

Notierung für Kupfer (2. 9.) 239,50 DM; für Zinn (1. 9.) 923,— DM; Höchstpreise für Blei 139,— DM, für Hüttenzink 148,50 DM je 100 Kilo.

Rückzahlung von Auslandsschulden?

F. A. Z. Wie wir erfahren, schweben gegenwärtig Verhandlungen zwischen dem Bundesfinanzministerium und der Oberkommission, um die Formulierung der Durchführungsbestimmungen für die Entschädigung ausländischer Valutagläubiger. Die Durchführungsverordnung ist notwendig, um diese besondere Frage nach der grundsätzlichen Aufhebung des Kapitalembargos vom 15. 6. 1950 zu klären. Dort war vorgesehen, daß sich Gläubiger und Schuldner freiwillig über Art und Weise der Rückzahlung einigen sollten. Alliierte Dienststellen sind offenbar jetzt geneigt, den Gläubigern in der Durchführungsverordnung grundsätzlich ein Recht auf Rückerstattung zuzuerkennen. Die Gläubiger sollen allerdings darüber entscheiden können, ob sie die DM-Erlöse im Irland für Investitionszwecke belassen wollen. Sonst werden die Erlöse vermutlich auf Sperrkonten einzuzahlen sein. Eine Konvertierbarkeit in Devisen erscheint den deutschen Stellen beim gegenwärtigen Stand unserer Zahlungsbilanz nahezu ausgeschlossen. Eine solche Regelung der deutschen Valutaverbindlichkeiten würde nicht ohne Folgen für die deutschen Schuld-

ner bleiben. Vielfach haben diese ihre Reichsmark-Gegenwerte auf staatliche Sperrkonten einzahlen müssen, die zu neun Zehntel abgewertet würden. Andererseits besteht aber nach wie vor die Valutaschuld gegenüber den ausländischen Gläubigern. Diese Schuld müßte billigerweise vom Bund übernommen werden, da man den Firmen, die seinerzeit auf Anordnung des Reiches handeln mußten, nicht eine doppelte Abdeckung zumuten kann. Inwieweit der Bund dazu in der Lage ist, bleibt dahingestellt.

Bz. Hessenkauf-AG in Darmstadt. Bei der mit 40 000 RM AK ausgestatteten Gesellschaft (Großhandel in Kolonialwaren. Lebensrnitteln. Feinkost usw., Spedition und Lagerhausgeschäfte) ergab sich im letzten RM-Abschluß für die Zeit vom 1. 1. bis 20. 6. 1948 ein kleiner Neuverlust von 0,002 Millionen RM, der sich um den aus 1947 übernommenen Verlustvortrag auf 0,004 Millionen RM steigert. Der AR setzt sich zusammen aus: Otto Ohler (Vors.), Adam Lulay (stellvertr. Vors.) beide Darmstadt, Georg Lang in Gro߬ • Umstadt und Karl Zimbrich in Malchen. Bz. Biela Keramische Fabrik GmbH., Babenhausen. Die Liquidation ist beendet, die Firma erloschen.

Konjunktur bei Ackerschleppern

Hat die Landwirtschaft noch Kaufkraftreserven?

H. L. Nach den jetzt vorliegenden Umsatzergebnissen der Ackerschlepperindustrie für Juli haben sich hier gegenüber dem Monat Juli in einzelnen Leistungsklassen Umsatzsteigerungen um 50 Prozent und mehr ergeben. So zum Beispiel bei den Schleppern zwischen 12 und 17 PS, von denen im Juni 1136, im Juli dagegen 1810 Stück verkauft wurden. Der Gesamtumsatz in Ackerschleppern stellte sich im Juli auf 5032, gegenüber 3775 im Juni. Die Zunahme geht ausschließlich auf die verstärkte Nachfrage des Inlahdsmarktes zurück, während die Ausfuhr mit 1108 Stück auf dem Niveau der letzten Monate stehen geblieben ist. Bemerkenswerterweise ist die Zunahme der Inlandsumsätze größer als die Ausfuhrvolumen.

Mit diesen Zahlen liefert auch das Gebiet der Ackerschlepper ein Beispiel dafür wie starke Kaufkraftreserven augenscheinlich in der Landwirtschaft noch vorhanden' sind. In der Ackerschlepperindustrie befürchtet man allerdings, daß der jetzige Kaufstoß sich zu einem späteren Zeitpunkt durch ein entsprechend starkes Absinken der Nachfrage bemerkbar machen wird. Die meisten Ackerschlepperfirmen scheinen daher über das plötzliche Anschwellen der Nachfrage nicht gerade sehr erfreut zu sein, sondern würden eine kontinuierliche Nachfrageentwicklung vorziehen. Auch vom Exportinteresse aus gesehen hat die Vermehrung der Inlandsumsätze manches Bedenkliche. Wie die Umsatzstatistik für Juli zeigt, ist die Gesamtausfuhr an Ackerschleppern zwar nur geringfügig hinter dem Juliergebnis zurückgeblieben, doch innerhalb der einzelnen Leistungsklassen hat eine beträchtliche Bewegung stattgefunden. Einer Zunahme der Ausfuhr in der Ackerschlepperklasse über 34 PS steht eine starke Abnahme der Ausfuhr in den Klassen bis 12 PS, zwischen 12 und 17 PS und zwischen 17 und 24 PS gegenüber. Gerade also diejenigen Klassen, die im Juli am Inlandsmarkt sehr stark gefragt wurden, haben in der Ausfuhr erheblich verloren. Die Gegenläufigkeit der Umsatzentwicklung bei den kleineren und mittleren Schleppern im Inland und Ausland bestätigt erneut, daß eine starke Inlandskonjunktur die Exportfreudigkeit vermindert.

Immerhin ist das auf dem Ackerschleppergebiet erreichte Exportniveau im ganzen gesehen gehalten worden. Die Exportquote liegt hier bei etwa 22 Prozent. Ob es gelingen wird, den Exportanteil auch künftig auf diesem Niveau zu halten, hängt in hohem Maße von der Gestaltung der Außenhandelsbeziehungen zu Frankreich ab. Frankreich ist der bedeutendste Abnehmer im Export und hat zum Beispiel im Juni von 900 in die Marshallplan-Länder gelieferten Schleppern allein 670 Stück abgenommen. Gerade aber der Export von Schleppern aus Westdeutschland ist einer der strittigen Punkte in den kürzlicn ergebnislos geführten deutsch-französischeh Handelsvertragsverhandlungen gewesen. Man hat sich nicht darüber einigen können, ob man auf diesem Gebiet liberalisieren soll oder ob man wieder zur Kontingentierung zurückkehrt, wie es 1 eider die französische Delegation wünschte.

Eine europäische Zuckerkonvention

Weitere Steigerung des Zuckerrübenanbaus vertretbar

F. A. Z. „Wir haben keine Veranlassung, an dem Zustandekommen einer westeuropäischen Zuckerkonvention etwa deshalb nicht mitzuwirken, weil wir eine Ueberflutung des deutschen Marktes befürchten müssen. Wir sind durchaus bereit. uns an dieser Konvention aktiv zu beteiligen, wobei wir es als selbstverständlich betrachten, daß uns keine Anbaubeschränkungen zugemutet werden“, erklärte Staatssekretär Dr. Sonnemann vom Bundesernährungsminisiterium auf der Jubiläumstagung der Zuckerindustrie in Goslar. Die Situation der deutschen Zuckerwirtschaft und das landwirtschaftliche Entwicklungsprogramm verlange eine weitere Ausdehnung des Zuckerrübenanbaues. Durch das dem Bundestag zugeleitete Marktgesetz für die Zuckerwirtschaft werde die Rentabilität des Rübenanbaues gesichert. Rentable Preise für die Erzeuger haben den Rübenanbau bereits von 1949 auf 1950 um rund 30 000 Hektar anwachsen lassen. Auch bei sehr vorsichtiger Beurteilung der betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten sei eine Steigerung des Anbaues und der Erträge selbst über eine Gesamternte von 7 Millionen Tonnen hinaus vertretbar. Nach den Ausführungen von Staatssekretär Dr. Sonnemann genügen die vorhandenen Verarbeitungskapazitäten der Zuckerindustrie im Bundesgebiet nicht. Es müssen alle Anstrengungen gemacht werden, um neue Verarbeitungsstätten zu schaffen.

Deutsche Liberalisierungsliste erweitert

vwd Die Liberalisierungsliste für den Außenhandel der Bundesrepublik ist vom Wirtschaftsministerium und vom Ministerium für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten mit Wirkung vom 1. September 1950 erweitert worden. Nach dieser Regelung können für den Chemiesektor u. a. folgende Rohstoffe ohne irgendwelche Beschränkungen eingeführt werden: Leinsaat. Rizinussamen, Schmalz und schmalzartige Fette. Schweine- und Gänsefett. Talg, Knochenfett und andere Abfallfette sowie verschiedene Oele. Sämtliche Rohstoffe, die nunmehr frei importiert werden können, dürfen nicht für Ernährungszwecke bestimmt sein. Für die westdeutsche Textilindustrie können nunmehr Hanf. Hanfwerg, Pferdehaare. Schmuckfedern und Wollabfälle ohne Beschränkung eingeführt werden. Außerdem fallen folgende Hölzer unter die Liberalisierung: Nußbaum-, holz. Buchen- und anderes hartes Holz, Laubholz. Grenadilholz. Zedemholz sowie verschiedene andere Kolonialhölzer, roh oder gesägt. Für Ernährungszwecke und für die Landwirtschaft können u. a. frei eingeführt werden: Reis. Oelfrüchte, Oelsaaten. Walöl. Fisch- und Robbentran, Fisch-, Robben- und Walspeck. Walfett und Bruchreis.

Löhne hemmen Wohnungsbau

hd. Ein Sprecher des Wiederaufbauministeriums von Nordrhein-Westfalen erklärte in Düsseldorf vor der Presse, daß eine durch erhöhte Lohnforderungen erzwungene Steigerung dler Baukosten notwendigerweise eine Verminderung des Bauvolumens im sozialen Wohnungsbau nach sich ziehen müsse.

Aegypten kauft deutschen Stahl

k. Die ägyptische Regierung hat der westdeutschen Stahlindustrie einen Lieferauftrag über 35 Millionen Tonnen Eisenbahnschienen erteilt. Ferner wurden 7 Millionen Tonnen Eisenbahnschwellen in Auftrag gegeben.

Gewerkschaftstag der Eisenbahner

hd. Vom 10. bis 16. September 1950 veranstaltet die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands in Gelsenkirchen ihren „Gewerkschaftstag 1950“. Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands hat rund 425 000 Mitglieder.

Rhein-Schiffahrts-Gesellschaft

Ws. (Eig. Bericht.) Das Abkommen zwischen 13 deutschen und 13 französischen Reedereien über die Gründung einer deutsch-französischen Rheinschiffahrtsgesellschaft tritt am 1. Oktober in Kraft. Die neue Gesellschaft wurde mit einem Stammkapital von 60 000 DM gegründet. Von deutscher und französischer Seite mußten 50 000 Tonnen Kahnraum eingebracht werden. Der Vertrag ist zunächst für zehn Jahre abgeschlossen worden.

Goldener Mittelweg?

-el. Die Hoffnungen, die man in die langwierigen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber um eine Lösung der strittigen Mitbestimmungsfrage gesetzt hatte, haben sich trotz der vielversprechenden Ansätze nicht erfüllt. Nach den letzten Besprechungen in Maria Laach waren noch wichtige Punkte offengeblieben, so vor allem die Frage um die wirtschaftliche Mitbestimmung und um den Einfluß der Gewerkschaften auf die innerbetrieblichen Angelegenheiten.

Der jetzt vom Kabinett genehmigte Entwurf des Bundesarbeitsministers Storch über das sogenannte Betriebsverfassungsgesetz versucht in 104 Paragraphen, auf einer mittleren Linie den verschiedenartigen Belangen der beiden Sozialpartner gerecht zu werden. Bevor er jedoch nach der Behandlung durch das Parlament endgültig verabschiedet werden kann und damit Gesetzeskraft erlangt, können noch einzelne Punkte eine Abänderung erfahren. Schon im Bundestag gingen die Ansichten selbst bei den Regierungsparteien in der Frage der Mitbestimmung in verschiedenen Punkten auseinander. Vor allem darf man auf das Echo bei den Gewerkschaften gespannt sein. Es bleibt aber zu hoffen, daß das nach den parlamentarischen Spielregeln gebilligte Gesetz, mit welchen Abänderungen es auch schließlich verabschiedet werden mag, von allen Partnern und Betroffenen als solches akzeptiert werde und damit ein Stein des Anstoßes um den sozialen Frieden aus dem Wege geräumt wird. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Böckler, hat bereits zugesichert, daß die Gewerkschaften ein mit parlamentarischer Mehrheit zustande gekommenes Gesetz über die Neuordnung der Betriebsverfassung anerkennen würden.

Durch diese Neuregelung der Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber soll, wie der Entwurf ausdrücklich feststellt, die Aufgabenstellung der Gewerkschaften wie auch der Arbeitgeber-Verbände im kollektiven Arbeitsrecht und bei der Gestaltung der allgemeinen Arbeitsbedingungen nicht berührt werden. Wohl keine Materie der Wirtschaft hat bisher so stark im Brennpunkt der beiderseitigen Interessen gestanden wie das Problem der Mitbestimmung von Arbeitnehmern im Betriebe. Daß sie bisher in sachlichen Bahnen ausgefochten werden konnte, stellt beiden Partnern das Zeugnis hohen Verantwortungsbewußtseins aus. Und letzten Endes sind es, von höherer Warte betrachtet, keineswegs widerstreitende Interessen, die hier zur Debatte stehen. Jedenfalls sollten sie es nicht sein. Denn letzten Endes ist auch der einzelne Betrieb, und mag er noch so klein sein, eine Schicksalsgemeinschaft, von deren Wohlergehen schließlich die Existenz beider Sozialpartner abhängt. Inwieweit der neue Entwurf in seinen Bestimmungen die goldene Mittelinie gefunden hat, muß das Echo von beiden Seiten und besonders die kommende Debatte im Bundeparlament erweisen.

Der Damm hält

Von Erich Welter

Zum dritten Male seit der Geldreform vom Juni 1948 werden die Nerven des deutschen Publikums und der Geschäftswelt auf eine Probe gestellt. Noch im Laufe des Jahres 1948 war es der Zweifel, ob die Geldreform überhaupt glücken werde, der Angstkäufe und eine Sachwertpsychose hervorrief, bis dann Anfang 1949 die Schleusen, aus denen das neue Geld geflossen war, sich zu schließen begannen und die „Bremsen an der Kreditmaschine“ in Funktion traten. Eine zweite Nervenprobe war im September 1949 zu bestehen, als infolge der Abwertung des Pfundes um 30,5 Prozent auch der D-Mark-Kurs um 20,6 Prozent heruntergesetzt wurde. Damals siegte erstaunlicherweise von vornherein die Besonnenheit. *

Die dritte Probe

Augenblicklich befinden wir uns in einer neuen Nervenprobe. Unvermeidbar ist, daß die internationale Hausse, die für einige Nahrungsmittel, insbesondere für kriegswichtige Rohstoffe, durch den Krieg in Korea ausgelöst worden ist, auch im deutschen Preisgefüge Veränderungen hervorruft. Vermieden werden kann und muß jedoch eine nicht durch Realitäten hervorgerufene Uebersteigerung der Nachfrage, deren Hauptursache in der Angst, weniger vor Preiserhöhungen als vor der Wiederkehr der Zwangswirtschaft mit all ihren Schrecken ist. Wenn in den letzten Monaten beispielsweise die monatlichen Bestellungen von Walzwerkserzeugni^sen, die im Frühjahr sogar noch etwas hinter dem Monatsbedarf zurückgeblieben waren, plötzlich auf das Doppelte und gar Dreifache der Menge angeschwollen sind, die in einem Monat überhaupt für die Verarbeitung in Betracht kommen, so ist diese Vorsorge durch nichts anderes als durch die Furcht bestimmt, die Dämme der jetzigen Geldordnung könnten eines Tages einstürzen

Funktionieren die Bremsen?

Der natürliche Hemmschuh solcher Exzesse wäre die Knappheit an Geld und Kredit. Sie ist es in der Tat, die die Mehrzahl der Einkommensbezieher von vornherein wirksam verhindert, die Hortungen für den Haushalt über ein engbegrenztes Maß hinauszutreiben. Die gewerblichen Besteller unterliegen an und für sich denselben Beschränkungen. Da aber die vorsorglichen Käufe, wie die Dinge jetzt liegen, tatsächlich nur mit einem geringen Preisrisiko verbunden sind und in vielen Branchen (bisher) weder Anzahlungen bei Bestellungen noch Vorauszahlungen vor Lieferung verlangt werden, kann sich die zügelnde Kraft des knappen Geldes und der Mangel an Kredit zunächst noch nicht voll auswirken. Es sei fern von uns, diese Ausschweifungen auf einzelnen Gebieten tragisch zu nehmen, die keineswegs auf Deutschland beschränkt sind (obwohl sie in Deutschland im Hinblick auf die in der Vergangenheit gesammelten trüben Erfahrungen besonders verständlich wären). Die Notenbank hat sich mit gutem Grund darauf beschränkt, auf eine Verweigerung von Hortungskrediten hin-

zuwirken. Sie hat angekündigt, daß für solche Transaktionen jewede Refinanzierungshilfe des Zentralbankensystems versagt werden soll. Notwendig ist weiter, jede neue Ankurbelungsaktion sowohl durch Arbeitsbeschaffungsprogramme wie durch Geldschöpfung zur Förderung sonstiger öffentlicher Ausgaben zu unterlassen, die durch Einnahmen nicht gedeckt werden können. Nach der Weitherzigkeit, die im Laufe des Jahres in dieser Hinsicht an den Tag gelegt worden war, müssen nunmehr strenge Maßstäbe angelegt werden. Denn . zwar konnte die strukturelle Arbeitslosigkeit, die durch Ansammlung von Flüchtlingen an der örtlichen und fachlichen Peripherie des Arbeiterbedarfs hervorgerufen worden ist, bisher noch nicht beseitigt werden und der Aufsaugungsprozeß schreitet in dieser Hinsicht nur langsam voran. Im übrigen jedoch läuft die Volkswirtschaft bereits auf hohen Touren.

Soll diese Linie, zu der sich die Notenbank bekannt hat, eingehalten und soll jeder Dammbruch vermieden werden, so sind, da die Steuerkraft begrenzt ist und ein nicht hinwegzuzaubernder echter Kapitalmangel besteht, Verzichte auf öffentliche Ausgaben und auf eine Unzahl nicht erstrangiger Investitionsvorhaben notwendig.

Die Kraft zur Beschränkung

Es genügt in Deutschland mit seiner empfindlichen Außenhandelsstruktur keineswegs, daß es einer etwaigen inflatorischen Entwicklung in anderen Ländern nur in einem gemessenen Abstand nach folge und auf diese Weise im Verhältnis zu andern konkurrenzfähig bleibe oder werde. Gerade in Deutschland, in dem Grenzland zur östlichen Welt, ist es doppelt notwendig, trotz aller Unruhen und Anfechtungen, die von draußen kommen, das marktwirtschaftliche System in keiner Weise über den Haufen werfen zu lassen, sondern in voller Ordnung zu halten, nachdem sich dieses Gegenstück zur sowjetischen Befehlswirtschaft so sehr bewährt hat; ihm verdankt, nebenbei bemerkt, auch die deutsche Arbeiterschaft nach einer Berechnung der Bank deutscher Länder eine Steigerung der durchschnittlichen realen Wochenverdienste um mindestens fünfzig Prozent in zwei Jahren, ohne daß allerdings damit schon wegen der höheren Steuern und Sozialabgaben bereits der Vorkriegslebensstandard erreicht wäre. Damit dieses marktwirtschaftliche System funktionsfähig bleibt, ist es vor allem notwendig, überall der Idee entgegenzutreten, das Geld höre nun auf, die Hauptrolle zu spielen. Das Geld ist und bleibt das Fundament jeder marktwirtschaftlichen Ordnung, und es m u ß in ihm eine entscheidende Rolle spielen. Nur wenn das Geld als Universalbezugschein mit aller Kraft knapp gehalten wird und seine volle Wirksamkeit behält, können wir der grauenhaften Welt der Karten und Punkte, der Rationierung, der Schlangen und des Zwanges, der Unterdrückung von Initiative und Wettbewerb entrinnen, die Freiheit erhalten, die Armut überwinden und den Wohlstand nähren.

Circa-Kurse

30. August 1950 Übermittel) durch Industrie- u. Handelsbank In Mainz Fernsprecher: Sammelnummer 4348 Telegrammadresse: Merkurbank, und

Im Freiverkehr fllr Zutellungsrechte aus der Bereinigung von girosammelverwahrten Aktien, die Im Währungsgebiet verbucht sind. Rhein-Main-Bank, Frankfurt a. M., tr. Dresdner Bank Fernsprecher: Ort 30221, Fern 30231 Fernschreib. 041184, 041187, 041322 Telegrammadresse: Rheinmainbank

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\dl6twk Kicyct 29 32
Hohr Adt - 34
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BMW • ••• 19 21
Julius Berger 25
Berl Kraft u Licht 14 16
Berl. Masch. Schwartzk. ... 22 25
Boswau & Knauer ..ämXmS 14 16
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Brauerei Cluss ......t.t... 38 42
Brown Boveri ............. 82 85
Buderus 54 57
Charl. Wasser .... 47 50
Chem Albert 43 46
Banti Gummi v 87 90
Daimler Benz 37 39
Demag ......v 66 69
14 52 16 55
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Klein, Schanzlin n. B 63 66
Riöcknerwerke ..... 48 51
Knnsprvpn Rratin 32 35
Krauss-Maffei 56 90
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MetaUneselisch 50 53
Mez AG 62 65
NSU 100 103
Parkbrau. Pirmasens 23 26
Pfälz. Mühten 66 ——
Rhein. Braunkohle .-.7.7... 80 83
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Rhein El -Wk 73 76
Rheinmetall 13 15
Rheinstahl 39 4n
Rhe.in.-Westf. El.-Wk 60 63
Rhenser Mineralbrunnen ... 22
Rütgerswerke 26 29
53 56
Sarotti ........ 57 60
Scheidemandel •••••••••••• 22 25
Schering 21 23
Schöfferhof 39 42
Schriftgleß Stempel 90
Schubert & Salzer ........ 27 30
Schultheiß SRamm 11 13
46 50
Seilind -Wolff '■—’n' Glas 10 12
Siemens & Halske Stamm.. 34 36
Siemens & Halske Vorzüge. 33 35
Sinner «...t..?;.... 42 45
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Steingut Colditz 16 18
Stollwerk Süddt. Zucker ». 74
Thüringer Gas .. 31 34
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Ver. Dt. Ölfabriken 48 51
Ver. Stahlwerke 38 40
Waggonfabr Rastatt 32 35
Westdt Kaufhof 58 61
Westfaüa Dinoendahl . 88 92
Wintershall 36
Wilrtt Metaliw Fahr .... 44 47
Zellstoff Watdhot . 25 2B
12 I_4
Deutsche Bank 12 14
-oo^nor nank 11 I_3
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ah« Lokalbahn 26 28
Hamburger Hochbahn .... 30 33
Süddt. Eisenbahnges. ...... . 48 52

Darmstadt und Umgebung

Drinnerum un drumerum

Mer maant grad,mer sollt sich iwwer nix mehr freie derfe. In de letzte Woche do hots mich kaan aanzische Daach dehaam gelidde. Meu Lißbedd hot als gesacht, was hoste bloß jor e Gelaaf? Un e bißje eifersichdisch hot se so hinnerum geknorrt, ich megt nor wisse, was der uff aamol for Schdange im Kobb hot. Un dodemit hatt se zufällig emol recht. Nemlich die Geristschdange hawwe mers agedah. Je mehr Geristschdange ich steh seri, aesio wonler Hehl ich mich.

Ich hab als abwechselnd nachenanner alle Verdel abgeklobbt un ich kann ihne versichern, wann mer so wie ich, an seum Darmstadt hengt, do fraat mer sich iwwer die Geristschdange wie e klaa Kind iwwer die Kerzjer am Christbeemche. Un ich muß saache, es werd doch ewe allerhand gedah un ich hab mer schun ausgerechend, daß ich vielleicht doch noch emol, bevor ich de Leffel wäckwerfe muß, sehe kennt, wie Damstadt in 50 Johr vielleicht emol aussehe deht. Jeden Daach war ich an ere annere Bauschdell und hab festgestellt, wie’s weitergange is.

Un jetzt uff aamol kennts bassiern, daß aam dorch en Schdreik de Schbaß verdorwe wem dhet. Ich spier’s jo am eichene Leib, daß die klane Leit bei dere Deierung net mehr wisse, wie se erumkumme solle, awwer, so e Gäjemiddel, deß wo deß allerneedigste Needige unnerbricht, deß derft eichentlich net kumme. Ich maan als, es mißt noch an- nere Wääk gewwe. For was hot mer dann in de Reschierunge die Breisiwwerwachungsstelle? Es haaßt doch ausdricklich net „Schloofstelle". Die mißte doch wisse, wo aam de Schuh drigge dhut. Solls dene werklich net meglich seu, rauszukrieje, dorch was, oder richdischer gesacht, dorch wen dauernd die Breise in die Heh geschraubt wem?

No, mir wolles hoffe, daß es net so weit kimmt, daß aach in Damstadt mit em Baue, deß wo mir so viel Fraad macht, uffgeheert werd. Stolz bin ich, daß se uff mich geheert hawwe un net mehr bloß a’steggische Bude baue lasse vun wäje de Wohnunge, nuffzu’s is doch Blatz genuch un kost kaa Stroßereunischungssteier.

Die Bauerei in de Schulstroß hatt ich ganz besunners im Aag, do gehts vorwärts, wann ich aach net ganz demit euverschdanne bin, daß grad do Vorschrifte iwwer die Heh gemacht worn sin. Awwer mer muß for alles dankbar seu, wenn aam aach deß nei Gesicht vun so ere Schdroß net dorchaus gefeilt.

Alle par Daach mach ich emol an de Mathildeblatz. Da hab ich so meu Bedengge, es kennt mit em Packblatz wem wie beim Saalbau, wo’s immer gehaaße hot, die Stadträt hette’s noch zu genehmige. Uff aamol hat mer nix mehr devo geheert Un heit sin die Heiser schun bald fertig. Es geht doch nix iwwer e Verwaldung, die wo waaß, was se will und deßdewäje nooch em Volk un seune Vertreter net zu frooche brauch. Awwer drotzdem, wann se sunst wenig in de Stadt erumkumme, mache se sich morje emol en Gang dorch alle Verdel un sie wem seje, unser Städtche macht sich langsam Widder. Viel Vergniege dezu. Eier Anton B er zel.



Zwischen den Spielzeiten im Landestheater

Bienenfleißiges Treiben hinter den Kulissen

Von unserem HWW-Berichterstatter und unserer HR-Fotografin

Die verbreitete Ansicht: wenn der Vorhang nach der letzten Vorstellung der Spielzeit fällt, dann kehren auch im Theater Ruhe und Stille ein, gilt nicht. Jetzt geht die Arbeit erst recht los. Dringend notwendige Reparaturen werden vorgenommen, langgehegte Verbesserungspläne (wenn das Geld reicht) in die Tat umgesetzt und die Vorbereitungen für die neue Spielzeit machen sich bald bemerkbar.

Die Otto-Bemdt-Halle kommt für Theaterzwecke nicht mehr in Frage. Schade um das Geld, das dort für Bühneneinbau und Garderobehaus verbaut wurde. In der Stadthalle, die vorläufig

noch für Aufführungen dnseres Landestheaters vorgesehen ist, hat sich seit der vergangenen Spielzeit nichts geändert. Die dort vorhandenen räumlichen Beschränkungen und technischen Schwierigkeiten werden noch bestehen bleiben. Anders sieht es im „Großen Haus“ aus. Uebereinander gelagert und praktisch miteinander verbunden sind dort die Werkstätten eingerichtet: Schlosserei, Schreinerei und Malersaal, der auch durch Klappen mit der Schreinerei Verbindung hat. Zu der Schreinerei führt außerdem von außen eine bequeme Rampe. Zahlreiche Proberäume sind neu eingerichtet worden, außerdem eine Wohnung für den Hausverwalter. Während an Bühne und Zuschauerraum noch nichts von Weiterarbeitenzumerken ist (für die neue Bühne liegen nur Planentwürfe vor), sind sonst Arbeiten zur Erhaltung der Außenfront im Gange. Im Vestibül sollen die Dekorationen, denen Magazine immer noch fehlen, besser vor Wind und Wetter geschütztwerden. Was der Technische Direktor Pfeffer uns sonst andeutete, muß noch Zukunftsmusik bleiben. Freuen w:r uns,, daß Herr Pfeiffer von seinem schweren Unfall im Theater fast genesen ist und trotz lockender Angebote größter Bühnen unserem Landesthcater erhalten bleibt.

Im Orangeriehaus sind Kleinigkeiten an der Bühne verbessert worden, in der Baracke neben dem Parkplatz sind nun

kleine Werkstätten neben Platz für Dekorationen enthalten. Wir krochen auch auf dem Schnürboden herum, wenn man den Boden des alten Hauses so nennen darf; hier wurde allerhand verbessert, nur stehen die großen Längsbalken weiteren Verbesserungen im Wege. Herr Epple, der Dramaturg, erzählte uns aus seiner Arbeit. Etwa zwölf neue Stücke gehen fast jede Woche bei ihm ein! Enorm! „Was ist brauchbar?“ Die achselzuckende Antwort ist eigentlich eindeutig . . . Herrn Epples Arbeit und Sorge dienen außer der Vorbereitung der neuen Spielzeit besonders den Darmstädter Theaterheften, die er wieder auf

ihre alte Höhe bringen will. Aber das liebe Geld! Die Bühnenbildnerin Fräulein Büttner zeigte uns ihre verschiedenen Entwürfe zu „Fra Diavolo“ (Regie :Herr Hauck), die vor einem hellen Hfntergrund ein großes, durch Vorhänge aufgeteiltes Haus präsentieren. Ueber „Helden“ von Shaw (Regie: Scraup) will Fräulein Büttner nichts verraten, da die verschiedenen Möglichkeiten noch in Planung sind. Wir dürfen gespannt sein. Den Bühnenbildner Wolfram Münz treffen wir vor einem entzückenden Modell zum „Tannhäuser“, das alle unsere Bedenken vor einer Aufführung der Oper auf dem Behelfstheater zerstreut. „Maß für Maß“ (Regie: Brandenburg) wird auf einer Einheitsdekoration mit kleinen, wechselnden Prospekten gespielt werden. Ueberall sind die Proben für Solisten der Oper, Schauspiel, Chor und Orchester in vollem Gange, die neuen Mitglieder gewöhnen sich allmählich ein und die Spannung hinter dem Vorhang ist die gleiche wie die, mit der die Darmstädter und die Mitglieder des Theaterrings Odenwald-Bergstraße, die bald davorsitzen werden, die neue Spielzeit ihres Landestheaters erwarten.

In der Volkshochschule wird die Vortragsreihe „Die Weltanschauung Berdjajews“ nicht am 4., sondern am 11. September begonnen.



Rosinen, Bohnen, Grieß und Maden

Forum Darmstadt diskutierte über die Schulspeisung

Eltern, Erzieher und die Vertreter einer Anzahl daran beteiligter Dienststellen diskutierten, wie wir bereits gestern berichteten, am Donnerstagabend im Forum über die Schulspeisung in den Darmstädter Schulen.

Unter der Diskussionsleitung von Herrn Pfe ng , begannen, nach einem Vortrag des Geschäftsführers des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Herrn Meißel, über Zweck und Ziel des Vereins und nach ’ der Vorführung eines Kurzfilmes über die Schulspeisung, die offiziellen Vertreter der Dienststellen die grundsätzlichen Fragen zu erörtern.

