Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR: ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt. Rheinstraße 23, Telefon 3925. Erscheint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 54 Jieueflfe TtadrrWen Freitag, 1. September 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rhe’nstraße 23,Te1. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise': Preisliste Nr. 3 v.' 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Die Alliierte Oberkommission: Aufwiegelung wird nicht geduldet

F. A. Z. Frankfurt, 31. August. Die Alliierte Oberkommission hat am Donnerstag eine Erklärung zu den provozierenden kommunistischen Veröffentlichungen der letzten Zeit abgegeben, durch die die Bevölkerung in der Bundesrepublik aufgewiegelt werden soll. Danach ist die Oberkommission nicht gewillt, Anstiftung zum Ungehorsam und zum Widerstand gegen ihre Autorität zu dplden.

In _-r Stellungnahme der Oberkommission hei t es unter anderem: Ungleich zur Praxis in reaktionären oder totalitären Ländern würden Oppositionsparteien in Westdeutschland nicht wegen der bloßen Ablehnung ihrer Doktrinen geachtet. Solange die Kommunistische Partei Deutschlands ihre Tätigkeit wie alle wahrhaften politischen Parteien ausübe, besitze sie die Freiheit, ihre politischen Doktrinen, zu verkünden sowie alle anderen Tätigkeiten zu entfalten, die den politischen Parteien als Teil eines demokratischen Staatslebens durch Gesetz gestattet seien. Jede Aufwiegelung >r Gewalt, zu umstürzlerischer Betätigung und zu Widerstand gegen die Staatsgewalt stellten jedoch Mißbräuche demokratischer Grundsätze und Gesetzesübertretungen dar.

Die alliierten Besatzungsstreitkräfte befänden sich in Deutschland kraft der bedingungslosen Kapitulation vom 5. Juni 1945. Infolgedessen sei die Alliierte Oberkommission nicht gewillt, von kom-

munistischer Seite angestiftete Aufwiegelungen zum Ungehorsam und zum Widerstand gegen ihre Autorität zu dulden. Dies treffe mit Nachdruck auf Maßnahmen zu, die von Einzelpersonen in Westdeutschland in Befolgung von Anweisungen von Ausländern und Personen außerhalb der Bundesrepublik, wie zum Beispiel von Führern der Sozialistischen Einheitspartei unternommen würden. Die für illegale Tätigkeit verantwortlichen Personen und Gruppen unterlägen den durch Gesetz fegtgelegten Strafbestimmungen.

Adenauer auf dem Petersberg

Bonn, 31. August, (dpa) Das Bundeskabinett war am Donnerstagvormittag unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers zusammengetreten, um soziale und wirtschaftliche Probleme zu erörtern.

Adenauer hat das Kabinett auch über seine der Oberkommission überreichte Darstellung zur Frage der inneren und äußeren Sicherheit der Bundesrepublik unterrichtet.

Am Donnerstagnachmittag traf der Bundeskanzler mit den Oberkommissaren auf dem Petersberg zusammen. Die Oberkommissare tagten noch bei Redaktionsschluß. Ueber ihr Gesprächsthema ist nichts bekannt.

Deutsche Hilfsquellen

Washington, 31. August, (dpa) Marshallplan-Administrator G. Hoffman, der sich vor dem Bewilligungsausschuß des Senats für eine schnelle Aufrüstung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten einsetzte, ist der Meinung, daß neben den anderen hochindustrialisierten europäischen Ländern auch die deütsche Bundesrepublik einen wesentlichen Beitrag zu dem Aufrüstungsprogramm des Westens leisten könne. Die Nutzung deutscher Hilfsquellen bedeute in keiner Weise ein Wiederaufleben des deutschen Militarismus.

Manöver in Westdentschland

Frankfurt, 31. August. (AP.) Amerikanische, britische und französische Land- und Luftstreitkräfte werden in der amerikanischen Zone Westdeutschlands vom 11. bis zum 18. September gemeinsame Manöver abhalten. Dieser Uebung wird sich das bisher größte Manöver der britischen Zone anschließen, an dem vom 24. bis zum 30. September britische, belgische, dänische und norwegische Truppeneinheiten teilnehmen werden.

Ein Polizeigesetz auf Bundesebene?

Es geht um das Verfügungsrecht über die Polizei

Drähtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 31. August. Berichte * über einen Entwurf eines Friedensvertrages der Sowjets mit der Sowjetzone (siehe Seite 3), zeigen, auch wenn sie vielleicht in allen Einzelheiten nicht authentisch sind, mit ihrer deutlichen Perspektive eines Einsatzes der Volkspolizei, vor allem gegenüber West-Berlin, nach Auffassung der Bonner Kreise die Notwendigkeit, rasch zur Aufstellung der Bereitschaftspolizei in der Bundesrepublik zu gelangen. So wird die Königsteiner Einigung über eine „Länder-Bundes-Polizei“ in Bonn grundsätzlich begrüßt, obwohl man mit dem endgültigen Urteil zurückhält, bis die Beschlüsse der Ministerpräsidenten im einzelnen der Bundesregierung bekannt geworden sind.

Unter Umständen scheint jetzt daran gedacht zu werden, diese Realisierung des Artikels 91 in der Form der Verabschier düng eines Polizeigesetzes durch das Kabinett und 4urcb das Parlament vorzu-

nehrhen, um nach. Möglichkeit im Rahmen des Grundgesetzes ein Höchstmaß der Schlagkraft der Bereitschaftspolizei zu erreichen. Sollte ein solches Vorgehen sich nicht verwirklichen lassen, so halten manche Regierungskreise dann eine Revision des Grundgesetzes in diesem Punkte, für notwendig, die . allerdings einer Zweidrittel-Mehrheit im Bundestag und Bundesrat bedürfte. Das Polizeigesetz könnte auch einem Veto der Oberkommission unterliegen. Dabei verweist man aber darauf, daß es sich .keineswegs um einen Eingriff in die föderalistische Struktur des Bundes handeln würde, sondern vielmehr darum, vorübergehend in einer Zeit außerordentlicher Gefahr die Kraft zur Erhaltung einer Staatsordnung zu gewinnen, auf der gerade auch der Föderalismus beruht.

Die kommunistische Zeitung „Tribüne der Demokratie“ in Bremen ist für die Dauer von 90 Tagen verboten worden.


Die Südkoreaner kämpfen erbittert um ihre Freiheit. Irgendwo an der Front trägt hier ein gesunder Soldat seinen schwerverwundeten Kameraden aus der Kampfzone
Die Südkoreaner kämpfen erbittert um ihre Freiheit. Irgendwo an der Front trägt hier ein gesunder Soldat seinen schwerverwundeten Kameraden aus der Kampfzone

Letzte Draht-und Funkmeldungen

Abgestürzt und verbrannt

Kairo, 31. August. (AP.) Nach den letzten Meldungen ist zu befürchten, daß bei dem Absturz einer Constellationmaschine der Transworld Airlines rund 65 Kilometer nördlich von Kairo im Gebiet des TTildeltas alle 55 an Bord befindlichen Insassen ums Leben gekommen sind.

Ein Suchflugzeug, das die Maschine zuerst gesichtet hatte, berichtete, daß das abgestürzte Flugzeug völlig ausgebrannt sei. Es habe keine Anzeichen von Ueberlebenden entdeckt, erklärte ein Sprecher der Fluglinie in Kairo. An Bord befanden sich 48 Pasagiere, darunter der ägyptische Filmstar Camelia (Lilian Cohen), und sieben Mann Besatzung.

Das Lorbeerblatt für den Belgier Gyselinckr

Der Abschluß der Deutschlandrundfahrt

er. Hannover, 31. August. (Eigener Be-Eericht.) Die Teilnehmer an der Deutschland-Rundfahrt haben am Donnerstagabend ihre 3900 km lange Reise beendet. Die 17. Etappe führte sie über 167,7 km von Einbeck an das Ziel nach Hannover, wo auch vör drei Wochen der Startschuß gefallen war. Den letzten Etappensieg holte sich der Franzose Jean Deloda in 4:43,30 Std. im Spurt vor Karl Weimer (Stuttgart), Peter Schulte (Köln), Heinz Zoll (Magdeburg), Rudi Theißen (Hannover) und Roger Aeschlimann (Schweiz).

Aufrüstung in Belgien

Brüssel, 31. August. (AP.) Eine Verlängerung der Militärdienstzeit in Belgien, die Bildung neuer Infanterie- und Panzerdivisionen, Schaffung einer Zivilverteidigung und Verstärkung der Luft- und Seestreitkräfte hat der belgische Ministerpräsident Joseph Pholien in einer Rundfunkrede an das belgische Volk am Donnerstagabend angekündigt.

Belgien verfügt gegenwärtig über eine einzige kriegsstarke Division, die in Deutschland Besatzungsaufgaben versieht.

MeCloy in Washington

Washington, 31. August (AP.) Der amerikanische Oberkommissar McCloy ist zu Besprechungen mit Präsident Truman in Washington eingetroffen.

McCloy erklärte bei der Ankunft, er glaube, Bundeskanzler Dr. Adenauer habe in der Wiederaufrüstungspolitik die Unterstützung beider großen Parteien der Bundesrepublik.

Ehardt Bundesratspräsident?

Königstein, 31. August, (dpa) Nach den Beratungen der Ministerpräsidenten, die in Königstein stattfanden, kann die Wahl des bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Hans Ehard, zum neuen Präsidenten des deutschen Bundesrats als sicher angesehen werden.

Bundeskanzler Adenauer will in der kommenden Woche die Vertreter der am Bauarbeiterstreik beteiligten Parteien empfangen.

Getarnten kommunistischen Organisa¬ tionen wird der Deutsche Gewerkschaftsbund keine Versammlungsräume mehr vermieten.

Die Verteidigungsminister der Atlantikpaktstaaten werden sich am 16. Oktober zu einer Konferenz in Washington treffen.

Bei Zusammenstößen zwischen Streikenden und Polizei in Bombay soll es zwei Tote und 22 Verletzte gegeben haben.

» Präsident Truman erklärte am Donnerstag, daß er gegenwärtig nicht beabsichtige, die in der deutschen Bundesrepublik stationierten amerikanischen Streitkräfte zu verstärken.

Der Friedensvertrag

*** Mit einer Veröffentlichung, die aus bestunterrichteter Quelle stammen soll, hat die in Hamburg erscheinende Zeitung „Die Welt“ großes Aufsehen erregt. Es handelt sich um einen angeblichen Entwurf für einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion. Er ist so gehalten, daß man sich vorstellen kann, ein vom Kreml ausgearbeiteter Entwurf werde so und nicht anders aussehen.

Die Sowjetzonenregierung wird als die einzige legale Regierung Deutschlands bezeichnet. Der Abzug der russischen Besatzungstruppen wird angekündigt und gleichzeitig der Abzug der westlichen Besatzungsmächte verlangt. Ruhr-Statut und Marshallplan werden als illegal oder nicht existierend erklärt. Die jetzige Ostgrenze wird als unabänderliche Friedensgrenze bezeichnet, die Regelung über das Saargebiet jedoch abgelehnt.

Der Staatssekretär des Außenministeriums der Sowjetzone, Ackermann, hat bestritten, daß dieser Entwurf existiere. Von der sowjetischen Informationsabteilung ist erklärt worden, an dem russischen Standpunkt zum Potsdamer Abkommen habe sich nichts geändert. Man wolle auch nicht sagen, daß der Entwurf stimme. Es würden aber in der ganzen Welt Pläne gemacht. Ob Pläne ausgeführt werden, hänge nicht immer von dem Planer, sondern oft auch von Gegebenheiten ab. Man kann aus dieser gewundenen Erklärung schließen, daß russische Pläne in der angegebenen Richtung vorhanden sind, vielleicht sogar, daß eine vorzeitige Veröffentlichung sie durchkreuzt oder zum mindesten ihre Verwirklichung hinausgeschoben hat.

Es wäre nicht der erste Fall, in dem die Russen zielbewußt Pläne auf weite Sicht ausgearbeitet und auch verwirklicht haben, während die Westmächte ständig die richtige Gelegenheit verpassen und sich nur äußerst zögernd zu Zugeständnissen verstehen, wenn die politische Entwicklung ihnen überhaupt keine andere Wahl mehr läßt. Was jetzt auf der Neuyorker Außenministerkonferenz „erörtert“ werden soll, müßte schon längst verwirklicht worden sein. Auch ein Friedensvertrag mit der Bundesrepublik.

In der Abwehr

Von Reinhold Zenz

Bei den Beratungen der elf westdeutschen Länderchefs in Königstein, die sich mit der Bundes-Bereitschaftspolizei befaßten, erklärte Ministerpräsident Karl Arnold von Nordrhein-Westfalen, für die Finanzierung der Bundes-Bereitschaftspolizei müßten Gelder frei gemacht werden, woher sie auch kommen mögen. Er begründete dies mit dem Satze: „Wenn ein Haus brennt, muß Wasser herbei.“

Brennt’^ wirklich? Seitdem der sogenannte Nationalkongreß in der Sowjetunion getagt und Richtlinien für den „Nationalen Widerstand“ in' der Bundesrepublik bekanntgegeben hat, mehren sich die Anzeichen, daß die Kommunisten der Forderung auf gesteigerte Aktivität Folge leisten. Es ist besonders die „Freie Deutsche Jugend“, die als Stoßtrupp der Kommunisten auftritt. Nach Ermittlungen der zuständigen Stellen sollen in den letzten zwei Monaten 15 000 Angehörige der „Freien Deutschen Jugend“ in die Bundesrepublik eingesickert sein, mit dem Auftrag, an einem Tage X durch Sprengungen und andere Sabotageakte Brücken, Stellwerke, Schachtanlagen und wichtige Industriebetriebe zu zerstören oder zu lähmen.

Bei der wohlüberlegten bolschewistischen Taktik ist nicht anzunehmen, daß hier und da planlos wilde Sabotageakte vorgenommen werden, sondern daß der Tag X psychologisch vorbereitet wird. Das heißt, man wird versuchen, durch eine planmäßige Propaganda gegen die Westmächte und die Bonner Regierung, durch Streikaktionen gegen die Teuerung die Sabotageakte „psychologisch vorzubereiten“, so daß es dann den Anschein gewinnt, als seien sie ein „spontaner“ Ausdruck des Volkswillens.

Es ist bezeichnend, daß zur Zeit die südbadische Kommunistische Partei ein Flugblatt verteilt, in dem sie die sofortige Rückgängigmachung erhöhter Lebensmittelpreise verlangt, da die von den westlichen Alliierten abhängige Regierung nur noch mehr Geld für die Kriegsrüstung und Besatzungskosten frei machen wollte. In diesem Zusammenhang wird die Kündigung sämtlicher Tarifverträge gefordert und darauf hingewiesen, daß der Streik die einzige Waffe sei, um Unternehmer und Regierung zum Nachgeben zu zwingen. Das Flugblatt fordert offenen Widerstand gegen die Bonner Politik, schärfsten Protest gegen jegliche polizeiliche Terror-Maßnahmen der Bonner Regierung, Versammlungs- und Redefreiheit sowie volles Mitbestimmungsrecht in den Betrieben, bei allen sozialen und wirtschaftlichen, insbesondere aber bei den Kalkulations- und Preisfragen.

Druck auf die Gewerkschaften

Die Kommunistische Partei besitzt in der Bundesrepublik vierzehn getarnte Organisationen, die für ihre Interessen arbeiten. Sie betätigt sich „legal“, soweit sie die demokratische Verfassung ungestört für ihre Zwecke mißbrauchen kann. Gleichzeitig arbeitet sie illegal, wo ihre Spionage- und Sabotage-Tätigkeit das Licht der Oeffentlichkeit scheuen muß. Die Vorgänge der letzten Tage zwingen zu der Annahme, daß die Kommunisten zur Zeit versuchen, die Lohnbewegung dazu auszunutzen, um immer stärkeren Einfluß auf die Gewerkschaften zu gewinnen.

In den letzten Tagen hat in Berlin ein Kongreß des kommunistisch gelenkten „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“ stattgefunden. Die Reden, die dabei gehalten wurden, waren sehr aufschlußreich. So sagte der Vorsitzende des Bun-

des, Herbert Warnke, die Einheit der Arbeiterklasse müsse auch im Bundesgebiet hergestellt werden, damit ein Massenkampf organisiert werden könne. Den Arbeitern im Bundesgebiet müsse klargemacht werden, daß die Arbeitslosigkeit auf die Einschränkung des Handels mit der Sowjetzone zurückzuführen sei. So würden die Massen in Opposition gegen ihre Führer gebracht und die Kommunisten könnten gemeinsam mit den sozialdemokratischen, den christlichen, den parteilosen, also den organisierten und nichtorganisierten Arbeitern die „führende Kraft des nationalen Widerstandes und der nationalen Front“ in der Bundesrepublik werden. Als Formen dieser Aktions-Einheit bezeichnete Warnke die Aktions- und Antidemontage-Komitees sowie die Komitees für den Kampf um Lohnerhöhungen.

Der B e tri e b s fr i e d e n

Die Tätigkeit solcher Aktions-Komitees macht sich bereits in zahlreichen Betrieben bemerkbar. Bei Besuchen, die wir von Arbeitnehmern und Arbeitgebern erhielten, wurde uns geklagt, einige wenige Betriebsangehörige, die vollkommen moskauhörig seien, benutzten jede Gelegenheit, um ihre Arbeitskameraden kommunistisch zu beeinflussen. Sie verteilten Propaganda-Material und Flugblätter, sie führten sowohl in den Arbeitspausen wie während der Arbeit aufrührerische Reden und setzten ihre Arbeitskameraden durch Einschüchterung und Drohungen unter Druck. Sie versuchten, die Arbeit der Gewerkschaften zu sabotieren oder ihre Tätigkeit in die kommunistische Richtung abzudrängen. Es wurde dabei bedauert, daß keine Möglichkeit bestehe, die Betreffenden von ihrem Arbeitsplatz zu entfernen. Selbst der Entwurf des Gesetzes über die Neuordnung zwischen Beziehungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Betrieben (Betriebsverfassungsgesetz) sehe nur vor, daß der Betriebsrat seine Zustimmung zu der Einstellung einer Arbeitskraft verweigern könne, wenn durch bestimmte Tatsachen begründete Besorgnis bestehe, daß der Bewerber in der ihm zugedachten Stellung den Betriebsfrieden durch unsoziales und gesetzwidriges Verhalten stören würde. In dem Entwurf sei aber nicht die Rede davon, daß unter den gleichen Voraussetzungen mit Zustimmung des Betriebsrates eine Entlassung ausgesprochen werden kann.

Vorgeschlagene Maßnahmen

Es ist seit langem offenkundig, daß geeignete Handhaben fehlen, um die kommunistische Wühlarbeit zu unterbinden. Wiederholt ist ein Verbot der Kommunistischen Partei angeregt worden. Wir haben uns entschieden dagegen ausgesprochen, weil es uns durchaus unzweckmäßig erscheint, die gesamte Tätigkeit der Kommunisten illegal zu machen. Sie würden sich dann in den Untergrund zurückziehen und überhaupt nicht mehr kontrolliert werden können. Wenn nicht genug Wasser vorhanden ist, um ein Feuer zu löschen, so muß man es wenigstens unter Kontrolle halten können, damit es sich nicht ausbreitet.

Damit die Tätigkeit der Kommunisten unter Kontrolle gehalten und weitgehend eingeschränkt wird, will die Freie Demokratische Partei, wie Bundestagsabgeordneter Euler angekündigt hat, dem Bundestag einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Entlassung aller Beamten des öffentlichen Dienstes vorsieht, die der Kommunistischen Partei angehören odei nahestehen. Diese Maßnahme läßt sich ohne weiteres damit rechtfertigen, daß eine kommunistische Tätigkeit der Beamten mit ihrem Diensteid nicht zu verantworten ist. Der Entwurf sieht weiter vor, daß alle Betriebsratsmitglieder entlassen werden sollen, die der Kommunistischen Partei angehören und daß eingeschriebenen Kommunisten das passive Wahlrecht aberkannt wird.

Der Grundgedanke des erwähnten Gesetzentwurfes scheint uns richtig zu sein. Die Aktivität der Fünften Kolonne, die den inneren Widerstand der Länder schwächen soll, bis sie sich dem kommunistischen Herrschaftsanspruch fügen, wird entschieden gemindert werden, wenn in Zukunft für den Einzelnen ein persönliches Risiko damit verbunden ist.

Wie die Amerikaner vorgehen

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat am Dienstag ein von seinem Ausschuß zur Bekämpfung amerikafeindlicher Bestrebungen ausgearbeitetes Gesetz gebilligt, das die bestehenden Bestimmungen gegen Spionage, Sabotage und Umsturztätigkeit bedeutend verschärft und damit noch über die Regierungsvorlage hinausgeht. Da der Kommunismus den Sturz der freien amerikanischen Einrichtungen beabsichtige, und da seine geheimen, verschwörerischen Methoden eine unmittelbare und schwere Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten darstelle, will das Gesetz die Kommunistische Partei zur Registrierung ihrer Mitglieder und zur Offenlegung all ihrer finanziellen Aktionen zwingen. Ferner schließt die Vorlage die Beschäftigung in Stellen der Regierung und des Verteidigungswesens aus.

Solche Maßnahmen sollten auch in der Bundesrepublik im Zusammenhang mit dem angekündigten Gesetzentwurf der „Freien Demokratischen Partei“ erwogen werden. Es vzäre ferner zu wünschen, daß sich gerade die Gewerkschaften der Bundesrepublik der Gefahr bewußt werden, die ihnen selbst durch jene Bestrebungen erwächst, die von dem kommunistischen „Freien Deutschen Gewerschaftsbund“ der Sowjetzone offen angekündigt werden. Es ist zum großen Teil in ihre Hand gegeben, die demokratischen Einrichtungen der Bundesrepublik und den Arbeitsfrieden in den Betrieben zu sichern.

Die wirksamste Abwehr gegen die kommunistische Wühlarbeit dürfte es jedoch sein, daß der Bundestag die großen sozialpolitischen Gesetzgebungswerke, wie den Lastenausgleich, das Gesetz über die Versorgung vertriebener und verdrängter Beamter sowie ehemaliger Berufssoldaten beschleunigt berät und verabschiedet.

Der Präsident

ius. Gewiß wäre das eine Art Dynamitpatrone des Zusammenlebens, wollten wir uns den Grundsatz zu eigen machen, jeden anderen so lange für einen Gauner zu halten, bis er das Gegenteil bewiesen habe. Aber man sollte sich doch auch davor hüten, jeden gleich füij das zu nehmen, wofür er sich ausgibt. Die Hochstapelei treibt nach wie vor üppige Blüten, und die arroganten Beutelschneider haben mühelos Erfolg. Eine Welle gutgläubiger Vertrauensseligkeit umspült wärmend und belebend ausgerechnet diese dunklen Existenzen mit einer unerklärlichen Vorliebe, obwohl wir doch weiß Gott nicht in einem Zeitalter der Weichherzigkeit leben. Da hat sich jetzt ein etliche Male vorbestrafter Bernhard Wildmoser in Bayern als Präsident des Studentenbundes ausgegeben, am Starnberger See ein internationales Studententreffen veranstaltet, eine Menge Schulden hinterlassen und eine ganze Reihe von hohen und sehr hohen Persönlichkeiten düpiert und geprellt. Der verhaftete „Präsident“ sagte zu seiner Entschuldigung, man habe ihm das Betrügen so leicht gemacht. Minister seien vor ihm aufgestanden und hätten ihn in jeder Weise unterstützt. Dieser Wildmoser ist wie alle Genossen seiner Hochstaplerzunft ein vorzüglicher Menschenkenner. Es wäre bedauerlich, wenn diese Eigenschaft allmählich ein Reservat von Betrügern würde.

