Bonn bezweifelt gutes Ergebnis der Außenminister-Konferenz
R. Bonn. 29. August. In Bonner parlamentarischen Kreisen werden die Aussichten auf eine Revision des Besatzungsstatuts durch die bevorstehende Konferenz der Außenminister der Westmächte skeptischer beurteilt. Die Zuversicht des Bundeskanzlers, daß diese Revision zwangsläufig sei, wird angezweifelt.
Die vor einiger Zeit gegen starke Bedenken der Oeffentlichkeit vom Bundestag beschlossene Vertretung der Bundesrepublik im Europarat durch Mitglieder des Bundestages selbst hat, wie sich jetzt zeigt, die vorhergesagte hemmende Auswirkung auf die Arbeiten des Bonner Parlaments gebracht. Die Verlängerung der Parlamentspause wegen der Straßburger Tagung um diese Woche auf insgesamt fünf Wochen hat dem Bundestag die Möglichkeit einer parlamentarischen Stellungnahme zu der so bedeutungsvollen Frage der deutschen Sicherheit vor der Absendung der amtlichen Denkschrift an die Westmächte genommen. Dieses Memorandum wird zur Zeit im Bundeskanzleramt vorbereitet. Es wird aber die offizielle Darlegung des deutschen Standpunktes für die Außenministerkonferenz, die am 12. September in Neuyork beginnt, zu Händen der Oberkommissare bedeuten. An ihr ist die Volksvertretung jetzt lediglich in der Form der Unterredung des Kanzlers mit den Fraktionsführern beteiligt.
Zwangsläufige Revision?
Diese Selbstausschaltung des Parlaments wird in Bonn nicht überall verstanden, zumal auch in den Reihen der Koalitionsparteien bei aller grundsätzlichen Uebereinstimmung mit dem Bundeskanzler beim Sicherheitsproblem in manchen Punkten erhebliche Bedenken aufgetreten sind. Sie beziehen sich vor allem auf die von Dr. Adenauer betonte Loslösung des Sicherheitsproblems von der Frage der Neuordnung des rechtlichen Verhältnisses der Bundesrepublik zu den Westmächten. Von Abgeordneten der Freien Demokraten zum Beispiel wird die Meinung des Kanzlers nicht geteilt, daß die Revision des derzeitigen Status der Bundesrepublik zwangsläufig eintreten werde und sich diese Dinge von selbst geben würden. Man verweist auf die Stimmen der anderen Seite, daß die Ueberprüfung des Besatzungsstatutes seine praktische Brauchbarkeit zu ergeben scheine, und es ist auch aufgefallen, daß als deutsches Hauptthema der Außenministerkonferenz nicht mehr die Revision des Statutes genannt wird, sondern der deutsche Beitrag zur Verteidigung Westeuropas.
Das IG-Gesetz
Vor allem aber hat das neue alliierte IG-Gesetz die Bedenken in dieser Hinsicht sehr verstärkt. Die Beschränkung der deutschen Mitarbeit bei Entscheidungen in einem elementaren Sektor der deutschen Wirtschaft auf die unverbindliche Form einer Anhörung der Bundesregierung und auf die höchst problematische Bildung eines von den Alliierten völlig abhängigen deutschen Ausschusses wird in weiten parlamentarischen Kreisen Bonns grundsätzlich als ein schlechtes Vorzeichen für die Revision des Besatzungsstatutes angesehen. Angesichts der
Beibehaltung der alliierten Befugnisse von 1945 auf diesem Gebiet am Vorabend der angekündigten Revision der Regelungen nach Kriegsende wird der Optimismus Dr. Adenauers auf die Gewalt der Tatsachen von immer stärkeren Kreisen nicht geteilt und wird die Ansicht vertreten, daß dieses IG-Gesetz die Revision des Besatzungsstatutes mehr denn je zu einem Kardinalpunkt auch der deutschen Sicherheitsentschlüsse mache.
In diesem Zusammenhang tritt in Bonn auch eine sichtbare Enttäuschung über das westliche Echo auf die Vorschläge Dr. Adenauers zutage. Es ist bekannt, daß der Kanzler nicht nur von der amerikanischen Presse allein geradezu aufgefordert worden war, endlich einen deutschen Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung vorzuschlagen. Um so befremdender wird empfunden, daß jetzt die deutschen Vorschläge als ausschließlich deutscher Initiative entsprungene Wünsche behandelt werden, die man in Erwägung ziehen wolle, so daß jetzt Bonn wieder in der Rolle des Bittstellers gesehen wird. Auch diese Tendenzen der Entwicklung werden in den parlamentarischen Kreisen Bonns mit Besorgnis betrachtet.
Britische Infanterie in Korea
Zwei Bataillone schottischer Regimenter ausgeschifft
Pusan, 29. August (AP./dpa/Reuter.) Zwei britische Bataillone, die bisher m Hongkong stationiert waren, sind in Korea eingetroffen. Es handelt sich um Teile zweier berühmter schottischer Regimenter, die in Hongkong sechzehn Monate eine Spezialausbildung für den Gebirgskampf erhalten haben. Die britischen Truppen, deren Stimmung vorzüglich ist, sind der Stamm eines Commonwealth-Expeditionskorps, das in kürzester zeit geschlossen in Korea auftreten wird. Die beiden Bataillone sollen unverzüglich ein-
gesetzt werden. Die britischen Soldaten sind die ersten, die als selbständiger nichtamerikanisch r Verband auf treten.
Die Schlacht im Norden der sehen Front wird nach wie vor erbittert geführt. Nachdem eine nordkoreanische Stoßgruppe, der es gelungen war in aas Zentrum von Pohang vorzudringen, wieder hinausgeworfen werden konnte, so der heftigste Druck der nordkoreanischen Division, die dort im Angriff steht, nachgelassen haben. Nordwestlich von haben südkoreanische Einheiten, du amerikanische Truppen verstärkt von amerikanischen Panzern und Schmcntfliegern unterstützt, die Stadt Kigy wieder zurückerobern und die in - koreaner um etwa sechzehn Kilometer weiter nach Norden zurückdrängen 0 nen. Die Lage an diesem Frontabschnitt ist jedoch so ungeklärt, daß nordkoreanisehe Einheiten eine wichtige Verbindungsstraße südwestlich von Pohang noch immer sperren können.
Die nordkoreanische Führung beabsichtigt — sollte sie Pohang nicht wieder erobern können — zumindest die Straße Pohang—Taiku zu unterbrechen. Die Angriffe im großen Nordbogen der Front und nordwestlich Taiku lassen immer noch vermuten, daß die Nordkoreaner auch den Versuch unternehmen wollen, die Südkoreaner im Norden völlig abzuschneiden. Es bleibt ihnen dann immer die Möglichkeit, den Stoß auf Taiku oder auf Pusan zu unternehmen.
Die amerikanische Führung ist jedoch zuversichtlich und glaubt, ihre Reserven jetzt so organisiert zu haben und so weit unabhängig vom Willen des Feindes zu sein, daß Verschiebungen an bedrohten Stellen ohne weiteres zu verwirklichen sind.
Gibraltar ohne Infanterie
Gibraltar, 29. August. (AP.) Das I. Bataillon der „Royal Irish Füsiliers“ rückte am Dienstagnachmittag aus Gibraltar ab, Bis Ablösung kommt, ist die Festung zum erstenmal in der britischen Geschichte ohne Infanterie. Die „Royal Irish Füsiliers“ kommen zunächst nach Nordirland, später werden sie nach der britischen Zone in Deutschland verlegt.
Schäffer erwägt neue Steuern
Der Bundeshaushalt ohne Rücklagen
R. Bonn, 29. August. Das Kabinett hat am Dienstag den Bundeshaushalt für 1950/51 verabschiedet, der 3300 Seiten insgesamt umfaßt, so daß jedes gedruckte Exemplar dieses Haushaltes 7,8 Kilogramm wiegt. Der Haushalt schließt, wie Finanzminister Schäffer vor der Presse ausführte, mit rund dreizehn Milliarden Mark in Einnahmen und Ausgaben ab, nachdem schon über zwei Milliarden Mark an den Anforderungen der Ressorts abgestrichen worden sind.
Minister Schäffer betonte, daß die große Schwäche dieses Etats das Fehlen jeder Rücklage sei, so daß neue Ausgaben unter allen Umständen Deckungen notwendig machten. Auf eine Anfrage in diesem Zusammenhang erklärte der Minister, daß in diesem Etat noch kein Posten Bundespolizei vorgesehen sei. Bis jetzt seien, wie Minister Schäffer mit sichtlichem Stolz hervorhob, nur Steuersenkungen vorgenommen worden, unci es seien auch keine für die allgemeine Volkswirtschaft fühlbaren Steuererhöhungen auf Grund des vorliegenden Etats zu erwarten. Nach den Darlegungen des Finanzministers sind jetzt die Steuerschätzungen im Monatsdurchschnitt erreicht worden. Es sei anzunehmen, daß über diese Schätzungen hinausgehende Einnahmen in den kommenden Monaten die unter den Schätzungen gebliebenen Erträge in den vergangenen Monaten ausglichen, so daß sich die Steuerschätzungen, die dem Etat zugrunde lägen, realisieren dürften. Ein höheres Steueraufkommen allerdings sei unter keinen Umständen zu erwarten. Schäffer wies mit Nachdruck darauf hin, daß jetzt die Bestimmung des Grundgesetzes in Kraft trete, daß jede vom Parlament beschlossene Ausgabenerhöhung der Zustimmung der Bundesregierung bedürfe und daß auch die Bestimmung der Geschäftsordnung des Bundestages effektiv werde, daß für jede Maßnahme, die neue Ausgaben erfordere, ein klarer Deckungsvorschlag gemacht werden müsse.
Die Aufwandssteuer sei ja bereits bekannt. Vielleicht könne man auch an eine Steuer auf Kunstgetränke und an eine Erhöhung gewisser Gebühren denken. Ebenso deutete Schäffer an, daß, wenn überhaupt, dann eine erträgliche Erhöhung des Notopfers Berlin kommen könne, da nun Berlin zweihundert Millionen Mark mehr, als bisher vorgesehen, erhalten wird. Die Kaffee- und Zigarettensteuer habe in den letzten Monaten ein wesentlich größeres Aufkommen als früher erreicht, was Schäffer den beginnenden Erfolg des Kampfes gegen den Schmuggel nannte.
Die amerikanischen Truppen haben auf Korea schwierige Geländehindernisse zu überwinden. Vor allem die Panzerbesatzungen haben es nicht leicht, im Gebirge den Kampf gegen den Feind zu führen. Paßstraßen werden oft zu Panzerfallen und weit verstreute Ansiedlungen Hinterhalte für Partisanen
Eine Bundes-Kriminalpolizei
Bonn, 29. August. (AP.) Die Bundesregierung hat am Dienstag einen dem Bundestag übermittelten Gesetzentwurf über die Einrichtung eines Bundeskriminalpolizeiamtes veröffentlicht. Aufgabe des Amtes soll die Bekämpfung des „gemeinen Verbrechers“ über die Ländergrenzen hinaus sein. Die Regierung erklärte in der Begründung zu dem Entwurf, daß „vorbeugend nur der gemeine, nicht der sogenannte politische Verbrecher“ bekämpft werden solle.
Enttäuschung
-gar- Vierzehn Tage trennen uns von der Konferenz der Außenminister. In London arbeitet fieberhaft die Studiengruppe der drei Westmächte, um Ende dieser Woche ihre Arbeiten zur Revision des westdeutschen Besatzungsstatutes abzuschließen. McCloy fliegt heute nach Amerika ab, um in Washington seinen wertvollen Rat für die Vorbereitung der Außenministerkonferenz zur Verfügung zu stellen.
In dem gleichen Moment muß unser parlamentarischer Korrespondent aus Bonn Niedergeschlagenheit und Enttäuschung über die Behandlung der Bundesrepublik melden. Das IG-Farben-Gesetz, das jetzt von den Besatzungsmächten verkündet worden ist, ist ein schwerer Schlag vor allem für diejenigen, die ein neues Blatt der Zusammenarbeit des Westens mit Deutschland aufschlagen- und das alte zur Makulatur werfen wollen. Auch der schlechteste Psychologe mußte damit rechnen, daß die Deutschen aus dem Geist solcher Einzelaktionen notgedrungen auf den Willen schließen, der bei den Besatzungsmächten überhaupt für eine Revision ihrer Besatzungsrechte und ihrer Empfindungen uns gegenüber besteht. Kein Wunder, wenn sich jetzt der Argwohn darüber verstärkt, daß in alliierten Kreisen neuerdings weit mehr vom deutschen Beitrag zur Verteidigung Westeuropas als von der Revision des Besatzungsstatutes geredet wird.
Wir hoffen, daß nicht alten Fehlern neue hinzugefügt werden. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem die verantwortlichen Männer der westlichen Welt wissen müssen, ob sie in Deutschland einen europäischen und westlichen Geist zu pflegen wünschen oder den Geist eines besetzten Gebietes, aus dem das Besatzungsstatut Namen und Inhalt bezieht.
Sie werden zugeben, daß der Bundeskanzler alle Anstrengungen macht, Deutschland in den Westen einzugliedern. Er kann es nur schaffen, wenn er das Volk hinter sich hat. Dafür zu sorgen liegt unter den gegebenen Umständen zuerst bei- den Alliierten. Denn die deutschen Massen achten genau darauf, wie sie von den Besatzungsmächten heute und morgen behandelt werden. Und noch mehr — darauf dürfen sich die Westmächte verlassen — achten die Bolschewisten darauf. Denn diese Behandlung ist der Schober, aus dem der Kommunismus' die Saat für seine innerdeutsche Propaganda gegen den Westen zu beziehen hofft.
Die Verschwörung der Rechtlichen
80. In totalitären Systemen sind die Grenzenzwischen gesetzgebender und ausführender Gewalt und Rechtsprechung verwischt; die wirkliche Staatsgewalt wird weder von der staatlichen Exekutive noch von der Legislative (geschweige denn vom Volk) ausgeübt, sondern von der einen Staatspartei. Die Rechtsprechung dient nicht mehr dem Recht, sondern politischen Zielen, wie zum Beispiel in der Sowjetzone der Errichtung einer „neuen, fortschrittlichen Gesellschaft“. Das hindert nicht daran, daß die Verfassung der Sowjetzone aus Gründen der Optik an rechtsstaatlichen Begriffen festhält. Aus diesem Mißverhältnis zwischen dem Buchstaben des Gesetzes und der Wirklichkeit ergibt sich der Zwang, aber auch eine einzigartige Gelegenheit für eine besondere Art des Widerstandskampfes. Zu ihm haben sich tapfere Männer des Rechtes in Mittel- und Westdeutschland entschlossen. Sie verteidigen den Rechtsstaat, den die Mächtigen der Sowjetzone in ihrer Verfassung selbst verankern mußten, wenn sie sich nicht von vornherein als Despoten deklarieren wollten.
Wie jeder weiß, ist Gesinnung, soweit sie nicht der „Linie“ entspricht, in der Sowjetzone strafbar. Dabei hält man sich nicht lange mit den „Kleinigkeiten“ der rechtsstaatlichen Garantien auf, wie der Notwendigkeit eines richterlichen Haftbefehls für Festnahmen, Recht des Angeklagten auf einen Verteidiger, öffentliches Gerichtsverfahren, Recht auf Revisionsverfahren, und scharfer Unterscheidung zwischen Untersuchungshaft und Strafvollzug. Wo es den Sowjetzonenmachthabern nützlich scheint, werden im Gegenteil Sondergerichte eingesetzt, die jeden rechtlichen Rahmen sprengen. Ein erschütterndes Beispiel dafür ist das Sondergericht, das im Zuchthaus Waldheim in Sachsen in den letzten beiden Monaten etwa 3500 Insassen der sowjetischen Konzentrationslager (nach deren „großmütiger“ Auflösung durch die sowjetische Besatzungsmacht) unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. — mit der Ausnahme von etwa 25 Schauverfahren — ohne die Zulassung von Verteidigern und Zeugen, auf Grund von geradezu lächerlichen Beweismitteln zu hohen Gefängnis- oder Zuchthausstrafen oder gar zum Tode verurteilt hat. Man weiß auch, daß das geltende Wirtschaftsstrafrecht in der Sowjetzone dazu benutzt wird, die kalte Sozialisierung zu betreiben.
Alle diejenigen, die sich an solchen Unrechtmäßigkeiten beteiligen, finden neuerdings eines Tages in ihrer Post eine Anklageschrift vor. Sie ist aufgestellt vom „Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen der Sowjetzone“. In dieser wird den Betreffenden im einzelnen nachgewiesen, daß es sich beispielsweise gegen den Artikel 134 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (Kein Bürger darf seinen gesetzlichen Richtern entzogen werden), gegen die auch in der Sowjetzone gültige Kontrollratsproklamation Nr. 3, Artikel 111 (Sondergerichte sind abzuschaffen, ihre Wiedereinsetzung ist verboten) und gegen viele Paragraphen der auch in der Sowjetzone gültigen Strafprozeßordnung vergangen haben. Sie haben sich damit eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit (Kontrollratsgesetz Nr. 10) und der schweren Rechtsbeugung nach § 336 des auch in der Sowjetzone gültigen Strafgesetzbuches schuldig gemacht.
Bis jetzt hat der Untersuchungsausschuß mehr als 30 solcher Anklageschriften zusammengestellt und den Beteiligten übersandt. So ist der Präsident der sogenannten Volkskammer, Dieckmann, der zugleich sächsischer Justizminister ist, der Festhaltung haftunfähiger Personen in Gefängnissen und der Androhung eines Mißbrauches seiner Amtsgewalt beschuldigt worden. Andere Anklageschriften richten sich gegen die Sowjetzonenminister Selbmann, Loch und Bechler, gegen den Schwiegersohn von Pieck, Polizeigeneral Staimer, und gegen den Vorsitzenden der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle der Deutschen Demokratischen Republik, Fritz Lange. Allein die Anklageschrift in Sachen „ Waldheim-Prozeß“ enthält die Namen von 41 hohen Polizeibeamten, Richtern und Staatsanwälten. Wie schon am Beispiel Dieckmanns zu sehen ist, halten sich die Anklageschriften an Tatsächliches, verzichten auf Propaganda und Demagogie und verlangen nur die Befolgung des in der Sowjetzone geltenden Rechtes.
Die Wirkung eines solchen Vorgehens kann man sich leicht vorstellen. Keiner, auch der linientreueste SED-Mann nicht, weiß, ob er nicht eines Tages „türmen“ muß. Dann empfiehlt es sich, eine saubere Weste zu haben, damit man nicht in Westdeutschland unter Anklage gestellt wird. Zwei Fälle dieser Art sind in letzter Zeit bereits vorgekommen. Die Volksstaatsanwälte Ostrowski aus Potsdam und Perscheid aus Gera sind geflüchtet; gegen beide liegen jedoch Anklageschriften vor. Solche Erfahrungen schrecken. Und damit wird mittelbar der unterdrückten Bevölkerung Mitteldeutschlands eine Rechtshilfe aus dem Westen zuteil, die mindestens der ebenbürtig ist, die die offizielle gerichtliche Verteidigung heute in der Sowjetzone zu bieten vermag.
Die Mitarbeiter des unterirdischen Untersuchungsausschusses sitzen in allen höheren Dienststellen und Gerichten der Sowjetzone. Sie wissen einer vom anderen nichts. Sie bilden wahrhaft eine Verschwörung der Rechtlichen. Nichts entgeht ihnen, was an Unrechtem geschieht. So hat der Untersuchungsausschuß die Möglichkeit, auf schriftlichem Wege die Beamten der Sowjetzone zu mahnen, ihnen Fingerzeige für die rechtliche Anwendung der Gesetze zu geben, ja, am gleichen Tage, an dem in der Sowjetzone Gesetze verkündet werden, die Kommentare dazu zu liefern. Man darf unter den geschilderten Umständen den Männern des Untersuchungsausschusses glauben, daß mancher Volksrichter und Volksstaatsanwalt in West-Berlin vorspricht, um sich dort einen Rat zu holen, und daß dadurch in der Sowjetzone bis jetzt einige 1000 Jahre weniger an Freiheitsstrafen verhängt worden sind.
Die Anklageschriften laufen vorläufig unter der unverbindlichen Firma „Untersuchungsausschuß“. Zur Zeit überlegt man sich in Bonn, was man mit dem vom Untersuchungsausschuß gesammelten Material anfangen soll, und ob man in Westdeutschland überhaupt ein Verfahren auf dieser Grundlage eröffnen kann. Dabei kennt unsere Strafprozeßordnung, die in beiden Teilen Deutschlands gilt, sehr wohl den „Gerichtsstand des Ergreifungsortes“. Doch soll er, wie man hört, in der neuen Strafprozeßordnung abgeschafft werden. Das wird Bonn noch sorgsam überlegen müssen. Soll es diesen Widerstandskämpfern im besten Sinne des abgegriffenen Wortes nicht besser ergehen als den Emigranten von 1933 bis 1945, die sich damit begnügen mußten, Reden zum Fenster hinaus zu halten?
Bundeskanzler Dr. Adenauer wird am kommenden Sonntag an den Hauptfeierlichkeiten des Deutschen Katholikentages in Passau teilnehmen.
Die „freiesten Wahlen“
*** Die Sowjetzone hat zum 15. Oktober Wahlen ausgeschrieben. Nach der Verfassung, die sich die „Demokratische Volksrepublik“ gegeben hat, müssen diese Wahlen völlig frei nach demokratischen Grundsätzen vorgenommen werden. Die Sozialistische Einheitspartei der Sowjetzone, die im kommunistischen Fahrwasser schwimmt, weiß genau, daß sie bei freien Wahlen eine vernichtende Niederlage erleiden würde. Daher hat sie mit Hilfe der sogenannten „Nationalen Front“ unter Bruch der Verfassung eine Einheitsliste aufgestellt, auf der nur Namen erscheinen, die der Sozialistischen Einheitspartei genehm sind.
Nun soll aber doch bei den Wählern der Eindruck erweckt werden, als handele es sich trotz allem um „freie Wahlen“. Die sowjetamtliche „Tägliche Rundschau“ hat die Aufgabe erhalten, den Wählern glaubhaft zu machen, die Oktoberwahlen in der Sowjetzone würden sogar „die freiesten Wahlen sein, die Deutschland jemals erlebt hat“. Ihre Beweisführung ist sehr eigenartig. Nach der „Täglichen Rundschau“ werden die Wahlen nämlich frei sein von jeder Kriegs- und Anti-Sowjethetze, frei von jeder Demagogie gegeneinander hetzender Parteien, frei von jeder Bestechung durch Wahlschmiergelder des Monopolkapitals und frei von jedem Druck und Terror ausländischer Fronvögte.
Wenn ein deutsches Land einen Fronvogt hat, so ist es die Sowjetzone, nur daß ihre Machthaber die Russen als ihre besten und wohlwollendsten Freunde bezeichnen. Im übrigen hätte die „Tägliche Rundschau“ besser gesagt, die Wahlmethode sei frei von allem, was die Entscheidungsfreiheit des Wählers ausmacht. Er kann nicht einmal seinen Stimmzettel in einer geschlossenen Zelle abgeben, ja auf dem Stimmzettel befindet sich keine Möglichkeit, ein „Nein“ einzuschreiben.
Selbst diese Vorsichtsmaßnahmen geben der „Nationalen Front“ und der Sozialistischen Einheitspartei noch keine genügende Gewähr dafür, daß die Wahl so verlaufen wird, wie sie es wünschen. Generalsekretär Walter Ulbricht hat jetzt vor dem Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei gefordert, daß sich die Belegschaften der Betriebe in der Sowjetzone noch vor den Wahlen unterschriftlich für das Wahlprogramm und die Einheitsliste der „Nationalen Front“ erklären sollen. Mit welchem Druckmittel solche „freiwilligen“ Unterschriften und Erklärungen erzielt werden, braucht nicht näher erläutert zu werden.
