„Rekord im Wohnungsban“ Streiks im Baugewerbe
Bonn, 25. August. (AP.) Der Bundesminister für den Wiederaufbau, Wildermuth, hat am Freitag in einer Pressekonferenz erklärt, die Bundesrepublik werde in diesem Jahr jeden europäischen Rekord im Wohnungsbau schlagen. Mit 330 000 neuen Wohnungen übertreffe das diesjährige Wohnungsbauprogramm, im Vergleich zur Bevölke23 Westdeutschlands, das eines jeden anderen europäischen Landes, einschließlich Großbritanniens.
Die Bundesgewerkschaft Bau, Steine ünd Erden hat am Freitag an alle Landesgewerkschaften in der Bundesrepublik Streikgenehmigungen für die Bauarbeiter generell erteilt. Die Landes- und Ortsgewerkschaften müssen unverzüglich Vorschläge für die zu bestreikenden Objekte und Firmen vorlegen. Allein der Hauptvorstand der Bundesgewerkschaft in Frankfurt trifft dann die Entscheidung, wo und an welchen Objekten vom Montag an gestreikt wird.
Im Augenblick ist der Umfang der bevorstehenden Streiks nodi nicht zu übersehen. Wie es vom Hauptvorstand heißt, soll jedoch gewährleistet sein, daß dringende öffentliche Bauvorhaben, insbesondere die Bauten an Krankenhäusern und Versorgungseinrichtungen nicht unterbrochen werden.
Der Entschluß der Gewerkschaft wurde ausgelöst durch die Nichtbewilligung der Forderungen der Gewerkschaften auf einen zusätzlichen Stundenlohn von zwanzig Pfennig für sämtliche Arbeitslohngruppen durch die Arbeitgeberverbände. Während die Verhandlungen über die Neugestaltung eines Manteltarifes im Baugewerbe bis zum letzten Augenblick günstig zu verlaufen schienen, hat die Arbeitgeberseite nach Berichten der Gewerkschaften plötzlich eine Tariferhöhung um zwanzig Pfennig je Stunde abgelehnt.
Nach Bekanntwerden des Streikbeschlusses haben verschiedene Unternehmer in den Großstädten Westdeutschlands ihren Arbeitern bereits mitgeteilt, daß sie, unabhängig von den Beschlüssen der Arbeitgeberverbände bereit seien, die Lohnerhöhungen anzuerkennen, sofern die Arbeiter auf den Streik verzichteten. Aus diesem Grund erwartet die Baugewerkschaft keine allzu große Ausdehnung der Streikwelle.
Vorgeschobener Stützpunkt
McCloy über die Sowjetzone
Frankfurt, 25. August. (AP.) In seinem Vierteljahrsbericht an das amerikanische Außenministerium stellt der amerikanische Oberkommissar McCloy fest, daß die Sowjetunion in der Sowjetzone offensichtlich einen vorgeschobenen Stützpunkt errichte, von dem „die kommunistische Befreiung“ Westdeutschlands und Westeuropas gestartet werden solle. Die Stärke der Volkspolizei gibt McCloy mit wenigstens 50 000 Mann an.
In Westdeutschland gewinne die Bonner Bundesregierung allmählich die „vorsichtige Zustimmung“ der Bevölkerung. Im übrigen herrsche in Westdeutschland eine allgemeine Apathie dagegen, selbst politisch tätig zu sein. Große Teile der Bevölkerung seien „skeptisch“ gegenüber den Zwecken und Absichten ihrer politischen Parteien. Daneben hoffe man in Deutschland zuversichtlich, daß sich der kalte Krieg nicht zu einem heißen Krieg entwickele. Die Deutschen glaubten, daß der Westen deutscher Hilfe bedürfe, um einen bewaffneten Angriff abzuwehren, andererseits lehnten die meisten Deutschen für sich und ihre Kinder das Prinzip des Militärdienstes ab. Man scheine jedoch gewillt zu sein, den Vorschlag einer deutschen, Beteiligung in einem europäischen Verteidigungssystem anzunehmen.
Böckler gegen den Generalstreik
„Das Mitbestimmungsrecht wichtiger als die Frage der Löhne und Preise“
Drahtbericht unseres Korrespondenten
Fö. Düsseldorf, 25. August. Dr. h. c. Hans Böckler, der Erste Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat in einem Interview in einer westdeutschen Zeitung am Freitag zum ersten Male nach seiner dreieinhalbmonatigen Krankheit zu aktuellen Fragen Stellung genommen und erklärt, daß die volle Klärung des Mitbestimmungsrechtes für die Gewerkschaften wichtiger sei als die Frage der Löhne und Preise. Deshalb habe diese Forderung unbedingten Vorrang vor allen anderen Problemen..
Daß die Verhandlungen mit den Unternehmern im Grunde ergebnislos verlaufen seien, hätte man nicht anders erwarten können, denn das Gros der Unternehmerschaft vertrete immer noch den zur Jahrhundertwende üblichen Standpunkt. Nach der Lage der Dinge, die dem Deutschen Gewerkschaftsbund keine Veranlassung zu neuen Besprechungen biete, werde also das Bundesparlament nunmehr entscheiden müssen. Die Gewerkschaften würden einen solchen gesetzgeberischen Akt respektieren, der aber unter Umständen nicht das letzte Wort darstellen werde. Niemand könne die Gewerkschaften daran hindern, weitere Wege zur Verwirklichung ihrer Forderungen zu suchen, wenn die künftige Gesetzgebung nicht den berechtigten Ansprüchen der Arbeiter entspreche.
Die Betonung der Mitbestimmung bedeute natürlich nicht, daß die Gewerkschaften der Preisentwicklung untätig zusehen würden. Vielmehr prüfe der Gewerkschaftsbund sehr gründlich, inwieweit die Preissteigerung durch Vorgänge innerhalb unserer eigenen Wirtschaft oder durch die Bewegung auf den Weltrohstoffmärkten verursacht sei. Es sei aber heute schon klar, daß Lohnerhöhungen auf allen Gebieten unvermeidlich seien und die Schere zwischen Preisen und Löhnen weit auseinanderklaffe. Die entsprechenden Lohnforderungen müßten mit Nachdruck durchgesetzt werden. Dagegen würde ein Generalstreik nur schwerwiegende und auch für die Arbeiterschaft nachteilige Folgen haben. Einstweilen beabsichtige der Bundesvorstand der Gewerkschaften nicht, örtlichen Forderungen in dieser Richtung nachzugeben.
Zur Kritik an der Wirtschaftspolitik betonte Böckler, er halte es für weit übertrieben, den Bundeskanzler als einen „Arbeiterfeind“ zu bezeichnen. Die Gewerkschaften müßten jedoch schwere Bedenken gegenüber der Politik des Bundeswirtschaftsministers anmelden, die die Arbeiterschaft benachteilige und die besitzenden Schichten begünstige.
In den Posträumen verboten
Zur geplanten Urabstimmung
F. A. Z. Frankfurt, 25. August. Wie die Postgewerkschaft Frankfurt mitteilt, hat der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen an alle Postämter des Frankfurter Oberpostdirektionsbezirkes ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt, daß das Aushängen von Plakaten über die Urabstimmung und das Auslegen von Abstimmungslisten in den Diensträumen der Post nicht gestattet werde.
In einer Stellungnahme der Postgewerkschaft heißt es, auf höchste Anordnung werde versucht, die gewerkschaftlichen Maßnahmen zur Verhütung einer dreiprozentigen einseitigen Sonderbesteuerung der Bundesbeamten und -angestellten zu unterbinden. Das Verhalten des Bundespostministers sei den Bediensteten der Post nicht verständlich, weil er bisher immer seine Hilfsbereitschaft den Postbediensteten ausgesprochen habe. Die Postgewerkschaft werde Mittel und Wege finden, um ihre Urabstimmung durchzudrücken.
Geheimsitzung des Kabinetts
Erörterung der Sicherheitsfrage in Bonn
Bonn, 25. August, (dpa). Das Bundeskabinett hat sich am Freitag in einer geheimen Sitzung unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers mit dem Sicherheitsproblem beschäftigt. An der Sitzung hat außer den Bundesministern nur der Leiter der auswärtigen Dienststelle, Ministerialdirektor Blankenhorn, als Berichterstatter teilgenommen. Ueber den Inhalt der Besprechungen ist nichts bekanntgegeben worden.
Bundeskanzler Dr. Adenauer wird, wie es in Bonn heißt, in Kürze der Oberkommission eine Darstellung seiner Ansichten über die äußere und die innere Sicherheit der Bundesrepublik unterbreiten. Diese Absicht wurde am Freitag in einem offiziellen amerikanischen Kommunique über die Besprechung, zwischen dem Bundeskanzler und dem amerikanischen Oberkommissar McCloy am Donnerstag angekündigt. McCloy hatte an diesem Tage den Bundeskanzler in seinen Dieristsitz gebeten, um sich über- die Auffassungen Dr. Adenauers zum Problem der Sicherheit genau zu unterrichten.
Am Freitagmorgen begann der Deutsche Bauerntag mit einer Präsidialsitzung des Deutschen Bauernverbandes im Kurfürstlichen Schloß in Mainz. — Das Bild zeigt: Staatssekretär Sonnemann bei seinem Vortrag, rechts von ihm Präsident Hermes und Generalsekretär Hummel, links von ihm Präsident Binzel, Diplom-Landwirt Kohnen, Vizepräsident Secker und Ehrenpräsident Blank vom Bauernverband Rheinhessen.
„Kostgänger Amerikas“
Adenauer zur „Dritten Kraft“
Neuyork, 25. August, (dpa) Der Schweizer Publizist Robert Ingrim hat aus St. Niklausen in der Schweiz an die „New York Times“ einen Brief gerichtet, in dem er über eine Unterredung mit Dr. Adenauer über c^as Problem der deutschen Sicherheit berichtet. Ingrim schreibt:
„Ich erklärte dem Bundeskanzler, daß ich als ein Bewunderer seiner klaren westlichen Politik ihm nicht wie sonst zustimmen könne, als er den Ausdruck „Dritte Kraft“ gebraucht habe, der den Begriff der Neutralität in sich schließt. Darauf antwortete der Bundeskanzler mit Nachdruck und Eifer, und ich glaube, ich kann ihn noch immer Wort für Wort zitieren. Er sagte: Mein Satz ist mißverstanden worden. Ich wollte einen Gedanken ausdrücken, der mir für lange Zeit sehr am Herzen lag: Europa muß aufhören. Amerikas Kostgänger zu sein. Es muß so bald wie möglich zu einer eigenen Kraft werden. Sonst wird es nur den amerikanischen Isolationismus begünstigen.“
Opfer der Unmenschlichkeit
el. Hamburg, 25. August. (Eigener Drahtbericht.) Die Bundesrepublik wird in der Woche vom 3. bis zum 10. September aller Opfer gedenken, welche die Unmenschlichkeit seit 1933 gefordert hat. "Bundespräsident Professor Heuss wird zum offiziellen Gedenktag am 7. September eine Adresse an den Bundestag richten. Die einzelnen Länder werden ebenfalls an diesem Tag die Toten des zweiten Weltkrieges, die der nationalsozialistischen und stalinistischen Konzentrationslager und die Kriegsgefangenen ehren. Alle westdeutschen Rundfunkstationen senden einen Bericht aus der Feder Axel Eggebrechts mit dem Titel „Opfer der Unmenschlichkeit“.
Ungerechtigkeit
*** Die Ereignisse sind stärker als Vorurteile. Die beiden führenden amerikanischen Blätter, die „New York Times“ und die „New York Herald Tribune“, treten mit aller Entschiedenheit für eine schnelle Wiederbewaffnung Deutschlands ein, damit die Bundesrepublik auch von sich aus jeder möglichen Bedrohung aus dem Osten begegnen könne. Es ist dabei bemerkenswert, daß die Blätter bereits Nachdruck auf eine schnelle Wiederbewaffnung legen. Und daß sofort damit begonnen werden müsse. Man hat wohl richtig erkannt, daß weder eine Bundespolizei noch deutsche Militäreinheiten von heute auf morgen auf die Beine gestellt werden können, während eine gefährliche Bedrohung heute schon vorhanden sei. Die „New York Herald Tribune“ meint, Westdeutschland mit seiner großen Industrie und Bevölkerung könne schließlich nur verteidigt werden, wenn das Volk willens und in der Lage sei, zu dieser Verteidigung mit beizutragen.
In diesem Augenblick weist der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, sehr mit Recht darauf hin, eine Voraussetzung jeder deutschen Wiederbewaffnung sei, daß die Diskriminierung der ehemaligen deutschen Soldaten zurückgenommen werde Es sei eine Voraussetzung für die Schaffung eines vereinten Europas, daß die Deutschen überhaupt nicht mehr diskriminiert würden. Arnold trat ebenfalls für die deutschen Kriegsgefangenen ein, die in Frankreich wegen Vergehen verurteilt worden seien, an denen ihre persönliche Teilnahme gar nicht feststehe.
Gleichzeitig erhob in Straßburg die Delegierte der Christlich-Demokratischen Union, Dr. Helene Weber, vor der Beratenden Versammlung über die Menschenrechts-Konvention ihre Stimme für die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich. Das neue Europa, das geschaffen werden solle, müsse sich auf Gerechtigkeit und Menschlichkeit gründen. Es müsse daher außerdem dafür eintreten, daß die vier- bis fünfhunderttausend deutschen Gefangenen, die von dem Russen zurückgehalten würden, nach Deutschland zurückkehren könnten.
Auf die Russen wird der Europarat leider wenig Einfluß ausüben können. Um so mehr ist zu erwarten, daß auch der französische Gouverneur, der in Waldthausen so warm für die deutsch-französische Verständigung eintrat, sich ebenfalls für die Freilassung der Gefangenen in Frankreich verwenden wird, damit eine letzte gefühlsmäßige Klippe beseitigt wird.
Drei schicksalsschwere Worte
Von Erich DombrowskiVor dreimal elf Jahren, im Oktober 1917, gissen die Bolschewisten im völlig zerrütteten Rußland mit raschem Griff die Macht an sich. Friede, Freiheit und Brot waren die drei Losungsworte, mit denen sie die hin- und hertaumelnden Massen wie in einem Netz einfingen. Den Frieden erzwangen sie, indem sie, mitten auf der Höhe des ersten Weltkrieges, die Waffen einfach wegwarfen. Die Freiheit nahmen sie sich, indem sie die Kontore und Fabriken des Kapitalismus zerstörten und den Großgrundbesitz flink unter das landwirtschaftliche Proletariat aufteilten. Nur mit der Zuteilung von genügendem Brot haperte es bedenklich. Der Krieg hatte weite landwirtschaftliche Flächen verwüstet. Die radikale Aufteilung und spätere Vergesellschaftung des Grund und Bodens tat ein übriges, die Produktion weiter rapide absinken zu lassen. Hungersnöte waren die Folge. Nicht nur Hunderttausende kamen dabei ums Leben. Vor zwei Aufgaben stand fortan der Bolschewismus: das sowjetische Staatssystem nach innen und außen zu sichern und seine wirtschaftliche Existenz zu gewährleisten. Dahinter spukte das weltrevolutionäre Gespenst, das ihnen die Marx oder besser noch die Bakunin und Lenin hinterlassen hatten. Daraus entwickelte sich alles zwangsläufig. Die Diktatur des Proletariats, die die sozialistischen Klassiker ja nur als Uebergangsstadium vorgesehen hatten, wurde ein Dauerzustand. Aber das ist nicht einmal ganz richtig. Denn aus dieser Diktatur des Proletariats wuchs die Diktatur eines oder mehrerer Tyrannen heraus, die sich im Polit-IJüro eine alles beherrschende Körperschaft, eine verschworene Gemeinschaft von etwa zwölf Männern, geschaffen hat. An die Stelle des alten bürgerlichen Klassenstaates trat ein neuer Klassenstaat der Funktionäre. Sie leben auf der Höhe. Die Massen verlieren sich in der Tiefe. Allein dreizehn Millionen Menschen haben in Zwangslagern Sklavenarbeit zu verrichten. Ganze Völkerschaften, Millionen von Menschen, wurden, wenn sich Unzufriedenheit unter ihnen regte, von Rußland nach Sibirien umgesiedelt. Das ist die Freiheit, die die Bolschewisten dem russischen Volke versprochen haben. •
Und der Frieden? Kein Zar aller Reußen hat so skrupellos seinen Machtinstinkten freien Lauf gelassen wie gegenwärtig die Gewalthaber in Rußland. Am Rande der russischen Grenzen wurde, in dieser oder jener kommunistischen Verkleidung, ein Land nach dem andern botmäßig gemacht. Fast ganz Osteuropa wurde verschlungen. Im Fernen Osten griff die russische Hand nach der Mandschurei, nach China, nach Korea und schickt sich jetzt an, auch Tibet an sich zu reißen. Die ganze Welt ist aufgeschreckt. Aus dem verheißenen Frieden ist ein verhängnisvoller Unfrieden geworden. Rußland hat eine Militärmacht auf die Beine gestellt, wie sie kein anderer Staat der Erde besitzt. Während die andern Nationen nach dem zweiten Weltkriege abrüsteten, rüstete Rußland ununterbrochen auf und versucht, durch eine revolutionäre Minierarbeit das Feld, nach allen Seiten hin, für weitere Schläge vorzubereiten. Aber kein Staat trieft so von Friedensversicherungen wie der russische. Nirgends wird von den aufgepeitschten und einexerzierten Massen so viel, unter einem ohrenbetäubenden Lärm, von Frieden gesprochen wie von
dem revolutionären Heerbann des Kommunismus. Aus dem angeblich freiheits- und friedensbegeisterten Ostreich der Erde ist ein waffenstarrendes Staatsgebilde geworden, das, allein auf Zwang beruhend, ununterbrochen auf direkte oder indirekte Eroberungen ausgeht. Wenn jetzt die freien Völker der Erde dagegen aufbegehren und Sicherungsmaßnahmen gegen eine weitere Ueberflutung treffen, dann sind sie natürlich die Angreifer. In Wirklichkeit denkt niemand daran, Rußland und seine Satelliten anzugreifen. Nur will man gegen weitere Ueberraschungen Vorkehrungen treffen. Das ist alles. Vorkehrungen nach innen und nach außen. Vorkehrungen für eine wirtschaftliche Wiedergenesung der kriegszerrütteten Völker. Dazu gehört der Marshall-Plan. Militärische Vorkehrungen gegen Ueberfälle, wie wir sie heute in Korea erleben. Gegen beides wendet sich, mit einem unerhörten Propagandaaufwand, der Kommunismus. Das ist nur natürlich. Denn von seinem Standpunkte aus kann seine weltrevolutionäre und imperialistische Politik nur Boden gewinnen, wenn die Völker, in holder Friedenszuversicht eingeschläfert, sich aller militärischen Verteidigungsmöglichkeiten begeben und wirtschaftlich und sozial durcheinandergewirbelt werden.
Das ist der Punkt, da die freien Völker, mitten in der rastlosen Wiederaufbauarbeit der Kriegszerstörungen, Opfer für ihre Freiheit und Selbständigkeit vor dem Ansturm des Ostens zu bringen haben. Denn was bedeutet es, wenn die einzelnen Nationen nunmehr in fieberhafter Hast ihren militärischen Apparat wieder ausbauen und fortlaufend Milliarden über Milliarden dafür ausgeben müssen? Die Ausbeute der Rohstoffe muß gesteigert werden. Die industrielle Erzeugung muß auf immer höhere Touren gebracht werden. Zahlreiche Arbeitskräfte müssen, statt der Produktion zu dienen, dem militärischen Dienst zur Verfügung gestellt werden. Mit andern Worten: ein erheblicher Teil der Erzeugung wird, statt dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zugute zu kommen, abgezweigt für die Aufrüstung. Das drückt sich für jeden einzelnen so aus, daß ihm von seinem Einkommen durch neue Steuern für diese unproduktiven militärischen Zwecke ein Teil weggenommen wird. Sein Verbrauch wird so beschränkt, und da der Staat nicht alles auf neue Steuern umlegen kann, ist er gezwungen, andere öffentliche Ausgaben zu beschneiden, um auch aus diesen Ersparungen, die meistens auf Kosten der Massen gehen, die notwendigen Mittel aufzubringen. Dieser Vorgang spiegelt sich heute bereits in den Nationen, die in erster Linie aufzurüsten gezwungen sind, unzweideutig in der Ausgabenwirtschaft wider: in Amerika, in England, in Frankreich. Auch wir in Deutschland werden an die Reihe kommen. Denn wenn zunächst auch nur eine Bundespolizei aufgestellt wird, werden neue finanzielle Beanspruchungen zur Deckung der Kosten unausbleiblich sein.
Aber das ist nur die eine Seite des Problems. Die andere ist, nicht minder schwierig, bei dieser plötzlichen Verschiebung der wirtschaftlichen und finanziellen Grundlagen, dafür zu sorgen, daß nicht die Preise und Löhne aus ihrem Gehege herausbrechen und, in wildem Wettlauf, eine Inflation heraufbeschwören. Sähe man einer solchen Entwicklung tatenlos zu, würde man unabsichtlich dem Spiel der Russen folgen. Denn die Trumpfkarte, die sie in ihrer Hand zu haben glauben, ist die angeblich unausbleibliche weltwirtschaftliche Katastrophe, die, von Amerika ausgehend, die freien Länder dem Bolschewismus als reife Frucht in den Schoß fallen ließe. Bisher haben sich alle die kommunistischen Prophezeiungen nach dieser Richtung hin als falsch erwiesen. Statt wirtschaftlich abwärts, ist es aufwärts gegangen. Nun versucht es der. Krqml durch den Unfrieden, den er über die ganze Welt zu verbreiten versucht, durch die Angst und Sorge um den kommenden Tag, die wirtschaftlichen und sozialen Fundamente zu erschüttern. Das ist zweifellos der tiefere Sinn des herausfordernden russischen Vorgehens, überall Feuer zu entzünden, andere vorzuschicken, sich selbst aber geschickt zurückzuhalten und so die seelisch und wirtschaftliche Widerstandskraft seiner Gegner auszuhöhlen. Friede und Freiheit versprach der Bolschewismus den Menschen, als er seine Herrschaft antrat. Wir sehen, was daraus geworden ist. Und Brot? Statt es zu geben, nimmt er auch das ihnen. Denn wenn er durch seine unstillbare Eroberungssucht die anderen zwingt, einen großen Teil des Sozialprodukts, also des Brotes im weiteren Sinne des Wortes, für Rüstungsausgaben zur Verteidigung auszugeben, dann drückt er den ohnehin erschütterten Lebensstand der Völker herunter und glaubt sie dadurch mürbe zu machen. So sind ah die Verheißungen von Frieden, Freiheit und Brot in ihr Gegenteil umgeschlagen. Drei Worte, die schicksalsschwer geworden sind.
Amerikaner hoffnungsvoll
Pusan, 25. August. (AP./dpa/Reuter.) Auf dem koreanischen Kriegsschauplatz hat sich die Lage am Freitag nicht verändert. Die Amerikaner erwarten immer noch die große nordkoreanische Offensive. Es gelang den roten Truppen nordwestlich Taiku vorübergehend einen Keil zwischen die Verbände der 6. südkoreanischen Division zu treiben. Operativ gesehen lag dieser Angriffsbewegung voraussichtlich der Gedanke zugrunde, die Mittelfront von der Nordfront zu trennen. Das könnte eine. Teiloperation sein, die einer kommunistischen Großoffensive vorausgeht, die neuerdings von den amerikanischen Abwehroffizieren im Norden oder im Nordosten erwartet wird.
Die Aufklärungsergebnisse bestätigen, daß die Nordkoreaner mindestens acht Divisionen aus dem Raum Taiku in nördlicher Richtung verschoben haben. Nach Schätzungen sollen die Truppenzusammenziehungen 120 000 Mann umfassen. Es ist nicht gelungen, den genauen Versammlungsraum der feindlichen Verbände auszumachen. Die amerikanische Führung stellt sich aber auf einen Stoß aus dem Norden ein.
Im Süden, bei Masan,. sind heftige Kämpfe im Gange, die aber zu keinen operativen Erfolgen führten.
Luftmanöver
Von der Nordsee bis zu den Alpen
Paris, 25. August, (dpa) Am Freitag haben die ersten großen Manöver der Luftstreitkräfte der Westunion begonnen, durch die die Luftverteidigung von der holländischen Küste bis zu den Alpen erprobt werden soll. Die'Manöver dauern drei Tage. Insgesamt nehmen 450 Flugzeuge, darunter Düsenjäger, an diesem größten jemals über europäischem Böden abgehaltenen Luftübuhgen teil.
Arnold fordert Gerechtigkeit
Er tritt für Falkenhausen, Weizsäcker und die Kriegsgefangenen in Frankreich ein
Fö. Düsseldorf, 25. August. Ministerpräsident Arnold von Nordrhein-Westfalen hat am Freitag in einer Rede auf dem Deutschen Schneidertag die Einstellung der Gerichtsverfahren gegen deutsche Kriegsgefangene in Frankreich sowie die Freilassung des Generals von Falkenhausen und des Staatssekretärs von Weizsäcker im Interesse des europäischen Gedankens gefordert.
Arnold erklärte, Europa könne sich nur dann wieder aufrichten, wenn es sich als Einheit fühle und organisiere. Das sei heute die Ueberzeugung der Deutschen, die bereit seien, für diese Ueberzeugung, der die Bundesverfassung im Artikel 24 Rechnung trage, Opfer zu bringen. Allerdings müsse die Bedingung gestellt werden, daß bei den anderen europäischen Völkern die gleiche Ueberzeugung wirksam werde, und aus dem Zusammenwirken in Europa der Wille erwachse, aufzuhören mit den Diskriminationen, mit denen das deutsche Volk belastet worden sei.
Die Gefangenen in Frankreich
Es sei ein hoffnungsvolles Zeichen wachsender Einsicht, daß die Globalverurteilung des deutschen Volkes abklinge und Reste davon nur noch in der Sonderbehandlung weiteflebten, die vor allem noch einer Gruppe von angeklagten deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich zuteil werde. Wenn auch hervorragende französische Juristen eine solche Ausnahmegesetzgebung ablehnten, wie sie hier praktiziert worden sei, wenn auch die französische Militärjustiz zögere, diese Gesetzgebung anzuwenden, die Verschleppung der Verfahren angeblich auf Meinungsverschiedenheiten zwischen Kassationsgerichtshof Und Militärjustiz zurückgehe, und wenn „auch der französische Strafvollzug die bereits ergangenen Urteile zu mildern pflege, so bleibe dennoch übrig, daß Hunderte von Deutschen noch heute rechtlich diskriminiert und zu einem großen Teil zur Verantwortung gezogen würden für Taten, die sie nicht begangen hätten.
Hoffnung für Weizsäcker
Im Falle von Weizsäcker habe die Hoffnung auf eine Abänderung dieses Nürnberger Fehlurteils, das noch nicht einmal rechtskräftig sei, im Rahmen des sogenannten Bestätigungsverfahrens bestanden. Neuerdings höre man, daß das sogenannte Wilhelmstraßen-Urteil durch den Ausschuß geprüft werden solle, der Gnadenprüfungeri vornehme. „Wir können es nicht verstehen, daß man davor zurückschreckt, individuelle Entscheidungen zu treffen, sondern auch in diesem Falle nach einem bürokratischen Schema handelt. Wenn die Sache der Gerechtigkeit auf dem Spiele steht, dürfen bürokratische Erwägungen keine Rolle spielen.“
Um Sein oder Nichtsein
Hier liege eines der wesentlichsten Mißverständnisse, die beseitigt werden müßten, wenn es unseren Ehemaligen Gegnern aus dem zweiten Weltkrieg ernst sei mit der Wiederversöhnung. „Vielleicht wird man antworten, daß Falkenhausen, Weizsäcker und unsere Kriegsgefangenen in Frankreich nichts mit Europa zu tun haben. Aber man täusche sich nicht: Europa wird auf der Gerechtigkeit ruhen oder es wird nicht sein.“
Immer noch Auslieferungen
F. A. Z. Frankfurt, 25. August. Das amerikanische Oberkommissariat hat am Freitag die Ernennung von Richard C. Hagan vom Rechtsamt der Oberkommission zum Vorsitzenden des Ausschusses für Auslieferungsentscheidungen bekanntgegeben. Der Auslieferungsausschuß bearbeitet immer noch Anträge auf Auslieferung von gewöhnlichen Verbrechern und Kriegsverbrechern aus der amerikanischen Zone Deutschlands nach anderen Ländern.
Aus Landsberg entlassen
Neunzehn Häftlinge in Freiheit
München, 25. August, (dpa) Am Freitagmorgen haben sich in Landsberg die Gefängnistore für neunzehn Häftlinge geöffnet, die vor dem Ablauf ihrer vollen Strafe wegen guter Führung entlassen wurden. Darunter befinden sich der Stahlindustrielle Friedrich Flick, der ehemalige Reichspressechef Dr. Otto Dietrich, der IG-Direktor Fritz ter Meer, der Kruppdirektor Heinrich Lehmann, der frühere Reichsbauemführer Walter Darre und der ehemalige Staatssekretär im Justizministerium Curt Rothenberger.
Ferner wurden entlassen: Rudolf Lehha, Alois Mühlbauer, Adolf Berg, Ludwig Deutsch, Albin Gretsch, Alfons Kunikowski, Ludwig Merz, Karl Neuber, Engelbert Suntz, Ernst Böhrs, Leo Kowitzke, Paul Mainschein und Karl Gasche. Diese Häftlinge waren wegen geringerer Vergehen gegen Insassen von Konzentrationslagern oder wegen Beteiligung an Uebergriffen gegen Kriegsgefangene zu Gefängnisstrafen bis zu acht Jahren verurteilt worden.
Die Entlassenen verweigerten jegliche Auskunft und erklärten, was zu sagen sei, werde später gesagt werden. Ein amerikanischer Offizier teilte mit, daß in den nächsten Tagen noch mehr Häftlinge aus Landsberg entlassen werden sollten. Dr. Dietrich, der von zwei Bildberichtern hartnäckig verfolgt wurde, flüchtete über das freie Gelände und hielt sich eine Pappschachtel vors Gesicht. Es gelang ihm ebenso wie Darre, Landsberg unbemerkt in einem Volkswagen zu verlassen.
Revision des Urteils gegen Manstein?
el. Hamburg, 25. August. (Eigener Drahtbericht.) Dr. Paul Leverkühn, der Verteidiger des Generalfeldmarschalls von Manstein, hat mitgeteilt, daß er in etwa zwei Wochen eine 150 Seiten umfassende Broschüre veröffentlichen werde, mit der er eine Revision des Urteils gegen von Manstein erwirken wolle. Manstein war im Dezember des vergangenen Jahres von einem britischen Militärgericht zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden, die er gegenwärtig im Gefängnis von Werl in Westfalen absitzt. Dr. Leverkühn will in einem Schlußwort darauf hinweisen, daß die englische Geschichte reich an Urteilen sei, die von späteren Generationen hätten revidiert werden müssen.
„Alle sollten protestieren“
In Straßburg wird über die deutschen Kriegsgefangenen gesprochen
Straßburg, 25. August. (AP/dpa) Am Sonntag wollen zahlreiche Abgeordnete der Straßburger Beratenden Versammlung in Straßburg eine feierliche Kundgebung hbhalten, auf der sie sich für den Gedanken der europäischen Föderation einsetzen wollen.
Die deutsche .Abgeordnete, Frau Dr. Helene Weber, forderte am Freitag den Europarät auf, sich für die Freigabe der deutschen Kriegsgefangenen einzusetzen. Das neue Europa, das man gründen wolle, müsse sich auf Gerechtigkeit und Menschlichkeit aufbauen. Fünfzehnhundert bis dreitausend deutsche Kriegsgefangene seien noch in Haft. Da sie entweder als Kriegsverbrecher verurteilt worden seien oder unter der Anklage stünden, solche begangen zu haben. Ueber die Kriegsgefangenen in der Sowjetunion sagte Frau Weber, - diese Frage könne nicht beraten werden,- aber alle Völker der Weit sollten dagegen protestieren.
Dr. von Brentano, der Vizepräsident der Beratenden Versammlung, sagte am, Freitagnachmittag, Deutschland sei bereit, an einer europäischen Armee unter einer gemeinsamen europäischen Autorität teilzunehmen. Er wies jedoch bei einer Pressekonfefenz, in der er über dieses- Thema spräch, darauf hin, daß Westdeutschland gegen eine Wiederaufrüstung sei, es jedoch als seine Pflicht ansehe, sich an der Verteidigung Europas zu beteiligen.
Frau Louise Schröder, die sozialdemokratische Bürgermeisterin von Berlin, hat in einem Interview, das sie der amerikanischen Nachrichtenagentur United Press gewährt hat, in Straßburg gesagt, es müsse eine starke europäische Streitmacht durch die Westmächte aufgestellt werden. Nicht Deutschland, sondern die Westmächte müßten die Sicherheit Deutschlands gewährleisten.
Kriegsgefangene protestieren
Frankfurt, 25. August. Eine Anzahl ehemaliger Kriegsgefangener, die in den Vereinigten Staaten in Gefangenschaft waren, haben sich in Frankfurt zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, die auf das ganze. Bundesgebiet ausgedehnt werden soll. Sie wenden sich gegen die Absicht der Bundesregierung, die dreihundert Millionen Dollar, die in Kürze von der amerikanischen Regierung aus dem Lohn der Kriegsgefangenen zur Verfügung gestellt werden sollen, nicht unmittelbar an die ehemaligen Kriegsgefangenen auszuzahlen. Es wird erklärt, daß diese Beträge durch härteste Arbeit verdient worden seien.
Stimmen der Anderen
Ein Abenteuer
Unter der Ueberschrift „Deutschland: Wiederbewaffnung — welch ein Abenteuer“ wendet sich der französisch . Sozialistenführer Salomon Grumb' ’i im sozialistisü i Parteiorgan „P opula ir e‘ gegen jede deutsche Wiederaufrüstung. Nach einem Hinweis auf die gespannt* internationale Lage schreibt Grumbach:
„Und trotzdem ist es ein großer Fehler, sowohl vom politischen wie vom psychologischen, vom europäischen wie vom deut? sehen Standpunkt aus, die Wiederbewaffnung der Bonner Bundesrepublik ins Auge zu fassen.
Politisch gesehen bedeutet die Wiederbewaffnung Deutschlands die Aufgabe der allgemeinen Kriegsziele der Alliierten gegen das Hitler-Deutschland. In ysychologischer Hinsicht sei die Maßnahme falsch, weil sie den Eindruck einer Verwirrung des Westens vermittelt, d r nur der heuchlerischen pazifistischen Propaganda des Ostens dienen kann. Vom europäischen Gesichtspunkt aus ist zu sagen, daß eine solche Wiederbewaffnung den grundsätzlh Charakter aller Anstrengung^- zur Schaffung der europäisch i Einheit bedreh würde, und vom deutschen Blickwinkel aus muß siie abgelehnt werden, weil sie die im Entstehen begriffene Demokratie gefährden nd die Achtung ' deutschen Volkes vor den westlichen Demokratien vermindern würde. Es geht um das Ansehen der Demokratien, die seit Jahren alles unternommen haben, um Deutschland von der absoluten Notwendigkeit zu überzeugen, daß es in seinem eigenen und im Weltinteresse' liegt, seine völlige Abrüstung anzuerkennen. Nun bitten (die Demokratien) plötzlich fünf Minuten vor der Schicksalsstunde darum, daß die Deutschen die Waffen wieder ergreifen, die man ihnen weggenommen hat, und daß sie die Generale und Offiziere wieder in ihre alten Stellungen einsetzen, deretwegen man e'e vorher als Kriegsverbrecher angeprangert hat.“
Eine dringende Notwendigkeit
Die „Basler Nachrichten“ schreiben:
„Trotz der augenblicklich denkbar uperfreulichen Situation steht die Frage, ob nicht neue' Verhandlungen der westlichen Großmächte (insbesondere der Angelsachsen) mit Moskau doch die einzige Möglichkeit zur Erhaltung des Friedens bieten würden, nach wie vor auf der Tagesordnung. Auch in dem Jahresbericht an die UN-Generalversammlung unterstreicht Trygve Lie die bringende Notwendigkeit' einer neuen Zusammenkunft der Außenminister der Großmächte, und wenn es auch nur sei, ,um das Räderwerk wieder in Gang zu bringen'. Diese Forderung wird zweifellos auf großen Widerstand stoßen. Also keine Verhandlungen mehr? Angesichts der bei einer solchen Haltung vorauszusehenden schwerwiegenden Konsequenzen scheint der von Trygve Lie vorgeschlagene Weg doch der einzig gangbare zu sein. Dabei muß sich der Westen allerdings darüber im klaren sein, daß zukünftige Verhandlungen auf anderer Basis als bisher.
Sehen Sie...
Hans Kaspar schreibt im Berliner „Kurier“:
„Dem noch heute als Kriegsverbrecher inhaftierten Herrn von Weizsäcker brachte ein Gefängniswärter die Nachricht von der Freilassung des ehemaligen Reichspressechefs Dietrich.
,Sehen Sie, Weizsäcker', sagte der Beamte, ,Sie hätten eben den Führer nicht hintergehen sollen. Dann könnten Sie jetzt auch raus!' “
Unsereiner wird immer kleiner
ROMAN VON HANS WOERNER30) Copyright by Dr. Alexander Fuchs, Braunschweig
„Gewiß, gewiß“, wehrt Begger ab.
Knut grübelt. „Gab es so etwas bei Ihnen zu Hause auch?” fragt Knut betroffen.
„Es ist irgendwie fast Überall das gleiche“, antwortet 'Begger. Er jagt jetzt wirklich. Aber er kann damit nicht erreichen, daß Knut in der Uferstraße einen Erfolg hat. So viele Leute atich in diesem großen, etwas nüchternen Mietshaus wohnen, niemand weiß, wohin die Tompsons fuhren, die meisten wissen nicht einmal, daß sie nicht, zu Hause sind. Knut Steen geht die steinerne, einfache Treppe' wieder abwärts. Soviel er bei den Nachfragen an den Türen der Leute hier sah, sind es Dreizimmerwohnungen mit einem kleinen Balkon an der Küche.
So sehr gut kann es den Tompsons nicht gehen, denkt Knut, nicht einmal so wie uns zu Hause.
Unten steht er mit Begger neben dem großen Wagen. „Nichts zu machen. Begger“, lächelt er. Begger denkt nach. Er sieht auf die Uhr. „Steigen Sie ein, Knut!' sagt er. „Wir fahren zum Postamt dieses Bezirks, vielleicht haben Tompsons dort ihre Anschrift hinterlegt, damit ihnen di: Post nachgeschickt werden kann.“ ‘
„Donnerwetter, ja!” ruft Knut
Er klingelt noch einmal In der Parterrewohnung und erfragt das Postamt. Es ist nur sechs Querstraßen weiter, sechs Schlucke Gas für Beggers großen Motor. Aber das Postamt ist geschlossen, ausgenommen für Telegramme, telegrafische Postanweisungen und Ferngespräche.
Knut geht an diesen Nachtschalter. Vielleicht erkennt mich der Beamte nach den Zeifungsbildem und macht eine Ausnahme, denkt Knut Steen. Der Beamte erkennt ihn nicht, aber trotzdem macht er eine Ausnahme. Beamte an Nachtschaltern haben oft einen Sinn für Fälle, in denen es menschlich ist, eine Ausnahme zu machen. Und sie vertreten sich auch gerne mal die Füße. Der Beamte steht auf und geht in einen anderen Raum. So gut Knut es vermag, verfolgt er ihn mit den Äugen, hört ihn Lichtschalter drehen, irgendwo mit Papier rascheln. Er bringt einen Zettel. „Das ist die Adresse, die ich Ihnen eigentlich nicht geben darf“, sagt er.
Knut nimmt sie hastig an sich. Es ist eine Adresse an irgendeinem See im Binnenland. Das Hotel heißt „Ihteravia“.
Jetzt telegrafiere ich einen Gruß und morgen schreibe ich einen Brief, fällt Knut ein. Aber ein Telegramm möchte wie Trotz wirken, wie ein Zuruf, daß er trotz allem die Spur gefunden hat, die die Tompsons verwischen wollten. Es muß bei dem Brief bleiben, sieht Knut ein, es ist für heute genug, daß ich Jos Anschrift habe. Es ist ein Glück. Er geht zum Wagert. Er sagt Begger, daß er erfolgreich war. Begger lächelt zufrieden.
39
Georg J. Steen liegt schon zu Bett, als Knut kommt. Mary ist nicht da. Sie scheint bei Frau Fahr geblieben zu sein, Wahrscheinlich bringt sie ihre ältere Freundin dann zum F ugplatz.