Einigung über die Betriebsverfassung

Das Kabinett verabschiedet den Entwurf über die Mitbestimmung

Drabtberlcht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 31. August. Das Bundeskabinett hat am Donnerstag das Betriebsverfassungsgesetz verabschiedet, das in zwei Teilen Vorschriften über die Betriebsratswahl, bei der die Gruppenwahl zugelassen wird, und über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Betrieb bringt.

Das Gesetz geht von dem Grundsatz aus, daß ein Betrieb ein Verband von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei und aller Arbeit im Betrieb der Gemeinschaftsgedanke zugrunde liegen müsse. Die Mitwirkung der Arbeitnehmer, die dem Frieden und der Produktivität des Betriebes dienen soll, erstreckt sich auf das soziale, das personelle und das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht, wobei Träger der sozialen und der personellen Mitbestimmung der Betriebsrat, der wirtschaftlichen der Wirtschaftsausschuß ist, der paritätisch vom Arbeitgeber und vom Betriebsrat gebildet wird.

Personelle Mitbestimmung

Bei der personellen Mitbestimmung hat der Betriebsrat das volle Einspruchsrecht bei Einstellungen und Beförderungen, wenn die vom Arbeitgeber geplante Maßnahme den gesetzlichen oder tariflichen Bestimmungen widerspricht, die Rechte anderer Betriebsangehörigen verletzt oder auf Grund erwiesener Tatsachen eine Störung des Friedens im Betriebe durch die Einstellung oder Beförderung zu erwarten ist. Falls vom Arbeitgeber bestritten wird, daß diese Voraussetzungen eines Einspruches vorliegen, muß das Arbeitsgericht entscheiden.

Wirtschaftliche Mitbestimmung

Während in diesen Fällen ein echtes Mitbestimmungsrecht gegeben wird, ist das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht, das heißt, die Mitwirkung des Wirtschaftsausschusses bei grundlegenden wirtschaftlichen Veränderungen im Betrieb (teilweisen Stillegungen, Massenentlassungen, Produktionsänderungen), darauf beschränkt, daß der Ausschuß Einspruch gegen Maßnahmen des Arbeitgebers erheben und, falls diesem Einspruch nicht stattgegeben wird, eine wirtschaftliche Gutachtensstelle anrufen kann. Diese Stelle wird paritätisch auf Vorschlag der Gewerkschaften und der Wirtschaftsverbände vom Leiter des Landesarbeitsgerichtes gebildet, wobei ihre

Mitglieder vereidigt werden, und kann gegebenenfalls einem Einspruch des Wirtschaftsausschusses in der Art stattgeben, daß die Maßnahmen des Arbeitgebers als betriebsschädigend bezeichnet werden. Der Arbeitgeber kann zwar dennoch seine Maßnahmen ausführen. Wenn aber dann Betriebsschädigungen eintreten, die ihn zu Entlassungen veranlassen, kann der Unternehmer keine Anerkennung dieser Kündigungen durch das Arbeitsgericht erwarten.

Betriebstechnische Mitbestimmung

Eine besondere Regelung ist für die sogenannte arbeitstechnische Mitbestimmung getroffen. Der Betriebsrat soll in seiner Gesamtheit ein Einspruchsrecht bei arbeitstechnischen Veränderungen erhalten. Dieses arbeitstechnische Mitbestimmungsrecht tritt bei Betrieben mit über fünfzig Beschäftigten in Kraft, während das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht erst für Betriebe mit über hundert Beschäftigten gilt, in denen Wirtschaftsausschüsse gebildet werden müssen. Landwirtschaftliche Betriebe, Schiffe und Behörden sind aber davon ausgenommen. In der Landwirtschaft muß auch ein Betriebsrat erst gebildet werden, wenn mindestens zehn Beschäftigte vorhanden sind, während im allgemeinen Betriebsräte schon ab fünf Beschäftigten eingerichtet werden müssen.

In Aufsichtsorganen

In Betrieben mit Aufsichtsorganen müssen die Arbeitnehmer nach diesem Gesetzentwurf ein Drittel der Sitze in diesen Organen erhalten. Dabei können nur Betriebsangehörige in den Aufsichtsrat gewählt werden. Ihre Wahl erfolgt durch die Hauptversammlung, der vom Betriebsrat ein Wahlvorschlag vorgelegt wird. Auch die im Betrieb vertretenen Gewerkschaften können einen gemeinsamen Wahlvorschlag einreichen, und die Hauptversammlung wird dann zwischen diesen beiden Vorschlägen entscheiden. Damit hat jetzt das Parlament insgesamt drei Gesetzentwürfe über die Mitbestimmung vor sich liegen, so daß die Beratungen sehr umfangreich werden müssen.

Verstärkung der Besatzungstruppen?

London: Noch kein Entschluß über die Aufstellung deutscher Verbände

d. London, 31. August. Die Frage der Sicherheit Europas und der eigenen Sicherheit beherrscht seit Ausbruch der koreanischen Krise nach wie vor alle britischen politischen Kreise. In Whitehall ist man der Auffassung, daß logischerweise der erste Schritt, um sich einigermaßen gegen eine mögliche militärische Aggression aus dem Osten zu schützen, eine sofortige Verstärkung der militärischen Kraft Westeuropas sein müsse. Man denkt bei diesem konkreten Fall nicht an die Wiederaufrüstung und ihre Ergebnisse, sondern an den direkten Schutz einer theoretischen Verteidigungslinie, die zwischen Rhein und Elbe liegen kann. Hinter einer solchen Idee der Verteidigung müßte, so argumentiert man in London, die Realität von Divisionen stehen. Man erwägt deshalb ernsthaft die Verstärkung der britischen Besatzungstruppen in Westdeutschland und hofft, durch eine solche Tat die Amerikaner mitreißen zu können.

Die Engländer haben zur Zeit in Westdeutschland zwei Divisionen. Optimistische Kreise spielen mit dem Gedanken, diese Besatzungstruppe auf fünf Divisionen zu erhöhen. Britische Militärsachverständige schätzen, daß bei einer Verstärkung des in Westdeutschland stationierten britischen Kontingentes auf etwa 60 000 bis 70 000 Mann in absehbarer Zeit die 77 000 Mann herangezogen werden können, die durch den Vorschlag des Parlaments, die Dienstpflicht von achtzehn Monaten auf zwei Jahre zu erhöhen. zur Verfügung stehen.

Wenn auch diplomatische und politische Kreise dem Verlangen Dr. Adenauers auf Aufstellung einer deutschen Bundespolizei nicht negativ gegenüberstehen, so entschließen sie sich doch leichteren Herzens, britischen Verstärkungen ■— selbst bei einer außerordentlichen Belastung der Heimatfront — eher zuzustimmen. als einer vielleicht auf die Zukunft gesehen schwerwiegenderen Entscheidung den Deutschen wieder Waffen zu geben.

Die Forderung Dr. Adenauers, für den Schutz der Bundesrepublik zu sorgen, ist keineswegs mit Skepsis aufgenommen worden. Man verschließt sich auch nicht den Argumentationen des Bundeskanzlers, man solle die Volkspolizei nicht unterschätzen. Aber immer noch ist doch die Auffassung sehr stark, man solle versuchen, möglichst lange ohne Deutschland auszukommen.

70000 Mann stürmen gegen Pohan g

Die Schlacht tobt mit unverminderter Heftigkeit

Pusan, 31. August. (AP./dpa,/Reuter.) Die Hafenstadt Pohang an der Ostküste Südkoreas steht im Mittelpunkt der Kampfhandlungen. Dort tobt seit Tagen eine Entscheidungsschlacht. In wechselvollen Kämpfen ist es den Nordkoreanern gelungen, die südkoreanischen und amerikanischen Verbände auf den Stadtrand von Pohang zurückzuwerfen und mit Panzerkräften die Stadt westlich zu umfassen.

Die nordkoreanische Führung hat hier Eliteverbände in den Kampf geworfen und ohne auf Verluste zu achten ununterbrochen heftige Angriffe geführt. Amerikanische Abwehroffiziere vermuten, daß der Feind mit rund 40 000 Mann frontal aus nördlicher Richtung direkt auf die Stadt drückt und fast 30 000 Mann zur Umgehungsbewegung angesetzt hat. Hinter den Angriffsbataillonen sollen noch einmal schätzungsweise 30 000 Mann als Reserven aufgestellt sein, die nach Einnahme der Stadt den Durchbruch nach Süden erzwingen sollen.

Insgesamt wird die Zahl der im Nor- den im Angriff stehenden nordkoreanischen Truppen auf mehr als hunderttausend Mann geschätzt. Kühne Schätzungen rechnen sogar mit 150 000 Mann, wenn die Truppen, die im großen Nordbogen nach Süden drücken, mit in die Planung einbezogen werden. Damit hätte der Feind sechs bis acht Divisionen zum entscheidenden Angriff zusammengezogen.

Während die Kampfhandlungen im unmittelbaren Raum Pohang sich nur langsam negativ für die südkoreanischen und amerikanischen Verbände entwickeln, also die Nordkoreaner nur mühselig schrittweise Boden gewinnen, gelang den Angreifern im Norden bei Uisung ein Einbruch von fünf Kilometer Tiefe, der sich zu einem operativen Erfolg auswirken kann.

Die amerikanische Führung hat zur Abstützungl der Nordfront zahlreiche Reserveverbände in die bedrohten Räume geführt. Dem mit rücksichtsloser Gewalt an den Eckpfeilern der Nordfront rüttelnden Feind werden in vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen Heer’esverbänden, Marinestreitkräften und Schlachtfliegereinheiten furchtbare Verluste zugefügt. In einem Frontabschnitt wurde die Zahl der toten Nordkoreaner nach einem Gefecht auf tausend Mann geschätzt. Die Schiffsartillerie der Seestreitkräfte der Vereinten Nationen beschießt ununterbrochen die Küstenstraße nach Pohang und legt einen Feuerriegel vor die eigenen Truppen. Straßenkreuzungen, Bereitstellungsräume, Versorgungsstraßen des Feindes liegen zudem unter dem ununterbrochenen Feuer der taktischen Luftwaffe. Das Inferno hat in diesem Abschnitt der Front seinen Höhepunkt erreicht. Es geht nicht nur um Pohang, sondern darum, den Nordkoreanern den Zutritt zur Rollbahn nach Pusan unter allen Umständen zu verwehren. Die Schlacht, bei der der Schwerpunkt des feindlichen Angriffs klar erkannt worden ist, ist außerdem in zahlreiche blutige Einzelgefechte zerfallen, bei denen mit wechselvollem Glück gekämpft wird. Vorerst ist die Initiative noch auf seifen der Nordkoreaner, die jedoch an keiner Stelle den operativen Durchbruch erzielen konnten. Die amerikanische Führung hat mit einem gewissen Zynismus die Feststellung getroffen, das Datum des 31. August als Festsetzung des Zeitpunktes, an dem die Nordkoreaner die letzten Amerikaner aus Südkorea vertrieben hätten, dürfte wohl nicht mehr aktuell sein.

Stimmen der Anderen

Billige Häschen

Die amerikanische Zeitschrift „T 1 me“ bringt das Bild eines kleinen Autos, das neben einem Autobus der Fifth Avenue Linie steht, und schreibt dazu:

„Auf der Fifth Avenue in Manhattan zog vor kurzem ein komisches, stupsnasiges Wägelchen leicht erstaunte Blicke auf sich. Nur wenige der Neugierigen machten sich klar, daß hier ein Nachkriegsmodell des Volkswagens stand, jenes Wagens, den Hitler einst in jede deutsche Garage zu stellen versprach. Es war der erste von 600 Wagen, die Deutschland in die Vereinigten Staaten verschifft, wo sie für 1280 bis 1997 Dollars verkauft werden sollen.

Das Erscheinen des Volkswagens ist das jüngste Beispiel eines neuen Phänomens in der Geschäftswelt: ein Beispiel für die allmähliche Wiederbelebung des deutschen sowohl wie des japanischen Außenhandels. Vor zwei Wochen bestellte die südafrikanische Regierung 100 Dampflokomotiven bei Krupp in Essen, das ein niedriges Angebot machte und schnellere Lieferung versprach als irgendeine einer ganzen Reihe amerikanischer, britischer und anderer Konkurrenzfirmen. Rosenthal-Porzellan und Leicas erscheinen wieder auf dem Weltmarkt. Eine britische Spielzeugfirma klagte darüber, daß die Deutschen ihre Preise für Teddybären und weiße Häschen' in Zypern unterböten und in Kanada und in Afrika eine ernst zu nehmende Konkurrenz seien.

1936 führten die Gebiete, die heute Westdeutschland ausmachen, für 2,4 Milliarden Dollars Waren aus; heute, trotz all der durch die Teilung geschaffenen Probleme, für etwa 150 Millionen im Monat. Fast zwei Drittel davon gehen nach Westeuropa. Aber Deutschland hat auch Verträge für einen Warenaustausch im Werte von 725 Millionen Dollars mit acht südamerikanischen Staaten abgeschlossen. Deutsche Export-Firmen planen einen neuen Angriff auf den amerikanischen Markt. Auf der Internationalen Handelsmesse in Chicago sollen mehr als 200 deutsche Erzeugnisse ausgestellt werden."

Kchlacht um die Reisschale

Die „News Chronicle“ greift die wirtschaftliche Seite der Fragen in Ostasien auf und schreibt:

„Es ist eine der Tragödien der Aggression in Korea, daß im Getöse des Krieges und der kriegsähnlichen Vorbereitungen die Pläne für eine wirtschaftliche Unterstützung des Fernen Ostens verzögert und zur Seite gedrängt worden sind. Die Schlacht um die Reisschale ist entbrannt. Es ist Zeit, daß wir den ersten Schuß von unserer Seite aus abgeben.“

Nationaler Gedenktang

Bonn, 31. August, (dpa) Die Bundesregierung hat beschlossen, den 7. September 1950 als „Nationalen Gedenktag des deutschen Volkes“ zu begehen. Auf einer Gedenkfeier, in der der Bundespräsident und der Bundeskanzler sprechen werden, soll aller Opfer der letzten Vergangenheit gedacht werden, die ihr Leben für die höheren Güter der Menschheit hingegeben haben. Hierbei ist es gleichgültig, ob diejenigen, derer gedacht werden soll, ihr Leben aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen hingegeben haben oder ob sie Soldaten, Gefangene oder Opfer des Bombenkrieges waren. Außerdem soll des Wiedererstehens des deutschen politischen Lebens vor einem Jahr gedacht werden. Am 7. September 1949 traten Bundestag und Bundesrat zum erstenmal zusammen.

Einer unserer Leser machte den Vorschlag, das Geläute der Glocke des Gefallenen-Friedhofs von Roveteto (Rofrei) in Italien, in dem viele Hunderte deutscher Gefallener bestattet worden sind, anläßlich dieses nationalen Gedenktages über die deutschen Rundfunkstationen in einer Feierstunde zu übertragen.

Hölle wo ist Dein Sieg!

ROMAN VON RACHEL FIELD

Erstabdruck • Alle Rechte beim Wolfgang-Krüger-Verlag, Hamburg

Erstes Buch

..MADEMOISELLE D.“ 1841—1848

Erstes Kapitel

Unter der bunt zusammengewürfelten Gruppe von Passagieren, die sich bereit machten, den kleinen Kanaldampter, der sie von Southapipton nach Le Havre gebracht hatte, zu verlassen, befand sich auch eine einzelne Frau, die hoch aufgerichtet inmitten Ihres um sie gestapelten Gepäcks dastand. Es war ein ungewöhnlicher Anblick im Jahre 1841, eine Frau von ihrem Älter und ihrer Erscheinung ohne Begleitung reisen zu sehen. Nicht, daß sie durch besond re Schönheit aufgeiallen wäre, aber eine gewisse kraftvolle Anmut der Haltung zeichnete sie vor ihren Mitreisenden aus. Sie war jung — zum mindesten konnte sie nicht alt genannt werden — und sie wirkte entschieden jünger als ihre achtundzwanzig Jahre; sie schien von fast robuster Gesundheit und zeigte ein lebhaftes Interesse für ihre derzei ijen Gefährten und das Treiben um sie* herum; sie hatte schon lange zuvor gelernt, auf sich allein angewiesen zu sein.

So oft die Männer in die sich jetzt schnell lichtende Dämmerung an Deck gingen, drang beim Oeffnen und Schließen der Türen die salzige Luft in kurzen Stößen herein.

Es machte ihr Freude, den Klang ihrer Muttersprache von dem einen oder anderen der Passagiere zu hören. Obwohl sie seit ihrer Kindheit fließend englisch sprach und es sogar während der vielen

Jahre in London gelernt hatte, mit der gleichen Leichtigkeit in beiden Sprachen zu denken, begeisterte sie sich doch an den vertrauten Lauten. Schon der Tonfall ließ sie sich jünger und fröhlicher ums Herz fühlen. Sie war zu lange in dem fremden Land gewesen. Gestern noch, das stimmte ja, sie hafte beim Abschied von den Hislops zwar höfliche Tränen vergossen, besonders als sie sich von dem ernsten und liebenswerten Mädchen trennen mußte, das ihr einziger Zögling gewesen war und das sie mit Äugen voll anbetender Verehrung angeblickf hatte. Diese offenen Apgen hatten eigentlich bereits von dem Tag an, an dem ihr Fortgehen erwogen worden war, verweint ausgesehen. Es hatte etwas Rührendes, dieser aufrichtige Kummer des jungen Mädchens.

„Laß dodi, Cherie, zu viele törichte Tränen sind schon geflossen. Die Zeit mußte ja einmal kommen, wo du nicht länger eine Erzieherin brauchst, bu bist eine junge Dame, bald sechzehn, und kommst jetzt in ein Pensionat, und, wer weiß, in ein, zwei Jahren bist du vielleicht schon eine verheiratete Frau.“ „Aber Mademoiselle, Sie sind immer viel mehr als nur eine Erzieherin gewesen. Selbst Papa sagt das, und Sie wissen, wie schwer man ihm etwas recht machen kann.“

Das war allerdings wahr. Sir Thonas Hislop verlangte viel von denen, die in seinen _ Diensten _ standen, und ganz beoers viel natürlich, von denjenigen, der er die Erziehung seines einzigen Kindes anverfraut hafte. Sie hatte ihm niemals Ursache gegeben, dieses Vertrauen, das er in sie setzte, zu bereuen, und mit der Zeit waren ihr neben den Pflichten, wie sie dje Stellung einer Erzieherin mit sich zu bringen pflegt, auch ungewöhnliche Vorrechte im Hause eingeräumf worben. Wie seine Tochter sagte, Mademoiselle war viel mehr als eine bloße Erzieherin in seinem Heim gewesen, und nicht ein einzigesmal hafte sie die gebührlichen Grenzen vergessen. Sein Empfehlungsschreiben mit dem eiigeprägfen Familienwappen auf dem Briefkopf enthielt für einen Engländer nahezu überschwengliche Lobpreisungen und unterrichtete die Welt im allgemeinen und den Herzog und die Herzogin de Pra'slin im besonderen, daß Mademoiselle Henriette Desportes fast volle acht Jahre lang Erzieherin und Gesellschafterin seiner Tochter Nina gewesen war und daß sie sich in allem, was Haltung, Lauterkeit und Takt anbetraf; als ein Muster und eine Zierde ihres Geschlechts erwiesen habe.

Die Äbschiedsgeschenke, die sie erhalten hatte, zeigten deufich, wie sehr sie von den Hislops geschätzt worden war: der prachtvolle Schal, der gewiß das Doppelte dessen gekostet hatt;, was sie sich von ihrem Gehalt hätte sparen können; der Regenschirm mit der Elfenbeinkrücke, der jetzt an ihrem Arm hing; die Perlenhandtasche, eine Handarbeit ihres ihr zärtlich zugetanen Zöglings. All dies äußere Zeichen ihres persönlichen Erfolges. Sie lächelte zufrieden, dann seufzte sie, als sie daran dachte, daß dieser Erfolg jetzt der Vergangenheit angehörfe, und auch daran dachte, daß ihr gewisse beunruhigend? Ge-üchfe über die Fami i?, in de;en Dienste sie bald treten sollte, zu Ohren gekommen waren. „On arrive", rief ein Franzose seiner rundlichen Frau zu, und das Keffengerassel und das Wirbeln des Wassers und das aufgeregte Hin und Her der Landemanöver unterbrach ihre Gedanken. Es erforderte ihre ganze Aufmerksamkeit, auf ihre Sachen achtzugeben, eines blaubekittelten Trägers habhaft zu werden und ohne Zwischenfälle an Land zu kommen.

Ihr Paß wurde ordnungsgemäß geprüft und abgesfempelf, und die französischen Behörden erhielten somit Kenntnis davon, daß eine gewisse Henriette De sporte s? Alter achtunzwanzig Jahre, weiblich, ledig, gebürtig aus Paris, Elfem verstorben; nächster Angehöriger der Baron Felix Desportes, ehemals Offizier unter Napoleon Bonaparte, zur Zeit wohnhaft in Paris, in ihre Heimat zurückkehrte, um ihren Beruf als Erzieherin weiter auszuüben. Verließ englischen Boden in Southampton, England, am 28. März 1811. ~Bien!“ Mademoiselle Henriette Desporfes bemaß dem Träger das Trinkgeld so bescheiden, wie man es gerade noch wagen kann, und machte es sich in ihrem Abteil des Pariser Zuges bequem. Wie wenig wußte sie, was ihrer am Ziel der Reise wartete.

Der gestrige Tag bildete den Abschluß einer Aera. Ein Abschnitt ihres Lebens lag hinter ihr in den dunklen, gepflegten Zimmern des Hislopschen Hauses. ..Habe ich überhaupt jemals Gelegenheit gehabt, jung zu sein?“ fragte si; sich in einer plötzlichen Regung ungewo'lter Bitterkeit. Zuerst die Klosf jrschule, ohne auch nur in den Sommerferien frei von Glockengeläut und Messen und Unterricht in Literatur und gut^m Benehmen zu sein — und dann wieder Unterricht, nur jetzt nicht als Schüler, sondern als Lehrer. Daran - wird sich auch wn er nichts ändern, außer daß ich ii Pari, sein werde; wo einem Herz und Schritt am leichtesten fallen sollten, stehen nur die Mittel zu Gebote, sie sich so zu erhalten. Vielleicht war es unklug gewesen, zu kommen. Aber das Angebot war einzigartig, für ein Gehalt von zweiausend Franken und bei freiem Essen und Wohnen Erzieherin im Hause einer der ältesten französischen Adelsfamilien zu werden. Zwar hafte Henriette bei den Verhandlungen irgend etwas Ungewöhnliches herausgespürf, i-gend etwas, was da nicht ganz stimmte, hsrausbekommen4 daß Erzieherinnen es selten lange im Chateau Praslin auszuhalten pflegten. In den letzten beiden Jahren hatte eine wahre Prozession stattgefunden. Das sei allerdings verwunderlich, hatte Henriette gerade in dem richtigen Tonfall naiven Erstaunens bemerkt, da doch die Stellung so begehrenswert und das Gehalt so großzügig bemessen erscheine. Seien die jungen Praslins vielleicht schwierige und ungezogene Kinder? Nein, wurde ihr bedeutet, die Kinder seien ganz reizend und sehr aufgeweckt. Nur nun wohl, ein kurzes Wort dürfte ihr sicherlich zum Verständnis genügen; Mademoiselle Desporfes sei ja in häuslichen Schwierigkeiten nicht ganz unerfahren, und ia diesem Falle - also der Herzog und die Herzogin de Praslin stammten zwar beide aus den besten Familien Frankreichs und Korsikas, und ihre Ehe habe sich zweifellos als sehr erfolgreich erwiesen, da sie in elf Jahren nicht weniger als neun Kinder bekommen haften dennoch müsse leider zugegeben werden, daß s:e zu Zeiten nicht völlig einer Meinung zu sein schienen. Natürlich müsse sie das bitte nur als eine Frage der Temperamenfsverschiedenheif verstehen; es besiehe gar kein Anlaß, an schwerwiegendere Unstimmigkeiten zu glauben; aber abgesehen von dem hitzigen Blut, ihrem korsikani cchen Erbe, gehe es der Herzogin gar nicht gut. Sie sei nicht immer für alles, was sie tue, verantwortlich zu machen, und der Herzog gehöre nicht zu den Menschen, die aut anderer Leute Launen eingehen. (Fortsetzung folgt)

Der Wohnungsban gefährdet

Folgen des Streiks der Bauarbeiter

R. Bonn, 31. August. Die Besprechungen des Bundesarbeitsministers mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften über eine Schlichtung des Streiks im Baugewerbe werden nach der amtlichen Ankündigung am Freitag beginnen.

