Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt ÄSE, dl»™™ Darmstadt Rhpin-tAnT c- Wittich, Erscheint tSeMrh , £3' Telefon 3925. täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 53 Tieuefle Tia^rt^fen Donnerstag, 31. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich, Darmstadt, Rheinstraße 23, Tel. 39 25. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. 1. 7. 1950. Preis 15 Pfennig *

Die Ministerpräsidenten über die Bereitschaftspolizei einig

. A. Z. Königstein, 30. August. Wie wir erfahren, hat Bundeskanzler Dr. Adenauer überraschend die Ministerpräsidenten der eli westdeutschen Länder zum 9. September zu Besprechungen über die deutsche Sicherheit nach Bonn eingeladen.

Auf Grund dieser Einladung wurde die am Mittwoch in Königstein abgehaltene Konferenz der Ministerpräsidenten durch den Tagesordnungspunkt „Sicherheitsfrage“ erweitert. Nachdem die Ministerpräsidenten am Vormittag, verstärkt durch einige Kabinettsmitglieder, die endgültige Geschäftsordnung des Bundesrates besprochen hatten, die am 3. September in Bonn verabschiedet werden soll, bereiteten sie die Wahl des neuen Präsidiums des Bundesrates vor. Wie verlautet, wurde der bayerische Ministerpräsident Ehard von den Ministerpräsidenten als künftiger Präsident des Bundesrates vorgeschlagen.

Der N- imittag stand ganz im Zeichen der Frage der Sicherheit. Wie nach Abschluß der Konferenz von Ministerpräsident Arnold (Nordrhein-Westfalen) bekanntgegeben wurde, haben die Ministerpräsidenten völlige Einigung über die Aufstellu: g, Organisa lon und Verwendung der zehntausend Mann Bereitschaftspolizei in den Ländern erzielt. Der Schlüssel für die Aufteilung der Bereitschaftspolizei auf die einzelnen Länder liegt nunmehr fest. ] > Polizeikräfte werden normalerweise den Innenministern der Länder unterstehen. In besonderen Fällen soll jedoch der Bundesinnenminister befugt sein, die Bereitschaftspolizei zusammenzufassen und unter sein Kommando zu hm Ministerpräsident ' -nc’d sagte, daß keine Zeit mehr sei, lange üb— Aufstellung der

lizeikräfte zu debattieren. Sie werde nunmehr unverzüglich in die Tat umgesetzt. Durch die BereitschaftspolizU würde der föderative Aufbau der Bundesrepublik nicht gestört.

„Mit der Waffe in der Hand“

Verpflichtungen der Volkspolizisten

Berlin, 30. August, (dpa) Jedes Land der Sowjetzone soll nach Meldungen aus gutunterrichteter Quelle vom 1. Oktober an zehn neue Volkspolizeibereitschaften bilden. Auf einer Besprechung der Politkommissare der Bereitschaftspolizei sei angeregt worden, von jedem Volkspolizisten eine schriftliche Verpflichtung zu fordern, daß er „mit der Waffe in der Hand“ bereit sei, die Einheit Deutschlands gewaltsam herzustellen. Jedb Volkspolizeibereitschaft in der Sowjetzone habe jetzt in ihrem Waffenlager dreimal soviel Material als bisher.

Die deuntsche Sicherheit

Adenauer unterbreitet Vorschläge

Bonn, 30. August. (AP.) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat der Oberkommission am Mittwoch Vorschläge über die Wahrung der inneren und äußeren Sicherheit der Bundesrepublik unterbreitet. Ein alliierter Sprecher bestätigte den Empfang des Memorandums. Er fügte jedoch hinzu, daß vorläufig keine Einzelheiten bekanntgegeben werden könnten.

Fragwürdige justizeinheit

Westliche Anerkennung östlicher Urteile

R, Bonn, 30. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Leiter des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen der sowjetischen Zone, Dr. Friedenau, hat vor der Presse das Verhalten der Justizbehörden der Bundesrepublik gegenüber der Justiz der sowjetischen Zone kritisiert. So habe zum Beispiel die Generalstaatsanwaltschaft Hamm ein Urteil der Justiz der sowjetischen Zone wegen Einkaufs von Waren in West-Berlin vollstreckt. Sie habe auf eine Beschwerde zwar anerkannt, daß das Urteil sogar rechtliche Mängel habe, aber erklärt, es müsse im Interesse der Wahrung der Rechtseinheit Deutschlands vollstreckt werden. Dr. Friedenau forderte die Ablehnung der Strafvollstreckung aller aus politischen Gründen in der sowjetischen Zone gefällten Urteile

Das Besatzungsregime wird bleiben

Britische Kreise in Frankfurt zur Neuyorker Konferenz

F.A.Z. Frankfurt, 30. August. In Kreisen der britischen Oberkommission wird zur Neuyorker Konferenz der drei Außenminister erklärt, die Besprechungen würden in erster Linie deutsche Fragen berühren. Der Konferenz würden die Empfehlungen der Londoner Studiengruppe über die Revision des Besatzungsstatutes vorliegen. Ferner Vorschläge zur allgemeinen Normalisierung der Beziehungen zwischen Deutschland und den freien Völkern, darunter ein Vorschlag zur Beendigung des Kri?gszustandes. Schließlich werde erwartet, daß die Fragder deutschen Sicherheit zur Sprache Vnmmp

Komme. . „ . _ , „ Die wichtigste Frage im Rahmen der Revision des Besatzungsstatuts betreffe das Ausmaß der deutschen außenpolitischen Verantwortung, das der Bundesrepublik in Zukunft könne. Gemäß der Londoner Deklaration der drei Außenminister vom 15. Mai solle die Bundesrepublik das größtmögliche Maß von Souveränität erhalten, das noch mit dem Besatzungsregime vereinbar sei. Dieses Regime sei aber durch die von der Sowjetunion erzwungene Teilung Deutschlands weiterhin not wendig Die Bundesregierung werde in Fragen der Besatzungspolitik und in Angelegenheiten, die den internationalen Status Deutschlands beträfen, weitermn mH der Alliierten handeln müssen wenn s e SXltl em Außenministerium und Spiomatisdie Missionen im Ausland zu errichten. britischen Kreisen

Pc wird in diesen onubuwu für fraglich gehalten, ob die Außenminister während ihrer dreitägigen Beratungen in Neuyork, bei denen wohl fast alle weltpolitischen Probleme zur Sprache kommen,; schon in der Lage sein werden, die Revision des Besatzungsstatutes endgültig zu regeln. Es wird vermutet, daß sie nur prinzipielle Entscheidungen treffen. Jedoch wird für möglich gehalten, daß über Einzelheiten später noch weitere Besprechungen und Verhandlungen geführt werden. Der Termin für die Revision des Besatzungsstatutes soll jedoch nicht verschoben werden. Er ist für die Zeit zwischen September 1950 und März 1951 festgelegt worden.

Ferner wird erklärt, nach britischer Ansicht müsse der Vorschlag Dr. Adenauers für die Aufstellung von deutschen Polizeikräften durchaus getrennt von der Frage eines deutschen Beitrages zur westlichen Verteidigung behandelt werden. Der Vorschlag über die Polizeikräfte werde gegenwärtig aufmerksam studiert. Die Verantwortung der alliierten Besatzungstruppen für die Verteidigung des westdeutschen Gebietes würde selbstverständlich auch nach der Aufstellung von Polizeikräften nicht im geringsten verringert werden. Ebensowenig würde die Notwendigkeit weniger dringlich werden, durch eine beschleunigte Stärkung der westlichen Verteidigungsbereitschaft den Schutz für Deutschland zu erhöhen.

Für die sofortige Wiederaufrüstung der Bundesrepublik hat sich der amerikanische ' Senator Tafft (Republikaner) in einer Wahlrede ausgesprochen.

Bonn beobachtet aufmerksam den Streik

Die Regierung will die Lage nicht verschärfen

R. Bonn, 30. August. Das Kabinett wird am Donnerstag den Gesetzentwurf des Arbeitsministers zum Mitbestimmungsrecht beraten. Es ist vorgesehen, diesen Entwurf noch in dieser Sitzung zu verabschieden, um ihn rechtzeitig dem Parlament. zuzeiten.zu können, das schon die Entwürfe der Fraktion der Christlich-Demokratischen Union und der Sozialdemokratischen Partei auf die Tagesordnung seiner Ausschüsse nach der Pause gesetzt hat. Minister Storch hat auf seinen Lieblingsgedanken verzichten müssen, seinen Entwurf auf eine Einigung der. Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaften aufzubauen und ist mit seinem vergeblichen Bemühen um eine solche Einigung gegenüber den Fraktioinen in Verzug geraten.

Es ist anzunehmen, daß die endgültige -Kabinettsfassung sich- in manchen Punkten noch von der Vorlage des Arbeitsministers unterscheiden kann. Es kann also noch nicht als sicher gelten, daß das Gesetz am Donnerstag seine endgültige Gestalt erhält.

■ Der Streik im Baugewerbe ist bis jetzt noch kein offizieller Punkt der Kabinettsberatungen geworden, obwohl diese Entwicklung von der Regierung mit größter Aufmerksamkeit verfolgt wird. Die Hoffnung des Kanzlers, daß diese Streikbewegung lokalisiert werden könne, scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Man läßt aus Regierungskreisen verlauten, daß sich diese Hoffnung auf die Ansicht des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschäftsbundes, Dr. Böckler, gestützt habe, anscheinend der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes sich gegenüber der Industriegewerkschaft Bau aber nicht durchsetzen könne.

So erklärt der - Union-Dienst, daß die Arbeitswilligen, die von den Streikenden verprügelt worden seien, sich zwar nicht mit der Fachgewerkschaft, wohl aber mit Dr. Böckler in voller Uebereinstimmung befunden hätten, und spricht von unangebrachtem und gegen das Grundgesetz verstoßendem Terror der Streikenden. Die Bundesregierung will anscheinend auf keinen Fall diese Dinge noch verschärfen, aber sie betrachtet die Lage vor allem im Zusammenhang mit der Parole der Sozialistischen Einheitspartei, den Kampf gegen die Bundesrepublik auch durch Streiks auf wichtigen Gebieten zu führen.

(Weitere Einzelheiten siehe Seite 2.)


Zweihundertfünfzig deutsche Studenten reisten mit ihren Professoren auf Einladung des Instituts für den internationalen Unterricht in Neuyork nach Amerika. Das Bild zeigt die Studenten und Professoren nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Neuyork
Zweihundertfünfzig deutsche Studenten reisten mit ihren Professoren auf Einladung des Instituts für den internationalen Unterricht in Neuyork nach Amerika. Das Bild zeigt die Studenten und Professoren nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Neuyork

Dienstzeit verlängert

Bekanntmachung von Attlee

London, 30. August. (AP.) Der britische Premierminister Attlee hat am Mittwoch bekanntgegeben, daß die allgemeine Dienstzeit in der britischen Armee von 18 auf 24 Monate erhöht und der Wehrsold für alle Dienstgrade heraufgesetzt werden soll.

Wahlen in Südafrika

*** Am Mittwoch sind in der Südafrikanischen Union Wahlen vorgenommen worden, die in mancherlei Hinsicht Beachtung verdienen, da die Stimmen von dreitausend Deutschen dabei in doppelter Hinsicht ausschlaggebend sind. Diese Deutschen leben in dem früheren Deutsch-Südwestafrika, das zur Zeit noch ein Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union ist. Viele von ihnen waren während des zweiten Weltkrieges dort interniert. Jetzt stehen ihnen für Südwestafrika sechs Mandatssitze zu. Um ihr Stimmrecht auszuüben, haben manche Wahlberechtigte 150 Kilometer bis zum WahlloI’-’! zurückzulegen, denn sie leben innerhalb eines Gebietes, das halb so groß ist wie Frankreich.

Die Deutschen geben ihre Stimme nicht für sich allein ab. Sie haben die Möglichkeit, entweder die Nationalpartei Dr. Malans oder die Union-Partei des früheren Ministerpräsidenten Marschall Smuts zu wählen. Stimmen sie für die Partei des jetzigen Premierministers Malan, so ist es sicher, daß Südwestafrika als fünfte Provinz der Südafrikanischen Union einverleibt wird. Stimmen sie für Smuts, dem die meisten Deutschen wegen ihrer Erfahrungen in der Kriegszeit ablehnend gegenüberstehen, so wird Südwestafrika weiterhin Mandatsgebiet bleiben.

Die Entscheidung der Deutschen wird aber noch weitere Folgen haben. Von ihren sechs Mandaten hängt es ab, ob Malan am Ruder bleibt oder Smuts ihn ablöst. Sie sind also das Zünglein an der Waage und entscheiden darüber, ob die strenge Rassen-Absonderung, die Malan eingeführt hat, bleibt oder ob Smuts zur Regierung kommt, der den Farbigen der Union gegenüber eine versöhnlichere Haltung einnimmt.

Die Nationalpartei Dr. Malans führt ihren Wahlfeldzug mit dem Schlagwort: „Möchten Sie, daß Ihre Kinder Kaffern heiraten?“ Das Rassenproblem hat sich unter der Regierung Malans in der Südafrikanischen Union außerordentlich zugespitzt, denn die rund 26 000 Weißen befinden sich der farbigen Bevölkerung gegenüber in einer hoffnungslosen Minderheit, und die Nationalpartei glaubt, die Vorherrschaft der Weißen nur retten zu können, wenn sie scharfe Grenzen zwischen den Rassen zieht.

Die Voraussagen über das Ergebnis der Wahl sind sehr verschieden. Beide Parteien rechnen auf die Stimmen der dreitausend Deutschen, deren Entscheidung so schwerwiegend ist, daß man es wohl verstehen kann, wenn es heißt, viele von ihnen wollten sich lieber der Stimme enthalten.

Wohnungen aus Ruinen

Von Dr. jur. Laurenz Fischer, Duisburg

Jedem, der durch die Straßen unserer zerstörten Städte geht, wird die Vielzahl der Häuser auffallen, die ausgebrannt sind, bei denen aber noch so viel Mauerwerk erhalten ist, daß der Wiederaufbau lohnend erscheinen muß. Die Antwort auf die Frage, warum dies nicht geschieht, ist sehr einfach: Dem Hauseigentümer fehlt das Geld. Zwar werden bereits unter verschiedenen Voraussetzungen und auf verschiedenen Wegen kleinere oder größere Kredite ausgegeben, sie reichen aber zur Vollfinanzierung niemals aus, und die Schwierigkeiten bei ihrer Beschaffung sind so groß und die Auszahlung zeitlich so ungewiß, daß nur verhältnismäßig wenige aufgebaut werden können. Es kommt deshalb darauf an, die verfügbaren Mittel so einzusetzen, daß mit einem Minimum an Arbeit und Kosten der höchste Nutzen erzielt wird. Dies soll auf folgende Weise erreicht werden:

1. Das Haus wird vollständig aus öffentlichen Mitteln aufgebaut.

2. Eigentümer, Steuerbehörde und Gläubiger verzichten auf die Dauer von fünf Jahren auf jeden Anteil an den Mieten.

3. Die eingehenden Mieten werden auf die Dauer von fünf Jahren lediglich zur Rückzahlung der Baukosten verwendet. Nur die reinen Betriebskosten dürfen aus den Mieten gedeckt werden.

4. Das Haus wird, solange die Mieten, wie oben erwähnt, verwendet werden, der Verwaltung einer öffentlichen Wohnungsgesellschaft unterstellt.

5. Die nach fünf Jahren nicht getilgte Kapitalschuld wird als Hypothek zu normalen Bedingungen eingetragen.

Belebung der Bautätigkeit

Dieses Verfahren hat eine große Zahl von Vorteilen gegenüber den bisher geübten Methoden. Zunächst kann ein großer Teil von jetzt noch wiederherstellbaren Ruinen gerettet werden, die verfallen müßten, weil die Verwitterung nicht aufzuhalten ist. Es wird mit den geringsten Mitteln der größte Nutzen erreicht. Keinem der Beteiligten werden Opfer zugemutet, die er nicht auch ohnedies tragen müßte. Die Steuerbehörde, der Hypothekengläubiger und der Eigentümer haben aus ihrer Ruine keinen Nutzen. Das Objekt wird durch den fortgeschrittenen Verfall nur wertloser. Der Geldgeber, also die öffentliche Hand, verzichtet zwar auf Zinsen aus dem Baukapital. Dafür sind aber die Rückzahlungen so erheblich, daß im folgenden Jahr wieder eine große Zahl weiterer Instandsetzungen vorgenommen werden können. Die Belebung der Bautätigkeit wird so groß sein, daß die sich hieraus ergebenden steuerlichen Vorteile erheblich größer sein werden, als der Zinsnutzen aus dem Baukapital.

Das Verfahren ist auch durchaus einfach. Abgesehen von einem Beschluß der Gemeindevertretung, auf die Steuern bei den in Rede stehenden Bauten zu verzichten, bedarf es nur eines privatrechtlichen Vertrages zwischen dem Eigentümer, den Gläubigern und dem Geldgeber. Die Eintragung der Hypothek wird erst nach fünf Jahren notwendig und macht die Mehrzahl von Hypotheken mit ihren vielen Formularen, Anträgen, Prüfungen, Unterlagen und Kosten, die jetzt

noch die Voraussetzung des Bauens sind, entbehrlich. Das Baukapital ist voll vorhanden, weil der Wiederaufbau restlos finanziert wird. Der Einsatz staatlicher oder sonstiger öffentlicher Organe wird auf ein Mindestmaß beschränkt, weil alle mit dem Bau und der Vermietung zusammenhängenden Dinge in der Hand der Wohnungsgesellschaft liegen. Da diese über ausreichende Bauerfahrungen verfügt, fällt das Experimentieren weg.

Die Auswahl

Der Eigentümer ist in der Verfügung über sein Grundstück nicht beschränkt. Will er verkaufen, so kann der Wert des Hauses jederzeit errechnet werden, sobald die Baukosten und Mieten feststehen. Nur die hypothekarische Belastung ist ausgeschlossen. Bei der Auswahl der Objekte müßte also die wirtschaftliche Lage des Eigentümers so weit wie möglich geprüft werden, damit die Eintragung von Zwangshypotheken vermieden wird. Sollte trotzdem in dem einen oder anderen Falle hieraus ein Risiko erwachsen, so kann dies bei den großen Vorteilen, die das Verfahren bietet, in Kauf genommen werden. Von der sofortigen Eintragung einer Sicherungshypothek oder Grundschuld für den Geldgeber wird abgeraten, weil dies nur Kosten verursacht und das Verfahren aufhält.

Die Auswahl der Häuser, die auf diese Weise hergestellt werden können, dürfte nicht schwer sein. Inzwischen sind von vielen öffentlichen Dienststellen Planungsämtern, Bauämtern, Kriegsschädenämtern, Finanzämtern und anderen mehr so zahlreiche Durchprüfungen und Erhebungen vorgenommen worden, daß dieses Aktenmaterial, wenn es zusammengetragen wird, vollauf genügt. Eine Besichtigung der in Frage kommenden Häuser durch einen oder mehrere Bausachverständige reicht aus, um die Wiederaufbaufähigkeit des Hauses festzustellen. Die Frage, ob sich die Wiederherstellung rentierlich lohnt, ist dabei nicht zu erwägen, weil sich jeder Wiederaufbau lohnt, wo noch genügend verwertbares Mauerwerk vorhanden ist. Es braucht auch nicht darüber nachgedacht zu werden, was aus den öffentlichen Grundschulden wird, die aus der Abwertung der Hypotheken entstanden sind. Daß diese Grundschulden Wegfällen müssen, ist selbstverständlich, wenn überhaupt die Ruinen wieder aufgebaut werden sollen.

Berechnung der Mittel

Was nun die aufzuwendenden Mittel betrifft, so wird folgende Rechnung dem Durchschnitt entsprechen: Es wird unterstellt, daß die Wiederherstellung eines vierstöckigen Wohnhauses mit sechs Räumen auf jedem Stock 50 000 DM kostet. Nimmt man an, daß die Drei-Raum-Wohnung durchschnittlich 50 DM im Monat an Miete aufbringt, so beträgt das Brutto-Mietaufkommen des Hauses jährlich 4800 DM. Von diesem Mietaufkommen werden für Betriebsausgaben rund zehn Prozent verbraucht, so daß zur jährlichen Tilgung rund 4300 DM verbleiben. In fünf Jahren werden somit 21 500 DM getilgt. Damit verbliebe nach fünf Jahren eine Hypothek von 28 500 DM, die als normale Belastung anzusprechen wäre. Soweit der Eigentümer im einzelnen Fall aus dem Lastenausgleich Zuwendungen erhält, kann er diese zur Verminderung der Hypothek verwenden. Die Auswirkungen auf die Wohnungsbeschaffung und den Baumarkt ergeben sich daraus, daß mit einem Aufwand von fünf Millionen DM bereits 2400 Wohnräume gleich achthundert Wohnungen zu je drei Räumen erstellt werden können. Die Prüfung der wiederaufbaufähigen Ruinen in den einzelnen Städten wird ergeben, welche Mittel einzusetzen sind.

Die unrentierlichen Kosten

Praktisch läuft das Verfahren darauf hinaus, daß die sogenannten unrentierlichen Kosten von der öffentlichen Hand getragen werden. Dies muß sowieso geschehen, wenn überhaupt der Wohnungsbau gefördert werden soll. Auch bei den heute mit mehreren Hypotheken finanzierten Wiederherstellungsbauten ist die Streichung der verbilligten Zinsen vorgesehen. Wenn dem Vorschlag gemäß verfahren wird, so wird die mit der Zinssenkung oder Zinsstreichung verbundene große Verwaltungsarbeit erspart bleiben. Die Ueberleitung der unrentierlichen Kosten auf die Allgemeinheit geschieht ferner in einer Weise, die

l.eine neue Gesetzgebung überflüssig macht,

2. keine neue Behörde ins Leben ruft,

3. sich auf ein Mindestmaß an Verwaltungsarbeit beschränkt,

4. die Vollfinanzierung des Bauwerkes sichert,

5. die rascheste Inangriffnahme ermöglicht und das Bauen auf breiteste Grundlage stellt,

6. allen Beteiligten im Rahmen der Gegebenheiten nur Vorteile bringt.

Seltsamer Handel

-ten. Wer es noch nicht begriffen hatte, hat es von den Rednern des kommunistischen Nationalkongresses in Ost-Berlin klipp und klar gehört: Die westdeutsche Autorität und Sicherheit sollen von bolschewistischer Propaganda unterminiert werden. Die westdeutsche Bevölkerung hat bei zu vielen Gelegenheiten bewiesen, daß sie vom Kommunismus nichts hält. Zu viele Soldaten haben in Rußland seine Segnungen kennengelernt. Und der Anschauungsunterricht, den die Zonenvergleiche ermöglichen, springt in die Augen. Aber die Kommunisten geniert es nicht, wenn sie die Wahrheit gegen sich haben. Sie verdrehen dann eben die Wahrheit. Neuerdings gedenken sie, aus einem Warenverkehr zwischen Westdeutschland und den Ländern des Ostens einfach einen Handel zwischen der Sowjetzone und den Oststaaten zu machen.

Wie das? Sowjetzonen-Minister Handke hat auf der Leipziger Messe trocken erklärt, Westdeutschland könne sich in den Außenhandel mit dem Osten, vor allem mit China, nur über die Söwjetzone einschalten; dazu müsse Westdeutschland ein Handelsabkommen mit der sowjetischen Zone abschließen und ihr diejenigen Waren liefern, die China (oder die anderen Länder) auf Grund der vorher einzureichenden westdeutschen Angebote, über die Sowjetzone, verlange.

Das ist fein ausgedacht. Damit würde die Sowjetzone die Hand an der Kehle unseres Handels mit dem Osten haben und sich außerdem vor der Welt und der deutschen Wirtschaft mit den Fedem der westdeutschen Leistung schmücken.

Wir haben unsererseits ein paar Fragen dazu: Wollen westdeutsche Firmen wirklich in großem Umfang diesen Weg über die Sowjetzone gehen, wie Herr Handke behauptet? Was sagt die Bonner Regierung dazu? Werden die Oberkommissare Handkes propagandistische Behauptung widerlegen, daß die Sowjetzone große Angebote aus England, Frankreich und der Schweiz von solchen Waren erhalte, deren Lieferung der Bundesrepublik von der Oberkommission verboten sei?

Junkers-Bomber, die vor zwanzig Jahren gebaut worden sind, haben den bisher schwersten Luftangriff in Französisch-Indochina gegen einen Stützpunkt der Aufständigen geflogen.

Was wird aus der Stahlquote?

Die Export-Steigerung von der Erhöhung der Quote abhängig

Drahtbericht unseres Korrespondenten

R. Bonn, 30. August. Ministerialrat Schmid vom Bundeswirtschaftsministerium hat vor der Presse dargelegt, daß ohne eine Erhöhung der deutschen Stahlquote die Exportaufträge aus dem Westen nicht erfüllt werden könnten.

Ende September wird nach den Mitteilungen die zugelassene Jahreshöchstproduktion von 11;1 Millionfen Tonnen Rohstahl erreicht sein, und diese Produktion wird im neuen „Stahljahr“ vom 1. Oktober an gerade den Eigenbedarf Westdeutschlands decken, so daß die Lieferungswünsche der Alliierten nur erfüllt werden können, wenn die Stahlquote erhöht wird.

Der Sprecher führte weiter aus, zunächst werde die Stahlproduktion in dem bisherigen erhöhten Maß der letzten Monate weitergehen und müsse dann in der zweiten Hälfte des neuen Stahljahres gedrosselt werden, falls die Quote nicht erhöht werde.

Auch bei einer Erhöhung der Quote im Rahmen der Westdeutschland verbliebenen Stahlproduktionskapazität würden höchstens 13,5 Millionen Tonnen Stahl jährlich erzeugt werden können, von denen dann monatlich 150 000 Tonnen für Zwecke der Exportaufträge verwandt werden könnten. • , :<

Der Vorsitzende des Schrotthandelsverbandes. Adloff, nahm ebenfalls vor der Presse Stellung zu Vorwürfen in amerikanischen Zeitungen, daß die Bundesrepublik ihre Schrottlieferungsverpflichtungen gegenüber, dem Westen nicht erfülle und nur die „Roten“ beliefere. Er legte dar. daß vpn einem Gesamtschrottaufkommen seit der Währungsreform bis zum 30. Juni 1950 von 11.387 Millionen Tonnen 4,954 Millionen Tonnen exportiert worden seien, von denen England 2,611 Millionen Tonnen, die Vereinigten Staaten 746 000 Tonnen. Italien 442 000 Tonnen erhalten habe, während auf den Ostblock einschließlich Jugoslawien nur 350 000 Tonnen entfallen seien, die man im Rahmen der von den Alliierten genehmigten Handelsverträge geliefert habe. An Sowjetrußland sei überhaupt nichts geliefert worden und Verhandlungen über eine Lieferung von 50 000 Tonnen seien noch nicht abgeschlossen.

Das Problem der deutschen Schföttausfuhr liegt nach den Ausführungen dieses Sprechers darin, daß bei einem monatlichen Schrottaufkommen von 550 000 bis 600 000 Tonnen bei einer Rohstahlerzeugung von 13,5 Millionen Tonnen jährlich höchstens 100 000 bis 150 000 Toniien für den" Export nach Befriedigung des Zukaufsbedarfs der eisenschäffenden Industrie übrig blieben.

Das Verhältnis im Juli, einem Monat, in dem 320 000 Tonnen Schrott im Inland verwendet worden und 306 000 Tonnen in den Export gegangen seien, sei ebenso untragbar, wie die augenblickliche Unordnung auf dem Schrottmarkt wegen der Differenz zwischen dem Inlandspreis von 73 DM zu dem Weltmarktpreis von 100 bis 115 DM je Tonne. Der Sprecher trat für gebundene Schrottpreise als natürliche Folge der gebundenen Eisenpreise ein, wies auf die Folgen einer Verteuerung der deutschen Produktion bei einfer Angleichung des Inlands- an den Auslandspreis hin urid forderte, daß das Wirtschaftsministerium den Schrottexport dem Schrottäufkömmen anpasse und daß der Inlandspreis gehalten werde.

Vierzehn Millionen Tonnen?

Frankfurt, 30. August, (dpa) Der amerikanische Oberkömmissar McCloy ist am Mittwochmittag von Frankfurt nach Neuyork abgeflögen. Er wird dort als Sachverständiget- für deutsche Fragen an den vorbereitenden Besprechungen zur Konferenz der Außenminister teilnehmen. Es wird angenommen, daß die formelle Beendigung des Kriegszustandes mit der Bundesrepublik beschlossen wird. Als eine andere erste Aenderung des Besatzungsstatutes werden eine mögliche Erhöhung der gegenwärtigen Stahlquote von 11,1 Millionen Tonnen jährlich auf 14 bis 15 Millionen Tonnen und unter bestimmten Voraussetzungen die Uebertragung der Verantwortlichkeit für die Dekartellisierung an die T mdesregierung genannt.

Schwerbeschädigten-Werkstätten

bei Krupp werden demontiert

Essen, 30. August, (dpa) Die Kruppschen Schwerbeschädigten - Werkstätten haben ihren Betrieb einstellen müssen, nachdem die Verhandlungen über die Erhaltung ihres Maschinenparks gescheitert sind und die neunzehn Maschinen der Werkstätten jetzt demontiert werden.

Die Maschinen, die jetzt demontiert werden, wurden von den Schwerbeschädigten aus den Trümmern der Kruppwerke geborgen und in mühevoller Arbeit wieder hergerichtet. Sie standen bereits vor einem halben Jahr auf der Demontageliste, wurden aber nach einer Rücksprache des Bundeskanzlers mit den Oberkommissaren von den Besatzungsmächten für sechs Monate wieder freigegeben. Das Empfängerland Frankreich hat die in Verhandlungen angebotenen Schrottlieferungen als Ersatz für die zum Teil veralteten Maschinen abgelehnt.

Schumacher bei Adenauer

Bonn, 30. August. (AP.) Bundeskanzler Dr. Adenauer hat sich am Mittwochnachmittag mit dem Oppositionsführer Dr. Schumacher zu einer Konferenz getroffen, die bei Redaktionsschluß noch andauerte. Das Thema der Besprechung, die unter vier Augen abgehalten wurde, ist nicht bekanntgegeben worden.

Der Streik wächst

Zahlreiche Tarifverträge gekündigt

F.A.Z. Frankfurt, 30. August. (Eigene Berichte.) Die Streikwelle, die sich zunächst auf das Baugewerbe in Frankfurt und Hannover beschränkt hatte, zieht immer weitere Kreise. In Hessen kündigt sich eine Streikbewegung unter den Holzarbeitern an. In Hamburg haben die Gewerkschaften der Hafenarbeiter der Nordseehäfen beschlossen, die Tarifverträge für 40 000 Hafenarbeiter zum 30. September zu kündigen und eine Erhöhung des Tagelohns um 2,50 Mark zu verlangen. Hans Böhm, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat. auf einer Protestkundgebung der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Oeffentlichen Dienstes in Hamburg erklärt, „Stillhalten gibt es nicht mehr.“

Der Hauptvorstand der Deutschen Angestelltengewerkschaft hat am Mittwoch bestätigt, daß in Nordrhein-Westfalen etwa dreißig Tarifverträge für Angestellte zum 30. September gekündigt worden seien. Die Industriegewerkschaft Bau in Nordrhein-Westfalen hat beschlossen, sich der Streikbewegung anzuschließen und zunächst örtliche Kampfmaßnahmen zu ergreifen. Gewerkschaftsfunktionäre haben die Bauarbeiter im Bezirk Nordrhein aufgefordert, keine Ueberstunden mehr zu leisten und nicht mehr in Akkord zu arbeiten. Die Industriegewerkschaft Bau im Regierungsbezirk Aachen hat mit Streik gedroht, wenn der Stundenlohn nicht sofort um zwanzig Pfennig erhöht werde.

Staatliche Schlichtung?

Storch will verhandeln

Düsseldorf, 30. August, (dpa) Bundesarbeitsminister Storch wird am Donnerstag in Bonn mit Vertretern des Hauptverbandes der Bauindustrie und des Zentralverbandes des Bauhandwerks über.die Streiklage im Baugewerbe verhandeln. Wie die Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie im Düsseldorf mitteilt, wird mit der Errichtung einer Schlichtungsstelle gerechnet, die durch einen Schiedsspruch die Gefahr eines Bauarbeiterstreiks im ganzen' Bundesgebiet bannen ■soll. \

Die Wirtschaftsvereinigung Bauindstrie glaubt, daß ein allgemeiner Streik, falls er ausbrechen sollte, nicht von langer Dauer sein werde, da nur dreißig bis vierzig Prozent, der Bauarbeiter gewerkschaftlich organisiert seien. Außerdem seien die Ursachen der Streikwelle politischer und nicht lohnpolitischer Natur. Die Besetzung der örtlichen Gewerkschaftssekretariate in den meisten Großstädten Nordrhein-Westfalens mit kommunistischen Elementen beweise das.

Gegen diese Darstellung wendet sich die Industriegewerkschaft Bau, Landesbezirk Nordrhein-Westfalen, mit der Erklärung, bei den Forderungen der Bauarbeiter auf höhere Stundenlöhne hätten parteipolitische Gesichtspunkte nicht die geringste Rolle gespielt. Eine Aeußerung Max Reimanns in Berlin, der Frankfurter Streik der Bauarbeiter gehe auf kommunistischen Einfluß zurück, sei völlig unverständlich und irreführend.

„Nicht mit Adenauer besprochen“

Zur Unterredung mit Böckler

Fö. Düsseldorf, 30. August. (Eigener Drahtbericht). Die Pressestelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat am Mittwoch dementiert, daß auf die Unterredung zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem Gewerkschaftsvorsitzenden Dr. Böckler vom Montag hin eine Lokalisierung des Bauarbeiterstreiks auf Hessen erwartet werden könne. Der Bauarbeiterstreik sei nicht Gegenstand dieser Besprechung gewesen, und es entspreche auch nicht den Tatsachen, daß er den Bundeskanzler vor der Anwendung gewerkschaftlicher Kampfmittel durch die einzelnen Gewerkschaften zur Durchsetzung ihrer Lohnforderungen gewarnt habe.