Knut ißt mit seiner Mutter.
„Hoffentlich hat das Flugzeug keinen Unfall“, sagt sie. „Frau Fahr soll sehr nett sein. Fällt dir auch auf, daß sie Mary verändert?“ Knut denkt an die Szene vorhin im Auto.
?,Wir verändern uns nicht”, sagt er und beißt ein hartgekochtes Ei zur Hälfte weg. „Wir bleiben dieselbe streitsüchtige Familie, in der es jeder schwer hat, sich gegen die anderen zu behaupten.“
Er muß nach der Uhr sehen. Es ist acht, Knut hat ein paar Sathen zu packen.
Drinnen im Schlafzimmer liegt Georg J. Steen mit der Socke um seinen Hals und schläft fest. Er hat die Leselampe brennen lassen.
Knut packt. Er stutzt. Er geht in den Salon zurück. „Mama, hast du ein Buch aus meinem Handkoffer genommen?” fragt er.
„Nein, Knut.,.”
Es kann wirklich ni ht mehr lange dauern, bis Begger kommt und ihn abholt. Er muß das Buch finden. Er sucht noch einmal in seinem Handkoffer, er zieht den Schub seines Nachttischchens, er bückt sich und sieht unter das Bett. Drüben vor Papas Bett liegt es.
Er geht um die Betten herum. Die Hand seines Vaters hängt aus dem Kissen herab. Er hat in dem Buch gelesen, begreift Knut.
Gut, nüh weiß ich wenigstens, wer Jonas Tompson war, denkt Knut zufrieden. Das Telefon summt.
Seine Mutter ruft. Der Wagen ist vorgefahren.
„Auf Wiedersehen, Mama“, ruft Knut in der Tür. „Das Buch ist da, Papa hafte es. Auf Wiedersehn, morgen abend.“
40.
Mary hat wirklich die letzten Stunden mit Frau Fahr verbracht und steht, eingehakt, bei ihr an ijrem Wagen, als Begger mit Knut vor dem Flughafengebäude ankommt. Frau Fahr sieht schon genau aus, wie Frau Steen aussehen würde, machte sie jemals in ei rem neuen, sehr kleidsamen! Deisekostüm einen Nachtflug zu einem Berghotel.
Die Aufnahmen beginnen sofort. Frau Fahr spricht in ein Mikrofon... „Es ist so herrlich und zeitsparend, nachts zu fliegen ... und so völlig sicher ...”
Knut hat eine Szene mit ihr am Schalter für die Flugscheine. „Wird Mama im Flugzeug etwas schlafen können?' hat er zu fragen. „Gewiß, Knut... wir haben Ihnen wirklich mehr zu bieten als eine Postkutsche”, spricht dann ein Herr hinter dem Schalter und lache’! freundlich. Blitzlichte ...
Zwei Sonnenbrenner vor der Maschin1!. Ein Steward bekommt einen Rüffel, weil seine Schuhe nicht auf Lackglanz gebracht sind.
Eine letzte Aufnahme mit den Koffern. Die Maschine startet. Sie hat keine Passagiere außer Knut und Frau Fahr. Sie kann auch keine gebrauchen, denn sie ist ein Filmstudio mit zwei Operateuren einem Regisseur, vier Starklichtlampen und einer Mikrofonanlage. Die Aufnahmen gehen schnell. Frau Fahr muß ein Wenig Erstaunen über ihr Wohlbefinden äußern. Knut muß sagen, er habe Lust, ein Schinkenbrot zu essen, und schon hat er es auf einem netten Klapptisch vor sich und dazu dampfend heißen Kaffee. Frau Fahr hat die Stewardeß zu bitten, ihren Sitz in ein halbes Bett zu -verwandeln. Knut muß noch einmal Besorgnis heucheln, dann sind die Aufnahmen fertig.
„Wenn Sie wollen, können Sie jetzt tatsächlich eine Stunde schlafen“, sagt der Regisseur. Frau Fahr zieht es ihrer Aufmachung wegen vor, wach zu bleiben.
„Aber Sie, Knut? Ich hörte von Mary, daß Sie in der letzten Nacht aus waren", lächelt sie.
„Ja, ziemlich heftig", antwortet Knut.
Er packt sich hin. Das Flugzeug summt wie eine Orgel, dann wie ein Eisschrankmofor, dann wie eine Biene an einem Fenster.
Knut schläft.
Frau Fahr weckt ihn. Er glaubt zuerst, sie sei seine Mutter, und er habe daheim geschlafen. „Bestimmt zu früh noch, Mama“, knurrt er.
Frau Fahr schüttelt den Kopf. „Sehen Sie mal aus dem Fenster", lacht sie. Die Maschine gleitet schon mit gedrosselten Motoren... Dort unten liegt ein See im Sch^inwerferlicht. der Flugplatz hat Landebeleuchtung... Ein Hotel strahlt seinen Namen mit Neonröhren von seinem Dach in die Luft. Knut Steen reibt seine Augen. Das Hotel heißt „Interavia".
Stimmt das?
Jal „Interavia."
„Ich glaube, hier sind wir richtig“, sagt Knut so gleichgültig wie möglich. In Wirklichkeit grübelt er heftig.
Weiß Frau Fahr es oder nicht?
Wissen die Hotelgäste es schon?
Was tun die Tompsons, wenn sie es hören? Knut kann alle diese Fragen n'cht klären, denn die Aufnahmen setzen ein, kaum, daß die Maschine den Boden berührt hat.
Aussteigen bei Starklicht.
Händeschütteln mit dem Piloten.
Frau Fahr hat zu sagen: „Ich habe den Flug verschlafen, so sicher fühlte ich mich."
Knut: „Und mein erster Urlaubstag beginnt erst morgen früh...“
Den Weg zum Hotel leuchten Starklichter aus bis an die Wurzeln der Grasnarbe. Der Hotelier steht strahlend am Eingang. Es gibt Aufnahmen, aus denen die Leute im Kino schließen sollen, der Herr stehe wohl immer hier, immer in seinem besten Äbendanzug, Tag und Nacht, und für jeden.
Endlich eine Aufnahme mit Frau Fahr allein. Eine Szene mit dem Zimmermädchen.
Knut greift einen Boy bei den Schultern. „Bitte, laufen Sie zum Empfangschef. Er soll mir sagen, in welchem Zimmer Frau Tompson wohnt, Frau Tompson mit ihrer Tochter. Sie wohnt hier.”
Der Junge gehorcht.
Knut nimmt eine Zigarette.
Kurz bevor Frau Fahrs Aufnahme beendet ist, kommt der Boy wieder... „Eine Frau Tompson wohnt nicht hier mein Herr”, sagt er. „Wir haben die drei letzten Wochen zurückgeblättert und auch unter den Voranmeldungen ist sie nicht.“ Knut nickt. Er kann jetzt die Aufnahmen in Ruhe zu Ende machen und in Ruhe traurig und ratlos sein.
41.
Um Mitternacht ist endlich alles ge tan, was der Vertrag festlegte, ausgenommen die Außenaufnahmen am See mit Ruderbooten, auf dem Tennisplatz auf der Liegewiese am Berg.
Die Starklichtlampen und Kameras verschwinden aus dem Zimmer. Frau Fahr erreicht, daß es noch kaltes Abendbrot gibt. Sie hilft dem Mädchen, den kleienen Tisch zu decken, sie rückt eine Stehlampe dorthin, holt ein e’ektrisches Heizgerät vom Kleiderschrank in ihrem Schlafzimmer herunter und löscht das Deckenlicht.
Von einer Minute zur nächsten i;t es gemütlich. Es wird warm. Sie essen.
„Sie sind müde, Knut?"
„Reichlich müde, ja.”
Frau Fahr gießt Kaffee ein.
„Leider muß ich Sie trotzdem noch bitten, etwas mit mir zu besprechen”, sagt sie. „Es ist auch nicht meinetwegen.”
Natürlich nicht ihretwegen, denkt Knut. Es handelt sich um Jo Tompson.
„Es betrifft auch nicht Sie selbst, Knut, es handelt sich um Ihre Schwester”, fährt Frau Fahr fort. „Werden Sie ruhiger bleiben können, we-n Sie eine Zigarette rauchen T‘
Knut sieht auf. Es ist sehr merkwürdig für ihn, mit Frau Fahr über Mary zu reden. Die Frau sieht aus wie seine Mutter. Sie ist sogar mehr a!s nur das Double Seiner Mutter. Sie ist die zum Bewundertwerden hergerichfete, die mit zusätzlichen Tugenden ausgerüstete Frau Steen, das Ideal dessen, was seine Mutter hätte werden kennen, aber nicht werden konnte. Sie redet ihn mit , S e” an, aber sie r~def mit ihm über seine Schwe ter.
(Fortsetzung folgt)
Erster hessischer Städtetag
Die Selbstverwaltung soll gewahrt und gestärkt werden
Frankfurt, 25. August, (dpa) Der hessische Städteverband (Verband der neun kreisfreien Städte Hessens) und der hessische Städtebund (Verband 73 kreisangehöriger Städte) haben sich zur Wahrung und Stärkung der städtischen Selbstverwaltung zum hessischen Städtetag zusammengeschlossen, dessen Präsident Oberbürgermeister Dr. Kolb (Frankfurt a. M.) ist.
Der hessische Städtetag wird seine erste Tagung am 16. September in Dillenburg abhalten und sich dabei mit der hessischen Gemeindeordnung befassen. Als Referenten sind vorgesehen der Vizepräsident des hessischen Städtetages, Oberbürgermeister Horn (Bad Homburg) und der Vorsitzende des Rechts- und Verfassungsausschusses des hessischen Städteverbandes, Oberbürgermeister Dr. Klüber (Offenbach a. M.).
Bürgerrechts-Tagung
Aschaffenburg, 25. August, (dpa) Bundespräsident Professor Dr. Theodor Heuss wird das Hauptreferat der vom 8. bis 10. September in Frankfurt am Main stattfindenden ersten Deutschen Bürgerrechtstagung halten, gab am Donnerstag der Geschäftsführer Babik der „Gesellschaft für bürgerliche Freiheiten“ auf einer Versammlung in Lohr/Main bekannt. '
Der Bundespräsident wird dabei über das Thema „Das Bürgerbewußtsein im neuen Deutschland“ sprechen. Daneben wird eine Kundgebung in der Paulskirche sowie Konferenzen der Mitglieder der bürgerlichen Rechtsbewegung von Vertretern der verschiedenen Behörden veranstaltet.
Ausschluß Richters
Kassel, 25. August. (AP.) Das Ehrengericht der Deutschen Reichspartei (DRP) hat am Freitag auf einer Sitzung in Kassel den ehemaligen Vorsitzenden der Partei, Bundestagsabgeordneten Franz Richter, aus der DRP ausgeschlossen.
Bundestagsabgeordneter Dr. Mießner teilte hierzu mit, Richter habe am vergangenen Sonntag in Hannover zur Gründung einer „Deutschen Heimatfront“ aufgerufen. Wegen dieses „parteischädigenden Verhaltens“ sei er ausgeschlossen worden.
Kommunistische Falschmeldung
Wiesbaden, 25. August, (dpa) Das Hessischeinnenministerium bezeichnet am Freitag eine Mitteilung der in Westdeutschland noch erscheinenden kommunistischen Zeitungen, daß im Gemeinderat Groß-Zimmern (Kreis Dieburg) die Fraktionen der Sozialdemokraten und Christlichen Demokraten auf Antrag der kommunistischen Fraktion dem kommunistischen Appell von Stockholm zugestimmt hätten, als Falschmeldung. Der kommunistische Bürgermeister Reinhardt habe zwar der Gemeindevertretung den Entwurf für einen Zustimmungsentschluß unterbreitet, die Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokratischen und Christlich-Demokratischen Partei hätten diesen jedoch abgelehnt.
Man habe dazu erklärt, die Behandlung der Stockholmer Resolution habe durch die politischen Parteien und nicht durch die Gemeinderatsfraktionen zu erfolgen. Trotz dieser klaren Ablehnung habe der Bürgermeister den beiden Fraktionsvorsitzenden seinen Antrag nachträglich noch schriftlich zugestellt und der kommunistischen PSesse von sich aus die Falschmeldung zugeleitet.
Das Innenministerium weist die Bevölkerung darauf hin, daß die sogenannten Stockholmer Friedensprotokolle ausschließlich „ein Machwerk kommunistischer Parteien“ seien. Eine Unterstützung der Unterschriftenkampagno diene nicht einer Friedenspolitik, sondern ausschließlich dem Machtstreben des Kommunismus.
McCloy: Ein verlogener Appell
Der Oberkommissar antwortet der Freien Deutschen Jugend
F. A. Z. Frankfurt, 25. August. Eine Gruppe der Freien Deutschen Jugend in der sowjetischen Besataungszone hatte am 10. Juli an Oberkommissar McCloy einen Brief geschrieben und ihn aufgefordert, den Stockholmer Friedensappell zu unterschreiben. Der Oberkommissar hat dieser Jugendgruppe jetzt in einem ausführlichen geantwortet, in dem es heißt:
„Die Stockholmer Resolution ächtet zwar die Atombombe, bewußt beschäftigt sie sich aber mit keiner sonstigen Form der Aggression, wie sie gegenwärtig von kommunistischen Streitkräften unternommen wird. Ich würde mich aber der Auffassung anschließen, daß die Resolution geeignet sei, den Frieden herzustellen, wenn sie das einzige wirkliche Aggressionsinstrument in der heutigen Welt, das die Streitkräfte der Sowjetunion und ihrer Satelliten darstelleri, brandmarken würde. Es ist mir unbegreiflich, wie elf junge Menschen, für die ich Euch halte, gegenüber einem verlogenen Friedensappell so nachgiebig sein können und im Angesicht der Tatsache von Völkervergewaltigung und Sklaverei, die um Euch herum begangen werden und herrschen, sich selbst noch Freie Deutsche Jugend nennen. Eure Resolution versucht, die Aufmerksamkeit von einer kommunistischen Aggression abzuwenden. Es ist ein erschreckendes Moment, daß Worte wie Frieden und Freiheit in derartiger Weise verdreht werden können. Aus all diesen Gründen kann ich die Stockholmer Resolution nicht unterzeichnen und ihr hättet es meiner Ansicht nach auch nicht tun dürfen.“
Gegen Pazifismus und Kollektiv
Referate auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag
Essen, 25. August. (AP.) Der Pressechef des Deutschen Evangelischen Kirchentages hat am Freitag auf einer Pressekonferenz vor organisierten politischen Störversuchen in den Diskussionen der Veranstaltungen des Kirchentages gewarnt. Durch entsprechend straffe Versammlungsleitung würden derartige Versuche unterbunden werden.
Der Sprecher gab bekannt, daß eine Reihe nicht zugelassener Photographen aus den Veranstaltungen entfernt worden seien. Sie sollen vorwiegend Personengruppen photographiert haben, die illegal
aus der Sowjetzone gekommen waren. Die Behörden der sowjetischen Zone hätten für den Besuch des Kirchentages nur eine beschränkte Anzahl Interzonenpässe ausgegeben, so daß zahlreiche Besucher die Zonengrenze illegal überschritten hätten. Um diese Menschen nicht zu gefährden, solle die Publikation derartiger Bilder unterbleiben.
Der Sprecher kündigte an, daß seitens des Kirchentages in Kürze eine Erklärung über die Wiederaufrüstung und Remilitarisierung erfolgen werde.
Dr. Eberhard Müller, der Leiter der Evangelischen Presseakademie, hat sich gegen Pazifismus und Kollektivismus ausgesprochen. Die pazifistische Parole der Kriegsheimkehrer laute meistens: In Zukunft ohne mich. „Es ist heute eine besondere Pflicht der Kirche, darauf hinzuweisen, daß das Lebensprinzip .ohne mich* ein sündhaftes Prinzip ist. Gewalttäter können nur mit Gewalt an Gewalttaten gehindert werden.“
Das Kollektiv sei allem organisch Gewachsenen feind und deshalb eine grundsätzlich widergöttliche Macht, denn alles sich Selbstentscheidende sei ihm verhaßt. Die beste Abwehr gegen den Kollektivismus sei die Familie. Alle gegen die Familie gerichteten Bestrebungen seien daher staatsfeindliche Akte.
In der Arbeitsgruppe „Rettet den Glauben“ erklärte Dr. Giesen, Aergernisse entstünden durch Prediger, die sich traditionsgebunden in Sprüchen der Sprache Kanaans ergingen, anstatt dem Volk aufs Maul zu schauen.
Vor der Arbeitsgruppe „Rettet die Familie“ forderte Dr. Hammelsbeck einen deutschen Jugendhilfedienst, der Jugendlichen die Möglichkeit geben soll, mitzuhelfen und mitverantwortlich zu sein.
Bis nach Lublin
M^burg, 25. August, (dpa) Infolge des starken Westwindes flogen fast alle im Rahmen des Wettfliegens des Hessischen Jugend-Rotkreuzes in Hessen gestarteten Luftballons nach Osten.
Die weiteste Entfernung erreichte der Ballon des Kreisverbandes Bad Wildungen des Roten Kreuzes mit einem Flug von 955 Kilometer nach Lublin. Es folgen Lauterbach mit 780 (Miskolc in Ungarn), Hersfeld mit 700 (Szabadszalas in Ungarn), Gelnhausen mit 650 (Frirdolmid in Schweden), Marburg mit 635 (Chvoscice in Polen) und Frankfurt mit 525 Kilometer (Hlinsko in der Tschechoslowakei).
Millionen für die Post
F. A. Z. Frankfurt, 25. August. Nach dem neuesten Industrie-Wochenbericht der Oberkommission wurde dem Marshall-Plan-Ministerium die Genehmigung erteilt, für die Deutsche Post in der Bundesrepublik zwanzig Millionen Mark aus dem Gegenwertfonds zu gewähren. Mit diesen Mitteln wird die Post ihre Ueberland-Fernsprechvermittlungen und -leitungen im Rahmen des europäischen Gesamtnetzes wieder instand setzen.
Truman beschlagnahmt amerikanische Eisenbahnen
Washington, 25. August, (dpa) Präsident Truman ordnete am Freitag die Beschlagnahme der amerikanischen Eisenbahnen mit Wirkung vom Sonntag an.
Durch die Beschlagnahme soll ein drohender allgemeiner Eisenbahnerstreik vermieden werden.
Die amerikanischen Eisenbahner beschlossen am Freitagabend, den für kommenden Montag angekündigten Streik ab - zusagen, nachdem Präsident Truman die Beschlagnahmung der Eisenbahnen mit Wirkung vom Sonntag angeordnet hatte. Die Eisenbahnergewerkschaften erklärten sich bereit, für die Regierung zu arbeiten.
Beben in Assam
Sadiya, 25. August, (dpa) In dem von schweren Erdbeben heimgesuchten Assam bebte die Erde am Donnerstag immer noch. Vor allem in der Stadt Sadiya waren heftige Erdstöße wahrzunehmen. Die Flüsse steigen weiter an und sie überfluteten zahlreiche Ortschaften. Tote Tiger, Affen und zahlreiche verendete Wildenten schwimmen auf den reißenden Fluten.
Für einen Gefangenen
Bonn, 25. August, (dpa) Ein deutscher Gefangener, der sich vor einem französischen Militärgericht zu verantworten hat, benötigt dringend folgende Auskünfte: 1. Welche deutsche Luftwaffeneinheit befand sich am 27. August 1944 im Kampf bei der Ortschaft Cauvigny (im französischen Departement Oise, etwa fünfzig bis sechzig Kilometer nördlich von Paris)? 2. Wer kennt den Namen und jetzige Anschrift des damaligen Einheitsführers dieser Luftwaffeneinheit? 3. Wer kennt Angehörige der Einheit? 4. Welcher Angehörige der Einheit kann sich daran erinnern, daß am 27. August 1944 ein schwerverwundeter deutscher Soldat aus den Händen der französischen Widerstandskämpfer befreit wurde? Personen, die über diese Fragen Auskunft geben können, werden gebeten, sich an die Zentrale Rechtsschutzstelle Bonn, Rosenburg, zu wenden.
Spinale Kinderlähmung
Wiesbaden, 25. August. Wie das Innenministerium mitteilt, wurden in Hessen seit Ende April bis 19. August 1950 insgesamt 159 Erkrankungen an spinaler Kinderlähmung mit 14 Todesfällen amtlich gemeldet. Hiervon entfallen auf die Regierungsbezirke Wiesbaden 80 Erkrankungen mit 7 Todesfällen, Darmstadt 70 Erkrankungen mit 5 Todesfällen und Kassel 9 Erkrankungen mit 2 Todesfällen. In den Städten Wiesbaden, Frankfurt sowie in dem Kreis Bergstraße sind bisher die meisten Erkrankungen festgestellt worden.
Hessische Hurznachrichten
Der Landrat des Kreises Friedberg, Dr. Krauß, gab seinen Austritt aus der Sozialdemokratischen Partei bekannt. Er begründete seinen Schritt mit der Haltung der Partei-Mitglieder des Kreisausschusses, die sich zunächst im Falle des Gendarmeriebeamten Otterbein aus Södel, der eine schwarz-weiß-rote Fahne gehißt hatte, mit ihm solidarisch erklärt, auf einer späteren Parteikonferenz sich jedoch mit den Vorwürfen der Partei identifiziert hätten.
Die Fraktion der Freien Demokraten forderte das Parlament in einem Antrag auf, die Regierung um rechtzeitige Kündigung eines mit der Kommunistischen Partei über das Schloß Friedrichstein in Bad Wildungen abgeschlossenen Mietvertrages zu ersuchen. Das Schloß werde mit Neben- und Wirtschaftsgebäuden etwa zu einem Drittel von der Kommunistischen Partei in Anspruch genommen. Der mit dem Amt für Vermögenskontrolle des Kreises Waldeck abgeschlossene Vertrag laufe am 30. Juni 1951 ab.
Die Hanauer Stadtverwaltung hat aus einem amerikanischen Spendenfond 285 000 DM erhalten, die für den Wiederaufbau eines weiteren Teils des 1945 völlig zerstörten Stadtkrankenhauses bestimmt sind. Die Stadt mußte sich verpflichten, eine ebenso hohe Summe zur Verfügung zu stellen.
„Groteske des Visumzwangs“
Der Liberale Weltkongreß in Stuttgart fordert Freizügigkeit
Drahtbericht unseres Korrespondenten
St. Stuttgart, 25. August. Der Liberale Weltkongreß hat sich am Freitag in lebhaften Diskussionen den Aufgaben gewidmet, die sich im kulturellen Leben Europas bei der immer stärker spürbar werdenden Integration des Abendlandes den nationalen Staaten eröffnet haben. Don Salvadore de Madariaga sagte, solange sich Europa seiner gemeinsamen Mission auf allen Lebensgebieten nicht bewußt sei, werde es nicht gelingen, die für eine Vereinigung notwendigen tatkräftigen Organisationen zu schaffen. Madariaga forderte die Liberalen auf, sich bei ihren Regierungen dafür einzusetzen, daß die europäischen Studienzentren in Genf und Brügge wirksam unterstützt würden.
Der spanische Gelehrte prangerte humorvoll die „Groteske des Visumzwanges“ in Europa an, die die Freiheit des Geistes unterdrücke. Für einen unbehinderten geistigen Austausch in Europa sei es unmöglich, daß Staatsregierungen die Macht hätten über die Reisen ihrer Untertanen zu entscheiden. Wenn der Visumzwang angeblich wogen der Kontrolle kommunistischer Umtriebe aufrecht erhalten werde, dann könne er dem nurt entgegenhalten, daß der Polizist an der Grenze keine Ahnung habe, ob ein Reisender Europa zerstören oder aufbauen wolle. Madariaga forderte auch die Freizügigkeit aller Bücher und Schriften.
Der Generalsekretär der Freien Demokratischen Partei Westdeutschland, Bundestagsabgeordneter Emst Mayer, versicherte, Deutschland werde immer bestrebt sein, durch einen regen internationalen Austausch von Lehrern und Studenten die geistige Annäherung der Völker zu fördern.
Im Mittelpunkt der Diskussionen um die politische Organisation Europas hatte am Donnerstagabend die Stellung Englands innerhalb der westlichen Föderation gestanden. Dabei war bemerkenswert, daß die englischen Liberalen und die Delegierten aus den Ländern des Commonwealth die gleiche zögernde Haltung einnahmen, wie sie in der englischen Regierungspolitik sichtbar ist. Der Vizepräsident des Bundestages, Dr. Schäfer, hat gesagt. Deutschland sei bereit. für die Freiheit Europas seinen Teil beizutragen, aber nicht mit einer nationalen Armee.
Spionage im östlichen Auftrag?
Der Bund der Verfolgten über die Vereinigung der Verfolgten
el. Hamburg, 25. August. Der Bund der Verfolgten des Naziregimes, eine Organisation der nichtkommunistischen Opfer des Dritten Reiches, hat auf einer Pressekonferenz in Hamburg Mitteilungen über die Arbeit der kommunistischen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gemacht. Es wurde erklärt, der Bund der Verfolgten sei im Besitz von Unterlagen über die vom Zentralsekretariat der Sozialistischen Einheitspartei in Berlin an die Vereinigung erteilten Anweisungen. Danach sei die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes beauftragt worden, genaue Angaben über die in der Bundesrepublik arbeitenden Industriebetriebe einschließlich der Versorgungsanlagen zu liefern und insbesondere Fabriken ausfindig zu machen, in denen angeblich Kriegsmaterial produziert werde. Ferner solle sie die Warenauslieferungen in den westdeutschen Häfen überwachen und die Ermittlungsergebnisse in Fragebogen eintragen, die nach Berlin zur Auswertung zurückgesandt würden. Nach Ansicht des Bundes der Verfolgten lasse der Fragebogen auf eine landesverräterische Tätigkeit schließen, welche die Sicherheit Deutschlands, seiner Bevölkerung und der Alliierten bedrohe.
Weiter sei die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes beauftragt worden, ihre Organisation und ihre Büros im Falle eines Verbotes der Kommunistischen Partei für deren illegale Weiterarbeit zur Verfügung zu stellen. Zugleich solle die Vereinigung sich noch mehr als bisher in den Dienst der kommunistischen Propaganda stellen und die Bevölkerung durch Vergleiche der deutschen Situation mit derjenigen Koreas zu einer Rückendeckung nach Osten veranlassen. Ferner sei die Vereinigung der Verfolgten angewiesen worden, im Ernstfälle die Kampfmethoden der französischen Widerstandsbewegung anzuwenden.
Druckerei geschlossen
Bad Dürkheim, 25. August, (dpa) Die Alliierten Oberkommis^are haben Anweisung gegeben, eine Druckerei • in Bad Dürkheim (Pfalz) zu schließen, weil sie in letzter Zeit mehrfach nicht genehmigte kommunistische Plakate, zum Teil antiamerikanischer Tendenz hergestellt hat.
Verbotene Ausfuhr
Eine amerikanische Lieferung an Rußland
Washington, 25. August, (dpa) Dienststellen der amerikanischen Regierung versuchen zur Zeit mit Hilfe britischer Behörden den näheren Umständen einer Lieferung amerikanischer strategischer Rohstoffe ohne Lizenz an die Sowjetunion auf die Spur zu kommen. Es handelt sich um eine Sendung von fünfzig Tonnen Molydän (zur Härtung von Stahl) im Werte von 45 000 Dollar, die in einem britischen Hafen am 1. Juli auf den sowjetischen Dampfer „Beloostrow“ geladen worden sein soll.
Landwirtschaft
Marktbericht der Woche
Fleisch
Auch in der abgelaufenen Woche hielt die gesteigerte Einfuhr von Fleisch und Fleischwaren an. Die Bundesregierung hofft, durch diese Einfuhren die überhöhten Fleischpreise abzubauen oder doch zumindest die Aufwärtsbewegung abzustoppen. Die Preisbewegung war in der vergangenen Woche bei Ochsen, Bullen und Kühen schon leicht rückläufig, zeigte aber bei Färsen, Kälbern und Schafen mittlerer Qualität eine leicht ansteigende Tendenz, der man jedoch keine grundsätzliche Bedeutung beimessen sollte.
Obst und Gemüse
Starkes Angebot in Zwetschen und Mirabellen sowie ital. Pfirsiche; alle übrigen Obstarten ausreichend angeboten. Bei leicht nachgebenden Preisen guter Absatz für Zwetschen und Mirabellen, trotzdem verblieben Ueberstände. Kernobst normale bis mäßige Nachfrage. Weintrauben (frz.) flotter Absatz. Preise allgemein wenig verändert.
Mirabellen 12—14 DM je 50 kg, Pflaumen 12—15. Zwetschen B—l 2, Aepfel 13—23, Birnen 12—25, Weintrauben (frz.) 40—45, Pfirsiche 40—50 sowie ital. Pfirsiche 45—53 DM je 50 kg.
Angebot in Kopfsalat und Tomaten reichlich, in den sonstigen Gemüsearten ausreichend. Absatz: Tomaten bei gesunkenen Preisen gut, Blumenkohl gut, Kopfkohl mit Ausnahme von Rotkohl sowie Stangenbohnen normal, Ziebeln mäßig. Ueberstände verblieben bei Tomaten und Kopfkohl.
Gurken 6—9 cm 10—12 DM je 50 kg, Freil.-Gurken 2—4, Möhren 4—5, Tomaten 7—12 DM je 50 leg, Kohlrabi 5—6 DM je 10.0 Stück, Kopfsalat 10—13 DM je 100 Stück, Gurken 9—12 cm 12—15 DM je 50 kg, Gurken 12—15 cm B—lo, Rotkohl 3,50—5, Wirsing 6—9, Stangenbohnen 15—20, Zwiebeln B—9 DM je 50 kg. Endivien B—lo DM je 100 Stück,' Weißkohl 3—5 DM und Frühkartoffeln 4,80—5, Buschbohnen 10—13 DM je 50 kg.
Bericht vom Erzeugermarkt Zwingenberg
Die nachstehenden Preise sind reine Erzeugerpreise Sie enthalten weder Frachtnoch Marktkosten beziehungsweise Handelsverdienstspannen.
Wertungszahlen: für die Zufuhr (Z): 1 — ungenügend, 2 = knapp, 3 = ausreichend, 4 = reichlich, 5 = überreichlich; für den Absatz (A): 1 — sehr gut, 2 = gut, 3 = normal, 4 = langsam. 5 = schleppend.
Getreide
Weizen ist knapp. Der Mehlbedarf kann im Augenblik nicht in vollem Umfange befriedigt werden. Das künftige Angebot und die Versorgung richten sich jetzt ausschließlich nach dem Umfang der Inlandsanlieferungen und den neu eintreffenden Importmengen. Das im Vergleich zur Vorwoche größer gewordene, aber im ganzen noch ungenügende Inlandsangebot findet glatte Aufnahme zu Preisen, die um 2—3 DM je Doppelzentner über den Festpreis hinausgehen. Die Bereitschaft, Weizen zu Ueberpreisen aufzunehmen, scheint aber in einigen Gebieten schon merklich nachzulassen. Spekulationen auf noch höhere Weizenpreise müssen daher als völlig verfehlt angesehen werden.
Roggen ist bei ausreichendem Angebot nur schwierig, meist nur in Verbindung mit Weizen, unterzubringen. Die Gefahr, daß Roggen zum billigsten Futtermittel wird, ist bei der derzeitigen Preisentwicklung am Futtermittelmarkt sehr groß. Diese Gefahr, die für diekünftige Brrotgetreideversorgung unter Umständen unheilvolle Folgen zeitigen kann, läßt sich wahrscheinlich nur durch Rücklieferung von verbilligtem Futtergetreide an alle Brotgetreideablieferer ausschließen.
Wintergerste: Kein nennenswertes Angebot, 28,00—28,50 je dz.
Braugerste: Die Verarbeitungsbetriebe sind in der Aufnahme von Brau'erste noch immer zurückhaltend. Preise je nach Qualität von 32,00—33,50 je dz, Spitzenqualitäten bis 35,00 DM.
Hafer: in der Qualität sekr unterschiedlich und aus neuer Ernte nur vereinzelt am Mart. Preise bewegen sich tastend um 25,00—26,00 DM je dz ab Station.
Milch und Milchprodukte
Die Entwicklung in der Milchwirtschaft ist in den letzten Monaten durch den laufenden Rückgang der Milcherzeugerpreise gekennzeichnet. Der Preisrückgang beträgt etwa 4,5 Dpf je kg. Die Gründe liegen vor allem in den Preiseinbrüchen bei den Milchprodukten bzw. in den unterschiedlichen Verwertungsmöglichkeiten der Erzeugermilch durch die Be- und Verarbeitungsbetriebe (M ’kereien). Die Trinkmilchbetriebe werden den Werkmiilchbetrieb_n mehr und mehr überleben. Infolgedessen besteht neuerdings zwischen Nord- und Südhessen in den durchschnittlichen Auszahlungspreisen eine Differenz von etwa 2 Dpf. Durch Erhöhung der Ausgleichsabgabe von den Trinkmilchrnölkereien wird nunmehr eine bessere Stützungsmöglichkeit der Werkmilchb etricbe versucht, um ein 'günstigeres Verhältnis zu schaffen.
Eier
Die Verknappung am Eiermarkt hat sich noch erheblich verschärft. Aus dem Inlande machen sich in den Großverbrauchzentren keine nennenswerten Anlieferungen bemerkbar. Auch die Einfuhr von Eiern hat in den jüngsten Tagen fast ganz gestockt.
Die Großhandelspreise für holländische Eieranfuhren stellen sich für die Güteklasse S auf 25 Pfennig, A 24 und B 23 Pfennig je Ei. Mithin muß mit einer Steigerung des Verbraucherpreises von gegenwärtig 22 bis 25 Pfennig auf 27 bis 28 Pfennig gerechnet, werden.
Am Frankfurter Eier-Großmarkt (Dienstag, 22. August 1950) erfolgten keine Angebote in deutscher Ware. Tendenz: Trotz verringerter Nachfrage weiteres Ansteigen der Preise.
Es wurden im Großhandel folgende amtlichen Notierungen bekanntgegeben: Auslandsware: Holland und Nordware S 23’/2 (zuletzt 21*/2), A 22>/2 (20V2), B 21V2 (19Vs), C2l (183/4 bis 19). D 191/s (18 bis Iß1/*); Franzosen und Ostware: S 21V2, A 20'/2, B 19V2, C IBV2, D 17‘/2.
| Erzeugnis | ||||
| Einheit | DM | Z | A | Mirabellen |
| 50 kg | 9—16 | 2 | 2 | Pfirsiche |
| 50 kg | 16—42 | 3 | 2 | Zwetechen |
| 50 kg | 6— 9 | 3 | 2 | Aepfel |
| 50 kg | 6—lo | 3 | 4 | Stangenbohnen |
| 50 kg | 9—16 | 2 | 2 | Tomaten |
| 50 kg | 9—12 | 3 | 4 |
Hundert Zeilen für die Landfrau
Drescher haben Hunger
Überall brummen jetzt die Dreschmaschinen. Der Dreschtag bedeutet auch für die Landfrau einen Tag voller Mühe. Denn die schwer arbeitenden Männer wollen pünktlich ein kräftiges Essen auf dem Tisch haben. Das Essen soll gut und schmackhaft sein, darf aber — bei der Fülle der an sich schon zu leistenden Arbeit— nicht zu viel Mühe machen. Und das ist wohl auch der Grund, warum es am Dreschtag auf den meisten Höfen zwar ein reichliches, aber oft eintöniges Essen gibt. So ist es in manchen Dörfern des Odenwaldes zu einer Angewohnheit geworden, den Dreschleuten Wirsing und Kochfleisch vorzusetzen. Auf diese Art und Weise passiert es dann, daß die von Hof zu Hof ziehenden Männer von der Dreschmaschine von Montag bis Samstag dasselbe Essen bekommen. Mit Wirsing fängt die Woche an und mit Wirsing hört die Woche auf. Und wenn dann mal eine Bauersfrau auf die gute Idee kommt, statt Wirsing Rotkraut zu kochen, ist das für die Schwerarbeiter ein Festtag. Nun kann man ja beim besten Willen nicht vor der Dreschzeit eine Landfrauenversammlung einberufen und den Speisezettel für den Drusch machen. Aber mit ein wenig gutem Willen und etwas Phantasie ist es doch möglich, von dem Standardessen abzukommen und ohne Mehraufwand etwas Ordentliches auf den Tisch zu bringen. Es gibt doch genug Gemüse um diese Zeit. Das Rotkraut macht nicht mehr Arbeit wie der Wirsing, und Bratwürste sind so schnell gebraten, wie ein Schnitzel. Auch ein Rindsbraten belastet die Landfrau nicht sonderlich. Man kann aber auch Salate geben, die außerdem noch den Vorteil haben, erfrischend zu wirken. Glauben Sie, liebe Landfrauen, daß Sie mit Bohnen- oder Krautsalat mehr Arbeit haben als mit dem entsprechenden Gemüse? Sehen Sie, es geht bei einiger Überlegung schon recht gut zu machen, und die Männer werden es mit intensiverer und schnellerer Arbeit danken. Und hier einige Rezepte, die für den Dreschtag gut geeignet, aber wenig bekannt sind:
Bohnen mit Speck und Tomaten
Man röstet kleine Speckwürfel mit reichlich Zwiebeln an, gibt die geschnittenen neuen Bohnen dazu, gießt mit Wasser auf und dämpft das Gemüse fertig. Nachdem es mit Salz und Bohnenkraut abgeschmeckt ist, schneidet man noch einige Tomaten hinein und läßt das Ganze nodi einmal aufkochen. Dazu Suppe und Salzkartoffeln.
Jäger kohl
Das geputzte Weißkraut wird sehr fein geschnitten. Man läßt kleine Speckwürfel aus, gibt das Kraut dazu und schmort das Ganze gut durch. Dann füllt man mit Wasser auf und rührt etwas Kümmel unter. Nadi einiger Zeit schneidet man Apfelscheiben in das Gemüse. Vor dem Anrichten würzt man mit lässig, Zucker und Salz und bindet das Gemüse mit Mehl. Dazu Suppe mit Salzkartoffeln.
Kohlrabi in brauner Mehltunke
Die Kohlrabi werden geschält, geschnitten und in Salzwasser gar gekocht. Dann röstet man in Fett reichlich Zwiebeln an, gibt Mehl dazu und läßt es ziemlich braun werden. Die Einbrenne wird mit der Kochbrühe aufgefüllt, die gekochten Kohlrabi zugegeben und das Ganze kurz aufgekocht. Vor dem Anrichten wird mit Salz und Petersilie abgeschmeckt. Ein halber Teelöffel Zucker verfeinert den Geschmack. Dazu Suppe und Salzkartoffeln.
Noch ein paar praktische Winke
Manchmal sind es nur ein paar Kniffe, die der Landfrau die Arbeit erleichtern helfen. Wir werden Ihnen jede Woche an dieser Stelle ein paar erprobte Hinweise geben.
1. Salz ist ein ausgezeichnetes Reinigungsmittel zum Ausscheuern von vernachlässigten und angerosteten Eßgeschirren, Messing- und Kupfergeräten, Emaillebecken, Porzellanschüsseln u. dgl.
2. Schlecht brennendes Herdfeuer brennt sofort lebhafter, wenn man etwas Salz darauf streut. (Kein Benzin, keinen Spiritus und kein Petroleum.)
3. Grünspan entfernt man leicht nach kurzem Erhitzen mit einem Brei aus Kleie oder Sägemehl.
4. Ölflecken entfernt man äm besten mit reinem Terpentin. Wenn nötig, mit reinem Benzin nachwaschen, damit keine Ränder Zurückbleiben.
5. Kopierstiftflecken lassen sich aus allen Geweben leicht entfernen, wenn man sie abwechselnd mit Essig- oder Zitronensäurelösung und Spiritus betupft. Mit klarem Wasser nachspülen.
6. Sengflecken betupft man mit einer Borax-Lösung.
7. Stockflecken verschwinden, wenn man die vorher angefeuchteten Fleckstellen mit Zitronen- und Weinsteinsäure betupft.
8. Wagenschmiere entfernt man aus Kleidungsstücken durch Abreibung mit reinem Terpentim. eha-
Ferkelmarkt in Groß-Bieberau
Beim Ferkelmarkt am 21. 8. 1950 waren 104 Tiere aufgetrieben, 3 Einlegeschweine, 61 Läufer und 40 Ferkel. Die Preise bei Ferkel lagen zwischen 40,— und 55,— DM, die der Läufer zwischen 60,— und 80,— DM und für die Einlegeschweine wurden 100,— bis 120,— DM gefordert. Der Marktverlauf war schleppend mit 50 Prozent Ueberstand. Die Qualität der Tiere war gut. Der nächste Ferkelmarkt findet am 4. 9. 1950 statt G .D.