Die freie Welt hat sich noch keiner Täuschung darüber hingegeben, was von Wahlen unter einem totalitären System zu halten ist. Auch der „Nationalen Front“ der Sowjetzone wird es nicht gelingen, ihr Sand in die Augen zu streuen.
Südhessen will aufholen
Von Fritz WalterSo gleichmäßig die kommunale Ver-Verwaltung des Landes Hessen auf der Unterstufe, also in den Städten, Gemeinwaltung des Landes Hessen auf der nächst höheren Stüfe klafft sie auseinander. In den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden sind die Kommunen in körperschaftlichen Verbänden zusammengefaßt, die der Selbstverwaltung einen breiten Raum gewähren und in den langen Jahrzehnten ihres Bestehens eine ebenso ersprießliche und gedeihliche wie bedeutsame Wirksamkeit entfaltet haben. Der Süden des Hessenlandes dagegen, der Regierungsbezirk Darmstadt, entbehrt einer solchen Organisation, hat schon oft genug Veranlassung gehabt, diesen Zustand als nachteilig zu empfinden und scheint erst jetzt entschlossen zu sein, dem Mangel abzuhelfen.
Damit ist nicht gesagt, daß die Landkreise in Südhessen bisher lediglich in loser Form nebeneinander gewirkt und sich lediglich auf die Erfüllung kreiseigener Aufgaben beschränkt hätten. In der Erkenntnis, daß, wie die Kreisgrenzen auch laufen mögen, gewisse Gebiete auf ein gemeinschaftliches Zusammenwirken angewiesen sind und lebenswichtige Aufgaben nicht ohne verbandsariigen Zusammenschluß gelöst werden können, haben die südhessischen Kreise eine Anzahl von Zweckverbänden gebildet, die, jeder auf seinem Fachgebiet, beachtenswerte Arbeit geleistet und, innerhalb ihres begr zten Rahmens, den Kommunalverband ersetzt haben. Ma. braucht diesbezüglich nur an die Wasserversorgung zu denken. Daß beispielsweise Jer Kreis Dieburg mit Betonung erklären kann, es dürfe „ru'-ig einmal sechs Monate nicht rege . i, und man werde no~h immer niTit über Wassermangel zu jammern brauchen“, hat er seinem umsichtig geleiteten und völlig unbürokratisch arbeitenden Wasserwerks-Zweckverband zu verdanken. In d . kommunalen Forstwirts/ Mt und auf Teilgebieten der landwirtschaftlichen Kor munalaufgaben gibt es ähnliche Zus mmenschlüsse.
Die andere Seite
Es ist also durchaus nicht so, als ob die Verhältnisse im Regierungsbezirk Darmstadt förmlich nach der Errichtung eines Kommunalverbandes „schrien“; aber bei aller Würdigung der kommunalen Zweckverbände und ihrer Bedeutung läßt sich nicht verkennen, daß sie, auf weitere Sicht betrachtet, ein bloßer Behelf sind. Denn wo es gilt, die Gesamtheit der kommunalen Bezirks-Interessen nicht vor der Landesregierung, aber vor dem Hessischen Landtag zu wahren, sind sie ohnmächtig und müssen sie versagen. Und diese Interessen sind weitläufiger als wahrscheinlich die meisten annehmen. Man braucht nur auf den Etat der Landesregierung zu sehen, genauer: auf die Art, wie die Landes-Einkünfte auf die einzelnen Regierungsbezirke verteilt werden. So sehr sich auch die Abgeordenten in den Ausschüssen wie im Plenum um eine möglichst gerechte Verteilung der Landesmittel bemühen: die Regierungsbezirke Wiesbaden und Kassel genießen hierbei, ausweislich der Endeffekte, stets einen deutlich sichtbaren Vorzug. Warum? Sie besitzen in ihren Kommunalverbänden ein Instrument, das schon durch sein bloßes Vorhandensein, namentlich aber durch seine Funktionen wirkt —, ein Instrument insbesondere, das der Landes-
regierung die Erfüllung ihrer Aufgaben wirksam erleichtert und dessen sie sich um so lieber bedient, als sie dessen weitgehende Verläßlichkeit und Vertrauenswürdigkeit, nachgewiesen in vielen Aktenbündeln, ständig vor Augen hat.
Es geschieht also fast automatisch, daß in den Nachweisungen über die Verteilung der Landesmittel für die Bestreitung von Kommunal-Aufgaben, genauer: für die Erfüllung staatlicher Auftrags-Angelegenheiten, der Regierungsbezirk ohne Kommunalverband, Darmstadt, gegenüber den beiden anderen, Wiesbaden und Kassel, zurücksteht. Die Landeshauptleute und Landesräte, die an der Spitze dieser Kommunalverbände stehen, im Zusammenwirken mit ihren Kommunal-Landtagen und Landesausschüssen, stellen ein Kraftfeld dar; sie sind Körperschaften, die für die Wahrnehmungbestimmter kommunaler Belange errichtet sind und ihren Pflichten mit aller wünschenswerten Tatkraft nachkommen. Ihnen hat der Regierungsbezirk ohne Kommunal-Verband nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.
Nachteilige Folgen
Es kann und soll nicht behauptet werden, daß die Regierungsbezirke Wiesbaden und Kassel etwa auf Kosten von Darmstadt ungebührlich bevorzugt oder daß Darmstadt von der Landesregierung zurückgesetzt würde. Aber so paritätisch man auch in Wiesbaden, bei der Regierung wie im Landtag, vorzugehen sucht: Südhessen kann sich erhebliche Minderbeträge an Finanzzuweisungen ausrechnen. Was beispielsweise Südhessen für seine Tuberkulosen -Fürsorge erhält, ist ein bloßer Bruchteil dessen, was dem Regierungsbezirk Wiesbaden zufließt, wobei zwar in Rechnung zu stellen ist, daß dieser Bezirk im Hinblick auf die unbestreitbare Bedeutung von Wiesbaden als Kur- und Bäderstadt von internationalem Rang einer erhöhten und für alle Bedürfnisse ausreichenden Tuberkulosen-Fürsorge bedarf, daß aber andererseits auch nicht so getan werden kann, als mache eine Volksseuche wie die Tuberkulose ar. den Grenzen eines Regierungsbezirks Halt.
So umfassend und wirksam ferner im Bereiche des Kommunalverbandes die Fürsorge für Hilfsbedürftige aller Art organisiert ist und so vortrefflich sie — entgegen mancher und nicht immer begründeter Bemängelung — arbeitet: dem Regierungsbezirk Südhessen-Darmstadt ist es bis heute noch nicht gelungen, ein eigenes Alters - und Pflegeheim zu schaffen, wiewohl dessen Notwendigkeit nicht gut bezweifelt werden kann. (Der Kommunaiverband Wiesbaden besitzt in Schloß Dehrn eine derartige Anstalt, in der einige hundertachtzig Frauen, meist ostvertriebene, eine wohnliche und anheimelnde Unterkunft gefunden haben.)
Am empfindlichsten sieht sich der Regierungsbezirk Darmstadt auf dem Gebiete des Straßenbaus ins Hintertreffen versetzt. Reicht seine verkehrspolitische Bedeutung auch nicht an den Regierungsl¬ - Wiesbaden heran, so ist doch auch in Südhessen ein beträchtlicher Teil der Volkswirtschaft vom guten Zustand der Staats- und Kreisstraßen abhängig. So deutlich und unverkennbar in allen Landkreisen von Südhessen dem Besucher das eifrige und tatkräftige Bestreben der Landräte und ihrer Kreisausschüsse entgegentritt, ihre Straßen bestmöglich in Ordnung zu bringen: mit den Verhältnissen im Bereiche des Kommunalverbandes Wiesbaden halten sie keinen Vergleich aus und können sie nicht wetteifern.
Die letzte Ursache ist auch hier dieselbe: Es gibt im Bereiche der kommunalen Selbstverwaltung eine Fülle von Aufgaben, denen die Stadt- und Landkreise, auf sich selbst gestellt, nicht gewachsen sind noch sein können. Um diese Aufgaben zu erfüllen, muß ein leistungsfähiger Verband vorhanden sein, der nur in Gestalt eines Kommunal-Verbandes nach dem Muster von Wiesbaden und Kassel zu schaffen ist.
Dabei braucht man nur an die Gegenwart zu denken und kann man die naheliegende Wahrscheinlichkeit, daß sich den bisherigen Aufgaben dieser Verbände in Bälde noch weitere zugesellen werden, einstweilen außer Betracht lassen.
Aber die Kosten...
Die Kostenfrage ist vielleicht das unrühmlichste Kapitel der ganzen Angelegenheit. Nach einer wesentlich anderen Seite hin allerdings, als man vielleicht denken wird.
Es ist den „Nein“-Sagern in Südhessen vollauf beizupflichten, wenn sie sagen, daß sie genug und übergenug haben von Behörden, von Bürokratie und von Steuern. Und es spricht durchaus für sie, wenn sie erklären: „Anstelle von Verwaltungsgebäuden mit Dutzenden von Amtsräumen und Vorzimmern, Schreibtischen und Bürodamen schafft liebel' Wohnungen für die Vertriebenen ...!“
Was sie bei ihrer Opposition vermissen lassen, das ist lediglich das Wissen um das Einfachste: Daß ein „ Kommunal-Verband“ auch für ihren Regierungsbezirk zwar nicht in aller Rechtsform, so doch in Wirklichkeit bereits besteht und daß sie hierfür Jahr für Jahr ungemein hohe Summen zu bezahlen haben und bezahlen: An den Landesfürsorgeverband zunächst, überhaupt in Gestalt der Bezirksumlage. Der einzige Unterschied gegenüber den Regierungsbezirken mit effektiven Kommunal-Verbänden besteht lediglich darin, daß sie von ihren Beiträgen nicht viel haben, jedenfalls lange nicht so viel wie die beiden anderen Bezirke.
Aber ungeachtet aller Opposition: Die Dinge sind in Fluß geraten, wie uns aus den Kreisen der Landräte in Südhessen versichert wird. Daß es im Hinblick auf diä Herbstwahlen nicht ratsam ist, die Entschlüsse zu überstürzen, braucht nicht betont zu werden; es ist selbstverständlich. Nach den Wahlen wird man, wie zu erwarten ist, mit aller Energie daran gehen, um für Südhessen denselben kommunalrechtlichen Zustand zu schaffen, wie er sich in den beiden anderen Regierungsbezirken vorteilhaft und überzeugend bewährt hat.
Stimmen der Inderen
Einheit Europa - Afrika
Der „Sozialdemokratische Pressedienst“ schreibt:
„Bevölkerungs-, wirtschafts- und machtpolitische Sorgen haben schon öfter zu Ueberlegungen darüber geführt, ob und wie es möglich sei, den afrikanischen Kontinent unmittelbar in den europäischen Lebensraum einzubeziehen.
Afrika, das den drittgrößten geschlossenen Landraum der Erde darstellt, hat nur etwa 145 Millionen Einwohner. Das sind nicht mehr als 7,2 Prozent der Gesamtbevölkerung der Erde. Führende Männer der geographischen Wissenschaft haben aber die Bevölkerungs-Aufnahmefähigkeit Afrikas mit fast 600 Millionen errechnet, was annähernd 30 Prozent der Bewohner des Erdballs entsprechen würde. Afrika ist auch wirtschaftlich in seinen Möglichkeiten ein gewaltiges Objekt. Es gibt kaum ein Metall, das nicht in Afrika zu finden wäre, darunter auch das für die Atomwissenschaft so wichtige Uran, von dem allein das Kongogebiet mehr hat als alle nicht im sowjetischen Einflußbereich liegenden Länder zusammengenommen. Afrika hat die größten Phosphatvorkommen der Erde, und es fehlt nicht an Kohle, Bauxit und Petroleum. Die afrikanischen Wasserkräfte sind nicht viel kleiner als die Wasserkräfte aller übrigen Erdteile zusammengenommen. — Afrika versorgt den größten Teil der Welt mit Kakao und Speiseöl, und es ist bekannt, daß auch Kaffee und Tee, Weizen, Reis und Mais, Südfrüchte aller Art und Tabak auf afrikanischem Boden gedeihen. Afrikanische Baumwolle besitzt Weltruf, und afrikanische Wolle und afrikanischer Sisalhanf fehlen auf den Weltmärkten nicht. Und schließlich ist Afrika in der Lage, den fehlenden Fleischbedarf Europas zu decken.
Angesichts solchen Reichtums ist das Weltinteresse verständlich, das dem 1928 von dem Münchener Baumeister Sörgel veröffentlichten Projekt begegnete, den Spiegel des Mittelmeers durch Abriegelung der Straße von Gibraltar gegen den Atlantischen Ozean zu senken. Das yzürde nicht nur eine Vergrößerung der Landbrücke zur Folge haben, sondern eine Neulandgewinnung größten Stils bedeuten, wobei Sörgel gleichzeitig auf eine Bewässerung der Sahara abzielte.
Zwar sind die Schwierigkeiten aller Art zur Erschließung des dunklen Kontinents nicht geringer als seine Möglichkeiten; man denke nur an die entscheidende Frage der Erträglichkeit des afrikanischen Klimas durch Europäer. Aber die Uebervölkerung Westeuropas läßt das Problem Afrika nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Unter diesem Aspekt hat die Idee der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Einheit Europa — Afrika durch das vom Schumanplan erhoffte große Wirtschaftsvolumen Westeuropas neuen Akzent und frischen Auftrieb örhalteh.“
Eine Botschaft des Papstes
Passau, 29. Aug. (dpa). Papst Pius XII. hat in einem Schreiben an den Bischof von Passau eine Botschaft an den Deutschen Katholikentag in Passau gerichtet, in der er den Beteiligten den apostolischen Segen erteilt. Die Kirche erhoffe für den Katholikentag, der sich die Förderung des inneren religiösen Lebens zum Ziel gesetzt habe, den besonderen Beistand des Heiligen Geistes.
Unsereiner wird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER33) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
Er geht ruhig, bis er die Treppe erreicht. Dann beginnt er, sie munter hinunterzuspringen, und dabei merkt er, daß er Mary und Begger in dem großen Wagen dort unten lustig zuwinkf. Er schlüpft neben Beggers Sitz. „Es ist alles in Ordnung", ruft er leise. „Alles, bis auf Papa.“
„Vielleicht ist er im Hotel, wenn wir jetzt dorthin kommen“, hofft Mary. Begger rast, was er kann. Die Uhr ist achtzehn.
Frau Steen triff ihren Kindern mit bleichem Gesicht entgegen. Ohne Zweifel hat sie geweint. Gewiß ist sie jetzt wieder nahe daran, es zu tun. Aber wenigstens ist sie heute zum ersten Male ohne die große, sehr dunkle Brille. „Ich habe ein solches Unglück vorausgealmt“, sagt sie. „Ich bin eine geschlagene Frau, und das Leben wird von Woche zu Woche schwerer.“
Knut schüttelt den Kopf. „Was soll das, Mama?“ tadelt er. „Was wir jetzt wissen müssen, hat nichts mit Ahnungen zu tun. Wieviel Geld hat Papa bei sich?“
Eva Steen seufzt... „Nach meiner Rechnung können es nur fünfzig Kronen sein", antwortet sie, mit einem schmerzlichen Blick zu Boden.
„Großartig“, ruft Knut. „Großartig, daß du trotz deines Schmerzes schon seine Sachen durchsehen konntest. Und großartig, daß Papa so wenig Geld mithat.“ Eva Steen weint nun wirklich. „Wäre es nicht besser, er liefe nicht so nahezu mittellos umher?“ schluchzt sie.
Mary sitzt still am Schreibtisch. Sie scheint einen Brief bekommen zu haben, reißt den Umschlag auf und liest, aber Knut hat keine Lust, sie dabei zu beobachten.
Mary sieht auf. Sie läßt es zu, daß Knut ihren Bück findet. Und dieser Blick ist ruhig, nicht besonders erwartungsfroh. aber ruhig. Sie will auch antworten, scheint es Knut.
Aber es klopft an der Tür.
Es sind fünf ganz fremde Männer, die in den Salon treten und ihre Hüte abnehmen. Sie bleiben in der Nähe der
Tür und der ältere unter ihnen verneigt sich. „Sie sind Herr Steen junior, nicht wahr?' redet er Knut an.
„Ja.“
„Miels schickt uns, damit wir uns Ihnen vorstellen“, erklärt der Herr freundlich. „Wir sind die neuen Manager.“
„Gut, einen Augenblick“. Knut nimmt eine Zigarette, um schneller riachdenken zu können, um womöglich sogar auf eine Idee zu kommen, die er bisher garnicht hat. „Wollen Sie ein paar Punkte notieren?“ fragt er freundlich.
Donnerwetter! Zugleich mit dem neuen Chefmanager reißen auch die anderen vier Herren Notizblocks aus der Tasche.
„Lassen Sie Begger und den Fahrer meiner Schwester hier im Hotel Wohnung nehmen, damit wir die Wagen ständig zur Hand haben“, sagt Knut. Fünf Bleistifte notieren das.
„Beobachten Sie durch Privatdetektive alle kleinen Hotels, alle Unfallstationen, Obdachlosenheime und Asyle der Inneren Mission“, sagt Knut.
Die Bleistifte eilen.
Knut grübelt. Sein Gehirn glimmt vor Eifer, endlich eine Idee zu haben, irgendeine Idee, mit der etwas Großes zu erreichen wäre.
Papa, oder viel Geld, oder sogar Jo Tompson.
Donnerwefferl Um Himmels willen! Jo Tompson!
„Vor allem aber setzen Sie mir Ihre tüchtigsten Leute auf die Spur einer gewissen Frau Tompson und ihrer Tochter. Schreiben Sie den Namen bitte nicht falsch. Frau Jonas Tompson, Uferstraße vierzehn. Ich möchte sobald und so zuverlässig wie möglich erfahren, wo ehe Tompsons sind.“
Die Bleistifte rasen. „Wir werden uns die allergrößte Mühe geben“, sagt der Chefmanager.
„Das ist auch notwendig“, antwortet Knut. „Sie werden auf große Schwierigkeiten stoßen. Das ist zunächst alles."
■ Die Herren greifen nach ihren Hüten. Sie öffnen sich schon die Tür.
„Noch eine Kleinigkeit", spricht Knut hinter ihnen her. Sie wenden sich um. „Schicken Sie jemanden, der den Mund zu halfen versteht, zur Direktion der Automobilfabrik „Progress“, der Mann soll den Vertrag abholen, der dort für mich liegt.“
Der Chefmanager verneigt sich. Knut lächelt freundlich.
Ich tauge zum Mörder, zum Erpresser, zum Bücherdieb, zum Heuchler, zum Lügenbold, und zum Hochstapler in erstrangigen Hotels, grübelt er, hoffentlich tauge ich auch dazu, Jo Tompson zu heiraten.
Er nimmt seine Wanderung wieder auf. „Du fragtest' vorhin etwas“, sagt Mary leise.
„Ja“, antwortet Knut. „Aber ich habe es mir anders überlegt. Wir werden jetzt endlich Abendbrot essen, und ich fahre dann mit Begger los, zu uns nach Hause. Vielleicht ist Papa wirklich heimgefahren, sein Geld reicht gerade aus. Und ich spreche dann selbst mit Teddy Beer..."
47.
Zwei junge Männer, die Tanks randvoll Benzin und solch einen Wagen! Der Anlaß dieser Fahrt in der Nacht könnte freundlicher sein. Immerhin sucht Knut Steen seinen Vater, einen sehr durchschnittlichen und deshalb jetzt sehr unberechenbar abwägig reagierenden Mann, der eine Menge dummer und alberner, aber auch einige sehr unglückliche Dinge tun könnte.
Knut Steen fährt...
Sie sprechen plötzlich über Jonas Tompson. „Woher wußten Sie eigentlich, daß die Tompsons in der Uferstraße Nummer vierzehn wohnen?“ fragt Knut. „Als ich die Adresse nannte, wußten Sie sofort, daß dort Tompsons wohnen. Dadurch gab es auf der Stelle diesen blöden Krach zwischen meinem Vater und mir. Erinnern Sie sich?“
„Natürlich“, lacht Begger. „Ich kannte die Wohnung, weil ich vor zwei Monaten mal dort war. Ich wollte mir einen Gedichtsband beschaffen, der bei den Buchhändlern vergriffen ist. Tompsons Auflagen waren immer recht klein.'■
Knut überlegt. „Sagen Sie, Begger“, fastet er. „Wie sieht es in der Wohnung aus?“
„Nicht besonders, eigentlich", Begger spricht vorsichtig. „Es ist eine kleine, einfache Wohnung und es gibt nicht viel Möbel dort. Sie sind auch ziemlich alt und simpel, aber natürlich sauber."
Knut nickt. „Tompsons kleine Auflagen haben anscheinend nicht viel Geld gebracht“, folgert er. „Es ist ein Jammer, daß die Leute nicht dahinter kommen, was ein Gedicht wert ist, wie ungeheuerlich viel es wert ist.“
Begger räuspert sich. „Ja, und vor allem war Tompson krank“, sagt er. „Ich hö te von seiner Frau, daß er wohl zehn Jahre krank war, ehe er starb."
~Was fehlte ihm?“
„Eine ganz dumme Sache, ein Darmgeschwür, das immer wieder aucbrach und ihm viel Kraft wegnabm“, antworte Begger. „Sie fahren übrigens gut, siebenunddreißig Kilometer in dreißig Minuten."
Knut schweigt. „Meinen Sie, daß die Tompsons jetzt Not leiden?“ fra_gf er dann.
„Wahrscheinlich nicht“, urteilt Begger. „Ich möchte sagen, daß es ihnen vielleicht jetzt sogar besser geht als zu Tompsons Lebzeiten. Die Tochter arbeitet. Frau Tompson näht für ein Geschäft, und ich hörte von ihr, daß in den letzten Jahren zwei Gedichtbändchen ihres Mannes nachgedruckt worden sind."
„Was kann Frau Tompson dafür bekommen haben?“ fragt Knut schnell.
„Zehn Prozent des Ladenpreises ist die Norm“, antwortet Begger. „Für tausend Tompsonbändchen macht das... Augenblick mal... dreihundert Kronen.“
„Oh“ sagt Kurf. Begger schweigt.
Knut jagt eine Steigung hinauf. Nach einer Stunde hat er sechsundsiebzig Kilometer geschafft. — Begger löst ihn am Steuer ab.
„In einer Viertelstunde sind wir da“, überlegt Knut. „Ich meine, daß wir möglichst schnell vor unserem Hause vorfahren sollten, damit mein Vater uns nicht ausreißen kann, wenn er dort ist."
Sie fahren in die kleine Stadt ein...
Knut bedient die Winker, Begger knausert mit den Sekunden und mit den Zentimetern im innersten Rand der Straßenecken.
„Da! Donnerwetter’.“ ruft Knut Steen. „In unserem Hause brennt Licht’."
48.
Wie ein Polopferd auf vorgestemmten Vorderbeinen vor einem Ball stoppt, so bremst Begger den Wagen. Knut springt heraus, er triff gegen die Gartentür, er hat den Schlüssel. Er sticht ihn in das Hausfürschloß, dreht ihn herum.
In der Diele ist Licht
Es riecht nach Zigarren, die sein Vater raucht, nach denen, die Georg J. Steen nur an Sonntagen zu rauchen pflegt.
In der Wohnstube ist es dunkel. Und in der Schlafstube...? Knut stößt die Tür auf...
Knut stemmt die Beine auf. „Wer sind Sie?“ schreit er. Im Bett seines Vaters liegt ein fremder Mann. Er muß bisher ganz friedlich geschlafen haben, mit einem Pullover über dem Schlafanzug und einem dicken Schal um den Kopf.
Er muß diesen Schal erst jetzt abbinden, er muß sich aufrichten. Das Licht stört seine verschlafenen Augen.
„Aber Knut, Sie sollten mich kennen“, lächelt er verlegen. „Inspektor Hicks von der Kriminalpolizei .. .“
„Was ist eigentlich hier los?“ fragt Begger.
