Noch dreihunderttausend Kriegsgefangene zurückgehalten
Neuyork, 27. August. (AP.) Zur Frage der deutschen und japanischen Kriegsgefangenen, die noch in der Sowjetunion zurückgehalten werden, haben die Westmächte eine Denkschrift dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, zugeleitet.
Die Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Australiens hatten vor acht Tagen beantragt, daß die Kriegsgefangenenfrage auf die vorläufige Tagesordnung der Vollversammlung gesetzt wird, die im nächsten Monat beginnt.
In der neuen Denkschrift wird hervorgehoben, daß über das Schicksal von etwa dreihunderttausend deutschen und japanischen Kriegsgefangenen nichts bekannt sei, die während des Krieges von der Sowjetunion gefangengenommen worden seien. Die Sowjetunion wird beschuldigt, internationale Abmachungen aus den Jahren 1945 und 1947 über die Rückführung der Kriegsgefangenen gebrochen zu haben. Die schnelle Heimbeförderung dieser Gefangenen entspreche nicht nur den internationalen Gepflogenheiten, sondern auch den Grundsätzen der Menschlichkeit.
Freilassung der Gefangenen
Forderung des Deutschen Aerztetages
Bonn, 27. August. (AP.) Die möglichst baldige Freilassung aller deutschen Kriegsgefangenen ist in einer Entschließung des 53. Deutschen Aerztetages in Bonn gefordert worden. Die Tagung fand im Plenarsaal des Bundeshauses statt. Sie wurde durch Ansprachen des Bundespräsidenten Heuss, Innenministers Dr. Heinemann, sowie des Ehrenpräsidenten Dr. Wester (Köln) und des Vorsitzenden des Präsidiums des Deutschen Aerztetages, Dr. Neuffer (Stuttgart), eröffnet.
Bundespräsident Heuss sagte, das wissenschaftliche Studium sei „ein Wagnis und ein Abenteuer“, wenn es nur als Vorstufe der Versorgung angesehen werde. Der Arzt, der heilen solle, könne dies nur, wenn er gleichzeitig ein Künstler und Psychologe sei.
Europäisches Flüchtlingsamt
Straßburg, 27. August, (dpa) Die Beratende Versammlung des Europarats hat den Vorschlag auf Errichtung eines europäischen Flüchtlingsamtes angenommen. Sie empfahl dem Ministerausschuß, daß als erster Schritt eine vorläufige Einrichtung zum Studium des Flüchtlingsproblems geschaffen werden solle, die zunächst die dringendsten Nöte behandele.
Uranfund in England
London, 27. August. (AP.) Die britische Regierung hat bekanntgegeben, daß ein großes Uranerzlager in Nordwales entdeckt worden ist. Nach nichtamtlichen Schätzungen beträgt die Mächtigkeit vielleicht eine Million Tonnen. Ein Sprecher des Versorgungsministeriums wies auf den außerordentlich niedrigen Urangehalt von achtzig Gramm je Gesteinstonne hin. Seine Mitteilung wurde aber von einem Vertreter der Abteilung für wissenschaftliche und industrielle Forschung dahingehend ergänzt, daß das Gestein an Urangehalt demjenigen der deutschen Sowjetzone nicht nachstehe.
Kein Präventivkrieg
Washington, 27. August. (AP.) Das amerikanische Außenministerium hat erklärt, die Vereinigten Staaten lehnten jeden Präventivkrieg ab. Mit dieser Erklärung distanziert sich die amerikanische Regierung von einer Aeußerung des Marineministers Matthews, der geäußert hatte, die Vereinigten Staaten müßten notfalls einen Präventivkrieg beginnen, um größeres Unheil zu verhüten.
Churchill: Stärker sein
Zur Bedrohung Europas
London, 27. August, (dpa) Winston Churchill hat in einer Rundfunkansprache an das britische Volk erklärt, in Straßburg habe sich ein großes Ereignis in der Geschichte Europas zugetragen: Frankreich habe in großzügiger Geste den Gedanken willkommen geheißen, daß französische und deutsche Soldaten bei der Verteidigung der Freiheit Seite an Seite stünden. Auch hätten die Deutschen erklärt, daß sie bereit seien, in einer europäischen Verteidigungsmacht Dienst zu leisten, wenn sie auch keine eigene Armee wollten.
Der einzige Weg, mit dem kommunistischen Rußland fertig zu werden, sei der, stärker zu sein und mit Vernunft und Gerechtigkeit zu handeln.
Gerammt
Ein Lazarettschiff gesunken
San Franzisko, 27. August, (dpa) Innerhalb von fünfzehn Minuten ist das 11000 Tonnen große amerikanische Lazarettschiff „Benevolence“ nach einem Zusammenstoß mit einem Frachtdampfer bei San Franzisko gesunken. Die „Benevolence“ hatte nach Mitteilung der amerikanischen Marine über 545 Personen an Bord. Achtzehn Personen wurden bisher mit Sicherheit als tot gemeldet. 489 sind gerettet, etwa zwanzig werden noch vermißt.
Pieck rügt wieder die Kommunisten
Der Nationalkongreß der sowjetischen Zone beendet
Drahtbericht unseres Korrespondenten
er. Berlin, 27. August. Im Mittelpunkt des„Deutschen Nationalkongresses“,der am Samstag beendet worden ist, stand eine Rede des Staatspräsidenten Pieck. Er warf den westdeutschen Delegierten vor, daß in manchen Köpfen noch Verwirrung über die Aufgaben des nationalen Widerstandes in der Bundesrepublik herrsche. Es sei bedauerlich, daß der nationale Widerstand im Bundesgebiet nur von den Augenblicksinteressen dieser oder jener Bevölkerungsgruppen bestimmt sei. Alle Kriegsverbrecher und Verbrecher am deutschen Volk sollten schon vor dem Kriege aufgehängt werden. Das Kampfprogramm des nationalen Widerstandes umfasse zwölf Punkte, darunter Kampf gegen die Aufstellung einer westdeutschen Söldnerarmee, die Aufklärung der Bevölkerung über die Kriegspläne der Imperialisten und den Kampf gegen die Zersetzung des deutschen Kulturlebens durch die amerikanische Gangstefkultur.
Im Anschluß wurde das Wahlprogramm der Nationalen Front für die Oktoberwahlen verlesen. „Die Wahl am 15. Oktober ist eine Entscheidung über Krieg und Frieden. Jede Stimme für den Wahlvorschlag der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands ist eine Stimme gegen den Krieg, gegen Ruin und Tod, ist eine Stimme für den Frieden.“
In den neugewählten „Gesamtdeutschen Nationalrat der Nationalen Front", der 120 Mitglieder zählt, wurden dreißig Delegierte aus Westdeutschland berufen. Ihre Namen wurden nicht genannt.
Der westdeutsche Kommunistenführer Reimann beklagte sich über die mangelnde Arbeit der „Nationalen Front“ in Westdeutschland. Grotewohl erklärte, die Hetze der amerikanischen Propaganda, die Deutsche Demokratische Republik plane einen Ueberfall auf das Bundesgebiet, sei ein klares Verbrechen, wie die Wiederholung dieser Behauptung durch die deutschen Trabanten dumm sei. Die Deutsche Demokratische Republik brauche nicht das Mittel des Krieges, sondern den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Dieses Friedenswerk werde eine starke Anziehungskraft auf Westdeutschland ausüben.
Vergeblicher Ansturm in Korea
Starker Druck im Norden und Süden der koreanischen Front
Pusan, 27. August. (AP./dpa/Reuter.) Auf dem koreanischen Kriegsschauplatz haben die Nordkoreaner an der Nordfront und an der Südfront größere Angriffsbewegungen ausgelöst. An der Mittelfront herrscht Ruhe. Für Taiku besteht keine Bedrohung mehr. Am großen Naktong-Bogen halten die Amerikaner den letzten großen Brückenkopf der nordkoreanischen Truppen unter ihrer Kontrolle.
Die nördliche Angriffsbewegung kann der Vorläufer oder bereits die erwartete Offensive der roten Verbände sein. Dem starken Druck der Nordkoreaner begegneten die südkoreanischen und amerikanischen Truppen durch Rücknahme der Stellungen, die zwei bis drei Kilometer nördlich von Pohang liegen. Der Feind konnte zwar einen tiefen Einbruch erzielen, den Durchbruch jedoch nicht erzwingen. Die Kämpfe spielen sich vor allem im Raum von Kigye, etwa fünfzehn Kilometer nördlich Pohang, ab. Die Nordkoreaner haben die Absicht, den Hafen Pohang und den Flugplatz wieder in ihre Hände zu bekommen.
An der Ausbuchtung der Nordfront im Raum Uisong-Sinnjong verstärkten- die Nordkoreaner ihren Druck und führten schwere Angriffe gegen die südkoreanischen Divisionen. Es ist denkbar, daß der Feind operativ darauf abzielt, Taiku nun aus nordöstlicher Richtung umfassend einzunehmen.
Schut Formosas verlanat
Chikago, 27. August. (AP.) In einem Telegramm hat General Mac Arthur die besondere strategische Bedeutung Formosas betont. Das Telegramm ist an die zur Zeit tagende 51. nationale Versammlung der amerikanischen Frontkämpfer gerichtet. „Wir werden Frieden haben, wenn wir eine Verteidigungslinie der pazifischen Inseln einschließlich Formosas halten können, wenn wir diese Linie verlieren, ist der Krieg unausbleiblich.“
Kirkpatrick: Eine schlagkräftige Polizei
Die Unterstützung der Oberkommissare zugesagt
Drahtbericht unseres Korrespondenten
el. Hamburg, 27. August. Der britische Oberkommissar Sir Ivone Kirkpatrick hat am Wochenende bei seinem ersten offiziellen Besuch in Hamburg erklärt, die ganze Welt werde bald klar sehen können, daß die demokratischen Nationen fähig seien, die erforderlichen Opfer zur Erhaltung der westlichen Zivilisation zu bringen.
Sir Ivone, der auf einem Staatsempfang vor den führenden Persönlichkeiten des Hamburger politischen Lebens und der Wirtschaft sprach, versicherte, daß Westdeutschland der Unterstützung der Oberkommissare bei der Schaffung einer zuverlässigen und schlagkräftigen Polizeiorganisation gewiß sein dürfe, da es unbedingt erforderlich sei, angesichts der
östlichen Aktivität in der Bundesrepublik den rechtlichen Zustand aufrechtzuerhalten.
Der Oberkommissar wandte sich gegen die vorher von Bürgermeister Brauer geäußerte Ansicht, daß die britische Regierung sich von der Konkurrenzfurcht gewisser Interessentengruppen beeinflussen lasse. „Diese Vermutung entbehrt jeder Grundlage, ebenso wie die Ueberzeugung, daß England den Wunsch hegt, die deutsche Konkurrenz zu drosseln.“ Allein durch die Intervention des britischen Außenministers Bevin seien das Niveau der deutschen Stahlproduktion von fünf auf elf Millionen Tonnen jährlich erhöht und die Demontageabmachungen im vergangenen Jahr zugunsten Deutschlands modifiziert worden. Die Beschränkungen der deutschen Seeschiffahrt, um deren Aufhebung Bürgermeister Brauer in seiner Begrüßungsansprache nachdrücklich an Sir Ivone appelliert hatte, seien ebenfalls nicht aus Konkurrenz-, sondern nur aus Sicherheitsgründen eingeführt, inzwischen aber beseitigt worden.
„Das festgelegte Ziel meiner Regierung sowie der westlichen Alliierten ist die Einreihung Deutschlands in ein westeuropäisches System. Diese Politik wird loyal und konsequent ausgeführt. Sobald Deutschland progressiv in die Gesellschaft der westlichen Nationen tritt, werden die Sicherheitsbeschränkungen auf politischem, finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet schrittweise aufgehoben.“
Flughafen Bonn
F. A. Z. Frankfurt, 27. August. Es soll beabsichtigt sein, Anfang September in Bonn eine „Köln-Bonner Flughafengesellschaft mbH“, mit dem Sitz in Wahn zu gründen. Die Gesellschafter werden die Bühdesrepublik, das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Köln, Bonn und der Siegkreis sein. Vorerst ist nur ein geringfügiges Stammkapital von 350 000 Mark vorgesehen. Bundesverkehrsminister Seebohm hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, daß die Bundeshauptstadt einen deutschen Flughafen brauche und sich nicht mit dem Rhein- Main-Flughafen zufrieden geben dürfe.
Pieck droht
*** Während in der Bundesrepublik der deutsche Bauerntag in Mainz und der evangelische Kirchentag in Essen im Vordergrund des Interesses stehen, ist der sogenannte „Deutsche Nationalkongreß“ in der Sowjetzone weniger beachtet worden. Man muß aber wissen, was sich dort getan hat, denn selbst Max Reimann hat in Berlin erklärt, er verspreche sich von diesem Kongreß „Neue Impulse“ für die Entfachung des nationalen Widerstandes in Westdeutschland.
Der Staatspräsident der Sowjetzone, Wilhelm Pieck, hat denn auch mit scharfen Worten die Entfaltung eines „Volkskampfes“ gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands und Widerstand gegen die Maßnahmen der Bundesregierung und der Alliierten Oberkommigsion gefordert. Er versicherte dabei, der Kongreß werde ein neuer Ansporn sein, ganz Deutschland an der Seite der Sowjetunion in die Friedensgemeinschaft aller demokratischen Völker einzugliedern.
Daß Pieck die Mitglieder der Bundesregierung als „Volksverräter“, „Feinde der Nation“ und „Besatzungs-Kriechtiere“ bezeichnete, ist bei der Art seiner Dialektik nicht verwunderlich. Man muß es aber als eine offene Drohung auffassen, wenn er außerdem sagte, „ehe er es ahne“, werde Bundeskanzler Adenauer vor einem Volksgericht stehen und alle, die nach der Meinung Piecks als „Kriegs- Verbrecher und Verbrecher am deutschen Volk“ anzusehen sind, würden „schon vor dem Kriege aufgehängt werden“.
Bemerkenswert ist es auch, daß der stellvertretende Ministerpräsident der Ostzone, Otto Nuschke, erneut den Konflikt in Korea als „Bürgerkrieg“ bezeichnete und in diesem Zusammenhang darauf hinwies, in Deutschland könne sich das gleiche wie in Korea abspielen.
Wenn die Machthaber der Sowjetzone glauben, die westdeutsche Bevölkerung ihren Interessen dienstbar machen zu können, so dürften sie sich im Irrtum befinden. Es wird auch ihnen selbst aufgefallen sein, daß statt der erwarteten 1500 Delegierten nur 1000 aus Westdeutschland eingetroffen sind und daß diese — obwohl jeweils einstimmige Annahme der Entschließungen verkündet wurde — mehrfach sich der Stimme enthielten oder sogar Widerspruch erhoben. So, als eine Entschließung gegen die Entlassung der „Kriegsverbrecher“ angenommen wurde und sogar, als ein Sprecher Stalin hochleben ließ. Schließlich nahm ein Teil der westdeutschen Delegierten überhaupt nicht mehr am Kongreß teil.
Pieck wird also seine Drohungen nur verwirklichen können, falls er sich zu gewaltsamem Vorgehen entschließen sollte. Wenn er die Stimmung unter den freien Völkern beachtet, und die neue Rundfunkrede Winston Churchills beachtet, wird er sich das dreimal überlegen.
Der Deutsche Bauerntag
Eine vielbeachtete Rede von Bundesminister Niklas
’ Mainz, 27. August. Der Deutsche Bauerntag 1950 im Mainzer Schloß ist am Sonntag mit Kundgebungen der Jugend und der Frauen beendet worden. Am Samstag stand im Mittelpunkt einer Kundgebung ein akademisches Rededuell zwischen Reichsminister a. D. Dr. Dr. h. c. Hermes, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes und Minister Niklas. Während Dr. Hermes mit Nachdruck auf die katastrophale Lage des Obst- und Gemüsebaus hinwies, betonte Minister Niklas stärker die bisher geleistete Arbeit, die dazu geführt habe, daß die tragenden Pfeiler der Landwirtschaft, Getreidebau, Viehwirtschaft und Zuckerrübenkultur auf sicherem Grunde ruhten und man den Begriff der Notlage, der für Obst- und Gemüsebau zweifellos zutreffe, nicht zu sehr verallgemeinern dürfe.
Die Rede von Hermes
Minister Hermes erwiderte, daß sich seit der Kölner Kundgebung die kritische Lage des Obst- und Gemüsebaus noch weiter verschärft habe. Wenn es nicht gelinge, in absehbarer Zeit die Einfuhren auf den „echten Bedarf“ abzustimmen, so seien außer wirtschaftlichen auch soziale Folgen — die Not zahlreicher kleiner Obst- und Gemüsebauern — unausbleiblich. Beim Abschluß von Handelsverträgen müsse der deutsche Obst- und Gemüsebau stärker berücksichtigt werden.
Kürzlich sei eine Erklärung des amerikanischen Oberkommissars verbreitet worden, wonach die Landwirtschaft ihren konservativen Widerstand gegen die Einführung neuer Methoden in der inneren Wirtschaft und im Außenhandel aufgeben solle. Dieser Vorwurf sei nicht berechtigt. Der deutsche Bauer bejahe die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit seinen Berufskollegen jenseits der Grenzen. Das Tempo der Zusammenarbeit könne jedoch nicht so schnell gesteigert werden, daß —■ angesichts der weltpolitischen Lage — die eigenen Lebensinteressen unberücksichtigt blieben. Man solle nicht erwarten, daß der deutsche Bauer in der Liberalisierung schneller vorgehe, als seine Nachbarn. Weitgehende Abschirmung der Landwirtschaft werde nicht nur in England, sondern auch in den Vereinigten Staaten für selbstverständlich gehalten.
Niklas spricht zu den Bauern
Bundesminister Niklas führte unter anderem aus: Die Regierung habe bereits weitgehende Erfolge im Schutz der deutschen Landwirtschaft erzielt. Es sei jedoch ein ständiger Kampf, der nicht immer zugunsten der Landwirtschaft ausgehe. Für die wesentlichsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sei durch die verabschiedeten und geplanten Marktgesetze ein Sicherheitsbereich gefunden, in dem die Landwirtschaft ihre Leistungen ohne Furcht vor plötzlichen Preisstürzen ausbauen könne. Durch den Einbau einer Einfuhrschleuse sei der Druck ausländischer Einfuhren auf Angebotsmenge und Preise weitgehend ausgeschaltet. Die Schleuse sei wirksamer, als die Landwirtschaft selbst gefordert habe. Das Getreidegesetz habe im Bundestag eine überwältigende Mehrheit gefunden und könne sich zu einem wirksamen Instrument entwickeln. Es sei zu hoffen, daß die Oberkommissare einem Gesetz die Zustimmung nicht verweigern würden, das so offensichtlich den Wunsch der Mehrheit des Volkes ausdrückt, schon im Hinblick auf die Revision des Besatzungsstatuts. Der Beschluß des Bundestages, Festpreise für Getreide beizubehalten, sei jedoch erst dadurch praktisch untermauert worden, daß sein Ministerium die Finanzierung der Ernte gesichert habe. Durch Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium sei die Bereitstellung von fünfhundert bis sechshundert Millionen DM ausgemacht worden, damit die Brotgetreideernte ohne weiteres aufgenommen werden könne.
Widerlegung von Vorwürfen
Die Vorwürfe, die Regierung habe kein klares agrarpolitisches Programm, würde wohl am eindringlichsten durch neue agrarpolitische Gesetze widerlegt, die dem Bundestag zugeleitet worden seien. Die wichtigsten Produkte der Landwirtschaft seien geschützt, ungeschützt verblieben nur noch die Erzeugnisse des Obst- und Gartenbaus, des Weinbaues und der Fischerei.
Die Lage auf dem Obstmarkt habe sich seit einem Jahr sehr kritisch entwickelt, und es werde als notwendig erkannt, auch hier einen gewissen Versorgungsplan aufzustellen. Die Feststellung der eigenen Erzeugung und des Bedarfs sei jedoch auf diesem Gebiet besonders problematisch. Die Statistik versage hier vollkommen. Erst wenn die Ernte verkauft werde, könne man das Ausmaß des Angebots feststellen. Die Handelsverträge mit dem Ausland jedoch müßten lange vorher abgeschlossen werden. Die augenblickliche Einfuhr liege immerhin noch mit 34 Kilo je Kopf um 10 Kilo unter der Einfuhr im Jahr 1938 und um 20 bis 30 Kilo unter dem Verbrauch in benachbarten Ländern. Die Erhöhung der Kaufkraft müsse hier eine Erhöhung des Verbrauchs bewirken. Darüber hinaus sei zu bedenken, daß für eine Steigerung unserer Exporte gewisse Mengen von Obst, Gemüse und Südfrüchten hereingenommen werden müßten.
Zwischenrufe
Auf zahlreiche Zwischenrufe ging der Minister in einem unerwarteten Maße ein, indem er ausrief: „Auch von Ihnen aus ist noch viel zu tun!“ Der Erzeuger müsse sich auf die Verzehrgewohnheiten des Verbrauchers einstellen. Er müsse sich auch bemühen, zeitweiliges Ueberangebot aufzufangen und durch vorzügliche Sortierung den Absatz erleichtern. „Warum werden Tomaten nicht zu Mark verarbeitet, das wir alljährlich in erheblichem Umfang einführen müssen?“ (Unruhe) Man dürfe auch bei Einfuhren nicht immer gleich protestieren. So sei beispielsweise die Einfuhr von Zwiebeln im Rahmen des bulgarischen Handelsvertrages bemängelt worden. In Wirklichkeit bestünde ein Gesamtbedarf von 125 000 Tonnen, von dem nur die Hälfte im Inland erzeugt werde. Bei einem Einfuhrbedarf von rund 60 000 Tonnen sei Bulgarien ein Kontingent von 2500 Tonnen zugebilligt (Zwischenruf: noch zu viel!).
DieGrüßeFrankreichs
Der Delegierte der französischen Oberkommission, M. Chauchoy, überbrachte in einer mit anhaltendem Beifall aufgenommenen Rede die Grüße der französischen Bauern. Die vornehmste Aufgabe sei es, ein geeintes Europa zu schaffen. Die Sorgen der Bauern hüben und drüben seien die gleichen, nur die Sprache trenne sie voneinander.
Der deutsche Bauernverband sei noch zu klein, um seinen Mitgliedern tatkräftig helfen zu können. In einem einigen Europa müsse ein europäischer Bauernverband die Existenzsicherung für alle Bauern übernehmen.
An die Neutralen
AW. Das amerikanische Repräsentantenhaus hat einer Vorlage zugestimmt, 16,7 Milliarden Dollar zusätzlich für die Verteidigung der westlichen Welt auszugeben. Wenige Tage vorher hatten der amerikanische Außenminister Acheson und der Verteidigungsminister Johnson vor dem Finanzausschuß des Hauses darauf hingewiesen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten keinesfalls Gelder oder Waffen an Länder abgeben werde, bei denen Tendenzen bestünden, neutral zu bleiben. Auch könne Amerika keinesfalls den unterstützen, der nicht selbst genügend Anstrengungen mache, um für die eigene Sicherheit zu sorgen. Die Neutralen seien keine guten Verbündeten, meinte Acheson, und ; Johnson sekundierte mit der Bemerkung, das müsse auch einmal grob ausgedrückt werden. Diese amerikanische Warnung wird wohl dazu beitragen, die politische Konzeption einer Dritten Kraft als das einzuordnen, was sie zumindest seit dem Beginn des koreanischen Krieges ist, als eine Illusion. Es gibt nur einen möglichen Angreifer, das ist der Bolschewismus. Und es gibt nur eine Macht, die ihm begegnen kann, das ist Amerika. Diejenigen, die neutral bleiben, aber gleichzeitig ihre Freiheit behalten wollen, schwächen die westliche Welt, da sie nicht als Aktivum in die Berechnungen zur Abwehr einzusetzen sind. Auf der anderen Seite werden sie mit Selbstverständlichkeit die Hilfe der Vereinigten Staaten annehmen, wenn die Weltrevolutionäre nicht vor ihren Grenzen haltmachen.
Es ist für den theoretisierenden Politiker schön, davon zu träumen, eine Macht entstehen zu lassen, die sich wie ein Puffer im großen Spiel der Weltpolitik zwischen die beiden ganz Großen schiebt und allein durch ihr Vorhandensein das Gesamtgeschehen günstig beeinflussen könnte. Dazu fehlen aber heute alle Voraussetzungen, und die Wirklichkeit verlangt, sich für das eine oder für das andere Lager zu entscheiden. Wer die Freiheit wählt, kann angesichts von mehr als fünfhundert russischen Divisionen nicht auch noch die Neutralität wählen.