Wirtschaftsblatt
Probleme des Obstanbaues
b. In Obst und Frischgemüse sind gegenüber der Vorkriegszeit wesentliche Aenderungen in den Konsumgewohnheiten der Bevölkerung eingetreten, die die Marktgestaltung entsprechend beeinflussen. Obst und Frischgemüse wird zu erträglichen Preisen auf den deutschen Märkten fast das ganze Jahr über angeboten. Unter diesen Umständen sind viele Hausfrauen von der Uebung, in den Haupterntemonaten große Mengen einzumachen, abgegangen. Beengte Wohn- und Kochverhältnisse haben diese Tendenz verstärkt. In diesem Jahr kommt noch der Zuckermangel hinzu, der »ehr vieles Obst im Haushalt unverwertbar macht. Die Konservenfabriken treten gegenwärtig ebenfalls nicht als Großaufkäufer auf. Schließlich fehlt Westdeutschland heute der große Absatzmarkt in Mitteldeutschland und ih Berlin.
Aus einer verfehlten Anbaupolitik der vergangenen ‘Jahre entstehen weitere Schwierigkeiten. Man hat in den vergangenen Jahren die Landwirtschaft angehalten, Obstsorten in Deutschland anzubauen, für die die klimatischen Bedingungen nicht voll gegeben sind. Bei einem weitgehend liberalisierten Verkehr kommen jetzt die klimatisch bevorzugten Länder in Vorteil. Da es 10 bis 15 Jahre dauert, bis eine Obstbaumanlage ihren vollen Ertrag abwirft, ist es nicht kurzfristig möglich, das Steuer herumzuwerfen und zum Anbau von Obstsorten überzugehen, für die Deutschland besonders günstige Anbaubedingungen hat und die eventuell Märkte im Ausland finden könnten.
Als Ausweg wird die Einschränkung der Einfuhren angesehen. Allerdings ist dabei zu bedenken, daß die Konsumgewohnheiten der vergangenen Zeit nicht wieder geschaffen werden können. Eine Lösung wird sich dadurch finden lassen, daß für die große Masse der Konsumware, die naturgemäß in einem Zeitraum von nur wenigen Wochen anfällt, Konservierungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das aber hat wiederum niedrigere Konservierungskosten zur Voraussetzung Bei den hohen Dosenpreisen kann die Dosenkonserve gegen das das ganze Jahf über erhältliche Frischobst nicht konkurrieren. Der Ueberschuß der Obsternte dürfte weitgehend von den Brennereien aufgenommen werden. Ob diese Verwertung, die eine robuste aber billige Ernte zuläßt, sich lohnt, muß die Erfahrung erst lehren.
Markt- und Börsenberichte
F. A. Z, An der Frankfurter Börse waren die Umsätze zum Wochenende weiter gering. Interesse bestand lediglich weiter für einige Maschinenwerte und teilweise für Brauereiaktien, deren Kurse sich nach wie vor gut behaupten konnten. Die meisten übrigen Werte blieben am Aktienmarkt umsatzlos oder mußten geringfügig nachgeben.
Internationale Warenpreise
Die internationalen Rohstoffmärkte waren in der Woche zum 24. August im allgemeinen stetig.
An der Chikagoer Getreidebörse haben sich die Notierungen wenig verändert.
An der Neuyorker Kaffee börse verzeichneten die Notierungen bei unregelmäßiger Tendenz kleine Gewinne.
An der Neuyorker Kakao börse waren die Notierungen bei mäßigen Umsätzen rückläufig.
Bei den australischen Wo 11 Versteigerungen, die Ende dieses Monats beginnen, erwartet man. daß angesichts der starken Nachfrage ansehnliche Preissteigerungen nicht zu vermeiden sein werden.
Die Neuyorker Baum w o 11 börse war bei leicht steigenden Notierungen int allgemeinen gut behauptet.
Der Kautschuk preis in Neuyork zog in der Berichtszeit scharf an.
Der Neuyorker NE-Metall markt war in der Berichtszeit wiederum durch sehr starke und drängende Nachfrage gekennzeichnet.
Landwirtschaft gegen überhöhte Preise
Eine Entschließung des Deutschen Bauernverbandes
gr. Auf der Präsidialsitzung anläßlich des „Deutschen Bauerntages“ in Mainz sprach am Freitag Staatssekretär Sonnemann zur Lage der Landwirtschaft und wies besonders auf die großen Schwierigkeiten hin, die dem Ministerium aus der Beschränkung seiner Befugnisse erwachsen. Die weitgehende Liberalisierung des Außenhandels gebe dem Bundesernährungsministerium nur wenig Möglichkeiten, unerwünschte Importe fern^uhalten. Das Getreidegesetz sei ein großer Erfolg. — Im Anschluß an die Ausführungen von Staatssekretär Sonnemann entwickelte sich eine rege Diskussion, deren wesentlicher Inhalt die schwierige Lage bei den Sonderkulturen war. Es müsse ein Weg gefunden werden, um entsprechend dem Entschluß des Bundestages die Einfuhren an Obst und Gemüse auf ein Maß zu mindern, das dem wirklichen Bedarf entspreche.
Auf der Sitzung wurde eine Entschließung des Deutschen' Bauernverbandes gefaßt, in der gesagt wird, daß die weltpolitischen Ereignisse die entscheidende Bedeutung der landwirtschaftlichen Eigenerzeugung erneut vor Augen geführt hätten. Mangellagen mit überhöhten Nahrungsmittelpreisen seien jedoch nicht im Interesse der deutschen Landwirtschaft. Sie habe sich nie der Notwendigkeit von Einfuhren verschlossen. Einer sinnvollen Vorratswirtschaft komme besondere Bedeutung zu, um die Preise in einer erträglichen Höhe zu halten. Die neuen Marktregelungsgesetze böten geeignete Handhaben für eine geregelte Einfuhr und Vorratspolitik, ihre Verabschiedung sei dringlich. Die Landwirtschaft brauche zur vollen Entfaltung ihrer Produktionskraft ein angemessenes und möglichst gleichmäßiges Verhältnis der Preise für ihre Erzeugnisse zu den Kosten des notwendigen Betriebsaufwandes. Das sei insbesondere im Obst- und Gemüsebau nicht gegeben. Bei der sich anbahnenden Ausweitung der Wirtschaftsräume müßten Wege gefunden werden, um die Zufuhren mit den berechtigten Interessen des ortsgebundenen Obst- und Gemüsebaues in Einklang zu bringen. (
Mehr Zellwolle-Verarbeitung
Die deutsche Textilindustrie konnte ihre im Kriege zerstörten Kapazitäten weitgehend wieder aufbauen. Die Finanzierung erfolgte durchweg mit eigenen Mitteln. Diese Selbstfinanzierung hat aber nicht ausgereicht, die maschinelle Ausrüstung auf einen Stand zu bringen, daß die deutsche Textilindustrie wieder auf den Weltmärkten und bei fortschreitender Liberalisierung auch ■im Inland gegenüber der ausländischen Konkurrenz voll wettbewerbsfähig wäre. Alte Textilmaschinen mußten durchweg aktiviert werden, um über die Abs/'.reibungen die Mittel für die Ersatzbeschaffungen zu erwirtschaften. Es ist bei den augenblicklichen Preisen sehr fraglich geworden, ob dies gelingt. Vielfach wird deshalb in der Textilindustrie die Auffassung vertreten, es sei wirtschaftlicher, Kredite für eine gänzliche Erneuerung des Maschinenparks aufzunehmen und eine grundlegende Rationalisierung des Fertigungsapparates durchzuführen.
Bei der gegenwärtigen Kapitalnot ist es aber unmöglich, die entsprechenden Gelder zu beschaffen. ECA-Mittel werden nur dann zur Verfügung stehen, wenn das entsprechende Unternehmen überwiegend für den Export arbeitet. Die Exportchancen sind bei dem heftigen Wettbewerb mit den modern ausgerüsteten Konkurrenzbetrieben des Auslandes nicht übermäßig groß. Im wesentlichen konnten nur Spezialzweige, so vor allem die Kunstseidenindustrie, wieder im Auslande Fuß fassen. Trotz erheblicher Anstrengungen ist es in diesem Jahr nicht gelungen, den monatlichen Gesamtexport über 6 Millionen Do1' zu steigern. Das entspricht etwa dem Gesamtergebnis des vorangegangenen Jahres. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß 1949 nv-h ein beträchtlicher Teil auf Lieferungen aus den alten JEIA-Kontrakten entfiel, während zur Zeit es sich nur um individuell hereingeholte Aufträge handelt. Die Rohstoffversorgung ist, wenn die Dinge sich einigermaßen ruhig entwickeln, gesichert. Bei den angestiegenen Baumwollpreisen werden, da die für die Einfuhr von Baumwolle zur Verfügung stehenden Marshallplangelder in ihrer Höhe gegeben sind, die Importe mengenmäßig um etwa 10% zurückgehen. Der Anteil des Zellwollzuschusses wird deshalb wieder etwas stärker werden. Das Tutet aber in keiner Weise eine Qualitätsverschlechterung, da ein Zusa'. von hochwertiger Zellwolle durchaus zweckdienlich ist. Die deutsche Ausfuhr von Zef wolle nach den I A, dem reichsten Ba" vwollproduzenten, ist ständig im Ansteigen.
500 Millionen Dollar Investitionsangebote
Hi. Zu den bereits gemeldeten Investitionsangeboten amerikanischer Firmen erfährt unser Bonner Vertreter, daß solche in größerem Umfange nunmehr auch von der Paramount Picture Corporation sowie von der American Metal Products-Company Washington vorliegen. Wie in diesem Zusammenhang deutscherseits betont wird, hindert die noch immer nicht erlassene Durchführungsverordnung über die Freigabe ausländischer Kapitalinvestierungen daran, daß ausländische Kapitalangebote flüssig gemacht werden können. Die bisherigen Investitionsangebote sollen die Höhe von über einer halben Milliarde Dollar erreicht haben.
Löhne und Preise
hd. Der Lohnpolitische Ausschuß der Arbeitgeberverbände von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf stellt in einer Entschließung fest, daß die gesamte Preisentwicklung keine Veranlassung biete, der von den Gewerkschaften geforderten Erhöhung der Löhne stattzugeben. Den Preissteigerungen für einige Lebensmittel stünden auf der anderen Seite erhebliche Preissenkungen gegenüber. Im übrigen seien zahlreiche Preise nur durch Angstkäufe gestiegen. Die Ankündigung von Lohnerhöhungen müsse zur Folge haben, daß sich diese preissteigernden Tendenzen verstärkten. Die stabile Lohnpolitik sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für die schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft und des Exports. Die Kaufkraft der Bevölkerung habe sich seit der Währungsreform beachtlich erhöht. Die Lebenshaltung könne nur durch eine gesteigerte Produktivität verbessert werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund wendet sich seinerseits dagegen, daß die amtliche Indexziffer für die Lebenshaltung der Berechnung des Reallohnes der Arbeitnehmerschaft zugrunde gelegt wird. Es sei falsch, eine Familie von vier Personen mit einem Verdienst von 270,— DM als Normalverdiener zu bezeichnen. Mehr als 50 Prozent aller Lohn- und Gehaltsempfänger erhielten weniger als monatlich 270,— DM.
Verkehrsgewerbe protestiert
F.A.Z. Die Zentralarbeitsgemeinschaft des Verkehrsgewerbes fragt den Bundeswirtschaftsminister Erhard in einem offenen Brief, ob sich die Festsetzung der neuen Prämien der Einheitstarife für Kra£tf ahrversicherung mit der Grundsatz- Politik des freien Wettbewerbes vereinbaren läßt. Das Verkehrsgewerbe erinnert daran, daß durch die Prämienerhöhung den Versicherungsgesellschaften jährlich 100 Millionen DM Mehreinnahmen zufließen. Das Versicherungsgewerbe habe aber noch nicht den Nachweis erbracht, daß das Defizit der Gesellschaften aus der Kraftfahrzeugversicherung im ersten Halbjahr 1950 50 Millionen DM betragen habe. Das Verkehrsgewerbe bezweifelt dies, weil die alles andere als bescheidene Geschäftsführung der Gesellschaften und der repräsentative Neubau von Versicherungspalästen dagegensprächen. „Das Verkehrsgewerbe“, so heißt es wörtlich, „hat noch immer Hoffnung, daß Sie, Herr Minister, angesichts der Tatsache, daß Tausende kleiner Existenzen nicht mehr in der Lage sein werden, zu bestehen, in eine Ueberprüfung der Materie eintreten werden.“
Exportanstieg in Hessen
AP. Das Land Hessen hat im ersten Halbjahr 1950 bereits für 77 Millionen DM mehr exportiert als im ganzen Exportjahr 1949 zusammen. Die Ausfuhr Hessens von Januar bis Ende Juni dieses Jahres erreichte 314 Millionen DM gegenüber der Jahresausfuhr 1949 von 237 Millionen DM.
Alliierte gegen Getreidefestpreise
k. Bisher haben die Oberkommissare noch immer nicht ihre Zustimmung zu der vom Bundestag verabschiedeten Preisanordnung gegeben, die den Futtermittelpreis mit 240 DM. den Roggenpreis mit 280 DM und den Weizenpreis mit rund 320 DM je Tonne festlegen wird. Wie wir hierzu erfahren, haben die Oberkommissare der Bundesregierung kürzlich in einem Schreiben mitgeteilt, daß sie die Festpreise für Futtergetreide und Roggen im September 1950 annullieren würden, falls bis zu diesem Zeitpunkt nicht eine eingehende deutsche Begründung über die Notwendigkeit, den Festpreis für Futtermittel und Roggen aufrechtzuerhalten, vorliegen sollte.
Darf die Thyssenhütte produzieren?
k. Ueber die deutsche Stahlproduktion sind bei der alliierten Oberkommission erneute Besprechungen in Gang gekommen. Dabei wurde auch erneut die Frage aufgeworfen, ob und in welchem Maße die Thyssenhütte und die Anlagen in Watenstedt-Salzgitter wieder mit in die Produktion einbezogen werden sollen, wenn die vorhandene Stahlkapazität im Bundesgebiet den Anforderungen nicht mehr entspricht. In deutschen Fachkreisen hofft man, daß die Zerstörungen auf dem Werkgelände in Salzgitter in Kürze endgültig eingestellt werden.
Sicherung der Versorgung
zr. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag bekanntgab, hat es die Bundesregierung angesichts der politischen Ereignisse als notwendig angesehen, in größerem Umfange Sofortkäufe an wichtigen Rohstoffen und Grundnahrungsmitteln durchführen zu lassen, um eine ausreichende und kontinuierende Versorgung der westdeutschen Wirtschaft in der nächsten Zukunft sicherzustellen. Das in Verbindung mit dem Ernährungsministerium ausgearbeitete und vom Handelspolitischen Ausschuß gebilligte Programm sieht die Bereitstellung von Devisen für nicht liberalisierte Einfuhren in der Größenordnung ungefähr eines Quartalsbedarfs vor.
Jugoslawien-Verhandlungen
Hi. Die Oberkommission hat sich mit dem Kredit von 30 Millionen Dollar, den die Bundesrepublik Jugoslawien gewähren will, zwar einverstanden erklärt, jedoch gleichzeitig mitgeteilt, daß das Ausfuhrvolumen von 65 Millionen Dollar nicht gebilligt werde. Die jugoslawische Regierung hat daraufhin direkte Vorstellungen in Washington erhoben.
Darmstadt und Umgebung
„Sommerhäuschen am Woog“ ist diese mit F. Trost signierte Zeichnung unterschrieben, die wir als ein weiteres Erinnerungsbild aus dem alten Darmstadt bringen. Noch ist es uns nicht gelungen, Näheres über den Zeichner, der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte, zu erfahren. Ob uns ein Leser weiterhelfen kann? Das Sommerhäuschen ist auch auf einer Woogsansicht aus dem Jahre 1860 zu finden. Es stand etwa an der Stelle, wo nun mit den Bauarbeiten für die Jugendherberge und somit einem neuen Kapitel der Woogsgeschichte begonnen wird. Zeichnung: F. Trost (Im Besitz des Stadtarchivs)
Wie werden die Stadtväter entscheiden?
Demnächst wird unser Stadtparlament eine große Entscheidung zu treffen haben. Es soll beschlossen werden, ob ein Teil des oberen „Muna-Geländes“ für die Ansiedlung von 136 Familien Flüchtlingen, Ausgebombten, Schwerkriegsbeschädigten und Heimatvertriebenen zur Verfügung gestellt werden kann oder nicht. Dieses Siedlungsgelände wurde dem „Deutschen Wirtschaftsbund der Heim- und Heimatvertriebenen e. V. Darmstadt“ vom Hessischen Finanzministerium empfohlen, nachdem es die Finanzierung einer 800 -Familien-Siedlung auf der Zentralmuna abgelehnt hatte.
Für die Heim- und Heimatvertriebenen hängt von dem Beschluß der Stadtverordneten viel ab, die es sich reiflich über-, legen müssen, ob sie nach wie vor den Standpunkt vertreten können, es sei zu schwierig und zu teuer, die „Eberstädter Siedlung“ zu erschließen. Abgesehen davon, daß es hier nicht um die „Eberstädter Siedlung“ geht, sollten alle Erschließungsarbeiten und -kosten von dem DWBH getragen werden. Hinzu kommt, daß durch die Initiative des DWBH eine „Produktionswirtschaft“ ins Leben gerufen wurde, die sich mit der Herstellung aller Bauelemente befaßt. Vorhanden sind bereits, nach Aussage des Ingenieurs Herning, eine komplette Bausteinfabrik, zwei Bautischlereien und eine Metallwarenfabrik, die die Grundlage für die Existenzsicherung der Siedlerfamilien bilden. Die Stadtverwaltung ist hingegen der Ansicht, die Existenz der Siedlerfamilien könne mit Hilfe dieser Produktionswirtschaft unmöglich gesichert sein.
Wie dem auch sei. Möglich, daß die reservierte Haltung der Stadtverwaltung darin begründet ist, daß sie befürchtet, sich zu Gunsten des Siedlungsbaues im Stadtaufbaü Einschränkungen auferlegen zu müssen. Wie aber soll überhaupt das Flüchtlings- und Ausgebombtenproblem gelöst werden, wenn nicht auf „konstruktivem Wege“? Ob durch die katastrophale Wohnungsnot im Bundesgebiet fehlen rund 7 Millionen Wohnungen die Ansicht nicht überholt ist, der Wohnungsbau könne nur durch die Neubelebung und Heranziehung der Industrie gefördert werden? Mag es nicht umgekehrt sein?
Immerhin kann man nach Lage der Dinge der Meinung sein, daß die Stadt kein Risiko eingeht, wenn sie das Muna-Brachland den interessierten Siedlern übereignet. Der DWBH beabsichtigt einen Erbpachtvertrag abzuschließen. Im einzelnen erklärt dazu Ingenieur Herning, daß die Pachtverpflichtung durch den Geschäftsanteil der Genossen mit 300 DM gedeckt und durch die Haftpflicht mit weiteren 300 DM gesichert sei. Die Finanzierung des Gesamtbauprojektes erfolge zu 30 Prozent der Bausumme durch Barrücklagen und Arbeitsleistung und zu 30 Prozent durch ein Staatsdarlehen zur Dekkung der zweiten Hypothek. Die erste Hypothek, in Höhe von 40 Prozent, werde durch Vermittlung des DWBH aus Mitteln der an dem Unternehmen interessierten Versicherungsgesellschaften, sowie durch Hypothekenbanken gedeckt.
„Wenn man uns nicht hilft, dann sehen wir uns genötigt, Wege zu gehen, wie sie bereits in Schleswig-Holstein gegangen werden, Wege, die zwangsläufig zu einer .Selbstverwaltung auf konstruktiver Aufbaubasis' führen müssen . . Soll — oder muß es soweit kommen?
Maximilian 11.
Kaufhof-Neubau in der Rheinstraße
Nach ihrer Ferienzeit werden die Darmstädter Stadtverordneten am nächsten Donnerstag um 15.00 Uhr wieder zusammentreten. In öffentlicher Sitzung sind allein 62 Vorlagen zu behandeln, von denen 50 bereits im Finanzausschuß positiv entschieden wurden. In der Mehrzahl handelt es sich um Grundstücksüberlassungen und Tauschangebote. Dabei ist das Bestreben des Magistrats bemerkenswert, die zerstörten Altstadtanwesen zu erwerben oder auszutauschen, um die Sanierung zu ermöglichen.
Durch die fast einstimmig erfolgten Beschlüsse des Finanzausschusses sind die Voraussetzungen geschaffen worden, daß einzelne größere Bauvorhaben inzwischen bereits in Angriff genommen werden konnten oder vor ihrem Beginn stehen: der Wiederaufbau der Bessunger Mädchenschule mit finanzieller Hilfe der US-Besatzungsmacht, wodurch die Diesterwegschule ganz für die deutschen Kinder frei werden soll, die Errichtung der Jugendherberge am Woog, der frühere Erweiterungsbau der Landeszentralbank, der nun ein Bürogebäude abgeben wird. Ebenso konnte hinter der Stadtkirche mit der Erstellung von Geschäftshäusern der Firmen Zetzsche (Spielwaren) und Crusius (Musikinstrumente) begonnen werden.
Als weiteres Vorhaben ist erwähnenswert die Weiterführung des Stadtkrankenhausbaues (Operationsbau mit Verbindungsflügel. Fertigstellung des Leichenhauses, Röntgenabteilung und das für die Bekämpfung der Wurmseuche wichtige Sudabad). Die Uebersiedlung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in das Ernst-Ludwig-Haus auf der Künstlerkolonie bedingt dort die Fortsetzung von Wiederherstellungsarbeiten. Hier bewilligte der Finanzausschuß 150 000 DM gegen eine Stimme, bei einer Enthaltung.
Auch Ortsbausatzungen und Straßenfluchtpläne werden die Stadtverordneten beschäftigen. Nach den Neubauten Schrumpf und Kattier soll über den Bebauungsplan der oberen Rheinstraße (als „Ladenstraße mit Vitrinen“) entschieden werden. Neben dem Neubau der Merckschen Apotheke ist ein solcher des Kaufhofes geplant, der an die Ecke des Friedensplatzes zu stehen kommen soll. Die vielumstrittenen Fluchtlinienpläne der Elisabethen- und der Heinrichsstraße dürften auch am Donnerstag eine Debatte über rechtliche Fragen der Geländefreilegung auslösen
An den Schluß der Sitzung sind drei kommunistische Dringlichkeitsanträge gesetzt, die sich mit der Sp- ?t fra-’e, Siedlungsbauten des Verbandes der Kriegsbeschädigten auf dem Munagelände, einem Jugendheim und den Brotpreisen befassen. *
In der Begründung über die Baupläne für die obere Rheinstraße scheint uns eine Unklarheit zu bestehen. Der Neubau des Kaufhofes kommt unseres Wissens an die Ecke Rheinstraße—Ernst-Ludwigs-Platz, dem alten „Faixe-Eck“. Die gegenüberliegende Ecke des einstigen Jagdhauses soll, wie wir erfahren, vom Bauverein für Arbeiterwohnungen bebaut werden. Er hat vor, dort ein Geschäftshaus zu erstellen, das Läden, Büros und Praxisräume enthalten wird.
Kleine Gauner - Kleine Strafen
Gefängnis für zwei Unterstützungsbetrüger und einen Dieb
Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 1000 DM erschwindelte sich der 44jährige Arbeiter Karl Göckel aus Darmstadt. In der gestrigen Bezirksschöffengerichtsverhandlung war der Angeklagte geständig, daß er als Schrottsammler nachweislich bei einem Altwarenhändler in wenigen Monaten 3280 DM neben seiner Erwerbslosenunterstützung bezog. Unter Einbeziehung zweier früher verhängter Strafen wurde der Angeklagte wegen Betrugs zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt.
In der darauf folgenden Verhandlung wurde der 44jährige Adolf Hafner aus Darmstadt wegen desselben Deliktes zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Er war einer Nebenbeschäftigung nachgegangen und verdiente nachweislich in einem Monat 250 DM. Wenn man die Verhandlung erlebt hat, so sind einem die Worte des Hessischen Finanzministers Dr. Werner Hilpert in seiner Ansprache in der vergangenen Woche in Weinheim verständlich. Er führte aus, daß das Ausmaß der Auszahlungen an Erwerbslosenfürsorge unerträglich werde und in zahllosen Fällen die Arbeitslosenunterstützung unberechtigt bezogen würde. Bei einer Umfrage in den oberhessischen Landkreisen wurde mitgeteilt, daß die meisten Neuanmeldungen von Motorrädern von Erwerbslosen stammen.
Dem 44jährigen Kaufmann Adolf Fischer aus Roßdorf war eine Chance gegeben, sich bei den Blaupunktwerken emporzuarbeiten. Der Angeklagte, der einschlägig vorbestraft ist, hatte sich in den letzten 12 Jahren nicht mehr straffällig gemacht und führte ein ordentliches Leben, bis er am 27. 1. 1950 einen Betrag von 717 DM auf die Post bringen sollte. Da kam er wieder in Versuchung. Zuerst wurde eine Schuld von 100 DM beglichen und der Rest innerhalb von vier Wochen in München verjubelt. In einem anderen Falle unterschlug er Reparaturgeld in Höhe von 31,50 DM. Wegen Unterschlagung in zwei Fällen verurteilte ihn das Bezirksschöffengericht zu sechs Monaten Gefängnis. ri
Nachfolgezeitung
des „Volksfreund“
Wie aus der Begründung eines der nächsten Stadtverordnetensitzung vorliegenden Magistratsantrages auf Ueberlassung eines Grundstückes der Villenkolonie Eberstadt hervorgeht, ist der seitherige Vorsitzende der Lagerspruchkammer Darmstadt, Herr Karl Dittmann — ein Heimatvertriebener — mit dem „organisatorischen Aufbau der Nachfolgezeitung des im Jahre 1933 liquidierten Volksfreundverlages“ beschäftigt. DT
Zwei Unfälle in Griesheim
Am Donnerstag ereignet ?n sich auf der Straße zwischen Griesheim und Darmstadt zwei schwere Verkehrsunfälle. Um 13.30 Uhr wurde ein Motorradfahrer, der aus der Richtung Mainz kam, an der Abzweigung der Groß-Gerauer Straße von einem Volkswagen erfaßt, der kurz zuvor einen Lkw. überholt hatte. Das Motorrad wurde stark beschädigt, die Beifahrerin ernstlich verletzt.
Am späten Abend fuhr auf der gleichen Straße ein Personenwagen mit abgeblendeten Scheinwerfern, um den entgegenkommenden Verkehr nicht zu blenden. Als der Fahrer des Wagens kurz aufblendete, bemerkte er wenige Schritte vor seinem Fahrzeug einen Fußgänger, der ein unbeleuchtetes Fahrrad und einen Karren schob. Er riß sein Fahrzeug nach links, konnte aber einen Zusammenstoß nicht vermeiden. Der Fußgänger wurde etwa 16 Meter mitgeschleift. Der Fahrer bemühte sich sofort um den Schwerverletzten, der Jedoch nach seiner Ueberführung in das Eberstädter Krankenhaus starb. Die Feststellungen ergaben, daß es sich um den 22jährigen Georg Wagenknecht aus Griesheim handelte. ms.
Drei Vereine bauen an der Turnhalle
Bessunger „Lappingskerb“ in Sicht
Es war ein schwerer Schlag für die Bessunger, als während des Krieges ihre Turnhalle zerstört wurde, in der sie gewohnt waren, Feste zu feiern, zur „Kerb“ zu tanzen und — zu turnen. Heute müssen sie noch immer bei jedem Anlaß, und deren sind es viele, nach „auswärts“.
„Das muß anders werden“, sagten die Vorstände der drei Bessunger Vereine, spuckten in die Hände, riefen die Narrhallesen vom Karnevalverein, die Turner von der Bessunger Turngemeind^ und die Sänger von der „Einigkeit“ zum Arbeiten. Und die kamen dann auch. Und arbeiteten — nach Plänen, die Professor Grund und Baurat Göbel entworfen haben und unter Anleitung eines von der Selbsthilfegemeinschaft gewählten Bau - ausschusses — lauter Bauhandwerkern — denen Schreinermeister Müller vorsteht. Und so kann man denn bei gutem Wetter jeden Tag nach 17 Uhr, samstags und sonntags Männer, Frauen und Kinder — alles Mitglieder der drei Bessunger Vereine — bei der Arbeit sehen. Frauen rühren Speis, Buben putzen Backsteine und Männer über Sechzig mit grauen Haaren befolgen willig die Anordnungen jüngerer Fachleute. Die Arbeit macht dabei gute Fortschritte. Eine große Anzahl der freiwilligen Helfer konnte schon für 50 und mehr Arbeitsstunden mit einem Abzeichen oder einem Geschenk in Gestalt von Wein ausgezeichnet werden. Und mancher Tüchtige hat es schon auf 200 Arbeitsstunden gebracht.
Der erste Bauabschnitt, die Gaststätte, wird auf diese Weise bald fertig sein. Die Stadt Darmstadt hatte die Mittel dazu zur Verfügung gestellt und wenn alles gut geht, kann zur „Kerb“ in den neuen Räumen getanzt werden.
Ueberhaupt die Kerb! Wer kennt sie nicht, die „Lappingskerb“? Ganz Darmstadt hat da schon gesungen, getanzt und gelacht. Und so soll es auch in diesem Jahr wieder sein. Ein Kerweausschuß von 15 Männern, bestehend aus Vertretern der drei Vereine, hat mit den Vorarbeiten begonnen, für die insgesamt 180 Personen eingesetzt sind. Ein großer Kerwe-Umzug kann zwar nicht stattfinden. Dafür wird aber am Samstag, dem 16. September 1950 ein großer Fackelzug steigen. Und das ist ja auch schon was. Und im großen Zelt, das im Hof der Turnhallenruine aufgeschlagen wird, werden sich die 1400 Gäste genau so wohl fühlen, wie jene, die im Keller und in den Wirtschaftsräumen Platz finden werden. Daß es auch an anderen Plätzen Bessungens hoch her gehen wird, daran zweifelt wohl keiner, der Bessungen und die Bessunger kennt.
In der Stadt notiert
Gebäudeschaden entstand bei dem Einsturz der Außenmauer und der Massivdecke des fliegerbeschädigten Seitengebäudes auf dem Grundstück Schulstraße 9 in Darmstadt, obgleich das einstöckige, offenbar noch gut erhaltene Bauwerk von dem Grundstücksbesitzer und den Baufaehleuten als ganz sicher angesehen worden war. Es zeigte sich hier wieder, daß die Sprengbomben, die große Feuersbrunst und die sechsjährige Verwitterungsperiode die Bauteile doch stärker, als bisher vermutet, im Gefüge erschüttert haben. xc.
Die Schulspeisung wird das Thema des nächsten Diskussionsabends des Darmstädter Forums am Donnerstag, dem 31. August, um 20 Uhr in einem Saal der Technischen Hochschule sein. Eltern und Erzieher werden heute schon auf dieses Thema hingewiesen, das in der letzten Zeit zu manchen Beanstandungen Veranlassung gab. DT.
Der Mädchenschreck vom Böllenfalltor konnte am 23. August durch die Darmstädter Kriminalpolizei aufgegriffen werden. Es handelt sich um einen 16jährigen aus Darmstadt, der im Sommer splitternackt im Walde umherstreifte.
Einen Haftbefehl erließ das Amtsgericht Darmstadt gegen einen 24jährigen Darmstädter, der sich am 13. Februar um 8 Uhr in unzüchtiger Weise in der Nähe des Grohberges an einem Kind vergangen hatte. ri.
Die Griesheimer Kerb wird am morgigen Sonntag gefeiert. Rege Vorbereitungen sind im Gange und bei schönem Wetter hoffen die Griesheimer eine der größten Kerben der Umgebung feiern zu können. ms.
In Arheilgen entsteht ein neuer Stadtteil
Arheilgen ist ein Stadtteil, der infolge seiner geringen Beschädigung durch den Krieg seit langem überbelegt ist. Um der Wohnraumnot auf die Dauer begegnen zu können, mußten in verstärktem Maße Neubauten errichtet werden. Vor einem Jahr wurde nun in Erkenntnis der Tatsache, daß vom Staat die erforderlichen Mittel nicht zu bekommen waren, die „Gemeinnützige Baugenossenschaft“ gegründet, deren Ziel die Errichtung eines neuen Stadtteils in südöstlicher Richtung des Ortskerns ist.
Begrenzt wird das Baugelände von der Alten Darmstädter Straße und dem Woogweg. Im Zuge der Neubauten wird die Fniedrich-Ludwig-Jahn-Straße bis zum Woogweg verlängert, ebenfalls die Wernerstraße. Das gesamte Gelände wurde in gütlichem Einvernehmen zwischen den seitherigen Besitzern und der Stadt angekauft. Die Stadt bleibt auch Eigentümer des Geländes, das im Erbbaurecht vergeben wird, da diese Form die einwandfreieste. schnellste und auch billigste Baulandübereignung für den sozialen Wohnungsbau darstellt.
Von den vorgesehenen 45 Bauplätzen wurden im ersten Bauabschnitt zwei Grundstücke ausgenommen, auf denen später Wohnblocks mit je drei Hauseinheiten mit Ladengeschäften errichtet werden sollen. In den Obergeschossen dieser Häuser werdntn un^ert^brp.rht. die in Fonn von Selbst^!*- und TTani+nl be’stei’orn können, wie Schwerbeschädigte und Tnvalid'"'. In diesem Fall wird die Gemein-Baugchc^’-nschaft Wc'mun'gsvnternehmer und kann gleichzeitig auf Grund der sich ergebenden Mieten erkennen, inwieweit ihr eigentliches Prinzip, die Gemeinnützigkeit, realisiert ist.
Der erste Bauabschnitt umfaßt drei Wohnhaustypen mit einer Größe von 55,25, 65,25 und 80 Quadratmetern bebauter Fläche. Diese Typen sind Einzel- und Doppelhäuser und grundsätzlich als Eigenheim anzusprechen. Für alle Haustypen sind Einliegerwohnungen im Obergeschoß vorgesehen, womit dem Vermieter eine zusätzliche Hilfe zur Amortisation in die Hand gegeben ist. Von den 47 in Bau befindlichen Häusern sind bereits vier fertiggestellt, und man hofft, daß die ersten Anfang Herbst bezogen werden können. Der Beginn des zweiten Bauabschnitts ist noch durch Geldmangel in Frage gestellt. Bisher stehen von den zugesagten 450 000 DM erst 50 000 DM zur Verfügung.
Zur Zeit schweben zwischen der Gemeinnützigen Baugenossenschaft und der Stadt Verhandlungen wegen der Kanalisation, und wenn diese Schwierigkeiten behoben sind, ist zu erwarten, daß es nicht mehr lange dauern wird, bis Arheilgen einen neuen Stadtteil mit Einfamilienhäusern und Ladengeschäften erhalten hat. -st.
Fotos (2): Hilde Roth.
Wieder sehr warm
DT- Wetterbericht
Vorhersage : Am Samstag und Sonntag heiter bis wolkig und abgesehen von vereinzelten Gewitterstörungen auch meist trocken. Sehr schwül. Tageshöchsttemperatur wieder nahe 30 Grad. Schwache Südwinde.
Weitere Aussichten: Am Montag noch keine durchgreifende Umgestaltung
Wohin gehen wir heute?
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: Alle Ausstellungen sind wegen Umzugs geschlossen.
Mathildenhöhe: „Das Menschenbild in unserer Zeit“, täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Notgemeinschaft ehemaliger berufsmäßiger Wehrmachtsangehöriger und deren Hinterbliebenen, Kreisverband Darmstadt-Stadt: 16.30 Uhr, Speisesaal der Stadtküche (frühere 61er Kaserne, Bessunger Straße), Versammlung.
und morgen?
Lichtspieltheater: Siehe Anzeigenteil.
Lichtspieltheater: siehe Anzeigenteil.
Amerikahaus: wie Samstag.
Mathildenhöhe: wie Samstag.
Herrngarten: Promenadenkonzert Kapelle Hinze von 11 bis 12 Uhr.
Landesmuseum Darmstadt: Eröffnung der Ausstellung „Archiv für Jugend- und Laienkunst“, 11 Uhr im Barocksaal.
Wir gratulieren
90. Geburstag: Frau Pau'ina Ra az Mümling-Grumbach, Schulstr >ßg 145.
85. Geburtstag: Fräulein Christine Müller. Habitzheim. Langgasse 173.
78. Geburtstag: Herr Johann Philipp Schmidt lIL, Polizeidiener i. R., Reinheim.
DIE STAMMTISCHRUNDE
Kürzlich fanden sich einige vergnüglich-boshafte Leute zusammen. Daß sie sich nicht im formalen Sinne konstituierten, sondern sie die Freude am Leben nebst seinen Begleiterscheinungen gemeinsam an den „Stammtisch“ brachten, das möchte die vorstellende Selbst-Persiflage jedes einzelnen unterstreichen.
Es sollen bei Gott keine anachoretischen Verse Zustandekommen (man ist ja nicht „im Himmel droben in einer Ecken“) und auch nicht philosophisch tief geackert werden. — Unter anderem beabsichtigen die betrachtenden Gespräche, eine Lücke in der Darmstädter Publikation auszufüllen, und alle Dinge und Vorkommnisse so zu sagen, wie sie sind.
Da nun aber bekanntlich jedes Ding seine zwei Seiten hat, man also leicht einer Partei auf den Fuß treten könnte, will die Runde in lustig-beißender Art die Ereignisse in und um Darmstadt nahebringen. Und zwar jeden Sonnabend. Falls Sie also in Zukunft, verehrter Leser, am Wochenende genau hinschauen, werden Sie die Haare auf den Zähnen der anderen entdecken können.
Natürlich kann der Stammtisch nicht den Bürgermeister oder Landrat ständig umzuschubsen versuchen, oder dem Wohnungsamt einreden, daß es mehr Wohnungen habe als vorhanden sind. — Es soll ein Gedankenaustausch sein, der Sie und un-, die Schupos und Marktfrauen, die Familienväter und Schwiegermütter, die Stadträte und Fußballspieler zwischen den Skatpartien unter der sarkastischen Lupe betrachten.
Falls Sie einmal von Aerger oder zynischen Gedanken geplagt werden, dann besprechen Sie das ruhig mit uns am Stammtis''’-’.
Die verlorenen Haare stammen vom Kummer oder der Trauer. Ich gehöre zu den Menschen, die mit den Traurigen zu weinen pflegen. Nur wenn die schon lange wieder aufgehört haben, traure ich weiter. Deswegen komme ich immer zu spät und gehöre erst dann einer politischen Richtung an, wenn die Ersten selbiger Weltanschauung bereits die gutbezahlte Fahne einer neuen Idee vorantragen. So kaufe ich mir erst im Herbst die neue Sommerhose und stelle dann zu Hause fest, daß sie oben oder unten nicht paßt. — Den Scheitel über dem Ohr habe ich von Daladier übernommen, damit der Kopf wenigstens etwas bedeckt ist. Das Schaukelpferd ist symbolisch: es kommt meinem Namen nahe, schaukelt (finanziell) auf der Stelle, und läßt mir die Muße, friedvollen und bösartigen Gedanken nachzugehen.
Mit gedämpftem Hü hao Ihr
Barthold Schimmel
Hein Rougeot
Sein Vorname persifliert zu stark, weil „Hein“ mit Klein-Erna in Hamburg groß geworden ist. Zum Beispiel die Geschichte auf der Brücke, wo Klein-Erna die Blinddarm-Frage stellt. (Wo?, seggt Hein. Dort im Krankenhaus haben sie ihn entfernt.) Also so ist er nicht. Viel eher Nachnahme: Aus gutem Hugenottenadel. Unter allen Umständen stammt die konzentrierte Ruhe daher. Die kräftige Nase bezichtet die hochgezogene Augenbraue als Zeichen permanenter Ueberlegenheit der Lüge. Uebrigens stammen die hochgestochenen Falten von einer Narbe. Herr Rougeot (jawohl!) bekam als Kind einen Isolationstopf im Kampf an die Stirn. Also einer, der die gestärkte Hemdenbrust auch verteidigen kann.
