Darmstädter Tagblatt 1950


Darmstädter Tagblatt

Darmstädter Tagblatt CHEFREDAKTEUR; ERICH DOMBROWSKI. Verlag: Darmstädter Tagblatt L C Wittich* E r sX'in ? t «Mefon'S Erscneint täglich außer Sonntag 207. Jahrgang / Nummer 51 Xeuefte Tku&ridjfen Dienstag, 29. August 1950 Redaktion: Darmstädter Tagblatt L. C. Wittich. Darmstadt, Rheinstraße 23,Te1. 3925. Bezugspreis: 2,60 DM monatlich zuzüglich 0.40 DM Trägerlohn. Anzeigenpreise: Preisliste Nr. 3 v. l. 7. 1950. 15 Pfennig

Maßnahmen gegen Delegierte des „Nationalrates“ gefordert

Bonn, 28. August, (dpa) Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche Fragen, Wehner (Sozialdemokratische Partei), hat am Montag vor der Presse in Bonn zu dem kommunistischen Nationalkongreß in Ost-Berlin und zu den Oktoberwahlen in der sowjetischen Zone Stellung genommen.

Die Ausführungen des Ministerpräsidenten Grotewohl zum nationalen Widerstand seien ein Spiel mit der Variante des Bürgerkrieges. Es solle ein Zustand geschaffen werden, den Lenin als die notwendige Voraussetzung zur Revolution bezeichnet habe, nämlich eine Doppelherrschaft. Es gehe den Kommunisten darum, die legale Regierung durch vielfältige Organe aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der nationale Widerstand sei zur zentralen Parole in und um Westdeutschland gemacht worden.

Bei der Wendung nach dem Westen gehe es unter anderem auch darum, die Regierung der sowjetischen Zone in den Handel und in die Wirtschaft der anderen Teile Deutschlands einzuschalten. Dabei werde mit dem Interzonenhandel und dem großen Ostgeschäft gewinkt.

Wehner forderte Maßnahmen gegen die westdeutschen Delegierten des Nationalkongresses. Ihnen sollten Pässe zur Uebersiedlung in die sowjetische Zone gegeben werden. Er hoffe auch, daß etwas gegen die kommunistischen Bundestagsabgeordneten Reimann und Agatz unternommen werde, da nach seiner Auffassung niemand gleichzeitig Mitglied des Bundestages und des Nationalrates der sowjetischen Zone sein könne. Wehner verlangte ferner die offene Firmierung aller kommunistischen Hilfsorganisationen. Der Nationalkongreß sollte einerseits nicht unterschätzt werden, andererseits solle aber niemand glauben, die Bundesrepublik könne nicht damit fertig werden.

Zu den Oktoberwahlen in der sowjetischen Zone sagte Wehner, die Masse der dortigen Bevölkerung warte darauf, daß die Bundesrepublik ihr ein Zeichen gebe, wie sie sich zu verhalten habe. Es werde nach den Ferien eine der ersten und dringlichsten Aufgaben des Bundestages sein, sich mit entsprechenden Maßnahmen zu befassen. Zusicherungen der Bundesregierung lägen bereits vor.

Streik in Frankfurt

15 000 Bauarbeiter im Ausstand

Frankfurt, 28. August. Etwa 15 000 Frankfurter Bauarbeiter haben am Montagmorgen um 7 Uhr die Arbeit auf den Baustellen niedergelegt und den von der Gewerkschaft Bau, Steine und Erden in Frankfurt ausgerufenen Lohn-Streik begonnen. Wie die Gewerkschaft zwei Stunden nach dem Streikbeginn mitteilte, wird die Streikparole hundertprozentig befolgt. Die Bauarbeiter haben Streikposten ausgestellt.

Eine vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Bau, Steine, Erden am Montagnachmittag zur Erläuterung des Frankfurter Bauarbeiterstreiks einberufene Pressekonferenz ging kurz nach Beginn bereits wieder auseinander, da die Gewerkschaftler mach Ansicht der Pressevertreter die Fragen nicht ausreichend beantworteten.

Nachdem August Ernst vom Hauptvorstand erklärt hatte, daß die Unternehmerseite keinen ernsten Wülen gezeigt habe, den Gewerkschaften entgegenzukommen, entspann sich eine Diskussion, in der die Pressevertreter unter anderem Auskunft über die genaue Zahl der Streikenden, über die Höhe der Unterstützung durch die Gewerkschaft und über die Zahl der Unternehmer wünschten, die bereits selbständig mit der Gewerkschaft zu einem Uebereinkommen gelangt sind. Außerdem wurde die Frage aufgeworfen, ob ein Streikbeschluß des Hauptvorstandes auch für andere Städte zu erwarten sei.

Da von der Gewerkschaft diese Fragen teils ausweichend, teils mit den Worten „das ist Gewerkschaftsgeheimnis“ beantwortet wurden, kam es zu einem erregten Wortwechsel, nach dem beide Teile die Pressekonferenz als beendet betrachteten.

Zwischen Rhein und Elbe

Moch: Frankreich wird sich in Deutschland verteidigen

Paris, 28. August, (dpa) Der französische Verteidigungsminister Jules Moch hat in einer Rede in der südfranzösischen Stadt Sete erklärt, Frankreich würde sich, falls es angegriffen werde, in Deutschland verteidigen. Er sagte: „Wir werden uns nicht zurückziehen, wir werden nicht in England oder in Afrika Widerstand leisten, wir werden nicht von weither eine große Befreiungsaktion in Gang setzen, die nur Friedhöfe und die Trümmer unserer Kultur befreien würde. Im Gegenteil, wir werden so weit östlich wie möglich kämpfen, so nahe wie möglich an dem Eisernen Vorhang, von dem die Aggression kommen würde: ich meine in dem Bollwerk, das unser gemeinsamer Sieg uns zwischen Rhein und Elbe zu besetzen ermöglicht hat.“

Im Verlauf seiner Rede wies Moch auch die Ansicht des amerikanischen Marineministers Matthews zurück, der sich für einen Präventivkrieg eingesetzt hatte. Er sagte: „Die französische Regierung lehnt es ganz ausdrücklich ab, einen Gedanken solcher Art zu fassen. Frankreich werde sich gegen jede Aggression verteidigen, es muß aber wohl verstanden sein, daß wir niemals angreifen.“

Die Bedingungen de Gaulles

zu einer deutschen Wiederaufrüstung

Paris, 28. August, (dpa) Gaston Palewski, der außenpolitische Sprecher de Gaulles, hat in Paris erklärt, das Startsignal, das der deutschen Wiederaufrüstung gegeben worden sei, unterstreiche die Notwendigkeit für Frankreich, den militärischen Kern der kontinentalen Verteidigung zu bilden und so in wirksamer Weise die Leitung dieser Verteidigung zu übernehmen.

Drei Bedingungen seien notwendig für eine Wiederaufrüstung Deutschlands. Die erste sei die Schaffung ein r wahren europäischen Konföderation nach der Methode, die von General de Gaulle aufgezeigt worden sei. „Deutschland muß aus seiner politischen Minorität herauskommen, um in eine neue Majorität einzugehen, aber freiwillig und kollektiv.“

Die zweite Bedingung sei die Fortsetzung des französisch-deutschen Gespräches, in dem der Schumanplan nur ein künstlich abgetrennter und schon verfälschter Teil sei. Ein solches Gespräch würde beide Länder in die Lage versetzen, zusammen eine gemeinsame Zukunft zu suchen.

Die Wiederaufrüstung

Westmächte sollen sich einigen

Washington, 28. August. (AP.) Der Vorsitzende des Militärausschusses des amerikanischen Senats, Tydings, hat erklärt, die Westmächte müßten sieh schnell in der Frage der Wiederaufrüstung der Bundesrepublik einigen. Deutsche Verbände müßten nach und nach in eine europäische Armee eingegliedert werden. Die deutsche Truppe müsse außerdem ein begrenztes Maß an Vollmachten erhalten.

Erbitterte Schlacht um Pohang

Walker warnt vor Optimismus, lehnt aber jeden Rückzug ab

Pusan, 28. August. (AP./dpa/Reuter.) Der Oberbefehlshaber der 8. amerikanischen Armee, General Walker, hat nach einem Besuch der Nord- und der Südfront des koreanischen Kriegsschauplatzes davor gewarnt, zu optimistisch zu sein. Die Truppen der Vereinten Nationen müßten noch mit Rückschlägen rechnen. Er glaube, die Lage im Norden und Süden als bedrohlich ansehen zu müssen.

An der Nordfront ist eine der größten Schlachten im Gange, die bisher auf Korea geführt wurden. In diesem Abschnitt sind keine Amerikaner, sondern die Südkoreaner kämpfen hier allein gegen gut ausgerüstete und gut ausgebildete nordkoreanische Truppen. Der Angriff des Feindes soll wenige Kilometer vor Pohang zum Stehen gebracht worden sein. Es kann damit gerechnet werden, daß der Feind die Absicht hat — sollte et Pöhang wieder einnehmen —, nach Westen einzubiegen und nach Taiku vorzustoßen. Mit einer nordwestlich Taiku eingeleiteten Angriffsbewegung könnte bei erfolgreichem Vorgehen der Nordkoreaner der vorgeschobene Nordbogen der alliierten Front ausmanöveriert werden und die südkoreanischen Verbände von den amerikanischen getrennt wenden.

Am Mittelabschnitt der Front ist die 24. amerikanische Infanterie-Division, die die erste amerikanische Truppe auf Korea war, herausgelöst worden und durch Verbände der 2. Infanterie-Division ersetzt worden. Der Feind versucht nach wie vor Brückenköpfe auf dem östlichen Naktong-Ufer zu bilden und das Gelände, was er noch jenseits des Naktong in der Hand hat, zu halten. Die Nordkoreaner haben wieder eine Unterwasserbrücke angelegt, die aus der Luft von den Flugzeugen der alliierten Luftstreitkräfte nicht ausgemacht werden kann.

Im Süden der Front rennen die Nordkoreaner immer noch heftig gegen die amerikanischen Linien an. Die zahlreichen Einsätze der amerikanischen taktischen Luftstreitkräfte haben jedoch aller Voraussicht nach die Auslösung der tatsächlichen Offensive im Abschnitt Masan verzögert. Zahlreiche Bombardierungen von Dörfern, in denen die Munition gestapelt war, haben zumindest die Munitionsversorgung gestört. Die taktische Luftwaffe griff in diesem Abschnitt auch erfolgreich Truppenzusammenziehungen auf den verstopften Straßen an.

Insgesamt stehen zur Zeit fünf nordkoreanische Divisionen an vier Brennpunkten der koreanischen Front im Angriff.

Ein Sprecher des Hauptquartiers General Mac Arthurs gab die Erklärung ab, daß vor allem die Entwicklung an der Ostküste im Norden der koreanischen Front Anlaß zu Besorgnissen gebe. Die Lage sei im Fließen, befinde sich jedoch noch unter Kontrolle. General Walker hat an die südkoreanischen Truppen, die in diesem Abschnitt kämpfen, einen Tagesbefehl erlassen, in dem er erklärte, die Zeit der Rückzüge sei vorbei, jetzt gebe es nur noch einen Vormarsch. Er sei überzeugt, daß der Feind in den letzten Zügen liege.

An den Herbstmanövern werden sich britische, belgische, norwegische und dänische Truppen beteiligen.


An der Schlußkundgebung des Evangelischen Kirchentages in Essen nahmen etwa 100 000 Menschen teil. Das Bild zeigt einen Blick in das Essener Stadion
An der Schlußkundgebung des Evangelischen Kirchentages in Essen nahmen etwa 100 000 Menschen teil. Das Bild zeigt einen Blick in das Essener Stadion

Gefährliche Worte

*** Mit sehr viel Mühe ist es gelungen, den heißen Krieg auf Korea zu begrenzen. Daß es auf die Dauer so bleiben wird, läßt sich heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen, denn im Fernen Osten gibt es noch mehr kritische Punkte, und neuerdings hat es den Anschein, als habe das kommunistische China den Ehrgeiz, ebenfalls eine Auseinandersetzung mit den Westmächten herbeizuführen. Nach neueren Meldungen marschieren drei rotchinesische Armeen in Richtung Korea, und eine neue Note des chinesischen Außenministers Tschou en Laj beschuldigt die Amerikaner, drei mandschurische Dörfer in der Nähe der koreanischen Grenze bombardiert zu haben. Er verlangt Bestrafung der Schuldigen und Schadenersatz. Außerdem ist Formosa ein heißes Eisen. Die Insel, auf der die Nationalchinesen sitzen, wird durch eine amerikanische Flotte vor einem Ueberfall gegen einen rotchinesischen Einfallsversuch abgeschirmt.

Man sollte meinen, unter diesen Umständen betrachten es alle maßgeblichen Persönlichkeiten der Westmächte als ihre erste Pflicht, Besonnenheit zu wahren und sich nicht zu unverantwortlichen Aeußerungen hinreißen zu lassen. Leider ist es nicht so, und mit besonderem Bedauern muß man feststellen, es sind Militärs, die auf eigene Faust hohe Politik zu machen suchen. Gerade wir in Deutschland haben wiederholt die bittere Erfahrung gemacht, daß politisierende Generale viel Porzellan zerschlagen können. Das haben jetzt auch die Amerikaner gesehen. Denn ihr Marineminister Matthews hat dieser Tage geäußert, um größeres Unheil zu verhüten, müßten die Vereinigten Staaten notfalls einen Präventivkrieg beginnen. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea, General Douglas Mac Arthur, der sich bereits mehrfach äußerst eigenwillig gezeigt hat, richtete eine Botschaft an die Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer in Amerika, in der er verlangt, daß Formosa als amerikanischer Stützpunkt ausgebaut werden solle.

Sicherlich sind die beiden Militärs von der Richtigkeit ihrer Ansicht überzeugt. Sie werden jedenfalls auch gewichtige Gründe anführen können, um sie zu bekräftigen. Sie hätten aber niemals mit ihrer Meinung an die Oeffentlichkeit treten dürfen, da sie nur dazu geeignet ist, der kommunistischen Propaganda Wasser auf die Mühle zu leiten. Man muß es daher begrüßen, daß das amerikanische Außenministerium von der Aeußerung des Marineministers abgerückt ist und daß Präsident Truman selbst Mac Arthur angewiesen hat, seine Erklärung über Formosa zurückzuziehen, „um eine Konfusion über die Haltung der Vereinigten Staaten zu vermeiden“.

Das gefesselte Heer

80. Die pseudo-literarische Epoche der „Enthüllungen“ ist wohl vorüber. Die meisten Geheimnisse sind inzwischen bekannt geworden, und die „Tatsachenberichte“ nach dem Muster „Ich war Hitlers Zahnbürste“ erschöpfen sich langsam von selbst. In Deutschland sind jetzt die ersten Bücher derjenigen Männer erschiem n, die an wichtigen Stellen selbst wichtige Entscheidungen zu fällen hatten oder wenigstens dabeistanden, als andere wichtige Entscheidungen trafen. Diese Bücher wollen keine Geschichte schreiben, sondern nur Beiträge liefern; die Zeit für die Historiker ist wohl noch nicht gekommen. Neben den persönlichen Erinnerungen der Beteiligten haben dabei auch die Dokumentenwerke ihren Platz.

Das unpolit i s c h e He e r

Unter den deutschen militärischen Memoiren nimmt das Buch „Heer in Fesseln“ von Siegfried Westphal ( Athenäum-Verlag, Bonn) einen guten Platz ein. Der Autor, in der Armee dreier Reiche vom Fahnenjunker zum General (und zu einem befähigten, sagt man) aufgestiegen, hat entscheidende Stunden des zweiten Weltkrieges als Chef des Generalstabes von Rommel (Afrika), Kesselring (Italien) und Rundstedt (Invasion) miterlebt. Westphals Betrachtung beginnt bei der Reichswehr, genauer bei dem 100 000- Mann-Heer der Weimarer Republik. In gemeinsamer Arbeit ist von den Führern des Heeres und den leitenden Männern der Weimarer Republik damals intensiv die Tradition des „unpolitischen Soldaten“ fortgesetzt worden, ein Begriff, dem wir heute bei den Auseinandersetzungen um die Problematik des 20. Juli 1944 so oft begegnen.

Aus dieser Reichswehr machte Hitler die Wehrmacht, jenes nach außen hin so glänzende Instrument, das dennoch mehr schien, als es war. Die Aufrüstung war ein Kompromiß zwischen den Wünschen der Generale,. ein Heer zu schaffen, in dem die Qualität mehr gelten sollte als die Quantität, und der Forderung Hitlers, der ein Massenheer haben wollte. So standen im Sommer 1939 35 Infanteriedivisionen, drei Gebirgsdivisionen, vier motorisierte Divisionen, fünf Panzerdivisionen, vier leichte Divisionen und eine Kavalleriebrigade auf den Beinen. Dieses Heer hatte Mängel. Es war weder im Aufbau noch in seinen Menschen ausgewogen. Es gab große Lücken in den Spezialwaffen, beispielsweise bei der schweren Artillerie, bei den Pionieren, Eisenbahntruppen und Nachrichtentruppen. Das Offizierskorps hatte so aufgebläht werden müssen, daß nur jeder sechste Offizier ein durchgebildeter Berufsoffizier war. Während die Mobilmachung im Jahre 1914 minuziös abgerollt war, ist die des Jahres 1939 keineswegs ein Musterbeispiel deutscher militärischer Präzision gewesen.

Was die Alliierten versäumten

Am 1. September 1939 standen 44 deutsche Divisionen 51 polnischen Divisionen und selbständigen Brigaden gegenüber. Westphal war um diese Zeit Chef des Generalstabes eines Armeekorps im Westen und hat wohl schlaflose Nächte verbracht, denn an der deutschen Westgrenze standen nur acht aktive und 25 Reserve-, Landwehr- und Ersatzdivisionen gegen das aktive französische Heer, im ganzen 110 Divisionen stark. Von den 25 deutschen Ersatzverbänden waren zwei Drittel nicht einsatzfähig. keine Kompanie, keine Batterie hatte jemals geschossen. Die Truppe hatte nur für drei Tage Munition und keinen einzigen Panzer. Es war eine zum Greifen nahe Chance für die Westmächte, die Entscheidung des Krieges vielleicht schon im Herbst 1939 zu erzwingen. Sie wurde nicht ausgenutzt.

Westphal rechnet den unterlassenen alliierten Angriff auf das Ruhrgebiet und über den Rhein hinweg zu den großen Versäumnissen dieses Krieges. Eine zweite große Chance wurde in Italien ausgelassen: „Es hätte wohl auch nicht mehr Blut, sondern insgesamt weniger Opfer gekostet, wären die Alliierten im September 1943 nicht bei Salerno, sondern bei Rom (wo außer einigen behelfsmäßigen Küstenbatterien nur zwei deutsche Bataillone standen) und im Januar 1944 nicht bei Anzio, sondern bei Livorno gelandet.“ Eine weitere Chance versäumten die Alliierten, als sie im Herbst 1944 im Westen nicht „scharf zufaßten“. Der Krieg hätte nach Westphals Ueberzeugung auf diese Weise ein halbes Jahr früher beendet werden können. Damals standen im Westen, umgerechnet auf volle Divisionen, 27 deutsche Infanteriedivisionen und knapp sieben Panzerdivisionen 42 alliierten Infanteriedivisionen, 18 Panzerdivisionen und 18 Panzerbrigaden gegenüber, von der erdrückenden Luftüberlegenheit der Alliierten ganz zu schweigen. Selbst in diesem späten Stadium haben die Alliierten die deutsche Abwehrkraft und den Zustand der Westbefestigungen überschätzt.

Hitler und das Heer

Im November 1940 war die Krise im Westen überwunden. An der Offensive gegen Frankreich, die Hitler gegen den Widerspruch der Generale durchsetzte, nahmen schließlich 136 deutsche Divisionen teil. Westphal führt den schnellen Erfolg auf die rückständige französische Rüstung, den mangelnden Kampfwillen der französischen Armee und auf das Fehlen der Initiative bei der französischen Führung zurück. In diesem Feldzug griff Hitler zum ersten Male in grober Weise in die militärische Führung ein: Er hielt, wohl im Vertrauen auf die Versprechungen Görings, die Luftwaffe werde es allein schaffen, vielleicht auch aus politischen Erwägungen, diejenigen deutschen Divisionen an, die im Begriff waren, das englische Expeditionskorps bei Dünkirchen zu vernichten. Wie man weiß, hatte die Rettung der englischen Verbände, auch ohne Waffen und Geräte, große Folgen für den weiteren Verlauf des Krieges.

Das Problem „Hitler und das Heer“ hat dem Buch den Namen gegeben. Hitler hat das Heer gefesselt. Er hat den Generalen mißtraut und geglaubt, er könne sein eigener Feldherr sein, und hat den Krieg, der ohnehin nicht zu gewinnen war (daran läßt Westphal nicht den geringsten Zweifel), so verschwenderisch, blutig und dilettantisch wie nur möglich geführt. Der Widerstand der Generale gegen Hitler ist ein großes Kapitel. Sie fühlten sich dem Gehorsam verpflichtet. Die Diskussion über dieses Thema wird nie zu Ende kommen, und selbst Liddell Hart sagt: „Ich habe ihre Blindheit verurteilt, aber ich bezweifle, ob die Generale anderer Ländei’ unter ähnlichen Umständen mehr getan hätten, um eine solche Regierung zu stürzen.“ Die Tragik beginnt wohl an einem früheren Zeitpunkt: Es durfte erst gar nicht so weit kommen. Das Heer nahm den hinterhältigen Abschuß seines Oberbefehlshabers, des Freiherrn von Fritsch hin, eines lauteren bescheidenen, gegen Intrigen hilflosen Mannes. Der Kriegsminister Blomberg, der mit Fritsch stürzte, hat nach Westphals Meinung Hitler die Wehrmacht in die Hand gespielt. Blomberg war ein im Inneren morscher Mann, was seine geschmacklose Heirat bewiesen hat.

Das Spiel mit den Menschen

Die Fritsch-Krise ist ein entscheidender Wendepunkt; Hitler hatte eine große Kraftprobe gewonnen. Als Hitler sich auch noch Becks entledigt hatte, hatte er ein weiteres Bollwerk gestürmt „eine geistige Persönlichkeit vom Rang Moltkes“, wie Westphal sagt. Von anderen Generalen bezeichnet Westphal Manstein als „den besten Führer großer Verbände“, den das deutsche Heer im zweiten Weltkrieg gehabt hat, und Rundstedt als denjenigen, der unter den hohen Truppenführern der operativ befähigteste war. Mit Wärme spricht er von seinen Oberbefehlshabern Rommel und Kesselring.

Der Autor räumt mit einem alten Vorurteil auf: Ein autoritärer Staat habe ohne weiteres eine straffe militärische Führung. Hitler liebte es im Gegenteil, alle Führungsstellen gegeneinander auszuspielen. Auf diese Weise ist es, bis auf wenige Ausnahmen, auf keinem der Kriegsschauplätze zu einem einheitlichen Oberbefehl gekommen. Immer kommandierten mehrere neben- oder sogar gegeneinander. Im entscheidenden Augenblick erwiesen sich die Demokratien in diesem entscheidenden Punkt überlegen. Bei ihnen hat es an einem einheitlichen Oberbefehl nie gefehlt. Ein deutlicher Ausdruck des Gegeneinander auf der deutschen Seite waren die Privatarmeen, die Himmler und Göring unterhielten. Die Waffen-SS zählte auf dem Höhepunkt ihrer Macht 38 Divisionen mit zusammen etwa einer Million Mann, während Göring nacheinander über 22 Luftwaffendivisionen, 10 FallschirmjägerdiVisionen (von denen die meisten nie am Fallschirm gehangen hatten) und ein Korps mit der monströsen und irrsinnigen Bezeichnung „Fallschirmpanzerkorps Hermann Göring“ verfügte. Diese Privatarmeen haben viel unnötiges Blut gekostet. So fehlen in dem fesselnden und sachlichen Bilde, das Westphal von der Kriegsanstrengung des deutschen Heeres im zweiten Weltkriege entwirft, auch nicht jene Züge von brennendem Machtwillen und kindischer Eifersucht, die sich unter dem Brimborium eines totalitären Staates austoben und so viel kostbares Blut gekostet haben.