Postrezepte
nel. Die liebenswürdigen Bemühungen der Post, wenigstens in den Großstädten ihren Fernsprechteilnehmern auch als Informationsquelle über die genaue Uhrzeit, die Ergebnisse des Totos und als zuverlässiger Wecker zu dienen, streben unablässig nach neuen Taten. In Hamburg wird zur Zeit daran gearbeitet, diesen postalischen Kundendienst zu erweitern und sogar eine telefonische Küchenhilfe einzuführen. Ratlosen Hausfrauen, die am Mittagstisch die männliche Bemerkung „schon wieder ...“ fürchten wie das Feuer, wird auf Anruf eine Serie von Vorschlägen zur Bereicherung ihres Küchenzettels gemacht werden. Postrezepte sichern den häuslichen Frieden. Wäre es nicht eine prächtige Sache, auf diese Weise auch ein tägliches, kurz und prägnant gefaßtes politisches Stimmungsbild auf Abruf bereitzuhalten? So ein Weltwetterbericht könnte auf alle Einzelheiten verzichten. Er brauchte nicht zu sagen, wer wen getroffen und wer was erklärt hat. Er brauchte zum Beispiel gegenwärtig nur das Stichwort „Zucker“, und jeder wüßte Bescheid. Klänge es aus dem Hörer „Zucker weiterhin im Anrollen, Zucker weiterhin im Anrollen, Zuck..“, so wäre das völlig ausreichend, um zu wissen, daß es imm^r noch keinen gibt und alles genau noch so mies steht wie gestern. Dagegen würde der Zuruf „Zucker reichlich zu haben, ■Zucker reichlich zu haben“ jedem als eine frohe Botschaft aus einem aufklarenden Himmel ins Ohr singen.
Znsätzliche Ausgaben
Washington, 27. August, (dpa) Das amerikanische Repräsentantenhaus hat den Entwurf eines Sondergesetzes gebilligt, das 16,7 Milliarden Dollar für den Ausbau der amerikanischen Streitkräfte und die Bewaffnung der verbündeten Staaten vorsieht. Die Vorlage geht jetzt an den Senat.
Die Frankfurter Polizei soll in Zukunft wieder durch Anlegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung grüßen.
Gerechtes Stenerwesen - maßvolle Preise
Der Evangelische Kirchentag faßt Entschließungen zum täglichen Leben
Essen, 27. August. (AP./dpa) Die Ergebnisse des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Essen sind am Sonntag in vier Entschließungen niedergelegt worden. Die Arbeitsgruppe „Rettet die Freiheit des Menschen“ fordert die Wirtschaft auf, Frieden zu halten, Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, menschenwürdige Wohnungen zu bauen und ein gerechtes Steuerwesen sowie eine maßvolle Preisbildung einzuhalten. Die Arbeitsgruppe „Rettet des Menschen Heimat“ verlangt die Errichtung eines europäischen Flüchtlingsamtes und den Verzicht auf Rache und Vergeltung. Die Einheimischen sollten sich nicht gegen den Lastenausgleich sperren. Die Arbeitsgruppe „Rettet den Glauben“ fordert die Gläubigen auf, sich enger an die Pfarrer anzuschließen. Zur Rettung der Familie wird von Staat und Gesellschaft gefordert, dem sozialen Wohnungsbau und der Zusammenführung der Familien vordringliche Beachtung zu schenken.
Stark besuchte Gottesdienste
In Essen haben am Sonntag die Glokken, die mitten in der Stadt an eigens dafür errichteten Türmen angebracht worden sind, Tausende von evangelischen Christen zu den Gottesdiensten gerufen. In mehr als vierzig Gotteshäusern oder Räumen und Plätzen wurde an diesem Vormittag gepredigt.
Der Kirchentag hat eine Entschließung gefaßt, in welcher der Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands einen ausreichenden Polizeischutz für Ordnung und Frieden* in Deutschland verlangt. Der Kirchentag wendet sich jedoch gegen alle Kriegshetzerei und Kriegspsychose und lehnt eine Remilitarisierung im Westen und im Osten ab.
Niemöller vor der Jugend
Pastor Niemöller, der Präsident der Hessen-Nassauischen Landeskirche, hat vor etwa 8000 Angehörigen der evangelischen Jugendverbände gefordert, daß die, die am Ruder seien, sich endlich des Kriegs- und Remilitarisierungsgeschreies enthalten sollten. Die ältere Generation habe versagt. Sie habe zwei Kriege nicht verhindern können und wisse heute nichts Besseres zu sagen, als daß ein dritter Krieg vor der Tür stehe. Pastor Niemöllerhat außerdem vor dem Rhein-Ruhr-Klub gesprochen und dabei gesagt, er werde keinen Finger rühren, falls es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen sollte.
Der Präses der Kirchenprovinz Sachsen, Dr. Kreysing, ein Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, hat gesagt, der nächste deutsche Evangelische Kirchentag solle in der Sowjetzone abgehalten werden. Der Eiserne Vorhang warte darauf, „weggeglaubt“ zu werden.
Der Kirchentag fand am Sonntag mit der Hauptversammlung im neu errichteten Essener Stadion unter Beteiligung von etwa 150 000 Personen seinen Abschluß. In einer Schlußresolution richtete der Kirchentag an den Rat der Evangelischen Kirche die Bitte, sich für die Kriegsgefangenen und die wegen Kriegsverbrechen außerhalb Deutschlands festgehaltenen Personen einzusetzen und durch ständige Verhandlungen mit ausländischen Regierungen zu versuchen, das Los dieser Menschen zu erleichtern.
Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Bischof Dibelius, bezeichnete die Zwangsvölkerwanderungen als das riesigste Verbrechen der Nachkriegszeit und erklärte: „Kein Opfer ist zu groß, wenn wir einem Heimatvertriebenen wirklich helfen können.“
Pontifikalamt
eines Neger-Bischofs
Köln, 27. August, (dpa) Der Negerbischof Dr. Joseph Kiwanuka, der sich gegenwärtig als „Mahner für die Missionen“ auf einer Reise um die Welt befindet, hat am Sonntag im Kölner Dom unter Assistenz von Erzbischof Kardinal Frings ein feierliches Pontifikalamt zelebriert.
Beginnen Bau-Streiks?
Lohnbewegung auch bei öffentlichen Diensten, Transport und Verkehr
F. A. Z. Frankfurt, 27. August. Die Gewerkschaft Bau, Steine und Erden Frankfurt hat sich entschlossen, den Streik auch auf Neubauten von Krankenhäusern und andere öffentliche Bauvorhaben auszudehnen, wenn die Bauunternehmer nicht auf die Forderung der Gewerkschaft eingehen sollten.
Die Gewerkschaft verlangt eine Lohnerhöhung des Stundenlohnes um zwanzig Pfennig und die Aufhebung der Ortsklasse IV, so daß für die betreffenden Gebiete eine zusätzliche Erhöhung des Stundenlohnes eintreten müsse.
Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie sowie der Zentralverband des Baugewerbes in Bonn haben sich jedoch bereit erklärt, auch nach dem Scheitern der Lohnverhandlungen die Besprechungen fortzusetzen. Die Unternehmerorganisationen haben bekanntgegeben, daß sie den Lohnforderungen der Gewerkschaften im Hinblick auf die schwerwiegenden wirtschaftspolitischen Auswirkungen nicht zustimmen können. Die Gewerkschaft habe deshalb gedroht, „gewerkschaftliche Kampfmittel einzusetzen, sollten alle Verhandlungen scheitern“.
Die Unternehmer erklären, sie handelten aus einer' sozial- und volkswirtschaftlich verantwortungsbewußten Haltung heraus. Sie wollten unter keinen Umständen die Hand dazu reichen, die Lohn-Preis-Spirale in Bewegung zu setzen. Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie wendet sich auch gegen die Parole, die zum Teil aufgetaucht ist, die Arbeitgeberverbände hätten nicht zu ihrem Wort gestanden, und die Tariferhöhung sei plötzlich abgelehnt worden, obwohl man kurz vorher bereit gewesen sei, ihr zuzustimmen. Man habe sich bis zuletzt gegen eine Erhöhung des Nominallohnes ausgesprochen. Die Arbeitgeberverbände hätten nur ein Ziel, nämlich die Erhöhung des Lebensstandards der Arbeiterschaft und hätten auch eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß sie damit mit den Gewerkschaften einer Meinung seien. Verschiedenheit in der Auffassung bestehe nur über den Weg, wie man dieses Ziel erreichen solle. Lohnerhöhungen würden sich im Endergebnis zum Nachteil der Allgemeinheit auswirken müssen. Streiks seien außerdem deshalb als verantwortungslos abzulehnen, well dadurch mit einer beträchtlichen Verringerung des Wohnungsbauvolumens zu rechnen sei.
Tarifverträge gekündigt
St. Stuttgart, 27. August. (Eig. Drahtbericht.) Der Hauptvorstand und die Große Tarifkommission der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr haben die sofortige Kündigung aller noch mit dem Bund, den Ländern und den Gemeinden bestehenden Tarifverträge beschlossen. Wie der Hauptvorstand hierzu bekanntgab, sollen unverzüglich neue Tarif Verhandlungen aufgenommen werden, durch welche die Löhne allgemein um fünfzehn Pfennig und die Gehälter' um 35 DM im Monat erhöht werden sollen.
Nach einer Mitteilung der Gewerkschäften werden bei einem Scheitern der Verhandlungen im gesamten Bundesgebiet einschließlich Berlins Urabstimmungen vorgenommen werden, durch welche festgestellt werden soll, ob von den Gewerkschaftsmitgliedern dei' Einsatz aller gewerkschaftlichen Kampfmittel für die Erzwingung der Lohnforderung erwünscht ist.
Streikaufruf in Hannover
Hannover, 27. August. (AP.) Die Betriebsräte der Bauarbeiter in Hannover haben sämtliche Bauarbeiter aufgefordert, am 4. September ihre Arbeit niederzulegen, um ihre Lohnforderungen durchzusetzen. Die Arbeiter sollen zu diesem Termin ihr Arbeitsverhältnis kündigen, um sich vor eventuellen Regreßansprüchen der Unternehmer zu schützen. Eine Heranziehung von Arbeitslosen durch Unternehmer zur Fortführung der Arbeit soll durch Streikposten unterbunden werden.
Blücher: Schnell und mutig handeln
Eine Kundgebung der Liberalen Weltunion in Stuttgart
Drahtbericht unseres Korrespondenten
St. Stuttgart, 27. August. Auf einer Kundgebung der in Stuttgart tagenden Liberalen Weltunion hat Vizekanzler Blücher am Sonntag Westdeutschland als das Vorfeld der Auseinandersetzung zwischen Ost und West bezeichnet. Die Forderung des Tages sei es deshalb, Westdeutschland so zu stärken, daß kein Feind mehr den Mut aufbringe, einzufallen. Man dürfe über die Remilitarisierungsgespräche jedoch nicht die Sicherung des sozialen Friedens vergessen. Jeder Arbeitslose weniger sei ein Sieg im Kampf gegen die Gefahr aus dem Osten.
Die letzten Wochen hätten bewiesen, daß der Ungeist des Militarismus im deutschen Volk, insbesondere jedoch in der deutschen Jugend, gründlicher ausgerottet worden sei, als man es je zu hoffen gewagt habe. Wenn nun aber das deutsche Volk als Glied der europäischen Völkerfamilie die Frage seines Beitrags zur Verteidigung Europas und der Freiheit zu lösen habe, so könne es dies nur gleichberechtigt und in Freiheit tun. Der Vizekanzler forderte erneut die Beendigung des Kriegszustandes für Deutschland. Den Alliierten rief er zu, bei aller Anerkennung der geschichtlichen Bedingtheit des Besatzungsstatuts müsse man auch einmal schnell und mutig handeln können. Blücher forderte die europäischen Staatsmänner auf, in diesen europäischen Aufgaben ohne Rücksicht auf die Popularität
das Rechte der Stunde zu tun. Die Welt solle sich endlich davon überzeugen lassen, daß Westdeutschland heute weder machtpolitische, noch wirtschaftliche Expansionsabsichten mehr hege. „Oeffnen wir die Grenzen und schaffen wir für unsere arbeitende Jugend Arbeitsmöglichkeiten; in ganz Europa.“
Kongreß der Föderalisten
WS. Konstanz, 27. August. (Eigener Bericht.) In Konstanz hat der „ Europa-Kongreß des Bundes deutscher Föderalisten“ getagt. Kultusminister Dr. Süsterhenn wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Den Höhepunkt bildeten die Referate von Bundesminister Hellwege und Kultusminister Dr. Friede (Luxemburg). Hellwege erklärte: „Der Bolschewismus ist nicht allein mit der Entfaltung materieller Macht zu bekämpfen.“ Erst der Stufenaufbau des Föderalismus könne die Vermassung in der Demokratie aufhalten und damit eine totalitäre Machtentfaltung verhindern. „Unsere Debatten über den Föderalismus finden statt, während russische Panzer im Harz stehen und die westliche Welt sich überlegt, wem der nächste Schlag gilt-Sie sind trotzdem notwendig, denn nur eine europäische Föderation kann verhindern, daß Europa ein schwacher Punkt ist.“ Deutschland und der Föderalismus seien zum Sterben verurteilt, wenn jetzt nicht der einzelne Staatsbürger seine Rechte und Aufgaben erkenne und sie zu verteidigen wisse.
Neuer Fahrplan
Wiesbaden, 27. August. (AP.) Der am 9. Oktober in Kraft tretende Winterfahrplan der Bundesbahn sieht verkürzte Fahrzeiten für Eil- und D-Züge vor. Außerdem wird als Vorläufer des für den Sommer 1951 geplanten Ferntriebwagennetzes das Netz der Triebwagenverbindungen in der Bundesrepublik weiter ausgebaut.
Neu eingeführt wird der FDT 62/62, der bei einer Gesamtfahrzeit von etwa neuneinhalb Stunden von Hamburg über Köln nach Frankfurt fährt, außerdem wird der DT 43/44 Frankfurt—Köln bis nach Dortmund verlängert und verbindet damit Frankfurt und das Ruhrgebiet
Vierzig Unterschriftensammler, die in den Berliner Westsektoren festgenommen worden waren, sind vom Schnellrichter zu Gefängnisstrafen von vierzehn Tagen bis zu einem Monat verurteilt worden.
Brief an Dr. von Brentano
Besorgnisse der christlichen Demokraten zur Wiederaufrüstung
Wiesbaden, 27. August. (AP.) Die christlich-demokratische Fraktion des hessischen Landtages hat in einem Brief an den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der christlichen Demokraten, Dr. Heinrich von Brentano, ihrer Besorgnis über die gegenwärtigen Remilitarisierungstendenzen zum Ausdruck gebracht.
Alle hessischen Bundestagsabgeordneten der Christlich-Demokratischen Partei wurden gebeten, am kommenden Dienstag mit ihrer Fraktion des Hessischen Landtages in Wiesbaden diesen Fragenkomplex zu besprechen.
Wiessee kostete 875 Mark
Die Regierung antwortet
Wiesbaden, 27. August, (dpa). Die Kosten der in Bad Wiessee (Tegernsee) abgehaltenen Sondersitzung des hessischen Kabinetts hätten insgesamt 875 DM betragen, erklärte Staatssekretär Dr. Hermann Bach. Alle Teilnehmer hätten die normalen Tagegelder erhalten, mit denen sie alle Ausgaben bestreiten müßten. Die Benutzung des von der Besatzungsmacht zur Verfügung gestellten Sondertriebwagens habe den Staat nichts gekostet.
Staatssekretär Bach beantwortete damit eine offene Anfrage des Bundes der Steuerzahler an die Hessische Regierung, in der um Angabe der Gründe gebeten wurde, die Ministerpräsident Stock bewogen haben, das Kabinett nach Bad Wiessee einzuladen.
Die Wahl des Ortes begründete der Staatssekretär damit, daß Ministerpräsident Stock sich in Bad Wiessee auf Urlaub befunden habe, und die Minister Stein und Hilpert sich am Tage vorher und danach in der Umgebung aufgehalten hätten. Außerdem habe Ministerialdirektor Dr. Magnus zur gleichen Zeit seinen Urlaub am Tegernsee verbracht. Man habe in Anbetracht der Wichtigkeit der zu behandelnden Gesetze einen Ort wählen müssen, an dem man in völliger Ruhe beraten konnte. Dem Argument, daß Stock am Tage vor der Sondersitzung in Wiesbaden gewesen sei, hielt Bach entgegen, die Einladung des Landeskommissars Dr. Newman habe Stock erreicht, nachdem die Konferenz vorbereitet und die Zimmer bestellt gewesen seien. Stock habe dieser Einladung entgegen seiner ursprünglichen Absicht Folge geleistet, nachdem ihm telefonisch die Anwesenheit des amerikanischen Oberkommissars John McCloy mit dem Hinweis mitgeteilt worden sei, daß sein persönliches Erscheinen für sehr wünschenswert gehalten werde.
Wahlbündnis geplant
Neustadt, 27. Aug. (dpa). Die „Unabhängige Deutsche Gemeinschaft (UDG)“, die hessische Organisation der „Deutschen Gemeinschaft“, August Haußleiter, will zu den kommenden Landtagswahlen in Hessen mit dem „Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ ein Wahlbündnis eingehen.
Diphtherie-Schutzimpfung
Forderung von Professor Schmidt
Marburg, 27. Aug. (dpa) Eine obligatorische Diphtherie-Schutzimpfung im Bundesgebiet forderte der Direktor des Instituts für experimentelle Therapie der Behring-Werke in Marburg, Professor Dr. Hans Schmidt, in den jetzt erstmalig nach dem Kriege wieder erschienenen Mitteilungen der Behring-Werke.
Schmidt weist darauf hin. daß die Diphtherie-Schutzimpfung ihr Versuchsstadium überwunden habe, so daß durch Zwangsimpfungen eine Massenausbreitung dieser Seuche verhindert werden könne. Schmidt betonte, daß nur 0,59 Prozent Geimpfter, dagegen 2,66 Prozent Nichtgeimpfter an Diphtherie erkrankten.
Stimmen der Anderen
Nicht mehr tragbar
Die Wochenzeitung „Christ und Welt“ schreibt:
„In eben dem Maße, wie sich Westdeutschland, um Deutschland zu erhalten, enger an den Westen anschließen muß, werden die Aussichten auf die rasche Verwirklichung der deutschen Einheit zwangsläufig geringer. In eben dem Maße aber, wie sich die beiden deutschen Staatswesen auseinanderleben, müssen die Deutschen als Volk enger zueinanderfinden. Was läßt sich dazu menschlich tun?
Dem zwanzigsten Jahrhundert ist ein Mittel zur Pflege menschlicher Beziehungen selbst unter den widrigsten Umständen geschenkt worden, aber das Jahrhundert hat es bisher nicht begriffen. Das Geschenk ist der Rundfunk. Und was hat man aus diesem grenzensprengenden, völkerverbindenden Instrument gemacht? Tönende Provinzblättchen, die den Gebieten unserer zwergenhaften Länder zugeordnet sind.
Dieser Zustand war gestern schlimm gegenug; heute ist er nicht mehr tragbar. Vor dem Rundfunk in Westdeutschland steht jetzt die Aufgabe, sich gegenüber Mitteldeutschland zu bewähren. Man braucht die Verdienste, die sich die Sender in dieser Richtung erworben haben, nicht zu schmälern, darf aber behaupten, daß die gegenwärtigen deutschen Rundfunkorganisationen zu keinerlei durchschlagender Wirkung nach Mitteldeutschland hinein fähig sind. Eine Rundfunkstation, die sich als .Hessischer Rundfunk' oder .Bayerischer Rundfunk' ansagt, hat überdies kein Mandat, die Deutschen in der Sowjetzone anzureden, denn die Deutschen in Mecklenburg wollen nicht als Mecklenburger von den Bayern und die Deutschen in Sachsen nicht als Sachsen von den Hessen angeredet werden, sondern sie dürfen erwarten, daß Deutschland sie als Deutsche anspricht. Ihnen ist auch mit den verdienstlichen Sendungen des Rias (Rundfunk im amerikanischen Sektor von Berlin) nicht geholfen, denn sie wollen nicht nur .Die Stimme Amerikas' vernehmen, sondern die Stimme Deutschlands hören. Wir können unser Erstaunen und unsere Enttäuschung nicht verhehlen, daß das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen nach zehn Monaten seines Bestehens noch nichts Merkbares unternommen hat, um dem westdeutschen Rundfunk zu einer Auswirkung und Einwirkung nach Mitteldeutschland zu verhelfen.“
Grfolg des Schumanplans?
Der „Manchester Guardian“ bezeichnet am Sonnabend einen Erfolg des Schumanplans als recht wahrscheinlich. „Das oberste Verwaltungsorgan ist in keiner Weise so unabhängig geworden, wie es der französische Planungskommissar Monnet ursprünglich wollte. Jetzt wird sein Hauptzweck wahrscheinlich darin bestehen, Produktion und Investierungen der französischen, deutschen und holländischen Stahlindustrien im Rahmen der Politik der einzelnen Regierungen zu dirigieren. Die Abänderungen an dem ursprünglichen Plan sind durch die Auseinandersetzungen mit Großbritannien und durch die Notwendigkeit einer Wiederaufrüstung veranlaßt worden. In Straßburg hat sich gezeigt, daß die britische Ablehnung nicht auf Vorurteile oder Mißverständnisse, sondern auf eine andere Ausgangssituation zurückzuführen ist. Die Notwendigkeit ‘der Wiederaufrüstung hat alle Aussichten auf eine Ueberproduktion an Stahl beseitigt und eine allgemeine Produktionsregelung unnötig gemacht. Das oberste Verwaltungsorgan wird infolgedessen nur die bestehenden Verhältnisse zu bestätigen und möglicherweise Neuinvestierungen zu veranlassen haben. Auf jeden Fall wird der Erfolg des Schumanplans von den Föderationsbestrebungen in Europa neuen Antrieb geben, die im Europarat so offensichtlich Schiffbruch erlitten haben.“
Arnolds Trumpf
Die Zürcher „T a t“ widmet dem „Zweikampf Dr. Adenauer—Arnold" auf dem Hintergrund der schwierigen Koalitionsverhältnisse in Nordrhein-Westfalen einen Kommentar, der in der Feststellung gipfelt: „Heute hält der Düsseldorfer Ministerpräsident einen großen Trumpf in der Hand: Wenn er es auf eine Spaltung der CDU ankommen lassen will, kann er wahrscheinlich genügend Abgeordnete zu sich herüberziehen, um zusammen mit dem Zentrum und den Sozialdemokraten im größten und einflußreichsten deutschen Industrielande eine Linksregierung zu bilden, die sich auch in der Bundespolitik als ein gefährlicher Gegenspieler des heutigen Bonner Regimes erweisen könnte. Soweit ist es natürlich noch lange nicht, und Arnold ist kaum der Mann, um diesen Trumpf ohne äußerste Not auszuspielen. Die große Koalition ist bestimmt kein Allheilmittel gegen soziale Spannungen, aber ob die kleine Koalition des Bürgerblocks gerade heute eine geschickte Methode ist, um die Arbeiterschaft für die großen nationalen Aufgaben zu gewinnen, kann dann doch bezweifelt werden — auch gerade dann, wenn man »den Blick über Nordrhein-Westfalen, über Deutschlahd und sogar über Europa hinausrichtet.“
Keine Zusammenarbeit
Gewerkschaftsjugend und Nationale Front
el. Hamburg, 27. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Bundesjugendtag des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat mit großer Mehrheit jede Zusammenarbeit mit den Organisationen der kommunistischen „Nationalen Front“ abgelehnt. Willi Ginholdt (Düsseldorf) faßte das Ergebnis des Bundesjugendtages in den Worten zusammen: „Unsere Ideale sind der Einsatz für wirtschaftliche Gleichberechtigung, soziale Sicherheit, persönliche Freiheit und europäische Einheit. Wir sind zwar parteipolitisch neutral, aber politisch so wachsam, daß wir den Feinden der Gewerkschaftseinheit entgegentreten können.“
Darmfstadt und Umgebung
Feste
Rs. Unter den Festgründen und Feieranlässen haben ohne Zweifel die schmackhaften Dinge ihre ideelle Konkurrenz weit überholt. Kirchenpatrone und Jubiläen aller Art bieten längst nicht mehr eine so allseitig willkommene Gelegenheit zu jubelnder Fröhlichkeit wie zum Beispiel die Brezel, der Radi, der Backfisch, der Wein oder die Wurst, denen ganze Gedenkwochen gewidmet werden. Es mag vielleicht sein, daß die Freude des Wiedersehens mit diesen Kulinarien, derer zu gedenken so lange Zeit nur in wehmütigen Erinnerungsstunden möglich war, noch immer so stark nachwirkt, daß der Anblick einer Bratwurst oder einer Flasche Wein immer wieder eine Art kultischer Massenverzückung auszulösen vermag. Ein Zuckerfest wäre also eine große Chance für rührige Veranstalter von übermorgen. Die vielen Königinnen, die als Festgöttinnen gewählt zu werden pflegen, könnten dann um Veronika, die Süße, vermehrt werden. Vielleicht liegt aber auch die Wurzel des Vergnügens an solchen Veranstaltungen viel tiefer, und die These, daß es sich um verlängerte Wiedersehensfeiern handeln könne, geht völlig daneben. Es kann auch sein, daß wir in die Epoche der Feiern an sich eingetreten sind, der Feste um der Feste willen, wobei also dann der glorifizierte Radi nur ein Sinnbild dafür wäre, daß wir uns ohne Grund und Anlaß selber verherrlichen. Trifft das zu, daß es uns gelungen ist, die lästige Bindung an Grund und Anlaß zu überschäumender Freude abzuschütteln, also die absolute Autonomie des Vergnügtseins zu erringen, oder, populärer ausgedrückt, uns wegen nichts begeistern zu können, dann ist damit ein ganz bedeutender Fortschritt des sensus humanus erreicht worden. Wir feiern nicht mehr die Feste, wie sie fallen, sondern wo wir hinfallen, gibt es ein Fest.