Die Skepsis läßt seinen Humor gleichmäßig trocken fließen und hört nicht nach dem ersten Witz auf. Die Sonne und Herr Rougeot werden noch vieles an den Tag bringen. Er verabschiedet sich mit leichter Verbeugung und verbleibt
Hein Rougeot
Friedolin Hunter
Fridolin, ins Bücherschreiben vertieft — Knut Hamsun würde sich nie dabei umdrehen — zeigt Ihnen die volle Breitseite seines markanten Gesichtes. Er stammt aus einer berühmten Familie und sagt es niemanden. Das dürfte ein Gegengewicht des selbstbewußten Bildes sein. Die Makellosigkeit des Gesichtes und der Blendax-Zähne müßten auf die Leinwand. Das geht nicht, weil er einen Roman schreibt — immerdar — Motorrad fährt und in der Stadt reportert. Er ist überall, beschreibt Schulhausneubauten, Samba-Kurse und Tierzuchtergebnisse, interviewt Hebammen und Maler, Zahnärzte und Parteifunktionäre und führt außerdem ausgedehnten Schriftwechsel mit Verlagen. Die hin- und hergehenden Pakete haben die gleiche Bogenzahl . . . „beschloß ich, Politiker —pardon! — Schriftsteller zu werden“. Jedoch von „Ihm“ stammt die heftige Konsequenz. Wo er steht, da steht er. Das wird man noch zu lesen kriegen. Einstweilen: Empfehlung und fescher Gruß
von Fridolin Hunter
Götz von Gump^„
Von Heinrich Georges stärkster Rolle hat er den Vornamen. So ist der an der Seite stehende Vorschlaghammer hämmernde Hilfe der kochenden Volksseele in der Publikation. Er bedroht alle und teilt anschließend die letzte Zigarette. Die Eisenfaust beabsichtigt, daß weiche Gemüt zu verteidigen. (Wer Leute in Harnisch unterm Kinn krault, bekommt einen ungekürzten Bericht.) Sein Gesicht drückt eine geballte Ladung aus. Wenn sie losgeht, springen die Leimtöpfe hoch. Er vergißt selten, was er sagen wollte, fährt aber manchmal schneller, als sich die Räder drehen — nicht nur die Räder! — Von Tayllerand hat er nichts außer der Bissigkeit. Hiermit donnert ei' Ihnen den Fenstergruß des Berlichingers entgegen als
♦ Götz von Gumpen
Peter Bruchmann
Peter war ein feiner kluger Mensch, sagen seine Freunde, bis er Journalist wurde. Dann wars aus: Mit den Haaren, dem Geld und der Ruhe der ungerechten Menschen, die er mit Worten unangenehm piekt. Seine Gesten tragen globalen Charakter, und nie käme jemand auf den Gedanken, daß Ausgeglichenheit auch Sorge haben kann. Die Zeichnung zeigt ihn wirklich: Aber er kommt nicht dazu, Literat zu sein, da tägliche Veröffentlichungen es verhindern. Die Kümmernis, die der Zeichner sah, veranlaßt das berüchtigte heiße Eisen der kommunalen Politik. Bei vielfachen Regierungswechseln wäre seine Verfolgung vielfach. Aber, wer schreibt, der bleibt. Und wie! — Die Morgensternsche Melancholie läßt den Sarkasmus nebenbei bemerken. Leicht traurig sagt er: Auf wiedersehen, Ihr
Peter Bruchmann
Idor Hamoll
Sein Gesicht auf dem Bild ist weicher, als in Wirklichkeit. Im Geigenkasten schlummert die Musik, mit der er sich im verlobten Zustand befindet. Der Kasten ist aber zugeklappt, weil er die Mitmenschen nicht mit atonaler Musik erschrecken will. Mit dieser Geräuschsparte ist er gezwungen, sich zu beschäftigen. Die Dämonie besagter Töne kontrastieren der Regelmäßigkeit seiner — nochmals! — Gesichtszüge. Demnach nicht, wie die Faust aufs Auge, O Idur, Du bearbeitest die schwierigste Rubrik! Du sollst dem Sande Goldgehalt nachsagen. Er muß, möchte, soll die alte Tonleiter revolutionieren. Deswegen spiegelt sein Konterfei die leichte Resignation der Leute wieder, die zwischen Abendland und schrillen Tönen stehen. „Zu zweit läßt sich alles leichter tragen“ realisiert sich in aller Kürze, jedoch sein Sarkasmus sitzt mit Nonchalance. Bis dahin läßt in ruhigem Tone grüßen
Idur Hamoll
Teddy Teer
Seine Stirn zeigt die Gutmütigkeit, die sich bis zum (infantilen) Hemd-ausziehen steigern kann. Um diesen Zug zu verdecken, mußte Brille und Bart von Dr. Mabusse, dem Spieler, herhalten. Sorge Und zahlreiche Kinder verhindern die seidene Krawatte. Die Lebensklugheit empfiehlt ihm, den Tellerwäscher und Zeitungsboy — aus der Amizeit nach dem Kriege — in den Vordergrund zu stellen. Selfmademan! (Tünche!) — Am Telefon — das Bild zeigt es — arbeitet er exakt und inhaliert sämtliche Neuigkeiten der Stadt ein, um sie in der Analyse zu verbreiten. Er läßt mit schnellem kurzem Brummton (besetzt!) grüßen als
Teddy Teer
Toni Tunichtgut
Toni redet wenig, weil die kürzende Schere klappert, die die Papierkörbe füllt. Die Skizze zeigt vertrauenerweckende Züge und will aber vor allen Dingen die Kräftigkeit nicht nur der allgemeinen Wesenszüge, sondern auch die des vitalen Betrachtungsvermögens darstellen. So gab ihm der Zeichner einen beinahe behäbig wirkenden Blick für die Umwelt. Seinen Humor merkt man immer erst später. An ihm ist wenig auszusetzen. Er hat immer ein Taschentuch mit, das Feuerzeug ist stets gefüllt. Er wischt die Schuhe nicht an der Gardine ab und trägt nicht das Durcheinander von Bindfaden, Taschenmesser, Reißnägeln, Zigarettenresten in der Hosentasche. Und weils bei ihm nie sichtbar brennt, wirken seine Pointen wie ein Kaktus: Sie brauchen nicht die Gießkanne des Beifalls und stechen immer. Hinter der Brille grüßen seine Augen mit ruhigem Humor und schlichtem „Auf später!“ Das ist Toni Tunichtgut
Inzwischen sind die Kollegen der Tischrunde langsam eingetroffen, und so möchte ich sie Ihnen — wie sie hereinkamen — fröhlich und resigniert, humorvoll und sarkastisch, markant und donnernd, vorstellen:
Jugend- und Laienkunst
Am Sonntag, dem 27. August, 11.00 Uhr, wird das Archiv für Jugend- und Laienkunst, das im Frühjahr 1950 innerhalb des Education Service Center iw Jugenheim a. d. B. gegründet wurde, im Landesmuseum Darmstadt eine Ausstellung eröffnen, die während zweier Wochen täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 10.00 bis 13.00 Uhr zu • gänglich ist.
Zum ersten Male tritt damit das Archiv für Jugend, und Laienkunst mit seinem Besitz ausgewählter Malereien und Graphiken von Kindern, laienkünstlerischen Arbeiten und Werkstücken hier in Darmstadt an die Oeffentlichkeit. Besonderes Interesse dürften die Bilddokumente und Reproduktionen finden, an denen sich die Entwicklung der künstlerischen Kräfte durch das Kindes- und Jugendalter hin verfolgen läßt.
Von Eigenerleben und Eigenschau zeugen diese Werke der Kinder, Jugendlichen und Laien und können deshalb der psychologischen Ergründung, der Erziehung im allgemeinen wie der künstlerischen im besonderen wichtige Aufschlüsse und Hinweise geben; ist doch die musische Bildung des Menschen, da sie seiner eigensten innersten Kräfte sich annimmt, ein entscheidender Faktor der modernen Pädagogik. — Das Archiv für Jugend- und Laienkunst richtet allen systematischen Ansprüchen genü seine Sammeltätigkeit aus auf eine allen systematischen Ansprüchen genügende Uebersicht über den Entwicklungsstand der heutigen Kunstpädagogik, auf das entsprechende autodidaktische Vergleichs- und Beweismaterial und eine Zusammenstellung von Werken, die alle wesentlichen gestaltungsgesetzlichen und psychologischen Entwicklungsphänomene bezeugen.
Der Rundfunk am Sonntag
RADIO FRANKFURT: 6,00 Morgenständchen; 7.20 Frühkonzert; 8.30 Die Klassiker und ihre Mütter; 9.00 „Rettet den Menschen“; 10.15 Kammermusik-Matinee; 11.30 Unterhaltungsmatinee; 13.00 Musik nach Tisch; 13.30 Unsere wöchentliche Wiederholungssendung; 14,30 „Der Zauberlehrling“; 15.15 „Meister ihres Faches“; 16.00 „Rettet den Menschen“; 17.00 Gute Unterhaltung, liebe Hörer; 20.00 Funkball 1950; 22.10 Sportberichte.
SÜDWESTFUNK: 12.20 Volksmusik und Chorgesang; 13.30 Musik nach Tisch; 14.45 Frohe Melodien; 15.30 Sommerliches Intermezzo; 17.30 Das SWF-Unterhaltungsorchester; 18.30 Die Sportreportage; 19.20 Kleine Abendmusik; 20.00 Straßburger Bachfest 1950; 21.45 Wir tanzen; 22.15 Sport und Musik; 22.45 Funkball.
Bereitschaftsdienste am Sonntag
Apotheken Sonntags- und Nachtdienst: (von Sa. 26. 8. 13 Uhr bis Sa. 2. 9. 8 Uhr)
Darmstadt: Hirsch-Apotheke, Nieder-Ramstädter Straße 21; Adler-Apotheke, Mathildenplatz 20
Darmstadt-Arheilgen: Arheilger - Apotheke, Dieburger Straße 26
Darmstadt-Eberstadt: Schwanen - Apotheke, Darmstädter Straße 26
Zahnärztlicher Sonntagsdienst: (von 10 bis 12 Uhr)
27. 8.: Dr. Schöhl, Darmstadt, Viktoriastraße 51
Sonntagsdienst der Dentisten: (von 10 bis 12 Uhr)
27. 8.: Dentist Peter Schupp, Darmstadt-Ärheilgen, August-Bebel-Str. 32
Sinnvolles Leben
DAS HERBSTPROGRAMM DER DARMSTÄDTER VOLKSHOCHSCHULE
Die Volkshochschule der Stadt Darmstadt möchte auch im 11. Semester 1950 auf ihre Weise dazu beitragen, das Wissen um die hohen Fähigkeiten des Menschen zu ■ ortiefen, um einer leichtfertigen Betrachtung jener Werte, die das Dasein bilden und gestalten, vorzubeugen. In einer Zeit, die sich das überlieferte Wissen neu erringen muß, ist es von besonderem Nutzen, berufene Vertreter des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens hören und sprechen zu können. Der Lebensmut, der ihre Leistung beseelt, und der Drang zur Gestaltung, der ihrer Arbeit innewohnt, regen den aufgeschlossenen Hörer zur Führung eines sinnvollen Lebens an. Rund 50 Einzelveranstaltungen, die zu 11 Vortragsreihen zusammengefaßt wurden, kündigt das Programm der Volkshochschule von Anfang September bis Mitte Dezember an. In der Vortragsreihe „Geist und Leben“ werden neben Dr. Eppelsheimer die Mainzer Universitätsprofessoren Bollnow, Lerch und Freiherr von Eickstedt sprechen.
Über aktuelle medizinische Themen sprechen Prof. Dr. Naujoks, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Frankfurt („Das gefährliche Alter der Frau“), Prof. Dr. Wiethold, Direktor des Instituts für gerichtliche Medizin und Kriminalistik der Frankfurter Universität („Die Nachprüfung der strittigen Vaterschaft mit Hilfe ärzUicher Untersuchungsmethoden“) und Dr. Dr. Giese, Le’ter des Instituts für Sexuafforschung Frankfurt/Main ( „Bericht über den Kinsey-Report über die männliche Sexualität“).
Reise- und Forschungsberichte über Rußland, Amerika, Grönland, Mexiko und Libanon ergänzen die „Abenteuer des Wissens“, die durch die neuen Dokumentarfarbfilme der Matinee-Freunde Zürich.. Unbekanntes Nordostafrika“, „Von Kairo bis Kapstadt“, „Nepal, Tibet und Himalaya“, „Geheimnisvolles Paris“, „Im Reich der Azteken“ und „Bunte leuchtende Weit“ vermittelt werden. Über Tiere und Pflanzen werden Professor Dr. Ankel, Professor Dr. Stocker und Dr. Grzimek Lichtbildervorträge halten.
In den Autorenabenden werden im kommenden Semester Bernhard von Brentano, Alfred Döblin, Emil Belzner, Kasimir Edschmid und Etnst Kreuder aus ihren Werken lesen. Rezitationsabende werden von der Darmstädter Schauspielerin Martha Ziegler, zuletzt Schillertheater Berlin, und Herbert Wien, Schauspieler am Hessischen Landestheater, gehalten.
„Darmstadt in Literatur und Kunst“ ist der Titel einer Vortragsreihe, in der Vorträge zur Erinnerung an Alexander Posch, Dr. Carl Happich, Matthias Claudius, Georg Christoph Lichtenberg und Niebergalls „Datterich“ angekündigt sind. Liesel Stolzenbach (Rezitation) und Ernst Luckow (Einführung) werden Robert Schneiders und Heinrich Rüthleins gedenken. J. S. Dang und Hartmuth Pfeil führen ein Gespräch über „Zeichnungen zum Darmstädter Dialekt“. Drei kleinere Vortragsreihen „Aktuelle Psychologie“, „Die Weltanschauung Berdjajews“ und „Allgemeine Einführung in die Geschichte der chinesischen Kunst“ beschließen das Programm der öffentlichen Einzelveranstaltungen.
Kurse aus zahlreichen Wissensgebieten möchten die in den Vorträgen gewonnenen Kenntnisse vertiefen. Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften dienen der unmittelbaren Fortbildung im beruflichen Leben. Die Vorbereitung auf die mittlere Reife und das Abitur ermöglicht der Besuch der im Sentember 1948 eingerichteten Abendschule.
Überall dort, wo der Aufgabenbereich der Gesellschaft für Deutsche Sprache und der Darmstädter Goethegesellschaft berührt wurde, wirkte die Volkshochschule bei der Vorbereitung und Ankündigung der entsprechenden Vorträge mit den kulturellen Vereinigungen zusammen. Auch die streng berufliche Betreuung der Werktätigen blieb vereinbarungsgemäß der DAG-Schule Darmstadt und dem Kulturbund vorbehalten. Ihre Programme liegen dem Arbeitsplan der Volkshochschule als gegenseitige sinnvolle Ergänzung bei. Der Arbeitsplan ist unentgeltlich und liegt u. a. auf dem Reisebüro in der Rheinstraße bereit. Die Einschreibungen beginnen am 28. August auf der Geschäftsstelle der Volkshochschule, Lagerhausstraße 9, Zimmer 50. M.
Neue Filme in Darmstadt
THALIA. „Des Lebens Ueberfluß“. Es ist eine der Aufgaben des Films, Züge des Menschlichen, die hier und da verteilt sich finden, zusammenzuraffen wie in einem Konkavspiegel und sie deutlich wiederzustrahlen im Milieu, im Geschehen, im Spiel. Daß es dabei zu Uebersteigerungen kommt, ist nicht tragisch, wenn es sich um einen Stoff handelt, der bereits im Titel mit „Des Lebens Ueberfluß“ gekennzeichnet ist. Regie: Wolfgang Liebeneiner garantiert von vornherein Schwung und Spannung im filmischen Geschehen. Die Kamera ist mitten hineingegangen in Trümmer und Hinterhöfe, fängt drastische Vitalität und Kitsch werdende Romantik im Bilde ein, wie sie auch das Leben selber mischt. Um 3 bis 5 Jahre versetzt uns der Film zurück und behält doch sein Quentchen unmittelbare Gegenwärtigkeit. Not, Tapferkeit und Liebe junger Studierender bilden die Kernhandlung, doch ist sie verwoben mit den Schicksalen und Lebensweisen aller Menschen in diesem zerbombten Mietshause. Wer das Leben in dieser Armut, Mühsal und Dürftigkeit zu nehmen vermag, in seiner Bedrängnis den Humor wahrnimmt und das heimliche und herzhafte Lachen, der findet ihn überall: „Des Lebens Ueberfluß!“ Alle Spieler geben sich mit Geschick und Natürlichkeit in ihr Rollen; genannt seien nur- Erika Müller, Margarete Slezak, Olaf Torsten. Gunnar Möller, Josef Offenbach, Alexander Hunzinger. D-s
PALAST: „Flüchtig.“ Dort, wo Alaska und Kanada Zusammenstößen, wo das Klima unwirtlich und die Besiedlung spärlich ist, wo Schmuggler, Pelzhändler, Desperados und Hinterwäldler noch mit dem Colt um Frauen spielen, wo Wölfe Menschen anfallen und nur das Recht des Stärkeren gilt, dort erleben wir die atemberaubende und mitreißende Geschichte eines Mannes, der aus dem Zuchthaus entflohen ist, um sein Unrecht zu beweisen. Nicht nur das. Es geht ihm auch darum, wieder die Frau zurückzugewinnen, die während seiner Haft einen anderen geheiratet hat. Haß und Frauenliebe, Mord und unerbittlicher Männerkampf im Schnee des kanadischen Winters bestimmen die dramatische Handlung dieses erregenden Films. Die Konflikte wirken echt, sind überlegen gestaltet, bringen uns die Menschen nahe. Die hervorragende Kamera- und Darstellungskunst geben „Flüchtig“ jene suggestive Kraft, die immer wieder bei französischen Filmen begeistert. Man spürt es deutlich, daß der Regisseur Robert Bi b a 1 die Fäden der Handlung bis zum „bitteren Ende“ in der Hand hält und seine Schauspieler zu faszinierender Wirkung führt: Rene D ar y und Madeleine Robinson, Jean Debucourt und Arlette Merry sprechen zum Herzen, verfehlen ihre Wirkung auf das Publikum nicht. "zr“
HANSA. „Cowboys“. Das war ein sehr teuerer Film, dieser Kampf um eine Goldmine, weniger des Goldes wegen, das man als stillen Komparsen benötigte, als der verschossenen Munition wegen. Man muß sich immer wieder wundern, welche Anziehungskraft derartige alte Klamotten haben. Der Streifen war stellenweise stark verregnet, das Licht dunkel und die Mimik des Hauptdarstellers erschöpfte sich in einer feschen Braue. Nichtdesto weniger trotz erlebten alle Zuschauer einen spannenden und aufregenden Kampf, der mit dem Sieg der Gerechtigkeit über das Böse endete, mit erschossenen Banditen, die noch hundert Meter weit zum Pferd liefen und beim Aufsteigen in den Staub rutschten. Die schauspielerischen Leistungen waren mittelmäßig, die Regie beschränkte sich auf ein reibungsloses Ablaufen der Handlung, und wenn man von den dramaturgischen Mängeln absieht, war es ein Film, der sicherlich bei der jüngeren und jungen Jugend einen Erfolg verspricht. (Es wird empfohlen, einen Colt Cal. 45 mitzunehmen.) _st.
BELIDA. — „0 Uhr 15 Zimmer 9.“ Ein ausgesprochener Kriminalfilm unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt, gut und spannend, obwohl man verschiedentlich noch eine Verdichtung der Spannung und noch stärkere Straffung der Handlung erwartet hätte. Das Milieu des Turfhotels war jedenfalls ausgezeichnet getroffen, die einzelnen Typen treffend ausgewählt und eingesetzt. Walter Franck, Ethel Reschke (einmal ganz anders) und Ernst Waldow waren sehr typische Vertreter einer glänzend organisierten Gaunerbande, die u. a. Dollarscheine hervorragend fälscht. In den Hauptrollen sahen wir mit Vergnügen als guten Bekannten Peter Pasetti und ein noch neues Gesicht, Cornell Borchers, die sehr sympathisch und vielseitig wirkt. Die Handlung mag bei einem Kriminalfilm nicht verraten werden, jedenfalls geht das Ende gut aus, für die einen ganz bestimmt — und die anderen werden gut verwahrt! So ist auch im Film dem Gesetz Genüge getan. H. W. W.
Starkenburg
„Hingabe überwindet alles!“
Uebergabe des Erweiterungsbaues der Zanderschen Klinik in Bad König
In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus Kreisen der Aerzteschaft, der Geistlichkeit beider Konfessionen, von Landrat Neff, Kreisamtmann Sattler, Direktor Koch von der AOK Erbach, des Kreisarztes Dr. R i n t e 1 e n sowie der Beigeordneten und Gemeinderäte von Bad König wurde am Freitagnachmittag der Krankenhauserweiterungsbau im Bad Königer Schloß durch Bürgermeister Pröhl an Prof. Dr. Zander feierlich übergeben.
Der ehemalige Kammerbau des Erbach-Schönbergschen Schlosses ist in seinem Innern nicht mehr wiederzuerkennen. Wo bis vor Jahresfrist noch unfreundliche, durch Lattenwände abgeteilte Notwohnungen für Heimatvertriebene waren, sind jetzt blitzsaubere, helle Flure mit sonnigen, großen Krankenzimmern entstanden, 10 im Erdgeschoß und 15 im Obergeschoß, in denen 35 Betten untergebracht werden konnten, so daß sich die Gesamtbettenzahl der chirurgischen Klinik Prof. Zanders auf 60 erhöhte.
Die Stadt Bad König als Eigentümerin des Schlosses hat den Umbau mit einem Kostenaufwand von 70 000 DM nach den Plänen des Stadtbaumeisters Bonin vorgenommen. Wie Bürgermeister Pröhl bei der Schlüsselübergabe an Prof. Zander nach dem Rundgang durch die Räume erklärte, war es ein opfer- und entsagungsvoller Weg bis zu diesem Neubau. Drei Jahre dauerte es, bis die Pläne Gestalt annahmen. Die Leistungen der Stadt sowohl wie die Prof. Zanders gingen oft bis an die Grenzen des Möglichen. Aber das Wort Meister Eckehards „Hingabe überwindet alles!“ hat in diesem Werk seine erneute Bestätigung gefunden.
In Glückwunschansprachen würdigten Landrat Neff für die Kreisverwaltung, Medizinalrat Dr. Hofmann als Vertreter der Medizinalabteilung des Regierungspräsidenten Darmstadt, Dr. Er c k - mann, Michelstadt, und Dr. Gef e, Groß-Umstadt, als die Vorsitzenden der Kreisärztlichen Vereinigungen von Erbach und Dieburg, nicht nur das neugeschaffene Werk, sondern vor allem auch die Person Prof. Dr. Zanders und sein seeensreiches Wirken für die leidende Menschheit. Nicht die Bettenzahl der Klinik, sondern ihre Frequenz und vor allen Dingen ihr Ruf bei den Patienten lassen ihre ganze Bedeutung erkennen. .
Prof. Zander, der jetzt in seinem 66. Lebensjahr steht, hat bisher über 60 000 Menschen operiert. Der bisherige Jahresdurchschnitt der stationären Fälle ist 886, wovon 122 auf die Einwohnerschaft von Bad König entfallen. Die ambulanten Behandlungen liegen bei 1420 Fällen im Jahr, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Klinik wöchentlich nur zwei Ambulanztage hat. Im Jahre 1949 wurden insgesamt 64 940 ccm Blut in 157 Fällen übertragen. Die Zahl der ständigen Blutspender liegt bei 28. Die Röntgen-Abteilung macht jährlich rund 18 000 Durchleuchtungen und Aufnahmen.
Bei all diesen imponierenden Zahlen ist zu bedenken, daß 78 Prozent aller Behandelten Kassenpatienten sind. Prof. Zander und seine Familie leben in allerbescheidensten Verhältnissen, weil er — ungeachtet dessen, ob die Kasse die im Einzelfalle notwendigen Medikamente bezahlt oder nicht — jeweils die beste von ihm für richtig befundene Behandlungsweise anwendet, selbst wenn er sie aus eigener Tasche bezahlen muß! Dies dokumentierte in rührender Weise Altbürgermeister Hofmann von Bad König, der selbst Patient Prof. Zanders war und ihm mit herzlichen Worten ein kleines Dankgeschenk überreichte. -ch
Wüstling im Bahnwärterhaus
Während eines Gewitters sprang ein Mann durch die offene Wohnungstür des Bahnwärters B a r t h am Schneisenposten 22 zwischen Raunheim und Rüsselsheim. Er entledigte sich seiner Kleidung und versuchte die anwesende Ehefrau unsittlich zu belästigen. Auf ihre Hilferufe eilte der diensttuende Schrankenwärter herbei und hinderte den Eindringling am Entweichen. Die Polizei nahm den Wüstling fest. Bei seiner Vernehmung gab er an, aus Walldorf zu stammen. Weitere Ermittlungen sind noch im Gange. au
Zug entgleiste bei Klein-Umstudt
Am Donnerstagabend entgleiste gegen 20.30 Uhr bei Klein-Umstadt ein Feriensonderzug, der mehrere hundert Kinder von Heidelberg nach Grünberg in Oberhessen bringen sollte. Durch die Unachtsamkeit eines Weichenwärters war die Verriegelung einer Weiche vorzeitig gelöst und diese noch während der Ueberfahrt des Zuges umgelegt worden. Dadurch sprangen die drei letzten Wagen aus dem Gleis. Der Zug gelangte rasch zum Stehen, so daß niemand zu Schaden kam. Der Verkehr in Richtung Babenhausen wurde durch Pendelzüge aufrechterhalten. Ein aus Hanau herbeigeholter Werkstattzug nahm noch in der Nacht die notwendigen Arbeiten vor, so daß am Freitagmorgen der normale Zugverkehr wieder durchgeführt werden konnte. (RG)
Ein Ast lag im Weg
Auf der Bundesstraße 45, kurz vor Groß-Umstadt, war durch den Sturm ein Ast abgebrochen und auf den Fahrdamm gefallen. Der Fahrer eines Groß-Umstädter Taxameterunternehmens, der drei Fahrgäste in seinem Wagen hatte, fuhr gegen das Hindernis und wurde dadurch so stark aus der Fahrtrichtung gebracht, daß er nach etwa dreißig Meter gegen einen Baum stieß. Alle Insassen des Personenwagens wurden verletzt. Sie konnten jedoch nach kurzer ärztlicher Behandlung im Groß-Umstädter Krankenhaus wieder entlassen werden. (RG)
Waschbütten-Regatta in Lauerbach
Die einfaltsreichen Lauerbacher haben sich wieder etwas ganz Besonderes ausgedacht für ihre Kerb am Sonntag: Eine große Waschbütten- und Badewannen-Regatta auf der unteren Mümling, wahrscheinlich wieder mit „internationaler Besetzung“, wie bereits im vorigen Jahr das Schubkarren-Rennen. Jedenfalls ist die Ausschreibung offen für jedermann, der Lust dazu und eine seetüchtige Waschbütte hat. Wieder sind wertvolle Preise zu gewinnen. Am Abend findet ein großes Feuerwerk statt. ch.
Erbacher Schulhaus-Neuban?
In einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderates der Kreisstadt Erbach am Dienstag, dem 29. August, 20 Uhr, im Rathaussaal wird u. a. die dringend notwendige Errichtung eines Schulhaus-Neubaues erörtert. Ein Antrag des Oeffentlichen Forums Erbach beschäftigt sich mit der Instandsetzung der 1000- m-Rennstrecke für Grasbahnrennen, deren erstes bereits im Mai nächsten Jahres durchgeführt werden soll, — vorausgesetzt, daß die Bahn noch im Herbst dieses Jahres durch den Motorsportverband abgenommen werden kann. Die Bestätigung verschiedener Ausschüsse ais Deputationen der Stadt sowie die Errichtung eines Verkaufshäuschens am Landratsamt sind die übrigen Punkte der Tagesordnung, -ch.
Ein Stück vom „alten Rußland“
Schwarzmeer-Kosaken sangen in Lampertheim
Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so still war es in der bis in die letzten Bänke gefüllten evangelischen Kirche von Lampertheim am Donnerstagabend, als der Schwarzmeerkosakenchor unter der Leitung seines Dirigenten Boris Lcdkowsky religiöse Lieder und Choräle aus dem russisch-orthodoxen Ritus vortrug.
Das schlichte schwarze Gewand der Sänger, das aus einem Ueberhemd und weiten, über die hohen Lederstiefel fallenden Pluderhosen mit gelben Streifen an der Seite bestand, war von einem schmalen Leibriemen mit silbernem Beschlag gehalten und vertiefte den starken Eindruck, den die Zuhörer mit nach Hause nahmen. Hier offenbarte sich ihnen ein Stück des Rußland von einst mit seiner empfindsamen, gläubigen Volksseele. In einer Pause sprach Prediger Nicolai Orloff über das traurige Schicksal ungezählter Heimat,- loser, denen der Reinerlös aus den Chor-
abenden zugute komme. Die Schwarzmeer-Kosaken werden auf ihrer Reise durch Hessen u, a. in W o r m s und Wiesbaden, sowie in der Frankfurter Paulskirche singen. Mit seinen insgesamt 17 Sängern umfaßt der Chor ältere Emigranten aus der Zeit der russischen Revolution und solche aus den Jahren des 2. Weltkrieges. Nicolai Orloff empfahl alle seine heimatlosen Brüder und Schwestern dem inständigen Gebet aller Anwesenden, und abschließend dankte, im Namen der Gemeinde Lampertheim Pfarrer Wert ner für dieses einmalige.Erlebnis, bb.
Scharfe Debatten um Straßen
Erste Bürgerversammlung in Buchklingen
Die Filialgemeinde Buchkl dng e n fand sich jetzt erstmals zü einer Bürgeryersammlung zusammen, um über aktuelle Gemeindeprobleme zu diskutieren. Hauptgesprächsthema der gutbesuchten Zusammenkunft war der schlechte Zustand der Verbindunigsstraße ins Gorxheimer Tal. Als Vertreter des Straßenbauamtes nahm Inspektor Dörr (Rimbach) zu der im vorigen Herbst an den Landrat gerichteten Eingabe Stellung und wies darauf hin, daß die Befestigung dieser Straße mit ihrer 10—12 prozentigen Steigung außerordentliche Kosten verursache; €' sei errechnet worden, daß für die knapp 2000 Meter lange Strecke mindestens 150 000 DM aufgewandt werden müßten.
In der teilweise sehr erregten Debatte wurde vor allem auf die weitaus besseren Straßenverhältnisse in Baden hingewiesen und betont, die Buchklingener Verbindungsstraße sei als eine der schlechtesten im gesamten Odenwald anzusehen. Man beschloß, einen Büngerausschuß zu bilden, in den H. Beck, Gg. und H. Emig, Ad. Flößer und H. Hanel gewählt wurden, die sich um eine Lösung dieses Problems bemühen sollen. (r)
Wieder einen Schritt vorwürts
Die HEAG baut zur Zeit an der Endhaltestelle der elektrischen Straßenbahn in Jugenheim einen 85 Meter langen Bürgersteig mit Kanalisation, der in den nächsten Tagen fertig wird. Hiermit hat die HEAG nicht nur zur Verschönerung der Endhaltestelle beigetragen, sondern auch einem jahrealten Übelstand abgeholfen, da an regenreichen Tagen die Haltestelle unpassierbar war. hl.
Ueber 100 Morgen neue Spargelkultu-, ren wurden nach der Umlegung der Grundstücke im Zuge der Flurbereinigung innerhalb der Gemarkung Ni e der - Roden angelegt. Für viele Haushaltungen bildet der Spargelanbau eine Existenzgrundlage. Demnächst soll eine Absatz-Genossenschaft ins Leben gerufen werden. (-gi)
meldungen aus den Landkreisen
DARMSTADT-LAND
Roßdorf. Heute hält die andere Hälfte der Belegschaft der Odenwälder Hartsteinindustrie im Gemeinschaftshaus unter Mitwirkung der Kapelle Breitwieser ihre diesjährige Betriebsfeier ab. sl
Ober-Ramstadt. Die Brieftauben-Reisevereinigung Starkenburg führt am Sonntag ihren ersten Jungtierpreisflug durch. -D- Messel. In der letzten Gemeinderats-
sitzung wurde die Rückzahlung der Bauplatzgelder im Siedlungsgelände festgesetzt. — Die Instandsetzung der Seegartenstraße wurde der Baufirma Feiger, Darmstadt, übertragen. — Der Waldwirtschaftsplan 1951 ist angenommen worden. es
Jugenheim. Eine Abzweigung des Pauer-Weges wird in Erinnerung an Kommerzienrat Gustav Hickler künftig Hickler-Weg benannt. hl
Pfungstadt. Am Donnerstagabend führte der Ortsjugendausschuß in der Handwerkerschule einen Filmabend durch, der von der hiesigen Jugend stark besucht war. ler
DIEBURG
Dieburg. Die Mitglieder des Odenwaldklubs unternehmen am Sonntag eine Omnibusfahrt nach Hirschhorn. gi
Groß-Umstadt. Im Gasthaus Georg Friel, Fabrikstraße, findet am Sonntag um 14 Uhr die Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr statt. Von der Pflichtfeuerwehr gingen 29 Mann zur Freiwilligen über. gi
Spachbrücken. ' Der Gesangverein „Einigkeit“ fährt am kommenden Sonntag zum Liedertag nach Roßdorf. — Wiederum stehen 2 Siedlungshäuser kurz vor ihrer Vollendung. — Der Schulhausneubau wird in den nächsten Tagen mit der Kellerdecke versehen sein.
Reinheim. Der Kegelklub unternimmt am Sonntag eine Omnibusfahrt in den Taunus. — Die Bücherei der Gewerkschaften nimmt voraussichtlich im September ihre Ausleihe wieder auf. Als Raum wird ihr das Nebenzimmer der Gastwirtschaft „Zum Volkshaus“ zur Verfügung stehen. eb
ERBACH
Reichelsheim. Schwimmerinnen und Schwimmer aus Reichelsheim und Kirch-Beerfurth haben nach einem mehrwöchigen Lehrgang im Rettungsschwimmen unter Leitung von Karl K o r t i n e k den Grundschein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft erworben. (-ch)
Hainrrund. Nach einer Bekanntmachung des Bürgermeisters Weyrauch wird zur Verhütung von Felddiebstählen die Feldgemarkung ab 20 Uhr bis zum Morgen gesperrt. (-ch)
BERGSTRASSE
Bensheim-Auerbach. Das nordöstlich der Leichenhalle gelegene Kindergräberfeld, Beerdigungsjahr 1929 / 31 / 32 / 35 / 37, wird gemäß den Paragraphen 11 und 17 der Friedhofsordnung bis zum 31. Dezember 1950 geräumt. Auch die Ruhefrist der Gräberanlage, Beerdigungsjahr 1918/19/20, ist, wie bereits bekanntgegeben, am 31. August 1950 abgelaufen. Soweit die vorhandenen Grabzeichen bis zu den genannten Zeitpunkten nicht entfernt sind, müssen sie durch das Friedhofspersonal abgeräumt werden. (HB)
Eilenbach. In der Kurve am Gumpener Kreuz wurde ein mit zwei Personen besetztes Motorrad bei hoher Geschwindigkeit auf einen Acker geschleudert. Lenker und Maschine blieben vor Schaden bewahrt, die Sozius-Fahrerin mußte jedoch mit erheblichen Verletzungen abtransportiert werden. (—r)
Lorsch. Beim Fensterputzen stürzte eine ältere Frau aus der Biengartenstraße so unglücklich auf die Straße, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
GROSS-GERAU
Dornheim. Am gestrigen Tage wurde die neue Ortsfunkanlage, die die erste ihrer Art im Kreis Groß-Gerau ist, mit einem Aufruf des Bürgermeisters an die Einwohnerschaft ihrer Bestimmung übergeben. od.
Mörfelden. Der Gesangverein der SKV konnte bei einem Sängerwettstreit in Langen den ersten Platz belegen. Als nächster Verein folgte in der Gesamtwertung Erzhausen. au.
Gernsheim. Wegen der heute stattfindenden Großveranstaltung der Heimatvertriebenen in Groß-Gerau fällt die für den gleichen Tag vorgesehene Monatsversammlung der Ortsgruppe Gernsheim aus. Kr.
Keine eigene Flüchtlingspartei!
Kreisverband Darmstadt-Stadt und -Land lehnt Separierung ab
Der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende der Heimatvertriebenen L. Winterstein, der auch gleichzeitig Vorsitzender des Kreisverbandes der Heimatvertriebenen für Stadt und Land Darmstadt ist, erklärte, daß es der Kreisverband, trotz seiner autonomen Stellung, genau wie der Landesverband ablehne, sich an der Gründung von politischen Parteien oder Gruppen zu beteiligen. Dieser Grundsatz beziehe sich auch auf die Gründung des Kreisverbandes des „Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten“.
Würde er (der Kreisverband, d. Red.) nicht so handeln, so müßte er seine bisher verfolgte Linie der Ueberparteilichkeit verlassen und sein Handeln könnte den Eindruck erwecken, daß er seinen Mitgliedern eine politische Richtung aufzwingen wolle. Das Bestreben des Landesverbandes wird es sein, daß die Heimatvertriebenen eine angemessene Vertretung im Landtag bekommen. Darum haben seine leitenden Organe beschlossen, an alle Parteien heranzutreten, um heimatvertriebene Kandidaten aufzustellen. Daß diese Kandidaten das Vertrauen des Landesverbandes und somit der Heimatvertriebonen besitzen müssen, darf nicht außer Acht gelassen werden. Durch diesen seinen Beschluß erhärtet der Landesverband mit veiler Beweiskraft seine Ueberparteilichkeit.
Es ist nicht allein wichtig, Mandate zu bekommen, sondern ausschlaggebend ist cs, was die Mandate nützen. Die Praxis, den jungen deutschen Parlamentarismus zeigt immer paehr, daß im Plenum mehr oder weniger die letzte — mehr für die Oeffentlichkait bestimmte — Stellung¬ "ahme zu den Problemen, durch die Partei- bzw. Fraktionssprecher vorgenömmen werden. Die Entscheidung fällt gewöhn¬ ] ich vorher in den Fraktionen und interfraktionellen Besprechungen, bzw. in den Ausschüssen. Fs wird daher die Aufgabe der zukünftigen heimatvertriebenen Landtagsabgeordneten sein, die psychologisehen Voraussetzungen für die Sache der Heimatvertriebenen zu schaffen; dies ist nur innerhalb der politischen Parteien, bzw. deren Fraktionen möglich.
Das Wahlergebnis in Schleswig-Holstein zeigte, daß nur 55 v. H. der Heimatvertriebenen ihre Stimme dem „BHE“ gaben. In Schleswig-Holstein ist das Verhältnis zwischen Einheimischen und Heimatvertniebenen 59 zu 41, in Hessen 84 zu 16. Dem „BHE“ daher in Hessen Chancen einzuräumen, hieße in Kreisen der Heimatvertriebenen falsche Hoffnungen erwecken, zumal in Hessen vor Monaten aus Kreisen Heimatvertriebener die Flüchtlingspartei „Unabhängige Deutsche Gemeinschaft — Block der Heimatvertriebenen“, gegründet wurde und der „BHE“ sich nunmehr als zweite Partei der Heimatvertriebenen in Hessen etabliert.
Außerdem bestehen in Kreisen ,der Heimatvertriebenen gewisse Bedenken gegen den „BHE“, der in Schleswig-Holstein bestrebt war, mit dem Block der bürgerlichen Parteien eine Koalition einzugehen. Denn mit den Parteien der Regierung von Bonn — die eine unglückliche Flüchtlingspolitik betreibt, einen Bundesfinanzminister hat, der sich zum Feind Nr. 1 der Heimatvertriebenen machte — züsammenzugehen, ist für eine Flüchtlingspartei untragbar. Ob diese Bedcnkqn durch die zwargcläufige Umorientierung sich verwischen läßt, ist schwer vorauszusagen.
„Dreiecksrennen“ um die Dieburger Milch
Babenhausen und Groß-Umstadt lassen nicht locker
Ueber das Verhältnis der Stadt Dieburg zu den Molkereien Babenhausen bzw. Groß-Umstadt gab es in der letzten Zeit schon manche Besprechung und Konferenz. Eine klare Linie konnte indessen auch in der Dieburger Gemeinderatssitzung am Donnerstag nicht erreicht werden. Das hängt in erster Linie damit zusammen, daß nicht einfach der übliche kaufmännische Wettlauf um den Kunden angetreten werden kann, sondern hinter diesem Problem stehen gesetzliche Bestimmungen und Zuständigkeiten. um die sich der Milchkonsument zwar keinen Deut kümmert, weil es ihm ja einzig und allein auf gute Belieferung zu erträglichem Preis ankommt, mit denen sich aber alle jene auseinandersetzen müssen, die mit der Verteilung der Milch zu tun haben.