Die Gewerbefreiheit

Ponçet: eine deutsche Angelegenheit

Trier, 28. August, (dpa) Der französische Oberkommissar Francois-Poncet hat in Bad Godesberg in einer Unterredung mit dem Präsidenten der Trierer Handwerkskammer. Schmelzer, geäußert, die Frage der Gewerbefreiheit habe seiner Ansicht nach nichts mit einer etwaigen Gefährdung der Alliierten zu tun. Seine Meinung, die auch der Auffassung der französischen Regierung entspreche, sei daher, daß es nicht Angelegenheit der Oberkommissare sei, sich’ in diese rein deutsche Angelegenheit einzumischen.

Die Verstärkung der Verteidigung der Schweiz ist vom Schweizer Verteidigungsminister als eine vordringliche Aufgabe bezeichnet worden.

Revision des Grundgesetzes?

Im Zusammenhang mit der Errichtung einer Bundespolizei

R. Bonn, 28. August. Politische Kreise in Bonn sind der Ansicht, daß die Aufstellung einer Bundespolizei eine Aenderung des Grundgesetzes erforderlich mache, das die Polizei als eine Angelegenheit der Länder bezeichne.

Die Erklärungen des Staatspräsidenten Piecks und die Parolen des Ost-Berliner Kongresses bedeuten nach den ihnen vorhergegangenen Ankündigungen keine Ueberraschung für die Bonner Regierungskreise. Aber sie unterstreichen nach ihrer Ansicht noch einmal die unbedingte Notwendigkeit der Bildung einer Bundespolizei, wobei der Begriff „Bund“ so wichtig genommen wird, wie der Begriff „Polizei“. Denn die Verhandlungen der Länderminister über die kleine Polizeiverstärkung um zehntausend Mann haben in den Bonner politischen Kreisen das grundsätzliche Gefühl entstehen lassen, daß eine Bundespolizei als schlagkräftige Einrichtung in dieser indirekten Form einer zwar dem Bund zur Verfügung stehenden, aber auf die einzelnen Länder aufgeteilten Polizeieinheit kaum geschaffen werden kann. Es wird darauf verwiesen, welche Probleme sich zum Beispiel auch noch nach dem Abschluß eines Staatsvertrags der Ministerpräsidenten über die Bereitschaftspolizei allein bei der Ausbildung dieser Polizei in elf verschiedenen Ländern unter elf verschiedenen Ministerien ergeben müßten.

Einheitliche Grundsätze

So ist in Bonn deutlich das Streben zu verzeichnen, die augenscheinlich bei den Besatzungsmächten eingetretene Besinnung auf die wesentlichen Grundbedingungen einer Polizei auch auf diesen Gesichtspunkt zu lenken, daß die Reorganisation der Polizei im Gebiete der Bundesrepublik aus dem Zustand einer lokalisierten und zersplitterten Behördeneinrichtung auch die Schaffung einer eigentlichen Bundespolizei mit sich bringen müsse, die nach einheitlichen Grundsätzen arbeite und deren Tätigkeit nicht erst durch Staatsverträge unter den Ländern und jeweilige mühsame Absprachen mit elf Stellen ermöglicht werden können.

Das Provisorium

Dabei wird in der Bundeshauptstadt nicht übersehen, daß nicht nur die bisherige Haltung der Besatzungsmächte und auch die Ansichten der Länder einer solchen Entwicklung entgegenstehen, sondern daß vor allem das Grundgesetz keine Bundespolizei kennt und die Polizei zur Ländersache erklärt hat. Damit aber wird eine Frage aktuell, die bisher nur theoretisch erörtert worden ist. Die Frage nämlich, inwieweit das Grundgesetz nach den bisherigen praktischen Erfahrungen einer Revision bedarf. Dabei wird daran erinnert, daß es der Parlamentarische Rat ausdrücklich abgelehnt hat, eine vollkommene Verfassung zu formulieren, und daß das Grundgesetz zunächst ein Provisorium sein sollte. Im Gegensatz zu dieser Bestimmung ist allerdings das Grundgesetz dann sehr bald als eine unantastbare Verfassung betrachtet worden. Aber Vizekanzler Blücher hat schon mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß Revisionen des Grundgesetzes mit Zweidrittelmehrheit völlig verfassungsmäßig sein würden, und nach seiner Ansicht sind solche Revisionen

durchaus notwendig, vor allem auch bei den Bestimmungen des Grundgesetzes über die Finanzverwaltung.

1950 noch gültig

Diese Tendenzen haben sich in der letzten Zeit verstärkt, und lassen sich dahingehend zusammenfassen, daß eine Ueberprüfung des aus den Verhältnissen von 1948 geschaffenen Grundgesetzes notwendig werde, inwieweit es den Anforderungen von 1950 und der kommenden Jahre nicht genügen könne. Es ist kein Geheimnis geblieben, daß nach Ansicht nicht weniger Parlamentarier das Grundgesetz in wichtigen Punkten auch den Erfordernissen der Sicherung der Bundesrepublik und der Staatsordnung in bewegten Zeiten nicht entspricht, und daß eine Revision in diesem Punkte auf die Tagesordnung der innerdeutschen Politik gesetzt werden müßte.

Rußland könnte Auskunft geben

Die gestorbenen Kriegsgefangenen

Lüneburg, 28. August, (dpa.) Ein Heimkehrer aus Rußland hat auf einer kirchlichen Veranstaltung in Lüneburg berichtet, daß in der Sowjetunion seit 1946 alle dort gestorbenen deutschen Kriegsgefangenen von den russischen Behörden registriert worden seien. Die Sowjetunion sei somit in der Lage, über das Schicksal vieler Tausender Gefangener Auskunft zu geben.

Storchs Vermittlungs-Entwurf

Erste Einzelheiten aus dem „Betriebsverfassungsgesetz“

Drahtbericht unseres Korrespondenten

Hi Bonn, 28. August. Das Bundesarbeitsministerium hat, wie wir bereits gemeldet haben, den Entwurf eines „Gesetzes über die Neuordnung ’von Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den getrieben (Betriebsverfassungsgesetz)“ ausgearbeitet. Von größtem Interesse sind naturgemäß die Bestimmungen über das Zusammenwirken von Unternehmern und Arbeitnehmern, von denen unser Korrespondent erste Einzelheiten berichtet:

Zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat sieht der Entwurf die Gründung einer Einigungsstelle im Betrieb vor, die in Betrieben mit mehr als zwanzig und weniger als hundert Arbeitnehmern aus je einem Betriebsangehörigenmitglied, im übrigen aus je zwei Betriebsangehörigenmitgliedern, die vom Arbeitgeber und vom Betriebsrat benannt worden sind, und einem unparteiischen Vorsitzenden, auf dessen Person sich beide Seiten geeinigt haben, besteht. Die Einigungsstelle faßt ihren Beschluß mit einfacher Stimmenmehrheit nach mündlicher Wertung.

Der Arbeitgeber kann Arbeitnehmer nur mit Zustimmung des Betriebsrates einstellen. Er hat bei jeder geplanten Einstellung dem Betriebsrat rechtzeitig den für den Bewerber in Aussicht genommenen Arbeitsplatz und die für ihn vorgesehene Entgeltsgruppe mitzuteilen und Auskunft über die Person des Bewerbers zu geben. Verweigern kann der Betriebsrat seine Zustimmung nur, wenn die Einstellung einen Verstoß gegen eine gesetzliche Vorschrift oder gegen eine Bestimmung in einem Tarifvertrag oder eine Betriebssitzung oder gegen eine gerichtliche Entscheidung darstellen würde, oder der begründete Verdacht besteht, daß für die Einstellung andere geeignete Arbeitnehmer oder Mitbewerber aus Gründen der Abstammung, der Religion, Nationalität, Herkunft des Geschlechts, politische oder gewerkschaftliche Betätigung bei der Einstellung benachteiligt würden, oder die durch bestimmte Tatsachen begründete Besorgnis

besteht, daß der Bewerber in der ihm zugedachten Stellung den Betriebsfrieden durch unsoziales oder gesetzwidriges Verhalten stören würde.

Zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Betriebsrat soll für jedes Unternehmen, in denen mehr als hundert Arbeitnehmer beschäftigt sind, ein Wirtschaftsausschuß errichtet werden, der in den Betrieben bis zu 500 Arbeitnehmern aus je zwei, in größeren Betrieben aus je vier Beauftragten des Unternehmens und des Betriebsrates, die dem Betrieb angehören müssen, besteht. Der Unternehmer kann Personen, die vom Betriebsrat als Beauftragte bestellt sind, aus privaten Gründen ablehnen. In diesem Falle schlägt der Betriebsrat drei weitere Personen vor, aus denen der Unternehmer eine anzuerkennen hat. Befinden sich mehrere Betriebe in der Hand eines Unternehmens und ist ein Gesamtbetriebsrat errichtet, so werden die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses je zur Hälfte durch den Unternehmer und den Gesamtbetriebsrat bestellt.

Werden infolge Handelns oder Unterlassens des Unternehmers, das nach näherer Definition im Gesetzentwurf als betriebsschädigend anzusehen ist, Entlassungen notwendig, so kann sich der Arbeitgeber nicht darauf berufen, daß solche Entlassungen durch dringliche betriebliche Erfordernisse bedingt sind.

Im letzten Abschnitt (Vertretung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat) wird gesagt, daß in Unternehmen mit einem Aufsichtsrat ein Drittel der Mitglieder des Aufsichtsrates vom Betriebsrat in geheimer Wahl mit einfacher Stimmenmehrheit aus den wählbaren Arbeitnehmern oder bis zur Hälfte aus Mitgliedern der im Unternehmen vertretenen Gewerkschaften zu bestellen ist.

Im Bundesgesetzblatt sind das Gesetz über die Notaufnahme von Deutschen in das Bundesgebiet und das Richterwahlgesetz veröffentlicht worden und damit in Kraft getreten.

Stimmen der Anderen

Mit Humor

In der „Deutschen Beamten-Warte“ lesen wir:

„Daß der deutsche Beamte gern als Witzblattflgur benutzt wird, pflegt man bei uns gern als Beweis für seine Unbeliebtheit, ja vielleicht sogar für seine Unzulänglichkeit hinzustellen. Wobei es offenbleiben mag, ob es sich wirklich um .Beamte' handelt, wenn sich die Oeffentlichkeit über die Behördenarbeit mokiert, oder nicht vielmehr um die vielen Tausende von Berufsfremden, die in den letzten Jahren in die Büros eingesickert sind. Wenn es so wäre, dann müßten also in anderen Ländern die Beamten geradezu die Lieblinge des Publikums sein. Aber ach! wir scheinen alle in einem Boot zu sitzen, die wir in dieser schweren Zeit die undankbare Aufgabe haben, die unpopulären Anliegen des Staates an seine Bürger einem p. t. Publikum schmackhaft zu machen. Jedenfalls hat kürzlich die Gewerkschaft der Civil Servants in England, also der englische Beamtenbund, eine außerordentliche Generalversammlung einberufen müssen, die sich mit der ansteigenden Flut der mehr oder weniger guten Witze von Komikern und Radiokomödianten auf Kosten der Beamten beschäftigte. Trotz der schönen Geschichten, die wir sonst über den guten ,Bobby' und andere englische Beamtentypen hören, ist offenbar also auch im grünen Albion hinsichtlich der Beliebtheit des Beamtentums nicht alles in Butter. Wir vertreten seit langem die Auffassung, daß man derartige Erscheinungen als Aeußerungen der bedrängten Volksseele gegenüber den hochgeschraubten Ansprüchen des Staates nicht allzu tragisch nehmen sollte; die englischen Kollegen haben sich denn auch mit Humor in ihr Schicksal gefügt. Wir meinen, daß auch uns etwas mehr Humor, dem Publikum aber etwas mehr Verständnis für unsere Arbeit nicht schaden könnte.“

Die soziale Frage

Ha. Der Rat der Evangelischen Kirchen Deutschlands hat auf seiner Tagung in Essen unter dem Vorsitz des Berliner Bischofs Dr. Dibelius den Anspruch der Gewerkschaften auf das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte anerkannt. Es müsse, so heißt es in dieser Verlautbarung, eine neue Sozialordnung geschaffen werden, die von den Vertretern der Arbeitnehmer mitgestaltet werden müsse.

Diese Erklärung wurde anläßlich des Evangelischen Kirchentages abgegeben, und stellt seit der Blankenburger Konferenz vom Jahre 1934 die erste offizielle Verlautbarung der evangelischen Kirchen Deutschlands zu innerstaatlichen Angelegenheiten dar. Sie erfolgt ein halbes Jahr nach dem diesjährigen Kolping-Tag in Köln, der damals schon in einer Entschließung das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht bejaht und sich damit im Gegensatz zu der späteren Erklärung Pius' XII. gestellt hatte, der dieses Recht nur sehr bedingt gelten lassen will.

Es ist bemerkenswert, daß die christlichen Kirchen in Deutschland dem Mitbestimmungsrecht eine so große Bedeutung beimessen. Sie sind der festen Meinung, daß die Wahrung des Friedens eine Lösung der sozialen Frage voraussetze. Dem wirtschaftlichen Mitbestimmungsrecht erkennen sie hierbei hervorragende Bedeutung zu.

Es gilt jetzt, zu erläutern, was die Kirchen praktisch unter einer Lösung der sozialen Frage verstehen.

Unsereiner wird immer kleiner

ROMAN VON HANS WOERNER

52) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig Der Chefmanager geht auf ihn zu, und Knut sucht aus Gewohnheit einen festen Platz für seine Füße, aber der Manager lächelt freundlich.

„Guten Tag, Knut", sagt er. „Wir hatten heute eine Auseinandersetzung mit Ihrem Vater. Leider lief er davon und , wir wissen tatsächlich im Augenblick nicht, wo er sich aufhält"

„Soll ich ihn suchen?" fragt Knut kalt. Er hat jetzt wirklich das bißchen Erdboden, das er braucht, um seine Beine aufzustemmen.

„Das ist nicht nötig. Er wird sich gewiß wieder melden“, antwortet der Manager. „Wollen Sie die Szene drehen, die Ihr Vater leider verweigerte?“

„Um was handelt es sich?"

„Es ist eine Kleinigkeit. Sie sitzen in einer Badewanne, natürlich in gut temperiertem Wasser, und führen Naturschwämme vor, wundervolle Exemplare." „Warum sollen wir einmal Gummischwämme propagieren und einmal Naturschwämme?“ fragt Knut.

„Ist das nicht Sache der Gesellschaft?" pariert der Manager.

„Es ist auch unsere Sache", widerJ spricht Knut. „Es ist nicht einerlei für uns, ob uns die Leute für Puppen halten, die einmal .Kleister' rufen und einmal heim'. Wir wollen nicht als Äffen nach Hause fahren."

Der Manager zuckt die Achseln. „Es ist einfach ein Geschäft", wirft er lün. „Aber es ist ein unüberlegtes Geschäft", sagt Knut, und er ^pürt, daß der Boden unter seinen Füßen recht gut trägt. „Sie selber handeln falsch, wenn Sie eingestehen, uns zu allem mißbraucht zu naben, was immer sich anfand. Haben Sie mehr solcher Verträge xnit konkurrierenden Firmen?"

Der Manager stutzt. „Nein, nur diesen einen. Es ist eine Ausnahme“ antwortet er ein wenig matt.

Knut hat den Wunsch, jetzt schnell nachzusfoßen, wie man es tüt, wenn ein Gegner ermüdet. „Wer hat diese Ausnahme gemacht?" drängte er.

Der Manager zuckt die Achseln.

Knut atn^et auf.

„Ich werde also Herrn Miels selber danach fragen“, sagt er ruhig.

Der Manager reckt sich auf, als sei er ganz plötzlich wieder stark Das werden Sie nicht tun“, ruft er. „Herr Georg H. Miels ist nicht für jedermann zu sprechen."

„Ich denke, er macht gelegentlich Ausnahmen“, ruif Knut. „Sagten Sie nicht selbst, daß er das tut? Habe ich nicht von ihm zu erwarten, daß er sich darum kümmert, wo mein Vater steckt? Soll ich ihn durch ihn oder durch die Polizei suchen lassen?"

„Unsere Privatdedektive..." Ganz plötzlich schreit Knut Steen los: „Ihre Privatdedektive beweisen mir, daß Sie ohne die Polizei auskommen möchten“, tobt er. „Was immer Sie damit bezwecken, ich werde Herrn Miels danach fragen dürfen... Mary!“ ruft er. „Maiy, wir wollen die Arbeit unterbrechen, bis wir wieder atmen können.“

Mary trift aus der Dekoration, aus der sie dem Streif der Männer zuhörte. Es trifft sich, daß sie gerade in Hut und Mantel ist. „Komm!“ sagt Knut. Im Davongehen hat er den Eindruck, daß der Manager ihm folgen möchte. Tatsächlich steht der Mann in der Tür des Studios und winkt, als Knut seiner Schwester in Beggers Wagen hilft.

„Er ruft nach uns, Knut“, sagt Mary im Rücksitz des Wagens. „Willst du nicht

noch einmal hingehen?“

„Nein“, antwortet Knut. „Wir fahren zu Georg H. Miels, Begger?“

„Donnerwetter“, lächelt Begger und treibt den Wagen schnell davon...

Knut raucht. Er wendet sich zu Mars£ um: „Ich weiß natürlich nicht, ob ich das richtig mache, Mary", sagt er. „Ich meine nur, daß wir das Geld brauchen, weißt Du. Wenn wir nun nachgeben, so merken die Kerle das. Also dürfen wir nicht nachgeben. Und außerdem verstehe ich mich nicht darauf."

Mary nickt. Zum erstenmal in meinem Leben sieht sie mich ordentlich an, denkt Knut

Da meldet sich Begger. „Welches sind Ihre Argumente, Knut?“ fragt er.

Knut hat nur zwei: „Erstens, Herr Miels, wir arbeiten nicht für konkurrierende Firmen. Unser Vertrag darf uns nicht in unserer Heimat lächerlich machen.“

„Dieses Argument ist gut, zum mindesten vor einem öffentlichen Gericht", urteilt Begger.

„Zweitens: Herr Miels, unser Alfer läuft fassungslos in der Stadt herum. Wir verlangen, die Polizei zu verständigen, Privatdetektive genügen uns nicht.'

„Dieses Argument ist erstklassig, Knut“, ruft Begger. „Es bedeutet Skandal. Und die Kerle fürchten nichts mehr als Skandale.“

Knut nickt. „Ich selber befürchte allerdings hauptsächlich, daß Papa zuviel Geld ausgibt", brummt er.

44.

Mary Steen bleibt bei Begger im Wagen, als Knut die wundervolle Steintreppe zum Gebäude der „Gesellschaft für Statistik und Marktforschung“ hinaufgeht. Ihr Bruder würde ihr sonst wahrscheinlich gestehen, daß ihm das Herz langsam in die Hosen rutscht.

Dieser Marmor. Diese Tür! Es ist einfach ein Portal! Diese Halle! Dieser Bronzepfeil, der zur Anmeldung zeigt! Dieses riesige Geld, das hier steckt!

Hinter dem Schalter sitzt ein Mädchen, das man auf der Stelle filmen könnte. Wahrscheinlich spricht sie außerdem sieben Sprachen perfekt, stenografiert tausend Silben in der Sekunde und weiß zehntausend Telefonnummern auswendig, denkt Knut, und geht auf diesen Schalter zu, weil ihm einfach nichts anderes übrig bleibt.

„Guten Tag", sagt er. „Ich bin Knut Steen, ich weiß nicht, ob Sie von mir gehört haben.“

Das Mädchen lächelt. Sie könnte dieses Lächelns wegen hierhin engagiert sein. Es ist höflich, kühl, verweisend, vornehm, geschäftsfördemd, abschätzend und wahrscheinlich sogar unabhängig von der Witterung.

„Sie arbeiten mit uns, nicht wahr“, sagt das Mädchen. Ihre Stimme hat nicht weniger wichtige Eigenschaften als ihr Lächeln, vor allem die, ihr wundervolles Gebiß zu entblößen.

„Wir haben gerade damit aufgehört“, antwortet Knut. „Ich fürchte, die Polizei wird eingreifen müssen, um unseren Vater zu suchen. Ich möchte darüber mit Ihrem Chef sprechen.“

Das Mädchen sieht ihn erstaunt an... „Was ist denn geschehen, Herr Steen?“ fragt sie und vergißt ihr Lächeln. Dadurch zeigt sie endlich eine Eigenschaft, die Knut Steen geläufiger ist als ihre unwahrscheinliche Erkorenheit für diesen unwahrscheinlichen Posten. Was immer sie von allen anderen Mädchen der Welt unterscheiden mag, sie ist zum Glück wenigstens neugierig, wie es auch die anderen sind.

Knut überlegt. Wenn ich es ihr sage, wird sie möglicherweise von sich aus entscheiden, ob ich Miels sprechen darf oder nicht, überlegt er. Ich muß aber Miels sprechen, er allein kann mir nutzen. „Es handelt sich um eine Kette von Unglücken, die unter keinen Umständen eintreten dürfen, wenn es nicht schon zu spät ist, sie zu verhüten. Wollen Sie mir dabei helfen?“ fragt er.

Das Mädchen nimmt zwei Telefonhörer zu gleicher Zeit an ihre Ohren. „Liebes, ich schicke dir Herrn Steen junion hinauf. Wir müssen versuchen, ihn zum ersten Sekretär zu bringen. Ich spreche noch mit Fiffi inzwischen.“

Und im selben Atemzug... „Ja, Fiffi, hier ist etwas Besonderes, ich kann am Telefon nicht darüber sprechen. Es betrifft die Steen-Sache. Hast du schon von dem Skandal gehört? Nun, dir wirst staunen.“ Sie hängt ein...

„Dort drüben ist der Lift, Herr Steen", sagt sie. Knut ist schon davon...

45

Der Herr steht auf... Vielleicht ist es schon ein Erfolg, daß ich ihn bewege, wenigstens einmal aufzustehen, denkt Knut.

Der Herr öffnet ein Nebenzimmer, aber er bleibt in der Tür stehen. „Sehen Sie mal zu den Verträgen in der Steen-Sache“, spricht er in das Nebenzimmer hinein. „Haben wir dort einen Werbevertrag für Gummischwämme und einen anderen für Naturschwämme?"

Knut hört Papier rascheln...

„Für Gummischwämme haben wir einen Auftrag“, sagt eine männliche Stimme. „Und für Naturschwämme?“

„Nein, natürlich nicht. Die Importeure bewilligten unseren Preis nicht, und wir schlossen daraufhin mit den Gummileuten ab.“

Der Sekretär schließt die Tür wieder und kehrt an seinen Staatsbahnschreibtisch zurück. „Es scheint, Sie haben uns mit Ihrem Besuch einen Dienst erwiesen, Herr Steen“, sagt er ernst. „Die Manager sind offenbar einer Versuchung erlegen."

Das ist Knut Steens Sekunde.

„Idi hoffe, Sie verstehen es, daß uns die Versuchungen Ihrer Manager weniger interessieren als das Verschwinden unseres Vaters. Wir können nicht darein willigen, daß er nur durch ein paar Privatdetektive gesucht wird“, sagt er fest.

Der Sekretär sieht ihn ernst an. „Welche Forderung stellen Sie?*' fragt er tastend.

„Die Aufnahmen, Ansprachen und Interviews unterbleiben einschließlich der Double-Aufnahmen, bis mein Vater wieder bei uns ist", antwortet Knut.

Der Sekretär mißt ihn prüfend. „Das ist vernünftig", gesteht er zu.

„Meine Schwester und ich beteiligen uns an der Suche nach meinem Vater. Sie stellen den Wagen dazu."

„Das geht", nickt der Sekretär.

Das ist alles. Heber die Verständigung der Polizei sprechen wir, wenn mein Vater sich bis morgen Abend nicht eingefunden hat“, schließt Knut.

„Idi rechne doch damit", sagt der Sekretär begütigend.

„Ich nicht..."

„Warum ni«ht?“

„Mein Vater ist seit Jahren ein Leben in festen, kleinstädtischen Verhältnissen gewöhnt. Diese Sache hat ihn betroffen. Vielleicht hat sie ihn verwirrt“. Knut steht auf. „Möglicherweise sind wir zu kleine Leute für Ihr großes Geschäft“, sagt er gemessen.

Der Sekretär erhebt sich, um ihm die Hand zu geben.

Knut geht. Er hat jetzt den Mut, in diesem Hause niemand mehr anzusehen.

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In der Halle unten denkt er, dies sei das erste- und letztemal gewesen, daß er einen solchen Palast aus Geld und Verträgen mit Herzklopfen betreten habe. Alle diese Leute leben davon, daß wir sie bewundern, wird ihm klar.