Knut grient verdrossen. „Ich vermute daß dieser Mann unser Haus bewacht, weil“ wir eine so prominente Familie sind“, grient Knut, „so aus dem mitte - sten Holz geschnitten und so beispielhaft für die Nation.“
Hicks kommt in Pantoffeln und in einer warmen Hose. Und er bestätigt Knuts Vermutung, nur drückt er sich besser aus. „Sehen Sie, Knut“, sagt ex. „Ich habe meine Ruhe als pensionierter Beamter gerne unterbrochen, als der Stadtpräsident mich darum bat. Es ist uns allen ein unerträglicher Gedanke, daß in Georg J. Steens Wohnung etwas Ungesetzliches geschehen könnte, während er in der Hauptstadt weilt.“
Knut steht auf. „Großartig, Hicks“, sa^t er. „Die Stadt tut wirklich, was sie kann. Mem Vater wird sich freuen. Er wollte, denke ich, mal hier vorbeikommen. Oder sahen Sie ihn schon?“
„Nein , sagt Hicks. „Aber er würde in ich jederzeit auf meinem Posten finden/ —
„Könnten Sie mir fest versprechen, mir sofort ein Telegramm zu geben, wenn er kommt? fragt Knut. „Sehen Sie, ich schreibe Ihnen meine Adresse hier auf Mamas Einkaufstafel am Küchenspind. Ich habe Papa wegen eines Vertrages zu befragen.
.. ®fraWf: „Ich wünsche mir wirklich, für Sie zu tun, was immer ich kann.“ sagt er.
Sie verabschieden sieh von Hicks. Et kommt m.t an den Wagen, er bewundert ihn.
Begger startet (Fortsetzung folgt.)
Noch Streik in Frankfurt
Meinungsverschiedenheit über den Arbeitslohn der Bauarbeiter
29‘ AuBust> Nach übereinstimmenden Berichten der Geim Pm«>w~i,’Ul^ dür Arbeitgeberverbände hat sich am Dienstag die Streiklage S e in Frankfurt gegenüber dem ersten Streiktag nicht verändert.
Die Gewerkschaften haben nochmals erklärt, daß die Arbeiter nach wie vor freiwillig streiken würden, bis ihre Forderungen auf Lohnerhöhung erfüllt worden seien. Demgegenüber glauben die Arbeitgeberverbände, daß eine Lösung, der Lohnfrage im Baugewerbe nur auf Bundesebene, zwischen Regierung und Gewerkschaften, gefunden werden müsse
Die Arbeitgeberverbände unterstützen vollkommen die Forderung der Arbeiter auf Hebung des Realeinkommens Dies könne aber nur durch eine Senkung der Preise erreicht werden. Eine nicht unwesentliche Rolle zur Befriedigung der Ansprüche der Arbeiter könne hierbei eine sofortige Senkung der überhöhten Verbrauchersteuern für Zigaretten und Kaffee spielen. Gerade diese beiden Genußmittel sind nach übereinstimmenden Aussagen vieler Streikenden der Anstoß zu den neuen Lohnforderungen gewesen, da der Arbeiter trotz vieler Ankündigungen der Regierung einen großen Teil seines Wochenlohnes für Rauchwaren opfern muß.
Außerhalb Frankfurts liegen keine geschlossenen Berichte über die Lage auf dem Baumarkt vor. Die Bauarbeiter in Rheinland - Pfalz sollen es abgelehnt haben, noch weiter Ueberstunden zu machen. Während in Nordrhein-Westfalen die Lage im allgemeinen ruhig ist, soll in Köln am Freitag ein Demonstrationszug stattfinden. Die Lage in Niedersachsen ist ungeklärt.
Die Gewerkschaften haben uns am Dienstag bestritten, daß, wie von uns am Montag gemeldet worden war, die Bauarbeiter der Streikaufforderung meist nur zögernd nachgekommen seien. Auch sei es zu keinen Zwischenfällen, insbesondere zu keinen Sachbeschädigungen gekommen. Demgegenüber ergab eine Rundfrage bei Frankfurter Baufirmen, die der Arbeitgeberverband vorgenommen hat, daß es doch bei Streikbeginn zu Zwischenfällen kam. Auf der Baustelle Kaiserstraße 48 wurde eine verschlossene Tür mit Gewalt eingedrückt. Auf der Baustelle Hauptwache wurden zwei Steinmetze von der Firma Winterheld mit Gewalt von Streikenden an der Arbeit gehindert und verprügelt. In der Hanauer Landstraße wollten Bauarbeiter die Arbeit fortsetzen. Streikende, an der Spitze ein Gewerkschaftssekretär, verlangten die Arbeitseinstellung. Auf den Hinweis der Arbeitswilligen, daß der Streik freiwillig sei, erklärten die Streikenden, wenn sie in einer Stunde wiederkämen, würden sie für die Einstellung der Arbeit schon sorgen.
Auf anderen Baustellen in Rödelheim und in Eschersheim rollten ebenfalls Lastwagen mit Streikenden vor und forderten die Arbeitswilligen mit massiven Drohungen zur Arbeitsniederlegung auf. Eine Firma in der Düsseldorfer Straße hatte Polizeischutz beantragt. Den vier Polizisten traten zweihundert streikende Bauarbeiter gegenüber, die auf die Baustelle eindrangen. Um Auseinandersetzungen zu vermeiden, entschlossen sich die Arbeitswilligen zur Arbeitsniederlegung.
Für die Verteidigung Europas
Sondersitzung der Christlich-Demokratischen Fraktion
HGR. Wiesbaden, 29. August. (Eigener Bericht.) Unter Anteilnahme der hessischen Bundestagsabgeordneten der Partei hielt die Landtagsfraktion der Christlich-Demokratischen Union eine Sondersitzung ab. Auf der Tagesordnung standen innen- und außenpolitische Fragen.
Angesichts der gespannten außenpolitischen Lage wurde engste Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung, Bundestag und den Länderregierungen gefordert. Die zu bildende Bundespolizei müsse ein Organ des Bundes werden. Die Länderpolizei, besonders der größeren Städte, müsse verstaatlicht werden. Maßnahmen sollten getroffen werden, vor allem die politische Untergrundbewegung wirksam zu überwachen. Es sei demokratische Pflicht, im Rahmen Europas zu einer Verteidigung des eigenen Landes gebührend Anteil zu leisten. Allerdings seien hier Voraussetzungen zu schaffen, die nicht in eigener Macht stünden. Endlich verlange die Fraktion äußerste Sparsamkeit seitens des Bundes, weil nur eine solche die inneren Beziehungen zur demokratischen Lebensform verbürge.
Weiter stand der ohne die Zustimmung der christlich-demokratischen Fraktion zustande gekommene Gesetzesentwurf über die sozialen Gemeinschaften in der Fassung des wirtschaftspolitischen Ausschusses zur Debatte. Die Fraktion vertritt grundsätzlich die Auffassung, daß für den von der Mehrheit der hessischen Verwaltung angenommenen Artikel 41 ein Ausführungsgesetz geschaffen werden solle. Bevor der Organisationsrahmen für die Ueberführung bestimmter Betriebe in die Gemeinschaft geschaffen werde, müßten zugleich die Rechtsgrundlagen, besonders die Fragen eines Ueberleitungs- und Entschädigungsgesetzes geklärt sein, um nicht Gefahr zu laufen, in Prozesse vor dem Staatsgerichtshof verwickelt zu werden.
Einheitlicher Gedenktag
Wiesbaden, 29. August. (AP.) Der Bundesinnenminister hat den Länderregierungen empfohlen, den Gedenktag für die Opfer des Naziregimes einheitlich im ganzen Bundesgebiet am 7. September zu begehen. Damit solle ein Gegengewicht zu den von der unter kommunistischem Einfluß stehenden Vereinigung der Verfolgten des Naziregims (VVN) für den 9. September in der Ostzone angesetzten Gedenkfeiern geschaffen werden.
Wie ein Sprecher des hessischen Innenministeriums am Dienstag hierzu erklärt, werde Hessen dieser Empfehlung folgen. Im Ministerium sei eine entsprechende Verfügung ausgearbeitet worden, die unter anderem die Bestimmung enthalte, daß die VVN zu den Gedenkfeiern nicht zugelassen werden soll, da sie keine Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes mehr darstelle.
Keine Veranstaltungsräume
für kommunistische Versammlungen
MS Wiesbaden, 29. August. (Eigener Bericht.) Der hessische Innenminister und der Kultusminister hatten alle nachgeordneten Dienststellen, Schulen und Theater angewiesen, in Zukunft keine Veranstaltungsräume an antidemokratische Organisationen und Verbände zu vermieten. Unter die nichtdemokratischen Organisationen fallen nach einer Mitteilung des Ministeriums unter anderem die Kommunistische Partei, „Freie Deutsche Jugend“, der „Demokratische Frauenbund“, die „Nationale Front“, die „Sozialdemokratische Aktion“.
Maßnahmen gegen Kommunisten?
Forderungen des Bundestagsabgeordneten Euler
Eschwege, 29. August, (dpa) Die Freie Demokratische Partei will dem Bundestag einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Entlassung aller der Kommunistischen Partei angehörenden oder nahestehenden Beamten des öffentlichen Dienstes vorsieht. _
Der Landesvorsitzende der Freien Demokratischen Partei in Hessen, Bundestagsabgeordneter August Martin Euler, teilte am Montag auf einer Kundgebung in Eschwege mit, daß nach dem Entwur auch alle der Kommunistischen Partei angehörenden Betriebsratsmitglieder entlassen werden sollen, und daß Angehörigen der Kommunistischen Partei das passive Wahlrecht aberkannt werden soll.
Ferner enthalte der Entwurf strenge Maßnahmen gegen Betriebsinhaber, die die Kommunistische Partei unterstützen. Dabei sei besonders an entschadigungs-Mco TAvanPsenteisnung gedacht.
lose Außerdem werde die Pem°kr " tische Partei bei dem zukünftigen Verfassungsgerichtshof ein Verbot der Kommunistischen Partei in Westdeutsc beantragen. Die Kommunistische , sei keine demokratische Partei, sonder sie stehe im Dienste einer ausland sehen Macht, welche die Beseitigung de mokratie in Deutschland anstrebe.
10 000 Mann Bundespolizei
Erklärung der amerikanischen Oberkommission
Frankfurt, 29. August, (dpa) Stellen des amerikanischen missariats in Frankfurt erwarten,daß die der Bundesrepublik von den WestmacMen genehmigten zehntausend M aUf_ Polizei bis zum Ende dieses J gestellt und organisiert sind.
Es wird betont, daß s ch dm zehntausend Mann nur aus Freiwilligen zusammen^ setzen sollen. Durch eine gründliche Aus bildung sollen sie als Grundstock für ein etwaiges deutsches Verteidigungsorgan zum Schutze der Bundesrepublik dienen. Alle Personen, die sich freiwillig melden, sollen registriert werden. Die Amerikaner glauben, daß sich mehr als zehntausend Freiwillige melden, so daß auf diese zurückgegriffen werden kann, wenn die Zahl später erhöht werden sollte.
Letzte Telegramme
dem Sicherheitsrat
Neuyork, 29. August, (dpa) Unter dem Vorsitz des sowjetischen Delegierten Malik ist der Sicherheitsrat am Dienstag in Neuyork erneut zusammengetreten. Auf der Tagesordnung stehen die Frage Formosa und das koreanische Problem.
Truman an MarArthur
Ein Anerkennungsschreiben
Washington, 29. Aug. (AP.) Präsident Truman hat General Mac Arthur eine Erklärung über die amerikanische Formosa-Politik übermittelt und ihm gleichzeitig seine Anerkennung für die Führung des Krieges in Korea ausgesprochen.
In Washington wird dazu erklärt, der Schritt Trumans habe offenbar doppelte Bedeutung. Einerseits solle Mac Arthur das Verständnis der ganzen Situation erleichtert und zum anderen soll dadurch das Prestige Mac Arthurs im Fernen Osten gewahrt werden.
Deutschland in Helsinki
Lausanne, 29. Aug. (AP.) Der Exekutivausschuß des Internationalen Olympischen Komitees hat am Dienstag empfohlen, Deutschland und Japan zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki zuzulassen.
Wirtschaftsblatt
Um die Marktordnung
bs. In den Reden und bei den Gesprächen auf dem Deutschen Bauerntag 1950 in Mainz wurde immer wieder die Marktordnung verteidigt und weitere Maßnahmen auf diesem Gebiete gefordert. Zu gerne denkt man noch an die Zeiten des Reichsnährstandes zurück. Diese Organisation hatte die Aufgabe, den für den Erzeuger noch auskömmlichen und für den Verbrauchei’ tragbaren Preis zu finden. Marktverbände hatten ein weitgehendes Anordnungs-, Aufsichts- und Eingriffsrecht. Ueber fünf Reichsstellen wurden die Einfuhren gelenkt, damit billige Importe nicht, die vorgesehene Preisbildung stören konnten. Außerdem traten die Reichsstellen auch im Inlandsmarkt durch Kauf. Vorratshaltung und Verkauf auf und wirkten so auf die Preisbildung ein.
Ist es unverständlich, daß viele Landwirte einer für sie so günstigen und weitgehenden Regelung nachtrauern? Man kann auch nicht über Bausch und Bogen diese damalige Ordnung verurteilen, es waren auch bejahenswerte Züge am Reichsnährstand. Nur, muß man so weit gehen? Es ist natürlich, daß all diese Fragen im Zusammenhang mit der Liberalisierung des Außenhandels erneut akut wurden. Die unzweifelhaften Besonderheiten der landwirtschaftlichen Produktion müssen berücksichtigt werden. Man kann auf agrarischem Gebiet nicht genau dieselben Grundsätze anwenden wie auf dem gewerblichen Sektor der Wirtschaft. Die Landwirtschaft liefert dazu nicht nur Nahrungsmittel, sie bietet auch einer breiten Schicht selbständiger Existenzen Raum, sie ist also in jeder Hinsicht ein wichtiger Wirtschaftszweig. Aus diesem Wissen heraus ist auch zu erklären, daß das
Getreidegesetz bei der Abstimmung in Bonn fast einstimmig bejaht worden ist. Der deutsche Bauernverband hat lange um das Getreidegesetz gekämpft. Er hat nicht nur hier sondern auch bei der Milch- und Fettwirtschaft sein Ziel erreicht. Gegenüber den Schutzforderungen des Obst- und Gemüsebaus betonte der Bundesernährungsminister Professor Dr. Niklas in seiner Mainzer Rede, daß die Notlage dieses Zweiges der Landwirtschaft auch durch eine verfehlte Anbaupolitik der vergangenen Jahre bedingt sei. Hier besteht daher die Gefahr, daß durch die Marktordnung ein ungesunder Zustand verankert würde. Zuerst muß man selbst eine Lösung anstreben, bevor man Hilfe vom Staate fordert. Marktordnung in einem gewissen Rahmen ist mit der freien Wirtschaft zu vereinbaren. Vorratsstellen, eine gewisse Zollpolitik und die Verständigung mit der Landwirtschaft über den Zeitpunkt der Einfuhren von landwirtschaftlichen Produkten sind marktkonforme Mittel. Dem vernünftig und weiterdenkenden Verbraucher ist es verständlich, wenn man der Landwirtschaft helfen will —• wenigstens eine gewisse Zeit, damit sie sich den veränderten Verhältnissen anpassen kann. Nur sollte die Landwirtschaft bei ihren Forderungen nach einer Marktordnung darauf achten, daß der Bogen nicht überspannt wird.
Die Zuckerversorgung
zr. Das Bundesernährungsministerium nahm am Dienstag zu den Behauptungen des Landesvereins der bayerischen Süßwarenindustrie Stellung und wies die Vorwürfe, es habe die Zuckerbevorratung vernachlässigt, zurück. Gegenüber der Behauptung der Süßwarenindustrie, im Monat Juli seien nur 63 000 Tonnen Zucker und im August nur 50 000 Tonnen Zucker freigegeben worden, während der monatliche Bedarf 110 000 Tonnen .beträgt' stellt das Ministerium fest, im Monat Juli seien 112 000 Tonnen und im August 95 000 Tonnen Zucker freigegeben worden. Im Monat September würden 110 000 bis 120 000 Tonnen Zucker freigegeben werden. Es sei geplant, bis zum Anfall der eigenen Ernte etwa Mitte Oktober noch 148 000 Tonnen Zucker einzuführen. Davon seien 48 500 Tonnen bereits in Kuba gekauft und verschifft. Weitere 50 000 Tonnen würden Anfang September verschifft werden. Ueber den Rest schweben noch Verhandlungen. Das Ministerium weist weiter darauf hin, daß im Wirtschaftsjahr 1949/50 insgesamt 50 Prozent des Zuckerbedarfs importiert werden mußten, wogegen im Wirtschaftsjahr 1950/51 infolge der größeren Zuckerrübenernte der Einfuhrbedarf wesentlich geringer sein werde.
Osthandel mit Stahl?
BH In letzter Zeit ist die Frage diskutiert worden, ob im Rahmen eines normalen Güteraustausches Ruhrstahl gegebenenfalls auch nach der Sowjetunion und nach Rotchina geliefert werden soll. Alliierte Beamte haben dazu erklärt, daß sie die Fühlungnahme zwischen westdeutschen und russischen Vertretern über einen Warenaustausch, der auch Stahl umfaßt, durchaus für möglich hielten, und daß auf alliierter Seite grundsätzlich Einwände gegen ein Handelsabkommen der Bundesregierung mit der Sowjetunion nicht beständen. Es steht inzwischen auch fest, daß die Bundesregierung sich mit dieser Frage befaßt hat. Trotz eings zunächst erfolgten nervösen Dementis hat sie sich dabei für eine positive Stellungnahme entschieden.
Dieser Standpunkt mag manchem nicht sofort eingehen, läßt sich jedoch durch sachliche wirtschaftliche Ueberlegungen ausreichend begründen. Erstens ist Westdeutschland, auf lange Sicht gesehen, auf den Export gewisser Mengen von Walzstahlerzeugnissen angewiesen, wenn es seine Handels- und Zahlungsbilanz im Laufe der Zeit ausgleichen will. Zweitens sind seit je Rußland und der Südosten und nicht die Stahlländer USA, England oder Belgien unsere Stahlkunden gewesen. Drittens wollen die Russen für Ruhrstahl nicht etwa Tomaten und Apfelsinen, sondern unter anderem Benzin, Mangan, Holz und Getreide liefern. Das bedeutet für die westdeutsche Wirtschaft mindestens ebensoviel wie die „Barzahlung“ der USA, auf die von alliierten Beamten in Frankfurt in dem gleichen Zusammenhang empfehlend hingewiesen wurde.
Im Jahre 1936 war das Deutsche Reich mit ungefähr 15 Prozent seiner Ausfuhr und seiner Einfuhr in den Ländern des jetzigen Ostblocks einschließlich Jugoslawiens engagiert. Noch im Jahre 1938 hat Deutschland für 317 Millionen Dollar an die östlichen Länder geliefert. Nach dem Kriege sind die westdeutschen Handelsbeziehungen in Richtung Osten unter dem Einfluß der unseligen Spaltung zwischen den Siegermächten sehr stark zusammengeschrumpft. Im vergangenen Jahre gingen nicht einmal fünf Prozent der westdeutschen Ausfuhr nach dem Osten. Die Einfuhr von dorther war auf den gleichen niedrigen Prozentsatz gesunken. Alle anderen europäischen Länder aber haben im Verhältnis zu früher ihre Handelsbeziehungen nach dem Osten ausgeweitet.
Unter dem Zeichen der amerikanischen Rüstungskonjunktur liegen heute im Ruhrgebiet erhebliche Aufträge aus den USA und anderen westlichen Ländern auf Stahl vor. Darüber darf jedoch nicht übersehen werden, daß nach einem Abflauen des „Rüstungsbooms“ deutscher Stahl auf dem Weltmarkt den schärfsten Wettbewerb der Engländer, Amerikaner und anderer westlicher Stahlerzeuger treffen wird. Die Aufbauhilfe der Amerikaner, das heißt die Warenlieferungen aus den USA zur Wiederankurbelung der deutschen Wirtschaft, können nicht hoch genug gewertet werden. Trotzdem darf sich, auch in der gegenwärtigen Lage, Westdeutschland handelspolitisch nicht einseitiger festlegen, als es andere westliche Länder tun. Auf die Dauer muß Deutschland danach trachten, handelspolitisch dort eine dauerhafte Verankerung zu suchen, wo auch in Zukunft die wichtigsten Erzeugnisse der deutschen Industrie, Stahl, Maschinen und Chemikalien, gebraucht werden. Westdeutschland ist keineswegs daran interessiert, für eine östliche Aufrüstung Waffen zu liefern. Wei’ jedoch Walzstahl als unmittelbares Rüstungsmaterial bezeichnet und die Ausfuhr unter politischen Gesichtspunkten verbieten will, muß dies mit dem gleichen Recht etwa für Lastwagen oder andere Maschinen fordern und vor allem darauf verzichten, mit seinen Erzeugnissen in das Vakuum im Osthandel hineinzugehen, das durch das Fehlen deutscher Erzeugnisse auf den östlichen Märkten entsteht. Man sollte daher in Westdeutschland ruhig offen über die Wiederanbahnung des Rußlandgeschäftes sprechen und leidenschaftslos jene Fragen behandeln können, die für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands von ausschlaggebender Bedeutung sind. Allem Anschein nach haben die Amerikaner, denen in wirtschaftlichen Dingen ein unbestechlicher Tatsachensinn nachgesagt wird, Verständnis für solche Ueberlegungen. Aber auch in England weiß man sehr genau und viel besser als in Deutschland, daß der Handel mit einem leistungs- und lieferfähigen Partner nicht von dessen politischem Glaubensbekenntnis abhängt. Wer trotz aller Kriegspsychose an den Frieden glaubt, wird seine handelspolitischen Entschlüsse auch auf den Frieden abstellen. Damit bekämpft er nicht nur die Kriegspsychose, sondern begegnet auch der Gefahr, an den Plätzen, auf die sein Handel angewiesen ist, das fatale Schildchen „Besetzt!“ zu finden, wenn der Frieden erhalten bleibt. Und das hoffen wir schließlich alle.
Stahlkapazität beträgt 14,5 Millionen Tonnen
vwd Die derzeitige Stahlquote der Deutschen Bundesrepublik von jährlich 11,1 Millionen t werde am Ende des am 30. September ablaufenden Rechnungsjahres voll ausgeschöpft sein, erklärten Vertreter der Ruhrstahlindustrie am Dienstag. Zu der Äußerung eines amerikanischen Beamten in Frankfurt, daß die Stahlquote des Bundesgebietes in absehbarer Zeit erhöht werden würde, stellte man fest, daß gegenwärtig in der Ruhrstahlindustrie eine Produktionskapazität von etwa 14,5 Millionen t vorhanden sei, die bei Aufhebung jeglicher Produktionsbegrenzung und anhaltend lebhaften Auftragseingängen durchaus zu etwa 90 Prozent ausgenutzt werden können, wenn noch gewisse Investierungen vorgenommen würden. Die Auftragseingänge hätten sich nach einer vorläufigen Schätzung im August auf etwa 2 Millionen t erhöht, gegenüber 1,5 Millionen Tonnen im Juli. An Auslandsaufträgen konnten im August im Interesse der Sicherung des Inlandsbedarfs nur etwa 250 000 t hereingenommen werden gegenüber 433 000 im Juli.
Motorradproduktion gestiegen
F. A. Z. Im ersten Halbjahr 1950 wurden 636 000 Markenfahrräder gegenüber 825 000 in der Vergleichszeit des Vorjahres produziert. Die Produktionsziffer für Markenfahrräder ging zurück, weil der Hauptnachholbedarf für das Gebrauchsrad im Jahre 1949 im wesentlichen befriedigt wurde. Vom Jahresbeginn 1950 an ist ein ständig zunehmender Anteil an besonders hochwertigen leichten Touren- und Sporträdern zu verzeichnen. Bei der Motorradindustrie, die im ersten Halbjahr 1950 über 91000 Motorräder produzierte, ergab sich eine Produktionssteigerung gegenüber dem ersten Halbjahr 1949 von 240 Prozent.