Beamte gegen den Streik

F. A. Z. Frankfurt, 30. August. Wie wir vom Deutschen Postverband im Deutschen Beamtenbund erfahren, lehnt dieser Verband die Urabstimmung der Deutschen Postgewerkschaft über die dreiprozentige Sonderbesteuerung für Beamte zu Gunsten der vertriebenen Beamten ab. Die Auffassung der Beamten vom Berufsbeamtentum verbiete es, durch Streik die öffentliche Ordnung zu erschüttern. Der Deutsche Postverband Werde daher der Urabstimmung fernbleiben. Die Deutsche Postgewerkschaft, die Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund ist und Arbeiter, Angestellte und Beamte der Post gleichzeitig erfaßt, hatte zu einer Urabstimmung aufgerufen, die darüber entscheiden soll, ob die Postbediensteten in den Streik treten wollen, wenn die Bundesbehörden die dreiprozentige Sonderabgabe für die Beamten in die Tat umsetzt.

Stimmen der Anderen

Bumerangs

Zu den Sabotage-Drohungen gegen die Bundesrepublik, die auf dem Berliner Kongreß der kommunistischen „Nationalen Front“ geäußert wurden, schreibt der Berner „B und“:

„Alle kommunistischen Spekulationen werden sich auf die Dauer als Fehlschläge erweisen. Die SED-Führer können in Westdeutschland zwar eine richtige Angstpropaganda entwickeln. Aber sie müssen sich darüber im klaren sein, daß die Bonner Regierung nicht untätig bleibt. Die giftigen kommunistischen Agitationspfeile werden letzten Endes in das eigene Lager zurückschnellen.

Es liegt an den Kommunisten selbst, ob sie das Verbot (der KPD) vermeiden oder heraufbeschwören Werden. Amerikaner wie Deutsche sind sich darin einig, daß man vor das Verbot der Partei ein Maximum an Geduld und defensiver Bemühungen treten lassen muß. Daß man andererseits aber auch nicht bereit ist, sich die eigene Geduld über den Kopf wachsen zu lassen, geht schon aus dem jetzigen einleitenden Abwehrstadium deutlich hervor.“

Krähwinkel

Das „S onnta gsb 1 a 11“ schreibt:. „Wir haben elf Länder. Ihre Schulhoheiten werden durch elf Kultusminister repräsentiert. Unter ihnen arbeiten elf Schulverwaltungen. Das hatte in fünf Jahren folgendes elffaches Ergebnis: In drei Ländern beginnt die höhere Schule nur mit Englisch, in einem nur mit Latein und in einem nur mit Französisch. Sie beginnt in weiteren drei Ländern mit Latein oder Englisch und in zweien mit Latein oder Französisch. Ein Land hat sich bisher noch nicht entschließen können, womit es beginnt.

Sechs Länder halten an der vierjährigen Grundschule fest, drei Länder führten die sechsjährige Grundschule ein, zwei Länder bereiten sie vor. In Schleswig-Holstein wurde die Gemeinschaftsschule, in Bayern die Bekenntnisschule zur Regel. In Württemberg-Baden wurden die Schulen dem Einfluß der Gemeinden entzogen. In Württemberg-Hohenzollern wurde die Unterhaltspflicht den Gemeinden übertragen.

Gewiß, auch früher bestanden erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, aber es gab noch niemals einen solchen Wirrwarr wie heute. Müssen beispielsweise die Klassenbezeichnungen länderweise verschieden sein? Sie müssen es offensichtlich nicht. Muß das bei einer Bewerbung vorgelegte Zeugnis der Südbadischen Schule mit seiner Zensurenskala von 1 bis 20 von vornherein jede Vergleichsmöglichkeit mit denen aus anderen Ländern ausschließen? Hierfür gibt es keinen vernünftigen Grund. Müssen zwei Länder ihre Schulen am 1. September beginnen lassen, während in allen übrigen das Schuljahr am 1. April anfängt? Die Notwendigkeit hierfür ist nicht einzusehen.

Den Geist von Weimar zu zitieren, während man den Geist von Krähwinkel praktiziert — es könnte dabei mehr in Scherben gehen als die Schule.“

Zwang zum Zeitungsdruck

Nürnberg, 30. August, (dpa) Der Verlag Nürnberger Presse G. m. b. H. muß das kommunistische Organ „Nordbayerische Volkszeitung“ auf gerichtliche Verfügung .weiterdrucken. Das Landgericht Nürnberg hat diese von der Kommunistischen Partei beantragten Verfügung am Mittwoch dem Verlag zugestellt und eine Geldstrafe in unbeschränkter Höhe angedroht, wenn der Verlag der Anordnung nicht nachkommt. Der Druckauftrag wurde zunächst bis zum 30. September befristet. Bis zu diesem Termin soll ein Prozeß anberaumt werden. Betriebsleitung und Betriebsrat des Verlages hatten in der vergangenen Woche gemeinsam beschlossen, wegen Existenzgefährdung der Belegschaft den Druck der Zeitung einzustellen, da an anderen Orten zusammen mit dem Verbot von kommunistischen Zeitungen auch die Druckereien geschlossen wurden.

Der sowjetische Botschafter in Ankara, Lawrischew. ist mit neuen Instruktionen aus Moskau in die Türkei zurückgekehrt.

Unsereiner wird immer kleiner

34) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig

Knut bedient den Winker. „Was ist die Uhr?" fragt er.

„Elf.“

„Hoffentlich ist Beer noch außer Bett." „Sie wecken ihn sonst"

Beer schläft wirklich schon. Knut Steen klopft an seine Stube. Neben ihm' steht die schlampige Majorin, die Mary beim Frauenverein verpetzte.

Hinter der Tür fragt Teddy Beer, was es gäbe. „Hier ist Knut Steen. Ich soll Sie von Mary grüßen. Können Sie mal aufmachen?"

Die Majorin lächelt sauer, als Knut ihr beim Eintreten in Tedcj.ys Zimmer die Tür vor der Nase zumachf.

Teddy Beer nimmt den Bademantel über den Schlafanzug und räumt ein paar Fachbücher vom Tisch. Er ist ruhig, aber er sieht schlecht aus.

„Es isf wegen Mary“, beginnt Knut Er findet es jetzt doch schwer, zu reden. „Wenn ihr heiraten wollt, so möchten wir versuchen, euch Papas Hilfe zu verschaffen. Wieviel braucht ihr?"

Teddy Beer schüttelt den Kopf. „Wir brauchen gamichts“, antwortet er ruhig. „Ich hatte inzwischen Ursache, darüber nachzudenken.“ Er stockt und verändert seinen Sitz. „Mary und ich haben einen schlechten Start“, fährt er dann fort.

ROMAN VON HANS WOERNER

„Nafürlich ist das unsere eigene Schuld. Wir haben uns von der dummen Freude täuschen lassen, daß Ihr Vater eine Art von großem Los gezogen habe und Marys Zukunft sehr hell seh • Nachdem sie nun selbst einsah, daß sie sich narren ließ, wäre es sehr schlimm, wenn ich sie noch obendrein beleidige, indem ich in ihr den Verdacht erwecke, wir möchten ihren Vater bezahlen lassen, was uns eine Selbständigkeit kostet. Ich habe ihr das auch heute Abend geschrieben. Mein ■Vorschlag ist, daß wir beide arbeiten und zusehen, uns in einigen Jahren ein kleines Geschäft zu pachten. Das ist alles.“

Knut Steen räuspert sich. „Trotzdem!1' sagt er. „Trotzdem sehe ich jetzt nur ein, daß Sie selber gut daran tun, Papas Geld nicht zu erwarten. Er hatte auch nicht mehr als die achttausend Kronen aus dem jetzigen Rummel.“ Er lächelt. „Aber warum wollen wir ihn schonen? Er wird Mary los und er wird mich los, das ist schon eine Erleichterung. Ihre edlen Motive in Ehren, Teddy. Papa soll eine Glasveranda als Ladenraum an die Wohstube bauen, und Ihr macht dort ein Geschäftchen auf. Ihr werdet Euch über die Pacht des Raumes einig und erklärt später, Sie sei zu hoch. Und wir inserieren „Ein kleiner Laden, der sich große Mühe gibt." Basta!“ Teddy Beer lächelt

„Teddy, man muß sich an seinen Elfem schadlos halfen für das, was einem die Kinder später abknöpfen", schließt Knut und geht an das Fenster. „Darf ich meinen Freund aus seinem Wagen rufen? Haben Sie eine Möglichkeit, uns etwas zu trinken zu geben?“

„Ich könnte Kaffee kochen“, schlägt Teddy Beer vor.

„Machen Sie ihn bitte etwas stärker."

Zwei Stunden später kochen sie zu dritf ein zweitesmal Kaffee, weil Begger so spannend von Dingen erzählt, wie sie ein Privatchauffeur erlebt.

49

Es ist. vier Uhr, als sie losfahren. Begger wurde einfach immer interessanter, je später die Uhr wurde und je mehr Kaffee er frank. Also sputen sie sich jetzt. Der Wagen orgelt und man hört das Sausen in den Vergasern. Die jungen Männer rauchen, weil sie sich müde fühlen.

Als sie die Hauptstadt erreichen, will les schon hell werden.

„Ich bin jetzt hungrig“, erklärt Knut. „Ich nehme doch an, daß wir im Hotel gleich Frühstück bekommen können.“

Begger überlegt. „Wir kommen hier ganz in der Nähe der Straßenecke vorbei, an der wir neulich nachts die wundervollen Würstchen aßen“, sagte er. „Sollen wir versuchen, ob wir den Würstchenmax noch antreffen?“

„Ja, gewiß“, eifert Knut. „Mir läuft schon das Wasser im Munde zusammen.“ Begger kurvt um ein paar Ecken. Der Mann ist noch da. Er steht hier unter dem ersten Morgengrauen und sein blanker Kasten dampft. Ein paar Herren in bestaubten Tanzschuhen verabschieden sich gerade von ihm und gehen etwas schwankend davon.

„Ein Glück, daß Sie noch da sind“, lacht Begger den Wursfmann an.

; „Wir kommen von weit her und sind hungrig wie junge Hunde."

„Geben Sie mir zwei Paar“, bittet Knut.

Sie essen behaglich. Der Mann sieht ihnen freundlich zu. „Ich erkenne Sie wieder“, sagt er. „Sie waren mit diesem großen Wagen vor zwei oder drei Nächten auch hier und aßen Würstchen bei mir. Und der dritte Herr war heute Nacht alleine hier, aber er nahm nur ein trockenes Brötchen."

„Was sagen Sie da?“ schreit Knut Steen. Er bückt sich schnell nach den Würstchen, die er zu Boden fallen ließ. „Mann, was sagen Sie? Mein Vater war hier? Heute Nacht?“

„Ich wußte natürlich nicht, daß es Ihr Vater ist“, lächelt der Wurstverkäufer, „aber er war hier. Es muß gegen drei Uhr gewesen sein.“

„Wie sah er aus?“

„Gut! Vielleicht hafte er eine Magenverstimmung, aber man sah sie ihm nicht an.“

„Magenverstimmung?' ruft Knut. „Woraus schließen Sie das?“

„Aus dem trockenen Brötchen, Knut", antwortet Begger an der Stelle des Wursfmannes.

Knut geht zum Wagen zurück. Begger steigt ein.

„Soll ich davon meiner Mutter erzählen oder nicht?“ fragt Knut, als der Wagen wieder rollt.

„Gewiß doch!" meint Begger. „Sie wird sich daran frosten, daß er heute morgen noch lebte und gut aussah. Das trockene Brötchen würde ich an Ihrer Stelle allerdings nicht erwähnen."

Knut nickt. Begger treibt den Wagen. In der Halle des Hotels riecht es nach Spiegeleiern. Begger stellt Erkundigungen an. Sie essen noch Spiegeleier, ehe sie nach oben gehen.

Sie verabschieden sich. Knut betriff den großen Salon auf Zehenspitzen. Seine Mutter und Mary scheinen noch zu schlafen. Er geht leise zum Schreibtisch, aber es liegt nichts für ihn da. Er stößt gegen den Schreibfischsfuhl.

j.Knut“, ruft seine Mutter leise. „Ja, Mama!" Er tritt in die Tür zu ihrem Schlafzimmer. Frau Steen liegt noch zu Bett Aber auch Mary erwacht jetzt.

„Zu Hause ist alles in Ordnung, Mama. Inspektor Hicks bewacht auf Stadtkosten unser Haus und raucht Papas Sonntagszigarren. Ich besuchte auch Teddy Beer, Mary. Weiß Mama es eigentlich schon?'* Mary nickt

Eva Steen weint

„Weine doch nicht", ruft Knut leise und tadelnd. „Wir kommen ganz gut zurecht. Wir bauen eine Glasgeschichte an die Wohnstube und haben einen Laden. Teddy wollte es zuerst garnicht annehmen, aber ich überzeugte ihn. Schließlich haben wir keinen Grund, Papa zu verschonen. "Uebrigens soll Papa ganz gut aussehen , Knut unterbricht sich selbst. Um Himmels willen, wie rede ich hier, denkt er. Wie komisch ist es aber auch, in dieser Dämmerstunde hier in der Türe zu stehen, und zwei Frauen zu berichten, die noch zu Bett liegen. Seine Mutter hat ganz entsetzte Äugen.

(Fortsetzung Seite 9 und 10)

Das Landtagswahlgesetz

Eine Kampfabstimmung im Hauptausschuß

beriet am HUmJ. . Aug“st- Der Hauptausschuß des Hessischen Landtages den beiden bisher „ etzten Male eingehend das Landtagswahlgesetz. In Abstimmungen nie n!r u”gek,arten Streitfragen kam es dabei zu Kampften durch eine nirht . rschnftszahlen,die für Benennung eines Wahlkandidagegen die Stimmen vertretene Partei erforderlich ist, wurde — mummen der Kommunisten — auf 300 festgesetzt.

und der€Freien D^ Sozialde™kraten lediglich den kurhessischen Raum betraen wurde die Wahlkreiseinteilung wie sie die Regierungsvorlage vorsah, angenommen. " ’ dllse

Ausgeschlossen!

die „Freie Deutsche Jugend“

Wiesbaden, 30. August, (dpa) Der Landesjugendausschuß (LJA) Hessen bejSend d' tr!ag der Sozialistischen Jugend, die kommunistische Freie Deutsche Jugend (FDJ) aus dem Ausschuß auszuschließen und den Stadt- und Kreisjugendausschüssen zu empfehlen, das gleiche zu tun. Außerdem wandte sich der Ausschuß gegen eine finanzielle Unterstützung der FDJ durch staatliche und kommunale Behörden und gegen die Benutzung öffentlicher Jugendpflegeeinrichtungen durch die FDJ. Der Antrag der Sozialistischen Jugend wurde von der Katholischen Jugend, der Gewerkschaftsjugend und der Hessischen Landesjugend unterstützt.

Strategisch wichtige Güter

Ein Handelsverbot erwogen

Frankfurt/M. 30. August, (dpa) Ein Sprecher des amerikanischen Oberkommissariats hat am Mittwoch in Frankfurt bekanntgegeben, daß amerikanische Stellen in den letzten Tagen an der amerikanisch-sowjetischen Zonengrenze strategische Güter zurückgewiesen hätten, die aus der Bundesrepublik nach Ländern der östlichen Hemisphäre hätten gebracht werden sollen. Die Oberkommission erwäge gegenwärtig ein Verbot für den Handel mit bestimmten strategisch wichtigen Gütern zwischen Westdeutschland und östlichen Ländern, besonders der Sowjetunion. Als strategische Güter seien alle Waren anzusehen, die zur Kriegsvorbereitung oder Aufrüstung dienen könnten, zum Beispiel Stahl und Stahlwaren. Wie dazu verlautet, haben amerikanische Beamte in den letzten Tagen dreißig Waggons mit Maschinenteilen, Stahlwaren und ähnlichen Produkten an der Zonengrenze zurückgewiesen.

44 Millionen Mark Fehlbetrag

Das Kabinett verabschiedete den Haushaltsplan

Wiesbaden, 30. August. Das hessische Kabinett verabschiedete den Haushaltsplan des Landes für das Rechnungsjahr 1950/51, der mit einem Fehlbetrag von 44 Millionen D-Mark abschließt.

Wie Staatssekretär Hermann Bach vor der Presse bekanntgab, stehen im ordentlichen Haushalt den Einnahmen von rund 898 Millionen D-Mark Ausgaben in Höhe von 942 Millionen D-Mark gegenüber. Der außerordentliche Haushalt schließt mit 136,6 Millionen D-Mark in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen ab. Um das Defizit zu verringern, bleiben grundsätzlich 10 Prozent aller Ausgabensätze gesperrt. Der Finanzminister kann diese Sperre lockern, um den sozialen Wohnungsbau zu fördern.

Der für den sozialen Wohnungsbau im außerordentlichen Haushalt eingesetzte Betrag wurde von 39 Millionen D-Mark im Vorjahre auf 102,1 Millionen D-Mark erhöht.

Preise und Löhne

Eine Erklärung des Gewerkschaftsbundes

hd. Düsseldorf, 30. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Düsseldorf beschuldigt die Arbeitgeberverbände einer bewußten Irreführung der Oeffentlichkeit. Die Arbeitgeber hätten behauptet, daß zu der von den Gewerkschaften vertretenen Agitation zur Erhöhung der Löhne keine Veranlassung bestehe, da Preissteigerungen auf der einen Seite Preissenkungen auf der anderen Seite gegenüberstünden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verweist dagegen auf Berechnungen des Stastischen Bundesamtes, wonach in der Zeit von Mitte Juni 1950 bis Mitte August sich bei Getreideerzeugnissen Preissteigerungen bis zu 20,3 Prozent ergeben hätten. Die Preise für Schweinefleisch seien um 15,8 Prozent gestiegen.

Da infolge der Einkommensverhältnisse in Westdeutschland bei etwa 50 Prozent der Gesamtbevölkerung (mit einem Einkommen bis zu 250 Mark monatlich) die Ausgaben für die Waren des starren Bedarfs den überwiegenden Teil der Gesamtausgaben ausmachen, bedeute die anhaltende Preissteigerung bei den Lebensmitteln eine beträchtliche Einschränkung bei der Anschaffung der Waren des elastischen Bedarfs (Textilien, Schuhe, Hausrat und so weiter). Preissenkungen bei Gütern des elastischen Bedarfs seien deshalb für einen großen Teil der Bevölkerung kaum von Bedeutung.

Im Auftrag der Volkspolizei?

Sabotagetrupps der Freien Deutschen Jugend in Westdeutschland

Fö. Düsseldorf, 30. August. Die westdeutschen Blätter und die Pressedienste der Christlich - Demokratischen Union haben am Mittwoch übereinstimmende Berichte aus Bonn gebracht, wonach man in Kreisen, die der Bundesregierung nahestehen, in zunehmendem Maße ein generelles Verbot der Freien Deutschen Jugend fordert. Diese Jugend habe sich einwandfrei als die Hauptträgerin künftiger Sabotage- und Agententätigkeit erwiesen. Nach Ermittlungen der zuständigen Stellen seien in den letzten zwei Monaten 15 000 Angehörige der Freien Deutschen Jugend in die Bundesrepublik eingesickert, die nach entsprechender Ausbildung bei der Volkspolizei den Auftrag erhalten hätten, an einem Tage „X“ durch Sprengungen und andere Sabotageakte Brücken, Stellwerke, Schachtanlagen und wichtige Industriebetriebe zu zerstören beziehungsweise zu lähmen. Als „ortskundige Berater“ stünden ihnen Angehörige des westdeutschen kommunistischen Parteiapparates zur Seite.

Nach dem Urteil von Fachleuten sei diese Sabotagearmee durchaus in der Lage, Verkehr und Produktion in Westdeutschland entscheidend zu hemmen, wenn nicht unverzüglich energische Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in der Erfassung und Kontrolle aller von den Kommunisten illegal oder legal betriebenen Hilfsorganisationen, die für notwendig gehalten werde, laufe erst langsam an. Nur Hessen habe bis jetzt eine Übersicht darüber geben können, wieviel kommunistische Hilfsorganisationen in diesem Lande tätig seien.

wird Weizsäcker entlassen?

F.A.Z. Frankfurt, 30. August. (Eigener Bericht.) Wie aus amerikanischen Kreisen verlautet, kann mit einer Entlassung des früheren Staatssekretärs im Außenmm - sterium, Ernst Freiherr von Wracker, für Dezember gerechnet werden. Wei säcker waTvor sechzehn Monateni zu.einer sechsjährigen Gefängnisstra Tinterworden. Unter Anrechnung suchungshaft kann er auf Grundl guter Führung bereits Ende dieses Jahres e lassen werden, nachdem eine meue ame kanische Verfügung jetzt dafür für J Monat Haft zehn an Stelle von bisher fun Tagen der Strafe schenkt.

Der deutsche Studententag

Fö. Köln, 30. August. (Eigener Drahtbericbt) In der Kölner Universität ist am Mittwoch der erste Deutsche Studententag nach dem Kriege eröffnet worden. Bei der Eröffnungsfeier erklärte der erste Vorsitzende des Studentenbundes, der Studententag hätte eine alte Tradition wieder aufgenommen, damit die studentische Jugend der Oeffentlichkeit sagen könne, was ihr am Herzen liege. Gleichzeitig solle aber auch den Repräsentanten des öffentlichen Lebens Gelegenheit gegeben werden, zu den Studenten zu sprechen und mit ihnen zu diskutieren.

Letzte Telegramme

Kampf um jedes Haus

Schwere Kämpfe in Korea

Pusan, 30. August. (AP./dpa/Reuter.) An der Ostküste im Kampfraum Pohang nimmt die Schlacht um die Hafenstadt an Erbitterung zu. Die nordkoreanischen Angriffsverbände stehen in den Vororten von Pohang. Die Südkoreaner und die Amerikaner verteidigen hier jedes Haus und jeden Straßenzug, so daß die Nordkoreaner nur langsam Boden gewinnen. In Pohang selbst sind nur noch wenige Zivilisten und einige Polizisten. Der Druck der Nordkoreaner in diesem Abschnitt hat nach Zuführung von Verstärkungen vor allem in der letzten Nacht zugenommen.

Kigye, das von südkoreanischen Verbänden, die von amerikanischen Panzertruppen unterstützt worden waren, zurückerobert werden konnte, ist erfieut verlorengegangen. Im großen Nordbogen dieses Frontabschnittes bei Uisong haben die Nordkoreaner erhebliche Kräfte massiert und die Zurücknahme der südkoreanischen Linien erzwungen. Von hier aus bedrohen sie die Verbindungslinie Pohang—Taiku.

Zum Schutz vor Atom-Bomben

Washington, 30. August. (AP.) Präsident Truman hat den Kongreß am Mittwoch um die Bewilligung von 139 800 000 Dollar zur Vorbereitung einer eventuellen Evakuierung der Regierungsdienststellen aus Washington ersucht.

Die Vorlage ist arfecheinend Teil eines langfristigen Programms für die Dezentralisierung der Regierungsstellen, um sie gegen einen Atombomben-Angriff zu schützen.

Die Sowjetunion wird nach Berichten aus Moskau auf der im September beginnenden Vollversammlung der Vereinten Nationen vertreten sein.

Wirtschaftsblatt

Die Gewerbefreiheit

b. Das Memorandum der Alliierten Oberkommission zur Gewerbefreiheit, hat die Aufmerksamkeit erneut auf diese für das Handwerk entscheidende Frage gelenkt. Seit Beginn des Jahres 1949 klafft in der bis dahin einheitlichen Rechts- und Organisationsgrundlage des Handwerks ein tiefer Riß; für die amerikanische Zone ist die unbeschränkte Gewerbefreiheit seit über einem Jahre Tatsache, und man kann dort ihre Auswirkungen auf das Handwerk deutlich erkennen.

Nach einem handwerklichen Lagebericht des Bundesministeriums für Wirtschaft fällt auf, daß an die Stelle der bis dahin durchaus stetigen Entwicklung des Handwerks eine starke Fluktuation getreten ist und sowohl volkswirtschaftlich als auch im Interesse der beruflichen Ordnung unerwünschte Folgen gezeitigt hat. Zwar sind die Gewerbeanmeldungen im Handwerk von einem ganz ungewöhnlich hohen Stand im 1. Quartal 1949 allmählich wieder abgesunken; die Gewerbeabmeldungen zeigen dagegen unentwegt steigende Tendenz und gehen in den absoluten Zahlen wesentlich über jedes Normalmaß hinaus. Im Bezirk einer bayerischen Handwerkskammer betreffen über 45 Prozent dieser Löschungen solche Betriebe, die sich erst vor kurzem selbständig gemacht haben. Die Gewerbefreiheit hat somit zu zahlreichen Neugründungen geführt, die von vornherein nicht lebensfähig waren und deshalb mehr oder weniger rasch wieder verschwunden sind. Die Bewegungen der Handwerksrolle sind unter diesen Umständen nicht mehr das Spiegelbild einer stetigen, die allgemeine Wirtschaftsentwicklung kennzeichnenden Entfaltung des Handwerks und werden kaum mehr von fachlichen Gesichtspunkten bestimmt. Der Zustrom hat sich auf die kapitalschwachen Handwerke konzentriert und dort eine immer unerträglicher werdende Uebersetzung hervorgerufen. Die Erwartung, daß den Flüchtlingen eine bessere Möglichkeit der Existenzgründung gegeben werden könnte, hat sich als irrig herausgestellt: Gerade bei den Flüchtlingsbetrieben ist der Anteil der Gewerbeabmeldungen besonders hoch. So wurden zum Beispiel in Württemberg-Baden im Jahre 1948 nur 28 Flüchtlingsbetriebe in der Handwerksrolle gelöscht, im Jahre 1949 dagegen 133 Flüchtlingsbetriebe. Auch der Glaube, daß der „Tüchtigste“ mit dem „Billigsten“ gleichgesetzt werden könnte, und daß nunmehr eine allgemeine Senkung der Kosten für handwerkliche Leistungen und Lieferungen einsetzen müsse, war verfehlt: wohl sind solche Preisstürze feststellbar, aber weniger auf dem Gebiete des täglichen Bedarfs, weil man hier über gewisse einfache Kalkulationsgrundsätze nicht hinwegspringen kann, als vielmehr dort, wo es auf besonders gewissenhaftes Abwägen aller den Preis bestimmenden Faktoren ankommt, nämlich im Submissionswesen.

Nicht minder bedenklich ist darum die weitere Feststellung, daß in das Handwerk in großer Zahl fachlich unzulänglich ausgebildete oder völlig fachfremde Elemente eingeströmt sind. Bei den Neuzugängen der Handwerksrolle betrug der Anteil der durch die Meisterprüfung ausgewiesenen Betriebsinhaber bis zur Proklamation der unbeschränkten Gewerbefreiheit etwa 50 Prozent. In der amerikanischen Zone ist heute der Anteil derjenigen Gewerbetreibenden, die ein Handwerk unter Nachweis der bestandenen Meisterprüfung anmelden, auf etwa 18 Prozent abgesunken.

Die unbeschränkte Gewerbefreiheit hat also zur Folge, daß — zumeist mit unzulänglichen finanziellen Mitteln — hauptsächlich Klein- und Kleinstbetriebe errichtet werden, deren Inhaber weder die für” einwandfreie Arbeit notwendigen Fachkenntnisse besitzen, noch in der Lage sind, sich über die tatsächliche Kostengestaltung in ihrem „Betriebe“ ein wirklichkeitsgetreues Bild zu machen. Der durch die Marktwirtschaft geforderte Konkurrenzkampf artet bei diesen Betriebsinhabern zu Fehlkalkulationen und oft sogar zu bewußten Preisunterbietungen aus.: Die auch bei den öffentlichen Vergebungsstellen vielfach anzutreffende Neigung, den Zuschlag dem „Billigsten“ zu erteilen. leistet einer zunehmenden Verwirrung in der ordnungsmäßigen Preisgestaltung Vorschub. Die verantwortungsbewußt kalkulierenden Handwerksbetriebe sehen sich nicht in der Lage, dieser Art von Konkurrenz zu begegnen. Zwar bricht auch letztere vielfach doch über kurz oder lang unter Hinterlassung von Rückständen an Steuern, Soziallasten, Lieferantenschulden und selbst Löhnen zusammen; sie hat aber in der Zwischenzeit den gesunden Handwerksbetrieb aus dem Wettbewerb ausgeschaltet oder zur Entlassung von Arbeitskräften gezwungen.

Gedämpfter Exportoptimismus

Die Wirtschaftslage nach dem Monatsbericht der Bank deutscher Länder

Abgesehen von vorübergehenden Teilerscheinungen, haben die konjunkturellen Auftriebstendenzen nicht nur angehalten, sondern sich verschiedentlich sogar noch verstärkt. Daß die Wirtschaftstätigkeit im ganzen wächst, zeigt allein schon die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Eine noch deutlichere Sprache sprechen die Ziffern des Auftragseingangs. In der Mehrzahl der Industrien sind die Auftragseingänge in den letzten Monaten beträchtlich gestiegen. Auftragseingänge in Höhe von 150 Prozent des laufenden Umsatzes sind keine Seltenheit mehr, die Relation zwischen Auftragsbeständen und Umsatz ist in einzelnen Zweigen bereits übernormal. Eine wesentliche Triebkraft des Konjunkturanstiegs bilden weiter die wachsenden Exportaufträge, aber auch die Inlandsnachfrage ist beträchtlich gewachsen. Die Lieferfristen werden teilweise bereits länger, die Zahlungsbedingungen schärfer. An einigen Stellen deuten sich auch wieder gewisse Engpässe an. Verschiedentlich wird zum Beispiel über Mangel an Baufacharbeitern geklagt. Die Bundesbahn hat, je mehr die Ernte in Gang kommt, Schwierigkeiten, allen Güterwagenanforderungen pünktlich nachzukommen. Zwischen den Rohstoffanforderungen der eisenverarbeitenden Industrie und der Eisen- und Stahlnachfrage von Seiten des Auslandes ist eine leichte Rivalität entstanden. Die Grenzen, von denen ab die Nachfrage gegen das Angebot zu pressen beginnt, rücken also in manchen Bereichen deutlich näher, und es ist daher kein Wunder, daß die von den Weltmärkten ausgehenden Preisauftriebstendenzen immer weniger durch konträre Tendenzen am Binnenmarkt kompensiert werden, ja teilweise sogar eigenständige, wenn auch bisher noch schwache Preissteigerungstendenzen Platz greifen.

Aber auch die außenwirtschaftliche Lage steht neuerdings wieder im Zeichen einer leichten Anspannung. Für manche Beobachter bedeutet das vielleicht eine Ueberraschung. Angesichts der kräftigen Exportbelebung in den letzten Monaten war nämlich zum Teil der Eindruck entstanden, als könne der außenwirtschaftliche „Engpaß“ bereits als überwunden gelten, weil angesichts der Hausse an den Weltmärkten mit einer raschen, dem Einfuhrbedarf völlig genügenden Erhöhung der Ausfuhrerlöse zu rechnen sei. Zwar hat die Ausfuhr ihren bemerkenswerten Anstieg fortgesetzt, so daß sie im Juli bereits mehr als doppelt so hoch war wie im Oktober und November vorigen Jahres, aber im Juni und Juli hat die Einfuhr, und zwar auch die „kommerzielle“, das heißt die mit Devisen zu bezahlende Einfuhr, noch stärker zugenommen, so daß sich die internationale Zahlungssituation wieder etwas verschlechtert hat. Daß die Einfuhr nicht mehr lange auf dem verhältnismäßig niedrigen Stand der Frühjahrsmonate verharren würde, war von vornherein klar. Ihr Wiederanstieg ist in der letzten Zeit aber nicht unbeträchtlich dadurch intensiviert worden, daß wichtige Einfuhrgüter seit dem Ausbruch des Konflikts im Fernen Osten erheblich im Preis gestiegen sind und deshalb die Einfuhrwerte stärker wachsen als die -mengen und die Importeure zu erheblichen Voreindeckungen neigen. Hier zeigt sich deutlich, daß die neuere Entwicklung an den Weltmärkten für die Bundesrepublik nicht nur eine positive, sondern auch eine negative Seite hat, und daß die negative Seite fürs erste vielleicht sogar überwiegt. Jedenfalls muß Westdeutschland zunächst mit einer Verschlechterung seiner internationalen Austauschrelationen rechnen, die zumindest verhindern wird, daß sich die Handelsbilanz in dem Umfang verbessert, wie es der Entwicklung des Ausfuhr- und Einfuhr Volumens entsprechen würde. Andere Länder können solche zeitweiligen Erschwerungen mühelos mit ihren Gold- und Devisenreserven überbrücken. Die Bundesrepublik jedoch, deren monetäre Reserven so niedrig sind, daß ihre außenwirtschaftliche Bewegungsfreiheit aufs äußerste beengst ist, muß derartige Entwicklungen stets mit einer gewissen Sorge und äußerster Wachsamkeit verfolgen.

Binnenwirtschaftliche sowohl wie außenwirtschaftliche Erwägungen legen es daher nahe, in nächster Zeit eine Wirtschafts- und Währungspolitik zu betreiben, die die vom Inlandsmarkt ausgehenden Auftriebstendenzen in Grenzen hält. Bundesregierung und Bank deutscher Länder befinden sich hier in voller Uebereinstimmung. Namentlich gilt es, den Preissteigerungstendenzen nach Möglichkeit entgegenzuwirken, um zu verhindern, daß sich hier kumulative Prozesse anbahnen. Diese würden nämlich Westdeutschland aller Voraussicht nach an den Weltmärkten bald wieder ins Hintertreffen geraten lassen und es damit um die gegenwärtig vorhandene Chance bringen, sich rascher als es bisher möglich schien in einem seiner neuen Bevölkerungsdichte entsprechenden Maß in die Weltwirtschaft einzugliedern.

Die Nahrungsmittelversorgung ist gesichert

zr. Nach einer Mitteilung des Bundesernährungsministeriums ist die Versorgung der Bevölkerung der Bundesrepublik mit den wichtigsten Nahrungsgütern in jeder Weise gesichert. Ein Engpaß könne weder bei Brot, noch bei Fett oder Fleisch eintreten. Die Reserve der Bundesrepublik an Brotgetreide habe am 30. August 1950 rund 560 000 Tonnen betragen und werde täglich vergrößert. In den nächsten drei Monaten seien 200 000 Tonnen Weizen aus Pakistan zu erwarten, und im Laufe des Monats September würden über 270 000 Tonnen Weizen geliefert werden. Gegen Jahresende werde die Getreidereserve voraussichtlich eine Million Tonnen betragen. Aehnlich günstig sei die Lage bei Fleisch. Zur Zeit werden wöchentlich 7000 Schweine aus Polen und 3000 Schweine aus Ungarn eingeführt. Auf den westdeutschen Viehmärkten sei eine sinkende Preistendenz bei Schlachtschweinen festzustellen. Das Schlachtviehangebot der einheimischen Landwirtschaft sei mit rund 95 800 Tonnen in den Monaten Juli und August konstant geblieben, dagegen aber die Einfuhren von 9100 Tonnen im April auf 12 300 Tonnen im Mai, 16 000 Tonnen im Juni, 19 200 Tonnen im Juli und voraussichtlich 20 000 Tonnen im August gestiegen. Auch die Fettversorgung sei gesichert. Die eigene Butterreserve betrage über 16 000 Tonnen.