Palastrevolution bei der Bundespost
Urabstimmung der Bundespostbediensteten zu Gehaltsfragen
Heute und morgen findet eine Urabstimmung der Beamten, Angestellten und Arbeiter bei der Deutschen Bundespost statt. Es handelt sich um die seitherigen Verhandlungsergebnisse zwischen den Postleuten und der Bundesregierung über den Wegfall der sechsprozentigen Gehaltskürzung der Brüningschen Notverordnung von 1930 und die geplante dreiprozentige Sonderbesteuerung der Bundesbeamten in Ausführung des Artikels 131 des Grundgesetzes. Dazu hatte die Deutsche Postgewerkschaft, Ortsverwaltung Darmstadt, am gestrigen Sonntagmorgen zu einer Versammlung im Concordiasaal eingeladen, zu der 250 Personen erschienen waren.
Oberinspektor i. R. Adam Schäfer, Darmstadt, erklärte, daß im Gegensatz zu den Beamten der Länder- und Kommunalverwaltungen für die Bediensteten der Bundespost die sechsprozentige Gehaltskürzung noch immer nicht beseitigt sei. Mit leeren Versprechungen habe man seither die Vertreter der Postgewerkschaft zu trösten versucht. Ferner sei es verfassungswidrig, einen Berufsstand — nämlich die Bundesbeamten — zugunsten der Kriegsverlängerer und Flüchtlinge einseitig mit einer dreiprozentigen Sondersteuer zu belasten. Man müsse jetzt zu anderen Mitteln greifen, auch wenn im letzten Augenblick ein Telegramm Adenauers die Urabstimmung für überflüssig erkläre und ihn zu Verhandlungen bereit zeige. Der Postverband spreche sich gegen das gewerkschaftliche Mittel Streik aus und weise auf das Dienst- und Treueverhältnis der Beamtenschaft hin, das einen Streik ausschließe. Treueverhältnis beruhe aber auf Gegenseitigkeit.
Herr Koch von der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste und Herr Mayer vom Kreisausschuß Darmstadt des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterstützten die Forderungen, erklärten sich solidarisch, wiesen darauf hin, daß alle sozialen Errungenschaften von der Gewerkschaft erkämpft seien und wandten sich scharf gegen Splitter-Berufsorganisationen, wie sie der Postverband darstelle, wobei Herr Mayer besonders bedauerte, daß 65 Prozent aller Arbeitnehmer nicht in der Gewerkschaft seien. Nach einem hinweisenden Wort von Herrn Schäfer sprach Herr S ch r a d e r vorh Deutschen Postverband und lehnte den Streik und damit die Bejahung der 2. Frage ab.
Eine vorgelesene Resolution, daß die Anwesenden die Beseitigung des ihnen seit 1930 zugefügten Unrechts verlangen, schärfstens gegen die Abstempelung der Postbediensteten als Staatsbürger zweiter Klasse protestieren, der Deutschen Postgewerkschaft für ihre seitherige Arbeit danken und alle Anweisungen der Postgewerkschaft zu befolgen versprechen, wurde gegen drei Stimmen angenommen.
In den hinweisenden Bemerkungen des Herrn Schäfer zu den Worten von Herrn Schrader vom Postverband hat sich — das darf nicht unerwähnt bleiben — Herr Schäfer sehr unsachlich und persönlich beleidigend verhalten. (Wir kommen an geeigneter Stelle darauf zurück. Anm. der Redaktion.) -DT-
Zur Frage der Urabstimmung bei der Post erhalten wir folgende Zuschrift:
„... Ganz richtig wird die Bprozentige Gehaltskürzung von ihr (der deutschen Postgewerkschaft) für untragbar gehalten. Auch die geplante 3prozentige Sonderbesteuerung der Beamten muß mit aller Schärfe zurückgewiesen werden, wenn die bis heute schon unvorstellbar hohe Verschuldung der Postbediensteten nicht zu einer Katastrophe führen soll. Diesen Standpunkt vertritt auch der Deutsche Postverband im Deutschen Beamtenbund.
Es gibt allerdings Grenzen des Protestes. Die 2. Frage die zur Abstimmung gestellt wird, lautet: „Seid Ihr gewillt, Euer Recht durch Anwendung gewerkschaftlicher Mittel zu erkämpfen?“ Zu dieser Frage muß der Deutsche Postverband klar und eindeutig ,Nein!‘ sagen. Die Anwendung gewerkschaftlicher Mittel schließt nämlich den Streik mit ein. Ein Streik der Berufsbeamten, die nach Artikel 33, Absatz 4 des Grundgesetzes in einem öffentlichrechtlichen Dienst- und Treue-Verhältnis stehen, ist undenkbar. Seine Folgen sind nicht zu übersehen. Es gibt daher nur eine Antwort auf die zweite Frage: .Nein!“'
Für den Deutschen Postverband H. G. Schrader
Die Urabstimmung der Postbedienste¬ ten wird für den Stadtbezirk Darmstadt am Montag und Dienstag in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr in der Torhalle des Postamtes in der Rheinstraße und im 2. Stock des Bahnpostamtes durchgeführt.
Ein Siebzigjähriger
Glückwunsch für Georg Bender
Buchdruckereibesitzer Georg Bender kann heute seinen 70. Geburtstag begehen. Seit 1913 leitet er das von seinem Vater am 20. November 1882 begründete Unternehmen. Aus kleinen Anfängen in der Nieder Straße hatte es sich seit seiner Uebersiedlung in das neue Haus Bessunger Straße 48 zu einem vielseitigen Betrieb entwickelt, der nicht zuletzt als Drucksätte für in Hessen weitverbreitete Fachzeitschriften, u. a. die „Hessische Gaststätte“ bekanntgeworden ist. Auch das „Evangelische Darmstadt“ ist bei Bender gedruckt wordeii. Wie der Begründer der Firma ist auch sein Sohn Georg eng mit Alt-Bessungen verbunden, als Bessunger Turner, Förderer der Odenwaldklubs und nicht zuletzt durch seine Betätigung im kirchlichen Leben. So gehört er dem Kirchenvorstand der Petrusgemeinde an und ilt Mitglied der Dekanatssynoden. Durch zwei Kriögszeiten hat Georg Bender seinen Betrieb trotz aller Schwierigkeiten hindurchgeführt. Seiner Rüstigkeit und Tatkraft ist es auch zuzuschreiben, daß das durch den Angriff zerstörte Geschäftsgebäude in der Bessunger Straße in seinem ersten Bauabschnitt wieder hergestellt ist. Setzerei, Druckerei, Büroabteilung und die von jeher mit dem Unternehmen verbunden gewesene Schreibwarenhandlung haben so wieder ihre Unterkunft gefunden.
Volksschulfest in Eberstadt
wird vorbereitet
Am 16. September wird die Eberstädter Volksschule ihr Schulfest feiern, zu dem bereits intensive Vorbereitungen begonnen haben. Am Samstagmorgen wird ein Sport-Wettkampf stattfinden in Ballweitwurf, Weitsprung und Lauf. In dem bunten Festzug am Nachmittag wird jede Klasse entweder ein Märchen darstellen, eine Sportgruppe bilden oder für den Jugendherbergsgedanken werben. Auf dem Festplatz werden Tanzreigen, Turnspiele, Staffellauf und Gesang den Höhepunkt des Festes bilden. x/t-s
Die Kirchtannensiedlung
wird ausgebaut
Die Kirchtannensiedlung in Eberstadt soll in den nächsten Jahren einen weiteren Ausbau erfahren. In der Nähe der Straße am Eichen und des Eschollkopfes ist ein großer Kinderspielplatz im Entstehen, den die Volksschüler Eberstadts planieren. Hinter dem Krankenhaus soll eine Grünanlage entstehen. Ferner liegen Pläne zum Bau einer Pavillonschule und einer katholischen Kirche in jenem Stadtteil vor. x/t-s.
Neue Lehrpläne für Berufsschnleu
r» e J J F»<*t»«ungen trafen sich am Samstag in Darmstadt die Berufsschulleiter für das Elektrogewerbe der Berufsschulen im Regierungsbezirk Darmstadt zu einer Tagung über die Lehrplanberatung.
Vor einiger Zeit wurden diese Facharbeitsgemeinschaften ins Leben gerufen, um einheitliche Lehrpläne für alle Berufsschulen zu schaffen. Da die Unterrichtsbedingungen der städtischen Berufsschulen mit denen der Kreisberufsschulen nicht zu vergleichen sind, wird die Aufstellung von Mindestrichtlinien gefordert, die jeweils von den Unterrichtenden nach den örtlichen Voraussetzungen variiert werden können. Es wird ferner erforderlich sein, den Lehrplan nach einhalbjährigen Gesichtspunkten aufzustellen, um so eine größere Angleichung zu erzielen. Von den acht wöchentlichen Unterrichtsstunden dienen drei der allgemeinen Bildung, während für die restlichen eine Einheit zwischen Fachkunde, Fachzeichnen und Fachrechnen zu schaffen sei. Es könne nicht darum gehen, den Lehrplan nach wissenchaftlicher Systematik aufzugliedern. Insbesondere stand die Frage des Lehrplans der Unterschule im Mittelpunkt der Aussprache. Dabei müsse von dem Berufsbild des Lehrlings ausgegangen werden. Die Anwendung des Grundlehrplans des Metallgewerbes für die Lehrlinge des Elektrogewerbes sei im allgemeinen abzulehnen und nur dort anwendbar, wo an den Berufsschulen reine Fachklassen bestünden. Im Eelektrofach gehe es in der Hauptsache darum, daß die Unterstufe durch Experimente in den Besitz der notwendigen Berufsunterlagen komme.
Ein weiterer Punkt war die Frage der Lehrmittelbeschaffung, die bei den meisten Schulen sehr zu wünschen übrig läßt. Hier kann aber durch entsprechende Initiative der Lehrerschaft, ebenso wie die der Schüler, manches getan werden. Berufsschulen sind die Schulen der Wirtschaft, die durch gründliche Ausbildung des Handwerks mit dazu beitragen, die wirtschaftliche Produktionskraft Deutschlands zu heben und zu vervollkommnen. Und so dient die Einführung der amtlichen Fachtagungen für die Berufs- und Berufsfachschulen im Regierungsbezirk Darmstadt in erster Linie dem großen Ziel, durch eine Erneuerung der Unterrichtspläne die dafür erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen. Li
In der Stadt notiert
Zur Durchführung der Volkszählung um den 13. September wurden für das Stadtgebiet Darmstadt 1600 ehrenamtliche Helfer gewonnen, wie wir bereits mitteilten. Da die Ausfüllung der umfangreichen Fragebogen einer vorhergehenden Unterrichtung der Helfer bedarf, beginnt das Statistische Amt der Stadt Darmstadt damit am morgigen Dienstagnachmittag um 15 Uhr im Auditorium bei der Diesterwegschule.
Für die Fahrt der Volkshochschule nach Paris vom 18. bis 24. September werden noch Meldungen in kleinerer Anzahl in der Geschäftsstelle der Volkshochschule angenommen.
Eine Protestversammlung der DAG (Deutsche Angestellten-Gewerkschaft — Fachgruppe Einzelhandel) zur Einführung des freien Samstagnachmittags findet am morgigen Dienstag um 18.30 Uhr im Hotel Knauf (Bleichstraße) statt. Es spricht Frau Agnes Arndt, Hamburg.
Von einer ET-Taxe umgefahren wurde in der Heidelbergei' Straße in der Nacht vom Samstag zum Sonntag der 48jährige Gustav Gia mp. Er stürzte zu Boden und erlitt eine Gehirnerschütterung. 1
Mainzer Weinmarkt
In Anwesenheit des Gouverneurs Chauchoy, des Regierungspräsidenten Dr. Rückert, des Rektors der Mainzer Universität sowie des Mainzer Oberbürgermeisters wurde am Samstagnachmittag der diesjährige traditionelle Mainzer Weinmarkt eröffnet.
Der Mainzer Weinmarkt bewegt sich schon lange außerhalb des Rahmens eines Mainzer Festes, denn jährlich strömen Tausende aus nah und fern zu dem Tummelplatz frohgestimmter Menschen. Sein besonderes Gepräge erhält er in diesem Jahre dadurch, daß zur gleichen Zeit die Stadt Mainz den Deutschen Bauerntag in seinen Mauern beherbergt.
Bei allen Ansprachen und Begrüßungsworten wurde immer wieder die Existenzberechtigung dieses bedeutenden Volksfestes betont, das stets die enge Verbundenheit von Stadt und Land dokumentiert.
Alles in allem gesehen, stellt der Mainzer Weinmarkt eine sinnvolle Synthese vom Ernst der harten Winzerarbeit und dem unerschöpflichen Frohsinn des Weingenusses dar. W. W.
Die Redaktion bedauert, durch eine unrichtige Information veranlaßt, in der Nummer 44 — vom 21. August — in dem Artikel „Hauspolitik“ dem 2. Vorsitzenden des Sportvereins 98, Herrn Polizeipräsident Reibold, den Vorwurf einer einseitigen Begünstigung gemacht zu ha. ben.
Die Kalorien im Wein tun es nicht allein
Fleischerverband droht mit Käuferstreik
Von dem Obermeister der Fleischerinnung in Darmstadt, Constantin Mess, ging uns ein Schreiben zu, in dem zu den Preiserhöhungen, insbesondere für Schweinefleisch, Stellung genommen wird und das wir nachstehend unwesentlichen Kürzungen veröffentlichen. Die Redaktion
„Ueber die Fleischpreise, insbesondere die Schweinefleischpreise, ist in den letzten Wochen viel gesprochen und geschrieben worden. Auf Grund einiger Zeitungsmeldungen sehe ich mich veranlaßt, zu diesem Thema folgendes auszuführen:
Der Deutsche Fleischerverband hat von der Landwirtschaft und dem Viehhandel verlangt, die Preise auf den Junistand zurückzuführen, andernfalls er seine Mitgliedsbetriebe zu einem Käuferstreik aufruft. Der Lebendgewichtspreis für Schweine war im Juni d. J. um 1,10 DM pro Vj kg. Dieser Preis wurde von der Landwirtschaft (der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schweinezüchter) als ausreichend anerkannt. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schweinezüchter hat die Erzeugungskosten für Schlachtschweine errechnet und bei der Berechnung ein 100-kg-Schwein zugrundegelegt. Sie ist auf einen Gestehungspreis von 1,06 DM pro Vs kg Lebendgewicht gekommen. Wenn man aber bedenkt, daß nicht das 100- kg-Schwein normalerweise abgesetzt wird, sondern das 125-kg-Schwein, dann ermäßigt sich der Gestehungspreis auf 1 DM pro Vs kg Lebendgewicht.
Saisonbedingt ist, daß in den Monaten Juli, September eine kleine Preissteigerung eintritt. Wenn man die Auftriebszahlen der westdeutschen Märkte verfolgt, konnte man feststellen, daß keine wesentliche Verknappung eintrat und eine Preiserhöhung auf 1,20 DM pro Vs kg Lebendgewicht wäre vielleicht noch zu vertreten gewesen. Das Fleischerhandwerk hat geglaubt, daß die Landwirtschaft und der Viehhandel soviel Einsicht hätten, die Preise auf eine tragbare Basis zurückzuführen, um den Bedürfnissen der Verbraucher gerecht zu werden. Aus diesem Grunde ist das Fleischerhandwerk nur sehr zögernd mit den Fleischpreisen gefolgt. Es wurde von den Behörden festgestellt, daß die Fleischpreise nur um 3—B Prozent erhöht wurden, obwohl eine Steigerung der Schweinepreise um 30 Prozent ermittelt wurde. Auf Grund der Lebendgewichtspreise von 1,40 DM müßte das Schweinefleisch nach einer ordnungsgemäßen Kalkulation, die von den Preisüberwachungsbehörden genehmigt ist, Vs kg 2,55 DM, Kotelett 2,72 DM kosten. Auf die Dauer ist es dem Fleischerhandwerk unmöglich, diese Preisdifferenz zu tragen und jeder Verbraucher kann sich selbst ausrechnen, wann die gesamte Preiserhöhung eintreten muß. Der Deutsche Fleischervevband appelliert an die Landwirtschaft, die Preise auf ein tragbares Maß zurückzuführen und ist fest entschlossen, zu einem Käuferstreik aufzurufen.“
Protest ehem. Bernfssoldaten
In einer Versammlung des Kreisverbandes Darmstadt-Stadt der „Notgemeinschaft ehemaliger Wehrmachtsangehöriger und deren Hinterbliebenen“ im Speisesaal der Stadtküche am Samstag wurde Oberstleutnant a. D. Bruch als 1. Vorsitzender des Kreisverbandes bestätigt.
In seinen, von den Anwesenden mit großer Zustimmung aufgenommenen Ausführungen betonte der 1. Vorsitzende des Bezirksverbandes Darmstadt, Oberstveterinär a. D. Dr. Bruhnke, daß der neue Entwurf für das Wehrmachtsversorgungsgesetz ohne Sinn für Gerechtigkeit und ohne Mitarbeit von Sachverständigen der Wehrmacht geschaffen worden sei. Der Gesetzesentwurf habe den Protest aller ehemaligen Wehrmachtsangehörigen hervorgerufen. Sollte wider Erwarten der Entwurf für das Wehrmachtsversorgungsgesetz im Bundestag angenommen werden, so bestünde die große Gefahr, daß noch mehr ehemalige jüngere Wehrmachtsangehörige in die Ostzone wechseln würden, was bisher noch in vielen Fällen durch den Einfluß älterer Berufssoldaten habe verhindert werden können. t-s.
Langsam zieht ein Lächeln über die Stadt
Es ist gut, wenn man sich selbst revidieren kann
Da stand vorgestern plötzlich ein blondes Mädchen in der Redaktion, hielt uns ein Buch hin und sagte, sie sei gerade nach Darmstadt gekommen und wollte mal bei uns hereinschauen. Als wir uns dann mit ihr unterhielten, hörten wir, daß sie Margarita M o e r s c h heiße, in Montevideo geboren sei, seit 1939 in Deutschland bei Verwandten lebe, um Deutsch zu lernen und Journalistin zu werden. Und nun, bevor sie zu ihrem Vater nach Chile zurückkehre, wolle sie sich Deutschland zu Fuß anschauen. Bis jetzt habe sie schon 2500 km zurückgelegt und dann gäbe es ein Buch über ihre Erlebnisse an der Landstraße in Deutschland. Per „Anhalter“ mit Autos zu fahren sei ihr gestattet, nur die Eisenbahnfahrt sei nicht erlaubt, denn sie habe kein Geld, außer dem, was sie von Redaktion zu Redaktion sich mit kleinen Erlebnisberichten an Honorar verdiene. Das sei die einzig erlaubte Einnahmequelle. Was sie da so bei ihrem zweiten Darmstädter Besuch — sie war schon einmal vor drei Monaten hier — erlebte, erzählt sie hier selbst.
Mit Bestimmtheit kann ich nicht sagen, warum ich Darmstadt entgegen meinen sonstigen Wandergepflogenheiten zum zweiten Male anpeilte, aber es zog mich einfach nach Darmstadt, und man soll, wenn es irgend geht, seinen Gefühlen kein Zaumzeug anlegen. Heute bin ich froh, daß ich ihnen gefolgt bin, wenngleich mein Einzug zu einer großen Blamage für mich wurde. Das kam so:
Von Arheilgen kommend hatte ich den Wunsch, in Darmstadt an einem bestimmten Platz zu landen. Einige Männer und zwei Frauen stehen an der niederen Mauer eines wunderschönen Parkes. Ich steuere darauf zu und frage: „Wie komme ich zum langen Josef?“ Ein mörderisches Gelächter schlägt über meinem Haupte zusammen und schließlich, nachdem man sich genügend über mich lustig gemacht hat, wird mir die Aufklärung: Diese hohe Säule ziere nicht der lange Josef, sondern der lange Ludwig. Und darüber müsse jeder Darmstädter lachen, ich solle das nicht so krumm nehmen. Ich lache mit. So ist es auch etwas Schönes um die Liebe zur Heimat, die des Glaubens ist, auch der Fremde müsse Bescheid wissen. Ein Stück des Weges begleiten mich zwei Männer, und ich hüte mich natürlich zu sagen, daß ich Journalistin bin. Bis ich an die hohe Säule komme, kenne ich so ziemlich alle Skandalgeschichten aus der Zeit des letzten Großherzogs. Auch was wert. Vielen Dank den Darmstädtern!
Was ich in Darmstadt sehe, macht mein Herz froh. Ueberall rege Bautätigkeit. Ja, ich erinnere mich, daß vor einem Vierteljahr neben der Ludwigssäule eine tiefe Baugrube war. Heute steht ein hohes Haus unter Dach. Das nenne ich Tempo. Auch der Schutt ist zu einem großen Teil vor der Arbeitslust und dem Aufbauwillen Darmstadts um ein Beträchtliches zurückgewichen. Wer nun so viele zerbombte Städte gesehen hat wie ich, der nur kann sich wirklich freuen, denn Trümmer über Trümmer werden zu einem Paradoxon, sie scheinen über dem Haupt des Sehenden zusammenzubrechen. Sie lasten auf uns.
Schon bei meinem ersten Besuch wußte ich, daß ich Darmstadt nicht vergessen werde. Mein jetziger Aufenthalt bestätigt es mir. Wieder finde ich übrigens Aufnahme im Elisabethen-Stift. Auch hier eine erstaunliche Wendung, oder aber ich bin reicher an Erfahrung. Die Aufnahme ist überaus freundlich, und da man mir meine Abgespanntheit ansieht, werde ich als „abgekämpfter Mensch" (nicht als Journalistin bitte!) besonders betreut, erhalte einen Raum mit weißbe-
zogenm Bett, fließend kaltem und warmem Wasser, weil, wie mir die betreuende Schwester sagt, sie etwas für mich tun will, in Anbetracht meines durch Strapazen heruntergekommenen Körpers. Ich bin dankbar und alles tut mir wohl. Besonders aber die Unterhaltung mit der Schwester. Ich lerne- aufs neue verstehen, wieviel Herz und Nerven diese gütige Frau aufbringen muß, um den schutzsuchenden Armen gerecht zu werden. Vier Jahre ist sie in diesem Dienst, hat ihren Urlaub geopfert und vor wenigen Tagen ihren fünfzigtausendsten Uebernachtungsgast betreut. Das ist ein Stück Leben, wenn man dabei bedenkt, wie oft diese Frau beschwindelt, betrogen, ja bestohlen wurde. Und immer läßt sie das Herz sprechen. „Wenn ich auch“, wie sie sagt, „Feldwebel“ sein muß, so geht immer wieder mein Herz durch, verzeiht und hilft. Dies aber ist kein Kunststück, wenn man die Not der Armen so kennt wie ich; und ich weiß, die Güte muß doch siegen“.
Es ist nur schade, wie sie mir weiter erklärt, daß die 60 bereitstehenden Betten im Luftschutzbunker am Hauptbahnhof noch nicht benutzt werden können, weil die richtigen Herbergseltern von der Stadtverwaltung bis jetzt nicht gefunden sind; demzufolge aus dem Elisabethen-Stift so mancher müde Wanderer wieder auf die Straße geschickt werden muß, weil das Stift belegt ist. Aber auch das wird hoffentlich bald geregelt sein, denn niemand weiß besser als ich, wieviel Not sich allnächtlich zusammendrängt. Menschen, die zumeist schuldlos an ihrem Unglück sind, nächtigen hier und sind froh über die Betreuung.
Das ist Darmstadt für mich. Ein verändertes Gesicht in wenigen Monaten. Langsam zieht Lächeln über die Stadt, die heute im strahlenden Sonnenschein liegt und die ich bestimmt nicht vergessen kann.
Unbeständig
DT-Wetterbericht
Uebersicht: Eine neue atlantische Störung hat auf das Festland übergegriffen und setzt in Verbindung mit Meeresluft die unbeständige Witterung noch fort. Vorhersage: Am Montag örtliche Frühnebel, wechselnde Bewölkung und einzelne zum Teil gewittrige Regenfälle, schwül. Tagestemperaturen bei 25 Grad. Südliche bis südwestliche Winde. Weitere Aussichten: Auch am Dienstag unbeständig und nur mäßig warm.
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“; täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Amerikahaus: 20.00 Uhr, Klavierabend Klaus Billing, Berlin.
Concordia-Saal: 20.00 Uhr, Curt Pa bst: Die Agfa-Color-Fotografle. Karten bei allen Darmstädter Fotografen.
Wir gratulieren
Diamantene Hochzeit: Herrn Johann Peter Hartmann und Frau Katharina geb. Trautmann, Rohrbach i. O.
Diamantene Hochzeit: Herrn Adam Uhrig und Frau Ch ' ine geb Breunig. Breitenbrunn, Ortsstraße 16.
Goldene Hochzeit: Herm Hans Zimmer und Frau Elisabeth geb. Doebner, Darmstadt, Frankfurter Straße 11.
70. Geburtstag: Herrn Georg Bender, Buchdruckereibesitzer, Darmstadt, Bessunger Straße 47.
Starkenburg
Bullenreiter und Todesfahrer
Zum 75. Male Biebesheimer Zuchtviehmarkt
Zum zweiten Male nach dem Kriege wurde am Samstag der traditionelle Biebesheimer Zuchtviehmarkt, der in diesem Jahre gleichzeitig auf sein 75jähriges Bestehen zurücksehen kann, durch Bürgermeister Sudheimer eröffnet.