(Fortsetzung folgt)

Europarat für Europa-Armee

Churchills Vorschlag gegen die Stimmen britischer Sozialisten angenommen

hat die Beratende i den EinsPruch der britischen Sozialisten Churchills zur Bildnnt \ U”S-des Eur°Parates den Vorschlag Winston tag befürwortet S es ei,r°Paischen Verteidigungsministeriums am Mon-

Die spachen sich mit 69 gegen 19 Stimmen bei zwei Enthaltungen ?US’ da® d*e »Politischen Behörden . deren Bildung von der Versammlung m einer Resolution gebilligt worden ist, sich mit den „politischen Aspekten von Verteidigungsproblemen“ befassen so UTar ^atte die Versammlung mit 69 gegen 19 Stimmen bei sieben Enthaltungen einen Vorschlag des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Paul Reynaud zur sofortigen Bildung eines Verteidigungsminister:.,ms abg«- lehnt.

Bitterer Spott Reynauds

Straßburg, 28. August. (AP.) Der frühere französische Ministerpräsident Paul Reynaud hat sich am Miontag in der Beratenden Versammlung des Europarates mit Nachdruck für den Vorschlag Winston Churchills zur Aufstellung einer europäischen Armee eingesetzt. Unterstützt von einer starken Gruppe französischer und italienischer Delegierter forderte er übernationale Behörden für die wichtigsten Gebiete des Lebens, vor allem für die Verteidigung.

Mit sarkastischem Witz setzte sich Reynaud mit den Resolutionen des Ausschusses für allgemeine Angelegenheiten zur Vereinigung Europas auseinander und bezeichnete sie als unannehmbar. Der Ausschuß habe über die Frage der Verteidigung so wenig gesagt, daß es einer Desavouierung des zu Beginn der Tagung angenommenen Antrags von Churchill gleichkomme. „Anscheinend hat der Ausschuß übersehen, daß seit einem Jahr eine wichtige Aenderung der Lage eingetreten ist — die Aggression in Korea. Wer von uns weiß, ob die Sowjets von der deutschen Ostzone aus nicht etwas Aehnliches unternehmen?“

Reynaud machte sich über die Vorstellung lustig, die Minister könnten europäische übernationale Behörden überwachen und gleichzeitig ihre eigenen nationalen Agenden als Minister wahrnehmen.

Der deutsche Delegierte Carl von Campe trat mit lebhaftem Nachdruck für die weitgehende Föderierung Europas ein. Den Ausschuß für allgemeine Angelegenheiten bezeichnete er als einen Berg, der eine Maus geboren habe. Dennoch wolle er den Bericht des Ausschusses nicht in Bausch und Bogen ablehnen,

Campe appellierte an England und Skandinavien, an die Millionen Europäer zu denken, die in ängstlicher Erwartung der Geburt des vereinigten Europas entgegensähen. „Enttäuschen wir sie nicht.“ Er erinnerte vor allem an die Millionen Europäer hinter' dem Eisernen Vorhang, die grausam betrogen wären, wenn den Worten keine Taten folgten.

Der britische Konservative Lord Birkenhead und der ehemalige irische Ministerpräsident de Valera vertraten dagegen die Ansicht, daß sich die Beratende Versammlung nach der öffentlichen Meinung in den einzelnen Ländern richten müsse.

„Deutschland soll souverän werden“

Entschließung des liberalen Weltkongresses

Stuttgart, 28. August. (AP.) Die Delegierten des Liberalen Weltkongresses haben am Montag mit einer knappen Mehrheit von 15 gegen 12 Stimmen bei zahlreichen Enthaltungen eine Resolution angenommen, in der die Aufnahme Westdeutschlands als souveränes und gleichberechtigtes Mitglied in die freie Völkergemeinschaft gefordert wird.

In der von einem türkischen Sprecher eingebrachten Resolution heißt es, die Unterlassung einer derartigen Aufnahme Deutschlands wäre „eine Katastrophe für den Fortbestand der westlichen Zivilisation“.

Der Kongreß setzte sich ferner für die Wahl einer europäischen Regierung ein, die eine wesentliche Voraussetzung für den Aufbau eines demokratischen, liberalen und einigen Europas sei. In weiteren Resolutionen tritt der Kongreß für eine Beseitigung des Paß- und Visumzwanges zwischen den in Straßburg vertretenen europäischen Ländern ein sowie für den freien und durch Zoll unbehinderten Austausch von Büchern zwischen diesen Staaten.

Sir Andrew McFadyean, der Präsident der britischen Liberalen, erklärte nach Abschluß des Kongresses zu der Resolution über die Aufnahme Deutschlands als souveränes und gleichberechtigtes Mitglied in die Völkerfamilie: „Die Liberale Partei in England möchte Deutschland sehr gerne so bald wie möglich gleichberechtigt sehen. Ich halte diese Resolution jedoch für unüberlegt und zum gegenwärtigen Zeitpunkt für unangebracht. Ich glaube, es war ein Fehler, daß diese Körperschaft eine so delikate und schwerwiegende Frage so leicht und ohne vorhergegangene eingehende Beratungen und Diskussionen behandelt hat.“

Die meisten britischen Delegierten hatten gegen die Resolution gestimmt.

Im Dienst der Menschlichkeit

Bonn, 28. August, (dpa) Ein neues ärztliches Berufsgelöbnis, das Teil der neuen Berufsordnung der deutschen Aerzteschaft sein und mit ihr zusammen in Kraft treten soll, ist auf dem Deutschen Aerztetag in Bonn angenommen worden. Zu dem Gelöbnis, das sich in seinem Inhalt eng an das vom Weltärztebund angenommene Genfer Ae'rztegelöbnis anlehnt, soll sich jeder Arzt in der Bundesrepublik bei der Aufnahme seiner praktischen Tätigkeit vor seiner Berufsvertretung bekennen. Der Arzt verpflichtet sich darin feierlich, sein Leben dem Dienst an der Menschlichkeit zu weihen, Achtung vor dem menschlichen Leben von der Empfängnis an zu bewahren und selbst unter Bedrohung die ärztlichen Kenntnisse nicht im Widerspruch mit den Gesetzen der Menschlichkeit anzuwenden.

In einer Entschließung sprach sich der Aerztetag dafür aus. in Zukunft bei der Ausbildung der Aerzte die Naturheilverfahren theoretisch und praktisch ernsthaft zu berücksichtigen.

Wie erklärt wurde, ist es der Aerztes.chaft gelungen, achtzig Prozent der Flüchtlingsärzte wieder im Beruf unterzubringen.

Der nächste Aerztetag wird in München abgehalten werden.

Vollstreckung ausgeseit

Fö. Düsseldorf, 28. August. (Eigener Drahtbericht.) Der französische Oberkommissar Fran?ois-Poncet hat dem Deutschen Bundes-Jugendring mitgeteilt, daß er die Petition der deutschen Jugendverbände auf Aufhebung des Kollektiv-Todesurteils gegen acht Angehörige der ehemaligen SS-Division „Hitler-Jugend“ nach Paris den zuständigen Stellen weitergeleitet habe. Der Oberkommisar hat weiter mitgeteilt, daß einer Erklärung des Nationalkomitees der französischen Jugendverbände zufolge die Vollstreckung des Urteils auf Grund der deutschen Petition bereits ausgesetzt worden sei. Die Bitte des Bundes-Jugendrings richtet sich darauf, statt des auf Grund einer Sondergesetzgebung gefällten Kollektivurteils nur diejenigen zu verurteilen, denen eine persönliche Schuld nachzuweisen sei.

Den acht verurteilten ehemaligen SS-Soldaten, die zur Zeit der Tat sämtlich minderjährig waren, wird vorgeworfen, an der Ermordung von 86 Franzosen in der Ortschaft Ascq beteiligt gewesen zu sein.

Folgen des Bauarbeiter-Streiks

Die Bauten für die Messe werden nicht fertiggestellt

F. A. Z. Frankfurt, 28. August. Der Bauarbeiterstreik in Frankfurt hat sich als folgenschwer für den Aufbau der Frankfurter internationalen Herbstmesse erwiesen. Besonders die ausländischen Pavillons, die sich noch in vollem Aufbau befinden, wurden von dem Streik schwer betroffen. Wie wir erfahren, hat sich die holländische Handelsdelegation bereits telefonisch in Holland erkundigt, ob holländische Arbeitskräfte zur Fertigstellung der Bauarbeiten in Frankfurt unverzüglich eingesetzt werden können. Auch die gegenwärtig in Angriff genommenen großzügigen Umbauarbeiten an den Frankfurter Verkehrsbrennpunkten wurden von dem Streik schwer betroffen und verzögern sich. Teilweise haben einige Behörden den erhöhten Lohn für Teilobjekte bewilligt, was jedoch von den Gewerkschaften abgelehnt wurde.

Kommunistisches „Hessen-Echo“

Frankfurt, 28. Aug. (dpa). Die Fraktion der Kommunistischen Partei im Hessischen Landtag hat am Montag die erste Nummer einer eigenen Zeitung, „ Hessen-Echo“, herausgebracht, mit der sie „zum besseren Verständnis“ ihre Politik erläutern will. Die Zeitung wird in der Frankfurter Druckerei Adam Lind gedruckt. Als verantwortlich zeichnet der kommunistische Abgeordnete Luawig Keil. Das vierseitige Blatt enthält neben zwei Artikeln über die kommunistische Politik im Landtag zahlreiche Nachrichten aus hessischen Städten und Dörfern von Mitarbeitern der auf neunzig Tage verbotenen kommunistischen „Sozialistischen Volkszeitung“. Von zuständiger deutscher und alliierter Seite wird zur Zeit geprüft, ob das neue Organ als Ersatz für die „Sozialistische Volkszeitung“ zu werten ist und damit gegen ihr Verbot verstößt.

Verlagerter Anbau

Wiesbaden, 28. August. (A. Z.) Nach dem vorläufigen Ergebnis der diesjährigen Bodenbenutzungserhebung des Hessischen Statistischen Landesamtes sind die bereits irh Vorjahre beobachteten Verschiebungen im Anbau der Feldfrüchte meist weiter fortgesetzt worden.

Die Getreideflächen sind durch Mehranbau von Winterweizen und Sommergerste, aber auch von Winterroggen und Hafer um 6 vH. auf 367 000 ha erweitert worden. Spätkartoffeln erreichen in diesem Jahre die um 3 vH. größere Fläche von 97 000 ha. Mit Zuckerrüben wurden insgesamt 12 900 ha bestellt. Das sind 18 vH. mehr als im Vorjahre.

Die meisten Futtergewächse haben an Fläche verloren. Bei Futterrüben sind die Feldbestände um 6 vH. auf 68 500 ha, bei Klee um 22 vH. auf 37 900 ha und bei Luzerne um 8 vH. auf 24 700 ha zurückgegangen. Erwartungsgemäß werden auch alle die Früchte schwächer angebaut, deren Absatz oder Ertrag nicht ganz sicher ist.

Wirtschaftsblatt

Flüssiger Geldmarkt

Bz. Die Versteifung des Geldmarktes aus überängstlichen und allzureichlichen Vordispositionen hat sich nunmehr in das Gegenteil verwandelt. Auf allen Gebieten sind bedeutende Gelder verfügbar, die je nach ihrer Bestimmung kurz oder mittelfristige Anlage suchen. Einmal sind bei der Ausverkaufssaison sehr viel zurückgehaltene Gelder — hier kann man richtig von „Strumpfgeldern“ sprechen — über den Einzelhandel in die Kassen der Banken geflossen. Trotz der Urlaubs- und Reisezeit hat der Spareinlagenzuwachs unverändert angehalten.

Nicht zu unterschätzen ist der anhaltende Exportanstieg. Wenn auch zunächst für die Anfangsfinanzierung noch Kredite benötigt werden, so scheint sich allmählich der Umschlag doch schon soweit eingespielt zu haben, daß die Erlöse aus dem Auslandsgeschäft immer stärker fließen. Auf der Gegenseite sind die Einfuhren infolge des scharfen Preisanstiegs am Weltmarkt fühlbar zurückgegangen. Wieweit es sich hier nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt, läßt sich nicht beurteilen.

Allem Anschein nach befinden wir uns aber doch jetzt auf dem Kulminationspunkt der Geldmarktflüssigkeit. Die Finanzierung der 1950 er Ernte verstärkt erfahrungsgemäß den Geldbedarf der Landwirtschaft in den nächsten Wochen noch wesentlich. Immer ist im Jahresablauf der Herbstultimo am 30. September der Zeitpunkt des größten Geldumschlags. Nach den jetzigen Erfahrungen kann man damit rechnen, daß in den nächsten Wochen keine allzugroße Verengung im Kreislauf der Geldmittel eintreten wird. Aus der Zirkulation des Börsen- und Bankengeldmarktes /werden aber noch erhebliche Mittel von den Hypothekenbanken und Sparkassen und auch von den öffentlichen Stellen jetzt abgerufen werden. Denn all diese Institutionen haben die Hypothekengelder schon länger bereitgestellt und seither kurz- oder mittelfristig im Bankengeldmarkt arbeiten lassen. Nunmehr müssen sie mit dem Fortschreiten der Bauten ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden.

IG-Gesetz im Geiste von 1945

J. E. Wer das neue IG-Farben-Gesetz der Oberkommission liest, wird es resigniert aus der Hand legen. Niemand hätte sich 1945 über ein solches Gesetz gewundert. Aber heute? Fünfeinhalb Jahre nach Waffenstillstand? Es ist, als ob der IG-Farben-Konzern auf einer Insel läge, wo die Zeit still steht. Gewiß, mit viel gutem Willen kann man aus wenigen Paragraphen positive Ansätze herauslesen, aber im ganzen atmet das Gesetz den Geist der Jahre 1945. Fünfeinhalb Jahre ist dieser Konzern als einziges deutsches Unternehmen von Offizieren der Besatzungsmacht unter Ausschlüß der Oeffentlichkeit und deutscher Dienststellen verwaltet worden, fünfeinhalb Jahre hatte man Zeit, jedes Reagenzglas unter die Lupe zu nehmen und jedes Aktenstück zu studieren. Das Ergebnis dieser intensiven Beschäftigung ist nun ein Ergänzungsgesetz zum Kontrollrats-Gesetz Nr. 9 vom 30. November 1945, das dieses Gesetz durchführt, anstatt das Kontrollratsgesetz aufzuheben, dessen Rechtsgrundlage so offensichtlich brüchig ist. Im Grund ist das neue Gesetz ein Katalog der Rechte, die Organen der Besatzungsmacht für den IG-Konzern ausdrücklich eingeräumt werden. Alle berechtigten Hoffnungen, daß das Kontrollratsgesetz Nr. 9, das die IG-Farben unter Sonderkuratel stellt, aufgehoben werden würde, daß die Reorganisation dieses entscheidenden Teils unserer chemischen Industrie endlich Deutschen übertragen würde, daß die Entflechtung nach deutschem Aktienrecht vor sich gehen würde, daß die Rechte der Aktionäre, Gläubiger, Obligationäre und Pensionäre wieder voll in Kraft treten würden, daß die IG-Aktien — einst das Standardpapier der deutschen Börsen — wieder börsenfähig würden,— alle diese Hoffnungen sind enttäuscht worden.

Mit veränderter Begründung

Im ersten Artikel des Gesetzes heißt es: „Die einheitliche Kontrolle und Leitung der diesem Gesetz unterliegenden Vermögensgegenstände stellt eine übermäßige Konzentration wirtschaftlicher Macht dar.“ Dieser im übrigen völlig beziehungslos im Gesetz stehende Passus soll doch wohl eine Begründung für die Maßnahmen sein. In der Präambel zum Kontrollratsgesetz Nr. 9 hieß es dagegen: „Um jede künftige Bedrohung seiner Nachbarn oder des Weltfriedens durch Deutschland unmöglich zu machen und mit Rücksicht auf die Tatsache, daß sich die IG-Farben-Industrie wissentlich und in hervorragendem Maße mit dem Ausbau und der Erhaltung des deutschen Kriegspotentials befaßt hat, erläßt der Kontrollrat folgendes Gesetz.“ Die Präambel nahm ohne Verhandlung vorweg, was später im Nürnberger Prozeß sanktioniert werden sollte. Der Nürnberger Gerichtshof erklärte jedoch weder die IG als solche noch einzelne ihrer Direktoren der Planung, Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges für schuldig. Damit war dem Kontrollratsgesetz Nr. 9 und der Beschlagnahme des IG-Vermögens der Boden entzogen worden. Es ist oft genug, auch in dieser Zeitung, darauf hingewiesen worden, daß aus dem Nürnberger Urteil die Konsequenzen gezogen werden müssen, daß das Kontrollratsgesetz Nr. 9 aufgehoben werden müsse. Leider ohne jede Wirkung. Der einzige Erfolg scheint nun der zu sein, daß man in dem neuen Gesetz nur noch von Konzentration spricht, im übrigen aber dasselbe tut, was man 1945 mit einer ganz anderen Begründung angeordnet hatte. Leider hat man, wenn die Motive so wechseln, leicht das Gefühl, es kommt nur auf den Endzweck an. Im übrigen ist interessant, daß man jetzt nicht mehr von „Kontroll-Offizieren“, sondern von „Kontrollbeamten“ spricht. Offensichtlich hat man doch den Eindruck, daß ein Kontrolloffizier mit der zivilen Oberkommission schwer vereinbar ist.

Entschädigung und Aktientausch

Die IG-Farben-Industrie AG wird liquidiert und als jurirtische Person aufgelöst. Wie die neu zu gründenden Gesellschaften aussehen sollen, verrät das Gesetz nicht. Es erläßt dafür nur die Generalklausel, daß die IG in gesunde und unabhängige Gesellschaften aufzuspalten ist, so daß der Wettbewerb in der „deutschen chemischen Industrie und verwandten Industrien gefördert wird“. Der Bezug der Wettbewerbsfähigkeit nur auf die deutsche Industrie ist hoffentlich ein gesetzestechnischer Lapsus. Die neuen Gesellschaften müssen bei der starken Konzentration der chemischen Industrie in der ganzen Welt international wettbewerbsfähig sein. Das allein ist der gültige Maßstab für die neu zu gründenden Gesellschaften. Mit Hilfe von Anordnungen oder Durchführungsverordnungen kann von der Besatzungsmacht praktisch alles gemacht werden, was zur Umgruppierung des Konzerns nötig ist. Nach dem etwas undurchsichtigen Artikel 4 des Gesetzes sollen die Tochtergesellschaften offenbar nur ausnahmsweise liquidiert werden. Die Gründung der neuen Gesellschaften soll so vor sich gehen, daß die. neuen Gesellschaften im Verhältnis der ihnen übertragenen Vermögenswerte zum Beispiel Aktien oder Obligationen an die Liquidationsmasse geben, aus der die von diesen Maßnahmen „betroffenen Berechtigten“, zum Beispiel die Aktionäre, Obligationäre, Gläubiger, Pensionäre und andere, entschädigt werden sollen. Eine Entschädigung wird ausdrücklich zugesichert (Artikel 5). Während man noch vor kurzer Zeit (Kalle) glaubte, den gesamten Konzern verkaufen jZu sollen und daraus die „Berechtigten“ abzufinden, können nun die „Berechtigten“ auch durch Uebertragung von Obligationen und Aktien der neu gegründeten Unternehmen entschädigt werden, was ohne Frage ein Fortschritt ist. Deprimierend wirkt dagegen der-Artikel 6, daß den „Berechtigten“ nur Gelegenheit gegeben wird, „sich zu der ihren Interessen zu gewährenden Behandlung zu äußern.“

Juristisch am bedenklichsten dürfte wohl der Artikel 3 sein, wonach IG-Farben-Aktionäre und -Obligationäre ihre Wertpapiere nicht verkaufen dürfen. Mit Dekonzentrierung ist diese Außerkraftsetzung der Eigentumsrechte nicht zu erklären; es gibt etwa 300 000 IG-Farben-Aktionäre. Hier ist nichts zu dekonzentrieren und Professor Geiler hat ausdrücklich festgestellt, daß in der Hand der Aktionäre keine wirtschaftliche Macht konzentriert sei.

Außerhalb deutscher Verantwortung

Auch sonst ist die Einschaltung deutscher Stellen mehr als kümmerlich. Nach Anhören der Bundesregierung und anderer deutschen Behörden und Organisationen, soweit dies sachdienlich erscheint, wird ein aus deutschen Staatsangehörigen bestehender Ausschuß ( IG-F arben-Liquidierungsausschuß) gebildet. Diese Kommission arbeitet ausschließlich auf alliierte Weisung und jedes Mitglied des Ausschusses kann abberufen oder ersetzt werden. Die Mitglieder dieses Ausschusses werden also praktisch Angestellte der Besatzungsmacht sein. Von einer verantwortlichen deutschen Beteiligung ist keine Rede. Merkwürdigerweise wird in dem Gesetz nicht die „Fardip“, der deutsche IG- Farben-Entflechtungsausschuß erwähnt, der doch nun schon seit eineinhalb Jahren zur IG-Entflechtung umfassende Vorarbeiten geleistet hat.

Man fragt sich vergebens, warum die Besatzungsmächte an dieser Sonderbehandlung des ehemaligen IG-Konzerns eigensinnig festhalten, was doch heute nur als Querschuß in die übrige Besatzungspolitik angesehen werden kann. Hält denn noch immer die Vorstellung von dem geheimnisvollen, allmächtigen, furchtbaren Ueberkonzern, der die ganze Erde in seine Tyrannei zwingt, die Geister befangen, obwohl der IG-Konzern — wie gerade jetzt wieder festgestellt worden ist — verglichen mit den großen amerikanischen Unternehmen der Größenordnung nach durchaus „drittklassig" ist? Ist es die Sorge um den „Prestigeverlust“, die zwingt, auf dem alten Gleis weiterzufahren? Sind es wirtschaftliche oder personelle Motive? Wenn die Besatzungsmächte verlangen, daß der ehemalige Konzern „dekonzentriert“ wird, warum erlassen sie dann nicht ein entsprechendes Gesetz, legen die Durchführung in deutsche Hände und beschränken sich auf das, was wir unter Kontrolle verstehen? Warum müssen dazu Offiziere der Besatzungsmächte Generaldirektoren der IG spielen? Warum müssen dazu die Aktionäre entrechtet werden? Wozu all die schwerwiegenden Maßnahmen, die mit der eigentlichen Dekonzentrierung keineswegs zwangsläufig verbunden sind? Das sind simple Fragen, aber wir fürchten, es gibt darauf keine simplen Antworten. Was für einen Vers wird sich der gewöhnliche Bürger aus diesem Gesetz machen? Er wird siegen, „die machen ja doch, was sie wollen“, — und das ist sicher der entscheidende Einwand gegen das neue IG-Gesetz.

Stahlquote überholt

dpa Ein leitender amerikanisdier Beamter erklärte in Frankfurt, daß die westdeutsche Wirtschaft „in absehbarer Zeit eine positive Entscheidung der Westmädite über eine Erhöhung der deutschen Stahlquote erwarten kann“. Da angesichts des gegenwärtigen lebhaften Auftragseinganges bei den Stahlwerken im Ruhrgebiet die Stahlquote von 11,1 Millionen Tonnen schon im laufenden „Stahljahr“, das am 30. September endet, nicht ausreichen dürfte, wird zunächst mit einer Uebergangsregelung gerechnet. Voraussichtlich erhalten die Stahlwerke für Exportaufträge, die besonders zahlreich aus den Vereinigten Staaten vorliegen, ein Sonderkontingent. Möglicherweise werden die Alliierten bis zur Neuregelung der Stahlquote auch stillschweigend über eine Ueberschreitung der gegenwärtigen Produktionsgrenze hinwegsehen. Eine endgültige Regelung der deutschen Stahlquote erwarten die Alliierten grundsätzlich vom Schuman-Plan.

Wann Gewinnausschüttung?

K. Zu dem am Montag veröffentlichten alliierten Gesetz über die Aufspaltung der IG-Farbenlndustrie wurde von einem Beamten der amerikanischen Dekartellisierungsabteilung erklärt, das neue Gesetz stelle nur ein Rahmengesetz dar, und die erforderlichen Durchführungsverordnungen würden ergehen. Ein schwieriges Problem sei die Frage, ob die Gewinne der jetzt unabhängigen Gesellschaften, die auf ein alliiertes Konto eingezahlt werden, schon jetzt als Dividende ausgeschüttet werden sollten. Bevor an eine solche Maßnahme herangegangen werden könne, müsse zunächst der Gesamtbetrag der Forderungen festgestellt sein, die gegen die IG erhoben werden, und feststehen, welche Kapitalausstattung zur Arbeitsaufnahme der noch zu gründenden neuen Gesellschaften bereitgestellt werden müßten. Weiter sei erst einmal festzustellen, ob es nicht zweckmäßiger sei, derartige Gewinne zum Ausbau der Kapazität und der Forschungslaboratorien zu verwenden, da dadurch unzweifelhaft der Gläubiger selbst profitieren werde.