Dr. Höbelheinrich (Kultusministerium): Schulspeisung augenblicklich ungeklärtes Problem, vor allem finanziell. Früher kostenlose Warenspende der Amerikaner für 5 376 000 Kinder. Bonn will Schulspeisung forlsetzen. Zehn Pfennig pro Mahlzeit für Kinder finanzkräftiger Eltern decken nicht die Nebenkosten.

Stadtschulrat Bra t u (Darmstadt): Viele Klagen der Eltern. Nachteilige Aus-

Wirkung auf die Unterrichtszeit. Räumliche Schwierigkeiten.

Dr. Strand (Gesundheitsamt): Gute Schulspeisung sehr notwendig, auch für Lehrlinge und Jungarbeiter in Fabriken. Wichtiger Erziehungsfaktor.

Schüler Wolfgang Nette: Schüler heute besser ernährt. Schlechte Essensqualität, ohne Abwechslung. Undefinierbare Suppen. Maden in der Suppe, verdorbene Süßigkeiten. Unhygienischer Antransport. Schlägt Kakao mit Brötchen als Ersatz vor. (Reicher Beifall.)

Herr Bermbach (Elternbeirat): Eltern nicht mehr für Schulspeisung, eher noch in den Volksschulen. Ueberall Klagen über Qualität.

Herr Scheerer (Landesernährungsamt): Leute sind verwöhnt, Qualität ist nicht schlechter. Verdorbene Ware möglich. Koch ist dran schuld, wenn sie ausgegeben wird.

Nachdem anschließend allgemein festgestellt wurde, daß verdorbene Ware ausgegeben worden war, auch die Zubereitung oft unüberlegt und wenig schmackhaft sei, kristallisierte sich die allgemeine Diskussion immer mehr um den Vorschlag, zukünftig an Stelle der seitherigen Form in hygienisch einwandfreien Fläschchen entweder Milch oder Milchkakao — im Sommer kalt, im Winter warm — mit einem Brötchen auszugeben. Ein Vertreter der Starkenburger Milchlieferungsvereinigung bot zum Beginn eine Freispende von 2000 Flaschen Milch an. Vor einem überstürzten Wechsel auf Milchfrühstück warnte jedoch der Vertreter des Landesernährungsamtes, da die Preisfrage dabei zuerst geklärt werden müsse.

Abschließend kam man zu dem Ergebnis, daß man die Elternbeiräte der Schulen und die Schüler in nächster Zeit über die zukünftige Form der Schulspeisung entscheiden lassen wolle unter Hinweis auf die bei dem Forumsabend laut gewordenen Stimmen. agt

Kupnelnest ausgehoben

Durch die Kriminalpolizei erfolgten im Laufe des Donnerstags drei Festnahmen Es handelt sich um zwei Frauen und einen Mann, die sich in letzter Zeit als Kuppler betätigt haben. Sie hatten ihre Wohnräume als Absteigequartiere verwandelt und sich durch dieses dunkle Gewerbe hohe Geldeinnahmen verschafft. Das Amtsgericht Darmstadt, dem die drei Personen sofort vorgeführt wurden, erließ drei Haftbefehle.

Arbeitslosenansschuß gegründet

Arbeitslose im Bezirk des Arbeitsamtes Darmstadt gründeten einen Ausschuß, der sich mit den Forderungen der Arbeitslosen durch die Entwicklung der letzten Zeit befassen soll. Insbesondere wird eine gerechte Regelung der Arbeitsvermittlung für Dauerarbeitslose und eine Einschaltung der Arbeitslosen in die Stellen, die über ihre Belange zu entscheiden haben, als notwendig erachtet. Der Ausschuß beschloß, die Belange der Arbeitslosen mit allen Mitteln zu vertreten, nur rein sachliche Fragen aufzunehmen und sich jeder politischen Stellungnahme zu enthalten. Der Ausschuß appellierte an den guten Willen der zuständigen Behörden und deren Einsicht, daß die Fürsorgepflicht des Staates den unschuldig in Not geratenen Arbeitslosen genügend zuteil werden muß. Verantwortlich für den Arbeitslosenausschuß zeichnet Herr Birün, Groß-Zimmern, Beinestraße 1.

Monsignore Büttner 50 Jahre alt

Vater der Ungarnsiedlung St. Stephan feiert Geburtstag

Am Sonntag, dem 3. September, vollendet Msgr. Albert Büttner sein 50. Lebensjahr. In Frankfurt geboren, wurde er nach Absolvierung seiner theologischen Studien im Jahre 1923 in Limburg zum Priester geweiht. Nach verschiedener seelsorgerischer Tätigkeit in Höhr bei Koblenz, in Lorch am Rhein, in Frankfurt-Hausen und als Generalsekretär des Kolpingswerkes in Köln stellte er nach dem Kriege als Leiter der Kirchlichen Hilfsstelle in Frankfurt seine reiche Erfahrung in den Dienst der Bewältigung des Flüchtlingsproblems. Seiner Initiative verdankt unter anderem die ungarndeutsche Siedlung St. Stephan bei Darmstadt ihr Entstehen.


Vom Platz am Weißen Turm, dem heutigen Ernst-Ludwig-Platz, ging seit den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts dreimal in der Woche die „ordinäre reitende und fahrende Post“ ab. An die alte Post erinnerte noch bis zur Zerstörung der Stadt der Name eines Gasthauses. Das eigentliche Pcstgebäude freilich war schon früher Geschäftsbauten gewichen. Unser Bild, ein Ausschnitt aus einem um 1812 gezeichneten Aquarell von Susemihl, zeigt es uns in seiner ursprünglichen Gestalt. Damals waren bereits die Grafen von Thurn und Taxis die „Erblandpostmeister Hessens“ geworden und man konnte schon an einem Tage nach Frankfurt hin- und zurückfahren. Das erste Postgebäude Darmstadts befand sich am späteren Schuhhaus Jakob. 1710 siedelte die Post an den Platz des Alten Palais über, dann vom Weißen Turm in das Haus Rheinstraße 11, und 1878 in das neu erbaute Gebäude der Oberpostdirektion. Keines der genannten Gebäude ist uns erhalten. Nur der Weiße Turm blieb. Er möge alle Zeiten überdauern!
Vom Platz am Weißen Turm, dem heutigen Ernst-Ludwig-Platz, ging seit den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts dreimal in der Woche die „ordinäre reitende und fahrende Post“ ab. An die alte Post erinnerte noch bis zur Zerstörung der Stadt der Name eines Gasthauses. Das eigentliche Pcstgebäude freilich war schon früher Geschäftsbauten gewichen. Unser Bild, ein Ausschnitt aus einem um 1812 gezeichneten Aquarell von Susemihl, zeigt es uns in seiner ursprünglichen Gestalt. Damals waren bereits die Grafen von Thurn und Taxis die „Erblandpostmeister Hessens“ geworden und man konnte schon an einem Tage nach Frankfurt hin- und zurückfahren. Das erste Postgebäude Darmstadts befand sich am späteren Schuhhaus Jakob. 1710 siedelte die Post an den Platz des Alten Palais über, dann vom Weißen Turm in das Haus Rheinstraße 11, und 1878 in das neu erbaute Gebäude der Oberpostdirektion. Keines der genannten Gebäude ist uns erhalten. Nur der Weiße Turm blieb. Er möge alle Zeiten überdauern!

Besser als ihr Ruf

Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche mehren sich die Fälle, da Jugendliche vor den Richter kommen. Kleinere Verfehlungen, Diebstähle, Einbrüche, manchmal sogar Morde sind die Delikte, deretwegen sie angeklagt sind. Die Zeitungen stehen voll von solchen Meldungen. „Ja zu unseren Zeiten ...“, hört man allenthalben unsere Elterngenerationen sagen zu unseren Zeiten gab es sowas nicht. Wir waren besser erzogen... “

Kann man das so leichtfertig verallgemeinern, kann man mit stolz geschwellter Brust und verächtlich hochgezogenen Lippen behaupten, die heutige Jugend sei schlechter als die Jugend vor 20, 30 oder 40 Jahren? Gewiß, es ist nicht abzuleugnen, daß es eine ganze Anzahl — sogar erschreckendviel — jugendlicher Verbrecher gibt. Wen aber trifft letztlich die Schuld, daß es so ist? — Die umherirrenden, eines geordneten Familienlebens beraubten und von der Gesellschaft verfemten Jugendlichen selbst? — Oder die turbulenten Verhältnisse unserer Zeit? — Oder gar die Erwachsenen, in deren Händen es ja lag, die Jugendlichen zu erziehen? Kommt nicht gerade den Erwachsenen, die mit ihren Behauptungen vorsichtig sein sollten, die Hauptverantwortung für -all das zu, was die Kinder, die Jugendlichen machen?

Trotzdem aber schleudern die Erwachsenen immer wieder Bumerangs gegen die „verkommene Jugend“. Wissen sie nicht, daß ein Bumerang die Eigenschaft hat, zum Schleuderer zurückzukehren? Uns scheint der Vorwurf, den man der Jugend macht, unberechtigt zu sein.

Natürlich birgt die heutige Zeit mit ihrer Unruhe, mit ihren ungeordneten Verhältnissen besondere Geiahren in sich. Auch die Versuchungen, die an die Jugendlichen herantreten und herangetragen werden, sind wohl größer als in vergangenen Zeiten. Aber gerade deshalb scheint uns die Jugend nicht schlechter zu sein. Hat sie es nicht entschieden schwerer als die Älteren, die durchweg alle wohlbehütet und versorgt waren? — Wir erinnern uns, während wir diese Zeilen schreiben, in diesem Zusammenhang an einen interessanten Streitfall, der vor einiger Zeit die Schweizer Presse bewegte: Ein jugendlicher Dieb, verhaftet, verurteilt und eingesperrt, schrieb während seiner Haft an den Gefängnisdirektor einen bemerkenswerten Brief, den wir aus unserer Erinnerung wiedergeben, und der etwa folgenden Wortlaut hatte:

„ ... Wir Jungen haben heute bedeutend mehr Freiheiten. Wir wollen froh darüber sein, aber wir wollen auch bedenken, daß jede Freiheit gefährlich ist, denn sip kann leicht mißbraucht werden. Gerade deshalb sollten nach meiner bescheidenen Meinung an manchen Orten, auch in der Familie, die Zügel wieder etwas straffer angezogen werden. Die Jugend von heute ist bestimmt nicht schlechter als diejenige früherer Jahre; aber man hat ihr vielleicht zu viel Freiheit gelassen, und das hat ihr nicht unbedingt gut getan. Wer deshalb über die Verdorbenheit der jungen Generation schimpft, sollte sich immer überlegen, wer die Schuld an ihr trägt. Das tun die Erwachsenen nicht gerne, und gerade deshalb stellen sie immer wieder die falsche Behauptung von der schlimmen und bösen Jugend auf. Sie trifft einfach nicht zu. Auch die heutigen Väter und Mütter waren nicht immer so brav wie sie sich heute den Kindern gegenüber den Anschein geben. Das aber vergessen sie gerne. Im übrigen werden viel zu viel Einzelfälle in den Vordergrund geschoben. Man verallgemeinert gerne und übersieht dabei, daß der weitaus größte Teil der jungen Generation brav und anständig ist. Die heutige Jugend ist auf alle Fälle besser als ihr Ruf ...“ Maximilian II

Friedenskämpfer-Versammlung verboten

Das Polizeipräsidium in Darmstadt teilt uns mit, daß auf Weisung des Herrn hessischen Ministers des Innern die für Samstag, den 2. September, um 17 ' r. geplante Versammlung des „Komitees junger Friedenskämpfer“ auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Darmstadt verboten wurde. Das Verbot erstreckt sich auch auf etwa angesetzte Ersatzversammlungen an anderen Stellen im Stadtkreis Darmstadt.

Mäßig warm und wechselhaft

DT-Wetterbericht

Vorhersage: Zum Wochenende nach vorheriger kurzer Besserung wieder vielfach stärker bewölkt und zeitweise Regen oder Schauer. Nur mäßig warm bis kühl, in Richtung und Stärke wechselnde Winde. Weitere Aussicht: Auch am Montag und Dienstag noch unbeständig.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

...und morgen?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Mathildenhöhe: wie Samstag.

Bereitschaftsdienst am Sonntag

Apotheken Sonntags- und Nachtdienst: (von Samstag, 2. 9., 13 Uhr, bis Samstag, 9. 9., 4 Uhr).

Darmstadt: Apotheke am Justizpalast, Bismarckstraße 17; Bessunger Apotheke, Hermannstraße 4; Gutenberg-Apotheke, Kittlerstraße 34.

Darmstadt-Eberstadt: Apotheke Dst.- Eberstadt, Oberstraße 10.

Darmstadt - Arhcllcen: Goethe Aw theke, Darmstädter Straße 65.

Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 1 bis 12 Uhr).

3. 9.: Dr. Will, Darmstadt, Zimmerstraße 3.

Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr).

3. 9.: Dentist Philipp Süßenberger, Darmstadt-Eberstadt, Gabelsbergerstr. 5).

Amerikanische Impressionen

Am Donnerstagabend hielt — wie wir bereits gestern meldeten — im Nachbarschaftsheim der Bankangestellte Friedrich Sauer, Darmstadt, einen Vortrag über seine Eindrücke anläßlich einer Reise von Vertretern der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft nach den USA. Diese Studienreise diente in erster Linie der Bekanntmachung mit den Zielen und Aufgaben der amerikanischen Gewerkschaften.

Die gesamte Reise, deren Kosten sich für jede der 25 mitfahrenden Personen auf rund 12 000 DM beliefen, wurde vom amerikanischen Arbeitsmiruisterium durchgeführt. Während der Dauer von drei Monaten bekamen die Mitglieder der Reisegesellschaft eine derartige Fülle von Einrichtungen und Betrieben zu besichtigen, daß sie kaum in der Lage waren, alle Eindrücke zu verarbeiten. Für jeden Tag ihres Aufenthaltes stellte das amerikanische Arbeitsministerium zehn Dollar zur Verfügung, von denen die Reisenden alle Auslagen zu bestreiten hatten. Setzt man voraus, daß das amerikanische Durchschnittseinkommen bei 250 Dollar liegt, so kann man daran die Großzügigkeit dieses Austauschprogramms ersehen. Interessant an den amerikanischen Gewerkschaften ist, daß jede von ihnen autonom arbeitet und auch gegenüber •ihren Dachorganisationen ihre Selbständigkeit bewahrte. Jede der lokalen Gewerkschaften schließt jeweils mit den einzelnen Werken einen gesonderten Tarifvertrag ab, der nur eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr besitzt. Die Gewerkschaftssekretäre müssen bei Uebernahme ihres Amtes eine schriftliche Erklärung abgeben, daß sie nicht der Kommunistischen Partei angehören.

Während in Deutschland bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nach festgelegten Gesetzen eine Regelung zu erzielen versucht wird, arbeiten in Amerika von den Gewerkschaften bezahlte Schlichter. Hier erweist sich, daß die amerikanische Verfahrensweise dehnbarer und anpassungsfähiger ist. Neben ihrer reinen gewerkschaftlichen Arbeit schütten diese amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen große Beträge für Erziehung und Freizeitgestaltung aus, sie veröffentlichen Broschüren und Zeitschriften und stellen Filme her, die mit dazu beitragen, den amerikanischen Gewerkschaften innerhalb der Wirtschaft eine ungeheuere Machtposition zu verleihen.

Der Redner verstand es, in kleinen Episoden ein umfassendes Bild des amerikanischen Alltagslebens zu vermitteln, das bei den Zuhörern, unter denen sich einige befanden, die für einen einjährigen Studienaufenthalt in den Staaten vorgesehen sind, lebhaftes Interesse hervorrief.

Baugerüst skalpiert Möbelwagen

Gestern nachmittag befuhr ein mit Möbeln beladener Lastzug die - Ludwig-Straße in südlicher Richtung. Dabei streifte er an der Schuchardstraße eine aus einem Baugerüst in drei Meter Höhe herausragende Gerüststange. Es entstand unter den Möbeln erheblicher Sachschaden.

General-Versammlung

des Musikvereins

Gestern abend hielt der etwa 200 Mitglieder starke „Musikverein“ e. V. auf dem Heilig-Kreuz seine diesjährige General-Mitgliederversammlung ab. Der alte Vorstand unter dem Vorsitz von Dr. Kulenkamp f wurde wiedergewählt. Der Musikverein hatte sich im vergangenen Jahr durch die Aufführung der neunten Symphonie in der Stadthalle und der Matthäuspassion in der Pauluskirche unter der Stabführung von Richard Kotz wieder einen guten Namen gemacht. Es ist beabsichtigt, den „Judas Makkabäus“, das Requiem von Verdi und die neunte Symphonie im laufenden Jahr zum Vortrag zu bringen. Von dem Vorstand wurde der Wunsch nach stärkerer Anteilnahme und aktiver Beteiligung der Darmstädter musikinteressierten Kreise geäußert. D.T.

Angestellter des Arbeitsamtes verhaftet

Von den Beamten der städtischen Kriminalpolizei wurde in diesen Tagen ein 44jähriger Angestellter des Arbeitsamtes Darmstadt festgenommen. Der Angestellte war mit der Bearbeitung von Unterstützungsanträgen beauftragt.

Es wurde festgestellt, daß der Betreffende in raffinierter Weise Belege gefälscht und sich so annähernd 4 000 DM erschwindelt hat. 3 000 DM konnten inzwischen wieder beigebracht werden. Der 44-Jährige wurde dem Amtsrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen.

Zwei Abonnentenschwindler

In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Personen durch Abonnentenschwindlertricks versuchen, zu Geld zu kommen. Dies gelingt ihnen zunächst ganz gut. Doch das dicke Ende bleibt nie aus. So auch bei jenem Ehepaar aus Darmstadt, das sich gestern wegen Betfuges und Unterschlagung vor dem hiesigen Bezirksschöffengericht zu verantworten hatte. Der 52jährige Kraftfahrer Ernst K. fingierte im März und April dieses Jahres verschiedene Unterschriften auf den Quittungsblöcken einer Zeitschrift. Seine 29jährige Ehefrau Elisabeth assistierte ihrem Manne bei diesem dunklen Geschäft. Man kam durch diese Methode rasch zu „neuen Abonnenten“ und damit zu Provisionsgeldern. Insgesamt steckte man 120 DM unberechtigt in die Tasche. Gestern nun stellte der Richter den beiden eine Quittung aus. Sie begann allerdings mit den Worten „Im Namen des Gesetzes“ und enthielt als Urteil für den 52-Jährigen drei Monate Gefängnis und für die 29jährige Ehefrau 35 DM Geldstrafe. ri.

Rückkehr nach Darmstadt

60 Jahre Schuhmacherei Moll

Es sind jetzt gerade 60 Jahre her, daß der Schuhmachermeister Theodor Moll im Jahre 1890 seinen Handwerksbetrieb gründete. Seit dem Jahre 1904 befand sich seine Werkstätte in der Heidelberger Straße 31, wo sie in der Bombennacht von Darmstadt wie so viele andere Unternehmen, zerstört wurde. Bereits seit 1944 war sein Sohn, Ludwig Moll, Alleineigentümer des Betriebes. In S e e - heim war es dann möglich, eine neue Existenz aufzubauen, doch als alter Darmstädter ließ es Herrn Moll nicht eher ruhen, bis er zusammen mit dem Architekten Hermann die Stätte des einstigen Wirkens wieder erstehen lassen konnte. Fleißige Hände waren in den letzten Wochen in der Heidelberger Straße am Werk, um das Richtfest zusammen mit dem Geschäftsjubiläum feiern zu können. Viele Darmstädter werden sich dieses Handwerksmeisters noch erinnern können und ihn wieder freudig in der Heimatstadt begrüßen. sr

Das sonntägliche Promenadenkonzert im Herrngarten wird morgen wieder an der gewohnten Stelle vom Darmstädter Orchester für Berufsmusiker unter der Stabführung von Kapellmeister Traser durchgeführt werden.

Unreeller Handelsvertreter

21 Jahre alt ist der Handelsvertreter, den das Schöffengericht Darmstadt gestern wegen Betruges zu fünf Monaten Gefängnis verurteilte. Der junge Mann, Willi S. aus Offenbach, reiste im Auftrag verschiedener Möbelfirmen. Es kam auch zu Kaufabschlüssen mit Kunden. Inkassovollmacht besaß Willi jedoch nicht. Er maßte sich allerdings dieses Recht kurzerhand an und zog bei den Kunden Teilbeträge ein,'die er für sich verbrauchte oder zum Zustopfen von Schulden benutzte. Die Sache kam ans Tageslicht. Das Ansehen der durch den Angeklagten vertretenen Firmen erlitt großen Schaden.

Neue Filme in Darmstadt

BELIDA: „Die Straße der Verlorenen.“ Das Thema ist weder in der Literaturgeschichte noch im Film als neu zu bezeichnen. Es behandelt den Schicksalsweg eines jungen Mädchens vom Lande, das an ihrer Sehnsucht nach der Großstadt zugrunde geht. Dieser Stoff ist vor vielen Jahren vom deutschen Film aufgegriffen worden und in meisterlicher Regie und dramaturgischer Vollendung einer befriedigenden Lösung zugeführt worden. Die weibliche Hauptrolle, die ehemals im „Postmeister“ von Kristina Söderbaum gespielt wurde, wird in diesem schwedischen Film von Barbro Kollberg verkörpert. Ihre schauspielerische Leistung steht unter einem ungünstigen Aspekt. Die Verwandlung vom Landmädchen zur Dirne gelingt ihr nur in manchen Stellen, in denen sie überzeugende Gesten gibt, versucht, aus dem Zwiespalt zwischen moralischem Verantwortungsbewußtsein und haltlosem Torkeln einen Ausweg zu finden in ein neues, besseres Leben zu finden. Sture Lagerwall stellt einen biederen Landjüngling dar, der in die Stadt zieht, um hier sein Mädchen zu suchen und es im bürgerlichen Sinne zu etwas zu bringen.

Das Sujet ist als solches von einer tiefen menschlichen Tragik, es hätte die Möglichkeiten zu einer eindringlichen Stoffgestaltung gegeben, es waren alle Voraussetzungen vorhanden, einen Film herzustellen, der im besten Sinne des Wortes einmalig hätte werden können. Aber Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann haben diese wunderbare Gelegenheit ungenutzt vorübergehen lassen. Was ist aus diesem Vorwurf geworden? Er wurde in ausländischen Zeitungen als der deutsche „Postmeister“ bezeichnet, man versprach sich eine ungeheuere Publikumswirkung, die wohl in der Hauptsache in der Spekulation auf den anreißerischen und anrüchigen Inhalt bestand. Die Regie begnügte sich in der Hauptsache mit der Aufstellung der Darsteller, ohne sie zu einem Ensemblespiel vereinigen zu können. Es entstand das peinliche Gefühl eines Laientheaters, nur alles ins Größere, Ueberdimensionale verzerrt. Die Kamera tat ihr möglichstes, die auftretenden Plattheiten der Handlung ins rechte Licht zu rücken. Dem Regisseur schwebte wahrscheinlich ein Film eindringlichster Realistik vor, er versuchte einen dankbaren, aber heiklen Stoff zu großartiger Wirkung zu komponieren, aber es wirkte wie eine Persiflage oder eine Parodie des ganzen Themas, das an die „Lust des Lebemannes, die Tragödie eines europäischen Rasseweibes in drei Doppelakten“ der Stummfllmzeit erinnerte. Die deutsche Synchronisation trug dazu bei, die verbliebenen Mittelmäßigkeiten dem Zuschauer mit peinlich wirkender Eindringlichkeit vor Augen zu führen. —st

THALIA. - „Der Seelenbräu.“ Nach Zuckmayers gleichnamiger Novelle wurde dieser Film gedreht. Die sich aus den gegensätzlichen Machtstellungen des Brauherrn und des Dechanten ergebenden dörflichen Streitigkeiten, stellen den Inhalt des Stückes dar. Der Herr Dechant wettert von der Kanzel gegen die „Vielfraße und Biersäufer“, und der Gastwirt möchte eine Stellung als Respektsperson nicht angetastet wissen; auch nicht wenn es sich um das Heil seiner aus der klösterlichen Schule fortgelaufenen Nichte dreht.

„Der Seelenbräu“ wurde zu einem Streifen, in welchem der deutsche Nachkriegsfilm sein Tief überwunden hat. Wenn man Leute wie Ucicki vor das Ensemble stellt, und endlich jene schwachbrüstigen Nachkriegs-Ressentiments beiseite läßt, ergeben sich Filme, die zur internationalen Spitzenklasse zählen können, wie es hier der Fall ist.

Paul Hörbiger bringt es fertig, sich auch nicht in einer einzigen Szene die große schauspielerische Routine anmerken zu lassen. Der kräftigen Figürlichkeit des Dechanten gibt er gläubige Innigkeit voll kindlicher Demut, die den blutvollen Priester in der Erschütterung nicht alleine läßt.

Dem cholerischen Temperament des Brauherrn und Gastwirtes — Matthias Hochleitner — Heinrich Gretler hat die Rolle übernommen, gelingt die erforderliche Mischung zwischen krachlederndörflicher Verbundenheit, und über profane Enge hinausblickende Gescheitheit, glatt. (Man verzichtete hier endlich auf oft geübten hochgebirglichen Mythos.)

Agjala Schmid dürfte sich mit ihrer Clementine in den Vordergrund gespielt haben. Verhaltenheit macht nicht mehr als nötig, explosiver Leidenschaftlichkeit Platz. Ihr Gemmen-Profil beherrscht die Tastatur der Gefühle vollkommen, und Robert Lindner, ihr Partner, verwandelt den Dorf Schullehrer zum jungen Schubert.

Das Stück ist aus einem Guß und kann und darf großen Erfolg beanspruchen, ng.

PALAST. - „Königin der Landstraße“. Zwei Welten stehen sich gegenüber: die der Manege mit dem Fluidum des Losgelöstseins von allen bürgerlichen „Beengungen“, mit dem Blick in die Weite, der Unrast dessen, dem die Landstraße Heimat wurde, auf der er geboren wurde und an deren Rand man ihn zu Grabe trägt. Ihr gegenüber steht die an eine traditionsüberladene, in ihren Standesbegriffen anachronistisch gewordene Adelsfamilie, dereÄ jüngere Generation sich zwar befreien möchte von überholter Gebundenheit, es aber nicht vermag, rückhaltlos aus der Sicherheit des Standesbewußtseins herauszutreten. Aus diesen beiden menschlichen Gesellschaftsschichten lernen sich zwei Menschen kennen, lieben sich und trennen sich wieder, weil sie erkennen, daß sie nicht über ihren eigenen Schatten zu springen vermögen.

Der Film verzichtet auf ein Happy-End, ohne dabei tragisch zu enden. Er ist wahr in seiner Handlung, echt in seinen psychologischen Zügen. Wohltuend wirkt das schlichte, wohl abgewogene Spiel der Hauptdarsteller, Angelika Hauff und Rudolf Prack. Die Kamera unterstrich geschickt die durch die Handlung bedingte Kontrastierung der beiden Gesellschaftssphären. Die Regie verzichtete auf große Effekte und erreichte damit eine bestechende Eindringlichkeit. nn

UNION. - „Der Theodor im Fußball¬ tor“. Wer sich überhaupt für den Film interessiert oder wer etwas für den Fußball übrig hat — und wer hat das in Darmstadt heute nicht —, der wird am Theodor im Fußballtor, der nun auch zu uns gekommen ist, seine herzliche und unbeschwerte Freude haben. Fußball und Liebe sind die Hauptmomente in dem Film, und dem schon lange gehörten Schlager in der Musik von Werner Bochmann begegnet man nun mit Schmunzeln auch auf der Leinwand. Eine ganze Reihe bester Kräfte wirkt in dem Film mit, Theo Lingen natürlich, Gustav Knuth und Hans Moser, der diesmal weniger nuschelt, sehr viel Türen schmeißt, ein rechter „Gschaftlhuber“ ist und — oh Wunder! — bis auf das letzte Wort verständlich. Als junges Paar sehen wir Josef Meinrad und Katja Mayberg, beide herzhaft, frisch und am Ende, wie es sich gehört, glücklich vereint. Die Fußballszenen sind so zwanglos und selbstverständlich eingefügt, daß auch der Nichtfachmann mitkommen kann und so waren, als das „Ende“ von der Leinwand herabflimmerte, wohl alle die vielen Besucher mit dem Film wie mit den drei Theodoren recht zufrieden, die wie in einem Wirbelsturm eineinhalb Stunden an ihren Augen vorbeigezogen waren. e H. W. W.

HANSA. - „Unter Piratenflagge“. Das war einmal ein Film, der das Herz jedes abenteuerlustigen Menschen zwischen sieben und siebzig höher schlagen ließ. Errol Flynn, der gutaussehende Standardabenteuerer des amerikanischen Films, mimt anderthalb Stunden lang den racheheischenden Bürger, der als Arzt einem irischen Rebellen ärztliche Hilfe gibt, dafür wegen Hochverrats vor das Gericht des Königs kommt, nach Westindien deportiert, als Sklave für zehn Pfund von der schönen Arabella Bishop (Olivia de Havilland) erstanden wird, mit seinen Sklavenkollegen ein Piratenschiff kapert und munter unter dem Totenkopf segelt.

An vielen Stellen des ausgezeichnet photographierten Streifens hält man die Luft an, teils, weil man vor Spannung kaum auf dem Sitz bleiben kann, teils, -weil hier ein Schicksal mit grandioser Wucht und Konzentration abrollt. Das Buch, nach dem der Film gedreht worden ist, war in den Staaten ein Riesenerfolg. Die Regie von Michael Curtiz war flüssig und auf Bewegung abgestellt, die Darsteller spielten mit männlicher Wucht und muskelstrotzendem Elan, alldieweil die einzige Frau, die zwischen piratischen Intrigen und dem Schwanken ihres eigenen Herzens stand, voll bezaubernder Anmut war. Immer wieder überrascht, wie Olivia de Havilland sich in jede ihrer unterschiedlichen Rollen hineinzuleben versteht.

Es ist ein meisterlich gekonnter Film der amerikanischen Abenteuerproduktion, der jeden begeistern muß, der auch nur noch einen Funken „unruhiges Blut“ in seinen Adern hat. hfl

DIE STAMMTISCHRUNDE

Zeichen und Wunder

Seit zwei Tagen naite icn nun in memei Kennug uam dem „nackten Mann“ Ausschau. Vergeblich. Ich habe im geheimen gehofft, daß irgendwann einmal ein, Angehöriger des weniger stoppeligen Geschlechts sich an diesen „Waldläufen beteiligen würde. Seit mein Eh-Gesponst mein Interesse an diesen „märchenhaften Erscheinungen“ bemerkt hat, schickt sie mich nie mehr alleine zum Beerensuchen in den Wald...

Ich verstehe das Entsetzen der Menschen über dieses Phänomen nicht. Nackt ist im Walde schließlich alles. Oder haben Sie schon einmal Farnkräuter mit Schlips und Kragen gesehen? Oder Tannen mit Hosenträgern? Anstößig kann das Phänomen doch nur sein, wenn es — nun sagen wir, bei einem VDA-Ball im Saalbau auftreten würde. Aber so? ...

Gewiß, man kann nicht von jedem verlangen, dab er die Sache mit meinen Augen. Ich würde die Exhibitionisten einiach neu kiassinzieren. Als 4. Klasse hinter Mensch, Tier und Pflanze z. 8., und würde es so beschreiben: nicht recht Tier, dem Menschen unähnlich, am ähnlichsten den Pflanzen — wuchert an Waldrändern, kommt meist vereinzelt vor und scheint die Nähe von unbescholtenen Mädchen zu bevorzugen.

Immerhin könnte es aber auch sein, aan so ein ^rniei uie eigene xxvsc an einen amerikanischen Schwager abgetreten hat, alldieweil jener die seine beim 38. Breitengrad voll bekam. Allerdings fände ich dabei die Liebe etwas zu weit getrieben. Zwar steht im Buch der Bücher die Legende mit den 2 Röcken, von denen man immer einen verschenken soll. Von einer Hose ist aber meines Wissens nicht die Rede. Oder habe ich damals gerade gefehlt? .