An und für sich teilt das Landesemährungsamt in Frankfurt den Molkereien die Einzugs- und Auslieferungsgebiete zu.’ Bei dem „Problem Dieburg“ aber hat der Landrat des Kreises den Bürgermeister angehalten, eine Entscheidung herbeizuführen.
Die Stadt Dieburg gehörte früher zur Molkerei Babenhausen, und zwar sowohl bezüglich der Ablieferung der Milch als auch der Versorgung. Es kam aber die Zeit, da Babenhausen nicht mehr in der Lage war, den Bedarf Dieburgs an Frischmilch zu befriedigen, so daß damals z. B. an Kinder über drei Jahre keine Lieferung mehr erfolgen konnte. Ein Hauptgrund dafür war die der Babenhäuser Molkerei zur Auflage gemachte Belieferung des (inzwischen aufgelösten) DP-Lagers. Groß-Umstadt sprang ein, und seit dieser Zeit ist die dortige Molkerei der Milchlieferant für Dieburg. Der tägliche Bedarf der Bevölkerung von etwa 1200 bis 1500 Liter ist immerhin ein Posten, der sich auf der Umsatzseite schon bemerkbar macht. Nun, da Babenhausen sich wieder voll liefe'rfähig fühlt, will es seinen alten Kunden wiederhaben, die Dieburger aber sind davon noch nicht restlos begeistert: „Wenn wir jetzt von Groß-Um- Stadt abspringen“, so führte bei der Aussprache über diesen Punkt der erste Beigeordnete aus, „wer weiß, ob uns bei vielleicht wieder einmal aufkommender Milchknappheit Groß-Umstadt ein zweites Mal aus der Verlegenheit hilft.“ Anderseits zahlt Babenhausen je Liter einen Pfennig mehr — ein Moment, das der Bauer wohl beachtet, denn im Finanzhaushalt des Landwirts spielt gerade die Einnahme aus der Milch eine nicht geringe Rolle. *
Um die Verhältnisse um die Dieburger Milch nun endgültig zu regeln, wird im Laufe der nächsten vierzehn Tage auf Anregung von Bürgermeister Steinmetz eine Zusammenkunft von Vertretern der Molkereien von Babenhausen und Groß-Umstadt, des Dieburger Milchhandels, der Erzeugerschaft und des Landesernährungsamtes stattfinden. Rb.
namens Schmitt
Ich sah ih« zum ersten Male. In Rimbach, einer kleinen Gemeinde im Odenwald mit 2998 Einwohnern (It. dem amtlichen Verzeichnis aus dem Jahre 1946). Sie hat schon oft von sich reden gemacht. Auf kommunalpolitischem Gebiete, im Feste-Feiern, und in all dem Vielen anderen, was im Laufe der Zeit geschieht.
Er, — ein Mann namens Schmitt, war hierzu meist der Initiator. Der „Manager“ —, wie man sich heute vornehm auszudrücken pflegt. Kein Wunder, denn das sind ja auch zumeist die Aufgaben eines Bürgermeisters, der er nun einmal ist. (Wiewohl sich viele einem „on dit“ zufolge nur Arm in Arm mit ihrem Sekretär sicher bewegen können.) E r scheint es allerdings nicht notwendig zu haben. Vielleicht weil er es.in sich hat. Vielleicht aber auch, weil er ein „all-round-man“ (wie man wiederum „vornehm“ zu sagen pflegt) ist?
Tatsache ist, daß er mir auf fiel, — und g e fiel. Der Mann namens Schmitt. Der Bürgermeister von Rimbach, Kreischormeister, Leiter des Kirchenchores, Leiter des Schülerchores, — und — Cellist im Schülerorchester. Was er sonst noch ist und tut, kann ich derzeit nicht sagen. Weil er mir so gefiel, — wie er eben ist. Weil ich es nicht notwendig fand, ihn noch mehr zu „sezieren“. Weil es mir restlos genügte . . . in diesem positiven Sinne.
Man weihte das neue Schulhaus ein. Viele glaubten, eine Rede halten zu müssen. Weil’s so üblich ist. Auch der Bürgermeister. Allerdings war er dazu verpflichtet, als Ortsoberhaupt. Dann setzte er sich.
Als aber der Schülerchor zu singen hatte, stand einer auf. Den kannte ich doch? Ach so, — der Herr Bürgermeister! „Er dirigiert den Chor“, sagt mir mein Nebenmann, der es besser wußte. Und wie er es tat. Wie ein Mann vom Fach. (Daß er einer ist, erfuhr ich dann später.) Dann setzte er sich. Als er fertig war; mit dirigieren. Und die Honorationen sprachen ihre Glückwünsche weiter. Bis zum Schluß das Orchester an der Reihe war.
Da stand einer abermals auf. Es war, — Sie ahnen es schon, der Herr Bürgermeister. Ruhig ging er aufs Podium. Nahm Cello und Bogen, wartete geduldig den Einsatz ab — und spielte —, wie er vorher dirigierte. Ruhig, verhalten und energisch (wie das Notenblatt es vorschrieb), sauber und — seiner Sache sicher.
Es gab keine schönere Freude an diesem Sonntag, als einen Menschen erlebt zu haben, der nicht nur treibendes Rad in einer Gemeinde ist, sondern gleichermaßen an vielen Stellen mittreibendes Rädchen; Nicht nur mitlaufendes. Denn er hat seine Qualitäten, — der Bürgermeister. So wie ich ihn kennen lernte. Arco
Kirchen-Jubiläen im Starkenburger Raum
200-Jahr-Feiern der evangelischen Gotteshäuser von Erbach und Gundernhausen
Am 12. Juli 1750 wurde die evangelische Stadtkirche zu Erbach und am 30. August 1750 die evangelische Pfarrkirche zu Gundernhausen feierlich und „unter großem Zulauf des Volks“ — wie es in einer zeitgenössischen Darstellung heißt, eingeweiht. Obwohl beide Kirchen damals in verschiedenen „Staaten“ lagen, nämlich in der Grafschaft Erbach und in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und auf ganz verschiedene Baumeister zurückgehen, haben sie viele verwandte Züge.
Diese sind nicht nur im Baustil begründet, wie er um die Mitte des 18. Jahrhunderts üblich war, sondern vor allem in der Tatsache, daß in beiden Fällen eigenwillige, vom überlieferten Schema abweichende Bauten, bewußte protestantische Predigtkirchen errichtet wurden. Besonderes Interesse verdienen auch die Persönlichkeiten der Baumeister. In Erbach begegnet uns Friedrich Joachim Stengel, in Gundernhausen Johann Konrad Lichtenberg.
Die Erbacher Pfarrkirche
verdankt ihre Entstehung dem Entschluß des Grafen Georg Wilhelm zu Erbach, „der evangelisch-lutherischen Religion zum Dienste und sich und seinem Volke zum Tröste“ (wie über dem Portal zu lesen steht) ein „großes und schönes Haus“ zu errichten. Man wählte als Baugrund die Stelle der alten Stadtkapelle, die am 4. August 1370 gestiftet und den Heiligen, Bartholomäus und Katharina, geweiht war. Diese Stadtkapelle hat im Laufe der Zeit manche Veränderungen erfahren. Sie erhielt neue Altäre, wurde wohl auch zu Beginn des 16. Jahrhunderts umgebaut und vor allem 1565 im Inneren für den evangelischen Gottesdienst umgestaltet und mit neuen Wandmalereien versehen.
Einer Bauskizze aus dem Jahre 1719 ist zu entnehmen, daß die alte Kirche dreischiffig war und einen Turm im Osten hatte, dessen Untergeschoß als Chor diente. Die Seitenschiffe waren gewölbt, das Mittelschiff wohl nur flach gedeckt. Die Arkaden der Hochwände ruhten auf Säulen. Von dieser Kirche ist noch das Untergeschoß des Turmes an der Mümling erhalten, der als Sakristei
in das neue Baugefüge einbezogen wurde. Den ersten Spatenstich zur neuen Kirche tat man am 17. August 1747. Die Fundamente waren bereits am 19. Dezember des gleichen Jahres fertiggestellt. Der Aufbau erfolgte wahrscheinlich nach allgemeinen Plänen und Anweisungen des nassau-saarbrückenschen Generalbaudirektors Friedrich Joachim Stengel, dessen entwerfende Hand vor allem am Turm wahrgenommen werden kann. Die örtliche Bauleitung hatte der „Bauverständige“ Jörg. Die Baurechnungen nennen uns sowohl die Namen der beteiligten Handwerker wie auch die einzelnen Etappen des Baues. Der Abbruch der alten Kirche begann 1748. Anschließend wurde durch den Maurermeister Christian Seb der Rohbau erstellt, der bis November 1748 vollendet war. Die
Zimmerarbeiten führte der Zimmermeister Brentler aus.
Im Mai 1749 konnte der Dachstuhl aufgeschlagen werden. Es wurde nach altem Brauch ein „Strauß geputzt“ und „mit Strümpfen, Schnupftüchern und roten und blauen Bändern geziert“. In Anwesenheit der fränkischen Reichsgrafen, die zu Erbach einen Grafentag hielten, schlug man den Dachstuhl des Kirchturms im September 1749 auf. Die Schiefersteine wurden aus Caub geliefert. Das Eisen zu den Dacharbeiten beschafften Jakob und Michel Rexroth aus Michelstadt. Die Spenglerarbeiten machten die Klempner Wolf aus Umstadt und Schüler aus Zell. Der Knauf des Kirchturms und das Kreuz wurden am 4. Oktober 1749 aufgesetzt und von dem Maler Bambach aus Lorsch vergoldet. Für die Innenausstattung der Kirche besorgte man Marmor aus Katzenelnbogen. Daraus wurden Taufstein und Kanzel gearbeitet. An Bildhauern sehen wir den Aschaffenburger Manuel Millet am Orgelprospekt und den Heidelberger Orgelmacher und Bildhauer Lutz an der Kanzel tätig. Die Orgel selbst wurde von Johann Georg Hugo aus Aschaffenburg erneuert. Als Glaser wird Michael Hegnie aus Erbach genannt, mit der Ausführung der Fensterläden werden die Meister Heinrichs, Frieß und Fleck betraut, den Anstrich besorgt der Maler Zieggerütz.
Die Kirche stellt einen klaren querrechteckigen Predigtraum mit Emporen dar. Der Akzent des Raumes liegt auf der Gruppe von Orgel, Kanzel und Altar. Der unten viereckige, über einer Plattform dann achteckig verjüngte Turm trägt eine mehrfach unterbrochene geschweifte Haube. Bemerkenswert ist eine Glocke auf dem Turm vom Jahre 1357, die vom Kloster Schönau stammt.
Die Pfarrkirche zu Gundernhausen
hatte ebenfalls als Vorgängerin eine Kapelle, über deren Aussehen wir nicht unterrichtet sind, von der aber der Chorturm übrig blieb. 1747 wurde diese Kapelle abgebrochen und nach Plänen von Johann Konrad Lichtenberg, der damals Pfarrer in Darmstadt war, die
neue Kirche errichtet. Indem an den älteren Turm ein Saal mit dreiseitigem Schlüsse gesetzt wurde, entstand eine recht eigenartige Lösung. Da das Untergeschoß des Turmes als Chor diente, hat man den Eingang in die gegenüberliegende Stirnseite verlegt und die beiden Schrägwände sinnvoll für die Aufgänge zu den Emporen benutzt.
Der Innenraum ist sehr schlicht gehalten, entbehrt aber keineswegs der künstlerischen Akzente, die einerseits in der Achse: Taufstein, Altar und Orgel, andererseits in den Füllungen und Brüstungsfeldern von Kanzel und Emporen, dem Kanzeldeckel und einem einfachen Epitaph des Wilhelm v. Atzenheim aus dem Jahre 1765 liegen. Der wuchtige Turm der Kirche ist im Untergeschoß quadratisch, in den Obergeschossen achteckig und trägt eine geschweifte Haube mit geschlossener Laterne.
Johann Konrad Lichtenberg, der einzige unter den hess:schen Pfarrerrn, der sich auch als Architekt hervorgetan hat, war 1716 als Pfarrer nach Neunkirchen gekommen, wurde dann 1729 nach Ober- Ramstadt und schließlich 1745 nach Darmstadt berufen, wo er 1751 als Superintendent starb. Er war ein außergewöhnlich begabter Mann, ein gelehrter Theologe und ein guter Seelsorger. Er beschäftigte sich viel mit philosophischen Spekulationen, er dichtete auch, und er hat über 25 Jahre lang die Texte für die Kirchenmusiken des Hofes geliefert.
Vor allem aber baute er. Und zwar entwarf er nicht nur die Pläne, sondern leitete das gesamte Bauwesen nach seiner technischen und finanziellen Seite hin. Wir verdanken ihm nicht weniger als zehn Kirchen (Neu- und Umbauten) und vier Häuser, darunter das Darmstädter Waisenhaus, die Kirchen zu Neunkirchen, Ginsheim, Bischofsheint, Trebur, Griesheim, Egelsbach, Raunheim und Stammheim in der Wetterau. Aus der kinderreichen Ehe dieses vielseitigen Mannes entstammte auch Georg Christoph Lichtenberg, der Göttinger Professor, der sich auf dem Gebiete der Experimentalphysik und der Literatur einen Namen gemacht hat.
Wenn Gundernhausen morgen die 200- Jahr-Feier seiner Kirche begeht, darf es sich auch dankbar ihres Baumeisters Johann Konrad Lichtenberg erinnern, wh.
5000 Mark Ueberschuß zu erwarten
Der den Gemeinderäten von Siedelsbrunn vorgelegte Waldwirtschaftsplan des Forstamtes Waldmichelbach sieht Ausgaben in Höhe von 6529 DM vor, denen erwartete Einnahmen in einer Gesamthöhe von 11550 DM gegenüberstehen. Siedelsbrunn dürfte also eine der wenigen Odenwaldgemeinden sein, die im Waldwirtschaftsjahr 1950/51 einen Einnahmeüberschuß in diesem rechnerisch zu erwartenden Ausmaß erzielen kann. Die Räte genehmigten daher einstimmig den Plan. Auch das Vorhaben des Bürgermeisters, einen zweiten Ziegenbock zu erwerben und der Gemeinde Rimbach hierfür 150 DM zu zahlen, wurde gebilligt. Die Spesenvergütung für den ehrenamtlichen Bürgermeister wurde mit 100 Prozent, diejenige des Rechners mit 75 Prozent des gesetzten Solls anerkannt.
Neue Soforthilfemittel
Kreis Erbach verteilte 70 000 DM
Nach arbeitsreichen Wochen hat das Amt für Soforthilfe beim Landratsamt Erbach die 151 eingegangenen Anträge auf Existenzaufbauhilfe nach § 44 des SHG soweit vorbereitet, daß am Donnerstagnachmittag der Bewilligungsausschuß die dem ganzen Kreis zur Verfügung stehenden 70 000 DM endgültig verteilen konnte. Bei dem geringen Betrag und der großen Zahl Antragsteller keine leichte Sache. Rund 60 Anträge schieden von vornherein aus, da sie die gesetzlich verlangten Voraussetzungen nicht erfüllten. Von den verbleibenden 9Q erhielten 17 Darlehen in der Höhe von 1000 bis 5000 DM. Der Rest der Anträge mußte bis zum Eingang neuer Gelder für diesen Zweck zurückgestellt werden.
Zur gleichen Zeit wurden dem Kreis Erbach für das dritte Vierteljahr 1950 aus Soforthilfemitteln 40 000 DM zur Verteilung für Hausratsbeihilfen zur Verfügung gestellt. Es können hierbei nur Antragsteller berücksichtigt werden, die in der Punktbewertung ihrer Bedürftigkeit 30 und mehr Punkte haben. -ch
Mutwille gefährdete Verkehr
In der Nacht zum 23. August wurden auf der kurvenreichen Strecke zwischen Kirschhausen und Guldenklingerhöhe sämtliche an den Straßenbaustellen befindlichen Sperrbalken, Sperrböcke, roten Warnlaternen, Gefahrenhinweisschilder usw. böswillig entfernt und teilweise mitten auf die Fahrbahn geworfen. Hierdurch wurde die Sicherheit des öffentlichen Straßenverkehrs ganz erheblich gefährdet. Außerdem erbrachen die Täter den Werkzeugwagen der Straßenbaufirma Zillig, Bensheim, und warfen die darin aufbewahrten Werkzeuge in weitem Umkreis auf Wiesen und Äcker.
Das Gendarmerie - Kreiskommissariat ermahnt in diesem Zusammenhänge alle Eltern und Erziehungsberechtigten, ihre Aufsichtspflicht über Kinder und Jugendliche nicht zu vernachlässigen und darauf zu achten, daß Jugendliche nach Einbruch der Dunkelheit von der Straße verschwinden.
Internationales Freundschaftstreffen in Erbach
Letzter Besuch des Höchster Oekumenelagers in der Kreisstadt
Es war ein Empfang lieber Freunde, als am Donnerstagnachmittag Landrat Neff, Kreisschulrat Schw a m b, Stadtpfarrer Hahn, der Geschäftsführer des Kreisjugendausschusses, Walther, die Lehrerschaft und einige hundert Schülerinnen und Schüler Erbacher Volks- und Mittelschulen sowie der Kreisberufsschule in der städtischen Festhalle in Erbach die internationalen Teilnehmer an dem oekumenischen Freizeit-Aufbaulager in Höchst im Odenwald willkommen hießen.
Die meisten der Gäste waren in der Kreisstadt von mehreren Besuchen her alte Bekannte und wurden dementsprechend herzlich begrüßt. Allen voran Dr. Howard Short, der amerikanische Theologieprofessor, der zusammen mit dem Landesjugendpfarrer für Hessen und Nassau, Dr. Heinz C z a i a , dem Höchster Lager vorstand, aber nicht minder auch alle die anderen jungen Menschen aus aller Herren Länder und den verschiedensten Landschaften unserer deutschen Heimat. Der Kreis-Jugendausschuß des Landratsamtes Erbach hatte sie alle noch einmal zu einem Besuch der Kreisstadt eingeladen, ehe sie mit dem Ende dieser Woche das Höchster Lager verlassen und wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Sie sollten eine bleibende Vorstellung von Land und Leuten des Odenwaldes erhalten. Deshalb war in erster Linie auch die Erbacher Trachtengruppe unter Leitung von Frau Fraas hinzugezogen worden, um den Gästen die schönsten Odenwälder Volkstänze und -lieder vorzuführen.
Dekanatsjugend- und Stadtpfarrer Hahn hatte es übernommen, mit lustigen Plaudereien die improvisierte Darbietungsfolge zu verbinden. Ein Programm brauche die Jugend nicht, erklärte er einleitend, sie sei Programm an sich. Landrat Neff, der nur kurz bei den jungen Gästen bleiben konnte, bat sie, die Ueberzeugung mit in ihre Heimat nehmen zu wollen, daß auch im Odenwald Menschen guten Willens leben, die nichts sehnlicher wünschen als den Frieden mit aller Welt. Landesjugendpfarrer Dr. Czaia und Prof. D. Howard Short beantworteten nochmals die Fragen nach dem Sinn und Ziel des Aufbaulagers und dem Wollen der oekumenischen Jugend überhaupt.
Zu schnell verflogen die Stunden, und die Gäste mußten Abschied nehmen. Der Kreisjugendausschuß hatte sie noch zu einer Omnibus-Rundfahrt durch den südlichen Odenwald bis zum Neckar, über die Bergstraße nach Lindenfels und zurück nach Höchst eingeladen. Herzlich bedankte sich Prof. Short im Namen aller für die gastliche Aufnahme im Odenwald. -ch.
Pläne des Groß-Gerauer Verkehrsvereins
Herbstmarkt soll ein großes Ereignis werden
Der Beitritt zum Landesverkehrsverband, die Theaterabende des Darmstädter Landestheaters und insbesondere die Ausgestaltung des Groß-Gerauer Herbstmarktes waren die wesentlichsten Punkte, mit denen sich am Donnerstagabend im Cafe Menne der Groß-Gerauer Verkehrsverein beschäftigte.
Zu( Beginn der Sitzung verlas Bürgermeister Dr. Lüdecke ein Schreiben, in dem der Landesverkehrsverband den Groß-Gerauer Verkehrsverein zum Beitritt auffordert. Der Beitritt wurde einstimmig beschlossen. Im Zusammenhang mit Fragen der Fremdenverkehrswerbung wies man darauf hin, daß in Groß-Gerau für Leute mit geringeren Ansprüchen eine billige Beherbergungsstätte geschaffen werden müsse; auch wurde erneut auf den Mangel einer Jugendherberge hingewiesen. Bürgermeister Dr. Lüdecke antwortete, daß es ihm leider noch nicht gelungen sei, hierfür einige Baracken zu bekommen.
Für die Theaterfahrten nach Darmstadt, die möglichst donnerstags stattflnden sollen, wählte der Vorstand die gewünschten Vorstellungen aus.
Einer schriftlichen Eingabe gemäß will man prüfen, ob es möglich ist, den alten Gerauer Brunnen vor dem Rathaus aufzustellen, da er zur Zeit am Marktplatz an recht unvorteilhafter Stelle steht. Nachdem man einen Vorschlag für die Errichtung eines Festplatzes im Stadtkern (vor dem Rathaus) wegen Umleitungsschwierigkeiten vorläufig zurückstellte, ist geplant, die durch den Marktplatz führende Gernsheimer Straße während des Herbstmarktes zu sperren. Für die Zeit des Herbstmarktes, der vom 9. bis 11. September stattfindet, soll des weiteren ein Schaufensterwettbewerb veranstaltet werden. Diesbezügliche Verhandlungen werden in Kürze mit dem Einzelhandel angeknöpft. Für Samstag, 9. September, ist eine Kreiskonferenz vorgesehen; sie wird sich mit dem Thema „Unsere Volksbildungsarbeit im Kreis Groß-Gerau für das kommende Jahr“ beschäftigen. Der Herbstmarkt soll am gleichen Tag um 14 Uhr mit dem Aufstellen der historischen Marktfahne aus dem Jahre 1596 beginnen. Das Heimatmuseum ist an den Tagen des Marktes geöffnet und das Rathaus wird abends angestrahlt. (cg)
Fröhliche Kinder in Mörlenbach
Sommerfest des kath. Kindergartens
Als die 95 Buben und Mädels des katholischen Kindergartens Mörlenbach nach nahezu dreistündiger Dauer erhitzt und freudig erregt sich zu ihren Mamas, Papas und Tanten begaben, glänzten ihre Augen und verrieten so, daß sie glücklich waren über dieses von ihnen für sich und die Erwachsenen gestaltete sommerliche Kinderfest. Bürgermeister Wagner gab seiner Überzeugung Ausdruck, den Zuschuß der Gemeinde zum Kindergarten durchaus berechtigt zu wissen; Kaplan May wandte sich vor allem an die Zweifelnden und betonte, daß ein christlicher Kindergarten in der heutigen Zeit besonders wichtig sei, um die kindliche Seele stark und gläubig zu machen. Die Kinder selbst tanzten, sangen, sagten Gedichte und Schüttelverse auf und spielten schließlich mit Begeisterung das alte Spiel von Schneewittchen und den sieben Zwergen. Die Eltern aber, allen voran die Mütter, schieden mit ihren Kleinen dankerfüllt, als der kurzweilige Nachmittag zu Ende war. -r
Spiegel der Vergangenheit
EIN JAHR BACHGAUMUSEUM IN SCHAAFHEIM
Am 28. August 1949 — es war der Kerbsonntag — öffnete das jetzige Bachgaumuseum zum ersten Male seine Pforten. Den Anlaß zu dieser Schau gab eine Besprechung, die am 1. Juli 1949 zwischen Bürgermeister Sehnert und dem Neubürger und früheren Museumsbeamten aus Iglau, Alois Nowotny, stattfand.
Der Vorschlag zur Errichtung einer völkerkundlichen Schau, in Form eines Heimatmuseums, fand beim Bürgermeister günstige Aufnahme. Die Gemeinde stellte einen Saal im „Löwen“ zur Verfügung und übergab als Grundstock zwei vorgeschichtliche Funde vom ' Flugplatzgelände Schaafheim-Großostheim.
Als Ergebnis einer sogleich in Angriff genommenen „Entrümpelung“ der Bürgermeisterei und unermüdlicher Arbeit des Initiators bot sich am Eröffnungstage bereits eine wohlgeordnete Schau von 570 Inventarstücken dar. Darüber hinaus waren Leihgaben aus dem Gemeinde- und dem Pfarrarchiv ausgestellt, sowie auch solche aus dem Landesmuseum Darmstadt, die Herr Dr. Jorns vom Amt für Bodendenkmalspflege zur Verfügung gestellt hatte.
Durch die aufbauende Arbeit des Museumsleiters ergab es sich fast von selbst, daß sich aus der ursprünglich nur für vorübergehend gedachten Schau ein festes Heimatmuseum entwickelte, das durch eine entsprechende Erweiterung der Erfassung bald zum „Bachgaumuseum“ wurde. Um die Jahreswende 1949’50 versuchten sich die Stimmen kurzsichtiger Ortsbürger Gewicht zu verschaffen, die die Verwendung des Museumssaales für andere Zwecke als dienlicher betrachteten. In diesem Zusammenhang gedachte Herr Nowotny dankbar des Einsatzes des öffentlichen Forums, das in einer Versammlung die begeisterte Zustimmung des Großteils der Ortseinwohner für das Museum derart zum Ausdruck brachte, daß die Gefahr der Museumsschließung wegen Raumentzug gebannt wurde.
Nach einjähriger müh- und entsagungsvoller Arbeit von Herrn Nowotny verfügt das Museum über 4148 Einzelstücke, die bisher von 4343 Besuchern betrachtet wurden. Die Zahl von allein 3048 Schafheimer Museumsbesuchern zeigt besser als viele Worte das rege Interesse der Bevölkerung an dieser Einrichtung.
Durch Aufsuchen der Bauern — allein 43 Häuser wurden bisher „entrümpelt“ —, durch Grabungen in Altheim und Sammelarbeit der verschiedenen Ortsbeauftragten in den umliegenden Dörfern und Städten, zusammen mit Leihgaben aus Aschaffenburg, wurde diese wertvolle Schau geschaffen.
Neben den normalen Sonn- und Feiertagsbesuchern aus der nahen und weiteren Umgebung, ja sogar aus dem Rheinland, aus Westfalen, Bayern und selbst aus Amerika wurde 34 Schulklassen aus dem ganzen Kreisgebiet ein Einblick in die Vergangenheit vermittelt und an Hand der Lehrschauen Aufschluß über den geologischen Aufbau unserer Heimat gegeben.
Weiter bekundeten ihr Interesse für das bisher einzige geöffnete Museum im weiten Umkreis (das nächste ist das Ledermuseum in Offenbach und das Frankfurter Museum, Darmstadt und Aschaffenburg sind noch geschlossen, ebenso Reinheim, Dieburg und Groß-Umstadt) die Museumsfachleute Dr. Jorns und Frl. Dr. Loewe aus Darmstadt, Dr. Schneider und Dr. Fischer aus Aschaffenburg, Dr. Diehl und Archivar Karst aus Dieburg, Dr. Diehl aus Langstadt und Vorgeschichtler Dr. Hahn aus Ueberau. Eine besondere Ehre war der Besuch des Vorsitzenden des Landesgeschichtsvereines Hessen, Herrn Oberregierungsrat Bechtolsheimer. Auch fehlten nicht Landrat Ritzert, Kreisschulrat Schmidt, Bürgermeister Steinmetz (Dieburg), Bürgermeister 801 l (Groß-Ostheim), sowie der gesamte Dieburger Kreistag und Stadtrat unter den zahlreichen Besuchern.
Zwei Gruppen des Odenwaldringes, und zwar Reinheim und Babenhausen, fanden den Weg nach Schaafheim, wo sie neben dem Bachgaumuseum sich in einem Ortsrundgang auch die anderen zahlreichen Sehenswürdigkeiten zeigen ließen, wie zum Beispiel das Kaiserliche Hofgericht, den Schloßturm, den Barock- und Renaissancefriedhof, das jetzige Leichenhaus, die ehemals erste Schaafheimer Schule aus dem Jahre 1570 (das älteste noch stehende Schulgebäude Hessens), die Stadtmauer mit Schießscharten, das Geburtshaus des Odenwalddichters Schäfer, das aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg in seinen Fundamenten stammende Rathaus mit Hals- und Armschellen am Pranger, die Ueberreste der Stadttore am Bangerts- und Untertor sowie zahlreiche schöne Fachwerkhäuser, darunter allein fünf mit geschnitzten Eckbalken, meist aus dem 17. Jahrhundert. Auch die jetzige Herberge des Museums, das frühere „Brauhaus zum Löwen“, ist über 200 Jahre alt.
So bietet das Bachgaumuseum zusammen mit Schaafheim als Gemeinde das Bild einer kulturellen Einheit und vermittelt den Einblick und Zusammenhang in längst vergangene Zeiten. Was in unermüdlicher Arbeit in diesem einen Jahr geschaffen wurde, stellt eine Bildungsgrundlage dar, die weit über den örtlichen Bereich hinausgeht und die Schaafheimer, die mittlerweile alle ihren „Museumsdirektor“ kennen, sind gewiß, daß im Laufe der Zeit ihr Museum noch manche Bereicherung erhalten wird. (io)
Oper im Freien
Mit dem kommenden Sonntag beginnt wieder eine Reihe von Aufführungen auf der Terrasse des Velteschen Hauses in T r a u th e i m bei Darmstadt, Lindenbergweg. Wer sie einmal besuchte, bewahrt gutes Erinnern an den Abend im Garten bei Musik und schönen Stimmen und wird die bekannten Künstler gern wieder hören: Lotte Leist-Veite. Wilhejm Keßler, Werner Dietrich, Karl Pfeifer, Christian Schmidt und am Flügel Maria Lut z. Am Sonntag, 27. August, 20.15 Uhr, werden sie die Aufführung der einaktigen Oper „Susannens Geheimnis“ von Ermano Wolf-Ferrari wiederholen, am 10. September folgt „Lä Serva Padrona“ (Die Magd als Herrin) von Pergolosi, und am 17. September „Die Abreise“ von Eugen d’Albert. Der Eintritt ist frei, nur ein kleiner Unkostenbeitrag wird erbeten. Nach Schluß der Vorstellung besteht fahrplanmäßige Omnibusverbindung. (di)
Promenaden-Konzert
der Dieburger Stadtkapelle
Eine Anzahl Dieburger Mu er hat sich vor eir' Zeit zu einem vielversprechenden Orchester zusamm2ngefunJen, das unter Leitung von Musikmeister Holzapfel sieht. Die seither abgehaltenen Proben wurden jetzt zu einem erfreulichen Abschluß geführt: Am Sonntag tritt diese Vereinigung, die den Namen „Dieburger Stadtkapelle“ tragen wird, zum erstenmal mit einem Promenadenkonzert um 11 Uhr auf der Terrasse des Fechenbachschen Schlosses vor die Oeffentlichkeib (RG)
Was aũch interessiert:
Ein kaltes Bad war die Folge eines handgreiflich ausgetragenen Grundstücksstreites in Wahlen. Ein Mann rückte seinem Nachbarn mit einem Messer auf den Leib, was dieser dadurch abwehrte, daß er den Angreifer in den vorbeifließenden Bach warf. -r.
Als Warenhausdiebin wurde dieser Tage eine 15jährige aus Groß-Umstadt von einer Angestellten des Kaufhauses Trippel wiedererkannt, wo sie einen Unterrock entwendet hatte. Die Diebin wird sich demnächst vor dem Jugendrichter zu verantworten haben. wu.
Drei Kisten mit Textilien stahlen dieser Tage Unbekannte aus einem verschlossenen Lieferwagen in Urberach, während der Fahrer in einem Gasthaus saß. Nachforschungen der Polizei blieben bisher erfolglos. wu.
Beim Obstpflücken stürzte Oberlehrer Worf aus Unterflockenbach von der Leiter. Er schlug mit dem Kopf auf eine Mauer und mußte bewußtlos in ein Krankenhaus eingeliefert werden. -r.
Zwei spielende Hunde liefen kürzlich auf der Schillerstraße in Gernsheim einem Motorradfahrer vor sein Krad und brachten ihn zu Fall. Glücklicherweise wurde der Fahrer nur leicht verletzt, während die Maschine schwere Beschädigungen davontrug. Kr.
Munition liegt noch immer im Muna-Gelände bei Pfungstadt verstreut. Von einem Sprengkommando wurden vor kurzem 60 Granaten gesprengt. Rodungsarbeiten der Försterei mußten sogar eingestellt werden, da die herumliegende Munition die Arbeiter gefährdete. (ler)
I Urkraft WÄSCHT UND BLEICHT ALLES SELBSTTÄTIG Urkraft WÄSCHT AUCH IN HARTEM WASSER Urkraft SPART ARBEIT UND GELD, DENN: Urkraft KOSTET NUR 55 Dpfg. ■ ■nKRAFT zWaO ÜB" /«yr Ax"" fc/ß tV£/Cff£S ‘x^ASKSk A^x mff res wAssett r’r DER FIRMA: M. KAPPUS, OFFENBACH A.M.
Ferien am Bodensee
Skizzen und Betrachtungen eines Reiselandes
Straßen in den deutschen Süden
gibt es viele. Darunter so manche, die „nimmer ich marschiert“, wie dort auch so mancher Wein wächst, „den nimmer ich probiert“. Wenn wir auch keinen Mai mehr haben, wie es beim Zitieren von Geibels altbekanntem Lied wünschenswert ist, sondern die Hauptreisezeit des Hochsommers, so dürfen uns doch die beschwingten Klänge froher Weisen in die Ferne begleiten.
Wer zur südlichsten deutschen Landschaft — und das ist der Bodensee nicht nur geographisch gesehen — zieht, sei es zu ,Fuß, mit dem Wagen oder mit der Bahn, wird entweder seinen Weg durch den Schwarzwald und den Hegau oder durch Oberschwaben oder durchs Allgäu nehmen. Wir wählten die erste Möglich-
keit und ließen uns von der Bahn aus der sonnenüberfluteten oberrheinischen Ebene durchs malerische Gutachtal und in vielen Tunneln über die Paßhöhö des Schwarzwaldes, wo er am schwärzesten ist, hinweg fahren.
Das Reisepublikum war gemischt. Die Gespräche unserer sonnengebräunten Abteilnachbarn erregten unsre Aufmerksamkeit. Sie sprachen von Ländern, die viel weiter südlich und östlich liegen, von Marokko und Indochina. Als der Schaffner kam, zeigten sie die von früher her vertrauten rotweißen Militärfahrkarten. Es waren zwei junge Deutsche, die aus der Fremdenlegion heimkehrten. Ihre fünfjährige Verpflichtung war um. Sie betraten vor zwei Tagen zum ersten Male wieder seit 1944 deutschen Boden. Sie hatten einst mit vielen anderen die Fremdenlegion dem Verhungern im Gefangenenlager vorgezogen . . . und von den anderen waren viele draußen geblieben. „So ist das Leben“ pflegte bei solchen Anlässen mein finnischer Freund zu sagen.
Üebrigens reisten nicht nur Deutsche, sondern zahllose Ausländer. Die fuhren aber in.der Regel nicht mit der Bahn, sondern im eigenen Wagen. Am Bodensee kann man darum alle Sprachen Europas und der Neuen Welt hören. Am Bodensee herrscht überhaupt in allen Städten und Dörfern ein ständiges Kommen und Gehen von Menschen aus aller Herren Ländern, aber dabei keineswegs babylonische Sprachverwirrung, sondern eine unglaubliche Spracheintracht, in der das alemannische Idiom naturgemäß überwiegt. Sogar die Besatzungsmacht ordnet sich taktvoll dem Geist der Landschaft ein. Sie tritt im allgemeinen nur in Zivil auf, was man sehr wohltuend empfindet. In Ueberlingen trafen wir gleich auf ein Ferienlager französischer Studenten, die eifrig deutsch lernten und in ihrer Freizeit schwäbisch zu parlieren versuchten. Und auf der Insel Mainau hatte schwedische und deutsche Jugend sich zu gemeinsamer Erholung eingefunden. Solches Verstehen nimmt eigentlich am Dreiländersee, denn der Bodensee hat ja ein deutsches, ein schweizerisches und ein österreichisches Ufer (wie es mit dem Wasser ist, vermag ich nicht zu sagen, aber es war auch bei schärfster Beobachtung kein Unterschied in Farbe und Beschaffenheit zu entdecken) nicht wunder. Man wünschte nur, daß sich von diesem „Bodensee-Geist“ recht viel in Europa und in der Welt verbreiten möge.
Sanfte Zauberflut und selige Inseln
Das sind zwei Dichterbekenntnisse zur Bodensee - Landschaft, zwischen denen immerhin ein Jahrtausend liegt. Von der „seligen Insel“ hat einst Walahfried Strabo in einer Anwandlung von Heimweh nach seiner Reichenau gesprochen. Die „sanfte Zauberflut“ sieht Annette von Droste-Hülshoff von ihrer Meersburg freundlich vertraut vor sich.
Wer auf der Terrasse des alten sogenannten Konzilgebäudes in Konstanz — wo ein schön und lesbar geschriebenes Schild verkündet, daß es jetzt auch wieder deutschen Gästen zugänglich sei (und wir dachten doch, die Tage des großen internationalen Konzils seien bereits über 500 Jahre vorüber) — wer also auf dieser Terrasse den Anblick des Sees genießt, wird versucht sein, die obigen Dichterworte zu wiederholen und durch ähnliche zu ergänzen. Weit und hell liegt der See. Dampfer durchfurchen das Wasser. Weiße Segel stehen in der Sonne. Möven kreischen und kreisen nimmersatt um die Schiffe. Reisende begrüßen den See oder nehmen von ihm Abschied. Auf den Bänken am Hafen und in den Anlagen sitzen müde Wanderer oder bewußte Müßiggänger. Man hört Sirenen, Glocken, Signalpfiffe, Autohupen und das Stampfen von Maschinen.
Und doch gibt es auch noch „selige Inseln“ und „sanfte Zauberflut“. Am Konstanzer Rhein steht das „Inselhotel“, das ehemalige Dominikanerkloster. Es beherbergt heute eine gutbesuchte Spielbank. Aber auch die gotischen Kreuzgänge sind noch da, unter denen einst die Mönche ihr Brevier lasen. Und die Blumen in den Gärten und die schattenspendenden Bäume.
Ueberhaupt Blumen und Bäume und Gärten — wer auf die Mainau kommt, sei es über den schmalen Steg vom Lande her, sei es zu Schiff, ist überrascht von der exotischen Pracht ihrer Parkanlagen. Die Nadelhölzer, die dort gedeihen, sind zwar weltberühmt — das hat man schon vorher gelesen. Aber die Fülle der Blumen, die gepflegten und wohldurchdachte Anlage, all die Terrassen, Wasserbecken, Terrakottakübel, Statuen, Pergolen, Treppen und verschlungenen Wege, die Tatsache, daß die Apfelsinen- und Zitronenbäume übervoll mit gelben und goldenen Früchten beladen sind und im Freien stehen, das hat man so nicht erwartet.
Wer auf der Mainau die üppige, südlich akzentuierte Fülle des englischen Gartenstils bewunderte, wird auch die recht eigenartigen Anlagen des Stadtgartens zu Ueberlingen nicht übersehen dürfen. Sie beginnen im Burggraben mit alten Lebensbäumen und Reihen von Blumenstauden, die durch Laubgirlanden miteinander verbunden sind. Darüber schauen als ernste Wächter Mauern und Türme der einstigen Stadtbefestigung. Im Herzen des Stadtgartens liegen im Halbkreis um einen hübschen Springbrunnen Blumenbeete von bezaubernder Farbenfreude und originelle Kakteenanlagen. Die stachligen Gewächse werden viel bestaunt und fast nochmehr als Staffage für Amateurfotos verwendet. Vielleicht dienen sie den dort Aufgenommenen als unbewußte Folie ihrer seelischen Möglichkeiten?
Unter den „seligen Inseln“ darf aber die nicht vergessen werden, der das Dichterwort galt: die begnadete Reichenau. Ihr Name charakterisiert sie bereits. Ueber die Reichenau sollte man eigentlich nur in Versen reden oder schreiben. Ihre drei Klöster sind Segensstätten frühdeutscher Kunst und Kultur gewesen. Die ernsten Hallen der Kirchen mit ihren bemalten Hochwänden und Apsiden, die strenge und selbstbewußte Architektur der Glockentürme lehren auch den modernen Menschen Ehrfurcht vor den Werken des Geistes, der sich dem Ewigen verpflichtet wußte.