Der Handel mit IG-Papieren

Hi. Von der Oberkommission wird erklärt, daß erst nach der Festlegung der Durchführungsverordnungen zum IG-Gesetz die Frage des Handels mit IG-Aktien geklärt werden könne. Es sei noch völlig ungewiß, ob IG-Papiere noch vor Beendigung der Liquidation gehandelt werden würden.

Rückgang des Spareinlagenzuwachses

F.A.Z. Die monatliche Zuwachsrate der Spareinlagen bei den hessischen Banken und Sparkassen im Monat Juli beträgt nach Mitteilung des Hessischen Statistischen Landesamtes insgesamt nur 1,9 Millionen DM. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zuwachsrate um 85 Prozent zurückgegangen. Die Einzahlungen im Juli liegen um 4,6 Millionen DM niedriger als im Juni, während sich die Auszahlungen um 4,3 Millionen DM auf 20,5 Millionen DM erhöhten.

Anträge auf Lohnsteuerausgleich

Zu der Frist für Anträge auf Lohnsteuerjahresausgleich 1949, die zum 31. 5. 1950 gesetzt war, hat das Bundesfinanzministerium den Ländern mitgeteilt, daß eine allgemeine Fristverlängerung nicht beabsichtigt sei. Es hat jedoch empfohlen, unter den Voraussetzungen des § 86 und § 87 der Abgabenordnung Nachsicht bei verspäteter Antragstellung zu gewähren, wenn der Antragsteller ohne sein Verschulden verhindert war, die Antragsfrist einzuhalten.

Termin für Steuererklärung

F.A.Z. In einer Besprechung von Steuersachverständigen im Bundesfinanzministerium ist, wie wir erfahren, Uebereinstimmung darüber erzielt worden, daß alle Einkommensteuererklärungen, die bei den Finanzämtern bis zum 31. August 1950 eingehen, ohne Verlängerungsantrag noch als rechtzeitig eingegangen behandelt werden sollen. Darüber hinaus kann größeren Steuerpflichtigen, die durch Steuerberater oder Helfer in Steuersachen vertreten werden, die Steuererklärungsfrist auf Antrag verlängert werden. Im allgemeinen ist nach den Bestimmungen der einzelnen Länder der endgültige Termin auf den 1. Oktober festgesetzt, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Rheinland-Pfalz haben sich auf den 15. Oktober geeinigt. Eine Fristverlängerung über diesen Zeitpunkt hinaus ist nur in besonderen Einzelfällen möglich. \

Verständigung über Zolltarif

k. Zwischen deutschen und alliierten Sachverständigen haben am Mittwoch auf dem Petersberg abschließende Besprechungen über den alliierten Einspruch gegen den von der Bundesregierung verabschiedeten deutschen Zolltarif für die internationalen Zollverhandlungen stattgefunden. In einem Schreiben an Bundeskanzler Dr. Adenauer hatte der amerikanische Oberkommissar zuvor mitgeteilt, daß die Alliierte Oberkommission unter bestimmten Voraussetzungen bereit sei, den alliierten Einspruch zurückzuziehen. Deutscherseits soll man sich bereit erklärt haben, in der Frage der Industriezölle Zugeständnisse zu machen.

F. A. Z. Die Nassauische Landesbank — Nassauische Sparkasse Wiesbaden hat seit der Währungsumstellung für Neubauten, Wiederaufbauten und Instandsetzungen aus eigenen Mitteln fast 1500 Darlehen mit 20,5 Millionen DM zur Verfügung gestellt. Dazu wurden 25 Millionen DM sögenannte durchgeleitete Mittel verausgabt. Mit dem Gesamtbetrag wurden 8700 Wohnungen finanziert, davon allein im ersten Halbjahr 1950 3000 Wohnungen. Wie wir von dem Institut erfahren, kann der Absatz von Pfandbriefen als zufriedenstellend bezeichnet werden. Die Hessischen öffentlich-rechtlichen Realkreditanstalten haben bisher 11,6 Millionen DM Pfandbriefe abgesetzt, davon allein die Nassauische Landesbank 4,1 Millionen DM.

Bz. Rheinische Fabrik feuerfester Pro¬ dukte GmbH, in Andernach. Die Gesellschaftervers«.«imlung hat das Stammkapital auf 140 000 DM neu festgesetzt.

Filme, die wir morgen sehen

DER SEELENBRÄU


Paul Hörbiger in der Rolle des Dechanten von Köstendorf, genannt der „Seelenbräu", der mit drastischen Mitteln und noch drastischeren Predigten um das Seelenheil seiner Schäfchen besorgt ist. Sein Gegenspieler auf dem mehr weltlichen Sektor ist der Gastwirt Hochleithner, genannt der „Leibesbräu", um dessen Nichte sich ein Streit in punkto Erziehung zwischen den beiden entspinnt, bis die beiden Herren mit den dicken Schädeln und den weichen Herzen erkennen müssen, daß Clementine längst ihre eigenen Wege geht. Der Film entstand nach der gleichnamigen Novelle von Carl Zuckmayer. Im Thalia.
Paul Hörbiger in der Rolle des Dechanten von Köstendorf, genannt der „Seelenbräu", der mit drastischen Mitteln und noch drastischeren Predigten um das Seelenheil seiner Schäfchen besorgt ist. Sein Gegenspieler auf dem mehr weltlichen Sektor ist der Gastwirt Hochleithner, genannt der „Leibesbräu", um dessen Nichte sich ein Streit in punkto Erziehung zwischen den beiden entspinnt, bis die beiden Herren mit den dicken Schädeln und den weichen Herzen erkennen müssen, daß Clementine längst ihre eigenen Wege geht. Der Film entstand nach der gleichnamigen Novelle von Carl Zuckmayer. Im Thalia.

2 Filmminuten 2417 Arbeitsstunden

Die ganz und gar andere Seite des Films

„Traumfabrik“ ist ein wunderschönes Wort. Es erweckt sofort eine Begriffsvorstellung. Leider ist es nicht zutreffend, wenigstens nicht im Hinblick auf den zweiten Wortteil: Fabrik. In einer richtigen Fabrik hat bekanntlich alles seine Normen. Jeder Arbeiter, aber auch jeder Ingenieur weiß genau, in welcher Beziehung er und seine Arbeitsleistung zum rohen Material und zum fertigen Erzeugnis stehen. In der Direktion der Fabrik kann die Statistik sozusagen auf einen Knopfdruck hin die Frage nach der jeweils erforderlichen Arbeitszeit für einen zur Fabrikation gehörenden Gegenstand beantworten.

Beim Film ist es pahezu unmöglich, einen Test aufzustellen für das, was an Arbeitsleistung in einem über die Leinwand flimmernden Streifen steckt: Er mag ein Traum sein, in die Scheinwirklichkeit des Nacherlebens und die faktische Wirklichkeit des Zelluloidstreifens gebannt — er ist schließlich und letzten Endes ein Kind der Technik, im Rahmen einer „Produktion“ fertiggestellt. Er mag Handelsnormen geschaffen haben wie andere Industriefabrikate auch. Dennoch ist ein Film nie und nimmer etwas, das in einer Fabrik nach errechneten Zutaten schematisch aufs Fließband notiert werden kann.

Einen sehr interessanten Versuch haben kürzlich die Statistiker der REAL-Film unternommen: Alles, was an Arbeitsaufwand in zwei Filmminuten steckt, haben sie zu erfassen getrachtet, und zwar haben sie zwei beliebige Filmszenen von je einer Minute Dauer herausgegriffen. „Von hinten gesehen“, das heißt vom Büro her, ist ein sentimentaler Film eine ebenso nüchterne Angelegenheit wie ein Lustspiel oder ein Kriminalreißer: Da häufen sich die Abrechnungszettel, die Monatsberichte, die Materialanforderungen, die Belege der Requisiteure, die Quittungen der Komparsen, die Auslagen der Maskenbildner, die Aufstellungen über angefprtigte Garderobe, die Meldungen der Fahrer. Es erwies sich als ungeheuer schwierig, den „Rohkosten“ von zwei Filmminuten auf die Spur zu kommen und aus diesen wiederum den reinen Arbeitsaufwand herauszulesen. Nach langem Wühlen kam ein Ergebnis zustande: In diesen zwei durchschnittlichen Filmszenen, einer Minute Atelier- und einer Minute Außenaufnahme, steckten insgesamt 2417 erfaßbare Arbeitsstunden!

Die Statistiker atmeten auf. Sie hatten es geschafft.

Aber... die Produktion sah das Ergebnis so vieler Mühen mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Sie wußte etwas mehr über den Hergang beim Zustandekommen jener zwei Szenen und übersah mit einem Blick all das Unerfaßbare und Unwägbare, das gerade den Reiz und die Schwierigkeiten des Filmes ausmacht.

Wohl hatte sich errechnen lassen, wieviele Beleuchterstunden nötig gewesen waren, wieviel Montagearbeit hatte geleistet werden müssen, was die Bauhandwerker, Tischler, Tontechniker hatten beisteuern müssen, kurz: welchen Zeitaufwand der gesamte Aufnahme- und technische Stab an zwei Filmminuten gewendet hatte. Daß aber die Entwürfe des Architekten nicht in einer nach Stunden festgelegten Arbeitszeit hatten entstehen können, wer hätte sich getraut, das statistisch festzuhalten? Wohl weiß man in der kaufmännischen Statistik ohne die schließlich ein Filmhersteller die Übersicht verlieren würde daß zum fertigen Film auch die Arbeit der „Cutter“ im Schnittraum gehört. Unter ihren Händen entsteht ja eigentlich erst das Fertigprodukt Film aus den aber hundert kurzen Streifenteilen. Daß aber diese Kräfte oft Nächte anwenden, um das endgültige Erzeugnis aufführungsreif zu machen, wie sollte das als Arbeitsleistung errechnet werden können?

Der Weg von der Filmidee bis zum Drehbuch führt durch ein Labyrinth von Diskussionen und Erwägungen. Und auch damit ist es nicht getan. Ehe der Regisseur sich mit den Darstellern besprechen kann, ehe die Schauspieler vor die Kamera treten, hat jeder von ihnen Tage und oft Nächte mit dem Drehbuch verbracht. Und auch dabei wären noch die Beratungen über die Besetzung, die Motivjagd, die Eingebung des Komponisten, die Vorschau oder „Visjon“ des Kameramannes nicht berücksichtigt. Erst dann geht das große Rechnen los, erst dann schaltet sich der Apparat der Produktionsstätte ein, um Kraftwagen, Handwerker, Techniker in Betrieb zu setzen.

Mit dem Rechenstift allein lassen sich keine Filme machen. Käme es aber einmal dahin, so wäre es nicht mehr reizvoll. Denn das Beste an der Filmarbeit ist immer wieder das Geheimnis, das noch keiner enträtseln konnte. Ob ein Film ein Wurf wird — das kann man wohl hoffen und glauben, aber niemals vorher wissen.

Das also kommt dabei heraus, wenn man ganz genau sein will und zwei Filmminuten mit dem Rechenschieber zu erklären versucht. So interessant solche Bemühungen sein mögen, ein ungelöster Rest bleibt immer. Das eben ist der Unterschied zwischen Warenproduktion und Filmproduktion.

Die Kurbel

June Allyson ist Nr. 1. Die große amerikanische Fachzeitschrift „Exibitor“ hat durch eine Umfrage bei den Theaterbesitzern festgestellt, daß unter den zugkräftigsten Filmstars des Geschäftsjahres 1949/50 an erster Stelle June Allyson steht, die demnächst in dem Farbfilm der MGM „Die drei Musketiere“ in Deutschland zu sehen sein wird. Zu den ersten zehn gehören ferner Esther Williams, Lana Turner, Clark Gable und Spencer Tracy.

Beinparade. Virginia Mayo wurde von dem Verband der Strumpf warenfabrikanten Amerikas als das Mädchen mit den schönsten Beinen ausgezeichnet. Sie hatte dabei einige äußerst prominente Konkurrentinnen, wie die berühmte Französin Mistinguette und den amerikanischen Revuestar June Haver.

Die lachende Leinwand

In einem Hollywooder Kino hatte der Besitzer folgendes Plakat angebracht: „Nicht rauchen! Denken Sie an den großen Brand von San Franzisko!“ Red Skelton, der übrigens demnächst in dem MGM-Film „Badende Venus“ in Deutschland zu sehen sein wird, kritzelte darunter: „Nicht spucken! Denken Sie an die jährliche Ueberschwemmung am Mississippi!“ *

Zu den Aufnahmen für den - West-Film „Der Herr des Wilden Westens“ begab sich der gesamte Aufnahmestab in eine zerklüftete Gegend, die von Klapperschlangen nur so wimmelte. Der Regisseur schärfte seinem Assistenten ein, daß er, wo er eine Klapperschlange sähe, sie sogleich töten müsse. Der ungewöhnliche Auftrag verwirrte den jungen Mann derart, daß er nach einer Schlange griff, um einen Stock totzuschlagen.

* Hans Moser filmte in Wien. Außer seiner Filmarbeit hatte er auch abends auf der Bühne aufzutreten. Aufgeregt kam er im letzten Augenblick in die Garderobe. Der Direktor, der auf Moser gewartet hatte, fragte ihn: „Sie sind wohl etwas verstimmt?“

„Verstimmt?“ schreit Hans Moser, „dös is gar kein Ausdruck — verstimmt. Wütend bin ich. Zuerst ist mir eine schwarze Katze, dann ein altes Weib und schließlich ein Leichenwagen begegnet. Heut' mittag hab' ich Salz verschütt’, beim Filmen einen Spiegel zerbrochen und jetzt — jetzt soll ich komisch se:n!" (hl)

* Viktor de Kowa wurde während der Aufnahmen zu dem Film „Die wunderschöne Galathee“ zu einer musikalischen Soiree emgeladen. Eine junge, reizende, aber herzlich unbegabte Dame malträtierte einen Flügel. Anschließend bat sie Viktor de Kowa um ein Autogramm mit einer möglichst persönlichen Widmung. Und Viktor schrieb: „Nimm Dir die Gans zum Vorbild in Deinem Lebenslauf: Es hat die Gans zwei Flügel — doch spielt sie nicht darauf!“

„Schnell wie der Wind!“ heißt ein neuer Kurzfilm der Metro Goldwyn-Mayer. Er gibt einen lehrreichen Einblick in den heutigen Stand der Kameratechnik, die fast jede, noch so schnelle Bewegung festhalten kann. Dieser Film wurde in Amerika mit dem Oskar ausgezeichnet.


DER THEODOR IM FUSSBALLTOR Mit einem Großangriff auf die Lachmuskeln wollen Theo Lingen, Hans Moser, Lucie Englisch, Charlott Daudert, Gustav Knuth u. a. starten. Theodor ist Mittelstürmer beim BAC, Inhaber eines Reisebüros und als solcher sterblich verliebt in seine Sekretärin. Da sind aber noch zwei andere Theos (Senior und Junior), so daß es zu allerlei komischen Verwicklungen und Verwechslungen kommt. Auf dem Sportplatz aber, als der BAC stürmt, Tore schießt und siegt, fügt sich alles wieder zusammen. Im Union.
DER THEODOR IM FUSSBALLTOR Mit einem Großangriff auf die Lachmuskeln wollen Theo Lingen, Hans Moser, Lucie Englisch, Charlott Daudert, Gustav Knuth u. a. starten. Theodor ist Mittelstürmer beim BAC, Inhaber eines Reisebüros und als solcher sterblich verliebt in seine Sekretärin. Da sind aber noch zwei andere Theos (Senior und Junior), so daß es zu allerlei komischen Verwicklungen und Verwechslungen kommt. Auf dem Sportplatz aber, als der BAC stürmt, Tore schießt und siegt, fügt sich alles wieder zusammen. Im Union.

KÖNIGIN DER LANDSTRASSE Ein Mädchen aus dem Zirkus (Angelika Hauff) Sängerin und Beherrscherin der Raubtiere, lernt einen Mann aus traditionsbewußter Aristokratie (Rudolf Prack) kennen und lieben. Nach der Eheschließung aber sehnt sie sich zurück zur Manege, die Kluft zwischen althergebrachter, gutbürgerlicher Anschauung der Adelsfamilie und ihrer eigenen Art tut sich auf. Sie muß den Bruch vollziehen, auf ihre Liebe verzichten, um ihrer Berufung treu zu bleiben. Im Palast.
KÖNIGIN DER LANDSTRASSE Ein Mädchen aus dem Zirkus (Angelika Hauff) Sängerin und Beherrscherin der Raubtiere, lernt einen Mann aus traditionsbewußter Aristokratie (Rudolf Prack) kennen und lieben. Nach der Eheschließung aber sehnt sie sich zurück zur Manege, die Kluft zwischen althergebrachter, gutbürgerlicher Anschauung der Adelsfamilie und ihrer eigenen Art tut sich auf. Sie muß den Bruch vollziehen, auf ihre Liebe verzichten, um ihrer Berufung treu zu bleiben. Im Palast.

DT Film-Forum

Bayernkunst voll Bauernshläue!

Ein „neues“ Gesicht? Nicht für a11e... drunten die Münchner kennen ihn eh und je schon lang! Wir anderen in Nord und Süd und Ost und West würden ihn auch schon kennen, wenn Goebbels nicht den Film „Via mala“ — nach John Knittels berühmtem Roman — auf Eis gelegt hätte; darin hatte -nämlich Carl Wery die große Rolle, nach der sich jeder gute Darsteller sehnt. Aber nun, da wir sein Gesicht in dem neuen Bavaria-Film „Die seltsame Geschichte des Brandner-Kaspar“ kennen lernen, gibt es für uns keinen Zweifel: Dieses Gesicht hat alle jene bodenständigen Elemente in sich, die wir von einem bäuerlichen Charakterdarsteller verlangen. Ein wenig Pfiffigkeit, ein wenig Verschmitztheit, viel Lebensbejahung, und dann vor allem Humor!

Er kommt von der Bühne her, wie die meisten Filmdarsteller; das liegt ja in der Natur der Sache. Wie er aber zur Bühne kam? Das ist eine lustige Geschichte, die man ihm wohl glauben kann, wenn man sein Lächeln sieht. Ein wenig zu viel hat er sich gleich das erste Mal zugetraut, es endete mit einem ziemlichen Reinfall! Nämlich ausgerechnet den Faust wollte er als erstes spielen, obwohl er noch nie auf einer Bühne gestanden hatte, obwohl er noch nie eine Kulisse von hinten gesehen hatte! So unbekümmert kann allerdings auch nur ein blutiger Anfänger sein!

Kurz waren nur die Proben gewesen, dann ging es los! Die ergrauten Mimen des Stadttheaters, der Größe solcher Aufgabe wohl bewußt, empfingen ihn am Bühneneingang: Er möge es lassen, er möge einem von ihnen die Rolle geben, sie seien alle einstudiert... aber nein hat er gesagt, seinen Kopf hatte er für sich, rauf gings auf die Bühne und losgings!! Freilich gings los ... nicht nur das Stück, nicht nur seine Rezitation, wobei er das Gefühl hatte, er höre seine Stimme zum ersten Male ... losging auch sein ... Bart, und unter den Tisch glitt er!!! Da hat er sich gebückt und nach dem Bart geangelt, aber gefunden hat er ihn nicht, und so hatte der Faust rnit Bart zu sprechen begonnen, und ohne Bart sprach er weiter, und da ging noch etwas los: die unbändige Heiterkeit des Publikums. Losging zuletzt auch noch der Bart... von seiner Schuhsohle; aber da hat er ihn erst gefunden, als er längst von der Bühne wieder herunter war. Naja, so kann eine Bühnenlaufbahn auch mal beginnen. Die Hauptsache ist, daß es eines Tages richtig „losgeht“!

Und das war nach drei Jahren Provinzbühnen der Fall, da kam er an das Schillertheater in Berlin. Von dort holte ihn Otto Falckenberg an die Münchner Kammerspiele, und hier wurde er nun einer der erfolgreichsten Schauspieler dieses berühmten Hauses. Sollen wir seine Rollen aufzählen? Es würde bei der Unzahl ermüden; Shakespeare ist in der Liste seiner Rollen ebenso vertreten wie die Modernen; und eines nur hat die Vielzahl seiner Rollen mit sich gebracht: Er. hatte tatsächlich noch niemals richtig Zeit, der Bühne für Monate den Rücken zu kehren, um zu filmen. So blieb der Kreis seiner Freunde klein, nur die ihn auf der Bühne sahen, wußten ihn ZU' schätzen.

Wenn er nun in dem Bavaria-Film „Die seltsame Geschichte des Brandner-Kaspar“ hervortritt und sein Gesicht damit weitesten Kreisen bekannt wird, so wollen wir ihm wünschen, daß er so, wie er bisher seinen Weg an der Bühne machte, nun auch seinen Weg im Film machen wird. Dem deutschen Film kann das Können solcher urbayerischer Künstler, die mit der ganzen Naturwüchsigkeit der Berge, mit Volkhaftigkeit und Bodenständigkeit berstend angefüllt sind, nur zum Nutzen gereichen.


CARL WERY
CARL WERY

(Foto: Bavaria-Film)
(Foto: Bavaria-Film)

Zarah: „Hurra, ich bin Oma!“

Oder: Kinder, wie die Zeit vergeht!

Leider hat sie das nicht gesagt (oder nur für sich privat), sondern man tat sehr geheimnisvoll. Aber alles Vertuschen kann das freudige Ereignis nicht ungeschehen machen: der schwedische Superstar Zarah Leander zählt nun auch zu der Schar der Filmgöttinnen—von Marlene Dietrich bis Olga Tschechowa, von Käthe Haack bis Grete Weiser —, die Großmütter sind und zugleich auch die gefeierte Diva der Leinwand bleiben wollen.

Als dieses Jahrhundert begann, wäre so etwas unmöglich gewesen — eine Oma ging in Schwarz, trug ein Kapotthütchen und stand in keinerlei Beziehung mehr zu dem, was wir heute unter sex appeal verstehen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Eine Großmutter war eben eine alte Frau. Doch wir leben im Zeichen des Fortschritts (sagt man): aus (heute) museumsreifen Flugzeugkonstruktionen wurden Düsenjäger, aus reaktionären Monarchien fortschrittliche Volksdemokratien und aus Omas mit Kapotthütchen Vamps mit erotischer Altstimme und Schlafzimmerblick.

Es geht wirklich vorwärts. „Unsere Enkel werden uns einst beneiden, daß wir in dieser großen Zeit haben leben dürfen“, wurde uns vor nicht allzu langer Zeit verkündet. (Zarah sang damals „Kann denn Liebe Sünde sein?“) Ach ja, wie so die Zeiten vergehen, die großen und die kleinen. Nur beruhigend, daß Zarah noch singt — natürlich inzwischen was anderes. Doch die Worte sind im Grunde ja unwesentlich — „das gewisse Etwas“ ist bei ihr alles. Und darum hätte sie ruhig so viel Humor besitzen sollen, um die Geburt ihres ersten Enkelkindes auf einer der sonst so beliebten Pressekonferenzen mit einem ironischen Scherzwort „Hurra, ich bin Oma!“ (frei nach Rühmann) bekanntzugeben — verschweigen läßt es sich auf die Dauer ja doch nicht „Davon geht die Welt nicht unter.. “ verehrte Zarah.

Und die ideenarmen Drehbuchautoren, denen außer der barsingenden Mutter rein gar nichts einfällt, werden vom Leben nun auf eine neue Nuance gestoßen: die tingelnde Oma, die zwischen Windelwaschen schnell mal tiefdekolletiert die Lebemänner in Wallung bringt — in der Garderobe aber der fiebernde Säugling; kein Auge wird da trocken bleiben. Und dann noch ein fescher Herzensbrecher, der Oma in seelische Konflikte stürzt: hier Säugling — hier Liebe! Herrlich. Millionen werden zur Kasse drängen. Und das ist und bleibt bei der Flimmermuse am wichtigsten, mögen die Zeiten auch noch so fortschrittlich sein.

Audi großmütterliche Reize lassen sich heute noch in DM umsetzen, auf daß Zarahs Enkelkinder einstmals singen können: „Wir versaufen unserer Oma ihre Häuschen!“ Darum tingele, Zarah, tingele — auch Filmdiven werden alle Jahre älter und (wenn die Kinder tüchtig sind) immer wieder Oma! Genieren tut man sich aber nur beim ersten Male, mit der Zeit gewöhnt man sich dran. Das haben die Realitäten des Lebens nun einmal so an sich. Rgd


UNTER PIRATENFLAGGE Errol Flynn und Olivia de Havilland spielen die Hauptrollen in diesem Abenteurerfilm. Als Pirat macht Peter Blood die Meere unsicher, im Dienst der englischen Krone kempft er gegen die Franzosen und wird schließlich Gouverneur von Jamaika. In die spannende Handlung hinein ist die Liebesgeschichte des Piraten zu Arabella, der Tochter des englischen Seeoffiziers eingeflochten, der Blood zur Strecke bringen soll. Im Hansa.
UNTER PIRATENFLAGGE Errol Flynn und Olivia de Havilland spielen die Hauptrollen in diesem Abenteurerfilm. Als Pirat macht Peter Blood die Meere unsicher, im Dienst der englischen Krone kempft er gegen die Franzosen und wird schließlich Gouverneur von Jamaika. In die spannende Handlung hinein ist die Liebesgeschichte des Piraten zu Arabella, der Tochter des englischen Seeoffiziers eingeflochten, der Blood zur Strecke bringen soll. Im Hansa.

Darmstadt und Umgebung

Kinderspiele

gendhche S n0™ waren ^viel fu sehen S” auf den Landstraßen Jüngeren dieses Jahr- Die rück bleiben in den Städten zurück, sammeln sich zu kleinen Horden ä™'Trüm™rn und verwerten Än UaÄ9 Kinderparadies zu schatten. Ueberall in der Stadt begegnet man ihnen. Sie tragen Bälle oder Gummistopfengewehre mit sich, sie sind oTf?n¬ --v^UstaaUf dam Kriegspfad, Häuptlinge vom Stamme der Bessunger Sioux mit aUf der N^e und echtem Heinerdiialekt. Im Orangeriegarten versammeln sich Schiffahrtsexperten um die Wasseranlagen. Kleine Rindenboote wer! den auf ihre Seetüchtigkeit geprüft, schmucke Wikingerschiffe mit Segeln aus Butterbrotpapier oder aus frischen Taschentüchern. Ein Mutiger steht barfuß im Teich und gibt den Kurs an

Im Prinz - Emils - Garten haben sich einige aus vergessenen Trümmersteinen eine Hohle gebaut und spielen „Atommensch“. Das dicke Wurstbrot eröffnet überraschend optimistische Zukunftsaussichten. Zwei oder drei hängen in den Zweigen eines alten Baumes und versuchen in luftiger Höhe eine primitive Schaukel anzubringen. In der Gustav-Fröba-Anlage an der Odenwaldbrücke ist ein Fußballmatch im Gange. Einige kleine Mädchen stehen dabei und sehen mit Kennermiene zu. Bei jedem Tor schreien sie begeistert und feuern die Kämpfer zu höchsten Anstrengungen an. Das Spiel endet unentschieden, da sich die Fußballer nach wenigen Minuten in den Haaren liegen.

Ein besonderer Anziehungspunkt für graziöse Mädchen ist das Rollschuhfeld hinter dem Orpheum. Solange nicht der Regen in Strömen vom Himmel kommt, ist hier immer Betrieb. Kleine Kunstläuferinnen üben sich im Pflichtlauf, sie drehen Pirouetten und fallen hin und wieder auf die Nase, was aber der Begeisterung keinen Abbruch tut. Das Eldorado der Jungens ist hingegen das Wasser. Am Woog und im Arheilger Mühlchen ist seit Wochen Plochbetrieb. Hunderte von angehenden Rekordschwimmern tummeln sich in den trüben Fluten, und der Geruch des „blühenden“ Wassers sticht unangenehm in die Nasen. Braungebrannt und mit feuchtglänzenden Körpern stehen sie eislutschend am Wasser, reden wie die Großen über Sprungtechnik und Wassertemperatur und überlegen sich, wie sie ihre restlichen sieben Pfennig nutzbringend anlegen können. Wer dafür kein Interesse hat, der läßt sich vom Vater einen Drachen bauen und wandert hinaus gegen Jagdschloß Kranichstein, um auf den großen Weiden bunte Papiergesichter zu stratosphärischer Höhe aufsteigen zu lassen.

Hunderte von Möglichkeiten gibt es, die Ferien totzuschlagen, und wenn man mit offenen Augen durch die Straßen unserer Stadt geht, dann kommt man zu der Ueberzeugung, daß sich auch die Kinder nicht gelangweilt haben, die nicht das Glück hatten, eine Ferienreise in die „Fremde“ zu machen. Letzten Endes kommt es ja auf den Spaß an, den man hat, und nicht darauf, wo man das meiste Geld ausgeben muß. -st

Protest gegen das Bundesversorgungsgesetz

Eine im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ Eberstadt einberufene Versammlung der Ortsgruppe Eberstadt des Verbandes der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner befaßte sich eingehend mit dem Entwurf für das neue Bundesversorgungsgesetz, das in den nächsten Wochen dem Bundestag zur Beschlußfassung vorgelegt wird.

Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden, Böhm, gab Kamerad Meckes vom Kreisverband Darmstadt eine Rückschau auf die Entwicklung des Kriegsopferrechtes seit 1945 und stellte dann anhand von Beispielen in großer Klarheit und Sachlichkeit die Wesensmerkmale des Entwurfes für das Bundesversorgungsgesetz heraus.

Nachdem das Ueberbrückungsgesetz Empörung hervorgerufen habe, sollten nun die Forderungen des VdK nach einer einheitlichen Regelung der Rentenansprüche in der ganzen Bundesrepublik in einem neuen Gesetz verwirklicht werden, das in seinem Entwurf von 90 Para-

graphen mit seinen verschrobenen Klauseln äußerst schwierig zu bearbeiten sei. Inzwischen habe sich auch der Bundesrat mit diesem Entwurf befaßt und Aenderungen zuungunsten der Beschädigten vorgenommen. Die Forderungen des VdK seien in dem Entwurf in soweit erfüllt, als sich die Renten für den Kriegsbeschädigten aus einer in jedem Fall zu zahlenden Grundrente, deren Höhe sich nach dem erlittenen anatomischen Schaden richte, und einer Ausgleichsrente zusammensetze. Jeder Schwerbeschädigte, der keine Erwerbstätigkeit mehr ausüben könne, erhalte eine Ausgleichsrente, der arbeitende Beschädigte von dieser nur bestimmte Beträge, wobei alle Einnahmen gerechnet würden.

Nach dem Entwurf sollten Kriegsbeschädigte mit einem Einkommen von 800 DM monatlich auch keine Grundrente erhalten. Der Verband verwahre sich aber entschieden gegen die Herabsetzung dieser Grenze von 800 DM Einkommen auf 400 DM, wie sie der Bundesrat vorgenommen habe.

Abschließend betonte Herr Meckes, daß immerhin mit dem Entwurf eine Besserstellung der Schwerbeschädigten erreicht sei, jedoch erkenne der VdK die sich aus dem Entwurf ergebenden Nachteile für die Leichtbeschädigten und Ablehnung der Zahlung einer Rente an jüngere Witwen nicht an. Mit Verantwortungsbewußtsein habe der VdK immer wieder in seinen Forderungen darauf hingewiesen, daß diejenigen, die das höchste Gut, die Gesundheit, eingebüßt haben, in erster Linie entschädigt werden müßten. Nachdem der Entwurf für das neue Versorgungsgesetz bekannt geworden sei, sei es an der Zeit, aus den Reihen der Kriegsbeschädigten Stellung dazu zu nehmen und Anregungen zu geben. Besser sei es, die Bundesregierung verfasse ein Gesetz zur Zufriedenheit der Kriegsbeschädigten, statt sie zu einem Protestmarsch nach Bonn in Bewegung zu setzen. t-s

Wechselgeldschwindler

Die Kriminalpolizei warnt vor drei Zigeunern, einem Mann und zwei Frauen, die in verschiedenen Gegenden als raffinierte Wechselgeldschwindler in Geschäften auftreten. Während die beiden Frauen durch eifriges Fragen die Aufmerksamkeit der Verkäufer ablenken, bezahlt der Mann mit einem großen Geldschein. Er verweigert dann die Annahme des ihm nicht angenehmen Wechselgeldes und wirft es mit eigener Hand in die offene Kasse zurück, wobei er blitzschnell einige größere Geldscheine stiehlt und sich seinen großen Geldschein wieder zurückgeben läßt. Daraufhin bezahlt eine der Frauen die gekauften waren mit Kleingeld, worauf das Betrügertrio mit seinem grünen Pkw. das Weite sucht. _ agt.