Vielleicht leiden diese Menschen auch unter menschlichen Gebrechen. icn jedenfalls hätte Angst vor einem Schnupfen. Trinken wir gleich einen Glühwein auf Rechnung von „ ~ , Tom Tunichtgut



To take care

Seit der Krieg zu Ende ist, geht es uns glänzend. Im Krieg haben wir gehamstert, von der Rasierklinge über die Kohlrübe bis zum Kühlschrank. Nach dem Kriege haben wir auch gehamstert, sind in Brillanten gereist, haben mit Kamelen geschoben, schwarzen grünen Kaffee braun gebrannt und darüber hinaus klobige Carepakete vom Postamt auf abgelegenen Pfaden in die heimatliche Behelfswohnung gewuchtet.

So ein Carepaket hat es in sich. Man trug es mit Sorge, daß die Verwandtschaft und die Hausbewohner einen nicht auf der Straße trafen, und nahm sich in acht, wenn man den Kaffee verscheuerte, um mit dem Geld von langmähnigen Jünglingen mit amerikanisch-polnischem Akzent schwarzen Tee oder ein Gramm Gold für einen Stiftzahn einzuhandeln. Der Tee war fragwürdig und das Gold Messing, aber alles in allem war es eine lustige Zeit. Ich bin dünn geworden davon, dünn von ständigem Lachen und Weißkohlgemüse.

Es kam eine andere Zeit, da schickten wir Carepakte in den Osten und nach Uebersee, um unsere armen, aber ehrlichen Mitmenschen mit Rübenöl und geschmuggelter Schokolade zu beglücken. Es waren herrliche Zeiten. Man trug die Pakete mit Sorge auf abgelegenen Pfaden zur Post, damit die Verwandtschaft nicht merkte, daß es einem gut ging, und man mußte sich in acht nehmen, wenn man fürs Ausland schwarzen Kaffee schwarz einkaufte, und das Zollamt nrellte.

Es kam eine andere Zeit, als man wieder klobige Carepakete vom Postamt auf abgelegenen Pfaden in die heimatliche Neubauwohnung wuchtete, nur kamen sie jetzt ex Oriente. So sind die Menschen, hilfsbereit bis zum letzten Stück Würfelzucker, und die lieben Mitmenschen aus dem Erdteil jenseits der Spree können sich gar nicht genug darin tun, uns armen Westeuropäern dicke Zuckerpakete über die Grenze zu schicken. Da sandte mir jetzt jemand zwanzig Kilo Tangermünder Raffinade, — einfach raffiniert! Der Liebesgabendienst läuft auf Hochtouren, und ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als schicke man den Zucker immer im Kreis herum. Erst aus dem besseren Jenseits in die Kolonien, und von hier nach drüben, von wo er wieder hierher zurückkommt.

Wenn man mir nicht gestern meine Zuckerrübe mitsamt dem Blumentopf vom Fenster geklaut hätte, käme ich in Versuchung, besagten Zucker wieder nach Amerika zurückzuschicken, zumal dort der Kandiverbrauch seit dem Koreakonflikt ins Ungemessene gestiegen sein muß. Fridolin Hunter



Auf der Pirsch

Vor einiger Zeit hatte Förster Weidlich (sein Name ist erfunden, nicht die Geschichte) einen Wildschweinwechsel ausfindig gemacht. Da er meine Jagdpassion kannte, lud er mich ein...

Schweigend hocken wir nebeneinander auf dem Hochstand und schmauchen bedächtig unsere Pfeifen, während sich die Lichter zwischen Tag und Nacht kaum merklich ablösen. So wie die Sonne gesunken, war der Mond gestiegen und hängt nun zwischen den wippenden Baumkronen, deren zarte Schatten auf dem Grase tänzeln.

Plötzlich beginnt es sich zu regen: aus dem Dunkel tauchen zwei Gestalten auf, die langsam auf uns zukommen. Wir erkennen einen seriösen alten (sehr alten!) Herrn und ein blondes junges (sehr junges!) Girl, das den ein wenig zögernden Alten stützt. Grad unter uns faltet das seltsame Pärchen ein Plaid auseinander, auf dem er sich umständlich niederläßt, eine Zigarre anzündet, indes sie sich blitzschnell hinter einem Busch unseren Blicken entzieht.

Wenig später schwebt über die mondhelle Lichtung eine leichtfüßige Waldfee, sofern Feen unbekleidet zu tanzen pflegen. Ihre anfänglich schmeichelnden Bewegungen beleben sich allmählich, werden heftiger und hastiger, knoten sich, kreiseln, wirbeln Förster Weidlich rutscht unruhig auf der Bank hin und her, bis er sich hingerissen über die Brüstung lehnt. Komisch, mir ergeht es ebenso. — Und der alte Genießer trommelt auf seinen spitzen Knien herum, die erkaltete Zigarre baumelt ihm ganz kümmerlich zwischen den Lippen, und seine Augen wollen aus den Höhlen herausrollen ...

Die Spannung wächst. — Da klatscht der Alte in die Hände, die Fee verschwindet und verläßt kurz darauf manierlich mit dem rätselhaften Herrn die Lichtung.

Stille. Klopfende Herzen. Und ich dachte so vieles, während es Weidlich summend mit der Jugendzeit hielt, die nun mal so schön sei. Dann aber brach er plötzlich ab,3 knurrte mißmutig: „Gehn mer harn, mit de Wildsäu werd’s heit doch nix mehr. “ Hein Rougeot



In der Stadt notiert

Die Siedlergemeinschaft Darmstadt- Waldkolonie veranstaltet anläßlich ihres 15jährigen Bestehens einen Festabend heute, Samstag, im Garten zur Milchklause in der Michaelisstraße. Nachmittags um 16 Uhr wird sich die Siedler-Jugend zu einem blumengeschmückten Festzug durch das Siedlungsgelände versammeln. Im bunt mit Lampions beleuchteten Festgarten soll um 19.30 Uhr der große Festabend mit Tanz und froher Unterhaltung beginnen.

Die Darmstädter Sängerschaft hält ihre erste Gesamtprobe der Massenchöre für den 10. September am Mittwoch, den 6. September um 20 Uhr in der Turnhalle der Diesterwegschule (Eingang Taunusring) ab. Die Hauptprobe findet am Sonntag, den 10. September, um 10 Uhr in der Aula der Lessingschule statt.

Zwei fahrende Lastzüge streiften sich am Freitagmorgen um 10.40 Uhr auf der Autobahn bei der Einfahrt Darmstadt, als ein auf die Autobahn einfahrender Lastzug einen gerade anfahrenden rechts zu überholen suchte. Es entstand Sachschaden.

Ein Dreiradlieferwagen stieß mit einer Zugmaschine an der Kreuzung der Kahlertstraße mit dem Taunusring zusammen. Der Lieferwagen stürzte dabei um, es entstand Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt.

Motorrad und Lastwagen stießen an der Kreuzung Frankfurter Straße und Taunusring zusammen. Der Kradfahrer rannte gegen die linke Tür des LKW und stürzte dabei. Es entstand ein Sachschaden von etwa 300 DM.

Ein Sachschaden von 1200 DM entstand als gestern früh gegen 9.10 Uhr im Stadtteil Bessungen ein Straßenbahnzug der Linie 8 und ein Lastkraftwagen zusamrnenstießen. Beide Fahrzeuge fuhren die Heidelberger Straße in Richtung Stadt-S?’Als in die Wilhelmstraße d^bStr!ßAU"h kUrZ VOr der Straßenbahn die Straße überqueren wollte, prallte der Fuhrerwagen des Zuges auf ihn auf. Beide „r-byf??B6 w.urden beschädigt, Personen glücklicherweise nicht verletzt.

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STARKENBURG

Wasserleitungsbau im „Diesseits”

Kailbach, das liebliche Dörfchen im Ittertal, bildet ein verwaltungsmäßiges Kuriosum, unter dem die Einwohner sehr zu leiden haben. Von Natur aus eine Einheit darstellend, ist das Dorf entlang dem Itterbach seit alten Zeiten in zwei Teile zerrissen, als „jenseits“ noch das kurmainzische Besitztum und „diesseits“ gräflich Erbach-Erbach‘sches Gebiet war.

Seit 1890 kämpfen die Kailbacher vergebens um die Vereinigung der beiden Ortsteile. Das „Jenseits“ bildet eine selbständige Gemeinde, die aber mit Hesselbach den Bürgermeister in Personalunion besitzt. Kailbach diesseits dagegen ist ein Ortsteil von Schöllenbach. Während es im Jenseits schon eine Wasserleitung gibt, hat Kailbach diesseits nur einige Brunnen mit sehr schlechtem Wasser. Der Bau einer Wasserleitung wurde bisher immer hinausgeschoben, bis die Zusammenlegung der Ortsteile erfolgt ist. Jetzt wurde es den Einwohnern des Diesseits zu dumm. Sie hielten im Gasthaus Haushammer eine Versammlung ab und beschlossen, sich in Selbsthilfe eine Wasserleitung zu bauen.

Der überwiegende Teil der Einwohnerschaft beteiligt sich an dem Projekt, nur einige Anlieger am unteren Brunnen bei der Brücke wollen sich mit dieser zwar ergiebigen, aber schlechten Wasserversorgung begnügen. Für die Wasserleitung im Diesseits soll der „Lochbrunnen“ neu gefaßt und die schon vorhandene Brunnenkammer tiefer gelegt werden. Es wurden bereits Verhandlungen mit der Grundstückseigentümerin 'aufgenommen, der Güterverwaltung des Grafen zu Erbach-Fürstenau in Steinbach sowie mit der Bundesbahn, die seither die Wassernutzungsrechte an der Quelle hatte, -ch

Zelte bei Vielbrunn

Buntes Leben und Treiben herrscht zur Zeit in einem Zeltlager, das der Kreisjugendring Miltenberg in Ohrenbach bei Vielbrunn im Odenwald veranstaltet. 11 große amerikanische Zelte beherbergen für zehn Tage eine etwa 100 Köpfe zählende Mädchenschar aus dem Odenwald und Maintal. Freude und Erholung sollen sie im Erleben der Gemeinschaft des „Sozialen Jugendwerkes“ in dem stillen, landschaftlich reizvollen Tal finden. Ein Küchenzelt sorgt für das leibliche Wohl der jugendlichen Gäste. Besonders am Sonntag, dem „Besuchstag“ des Zeltlagers, konnten sich viele besorgte und neugierige Väter und Mütter davon überzeugen, daß die Mädel in bester Obhut sind. Sie werden nach Ablauf der zehn Tage einer Jungenschar von gleicher Stärke Platz machen. (eb)

DL IDH ruft Tibet

Ein kleiner Großsender auf der Schreibtischplatte

An einem Schreibtisch sitzen und sich nach Belieben mit einem Teilnehmer in Afrika, Australien und Amerika durch Morsezeichen unterhalten zu können, gehört wohl zu dem Traum vieler Menschen, — viel mehr noch, wenn man durch ein Mikrophon sich mit irgendjemand unterhalten kann, der fünftausend Kilometer entfernt seinen Wohnsitz hat, und von dem man annehmen könnte, er ruft aus dem anderen Ende der Stadt per Telefon an.

Es gibt eine ganze Anzahl Glücklicher, die sich dies leisten können. Es sind Kurzwellenamateure, Männer mit einem großen funktechnischen Wissen. Allein im Bundesgebiet sind 1500 Lizenzen an Amateursender ausgegeben worden und in Amerika, dem klassischen Land der „Privatfunker“ gibt es etwa 70 000 Stationen, dreimal mehr, wie auf der übrigen Welt.

Was treiben diese Funkliebhaber nun? An einem großen Schreibtisch voller Funkgeräte sitzt in Trautheim Herr Hermann Scior und lauscht in den Aether. Als lizenzierter Kurzwellenamateur besitzt er zwei Sendempfänger zu 40 und 25 Watt. Diese Anlagen, die ihre Energie von 1000 Volt durch Gleichrichterröhren erhalten, werden auf dem 80-, 40-, 20- und 10-Meterband betrieben, während mit dem Ultrakurzwellensender auf der Breite von 2-Bandmeter gearbeitet wird. Mit Hilfe der Funktelegrafie oder der Funktelefonie ist es möglich, sich mit anderen Stationen auf der ganzen Welt zu unterhalten.

Der Amateur sucht eine Zeitlang den Bandbereich nach einem „Allgemeinen Anruf“ ab, wo ein Kollege Verbindung sucht. Dafür gibt er das Morsezeichen CQ und fügt seinen Stationsschlüssel hinzu. Der Partner stimmt dann dessen Frequenz ab und ruft zurück, worauf erst einmal der Austausch der technischen Daten der einzelnen Stationen erfolgt, ob jemand mit Kristallsteuerung oder mit variablem Oszillator (die frequenzbestimmende Einheit am Sender) arbeitet, wie stark die Anlage ist und wie der Empffang.

Nun stht nichts mehr im Wege, sich zwei Stunden lang über das Wetter in China oder über die letzte Heuschreckenplage im Nildelta zu unterhalten. Hat man das Glück, einen überseeischen Partner in „die Röhre“ zu bekommen, dann schickt man ihm eine QKL-Karte, auf dem Tag und Stunde des Empfangs, sowie die eigene Sendeanlage beschrieben ist. Herr Scior, ein „alter“ Amateur, hat solche Karten aus Tibet, Alaska und Tanganjika bekommen, und Hunderte von ihnen

zieren die Zimmerwände und legen Zeugnis ab von einer geglückten Verbindung mit einem anderen Kurzwellensender ab. Wenn der Empfang gut ist, kann man den Teilnehmer so deutlich durchs Mikrophon hören, als ob er im Nebenzimmer säße und durchs Haustelefon spräche.

Eine Unzahl von verschiedenen Geräten gehört zu solch einer großen Anlage, und selbst eine automatische Rufzeichenmaschine ist vorhanden, um sich die langweiligen CQ-Rufe zu ersparen. Man braucht nur noch hin und wieder auf Empfang umzuschalten und zu hören, ob sich jemand meldet. Jede Kurzwellenstation hat eine Chiffrenummer. In einem dicken Buch sind alle KW-Stationen der Welt verzeichnet.

Die Trautheimer Sendeanlage hat das Zeichen DL 1 DH, von dem die ersten beiden Zeichen Deutschland, das Herkunftsland, bezeichnen. Aber . nicht nur der Uebersee- und Inlandverkehr ist Gegenstand der Amateurarbeit. Herr Scior hat darüber hinaus transportable Sendeempfänger gebaut, die man sich bequem um den Hals hängen kann. Wenn zwei Mann in entgegengesetzter Richtung davongehen, können sie sich während des Marsches durch die Funktelefonie unterhatlen, ein Vorläufer des Taschentelefons. Der 0,2-Watt-Sendeempfänger gestattet über Entfernungen bis zu 70 Kilometer einwandfreien Empfang, während man mit dem tragbaren Ultrakurzwellengerät von 0,5 Watt 120 Kilometer überbrücken kann.

Es ist eine interssante Beschäftigung, Kurzwellenamateur zu sein, und über die Freizeitgestaltung hinaus bringt die Arbeit der vielen Stationen auch wissenschaftliche Erkenntnisse, die später beim Betrieb und Bau anderer und größerer Anlagen verwendet werden können, -st

Die Erlenbacher Spielschar gastiert im Reinheimer Volkshaus am Sonntagabend mit dem dreiaktigen Lustspiel „Ein Blitz aus heiterem Himmel“. Regie führt Erhard Steinke. eb

Viehdiebstähle im Bachgan aufgeklärt

Großvieh im Werte von über 10 000 DM gestohlen und verschoben

Die zahlreichen Diebstähle von Großvieh, über die wir im einzelnen bereits berichteten, haben ihre Aukflärung gefunden. Nadi den anfänglichen Ermittlungen mußte die Gendarmerie zu der Auffassung kommen, daß es sich in jedem Falle um eine organisierte Bande handelte, zumal die Spuren, soweit sie zunächst überhaupt zu verfolgen waren, auf Abtransport der gestohlenen Tiere über den Main nach Bayern und vermutlich noch weiter nach Osten schließen ließen.

Schon bald aber wurde auf einem Acker in der Nähe von All he i m ein Herrenfahrrad gefunden, das — wie die weitere Untersuchung als richtig erwies — dem Manne gehören müßte, der in der betreffenden Nacht eine Kuh gestohlen und sie quer durch den Wald auf den Main zu getrieben hatte. Dieser erste Hinweis führte dazu, daß man die Annahme des Bandendiebstahls fallen ließ und sich einzig und allein auf die Spurensicherung mit dem Ziel der Ermittlung des Täters konzentrierte.

Viele Tage und manche Nacht waren die Gendarmen des Kreiskommissariats Dieburg unterwegs, gingen oder fuhren Streifen durch die Wälder und Felder des Bachgaues, bewachten die Dorfein- und -ausgänge und die Weidekoppeln. Lange Zeit blieb ihre Mühe unbelohnt — im Gegenteil: gerade in der Nacht, in der sie der bisher am meisten heimgesuchten Gegend um Klein-Umstadt ihre Aufmerksamkeit zuwandten, verschwanden von einer Weide bei Habitzheim zwei Stück Großvieh. Aber gerade dieser Diebstahl führte vor einigen Tagen auf die richtige Spur. Nachdem durch die Beobachtung und den Vergleich der verschiedenen inzwischen gesicherten Spuren einwandfrei feststand, daß keines der gestohlenen Stücke mit einem Lastkraftwagen abtransportiert, sondern alle im Fußmarsch — allerdings unter Vermeidung sowohl der Landstraßen als auch der Schneisen — weggebracht worden waren, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Gendarmen auf die Mainübergänge. So erfuhren sie— denen selbst die bestohlenen Landwirte nicht alle ihre Beobachtungen mitgeteilt und damit die Ermittlungen oft unnötig erschwert hatten — an der Fähre Niedernberg, daß in ganz bestimmten Zeitabständen, die in unverkennbarem Zusammenhang mit den Diebstählen standen, ein Unbekannter Großvieh übergesetzt hatte. In Zusammenarbeit mit der Bezirksinspektion der Landespolizei Obernburg konnte der in Sulzbach (Kreis

Obernburg) wohnhafte Metzgermeister R. K. als ständiger Abnehmer des gestohlenen Großviehs ermittelt werden. In seinem Stall wurden noch zwei Rinder festgestellt, die aus Diebstählen herrührteri; sie wurden beschlagnahmt und ihrem Eigentümer wieder zurückgegeben. In diesem Zusammenhang wurden bei der Häuteverwertungsgenossenschaft Aschaffenburg zwei Rinderhäute vorgefunden. K. hat alle gestohlenen Rinder bis auf zwei geschlachtet, diese Geschäfte jedoch nicht in seine Bücher eingetragen. Er wurde wegen Sachhehlerei und Begünstigung in Untersuchungshaft genommen.

geb. 25. April 1901 in Lassinsk, Kreis Konin bei Lemberg, zuletzt wohnhaft in Röllbach, Kreis Obernburg (Bayern), 1,72 m groß, untersetzt, Kopf breit-oval, braune Gesichtsfarbe, dunkelblonde Haare, dunkelbraune Augen, gradlinige Nase, oval-bogenförmige Ohren, vollständige Zähne, Fistelstimme, spricht polnischen Akzent.

Die Bevölkerung wird um Mitfahndung gebeten; zweckdienliche Angaben sind an da.' Gendarmerie-Kreiskommissariat Dieburg oder an die nächste Polizeistation zu richten.

Mit der Festnahme des K. war man hinsichtlich der Ermittlung des Täters einen großen Schritt vorwärts gekommen. Bei dem Dieb handelt es sich Um den 49. Jahre alten Viehhändler Julius Schulz aus Lassinsk bei Lemberg, der wegen zahlreicher gleicher Straftaten schon seit längerer Zeit von der bayerischen Landespolizei gesucht wird. Er hatte lange Zeit Viehdiebstähle in Bayern begangen, sein damaliges Revier aber, al* man ihm auf die Spur kam, verlassen. Schulz war schon verschiedene Male ■ ‘ - nommen worden, doch reichten die V - dachtsgründe nicht zu einer Verhaftung aus. Im April d. J. hatte er sein „Jagdgebiet“ in den Bachgau verlegt und in den Gemeinden Alt heim, Schaafheim, Harpertshausen, Klein-Umstadt (Häuser Hof und Grünehecke-Hof), Richen und Habitzheim allein zehn Diebstähle ausgeführt. Er verschaffte sich die nötige Ortskenntnis in vielen Fällen dadurch, daß er Sich in den Gemeinden nach Landwirten erkundigte, die hochqualifiziertes Vieh haben. Er trat bei ihnen als interessierter Käufer auf, ging in die Stallungen und machte sich so mit den örtlichen Verhältnissen eingehend vertraut. Der Wert der von ihm gestohlenen Rinder wird auf mehr als 10 000 DM geschätzt, doch ist er, da es sich fast durchweg um hochqualifiziertes Zuchtvieh handelt, als noch weit höher anzusetzen. Schulz, der zuletzt in Röllbach, Kreis Obernburg, wohnte, ist noch flüchtig. (RG)


Julius Schulz aus Lassjnks
Julius Schulz aus Lassjnks

Unvorsichtige Radfahrerin

In der Bahnhofstraße in Michelstadt fuhr eine Frau mit ihrem Fahrrad am Freitagnachmittag aus der Hofeinfahrt der Firma Gottwald hinter einer parkenden Zugmaschine auf den Fahrdamm und stieß mit einem gerade vorüberkommenden Volkswagen zusammen, der zum Glück nur in mäßiger Geschwindigkeit fuhr. Die Frau stürzte zu Boden und zog sich Schürfwunden am Kopf und an den Armen zu. Ihr Fahrrad wurde beschädigt. -ch

Pendelverkehr um Mitternacht

Das Bergsträßer Reisebüro „Glück und Seitz“ richtet für das Winzerfest in Bensheim am Sonntag von 0 bis 1 Uhr nachts einen Pendelverkehr in beiden Richtungen vom und zum Bahnhof Bensheim ein. H. B.

Reicher Pilzsegen im Odenwald

Viele Bewohner der Ittertalgemoinden Schöllenbach, Hesselbach, Kailbach, Eduardsthal usw. haben zur Zeit- eine gute Nebeneinnahme durch den außergewöhnlich reichen Pilzsegen in den Wäldern. Besonders zahlreich kommen in ausgezeichneter Qualität Pfifferlinge vor. Es gibt auch sehr viele Steinpilze. Leider sind die fast durchweg schon im jungen Stadium vollkommen von Maden zerfressen. -ch

Frauenarbeitsring

Auf der gleichen Basis wie der bestehende Stadtjugendring trägt man sich mit dem Gedanken, in Groß-Gerau einen Frauenarbeitsring zu gründen, der parteipolitisch vollkommen neutral ist. Im September will man die erste Sitzung zur Gründung einberufen, bei welcher Bürgermeister Dr. Lüdecke referiert. Weiterhin soll auf dieser Sitzung ein Vorsitzender gewählt, die Satzung der Arbeitsgemeinschaft und eine Hausratshilfe- für Wöchnerinnen und erkrankte Mütter erläutert werden. Für den Winter sind Referate vorgesehen, die in der Hauptsache Erziehungsfragen und die Sorgen der Hausfrau im täglichen Leben behandeln. Kb.

Entbläßer mit Bewußtseins-Störungen

Stammelndes Nervenbündel vor dem Bezirksschöffengericht Michelstadt

Unvorhergesehene Komplikationen gab es am Freitag vor dem Bezirksschöffengericht in Michelstadt. Der zur Verhandlung stehende Fall war an sich klar. Ein 45 Jahre alter Jahrmarkthändler aus Winsbach/Unterfranken hatte während des Erbacher Wiesenmarktes eine 22jährige Frau aus Michelstadt, die in Erbach beschäftigt ist, am Morgen und am Nachmittag des 31. Juli d. J. in der Allee bei Stockheim belästigt. Während er sie am Vormittag nur festzuhalten versuchte, als sie auf ihrem Fahrrad vorüberfuhr, trat er ihr am Nachmittag als Entblößer entgegen. Am nächsten Tage konnte er fetgenommen werden. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Bei der gestrigen Hauptverhandlung gab er — wenn auch zögernd und unter Tränen — seine Tat zu, will sich aber nicht mehr erinnern können, was ihn dazu trieb.

Immerhin ist bemerkenswert, daß er in den Jahren 1929 und 1934 insgesamt 3mal wegen Verstoßes gegen den § 183 einschlägig vorbestraft ist. Jetzt entschuldigt er sich damit, daß er 80 Prozent kriegsbeschädigt, malarialeidend sei und an jenem Tage unter Alkohol-Einfluß gestanden hätte, so daß er nicht Herr seiner Sinne gewesen sei. Zweifellos ist der Mann ein neurasthenisches Nervenbündel. Das bewies sein haltloses Auftreten in der Hauptverhandlung. Die Verteidigung stellte den Antrag, durch ein ärztliches Gutachten feststellen zu lassen, ob ihm nicht die geminderte Zurechnungsfähigkeit des § 51 Abs. 2 zuzubilligen sei. Das Gericht unter Vorsitz von . Assessor Dies c h y gab dem Antrag statt und unterbrach die' Sitzung für einige Stunden, während der Angeklagte im Kreisgesundheitsamt Erbach einer Untersuchung unterzogen wurde. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung am Nachmittag gab die untersuchende Aerztin mündlich ihr Gutachten ab, aber so zögernd und ohne konkrete medizinische Stellungnahme, daß Gericht, Anklagevertieter und Verteidigung nichts Rechtes damit anzufangen wußten. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wiederholte der Angeklagte das bereits am Vormittag gestammelte Geständnis mit denselben Vorbehalten der Bewußtseinsstörung.

Die Verteidigung stellte schließlich den Antrag, den Angeklagten zur eingehenden psychiatrischen Prüfung seines Geisteszustandes für 3 Wochen in die Heil- und Pflegeänstalt Goddelau einzuweisen. Diesem Antrag gab das Gericht statt. Während des Aufenthaltes in Goddelau wird für den Angeklagten der Vollzug der Untersuchungshaft ausgesetzt. Zur gegebenen Zeit wird' ein neuer Termin anberaumt.

Der Steinbruch

Früher einmal — ich weiß nicht bis wann — wurden dort Steine gebrochen. Vermutlich rentierte sich das Geschäft nicht, und so blieb der Steinbruch liegen — ein gähnendes Loch in der Landschaft, eine Wunde, die langsam langsam von der gütigen Natur verdeckt wurde. Zwischen sonnensaugenden, braunschwarzen Melaphyrbrocken siedelte sich die Weichselkirsche an, mehr im Schatten Liguster. Heckenrosen kletterten die Hänge hinunter — zwischen Weißdorn und Schlehen — bis auf die Sohle des Loches, wo der Holunder sich eingefunden hatte, und die Brombeeren sich breit machten.

Selten nur kam ein Mensch in die Wildnis, obgleich sie nahe beim Dorf lag, dort wo die Aecker an den Wald grenzen. Abenteuerfrohe Kinder mögen, wenn kein ängstliches Erzieherauge es sah, den beschwerlichen Abstieg gewagt haben, hinunter zu dem kleinen, geheimnisvoll belebten Grundwasserloch, in dem die Molche beim Nahen der Schritte zwischen Wassergekräut verschwanden. In der sanft-beklemmenden, abgeschlossenen Einsamkeit fanden dann die Unternehmungslustigen — als Belohnung für den Mut ins Unbekannte — die süßen schwarzen Beeren. Wissenschaftler stiegen bedächtig hinunter, studierten am aufgerissenen Leib der Erde die Entwicklungsgeschichte unseres Planeten und nahmen Flora und Fauna unter die Lupe, ohne sich vom süßen Duft des Weißdorns verwirren und betören zu lassen. Vielleicht ließ sich auch des Abends ein Einsamer in die Wildnis lokken vom goldenen Klageruf der Unken und suchte Trost für Wunden, die ihm das Leben geschlagen? —

Der Krieg zog am Steinbruch vorbei. — Aber die trüben Sturmfluten des Nachkrieges schwemmten die unbrauchbaren Reste ihrer Strandgüter über seine Hänge: Blechdosen, zerschlagenes Geschirr, allerhand nutzloses Zeug wurde dort achtlos weggeworfen, und wie ein widriger Aussatz kroch das Gerümpel zwischen Weißdorn, Heckenrosen und Liguster die Steile des Hanges hinunter bis auf die grüne Sohle des weiten Loches, wo er mit der Zeit eine kantigrostige Endmoräne bildete, die schneller anwuchs, als die Natur sie überwuchern konnte.

Dann aber entdeckte eine junge Generation den Steinbruch und mit ihm eine Möglichkeit und eine Aufgabe. Klare Knabenstimmen schwangen sich aus dem Rund der verlassenen Grube: „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.“

Vielleicht war Schiller doch zu schwer für diese von zuviel unfreiwilligem Heroismus bedrückte Jugend? — Auf jeden Fall versank der Steinbruch noch einmal in die Ruhe der Vergessenheit. Aber nur für kurze Zeit. Dieselbe Jugend entdeckte ihn endgültig und zog ihn zurück ins Leben — in ihr Leben!

Durch Wochen und Monate wurde gearbeitet, geschleppt, geschippt, gegraben. Schienen wurden die Hänge hinuntergelassen, kleine Loren hinterher. In einem Halbrund der Steinwände wurde der Boden geebnet und auf der breiten Sohle des Steinbruches Erdstufen amphitheatralisch auf geschichtet, zuunterst die häßlichen Schutthaufen, zuoberst Erde und Sand. Seitlich am Hang entstand ein Weg, der in die breite Flure inden hage Weg, der in sanftem Zick-Zack-Schwung nach unten leitet. Mitunter löste sich aus dem Klirren der Arbeitsgeräte ein Lied, und wer um die Feierabendstünde den nahen Feldweg entlang kam, verhielt vielleicht erstaunt den Schritt, weil aus der verlassen geglaubten Wildnis — damals war sie gerade überhaucht vom bräutlichen Blütenschleier der Weichselkirschen- und Schlehenblüten — Chor- und Solostimmen drangen, nur deshalb nicht geisterhaft zu nennen, weil sie von Jugend und Frische kündeten.

Und dann, an einem Abend im frühen Vorsommer, konnten sie es zum erstenmal wagen, die Buben und Mädel: „Wir laden ein zum Singeabend“. Die dabei waren, werden sich noch lang und gern daran erinnern: frische Chöre wechselten mit weichen Blockflöten und Geigen. Aber sie wollten nicht alleine singen, nein, die Zuhörer sollten mitmachen. Sie bekamen vorgesungen und vorgespielt und ■— sie sangen mit! Hell klang der Kanon durch den sinkenden Abend. Noch schimmerten die Heckenrosen licht an den Hängen, und oben stand hoch das Korn und wiegte sich im Wind, als neige es sich nach den Klängen. Dann, als es dunkler wurde, umstanden ihres Amtes ernst bewußt die jungen Fackelträger die Stufen des Theaters, und auf dem Halbrund der Bühne flammte der Holzstoß. In die letzten Töne des „Ade nun zur guten Nacht“ fielen die ersten Tropfen eines fruchtbaren Sommerregens. Fluchtartig zerstob die kleine Schar der Gäste und lange dauerte es, bis der letzte der jungen Sänger Ruhe fand im Notquartier. Während der großen Ferien wurde das Korn auf dem Acker über dem Steinbruch geschnitten und-in die Scheunen gefahren. So kann, wer will, besser beobachten, daß ein regelmäßiges Kommen und Gehen in kleineren und größeren Gruppen in die verwandelte Tiefe dort unten ist, das sich nach Schule und Freizeit regelt. Viel Freizeit wenden sie daran, die jungen Menschen. Sogar am Sonntag es war um Pans stille Stunde, und ich dachte erst, meine Phantasie gaukle mir des Hirtengottes Flötenblasen leibhaftig hörbar vor fand ich den Steinbruch belebt von einer kleinen Gruppe und staunte nicht wenig: Neue Musik auf alten Instrumenten und zu einem alten Stück? Warum nicht? Ehrlich gesagt habe ich eigentlich zum erstenmal „moderne“ Musik ohne Widerstand, sogar mit einer leisen Freude, gehört. Lag es an der Akustik des offenen, lichten Raumes? Lag es an den Instrumenten? An der echten Begeisterung der jungen Spieler, die unverdrossen der Schwierigkeiten der ungewohnten Melodik Herr zu werden sich bemühten? Auf jeden Fall werde ich wieder dabei sein, wenn die fleißige, beschwingte Jugend diesmal zu einem Theaterabend einläd. Nicht mehr durch mannshohes Korn, das erst im letzten Augenblick den verwandelten Stembruch frei ibt, wird es gehen, sondern üb~r frisch umgebrochenes Feld bereit für neue Saat. Die Hagebutten an den Heckenrosenbüschen der Steilwand beginnen rot zu glänzen, schwer hängen die schwarzen Dolden des Holunders, und aus dem dunkeln Grün der Seh'eben schimmern geheimnisvoll in stumpfem Blau die Früchte. Sogar im dichten Gestrüpp der Brombeeren locken braunschwarze Beeren trotz der Jugend, die sich durch sie hindurch einen Weg zu einer selbstgestellten Aufgabe geschlafen ha'. Alles .zariet der Roi'o ent c cn auch diese Jugend, die spielend arbeitet arbeitend spielt und sich unermüdlich den Zugang schafft zu alten Werten und neuen Zielen. Lotte Rohde



Georg schrieb aus Pensylvania

Eindrücke eines Odenwälder Jungbauern in den USA

Der 18 Jahre alte Jungbauer Georg Siefert aus Hetzbach konnte Ende Juni dieses Jahres als einzigster aus dem Kreis Erbach zu einem einjährigen Studienaufenthalt in die Vereinigten Staaten fahren. In mehreren Briefen an seine Eltern, die in Hetzbach einen vorbildlichen Mittelbauernhof betreiben, und an den Resident-Officer des Kreises Erbach, Mr. Ouverson, schildert er die vielfältigen neuen Eindrücke, die er bereits in Amerika sammeln konnte.