Die Frage, welches Recht künftig bei der Durchführung der Entflechtung angewandt werden soll, wurde von dem alliierten Sprecher dahingehend beantwortet, daß die Oberkommission von Fall zu Fall darüber entscheiden werde. In Fällen, in denen im deutschen Recht längere Fristen vorgesehen seien, würde englisches beziehungsweise amerikanisches Recht herangezogen werden.

Ruhiges Messegeschäft in Leipzig

hd. Leipzig. (Eigenbericht.) Leider steht auch die diesjährige Leipziger Herbstmesse wieder unter politischen Vorzeichen. Das fängt an bei den Propagandapla,katen und -transparenten, die die auswärtigen Besucher auf den Bahnhöfen und Landstraßen der Ostzone erwarten. Es geht weiter in den Messehäusern selbst, wo zum Beispiel in den Schaustellungen der volkseigenen Betriebe Spruchbänder und Anschläge politische Parolen verkünden, anstatt nüchtern die Preise der ausgestellten Ware zu notieren, und erreicht den Höhepunkt in den politischen Messekundgebungen.

Von den rund 6000 Ausstellern in Leipzig kommen nur etwa 500 Firmen aus Westdeutschland Sie stellen in Leipzig vor allem Textilien, Schneidewaren, Haushaltsgeräte, Lederwaren, Galanteriewaren, Glas, Keramik usw. aus. Die ersten beiden Messetage waren wenig erfolgversprechend. Es wird zwar an fast allen Ständen betont, daß von der ersten Stunde an ein lebhaftes Interesse ostzonaler Einkäufer vorhanden gewesen sei.

Lebensmittel um 10 Prozent teurer

F.A.Z. Nach dem neuesten Bericht des Statistischen Bundesamtes über die Entwicklung der Verbraucherpreise für Nahrungsmittel in zehn Landeshauptstädten des Bundesgebietes in der Zeit vom 11. bis 18. August 1950 haben sich die Preise in der Berichtswoche nochmals um 0,7 Prozent erhöht. Ein Vergleich mit den Lebensmittelpreisen vom 15. Juni, dem Beginn der wöchentlichen Preisbeobachtungen, und dem 18. August zeigt, daß die Lebensmittelpreise im Bundesgebiet durchschnittlich eine Erhöhung um 10 Prozent erfahren haben. Dabei wurden nur die offiziellen Preise notiert, nicht aber die Schwarzmarktpreise, wie sie teilweise für Zucker bestehen. Der Preis für ein Kilogramm Roggenbrot hat sich von Mitte Juni bis Mitte August von 41 auf 45 Pfennig erhöht, der Preis für Kleingebäck von 82 auf 90 Pfennig; Weizenmehl stieg durchschnittlich von 55 auf 63 Pfennig pro Kilogramm.

Feuilleton

Musik der jungen Generation

Die Arbeit der meisten jungen Künstler ist sehr unterschiedlich. Neue Namen tauchen auf, viele von ihnen werden wieder verblassen, andere dagegen werden sich vertiefen. Wenn wir die Lage der Gegenwart, und hier in erster Linie der Lage der jungen Generation betrachten, so liegt das Kriterium allein in der inneren Nähe des Schaffenden zu den Entwicklungsproblemen der Zeit. Hier muß endlich einmal Ordnung geschaffen werden. In einer Epoche der Stilwende muß sehr scharf zwischen Gegenwart und Vergangeheit getrennt werden. Nur die Schöpferischen unter all denen gehören der Zeit wahrhaft an. Hieraus ergibt sich eine Anzahl Namen, die notwendigerweise einseitig bleiben muß und die mit einer absoluten Wertung nichts zu tun hat. Es genügt nicht nur, daß man die kompositionstechnische Seite beherrscht, es genügt auch nicht, daß man möglichst einen guten oder gar bedeutenden Lehrer zum Meister hat,' sondern die eigenen Kräfte werden letzten Endes den Ausschlag geben.

Wenn in den letzten Tagen Werke von Komponisten zur Aufführung kamen, die oft mit geringer schöpferischer Intensität an dem Werden einer neuen Sprache beteiligt sind, so sind darunter einige Ausnahmen, die eben durch Fleiß und intensives Studium großer Meister wie Hindemith und Schönberg oft einen verblüffenden musikalischen Ausdruck finden. Um die Meister wächst naturgemäß eine Generation der Jüngeren heran. Trotzdem darf keine Abhängigkeit und Gefolgschaft spürbar werden. So scheidet in der Wertung eine Fülle von Künstlern aus, weil ihr Schaffen noch vollständig aus der Perspektive der großen Vorgänger betrachtet werden muß. Es waren Arbeiten darunter, die über das technische, handwerkliche Können nicht hinauswachsen. Es mag vielleicht daran liegen, daß durch die Beteiligung vieler Nationen (es wurde u. a. auch darauf gesehen, daß von möglichst vielen Ländern ein Vertreter zugelassen war) nicht die nichtige Auswahl in den Werken getroffen wurde. So kann der Jury der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie nicht genügend gewertet hat. Zwar ist es ein Verdienst, wenn man den jüngeren Musikern Gelegenheit gibt, ihre Werke aufzuführen. Man soll aber auch darauf achten, daß gerade in öffentlichen Konzerten dem Publikum nur die Auslese dargeboten werden soll. In internen Konzerten wird genug Gelegenheit sein, über unsichere Werke zu diskutieren.

Erfreulich ist die Reaktion im Sinne der elementaren, bejahenden Kraft. Eine neue Generation, vor allem Hans Werner Henze, Hans Ulrich Engelmann und Humphrey Searle, hat gesunde Instinkte, die sich gegen die Auflösung und gegen die Symptome des letzten Verfalls wehren. Hier hat der Durchbruch einiger Elemente Kraft genug, um der Musik die Physiognomie einer stilistischen Einheit zu geben. Die 2. Symphonie von Hans Werner Henze ist ein Werk von ungeheurer Substanz, ja die Plastik dieser Komposition beruht gerade auf dem Uebengewicht der Substanz. Thema, Motiv, Funktionsverbindung und rhythmische Struktur werden nicht durch sie verdrängt. Die Gestalt des Gedankens bleibt zugänglich. Motorische Kraft und stürmende Dynamik zeugen von großen Ideen, Gestaltungskraft und Urmusikantentum.

Hans Ulrich Engelmanns Orchesterallegro zeichnet sich aus durch seine elementaren Kräfte, durch die allmählichen Weitungen der Spannung, in der Exaktheit liegt eine maschinelle Präzision. Die rhythmischen Elemente überwiegen und bleiben auch noch in der stürmendsten Vitalität Musik. Eine Fülle klanglicher Energien und agogischer Kräfte werden aus dem Wesen der Instrumente gewonnen.

Ausgezeichnet waren auch die beiden Italiener Bruno Maderna und Luigi Nono. Die Abkehr vom Fühlbaren trägt diese Musik weit aus der Sphäre der Realität hinaus. Die Einheit des Tons wird durchbrochen, der Ton verbindet sich mit dem Geräusch zu einer seltsamen Einheit metaphysischer Resonanz, aber das Fehlen gewohnter Bindungen rückt diese Musik an die äußersten Grenzen der Entwicklung.

Gute Leistungen zeigten noch Humphrey Searle in seinem Poeme, der Belgier Victor Lecley in seinem Streichquartett, Bernd E. Zimmermann in seiner Violinsonate und Racine Fricker in seinem Streichquartett. ch.

Unter freiem Himmel

Schömberg ist ein kleiner Kurort im Württembergischen Schwarzwald — unweit Wildbad und Bad Liebenzell —, bisher einzig durch seine Sanatorien bekannt. In seinem Kurpark inszenierte der Gründgens-Schüler Jochem Schwarz kürzlich eine „Faust“-Aufführung (mit Theodor Loos), an der sich die Gemüter erhitzten. Die zweite Inszenierung wurde jetzt zu einem Ereignis. Dabei mußte die Wahl des Stückes zunächst Bedenken erwecken: Lessings „Minna von Barnhelm“ ist doch eines jener Werke, deren kammerspielartiger Charakter nach dem geschlossenen Raum verlangt, deren Atmosphäre im allgemeinen in der Weite einer Freilichtbühne zerflattern muß.

Nun, Lessings „Minna“ lebt nicht aus einer bildungsbeflissenen Ehrfurcht heraus ein verstaubtes Scheindasein, sondern steht auch heute noch ebenso blutvoll vor uns wie zu seiner Entstehungszeit. Um seiner Substanz willen überdauert das Lustspiel die Jahrhunderte. Mögen die Edelfräuleins inzwischen auch zu Märchengestalten geworden sein, was macht es — immer wieder gibt es liebende, für ihre Liebe alles wagende Frauenherzen wie diese Minna, gibt es Männer wie diesen Tellheim, die auch im Unglück nichts von ihrem Format verlieren. Und Just, Franziska, Werner und der Wirt sind in Wahrheit Zeitgenossen von uns (auch Riccaut, denn wie viele praktizieren heute doch sein „corriger la fortune“) — weil die Menschen sich in ihren Charakteren ja im Grunde gar nicht verändern und auch ihre Probleme stets gleich bleiben. Nur der äußere Rahmen ist es, der wechselt. Und doch ist dies ein Lustspiel und kein zeitgenössisches Problemstück.

Die Not der Schömberger Bühne, langgestreckt und ohne Tiefe, wurde hier zur Tugend: trotz der bescheidenen Mittel war es Gerhard Gengenbach gelungen, den Schauplatz des Geschehens auf die Mitte zu konzentrieren, so daß die Intimität eines geschlossenen Raumes gewonnen wurde. Die Regie von Jochem Schwarz war bemüht, durch den Einfall mit dem in warmem Rot gekleideten Pagen diese Illusion noch stark zu unterstreichen

Rosemarie Gerstenberg war eine wirklich junge, scharmante, geistvolle Minna, zugleich gefühlvoll wie ein verliebtes Menschenkind unserer Tage — und doch in jedem Augenblicke auch das Edelfräulein. Nur wenigen gelingt die harmonische Verkörperung dieser Komponenten so ideal. Da Waldemar Leitgeb als Teilheim ihr ebenbürtig war, hatte die Aufführung eine hohes Niveau. Leitgebs Erscheinung und Stimme prädestinierten ihn schon äußerlich für diese Rolle, die er auch geistig durchdrungen hatte, ohne sie jedoch so zu beschweren, daß der Charakter des Lustspiels gefährdet gewesen wäre. Ein Genuß, mit welcher Souveränität Theodor Loos die Paraderolle des Riccaut auskostete, ohne in Effekthascherei zu verfallen. Sprachlich und mimisch bis ins Feinste nuanciert, fügte sich sein Auftritt mit Glanz in die Aufführung ein. „Minna von Barnhelm“ im Freien — mit einem Boten, der hoch zu noß auf die Bühne galoppierte, mit einer Kutsche, welcher der Graf von Bruchsal entstieg, und trotzdem Lessings Kammerspiel! Daß dies Ungewöhnliche gelang, gab dem Abend den Reiz des Einmaligen. Rgb.

Das Zebramädchen

VON RENI HINDS

Gewiß war sie die eigenwilligste Schülerin der Grafikklasse vor interessanten Kolleginnen wie etwa einer Deutschargentinierin, die spielerisch verderbt ä la Pascin zeichnete, einer Patriziernachkommin, welche glacebehandschuht im Zoo skizzierte, einer Engländerin mit whistlerischen Aquarellfarbräuschen oder einer Bremer Juwelierstochter, deren seemännischer Großvater eine Javanerin zur Frau nahm, von der sie ihre exotische Schönheit und wohl den Hang zum batikbunten Märchen-Stiftfabulieren ererbt hatte . . . Alle sie übertraf an Merkwürdigkeit Ilse Kühn, hochbegabte Tochter eines bekannten Stadtbaumeisters. Von augenfälligen Vorzügen besaß sie zwar wenig, ebenso forderte die still arbeitsame Einzelgängerin kein Bewundern heraus, wenn sie abseits jeder Schülergruppe, in einer Ecke des Lehrateliers auf blaugraues Ingrespapier ihre nicht fleisch- sondern flauschgeformten Akte strichelte, seuratverwandt flimmrigen Umrisses, mehr gewischt und getupft als ausgezogen, eine feine Art fluktuierenden Andeutens.

Aehnlich war auch ihr Aeußeres: mädchenschlank, fast aufgeschossen, hochbeinig, dazu ein Kopf von gleich länglichem Oval, blaßblaue Augen unter hoher Stirn, eine etwas zu lang geratene Nase über dem mäßig geschwungenen Mund. Das aschblonde Haar trug sie mittelgescheitelt, im Nacken geknotet. Es war ein Genuß, ihre nervigen kleinen Hände vorm Papier sich bewegen zu sehen — wie ein zierliches Vogelpaar, das Halm für Halm zum Nestbau herbeiträgt, und nestelnd war dies Zeichnen allerdings wie es sorgsam dichtmaschige Grautöne spann.

Es hielt schwer, eine Unterhaltung mit ihr anzuknüpfen, die über einige spöttisch-treffende, klug beobachtete Einzelheiten an kritisierten Kollegen beiderlei Geschlechts oder an deren Arbeiten hinausging. Pausen verbrachte sie allein auf dem Flur, gegen eins der hohen Fenster zum Hof gelehnt. Sie rauchte nicht, naschte nicht und kokettierte schon gar nicht. Die anderen Mädchen nannten sie eine vertrocknete Nymphe und unhübsch, ja mager. Mir störte das nicht die Freude, die ich hie und da bei ihren knappen, dennoch nachdenklichen Antworten empfand; eine engere Verständigung kam nie zustande, selbst der vielberedte wienerische Professor, der

sie achtungsvoll und nur selten korrigierte, taute ihre Zurückhaltung nie auf.

Nach eifrigen Zurüstungen der ganzen Schülerschaft, Dekorierung sämtlicher Schulräume, wurde der diesmalige Karneval als „Timbuktu“ betiteltes Künstlerfest gefeiert. Einfallsreiche Masken Überboten sich an launigen Variationen, trotzdem entlarvte ich jede, nur Ilse Kühn vermochte ich . nicht aufzuspüren. Endlich, kurz vor Mitternacht, als der Trubel gefährlich zunahm, prallte ich auf der letzten Treppe vor unserem zum Palmencafe gewordenen Atelier gegen eine eilige, befremdliche Maske von kindlich-schmaler Gestalt, die von Kopf bis Fuß in schwarzem, mit weiß schlängelnden Streifen übermalten Trikot ein Zebra vorstellte, dem das schwarz-weiße Fellmuster sogar übers Gesicht striemte — eine bestürzend echte Metamorphose. Ich fuhr dem nun seinerseits verdutzten Zebrafräulein vorwitzig prüfend mit einem Finger über die Nase, ob sie nicht abschwärzte und erkannte an ihren un - willig blaublitzenden Augen Ilse Kühn. Sie schlug mir auf die Hand und entsprang flink meinem scherzhaften Zugriff ins Gewühl des unteren Stockwerks. Etwas später erwischte ich sie dort an der Bar. „Zebra, wer hat dich zu einem solch reizenden Sträfling verwunschen?“, flüsterte ich ihr ins Ohr, sie schnellte vor meinen Lippen zurück und erwiderte mit spröder Stimme: „Der böse Zauberer Kuki.“ „Oh“, seufzte ich, „und warum?“ Sie rollte die vergrößerten Augen zur scharlachrot drapierten Decke hoch —: „Weil ich nicht wie die andern Zebras auf allen Vieren laufe“. Darüber hatte sie sich mir rasch entwunden. Vergebens suchte ich sie wiederzufassen. Einige Male wirbelte sie noch im Arm anderer Tänzer an mir vorbei.

Eine Woche drauf verabschiedete sich Ilse Kühn von Klasse und Lehrer, — sie ginge mit Professor Fr . . ~ dem großen Afrikamythenforscher, nach einem Wüstengebiet des schwarzen Erdteils, als eine seiner Zeichnerinnen, welche die kultischen Fresken der nomadisierenden Ureinwohner von den Felswänden kopieren sollten. Monate hörte man nichts von ihr, bis jemand die Neuigkeit brachte, sie sei schwer malarialeidend vor Abschluß der Expedition zurücktransportiert worden und liege hoffnungslos in heftigen Delirien zu Hause. Vierzehn Tage danach war sie tot.

Franzisquita

COUBIER-URAUFFÜHRUNG IN FRANKFURT

Bei Remond im kleinen Zoo-Theater gab es eine Coubier-Premiere unter der Gastregie des Baden-Badener Theaterleiters Hannes Tannert. Der Verfasser der vielgespielten Aimee hat wieder handfeste bühnenwirksame Gebrauchsware geliefert, ein Stück mit einer scharmanten Person im Mittelpunkt, mit viel Liebe, Koketterie und erotischem Parfüm, gespickt mit Pointen, nicht den billigsten, Niveau feine Maßkonfektion. Die Dame Franzisquita zieht sich mehrfach an und aus. macht das delikat und auf diskrete Art verlockend, zumal wieder ein echter Coubier, nämlich ein edler Herzensbrecher und ehrenstolzer Spanier, der im Jahrhundert Hemingways nichts anderes sein kann als Hauptmann der Partisanen, sich wie weiland der Major Teilheim in Ehrenskrupeln windet, nur daß der zeitgenössische Partisane erotisch natürlich emanzipierter ist. Wie die kleine Schauspielerin Franzisquita die Rolle der französischen Gräfin aus herzoglichem Geschlecht übernimmt und die echte Gräfin aus Angst vor den Partisanen kleine Schauspielerin wird, wäre noch ergötzlicher, wenn es nicht drei lange Akte, vor allem einen allzu gedehnten mittleren, worin der Regisseur hätte raffen müssen, vorhalten müßte.

„Oder die Weltgeschichte“ heißt der Untertitel und so wäre noch zu erklären, was diese weltgeschichtlichen Betrachtungen des Herrn Coubier auszeichnet. Da das Stück in dem von Napoleons Statthaltern und Truppen besetzten aufständischen Spanien spielt, ergeben sich natürlich dankbare Momente, um weltgeschichtlich zu betrachten. Vieles ist komisch, vor allem die Persiflagen auf Militär und Krieg, Besatzung und Militärjustiz, so daß das Parkett, immer begierig auf geistige Alibis, die es nicht mehr kosten als das Eintrittsbillet, dankbar, etwas zu eilig dankbar, mit Beifall auf offener Szene oder mit ostentativem Lachen — da haben wir's. ich wußte es ja längst — quittiert. Die besten Gags schienen uns die tief- und blödsinnigen Auslassungen über „echt unverwechselbar Französisch“ beziehungsweise „Spanisch“ aus dem Munde solcher, die nicht wußten, daß hier gemimt wurde, daß Franzisquita Gräfin mimte. Billig, aber wohl immer wieder effektvoll schienen uns die Apercus über den Schauspieler an, für und außer sich, enttäuschend billig am Schluß die Erkenntnis über die Frauen und die Weltgeschichte.

Mit der quecksilberigen, technisch sehr versierten Edith Teichmann in der Titelrolle, wird das Stück ein Frankfurter Serienerfolg werden. 'Die Teichmann ist Genre, Charme auf Draht. Käte Jänike als Gräfin chargierte Biest. Kulenkampff wurde mit der üblichen ein wenig knurrigen, ein wenig jungenhaften Noblesse mit seinem fatalen Tellheim-Rota fertig. Grüters posierte sich etwas steif als Graf durch das Stück, während Schmieder aus dem zum Wirt herabgesunkenen Don Esteban mit den adeligen Vorfahren eine ins Närrische übersteigerte, hintergründig schlaue und interessant schillernde Figur machte, die dem Stück etwas wirklich Spanisch-Komödiantisches gab. Bogislav von Heyden und Johannes Schauer setzten zwei lustige Partisanenkarikaturen in den letzten Akt. K.K.

Neue Bücher

Die Stadtbücherei Darmstadt hat folgende Bücher neu erworben:

Frauenholz, E.: Weltgeschichte (G 5 Ceram, C.: Götter, Gräber und Gelehrte (G 8); Shulman, M.: Die Niederlage im Westen (G 15); Gaxotte, P.: Die Französische Revolution (G 20); Heß, W 2 Afrika (G 25); Meyer, A. O.: Bismarck (G 30); Curie, Ek Eine Frau an der Front (30); Wahl, R.: Wandler der Welt Friedrich 11. (30); Schenkel, G.: Mahatma Gandhi (30); Paleologue, M.: Wilhelm II und Nikolaus 11. (30); Ahlers-Hestermann, F.: Pause vor dem dritten Akt (Ku); Cezanne P.: Werke; ,Flaubert, G.: Briefe an die Geliebte (Li 30); Tornius, V.: Goethe Leben, Wirken und Schaffen; Wolfe, Th.: Briefe an die Mutter; Gardi, R.: Walfischjagd (N 10); Colerus, E.: Von Pythagoras bis Hilbert (N 35); Arssenjew, W. K.: Dersu Usala (Re 15); Eckener, H.: Im Zeppelin über Länder und Meere (15); Elisberg, E.: Hölle im Eis (15); Langenn, V.: Bettler, Heilige und Maharajas (15); Pantenburg, V.: Arktis (15); Rein, E. M.: Das Schmetterlingshaus (15); Schiffers, H.: Menschen unter Allahs Sonne (15); Schwarz, F.: Bakschich und Feidah (15); Tutein, P.: Ich lebte unter Eskimos (15); Just, A. W.: Rußland in Europa (St s)r Burnham, J.: Das Regime der Manager (St. 20); Richter, H.: Radiotechnik für alle (Te); Rockenfeller, Th.: Fotobaby lernt knipsen (te).

Ein neuer Film

THALIA. „Die Braut des Maharadscha“. Statt auf dem Rücken von Elefanten begibt sich der Maharadscha von Hakwar mit luxuriösen geländegängigen Superwagen auf Großwildjagd. Gewehre mit Zielfernrohr, drahtlose Fernsprecher, elektrische Scheinwerfer haben die romantischen Utensilien wie Pfeil und Bogen, barfüßige „Kuriere“ und besinnliche Lagerfeuer verdrängt. Nur der Dschungel ist noch wie ehedem geblieben. Seine Bewohner leben mit den Tieren in Frieden. Erst das Eindringen der Jäger stört dieses Idyll. Der lenden¬ - Ramdar (Sabu), Prinz des Dschungels, letzter eines Fürstengeschlechts, kämpft um den Frieden im Dschungel, entführt darob die Braut des Maharadschas (Gail Russell) als Geisel, die sich, alldieweil ihr Verlobter zusammen mit einem Tiger in einen für einen Todessturz vorzüglich geeigneten Abgrund fällt, für den Naturburschen Sabu entscheidet.

In herrliche Natur- und Tieraufnahmen hinein ist eine Handlung gestellt, die an manchen Stellen nur von der interessant geführten Kamera lebt. Sabu spielt seinen Streifen in altbewährter Art weg. Bei den anderen Darstellern hat man ab und zu das Gefühl, daß sie viel lieber einen flotten Ausstattungsfilm gedreht hätten, als hier im Wasser herumzulatschen und an Felsen herumzukraxeln. Einzig Gail Russell glaubt man ihr Interesse für das „Urwaldabenteuer“. hn

Bruno Walter hat das Angebot abgelehnt, das Präsidium der internationalen Musikolympiade in Salzburg zu übernehmen. Die endgültige Wahl muß daher auf das nächste Jahr verschoben werden.

Ein neues Theater in Bremen. Nach einer „Festlichen Intrade“ von Manfred Hausmann und einer Festrede Rudolf Alexander Schroeders ist das anstelle des früheren Schauspielhauses in Bremen errichtete, 1100 Besucher fassende „Theater am Goetheplatz“ am Sonntag mit Goethes „Egmont“ eröffnet worden. An dem Festakt nahmen alle Abgeordneten der Bremer Bürgerschaft teil. Den Egmont spielte Horst Caspar als Gast.

DT Film- Forum

Berliner Mundwerk mit viel Herz!