Vom Krug der Hochzeit zu Kana und anderen Krügen
Zu Kana in Galiläa fand einmal eine Hochzeit statt, bei der es an Wein gebrach. Er wurde dann auf wunderbare Weise den Festgästen gespendet. Es ist darum kein Zufall, wenn in der Schatzkammer des Reichenauer Münsters ein kannelierter antiker Marmorkrug von der Hochzeit zu Kana aufbewahrt und gezeigt wird.
Jeder Kenner wird den guten Wein als Gottesgabe schätzen. Und am Bodensee wachsen gute Weine. Sie haben vorzügliche „Lagen“ und nehmen viel Sonne auf. Sie beweisen damit wieder einmal, daß Weinlandschaften gesegnete Kunstlandschaften sind.
An den Ufern des Bodensees gibt es unzählige Gaststätten, in denen ein guter Tropfen ausgeschenkt wird. Als Beispiel für viele darf nur der „Becher“ zu Meersburg genannt werden, weil er auch literarisch berühmt ist.
Manche Herbergen können nachweisen, daß in ihnen einst hohe Fürsten lichen und geistlichen Standes logiert haben. Ihre mauerstarken Wände sind vollgesogen mit Tradition. Man fühlt sich in ihnen besonders behütet, vzeil so viele Geister drin wohnen. Man freut sich auch an originellen Namen, so etwa, wenn ein Lokal „Zum Faulpelz“ heißt — und damit man es ja nicht vergißt, wird es durch einen großen Spruch am Eingang bekräftigt: „Faul ist und bleibt der Pelz“.
„Tore, Türme und Brunnen“
Sie gehören' nicht nur zu den Requisiten romantischer Schwärmerei, sondern zu dem vertrauten Bilde unserer alten Städte. Dabei sind es doch ganz einfache Zweckbauten, denen so viel Poesie gewidmet ist, und an deren Kunst- und Gemütswerten wir uns erfreuen.
Auch unsere alten Stadtbaumeister waren sich offenbar darüber im klaren, daß der architektonische Charakter von Straßen und Plätzen, ja des gesamten Bildes, das eine Siedlung schon aus der Ferne bot, von dem Dreiklang von Toren, Türmen und Brunnen entscheidend mitgeprägt wurde. Sie haben sich darum bemüht, sie trotz ihrer an sich nüchternen Zweckhaftigkeit als Wahrzeichen zu gestalten. Inzwischen sind leider viele Stücke aus den steinernen Kronen der Städte herausgebrochen oder durch Veränderung ihrer Umgebung um ihre Wirkung gebracht worden. In den Bodenseestädtchen empfindet man es dankbar, daß sie häufig noch die Tore, Türme und Brunnen in ihrer gewachsenen und durch die Zeit geprägten Umwelt besitzen.
Die beiden Meersburger Tortürme sind gänzlich verschieden geformt, Vom Stadtinnern her gesehen, schließt das Tor der Unterstadt eine breite, behäbige, durch zahlreiche Zwerggiebel gegliederte Straßenflucht ab, während das Tor der Oberstadt hoch und gebieterisch über einer engen Häuserschlucht emporwächst. In der Unterstadt trägt der Turm ein schlichtes Walmdach mit einem Dachreiter. In der Oberstadt wird das Satteldach des Turmes durch zwei Treppengiebel begrenzt, die das Bauwerk wehrhaft betonen.
Die Stadt der Türme ist Ravensburg. Sie liegt zwar nicht am Bodensee, aber sie gehört in den Kreis seiner Landschaft. Hier hat sich der Bürgerstolz einer einflußreichen Handelsstadt ein bleibendes Denkmal gesetzt. Es sind bedeutende und imposante Bauten, und dabei hat jeder Turm seine eigene Note. Am bekanntesten ist der erhöht über der Stadt stehende Rundturm „Mehlsack“. Wir würden ihn heute zwar anders nennen, denn seine schlanke Form legt eigentlich nicht gerade den Vergleich mit einem Mehlsack nahe, aber wir können hier nur den historischen Namen zur Kenntnis nehmen, zumal sich an ihn einige Anekdoten knüpfen.
Ueberlingen hat den „Hänsele“ -Brunnen als Kuriosum. Die Maskenfigur des „Hänsele“ erinnert daran, daß der Mummenschanz im alemannischen Raume besonders sein Wesen treibt, wie noch an vielen Volksbräuchen zu ersehen ist, wobei man nicht an oberflächliche Narretei denken darf, sondern daran, daß uns im Gewände der Groteske oft tiefer Lebensernst und abgründige Weisheit begegnen.
Kirchen am Ufer
Wer auf dem Bodensee fährt, wird viele Kirchen am Ufer wahrnehmen: die Schloßkirche von Friedrichshafen, das Münster von Konstanz, die Klosterkirchen auf der Reichenau und manche andere. Wir wollen hier nur zwei Kirchen am Ueberlinger See erwähnen, weil sie jede für sich eine besondere Welt verkörpern und umschließen: die kleine Silvesterkapelle am Seeufer bei Goldbach und die stolze, einen Hügelhang krönende Wallfahrtskirche Birnau. Die Silvesterkapelle zählt zu den ältesten deutschen Gotteshäusern, die sich bis in unsere Tage erhalten haben. Sie ist einschiffig mit eingezogenem rechteckigem Chor und wurde im 9. Jahrhundert erbaut. Aus gotischer Zeit rührt ein vermauertes Drillingfenster in der Ostwand und der mit glasierten Ziegeln gedeckte Dachreiter. Das unscheinbare Kirchlein, an dem Bahn und Landstraße unmittelbar vorbeiführen, birgt in seinem Inneren einen kostbaren Schmuck: Wandgemälde des 10. Jahrhunderts, die in schulmäßigem Zusammenhang mit den Reichenauer Bildern stehen. Die Fresken des Chores hat man rech* sinnvoll erneuert, indem man sie auf Leinwandtafeln kopierte und ergänzte, die man aufklappen kann, so daß darunter die Originale sichtbar werden. Trotz der Kleinheit des Raumes sind die Malereien durchaus monumental empfunden und bilden den stets im Gotteshaus gegenwärtigen Presbyterrat der Apostel unter dem Vorsitz Christi. Die Bildzone ist gerahmt von breiten Mäanderbändern. Wie ganz anders ist die Birnau, dieses der Himmelskönigin geweihte Juwel unter den Kirchen am Bodensee! Die Abte von Salem, der alten Reichsabtei Salmansweil, haben diese Wallfahrtskirche durch den Vorarlberger Meister Peter Thumb 1746/49 auf führen lassen. Josef Anton Feuchtmayer hat sie stukkiert und Anton Dürr ausgemalt. Diese spätbarocke; Architektur und Dekoration ist erfüllt von einem himmlischen Rausch, an dem die Schnörkel des Ornamentes ebenso teilhaben, wie die Heiligenfigurer und Putten. Besonders auffallend ist der Goethekopf des erzürnten St. Magnus und besonders liebenswert der reizende Engel mit dem Bienenkorb, der „Honigschlecker“. Und wie klang die Kirche, als Schulklassen und pilgernde Vereine drin sangen, darunter auch solche, die wir eine halbe Stunde vorher in einer Gartenwirtschaft am See an Schnadahüpferln sich ergötzen hörten, und die nun mit wunderbar reinen Stimmen die Gottesmutter priesen. Die Resonnanz des Barock schwingt bis zur Gegenwart fort.
Im Meersburger Schloß sind in einer Ausstellung Madonnen der Bodenseelandschaft aus 6 Jahrhunderten zu sehen Gerade das jungfräulich - mütterlich« Wesen der Madonna vermag diesen Kulturraum besonders sinnfällig zu interpretieren. Die aristokratisch strenger Formen des romanischen Stils werder abgelöst von durchgeistigten Werker der Gotik, sie wieder von der Lebensbejahung des Frühbarock, dem die schwebende Eleganz etwa einer Feuchtmayer-Madonna des Spätbarock folgt.
Bevor wir vom Bodensee scheiden wollen wir einer madonnenhaften Gestal gedenken, der der See zweite Heima wurde: der Droste. Aus ihrem Turmgemach oder aus ihrem Sterbezimme: blicken wir hinab auf das „schwäbisch' Meer“. Wir hören ihre Verse:
Mir ist der See ein trauter Freund, der mit mir lächelt, mit mir weint, ist, wenn er grünlich-golden ruht, mir eine sanfte Zauberflut, aus deren tiefem, klarem Grund Gestalten meines Lebens steigen. wh
Stadttor in Ueberlingen
Wallfahrtskirche Birnau, auf einem Hügel am Ufer des Ueberlinger Sees gelegen. 1747—1749 VOn Peter Thumb erbaut.
Fassade der ehemaligen Zisterzienserkirche in Salem (14. Jahrhundert)
Blick von der Insel Reichenau über denßodensee nach Westen zur „Maler“-Halbinsel Höri
Renaissance-Schmuck am Tor des Archivs zu Ueberlingen. Fotos (5): Hotz
Feuilleton
LA PRESIDENTA Eirta Peron
Schönste Frau Argentiniens — Der Lebensweg einer Radio-Sprecherin vom Mikrophon zum Ministersessel
1. Fortsetzung
Das war der Anfang. Freunde des Malers liehen sich das schöne Modell aus. Das Schicksal besorgte den Rest. Wie konnte es anders sein, wenn man so jung, so schön und so blond ist! Sie brauchte nur einmal über die Avenida de Mayo zu schreiten, also vom Plaza de Mayo zu den Boulevards Entre Rios oder Callao hinüberzugehen, um gleich die Aufmerksamkeit aller jener auf sich gelenkt zü haben, die Sinn haben für Schönheit und Anmut. Und es ließ sich nicht bestreiten, daß Evita schön und anmutig war. Der Limonadenverkäufer, der Evita
hinter seinen Verkaufstisch am Park Tres de Febrero setzte, sah, daß die Einnahmen steil in die Höhe schossen, denn die jungen und die alten Männer kamen und tranken ihre Limonade nur, um das schöne Mädchen anstarren zu können und Vielleicht mit dem niedlichen schnippischen Geschöpf ein paar Worte zu wechseln.
In der Via Florida hatte ein Zigarrenhändler als Anreiz für seine Kunden und jene, die es werden sollten, ein hübsches Kind mit dunklen Haaren in das Schaufenster gesetzt, das mit geschickten Händen Zigarren drehen und Zigaretten verpacken mußte. Sein Konkurrent ging zum Limonadenstand und verpflichtete Evita, in seinem Schaufenster Zigarren zu drehen — freilich mit dem Rücken zur Straße . . .
Während sich bei seinem Nachbar die Menschen vor dem Schaufenster drängten, war es bei ihm im Laden voll, weil man nur von dort das schöne Gesicht der kleinen Evita und das reizvolle Lächeln dieses Mädchens sehen konnte, das man von der Straße her nur zu ahnen vermochte.
Alle Attraktionen dieser Welt nutzen sich ab. Evita sollte Bonbons verkaufen. Bonbons muß man in Buenos Aires ausrufen. Aber Evita rief nicht, sondern Evita sang. Sie konnte nicht grell und kreischend schreien wie die anderen; sie hatte eine so wohltönende Stimme, daß selbst das Rufen und das Schreien bei ihr Gesang wurde.
Jemand, der keine Bonbons aß, der aber in der Defensa, die direkt zum Hafen hinunterführt, ein Tanzlokal mit Variete-Einlagen besaß, hörte diese Stimme, schloß einen Moment die Augen, überlegte, schaute das Mädchen, das so schön zu singen wußte, näher an und — ahnte, daß man aus Evita Maria Dolores Esparanza Duarte eine Sängerin machen könne.
Und so sang Evita erst in den Kneipen in der Defensa nahe beim Hafen. Von dort holten die Manager, die witterten, daß mehr in diesem Kind stecke als nur eine gute Stimme, Evita in die größeren Nachtlokale. Und so rückte das Mädchen, das inzwischen sechzehn Jahre alt geworden war, dessen Haare unter der Stadtlüft von Buenos Aires noch blonder und heller geworden zu sein schienen, dessen Liebreiz nun schon in den großen und kleinen Varietes und Nachtlokalen sprichwörtlich geworden war, immer höher hinaus.
Niemand ahnte, daß die neue Sprecherin am Radio Buenos Aires, also die neue „Senorita Radio“, niemand anders war als Evita Duarte. Man hörte nur ihre wohltönende Stimme und gewöhnte sich daran. Und als dann eines Tages auf dem Programm des sehr eleganten Nachtlokals „Cacadu“ zu lesen war, daß Evita Maria Duarte, die nun endlich bekannt gewordene neue „Senorita Radio“, Nadit für Nacht im „Cacadu“ auftrete, sprach man auch dort von Evita, wo sonst nur die eleganten Herren hinter der Hand einander zuflüstern, wo die zur Zeit schönste Frau von Buenos Aires zu sehen sei. v
In Zivil kamen die Offiziere des „Rennvereins“ in den „Cacadu“. Die alten, reichen Hacienda-Besitzer, also die Eigentümer der großen Ländereien, auf denen man je nach Bedarf oder Spekulation bald dem Getreide und bald den Rindern den Vorzug gibt, brauchten nicht so vorsichtig zu sein. Jedenfalls bekam Evita, die neue „Senorita Radio“, so viel Einladungen, wie sie wollte, und so viel Liebeserklärungen und soviel Heiratsanträge, daß sie längst irgendwo als schwerreiche Grundbesitzerin in die Provinz hätte gehen können. Aber sie tat es nicht.
Denn sie hatte im „Rennverein“, wo sie eines Abends als Einlage zu einem großen Gründungsfest sang, einen Offizier kennengelernt, der auf sie einen so tiefen Eindruck machte, daß die reichen Männer mit der von der Sonne gegerbten Haut, die sie zum Nachtessen einluden, in ihrer Vorstellung verblaßten.
Dieser Offizier hieß Oberst Juan Domingo Peron. Ihre Blicke hatten sich gekreuzt, als Evita ein schönes, etwas schwermütiges Lied sang. Juan Domingo Peron verstand es so einzurichten, daß er ein paar Minuten später der schönen Frau vorgestellt wurde. Er wußte, daß sie die Sprecherin am Radio von Buenos Aires war.
„Sie haben doch vor zwei Tagen die Präsidenten-Rede verlesen?“ begann er die Unterhaltung.
„Ja, das gehörte zu meiner Arbeit!“
„Und was denken Sie davon?“
Evita schaute den Offizier eine ganze Weile an und wog jedes Wort ab, das sie jetzt sagen wollte:
„Daß man es besser machen könnte — denke ich. Man könnte es viel besser machen. Jeder, der das Zeug dazu hat — zum Beispiel — Sie bestimmt!“
Juan Domingo Peron bekam ganz kleine Augen. Aber die Pupillen in diesen Augen wurden weit. Diese' Frau hatte seine schwächste Stelle berührt. Sie hatte, das gesagt, was er. der ehrgeizige und geltungssüchtige Oberst, längst selbst gedacht hatte.
Und jetzt, nachdem sie es ausgesprochen hatte, war er ganz und gar von sich überzeugt. Andere hatten ihm gesagt, daß er intelligent sei. Andere hatten versichert, er habe das Zeug dazu, um in der Politik die Spekulationen zu betreiben, die mancher wagt und kaum einer übersteht — die aber das reizvollste und gleichzeitig gefährlichste Spiel der Menschen mit allzu viel Ehrgeiz darstellen.
Sie sprachen noch einen Augenblick über Politik und die Arbeiter und den Handel und dies und das. Evita Duarte mußte jeden Tag die Meldungen lesen. Und sie hatte ein gutes, unbeschwertes Gedächtnis, das alles aufsaugte. Was sie sagte, hatte Hand und Fuß, weil sie das, was sie behalten hatte, mit der natürlichen Vernunft und Schlauheit des Mädchens, das aus Los Toldos durchgebrannt war, auslegte.
„Man kann es ganz anders machen. Alles könnte anders sein hier in Argentinien. Aber nie ohne und niemals gegen die Arbeiter!
Ich kenne mich da aus. Mein Vater war Landarbeiter. Er besaß nur ein einziges Hemd, das er sonntags anzog . .
Die beiden hatten einander verstanden.
„Wenn das, was Sie. Oberst, können und was ich, Evita Duarte, weiß, zusammenkäme — dann könnte es nicht fehlschlagen . .
Juan Domingo Peron blinzelte noch immer und nagte an seiner Oberlippe. Es war noch viel zu früh. Aber diese Frau war schön und klug. Es war gewiß nicht sinnlos, sich mit ihr häufiger über diese Dinge zu unterhalten.
(Fortsetzung folgt)
Zeichnungen: Claire Wittig
Veit Harlan filmt
Veit Harlan wird Ende nächster Woche in Göttingen mit den Regiearbeiten zu seinem ersten Nachkriegsfilm beginnen, der den endgültigen Titel „Unsterbliche Geliebte“ tragen wird. Das Drehbuch hat Harlan frei nach der Novelle „Aquis submersus“ von Theodor Storm geschrieben. Die Hauptrollen spielen Kristina Söderbaum und Hans Holt. In weiteren RoUen wirken Hedwig Wangel, Otto Gebühr, Franz Schafheitlin und Jakob Tiedtke mit. Harlan erklärte zu seinem Film, er spiele mit seiner Haupthandlung im achtzehnten Jahrhundert. Die Rahmenhandlung, die Storm in seine Zeit legte, werde folgerichtig in die Gegenwart gesetzt. Der Film soll, wie Harlan sagte, einfach, wie ein Volkslied und frei von jeder Effekthascherei sein. Die einzige Sensation sei die Sensationslosigkeit, die man vonl seiner Rückkehr vielleicht nicht erwartet habe.
Sein Leben war Freude
Alexander Posch zum Gedächtnis
Erschütternd war die Nachricht von Alexander Poschs Tod, erschütternd wie immer, wenn das letzte Schweigen einsetzt. Dieser Einsame war die Verkörperung des Künstlers unserer Tage. Aufwärts und abwärts, wie immer sein Leben verlief, Glück und Unglück, alles war notwendig. Doch ausgestoßen? Wer hat das Recht, Dich auszustoßen aus der Gesellschaft der Menschen? Warst Du nicht selber Mensch?
btJiuei iviviiöuii; Ein netter, älterer Herr mit Geld und grauen Schläfen sagte unlängst beim Betrachten von neuen Bildern zu mir: „Wenn ich diese Bilder sehe, kann ich nicht anders als anzunehmen, sie wollten gar kein Geld verdienen.“ Er war ehrlich, deshalb fand ich ihn auch so nett. Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Heute aber kommt mir dieser Ausspruch um so intensiver in Erinnerung, und ich gelange zu der Einsicht, daß nicht der Künstler sich von der menschlichen Gesellschaft getrennt hat, sondern die menschliche Gesellschaft sich vom Künstler. Wie könnte es sonst angehen, daß Alexander Posch auch zu den Geächteten gehört.
Sein Leben war Freude, Freude an den Dingen der Welt. Er hatte den Mut, sich über den Wandel der Zeiten treu zu bleiben. Nur zwei Perioden zeichnen seine Entwicklung. Die erste stand unter dem Einfluß des trinkenden Auges. Eine brillante Farbigkeit, ein glücklich geführter Pinsel sind ihr charakteristisch. Die zweite Periode war Verzicht, Aufgabe, ein Sich-nach-innen-richten, doch immer im Dienste seines Auges und* der empfindsamen Schwingungen seines Herzens. Er konnte nicht glauben, daß die Menschen schlecht sind, darum malte er sie immer, wieder. Seine sterbende Hand malte einen blühenden weltlichen Akt mit der Erregung eines Junggebliebenen.
Der Malstuhl ist leer, die Pinsel gereinigt, die Rechnungen geordnet. Ein Selbstbildnis mit seinem Jungen lächelt von der Wand. Auf dem Teppich spielt sein zweieinhalbjähriges Bübchen. Schweigsam, mit todtraurigen und doch so gütigen Augen blickt die Frau herüber. Das Wohlfahrtsamt arbeitet weiter, und in den guten Häusern und in den Aemtern herrscht so etwas wie Mitgefühl.
Aus der dunklen Ecke seines gewölbten Arbeitsraumes rief er mir, als es ganz still war, ganz leise zu: Bilde dir nur nicht ein, daß ich der einzige bin — euch allen geht’s so. Glaubt ihr etwa, daß ihr es besser macht? Was heißt schon Wahrheit, sind etwa die wahr, die ihren lieben Gott des Sonntagmorgens von neun bis elf aufsuchen und dann „weitermachen“? Sind etwa die wahr, die ihr Leben lang an die Natur, an alles Schöne geglaubt haben? Dann lachte er, wie es nur einem Menschen zusteht, der das Leben kennt, nahm seine Pfeife aus dem Munde, ging auf das angefangene Bildnis seiner Frau zu, drehte es mit dem Gesicht zur Wand — und ließ mich allein. -er-
Ostdeutsche Künstler
Die Kunsthalle in Düsseldorf beherbergt zur Zeit eine umfangreiche Schau von Bildwerken bedeutender Künstler des ostdeutschen und baltischen Raumes. Klangvolle Namen der älteren und jüngeren Generation, die dort geboren sind, sprechen eine überaus eindringliche und überzeugende Sprache. Zu dieser Ausstellung liegt ein interessantes bebildertes Büchlein vor, mit einem Vorwort von Niels von Holst. Es vermittelt einen Ueberblick über das Kunstgeschehen ostdeutscher Künstler vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die ausgestellten Arbeiten sind in diesem Zusammenhang meist jüngeren Datums. Außer den guten Namen der Künstler des 19. Jahrhunderts ist es interessant, was die jüngeren zu sagen haben. Unter diesem Vorzeichen scheint die Ausstellung aufgebaut zu sein.
Man spürt durchweg.eine große Naturnähe im Sinne echten Augenerlebens als Grundstrom. Der gegenstandslose G. Kinzer, 1896 geboren, steht mit seiner auf Violett, Hellgrün und erdigbraunen Tönen gestimmten sehr überzeugenden Komposition fast allein. Dagegen überrascht ein starker Wille, die Märchenwelt und die mystischen Lebenskräfte zum Ausdruck zu bringen. Es scheint dies ein gewisses Vorrecht des Ostens zu sein, denn alle diese im tiefen Mittelalter verwurzelten Kräfte sprechen sich bereits inkarniert bei dem großen, in Rußland geborenen Marc Chagall aus. Wie bei allen umfangreichen Ausstellungen unserer Zeit spürt man tausend Möglichkeiten, so daß man auch hier von einem Künstler zum anderen den Weg mit einem geistigen Rennwagen zurücklegen muß. Ida Kerkovius zeigt eine Reihe glänzender, wundervoll samtiger Strandbilder. Ein überraschend schönes Bild von R- Levy „Rotes Haus mit Schiff“. Hinter dieser Aussage spricht die Kunst der Franzosen. Ein tiefblauer Himmel, ein grüner Kahn und eine rote Hauswand, prächtig gemalt. Der kürzlich verstorbene Oskar Moll überzeugt mit einem auf grün, schwarz und erdfarben gestellten halbastrakten Stilleben.
Viele Namen wären zu nennen: Da sind Schmidt-Rotluff, der Zeichner P. Holz, Käthe Kollwitz, A. Hölzel, W. Jäckel, Alfred Kubin, Max Pechstein, der etwa an Rousseau erinnernde A. Ressel mit seinen böhmischen Teich-Fischern, E. Mollenhauer, breit und düster, Joseph Hegenbarth, reizvoll und illustrativ; R. Sewald mit einer gespenstigen Urwaldkatze. Großartig die Zeichnung „Joseph und Potiphas Weib“ von L. Corinth.
Dieser Ausstellung liegt ein Wille zu einer Neuordnung zugrunde, der über alle • Schicksalseinwirkungen hinweg einen Weg weist, der alles andere als die Sortierung des erlebten Chaos ist, und das ist echt. es.
Federico García Lorca: Dona Rosita
DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG IM MÜNCHNER STAATSTHEATER
Im ersten Akt werden Arien und Romanzen deklamiert, im zweiten Akt verrinnt die Zeit, und im dritten hat sie die Menschen eingeholt, die in der dünnen Luft der Illusionen und Abstraktionen leben. Aus dieser episch-lyrischen Grundhaltung auf der Basis des spanischen Volkslebens versucht Federico Garcia Lorca, den die Faschisten in seiner Heimat Granada ermordeten, sein Drama zu entwickeln; der Untertitel „Die Sprache der Blumen“ deutet auf die symbolischen Bezüge hin: Rosa mutabilis, die veränderliche Rose, die blutrot zu blühen beginnt, am Nachmittag weiß verbleicht und am Abend entblättert dahinsinkt, ist die Blume des Mädchens Rosita, das blühend und welkend auf den Bräutigam wartet, fünfzehn Jahre und abermals zehn Jahre, ein Leben lang, und dabei die Irrealität, die Historizität dieser Problematik mit einem Schein der Wirklichkeit schmückt.
Die Dramatik, die nichts geschehen läßt als das Verrinnen der Jahre, haben wir zuletzt bei Tschechow gesehen — am östlichsten Punkt Europas. Es ist von besonderem Reiz, wenn der Dichter aus Europas westlichstem Zipfel in den elegischen Ton einstimmt und die Resignation mit seinen fordernden, stolzen und würdigen Gefühlen ergänzt. Zuweilen klingt das alles wie eine Romanze des Cervantes, dann wieder begegnet uns die Einsamkeit des Ostens, und schließlich mündet das Spiel in die illusionslose Illusionsdramatik, die seit anno Ibsen auf den europäischen und amerikanischen Bühnen umgeht. Selten wohl sind Philosophie und Psychologie so farbig, so blühkräftig für das Theater verarbeitet worden, und so bekommt sogar die flächige Blumensymbolik einen Hauch des Lebens mit. Die verschollene Seelenhaltung („Eine, die wartend 5aß...“ — wo gibt es das noch?) und die fremde Konvention (die Vorspiegelung von der Beständigkeit des längst zerbrochenen Verlöbnisses, bürgerliche Reputation) sind ein spröder Klang aus der Ferne, aber die reine Absicht, die Ergriffenheit des Dichters und seine Bilder (die allerdings zuweilen grell und plakathaft werden, zum mindesten bei dem Uebersetzer Enrique Beck) rühren ans Herz.
Jürgen Fehling hat eine sehr delikate Form für das verhaltene Spiel mit den Farben gefunden — seine Besetzung, seine Dialoge, seine Pastellkostüme auf grauem, ödem Szenengrund wiederholen die Palette. Ein Kaleidoskop, das mit musikalischen Einlagen, mit dem Einsatz der Windmaschine sehr wirksam, ein wenig unbedenklich untermalt wird. Gewiß, der Regisseur läßt nichts an Wirkung aus — am deutlichsten bei dem kühn gesteigerten kleinen Fest des zweiten Aktes —, aber er meidet, trotz scharfer Profilierung, die grellen Ausbrüche und die Selbstzweckübersteigerungen, die immer effektvoll und ebenso unkünstlerisch sind. Joana Maria Gorvin, mit gestufter Skala die Rose, die wir entblättern sehen, Alice Verden, die alte Frau, hinter deren'erloschenem Gesicht immer wieder das Leben aufsteht, Bruno Hübner, der gütig-eigensinnige Blumenfreund mit unbetonter Bedeutung, wissen Gefühl und Konvention zu verbinden, sie sind und geben Schattierungen. Am stärksten ist Elisabeth Flickenschildts derb-weiches Faktotum, mit vielen Humoren und allen Möglichkeiten zu tragischen Kurzschlüssen, mit schlichter Weisheit und jähem Aufflammen. Hier ist wohl die zutreffendste Form gefunden: die Stilisierung, die das Irreale verlangt, und der Realismus, der vor der Uebersteigerung bewahrt.
Ein wesentlicher Abend des Brunnenhoftheaters, das allzu oft auf mittlerer Ebene wandelt, ein Abend, dessen Nachhall klarer und kräftiger ist als sein unmittelbares Erlebnis. Das macht, die Form — des Dichters und des Regisseurs — hat den Inhalt — der Dichtung — bezwungen. Wolfgang Drews
Politische Tanzschule. In der staatlichen Tanzschule Palucca in Dresden ist jetzt die Gegenwartskunde als Lehrfach eingeführt worden, meldet der West-Berliner „Telegraf“. In zwölf Unterrichtsstunden würden die Tanzstudentinnen von SED-Referenten für den „Kampf um den Frieden“ ausgebildet. Einer Elevin, die eingewandt haben soll, sie zahle die hohen Studiengelder nicht, um als SED-Referentin ausgebildet zu werden, sei erwidert worden, daß erst die „politische Schulung“ eine Tänzerin in der Sowjetrepublik „gesellschaftsfähig“ mache, schreibt das Blatt.
DT Film-Forum
Wieder möchte er Spielen!
So sieht er eigentlich doch gar nicht aus, nicht wahr? Unter einem Mörder stellen wir uns doch eigentlich stets einen Menschen vor, in dessen Augen, in dessen Gesichtszügen irgendwie und irgendwo etwas von dem dämonisch-unheirfilichen Gelüst durchschaut, das da anderen nach dem Leben trachtet. Der richtige, wirkliche Mörder ist fast immer häßlich, tierhaft, unerfreulich, und ganz selten nur gibt es in der Wirklichkeit Mörder, die elegant, liebenswürdig, freundlich, sympathisch aussehen, nicht wahr? Also ist es fast eine komische Sache, wenn Peter Pasetti, der so liebenswürdige und elegante Mann, den Wunsch äußert, Mörder zu spielen?
Aber wenn man genau hinsieht, und wenn man aufmerksam nachdenkt, dann leuchtet es einem doch ein, daß er sich aus der ihm bisher zukommenden Sphäre des jugendlichen Liebhabers herausschnt. Er wird und muß ja nicht unbedingt ein Mörder sein, wenn er zu neuen Rollen kommt; vielleicht wird ihm das Fach des großen Charakterdarstellers jene künstlerische Erfüllung und Befriedigung bringen, um die es ihm geht, wenn er sich zu Mörderrollen hingezogen fühlt? Wer weiß? Jedenfalls locken ihn Rollen, in denen alle großen und gewaltigen Akkorde des menschlichen Herzens zum vollen Aufbrnusen kommen, und das ist das Kennzeichen des echten, begnadeten, von Bühnenleidenschaft getriebenen Darstellers!
Der aber ist er. Daß er Schauspieler wurde, ist kein Wunder, selbst wenn er weniger Begabung dazu mitgebracht hätte. Sein Vater war schon ein Theatermann, war als Bühnenbildner in München tätig, die Bühnenluft war Peter Pasetti schon geläufig und vertraut, als er noch ein kleiner Bub war. Aber nicht nur dieses Elternhausmilieu hat ihn zur Bühne und zum Film getrieben; innerste Neigungen sind da mit am Werke. Er besitzt zum Beispiel eine Schmalfilmkamera ... (nun, die besitzen auch andere!) . . . und er betreibt etwas mit ihr, was nicht viele andere betreiben: er dreht, leidenschaftlicher Film- und Bühnenmann, der er ist, mit seiner 16- Millimeter-Kamera ganze Spielfilme und tut gleich noch den Ton dazu, dieweil er Musiker durch und durch ist. Das darf man dann doch wohl als ein Zeichen für stärkste künstlerische Neigungen bezeichnen! Wer so lebt und so filmt, der mußte wohl schon beim Film als Darsteller landen und sich nach großen, tief angelegten Rollen sehnen.
Begonnen hat die Laufbahn dieses Schauspielers, Filmdarstellers, Musikstudenten, Komponisten, einstmals an der Bayerischen Landesbühne zu München, führte ihn dann nach Kiel, wo er jugendliche Helden und Liebhaber gestaltete, kehrte dann wieder nach München zurück, und dann . . . dann kam das Jahr 1939 und der Krieg. Der hat eine Reihe von Jahren gedauert, und als er endlich zu Ende gegangen war, da war es wiederum das Staatstheater zu München, an dem er erneut auf den Brettern stand In den Kammerspielen bei Erich Engel hat er mitgewirkt, und schließlich — wie hätte das ausbleiben können? — kam der Film und stellte ihm Aufgaben, und mitten in der damit anhebenden Filmlaufbahn steht er nun. In dem Comedia-Film „0 Uhr 15, Zimmer 9“ hatte er endlich die erwünschte Gelegenheit, einen Mann zu verkörpern, bei dem man nie recht weiß, woran man ist, und dies Schillernde, Vieldeutige, Ungewisse, aufreizend Unfaßbare — das hat ihm gefallen, da war er in seinem Element. Wir wollen ihm wünschen, daß er mehr und die Rollen bekommt, in denen er sich ganz entfalten kann, denn wir werden sicher von ihm noch manche erfeuliche Ueberraschung erleben!
PETER PASETTI
(Foto: Comedia-Schot cht-Film)
Die Heimat
Goethe und der Darmstädter Schuster xxxxx
VON ADOLF BEYERIm Juni 1788 kam Goethe von seiner zweijährigen Italienfahrt zunächst wieder nach seiner Vaterstadt Frankfurt zurück.
Er war in Weimar durch den Staatsdienst seit 11 Jahren so stark in Anspruch' genommen worden, daß er als Mensch und Dichter eine Erholung nötig hatte — er wollte sich einmal wieder als freier Mensch fühlen und neue Eindrücke sammeln, Natur und Kunst genießen.
Bevor er jedoch nach Weimar zurückkehrte, wollte er in der Heimat noch verschiedenes erledigen, vor allem wollte er seinen Darmstädter Freund, den vielseitigen scharfen Denker Johann Heinrich Merck, dem er viel verdankte, sehen und sprechen. Dieser, den er auch oft seinen „Mephistopheles“ nannte, der nicht lobte und nie schmeichelte, der aber den Druck von Goethes „Götz von Berlichingen“ veranlaßt hatte, wußte schon lange, was er von Goethe zu halten habe. Sonst wollte dieser in Darmstadt diesmal nichts weiter und so würde das nur ein Ausflug von höchstens 2 Tagen sein, er fuhr ohne alles Gepäck in der Kleidung, die er gerade anhatte, dorthin.
Nachdem die Freunde zusammen gewesen, ging Goethe in den Herrngarten, um das Grabmal der großen Landgräfin zu besuchen. Er verweilte tiefbewegt an der stimmungsvollen Stätte mit der schönen Urne. Er ging um den kleinen Hügel herum und stieß dabei an eine alte harte Baumwurzel, die ihm einen Schuh auf der Oberfläche nicht unerheblich beschädigte. Etwas verdrießlich verließ er den Herrngarten und ging am Exerzierhaus vorbei nach der Rheinstraße. Jedermann, so glaubte er, müsse nach seiner defekten Fußbekleidung sehen und er hatte doch keinen Ersatz zur Hand. Da glaubte er das Klopfen eines Schusters zu hören. Er ging den Lauten nach, fand in einem unsauberen finsteren Hausflur zu ebener Erde die kleine Werkstatt und entschloß sich rasch, den Schaden an seinem Schuh sofort heilen zu lassen.
Der Schuster hämmerte so emsig darauf los, daß er Goethe nicht hatte eintreten hören. Als dieser ihn dann auf die Schulter tippte, fuhr er überrascht, fast erschrocken, herum und blickte ihn groß an: „Du liewer Gott, en Christemensch so zu erschrecke“, knurrte der Meister verdrießlich.
„Er klopfte so derb drauf, Meister, daß Er mein bescheidenes Klopfen nicht hörte“, sagte Goethe lächelnd.
„Er“, brummte der Schuster, wie es schien, verstimmt, daß er nicht mit „Ihr“ angeredet wurde. „No, un was wünscht ,Er‘ dann?“ fragte er zurück. Das schlichte Äußere Goethes schien ihm keinen besonders hohen Respekt vor dem fremden Herrn einzuflößen. Der Dichter ließ sich durch das mürrische Wesen des Schusters nicht aus seinem lächelnden Gleichmut bringen. „Lieber Meister“, versetzte er, „ich hatte eben malheur mit meinem Schuh und wollte Euch bitten, das Ritzchen da gleich zu heilen.“
„Des Ritzche da? Hab' kei' Zeit, Herr — ich hab' für de Hof zu arbeite“.
„So, für den Hof? Ei, freilich, da seid Ihr schon eine sehr werte Persönlichkeit, lieber Meister. Aber Ihr werdet mich, hoff' ich, doch deshalb nicht im Stich lassen! Wißt Ihr, Meister, ich bin auch vom Hofe, wenn auch nicht von diesem hier.“
Der Schuster sah Goethe von der Seite neugierig und etwas ungläubig an. „No, meintweje, gebt schnell her, Seine Gnaden der Herr Oberkammerdiener sin wohl e wichtiger Person als Ihr, — er kann jeden Augenblick sei' neie Schuh mit de Rosette hole lasse, — no, weils nur e paar Stich' sin, will ich's Eich mache. Er schob dem Dichter einen alten Großvaterstuhl zu, nahm den beschädigten Schuh, den Goethe bereits ausgezogen hatte und spannte ihn in seinen Knieriemen, ohne sich weiter um ihn zu kümmern. Aber gleich darauf drückte ihn doch die Neugierde, er sah wiederholt verstohlen auf Goethe. „Ihr seid wohl von weit her, Ihr sprecht net wie mir Dammstädter?“
„Ich komme gerade aus Italien, mein Lieber“, anwortete Goethe.
„Ei, wie schee, ich war aach dort, bin bis nach Florenz gekomme. Herr, ich kann sage, ich hett bei de Mediciner geschlafe.“
„Bei den Mediceern, meint Ihr.“
„No ja, meintweje, bei de Medicener. Awwer Ihr seid doch e Deitscher!“
„Freilich, vom Ufer der Ilm.“
„Da bin ich net hiegekomme, is des in Hannover?“
„Nein, in Thüringen.“
„Ach, wo die viele Fuhrleit her nach Frankfort kumme.“
„Ganz recht, bin auch ein Fuhrmann, das heißt ein fahrender Poet.“
„En Poet, was is dann des?“
„Ich mache Verse.“
„A so! Na hert, da kenn ich awwer aan, der mehr kann wie Ihr, aaner von meiner Zunft. Der könnt' net nur scheene Vers', sonnern aach scheene Schuh' selwer mache. Des kennt Ihr net, wie ich seh'. Wißt Ihr dann, wen ich mein'? Da hängt sei' Bild, des is de große Hannes Sachs von Nürnberg — Schumacher un, wie Ihr sagt, Poet dazu.“ Dabei deutete der Schuster mit stolzem Selbstgefühl auf den schönen alten Holzschnitt, Hans Sachsens Bildnis, der an der Wand über seinem Werkstatttisch hin.
„Hm, ja, das war allerdings ein ganz besonders tüchtiger Versemacher, ein poeta laureatus, wie die Gelehrten sagen“, erwiederte Goethe lächelnd und deklamierte ihm gleich einen prächtigen Vers des Hans Sachs.
Darüber war der ehrenwerte Hofschuhmacher so erfreut, daß er, als die Reparatur beendet, durchaus nichts zum Entgelt nehmen wollte. Goethe drang ihm einen Gulden auf. „No, meintweje, wenn Ihr so reich seid“, meinte der Schuster schließlich, „will 's de Sonndag auf de Oarhelljer Kerb uf Eier Wohl verdrinke. Awwer sagt mer doch Eiern Name, damit ich doch waas, wen ich bedient hab.“
„Ich heiße Goethe.“ ,
„ Goethe, den Name kenn ich net.“
Der Dichter lächelte und zuckte mit den Achseln. „Ein Beweis, lieber Meister, daß mir zu einem Hans Sachs noch viel fehlt! Indes, wenn Ihr mich doch näher kennenlernen wollt, so erkundigt Euch bei dem Merck, der ist ein Vetter von mir.“
„Merck aus de Apothek'? Gut, den kenn ich, des is en gelehrter Mann, hat awwer vio! Pech ... ! Lebt wohl, elückliche Reis'!“
Goethe ging in froher Stimmung über das kleine Erlebnis aus der Schusterwerkstätte weg und lachte nachher mit Merck vergnügt über die grobe Naivität des tüchtigen Darmstädter Schusters. Diesen aber plagte doch die Neugier. Als er dann durch Merck Genaueres über Goethes Bedeutung und hohe Stellung erfahren hatte, schlug er sich vor die Stirne und konnte tagelang vor Aerger über seine Dummheit das Hans-Sachs-Bild nicht ansehen.
Seine Unterhaltung mit dem großen Dichter, dem hochberühmten Geheimrat und Minister von Goethe war ihm ein so großes wichtiges Erlebnis, das er für sich und seine Familie dauernd festhalten wollte. Er ließ also die Szene, wie er Goethe sein Hans-Sachs-Bild zeigte, in Oel malen, um das Bild neben dem des berühmtesten Zunftgenossen bei sich aufzuhängen.