Bereits in den frühen Morgenstunden fanden sich zahlreiche Besucher ein, um dem Auftrieb der rund 200 Tiere beizuwohnen. Unter dem Vorsitz von Zuchtviehdirektor Seeger, Darmstadt, entschied das Preisgericht über die besten Zuchttiere des Marktes. In der Klasse Bullen unter 3 Jahren wurde dem Stationsbullen der Gemeinde Goddelau der erste Preis zuerkannt, der Bulle Burg-
meister der Gemeinde Biebesheim erhielt den 1. Preis für die Klasse der dreijährigen Tiere. Bei der Bewertung von Leistungskühen (10 Jahre und älter) erwarb sich das Tier des Biebesheimer Züchters Molter den 1. Preis. Landwirt H. Schäfer 3., Wolfskehlen, erzielte mit seiner Kuh in der Klasse bis zu 5 Jahren den besten Erfolg. Einen ersten Preis für Kuhfamilien, Mutter mit 2 Töchtern, erhielt Zuchtviehhalter W. Wagner aus Biebesheim, den zweiten Platz errang ebenfalls ein Biebesheimer Landwirt. Die
Ortsfachgruppe Crumstadt konnte in der Klasse Große Sammlungen einen 1. Preis erringen.
Unter den insgesamt 11 deutschen Edelziegen der Klasse 1, die zum Auftrieb gelangten, befanden sich einige ausgezeichnete Exemplare. Bei der Bewertung wurde dem Biebesheimer K. Hofmann der 1. Preis zuerkannt. In der Klasse ", dreijährige Ziegen, war der ebenfalls in Biebesheim beheimatete Leuthäuser mit seinem Tier erfolgreich; den 1. Preis für einjährige Tiere der Klasse 4 errang die Ziege „Hilla“, Besitzer J. W. Hammann, Wolfskehlen. Der Ziegenzuchtverein Büttelborn hatte einen guten Erfolg für seine aus einem Bock und fünf Ziegen bestehende Sammlung zu verzeichnen.
Im Preismelken der besten Melker am lebendigen Objekt zeichnete sich Maria Brummer, Hetzbach i. 0., mit 100 Punkten aus. Zweiter wurde Ludwig Gr edel, Airlenbach. Das Preismelken fern Gummieuter gewann Otto Schaufer, Guntersblum.
Als lustige Einlage wurde nachmittags ein Schaureiten mit Bullen veranstaltet. Auf richtigen Reitsätteln schaukelten die Toreros auf den trotz der vielen Zuschauer etwas mißmutig dreinschauenden Ochsen rund um die Arena. Waghalsige Reiterkunststücke, allerdings auf dem breiten Buckel der stehenden Tiere, gelangen nur .teilweise, trotzem war die ganze Sadie erheiternd — und wohl erträglicher als die Stierkämpfe im südlichen Spanien. Infolge der großen Hitze erfreute sich das Bierzelt zahlreichen Zuspruchs. Nicht weniger Besucher fühlten sich zu den Rennen an der Todeswand hingezogen, um dort eine teilweise Entschädigung für das Bullenreiten zu finden.
Als besondere „Attraktion" wurde erstmalig beim Viehmarkt das Bullenreiten gezeigt. Fotos (3): Schuch
Zur Beseitigung von Unklarheiten
Am Mittwochmorgen treffen sich die Bürgermeister des Kreises Groß-Gerau oder ihre jeweiligen Sachbearbeiter für die Volkszählung um 9 Uhr im Sitzungssaal desGerauer Landratsamtes. Ein Fachmann der Kreisverwaltung wird den Versammelten Aufklärung über eventuelle Unklarheiten geben, die noch hinsichtlich der Durchführung der Volkszählung bestehen. (cg)
sachter Keilig, mebesneim mit seiner stattlichen Kunfamilie, die mit einem la-Preis ausgezeichnet wurde.
„Ceistungen nur aus Freiwilligkeit“
60jähriges Jubiläum der Firma Nold, Stockstadt
Belegschaft und Betriebsführung der Firma Nold und Co„ Stockstadt, feierten am Samstag das 60jährige Bestehen ihres Betriebes. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich Regierungsdirektor Ahl, Darmstadt, Direktor Hesse von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, Landrat Harth sowie die Vertreter der Gewerkschaft und der Handwerkskammer.
Mit einem Choral des Männergesangvereins Stockstadt wurde die Feierstunde auf dem festlich geschmückten Hofe des Unternehmens eingeleitet. Betriebsführer Hans Nold begrüßte die Anwesenden und hielt eine Rückschau auf die Entwicklung der Jubelfirma bis zu ihrem heutigen Stand, wobei er die Leistungen seines im Jahre 1939 verstorbenen Vaters, den Begründer des Unternehmens, Jean Bechtolds, des engsten Mitarbeiters seines Vaters und eines Onkels, in dessen Hände Jakob Friedrich Nold die kaufmännische Leitung der Firma gelegt hatte, würdigte.
null'-) In seinen weiteren Ausführungen, die sich besonders mit dem Werdegang des Werkes beschäftigten, unterstrich Hans Nold die allzeit gute und herzliche Zusammenarbeit zwischen Belegschaft und Betriebsführung. „Alles wäre nicht mögli chgewesen“, so betonte er, „wenn wir uns nicht auf die Treue unserer Arbeiter hätten verlassen können!“ Trotz vielerlei Schwierigkeiten, besonders durch die beiden Weltkriege und deren Nachwirkungen, habe der Betrieb eine ständige Aufwärtsentwicklung verzeichnen können.
Nicht nur in der Produktion, sondern auch in sozialer Hinsicht sei die Firma J. F. Nold beispielhaft, erklärte der Betriebsführer und führte in diesem Zusammenhang aus, daß jeder Betriebsangehörige, der dem Unternehmen 25 Jahre angehöre, in das Angestelltenverhältnis übernommen wird. — Wie wir später noch von Herrn Nold erfuhren, wurde die Pensionskasse anläßlich der Jubiläumsfeier mit einem namhaften Betrag bedacht.
Landrat Harth wünschte sich in seiner Ansprache noch mehrere solcher Betriebe in seinem Kreisgebiet, da dadurch vielen Menschen, die gegenwärtig noch in bitterster Not lebten, geholfen werden könne. Die Benennung einer Straße in Stockstadt mit dem Namen Jakob Friedrich Nold, als besondere Ehrung des Gründers der Fabrik, gab der Bürgermeister von Stockstadt, Streit, bekannt.
Ausgehend von der Aufgabe des modernen Unternehmers die darin bestehe, nicht eine Erhöhung der Preise, sondern
deren Stabilität zu erreichen, beschäftigte sich Direktor Hesse von der Industrie- und Handelskammer mit der augenblicklich stark diskutierten Preisfrage und bezeichnete es als falsche Auffassung, wenn hin und wieder angenommen würde, dem Unternehmer käme es nur darauf an, möglichst hohe Preise zu erzielen. Zum Mitbestimmungsrecht sagte Hesse, daß die größere Leistung nur aus der Freiwilligkeit, nie aber aus dem Zwang heraus vollbracht werden würde. Er vertrat weiterhin die Meinung in diesen Fragen weniger dogmatisch als natürlich zu denken.
Der Vertreter der Gewerkschaft Metall erklärte in seiner Ansprache, daß der Name Nold in der Gewerkschaft einen guten Klang habe. 60 Jahre Nold, so sagte er, seien gleichzeitig 60 Jahre Gewerkschaftsentwicklung.
Viele Ehrengaben, darunter eine auf Pergament geschriebene Widmung der Gemeinde Stockstadt, sowie ein Meer von Blumen waren die äußeren Zeichen der Anerkennung für die Leistungen des Unternehmens, dessen Namen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist. Mit den Worten „Auf zum 75.“, beschloß Betriebsführer Hans Nold die Feierstunde, bei der außer seinen ebenfalls zur Betriebsleitung zählenden beiden Brüdern auch die Gattin des verstorbenen Gründers anwesend war. Am Abend des gleichen Tages versammelten sich die Belegschaftsmitglieder mit ihren Familien zu einem fröhlichen Zusammensein bei Tanz und Musik. kr.
Es muß was Wunderbares sein..
... wenn man eine richtige Bühne hat und nicht in solch engen Verhältnissen arbeiten muß, wie Franzl Späth am Freitagabend mit seinem „Weißen Rößl“ im „Bensheimer Hof“ in Bensheim. Trotzdem kam aber bald die richtige Stimmung auf, und die Münchner Lustspiel-Bühne hatte viel Beifall. Soweit es bei der kleinen Bühne möglich war, zeigte jeder einzelne Darsteller eine gute Leistung, die Schuhplattlergruppe tat das übrige, und es wurde echt und kräftig gejodelt.
Mißtrauen gegen Bürgermeister Hartmann
Groß-Umstädter SPD-Fraktion droht mit Antrag auf Amtsenthebung
Infolge der Spannung, die in letzter Zeit zwischen der SPD Groß-Umstadt, der SPD-Stadtratsfraktion, dem Beigeordneten Wedel (SPD) einerseits und dem der gleichen Partei angehörenden Bürgermeister Hartmann offen zutage getreten ist, kam der Gemeinderatssitzung am Freitag eine besondere Bedeutung zu, zumal die Fraktionen der CDU und der FDP zu diesen jüngsten gemeindepolitischen Vorgängen eine Erklärung veröffentlichten, die wir in unserer Ausgabe vom 23. August auszugsweise Wiedergaben.
Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas Beigeordneter Wedel eine Entschließung, die die Unterschrift aller SPD-Stadträte trägt, und die „die fortgesetzten Verstöße des Bürgermeisters Hartmann gegen Gemeinderatsbeschlüsse und sonstige gesetzliche Bestimmungen“ zum Gegenstand hat, weshalb auch die SPD-Fraktion an zwei Sitzungen nicht teilgenommen habe. Die Fraktion, so heißt es weiter, könne deshalb nicht umhin, dem Bürgermeister ihr Mißtrauen auszusprechen. Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit mit ihm sei eine ausdrückliche Erklärung des Bürgermeisters, daß er zukünftig keine Einstellungen und Entlassungen von Personen selbsttätig vornehme, sondern solche Entscheidungen dem Gemeinderat übertrage und grundsätzlich die Auffassung des Betriebsrates und der Personalkommission höre. Ferner sollten in Zukunft auf Grund eines alten Gemeinderatsbeschlusses alle öffentlichen Arbeiten und sonstigen Aufträge, die den Betrag von 300 DM im Einzelfall überschreiten, grundsätzlich vor Auftragserteilung vom Gemeinderat genehmigt werden. Die SPD-Fraktion erklärt abschließend, daß sie weiterhin keine Verfehlungen des Bürgermeisters mehr dulde und gegebenenfalls Amtsenthebung beantragen werde.
Zu diesen Punkten erklärte Bürgermeister Hartmann, kein Gemeinderat im ganzen Bundesgebiet könne die Artikel und Paragraphen der hessischen Gemeindeordnung von sich aus aufheben. Der § 37 der GO besage, daß „der Bürgermeister einstellt und entläßt“. Der Bürgermeister könne sich zwar mit dem Gemeinderat in Verbindung setzen, bestimmen könne der Gemeinderat jedoch nicht. Der Gemeinderat könne die Rechte des Bürgermeisters nicht beschneiden. Bürgermeister Hartmann stellte daraufhin den Antrag, den Beschluß des Gemeinderats vom 20. April, die Stelle des Hausmeisters im Krankenhaus — um die die Differenzen entstanden (D. Red.) — vorläufig nicht zu besetzen, aufzuheben. Beigeordneter Wedel machte darauf aufmerksam, daß nach der Geschäftsordnung zur Aufhebung eines einmal vom Gemeinderat gefaßten Beschlusses sechs Unterschriften von Gemeinderatsmitgliedem notwendig seien.
Im Zusammenhang mit der Verwendung der für das Krankenhaus bereitgestellten 30 000 DM wurde Bürgermeister Hartmann der Vorwurf gemacht, diesen Betrag und darüber hinaus weitere Gelder ohne Genehmigung des Gemeinderats ausgegeben zu haben, die ihm allerdings nachträglich erteilt worden sei. Die SPD verlangte, daß die Ausgabe von Beträgen über 300 DM unter allen Umständen vom Gemeinderat genehmigt werden müsse. Dabei warf Gemeinderat Bohland, der Fraktionsführer der SPD, dem Bürgermeister vor, er habe zu selbständig gehandelt.
Ueber die strittigen Punkte gab es im Laufe der Sitzung eine längere Debatte, die aber zum allergrößten Teil auf Auseinandersetzungen zwischen der SPD und dem Bürgermeister beschränkt blieb, jedoch zu keiner endgültigen Entscheidung über den Antrag des Bürgermeisters führte.
Die im übrigen recht umfangreiche Tagesordnung wurde ohne größere Aussprache oder Debatte erledigt. (RG)
Maria Brunner, Hetzbach/Odw., die beste Melkerin Starkenburgs, siegte selbstverständlich auch beim Preismelken in Biebesheim.
Platzkarten zur Gemeinderatssitzung
Die Sorgen der Zwingenberger lassen nicht nach
Nachdem die ursprünglich für Samstag anberaumte öffentliche Stadtratssitzung in Zwingenberg im letzten Augenblick abgesagt wurde, beriefen einige Zwingenberger Bürger für heute abend, 20 Uhr, eine Bürgerversammlung im „Adlersaal“ ein. Die nächste öffentliche Stadtratssitzung soll dann am Dienstag, um 20.30 Uhr, im Rathaus stattflnden. Im Mittelpunkt der Debatten wird wieder einmal die Bürgermeisterfrage stehen. Platzkarten für Zuhörer sind auf der Bürgermeisterei erhältlich. Es werden nur Inhaber einer Platzkarte zu dieser Sitzung zugelassen. (HB)
Den Geschädigten des Großbrandes in der Hintergasse von Königstädten hat der Gemeinderat die Gemeindesteuern und -Abgaben für ein Steuerjahr als Beihilfe erlassen. Kb.
Blick über den Rhein:
...man feierte gerade Backfischfest
VON UNSEREM ng- MITARBEITEREs gibt wohl wenig Städte in Deutschland, bei deren heutigem Besuch nicht die Heldenträume der Knabenzeit vor Straßenbahn und Friseurläden kapitulieren müßten. Die Furcht des Besuchers vor der Erkenntnis banaler Wichtigkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts einerseits, der den Rosengarten, Hagen von Tron je meint, und doch vielleicht falsch parkend, aufgeschrieben werden könnte, — und anderseits diese dichte historische Folge, sichtbar dargestellt und von der Vorstellung bewegt, nicht alles in den kurzen Stunden und Tagen bewältigen zu können, macht die Vorfreude ein wenig unruhig.
An der zerstörten Nibelungenbrücke vorbeifahrend, und weiter nördlich in die Hafenstraße einbiegend, setzt man die genannte und nicht mehr passierbare Brücke sowie die Straßenbezeichnung des „Thälmannringes“ gleicherweise auf Wirrnisse und deren Folgerungen des Jahres 1945.
Vor uns liegt die Liebfrauenkirche, der einzige große, noch erhaltene gotische Kirchenbau mit seinen alten Madonnenbildern inmitten der Weingärten der berühmten „Liebfrauenmilch“. Feierlich und groß steht der gewaltige alte Dom, tausendjährige Kirchen und alte Mauern mitten der neuen Stadt.
Nur die Berühmtheit (auch hier) des ’ackflschfestes veranlaßt Abschied vom Geschichtlichen: dem Erinnern an die Burgunder Erhebung, die Residenz Karls des Großen, der Fürstentage und des Konkordates. Hier am Kreuzungspunkt großer europäischer Fernstraßen häuften sich die schicksalsvollen Entscheidungen
der mittelalterlichen Geschichte. Viele heroische Lieder singen um Worms, die alte Königsstadt. Heldische Gestalten schreiten durch die Straßen und sind Mythos auch im hellen Sonnenschein der letzten Augusttage.
Die Warenmesse im Carmeliter-Gymnasium muß viel an Güte zeigen können; den Seufzer mit dem Blick zum unweit davon gelegenen Lutherdenkmal — das den Besucher der Ausstellung ablenken könnte — werden die Kaufleute nicht zu tun brauchen. Die Lederfabriken, in den 70er Jahren schon groß geworden, viel Gewerbefleiß, gute Geschäftsstraßen und kulturelle Regsamkeit der Jetztzeit ruhten nicht auf althergebrachtem Ruhm.
So sind in den drei Stockwerken alle Sparten und Gruppen kaufmännischer und gewerblicher Erzeugnisse zu sehen. Das Branchenverzeichnis im gut übersichtlichen Werbeheft: „Industrie und Handel im Weinland Wonnegau“, nennt 63 ausstellende Geschäfte und Firmen. Die technische Ausführung und Oberleitung hat Dipl.-Ing. Liselotte Blank und Heiner Sachs.
Am Eingang überraschen uns ganz Messe eine norddeütschsprechende Dame mit dem dringenden Wunsch, evtl. Waren zu entfernen. (Sowie Nagelhaut, Fingernägel, Hornhaut an den Füßen usw. Alles in allem: man wird befreit von Lastigkeit.) Im Hof steht der neue Renault aus Versehen auch sicherlich ein altei Plymouth und in den verschiedenen Etagen der Schule: Kleider, Mäntel, Büchsenöffner, Schuhe, Radiogeräte, Schreibmaschinen und unzerbrechliche Perlon-Kämme. Perlon und Nylon liefern sich dabei verhaltene Kompetenzgefechte wegen alleiniger Güte. —
Rheinhessisch angestammte Liebenswürdigkeit zeigte und erklärt alles mit freundlichem Lächeln, gibt auch dem scheinbar Unbemittelten mit Verbeugung die Geschäftskarte bestechend geschmackvollen Rosenthal-Porzellans, und schenkt Weinproben ein, wo nicht anschließend absoluter Flaschenkauf zu erwarten ist. Ich vergaß es beinahe zu sagen, obwohl es doch zu den Wichtigkeiten gehört: im Hof steht das große Weinzelt. Am Eingang links läuft aus Riesenfässern hinweisend — rotes Wasser. Der Wein selbst wird im Hintergrund — man bewundert zuvor gekachelte Brause- und Warmwasserpatente der Städtischen Gaswerke — von fröhlichen Damen angeboten und (noch!) nur vergnügten Besuchern probiert.
Die Orte Gundersheim, Dalsheim, Bechtheim, Abenheim repräsentieren Güte oder Blume des Weines im Probierzelt. Im Hintergrund: Männergruppen vor Goldlack-Sekt. Nochmals in der Schule: von den Modellmänteln „Helga“ und „Lilly“ geht es in das obere Stockwerk. Endlich Blumen, die Frische und Kühle in der schwülen Luft des Samstagmittag verbreiten. Blaues Neonlicht macht die Orchideen im Zwielicht lebend.
Auffahrt fast nur neuer Wagen im „Wintergarten“, wohin die eingeladenen Gäste zum gemeinsamen Mittagessen gebeten waren. Das einzig Gemeinsame war die besagte Auffahrt der Wagen, ansonsten war man individuell alleine. Die Blumenvasen auf dem Tisch sind üblich und präludierten keineswegs der höflichen Einladung auf Büttenpapier. Das Essen war gut, aber hat man je gehört, daß von den Nibelungen, oder in und um den Rosengarten in früheren Zeiten, die Gäste ihr Essen bezahlen mußten? Dazu noch ohne Schwerttanz oder Harfenklänge die trockene Formulierung: „(noch) trockenes Gedeck 2,50 DM.“ Das wirkt schottisch sparsam, und mehr noch im Weinland. So wurde wenigstens eine in diesem Fall deplacierte Mittagsrede dankbar vermißt. Einige einsame Herren schauten belustigt dem wütenden Appetit höherer Gehaltsempfänger zu. Die Ober entschädigten die Panne durch schnelles, geräuschloses Bedienen der Gäste, jedoch machten sie den Preis des Weines anläßlich des trokkenen Festgedeckes — es ist natürlich nicht ihr Verschulden — keineswegs billiger.
Sodann beschauliches Betrachten in dem nunmehr mit vielen Menschen angefüllten Ausstellungsgelände und Weinzelt. Der Platz füllte sich zusehends! Von Mannheim und Mainz kamen Besucher. Lange Gespräche — ein Gewitterregen brachte etwas Kühle — und Liebfrauenmilch verhinderten den beabsichtigten Besuch des Domes mit den Grabkammern des salischen Kaiserhauses; unter ihnen die des Hunnenbezwingers Herzog Konrad des Roten, gefallen 955 auf dem Lechfeld.
Auf der Rückfahrt, die lange Kette der Bergstraße vor uns liegen sehend, klangen die Weisen des in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleich großen Ruhmes des Rosengartenliedes:
„Eine Stadt liegt an dem Rheine, die ist so wonnesam, sie ist geheißen Wörmes, die kennet jedermann.“
Als Teilnehmer an der Jugendpilger¬ fahrt nach Rom anläßlich des Heiligen Jahres berichtete Herr Kastel, Astheim, in einer Pfarrjugendstunde über seine Eindrücke und Erlebnisse in der Ewigen Stadt. Kb
Eine Dienstbesprechung aller Schul¬ leiter des Kreises Erbach findet kommenden Mittwoch, vormittags 9 Uhr, in der Stadtschule zu Michelstadt statt.
Was aũch interessiert:
Durch einen herabfallenden Balken wurde am Mittwochmorgen im Rollwaldlager in Nieder-Roden ein Arbeiter aus Urberach schwer getroffen. Der Arbeiter, der mit dem Abschlagen einer Baracke beschäftigt war, mußte mit einer stark blutenden Kopfwunde und einer Gehirnerschütterung in ärztliche Hilfe gebracht werden. wu.
Der Bensheimer Hausfrauenverein lädt alle Bensheimer Hausfrauen sowie die Hausfrauenvereine der Umgegend zu einem großen Hausfrauen-Nachmittag am Mittwoch während der Winzer-Festwoche ein. Es soll eine große Modenschau stattfinden, zu der die Firmen Kaufhaus Ganz, Modesalon Grete Glanzner und Sporthaus Klingler Modeneuheiten vom Badeanzug bis zum Abendkleid zeigen werden.
Einen schönen Erfolg konnte die Jugendgruppe des Gesangvereins „Liederkranz“, Eppertshausen, bei einem Kritiksingen der SG. Langen erringen. Unter sieben beteilgten Vereinen wurden die jugendlichen Sänger für die fehlerlos dargebotenen Chöre „Abschied“ von Sticher und „Rattenfänger“ von Laßmann mit der Note „hervorragend“ ausgezeichnet. wu
Bei der 75-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Babenhausen wurden durch Kommandant Willand für 40jährige Mitgliedschaft Wilhelm Heinlein zum Ehrenkommandanten, Heinrich Eichhorn 1., Ludwig Lautz, Thomas Rose und für 30jährige Mitgliedschaft Heinrich H a u f 2. und Richard Moos durch Ueberreichung von Ehrenurkunden zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Die älteste Einwohnerin von Zwingenberg, Frau Klara Wich, ist kürzlich im Alter von 93 Jahren gestorben. (HB)
Treffpunkt kirchlicher Würdenträger
200. Jubiläum der Evangelischen Stadtkirche Erbach
Der Kirchsprengel Erbach beging gestern die 200. Wiederkehr der Weihe seiner evangelischen Stadtkirche mit würdevoller Freude. Posaunen- und Kirchchöre weckten schon in aller Frühe die Kreisstadt zum Fest, das seine besondere Bedeutung durch die gleichzeitige Weihe der neuen - Gedächtnis-Glocke erhalten sollte.
Trotz zahlreicher sonstiger Veranstaltungen in und um Erbach war der Festgottesdienst am Vormittag gut besucht. Pfarrer Battenberg nahm mit dem Gefallenen-Gedenken die Weihe der neuen Glocke vor. Nach der Festpredigt von Stadtpfarrer Hahns überbrachte Oberkirchenrat Grein die Grüße des Kirchenpräsidenten D. Niemöller, der durch die Teilnahme am Essener Kirchentag nicht nach Erbach kommen konnte, sowie die der Landeskirchenleitung, die Oberkirchenrat Grein und den Probst für Starkenburg, Pfarrer Rau, entsandte.
Zu einer Feierstunde zum Kirchjubiläum hatte sich am Nachmittag eine sehr zahlreiche Gemeinde mit den Vertretern der Landeskirchenleitung, dem Patron der Erbacher Kirchengemeinde, dem Kirchenvorstand und der Gemeindevertretung, ehemaligen Erbacher Pfarrern Von der Au, Ullmann, Kößl er , Oberpfarrer Hedrich (Michelstadt) und Pfarrer Müller von der selbständigen lutherischen Gemeinde Erbach in der Stadtkirche versammelt. Das Kammer-Trio, Lehrer Volk, Dr. Gr e b er t und Dr. Rehberg, der Kirchenchor Erbach, der Posaunenchor, der den Posaunenchor von Bad König zu Gast hatte, sowie der Singkreis schufen den kirchenmusikalischen Rahmen für die große Zahl der Ansprachen, die von Probst Rau mit
dem Thema „Kirche in der Welt und in Hessen“ eingeleitet wurden.