Ursprünglich hatte bei der Regierung die Absicht bestanden, daß der Arbeitsminister von sich aus einen Appell an die Beteiligten richten soll. Angesichts der Ausdehnung der Streikbewegung jedoch wurde eine allgemeine Aussprache mit dem Minister für notwendig erachtet. Die Bedeutung, die von der Regierung der Entwicklung beigemessen wird, geht auch schon daraus hervor, daß nach einer Schätzung des Wohnungsbauministers die Stillegung der Bauarbeiten achtzigtausend Wohnungen in diesem Jahre nicht mehr fertig werden zu lassen droht, so daß statt 350 000 nur 270 000 Wohnungen vollendet werden könnten.

Minister Wildermuth hat auch auf die Konsequenzen hingewiesen, die eine Erhöhung der Baukosten für die Mieten haben könne. Nach seiner Ansicht werden höhere Baukosten die Aufrechterhaltung der Sätze der sozialen Mieten gefährden. Es zeigt sich, welche grundlegenden Probleme für die breitesten Schichten der Bevölkerung in der Konferenz mit dem Bundesarbeitsminister debattiert werden müssen.

Lohnerhöhung gefordert

F. A. Z. Frankfurt, 31. August. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen hat soeben den Lohn- und Gehaltstarif für den hessischen Einzelhandel zum 30. September gekündigt. Die Gewerkschaft fordert für die Angestellten und Arbeiter im Einzelhandel eine Erhöhung der Tarife um 25 Prozent. Dies ist prozentual die höchste Lohnforderung, die bisher bei Kündigungen von Tarifverträgen erhoben wurde. Die Gewerkschaft begründet ihre Forderung damit, daß wegen der gestiegenen Preise eine Lohnangleichung jetzt unbedingt erforderlich sei.

Ein Ultimatum in Essen

Bonn, 31. August (AP.) Die Essener Baugewerkschaft hat bekanntgegeben, daß sie an die Unternehmer ein Ultimatum gerichtet habe, unverzüglich den gewerkschaftlichen Lohnforderungen nachzukommen, andernfalls in den Baubetrieben des Essener Bezirks gestreikt werde. Es sei zu erwarten, daß in Kürze ähnliche Erklärungen aus den übrigen Städten der Ruhr veröffentlicht würden.

In Göttingen bewilligt

Göttingen, 31. August, (dpa) Die Ortsverwaltung Göttingen der Bauarbeitergewerkschaft teilt mit, daß die dortigen Arbeitgeber die Gewerkschaftsforderungen anerkannt hätten, die Tarifortsklasse 111 auf die Tarifortsklasse II zu erhöhen. In Göttingen solle daher nicht gestreikt werden.

Frankfurt blickt nach Bonn

Der Streik im Zeichen der bevorstehenden Schlichtungsverhandlungen

F. A. Z. Frankfurt, 31. August. Der vierte Streiktag stand sowohl bei den Streikenden als auch bei den Arbeitgeberverbänden im Frankfurter Baugewerbe ganz im Zeichen der erwarteten Schlichtungsverhandlungen am Freitag in Bonn. Aus diesem Grund hat sich am Donnerstag kaum etwas an der Gesamtlage geändert. Die Gewerkschaften haben allerdings bekanntgegeben, daß nunmehr 150 Firmen die Arbeit zu den geforderten erhöhten Löhnen wieder aufgenommen hätten. Sie verweigerten nach wie vor, die Firmen zu nennen. Lediglich wurde bekanntgegeben, daß die größte dieser 150 Firmen 280 Arbeiter beschäftige. Die Arbeitgeberverbände haben auch diese Meldung wieder dementiert und erklärt, daß sämtliche organisierten Firmen, worunter vor allem alle Großbetriebe gehörten, nicht nachgegeben hätten.

Zu einem Zwischenfall kam es am Donnerstag bei der Trümmerverwertungsgesellschaft in Frankfurt, die das Monopol der Trümmerräumung und -Verwertung im Stadtgebiet besitzt. Nach Verhandlungen am Dienstag war es der Gesellschaft erlaubt worden, mit den Baggern zur Trümmerräumung wieder tätig zu sein. Dieser Beschluß wurde plötzlich am Donnerstag widerrufen, so daß nunmehr der gesamte Trümmerräumdienst im Stadtgebiet Frankfurt stillgelegt werden mußte. Das Aufbereitungswerk der Trümmerverwertungsgesellschaft am Ostpark kann zwar vorläufig mit den vorhandenen Reserven an Trümmern noch Weiterarbeiten, jedoch besteht bei einer Fortsetzung des Streiks die Gefahr, daß das gesamte Werk stillgelegt werden muß. Dies würde die Produktion an Bausteinen in Frankfurt stark beeinflussen.

Weitere Tarifverträge gekündigt

hd. Düsseldorf, 31. August. (Eigener Drahtbericht.) Aus dem Bundeshaus des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Düsseldorf erfahren wir, daß wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten folgende Industriegewerkschaften ihre Tarifverträge gekündigt haben: Bau mit 395 000 Mitgliedern, Chemie mit 365 000 Mitgliedern, Holz mit 174 100 Mitgliedern und Leder mit 85 900 Mitgliedern.

Für den größten Teil ihrer Mitglieder haben die Industriegewerkschaften Textil, Gartenbau. Land- und Forstwirtschaft, Druck und Papier, Oeffentliche Dienste Transport und Verkehr und die Deutsche Postgewerkschaft die Tarifverträge gekündigt.

Auch in Düsseldorf wurde nach längeren Verhandlungen in der Industriegewerkschaft Bau der Beschluß gefaßt, am Samstag in einen Lohnstreik zu treten, wenn die Arbeitgeber sich bis dahin nicht mit den geforderten Lohnerhöhungen einverstanden erklärt haben. Eine neugewählte Zentralstreikleitung soll ällein befugt sein, mit den Unternehmern zu verhandeln, die bereit seien, die Stundenlöhne für Bauarbeiter von 1,41 Mark auf 1,61 Mark zu erhöhen und für Angestellte eine Teuerungszulage von vierzig Mark monatlich zu bewilligen.

Am Morgen großes Wecken

Die Propaganda für die Oktoberwahlen in der Sowjetzone

er. Berlin, 31. August. Der „Nationalrat der Nationalen Front“ hat zu den Oktoberwahlen in der sowjetischen Besatzungszone einen Aufruf erlassen, in dem alle Betriebe, die Verwaltungen, Parteien, Organisationen und Institutionen aufgefordert werden, den Wahlkampf durch Geldspenden zu unterstützen. Darin heißt es: „Wenn in den nächsten Tagen und Wochen die Helfer der Ausschüsse der Nationalen Front die Sammellisten zur Finanzierung des Wahlkampfes der Bevölkerung vorlegen, so möge jeder von dem Bewußtsein durchdrungen sein, daß er mit seiner Spende einen großen Beitrag leisten kann für den Sieg der Kandidatenliste der Nationalen Front und damit für die glückliche Zukunft unseres ganzen deutschen Volkes“.

In Sachsen sind die Schüler und Schülerinnen aufgefordert worden, Transparente im Schulgebäude, über den Eingängen, in den Fluren und Räumen mit Parolen anzubringen, die von einer Verbindung zwischen dem Kampf um den Frieden und der Schule sprechen. Die fortschrittlichen Lehrkräfte sollen die Schulkinder in der Gegenwartskunde auf die große Bedeutung der Wahl aufmerksam machen. Am Morgen des 15. Oktober soll ein großes Wecken durch die Jugendlichen veranstaltet werden. Die Schulkinder sollen auf Lastwagen durch die Straßen fahren und d'e Wähler in Sprechchören auffordern, ihre Stimme abzugeben.

Von der Berliner Abteilung des Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen wird dazu erklärt, diese Art von Wahlpropaganda sei rechtmäßig völlig unstatthaft. Sie würde in einem demokratischen Staatswesen genügen, um die ganze Wahl für ungültig zu erklären.

Nach Frankreich eingeladen

Na. Mainz, 31. August. (Eigener Bericht.) Auf die persönliche Anregung des französischen Landeskommissars Hettier de Boislambert werden Anfang Oktober sämthche Landräte von Rheinland-Pfalz eine zwölf Tage dauernde Studienreise durch Frankreich machen. In drei Gruppen werden die Landräte teils durch Nordfrankreich und die Normandie, teils durch die Champagne und zur Atlantikküste und teils durch Ostfrankreich ans Mittelmeer reisen.

Dabei werden sie Gelegenheit haben, mit ihren französischen Kollegen in der Kommunalpolitik, das heißt, mit den Unterpräfekten und den Bürgermeistern größerer Städte.. Fühlung zu nehmen und Erfahrungen auszutauschen.

Gin „deutsches Weintor“

Ludwigshafen, 31. August, (dpa) Das Weintor in Schweigen in der Pfalz, ein triumphbogenähnliches Tor, durch das die Grenzstraße von Schweigen nach Weißenburg führt, wird nach seiner Wiederinstandsetzung am 23. September durch den Minister für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten von Rheinland-Pfalz, Oskar Stübinger, als „Deutsches Weintor“ eingeweiht werden.

Kurpfalzbrücke freigegeben

Mannheim, 31. August, (dpa) Die neue Mannheimer. Neckarbrücke ist am Donnerstag in Anwesenheit des Bundespräsidenten Professor Dr. Heuss dem Verkehr übergeben worden. Der Mannheimer Oberbürgermeister, Dr. Heimerich, taufte die 187 Meter lange Brücke auf den Namen „Kurpfalzbrücke“.

Die Sozialgemeinschaften

Wiesbaden, 31. August. (Eigener Bericht.) Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Hessischen Landtags beendete am Donnerstag die zweite Lesung des Gesetzes über die Sozialgemeinschaften (Sozialisierungsgesetz), wobei die formalen Abänderungsvorschläge des Kabinetts berücksichtigt wurden. Bei Beginn der Ausschußsitzung hatten die Freien Demokraten beantragt, die Beratungen über den Entwurf des Sozialisierungsgesetzes solange auszusetzen, bis der Staatsgerichtshof gesprochen habe. Der Antrag wurde jedoch mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Daraufhin verließen die FDP-Abgeordneten die Sitzung.

Wirtschaftsblatt

Exporthilfe über die Steuer

bs. Nach dem Julibericht der Bank deutscher Länder ist das Exportvolumen der Bundesrepublik im letzten Monat weiter gestiegen. Es war gegenüber dem Juli eine Zunahme von 78 Millionen DM auf 730 Millionen DM zu verzeichnen. Gegenüber dem Stand vom Oktober 1949 hat sich also das Exportvolumen mehr als verdoppelt. Es sind dazu auch keine Anzeichen zu erkennen, daß sich dieser aufsteigende Trend nicht weiter fortsetzen wird. Die Auftragslage bei der Eisen- und Stahlindustrie entwickelt sich weiter günstig, so gut sogar, daß eine Erhöhung der Stahlquote nicht mehr zu umgehen sein wird. Heute schon sieht sich die Bundesregierung gezwungen, den Stahlwerken zu empfehlen, die Inlandsaufträge bevorzugt zu beliefern, damit hier kein Mangel an Grundstoffen auftritt.

Alles zweifellos günstige Aspekte. Aber trotzdem ist der allgemeine Exportoptimismus sehr gedämpft worden. Im letzten Monat bestanden noch große Hoffnungen, man sah die Dollarlücke schon verschwinden. Heute muß man betrübt feststellen, daß es doch noch lange nicht so weit ist. Noch immer liegt unser Export um 5 bis 10 Prozent unter der Vergleichszahl von 1936. Dazu hat die Bevölkerung des Bundesgebietes um 23 Prozent zugenommen. Weiter ist die Einfuhr im letzten Monat wieder erheblich gestiegen, so daß sie wieder weit über den Exportzahlen liegt. Der Passivsaldo der westdeutschen Handelsbilanz hat sich also weiter verstärkt.

Das Bundesfinanzministerium hat aus dieser Entwicklung auch schon die Konsequenzen gezogen. Im Juli noch verlautete aus diesem Ministerium, daß man eine Exportförderung durch steuerliche Maßnahmen nicht mehr für nötig halte. Jetzt hat der Finanzminister die Vorsitzenden der Bundesratsausschüsse für Wirtschaft und Finanzen zu einer Aussprache über die steuerliche Exportförderung eingeladen. Man denkt an eine Steuerermäßigung bei Einkommen und Umsatz von Exportbetrieben oder auch nur an eine Umsatzsteuerermäßigung.

Unsere Wirtschaft wird bestimmt alles tun, um durch nachhaltige Exportanstrengungen die Ernährung des deutschen Volkes und die ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen zu sichern. Es bedarf aber auch der Hilfe der Bundesregierung. Es ist bedauerlich, daß man diese Steuerbegünstigung für Exportbetriebe so lange verzögerte. Wir wollen hoffen, daß die Vorarbeiten für diese Maßnahme jetzt aber mit größter Eile betrieben werden, damit der Passivsaldo unserer Handelsbilanz weiter kleiner wird und vielleicht in absehbarer Zeit ganz verschwindet.

Apothekengesetz

F. A. Z. Auf dem kürzlich abgehaltenen Deutschen Apothekertag in Berlin haben die Apotheker zur Gewerbefreiheit und zum Bundesapothekengesetz ihre Forderungen in nachstehender Entschließung niedergelegt. Der Bundesregierung soll der Entwurf eines Bundesgesetzes über das Apothekenwesen zugeleitet werden. Dieser Entwurf soll das Apothekenwesen auf eine neue, bundeseinheitliche Grundlage stellen. Die bisherige starre Form' des Konzessionssystems soll durch eine freiheitliche Gestaltung aufgelockert werden, ohne den Aufsichtsbehörden den im Interesse der Volksgesundheit gebotenen Einfluß zu nehmen. Der gesamte deutsche Apothekerstand hat sich im Mai 1950 in einer nach streng demokratischen Grundsätzen durchgeführten geheimen Urabstimmung mit einer Mehrheit von über 90 Prozent bei einer Beteiligung von 86,7 Prozent der Stimmberechtigten für diesen Gesetzentwurf ausgesprochen. (

Aegypten stoppt Importe

AP. Infolge der ägyptischen Dollarknappheit sind Importe aus der Bundesrepublik vorläufig eingestellt worden. Es werden zur Zeit keine Einfuhrlizenzen an ägyptische Kaufleute ausgegeben.

Markt- und Börsenberichte

F.A.Z. An der Frankfurter Börse war zum August-Ultimo das Geschäft nur gering. Trotzdem hielten sich die Kurse überwiegend auf Vortagsniveau, zum Teil lagen sie sogar freundlicher, so daß kleine Kursverbesserungen von 1 bis 2 Punkten an einigen Märkten erzielt werden konnten. Auch die Pfandbriefmärkte blieben bei kleinen Umsätzen größtenteils unverändert. Ab 1. September werden an der Frankfurter Wertpapierbörse zum Börsenhandel zugelassen: 10 Millionen DM sprozentige Hypotheken-Pfandbriefe und 5 Millionen DM sprozentige Kommunalschuldverschreibungen Reihe 7 der Frankfurter Hypothekenbank. Die Kündigung beider Emissionen kann frühestens zum 1. Oktober 1952 erfolgen.

Symbole der Marktwirtschaft

Von Erich Welter

Die große wirtschaftspolitische Bedeutung der deutschen Firmen- und Warenzeichen im Auslande wird im folgenden Artikel dargelegt.

Das Wesen der Marktwirtschaft besteht zwar zunächst nur darin, daß es keiner Befehle von oben bedarf, um in einer arbeitsteiligen Wirtschaft ein Angebot an Gütern hervorzulocken und die Nachfrage zu beschränken, sondern daß diese Aufgabe, Angebot und Nachfrage zu regulieren, der Preisbildung überlassen wird, durch die Millionen von Einzelplänen der Haushalte und Betriebe unmerklich aufeinander abgestimmt werden. Das Funktionieren der Marktwirtschaft ist also zwar nicht von der Existenz besonders gekennzeichneter Waren abhängig; nach marktwirtschaftlichem System kann auch eine Wirtschaft gelenkt werden, in der es nur anonyme Waren gibt. Aber die markierte Ware, mit der die Herstellerfirma unter ihrem Namen oder durch eine andere Kennzeichnung die volle Verantwortung für die Qualität übernimmt und den Verbraucher unmittelbar anspricht, bedeutet doch eine erhebliche Verfeinerung des marktwirtschaftlichen Systems. Sie erscheint auch nur in einem solchen System wirklich sinnvoll. Das Angebot von Waren, die „entanonymisiert“ sind, deren Hersteller von jedermann jederzeit identifiziert werden können, bedeutet eine Intensivierung des Wettbewerbs der Erzeuger um den Kunden und insbesondere um die letzten Konsumenten. Ein solches Werben wäre dort gänzlich überflüssig, wo das Recht der freien Konsumware ausgeschaltet ist und das Individuum unter dem Motto an der Wirtschaft teilnimmt: Friß, Vogel, was Dir zugeteilt wird, oder stirb!

Bereicherung des Wirtschaftslebens

Zweifellos hat die Entwicklung zur gezeichneten Ware eine neue individuelle Note in das Wirtschaftsleben hineingebracht. Mag die Rolle des selbständigen Händlers dadurch in gewisser Hinsicht beeinträchtigt worden sein, so ist die Beziehung zwischen Hersteller und Verbraucher um so enger und persönlicher geworden. Der Kunde sieht sich direkt umworben. Die freie Konsumwahl, die bei jeder Art von Befehls- und Zwangswirtschaft in irgendeiner Weise unterdrückt werden muß, wird durch die neue Form des Wettbewerbs ostentativ unterstrichen, so daß man diese Tendenz der modernen Wirtschaft, solange Auswüchse und Mißbräuche durch eine zweckmäßige und wirtschaftliche Ordnung dieses neuartigen Wettbewerbs ausgeschlossen bleiben, als eine wesentliche Bereicherung ansprechen kann. Insbesondere dann, wenn auf den erwähnten Gebieten nach einer weiteren Niederlegung der Handelsschranken auch der internationale Wettbewerb einmal mehr in Schwung kommt, wird die unseres Erachtens übertriebene Sorge vor der Entstehung von sogenannten Meinungsmonopolen vollends gegenstandslos werden; im übrigen läßt sich der Wettbewerb um seine Majestät den Kunden durch Wer-

bung allein keineswegs gewinnen, wie viele Erfahrungen gerade der neueren Zeit beweisen. Wer glaubt, den Kunden für dumm verkaufen zu können, bringt sich gewöhnlich in kurzer Zeit um jeden Verkaufserfolg.

Der Kontrollratstorpedo

Ist die dargelegte Ansicht von der Bedeutung des Warenzeichens richtig, so kann die Entscheidung des Kontrollrats vom 30. Oktober 1945, wonach die deutschen Auslandswarenzeichen zu den nach dem Potsdamer Abkommen für Reparationszwecke zu erfassenden deutschen Auslandsvermögen zu rechnen sind, nicht anders als ein Zeichen von Verblendung angesehen werden, soweit daran Vertreter des Westens beteiligt waren. In einem Punkte nämlich steht die westliche Welt mit der östlichen in echter Konkurrenz. Sie ist gezwungen, den Menschen eine Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung anzubieten, die besser ist als das System der Zentralverwaltungswirtschaft, das Sowjetrußland verwirklicht hat und über die Welt auszudehnen bestrebt ist. Eine richtig geordnete Marktwirtschaft i s t dem sowjetischen System turmhoch überlegen, weil sie sozialer, gerechter und weit ergiebiger ist als jede Art von Zwangswirtschaft. Voraussetzung jedoch ist, daß der Wettbewerb national und international richtig geordnet ist. Um diese Aufgabe zu meistern, ist vieles erforderlich. Zunächst und vor allem aber gehört dazu, daß der unlautere Wettbewerb ausgeschlossen wird. Ist aber ein Wettbewerb von noch unlauterer Art denkbar als der, welcher besteht, wenn es jedem x-beliebigen Reflektanten bei Zahlung einer bestimmten Summe freigestellt wird, Waren unter einem fremden Zeichen anzubieten, unter einem Zeichen, das den Eindruck erweckt, ein anderer habe diese Ware hergestellt und biete sie an? Ist ein Wettbewerb von größerer Unlauterkeit vorstellbar als der, der heraufbeschworen wird, wenn sozusagen „fremde Federn“ von Amts wegen zur Verfügung gestellt werden, damit man sich damit schmücke und die Abnehmer mit Hilfe einer Art von „Pseudomarke“ über die Herkunft der Ware täusche?

Element der Ordnung

Immer mehr Länder rücken glücklicherweise in ihrem eigenen Interesse von diesen Hintertreppenmethoden einer gottverlassenen „Weltwirtschaftspolitik“ ab, nachdem die Internationale Handelskammer auch auf diesem Gebiete die erlösenden Worte wirtschaftlicher Vernunft gesprochen hat. Die Erkenntnis wächst, daß der Schuß, den der Kontrollrat vor fast fünf Jahren gegen die Symbole der Marktwirtschaft abgefeuert hat, die Schützen mittrifft, daß es niemandem rechten Gewinn bringt, allen Schaden zufügt, die Verbraucher in den betreffenden Ländern hinters Licht führt, den Außenhandel schädigt, die Ordnung auflöst, das Chaos begünstigt»

Es wurde im Juli weniger gespart

F.A.Z. Wie die Arbeitsgemeinschaft der Sparkassen mitteilt, sind im Monat Juli 1950 bei den Sparkassen 184,382 Millionen D-Mark auf Sparkonten eingezahlt worden. Die Auszahlungen betragen 168,517 Millionen DMy so daß sich der Bestand an Sparguthaben um 15,865 Millionen (ohne Zinsgutschriften) erhöht hat. Im Juni betrug dagegen die Zunahme der Sparguthaben bei den Sparkassen 78,277 Millionen.

Baukostenindex gesunken

F.A.Z. Nach dem neuesten Wochenbericht der Oberkommission sind die Baukosten Mitte 1950 auf 186 gegenüber 196 Mitte 1949 gesunken (1936 = 100). 1948 lagen die Baukosten bei 217.