Zusammen mit 30 Mädeln und 80 Burschen aus allen Teilen der amerikanischen Zone hatte er am 26. Juni von Bremerhaven aus mit der „General Alexander Patsch“ die Fahrt über den Großen Teich angetreten. Nach neun Tagen liefen sie im Hafen von New York ein, wo sie mit Musik empfangen wurden, in bereitstehende Reiseomnibusse umstiegen und nach New Windsor (Maryland) fuhren. Von dort aus wurden die deutschen Jungen und Mädel auf die verschiedenen Staaten verteilt. Georg kam nach Ge - tysburg in Pennsylvania zu einer jungen Farmersfamilie, die einen modernen Hof von 450 deutschen Morgen bewirtschaftet.

Georg war von seinem elterlichen Anwesen her rationelles Arbeiten und Auswertung der neuzeitlichen Erfahrungen gewöhnt, aber dennoch spricht aus seinen ersten Briefen Staunen und Bewunderung der gänzlich anders gearteten bäuerlichen Arbeitsweise in den Staaten. Dabei schildert er seinen Farmer als einen schlichten und rechten Bauern, der alles andere als ein hypermoderner Stadtmensch ist. Aber er macht sich — wie das drüben selbstverständlich ist — alle Errungenschaften der Technik und Agrarwissenschaft dienstbar. Er bewirtschaftet seinen Hof allein mit seiner Frau und seinen drei Kindern von 10, 8 und 4 Jahren. Georg ist jetzt der einzige zusätzliche Helfer, der von seinen Gasteltern wie ein leiblicher Sohn behandelt wird. Vom ersten Tage an vertraute man ihm Maschinen an, in Haus und Hof steht ihm jede Tür offen, kurz, er fühlt sich

wie zu Hause. Nur daß er dort mit ganz anderen Maßstäben rechnen muß.

Er schildert beispielsweise das Melken der 45 Kühe des Farmers, das innerhalb einer Stunde erledigt ist mit Hilfe von drei Melkmaschinen, die vom Farmer, dessen Frau und Georg bedient werden. Die Kuhställe werden alle acht Tage nur einmal gemistet, weil die Kühe nur zum Melken in den Stall kommen. Aber das Misten ist dort keine Arbeit, eher ein Vergnügen. In der Stallgasse läuft in einem Graben ein endloses Band. Man schaltet den Motor ein und in 10 Minuten ist der Stall gemistet, ohne daß man einen Finger krumm zu machen braucht. Das Förderband bringt den Mist sofort auf eine« Gummirolle, in die ein Miststreuer eingebaut ist. Was Georg am meisten in Erstaunen versetzte, war der Radiolautsprecher im Kuhstall. Während im Stall gearbeitet wird, spielt das Radio!

Von der Weizenernte mit einem modernen Mähdrescher berichtet Georg seinem Vater, daß dabei überhaupt kein Vergleich mehr mit den Odenwälder Methoden möglich sei. Nur mit dem Farmer allein habe er zwei große Weizenstücke abgeerntet, deren Abmessungen man nicht übersehen konnte. Die wunderbare Maschine mäht, drischt, putzt und sackt den Weizen ein. Nach Schluß der Ernte fuhren die beiden mit einem Traktor und zwei Wagen die Strecke ab und luden die Säcke auf.

Mit der Hand wird wenig geschafft, für alles sind Maschinen und Geräte vorhanden. Und Georg darf sie alle bedienen. „Welcher deutsche Bauer hätte das bei einem Ausländer getan?“, fragte er seinen Vater wörtlich. Der Farmer habe ihm gesagt, daß er bis September die Gegend so gut kennen müsse, daß er allein in die Stadt zur „Higschol“ fahren kann. Während der Wintermonate werden die deutschen Jungbäuerinnen und -bauern an der Schule weitergebildet.

Wohnung mit allen Schikanen

Unter der Anklage der Nötigung und Freiheitsberaubung standen der Landwirt H. aus Nieder-Kainsbach, seine Ehefrau und sein Sohn sowie dessen Braut vor dem Amtsgericht Reichelsheim.

Im April d. J. wurde bei dem Angeklagten H. eine alleinstehende Flüchtlingsfrau aus Breslau in ein beschlagnahmtes Zimmer eingewiesen. Bereits bei der Einweisung kam es zu Tätlichkeiten gegen die Beamten des Kreiswohnungsamtes, so daß polizeilicher Schutz notwendig wurde.

Schon vom ersten Tage an war die neue Mieterin andauernden Schikanen seitens des Angeklagten und seiner Angehörigen ausgesetzt. Unter anderem wurde ihr selbst das Wasserholen verwehrt. Fuhr der Bauer mit seinen Angehörigen aufs Feld, so schloß man die Flüchtlingsfrau in ihrem Zimmer ein, da man angeblich Angst hatte, „daß etwas gestohlen würde“. Oft mußte die Frau durch das Fenster steigen, um mit einer Leiter auf die Straße zu gelangen. Nur notdürftig bekleidet und barfuß wurde sie eines Abends ganz ausgesperrt, so daß sie für diese Nacht vom Bürgermeister in einem anderen Gebäude untergebracht werden mußte, nachdem auch die Polizei versucht hatte, den Bauern zur Vernunft zu bringen.

Die Angeklagten, die zunächst alles ableugneten, wurden — während über die Flüchtlingsfrau nichts Nachteiliges bekannt war — durch die anwesenden Zeugen bezüglich der Vörkommnisse überführt. Der Anklagevertreter betonte, daß eine Geldstrafe in diesem Falle nicht am Platze sei und nur eine Freiheitsstrafe angebracht wäre. Er verwies darauf, daß ein derart krasser Fall bisher in seinem Amtsbezirk nicht zu verzeichnen gewesen sei.

H. erhielt 6 Wochen Gefängnis, sein Sohn 3 Wochen, während die beiden Frauen zu je 50 DM Geldstrafe verurteilt wurden. tm

Grundsteinlegung in Mörlenbach

Am Sonntag findet am Neubau der evangelischen Kirche in Mörlenbach die feierliche Grundsteinlegung statt, die mit einem Richtfest verbunden sein wird. Der Propbst von Starkenburg, Pfarrer Rau, wird die Festansprache halten. Am Abend findet im Gasthaus „Zur Krone“ ein Bazar statt, der von unterhaltsamen Darbietungen umrahmt wird. Die evangelischen Kirchengemeinden des Weschnitztales und des Ueberwaldes sowie der Mörlenbacher Gesangverein „Einheit“ und der Posaunenchor Birkenau werden die Feier ausgestalten und umrahmen helfen. -r-

Naturschutz auf dem Kühkopf

Die vom Altrhein und der Neurheinstrecke zwischen Kilometer 468 und 474 umgebene Kühkopf-Insel soll ebenso wie ein dem Stockstädter Altrhein vorgelagerter Uferstreifen in das Naturschutzbuch der obersten Naturschutzbehörde eingetragen werden. Das Schutzgebiet hat eine Ausdehnung von 1725 ha und umfaßt Teile der Gemarkungen Guntersblum. Gimbsheim, Erfelden, Stockstadt und Biebesheim.

Eine Karte, in der die Grenzen dieses Schutzgebietes eingetragen sind, liegt derzeit 14 Tage zur Einsicht auf dem Landratsamt Groß-Gerau, Zimmer 53, auf. Einsprüche gegen die Eintragung des Kühkopfs als Naturschutzgebiet müssen schriftlich mit einer Begründung bis zum Ende der Auslegefrist bei dem Regierungspräsidenten in Darmstadt eingereicht werden. Die in der Landschaltskarte verzeichneten Naturkörper und Landschaftsteile dürfen vor einer Entscheidung über die Einsprüche weder verändert noch beseitigt werden. (cg)

Netze und Stores aus dem Odenwald

Besuch in der ältesten deutschen Netzefabrik in Reinheim

Der Faden spielt in der Geschichte der Menschheit eine ungeheure Rolle. Schon im grauen Altertum war ein Faden die Ursache, daß Theseus in das unübersichtliche Labyrinth marschieren konnte und dort jenen greulichen Wurm zur Strecke brachte, der der Nachwelt als Minotaurus überliefert wurde. Etwas später bedienten sich die römischen Gladiatoren geknüpfter Fischnetze, mit deren Hilfe sie ihre Partner einfingen und niederwarfen. Es war ein etwas rauher Sport, aber er beweißt, daß es zu jener Zeit schon eine Netzfabrikation gab, wenn auch rein manuell und nicht mit Maschinen, wie es heute die älteste deutsche Mechanische Netzfabrik Schroeder & Co. in Reinheim i. O. macht.

Sie wurde im Jahre 1875 gegründet und befand sich über zwei Generationen lang in Landsberg an der Warthe, besaß aber gleichzeitig einen Betrieb in Graslitz in der Tschechoslowakei. Nach dem letzten Krieg transportierten die Russen die Maschinen nach Sibirien, zerstörten die Fabrikationsanlagen, in denen 250 Menschen an 80 Maschinen ihren Lebensunterhalt verdienten, und wiesen die Deutschen aus. Die Firma kam mit nichts nach Reinheim und schuf ebenfalls aus dem Nichts einen neuen Betrieb, in dem jetzt 36 Männer und Frauen beschäftigt sind, die teilweise noch aus dem alten Betrieb stammen und sich im Laufe der Zeit eingefunden haben.

Mitte vergangenen Jahres wurde der Neubau der Fabrik fertiggestellt, und nun werden wieder auf riesigen Maschinen Fischereinetze und Knüpfgardinen, sogenannte Filetstores, angefertigt. Ein Zweigwerk befindet, sich in Brunsbüttelkoog in Schleswig-Holstein, in dem die Netze für die Fischerei zusammengesetzt werden. In der eigenen Baumwollzwirnerei werden die benötigten Garne hergestellt. Dieser Arbeitsgang

erfolgt auf 16 Meter langen Zwirnmaschinen, auf denen sich bis zu vierhundert Spindeln in rasender Schnelligkeit drehen, und wo aus mehreren Faden das Garn in der erforderlichen Stärke „gezwirnt“, das heißt zusammengedreht wird.

Der Vorzwirn, ein spinnendünner weißer Baumwollfaden, kommt auf sogenannte „Drosselcops“ in großen Kisten aus der Spinnerei. Auf Flechtmaschinen und Netzknüpfmaschinen erfolgt dann die Anfertigung der Fisch- und Krabbennetze. Ganz feine Netze weisen auf einen Quadratmeter bis zu 100 000 Knoten auf. Die fertigen Netze werden mit einer Zugbelastung von 5 Tonnen gestreckt, damit sich die Knoten zusammenziehen, und kleine Löcher, die durch Fadenriß in der Maschine entstehen, müssen von Frauen mit der Hand ausgebessert werden.

Außer den Fischnetzen werden auch Filetgardinen produziert, eine uralte handwerkliche Kunst, die im frühen Mittelalter durch die Nonnen in Klosterarbeit aufgekommen ist. Die Filet wird nach Fertigstellung in Heimarbeit bestickt, Ornamente kommen in die Unterkante hinein, breite Zickzack-Bänder und Blumenmuster. Als Nebenartikel werden noch Einkaufsnetze hergestellt. Früher wurden 60 Prozent der Produktion exportiert und auch heute geht ein Großteil der Erzeugung in die skandinavischen Länder, nach Kanada, West- und Ostafrika. Selbst auf der Mustermesse in Chikago war die Firma Schröder & Co. mit eigenen Erzeugnissen vertreten und legte damit Zeugnis von der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ab. hfl


Aufspulen der Schiffchen
Aufspulen der Schiffchen

lechtmaschine für Seile (links). — Moderne Netzknüpfmaschine (Mitte). — Ausbessern schadhafter Stellen in den fertigen Netzen. Fotos (4): Strauch
lechtmaschine für Seile (links). — Moderne Netzknüpfmaschine (Mitte). — Ausbessern schadhafter Stellen in den fertigen Netzen. Fotos (4): Strauch

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Ober-Ramstadt. — Die Angehörigen des Jahrganges 1895 treffen sich heute abend nochmals zu einer Aussprache im Gasthaus Franz R aü. D.

Jugenheim. — Der Bezirks-Obst- und -Gartenbauverein Weinheim a. d. B. unternimmt morgen im Omnibus eine Lehrfahrt nach dem Tal ho f zur Besichtigung der Obstanlagen. (oa)

Bickenbach. — Die ab 1. September auf der Strecke Darmstadt—Heidelberg verkehrenden Bundesbahn-Omnibusse halten am Friedrich-Ebert-Platz. Abfahrtszeiten Richtung Heidelberg: 08.16 und 13.16 Uhr; Richtung Darmstadt: 10.29 und 18.44 Uhr. rh.

DIEBURG

Dieburg. Die mit vielem Erfolg in Babenhausen durchgeführte Werbe- und Verkaufsmesse wird nun auch durch das Weva-Büro, Aschaffenburg, in der Kreisstadt abgehalten. Ausstellungstage sind vom 2. bis 4. September in den Räumen der „Ludwigshalle“. -gi-

Eppertshausen. Eine Bürgerversammlung, die das Thema „Feldbereinigung und Allmendnutzen“ zum Gegenstand hat, findet am kommenden Sonntag im Saale Johann Gruber statt. -gi-

Klein-Umstadt. Nach einem Gemeinderatsbeschluß wird die Lehrerwohnung in der Volksschule instand gesetzt. — Der Ortsdiener wird weiterhin im Amt belassen. -gi-

Groß-Umstadt. Der Odenwaldclub unternimmt am kommenden Sonntag eine schon lange geplante Fahrt an den Neckar.

Reinheim. Die hiesige Ortsgruppe des Odenwaldclubs unternimmt am Sonntag eine Tageswanderung von Höchst nach Mömlingen - Eisenbach und dem Obernburger Waldhaus. — Das gemeindeeigene Obst wird am kommenden Dienstag meistbietend versteigert. Die Bieter treffen sich vormittags 8 Uhr an der Dreschhalle. _eb- Fr.-Crumbach. In einer großen Nachtübung bewies die Freiwillige Feuerwehr ihre Schlagkräftigkeit. Bürgermeister Jost nahm an der Uebung teil. -gi-

Habitzheim. Der Theaterring-Odenwald hat auch in Habitzheim guten Anklang gefunden. Nahezu 50 Teilnehmer haben sich als Mitglieder bei dem Vertrauensmann Lehrer Glöckner beziehungsweise dessen Vertreter L ante 1 m e zum Theaterbesuch in Darmstadt eingeschrieben. jg.

ERBACH

Bad König. — Der Bezirksleiter der „Deutschen Lebensrettungsgesellschaft“, Dr. Lachmann, führte im hiesigen Schwimmbad einen zweiwöchigen Lehrgang für Rettungsschwimmer durch. Zehn der Teilnehmer konnten den „Grundschein“ erwerben. Gleichzeitig beteiligten sich auch 59 Schüler und Schülerinnen der Volksschule an den Uebungen für den Frei- und Fahrtenschein. Pi.

Reichelsheim. — Das Untersuchungsamt für Infektionskrankheiten in Darmstadt hat das Wässer des Schwimmbades bakteriologisch untersucht und als einwandfrei befunden. tm

BERGSTRASSE

Bensheim. Am Montag, dem 4. September, sind alle Dienststellen der Stadtverwaltung einschließlich der Verwaltungsstelle Auerbach für den Publikumsverkehr geschlossen. Für dringende Fälle ist das Standesamt und Einwohnermeldeamt von 11 bis 12 Uhr geöffnet. HB

Bensheim - Auerbach. Eine Monatsversammlung der Ortsgruppe Auerbach des Bundes der Fliegergeschädigten findet am Sonntag, 3. September, um 20 Uhr im Gasthaus Wuchenauer statt HB

Zwingenberg. Der allgemeine Weinbergschluß für die Gemeinde Zwingenberg wurde auf kommenden Sonntag festgesetzt. (HB) Lorsch. In der Umgebung treiben seit einiger Zeit drei Männer ihr Unwesen. Sie versuchen, kleine Kinder fortzulocken. An die Eltern ergeht die Warnung und zugleich die Bitte, nach Möglichkeit die Polizei zu unterstützen, um diesen ihr Handwerk zu legen. (el)

Winterkasten. Der große Saal des Gasthofes „Zur Sonne“ von Heinrich Vollrath ist nun auch in seiner Innenausstattung fertiggestellt und wird am Sonntag eingeweiht. Fu.

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. - Der zu sieben Monaten Gefängnis verurteilte Exhibitionist H. D. aus Rüsselsheim wurde am Dienstagmorgen sofort nach der Verhandlung jm Gerauer Amtsgericht verhaftet. cg

Silberne Hochzeit: Herrn Heinrich Klappich 7. und Frau Dora geb. Ebersmann, Klein-Gerau, Waldstraße 33.

Trebur. Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Mittwoch die zweitälteste Einwohnerin Treburs, die fast 92 jährige Frau Anna Elisabeth Luley geb. Jäger, bekannt als die „Quellenmutter“, zu Grabe getragen. Kb

Biebesheim. Für das am morgigen Tage stattfindende SPD-Unterbezirkstreffen. das mit dem Richtfest der Flüchtlingssiedlung verbunden wird, gibt die Bundesbahn Sonntagrückfahrkarten aus. -od-

Gernsheim. Die Schüler der Obersekunda des Realgymnasiums unternahmen einen zehntägigen Fahrradausflug nach Mainz, Koblenz, Maria-Lach, Trier, Idar-Oberstein, Bad Kreuznadi, Alzey und zurück. Die Nächte verbrachten sie in Zelten. -od-

Erfelden. Der Sandbach- Modau-Verband beabsichtigt in Zusammenarbeit mit dem Kreis, das rechts am Altrhcin verlaufende Bett des Sandbaches zu verkürzen und in gerader Richtung dem Rhein zuzuleiten. Damit soll die Ansammlung von Geröllmassen und Schlamm beseitigt werden. Kb

Zwingenberger Kriegsbeil ausgegraben

„Wir sind froh, daß wir ihn los sind!“

Gestern abend fand im Zwingenberger Adler-Saal auf Antrag mehrerer Bürger eine Bürgerversammlung statt, in der über das Thema beraten wurde, ob es die Bevölkerung Zwingenbergs zulasse, daß Herr Kiel das Amt des Bürgermeisters von Zwingenberg antrete.

Der große Saal war brechend voll, und selbst vor den Türen und Fenstern standen die Zuhörer, die dadurch bewiesen, daß die Zwingenberger Bürgermeisterkrise Sache der gesamten Bevölkerung ist. Seit mehreren Wochen bewegt die Frage der Neubesetzung der Bürgermeisterstelle die Stadt, und als bekannt wurde, daß der Bewerber Kiel aus Butzbach mit B'7 Stimmen des Gemeinderats zum neuen Stadoberhaupt gewählt worden war, grub die Bevölkerung Zwingenbergs das Kriegsbeil aus.

Die Versammlung stellte fest, daß sie mit der Wahl des Bürgermeisters nicht einverstanden sei.

Nachdem der Wahlakt vor wenigen Tagen vollzogen war, fuhr die Gegenpartei nach Butzbach, um sich über die Person des neuen Bürgermeisters zu informieren.

Herr M ü t z, der dort mit der FDP sprach hat folgende Auskunft erhalten: „Wir gratulieren euch, denn wir sind froh, daß wir Kiel los wurden.“ Ferner war festgestellt worden, daß der Bewerber Kiel keine kommunalpolitischen Qualifikationen besitzt. In der Ausschreibung habe es ausdrücklich geheißen, daß wenigstens die erste Verwaltungsprüfung abgelegt sein müsse, was aber für den neuen Bürgermeister nicht zutreffe.

Stadtrat Schmidt stellte fest, daß schon bei der Ausschreibung der Stelle Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. So habe in der Anzeige im „Hessischen Staatsanzeiger" der Endtermin für die Einsendung der Bewerbung auf 25. August gelautet, während in Wirklichkeit Einsendeschluß schon am 18. August gewesen sei. Zwischen CDU und SPD habe ein Kuhhandel stattgefunden, mit dem Ziel, den SPD-Parteisekretär Kiel auf den Posten des Bürgermeisters von Zwingenberg zu lancieren.

Die Bürgervensammlung kam zu dem Entschluß, einen Ausschuß zu wählen, der eine Resolution ausarbeiten soll, in der

1. festgestellt wird, daß der neue Bürgermeister Kiel nicht das Vertrauen der Bevölkerung besitzt, und

2. den acht Gemeindevertretern, die für Kiel stimmten, das Vertrauen abgesprochen wird.

Darüber hinaus wird gefordert, daß der neue Bürgermeister in öffentlicher Wahl durch eine Abstimmung der Zwingenbergerßürger gewählt wird. Dem Ausschuß gehören an: die Herren Fröhlich, Schuchmann, Breuer, Fornoff und Kinzinger sowie Frau Fleisch. -st.

Lastzug von Eisenbahn erfaßt

Am Donnerstagmorgen ereignete sich gegen 7.10 Uhr am Ortsgang Bickenbach ein Zusammenstoß zwischen der Nebenbahn Bickenbach-Seeheim und einem Lastzug mit Anhänger. Der Anhänger des Lastkraftwagens wurde von der Maschine des Zuges erfaßt und gegen das Blinklicht gedrückt, wobei er vom Motorwagen abgerissen und stark beschädigt wurde. Der Unfall wurde durch ein Mißverständnis zwischen dem Kraftfahrer und einem Eisenbahner, der die Blinklichtanlage überwacht, hervorgerufen.

HEGEMAG-Richtfest

in Michelstadt

Für das 12 - Familien - Wohnhaus der Hegemag an der Georg-Glenz-Straße in Michelstadt wurde am Donnerstag“- nachmittag in Anwesenheit von Regierungsrat Storck, dem Direktor der Hegemag, Baurat Dr. S p e e 1 vom Staatsbauamt Erbach und dem Leiter des Finanzamtes Michelstadt, Dr. Bannert, das Richtfest gefeiert.

Am 26. Juni war mit den Ausschachtungen für den Bau begonnen worden. 12 Drei-Zimmer-Wohnungen von insgesamt rd. 50 qm Wohnfläche sollen noch im Herbst größtenteils durch Beamte des Finanzamtes bezogen werden. Ein zweiter Bauabschnitt mit 6 Wohnungen soll, vorausgesetzt, daß die Finanzierung sichergestellt werden kann, in Kürze begonnen werden. -ch

60 Jahre ev. Kirche Dieburg

Die evangelische Kirchengemeinde Dieburg verbindet am kommenden Sonntag die Einweihung ihres Gemeindesaales und Jugendheimes mit einer Feier zum Gedenken an das 60jährige Bestehen der evangelischen Kirche. Festgottesdienst (9.30 Uhr), Feierstunde für Jugend und Gemeinde (15 Uhr) und ein Gemeindeabend (20 Uhr) bilden die Festfolge, während der Dekanatsjugendpfarrer Wolf, Ober-Klingen, eine Evangelisationsansprache hält und Ober-Studiendirektor Dr Grünewald, Sohn des ehemaligen evangelischen Pfarrers, während dessen Amtszeit die Kirche erbaut wurde, in einem Vortrag das Thema „Evangelische Kirche und Gegenwartsfragen“ behandelt. (rq)

Obstbauern im Schwarzwald

Heute startet, veranlaßt vom Kreisobstbauverband Erbach, ein Sonderzug mit Obstbauern des Kreises Erbach zu einer dreitägigen Lehr- und Besichtigungsfahrt zum Bodensee und in den Schwarzwald. Er verläßt frühmorgens Reinheim und nimmt in Höchst, Mümling-Crambach. Bad König, - Kirch-Brombach, Michelstadt, Erbach, Hetzbach, Schöllenbach und Kailbach weitere Teilnehmer auf. Ueber Heidelberg, Karlsruhe. Offenburg, Freiburg geht die Fahrt nach Radolfzell. Noch heute werden dann die Obst-Verkaufsgenossenschaft Radolfzell und die Obstbaubetriebe von Graf, Bodm an n. und Weber besucht Am Abend wird die Fahrt bis Konstanz fortgesetzt. Für den Sonntag ist eine Dampferfahrt nach Meersburg und der Insel Mainau geplant. Nachmittags wird der Obstbaubetrieb Sieger in Riedetsweiler besichtigt. Danach geht es mit Autobussen über Oberuhldingen bis Lindau. Am dritten und letzten Tag (4. 9.) soll dort das Obstbaugut Schlachter besichtigt und dann die Heimreise über Ulm, Stuttgart und das Neckartal entlang angetreten werden. Für die Unterhaltung während der Fahrt sorgt eine Musikkapelle und auch ein Tanzwagen fehlt nicht. An den Abenden findet in den Quartieren in Konstanz und Lindau jeweils geselliges Beisammensein statt. ptoo

DT am Sonntag WOCHENEND-BEILAGE DES DARMSTÄDTER TAGBLATTS

LA PRESIDENTA Eirta Peron

Schönste Frau Argentiniens — Der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel

Für die neu in unseren großen Leserkreis getretenen Abonnenten geben wir eine kurze Inhaltsangabe des bisher erschienenen Teils des Tatsachenberichts. Evita Peron, die Gattin des argentinischen Staatspräsidenten, ist das Kind eines Landarbeiters und auch, in kleinen Verhältnissen, bis zu ihrem 14. Lebensjahr auf dem Lande aufgewachsen. Bei Fahrten zu den Märkten lernte sie das Leben in der großen Stadt kennen, und eines Tages trat das aufgeweckte und vielseitig begabte Mädchen auf einer solchen Fahrt auch höchst selbständig und ohne eine Menschenseele zu fragen, den Flug ins große Leben an. Das schöne, rassig gewachsene Mädchen war zunächst ein sehr gesuchtes Modell namhafter Künstler. Als eines Tages auch ihre Stimme entdeckt wurde, war der Weg zur Bühne und zum Rundfunk frei. Auf dieser neuen Etappe ihres Lebens lernte Evita den späteren Staatspräsidenten Peron kennen. Man sagt, daß Evita seine Leidenschaft für die Politik erst richtig geweckt habe. Evita hat nie ihre Vergangenheit und Herkunft vergessen, und sie soll auch beim Präsidenten das Verständnis für die Lage der Arbeiterschaft geschaffen und damit seine volkstümliche Stellung begründet haben.

2. Fortsetzung

Sie trafen sich in der Folgezeit dann und wann, oftmals sehr diskret erst in den frühen Morgenstunden, zum Beispiel auf dem Plaza 25 de Mayo, wo zum Andenken an die große Revolution vom 25. Mai 1810, die die Loslösung Argentiniens von Spanien brachte, ein Backsteindenkmal mit der Statue der Freiheit zu sehen ist — und der Regierungspalast und diesem gegenüber das in Erz gegossene Reiterstandbild des Generals Belgrano, der in der Geschichte von Argentinien eine so große Rolle spielte.

Sie sprachen nicht nur von Politik, nicht nur von Verschwörung und Möglichkeiten, alles in Argentinien anders zu machen. Nein, sie verlobten sich unter dem Standbild des Generals Belgrano und versprachen einander für einen Zeitpunkt, der erst noch kommen müsse, und den sie vielleicht selbst heraufzubeschwören berufen sein sollten.

Man war sehr diskret. Denn Juan Domingo Peron war schließlich Offizier. Er konnte sich nicht mit einer Sängerin aus dem „Cacadu“ kompromittieren. Und außerdem hatte man diesen verteufelten Juan Domingo Perori zur Zeit

der Regierung Castillos im Verdacht, in der geheimen Offiziers-Vereinigung fleißig das Feuer zu schüren und die Glut zu erhalten. Es war klüger, wenn man sich nur bei Nacht sah und sehr vorsichtig in allem blieb, was das Licht vorläufig nichts anging.

Noch ein paarmal kam Evita in den „Rennverein“. Dort befand sich auch der Sitz der geheimen Offlziers-Verschwörung, von der man nur die Buchstaben G. O. U. kannte. Was diese Buchstaben besagen sollten — das konnte sich jeder selbst überlegen. Aber vielleicht sollten sie G. = Gobierno = Regierung, und O. = Orden = Ordnung und U. = Unidad — Einheit bedeuten. Das war ein Programm. Aus diesem Programm stellte man der Regierung Castillo, den Konservativen von Argentinien, ein Bein.

Jeder wußte, daß Juan Domingo Peron einer der Regsten war, als der Militärputsch vom Jahre 1943 losbrach. Aber er wußte, daß die Revolutionen ihre Kinder fressen. Er ließ erst General Ramirez sich verbrauchen. Nach diesem kam General Farrell. Und dann erst hielt Peron seine Stunde für gekommen. Farrel hatte ihn zum Vizepräsidenten, zum Kriegsminister und zum Arbeitsminister gemacht. Jawohl, auch zum Arbeitsminister.

Das war Evitas große Stunde. Auf die Arbeiter verstand sie sich. Und die Arbeiter hörten auf Evitas schöne Stimme. Evita sprach über Radio Buenos Aires im Namen Perons. Was sie nicht alles versprach: Lohnerhöhungen! Aufteilung zahlreicher riesiger Landbesitze, Schaffung eines Ministeriums für Sozialpolitik! Wahlrecht für die Frauen! Fürsorge für alle Kinder Argentiniens — wer auch die Mutter sei!

Und als 3m 9. Oktober 1945 Peron durch General Avalos über Nacht gestürzt wurde, stellte sich Evita Duarte an die Spitze der Arbeiter. Sie rief zum Generalstreik auf. Sie hetzte die Arbeiter in die Stadt hinein, wo gewaltige Massen-Demonstrationen alles außer Rand und Band brachten — so daß vierzehn Tage später Juan Domingo Peron nicht mehr entmachtet, nicht mehr verbannt, sondern im Triumph nach Buenos Aires zurückgeholt und zum großen Mann von Argentinien erklärt wurde. Die Peronisten hatten gesiegt!

Aber wer siegte in Wirklichkeit? Evita Maria Dolores Esperanza Duarte, die. über Nacht Eva Peron wurde.

Was sie sich unter dem Reiterstandbild des Generals Belgrano versprochen hatten — einander die Treue zu halten im Leben, in der Liebe und in der Politik — war nun zur Tat geworden.

Evita Peron war nun auf einmal ganz oben auf der Leiter. Sie war zur „Ersten Dame der Pampas“ geworden.