Na, was sagen Sie dazu: Geschminkt kam die Person schon zur Schule, und das damals, als es weiß Gott, noch keine Frau gewagt hätte, mit gemalten Lippen auf die Straße zu gehen! So war sie damals schon, die Grete Weiser! Aber Kunststück: Wenn einer Frau vom Schicksal bestimmt ist, solch Typ wie sie zu werden, dann muß sie wohl schon jung anfangen, durch Extravaganzen aufzufallen. Früh schminkt sich, was eine Grete Weiser werden will! Damals schon hat sie es erreicht, daß alle von ihr sprachen.

Diese Urberlinerin (wie alle meinen) ist in Hannover geboren und in Dresden zur Schule gegangen, hat sich dann später allerdings so völlig wie nur denkbar in Preußisch-Berlin eingelebt. Aber bevor sie soweit war, bevor sie als Schauspielerin und Filmdarstellerin sich einen Namen machen konnte, mußte sie, wie jeder Mensch, eine Jugendzeit verleben, und da hat es schon allerlei Auftritte gegeben, die oftmals bestimmt „bühnenfertig“ waren. Als man Ahr einmal eröffnete, daß sie sitzen bleiben würde, meldete sie sich kurzerhand ab und eigenmächtig auf einer Privatschule an, und den Eltern blieb nichts übrig, als nur Ja dazu zu sagen . . . geschminkt kam sie dann in die Privatschule, mit getuschten Augenwimpern und nachgezogenen Augenbrauen ... die Mitschülerinnen weigerten sich, mit ihr über die Straße zu gehen... ihre „Verworfenheit“ schrie zum Himmel! Aber das war nicht alles! Als sie eine Schlangentänzerin im Kabarett sah, war sie so fasziniert, daß sie beschloß, ebenfalls Tänzerin zu werden. Sie übte heimlich zu Haus, zog sich dann eines Tages „erwachsen“ an und ging zu dem Kabarettdirektor, um ihm etwas vorzutanzen. Sie redete „unentwegt“ — (wie sie selbst sagt, man kann sich das gut vorstellen !!!) — auf den Mann ein, bis er ja sagte und sie engagierte, die Einwilligung der Eltern vorausgesetzt... die bestand aber in einer schallenden Ohrfeige, dazu dem Satz: „Diese Göre braucht man nur bis zum Briefkasten zu schicken, dann ist schon das Malheur da!“

Verlobt war sie selbstverständlich auch einmal, und sie wollte absolut heiraten, die Eltern wollten aber noch nicht. Was tat sie da? — Sie trat in den... Hungerstreik und schloß sich in ihr Zimmer ein, verweigerte die Nahrungsaufnahme. (Allerdings hatte sie wohlweislich dafür gesorgt, daß sie heimlich doch zu essen bekam...) Da gaben die Eltern also nach. Sie heiratete, und war noch so entsetzlich jung. Ein Hausierer hat sie einmal, als sie schon verheiratet war, gebeten, der Mutti zu sagen, er möchte etwas verkaufen ... da hat sie sich so gefreut, daß sie ihm den halben Laden abgekauft hat!

1926 hat sie zum ersten Male die Bühne betreten. Sie hat aber nicht etwa ihr Publikum im Sturm erobert, oh nein! Viel Lehrgeld mußte sie zahlen, manchen Schnitzer hat sie sich erlaubt, der ihr beinah ihre Karriere gekostet hätte. So, als sie bei ihrem Debüt die Mutter im Zuschauerraum entdeckte und ihr freudig zuwinkte!! „Wer ist denn der blonde Trampel da oben!?“ hat einst ein Komponist gefragt, als er sie sah... aber sie hat sich durch alle Widrigkeiten durchgebissen und ihren Weg gemacht. Heute ist sie aus dem deutschen Bühnen- und Filmleben nicht mehr fortzudenken, denn diese sensationelle, unüberwindliche, kesse, schnodderige „Klappe“, echtestes Berlin, ist in dieser Vollkommenheit nur einmal da, und kein Film, in dem sie mitwirkt, läuft am Publikum vorüber, ohne daß über die Grete Weiser herzhaft gelacht würde. Berliner Klappe mit viel Herz: diese wunderbare Mischung hat sie uns beschert. Und in dieser Mischung hat sie für Berlin auch dort Freunde geworben, wo man ansonsten den „Berliner“ nicht so ganz besonders liebt...


GRETE WEISER
GRETE WEISER

(Foto: Merkur-Eichberg-Film/Herzog-Film)
(Foto: Merkur-Eichberg-Film/Herzog-Film)

Der Rundfunk am Mittwoch

RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 6.45 Morgenständchen; 7.15 Frühkonzert; 8.10 Morgenmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Musikalisches Allerlei; 14.00 Kleine Bläsermusik; 15.20 Ein Ständchen für die Hausfrau; 16.15 Unterhaltungskonzert; 18.20 Mach dir’s bequem; 20.00 Aus den Salzburger Festspielen 1950 „Messias“; 22.45 Nachtkabarett; 23.00 Willy Berking spielt zum Tanz.

SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 14.30 Das Heinz-Lucas-Quintett; 16.15 Konzertstunde; 17.15 Kleines Orchesterkonzert; 18.15 Musik zum Feierabend; 20.00 „Arzt wider das Gesetz“; 21.00 Neue unterhaltsame Orchestermusik; 22.00 Das Streichorchester Heinz Hoffmann-Glewe; 23.00 Nachtkonzert.

SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Musikalische Teestunde; 17.15 Solistenkonzert; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Hamburg — Tor zur Welt; 21.00 Das Prisma; 22.30 Klaviermusik; 23.15 Eine Schlagerrevue am laufenden Band; 0.10 Tanzmusik aus Italien.

NWDR.: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 15.40 Beliebte Melodien; 16.15 Filmmusik aus aller Welt; 16.50 Arien des Barock; 17.05 Streichquartett f-moll op. 20 Nr. 5 von Joseph Haydn; 18.05 Musik zum Feierabend; 18.30 Melodische Rhythmen; 20.00 Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank; 21.00 Johann Sebastian Bach; 23.00 Kurt Wege; 0.05 Berlin am Mikrofon.

Darmstadt und Umgebung

Der Pechvogel

Sg.- Es sind bekanntlich die vielfältigsten Methoden versucht worden? tarn dem Gluck beim Toto auf die Beine zu helfen. Der Griff zu den Mitteln des ZufaHs ergab und ergibt noch ebenso rührende wie belustigende Beispiele und Bilder. Da muß das kleinste Kind der Familie den Würfel rollen lassen, Onkel Eberhard — der mit dem Barte -r hat sc ne grauen Haare am Kinn zu zählen, und L’.eselottchen, die noch in der Fibel liest, muß zwischen „Offenbacher Kickers“ und den „Schweinfurtern“ den Sieg entscheiden. Großvater bestimmt die Ergebnisse der Ersatzspiele, und der Ausspruch von Zarah Leander geröhrt, „. . . es steht in den Sternen . . .“, kann nicht stimmen. Sonst hatten die Stier- oder Krebs-Menschen die Toto-Gesellschaften schon gesprengt. Immer wenn das Sternenbild eine günstige Konstellation für Geschäfte zeigte, verwiesen die montäglichen Fußball-Ergebnlisse die Glücklichen in die pferdesportliche Rubrik unter „ferner liefen“.

Da das Glück nur noch als schwache Linie, am Horizont verschwindend, zu sehen war, verschwand mit gleicher Plötzlichkeit das Sternen-Toto. Es ließ keinen Kometen-Schweif zurück, es sei denn das Pferde-Ende der Enttäuschten. Noch nicht mal eine Sternen-Schnuppe fiel.

Nunmehr hat unsere immer recht sicher voraussagende Sport-Redaktion zu den Spielen des vergangenen Samstag/ Sonntag den erwarteten Erfolg gehabt. „Unser Tip“ im D. T. konnte neun richtige Ergebnisse erreichen, und die freundlichen Leser der Zeitung werden ihre Gewinne des zweiten Ranges in Höhe von 25,80 DM in Empfang nehmen können.

Nur der Tipschein dessen, der die Voraussage gab, ging in dem Trubel der eintreffenden und zu bearbeitenden sonntäglichen Sportergebnisse unter. Für unseren Sportredakteur ist es kurz vor dem Ersten recht bedauerlich, und für die anderen — „was dem enen sin Uhl, is dem anderen sin Nachtigall“ — die freudig begrüßte Ueberraschung am Wochenanfang.

Unseren herzlichsten Glückwunsch den Gewinnern im Leserkreis des „Darmstädter Tagblatt“.

Als man im alten Palais noch Hofbälle feierte

Das „alte Palais“ (siehe Bild) stand am Marktplatz neben der heutigen Marktpassage. Ursprünglich handelte es sich an dieser Stelle um zwei Häuser, die schon unter Georg I. und Ludwig V. entstanden und zunächst landgräfliches Eigentum waren. Ludwig VI. verkaufte eines der Häuser an die Tochter des Vizekanzlers Faber. Sehr bald kam das Haus wieder in landgräflichen Besitz und wurde mit dem danebenstehenden Haus 1682 von der Landgräfin Elisabeth Dorothee der Familie von Uetterod geschenkt. Die vereinigten Gebäude hießen in der Folgezeit „Die Uetterodischen Burgfreien Häuser“.

Landgraf Ludwig VIII. kaufte die Baulichkeiten zurück, ließ sie abbrechen und an ihrer Stelle ein zweistöckiges Haus, das auf dem Bilde links stehende, errichten. Hier stieg er, der bekanntlich den größten Teil des Jahres in Schloß Kranichstein wohnte, meistens ab, wenn er sich in der Residenz aufhielt. Im Jahre 1764 schenkte der Landgraf dieses Palais seinem 2. Sohne, dem Prinzen Georg Wilhelm, der damals auch den Herrngarten nebst allen darin befindlichen Gebäuden und den Orangeriegarten erhielt.

Da dem Prinzen die Räume nicht genügten, ließ er daneben ein weiteres zweistöckiges Haus, rechts auf dem Bild, bauen, das in erster Linie zur Abhaltung von Hofbällen usw. bestimmt war. Auf der Rückseite befand sich ein geräumiger Hof, der von kleinen Gebäuden für Hofbedienstete eingeschlossen wurde. An den Hof schloß sich eine Gartenanlage an, in der ein eigenartiges, rundes, ganz aus Holz erbautes Gebäude stand, das zur Feier der Vermählung des Prinzen Maximilian, des späteren Königs von Bayern, errichtet worden war. Man nannte es das Pantheon; es enthielt einen großen Ballsaal, der bei der Hochzeit des Prinzen eingeweiht wurde. Durch den Hof und den Garten konnte man von dem Markt auf kürzestem Wege nach der Elisabethenstraße gelangen, freilich nur zu Fuß, da das kleine in die Elisabethenstraße mündende Türchen die Durchfahrt nicht ermöglichte. Nadi dem Tode des Prinzen Georg Wilhelm ging das alte Palais im Jahre 1782 auf seinen Sohn Georg Karl über. Da in der Folgezeit der Hof das Interesse an den Gebäuden verlor, wurden sie im Jahre 1822 öffentlich versteigert und gelangten in Privatbesitz, um alsbald abgebrochen zu werden. Ebenso erging es der anschließenden „alten Kanzlei“, einem schon seit dem Jahre 1674 vorhandenen Haus, das früher „der Fürstenhof“ hieß, aber in „Kanzlei“ umbenannt wurde, nachdem bei dem Schloßbrand (1715) die Kanzleiakten dorthin gerettet worden waren.

An Stelle der alten Bauten entstanden alsbald neue, ihren Zwecken entsprechende Häuser. Die Eigentümer waren für die Palaisgebäude die Familien Hornberger und Gaydoul, für das „Kriegsmagazin“ die Familie Schwab. An der Passage befand sich die Calmbergische Apotheke, die bei dem späteren Umbau der Marktfront in die Hochstraße (Hirsch-Apotheke) verlegt wurde. Der ganze Komplex wurde dann durch die Häuser Nr. I—4 auf dem Marktplatz, Kaufhaus Henschel und Ropertz und Haus Fertig eingenommen. Das einzige, was aus der alten Zeit übriggeblieben ist, dürfte die Marktpassage sein. H. K.



Schreibt an Fritz Kuippelius

Vorschläge zur Zeitungsaufmachung

schickte uns freundlicherweise Herr H. Koch, Darmstadt, Michaelisstraße 16 vor einiger Zeit. Für seine Vorschläge und seine Anteilnahme die er an der Entwicklung unseres „Tagblattes“ nimmt, dankt ihm die Redaktion herzlich durch

Fritz Knippelius.

Alle gegen alle in Groß-Umstadt

Mit Interesse las ich Ihren Artikel (25. 8.). Es ist mir unbegreiflich, wie ein Herr Wedel auf Grund seines bisherigen Vorlebens Präsident des Umstädter Gemeindetages, Kreisdeputierter und 2. Beigeordneter der Stadt Groß-Umstadt sein kann. Es ist Tausenden Mitbürgern unbegreiflich, wie sich die SPD zu ihrem Schaden mit der Person des Herrn Wedel befassen kann. Eine einfache Auskunft bei allen Firmen, wo Wedel Treuhänder war, sehr wahrscheinlich auch in sonstigen öffentlichen Akten, müßte der SPD genügen, Wedel sofort seine Aemter zu entziehen.

Es ist bedauerlich, daß so ein Herr sogar Geschworener beim Schöffengericht Darmstadt ist. Holen Sie sich bitte Auskünfte bei den betreffenden Firmen und Dienststellen. Für unsere Firma ist der Unterzeichnete sowie Herr Rechtsanwalt Ittmann, Dieburg, Frankfurter Straße, und Herr Bücherrevisor Roth, Groß-Ziimmern, jederzeit bereit, Ihnen die gewünschte Auskunft zu geben.

Wilhelm Weber, Groß-Zimmern in Wilhelm Weber K.-G.

Budenzauber

Ich bin weder Maler noch Student, also auch nicht berufen, eine tiefschürfende Betrachtung über Budenzauber im allgemeinen und seine Folgen im besonderen zu schreiben. Dafür möchte ich aber meine Meinung über jenen Budenzauber äußern, der allerorten in unserer Stadt sein Wesen — oder Unwesen — treibt. Man verzeihe die etwas gewaltsame Ausdrucksweise, aber im Falle des von mir gemeinten Budenzaubers ercchoint sie bestimmt angebracht.

Schaun Sie sich, verehrte Mitbürger, doch einmal in der Stadt um. Gehen Sie einma über den Marktplatz. Gewiß, er ist kein berühmter Platz im Sinne des Markusplatzes in Venedig oder dergleichen. Aber wenn ich den ..Zauber“ sehe, wenn dieser dort etablierten Buden „Wohlgerüche“ auf mich eindringen, dann wird mir — mit Respekt gesagt — übel. Die Reihe könnte beliebig fortgesetzt werden. Auf jeden Platz fast, an jeder Straßenecke: Buden, nichts als Buden. Und doch erscheinen mir alle diese üblen Uebel klein, denn es sind ja, ich sagte es schon, keine berühmten Plätze.

Schlimmer und schandbarer wird die Sache auf dem Luisenplatz, von dem Kenner behaupten, es sei einer der schönsten Plätze Deutschlands gewesen. Auch hier Buden, Buden, Buden. Schön und häßlich — aber hin gehört keine.

An dieser Stelle muß ich im Geiste eine Verbeugung vor dem Staatsbauamt machen, das bis heute noch keine Genehmigung für die Errichtung derartiger Zauberbauten erteilt hat. — Sie verstehen nicht ganz? Nun, ein Teil des Luisenplatzes gehört nämlich dem Staat und ein anderer Teil, nämlich die diversen Ecken, der Stadt Darmstadt. Und die Stadt Darmstadt? Der Erfolg ist sichtbar: Buden, nichts als Buden.

Es ist nicht abzustreiten — der Stadtsäckel ist oft leer. Zugegeben — jede Einnahme ist wichtig. Aber solche Einnahmen, die unser Straßenbild verunzieren!? „Na wissen Se, nee!“ sagt da der Berliner und als Darmstädter, mit Woogwasser „gedaaft“, hätte man wahrscheinlich noch Deutlicheres zu sagen.

H. W., Darmstadt

Hilfe für heimatvertriebene Beamte

Der Kreisverband Darmstadt der heimatvertriebenen Beamten und Angestellten (Verbaost) hat am 19. August in seiner Zusammenkunft Stellung zu einem Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der in dem Verband Zusammengeschlossenen genommen. Die Stellungnahme wurde Bundeskanzler Adenauer sowie allen an dem Gesetzentwurf beteiligten Ministern und Abgeordneten zugestellt. In ihr heißt es unter anderem: „... Der Entwurf hat bei allen Mitgliedern das Gefühl der Entrüstung hervorgerufen. Er mißachtet sowohl die Forderung des Bundestages in dessen einstimmigem Beschluß vom 2. 12. 49 auf sofortige Gleichstellung der verdrängten mit den einheimischen Beamten und Angestellten, als auch die den verdrängten Beamten aus dem geltenden deutschen Beamtenrecht zustehenden Rechte ...“ Fernerhin bezeichnet die Resolution einige Vorschläge des Gesetzentwurfes als völlig rechtswidrig und unmoralisch — unter anderem die willkürliche Herabsetzung der Bezüge, das unzulänglich sogenannte Unterhaltsgeld, den Ausschluß des Rechtsweges bei Einsprüchen —, die bei Verwirklichung das Vertrauen in Recht und Moral und damit die Fundamente des Staates erschüttere.

Keine Leistungssenkung

In der Taigespresse erscheineb in der letzten Zeit häufig Meldungen, wonach das Bundesarbeitsministerium eine erhebliche Leistungsverminderung in der gesetzlichen Krankenversicherung erwäge und gleichzeitig beabsiichtige, die Krankenkassenbeiträge allgemein auf 7’/n des Grundlohnes festzusetzen. Die Leistungsverminderung soll in Form einer Selbstbeteiligung der Versicherten bis zu sO’/o an den Arzneikosten und bis zu 25’/o an dem ersten bis zehnten Arztbesuch stattfinden. Außerdem soll eine Verlängerung der dreitägigen Karenzzeit bis zum Bezug des Krankengeldes angestrebt werden.

Hierzu stellen wir fest, daß die Allgemeinen Ortskrankenkassen derartige Maßnahmen auf das entschiedenste ablehnen, da hierdurch die soziale Sicherheit der von der gesetzlichen Krankenversicherung erfaßten Personenkreise erheblich gefährdet würde und eine Leistungssenkung in der heutigen Zeit in keiner Weise verantwortet werden kann. Die Ortskrankenkassen bemühen sich im Gegenteil, die Leistungen im Rahmen des finanziell Tragbaren auszubauen und zu erweitern.

Sollten diese Pressemeldungen den Tatsachen entsprechen, so wird es Sache der Versicherten und ihrer Vertretunigen sein, diese Angriffe auf ihre sozialen Schutzeinrichtungen mit allen Mitteln afozuwehren. Wir teilen Ihnen dies zu Ihrer Information mit, da wir es für dringend geboten halten, daß die Oeffentlichkeit über diesen Sachverhalt unterrichtet wird.

Höil, Verwaltungsdirektor

Internationale Wettbewerb für den Ostring in Stockholm

Von Oberbaudirektor Professor Grund

Stockholm zählt zu den landschaftlich schönsten Städten des Nordens. Es baut sich auf den Granitfelsen, die die zerrissene Ostseeküste bilden, auf und ist durch fjordartige Seen, Wasserläufe und Kanäle durchzogen, die ihm den Namen eines „Nordischen Venedig“ eingebracht haben. Das Stadtgebiet erstreckt sich über unzählige Inseln und Halbinseln. Ein breiter Meeresarm durchströmt die Stadtmitte und bildet ausgezeichnete natürliche Häfen. Auf einer seiner Inseln im Stadtkern erhebt sich das königliche Schloß, an dem die Hauptverkehrsader der Stadt vorüberzieht.

Trotz hervorragender Straßen- und Brückenanlagen reichen diese für den ungeheuren Verkehr der Weltstadt nicht aus. Man hat daher einen Verkehrsring geschaffen, der den Stadtkern umzieht, der aber an der Ostseite noch offen ist und zu großen Umwegen zwingt. Die Hauptstraße, die den nördlichen und südlichen Teil Stockholms verbindet, wird dadurch übermäßig belastet. Die Lücke in dem Verkehrsring durch eine neue Verkehrsader zu schließen, war die Aufgabe, die durch den Wettbewerb gelöst werden sollte.

Die neue Straße muß von den Abhängen des südlichen Stadtteils, dessen Ver-

kehr sie aufnehmen soll, einen 600 m breiten Fjord — Saltsjön — überschreiten, dann eine Halbinsel — Södra Djurgarden —, auf der sich der weltberühmte Nationalpark Skansen ausbreitet, durchqueren, einen zweiten See — Djurgardsbrunnsviken — von 300 m Breite kreuzen und auf dem Nordufer Anschluß an die dortigen Hauptverkehrsstraßen gewinnen. Die Schwierigkeit der Aufgabe lag darin, einerseits eine zügige, kreuzungsfreie Verkehrslinie mit allen komplizierten technischen Einrichtungen wie Auf- und Abfahrten, Ueberführungen usw. zum Anschluß an die Hauptstraßenzüge zu schaffen und andererseits auf die vorhandene Bebauung, das herrliche Stadtbild und die Naturschönheiten der Landschaft gebührend Rücksicht zu nehmen.

Die von mir in Zusammenarbeit mit der Brückenbaufirma „Dortmunder Union“ vorgeschlagene Lösung ist in den Grundzügen die gleiche, die auch der Träger des 1. Preises gewählt hat:

Der Södra Djurgarden wird untertunnelt, über den großen Wasserarm Saltsjön spannt sich eine Hängebrücke, die von der Stadtmitte so weit nach Osten abgerückt ist, daß der Blick auf die Stadt offengehalten wird, und über den schmaleren Djurgardsbrunnsviken führt eine weitere Brücke hinüber zum Nordufer.

Die vorgeschlagene Kombination von Hängebrücke und Tunnel sichert die Erhaltung der eigenartigen Schönheit des Landschaftsbildes und bereichert es gleichzeitig durch ein Bauwerk von eleganter und großzügiger Form. Von der Brücke aus genießt man einen umfassenden Blick auf das herrliche Panorama des nordischen Venedig, ein stets neues Erlebnis für die Bewohner der Stadt und eine bleibende schöne Erinnerung für ihre Besucher. Als Tragsystem wurde nach sorgfältigen Wirtschaftlichkeitsvergleichen eine von zwei Kabeln getragene Hängebrücke von 450 m freier Spannweite vorgeschlagen, deren Pylone sich 100 m über dem Wasserspiegel erheben. Die Fahrbahn sollte die beiden Ufer in elastischem Schwung Überspannen und für große Seeschiffe eine Durchfahrt von 45 m über dem Meeresspiegel freilassen. Als 2. Vorschlag wurde ein völlig neues Brückensystem, eine von einem Kabel getragene Hängebrücke zur Wahl gestellt, die in verkehrstechnischer und architektonischer Hinsicht beachtliche Vorteile bietet, eine kühne Konstruktion deutscher Brückenbaukunst, die hier erstmalig zur Ausführung gekommen wäre und ein Wahrzeichen für die Stadt hätte werden können.

An den Felswänden des Nationalparks sollte die Brücke in einen Tunnel übergehen, der in drei Röhren die beiden Verkehrsrichtungen und die Straßenbahn aufnimmt.

Für die Brücke über den Djurgardsbrunnsviken ist eine vollwandige Stahlbrücke vorgesehen worden, die sich in schlichter Gestaltung in geringer Höhe über dem Wasserspiegel in diesen bevorzugten Stadtteil mit dem Gesandtschaftsviertel, seinen Anlagen für Wassersport und der herrlichen Bewaldung seiner Ufer einfügt. Ein kreuzungsfreier Verkehrsknotenpunkt vermittelt auf dem Nordufer den Anschluß an die vorhandenen Verkehrsstraßen.

Der Raum verbietet, alle die vielen Einzelfragen, die noch zu lösen waren, zu erwähnen. Es waren 196 Entwürfe eingegangen. Das Preisgericht hat nach einjähriger Prüfung jetzt seine Entscheidung veröffentlicht. Unter seinen Mitgliedern haben Prof. Sir Patrik Abercrombie, London, und Prof. Anker Engelund, Kopenhagen, internationalen Ruf. Es kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß in dem ersten internationalen Wettbewerb seit 1933, an dem sich Deutsche beteiligen konnten, außer vier schwedischen und zwei Schweizer Arbeiten auch vier deutsche Entwürfe ausgezeichnet worden sind.