Erste Rohstoffengpässe

vwd Die ersten Rohstoffengpässe machen sich bei einigen Firmen der Ruhrindustrie infolge der starken Exportbelebung bemerkbar, teilt die Industrie- und Handelskammer Duisburg mit. Nach Ansicht der Kammer ist dies vor allem darauf zurückzuführen, daß es den Firmen bei dem Abrufeinfuhrverfahren in den vergangenen Monaten nicht möglich war, größere Lager anzulegen.

Lohnende Importgebühr

zr. Durch die Erhebung einer Gebühr von zwei Pro-Mille bei Anträgen auf Einfuhrgenehmigungen sollen beim Bundesfinanzministerium bereits über 10 Millionen DM bis Ende August eingegangen sein. Da diese Mittel nicht im Haushaltsplan erscheinen, wurde vorgeschlagen, einen Teil zur Abgeltung der im Herbst 1949 entstandenen Kursverluste zu verwenden. Ferner wird erwogen, mit einem weiteren Teil dieses Betrages Restausfuhrzahlungen abzudecken, für welche die vorgesehenen JEIA-Mittel nicht ausreichen.

Vorstellungen wegen Fragebhogen

hd. Nach Mitteilungen des Bundesverbandes der deutschen Industrie hat die Bundesregierung in einer besonderen Note Vorstellungen bei dein Oberkommissaren erhoben wegen der kürzlich von der alliierten Dekartellisierungsabteilung gegen Spitzenverbände der deutschen Industrie eingeleiteten Fragebogenaktion. Es würden direkte Verhandlungen zwischen der Dekartellisierungsbehörde und dem Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagen.

Oberbehörden in Vorbereitung

zr. In den Bundesministerien für Wirtschaft sowie Ernährung liegen die Pläne zur Errichtung von Oberbehörden vor, die aus den ehemaligen Fachstellen gebildet werden sollen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll dem Bundesrat und dem Bundestag alsbald zugeleitet werden. Die Oberbehörden sind teils dem Bundeswirtschafts-, teils dem Bundesernährungsministerium nachgeordnet.

Importstop für Aepfel

dpa Für den Import von Aepfeln aus Italien ist ein sofortiger Importstop bis zum 12. September verfügt worden, um die Absatzstockungen auf dem innerdeutschen Obstmarkt zu beseitigen. Das Bundesernährungsministerium kündigte an, daß ähnliche Vereinbarungen auch mit anderen Ländern getroffen werden sollen. Holland wird als nächstes Land mit dem Bundesernährungsministerium verhandeln. Sobald mit den übrigen Ländern Vereinbarungen erzielt worden sind, soll der Einfuhrstop für italienische Aepfel bis zum 31. Oktober verlängert werden.

Firmen- und Warenzeichen

Lebendige Interessen der deutschen Wirtschaft haben die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ veranlaßt, die Frage der deutschen Firmen- und Warenzeichen in einer großzügig angelegten Untersuchung aufzugreifen. Die Beilage erscheint am 1. September. Sie umfaßt die Problematik, die sich daraus ergibt, daß das Ausland die deutschen Firmen- und Warenzeichen nach Kriegsbeginn oder nach Kriegsende beschlagnahmt hat und teilweise für Reparationszwecke bereits verwertet. Es wird dargelegt, zu welch unhaltbaren Zuständen ein solches unrechtliches Verfahren in einem freien Welthandel führt, wie er von den Völkern und Regierungen des Westens vertreten wird. Autoren von gewichtigem Namen äußern sich dazu und stellen bei dieser Gelegenheit die Bedeutung der Warenzeichen überhaupt für die Wirtschaft und den Verbraucher dar.

Ein zweiter Teil der Sonderausgabe ist der Rechtslage des beschlagnahmten deutschen Vermögens in den einzelnen Staaten gewidmet.

Eine besondere Note erhält die Beilage, die in sechsunddreißigseitigem Umfang erscheint, dadurch, daß die einzelnen redaktionellen Beiträge in Englisch, Französisch oder Spanisch wiedergegeben werden.

Führende deutsche Unternehmen stellen im Anzeigenteil ihre Marken heraus. Die Beilage wird nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland bei allen zuständigen Stellen verbreitet werden und Beachtung finden.

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Skizzen zur Stadtverordnetenversammlung

Das klassische Parlament ist nach wie vor eine Sache des jeweiligen Landschafts- oder Nationaltemperaments. Nun kann man einem städtischen Gremium nicht den bestechend höflichen Verlauf der z. B. englischen Unterhaus-Sitzungen zudiktieren wollen. Der „sehr geehrte Herr Abgeordnete“ fehlt zumeist in Deutschen Häusern, zumal die erforderliche Diktion durch massive Listigkeit auf der äußersten Linken vorgetragen wird, die übrigens, oder deren Dialektik als proletarische Rastellis den Versammlungsraum akteurhaft mit immer neuen Einwendungen beschäftigen. Dem hauptsächlichsten Sprecher dieser Gruppe der Vergleich möge tatsächlich bildlich aufgefaßt sein fällt es leicht, in Habitus und Rede Litwinows Genre zu bringen. Neben ihm Fouche, kompakt, mit bürgerlichen Bewegungen. Gutes wirtschaftliches Polster, auch von außen zu sehen, hindert nicht an linientreu vorgebrachter Argumentierung im gleichen Geleise. Diese Gruppe und der rechte Flügel im Saal fassen die Beschlüsse immer einmütig.

Behutsam scharf-akzentuierte Erklärungen des rechten Sprechers. Neben ihm ein Virchow-Typ, an Plan und Praxis appellierend. Außerdem ein kräftiger Mann in Lederhosen, im Prinzip nicht geneigt, Kompromisse zu machen. Schon gar nicht bei feststehender Gegnerschaft. — Man beherrscht und belustigt sich auch gleichermaßen in der Mitte bei offensichtlichen Störungsversuchen. Anläßlich einer verklausulierten Abstammung — es trat eine regelrechte Verschachtelung ein — kommt ein erfreulicher Zuruf: „Erstens sind wir nicht hier, um grundsätzliche ex Oriente lux-Erklärungen anzuhören und zweitens — die Reihenfolge ist stilisiert — wird die Heinrichsstraße, d. h. deren Fluchtlinie realisiert, aber die Entschädigungsfrage bleibt ungeklärt.

Gegen Ende der Behandlung glätten sich die Schwierigkeiten im parlamentarischen Gefüge, der Block der „Drei“ ging zu schwacher sarkastischer Mitarbeit über, und eine mit Geduld und Höflichkeit gehandhabte Sitzung legt eine Pause ein, um anschließend differenziertere Fragen in geschlossener Sitzung zu behandeln. 3

Der Extrakt des Zuschauenden: Vorsorglichkeit bei den Beratungen und die Ueberzeugung, daß wichtige Fragen nicht nur in der parlamentarischen Spielform gehandhabt werden. ng

Milchfrühstück gefragt

Bei der gestrigen Forumsdiskussion wurde das Thema der Schulspeisung von den etwa 150 Besuchern diskutiert. Scharfe Kritik wurde an der seitherigen Zubereitung und an der Organisation geübt. Man nahm jedoch nicht grundsätzlich gegen die Schulspeisung Stellung und empfahl allgemein, die Ausgabe eines hygienisch einwandfreien Milch- oder Kakao-Frühstücks mit Brötchen an Stelle der seitherigen Suppen und Süßigkeiten zu versuchen. Behördenvertreter, die an der Diskussion teilnahmen, empfahlen jedoch, zuerst die Preisfrage für ein Milchfrühstück zu erwägen. DT

Stadtrat Schrauth 60 Jahre alt

Am gestrigen Tage feierte der vor 60 Jahren in Babenhausen geborene Stadtrat Ludwig Schrauth, der der Darmstädter Bürgerschaft weithin bekannt ist, Geburtstag. Er diente der Verwaltungstätigkeit, die er schon im Jahre 1901 bei den Amtsgerichten Seligenstadt und Darmstadt begann. Nach der im Jahre 1905 abgelegten Staatsprüfung für die gehobene Justizbeamtenlaufbahn trat er im Jahre 1906 in den Dienst der Stadt Darmstadt, der er bis zum Jahre 1933, als man ihn aus politischen Gründen entließ, treu gedient hat. Vor allem war es damals schon die Leitung sozialer Ämter, denen er als Vorsitzender, Geschäftsführer und Direktor vorstand. Auch ehrenamtlich war er stark in der Wohlfahrt tätig; im Roten Kreuz, in der hessischen Diakonie und anderen sozialen Einrichtungen.

Während der NS-Zeit war er Mitarbeiter im Staatsarchiv, im Versicherungswesen und bei der Firma Carl Schenck. Wieder rief man ihn im Jahre 1945, und wieder war es die Fürsorge- und Wohlfahrtsarbeit, in der man seine reiche Erfahrung schätzte und ihn mehrmals zum Stadtrat wählte. DT

Eine Delegiertentagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisausschuß Darmstadt, wird am 2. September im „Goldenen Löwen“ in Darmstadt-Arheilgen stattfinden.


In der unteren Rheinstraße, am Rheintor, haben vor einigen Tagen Aus^achtungen für das neue Gebäude des Landratsamtes begonnen. Als man an die Arbeit ging, meinten einige alte Darmstädter, man müsse bei dieser Buddelei doch wohl auf die ehemalige Unterführung der Rhein-Neckar-Bahn stoßen. Auf Höhe der Hmdenburgstraße überquerte nämlich früher die Eisenbahn die Rheinstraße. Zur reibungslosen Abwicklung des Fußgängerverkehrs hatte man eine Unterführung gebaut, die, nachdem der Schienenstrang weiter westlich verlegt wurde, zugeschuttet worden war. Baukapazitäten der Stadt hielten es für unmöglich, daß an der Stelle der jetzigen Ausschachtungen diese Unterführung bestanden habe. Die alten Heiner an der Baustelle aber krempelten die Aermel hoch, spukten in die Hände und meinten: „Ei, des war doch gelacht, da sm mir doch friher als Kinner selber drunner dorchgelaafe.“ Und nach wenigen Stunden kamen tatsächlich die Mauern der ehemaligen Torbogen nebst den Steinstufen der Treppe zutage. Nunmehr soll in ganz kurzer,Zeit, man sagt in knappen zwei Monaten, das neue Landratsamt fertig sein. Das klingt zwar ziemlich hurtig, aber wenn man bedenkt, daß noch am Dienstag Grünanlagen dort waren, wo heute schon ausgeschachtet ist, dann konnte tatsächlich schon am ersten Advent die „Präfektur“ von Darmstadt-Land einziehen, x/ng DT-Foto: Hilde Roth
In der unteren Rheinstraße, am Rheintor, haben vor einigen Tagen Aus^achtungen für das neue Gebäude des Landratsamtes begonnen. Als man an die Arbeit ging, meinten einige alte Darmstädter, man müsse bei dieser Buddelei doch wohl auf die ehemalige Unterführung der Rhein-Neckar-Bahn stoßen. Auf Höhe der Hmdenburgstraße überquerte nämlich früher die Eisenbahn die Rheinstraße. Zur reibungslosen Abwicklung des Fußgängerverkehrs hatte man eine Unterführung gebaut, die, nachdem der Schienenstrang weiter westlich verlegt wurde, zugeschuttet worden war. Baukapazitäten der Stadt hielten es für unmöglich, daß an der Stelle der jetzigen Ausschachtungen diese Unterführung bestanden habe. Die alten Heiner an der Baustelle aber krempelten die Aermel hoch, spukten in die Hände und meinten: „Ei, des war doch gelacht, da sm mir doch friher als Kinner selber drunner dorchgelaafe.“ Und nach wenigen Stunden kamen tatsächlich die Mauern der ehemaligen Torbogen nebst den Steinstufen der Treppe zutage. Nunmehr soll in ganz kurzer,Zeit, man sagt in knappen zwei Monaten, das neue Landratsamt fertig sein. Das klingt zwar ziemlich hurtig, aber wenn man bedenkt, daß noch am Dienstag Grünanlagen dort waren, wo heute schon ausgeschachtet ist, dann konnte tatsächlich schon am ersten Advent die „Präfektur“ von Darmstadt-Land einziehen, x/ng DT-Foto: Hilde Roth

Die Berufspficht der Polizei

In einem Vortrag,' der von über 350 Polizeibeamten Darmstadts und der Umgebung mit großer Anteilnahme gestern mittag im „Concordia-Saal“ angehört wurde, sprach Domkapitular Dr. Friedrichs, Münster/Westfalen, über die Berufsethik des Polizeibeamten.

Nach der Begrüßung durch Regierungsdirektor Ahl ging der geistliche Redner im unterhaltenden Tone und mit viel Humor an das schwere Thema heran. Er führte aus, daß die Polizei im Gegensatz zum Militär, das immer in der Formation auftrete, aus Einzelpersönlichkeiten bestehen solle. Die Polizei sei, wörtlich genommen, der Vertreter des Staates. Dieses Bewußtsein müsse in jedem Polizeibeamten Berufsstolz wecken, aber dürfe keinen Dünkel erzeugen. Außerordentliche Wichtigkeit maß Dr. Friedrich, der seit Jahrzehnten Polizeipfarrer in Münster ist, der Frau und dem Familienleben des Polizeibeamten zu. Dies bestimme ihm maßgeblich. Die Polizei als Freund und Helfer des Volkes müsse diesen Begriff immer wieder zu verwirklichen suchen. Der Polizist müsse Mensch und Menschenkenner sein, sonst könne er seine Pflicht nicht erfüllen. -ae-

Die amerikanische Gewerkschaft

Im Nachbarschaftsheim sprach gestern abend Friedrich Sauer über seine Reiseeindrücke in den USA, die er anläßlich einer Studienrundfahrt der Vertreter der Deutschen Angestelltengewerkschaft bekam. Diese Reise diente in erster Linie der Bekanntmachung mit den Zielen und Aufgaben der amerikanischen Gewerkschaften. st

Eine Fahrt ins Blaue unternimmt der Odenwald-Klub, Ortsgruppe Eberstadt, am Sonntag, 3. September. Der Abmarsch erfolgt 7.30 Uhr Ecke Darmstädter- und Oberstraße. t-s

Marstallstraße in Phil.-Barth-Straße umtgetauft

Es handelt sich um keinen der 61 Punkte, über die gestern unsere Stadtverordneten im Büchnersaal zu beraten und zu entscheiden hatten. Die Umbenennung der Marstallstraße in Philipp-Barth-Straße ist auf die Initiative einiger herzhafter Narrhallesen zurückzuführen. die unter sich beim „Philipp“ eine „Stadtverordneten-Sitzung“ abgehalten hatten. Um mich nicht mißzuverstehen, sei noch einmal erwähnt, daß der Mittelpunkt des ganzen Treibens Philipp Barth war, der vorgestern 70 Jahre alt geworden ist. Zu der „imitierten“ Stadtverordneten-Sitzung ist außerdem zu sagen, daß sie überzeugend echt wirkte, vielleicht blieb sie mir wohl deshalb in frischer Erinnerung, weil ich 12 Stunden später im Büchnersaal eine ähnliche, wenngleich viel ernstere und vor allem „ernstzunehmendere“ Sitzung miterleben mußte.

Ich habe mir während und auch nach der Sitzung bei Barth über Sitzungen im allgemeinen und Stadtverordneten-Sitzungen im besonderen Gedanken gemacht. Immerhin bin ich dabei zu der Erkenntnis gekommen, daß man mit Humor sogar die „Radikalen“ so zu überzeugen vermag, daß sie Uridee und Vorschlag der „anderen“ mit Feuer und Schwert bis zur Selbstopferung propagieren. Man war natürlich dagegen, die Straße umzutaufen. Bis diann die einzelnen Fraktionen ihre temperamentvollsten Gegner aufeinander losließen. Uebe .rraschend, was da alles zu hören war. Ueberraschend ferner, wer zu hören war. Kaum war der Vorschlag akzeptiert, raste Hartmuth Pfeil — der Ehrenpräsident der Närrhalla — los und kehrte bald darauf mit den fertigen Straßenschildern zurück. Pfeil voran . . . wir alle hinten dran ... zur Marstall-Ecke. Als die beiden „gewichtigsten“ Männer gefunden waren, von denen man auf den ersten Blick wußte, daß sie durchaus in der Lage waren, die Leiter, auf der Hartmuth Pfeil flink wie ein Wiesel emporenterte, vor dem Umfallen zu halten, klang ein Lob- und Dankeslied auf. das’ aufreizend über den mitternächtlichen Mathildenplatz vibrierte. Mein Blick fiel auf das Denkmal, fiel auf die leise zitin (jenen das fahle Mondlicht spielte. Und ich d ichte an eine ähnliche Szene, an eine Szene, in der ein Maulkorb drin vorkam . . . Zwischendurch aber kam mir der Verdacht, daß das Aufhängen der Schilder eingeübt worden sein müßte, weil alles wie am Schnürchen klappte, sogar die „Spieker“, die mit den Händen in den Hosentaschen an den Ecken lehnten und nach der Polizei ausspähten, die wahrscheinlich gerade in dieser nächtlichen Stunde einen anderen Routinegang zu machen hatte.

Jedenfalls platzte die „ Zeremonien-Flasche“, schüttelte sich der darunter stehende wie ein getaufter Pudel und schrien die Umstehenden begeister „Hähhopp . . .“

Aber noch etwas anderes möchte ich festhalten. Ich habe nicht geglaubt, daß in Darmstadt soviel Witz und soviel Freude in einer Gesellschaft beisammen sein könnten. Ich dachte, daß nur das Rheinland Stimmung aus dem Herzen locken kann. Aber ich mußte mich von „Märwes“ (er möge mir verzeihen, wenn ich dieses Wort trotz der eindringlichen Belehrung falsch geschrieben und seinen bürgerlichen Namen, wie mir ein höherer Kriminalbeamter prophezeite, tatsächlich vergessen habe), belehren lassen, daß Darmstadt und die Bergstraße zu den humorvollsten Gegenden Deutschlands zählen. Ich gestehe es offen: ich habe meine Meinung gründlich revidieren müssen; aber ich tat es gern. In diesem Sinne begrüße ich noch einmal alle Teilnehmer und auch alle diejenigen, die nicht dabei sein konnten, aber noch ein aufgeschlossenes Herz für die Freude haben, mit einem gar nicht zeitgemäßen „Hähhopp . . .“ HGR


DT-Foto: Rop
DT-Foto: Rop

Frisches Leben im Stadtparlament

Stimmung: im allgemeinen heiter bis wolkig / Stürmisches Intermezzo durch Stadtverordneten Keil / Ruhiger Abklang

Insgesamt 62 Vorlagen waren im öffentlichen Teil der gestrigen Stadtverordnetenversammlung zu behandeln. Bis auf die politischen Spitzen, die wiederholt in den Anträgen der KPD-Fraktion zum Ausdruck kamen und nach etwa einer Stunde zur Unterbrechung der Sitzung führten, verlief alles ordnungsgemäß, sachlich und ruhig.

Nachdem Stadtverordnetenvorsteher Wiesenecker die Anwesenden begrüßt hatte, verlas er zunächst die Verzichterklärung der KPD-Stadtverordneten Karl Willmann und Friedrich Jünger, für deren Sitz der Architekt Phil. Benz und der Angestellte Willi Becker vorgeschlagen sind. Die Anträge liegen dem Stadtwahlausschuß vor.

Nach einem Antrag der SPD-Fraktion, der die Frage der Kinderkrippen und -gärten aufwarf und darauf hinwies, daß die Kapazität des Elisabethenstiftes und des Nachbarschaftsheimes nicht für unsere Stadt ausreiche, folgten mehrere Dringlichkeitsanträge der KPD-Fraktion. Stadtverordneter Keil, nicht gewohnt, einen Maulkorb anzuziehen, erregte mit seinen temperamentvollen Plädoyers die Gemüter seiner Kollegen sehr. Zunächst ging es ihm darum, zu erreichen, daß der Etat von 100 000 DM für die Winterbeihilfe erhöht werde, da der Betrag bei weitem nicht ausreiche, um nur annähernd alle Bedürftigen zum Winter zufriedenzustellen. Der Antrag wurde abgelehnt. Daraufhin ritt Keil eine messerscharfe Attacke gegen Oberbürgermeister Metzger, dem er vorwarf, in der Besetzung der Stelle des Stadtschulrates sehr undurchsichtig gehandelt zu haben. Ein gewisser Herr Hammel könne nämlich nachweisen, daß der derzeitige Schulrat nicht die erforderliche Qualifikation für diese verantwortliche Stelle habe. Keil bat, einen Prüfungsausschuß einzuberufen, der sich mit dieser Frage beschäftigen solle. (Zwischenruf: „Kommt gar nicht in Frage, diese üble Nachrede kommt ja von einem Hammel.“)

Der Antrag wurde wegen „Nichtzuständigkeit“ abgelehnt. Der nächste Antrag der KPD - Fraktion, der den Mehrverbrauch des Wassers in den Haushaltungen und damit eine naturgegebene Erhöhung des Wassergeldes bedinge, ging in Gelächter unter, da Keil des Uebels Wurzel in der Chlorierung des Wassers durch die Amerikaner sah und daraus das Fazit zog, daß infolgedessen die deutsche Bevölkerung keine Schuld treffe. Als auch dieser Antrag nicht auf fruchtbaren Boden fiel, kam von der KPD-Fraktion das beliebte Thema „Atombombe und Aechtung derjenigen, die für einen Atombombenkrieg seien“ aufs Tablett. Dieser Antrag wurde von allen Stadtverordneten det anderen Fraktionen entschieden abgelehnt mit der Begründung, das sei ein Antrag, den nicht das Stadtparlament angehe, sondern den Landtag oder den Bundestag. Herr Keil, der anderer Meinung war und durchaus auf Begründung seines Antrages stand, erwirkte durch seine Haltung eine Unterbrechung der Sitzung. In der Zwischenzeit beriet der Aeltestenrat mit dem Ergebnis, daß Herr Keil zwar gehört, sein Antrag jedoch nach wie vor entschieden zurückgewiesen wurde. Danach gabs eine Flaute, und man kam endlich zur „Tagesordnung“ ...

Die Vorlagen zu Punkt 4 bis einschließlich Punkt 14 der Tagesordnung I, die sich mit Wohnungsbauzwecken befaßte, wurden bereits von dem Finanzausschuß in seiner Sitzung vom 11. Juli 1950 entschieden. Die Stadtverordnetensitzung brachte zu diesen Punkten volle Uebereinstimmung. Die Punkte 15 bis 19 (15 = Wiederaufbau der Bessunger Mädchenschule; 16 = Beseitigung von Restschäden in Volksschulen; 17 = Städt.* Krankenanstalten; 18 = Errichtung einer Jugendherberge und 19 = Weiterführung des Bürogebäudes auf dem Anwesen Kasinostraße 5) wurden einstimmig angenommen, bis auf die Punkte 15 und 19, gegen deren Annahme die KPD-Fraktion scharfen Protest einlegte. Besonders die veranschlagten 450 000 DM für die Fertigstellung des Baues in der Kasinostraße wollte die KPD-Fraktion besser angelegt wissen. Beide Anträge wurden abgelehnt. Die weiteren Punkte der Tagesordnung I (20 bis 50) wurden einstimmig angenommen.