Doch sie wußte — um welchen Preis. Sie wußte, was sie den Arbeitern versprochen hatte, als diese nach Buenos Aires hineinmarschierten und in ganz Argentinien der Generalstreik ausgerufen wurde — um Juan Domingo Peron zu retten! Sie wußte, daß sie ihr Wort halten mußte. Sie besann sich darauf, daß sie selbst, das Mädchen aus Los Toldos, das schöne Kind, das mit nackten Füßen davonlief, die Tochter eines jener descamisados = Hemdlosen = Aermsten der Armen in der Arbeiterschicht war.

„Radikale Sozialreformen, Aufteilung des Bodens, Hebung der Lage der Arbeiter, Verstaatlichung der Argentinischen Zentralbank und aller anderen Banken in Argentinien, Gerechtigkeit, vor allem soziale Gerechtigkeit gegenüber jedem Proletarier Argentiniens: das ist unser vornehmlichstes Programm!“

So ungefähr hieß es in den Wahlreden vor jener Wahl vom Jahre 1946, durch die der kluge Juan DomingoPeron sich „ordnungsgemäß“ zum Präsidenten wählen ließ. Und jetzt sollte jemand wagen, gegen ihn oder Eva Peron die Stimme zu erheben!

El Presidente = der Präsident machte aus Eva Peron, der kleinen Evita Duarte, die in den Großmarkthallen einem Polizisten entlief, weil er sie nach dem Namen ihres Vaters fragen wollte — La Presidenta. Aus „Senorita Radio“ wurde „Senora Evita“.

Sie baute große Kinderheime, sie schuf Krankenhäuser für Mütter, die nicht wußten, wo sie die Babvs. die sie erwarteten, zur Welt bringen sollten. Sie ließ die Mädchen, die in dem gleichen Sumpf, durch den sie also Schritt für Schritt kannte, umzukommen drohten, in Heime bringen und versuchte, ihnen Wege zu weisen, anders, als aus auf dem schlüpfrigen Pflaster der Defensa die Zukunft aufzubauen.

Evita sorgte dafür, daß man von dem sprach, was sie tat. Aber sie machte es geschickt. Die Frauen vergaßen ihr nicht, daß sie sich an die Elendsjahre ihrer Kindheit zurückerinnerte. Die Männer wurden nachdenklich, wenn sie hörten, daß Evita das mit zäher und fast verzweifelter Energie durchsetzte, was sie versprochen hatte. Aus dem Straßenstaub von Los Toldos über den Sumpf von Buenos Aires empor zur Spitze — das war Evitas Weg.

Es konnte nicht ausbleiben, daß man bald von „La Presidenta“ mehr sprach als von Juan Domingo Peron ...

11. Frau Botschafterin mit viel Charme im Gepäck

Eine Rundreise mit fast hundertprozentigem Erfolg — „Wir legen keinen Wert darauf...“— Gerüchte rund um die Welt

Hoch auf der Leiter eines unbestreitbaren persönlichen Erfolgs stehend, verstand es Eva Peron, La Presjdenta, das Gleichgewicht mit jenem Instinkt und der Klugheit zu wahren, die man einerseits Drahtseilläufern von Geburt und andererseits Menschen mit politischem Fingerspitzengefühl nachsagt.

Heime für werdende Mütter, Fürsorgestationen für Mädchen, die den Liebesschwüren fremder Seeleute gegenüber nicht immer standhaft zu bleiben wissen, Säuglingsunterkünfte „gratis und franko“ — all diese Dinge konnten Eva Peron auf die Dauer natürlich nicht fesseln und befriedigen.

Wer in der Politik und am Erfolg Blut geleckt hat, der kann nicht mehr davon lassen. Und er will immer höher hinaus, und er will stärker und größer werden ... Die von der Regierung bewilligten Beträge für die Schützlinge Eva Perons

waren längst verbraucht. Ein halbes dutzendmal war sie schon bei jenen der millionenschweren Landbesitzer und wenigstens nach außenhin enteigneten Bankiers vorbeigegangen und hatte nach einem System „auf die Tube“ gedrückt, das auch in anderen Ländern, zu anderen Zeiten unter dem Titel von Hilfswerken aller Art geübt wurde.

Doch die Rechnungsführer im Wohlfahrtsministerium von Argentinien runzelten die Stirn. So konnte es nicht weitergehen. Es hatte sich ja herumgesprochen, wie diese Eva Peron das Geld zum Fenster hinauswarf.

„Mein Kind ist schwerkrank. Aber ich kann den Arzt nicht bezahlen!“

„Was heißt hier Arzt? Wir nehmen den besten Spezialisten. Das Kind bleibt gleich hier. Und Sie, die Mutter, warten drei Tage, bis das Untersuchungsresultat vorliegt. Lassen Sie sich einen Verpflegungsschein geben!“

„Mein Sohn ist so begabt! Der Lehrer hat es gesagt, und der Pastor bestätigte es. Aber wir haben doch kein Geld!“

„Begabt? Er soll zur höheren Schule? Zur Universität? Sekretärin! Für vier Jahre — Bücher, Taschengeld und alles was dazugehört — aus unserem Spezialfonds!“

Kein Wunder, daß die Frauen auf dem Land „Viva Evita“ kreischten, wenn sie auch nur den Namen Evas hörten.. Ist es erstaunlich, daß sie es fertigbrachten, auch ihre Männer zu veranlassen, in diesen Ruf einzustimmen, obwohl man in der Mundpropaganda den Arbeitern in den Gewerkschaften zugeflüätert hatte, daß die Dinge in\ Buenos Aires sich langsam der Bahn näherten, die man einmal anderswo Diktatur und Faschismus nannte!

(Fortsetzung folgt)





Können moderne Menschen lieben?

VON KLAUS GINSTER

Ein Büro im Geschäftsviertel Neuyorks vermittelt monatlich achthundert Männern und Frauen die „geeigneten Partner“ zur Eheschließung. Wer eine Verbindung sucht, wird nach wissenschaftlichen Grundsätzen von Menschenkennern über seine Lebensumstände und Zukunftswünsche befragt, muß ein Lichtbild abgeben und erhält eine Karteinummer. Nach sorgfältiger Bearbeitung der Unterlagen bekommen die Heiratslustigen — zunächst ohne Namensnennung — eine Reihe von Vorschlägen, unter denen sie selbst eine engere Wahl treffen. Bei Zustimmung beider Parteien wird die Bekanntschaft vermittelt, ebenfalls noch ohne Namensangabe. Neben diesem „wissenschaftlich“ arbeitenden Büro gibt es überall in Amerika Heiratsvermittler, die von Hunderttausenden in Anspruch genommen werden.

Im heutigen Rußland wird ähnlich verfahren. Jeder Mann und jede Frau kann sich an „Beratungsstellen für Ehesuchende“ wenden, und die Menge derer, die sich dort beraten lassen, bestätigt, daß, bei allen Verschiedenheiten der äußeren Lebensformen, der Wunsch des Menschen nach einem glücklichen Ehebund überall besteht.

Seit einiger Zeit gibt es in Hamburg eine staatliche Beratungsstelle für Eheschließende, die jedoch nicht etwa Bekanntschaften vermittelt, sondern von Heiratslustigen befragt wird, denen die Wahl ihres Herzens und der eigene Verstand nicht genügend Bürgschaft dafür biete, daß sie sich richtig entschieden haben. Obendrein bestehen in allen Städten Büros, Bünde und Gesellschaften ohne Zahl, durch die Heiratslustige zusammengeführt werden. Die öffentlich dargelegten „Heiratswünsche“ und Gesuche um „Partnerschaften“ sprechen eine beredte Sprache: der Mensch unserer Tage weiß genau so gut wie seine Vorfahren, daß das Alleinleben auf die Dauer unbefriedigend ist.

Angesichts all dieser Bemühungen wirkt die allgemeine Diskussion über

die Beibehaltung der Ehe und um die Hochflut der Ehescheidungen nahezu paradox — tatsächlich enthüllt sie nur die zwischen dem Wunsch des Menschen nach einer Lebensverbindung und der praktischen Verwirklichung klaffenden Lücke. Deshalb spricht man von der Ehe-Krise. Man sollte aber wohl richtiger von einer Krise des Gefühls sprechen und die Frage untersuchen, ob der moderne Mensch überhaupt noch zu lieben fähig ist.

Wer wahrhaft liebt, trachtet zweifellos danach, sein Liebesstreben zu verwirklichen und wird weder durch soziologische noch durch psychologische oder gar astrologische Einwände davon abzubringen sein, er wird auch keine Fragen über die Eignung des geliebten Wesens an eine Beratungsstelle richten. Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Faust und Gretchen, Hero und Leander — wie absonderlich wirkten die großen Liebespaare vor einer Beratungsstelle: „Gibt es eine Liebe, die so groß, so unermeßlich, so unendlich ist wie das blaue Firmament?“ fragt Stifter, und er antwortet: „S i e (die Erwählte) flößt eine solche ein!“ Eine solche Liebe sucht niemals Auswege aus dem Zustand der Erschütterung; sie ist Schicksal schlechthin. Was nützten ihr Teste und Eignungsbescheinigungen!

Jene Liebe schwebt auch den heutigen Menschen vor, die eine Leere ihres Herzens auszufüllen bemüht sind. Hätten sonst die Darstellungen der großen Liebe ein so unvergängliches Leben sowohl im Roman wie auf der Bühne und nun auch schon bald ein Menschenalter lang im Film?

Nicht einmal im „empfindsamen“ Zeitalter sind die Probleme der „Liebe“ und „Ehe“ so vielfältig erörtert worden wie heute. Unsere Zeit aber zeigt insofern ein andersartiges Interesse als es die Diskussion von der Ebene des Gefühls auf die der Zweckmäßigkeit zu verlagern bestrebt ist. Deshalb wird oft behauptet unsere technisierte und vom Wirtschaftlichen geprägte Lebensform lasse Gefühle nicht mehr ausschwingen, man sei zu „beschäftigt“, um wahrhaft zu lieben So zutreffend das für viele Menschen sein mag, so wenig darf die von Geschickskatastrophen ausgelöste Umgestaltung unseres Alltags übersehen werden. Sie offenbart, was im gemächlichen Trott vergangener Jahrhunderte mit Herkömmlichkeit, Wohlanständigkeit, Prüderie und Selbsttäuschung so bequem zugedeckt werden konnte, weil auch das tägliche Leben in eingefahrenen Gleisen verlief. Man ließ eben eine „Neigung“ und Anzeichen der Sympathie als „Liebe“ gelten, man nahm das Halbe für ein Ganzes, weil es sich tausendfach gezeigt hatte, daß man auch damit ein Leben lang auskommen kann. Die ungeheuren Erschütterungen der letzten Jahrzehnte aber haben bewiesen, daß es mit der Halbheit und Lauheit auf die Dauer doch nicht geht vor allem nicht da, wo „Liebe“ dargeboten oder gefordert wird. Liebe ist Gnade und Schrecknis in einem, wer ihre Gnade herabfleht, muß bereit sein, auch ihre Schrecknisse zu ertragen oder daran zu zerbrechen. Es kommt heute mehr als je darauf an, Kameradschaftsabkommen, Zweckmäßigkeitslösungen und Sympathieverbindungen, die dazu dienen sollen, die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern, nicht mit Liebe zu verwechseln und von der Liebe nicht zu erwarten, daß die Zweckmäßigkeitsansprüche erfüllt. Wer das zu unterscheiden gelernt hat, wird bald feststellen können, daß die Liebe in allen Zeitaltern ihren Platz behauptet, daß also Liebesfähigkeit und Liebeserleben nicht davon abhängt, ob der Mensch sich als Kind unserer „modernen“ Zeit fühlt oder vergangenen Bräuchen nachtrauert, sondern allein von der menschlichen Veranlagung für ein tiefes und echtes Empfinden. Das ist wohl auch heute nicht seltener als in früheren Zeitaltern freilich mag es der großen Masse in der von Lärm erfüllten Gegenwart weniger bewußt werden.


Schweden hat für den Kriegsschauplatz in Korea eine aus 176 Mitgliedern bestehende Sanitätseinheit in Marsch gesetzt. Auf dem Flugplatz Iddlewild bei Neuyork ist die Sanitätseinheft, wie unser Bild zeigt, mit militärischen Ehren empfangen worden
Schweden hat für den Kriegsschauplatz in Korea eine aus 176 Mitgliedern bestehende Sanitätseinheit in Marsch gesetzt. Auf dem Flugplatz Iddlewild bei Neuyork ist die Sanitätseinheft, wie unser Bild zeigt, mit militärischen Ehren empfangen worden

Papst Pius, der von einer schweren Krankheit genesen ist, wird an die Teilnehmer des Katholikentages in Passau eine Botschaft richten
Papst Pius, der von einer schweren Krankheit genesen ist, wird an die Teilnehmer des Katholikentages in Passau eine Botschaft richten

Mit Spannung sind die Augen der Weltöffentlichkeit auf Tibet gerichtet, an dessen Grenze rotchinesische Truppen zusammengezogen sein sollen. Der Palast des Dalai Lama, den unser Bild zeigt, ist das großartigste Bauwerk in Tibet Fotos: dpa (2), Seeger
Mit Spannung sind die Augen der Weltöffentlichkeit auf Tibet gerichtet, an dessen Grenze rotchinesische Truppen zusammengezogen sein sollen. Der Palast des Dalai Lama, den unser Bild zeigt, ist das großartigste Bauwerk in Tibet Fotos: dpa (2), Seeger

Feuilleton

Anasthasia

Bei einem Gastwirt und Schlachter dient Anasthasia. die schöne Ukrainerin. Klar schauend und sicher verrichtet sie ihr Tagewerk. Was viele mit dem Gedanken an solchen Wirkungskreis verbinden. reicht nicht an sie.

Ihre Wiege hat auf einsamem Gehöft in den Wäldern der Ukraine gestanden. Mit 16 Jahren wurde das Mädchen im Kriege nach Deutschland gebracht und einem größeren Hofe in der Nähe von Reinheim als Magd zugewiesen. Kaum des Schreibens in ihrer Muttersprache mächtig, lernte Anasthasia mit dem Geschick eines Naturkindes, sich bald in deutscher Sprache verständlich zu machen.

Die Bäuerin, ihres Geizes wegen unrühmlich bekannt, sah in dem „Russenmädchen“ nichts als ein Lasttier und hieß es von früh bis in die Nacht hinein im Geschirre gehen. Aber Anasthasia schaffte mit Willen und Freude. Sie gab dem ganzen Hofe Sauberkeit und brachte durch ihren Fleiß Segen über das Anwesen. Die Zutraulichkeit und Anhänglichkeit des Viehs, das sie versorgte, halfen ihr über manche Härten hinweg, die sie von der Bäuerin erfahren mußte. Das handgesponnene Hemd mit der gestickten Halsumrandung waren stets sauber, und in den Augen des Mädchens leuchtete ein Glanz, der es mit seltsamer Macht und Hoheit umgab. Ob dies Licht noch von dem ersten Sonntag im Monat herrührte, an dem Anasthasia die russische Kapelle in Darmstadt aufsuchen durfte, oder ob es die Gebete der Mutter in dem fernen Walde bewirkten, wußte das Mädchen selbst nicht. Aber es ging in seinem Scheine und empfand nicht die Armut und Bitterkeit seines Daseins.

Als der einzige Sohn der Bäuerin aus dem Felde auf Urlaub kam. sah er den Wandel, der an seinem Erbe geschehen war, und erkannte, wer ihn geschaffen. Ohne sich Ruhe und Erholung zu gönnen, half er der Magd bei ihrer schweren Arbeit. Die Achtung, mit der die gefangenen Franzosen dem Mädchen begegneten, nahm auch ihn gefangen, und er erkannte, daß es für ihn keine reichere Frau geben könnte als dieses Kind der Ukraine in seiner Armut.

Als beide bei einer kalbenden Kuh im Stalle Nachtwache hielten, gestand er der Magd seine Liebe und bot ihr die Treue an. Er fand Gegenliebe, und Handschlag und Kuß besiegelten das Versprechen.

In seinem Glücke trat das Brautpaar am Tage darauf Vor die Mutter und bat um den Segen. Wer aber kann sich den Zorn und die Verwünschungen der geizigen Bäuerin vorstellen, als sie den Entschluß des Sohnes vernahm! Sie tobte und drohte und wies unter Scheltworten das Mädchen aus dem Haus?.

In ihrer Not und Bedrängnis wollte Anasthasia den russischen Geistlichen in Darmstadt aufsuchen. Aber in der Aufgewühltheit ihres Herzens hatte sie des Weges nicht genug acht, stürzte mit dem Fahrrad und erlitt einen Beinbruch. Sie wurde in das Krnkenhaus nach Darmstadt gebracht, und dort erreichte sie bald ein Feldpostbrief: „Der Mutter Sinn war nicht zu brechen, sie war dem Sterben nah. Da konnte ich nicht anders. Lebe wohl und werde glücklicher, als Du es bei einem armen, reichen deutschen Bauern geworden wärest. Lebe ewig wohl.“

Nun empfand Anasthasia die Schmerzen des Knochenbruchs nur noch als Wohltat vor dem Weh des Herzens. In der Ruhe des Krankenhauses durchdachte sie ihr Leben, und ein tiefes Mitleid mit dem Bauern und seiner Mutter ergriff sie. An manchem Tage schon hatte sie angesetzt, der Mutter in der fernen Heimat zu schreiben. Jetzt malte sie mühsam die schwerfälligen russischen Buchstaben auf ein widerspenstiges Stück Papier:

„Meine liebe Mutter! Du bist immer bei mir. Dein Gott und Geist auch! Deshalb bleibe ich stark und gesund an Leib und Seele. In Deutschland ist viel Selbstmord. Oft geht das langsam, oft schnell. Das Volk ist kaputt. Es hat viel Bildung, aber keine Haltung! Tiere und Maschinen sind hier gut und klug, aber die Menschen ganz arm. Sie haben viel Geld, aber machen sich damit gegenseitig tot. Sie lernen viel auf den Schulen, aber das nützt ihnen nichts und schadet nur. Sie machen sich all ihr Unglück selber und beten zu Gott um Geld. Alle Bildung geht hier nach Geld, und alle Paarung auch. Vom Krieg und seinem Schicksal verstehen die meisten Menschen nichts, und es ist keine Seltenheit, daß geldreiche Menschen im Felde aus den Heeresmagazinen Strümpfe stehlen und nach Hause schicken. Sie wissen dabei gar nicht, daß sie sich selbst tausendfach bestehlen. Sie sind so gebildet, daß sie genau ausrechnen, wann und wo sie schlecht sein können ohne dabei erwischt zu werden. Aber damit kommen sie immer tiefer in das Unglück. Freuen können sie sich nicht mehr, es sei denn über Geldgewinn. Ich kenne hier einen studierten Mann, der hat seinem Nachbarn aus den Trümmern ein wertvolles Muttergottesbild weggenommen, in sein Schlafzimmer gehängt und in schöner Schrift „Glaube nur“ darunter geschrieben. So beten sie zu Gott, er soll ihr Hehler sein. Aber es sind auch noch gute Menschen hier, für die bete Du einmal. Ich bin froh, daß ich bei Dir arbeiten und beten gelernt habe und nicht in der Schule. Wo das hinführt, wirst Du an Deutschland sehen. Der Krieg wird vernichten, was keine Haltung erwerben kann. Und viele gute Menschen müssen mitsterben, weil die Vernichtung blind ist, wie ihre Urheber. Gott gebe mir bald meine Heimat und meine Eltern wieder! Deine Anasthasia.“

Die geizige Bauernmutter im Odenwald aber erhielt einen anderen Brief. Darin stand mit kargen Worten, daß der einzige Sohn und Hoferbe auf dem Felde der Ehre gefallen sei. Schmerz und Reue zerrissen ihr das Herz, und das Glück wich von dem Hofe, trotzdem an Anasthasias Stelle zwei Mädchen eingestellt worden waren.

Genesen, kam das Mädchen aus den Wäldern der Ukraine zu dem Gastwirt und Schlachter in Dienst. Klar schauend und sicher verrichtet sie ihr Tagwerk, und was viele mit dem Gedanken an solchen Wirkungskreis verbinden, reicht nicht an sie. E. M-

DT Film-Forum

€/w dehr moderner (2iebedroman !

Was ein Liebesroman von anno dazumal ist — das wissen Sie ja wohl, meine verehrlichen Leserinnen: da saß ein gut erzogenes junges Mädchen daheim und wartete, bis er, der Herrlichste von allen, kommen, sie sehen, begeistert sein und dann bei den Eltern um ihre Hand anhalten würde; woraufhin sich alles einer bürgerlichen Ehe zuwenden und in endgültig wohlgeordneten Verhältnissen zur. Ruhe kommen würde. Ein moderner Liebesroman dagegen —

Nun, der kann ganz erheblich anders verlaufen, und Winnie Markus ist ein extrem-typischer Fall solchen modernen Liebesromans! Nichts da von Elternhaus . . . nichts da von Tanten, Verwandten, geheimnisvollem Getuschel und Gekicher junger schüchterner Mädchen: dafür das Heulen von Granaten, die pausenlos auf die Reichshauptstadt hämmern, das Heulen von Fliegerbomben, dazu das Rattern von Panzern und das Knattern von MGs und ringsum Blut, Verwesung, Angst, Fluchen, Schreien, Verwundungen und so fort. Mitten drin in dieser Hölle nicht etwa in erster Linie Soldaten, sondern: Frauen, Mädchen, Kinder... und eine dieser gehetzten weiblichen Gestalten eben Winnie Markus. Wie es dann weiter ging? Ein strahlender Held legt den schützenden Arm um das zitternde schwache Weib? Ach du lieber Gott... ein Granatsplitter ins Bein, und da liegt sie dann, in einer Gartenlaube zwischen wildfremden Menschen, ohne Arzt, ohne Medikamente, ohne Pflege, auf einer wackligen Pritsche, zehn Tage lang hilflos, von Schmerzen gepeinigt, und es steht schon 50 zu 50, daß das Bein abgenommen werden muß, bis sich ein rettender Arzt findet. Und da, in dieser Gartenlaube bei Glienicke, da fand Winnie Markus ihren späteren Mann. Ganz hübsch, solch moderner Liebesroman, nicht wahr? Goethe sagte: Komm den Frauen zart .entgegen; die moderne Zeit kann auch anders! — In Prag erblickte sie das Licht der Welt, in Wien filmte sie zum erstenmal. In Wien besuchte sie das Reinhard-Seminar, und nach Berlin verschlug sie dann das Schicksal, dort ist sie nun mit einem Berliner Hotelbesitzer verheiratet. 1939 stand sie das erstemal vor der Kamera in dem Film „Mutterliebe“, mit Käthe Dorsch trat sie zum erstenmal vor die Augen des Filmpublikums. Damals widmete ihr die Kritik drei wohlwollende Zeilen, es war auf gefallen, daß da ein Wiener Wäschermädel so verträumt dreingeblickt hatte. Es war ein kleiner, ein bescheidener Anfang, aber man war aufmerksam geworden und holte sie nach Berlin, und Berlin gab ihr Gelegenheit, in anderen Filmen hervorzutreten. „Brand im Ozean“, sodann der Film Geierwally bezeichnen ein gut Schritte, die sie in Berlin tat, und mit dem Film „Wen die Götter lieben“ wurde ihr Name überall bekannt und zu einem festen Begriff. Ja, und dann war eben Krieg... wie der für sie endete, haben wir schon erzählt.

Ein Schicksal wie das ihre vor Augen mögen wir uns wohl fragen, was einstmals aus diesen unseren Frauen werden mag, die durch solch eine Hölle .•■gingen ... denn wo in den glücklicheren Ländern gibt es Darstellerinnen, die solches Erleben durchmachten? Da spielt manche große Darstellerin, weil ihre Rolle das verlangt, eine „Verwundete“, rast umher in brennenden Städten, duckt sich unter dem Heulen berstender Geschosse ... aber erlebt, am eigenen Leib erlebt, haben sie es nicht, und das ist der große... traurige, aber unbestreitbare ... Vorsprung, den europäische Darstellerinnen vor ihren glücklicheren Kolleginnen haben: Sie haben wirklich alle Höhen und Tiefen durchmessen, und irgendwie wird das auch in ihrer Kunst sichtbar werden: Denn nur, wer viel wirklich erlebte, kann viel gestalten! Was wird uns Winnie Markus noch an großen Filmrollen bescheren?


WINNIE MARKUS
WINNIE MARKUS

(Foto: Junge Film-Union/Schorchtfilm)
(Foto: Junge Film-Union/Schorchtfilm)

Rußlandkunde

Die Einrichtung von Lehrstühlen für Rußlandkunde an Universitäten der Bundesrepublik forderte der Osthistoriker Professor Dr. Martin Winkler in einem Vortrag vor der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde in Stuttgart. Winkler bezeichnete es als eine unverantwortliche Nachlässigkeit der staatlichen Stellen, daß sie es bis jetzt unterlassen hätten, Lehrstühle für Rußlandkunde zu schaffen. Es sei die unbedingte Pflicht jedes Deutschen, sich Kenntnisse über Rußland anzueignen, da diese Kenntnis die Bereitschaft zur Beseitigung der gegenwärtigen Krise zwischen Ost und West in sich schließe. An die Stelle romantischer Wunschträume über Rußland müsse die nüchterne Betrachtung der Tatsache treten, daß die Grenzen Rußlands näher an den abendländischen Kulturkreis herangerückt seien als jemals zuvor in der Geschichte. Die Existenz Rußlands greife in das Leben der westlichen Völker und insbesondere Deutschlands unmittelbar ein. Der President der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, Reichsminister a. D. Hermann Dietrich, betonte, die Gesellschaft verfolge keine politischen Ziele. Sie wolle ohne einen bestimmten Zweck objektive Kenntnisse über Rußland vermitteln, weil die unmittelbare Nachbarschaft mit Rußland diese Kenntnisse verlange. Die im November 1949 in Stuttgart gegründete Gesellschaft wendet sich an alle deutschen Osthistoriker und Personen, die sich für die Osteuropakunde interessieren. Sie will die Tradition und Ziele der früheren „Gesellschaft zum Studium Osteuropas“ fortsetzen, deren letzter Präsident der inzwischen verstorbene ehemalige Außenminister Curtius war. Zweigstellen der Gesellschaft, die ihren vorläufigen Sitz in Stuttgart hat, bestehen in München und Hamburg. Auch in Marburg und Köln sollen Zweigstellen gegründet werden.

Eine deutsche Sektion der musikalischen Jugendbewegung „jeunesse musicale“ wurde am Wochenende während des Internationalen Musikstudententreffens in Bayreuth gegründet. Der Leiter und Gründer der „jeunesse musicale“, Dr. Marcel Cuvelier, der Generalsekretär des Musikrates der UNO, nahm an der Gründung der deutschen Sektion teil. Zum Internationalen Musikstudententreffen, das am Sonntag eröffnet wurde und unter der Schirmherrschaft des finnischen Komponisten Jean Sibelius steht, haben sich 180 Musikstudenten eingefunden. 45 Teilnehmer kommen aus Oesterreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, England und den skandinavischen Ländern.


MÄDCHENKOPF VON FRANCOIS BOUCHER. AUS DER GESCHENKSAMMLUNG DES OBERKOMMISSARS FRANCOIS-PONCET AN DIE STADT MAINZ Foto: Karin Eckert
MÄDCHENKOPF VON FRANCOIS BOUCHER. AUS DER GESCHENKSAMMLUNG DES OBERKOMMISSARS FRANCOIS-PONCET AN DIE STADT MAINZ Foto: Karin Eckert

Das Ginkoblatt - ein Symbol der Freundschaft

Von einer auf Erden längst ausgestorbenen Nadelholzgruppe hat sich ein in China heimischer Baum, der Ginko biloba, in unsere Zeit als letzter seines Geschlechtes herübergerettet. Bei Peking finden sich Ginko-Riesen von über 30 Meter Höhe und 13 Meter Stammumfang, ihr Alter schätzt man über 2000 Jahre. In der Heimat kommt der Baum nur noch kultiviert vor, er blühte im Mittelalter der Erde. Die Blätter sind recht merkwürdig, langgestielt, lederartig und keilförmig, besitzen strahlig verlaufende Nerven, am Vorderrand sind sie zweifach gelappt. Diese Lappung trug dem Baum den Namen „Elefantenohrbaum“ ein. Ginko schließt sich den Nadelhölzern an, leitet von diesen aber unmerklich zu den Laubbäumen über. Den Japanern wurde das Ginkoblatt zum Symbol innigster Freundschaft. Goethe hat es in seinem „Ginko biloba“ betitelten Gedicht besungen. Im Sommer 1814 sind jene wunderbaren Schöpfungen Goethes entstanden, die dann zu dem „Westöstlichen Divan“ zusammengestellt wurden. Das glühende „Buch Suleika“ ist die poetische Spiegelung eines eigenartigen Freundschaftsverhältnisses zwischen Goethe und der schönen, heiteren und geistreichen Marianne Willemer. In gemeinsamen Träumen fühlten sich der Dichter und seine Freundin in den blühenden Orient versetzt, wo die Nachtigallen sangen und die Palmen rauschten. Als Sinnbild der Freundschaft hat Goethe an Marianne ein Blatt des Ginko biloba geschickt. Im zweiten Vers seines Gedichtes preist er die Einheit in der Zweiheit oder das Auseinandergerissensein und wieder Zueinander-Hinfinden.

Diese Frage kennzeichnet Goethes Auffassung von Polarität und Vereinigung, von der Einheit der- Persönlichkeit in einem doppelten Leben. Aus den Versen strahlt die Symbolträchtigkeit alter griechischer und asiatischer Mysterien. Ursprünglich galt Goethe das Ginkoblatt als ein Symbol der Liebe und Freundschaft, später jedoch erhielt das Ginkosymbol eine umfassendere Bedeutung. Es wurde mystisches Symbol für jene Polarität und Verwandlung, die für Goethe ein Grundgesetz allen Seins war. KWM



Immortelle - kleine Blume des Flüchtlings

VON DOROTHEA HOLLATZ

Sie blühten zitronengelb am Damm der stampfenden Kleinbahn in meiner fernen Heimat, und sie drängten sich goldbraun zwischen den silbergrünen Hafer am weißen Strand der Kurischen Nehrung. Kupfern säumten sie Rügens Küste, und rötlich sah ich sie im Süden am Fuß des Frankensteins auf einem Stück windflüchtigen Sandes glühen, überragt von harzduftenden Kiefern.

Wir haben die gelben, die goldbraunen und die rötlichen gepflückt, wir pflückten sie als Kinder mit verschwitzten Händen und als Große, als diese Hände einen Ring trugen. Wo immer ich Immortellen sehe, muß ich einige davon pflücken, ob es erlaubt oder verboten ist: zu viel zieht mich zu ihnen hin. Einen Kranz aus Immortellen wanden die Hände der Liebe ums frühe Grabkreuz der Mutter, ein Büschel dieser faltergelben Blüten schmückt das zerknitterte Bild des Hauses, das wir besaßen, — kleine erinnerungsträchtige Strohblume, in des Sommers Höhe eingestreut als zartes Punktmuster auf dem Riesenteppich der Erde, bescheidene Freundin der Sehnsucht wie der Hoffnung.