Ueber die „Kirche in der Gefangenschaft“ sprach Pfarrer v. d. Au. Er erstattete einen erschütternden Bericht über seine eigenen Erlebnisse in russischer Kriegsgefangenschaft Oberpfarrer Hedrich sprach über die Bedeutung der Kirche in der Nachbarschaft. Die Gemeinde Erbach sei eine Tochter von Michelstadt, auf die die Mutter stolz sein könne, weil sie sich in schwerer Zeit bewährte. Mutter und Tochter wollen fester als in der Vergangenheit zusammenstehen, wenn es gilt, der Sache des Glaubens zu dienen.
Nach Grußworten der ehemaligen Erbacher Pfarrer sprach der Kirchenpatron Graf Alexander zu Erbach-Erbach über „die Kirche als Verpflichtung“, die von den Grafen Erbach-Erbach seit der Einführung der Reformation stets empfunden und befolgt wurde, getreu dem Wahlspruch ihres Hauses: „Alles mit Gott, nichts ohne Ihn!“
Stadtpfarrer Hahn dankte zum Schluß allen, die am Geburtstagsfest der Erbacher Kirche teilnahmen. Im Anschluß an die Weihestunde versammelte sich die Geistlichkeit, Kirchenvorstand und Gemeindevertreter mit den übrigen Gästen zum gemeinsamen Gedankenaustausch im evangelischen Gemeindehaus. -ch
200Jahrfeier der Evang. Kirche Gundernhausen
Grüne Birkenbäumchen und bunte Fahnen schmückten am Samstag und Sonntag die Straßen Gundernhausens zur Zweihundertjahrfeier der evangelischen Kirche. Am Samstag begannen die Feierlichkeiten mit einem abendlichen Festakt in der Kirche. Gemeinsame Lieder und Gebete führten zu einem Bericht aus der Kirchengeschichte von Pfarrer Zimmer über. Begrüßungen durch den Kirchenvorstand, Herrn Bickert, durch Bürgermeister Opitz, Lehrer Topperzer, Pfarrer F a h n e y von der katholischen Kirchengemeinde und den kirchlichen Vertretern der Nachbargemeinden schlossen sich an. In Vertretung des Regierungspräsidenten entbot Ministerialdirektor Friedrich der Festgemeinde die Grüße der Regierung. Pfarrer Mangold sprach namens des Dekanats, Kreisschulrat Schmidt, Dieburg, für das Kreisschulamt und Probst Rau im Auftrag der Kirchenleitung. Der erkrankte Landrat hatte ein handschriftliches Glückwunschschreiben übersandt. Mit dem Festspruch und gemeinsamen Liedern schloß die abendliche Feier.
Der Sonntag wurde mit einem Choralblasen und einem Choralsingen durch den Posaunenchor und die Schulkinder eingeleitet. Am Vormittag fand dann der Festgottesdienst statt, in dem Probst Felix Rau, Darmstadt, die Predigt hielt. Neben dem Kirchenchor nahmen auch die Posaunenchöre aus Roßdorf und Groß-Zimmern teil. Um 11 Uhr folgte ein Gefallenengedenken am Ehrenmal, bei dem Pfarrer Zimmer die Gedenkrede hielt. Nach der Ansprache durch den Bürgermeister legten die Ortsvereine und der Verband der Heimatvertriebenen Kränze nieder.
Höhepunkt der Festtage war zweifellos die nachmittägliche Jubiläumsfeier, nachdem zuvor ein Jugend- und Kindergottesdienst in der Kirche stattgefunden hatte. Anläßlich des 200. Todestages Joh. Seb. Bachs wurden Werke für Orgel, Flöte und Violine zu Gehör gebracht. Es war eine Feierstunde, die einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.
Zum Abschluß der Zweihundertjahrfeier folgte am Abend in der Sporthalle ein Heimatabend, an dem der Männergesangverein, Kirchenchor, Singkreis, Posaunenchor, Evangelischer Jugendbund und die Jungschar teilnahmen. Unter dem Motto „ Was uns die ,Alt Gass“ erzählt" hatte die Lehrerin aus der Chronik und den überlieferten Handschriften das Werden Gundernhausens zusammengestellt. Die Kinder und Jugendlichen brachten in Szene und Vortrag die Entwicklung des Ortes von der Römerzeit bis zur Gegenwart zur Darstellung. Mit dem Schlußwort des Ortspfarrers fand die Zweihundertjahrfeier der evangelischen Kirche in Gundernhausen ihren Abschluß.
Während der Feiertage war in den Schulräumen eine heimatkundliche Ausstellung eröffnet worden, in der besonders die 450 jährigen Kirchenrechnungen und eine Feldschlangenkugel aus dem 16. Jahrhundert, die in der Außenmauer der Weißmühle gefunden wurde, Zeugnis von der Tradition und Geschichte Gundernhausens ablegten. -st
Auf ein 800 jähriges Bestehen kann Kirch-Göns, der nördlichste Ort des Kreises Friedberg, zurückblicken. Die Gemeinde wird am 23-/24. September 1950 ein Gedenkfest veranstalten, zu dem Vertreter der Landesregierung und des Regierungspräsidenten Darmstadt als Ehrengäste geladen wurden. DT
Rentenauszahlungen
im Kreis Groß-Gerau
Allmendfeld: wird von der Bürgermeisterei noch bekanntgegeben;
Astheim: 31. 8., 11—12 Uhr Bauschheim: 31. 8., 11—12 Uhr; Berkach: 30. 8., 15—15.30 Uhr; Biebesheim: 31. 8., 13—15 Uhr; Büttelborn: 1. 9., 10.30—12 Uhr; Bischofsheim: 29. 8., 8—11.30 Uhr; Crumstadt: 29. 8., 11—12.30 Uhr; Dornheim: 30. 8., 13—14.30 Uhr; Erfelden: 29. 8., B—9 Uhr; Gernsheim: 29. 8., B—l 2 Uhr; Geinsheim: 31. 8., 9.30—10.30 Uhr; Ginsheim: 31. 8., 8—10.30 Uhr; Goddelau: 30. 8., B—9 Uhr;
Philippshospital: 29. 8., 9.30—10.30 Uhr; Groß-Gerau: 29. 8., B—l 2 und 14—15 Uhr; Gustavsburg: 29. 8., 12.30—15.30 Uhr; Haßloch: 31. 8., 14.30—15 Uhr; Kelsterbach: 30. 8., B—l 2 Uhr; Klein-Gerau: 1. 9., 13.30—14.30 Uhr; Klein-Rchrheim: wird von der Bürgermeisterei noch bekanntgegegen;
Königstädten: 31. 8., 13—14 Uhr; Leeheim: 30. 8., 11—12 Uhr; Mörfelden: 30. 8., B—l 2 und 13—14 Uhr; Nauheim: 1. 9., B—lo8—10 Uhr; Raunheim: 30. 8., 13—15 Uhr;
Rüsselsheim: 29. 8., Invalidenrente: B—l 28—12 und 13—16 Uhr; 30. 8., Angestellten-Rente: B—lo8—10 Uhr; 30. 8., KB-Rente: 10 bis 12 Uhr und 13—16 Uhr;
Stockstadt: 29. 8., 13.30—15.30 Uhr; Trebur: 31. 8., 13—15 Uhr; Walldorf: 29. 8., B—l 2 und 13—14 Uhr; Wallerstädten: 31. 8., B—98—9 Uhr; Wolfskehlen: 30. 8., 9.30—10.30 Uhr; Worfelden: 1. 9., 14.30—15.30 Uhr.
Während der Rentenauszahlung bleibt die Rentenabteilung bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Groß - Gerau geschlossen. e.
Benzinmarken-Ausgabe
im Landkreis Darmstadt
Die Tankausweiskarten werden im Landkreis Darmstadt an folgenden Tagen auf den Bürgermeistereien ausgegeben:
Dienstag, 29. 8., 8.30 bis 12.00 Uhr in Ober-Ramstadt für die Gemeinden Ober-Ramstadt, Nieder-Ramstadt, Rohrbach, Wembach, Hahn, Nieder-Modau, Ober-Modau, Neutsch, Waschenbach, Frankenhausen, Traisa.
14.00 bis 15.00 Uhr in Brandau für die Gemeinden Brandau, Lützelbach, Allertshofen, Hoxhohl, Herchenrode, Ernsthofen, Neunkirchen.
Mittwoch, 30. 8., 8.30 bis 12.00 Uhr in Pfungstadt für die Gemeinden Pfungstadt, Hahn, Eschollbrücken, Eich. 14.00 bis 16.00 Uhr in Bickenbach für die Gemeinden Bickenbach, Jugenheim, Seeheim, Balkhausen, Hähnlein, Alsbach und Malchen.
Donnerstag, 31. 8., 8.30 bis 12.00 Uhr in Gräfenhausen für die Gemeinden Gräfenhausen, Schneppenhausen, Wixhausen, Erzhausen, Weiterstadt und Braunshardt.
14.00 bis 16.00 Uhr in Griesheim. Freitag, 1. 9., 8.30 bis 10.30 Uhr in Roßdorf.
11.30 bis 12.30 in Nieder-Beerbach, zugleich für Ober-Beerbach. Die Tankausweiskarten für Messel können vom 2. bis 4. 9. zwischen 8.00 und 12.00 auf dem Landratsamt, Kraftfahrzeugzulassungsstelle, in Empfang genommen werden.
Ueber „Kriegsopfer fordern Gerechtig¬ keit — Der Stand unserer Rentenversorgung“ spricht der Landesgeschäftsführer dfes Verbandes der Kriegsopfer, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner am Dienstagabend um 20.30 Uhr im Gasthaus „Zur Linde“, Zwingenberg.
Die Bedeutung der bildenden Kunst
EIN VORTRAG VON DR. GISELA BERG STRÄSSER
Die Frauenigruppe der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft hatte zu einem Vortrag von Dr. Gisela Bergsträsser eingeladen: „Was bedeutet die Kunst im Leben des berufstätigen Menschen?“
Der sehr kleine Hörerkreis wurde von Studienrätin Wittstock begrüßt. Sie faßte in Worte, was viele denken mochten, daß nämlich dies Thema eine größere Gemeinde hätte finden müssen, nachdem die „Darmstädter Gespräche“ die Frage, wie der von Arbeit und Mühe überlastete Mensch unserer Tage ein Verhältnis zur Kunst der Gegenwart gewinnen könne, nicht hinlänglich beantwortet hatten.
Jedoch führte auch der Vortrag von Dr. Bergsträsser nicht über eine Bekräftigung längst gehegter Einsichten und immer wieder erhobener Anforderungen an den einzelnen selbst hinaus. Die Rednerin machte zunächst mit Beispielen von Lichtbildern Wesenszüge der bildenden Kunst im Wandel der Zeit deutlich: Fassung des Göttlichen, Darstellung und Verewigung des Menschlichen, Symbolisierung und Abstrahierung des Natürlichen. Immer hat die Beschäftigung mit der Kunst eine geistige Arbeit verlangt, Konzentration und Einfühlung, Nachdenken und Bemühung um Sinngehalt und Formensprache. Das Gleiche gilt, so führte Dr. Bergsträsser aus, für den berufstätigen Menschen unserer Zeit. Auch die Künstler der Gegenwart schaffen nicht, um bloßes, bequemes Genießen zu bereiten. Heute wie ehedem vermögen aber Malerei und Plastik den Aufmerksamen die Klärung eigener Erlebniswirrsal zu schenken, ihr Menschentum zu vertiefen.
Den unausgesprochenen Fragen vieler, wie denn der Mühselige mit kleinem Gehalt überhaupt zu den Werken der Gegenwart Zugang Anden könne, gab die Rednerin zu, daß der größere Teil dieser Kunstwerke im Hinblick auf Ausstellungen geschaffen werde. Jedoch seien graphische Arbeiten und Holzschnitte bereits erschwinglich, und erst der Besitz eines Kunstwerks ermögliche ja den täglichen Umgang mit ihm und vertiefe das Verstehen künstlerischen Schaffens insgesamt.
Herzlicher Beifall dankte der Vortragenden. Jedoch hatten die Ausführungen den Fragenkomplex dieses Themas keineswegs erschöpft. D-s.
Im Zauber Grönlands
Am Freitagabend hielt im Darmstädter Amerikahaus der Bergingenieur Kurt Herdemerten einen Vortrag über seine Reiseeindrücke seiner letzten Gronlandexpedition 1938. Der Vortragende, der bereits den weltberühmten Polarforscher Prof. A. Wegener auf seiner letzten, tödlichen Fahrt ins Inlandeis des weißen Kontinents begleitete, entwarf aus der Fülle seiner reichen Erfahrungen ein lebendiges Bild jenes fünften Erdteils.
UHU tt . Neben den wellentheoretischen Untersuchungen galt die besondere Aufmerksamkeit der Wetterkunde, luftelektrischen und erdmagnetischen Studien sowie biologischen Aufgaben. Grönland hat ein absolut bakterienfreies Klima. Es ist ein Land aus Eis, Schnee und Felsen, fünfmal so groß wie Deutschland. Bei 2,4 Millionen Quadratkilometern Land besitzt es jedoch nur 84 000 Quadratkilometer eisfreie Randgebiete. Ringsum ist es von einer Steilküste umgeben, die bis zu 2000 Meter hoch aufsteigt. Riesige Fjorde schneiden Hunderte von Kilometer tief in das Inland ein und mit einer Geschwindigkeit von 30 Meter pro Tag fließen Tausende von Gletschern dem Meere zu. Es ist das Land der ewigen Stürme, die bis zu 84 m/sec betragen. (Windstärke 12, der Orkan, weist „nur“ 40 m/sec auf!) Sollte das Eis Grönlands eines Tages schmelzen, so würden die Weltmeere um 6 bis 8 Meter ansteigen.
Mit einer Geschwindigkeit von 60 Meter im Jahr treibt Grönland auf Amerika zu. und es entfernt sich somit von Dänemark, dem dieser Erdteil gehört, und das jedes Betreten der grönländischen Küsten zum Schutze der Eingeborenen von einer Sondergenehmigung der Regierung abhängig macht. Es ist ein unwirtliches Land mit Wintertemperaturen bis über 60 Grad minus, und Sommerhöchsttemperaturen bis zu minus 15 Grad. Die „Wälder“ werden nur 30 Zentimeter hoch, Birken und Nadelgehölze pressen sich dicht an den Boden, über den unablässig der Sturm heult, der nach dem Atlantik als Großwetterküche, das europäische Klima mitbestimmt.
Der Sprecher verstand es, in ungeheuer eindrucksvollen Worten das tragische Ende Professor Wegeners zu schildern, er berichtete ausführlich von seiner zweiten Grönlandexpedition, und an Hand einer Unzahl herrlicher Farbphotos entstand vor den Augen der Zuhörer ein Bild von dem Zauber dieses Eiszeitkontinents, der seit Jahrhunderten immer von neuem wagemutige Männer im Dienste der Wissenschaft zu höchsten Leistungen angespornt hat. hfl.
Der Rundfunk am Dienstag
RADIO FRANKFURT: 5.30 Musik für Frühaufsteher; 7.15 Frühkonzert; 8.15 Morgenmusik; 9.00 Unterhaltungsmusik; 11.15 Schulfunk; 12.00 Musik am Mittag; 13.00 Musikalisches Allerlei; 16.00 Cantilene; 17,15 Im Volkston; 18.00 Eine Sendung für die Frau; 18.30 Das Lied der Geige; 20.00 Ein Tanzpotpourri; 21.05 Heitere und besinnliche Kleinkunst; 21.30 Ping-Pong; 22.15 Deutsche Komponisten der Gegenwart.
SÜDD. RUNDFUNK STUTTGART: 12.00 Musik am Mittag; 13.10 Werbefunk mit unterhaltender Musik; 16.30 Nachmittagskonzert; 17.15 Humor im Lied; 18.15 Klänge der Heimat; 20.15 Salzburger Festspiele 1950; „Romeo und Julia“; 22.00 Wir bitten zum Tanz; 22.45 Der schwarze Jahrmarkt; 23.15 Unterhaltungsmusik.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Mittagskonzert; 13.15 Musik nach Tisch; 15.30 Sinfoniekonzert; 16.30 Sang und Klang im Volkston; 17.15 Musik zur Unterhaltung; 18.30 Musik zum Feierabend; 20.00 Operettenkonzert; 20.45 Hörspiel: „Bunbury“;
22.30 Musik der Welt; 23.25 Jazz 1950. NWDR: 12.00 Musik zur Mittagspause; 13.20 Musik am Mittag; 14.00 Schulfunk; 15.40 Bekannt und beliebt; 16.50 Der Geiger Arthur Grumiaux; 18.00 Musik zum Feierabend; 20.00 Zauber der Operette; 0.05 Berlin am Mikrofon.
Neptun, Niren und Badewannen
Feuchtfröhliche „Regatta“ in Lauerbach
In den zum Kirchenspiel Erbach gehörenden Filialgemeinden wird die Kirchweih alljährlich mit ausgelassener Fröhlichkeit begangen. Die Lauerbacher haben dabei am Sonntag wieder den Vogel abgeschossen. Schon am Ortseingang stand ein großes Schild mit der Aufschrift „Größtes wassersportliches Ereignis Südhessens“. Was sie diesmal boten, war wirklich einzigartig: Bunte Wimpel an den Ufern der Mümling, Leicht- und Vollmatrosen beiderlei Geschlechts, Kapitäne in phantasievollen Uniformen, das war der farbenfreudige Rahmen für die großangekündigte Regatta, mit Waschbütten und Badewannen, die fast ganz Erbach auf die Mümlingwiesen herausgelockt hatte.
Zum Beginn des Ganzen drei Rennen für Jungen von 8 bis 14 Jahre einmal mit Backmulden, dann mit Waschbütten und schließlich mit selbstgebastelten Paddelbooten. Die 14- bis 20 jährigen folgten in einem Rennen in Badewannen. Artistische Vorführungen auf schwimmenden Jauchefässern und das Eintreffen Neptuns mit seinem Nixengefolge lösten stürmische Heiterkeit aus. Als plötzlich ein Ein-Mann-Torpedo aus fernöstlichen Kampfräumen auftauchte und den Gott der Meere angriff, verteidigte dieser mit seinem Dreizack erfolgreich seine Vormachtstellung. Es war ein feucht-fröhliches Leben in Lauerbach, nachmittags außerhalb und abends innerhalb der Gemeinde. -ch-
Alarmsirene auf dem Rathaus
Unter Vorsitz von Bürgermeister Ri n d fr e y fand am Freitag in Traisa eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Nach längerer Debatte erhielt von 17 Bewerbern der Gemeinde-Flurschütz Krämer die gemeindeeigene Wohnung Bernhardstraße 11, die durch Todesfall frei geworden war. Ein gemeindeeigener Bauplatz in der Waldstraße wurde einer Familie zugeteilt, die seit Jahren in sehr schlechten Wohnverhältnissen lebt. Die Entscheidung über erneute Vergasung eines gemeindeeigenen Hauses wurde der Wohnungskommission überlassen und der Plan für den Umbau eines Hauses in der Niederramstädter Straße genehmigt. Die Freiwillige Feuerwehr erhielt die Erlaubnis, auf eigene Kosten auf dem Rathaus die Alarmsirene anzubringen, die von dem Ueberschuß des diesjährigen Festes angeschafft werden soll. rs.
Verbesserte Verkehrslenkung
Die Instandsetzungsarbeiten auf der Groß-Gerauer Umgehungsstraße sind jetzt soweit beendet, daß in Kürze mit der Wiederinbetriebnahme gerechnet werden kann. Der Fernverkehr Mainz —Darmstadt wird zur Entlastung des Innenstadtverkehrs über sie geleitet. Die von Mainz kommenden Fahrzeuge werden künftig von der Umgehungsstraße aus die Gernsheimer Straße bis zur Neustraße benutzen, um dann wieder am Tapeziergeschaft Keil auf der Darmstädter Straße zu kommen. Augenblicklich ist man damit beschäftigt, an der Gernsheimer Straße eine Verbindung zur Umgehungsstraße herzustellen, da deren Einmündung in die Gernsheimer Straße in Höhe des Ortseingangs Dornberg im spitzen Winkel erfolgt. -th‘
Wieder verbilligtes Holz
In der Mitgliederversammlung der Bikkenbacher Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten, die in der vergangenen Woche im Gasthaus „Zur Rose“ stattfand, gab Vorsitzender Kube einen Rückblick auf den so gut verlaufenen Ausflug nach St. Goarshausen, an dem 140 Personen teilgenommen hatten. Anschließend wurde der Entwurf des Bundesversorgungsgesetzes besprochen. Eine lebhafte Aussprache entspann sich über die geplante Siedlung der Kriegsbeschädigten. Da die Genehmigung des Ortsbauplanes immer noch nicht eingetroffen ist, konnten die in Frage kommenden Bauplätze nicht zugeteilt werden. Der Vorsitzende gab bekannt, daß der Zentralverband der Heimkehrer nun in den VdK übergetreten ist und die Betreuung der Heimkehrer und der Angehörigen der Vermißten von diesem übernommen wird. In das kürzlich gegründete Ortskartell, das der kulturellen Zusammenarbeit dienen soll, wurden 2 Delegierte gewählt. Für den 10. Dezember wurde eine Weihnachtsfeier angesetzt, die nachmittags für die Kinder eine Märchenspielaufführung und Bescherung und abends für die Erwachsenen eine Kaffeetafel mit Unterhaltung und Tanz bringen soll. Große Anerkennung bei allen Anwesenden fand die Mitteilung des Vorsitzenden, daß die Holzwerke Dietrich, die bereits in diesem Frühjahr die Mitglieder der Ortsgruppe mit verbilligtem Holz beliefert hatten, auch für den kommenden Herbst eine Lieferung in Aussicht gestellt haben. (rh)
Ausklang in Amorbach
Als letzte Festliche Musik an der berühmten Barockorgel in Amorbach im Odenwald wird am Sonntag, 3. September. um 16 Uhr ein Konzert mit ausgewählten Werken von Bach. Händel und Mozart veranstaltet. Die Ausführenden sind die Opern- und Konzertsängerin Hanna Hartmann. München. (Alt) und einer der bekanntesten Meister der Orgel, Professor Dr. Michael Schneider, München. Wenn mit diesem Konzert die Festliche Musik in der Amorbacher Abteikirche für diesen Sommer ihren Abschluß findet, wird sie während des Winters durch kammermusikalische Veranstaltungen im Grünen Saal des Schlosses abgelöst. Für eines der ersten Konzerte wurde bereits das weltberühmte „Q uard et - t o d i Roma“ verpflichtet. -ch
Meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Jugenheim. Der vom Kreistag genehmigte Fluchtlinienplan für das Bebauungsgebiet im Gewann „Dreieichenröhr“ mit Fluchtliniennachweis liegt vom 24. August bis 8. September d. J. auf der Bürgermeisterei aus. Einwendungen sind schriftlich bis spätestens 8. September d. J. beim Kreisausschuß des Landkreises Darmstadt, Wilhelminenstraße 34, einzureichen. hl.
Hähnlein. Das Staatsbauamt setzt z. Z. die reparaturbedürftige Rodauer Straße instand. hl.
Roßdorf. Als weiteres Projekt der Erweiterungsarbeiten am Wasserleitungsrohrnetz in der Straße „Am Birke“ zwischen der Schwanen- und der Darmstädter Straße wird in den nächsten Tagen in Angriff genommen werden, sl
Roßdorf. In den letzten Tagen ist in der Gemeinde ein Fall von Thyphuserkrankung vorgekommen. Die Bevölkerung wird angehalten, alle diesbezüglichen Krankheitserscheinungen umgehend dem Arzt zu melden, um eine evtl. Verbreitung dieser Krankheit zu vermeiden. sl
Erzhausen. Die neue Hebamme Anna Lotz, Egelsbacher Straße, hat ihren Dienst aufgenommen. oa
Ober-Ramstadt. Nachdem die Gemeinde dem Verband der Körperbehinderten einen Raum im Rathaus bereitstellte, finden nun die Sprechstunden laufend dienstags und freitags ab 17 Uhr statt. -D-
Alsbach. Heute abend findet um 20 Uhr die nächste Gemeinderatssitzung statt, hl
Alsbach. Die Obst- und Gemüsezentrale Zwingenberg will Anfang September eine Omnibusfahrt zum Besuch der Deutschen Gartenbau-Ausstellung nach Stuttgart unternehmen. hl.