Das Werbeplakat für die „Woche des deutschen Films“, die im Herbst stattflndet, ist von dem Darmstädter Graphiker Philipp Delp entworfen worden. Der Entwurf Delps wurde aus einer großen Anzahl von Vorschlägen, die aus dem Bundesgebiet eingegangen waren, ausgewählt. (oa)

Stener- und Wirtschaftskalender

Ausschneiden! Aufbewahren’ An dieser Stelle bringen wir wie in früheren Jahren alle 14 Tage den „Steuer- und Wirtschaftskalender“, uin unseren Lesern ihre Arbeit zu erleichtern. Für Anregungen zur Ausgestaltung sind wir dankbar. Die Redaktion

10. September: Beförderungssteuer im Personenverkehr, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer; Umsatzsteuer für die Monatszahler, Einreichung der Voranmeldung und Entrichtung der Steuer; Getränkesteuer, Erklärung und Entrichtung an die Gemeinde; Lohnsteuer, Entrichtung der Steuer für die Monatszahler und Anmeldung; Kirchenlohnsteuer, Entrichtung der Steuer für die Monatszahler und Anmeldung; Notopfer Berlin, Entrichtung der Abgabe für die Lohnsteuermonatszahler und Anmeldung; Einkommen¬ steuer, Entrichtung der Vorauszahlung für das 111. Kalendervierteljahr 1950; Notopfer Berlin, Entrichtung der Abgabe für die Einkommensteuerpflichtigen für das 111. Kalendervierteljahr 1950; Kirchensteuer, Entrichtung der Zahlung für die Einkommensteuerpflichtigen für das 111. Kalendervierteljahr 1950; Kör¬ perschaftssteuer, Entrichtung der Vorauszahlung für das 111. Kalendervierteljahr 1950; Kanalbenutzung, Abführung der vierteljährlichen Gebühr an die Stadtkasse Darmstadt; Müllabfuhr, Abführung der vierteljährlichen Gebühr an die Stadtkasse Darmstadt; Straßenreinigung, Abführung der vierteljährlichen Gebühr an die Stadtkasse Darmstadt; Versiche¬ rungssteuer, Zahlung nach dem Prämien-Soll betrag, Leistung der monatlichen Abschlagszahlung. 15. September: Grundsteuer, Entrichtung der Monatsrate an die 'Gemeinde; Börsenumsatz¬ steuer im Abrechnungsverfahren für die Monatszahler, Einreichung der Nachweisung und Entrichtung der Steuer. (Fortsetzung des Steuer- und Wirtschaftskalenders für die Zahlungstermine in der zweiten Septemberhälfte am 15. September.) h. W. W.

Jugend-Kulturwoche

und Preisausschreiben

Im Oktober veranstaltet der Beirat für Jugendfragen in Wiesbaden zusammen mit dem Landesjugendausschuß eine Kulturwoche der Jugend, die den Auftakt zu einer Reihe überverbandlicher Fachkurse bilden soll. Sie hat den Zweck, die Jugendleiter an Hand von Vorträgen in die verschiedenen kulturellen Jugendtätigkeiten einzuführen und deren Behandlung durch Aussprache und praktische Hebungen auszuwerten und zu erweitern. Die Vorträge wie die Leitung der praktischen Hebungen sind Fachkräften aus dem westdeutschen Raum übertragen worden.

Je ein Tag wird dem Singen und Musizieren, dem Film, dem Puppen- und Laienspiel, der Werkarbeit wie der Tanz- und Bewegungserziehung gewidmet sein. Eine Ausstellung wird die Themen „Jugend und Buch“, „Werkarbeit“ und „Puppenspiel“ umfassen. Am Beginn der Woche steht eine Aufführung des Staatstheaters für die Jugend.

In der gleichen Linie der Arbeit für die Jugend liegt das Preisausschreiben, das der Beirat für Jugendfragen zur Gewinnung guter Texte für das Laien- und das Puppenspiel vorbereitet. Es werden namhafte Preise ausgesetzt und man rechnet mit einer zahlreichen Beteiligung, auch aus den Kreisen der Jugend. Leider gibt es auf den genannten Gebieten wenig Neues und Gutes und man darf erwarten, daß die deutschen Dichter und Schriftsteller sich nicht — wie bisher — für zu gut halten werden, hier mitzuschaffen. H. W. W.

Streifzug durch unsere Wälder

Die Ortsgruppe Darmstadt des Odenwaldklubs hat auch in diesem Jahre wieder eine „Walhalla“-Wanderung im Darmstädter Wald durchgeführt. Die Teilnahme war rege. Im allgemeinen machen die Darmstädter von dem herrlichen Reichtum ihrer Wälder, die weder Vorkriegs-, noch Weltkriegsraubbau zerstören konnte, nur sehr wenig Gebrauch. Nicht so die Anhänger des Odenwaldklubs.

Die Wanderung, die etwa fünf Stunden zwischen Böllenfalltor und Trautheim kreuz und quer an den schönsten Eichen und Buchen vorbeiführte, bot Landesforstmeister Dr. Hesse, assistiert von Architekt Karl Schembs, Gelegenheit, in feinsinniger Weise die sonst leeren Namen der Schilder mit geschichtlichem Leben zu erfüllen. Was sagt z. B. heute der Name Paul-Trinkglas-Tempel? Herr Schembs weckte die Erinnerung an den trinkfesten Stadtvater Paul, der hier bei den üblichen Grenzgängen auf die launige Idee kam, die Einmaligkeit dieses Ereignisses dadurch zu bekräftigen, daß er sein Trinkglas an diesem Baum zerschmetterte. Wer kennt noch den Namen „du Thil“, der an zwei Schwestereichen am Traisaer VZeg „verewigt“ ist? Und doch war es ein hessischer Minister, der in schwerer Zeit die Ehre Hessens rettete, indem er den noch schwankenden Großherzog Ludwig I. nach der Schlacht bei Leipzig veranlaßte, das unnatürliche Bündnis mit Napoleon aufzugeben und sich den Befreiern anzuschließen. Die zwei Schwester eichen symbolisieren die Zwiespältigkeit der damaligen Hessenpolitik, die du Thil dann durch seinen Einfluß löste.

Nicht weit von diesen beiden Bäumen steht die Krone unserer Darmstädter Wälder, die „Klipstein“-Eiche, die dem bedeutendsten hessischen Forstmann Philipp Engel von Klipstein schon zu seinen Lebzeiten 1848 gewidmet wurde und an der er nach seinem Tode 1866. auch die letzte Ruhe fand. So erscheinen uns Namen wie Lorey, Drauth, Hüther, Heyer, Schenk, von Dörnberg, die durch den Vortrag Dr. Hesses Leben erhielten. Auch die Dichter, die in nähere Beziehung zu Darmstadt traten, sind nicht vergessen, wie Matthias Claudius, der Wandsbecker Bote, der am Schnampelweg sein berühmtes Lied dichtete: „Der Mond ist auf gegangen“; neben ihm Niebergall — an der Wartehalle der Heag; Herder, der die Darmstädterin Caroline Flachsland ehelichte und dessen Buche in der Nähe des Waltersteiches steht; Johann — Heinrich Merck, der Freund Goethes, der in einer Eiche am Böllenfalltor verewigt ist, und andere mehr.

So vergingen die fünf Stunden wie im Fluge. Klubfreund Salomon sprach allen begeisterten Teilnehmern aus dem Herzen, als er den Führern für ihre liebevollen Vorbereitungen und die ausgezeichnete Führung dankte, sp.

Schwindlerin mit Lesezirkel

Die Kriminalpolizei warnt vor einer seit Jahresanfang auf tretenden Schwindlerin Erna Käthe von Hallerstein, die im angeblichen Auftrag eines Lesezirkels Norda, Westfalen, Inhaber Eckard Niemerg, Abonnenten zu werben sucht und dabei vor allem Aerzte, Geschäfte, Gastwirtschaften usw. besucht. Nachdem sie einen scheinbar ordnungsgemäßen Bestellschein ausgestellt hat, verschwindet sie mit den erschwindelten Abonnementsgeldern.

Neue Omnibuslinie

Die Omnibusverbindung Darmstadt— Heidelberg, von der wir bereits berichtet hatten, wird am 1. September von der Bundesbahn eröffnet. Vorläufig sollen versuchsweise im Anschluß an die Omnibusstraße Frankfurt—Darmstadt täglich zwei Omnibusfahrten in beiden Richtungen durchgeführt werden auf der Strecke Darmstadt Hauptbahnhof—Eberstadt— Bickenbach — Hähnlein —Alsbach — Zwingenberg—Auerbach—Bensheim —Heppenheim—Laudenbach—Hemsbach—Sulzbach —Weinheim—Heidelberg. Abfahrt um 8 und 13 Uhr in Darmstadt, Ankunft in Heidelberg um 9.15 und 14.15 Uhr. Rückfahrten ab Heidelberg um 9.30 und 17.45 Uhr mit Ankunft um 10.45 und 19 Uhr in Darmstadt.

In der Stadt notiert

Aufklären konnte die hiesige Kriminalpolizei den Kleiderdiebstahl am 14. August in einem Hause der Heidelberger Straße. Als Täterin kommt ein 15 Jahre altes Mädchen in Frage. Es hatte sich von seiner elterlichen Wohnung entfernt. Die destohlenen Gegenstände sind inzwischen sichergestellt und der Eigentümerin zurückgegeben worden. ys.

Die Schulspeisung in Darmstadt ist das Thema des heutigen Forumsabends um 20 Uhr in der Technischen Hochschule. Eltern und Lehrer werden über die Vor- und Nachteile dieser Einrichtung diskutieren. Ein Kurzfilm des Kultusministeriums über die Schulspeisung soll zur Vorführung gelangen.

Von der Besatzungsmacht beschlag¬ nahmtes Mobiliar wurde in letzter Zeit verschiedentlich zurückgegeben. Die Einrichtungsgegenstände befinden sich in einem Lagerraum, in der Rheinstraße 110. Die Eigentümer können ab 10. September nach vorheriger Anmeldung beim Besatzungskostenamt die dort gelagerten Möbel besichtigen und nach entsprechender Beweisführung in Besitz nehmen. DT

Das; Besatzungskostenamt Darmstadt, Bessunger Straße 125, bleibt wegen Verlegung der Diensträume ab Donnerstag, den 31. 8., mittags, bis einschließlich Montag, den 4. 9., geschlossen. Ab 5. 9. befindet sich diese Dienststelle in der Rheinstraße 110, Block C, I. Stock. Sprechtage sind Montag, Mittwoch und Freitag, vormittags von B—l 2 Uhr. DT

Die Urabstimmung bei der Bundespost in Darmstadt fand schon am ersten Wahltage eine außerordentlich starke Beteiligung aller Postbediensteten. Si

Vorübergehend unbeständig

DT-Wetterbericht

Uebersicht: Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet erfährt vorübergehend eine Abschwächung, welche aber keine nachhaltige Witterungsänderung bedingt.

Vorhersage: Am Donnerstag heiter bis wolkig. Vorübergehend Neigung zu gewittrigen Schauern, weiterhin spätsommerlich warm, meist Winde wechselnder Richtung. Weitere Aussichten: Freundlich und warm.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil. Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Deutsche Angestellten - Gewerkschaft: Nachbarschaftsheim, 20 Uhr, Vortrag Friedrich Sauer: „Erlebnisse in Amerika“.

Forum: Technische Hochschule, 20 Uhr, Thema: Schulspeisung in Darmstadt.

Wir gratulieren

80. Geburtstag: Herrn Heinrich Ludwig Baumann, Darmstadt, Rhönring 45.

Ladenburg

Eine Fahrt des historischen Vereins

Am 26. August 1950 unternahm der Verein seinen letzten Ausflug des Sommerprögramms nach der alten Römerstadt Ladenburg am Neckar. Die Beteiligung an der Fahrt war wieder wie in den Vorkriegs jähren groß. 75 Personen — darunter auch eine ganze Reihe von Gästen — waren der Einladung gefolgt. Dem Verein stand in Redakteur Cornel Serr vom Mannheimer „Morgen“, der als geborener Ladenburger in ganz idealer Weise den dortigen Heimatbund leitet, ein ausgezeichneter Führer durch die bekannten wie die versteckten Schönheiten der Neckarstadt zur Verfügung.

Herr Serr ging einleitend von der alten Namensform Ladenburgs, von Lopodurum, aus, eine Form, die auf etischen Ursprung hinweist. Wir Anden den Namen häufig in Stein auf Altären und Votivsteinen überliefert. Aber auch bei Schriftstellern wie .^r Ladenburg als bedeutenden Ort bezech net ja sogar in der Dichtung, bei Ausonius in seiner „Mosella“ wird er genannt anläßlich des Sieges die Alemannen, als Ladenburg ;zuruck_ erobert worden war. Der Oit . mischer Zeit der Mittelpunkt einer E vitas“ Sie hieß mit ihrem amtlichen civnas . ® Ulpia Sueborum » 98 n. Chr. Selbstverwaltung gewahrt

Di a Führung begann mit der Besiehfreflicn nie Alemannen hatten den Limes durchbrochen. Da Ladenburgs Stadtmauer gefallen war, blieb es bei den Grundmauern, deren mächtige Sandsteinquader aus dem Neckartal man noch bewundern kann. Die Anlage des Bauplanes ist nächst Trier wohl die großartigste im römischen Deutschland überhaupt. Erst 1911 hatte, veranlaßt durch Funde, die bei der Herstellung der Heizung gemacht worden waren, Prof. G r opengießer (Mannheim) sie entdeckt. Leider sind die Aufnahmen über diese Ausgrabungen beim Brande des Mannheimer Schlosses verloren gegangen. Die Kirche, wie' sie uns heute entgegentritt, entstammt dem 13. Jahrhundert. Nach einer Inschrift am Chorturm wird als Ende der Bauzeit das Jahr 1412 bezeichnet. Es handelt sich hier um eine schlichte, ländliche Gotik. Das Langschiff war ursprünglich um ein Joch kürzer, also auffallend klein. Die gotische Kirche ruht auf einer romanischen Vorläuferin, von der fast allein noch die Krypta mit ihren wuchtigen Kapitellen und primitiven Wandmalereien erhalten ist. Das Mauerwerk zeigt dort noch Reste der Basilika und des romanischen Baues nebeneinander. Ein altes Tympanon, stark beschädigt, steht neben der Kirche. Das Innere der Kirche wurde gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in heute wenig ansprechender Form hergestellt. Von der Innenausstattung ist das gute Epitaph eines Sickingen und einer Landschad hervorzuheben. Die Kirche war Begräbnisstätte, besonders für die Adelsfamilien Dalberg, Bettendorf, Cronberg, Ulner u. a. Die drei Glocken stammen aus den Jahren 1440, 1462 und 1501, letztere von dem Wormser Bischof Johann v. Dalberg gestiftet. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß die Gemeinde wieder in den Besitz ihrer Glocken kam, die schon zum Einschmelzen bestimmt waren.

Sodann wurde das Neunhellerhaus — im Besitz einer alten Patrizierfamilie — mit seinem schönen Innenhof besichtigt. Es ist eines der mächtigsten Fachwerkhäuser der Gegend und schließt

den Marktplatz harmonisch ab. Nach der Kaffeepause im Cafe Schork wurde der Rundgang fortgesetzt. Zunächst wandte man sich zum Heimatmuseum, das in einem prachtvollen Renaissancebaus in der Kirchgasse untergebracht ist. Es hat in der Nachkriegszeit besonders gelitten. Aus der Sammlung sind in erster Linie die wertvolle Darstellung der gallischen Göttin Epona, die bronzezeitlichen Funde und die Sigillatagefäße, die ein Ladenburger in mühevoller Arbeit aus Scherben zusammen-

gesetzt hat, zu erwähnen. Gleichfalls ein Opfer des Krieges wurden im Mannheimer Schloßmuseum die Funde aus Ladenburgs ältester Geschichte: ein Hockergrab, seinerzeit am Rande einer Kiesgrube neben einer Wohnhöhle entdeckt, Werkzeuge und Töpferarbeiten, der jüngsten Steinzeit angehörend.

Die römische Siedlung war fast doppelt so groß wie die mittelalterliche. Im heute wieder bebauten Feld hat man Bodenheizungsanlagen gefunden, von denen eine früher im Heimatmuseum ausgestellt war. Sie bedarf jedoch nach den Zerstörungen der letzten Zeit der Wiederherstellung.

Herr Heukemes von Heidelberg entdeckte im vergangenen Jahr eine Brennereianlage mit Luftkanälen. Ein weiterer interessanter Fund war ein Brettspiel mit Steinen, das später dem Heimatmuseum übergeben werden wird. Das älteste nachrömische Baudenkmal finden wir an der Stelle des königlichen Meierhofes, des vermutlichen Sitzes der Gaugrafen des Lobdengaues. Es war ein Absteigequartier der Kaiser. Heinrich IV. lag einige Zeit hier krank. Der Turm bei der Sebastianskirche, der heutigen altkatholischen Kirche, ist wohl vorromanisch, was die bemerkenswerten Tierreliefs und Masken am Turm beweisen. Neben der Sebastianskirche stand ehedem das Kartelltor. Drei Schenkel des etwa um 75 n. Chr. angelegten Kastells hat man freilegen können, die eine unregelmäßige Form ergeben. Neckarwärts steht das Schloß des Bischofs Johann v. Dalberg, dessen Humanistenkreis sich hier traf, darunter so hervorragende Gelehrte und Dichter wie Reuchlin, Agricola und Celtes.

Der weitere Weg führte an der Stadtmühle, die den Cronbergern gehört hatte, vorüber. Es war die einzige der drei Mühlen innerhalb der Stadt. Am Stadtgraben entlang konnte man die Mauer und Reste der alten Befestigung beobachten. Am eindrucksvollsten ist aber neben dem einen Stadtbefestigungsturm, dem sogenannten Hexen türm, das Martinstor mit einer künstlerisch bedeutsamen Darstellung des heiligen Martin. Durch die Wormser Straße führte der Weg zum Badischen Hof, wo die Teilnehmer der Fahrt einige Zeit Zuflucht vor dem tobenden Unwetter fanden.

Herr Redakteur Serr ging hier noch auf die Persönlichkeit des österreichischen Kanzlers Grafen von Seilern ein, dem Verfasser der Pragmatischen Sanktion, der als Sohn eines Schwarzfärbers hier geboren wurde. Nach seiner Ausbildung :n Heidelberg und Bologna wurde er Sekretär der Liselotte von der Pfalz, wechselte aber die Partei und führte den Prozeß auf selten des Kaisers gegen die Pfälzerin. Der Kanzler unterhielt allezeit gute Beziehungen zu seinem Heimatort. Es wurde sodann des als Ketzer zu Heidelberg verbrannten ehemaligen Ladenburger Pfarrers Sylvanus, der kriegerischen Ereignisse der Belagerung von 1622, die kaum Schaden anrichteten, und des Orleansschen Erbfolgekrieges gedacht. Im Erbfolgekrieg soll Ladenburg durch den Hinweis auf das angeblich bourbonische, in Wirklichkeit dalbergische Wappen auf der jüngsten Glocke verschont geblieben sein, im Gegensatz zu allen übrigen Städten der Pfalz.

Ladenburg war schon im Hochmittelalter zwischen Pfalz und Worms geteilt und wurde 1705 durch den Düsseldorfer Prozeß ganz pfälzisch. Die Stadt war noch bis in die vierziger, fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts der Umschlagsplatz für die Bergstraße bis Bensheim. Aber der Bau der Main- Neckar-Eisenbahn warf die Stadt stark zurück. Um die Neckarbrücke, die 1846 gebaut worden war, spielten sich im Juli 1849 heftige Kämpfe zwischen den Aufständischen der demokratischen Bewegung und den Bundestruppen (Mecklenburgern und Hessen, darin Preußen und Hessen) ab. Der Vereinsvorsitzende, Archivrat Dr. Knöpp, sprach Herrn Redakteur Serr und der Stadt Ladenburg den Dank aller Teilnehmer dieser Fahrt aus. Er betonte, daß gerade in Ladenburg, wie kaum sonst in unserem rechtsrheinischen Gebiet die Frage des Siedlungszusammenhangs zwischen römischer und fränkischmittelalterlicher Zeit studiert werden kann. Trotz der Nähe von Lorsch hat hier Worms das Erbe des alten Fiskalgutes angetreten, wovon es freilich seit dem 14. Jahrhundert der Pfalz einen Anteil gewähren mußte, die schließlich Anfang des 18. Jahrhunderts die längst in ihrer Bedeutung zurückgegangene Stadt ganz an sich ziehen konnte.

Mit voller Befriedigung schieden die Fahrtteilnehmer aus dem schönen Neckarstädtchen, voll Dankes für das Schöne, was ihnen Herr Serr von seiner Vaterstadt hatte zeigen können. F. Kn.

WIR GESTALITEN ur 1.

Der wirtschaftlichen Lage entsprechend

„Wissen Sie noch?" . . . oder „Weißt du noch?“... sagen zwei alte Soldaten, wenn sie sich nach langen Jahren wiedersehen. Aber nicht nur ehemalige Landser sollten so sprechen, sondern auch jeder von uns sollte manchmal zu sich selbst sagen: „Weißt du noch, wie das mit der häuslichen Gemütlichkeit vor einigen Jahren noch war? Damals, als die R-Mark noch regierte?“ Wenn wir uns daran zurückerinnem, können wir erst ermessen, welchen Fortschritt auch die Gemütlichkeit in unseren vier Wänden gemacht hat. Kurz nachdem die Verdunkelungsgardinen zum letztenmal hochgezogen worden waren, galt der Grundsatz: „Hauptsache, ich habe ein Dach über dem Kopf!“ Wir waren besonders zufrieden, wenn es durch dieses Dach nicht durchregnete. Uns störte es wenig, eine Weile wenigstens, solange der Gedanke „Hauptsache ein Dach über dem Kopf" uns noch beherrschte, wenn die Wäsche am Ofen getrocknet wurde, die eingewiesenen Untermieter in unserem früheren Salon Holz hackten und wir an der einzigen Waschgelegenheit Schlange stehen mußten — Manche Einschränkung müssen wir auch heute noch auf uns nehmen, aber im allgemeinen sind wir wieder ein wenig — und ein ziemlich gewichtiges „wenig* ist es — anspruchsvoller geworden. „Hauptsache gemütlich“ regiert die Stunde.

Wir haben uns wieder „bekrabbelt“, das Leben ist in normalere, friedensmäßige Bahnen gekommen. Wir sind nicht mehr so recht zufrieden mit dem Stuhl aus Kisteribrettern, mit einem gefärbten Bettlaken überspannt. Wir sind nicht mehr bescheiden genug, um zu sagen: Was braucht denn der Mensch mehr als ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl, einen Schrank für seine Kleider (gefärbte und veränderte Uniformen waren es einmal) und vielleicht noch einen Spiegel für unsere Eitelkeit. So bescheiden sind wir nicht mehr und das ist gut.

Arbeiten wir denn nicht mit ganz besonderer Freude den ganzen Tag über, wenn wir ein Ziel, ein mit dem Lohn unserer täglichen Arbeit erreichbares Ziel, vor uns haben? Und wir haben ein Ziel, die Gemütlichkeit. Wir vermissen wieder die Vase mit den blühenden Blumen, wir brauchen wieder ein Gefach für das neue Geschirr. Wir wollen auch wieder Gäste haben. Wir erträumen uns einen festlich gedeckten Tisch und zum Getränk passende Gläser. Denn — eins hängt am anderen — es gibt wieder Wein und Likör, je nach Geschmack und Geldbeutel. Das Leben wird mehr und mehr normal. Das Geld ist wieder das Wichtigste. Es herrschen nicht mehr die mehr oder weniger dunklen Beziehungen. Wir stöhnen zwar manchmal und ersehnen den 1. des neuen Monats herbei wie der Jüngling die Geliebte, aber eigentlich ist es doch herrlich, Wünsche zu haben, die vom Notwendigsten bis in den Himmel reichen. „Hauptsache gemütlich!“ Wie viele Wünsche müssen doch erfüllt werden, bis es mit der Gemütlichkeit so weit ist, daß sie die Hauptsache ist und unser Heim, unseren privaten Lebensraum ausfüllt. Bei dem bequemen Clubfauteuil fängt es für die Männer an. Die Hausfrau wünscht sich ihr Reich, die Küche, wieder praktisch, sauber und voll ständig eingerichtet. Der Gast kann getrost bei uns über Nacht bleiben, ohne sich auf zusammengerückten Stühlen das Kreuz verbiegen zu müssen. Wir haben wieder eine Couch für solche Fälle. Tagsüber trägt sie wesentlich zur Förderung der Gemütlichkeit in unseren vier Wänden bei.

Und nicht zu vergessen, all die kleinen, an sich völlig unnötigen Dinge. Die Pfeife liegt nicht mehr in einein Pappkarton vereint mit den Kippen, sie ruht, ihrer Bedeutung voll bewußt, griffbereit in einem Halfer aus Eichenholz. Der billige Papierschirm von der Tischlampe hat das Zeitliche gesegnet und ein gefältelter Seidenschirm spendet mit seinem warmen, gelben Licht seinen Tribut zur Gemütlichkeit. Die Zeitungen sind nicht mehr nötig, um die Schuhe darin einzuwickeln, Sie ruhen fein säuberlich geordnet in einem kleinen Ständer, griffbereit für eine abendliche Mußestunde. Die Beispiele lassen sich beliebig forfsetzen bis zu „Lumpi“, dem Terrier. Er rollt sich wohlig auf seinem neuen Kissen im ebenso neuen Körbchen. „Hauptsache gemütlich* . akö

Gemütlichkeit ist in dem kleinsten Raum

Auch in einem kleinen Raum kann es gemütlich sein, wenn wir es nur verstehen, uns richtig einzurichten. Immer wieder erweist sich eine Sitzecke, vielleicht mit Möbeln in bäuerlichem Stil, als praktisch und für viele Zwecke verwendbar. Ein Wandbord, auf dem einige alte Leuchter und Zinngefäße Platz finden, erhöht den stilechten Eindruck. Diese Ecke ist in erster Linie das Eßzimmer. Und da die Mahlzeiten die fast einzigen Ruhepausen in unserem unruhigen Leben sind, sollte man ruhig eilige Mühe darauf verwenden, sie trotz ihrer Alltäglichkeit mit ein wenig Gastlichkeit zu gestalten. Auch der einfachste Teller sieht auf blankgescheuertem Tisch nett aus, wenn kleine Untersätze, sogenannte „ dinner-sets“, aus buntem Stoff, Wachstuch oder am schönsten aus feinem Strohgeflecht als Unterlage dienen. Beim Decken des Eßtisches sollte man immer daran denken, daß nicht nur der Gaumen ißt, sondern auch das Äuge seine Freude an der Ordnung eines gutgedeckten Tisches mit hübschem Geschirr und blinkenden Gläsern hat.

Ein Kamin, Inbegriff der Gemütlichkeit, läßt sich oft noch unterbringen. Ein breites Sofa oder eine Couch davor aufgestellt und ein paar' kleine, nicht zu hohe Sitzgelegenheiten, schaffen neben der eben beschriebenen Sitzecke (dem Eßzimmer) hier das Reich des Hausherrn. Den Fußboden bedecken Teppiche und, wenn man in dieser Hinsicht sich etwas anspruchsvoller einrichten will, auch einige echte Brücken. Für die Buchenscheite, die am Abend in unserem Samin knistern sollen, steht ein wohlproportionierter Messingbehälter neben dem Kamin, an dem auch der Schürhaken mit einem handlichen Messinggriff hängt. An eines sollten wir aber immer denken, wenn wir heute unser Heim neu zu gestalten versuchen. Die Zeit der „kalten Pracht“ ist vorbei. Wir haben weder Geld noch Raum, um Möbel als unbenutzte Dekorationsstoffe aufzustellen. Wir müssen uns nach der Decke strecken und wollen keinen Wohlstand vortäuschen, der gar nicht mehr vorhanden ist. Möbel, die vielfach verwendbar sind, Raum sparen und doch schön aussehen, entsprechen unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sifua'ion.

Ist das Schlafzimmer , passe“?

Dem Schlafzimmer von einst machte die moderne Raumnot zuerst den Garaus. Und nicht zu unrecht, wenn man die Dinge einmal ganz nüchtern betrachtet. Das komplette Schlafzimmer mit Betten, großem, zweitürigen Kleiderschrank, Nachtischchen und Bettvorlegern kostete etliche hundert Mark. Dann wurde es nur an acht von den 24 Stunden des Tages benutzt. Während der restlichen sechzehn Stunden stand es leer. Die Wohnungsnot im Bunde mit meist jungen, fortschrittlich denkenden Menschen Heß die Couch entstehen. In den Jahren vor dem letzten Kriege waren die Couchfreunide noch in geringer Zahl. Mit den ersten Bomben und den ersten zerstörten Häusern aber hatte das Schlafzimmer alter Art ausgespielt. Millionen von Menschen lernten die Vorzüge der Couch schätzen, weil sie plötzlich in einem Zimmer leben, kochen und arbeiten mußten. Aus dieser Not wird jetzt eine Tugend gemacht, denn auf lange Zeit werden wir es uns nicht leisten können, ein Zimmer nur während acht Stunden des Tages zu be¬ ■'wohneinL

Wenn wir allerdings wieder Platz in Hülle und Fülle haben, dann wird doch mancher zu dem traditionellen Schlafzimmer zurückkehren, denn auch ein gut gelüftetes, kühles Schlafzimmer, das nicht gleichzeitig Äufenthaltsraum während des ganzen Tages ist, hat seine unumstrittenen Vorzüge.


Foto: A. Ohler Der Wunsch jeder Familie: Das Eigenheim
Foto: A. Ohler Der Wunsch jeder Familie: Das Eigenheim

Vernünftiges Bauen - schönes Wohnen

in Westdeutsrbtatm paPeraüonen müssen nun^en gebaut and 5 bls 6 MiUionenWoh¬ .i X“dte“r ™heit durch r ^le einmalige GelegennungspSk ZC Wah,rhaft soziale Woh-SnSkSÄ wirtschaftlichen fen die eS^Y^^ngen zuschaf-Ver’massunp Ruckfall in eine verstärkte vermassung unserer Bevölkerung aus¬ “ £r Sich eine Chanee, ^-Groß tnd Struktur unserer daß wir vnMn el udte zu Runden, d.h., Ä'v^ Aufbau die Mäng er Vergangenheit beseitigen und nicht wieder in die Fehler früherer Jahre verlaiien.

Paner^eg aie-ZU kann aber nicht in dem P^u Yon drei- und mehrgeschossigen Miethausern als Norm des Volkswohnungsbaues gesehen werden. Der Miethausbau sollte nur in den Stadtkernen Platz greifen, wo die Auffüllung mehrgeschossiger Baulucken unbedingt notwendig ist Die vor uns liegenden Aufgaben sind vielmehr und in erster Linie durch den bevorzugten Bau von Eigenheimen (Kleinhausern, Einfamilienhäusern mit Einliegerwohnung, eingeschossigen Reigenhäusem) zu bewältigen. Alle Argumente, die gegen diesen Gedanken vorgebracht werden, sind nicht stichhaltig und lassen sich leicht widerlegen.

Wie .in so manchen Dingen kann uns auch hier das Ausland als Beispiel die-

nen: Selbst in den übervölkerten Industriegebieten der Niederlande, Belgiens und Frankreichs sowie in England ist das ein- und zweigeschossige Eigenheim in offener Bauweise oder als Reihenhaus die Siedlungsweise der Arbeiterbevölkerung. Wir können hierin — wie auch in den Untersuchungen namhafter und verantwortlicher Städtebauer — den Beweis sehen, daß das hauswirtschaftlich und sozial überlegene Eigenheim bei planmäßigem Ineinandergreifen städtebaulicher Maßnahmen zu den gleichen Kosten erstellt werden kann wie die mehrgeschossige Miethauswohnung.

Allein schon aus dieser Erkenntnis heraus sind, wohnungspolitisch gesehen, die Voraussetzungen für den überwiegenden Bau von Eigenheimen zu schaffen, um unsere größte Aufgabe erfüllen zu können: Millionen deutscher Familien, die durch den Krieg ihre Behausung verloren haben und ihrer Heimat beraubt wurden, menschenwürdig unterzubringen und von ihrem Nomadendasein zu befreien. Darum muß das kleine Eigenheim, möglichst mit abtrennbarer Einliegerwohnung, zur Norm der künftigen Volkswohnung werden!

Die Situation des Wohnungsbaues im Bundesgebiet ist gegenüber der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wesentlich ernster. 1923 rechnete man im gesamten Reichsgebiet mit einem Wohnungsfehlbestand von 800 000 Einheiten, heute müssen wir allein für Westdeutschland diese Zahl mit sechs multiplizieren. Diesem erhöhten Wohnungsbedarf stehen ein vermindertes Volkseinkommen und damit eine verringerte Steuer- und Sparkraft unserer Bevölkerung gegenüber.

Es kommt also mehr denn je darauf an, ein Höchstmaß an Selbsthilfe der wohnungsbedürftigen Bevölkerungskreise zu mobilisieren. Hier finden die Bausparkassen für den Eigenheimsektor und neuerdings auch für den Sektor der .Eigenwohnung eine Aufgabe viel größeren Ausmaßes als in den 20er Jahren.

Jeder dritte bis vierte Deutsche lebt heute in einer Großstadt. Man muß sich nun fragen, wieviele dieser Menschen überhaupt noch wissen, wie sie wohnen möchten und wohnen könnten. Wieviele von ihnen besitzen noch ein klares Wohnideal? Das Anwachsen der Bausparbewegung beweist uns, daß immer mehr Menschen bereit sind, für ein eigenes Heim im eigenen Garten alle nur möglichen Opfer zu bringen. Jedes Jahr erreichen Zehntausende von Bausparern ihr ersehntes Ziel: ihr Eigenheim. Aber wenn wir uns diese neuerbauten Häuser anschauen, taucht unweigerlich eine neue Frage auf, ob die angesparten und zur Verfügung gestellten Baugelder, die ja immerhin einen Teil unseres Volksvermögens darstellen, volkswirtschaftlich und kulturell richtig genutzt sind.

IrfKleinwohnungen unserer Miethäuser den wir kaum ein stilles Eckchen, wohl aber in den Ländern des Einfamilienhauses. Die holländischen und englischen Arbeiterwohnungen bestehen im allgemeinen aus 4 Wohnräumen, wobei die Schlafräume meist sehr klein sind. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten zu diesen Lösungen sind aber nicht, wie man annehmen möchte, durch einen größeren Wohlstand der Arbeiterkreise in diesen Ländern bedingt, sondern entspringen einer reiferen Wohnkultur.

Im Kleinhaus lassen sich kleine und niedrige Schlafräume (z. B. im ausgebauten Dadi) herstellen, im Gegensatz zur Geschoßbewohnung, wo der kleinste Nebenraum die gleiche Höhe wie der Hauptraum aufweisen muß, von den Kosten und dem Raumverlust des Treppenhauses und der massiveren Bauweise ganz zu Schweigen.. Das Verhältnis zwischen umbautem Raum und Wohnfläche im kleinen Eigenheim wird in den meisten Fällen günstiger sein als im großen Miethaus. Vor allen Dingen aber können bei jenem die Räume kleiner sein, weil sie durch den Garten, der in den Wohnraum einbezogen wird, höchst wirksam ergänzt und erweitert werden.