Schrottexport nicht beschränkt
vwd. Behauptungen aus dem Ausland, wonach die deutsche Bundesregierung vertraglich festgelegte Schrottexporte nach den USA sabotiert haben soll, wurden am Dienstag von einem Vertreter des deutschen Schrotthandels scharf zurüdcgewiesen. Die Auslieferung der vereinbarten Gesamtmenge sei schon längst im Gange, man könne aber im Interesse der deutschen Inlandsschrottversorgung diese Menge nicht auf einmal liefern. Das Schrottaufkommen in der Bundesrepublik werde in den nächsten Monaten bei etvza 550 000 Tonnen monatlich liegen, wobei infolge Steigerung der Stahlproduktion stark erhöhter deutscher Schrottbedarf von monatlich etwa 400 000 Tonnen zu berücksichtigen sei. Im August sei das Schrottaufkommen nach einer groben Schätzung überraschend auf 400 000 bis 450 000 Tonnen gesunken, gegenüber rund 600000 Tonnen imVormonat. Die Ursachen dieses Rückganges werden noch untersucht.
Textilumsatz vervierfacht
hd. Der Umsatz der gesamten Industrie in Nordrhein-Westfalen ist, wie das Statistische Landesamt in Düsseldorf mitteilte, vom 1. Halbjahr 1948 in Höhe von 5301 Millionen RM auf 12472 Millionen DM im ersten Halbjahr 1950, also fast auf das Zweieinhalbfache gestiegen. Der Umsatz der Textilindustrie dagegen erhöhte sich in der gleichen Zeit von 434 Millionen RM auf 1868 Millionen DM und erreichte damit das Viereinhalbfache. ■
Verwaltung der Sozialversicherung
hd Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat dem Bundestagsausschuß für Sozialpolitik den Vorschlag gemacht, die Verwaltungskörperschaften der Sozialversicherungen wieder zu zwei Dritteln mit Versicherten und zu einem Drittel mit Arbeitgebern zu besetzen. Diese Aufteilung habe sich in der gesetzlichen Krankenversicherung früher gut bewährt.
Akademie für Welthandel
AP. In Frankfurt ist zur Schließung der durch den Krieg entstandenen Erfahrungslücke die erste deutsche Akademie für Welthandel gegründet worden. Die Akademie, die am 1. November ihre Tätigkeit aufnehmen wird, sieht ohne Abiturzwang eine Ausbildung von sechs Semestern vor und endet mit einem von der Wirtschaft anerkannten Abschluß.
Gurkenfelder werden umgepflügt
dpa Die Gurkenschwemme in den Hauptanbaugebieten der Lüneburger Heide hat jetzt auf dem Höhepunkt der Gemüsemte ein derartiges Ausmaß angenommen. daß sich viele Landwirte gezwungen sehen, die Gurkenfelder umzupflügen oder die Gurken als Schweinefutter zu verwenden. Einige Gemüsehändler haben in den Kreisstädten ganze Lastwagenladungen mit Gurken unter die Bevölkerung verteilt. Nach Mitteilung der Obst- und Gemüseabsatz-Genossenschaften sind die Konservenfabriken infolge Mangels an Konservendosen nicht in der Lage, die Absatzkrise zu beheben.
Bz. Adam Opel AG„ Rüsselsheim a. Main. An Stelle des aus dem A.R. der Adam Opel AG. ausgeschiedenen Robert N. Stevens wurden zu neuen A.R.-Mitgliedern Philip W. Copeliin (Paris) und Lawrence S. Barroll (Stockholm) gewählt.
Uz. Concordia WeinhandelsgeseJlschaft m. b. H., Weinheim a. d. B. Durch Gesellschafterbeschluß ist die Firma aufgelöst und Kaufmann Bernhard Schneider in Weinheim a. d. B. zum Liquidator bestellt worden.
Bz. Starkenburg-Keramik GmbH, in Heppenheim a. d. Bergstraße. Die Gesellschaft ist aufgelöst, da das Konkursverfahren mangels einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Konkursmasse eingestellt wurde. Abwickler ist der bisherige Geschäftsführer Prof. Kurt Herdemerten.
Bj. ABC der Deutschen Wirtschaft Verlagsgcsellschaft mbH. in Heppenheim a. d. Bergstraße. Zu weiteren Geschäftsführern mit Alleinverfretungsbefugnis wurden bestellt: Wirtschaftsprüfer Dr. Egon Koch, Hannover, und Kurt Selka, Kaufmann in Heppenheim a. d. B.
Feuilleton
Begegnung ohne happy end
Von HERMANN STAHLAngela war nicht viel über zwanzig, und da sie nicht sehr auffällig aussah, auch zur Zurückhaltung erzogen war, hatte das Leben ihr noch keine allzu bedeutenden Ueberraschungen angeboten. An einem freien Nachmittag — sie arbeitete im Büro einer Färberei —, saß sie sorgfältig gekleidet in einem großen Cafe der Innenstadt und äugte zu einem eleganten jungen Mann hinüber, doch was sie bald sah, fand sie enttäuschend: er hatte sich offenbar die Adresse einer neben ihm sitzenden Dame, mit der er bestimmt nicht gekommen war, notieren dürfen. Jedenfalls steckte er freundlich redend (ohne etwa bei der Kellnerin vorher bezahlt zu haben) seine Brieftasche oder Geldbörse wieder ein, die Brieftasche natürlich.
Angela hatte ihn interessant gefunden, er sah gut aus in dem hellbraunen Manchesterjackett, vieleicht ein wohlhabender Student? Nun sah sie nicht mehr hin. Fünf Uhr nachmittags, um diese Stunde war das Cafe gut besucht. Angela griff zu einer Zeitschrift, betrachtete die Bilder. Sollte sie gehen?
Plötzlich, unbemerkt war er gekommen, stand „er" neben ihr. Sie sah nicht auf. „Erlauben Sie, Fräulein?“ Eine warme, sympathische Stimme. „Bitte“, antwortete Angela zurückhaltend. Er nahm Platz, sagte: „Ich mußte da einer Bekannten Gesellschaft leisten. Hätte mich gern früher zu Ihnen gesetzt!“ Sie wagte einen flüchtigen Blick und sah ihn lächeln. „Sie sahen mich auch?“, fragte er. Hatte er das Recht, sie auf diese Art zu fragen? Aber vielleicht hatte er die Dame an seinem Tisch wirklich gekannt? Sie legte die Zeitschrift betont langsam fort. „Und wenn? Was wäre dann? Außerdem werden ich gleich gehen“, sagte sie.
Er hatte das strahlende Lächeln eines Filmstars. Es machte sie unsicher. Mußte sie davonlaufen? „Schade“, sagte er, „ich hätte mich gern mit Ihnen unterhalten . . .“ Sie überlegte. „Die rauchige Luft macht Kopfweh“, sagte sie, er antwortete höflich: „Da haben Sie freilich recht“, und lächelte weiter.
„Man muß nicht hier hocken“, sagte sie und sah an ihm vorbei, während sie ihr Geldtäschchen hervorkramte. Er schien bleiben zu wollen. Jedenfalls traf er keine Anstalten zu gehen. Ueberlegend, wartend hielt sie einen Fünfmarkschein in der Hand, die auf dem Tisch lag.
„Hallo“, sagte er leise, neigte sich ihr zu, „was ist das für ein Schein? Kann ich ihn sehen?“ Er griff danach. Sie wunderte sich. „Ein Fünfmarkschein“, sagte sie. Er lachte nur. „Und was für einer!“, sagte er, „ich gratuliere! Weil ich solche Scheine nämlich sammele."
„Das täte ich auch gern“, antwortete sie verstimmt. Mit Geld scherzte man nicht.
Er aber strahlte. „Ich gebe Ihnen den vollen Wert für den Schein“, sagte er und entnahm einem eleganten Portemonnaie einen ziemlich abgegriffenen Fünfmarkschein. „Bitte“, sagte er herzlich. „Ihrer ist nämlich falsch . . .“ Er sagte es leise, taktvoll. Aber sie erschrak furchtbar. Sein Lächeln zerstreute ihre Besorgnisse. „Eine der besten Fälschungen, die es gibt!“, sagte er, „ich hab den Schein lang gesucht!“ Sie war verwirrt und dankbar. Er imponierte ihr. „Aber wie erkennt man so etwas?“, fragte sie. Er hatte ihren falschen Schein bereits eingesteckt.
„Das könnte ich Ihnen in der Sonne genau zeigen“, antwortete er.
Die Kellnerin ging vorüber. Als sie, von Angela gerufen, sich umwendete, erhob sich am Nebentisch ein älterer Herr, der gelangweilt vor sich hingestarrt hatte. Es verschlug Angela den Atem, als er zur Kellnerin sagte: „Kommen Sie ein paar Minuten später!“ Ohne zu fragen, setzte ei' sich zwischen Angela und den jungen Mann, nahm ihr den eingetauschten Geldschein aus der Hand und sagte: „Ein so nettes Mädchen darf nicht mit Falschgeld bezahlen, nicht? Bleiben Sie sitzen, junger Mann, und zeigen Sie mir mal Ihre schöne Geldbörse“, sagte er leise.
Das strahlende Lächeln war verschwunden. Der junge Mann legte lässig, blaß allerdings, das Portemonnaie auf den Tisch. Der Beamte öffnete es. Er zählte den Inhalt, dann sagte er zu Angela gewendet: „Allein an Fünfmarkscheinen sind da elf echte. Den elften gebe ich Ihnen zurück: es ist Ihrer, mit dem Sie bezahlen wollten. Und hier im Nebenfach sind neunzehn, die sogar abgegriffen und verknittert sind — fast echt! Was das bedeute? Daß von dreißig falschen Scheinen bereits elf ausgetauscht wurden, ganz so, wie Sie das eben erlebt haben. Elf mal fünf — ein hübscher Tagesumsatz bis nachmittags halb sechs, nicht wahr?“
Der junge Mann erhob sich und der ältere Herr stand auf und sagte, der junge Mann sei verhaftet und dann verschwanden die Beiden und Angela hatte Herzklopfen. Aber kein Mensch schien etwas bemerkt zu haben. „Fräulein, bitte zahlen“, rief Angela. Es klang traurig.
Franz Pauli: Komposition. Der kaum zwanzigjährige begabte Künstler ist oberschlesischer Flüchtling. Pergamon
Unendlichkeit
VON ALBRECHT GOESWer weiß der Vögel Flug? Und wer den Weg des Windes? Wer folgt dem Wolkenzug, dem Lächeln eines Kindes? Dem Licht im Weizenfeld, dem Fall der Regentropfen, dem Herbstlied aller Welt: Früchte, die niederklopfen. Du würdest arm und alt, eh daß du könnt’st durchdringen die ewige Gewalt in den geringen Dingen.
Sinfonie-Konzerte des Landestheaters
DAS PROGRAMM FÜR 1950/51
Das Landestheater Darmstadt hat nun das Programm seiner acht Sinfonie-Konzerte der Spielzeit 1950/51 bekanntgegeben. Die Konzerte werden wieder montags in der Stadthalle stattfinden und stehen unter der Leitung von Operndirektor Richard Kotz. Eine Konzertmiete für alle acht Abende liegt zu den gleichen Bedingungen wie im vergangenen Jahr auf. Der Anmeldeschluß ist der 9. September.
Gleichzeitig weist das Landestheater darauf hin. daß nach wie vor Bestellungen für alle Theatermieten entgegengenommen werden. Der veröffentlichte Termin vom 26. August bezog sich lediglich auf die Reservierung der alten Platzanrechte.
1. Konzert. Paul Hindemith: Philharmonisches Konzert (1932); W. A. Mozart: Konzertantes Quartett für Oboe, Klarinette, Hom und Fagott in Es-dur (K. V. Anh. I, 9); Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 4 in e-moll, op. 98.
2. Konzert. Bohuslav Martinu: Doppelkonzert für zwei Streichorchester; S. Rachmaninoff: Klavierkonzert in c-moll Nr. 2, op. 18; P. Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 6 in h-moll. Solistin: Monique de la Bruchollerie.
3. Konzert. L. v. Beethoven: Große Fuge; Edouard Lalo: Konzert für Cello und Orchester in d-moll; Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 4. Solist: Paul Tort e - lier.
4. Konzert. Richard Strauß: Don Quichotte; Luigi Boccherini: Konzert für Cello und Orchester in D-dur; Georges Bizet: Sinfonie in C-dur. Solist: Henri Honegger.
5. Konzert. Max Reger: Suite im alten Stil, op. 93; Johannes Brahms: Konzert für Violine und Orchester in D-dur, op. 77; F. Mendelssohn-Bartholdy: Sinfonie in a-moll (schottische), op. 56. Solistin: Karoline Kraus.
6. Konzert. Albert Roussel: Suite in F-dur, op. 33; Schumann: Konzert für Klavier und Orchester in a-moll, op. 54; L. v. Beethoven: Sinfonie Nr. 6 in F-dur (Pastorale), op. 68. Solist: Conrad Hansen.
7. Konzert. Hermann Heiß: Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester (Uraufführung); Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 9 in d-moll. Solisten: Fritz Müller-Gündner. Alfred Fillsack.
8. Konzert. Luigi Cherubini: Ouvertüre zu „Anakreon“; Maurice Ravel: Klavierkonzert: L. v. Beethoven: Sinfonie Nr. 3 in Es-dur (Eroica), op. 55. Solistin: Christine Purrmann.
Beispielhaftes Volkstheater
VON PETER SACHSEEins der schönsten Kapitel der deutschen Theatergeschichte hat das Berliner Rosetheater geschrieben. Leider mit einem traurigen Finale. Es hatte den Bombenkrieg überstanden. Als die Russen die Große Frankfurter Straße im Berliner Norden absuchten, fanden sie im Hof des Rosetheaters alte Gewehrattrappen aus dem Fundus. Sie nahmen sie für blutigen Ernst und steckten das Theater in Brand.
Einmal hatte Josef Kainz hier gespielt, weil er wegen Kontraktbruch für andere Bühnen gesperrt war. Vater Bernhard Rose führte das Haus als rechtes Volkstheater vom Pfarrer vom Kirchfeld bis zum Raub der Sabinerinnen. Sein Sohn und Erbe Paul hatte in Reinhards Deutschem Theater als jüngster Schauspieler angefangen. 1923 wurde er der Direktor des Rosetheaters. Jedes Stück wurde einen
Monat durchgespielt. In jedem Jahr ein Gerhart Hauptmann, Klassiker, gute Moderne, dazwischen auch Operetten. Die Prinzipalin Traute Rose spielte hier wie dort zuweilen die Hauptrolle — eine echte Menschendarstellerin mit einem glasklaren Sopran. (Eben hat sie bei Richard Weichert in Frankfurt mit großem Erfolg die Mutter Wolfen gegeben.) Das Wunder war, daß der teuerste Platz nur 2 Mark kostete. Im Abonnement billiger. .
Der Landgerichtsdirektor aus Berlin W saß neben dem Werkmeister. Es war ein gehobenes Theater ohne Subventionen. Es brauchte keine. Der Dr. Goebbels hat es nie betreten. Nur einmal mischte er sich unter das Publikum eines nördlichen Theaterabends. Das war im Januar 1939, als er nach einiger Ungnade Hitlers Verzeihen wieder erlangt hatte. Nun wollte er sich als Volksmann zeigen. Da tauschte er den wohlgeschnittenen Anzug von dem teuersten Schneider Berlins für ein paar Stunden mit einer abgetragenen SA-Bluse und präsentierte sich in der „Lachbühne“ von Erich Carow, der genialen Klamotte vom Weinbergsweg. Sonst zeigte er sich nur in Logen von Theatern, die von einer halben Million aufwärts vom Propagandaministerium subventioniert wurden.
Wenn Direktor Paul Rose nicht selbst spielte, führte er doch Regie. Klassischen Realismus könnte man seine Kunst nennen. Ein dokumentarisches Stück seiner Feder hieß „Versailles“. Reichsdramaturg Rainei’ Schlösser war es nicht recht. Staatssekretär Dr. Meißner hatte sich erboten, es Hitler vorzulegen. Aber dann wagte er es nicht. Daß die Rolle Italiens 1919 in Versailles historisch wahr zitiert wurde, hätte peinlich sein können. Das Stück kam nicht zur Aufführung.
Der Spielplan und die Aufführungen des Rosetheaters hätten jedem qualifizierten Stadttheater Ehre gemacht. Die Tübinger haben sich 1946 Paul Rose als Intendanten geholt und jetzt die Kasseler. Er ist jetzt 50 Jahre geworden. Bei ihm trifft sich in der Zahl Erfahrung und Praxis, aber weder Kalk- noch Mottenspuren. Wenn es lauter Rosetheaters gäbe, gäbe es keine Theaterkrise. u.
Albrecht Goes in Darmstadt
Albrecht Goes, einer der bedeutendsten deutschen Dichter unserer Zeit, der besonders durch seine Erzählung „Unruhige Nacht“ bekannt wurde, liest heute abend um 20 Uhr auf Einladung der Evangelischen Akademie im Pauluskirchensaal aus eigenen Werken. Goes, der schon vor zwei Jahren auf Einladung des Singkreises, der auch heute abend die Veranstaltung mit einigen Chorliedern umrahmen wird, über Eduard Mörike sprach, las auf dem Essener Kirchentag zweimal vor überfüllten Sälen.
Eine neue Kantate. Die für den Deutschen Evangelischen Kirchentag geschriebene Kantate „O Christenheit — sei hoch erfreut“ von Hans Friedrich Micheelsen, Hamburg, ist am Sonntag auf dem Kirchentag in Essen uraufgeführt worden. Textvorlage ist eine geistliche Dichtung von Rudolf Alexander Schroeder. Die Weise dazu entstand schon 1936. Micheelsen hat die sechs Strophen mit einfachen Mitteln in eine lapidare Musik gesetzt. Jede Strophe zeigt den Cantus firmus in neuer klanglicher und kontrapunktischer Beleuchtung. Für die Aufführung unter Kirchenmusikdirektor Otto Helm, Essen, waren tausend Sänger und fünfundsiebzig Bläser aufgeboten worden.
Diskussion um ein Buch
ZU CURZIO MALAPARTES ROMAN „DIE HAUT“
Mehr als andere Neuerscheinungen hat der Roman „Die Haut“ von Curzio Malaparte, der nun auch in deutscher Uebersetzung vorliegt (Stahlberg-Verlag, Karlsruhe) eine erkleckliche Menge Staub aufgewirbelt. Die römische Kirche setzte das Buch alsbald auf den Index, während sich die Kritik seiner in der wohlwollendsten und in der ablehnendsten Weise bemächtigte, ein Buch also von zweifellos außergewöhnlicher Dynamik. Aus diesem Grunde ist es aber auch unmöglich, zu einer eindeutigen Stellungnahme vorzustoßen, um so weniger als es nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich sein kann, den Standpunkt einzunehmen, von dem aus allein eine Würdigung möglich wäre. Die Geister scheiden sich, ehe die Kritik überhaupt beginnt.
Malaparte schildert die Verhältnisse und Zustände in Neapel, wie sie sich ihm zur Schlacht von Monte Cassino, also zur Zeit der italienischen Befreiung durch die alliierten Streitkräfte darboten. Er schildert Erhebung und Erniedrigung, Taumel und Entsetzen, Hoffnung und Verzweiflung auf dem schmalen Grat menschlicher Katastrophe. Mit einer Offenheit, von der man nicht immer weiß, ob sie eitel oder ehrlich ist, bezieht er die Stellung des Chronisten, der mit dem Auge notiert und mit dem Griffel festhält. Dennoch ist sein Buch nichts weniger als eine Chronik, sondern vielmehr und ganz ausschließlich eine persönliche Impression, womit also die Zwiespältigkeit des Unterfangens bereits aufzublättern beginnt.
Es mag Malaparte unbenommen bleiben, von den Italienern und von sich selbst zu behaupten, der empfindlichste Punkt ihrer Reaktionsfähigkeit sei der männliche Sexus. Man glaubt es ihm ohne weiteres, und von diesem Standpunkt aus wird seine Weise zu sehen (oder besser: sehen zu müssen) durchaus verständlich. In seiner inneren Substanz berührt und ergriffen, enthüllen sich ihm die menschlichen Zusammenhänge aus den erotischen Phänomenen, die in jener Zeit politischer und moralischer Anarchie natürlich noch mehr zutage traten als sonst. Er muß sie zum Angelpunkt seiner Betrachtung machen, weil er mit einer heillosen Sensibilität seiner Nerven und Sinne darüber fällt. Nicht umsonst heißt das Buch „Die Haut“.
Die Haut atmet, lebt, fürchtet sich, ist begierig, will immer aufs neue „heil“ davonkommen. Sie ist das Siegel, die Fahne, die Parole, der Spiegel aller lebendigen Bewegung. Wer das empfindet, wundert sich weder über Obszönitäten und Verirrungen, die letzten Endes doch nur Spielarten der allmenschlichen Situation des In-der-Haut-leben-müssens sind. So bemüht sich Malaparte, in seiner Aufzeichnung menschlich zu sein und ist es gewiß in der Weise, daß seine Haut so überaus empfindlich und präzise registriert.
Auch da, wo es sich nicht um heikle und peinliche Fragen handelt oder um die blutvollen, blutrünstigen, brutalen Wirklichkeiten, wie sie der Krieg allerorten und allseits enthüllt, lebt die Darstellung Malapartes von der Eindrucksfähigkeit seiner Haut. So kommt es, daß man dieses Buch mehr schaut und schmeckt und spürt als liest. Jede Szene, wie immer sie auch inhaltlich geartet sein mag, quillt übel’ von Sinneneindrücken stärkster Leuchtkraft, glühendster Verdichtung, erregendster Spannung. Darin liegt der persönliche Stil des italienischen Schriftstellers: Er transponiert seine Wahrnehmungen in eine Sprache, die diese Wahrnehmungen nicht nur schildert, sondern schlechthin ausdrückt, ausfüllt und bedeckt. Man mißversteht Malaparte, wenn man ihn als Chronisten des Dekadenten bezeichnet, ebenso gut könte man ihn einen Verteidiger der warmen, menschlichen, brüderlich verbindenden Haut nennen, die durch alle Dekadenz hindurch atmet und lebt und der ein jeder rührend hilflos preisgegeben ist.
Oder preisgegeben zu sein scheint. Zweifellos mit demselben Recht darf man von dem Gegenteil überzeugt sein, und es gibt gewiß viele Menschen, die überhaupt keine Veranlassung in sich fühlen, das offenbarte Primat der Haut für sich in Anspruch zu nehmen. Hier scheiden sich die Geister, und Malaparte irrt gewiß, wenn er annehmen sollte, alle seien in gleicher Weise mit dieser durchlässigen Haut geboren und müßten deshalb die Welt so wie er sehen. Die Erfahrung lehrt das Gegenteil. Unendlich viele wenn sie das lesen wenden sich mit Grauen ab, nicht aus moralischer Entrüstung, sondern aus gefühlsmäßiger körperlicher Abwehr. Mit allen Kräften eben dieser ihrer Haut wehren sie sich gegen das abscheuliche Ansinnen, sich in diesen abstrusen Verhältnissen selbst gespiegelt zu sehen, sie tun es, weil sie tatsächlich keinen natürlichen Bezugspunkt finden. So ist das Buch z. B. für jede Frau mit gesunden Instinkten eine glatte Zumutung. Darf man sie überhaupt in die Verlegenheit bringen, mit den Augen eines Mannes sehen zu müssen? An dieser Stelle mag die Ueberlegung der katholischen Kirche einsetzen. Ob gut oder schlecht: Dies Buch legt nur die halbe Wahrheit bloß und wahrscheinlich nicht einmal diese, sondern lediglich die Wahrheit, wie sie ein einzelner Mann sieht, der so wenig aus seiner Haut kann wie irgendein anderer. Daß er einen Ausschnitt der allmenschlichen Landschaft betrachtet und von seinem Standpunkt auch begreift, steht außerhalb eines jeden Zweifels. Das mag auch gelten. Aber der Griff ms Grundsätzliche ist mißglückt. Der Versuch bleibt im Allzupersönlichen stecken.