DIEBURG
Babenhausen. Die Bürgermeisterei teilt mit. daß bis zum Ende des Monats die Hundesteuermarken ausgegeben werden-Hundebesitzer, deren Tiere nach diesem Zeitpunkt ohne Steuermarke angetroffen werden, müssen mit einer Anzeige rechnen. (NB)
Dorndiel. Der Gemeinde wurden weitere Flüchtlinge zugewiesen, die zuletzt im Durchgangslager Gießen untergebracht waren. ko
Münster. Nachdem die MUNA etwa sieben Monate leer gestanden hat, ist sie nunmehr von der Besatzungsmacht wieder mti vierhundert polnischen DPs belegt, -gi-
Eppertshausen. Zu einem vollen Erfolg wurde die Freilichtaufführung der katholischen Jugend „Anonda, die Braut des Maharadscha“, einem indischen Schauspiel in vier Akten. gi
Eppertshausen. Ein Babenhauser Einwohner hatte den Posteinlieferungsschein über einen an einen hiesigen Geschäftsmann eingezahlten Betrag zu seinen Gunsten abgeändert. Er wurde zur Anzeige gebracht. (RG)
Groß-Bieberau. Ein hiesiger Taubenzüchter erstattete Anzeige gegen einen Landwirt, der eine ihm zugeflogene Zuchttaube eingefangen und verkauft hat. (RG)
ERBACH
Hainstadt. In seiner letzten Sitzung entschied der Gemednderat, die Hauptlehrerstelle mit dem schon mehrere Jahre in der Gemeinde tätigen Lehrer Heinrich Beyer zu besetzen. -hm-
BERGSTRASSE
Waldmdchelbach. Zirkus Schick ler wird in Kürze hier ein mehr' ägiges Gastspiel geben. -r
Biblis. Den Tag ihres Kirchenpatrons, des hl. Bartholomäus, beging die hiesige Gemeinde am Donnerstag mit einem festlichea Hochamt und einer Prozession durch die geschmückten Ortsstraßen nach alter Tradition. bb
Fürth. Am kommenden Mor tag findet im Gasthaus „Zur Eselsmühle“ eine Vorstandssdtzung des Kur- und Verkehrsvereins statt, an der auch die Arbeitsausschüsse des Johannisfestes teilnehmen. Auf Grund der in diesem Jahr gesammelten Erfahrungen sollen dabei Vorbesprechungen für die Veranstaltung 1951 geführt werden. -r
Wahlen. Auf Beschluß der jüngsten Elternvers mrnlung wurden die Schulanfangszeiten auf 7.30 und 12.30 Uhr festgesetzt. -r
GROSS-GERAU
Wolfskehlen. Gemäß Beschluß des Gemeinderats in seiner letzten Sitzung wurden die Jahrgänge 1927 bis 1933, soweit sie nicht bereits der Freiwilligen Feuerwehr angehören, zur Pflichtfeuerwehr einberufen. Bei der ersten Uebung am letzten Sonntag waren auch die meisten der Pflichtigen erschienen. Gegen e iige Außenseiter, die der Uebung ohne triftigen Grund ferngeblieben waren, soll Strafanzeige erstattet werden. Vorläufig findet jetzt jeden Sonntagmorgen, um 7 Uhr, eine Uebungsstunde für die Neulinge statt. (-od-)
Erfelden. Die Firma Jakob Fretter Söhne unternahm mit ihren Betriebsangehörigen eine Omnibusfahrt nach Miltenberg, Amorbach, Eberbach a. N. und über Heidelberg und die Bergstraße zurück. (-od-)
Biebesheim. Das Bootshaus ging wieder, nach längerem Streitverfahren mit den derzeitigen Bewohnern, in die Hände des Erbauers und Eigentümers — dem Wassersportverein Biebesheim — über.
Kelsterbach. Die Nassauische TTei hat in Verbindung mit den Verein .1 Glanzstoffwerken weitere 4 Wohnblocks mit 62 Wohnungen fertiggestellt, so daß auch in Kelsterbach eine fühlbare Entlastung des Wohnungsmarktes in Kürze zu verzeichnen ist au.
Der Sport
Drei herrliche Mühlbach-Tore in Reutlingen
4:1-Auswärtssieg bringt den „Lilien“ den dritten Tabellenplatz ein / SV 98 kein Außenseiter in der 1. Oberliga Süd Nur noch drei Mannschaften in der süddeutschen Spitzenklasse ungeschlagen
Von unserem nach Reutlingen entsandten RG-Sonderberichterstatter
Der am Vormittag sehr regenvolle Himmel klärte sich in den Mittagsstunden so weit auf, daß die beiden Obcrliganeuünge vor etwa 8000 Zuschauern bei strahlendem Sonnenschein einander gegenübertreten konnten. Die Reutlinger haben ihrer Mannschaft zunächst sehr viel zugetraut, wurden aber im Laufe des Spiels so stark enttäuscht, daß sie zum Schluß den Darmstädter Sieg als vollauf berechtigt anerkannten.
Reutlingen: Braun; Baum 1, Meßmer; Schwüle, Strobl, Feuerlein; Kilian, Rauner, Hubrich, Langjahr, Richter.
SV 98 Darmstadt: Dr. Barth; Leichtlein, Abt; Barth, Schmidtmer, Herder; Becker 11, Müller, Bohmann, Mühlbach, Herwig.
Zuschauer: 8000
Schiedsrichter: Karger, Wasserburg.
Der Ruf des Reutlinger Platzes an der Ringelbachstraße hat sich bestätigt: Auf einem frisch eingeschwemmten Schlacken- und Aschenfeld war das natürlich kein so frisch-fröhliches Spielen, wie die Darmstädter das gewohnt sind, aber wir haben den Reutlingern gerne geglaubt, daß der neue Spielgrund bereits „im Anzug“ sei.
Dr. Barth wurde seiner Aufgabe, die mehr als einmal entschlossenes Handeln verlangte, in jeder Phase des Spieles gerecht. Bei den Verteidigern rückte Abt von „zuverlässig wie immer“ bis „hervorragend“ auf. Schmidtmer konnte zunächst mit ihm Pari halten, hielt sich aber dann so prächtig, daß es für den Reutlinger Sturm kein Entrinnen mehr gab. In der Läuferreihe ging das zu Anfang mehr auf die Verteidigung abgestellte Spiel in offensive und vorteilhafte Flügelbedienung über. Der Darmstädter Sturm wußte sich in allen Lagen so günstig zu stellen, daß seine Besuche bei Braun immer stark nach einem Tor rochen, wenn auch Becker II auf dem rechten Flügel noch nicht die Durchschlagskraft Reegs erreicht. Herwig war wie immer der Mann, der in schönen Flankenläufen zielbewußt aufs gegnerische Tor zusteuerte und im rechten Augenblick den Ball einem günstig stehenden Innenspieler abzugeben verstand.
Wenn die Reutlinger Anhänger selbst schon von der Leistung ihrer Elf enttäuscht waren, dann mag daraus ersehen werden, daß es keinen hervorragenden Mann gab. Braun im Tor fiel deshalb besonders zurück, weil er schlechte Ballabgaben lieferte und so seinen Sturm nie richtig nach vorne drückte. Die beiden langen Läufer Strobl und Feuerlein sorgten zwar im Anfang recht verheißungsvoll für Ansätze ihrer Fünferreihe, die aber lediglich von dem Rechtsaußen Kilian verstanden und mit schnellen Flankenläufen aufgenommen wurden. Seine Hereingaben kamen nicht zum Ziel, weil der Innensturm der Schwaben nicht den notwendigen Zug zum Darmstädter Tor fand.
Das abgefangene Anspiel der Reutlinger führt beim Gegenbesuch zu einem Freistoß Herwigs, der einen kleinen Gefahrenmoment bringt. In der vierten Minute gibt Mühlbach leicht zu Bohmann. dessen Schuß hätte sitzeh müssen, aber der Pfosten war im Wege. Gegenüber wird ein Kopfball Rauners von Dr. Barth abgeschlagen, der Nachschuß bringt lediglich zwei Sekunden Atemnot. Die vom Reutlinger schnellen rechten Flügel vorgetragenen Angriffe bringen zwar zunächst das Darmstädter Tor vorübergehend in Gefahr, doch Dr. Barth erwehrt sich sehr geschickt und erfolgreich der Bälle. So vergeht die erste halbe Stunde, in der die Schwaben-Anhänger noch voller Hoffnung sind. In der 32. Minute kommt Müller nach schönem Flankenlauf zur Ballabgabe an Mühlbach, der sich die Schuß-Gelegenheit nicht entgehen läßt und leicht, aber überlegen einschiebt. Das gibt den an und für sich schon sichtlich zielstrebigeren Darmstädtern erfreulichen Schwung. Ihre Angriffe werden zahlreicher und liegen auch länger in des Gegners Spielhälfte. Eine Minute vor der Pause rollt der Ball an der Darmstädter Seitenlinie entlang, quetscht sich zwischen acht Beinen hindurch und schläft neben dem Tor langsam ein.
Nach dem Seitenwechsel bietet sich den Reutlingern eine „Pfunds-Chance“, da Dr. Barth am Fuß des rechten Pfostens hockt, aber der Sturm der Gastgeber ist nicht entschlossen genug, weniger entschlossen jedenfalls, als eine Minute später Müller, der zu seinem in Tornähe günstig stehenden Nebenspieler Mühlbach abgibt, der mit einem Schuß nach Maß das 0:2 liefert. Wenig später wird eine der insgesamt sechs Reutlinger Ecken an die Strafraumgrenze gegeben, aufs Darmstädter Tor aussichtsreich abgelenkt, aber Dr. Barth klärt im Hochspringen fangend. In der 56. Minute hat Rauner freies Schußfeld auf 20 Meter, gibt aber dem Leder zuviel Rechtseffet mit. so daß der Ball am Pfosten vorbeitrudelt. In der 62. Minute bringt ein Eckball für Reutlingen Brandgeruch am Darmstädter Tor; ihr folgt eine zweite, die von der Latte
abprallt und von Feuerlein zum einzigen Gegentreffer für die Rotschwarzen verwandelt wird. Aber drei Minuten später schon angelt sich Becker den Ball aus der Reutlinger Verteidigung und schießt aus spitzem Winkel ein. In der 70. Minute nimmt Langjahr eine halbhohe Hereingabe mit dem Kopf auf, lenkt den Ball aber am Tor vorbei. Dieser Moment vor dem Darmstädter Tor war einer der wenigen Lichtblicke für die Schwaben, die immer mehr ins Leere laufen, weil der Ball in allen Darmstädter Mannschaftsreihen wie an der Schnur gezogen seinen gewollten Weg läuft. Zehn Minuten vor Schluß streift ein - Hoch-Schuß an Dr. Barths Faust vorbei, Hubrich köpft aufs Tor. aber Herder schlägt das Leder zur Ecke. In der 85. Minute war die Niederlage der Württembergei' endgültig besiegelt, als eine Flanke von rechts zum alleinstehenden Mühlbach kommt, der mit den) Ball bis in Tor nähe dribbelt und das 4:1 erreicht.
Die drei ersten „DT-Schlachtenbummler“, die den 4:1-Sieg des SV 98 gegen Reutlingen miterleben konnten. Foto: Hilde Roth
Auch die Landesliga gestartet
Rödelheim besiegte Opel 4:1
Obwohl in der ersten Halbzeit Rüsselsheim überlegen spielte, scheiterte es an der guten Abwehr Rödelheims, in der Struth und Klug die besten Kräfte waren. Die Opel-Männer hatten sich offenbar im Tempo übernommen, so daß sie in der zweiten Halbzeit stark abfielen. Nachdem auch noch der Mittelläufer Heizenröther wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt worden war, brach Opels Widerstand zusammen. Das erste Tor kam aus einem Eckball, den Grein in der 60. Minute gut hereingab. Pfeiffer lenkte ihn ins Netz. Bereits zwei Minuten später fiel aus einem Gedränge heraus das zweite Tor. In den letzten Minuten war Flauaus noch zweimal erfolgreich, während Rüsselsheim erst in der letzten Minute durch Menges ein Treffer gelang. Schiedsrichter Kraus (Urberach) pfiff ohne Fehler.
Rot-Weiß verlor in Lampertheim 0:2
Auf dem neuerrichteten Sportplatz in Lampertheim verloren die Frankfurter vor 4000 Zuschauern ihr Spiel 2:0 (0:0). Man. ’'atte von Rot-Weiß mehr erwartet. Ihre Kombinationen waren nicht großzügig genug, sie verloren sich in Einzelaktionen, während Lampertheim es besser verstand, Situationen zu schaffen und auszuwerten. Bereits in der ersten Halbzeit hatten die Lampertheimer eine Reihe recht klarer Torchancen, die sie jedoch nicht auswerten konnten. Fünf Minuten nach Halbzeit verwandelte Bühler eine Flanke Horstfelds zum Führungstor. Ein Fernschuß desselben Spielers landete zehn Minuten später im Tor der Frankfurter. Das Spiel wurde zusehends härter, so daß der Schiedsrichter gezwungen war, Krämer vom Felde zu schicken. Die besten Spieler beim Sieger waren Lautenbach, Spamer und Horstfeld, bei den Frankfurtern gefielen Boyen, Walter 1 und Dietrich.
Friedberg unterlag Griesheim 1:2
In der 29. Minute schoß der Rechtsaußen Thoma zum 1:0 für Griesheim ein, in der Mitte der zweiten Halbzeit glich der Friedberger Linksaußen zum 1:1 aus. Die 77. Minute brachte das zweite und entscheidende Tor für Griesheim, gegen das die Friedberger allerdings sehr lebhaft protestierten, da der Tormann angeblich regelwidrig behindert worden sem sollte. Der recht gute Schiedsrichter 1» j .E*c'n ia<soch nicht beirren, so daß das Spiel 2:1 für Griesheim blieb. Bei den Siegern waren die besten Kräfte Pollatscheck, Endreß und Noß. NS.
SG Arheiligen schlägt Böckingen 3:0
Beiderseits schwache Siürmerleistungen am Mühlchen
In ihrem ersten Heimspiel empfingen am Sonntag die Arheilger die Mannschaft der Union Böckingen. Nach dem vorsonntäglichen Debakel war man allgemein auf die Leistungen der Gastgeber gespannt. Mahr spielte diesmal in der Verteidigung, Becker rückte dafür in die Läuferreihe und Zöller spielte im Sturm. Die Gäste, die von den Aufstiegsspielen in Darmstadt noch bestens bekannt waren, hatten ihre stärkste Mannschaft zur Stelle.
SG Arheilgen: Seibel, Mahr, Wenchel, Müller, Kaut, Becker, Dilfer, Zöller, Wenler, Kirchrath und Lieber..
Union Böckingen: Pilz, Tabler, Lerchner, Kühner, Bauer, Waibel 11, Dietz 11, Graf, Auer, Braun und Waibel I. Zuschauer: 2 000.
Schiedsrichter: Tischler, Karlsruhe. Der Sieg der Arheilger ist gemessen an den beiderseitigen Leistungen verdient. Insbesondere die erste Halbzeit gehörte klar den Gestgebern. Durch raumgreifendes Spiel und die wuchtigen Abschläge der Hintermannschaft gab es stets Gefahr im Gästestrafraum. Dilfer war der beste Mann. Die Hintermannschaft war gegenüber dem Vorsonntag verbessert, zeigte jedoch noch große Schwächen. Müller hatte nicht seinen besten Tag. Mittelläufer Kaut beschattete vorbildlich den Gästemittelstürmer Auer. Seibel im Tor brauchte nicht viel Proben seines Könnens abzulegen. Die Bälle, die für ihn gedacht waren, konnte er souverän und sicher halten.
Bei den Gästen sah man eine andere Mannschaft, wie man sie noch vor Wochen im Hochschulstadion zu sehen bekam. Die zügigen Kombinationen und die Gefährlichkeit des Sturmes mußte man gänzlich vermissen. Wohl hatten die Gäste in ihrem linken Läufer Waibel II den besten Spieler auf dem Platz, der Sturm zeigte sich jedoch derart unentschlossen, daß es noch nicht einmal zu dem verdienten Ehrentreffer langte.
Beiderseits wurde das Spiel nervös begonnen. Ueberhastet wurden die Bälle weitergegeben und erst nach einigen Minuten kam etwas Linie in das Spiel. Zunächst waren es die Gäste, die vor Seibels Heiligtum erschienen. So mußte sich der lange Torwart nach wenigen Minuten strecken, um einen Flankenball des Linksaußen parieren zu können. In der 8. Minute bekam Wendler von Becker den Ball in den Strafraum zugespielt und sein überraschender Schuß saß im rechten unteren Eck, für den Torsteher nicht zu halten. In der gleichen Minute konnten die Arheilger bereits die Führung erhöhen. Durch den 1. Treffer mächtig angetrieben, landete der Anstoß der Gäste bei den Arheilgern, der Ball kam zu Zöller, der kurz entschlossen mit einem flachen Drehschuß das 2. Tor erzielte. Nun kam etwas Leben in das Spiel. Beide Mannschaften hielten den Ball nicht auf der Erde, und so war auf beiden Seiten kein Kombinationsspiel zu sehen. In der 15. Min. hatte es Zöller freistehend in der Hand, die Führung weiter auszubauen. Sein Schuß strich jedoch knapp über die Latte. In der 33. Minute war es dann Lieber, der von Kirchrath gut bedient, in die äußerste Ecke den 3. Treffer für die Gastgeber buchen konnte. Wenn nun allgemein der Gedanke aufstieg, Arheilgen könnte dieses Ergebnis in den weiteren Spielminuten weiter ausbauen, so sah man sich getäuscht. Ein Schuß von Dilfer, der sich immer wieder fein durchsetzte, machte Pilz sehr zu schaffen. Auf der Gegenseite wurde Mahr überlaufen, den strammen Schuß von Waibel I konnte Seibel ausgezeichnet halten.
Die 2. Halbzeit wirkte gegenüber der ersten langsamer. Beide Mannschaften zeigten nicht mehr viel Ehrgeiz. Die Gäste waren nun im Mittelfeld etwas besser, aber ihr Sturm, der sich zeitweise hilflos anstellte, konnte mit den bestgemeintesten Bällen nichts anfangen. Das Treffen war für Arheilgen nach den drei Toren schon entschieden. Einmal war es Kirchrath, der in guter Schußposition vergab, anschließend Lieber. Die Zuschauer rauften sich mitunter die Haare, wenn die dicksten Chancen vergeben wurden. Die größte Gelegenheit aber hatten die Gäste in der 75. Minute, als Waibel II aus den hinteren Reihen sich mit dem Ball vorspielte, drei Gegner umging und den Ball an den freistehenden Auer schob, der das Leder aus 8 Meter Entfernung knapp neben das Tor jagte. So blieb den Rot-Weißen der verdiente Ehrentreffer versagt. Das Spiel, das von beiden Seiten fair durchgeführt wurde, hatte in Tischler einen guten Schiedsrichter. Eckenverhältnis 4:3 für Böckingen. Im Vorspiel trennten sich die Reserve der SG Arheilgen und die 1. Mannschaft von Starkenburgia Heppenheim 3:3. ’ -eri-
Alschaffenburg gefiel
Die. Spiele der 11. Division
München. (FAZ) Eine ausgezeichnete Vorstellung gab der frühere hessische Landesligist Viktoria Aschaffenburg bei Wacker München, das er mit 5:0 unerwartet klar distanzieren konnte. Wertvolle Punkte erkämpften sich Jahn Regensburg und der TSV Straubing. Die Jahn-Elf holte sich am Bodensee gegen den VfL Konstanz einen schwererkämpften 2:1- Sieg, während sich der TSV Straubing bei Ulm 46 3:2 durchsetzte. Der 1. FC Bamberg siegte gegen den früheren Zonenligisten SV Tübingen 2:0 und mit Bayern Hof (2:1 über den SV Wiesbaden) kam ein weiterer bayerischer K'ub zu einem doppelten Punkterfolg. Der ASV Cham und der 1. FC Pforzheim trennten sich nach gleichwertigen Leistungen 1:1. Ein torreiches Treffen gab es in Durlach, wo der einheimische ASV gegen die Stuttgarter Kickers mit 3:4 den kürzeren zog. Hessen Kassel und der FC Freiburg spielten 1:1, während die SG Arheilgen gegen Union Böckingen 3:0 siegte und erneut bewies, daß am Arheilger Mühlchen die Punkte sehr hoch hängen.
Fußball Bezirk~klasse
TSV Pfungstadt—Münster 3:0 (0:0)
Beide Mannschaften konnten nicht überzeugen. Sie lieferten ein Spiel, das in seinem Niveau besonders zu Anfang nacht sehr ho chstand. Pfungstadt trat mit einer völlig umgestellten Mannschaft an, die sich nur schwer zurechtfand und vor allem in der 1. Halbzeit eine ziellose Kickerei veranstaltete. Münster spielte überlegener, konnte aber kein Tor anbringen, da Tormann Schneider (Pfungstadt) einen außerordentlich guten Tag hatte und keinen Ball durchließ.
In der zweiten Spielhälfte zeigten beide Mannschaften ein flüssigeres Spiel. Pfungstadts Sturm spielte sich endlich ein, so daß 10 Minuten nach Wiederanpfiff das erste Tor fallen konnte, dem in der 65. und 80. Minute noch zwei weitere folgten. Trotz größter Anstrengungen konnte Münster nicht das verdiente Ehrentor schießen. -dt-
Fußballkurs Darmstadt
Fußballergebnisse:
Stockstadt—Seeheim 5:2 (3:1) Nied.-Beerbach—Nied.-Ramstadt 2:3 (0:2) Bickenbach—Roßdorf 3:0 (2:0) Hähnlein—Lorsch 3:3 (nach der ersten
Halbzeit wegen Regen abgebrochen) Seeheim—Griesheim 0:2 (nach 35 Minuten wegen Regen abgebrochen) Auerbach—Jugenheim 3:2 (nach der ersten
Halbzeit wegen Regen abgebrochen) Bickenbach ll—Ober-Beerbach I 8:1 Ausscheidungspiel um den dritten Auf-
steigenden in der Bezirksklasse: Groß-Löhrheim—Ueberau 3:1 (2:1) D.
Blick in die Oberliga
Abermals überraschende Ergebnisse in der Oberliga Süd
Ein 2:1-Sieg der Bornheimer über den Meister aus Fürth, der zweite respektable Erfolg des SV 98 Darmstadt und die hohe 2:5-Niederlage des Vfß Mühlburg beim VfR Mannheim: das sind wohl die markantesten Ergebnisse am zweiten Spieltag der ersten Süddeutschen Liga gewesen. Stärkere Beachtung verdient allerdings auch der 3:0-Sieg des 1. FC Nürnberg über Waldhof. Nürnberg will sich augenscheinlich in diesem Jahre bei der Meisterschaftsentscheidung wieder stärker einschalten.
Die Ergebnisse: Schweinfurt—München 1860 2:0, Vfß Stuttgart — Eintracht Frankfurt 4:1, VfR Mannheim — Vfß Mühlburg 5:2, FSV Reutlingen — Darmstadt 98 1:4, FSV Frankfurt — Spvgg Fürth 2:1, Schw. Augsburg —BC Augsburg 1:1, Bayern München —FC Singen 5:1, Kickers Offenbach — VfL Nekkarau 4:0, 1. FC Nürnberg —SV Waldhof 3:0.
Li. Frankfurt. (Eigene Berichte.) In der Süddeutschen Oberliga gab es bereits am Samstag zwei Punktekämpfe. Zehntausend Schweinfurter freuten sich im Willi-Sachs-Stadion an dem 2:0-(0:0-)Sieg ihrer Mannschaft über 1860 München, nachdem sie sich in den ersten 45 Minuten über das unproduktive Stürmerspiel geärgert hatten. Nach dem Wechsel wurde die Leistung besser; Geyer (51.) und Fischer (69. Min.) sorgten für das 2:0.
Beim deutschen Meister Vfß Stuttgart starb die Frankfurter „Eintracht“ in Schönheit. Trotz seines 4:l-(2:l-)Sieges spielt der Vfß nicht gerade meisterlich. Einige Spieler (Otterbach!) gefielen sich in Starallüren, und das Stuttgarter Publikum nahm erneut die Gelegenheit wahr, seine „Lieblinge“ auszupfeifen. Baitinger (1:0), Kudras (1:1), Schlienz, Blessing und Läpple (4:1) erzielten die Tore. Die körperlich unterlegenen Eintracht-Stürmer kombinierten zwar recht ordentlich, aber vor Schmids Gehäuse war es mit ihrer Kunst vorbei.
Glücklicher als die „Eintracht“ spielte der FSV Frankfurt, der in einem spannenden Kampf den Süddeutschen Meister Spvgg Fürth 2:1 zu schlagen vermochte. Eine böse Ueberraschung erlebte der Vfß Mühlburg beim deutschen Exmeister VfR Mannheim. Die Rasenspieler, durch das 4:5 von Darmstadt „wach“ geworden, fertigten die Karlsruher mit 5:2 über Erwarten deutlich ab. Die „Lilien“ ihrerseits fuhren selbstbewußt nach Reutlingen und siegten glatt mit 4:1. Das Augsburger „Derby“ zwischen den „Schwaben“ und dem „BCA“ endete gerechterweise 1:1. Im Münchener Stadion an der Grünwalder Straße fragten sich die Zuschauer, wie es der FC Singen am Vorsonntag fertiggebracht habe, die Offenbacher hereinzulegen, denn die Elf aus der französischen Südzone unterlag gegen die „Bayern“ glatt mit 1:5. Die Offenbacher „Kickers“ versöhnten ihren Anhang mit einem glatten 4:0 über den VfL Neckarau und auch der 1. FC Nürnberg bewies im Spiel gegen den SV Waldhof, daß er noch da ist, das 3:0 spricht für die Güte der Clubelf.
| 1. FC Nürnberg | 2 | 5:0 | 4:0 |
| Bayern München | 2 | 9:2 | 4:0 |
| SV Darmstadt 98 | 2 | 9:5 | 4:0 |
| Vfß Stuttgart | 2 | 5:2 | 3:1 |
| Kick. Offenbach | 2 | 6:3 | 2:2 |
| Spvgg Fürth | 2 | 3:2 | 2:2 |
| VfR Mannheim | 2 | 9:7 | 2:2 |
| Vfß Mühlburg | 2 | 7:6 | 2:2 |
| 1860 München | 2 | 2:2 | 2:2 |
| FC Schweinfurt | 2 | 2:2 | 2:2 |
| Eintracht Frankfurt | 2 | 5:5 | 2:2 |
| FC Singen | 2 | 4:7 | 2:2 |
| FSV Frankfurt | 2 | 3:6 | 2:2 |
| BC Augsburg | 2 | 2:5 | 1:3 |
| Schw. Augsburg | 2 | 1:3 | 1:3 |
| SV Waldhof | 2 | 1:4 | 1:3 |
| SSV Reutlingen | 2 | 2:8 | 0:4 |
| VfLi Neckarau | 2 | 0:6 | 0:4 |
„Scheibenschießen“ beim HSV
Der HSV überfuhr Concordia 10:1
Die Ergebnisse: Hamburger SV — Concordia 10:1, FC St. Pauli — Altona 93 8:1, Arm. Hannover — Werder Bremen 0:1, Göttingen 05 — TSV Eimsbüttel 2:2, VfL Osnabrück — Bremer SV 5:1, SV Itzehoe — Vfß Oldenburg 1:3, Bremerhaven 93 — Hannover 96 1:0.