Das Bild kennt heute niemand mehr, aber Goethes Gespräch mit dem Darmstädter Schuster, — eine wahre Begebenheit, die in Vergessenheit geraten war, soll wieder seine Leser finden.
Es ist die Zeit der Sehnsucht nach saftigen Früchten und einem Glase kühlen Weins, die man in schattiger Laube genießen möchte. Neigen sich dazu sanfte Blumen über ein geliebtes Buch —, wer scheidet dann gern aus der besinnlichen Stille, um Geschäften nachzujagen ... ks. Foto: Kenner
Ein altehrwürdiges Badhaus
STÄTTE DER REINIGUNG UND KUR IN VERGANGENER ZEIT
Den Namen der Dieburger „Badgasse“ kann man noch heute handgreiflich erklären, steht doch, von Umbauten nur wenig angetastet, das alte Badhaus aus dem Jahr 1594 allen sichtbar am gleichen Platz wie ehedem. Es mahnt die Dieburger, eine für die Volksgesundheit so notwendige Badegelegenheit zu schaffen, wie sie die Vorfahren schon vor Jahrhunderten Im Stil ihrer Zeit besessen haben. Freilich sah ein Volksbad damals sehr viel anders aus als heute; es ist überhaupt sehr reizvoll, die mannigfachen Wandlungen des Badebetriebs bei den verschiede-
nen Zeiten und Völkern zu betrachten. Wir kennen römische, griechische, maurische, irische, finnische Bäder. Wie aber badeten unsere eigenen Vorfahren vor vielen Jahrhunderten? Das läßt sich aus dem alten Dieburger Badhaus erkennen.
Es besteht aus zwei Stockwerken, einem steinernen, auf Säulen ruhenden und mit Kreuzgewölben versehenen Erdgeschoß und einem Obergeschoß aus Fachwerk. Durch die Rundsäulen ist das Erdgeschoß, vom Flur abgesehen, in quadratische Räume eingeteilt, von denen man sich nur die in späterer Zeit eingezogenen Zwischenwände wegdenken muß, um die alte Badehalle vor sich zu sehen, die mit Kopfsteinen gepflastert war. Im Scheitel eines kreuzgewölbten Raumes kehren sich zwei Bürgerwappen mit den Schildspitzen einander zu; das eine ist quergeteilt und enthält die Buchstaben M und S, das andere ist geviertet mit Sternen und Lilien und trägt seitlich die Buchstaben S und Q. Zwischen den Schildspitzen steht die Jahreszahl 1594. Hier hat sich also in alter Zeit das Badeleben abgespielt. Merkwürdig genug, daß am Ende des 16. Jahrhunderts, in dem der öffentliche Badebetrieb wegen ansteckender Krankheiten allerwärts zurückging, hier noch einmal eine solche Anlage entstand oder eine ältere, bereits bestehende, weiter ausgebaut wurde.
Der moderne Mensch verbindet mit dem Begriff der Badeanstalt zwei Betätigungen: Baden und Schwimmen. Nicht unzutreffend sprechen wir daher von einem Schwimmbad oder Hallenbad. Die Badeanstalt der alten Zeit war wirklich nur ein Badehaus, diente also nur zum Baden, nicht zum Schwimmen. Das Wasser wurde in Kesseln heiß gemacht und dann in Holzzuber oder Bütten gegossen, in die der Badende hineinstieg. Das Bad war also in erster Linie ein Reinigungsbad und wurde mit Vorliebe auf den Samstag gelegt, zugleich ein Akt von symbolischer Bedeutung, weil am darauffolgenden Tag des Herrn der Mensch äußerlich und innerlich gereinigt und geläutert in das Gotteshaus eintreten wollte.
Doch auch damals war man sich schon des hygienischen und medizinischen Zweckes der Bäder wohl bewußt. Daher gingen Hand in Hand mit dem Baden andere medizinische Maßnahmen wie Schröpfen und Aderlässen, natürlich nur im Bedarfsfall. Badeknechte und Bader — wir nennen sie heute Friseure — fanden da reichlich Betätigung. Es versteht sich, daß bei einem solchen Bade- und Kurbetrieb die Badezeiten für die Geschlechter verschieden angesetzt wurden, das Haus also zu gewisser Zeit als Damen-, zu anderer Zeit als Herren-Bad diente. Von einer Trennung der Kabinen durch feste oder verschiebbare Holzwände,, die sehr leicht anzubringen gewesen wären, ist uns nichts bekannt, wenigstens zeigen uns die sehr zahlreichen Renaissancebilder der hier dem Studium des Körperbaus obliegenden alten Meister nichts derartiges, vielmehr stets die ungeteilte, gewölbte, säulengetragene Halle, die jetzt noch in Dieburg vorhanden is.
Es muß angnommen werden, daß auch Teile des Obergeschosses noch den genannten Zwecken der Körper- und Schönheitspflege dienten, sonst wäre nicht eine so breite Treppe mit geräumigem Flur im Obergeschoß nötig gewesen. Man kann das Fachwerk an der Traufenseite gut erkennen, den halben Mann als Eckständer und die Malkreuze unter der Fensterbrüstung Die Fensterrahmen des Erdgeschosses, das mit Spiegelquadern an den Ecken geziert ist, mögen aus einer späteren Zeit stammen, als das Haus für
Wohnzwecke eingerichtet wurde, ebenso auch die Dachform. So gewährt dieses Haus einen interessanten Einblick in die Methoden der Körperpflege in alter Zeit und wartet geduldig darauf, daß ihm ein neuzeitlicher Bruder in Gestalt einer modernen Badeanstalt erstehen möge.
Dr. K. Diel
Zoo ín der Obstplantage
INTENSIVE WIRTSCHAFT AUF DEM OBSTGUT THALHOF
Wenn man, von Jugenheim kommend, nach etwa halbstündigem Weg durch das enge, buchenbeschattete Balkhäuser Tal heraustritt, ist man überrascht von der Weite des Umblicks, den man hier zwischen Melibokus und Feldberg gar nicht erwartet hätte. Das gedämpfte Licht der Waldlandschaft weicht hellem Sonnenschein, der freundlich auf den auseinandertretenden Hügeln liegt, und das Bächlein ist gar nicht mehr romantisch und verträumt, sondern ein ganz behagliches Gewässer, das zwischen breiten Talwiesen gemächlich seinen Lauf zieht. Das Erstaunlichste aber sind die gepflegten Obstplantagen, die sich links und recht des Tales die Hügel hinaufziehen und den Eindruck einer besonders gesegneten Landschaft hervorrufen.
„Aber der Schein trügt“, sagt uns Herr Lippert, der Verwalter des Gutes Talhof, das am Waldrand nahe bei dem Dorf Balkhausen liegt, und zu dem die vorbildlichen Anlagen gehören. In Wirklichkeit ist hier der Boden so karg, daß weder Getreide noch Kartoffeln richtig gedeihen und jahrzehntelang ein wirtschaftlicher Betrieb überhaupt unmöglich schien. Erst der Initiative des derzeitigen Besitzers, Dr. Zutavern, gelang es, durch eine grundsätzliche Umstellung der Wirtschaft vom Acker- auf den Obstbau das Gut auf die Bahn des Erfolges zu führen. Ein großartiges Experiment, das nach jahrelangem Risiko nun sich eindeutig als gerechtfertigt erweist! War zunächst der Mut zu bewundern, mit dem hier Hunderte und Tausende von jungen Bäumen in den felsigen Boden gesenkt wurden, so steht man heute erstaunt vor dem Ergebnis der konsequenten Pflege und Behandlung des Baumbestandes. Zwar ist die Zeit für Höchsterträge noch lange nicht gekommen, aber die Qualität des Talhofobstes hat sich bereits durchgesetzt.
Der Grund? Ja — wenn man die in sorgfältigen Abständen den Berg hinauf gepflanzten Reihen junger Apfelbäume mit ihren lichten Kronen und ihrer gesunden dunkelgrünen Belaubung betrachtet, kann man sich vorstellen, daß daran auch vorbildliche Früchte reifen. Indem durch sachgemäße Düngung, geeigneten Schnitt und sinnvolle Schädlingsbekämpfung die natürlichen Bedingungen für Wachstum und Gedeihen auf ein Höchstmaß gesteigert sind, sind damit auch die Voraussetzungen für hochqualifizierte Erträge gesichert. Das sind Planungen, die sich über Jahre erstrecken und einen großen Aufwand an Geist und Menschenkraft fordern, bis sie zum materiellen Erfolg führen.
Wenn aber erst einmal die natürlichen Schwierigkeiten überwunden sind und der kulturschaffende menschliche Wille sich durchgesetzt hat, besteht kein Zweifel, daß er auch triumphiert. Zähigkeit und Geduld sind vonnöten und eine kluge Ueberbrückungstaktik, bis es mit den Erträgen so weit ist. Auch in diesem letzten Punkt leistet der Talhof Vorbildliches. So langsam die Bäume wachsen, so rasch und gut gedeiht das Vieh, das darunter grast. Das ist der reinste zoologische Garten, was da in Koppeln und Pferchen muht und mäht und grunzt und schnattert. Hügel auf, Hügel ab dehnen sich die Weiden, auf denen eine stattliche Zahl schwarz-weißen Rindviehs gemächlich immer grünes Gras wiederkäut. Eine großzügige- Anlage versorgt auch die hochgelegenen Weiden mit Wasser, das aus dem Bach heraufgepumpt wird. Unmittelbar neben der Landstraße schnaufen und schnarchen fette Schweine in sonnenwarmen Pferchen, gründelt eine flaumige Entenschar im Schlamm des Quattelbachs. Sind aber erst Pferde und Rinder über die Weiden gegangen, so wächst da immer noch genug Gras, um eine Herde von 35 Schafen satt zu machen.
Mit einem Wort: eine intensive Wirtschaft, die den Mangel der Natur durch einen entsprechenden Mehraufwand an Geist und Witz wieder aufwiegt. Am Talhof zeigt es sich, daß man nicht unbedingt in den alten Gleisen fortfahren muß, um seines Erfolges gewiß sein zu können, sondern mit Wagemut, Energie und Einfühlungsvermögen in die wechselnde Konjunktur der Zeit auf neuen Wegen unter Umständen noch viel mehr erreichen kann. G. K. D.
Das Jahr wird reíf
Die Bäume trauern schon dem Sommer nach. Entblättert steht der Mohn, und Felder liegen brach, die eben doch der Halme Flut gewiegt. Früh auf den Wiesen weißer Nebel liegt, den — ach, wie lange noch — der Sonne Licht, zum Mittag steigend, täglich sanft besiegt. Das Jahr wird reif — und all der Früchte wachsendes Gewicht beugt seinen Bogen von der Höhe sacht dem Ursprung zu in dunkle Winternacht, aus deren bronnentiefer Ruh’ sich dann ein neues hebt, das gleichermaßen steigt und lebt und reift und fällt im ewigen Atem dieser Gotteswelt.
Margarete Dierks
Der Pilgerpfad
Bis vor wenigen Jahren konnte man quer durch Rheinhessen den sogenannten Pilgerpfad finden. Die vielen Wallfahrer, die von Ungarn, Böhmen und Mähren her rheinabwärts zu Schiff gefahren waren, um das heilige Köln oder die großen und kleinen Heiligtümer zu Trier oder Aachen zu besuchen, oder die von Norden kommend nach Rom pilgerten, schnitten gewöhnlich das Knie, das der Rhein bei Bingen macht, ab. Sie gingen dann singend und betend einen Pfad, der in seiner Hauptrichtung von Worms nach Bingen führte und unterwegs weder ein Dorf noch eine menschliche Siedlung durchquerte. Nachdem die Wallfahrten infolge der Ungunst der Zeiten aus fernen Ländern nicht mehr so stark besucht waren, geriet auch der Pilgerpfad langsam außer Gebrauch. Anfänglich benutzten ihn noch die Holzflößer und Schiffer, die aus dem südlichen Deutschland stammten und sich so den Weg verkürzten. Später unterblieb auch dies, und heute erinnern in den verschiedenen Gemarkungen nur noch Flurnamen an den früher viel begangenen Pilgerpfad. -illi-
Das Gänseblümchen
Draußen auf dem Lande, dicht am Wege, lag ein Landhaus, du hast es gewiß selbst einmal gesehen. Vor ihm lag ein kleiner Garten mit Blumen und einem Zaun; dicht dabei am Graben, mitten in dem schönsten grünen Grase wuchs eine kleine Gänseblume.
Eines Morgens stand sie mit ihren kleinen, blendend-weißen Blättern, die wie Strahlen um die kleine, gelbe Sonne in der Mitte ringsherum witzen, ganz entfaltet da. Sie dachte gar nicht daran, daß kein Mensch sie dort im Grase sehen konnte und daß sie eine arme, einfache Blume sei; nein, sie war vergnügt, sie wendete sich der warmen Sonne entgegen, sah zu ihr auf und horchte auf die Lerche, die in der Luft sang. Das kleine Gänseblümchen war so glücklich, als ob es ein großer Festtag gewesen wäre; es machte sie froh, daß die kleine Lerche alles, was sie in der Stille fühlte, so deutlich und schön sang, und sie blickte mit einer Art Ehrfurcht zu dem glücklichen Vogel, der singen und fliegen konnte, empor, war aber nicht betrübt, weil sie es selbst nicht konnte.
„Quirvit!“, da kam die Lerche geflogen, nicht zu den vornehmen Blumen im Garten, nein, nieder ins Gras zu der armen Gänseblume; die erschrak so vor lauter Freude, daß sie gar nicht wußte, was sie denken sollte.
Der kleine Vogel tanzte rings um sie her und sang: „Wie ist doch das Gras so weich! Welch liebliche, kleine Blume mit Gold im Herzen und Silber auf dem Kleide!“ Der gelbe Punkt in der Gänseblume sah ja auch aus wie Gold, und die Blätter ringsherum erglänzten silberweiß.
Wie glücklich die kleine Gänseblume war, das kann niemand begreifen! Der Vogel küßte sie mit seinem Schnabel, sang ihr vor und flog dann wieder in die blaue Luft hinauf.
Als die Sonne unterging, faltete das Gänseblümchen seine Blätter, schlief ein und träumte die ganze Nacht von der Sonne und dem kleinen Vogel.
Am nächsten Morgen, als die Blume wieder glücklich alle ihre weißen Blätter gerade wie kleine Arme gegen Luft und Licht ausstreckte, erkannte sie des Vogels Stimme, aber es war traurig, was er sang. Ja, die arme Lerche hatte guten Grund dazu; sie war gefangen worden und saß nun in einem Käfig dicht beim offenen Fenster. Sie besang das freie und glückliche Umherfliegen, sang von dem jungen grünen Korn auf dem Felde und von der herrlichen Reise, die sie auf ihren Flügeln hoch in die Luft hinauf machen konnte. Aber nun saß der arme Vogel gefangen da im Käfig.
Die kleine Gänseblume wünschte, ihm zu helfen. Aber wie sollte sie das anfangen? Es war schwer zu erdenken, und sie vergaß völlig, wie schön es rings um sie her war.
In derselben Zeit kamen zwei Knaben aus dem Garten; der eine von ihnen hatte ein- Messer in der Hand, groß und scharf, und mit diesem Messer gingen sie gerade auf die kleine Gänseblume zu.
„Hier können wir ein herrliches Rasenstück für die Lerche ausschneiden!“ sagte der eine Knabe und begann nun um die Gänseblume in einem Viereck tief einzuschneiden, so daß sie mitten in dem Rasenstück stehen blieb und mit in den Käfig zur Lerche kam.
Aber die kleine Gänseblume konnte nicht sprechen, kein tröstendes Wort sagen, so gern sie es wollte, und der arme Vogel klagte laut über die verlorene Freiheit und schlug mit den Flügeln gegen den Eisendraht des Käfigs.
„Hier ist kein Wasser!“ sagte die gefangene Lerche. „Sie sind alle ausgegangen und haben vergessen, mir einen Tropfen zu trinken zu geben. Mein Hals ist trocken und brennend! Es ist Feuer und Eis in mir, und die Luft ist so schwer! Ach, ich muß sterben, scheiden von dem warmen Sonnenschein, vom frischen Grün, von all der Herrlichkeit, die Gott geschaffen!“ Und dann bohrte sie ihren Schnabel in das kühle Rasenstück, um sich dadurch ein wenig zu erfrischen; da fielen ihre Augen auf das Gänseblümchen. Sie nickte
ihm zu, küßte es mit dem Schnabel und sagte:
„Du mußt hier drinnen auch vertrocknen, du arme, kleine Blume! Dich und den kleinen Flecken grünen Grases hat man mir für die ganze Welt gegeben, die ich draußen hatte! Jeder kleine Grashalm soll mir ein grüner Baum, jedes deiner weißen Blätter eine duftende Blume sein! Ach, ihr erzählt mir nur, wieviel ich verloren habe!“
„Wer ihn doch trösten könnte!“ dachte die Gänseblume, aber sie konnte kein Blatt bewegen; doch der Duft, der den feinen Blättern entströmte, war weit stärker, als man ihn sonst bei dieser Blume findet; das bemerkte der Vogel auch, und obgleich er vor Durst fast verschmachtete und in seinem Schmerz die grünen Grashalme abriß, berührte er doch nicht die Blume.
Es wurde Abend, und noch kam niemand, dem armen Vogel einen Wassertropfen zu bringen. Da streckte er seine hübschen Flügel aus, schüttelte sie krampfhaft, sein Gesang war ein wehmütiges Piep, piep —, das kleine Haupt neigte sich der Blume entgegen, und des Vogels Herz brach aus Mangel und Sehnsucht. Da konnte die Blume nicht ihre Blätter zusammenfalten und schlafen, sie hing krank und traurig nieder.
Erst am nächsten Morgen kamen die Knaben, und als sie den Vogel tot erblickten, weinten sie viele Tränen und gruben ihm ein niedliches Grab, das mit Blumenblättern verziert wurde. Des Vogels Leiche kam in eine rote, schöne Schachtel, königlich sollte er bestattet werden, der arme Vogel! Als er lebte und sang, vergaßen sie
ihn, ließen ihn im Käfig sitzen und Mangel leiden, und nun bekam er Staat und viele Tränen.
Aber das Rasenstück mit dem Gänseblümchen wurde fortgeworfen; niemand dachte an die bescheidene Blume, die doch am meisten für den kleinen Vogel gefühlt hatte und ihn gern trösten wollte. Andersen
Regen
Regen! Peter, welch ein Pech! Sieh, die Sonne ist nun weg, und die Fenster sind ganz naß. Doch das macht nichts. Weißt du was? Wir bleiben heute fein zu Haus und packen deinen Spielschrank aus. Die Tiere solln am Fenster stehn und den Regen sich besehn. Zuerst die Braunen Max und Hans mit dem schön gekämmten Schwanz. Die Giraffe kommt dahinter. Friert sie wohl bei uns im Winter? Der Teddybär ist besser dran, er hat ein wollnes Höschen an und ein Hütchen auf dem Ohr; gleich kommt es ihm viel wärmer vor. Den Neger haben wir vergessen, der hat so tief im Schrank gesessen; und weil er schwarz von Kopf zu Zehen, konnten wir ihn gar nicht sehen. Die Eisenbahn kommt an, hurra! Der Neger fährt nach Afrika. Soll die Giraffe mit ihm gehn? Dann gute Fahrt, auf Wiedersehn! Jetzt Max und Hans schnell angespannt, dei- Teddybär fährt über Land! Die Feder weht an seinem Hut, die Pferdchen haben mächtig Mut! Solch eine Sonntagsfahrt ist schön, kommt glücklich heim, auf Wiedersehn! Nun, Peter, sieh einmal hinaus! Die Sonne guckt schon wieder raus. Jetzt sollst du auch nicht länger warten, lauf nur hinunter in den Garten. Und nicht durch große Pfützen gehn! Hier ist dein Hut, auf Wiedersehn!
J. Oelze
Die Puppe
Einst gingen zwei alte Naturforscher auf Reisen und wollten Entdeckungen machen.
Da kamen sie an eine große Insel, bei der noch niemand vor ihnen gelandet war. Sie freuten sich über die seltenen Blumen, über die Vögel und Insekten, die ganz anders waren als sonst auf der Welt, und dann setzten sie sich hin und untersuchten das Gestein und klopften und hämmerten, daß die Stücke davonflogen.
Auf einmal kam ein Mann in einem langen, fliederfarbenen Gewand und sagte: „Die Regierbng der Insel Olla bedauert, Euch stören zu lassen; sie mag keine alten, grauharigen Herren, die das Reich untersuchen. Man wünscht Eure Abreise, werte Herren!“
Die beiden Naturforscher waren sehr betrübt, dach packten sie still ihre Hämmer ei nund wollten davongehen.
Da kam ein junges Fischermädchen mit hellen, treuen Augen und sprach: „Der Herrscher von Olla ist acht Jahre alt, und wie man sagt, ist Spielzeug ein angenehmes G eschenk bei Hof.“
Die Grauhaarigen strichen sich vergnügt übers Kinn bei der Kunde und freuten sich über die Weisung. Eilig fuhren sie nach Hause und kauften die herrlichsten Spielzeuge ein: Papierdrachen mit bunten Federn am Schweif, Pferdestall und Gespanne, Burg und Eisenbahn, Autos und Flugzeuge zum Aufziehen und einen gro- Ben Baukasten mit richtigen Steinen. Damit fuhren sie wieder zu der Insel. Lange Stunden mußten die Diener auspacken und die Sachen ins Schloß tragen. Unterdessen standen die alten Herren bei der Schloßtreppe und warteten darauf, freundlich eingeladen zu werden.
Was aber geschah? Zornige Rufe erschallten aus den Fenstern, und heraus flogen all die Herrlichkeiten, die Bausteine und Wagen, die Eisenbahn und die Autos.
Als die eiden Herren das sahen, machten sie sich eilig davon und warfen sich voll Verzweiflung an der Küste nieder.
Wieder kam das Fischermädchen und fragte nach ihrem Kummer. Als sie hörte, was für Spielzeug die Herren gesandt hatten und wie es aufgenommen worden war, lachte sie herzlich und versprach, etwas herbeizuschaffen, was das Herz des Königskindes gewinnen würde.
Nicht lange, so erschien sie mit einem länglichen Kasten, mit dem sie die beiden Herren zum Schloß schickte. Sie übergaben den Kasten einem Diener und warteten wieder an der Treppe, was geschehen möchte.
Nicht lange aber, so hörten sie leichtes Springen und Tanzen, Lachen und Jubel und Singen. Gleich darauf wurden sie auch vorgeladen und heraufgeführt. Da hatten sie des Rätsels Lösung! Der Gebieter der Insel war ein achtjähriges Mädchen, und mit der Puppe des Fischerkindes hatten sie ihre Gunst gewonnen! B.
Postsack vom Marchen-Schiff
Heute sind — gewiß weil Euch das Raten so viel Spaß macht — gleich ein paar neue Scherzfragen im Postsack obenauf gekommen:
Welches sind die kleinsten Stunden? Welches Pflaster heilt nicht Wunden? Wer ist es, der hängend geht? Wer, der’s ganze Jahr sich dreht? Welches Spiel geht auf vier Beinen? Welche Pflanzen können weinen? Welches sind die kleinsten Meisen? Wer macht in den Lüften Reisen? Wer hat Augen nicht zum Sehen? Wer hat Beine nicht zum Gehen? Wer nennt Flüsse, die nicht fließen? Wer kennt Blumen, die nicht sprießen? Wer kann sprechen ohne Mund? Wer tut immer Neues kund?
Denkt nur daran, daß es — Scherzfragen sind! Das nächste Märchenschiff bringt Euch die Antworten mit, und hier sind die Lösungen vom vorigen Male: Schimmelpilz, Schneckenhaus, Hirschkuh, Wetterhahn. Kaffeemühle, Zaunkönig, die Stadt Ofen, Tagedieb, Herzschlag, Zuckerherzen, Budapest, Schokoladentaler.
Wer hat Lust, selbst einmal ein Rätsel auszudenken und einzusenden? Es kann auch ein Silbenrätsel oder ein Suchbild sein! —
L. v. W., die „Geschichte von der Würze der Seligen“ ist wohl schon vielen bekannt. Doch so hübsch erzählt, konnte sie im Postsack mitgenommen werden für all die kleinen und großen Suppenkaspars:
Die Würze der Seligen
Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten einander so lieb und lebten in schönster Eintracht. Eines Tages aber starb die Frau. Der Mann hatte großen Kummer und als ein Jahr vergangen war, mußte er sich ein neues Weib in sein Haus nehmen, da ihm alles drunter und drüber ging. Auch das neue Weib war ihrem Mann von Herzen zugetan und tat ihm alles zu Gefallen. Vor allem aber wußte sie, daß die Liebe durch den Magen geht! Sie zerbrach sich alle Tage den Kopf, wie sie den Mann mit guten Speisen erfreuen könne. Am ersten Tage kochte sie Rindfleisch, am nächsten Sauerkraut mit Klöß, am dritten Bohnen und Speck und so fort, alle Tage etwas Gutes. Aber immer saß der Mann mit etwas trüber Miene vor seinem Teller und sagte: „Frau, du kochst gut, aber die Würze der Seligen, die scheint dir fremd.“ Die Frau fragte, was das für ein Gewürz gewesen sei. „Das weiß ich auch nicht, aber es war etwas, mit dem sie täglich alle Speisen würzte.“ Da ging die Frau zum Krämer und fragte ihn, welches Gewürz die selige Frau ihres Mannes denn in so großen Mengen bei ihm gekauft habe? Der Krämer wußte es auch nicht und so ließ die Frau sich ein Tütchen Thymian geben. Damit kochte sie nun eine Suppe und schaute beim Mittagessen dem Mann gespannt ins Gesicht. Aber er schüttelte den Kopf und sprach: Die Würze der Seligen ist es nicht. Da holte die Frau beim Krämer Nelken, dann Pfeffer und wie die Gewürze alle heißen. Und immer schüttelte der Mann den Kopf und sagte: „Das Gewürz der Seligen ist es nicht!“
Nun hatte die Frau eines Tages große Wäsche und jeder weiß’ daß es an einem solchen Tage eine einfache Suppe geben muß, die sich allein auf dem Herde kocht. Es stand ein großer Topf Erbsensuppe mit Speckbröckchen brodelnd auf der Flamme, während die Frau fleißig am Waschzuber wirkte. Als sie kurz vor 12 Uhr an ihren Kochtopf zurückkehrte, war die gute Suppe fürchterlich angebrannt. Was sollte die Ärmste nun tun? In wenigen Minuten wollte der Mann sein Essen und es blieb keine Zeit, ein neues Gericht zu kochen. So goß sie die Suppe schnell aus dem Topf und trug sie mit Zittern und Zagen, aber pünktlich auf den Tisch. Wer aber beschreibt das glückliche Gesicht des Mannes, als er den ersten Löffel voll Suppe zum Munde führte, während die zitternde Hausfrau verschämt auf ihren Teller blickte: „Je! Je!“ jubelte der Mann; „Frau, das war auch die Würze meiner Seligen. Wie hast du das fertiggebracht?“ und er fuhr ihr dankbar über den Arm. Ihre Angst wandelte sich in Freude, ihre Beklemmung wich und da sie eine kluge und bedachtsame Frau war, so behielt sie das Rezept für die Würze der Seligen für sich. Aber von nun an ließ sie alle Tage die Speisen zur Freude ihres Mannes anbrennen und aß sie tapfer mit, alles aus Liebe! Seitdem heißt es bei uns, wenn einmal etwas angebrannt ist: Aah, die Würze der Seligen. L. v. W.
Der SPORT
„Tendenz lustlos“ bei der Deutschlandfahrt
Abermals ein belgischer Etappensieg
Vo. Rogensburg. (Eigener Bericht.) Auf der 12. Etappe der Deutschlandrundfahrt am Freitag spürte man den Fahrern doch die großen Anstrengungen der gestrigen schweren Bergetappe an, denn auf der 217,4 Kilometer langen Strecke von Bad Reichenhall über Traunstein, Straubing nach Regensburg wurde teilweise unter 30 Kilometer Durchschnitt gefahren. Beim Start in Reichenhall gab es eine kleine Ueberraschung, als Harry Saager, der letztjähriger Gewinner der Deutschlandrundfahrt, fehlte. Saager war durch die Oberleitung gestern mit zehn Strafpunkten belegt worden, weil er auf dem Obersalzberg durch eine organisierte Kolonne geschoben worden sein soll. Da auch alle anderen Fahrer geschoben wurden, empfand Saager, der durch die Bestrafung um den 4. Platz in der Gesamtwertung kam, dieses Urteil als ungerecht und wollte die Deutschlandrundfahrt aufgeben. Erst als ihm erklärt wurde, daß die ganze Angelegenheit am Montag noch einmal geprüft werde, erschien Harry Saager im letzten Augenblick doch noch am Start.
Die Tendenz auf der 12. Etappe war im Hauptfeld lustlos und daher konnte Heuser dem Feld davoneilen, mit zeitweise einen Vorsprung von zwanzig Minuten.
Der Kölner Schulte, der Dortmunder Diederich und der Belgier Peters eilten dem Ausreißer nach und etwa 80 Kilometer vor dem Ziel schlossen der Belgier Peters und der Kölner Schulte zu Heuser auf. Nun entspann sich auf den letzten 50 Kilometern ein zäher und verbissener Kampf, den der Belgier, der bisher einzige der belgischen Mannschaft, der noch keine Etappe gewonnen hatte, in 6:25,30 knapp um Radlänge vor dem Kölner Schulte und Heuser gewann. Im Hauptfeld war vor Landau an der Isar durch Weimer (Stuttgart) ein Massensturz erfolgt, in den der Träger des „Weißen Trikot“ der Belgier Gyselinckx, der Schweinfurter Schenk, der Chemnitzer Schild und Arens verwickelt wurden. Gyselinckx und Schenk konnten jedoch weiterfahren, während Weimer verletzt liegen blieb. Schild fiel durch diesen Sturz sehr stark zurück. Mit etwa sechzehn Minuten Abstand von dem Etappensieger kam das Hauptfeld am Ziel an. Gyselinckx bleibt weiterhin Träger des weißen Trikots.
Das Ergebnis der 12. Etappe (Bad Reichenhall—Regensburg): 1. Peters (Belgien) 6:25,30, 2. Schulte (Köln) 6:25,3Ol/io, 3. Heuser (Bad Lipspringe) 6:25,3O2/20, 4. Diedrichs (Dortmund) 6:28,34, 5. Pankoke (Bielefeld) 6:41,52, 6. Grigat (Berlin) 6:41,521/io, 7. Müller (Schwenningen) die gleiche Zeit.
Die Ringerstaffel des ASV Dieburg empfängt am Samstag, 10 Uhr, zum Rückkampf die Ringer aus Dettingen, die in der ersten Besemmo mit 7 0 siebten
uci eisrai Begegnung mit i:u siegten. Die Ringer des TSV Pfungstadt empfangen zum Wochenende eine Staffel aus Nackenheim.
Höhepunktt der Faustballsaison
Eimsbüttel am Dienstag in Pfungstadt
Am Samstag fahren die Pfungstädter Faustballer zu ihrem dritten diesjährigen, internationalen Turnier nach Stuttgart-Bad Cannstatt. Die Besetzung des Turniers ist wie folgt: TV Niederlenz (Schweizer Meister), Hamburg-Eimsbüttel (Deutscher Meister 1947 und 1948), TSV Pfungstadt (Süddeutscher Meister) sowie die drei württembergischen Meister dreier verschiedener Altersklassen, Tsch. Göppingen, Vfß Stuttgart, MTV Stuttgart. Außerdem nehmen die württembergischen Spitzenmannschaften Stuttgarter TV und TV Cannstatt teil.
Unsere Mannschaft fährt mit Köble, Becker, Kramer, Geibel, Busch und Heppert und hat sich mächtig anzustrengen, wenn sie auch in ihrem dritten diesjährigen internationalen Turnier Endspielteilnehmer sein will.
Auf der Rückfahrt macht Eimsbüttel in Pfungstadt Station, um die bei unserem Frühjahrsturnier versäumten Spiele nachzuholen. Schon jetzt kann allen Faustballfreunden empfohlen werden, die Spiele am Dienstag, um 18 Uhr, gegen den diesjährigen Landesmeister von Hamburg sich anzusehen. Ist doch Eimsbüttel nach der Genesung seines 1,92 Meter großen Schlagmannes Peter Ehlbeck wieder erster Anwärter auf die Deutsche Meisterschaft. Die Deutschen Meisterschaften werden von Freitag, den 8. September, bis Sonntag, den 10. September, in Schweinfurt ausgetragen. Außer unserer ersten Mannschaft wird auch die erste Jugendmannschaft als Landesjugendmeister daran teilnehmen.
Den Abschluß der diesjährigen Saison bildet dann die große Oesterreichfahrt unserer ersten Mannschaft zum Linzer Turnier, das am 23. und 24. September zur Durchführung kommt. Die anderen Teilnehmer sind Merscheid, Passau, Salzburg und Perg. Anläßlich dieser Tournee bestreitet unsere Mannschaft Abendspiele in Passau, Perg und Salzburg. -B-
Hockeyklubkampt gegen Sachsenhausen 57
Uebers Wochenende kreuzt der TEC Darmstadt mit einem der besten hessischen Hockeyklubs die Schläger. Am Samstag bereits stehen mit der AH-Mannschaft und den Knaben die ältesten und jüngsten Spieler auf dem Rasen. Als dritte Mannschaft kämpfen die Juniorinnen gegen die Frankfurter. Am Sonntag stehen sich die ersten Herren, Damen und Junioren der beiden Klubs gegenüber. Während am Samstag die Aussichten der Darmstädter nicht schlecht sind, werden die am Sonntag kämpfenden Mannschaften wohl kaum einen Sieg holen können, es sei denn, daß die Junioren, die im vorigen Jahr sehr erfolgreich abschnitten, den Abgang verschiedener Spieler in die Reihe der Aktiven verschmerzt haben und ihre alte Spielstärke wiedererlangten.
Handball
TSG 46 — TS Sachsenhausen
Am kommenden Sonntag treffen sich auf der Woogswiese die Mannschaften der TSG 46 Darmstadt und der TG Sachsenhausen zu einem Freundschaftsspiel. Da die Gäste in den letzten Rundenspielen einen guten Platz belegten, ist mit einem spannenden Spiel zu rechnen, zumal beide Mannschaften in stärkster Aufstellung antreten. Das Spiel beginnt um 11 Uhr vormittags. Im Vorspiel stehen sich die Reservemannschaften beider Vereine gegenüber. -th-
Fußball in den Heimatkreisen
Entscheidung um den B-Klassenmeister KSG Fehlheim—FC Fürth (samstags)
Das wichtigste Fußballspiel des Wochenendes dürfte bereits am Samstag im Ried stattfinden, wo die KSG Fehlheim zu Hause gegen den FC Fürth anzutreten hat. Nach der Vorspielniederlage (1:3) in Fürth muß Fehlheim schon mindestens mit drei Toren Unterschied gewinnen, wenn es den Titel des Kreismeisters erringen will. Gefühlsmäßig dürfte auf die Odenwälder zu tippen sein. (ni)
Fußball-Freundschaftsspiele:
Lindenfels—Spvgg Neu-Isenburg Rimbach—Mörlenbach Waldmichelbach—Beerfelden Schriesheim—FC Fürth (So.) SV Fürth—Günterfürst (ni)
Kreis Bergstraße:
Groß-Rohrheim—Einhausen Vfß Lampertheim—Vfß Bürstadt Heppenheim—Alsbach
Kreis Groß-Gerau:
Hofheim—Gernsheim Ginsheim—Hochheim Stockstadt—Seeheim Goddelau—Georgenhausen
Kreis Erbach:
Fürstengrund—Steinbuch Günterfürst— Guntersblum TSG Steinbach— TSV Höchst Ober-Ramstadt—VfL Michelstadt Braubachsheim—SV 1912 Babenhausen
Die Auswahl des Deutsch-Amerikanischen Fußballbur.des mußie ihr Ga t piel in Miltenberg absagen. Dafür tritt die DAFB-Mannschaft am Sonntag in Aschaffenburg gegen Viktoria an. Der SV Miltenberg hat anlaßTch der Mi'haelismesse für kommenden Montag die Elf der Offenbacher Kickers verpflichtet.
Danksagung! Für die herzliche und aufrichtige Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Mutter danke ich hiermit allen Verwandten u. Bekannten. Familie Leonhard Spatz Jacobistraße
Bestattungen am Samstag, dem 26. Aug. 1959 Beerdigungen: Alter Friedhof: 11 Uhr: von Marquand, Luise, 85 J., Bad Hamburg Feuerbestattung: Waldfriedhof: 11.15 Uhr: Müller geb. Eisenhut, Anna, 71 J., Uhlandstraße
Der SPORT
Neulinge in Reutlingen unter sich
SV 98 Darmstadt am Ringelbach vor keiner leichten Aufgabe
Die 98er fahren am Sonntag zu ihrem ersten Auswärtsspiel nach Reulingen und werden dort beweisen müssen, daß sie auch extra muros zu siegen verstehen und nicht — wie viele andere Vereine — den Ehrentitel „Heimmannschaft“ verdienen.
Nach dem guten Start am vergangenen Sonntag, der von der gesamten süddeutschen Presse als Sensation bezeichnet wurde, können die 98er schon hoffnungsvoller den kommenden Begegnungen entgegensehen. Die Reutlinger bekamen für ihr Spiel gegen die „Eintracht“ in Frankfurt recht mäßige Kritiken, was die Darmstädter aber nicht dazu verleiten sollte, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen. Der kleine und holperige Platz des ehemaligen Südzonen-Ligameisters hat seine Tücken, und es ist sehr fraglich, ob die „Lilien“ auf einem solchen Gelände mit gleichen Leistungen aufwarten können wie auf der gepflegten Grasnarbe des Hochschulstadions.
Daß man den Südwürttembergern auch daheim beikommen kann, beweisen ihre letzten Heimniederlagen, u. a. gegen Spvgg. Fürth am 25. Juni mit 0:3 und gegen den 1. FC Pforzheim am 6. August mit 1:2. Bei Punktspielen wird jedoch der berühmte Kampfgeist der Rot-Schwarzen mehr in Erscheinung treten. In bester Erinnerung ist noch ihr hervorragendes Abschneiden in den Qualifikationsspielen zur deutschen Meisterschaft, wobei es ihnen gelang, die spielstarke Elf der Wormatia Worms mit 4:3 aus der DFB-Runde zu werfen. In der Meisterschaft selbst unterlagen sie dann in Koblenz erst in der 113. Minute mit 0:1 gegen Preußen Dellbrück. Bei diesen Spielen fiel besonders die harte, schlagsichere Hintermannschaft mit ihrem ausgezeichneten Torwart Braun auf. Der Sturm hatte gute Einzelspieler, die sich aber selten zu einer geschlossenen Einheit zusammenfanden. Durch einige Neuzugänge sollte diese schwache Stelle ausgebessert werden, und am Sonntag
waren es dann auch die neuen Stürmer Langjahr aus Stuttgart und der Ex-Tübinger Hubrich, die neben dem bewährten Läufer Feuerlein und Torwart Braun die besten Kritiken erhielten.
Auf ihrer Sportanlage am Riegelbach, die 15 000 Zuschauer faßt, werden die Reutlinger von den Darmstädtern vollen Einsatz verlangen, zumal die 98ei' im Sturm nicht in bester Besetzung antreten können. Becker I und Thalheimer sind noch immer verletzt, Michel und Reeg gesperrt. Für Reeg wird Müller als Rechtsaußen stürmen, so daß folgende elf Spieler in Reutlingen antr^ten werden: Dr. Barth; Leichtlein, Abt: Barth, Schmidtmer, Herder; Müller, Becker 11, Mühlbach, Bohmann und Herwig.
„Ginmalig in der Fußball-Geschichte“
Protest gegen einen blau-weißen Fußball
Frankfurt, (dpa). Der FSV Frankfurt hat gegen die Wertung des am erste.n Spieltag der süddeutschen Liga mit 1:5 verlorenen Meisterschaftsspiels gegen den VFB Mühlburg beim Süddeutschen Fußballverband protestiert, weil die Mühlburger „entgegen den Regeln einen in ihren Vereinsfarben gehaltenen blauweiß lackierten Ball“ gestellt hatten. Der Frankfurter Spielführer soll den Schiedsrichter Strobel vorher auf die Regelwidrigkeit dieses Balles aufmerksam gemacht haben. Die Fifa-Regeln sehen bei Fußballspielen die Benutzung eines braunen oder weißen Balles vor. Dieser Protest dürfte in der Fußballgeschichte einmalig sein.