Unter der Leselampe
„Denn sie sollen getröstet werd e n“, Alan Patton (Titel des englischen Originaltextes: „Cry, the beloved country“), übersetzt von M. Hackel, erschienen im Wolfgang-Krüger-Verlag GmbH., Hamburg, 330 Seiten.
Alan Patton kennt Land, Städte und Menschen Südafrikas aus eigenem Erfahren und Erleben. Daher gibt sein Werk unmittelbare Gegenwärtigkeit, die auch in der Uebersetzung nicht verliert.
Die sonnendurchglühte Weite, das ausgedörrte, hilflose Acker- und Weideland und die Armut der Dörfler, daneben die Stadt des Goldrauschs, der Streiks, des Elends und des Luxus, des Verbrechens und der Mission, Johannesburg — heute, erstehen mit ihrer spannungsgeladenen, von drängenden und bedrohenden Problemen erfüllten Atmosphäre durch das erschütternde Schicksal des alten Priesters Stefan Kumalo — ein einzelnes Schicksal, das doch sogleich symbolisch verstanden wird für die zahllosen ähnlichen jener Welt der Schwarzen, die von den Weißen zerstört, aber nicht zu neuer, menschenwürdiger Ordnung gebracht wurde.
In diesem Buche wird nicht geplaudert und nicht gemalt. Es spricht mit der ursprünglichen Würde des einfachen, sinnend nach außen und nach innen schauenden Menschen, der den Gründen furchtbaren Geschehens nachsucht, der im Zerspellen der Lebensordnung das Entsetzen erfährt und inmitten der Qual die einzige Menschengewißheit findet: „Schmerz und Kummer sind ein Geheimnis. Güte und Liebe sind ein Geheimnis. Aber ich habe erfahren, daß Güte und Liebe den Schmerz und den Kummer aufwiegen können ... “
So wird aus Gram und Not im wechselseitigem Helfen der Schwarzen und Weißen ein schmaler Weg gewonnen, der weiterführt und wider das namenlose Leid ein Tröstliches erweist: das aufrichtige menschliche Miteinander und den Dienst an der Erde, die alle trägt. Die Spannung auch des äußeren Geschehens in diesem Buche wächst aus den seelischen Vorgängen —, ein Roman, der die Probleme auch der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse vom menschlichen Herzen her faßt und darstellt, und darum ein Buch wahrhafter, tiefgründiger Humanität, mit dem man sich lange noch innerlich beschäftigt, wenn man es aus der Hand gelegt hat. D-s.
Von dor Leinwand
PALAST. - „Christiane.“ Da ist ein juwelenlüsterner Vamp (Edwige Feuillere), der, als ihr sauberer „Freund“ sich ihrer Brillantenkette bemächtigt um stiftengehen zu können, die Polizei auf ihn hetzt und, als Tino (George Lannes) wieder ausrücken kann, aus Angst vor dessen Rache nun selbst das Weite sucht, sich per Schiff in Richtung Südafrika in Marsch setzt. Tino natürlich hinterher! Christiane verliebt sich unterwegs in einen Schiffsoffizier (Jean Chevrier), und fast wäre es zu einem happy end gekommen, wenn der Tino nicht Eifersucht im Herzen, eine Pistole in der Tasche und ein ungemein treffsicheres Auge gehabt hätte.
Ein Kriminalfilm höchstens deshalb, weil verschiedene Personen für die Polizei nicht ganz stubenrein sind. Spannung aber läßt der Streifen weder aus seiner kriminellen Sphäre noch aus den herbeigezauberten Herzenskonflikten heraus entstehen. Die Regie führte den einfachen Handlungsablauf in altbekannter Methode, und auch die Kamera fand nicht allzu oft Gelegenheit, ihre Möglichkeiten voll auszunutzen. hn
Ein neues Theater in Bremen. Nach einer „Festlichen Intrade“ von Manfred Hausmann und einer Festrede Rudolf Alexander Schroeders ist das anstelle des früheren Schauspielhauses in Bremen errichtete, 1100 Besucher fassende „Theater am Goetheplatz“ am Sonntag mit Goethes „Egmont“ eröffnet worden. An dem Festakt nahmen alle Abgeordneten der Bremer Bürgerschaft teil. Den Egmont spielte Horst Caspar als Gast.
Darmstadt und Umgebung
Schatten
dem Wesen der Schatten auf den Grund zu kommen, ist noch kein denkensdies System entwickelt worden Daß viel Schatten fällt, wo viel Licht glanzt ist eine Tatsache, an die Sch die Menschen im allgemeinen gewöhnt haben obschon jede neue Generation in dieser Hinsicht ihre eigene Erfahrung machen
Auch dürften „die dunklen Schatten“, die von nahenden Ereignissen vorausge-W°l pflegen> bekannt sein, — bedeute es nun Trost oder Verstärkung heutigen Jammers — es hat noch kein Jahrzehnt in der Geschichte gegeben, in dem nicht röntgenäugige Zukunftswitterer solche Schatten am Horizonte wachsen sahen. Kaum jemals ist den Weissagenden geglaubt worden; die Oeffenthche Meinung“ liebt es nicht, von Schaiten zu hören und zu lesen, und wer die „Oeffenthche Meinung“ macht, noch weniger, denn Schatten werden nun einmal als Negativum im Laufe der Welt gewertet.
Aber der schwitzend durch Sonnenglut Keuchende distanziert sich nachdrücklich von diesem unwissenschaftlichen Bausch- und Bogenurteil. Seine Erfahrung spricht anders. Sein Glück heißt Schatten, und niemand, der je ein Gleiches erduldet, nimmt Anstoß an diesem offenbaren Paradoxon.
Es folgt daraus, daß der Schatten — gerade wie die Dinge — vielseitig und vieldeutig ist. Auf der Schattenseite des Lebens —im Schatten der Titanen — die Schatten des Schicksals —, da sind Schauer und Trauer verwoben; die Schatten der Wälder und Hügel, die Schatten des Abends —, da sind Erquickung und Aufatmen, Besänftigung und Wohltat gemischt. Wie dankbar nehmen Auge und Sinn das zärtliche Schattenspiel windbewegter Gräser, Blätter und Halme auf sonnigem Pfade wahr, und gern durchschreitet der Fuß das lebendige Licht-Schatten-Mosaik der großen Alleen. Was wäre das sommerliche Land ohne den wandernden Schatten der Wolken —, was wäre das Leben ohne das schattende Dunkel, durch das die Wege führen —, ja, was bedeutete uns das Licht selber, wenn es die Schatten nicht weckte, die beschwichtigenden und die mit grotesker Verzerrung belustigenden, die kühlenden und die drohenden, die Gefahr ansagen und die Kräfte auf den Plan rufen.
Wir wollen den Schatten nicht schmähen. Die Sonne brennt heiß.
Fachbeirat der Gewerblichen Berufsschule
Beru^sscbule Darmstadt für die Eltern ihrer orts-V™ ur den ENerabelrat gebüdet hatte, regte Direktor Kinsberger ^bcben und kultm^ Verbände an, einen Fachbeirat ins Leben zu ®,nd die Eltenibeirate ministerielle Bestimmungen vorliegen, fehlen Vertretung. Im Gegensatz zu den allgemeinbildenden k™d jan den BeruJsschulen in besonderem Maße die Arbeitgeber und Meister bzw. deren Organisationen interessiert.
Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen konstituierte sich am Freitag, dem 25. August, auf freiwilliger Basis der neue Fachbeirat aus Vertretern folgender Verbände und Institutionen: 1. Handwerkskammer bzw. Kreishandwerkerschaft (Vizepräsident und Mechanikerobermeister Scherer), 2. Industrie- und Handelskammer (Referent für Berufsausbildung Dr. Kolb), 3. Bundesbahn (Reichsbahnrat Mau), 4. Bundespost (Postinspektor Blümler), 5. Landwirtschaftsamt (Dipl.- Landwirt Renkel), 6. Gärtnerinnung (Gartenmeister Loos), 7. Gewerkschaftsbund (Gewerkschaftssekretär Kaiser), 8. Evangelische Kirche (Pfarrer Rathgeber), 9. Katholische Kirche (für den Delegierten Pfarrer Held in Vertretung Dekan Kopp). Einer Anregung folgend, soll der Fachbeirat durch je zwei Vertreter der Praxis aus Handwerk und Industrie erweitert werden. Vom Lehrerkollegium war Berufsschullehrer Michel anwesend.
Nach einem Rundgang durch die in den Kellerräumen der Momewegschule untergebrachte Schulgruppe, wo die einzige, aus den Trümmern geborgene Schulwerkstatt der Bauschlosser und Schmiede lebhaftes Interesse fand, gab der Direktor einen Ueberblick über die Schüler- und Lehrer zahlen sowie ihre Verteilung auf die einzelnen Berufssparten. Daraus geht hervor, daß die Schule mit ca. 3000 Schülern zu den größten Berufsschulen Hessens zählt mit weitestgehender Aufgliederung in reine Fachklassen.
In seinen weiteren Ausführungen betonte der Leiter der Schule, daß die unzulängliche räumliche Unterbringung der Schüler für Darmstadt, dessen Berufsschulhäuser aller zerstört wurden, auf die Dauer ein unwürdiger Zustand sei, der sich negativ auf die Ausbildung der berufstätigen Jugend auswirken müsse. Der Fachbeirat sei die geeignete Plattform, diese Umstände in die Oeffentllchkeit zu tragen und für eine gründliche Abhilfe einzutreten. Durch den Aufbau der Rundeturmschule werde nur eine Teillösung geschaffen, so daß die Schule immer noch in drei weiteren Schulgruppen als Gast in Volksschulen (Mornewegschule, Arheilgen, Eberstadt) verbleiben müsse. Es könnten nur die Schulgruppen in Griesheim, Ober-Ramstadt und im Industrieviertel hereingeholt werden. Der andere Bau der Rundeturmschule müsse unverzüglich in Angriff genommen werden, wenn der Schüleransturm, der Ostern 1951 zu erwarten sei, bewältigt werden solle. Man müsse sich auch darüber im klaren sein, daß die Rundeturmschule keine Endlösung eines neuzeitlichen Berufsschulgebäudes darstelle. So begrüßenswert und richtig der Neubau von Schulhäusern für die Volksschule und die höhere Schule sei, ebenso wichtig sei auch der Bau eines modernen Berufsschulhauses.
Die lebhafte Debatte ließ die Bereitwilligkeit der Organisatiohsvertreter erkennen, durch das Gewicht ihres Einflusses der Berufsschule jede nur mögliche Förderung angedeihen zu lassen. Nachdem die Einzelheiten zur Durchführung der von Handwerk und Industrie beschlossenen Spendenaktion, der sich die anderen Vertreter anzuschliecken in Aussicht stellten, besprochen waren, nahm die Einführung des Religionsunterrichtes einen breiteren Raum der Aussprache ein. Die Teilnehmer gaben zu dem Thema aufschlußreiche Erfahrungsberichte und statistische Unterlagen. Daraus geht hervor, daß der Religionsunterricht in den hesisschen und außerhessischen Berufsschulen, wo er bereits eingeführt ist, gute erzieherische Erfolge gezeigt hat. Daß er in Darmstadt noch nicht eingeführt wurde, sei lediglich auf organisatorische Schwierigkeiten und den Mangel geeigneter Lehrkräfte zurückzuführen. Es sei aber damit zu rechnen, daß im Winterhalbjahr mit dem Religionsunterricht begonnen werden könne, ohne den übrigen Unterricht, der in vollem Umfang bestehen bleibt, zu kürzen.
Die sich über mehrere Stunden erstreckende Beratung hat gezeigt, daß sich die wirtschaftlichen und kulturellen Organisationen mit der Gewerblichen Berufsschule durch den Fachbeirat ein Organ geschaffen haben, das in der Lage ist, gemeinsam die Fragen der Berufsausbildung und -erziehung fruchtbringend zu erörtern und damit zum Wohle der Berufsschule und des beruflichen Nachwuchses beizutragen. hm
Philipp Barth 70 Jahre alt
Philipp Barth, der Inhaber eines hiesigen Weinhauses, vollendet heute sein 70. Lebensjahr. Ein arbeitsreicher mit Erfolgen gekrönter Lebensabschnitt liegt hinter ihm. Aus Rheinhessen stammend, wo er seine Fachkenntnisse mitbrachte, gründete er vor nahezu 50 Jahren in Darmstadt eine Weinhandlung. In seinen eigenen Kellereien in Darmstadt, Dieburger Straße 5 und 20 sowie in der später hinzuerworbenen größeren Kellerei in Ingelheim kelterte er anfangs seine Qualitätsweine selbst. Im Jahre 1918 wurde er Eigentümer des Anwesens der Weinhandlung Kleber am Mathildenplatz 18, wo er zunächst nur eine Weingroßhandlung betrieb, aber ab 1922 auch das seither verpachtet gewesene Weinlokal splhqt übernahm.
seiost uueiimiuu. . . „Barths Weinstube“ war allgemein beliebt. Eine Reihe von Vereinen, u. a. die Karnevalsgesellschaft Narhalla, die.ihm nach 40jähriger Mitarbeit die Ehrenmitgliedschaft zuerkannte, hatten sich die Weinstube zum ständigen Treffpun k 011 clarlzfiVOß
3 Der schwere Bombenangriff vernichtete 1944 unter anderem auch dieses Darmstädter Unternehmen. Mit seinem ungebrochenen Lebenswillen heg der doch schon im vorgeschrittenen Alter stehende Philipp Barth alseiner der Ersten mit der s*utt'a™ E^ daß in den bald errichteten Ne^ngef^t den der Weinhandel wieder weitergefuhit werden konnte. in
Auch das Weinlokal das seither nm m behelfsmäßigem Umfang erstehen, werden konnte, wird wieder > wenn demnächst der Wiederaufbaues Hauptgeschäftshauses, der * straßenzem wegen einer g^^ten Straßen^ Veränderung nicht genehr g konnte, durchgeführt wird. ..
Mit unseren herzlichsten Glückwünschen verbinden Früchte Philipp Barth noch viele Jahre aie meiner Arbeit genießen kann.
Herzhafte Rauferei mit Polizisten
Im „blauen Zustand“ werden oft die zartesten Gemüter ungemütlich und die verträglichsten Menschen rabiat. Ein jeder weiß das und muß sich dementsprechend zügeln. Dies werden in Zukunft auch der 39jährige Kraftfahrer Fritz H. und der 19jährige Hans Z. aus Darmstadt beherzigen, die gestern einen empfindlichen Denkzettel bekamen. Beide zogen am 16. April die Rheinstraße herauf. H. schwenkte eine Baustellenlampe dabei derart wild, daß ihm die Passanten fluchtartig auswichen. Als die beiden Beschwipsten von der Polizei angehalten und um die Kennkarte gebeten wurden, kam es zu einer Rauferei, in deren Verlauf der Mantel eines Beamten „außer Dienst“ zerrissen wurde. Während der 19- j ährige Hilfe holen wollte, führte die Polizei den Raufbold Nr. 1, den 39jährigen, ab, der sich dabei seines ganzen Schimpfwortschatzes bediente. Wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhängte der Richter gegen ihn sechs Wochen Gefängnis und 100 DM Geldstrafe. Der zweite Angeklagte muß nur 40 DM bezahlen.
Zu vier Wochen Gefängnis wegen Verstoßes gegen das Sozialversicherungsgesetz verurteilte das Schöffengericht den Bauunternehmer Heinrich H. aus Darmstadt. Er hatte es unterlassen, innerhalb einer größeren Zeitspanne an die zuständige Ortskrankenkasse die von dem Lohn seiner Beschäftigten abgezogenen Sozialversicherungsbeiträge abzuführen. Es handelte sich um einen Betrag von über 1000 DM. Der Angeklagte war geständig und hat inzwischen auch eine erste Abzahlung geleistet. Das Gericht sah aus diesem Grunde' von einem höheren Strafmaß ab.
Einen Abtreibungsprozeß verhandelte gestern die Zweite Strafkammer des Landgerichts Darmstadt. Angeklagt war der Maschinist Kurt J. aus Darmstadt. In nicht weniger als zwanzig Fällen hatte der 66jährige gesetzwidrige Eingriffe an Frauen und Mädchen vorgenommen. Offen gab er seine Handlungsweise in der gestrigen Verhandlung zu. „Ich habe es aus einem menschlichen und sozialen Mitgefühl heraus getan“, sagte er zu den Richtern. Der Staatsanwalt war allerdings anderer Meinung. Er sah in dem Beschuldigten einen gewerbsmäßigen Abtreiber. Für die „Gefälligkeiten“, so argumentierte er, habe der Angeklagte sich vor der Währungsreform bewirtschaftete Lebensmittel und danach Geldbeträge in Höhe von 15 DM aushändigen lassen. Sein Antrag war ungemein hart: Drei Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre. Das Strafmaß des Gerichts lag weit unter diesem Antrag. Wegen Verstoßes gegen § 218 in 20 Fällen wurde J. zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Eine mitangeklagte Frau muß 100 DM als Geldstrafe bezahlen, eine andere wurde freigesprochen. ri
Die Deutsche Angestellten-Gewerk¬ schaft veranstaltet am Donnerstag, dem 31. 8., um 20 Uhr, im Nachbarschaftsheim in Darmstadt einen Gruppenabend, bei dem der Bankangestellte Friedrich Sauer, Darmstadt, über seine Erlebnisse anläßlich einer Amerikareise berichtet.
Wieder bei Gräfenhausen
Verkehrsunfall auf der Autobahn
Am Montagabend gegen 19.30 Uhr geriet ein in Richtung Frankfurt fahrender Volkswagen auf der Autobahn bei Gräfenhausen ins Schleudern und fuhr die Böschung hinab, wobei er sich überschlug. Der Unfall dürfte durch die vom Regen bedingte Straßenglätte erfolgt sein und ereignete sich an der gleichen Stelle, an der in letzter Zeit bereits eine größere Anzahl von Unfällen durch Straßenglätte zu verzeichnen war.
Pkw überschlug sich
Am späten Nachmittag des Montag wurde ein in Richtung Darmstadt fahrender Personenwagen auf der Autobahn in der Gemarkung Gernsheim von einem in gleicher Richtung fahrenden Lastzug derart geschnitten, daß er auf den mittleren Grünstreifen geriet und sich dort überschlug. Es entstand erheblicher Sachschaden. Der Fahrer des Lastzuges entzog sich durch die Flucht der Verantwortung.
Für den freien Samstagnachmittag
Gewerkschaftsversammlung der Einzelhandelsangestellten
Die in der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) organisierten Angestellten der Einzelhandelsgeschäfte nahmen in einer Protestversammlung gestern abend im Hotel Knauff zur Frage des freien Samstagnachmittags Stellung. Die Frauenleiterin der DAG, Frau Arndt, Hamburg, berichtete, daß vor allem die Warenhausbesitzer mit allen Mitteln darauf hinarbeiten, am Samstagnachmittag die Geschäfte offenzuhalten. Man mache den Angestellten den Vorwurf, sie seien egoistisch und dächten nicht daran, daß es weiten Bevölkerungskreisen nur am Samstagnachmittag möglich sei, einzukaufen.
Demgegenüber müsse aber festgestellt werden, daß 80 Prozent aller Einzelhandelsangestellten weiblich und von diesen 52 Prozent Frauen mit eigenem Haushalt und Kindern seien. Dabei sei die Arbeitswoche der Einzelhandelsangestellten praktisch 60 Stunden lang, die Schwierigkeit des Berufes in Beanspruchung der körperlichen und nervlichen Kräfte außerordentlich hoch, so daß für die Einzelhandelsangestellten unbedingt eine wöchentliche Freizeit von eineinhalb zusammenhängenden Tagen zu verlangen sei, zumal die meisten Frauen diese Zeit dringend benötigten, um ihren Hausstand wieder in Ordnung zu bringen. Es könne also von egoistischer Bequemlichkeit keine Rede sein.
Im übrigen beklagt Frau Arndt das geringe Interesse der Arbeitnehmer an den Gewerkschaften, die man nur im Falle der Not in Anspruch nehme und vor allem sei es schwer, für Frauen etwas durchzusetzen, da sie in ihrer Haltung oft nicht konsequent blieben. Was die DAG aber durchsetzen wolle, sei nur die Existenzgrundlage der Frau in dieser Zeit der sozialen Anspannung, in der in Deutschland 45 Personen arbeiten für 55 Nichtarbeitende. Die DAG könne aber nur wirksam werden, wenn alle Angestellten hinter ihr stünden.
In einer einstimmig befürworteten Resolution, die an verschiedene Bundesstellen in Bonn gerichtet ist, sprachen die Versammelten ihre Entrüstung über den Vorschlag von Regierungsstellen aus, die empfohlen hatten, die Ladenschlußzeiten auf werktags 19 Uhr und samstags 16 Uhr festzulegen.
Frau Arndt, die unser Mitarbeiter nach der Versammlung noch persönlich sprach, erklärte, daß auch ein freier Nachmittag während der Woche nicht vollwertig sei, da die zusammenhängende Zeit am Wochenende für die vielen Frauen besonders von Wichtigkeit für ihre Familie und den Hausstand wäre. Nach der tariflichen Bestimmung hätten die Verkäuferinnen sowieso einmal im Monat Gelegenheit, ihre geleisteten Ueberstunden an einem freien Wochennachmittag „abzubummeln“. Herr Nothnagel vom Bezirksverband Darmstadt stellte zu Beginn der Versammlung die Kündigung der Tarifverträge zur Diskussion. Die Kündigung wurde einstimmig zum 30. September beschlossen. DT
Farbige Bilder im Fotoalbum
Am Montagabend zeigte bei seinem Vortrag „Die Agfacolor-Photographie“ ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Agfa, Herr Hans Geißler, im Concordia-Saal" Farbfotografien von meisterlicher Schönheit.
Die ausgestellten Originalfarbfotovergrößerungen und die als Lichtbilder projizierten Fotos bewiesen in Herrn Geißler neben dem vorzüglichen Fotografen — meisterliche Motivwahl und brillante technische Qualität seiner Bilder — den begeisterten Farbenenthusiasten, der für die zahlreich erschienenen Fotofreunde — von Herrn Hauschildt, Inhaber der Firma Foto-Hauschildt begrüßt — Farben gesehen und sie „aufgezeichnet“ hatte. Die plastische Wirkung der Lichtbilder war von überraschender Qualität, wie sie kein uns bisher bekannter Farbfilm auch nur annähernd erreichte.
In seinem Vortrag berichtete Herr Geißler über die Entwicklung des Farbfilms und gab den Amateuren einige Hinweise für die Anwendung des jetzt allgemein erhältlichen Filmmaterials: keine Farbfilter bei der Aufnahme verwenden, möglichst elektrischen Belichtungsmesser benutzen. Das Filmmaterial hat eine Lichtempfindlichkeit von 14/10° DIN, also bei Sonnenschein läßt sich mit Vs« Sek. fotografieren. Tonwertrichtige Schwarzweißkopien und -Vergrößerungen von den Farbnegativen sind gut möglich.
Jahrzehntelange Versuche der Agfa gehen diesen heutigen Ergebnissen voraus. Erstmalig trat sie im Jahre 1936 mit dem Farbumkehrfilm an die Oeffentlichkeit. Von diesem ließen sich keine direkten Farbabzüge machen, er brachte sofort die positiven Farben und fand zumeist im Format 24/36 mm als Diapositiv im Bildwerfgerät Verwendung. Diese einmalige Verwendung ist durch den, während des Krieges entwickelten, aber damals noch nicht der allgemeinen Oeffentlichkeit zugänglichen Negativfarbfilm überholt. Der neue Film zeigt auf seinem Negativ die exakten Komplementärfarben, die, zum Farb-Positiv auf Papier oder Diafilm vergrößert oder kopiert — richtige Belichtung vorausgesetzt — die vollkommen natürlichen Farben in allen Nuancen widerspiegeln. Besonders die verschiedenen Grau- und Weißtöne, deren Wiedergabe Herr Geißler sein besonderes Augenmerk schenkt, überraschten in ihrer Zartheit. agt
Lehrlinge im Beruf und Leben
Einer der bedeutungsvollsten Punkte des handwerklichen Nachwuchses ist die Lehrlingsfrage. Wenn die wirtschaftliche Produktion gehoben werden soll, muß neben der moralischen und seelischen Gesundung des Volkes die Erhaltung und Förderung der fachlichen Leistungsfähigkeit einhergehen. Hierbei fällt besonders dem Handwerk als der größten Schule für die Heranbildung hochwertigen Facharbeiternachwuchses eine nicht zu unterschätzende Aufgabe zu.