Einst stand in Berlin ein Mädchen an einer Straßenecke und bot mit dünner Stimme an: „Schöne Immortellen, zwei

Bund fünfundzwanzig Pfennig!“ Ich bekam einen blutroten Kopf und kaufte hastig vier Sträußchen für eine halbe Mark und konnte es nicht fassen, daß man sie käuflich erwerben konnte, diese mir seit je vertrauten, goldenen, knisternden Blüten, — daß man sie im Straßenverkehr einfach so in die Hand gedrückt bekam wie ein Stück Wurst oder ein Brötchen! Irgend etwas war daran falsch. Denn Immortellen muß man selber pflücken, man muß dabei den Sommer auf der Zunge zergehen lassen und den Wind auf der Haut spüren, sei er salzig oder nicht. Die Luft muß dabei zittern vor Hitze und in den Sandalen muß der feine Sand knirschen. Damals aber, als ich die vier Bündel kaufte, trug ich bei brütender Asphalthitze wieder mal meinen Rucksack, hatte einen Karton und die geerbten Flucht- und Wanderstiefel über der Schulter hängen, ich wußte überhaupt nicht wohin mit den Geliebten und preßte sie noch oben in die Tasche ein, die mit Papieren, Proviant, Schwammbeutel und Ausweisen bereits übervoll war. Aber ich sah die kleinen gelben Köpfchen eine ganze Nacht lang vor mir im Gepäcknetz liegen, und obwohl sie im Lauf der Stunden welkten — ich wußte: sie würden sich wieder vollsaugen und prall werden, und dann würde ich sie, mit dem Blütenbüschel nach unten, in der Sonne an irgendeinem Fenstergriff dörren und sengen lassen bis zur Überreife, und sie würden mich ein ganzes Jahr lang an die vielen Sommer erinnern, da und dort, auch an den einen, da Christians braune Hand sie mir beim Abschied entgegenhielt mit dem Lächeln, in dem schon das Nimmerwiedersehen schimmerte: Immortelle ... Unsterbliche ... Verstehst du?

Notizen

Kleine Sensation am Lido. Also, da waren sie endlich selbst, nach vielen Vorbereitungen durch die italienische Presse: Ingrid Bergman und Rossellini. An diesem Abend war der Kinopalast am Lido zum Brechen voll — draußen staute sich die Menge, um wohl die fabelhaften Toiletten der Damen, als auch das hierzulande meistbesprochene Filmpaar zu sehen. Es wurde ihnen von Publikum. Presse. Foto und Rundfunk jegliche gewünschte Reklame zuteil. Wesentlich weniger Aufsehen erregten die beiden Rossellinifilme ..Stromboli“ und „Franziskus. der Sänger Gottes“, über die an anderer Stelle schon berichtet worden ist. Aber die verwöhnten Gäste des Lido Palace Excelsior und das breite Publikum hatten ihre kleine — große Sensation. Und die ist ihnen wichtiger, als alle Filme des Festivals zusammen.

Der Entdecker des Vitamin T, Universitätsprofessor Wilhelm Götsch aus Graz, ist an die Universität Neapel berufen worden, wo ihm die Möglichkeit gegeben wird, seine Forschungen weiterzuführen. Das Vitamin T ist wachstumsfördernd und dient als Mittel gegen Abmagerung und Rachitis. V.

Fünf Minuten vor dem Winzerfest

Reporterbummel durch das festlich gestimmte Bensheim

Ob man „hinne rum“ kommt wie die „Fraa von Bensern“ oder vorne herum wie es sich für einen wohlerzogenen Mitteleuropäer schickt, ist in diesen Tagen ganz einerlei: Bensheim putzt und rüstet heute überall, vorne und hinten und in allen Ecken. Selbst die uralten Häuser, die doch gewiß schon manches erlebt haben, sehen heute festlich und beglückt aus. Am wohlbehaglichsten aber sind die Enten im Stadtbach, denn ihrer wartet der Genuß von unzähligen Brezelbrocken, die demnächst von der Brücke fallen werden.

Das ist ein Leben und Treiben auf den Straßen, die sich in dem Maße füllen, in dem man dem Winzerdorf näherkommt. Noch sind es keine festlichen, geputzten Menschen mit weinfrohen Gesichtern, sondern Männer in blauen Arbeitsanzügen, Hausfrauen mit prallen Einkaufstaschen und Kinder, die rasch einmal nachschauen wollen, wie weit „es“ schon ist. An den Schaufenstern der Geschäfte hantieren fix und fertige Fensterputzer, und da und dort steht wohl ein Ladenbesitzer sinnend vor seinem Laden und denkt, wie man bis zum Fest diesen oder jenen Schaden vertuschen könnte, ohne daß es zu teuer würde. Da genügt eine Leiste, die der Schreiner noch auf den defekten Kellerladen nagelt, dort eine Kelle Speis, um eine wunde Stelle im Verputz auszufüllen. Die Pinsel der Weißbinder haben bis zu guter Letzt keine Ruhe, denn immer noch da und dort, und wo man es vorher gar nicht bemerkt hatte, ist ein Fensterrahmen abgeblättert, ein Fleck zu überstreichen und eine Bank „eben noch mal“ überzulackieren.

Während drinnen in den Häusern die Brüh’ des Zwetschenkuchens schon aus dem Backofen tropft und die Metzger einigermaßen beruhigt die stattliche Zahl der Bratwürste und Rippchen überschauen, die alsbald den Weg allen Fleisches gehen sollen, treffen die Budenbesitzer ihre letzten Vorbereitungen. Mit buntem Putz und Tand, leckeren Zuckersachen und all den Herrlichkeiten, die große und kleine Kinder erträumen, werfen sie glänzende Lichter auf die seriöse graue Straße. Bald ist die Zeit, daß Leuchtgas in die blauen, roten und gelben Luftballons geblasen wird, und daß die

Stadtväter sich den Schweiß von der Stirn wischen. Alle Gläser, die in allen Schränken gestanden haben, sind gespült und warten darauf, gefüllt zu werden. Niemand hat Zeit außer dem Berichterstatter. Als hätte er noch tausend Jahre vor sich, kann er durch die Straßen schlendern, sich das Winzerdorf auf dem Marktplatz betrachten und die gemalten Steine des gemalten Rinnentors zählen. Er sieht, daß die Sonne in den geputzten Fenstern blitzt und wünscht, daß das gute Wetter halten möge. Er sieht den rührenden Fleiß und die unendliche Mühe, die die Bensheimer sich gemacht haben, um die erheblichen Kriegswunden ihrer Stadt zuzudecken, und er sieht, daß es gelungen ist. Der Wille zum Leben, zum Jasagen, zum Auf bauen, hat die graue Wirklichkeit des Vergangenen besiegt: Eine Frau putzt — als gälte es das Leben — ihr messingnes Namenschild an der roh zusammengenagelten Haustür, ein alter Mann liest Papierschnitzel von dem ramponierten Pflaster und neben einer aufgerissenen Mauer flattert eine rot-weiße Fahne aus dem Fenster — kleine Mosaiksteine der Freude und der Hoffnung.

Alles spricht dafür, daß das XIII. Winzerfest so schön wird wie die vorhergegangenen. Die Atmosphäre ist dicht, verlockend und Freude verheißend. Man kann sich mit Vergnügen vorstellen, wie dann die Schatten der alten Türme und Häuser länger und länger werden und vom Kirchberg ein abendlicher Wind kommt. Sterne ziehen auf, und Lichter werden angezündet. Dann sollte man in dem Mollerschen Weinberghäuschen sitzen mit einer Flasche Bergsträßer Weins vor sich und sollte sich das ganze seltsame, bunte, widerspruchsvolle Leben nicht verdrießen lassen. Und wenn man es schließlich auch bemerkte, daß die Welt rund ist und sich womöglich noch schneller dreht, als man gedacht hätte, was schadet’s schon? Nach Bensheim zum Winzerfest kommen wir nur einmal im Jahr! kä



Sängerbesuch zum Winzerfest

Unter den zahlreichen Gästen, die in diesem Jahre das Bensheimer Winzerfest besuchen werden, wird auch ein Männergesangverein aus Arnsberg in Westfalen sein, der mit etwa 120 Teilnehmern in Reiseomnibussen am 9. September einireffen wird und bis 11. September in Bensheim zu bleiben gedenkt.

Der Dalberger Hof in Bensheim, charakterisiert durch seinen vierkantigen unverjüngten Bruchsteintturm mit den großen rechteckigen Fenstern und der flachen Schieferhaube, bedarf unter den Bensheimer Höfen einer besonderen Erwähnung, da seine einstigen Besitzer, die „Kämmerer von Worms“, genannt von Dalberg in der Vergangenheit eine große Rolle spielten.

Urkundlich wird das Geschlecht zum ersten Male im Jahre 1130 erwähnt. In Bensheim allerdings erst 1378, als die Besitzer des Hofes mit jenen anderer Höfe im Streit lagen. 1420 erhielt Dieter von Dalberg die Einnahmen des Bensheimer Zolles zugesprochen, seit dem Jahre 1614 waren die Dalberger zehntberechtigt.

Aus dem Geschlecht der Dalberger gingen 2 Bischöfe und 2 Erzbischöfe hervor. Wohl der bekannteste war Karl von Dalberg, derim Jahre 1802/3 Erzbischof von Mainz und Bischof von Worms und Konstanz war. Von 1803—1806 war er Kurerkanzler, von 1806—1810 Fürstprimas des Rheinbundes, 1810—1813 Großherzog von Frankfurt. Er starb im Jahre 1817. Seit dieser Zeit hörte man nichts mehr von dem Geschlecht. Das Wappen der Dalberger zeigt 7 Lilien und ist allgemein als das „Dalberger Lilienwappen“ bekannt. Zeichnung: E. Meier


AM DALBERGER HOF IN BENSHEIM
AM DALBERGER HOF IN BENSHEIM

Besucht das 13 Bergsträßer Winzerfeft in Bensheim

Beim Klang der Gläser im schönen Winzerdorf auf dem Marktplatz in Bensheim werden wohl in manchem der alten „Stammbesucher“ des Bergsträßer Winzerfestes Erinnerungen wach an die Entstehung dieses Festes während der Jahre des größten Niedergangs der deutschen Wirtschaft. Im Jahre 1929 war es, als Bensheim trotz der politischen Wirrnisse, trotz der gewaltigen Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Geldknappheit den Muf aufbrachte, ein neues, großes Fest ins Leben zu rufen. Die Beweggründe waren allerdings nicht die Sucht zum Feiern, sondern die Hoffnung, durch dieses Fest einmal den Fremdenverkehr zu heben und zum zweiten die damals noch nicht allzu bekannten Weine einer breiteren Oeffentlichkeif zu kredenzen und dadurch dem schwerkämpfenden Weinbau einen dauernden Aufschwung zu bringen. In uneigennütziger Weise wurde dieses erste Winzerfest nicht als Bensheimer, sondern als Bergsträßer Fest eingeführt, da man wünschte, der gesamten Bergstraße einen bleibenden Dienst zu erweisen. Trotz vieler ablehnender Kreise wurde damals das erste Bergsträßer Winzerfest in Bensheim dank der Initiative einiger weniger Männer aus der Taufe gehoben. Allerdings war noch vieles behelfsmäßig, da eben die notwendigen Mittel fehlten. Das Winzerdorf bestand damals noch aus Holzrahmen mit Stoffverkleidung — es war auch etwas kleiner, als das nach der Vernichtung im Jahre 1948 wiederstellte — die Reichhaltigkeit der Beleuchtung war noch bescheiden und vor allem fehlte der Bensheimer Geschäftswelt und dem Gaststättengewerbe zu diesem ersten Fest noch das notwendige Vertrauen. Trotz aller dieser Unvollkommenheiten fand jedoch das Fest in weitesten Kreisen einen unerwarteten Anklang, so daß es sich selbst trug, obwohl die Unkosten ganz erheblich waren. Ein Hauptanziehungspunkt war auch der Fesfzug, der Tausende von Fremden nach Bensheim lockte. Ermutigt durch den Erfolg dieses ersten Festes waren die Schwierigkeiten im nächsten Jahr schon viel geringer, da von der obersten Behörde bis zum kleinsten Verein jetzt jeder mit Begeisterung dabei war, wodurch ein weiterer Ausbau und größere Vollkommenheit ermöglicht wurde. Sehr viel zur Fremdenwerbung trugen die allmählich imposanten und einmaligen Festzüge bei. „bei denen im Laufe der Zeit Trachtengruppen und Bürgerwehrgruppen aus dem gesamten Schwarzwald bis zum Bodensee beteiligf waren. Vor allem war dies der Fall bei dem 10. Bergsträßer Winzerfest, an dem bei dem Fesfzug allein über 1200 Schwarzwald-Trachten feilnahmen. Bensheim benötigte an diesem Fest fast die gesamten Gaststätten der Umgebung, um nur die Fesfzugsteilnehmer alle unferzubringen. Es war dies das größte und gleichzeitig schönste Fest vor dem Kriege. Bedingt durch die Kriegsereignisse und die Nachkriegswehen mußte das Bergsträßer Winzerfest von 1939 bis 1947 einschließlich ausfallen. Aber kurz nach dem großen Währungsschnitt im Sommer 1948 begann man bereits mit neuem Mut an den Vorarbeiten zum XL und gleichzeitig ersten Bergsträßer Winzerfest nach dem Kriege. Das ja leider während des Krieges sinnlos zerstörte Winzerdorf konnte man allerdings nicht gleich in der Vollkommenheit erstellen, wie es wünschenswert war, aber trotzdem wurde das Fest ein gewaltiger Erfolg. Für das XII. Fest wurde das Winzerdorf wieder vollständig massiv gebaut, vergrößert und mit schönen Eingangspforten und Türmen, .die den Stadttoren der früheren Befestigung Bensheims angeglichen sind, versehen. Das Winzerdorf wird für alle Zeiten stets ein besonderer Anziehungspunkt bei den kommenden Winzerfesten sein, denn gerade dieses verleiht dem Feste seine eigene Note und verhütet, daß das Bergsträßer Winzerfest nie zu einem Rummel werden kann, sondern immer sein intimes und familiäres Ansehen behält. Jeder Fremde, gleich aus welcher Gegend Deutschlands er hierher kommt, wird sich bei diesem wahren Volksfeste wohlfühlen und jederzeit gerne zurückkommen.

So wünschen Bensheim und alle seine Einwohner auch zu dem XIII. Bergsträßer Winzerfest allen Gästen recht frohe und heitere Stunden und verbindet mit diesen Wünschen ein glückliches Wiedersehen im nächsten Jahr.



DAS DT MÄRCHENSCHIFF



Die Brautwerbung

Es war einmal ein junger Schneidergeselle, der machte die schönsten Kleider im ganzen Königreich. Eines Tages ließ der König, welcher nur eine einzige Tochter hatte, im ganzen Land verkünden, daß derjenige die Prinzessin zur Frau bekomme und sein Nachfolger werde, der einfe Frage am besten beantworten könnte. Alle Bewerber um die Hand der Prinzessin sollten sich im Königsschlosse einfinden, Rang und Stand spiele keine Rolle.

„Ei“, sprach der Schneidergeselle, „das trifft sich gut! Was soll ich immer Schneider bleiben und mich mit Nadel und Schere abplagen und die Elle schwingen! Ich schwinge das Szepter, ich werde König!“, und er machte sich nach der Hauptstadt auf. Als er dort ankam, hatte die Brautwerbung schon begonnen. Es waren so viele Männer gekommen, daß der riesige Schloßhof zu klein war. Tausende standen noch draußen auf der Straße; das Schneiderlein mußte sich ganz hinten anstellen, als Allerletzter.

Drinnen im Schlosse, in einem prächtigen Saale, saß der König auf seinem Thron. Neben ihm saß die Priezessin. Die war wunderschön. An einem Tische saßen die drei weisesten Männer des Königreiches. Die Frage, welche mit Kreide auf eine große Tafel geschrieben war, lautete: „Was würdest du dir wünschen, wenn dich das Schicksal einen Wunsch tun ließe?“

Viele der Bewerber sagten, sie wünschten sich ewiges Leben auf Erden. Aber das war kein gescheiter Wunsch. Was will man denn noch auf der Welt, wenn das Alter kommt und einen zwickt? Dann will man ja gar nicht mehr leben, dann will man sterben. Zum ewigen Erdendasein müßte man sich also ewige Jugend und ewige Gesundheit wünschen. Und dann außerdem noch, daß man immer genug Geld hat. Denn wenn man arm ist und sich das Leben gar nicht ein bißchen angenehm machen kann, wenn man gar hungern und frieren muß, da wärs auch beim ewigen Jungsein nicht schön auf der Welt. Aber das sind zusammen schon vier Wünsche, und ein Wunsch war nur erlaubt.

Andere wünschten sich dauernde Zufriedenheit. Das war aber auch kein kluger Wunsch. Wenn einer immer zufrieden ist mit sich und allem, auch mit allem Schlechten und Bösen, das es in der Welt gibt, kann das nur ein ganz dummer oder fauler Mensch sein, oder ein furchtbar feiger. Aber von diesen Sorten, besonders von den Feigen, gibt es viele auf der Welt.

Viele sagten: „Ich wünsche mir dauernden Frühling“. Das waren aber rechte Esel! Denn wenn es immer Frühling wäre, dann würde ja nichts reifen, kein Korn, keine Kartoffeln gäb’s und kein Obst, und alle Menschen müßten verhungern.

Als der Abend des dritten Tages herankam, war nur noch ein Bewerber zu prüfen: der Schneidergeselle. Er trat vor und sprach: „Wenn mich das Schicksal einen Wunsch tun ließe, dann täte ich mir wünschen, daß mir in Zukunft alle Wünsche erfüllt werden, die ich habe!“

„Das ist er!“, rief der König und klatschte in die Hände. Und die wunderschöne Prinzessin klatschte auch in die Hände. Denn der Schneidergeselle gefiel ihr sehr gut. Und die drei weisen Räte nickten würdevoll mit den Köpfen. „Wer bist du?“ fragten der König den Schneider.

„Ich mache die schönsten Kleider im ganzen Königreich, Majestät!“ antwortete der Geselle.

„Aha!“ sagte der König, „aber das hast du jetzt nicht mehr nötig. Du hast die Frage am besten beantwortet; also gebe ich dir meine Tochter zur Frau, und nach meinem Tode sollst du König sein“, und er umarmte den Schneider, der jetzt Kronprinz geworden war, und küßte ihn auf beide Backen, wie das bei Kaisern und Königen so gemacht wird. Und der neue Kronprinz küßte die Prinzessin auf den Mund, wie das bei Brautleuten so gemacht wird.

Seht ihr, so bekam der kluge Schneider die schöne Prinzessin. Und später ward er König. Er war ein weiser und guter Herrscher, und allen Menschen in seinem Lande ging es gut. Emil Grimm

Der Faule und der Fleißige

Zwei Leute, ein Fleißiger und ein Fauler, gingen eines Morgens zusammen über Feld. Da sahen sie vor sich, weit ins Land hinein, ein glänzendes Schloß auf dem Berge liegen. „Dort laß uns hingehen 1“ sagte der Fleißige. „Ja, wenn wir nur erst da wäreni“ sagte der Faule. „Das könnt ihr noch heute“, sprach eine helle Stimme hinter ihnen, „ihr seid ja ein paar iunge, rüstige Gesellen.“

Wie sie sich umsahen, woher die Worte kämen, c j.ickten sie eine schone Frau. Sie stand auf einer Kugel und diese rollte mit ihr rasch nach dem Schlosse zu, an ihnen vorbei. „Die hat’s gut“, sprach der Faule, „die braucht kein Bein zu rühren und kommt doch vorwärts“, und damit setzte er sich ins Gras nieder. Der Fleißige aber lief ihr nach, ergriff sie an dem Zipfel ihres Mantels und sjprach: „Wer bist du?“ „Das Glück“, antwortete die Frau, „und jenes Schloß ist mein. Kommt mir nach, und seid ihr vor Mitternacht da, so will ich euch freundlich aufnehmen. Kommt ihr aber nur eine Sekunde nach Mitternacht, so ist für euch mein Haus verschlossen!“

Damit entzog sie ihren Mantel der Hand des Gesellen und rollte so rasch davon, daß sie bald seinen Blicken entschwunden war. Der Gesell kehrte zu gehe hin. Kommst du mit?“ Der aber was ihm begegnet war, und sagte; „Ich gehen hin. Kommst du mit?“ Der aber sprach: „Bist du toll? Ja, wenn ein Pferd hier wäre und mich hinbrächte!“ „Ade!“ rief der andere und trat seine Reise an. Der Faule dachte: „Laut du nur zu; der Zufall ist schon manchem im Schlafe günstig gewesen, vielleicht ist er’s mir heute auch einmal“, streckte sich und schlief ein .

Plötzlich fühlte er um seine Ohren etwas Warmes schnuppern, wandte sich und sah ein glänzend weißes, munteres Pferdchen dastehen, das seine Mähne schüttelte.

„Habe ich’s nicht gleich gesagt!" rief der Geselle, „wer nur dem Zufall vertraut! Komm her, mein Tier!“, und er hob sich in den Sattel. Nun ging es flott dahin, bis er seinen Gesellen überholt hatte. Danach hielt das Pferd an einem grünen Abhang an und war durch kein Wort mehr weiterzubringen.

„Recht so“, dachte der Faule, „s’isf Zeit zur Mittagsrast“, ließ sich ins Gras nieder und tat ein Schläfchen.

Als sein Geselle sinkend drunten die Straße vorüberzog, erwachte er und sah sich nach seinem Pferd um. Es war aber nicht zu erblicken, nur oben auf der

Anhöhe weidete ein alter Esel, und da das Pferd nicht herbeikam, auch der Esel sich um keinen Pfiff und Ruf kümmerte, mußte er schließlich selbst zu dem Grauen hingehen, um ihn zu besteigen.

Das Tier ließ sich’s gefallen und trabte gemächlich mit ihm vorwärts. Bald fing es an dunkel zu werden, und Wolken zogen herauf. Da ging die Not los. Der Esel schlich immer langsamer dahin, und als er mitten in einem rabenschwarzen Walde war, blieb er stehen. Kein Bitten noch Zureden und kein Zügelreißen halfen, und als der Geselle es mit Schlägen versuchte, bäumte der Esel auf und warf ihn ab.

Da lag er auf dem harten Boden, und vor ihm flimmerte das Schloß mit seinen Lichtern schon ganz nahe durch die Bäume. Ach, was für prächtige Betten mußten darinnen sein!

Dieser Gedanke gab dem Faulen die Kraft, aufzustehen und nach dem Esel zu suchen. Er fand ihn aber nicht, und plötzlich stieß er an etwas Weiches. Es war nicht sein Esel, aber es war doch ein Sattel zu fühlen, und da die Schloßuhr schon ihre elf Schläge herüberrief, gab es kein Zögern; er schwang sich auf das kalte, nasse Tier und lehnte sich an dessen Höcker.

Noch langsamer als auf dem Esel kam er voran, doch erreichte er das Ende des Waldes, und als er in den Mondenschein hinauskam, erkannte er, daß er aut einer großmächfigen Schnecke saß, so groß wie ein Kalb, und was er für einen Höcker genommen hafte, war ihr Haus, das sie auf dem Rücken schleppte. Er schauderte, aber er mußte doch froh sein, auf diese Weise seinem Ziele näher zu kommen. Schon schlug die Turmuhr den ersten der zwölf Miffemachfsschläge. Da drückte er der Schnecke die Fersen in die weichen, schwammigen Seiten. Die aber war solche Behandlung nicht gewohnt, zog

Zirkus

Mutti, weißt du, was die Leute sagen? Ein Zirkus kommt in diesen Tagen! Sie baun schon draußen auf dem Feld ein riesengroßes, weißes Zelt.

Elefanten kommen, Löwen und Affen, Mutti, und Moritz sagt: auch Giraffen!

Und Bären mit langen Zottelhaaren und Pferde, Mutti, in ganzen Scharen!

Und denk dir, ein Eselchen kommt auch, so ein kleines, graues, mit weißem Bauch, das wollt ich doch immer so gerne haben und dazu einen kleinen Eselwagen . . . Und, Mutti, fast hätt ich es vergessen, es kommen auch Menschen, die Feuer

fressen! J. Oelze.

Postsack vom Märchen-Schiff

Nun, wie war’s mit den Scherzfragen? Habt ihr arg nach den Lösungen grübeln müssen? Hier sind sie in der Reihenfolge der Fragen: Die Viertelstunden; das Straßenpflaster; die Wanduhr; der Uhrenzeiger; das Windspiel (Hundeart); die Reben, wenn der Saft steigt; die Ameisen; die Vögel; die Kartoffeln; der Tisch; Flüsse auf der Landkarte; die künstlichen Blumen; der Widerhall; die Zeitung.

Diesmal gibt’s ein Pflanzenrätsel zu raten, das ihr sicher schnell heraushabt, weil ihr es selbst oft genug erlebtet:

Im Wald hängen Küglein an hellgrünem Schaft,

Gefüllt wohl wie Krüglein mit köstlichem Saft. Drum wird’s von den Kleinsten schon gerne gepflückt,

Doch wehe, wenn Ihr sie achtlos zerdrückt,

Da färbt’s Euch wie Tinte blauschwarz gleich die Hand —

Nun sagt, wie die Kügelchen werden genannt!

Die Lösung bringt das nächste Märchenschiff mit!

Dir, liebe Erika R., herzlichen Dank für den Brief auf satz vom Zeltlager! Ja, dort muß es schon wunderschön gewesen sein! Auch die Zeichnungen haben mir gut gefallen. Leider kann sie das Märchenschiff in dieser Ausführung nicht mitnehmen. Nimm ein andermal die Feder zur Hand und zeichne mit schwarzer Zeichentinte, was du gesehen hast und erzählen möchtest. Dann können sich alle mitfreuen, zu denen unser Märchenschiff fährt!



Zum Zeitvertreib am Sonntag

Schach

W.: G. Kieninger / Schw.: E. Bogoljubow 1. d2—d4, Sgß—fß, 2. c2—c4 e7—eß, 3. Sbl—c3, Lfß—b4, 4. Ddl—c2, d7—ds, 5. a2—a3. Lb4Xc3 + , 6Dc2Xc3, dSXC4 (ein neuer Versuch, das Spiel kompliziert zu gestalten! Schwarz droht den c-Bauem mit b 5 zu decken). 7. Dc3Xc4, O—O. 8. Sgl—f3, b7—b6 (Schwarz sorgt für die rechtzeitige Deckung der wichtigen Diagonale! Der weiße Versuch 9. Lf4, Sds! 10. Lg3. würde an Laß, 11. Da 4, f 5! usw. restlos scheitern.) 9. 8#—B#, Lc8—a 6, 10. Dc4—c2, Laß—b7,ll. Lfl— g 2, Sbß—d7. 12. o—o, Lb7—e4, 13. Dc2—c3, Sfß—ds, 14. Dc3—c4, Ddß—cß,ls. Lei—d2, Dcß—b7. 1ß. Tal—cl, Tfß—cß (Schwarz droht nicht nur c 5, sondern auch b 5, und so beeilt sich Weiß nun, wenigstens den Eindringling Le4 zu tauschen!) 17. Sf3—el, Le4Xg2, 18. SelXg2, c7—cs,'l9. Dc4—d3, Tcß—dß, 20. Tfl—dl, c5Xd4 21. Dd3Xd4, Sd7—cs, 22. Ld2—c3, f7—fß, 23. Dd4—c4, Taß—cß. 24. Lc3—el, Kgß—f7

Weiß hat sich bisher gut verteidigt und beinahe den Ausgleich erreicht. Nur die schwarzen Springer bereiten ihm Sorgen! Denn ein Vertreiben der Springer mit den Bauernzügen b 4 oder e 4 würde zur Schwächung der weißen Zentralfelder führen. Am einfachsten wäre es natürlich, den Austausch eines Springers herbeizuführen. Meister Kieninger sieht aber die Falle: 25. Sg2—f4?, Scs—d3H und ist nicht gering erschrocken! Er mußte aber den Springertausch vorbereiten: 25. Dc4—h4!, h7—hß, 2ß. Sg2—f4!, was sein Spiel wesentlich erleichtert hätte.

25. Dc4—a2?, Db7—aß, 2ß. b2—b4, Scs—e4, 27. TclXcß, DaßXcß (natürlich nicht TXcB, wegen 28. TXd5!) 28. Da2—b3, bß—bs, 29. f2—f3, Se4—dß 30. e2—e4, Sds—bß, 31. Lei—f2, Sdß—c4, 32. TdlXdß (auch bei 32. LXbß, a7Xbß, 33. FXdB, DXdB, 34. Sf4, Dd4+, 35. Kg 2, Dd2 r, 3ß. Kh3, Df2, 37. Dd3, Ke7, 38. De 2 usw. behielt Schwarz gute Gewinnchancen!), DcBXdB, 33. Sg2—el, a7—aß, 34. Db3—c3 (auf 34. Dd3 würde DXd3, 35. SXd3, Sa4! mit Bauerngewinn folgen!) Sbß—a4, 35. Dc3—cl, Sa4—b2, 3ß. Del—c3, eß—es, 37. Dc3—c2, Ddß—d7, 38. Dc2—c3, h7—hs, 39. Kgl—g2, g7—gs, 40. Sei—c 2?, (ein Fehler, aber die Partie war sowieso nicht mehr lange zu halten!), Sb2—dl! Weiß gab hier auf!



Landwirtschaft

Nach Stuttgart und Mainz

We. - Sowohl auf dem Deutschen Bauerntag in Mainz als auch bei der Tagung des Verbandes der Obst- und Gartenbaugenossenschaften in Stuttgart wurden viele Reden gehalten. WortrS erklärten berufene Vertreter der Land Gärtig Willen, für alle Erzeuger landwirtschaft licher Produkte das Letzte zu tu? um ln unserer Volkswirtschaft so wichtigen Berufszweigen die notwendige Hilfe angedeihen zu lassen. Dem der die Ereignisse auf den Märkten — sowohl denen des In- als auch des Auslandes — aufmerksam verfolgt, ist aber nicht entgangen, daß zwischen diesen sicher wohlgemeinten Reden und den bestehenden Tatsachen oft eine nicht übersehbare Diskrepanz besteht. Auf der einen Seite bescheinigt man unseren Bauern ihre hohen Verdienste um die Volksernäh rung, auf der anderen Seite aber muß es der Bauer erleben, daß er in fortschreitendem Maße für seine Erzeugnisse nicht mehr die Preise erhält, die in einem gesunden Verhältnis einmal zu den Gestehungskosten, zum anderen zu den unverhältnismäßig hohen Lebenshaltungskosten stehen.

Wir möchten nicht in den Fehler verfallen, bei der Beurteilung der politischen und wirtschaftlichen Situation in eine zu egozentrische Haltung zu verfallen. Der Wesensart der ländlichen Bevölkerung, die sich außer allen anderen, die Wirtschaft beeinflussenden Momenten auch noch mit dem Hauptunsicherheitsfaktor „Natur“ auseinanderzusetzen hat, ist ein spekulatives Gewinnstreben völlig fremd. Die Bauern treten vielmehr nur dann mit Forderungen an die Oeffentlichkeit, wenn es um die Verteidigung ihrer Existenz geht. Diese Existenz erscheint heute, auch wenn das weite Kreise nicht Wort haben wollen, bedroht. Ein Blick in die Marktberichte beweist das jeden Tag. Trotz der schon erwähnten erhöhten Gestehungs- und Lebenshaltungskosten werden heute Preise für Getreide und Kartoffeln notiert, die gegenüber den Preisen vor dem Kriege nur unwesentlich geändert sind. Dem Verbraucher werden aber auf der anderen Seite (wir denken hier vornehmlich an Brot) Preise zugemutet, die für den Landwirt unbegreiflich sind. Bei Obst und Gemüse liegen die Dinge ähnlich. Und nur unter diesem Gesichtswinkel werden die erhöhten Preise verständlich, die heute als Ausgleich für Fleisch und Milcherzeugnisse gefordert werden.

Von selten des Deutschen Bauernverbandes wurde immer wieder erklärt, daß die Landwirtschaft nicht daran interessiert ist, für ihre Erzeugnisse überhöhte Preise zu erzielen, sondern daß sie auf allen Gebieten des Agrarsektors lediglich ausreichende und möglichst gleichbleibende Preise für richtig hält. Es geht auch der Landwirtschaft nur darum, finanzielle Ergebnisse zu erzielen,. die einmal dem Erzeuger ausreichende Existenzmöglichkeiten geben, zum anderen aber auch dem Verbraucher die Möglichkeit geben, seinen Bedarf zu Preisen zu decken, die seinen Verdienstmöglichkeiten angemessen sind. Man weiß auch bei den deutschen Bauern, und diese Schlußbemerkung sei uns noch gestattet, daß die Landwirtschaft nicht einen für sich lebensfähigen, sondern nur einen dem Ganzen zugehörigen Teil unserer Volkswirtschaft darstellt. Die deutschen Bauern wissen aber auch, daß, wenn dieser Teil in seiner Existenz bedroht ist, diese deutsche Volkswirtschaft Not leiden muß. Und das zu verhindern ist das letzte und höchste Ziel allen Strebens der deutschen Bauernschaft und ihrer gewählten Vertretungen.