Gefängnis für Betrüger

Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt stand der 34 Jahre alte Hans-Dietrich H., der zuletzt in Bad König i. O. wohnte. Er war von der Staatsanwaltschaft wegen umfangreicher Betrügereien und Urkundenfälschung angeklagt.

Aus der Gefangenschaft entlassen, betätigte sich der ehemalige Major als Vertreter verschiedener Branchen. Vertreter zu spielen, stand ihm allerdings nicht sonderlich gut. Er verlegte sich aufs Kennkartenfälschen und führte sich bei einem Notar als falscher Bürge ein. Bei der Volksbank München erschwindelte er sich so einen Kredit in Höhe von 800 DM. Da die Sache fabelhaft klappte, fertigte H. zwei neue Bürgschaftserklärungen an und schädigte die Sparkasse in München um über 2000 DM. Mit einem Kinderdruckkasten und alten Steuermarken für einen ehemaligen Zuzug nach Hamburg gab er den Formularen das „amtliche“ Gepräge. Seine Ehefrau und er kleideten sich mit Hilfe dieses erschwindelten Erlöses neu ein und verlebten herrliche Tage. Nachdem H. die Hypotheken- und Wechselbank in München durch Manipulationen dieser Art geschädigt hatte, fand er plötzlich, daß seine Ehefrau nicht mehr zu ihm passe. Er trennte sich von ihr. Er zog nach Bad König im Odenwald. Da er weder Geld noch Gut besaß, lebte er auf ungedeckte Scheckformulare und betrog damit etwa 16 Personen, durchweg frühere Kameraden. Von Ende Herbst 1949 bis zu seiner Verhaftung erschwindelte er sich insgesamt 4200 DM bei Geldinstituten und 1500 DM bei Privatpersonen.

Der Angeklagte war im wesentlichen geständig. Er führte aus, er habe das ganze nur getan, weil er sich in Not befunden habe. Das Gericht verurteilte H. wegen nachgewiesenen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis. Während der Verhandlung hatte H. immer wieder darauf hingewiesen, daß er mehrfach verwundet ist, darunter zwei Kopfverletzungen. Der Strafkammervorsitzende erklärte hierzu in der Urteilsbegründung, diese Verletzungen hätten sich, falls sie von einer Kopfverwundung herrühren, bereits früher bemerkbar machen müssen. Das ganze sei ein rein kriminelles Delikt. Zwar habe, so betonte der Richter, bei H. eine gewisse Notlage eine Rolle gespielt, doch sei er umgekehrt auch zu stolz gewesen, eine Fürsorgeunterstützung zu beantragen. ri.

Das Forum Darmstadt

Schulspeisung in Darmstadt

Wie wir bereits am Sonnabend kurz ankündigten, wird das Thema des nächsten Diskussionsabends des Forums Darmstadt am Donnerstag, 31. August, um 20 Uhr in der Technischen Hochschule die Schulspeisung sein. Es sollen sich dabei Eltern, Erzieher und die für die Gesundheit der Jugend verantwortlichen Dienststellen über die zukünftige Gestaltung der Schulspeisung unterhalten. Die Klagen gegen und Befürwortungen für diese Einrichtung sollen dabei offen besprochen werden. Der Beauftragte für das Referat „Schulspeisung“ im Hessischen Kultusministerium, Dr. Höbelheinrich, wird selbst der Veranstaltung beiwohnen und seine Meinung äußern.

In der gleichen Forumsveranstaltung wird der Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Herr Meißel, über Aufgaben und Ziele dieses Vereins berichten. agt.

Die täglichen Autobahnunfälle

. Am Freitagabend wollte ein auf der Fahrt von Darmstadt nach Mannheim befindlicher Personenkraftwagen auf der Autobahn in der Nähe von Einhausen einen vor ihm fahrenden Lastzug überholen, der, ohne ein Zeichen zu geben, plötzlich auf die linke Fahrbahn schwenkte. Dadurch war der Pkw-Fahrer zu scharfem Bremsen gezwungen, wodurch ein hinter ihm fahrender Kraftwagen auf ihn auffuhr. Es entstand an beiden -Fahrzeugen Sachschaden.

Am Sonntagmorgen irrte ein auf der Fahrt von Darmstadt nach Mannheim befindlicher Lastzug in der Nähe von Lampertheim von der Fahrbahn der Autobahn ab und fuhr die etwa ein Meter hohe Böschung hinab. Trotzdem es dem Fahrer gelang, das Umkippen der Fahrzeuge zu verhindern, entstand erheblicher Sachschaden.

Am Sonntag sprang bei einem auf der Autobahn in der Nähe von Lorsch fahdenden Motorrad die Motorkette vom Zahnkranz des Hinterrades. Die Maschine kam ins Schleudern und stürzte. Der Fahrer und seine Frau, die auf dem Sozius mitfuhr, zogen sich leichte Verletzungen zu.

In der Nacht zum Montag lief ein betrunkener Pole in der Nähe der Tankstelle Darmstadt an der Autobahn beim verkehrswidrigen Ueberqueren der Autobahn in einen vorbeikommenden amerikanischen Pkw und wurde zu Boden geschleudert. Er blieb bewußtlos liegen und mußte in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Der Pole hatte vorher in dem Erfrischungsraum der Tankstelle randaliert und war von Beamten der Autobahnpolizei mehrfach aus dem Bereich der Autobahn entfernt worden.

In der Stadt notiert

Nicht splitternackt, sondern entblößt lief der 16jährige Bursche, den — wie wir in unserer Samstag-Ausgabe meldeten — die hiesige Polizei aufgegriffen hatte, umher. Die Kriminalabteilung legt Wert auf diese differenzierte Unterscheidung.

Das Polizeipräsidium Darmstadt teilt uns mit, daß die in unserem Bericht „Wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ vom 25. 8. erwähnte Kriminalbeamtin nicht der Städtischen Kriminalpolizei Darmstadt angehört.

Die Renten der Invaliden- und Angestelltenversicherung, sowie die KB-Renten werden zufolge eines Hinweises der AOK Darmstadt am Freitag, dem 1. September, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr im Taunusring 7 ausgezahlt.

Wohin gehen wir heute?

Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil. Mafhildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Amerikahaus: (jetzt in der „Krone“, Schustergasse 12) 20.00 (Ihr, Farblichtbilder-Vortrag Prof. Georg Ä. Mathey: „Die Schönheit Griechenlands“.

Wir gratulieren

75. Geburtstag: Frau Katharina Horn, geb. Hildebrand, Habitzheim, Langgasse 35.

Starkenburg

Und noch einmal:

Alle gegen alle in Groß-Umstadt

Offene Antwort auf die Erklärung der CDU- und FDP-Fraktion des Groß-Umstädter Gemeinderates

Mit Schreiben vom 26. August stellte Herr Ludwig W e d e 1,2. Beigeordneter des Groß-Umstädter Gemeinderates, Präsident des Umstädter Landsgemeindetages und Kreisdeputierter des Kreises Dieburg der Redaktion die nachstehende offene Antwort mit der Bitte um Veröffentlichung zu:

Niemand wird sich in Groß-Umstadt eines Schmunzelns erwehren können, wenn sich plötzlich die Vertreter von CDU und FDP in der Oeffentlichkeit als die „Schutzengel“ des von SPD und KPD gewählten Bürgermeisters Hartmann aufspielen. Oder sollten die Verfasser der öffentlichen Erklärung die Tatsache übersehen haben, daß ihre Fraktionen seinerzeit als Bürgermeister den früheren Präsidenten des Karnevalvereins ausersehen hatten und auch geschlossen für ihn stimmten? August Bebel sagte einmal: „Wehe, wenn mich meine Feinde loben!“ Dieser Ausspruch dürfte für Bürgermeister Hartmann und die Groß-Umstädter Bevölkerung nicht ohne Bedeutung sein.

Doch zur Sache selbst: Am 17. 3. 1950 wurde in der Gemeinderatssitzung über die Besetzung des Krankenhausverwalter-Postens entschieden. Gegen diesen Beschluß hat Bürgermeister Hartmann beim Landrat gemäß § 58 G.-O. Einspruch erhoben, da die Stelle mit einem Zusicherungsträger oder einem Flüchtling besetzt werden muß.

Da sich später dann Zusicherungsträger beschwerdeführend an den Gemeinderat wandten und auch der Bewerber Bohland auf die Stelle verzichtete, wurde in der Sitzung des Gemeinderats am 20. 4. 1950 einstimmig mit CDU und FDP beschlossen, daß der Posten des Krankenhausverwalters vorläufig nicht besetzt wird. Mit dem Beschluß sollte zunächst einmal Zeit gewonnen werden, um eine klare Rechtslage mit Rücksicht auf das Zusicherungsträgergesetz zu schaffen.

Dieser Beschluß des Gemeinderats ist bis zur Stunde nicht aufgehoben worden. Ein Antrag von FDP und CDU in der gestrigen Sitzung (Freitag, 25. August. Die Red.), den Beschluß aufzuheben, wurde aus Gründen der Konsequenz von SPD und KPD abgelehnt. Die Sprecher der SPD machten eine Zustimmung davon abhängig, daß CDU und FDP ihre unwahre Erklärung bezüglich Bohland zurücknehmen und die Oeffentlichkeit über die wirklichen Tatsachen informieren. Dies haben CDU und FDP wohl aus Gründen einer Blamage abgelehnt. Damit bleibt weiterhin der Fall in der Schwebe. Die Stelle kann daher auch ohne Zustimmung des Gemeinderats nicht besetzt werden. Damit ist einwandfrei und klar die Rechtslage festgestellt, daß dem Bürgermeister niemals das Recht zustand, gemäß § 37 G.-O. allein und selbständig zu entscheiden, weil eben die Stelle vom Gemeinderat „vorläufig blokkiert“ war und auch heute noch ist! Wenn Bürgermeister Hartmann trotzdem eigenmächtig die Einstellung des Bewerbers vornahm, so war dies einer der vielen Fälle in der Groß-Umstädter Gemeindepolitik, wo er ähnlich gehandelt hat. Mit dem vorliegenden Falle war die SPD-Fraktion gezwungen, im Interesse ihrer Wähler und der gesamten Bevölkerung zu handeln. Es ist in Groß-Umstadt ein offenes Geheimnis, daß gerade die SPD-Fraktion immer wieder in öffentlichen Sitzungen das Verhalten des Bürgermeisters beanstanden mußte. Die Fraktion der SPD hat übrigens auch in der gestrigen Gemeinderatssitzung (siehe oben. D. Red.) eine entsprechende Erklärung abgegeben, die im Protokoll festgehalten wurde.

Die Person Bohland stand bei der ganzen Angelegenheit überhaupt nicht zur Debatte und es ist eine bewußte Lüge von CDU und FDP, zu erklären, daß von Hartmann die Einstellung Bohlands verlangt worden sei. Gerade Bohland hat gestern abend beantragt, daß Kaufmann nicht der Leidtragende des Streites sein dürfe und er deshalb als Arbeiter im Krankenhaus beschäftigt werden soll. Auf jeden Fall hat die SPD mit ihrer Haltung unter Beweis gestellt, daß sie gerade von einem SPD-Bürgermeister Beachtung der Gemeinderatsbeschlüsse und gesetzlichen Bestimmungen erwartet. Die SPD hat den Bürgermeister gewählt und zeichnet auch deshalb verantwortlich für sein Verhalten!

Gez.: Ludwig Wedel

Fröhliche Stunden im Reinheimer Volkshaus

Ein Abend guter Unterhaltung

In Reinheim fand am Sonntagabend im Saale des Volkshauses ein großer Unterhaltungsabend statt, der, wie im Motto angekündigt , „Fröhliche Stunden unter fröhlichen Menschen“ brachte. Veranstalter war der Deutsche Gewerkschaftsbund. Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden wickelte sich ein künstlerisch wertvolles, reichhaltiges Programm ab, durch das Günther G ut - käse, Darmstadt, als Ansager in bekannter, humorvoller Weise führte. Alexander Helfmann von den Frankfurter Bühnen, immer freundlich lächelnd, sang Lieder und Weisen aus Operette und Film. Agathe Groß, Reinheim, leistete als Kinderstimmenparodistin, als Tänzerin Vorzügliches und zeigte in ihrer Darstellung, daß sie ihr Aufgabengebiet vollkommen beherrscht. Heine Bellachini führte die Anwesenden in des „Teufels Küche“. Seine Vorführungen waren gewandt und sicher und setzten groß und klein in fortwährendes Staunen. Großen Heiterkeitserfolg brachte das von Günter Gutkäse vorgeführte „Wunderzebra“. Eine humorvolle Eisenbahnfahrt in stummer Pantomime unternahmen die beiden „Heiner und Hugo“ (Heinrich Me 11 he s und Hugo Menz, Darmstadt) von Frankfurt nach Paris. Daß diese beiden noch anderes können, zeigten sie als Kunstfahrer auf dem Rade. „Hugos“ Gattin ist übrigens fünffache deutsche Meisterin im Kunstfahren: Erna Menz (Weber). Georg Basel begleitete alle Darbietungen des Abends sicher auf dem Klavier. eb.

Wegen 5 Minuten!

Gemeinden haben für gewöhnlich ihre Sorgen. Ob diese nun auf der Bevölkerung, dem Ortsoberhaupt oder seinen Gemeinderäten lasten, spielt dabei keine allzu große Rolle. Fest steht, daß sie meist in genügender Zahl vorhanden sind. Besonders in der heutigen Zeit. In den seltensten Fällen kann man sich aber bei deren Behandlung auf Anhieb einig werden. Weil man heute meist ohne Kommissionen nicht glaubt leben zu können. Dadurch wird manches spannender und interessanter, als es in Wirklichkeit wert ist, Beachtung zu finden.

Den Zwingenbergern geht es eben auch mal so. Sie haben keinen Bürgermeister. Und es muß furchtbar schwer sein, einen zu finden. Unter den vieren, die sich angeboten haben. Denn wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Und zur Quälerei ist es deshalb auch schon geworden. Bürgerversammlung hin — Bürgerversammlung her. Stadtratssitzung hin — Stadtratssitzung her. So geht es in munterem Spiel. Einmal rüber — einmal nüber. Einmal so rum und einmal ganz anders rum. Und noch immer sind sie sich noch nicht einig geworden. Weil es so demokratisch zugeht, daß alles durcheinandergeht. Und dabei ist der Sack den Bändel gar nicht wert.

Wie z. B. heute Abend. Da haben 8 Vertreter der CDU und SPD (die sich selbst nicht einig wurden und daraufhin getrennt marschieren, um gemeinsam einen Bürgermeister zu finden) den Antrag gestellt, daß zur Stadtratssitzung Platzkarten ausgegeben werden. Schön und gut. Das Rathaus hat halt nicht soviel Plätze für die drängenden Massen, die herbeiströmen werden (sollen), um dem historischen Akt der Wahl beiwohnen zu können. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, daß die Sitzung „öffentlich“ ist. Und weil dem so ist, suchte ein Bürger unter uns, sich rechtzeitig eine solche Platzkarte zu ergattern. Damit er mit dabei sein konnte. Wenn es losgeht. Bei der Bürgermeisterwahl.

So leicht aber war das nun auch wieder nicht. Denn die Platzkarten werden ausschließlich von den 8 Antragstellern ausgegeben. Damit Freunde und Bekannte in genügender Zahl vorhanden sind, meinte da unser Bürgerlein. Und das alles wegen 5 Minuten! Donn die gedruckten Zettel liegen schon bereit. Mit den Namen der 4 Anwärter. Und die Herren Gemeinderäte haben sich nur durch ein Kreuz zu entscheiden. Was nicht länger als 5 Minuten dauern dürfte. Und deswegen der Zirkus mit und um die Platzkarten. Da kann man nur sagen: Gute Verrichtung! arco

Der Strukturwandel der Gesellschaft

Thema einer Arbeitstagung auf dem Heiligenberg

Im Auftrag des Innenministeriums (Abt. Jugendwohlfahrt) wurde vom 21. bis 27. August eine Arbeitstagung auf dem Heiligenberg abgehalten, bei der in der Fürsorge tätige Beamte und Angesteile Gelegenheit hatten, ihre praktischen Erfahrungen im Berufsleben auszutauschen.

Das zentrale Thema, unter dem die gesamte Arbeit stand, hieß: „Der Strukturwandel der Gesellschaft und seine Folge für die Fürsorge“. Herr Prof. Scherpner, Direktor des Instituts für Sozialarbeit und Erziehungshilfe in Frankfurt a. M. leitete die Tagung, an der 25 Personen teilnahmen.

Es ist sehr zu begrüßen, in welchem Maße sich die Regierung bemüht, ihren Mitarbeitern Gelegenheit zur Weiterbildung und zum Austausch zu vermitteln. So werden auf dem Gebiete der Fürsorge bereits seit 1% Jahren Kurse und Arbeitstage abgehalten, auf denen der Praktiker seine persönlichen Erfahrungen an dem

jeweiligen Stand der ''wissenschaftlichen Forschung messen und ausrichten kann. Dabei geht es aber keineswegs um theoretische Kenntnisse, sondern um eine Erweiterung des Gesichtskreises. Allzu persönliche Eindrücke sollen in der Zusammenarbeit auf einer höheren Ebene ihre Verallgemeinerung und Bestätigung finden.

Nach dem Strukturwandel der Gesellschaft im einzelnen befragt, gab. Prof. Scherpner nur zögernd Auskunft. Einstweilen zeichnet sich das erst in groben Umrissen ab — sagte er — und es wäre verfrüht, jetzt schon Schlüsse zu ziehen. Wichtiger sei es, die Dinge zu beobachten. So, wenn man z. B. siehty daß heute auf einen Arbeitenden beinahe eineinhalb Personen kommen, die aus öffentlichen Mitteln erhalten werden, kann wohl auch der Laie sich vorstellen, welche Problematik diese Verrentnerung für die Volkswirtschaft in sich schließt. Von ähnlichen Ausmaßen ist der Einfluß des wachsenden Bürokratismus. Indem die persönliche Freiheit begrenzt wird, nimmt die persönliche Sicherheit zu. Die Gemeinschaft trägt einerseits und bindet zum andern doch viele Kräfte. Ihre immer wachsende Bedeutung im Volksleben pflanze sich bis in die äußersten Parzellen fort, wo wiederum die Fürsorger ihr in ihrer praktischen Arbeit begegnen. Ein typisches Symptom, das man ohne weiteres als einen Ausfluß des Strukturwandels der Gesellschaft bezeichnen kann, ist die völlige Unlust zum Risiko.

Nur die Jugend tanzt aus der Reihe, wie immer. Sie steht mit ihrer Ablehnung sowohl jeglicher Bindung als auch ohne eigentliche Initiative auf bedenkliche Weise außerhalb und stellt so einen Faktor allgemeiner Sorge dar. Um so wichtiger ist es, daß man sich bemüht, ihr in unermüdlichem Austausch der Erfahrungen zentral Herr zu werden. Kä

Ein Fest, wie es alle wünschten

Rückblick auf den Biebesheimer Zuchtviehmarkt

Als wir am vergangenen Freitag durch die Straßen in Biebesheim gingen, fühlten wir, daß die ganze Gemeinde sich mit Feuereifer auf den Zuchtviehmarkt vorbereitete. Frauen, die große Kuchenbleche hereintrugen, andere, die ihre Ijläuser durch einen neuen Anstrich verschönerten, Fahnenstangen, die aufgerichtet wurden und über allem ein appetitlicher Duft von frisch Gebackenem waren die Eindrücke des Vorabends zu Biebesheims größtem Fest. Rund um den Marktplatz und an den Straßenseiten legten Schausteller und Eisbudenbesitzer letzte Hand an ihre Stände.

Der folgende Tag brachte dann zunächst die Schau der Zuchttiere und deren Prämiierung. Preismelken und Bullenreiten gehörten ebenfalls zur Programmfolge des ersten Tages.

Der Höhepunkt wurde jedoch erst am Sonntag erreicht, als sich der Festzug durch die Straßen bewegte. „Tierzucht einst und jetzt“, unter diesem Motto stand diese demonstrative Veranstaltung die mit verschiedenen Wagengruppen ein Bild der bäuerlichen Betriebswirtschaft, der Viehzucht und der Produkte des Stalles als Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Betriebes vermittelten.

Der Nachmittag gehörte dem Sport. Boxkämpfe und ein Fußballspiel brachten jedem etwas. Im Anschluß daran stürzte sich alt und jung in ein Meer der Freude. Trotz Hitze und Schweiß drehten sich die Paare im Tanz. Erregte Gemüter gebrauchten zuweilen auch ihre Fäuste, um mit auftretenden Meinungsverschiedenheiten fertig zu werden. Aber auch das gehört zu einem richtigen Fest auf dem Lande, zumal man sich nach dem Raufen bei einem Glase Bier wieder verträgt.

Nun ist das Fest zu Ende. Die Schausteller brachen wieder ihre Zelte ab. Das dekorative Grün an Buden und Tribünen ist verwelkt. Hier und da liegen leere Zigarettenschachteln, Papier und was sonst so zum Nachlaß eines Rummelplatzes gehört. Der graue Alltag ist dabei, wieder von dem Leben in der Gemeinde Besitz zu ergreifen. Den Mädchen, die uns heute begegneten, ist es anzusehen, daß der Zuchtviehmarkt so recht nach ihrem Wunsche verlief und mit verstärktem Eifer geht's nun wieder an die tägliche Arbeit. -kr.-

Mit 60 Sachen aus der Kurve

Auf der abschüssigen Nibelungenstraße zwischen der „Spr en g “ und Rehb ach merkte der 49 Jahre alte Oberkellner H. M. aus Erbach plötzlich, daß der Gaszug seines Motorrades steckte, wodurch er in der Kurve seine Geschwindigkeit von 60 km nicht herabmindern konnte. Die Maschine kam von der Fahrbahn und stürzte die Böschung hinunter. Fahrer und Soziusfahrer trugen Verletzungen davon. Das Motorrad wurde schwer beschädigt. -ch

Chemiegewerkschaft tagte in Bensheim

Zu einer großen Tagung haften sich am vergangenen Sonntag die Frauen- und Jugendgruppe der Gewerkschaft Chemie, Keramik, Papier aus den Verwaltungsstellen Darmstadt, Mannheim und Ludwigshafen im Bierkeller Roth in Bensheim eingefunden. Die Jugend erörterte das Thema: „Arbeitsdienst und Remilitarisierung im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit und Berufsnot“. Immer wieder warnten die Referenten vor den Folgen einer Remilitarisierung und Wiedereinführung eines freiwilligen Arbeitsdienstes. die nur der Aniong eines Wettrüstens für Westdeutschland bedeuten. Im Laufe der Diskussion wurde betont, daß die Jugend frei von allem mi ifa-istischen Zwang sein wolle. Es wurde beschlossen, einzelne Abgeordnete der verschiedenen Parlamente zu Aussprachen zu bitten, um festzustellen, wie sich ihr Verhalfen im Parlament mit den vor den Wahlen gegebenen Versprechungen deckt.

Zur gleichen Zeit sprach die Frauenneferentin des DGB, Landesbezirk Hessen, Lucie Bey er, zu den Frauen-gruppen über das Thema: „Gleichberechtigung der Frau in Politik und Wirtschaft“. Sie wies auf die veralteten Paragraphen des BGB hin und erläuterte die verschiedenen Aenderungsvorschläge. Weiterhin betonte sie, daß die Frauenarbeit nicht, wie so off behauptet wird, weniger werf als die Männerarbeit sei, sie sei nur andersartig. Sie setzte sich aus diesem Grunde dafür ein, daß Frauen auf allen Gebieten des beruflichen und politischen Lebens eingesetzt werden sollten.

In einer gemeinschaftlichen Zusammenkunft der Frauen- und Jugendgruppen am Nachmittag wurde das wirtschaftliche Mifbestimmungsrecht behandelt und fesfgestellf, daß es an der Zeit sei, dem arbeitenden Menschen das zusfehendc Recht an der Mitbestimmung des wirtschaftlichen Geschehens einzuräumen. Die Jugend- und Frauengruppen sprachen sich dafür aus, daß die Forderungen des DGB unter allen Umständen unterstützt werden müßten, um sie durchsetzen zu können. (HB)

UKW.-Sender auf der Tromm?

Radio Frankfurt stellte 100-Kilowatt-Sender auf

Das seit einigen Monaten behandelte Projekt der Einrichtung eines Ultra-Kurzwellen-Senders in Südhessen nimmt nun greifbare Formen an: Radio Frankfurt entsandte gestern einen Versuchssender und einen Messungswagen nach dem südlichen Odenwald, um die Voraussetzungen für die Einrichtung eines UKW-Senders auf der Tromm zu prüfen.