-ng. Hamburg. (Eigener Bericht.) Diesen unglücklichen Start wird die Elf von Concordia Hamburg so rasch nicht vergessen! Der HSV legte die Weinroten aus Wandsbek mit 10:1 (3:1) herein, und die achtzehntausend Besucher kamen aus dem Staunen nicht heraus. Nach der schwachen 2:1- Vorstellung des Vorsonntags beim Bremer SV rechnete man allgemein damit, daß dei’ dreizehnfache norddeutsche Meister erst nach Kampf gegen Concordia gewinnen würde, zumal ihr Gegner schon immer als „Favoritenschreck“ galt. Torwart Röhrig und Stopper Dannemann verhinderten eine noch höhere Niederlage; der HSV spielte wie aus einem Guß, und Woitkowak (3), Krüger (2), Rohrberg, Börner, Ebeling und Adamkiewicz teilten sich in die Treffer; für das zweistellige Resultat sorgte letzten Endes der Concordia-Läufer Rutz mit einem Eigentor. Der HSV-Torwart Globisch bekam in der zweiten Halbzeit nur einen Ball. St. Paulis Start verlief recht verheißungsvoll. Der Neuling Altona 93 wurde mit 8:1 (5:0) geradezu deklassiert. Arminia Hannover unterlag gegen Werder Bremen nach hartem Kampf 0:1, während Göttingen und Eimsbüttel sich 2:2 trennten. In Osnabrück sah es bei Halbzeit schlecht für die Pla zherren aus, die bis dahin im Spiel gegen den Bremer SV 0:1 im Rückstand lagen. Nach dem Wechsel spielte allerdings nur noch Osnabrück, das mit fünf schönen Toren den erwartet klaren 5:1-Erfolg sicherstellte. Der Vfß Oldenburg holte sich beim SV Itzehoe mit einem 3:1 das Punktepaar, und Bremerhafen 93 kam gegen Hannover 96 zu einem etwas glücklichen 1:0.
| Hamburger SV | 2 | 12:2 | 4:0 |
| VfL Osnabrück | 2 | 9:2 | 4:0 |
| Werder Bremen | 2 | 6:2 | 4:0 |
| Bremerhaven 93 | 2 | 3:2 | 3:1 |
| FC St. Pauli | 1 | 8:1 | 2:0 |
„Englisch“ im Westen
G. Düsseldorf. (Eigene Berichte.) Die Westdeutsche Oberliga startete ihre Punktespiele bereits am Samstag mit dem Treffen 1. FC Köln gegen Hamborn 07, das die Rheinländer mit 2:0 (1:0) gewannen. Zehntausend Zuschauer haderten mit den Hambomer Spielern, die überaus hart spielten. Die Kölner erreichten nicht ihre in den Spielen gegen den Vfß Stuttgart und Austria Wien gezeigte Form. Der Hamborner Torwart Kisker wurde durch den Kölner Mittelstürmer Nagelschmidt so verletzt, daß er nur noch im Tor herumhumpeln konnte und am ersten Treffer nicht ganz schuldlos war. Fortuna Düsseldorf und die Dellbrücker Preußen trennten sich nach verteiltem Spielverlauf 1:1. Rotweiß Essen setzte sich beim Duisburger Spv nach hartem Kampf 1:0 durch. Preußen Münster holte sich etwas unerwartet beim SpV Rheydt mit einem 3:1-Erfolg die kostbaren Punkte. Rotweiß Oberhausen und Horst-Emscher trennten sich 1:1. Eine feine Vorstellung gab Schalke, das Alemannia Aachen in einem hinreißenden Kampf 4:0 bezwang. Der Neuling Borussia M,- Gladbach wehrte sich in Katernberg hartnäckig, der 3:2-Sieg der Sportfreunde war jedoch auf Grund ihres besseren Zusammenspiels durchaus verdient. Borussia Dortmund seit 1947 ununterbrochen westdeutscher Meister, spielte gegen Erkenschwick wenig meisterlich und mußte am Ende froh sein, mit einem knappen 2:1 das bessere Ende für sich zu behalten. Schon die erste Runde zeigte, daß es in dieser Saison in der „Westdeutschen" härter denn je zuvor zugehen wird.
Oberliga Südwest gestartet
G. Mainz. (Eigener Bericht.) Am letzten Augustsonntag hat auch die Fußball-Oberliga Südwest den Kampf um die Punkte aufgenommen. Es standen allerdings nur vier Spiele auf dem Programm.
In den Meisterschaftsspielen gab es die folgenden Ergebnisse: Phönix Ludwigshafen — VfR Kaiserslautern 6:0 (3:0), Mainz 05 — Wormatia 1:2 (0:1), Andernach — Neustadt 3:1 (1:0), Landau — Engers 2:1 (0:1).
In Köln wurden Meister und Bestzeiten geschlagen
Großartige Leistungen der Leichtathleten im Nord-Süd-Kampf
Im Gesamtergebnis siegte der Norden Punkten vor dem Süden mit 283,5 Punkten. Die Mannschaften des Südens waren durch einige Ersatzleute geschwächt. So fehlten u. a. Heinz üizheimer und die 100-m-Meisterin Margot Glöckner, die vor einer Blinddarmoperation steht.
Le. Köln. (Eigener Bericht.) Angenehmes sommerliches Wetter, ein aufmerksames, beifallsfreudiges Publikum, ehrgeizige Aktive und ausgezeichnete Leistungen: das waren Rahmen und Inhalt des Kampfes der beiden repräsentativen Mannschaften von Deutschland-Nord und Deutschland-Süd im Kölner Stadion Pausenlos, Schlag auf Schlag folgend, wickelten sich 18. Männer- und acht Frauen-Wettbewerbe ab.
Zum ersten Male erhoben sich die Wellen der* Begeisterung der 20 000 Zuschauer im farbenfreudigen Rund der Müngersdonfer Anlage zu Wogen, als zwanzig Minuten nach der Ouvertüre die 800-Meter-Läufer um die Bahn kreisten. Der Meisterschaftszweite Cleve siegte in einem taktisch äußerst klug gestalteten Rennen in einem harten Finish mit einem Meter Vorsprung vor Meister Steines. Unerhört lebhaft war auch die Stimmung im Stadion, als die 1500-Meter-Läufer in die Endphase des Rennens gingen. Hatten bei 850 Meter noch die drei Nordvertreter die Spitze gehalten, so drang nun Laufer aus Schwenningen in die Spitzengruppe ein. Am Eingang der Zielgraden erreichte er sogar eindrucksvoll die Spitze des Feldes, führte die Grade hinunter bis 20 Meter vor dem Ziel, aber dann gelang es Meister Lamers, um entscheidende Zentimeter seinen Oberkörper nach vorn zu bringen. Erfolg des endlich einmal befriedigenden 1500- Meter-Rennens: Neue deutsche Nachkriegsbestleistung mit 353,8 Sekunden.
Auf Rasen und Aschenbahn wickelte sich die vielfältige Wettkampffolge ab, wobei es müßig ist, auf die einzelnen Geschehnisse einzugehen und wir den Leser bitten, sich selbst ein Bild aussen nachfolgenden Ergebnissen zu ziehen.
Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Schade — Rekordmann und Meister aus dem Jahre 1950 — erneut ein großes, seinen eigenen Rekord von 14:22,8 Sek. schlagendes Rennen lief.
Die Ergebnisse:
Männer:
40 0 m Hürd.en: 1. Richter (N) 54,8 Sek., 2. Kohlhoff (S) 55,0,3. Dernier (S) 55,5.
100 m: 1. Zandt (S) 10,9 Sek., 2. Wittekind (S) 10,9, 3. Fecher (N) 11,0.
800-m-Lauf: 1. Cleve (N) 1:50,8 Min., 2. Steines (S) 1:50,9, 3. Bona (N) 1:52,8.
Kugelstoßen: 1. Hipp (S) 14,73 m, 2. Dr. Luh 14,61, 3. Bonegen (N) 14,35.
110 m Hürden: 1. Troßbach’(N) 15,1 Sek., 2. Zepemik (N) 10,2 3. Becker (N) 15,3.
Weitsprung: 1. Luther (S) 7,29 m. 2. Stock (N) 6,95, 3. Fallak (N) 6,78.
400-m-Lauf : 1. Geister (N) 47,7 Sek., 2. Huppertz (S) 48,0, 3. Wudtke (S) 48,6.
20 0 m: 1. Zandt (S) 21,5 Sek. (neue deutsche Jahresbestleistung), 2. Haas (S) 21,8, 3. Liekes (N) 22,0.
1 500 m : 1. Lamers (N) 3:53,8 Min. (neue deutsche Jahresbestleistung), 2. Laufer (S) 3:53,8, 3. Lueg (N) 54,4.
Speerwurf: 1. Hauer (N) 66,55 m (neue deutsche Nachkriegsbestleistung), 2. Will (N) 63,50 m, 3. Koschel (N) 60,45.
Diskuswurf: 1. Hips (S) 46,03 m, 2. Jansen (N) 43,20 m. 3. Rosendahl (N) 43,18 m.
Hochsprung: 1. Naumann (S) 1,85 rm 2. Nacke (N) 1,85 m, 3. Bähr (N) 1,85 m.
5 0 0 0 m: 1. Schade (N) 14:22,8 Min. (deutscher Rekord eingestellt), 2. Eberlein S) 14:28,4 Min., 3. Müller (S) 15:09,2 Min.
Dreisprung:!. Bodenlegen (N) 14,77 m, 2. Strohschnieder (N.) 14,34 m, 3. Vogt (S.) 13,70 m.
Stabhochsprung:!. Türk (S) 3,80 m, 2. Landschulze (N.) 3,77 m, 3. Schneider (S.) 3,70 m.
4XI 0 0-m-S taff e 1: 1. Süd (1. Mannsch.) 41,4 Sek. (Schäffer, Wittekind, Lutter und Zandt), 2. Ncrd (1. Mannschaft) 42,1 Sek., 3. Nord (2. Mannschaft) 42,5 Sek.
4X4 0 0-m- Staffel: 1. Süd (1. Mannsch.) 3:14,6, 2. Nord (1. Mannschaft) 3:18,2, 3. Nord (2. Mannschaft) 3:18,2 Min.
Frauen: ‘
10 0 mO: 1. Sander-Domogala (N) 12,2 Sek., 2. Knab (S) 12,3, 3. Hertnack (S) 12,4 Sek.
Diskuswurf - 1. Hümmer (S) 40,99, 2. Hettich (S) 38,65, 3. Ratsack (N) 38,35.
Hochsprung:.!. Buthz (S) 1,53 m, 2. Beikelmann (N) 1,53 m, 3. Kerschuß (N) 1,50.
80 m Hürden: 1. Sander-Domagalla (N) 11,8 Sek., 2. Seunbuchner (S) 11,9 Sek.,
3. Hellwig (N) 12,0 Sek. Kugelstoßen: 1. Kreß (N) 12,48 m,
2. Lehr (S) 11,85 m, 3. Siemer (N) 11,70 m. Weitsprung: 1. Stumpf (N) 5,82 m,
2. Seonbuchner (S) 5,65, 3. Schmitz (N) 5,57 m. Speerwurf: 1. Müller (S) 44,10 m,
2. Maier (S) 40,40 'm, 3. Gelius (S) 38,43 m.
4XI 0 O-m-S t a f f e 1 : 1. Nord (1. Mannsch.) 48,8 Sek. (Schürmann, Sander,- Donagalla, Stumpf), 2. Süd (2. Mannschaft) 49,5 Sek., 3. Nord (2. Mannschaft) 49,5 Sek.
Packendes Duell der Langstreckler
Olympiasieger Reiff wurde in Brüssel von Zatopek niedergerungen
Brüssel, (sid) Brasiliens 1:2-Niederlage gegen Uruguay im Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft 1950 hat ihr leichtathletisches Gegenstück gefunden. 12:45,6 Minuten lang schrien die sicherlich 45 000 Belgier unter den mehr als 50 000 Zuschauern im Brüsseler Heysel-Stadion nach dem Startschuß zum 5000-m-Endlauf: „Gaston, Gaston“. Doch als die Glocke zur letzten Runde über 440 m erklang, da waren sie plötzlich stumm, denn Emil Zatopek trat zu einem Endspurt an, wie er in der Geschichte des 5000-m-Laufes einmalig ist. 440 m lang sprintete dieser Fakir der Langstrecke, von dem die Zuschauer gut 3000 m lang glaubten, er würde das Tempo ihre Idols Gaston Reiff nicht mehr mithalten können. Zu seiner zweiten Europameisterschaft und der vollauf gelungenen Revanche für die 5000- m-Niederlage durch Reiff beim Olympia 1948 in London lautete die Zeit Zatopeks 14:03,0 Minuten
Fanny nahe dem Weltrekord
Ein Phänomen wie Emil Zatopek ist Fanny Blankers-Koen. Englands große Hoffnung Maureen Dyson-Gardner hatte im Endlauf über 80 m Hürden gegen die hürdentechnich klar überlegene vierfache Olympiasiegerin nicht die geringste Chance. Mit 11,1 Sekunden, nur um eine Zehntelsekunde hinter ihrem Weltrekord, erreichte sie trotz leichten Gegenwinds eine ausgezeichnete Zeit.
Norwegens Meister Audun Boysen, der Favorit über 800 m, lief die ersten 400 m in 51,0 an, doch zu Beginn der Zielgeraden war der 21jährige Medizinstudent geschlagen, als Empire-Meister Harry Parlett mit dem vielgerühmten Kampfgeist der englischen Halbmeiler in einem dramatischen Endkampf mit seinem Landsmann Bannister und dem Franzosen Hansenne die Spitze übernahm und in 1:50,5 Minuten den zweiten Sieg des -Tages für Großbritannien herausholte.
Zweiter Titel für Island
Keine Nation hat ihre Athleten auf Brüssel so gut vorbereitet, wie das kleine Island. Fast jeder der Mäner im weißen Trikot und blauer Hose erreichte in Brüssel seine diesjährige Bestform. So gab es neben fürtf isländischen Rekorden nach Husebys Titelgewinn mit der Kugel eine zweite Europameisterschaft für die von 138 000 Einwohnern bevölkerte Insel im hohen Norden durch den jungen Polizisten Torfl Bryngeirsson mit 7,32 m im Weitsprung. Der Isländer erreichte im Stabhochsprung bereits 4,21 m. Er kann sich im Weitsprung noch verbessern, denn vor allem die Technik bei der Landung in der Sprunggrube ist recht mangelhaft.
Im Finale der 200 Meter für Männer siegte der 24jährige Engländer Brian Shenton in 21,5 Sek vor Embally (Frankreich) 21,8 Sek. und Lammers (Niederlande) 22,1 Sek.
Durch den Sieg Von Willy Slijkhuis im 1500-Meter-Lauf sicherte sich die Niederlande einen weiteren Titel. Slijkhuis schlug El Mabrouk (Frankreich) und Bill Nankeville (Großbritannien) ih 3:47,2 Min.
Noch drei Dentsche Enropameister
Erfreulicher Abschluß der Wiener Schwimmer-Kämpfe
Wien. (FA.) Schon im Verlauf der ersten Tage hatte die kleine deutsche Mannschaft bei den Europameisterschaften der Schwimmer mit dem Sieg von Aderhold im Springen und einigen wertvollen zweiten und dritten Plätzen die Anerkennung der stets dicht besetzten Tribünen gefunden. Die schönsten Erfolge aber kamen erst an den Schlußtagen zustande. Herbert Klein gewann am Samstag das. 200- m-Brustschwimmen, am Sonntag wurde Heinz Günther Lehmann Europameister im 1500-m-Freistilschwimmen und anschließend gewann Günther Haase noch die Europameisterschaft im Turmspringen.
Vom Start weg übernahm Klein mit seinem raumgreifenden Schmetterlingsstil die Führung, um in 2:38,6 Min. als Sieger vor dem Franzosen Maurice Lusien (2:40,9), dem Schweden Bengt Rask (2:43,8) und Barbiri (Jugoslawien) anzuschlagen. Bei 100 m lag Klein bereits mit eineinhalb Meter vor dem Franzosen, der im Endspurt allerdings noch einen halben Meter aufzuholen vermochte. Als der Deutsche den Startblock zur Siegerehrung betrat, wurden die Zuschauer gebeten, eine Minute schweigend zu verharren, weil es noch keine deutsche Nationalhymne gibt. Klein blieb mit seiner neuen Bestzeit für Europameisterschaften (die alte Höchstleistung durch Al Romaine, England, stand auf 2:40,1 Min.) nur um 1,8 Sek. über dem von dem Franzosen Nakache gehaltenen Europarekord.
Am Sonntag siegte dann Heinz Günther Lehmann im 1500- m-Freistilschwimmen in der neuen deutschen Rekordzeit von 19:48,2 Minuten vor dem Franzosen Jean Boiteux (19:48,5 Min.) und dem Franzosen Joseph Bernardo (20:06,7 Minuten). Lehmann übernahm nach zwei Drittel der Strecke die Führung vor dem Jugoslaven Stipetisch. Die österreichischen Zuschauer sprangen von ihren Plätzen hoch und feuerten den Deutschen stürmisch an. Der Franzose Boiteux, der gleichzeitig mit Lehmann angriff, fiel vorübergehend wieder ab, drehte aber im Endspurt noch einmal mächtig auf und schlug bald nach Lehmann an.
Unter dem Jubel der zahlreichen Zuschauer wurde dann am Sonntagnachmittag mit dem Sieg von Günther Haase (Lüdenscheid) im Turmspringen noch ein weiterer deutscher Erfolg ausgerufen. Mit vier Europameisterschaften und vielen guten Plätzen war Deutschland, obwohl es nur eine kleine Mannschaft entsandt hatte, eine der erfolgreichsten Nationen der Wiener Meisterschaftskämpfe.
Europameister im 100 -m - Rückenschwimmen wurde der Schwede Goeran Larsson in 1:09,4 Min. vor dem Holländer Kievit (1:09,7) und dem Jugoslawen Skanat (1:10,8). Im Wasserballturnier schlug Schweden Oesterreich mit 7:2, während Holland den Vorjahrsmeister und Favoriten Italien in einem harten Kampf überraschend glatt 9:4 besiegte. Die Holländer führen jetzt klar mit 12:0 Punkten vor Jugoslawien und Schweden (je 7:3) Italien, Frankreich, Oesterreich und der Schweiz.
Davis-Cup an Australien
Die USA bereits 3:0 geschlagen
Forrest Hills, Neuyork (F. A. Z.) Einen unerwarteten Erfolg hatte Australien in der amerikanischen Tennishochburg Forest Hills: nach den ersten beiden Einzel und dem Doppel führten die australischen Herausforderer bereits 3:0 — die beiden restlichen Einzel können an dem Sieg Australiens nichts mehr ändern. Zehntausend Besucher erlebten das entscheidende Doppel. Jack Bromwich/Frank Sedgman bezwangen in einem hinreißenden Kampf die Amerikaner Ted Schröder Gardnar Mulloy mit 4:6, 6:4, 6:2, 4:6, 6:4. Alle vier Spieler zeigten erstklassiges Tennis, Sedgmans vollendete Flug- und Schmetterbälle, die herrlichen Ballwechsel und Bromwichs nahezu fehlerloser Aufschlag, sowie der tapfere Widerstand der beiden Amerikaner rissen die Menschen immer wieder zu stürm 1- schen Ovationen hin.
Die richtigen Tips
Hessen: 1,0, 1. 1,2, 1,1, 0,2, 2,1, 2,0, 1. Rheinland-Pfalz: 1,1, 1,1, 2,0, 1. 0,2, , 0,1, 1. 1.
Württemberg-Baden: 1,1, 1,1, 2,1, 1,1, 0,2, 0, 2.
Bayern: 1,1, 1,0, 1,1, 1,1, 2,0, 2, 2.
Gyseliuckr Vorsprung noch größer
Die Deutschlandfahrer jetzt in Schweinfurt
Vo. Nürnberg. (Eigener Bericht.) Etwas mehr als 600 Kilometer vor dem Ziel Hannover der Deutschlandrundfahrt trägt der Belgier Gyselinckx noch das Weiße Trikot, das er in Konstanz angezogen hat und seither auf fünf Etappen trug, ohne daß er auch nur einmal ernstlich in Gefahr gewesen wäre. Im Gegenteil, auf den letzten drei Etappen vor dem Ruhetag am Montag in Schweinfurt, konnte der Belgier gegenüber seinen Hauptverfolgern, dem Nürnberger Pfannenmüller und dem Schweinfurter Schenk, seinen Vorsprung noch etwas vergrößern,
Nichts hat die klare Ueberlegenheitdes Belgiers Gyselinckx deutlicher gezeigt als das Zeitfahren von Neumark nach Nürnberg, bei dem der Letzte in der Gesamtwertung, der Augsburger Alger, der übrigens nicht weniger als acht Stunden im Gesamtergebnis gegen den Träger des Weißen Trikot zurückliegt, zuerst startete,und der Beste, der Belgier Gyselinckx, zuletzt Sieger der Halbetappe Regensburg—Neumark (66,2 Kilometer), wo die Expreßwerke den Teilnehmern einen gastlichen Empfang bereiteten, war der Belgier Ketteleer in 1:50 Stunden vor dem Bielefelder Pankoke in 1:51,15 Stunden, dem Chemnitzer Schild und dem Schwenninger Müller.
Das Zeitfahren von Neumark nach Nürnberg über 36 Kilometer, bei dem die Fahrer teilweise bei schweren Gewitterregen mit Abständen von zwei Minuten abfuhren, zeigte sich dann doch, daß der Belgier Gyselinckx nicht nur ein hervorragender Kletterer ist, der im Schwarzwald „spazieren fuhr“, sondern daß er auch in den Flachetappen nicht zu schlagen ist. Er war in Neumark als Letzter gestartet, überholte den Nürnberger Pfannenmüller, seinen gefährlichsten Gegner, spielend und fuhr mit 47:43 Min. die weitaus beste Zeit vor dem Chemnitzer Schild in 50:20 Min. Dann kam der Nürnberger Pfannenmüller in 50:38 Min. vor dem stark unter Beinschmerzen leidenden Schweizer Schütz. In der Nürnberger Kampfbahn wurden die Fahrer von Tausenden begeistert begrüßt.
Zoll Erster in Schweinfurt
Vo. Schweinfurt. (Eigener Bericht.) Die 14. Etappe Nürnberg—Schweinfurt über 221,8 Kilometer war infolge des welligen Geländes in den Ausläufer der Fränkischen Schweiz für die Fahrer wieder anstrengend. In Schweinfurt waren Tausende im Willi-Sachs-Stadion zum Empfang der Deutschlandfahrer erschienen. Als der Erste, der Magdeburger Zoll, in die Kampfbahn einfuhr, da lag wieder Sonnenschein über der Landschaft. Im Endspurt gelang es Zoll (Magdeburg) in 5:48,45 Std., den Schweizer Schütz zu schlagen. Die Hauptgruppe folgte mit sieben Minuten Abstand, geführt von Pankoke und dem Schwenninger Müller. Da sich auch Gyselinck und der Schweinfurter Schenk in dieser Gruppe befanden, so wird der Belgier Gyselinck auch auf der Etappe am Dienstag von Schweinfurt nach Kassel zum sechsten Male das weiße Trikot tragen.
Ueberxraschung beim Studenten-Tennis
Düsseldorf. (AP.) Die deutsche Studentenmeisterin Sigrid Schmittherrer (Frankfurt) mußte in der Vorschlußrunde des Dameneinzels beim internationalen Studententennisturnier in Düsseldorf am Samstag eine überraschende 6:0-, 0:6-, 4:6- Niederlage durch die Düsseldorferin Sieghild Münchmeyer hinnehmen.
lnmina wijo immer hleina,
ROMAN VON HANS WOERNER31) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
„Ich nehme an, daß Mary entsetzlich filmbegeistert war, als diese Sache hier bei Ihnen losging“, lächelt Frau Fahr. „Filtnbegeisfert, eigensüchtig, schnippisch und albern.“
„Das sagen Sie großartig“, grient Knut.
Frau Fahr nickt. „Sie sah das Leben wie eine bac';c an, aus der man einen Film macht, wenn man es nur versteht“, meint sie. „Sie fand wohl, es sei wichtig, daß man sich selber dramatisiert. Jedenfalls glaube ich nicht, daß Mary Herm Teddy Beer wirklich liebte. Sie wußte wohl gar nicht, was das ist.“
Teddy Beer...