Und welche seelischen und moralischen Werte werden durch den Besitz eines eigenen Häuschens — und sei es noch so klein — geschaffen! Seien wir ehrlich! Jeder Mensch hat hin und wieder das Bedürfnis, auch innerhalb seiner Familie einmal allein für sich zu sein. Wichtiger aber ist noch eine genügende Abgeschlossenheit von Familie zu Familie. Von dieser Erkenntnis ausgehend kommt man zu dem Schluß, daß die stärkere Ausgeglichenheit im gesellschaftlichen Leben der westeuropäischen Länder damit Zusammenhängen muß, daß dort die meisten Familien ein eigenes, wenn auch kleines Haus auf eigenem Grund und Boden besitzen, sich dadurch eine gewisse Selbständigkeit erhalten haben und mit dem Stolz des Besitzenden sagen können: Mein Heim — meine Welt!

Doch mit dem Bau von 2 Millionen Eigenheimen ist es allein noch lange namigen Denkschrift fordert, ist es allein nicht getan. Die soziale Aufgabe, die uns hier gestellt ist, wäre nur ungenügend gelöst, wenn man den Bewohnern nicht die Möglichkeit geben würde, das so sehnsüchtig erwartete Heim nun auch wohnlich und anständig einzurichten. Wir wissen zur Genüge, daß wir hier noch eine große Erziehungsaufgabe vor uns haben, die Verbraucherkreise von romantischen, überkommenen und angestaubten Vorstellungen über zweckmäßige Wohnungseinrichtungen frei zu machen.

Die Wohnung soll Heimat und Zuflucht der Familie sein; das Haus soll für den Menschen ein gesundes, seelisch und geistig befriedigendes Heim darstellen. Hier wollen wir Ruhe haben, neue Kraft für unsere Arbeit schöpfen, hier sollen sich unsere Kinder frei fühlen und gesund aufwachsen.

Es ist also nötig, daß unsere Künstler und Handwerker Möbel und Hausgerät schaffen, das einerseits gut und schön, andererseits doch so preiswert ist, daß der Kleinverdiener, zu dem wir doch alle mehl- oder weniger gehören, sich diese Gegenstände auch kaufen kann. Wir haben uns schon längst freigemacht von der Vorstellung, „komplette Garnituren“ in unser Heim zu stellen. Was wir uns kaufen, soll dauerhaft und einwandfrei gearbeitet sein, denn wir sind nicht reich genug, um „billig“ kaufen zu können. Die einfachen, schlichten, aber trotzdem formschönen, geschmackvollen und handwerklich gearbeiteten Möbel dokumentieren besser unseren Sinn für eine anständige, zeitgemäße Wohnkultur als eine häusliche Möbelausstellung in Ho< ;hglänzpolitur mit unsinnigen Intarsien und überladenen, aufgepreßten Schnörkeln und Ornamenten.

Es liegt bei uns selbst, wie wir unser Dasein und unsere Umgebung gestalten. Nur wenn es uns gelingt, der drohenden Vermassung zu entgehen, werden wir unseren Weg nach oben finden. Wir wollen leben, aufbauen, wirken, uns weiter entwickeln, unser Leben selbst gestalten. Helmut Müller-Wellborn


Foto: H. Lazijun Die moderne Küche
Foto: H. Lazijun Die moderne Küche

Foto: Änne Heise Die gemütliche Wohnecke
Foto: Änne Heise Die gemütliche Wohnecke

Praktische Tips

Woran man nicht denkt

In älteren Häusern sind häufig die Steckdosen in Brusthöhe über dem Fußboden angeordnet. Wenn man ein Zimmer neu herrichten läßt, verursacht es nur geringe Kosten, die Steckdosen-Lichtleitungen verlegen zu lassen, so daß ehe Steckdosen hart über der Fußbodenleiste sitzen. Das ist nicht nur schöner, weil die Dosen, Stecker (eventuell Doppelstecker) und die Leitungslitzen zu den angeschlossenen Geräten weniger zu sehen sind, sondern auch praktischer. Die Leitungsschnüre liegen bei der von uns vorgeschlagenen Anordnung flach auf dem Boden und behindern die Bewegungsfreiheit in dem Raum weniger.

Man beachte eine richtige Anordnung der Lampen. Ein Kronleuchter in einem Zimmer ohne Mitteltisch ist unsinnig. Eine Tischlampe auf dem Schreibtisch oder kleine Wandleuchten tun oft viel bessere Dienste.

Man kaufe nicht die billigsten Möbel und achte nicht nur auf das Aeußere. Die Qualität eines Möbelstückes erkennt man zum großen Teil daran, wie die Türen schließen, die Schubladen gleiten, kurz, an der Innenverarbeitung. Möbel sollen lange Jahre uns täglich dienen. Deshalb sollte man in erster Linie auf ihre Qualität achten.


Moderne Kleinmöbel im eigenen Heim
Moderne Kleinmöbel im eigenen Heim

Starkenburg

Radau-Szenen mit tieferem Grund

Die Ursachen der Tumulte bei der Zwingenberger Bürgermeisterwahl

sr Mit den Pfui-Rufen der entrüsteten und enttäuschten Zwingenberger Bevölkerung und dem polizeilichen Schutz der nach Hause abwandernden CDU- und SPD-Stadträte begann die Aera des neuen Zwingenberger Bürgermeisters. Fürwahr ein netter Anfang, wenn man bedenkt, daß die Lösung der Frage nach dem richtigen und geeignetesten Oberhaupt einer Gemeinde zur allgemeinen Zufriedenheit ausfallen sollte.

Gewiß wird es immer wieder Unzufriedene und Enttäuschte geben, denn es jedem recht zu machen ist eine Aufgabe, die wohl noch nie vollkommen gelöst werden konnte. Trotzdem kann und darf die Stimme des Volkes — der Wähler und Wählerinnen, auf deren Meinung sich die von ihnen gewählten Vertreter immer wieder berufen, ohne in den meisten Fällen darauf Rücksicht zu nehmen — nicht überhört werden.

Was in Zwingenberg sprach, darf wohl als diese Stimme bezeichnet werden. Denn es war bisher nicht üblich, sich zu Radaucliquen zu formieren, um mit mehr oder weniger großen Tumultszenen eben diese Stimme hörbar zu machen. Was die gesamte Periode der Bürgermeisterfrage in dieser Gemeinde anbelangt, so war sie für alle Beteiligten mehr als unerquicklich. Für den Ruhe und Frieden suchenden Bürger sehr wahrscheinlich sogar äußerst peinlich. Zumal es nicht aller Menschen Geschmack ist, Glieder einer Gemeinschaft zu sein, die hinsichtlich skandalöser Ereignisse innerhalb ihrer Reihen auf derartige Vorgänge stolz sind. Es soll sogar genügend von ihnen geben, denen die Nennung ihrer Heimatgemeinde in einem solchen Augenblick äußerst peinlich ist und dabei ehrbare, sittsame Bürger einer Gemeinde sind. Trotzdem aber einmal ihrer Entrüstung vollen Lauf geben, wenn sie erleben müssen, wie man ihre Einstellung ignoriert und sich nicht darum kümmert, ob sie sich einverstanden erklären können oder nicht.

Das politische Gefüge, die Zusammensetzung der Wähler und Wählerinnen unseres Volkes hat sich nach den letzten kommunalpolitischen Wahlen teilweise erheblich verändert. Eine Umbesetzung, wie sie z. B. nach den letzten Bundestagswahlen sich ergeben hätte, war aber nicht möglich, da diese einen ganz anderen Charakter trug. Selbst wenn sich die Zahl der Stimmen in den einzelnen Parteien oder Wählergruppen — vielleicht innerlich schon wieder erneut —verschoben hatte. Die Folge davon ist, daß bei den mannigfachsten Entscheidungen in der Kommunalpolitik gar nicht mehr im Sinne der Wähler gehandelt werden kann, weil sich — im Hinblick auf die noch in ihren Aemtern sitzende bisherige Zahl der Vertreter der Wähler und damit Vertreter der Parteien - nicht das geändert hat, was eingetreten wäre, wenn man später vorliegende Wahlresultate als neues Fundament benutzen könnte.

Mit knapper Mühe und Not hat Zwingenbergs neuer Bürgermeister den Sessel erreicht, um dessen Besitzer man sich stritt. Mit nur einer Stimme Mehrheit. Wobei zu berücksichtigen ist, daß die SPD-Fraktion in ihrer Meinung gespalten war. Sein mußte, weil man ja fünf ihrer Mitglieder aus der Partei ausgeschlossen hatte, da sie sich der Parteidisziplin nicht zu unterwerfen gedachten und anderer Meinung waren. Also stimmten sie dagegen. Zwei weitere Stimmen fanden sich zu ihnen. Hätten sich erstere anders besonnen, wären letztere allein gewesen. Und die gesamte Wahl hätte ein anderes Bild ergeben.

Den Bundestagswahlen nach erhielt die SPD 528 Stimmen, die CDU 253, die FDP 632 und die KPD 198 Stimmen. Bei den Kreistagswahlen im Jahre 1948 hatte die SPD noch 781 Stimmen, die CDU 383, die FDP und die KPD 266 Stimmen.

Wenn es also eine große Reihe Unzufriedener gab, die allerstärkstens ihren Unwillen bekundeten, so waren es mithin die Wähler der FDP im besonderen, da sie ja keinerlei Möglichkeit hatten, im Gemeinderat ihre Meinung vertreten zu sehen.

Die Vorfälle sind geschehen. Ein neuer Bürgermeister wurde gewählt. Von jenen auch, die heute eigentlich nichts mehr zu sagen hätten, weil sie das Vertrauen ihrer einstigen Wähler nicht mehr besitzen. Eine Entscheidung, die dem wahren Volksempfinden ins Gesicht schlägt. Eine Entscheidung, die nur deshalb geschehen konnte, weil die Verlagerung der politischen Meinung wohl registriert, sich aber nicht eher praktisch auswirken kann, bis erneute Gemeindewahlen stattfinden. Die Zwingenberger werden mit ihrem neuen Bürgermeister zu Rande kommen müssen. Ob sie es können, kann man heute noch nicht sagen. Ob er es mit seiner Bürgerschaft kann, ist ebenso ungewiß, da er nur geringstes Vertrauen besitzt, überdies auch noch ortsfremd ist und somit zwischen den Stühlen hängt, bis sich der eine oder andere Umstand ändern sollte. Wahrscheinlich wird dies aber nicht möglich sein. An seiner Leistungsfähigkeit wird damit nicht gezweifelt.

Jugend singt auf dem Heiligenberg

Seit über 25 Jahren trifft sich jedes Jahr die evangelische ältere Jugend zum Heiligenberg-Singen in Jugenheim. Dieses Jahr ist das Treffen am 3. September. Nach dem Eintreffen der Mitarbeiter im Pädagogischen Institut Jugenheim am Samstagabend ist um 18.15 Uhr eine Eröffnungsandacht in der Kirche. Für 20 Uhr ist eine Leiter- und Mitarbeiterbesprechung vorgesehen, die neben der Einführung in das neue Gesangbuch vor allem der Aussprache über Fragen der Jugendarbeit und des Jugendsingens dienen soll.

Das Treffen, zu dem sich die ältere Jugend der Gemeinden zusammenfindet, beginnt am Sonntagmorgen mit einem Kurrende-Singen. Um 9.30 Uhr findet ein Jugend-Gemeinde-Festgottesdienst statt; die Festpredigt hält Pfarrer Lutz (Roßdorf). Um 11 Uhr ist ein Volksliedersingen, dem sich nach dem Mittagessen um 13.45 Uhr Volkstänze und um 15.30 Uhr Singen (Ltg.: Jugendkantor Gerhardt) anschließen. Beendet wird das Treffen um 17.30 Uhr mit einer Schlußandacht in der Kirche. hl.

100 Kubikmeter Kies in der Stunde

Moderne Kiesgewinnungsanlage bei Biebesheim

In einem immer stärker werdenden Umfang rückt der Beton als Baustoff in den Vordergrund neuzeitlicher Baumethoden. Zement und Kies sind seine wichtigsten Bestandteile. Zur Erzielung tragbarer Preise ist es daher notwendig, die Gewinnung von Baustoffen möglichst rationell zu gestalten.

In der Gegend von Biebesheim befindet sich eine nach modernsten Gesichtspunkten angelegte Kiesgrube, deren Tagesleistung bereits über 600 cbm beträgt. Der gewonnene Kies ist von einer hohen Qualität, er enthält neben 45 Prozent Sand 55 Prozent Steine. Wenn man bedenkt, daß dort noch vor Jahresfrist zur Kultivierung ungeeignetes Land lag, so kann man die wirtschaftliche Bedeutung der durch eine Darmstädter Firma betriebenen Kiesgrube nicht hoch genug einschätzen, zumal die eingestzte Anlage außerordentlich preiswert arbeitet.

Die Kies-Sauganlage ist auf einem Schiff untergebracht, das auf dem Wasserspiegel der Grube liegend, mit Hilfe von Motorpumpen den Kies in einer Tiefe bis zu 20 m ansaugt und durch eine Rohrleitung in die Silos fördert. In einer Stunde saugt die Pumpe etwa 500 cbm, darunter 100 cbm Kies und 400 cbm Wasser. Die in die etwa 130 cbm fassenden Silos gedrückte

Masse befreit sich selbstätig von ihrem Wassergehalt. Mittels einer sinnreichen Konstruktion der Silobautedle ist eine reibungslose Ableitung des Wassers, das sich in einem mächtigen Strahl ununterbrochen in Entwässerungsgräben ergießt, gewährleistet. Der tagsüber gewonnene Kies verbleibt über Nacht in den Speicheranlagen und kann am jeweils folgenden Tage abgegeben werden.

Ein nicht unwichtiger Arbeitsgang dieser vorbildlichen Baustoffgewinnungsanlage ist die Absonderung von Steinen, die über ein System von verschiedenartigen Sieben von dem reinen Sand getrennt werden. Auch das Beladen von Fahrzeugen, die Tag für Tag den Kies zu den Baustellen bringen, ist kein Problem. Innerhalb weniger Minuten können die Kraftfahrzeuge mit ihrer Last abfahren, ohne daß dabei die Schaufel in Aktion zu treten braucht. -kr.

Nieder-Beerbach feierte Sportplatzweihe

Die spannungsvolle Atmosphäre, die jeder größeren Veranstaltung vorausgeht, war auch vergangene Woche in Nieder-Beerbach zu beobachten, handelte es sich doch um die Vorbereitungen zur Sportplatzweihe, die am Wochenende starten konnte.

Eingeleitet durch zwei Fußballspiele am Samstagnachmittag, fand abends ein Fackelzug der befreundeten Vereine durch die Straßen des Ortes statt, dem sich ein Festkommers im „Darmstädter Hof“ anschloß. Dankbar aufgenommen und mit Beifall belohnt wurde das Kunst- und Reigenfahren des Eberstädter Radfahrklubs. Die Festmusik stellte Kapelle Germann, die mit ihren schmissigen Weisen für frohe Stimmung, Unterhaltung und Tanz sorgte.

Nach dem Weckruf am Sonntagmorgen begannen die leichtathletischen Wettkämpfe, die gute Ergebnisse zeigten und sich reibungslos abwickelten. Im Mittelpunkt des Tages stand der Festzug, der sich am Sonntagmittag unter Beteiligung der Feuerwehr, des Gesang-, Turn- und Geflügelzuchtvereins, des Kirchenchors und der Mitglieder der Sport- und Kulturgemeinde durch die Straßen nach dem Sportplatz bewegte.

Die Einweihungsfeier wurde eingeleitet mit einer Ansprache des Vorsitzenden der SKG, Ludwig Bauer, der einen kurzen Rückblick über die Entstehung des Sportplatzes gab und allen Helfern für ihre Arbeitsfreudigkeit und ihren Idealismus dankte. Anschließend sprachen Bürgermeister Pritsch, Landrat Wink, Regierungsrat Lindner, Vorsitzender des Landessportbundes Hessen und Pfarrer Wißm üll er. Gesangsvorträge des Kirchenchors und des Gesangvereins „Frohsinn“ gaben dem Weiheakt den Rahmen.

Im Laufe des Nachmittags wurden noch einige Fußballspiele ausgetragen und die Jugendgruppe der SKG zeigte Volkstänze. Abends wurde im „Darmstädter Hof“ die Siegerehrung vorgenommen, die zum Festausklang mit einem Tanzvergnügen abschloß. hl.

Schwere Unwetter im Odenwald

Die schweren Unwetter der letzten Tage haben im südlichen Odenwald teilweise verheerende Folgen gehabt. In Weiher und Gadern sind ebenso wie im U 1 fe n - b acht al die Feldwege und Straßen mit Schutt und Geröll überdeckt und auf langen Strecken unpassierbar. Mehrere Anwesen wurden durch den Sturm abgedeckt und zahlreiche Bäume entwurzelt. Zwischen Hammelbach und Wahlen fuhr ein Lkw auf einen quer über die Straße gefallenen Baumstamm auf und mußte abgeschleppt werden. In M ö r 1 e - b a c h schlug ein Blitz in die Leitung der katholischen Kirche, beschädigte die Stromleitung und die Orgel und setzte das elektrische Geläute außer Betrieb. Ein großer Teil der diesjährigen Spätobsternte wurde von den Bäumen gerissen und übersäte Straßen und Felder. -r-

Shakespeare im Fürstenlager

Sommerfest der Bensheimer Goetheschule

Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ begann am Montagnachmittag das Sommerfest der Bensheimer Goetheschule im Fürstenlager, zu dem außer den Angehörigen der Schülerinnen auch zahlreiche Freunde der Anstalt und Gäste erschienen waren. Im ersten Teil des Programms zeigten die Schülerinnen Reigentänze, Spiele und turnerische Vorführungen. Nach einer etwa einstündigen Pause, während der sich Schüler, Lehrer und Gäste zu Kaffee und Kuchen im Cafe „Herrenhaus“ einfanden, führten die Oberklassen einige Szenen aus Shakespeares „Wie es euch gefällt“ auf. Die dunklen Zypressen und hohen Laub-- und Nadelbäume des Fürstenlagerparks boten für dieses Freilichtspiel einen sehr geeigneten Hintergrund und ein lockeres und flüssiges Spiel lief vor den Augen der zahlreichen Zuschauer ab. Man konnte schon bei mancher von den Darstellerinnen ganz beachtliches schauspielerisches Talent und in den meisten Fällen eine sehr deutliche und klare Aussprache feststellen (vor allem wurde glücklicherweise nicht deklamiert!). Besonders sei an dieser Stelle Inge Jost erwähnt, die außer ihrer eigenen Rölle noch im letzten Auigenblick die Rolle des Narren übernommen hatte und diese so geschickt spielte, daß man überhaupt nicht merkte, daß sie noch wenige Stunden zuvor daran gelernt hatte. Eva Maria Dietz zeigte als Rosalinde ein gewandtes, überlegenes und beinahe schon routiniertes Spiel. Auch Elfriede Jäckel, Irmeltrud Jlesemann, Helgar Gartzen, Waltraud Haßlöcher, Trude Gust und Erika Adam hatten mit viel Fleiß und Sorgfalt ihre Rollen durchgearbeitet und spielten im großen und ganzen sehr gelöst und ungezwungen. Zum Schluß sei noch den Lehrkräften gedankt, die dieses Fest arrangierten, vor allem der unermüdlichen Leiterin der Goetheschule, Frau Oberstudiendirektorin Dr. Lösch, Frl. Dr. Krämer, die das Freilichtspiel inszeniert hatte, Frl, Dziegielewski, die die turnerischen Vorführungen leitete sowie Frl. Naseband und Frau Schmidt-Wolf, die die Reigentänze einstudiert hatten, HB.

Dieburger Theater-Spielzeit

Das Dieburger kulturelle Leben, das in den letzten Jahren fast ausschließlich von den einheimischen Vereinen getragen wurde, soll in den kommenden Wintermonaten eine begrüßenswerte Bereicherung erfahren: Bürgermeister Steinmetz hat nach eingehenden Besprechungen mit führenden Persönlichkeiten der Stadt erfolgreiche Verhandlungen mit dem Stadttheater Worms geführt, das sich zu einer ganzen Reihe von Gastspielen im Saalbau „Ludwigshalle“ bereit erklärt hat. Für die „Dieburger Theatersaison 1950/51“ sind etwa 12 Vorstellungen (Lustspiele, Schauspiele und Operetten) vorgesehen, für die ein Abonnement aufgelegt wird. Die erste Aufführung — Moreto y Cabanas „Donna Diana“, ein Lustspiel aus dem Spanischen — findet am kommenden Sonntag, dem 3. September, um 20 Uhr als Freilichtspiel auf der Terrasse des Fechenbach’schen Schlosses statt. Die Rollen sind vornehmlich wieder mit den Kräften besetzt, die sich vor kurzem mit „Hanneies Himmelfahrt“ so außerordentlich erfolgreich in Dieburg eingeführt haben. (RG)

Zwingenberger Schüler vermißt

Seit dem 25. August wird der am 24. September 1936 in Berlin geborene Realschüler Holger Meyer aus Zwingenberg vermißt. Der Junge ist 1,40 Meter groß, schlank, hat blaue Augen, Sommersprossen und ist mit einem rotgrünen Fahrradkäppchen, blauem Polohemd mit kurzen Aermeln, einer Lederhose mit Trachtenträgern, hohen, genagelten Schuhen ohne Strümpfe und einer dunkelblauen Badehose bekleidet. Meyer führt ein schwarzes Knabenfahrrad mit gelben Felgen und neuer Bereifung mit sich. Meldungen über den Vermißten nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. (HB)

Selbstmord im Lampertheimer Wald

Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei in dem von uns bereits gemeldeten Falle eines im Lampertheimer Staatswald am 24. August tot aufgefundenen jungen Mannes ergaben, handelte es sich um einwandfreien Selbstmord des Achtzehnjährigen, der, in Heidelberg geboren, in der Nähe von Viernheim wohnte. Er hatte an seine Eltern einen Abschiedsbrief geschrieben und sich mit einem spanischen Trommelrevolver, dessen Herkunft unerklärlich ist, erschossen.

Ein Baum war im Wege

Zwei Motorradfahrer aus Unter-Schönmattenwaag fuhren aus Hirschhorn kommend kurz hinter der Langenthaler Kurve gegen einen Baum und blieben bewußtlos liegen. Ein des Wegs kommender Pkw-Fahrer verständigte eine Rettungsstation, die den Lenker des Motorrades nach Hofelbert überführen ließ, während der wiedererwachte Soziusfahrer bei der stark beschädigten Maschine zurückblieb. -r-

Raunferei endete im Krankenhaus

Bei einer Auseinandersetzung mit einem einheimischen Burschen, die anläßlich der Mörlenbacher Kirchweihe in Tätlichkeiten ausartete, wurde ein auswärtiger Besucher über die Brücke des Weschnitzgrabens gedrückt. Er mußte mit schweren inneren Verletzungen in das Weinheimer Krankenhaus überführt werden. -r

Angriffslustige Kuh

Bei dem Rücktransport von Kindern aus dem Kreis Groß-Gerau, die zur Erholung an der Ostsee weilten, ereignete sich unterwegs bei Neumünster an der Ostsee ein recht seltsamer Verkehrsunfall: An der Straße wurde eine Herde mit Kühen entlanggetrieben. Getrieben ist eigentlich nicht ganz der richtige Ausdruck, denn der Hirte marschierte etwa zwanzig Meter vorneweg und seine beiden Gehilfinnen die gleiche Entfernung munter plauschend hintennach. Als der Bus diese Gesellschaft überholen wollte, löste sich plötzlich aus der Herde eine der Kühe, trabte mitten auf die Straße und senkte mutig die Hörner gegen das heranfauchende Ungetüm. Der Fahrer brachte zwar das Fahrzeug geistesgegenwärtig zum Stehen, aber das Unglück war bereits geschehen: Zwei Verletzte standen bzw. lagen sich gegenüber. -Die Kuh besinnungslos und mit nur noch einem Horn, der Omnibus mit zerbeultem Kotflügel, defektem Kühler und zertrümmerter Lampe. Nach kurzer Zeit stand die Kuh wieder auf und setzte, zwar noch leicht schwankend, ihren Weg fort, -od-

Wrackhebung bei Nacht

Ein in den letzten Kriegstagen am „schwarzen Ort“ bei Gernsheim versenktes Motorschiff wird demnächst mittels Hebeschiffes der Wasserstraßenverwaltung gehoben werden. Um die Schiffahrt durch die Hebearbeiten nicht zu beeinträchtigen, wird nur nachts gearbeitet werden. Nach Hebung dieses Wracks ist der Rhein bei Gernsheim frei von größeren Schiffstrümmern. kr.

„Höfchen“-Gelände wird Siedlungsland

Auf Anregung des Kulturamtes Darmstadt und durch Beschluß des Gemeinderates in Dieburg wird das Gelände „Am Höfchen“, auf dem die Gebäude der Taunus-Bau-Union stehen, der Nassauischen Siedlungsgesellschaft überlassen. Die Stadt erhält aus dem von dieser Gesellschaft für die zu erwerbenden Gebäude zu zahlenden Kaufpreis einen Betrag von 400 DM je V« Hektar, der bar zu zahlen ist. (RG)

meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Pfungstadt. Der Verein für Hundefreunde baut zur Zeit auf dem Dressurplätz ein Haus, das bei schlechtem Wetter als Aufenthaltsraum und zur Aufbewahrung von Geräten dienen soll. ler.

Seeheitn. Die Ortsgruppe des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen will am 10. September eine Rheinfahrt nach Aßmannshausen (Niederwalddenkmal) unternehmen. Letzter Anmeldetermin ist der 2.September. hl.

Hahn. Der soziale Wohnungsbau macht Fortschritte. Nachdem im letzten Jahr die ersten Familien in ihre Neubauwohnungen einziehen konnten, sind inzwischen weitere Häuser fertig geworden. In etwa drei Wochen wird die Postannahmestelle des Dorfes in die verlängerte Schulstraße umziehen. jn.

Hahn. Die Arbeiten am gemeindeeigenen Neubau in der Obergasse gehen ihrem Ende entgegen. Die Gemeinde hat aus eigenen Mitteln eine leerstehende Scheune zu einem Wohnhaus umbauen lassen, in dem mehrere Familien unterkommen können. in.

DIEBURG

Hergershausen. In der Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft wurden die Bilanzen und Berichte ohne größere Debatten gebilligt und der Geschäftsanteil von 40 auf 50 DM erhöht. In den Aufsichtsrat sind Ludw. Berz und Georg Herget I. gewählt. Nikolaus Groß 11. und Vorsitzender Johann Grimm llschieden aus. Wilhelm Reul in g und Balthasar Reitz wurden wiedergewählt. Als Gäste konnten Herr Bayer vom Prüfungsverband und Herr Sander vom Zentralverband begrüßt werden, gi.

Babenhausen. Der evangelische Kirchenvorstand hat bei der Orgelflrma N i - colausin Lich eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Sie kostet 17 700 DM und soll bis Ostern 1951 fertiggestellt sein. Das Kirchendach über der alten Orgel wird mit Schiefern gedeckt. mr.

Gundernhausen. Zwei neue Schullehrer, beide Flüchtlinge, nahmen die Stellen der nach Sickenhofen bzw. nach Spachbrücken versetzten Lehrer Wagner und Riedel ein. (sl)

Habitzheim. Am Sonntag fand in der Gaststätte Kopp eine Tagung des Evangelischen Männerwerks statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand das Thema: „Dein Platz in der Gemeinde und der Kirche.“ Jg.

Zeilhard. - Der Invalide Georg Z. wurde durch ein Geräusch aus dem Schlaf geweckt: in das Haus war ein Unbekannter eingedrungen, der, als Z. um Hilfe rief, durch ein Fenster entkam und dorfwärts llef- (RG)

Groß-Zimmern. - Dem Obst- und Gemüsehändler Fl. aus Lengfeld wurde eine Kiste Bananen gestohlen. Als Täter wurden einige Groß-Zimmerner Schulbuben ermittelt. (RG)

Heubach. Die 50- und 60jährigen veranstalten am 2. und 3. September ein gemeinsames Treffen. In dem gut zusammengestellten Programm wird das „Hessenmädchen“ Lia Wöhr für Unterhaltung sorgen. gi

BERGSTRASSE

Waldmichelbach. Am Samstag, 9. September, findet im „Hotel Odenwald“ um 20 Uhr ein großes Chorkonzert der rheinischen Sänger aus Braubach statt, prs

Lorsch. Während vor kurzem im Nordteil der Gemeinde mit der Kanalisation begonnen wurde, wird jetzt auch die Arbeit im Südteil aufgenommen. Auf dem Submissionswege wurden die Arbeiten der Firma Philipp Gotha, Lorsch, übertragen. (ei)

Siedelsbrunn. Die Vorbereitungen für das am 10. September stattfindende Kreis-Wertungssingen sind jetzt abgeschlossen. Zum Festplatz wurde der Jungmannsche Wiesengrund bestimmt; zwei Vorbereitungskomitees, bei denen Kreis - Chormeister Bürgermeister Schmitt (Rimbach) den Vorsitz führt, werden sich um den Festablauf und die Betreuung der 2000 erwarteten Sängerinnen und Sänger bemühen. (-r)

Mörlenb. ch. Da die Aus- und Einfahrt der Straße nam Weinheim von Mumbach her außerordentlich eng ist, wurde jetzt ein Stück Gartenland abgerissen und das gewonnene Gelände zur Erweiterung benutzt. -t

GROSS-GERAU

Gernsheim. Ein Vertreter des Bezirksverbandes der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen sprach am Wochenende über den gegenwärtigen Stand der Rentenversorgung sowie den geplanten Marsch nach Bonn. Der Redner drückte die Zuversicht aus, daß mit einer baldigen Neuordnung des Versorgungsgesetzes zu rechnen sei. Kr.

Nauheim. Die Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten hat aus dem Erlös des am 22./23. Juli stattgefundenen Volksfestes 900 DM an Beihilfen für bedürftige Schwerbeschädigte und Witwen aus den beiden letzten Weltkriegen ausgezahlt. Weiterhin wurden 300 DM sichergestellt, die in besonderen Notfällen verwandt werden sollen. Kb.

Stockstadt. Dem Gärtner Heinrich Heil wurden nachts aus seinem Garten beim Friedhof sämtliche Gladiolen und eine Menge Dahlien gestohlen. Audi auf dem Friedhof wurden in der letzten Zeit öfters Blumen entwendet. Vielleicht handelt es sich um die gleichen Täter. -oa-

Mörfelden. Bürgermeister Klinger hatte den Gemeinderat zu einer Dringlichkeitssitzung geladen. Auf der Tagesordnung standen die Vermessungsarbeiten im Umlegungsgebiet. Zwischen den Grundstücksbesitzern und der Gemeindeverwaltung konnten, bis auf einige Fälle, Einigung über den Bauplatzpreis erzielt werden. au.

Raunheim. Der Gemeinderat hat die Erweiterung des Wasserröhrnetzes genehmigt. Aus Etatsmitteln müssen für diese Arbeiten 2300 DM aufgebracht werden. Dadurch ist es möglich, nun auch sämtliche Neubauten an das örtliche Wassernetz anzuschließen. Kb.

Was aũch interessiert:

Eine Verlosung, deren Reinerlös Kriegswaisenkindern und minderbemittelten Witwen an Weihnachten zugute kommen soll, führt der Ortsverband der Kriegsbeschädigten, Wallers fädten, am 17. September durch. Ab 3. September sind die Preise im Schaufenster der Fa. Eisenhauer ausgestellt. Kn.

Zu den Passionsspielen nach Oberammergau fährt in verschiedenen Reiserouten die Omnibusgesellschaft Leonhard Winzenhöler, Groß-Zimmern. Bei viertägigen Reisen betragt der Gesamtpreis 61,50 DM. Eintrittskarten zu den Spielen sind von 5 bis 15 DM zu erhalten. (-gi-)

Eine selten schöne Blume hat Frau Elisabethe Schamber, Weiterstadt gezüchtet. Es ist dies eine palmenartige Staude, die etwa drei Meter hoch ist und noch im Wachsen steht. Das Blattwerk ist zackig und in neun Fächer unterteilt. Die Blätter sind eigenartig geformt. Die Blütentraube ist 30 Zentimeter lang. Die Blüten selbst sind zur Blume als sehr klein zu bezeichnen. Sie wird unter dem Namen „Palmi-Christi“ geführt. Die Fruchtkerne sind bohnengroß. Das ganze Gewächs gleicht einem Baum. Der Stamm ist armsdick.

Eine Kunstausstellung mit Gemälden des Malers und Graphikers n n Plastikcn des Bensheimer Bddhauers Hans M ü h 1 h ä u s e r veranstaltet die amerikanische Lesehalle in "h 61m in der Zeit vom 3- bis 9-

Unsereiner wird immer kleiner

»Ja, Mama, ich traf also vorhin einen Würstchenmann, bei dem wir neulich kauften. Bei dem war Papa heute früh um drei und schlug eine ordentliche Schlacht in Würstchen. Er sah gut aus, obwohl er wahrscheinlich doch diese Nacht gebummelt hat."

~Knut!“ schreit Frau Steen auf. „Knuh das ist doch alles nicht wahr!“ Eva Steen schluchzt verzweifelt. „In der Hose, die er vorgestern trug, fand ich noch vierzig Kronen. Papa kann nur zeln Kronen bei sich haben, nicht wenigst ns fünfzig, wie wir zunächst annahmen. Mein Golt, er muß doch hungern." Knut ist ratlos. Aber es empört ihn, daß man anscheinend mit dem Hunger seines Vaters von ihm Rechenschaft verlangt.

».Wenn er hungrig ist, soll er kommen!" schreit er los. „Was soll dieses Gejammer", Knut muß die Füße wechseln, so ärgerlich ist er. „Ich will dir die Wahrheit sagen, obwohl ich dich eigentlich schonen wollte. Papa hat keine Würstchen gegessen, sondern nur eh trockenes Brötchen. So, nun weißt Du es. Und wahrscheinlich wird er zum Frühstück hier sein, das ist meine Ueberzeugung. Knut wirft sich herum. Er kann das Weinen der Frauen nun nicht länger mitansehen. Er geht in sein Schlafzimmer wirft die Kleider ab und läßt sich in sein Bett fallen.

Aber Mary kommt. „Knut, Mama will aufstehen und den Würstchenmann aufsuchen", sagt sie leise und setzt sich zu ihrem Bruder aut das Bett „An welcher Ecke steht er?”