Bewegt wurde die Diskussion erst wieder, als man zur Tagesordnung II überging. Hier entbrannte vor allem um die Punkte 53 (Wiederaufbau des Ernst-Ludwig-Hauses), 57 (Fluchtlinienfestlegung der Elisabethenstraße), 58 Fluchtlinienfestlegung der Heinrichstraße) und 61 (Zurverfügungsstellung eines Gebäudes für Zwecke der Jugendorganisation) eine heftige Diskussion, die mit Wiedervorlage aller Punkte endete. HGR

„Wir tanzen nur noch Samba“

Mit einer 16 Jahre „alten“ Dame hatte sich dieser Tage Darmstadts Jugendrichter zu beschäftigen, die fortgesetzt den Unterricht in der Berufsschule geschwänzt hatte. Die junge „Sünderin“ gab es zu, führte aber auch einen Grund für ihr Fehlen an, indem sie Kritik an den „allgemeinen Zuständen in der Schule“ übte. „Wir machen während des Unterrichts^ was wir wollen“, sagte sie. Die Lehrerin, so erklärte sie dem Richter.' könne einfach nicht verhindern, daß die Schülerinnen während der Unterrichtsstunden rauchen, singen, Romane lesen oder gar Samba tanzten. „Um das zu haben, brauche ich nicht in die Schule zu gehen", meinte die 16jährige. Der Jugendrichter hörte es sich an und hielt schließlich eine kleine Erziehungsmaßnahme für angebracht. Die jugendliche Angeklagte bekam eine Erziehungsauflage, das heißt, sie muß an mehreren Samstagnachmittagen in einem Krankenhaus für einige Stunden kräftig zupacken. ri.

Zufluchtheime

Der anhaltende Zustrom leichter Mädchen aus der britischen Zone nach den Landgemeinden in der Umgebung der größeren südhessischen Städte veranlaßt die Gesundheitsämter, noch dringender als bisher die Errichtung von Zufluchtsheimen für heimatlose Frauen zu fordern. Medizinalrat Dr. Hollup vom Regierungspräsddium Darmstadt gab bekannt, daß viele der Mädchen im Laufe eines Jahres nicht weniger als 10 Lueskuren absolvieren, von denen jede einzelne den Staat 1000 DM koste. Das Verlangen nach Zufluchtsheimen sei um so berechtigter, als viele dieser Stammkundinnen bei den Gesundheitsämtern keinen Wohnsitz und keine Heimat hätten und zwischen den Kliniken und dem Gefängnis hin- ufid herpendelten. In 14 Monaten seien in den Regierungsbezirken Wiesbaden, Kassel und Darmstadt für die stationäre und ambulante Behandlung und die Erfassung der Erkrankten insgesamt 2 076 477 DM ausgegeben worden. Die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten seien nicht ausreichend. DT

Ein Verkehrsunfall ereignete sich gestern abend kurz nach 18 Uhr an der Ecke Rhönring/Frankfurter Straße. Wie Augenzeugen berichteten, versuchte ein von dem Taunusring kommender Lieferwagen die verkehrsreiche Frankfurter Straße zu überqueren ohne zu stoppen. Dabei prallte ein aus Richtung Arheilgen heranfahrender Motorradfahrer auf das Fahrzeug auf. Das Vorderrad des Motorrades wurde völlig zusammengedrückt. Der Fahrer erlitt bei dem Aufprall Verletzungen und Schnittwunden im Gesicht und an den Händen. ri-

Urabstimmung bei der Bundespost

Wie wir bereits berichteten, fand Anfang der Woche die Urabstimmung der Postbediensteten statt. Gestern nachmittag lagen die Abstimmungsergebnisse für Darmstadt vor, die folgendes Bild ergaben:

A. Postämter von Darmstadt und Umgebung

(Mündliche Auskunft.) Von den Wahlberechtigten beteiligten sich etwa 85 Prozent an der Urabstimmung.

Von den Wahlbeteiligten stimmten mit „Ja“ für beide Fragen etwa 95 Proz. mit „Nein“ für beide Fragen ca. 1,2 „ ungültige Stimmen waren ca. 1,3 „

B. Posttechnisches Zentralamt und fernmeldetechnische Zentralämter (PTZ und FTZ):

(Fernmündliche Auskunft.) Stimmberechtigt: 1029 abgegebene Stimmen 669 = 65 Proz. zur Frage 1 stimmten m. Ja 642 = 95,5 „ Nein 10 = 1,6 „ ungültige Stimmen 17 = 2,5 „ zur Frage 2 stimmten m. Ja 516 = 77,1 „ Nein 125 — 18,7 „ ungültig 28 = 4,2 „

Im Verlauf der Kundgebung vom 27. 8. hat sich ergeben, daß die Postgewerkschaft sich für die Urabstimmung einsetzt, während der Postverband dieselbe ganz entschieden ablehnt. Da die Leser nicht wissen können, was Deutsche Postgewerkschaft und Postverband sind, könnte der Eindruck aufkommen, daß hier eine Anzahl unzufriedener Elemente, die sich Deutsche Postgewerkschaft nennen, die Urabstimmung in die Wege geleitet hätten und der Postverband, als große Beamtenorganisation, dieselbe entschieden ablehne.

Zur Aufklärung einige Mitgliederzahlen: Die Deutsche Postgewerkschaft zählt in Westdeutschland und West-Berlin 180 000 Mitglieder.

In Darmstadt: Postgewerkschaft 1100 Mitglieder, Postverband 10—15 Mitglieder, ■r tt -i n nnn

In Hessen: Postgewerkschaft 17 000 Mitglieder, Postverband 120—140 Mitglieder.

Aus diesen Zahlen geht eindeutig, hervor, wer die wahre Interessenvertretung der Arbeiter, Angestellten und Beamten der Deutschen Bundespost ist und welche Bedeutung dem Protest des Postverbandes gegen die Urabstimmung beizumessen ist.

Deutsche Postverwaltung, Ortsverwaltung Darmstadt

Gruppenabende für die Jugend in Eberstadt finden im „Naturfreundehaus“ jeden Montag und Donnerstag statt. Die nächste Mitgliederversammlung der Naturfeunde wurde auf den 14. September festgelegt. t-s

Unbeständiges Wochenende

DT-Wetterbericht

Vorhersage: Auch am Freitag veränderliche Bewölkung, einzelne Schauer. Gegen Abend zeitweise aufheiternd. Kühl. Westliche Winde.

Weitere Aussichten : Nach kurzer Zwischenbesserung am Wochenwechsel unbeständig.

Wohin gehen wir heute?

Lx.ilspieltheater: siehe Anzeigenteil. Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Amerikahaus (Krone): 20 Uhr, Vortrag in englischer Sprache, Miss Helen H i r o - n i m u s : „Modern Treatment for Female Prisoners“.

Wir gratulieren

Goldene Hochzeit: Herr Ernst Pes sei und Frau Christiane geb. Enders, Darmstadt, Ludwigshöhstraße 2.

Zeugen Darmstädter Pergangenheit

Bei den Arbeiten zur Verbreiterung der Frankfurter Straße wurden gegenüber dem Gerichtsgebäude, im Vorgarten der ehemaligen Justizapotheke, die vier Säulen des einstigen Main-Tores wieder aufgefunden. Das Main-Tor schloß früher den Mathildenplatz ab. Dieses ‘Tor ist Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut worden und mußte 1860 dem Gerichtgebäude weichen.

Unsere Bilder zeigen: Rechts, die freigelegten Säulen des ehemaligen- Main-Tors. Unten, ein Bild aus Darmstadts Vergangenheit, das Main-Tor, wie es bis 1860 bestand. In der Mitte der beiden Wachhäuser sind jeweils zwei der jetzt wieder freigelegten Säulen zu erkennen.

Bilder: DT Foto Schröder und Stadtarchiv Darmstadt.



Billigeres Bier

bleibt immer noch teuer

Entgegen anderslautenden Nachrichten, die in letzter Zeit in verschiedenen Tageszeitungen veröffentlicht wurden, ermäßigt sich der neue, ab heute Freitag, den 1. September, in Kraft tretende Bierpreis nicht um 20 Prozent. Es erfolgt lediglich eine Ermäßigung der Biersteuer um 12 DM pro Hektoliter. Bei Vollbier wird daneben der Preis um 3 DM durch die Brauereien gesenkt. Daraus ergeben sich folgende neue Bierpreise, gültig für Lokale der Preisgruppe 1, etwa 90 Prozent aller Wirtschaften.

Vollbier: 0,25 Liter 0,27 DM, 0,3 Liter 0,32 DM; Spezialbier: 0,25 Liter 0,32 DM, 0,3 Liter 0,38 DM; Exportbier: 0,25 Liter 0,33 DM, 0,3 Liter 0,40 DM; Starkbier: 0,25 Liter 0,42 DM, 0,3 Liter 0,50 DM. Flaschenbier (bei Verkauf über die Straße): Vollbier: 0,33 Liter 0,35 DM, 0,5 Liter 0,48 DM, 0,7 Liter 0,70 DM; Spezialbier: 0,33 Liter 0,38 DM, 0,5 Liter 0,54 DM, 0,7 Liter 0,77 DM; Exportbier: 0,33 Liter 0,40 DM, 0,5 Liter 0,57 DM, 0,7 Liter 0,78 DM; Starkbier: 0,33 Liter 0,47 DM, 0,5 Liter 0,68 DM, 0,7 Liter 0,94 DM.

Unter Vollbier versteht man ein Bier mit mindestens 11 Prozent Stammwürze. Spezialbier hat wenigstens 12 Prozent, Exportbier 13 Prozent und Starkbier muß einen Stammwürzgehalt von mindestens 16 Prozent aufweisen. Diese Richtpreise verändern sich in Lokalen anderer Preisgruppen. -st.



Heimkehrer sprachen sich aus

Die Treuhänderschaft der Heimkehrer e. V. hielt vor wenigen Tagen ihren monatlichen Ausspracheabend ab, bei dem Dr. Kaul über das Heimkehrergesetz referierte. Er unterrichtete die Anwesenden über Vorteile und Mängel des Gesetzes und erklärte, daß mit Unverständnis die Lage der Heimkehrer betrachtet werde, daß das Gesetz also recht wenig für den Heimkehrer darstelle. Vor allem sei das Recht des Heimkehrers auf seinen alten Arbeitsplatz in der Wirklichkeit nicht durchgeführt. Neben einigen Beispielen aus der Praxis wurden dann noch einige persönliche Fälle besprochen, die die Not der Heimkehrer, aufzeigten. ♦.

Ein Bein verloren

Am Donnerstagmittag liefen, aus der Schule heimkommende Kinder in Eberstadt neben einem in der Seeheimer Straße fahrenden Schaustellerzug mit 3 Anhängern her und versuchten, sich an die Wagen anzuhängen. Als der 7jährige Junge Feuerbach zwischen zwei Wagen mitlief, kam er zu Fall und ein Rad des Anhängers quetschte ihm beim Weiterrollen ein Bein ab. Das Kind wurde sofort in das Krankenhaus gebracht und konnte so vor dem Verbluten bewahrt werden.

Glück im Unglück

Zum Besuch seiner Mutter wollte ein in Eberstadt wohnender Student mit anscheinend gültigem Interzonenpaß bei Meiningen die Ostzonengrenze überschreiten. Dort war aber seit längerer Zeit kein offizieller Grenzübergang mehr, so daß die „Volkspolizisten“ zu seinem Paß „ungültig“ sagten, ihn von Geld, Fahrrad, Fotoapparat erleichterten und nachts über die Grenze abschoben. Mit geliehenem Geld und hängenden Ohren landete er wieder in Eberstadt.

Ehemalige Schüler der Ballonschule vom Jahrgang 1898/99, die sieben Jahre von Lehrer i. R. Theodor Hilsdorf unterrichtet worden waren, werden sich am Samstag, dem 2. September, um 20 Uhr, in Darmstadt in der Gaststätte Arnold, Bismarckstraße 105, mit ihrem verdienten Lehrer treffen. Der betagte Pädagoge wird bei dieser Gelegenheiit vor den hierzu eingeladenen Lehrern der Darmstädter Schulen und Studenten des Pädagogischen Instituts Jugenheim einen Vortrag aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen halten.

In der Stadt notiert

Die Wetterwarte Darmstadt montierte einen Schaukasten mit - den neuesten Wetterberichten neben die Briefkästen am Postamt in der Rheinstraße.

Herr Karl Göckel, Darmstadt, Lauten¬ schlägerstraße 24, legt Wert auf die Feststellung, daß er mit dem Arbeiter Karl Göckel, der sich, wie wir in unserer Ausgabe am Samstag, dem 26. 8., berichteten, vor dem Bezirksschöffengericht zu verantworten hatte, nicht identisch ist.

„Kunst am Ursprung“ heißt, wie wir bereits ankündigten, die Ausstellung des Archivs für Jugend- und Laienkunst im Barocksaal des Hessischen Landesmuseums, die bis zum 8. September täglich von 10 bis 18 Uhr (sonntags 10—13 Uhr) geöffnet ist. Sie zeigt ausgewählte Malereien und Graphiken von Kindern. Besondere Führungen durch die Ausstellung sind mittwochs und samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr vorgesehen.

In der Kirchtannensiedlung in Eberstadt wird zur Zeit der dritte große Wohnblock von 18 Familien bezogen. In dem vierten Block wird der Konsum eine Verteilungsstelle einrichten. Die Ortsverwaltung wartet täglich auf die Genehmigung der Stadt-Bauverwaltung für den Bau des 5. Wohnblocks. t-s

Das Riedbergheim konnte in diesem Jahr über 1300 Uebernachtungen in das Gästebuch eintragen. Waschanlagen wurden in den letzten Wochen eingebaut. Von dem Kauf des Wiesengeländes gegenüber dem Naturfreundeheim wurde wegen der zu hohen Kosten Abstand genommen. Stattdessen soll ein Wirtschaftsgebäude auf dem großen freien Platz vor dem Heim erbaut werden. t-s

Radfahrmeisterschaften im Kunst- und Reigenfahren sowie im Radball werden am nächsten Samstag/Sonntag im Gasthaus „Zum Schwanen“ in Eberstadt aus> getragen. Bei dieser Veranstaltung des Radfahrerbundes „Solidarität“ nehmen außer den hessischen auch württembergische und badische Fahrer teil.

Der Bund für Vogelschutz, Landesgruppe Hessen, der im vergangenen Jahre wieder unter der Leitung von Landesforstmeister Dr. Hesse die Arbeit aufnahm, wird am „Tag der hessischen Vogelfreunde“, am Sonntag, dem 3. September, in Frankfurt am Main eine große Hauptversammlung abhalten, die Vorträge, Farbfilme und Führungen jedem Vogelfreund sehr interessant machen werden. Die Veranstaltungen beginnen morgens 9.30 Uhr im Großen Hörsaal des Senckenberg - Museums, Senckenberg-Anlage 25.

Den neuen Borgward „Hansa 1500“, ein moderner Personenwagen ohne Schalthebel und ohne Kupplungspedal, zeigte am Dienstagnachmittag eine hiesige Kraftfahrzeugfirma auf dem Luisenplatz. Durch ein erst seit kurzer Zeit in Serie fabriziertes Strömungsgetriebe ist bei diesem Wagentyp das seitherige Getriebe überflüssig.

Die Deutsche Bausparkasse Darmstadt konnte 37 Bausparern im August insgesamt 318 000 DM zur Errichtung von Eigenheimen überweisen. Unter den diesmal bedachten Bausparern befinden sich sechs aus Darmstadt. (oa)

Die Bronzene Medaille für hervor¬ ragende Leistungen erhielt auf dem diesjährigen Schneidertag „Von Kopf bis Fuß“ in Köln am Rhein die Firma Damen- und Herrenmoden Bor m e t in Darmstadt - Arheilgen, Ettesterstraße 16. DT

Motorräder zur Aufbewahrung nimmt die Bundesbahn allgemein ab 1. September an den Gepäckaufbewahrungsstellen an,

Der Rundfunk am Samstag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Mcrgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 9.00 Unterhaltungsmusik; 11.15 Das Magazin des Schulfunks; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 14.15 Klingendes Wochenend; 15.10 Unterm Erntekranz; 16.00 Treffpunkt: Offenbach; 18.15 Fröhlich und herzhaft; 20.00 Operettenrevue; 20.55 Familie Hesselbach; 21.30 Von der Zither bis zum Dudelsack; 22.10 Sportergebnisse; 22.30 Zwischen heute und morgen.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 15.00 Unsere Volksmusik; 16.00 Teekonzert; 17.00 Schlagerpotpourri; 18.35 Kleines Konzert am Samstagabend; 21.00 Volkstümliche Weisen; 22.00 Die schöne Stimme; 22.15 Deutscher Katholikentag; 22.30 Das Kammertanzorchester Hans Conzelmann; 23.00 Wer soll das bezahlen; 23.50 Wir schalten um.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 14.30 Frohes Wochenend; 15.15 Opernmelodien; 16.00 Unser Samstag-Nachmittag; 17.15 Sang und Klang im Volkston; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche; 22.30 Sportrundschau mit Musik; 22.45 Der SWF bittet zum Tanz; 0.10 Tanz nach Mitternacht.

NWDR.: 12.00 Frohes Wochenend; 13.20 Mittagskonzert; 14.55 Wochenend und Sonnenschein; 15.30 Chormusik; 15.45 Der Männerchor im Rundfunk; 16.00 Hamburger Palette; 17.30 Tanzmusik; 19.30 Sportvorschau; 20.00 Wie’s früher war — wie’s heute ist; 20.45 Rund um die Berolina; 22.15 Louis Spohr; 22.45 74. Deutscher Katholikentag; 23.00 Bolero von Maurice Ravel; 23.30 Amerikanische Tanzmusik; 0.05 Berlin am Mikrofon; 1.00 Jazz.

Kunst am Ursprung

AUSSTELLUNG „JUGEND- UND LAIENKUNST“ IM LANDESMUSEUM

Am Sonntag wurde im Barocksaal des Landesmuseums eine Ausstellung der Jugend- und Laienkunst eröffnet, bei der Bruno Karlson und Mr. Kenneth Bateman einführende Worte sprachen. Die Ausstellung zeigt künstlerische Arbeiten von Kindern und Laien aus dem Archiv für Jugend- und Laienkunst, Jugenheim, Educations Service Center. Hier fehlen die Attribute der Selbstherrlichkeit, das Aufdringen einer „persönlichen“ Richtung und das Zurschaustellen künstlerischer Doktrine, wie man es häufig bei Ausstellungen berufsständiger moderner Maler antrifft. Das Vorherrschen der Natürlichkeit gibt den meisten Arbeiten einen Hauch zeitloser Gültigkeit, die künstlerische Aussage wird zu Gunsten des reinen Fabulierens zurückgedrängt.

Die ganze Entwicklung ist genau zu verfolgen. Bei den Fünf- bis Siebenjährigen liegt die Wirkung in der Expression, im Ausdruck der Farben, während das Objekt hinter der Palette zurücktritt. Die ganze unverbildete Freude am Malen ist aus jedem dieser Bilder zu lesen, die durchweg noch kein eigenes Gesicht haben. Bei den Älteren bis zu zwölf Jahren ist deutlich der Versuch erkennbar, vom Ausdruck der Farbe zur individuellen Darstellung überzugehen. Es kommt Bewegung aufs Papier, wo vorher noch starre Farbkleckse waren. Verfehlt scheint die Wiedergabe oder Nachempfindung der gegenstandslosen Malerei. Die „Farbformspiele“ haben kein eigenes Gesicht, ihnen fehlt selbst das Fluidum der Emp-

Notizen

Tagung deutsch-französischer Gesell¬ schaften. Vom 1. bis 8. September 1950 findet im Haus des Freiburger Instituts für internationale Begegnungen in Schluchsee eine Arbeitstagung statt, an der führende Mitglieder mehrerer deutsch-französischer Gesellschaften und Kulturgruppen aus dem Bundesgebiet sowie Vertreter französischer kultureller Einrichtungen in Deutschland teilnehmen werden. Ziel der Tagung ist nach einer Mitteilung der Kulturabteilung des französischen Oberkommissariates in Mainz, den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, ihre Erfahrungen auszutauschen und ihre Arbeitspläne für die nächste Zukunft zu besprechen. Die deutsche Delegation wird 30 Teilnehmer umfassen.

Der Südwestfunk überträgt. Nachdem der Hessische Rundfunk bereits Uebertragungen aus den „Konzerten der jungen Gneration“ anläßlich der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt spendete, bringt der Südwestfunk Baden-Baden am Dienstag, dem 5. September zwischen 22.30 und 23.15 Uhr eine Sendung „Musik der Welt“, in der er einen Querschnitt durch die Darmstädter Konzerte bringt. (oa) findung,sie wirken als reine farbspielerische Intuitionen, denen keine besondere Wirkung nachgesagt werden kann. Die „Maler“ bis Siebzehn lassen deutlich das Streben nach der Komposition erkennen. In diesen Arbeiten werden die Ansätze der eigenen Veranlagung erkannt, das starr-formale Prinzip architektonischer Raumgliederung, die Lust am Differenzierten und Exakten, während das Märchenhafte der Kinderzeit einem kritischeren Auswägen der Farben Platz gemacht hat.

Drei dieser jugendlichen Künstler seien namentlich genannt, da die gezeigten Bilder weit das übrige Niveau überschreiten. Der 15jährige Walter Kutschera mit dem „Schubkarren“ Dürerscher Prägung und den „Türmen unserer Stadt“, die seine Begabung für das Architektonische und Graphische der Malerei zeigen. Im Aquarell hingegen ist er schwächer. Günter Kutschera (sein Bruder?), 16 Jahre, zeigt ein Aquarell „Abendlandschaft“, das von unerhörter .Farbgebung ist. Motiv wie Farben erinnern an die moderne japanische Malerei. Das zweifellos beste Bild ist die „Winterlandschaft“ des 17jährigen Frankfurters Otto Zeyher. Hier vereinigen sich stärkste bildhafte Wirkungen des Dargestellten mit einer Meisterschaft in Aufbau und Komposition, die den Rahmen der gesamten Ausstellung sprengen. Buntbemalte Spanholzschachteln und Holzteller, Dommodelle aus Pappe und Gips, wie Pupperiköpfe und ein Mosaikentwurf Vierzehnjähriger in Gemeinschaftsarbeit nach der Idee eines Gleichaltrigen runden das Bild der künstlerischen Entwicklung der Jugend ab. Das Ziel der Ausstellung liegt weniger darin, einen absoluten Wertmasstab anzulegen, als vielmehr in dem Bestreben, einen Überblick über die künstlerische Entwicklung des Kindes und die des kunstschaffenden Laien zu geben. Es wäre zu wünschen gewesen, daß auch die Laienarbeiten mit Alter und Beruf ausgezeichnet worden wären. HFL

Unser neuer Roman

Wir beginnen heute mit dem Erstabdruck des Romans „Hölle, wo ist dein Sieg?“ von Rachel Field. Es handelt sich diesmal um das Werk einer begabten amerikanischen Schriftstellerin, das zur Heldin eine Frau hat, deren Schicksalsweg von schweren Erschütterungen gezeichnet ist, bevor er in den Hafen einer glücklichen Ehe mündet.