Bekanntlich macht sich seit der Wellenplanänderung eine für die meisten Rundfunkhörer in Südhessen peinliche Ueberlagerungserscheinung bemerkbar, die auf die stark seitlich gelagerte.Bandbreite des Frankfurter Mittelwellensenders zurückzuführen ist.

Die technische Leitung von Radio Frankfurt versucht nün, diesem Uebelstand, der streckenweise zum völligen Ausfall der hessischen Sendungen führt, dadurch zu begegnen, daß kleinere Ultra-Kurzwellensender eingerichtet werden. die einen absolut störungsfreien Empfang gewährleisten. Das Problem hierbei ist lediglich das der optischen Ausbreitung der Ultra-Kurzwellen. Mit anderen Worten: Dorthin, wo das Auge sieht, geht auch die Energie des UKW-Senders, nicht aber, wie Mittel- und Langwellen, um Hindernisse wie Berge usw. herum. Um nun den UKW-Sender für einen möglichst breiten Benutzerkreis dienstbar zu machen, muß er auf einer entsprechend ausgesuchten landschaftlich überhöhten Stelle errichten werden, von wo aus es möglich ist, einen großen Wirkungsradius zu erreichen.

Der 100-Kilowatt-Versuchssender, der nun für etwa eine Woche seinen Standort auf der Tromm haben wird, ist vor allem für die Rundfunkempfänger im Ueberwald, im Weschnitztal und längs der Bergstraße und des Rieds von Bedeutung. Wenn die vorzunehmenden Messungen zu dem erhofften Ergebnis führen, wird noch im Laufe dieses Jahres ein unbemannter UKW-Sender mit 250 oder — falls erforderlich — 1000 Kilowatt Sendeleistung aufgerichtet. Ob dazu der Irene-Turm geeignet ist oder ein ein eigener Sendemast aufgestellt wird, hängt von den Messungsergebnissen ab. (-r)

Ueberlistete Diebin

Der Bürgermeister von Worfelden meldete vor einiger Zeit der Gendarmerie, daß aus der Waisen- und Portokasse seit Dezember vorigen Jahres mehrfach Beträge in Höhe von zirka 10 DM verschwanden. Am 23. August wurde erneut festgestellt, daß ein Geldbetrag fehlte. Für solche Wiederholungsfälle verfügt die Polizei über das unabwaschbare Pyoktanin; mit diesem Farbstoff wurde nun die Kasse eingepinselt. Bald darauf entdeckte man den Farbstoff an den Händen der Putzfrau der Bürgermeisterei und der fehlende Geldbetrag konnte bald darauf bei ihr gefunden werden.

Vom Fahrrad geschleudert

In der Gernsheimer Straße in Groß-Gerau wurde am Freitagnachmittag um 17.35 Uhr der 72jährige Peter Kneib, Groß-Gerau, durch ein Personenauto vom Fahrrad geschleudert und mußte mit einer klaffenden Kopfwunde ins Stadtkrankenhaus gebracht werden. Kneib war neben einem anderen Radfahrer nach der Stadtmitte zu gefahren und wollte plötzlich, ohne Zeichen zu geben, von der Gernsheimer Straße in die Friedrichstraße einbiegen. (cg)

Großes Sängertreffen in Roßdorf

5jähriges Jubiläum des Männerchors der SKG

Anläßlich seines fünfjährigen Bestehens hielt der Männerchor der Sport- und Kulturgemeinde Roßdorf am Sonntag einen Liedertag ab, zu dem über 500 Sänger erschienen waren. Das Gasthaus „Zur Sonne“, das mit Fahnen und reichem Grünschmuck ein festliches Gewand trug, konnte die zahlreichen Zuhörer nicht alle fassen, so daß ein Teil in der Gastwirtschaft und im Hof des Gasthauses nur durch Lautsprecher in den Genuß der Chöre kam.

In seiner Begrüßungsansprache beglückwünschte der 1. Vorsitzende der Kultur- und Sportgemeinde, Lehrer Amann, den Männerchor zu seinem fünfjährigen Jubiläum und wies im weiteren Verlauf seiner Ausführungen auf die Bedeutung des Chorgesanges hin.

Der Männerchor eröffnete den Liederreigen mit dem „Hymnus an den Gesang“ von R. Ayßlinger. Von den erschienenen Gastvereinen: Arbeiter - Gesangverein „Einigkeit“ Groß-Zimmern, Sängervereinigung Groß-Zimmern, Gesang- und Sportverein Gundernhausen, Gesang- und Sportverein Nieder-Modau, Männergesangverein „Liederzweig“ Bickenbach, Gesangverein „Germania“ Eppertshausen, Arbeiter-Gesangverein „Einigkeit“ Spachbrücken, Sängervereinigung Ober-Ramstadt und Gesangverein „Concordia“ Roßdorf wurden im weiteren Verlauf des Nachmittags jeweils zwei Chöre zum Vortrag gebracht. sl.

Zwei Radfahrer überfahren

Schweizer Fahrer entzog sich durch Flucht

Zwei Jugenheimer Motorradfahrer wurden am Montag kurz vor 18 Uhr auf der Bergstraße• zwischen Hemsbach und Weinheim von einem sie überholenden Schweizer Pkw gestreift und bei einer Fahrgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern umgerissen. Während der Kradlenker mit äußeren Verletzungen davonkam, mußte der Soziusfahrer mit schweren Brust- und Schulterverletzungen in das Weinheimer Stadtkrankenhaus gebracht werden. Das Motorrad wurde stark beschädigt. Der Pkw-Fahrer flüchtete, ohne sich um die Verletzten zu kümmern. -r-

Radfahrer und Passant verletzt

In der Nacht vom Samstag zum Sonntag ereignete sich gegen 2 Uhr in Biebesheim ein folgenschwerer Verkehrsunfall, als ein amerikanisches Fahrzeug einen Radfahrer und einen Straßenpassanten anfuhr. Soviel bisher bekannt ist, mußte der Radfahrer mit einem Schädelbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden. kr.-

Dekanatsbundestag in Reichenbach

Der Evangelische Bund, Landesverband Hessen und Nassau, ruft alle Evangelischen, besonders die Mitglieder der Gemeindegruppen des Evangelischen Bundes sowie die Kirchengemeindekörperschaften, zur Teilnahme am Dekanats-Bundestag am Sonntag, dem 3. September, in Reichenbach (Odenwald) auf. Er beginnt um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst, den Direktor Dozent Pfarrer Sucker (Bensheim) halten wird. Um 11.00 Uhr findet eine Arbeitsbesprechung unter dem Thema: „Der Dienst des Evangelischen Bundes in Volk und Kirche“ statt, geleitet von dem Direktor des Evangelischen Bundes, Dozent Pfarrer Wolfgang Sucker, Leiter des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim. Bei der Festversammlung um 14.00 Uhr spricht Dekan Ullmann (Jugenheim) ein Grußwort. Pfarrer Lic. Dr. Jost (Seligenstadt) referiert über: „Die Macht des Evangeliums und die Mächte unserer Zeit“. Anschließend gemeinsame Kaffeetafel im Saal der Gastwirtschaft Lampert mit Darbietungen aus dem Gemeindekreis.

Die besten Melker Starkenburgs

An dem Preis- und Schaumelken, das mit dem Biebesheimer Zuchtviehmarkt verbunden war, nahmen die besten bäuerlichen Melker aus Starkenburg teil. Die Siegerin Marie Brunner aus Hetzbach, die wir unseren Lesern bereits im Bilde vorstellen konnten, erhielt einen Ehrenpreis und einen Bargeldpreis in Höhe von 30 DM. Sie hat bereits drei erste Siege errungen. Der an zweiter Stelle stehende Ludwig Kredel aus Airlenbach erhielt ebenfalls einen Ehrenpreis und 25 DM in bar. Während die beiden ersten Preise mit 100 bzw. 99 Punkten erzielt werden konnten, erreichten Otto Juditzki ausH er chenr o d e und Willi Sattler aus U n ter - Scharbach mit je 98 Punkten 3. Preise. Mit knappem Unterschied wurden weitere Preisträger Wilhelm Konrad in Brandau, Georg Storck in Richen, Friedel Scheuermann in Sickenhofen und Hildegard Hoyer aus Biebesheim. Auch sie erhielten Ehrenpreise und je 15 DM.

Beim Wettmelken am Gummieuter erzielten außer dem bereits genannten Otto Schaufer aus Guntersblum, Otto Schäfer, Biebesheim, und Ludwig Baier, Biebesheim, ebenfalls Preise.

Die Preise waren von der Gemeindeverwaltung und zahlreichen Geschäftsleuten gestiftet worden. Das Preismelken bewies, daß die bäuerliche Jugend immer mehr Interesse an einem derartigen Wettbewerb findet und auch ihr Interesse am Kuhstall zurückgewinnt, (oa) Die Schlaglöcher waren schuld

Ein Motorradfahrer stürzte am Sonntagnachmittag auf der Straße Lengfeld-Reinheim in der Nähe des Gasthauses ..Zum kühlen Grund“ infolge der vielen Schlaglöcher der Fahrbahn so schwer, daß neben entstandenem Sachschaden an der Maschine auch seine auf dem Sozius fahrende Frau schwer verletzt wurde, (eb)

Eine unfreiwillige Bauchlandung machten am Sonntagmittag gegen 12 Uhr bei der Auffahrt zum Höchster Rondell ein aus Richtung Groß-Umstadt kommender Motorradfahrer und seine auf dem Sozius fahrende Frau. Mit hoher Geschwindigkeit fahrend kamen sie in einer scharfen Kurve ins Rutschen. Beim Sturz zogen sich beide Prellungen zu. (eb)

Günstigere Verbindungen für Heppenheim

Winterfahrplan sieht erweiterten und verbesserten Zugverkehr für die Kreisstadt vor

Winterfahrplan der die, Lr--^* d^S Heppenheimer Bahnhofs j^s^rdrrHeisfe\H-oi2amer für die Kreisstadt Heppenheim erzielen.

Neu -verkehren danach: ein Eilzuö ^Tu'hr^ Heppenheim 2.20 Uhr berührt. Der Gegenzug Frankfurt-Heidelberg trifft um 22.14 Uhr in Heppenheim ein. Weiter wird einem seit langem bestehenden Wunsche Rechnung getragen indem in den frühen Morgenstunden ein Eilzug nach Frankfurt ein-Heppenheim etwa um U a Und 7'46 Uhr hi Frankfurt emtnfft. Neu ist weiterhin ein Personenzugpaar zwischen Darmstadt und Weinheim (Heppenheim 0.27 Uhr. Gegen¬ .bis Frankfurt durchgeführt wird, 5-55 Uhr). Dieser Zug hat in Darmstadt Anschluß nach Rüsselsheim, ist also wichfig für die Opel-Arbeiter.

Äenderungen im Fahrplan ergeben sich insofern, als der bisher 20.23 Uhr in Heppenheim endende Triebwagen aus Darmstadt bis Weinheim durchgeführt wird und auf dem Rücklauf von Weinheim nach Darmstadt um 24 Uhr in Heppenheim abfährt, also vor D 175 Darmstadt erreicht. Der bisher um 21.16 Uhr in Heppenheim abfahrende Personenzug nach Darmstadt, der in Bensheim längere Zeit Aufenthalt hat, wird im Winterfahrplan ungefähr 50 Minuten später ab Weinheim durchgeführt. Der derzeitige lange Aufenthalt in Bensheim fällt also fort. Außerdem verkehrt damit nunmehr in Richtung Darmstadt zwischen 21.16 und 22.58 Uhr noch ein Zug, wals zur Zeit nicht der Fall ist.

Die Bezirkskarte 241 der Deutschen Bundesbahn, die bisher nur einschl. Bensheim galt, wird vom 1. September an bis Heppenheim ausgedehnt.

Sturz über den Splithaufen

Auf der Bundesstraße 45 fuhr der 28- jährige Hermann Morgenroht aus Güntersfürst innerhalb der Gemarkung Lauerbach, wo zur Zeit die linke Straßenhälfte wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt ist, in der Dunkelheit auf einen unbeleuchteten Splithaufen. Dieser konnte von ihm nicht rechtzeitig bemerkt werden, weil er durch ein entgegenkommendes Fahrzeug geblendet wurde. Er fuhr über den Haufen hinweg, kam ins Schleudern und stürzte nach etwa 20 Metern. Er und seine auf dem Sozius sitzende Frau wurden verletzt, ihre Kleidung und das Motorrad schwer beschädigt. ch.

Radfahrerin schwer verletzt

Eine Birkenauer Einwohnerin stieß in Weinheim mit einem Fußgänger zusammen und stürzte dabei. Durch den Aufprall auf den Asphalt zog sie sich schwere Verletzungen zu. Sie wurde mit einem Schädelbasisbruch, einer Schulterfraktur und weiteren inneren Verletzungen in die Universitätsklinik nach Heidelberg übergeführt. -r-

Altbürgermeister Jährlings letzter Gang

Auf dem Nieder-Ramsfädter Gemeindefriedhof wurde unter starker Beteiligung 'der Bevölkerung Älfbürgermeister Jährling zur letzten Ruhe bestattet. Die Verdienste des Verstorbenen um das Wohl der Gemeinde und der Kirche hob Pfarrer Krüger, Traisa, in Vertretung des auf Urlaub weilenden Pfarrers Röhricht lobend hervor. Neben der Kranzniederlegung gedachte die Sängervereini-, gung des Verstorbenen mit der Darbietung von zwei Chören. Gemeindeverwalfung, Kirchenvorstand, Turn- und Sportverein, Freiwillige Feuerwehr und Verkehrs- und Verschönerungsverein legten ebenfalls Kränze nieder. Die Gemeinde wird gerne ihren verdienten Ältbürgermeister im Andenken bewahren. prs.

Benzinmarkenausgabe

im Kreis Erbach

Die Kraftstoffausgabe im Kreis Erbach für September findet wie folgt statt: für den Bezirk Erbach am 1. Sept., für die Buchstaben A—K von B—ll, für die Buchstaben L—Z von 14—16.30 Uhr, für den Bezirk Michelstadt am 4. Sept, für die Buchstaben A—K von B—ll, für die Buchstaben L—Z von 14 bis 17 Uhr in alten Rathaus.

Die bisher durch die Abteilung für Kraftfahrzeuge beim Landratsamt Erbach durchgeführten Kraftstoffausgaben in Bad König und Höchst fallen in Zukunft weg. Den im dortigen Bezirk liegenden Bürgermeistereien werden die Kraftstoffmarken mit der Pendelliste zugesandt, so daß außer den Bürgermeistereien Erbach. Lauerbach, Michelstadt und Stockheim künftig die Kraftstoffausgabe durch die einzelnen Bürgermeistereien vorgenommen wird. -ch.

Reisefrohe Tischlerinnung

Die Groß-Gerauer Tischletinnung unternahm am Freitag und Samstag mit 51 Teilnehmern eine Omnibusfahrt zu den Glashütten nach Weiden. Die Reise führte über Aschaffenburg, Würzburg und Nürnberg nach dem Reiseziel, wo der Abend des ersten Reisetages mit Humor und Tanz beschlossen wurde. Am Samstagmorgen besichtigte man dann die Glashütten. (eg.)

Werbetag der Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Ober-Roden hielt am Sonntag einen Werbetag ab. Unter Mitwirkung der Wehren des Kreises Dieburg fand auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz eine Brandübung statt. Am Nachmittag folgte ein Umzug durch die Ortsstraßen unter Beteiligung der örtlichen Vereine. Ein Festball im Schützenhof beschloß den Tag. wu

Feuerwehrschutz für Etzean

In Anwesenheit von Regierungsraf Zörgiebel und Kreisbrandinspekfor Küchler, Erbach, wurde am Sormtagnachmiffag in Etzean der neue Wasserlöschteich feierlich seiner Bestimmung übergeben. Ausgehend von dem Verlangen des Kreisbrandinspektors, das Fehlen einer Wasserleitung in der Gemeinde durch diesen Bau zur Feuerbekämptung zu überbrücken, hatten die Einwohner in Selbsthilfe in mehrwöchiger Bauzeit den Löschteich erstellt. Dieser soll auch als Schwimmbad und Planschbecken Verwendung finden. Eine Löschübung der Wehren von Beerfelden und Hetzbach über lange Wegestrecken erbrachte den Beweis einer ausreichenden Sicherung des Feuerschutzes der Gemeinde. sr

Was aũch interessiert:

Meister Petz brach ein Bein bei einer Zirkusvorstellung am Donnerstag in Goddelau. Der rasch herbeigerufene Arzt schiente unter der Assistenz einiger kräftiger Leute den Bruch und versicherte, daß der Bär in einigen Monaten wieder auftreten könne. od

Starke Verbrennungen an der Hand zog sich der Lehrling Hans Ploch aus Nauheim bei unvorsichtiger Handhabung des Schweißbrenners zu. Er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Kb

Von einem Personenwagen erfaßt und zu Boden geschleudert wurde der Schüler H. Wolf aus Wallerstädten, als er die Straße Wallerstädten-Geinsheim unvorsichtig überquerte. Mit einem Schädelbruch und einer Gehirnerschütterung wurde der Junge in das Stadtkrankenhaus Groß-Gerau eingeliefert. Kb

Durch Phosphorbrandbomben, die sich wahrscheinlich selbst entzündeten, entstand in der Muna bei Münster ein Waldbrand. Die Löscharbeiten der Feuerwehren aus Münster und Dieburg wurden durch explodierende Munition er- Schwert. Die amerikanische Wehr aus Darmstadt bekämpfte den Brandherd mit Spezialgeräten. gi

Große Aufregung herrschte an der Baustelle der Gemeinnützigen Baugenossenschaft in Nauheim, als ohne Ankündigung von dei’ Ruhr-Ferngas AG in Essen der Hauptschieber der Gasleitung geöffnet wurde. Ehe es sich herausstellte, daß die Maßnahme durch einen Rohrbruch in .der Nähe von Rüsselsheim bedingt war, hatten schon mehrere Bewohner der Siedlung begonnen, ihre Häuser zu räumen. au.

Wenzel Jaksch wird anläßlich des Richtfestes der Neubürgersiedlung in B i e b e she i m am 3. September zu den Heimatvertriebenen sprechen. cg

Zwei Brillantrii(ge wurden Frau Anna Will aus Stockstadt in der vergangenen Woche gestohlen. Ein Bettler, der im Verdacht des Diebstahls steht, wurde verhaftet. cg

Das Gernsheimer Postamt machte kürzlich die Feststellung, daß in der Gemarkung Biebesheim am Bahnwärterhaus 49 etwa 200 Meter Leitungsdraht gestohlen waren. Der Schaden beläuft sich auf annähernd 400 DM. cg

Meldungen aus den Landkreisen

DARMSTADT-LAND

Nieder-Beerbach. Am 2. September d. J. findet eine Schweinezählung statt. Im Anschluß daran sollen Nachkontrollen durchgeführt werden. hl.

Roßdorf. Die hiesige Ortsgruppe der Heimatvertriebenen nimmt an der „Großkundgebung der Sudetendeutschen“ in Wiesbaden am 3. September teil. Redner sind Bundesverkehrsminister Dr. Ing. Seebohm und Dr. Lodmann von Auen. sl

Roßdorf. Am kommenden Donnerstag um 20 Uhr findet in der Neuen Schule, Darmstädter Straße 75 (Baracke) eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt, in deren Mittelpunkt der Waldwirtschaftsplan 1950/51 steht. sl

Hahn. Der hiesige Kindergarten feierte am Sonntagnachmittag sein Jahresfest. Nach einem Gottesdienst tummelte sich das kleine Völkchen bei Gesang und Spiel auf der Festwiese. Zum Abschluß des Festes gab es für jedes Kind eine Bretzel und ein Windrädchen. jn.

DIEBURG

Dieburg. In einer Feierstunde wurde Lehrer Philipp Sturm zum neuen Konrektor der hiesigen Volksschule ernannt. Kreisschulrat Schmitt überreichte ihm die Ernennungsurkunde. wu

Dieburg. Am kommenden Donnerstag findet in den Räumen des Amerikahauses ein Musikabend mit Werken von Verdi statt. Am 7. 9. liest Herr Grahl den 2. und 3. Akt aus „Des Teufels General“.

Niedernhausen. Der Waldwirtschaftsplan der Gemeinde wurde durch die Gemeindevertreter genehmigt. — Die Teerung des Ortsplatzes soll vorgenommen werden. Die erforderlichen Mittel wurden veranschlagt. gi

Fränkisch-Crumbach. In der Generalversammlung des Geflügelzuchtvereins wurde die im Dezember stattfindende Odenwaldschau behandelt. (gi)

Lengfeld. In einer gut besuchten Versammlung der Arbeitsgemeinschaft der Heimatvertriebenen und Fliegergeschädigten sprach der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Eisen kolb, Dieburg, zu den Fragen des Lastenausgleiches. gi

Sickenhofen. Der Gemeinderat sprach sich in seiner letzten Sitzung gegen die vom Schulamt neugeschaffene Lehrstelle aus. Die Bevölkerung erachtet diese Maßnahme wegen der geringen Schülerzahl für nicht erforderlich. wu

BERGSTRASSE

Birkenau. Das Eichamt Darmstadt nimmt am 31. August sowie am 1. und 4. September für die Gemeinden Birkenau, Kallstadt und Rohrbach eine Nacheichung aller eichpflichtigen Gegenstände vor. prs

Rimbach. Durch die Ringberater der Landwirtschaftsschule Heppenheim werden ab 1. September in der Gemeinde Untersuchungen der Bodendecke durchgeführt. _ prs

Dorndiel. Um den Sparsinn der Schuljugend zu fördern, soll das Schulsparen wieder eingeführt werden. — Die Volksschule plant einen Ausflug an den Rhein, der mit einem Besuch des Gutenberg-Museums in Mainz verbunden werden soll. (ko)

GROSS-GERAU

Gernsheim. Kommenden Mittwoch, um 20.30 Uhr, findet im Zeichensaal des Realgymnasiums eine Aussprache des Jugendforums statt, bei der über die Zusammenarbeit der Jugendverbände und Sport am Sonntagmorgen diskutiert werden soll, pe

Leeheim. Die Erdölwerke „Elwerath“ Hannover, planen in Kürze in der Umgebung und in der hiesigen Gemarkung nach Erdöl zu bohren. Kb

Nauheim. Unbekannte Täter drangen in die Halle des Friedhofsgärtners ein und entwendeten sämtliche Gartengeräte. Das Wellblechdach wurde abmontiert und ebenfalls mitgenommen. Von den Tätern fehlt jede Spur. Polizeiliche Ermittlungen sind bereits im Gange. au

Nauheim. Bei einem bunten Abend der Nauheimer Falken sprachen Landrat Harth und Bundestagsabgeordneter Prof. Dr. Bergsträsser über Fragen der Jugenderziehung. -au-

Mörfelden. Die Gemeindeverwaltung will weitere Schritte unternehmen, da sie sich mit der Aufteilung der selbständigen Gemarkungen im Kreis Groß-Gerau, so wie sie der Kreistag beschlossen hat, nicht einverstanden erklären kann. -au-

Königsfädten. Sämtliche Parteien und der gesamte Gemeinderat unter Führung von Bürgermeister Schäfer leisteten am Sonntag gemeinsam Selbsthilfearbeiten an der zerstörten Schule, die wieder aufgebaut werden soll, -au-

Der SPORT

No Roitlinge ond wieder hoim

Am Sonntag hat uns „’s Mäxje“ — so heißt das Autochen, mit dem wir den 98ern nachfuhren — katzenschnurrend über die Autobahn gen Süden gerollt. Der Himmel war grauverhangen. Kurz hinter Lorsch fielen die „erschde digge Drobbe“ (dieweil wir noch im Hessischen waren), bald hatten wir — so entschied die kurze Knobelpartie „Schere - Stein - Papier“ — nach links eingewendet, in Gaggenau die prächtigen und ausgedehnten Neubauten der Dainiler-Werke bestaunt und waren im Klettern auf Freudenstadt zu: da prasselten millionenfach die „Dröpflin“ auf uns nieder (dieweil wir im badische Muschderländle waren), und just um die Mittagsstunde kam die Sonne durch, es regnete nur noch „zwo-i, dro-i Dröpfle“ (denn wir hatten inzwischen die Sprachgrenze ins Schwäbische überfahren). Gut gegessen haben wir dann in Dorfstetten: Suppe, Schweinebraten, reichlich Kartoffeln und viel Weinkraut für ganze 1 Komma 30 D-Mark (!), einen echten Schwarzwälder Himbeergeist draufgesetzt für 0 Komma 50 D-Mark. Tübingen zu und Reutlingen gab’s eine herrliche Talfahrt, und justament im Einbiegen in die Ringelbachstraße, wo der SSV-Sportplatz liegt, hatte sich Mäxjen einen Plattfuß gefahren . . .