„Zweite Querstraße vor dem Wesfbahnhof. Aber er ist jetzt längst nach Hause gegangen." „Das sagte ich Mama auch", flüstert Mary. „Aber Mama glaubt, die Leute in dem Eckhaus wissen, wo er wohnt, weil er bei ihnen vielleicht seine Würstchen heiß macht"

Knut wirft sich herum.

„Fahr hin“, knurrt er. „Aber nicht mit Begger. Begger hat sich die ganze Nacht um die Ohren geschlagen, genau wie ich, und was ernte ich? Streif, Streit; alles endet bei uns im Streit Wir sind wirklich eine ganz durchschnittliche Familie.“

Mary geht Knut Steen schnauft puren Aerger aus. Aber darüber schläft er ein.

50

Knut wacht hungrig auf. Draußen auf der Straße lärmt der volle Tag, aber in der Hofeiwohnung der Steens ist es ganz still.

Knuts Uhr sfehf. Er muß sich überwinden, aus dem Bett zu steigen, und dabei fällt ihm ein, wie viele Sorgen er hat: Papa ... Mama... Mary... Tompson ...

Er gähnt und geht in den Salon. Die Uhr dort behauptet, er habe das Mittagessen verschlafen. Sein erster Gedanke ist, wieder zu Bett zu gehen, aber das Telefon summt

„Knut Steen ..." „Hier spricht Brill. Ich bin der Chef der Privatdetektive, die für Sie arbeiten“, sagt Knuts Partner am Telefon. „Ich bin sicher, daß Sie zufrieden mit uns sein werden. Wir haben die Spur ihres Vaters?“

„Wo ist er?" fragt Knut

„Nun..." Der Defektiv zögert. „Ganz so weif sind wir noch nicht. Jedenfalls aber war Ihr Tip großartig, uns über Frau Tompson nach ihm zu suchen zu lassen. Wir werden ihn auf diesem Wege auch finden.“

„Um Himmels willen“, schreit Knut. „Wie geht das zu? Wo ist überhaupt Frau Tompson?“

„Im Hotel .Inferavia"'.

„Das stimmt nicht", ruft Knut „Es stimmt doch", widerspricht der Defektiv. „Sie woznt dort mit ihrer Tochter, freilich nicht als Hotelgast. Der Parkwärfer dort ist ein Bekannter der Tompsons. Seine Tochter und Fräulein Tompson arbeiten im gleichen Warenhaus. Und die Tompsons wohnen jetzt für ein paar Wochen..."

„Gut! Gut!" unterbricht Knut. „Ich kann mir das jetzt verstellen.“ (Wenn man bei einem Parkwärter wohnt, wird man natürlich Lust bekommen, ihm bei den Grasschneidemaschinen zu helfen, und wenn das Gras geschoren ist, wird man einen Ball holen und zusammen mit der Tochter des Parkwärters eine Weile auf dem selbsfgeschnitfenen Rasen spielen.) „Aber wie fanden Sie das heraus?"

„Wir flogen hin", antwortet der Defektiv. „Wir suchten Frau Tompson auf und sagten ihr auf den Kopf zu, daß sie wisse, wo Georg J. Steen steckt."

Knut stöhnt... „Das hätten Sie nicht tun sollen“, seufzt er verzweifelt.

„Warum nicht?“ fragte der Defektiv. „Es war eine ungewöhnlich erfolgreiche Frage. Frau Tompson wurde sofort sehr böse und weinte. Sie verriet sich dadurch völlig. Sie behauptet zwar, daß sie Ihren Vater vor fast fünfundzwanzig Jahren zuletzt sah, als er die Verlobung mit ihr löste.“

„Halfen Sie an", schreit Knut. „Machen Sie sofort eine Pause, ich brauche jetzt wenigstens eine Zigarette. Ich bin gleich wieder am Apparat." Er legt den Hörer hin. Die Wahrheit ist, daß er gamicht die Absicht hat, diesen Hörer jemals wieder an sein Ohr zu nehmen. Der Schädel braust ihm. Er hört aus diesem Brausen wieder die streitende Stimme seines Vaters, der ihn in Beggers Wagen davon abhalfen wollte, die Tompsons aufzusuchen.

Knut Steen geht in das Schlafzimmer, um wirklich etwas zum Rauchen aus seinem Anzug zu holen. Er beeilt sich kein bißchen dabei, und sein Aerger meldet sich wieder.

Knut sfehf still. Und in diesem Augenblick erinnert er sich an den Wursfmai n und an das, was sein Vater heute früh um drei Uhr gesagt hat. Er hört die Stimme seines Wters, eia müdes, greinendes Echo. „Wir haben alle ganz falsch gelebt“, hört er seinen Vater sprechen.

Knut reißt sich los und geht wieder an das Telefon zurück. „Hier bin ich wieder", sagt er kleinlaut.

„Es tut mir leid, daß Sie solche Schwierigkeiten hatten, eine Zigarette zu finden“, meint der Detektiv. „Wo waren wir stehen geblieben?“

„Wir waren bei Papas aufgelöster Verlobung“, erinnert Knut seinen Partner. „Und ich glaube jetzt nicht, daß wir auf diesem Wege meinen Vater finden.“

„Das sagen Sie bitte nicht!" ruft der Defektiv. „Solche alten Dinge wirken immer unglaublich nach. Meine Erfahrung ist, daß man einen sechzigjähri jen Mörder bisweilen entlarven kann, wem man das Schaukelpferd findet, dem er als Knabe den Kopf absägfe. Und ver-

muflich weiß Frau Tompson noch mehr. Jedenfalls veranlassen wir sie, morgen in die Hauptstadt zurückzukehren, um uns hier zur Verfügung zu stehen. Wir werden sie Tag und Nacht verhören."

„Haben Sie sie etwa verhaftet?“ schreit Knut.

„Das können wir als Privatdetektive nicht tun“, belehrt der Herr. „Aber wir haben andere Mittel.“

„Um Himmels willen. Haben Sie Ch’oroform benutzt?“

„Nein", lacht der Defektiv. „Wir veranlaßten den Direktor des Warenhauses hier. Fräulein Tompson aus dem Urlaub zu rufen. Den Vorwand überließen wir ihm selbst."

„Das geht", Knut ist plötzlich recht zufrieden. „Damit, daß Sie die Tompsons morgen hierher zurückbringen, bin ich sehr einverstanden. Aber ich möchte, daß Sie mich sprechen, ehe Sie mit den Verhören beginnen. Ich hoffe, bis morgen Abend neue Informationen für Sie zu haben. Ich glaube, das ist alles für heute."

Das Gespräch endet. Knut sitzt im Schreibtischsfuhl. Er ist immer noch im Schlafanzug, immer noch hungrig, immer noch ärgerlich. Er möchte nachdenken, aber er kommt nicht dazu.

Begger steckt den Kopf zur Tür hinein: „Knut, ein Tip für Sie“, ruft er leise. „Ich soll zu Miels Landhaus fahren, um ihn abzuholen. Es ist im ganzen eine Stunde Fahrt. Er will Sie hier im Hotel besuchen, es soll eine Ueberraschung für Sie sein. Machen Sie sich also stark und gefaßt.“

„Ich bin aut alles gefaßt", brummt Knut Steen .

51. Georg H. Miels findet Knut Steen frisch, sauber und saft im Sessel vor der Heizung sitzend. Knut Steen liest gerade seinen Vertrag mit den „ Progreß"-Leufen, die ihn als Einfahrer einsfeilen wollen. Er legt das Papier beiseite und begrüßt den großen Miels. Er ist leidlich gefaßt, und vor allem ist er fest entschlossen, Miels zu bestehen.

„Ich komme, weil ich darüber beunruhigt bin, daß Ihr Vater immer noch nicht zur Stelle ist“, sagt Miels. „Er ist jetzt seif dreißig Stunden verschollen. Oder haben. Sie bestimmtere Nachrichten?“ „Natürlich“, antwortete Knut. „Ich weiß, daß er heute früh um drei Uhr noch lebte, aber mit pessimistischen Gedanken in irgendwelchen Straßen im Westen der Stadt umherlief."

Miels nickte erstaunt...

„Ist d.as eine Nachricht meiner Detektei?“, fragte er.

„Ihre Detektei arbeitet nicht so schnell", wirft Knut ein. „Diese Information habe ich selber beschafft.“

Miels steckt diesen ersten Minuspunkt ein...

„Wahrscheinlich hoffen Sie deshalb auch, ganz ohne die Polizei auskommen zu können", fastet er vorsichtig vor sich her.

Knut sieht ihn groß an. „Diese Hoffnung beschäftigt doch nur Sie, nicht wahr?“ erklärt er. „Mir selbst ist es natürlich gar kein Problem, ob ich die Polizei brauche oder nicht. Ich werde sie hineinziehen, sobald ich es für richtig halte."

„Vielleicht überlegen Sie im Augenblick nicht, daß ich mit einer bestimmten hohen Geldsumme dafür garantieren könnte, daß er ohne die Polizei heil gefunden wird", schlägt er vor.

Knut erschrickt. Ist das möglich? Miels will mir den Alfen auf Tofalverlusf versichern, grübelt er. Tatsächlich, ich soll jetzt sagen, was er uns noch werf ist, und Miels setzt diese Summe als Prämie ein.

Knut Steen lächelt: „Ich kann tatsächlich nicht sagen, wieviel Geld Papa im Monat verdient, und wieviel er uns also in den nächsten zwanzig Jahr, n noch in die Familienkasse tun kann“, lächelt er. „Diese Summe müßten Sie wohl schon bieten."

ROMAN VON HANS WOERNER

Miels nickt. „In Form einer kapitalisierten Rente“, sagte er sachlich.

„Gut!' lächelt Georg J. Steens Sohn. „Sehr gut.. .1 Aber nun kommt dazu, daß mein Vater in der Tat ein schrecklicher Familienfyrann ist, oder es wenigstens zu sein versucht. Ich ärgere mich dauernd über ihn und er ist oft geradezu lächerlich. Er knirscht mit den Zähnen, obwohl das längst nicht mehr verfängt. Er ohrfeigt meine Schwester und zahlt ihr dann fünftausend Kronen drauf. Er behauptet ständig, in allem recht zu haben, und es nutzt ihm nichts... Und gelegentlich lachen wir ihn aus."

Miels wird unruhig... „Wozu erwähnen Sie das?“ fragt er.

Knut steht auf. „Um Ihnen verständlich zu machen, daß dieser komische Kerl für uns völlig unersetzlich ist“, sagt er gelassen. „Die beste Polizei der Welt ist gerade gut genug, ihn suchen zu helfen, wenn er uns davongelaufcn ist. Ich verständige die Polizei heute abend um vierundzwanzig Uhr, Herr Miels.“

Miels räuspert sich, aber er sagt nichts. Er sieht ein, daß er nichts weiß, was er noch sagen könnte. Er steht auf und geht zur Tür.

Knut begleitet ihn. „Und trotzdem glaube ich, daß wir eine gute, geschäftliche Regelung miteinander treffen kö nten“, sagt er plötzlich.

Miels stutzt. Er denkt jetzt an die vielen Verhandlungen, die er erfolgreich beendete, weil sein Partner im allerletzten Augenblick eine Schwäche verriet.

„Welche Regelung könnte das sein?" fragt er gespannt.

Knut, schiebt die Hände i i die Hosentaschen. „Wir sind unseren Vertrag wohl beiderseits recht leid“, sagt er. „Wir Steens finden es von Tag zu Tag schrecklicher, hier als Reklameouppen zu tanzen, zu plappern und zu heucheln. Sie wiederum haben eine Menge Aerger mit uns, vor allem mit mir. Zahlen Sie bis heute abend unseren Vertrag aus, und vollenden Sie die Reklamen und alles übrige mit Doubles. Wir bleiben für die Verfragszeif hier wohnen, fahren ein wenig in Ihrem Wagen spazieren und sehen uns die fertigen Aufnahmen an, damit wir mit ihnen einverstanden sein können. Dann reisen wir friedlich heim.“

Miels überlegt. Doubles kosten Geld. Aber mit Berufsschauspielern arbeitet man leichter. Der Aerger wäre ausgesfanden. „Ich schicke Ihnen zu acht Ühr einen Abschlußvertrag und das Geld', entscheidet er.

Er geht jetzt wirklich zur Tür...

52. Frau Steen und Mary kamen erst, als es schon dämmert, und sie bringen Frau Fahr mit. Sie haben den Wursfmann gefunden, er wohnt in demselben Haus, an dessen Ecke er Nacht für Nacht sfehf. Frau Steen hat ihm zwanzig Kronen geschenkt, und er hat ihr dafür Wort für Wort alles erzählt, was sie schon wußte, Sie hat ihm trotzdem noch einmal hundert Kronen geboten, wenn er ihr ehe neue Nachricht von Georg J. Steen bri gt. („Und geben Sie ihm so viel Würstchen, wie er haben will. Ich zahle Sie Ihnen gerne.")

„Von diesem Wursfmann fuhren wir zu Frau Fahr“ erzählt Mary. „Wir verbrachten den ganzen Tag bei ihr. Mama fühlte sich so wohl, endlich wieder in einer kleinen Wohnung zu sein, ähnlich der unserigen zu Hause."

„Du kannst vielleicht schon morgen früh nach Hause fahren, Mama", lacht Knut. Er erzählt seine Abmachung mit Miels. „Ich bin sicher, daß wir in einer Stunde die schriftliche Äusfertigunng und das Geld haben.“

„Aber Papa ist nicht da, um zu unterschreiben", wendet Frau Steen ängstlich ein.

„Er wird einverstanden sein“, brummt Knut. ~Inzwischen genügt meine Unterschrift."

„Auch wenn er einverstanden ist, was ich selbst fest annehme, wird er toben, weil du etwas für ihn unterschrieben hast“, seufzt Frau Steen. „Ich fürchte, wir sollten es lieber unterlassen.“

Knut springt auf. „Mama", ruft er, „bist du völlig von Sinnen...? Ich leiste mein Bestes, um uns aus dieser entsetzlichen Sache herauszuholen. Ich erreiche, daß wir die Köpfe aus der Schlinge ziehen dürfen und dazu noch unser Geld bekommen und du ..." Knut wird lauter, „und du hast wieder nur dein altes dummes Gelämmer wegen Papa. Ist das nicht zum Davonlaufen?“

„Knut, Sie ereifern sich schrecklich", ruft Frau Fahr.

Knut bremst sich. Er geht erregt auf und ab. Frau Steen weint. „Sehen Sie, Frau Fahr“, schluchzt sie. „In einem so schlimmen Gegensatz steht Knut zu seinem Vater. Wie viel hunderte solcher Szenen habe ich schon erfragen müssen, von meinem Mann und von Knut, Und dabei ist er genau so wie sein Vater. Es ist die völlige Gleichheit ihrer Art, die sie so gegeneinandersfeilt."

Frau Fahr spricht...

„Es ist immer so“, sagt Frau Fahr. „Gegensätze ziehen sich an und Gleichheiten stoßen sich ab.‘

Knut triff zu ihr .. „Und Sie glauben deshalb“, ruft er leise und sehr deutlich sprechend, „Sie glauben deshalb, daß ich später genau so sein werde, wie mein Vater heute ist, nicht wahr, das glauben Sie!“ Frau Fahr lächelt auch jetzt wieder. „Ich bin natürlich keine Wahrsagerin, Knut“, entgegnet sie. „Und es ist klar, daß es sehr bestimmte Einflüsse gibt... durch den Beruf, die Umgebung, die Ehe.“ „Danke, das genügt mir“, ruft Knut lauf. „Es genügt mir sogar vollauf.“ Er wirft sich herum. Er hat nur sechs Schritte zu seinem Schlafzimmer.

53

Begger sitzt vor seiner Schreibmaschine und arbeitet an seinem Roman, als Knut in sein Zimmer tritt und seinen Mantel auf Beggers Bett wirft. „Oh, Knut“, lächelt Begger. „An Sie hätte ich jetzt nicht gedacht.“

„Ich hatte auch nicht vor, Sie bei Ihrer Arbeit zu stören“, sagt Knut Steen. „Aber es gibt tatsächlich bisweilen eine Stunde, in der man die Frauen alleine lassen soll, damit sie reden können, was immer sie wollen“, knurrt er. „Wollen Sie noch lange arbeiten?“

Begger schüttelt den Kopf. „Nein", antwortet er. „Ich komme heute nicht recht vorwärts..

„Wollen wir unten zusammen essen fahren?"

Begger stülpt den Deckel über seine Schreibmaschine. „Gut“, sagt er. „Gehen wir!“

Beim Essen erzählt Knut, was er mit Miels gemacht hat, und tatsächlich erscheint ein paar Minuten vor acht Uhr ein Sekretär des Generaldirektors Georg H. Miels an Knuts Tisch.

Er darf Platz nehmen.

Knut sieht sofort nach dem Schluß dieses Vertrages. Miels hat die Schwierigkeit gemeistert, einen Vertrag mit Knut Steen zu machen, der auch den abwesenden Georg J. Steen umfaßt. Dieser Vertrag braucht nur Knuts Unterschrift, denn er lautet „namens und in Vollmacht von Georg J. Steen, Eva Steen und Mary Steen..."

„Es ist Ihre Sache, diese Vollmacht zu haben“, sagt der Sekretär. „Wir stehen auf dem Standpunkt, daß Sie uns versichern, sie zu besitzen.“

„Das tue ich“, sagt Knut.

Im übrigen ist der Vertrag kurz. Die Steens bleiben für die Zeit des ersten Vertrages in der Hauptstadt. Ihre Wohnung ist das Hotel, Ihre Spesen trägt Miels. Die Wagen stehen zur Verfügung. Die Aufnahmen und alles übrige erledigen Doubles. Knut sieht jeden Morgen um zehn alle Aufnahmen, Interviews und Ansprachen. Er gibt sie frei, wenn sie im ersten Vertrag begründet sind. Die Restsumme der Prämie ist fällig.

Der Sekretär hat das Geld bei sich.

Knut quittiert fünftausend Kronen.

Beuger ruft den Hoteldirektor. Der Hofeiairekfor nimmt das Geld in den Safe. Der Sekretär verabschiedet sich. „Und was machen wir?" fragt Knut seinen Freund.

„Wir fahren zu dieser Hausbrauerei, wo es das gute Bier gibt.“

Begger holt den Wagen. Knut wartet vor dem Hauseingang des Hotels auf ihn, schlüpft neben Beggers Sitz. Begger startet

Alles an diesem wundervollen Bierkeller ist genau, wie es vor einigen Tagen war. Das Bier ist das gleiche. Die Fäßchen, auf denen man sitzt, sind dieselben. Das Summen aus den Gesprächen der zufriedenen trinkenden Männer ist genau so apzuhören. Tatsächlich sitzt auch der Orchideenmann wieder hier. Der Kellner lächelt Knut zu, und der Autor der wilden Dramen, bei denen es in jedem Akt eine begeisternde Prügelszene gibt, kommt gerade die Treppe herunter. Aber Knut ist nicht der gleiche. Er trinkt brav. Er ermuntert Begger brav zu trinken.

Große Schlucke... Kleine Pausen ... Aber sowohl bei den Schlucken als auch in den Pausen sieht Knut zu dieser Kellertreppe. Er räuspert sich. „Sagen Sie, Beggerf“, Knut räuspert sich noch einmal. „Würden Sie bestätigen, daß ich meinem Vater ähnlich bin, ich meine, daß ich sein Wesen geerbt habe?“

Begger lächelt. „Das ist ganz gewiß so“, sagt er. „Schon daraus, daß Sie ihm so sehr gewachsen sind, daß Sie ihm jederzeit mit seinen eigenen Waffen schlagen, schon daraus ersieht man, daß Sie beide aus dem gleichen Baum geschnitzt sind." Begger winkt. „Es ist übrigens kein schlechter Baum, Knut." Knut nickt bekümmert. Er sucht Trost bei diesem Bier, das so mundfüllenfä, so nahrhaft, so reif und mit Wahrheit beladen ist. Aber es ist trotz allem nur Bier.

„Was soll ich tun?“

Begger zuckt die Achseln. „Sie können nicht erwarten, den Plan Ihres Lebens von einem anderen am Biertisch aushändigt zu bekommen“, sagte er streng. „Segeln Sie los! Setzen Sie sich nicht zu früh fest! Bescheiden Sie sich nie mit dem, was Sie leisten! Pfeifen Sie auf keine Chance! Aber pfeifen Sie immer auf Geltung, Geld und Genuß! Wir werden dann sehen ...“

Knut nickt. „Gut, Begger“, sagt er aun ebenfalls ruhig und ernst.

„Und nun will ich Ihnen sagen, was ich plötzlich weiß: Ich weiß jetzt, daß mein Vater ganz sicher mit genau den gleichen Vorsätzen zu leben begann, die Sie mir jetzt empfehlen.“

„Davon bin ich längst überzeugt“, erwidert Begger.

Und in diesem Augenblick sieht Knut Steen seinen Vater die Kellertreppe zum Brauhaus heruntersteigen ...

54 Irgend etwas freilich ist fremd an ihm. Knut stutzt. Georg J. Steen trägt einen Schnurrbart, einen hübsch ausgezogenen, sogar ziemlich überpflegten Schnurrbart. Er geht ruhig. Er sieht gut aus. Er ist rasiert. Sein Anzug ist tadelsfrei. Seine Schuhe blitzen.

Er entdeckt Knut an seinem Tisch, winkt ihm zu und kommt gelassen nerbei: „Guten Abend, Jungens“, sagt er. „Neff, euch hier zu treffen. Wir trinken also noch ein paar Bier, ehe wir in das Hotel fahren." Er setzt sich an den Tisch.

Beggers Gesicht ist jetzt ganz und vollkommen das Gesicht eines Privatchauffeurs, der einen Reisewagen voller Chefs fährt, zu deren Geschäften und Launen er nicht das geringste zu sagen hat, die er nicht hört, ehe sie ihn anreden.

„Rufe doch mal das Zigarettenmädchen, Knut. Ich brauche ein paar Zigarren“, sagt Georg J. Steen.

Knut gehorcht. Sein Vater nimmt zwanzig Zigarren von einer ziemlich teuren Sorte. Er wählt bedächtig. Knut hat die Hand bei seiner Geldtasche in der Jacke, um den besten Augenblick zu fassen, an dem er eingreifen könnte, ehe es peinlich wird. Aber Georg J. Steen zieht seine eigene Brieftasche. Er klappt sie auf und nimmt einen Hundert-Kronenschein heraus, einen von dreien, soviel Knut sieht.

„Vielleicht wechselt Ihi e i der Eu'et ie", sagt Steen zu dem Mädchen.

Knut atmet auf. „Mama fürchtete schon, du hättest etwas wenig Geld eingesteckt, als du in die Stadt gingst“, sagt er möglichst leicht hin.

„Mama befürchtet immer etwas", knurrt Georg J. Steen. „Und ich täte mir leid, hätte ich kein Geld, von dem sie nichts weiß.“

Begger gibt ihm Feuer für seine Zigarre. „Was meinen Sie, Begger“, sagt er paffend. „Kann ich den falschen Schnurrbart wohl abnehmen? Er hat mir ganz gute Dienste getan.“

„Unbedingt, Herr Steen“, murmelt Begger.

~ Georg J. Steen erhebt sich, er geht in den Waschraum, um sich zu desmaskieren, begreifen die beiden jungen Männer.

„Um Himmels willen“, stöhnt Knut, als er außer Hörweite ist.

Begger lächelt.

„Um Himmels willen“, seufzt Knut. Begger legt ihm die Hand auf den Unterarm.

„Um Himmels willen“, lächelt Knut endlich. „Fassen Sie das etwa, Begger?“ Begger nickt. „Sie würden es ganz genau so machen, heute schon“, flüstert er

Knut sieht ihn starr an. Er möchte Begger antworten, aber sein Vate kommt zurück und setzt sich wieder zu ihnen. „Ich* habe da vorhin ein nettes Geschäft gemacht", erzählt er gelassen. „Ich habe dieser komischen Haushälterin hier nebenan das Rezept für die Hühneraugensalbe abgekauff. Sie nahm zweihundert Kronen für die schriftliche Erlaubnis, daß Beer das Zeug in seiner heuen Drogerie geschäftlich auswerfef. Ich hoffe, er hat Erfolg damit...“

Knut nickt, es macht ihm Mühe, ernst zu bleiben.

„Meinst du auch, daß Beer sich selbständig machen sollte?“ fragt er vorsichtig.

„Selbstverständlich", knurrt Steen. „Marys Hochzeit und die Eröffnung des Ladens müssen der gleiche Tag sein. Es ist scheußlich, was mir Mary da einbiockt, aber was hilft Mamas Gejammer. Eine Glasveranda als netten Verkaufsraum, so kommen wir am billigsten weg.“

Knut platzt fast vor Spannung.

„So ist das Leben!“ Anscheinend wendet Georg J. Steen sich jetzt mehr an Begger. „So ist es wirklich. Ich dachte schon, ich könnte diese verteufelte Hypothek abstoßen, mit der ich mein Leben fesfgelegt habe, wie man einen Hund an die Kette legt. Aber da Kommt dieses dumme Mädchen...“ Georg J. Steen seufzt. „Und übrigens hätte ich auch von einem Drogisten mehr Umsicht erwartet.“

„Papa“, lacht Knut. „Papa!“

Georg J. Steen sieht ihn ärgerlich an. „Warum lachst du“, tadelt er. „Sperre deine Äugen auf und begreife, wenn du etwas lernen kannst. Es kommt in der Tat darauf an, sich nicht zu früh festzulegen. Es ist bitter für mich, das zu erkennen, jetzt, wo es für mich selber zu spät ist. Und ich bin froh, mir zwei Tage Zeit genommen zu haben, um m ch zu sammeln. Merke dir dieses Rezept!“ faucht er seinen Sohn an.

„Ich tue es bestimmt“, verspricht Knut. „Tue es wirklich“, drängt Steen. ,Du hast an sich die Veranlagung deiner Mutter. Du neigst dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.“

„Ist das Mamas Art?“ fragt Knut.

Georg J. Steen nickt ernsthaft. „Sie war es, die mich bestimmte, das Haus zu bauen, das meine Karriere beendete“, erklärte er. „Sie unterließ es, mir zum Trotz, deine Schwester weif genug vom Abenteuer entfernt zu halten. Und heute bestehst du darauf, dich an ein armes Mädchen zu binden und mit deinem Vater zu brechen.“

Knut schüttelt den Kopf. „Du denkst an Jo Tompson, Papa“, sagt er ruhig. „Ich bin dir dankbar, daß du davon sprichst. Ich weiß gar nicht, ob sie meine Frau wird, ich bin vorerst nur Einfahrer und soll vierhundert Kronen verdienen.“

„Siehst du!“ eifert Steen. „Und ich prophezeie dir, du wirst dich mit ihr verloben und nach einem Jahr tut es dir leid. Höre doch auf mich!“

Knut windet sich vor Beklemmung, aber er spürt nicht nur den Wunsch, seinen Vater zu schonen, er spürt auch Aerger. „Es soll seif je möglich gewesen sein, eine Verlobung wieder aufzuheben“, sagt er gepreßt. „Ich will deshalb auch nicht darum herum reden, daß ich davon weiß welche Rolle die jetzige Frau Tompson in deinem Leben gespielt hat.“

„Was, das weißt du? Weiß Mama es?“ schreit Georg J. Steen.

„Mama weiß es nicht.“ versichert Knut. „Von mir wird sie es nie erfahren. Aber Frau Tompson wird es wahrscheinlich ebenso wenig verwinden wie du, und mir große Schwierigkeiten machen.“

„So ist das Leben“, sagt er, wieder mal mehr zu Begger als zu Knut.

Begger trinkt ihm zu. „Neulich fanden wir heraus, es sei schrecklich fraurig , und das sei ganz gut so", erinnert Begger ihn.

Georg J. Sfeen lächelt „Jedenfalls bin ich entschlossen, den Manager beizubringen, daß wir damit fertig werden“, sagt er. „Ich habe die beiden Tage, die ich sie auf mich warfen ließen, dazu benutzt, lange Konferenzen mit einem tüchtigen Anwalt zu haben. Gib einmal acht, Knuf! Und Sie halfen den Mund, Begger, über das, was wir jetzt besprechen. Wir werden Miels damit zu Leibe rücken, daß er uns mit den Reklamefilmen nicht lächerlich machen darf. Es ist gegen Treu und Glauben. Wir drohen ihm mit einem Skandal, wenn er noch einmal solche Badewannen-Szenen mit allerlei Schwämmen von mir verlangt. Obwohl Rechfssfreitigkeiten über den Begriff Treu und Glauben immer sehr heikel sind, bin ich doch sicher, daß wir eine Abänderung des Vertrages erzwingen können, die uns einige Erleichterungen bringt. Was sagst du dazu?’

Knut nickt.

Ich will es so vorsichtig wie möglich machen, denkt er. Er zieht den neuen Vertrag aus der Tasche. Er reicht ihn seinem Vater herüber.

„Sehen die Erleichterungen, die du für uns erwirken willst, vielleicht so aus?" fragt er leise.

Georg J. Sfeen nimmt das Papier. Er sieht zuerst nach den Unterschriften. Er knurrt.

„Nanu?“ murmelt er. Er beginnt zu lesen. Er überfliegt diesen neuen Vertrag. Dann unternimmt er, ihn von Anfang an zu prüfen. Er läßt sich Zeit, schrecklich viel Zeit. Er schluckt. Er räuspert sich. Er liest.

Knut seufzt...

Begger hat das vollkommenste aller Chauffeurgesichter. Er sieht aus, als fahre er die Frau eines ganz großen Drahtziehers, von dem nur er weiß, daß sie zu einem Scbeidungsanwalf wi11...

Georg J. Sfeen faltet das Papier zusammen. Er gibt es Knut. „Diese Lösung ist gut'“, sagt er. „Ich kann den Anwalt morgen abbesfellen.“ Er stockt. Dann räuspert er sich, um laut und fest zu sprechen, um ganz energisch und fordernd eine ganz bestimmte Sache ganz bestimmt zu fixieren, um sie für alle Zukunft klar zu stellen. „Aber bilde dir nicht ein, daß du diese Vereinbarung hättest treffen können, wenn ich nicht den entscheidenden Druck auf die Kerle ausgeübt hätte“, sagte er streng und belehrend. „Das konntest du bei diesen Burschen nur erreichen, weil ich sie zwei Tage und eine Nacht zappeln ließ.“ „Gewiß, Papa, ganz recht“, flüstert Knut Sfeen.

Georg J. Sfeen nickt zufrieden. Knut dreht sein Glas. Es ist leer. Auch das Glas seines Vaters und Beggers Glas sind leer. Knuf sieht zur Uhr. Es ist Mitternacht. „Wollen wir aufbrechen und ins Hotel fahren?“ fragt er. Aber Georg J. Steen schüttelt den Kopf; „Ich habe nichts dagegen, wenn du Mama davon verständigst, daß wir hier gemütlich beisammen sitzen. Sie sollte sich inzwischen zu Bett legen“, anfworfef er. „Und wir trinken dann noch

ein paar Glas Bier.“ Knuf erhebt sich, um zum Telefon zu gehen ...

55 Gegen Mittag des folgenden Tages wacht Knuf Sfeen aus einem schrecklich bleiernen Schlaf auf. Er ist zufrieden fesfzusfellen, daß er wenigstens in seinem Bett im Hotel liegt. Er ist unfähig, sich zu erheben. Ihm ist übel und der Schädel dröhnt ihm vom brausenden, heißem, giftbeladenem Blut. Mein Gott, warum bestand Papa darauf, daß wir uns so völlig betranken? Wie sind wir nur nach Hause gekommen? Wie hat Begger nur den Wagen heimgebracht? Hoffentlich haben wir das Ding irgendwo auf der Straße stehen lassen, statt die Gefahr zu laufen, jemanden damit zu überfahren.

Das ist ein entsetzlicher Gedanke! Das Zimmer ist verdunkelt. Die Vorhänge wehren dem Tageslicht. Die Wohnung liegt merkwürdig still. Knuf Steen stemmt sich hoch. Er sieht auf das Bett seines Vaters. Ein feuchter, dampfig warmer Waschlappen fällt von seiner Schläfe, er wirft ihn hinter sich. Das Bett seines Vaters ist leer. Es ist gedeckt. Es sieht aus, als liege es seif Tagen unberührt

(Um Himmels willen... Haben wir Papa etwa gar nicht mit hierher gebracht?)

Knuf steht auf. Er muß sich Gewißheit verschaffen. Er ist nicht sehr sicher auf seinen Füßen, aber er geht in den Salon. Das Tageslicht greift schmerzend in seine Äugen, er muß blinzeln. Er sieht Eur Uhr. Es ist vier Uhr nachmittags.

Er wirft einen Blick in Mamas und Marys Schlafzimmer, es ist leer und erbarmungslos aufgeräumt.

Er geht zum Schreibtisch, er will in der Halle anrufen, um zu erfahren, was eigentlich los ist. Er möchte nun endlich wissen, in welchem Jahrhundert man ihn hier herumirren läßt, wie den Mör.ch von Helsterbach ...

Aber es ist nicht nötig, das Telefon zu nehmen. Auf dem Schreibtisch liegt ein großer Zettel...

Knut Sfeen liest: „Bin mit Mama zur Kaninchenaussfellung. Mary ist bei Frau Fahr. Du bist ein Versager! Papa."

Das ist die Höhe, denkt Knuf. Das ist ein Schlag mit einem Holzhammer. Das ist mehr als nur ein Anlaß, wütend zu sein, das ist die Aufforderung dazu.

Und mit schmerzendem Schädel, der bei jedem Schrift von einem neuen Stich durchbohrt wird, geht Knut Steen durch den Salon... auf und ab ... immer an diesem unverschämten Zettel vorbei, der auf dem Schreibtisch liegt.

Er kann nicht anders, er kann sich nichts wünschen als: Sein Vater wäre hier, und es wäre möglich, diesem komischen Kauz die Meinung zu sagen, ihm den Magen zu säubern, ihm endlich Bescheid zu geben. Knuf Steen muß das tun, er ist unfähig, damit an sich zu halten, Und weil sein Vater leider nidif im Zimmer ist, so redet er eben, als sei er da.

Oh, es gibt jetzt leider keine Grenze für Knut Sfeen. „Du hast uns in Alkohol halb ersäuft, bloß, weil du glaubtest, du könntest mein Gedächtnis für immer vernebeln. Und außerdem warst du zu feige, um heimzukommen, solange Mama noch auf war. Ich durchschaue das, Älter! Wie ein Füllfederhalter durchr schaue ich dein kleines Gehirn. Ich platze vor Wut!“ Knuf sinkt auf einen Stuhl. Er glaubt, er werde jetzt in Ohnmacht fallen. Aber es gibt keine Ohnmacht, wenigstens keine, die mit Bewußtlosigkeit verbunden ist, nur eben die Ohnmacht, den Vater nicht wirklich erreichen zu können mit diesen Enthüllungen, Beleidigungen, Herausforderungen.