Henriette Desportes, eine Französin, lebte in den Jahren von 1841 bis 1848 im Hause des Herzogs von Choiseul-Praslin als Erzieherin. Der Herzog war ein gewinnender und liebenswürdiger Mann, der im Alter von zwanzig Jahren die Tochter des reichen korsischen Marschalls Sebastiani geheiratet hatte. Die Frau hatte ihm neun Kinder geboren, als Henriette in das herzogliche Haus kam. Sie war eine seltsame Frau, eifersüchtig auf alles, was irgendwie mit ihrem Manne in Berührung kam. Und so war die Erzieherin Henriette vom ersten Tage an der Stein des Anstoßes für die Herzogin, dies um so mehr, als sie die ihr zur Erziehung anvertrauten Kinder durch eine natürliche Anmut und Freundlichkeit für sich zu gewinnen wußte und vom Herzog in allen ihren Anordnungen und Plänen unterstützt wurde. Mehr und mehr spitzte sich das unerquickliche Verhältnis zwischen Herzog, Herzogin und Erzieherin zu, mehrfach war Henriette entschlossen, das Haus zu verlassen, aber immer wieder trat ein Ereignis ein, das ihre Absicht vereitelte. Als es dann schließlich doch zum endgültigen Bruch kam und Henriette ihren Platz verließ, war dies der mittelbare Anlaß zu einer Tragödie, die nicht nur das Haus des Herzogs von Praslin erschütterte, sondern zu einer Sensation für ganz Frankreich wurde. Man muß diesen geschichtlichen Ereignissen, die von der Schriftstellerin Field mit einem erstaunlichen Einfühlungsvermögen geschildert werden, nachgehen, um zu ermessen, welche politischen Wogen der „Fall Praslin“ aufwarf. So ist das Buch mehr als ein Roman, es ist ein Stück Zeitgeschichte, das blutige Spuren hinterließ.

Die Erzieherin Henriette Desportes überstand den Skandal und kam nach Amerika, wo sie bald die Frau des um zehn Jahre jüngeren Predigers Henry Field wurde. Die Dichterin Field nennt sie ihre Großtante, wir wissen aber nicht, ob Henriette wirklich ihre Verwandte war oder ob es sich hier um eine poetische Fiktion handelt. Jedenfalls aber spielte die Französin Henriette als Frau des Predigers Field in Amerika eine große Rolle, denn sie war ein kluge und geistvolle Frau. Wie sehr sie in ihrem neuen Wirkungskreis die Herzen gewann und zu einer liebenden Frau wurde, schildert der Roman in psychologisch feinen Zügen. Alle wichtigen Ereignisse jener Jahre von 1849 bis 1875 sind in die Handlung hineingewoben, so daß der Roman ein fast lückenloses Geschichtsbild jener Jahre des Aufblühens Amerikas zeichnet. Man kann den Roman dieser amerikanischen Periode nicht lesen, ohne selbst unmittelbar in die Geschichte hineingezogen zu werden, die sich auf dem Hintergründe der bunten Ereignisse der neuen Welt abspielt.

Wir hoffen, unsern Lesern und Leserinnen mit dem Erstabdruck dieses wertvollen Romans ein besonderes Geschenk zu machen.

Musizieren in Farben

Ackermann-Ausstellung in Frankfurt

Der in Stuttgart lebende Max Ackermann ist einer der wenigen abstrakten Maler, die konsequent mit der Farbe musizieren. Das Primäre an den Bildern aus den Jahren 1946—1949, die jetzt in der „zimmergalerie franck“ zu sehen sind, ist die kontrapunktische Gesetzmäßigkeit, mit der er die Farben spielen läßt. Es war ein guter Gedanke, am Eröffnungsabend Äußerungen Ackermanns wenigen Worten über den Kontrapunkt und die Harmonie gesagt wurde, über die Grundregeln und Grundklänge der Farben und der verschiedenen Farbkombinationen, das ließ sich aufs glücklichste nachlesen an den Bildern, die trotz der auf den ersten Blick oft fast graphisch anmutenden Abgrenzung einzelner Farbflächen ganz „malerisch“ sind, ganz aus der Farbe entwickelt. Da gibt es keine toten Stellen und keine Gewaltsamkeiten. Die farbige Harmonie, besonders der Bilder der letzten beiden Jahre, ist heiter. Hier wird wirklich musiziert, mit Thema und Gegenthema, wie etwa im „Roten Quadrat“: Cyanblauer Grund — Thema: ein rotes Quadrat, Gegenthema: ein grünes Quadrat, verbunden durch ein zarteres Zwischenspiel in den Farben Dunkelrotbraun, Weiß und Gelb. Diesen Bildern liegen bestimmte Farbklänge zugrunde, die, theoretisch erarbeitet, mit einer glücklichen Hand zum Klingen gebracht werden.

Die enge Verwandtschaft zwischen der Musik und der modernen, besonders der abstrakten Malerei, ist seit dem „Blauen Reiter“, in dem Schönberg eine bedeutende Rolle gespielt hat, kein Geheimnis mehr. Hindemiths theoretische Schriften, Strawinskys „Poetik“ sind für die Orientierung moderner Malerei wesentlich. Es zeigt sich, daß die „gegenstandslose“ Malerei da ihr Bestes leistet, wo sie nach strengen Gesetzen arbeitet, wo sie nach diesen Gesetzen spielt. Es ist sicher, daß nur an solchen Vertretern Maßstäbe für die Beurteilung abstrakter Malerei gewonnen werden können.

Max Ackermann, 1887 geboren, gehört zu diesen wenigen. Er fing zunächst in München bei Stuck an — wie Kandinsky — ging aber nach kurzer Zeit zu Hoelzel. 1924 erste Gesamtausstellung in Stuttgart, 1945 die zweite in Konstanz. Dazwischen Paris, Lehrtätigkeit in Stuttgart, nach 1933 Ausstellungs- und Lehrverbot, Jahre der Zurückgezogenheit am Bodensee, 1950 zum erstenmal in Frankfurt. Es ist eine Begegnung, die für die Schönheit abstrakter Malerei die Augen öffnet. d. s.

Das Landestheater teilt mit:

Das für den 2. September geplante Sommerfest, das im Orangeriegarten stattfinden sollte, mußte abgesagt werden, da sich bei den Vorbereitungen unerwartete Schwierigkeiten ergaben, die zum Teil mit den für ein derartiges Fest ungeeigneten Gegebenheiten des Gartens begründet werden.

Am 9. September findet in der Stadthalle ein Richard-Wagner-Konzert statt. Dirigent ist Riachard Kotz. Solisten: Petra Böser, Martha Geister, Charlotte Raab, Franz Köth, Willibald Vohla.

Zu diesem Konzert sind für den Theaterring Odenwald—Bergstraße besondere Vergünstigungen vorgesehen.

Albrecht Goes las in Darmstadt

Der evangelischen Akademie in Darmstadt und der freundlichen Gesinnung von Albrecht Goes gegenüber Darmstadt und den Darmstädtern verdanken wir es, daß der Dichter nach dreizehnstündiger Eisenbahnfahrt seine Reise hier für einige Stunden unterbrach, um im Paulussaal aus seinen Werken zu lesen. Albrecht Goes kam, wie er uns erzählte, vom Essener Kirchentag, wo weniger die großen Veranstaltungen als die Begegnungen im stillen ihn gefangengenommen hatten. Der Dichter erinnerte sich gerne an die Zeit vor zwei Jahren, als er an der gleichen Stelle einen vielbeachteten Vortrag über Mörike hielt. Nach seinen Plänen befragt, hörten wir, daß u. a. demnächst seine „Gesammelten Gedichte“ von 1930—1950 bei S. Fischer herauskommen werden.

Aus diesen Gedichten las Goes zunächst ernste und am Schluß ausgewählte heitere Stücke. Neben wirklich meisterhafter Beherrschung der Form und des Rhythmus ist eine Fülle von gern aus der Natur genommenen Bildern und besinnlicher Gedanken in einen knappen, kristallklaren Rahmen gefaßt. Während in den Kindergedichten ein prächtiger, schwäbischer Humor zu vernehmen ist, packten Verse wie „Im Winde das Wort“ (Immer ist Einer allein) den Hörer recht innerlich an. Aus „Unruhige Nacht“ las der Dichter, der seinen Werken ein ausgezeichneter Interpret ist, die entscheidende letzte Stunde voll dramatischer Spannung. Das den Eingang des Abends bildende, noch unveröffentlichte Essay „Die Freundschaft“ rührte an so manche, noch verschlossene Bezirke der Menschenseele und brachte mit Formulierungen wie: „Man soll nicht an alle Wurzeln rühren“ und „Das Beste auf der Erde ist unser Freund“ Postulate, über die man einmal gründlich nachdenken sollte.

Der Darmstädter Singkreis trug mit Chorliedern von Lahusen nicht wenig dazu bei, daß diese Dichterlesung zu einer echten Feierstunde wurde. Der Dank der Zuhörer, die der Paulussaal nicht alle fassen konnte, fand in ergriffenem Schweigen seinen rechten Ausdruck.

STARKENBURG

Wer hätte das gedacht!

Die Meldung, daß vier Abgeordnete des Erbacher Kreistags, zwei Kreisausschußmitglieder und ein stellvertretendes Kreisausschußmitglied sich zu einer neuen Fraktion zusammengeschlossen haben, mag nicht nur dem Landrat des Kreises, sondern sicherlich ganz besonders den Parteien auf den Magen geschlagen haben, bei denen sich diese Männer als Hospitanten bewegten.

Die neue Sachlage wird wohl keine wesentliche Schwächung der „Schlagkraft“ der betroffenen Fraktionen herbeiführen. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß es doch ein unangenehmes Gefühl sein muß, wenn der Nebenmann plötzlich verschwindet. Der Nebenmann, dessen Stimme bei Abstimmungen zählte. Die man vielleicht manchesmal notwendig brauchte, um der Meinung erhöhten Nachdruck zu verleihen.

Vor allem aber dürfte es den betroffenen Fraktionen peinlich sein. Vor der Oeffentlichkfeit. Denn ohne, daß eine Unzufriedenheit mit ihnen offiziell ausgedrückt wurde, ist doch der Sinn dieser Abspaltung sonnenklar: Das, was man suchte, fand man nicht. Was man zu erreichen hoffte, wurde nicht möglich gemacht. Mithin blieb also nur ein Weg, — der Weg, der jetzt beschritten wurde.

Man mag vielleicht behaupten, daß die Zahl der Mitglieder dieser neuen Fraktion nicht so hoch sei, um nennenswerte Erfolge voraussagen äu können. Diese Rechnung mag aber nur teilweise stimmen. Wesentlich höher mag die Tatsache einzuschätzen sein, daß diese neue Fraktion zumindest jederzeit in der Lage sein wird, Anträge des Personenkreises zur Sprache zu bringen, den sie vertreten und die im Rahmen des bisherigen Angeschlossen-Seins nicht möglich waren. Möglich vielleicht schon, — aber denen nicht das Gewicht beigelegt wurde, wie es erwartet werden durfte.

Fest steht jedenfalls eines: die neue Fraktion wird in erster Linie darauf drängen, daß der Erbacher Kreistag, der bisher nur ein einziges Mal zusammentrat, endlich wieder eine Sitzung vornehmen wird. Besonders hinsichtlich des Haushaltsplanes, der immer noch nicht vorgelegt wurde!

Zum anderen aber wird diejenige Bevölkerung, die bisher reichlich enttäuscht von ihren Vertretern war —■ weil sie nicht aus ihrer Haut konnten (sprich Parteifraktion), mehr Hoffnung haben dürfen. Wenn es Männer sind, die sich durchzusetzen verstehen. Das aber wird die Zukunft dieser neuen Fraktion lehren. Arco

Schulhausnenbau und Grasbahn-Rennen

Öffentliche Sitzung des Erbacher Gemeinderates

Im Erbacher Rathaussaal fand gestern die öffentliche Beratung der Gemeindevertreter statt, die am vergangenen Dienstag mit Rücksicht auf das plötzliche Ableben des Beigeordneten Diersch verschoben worden war.

Als wesentlicher Punkt wurde ein Nachweis des Elternbeirates über die dringend notwendige Errichtung eines Neubaues für die Stadtschule erörtert. Bürgermeister und Gemeindevertreter waren sich sowohl über die Dringlichkeit des Neubaus, als auch über die Schwierigkeit der Finanzierung einig. Bürgermeister Volk stellte fest, daß die Hauptlast auf jeden Fall von der Stadt zu tragen sei, selbst wenn es gelingen sollte, von Seiten des Staates oder vom Kreis Zuschüsse zu erhalten. Das Ratsmitglied Kitz (CDU) teilte mit, daß er als Landtagsabgeordneter in dieser Frage bereits mit dem Finanz- und Kultusministerium verhandelt hätte. Beide Stellen würden die Dringlichkeit des Erbacher Schulhausneubaus anerkennen. Man erwarte in Wiesbaden die baldige Einweisung der Bau- und Finanzierungspläne.

Der Elternbeirat hatte vorgeschlagen, den Neubau in der Sylvester-Stockstraße zu planen. Demgegenüber hielt der Bürgermeister das Gelände im Anschluß an die Kreissiedlung „In der Halle“ zum Schulhausneubau für geeigneter. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, das Projekt dem Bau- und Finanzausschuß zur umgehenden Vergebung eines Preisausschreibens für den zweckmäßigsten Neubauplan zu überweisen. Der Finanzausschuß soll weiter prüfen, ob bereits bei der bevorstehenden Etatberatung zirka 100 000 DM für den Neubaufonds abgezweigt werden können.

Ein Antrag des Oeffentlichen Forums beschäftigte sich mit der sofortigen Instandsetzung der 1000-Meter-Rennstrecke zur Durchführung von Grasbahnrennen nach den Vorschriften des Motorsportverbandes. Falls die Bahn im Herbst dieses Jahres abgenommen werden könne, soll das erste Rennen bereits im Mai 1951 durchgeführt werden. Der Antrag regte weiter die Reinigung der zu Trainingszwecken benutzten Dreschhalle im Sportpark durch die Städt. Straßenreinigung an. In Abänderung des Antrags wurde beschlossen, daß die einzelnen Sportvereine jeweils nach der Benutzung der Halle deren Reinigung zu übernehmen haben. Zu Beginn der Tagesordnung wurde mit überwiegender Mehrheit beschlossen,

die Kommission für das Wasserwerk und den Friedhof, die Wohlfahrt und das Krankenhaus auf Grund des Paragraphen 59a der hess. Gemeindeordnung in selbständig beschlußfähige Deputationen umzuwandeln. Das Gesuch des Gerhard Bäuerlein zur Genehmigung der Errichtung eines Verkaufshäuschens am Landratsamt wurde dem Bauausschuß überwiesen. Eine nichtöffentliche Sitzung schloß sich an. ch.

Planlos über die Straße

Die 70 jährige Ida Fritsche lief in Waldmichelbach beim Ueberqueren der Ludwigstraße gegen den in langsamem Tempo fahrenden Personenwagen eines Obsthändlers aus Weinheim. Sie wurde erheblich verletzt. r

Salto mortale mit Pkw

Ein- aus Birkenau in Richtung Hornbach fahrender Personenkraftwagen wurde infolge zu hoher Geschwindigkeit über den Straßenrand hinausgetragen und überschlug sich zweimal, ehe er in der Weschnitz landete. Dem Wagenlenker widerfuhr bei diesem unfreiwilligen Artistenkunststück nichts; der Wagen wurde zwar reichlich verbeult, konnte aber mit Hilfe eines Traktors, der ihn aus dem Bachbett holte, seine Fahrt aus eigener Kraft fortsetzen.

Aktive Langfinger

In Reichelsheim drückten Langfinger in der Nacht zum Mittwoch die Fensterscheibe einer Schneiderwerkstatt in der Beerfurther Straße ein und ließen Stoffe, halbfertige Anzüge, ein Fahrrad und schließlich noch einen Hahn mitgehen, den sie zuvor am Tatort abgeschlachtet hatten.

Seit einem halben Jahr ereignen sich in und um Reichelsheim fortgesetzt Diebstähle von Hasen und Federvieh, die ihrer Art und Durchführung nach viel Aehnlichkeit besitzen. Jetzt wurden wiederum aus einem verschlossenen Stall in der Gemarkung Beerbach zwei Legehennen und ein Hahn gestohlen, nachdem der oder die Täter das Vorhängeschloß erbrochen hatten.

Neue Fraktion im Erbacher Kreistag

Unabhängige Abgeordnete wollen die Kreispolitik aktivieren

Die vier Abgeordneten des Erbacher Kreistags, Dipl.-Ing. Beckert (Beerfelden), Gabriel (Weitengesäß), Gr ix (Erbach), Kunstädter (Michelstadt) sowie die Kreisausschußmitglieder Otto Ross egg (Erbach) und Udo Müller (Erbach) und das stellvertretende Kreisausschußmitgiied Josef Hollas (Gammelsbach) gaben am Donnerstagvormittag in einer Erklärung an die Presse bekannt, daß sie sich mit Wirkung vom 26. August zu einer unabhängigen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben und in Zukunft eine eigene Fraktion im Erbacher Kreistag bilden werden.

Udo Müller wurde zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Herbert Grix zum Fraktionsführer gewählt. Beide teilten in einem Schreiben an Landrat Neff als dem Vorsitzenden des Kreistages diese Umschichtung im Erbacher Kreisparlament mit. Wie die Abgeordneten ausdrücklich erklären, richtet sich diese Maßnahme nicht gegen irgendeine Parteioder Verwaltungsstelle. Die Arbeitsgemeinschaft erklärt sich ausdrücklich zu loyaler Zusammenarbeit mit allen Beteiligten bereit.

Der Entschluß zur Bildung einer parteipolitisch unabhängigen Arbeitsgemeinschaft und einer eigenen Kreistagsfraktion resultiert aus der in den vergangenen Jahren gemachten Erfahrung, daß die bisherigen Maßnahmen des Kreisparlaments nicht ausreichen, um die dringenden sozialen Zeitprobleme zu lösen. Die Arbeitsgemeinschaft will neue Wege einschlagen. Ihre Tätigkeit erstreckt sich auf die kommunalpolitische Arbeit. Bisher gehörten die Abgeordneten z. T. als Hospitanten verschiedenen Parteifraktionen an, wo sie aber gerade die Interessen der großen Zahl unabhängiger Wähler nicht wirksam vertreten konnten. Die neue Fraktion will das Sprachrohr aller parteipolitisch nicht gebundenen Kreise sein, gleichgültig ob es sich um Alt- oder Neubürger handelt.

Die vornehmste Aufgabe sieht die Arbeitsgemeinschaft in der Verwirklichung einer tatsächlichen Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung, den gewählten Volksvertretern und der Verwaltung. Durch die Fraktion soll die Möglichkeit geschaffen werden, die Wünsche der Kreisbewohner wirksam zu vertreten und aktiv in die Kreispolitik einzugreifen. Die Arbeitsgemeinschaft will dazu beitragen, daß das Kreisparlament das Forum der gesamten Kreisbevölkerung wird, das ohne parteipolitische Bindung das Allgemeininteresse vertritt. Die Fraktion wendet sich mit der Bitte an die Bevölkerung, durch Unterstützung ihrer Ziele mit zur Aktivierung der Arbeit des Kreisparlaments beizutragen. Mit vier Sitzen wird die neue Fraktion an 3. Stelle im Kreistag und mit zwei Sitzen an 2. Stelle des Kreisausschusses stehen. -ch.

Letztes Halali für Hugo Diersch

Am Donnerstagvormittag wurde unter starker Anteilnahme der Erbacher Bevölkerung der 1. Beigeordnete der Stadt, Forstmeister Hugo Diersch, zu Grabe getragen. Landrat Neff, Regierungsrat Zörgiebel, Regierungsrat Dr. Bannert, Bürgermeister Volk, der gesamte Erbacher Gemeinderat und die Stadtverwaltung, zahlreiche Vertreter des Forstwesens sowie ein großer Freundeskreis gaben ihm das letzte Geleit. Forstbeamte trugen den Sarg ans Grab. Pfarrer Hahn legte seiner Grabrede den Psalm 104 zugrunde. Bürgermeister Volk würdigte Hugo Diersch in seinem Nachruf als Erbachs Freund und gewissenhafter Berater, der sich jederzeit für die Interessen Erbachs zur Verfügung stellte. Forstmeister Hattemer von der Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Rosenbergischen Forstverwaltung stellte die außerordentlichen Fähigkeiten Hugo DierschS als Forstmann heraus, dessen Namen in Fachkreisen Gewicht gehabt habe. Gemeinderat Eduard Engelhardt legte für die überparteiliche Wählergemeinschaft, dessen Spitzenkandidat der Verstorbene war, einen Kranz nieder. Vertreter des Beamtenvereins der Gräflichen Verwaltung sowie Regierungsrat i. R. O c k e 1, Michelstadt, für den großen Kreis der Freunde des Verstorbenen, schlossen sich mit Nachrufen an. Als Abschluß der Trauerfeier bliesen einige Jäger das Jagdsignal „Jagd vorbei“. —ch.

US-General verunglückt

Gestern nachmittag erlitt gegen 16.20 Uhr der amerikanische Brigadegeneral' Patridge einen schweren Autounfall auf der Autobahn in der Nähe von Pfungstadt. Der Fahrer des Generals hatte mit dem schweren Pkw einen vor ihm fahrenden Pepsi-Coli-Lieferwagen überholt und sah plötzlich einen weiteren amerikanischen Lastwagen auf der linken Fahrbahn vor sich. Diesen Wagen versuchte er rechts zu überholen. Dabei fuhr er von hinten auf einen vor ihm fahrenden deutschen Lkw. auf. Der General und sein Fahrer wurden verletzt, der Wagen stark beschädigt. DT

Brandstifter gefaßt

Am 2. August brarmte in Wolfskehle n ein im 2Felde aufgesetzter Strohhaufen des Wilhelm Hammann, Ernst-Ludwig-Straße 30, nieder. Der Gendarmerie gelang es am Mittwoch den 20 jährigen Sohn des Geschädigten als Brandstifter zu ermitteln. Er wurde dem Amtsgericht Gr.-Gerau vorgeführt, wo der Richter Haftbefehl gegen ihn erließ. Der jugendliche Brandstifter wurde in die Haftanstalt Höchst überführt. Als Motiv zur Tat werden Familienzwistigkeiten angenommen. cg

Wasserträger gehören der Vergangenheit an

Lengfelder Wasserleitungsprojekt beendet / Feierliche Einweihung am Sonntag

„Das war einmal!“ . . . mit diesen Worten werden am Sonntag die Lengfelder Bürger von einer Zeit Abschied nehmen, die ein Städter bestenfalls als ein Stück mittelalterlicher Romantik vom Hörensagen kennt.

Lengfeld hat jetzt endlich seine Wasserleitung. Das Quellgebiet am Osthang des Otzberges, das bisher die Brunnen innerhalb der Gemeinde speiste, konnte die von 1350 bis 2000 Einwohner angewachsene Bevölkerung nur noch etwa 20 Prozent mit Wasser versorgen. Die „Wasserschlange“ an den Ortsbrunnen gehörte deshalb schon zu dem gewohnten Straßenbild.

Nach sieben Monaten intensivster Arbeit konnte nunmehr das Projekt des Lengfelder Wasserleitungsbaus — wohl das größte, das diese Odenwaldgemeinde in ihrer langjährigen Geschichte durchführte — zum Abschluß gebracht werden. Die Leistungen des derzeitigen Bürgermeisters 11 ze 1 und seines tatkräftigen Beraters, Regierungsoberbau-Inspektor Flath, verdient um so mehr Anerkennung, als die Schwierigkeiten der letzten sechs Jahrzehnte die Gemeinde auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens gegenüber anderen Gemeinden in ihrer Entwicklung hemmte.