Mistladen leicht gemacht

Im Hofe des Landwirts Sturm in Goddelau fanden sich dieser Tage eine Anzahl Landwirte und eine Klasse der Landwirtschaftlichen Berufsschule Groß-Gerau ein, um der Vorführung neuzeitlicher Dunglader und Streu-Geräte beizuwohnen. Landwirtschaftsrat und Direktor der Landwirtschaftsschule Groß-Gerau, Petri, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der Technik in der Landwirtschaft hin und dankte den Anwesenden für ihr Interesse. Im Anschluß daran wurde das neue Gerät, das in seiner jetzigen Form die erste Stufe einer ständig weitergeführten Entwicklungsreihe darstellt, nicht ohne Panne, wie es bei Neukonstruktionen unausbleiblich ist, dem Interessentenkreis vorgeführt.

Das an der Vorderseite eines HANO¬MAG-Ackerschleppers angebrachte Ladegerät wird hydraulisch betrieben und läßt sich am besten mit einer überdimensionalen Mistgabel vergleichen, die der Traktor in den Dunghaufen rennt, dann hochhebt und in den ebenfalls neuartigen Streuwagen abkippt.

Der Streuwagen wurde später auch in der Praxis vorgeführt. Die zeitraubende Arbeit des Dungladens und -ausbreitens verliert mit diesen maschinellen Einrichtungen ihren Schrecken. Voraussetzung für das Funktionieren dieser neuen Hilfe für die Landwirtschaft ist die Verwendung von Häckselstroh. Dies gilt besonders für die Streuvorrichtung, in der sich das lange Stroh, wenn es noch nicht genügend verrottet ist, verhaspelt.

Die etwas skeptischen Zuschauer des Experimentes werden über kurz oder lang die kleine Revolution des Misthaufens mitmachen müssen, um leichter und gerade im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Rationalisierung der bäuerlichen Wirtschaft weitaus billiger arbeiten zu können. Wenn die Technik noch die vorhandenen kleinen Schönheitsfehler beseitigt, werden sich unsere Landwirte dieser Neuerung nicht verschließen. Kr.

Das Beizen nicht vergessen

Grundsätzlich darf keine Wintersaat ungebeizt in den Boden. Unter Beizen versteht man die Abtötung der dem Saatgut anhaftenden Pilzkeime durch chemische Mittel. Die Behandlung erfordert nur wenig Mühe und Kosten, macht sich aber durch Verhinderung vieler Krankheiten (Schneeschimmel, Brandkrankheiten, Streifenkrankheit der Gerste u. a. m.) auf jeden Fall bezahlt. Meist wird sie in Verbindung mit der Saatgutreinigung im Trockenbeizverfahren durchgeführt. Erprobt sind Abavit, Ceresan, Fusariol, Germisan. Sie werden in Mengen von je 100 g pro Ztr. angewendet.

Heidelbeer-Rekordernte

Die Heidelbeerernte war in diesem Jahre so gut, daß sich selbst ältere Leute an eine solche Rekordernte nicht erinnern können. Die Beeren waren besonders groß und saftig.

An die acht Wochen gingen Tag für Tag hauptsächlich Frauen und Kinder mit Körben, Eimern und Kannen in die Wälder. Manche verdienten dabei recht gut, denn die Nachfrage war groß und die Preise angemessen.

Für viele Sammler waren die Waldungen zwischen dem Oster- und Mossauertal, bei der Wegscheide und zwischen Weschnitz und Gras-Ellenbach sowie des Marbachtals, das Ziel. Auf der Hauptstraße von Weschnitz nach Erbach konnte man täglich morgens früh Omnibusse, Lkws und alle möglichen Fahrzeuge mi Sammlern aus dem Weschnitztal, von er Bergstraße, aus dem Ried, ja selbst aus dem Badischen sehen. Pto°

Verlustarme Kartoffel - Einlagerung

Frühzeitige Vorbereitung der Keller ist notwendig

Die Frühkartolfelemte ist abgeschlossen. Auch die „Mittelfrühen“ sind bald eingebracht und über kurz oder lang begännt in Hessen die eigentliche Kartoffelernte. Damit wird auch die Frage der Lagerung akut. Um sie so verlüsfarm als irgend möglich zu machen, ist es notwendig, schon jetzt die zur Lagerung vorgesehenen Keller zur Aufnahme der Ernte vorzubereiten.

Verluste bei der Einlagerung von Kartoffeln sind nicht zu vermeiden, können aber durch geeignete Maßnahmen auf ein Mindestmaß herabgedrückt werden.

I. Vorbeugende Maßnahmen

Die Bekämpfung der Lagerverluste beginnt schon mit der Sortenwahl beim Anbau. Es sind nur diejenigen Züchtungen anzubauen, die für Lagereikrankungen wenig anfällig sind. Leichteren, schwach sauer reagierenden Böden ist der Vorzug zu geben, da schwere und nasse Böden die Krautfaule (Phytophthora infestans de By.) begünstigen. Vorbeugende Kupferkalkspritzungen sind anzuraten, erhöhen sie doch nachgewiesenermaßen den Erfrag auch bei nicht sichtbarem Befall um etwa 6 Prozent. In bezug auf Düngung ist von einer einseitig überhöhten Stickstoff gäbe abzusehen, da hierdurch die Lagerfähigkeif der Knollen leidet. Um bei den Pflegemaßnahmen und dem Roden Verletzungen von Pflanze und Knolle zu vermeiden, ist es zweckmäßig, mit dem Vielfachgerät zu arbeiten. Gut ist auch die Anwendung flachgreifender Gliedereggen. Die Ernte wird erst dann vorgenommen, wenn die Knollen ganz ausgereift und damit festschalig geworden sind.

Vor dem Einlagern sollen die Kartoffeln erst eine Zeitlang auskühlen, da sie sonst im Lager schwitzen, Wärme und Feuchtigkeit entwickeln. Wichtig ist, die Knollen trocken und mit wenig Erde behaftet einzulagern, Angestoßene, verletzte, angefressene und nicht voll ausgereifte Knollen und solche mit naß- oder trockenfaulen Stellen sind vor der Lagerung auszulesen.

11. Lagerung

Die geringsten Verluste entstehen bei der Trocknung, Silierung oder Kühlhauslagerung. Diese Methoden haben aber für die Mehrzahl der Landwirte unseres Verbreitungsgebietes keine Bedeutung, denn in der Regel werden hier die Kartoffeln in Mieten oder Kellern überwintert.

Wichtigster Grundsatz ist einmal ausreichende Lüftung, zum andern aber die Einhaltung der günstigsten Lagertemperafur von plus 2 bis plus 6 Grad Celsius. Der Keller soll trocken, kühl und gut lüffbar sein. Lattenroste oder dreieckige Laffenkanäle mit einer Seitenlänge von etwa 40 Zentimeter sind vorteilhaft. Die Schütthöhe soll nicht über 1 Meter befragen, kann aber bei der Aufbewahrung kleinerer Mengen in Lattenkisten und guter Durchlüftung darüber hinausgehen. Im Frühjahr sollte man die Nächte zum Herunterkühlen bis zur Normalfemperafur ausnutzen. Verlesen, z. B. beim Auftreten von Naßfäule, ist nicht zu umgehen. Es soll möglichst zeitig vorgenommen werden. Schwaches Licht verhindert die Bildung zu langer Keime. Das Schwitzen unter der Sfapeloberfläche kann durch eine Strohauflage vermieden werden.

Die Miefenlagerung ist sowohl für Futter- und Speisekartoffeln als auch für Pflanzkartoffeln günstiger als das Einkellem. Ihre Vorteile wiegen die Nachteile hoher Sfrohbedarf, Diebsfahlsgefahr und zeitweilige Unzugänglichkeit auf. Die Wintermiefen sind an trockenen Stellen mit durchlässigem Boden anzulegen. Der Boden wird nur ganz flach ausgehoben. Die größte Schütthöhe beträgt im allgemeinen ein Meter, die Schüffbreite 1,2 bis 1,5 Meter. Zum Bedecken verwendet man eine 15 bis 20 Zentimeter starke Schicht Langsfroh, die leicht .mit Erde beworfen wird. Sinkt die laufend zu kontrollierende Mietenfemperatur unter 2 bis 4 Gras Gelsiusi, dann wird die Erdschicht aut etwa 15 Zentimeter verstärkt. Im Winter wird darüber -eine weitere Strohschichf (auch Kartoffelkraut, Spreu o. ä.) gelegt und wiederum mit Erde abgedeckt. Strohiger Mist leistet bei strengen Frösten gute Dienste als Isolator, besonders bei fehlendem Schnee. Die Miefen liegen zweckmäßig in Osf-Wesfiichtung. Eine schnelle Äbtiocknung und -kühlung der Knollen wird erreicht, wenn neben dem in bekannter Weise mit dem Ernfebaum im Deckstroh hergesfellfen Firsfrohr am Miefengrund eine Luftöffnung geschaffen wird. Entweder verwendet man hierzu dreieckige Latfenrosfkanäle oder man läßt am unteren Miefenrand die Erdbedeckung bis in etwa 20 Zentimeter Höhe weg. Eine Entlüftung mit Schloten, Strohwischen u. dgl. ist unzweckmäßig, da an den betreffenden Stellen Regen eindringf und sich außerdem Kondenswasser niederschlagen kann. Dadurch wird die Fäulnis begünstigt. Steigt die Temperatur innerhalb der Miefe über 8 Grad Celsius an, so deutet das auf Fäulniserscheinungen hin; die Kartoffeln sind dann möglichst bald zu verbrauchen.

Zur Haltbarmachung der Knollen wurden verschiedene Einstreumiffel (Kalk, Schwefel, Äkanif, Torfmull usw.) empfohlen. Bei richtig eihgelagerfen Kartoffeln sind sie überflüssig, schlecht gelagerte werden aber auch durch die besten Konservierungsmittel nicht gerettet. -tz

Die Milbenseuche

im Hühnerstall

Jetzt zu dieser Jahreszeit legen die Hühner keine Eier? Das sollte doch eigentlich nicht vorkommen. Aber es geschieht öfter, als man glaubt. Die Hühner sind unlustig, haben blasse Kämme, wollen abends nicht in den Stall, können früh nicht zeitig genug herauskommen und legen wenig oder oft überhaupt nicht mehr.

Sind die Tiere krank? Oder was ist mit ihnen? Bei etwas Aufmerksamkeit findet man oft schnell die Ursache. Die Tiere fürchten die Nacht, denn aber Tausende von winzig kleinen Milben überfallen sie in dei' Dunkelheit, saugen ihnen das Blut aus, peinigen sie also im wahrsten Sinne des Wortes bis aufs Blut. Wer selbst einmal das Unglück gehabt hat, in ungezieferverseuchten Quartieren schlafen zu müssen, kann sich eine Vorstellung von der Qual der Hühner machen. Sie reagieren mit verminderter oder völlig eingestellter Legetätigkeit und allgemeiner Mattigkeit.

In diesen Wochen, bei warmem Wetter, vermehren sich die Blutsauger, die bei Kälte monatelang hungern können, lawinenartig. Es wird Zeit, daß etwas geschieht! Wendelinus-Oel oder Jacutin hilft im Nu! Den Stall samt Sitzstangen und Nestern nach gründlicher Säuberung gründlich ausgesprüht, keinen Winkel dabei vergessen, Fußbodenbretter und Stangen, wenn möglich, herausnehmen. Stroh verbrennen und erneuern, das räumt unter den Milben und anderem Stallungeziefer auf. Zusätzlich können die Hühner noch mit Hexamitteln eingestäubt werden.

Die Spritzflüssigkeit wird mit 30 g Wendelinus-Oel auf 6 Liter Wasser beispielsweise hergestellt. Unverdünnt wirkt das Mittel übrigens radikal gegen Kalkbeine unseres Federviehs.

Kurznachrichten

Keine Mostobsteinfuhren

Durch die zu erwartende sehr gute Kernobsternte, deren Qualität allerdings strichweise durch Hagelschäden beeinträchtigt ist, sind in diesem Jahr keine Mosteinfuhren erforderlich. (D. B. K.)

Zugleistungsprüfungen

Der Verband der Pferdezüchter in Hessen-Nassau hat bestimmt, daß die Zuerkennung der Staatsprämie an Mutterstuten von der Ablegung einer Zugleistungsprüfung abhängig gemacht wird. (D. B. K.)

Verzollte Einfuhr

Die Bundesregierung verhandelt zur Zeit mit der Oberkommission wegen der Verzollung von Fleisch und Fett, die seither zollfrei eingeführt werden konnten. Die Oberkommission soll grundsätzlich einverstanden sein.

10 000 Tonnen Butter eingelagert

In Westdeutschland wurden rd. 10 000 Tonnen Butter eingelagert. Die Einlagerung verlangsamt sich jetzt und es wird erwartet, daß sie bei geringer werdendem Milchanfall bald ganz eingestellt wird.

Billige Kartoffeln

Die Erzeugerpreise für Frühkartoffeln gingen soweit zurück, daß sie z. B. im Rheinland teilweise schon unter den Preisen früherer Ernten liegen. Man rechnet mit einem weiteren Absinken der Preise.

Zwei Meter hohe Heidelbeerbüsche

Karl Strohmann in Grethem bei Schwarmstedt zog zwei Meter hohe Heidelbeerbüsche

Gegen die Marktordnung

Aus Kreisen der amerikanischen Oberkommission wird nichtamtlich bekannt, daß man dort vor allem mit dem Getreidegesetz nicht einverstanden sei, weil es gegen die Grundsätze einer freien Wirtschaft verstoße.

Marktbericht der Woche

Fleisch

In der vergangenen Woche verringerte sich der Auftrieb an Schweinen in Darmstadt um 28 Prozent. Dagegen zogen der Auftrieb bei Großvieh, Kälbern und Schafen die Zahlen etwas an. Außer Schweinen, die im Preise etwas höher lagen als in der Vorwoche, blieben die Preise im wesentlichen konstant. Das Geschäft war relativ ruhig. Es gab Ueberstände bei Großvieh und Schweinen. In Frankfurt lagen die Verhältnisse umgekehrt. Während der Auftrieb an Großvieh, Kälbern und Schafen gegenüber der Vorwoche nachließ, wurden 13 Prozent Schweine mehr aufgetrieben. Auch in Frankfurt waren die Preise im wesentlichen gleichbleibend, nur Kälber notierten stark ansteigend.

Obst und Gemüse

Das beherrschende Ereignis am deutschen Obst- und Gemüsemarkt war der völlige Zusammenbruch der Preise für deutsche Zwetschgen, die nur noch, je nach Qualität, mit s—lo DM je 50 Kilo auf dem Erzeugermarkt in Zwingenburg notiert werden. Eine deutsch-italienische Handelsdelegation wird sich in München über diese Lage zu unterhalten haben. Die übrigen Preise hielten sich im Rahmen des saisonbedingten Angebots.

Kartoffeln

Preise in DM je 50 Kilo: Erzeugerpreis ab Hof bzw. Verladestelle 3,25 bis 3,50 DM. Großhandelsabgabepreis etwa 4,25 DM. Kleinhandelsabgabepreis (Verbraucherpreis) je 5 Kilo zwischen 0,50 und 0,60 DM.

Getreide

Inlandsgetreide (Hessen) von Mühlen wird 33,75 DM franko Mühlenstation bezahlt.

Roggen starkes Angebot, das nur schwer zum Festpreis Aufnahme findet.

Gerste kleinere Partien Sommergerste zu Industriezwecken angeboten. Forderung: 33 DM ab Station.

Braugerste kaum angeboten. Forderung: ca. 33,50 DM.

Hafer kleines Angebot in abfallenden Qualitäten für Futterzwecke (Hektolitergewicht 38—42 Kilo). Die geforderten Preise von 26 DM bis 26,50 DM werden hierfür nicht bewilligt.

Weizenmehl Nachfrage konnte zu normalen Preisen gut gedeckt werden.

Roggenmehl weiter starkes Angebot zu stark reduzierten Preisen. Type 1150 wurde mit 38,45 DM brutto für netto franko angeboten bei einem Normalpreis von etwa 40 DM.

Milch und Milchprodukte

Die Milchanlieferungen an die Molkereien sind in der Woche zum 13. 8. etwas rückläufig.

Die Buttererzeugung liegt mit 5800 Tonnen rim Bundesgebiet in der Höhe der Vorwoche während sie in Hessen mit 378 Tonnen um 2,4 Prozent zurückgegangen ist.

Eier

Deutsche Frischeier werden auf dem Markt kaum noch angeboten. Preise bewegen sich zwischen 16 und 19 Pfennig.

Nutzvieh

Aus den für die Preisgestaltung in unserem Land maßgebenden Nutz- und Zuchtviehgebieten Nordwestdeutschlands werden folgende Markttendenzen mitgeteilt:

Starke Nachfrage für hochtragende Kühe von guter Qualität. Angebot verhältnismäßig gering, da Hauptabgabezeit für Kühe erst im Februar beginnt.

Für hochtragende Rinder infolgedessen feste Preise.

Auf den Ferkelmärkten erhöhtes Angebot, trotzdem stabile Preise, offenbar in Anbetracht der guten Futteraussichten. (Anmerkung: Die Gesamttendenz weist jedoch seit einigen Wochen deutlich nach unten.) Angebot an Zuchtsauen knapp, für gute Qualitäten recht befriedigende Preise.

Nutzvieh preise (Markt Lübeck vom 18. 8. 1950):

Rinder (Nichtherdbuchtiere): Hochtragende und frischmelkende Kühe Klasse I 725 bis 875 DM, tragende Färsen 600 bis 775 DM, Weide und Futtervieh bis 0,52 DM, Rinder bis 0,64 DM je Vz Kilo Lebendgewicht.

Pferde : Kaltblüter Klasse I 760 bis 850 DM, Warmblüter 425 bis 575 DM, Kreuzungen 475 bis 625 DM.

Marktverlauf: Kühe und schwere Färsen zu erhöhten Preisen gefragt. Auftrieb mäßig, Markt geräumt. Pferde bei nachgebenden Preisen schlechtes Geschäft. Trotz sehr niedrigem Auftrieb verblieb Ue-berstand.

Achtzig Zeilen für die Landfrau

Gummern, Gummern, nichts als Gummern

Es gab schon lange nicht mehr so viele Gurken wie in diesem Jahre und so manche Landfrau wird über den anfallenden Segen stöhnen, nicht wissend, was sie damit anfangen soll. Daß sie Gurken einmachen kann und muß, weiß sie. Wir brauchen es ihr nicht erst zu sagen. Sie weiß auch, daß sie in einem so ausgesprochenen Gurkenjahr nur die schönsten und besten Früchte einzumachen braucht. Was geschieht nun aber mit den fleckigen, unschönen Früchten, die durch den Regen gelitten haben?

Müssen wir sie wirklich wegwerfen oder besteht nicht die Möglichkeit, sie in Form irgendwelcher Gurkengerichte noch auf den Tisch zu bringen?

Nun, diese Gerichte gibt es in großer Anzahl, sie lassen sich relativ leicht zubereiten und machen selbst den am Anfang Skeptischen am Ende doch noch Spaß. Es ist doch wirklich nicht notwendig, immer wieder nur an dem Alten festzuhalten und zu kochen, was schon Groß- und Urgroßmutter kochten. Probieren wir einmal die neuen Gerichte. Die Rezepte sind praktisch ausprobiert (stimmt! d. Red.), wir haben sie gesammelt und für Sie aufgeschrieben:

Gurkengemüse:

Neue Gurken werden geschält, halbiert und das Kernhaus aus ihnen mit einem Löffel herausgekratzt. Man schneidet sie in Scheiben, die etwas dicker sind als die für Salat. Nun röstet man möglichst in einem Eisentiegel Speckwürfel mit Zwiebeln an, gibt später Mehl dazu und löscht, nachdem das letztere je nach Geschmack hell bis braun ist, mit Wasser ab, das Ganze zu einer sämigen Einbrenne rührend. In diese Einbrenne kommen die geschnittenen Gurken, die noch einmal auf kochen müssen.

Es empfiehlt sich, die Einbrenne nicht zu dünn zu machen, da Gurken außerordentlich viel Wasser ziehen und die Tunke dann evtl, zu dünn wird.

Das Gemüse wird mit Salz, Petersilie und einer Prise Zucker abgeschmeckt. Man reicht dazu Salzkartoffeln und Frikadellen.

Gefüllte Gurken

Die Gurken werden geschält, halbiert und ausgehöhlt. Man mache eine Füllung aus Hackfleisch, Brötchen und Zwiebeln, streiche sie in die halben Gurken hinein und binde die beiden Hälften mit einem Faden zusammen. Speck und Zwiebeln werden gebräunt, die Gurken hineingelegt und unter Zugabe von Wasser durchgeschmort. Die Tunke wird mit Mehl gedickt und abgeschmeckt.

Es empfiehlt sich, dazu Kartoffelbrei aus neuen Kartoffeln zu geben.

Heringsgurken

Die Gurken werden wie oben vorbereitet. Kleingeschnittene Salzheringe (entgrätet und gewässert) werden mit Zwiebeln, Pfeffer- und Senfkörnern und einem Lorbeerblatt vermischt. Mit diesem Gemisch werden die ausgehöhlten Gurken gefüllt, die wiederum mit einem Faden zusammengebunden und in einen Topf gelegt werden.

Essig und Wasser werden zu gleichen Teilen gemischt, Salz und Gurkengewürz zugegeben, zum Kochen gebracht und heiß über die vorbereiteten Gurken gegossen. Nach 4 Tagen kann man die Gurken dann zu Kartoffelsalat oder Pellkartoffeln auf den Tisch bringen. eha

Für den Kleingäriner

Fallobst muß laufend sorgfältig gesammelt und vernichtet werden wenn es noch nicht verwertbar ist, um die Weiterentwicklung der darin befindlichen Schädlinge zu verhindern. Die größeren Früchte lassen sich zu Gelee, Mus und später zu Süßmost verarbeiten.

Frühkartoffeln sollen immer nur nach Bedarf gerodet werden. Es ist fehlerhaft, größere Mengen auf einmal zu roden, weil die Kartoffeln immer noch wachsen.

Bohnen und Erbsen müssen alle zwei Tage gepflückt werden, damit sie nicht überständig, zäh bzw. mehlig werden.

Abgeerntete Beete werden sofort wieder bestellt. Grünkohl, Kohlrabi, Salat und vor allem Endivien können noch gepflanzt werden. Erbsen, Buschbohnen, Radies und Rettich können noch gesät werden.

Winterzwiebeln müssen unbedingt jetzt gesät werden, damit schöne, kräftige Pflanzen zur Verfügung stehen.

Karotten überwintern und können im Frühjahr als erstes Frischgemüse geerntet werden, wenn wir sie jetzt aussäen. Sie werden wie üblich herangezogen und im Herbst sorgfältig abgedeckt. In milden Lagen und nicht zu strengen Wintern eine vorzügliche Sache. Nur Karotten sind geeignet.

Düngegüsse mit Jauche aus Taubenmist, Hühnerdung oder Mineraldünger können noch gegeben werden. Düngegüsse sollen immer verdünnt werden. Kohlarten, Tomaten, Gurken, Sellerie sind besonders dankbar. Regentage sind dazu auszunützen. Blätter und Früchte dürfen nicht begossen werden. Abschließend wird mit Wasser abgebraust.

An Stauden werden die abgeblühten Stengel entfernt und später die abgestorbenen Blätter abgeschnitten. Narzissen, Schneeglöckchen, Tulpen und Hyazinthen werden herausgenommen und für spätere Pflanzung bereitgehalten. Blühende Stauden, vor allem Dahlien, brauchen viel Wasser. Also reichlich gießen und wässern. Dabei muß der Boden immer wieder gelockert und gelüftet werden.

Tomaten entweckeln sich jetzt stark und müssen wöchentlich zweimal gegeizt und aufgebunden werden. Alle Triebe in den Blattwinkeln sind zu entfernen. Die Triebspitze wird am Pfahl angebunden. Blätter dürfen nicht entfernt werden, da sie für das Leben der Tomate und die Entwicklung der Früchte sehr wichtig sind. Laufend lockern und gießen mehrt den Ertrag.

Schädlinge werden weiterhin laufend bekämpft. Fanggürtel gegen Apfelblütenstecher werden angelegt und nachgeprüft. Gespinste der Apfelgespinstmotte werden ausgeschnitten und verbrannt. Noch können wir gegen Fusikladium mit Kupferkalk- oder Schwefelkalkbrühe spritzen. Kohlweißlinge, d. h. deren Raupen, werden mit DDT oder C-B-Ho bekämpft. Tomaten spritzt man gegen Braunfleckenkrankheit. ste.

400 kg Butter produziert eine von der Darmstädter Firma Dr. Reutlinger konstruierte Buttermaschine in der Stunde. Die Maschine arbeitet nach schwingungstechnischen Prinzipien und wird von einer anderen Firma bereits serienmäßig hergestellt. th

Der SPORT

VfL Mühlburg, ein weiterer Prüfstein für die 98er

SV 98 kann in der Spitzengruppe bleiben Reizvolle Duelle: Böhmann-Gärtner, Schmidtner-Lehmann, Barth-Buhtz, Herder-Rastetter werden den Auschlag geben

Ein Blick in die Tip-Vorschauen der deutschen Presse zeigt, daß die beiden ersten Siege der Darmstädter im Oberhaus doch mehr als Überraschung gewertet werden, und Mühlburg trotz des unerwarteten 2:5-Reinfalls in Mannheim noch so stark eingeschätzt wird, daß ihm selbst in Darmstadt fast ausnahmslos ein Sieg zugemutet wird. Das sollte für die Darmstädter Ansporn und Warnung zugleich sein.

Der Gegner vom Sonntag ist durchaus in der Lage, den Lilienträgern die ersten Punkte abzujagen. Die Mannschaft, die schon in der vergangenen Oberliga-Runde eine beachtliche Rolle zu spielen, in der Lage war und schließlich auf dem 7. Tabellenplatz landete, hat durch die Zugänge Trenkel (HSV) und Buhtz (Offenbacher Kickers) wesentliche Verstärkungen erhalten und startete schon als einer der Favoriten, noch ehe der FSV Frankfurt in seinem ersten Spiel von der Kombinationsmasphine der Karlsruher Vorstädter mit 5:1 überfahren wurde. Dann kam jedoch die kalte Dusche in Form des 2:5 in Mannheim gegen den VfR, wonach man nicht so recht weiß, was eigentlich von der Tauchert-Elf zu halten ist.

Reaktionssicher und instinktiv die Gefahr witternd, Torwart Scheib, vor dem Fischer und Fritscher stehen, die nicht immer ganz zuverlässig sind, so daß hier vielleicht die einzige schwache Stelle der Elf zu suchen und auszunützen wäre. Der beste Mannschaftsteil der Gäste ist die überragende Läuferreihe, in der der altbewährte Stopper Gärtner von den in Aufbau und Abwehr gleich guten Dannenmeier und Trenkel hervorragend unterstützt wird. In der vorderen Reihe ist Mittelstürmer Lehmann die große Ueberraschung der letzten Spiele gewesen. Dieser Mann kann, wenn den beiden Halbstürmern und Technikern Rastetter und Buhtz Gelegenheit gegeben wird, ihn genügend einzusetzen, zu einer großen Gefahr für das Darmstädter Tor werden. Mit 6 Toren in 2 Spielen führt er die Torschützentabelle der 1. Liga Süd an. Schmidtmer wird hier kaum eine leichtere Aufgabe zu bewältigen haben als acht Tage später gegen den Fürther Schade. Auch die beiden Außen Roth und Kunkel leben von den Vorlagen ihrer Innenstürmer, die kaltzustellen sich Herder und Barth angelegen sein lassen sollten. Achtung auch auf die beiden Außenläufer der Mühlburger, die Stürmerblut in ihren Adern haben!

Die Gäste, die ganz in Weiß, spielen, stellen eine spiel- und einsatzfreudige Elf, die prächtig zu kombinieren versteht und zu jedem Spiel einen unge-

brochenen Kampfwillen mitbringt. Sie sollte den 98ern besser liegen als die Techniker aus Fürth, die am Sonntag darauf im Hochschulstadion antreten werden. Der junge und zügige Sturm der Einheimischen — diesmal mit Ewald auf Rechtsaußen — hat gegen die an Jahren ältere Hintermannschaft der Mühlburger keine schlechten Aussichten. Spielentscheidend wird jedoch sein, welche der beiden Läuferreihen ihre Aufgabe am besten zu lösen versteht. Die 98er werden versuchen, ihre gute Stellung in der Spitzengruppe zu halten, wobei ihnen wieder ein vollbesetztes Stadion — die Tribüne ist schon seit Tagen ausverkauft — die nötige Unterstützung geben wird. SV 98 Darmstadt: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Eiwaid, Becker 11, Bohmann, Mühlbach, Herwig.

Vfß Mühlburg: Scheib; M. Fischer, Fritscher; Dannenmeier, Gärtner, Trenkel; Roth, Rastetter, Lehmann, Buhtz, Kunkel.

Beginn 15 Uhr, vorher Reservemannschaften.

Ferner spielen: SV Waldhof—Kickers Offenbach (Sa), Eintracht—l. FC Nürnberg (Sa), München 60—FSV Frankfurt, Spvgg Fürth—Vfß Mannheim, BC Augsburg gegen Schweinfurth 05, VfL Neckarau gegen Bayern München, SSV Reutlingen gegen Vfß Stuttgart, FC Singen — Schwaben Augsburg.

Oberliga West

Fortuna Düsseldorf—Preußen Dellbr. Duisburger SV—Rot-Weiß Essen Rheydter SV—Preußen Münster Rot-Weiß Oberhausen—STV Horst Schalke 04—Alemannia Aachen 1. FC Köln—Hamborn 07 Spfr. Katernberg—Borussia M.-Gladb. Bor. Dortmund—Spvgg Erkenschwick

Im Westen gibt es noch Durcheinander. Hier wartet man vor allem auf Klärung der Angelegenheit Borussia Dortmund— TSV Horst. Die Borussen werden beschuldigt, den Horstern 4 gute Spieler mit unlauteren Mitteln gekapert zu haben, aber auch Borussia hat Spieler abgeben müssen. Sie alle müssen noch pausieren. Doch auch so stellen beide Vereine starke Einheiten. Hierzu kommt, daß auch die Neulinge (die aber gar keine in dieser Gesellschaft sind) sich als recht schlagkräftig entpuppen. Wie es am Sonntag ausgeht, ist nicht vorauszusehen; aber man darf voraussagen, daß der diesjährige Westmeister stärkere „Geburtswehen“ zu bestehen haben wird.

Oberliga Nord

Altona 93—Holstein Kiel Arminia Hannover—FC St. Pauli Cone. Hamburg—Bremer SV Werder Bremen—Bremerhaven 93 Vfß Oldenburg—Hannover 96 Eintr. Osnabrück—Eintr. Braunschw. Göttingen 05—SV Itzehoe

Der erste Spieltag im Norden hat gezeigt, daß mit der Favoritenstellung des HSV und auch von St. Pauli zu rechnen ist. Osnabrück, Braunschweig und die beiden Bremer Vereine scheinen aber auch stärker geworden zu sein. Vielleicht bringt schon der Sonntag neue Anhaltspunkte.

SV Arheilgen in Durlach

Der Gegner der Arheilger verlor sein erstes Spiel in Böckingen mit 2:1 und am vergangenen Sonntag daheim gegen die Stuttgarter Kickers mit 4:3. Das soll aber nicht heißen, daß die Leute vom Mühlchen vor einer leichten Aufgabe stehen. Die Durlacher Mannschaft hat in diesen beiden bisherigen Spielen durchaus keine schlechte Figur gemacht und wird am Sonntag alles daransetzen, gegen die Gäste zu ihren ersten Punkten zu kommen.