Die großen Sorgen hinsichtlich der Unterbringung der schulentlassenen Jugend in die Berufe bestehen nicht darin, daß die Wirtschaft nicht in der Lage wäre, die Jugendlichen aufzunehmen, sondern darin, daß die Schulentlassenen zum größten Teil in ländlichen Gegenden ansäßig sind, in denen keine, oder nur eine beschränkte Zahl von Lehrstellen zur Verfügung stehen. Soweit es geht, wird versucht, diesem Uebelstand durch Errichtung von Lehrlingsheimen abzuhelfen. Eine andere Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen, indem man die Heimatvertriebenen aus den ländlichen Gebieten in Bezirke mit größerer Gewerbedurchsetzung umsiedelt, dürfte sich in absehbarer Zeit nicht realisieren lassen. Fest steht jedenfalls, daß im allgemeinen die schulentlassenen Jugendliehen unterzubringen sind, ja, daß zum Beispiel das Arbeitsamt Frankfurt Bedarf in einzelnen Berufssparten hat.
Schwer dagegen ist es für Lehrlinge zwischen 18 und 22 Jahren, da für sie der Lehrherr Hilfsarbeiterlöhne zahlen muß, die in keinem Verhältnis zur wirklichen Arbeitskraft des Anlernlings stehen. Rund 15 000 handwerkliche Lehrlinge befinden sich zur Zeit im Regierungsbezirk Darmstadt in der Ausbildung, von denen auf den Stadt- und Landkreis Darmstadt etwa 1900 entfallen. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Auswirkung der Gewerbefreiheit auf den handwerklichen Nachwuchs. Die Handwerkskammer steht auf dem Standpunkt, daß die Direktiven der Besatzungsmacht bezüglich der Gewerbefreiheit dazu dienen, in völliger Unkenntnis der deutschen Situation das handwerkliche Bildungswesen vom Lehrling bis zum Meister hinauf zu zerschlagen. Es ist klar, daß aus einer Werkstatt, in der ein mangelhaft ausgebildeter Handwerker schlecht und recht seine Kundschaft bedient, kein fachlich ausgebildeter Nachwuchs kommen kann.
Zu den Maßnahmen, die im Interesse der Lehrlinge getroffen werden müssen, gehört eine Revision der Berufsschulen, die augenblicklich im Gange ist. (Siehe auch unseren Artikel: „Fachbeirat der Gewerblichen Berufsschule“. Anm. der Redaktion.) Nicht minder notwendig ist aber auch die enge Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Berufsschulen. Die Handwerkskammern sind ständig bemüht, die Berufsschullehrer in Werkstätten zu schulen und auszulesen, um den jungen Menschen nicht nur eine erstklassige Ausbildung, sondern auch eine gesunde menschliche Entwicklung zu sichern. Die Ergebnisse der in England und den USA in der Industrie unternommenen Versuche werden auch bei uns für das Handwerk ausgewertet und in Schulungskursen auf ihre Anwendungsmöglichkeiten und Abänderungsnotwendigkeiten hin überprüft.
So liegt das Lehrlingsproblem letztlich weniger darin, daß nicht genügend Lehrstellen zur Verfügung stehen, als vielmehr darin, wie man den jungen Menschen eine bestmögliche Ausbildung angedeihen lassen kann. —st
Kriegserfindung hilft Schwerhörigen
Am kommenden Freitag, dem 1. September, findet ab 9 Uhr im Weinhaus Barth, Mathildenplatz, eine Beratung für Schwerhörige statt. Vorgeführt wird ein von der amerikanischen Firma Be 11 o n nach dem Radar-System entwickeltes Gerät, das Beiton-Gerät, das inzwischen ein Begriff geworden ist.
Das Beiton-Gerät wurde aus einer Kriegserfindung entwickelt; und zwar aus den sogenannten „ Subminiatur-Röhren“, die mit ihrem Volumen von nur einem Kubikzentimeter für automatische Granatzünder verwandt wurden. Damals dachte wohl niemand daran, daß mit diesen winzigen Röhren nicht nur Radioapparate gebaut werden würden oder gar — wie es geschehen ist — die vollendetsten Hörgeräte, die man zur Zeit kennt.
Von dem Mannheimer Berater der Beiton-Werke, die sich um die Entwicklung dieses Gerätes sehr verdient gemacht haben, erfuhren wir einige interessante Einzelheiten. Bemerkenswert, daß z. B. die verschiedenen Konstruktionselemente des winzigen Röhrenverstärkers nicht durch einzelne Drähte verbunden sind, sondern die gesamte Schaltung in einem Arbeitsgang auf eine Keramikplatte gepreßt wird. Nicht größer und auch nicht schwerer als eine Taschenlampe ist der lüft- und feuchtigkeitsgedichtete Verstärker mitsamt dem dazugehörigen Hochleistungsmikrofon. Der ganze Apparat wird — laut Empfehlung — unter der Oberkleidung getragen. Er ist durch ein ebenfalls unter der Oberkleidung verlaufendes dünnes Kabel mit dem Miniaturhörer verbunden, der fast unsichtbar im Ohr getragen, und dessen in den Gehörgang einführender Teil nach einem Ohrabdruck individuell geformt wird.
Das Gerät kann, um bei den verschiedensten Graden und Arten der Schwerhörigkeit den besten Hörerfolg zu erreichen, auf insgesamt 72 verschiedene Möglichkeiten geschaltet werden. Die Anpassung und Ermittlung der jeweils günstigsten Schaltung erfolgt mit einem besonderen Prüfgerät, das eigens hierfür entwickelt worden ist. Die „Behandlung“ ist — auch bei eventuell später notwendigen Abänderungen — kostenlos.
„Wir freuen uns wie kleine Kinder“, erklärte uns der Berater, „wenn der am Prüfgerät Sitzende plötzlich wieder hören und zum Beispiel über das noch nie vernommene Geräusch einer tropfenden Wasserleitung geradezu entzückt sein kann...“ R.
In der Stadt notiert
Die nächsten Freilichtaufführungene des Lande stheaters auf der Mathildenhöhe von „Robinson soll nicht sterben“ sind wie folgt vorgesehen: Freitag, 1. September, 17.00 Uhr (bei Regenwetter eine halbe Stunde später in der Stadthalle), und am Samstag, dem 2. September, 20.00 Uhr. Bei schlechter Witterung wird diese Vorstellung auf Sonntag, den 3. September, verlegt. Die für heute angekündigte Aufführung findet nicht statt.
Zwei Omnibusse, die von auswärts kamen, stießen gestern morgen um 6.25 Uhr an der Ecke Kahlert- und Liebigstraße zusammen. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. Es entstand ein Sachschaden im Werte von 1000 DM. Personen kamen nicht zu Schaden. ri.
Ein amerikanischer Sattelschlepper ver¬ suchte gestern gegen 8.30 Uhr in der Rheinstraße in der Nähe des Cafe Schwarz einen parkenden Personenwagen zu überholen. Dabei geriet er zwischen das Auto und eine fahrende Straßenbahn der Linie 9. Er streifte den Straßenbahnzug, wobei einiger Sachschaden entstand. ri.
Trocken und sonnig DT-Wetterbericht
Vorhersage: Tagsüber heiter bis wolkig, trocken, Tageshöchsttemperatur um 25 Grad, abflauende Südwestwinde.
Weitere Aussichten: Auch am Donnerstag noch trocken.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspielthater: s. Anzeigenteil
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Amerikahaus (Krone): 20 Uhr Abend-Filmvorführung.
Pauluskirchensaal: 20 Uhr Albrecht G o e s liest aus eigenen Werken.
Martinsgemeindehaus, Liebfrauenstr. 6 Herbst - Philadelphia - Konferenz; 9 Uhr: PfarrerHerrenbrodt,Worms: „Unser Glaubensleben im Bliclc auf die Gewißheit des Todes ..des Gerichts ... und der Wiederkunft des Herrn“. 2. Vortrag um 14 Uhr; Schlußwort 20 Uhr im Saale Mühlstraße 24.
Starkenburg
ÜBER DEN DACHERN VON ZWINGENBERG
Wer den Blick über die Dächer seines Heimatortes nicht kennt, nie in das Gesicht der Häuser, Straßen und Plätze von oben her schaute, hat viel versäumt. Im Abendlicht oder beim Morgenscheine, in der Mittagsglut oder unterm Sternenhimmel —, immer haben die Dächer ihren besonderen Glanz, und die Luft, die von Hügeln und Feldern herüberstreift, trinkt die Seele wie Hauch der Freiheit und Geborgenheit zugleich, während die Augen den Linien der Giebel und Firste nachgehen, um beglückt im aufgeschlossenen Antlitz der Heimat zu lesen. ks.
Erregte Lürgermeisterwahl in Zwingenberg
Gegen die Meinung der Zwingenberger wurde ein Ortsfremder zum Bürgermeister gewählt
(Eigenbericht.) — Gestern abend wurde im Zwingenberger Rathaus durch den Stadtrat der neue Bürgermeister gewählt. Infolge der beschränkten Raumverhältnisse hatte sich eine interessierte Menschenmenge vor dem Rathaus versammelt. Zu Beginn der Sitzung mußte die Polizei auf Antrag des CDU-Fraktionsmitgliedes Bellof f die erregte Menge von der Treppe zurückhalten, damit die Wahl ungestört und unbeeinflußt durchgeführt werden konnte. Nach kurzen, sehr erregten Debatten, in deren Verlauf Kissel, Zwingenberg, seine Kandidatur zugunsten des Butzbacher Kandidaten Kiel niederlegte, schritten die Stadträte einzeln zur geheimen schriftlichen Abstimmung.
Nachdem das Ergebnis bekannt wurde — Kandidat Kiel, Butzbach, von der CDU-/ SPD-Fraktion aufgestellt, wurde mit 8 gegen 7 Stimmen vor dem Zwingenberger Kandidaten Zubrod zum Bürgermeister gewählt — kam es zu einem Tumult, der sich sofort auf die vor dem Rathaus wartende Menge übertrug.
Unter dauernden Pfui-Rufen mußten die bei der Wahl siegreich hervorgegangenen Mitglieder der SPD-CDU-Fraktion unter polizeilichem Schutz nach Hause geleitet werden.
Zum Glück kein D-Zug
Der Lokführer eines Personenzuges der Kleinbahnstrecke Hetzbach—Beerfelden bemerkte bei der Hohl am Oberdorf eine Frau neben den Schienen, die ihm verdächtig vorkam. Kurz vor der Lokomotive warf sie sich plötzlich auf die Schienen. Der Lokführer konnte den Zug jedoch noch zum Halten bringen, bevor die Lebensmüde verletzt wurde. Es handelt sich um die Frau eines im Oberdorf wohnenden Diamantenschleifers, die ihrem Leben ein Ende machen wollte, weil sie die ständigen Zerwürfnisse mit ihrem Manne nicht mehr ertragen konnte. Sie ist Mutter von 2 Kindern. -ch-
Blitz riß das Dach auf
Bereits zum dritten Male in diesem Jahre schlug der Blitz in Gadern ein. Nachdem in der Pfingstwoche 3 Kühe des Bürgermeisters auf der Weide erschlagen worden waren und später, während der Ernte, eine Kornmiete durch Blitzschlag in Flammen aufging, schlug während des dreistündigen Gewitters in der Nacht vom Montag zum Dienstag ein Blitz in das Haus der Geschwister Weber ein, riß einen Teil des Daches weg und entfachte einen Zimmerbrand. Dank der Hilfe der Nachbarn konnte das Feuer bald gelöscht und der freigelegte Teil des Hauses mit Planen vor dem strömenden Regen geschützt werden. Zwei Bewohner mußten sich mit Brandwunden in ärztliche Behandlung begeben. -r-
Skelettfunde in Pfungstadt
Bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Neubau auf dem Mühlberg wurden zwei vollständige Skelette ausgegraben, das eine von stattlicher Größe, das andere etwas kleiner. Die Knochen und besonders die Zähne sind sehr gut erhalten. Es konnten nicht die geringsten Reste von Kleidern festgestellt werden. Die beiden Skelette lagen 1,20 Meter und 1,80 Meter tief. Ein Mord oder ein Verbrechen ist so gut wie ausgeschlossen. Die beiden Toten liegen vielmehr seit vielen Jahrzehnten in dem lockeren Flugsand des Mühlberges. Nach Ansicht des Pfungstädter Heimatforschers Dr. Grund handelt es sich um zwei Soldaten, die in den napoleonischen Kriegen hier verstorben sind. Damals befand sich auf diesem Gelände ein Lazarett, in dem Soldaten des geschlagenen Heeres Napoleons Aufnahme fanden. Als Ortsfremde wurden sie nicht auf dem damaligen Friedhof begraben, sondern auf dem in der Nähe liegenden unbenutzten Mühlberg. ler.
Groß-Umstädter Sturm im Wasserglas
Eine abschließende Betrachtung zu den jüngsten Vorkommnissen auf der Odenwälder Weininsel
VON UNSEREM KOMMUNALPOLITISCHEN eha-MITARBEITER
Die politische Lage in Groß-Umstadt ist nicht erst seit den letzten Vorkommnissen — hervorgerufen durch die Haltung von Bürgermeister Hartmann in der Frage der Besetzung der Stelle des Krankenhausverwalters durch einen Herrn Kaufmann — zugespitzt. Sie war es bereits, als der Umstädter Gemeinderat nach den letzten Gemeinderatswahlen seinen Bürgermeister und die Beigeordneten wählte. Schon damals fand der jetzt amtierende Bürgermeister eine starke Opposition innerhalb seiner eigenen Partei. — der Sozialdemokratischen Partei — vor, die von dem jetzigen Beigeordneten Wedel angeführt wurde. Und schon damals wurde der Beigeordnete Wedel nicht von seiner Partei — das zu wissen erscheint wichtig — nominiert, sondern durch die „Flüchtlinge“, deren Vertrauensmann allerdings für die Sozialdemokraten im Stadtrat saß.
In der Folgezeit stellte sich immer mehr heraus, daß Bürgermeister Hartmann in steigendem Maße auf der einen Seite das Vertrauen seiner Partei verlor, ohne deswegen aber das Vertrauen der anderen Parteien zu gewinnen. Darüber darf auch die jetzige Parteinahme der Christlich-Demokratischen Union und der Freien Demokraten für Bürgermeister Hartmann nicht hinwegtäuschen. Sie beschränkt sich nur auf den speziellen Fall des Krankenhausverwalters, in dem Bürgermeister Hartmann trotz der Behauptungen des Beigeordneten Wedel im Recht ist, denn der Bürgermeister kann sich zweifellos auf den Artikel 37 der hessischen Gemeindeordnung stützen, der durch keinerlei Anordnung, Wünsche, selbst nicht durch eine vom Gemeinderat beschlossene Ortssatzung außer Kraft ge-ot-t •••3—ke^" <J? > •••'befange-
nen und nicht eingeweihten Beobachter wirft sich nun die Frage auf: Um was geht es denn eigentlich bei dem ganzen Streit in Groß-Umstadt?
Und hier muß um mit Lasalle zu sprechen, einmal ausgesprochen werden, was ist, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wer nun von einer vielleicht harten Kritik betroffen wird. ——. - z—« 11 — Z^l — O TT wi r* 4 /A 4
Die Stadtverwaltung Groß-Umstadt, geführt von Bürgermeister Hartmann, hat in dessen Amtsperiode einige Projekte in Angriff genommen, die zwar an sich ideal, aber für eine Kleinstadt finanziell untragbar sind. Wir denken hier an das Stadtkrankenhaus und die Wilhelm-Leuschner-Siedlung. Daß diese Pläne nicht immer den Bürgermeister zum geistigen Vater hatten, sondern zum Teil Leute, die heute zu Hartmann heftigsten Gegnern zählen, steht auf einem anderen Blatt. Es kommt hinzu, daß die Gemeinde sich in der Frage der Zuschüsse zu dem Realgymnasium — nicht zuletzt durch die Haltung des Beigeordneten Wedel — dem Lande Hessen gegenüber in eine Lage hinein manövriert hat, die alles andere als angenehm ist. Aus all diesen Dingen heraus ist eine Situation entstanden, die vor allem die Sozialdemokratische Partei im Hinblick auf die kommenden Landtagswahlen auf das Schwerste in Groß-Umstadt belasten muß. Der Beigeordnete Wedel hat das klar erkannt und ist bestrebt, Bürgermeister Hartmann zum Sündenbock für all die Fehlschläge der Kommunalpolitik zu machen, um auf diese Weise zu erreichen, daß seine Partei, die das politische Gesicht der Stadt bestimmt, in jeder Weise entlastet wird. Daß er dabei auch ein persönliches Steckenpferd reitet, — wir denken hier an die Landtagswahl und an eine Kandidatur Wedel, — sei ihm zwar nicht unterstellt, wird aber von Kennern der Verhältnisse als wahrscheinlich angenommen. Hier liegt wohl allein der Schlüssel für die Spannungen, die das politische Leben Groß-Umstadts in den letzten Wochen beherrschen. Daß in die Debatte Dinge wie die Stelle des Krankenhausverwalters oder Namen, wie der des Herrn Bohland geworfen werden, scheint uns von untergeordneter Bedeutung, wenn auch nicht zu übersehen ist, daß es in jeder politischen Auseinandersetzung Figuren gibt, die den Kampf der Geister als eine Plattform für persönliche Auseinandersetzungen benutzen und dabei ihr Süppchen an fremden Feuern zu kochen versuchen.
Eine Feststellung sej zum Schluß noch gestattet: In der letzten Sitzung des Groß-Umstädter Gemeinderats sollte die Opposition, verkörpert durch fünf Vertreter der Christlich-Demokratischen Union und vier der Freien Demokratischen Partei alle diese Dinge in unmißverständlicher Form zum Ausdruck bringen. Sie sollte, so war es wahrscheinlich der Wunsch ihrer Wähler, einmal mit hellstem Licht hinter die Kulissen der sozialdemokratischen Hauspolitik leuchten. Daß es nicht dazu kam, lag wohl daran, daß die Opposition im Groß-Umstädter Gemeinderat seit geraumer Zeit nicht mehr über einen geeigneten Sprecher verfügt und die in diesen Parteien sicher vorhandenen Kräfte entweder nicht den Mut oder die Möglichkeit haben, innerhalb des Plenums zu sprechen. Auf der anderen Seite verfügt die Gegenseite einmal in der Gestalt des Beigeordneten Wedel und in dem Fraktionsführer Bohland über Leute, die zwar sicher nicht über das Ansehen verfügen, das man von einem Gemeindevertreter verlangen sollte, die aber das politische Vokabular bis ins Letzte beherrschen und' deren demagogischen Wortführung biedere Bürger nicht gewachsen sind. eha.
Was aũch interessiert:
Einen Blindgänger fanden in Gernsheim die Hausangestellten eines Arztes als sie auf dem Speicher aufräumten. Das Geschoß stammt aus den letzten Kriegstagen, als der Ort von amerikanischer Artillerie beschossen wurde. kr.
Selbstmord mit einem Brieföffner ver¬ suchte in Kelsterbach ein 38jähriger und brachte sich solche Brustverletzungen bei, daß die Überführung ins Krankenhaus notwendig war. Kb
Mit schweren Vergiftungserscheinungen wurde das Kind des Landwirts Ludwig Kramer in Pfungstadt ins Krankenhaus gebracht. Es hatte in einem unbewachten Augenblick Beeren von einem im Garten stehenden Nachtschattenstrauch gegessen, ler
„Almeskerb“ in Ober-Ostern wird am kommenden Sonntag nach zwölfjähriger Unterbrechung wieder mit einem besonders originellen „Kerwezug“ gefeiert, bei dem die „Pferde“ der Kleinbauern, die Kühe, die Wagen ziehen werden.
Beim Ueberholen drückte kürzlich ein von Bensheim nach Heppenheim fahrender Lastzug einen in gleicher Richtung fahrenden Lkw soweit auf die rechte Straßenseite, daß das Plannengestänge an einem Baum hängen blieb. Personenkamen nicht zu Schaden. HB-
Eine Bezirkspferdeschau wird in Reichelsheim am 27. September durchgeführt. Man rechnet mit einer guten Beschickung. ptoo
Oberforstmeister a. D. Diersch
Wie ein Lauffeuer ging am Dienstagvormittag die Kunde durch Erbach, daß der 1. Beigeordnete der Stadt, Oberforstmeister a. D. Hugo Diersch, einem Herzschlag erlegen sei.
Am 13. 11. 1885 im thüringischen Meuselwitz geboren, trat er 1912 in Gräflich-Erbachsche D enste und wurde 1920 von Eschau nach Erbach zur Uebernabme der Leitung des Gräflichen Forstamtes berufen. Im Mai 1948 kam er in den Erbacher Gemeinderat und schon im Juni des gleichen Jahres wurde er zum 1. Beigeordneten der Kreisstadt gewählt. Als besonnener und absolut gerecht denkender Mensch von großem sozialen Verständnis hat er der Stadt wertvolle Dienste geleistet. In weitesten Kreisen der Bevölkerung des Odenwaldes erfreute sich Oberforstmeister Diersch großer Wertschätzung als Mensch wie auch als erfahrener Forstmann, als Gemeindevertreter und Beigeordneter, -ch-
Wolkenbruch und Hochwasser
In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde die Reinheimer Feuerwehr gegen 2 Uhr morgens alarmiert: Infolge eines Wolkenbruchs bei den am späten Abend aufeinanderfolgenden Gewittern war der sogenannte „Mühlbach“ über die Ufer getreten. Ein sofortiges Oeffnen der Stauwehre konnte Ueberschwemmungen in den tiefer gelegenen Stadtteilen nicht verhindern.
Innerhalb weniger Minuten stieg das Wasser in der unteren Jahnstraße, der Kirchstraße und der Bachgasse bis auf die Höhe der Kellerfenster. Ein Eindringen in die Kellerfenster konnte in vielen Fähen nicht vermieden werden. Nach etwa zwei Stunden begann der Wasserspiegel wieder zu fallen. Die Kirchstraße war dann bald wieder passierbar, in der Bachgasse fand das Wasser wegen der Verstopfung der Kanäle zunächst keinen Abn”R. und auch die Jahnstraße war noch längere Zeit überschwemmt. In den tiefer gelegenen Höfen und Gehöften der Jahnstraße und Bachgasse konnte sich das Wasser noch halten, die Hauptgefahr war jedoch gebannt. (eb)
Nackter Mann macht Schule
Der seit einigen Wochen die weibliche Bevölkerung des Ueberwaldes beunruhigende etwa 50jährige Entblößer scheint sich aus diesem Gebiet entfernt zu haben. Er fand aber jetzt einen Nachahmer: Beim Beerenpflücken im A s c h b a c h e r Gemeindewald wurden mehrere junge Mädchen durch einen aus dem Gebüsch kommenden 17jährigen Burschen erschreckt, so daß sie angesichts seiner Aufmachung Reißaus nahmen und in der Nähe befindliche Männer zu Hilfe riefen. Diese verfolgten den mit wehendem Hemde barfuß Flüchtenden, konnten ihn aber nicht einholen, so daß er im Dürreilenbacher Forst verschwinden konnte, r.
Alarmübung in Traifa
Die neue Sirene, die die Freiwillige Feuerwehr in Traisa der Gemeinde vom Ueberschuß des diesjährigen Festes gestiftet hatf um einem dringenden Bedürfnis abzu helfen, wird zum ersten Male im Laufe dieser Woche die Mitglieder zu einer Alarmübung zusammenrufen. Langanhaltender Ton bedeutet allgemeinen Alarm und Katastrophendienst, kurze, schnell aufeinanderfolgende Töne bedeuten Feueralarm. rs
Eine Verschiebung der Sommer- und Herbstferien im Landkreis Erbach war durch die Ernte bedingt. Das Kreisschulamt gibt bekannt, daß die diesjährigen Herbstferien am Montag, dem 25. September beginnen und bis Samstag, den 14. Oktober einschl., andauern. hm.