Und deshalb verstummt Knuf Sfeen, sitzt still, schüttelt den Kopf, erst heftig und voller Abscheu, dann energisch, aber schon ruhiger, dann verwundert und ratlos, dann langsam und lächelnd.

Was ist Papa doch für ein lustiger, leicht zu durchschauender Kerl, lächelt er zuletzt.

Es scheint wirklich wahr zu sein: Ich bin ein Sfeen, gesteht er sich endlich, und zugleich begreift er, daß es viel-

leicht nicht immer möglidi sein wird, ganz ohne Streif auszukommen.

Was helfen alle Pläne, das Leben so oder so zu führen, wenn es von vornherein in einem stedef, nicht so, sondern so zu reagieren, wenn sich eine Herausforderung ereignet, grübelt er, und vielleicht hat auch Papa genug gute Vorsätze gehabt und hat sie mögliche.weise noch, und trotzdem ist alles bei ihm, wie es eben ist.

56.

Sauber und leidlich frisch, aber unfähig, an Essen zu denken, geht Knuf Steen zu Begger. Dieser liegt rauchend zu Bett. Er ist vor einer Stunde aufgewesen, um zu baden und sich zu rasieren, aber dann hat er sidi wieder hingelegf.

„Brauchen Sie mich etwa, Knut“, fragt er seufzend.

Knuf schüttelt den Kopf: „Mir würde wahrscheinlich übel, wenn ich drei Schritte im Auto führe’, antwortet er. „Aber wo ist überhaupt der Wagen?'

„Wo er hingehört, in der Garage."

„Wer hat ihn da hineingebrachf?“

„Sie selbst. Wissen Sie das nicht mehr?"

Knut lächelt verwundert. „Ich scheine vieles vergessen zu haben“, überlegt er. „Ich bringe noch etwas anderes nicht mehr zusammen. Saßen wir mal lange im Wagen und warteten auf meinen Vater?“

Begger nidef. „Ja, vor dem Hauptpostamt war das“, weiß er zu berichten. „Ich glaube, Ihr Vater wollte einen Brief aufgeben oder ein Telegramm.“

„An wen?“

„Das weiß ich nicht“, antwortet Knuts Freund. „Möglicherweise an den Rechtsanwalt, den er nicht mehr braucht.“

Das ist denkbar. Knut versucht es mit einer Zigarette. Sie schmeckt wie Heu. Er muß husten.

„Ich wollte, ich könnte etwas essen, aber ich weiß, daß ich nicht kann“, klagt er. „Ich werde wieder gehen. Das Beste ist wahrscheinlich, ich lege mich wieder hin, wie Sie.“

Begger gibt ihm die Hand. „Soll ich Sie morgen ein paar Stunden ausfahren? ... In eine Gegend, wo es Wald gibt und viel reine, klare Luft?"

Knut nickt.

Tatsächlich liegt er schlafend in seinem Bett, als seine Elfern kommen. Georg J. Sfeen grient. Es befriedigt ihn.

„Diese Kopfhängerei hat er von dir“, versetzt er seiner Frau.

Aber eine halbe Stunde später geht er selber auch zu Bett, mit gar nichts in seinem Magen als Nafriumbikarbonaf, mit dem bohrenden Äerger, dreihundert Kronen für einen Rechtsanwalt und vierhundert für eine Menge Alkohol verschwendet zu haben und natürlich mit seiner linken Socke um den Hals. Er ist mehr als nur müde, er ist so müde, daß er sich vor Herzschmerzen nicht getraut, einzuschlafen. Er fürchtet, im Schlafe an einem Schlaganfall zu sterben. Nichts war so entsetzlich als die Strapaze, seiner Frau zu beweisen, wieviel mehr er Mann sei als ihr Sohn Knut.

57. Der nächste Tag ist ein Sonntag. Wahrscheinlich geht der Steenrummel trotzdem weiter, aber es sind ihre Doubles, die die Arbeit der Steens tun. Gewiß stehen diese vier Berufsschauspieler seif acht Uhr in der Sfudiohalle und die Kameras schnurren vor ihren lächelnden Gesichtern, die Sfarklichflampen rauschen, die Regisseure dirigieren Kulissen und Requisiten, und die Frisöre hielten die Puderquasten bereif.

Aber das alles betrifft die wirklichen Steens nicht mehr. Sie sind zu unbeschäftigten Statisten in ihrem eigenen Film geworden. Sie sind frei. Sie können diesen Sonntag in diesem großen Hotel genau so beginnen, das heißt, daß sie ihn spät beginnen und jeder ganz anders, ganz auf seine eigene Weise...

Eva Steen erhebt sich seufzend, sie wäscht sich und kleidet sich an, sie hilft dem Zimmermädchen beim Tischdecken. Sie kämmt ein letztes Mal über ihr Haar. Sie wenigstens ist bereif für den friedvollen Sonntagmorgen, den es anscheinend nur in Romanen gibt.

Mary badet indessen immer noch. Ihr Gedanke ist, daß sie noch recht lange schlank sein wird, ein ganzes halbes Jahr noch, daß sie noch Zeit hat, ehe sie beginnen muß, sich vor den Schmerzen zu fürchten, daß es bis dahin noch viel Neues geben wird, die Hochzeit, den Laden, das Leben mit Teddy. Und sie ist ganz sicher, daß sie alles, alles, alles in ihrer Ehe mit Teddy Beer anders, anders, anders machen wird als es zu Hause ist.

Und Knut?

„Äufstehen, Knut", brummt Georg J. Sfeen.

„Wieso? Es ist noch viel zu früh, es ist noch nicht einmal halb neun“, brummt Knut zurück.

„Ich kann dieses Herumkuscheln im Bett nicht leiden“, knurrt Gerg J. Sfeen.

Knut kann es leiden, wozu soll er aber darüber reden? Sein Vorstellung ist, daß ältere Leute weniger Schlaf brauchen, also sollen sie aufstehen.

Tatsächlich, Georg J. Sfeen steht auf. Er schlüpft in seine Hausschuhe und nimmt den Bademantel um. Er fährt mit beiden Händen durch sein Haar und geht in den Salon. Sein Sonntag hat damit begonnen. Er zieht ein bißchen an der Gardinenschnur herum, weil Sie verdreht ist. Er stellt das Radio ein, ziemlich laut, und kramt in den Zeitungen. Er findet eine Skandalsfory oder einen Korrespontenberichf über die Entwicklung in Grönland. Er baut sich in einen Sessel und liest. Er holt sich eine Zigarre.

„Gibt es bald Frühstück?“ fragt er. Er liest, knurrt, raucht, verbringt eine halbe Minute im Badezimmer holt sich ein Taschentuch und parfümiert es tüchtig. „Warum steht Knut nicht auf?“ hetzt er seine Frau.

„Knut“, ruft Frau Sfeen.

„Jaaaa“, schreit Knut ärgerlich. Georg J. Sfeen schüttelt den Kopf und liest weiter. Die Zigarre schmeckt. Er schnuppert Kaffeeduff. Er geht an den Tisch, füllt seine Tasse und trägt sie zu seinem Sessel. Sitzt unrasiert, ungewaschen, raucht, trinkt behaglich, liest, hustet.

„Die Kerle sollten hier besser heizen“, knurrt er. '

„Ziehe dich schnell an“, räf seine Frau. „Wir frühstücken gleich.“

„Du weißt, Eva, daß ich nie mehr als genau acht Minuten brauche, um mich von Kopf bis Fuß kalt zu waschen, zu rasieren und vollständig anzuziehen“, brummelt er gereizt. „Seif dreißig Jahren — genau acht Minuten. Du kannst auf die Uhr sehen.“ Diese Behauptung stellt Georg J. Steen seif zwanzig Jahren jährlich fünfundfünfzigmal auf. Frau Steen hat nie zur Uhr gesehen. Dadurch hat sie jene Behauptung sanktioniert.

58 Knut schlüpft zu Begger, in den frisch gewaschenen, gut polierten, aufgetankten Wagen.

Begger startet zügig. Es ist Punkt zehn Uhr. „Können wir es so einrichfen, daß wir um elf Uhr wieder in der Stadt sind?“ fragt Knut. Begger lächelt. Tatsächlich denkt er an diesem Morgen, daß er nun bald genug Menschen in genügend zahlreichen Lagen und Begebenheiten aes Lebens gefahren hat, um endlich ein Buch daraus bauen zu können.

„Darf ich fragen, was Sie treiben wollen... als Einfahrer und später?“ forscht er ruhig. „Was taten Sie bis jetzt?“

„Ich habe das Abitur gemacht und drei Jahre ein Technikum besucht", antwortet Knut.

„Und nun wollen Sie Einfahrer werden?“ wundert sich Begger.

Knut nickt. „Ja, meine Vorstellung ist, daß ich mich noch nicht festsetzen will“, verteidigt er sich.

Begger überlegt. „Dazu gehört, daß man sich noch nicht verlobt...“ sagt er leise. Knut zeigt Unruhe. „Wieso?“ ruft er abwehrend.

„Ich meine nur, daß es so ist", weicht Begger zurück. „Was ist denn da vorne los?“

Knut sieht voraus auf das gestreckte Band der Fernstraße, auf die Begger gerade eindreht. „Das ist ein unkarrossierter Wagen, hat eine Motorpanne, scheint es", urteilt er. „Wollen wir anhalfen?“

Sie stoppen hinter einem langen, schweren, ganz neuem Fahrgestell. Die Kabel liegen noch hellgelb und knallrot zwischen den frisch gestrichenen Trägem des Fahrwerks. Anstelle des Polstersitzes hat der Fahrer eine Holzkiste und ein Lederkissen.

„Sieh an, das ist ein Progreß das neue Vierlitermodell.. .“ ruft Knut und steigt aus. Der Fahrer dieses unkarrossierten Wagens hat den Kopf unter der Motorhaube. Seine Füße stecken in kurzschäftigen, pelzgefütterten Gummistiefeln. Das Pelzfutter ist angeschmutzt, seine zelfstoffartige Hose ist mehr als nur angeschmutzt.

„Können wir Ihnen helfen?" fragt Knut. Der Mann bringt seinen Kopf unter der Motorhaube hervor. Es ist ein nicht mehr junger Mann. Er trägt eine wollene Pudelmütze auf seinem angegrauten Haar, sein Gesicht ist von Sonne und Wind gebeizt. „Nicht nötig", antwortet er gelassen. „Die Mühle muß nur zehn Minuten auskühlen“. Er tritt zur Seite und zieht eine Pfeife aus der Tasche.

„Sie sind Einfahrer bei ,Progreß', nicht wahr?" beginnt Knut das Gespräch. „Ich trete in zwei Wochen dort ein. .. auch als Einfahrer."

Der Mann nickt gleichmütig. „Ich nehme an, Sie haben sich das gründlich überlegt“, bemerkt er beiläufig.

Knut lächelt. „Ist es so gefährlich?“ scherzt er.

„Gelegentlich ist es auch gefährlich“, antwortet der Einfahrer ruhig. „Schließlich wollen die Ingenieure von ihren neuen Typen auch wissen, wie sie sich bei hohen Fahrstufen auf vereisten Sfra- Ben oder quer an Abhängen benehmen... Aber vor allem ist es mühsam, eine schmutzige Arbeit bei jedem Wetter, harte Dauererprobungen über Nächte hin und dazu eine Menge Äerger mit Einfahrpannen, heißen Lagern, leckenden Rohrleitungen und unerprobtem Kram.“

„Das mag sein“, tmterbrichf Knut. „Aber es ist Arbeit im Freien, ein Leben auf der Straße. Man trifft Menschen. Man sieht etwas vom Lande." Der Einfahrer sieht ihn erstaunt an. „Wenn es Ihnen um möglichst viele Menschen zu tun ist, sollten Sie besser Kellner werden“, grinf er. „Und wenn Sie viel vom Lande zu sehen wünschen, so walzen Sie lieber. Ich jedenfalls sehe nur ewig Straßen, und meist schlechte Straßen, und an Menschen unterscheide ich solche, bei denen ich mich einmal aufwärmen darf, und solche, die mir die Tür vor der Nase zuschlagen.“ „Wie lange sind Sie schon dabei?" fragt Knut schnell.

„Zwölf Jahre..."

„Warum so lange, wenn es so unerfreulich ist?“

Eter Einlahrer zuckt die Schultern. Er geht zu seinem Wagen und steckt die Pfeife weg. „Weil ich ein Kauz geworden bin, dem es gefällt, sich alleine auf irgendwelchen Straßen herumzutreiben und dabei seine Füße zu schonen“, brummt er. Er startet den Motor und fährt langsam an. Er wendet sich um und grient. „Was sagt Ihr Mädchen dazu, daß Sie das machen ■wollen?“ ruft er.

Knut Steen weidet sich ab.

Da steht Begger und lächelt. „Der Kerl fragt, als wisse er schon, daß Sie um elf Uhr in die Uferstraße fahren wollen“, lächelt er. „Man muß Ihnen das ansehen können.“

Knut schiebt die Hände in die Hosentaschen. Er sieht zur Uhr. Es ist immer noch seine alte, nicht sehr teure Uhr. Es ist noch nichts daraus geworden, eine jener wasserfesten und sfaubsicheren Uhren zu kaufen, die auf der Sternwarte geprüft sind, fällt Knut ein. Es ist zwanzig. bis Elf. Er selbst fährt den Wagen in die Stadt zurück. Er ist nachdenklich und nicht besonders sicher. Ihm fällt ;;in, daß er seinen Besuch bei Tompsons vielleicht verschieben könnte. Das ist ein Gedanke, der etwas Einleichterndes an sich hat. Er ist verführerisch. Es scheint eine so wichtige Entscheidung zu sein, die er hinauszögert, damit man sie noch einmal überdenkt Freilich wird der alte Herr daheim im Hotel seinen Spaß haben, wenn ich ihm Gelegenheit gebe, mir noch einmal zuzureden, erwägt Knut.

Aber dabei fährt er nach den Weisungen, die Begger mit dem purpurrot leuchtenden, großen, vornehm ausschwingenden Winkern gibt, und genau um elf Uhr bremst er in der Uferstraße. Uferstraße 14 ...

59

Es ist, als habe man ihn erwartet. Tompsons Wohnstube ist sehr aufgeräumt und behaglich geheizt, aber der Ofen riecht, wie es bei einem Ofen ist, der zum erstenmal im Herbst gefeuert wird. Frau Tompson sitzt mit einer Handarbeit am Fenster. Sie ist in Mamas Alter, aber sie hat mehr graues Haar und ein traurigeres, klügeres Gesicht, meint Knut. Jo aber ist entzückend, so herrlich sauber und etwas verwirrt und unvorstellbar entzückend.

„Frau Fahr hat so viel von Ihnen erzählt“, lächelt Frau Tompson. „Sie will Ihnen auch anbiefen, bei ihr zu wohnen, wenn Sie hier in der Stadt eine Anstellung nehmen.“

„Das möchte ich wohl“, sagt Knut. „Ich habe auch eine Arbeit, nur weiß ich nicht, ob ich mir nicht bald eine andere/ suchen werde...“ (Wie kommt es, däß man so off im Leben Dinge sagt, die man nicht vorher noch garnichf zu Ende überlegt hat? Sind diese Dinge dann gerade im Kopf fertig geworden, wenn man sie ausspricht?

Frau Tompson nickt. „Es ist einerlei, mit welcher Arbeit ein junger Mann anfängt“, sagt sie. „Jede Arbeit ist dazu recht, man darf nur nicht dabei hängen bleiben. Jos Vater ist es leider so ergangen. Er erkrankte zu früh, um das große, erfolgreiche Buch zu schreiben, das ihm immer vorschwebfe.“

Knut erschrickt. „Oh, ich dachte, es habe ihm ganz sicher genügt, diese wundervollen, schweren Gedichte zu schreiben“, gesteht er.

Frau Tompson lächelt schmerzlich... „Es genügt ihm auch als Dichter. Aber es genügte nicht, uns zu ernähren und auszusfatten“, lächelt sie. „Deshalb weiß Jo noch gamichf, was ein Taschengeld ist, wie man in einem Ferienorf lebt, wie schön es ist, die Miefe für viele Monate im voraus zu haben.“

Sie sieht Knut voll an. „Sie waren ganz hartnäckig darin, zu ziemlich armen Leufen zu kommen ...“

Knut sieht zu seinen Schuhen, zu diesem erstmals im Jahr geheizten Ofen, zu J 0... er sieht, wie wundervoll still sie sein kann, wie unglaublich brav, wie gut sie sich zurückhälf, wenn andere reden, wie lieb sie aussiehf. Und sie konnte noch nie Taschengeld bekommen. „Es ist ganz einerlei, ob jemand arm ist, wenn das Leben erst anfängt“, wehrt Knut. „Es sollte nur sonst kein Hindernis geben."

Frau Tompson legt ihre Handarbeit zur Seife und sieht zur Uhr. „Nein, es gibt kein Hindernis“, sagt sie. „Ich vermutete eines bei Ihrem Vater, aber er hat es auf seine alte, entschlossene Art beiseite geräumt.“ Sie geht zu einer kleinen Messingschale auf einem Eckfisch. Sie nimmt dort ein Blatt Papier und reicht es Knut. Es ist ein Telegramm.

Knut liest: „Bestehe darauf, daß Vergangenes vergangen bleibt. Georg J. Sfeen.“

Das also ist das Telegramm, das mein Vater in der vergangenen Nacht aufgab, während Begger und ich betrunken im Wagen auf ihn warteten, begreift Knut Es scheint wirklich, als sei Papa weniger betrunken gewesen, oder er tat sich Gebefrunken gewesen, oder er tat sich Gewalt an, um dieses Telegramm noch auf den Weg zu schaffen, obwohl es für ihn einen Sprung über seinen eigenen Schatten bedeutete. Aber natürlich sprang er dann auch gleich mit der Geste eines Weltmeisters.

„Ich erkenne an diesem Telegramm, daß Ihr Vater noch immer der gleiche Mann ist, der er vor so vielen Jahren war“, lächelt Frau Tompson. „Jeder Schwierigkeit gewachsen, selbstsicher, unvorstellbar suggestiv und mitreißend. Und Frau Fahr schildert Sie als solch einen Steen." Sie nickt Kurt zu .. . „Wenn Sie zum Essen bleiben wollen, will ich für eine Viertelstunde in der Küche das Nötige tun“, sagt sie.

„Idi muß nur den Wagen forfschicken“, antwortet Knut. Er springt die Treppe hinunter. Er meint, daß er den Wagen nicht braucht, auch nach dem Essen nicht. Er will nicht, daß Begger warfen, wiederkommen und wieder warten soll. Er will nicht in der Rolle eines Chefs sein, die ihm nicht - zusfehf. Er möchte so bald wie möglich aus dem Sfeen-Rummel heraus, bei Frau Fahr wohnen, seine Miefe zahlen, seine Arbeit tun, vorerst als Einfahrer, solange er nichts findet, wobei er mehr verdient und etwas mehr Freizeit, mehr Chancen, mehr Möglichkeiten hat.

Begger nickt. „Aber behalten Sie den Wagen doch hier!“ rät er lächelnd. „Idi gondele mit der Tram ins Hotel, und Sie bringen den Wagen heute Abend mit heim. Sie können nach Tisch mit Jo Tompson ein paar Stunden aus der Stadt heraus.“

Knut steckt das kleine Schlüsselbund in die Tasche. Er rennt die Treppe wieder aufwärts. Er ist sehr, sehr glücklich. Er sitzt in Tompsons Küche auf der Holzkiste. Es ist eine Holzkiste ganz ähnlich derjenigen zu Hause. Alles hier erinnert ihn an zu Hause, obwohl alles bei Tompsons sehr viel einfacher, einiges sogar dürftig ist. „Es tut mir leid, daß Sie diesen Wirbel mit den Privatdetektiven haften“, sagt er.

„Es war — sagt Mama — typisch für einen Steen“, lächelt Jo.

„Und Ihr Urlaub ging dabei zu Bruch.“ „Das macht nichts, Knut!“

Es riecht nach einem Braten, nach Kartoffelkroketten, nach Lauchgemüse, nach Obstpudding. Ganz plötzlich hat Knut Steen die Vorstellung, er werde an einem der nächsten Sonnabende, wenn seine Leute nicht mehr in der Hauptstadt sein werden, eine große Ochsenlende kaufen, sie zu Tompsons fragen und hier braten lassen, damit sie alle drei davon essen. Er denkt, so werde ich das ganz bestimmt machen, von meinem ersten Geld, das ich als Einfahrer bekomme...

„Meine erste Arbeit ist nicht leicht“, erklärt er bei Tisch. „Als Einfahrer liegt man Tag und Nacht auf der Straße. Man hat das Wetter zum Gegner und die Kinderkrankheiten der fabrikneuen Wagen. Man ist nicht sehr sauber dabei. Es geht auf den Winter. Ich muß zusehen, ein Paar kurzschäftige, pelzgefütterte Gummistiefel zu kaufen.“

„Die gibt es bei uns im Warenhaus“, ruft Jo. „Und ich kann Sie Ihnen zum Selbstkostenpreis kaufen.“ Sie freut sich schrecklich.

„Die Angestellten in Jos Warenhaus können bis zur Höhe ihres Gehaltes monatlich zum Selbstkostenpreis kauten“, erklärt Frau Tompson. „Tatsächlich haben sie viele Waren für wenig mehr als die Hälfte des Kundenpreises.“

Knut nickt. Trifft es sich nicht großartig so? Trifft es sich nicht großartig, daß er bei Frau Fahr billig wohnen darf? Daß er durch Jo billig kaufen wird, was er an Wollhemden und Schals, Pudelmützen und Ueberhosen, Socken und Handschuhen braucht?

„Wir haben drei große Schaufenster mit Berufskleidung“, freut Jo sich. „Vielleicht finden wir dort noch mehr nützliches für Sie.“

„Wir werden nach Tisch dort vorbeifahren. Ich habe Beggers Wagen unten“, entscheidet Knut. Jo nickt eifrig und froh.

„Ich erwarte euch dann zum Abendbrot“, sagt Frau Tompson. „Vielleicht könnt ihr Frau Fahr mitbringen...“

„Wollen wir das tun, Knut?“

Knut nickt. „Natürlich!“ entscheidet er,

60. Gegen drei Uhr an diesem Tage tut Jo Tompson den Zettel in ihre Handtasche, auf dem die Dinge notiert sind, die sie für Knut kaufen wird. Die beiden drehen den Schaufenstern des Warenhauses den Rücken zu und steigen wieder in den Wagen. Knut fährt so schnell wie möglich, um aus der Stadt herauszukommen. Jo, neben ihm, darf die vornehm ausschwingenden Winker hereinnehmen, und Knut belehrt sie, daß man das im Scheitelpunkt der Kurve tut.

„Es ist meine erste Fahrt in einem Wagen ohne solch eine Gelduhr, Knut“, sagt sie leise. Sie ist so unverwöhnt, so offen, so herrlich unverstellt, begreift Knut still. Es ist so wunderschön zu denken, daß ich für ein solches Mädeben arbeiten werde. Ich werde dem Teufel die Geldscheine aus den Zähnen reißen für sie.

~AuLde? Fernstraße gibt er dem Wagen die Zügel frei. Die Vergaser saugen zischend. Der Motor orgelt. Um die Scheiben flattert der Wind ...

„Ich hoffe, J 0... Sie werden das Leben mit mir versuchen wollen“, sagt Knut Steen ohne die Äugen von der Fahrbahn zu nehmen. „Leider haben die Zeitungen recht: Wir sind zu Hause eine sehr durchschnittliche Familie, noch viel durchschnittlicher, als Sie sich uns vorstellen. Wir beide werden alles ganz anders machen, als es zu Hause ist... ganz anders.“ Jo nickt.

Sie sieht lächelnd der nerne entgegen der dieser schwere orgelnde Wagen zujagt wie ein mächtiger, blinkender Pfeil.

— Ende. —

Die Eberbacher und ihr „Kuckucksmarkt“

Spottname wurde zum Begriff für ein fröhliches Volksfest

Zwischen den beiden reizvollen Neckarstädtchen Eberbaeh und Hirschhorn herrscht seit altersher eine Rivalität, wie sie häufig festzustellen ist zwischen Nachbarorten, die von einer großzügigen Natur gleichermaßen reich gesegnet wurden mit schönen Gaben, so daß ein objektiver Betrachter nicht ohne weiteres sagen könnte, welcher von beiden der Vorzug zu geben sei.

Was die Natur nicht entschied, suchten die Menschen auf ihre Art zu lösen. Wo die Hirschhörner den Eberbachern eines auswischen konnten, taten sie es. Umgekehrt war es natürlich genau so. Auf diesem Nährboden wuchs die nette Begebenheit, die den Eberbachern ihren traditionellen Spitznamen eintrug.

Wohl anno 1604 saß der Hirschhörner Medicus Dr. Hans Mantel in Lienhard Schäfers Schenke in Neckarwimmersbach. Dem Arzt saß der Schalk im Nacken. Als der biedere Küfermeister Martin aus Eberbach den Wirt um etwas Gebratenes fragte, bot ihm Mantel „eine frisch gerupfte Taube“ an. In Wahrheit handelte es sich um einen Kuckuck, den der Arzt zu Studienzwecken sezieren wollte. Als Meister Martin seine vermeintliche Taube mit gutem Appetit verspeist hatte, mußte er den Spott der Hirschhörner Spaßvögel über sich ergehen lassen. Je mehr er sich ereiferte, desto schlimmer trieben es die anderen. Durch einen Prozeß, der aus der Geschichte erwuchs, haben sich die Eberbacher endgültig den Spottnamen die „Kuckucksfresser“ eingetragen und ihn bis auf den heutigen Tag behalten. Als der Verkehrsverein der Stadt Eberbach im Jahre 1929 die verschiedenen kleineren Märkte und Messen des Jahres zu einer einzigen großen Volksschau zusammenfaßte, gab er dieser nach mancherlei Vorschlägen den Namen „Kuckucksmarkt“. Damit war dem alten Spottnamen der Eberbacher die Spitze abgebogen. Er wurde schließlich in den vergangenen 21 Jahren im ganzen Neckartal und südlichen Odenwald zum Begriff für eines der schönsten und weinfröhlichsten Volksfeste der engeren Heimat.

Auch in diesem Jahr ist der Kuckucksmarkt in der Zeit vom 2. bis 10. September wieder auf dem „Lauer“ direkt am Neckarufer aufgebaut. Malerisch wird die riesige Budenstadt von der reizvollen Stadtsilhouette und den steilen Odenwaldhöhen überragt. In der Dr.- Weiß-Schule werden große Ausstellungen der Forstwirtschaft, der Industrie und des Handwerks gezeigt. In zahllosen Sonderzügen und Kraftomnibussen werden in der Marktwoche, wie jedes Jahr, viele Tausende aus Heidelberg, dem Odenwald und dem Neckartal in die festlich geschmückte Stadt kommen.

Die Stadtverwaltung unter Leitung von Bürgermeister Nenninger hat wieder ein reichhaltiges Programm an Sonderveranstaltungen zusammengestellt. Für Sonntag, 3. September, ist wieder eine große verbandsoffene „ Kuckucksmarkt-Regatta“ vorgesehen, abends Stadtillumination. Am 4. September ist Zuchtviehschau mit Prämiierung, am Dienstag, 5. September, eine öffentliche Kreistagssitzung im Volkstheater, am Freitag, 8. September, eine Fremdenverkehrstagung der Neckartalgemeinden, am Samstag, 9. September, Pferdeschau mit Prämiierung und am Sonntag, 10. September. findet der Markt mit seinem schon zur Tradition gewordenen Brillantfeuerwerk mit pyrotechnischen Glanzleistungen auf der Neckarbrücke seinen Abschluß. Die Stadtverwaltung hat wieder über die Dauer des Kuckucksmarktes einen Schaufenster-Wettbewerb für die Eberbacher Einzelhandelsgeschäfte ausgeschrieben.

Sicherlich wird gar mancher der vielen tausend Kuckucksmarktbesucher auch diesmal wieder ein zünftiges „Räuscnle“ aus den zahlreichen Bierzelten und Weinlauben nach Hause tragen und zweifellos wird es auch in diesem Jahr wieder allen gefallen bei den Eberbacher „Kuckucksfressern“. -ch

Wird die Moret wieder aufgebant?

Weit draußen im Dieburger Wald auf dem Mainzer Berg stand einst ein Wanderheim. Der Touristenverein „Die Naturfreunde“ hatte es erstellt und unterhalten. Vielen tausend Heimatfreunden hatte es als Raststätte gedient, bis es seit der Konfiszierung des Vereinsvermögens nach und nach in Verfall geriet. Die „Naturfreunde“ haben es vor einigen Jahren wieder in Benutzung genommen, und es gibt wohl keinen echten Dieburger, der nicht schon einen schönen Waldausflug auf die Moret gemacht und dort draußen ein fröhliches Fest gefeiert hat.

Das Heim soll nun wieder aufgebaut werden; die Gelder dazu können die „Naturfreunde“ aber nur bekommen, wenn der städtische Grund und Boden, auf dem die Stätte errichtet ist, in ihr Eigentum übergeht. Das wollten sie mit ihrem Kaufantrag an den Gemeinderat erreichen. Aber dazu konnte jener sich nicht entschließen, weil gemeindeeigener Boden es sei denn Wohnungsbaugelände grundsätzlich nicht verkauft werden soll. Aus den Reihen der Stadträte kam ein Vorschlag, der der Erwägung wert wäre: Die Gemeinde soll für das aufzunehmende Baukapital die Bürgschaft übernehmen.

Nur einige hundert Meter von der Moret entfernt, an der Kleeblattschneise wollen die „Naturfreunde“ eine Quelle erschließen und sie dei’ Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Dieser Gedanke fand so ungeteilt gute Aufnahme, daß sogar der Vorschlag eines städtischen Zuschusses zu diesen Arbeiten in Erwägung gezogen werden soll. (RG.)

Melibokus erhält wieder Aussichtsturm

Gesamtbaukosten belaufen sich auf 35 000 DM

Der Gemeinderat Alsbach befaßte sich in seiner Montagssitzung mit dem Beschluß des Kreisausschusses, der einen Kostenbeitrag für die Torüberdachung am israelitischen Friedhof in Alsbach vorsieht. Die Gesamtkosten betragen etwa 2000 DM, von denen der Kreis 1500 DM Vorlage leistet, während die Gemeinde Alsbach 500 DM beisteuern soll. Nach kurzer Aussprache wurde beschlossen, die Vorlage von 500 DM zu leisten und bei der Regierung Erkundigung über die Rechtslage einzuziehen.

Die Gemeinde hatte der Zwingenberger Obst- und Gemüsezentrale ein 800 qm großes Grundstück zum Preis von 0,50 DM pro qm überlassen, auf dem die Zentralgenossenschaft eine Obsthalle erstellen will. In dem Beschluß vom 12. Juni d. J. wurde vermerkt, daß dieser niedrige Preis nur unter der Bedingung gilt, daß die Ortsgenossenschaft die Halle später käuflich erwerben kann. Die Zentralgenossenschaft will diesen Passus gestrichen wissen und bietet dafür das Vorkaufsrecht an der Halle an. Der Gemeinderat änderte den Beschluß und nahm das angebotene Vorkaufsrecht an.

In einem Antrag des Landesverkehrsverbandes Hessen wird um einen Beitrag zum Bau eines Aussichtsturmes auf dem Melibokus gebeten. Bekanntlich war der alte Turm, ein Wahrzeichen der Bergstraße, im März 1945 gesprengt worden. Der neue Turm, der dem Eckpfeiler der Bergstraße und einem der beliebtesten Ausflugsziele wieder das Gesicht geben soll, wird 25 Meter hoch und erhält eine Gaststätte. Die Baukosten belaufen sich auf ca. 35 000 DM. Mit der Herrichtung der Zufahrtsstraßen soll in diesem Herbst begonnen werden. Die -Gemeindevertretung ist sich über die Wichtigkeit dieses Bauvorhabens für die Fremdenverkehrswerbung klar und will, da sie in diesem Jahr keine Geldmittel mehr bereitstellen kann, im Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1951 einen entsprechenden Betrag einsetzen. hl.

Lausbub als Erpresser

Ein Fabrikant in Walldorf bekam vor einigen Tagen einen Drohbrief mit der Aufforderung, bis zu einem bestimmten Tage an einer, aut einer beigefügten Planskizze genau bezeichneten Stelle bei Walldorf 1500 DM niederzulegen, andernfalls er mit größerem Schaden zu rechnen habe. Auch eine Warnung, den Brief nicht der Polizei zu übergeben, fehlte nicht.

Durch Täuschungs- und Hinhaltungsmanöver gelang es den Beamten der Landeskriminalpolizei und der Ortspolizei von dem vorerst unbekannten Täfer außer den in Blockschrift geschriebenen Drohbriefen auch solche in Hand- und Maschinenschrift zu erhalten. Diese Briefe führten schließlich zur Feststellung und Ueberfiihrung des 14-jährigen Quartaners H. F. aus Walldorf.

Als Motiv seiner Handlung gab der hoffnungsvolle Junge an, er habe dem Fabrikanten nur Angst machen wollen. Diese Behauptung erschien jedoch wenig glaubwürdig, da er in vier Briefen stets verschärft Geld verlangte und sich jeden Briefwechsel verbat. Nach der Planung seines Erpressungsfeldzuges befragt, erklärte er, aus Kriminalromanen sein Wissen zu haben.

Im übrigen war der Unternehmungslustige schon zweimal von zu Hause ausgerückt, um nach Ämerikfa zu gelangen. Man hatte ihn einmal in Köln und einmal in der Schweiz wieder aufgegriffen und zurückbefördert. Jugendamt und Jugendrichter werden sich mit ihm zu befassen haben. DT

Klubhütte noch in diesem Jahr

Klubabend des Reinheimer OWK

Ein sehr wesentlicher Punkt auf der Tagesordnung des Klubabends der Reinheimer Ortsgruppe des OWK, der am Samstag im Gasthaus „Schwanen“ stattfand, war die Wiedererrichtung der Klubhütte auf der „Ernst-Ludwigs-Höhe“. Die Vorarbeiten sind nun soweit gediehen, daß mit dem Schlagen des Rundholzes im Staatswald begonnen werden kann. Die Hütte wird nach den Plänen des Reinheimer Architekten Stühlinger in Gemeinschaftsarbeit errichtet. Die Bauarbeiten leitet Dachdeckermeister Ludwig Held. Die nötigen Schalbretter stiften die beiden Reinheimer Holzhandelsfirmen Burger und 801 l gemeinschaftlich, die Bedachung stellt Dachdeckermeister Held zur Verfügung. Zimmermeister Pfaff hat seine Mitwirkung ebenfalls zugesagt, so daß dem Bau nichts mehr im Wege steht.