Die Arheilger hatten in Straubing einen Fehlstart, gewannen dann ihr erstes Heimspiel gegen Union Böckingen zahlenmäßig ziemlich eindeutig, ohne jedoch überragende Leistungen zu bieten, wobei man jedoch berücksichtigen muß, daß der Sieg bereits in der ersten Halbzeit feststand, so daß sich die Elf nicht voll auszugeben brauchte. Ein richtiges Bild über die wirkliche Spielstärke der Arheilger läßt sich also noch nicht geben. Wollen sie nicht schon zu Beginn der Saison im unteren Teil der Tabelle sitzenbleiben und damit ihr Publikum verlieren, so müssen sie schon versuchen, auch auswärts zu Erfolgen zu kommen.

Weitere Spiele der 2. Division: Aschaffenburg—ASV Cham, 1. FC Pforzheim gegen Hessen Kassel, SV Wiesbaden gegen Wacker München, Stuttgarter Kickers gegen FC Freiburg, SV Tübingen—Bayern Hof, Jahn Regensburg—FC Bamberg, Straubing—VfL Konstanz, Union Böckingen—Ulm 46.

Olympia Lampertheim in Bieber

Der zweite Spielsonntag der hessischen Landesliga bringt wieder neun interessante Paarungen. Olympia Lampertheim, das sich in der neuen Umgebung mit einem 2:0 gegen Rot-Weiß Frankfurt gut einführte, muß diesmal nach Bieber, wo es in der dortigne Germania auf eine gefährliche Heimmannschaft trifft, die schwer zu schlagen sein wird.

Weiter spielen: Bad Homburg—l. FC Rödelheim, Griesheim 02—Hessen Hersfeld, Rot-Weiß Frankfurt—VfL Marburg, VfL Kassel—Borussia Fulda, Lichtenau— Kassel 03, VfL Biedenkopf —Spielvereinigung Kassel, Hermania Kassel—Eintracht Wetzlar, Union Niederrad — Friedberg. Spielfrei sind Hanau 93 und Opel Rüsselsheim.

Die ersten Spiele der Bezirksklasse

Die Bezirksklasse startet am Sonntag noch nicht mit vollem Programm, da den drei auf gestiegenen Vereinen noch eine Ruhepause bis zum 10. September gegönnt wird. Folgende Paarungen sind vorgesehen: Gruppe 1 Biblis—Hof heim, Eberstadt—Pfungstadt, Lorsch—Heppenheim, Bobstadt—Roßdorf und Vikt. Urberach— Ober-Ramstadt.

Das Spiel Wixhausen—Bürstadt findet nicht statt, da Wixhausen der anderen Gruppe zugeteilt wurde. Die Begegnung Eberstadt—Pfungstadt ist bereits um 10 Uhr angesetzt, das Spiel Vikt. Urberach— Ober-Roden um 13.30 Uhr. Gruppe 2: Nauheim—Bischofsheim, Erbach—Trebur, Dieburg—Michelstadt, Egelsbach —Eppertshausen, Mörfelden—Oberroden, Münster— Walldorf.

Erster Länderkampf nach dem Kriege

Ein reichhaltiges Sportprogramm am Wochenende

B. G. — Seit einem Jahr schon wird wieder an den im Krieg zerrissenen Fäden zum internationalen Sport gesponnen. Es waren allerdings zunächst noch dünne Fäden. Allmählich werden sie widerstandsfähiger, und zum ersten Male bringen sie uns jetzt einen offiziellen Länderkampf. Die Schwimmer bringen ihn, sie, die sich auch vor allen anderen Sportzweigen als erste wieder mit ihren alten Freunden jenseits der Grenzen verstanden haben.

Der Schwimmkampf Deutschland gegen England am Samstag und Sonntag in Oberhausen interessiert also in mehr als einer Hinsicht. Aber die sportliche Seite hat auch ihre hohen Reize. Zwar hat der englische Schwimmsport vor dem Kriege zwei Länderkämpfe gegen die Deutschen sehr klar verloren, aber seitdem sind die Leistungsunterschiede durch schnelle Fortschritte der Briten weit geringer geworden. Bei den Frauen dürfte heute sogar eine Ueberlegenheit Englands bestehen. Nur bei den Männern, und hier besonders durch unsere neuen Europameister, werden die Punkte zu holen sein, die einen deutschen Erfolg im Gesamtergebnis sichern können.

Immer noch überschneiden sich Sommer- und Herbstsaison. Dementsprechend ist das Sportprogramm weiterhin sehr umfangreich. In den Rasensports beginnen nun auch die Punktekämpfe im Handball, und im H o c k e y zeigt sich gleichfalls wieder Leben.

Die große Gemeinde der deutschen Turner blickt nach Tübingen, wo der Deutsche Turnerbund ausgerufen werden soll und gleichzeitig die Deutschen Turn-Meisterschaften 1950 ausgetragen werden. Im Mittelpunkt der Kämpfe stehen natürlich der Zwölfkampf der Männer mit dem Zusammentreffen von Schwarzmann, den Gebr. Wied, Dickhut und anderen Könnern, sowie der Neunkampf der Frauen. Weitere Veranstaltungen: Leichtathletik: Tag der Mittel- und Langstreckler in Hamburg mit Hupperts, Geister, Schade, Lamers usw., „Harbig-Gedächtnislauf“ in Braunschweig; Städtekampf München Zagreb.

Tennis: Deutsche Senioren-Meisterschaften in Bad Pyrmont.

Rudern: Herbstregatten in Frankfurt und Bonn.

Motorsport: 7. Lauf zur Deutschen Motorrad-Meisterschaft beim Hamburger Stadtparkrennen.

Radsport: „Goldenes Rad von Frankfurt“ mit internationaler Besetzung; weitere Steherrennen in Bochum, Bremen und Neukölln.

Turniersport: Internationales Reitturnier in Baden-Baden.

Pferdesport: Galopprennen in Frankfurt, Bremen, München, Düsseldorf (Großer Preis von Nordrhein-Westfalen 30 000 DM).

Rollsport: Deutsche Kunstlaufmeisterschaften in München-Gladbach.

Drobny ausgeschieden

Hamburg, (dpa) In der 3. Runde der amerikanischen Tennismeisterschaften in Forest Hills unterlag der Exil-Tschechoslowake Jaroslav Drobny am Donnerstag dem Sechsten der amerikanischen Rangliste, Art Larsen, 3:6, 2:6, 6:2, 5:7.

Torsten Johansson (Schweden) verlor gegen den Amerikaner Gardnar Mulloy 4:6, 2:6, 2:6. Mulloy, dessen wuchtige Aufschläge dem jungen Schweden Schwierigkeiten bereiteten, hatte das Spiel von Anfang bis Ende fest in der Hand. Johansson konnte nur einmal, im fünften Spiel des dritten Satzes, den Aufschlag des Amerikaners durchbrechen. Damit sind die letzten beiden Europäer ausgeschieden.

Nach kurzer, schwerer Krankheit starb am 29. August im 62. Lebensjahr meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Schwester und Tante Helene Reeg geb. Heberer In tiefer Trauer: Georg Reeg sen., Metzgermeister, Darmstadt, Am Erlenberg 22 Georg Reeg jun., Metzgermeister, Reinheim, Dr. Wilhelm Reeg, Hahn b. Pfgst. Georg Heberer, Messel, Dr. Hans Reinheimer, Inge Reeg und vier Enkelkinder. Die Beisetzung fand auf Wunsch der Entschlafenen in der Stille statt.

Bestattungen am Freitag, dem 1. Sept. 1950 Alter Friedhof: Beerdgungen: 10.30 Riedlinger, Ludwig, 46 J., Kittlerstr. 44 11.00 Die Beerdigung Schneider vom Vortag wurde auf diesen Termin festgelegt Waldfriedhof: 11.15 Lutz, Christian, Altersheim Schönberg, 91 J.

Wer ist Gyselinckr?

Der Deutschland-Rundfahrtsieger ist ein vollendeter Sportsmann

h e was sie sagen und ich gewinnen , das ist die wohlüberlegte und entschiedene Antwort, mit der Roger Gyselincks den deutschen „Mittelsmännern eine Abfuhr gab, die allzu gern sei-Deutschlandrundfahrt-Sieg erkauft hatten. Für Gyselincks gab es nur eines: Einen reellen Ksmpf und . . siegen

Gyselincks hat mit dem Sieg in der Deutschland-Rundfahrt den größten Erfolg seines Lebens erzielt. Von Geburt Flame, wurde er nach einer vierjährigen erfolgreichen Amateurlaufbahn 1942 Berufsfahrer. Der Name Gyselincks trat aber erst wieder im Jahre 1947 in Erscheinung, als er in der belgischen Equipe bei der „Tour de France“ teilnahm. Auch in den beiden folgenden Jahren war Gyselincks unter den Teilnehmern der Frankreichfahrt zu finden. Er hatte in diesem Jahr die Tour de Belgique um ein Haar gewonnen, wenn nicht das Schicksal stärker gewesen wäre. Mit dem Sieg in der Tasche stürzte Gyselincks zehn Kilometer vor dem letzten Etappenziel mit seiner Maschine, die in zwei Stücke brach. Rogers Stärke liegt in den Bergen, was er in seiner Heimat kaum ausnützen kann. Er zählt gegenwärtig zu den drei stärksten belgischen Bergfahrern. Seine überlegene Fahrweise bei den Bergetappen verschaffte ihm auch die Führung in der Deutschland-Rundfahrt. Seine Tempoqualitäten bei den Fahrten zwischen Neumarkt und Nürnberg sicherten ihm den Sieg.

„Nach meinem Sieg werden viele Leute in Belgien glauben, daß Deutschland nur mittelmäßige Fahrer besitzt, aber ich glaube, daß ich in diesem Jahr die beste Kondition meines Lebens erreicht habe und nur dieser meinen Sieg danke“, antwortete Roger auf die Frage, wie man in seiner Heimat wohl die Nachricht von seinem deutschen Sieg aufnehmen werde. Seine Kameraden Keteleer, Peeters und de Corte bestätigten auch, daß Gyselincks in dem Bewußtsein seines Sieges über sich selbst hinauswuchs. Deshalb bedeutet ihm der Sieg in der Deutschland-Rundfahrt mehr als Geld.

Eines hat der hochgewachsene Flame bewiesen, daß er ein Berufssportler mit Moral ist, dem man ohne Widerspruch von Herzen den Sieg in der ersten internationalen Deutschland-Rundfahrt der Nachkriegszeit gönnen kann (dpa)

Die Deutschen noch zu unerfahren

Ein deutscher Erfolg in der Deutschlandfahrt wäre möglich gewesen, hätten sich die deutschen Fahrer gegenseitig besser unterstützt. Neben Pfannenmüller und Müller, die ihre Erfahrung von der Tour de Suisse gut in die Waagschale werfen konnten, zeichneten sich vom deutschen Nachwuchs besonders der junge Ex-Amateur Bintner, Theißen, Schulte, Zoll und Siefert aus. Der Vorjahrssieger Harry Saager, der schließlich den fünften Platz belegte, kam zu spät in Schwung, er hatte auf den ersten fünf Etappen zu viel Boden verloren, um noch in die engere Entscheidung eingreifen zu können. Dazu kamen die zehn Strafminuten, die er auf der Obersalzberg-Etappe erhielt.

Zandt und Sander-Domagalla

Sie überragten in Düsseldorf Ulzheimer siegt wieder

Düsseldorf, (dpa) Bei einem internationalen Abendsportfest des Düsseldorfer SC 99 vor 3000 Zuschauern war einmal mehr der Stuttgarter Doppelmeister Werner Zandt die überragende Erscheinung. Während er die 100 Meter in totem Rennen mit dem Krefelder Fischer in 10,8 Sekunden gewann, beherrschte er souverän die 200 Meter, die er in 22,0 Sekunden lief. Zweiter wurde Geister. Die 400 Meter konnte Ulzheimer (Frankfurt) in 49,6 Sekunden knapp vor Steines (Koblenz) für sich entscheiden. Ueber 800 Meter sowie über 1500 Meter gab es nur mäßige Zeiten. Ueber 3000 Meter erreichte Herbert Schade aus Barmen mit 8:30,0 Min. ohne Gegner eine beachtliche Zeit.

Der österreichische Meister Sack (Granz) holte sich mit 63,56 Meter den Speerwurf vor den Deutschen Sick und Hauer. Preußen-Krefeld gewann die 4-mal-100-Meter in 42,4 Sekunden vor den Stuttgarter Kikkers. Den Sieg über 4-mal-400-Meter brachte Hans Geister (Krefeld) seiner Mannschaft in 3:2,4 Min. vor Preußen-Krefeld (3:2,6). Werder Bremen erlief sich in 7:32,6 Minuten die 3-mal-1000- Meter-Staffel vor den Oberhausener Kleeblättern. Eine Nationalstaffel schaffte die 4-mal-100-Meter in 42,7 Sekunden.

Die überragende Frau war Maria Sander-Domagalla (Dinslaken), deren 80 -Meter-Hürdensieg in 11,7 Sekunden ihre Extraklasse zeigte. Sie gewann ebenso überlegen die 100 Meter in 12,3 Sekunden. Marlies Müller (Koblenz) konnte im Speerwerfen nur 42,21 Meter erreichen.

Nun auch für die Ruderer

Die Grenzen wieder offen

Mailand, (sid) Der Kongreß der Federation Internationale des Societas d’Aviron, der aus Anlaß der Ruder-Europameisterschaften in Mailand tagte, beschloß mit 10:4 Stimmen bei vier Enthaltungen, den Mitgliedern des Internationalen Ruder-Verbandes die Wiederaufnahme der sportlichen Beziehungen mit Deutschland zu gestatten. Bemerkenswert hieran ist, daß Deutschland bisher noch keinen Wiederaufnahmeantrag an die FISA gerichtet hatte. Für die Rückkehr der deutschen Ruderer stimmten Aegypten, Argentinien, England, Italien, Portugal, Oesterreich, Schweden, die Schweiz Spanien und die USA. — Belgien, Dänemark, Frankreich und Griechenland stimmten gegen den Antrag, während sich Finnland, Holland, Jugoslawien und Norwegen der Stimme enthielten.

Pietät erwünscht

Herz ist Trumpf in den Staaten. Als kürz-

lieh Dinner Gong, eines der besten westamerikanischen Rennpferde, wegen eines Beinbruchs erschossen und ohne viel Federlesens einer Abdeckerei übergeben wurde, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Das edle Tier hatte immerhin 169 000 Dollar zusammengaloppiert, und der Stall ließ sich für den Verlust auch noch kaltblütig 34 000 Dollar von einer Versicherungsgesellschaft bezahlen.

Die Rennbahnbesucher protestierten. Eine Zeitung schrieb: „Was für eine Sorte von Menschep ohne Gemüt regiert eigentlich unseren Turf? Verdient ein edles Pferd nicht ein ebenso anständiges Begräbnis wie jedes menschliche Wesen?“

Und es blieb nicht bei schönen Worten. Man machte den Rennstallbesitzern die Hölle heiß. Begräbnisplätze für tote Rennpferde, oder — Besucherstreik.

Es heißt, daß die Stallbesitzer sich wohl oder übel bereit erklärt haben, den Wunsch der kalifornischen Rennsportfreunde zu erfüllen. H. H.

Handballer wählten neuen Kreis-Fachwart

In der in Heppenheim stattgefundenen Kreishandballtagung, die auf Antrag eines Vereinsdelegierten zu einer außerordentlichen Versammlung erklärt wurde, bestimmten die Anwesenden an Stelle des seitherigen Kreis-Fachwartes Serner, dessen Vereinspolitik vor allem der Uebergang von 5 spielstarken Händballvereinen (Birkenau, Lampertheim, Firnheim, Nieder-Liebersbach und Reisen) zum badischen Handballverband zur Last gelegt wird, H. Robert (Einhausen) zum neuen Kreis-Fachwart für Handball. Klassenleiter wurde Kamerad Trares (Kirschhausen), Geschäfts- und Schriftführer Abes (Erbach). Spruchausschußvorsitzender Kämpf (Nieder-Liebersbach) und Jugendleiter Selzer (Weiher). Bezirksspielwart Walther (Darmstadt) mußte sich längere Zeit gegen zahlreiche Vorwürfe hinsichtlich der Klasseneinteilung verteidigen. Die Vereins Vertreter beschlossen weiterhin, wegen der Abstellung hessischer Vereine nach Baden eine gemeinsame Entschließung an den Hessischen Handballverband zu richten, in der darauf verwiesen werden soll, daß der Spielbetrieb in Südhessen durch diese großzügigen Ausnahmegenehmigungen erheblich gefährdet wird. -ni-

Concordia Gernsheim TSG 46 Darmst.

Am kommenden Sonntag stehen sich in Gernsheim am Kaffeedamm die Mannschaften der Concordia Gernsheim und der TSG 46 Darmstadt im ersten Verbandsspiel der neuen Saison gegenüber. Da beide Mannschaften in stärkster Auf- Stellung antreten, um die ersten Punkte zu erringen, darf mit einem spannenden Spiel gerechnet werden, zumal sich beide Mannschaften gut liegen. th

Jugendwettkämpfe der Eleonorenschule im Hochschulstadion

Die Eleonorenschule Darmstadt führt arrf Samstag im Hochschulstadion ihr Sportfest durch. Ein vielseitiges Programm wird die Mädel der Unter-, Mittel- und Oberstufe im Wettkampf um Höhen-Weiten und Sekunden sehen. Eine bunte Folge, in der u. a. verschiedene Spiele, Gymnastik und Volkstänze eingestrut sind, wird ab 15 Uhr die Zuschauer erfreuen.

Sport in Kürze

Am kommenden Sonntag führt der SC Reinheim sein vereinsinternes Abschwimmen im hiesigen Schwimmbad durch. Nach Beendigung der Wettkämpfe, deren Beginn um il Uhr festgesetzt ist, finden Wasserballspiele der Schüler und Aktiven gegen auswärtige Mannschaften statt.

ABC Darmstadt-Eberstadt boxt am kommenden Sonntag in Stockstadt a. M. gegen den hessischen Mannschaftsmeister BC Stockstadt, wo nach einer Pause zum ersten Male wieder der Ex-Hessenmeister Knieß Adam kämpfen wird.

Bei den am Wochenende in München-Gladbach stattflndenen deutschen Meisterschaften im Roll-Kunstlauf werden am Samstag bei den Junioren im Paarlaufen auch die Geschwister Dirken (Darmstadt) am Start sein.

Der DSW 12 ermittelt am Sonntag seine Klubmeister im Woog. Beginn 10 Uhi. Eintritt frei.

Bei den deutschen Boxmeisterschaften der Junioren in Berlin kann sich der talentierte Heckhaus (ABC Darmstadt) nach seiner guten Vorstellung bei den süddeutschen Meisterschaften berechtigte Hoffnungen auf den Titel in seiner Klasse machen.

Der TV 46 Groß-Gerau wird am Sonntag mit 15 Leichtathleten an dem bekannten Landskron-Turnfest in Oppenheim teilnehmen.

Wo gehen wir zum Wochenende hin?

Samstag: 15 Uhr: Sportfest der Eleonorenschule, Hochschulstadion; 18 Uhr: Fußball Union Bessungen — TSG 46, Rennbahn; 18 Uhr: Radfahren Gaubundmeisterschaften „Zum Schwanen“, Eberstadt; 20.30 Uhr: Ringen, Oberliga SV 98—SG Eckenheim, Goetheschule; 20.30 Uhr: Ringen Landesliga SG Arheilgen—l9lo Turnhalle.

Sonntag: 8 Uhr: Leichtathletik Frankenstein—Bergturnfest Eberstadt; 8 Uhr: Radfahren, Gaubundmeisterschaften „Zum Schwanen“, Eberstadt; 10 Uhr: Fußball Bezirksklasse Eberstadt — Pfungstadt, Waldsportplatz; 15 Uhr: Fußball Oberliga SV 98—VfB Mühlburg, Hochschulstadion.

Ringer starten Verbandsrunde

Nach der Sommerpause beginnen am Wochenende die einzelnen Verbandsrunden. Die hessische Ringer-Oberliga, die sich in diesem Jahr aus den Vereinen SG Eckenheim, ASV 86 Frankfurt, Vorwärts Groß-Zimmern, SV Darmstadt 98, Eiche Hanau, Hösbach und Dettingen zusammensetzt, ist äußerst stark. Die kampfkräftige Dieburger Mannschaft mußte in diesem Jahr aus dem Oberhaus absteigen. Den Platz nimmt dafür die Mannschaft von Dettingen ein, in deren Reihen u. a. Heßberger steht.

Die beiden Vertreter des Bezirkes Darmstadt haben es in diesem Jahr außerordentlich schwer. Beide haben ihre ersten Kämpfe daheim. So empfängt der SV 98 am Samstagabend, 20.30 Uhr, in der Goetheschule den 2. deutschen Mannschaftsmeister, die SG Eckenheim, und steht damit vor einer sehr schweren Aufgabe. In den Reihen der Gäste, in denen u. a. Max Leichter, der deutsche Doppelmeister, mitwirkt, stehen weiter an bekannten Kräften: Krauskopf, Fuldan und die beiden Schlagmüller. Die Lilienträger werden die gleiche Mannschaft wie im Vorjahr zur Stelle haben. Ihre Chance liegt bei den unteren Gewichtsklassen. Da in diesem Jahr erstmals nach internationalen Regeln gekämpft wird, d. h. die Reihenfolge der Kämpfe löst sich mit einer unteren und schwereren Gewichtsklasse ab, wird bei diesem Kampf entscheidend sein, wen die 98er in die oberen Klassen stellen.

Vorwärts Groß-Zimmern empfängt die kampfstarke Mannschaft von ASV 86 Frankfurt, ebenfalls mit einem deutschen Doppelmeister, Henze. Außer ihm wären noch insbesondere Mink zu nennen. Die Groß-Zimmerer Mannschaft, die an die Tradition als Hochburg im Ringen anknüpft, hat das große Plus, auf eigener Matte zu ringen, und dürfte einen knappen Sieg davontragen.

In der Landesliga interessiert am meisten die Begegnung SG Arheilgen—l9lo Darmstadt. Lokalkämpfe haben immer eine besondere Note. Beide Mannschaften kennen sich gut; der Ausgang der Begegnung, die am Samstagabend 20.30 Uhr in der Turnhalle Arheilgen stattfindet, ist völlig offen. Man ist geneigt, den Gästen auf Grund ihrer guten Resultate bei den verschiedenen Freundschaftskämpfen ein kleines Plus einzuräumen. -eri-

Ringen in Ober-Ramstadt

In Ober-Ramstadt treffen sich am Samstagabend die 1. Staffel von Wersau im Odenwald und die 2. Staffel der SKG Ober-Ramstadt um 20.15 Uhr im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“. D.

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AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Beurkundete Sterbefälle (In der Woche vom 14. bis 19. August 1950) Anthes, Margarete geb. Fleck, geb. 18. 4. 74, Dst.-Arheilgen, Margaretenstraße 10, gest 14. 8. 50. — Arndt, Marie, geb. 21. 7. 70, Darmstadt, Kiesbergstr. 55, gest. 8. 8. 50. — Becker, Wilhelm Georg, geb. 23. 8. 80, Pfarrer, Ernsthofen, Friedhof¬ straße 5, gest. 12. 8. 50. — Göbel, Jakob, geb. 4. 12. 79, Lackierer, Darmstadt, Kiesbergstraße 6a, gest. 13. 8. 50. — Gräff, Sophie geb. Storck, geb. 21. 9. 01, Pfungst., Kirchstr. 59, gest. 13. 8. 50. — Hammel, Val., geb. 19. 9. 83, Oberlademei¬ ster i. R., Darmstadt, Wormser Str. 29, gest 13. 8. 50. — Hindermeyer, Heinrich, geb. 14. 3. 02, Maurermeister, Dst.- Eberstadt, Goethestr. 14, gest 16. 8. 50. — Horn, Gertrud, geb. 7. 6. 03, Krankenschwester, Reichelsheim, gest. 6. 8. 50. — Kalbtuß, Friedrich Wilhelm, geb. 14. 10. 89, Gärtnermeister, Darmstadt, Niederstr. 34, gest. 12. 8. st). — Korndörfer, Jo¬ hannes, geb. 22. 2. 81, Bäcker, Darmstadt, Liebigstr. 83, gest. 16. 8. 50. — Kuptal, Julius, geb. 27. 12. 78, Privatlehrer, Dst.- Eberstadt, Mühltalstr. 75, gest. 17. 8. 50. — Lang, Katharina geb. Steitz, geb. 11. 11. 67, Darmstadt, Stirnweg 1, gest. 10. 8. 50. — Lösch, Ottilie geb. Heist, geb. 14. 11. 82, Dst.- Eberstadt, Pfungstädter Straße 39, gest. 12. 8 50. — Lorenz, Luise, geb. 21. 2. 95, kaufm. Angestellte, Darmstadt, Rhön¬ ring 39, gest. 11. 8. 50. — Ludwig, Margareta geb. Münk, geb. 13. 8. 73, Darmstadt, Jacobistr. 25, gest 15. 8. 50. — Metz, Anna geb. Ritsert, geb 14. 1. 84, Nieder-Ramstadt, Hochstr. 3, gest. 14. 8. 50. — Moldauer, Marie geb. Lautenschläger, geb. 1. 12. 80, Bickenbach, Karl-Marx-Str. 16, gest. 8. 8. 50. — Ohl, Elisabethe Anna geb. Steiner, geb. 26. 2. 98, Richen, Kürbisgasse 4, gest. 15. 8. 50. — Pfeffer, Margaretha geb. Roßmann, geb. 25. 3. 90, Jugenheim, Alte Bergstraße 16, gest. 16. 8. 50. — Schimmelpfennig, Otto Ewald, geb. 18 10. 06, Bauhilfsarbeiter, Jugenheim, Hauptstraße 63. gest. li. 8. 50. — Schmidt, Siegfried, geb. 1 9. 42, Ober-Ramstadt, Ammer¬ bachstraße 65, gest. 9. 8. 50. — Stern, Katharina, geb. 6. 9. 73, Ober-Ramstadt, Lichtenbergstr. 12, gest. 16. 8. 50. — Stork, Georg Philipp, geb. 27. 8. 88, Fuhrmann, Darmstadt, Elfeicher¬ weg 218, gest. 16. 8. 50. — Weg, Rudolf Heinrich, geb. 22 3. 24, Maurer, Mörfelden, Liebknechtstr. 35, gest. 18. 8. 50. — Weinehl, Karl, geb. 3. 8, 71, Bürodiener, Darmstadt, Heidel¬ berger Str. 88, gest. 13. 8. 50. — Zickler, Katharina, geb. 1. 12. 78, Diakonisse, Darmstadt, Erbacher Str. 25, gest. 14. 8. 50. Darmstadt, den 25. August 1950

GEBURTEN Die Geburt ihres Stammhalters zeigen in dankbarer Freude an: Helga Jopski geb. Hesse Sigard Jopski Marienhospital Otto-Hesse-Str. 6 VERMÄHLTE Ihre Vermählung geben bekannt Ludwiq Wolf Elfriede Wolf geb. Berns Darmstadt-Eberstadt, 2.9.1950 Wilhelm-Leuschner-Straße 25 Heidelberger Straße 50

Gottesdienstordnung Evangelische Gottesdienste Samstag, 2. September 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Bessunger Kirche; 19.00 Paul- Gerhardt-Haus; 20.00 Martinsstift. Johannisgemeinde, Elisa¬ bethenstift, Pauluskirche Musikai. Vesper, Pfr. Wintermann. Sonntag, 3. September 1950 Bessunger Kirche: 8.30 Kgd., 9.30 Hgd.. 12.00 Tgd., Pfr. Dahmer. Stadtkirche: 10.00 Hgd. m. Abendmahl, 11.15 Kgd., Pfr. Orth. (Mittwoch, 6. Sep.: 20.00 Gebetsstunde f. d. Kriegsgefangenen.) Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd., Pfr. Stühlinger, 10.00 Hgd. mit Abendmahl, Pfr. Köhler; 11.15 Kgd. Martinsstift. Pfr. Widmann; 11.15 Kgd. Gemeindehaus. Pfr. Stühlinger; 10.00 Altersheim Hgd., Pfr. Stühlinger. Matthäuskirche: 8.30 Christenl., 9.30 Hgd., 10.45 Kgd., Pfr. Stenger. lohannlsgemeinde: 9.30 Hgd. m. Abendmahl, 11.00 Kgd., Pfr. Ring; 20.00 Laienspiel d. lugend 1. Gemeindehaus: „Die Tro߬ buben“. (Jeden Morgen 7.30 Morgengebet; Mittwoch, 6.'Sept.: 20.00 Abendgd., Pfr. Orth.) Paul-Gerhardt-Haus: 10.00 Hgd.. 11.15 Kgd., Pfr. Knodt. Pauluskirche: 8.30 Christenl., 9.30 Hgd., 11.00 Kgd.. Pfr. Winter¬ mann. Stadtmission, Mühlstraße 24: 7.30 Jugendb.-Weihest., 8.30 Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abendmahl, 11.00 Kgd. Gebetst., 11.00 Kgd., 15.30 Evangelisation. M. I. Folgert; 20.00 Jugendb. f. E. C. (Donnerstag. 7 Sent.: 20.00 Bibelstunde.) Darmstadt-EberstadL 9.45 Hgd., 11.15 Kgd. Katholische Gottesdienste Sonntag, 3. September 1950 St. Ludwig: 6.30 Frühmesse, 8.00 Singmesse m. Pred.. 9.30 Hoch¬ amt m. Pred.. 11.00 Singmesse m. Pred., 15.00 Schutzengelfeier mit Opfergang d. Kinder f. d. Diasporakinderseelsorge bes. i. d. Ostzone. (Wilhelminenplatz 9: 8.30 Kindergottesdienst m. Pred. u g hl. Komm. — Werktagsgottesdienst: Nieder Ramstädter Straße 30: Täglich um 6.45 u. 7.30 hl. Messe. — Beichtgelegen¬ heit: Samstag v. 18.00—20.00.) Liebfrauen: 7.00 Singmesse m. Pred., 8.15 Hochamt m. Pred., 10.00 Kindergottesdienst m. Anspr., 18.30 Andacht. St Elisabeth: 6.30 Frühmesse, 7.45 Singmesse. 9.00 Kinder¬ gottesdienst, 10.15 Hochamt, 14.00—15.00 Betstunde in den Anliegen des Katholikentages. St Fidelis: 6.00 Frühmesse mit Komm, bei den Schwestern. 6.45 Beichte. 7.30 Eröffnung der rel. Woche, Singmesse m. Pred., 8 45 Kindermesse mit Pred. u. Komm., 10.00 Hochamt mit Pred. u Komm., 19.30 Predigt (werktags: 5.45, 6.30 u. 8.00 hl. Messe, 8.30 Frühpredigt, 20.00 Abendpredigt. — Beichte: Samstag 17.00—19.00 und ab 20.00, sonst werktags vor jeder DalrmstadbEberstadt: 6.50 Morgengebet der Jugend, 7.00 Gemein¬ schaftsmesse d. Jugend mit Monatskomm.. 9.30 Hodiamt 19.30 Abendandacht zu den Hl. Engeln (Samstag: 16.00—18.30 Beichte. 20.00 Abendgebet der Jugend). — 6.45 werktags Amt oder OarnistadbArheilgen: 7.00 hl. Messe. 8.30 Kindergottesdienst, 9.45 Hochamt. 20.00 Andacht. _ Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunustraße 40: Sonntags¬ gottesdienst 14.30 Uhr; Mittwochabend 18.30 Uhr (Zeugms¬ versammlung). Christengemeinschaft, Herdweg 31 So. 10.00, Di. 7.00. Mi. u. Sa. 8.00 Uhr: Menschenweihehandlung. _ Do. 9.30 Uhr Abendpredigt: Zu neuen Ufern der Menschheit. Christliche Gemeinschaft, Mollerstraße 40 Sonntag 15.30: Bibelstunden, Fr. Krust.

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