Während fast alle Nachbargemeinden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre zentrale Wasserversorgung verwirklichten, wurde auch in den Jahren 1926 bis 1929 unter Bürgermeister Grünewald eine Verbesserung der Wasserversorgung in Lengfeld gefordert und eingeleitet. Die daraufhin mit der Gemeinde Hering geführten Verhandlungen zerschlugen sich jedoch. Pläne zur Erschließung einiger Quellen in der Nähe des Wiebelsbacher Bahnhofs und oberhalb von Heubach scheiterten an der großen Entfernung. Seit 1929 wurde dann in der Gemarkung Nieder-Klingen die Guttelsbruch - Quel1e beobachtet und freigelegt, die 172 cbm als Tagesleistung auswarf. Finanzielle Schwierigkeiten vereitelten die Ausführung weiterer Pläne. Seit 1945 arbeiteten Bürgermeister 11 ze 1 und Herr Flath an dem Projekt der zentralen Wasserversorgung. Nach deren Plänen wurde nun ein Hochbehälter mit 320 Kubikmeter Fassungsvermögen gebaut, in den zwei elektrische Kreiselpumpen das Wasser der Guttelsbruch-Quelle und, wenn erforderlich, das Ueberschußwasser der Gemeinde Nieder-Klingen, über eine Förderhöhe von 80 m und mit einer Förderleistung bis zu 600 Tageskubikmeter hineinpumpen. Insgesamt etwa 8000 laufende Meter Rohre wurden verlegt und versorgen die Haushalte mi^ Wasser. Die überflüssigen Brunnen werden damit aus dem Straßenbild verschwinden, ausgenommen sind diejenigen, welche unter Denkmalsschutz stehen. Die Romantik muß weichen und so manches vielleicht doch willkommenes Plauderstündchen am gemächlich plätschernden Brunnen wird verdrängt durch die zischende Hast des unter Druck ausströmenden Wasserstrahles. Eigentlich

schade, auch wenn wohl bald das erste W. C. vom Fortschritt der Zivilisation künden wird —• gibt es doch viele ernsthafte Leute, die behaupten, daß das Unglück der Welt mit dem W. C. in ursächlichem Zusammenhang stehe! Darüber werden sich aber die Lengfelder Bürger zur Einweihung ihrer Wasserleitung am kommenden Wochenende kaum Gedanken machen, denn sie werden — wie paradox — dies Ereignis kräftig mit Wein begießen. Wi.

Kiltchen für Casanova

Johann war ein Frauentyp. Mädchen und Frauen flogen dem unwiderstehlichen 26jährigen an die Brust. D. wußte das und nutzte dies auch weidlich aus. Er legte sich auf die faule Haut, sagte sich, „Hoch lebe die Arbeit, so hoch, daß ich nicht dran kann“, und ließ sich stets als Gast bei den zahlreichen Schönen bewirten und beherbergen. Dies brachte ihn aber auch auf eine leichtsinnige Bahn. Er kam auf allerlei dumme Gedanken. Daß er am Rhein Frau und Kind hatte, ließ ihn kalt. Zuletzt lebte er in Groß-Gerau. Bei einem Eisdielenbesitzer. Ihm erzählte er treu und brav, er wolle sich in Kürze Arbeit beschaffen. Statt dessen macht er sich jedoch nach einer feuchtfröhlichen Nacht in der Behausung seines Gastgebers zu schaffen. Was greifbar war, konnte er gebrauchen. Einen Mantel, Wäschestücke und Geld. Durch ein Fenster türmte er. Seine nächtliche Freundin, die sich in ihrem Stelldichein verlassen sah, nahm bittere Rache. Sie ging zur Polizei und meldete ihren diebischen Casahova. Die Staatsanwaltschaft verfolgte die Sadie weiter und Johann D. wurde dieser Tage vom Schnellgericht Darmstadt wegen Diebstahls zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. ri.

Schulleiter-Tagung im Kreis Erbach

In der Stadtschule in Michelstadt fand am Mittwoch unter Vorsitz von Kreisschulrat Schwa mb, Erbach, eine Tagung sämtlicher Schulleiter des Kreises statt, an der vormittags auch der amerikanische Resident-Officer Mr. O uve r - s o n, mit seinen Filmreferenten teilnahm. Ein wesentlicher Punkt der Tagesordnung behandelte die Durchführung der Schulfilmaktion in ZuZsammenarbeit mit der amerikanischen Zivilverwaltung. Der politische Unterricht und die Beteiligung der Schulen an sportlichen Veranstaltungen sowie die Richtlinien für das Volksschülabschlußjahr waren weitere Themen der Beratung, die sich bis in die Nachmittagsstunden hinzog. —ch

Kaleidoskop der Erinnerung

BETRACHTUNGEN ZUM BENSHEIMER WINZERFEST

Das Bensheimer Winzerfest ist im Lauf seines 20jährigen Bestehens so sehr ein Inbegriff geworden und hat eine solch große Menge an traditionellen Momenten in seinem Ablauf, daß es schwer fällt, die Gedanken, die man darüber hegt, chronologisch zu ordnen. Unversehens rutscht eine Erinnerung aus diesem Jahr in jenes hinein und vermischt sich unter der Hand zu etwas Neuem, nie Dagewesenem. Genasführt von den vielen bunten, weinseligen, festlichen Vorstellungen, den Duft von unzähligen bereits verzehrten Bratwürsten in der Nase, und den Wirbel von zahllosen heiteren Räuschen noch im Kopf, ist es ganz unmöglich, der Feste im einzelnen zu gedenken. Vielmehr ist das Winzerfest ein stehender Begriff, mit dem inzwischen viele Tausende von Menschen nicht nur aus unserer engeren Heimat die Erinnerung an eine ganz bestimmte, unverwechselbare Art von Festfreude, menschlicher Gestimmtheit und Heiterkeit verbinden. Ja, man kann geradezu sagen, die Besonderheit dieses Volksfestes liegt in der Unwandelbarkeit seines Stils und in der Treue zu seiner eigenen Tradition.

Indem es nie ernstlich von seiner „Linie“ abwich, entging es der Gefahr, der so viele ähnliche Veranstaltungen erlegen sind, nämlich, ein Instrument in den Händen modesüchtiger, dem Wechsel des sogenannten Geschmacks unterworfener Konjunktur- und Glücksritter zu werden. Weder der Umschwung im Jahre 1933 noch der Zusammenbruch nach dem Krieg vermochten die Grundlagen seiner gediegenen Tradition zu erschüttern. „Das Fest ist aus der Not der Zeit entstanden und darf deshalb auch nicht in der Zeit der Not untergehen.“ Dieses Wort, von Herm Stoll, dem damaligen 1. Vorsitzenden des Verkehrsvereins, in der Begrüßungsansprache zu dem 2. Winzerfest in dem wirtschaftlichen Notjahr 1930 gesprochen, hat als Parole heute ebenso seine Bedeutung wie vor 20 Jahren.

Nicht um die Wirtschaften zu füllen, sondern um die Wirtschaft zu heben, wurde das Winzerfest im Jahre 1929 geschaffen. In einer Zeit ausgesprochenen Notstandes und wirtschaftlicher Krisen war es für die Bergstraße lebenswichtig, daß sie mit den natürlichen Vorzügen ihrer Landschaft Werbung trieb. Der Wein, der seit ewigen Zeiten an ihren milden Westhängen gedeiht, in diesen Tagen aber für den Export in andere Gegenden fast in Vergessenheit geraten war, sollte nun wieder zu einem gewichtigen Anziehungspunkt herausgestellt werden. Das Experiment glückte über Erwarten gut, welches sowohl für die ökonomische Hellsicht der damaligen Festbereiter als auch für die Güte des Bergsträßer Weins spricht.

Hinzu kommt — ebenso wichtig — die Feinfühligkeit, mit der von allem Anfang an die volkstümlichen, heimatgebundenen Kräfte, die allein ein Fest zu einem Volksfest machen, freigelegt und in den Dienst der Sache gestellt wurden. Das Winzerfest war immer geschmackvoll in seinem Rückbezug auf die natürliche, ursprüngliche Gestimmtheit des Bergsträßer Menschenschlages. Man kann dieses Phänomens vielleicht am besten vom Wein her betrachten, der ja angeblich (und sicherlich) Temperament, Lebensgefühl und Humor seiner Anbauer und Pfleger am besten spiegelt. Der Bergsträßer macht heiter und besinnlich, würzt den ohnedies trockenen Humor, der bei uns zu Hause ist und verdickt im übrigen das Sitzfleisch zu einer unbeweglichen Schwarte. Mit anderen Worten: er macht unentwegte, eiserne Zecher, die einem Datterich alle Ehre gemacht hatten.

20 Jahre! Was zog auf dem Winzerfest alles vorüber! Allein die Festzüge, deren einer den anderen an Glanz und Buntheit übertraf, schufen ein Stück unvergängliche Heimatkultur. Bei strahlendem Sonnenschein, unter tropfenden Regendächern, immer aber umjubelt von Tausenden, rollten und wanderten sie vorbe,i die Gestalten der großen Vergangenheit und die Bilder entschwundener Zeiten. War's im Jahre 1936, daß der Kurfürst Johann Kasimir von der Pfalz mit seinem prächtigen Gefolge Einzug durchs Stadttor hielt, war's 1933, daß die malerischen Marketenderwagen aus dem Dreißigjährigen Krieg und schließlich sogar König Gustav Adolf persönlich über das Bensheimer Pflaster zogen? Was sind da Jahre! Immerhin aber wurde „oald Bensern“ mit seinen kleidsamen Biedermeiern und Bürgerwehren auch von fremden Trachtengruppen uralter Tradition als so „echt“ empfunden, daß selbst die scheusten Hinterwäldler aus dem hohen Schwarzwald, die gern ein wenig hochmütig auf pseudovolkstümliche Veranstaltungen herabsehen, gern die weite Reise nach Bensheim unternahmen.

Gewachsenes Brauchtum und gewachsener Wein sind die Vorzüge des Winzerfestes. Sie schaffen ein Fluidum, das immer wieder viele Tausende anlockt und unversehens gefangen nimmt. Bei allem Trubel und aller Fülle wrar man doch darauf bedacht, den intimen Charakter des Festes zu wahren — und wie gesagt: Die fröhlichen Runden in den Buchten mit dieser ganz gewissen Erinnerung an Wein, Bratwurst und Blechmusik sind unvergeßlich und immer neu. kä

Bergsträßer Jugendklub

im Monat September

In dem Klub-Programm des Bergsträßer Jugendklubs für den Monat September sind ein Filmabend am 20. September — bei dem der Film „Toscanini“ gezeigt werden soll — und drei Vorträge vorgesehen. Jugendreferent Meyer, Heppenheim, spricht am 6. September über „Indianische Kunst“; Horst Heinrich Braun (BJC) hält am 13. September einen Vortrag über „Probleme der Opernregie“. Am 27. September spricht Dr. med. Dirksen, Bensheim, über „Geschlechtskrankheiten“; anschließend wird der Referent über seine praktischen Erfahrungen in der Behandlung mit Ultraschall berichten. Die Veranstaltungen am 6. und 20. September finden in der amerikanischen Lesehalle Heppenheim statt. Der Vortrag am 13. September wird in Bensheim im Gasthaus „Zur Stadt Bensheim“ gehalten. Der Klubabend am 27. September findet wieder wie üblich im Klublokal Hotel Schloßbere in Hennenheim statt. B.

Musische Arbeitswoche

im Dieburger Konvikt

In der Zeit vom 1. bis 8. Oktober führt das Kreisschulamt Dieburg in den Räumen des Konviks eine Musische Arbeitswoche durch, bei der bekannte Erzieher aus Württemberg als Gäste-Lehrkräfte erwartet werden. Neben den Lehrpersonen sollen in dieser Arbeitswoche vornehmlich Jugendführer teilnehmen. Die praktische Arbeit ist in dem vorliegenden Arbeitsplan besonders in den Vordergrund gestellt: Kinderlied, Kinderspiel, Volks- und Gemeinschaftstanz, Laienspiel, Instrumentalmusik, Chorgesang, Vorträge für Fest- und Feiergestaltung, Volkskunde und Spielberatung sollen hauptsächlich gepflegt werden. Der Unkostenbeitrag wird für Unterkunft und Verpflegung etwa 20 DM betragen. Bei rechtzeitiger Anmeldung werden Jugendpflege-Scheine verschickt, die eine 50prozentige Fahrpreisermäßigung bewirken. gi

Neues Jugendheim

auf dem Breuberg

Auf Burg Breuberg wurde kürzlich das neue katholische Jugendheim eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Träger des Heimes ist der Kreis der Breuberg-Freunde e. V. Offenbach. Das neu errichtete Heim wurde im Löwensteinschen Teil der Burg eingerichtet und soll der wandernden Jugend als Erholungs- und Tagungsort dienen. Es stehen zwei Tagesräume mit neuer Einrichtung und mehrere Zimmer mit insgesamt 100 Betten zur Verfügung

Familientag Klepper-Klöpper

Zum ersten Male nach dem Krieg findet am Sonntag, dem 10. September, in N e u - Isenburg wieder eine Zusammenkunft des Verwandtschaftsverbandes Klepper-Klöpper statt. — Inzwischen ist aus den Siegeln des Frederich Kieper, Pfarrer und Probst zu Kloster Hustorf in Thüringen um 1400 und des Hof- und Gemeinschafts-Rates Icitus Elias Klepper in Frankenhausen am Kyffhäuser um 1600 ein Familienzeichen geschaffen worden. Es ist in Siebmachers Wappenbuch, Band 5 Abt. Neue Folge 2, eingetragen und hat Rechtsschutz. Die Klepper sind ursprünglich Goten, die sich in Thüringen um Erfurt ansiedelten. Im Mittelalter erfolgten die Abwanderungen nach den rnd dem Unterrheingebiet. Nach den Religionskämpfen um Köln 1582/84 flüchteten sie zumeist in die Hessenlande.

Was aũch interessiert:

18 Wochen Gefängnis erhielt eine Einwohnerin aus Bensheim, da sie seit 1948 unrechtmäßig Fürsorgeunterstützung bezogen hatte. Ihre Angaben, daß der Ehemann nicht mehr lebe, entsprachen nicht der Wahrheit. Er wurde von seiner Frau unterstützt. prs.

Gegen einen Sandhausen fuhr ein Reichelsheimer Einwohner mit seinem Pkw., wobei sich der Wagen überschlug. Die Insassen erlitten Prellungen, der Wagen wurde stark beschädigt. tm

Ein vierwöchiger Lehrgang für sozialdemokratische Stadtverordnete beginnt heute im Gasthof „Zum Schwanen“ in Reichelsheim. Lehrgangsleiter ist Stadtverordneten - Vorsteher Hermann Schaub, Frankfurt. tm

Am „Marsch nach Bonn", den die Kriegsbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen unternehmen wollen, werden aus dem Kreis Groß-Gerau 50 bis 60 Personen teilnehmen.

Der Diskussionskreis Reichelsheim veranstaltet am Samstagabend im Gemeindehaus einen Lichtbildervortrag. Dr. Hans Heil, Fränkisfch-Crumbach, spricht über das Thema „Von der Naturlandschaft zur Kulturlandschaft“, tm

Joghurt aus Babenhausen

Aus Anlaß der guten Erfolge bei der Werbe- und Verkaufsausstellung in Babenhausen stellt die Molkereigenossenschaft Babenhausen jetzt Joghurt her. Der Joghurt, dicke, saure Milch mit Joghurt - Zusatz (ein bulgarisches Volksgetränk) gelangt ab sofort in den Handel. Insgesamt werden täglich 12 000 Liter Milch in der Genossenschaft angeliefert, von denen 10 000 Liter als Trinkmilch wieder verausgabt werden. Die restlichen 2000 Liter werden zu Butter, Quark und von jetzt ab auch zu Joghurt verarbeitet.

Bodenfunde in Goddelau

In diesen Tagen fand ein Arbeiter in Goddelau, der damit beschäftigt war, nach Bausand zu graben, in einer Tiefe von einem halben Meter eine noch gut erhaltene Bronzeurne, sowie Knochenreste und eine Perlenkette. Die Urne, die sichergestellt wurde, wird von Sachverständigen in die sogenante „Urnenfelder Bronzezeit“ eingeordnet. Leider blieb der Deckel, der aus Ton war, nicht unbeschädigt.

Da man in der Gegend um den „Leeheimer Weg“ mit voch weiteren Bodenfunden rechnet, wird die Bevölkerung um besondere Vorsicht bei Bodenarbeiten gebeten. Ohne Zweifel ist dieser Fund für die historische Erforschung des Rieds von großer Bedeutung. Weitere Untersuchungen werden das Bild abrunden und Aufschluß geben über die Besiedlung des Rieds in der erdgeschichtlichen Frühzeit. Kr.—

„Schützerinnen des werdenden Lebens“

Hebammenberuf — ein schlecht bezahlter Dienst an der Zukunft des Volkes

Der Kreishebammenverein Erbach unter Vorsitz von Frau K. Awenius hatte am Mittwochnachmittag im Erbacher „Schützenhof“ seine Mitglieder zu einer Arbeitstagung mit der Leiterin des Landesverbandes, Frau E. Apfel, eingeladen. Regierungsrat Zörgiebel nahm als Vertreter des Landrats teil, außerdem der Amtsarzt des Kreises, Dr. Rintelen, der einen Vortrag über die Bedeutung des Hebammenberufes seit Bestehen der Menschheit hielt.

Im Schlußteil seiner Ausführungen sprach er über die berufsständischen Schwierigkeiten der Hebammen in Deutschland, die gerade im Augenblick wieder einer Krisenzeit zusteuern. Damit traf er den Kern der ganzen Arbeitstagung. Frau Apfel wies in längeren Ausführungen auf den schweren Existenzkampf hin, den die Hebammen gerade in Hessen führen müssen. Sie würden bei aller Verantwortung, die sie im Dienst für die Zukunft des Volkes zu tragen haben, schlechter bezahlt als jeder andere Beruf. Die augenblicklichen Vergütungssätze entsprächen einem Stundenlohn von weniger als 50 Pfennigen. Dabei müsse die Hebamme zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit sein und habe gerade im gebirgigen Odenwald oft stundenlange Wege bei Wind und Wetter zu machen.

In Hessen, als dem einzigen Land des ganzen Bundesgebiets, wird den Hebammen seit 1945 kein Mindesteinkommen mehr gezahlt. In einer Resolution an die Staatsregierung hat die Landesleiterin eine 25prozentige Erhöhung der Vergütungssätze und die Wiederzahlung des Mindesteinkommens für die Hebammen gefordert. Regierungsrat Zörgiebel versicherte, daß die Kreisverwaltung an der wirtschaftlichen Festigung des für das soziale Leben des Kreises wichtigen Hebammenstandes sehr interessiert sei. Sie werde dafür sorgen, daß die Mindesteinnahme wieder garantiert werde. Die von den Amerikanern befürwortete Form der Gewerbefreiheit habe sich auch für den Hebammenberuf ungünstig ausgewirkt.

Im Verlaufe der mehrstündigen Tagung, auf der im wesentlichen Fach- und Organisationsfragen erörtert wurden, ehrte die Landesverbandsvorsitzende mehrere langjährige „Schützerinnen des werdenden Lebens“ im Kreis Erbach durch Ueberreichung von Urkunden. Es wurden ausgezeichnet: für 50jährigen Dienst: Frau Marie Walter, Vielbrunn; für 40 Jahre: die Hebammen Margarethe Beck, Wald-Amorbach, Sophie Berger, Schöllenbach, Bettina Heß, Seckmauern, Marie Heldmann, Schönnen, Frau Volk, Lützel-Wiebelsbach; für 25 Jahre: Marie Walter, Würzberg, Anna Schwinn, Erbach, und Elisabeth Anna Schwinn, Erbach. —ch.

1000 DM für Turnhallenausbau

In seiner letzten Sitzung beschloß der Gemeinderat von Erfelden, den Betrag von 1000 D-Mark für den Ausbau der Turnhalle zu bewilligen. Gleichzeitig wurde der Sport- und Kulturgemeinde die Unterstützung für den endgültigen Umbau in Aussicht gestellt. Weitere 500 D-Mark stellte die Gemeinde zur Anschaffung von Lehrgeräten für den Kochunterricht in der Volksschule zur Verfügung. Dem Vorschlag des Bürgermeisters, diese Geräte in Erfelden zu kaufen stimmte der Gemeinderat zu.

Im Anschluß daran unterrichtete der Bürgermeister den Gemeinderat von dem Termin zur Güteverhandlung zwischen Isaak Kahn und der Gemeinde Erfelden, der auf den 20. September festgelegt worden ist. Unter den Gemeindevertrete^n herrschte Einmütigkeit in der Auffassung, daß eine Wiedergutmachung für das Unrecht erfolge müsse, das der Familie Kahn während der Nazizeit angetan wurde. Lediglich die Höhe des Betrages — es handelt sich um 28 000 DM — wurde allgemein als zu hoch angesehen. Eine Nachprüfung beim Grundbuchamt ergab, daß das umstrittene Projekt im Jahre 1925 von der Familie Kahn zum Preise von 12 000 Mark erworben wurde. Diese Summe betrachtet die Gemeinde, die durch den in Gernsheim ansässigen Rechtsanwalt Jockel vertreten wird, als Verhandlungsgrundlage für die demnächst stattfindende Güteverhandlung. Ihr Ergebnis soll Gegenstand einer endgültigen Beschlußfassung seitens der Gemeindevertretung werden. Kr

50 Jahre Schuhhaus Stegmüller

Am Mittwoch konnte in Bensheim das bekannte Schuhhaus Stegmüller auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Im Jahre 1900 legte Herr Stegmüller sen., ohne über große Barmittel zu verfügen, am Marktplatz den Grundstock zu dem heutigen Unternehmen. Die mit zähem Fleiß betriebene Schuhmacherei half über alle Schwierigkeiten hinweg, die sich im Laufe der Jahrzehnte einstellten. Im Jahre 1908 in die Hauptstraße umgezogen, ging man nach Erwerb des Nebenhauses im Jahre 1928 daran, das alte Geschäftshaus grundlegend um- und auszubauen. Im Herbst des gleichen Jahres hatte man dann die Idee der ersten vollmechanischen Werkstätte in Bensheim in die Tat umgesetzt. Im Sommer 1939 übernahm der heutige Inhaber Carl Stegmüller jr. das elterliche Geschäft und entwickelte es zu einem großen und modernen Unternehmen. Besonders erfreulich ist die Tatsache, daß der einstige Gründer und der jetzige Inhaber das Fest des 50jährigen Bestehens gemeinsam feiern konnten.

2 Monate wegen 70 Zigaretten

In einer Maiennacht dieses Jahres war der 50jährige Landarbeiter Adam Sch. durch ein Kellerfenster in ein Ladengeschäft in Hering im Odenwald eingestiegen. Warum? Adam war ein starker Raucher und Tagelöhner. Das Geld reichte nicht für die Glimmstengel aus. Wo die Zigaretten in dem Geschäft lagerten, wußte er. Er hatte dort einige Tage vorübergehend gearbeitet. Seine Beute betrug 70 Zigaretten, dazu sieben Röllchen Bindfaden zu 1,40 DM. Das letzte bekam die Geschädigte wieder, die Zigaretten dagegen hatten sich in blauen Dunst verwandelt.

Vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt, vor der Adam Sch. gestern stand, ging es um die Frage, ob es sich in diesem Fall um einen Einbruchsdiebstahl oder um einen Hausfriedensbruch mit Sachbeschädigung handelte. Das Gericht entschied sich für das letztere, weil der entstandene Schaden nur geringfügig war. Sch. erhielt zwei Monate Gefängnis. ri.