Ein guter Bekannter am Mühlchen
SV Arheilgens erstes Heimspiel gegen Union Bückingen
Mit Union Böckingen kommt am Sonntag kein Unbekannter nach Arheilgen. Die Darmstädter kennen die Elf noch recht gut von den Kämpfen gegen die 98er her und werden fast die gleichen Männer im weiß-rot-gestreiften Dreß Wiedererkennen, die vor wenigen Wochen den „Lilien“ den Aufstieg in die Oberliga vergeblich zu verwehren suchten.
Das heimische Publikum wird von den Arheilgern nach dem 2:10-Debakel vom Sonntag diesmal eine besondere Leistung erwarten. Die Leute vom Mühlchen haben in ihrem ersten Heimspiel die Gelegenheit, das verlorene Terrain zurückzugewinnen und den Anschluß zu halten. Sie müssen nun zeigen, was sie können, um nicht in dem starken Feld der 11. Division eine unrühmliche Rolle zu spielen und zum billigen Punktelieferanten abzusinken. Kilian, der in Straubing den Anforderungen nicht gewachsen war, wurde aus der Mannschaft genommen. Für ihn geht Zöller in den Sturm, dessen Platz in der Läuferreihe Becker einnehmen wird, während neben Wenschel wieder Mahr in der Verteidigung erscheint. Mit dieser Aufstellung hofft man besser abschneiden zu können als vor 8 Tagen in Straubing, wo die gesamte Elf eine überraschend schwache Partie lieferte, wenn auch gegen eine Mannschaft, die daheim auch gegen andere Gegner kaum Punkte abgeben wird. Union Böckingen sollte den Arheilgern besser liegen, zumal sich beide Mannschaften in ihrem Stil sehr ähneln. So kann mit einem lebhaften und spannenden Kampf gerechnet werden. Beginn 15 Uhr.
SG Arheilgen: Seibel; Wenschel, Mahr; Becker, Kaut, Müller; Dilfer, Zöller, Wendler Kirchrath, Lieber.
Union Böckingen: Pilz; Tabler, Lerchner; Kühner, Bauer, Waibel II; Dietz 11, Graf, Auer, Braun, Waibel I.
Vor dem Hauptspiel stehen sich um 13.15 Uhr die Reserve und die Elf von „Starkenburgia“ Heppenheim gegenüber.
iitppciincuu gtgcuuuci. Die SG Arheilgen bittet uns mitzuteilen, daß Mitglieder nur’ gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte Anspruch auf verbilligte Plätze haben.
Hanau 98 gewann den Hessenpokal
Auf dem Dunlop-Platz in Hanau konnte Hanau 93 den Finalisten aus der Lederstadt, die Offenbacher Kickers mit 4:0 nach Hause schicken. Mit Rücksicht auf die Verbandsspiele konnten die Offenbacher allerdings nur eine verstärkte Reserve ins Feld führen. Hanau 93 hat sich mit diesem eindrucksvollen Sieg den Aufstieg in die Landesliga gesichert. Die klare Ueberlegenheit der „Diamantschleifer“ ist ja schon in dem 4:0-Erfolg genügend ausgedrückt. Die Vertreter des Bieberer Berges hatten zu dem noch einen äußerst schlechten Tag und ihre wenigen Angriffe scheiterten immer wieder an der stabilen Abwehrmauer des Gastgebers. gi.
TSV Pfungstadt —Münster
Die Fußballer des TSV Pfungstadt erwarten am kommenden Sonntag die erste Fußball-Elf von Münster, die in der Dieburger Bezirksklasse ungefähr den gleichen Platz innehat wie Pfungstadt. Pfungstadt ist zur Zeit nicht besonders stark, da das Ausscheiden des Mittelläufers Eindorf sehr ins Gewicht fällt, wie die hohe Niederlage in Urberach am letzten Sonntag illustriert. Doch ist anzunehmen, daß sich die Platzherren mit einigem Kampfgeist gegen die Gäste behaupten können. md
Zum dritten Male wird am Sonntag in Erbach das traditionelle Handballturnier durchgeführt, an dem sich die Mannschaften von Pfungstadt, Birkenau, Rheinheim, Kirch-Brombach und Erbach beteiligen.
Die TS Bessungen trägt am Samstag, 18 Uhr, ein Handball-Freundschaftsspiel gegen die Traditionself des SV 98 aus.
Lehmann Dritter
bei den Europameisterschaften der Schwimmer
Wien. (AP.) Im Endlauf des 400- Meter-Freistilschwimmens der Europa-Meisterschaften setzte sich am Freitag der bisherige Europameister Alex Jany (Frankreich) erfolgreich vor seinem Landsmann Jean Boiteux und dem deutschen Meister Heinz Günther Lehmann (Braunschweig) durch. Seine Zeit war 4:48,0 Minuten, während Boiteux nach 4:50,1 und Lehmann nach 4:51,2 anschlugen. Auf den vierten Platz kam Marjan Stipetic (Jugoslawien) 4:51,3, fünfter wurde Per-Olaf Oestrand (Schweden). In den sechsten Platz teilten sich J. Tjebbes (Holland) und Mislav Stipetic (Jugoslawien). Janys Zeit ist weit entfernt von seinem eigenen Rekord, der bei 4:35,2 liegt.
In den Wasserballkämpfen am Freitag hat die bisher ungeschlagene holländische Mannschaft die österreichische Vertretung mit 11:1 distanzieren können. Die Holländer haben nur noch den Kampf gegen den Olympiasieger Italien zu bestreiten, der jedoch an ihrer führenden Position auch nichts mehr ändern dürfte. Ein zweites Spiel zwischen Schweden und Jugoslawien endete 4:4.
Ueber das enttäuschende Abschneiden der deutschen Meisterin Paula Tatarek (Lüdenscheid) im Turmspringen wird bekannt, daß sie nach dem vorletzten Sprung an dritter Stelle lag und gute Aussichten hatte, im Endergebnis auf den zweiten Platz zu kommen. Beim letzten Sprung mußte sie zu einem Handstand auf dem 10-Meter-Brett ein zweites Mal ansetzen. Da sie wußte, daß sie deshalb in ihrer Gesamtpunktzahl für diesen Sprung um die Hälfte gekürzt werden würde, verlor sie ihre Sicherheit und erreichte mit diesem letzten Sprung nur 5,88 Punkte, während sie 16 benötigt hätte.
Süd gegen Nord im Mittelpunnkt
Das große Sportprogramm am Wochenende
Kein Gerechtdenkender wird sich daran stoßen, wenn sich die Presse bei Vorschau und Berichterstattung in erster Linie den Sportzweigen widmet deren eigentliche Zeit in diese Sommerwochen fällt. Darum wenden wir heute unseren Blick auch zunächst auf den großen Leichtathletikkampf Nord gegen Süd, der in Köln noch einmal die Besten der Deutschen Meisterschaften zusammenführt. Es ist dabei ziemlich gleichgültig, ob der Norden oder der Süden gewinnt (viele Stimmen sprechen von einem Doppelsieg des Südens bei Männern und Frauen), weit wichtiger dürfte sein,-daß die deutsche Leichtathletik noch einmal eine Gelegenheit erhält, im Wettbewerb ihrer Spitzenkönner die volle Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Zur gleichen Zeit fallen kaum zweihundert Kilometer westlich von Köln bei den Europameisterschaften in B r ü s - s e 1 die letzten Entscheidungen. Niemand erwartet, daß die Sieger von Köln auf der ganzen Linie an die Leistungen der von Brüssel herankommen, aber es wird doch interessieren, auf welchen Rang — in der Breite gesehen «— unsere Leichtathletik schon wieder gekommen ist.
Im Gegensatz zu den Europameisterschaften der Leichtathleten nehmen an denen der Schwimmer in Wien bereits Deutsche teil. Unsere Schwimmer sind mit ihrem bisherigen Abschneiden zufrieden, und sie werden es auch sein, wenn am Sonntag die letzten Startschüsse gefallen sind.
Weitere Veranstaltungen am Wochenende:
Kanu: ueutsene ivieisterscnait im jxajak-Slalom in Jeha.
Schwerathletik: Deutsche Einzelmeisterschaften im Gewichtheben in M.- Gladbach.
Motorsport: 6. Meisterschaftslauf der Motorräder auf dem Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal.
Radsport: Fortsetzung der Deutschlandfahrt.
Turniersport: Internationales Reitturnier in Aachen.
Schwimmen : Deutsche Strom-Meisterschaften in Köln.
Handball: Beginn der Meisterschaftsspiele im Norden.
Werbeveranstaltung des RSC
Der RSC Darmstadt, der in diesen Tagen auf sein 2jähriges Bestehen zurückblicken kann, hat am Sonntag ein mannigfaches Programm zusammengestellf. Ein Rollhockeyspiel gegen Blau-Rot Frankfurt wird den Auftakt bilden. Die Gäste, die noch vor zwei Jahren Hessenmeister waren und im letzten Jahr an den Run den spielen nicht teilnahmen, sind eine gut formierte Mannschaft, der nur das nötige Training fehlt. Somit stehen sich der alte und der neue Meister gegenüber. Das Kräfteverhältnis, das sich wesentlich zu Gunsten des RSC verschoben haben dürfte, wird beim Ausgang des Spieles aber nicht allein ausschlaggebend sein. Beide Mannschaften spielen in ihren stärksten Aufstellungen. In einem auserlesenen Kunstlaufprogramm werden nicht weniger als sechs neue Hessenmeister am Start sein. So werden u. a. Ellen Bruder vom FREC Fraikfurt, die Titelhalterin in der Meisterklasse sowie Franz Ningl ihre Küten laufen. Weiterhin wi d Marika Kilius, die kleine und in Darmstadt immer wieder gern gesehene Läu'e in, an den Start gehen. Der FREC Fsankfurt wird auch mit Lotfi Gellert und Inge Schmidt, die mit zu den Besten in Hessen gehören, das Programm bereichern.
via > jt-i j. unun Aus den Reihen des RSC werden sich die Meister, so u. a. Ursula und Jan Dirken, Ulla Mahr, Heinz Frommann, sowie sämtliche Nachwuchskräfte vorstellen. Beginn der Veranstaltung 16 Uhr.
TEC-Turnier
vor den Entscheidungen
Hart umstritten waren die Kämpfe beim Clubturnier des TEC, bis bei schon hereinbrechender Dämmerung in den Einzelwettbewerben die Vorschlußrunden erreicht waren.
Eine Ueberraschung gab es im Herreneinzel, wo Hahn den als Nr. 4 „Gesetzten Wittich, dank größerer Beständigkeit, mit 2:6, 8:6, 6:2 schlagen konnte. Hilsdorf beendete sein am Vortag begonnenes Spiel gegen Nicklas mit 6:1, 6:4 siegreich, mußte sich dann jedoch nach tapferer Gegenwehr durch Pfundtner mit 6:4, 6:3 geschlagen bekennen. Bei entscheidenden Punkten fehlte seinen Bällen die notwendige Härte, um seinen favorisierten Gegner auszuplacieren. Als letzter erreichte Kleinlogel mit 6:3, 7:5 über Fürst die Vorschlußrunde. Bei den Damen gab es wieder ein erbittertes Ringen zwischen Frau Wettlauffer und Frau Geiß, das die Darmstädter Meisterin erst mit 11:9, 3:6, 6:3 für sich entscheiden konnte. Frau Wettlauffer steht damit bereits im Finale. Leichter hatte es in der anderen Hälfte Frau Schubert, die sich mit 6:3, 6:2 über Frl. Malzan in die Vorschlußrunde einspielte.
Das Programm des heutigen Nachmittags wird eröffnet mit der Begegnung Sigwart—Pfundtner, der sich die andere Vorschlußrunde Hahn gegen Kleinlogel anschließt. Außerdem treten Frau Schubert und Frl. Rockstroh zur Vorentscheidung an. Nach Möglichkeit werden die Spiele im Gemischten Doppel heute so weit gefördert, daß das Endspiel, das vermutlich zwischen Frau WettlaufferzSigwart und Frau SchuberVKleinlogel entschieden wird, am Abend ausgetragen werden kann. Der Sonntagnachmittag bleibt den Endspielen im Herreneinzel, Dameneinzel und Herrendoppel vorbehalten. hex
Die Sowjetrussen auch in Helsinki?
Moskau durch die Ergebnisse von Brüssel ermutigt
Moskau. (AP) Eine Reihe ausländischer Beobachter in Moskau ist der Meinung, daß die Russen eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1952 in Moskau ernsthaft erwägen werden, seit dem sowjetische Leichtathleten bei den Europa-Leichtathletik-Meisterschaften in Brüssel gut abschneiden.
Vor den Olympischen Spielen 1948 führten Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees mit sowjetischen Stellen Verhandlungen über die Teilnahme sowjetischer Sportler an den Spielen in London, doch wurden die Verhandlungen nicht rechtzeitig abgeschlossen. Bereits damals verfügte die Sowjetunion über eine Reihe von Sportlern und Sportlerinnen, die in jeder internationalen Begegnung gut abgeschnitten hätten. In den vergangenen zwei Jahren hat der sowjetische Sport jedoch noch weitere Fortschritte gemacht.
Der Verlauf der Europameisterschaften in Brüssel wird in Moskau mit sehr großem Interesse verfolgt. Rundfunk und Presse widmen der Berichterstattung über die Veranstaltung einen breiten Raum.
Frankreichs Tag
Zwei Siege bei den Europameisterschaften in Brüssel
Brüssel. (FAZ). Im weiteren Verlauf der Kämpfe am Donnerstag, über deren richtet worden ist, hat Frankreich bei ersten Teil an dieser Stelle schon beden Europameisterschaften der Leichtathleten zwei besonders wertvolle Siege erzielt. Dagegen erfüllten sich die Erwartungen der Sowjetrussen an diesem Tage nicht, sie konnten lediglich bei den Frauen zu einem neuen Erfolg kommen, Die Russin Bogdanowa gewann den Weitsprung der Frauen mit 5,82 m vor Lust (Holland) 5,63 m und Osterdhai (Finnland) 5,55 m. Damit haben die Sowjetrussen alle bisher ausgetragenen Wettbewerbe der Frauen gewonnen.
An Frankreich fielen bei den Männern die Siege über 100 m und 110 m Hürden. Im H-m-Endlauf lagen allerdings ifn Ziel die vier Ersten so dicht zusammen, daß erst nach einer halben Stunde das durch die Zielphotographie ermittelte Ergebnis bekanntgegeben werden konnte. Der Franzose Bally siegte in 10,7 Sekunden vor Veccese (Italien), Schukkow (Sowjetunion) und Klszka (Polen), für die ebenfalls 10,7 Sek. gestoppt wurde. Fünfter wurde der im Zehnkampf führende Isländer Clausen in 10,8 Sekunden.
Den UO-m-Hürdenlauf holte sich der Franzose Marie in 14,6 Sek. vor Lundberg (Schweden) 14,7 Sek. und Hildrecht (England) in 15,0 Sekunden. Der 400-m-Lauf endete mit dem Sieg des Engländers D. Pugh in 47.3 Sek. vor Lunis (Frankreich) mit 47,6 Sek; und Wolfsbrandt (Schweden) mit 47,9 Sek.
TSG 46 in den Endspielen um die Hessische Wasserball-Meisterschaft
Der Hessische Schwimm-Verband bringt heute und morgen seine letzte Meisterschaft 1950 unter Dach und Fach. In Marburg stehen sich die vier besten Wasserballmannschaften im Endturnier um den diesjährigen Meistertitel gegenüber. Neben dem Titelverteidiger 1. Frankfurter SC haben sich Niederrad 04, SV Marburg und die TSG 46 Darmstadt die Teilnahme an den Endkämpfen gesichert.
Wo gehen wir zum ' Wochenende hin?
Samstag: 18 Uhr Handball TG Bessungen — SV 98 (Traditionself), Rennbahn.
20.15 Uhr Rollsportschau „Unter bunten Scheinwerfern“, Hinterm Woog.
Sonntag: 11 Uhr Handball TSG gegen Sachsenhausen, Woogswiese.
15 Uhr Fußball SG Arheilgen — Union Böckingen, Am Mühlchen.
16 Uhr Rollhockey RSC— Blau-Rot Frankfurt, Hinterm Orpheum.
16.30 Uhr Rollhockey— 1. FC Nürnberg (südd. Meister) und Wiederholung der Rollsportschau, Hinterm WoOg.
Nächste Abnahme
des Deutschen Bundessportabzeichens:
Leichtathletik: Kommenden Mittwoch, 18 Uhr, Woogswiese. — Schwimmen: Kommenden Freitag, 18 Uhr, Woog. — Prüfungsleiter: K. Lotz.
I AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN BQIBBEBBH9fISHDBBHK9HHDSBBREOQOBSQBKEjEBH9BE!fIBEBS9BSB Öffentliche Ausschreibung der 1. Maler- und Anstreicherarbeiten im Gebäude „B", Darm¬ stadt, Rheinstr. 102 (Schadenstelle und I. Dachgeschoß). (Arbeitsvergebung in 6 Losen.) 2. der Be- und Entwässerungsanlage und der sanitären In¬ stallation für das staatl. Wohnhaus Hobrechtstr. 39/41 in Darmstadt (gesamte Installation). Angebote werden, solange Vorrat reicht, ab Montag, den 26. 8. 1950, bei der ausschreibenden und Zuschlag erteilenden Stelle — Staatsbauamt Darmstadt, Alicenstr. 25 — abgegeben. Ein¬ reichungstermin: 4. 9. 1950 bei gleichem Amt, zu 1) 9,30 Uhr, zu 2) 10 Uhr. Pläne und Zeichnung zu 2) können im Zweigbüro Landesmuseum eingesehen werden. Staatibauamt Darmstadt. Die durch Magistratsbeschluß vom 3. Juli 1950 bzw. 10. 8. 1950 förmlich festgestellten Fluchtlinienpläne für die 1. Rheinstraße — von Luisenplatz bis Echogebäude — ohne die Nordseite zwischen Kasino- und Georgenstraße. 2. Zeughausstraße — von Friedensplatz bis Mathildenplatz — liegen bei der Stadtbauverwal¬ tung, Darmstadt, Bessunger Straße 125, Abt. Stadtplanung, Zim¬ mer 207, jederzeit während der Sprechtage zur allgemeinen Ein¬ sicht offen aus. Darmstadt, den 21. August 1950. Stadtbauverwaltung Darmstadt Bekanntmachung Betr: Fluchtlinienplan Karlsstraße Der in der Stadtverordneten-Versammlung vom 24. Februar 1949 beschlossene Fluchtlinienplan für die Karlsstraße, zwischen Wil¬ heims- und Schulstraße liegt bei der Stadtbauverwaltung Abt. Stadtplanung, Bessunger Straße 125, Zimmer 205, vom 24. 8. bis 8. 9. 1950 zur Einsicht offen. Einwendungen gegen diesen Fluchtlinienplan sind innerhalb der genannten Frist schriftlich bei der Stadtbauverwaltung zu erheben. Darmstadt, den 21. 8. 1950. Stadt Darmstadt, Stadtbauverwaltung Bekanntmachung Betr.: Die nach dem 1. 4. 50 entlassenen Kriegsgefangenen, hier: Entlassungsgeld und Uebergangsbeihilte gemäß Bundes¬ heimkehrergesetz vom 19. 6. 1950. Nach Hessen entlassene Kriegsgefangene und ihnen Gleichgestellte erhielten bisher je 50 DM Entlassungsgeld und gemäß Landtags¬ beschluß vom 9. 2. 1950 mit Wirkung vom 1. 1. 1950 ohne Prü¬ fung der Bedürftigkeit ein Ueberbrückungsgeld von je 200 DM. Das vom Bund erlassene Gesetz über Hilfsmaßnahmen für Heim¬ kehrer (Heimkehrergesetz) vom 19. Juni 1950 (BGBI. S. 221), das mit Wirkung vom 1. April 1950 in Kraft getreten ist, trifft fol¬ gende Bestimmungen, die die Gewährung des Entlassungsgeldes und der Uebergangsbeihilfe neu regeln. § 1 (1) Heimkehrer im Sinne dieses Gesetzes sind Deutsche, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem militärischen oder militär¬ ähnlichen Verband Kriegsgefangene waren und innerhalb von zwei Monaten nach der Entlassung aus fremdem Gewahrsam im Bundesgebiet Aufenthalt genommen haben oder nehmen. (2) Als Heimkehrer im Sinne des Absatz 1 gelten auch Kriegs¬ gefangene, die zur Uebertührüng in ein ziviles Arbeitsverhältnis im bisherigen Gewahrsamsland entlassen worden sind, wenn sie innerhalb von zwei Monaten nach Ablauf der für die Verpflich¬ tung zu ziviler Arbeit im jeweiligen Gewahrsamsland geltenden Mindestdauer im Bundesgebiet Aufenthalt genommen haben oder nehmen. (3) Als Heimkehrer im Sinne des Absatz 1 gelten ferner Deutsche, die wegen ihrer Volkszugehörigkeit oder ihrer Staatsangehörig¬ keit im Auslande interniert waren und innerhalb von zwei Mona¬ ten nach der Entlassung aus ausländischem Gewahrsam im Bundesgebiet Aufenthalt genommen haben oder nehmen, sofern die Internierung nicht wegen nationalsozialistischer Betätigung im Ausland erfolgt ist. (4) In der Frist von zwei Monaten nach den Absätzen 1 bis 3 werden Zeiten unverschuldeter Verzögerung der Rückkehr nicht angerechnet. § 2 Heimkehrer im Sinne des § 1 Abs. 1 und 3, die nach dem Inkraft¬ treten des Gesetzes im Bundesgebiet Aufenthalt nehmen, erhalten ein Entlassungsgeld von 150 Deutschen Mark. 1. Heimkehrer im Sinne des § 1 Abs. 1 und 3, die nach dem In¬ krafttreten des Gesetzes im Bundesgebiet Aufenthalt nehmen, erhalten die Uebergangsbeihilfe im Form von Bekleidung oder Gebrauchsgegenständen im Werte von 250 DM, soweit sie zur Beschaffung aus eigenen Kräften und Mitteln oder mit Hilfe ihrer im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches unterhaltspflichtigen An¬ gehörigen nicht in der Lage sind. Die Uebergangsbeihilfe kann auf Antrag des Heimkehrers in bar gewährt werden. 2. Der Bundesminister für Arbeit kann im Einvernehmen mit dem Bundesminister des Innern und dem Bundesminister für Angelegen¬ heiten der Vertriebenen Richtlinien über die Beschaffung, Art und Umfang der Bekleidung oder der Gebrauchsgegenstände, über die Barleistung sowie über die Prüfung der Bedürftigkeit erlassen. Nach diesen bundesgesetzlichen Bestimmungen erhält jeder nach dem 1. 4. 1950 heimgekehrte oder heimkehrende Kriegsgefangene ein Entlassungsgeld von 150 DM und erforderlichenfalls eine Uebergangsbeihilfe von 250 DM (Gesamtbetrag 400 DM). Die nach dem 1. 4. 1950 nach Hessen entlassenen Kriegsgefan¬ genen und Internierten (§ 1 Abs. 2 des Bundesheimkehrergeset¬ zes) können daher die Beihilfennachzahlung von 150 DM be¬ anspruchen, sofern sie nachweisen, daß sie weder aus eigenen Kräften und Mitteln, noch mit Hilfe unterhaltspflichtiger An¬ gehöriger notwendige Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände zu beschaffen in der Lage waren bzw. sind. Die Bedürftigkeit ist deshalb für die Gewährung einer zusätz¬ lichen Uebergangsbeihilfe nach wie vor ausschlaggebend. Die Anträge müssen deshalb über die Verhältnisse hinreichend Aufklärung geben, damit nicht unnötige Rückfragen gehalten werden müssen. Die Anträge sind beim Bürgermeister der Wohn¬ gemeinde vorzulegen, der verpflichtet ist, die Bedürftigkeit genau zu prüfen. Dem Antrag ist der Entlassungsschein beizufügen. Die Auszahlung des Entlassungsgeldes von 150 DM an jeden nach Hessen entlassenen Kriegsgefangenen und Internierten erfolgt in der bisher üblichen Weise durch das Heimkehrerentlassungs¬ lager. Wenn in Ausnahmefällen das Entlassungsgeld nicht in voller Höhe zur Auszahlung gelangte, dann ist ein entsprechender Antrag unter Beifügung des Entlassungsscheines über den Bürger¬ meister hier einzureichen. Auf folgendes wird noch besonders hingewiesen: Zivildlenstverptlichtete (Freiarbeiter) gemäß § 1 Abs. 2 des Bundesheimkehrergesetzes gelten als Heimkehrer nur hinsichtlich der arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen etc.; von den finanziellen Leistungen (Entlassungsgeld) und Uebergangsbeihilfe sind sie ausgeschlossen. Heppenheim, 18. August 1950 Der Landrat des Landkreises Bergstraße — Bezirksfürsorgestelle — Bekanntmachung Heimleiter-Ehepaar für das in absehbarer Zeit fertiggestellte Lehrlingsheim zu Darmstadt (80 Betten) gesucht. Neben der Fähigkeit zur Leitung des Wirtschaftsbetriebes eines solches Heimes werden von den Bewerbern gefordert Kenntnisse und Erfahrungen in Jugendtüh- BewerbungeiTmit"'!^^^ Lebenslauf, Befähigungs- nachweisen, Zeugnissen, unter Angabe der Gehaltsforderungen sind bis zum 1. Oktober 1950 zu richten an den Vorstand des Vereins „Lehrlingsheim Darmstadt e. V.“, Darmstadt, Lagerhaus¬ straße 1. Neueintragung: Für Angaben In () keine Gewähr. HRB 167. 19. 8. 1950: Firma: Blaupunkt-Werke Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Darmstadt, <LaDdFa,'PA!1Jppis/A?; läge 6). Zweigniederlassung der vorgenannten Firma mit Sitz in Berlin. Gegenstand des Unternehmens: Die Fabrikation der Ver¬ trieb und der Handel mit Empfangsapparaten, Telephonen und Lautsprechern, sowie Zubehörteilen auf dem Gebiete der draht¬ losen Telephonie im In- und Auslande, ferner die Herstellung und der Handel aller hiermit direkt oder indirekt Im Zusammenhang stehenden Erzeugnisse, als auch Beteiligungen an anderen oder gleichartigen Unternehmungen. Es bleibt auch der Gesellschaft Vorbehalten, die Fabrikation und den Handel irgendeiner anderen Branche nebenbei aufzunehmen. Stammkapital: 12 000 000 RM. Rechtsform: Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesell¬ »chattsvertrag ist am IS.Dezember 1938 abgeschlossen und am
3. Dezember 1940 geändert. Sind mehrere Geschäftsführer be¬ stellt, so wird die ueseilschaft duren zwei Geschattsiuhier oaei durch einen oescnältsiuhrer in Gemeinschaft mit einem Proku¬ risten vertreten. Die Gesellschaft ist entstanden duren Umwand¬ lung der bisherigen Firma Ideal Werke Aktiengesellschaft für drahtlose Telephonie in Benin in eine Gesellschaft mit beschränk¬ ter Haftung gemäß Beschluß der bisherigen Hauptversammlung vom 15. Dezember 1938. Geschäftsführer: Dr. Georg Güllner, Ingenieur, Darmstadt; Ur. Georg Schwarz, Kaufmann, Uannstaut. Gesamtprokuristen sind: Dr. Heinrich Brusch in Darmstadt; Otto Gulden, Darmstadt; Werner Meyer, Darmstadt; Hermann Menzl, Darmstadt; Ewald Maidorn, Berlin-Steglitz. Jeder von ihnen ver¬ tritt die Gesellschaft zusammen mit einem Geschäftsführer oder einem weiteren Prokuristen. — Als nicht eingetragen wird ver¬ öffentlicht: Bekanntmachungen der Gesellschaft werden im Bun¬ desanzeiger erlassen. Veränderungen: HRB 7: 15. August 1950: Firma: hessische Elektrizitäts-Aktien¬ gesellschaft In Darmstadt. Gesamtprokuristen sind: Dipl.-Ing. Anton Bauer, Darmstadt; Abteilungsleiter Julius Göbel, Darm¬ stadt; Obering. Max Honnens, Darmstadt; Obering. Hans Michel, Darmstadt. Jeder von ihnen ist berechtigt, die Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem Vorstandsmitglied oder einem Proku¬ risten zu vertreten. HRB 122: Firma: Neue Darmstädter-Verlagsanstalt, Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz In Darmstadt. Der Kaufmann Hans Rautenschlein in Schöningen ist zum weiteren Geschäfts¬ führer bestellt. HRB 5: 15. August 1950: Firma: Westdeutsche Kaufhof Aktien¬ gesellschaft Zweigniederlassung Darmstadt. Der Kaufmann Wer¬ ner Müller in Köln ist zum Vorstandsmitglied bestellt. Die Ein¬ tragung ist im Handelsregister des Gerichts der Hauptnieder¬ lassung in Köln erfolgt und im Bundesanzeiger Nr. 127/50 be¬ kanntgemacht. Amtsgericht Darmstadt Neueintragung: Für Angaben In () keine Gewähr. HRA 923: 17. 8. 1950: Gerisch u. Co., Ladenbau, Darmstarlt- Eberstadt. (Herstellung von Laden- und Gaststätteneinrichtungen, Holz-, Glas- und Metallbearbeitung und Vertrieb von Laden¬ einrichtungsgegenständen aller Art, Jakobstr. 4). Offene Handels¬ gesellschaft seit dem 1. Juli 1950. Gesellschafter: Otto Holste, Kaufmann, Johannes Gerisch, Kaufmann, beide Darmstadt-Eber¬ stadt. HRA 924: 17. 8. 1950: Carola Laumann, Darmstadt (Lebens¬ mittel, Feinkost, Dieburger Str. 22). Inhaber: Carola Laumann, geb. Stephan, Darmstadt. Hans Laumann, Darmstadt, ist Einzel¬ prokurist. HRA 925: 17. 8. 1950: Constantin Mess, Darmstadt (Fleischerei und Fleischkonserven, Kiesbergstr. 48). Inhaber Constantin Mess Fleischermeister, Darmstadt. HRA 926: 17. 8. 1950: Johannes Friedrich OHG., Weiterstadt (Lebensmittelhandlung und Bäckerei, Darmstädter Straße 67) Offene Handelsgesellschaft seit dem 1. Januar 1950. Gesellschaf¬ ter: Johannes Friedrich 11., Bäckermeister, Maria Johanna Fried¬ rich, beide in Weiterstadt HRA 927: 18.8.1950: Ernst Ellenbeck, Automobile. Darmstadt (Handel mit Kraftfahrzeugen aller Art, Rheinstr. 19). Inhaber; Ernst Ellenbeck, Kaufmann, Darmstadt. Veränderung: HRA 176: 17. 8. 1950: Martin Jahn, Darmstadt (Mineralwasser¬ großvertrieb, Wein- u. Obstkelterei, Spirituosenhandlung, Pallas¬ 3?’’ Die ”ffene Handelsgesellschaft ist lufgelöst. HR A ’ K,^lf?a,nn’ Darmstadt, ist nunmehr Alleininhaber. HRA 708. 17. 8. 1950: Friedrich Tillmann, Darmstadt (Par-, fumerie, Seifen- und Toiletteartikel, Grafenstr. 30). Das Geschäft ist auf Hans Fillsack, Kaufmann, Darmstadt, übergegangen. Amtsgericht Darmstadt Gottesriiensterdni'nq Evangelische Gottesdienste Samstag, 26. August 1950 Wochenschlußandachten: 17.00 Uhr Bessunger Kirche. 19.00 Uhr Pau -Gerhard-Haus, 20.00 Uhr Martinsstift, Johannisgemeinde Paulusgemeinde und Elisabethenstift. jummnisgemeinae, Sonntag, 27. August 1950 K'rche: 8.30 Kgd.. 9.30 Hgd.. 12.00 Tgd. Pfr. Preß. Stadtkirche: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Knodt Vereinigte Martinsgemeinde: 7.00 Frühgd. Pfr. Köhler, 10.00 Hgd. Pfr. Widmann, 11.15 Kgd. (Martinsstift) Pfr. Köhler. 11.15 K’d (Gemeindehaus) Pfr. Stühlinger. Matthäuskirche: 8.30 Christenlehre, 9.30 Hgd., 19.45 Kgd Pfr Mappes. Johannesgemelnde: 9.30 Hgd., 11.00 Kgd. Pfr. Orth. (Mittwoch, 30. 8., 20.00 Abendgd. Pfr. Orth; jeden Morgen 7.30 Morgen¬ gebet. Paul-Gerhard-Haus: 10.00 Hgd., 11.15 Kgd. Pfr. Ring. Pauluskirche: 9.30 Hgd., 11.00 Kgd. Pfr. Britz Elisabethenstift: 9.30 Hgd. m. Abendm., 11.00 Kgd. Stadtmission, Mühlstr. 24: 8.30 Gebetst., 11.00 Kgd., 15.30 Evangelisation. Miss.-Insp. Folgert. (Mittwoch, 30. 8.. Phila¬ delphiakonferenz. Pfr. Herrnbrodt, Worms; Vorträge um 9.00 u. 14.00 im Martinssaal, Liebfrauenstr. 6, 20.00 im Saal Mühlstr. 24.) D.-Eberstadt: 7.30 Ev. M„ 9.45 Hgd., 11.15 Kgd. Katholische Gottesdienste Sonntag, 27. August 1950 St. Ludwig: 6.30 Frühm., anschl. kurze Anspr., 8.00 Singm. m. Pred., 9.30 levit. Hochamt m. Pred., 11.00 Singm. m. Pred., 20.00 levit. Vesper. (Werktagsgottesdienst: Täglich 6.45 u. 7.30 hl. Messe. Beichtgelegenheit: Samstag v. 18.00 bis 20.00.) Liebfrauen: 7.00 Singm. m. Pred.. 8.15 Hochamt m. Pred., 10.00 Kgd. m. Anspr., 18.30 Andacht. St. Elisabeth: 6.30 Frühm., 7.45 Singm., 9.00 Kdg., 10.15 Hoch¬ amt, 20.00 Andacht. St. Fidelis: 6.00 Frühm. m. Komm. b. d. Schwestern, 7.30 Singm. m. Pred. u. Komm., 8.45 Kinderm. m. Pred. u. Komm., 10.00 Hochamt m. Pred. u. Komm., 19.30 Andacht m. Segen. (Donners¬ tag: 18.00—19.00 Beichte. Freitag: Herz-Jesu-Amt m. Segen. Samstag: Beichte v. 17.00—19.00 u. ab 20.00, werktags vor jeder hl. Messe.) Darmstadt-Eberstadt: 7.00 Gemeinschaftsm. d. Frauen u. Mütter m. Monatskomm., 9.30 Hochamt, 19.30 Frauen-Friedensandacht m. Segen, 20.00 Vortrag f. d. Frauen im Schwesternhaus. (Sa.: Beichtgelegenheit 16.00—18.30. Werktags: 6.45 Amt oder hl. Messe.) Darmstadt-Arhellgen: 7.00 hl. Messe, 8.30 Kindergottesdienst, 9.45 Hochamt. 20.00 Andacht. Erste Kirche Christi, Wissenschafter (First Church of Christ, Scientist), Taunusstr. 40: Sonntagsgottes¬ dienist 14.30, Mittwochabend 18.30 (Zeugnisversammlung). Freireligiöse Landesgemeinde Hessen Sonntag, 10.00: Freirelig. Weihestunde im Nachbarschaftsheim (Prinz-EmilS-Garten). Pfr. Max Gehrmann, Offenbach a. M.: „Wer wirft den ersten Stein?“ Am Sonntag, dem 27. August 1950, begeht die Christliche Ge¬ meinschaft, Mollerstr. 40, in zwei Veranstaltungen 9.30 und 14.30 ihr 40jähr. Jahresfest. Auswärtige Redner und Chöre sind beteiligt. Jedermann ist herzlich eingeladen. Beurkundete Sterbefälle (In der Woche vom 7. bis 12. Aug. 1»50) Darmstadt: Behrmann, Katharina geb. Crößmann, Ludwigshöh¬ straße 57, geb. 3. 7. 80, gest. 6. 8. 50; Denne, Adalbert, Instal¬ lationsmeister, Parcusstr. 17*/«o, geb. 5. 8. 85, gest. 7. 8. 50; Diehl, Ursula, Katharina, Äußere Ringstr. lOSVio, geb. 14. 12. 1938 gest. 11. 8. 50; Fornoff, Johann, Kaufmann, Taunusstr. Nr. 15, geb. 14. 4. 88, gest. 7. 8. 50; Fritsch, Gerhard Karlheinz, Hindenburgstr. 46a, geb. 14. 7. 50, gest. 11. 8. 50; Grün, Franz Wilhelm Christian, Fabrikarbeiter, Bessunger Straße 107, geb. am 27. 2. 96, gest. 7. 8. 50; Hasdenteufel, Edgar, Einsenb.-Lade¬ meistar i. R., Prinz-Christians-Weg 13, geb. 10. 3. 79, gest. 31. 7. 50; Knobloch, Emil, Schneider, Kaupstr. 47, geb. 21. 7. 1876, gest. 7. 8. 50; Seiler, Anna, geb. Jäger, Heinheimer Straße Nr. 23, geb. 30. 10. 1900, gest. 27. 7. 50; Thomas, Marie geb. Kronberger, Taunusstr. 8. geb. 7. 3. 04, gest. 10. 8. 50; Weitzel, Adam, Polsterer, Rentner, Tannenstr. 17, geb. 9. 3. 73, gest. 3. 8. 50. Darmstadt-Arheilgen: Dieter, Daniel, Hilfsarb., Invalidenrent¬ ner, Weiterstädter Straße 102, geb. 23. 8. 80, gest. 8. 8. 50; Gärtner, Eva geb. Büttner, Dieburger Straße 61, geb. 9. 5. 94, gest. 7. 8. 50; Germann, Wilhelm, Metallgießer. Bachstr. 7, geb 12 2 02, gest. 7. 8. 50; Kramer, Bernhard, Obere Mühlstr. Nr. 27, geb. 1. 8. 50, gest. 5. 8. 50; Lang, Willi, Erlichstr., geb. 6. 8 50 gest. 6. 8. 50; Spengler, Elisabethe geb. Anthes, Darm¬ städter Straße 136, geb. 11. 1. 87, gest. 7. 8. 50. Darmstadt-Eberstadt: Krämer, Eva geb. Jochum, Ringstr. 38, geb. 5. 3. 68, gest. 6. 8. 50; Müller, Jakob IV., Maurer, Wein- Weingartenstraße 35, geb. 23. 7. 73, gest. 8. 8. 50; Netz, Marie geb. Nay, Darmstädter Straße 48, geb. 14. 10. 22, gest. 7. 8. 50; Griesheim: Rauschkolb, Margarete geb. Menges, Alte Darm¬ städter Straße 24, geb. 4. 4. 75, gest. 10. 8. 50. Ober-Ramstadt: Karg 1., Georg, Bahnbetr.-Arbeiter I. R.. Am Dörne 4. geb. 22. 9. 75, gest. 8. 8. 50. 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<Smne lacfa- ... und das Leben ist billiger Wer es richtig macht, speichert nicht nur neuen Lebensmut für den kommenden Winter, sondern auch andere, nützliche Dinge. Die Hausfrau reiht in Gedanken schon unzählige Gläser Eingemachtes in die Regale — wer die Verhältnisse kennt, denkt aber auch an den Kohlenvorrat. Eingeweihte wissen genau, daß es bei der Kohle nicht so liegt, wie bei all den anderen Waren, die plötzlich reichlich angeboten wurden, als die Bewirtschaftung aufhörte. Es kann leicht dahin kommen, daß'im Herbst, wenn schlagartig die Nachfrage einsetzt, nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Jetzt, in der ruhigen Zeit, wird Ihr Kohlenhändler jeden Auftrag sorgfältig und pünktlich ausführen. Er hat jetzt auch Zeit, auf Ihre Fragen in aller Gründlichkeit seinen fachmännischen Rat zu geben. Und nun noch einen Wink: Es gibt mancherlei, womit man Herd und Ofen zur Not in Gang halten kann, das wissen wir noch aus den letzten Jahren. Heute sind wir nicht mehr auf solchen Behelf angewiesen. Zwei Brennstoffe, aus erstklassiger. Kohle nach praktischen und wissenschaftlichen Erfordernissen geformt, werden auch Ihren Herd und Ofen zu wahren Hausgehilfen machen, weil sie mit diesen beiden Brennstoffen mühelos, sparsam und zuverlässig ihren Dienst verrichten: ) Eierbriketts für den Ofen! Nußbriketts kTi K Ql—l für den Küchenherd! / yjy ■ .. .. > Ä ■ Vorsorgen! dt JKJBr SSBXS < Ha schon jetzt kaufen!
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