Werktägliches zwischen Rhein und Bergstraße
Mit der neuen Asphaltdecke ist aus dem ehemaligen Trichterfeld (und Sorgenkind der Gemeinde Hahn) eine fröhlich befahrbare Straße von Gernsheim aus in der Richtung Darmstadt öder Heidelberg geworden. Eine gefährliche Stelle existiert lediglich noch in Eschollbrücken, die man aber zwecks hinweisender Anschaulichkeit beschriftet hat. „Das müßte in die Zeitung“, sagte mir ein Bekannter, und nun steht es drin.
„Schule“ besagt das Schild, und darnter: „Kinder in Gefahr!“ (Die Warnung hätte eher an den Kranichsteiner Teich gepaßt, wo auf die Unschuld neu eingesetzter schneeweißerr Schwäne die Kartaunen fremder Krieger daneben donnerten!) Das Stück Dorfstraße - Cru m - stadt-Ortsausgang-- Dorfstraße-Goddelau hat schizophrenes Pflaster: Schon vor der Heilanstalt flucht und betet man zugleich. Erstere Ausdrücke kann man nicht wiedergeben, und das Beten erhofft baldige Beendigung des Straßen-Status-quo.
So ist man im Inneren bewegt, wenn die Sache von der Anstalt Goddelau bis Stockstadt ihren Fortgang nimmt. Sie konnten zusammen nicht kommen, die Schranke war nämlich unten! Kurz vor dem Altrhein, wo links am Güterbahnhof der Straßengraben stets voll Gurken lag. Das Angebot der Gummern war zu groß und lohnte nicht einmal die Abnahme. In Kassel kosteten diese Früchte zur selben Zeit das Stück nur 0,50 DM, außerdem sind die Leute in Nordhessen von Hause aus bedeutend 'reicher, wozu soll man da lange transportieren.
Gegenüber dem Bahnhof liegt die Firma Nold, die jetzt ihr Jubiläum feiert. Große, helle, moderne Gebäude kontrastieren malerische Ursprünglichkeit der Altrhein-Fähre. Man braucht — insofern ist es einfach — nicht dem freundlichen „Fährmann ahoi!“ zu rufen, da man im Sommer für 10 Pfennig auch barfuß alleine durch den Fluß laufen kann. — Nicht weit davon ist „M a r i a Einsiedel“. Der Weg dorthin ist nach kurzen Regenfällen nur mit Wasser-Skiern und nach längerem Guß mit Amphibien-Fahrzeugen zu benutzen. Man wollte erst Wegeschilder anbringen, aber die Arbeiter sind mit Sand in den Schuhen und vom Gesträuch zerrissenen Kleidern zurückgekommen, da die Zufahrt seit der letzten Wallfahrt nicht mehr zu entdecken ist. Uebrigens, anläßlich der damaligen Zelebrierung verkaufte man nicht unweit des Altares warme Würstchen und türkischen Honig. Das ging etwas zu weit — aber wen sollte man verantwortlich machen?
Ueber Gernsheim gibt es im Augenblick nicht soviel zu sagen, als daß sich die malerische Stadt seit dem Fischerstechen und Seifenkistl-Rennen nicht geändert hat. Der Ort möchte einen immer wieder zwingen, länger zu bleiben, im Hafen zuzuschauen, oder unter den Pappeln am ewigen Fluß zu liegen. — Aber man steht auf der Brücke der Autobahn und stellt Betrachtungen philosophischer und ökonomischer Art über die Menge oder Schönheit der vorbeifahrenden Wagen an. Von oben her gesehen siind die kleinen DKW’s sympathische „Hascherls“ gegenüber vorbeirauschender Chrom- und Lack-Eleganz der Wagen, die nur an der Snak-Bar halten. Anfangs standen die Mädchen mit hohen Absätzen neuer Schuhe und nur der Handtasche bis einschließlich Luftwaffen-Bahnhof Griesheim. Langsam sickerten sie jedoch weiter nach Süden ein, haben ihren Angriff nunmehr schon weiter als die „rutschende Kurve“ bei Gräfenhausen vorgetragen. Wohin der Weg auch führt; sie fahren mit in Minniglichkeit.
Auch die Brommelbeeren — sie wachsen vielfältig an der Autobahn — haben ihre Stacheln behalten, und werden sogar von Mercedes-Fahrern umsonst gepflückt. Berlin ist mehr und mehr zu sehen. Entweder im Auto mit Radio oder trampenderweise. Ob die anderen mit oder ohne sind, obs regnet oder schneit „det ist noch jarnischt“ sagen sie „uff sone piesligen Sachen husten wa!“ Bei Hahn ist die Auf- und Abfahrt noch gestattet; ansonsten haben die anderen Auffahrtswege sperrende Meilensteine erhalten. Sonst fuhr man trotzdem durch, nunmehr lauerts im Gebüsche. Der einzige Trost wäre, daß die 50 DM Strafe von der Steuer abgehen.
In Pfungstadt zeigten Wasserfontänen auf der Straße das Durchspülen der Rohre an. „Pungscht“ hat außer sonstigen positiven Eigenschaften eine auffallend gute Hundezucht. Die gefährliche, immer unbeteiligt scheinende Eleganz der Dobermänner ist hier neben erfolgreichen Schäferhunden, stark zu Hause.
Der HEAG-Bus fährt mit bewunderswerter Präzision nach Eberstadt; auch bei stärkstem Gewitter. Am Bahnübergang — ohne Schranke, ohne Warnsignal — ertönt jetzt ab und zu eine Trillerpfeife, die das Tuten der Lok unterbietet. Aber wer soll, sollte das (die Unkosten der Anlage oder des Unfalls) bezahlen? Dieses und die Dauer der Eberstädter Nachkermes ist eine Streitfrage. Um 5.30 Uhr war jedenfalls drinnen und draußen noch und schon: Licht. Nicht unbekannte Wüstenscheichs ließ der Araber-Likör erst spät los, und die Straßenbahn fuhr sie, vorbei an den „Bohnen-Kaffee-Häuser“, in die morgendliche „Landeshauptstadt“. ng.
Kleine Freuden auf einem großen Fest
PIT PETER ERLEBT DEN MAINZER WEINMARKT
Um ehrlich zu sein — ich wußte, daß man Wein trinken kann. Mir war — noch von der Schule her — bekannt, daß es bei großen Festen kleiner Potentaten üblich war, auf Marktplätzen neben Ochsen am Spieß auch mit Wein, der aus Brunnen floß, das gewöhnliche Volk zu erheitern. In neuerer Zeit hatte ich dann noch von einem Wurstmarkt gehört. Aber von einem „Weinmarkt“, zu dem mich ein paar Freunde nach Mainz bestellten, war mir — zu meiner Schande sei’s gestanden — nichts bekannt. Und neugierig, wie ich von berufswegen zu sein habe und auf das Versprechen meiner Freunde, mir ein „1934 er Binger Schwätzerchen“ in einer gemütlichen Kneipe zu kredenzen, fuhr ich los. Und je näher ich dem Strom aller Ströme kam, je mehr die Luft einen Duft von Wasser und Wein hatte, desto schneller fuhr mein kleiner Wagen.
Dann war ich in Mainz. Fast hätte ich die Stadt nicht wiedererkannt. Meine Freunde ließen mich aber nicht lange denken, und getreu ihrem alten Grundsatz „in medias res“, saßen wir auf einmal mitten in einem großen Zelt mit vielen Menschen. Und dieses große Zelt mit den vielen Menschen, das war wieder Mainz, so wie ich es in Erinnerung hatte. Die große Familie derer, die den Wein und die Freude lieben, hier saßen sie. tranken Wein, geschenkt aus großen Krügen, sangen die Lieder vom Rhein und der Liebe, und der Geruch von gebratenen Würsten war in der Luft. Die Lautspreeher der Buden und Karussells wetteiferten mit den Musikkapellen, junge Männer verspielten die letzten Groschen, um für junge Mädchen einen Papierblumenstrauß zu gewinnen, alte Ehepaare jauchzten genau wie junge auf dem Kettenkarussell, darauf achtend, daß auch ja nicht die kostbare Flasche „Johannisberger“ vorzeitig den Weg alles Irdischen ging. Und über all diesen Zelten, die so bildschön ausgestattet sind, über dem Weinbrunnen, aus dem der Wein wirklich und wahrhaftig in Strömen floß, über dem ins überdimensionale gesteigerten Kerbebaum, über all dem Jubel, hing ein Honigmond, wie ihn sich auch die verliebtesten Pärchen nicht schöner träumen konnten.
Es war schon etwas spät geworden. Und der besagte Mond war nicht ganz ohne Schuld. Wir saßen in einer der kleinen gemütlichen Weinstuben, die ich so liebe, vor uns stand die Flasche mit dem gewichtigen Etikett: 1934 er Binger Schwätzerchen Spätlese. Draußen war es ruhiger, das Maria“ seltener und die Gespräche am Tisch besinnlicher geworden. Das Mädchen — wie könnte man in Mainz ein Fest ohhe ein Mainzer Mädchen feiern — lehnte ihren Kopf ein wenig müde an meine Schulter. „Du, Peter, es war wunderschön, aber — komm!“ Und da dachte ich wieder an den kugelrunden Honigmond.
Auf dem Weg zu den Freunden begegneten sie uns dann noch einmal: die vielen frohen Menschen aus dem großen Zelt, manche sangen laut ihr „Ai, Ai, Ai Maria“, andere summten vom Rhein und vom Wein und wieder andere gingen still und eingehakt ihres Wegs — je nach Temperament. Aus den Gassen kam hin und wieder das verliebte Lachen einer Frau, der Dom warf seine Schatten wie eh und jeh und über allem, dem Strom, der Stadt und den Menschen hing der große, runde, honiggelbe Mond.
13. Bergsträßer Winzerfest in Bensheim
Wie zu allen Zeiten — ein vielversprechendes Programm
immer näher rückt der — , das Winzerdorf in Bensheim s^plo™ d^ Winzerfest 1950 bei ganTgroß S Soll die Festwodie S Bensstigen Verkehrslage wieder l^US ig T" Tagungsort verschieden^ Vereine und Körperschaften, vor allem aber der Xrziehungspunkt für Fremde von nah und ^rn ®ein’ d}e gerne einmal ein paar frohe bei einem guten Tropfen „Bergsträßer“ verleben wollen. ” 8
In weitem Umkreis sind die Winzerfeste der vergangenen Jahre noch in bester Erinnerung, und jeder, der eSmS so richtig in Bensheim mitgemacht hat wird auch in diesem Jahre gerne wiederkommen. Der Festzug wird in seiner einen Hälfte Winzergruppen, die Biedermeiergruppe von „Oald Bensern“ und noch so manche Ueberraschung mit sich fuhren, während in der anderen Hälfte Bilder aus der Nibelungensage gezeigt werden. Auch das „gräfliche Ehepaar von Katzenelnbogen“ wird mit dem Auerbacher Schloß mitziehen. Selbstverständlich auch die diesjährige Winzerkönigin deren Namen allerdings noch nicht verraten wird
Bei der Eröffnungsfeier am Samstag wird Bensheim zwei Uraufführungen erleben, und zwar wird der Gesangverein „Liederkranz“ den Chor „Sängerspruch“ und den Festchor, den der Heimatdichter Josef Stoll gedichtet und Chorleiter Rudolf Hagen vertont hat, zum ersten Male zu Gehör bringen. Natürlich zwitschern auch die „Kirchbergspatzen“ wieder ihre munteren Weisen, und die Tanzschule Richter führt einige Winzertänze vor.
Die Bensheimer Laienspielgruppe wird mit dem Stück „Die Kleine vom Variet6“ ein hoffentlich recht zahlreiches Publikum erfreuen. Am Sonntag, dem 3. Sep, tember, findet um 11 Uhr im Winzerdorf ein Platzkonzert der Feuerwehrkapelle statt. Der große Jahrmarkt wird am Dienstag in der Hauptstraße und auf dem Hospitalplatz abgehalten. Am Mittwoch veranstaltet der Hausfrauenverein einen großen Hausfrauennachmittag mit Modenschau im Winzerdorf.
Das Amateur - Seifenkistlrennen, bei dem die Jugend einmal so richtig auf ihre Kosten kommt, steigt am Sonntag, dem 10. September, nachmittags um 14 Uhr. Für diejenigen, die ein klein wenig „Köpfchen“ haben und sich an dem Preisrätsel während der Festwoche beteiligen, winken manche schönen Gewinne. Die verschiedenen Tagungen des Landesverbandes der Ortskrankenkasse, Bezirksgruppe Darmstadt, des Hessischen Gemeindetages, des Polizeibeschaffungsamtes, der Kreisdelegierten der Hotel- und Gaststättenvereinigung der Bergstraße, die Kreisimkertagung u. a. verteilen sich auf die einzelnen Tage während der Winzerfestwoche. Das Winzerdorf ist nur am Donnerstag und Freitag geschlossen.
Bis jetzt ist das Programm äußerst vielversprechend, möge der Wettergott den Bensheimern gnädig sein und mithelfen, daß das diesjährige Winzerfest ungestört ablaufen kann. (HB)
Mühevolle - goldner John
Zu einer Besichtigung des Hessischen Rebmuttergartens in Heppenheim hatten sich etwa 200 bis 300 Bergsträßer Winzer eingefunden. Nach herzlichen Begrüßungsworten zeigte Landwirtschaftsrat Wattendorf zunächst- die Pflanzungen der Müller-Thurgau-Reben und des Heppenheimer „Zehntgericht“. In dem kalten Winter 1939/40 sei der stärkste Ausfall durch Frost gewesen, doch seien eigentlich in keinem Falle die Rebstöcke völlig erfroren. Im oberen Rebmuttergarten zeigte Landwirtschaftsrat Wattendorf hochgewachsene traubenlose Amerikaner-Reben, die später beschnitten und als Unterlagen bei Neuanlagen von Weinbergen benutzt werden. Durch seine überaus günstige und etwas isolierte Lage sei der Rebmuttergarten bis jetzt re.blausfrei geblieben. Die Unterhaltung erfordere viel Zeit und Arbeit, es seien gegenwärtig 25 Frauen nur mit dem Beschneiden der Rebstöcke beschäftigt.
Bei der anschließenden Weinprobe gab es einen „Müller-Thurgau“ aus eigenem Grundstück, dann als Gegensatz hierzu einen Heppenheimer „Feuerteufel“ und als dritten einen Heppenheimer „Zehntgericht“ aus eigenem Grundstück. Man konnte feststellen, daß durch die dauernde sorgfältige und sachkundige Pflege auch die Weine in Geschmack und Aroma ganz besonders gewinnen, und deshalb dürfte wohl gerade diese Weinprobe die einzelnen Winzer zu intensivster und sorgfältigster Arbeit angespornt haben.
Schlossermeister Kohl dankte im Namen aller für die Führung und die aufklärenden Worte. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß auch die Bergsträßer Weine bald einen Namen in Deutschland und seinen Nachbarländern haben möchten.
Rentenauszahlungen
der AOK Jugenheim
Die Renten der Invaliden- und Angestelltenversicherung sowie die KB-Renten werden für Jugenheim und Balkhausen auf der Zahlstelle Jugenheim am 1. September von 8.30 bis 12 Uhr ausgezahlt. Zahltag für Seeheim: 1. September von 14 bis 16.30 Uhr im Rathaus; für Alsbach: 2. September von 9 bis 11 Uhr im Rathaus. In Hähnl ein; erfolgt die Auszahlung am 2. September von 10 bis 12 Uhr im Rathaus.
Im khaţen der JUSTIZ
Rigoroser Fahrer — Teures Federvieh — Kuppelei in der 1-Zimmer-Wohnung
Wegen fahrlässiger Körperverletzung in Verbindung mit Uebertretung der Straßenverkehrsordnung verurteilte das Amtsgericht Reinheim den 23jährigen Motorradfahrer B. aus Fr.- Crumbach zu 100 DM Geldstrafe. B. hatte am 23./ 24. April dieses Jahres bei Groß-Bieberau versucht, trotz rotem Lichtsignal an einer Gendarmeriestreife vorbeizufahren. Hierbei fuhr er den Gend.- Meister Schneider an, so daß beide stürzten.
* Nicht viel Federlesens machte die 42- jährige Frau L. aus Nieder-Klingen, als ihr vor einiger Zeit drei Hühner und ein Hahn in die Futterküche liefen. Sie vereinnahmte das Geflügel und verkaufte einige Tage später die Hühner für 10 DM, den Hahn für 3,50 DM an die Ehefrau eines Geflügelhändlers aus Groß-Zimmern. Der Geschädigte, der einen Ersatz für sein abhanden gekommenes Federvieh suchte, entdeckte nun zufällig bei dem Geflügelhändler seinen Hahn und — auch die Hühner.
Die Angeklagte versuchte anfangs vor dem Amtsgericht Reinheim zu leugnen, mußte aber dann doch die Tat eingestehen. 80 DM Strafe für Unterschlagung und 70 DM für Betrug waren das Resümee der Verhandlung. (le)
„Wir waren dem frechen Benehmen unserer Tochter gegenüber machtlos“, klagten gestern die Eheleute Josef und Hedwig M. aus Münster vor dem Bezirksschöffengericht Darmstadt. Wegen Kuppelei waren beide vor Gericht zitiert. Die Tochter der beiden Angeklagten, ein sechzehnjähriges Mädchen, besaß einen Freund. Dieser ging in der kleinen Wohnung der Familie M. — sie bestand aus einem Zimmer — ein und aus und verließ nicht selten auch erst am Morgen das Haus. Wo er sich in der Nacht befand, wußten die verantwortungslosen Eltern sehr genau. Weil sie dies nun geduldet hatten, erkannte das Gericht gegen den 53jährigen Ehemann und die 39jährige Ehefrau wegen Kuppelei auf zwei bzw. einen Monat Gefängnis.
„Wenn sich ihre Tochter daneben benommen hat und Sie selbst dem nicht entgegenzutreten vermochten, wäre es Ihre Pflicht Aufgabe gewesen, diese und der Jugendfürsorge zu melden“, erklärte der Richter, klappte den Aktendeckel zu und rief den nächsten Termin auf. ri.
Spaltungen schädigen gemeinsame Interessen
Kundgebung der Heimatvertriebenen in Groß-Gerau
Ingenieur Seiboth, Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Organisationsleiter des Landesverbandes der Heimatvertriebenen, sprach kürzlich auf einer Kundgebung der Heimatvertriebenen im Groß-Gerauer Adlersaal.
Ingenieur Seiboth machte zu Beginn seiner Rede die Feststellung, daß die Rückgewinnung der Heimat das höchste Ziel des Verbandes sei. Dieses Ziel sei jedoch nur zu erreichen, wenn die Heimatvertriebenen die nötigen körperlichen und moralischen Kräfte bewahren würden, um ihre inzwischen zu einer Wüstenei gewordene Heimat wieder neu aufzubauen. Um diese Kräfte zu bewahren und neu zu sammeln, sei jedoch eine vorläufige Eingliederung in die hiesige soziale Ordnung notwendig.
Seiboth, der selbst erst vor wenig mehr als zwei Jahren aus der Tschechoslowakei nach Deutschland kam, schilderte sodann aus eigener Anschauung, wie das Sudetenland immer mehr verödet. Er führte aus, daß längst nicht alle, die damals vertrieben worden seien, in ihre alte Heimat zurückkehren würden. Ein Teil von diesen sei verschwunden; andere hätten sich hier inzwischen durch Heirat oder durch Schaffung einer festen Existenz soweit eingelebt, daß sie nicht mehr zurückkehren würden. Es müsse darum alles getan werden, um dem Nachwuchs eine gute Ausbildung zu geben, damit die relativ kleine Zahl der Zurückkehrenden das schwere Aufbauwerk bewältigen könne. Die Heimatvertriebenen dürften nicht nur als Masse, sondern sie müßten auch als Qualität existieren. Der Redner forderte die Heimatvertriebenen auf, ihre Gedanken an Rache und Vergeltung für die zugefügten Leiden aufzugeben; nur eine friedliche Neuordnung Europas und ein späteres friedliches Zusammenleben mit den Tschechen könne zu einem glücklichen Besitz der Heimat führen. Er warnte in seinen weiteren Ausführungen vor politischen Heuchlern und Illusionisten, die mit beifallheischenden Phrasen die Heimatvertriebenen berauschen wollten.
Ein Lastenausgleich, so meinte er, der in sehr kleinen Raten ausbezahlt würde, sei sinnlos. Es müsse schon auf einmal eine gewisse Summe ausgezahlt werden, damit der Heimatvertriebene wirklich damit etwas unternehmen könne, was seine Existenzgrundlage stärke. In seinen abschließenden Worten wandte sich der Redner gegen Spaltungsbestrebungen in der Organisation, da dererlei nur schädlich sei für die gemeinsamen Interessen der Heimatvertriebenen. (cg)
Grundsteuern gesenkt
Waldmichelbachs Haushaltsplan angenommen
Die Gemeinderäte Waldmichelbachs, die zu der am Montag einberufenen Sitzung nur zur Hälfte ihrer zahlenmäßigen Besetzung erschienen und somit gerade noch beschlußfähig waren, verabschiedeten nach mehreren vorausgegangenen Beratungen den Haushaltsplan für 1950/51. Im ordentlichen Etat wurden 265 549,21 DM an Einnahmen und Ausgaben eingesetzt, während der außerordentliche Plan für den Bau des 6-Familienhauses 47 860.- DM vorsieht. Im kommenden Jahre sollen vor allem verschiedene im Unterdorf gelegene Wege und Straßen in Ordnung gebracht werden. Die Kanalisation soll an neu erschlossenes Baugelände auf der Grundlage von Notstandsarbeiten angeschlossen werden. Die Gesamtausgaben hierfür belaufen sich auf 35 720.- DM, wovon ein Teil durch Zuschüsse des Arbeitsames Darmstadt gedeckt wird.
Die Grundsteuern werden auf Antrag der SPD-Fraktion von 320 auf 288 bzw. von 189 auf 170 Prozent gesenkt. 4000 DM sind für den Ausbau des Realgymnasiums, 3800 DM für die Renovierung der Volksschule im unteren Ortsteil eingesetzt. Die Anschaffung einer Schulfunkverstärkeranlage sowie ein Zuschuß von je 150 DM für die beiden Kindergärten wurden ebenfalls genehmigt; der Beschluß vom 18. Juli 1950 auf Ausgemeindung eines Gemarkungsteiles wurde abschließend rückgängig gemacht und dem Landrat entsprechende Mitteilung zugeleitet, r.
Bestrafte Dickköpfigkeit
Der Landwirt K. M. aus Kirch-Brombach fuhr mit einer unbeleuchteten Zugmaschine in der Dunkelheit die wegen Bauarbeiten für jeglichen Verkehr gesperrte Kreisstraße von Langenbrombach nach Zell. Schon am Dorfausgang von Langenbrombach gerieten die Räder der Zugmaschine in eine ausgegrabene Baustelle rechts der Fahrbahn. Trotzdem fuhr M. weiter, um nach knapp 100 m in eine nächste Grube links der Straße zu fahren. Kurz vor dem Erholungsheim überfuhr er abermals eine Baustelle und rannte gegen die Straßenböschung, wo die Zugmaschine liegen blieb. M. verletzte sich die rechte Hand und den Arm. -ch-
Eine Sternfahrt nach Biebesheim ver¬ anstalten die sozialistischen Jugendverbände des Unterbezirks anläßlich des 50- jährigen Bestehens der SPD in Biebesheim. Die Heimatvertriebenen treffen sich am gleichen Tage in Biebesheim, um an dem Richtfest der Neubürger Siedlung teilzunehmen. kr
Der SPORT
Tischtennis-Pokalmeisterschaft in Giessen
Eintracht Frankfurt und SV Wiesbaden neue Titelträger — SV 98 erringt zwei 3. Plätze
Nachdem am Vorsonntag Süd- und Nordhessen ihre Endspielgegner für die hessischen Meisterschaften ermittelten, standen sie sich am Sonntag in Gießen gegenüber. Die Endspiele brachten für die Vertreter des SV 98 nicht den erwarteten Gesamterfolg.