Auf die Tribüne gingen wir über den Trainingsplatz. Da nahmen 22 ein Schlammbad: die Reutlinger Reserve beendete gerade ihr Spiel 2:1 gegen die Darmstädter Reserve. Es gibt Fußballer, die sagen: wenn unsere Ib gewinnt, dann verliert die Erste. So kam’s ja dann eben auch anschließend. Aber man darf uneingeschränkt sagen: Die Schwaben —■ zumindest die Reutlinger — sind grundanständige Kerle. Die elf auf dem Schlakkengrund und die Tausende rundum. Gewiß :— auch unter ihnen hat’s ein paar Fingerpfeifer, aber' sie blieben vereinzelt. Der mit seinem bissigen Martinshorn konnte nicht helfen. Weit besser zum Spielgeschehen paßten da schon die Schmachttöne einer astmathischen Sirene. Ganz und gar nicht zufrieden waren die Schwaben mit ihrer rot-schwarzen Mannschaft. „Ha - - no, die spielet jo gege Roitlinge“, fertigte einer seinen Innensturm ab. So waren nach und nach die meisten auf der Gäste-Seite mit ihrer Meinung. „Die spielet ganz hervorragend", kommentierte einer vor allem die Arbeit der Darmstädter Verteidigung in der letzten halben Stunde. Und dann gingen sie alle ein wenig bedrückt nach Hause - - oder fuhren, denn in Hunderten von Kraftfahrzeugen und auf Rädern waren viele gekommen.

Wir indes nahmen Kurs auf Stuttgart. Spätsommerliche Abendfahrt durchs allerwege blitzsaubere, junge Neckartal. Hoch vom Degerloch herunter führte der Weg in die trubelvollen Straßen an den Hauptbahnhof. Dort Postamt 9: „Wie lange kann ich hier ein Gespräch nach Darmstadt anmelden?“ „Dag onn Nacht“. (Merksde was, Darmstädter Hauptpost?) Und dann lief der Bericht, der unseren Lesern gestern vor dem Morgenkaffee schon im Briefkasten oder unter der Haustür lag, durch den Draht.

Heim gings, immer vor einem drohenden Gewitter her, neckarabwärts auf dem kürzesten Weg wieder nach Heinerbach. Und Stimmung war im Mäxjen — unser „Bordradio“ hatte dem unermüdlichen Fritz am Lenkrad unterwegs seinen Neunertip im Toto verraten. Wir freuen uns noch heute dieser schönen Erlebnisse auf der ersten Oberliga-Auswärtsfahrt unserer tapferen 98er . . . und Mäxjen hat Seinen wohlverdienten Ruhetag. (RG)

Pressespiegel

SSV Reutlingen — SV 98 Darmstadt „Sportbericht“, Stuttgart: „ ... Mühlbach war der überragende Spieler. Er hatte den richtigen Torinstinkt, drei Treffer gingen auf sein Konto. Die an Jahren jüngere Darmstädter Läuferecke hatte diä nötige Kondition, um, wenn nötig, hinten auszuhelfen, ebenso schnell aber den Sturm in Aktion zu setzen. Dr. Barth im Tor hatte etliche Male Glück, mit hohen Bällen war ihm jedoch nicht beizukommen."

„Stuttgarter Zeitung“: „Auch der zweite Spieltag bewies, wie außerordentlich schwer es ist, auf des Gegners Platz zu gewinnen. Die ,Lilien“ aus Darmstadt waren die einzigen, denen der große Wurf gelang."

„ASZ“, Mannheim: „... Sämtliche Tore der Gäste fielen auf Fehler der einheimischen Hintermannschaft... Hätte Darmstadt nicht einen Dr. Barth im Tor gehabt, dann wären die Punkte wahrscheinlich in Reutlingen geblieben. Die Lilienträger haben, das muß man ihnen neidlos zugestehen, eine ausgezeichnete Kondition und einen schnellen und schußfreudigen Sturm...“

„Stuttgarter Nachrichten“: „Auch diesmal bewiesen die Darmstädter ihre enormen Fähigkeiten, indem sie auf Reutlinger Boden mit einem 4:1-Sieg zwar weitere Punkte einheimsten. Allerdings gingen drei Treffer auf das Konto des sehr schwachen Reutlinger Mittelläufers Strobl..."

„Der neue Sport", Frankfurt: „Der SV 98 ist in der ersten Klasse noch ein Jüngling, seine Reife vollzieht sich langsam, aber so stetig, daß man sagen kann, daß er längst schon aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist. Der Sieg gegen den VfR Mannheim hat seinen Spielern eine gute Portion Selbstvertrauen geschenkt, das die Blauhemden bald zu einem Gegner machen wird, über den die Oberligagroßen nicht mehr hinwegschen können."

Sandbacher Schwimmfest ein voller Erfolg

Trotz eines anfänglich ständig drohenden Gewitterregens und der dadurch bedingten verhältnismäßig geringen Zuschauerzahl, lieferten sich die Schwimmer-Elite von SDW Darmstadt, Poseidon Aschaffenburg, TV Groß-Umstadt, SC Reinheim, TV Groß-Gerau, TSG Bad König, VfL Michelstadt, KSG Erbach, TSV Höchst und dem gastgebenden Verein beim 1. Sandbacher Schwimmfest mit kleinem Grenzverkehr zahlreiche spannende und interessante Kämpfe. In pausenloser Folge wurden die einzelnen unter der Gesamtleitung von Spartenleitei’ Rieger stehenden Konkurrenzen abgewickelt, so daß schon kurz vor 19 Uhr mit zwei Wasserballspielen die gut gelungene Veranstaltung beendet werden konnte.

Ergebnisse:

100 m Brust für Herren, Kl. 3: 1. Dieter Hartmann SV Aschaffenburg, 1,27,5 Min., 2. Sepp Stenger, SV Aschaffenburg, 1,28,0 Minuten.

100 m Brust für Herren, Kl. 4: 1. Werner Röth, SV Aschaffenburg, 1,30,1; 2. Georg Blumenschein, TSG Bad König, 1,32,3. Min.

662/s m Brust für Mädchen, Kl. A: 1. Bärbel Weber, TSG Bad König, 1,07,3; 2. Ursula Biehl, TSV Höchst, 1,09,3 Min. 662/s m Brust für Mädchen, Kl. B: 1. Wilma Borsdorf, SC Reinheim, 1,05,0; 2. Sibylle Gennes, SV Aschaffenburg 1,05,3 Minuten.

100 m Brust, männl. Jugend A, Kl. 3: 1. Klaus Hies, VfL Michelstadt, 1,33,4; 2. Heinz Hermes, DSW Darmstadt, 1,37,0 Minuten.

100 m Brust, männl. Jugend A, Kl. 4: 1. Gottfried Geydoul, TSG Bad König, 1,40,6; 2. Karl Petzold, SV Aschaffenburg, 1,41,0 Minuten.

100 m Brust, männl. Jugend B, Kl. 3: 1. Rudolf Billerbeck, SC Reinheim, 1,33,6; 2. Hans Lohnes, TSV Höchst, 1,35,8 Min. 100 m Brust, männl. Jugend B, Kl. 4: 1. Ernst Rosenberg, SV Aschaffenburg, 1,31,5; 2. Karl Wißmann, SV Aschaffenburg, 1,33,8 Minuten.

3XIOO-m-Lagenstaffel für Herren, Kl. 3 und 4: 1. I. Mannschaft Aschaffenburg 4,22,0; 2. 11. Mannschaft Aschaffenburg 4,24,0 Minuten.

662/s m für Knaben A: 1. Georg Zimmer, TV Groß-Umstadt, 1,08,3 Minuten. 662/3 m für Knaben B: 1. Werner Thierolf, TSV Höchst, 1,01,3 Minuten.

100 m Kraul, männl. Jugend, Gruppe A, Kl. 3: 1. Peter Köhler, DSW Darmstadt, 1,16,4; 2. Klaus Hohlfeld, DSW Darmstadt, 1,17,5 Minuten.

100 m Kraul, männl. Jugend, Gruppe A, Kl. 4: 1. Günther Groll, VfL Michelstadt, 1,25,6; 2. Horst Hallstein, SG Sandbach, 1,26,4 Minuten.

100 m Brust, weibl. Jugend A, Kl. 2: 1. von Natzer, VfL Michelstadt, 1,43,6 Min. 331/a m Kraul für alte Herren (35—40 Jahre): 1. Gerstel, SV Aschaffenburg, 0,23,2; 2. Martin Rieger, SG Sandbach, 0,24,0 Minuten,

331/a m Kraul für alte Herren (40—45 Jahre): 1. Otto Wolf, SV Aschaffenburg, 0,21,5; 2. Walter Ritter, TSV Höchst, 0,22,0 Minuten.

33U3 m Kraul für alte Herren (45—50 Jahre: 1. Heini Reinhard, SV Aschaffenburg, 0,22,0 Minuten.

662/.i m Rücken für weibliche Jugend: 1. Ute Ulken, DSW Darmstadt, 1,16,5 Min.

33'/:i m Rücken, Mädchen, Gruppe B: 1. Eva Walk, DSV Darmstadt, 0,31,4 Min.

4X 662/s m Brust-Staffel, Knaben: 1. I. Mannschaft Aschaffenburg, 2,19,6; 2. I. Mannschaft TSV Höchst, 4,27, 2 Min.

4X 662/s m Brust-Staffel (Mädchen): 1. DSW Darmstadt, 4,34,9; 2. SV Aschaffenburg, 4,35,0 Minuten,

4 X 100 m Brust, männl. Jugend: 1. SV Aschaffenburg, 6,30,5; 2. VfL Michelstadt, 6,48,0 Minuten.


1. Das Ehrentor der Reutlinger, an dern weder Sehnuatmers Spreuschritt noc^Dr: Barths Parade etwas ausrichfen konnten? 2. Letiht- lejn war nicht so leicht zu umspielen. 3. Das war das erste der drei MüfiUfrtöM&Pef-4; SchlKidtmdr rä^mt mitTiraftvolletn KÖpf^Sllstoß auj. 5. Dr. Barth nimmt einen. Scharfschuß am Pfosten in aller Seelenruhe entgegen?"" Foto: Hemme
1. Das Ehrentor der Reutlinger, an dern weder Sehnuatmers Spreuschritt noc^Dr: Barths Parade etwas ausrichfen konnten? 2. Letiht- lejn war nicht so leicht zu umspielen. 3. Das war das erste der drei MüfiUfrtöM&Pef-4; SchlKidtmdr rä^mt mitTiraftvolletn KÖpf^Sllstoß auj. 5. Dr. Barth nimmt einen. Scharfschuß am Pfosten in aller Seelenruhe entgegen?"" Foto: Hemme

Bunte Scheinwerfer am Woog

TSG-Team besiegt Süddeutschen Rollhockeymeister 2:1 (2:1, 0:1)

Etwa 1500 Zuschauer sahen am Sonntag auf der bis auf den letzten Platz besetzten TSG-Rollschuhbahn am Woog zwei große Veranstaltungen. Die revueartige Rollsportschau „Unter bunten Scheinwerfern“ war von den Mitgliedern der Eis- und Rollsportabteilung ganz hervorragend gelaufen und begeisterte restlos. — Am Nachmittag schlug im Rollhockey die TSG Darmstadt den Süddeutschen Meister 1. FC Nürnberg in einem rasanten Treffen mit 2:1 Toren.

Durch den Gewitterregen am Samstag mußte das Programm auf Sonntagabend verlegt werden. Aber es wurde auch so ein voller Erfolg und die sehr zahlreichen Zuschauer dürften bestimmt auf ihre Kosten gekommen sein. Was die Eis- und Rollsportabteilung der TSG Darmstadt in ganz kurzer Zeit hier geleistet hat, ist wirklich beachtlich. Sehr wirkungsvoll waren die zu jedem Lauf passenden Kostüme.

Mit einer Polonaise wurde das Programm eröffnet, woran sich auch die jüngeren Läuferinnen beteiligten. Ein Dreierlauf, ausgeführt von Inge Walter und den Geschw. Weichei, gefiel ebenso, wie die sich anschließende Polka, von einer Tanzgruppe ausgeführt. Im Foxtrottrhythmus wirbelten dann Inge und Irmela Reimann in einem Paarlauf über die Bahn, gefolgt von den Paaren Inge Reünann/Günter Jakob, Irmela Reimann/ Helmut Maunz und Herta Merker /Werner Hoffmann, die mit ihrem Walzer sehr viel Beifall ernteten. Günter Jakob ist vom RSC zur TSG übergewechselt. In einer temperamentvollen Einzelkür stellte sich danach Irmela Reimann vor, woran sich ein lustiges Fünfminuten-Hockeyspiel anschloß, einmal ganz anders. Die TSG spielte für die verhinderte Mannschaft aus Neuyork gegen eine „Damen“- Auswahl Hintertupfingen, bis der Tormann am Boden und der säbel- und pistolenbewaffnete Schiedsrichter k. o. war. Die Spieler-„Reste“ wurden entfernt und die Bahn gehörte Herta Merker im Einzellauf. Einen südlichen Tango, woran sich des Beifalls wegen noch eine Zugabe anschloß, zeigten das neue TSG-Paar Inge Reimann/Günter Jakob, die, wenn sie zusammenbleiben, bestimmt ein neuer Stern am Rollschuhhimmel werden. Die Herren Hoffmann, Maunz und Przementski stellten Sprungrekorde auf, aus einer Kiste wurde die kleine Puppe Ursula zu einer Läuferin „aufgezogen“, und dann kam die sichere und schwierige Kür von Günter Jakob, auf einen spanischen Tanz gelaufen. Inge Reimann, deren Einzelkür sich anschloß, gefiel nicht weniger. Die zeitgemäße Samba durfte natürlich auch nicht fehlen. Inge Reimann, Günter Jakob und Helmut Maunz tanzten sie meisterhaft und müßten sie am Ende noch einmal laufen. Ein lustiger Stierkampf mit Toreros und allem, was dazugehört, beschloß die gut gelungene Veranstaltung. Ein Sonderlob den beiden Clowns auf Rollschuhen, die die einzelnen Programmnummern geschickt zu überbrücken wußten. Am Mikrophon fand Herr Reitz, der Veranstaltungsleiter, immer die richtigen Worte.

Das gesamte Programm wird des großen Erfolges wegen am kommenden Donnerstagabend um 20.15 Uhr wiederum auf der TSG-Bahn am Woog wiederholt. Am Sonntagnachmittag hatte die Darmstädter TSG am Woog den Süddeutschen Rollhockeymeister 1. FC Nürnberg zu Gast. Die TSG, die bei der Meisterschaft in Schweinfurt auf den 3. Platz kam, konnte sich für die dortige knappe 1:2- Niederlage revanchieren. Sie wendeten das Blättchen und siegten, dank ihrer besseren Mannschaftsleistung, verdient mit 2:1 Toren.

Die Mannschaften: 1. FCN: Tor: Kaumeier; Verteidigung: Merzbacher; Verbindung: Waßner; Sturm: Schmidt und Sturm. Ausw.-Spieler: Fischer. TSG: Clausen, Mangold, Przementski, Fuß, Zörgiebel und Häuser.

Die 11. Mannschaften trennten sich nach einem fairen Spiel 8:4 (4:1, 4:3) für TSG Darmstadt.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß der linke Stürmer des TSG-Teams, Günter Fuß, mit 3 Nürnberger und 3 Stuttgarter Spielern als einziger aus Hessen am 16./17. September nach Merano/ Italien fährt. Dort spielt eine Süddeutsche Auswahl gegen eine italienische Spitzenmannschaft.

Die neuen Klubmeister des TEC

Nachdem am Samstag der rechtzeitige Abschluß der TEC-Klubmeisterschaften durch den Regen bedenklich gefährdet worden war, wurden die Mühen der Turnierleitung am Sonntag durch strahlenden Sonnenschein belohnt und bis zum Abend sämtliche Meisterschaftskonkurrenzen beendet.

Das Hauptinteresse galt der Entscheidung im Herreneinzel. Hier konnte Hahn nicht an seine im Kampf gegen Wittich gezeigte Form anknüpfen und wurde, zum Schluß resignierend, von Kleinlogel mit 6:2, 6:0 überfahren. In der anderen Hälfte kam es zu einer Begegnung Sigwart—Pfundtner, in der Pfundtner wieder neben seinem enormen Laufvermögen einige Kabinettstückchen blitzschneller Reaktion zeigte, Sigwart aber doch am Netz schließlich mehr Punkte sammelte und 4:6, 6:4, 6:1 die Oberhand behielt. Das Endspiel zwischen Sigwart und Kleinlogel wurde zu einer etwas einseitigen Angelegenheit, da Sigwart vom Beginn weg das Spielgeschehen diktierte. Kleinlogels Bälle hatten nicht die notwendige Härte und Länge, so daß er sich am Netz allzu oft passiert sah und nicht die Kontrolle seiner Schläge finden konnte. Sigwart dagegen nutzte seine Chance geschickt, zeigte im Flugball und über Kopf kaum Schwächen und gewann mit dem überraschend glatten Ergebnis von 6:0, 6:2, 6:3 die Klubmeisterschaft.

Auch die Entscheidung im Dameneinzel fiel rascher als erwartet. Frau Schubert hatte bereits gegen Frl. Rockstroh ihren schnellen Vorhand als Hauptwaffe eingesetzt (6:2, 6:1) und behielt diese Taktik auch im Endspiel gegen Frau Wettlauffer bei. Wenn sie naturgemäß neben prächtig gelungenen Schüssen auch viele Bälle regelrecht verknallte, so hatte Frau Wettlauffer dabei keine Gelegenheit, sich einzuspielen und kgm aus der Defensive nicht heraus. Mit 6:2, 6:4 wurde Frau Schubert zum ersten Male Klubmeisterin. Das Herrendoppel wurde, obwohl manche auf Pfundtner/Wittich getippt hatten, eine sichere Beute von Kleinlogel/ Sigwart. Wittich fehlt die Beständigkeit, Pfundtner die Härte des Flugballs, um die geschlossene Front des Darmstädter Meisterpaares zu erschüttern. Auch die Zuflucht zu Serien von Lobs konnte den 6:4-, 6:3-, 6:2-Sieg von Kleinlogel/Sigwart nicht gefährden. Am härtesten umkämpft war die Schlußrunde im Gemischten Doppel zwischen Frau Schubert /Kleinlogel und Frau Wettlauffer/Sigwart. Nach beiderseits ausgeglichenen Leistungen fiel mit 6:4, 9:7 Sieg und Klubmeisterschaft an Frau Schubert/Kleinlogel. hex

Lehrer spielen gegen Schüler

Auch in diesem Jahr ermitteln die einzelnen Klassen des Realgymnasiums Michelstadt im Rahmen einer sportlichen Großveranstaltung, die amheutigenDienstag und morgen, Mittwoch, im Heinrich-Ritzel-Stadion durchgeführt wird, ihre Schul-Meister. Nach den stattfindenden Schwimmwettkämpfen am Dienstagfrüh stößt am Nachmittag die gut eingespielte Fußballmannschaft des Realgymnasiums auf eine Mannschaft von SV 05 Mainz. Der Mittwochvormittag ist für die leichtathletischen Veranstaltungen, bei denen rund 250 Schüler um den Sieg ringen werden, vorgesehen. Nach einem Festzug durch die Straßen der Stadt, an dem sich über 500 Angehörige des Realgymnasiums beteiligen werden, beginnen um 14 Uhr die Nachmittagsvorführungen mit Massenfreiübungen der Jungen und gymnastischen Darbietungen der Mädchen. Als Einlage spielen die Handballer des Realgymnasiums um 16 Uhr gegen eine spielstarke Mannschaft der Höheren Schulen von Heidelberg. Mit der Siegerehrung durch Herrn Oberstudiendirektor Dr. Mohr, die sich an ein Faustballspiel Lehrer—Schüler anschließt, findet das reichhaltige Programm seinen Abschluß.

Toto-Quoten

16.Wettbewerb des Hessen-Totos (Spiele vom 26./27. August 1950). Gesamt-Umsatz 104 372,- DM; Umsatz der Fußballwette 92 280,- DM; Umsatz der Zusatzwette 12 092,- DM. Fußballwette: 1. Rang, 10 richtige Tips, 52 Gewinner mit je 295,50 DM. 2. Rang, 9 richtige Tips, 595 Gewinner mit je 25,80 DM. 3. Rang, 8 richtige Tips, 3547 Gewinner mit je 4,25 DM. Zusatzwette: 8 richtige Ergebnise 33 Gewinner mit je 183,20 DM.

Am Ende 4:1 für Australien

Forest Hills. (AP.) Der Amerikaner Ton Brown junior konnte das letzte Einzel der für die Vereinigten Staaten bereits verlorenen Finale-Begegnung mit Australien um den Davis-Pokal für sich entscheiden. Nach härtestem Kampf siegte er über Ken McGregor, Australien mit 9:11, 8:10, 11:9, 6:1, 6:4. Damit endete der Kampf um den Davispokal mit 4:1 für Australien

Deutschland auf dem zweiten Platz

Frankreich gewinnt den Europa-Pokal der Schwimmer

Wien, (sid) In der Nationenwertung der Wiener Europa-Meisterschaften fielen die Mannschaftspreise an Frankreich und Holland. Die Franzosen belegten bei den Herren im Kampf um den Europa-Pokal mit insgesamt 85 Punkten zum ersten Male den Platz Nr. 1, gefolgt von Deutschland und Schweden, die sich bei je 71 Punkten in den zweiten Rang teilen mußten. Entscheidend für das Abschneiden der Schweden war, daß sie durch ihren Sieg über den Wasserball-Olympiasieger Italien hier hinter Holland ebenfalls den zweiten Platz belegten und dadurch für die Gesamtwertung 16 Punkte erhielten. Bei den Damen fiel der Bredius-Cup an Hollands „Meisjes“, die mit 97 P. einen ganz überlegenen Sieg errangen. Dänemark, der Pokalverteidiger, mußte hinter Frankreich sAgarmit dem dritten Platz vorliebnehmen.

Mannschaftswertung, Europa-Pokal (Herren): 1. Frankreich 85 P.,- 2. Deutschland und Schweden je 71 P., 4. Jugoslawien 40 P., 5. Oesterreich 16 P., 6. Holland 14 P. — Bredius-Cup (Damen): 1. Holland 97 P., 2. Frankreich 51 P., 3. Dänemark 46 P., 4. Schweden 18 P., 5. Deutschland und Belgien je 13 P., 7. Oesterreich 9 P.

Der letzte Tag erst brachte im Wasserball die Entscheidung über den zweiten bis siebenten Platz. Die große Ueberraschung war die erneute Niederlage des Olympiasiegers Italien, das am Schlußtag von Schweden geschlagen wurde und damit hinter Holland, Schweden, Jugoslawien auf den vierten Platz zurückfiel. — Das Schlußbild der Tabelle: 1. und Europameister Holland 12:0 P. (!), 58:16 Tore; 2. Schweden 9:3, 3. Jugoslawien 9:3, 4. Italien 6:6, 5. Oesterreich 4:8, 6. Frankreich 2:10, 7. Schweiz 0:12 Punkte.

Meister im Stromschwimmen

Köln. (AP.) Deutscher Meister im Stromschwimmen wurde am Sonntag in Köln Heinz Ahrendt (Brühl), der die 7500- Meter-Strecke in 53:50,7 Min. zurücklegte. Bei den Frauen kam Elisabeth Rechlin (Bochum) auf der gleichen Strecke in 57:13,9 Min. zu einem überlegenen Sieg vor Frl. Giebler (Herten).

Am 25. August 1950 ist mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Erich Doerr Ministerialrat i. R. nach kurzer, schwerer Krankheit im 77. Lebensjahr von uns gegangen. Maria Doerr geb- Hofmann Karl Doerr (Rechtsanwalt, Df. iur.) Elsa Doerr geb. Brunner Wilhelm Doerr (Professor, Dr. med.) Eva Doerr geb. Neuroth und 6 Enkelkinder Darmstadt (- Wagner-Weg 41) und Heidelberg Die Beerdigung hat auf Wunsch des Heimgegangenen in der Stille statt¬ gefunden. — Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen.

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