Ein teurer Rausch

Gegen den Viehhändler H. G. aus All - heim bei Dieburg mußte Strafanzeige wegen Tierquälerei erstattet werden. G., der zeitweise dem Trunk stark ergeben ist und sich seither nach überreichlichem Alkoholgenuß schon mehrfach sehr rabiat benommen hatte, brach im Rausch einen Streit mit seiner Ehefrau vom Zaune, in dessen Verlauf er nicht nur in seiner Wohnung wie ein Wandale hauste, sondern seine Frau derart bedrohte, daß sie sich schließlich nicht mehr anders zu helfen wußte, als polizeilichen Schutz anzufordern. Bei der Ankunft der Gendarmerie im Hause des G. hatte er in seiner sinnlosen Trunkenheit mit einer Heugabel auf eines seiner Pferde eingestochen. Das Tier wurde dabei so stark verletzt, daß es notgeschlachtet werden mußte. (RG)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Erzhausen. Albert Leyer, Stockstadt, der seither beim Landratsamt angestellt war, ist als Gemeindesekretär eingestellt worden. Den Posten des Gemeinderohrmeisters hat Peter Wembacher übernommen. — Der neue Baugebietsplan für die Gemarkung wurde genehmigt. Danach soll die Ernst-Thälmann-Straße bis zum Industriegebiet verlängert werden, während Rheinstraße und Friedrich-Ebert-Straße in Zukunft bis zur Bahnlinie gehen. -oa-

DIEBURG

Habitzheim. Am kommenden Sonntag findet in der evangelischen Kirche die Feier der „Goldenen Konfirmation mit Abendmahl“ unter Mitwirkung des Kirchenchors und Celloejnlagen von Konzertmeister U r h a h n statt. Jg.

Überau. Am Kirchweihsonntag (3. September) wird der neugebaute Saal „Zur goldenen Krone“ eingeweiht. Mit seinen 350 qm faßt der Saal nahezu 500 Personen. (gi)

Groß-Bieberau. Einen Somimernachtsball veranstaltet der Sportverein 1945 am Samstag im Gasthaus „Zur Laube“. wr.

ERBACH

Wald-Amorbach. Anläßlich des Kirchweihfestes am vergangenen Sonntag weihte Pfarrer Römheld die Dorfkirche erneut ein, nachdem das Gotteshaus in den letzten Wochen innen und außen renoviert wurde. hm

Reichelsheim. In der kommenden Spielzeit des Landestheaters Darmstadt verkehrt donnerstags zu insgesamt 12 Vorstellungen ein Omnibus ab Reichelsheim. — Der OWK führt am Sonntag eine Wanderung über den Rodenstein nach Winterkasten durch. — Der nächste Ferkelmarkt findet am Montag, dem 4. September, statt. tm

Bensheim-Auerbach. Für die Wiederbeschaffung der Kirchenglocken soll eine nochmalige Sammlung durchgeführt werden. Das evangelische Pfarramt hofft, daß das Ergebnis so sein wird, daß nun auch die dritte Glocke bestellt werden kann und damit das Geläute wieder vollständig ist. Die neuen Glocken sollen auf die Töne fis, gis, h abgestimmt werden. Die erste Spende leistete der „MGV Liedertafel“ am vergangenen Sonntag von dem Reinertrag der 2. Aufführung des Volksstückes „Die schöne Müllerin“. (HB)

Affolterbach. Am kommenden Sonntag findet im Gasthaus „Zur Krone“ eine Imkerversammlung statt, in der wesentliche Fragen, u. a. die Zuckerversorgung, behandelt werden sollen. -r

GROSS-GERAU

Groß-Gerau. - Das Amtsgericht weist darauf hin, daß Sprechstunden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeder Woche von 9—12 Uhr stattfinden. Nachmittagsbesuche können nicht abgefertigt werden.

Crumstadt. - Bei dem am letzten Sonntag von der evgl. Kirchengemeinde begangenen Missionsfest — das hier alljährlich abgehalten wird — hielten die Missionare Michel, Darmstadt, und Engel, Crumstadt, beide Angehörige der Baseler Mission, die lange Jahre in China wirkten, den Missionsbericht. Missionar Engel kehrte erst 1949 von China zurück. Crumstadt wurde anläßlich dieses Festes von zahlreichen Missionsfreunden aus nah und fern aufgesucljt. - od -

Nauheim. Der Schulhausneubau ist finanziell gesichert. Die Gemeindeverwaltung wird noch in diesem Jahr mit dem Bau von vier Schulsälen beginnen.

Der SPORT

Handballstart am 3. September

Darmstädter Lilienträger in Offenbach

Am Bonntag, dem 3. September, beginnen auch beim Handball die Verbandsrunden. Über die Neueinteilung der Klassen wurde wiederholt berichtet. Die Verbandsliga, Gruppe Süd, beginnt die neue Runde mit drei Spielen. Dabei sind beide Darmstädter Vertreter auswärts. Während TuS Griesheim zum VfR Wiesbaden fährt, treten die 98er einen schweren Gang an zum „Bieberer Berg“ nach Offenbach.

Die Offenbacher sind in jedem Jahr eine stärkstens zu beachtende Mannschaft, die oftmals schon große Überraschungen zutage brachte und gerade gegen die Darmstädter setzen die Kikkers alles daran, um zum Sieg zu kommmen. Beide Mannschaften „liegen si'eh“ und wenn sie ins Spiel kommen, ist immer etwas los. Während in der letzten Verbandsrunde die 98er in Offenbach mit einer glanzvollen Leistung aufwarteten und die Gastgeber seinerzeit klar distanzierten, fiel es den Darmstädtern im Rückspiel äußerst schwer, sich einen 5:3- Sieg zu erkämpfen. Die damalige harte Auseinandersetzung, an der die schwache Schiedsrichterleistung wohl die Hauptschuld trug, wird vielleicht noch manchem in Erinnerung sein. Es ist zu hoffen, daß die neuerliche Begegnung am kommenden Sonntag sich wieder mehr in sportlichen Bahnen bewegt und dabei Wert auf ein anständigse Spiel gelegt wird.

Die Mannschaft der 98er zeigte in den letzten Wochen verbesserte ^Leistungen und hat auch in bezug auf ihre Kondition beeindruckt. Allerdings haben die Darmstädter . im Augenblick Schwierigkeiten mit der Besetzung des Torhüters. Sämtliche Spieler, die in der letzten Zeit im 98er Tor standen, sind nicht verfügbar. (Rupp wurde am Oberarm operiert und die Möglichkeit, daß er wieder spielen kann, ist sehr fraglich; Seipp laboriert noch an einem Bluterguß, und der zuletzt spielende Göbel muß mit geschienter Hand seine Sehnenscheid-Entzündung ausheilen.) Voraussichtlich wird man auf den in der letzten Zeit mit guten Leistungen in der Traditionsmannschaft aufwartenden Altrepräsentativen Adolf Henns zurückgreifen. Hoffen wir, daß sich die Darmstädter ihres guten Rufes bewußt und dessen eingedenk sind, daß ein guter Start von großer Wichtigkeit ist. Es wäre zu wünschen, daß sie mit letztem Einsatz bei der Sache sind, damit ihre Darmstädter Freunde nicht enttäuscht werden.

Im Vorspiel werden sich die Reservemannschaften beider Vereine gegenüberstehen.

Abfahrt der Mannschaft des SV 98 12.30 Uhr ab Marstall.

Im dritten Spiel der Verbandsliga, Gruppe Süd, stehen sich SV Gelnhausen und die SG Nied gegenüber.

Die ersten Spiele der Gruppenliga 4

Auch in der Gruppenliga 4 beginnt die Verbandsrunde zunächst nur mit drei Begegnungen, bei denen die Gastgeber als Sieger zu erwarten sind. Es spielen: SV Kostheim — TSV Pflugstadt, Concordia Gernsheim — TSG 46 Darmstadt und TSV Braunshardt — Bauschheim.

Die Bezirksklasse Darmstadt, Gruppe Ried, startet am Sonntag mit den beiden Begegnungen Crumstadt — Heppenheim •und Mörstadt — Hofheim.

Beginn der Verbandsrunde in Dieburg

Die beiden Kreisklassengruppen des Handballkreises Dieburg starten am Sonntag in die neue Punktspielsaison. Am ersten Spieltag sind folgende Paarungen vorgesehen: Gruppe 1: Schaafheim —Babenhausen, Langstadt I— TV Reinheim, Semd — Richen, Klein Umstadt — Harreshausen. Gruppe 2: Groß-Umstadt— Groß-Zimmern, SV 45 Reinheim — Tschft Ober-Roden, Münster — Brensbach, Nied. Klingen— Habitzheim. Während es in der Gruppe 1 nur Heimsiege geben dürfte, werden in Gruppe 2 auch die reisenden Mannschaften, ihrer Spielstärke nach, den einen oder anderen Punkt nach Hause entführen. -ff-

Kreisklasse Bergstraße vor dem Start

Nachdem Meister Biblis und der Tabellenzweite Groß-Rohrheim zur Bezirksklasse aufgestiegen sind, erscheint es interessant, sich über die nunmehrigen zwölf Vertreter der Kreisklasse Bergstraße ein Bild zu machen.

Reichenbach hat seine gesamte erste Mannschaft zur Verfügung und sollte diesmal eine besonders gute Rolle spielen. Mörlenbach will es mit einigen seiner Jugendspieler (Stephan, Egner) versuchen und kann ebenfalls ein deutliches Wörtchen mitreden. Asc h - bac h , wohl der kleinste Ursprungsort der diesjährigen Kreisklasse, hat mit Kirchenlohr von Weinheim 09 einen erstklassigen Linksaußen gewonnen, der dem Sturm die letzte stumpfe Stelle nehmen dürfte. Ob Mey weiter als Mittelläufer und Buser als Außenläufer zur Verfügung stehen, hängt von anderen Entwicklungen ab. Einha u s e n ist wohl die am meisten durch Spielerabgänge geschwächte Einheit der Runde. Durchreißer Heßler landete als Vertragsspieler bei Wormatia Worms; V. Diehl wirkt jetzt bei Olympia Lampertheim und Torhüter Knaupt verstärkt Starkenburgia Heppenheim. Mit dem Lorscher Toni Seitz sowie Haßlöcher und Werle hofft man jedoch, die Lücken ausreichend schließen zu können. Lindenfels, das im Vorjahre lange Zeit im Vorderfeld zu finden war, verlor bereits während der Rückrunde seine beiden Torhüter sowie Sturmführer German. Lossack schießt künftig bei Haßloch die Tore; damit dürfte der Lindenfelser Angriff seine bisher schärfste Waffe eingebüßt haben, so daß abzuwarten bleibt, wie sich der Nachwuchs einfügt. Waldmichelbach muß auf den in den Ruhestand getretenen Tank Vondano verzichten, hat in Schons einen sehr begabten jungen Torhüter entdeckt und will mit dem vor zwei Jahren verunglückten Linksaußen L. Heim ein „come back“ versuchen. Affolterbach scheint auch diesmal seine Vorjahrssorgen zu behalten. Trautmanns Rückkehr vom SV Waldhof hat sich nicht verwirklicht, Werner Bickel will studienhalber nach Frankfurt gehen, Schork und Reinhard fehlen noch immer. Auerbach hat nach dem Debakel des Vorjahres seine Mannschaft energisch umgebaut; Gerüchte über den Abgang Johns bestätigten sich nicht, stattdessen hat Weiser die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Ziel der Mannschaft ist in diesem Jahre ein guter Mittelplatz.

Von den Neulingen dürften dem FC Fürth die meisten Chancen offenstehen. Schnell, hart und technisch versiert hat die Mannschaft nach dem Zugang von German in K. Kalt vom Oftsrivälen Spvgg eine weitere Sturmverstärkung erhalten. Fehl heims Spielanlage ist gradlinig und sollte sich auch in der A-Klasse durchsetzen. Ob der Sturm allerdings nach dem Abgang Herdtleins zu Bensheim 07 noch durchschlagskräftig genug ist. bleibt abzuwarten. Weiher verlor seinen Mittelläufer Kleiner und gewann dafür in Rademacher von TuS Weinheim einen leistungsfähigen Außenläufer, der die entstandene Lücke schließen sollte. Die Hauptsorgen der Mannschaft haften an ihrem kleinen Platz. Vfß Lampertheim steht zu Hause stets etwas im Schatten seines großen Ortsrivalen. Trotzdem wird die Elf in der nun beginnenden Runde ein maßgebliches Wort mitsprechen.

Kreisfachmann Hartmann hat, um den Vereinen Dispositionsmöglichkeiten zu geben, jetzt wenigstens den ersten Spielsonntag ausgelost. Am 10. September treten an:

Affolterbach—Fehlheim Mörlenbach—Waldmichelbach Aschbach—Weiher Auerbach—Fürth Einhausen—Lampertheim Lindenfels—Reichenbach

A- und B-Klasse Darmstadt startklar

Nachdem es dem VfR Langen im Zuge der Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse doch gelungen ist, eine Klasse höher zu kommen, haben sich SSG Langen und SKG Hahn ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz erspart. Das bedeutet, daß SSG Langen in der A-Klasse verbleiben kann und dem Antrag von Hahn um Aufnahme in die A-Klasse entsprochen wird.

Die A-Klasse spielt in diesem Jahr nur mit 12 aktiven Vereinen und lehnte es ab, die Reservemannschaften von SV 98 und Arheiligen mit in die Runde aufzunehmen. Es sind dies: SSG Langen, TuS Griesheim, Bickenbach, Seeheim, Alsbach, Hahn, Weiterstadt, TSG 46 Darmstadt Nieder-Ramstadt, Erzhausen, Gräfenhausen und Hähnlein. Mit dem Weggang des Meisters Messel und VfR mußte der Ersatz aus der B-Klasse aufgefüllt werden, so daß dort zahlenmäßig aber auch spielstärkemäßig ein Rückgang zu verzeichnen ist. Schon aus diesem Grunde erklärten sich die Vertreter dieser benachteiligten Gruppe bereit, die Reservemannschaften mit in diese Runde, allerdings außer Konkurrenz aufzunehmen. Es spielen hier: Traisa. Union Darmstadt, Eschollbrücken, FC Griesheim, Rohrbach, Arheiligen, Jugenheim, Nd.-Beerbach, Ob.-Beerbach, Brandau und SV 98 Darmstadt.

Der Beginn der Verbandsrunde wurde allgemein auf den 10. September festgelegt. Spielbeginn 15 Uhr..

Auch die Jugend hat sich ihr Spielsystem geschaffen und beginnt schon am 2. bzw. 3. September. Hier haben sich für die Verbandsspiele von 28 Vereinen des Sportkreises Darmstadt insgesamt 69 Jugendmannschaften gemeldet, die sich in 22 A-Jugend-, 16 B-Jugend- und 31 C-Jugend (Schüler) -Mannschaften aufteilten. A- und B-Jugend ermitteln Kreismeister und dann im Früjahr ihre Bezirks- bzw. Landesmeisterschaften. Nur die C-Jugend (Schüler) ermitteln nur ihren Kreismeister.

Die Vereinsjugendleiter sind sich ihrer Aufgaben bewußt und sorgen für eine reibungslose Abwicklung in den beiden Spielgruppen Nord und Süd.

Nur wenige Vereine nehmen die Gelegenheit zum Austragen von Freundschaftsspielen am letzten Sonntag voi' Beginn der Verbandsrunde wahr, um eine etatmäßig spielstarke Elf in die Runde schicken zu können. Vielleicht sollte das mit Spannung erwartete Heimspiel der 98er ebenfalls ein Grund des Ruhens sein. Es spielen: Union Bessungen—TSG 46, Seeheim—Stockstadt, Zwingenberg—J ugenheim, Hähnlein—Nd.-Beerbach. Wegen Kirchweih spielt schon am Samstag Auerbach in Alsbach.

Die Termine für den 10. September A-Kiasse:

SSG Langen—TuS Griesheim Bickenbach—Seeheim Alsbach—Hahn

Weiterstadt—TSG 46 Darmstadt Nieder-Ramstädt—Erzhausen Gräfenhausen und Hähnlein spielfrei

B-Klasse:

Traisa—Union Darmstadt Eschollbrücken—Sportklub Griesheim Rohrbach—Arheilgen (Junioren) Nd.-Beerbach—Jugenheim Ob.-Beerbach, Brandau und 98 (Senioren und Junioren) spielfrei.

Union Bessungen gegen TSG Darmstadt

Am Samstag, 2. September 1950 treffen sich zum letzten Privatspiel vor der Verbandsrunde Union Bessungen und TSG 46 Darmstadt. Das Spiel findet auf der Rennbahn um 18 Uhr statt. Die Bessunger, die am letzten Sonntag Erzhausen mit 3:2 Toren schlagen konnten, werden zu diesem Lokalkampf mit neuen Spielern antreten, da nun die Spielgenehmigungen für die 1. Mannschaft heranreifen. Die Spielstärke der TSG-Elf ist in Darmstadt bekannt und man darf nun gespannt sein, wie die jetzt aufgestellte verstärkte Mannschaft von Union abschneidet. Bis zu den Verbandsspielen wird Union noch weitere Kräfte zur Verfügung haben, so daß man auch hier mit Ruhe diesen Spielen entgegensehen kann. Vor dem um 18 Uhr beginnenden Spiel der 1. Mannschaft spielen die beiderseitigen 2. Mannschaften.

— HFV ehrte Hessenmeister SV 98

Zu einer kurzen Feierstunde hatte der Hessische Fußballverband am Mittwochabend die 1. Mannschaft des SV 98 Darmstadt ins Hotel „Knauf“ geladen. Verbandsvorstand Linnenberg (FSV Frankfurt) fand vor den geladenen Gästen herzliche Worte der Anerkennung für die hervorragende Leistung des Oberliganeulings und ehrte die 13 Spieler der Mannschaft, die die Meisterschaft der Hessischen Landesliga errungen hatten, durch Ueberreichung der bronzenen Ehrennadel des Verbandes. Dem Verein selbst wurde eine schön gearbeitete Erinnerungsplakette zum Geschenk gemacht. Der 1. Vorsitzende Dr. Grünewald dankte im Namen des Vereins und gelobte, daß die Darmstädter den hessischen Fußball auch weiterhin würdig vertreten werden.

Gyselinckx gewann Deutschlandrundfahrt

Hannover. (AP.) Der Belgier Roger Gyselinckx hat am Donnerstag die Internationale Deutschlandrundfahrt 1950 mit einer Gesamtfahrzeit von 111:14,52 Stunden für die etwa 3900 Kilometer lange Strecke gewonnen. Die letzte Etappe von Einbeck nach Hannover über 163,7 Kilometer gewann im Spurt der Franzose Jean Deledda in 4:43,30 Stunden vor Karl Weimer (Stuttgart), Peter Schulte (Köln), Heinz Zoll (Magdeburg), Rudi Theißen (Hannover) und Roger Aeschlimann (Schweiz).

I Bestattungen am Freitag, dem 1, Sept. 1950 Alter Friedhof: Beerdgungen: 10.30 Stephan, Hermine, 66 J., Lönisstr. 10 14.30 Schneider, Katharina, 68 J., Ruthsstr. 17 Arheilger Friedhof: 16.00 Brunner, Kath., 73 J., Lindenweg 21 Waldfriedhof: 13.45 Müller, Franz. 71 J„ Wenckstraße 36 15.15 Mayer, Margarete, 66 J., Parkusstr. 21

Danksagung. Für die herzliche Anteilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei dem Heimgange meines lieben Mannes und Vaters Herrn Valentin Bender Malermeister | sagen wir unseren herzlichsten Dank. i In stiller Trauer: Frau Kath. Bender und Sohn Philipp | Darmstadt, den 30. August 1950

HEUTE: 'Roman

Die Deutsche Friedensgesellschaft (Bund der Kriegsgegner e. V.), Ortsverein Darmstadt teilt auf vielfache Anfrage mit, daß der „Bund der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland“ seinen Sitz in Nürnberg, Otmarstraße 34, hat, dessen Bundessekreta¬ riat jedem, der sich anschließen will, einen „Inter¬ nationalen Krisgsdienstverweigerungspaß“ umsonst ausstellt. ERICH KIEFER Orthopädie - Bandagen Ärzte- und Krankenbedarf eröffnet sein Ladengeschäft am alten Platz RHEINSTRASSE 55 Telefon 2237

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^^^ANmiCH^BEKANNTMACHUNGEI^^^j Zwangsversteigerung 3 K 8/50. Das Grundstück, eingetragen im Grundbuch für Nieder- Ramstadt, Band 17, Blatt 1119, Ord.-Nr. 1, Flur 1, Nr. 675, Bab¬ platz, am Ober-Ramstädter Weg, 692 qm, das zur Zeit der Ein¬ tragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen des Zimme¬ rers Heinrich Miltenberger in Nieder-Ramstadt im Grundbuch eingetragen war, soll am Montag, den 30. Oktober 1950, vor¬ mittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht im Gerichts¬ gebäude in Darmstadt, Mathildenplatz 12, Saal 303, versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. Die ortsgerichtliche Schätzung des Grundstücks beträgt 13 834,— DM. Zulässiges Höchstgebot ebenso. Gegen diese Festsetzung können Beteiligten binnen ,2 Wochen nach Zustellung dieser Termins¬ bestimmung Beschwerde bei der Preisbehörde einlegen. Der Versteigerungsvermerk ist am 1. März 1950 in das Grund¬ buch eingetragen worden. Darmstadt, den 26. August 1950. Amtsgericht Abt. 3

Der große Lachschlager um Sport u. Liebe UNION Der Theodor im Fußballtor mit Theo Lingen, Hans Moser, Josef Meinrad, Lucie Englisch, Gustav Knuth, Char¬ • lott Daudert, Beppo Brem u. v. a. Triumph der Heiterkeit in dem Film der großen Komiker D.. 4 1171 Anfang: 13.45, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr kut jo za Vorverkauf ab 11 Uhr T U AI I A zeigt: Carl Zuckmayers Meisternovelle In ALIA Der Seelenbräu • Das Werk der Meister • Ein Meisterwerk! Mit Paul Hörbiger, Heinr. Gretler, Aglaja Schmid und R. Lindner Ruf 3390 Vorverkauf ab 11 Uhr Erstaufführung Der große Sittenfilm unserer Zeit nrnni Die Straße der Verlorenen nrl IDA Einmaliges Filmwerk über die Sexualität, IrfcH 1/M aufklärend und warnend zugleich Anfang: 14.00, 16.00, 18.15, 20.30 Uhr Wir zeigen in Sondervorstellungen, Freitag, Samstag, Sonntag 22.30 Uhr, Samstag und Sonntag 14.00 Uhr: Ruf 395 Artistenblut (Mister Money-Maker) Tempo, Spannung, Revue und Clownerie DAI ACT ANBEUKA HAUFF . RUD. PRACK ■ ALA JI Königin der Landstraße Ein neuer Film aus der Welt des Zirkus und Artisten von erregender Spannung Ruf 22 40 13.45 - 16.00 - 18.15 - 20.30 Uhr Freitag bis Donnerstag, 20 Uhr ANKER Sonntag 14 und 17 Uhr Schneewittchen Nach seinem Siegeszug um die Welt kommt Walt Disneys farbenprächtiges Meisterwerk pun auch zu uns. , . Bitte beachten Sie die neuen Anfangs- JUgonneim Zeiten: 20 Uhr f / II 1 Die Gräfin J l A L A von Monte Christo mit John Loder, Leonore Aubert Fritz Kortner AB Freitag bis Montag Sa. 18.00, 20.15; So. 16.00, 18.00, 20.15 14 Oo uhr Kindervorstellung: Eberstadt Dick unif Doof hinter Schloß und Riegel Wochentags 20.1'5 Uhr