Verschiedene Ehrungen verdienter Mitglieder wurden vorgenommen. So erhielt Wanderfreund Wittich, eines der ältesten und trotz seiner 79 Jahre rührigsten Klubmitglieder, für seine eifrige Arbeit anläßlich der 650-Jahrfeier der Stadt Reinheim vom Hauptausschuß des Gesamtklubs das sehr selten verliehene Ehrenzeichen „Für treue Klubarbeit“. Richard Burger wurde für 25jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Die „Goldene Werbenadel“ erhielt Manfred Weber.

Nach einer Besprechung der nächsten Wanderung und Berichterstattung über die Vorarbeiten zu einem Odenwald er Heimatabend schloß sich der gemütliche Teil an, der die Freunde des Klubs noch bis nach Mitternacht zusammenhielt, (eb)

Neue Lehrgänge

am „Freiherr-vom-Stein-Institut“

Am kommenden Montag wird die feierliche Wiedereröffnung des „- vom-Stein-Instituts“ in Lindenfels, das wegen der Hauptsaison des Fremdenverkehrs für kurze Zeit seine Arbeit einstellte, durch Innenminister Zinnkann vorgenommen. Auch Landrat Dengler und weitere namhafte Vertreter der Kommunalpolitik werden anwesend sein. Bisher wurden 450 Männer und Frauen, Bürgermeister, Gemeinderäte und Stadtverordnete, geschult, die Lehrgänge werden wieder von viertägiger Dauer sein. -r.

Der Rundfunk am Freitag

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 9.00 Unterhaltungsmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Junge Solisten musizieren; 17.00 Froh und heiter; 18.30 Rhythmische Klänge; 20.00 Volkstümliches Konzert. Musik der Heimat; 21.10 Leuchtturm 7; 22.45 Aus Operetten von Leo Fall; 23.30 Jazz aus Deutschland.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Froh und heiter; 18.30 Musik zum Feierabend; 19.30 Im Najnen des Gesetzes; 20.00 Ein Tanzabend; 21.00 Zoltan Kodaly; 22.15 Musik aus London; 22.45 „Die bessere Hälfte"; 23.15 Tanzmusik.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musik zur Teestunde; 16.30 Klaviermusik; 17.15 Das Schlager-Intermezzo; 18.20 Sendung für die Frau; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Unvergängliche Gestalten der englischen Literatur; 20.45 Kammermusik; 21.30 Eröffnungsfeier des 74. Deutschen Katholikentages 1950 in Passau; 22.30 Schöne Melodien; 23.30 Musik zur Nacht.

NWDR: 12-00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Mittagskonzert; 15.40 Musikalische Kleinigkeiten; 16.50 Kammermusik; 18.00 Musik zum Feierabend; 18.30 Das Große Hamburger Rundfunk-Orchester; 20.00 Opernkonzert; 22.35 Wolfgang Amadeus Mozart; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Der SPORT

Wasserballmeisterschaften in Marburg

Am vergangenen Wochenende fanden im Marburger Sommerbad. vom Marburger SV mustergültig ausgerichtet, die Endspiele um die Hessische Wasserballmeisterschaft 1950 statt, für die sich aus Vor- und Zwischenrundenspielen der Vorjahrsmeister, der Erste Frankfurter SC, der SV Marburg, der SC Niederrad und, als einziger Verein ohne Winter-Trainingsmöglichkeit, die TSG 46 Darmstadt qualifiziert hatten. Verdienter Sieger des Turniers und damit Hessischer Wasserballmeister 1950 wurde der SV Marburg vor dem EFSC. Der dritte Platz wurde der TSG 46 Darmstadt zugesprochen, da das entscheidende Spiel gegen Niederrad. in dem Darmstadt knapp mit 2:3 Toren unterlegen war, als ungültig erklärt werden mußte, und Niederrad zum Wiederholungsspiel nicht antrat. Die Darmstädter Spieler bedauern das sport-, lieh wenig schöne Verhalten der Niederräder um so mehr, als die Gründe, die die Darmstädter zwangen, eine Annullierung des Spiels zu fordern, von der Turnierleitung sofort als berechtigt anerkannt wurden.

Beim Vorjahrsmeister, dem EFSC, vermißte man im entscheidenden Spiel gegen Marburg das geschickte Aufbauspiel früherer Jahre. Marburg hat, wie Darmstadt, seine Mannschaft verjüngt, was die schwimmerische Leistungsfähigkeit wesentlich erhöhte, dank deren es zu Meisterehren kam. Niederrad stellte ’wohl die taktisch am besten beratene Mannschaft, die durch kluges Stellungsspiel schwimmerisch überlegene Mannschaften wie Marburg und Darmstadt an der Entfaltung hindern konnte, wodurch sich der (annullierte) Sieg gegen Darmstadt und das Unentschieden gegen Marburg erklärt. Den Darmstädtern fehlte die letzte Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor, so daß mehrere greifbar scheinende Erfolge zunichte wurden.

Die spielerische Leistung sämtlicher am Turnier beteiligten Mannschaften war durchaus gleichwertig, was sich am deutlichsten am jeweiligen Halbzeitstand erkennen läßt.

Beste Spieler des Turniers waren die Marburger Stockhaus und Wiener, der Frankfurter Minnich und der Darmstädter Torhüter Jakobi, dessen glänzenden Paraden selbst die Marburgei- Lokalpatrioten Beifall zollten und der zur Zeit zweifellos als Hessens bester Wasserballtormann angesehen werden darf.

Die Lehre für Darmstadts Wasserballer aus dem Marburger Turnier: nur eine junge, technisch entwicklungsfähige, schwimmerisch hervorragende Mannschaft wird in Zukunft im hessischen Wasserball bestehen können. Die Mannschaft der TSG 46 besitzt diese Voraussetzungen. auch das hat das Marburger Turnier gezeigt. So möge es ein Ansporn gewesen sein, im Training, auch in der nun bald eröffneten Halle, nicht nachzulassen.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen. daß die TSG 46 zum Abschluß der Sommersaison am 9. September ein Wasserballturnier im Woog vorbereitet, in dem ihre 1. Mannschaft gegen eine der hessischen Spitzenmannschaften (wahrscheinlich EFSC) und ihre 2. Mannschaft gegen eine A-Klassen-Mannschaft (wahrscheinlich Reinheim) antreten werden.

Die Ergebnisse von Marburg: Niederrad — Darmstadt 3:2 (1:1) (Spiel wurde für ungültig erklärt), Marburg — Frankfurt 5:3 (1:1), Marburg — Niederrad 3:3 (1:1). Frankfurt — Darmstadt 4:1 (3:0), Marburg — Darmstadt 6:1 (1:1), Frankfurt — Niederrad 4:3 (2:1). -ich.

Deutsche Tenniserfolge in St. Moritz

St. Moritz, (dpa) Frau Pohmann (Rheydt) gewann das Endspiel des Dameneinzels beim Internationalen Tennisturnier in St. Moritz mit 6:3, 6:1 gegen ihre Landsmännin Totta Zehden. Diese blieb dafür im Gemischten Doppel mit dem Italiener Canepele, der das Herreneinzel gewann, über die Franzosen Halff/Centin erfolgreich.

Sternfahrt zum Porsche-Geburtstag

Stuttgart, (dpa) Zum 75. Geburtstag des bekannten Automobilkonstrukteurs Dr.- Ing. h. c. Ferdinand Porsche wird am Sonntag eine Sternfahrt aller „Porschefahrer“ nach Stuttgart stattfinden, wo am Nachmittag Dr. Porsche die Fahrer auf Schloß Solitude empfangen wird.

In Hannover winkt das „Lorbeerblatt“

Fahrt durch den Harz auf der 16. Etappe der Deutschlandfahrt

er. Einbeck. (Eigener Bericht.) Heute werden die Teilnehmer an der Deutschlandrundfahrt auf der 17. Etappe wieder Hannover erreichen und dort soll bei der feierlichen Siegerverkündigung dem Gewinner des langen Rennens auch das „Silberne Lorbeerblatt“ des Bundespräsidenten überreicht werden. Wer der glückliche Mann sein wird, das kann seit einigen Etappen nicht mehr zweifelhaft sein. Auf dem Nürburgring ist die Auszeichnung des Bundespräsidenten zum ersten Male einem Ausländer, dem Italiener Ascari, überreicht worden. In Hannover wird es zum zweiten Male an einen Ausländer vergeben werden.

Die 16. und vorletzte Etappe führte am Mittwoch über 228 km von Kassel nach Einbeck. Im ersten Teil, bis zur Verpflegungskontrolle in Bad Lauterberg (104,8 km), verlief das Rennen ziemlich ruhig, da sich einmal die im Gesamtklassement führenden Fahrer dicht zueinander hielten und zum anderen die schweren Steigungen der Harzstrecke noch bevorstanden. Vorübergehend konnte sich eine Gruppe von sieben Fahrern absondern, doch kam das Hauptfeld schnell wieder heran. 36 Mann erreichten fast geschlossen Bad Lauterberg. Wenig später trafen auch die vier anderen Fahrer ein.

Die 16. Etappe der Deutschlandrundfahrt von Kassel bis Einbeck, über 228 Kilometer, hat am Mittwoch der Belgier Desire Keteleer in 7:12:30 Stunden vor Fritz Siefert (Dortmund) in 7:16:06 Stunden gewonnen. In der Gesamtwertung trägt weiterhin der Belgier Roger Gyselinckx das weiße Trikot.

Volkswagen fährt Rekorde

Paris. (AP.) Einen neuen internationalen Rekord über die Strecke von 4000 Kilometern für Wagen der G-Klasse hat der am Dienstag auf der Bahn bei Monthlery gestartete 1100- ccm-Volkswagen aufgestelt. Während der bisherige Rekord für Wagen dieser Klasse im März 1938 von den Franzosen Gauthier, de Laplace, Levy und Caron bei 34:40:58,38 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 115,330 Stundenkilometern aufgestellt worden war, fuhren die deutschen Fahrer Max Müller, Huschke von Hanstein, Helmut und Walter Glöckler (Frankfurt) mit ihrem Volkswagen die Strecke in 31:16:33,88 Stunden mit einem Stundenmittel von 127,890 Kilometern.

Telegramme

Der Brüsseler Kongreß des Internationalen Leichtathletik-Verbandes hat auch den Saarländischen Verband als provisorisches Mitglied anerkannt. Der Kongreß bestätigte Lord Burghley (England) als Präsidenten und Holt (England) als Generalsekretär. / Ehrenpräsident des Internationalen Schwimm-Verbandes wurde der Franzose E. G. Drigny.

Heute Donnerstag 20.15 Uhr wird auf der Rollschuhbahn am Woog des großen Erfolges wegen die Rollsportsehau „Unter bunten Scheinwerfern“ wiederholt. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung zu gleicher Zeit am Samstag statt.

Sportplatzeinweihungs in Wiebelsbach

Am Sonntag (3. 9.) wird der neu erstellte Sportplatz der Sportvereinigung Wiebelsbach eingeweiht. Um den Bau hat sich Bürgermeister Kohlbacher große Verdienste erworben. Nach dem um 14 Uhr beginnenden Festzug hält Kreisvorsitzender Andreas Kern, Ober-Roden, die Festansprache, woran sich Fußballspiele anschließen. Am Abend findet im „Schützenhof“ bei K. Ohl der Festball statt. -NB- Der Vorsitzende des Sportkreises Dieburg, Andreas Kern, Ober-Roden, teilt mit, daß im November eine Kreiskonferenz in Reinheim stattfindet. Genauer Termin wird noch bekanntgegeben. NB

Babenhausen. Die Ehrenpreise für das am 9./10. 9. stattfindenden Große Reit-, Spring - und Fahrturnie r in Babenhausen werden ab Sonntag (3.) bei Sattlermeister Jaekel, Fahrstraße, ausgestellt.

SKG Eberstadt, Fußballahteilung.

Samstag, 2. September, 20.15 Uhr im Vereinslokal „Zur Rose“ (Bes. Ludw. Hill, Schwanenstraße) Mitgliederversammlung. Das Erscheinen aller aktiven und passiven Mitglieder ist erwünscht.

In Island noch ein 2:2

Reykjavik. (Id) Am Montagabend spielte im Stadion von Reykjavik die Stadtelf der Landeshauptstadt gegen die durch TuS Neuendorf repräsentierte Rheinlandmannschaft 2:2. Die deutsche Mannschaft wirkte übermüdet. Die Koblenzer werden am Mittwoch nach ihrer 12tägigen Islandreise, die ihnen bei fünf Spielen drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage eingebracht hat, mit einem Verkehrsflugzeug wieder in ihrer Heimat eintreffen.

Der Sowjetzonen-Sport isoliert?

Nach den Beschlüssen von Lausanne

B. G. Wie gestern bereits von uns gemeldet worden ist, hat der Exekutivausschuß des Internationalen Olympischen Comitees (IOC) in Lausanne beschlossen, die Zulassung Deutschlands und Japans zu den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki zu empfehlen. Ueber Annahme oder Ablehnung dieser Empfehlung muß die Vollsitzung des IOC im Mai 1951 in Wien entscheiden. Der Generalsekretär des Exekutiv-Ausschusses, Otto Mayer, hat in Lausanne allerdings schon gesagt, was jetzt noch übrig bleibe, sei lediglich eine Formsache; die Vollsitzung des IOC habe nie Empfehlungen des Exekutiv-Ausschusses zurückgewiesen.

Es ist gleichzeitig in Lausanne noch einmal darauf hingewiesen worden, daß vom Internationalen Olympischen Komitee in jedem Land nur ein Nationales Olympisches Komitee anerkannt werde. Man schließt aus dieser Tatsache auf eine Isolierung des Sowjetzonensports. Das Deutsche Nationale Olympische Komitee, sowie die zehn Fachorganisationen, die bisher schon wieder in ihre internationalen Verbände aufgenommen worden sind, haben sämtlich ihren Sitz im westdeutschen Bundesgebiet. Das Komitee und die Verbände betrachten sich — durchaus zu Recht — als gültige Nachfolger der alten, im Dritten Reich zwangsweise gleichgeschalteten Verbände. Freiheit und Selbständigkeit dieser Organisationen sind inzwischen wiederhergestellt worden, gleichzeitig damit auch die in den Satzungen proklamierte politische Neutralität. Die Verbände haben sich bei ihrer Wiederbegründung als gesamtdeutsche Organisationen betrachtet und eine ständige Verbindung mit den Sportvereinen der Sowjetzone gesucht. Eine Zeitlang hat diese Verbindung funktioniert, die Unterbrechung ist ganz allein darauf zurückzuführen, daß nun die SED den Sport in der Sowjetzone gleichschaltet und ihm seine politische Neutralität genommen hat. Die Sowjetzone besitzt ihren eigenen Sportausschuß mit den entsprechenden Unterorganisationen, die sämtlich von der SED kontrolliert werden und sich ihren Anweisungen zu fügen haben.

Es ist mehr als fraglich ob sich die Organisationen der Sowjetzone dem anerkannten Nationalen Olympischen Komitee anschließen dürfen. Sportler aus dieser Zone werden mithin an den Olympischen Spielen nur teilnehmen dürfen, wenn sie Vereinen des Bundesgebietes beitreten. Wie aber soll das möglich sein, wenn sie nicht gleichzeitig für immer ihre engere Heimat verlassen?

Der Sport der Sowjetzone sieht sich durch eigenes Verschulden von den internationalen Verbänden und vom IOC und zuletzt auch von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Es bleibt die Frage, wie sich die Länder des Ostblocks, die noch ein Nationales Olympisches Komitee besitzen (die Sowjet-Union hat das ihre noch nicht gebildet) auf der Vollsitzung des IOC in Wien verhalten werden. Eine Stimmenmehrheit werden sie zwar nicht erreichen, doch könnte es zu Differenzen oder zu der Frage kommen, ob nicht auch die Sowjetzone ihr eigenes Komitee bilden darf. Diese Frage nun hängt wieder von einer anderen, nämlich von der Anerkennung des Sowjetzonenstaates durch die politischen und die sportlichen Mächte ab. Wer wagt daran zu denken? Es ist aber auch höchst fraglich, ob die Länder des Ostblocks und die Sowjetunion auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Helsinki verzichten wollen. In der Sowjetunion wächst neuerdings die Neigung, ein eigenes Olympisches Komitee zu bilden und nach Helsinki zu gehen, offensichtlich. Damit würde dann die Isolierung des Sowjetzonensportes vollständig sein, vorausgesetzt, daß er sich nicht bis dahin von dem Diktat der SED befreit hat und in die gesamtdeutschen Sportorganisationen zurückgekehrt ist.

Eimsbüttel in Pfungstadt ungeschlagen

Am Dienstagabend sahen die zahlreichen Zuschauer zwei Spiele, die zu dem besten gehören, was man in der Faustballstadt Pfungstadt jemals gesehen hat. Zu Gast waren die Männer des ETV Hamburg-Eimsbüttel, mehrfache deutsche Meister, die auf Grund des unter ungünstigsten Wetterbedingungen auf dem Stuttgarter Turnier verlorenen Spieles die Pfungstädter, die den 1. Turniersieg erringen konnten, zur Revanche herausgefordert hatten. Hamburg konnte seinen wiedergenesenen Schlagmann Peter Ehlbeck aufweisen, den besten seines Faches in Deutschland, dessen faszinierendes Linienspiel seinen Ruf vollkommen rechtfertigte.

Die beiden Rivalen bestritten zwei spannungsgeladene Spiele; das erste begann mit leichtem Vorsprung des Hessenmeisters, der aber bald überfahren wurde, da die Hintermänner indisponiert waren. Heppert verdarb viele Bälle, die zu halten gewesen wären, so daß Eimsbüttel mit harten wohlplazierten Schlägen bis zum Endergebnis von 42:26 davonzog.

Die darauffolgende Begegnung war ausgeglichener, da Heppert durch Busch ersetzt wurde; trotzdem mußten sich Pfungstadts Spieler Becker, Köble, Kramer, Geibel und Busch dem einwandfrei überlegenen Können dieser Mannschaft beugen. Auch dieses Spiel endete mit 33:26 eindeutig für die Hamburger Gäste. Bilanz: Auf beiden Seiten ein Faustball von seltener Schönheit, atemberaubender Spannung und technischer Vollendung.

Rasensportfest in Harreshausen

Zu einer großen Veranstaltung für Jugendliche kam es am Sonntagvormittag auf dem Sportplatz in Harreshausen. Der TSV hielt dort ein Rasensportfest ab. Zirka 150 Jugendliche kämpften im Dreikampf (Lauf, Weitsprung, Ballweitwurf) um den Siegerkranz. Den Hauptanteil der Jugendlichen stellte der TV 1891 Babenhausen mit 85, vertreten waren noch TV Klein-Umstadt und aus dem benachbarten Baxern TG Stockstadt. Sieger wurden: Aktive: 1. Holzapfel, Stockstadt, 54 P.; 2. W. Neuberger, Stockstadt, 48 P.; 3. Ru. Schiller, Stockstadt, 45 P. Jugend 1932 bis 19 33: G. Lehmeier, TV Gr.-Umstadt, 48 P., und mit 39,90 m im Handballweitwurf 1. des Einzelkampfes. Jgd. 19 34: Breitbach, TG Stockstadt, 74 P. 19 34 bis 19 35: K. Willand, TV Babenhausen, 54 P. 1936 — 37: W. Pilger, TV Babenhausen, 51 P. Schüler 1938 — 39: Franz Piva, TV Klein-Umstadt, 61 P. 1940 — 41: Kl. Rühr, TSV Harreshausen, 54 P.

Weibliche Jugend 1934 — 35: A. Schliksbier, TSV Harreshausen, 47 P. 1 9 3 6 bis 193 7: Elfi Mohrhardt, TV Babenhausen, 55 P. 1 9 3 8 —3 9: Irma Bodeile, TV Babenhausen, 52 P. 1940 — 41: Lilo Sehrt.ert, TV Babenhausen, 52 P.

Der Nachmittag brachte Handball-Werbespiele und Schauvorführungen während der Pausen. Babenhausen siegte vor Stockstadts Reserve und Harreshausen. Bei dem Reck- und Barrenturnen fanden Kreismännerturnwart Wildhirt und der kriegsblinde Groh (beide Urberach) den größten Beifall. Bei den Schüler-Handballspielen wurde TG Stockstadt vor Babenhausen, Harreshausen und Klein-Umstadt Sieger. - N. B.

Tennis in Pfungstadt

Die erst in diesem Jahre gegründete TEV Pfungstadt trug in der vergangenen Woche ihre 1. Klubmeisterschaft aus, bei der schon recht ansprechende Leistungen geboten wurden. Die Arbeit der beiden Studenten-Trainer Wüllenweber und Lübben wurden von einem gesunden Ehrgeiz der Aktiven unterstützt, so daß seit Einweihung der neuen Tennisanlage im Mai bis heute bereits so gute Fortschritte zu verzeichnen sind, daß der Verein noch vor Abklingen der Saison einen Klubkampf mit einer Darmstädter Mannschaft bestreiten kann.

Die Ergebnisse: Herren-Einzel: Montwe —Becker 2:6, 6:4, 6:3. Damen-Einzel: Frl. Werner—Frl. Wenz 4:6, 7:5, 7:5. Herren-Doppel : Becker-Reuther— Montwe-Klöppinger 6:1, 6:0. Gemischtes Doppel: Frau Größmann-Montwe—Frau Reuther-Reuther 1:6, 7:5, 6:2. Bei den Junioren siegte Feldmann über B. Klöppinger mit 10:12, 6:1, 6;3 und Frl. Dudenhöfer gegen Frl. Kampa mit 6:4, 6:3.

Sportkreis Dieburg

Im Sportkreis Dieburg sind nun die Kreisklassen im Fuß- und Handball eingeteilt für das kommende Spieljahr, das in beiden Lagern am 3. September gestartet wird. Während im Fußball eine A- und B-Klasse besteht, gibt es im Handball nur noch eine Kreisklasse, die allerdings in zwei Gruppen aufgeteilt ist. Durch die zahlenmäßige Stärke der Fußball-B-Klasse wurde hier auch eine Zweiteilung notwendig. Die einzelnen Klassen setzen sich nun wie folgt zusammen: Fußball: A-Klasse (vierzehn Vereine): SG Ueberau, FSV Mosbach, SG Offenthai, FSV Groß-Zimmern, SG Lengfeld, SV Kleestadt, Viktoria Klein-Zimmern, SKG Dreieichenhain, Spvgg Groß-Umstadt, FSV Spachbrücken, Tgem Ober-Roden, SG Nieder-Roden, SV 45 Reinheim, SG Götzenhain. Hier nimmt die Favoritenstellung die SG Nieder-Roden ein. — Fußball: B-Klasse (sechzehn Vereine), Gruppe I: Groß - Bieberau, Georgenhausen-Zeilhard, Niedernhausen, Wersau, Hering, Fr.-Crumbach, Brensbach. Gruppe II: Fr. Spvgg Münster, Schaafheim, Hergershausen, Heubach, Ob.-Klingen, Klein-Umstadt, TV Groß-Umstadt, Raibach, Wiebelsbach. Außer Konkurrenz spielt Hassia Dieburg ll.— Handball: Kreisklasse A (sechzehn Mannschaften), Gruppe I: Langstadt-Schlierbach, Schaafheim, Babenhausen, Richen» Semd, Harreshausen, Klein-Umstadt, TV Reinheim. Gruppe II: Groß-Zimmern, TV Münster, TV Groß-Umstadt, Tschft. Ober-Roden, Habitzheim, Sportverein Reinheim, Brensbach, Nieder-Klingen. -gi-

Die ersten Termine der Dieburger Kreisklassen

Für die am 3. September beginnenden Verbandsspiele im Fußball des Dieburger Sportkreises wurden folgende Begegnungen angesetzt: A-Klasse: Moosbach—Klein-Zimmern, SG N.-Roden— SG Offenthai, SV Reinheim—Spvgg Groß-Umstadt, Gr.-Zimmern—Kleestadt, Götzenhain—FSV Spachbrücken, Dreieichenhain—Ober-Roden. Spielfrei ist Lengfeld. — B-Klasse: Hier beginnen die Meisterschaftsspiele In der Gruppe I mit folgenden Paarungen: Hering—Niedernhausen, Georgenhausen gegen Dieburg 11, Wersau—Gr.-Bieberau, Brensbach—Fr. Crumbach. Der Neuling Ober/Niederklingen hat das Freilos. In der Gruppe II wird wie folgt angetreten: Wiebelsbach—Klein-Umstadt, Münster Hergershausen, Schaafheim — Raibach, TV Groß-Umstadt—Heubach. -gi-

Großkampf SV 98—SG Eckenheim

Am Samstag, den 2. 9. 50, 20.30 Uhr, in der Goethe-Schule Darmstadt, 1. Verbandskampf der Ringer SV 98 Darmstadt gegen SG Eckenheim. Dieser Verbandskampf wird als der größte für dieses Jahr angesehen, da Ekkenheim 2. Deutscher Mannschaftsmeister ist und mit den drei Deutschen Meistern Leichter, Scheibinger und Schlagmüller auf der Matte antreten wird.

Darmstädter Segelflieger immer aktiv

Am Dienstagabend fand in der Gaststätte Knauf eine Versammlung der „Segelfluggruppe Darmstadt e.V.“ statt, an der auch Vertreter der neu gegründeten Interessengemeinschaft „Sportflug Odenwald“ aus Michelstadt und Erbach und Segelfluginteressenten aus Pfungstadt teilnahmen. Anton Erb machte zum Teil sehr humoristische Ausführungen über die Möglichkeiten des Segelfluges in Darmstadt und an der Bergstraße und berichtete über seine Erfahrungen im Segelfliegen vor und während des Krieges. Am kommenden Sonntag nimmt die Segelfluggruppe Darmstadt e. V. mit Modellen an einem Flugmodellwettbewerb in Würzburg teil. t-s

Wolfskehlen erhielt den Fußballpokal

Auf dem Sportfeld des SV 1919 Münster wurde am Sonntagnachmittag ein Fußballturnier mit Vereinen aus dem Rodgau und Ried ausgetragen. Nach vorangegangenen spannungsvollen Kämpfen in 2X15 Minuten konnte der Veranstalter im Endspiel gegen SV Wolfskehlen nur 0:0 spielen. Der SV 1919 Münster wurde durch Losentscheid zum Turniersieger erklärt, überließ aber den Pokal der Gastmannschaft des Endspiels. Die weiteren Ergebnisse lauten: Wolfskehlen gegen Hassia Dieburg 4:1,’ Wolfskehlen— Dudenhofen 3:1, Freie Spvgg Münster-SV 1919 Münster 1:2, SV 1919 Münster— Klein-Zimmern 3:1. -gi-

Großes Reit- und Fahrturnier in Babenhausen

Der nun ein Jahr bestehende Reit- und Fahrverein „Vorder-Odenwald“, Sitz Babenhausen, hält am 9./10. September auf dem herrlich gelegenen Sportplatz ein großes Reit-, Spring- und Fahrturnier ab. Namhafte und bekannte Reiter aus Darmstadt, Frankfurt, Seligenstadt, Hanau und der näheren und weiteren Umgebung des veranstaltenden Vereins nehmen daran teil. Fast 100 Pferde in 300 Nennungen haben sich angemeldet. Wertvolle Ehrenpreise wurden gestiftet. Um den Ehrenpreis des DT kämpfen im Jagdspringen Kl L 22 ländliche Pferde. Außerdem ist dieses Springen noch mit Geldpreisen versehen. Der Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft, Wagner, hat für den Abteilungswettkampf einen wertvollen Ehrenpreis gestiftet. Die Vereine Reinheim, Groß-Zimmern, Seligenstadt und „Vorder Odenwald“ werden um den Preis kämpfen. Jeder Verein startet mit vier Pferden, wovon die ersten drei gewertet werden. Gleichzeitig erhält der beste Reiter dieses Wettkampfes einen Ehrenpreis. — Ferner wurden ausgeschrieben: Eignungsprüfung für Reitpferde KL A; Dressurprüfung Kl. A; Dressurprüfung Kl. A für Neulinge. 35 Reiter werden hier um den Ehrenpreis des Landrats des Kreises Dieburg kämpfen. Dressurprüfung Kl. L; Jagdspringen für Neulinge; Jagdspringen Kl. A für Fortgeschrittene um den Ehrenpreis der Stadt Babenhausen, woran sich ca. 40 Reiter beteiligen; Paarspringen, Trabreiten über 1500 m; Eignungsprüfungen für Wagenpferde: Ein-» Zwei- und Mehrspänner, dasselbe für Kleinpferde und Ponys; Kleinpferde- und Ponyrennen. Hier werden u. a. auch der Prinz und die Prinzessin Reuß, Weyershof, starten. Im ganzen gesehen ein pferdesportliches Programm, was Sich sehen lassen kann. B.

I Bestattungen am Donnerstag, dem 31. Aug. 1950 I B Beerdigungen: ! Alter Friedhof: I 11.00 Reeg, Helene, Am Erlenberg 22, 61 Jahre I

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. j^^^AMTLICHEHBEKANNTO^^ Bekanntmachung der Haushaltssatzung der Stadt Darmstadt für das Rechnungsjahr 1950 Gemäß § 86 der Hessischen Gemeindeordnung vom 21. 12. 1945 wird die Haushaltssatzung der Stadt Darmstadt für das Rechnungsjahr 1950 nach erfolgter Genehmigung der Aufsichtsbehörde hiermit öffentlich bekanntgemacht. Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 liegt in der Zeit vom 31. 8. 1950 bis 7. 9. 1950 im Stadthaus, Lagerhausstraße 1, Zimmer 312, zur Einsichtnahme öffentlich aus. Haushaltssatzung der Stadt Darmstadt für das Rechnungsjahr 1950. Auf Grund der §§ 83 ff. der Hessischen Gemeindeordnung vom 21. 12. 1945 (GVBI. 1946 S. 1) wird auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 6. Juli 1950 für das Rechnungsjahr 1950 folgende Haushaltssatzung erlassen: § 1 Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1950 wird im ordentlichen Haushaltsplan in der Einnahme auf 23 115 000,— DM in der Ausgabe airt 23 115 000,— DM und im außerordentlichen Haushaltsplan in der Einnahme auf m, 27 779 550,— DM in der Ausgabe auf ... 27 779 550,— DM festgesetzt. § Die Steuersätze (Hebesätze) für die Gemeindesteuern, die für jedes Rechnungsjahr neu festzusetzen sind, werden wie folgt festgesetzt: 1. Grundsteuer: a) für die land-u. forstwirtschaftlichen Betriebe Hebesatz 252 v. H. b) für die Grundstücke Hebesatz 252 v. H. 2. Gewerbesteuer: nach dem Gewerbeertrag und dem Gewerbekapital Hebesatz 295 v. H. 3. Zweigstellensteuer: nach dem Gewerbeertrag und dem Gewerbekapital Hebesatz 380 v. H. 4. Hundesteuer jährlich 48,— DM 5. Zwingersteuer jährlich 24,— DM § 3 Der Höchstbetrag der Kassenkredite, die im laufenden Rechnungsjahr zur Aufrechterhaltung des Betriebs der Stadthauptkasse in Anspruch genommen werden dürfen, wird auf 1 000 000,— DM festgesetzt. § 4 Der Gesamtbetrag der Darlehen, die zur Bestreitung von Ausgaben des außerordentlichen Haushaltsplans bestimmt sind, wird auf 22 600 000,— DM festgesetzt. Er soll nach dem Haushaltsplan für folgende Zwecke verwendet werden: 1. Beseitigung von Kriegsschäden an stadteigenen Wohnungen und sozialer Wohnungsbau 4 521 500,— DM 2. Straßen- und Verkehrsunternehmen . . 6 038 600,— DM 3. Kanalbau 2 357 500,— DM 4. Schulen 1 833 000,— DM 5. Krankenanstalten 4 136 000,— DM 6. Sonstige öffentliche Einrichtungen einschließlich Verwaltungsgebäude ... 3 713 400,— DM 22 600 000,— DM Darmstadt, den 6. Juli 1950 Der Magistrat Schroeder, Bürgermeister Dr. Feick, Stadtkämmerer Bekanntmachung Am 1. 9. 1950 werde ich voraussichtlich öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: Um 10 Uhr in Darmstadt, Ptd.-Kammer. Amtsgericht: 1 Posten Herren-, Damen- und Kinderschuhe, 1 Schreibmaschine, 1 Küchenschrank, anschließend im Stadtbezirk: 1 Blechbearbeitungs-Maschine, 1 Gläserschleifmaschine, um 15 Uhr in Wixhausen: 1 Buchpresse, 1 Zugmaschine „Hanomag“ mit Anhänger. Illas, Obergerichtsvollzieher Neueintragungen: HRA 928: 21. 8. 1950: Gimbel u. Barnewald, Darmstadt-Arheilgen. (Lebensmittel, Obst, Gemüse und Samenhandlung; Dieburger Straße 92.) Offene Handelsgesellschaft seit dem 21. Juni 1948. Gesellschafter: Wilhelm Gimbel, Kaufmann, Mina Barnewald geb. Wolfmüller, beide in Darmstadt-Arheilgen. HRA 930: 23. 8. 1950: Mykenae Verlag 3. Baum KG., Darmstadt. (Herausgabe von Theaterprogrammheften, Werbeschriften und sonstiger Theaterliteratur sowie von künstlerischen graphischen Erzeugnissen'aller Art; Wilhelm-Leuschner-Straße 6.) Kommanditgesellschaft seit dem 1. Juni 1950. Persönlich haftende Gesellschafter: Johanna Baum geb. Arrensdorff, Wilhelm Ernst, Kaufmann, Kurt Roßberg, Kaufmann, alle in Darmstadt. Frau Johanna Baum geb. Arrensdorff ist von der Vertretung ausgeschlossen. Ein Kommanditist ist beteiligt.

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