So mußten sich die Lilienträgerinnen Frl. Holzapfel und Frau Römer, die im Vorjahre überlegen den Titel erringen konnten, mit dem 3. Platz begnügen. Die Damen der Eintracht, die ihre Mannschaft verstärkt hatten, mußten im entscheidenden Spiel letzten Endes froh sein, daß sie dennoch die Oberhand behielten. Die Mannschaft des nordhess. Meisters 11C Wolfshagen erwies sich als äußerst spielstark. Die Spitzenspielerin Frau Kienold schlug u. a. die mehrfache hessische Meisterin Ilse Donath / Eintracht Frankfurt. Um so höher ist der Sieg der Darmstädter Spitzenspielern Frl. Holzapfel zu werfen, die gegen Frau Kienold 3:1 gewann. Das Spiel gegen Wolfshagen ging knapp mit 2:3 verloren. Gegen die gut aufgelegte Eintrachtmannschäft wurde kein Gewinnpunkt erzielt.
Die Pokalmannschaff des SV Wiesbaden mit Koffer/Seifert konnte den Titel erfolgreich verteidigen. So war es vor allem der langjährige Meister und Spieler in der deutschen Rangliste, Kurt Seifert, der seine Spiele gewinnen konnte und so zum Endsieg entscheidend beigetragen hat. Die Mannschaft der Eintracht Frankfurt kam über den 3. Platz nicht hinaus.
Die Jugendpokalmannschaft des SV 98, die sich erstmals nach dem Kriege in den Vordergrund im hessischen Tischtennissport schob, trat im ersten Spiel gegen Dillenburg an und verlor im entscheidenden 57 Spiel knapp mit 2:3. Die beiden Jugendlichen Schmidtmer/Wagner boten eine sehr gute Leistung. Ein Sieg über Dillenburg hätte ihnen die hessische Meisterschaft eingebracht. Dillenburg gewann anschließend gegen Wiesbaden 3:0, so daß die Lilienträger auf den 3. Platz kamen. Bei der weiblichen Jugend wurde der VFB Friedberg Meister.
Die knappen Spielausgänge zeigten die Ausgeglichenheit der einzelnen Mannschaften. Ku.
Aufstiegskämpfe der Fechter in Ober-Ursel
Als am Samstag pünktlich um 15 Uhr die Bahnen für die Florettkämpfe freigegeben wurden, sah man sofort, daß hier neben Neulingen auch noch gutes Fechtermaterial aus der Vorkriegszeit am Start war. Die vom Krieg und seinen Folgeerscheinungen gerissenen Lucken machte^ sich beim Fechtsport noch sehr stark bemerkbar und es durfte noch einige Zeit dauern, bis diese geschlossen T schöner Sport
In den Vorrunden wurde scnonei opvgeboten. Die Hälfte der Fechter ging m die Zwischenrunde. Als bekannt wurde, daß von den in der Zwischenrunde Kampfenden nur von jeder Runde zwei lech in die Endrunde aufrucken, wurden die Fechter nervös und die Leistungen fiele gegen die Vorrunde stark ab. Der Darmstädter Leicht mußte nachdem er nur z Siege in der Vorrunde erringen konnte nach seinem letzten Gefecht gegen ein sehr starken Linkshänder ausscheiden.
Casmir jr., Hermania Frankfurt, d mit Riesenschritten seinem Vater zu lo - gen scheint war nicht zu schlagen und sein Sieg nie gefährdet. Zweiter wurde Hubert TG Bürgel vor dem stark favontisierten Pullmann. TV Offenbach.
ruumanu, r v Bei den Frauen waren die Fechterinnen aus Offenbach, ob vom TV oder vom Fechtclub, nicht zu schlagen. Nach seh harten Kämpfen, die auf sehr hohem Niveau standen, qualifizierten sich 9 Fechterinnen für die Landesmeisterschaften. Die ersten Plätze wurden wie folgt belegt: 1. Frl. Müller, TV Offenbach; 2. Frl. Herbert, FC Offenbach; 3. Frl. Sehring, TV Offenbach-Bürgel.
Am Sonntagnachmittag wurden außer den Florettkämpfen der Frauen die Säbelkämpfe der Männer abgewickelt. Von 12 Fechtern die aus den Vorrunden aufrückten und die Zwischenrunde bestritten, kamen 8 in die Endrunde. Durch das Sieben in den Vor- und Zwischenrunden waren dann auch nur wirkliche Könner übriggeblieben und diese 8 Männer zeigten gute Beinarbeit, saubere Klingenführung und wirklich durchdachte Aktionen. Schwer vom Fechtclub Wiesbaden war hier der Ueberlegene und konnte mit 6 Siegen und 1 Niederlage den ersten Platz erringen. Pullmann, Offenbach, der Schwer die einzige Niederlage beigebracht hatte, landete mit 4 Siegen und 3 Niederlagen auf dem 2. Platz. Constantin, TG Offenbach-Bürgel, wurde Dritter.
Schreher, Darmstadt, der seine 2 ersten Gefechte in der Vorrunde in guter Haltung sicher gewinnen konnte, verlor sein 3. Gefecht knapp mit 5:4 durch eine Fehlentscheidung. Dadurch waren 3 Fechter mit gleicher Siegeszahl, die um den 4. Platz und Aufstieg in die Zwischenrunde stechen mußten. Schreher mußte zweimal hintereinander antreten und verlor beide Gefechte sehr knapp.
Zu den Landesmeisterschaften wird der Darmstädter Fechtclub also nur seine als bewährten Fechter Melcher, Haun, Weikker und Koch entsenden können, -icke-
Unser Tip
für den Hessen-Toto
1. Eintracht Frankf.—l. FC Nürnb. 1 2 2. Waldhof Mannh.—Kickers Offenb. 2 0 3. SV Darmstadt 98—Vfß Mühlburg 1 0 4. 1860 München—FSV Frankfurt 0 1 5. SSV Reutlingen—Vfß Stuttgart 2 2 6. VfL Neckarau—Bayern München 2 2 7. Union Böckingen—Ulm 46 0 1 8. SV Wiesbaden—WackerMünchen 2 2 9. FC Singen—Schwaben Augsburg 2 0 10. Spvg. Fürth—Vfß Mannheim 1 1 11. FC Pforzheim—Hessen Kassel 1 1 12. BC Augsburg—Schweinfurt 05 11 13. ASV Durlach—SG Arheilgen 1 1 14. Jahn Regensburg—FC Bamberg 1 1
Durchweg viele Gewinner
109 „Erste“ in Rheinland-Pfalz
Mainz (AZ). Die Zahl der richtigen Lösungen ist für den vergangenen Sonntag durchweg höher als sonst gewesen. Das wirkt sich auch in den Quoten aus. Rheinland-Pfalz meldet für den 27. August folgende Zahlen: 1. Rang 109 Gewinner mit je 713 DM; 2. Rang 1378 Gewinner mit je 56,40 DM; 3. Rang 16 364 Gewinner mit je 4,75 DM. Beim Kleintip erhielten 578 Gewinner je 41 DM.
Bayerntoto: 1. Rang: 31 Gewinner mit je 3870 D-Mark; 2. Rang: 649 Gewinner mit je 184,90 D-Mark; 3. Rang: 6874 Gewinner mit je 17,80 D-Mark. Zusatzwette: 1. Rang: 366 Gewinner mit je 81,30 D-Mark; 2. Rang: 6868 Gewinner mit je 6,10 D-Mark.
Fußballtoto West: 1. Rang: 33 Gewinner mit je 3960,50 D-Mark; 2. Rang: 843 Gewinner mit je 155 D-Mark; 3. Rang: 8364 Gewinner mit je 15,50 D-Mark.
Vereinigter Nordtoto. Im Vereinigten Nordtoto wurden für den vergangenen Wettsonntag folgende Gewinnquoten ausgezahlt: 1. Rang 760 Gewinner mit je 280 DM; 2. Rang 10 929 Gewinner mit je 19,50 DM; 3. Rang 70 861 Gewinner mit je 3 DM.
Gyselinckx weiter Spitzenreiter
Müller gewann Schweinfurt—Kassel
Kassel. (AP.) Die 15. Etappe der Deutschlandfahrt von Schweinfurt nach Kassel über 216,8 Kilometer wurde am Dienstag von Heinz Müller (Schwenningen) in der Zeit von 6:15,00 Stunden vor dem Dortmunder Fritz Siefert und Peter Schulze (Köln) gewonnen. Müller, der damit seinen zweiten Etappensieg herausfuhr, gewann den Spurt einer siebenköpfigen Spitzengruppe. Als letzter dieser Gruppe passierte der Belgier Roger Gyselinckx das Ziel. Er liegt in der Gesamtwertung nach wie vor an der Spitze.
AH-Clubkampf Nikar Heidelberg-DSW 12 4:2
Klubkämpfe haben immer einen besonderen Reiz, weil sie neben einem Vergleich über das Leistungsniveau der beteiligten Vereine auch der Pflege und Neubegründung von Sportfreundschaften gewidmet sind. Zwischen dem Darmstädter Schwimm- und Wassersportclub 1912 (ehern. Jung-Deutschland) und dem SV Nikar Heidelberg besteht schon seit Jahrzehnten ein enges Freundschaftsband, trotzdem die beiden Clubs in vielen Kämpfen oft scharfe Rivalen waren und sich gegenseitig manchen Meistertitel abnahmen.
Es war ein famoser Gedanke, die beiden Traditionsmannschaften wieder einmal zu einem Klubkampf an den Start zu bringen und so einigte man sich auf das auf halbem Wege gelegene Freibad in Heppenheim als Austragungsort.
Daß die „alten Kämpen“ noch mit Energie zu kämpfen verstehen, bewiesen die geschwommenen 2 Staffeln und das folgende Wasserballspiel. In der Kraulstaffel 10X50 m wurden die zahlreichen Zuschauer bereits in größter Spannung gehalten, da es dem Nikar gelang, die anfängliche Führung der Darmstädter zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen auszugestalten, um es sich erst bei dem letzten Wechsel endgültig zu sichern.
Bei der Lagenstaffel 9*50 m drehte der DSW 12 den Spieß um und ging vom vierten Mann an durch die gute Leistung Karliczeks im Rückenschwimmen mächtig in Front. Dieser Vorsprung wurde dann auch bis zum Schluß gehalten und im Punktverhältnis ein Gleichstand von 2:2 erzielt.
Das Hauptinteresse konzentrierte sich somit auf das die Veranstaltung beschließende Wasserballspiel. Der Süddeutsche Vizemeister verfügt auch über eine starke AH-Mannschaft, gegen die die Darmstädter einen schweren Kampf hatten. In den Gebrüder Besoke (früher Breslau) und Heyer hatte der Nikar drei überragende Könner zur Stelle, die sich auch heute noch in jeder aktiven Mannschaft verwenden lassen. Trotz heftiger Gegenwehr ging Heidelberg bis zur Halbzeit 3:0 in Führung und war auch nach dem Wechsel mit 3 weiteren Toren erfolgreich. Durch Vogel konnte der DSW 12 die Tordifferenz auf 6:2 verringern, -er-
KSG Ober-Ramstadt VfL Michelstadt 6:3
Die Generalprobe der VfL-Fußballer vor Beginn der Verbandsrunde brachte auf dem holprigen Grassportplatz trotz der eindeutigen 6:3-Niederlage wertvolle Erkenntnisse auf der Suche nach der besten Mannschaftsaufstellung. Die Platzherren, die vom Anpfiff weg den Ton angaben, lagen bereits nach fünf Minuten 1:0 in Front. Doch schon wenige Minuten später hatte Flechsenhar eine Flanke zu Klein weitergeleitet, der aus einem Gedränge heraus zum Ausgleich einschoß. Kurz vor der Halbzeit war Ober-Ramstadts Linksaußen erneut durchgebrochen, und sein Weitschuß senkte sich über dem zu weit vornstehenden Torhüter Glas zum 2:1 ins Netz. In der 50. Minute fiel durch Kopfball das dritte und eine Minute später das vierte Tor für die Gastgeber. Beim Stand von 6:1 konnten die Gäste mehr und mehr das Heft in die Hand nehmen. In der 65. Minute erzielte Erl auf eine Flanke von Walter das 6:2 und in der 75. Minute Walter das 6:3.
TSV Höchst —KSG Erbach 4:2
Nach beiderseitigem Abtasten kamen die Platzherren bereits in den ersten Minuten durch ein von Egner verursachtes Selbsttor zum Führungstreffer. Postwendend hatte jedoch der wieselfiinke Köhler Benschek und Kretschmann überspielt und eine Vorlage zu Riefling geschickt, die dieser zum Ausgleich einschoß. Bereits zwei Minuten später stand es 2:1 für Erbach, das auch in der Folge durch seine schnellen Flachkombinationen dominierte. Doch als mit 2:2 die Seiten gewechselt worden waren, war auch das Pulver der Erbacher verschossen. Nach dem dritten Höchster Treffer durch Allmann ging Höchst wieder aus der Defensive heraus, und schon in der Mitte der zweiten Hälfte senkte sich ein Direktschuß Heindels zum 4:2 ins Erbacher Dreieck, -ppi.
1. und 2. Liga Süd am 3. September
1. Liga Süd
Waldhof Mannheim—Kickers Offenbach (Samstag)
Spvgg Fürth—Vfß Mannheim SV 98 Darmstadt—Vfß Mühlburg 1860 München—FSV Frankfurt BC Augsburg— FC Schweinfurth 05 FC 04 Singen—Schwaben Augsburg VfL Neckarau—Bayern München Eintracht Frankfurt—l. FC Nürnberg SSV Reutlingen—Vfß Stuttgart
2. Liga Süd
Stuttgarter Kickers—Freiburger FC 1. FC Pforzheim—Hessen Kassel Viktoria Aschaffenburg—ASV Cham SV Wiesbaden—Wacker München Tübinger SV—FC Bayern Hof Jahn Regensburg—l. FC Bamberg TSV Straubing—VfL. Kon-t^nz Union Bückingen—TSS Ulm 1846 ASV Durlach—SG Arheilgen
Deutschlands Aufnahme empfohlen
Lausanne. (AP.) Der Exekutivausschuß des Internationalen Olympischen Komitees hat am Dienstag empfohlen, Deutschland und Japan zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki zuzulassen.
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Ober-Ramstadt. An dem Liedertag des SKG Roßdorf beteiligt sich auch die Sängervereinigung 1871 (in der SKG) unter Chorleiter Studienrat A. Born. Die Sänger, Angehörige und Interessenten treffen sich um 12.30 Uhr am Ober-Ramstädter Bahnhof. -D-
Brandau. Die Friedrich-Ebert-Straße wurde neu hergerichtet. Die Kosten für den Straßenbau übernimmt das Straßenbauamt, für den Straßenrand und die Kanalisierung die Gemeinde.
Alsbach. Sprechstunden des Wohnungsamtes sind Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 8 bis 11 Uhr. Vorsprachen bei Mitgliedern des Wohnungsamtes sind zwecklos. hl-
Hahn. Die evangelische Frauenhilfe unternahm unter der Führung des Ortspfarrers Dr. Uhrig eine Fahrt in den Schwarzwald. ler.
Pfungstadt. Die Schulkameraden des Jahrgangs 1897 unternahmen am Sonntag eine Fahrt in die Pfalz. ler.
DIEBURG
Dieburg. - Vor einem Gasthaus im Minnefeld wurde ein neues Damenfahrrad von noch unbekannten Tätern entwendet.
Ober-Roden. - Aus dem in einer Seitenstraße abgestellten Pkw eines Textilkaufmanns aus Bad Orb wurden mehrere Musterkollektionen von Strümpfen im Werte von 500 DM gestohlen. Die unbekannten Täter hatten durch die hochgeklappte Windschutzscheibe gegriffen und die Wagentür von innen her entriegelt. (RG)
Mosbach. - Der 63jährige L. M. und der 70jährige A. wurden wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem 13 jährigen Mädchen und dessen 8 Jahre alter Schwester in Untersuchungshaft genommen. (RG)
Habitzheim. Am Sonntag führte Pfarrer Redhardt während des Gottesdienstes die Konfirmanden des Jahres 1951 (13 Jungen und 5 Mädel) ein. Jg.
ERBACH
Michelstadt. Im Heinrich-Ritzel-Stadion führt das Realgymnasium Michelstadt ein großes Schulsportfest durch, an dem auch, die Gymnasien von Mainz und Heidelberg teilnehmen werden. -ch
Kirch-Brombach. Der Schäfer Johann Krämer hat die Winterschafweide der Gemeinde zum Preis von 500 DM für die Zeit vom 1. Dezember bis 26. März 1951 gepachtet. -ch
Hiltersklingen. Beim Vertrauensmann H. Schmachtei kann von bedürftigen und kinderreichen Familien Heimatvertriebener amerikanische Bettwäsche in Empfang genommen werden. ptoo.
BERGSTRASSE
Heppenheim. Zum Dürkheimer Wurstmarkt kann ein eingesetzter Sambaexpreß am Sonntag, dem 10. September, um 9.18 Uhr, in Heppenheim bestiegen werden. Ankunft in Dürkheim 11.09 Uhr. Rückfahrt um 20 Uhr mit Ankunft in Heppenheim um 21.51 Uhr. prs
Zwingenberg. Am Samstag findet um 20.00 Uhr im Gasthaus zur Bergstraße (Diefenbach) eine Versammlung der Fliegergeschädigten statt. DT
Lorsch. Wie schon vor längerer Zeit angekündigt, wurde durch Umbau der Saal des Gastwirtes Wiegand in der Römerstraße fertiggestellt, der im Ausmaße die Turnhalle bei weitem übertrifft. (el)
GROSS-GERAU
Groß-Gerau. Am Sonntagmorgen traf sich die Maler-Innung zu einer Versammlung. Jahresrechnung, Haushaltsplan, Tarifverhandlungen und Sterbekasse waren die wesentlichsten Themen der Sitzung.
Dornheim. Am Samstagnachmittag veranstaltete der evangelische Kindergarten ein Kinderfest. Neben einem Umzug, der aber infolge der schlechten Witterungs- Verhältnisse abgebrochen werden mußte, wurden den Eltern und Gästen Ausschnitte aus der Arbeit des Kindergartens gezeigt. -od-
Mörfelden. In einer öffentlichen Versammlung des Vereins der Körperbeschädigten referierte Kreisvorsitzender Spitzner, Bischofsheim, über das neue Versorgungsgesetz. Kb.
Gernsheim. Der Kreistagsabgeordnete der FDP Walter Fronhoff hält heute um 20 Uhr in der Gastwirtschaft Haas eine öffentliche Sprechstunde ab. Die Bevölkerung kann bei dieser Gelegenheit ihre Sorgen und Wünsche Vortagen. Kr.
Tanklöschfahrzeug
für den Kreis Erbach eingetroffen
Von den Magiruswerken Ulm kommend traf das für den Kreis Erbach bestimmte moderne landeseigene Tanklöschfahrzeug in der Kreisstadt ein. Es ist in erster Linie für die überörtliche Löschhilfe ländlicher Gebiete mit schlechten Wasserverhältnissen vorgesehen und wird sich daher im Kreis Erbach gut bewähren. Bekanntlich stieß seinerzeit die serienmäßige Beschaffung dieses Fahrzeugs durch das Land Hessen auf erheblichen Widerspruch der Kreisfeuerwehrverbände, weil dadurch die Zuschüsse der Brandversicherungskämmem zu Feuerschutzeinrichtungen der Gemeinden gestrichen werden mußten.
Der Rundfunk am Donnerstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Mcrgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 9.00 Unterhaltungsmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 14.00 Musik; 15.30 Freistehende Künstler Hessens vor dem Mikrofon; 16.00 Hausfrauenkonzert; 17.00 Unterhaltungskonzert; 18.00 Hörerlieblinge; 18.30 Musikalische Ansichtskarten; 20.00 Der Wunschzettel; 21.10 Unterhaltungsmusik von heute; 21.45 Passiert — glossiert; 22.15 Musik von Chopin, Schumann und Manuel de Falla; 23.00 Tanzmusik.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.05 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.00 Schulfunk; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.05 Hausmusik; 20.05 Salzburger Festspiele 1950, 8. Orchesterkonzert; 22.15 Aus der Tanzmappe; 22.45 Der Böhmische Jahrmarkt; 23.15 Der Liebsten ein Ständchen; 0.05 Jazz im Funk.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 15.30 Nachwuchs stellt sich vor; 16.15 Nachmittagskonzert; 17.15 Virtuose Unterhaltungsmusik; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Ein Tanzabend im SWF; 21.10 Volksmusik aus Italien; 22.30 Die großen Meister; 23.20 Für Kenner und Liebhaber.
Bestattungen am Mittwoch, dem 30. August 1950 Beerdigungen: Alter Friedhof: 13.30 Knopp, Thomas, Oberursel, 2 Jahre 14.00 Ritz, Karl-August, Kranichsteiner Straße 47, 84 J. Feuerbestattung: Waldfriedhof: 14.45 Feiger, Magdalena, geb. Müller, Stockstadt
AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN Bekanntmachung Die Landstraße I. Ordnung Trösel—Unter-Absteinach wird für die Zeit vom 28. August bis 2. September 1950 einschl. für den gesamten Verkehr wegen Straßen- bzw. Kanalisationsarbeiten von der Ortsmitte Trösel bis Unter-Absteinach und umgekehrt gesperrt. Die aufgestellten Umleitungs- bzw. Sperrzeichen sind zu beachten. Heppenheim, den 25. August 1950. Der Landrat des Landkreises Bergstraße öffentliche Ausschreibung Die Wiederherstellung des beschädigten Plattengrabens am Dornheimer Weg zwischen Autobahn und Rückhaltebecken „Im Triesch“ wird hiermit öffentlich ausgeschrieben. Angebotsunterlagen können bei der Stadtbauverwattung — Abt. Tiefbau — Darmstadt, Bessunger Straße 125, Zimmer 6, am Freitag, dem 1. September 1950, von B—l 28—12 Uhr abgeholt werden. Die bei der genannten Dienststelle in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift „Angebot für “ eingegangenen Angebote werden am 8. September 1950 um 10 Uhr geöffnet. Darmstadt, den 26. August 1950. Stadt Darmstadt • Stadtbauverwaltung Betr.: Die Ausführung der Verordnung über das Meldewesen (Reichsmeldeordnung) vom 6. Januar 1938 (RGBI. I S. 13) in der durch die Hessische Verordnung vom 21. Juni 1950 (GVBI. S. 123) geänderten Fassung. Auf Grund der §§ 8 Abs. 1 und 15 Abs. 5 obiger Verordnung haben die im § 15 Abs. 1 gleicher Verordnung genannten Personen (Inhaber und Leiter von Hotels, Gaststätten, Fremden-, Wohlfahrts- und Erholungsheimen, Herbergen, Obdachlosenasylen usw.) die ihnen obliegenden Meldungen bis spätestens 3 - drei - Uhr bei dem wachthabenden Beamten des ersten Polizeireviers im früheren Residenzschloß abzugeben. Nach diesem Zeitpunkt eintreffende meldepflichtige Personen sind dem gleichen Beamten sofort nach Eintreffen — gegebenenfalls fernmündlich — zu melden. Die Meldescheine sind in diesen Fällen am nächsten Morgen bis spätestens 7 — sieben — Uhr bei dem vorgenannten Beamten abzugeben. Darmstadt, den 24. August 1950. Stadt Darmstadt Der Polizeipräsident Versteigerung! Ich werde versteigern: 31. 8., 10 Uhr, Pfandkammer Amtsgericht: I Rübenbröckler, 1 Dezimalwaage, 1 Herrenfahrrad. Hiltermann, Gerichtsvollzieher (b)
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