„Papa hätte nie in Teddy Beer eingewilligt", erklärt Knut. „Seine Vorstellung ist, daß Teddy keine Chance hat, mehr als Angestellter zu werden.“
„Könnte Ihr Vater ihm nicht helfen?“ wirft Frau Fahr ein. „Mit acht- oder neuntausend Kronen könnte Beer sich vielleicht einen kleinen Laden schaffen.“
Knut schüttelt den Kopf.
„Das wü d: oedeufeo, daß wir uns hier einzig wegen Beers Laden drangsalieren lassen“, lacht er böse. „Er wäre dam der wirkliche iNutznießer des Zufalls, der uns traf. Das ist nicht leicht einzusehen. Ich bin sicher, daß Papa das Geld — wenigstens die achttausend Kronen für Mama und ihn selber — dazu nützen will, die Hypothek abzulösen, die er auf unserem Haus hat.“
Knut stockt. So müde er ist, diese Sache hat das Zeug dazu, ihn noch einmal munter zu machen. Er steht auf und geht ein wenig durch dieses Hotelwohnzimmer, das von einem so sehr anderen Typ ist als die großen Hofeisalons in der Haupt ta.l . ■ n oderner, hygienischer, einheitlicher, damit es billiger sein kann und trotzdem öuf aussiehf.
„Hat Mary Ihnen anvertraut, daß sie ich den V au der Sache so denkt? agf er rauh. „Ich traue ihr das zu. Sie findet einfach, daß ein Laden mit leddy Beer richtiger ist als der Film,, der sie doch nicht entdeckt. Sie nimmt ihre faulen Fingerchen und rechnet, daß Papa und Mama gerade jetzt das Geld haben, wenn
man ihnen die Taschen richtig umdreht. Gar nicht dumm ausgedachf.“
Knut ist böse. Er zerdrückt die Zigarette halb im Aschenbecher und nimmt jetzt beide Hände zu den harten Nüssen in seinen Hosentaschen.
„Um Himmels willen“, knurrt er. „Mary ist unter die Drahtzieher gegangen.“ Er stemmt seine Beine lest auf und da steht er nun und gedenkt Mary einen Strich durch ihre Rechnung zu machen.
„Es würde mir ja auch leid tun, wenn Ihr Vater genau so weiter leben und für die Hypothekenzinsen arbeiten muß wie bisher", überlegt Frau Fahr... — „Wenn ich bedenke, wie unglücklich er in der Badewanne saß und ungezählte Male den Gummischwamm über seinem Kopf ausdrückfe.“ Frau Fahr lächelt... „Was war eigentlich der Sinn dieser Aufnahme?“ fragt sie.
„Die Leute wollen zeigen, daß ihr Gummischwamm mehr Wasser speichert als ein Naturschwamm", antwortet Knut nebenher. Dann spricht er wieder lauter. „Papa tut mir gar nicht leid“, stößt er hervor. „Wenigstens nicht mehr als Mann.“
„Natürlich!" Frau Fahr ist plötzlich ernst „Ihre Mutter wird an ihrem Teil eben noch mehr darunter leiden, daß Mary das ganze Geld bekommt, aber sie ist eine Frau und ist Marys Mutter. Sie wird es eher überwinden, sie wird es leichter einsehen.“
„Was wird sie einsehen?" fragt Knut.
„Daß Mary Herrn Beer heiraten sollte", antwortet Frau Fahr. „Sie bekommt nämlich ein Baby von ihm, sehr wahrscheinlich."
„Toll", sagt er ruhig. „Ganz toll. .. aber es paßt zu uns, daß auch das Geld nicht bleibt, daß wir es genau so auf einen Schla .ergeben, wie es uns zufiel. Wenn Sie uns in drei Jahren besuchen, können wir Ihnen vielleicht erzählen, daß Marys Laden bankeroftierf hat, und daß Mama ihren guten Ring noch draulgeben mußte."
Frau Fahr triff zu ihm. 1 1 I- 1-
„Nun, es kann ebenso gut anders kommen“, meint sie. „Herr Beer wird sich sehr fummeln und tüchtig Reklame machen. Vielleicht gelingt ihm ein kleiner Schlager, eine Hühneraugensalbe oder so etwas."
Knut lacht behaglich.
„Ja, auf Hühneraugensalben ist auch viel Verlaß“, erinnert er sich. Sein Lächeln hält eine Weile vor. Frau Fahr ist froh, das zu sehen. „Ich meine, Sie sollten Mary in dieser Sache helfen, Knut", rät sie. „Es beschließt ihre filmselige Zeit und gibt ihr die Chance, ein einfaches, tätiges Leben zu beginne^“
Knut nickt.
„Bekommt sie das Baby denn auch wirklich?“ fragt er leise. „Ich meine, es ist schließlich erst eine gute Woche vergangen, seif sie zu Hause mal ausblieb.“
Frau Fahr weiß das.
„Darüber sprach ich mit Mary“, antwortet sie. „Der entscheidende Gesichtspunkt scheint zu sein, daß Sie vier als Prominente in Ihre Kleinstadt zurückkehren. Jeder wird auf Sie achten, wenigstens ein Jahr lang. Vielleicht wird Ihr Vater jetzt zum Stadtrat gewählt. Jedenfalls sind Sie alle recht exponiert. Man wird kaum riskieren können, daß das Kind, sagen wir, sechs Monate nach der Hochzeit zur Welf kommt.“
Das ist einzusehen. Es ist die Folge der Prominenz. Die Drähte dürfen nicht aus der Hand gelassen werden. Sie fliegen einem sonst um die Ohren. Knut geht zu diesem kleinen Tisch neben dec Stehlampe zurück und Frau Fahr setzt sich still zu ihm. Sie gibt ihm den letzten Kaffee und schiebt ihm die Zigaretten hin. Die Uhr ist zwei in der Nacht, draußen hat sich ein Wind aufgemacht.
Knut Steen erhebt sich, um Frau Fahr gute Nacht zu sagen.
„Wissen Sie übrigens wirklich nicht, wo Jo Tompson ist?“ fragt er.
„Nein, wirklich nicht Knut!" antwortet die Frau. „Sie war schon abgereisf, als ich sie aufsuchen wollte.“ Knut nickt.
„Uebrigens erkundigte ich mich auf ihrem Postamt nach ihrer Feiienadresse“, gesteht er, „tatsächlich lautet die Adresse auf dieses Hotel hier.“
„Was Sie nicht sagen", ruft Frau Fahrs überrascht. „Sie können sich also gleich morgen früh in der Anmeldung erkundigen."
„Das habe ich schon getan“, sagt er rauh. „Die Tompsons waren nicht hier, sind nicht hier und werden nicht hier erwartet.“
„Merkwürdig.“
„Ja... Gute Nacht...“
„Gute Nacht, Knut.“
Knut Steen schläft in Wirklichkeit schon, während er den Schlafanzug aus seinem Handkoffer zieht. Dabei fällt Jonas Tompsons Buch heraus, und Knut steckt es unter sein Kopfkissen, damit er auch schlafen kann.
42.
Am andern Morgen haben dunkle Gebirge von wandernden Wolken ihren Weg so tief über dem See, dem Flugplatz und diesem enttäuschenden Hotel, daß an Außenaufnahmen nicht zu denken ist. Der Manager verständigt Frau Fahr. Knut Steen schläft ohnehin noch.
Eine Weile später klopft Frau Fahr bei ihm an. Er bittet sie hereinzukommen und erfährt, daß er den ganzen Vormittag schlafen kann, wenn er will. Die Gesellschaft hat den Vertrag so abgeschlossen, daß die Steens einen Abend, die Nacht und den nächsten Tag bis 14 Uhr zur Verfügung stehen. Das Wetterrisiko trägt die Verkehrsgesellschaft allein.
„Vielleicht werden wir aber abgeholt, um im Speisesaal zur Reklame zu frühsfücken“, knurrt Knut verschlafen.
„Das dachte ich auch", lächelt Frau Fahr. „Aber der Vertrag sieht das nicht vor, also geht es nicht.“
Knut schläft weiter ...
Aber er wacht aus sich selber bald wieder auf, weil er anscheinend doch genug geschlafen hat. Er steht auf und geht an das Fenster, um sich dieses wundervolle Wetter selbst anzusehen.
Das Fenster geht aut die Rückseite des Hotels hinaus. Man sieht Grünflächen, vom Regen erfrischte Grünflächen mit verschlungenen Fußwegen aus Steinplatten. Ein Mann rattert mit einer Grasschneidemaschine über das dicht stehende, gepflegte Garfengras, und ein Mädchen rattert mit einer zweiten Maschine halblinks hinter ihm her. Es trägt, genau wie der Mann, kurze Gummistiefel, eine Hose, einen Pullover und ein Halstuch. Es hat tiefbraunes, schönes Haar... Sie sieht ein bißchen Jo Tompson ähnlich, denkt Knut.
Knut schüttelt über sich selbst den Kopf. So weit bin ich also! Von jedem netten Mädchen mit braunem Haar finde ich, daß es ein wenig Jo Tompson ähnsich, sieht. Aber Jo Tompson ist das, was ich aus diesem Rummel übiig behalten möchte, sagt Knut Steen sich und er lächelt dabei: Ich werde mich jetzt wirklich noch einmal erkundigen!
Frau Fahr frühstückt, Knut ißt ein paar Happen mit. Dann läuft er los. Er bekommt genau die gleiche Auskunft, die er am Abend zuvor hörte. Niemand hier weiß das geringste von Tompsons.
Nach dem Mittagessen fragen Frau Fahr und Knut ihre Koffer selbst zum Flugzeug. Der Hotelmanager besteht darauf, daß sie einen Nebenausgang benutzen. Alles soll recht wenig Aufsehen erregen. Der Mann fürchtet einfach, es möchten bei diesem Wetter zu viele Gäste ihren Aufenthalt beenden, weil die Steens abreisen.
Der Flug ist böig. Es werden keine Aufnahmen gemacht...
43.
Auf dem Flugplatz der Hauptstadt stehen gegen 16 Uhr zwei Wagen. Der erste holt Frau Fahr ab, damit sie in ihrer Rolle a r.au Steen zu einer Veranstaltung der Frauemifa kommt. Sie soll dort eine Ansprache halfen, deren Text ihr der Manager schon beim Einsfeigen gibt, damit sie ihn auf der Fahrt schon einmal überfliegt und womöglich wörtlich behält. Im zweiten Wagen siezt Begger am Steuer. Er soll Knut Steen in das Studio bringen, weiter nichts, deshalb ist auch kein Manager dabei.
Begger fährt ungewohnt langsam.
„Fehlt dem Wagen etwas?" fragt Knut.
„Nein“, antwortet Begger. „Aber ich habe mit Ihnen zu reden, Knut. Ihr Vater hat einen bösen Krach mit der Gesellschaft. Die Manager drohen, Ihren Vertrag auffliegen zu lassen. Sie dürfen sich nicht anmerken lassen, daß Sie das von mir wissen. Ihre Mutter weiß es auch noch nicht, aber es könnte Ihnen helfen.“
Knut Steen steigt aus...
Im Studio aL l.ct tatsächlich nur Mary, Mary, die wahrscheinlich ein Baby haben wird, heiraten muß und das Geld braucht, dessen zweite Rate jetzt vielleicht nie fällig wird, denkt Knut. Ich muß doch zusehen, was ich tun kann, ich habe nur nicht viel Lust.
(Fortsetzung folgt)
2.Motorrad-Rennen auf dem Ried-Ring
Hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer begeisterten 25 000 Zuschauer
Der Ried-Ring ist die Renstrecke der Jugend und des Rennfahrernachwuchses. Nicht allein, daß ein Siebzehnjähriger die gesamte übrige Ausweisfahrergilde aus dem Felde schlug, daß das jüngste Gespannpaar die 15 -Rundenschlacht in der Beiwagenklasse bis 600 ccm holte, läßte diese Behauptung gerechtfertigt erscheinen, sondern ebensosehr die Tatsache, daß ein 22jähriger wie Herbert Böhm, der erst in diesem Jahre den Rennsattel bestiegen hat, hier zwei Siege in der 500 er Klasse erzielen und somit unter die Lizenzfahrer vordringen konnte.
Dr. Paul Laven unterrichtete und unterhielt die etwa 25 000 Zuschauer über das Streckenmikrophon. Unter den Ehrengästen sah man den Schirmherrn des Rennens, Landrat Dengler, ferner Ministerialrat Dr. Steinmetz, der zusicherte, im kommenden Winter dafür zu sorgen, daß Bergstraße und Ried mit besseren Telefonverbindungen versehen würden, wobei auch die - Ring-Rennen profitieren könnten. Wilhelm Herz (Lampertheim) schwang Startflagge und schwarzweißkariertes Schlußzeichen und mancher alte Rennhase wie W. Klein, Meister Döring oder Gregor Scheuermann waren unter den begeistert mitgehenden Zuschauern, die den 3,170 km langen Kurs umsäumten, zu sehen.
Den Auftakt bildeten die Ausscheidungsrennen der 125-ccm-Ausweisfahrer. In zwei Läufen wurden aus insgesamt 42 Startern die 20 Teilnehmer des Endlaufes ermittelt. Erstaunlich blieb hierbei,
was die ebenfalls in dieser Klasse gestarteten lOOer-Maschinchen leisteten.
Das zwischen den Vorläufen der 125 er und deren Endlauf gestartete Rennen der 250 er Klasse war dem späteren Sieger Braun nicht zu nehmen. Von Anfang an setzte er sich an die Spitze des Feldes, bereits nach 6,4 km den seitherigen Rekord von 94,7 km/std mit 95,6 km/std überbietend. Er steigerte das Tempo schließlich rundenweise auf 101,6 km/std und sorgte rechtzeitig für ausreichende Distanz dem Heusenstämmer Gilberg gegenüber, so daß er zwei Runden vor Schluß sogar eine Kühlwasseraufnahme risikolos Überstand.
Für die gemeinsam gestarteten Beiwagenfahrer der 600 er und 1200 er Klasse schien der Rundstreckenkurs gelegentlich doch etwas schmal, ein Umstand, der, wie man hörte, bis zum kommenden Frühjahr behoben sein soll. Das jüngste Teilnehmerpaar Schneider — Wahl auf BMW fuhr ein bravouröses Rennen und ließ bis Willand—Bahlke und Heinz— Zimmerschmid mit ihren schweren Gespannen alles andere hinter sich, obwohl sie mit einer Minute Abstand gestartet waren.
Die 350 er Klasse sah ein 20 Runden währendes Duell zwischen dem späteren Sieger Roch auf Norton und seinem Verfolger Baue r auf Triumph. Zum Schluß zog Roch in einem fabelhaften Endspurt noch einmal an, legte zwei Runden mit einem Durchschnitt von 102 km/std hin und siegte mit 13 Sekunden Vorsprung.
Das einzige Lizenzfahrer-Rennen des Tages sah 16 Maschinen der 125 er am Start. In einer phantastischen Fahrt duellierten sich die beiden Wiesbadener Heinrich (DKW) und Thorn (Puch), die nach 20 Runden Rad-an-Rad-Kampf und stetigem Führungswechsel Heinrich mit zwei Radlängen für sich entschied. An dritter Stelle kam der mit zwei Minuten Verspätung gestartete Hoffmann (Frankfurt) ein, der absolut das beste Rennen der Klasse fuhr. Den Vorsprung seiner Konkurrenten aber konnte er nicht mehr ganz wettmachen.
Den Abschluß des gelungenen Tages bildeten die 500er-Maschinen, zu dem Wilhelm Herz bereits vorher den mutmaßlichen Sieger Böhm verkünden ließ. Mit welchem Wagemut und fahrerischem Können dieser sympathische Junge „sein“ Rennen nach Hause fuhr, läßt für die Zukunft allerhand erhoffen.
LUKUIin cuicmcuiu ciuvxxcu. Ergebnisse: Ausweisfahrer: 125 ccm: 1. W. Reichert (Ingelheim) Puch, 87,7 km/ std; 2. F. Winterfeld (Köln) Puch; 3. Reinhard (Adelsheim). 250 ccm: 1. Gg. Braun (Hechingen) DKW, 92,9 km/std; 2. Freudemann (Oberndorf) DKW; 3. Gillberg (Heusenstamm) Triumph, 4. Peter Elbert (Arheilgen) Triumph. 350 ccm: 1. H. Roch (Helmbrechts) Norton 96,5 km/st; 2. Bauer (Frankfurt) Triumph. 500 ccm: 1. Böhn (Troisdorf) Triumph 102,7 km/std; 2. Häfner (München) BMW 102,4 km/std. 600 ccm Beiwagen: 1. Schneider/Wahl (Weidenau) fiMW 92,7 km/std. 1200 ccm Bei¬ wagen: 1. Willand/Bahlke (Babenhausen) BMW 94,3 km/std; 2. Heinz/Zimmerschied (Bad Ems) BMW 93,9 km/std.
Lizenzfahrer: 125 ccm: 1. Heinrich (Wiesbaden)- DKW 92,0 km/std; 2. Thorn (Wiesbaden) Puch, 91,9 km/std; 3. Hoffmann (Frankfurt) Puch, 90,1 km/std. ni.
Der 22jährige Herbert Böhm zählt nach seinem imponierenden Sieg in der 500- ccm-Klasse auf dem Ried-Ring zu den größten Nachwuchstalenten
Hockey
Klubkampf für Sachsenhausen
Zum zweiten Freundschaftsspiel der diesjährigen Saison waren die Mannschaften des TEC in Frankfurt zu Gast. Am Samstag verloren die Alten Herren überraschend klar 3:0 und die Knaben 1:0, während die Mädchen sich den Gastgebern mit 3:2 überlegen erwiesen. Am Sonntag unterlagen die Darmstädter Damen im Vorspiel hoch 6:0, ehe sich die 1. Herren gegenüberstanden. Die Darmstädter mußten einige Stammspieler ersetzen und gingen dadurch etwas gehandicapt in das Spiel gegen die Mannschaft mit den großen Namen. Nach knapp 15 Minuten hatten sich die Gastgeber eine leichte Feldüberlegenheit erkämpft, aber nur der Alt-Internationale Cuntz konnte bis zur Pause eine Strafecke verwandeln,
Nach der Pause drängte Sachsenhausen schwer, aber auch der Darmstädter Sturm ließ den Gastgebern keine Ruhe. Dielmann und Wolff, die erst aus der Juniorenmannschaft kommen, zeigten wenig Respekt vor ehern. Nationalspielern, und Wolff hatte einmal großes Pech, als er frei vor dem Tor stehend an Dröse vorbei ins Aus schoß. Dies Tor wäre bestimmt verdient gewesen. Th. Dröse konnte sich gegen den TEC-Nachwuchsspieler K. Pabst auch nur selten und mit Glück durchsetzen und das Spiel stand 15 Minuten vor Schluß noch 1:0. als die Gastgeber noch einmal aufdrehten. Eine Strafecke von Cuntz hielt ein TEC-Verteidiger. eine andere zischte glashart an die obere Latte, da fand die Kugel doch noch einmal ihren Weg. Damit mußte sich aber die TSV begnügen, es hätte nicht viel gefehlt, und die verbissen kämpfenden Darmstädter hätten das mehr als verdiente Ehrentor erzielt. Bezeichnend für die Formverbesserung des TEC ist, daß beide Tore durch Strafecken erzielt wurden, die Cuntz als alter Spezialist immer noch unheimlich hart placiert schießt.
Glanzvolle RSC- Werbeveranstaltung
Rollhockey: RSC—Rot-Blau, Frankfurt 13:1 (6:1)
Anläßlich des 2jährigen Bestehens des RSC Darmstadt hatte der Verein am Sonntag auf seiner herrlichen Bahn hinter dem Orpheum eine gut besetzte Werbeveranstaltung aufgezogen. Es mögen 1000 Zuschauer gewesen sein, die von den Leistungen im Kunstlaufen und im Rollhockey begeistert waren.
Im Kunstprogramm stellte sich Ellen Bruder, FREC Frankfurt, als neue hessische Meisterin vor. Ihre ausgezeichnete Kür gefiel allgemein, und sie konnte auf offener Szene öfter Beifall ernten. Des weiteren liefen Margot Holzapfel, Lotti Gellert sowie Marikka Kilius und Fränzel Ningel. Die beiden Nachwuchstalente Kilius/Ningel, die beide in Darmstadt größte Sympatien beim Publikum haben, konnten auch diesmal wieder ausgezeichnet gefallen.
Der RSC Darmstadt stellte seine neuen Meister, Ursula und ^ahn Birken, Ulla Mahr und Heinz Frommann vor. Der Nachwuchs kam ebenfalls durch Homann, Pfeffer, Zorn und Sommer zu Wort.
In einem überlegen geführten Rollhockey-Spiel siegte der neue Hessenmeister überlegen gegen die neuformierte Frankfurter Mannschaft. Die Gäste, die sich erst wieder finden müssen, konnten in keiner Phase des Kampfes dem RSC Widerstand entgegensetzen. Von Anstoß weg gingen die Gastgeber in Führung und bauten sie immer weiter aus. Beim Stande von 5:0 kamen die Gäste zum verdienten Gegentreffer. Die Tore für den RSC schossen: Kraft 7, Bender 4 und Trautmann 2. Im zweiten Drittel wurde der Nachwuchsspieler Reichwald eingesetzt, der zufriedenstellende Leistungen zeigte. Wehrle im Tor des RSC konnte bei den wenigen Gegenangriffen sein Tor stets rein halten.
Bei den am kommenden Sonntag in München-Gladbach stattfindenden deutschen Kunstlaufmeisterschaften im Rollschuhlauf werden die Geschwister Dirken in der Junioren-Klasse im Einzel- und im Paarlauf starten. eri
DSW 1912 Darmstadt
Meister der Wasserball-A-Klasse
In Heppenheim wurden am Sonntag die letzten Rundenspiele der A-Klasse im Wasserball durchgeführt. Durch den Verzicht von Mörfelden kam der DSW 1912 Darmstadt kampflos zu seinen letzten Punkten und wurde somit ungeschlagen Meister. Auf dem zweiten Platz konnte sich der SC Reinheim vor der TSG 46 Darmstadt halten, die wiederum dank ihres besseren Torverhältnisses die Rüsselsheimer Sieben auf den vierten Platz verweisen konnte.
Die Ergebnisse der Spiele vom Sonntag: TSG Groß-Gerau — SC Reinheim. In diesem Spiel war wohl in der 1. Halbzeit Reinheim 2:0 in Führung gekommen, jedoch konnte Groß-Gerau durch einen großartigen Finish einen 3:2-Sieg herausholen.
Im Spiel zwischen Rüsselsheim und Heppenheim waren die Opelstädter jeder Zeit überlegen und siegten verdient mit 7:0.
Im letzten Spiel standen sich der SC Reinheim und der SC Heppenheim gegenüber. Dank ihrer schwimmerischen Ueberlegenheit siegten die Reinheimer mit 7:2 Toren.
Der Schlußstand der Tabelle:
SKG Fehlheim gegen FC Fürth 0:1
Auch das zweite Spiel um die Fußballmeisterschaft des Kreises Bergstraße konnte der Odenwaldmeister Fürth für sich entscheiden und so die Meisterkrone der B-Klasse 1950 übernehmen. Die Odenwälder spielten einen gepflegteren Fußball, hatten in ihrer Deckung die kräftigeren Leute und waren — vor allem in der ersten Hälfte — im Sturm um jene Kleinigkeit durchschlagskräftiger, die zu diesem knappen Sieg erforderlich war. Der einzige Treffer fiel bereits in der 29. Minute, als Linksaußen Fink eine Flanke vor das Tor zog, die ein einheimischer Verteidiger ins eigene Netz schlug. Lammers hatte nach Seitenwechsel, als Fehlheim seinerseits aufdrehte, manche schöne Ausgleichschance, vergab sie jedoch ebenso, wie Germann und Hölzer auf der Gegenseite die Erhöhungsmöglichkeiten. Schiedsrichter Wenzel (Zwingenberg) pfiff korrekt. (ni)
| DSW 12 Darmstadt 6 | 6 28:3 | 12:0 |
| SC Reinheim 6 | 402 18:10 | 8:4 |
| TSG 46 Darmstadt 6 | 3 1 2 27:9 | 7:5 |
| TUG Rüsselsheim 6 | 3 1 2 33:15 | 7:5 |
| TSG Groß-Gerau 6 | 3 0 3 18:34 | 6:6 |
| SC Heppenheim 6 | 1 0 5 10:38 | 2:10 |
| KSO Mörfelden 6 | 0 0 6 11:36 | 0:12 |
Ergebnisse des Ernst- Sachs-Gedächtnisrennens in Frankfurt a. M.
Junioren-Klasse: 77 Teilnehmer, 235 km: 1. Holzmann (Frankfurt); 2. Reitz (Wiesbaden); 3. Krancher (Wiesbaden); 6. Volkhammer (VCD).
Jugend (A-Klasse): 43 Teiln., 62,8 km: 1. Paul Nester (VCD); 2. Schmidt (Wiesbaden); 3. Hanno Seifert (VCD); 4. Kirchherr (Frankfurt); 9. Strauber (VCD); 11. Rose (VCD).
Jugend (B-Klasse): 28 Teiln., 62,8 km: 1. Otto (Wiesbaden); 2. Lattermann (Sossenheim); 3. Schneider (Mörfelden); 4. Gebstein (Sossenheim); 5. Herrmann (VCD).
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